Nr. 5t3 ♦»5. �aheg. Musgabe A Nr. 262 Bezugspreis: ffiSAettlTti TO Pfensi«.«mwfgi# Reich-mark oonon»»aftlbct, Unter ÄttaitKmb fttr Deutschland, Dauji«. Saar- und Mnuelaebiet. Österreich. Litauen. Luiemdur« 4.Z0 Zteichsnurrt. fstr da» Sdri«« Ausland 5,50 Zteich-mark vr» Monat. Der �vorwSrt«� mit der Sanutog». beilade.«oll und Reit' mit.Sied- lun« und Kleingarten' sowie der Beilag«.Unterhaltun« und Wisse»' und Frauenbeilag».ffrauenstionn«' erscheint wochentZglich«weimal. Sonntag» und Montag» einmal. Telegramm-Adrrsse: »Pagialdemokrat Berlin' Morgenausgabe Derlinev VolKsblatt (10 pksnnig) Slnzeigenpreisc: Die»insoalttg« Nonpareeste- »eil« SO Pfennig. Reklame, eile V.— Reichsmark...Kleine An, eigen' da» fettgedruckte Wort 25 Pfennig (gllllifsta ,wei fettgedruckte Worte,. IZde» weiter« Wort 12 Pfennig. Stellengesuche da» erste Worl !S Pfennig, fede» weitere Wort l» Pfennig. Worte über 15 Buch. siaben»ählen für ,we! Wort«. Brbeit»markt geile 60 Pfennig. ssamilienan, eigen für Abonnenten geil«<0 Pfennig, «n»et««n fstr die nächst« Nummer mUfTen bis 416 Ubr nachmittag« bn Bauolgeschäft. Berlin SW 68. Linden- »roste 6. abgegeben werden. Deäffnet von 8'/4 Ubr frilb bi» I Uhr nachm. �entralorgan der Sozialdcmokrati Pehen partd Deutfchlanda Neüaktion und Verlag: Serlw EM. 68, Lindenstraße Z Fernsprecher: Dönhoff 292—297. Freitag, den BO* Oktober 19�5 vorwärts-verlag G.m.b.H., Serlin EM. 68, Lindenstr.Z Postscheckkonto: Berlin 6? 536— Bankkonto: Bank der Arbeiter, Angestelte» »nd Beamte», Ballftr. 65; Diakonto-Sesellschast, Deoofitenkasse Lindenstr. 3. painleve�Hrianös Wieöertehr. Die neue Regierung stützt sich aus das Linkskartell. Varls. 29. Ottober.(Eigener Drohtbericht.) Das neue Ministe- rium Painleve ist endgültig gebildet. Am Donnerstag mittag stellte er seine Mitarbeiter dem Präsidenten der Republik vor. Am Dienstag wird die neue Regierung mit ihren Erklärungen vor das Parlament treten. Die Ministerkrise hat nur 48 Stunden ge- dauert. Das neu« Ministerium Painlevä zählt im ganzen 80 Mitglieder, Minister und Staatssekretäre, von denen 14 bereits dem zurück- getretenen Kabinett angehört haben. Von den 6 neuen Mitgliedern gehörten zwei der Regierung Herriot an: Daladier, der Kriegs- minister wird, und C h a u t e m p s, der Justizminister und Stellver- treter des Ministerpräsidenten. Die Wahl dieser beiden Männer zeugt von dem Willen Painleves, seine Politik mehr als bisher nach links zu orientieren, um das gesamte Linkskartell hinter sich zu haben. Daladier ist besonders bekannt als energischer Vor- kämpfer der Militärreform und der Herabsetzung der Dienstzett auf ein Jahr. Voraussichtlich wird ihm Gelegenheit geboten werden, sich auf diesem Gebiete zu betätigen. Das schwierigste Problem jedoch, das die neue Regierung zu bewältigen haben, wird und das den Anlaß zur Krise gegeben hat, ist die F i n a n z n o t. Painlevä hat es für richtig befunden, das Finanzministerium zu teilen und neben einem Schatzministerium ein Haushaltungsinini- sterium ins Leben zu rufen. Das Schatzministerium hat Painleve selbst übernommen, während er das Budgetministerium seinem bis- herigen unmittelbaren Mitarbeiter, dem Staatssekretär Georg? Bannet anvertraut. Außenminister bleibt Briand, die aus- wärtige Politik wirh alsp im Geiste. von Locarno weitergeführt werden Bei allen Lösungen, die im Laufe der beiden Krisentage aufgetaucht sind, war der Posten des Außenministers stets Briand zugedacht— so wenig hat man daran gedacht, die Politik von La- carno zu verlassen. Die übrigen Aemter im neuen Ministerium sind wie folgt oer- teilt. Von den Mitgliedern des bisherigen Kabinetts Painleve be» halten ihre Aemter bei: Innenminister S ch r a m c k, Manneminister Barel, Unterrichtsminister D c l b o s, Landwirtschoftsminister Durand, Arbeitsminister D u r a f o u r und Pcnsionsminister Anteriou. De Monzie vertauscht die Justiz mit den Sffent- lichen Arbeiten, Daniel Vincent wird Handelsminister und Leon P e r i e r Kolonialminister. Die früheren Staatssekretäre behatten ihre Aemter bei. nur wird Aime B e r t h o l d Staatssekretär im Ministerpräsidium an Stelle Bonnets. Der ehemalige Unterrichts. minister C h a u m c t wird laut„Intransigeani" an Stelle von Ro< bineau zum Gouverneur der Bank von Frankreich ernannt werden. Die Sozialisten und das Kabinett. Paris. 89. Oktober.(Eigener Drahtbericht.) Die sozialistische Kammerfraktion hiett heute vormittag eine Sitzung ob, über deren Verlauf strengstes Stillschweigen bewahrt wird. Dennoch behauptet ein Teil der Abendblätter, daß mehrere Fraktionsmitglieder heftige Angriffe gegen Leon Blum und Paul Boncour gerichtet hätten, weil sie Painleve die Unterstützung der Sozialisten für das neue Ministerium zugesagt haben. Diese Fraktionsmttglieder sollen erklärt haben, daß sie unter keinen Umständen für die Marokko- und Syrien- Kriegskredite stimmen werden. Am Nachmittag beschloß die Fraktion, daß die Parteileitung vom Ministerpräsidenten bis Sonntag, wo der N a t i o n a l r a t der Partei tagt, nähere Erklärungen über die Absichten der Regierung ein- holen soll, damit der Nationalrat die Möglichkeit hat, sich über die Frage der Unterstützung der Regierung schlüssig zu werden. Loucheur wollte nur das Finanzministerium. Paris, 89. Oktober.(MTB.) Wie Havas berichtet, hat Minister- Präsident Painleve den Abgeordneten Loucheur gebeten, in dem neuen Kabinett ein wichtiges Portefeuille zu übernehmen, doch hat dieser abgelehnt, da er nur das Finanzministerium übernehmen könne. Auch der Abgeordnete M a l v y hat es vor- gezogen, Vorsitzender der Finanzkommission zu bleiben, wo er. wie er Painleve erklärte, der Regierung viel nützlicher zur Seite stehen könne. Parlamentsbeginn. Pari», 29. Oktober.(Eigener Drahtbcricht.) Kammer und Senat hielten Donnerstag nackimittag ibre ersten Sitzungen na(6 den Ferien ab, die jedoch nur kurze Gesck-äftSsitzungen waren. ES wurden Nachrufe auf die während der Ferien verstorbenen Abgeordneten und Senatoren, darunter Vi Viani und Leon Bourgeois, gehalteu. Darauf vertagten sich Senat nnd Kammer auf Dienstag, wo die neue Regierung vor das Parlament treten wird. General Müller erschossen. Ein Unglücksfall beim Uebungsschieffen. Am gestrigen Donnerstag nachmittag wurde auf dem Schieß. plah Zülerbog ein abschließendes Scharfschießen der Reichswehr ver- anstollel. Der Reichswehrminister mil General v. Seeckt war anwesend und. da auch sächsische Reichswehrabteilungen schössen, auch Generalleutnant Rl ü l l e r, der von der Reichsexekutive vom Herst 1928 her sehr bekannte Kommandeur der 4.(sächsischen) Division. Plötzlich, mitten in dem Schießen. sankGenerolMüller. inmitten der Zuschauer um und war kurz darauf tot. Ein Geschoß halle ihn tödlich in den Unlerlelb geirofscn. An zuständiger Reichswehrstelle erklärt man jede andere Todes- Ursache als die eines unverschuldeten Unglücks für ausgeschlossen: man könne sich nur denken, daß ein Schuß eines überhöht schießenden Maschinengewehr» zu kurz gegangen, abgeprallt und General Müller in den Leib gedrungen sei. Roch einer Meldung des„Soz. Pressedienstes" soll die Leiche von den Behörden schon zur Bestattung freigegeben sein, da ein- wandfrcl ein unverschuldeter Unglücksfall die Todesursache sei. hier- nach hätte man also aus die gerichtsärztliche Leichenössnung verzichtet. Wie noch gemeldet wird, hatte das Geschoß die große Pouch- fchlagader zerrissen, so daß in wenigen Mimifen der Tod infolge innerer Verblutung eintrat. Der Reichswehnninister ließ die Uebung sofort abbrechen und ordnete eine eingehende Untersuchung an. Die Leiche des Generals wurde in einem Sonitätsauto zum Standort- lazarett Jüterbog gebracht und dort vorläufig aufgebohrt. Ihre Uebcrführung nach Dresden findet heute statt. Amtliche Darstellung. Dresden. 89. Oktober.(Amtliche Meldung. WTB.) Der Unglücksfall, dem Generalleutnant Müller auf dem Uebungsplatze Iüter- bog zum Opfer fiel, hat sich folgendermaßen zugetragen: Am 29. Oktober in den ersten Nachmittagsstunden sond eine Uebung gemischter Waffen mit scharsem Schuß statt. Bei dieser Uebung überschössen seitwärts- rückwärts in Stellung befind- liche schwere Maschinengewehre die vorderen Linien. In vorder st er Linie der angreifenden Infanterie befand sich die Uebungsleitung und die der Uebung beiwohnenden Offiziere, mitten unter ihnen Generalleutnant Müller. Die E n t f e r- n u n g, aus der die schweren Maschinengewehre die Infanterie überschössen, betrug über 1000 Meter. Plötzlich brach General- leutnant Müller, an der Seite getroffen, zusammen und o e r s ch i e d sofort. Der an Ort und Stelle befindlich« Sanitätsoffizier stellt« fest, daß ein schweres Maschinengewehrgeschoß aus weiter Entfernung die Hauptschlagader durchschlagen und den sofortigen Tod herbeigeführt hatte. Ein Verschulden an dem Un- sti P glücksfall ist nach den bisherigen Feststellungen niemandem bei- zumesien, da alle für derartig« Schießübungen notwendigen und vorgeschriebenen Sicherheitsmaßnahmen getroffen waren. Sachverständige nehmen an, daß eine mit Zu schwacher Pulvcrladung versehene Patrone den verhängnisvollen Kurz- schuh abgab. Es bleibt bei llocarno! Aber man wartet auf Rückwirkungen. Wie TU. von unterrichteter Seite erfährt, wurDe auf ein- timmigen Beschluß des Reichskabinetts hin am Mittwoch in . ans, Brüssel, London und Rom eine Demarche der beut- schen Regierung durchgeführt, um den alliierten Mächten mit- zuteilen, daß das Kabinett, trotzdem es durch das Ausscheiden von drei Ministern äußerlich aus eine andere Grundlage ge- stellt sei. die bisherige Politik fortsetzen werde. In diesem Zusammenhang wird darauf hingewiesen, daß eine solche Erklärung keineswegs gleichbedeutend mit der unbe» dingten Annahme des Vertrages von Locarno sei, viel- mehr mache das Kabinett die Unterschrift davon ab- ä n g i g, ob die Rückwirkungen wirklich in entsprechendem 'aße eintreten werden. Mm 16. November öeutschnationaler Parteitag. Wie die Telegraphen-Uuion erfährt, hat die Parteileitung der Deulschnationolen Volkspartei beschlossen, den diesjährigen Parteitag am 16. November in Berlin abzuhalten. Dem Parteitag« wird am 15. November«ine Vertreterversammlung vorangehen. Sie wird nach einer Eröffnungsansprache de? Bor- fitzenden zur Außenpolitik und der Wirtschaftskrise Stellung nehmen. Ginftellung üer(dptantenausweisung. Amtlich wird gemeldet: Die polnische Regierung hat nach einer Mitteilung des polnischen Außenministers Skrzynski an den deutschen Gesandten in Warschau beschlossen, die weitere Ausweisung deutscher Optanten aus Polen einzustellen. Diese Maßnahme kommt zunächst denjenigen Optanten zugute, die bereits zum 1. August abwand«- rungspflichtig waren, aber noch in Polen verblieben sind, sowie dem noch in Polen befindlichen Teil« der am 1. November obwanderungs- Pflichtigen Optanten. Es handelt sich hierbei um etwa 2000 Personen. Zu ihnen kommen dann noch 5000 Optanten, die am 1. Juli 1926 abwanderungspflichtig sind. � Die Reichsregierung hat für die polnischen Optanten im Reich«- gebiet entsprechende Anweisungen gegeben. Wer hat Schuld! Deutschnationale gegen Luther und Stresemanu. Einen aussichtslosen Versuch, ihre widerspruchsvolle Hol- tung in der Paktfroge zu rechtfertigen, unternimmt die deutsch- nationale Parteileitung, indem sie folgende Erklärung erläßt: Ihren letzten Zielen und Grundsätzen getreu kann die Deutsch- nationale Voltspartei niemals zugeben, daß das Diktat von Per- sailles freiwillig anerkannt, ein Verzicht avf deutsches Land und Boll ausgesprochen, dem wehr- losen Deutschland inmitten eines waffenstarrenden Europa durch den Eintritt in den Völkerbund«ine neu« Bindung auferlegt und die Handlungsfreiheit besonders im Osten genommen wird. Die Verhandlungen über den Sicherheitspakt sind durch das Me- morandum vom 9. Februar ohne Wissen der Deutsch- nationalen eingeleitet worden. Sobald wir von diesem Schritt Kenntnis erhielten, haben wir Einspruch erhoben. Wir haben uns an den weiteren Verhandlungen beteiligt, um dadurch zu verhindern, daß Deutschland unter Bedingungen, die sein Lebensinteresse nicht wahrten, im Völkerbund und Sicherhcitspakt verstrickt werde. In ehrlicher Mitarbeit an dem Versuch, mit den anderen Mächten auf dem Boden wirklicher deutscher Gleichberechtigung und Freiheit zu einer Einigung zu gelangen, haben wir von der Regie- rung und den Regierungsparteien die Festlegung von Richt- l i n i e n erreicht, die auch unseren Auffassungen entsprachen. Nie- mals aber haben wir einen Zweifel daran gelassen, daß für uns die schließliche Annahm« der Verträge von der völlen Durchführung dieser Richtlinien abhängig sei. Erfolgt ein Abschluß auf einer ande- ren Grundlage, so sind nicht wir es, die von getroffenen Derein- barungen abweichen. Das Werk von Locarno hat uns bitter enttäuscht. Die beut- schen Richtlinien sind nicht erfüllt. Der Widerruf der Schuldlüge ist nicht zu voller Auswirkung gebracht. Ein Verzicht auf deutsches Land und Volt ist im Sicherheitspakt weder durch einen klaren eindeutigen Wortlaut noch durch«in wirksames Kündi- gungsrecht ausgeschlossen. Die Gegenseite konnte vor der Welt be- haupten, daß Deutschland verzichtet habe. Die deutsche Handlung»- freiheit zwischen West und Ost ist gegen die Gefahren des Artikels 16 der Völkerbundssatzung nicht klar und bindend gesichert. Wahre Gleichberechtigung und Gegenseitigkeit auf dem Gebiete des Heer- wesens ist nicht erreicht. Garantie- und Schiedsverträge bringen Deutschland neue Fesseln. Von unerläßlichen Vorleistungen vor Eintritt in entscheidende Verhandlungen ist keine Rede mehr. Für die besetzten Gebiete sind nur sogenannte Rückwirkungen in Locarno in Aussicht gestellt, aber nicht gesichert. Die Abkürzung der Fristen für die Räumung von Rhein und Saar ist nicht zur festen Bedingung des Abschlusses gemacht. Die deutschen Delegierten hoben das Werk von Locarno In vn- erwacleker llcberstürzung. gegen die getroffenen Abmachungen und gegen unseren Einspruch, paraphiert. Während dadurch Abände rungen auf dos äußerste erschwert wurden, ist dos Gesamtbild von Locarno durch die Erklärungen der Regierung und anderer Partelen, zugleich aber durch alle Mitteilungen über Auslegung und Absichten des Auslandes inzwischen noch wesentlich verschlechtert worden. So mußten wir uns überzeugen, daß wir durch Verbleiben in der Re- gierung unser« Ziele nicht mehr erreichen, sondern uns mir noch dem Schein aussetzen könnten, als ob auch wir diese Ziele innerlich aufgegeben hätten. Darum haben wir unseren Einfluß als Regierungspartei ge- opfert, um dem In- und Auslande volle Klarheit über den Ernst der Lage zu geben und in voller Handlungsfreiheit einzustehen für unser unverrückbares Ziel: die Freiheit des Paterlandes. Die Parteileitung. I. A.: D. Winckler. Wären die Angaben dieser Erkläning insgesamt richtig, so könnte man das Ganze überschreiben:„Ein Stück aus dem Tollhaus. Wie es in der Rechtsrcgierung zugegangen ist". !, der geeignet ist, die fjnte zu bestimmen, ist Der wichtigste Schritt dieser Regierung, der geeignet ist, die Richtung der Außenpolitik für Jahrzehnte zu bestimmen, ist danach ohne Wissen der„größten Regierungspartei" unter- nommen worden. Diese hat dann„Einspruch erhoben", aber nach ihrer eigenen Erklärung weiter mitgemacht. Sic ist sogar sehr stolz auf die Richtiinien, die unter ihrer Mit- Wirkung zustande gekommen find, sie vergißt nur vollständig, daß diese Richtlinien lediglich der Ausführung des Fe- bruar-Memorandums dienten und von diesem nichts zurück- nahmen. Die deutsche Rote vom 2».?uli ist vom Gesamt- kabinett genehmigt worden— aber auch mit der Lupe wird man in ihr vergeblich ein Wort suchen, aus dem geschloffen werden dürfte, Deutschland holte den Verzicht aus El- saß-Lothringen nicht mehr ausrecht. Das aber ist der Kernpunkt. Die Deuffchnationalen haben sich mit diesem Ver- zicht einverstanden erklärt oder doch wenigstens so getan, weil sie in der Regierung bleiben wollten. Die Behauptung, daß die Paraphierung in Locarno gegen den Einspruch der Deutschnationalen erfolgt sei, läßt mir zweierlei Mogltchkesten offen: entweder ist sie eine freie Erfindung, oder Luther und Stresemann haben den Auswärtigen Ausschuß auf das schau. loseste an» elogen. Ass unparteiische Richter glauben mir dahin eut- scheiden zu können, daß es in diesem FÄIc die Deutsch- _ nationalen sind, die lügen. Das Kabinett e i n s ch l i'e ß l i ch ! der deutschnationale« M i n i st e r war mit der PaMchkrnng ÄnuerftanSen, Vas Kabwekk eins'chlletzlk'ch der deutschnationalen Minister hat dann die Paraphierung noch einmal gebilligt und Luther und Strese- mann beauftragt, diesen Schritt vor dem Auswärtigen Aus» schuß zu begründen. Die geheimnisvollen„Wir", die Einspruch erhoben haben sollen, können also unmöglich die Vertreter der Deutsch- nationalen Partei in der Regierung gewesen sein. Daß ein paar wilde Männer Lärm schlugen, ist bekannt. Die be- rufenen Vertreter der Partei aber haben keinen Einspruch erhoben, sie haben alles, was die deutschnationale Partei» leitung hinterher für„unannehmbar" erklärte, a n g e- n o m m e n. Im übrigen wird es wohl die Sache der Rumpf» regierung selbst sein, sich zu den ungeheuerlichen Be- schuldigungen, die die deutschnationale Parteileitung gegen sie erhebt, zu äußern. Geßler, Sixt unü Ebermeper. Der General auch vom Reichsanwalt verschont! Nachdem das Reichswehrministerium in seiner von uns veröffentlichten Erklärung unter Ausfällen auf die Presse den General Sixt von Armin zu rechtfertigen oersucht hat, folgt prompt auch die Erklärung des Oberreichsanwalts Ebermeyer, daß er nicht einschreite, weil der Tat» bestand des versuchten Hochoerrats nicht gegeben und auch fönst kein strafbares Vergehen zu erkennen fei! Ueber diese Art, die Staatsautorität der Republik zn schützen, könnte auch ein Neger schamrot werden! Mag sein, daß die j u r i st i s ch e n Merkmale des Hochoerrats nicht er- füllt sind, weil dazu ein bestimmte Handlung, nicht bloß eine Rede gehört. Aber wenn man den Schauspieler Gärtner wegen des Vortrages von Gedichten anderer unter Anklage stellt und ihn auf lange Monate ins Gefängnis schickt, mit welchem Recht läßt man den General Armin laufen, der seine eigenen Worte und Ge» danken vortrug? Ist die Aufforderung zur„unwandel- baren Treue" an einen Deserteur nicht strafbar, warum sollen kommunistische Gedichte einen Hochverrat darstellen? Ist auch die Oberreichsanwaltschast seit dem 26. April 1925 schon in das monarchistifche Lager abgeschwenkt? Die Gleich- artigkeit der Fälle Sixt von Armin und Gärtner liegt ebenso auf der Hand, wie die Parteilichkeit in ihrer juristischen Behandlung. Der Fall Reichsanwalt ist einer, der andere aber und politisch wichtigere ist der des Reichswehrmini- st e r i u m s und damit des Kabinetts Luther. Noch niemals ist so unverhohlen die monarchistische Propaganda vor Reichswehrangehörigen beschönigt worden, wie durch die im Namen Geßlers herausgegebene Erklärung. Diese wagte es. die Dinge geradezu auf den Kopf zu stellen. Der st e n h- graphisch aufgenommene Wortlaut der Rede des Generals wird durch die B. S.»Korrespondenz verbreitet, im„Vorwärts" und anderen Blättern unverkürzt ver- öffenllicht, während die deutschnationale Presse sie unterschlug. Darauf festgenagelt, erklärt die.Kreuzzta.", jedes Wort der Rede entspräche dem Empfinden ihrer Leser. Der General Cramon macht sich das Treugelöbnis ausdrücklich zueigen. Aber der General Sixt von Armin kneift! Er, der Hauptbereiligte, erklärt, der„Vorwärts" habe gefälscht. Wir fragen ihn, wo und wie? Hat er nicht von„unwandelbarer Treue", nicht vom„erlauchten Sproß des Hohen, zollernhaufes" gesprochen, nicht von.Lriegsartikeln" und„Fahneneiden"? Alles in Gegenwart von Reichswehroffizieren und Reichswehr» soldaten? Der General hat auf diese Fragen in der Oeffent- lichkeit geschwiegen. Aber das Reichswehrministerium erklärt im Namen Dr. Geßlers den Bericht über die Rede für falsch, durch die Presse entstellt und im übrigen ganz harmlos? Ein dreisterer Mißbrauch mit dem Glauben an be- hördliche Autorität ist noch von keinem Ministerium getrieben Die Mten gegen öie Hungen. Nur kurze Zeit ist vergangen seit jenem Sonntag, da Tausend« im Theater am Nollendorfplotz für die Freiheit der Kunst demon- striert und gegen ihre dauernde Vergewaltigung protestiert haben. Jetzt müßte man nach dem, was sich da gestern in den Mittags» stunden vor dem Schöneberger Schöffengericht zugetragen hat, wieder den,onstrieren. wieder protestieren. Allein es hat keinen Sinn. Die neue Vrunner-Epoche wird sich selbst zu Tode sitten, und wir „Sittenlosen" wollen ihre schlimmsten Auswüchse nur noch lächelnd registrieren. Die Iustizmaschine arbeitet ja auch schon ganz auto» matisch: Name, Beruf, Vergehen, ein Griff nach dem Gesetzbuch— schon ist das Urteil parat. Ein wunderschönes Gesellschaftsspiel, wenn auch das Spiel einer tuntenhast prüden und degenerierten Gesell- schaft. Im allgemeinen versammelt sie sich in der„Gartenlaube". Nächsten Sonntag ist sie bei Scherls eingeladen. Man höre den„Fall": Der Elena-Gotischalk-Verlag, Berlin, der sich um junge Dichtung und Dichter verdient gemacht hat, läßt in seiner Reihe„Die tollen Bücher" das dünn« Bändchen„Jack der Aufschlitzer" erscheinen. Der Verfasser der rund zwei Dutzend Ge» dichte ist Paul Althaus, der Zeichner Rudolf Schlichter, der wort- liche Lektor des Verlages der Schriftsteller Gerhard Pohl. Das Buch, an dem pro Exemplar nur 20 Pf. verdient wird, ist in einer Auflage von 2000 Exemplaren hergestellt. 1000 sind im Publikum. 1000 beschlagnahmte der Staatsanwalt. Nicht genug damit, wird Schlichter zu 200 Mk. Geldstrafe verurteill, Pohl ebenso, die Druck- platten müssen vernichtet werden, und dem Verfasser kommt man nur deshalb nicht bei, weil er im Ausland wohnt. Viel Lärm um einen Lustmörder und sein literarisches Dasein, viel mehr Lärm um ihn als um Haarmann in Hannooer. Nur daß oben der Lärm einzig und allein von einer hohen Obrigkeit gemacht wird, indessen die von der Verteidigung, Herrn Rechtsanwalt Dr. Elki vorgeschlagenen Sach» verständigen, Herr Dr. Paul Ferdinand Schmidt, Kunstkritiker am „Vorwärts" und Herr Paul Westheim, vom Gericht abgelehnt werden. Dafür darf der Kunstkritiker Dr. Max Osborn sein Urteil abgeben. Das Urteil ist negativ in bezug auf den literarischen Wert des Buches, es ist sehr positiv hinsichtlich der Illustrationen, die der Sachverständige als gekonnt empfindet.„Aber das Sadistische und das Perverse tritt doch außerordentlich stark in Erscheinung," meint der Herr Vorsitzende und„die Gedichte können nicht beanspruchen, als Zkunstteistungen angeschen zu werden", sachverständelt der Herr Staatsanwalt. Ja, dieser Herr Staatsanwatt legte sich für das Sttt- lichkettsempfinden des„Normalmenschen"— zum Donnerwetter. was ist das eigentlich? Ist denn ein Jurist ein Homunculus?— sehr warm ms Zeug, man muß e ihm lassen. Besonders das zweite Gedicht hatte es ihm angetan:„Morgengesang". Es wäre eine Parodie eines unserer bedeutendsten vaterländlichen Lieder. Und dann wären auf dem Bilde aus Seite 10 ein paar Waden eines Weib« zu sehe«— das geht nicht! Das Gericht verurteill zwar nicht worven. wie er hier— nfchi zum ersten Male— vom Reichs» wehrministerium getrieben wird. Hat Dr. Geßler überhaupt einmal sich darum gekümmert, ob der Bericht des Vertreters der Zeitungskorrefpondenz zuverlässig war? Hat er auch nur versucht, sich das Stenogramm vorlegen zu lassen? Wir wagen das zu bezweifeln. Er wäre freilich nicht der erste Reichswehrminister, der dem Verlangen gewisser Offiziere, die Wahrheit zu„korrigieren", zum Opfer fiele. Als Zlntwort auf die Beschönigung des Armin-Vorftoßes. der ja nur ein Nachspiel jener wiederholt erwähnten Döberitz-Rede war, kommt aus A u g s b u rg die Mel- dung, daß bei einer Gefallenengedenkfeier der bekannte frühere General Gebsattel etwa folgende Rede gegen Geßler gehalten hat: „Ich erachte es nicht nur als mein Recht, sondern als meine Pflicht, des Mannes zu gedenken, der nach dem Gesetz und nach den Forderungen unserer herzen unser König wäre, des Krön- Prinzen Rupprecht von Bayern. Ich kann nicht verstehen, wie man sich das von Berlin ausgegangen« Desilieroerbot gefallen läßt. Kronprinz Rupprecht Ist Generalfeld- Marschall und als solcher nach militärischem Gesetz aktiver Offizier bis an sein Lebensende." Nach dieser Hetze gegen das Reichswshroberkommando brachte General Gebsattel ein Hoch auf den früheren Kronprinzen aus, wozu die Reichswehrtapelle den Tusch blies. Wir erwarten, daß das Reichswehrministerium auch hier» zu eine Erklärung veröffentlicht und sind überzeugt, daß sie das Verhalten des Bayern Gebsattel genau so rechtfertigt. wie das des Preußen von Armin. Und der Oberreichsanwalt kann feine ablehnenden Bescheide gleich hektographieren lassen. Denn wir leben unter der Präsidentschaft Hindenbutgs, der noch vor kurzem— in Gegenwart Geßlers— fast wörtlich dieselbe Rede hielt, wie Sixt. Da kann's nicht fehlen! Groner über Ebert. Aussage» im Müncheuer Tolchftostprozest. Im Münchener Dolchstoßprozeß wurde gestern General G r ö n e r vernommen, dessen hervorragend« Rolle in den Herbsttagen des Jahres 1918 bekannt ist. Gröner bemühte sich. der Persönlichkeit Eberts von seinem Standpunkt aus ge- recht zu werden, seine Aussage verrät aber doch an einigen Stellen eine gewisse Unkenntnis der politischen Verhältnisse. So glaubt General Gröner, von seinem Standpunkt aus rühmend hervorheben zu müssen, daß Ebert und andere sozialdemokratischs Führer Anfang November zwar die Ab- dankung des Kaisers verlangten, aber sich mit dem Weiter- bestehender Monarchie einverstanden erklärt hätten. Tatsächlich wurde in jenen Tagen in der Sozialdemokratischen Partei die Frage.Fiepublik oder parlamentarische Demokratie mit monarchischer Fassade, wie etwa in England?" lebhaft erörtert. Gegen die Proklamierung der Republik wurde da- mals geltend gemacht, daß der Süden voraussichtlich monar- chisch bleiben würde, so daß Reichszerfall und Bürger- krieg zwischen Nord und Süd zu befürchten wären. Als aber Bayern am 7. November dem Norden mit der Ausrufung der Republik voranging, war diese Gefahr beseitigt und die Republik das selbstverständlich Gegebene. General Gröner hat ferner in seiner Aussage erklärt, Eberts Ziel sei es gewesen, die Unabhängigen aus der Re- gierung der Dolksheauftragten hinauszudrängen. Tatsächlich bestand jedoch zwischen den mehrhestssozialtstischen Volksbeauftragten und den Unabhängigen H a a s e und Dittmann zunächst ein gutes Verhällnis, und von keiner Seite wurde daran gedacht, die andere Seite herausdrängen zu wollen. Erst später ergaben sich Meinungsverschiedenheiten über die Behandlung der spartakistischen Bewegung, die den schembar schon sich schließenden Riß zwischen den beiden sozialdemo- kratischen Parteien für einige Zeit aufs neu« aufriß. Ebert hat in den Novembertagen als ruhig überlegender Realpolitiker gehandell. Ueber die Einführung des demo- jeden Angeklagten nach dem Munde des Staatsanwalts zu 400 Mk., aber doch zu 200 Mk. Geldstras«, denn„das Gericht meint, daß ein Kunstwerk nicht vorliegt. Die Bilder sind zwar tünsll:risch, aber in dem gegebenen Zusammenhang vermögen sie auch unsittlich zu wirken....." Das Schlußwort soll der gewiß nicht im Derdacht porno- graphischer, sadistischer und perverser Anormalität stehende Pro- fessor Adolf von Harnack haben. Vor Jahr und Tag sagte er in den „Preußischen Jahrbüchern" anläßlich eines Prozesses gegen Suder- mann:„Wenn de« Mephistopheles' Witzwort von keuschen Ohren und unkeuschen Herzen zur ernstgemeinten Borschrift für den Dichter werden sollte, so würde der Beruf des Dichters zum wahren Kinder- spott." Er ist es geworden, seitdem preußische Richter«in Ber- gnügen daran finden, die Kunst zu bestempeln. Fememord« sind im allgemeinen nicht interessant genug. Ergo. Die»Linaitafel de» Blose»". Bor einigen Tagen machte Pro- fessor Grimme von der Universität Münster die sensationelle Mit- teilung, daß er eine auf dem Sinai gefundene Schriftiajel dahin entziffert habe, daß darin ein Befehlshaber über Steinhauer und Tempelchef der Tochter des Pharao, der Hatefhepuc-su dankt, daß sie ihn aus dem Nil gezogen und zu großen Ehren gebracht habe. Als Name hat Grimme Moses oder auch Manaffeh entziffert. In den Aegyptologenkreisen de» Britischen Museums wird, wie der„Manchester Guardian" meldet, dieser Fund iehr skeptisch beur- teilt. Dr. Grimme hat seine Theorie bereits vor einiger Zeit in einem Buche niedergelegt. Sie ist also nicht neu. Noch ablehnender äußert sich Professor Flinders Petrie, der die nun von Grimme angeblich entzifferte Tafel 1905 am Sinai aus. gesunden hat. Die Lesung Grimmes sei noch„ganz unsicher". Die Zeichen beständen aus ägyptischen Hieroglyphen, vermischt mit „Schristzeichen, die am Mittelmeer im gemeinsamen Gebrauch waren". Die vom deutschen Gelehrten als Name der Pharaonin in Anspruch genommenen Schristzeichen seien„zufällige Zeichen". Einem unvoreingenommenen Äuge stellte sich die Inschrift als eine Mischung von Zeichnung, Schrift und bedeutungslosen Wellen- lmien dar. Die Leitung des Britischen Museums weiß ferner nichts von der durch Grimme behaupteten angeblichen Bereitwilligkeit der britischen Regierung, an der Ausrüstung einer Sinaiexpedition zur Klärung dieses Problems mitzuwirken. Die Karlsruher Technische Hochschule, die ättest« einheitliche technische Hochschule im Deutschen Reich«, begeht in diesen Tagen in großem Stile das Fest ihres 100jährigen Bestehens, bei dem sämtlich« deutschen Universitäten und Hochschulen durch ihre Rektoren vertreten sein werden. Außerdem werden auch Vertreter zahlreicher ausländischer Hochschulen anwesend sein. Die Hochschule zählte in den hundert Jahren ihres Bestehens eine auherordent- lich große Zahl führender Männer der Technik zu ihrem Lehrkörper. darunter Tulla, den„Bändiger des Oberrheins", den Architekten Weinbrenner, den Erbauer von Karlsruhe, und Heinrich Hertz, den berühmten Physiker und Entdecker der nach ihm benannten elet» trastsch-pailamentiirischen Systems hinaus sah er in de« Tagen der Niederlage kein« revolutionären Möglichkeiten. Seine Hauptsorge war, die Demokratie zu sichern, die Einheit des Reiches zu retten. Zerfall und Bürgerkrieg abzuwehren. die nach seiner Meinung nur das Elend des arbeitenden Volkes bis zum Hungersterben der Massen steigern konnten, alle Aus- sichten aus den sozialen Aufstieg der Arbeiterklasse aber ver- Nichten mußten. Für diese Ueberzeugung hat er inft dem Ein- atz seiner ganzen Persönlichkeit gekämpft, nach ihr hat er alle eine Handlungen eingerichtet. Seine Unbeugsame Haltung hat ihm, wie es nicht anders sein konnte, leidenschaftliche Gegnerschaften eingetragen, ober auch die etwas naive Bewunderung von Leuten, die ihn nicht recht verstanden. Von solchen Mißverständnissen ist auch die Aussage des Generals Gröner nicht ganz frei. Wenn wir sie berichtigen, sind wir überzeugt, damit in Eberts Sinne zu handeln._ Deutsch-Donimirstl. Noch einmal der Fall des polnische« AmkSvorsteherS. Unsere Deutschnationalen haben das ausgesprochene Pech, daß die Führer der Groh-Litauer im Memellande, die Herren Gaigalat. Stre k i es, Boni n aus den Reihen der.de utsch- konservativen Partei hervorgegangen sind, der der erste als Abgeordneter, der zweite als Reichstagskandidat, der dritte als Iour- n allst gedient hat. Ader in dem kleinen uns gebliebenen gemischt- sprachigen Gebiet an der Rogat hallen sie treu für das Deutschtum Wacht. Kosten dürfen ihnen daraus natürlich nicht erwachsen. Des- halb ziehen sie Scharen polnischer Arbeiter von jenseits der Grenze ins Land. Hierdurch wird ihrer Auffassung nach da» Deutschtum nicht nur nicht gefährdet, sondern geradezu gefördert: verschafft doch die Genügsamkeit der fremden, auf einem niedrigen Kullurniveau stehenden Leute ihnen, den Deutschesten der Deutschen, erheblichen Profit Wenn aber ein in Preußen ansässiger Pole mit einem Ehrenamt belehnt wird, so erblicken sie darin, auch wenn gegen seine Amtsführung nichts einzuwenden ist, einen Verrat am deutschen Volke, der nur mit dem Sturz« Seoerings gesühnt werden kann. Der Name des Herrn von Donimirfti. der fortan das bedeutsame Amt eines Amtsoorstehers in Wcstpreußen„zur Unter- minierung des preußischen Staates mißbrauchen" wird, erinnert an einen Vorgang von Anfang der 90er Jahre, der deullich erkennen läßt, daß sich die Abneigung gegen die Polen bei den Vorkämpfern des Deutschtums sofort verliert wenn die Wahrung materieller Interessen es erheischt Man lebte damals in der Aera der von den Agrariern mit Wut bekämpften Handelsverträge. Im November 1832 fand in dem überwiegend deutschen Reichstagswahlkreise Stuhm- Marienwerder ein« Nachwahl statt, die durch die Beförderung des zur freikonservativen Partei gehörenden Mondatsinhabers, eines Herrn Wessel, nötig geworden war. Wessel kandidierte wieder. Er hatte im Reichstag für den deutsch-österreichischen Handelsvertrag gestimmt und dadurch die Wut der Agrarier erregt Deshalb stellten die Deutsch-Konservativen und die Landbündler gegen ihn einen Herrn von Dieskau auf. Für die Polen bewarb sich um den Wahlkreis ein Herr von Donimirski, wahrscheinlich der Vater des gefährlichen Amtsvorstehers. Es kam zur Stichwahl zwischen ihm und Wessel. Und nun gaben die deutsch-konservativen und die agrarischen Führer ganz ungeniert die Parole aus: Alle Stimmen für den Polen Donimirski gegen den ge- mäßigt-konservattven Wessel. Erwarteten sie doch von dem Polen, dessen Partei stet» extrem schutzzöllnerisch war, wahrscheinlich, weil sse sich von der Absperrungspolitik eine schwere Schädigung Deutsch- lands versprachen, ZLaffeichllfe im Kampfe gegen die Handelsoer- träge! In einer Bündlerversammlung in Sttchm wurde Herr von Donimirski geradezu gefeiert Don maßgebender agrarischer Seite wurde ihm bezeugt daß er unbeschadet seines Polentums ein guter Deutscher und sogar Offizier gewesen sei. Die Unterstützung der Deutsch-Konservativen und der Landbünd- ler oerhalf Herrn von Donimirski zu einem glänzenden Wahlsiege. Er war auch wirklich Offizier gewesen,— nämlich im polnischen Insurgenten-Heere des IbOZer Aufstandes! irischen Wellen, die bahnbrechend und grundlegend gewarden ssnd für die drahtlose Telegraphie und Telephonie. An der Stätte des Wirkens des letzteren, im Ehrenhof der Technischen Hochschule, ist jetzt ein von den Physikern und der Funkindustrie Deutschlands gestiftetes Heinrich-Hertz-Denkmal errichtet worden, das während der Jubiläumsfeier mit einem Festakt enthüllt werden wird. Am Schlüsse des Festaktes überreichte der frühere badische Staatspräsident eine Spende der deutschen Wirtschaft. Industrie, Handwerk und Gewerbe im Gesamtbetrage von 683 000 Mark, die von 650 Gebern gezeichnet ist. Eine chinesische Universität wird in Moskau Anfang Dezem- ber eröffnet werden. Sie wird den Namen Sunyatfens tragen und 260 Ehinesen aufnehmen. Zum Rektor der Universität ist Rädel ge- wähtt worden. Dieser erklärte Pressevertretern, die Tätigkett der Universität werde strengen wissenschaftlichen Charakter tragen und namentlich den Sozialwissenschasten und der Volkswirtschaft gewid- met sein. Zum Unterschied von den in China bestehenden auslän- bischen Schulen werde keine Propaganda betrieben werden.(Außer der einen für das hl. Rußland und seine Lehre.) Die Türken führen die christliche Zeitrechnung ein. Bisher war in der Türkei der mohammedanische Kalender in Gebrauch, der sich nach dem Monde richtet! nur in Finanzangelegenheiten hatte man schon vor einigen Jahren ein Sonnenjahr angenommen, das sich aber weder mit den Daten des Gregorianischen noch des Iulianischen Kalenders deckte. Nunmehr hat sich die türkisch« Kommission für die Kalenderreform dahin entschieden, daß der Gregorianische Kalender eingeführt werden soll, und es ist ein Gesetz der Nationaloersamm- lung vorgelegt worden, das die sofortige Einführung der christlichen Zeitrechnung in der Türkei besiehst. va» Sch'oßpart-rhealer Steglitz bat die Komödie:„Jedermann «IN eigener Hahnrei- von Walter Guttelch für Mitte November zur Uraufsührung erworben. Z» der Städtischen Oper wird Freitag die„Fledermau»- zum ersten Mal« vollständig ansgejilhrt Die neue Tanzleiterin Lizzie Maudrik tanzt al» Einlage im zweiten All den CsardaS. Hermann ploetz- Abend. Die Liters r. Bereinigung de Berliner Lebreroerein« veranstaltet am 31., abend« S Uhr, in der Aula de« Friedrich-Witkelm-Gtimnaiinm«. Kochitr. 13. einen Hermann Bloetz- Abend. Dr. Leonhard Blaß lieft au» den Werten des Dichter«. Eintritt l Mk. an der Abendlasse. Vi« Einheit» turzschcist in Württemberg. Nach einer Beiordnung de« StaatSministerium« darf vom t. Oktober lS2S an im staatlichen Schreib- und Kanztetdienft nur noch die EinheitSwrzschrist verwandt werden. Va» Elend da SchnUinder in Japan. Infolge der wirtlchastlichen Depresfion und der zunehmenden ArvcitStosigkett in Japan tönnen viete Schulkinder nicht die Schule besuchen, weil die Eltern ihnen nicht mehr Esten und Kleidung taufen können. Die Zahl der abwesenden Schulkinder beträgt im ganzen Lande etwa 300 000. Aunerdem kann man überall be- obachien, dag viele Schulkinder sehr unterernährt sind. In Tokio und Osaka geben dt« Stadtbebörden freie Beköstigung für manck» Kinder in Armenvierteln. Datz diese Unterstützung ober bei weitem noch nicht genügt, beweift die oben angegebene Zahl. Um öen Reichstagsbeginn. Eis überholtes Schreiben der KPD. Im Auftrage des Vorstandes der kommunistischen Reichs- tagsfraktion hat der Reichstagsabgeordnete Stoecker an den Vorstand der sozialdemokranschen Reichstagsfraktion folgendes Schreiben gerichtet: „Am Dienstag hat unsere Fraktion die sofortige Einberufung des Reichstags oerlangt. Diese Forderung hat der stellvertretende Präsident Dr. Rießer abgelehnt mit der Begründung, daß die Er- fordernisse des Artikels 24, Abf. 1 der Reichsverfassung nicht erfüllt seien. Da dieser Artikel vorsteht, daß ein Drittel der Reichstags- Mitglieder die Einberufung verlangen muß, ersuchen wir Sie, unseren Antrag zu unterstützen, damit auf diese Weise das er- forderliche Drittel hergestellt wird und der Reichstag sofort ein- berufen werden muß.* Der vorstehende Brief der kommunistischen Reichstags» fraktion ist durch den Beschluß des sozialdemokratischen Fraktionsoorstandes bereits überbolt. In diesem Beschluß heißt es. daß die sozialdemokratische Fraktion am Freitag, den 6. November, sich u. a. mit der Einberufung des Reichs- tags befassen wird. Der Fraktionsvorstand legt auf voll» zähliges Er scheinen� der F r a t t i o n s m i t» g l i e d e r Wert. Schon mit Rücksicht darauf war ein früherer Termin für die Zusammenberufung der Fraktion unzweck mäßig, da der Reichstagspräsident und sieben Fraktion� Mitglieder sich noch im Auslande befinden, während ein anderer Teil der Fraktion für die nächsten Tage bestimmte Verpflichtungen eingegangen ist. Es mußte deshalb allen Frahionsmitgliedern die Möglichkeit gegeben werden, ihre Verpflichtungen wenigstens für den kommenden Freitag lösen zu können. Und dazu bedurste es einer bestimmten Frist._ Wae gesthieht für den Landarbeiter schütz l Eine sozialdemokratische Anfrage. Die in letzter Zeit bekanntgewordenen Meldungen über Be» schränkung der Freizügigkeit der Landarbeiter haben dem sozial- demokratischen Abgeordneten des Preußischen Landtages und Gau- leiter des Deutschen Landarbeiter-Derbandes. Ernst Branden. bürg. Veranlassung gegeben, im Namen der Sozialdemo. kratischen Fraktion eine.Große Anfrage* folgenden Wort lauts einzubringen: .Wie aus Preisenachrichten zu ersehen ist. haben die land» und forstwirtschaftlichen Arbeitgeberverbände Schlesiens in einer Tagung vom 23. und 24. September ver- langt, daß seitens der zuständigen Behörden gesetzliche Maßnahmen getrosten werden, die der Landslucht und dem Kontraktbruch land- wirtschaftlicher Arbeiter ein Ende machen. Als solche Maßnahmen werden aufgeführt: t. gesetzliche Einführung eines Entlassungsscheines: 2. gesetzliche Normierung einer wirksamen Schadenser- satzpflicht. 3. Abänderung des§ 10 der vorläufigen Landarbeitsordnung derart, daß die Lohneinbehaltung als vorbeugende Maß- nähme gesetzlich zulässig sein soll, zwecks Sicherung künftiger Schadensersatzansprüche bei widerrechilicher Lösung des Arbeits- Vertrages und Ausdehnung der Sohneinbehaltung auf ein Drittel des fälligen Barlohns. Ferner sind noch Richtlinien an die Mitglieder der Arbeitgeber» verbände Herausaegeben, in denen landwirtschaftliche Kreisoerbände aufgefordert werden, Maßnahmen zu treffen, die die Einführung von Entlaffunasscheinen lschwarzes Listensystem) und ahnliche Erschwerungen der Freizügigkeit der Landarbeiter be» zwecken. Der preußisch« Landwirtschaftsmlnister hat in einem Rundschreiben vom 15. September 1925 die Regierungs- Präsidenten zur Berichterstattung über die Abwanderung vom Lande und über die Zahl der Kontrattbrüche landwirtschaftlicher Arbeiter aufgefordert. Gleichzeitig bat er auch Vorschläge zur Behebung der obigen Mißstände angesordert. Wir fragen daher an: Ist dem Staatsministerium bekannt, daß die Landflucht und die Flucht aus der Landwirtschaft, selbst unter Kontraktbruch, in der Hauptsache verschuldet ist 1. durch eine direkt miserable Entlohnung der land- wirtschaftlichen Arbeiter und Arbeiterinnen, besonders im Hin» blick auf die durch zoll- und steuerpolitische Maßnahmen herbei- geführte Verteuerung der Lebenshaltung? 2. durch absolut unbefriedigende Rechtsverhält» nisse. besonders auch durch willkürliche Beschränkung des Koalitionsrechts, Maßregeleungen von Gewerkschaftsfunktionären und Betriebsräten? 3. durch entwürdigende Behandlung der Land- arbeiter und Landarbeiterinnen in Form von wörtlichen und tät- lichen Beleidigungen, Bedrohungen und Mißhandlungen: 4. durch schreiende Mißstände aus dem Gebiete des Wohnung swesens, verbunden mit Exmittierungen in Landarbesterfamilien, die oft wegen ihrer gewerkschaftlichen und politischen Betätigung entlasten werden? 5. durch das Vorhandensein von etwa 150000 aus- ländifchen Arbeitern und Arbeiterinnen in der Landwirt. schaft, die unnötig den einheimischen Arbeitsmarkt auf Kosten der deutslchen Arbeiter belasten und die landwirtschaftlichen Unternehmer in ihrem unsozialen Vorgehen gegen die deutschen Land» arbester bestärken? Ist die Staatsregierung berest I. sich für schleunige Abstellung der oben bezeichneten Miß- stände einzusetzen? II. Die deutschen landwirtschaftlichen Arbeitnehmer gegen die den bestehenden Gesetzen widersprechenden Pläne der landwirt- schaftlichen Unternehmer zu schützen? III. Mst allem Nachdruck dafür zu sorgen, daß die Zahl der in der Landwirtschaft beschäftigten Ausländer auf das äußerste Maß beschränkt wird, so lange noch deutsche Arbeiter in großer Zahl erwerbslos und die Optanten nicht untergebracht sind? IV. Zur Behebung des Wohnungselend» den Bau von Landarbeiter-Eigenheimen durch geeignete finanzielle Maßnahmen mehr als bisher zu fördern?* Man wird erwarten dürfen, daß das Landwirtschafts. Ministerium den berechtigten Wünschen der Landarbeiter entgegen- kommt und es ablehnt, dem Ruf der Agrarier nach weiterer Knebelung der Landarbeiter Folge zu leisten. der tscbechistbe Staatsgründungstag. Masaryk wünscht die Bereinigte« Staaten von Europa. Prag, 29. Oktober.(Eigener Drahtbericht.) Anläßlich des Nationalfeiertages fanden am Donnerstag verschiedene Feierlichkeiten statt, in deren Verlauf Präsident Masaryk wiederhost über den Vertrag von Locarno spxach. So sagte er u. a.:„B r i a n d hegte keine Bedenken, sich östentlich zum Ideal der Vereinigten Staaten Europas zu bekennen. Dieses Ideal und diese Richtung für die Weltpolitit habe ich in gleicher Weise berests vor I a h r e n formuliert(in der Schrift„Das neue Europa*. Red.). Der Frieds und die friedliche Zusammenarbeit mit den Rationen setzt gegenseitiges Verständnis und Solidarität unserer Nation mit den übrigen Nationen voraus.*— In Erwiderung auf eine Ansprache des englischen Gesandten, der darauf hinwies, daß Europa daran gehe, einen Geist des Vertrauens und des guten Willens zu schaffen, führte Masaryk aus:»Heute fand unser National- Dramatisitzer /lugenblick im Prozeß Loeb. Wo bleibt die„Autorität" der Rechtsprechung? C. G. Weimar, 29. Oktober.(Eigener Drahtbericht.) Nach dem Abschluß der Vernehmung des Genosten Loeb ver- langte die Verteidigung Dr. Alsberg-Berlin, Dr Levi-Berlin, Dr. Eeyfart-Wennar die Verlesung des Frankfurter Ur» teils gegen die Süddeutsche Versichorungsgesellschoft. In diesem merkwürdigen Urteil wird Loeb an zweiPunklen unterstellt, daß er unter E i d falsche Angaben gemacht habe, obgleich aus den Prozeßakten das Gegeuteil hervorgeht. Dieses sonderbare Urteil ist die eigentlich juristische Grundlage des ganzen Prozesses, wenn man von der politischen Grundlage absteht. Die Zeugenvernehmung erstreckte sich zunächst auf die Borgänge im Frankfurter Prozeß, in dem Loeb als Zeuge auftrat, und auf den materiellen Inhalt der Loebschen Aussage. Es geht um die Frage, ob Loeb die von ihm weitergegebene und beschworene A u s k u n s t, daß der Senat des Reichsaufsichtsamts für Privat- Versicherung noch nicht definitiv über die Genehmigungspslicht der Aufruhrversicherung entschieden habe und das aus dem Reichsauf- sichtsamt überhaupt habe erhalten können. Die Frage wird von dem Zeugen Bersicherrrngsdirektor Lobes verneint. Dieser behauptet als Mitglied des Beirats, daß sich das Auf- sichtsamt zur Zeit des Gesuchs von Loeb schon entschieden habe. Er schließt daraus, daß der Vertreter des zuständigen Referenten davon nicht hätte informiert sein sollen. Der Zeuge vtaatsanwaltschaftsrat Rudolf, der im Frank- furter Prozeß die Anklage gegen die Süddeutsche Versicherungsge- s ellschaft vertrat, sagt aus, er habe damals im Prozeß sofort den Eindruck gehabt, daß die Aussage Loebes objektiv unrichtig ist. da sie mit der ihm aktenmäßig bekannt gewordene» Stellung des Reichsaufsichtsamts nicht übereinstimmte. Er hatte nicht den Verdacht, daß«in Meineid vorgelegen habe: es hätte sich ja um einen Irrtum oder eine falsche Auffassung handeln können. Gegenüber beiden Zeugen verweist Rechtsanwalt Alsberg auf die Tatsache, daß zwei hervorragende Sachverständige. Professor Manes und Professor Pruck, zur sraglichea Zeit anderer Ansicht waren als später das Reichsaussichtsamt und daß auch ihnen von einer definitiven Stellungnahme im Prozeß nichts bekannt �oo- wesen sei. Er zieht den Schluß, daß auch der Ferienvertreter des Referenten, Oberregierungsrat Meißner, die Angelegenheit für noch nicht abgeschlossen gehallen habe und eine ent- sprechende Auskunft an Loeb habe geben können. Dem Zeugen, Staatsanwaltschaftsrat Rudolf, wird wester von Rechtsanwast Levi vorgehalten, daß das Urteil, auf das die Frankfurter Staatsanwaltschaft das Meineidsverfahren in Gang gesetzt habe, an zwei Punkten, entgegen den Feststellungen des Gerichts, Loeb des Msineids beschuldigt. Einmal wird ihm vor- geworfen, er habe seine Beteiligung an einem Gründungs» versuch im August 1918 verschwiegen, während e» aklen- kundig sei, daß es sich dabei nicht um Walter, sondern um dessen Vater, Alfred Loeb, gehandelt habe. Zum zweiten werde Loeb im Urteil beschulditzt verschwiegen zu haben, daß er 1919 eine Denkschrift über die finanzielle Um- stellung der Süddeutschen Versicherungsgesellschaft verfaßt habe, während dos Protokoll ausdrücklich nachweise, daß Loeb diese Au- gäbe gemacht und beschworen habe. Der Zeuge gibt zu, daß ihm bei der Einleitung des Verfahrens nichts davon bekannt gewesen sei. Aus die Frage, ob das merkwürdig« Urteil auf irgendwelche Stimmungen gegen Loeb zurückzuführen sei, antwortete der Zeuge Rudolf, die beiden Schössen seien damals aus dem Arbesterftonde gewesen, was Rechtsanwalt Levi zu der Feststellung veranlaßt«, der Zeuge Rudolf meine, die Schöffen hasten das Urteil verfaßt. Zu Beginn der Nachmistagssitzung wurde Landgerichtsdirektor Rehorn au» Frankfurt a. M. als Zeuge vernommen. Heber dieser Vernehmung lag dramatische Spannung. Sie endet« mst einem völligen Zusamenbruch der Autorität, die dieser Zeuge als Richter hälle beanspruchen können. Rehorn hat seinerzeit das Urteil gegen die Süddeutsche Transpartversicherungsgesellschaft unterzeich- net. Mit grenzenloser Leichtfertigkeit sind in diesem Urteil Beschuldigungen gegen Loeb ausgesprochen, die ihn des Meineids verdächtig machen mußten, obgleich der Richter aus den Akten wissen mußte, daß seine Beschuldigungen dem atten- mäßig feststehenden Tatbestand widersprechen. Der Ein- druck dieser Vernehmung war vernichtend für den Zeugen. Er wußte auf die Vorhaltungen der Verteidigung nichts zu erwidern. Welche Autorität kann eine Rechtsprechung beanspruchen, die in dieser Weise einen als Zeugen vernommenen Staatsbürger aus welchem Grunde auch immer in den Augen der Oesfenllichkest in- famiert? Die Vernehmung nahm folgenden Gang: Rechtsanwalt L e o i: Zm Urteil steht: Loeb habe verschwiegen, daß er bereits bei der Gründung im August 1918 beteiligt war. In den Aklen aber steht in dem Gründungsprotokoll nicht der Name Waller Loeb. sondern ausdrücklich Alfred Loeb. Zeuge Landgerichtsdirekwr Rehorn: Es ist möglich, daß uns damals diese Namensverwechslung unterlaufen ist oder daß wir angenommen haben, es handle sich um einen Verwandten des Waller Loeb, und daß Loeb mit dem damaligen Gründer zwar nicht identisch, aber verwandt war. Levi: Unter uns Juristen sind wir einig, daß wir bei dem Vorliegen von Verwandtschaft in einem so schwerwiegenden Doku» ment nicht Identität einsetzen können. Zeuge: 3ch weiß nicht mehr, ob wir die Beteiligung damals als persönliche Beteiligung oder als familiäre Be- t e i! i g u n g gemeint haben. Levi: Dennoch steht im Urteil, Loeb habe verschwiegen, daß er eine Denkschrift für die Süddeutsche angefertigt habe. 3n der beschworenen Aussage ist aber ausdrücklich von der Denkschrift die Rede. Vors.: Tatsächlich ist in der beschworenen und verlesenen Aus- sage am Schlüsse ausdrücklich die Verfertigung der Denkschrift erwähnt. Levi: Können Sie, Herr Landgerichtsdirektor, mir eine Er- klärung dafür geben, wie dies möglich ist? Es muß doch ange- nommen werden, daß ein Gericht, das mit voraussehbaren Folgen so schwerwiegende Feststellungen gegen einen Zeugen macht, s e'h r sorgfältig vorgeht. Zeuge: Die Entscheidung gegen die Süddeutsche war eigentlich schongetroffenvonderAussage von Loeb. Die Aussage des Zeugen Loeb ist ja damals lediglich kommissarisch herbeigeführt worden. Ob ich damals darüber im Zweifel war, welche Denkschrift gemeint war, weiß ich heute nicht mehr. Levi: Sie meinen aber, die Aussag« von Loeb sei für die Entscheidung des Gerichts damals nlcht von Bedeutung gewesen? Zeuge: Das habe ich nicht gesagt, sondern nur, daß die Gründe, die zur Verurteilung der Süddeutschen geführt haben, damals im wesentlichen schon feststanden. Levi: hat dem Gericht bereits die Absicht vorgeschwebt, au« dieser Stelle im Urteil das Meineldsversahren gegen Loeb dazu- leiten, aus Grund des Urteils, das Sie oersaßt haben und In dem Sie Loeb des Meineids verdächtigen? Zeuge: Ich habe das Urteil nicht selbst verfaßt. Ich habe es nur unterzeichnet. Ich habe mich mit der Frage, ob Meineid vorliegt, nicht befaßt. Levi: Hat nicht bei der Abfassung dieser Stellen eine starte Voreingenommenheit gegen den Zeugen Loeb mitgewirkt. der Sie auch an anderer Stelle Ausdruck gegeben haben? Zeuge: Ich habe damals Loeb nur gekannt aus den Asten. L e o i: Loeb stand damals im Mittelpunkt eines öffentlichen Interesses und war damals schon der Gegenstand sehr heftiger Presse- erörterungen. Zeuge: Mir ist von irgendwelchen Erörterungen über die PersönUchkeil von Loeb, Interesse und Politik nichts bekannt ge- wesen. Levi: Dana will ich Sie fragen: haben Sie nlcht nachträglich gegenüber Herrn Frenke! nach dem Urteil Aeutzerongea in diesem Sinne getan? Zeuge: Frenke! hat damals in ungezählten Unterredungen mit nur über eine Begnadigung verhandelt. In diesem Zusammen- hang ist wohl auch von Loeb gesprochen worden. Mst hat Frenke! gesagt, daß er Loeb schon lange kenne. Er sagte mst manches Per- sönliche, so, daß Loeb sehr anspruchslos sei. Er habe ihm nur den Vorwurf gemacht, daß er sich ein so hohes Gehalt als Beamter habe versprechen lassen. Vor zwei oder drei Monaten war Frenke! wieder bei mir und sagte mir: Sie werden nach Weimar als Zeuge geladen werden und gesraat werden, obSiemtrgesagthaben: «Der Angeklagte Loeb ist nicht mein Freund. Ich wundere mich nur. daß er sich ein so hohes Gehalt hat versprechen lassen.* Dar- aus Hobe ich Frenkel gesagt, nicht ich, sondern er habe mst gegenüber diese Bemerkung gemacht. Daraus hat Frenkel gesagt:„Es ist wohl möglich, daß ich mich irre.* Darauf habe ich Frenkel gesagt: „Dann werden Sie es wohl Loeb mitteilen müssen, daß Sie«ine falsche Angabe ihm gegenüber gemacht haben.* Levi: wie ist es psychologisch zu erklären, daß ein Gericht aus zwei Iuristen in einer so schwerwiegenden Sache wie es der Vor- wurf ist, daß ein Zeuge die Unwahrheit sage, zwei atlentnadig fest- stehende Talsachen falsch im Urteil wiedergibt? Zeuge: Diese Stellen sind damals für mich nicht von besonders wesentlicher Bedeutung gewesen. Vors.: Wir stehen jetzt an der Grenze der Zulässtgkeft der Fortsetzung dieser Fragestellung. Levi: Die Frage ist die: Ist da» Urleil ein Beweisstück? Wenn ja, so muß ich seinen Wert aufklären können. Vors.: Aber bisher ist das Urteil als Beweisstück nicht be- nannt worden. Levi: Aber i» der AaNageschrist ist da» Urteil ausdrücklich dts Beweisstück angeführt worden. Vors.: Die Anklageschrist ist hier aber nicht verlesen worden. Levi: Das ist richtig. Der Herr LarrdgerichtsbireNor Rehorn hat das große Glück, daß er seine Urteilsbegründung nicht zu beschwören braucht. Loeb: Ich will nur eins erklären: Frenkel hat mir erzählt. das ganze Urleil richte sich nur gegen mich als Sozialdemokraten und Rehorn habe ihm gesogt:„Es ist unerhört, daß ein Achlund- zwanzigjähriger 42 000 M. im Iahr verdient. Da» ist eine unerhörte Geschichte.* Mehr habe ich nicht zu sagen. Die Sitzung wird morgen 9 Uhr sortgesetzt. feiertag tatsächlich unter guten Auspizien statt. Auf dem Gebie internationalen Politik wurde ein bedeutendes� Ergebnis, eii Gebiete der �___________________. äs, ein UN» bestreitbarer Erfolg erzielt. Unser Land ist glücklich, daß es dazu im Einvernchmen und gemeinsam mst den Hauptmächten Europas beistagen konnte. Die Konferenz von Locarno kündigt Europa bessere Tage an. Tage der Ruhe und des Friedens, Tag« pazi» fisiischen Zusammenwirkens der Vereinigten Staaten Europas. Unsere Nation ist von i n t e r n a t t o- naler Solidarität durchdrungen und will immer für das gemeinsame Wohl der großen Völtersamilie Europas arbeiten.*„-. Die unleugbar humanitären Ideen Masaryks stehen in einem ebenso unleugbaren Gegensatz zur Praxis des Tschechenstaates gegen sein größtes und höchstentwickelles Minderheitsvolk, gegen die ZV, Millionen Deutschen. Ihnen wird nicht nur die Selbstverwaltung ihrer nationalen Kulturgüter verweigert, man arbeitet vielmehr rücksichtslos daran, die deutschen Siedlungsgebiete künstlich zu tschechisieren. Dadurch aber stärkt man jenen deutschen Ratioilalis- mus, der auch an seinem Test den alten Gegensatz ossenhalten will. Damaskus. Auch die Pariser Prefle gegen Tarrail. Die Nachrichten über die 48 Stunden lange Beschießung der Stadt Damaskus durch französische Artillerie und Tanks, über die schweren Verluste der dortigen Bevölkerung und über die un- geheuren Verwüstungen, die dort angerichtet wurden, haben in der ganzen Welt großes Aufsehen und starte Empörung erregt. Die englische Press« bringt weiter spallenlange Berichte, die zwar zum Teil in tendenziöser Weise übertrieben sein mögen, wie überhaupt die englischen Pressemeldungen au» Kleinasien immer nur unter dem Gesichtspunkte der englischen Spezialinteressen gewertet werden dürfen; indessen ist es kaum zu bezweifeln, daß Frankreich das Mandat, das ihm seine Bundesgenossen noch Kriegsend« in Syrien übertragen haben, in einer Weise ausübt, die der europäischen Kultur nicht zur Ehre gereicht. Das beginnt sogar die Pariser Presse einzusehen, die bisher zu diesen Nachrichten entweder ge» schwiegen oder ihre Richtigkeit bestritten Holle. Auch sie nimmt tn schärfster Weise gegen das Vorgehen des Generals S a r r a i l Stel- lung, das Frankreichs Ansehen in der ganzen Welt gefährde. Insbesondere wird dem kommandierenden General vorgeworfen, daß er seine eigene Regierung über den wahren Sachoerhall völlig im unklaren lasse und nur nichtssagende telegraphische Berichte ab» sende. Mag auch ursprünglich der Kampf eines Teils der Pariser Presse gegen Sarrail, der einer der wenigen linksstehenden fron» zösischen Generäle ist, innerpolitischen Molloen entsprungen sein, so scheinen die jüngsten Ereignisse doch zu beweisen, daß er nicht der richtige Mann an diesem Platze ist. Allerdings ist das Problem Syrien nicht eine Frage von Personen, vielmehr hat Frankreich da ebensowenig zu suchen wie England in Mossul. England und Amerika fordern Schadenersatz. London. 29. Oktober.(Eigener Drahtbericht.) Das Auswärtige Amt hat seinen Konsularvertreter in Damaskus beauftragt, das bei der französischen Beschießung der Stadt beschädigte englisch« Eigentum aufzuführen, damit die englisch« Regierung an Frankreich al» Signawrmacht mll Schadensersatz forde- rungen herantreten kann. Das gleiche Vorgehen beabsichtigt auch das amerikanische Staatsdepartement. Abberufung Sarrails. Paris. 29. Oktober.(TU.) Das neue Kabinett wurde heule nachmittag 2 Uhr dem Präsidenten der Republik vorgestellt. Die erste haadluug des Kabinetts war der eiastimmtge Beschluß. den General Sarrail au» Syrien-bzuberuseu. Die Abberufuagsorder wurde heute nachmittag nach Beirut telegraphiert._ Aushebung der Derwisch- Orden Die MehrheitSpartei de» türkiicken Parlament» hat die jüngsten Ents-bließungen de» Kabinett» über die Aufhebung de» Derwisch-Orden»»instimmig angenommen. Em entsprechender Gesetzentwurs soll demnächst eingebracht werden. Gewerkschaftsbewegung Die Personalpolitik der Reichsbahn. Sie führt zu unhaltbaren Zuständen. Der schematisch erfolgte Abbau von Beamten und Arbeitern hat nicht nur in sozialer Hinsicht schwerste Bedenken hervorgerufen, auch der Verkehr muß stark darunter leiden. Zur Bestätigung dieser Auffassung erschien nun eine Verfügung der Hauptverwaltung an alle Direktionen( 51. 234 Nr. 270), welche folgende bezeichnende Säße enthält: " Es ist wiederholt darüber geflagt worden, daß der Arbeiter. best and auf einigen größeren Güterabfertigungen und Umlade. hallen bei plöglich auftretenden Berkehrssteigerungen zur ordnungsmäßigen Bewältigung des Stüdgutverfehrs nicht ausreiche. Insbesondere bereite es schwierigkeiten, geeignete Aushilfsarbeiter zu den tarifmäßigen Löhnen durch bie öffentlichen Arbeitsnachweise zu erlangen. In den verflossenen Monaten find u. a. hiermit vielfach die in der Be= arbeitung von Stüdgutwagen eingetretenen Rüc ſtände begründet worden, die bei richtiger Verteilung und wirtschaftlicher Ausnutzung des vorhandenen Bersonals, rechtzeiti. ger Berstärkung des Arbeiterbestandes durch vorübergehende Neu- oder Wiedereinstellungen oder durch lleberweisungen verfügbarer Kräfte von anderen Dienststellen sicherlich hätten vermieden werden fönnen. Zur Begegnung von Schwierigkeiten in der Personalbe. messung der Verkehrsdienststellen bestimmen wir daher folgendes: 1. Durch die Rüdüberführung von Beamten in den Arbeiterdienst sind noch bei manchen Dienststellen, besonders bei halb in ersternmeistereien, Bedienstete verfügbar. Es ist deswerden. Schiedsspruch aufgezwungen würde, foniel Transport- 1 arbeiter entlassen, wie zur Ausgleichung der Lohnerhöhung erforderlich sei. Daß die Metalltransportarbeiterföhne die schlechtesten in Berlin find, pfeifen ja lange die Spazen von den Dächern. Die legte Lohnerhöhung von 6 und 7 Pf. wurde durch Schiedsspruch am 20. Juli erreicht. Die Löhne betragen ab 27. Juli bis 31. Oftober 60 und 63 Bf.; das entspricht bei 48stündiger Arbeitszeit einem Wochenlohn von 28,80 m. bzw. 29,24 m., wovon noch die Abzüge abgerechnet werden müssen. Wenn man bedenkt, daß die Arbeit eines Transportarbeiters in der Metallindustrie meist eine sehr Ihmere ist und eine gute Ernährung bedingt, so ist der Ausdruc schändliche Bezahlung" noch nicht scharf genug gewählt. In den Genuß der sogenannten Leistungszulage fommen nur sehr wenige, so daß der größte Teil der Metalltransportarbeiter für den oben angeführten Lohn arbeitet. Nicht ganz schuldlos an ihrer schlechten Lage sind die Transport: arbeiter selbst. Wäre das Organisationsverhältnis bisher höher sein. Beweis: die Löhne der übrigen Transportarbeiter, die ein befferes gewesen, dann würden heute auch die Löhne weit höher sein. Beweis: die Löhne der übrigen Transportarbeiter, die durchschnittlich um 20 m. pro Woche höher sind. Es haben in der legten Zeit viele den Weg zu ihrer Drganisation gefunden, aber ein erheblicher Teil steht der Organisation noch fern. Die Arbeiter müffen endlich begreifen lernen, daß ein Schlichtungsaus. chuß niemals eine Gewerkschaft eriegen fann. Bon der heute tagenden Schlichtungsinstanz ist zu verlangen, daß fie fich den berechtigten Forderungen der Arbeiter auf eine menschenwürdige Entlohnung nicht verschließt und eine nennenswerte Lohnerhöhung zuspricht. Schiedsspruch für den Ruhrbergbau. Die Zechenbesitzer lehnen ihn ab. Bochum, 29. Oftober.( Eigener Drahtbericht.) Bei den am Linie zu prüfen, ob nicht diese ehemaligen Donnerstag stattgefundenen Schlichtungsverhandlungen über den Beamten oder die durch sie überzählig gewordenen Lohnstreit im Ruhrbergbau wurde nach schwierigen Verhandlungen Arbeiter den notleidenden Verkehrsdienststellen als Güter folgender Schiedsspruch gefällt: 1. Die Lohnordnung, gültig ab hodenarbeiter zugeführt werden können. In derartigen 22. April 1925, wird vom 1. August an wieder in Kraft gefeßt. Fällen fann zu der Ueberschreitung der durch den Wirtschaftsplan 2. Sie gilt ab 1. November 1925 mit folgenden Aenderungen: für den Direktionsbezirk bei Titl. 5 überwiesenen Tagewerfstöpfe a) Der 3immerbauerschichtlohn wird von 6,50 m. auf unsere Zustimmung ausnahmsweise nachträglich eingeholt 7 m., b) der Lohn für angelernte Arbeiter von 6 M. auf 6,40 m., c) der Lohn für ungelernte Arbeiter von 5,30 m. auf 2. Zur Einstellung von Aushilfsarbeitern be- 5,60 m. erhöht. d) Die übrigen Tariflöhne ändern sich entsprechend. darf es nicht der Vermittlung der öffentlichen Arbeits. nachweise, da sich der§ 2 LTB. nur auf die im Tarifvere) Der Lohn für Vollhauer im Gedinge soll im Durchschnitt auf jeder Schachtanlage 8.05 M. betragen.) Zu den Randzechen, hältnis stehenden Arbeiter bezieht; Aushilfsarbeiter fallen die die festgesetzten Löhne um 6 Proz. unterschreiten dürfen, wird aber nicht unter den Lohntarifvertrag. 3. Wo die Erlangung geeigneter Aushilfsarbeiter zu unfündbar bis 31. März 1926. Sie fann von diesem Zeitpunkt an noch Zeche Hermann in Borf gerechnet. g) Die Lohnordnung gilt tarifvertraglichen Löhnen trog der vielerorts herrschenden Arbeitslosigkeit erhebliche Schwierigkeiten bereitet, ist mehr als bisher mit einmonatiger Frist jeweils zum Monatsersten gekündigt werden. Die Tarifparteien haben sich über Anahme oder Ablehnung dieses von der Ausführungsbestimmung 3 b§ 1 LTV. Gebrauch zu Schiedsspruches bis zum 2. November 1925 zu erklären. machen, wonach Aushilfsarbeitern auch höhere als die tarifvertraglichen Löhne gewährt werden können." Intereffeant ist zunächst die Feststellung der Hauptverwaltung, daß geeignete Arbeitskräfte zu den tarifmäßigen Löhnen nicht zu erhalten sind. Damit gibt die Verwaltung also felbft zu, daß ihre Löhne derart niedrig sind, daß sie nicht einmal mehr Arbeitslose anreizen können, in diesem Musterbetrieb Unter funft zu suchen. Sie bestätigt diese Tatsache noch direkt durch die Ermächtigung an die einzelnen Direktionen, fich zur Behebung des Arbeitermangels nicht der öffentlichen Arbeitsnach meise bedienen zu müssen. Wo will sie denn aber ihre Arbeitsfräfte sonst hernehmen? Wie wäre es, wenn die Verwaltung zur generellen Aufbesserung der Löhne die Millionen der Korruptions. zulagen verwenden wollte. Sie würde dann durch Vermittlung der öffentlichen Arbeitsnachweise zweifellos die erforderlichen Arbeitsfräfte in der gewünschten Anzahl zu tarifmäßigen Löhnen ohne weiteres erhalten. Immer wieder der VBMJ. Um die Transportarbeiterlöhne in der Metallindustrie. Heute finden unter Vorsitz von drei unpartelischen Borsigenden im BBMJ. Schlichtungsverhandlungen statt zur Neufeftfegung der Metalltransportarbeiterlöhne. Die letzten Ber. handlungen mit dem BBMJ. am 16. Oftoher waren wegen der Unnachgiebigkeit der Unternehmer gescheitert. Ganz unverständlich maren bei diesen Verhandlungen die harten Worte des Syndikus Dr. Oppenheimer, die Unternehmer des BBMI. würden bei einer Lohnerhöhung, die ihnen eventuell durch einen verbindlichen Brotofollnotiz: 1. Die Berhandlungen bezüglich Entlohnung der Rotereiarbeiter in achtstündiger Arbeitszeit gelten als pertagt und werden auf Anruf einer der Parteien wieder aufgenommen. 2. Der Zechenverband erklärt Ablehnung des Schiedsspruches. Die Bergarbeiterverbände werden zu dem Schiedsspruch in den nächsten Tagen Stellung nehmen. Es ist bezeichnend für die Zechenbefizer, daß sie selbst diesen durchaus ungenügenden Schiedsspruch noch ablehnen. Die Herren fennen nur eine Macht. Es wird nötig, daß fie fie einmal zu fühlen bekommen. Lohndifferenzen in den Kupferschmiedereien. Die in den Betrieben des Vereins der Kupferschmiedereien sowie Innungsbetrieben beschäftigten Kupferschmiede und Hilfsarbeiter hatten ihre Organisation beauftragt, den bis zum 30. Ottober 1925 gültigen Lohntarif zu fündigen und Verhandlungen über eine Erhöhung der Löhne einzuleiten. Die Arbeitgeber, die vollständig unter dem Druck der Metallindustriellen stehen, lehnten jede Verhandlung ab, unter Berufung auf die berühmte Preisabbauaftion" der Reichsregierung, die nicht gestört werden dürfe. Da auf Grund der Bestimmungen des Manteltarifs Kampfmaß nahmen nur nach Beendigung des Schlichtungsverfahrens möglich find, wurde vom Verband der Kupferschmiede der Schlichtungsaus Schuß zur Regelung des Lohnstreites angerufen. Dieser fällte am Dienstag einen Schiedsspruch, der den berechtigten Wünschen der Arbeiterschaft in feiner Weise gerecht wird. Der Vorstand der Orts verwaltung sowie der Funktionärförper, haben diesen Schiedsspruch einstimmig abgelehnt.j Die Gesamtbelegschaft wird am tommenden Dienstag in einer im Gewerkschaftshaus stattfindenden Versammlung Gelegenheit haben, sich über die nach Beendigung des Schlichtungsverfahrens zu er greffenden Maßnahmen har zu werden. Es darf jedoch wohl schon heute gesagt werden, daß die in diesen Betrieben beschäftigten Kupferschmiede es sich unter feinen Umständen gefallen lassen werden, mit ihrer Lohnhöhe hinter derjenigen anderer Ortsverwaltungen im Reich, oder anderer gleichqualifizierter Gruppen in Berlin zurück zu bleiben. Bei der großen Erregung, die schon wochenlang infolge der langen Dauer der bisherigen Tarifregelung unter den Kupferschmieden herrscht, ist mit dem Streitbeschluß sicher zu rechnen. Wie fich die Unternehmer den Preisabban vorstellen. Bochum, 29. Oktober.( Eigener Drahtbericht.) Im Landfreis Iserlohn sind vor einigen Tagen die Bauhandwerker des Rheinisch- westfälischen Baugewerbeverbandes in den Streif getreten. Sie erhielten bisher einen Stundenlohn von 90 Bf. für Handlanger und 1,08 Mt. für Maurer. Die Unternehmer forderten einen Lohn. a b b au auf 75 Pf., bzw. 94 Pf. Die Arbeiter machten einen Kompromißvorschlag und erklärten sich mit 90 Pf., bzw. mit 1 m. einverstanden. Die Verhandlungen blieben ergebnislos. Das Schiedsgericht beim Reichsarbeitsministerium fällte den Spruch, daß die bisher erhaltenen Löhne weiter zu zahlen seien. Die Unternehmer lehnten dies ab, worauf die Arbeiter in den Streif getreten sind. Köln, 29. Oftober.( Eigener Drahtbericht.) In Aachen stehen seit Donnerstag früh 700 Bauarbeiter wegen Lohndifferenzen im Streit. Die Arbeitgeber hatten, ohne die in Berlin geführten Ver. handlungen, die über die Verbindlichkeitserklärung des Schiedsspruchs zu entscheiden hatten, abzuwarten, die Löhne herabgesetzt. Lohnbewegung im weftoberschlesischen Bergbau. Die im Auguft ausgebrochene Lohnbewegung im deutschhober schlesischen Kohlenbergbau, die seitens der Gewertschaften dadurch eingeleitet wurde, daß der seinerzeit in Geltung befindliche Lohntarif für Ende August gekündigt und eine Erhöhung der Löhne um durchschnittlich 20 Broz. gefordert wurde, kam bekanntlich durch den am 2. Oktober gefällten Schiedsspruch der zuständigen Schlichtungsbehörde zum vorläufigen Abschluß. Dieser Schiedsspruch sieht vor, daß die bisherigen Lohnfäge für den Steinkohlen- und Erzbergbau mit Ausnahme der Löhne für Facharbeiter unter Tage bis auf weiteres bestehen bleiben sollen. Wie vorauszusehen war, hat sich die Arbeiterschaft mit diesem Schiedsspruch nicht zufrieden gegeben, und die Arbeitsgemeinschaft der Bergarbeiterverbände hat nunmehr dem Arbeitgeberverband ihre Forderungen unterbreitet, die darauf hin, zielen, ab 1. Oktober d. J. eine allgemeine Lohnerhöhung um 20 Broz, eine entsprechende Nachzahlung auch für den Monat September eintreten zu lassen. Weiterhin wird eine bessere Bezahlung der Hebertagearbeiter verlangt, deren Höchstlohnklasse zurzeit einen Stundenlohn von 44 Bf. aufweist. Buchbrucker! Die diesmonatlichen Bezirts- Fraktions versammlungen finden in folgenden Lokalen ftatt: Sonnabend abend 8 Uhr: 1. Bezirk bei Martwald, Wilhelmshavener Straße; 6. Beairt bei Wiersdorff, Urbanstr. 6; 8. Bezirk bei Rugři, Sermannstr. 75. Sonntag vorm. 9% Uhr: 2. Bezirk bei Jaferich, Schwedenstr. 11; 3. Be zirk bei Klug, Danziger Str. 71: 4. Bezirk bei Geipfe, Lichtenberg, Rronprinzenstr. 47; 5. Bezirk bei Ranser, Reichenberger Str. 154; 10. Bezirk bei Räthel, Niederschöneweide, Brüdenstr. 15. Tages ordnung: Die bevorstehenden Wahlen im Berliner Gau." Pflicht aller Parteigenossen und Delegierten ist es, diese wichtige Versammlung zu besuchen. DO Der Fraktionsvorstand. Gewerkschaft Deutscher Volkslehrer. Nächste außerordentliche Sigung am 31. Ottober, 6 Uhr, Rathaus Rimmer 63. Thema: Das russische Kind und der russische Lehrer". Gäste willkommen. Berantwortlich für Politik: Ernst Reuter: Wirtschaft: Artur Saternus; Gewerkschaftsbewegung: Fricbr. Eglorn; Feuilleton: K. H. Döscher; Lotales und Sonstiges: Frig Karstädt; Anzeigen: Th. Glode; sämtlich in Berlin. Berlag: Borwärts- Berlag 6. m. b. S., Berlin. Drud: Borwärts- Buchdruckerei und Verlagsanstalt Voul Singer u. Co. Berlin SW 68 Lindenstraße 3. Sierzu 3 Beilagen und Unterhaltung und Wissen". M. SCHULMEISTER MSchulmeister Hochbahnstation Kottbuser Tor Mollige Winter- Mäntel Mk. 49.-, 54.-, 60.-, 70.-, 80.-, 100.Mollige Jünglings- Mäntel Mk. 29.-, 34.-, 38.-, 41.-, 50.-, 60.im Gewerkschaftshaus stattfindenden Bersammlung Gelegenheit haben, Sportpelze v. 150.-, Gehpelze v.225.A.WERTHEIM Billige Lebensmittel Leipziger Straße dieg Königstraße Rosenthaler Straße Moritzplatz Freitag u. Sonnabend, soweit Vorrat. Leicht verderbliche Artikel können nicht zugesandt werden 3 Frisches Fleisch and Kochäpfel 25PI. Hammel- Vorderfielsch, Pid. 75 PI. Hammelrücken Pfund 80 Pf. Kalbskamm und Brust 的 i Pfund 75 PL. Kalbskeule u. Rücken, ganz 90PI. u. geteilt, Pfd. 120 Schweinebauch Blatt, Bl Rücken u. Schweineschinken Plund 125 Kaẞler Rippspeerund 130 Gehacktes..... Pfund 80Pf. Prima Gefrierfleisch Rinderkamm und Brust Pfund 60pf. Landleberwurst 20 Java- Rels und Fleischwurst, Pfund ( Bruch) Pfund 24 Pl. Graupen mittel, Pfd. 24 PL Bruch) Nudeln( Eler- Schnith 42 PL Grobe Mettwurst 140 Makkaroni 40 PL u. Gefüllter Schinken, Plund Feine Leberwurst, und Filetwurst, Plund Schinkenspeck ca, 1- Pfund- Stücke, Plund 170 195 Zervelatwurst and Salamiwurst, Holstein, Pld. 195 Nußschinken ca. 2 Pfund schwer, Pfund 210 Plund Plund Stück u. Weißkobl( Holl.), Pfd. Rot,- Wirsing- 4pl. Kürbis.. Pland 4 Pt. Mohrrübengewasch 5 PL Pfund EBäpfel rote 2 Pfund 25 PL Bismarckäpfel) Pand Edeläpfel 20 Zwiebeln... Pfund 6 pt. Hasenköpfe Pf. Blumenkohl Kop 10 Pr Weintrauben Pfd. 22 PL Rosenkohl Plund 18 PL Winterkartoffeln Zentner 275 von ( Verpackung u. Zusendung in Groß- Berlin pro Zentner 70 PL. mehr) Schellfische geräuchert, Plund Fettbücklinge 38 Pl. Pfund 50 PL. u. 40PL Pfund 135 Suppenhähne Brathühner Plund 115 Junge Gänse Gänse- SackenPfund 1.35 s. fleisch 110 Pfund 1.10 u. 90PL. Gänsekeulen Pfand 170 Gänseklein mit 175 Magen linn geräuchert an Flundern feine, Pid. 48 PL Rotbarse 1. Stücken 62PL Seelachs Stücken 62 PL 1. Camembert vollfett, Schachtel Plund Pfund dan. Pfund 32 PL. Goudakäse pind 80 PL Limburger Pfund Allg. 90PL Holländer... Pfund 115 Tilsiterkäse Pfund 1.10, 90Pf. u. 65PL. 125 Schweizerkäse bayr. 1.60, finn 1.40, din. Konserven aid thu Dose 1 Dose Karotten geschnitten 42 PL Gemischtes Gemüse 83PL Kuchen( Stre) 30Pt. Kohlrabi I in Schelben 62 Pt. Gemischt. Gemüse mittelt. 115 Bienenstich Stück 45 PL Spinat. 55PL Bruchspargel ohne Köple 185 dünn 2 M extra stark 315 Käsekuchen sick. 50 PL Pfefferlinge Marzipanstang. Stuck 65PL Pfannkuchen Dod. 120 Tafelbutter Pfund- Paket 115 und 108 Dänische Butter 1/ 2- Pfand- Paket 128 150 Fische undo Schollen Ptd. 12, 22, 28 Pl. Dorsche Kolberger.. Pfund 15P Grüne Heringe Pund 25P Valed feinste Pl. Frische Karpfen Pland 35 Pl. Leb. Aaländer.. Pfund 85 p. Lebende Hechte Pid. 110 125 Leb. Karpfen.. Pfund 110 130 Leb. Schleie u. Aale billigst Weln Preise für Flasche einschließl. Stener ohne Glas Renetten- Apfelwein naturrein Frankf. Apfelwein Rotwein 58 PL20 1922 Kirchheimer milder M 1922 Domaine de Novéant 145 75 PL Rackles Urquell 1923 Hainfelder milder Pfalzwein 1923 Mesenicher 90Pt. Brünnchen suffiger Mosel 1M 1922Deidesheimer blumig fein125 1922AldegunderPalmbg. 125 1921 Niersteiner gehaltvoll 180 Mosel, kernig französischer Rotwein 1922 Château La Grolet 490 Propr. Lacroix, Bordeaux 1918 Château Courtillac de Bordeaux 250 Burgund. 2 M 1918 Beaujolais Voll Lagrimas Christi GoldMalaga, edelsüß Weinbrand- Verschnitt 210 Extra" m. Flasche 310 Schneide- u Brechbohn. 70 PLR Stangen- Spargel 50/60 er 290 1921 Neumagener Engelgrube Jamaica- Rum- Verschnitt junge Prinzeßbohnen fein... 160 Junge Schoten mittellein 90 Pt. Junge Schoten feta 155 Junge Schoten sehr fein 210 geschalt sehr stark 375 extra stark 395 Pfirsiche halbe Prucht 170 Pflaumen mit Stela.75 PL Preiselbeeren 120 ( Wachstum Jakoby) relier, milder Mosel Kaffee 180 frisch gebrannt 40 Vol. Prz., m. Flasche 320 6 Sorten, von 260 bis 460 Spezial- Mischung Bonate 76% 140 Bohnenkaffee Nr. 513« 42.�ahrgang 1. Seilage öes vorwärts Freitag, 30. Oktober 1025 Die Explosion in Reinickendorf. Die Ursachen noch nicht festgestellt«— Dir geschädigten Siedler. Jas schwere Explosionsunglück, über das mit im gestrigen Abendblatt ausführlich berichteten, hat bisher glücklicherweise noch keine Todesopfer gefordert. Von den sich im Reinickendorfer Kran- kenhaus befindlichen Verletzten hat sich der Zustand der Gebrüder Rosenberg und Nickel soweit gebessert, daß sie sich außer Lebensgefahr befinden. Das Befinden der Arbeiter Kol- b e r g und Sieker ist dagegen noch sehr ernst. Aller Wahrschein- lichkeit nach wird im Laufe des heutigen Freitag eine Vernehmung der Verletzten, soweit es deren Zustand erlaubt stattfinden. Die Lmgebun? Her Ungiücksstätte. Noch bis in die Abendstunden hinein umstanden viele Neugierige die Unfallstelle. Aus den Gesprächen der dort wohnenden Siedler, die aus ihrem Herzen durchaus keine Mordergrube machten, konnte man entnehmen, daß schon lange ein Unglück befürchtet wurde. Mit vielen Beschwerden hatten sich die Siedler an die zuständigen Be- Hörden gewandt, um den Bau dieser fever- und explosionsgefähr» lichen chemischen Fabrik— denn als solche ist die Gummilösungs- fabrik des Dr. Borchers anzusprechen— zu verhindern. Der Er- folg war aber gleich Null, die Fabrik wurde gebaut und Gase und Dämpfe, die von der Gummifabrik und der Metallschmelze Wittenberg u. Stern herrührten, erfüllten das Gelände, das mit seinen Häuschen und Gärten ein Stätte täglichen Aergexnisies wurde. Erst auf erneute dringende Vorstellungen der Bevölkerung wurde der Betrieb der ZNelallschmelze auf polizeiliche Ueranlasiung geschlossen. Das Innere einiger Häuser legte Zeugnis von dem gewaltigen Druck, der durch die Explosion hervorgerufen war, ob. Bilder waren von den Wänden abgefallen, Vasen und Töpfe lagen unten und alles, was nicht niet- und nagelfest war, war auf den Fuß- boden hinabgestürzt. So hat sich beinahe in jedem Hause eine Schreckensszene abgespielt. Eine Frau stürzte durch den Luftdruck die Kellertreppe hinab. Von großem Jnteresie ist der Bericht eines Augenzeugen, der die Explosion von Anfang bis Ende miterlebt hat..Es war kurz nach 8 Uhr, so berichtet er, als ich gerade im Garten beschäftigt war und eine furchtbare Detonation hörte. Ein gewaltiger Luftdruck schien mich zu Boden zu werfen. Als ich mich ausrichtete, sah ich aus der gegenüberliegenden Fabrik des Dr. Borchers eine gewaltige Stichflamme zum Himmel schlagen. Furchtbares Getöse erfolgte, Mauern stürzten ein und ein vor dem Hause stehender Arbeiter wurde förmlich in die Lust gehoben und auf dgs Dach niedergeworfen.(Es ist dies wahrscheinlich der verunglückte Kutscher gewesen.) Aus den Bureauräumen stürzten einige Angestellte her- aus und blieben auf der Straße bewußtlos liegen. Diesen Borfällen, die sich w Sekunden abspielten, folgte ein Hagel von Mauer- steinen, Glas-, Holz- und Zinkteilen. Ein wahres Höllengeknatter erfolgte und von den Häusern wurden durch den mächtigen Lust- druck Ziegel heruntergerisien und Balken wie Streichhölzer durch- brachen. Zunächst wagte sich noch niemand an den Explosionsherd heran, da man die Wiederholung einer Tantexplosion befürchtete. Inzwischen kam aber die von den Siedlern alarmierte Wittenauer Motorspritze heran, die den Brand sofort löschte und die Verwun- beten barg. Mehrere Läschzüge aus Berlin und Umgegend er- schienen wenige Augenblicke später. Bald erschien auch eine größere Polizeipatrouille, die die Straßen abriegelte."' So weit der Bericht des Augenzeugen. Noch am gestrigen Nach- mittag wurde jedoch von der Sicdlungsbaufirma, de rdie Verwaltung der Siedlungshäuser an der Roedernallee untersteht, dafür gesorgt, daß die Ausbesserung der Schäden sofort in Angriff genommen wurde. Ein größerer Lastkraftwagen brachte Fensterglas und Bau- Materialien heran und bald konnte man Glaser, Zimmerleute und D/c abgedeckten HSuser. Maurer beobachten, die emsig damit beschäftigt waren, die Schäden an den Häusern auszubessern. Die Erregung der von dem Unglück betroffenen Siedler, denen die Häuser als Eigentum gehören, ist besonders groß, da sie fürchten, mit ihren Schadenersatzansprüchen keinen Ersolg zu haben. Die Ursache angeblich Unvorsichtigkeit. Dr. Borchers, in dessen Betrieb sich die Explosion ereignete, erklärt, daß dieser Betrieb an sich ganz gefahrlos gewesen sei, weil die Zersetzung des Gummis auf kaltem Wege er- folgte. Wahrscheinlich ist eine Unvorsichtigkeit mit Feuer, einem Streichholz oder einer brennenden Zigarre, in den, Mischraum begangen worden, die eine Entzündung von Beirzindömpfen her- vorrief. Vielleicht hat der Kutscher S i e b e r t, der mit dem Fuhr- Innenhof der explodierten chemischen Fabrik. werk vorgefahren war, um Sachen aus der Fabrik abzuholen, den Mischraum mit einer brennenden Zigarre betreten. Er ist am schwersten verletzt. Das ganze Grundstück ist jetzt gesperrt. Das Gelände nimmt die ganze Front am Lindenweg ein. Die Gebäude der drei Betriebe von Dr. Borchers, Otto L e n g e r u. Co. und Wittenberg u. Stern hängen alle zusammen. Die Beschädi- gungen aller Gebäude sind so schwer, daß jetzt auch die Betriebe von Lenger u. Co. und Wittenberg u. Stern geschlossen werden mußten. Die Mauern sind gerissen, die Dächer zum Teil zerstört. Auch die Fernsprechleitungen auf dem ganzen Gelände sind gerissen. Die Drähte hängen von den Gestellen herunter. Die Feuerwehr ist immer noch mit der Aufräumung beschäftigt. Die Unter- s u ch u n g der zuständigen Amtsstellen und der Kriminalpolizei wird noch fortgesetzt. Erst wenn die Verunglückten vernommen werden können, wird man volle Klarheit schaffen können. Auf eine erneute Anfrage im Reinickendorfer Krankenhaus erfahren wir, daß i» dem Befinden der beiden schwerverletzten Arbeiter Kolberg und Siebert keine Besserung ringe- treten ist. Den leichter verletzten Arbeitern Nickel und Gebrüder Rosenberg geht es leidlich. Sobald es der Zustand der Ver- letzten erlaubt, wird die polizeiliche Vernehmung ftattsinden. Zu der Explosion in Reinickendorf teilt die Firma Hermann Fischer, Tankanlagen mit, daß die Anlagen bei der Firma Borchers nicht Schutzgasanlagen von der Firma Martini u. Hübecke sind, sondern schutzgaslose Anlagen von der Firma Fischer, Tankanlagen, Berlin, Friedrichstraße 131, die nach den polizeilichen Vorschriften gebaut sind. Der Benzinvorrot unter der Erde ist vollkommen erhalten geblieben, so daß das Verfahren sich f'hr gut bewährt hat.__ Erhöhung üer tzunSesieuer. JährNch 70 Mark für einen Hund. Der Magistrat hat in seiner letzten Sitzung beschlossen, für das letzte Vierteljahr des Rechnungsjahres die Hundesteuer aus den Jahressatz von 7<1 M. zu erhöhen. Bekanntlich hatte bereits bei der Vorberatung des städtischen Haushalls der Stadtvervrdnetenaus- schuß eine Erhöhung der Hundesteuer beschlossen und den Einnahme- Posten aus Hundesteuer im Haushalt entsprechend erhöht. Die Stadtverordnetenversammlung hat dem durch die Annohme des Haushalls zugestimmt: jedoch konnte der formelle Beschluß über die Abänderung der Hundesteuer vor den Ferien nicht mehr gesaßt werden, weil die Versammlung durch Beschlußunfähigkeit ein vorzeitiges Ende fand. Infolgedessen konnte die ivteuerverwal- tung im ersten, zweiten und dritten Vierteljahr die Steuer mir mit dem bisherigen Jahressatz von 30 M., also 7,50 M. vierteljährlich einziehen. Die jetzt vorgeschlagene Erhöhung hat lediglich den Zweck, den früheren Beschluß der städtischen Körperschaften endlich zu verwirklichen und die in den letzten dreiviertel Iahren zu wenig erhobenen je 2,50 M. im letzten Vierteljahr nachzuerheben. Das bedeutet, daß die Steuer im letzten Vierteljahr mit 17,5 0 M. erhoben werden muß. Diese Erhöhung gilt ober nur für das eine Vierteljahr. Vom 1. Avril ab wird der Jahressatz neu festzusetzen sein. Die Erhöhung dient also nicht zur Deckung neuer Ausgaben, sie steht auch mit den Lohnerhöhungeil nicht im Zusammenhang. Sie dient ausschlichlich dazu, die von den Stadt- verordneten bereits im Frühjahr für den Haushalt beschlossenen Einnahmen nun auch wirklich einzuziehen. Bei der Behandlung im Magistrat wurde übrigens festgestellt, daß die Zahl der Hunde in Verlin in den letzten Jahren überraschend zu- genommen hat. Es betrug die Zahl der besteuerten Hunde in Alt-Verlln lbl-t 29 000, 1918 22 000, 1021 04 000, 1925 99 000. Der Steuersatz war" bisher mit 30 M. nicht höher als 1914. In Groß-Berlin hat sich die Zahl von 132 000 im Jahre 1921 auf jetzt 205 000 erhöht.__ Hafte«Laffm»g des völkischen Bankiers Vrusz. Der Bankier Willi Bruß, der wegen des Zusammenbruches seiner Bank in Wilmersdorf strafrechtlich verfolgt wird, ist jetzt gcge»i Stellung einer Kaution von 1000 Mark ans der Hast entlasse» worden. Räch Beendigung der gegen ihn ringe- leiteten Voruntersuchung durfte nunmehr in Kürze mit Erhebimg der Anklage gegen ihn zu rechnen sein. Die Passion, Roman von Clara viebig. Berndorff rang nach Luft, dann stieß er heraus:„Wenn es hier so was gäbe, man könnte wahrhaftig meinen, der Junge, der Junge—*— er konnte vor Angst nicht weiter- sprechen. „So ist es." Der andere neigte bejahend den Kopf. Dann aber brach in dem Schulpedanten die reine Menschlichkeit durch, er legte dem Vater beide Hände auf die Schultern und sah ihm beruhigend in die Augen:„Regen Sie sich nicht so auf! So schlimm ist es ja Gott sei Dank noch nicht. Wir haben hier noch keine solchen, leider von der Obrigkeit ge- duldeten Institutionen. Aber unser Pedell, ein verläßlicher, durch und durch glaubhafter älterer Mann, hat gesehen, wie in der Heiligkreuzgasse morgens um Vier der Primaner Berndorff aus der Wohnung einer gewissen Lukaszewicz, die keinen guten Leumund genießt, herausgelassen wurde. Nicht, daß die Lukaszewicz selber— sie ist wohl über die Jahre hinaus— aber es ist bekannt, daß sie Mädchen Unterschlupf gewährt—„Nichten", sagt sie— die die Verderbnis der großen Stadt auch hier in unsere reinliche Kleinstadt ver- schleppen. Und leider, leider hat man den jungen Mann noch öfter dort ein- und ausgehen sehen. Ich mußte Ihnen das sagen, Herr Berndorff, ich halte es für meine Pflicht, ich—* Er wurde unterbrochen durch ein laut geftöhntes„Ah!" Der große Mann hatte sich aufgebäumt und den Mund aufgerissen, er schnappte mehrere Male wie ein Fisch auf dem Trockenen: nun hatte er Lust. Aber der Schweiß war ihm ausgebrochen, er zog sein Taschentuch und wischte ihn sich von Stirn und Schädel. „Ist Ihnen nicht wohl?" fragte der Direktor.„Darf ich Ihnen ein Glas Wasser geben?" Ihm war selber gar nicht wohl, der Mann, dem das ganz unerwartet zu kommen schien, und den er doch durch seinen Brief genügend vorbereitet glaubte, tat ihm herzlich leid. Ach ja. diese Jungen im kriti- schen Alter, was konnten die Eltern und Lehrern für Sorge machen! Seine Stimme wurde milder, er wollte tröstend sprechen, aber es gelang ihm nicht recht.„Noch ist Polen nicht verloren. Lieber Herr Berndorff, seien Sie nur nicht gleich so außer sich. Die, die so früh das Leben kennen lernen, yierden nachher oft die Solidesten. Glauben Sie nur, ich habe meine Erfahrungen, meine Erfahrungen." Er seufzte leicht.„2lber abgesehen davon, daß ich natürlich solche, solche «— mm solche Seitensprünge bei einem Schüler unserer Lehr- anstast nicht dulden kann— ich bin aufs tiefste verletzt, em- pört, ich würde genötigt sein, ihn sofort zu relegieren— so tut mir als Mensch der junge Mann außerordentlich leid. Und vor allem Sie und Ihre Frau Gemahlin. Hm, ja, die Sache ist fatal, sehr fatal. Was machen wir nun? Nehmen Sie sich den jungen unbesonnenen Menschen einmal vor, sprechen Sie zu ihm als Vater, klären Sie ihn auf— bedenken Sie, welche Möglichkeiten, welche Gefahren, gar nicht auszudenken! Stellen Sie ihm das alles vor. Und dann werde ich mit ihm sprechen. Nur die eingeschränkteste Lebensführung, das mo- ralischste Verhalten, der größte Fleiß können ihn in meinen Augen rehabilitieren. Und ihm die Möglichkeit, im Herbst zu einem erfolgreichen Abiturium zugelassen zu werden, ver- schaffen. Bücher, nichts als Bücher. Das Studium und ein energischer Wille zum Edlen und Schönen werden ihn retten. Und Gebet. Ich glaube, der junge Mann, wie meist die heutige Jugend, ist ziemlich religionslos. Wir Protestanten zwischen dem überwiegenden Katholizismus hier sollten uns desto fester an unser Bekenntnis halten.— Ich weiß nicht, wie Sie dazu stehen, werter Herr Bcrndorff?" „Ich weiß nicht," murmelte der Manu. Er hatte all das letzte nur vernommen wie einen leereu Schall, sein Ver- ständnis war stehen geblieben bei dem einen Satz:»Bedenken Sie, welche Möglichkeiten, welche Gefahren!" Ja, er muhte eilen, den Sohn warnen, ihn beschwören; er durfte keine Zeit verlieren. Er mußte es sich versprechen lassen von ihm— oh, hätte er sich doch mehr um den Jungen gekümmert! Was waren alle Sorgen um Korn und Bieh, um Kartoffeln und Rüben, all die Besorgnisse: wie zahle ich meine Hypotheken- Zinsen, wie komme ich heraus aus meinen Schulden? gegen diese eine, große Besorgnis! Es kam dem Direktor vor, als schwanke die mächtige Ge- stall vor ihm. Er bot wieder Wasser an. Aber Berndorff lehnte ab:„Ich trinke nie Wasser." Cr stand jetzt rasch auf, so hastig, so heftig, daß der Stuhl hinter ihm umpolterte. „Sie eilen," sagte der Direktor,„ich verstehe. Aber eilen Sie nicht zu sehr. Ich würde nicht in der ersten Erregung mit dem jungen Mann sprechen. Vielleicht schicken Sie ihn noch besser zuerst zu mir." „Nein, danke— nein, nein— ich selber— ich, ich sage Ihnen, Herr Direktor, wenn der Junge nicht pariert— wenn er nicht— ach was wollte ich eigentlich sagen?— ich weiß nicht." Cr griff sich an die Stirn.„Ich schlage ihn tot, wenn er sich noch einmal mit Weibsbildern abgibt!"-- Wie ein Koloß, der nicht fest unterbaut ist, schwankte der schwere Mann über die Straße. Zu WUkowski! Den mußte er an der Gurgel packen, ihn schütteln:„Du Trottel, du Esel von einem Lehrer, habe ich dir darum meinen Jungen in Pension gegeben? Warum hast du nicht besser aufgepaßt?!" Ein blankgeputztes Messinghändchen hiell den Draht der Klingel an der Wohnungstür von Lehrer Willowski. Der Ungeduldige riß daran, daß ihm das Händchen in der Hand blieb. Horten sie denn nicht? Er stieß zugleich mit dem Fuß, unsanft pochend, gegen die Tür; er hatte keine Zeit zu warten, er mußte eilen. Fräulein Wilkowski öffnete ihwl. So benommen er war, so merkte er doch, daß sie etwas betroffen schien, als sie ihn sah. „Der Dater ist zugegen," antwortete sie mit einem Knicks auf seine Frage und wies ihn dann zur Swbentür. Sie ver- schwand rasch. In der Stube, darin ein Kanarienvogel schmetterte und ein paar Geranientöpfe am Fenster standen, die jetzt, ob- gleich es nicht ihre Zeit war, doch voll blühten, saß der alte Wilkowski im Lehnstuhl, hatte die Brille aus der Nase und las in seinem Gebetbuch. Als Berndorff eintrat, stand er rasch auf, sehr überrascht, der gnädige Herr selber? Es kam sehr selten vor, daß der sich bei ihm sehen ließ, so war er sich nicht sicher, ob es etwas Angenehmes oder Unangenehmes war, das ihn herführte. Da ein langes Leben, reicher an Nackenschlägen als an Glückssegnungen hinter ihm lag, nahm er das letztere an. Und er hatte richtig vermutet, gleich die Begrüßung war danach. Wütend schnob ihn der Gutsherr an:„Sie sind mir der Richtige, Sie alter Esel! Warum haben Sie sich nicht mehr um den Bengel gekümmert? Das hätten Sie mir wahrhaftig ersparen können. Ich bin kaputt, ganz kaputt. Mir dreht sich die Stube— verflucht nochmal! Ich habe einen Schlag auf den Kopf bekommen, auf den Kopf. Ha—!" Er riß sich den Mantel ab und ließ ihn zu Boden fallen. Der Alte hob ihn schnell auf, pustete ihn ab und legte ihn sorgsam auf einen Stuhl. Der Herr Berndorff schien auf- geregt, sehr aufgeregt— was hatte der arme Herr? schade, daß er immer gleich so heftig war, er war doch sonst so ein guter Herr, herzensgut! Mit einer fast hündischen Ergeben- heit sah der Alte dem jüngeren Mann nach den Augen. Viele Jahre hatten sie draußen in Bukowitz nah beieinander gelebt, der Gutshof und der Schulhof waren immer gut nach- barlich gewesen: Sonntags und an jedem Festtag war Lehrer Wilkowski zu Hofe gegangen, das heißt, im Gutshof zum Skat erschienen.„Was Ist denn nur, was ist geschehen?" fragte er jetzt ganz ängstlich.> (Fortsetzung folgt.) Zwei Postvergehen. Leichtfertigkeit bitterste Not. -w Das erweiterte Schöffengericht Berlin- Mitte hatte in zwei Cigungen wegen schwerer ergehen im Postdienst zu verhandeln. Es soll feinem Zweifel unterliegen, daß die Poft als cin dem Wohle der Allgemeinheit dienendes Unternehmen besonders auf seine Beamten achten muß. Denn in den meisten Fällen sind es cerade die Unbemittelten, die ein beraubtes Batet, eine ausbleibende Postanweisung am härtesten trifft. Daß man aber trotzdem in der Behandlung der Täter einen gewissen Unterschied machen fann, mit einer rein disziplinarischen Strafe in gewissen Fällen mehr erreichen würde, als sofort die Staatsanwalt. schaft zum Eingreifen zu veranlassen, das zeigt recht deutlich die Berhandlung gegen den ersten Angeklagten. 9578( gegen 9019). Erfreulich ist der Rüdgang der Strafverfügungen gegen Kraftfahrzeugführer. Während, im Laufe des 2. Quartals nicht weniger als 7210 Strafverfügungen erlaffen wurden, beträgt die Zahl der Strafverfügungen im 3. Quartal nur 1244. Der Page vom Café Vaterland. Rätselhafte Tragödie eines jungen Menschen. Seit dem 1. Oktober d. J. war unter verdächtigen Umständen der 16 Jahre alte Page Gerhard Schnapel verschwunden, der bei seinen Pflegeeltern in der Sidingenstr. 7 wohnte und im Café Baterland" am Potsdamer Plag beschäftigt war. Schnapel war ein netter, anständiger Junge, der bei seinen Borgesez. Er war ten wie bei den Gästen gleich beliebt war. fleißig, ordentlich und sparsam. Am 1. Oktober ging er nachmittags von Hause weg nach seiner Arbeitsstelle. Bevor er sich hier umgefleidet hatte, sagte er dem Pförtner, er müsse noch einmal auf 10 Minuten meggehen. Er tehrte jedoch nicht wieder und blieb seitdem trog aller Nachforschungen, auch der der Kriminalein Fischer aus polizei, verschwunden. Nunmehr fand Werder in der Havel in der Höhe von Geltom die Leiche eines jungen Menschen, die mit dem Gesicht nach unten im Röhricht lag, und benachrichtigte den Gemeindevorsteher von Geltom. Die Leiche wurde nach der Halle in Geltom gebracht. Sie hatte schon so lange im Wasser gelegen, daß das Geficht nicht mehr zu erkennen war. Die Pflegeeltern Schnapels erfannten jedoch an den Kleidungsstücken den Toten als ihren Sohn wieder. Die Leiche zeigte oberhalb des linken Auges eine Verlegung, die aber nach vorläufiger Besichtigung wahrscheinlich erst nach dem Tode entstanden ift. Die Kriminalpolizei versucht aufzuklären, wie der junge Mensch nach jener Gegend hingefommen ist. Bis jetzt ist alles noch ganz rätselhaft. Die Speisekammer als Gefängnis. Arbeiter- Kulturkartell Groß- Berlin. Bezirk Schöneberg- Friedenau. Am Montag, den 2. November, abends 8 Uhr, spricht im Ge fangsfaal der Ühland- Schule, Rolonnenstraße, Genosse Alexander Stein über Ziel und Wege sozialistischer Bildungsarbeit". Der Vortrag ist als Einleitungsabend unserer nunmehr beginnenden Kurse gedacht. Mittwoch, den 4. November, Beginn des Kursus:„ Was ist Volkswirtschaft", Dozent Genosse Dr. Oskar Stillich. Arbeitsgemeinschaft sechsmal zwei Stunden im Guttempler- Logenheim, Gustav- Freitag- Str. 5, abends 8 Uhr. Donnerstag, den 5. November, Beginn des Kursus Kunst und Alltag". Dozent Genosse Diplomingenieur Willy Rosenbaum. Arbeitsgemeinschaft sechsmal zwei Stunden im neuen Rathaus, Rudolf- Wilde- Play, abends 8 Uhr. Montag, den 9. November, Beginn des Kursus Ist Dozent Genosse Otto Roth. ArbeitsReligion Privatsache". gemeinschaft sechsmal zwei Stunden, Guttempler- Logenheim, GustavFreitag- Str. 5, abends 8 Uhr. Unfostenbeitrag für alle Kurse pro Unterrichtsstunde 25 M., bei starter Beteiligung für Arbeitslose und Jugendliche Ermäßigung. Wir ersuchen alle Genossen, den Filmabend der Sozialistischen Arbeiterjugend, Schöneberg I, am 3. November in der HohenzollernSchule, Belziger Straße, zu besuchen, und zwar: 5 Uhr„ Märchen im Film", 7 1hr Hamburger Jugendtag- Film", 8% Uhr 30. wucher- Demonstration der SPD." und der Reichsbannerfilm vom 11. Auguft 1925. Alles Nähere durch die Handzettel. Berlin- Mostau. Die beim Ausbruch des Weltkrieges auf gehobene Telegraphenverbindung Berlin- Moskau ist am 25. Oktober wieder er öffnet worden. Einen heiteren Beigeschmad hatte eine Berhandlung, die sich Parteinachrichten gegen den Inhaber des eleganten Modesalons P. in der Tauenzien straße, den Kaufmann M. und dessen Ehefrau wegen Beleidigung, Körperverlegung und Freiheitsberaubung richtete und sich vor dem Amtsgericht Charlottenburg abspielte. M. hatte einen Zuschneider eingestellt, der aber von seiner Kunst nicht viel verstand. Nachdem er mehrere Kostüme verschnitten hatte, wurde er von dem Chef zur Rede gestellt. Im Berlauf der Auseinandersetzung bezeichnete der Zuschneider seinen Arbeitgeber als einen Zuhälter, worauf dieser ihm eine Ohrfeige gab und ihn beschimpfte. Im Handgemenge wurde der Zuschneider von M. und dessen ihm zu Hilfe geeilten Ehefrau in die Speisetammer gedrängt und die Tür hinter ihm zugeWegen Amtsunterschlagung in zwei Fällen muß sich der achtzehnjährige Schlächtergeselle Arnold M. verantmorten. Es sind Leichtsinn und grenzenlose Dummheit, mit denen der bisher unbescholtene Angeklagte schweres Leid über seine Familie und sich gebracht hat. Seine etwas schwächliche Gefundheit war ihm bn der Ausübung seines Schlächterberufes oft recht hinderlich. So suchte er mit Einwilligung seiner Eltern bei der eft anzukommen, die ihn auch sofort als Aushelfer annahm. Hier bemerkte M. eines Tages ein Patet, das einen seitlichen Riß in der Verpackung aufwies. Aus diesem ragte ein fleines in Bapier gehülltes Paretchen heraus. Der leichtsinnige junge Mann entfernte den Gegenstand, steckte ihn in die Tasche und mußte nachher feststellen, daß er ein gewöhnliches Messer erbeutet hatte. Aber noch geringer war der Erfolg seiner zweiten leichtsinnigen Handlung, die ihm einen ganzen Apfel eintrug, den er noch dazu mieder fortwerfen mußte, da man ihn hierbei ertappte. ohl erst jetzt vor dem Richter mag ihm das Bewußtsein der Schwere femer Handlungsweise gefommen sein, die er unumwunden zugab, aber für die er eine eigentliche Erklärung nicht anzugeben mußte. Gofortige Entlassung und Benachrichtigung der Eltern wäre in dicsem Falle eine ausreichende Sühne gewesen. Aber die Post dachte anders. Sie benachrichtigte die Anklagebehörde. Somohl der Staatsanwalt wie das Gericht waren sich darin einig, daß hier keine Tat vorliege, die aus Neigung zum Berbrechen begangen worden sei. Für Amtsunterschlagung fennt aber das Gesetz als Mindest strafe nur drei Monate Gefängnis, die dann auch für jeden Fall ausgesezt wurden. Die Gesamtstrafe lautete auf vier Monate Gefängnis. Menn M. eine Geldbuße von 60 m. zahlt, wird ihm die Berbüßung der Strafe bei dreijähriger guter Führung erlassen. Etwas anders und ernster mar der zweite Fall Ein Eheschlagen. In der Speisekammer ließ es sich M. zunächst wohl sein, paar 3., das einst bessere Zeiten gesehen hat, mußte nun auf der Anklagebank Platz nehmen. Schwere Urtundenfälschung in Tateinheit mit Betrug in drei Fällen wurde ihnen vorgeworfen. Der Menn stammte aus wohlhabendem Hause und war in der Kriegszeit 3 a hlmeister. Obwohl seine Eltern in der Inflationszeit alles verloren, ließ 3. sich nicht beirren und erhielt eine gute Anstellung in Essen. Als aber die Franzosen das Nuhrgebiet besetzten, ging mit vielen anderen Unternehmungen auch das zugrunde, in dem der Angeklagte beschäftigt war. Für ihn, seine Frau und die drei unmündigen Kinder begann nun cine Zeit bitterster Not. Als sich die ganze Familie schließlich nach Berlin wandte, tamen sie hier in den traurigsten Berhältnissen cn. Kein ganzer Schuh, teine Wäsche für die Kinder war mehr vorhanden, ein Gegenstand der Wirtschaft nach dem anderen wanderte auf das Leihhaus. Da begrüßte 3. es schließlich noch mit Freuden, daß er bei der Post als Aus helfer mit einem Wo dengehalt ron vierzehn Mart angestellt wurde. Aber alles Rechnen und Sparen half nichts, dieser Berdienst fonnte für eine fünfköpfige Familie nicht ausreichen Als nun auch noch die Kinder des Angeflagten, der in einer Kellerwohnung, die nur aus Stube und Küche bestand, notdürftig Unterkunft gefunden hatte, frant marden, wußte sich der unglückliche Familienvater feinen Rat mehr. Als er eines Tages aus dem Dienst fam, hatte er drei Post anweisungen mitgebracht, durch deren Fälschung er fich in den Besitz einer Geldsumme sezen wollte. Mit„ intentod" entfernte er die richtigen Adressen und ließ von seiner Frau andere Empfänger ausschreiben. Er selbst reiste dann nach dem Bestimmungsort und suchte dort das Geld an sich zu bringen. In zwei Fällen gelang ihm das auch, aber in Görlig wurde der Schalterbeamte mißtrauisch, weil ihm die vorgelegten Legitimationen nicht genügten. 3., der Verdacht schöpfte, reiste unverrichteter Dinge nach Berlin zurück und wurde dann furze Zeit darauf seiner strafbaren Handlungen überführt. Auch hier beantragte der Staats. anmalt selbst wegen der großen Notlage, in der sich die bedauerns merte Familie befunden habe, mildernde Umstände. Das Gericht folgte ihm, nahm sogar nur eine einzige fort. laufende Handlung an und erkannte gegen den Ehemann regen fortgefegter forerer Urtundensälsa ung in Lateinheit mit Betrug auf fünf Monate, gegen die Ehefrau wegen Beihilfe auf drei Monate Gefängnis. leber die von der Verteidigung beantragte Bewährungsfrist mill sich das Gericht erst entschließen, wenn weitere Erkundungen über das Ehepaar eingezogen find. Beleidigung der Anwaltschaft erlaubt! AnmaltDer Kaufmann Dr. Georg Bresin, der Herausgeber einer im Berlage Bolts politit" erscheinenden Zeitung Der Ban ther, hatte sich gestern vor dem großen Schöffengericht Berlin Mitte megen Beleidigung des standes zu verantworten. Im Berlaufe einer Privatklage, die der Berlag Volkspolitit" gegen ein Fräulein Sommerfeld angestrengt hatte, machte der gegnerische Prozeßvertreter, ein junger Referendar, Ausführungen, durch die Dr. Brefin sich veranlaßt fühlte, in einem längeren Schriftsatz zu antworten. Er nannte den Referendar einen Juristenlehrling und führte weiterhin aus, daß er reichlich Grund hätte, mit dem Berliner Anwaltsgesindelabzurechnen". Als der Berliner Anwaltsverein mit diesem Schriftsaß, der geeignet war, den Anwaltsstand herabzusetzen, Kenntnis erhielt, stellte er Strafantrag. Der Angeklagte führte in dem darauf folgenden Prozeß aus, daß die Säße und Worte, die, wie er zugab, beleidigend waren und sein sollten, von ihm nicht allgemein gebraucht worden wären. Er hätte nur den betreffenden Referendar und weiterhin einige Anwälte und Notare, gegen deren Gebaren er seit langem einen scharfen Kampf führte, treffen wollen. Dr. Brefin erbot sich, den Beweis zu erbringen, daß viele Anwälte tatsächlich die Würde ihres Standes herabsetzten, und daß auf sie sehr wohl die Worte ,, Gesindel" und Lumpen" zutreffen fönnten. Das Gericht nahm diese Bekundungen zu Protokoll. Der Staatsanwalt mar der Meinung, daß das Wort„ Anwaltsgesindel" in dem Zusammenhang, in dem es der Angeklagte gebraucht hatte, den gesamten Stand be trifft und beantragte eine Geldstrafe von zweihundert Mart. Das Bericht glaubte den protokollarisch festgelegten Angaben des Dr. Brefin und fam ans- diefem Grunde nach längerer Beratung zu einer Freisprechung auf Kosten der Staatstaffe. 37843 Kraftwagen in Berlin. Einer statistischen Zusammenstellung der Hauptverkehrsstelle des Bolizeipräsidiums Berlin über die Entwicklung des Berliner Kraftfahrwesens entnehmen wir folgende interessante Zahlen: Die Ge famtzahl der Kraftfahrzeuge am 1. Oftober betrug 37.843( gegen 35 718 am 1. Juli), das ist ein Mehr von 2125 Kraftfahrzeugen. Davon entfallen auf Personenkraftwagen 20 010( 18 766), Lastkraftwagen 8255( gegen 7182) und Krafträder mit dem schwarzen Kopf für die Hopfnsäfche tat sich an den vorhandenen Vorräten gütlich und fam, nachdem er gemerkt hatte, daß die Tür sich auch von innen öffnen ließ, heraus. Hinterher stellte er Strafantrag Rechtsanwalt Dr. Mendel wandte gegen diesen Strafantrag ein, daß eine Freiheitsberaubung nicht vorliege, da der Zuschneider sich selb. ständig jederzeit aus seiner Lage befreien fonnte. Die Bestrafung wegen Beleidigung und Körperverlegung fönne ebenfalls nicht erfolgen, da die dem Ehemann zugefügte Beleidigung in dem Vorwurfe eines Zuhälters schwerwiegender sei, als die als Erwiderung auf der Stelle erteilten Ohrfeigen. Das Gericht sprach auch beide Angeflagten von der Anklage der Freiheitsberaubung frei. Die Beleidigung und die Körperverlegung wurden für straffrei erklärt, so daß beide Angeklagte vollkommen frei ausgingen. Sonderfahrten nach Berlin. Stufenbungen für diese Rubrik find Berlis 68. 68, Sindenftraße 3. für Groß- Berlin ftets an das Bezirkssekretariat, 2. Sof, 2 Trep. rechts, au richten. Dienstag, den 3. November, findet im Saalbau Friedrichshain eine allgemeine Funktionärversammlung statt. Genosse Dr. Breitscheid spricht über: , Locarno und die deutsche Politik." Der Bezirksvorstand ersucht an diesem Tage von anderen Ber. anstaltungen Abstand zu nehmen. * 2. Streis Tiergarten. Der Rurfus der Arbeitermohlfahrt und bes Bildungs ausfchuffes beginnt am Dienstag, den 3. November, im Bezirksamt Tier garten. Näheres in der Eonntagausgabe. 12. Kreis Steglig, Lichterfelde, Bankwik. Die Sigung der Arbeiterwohlfahrt findet beute, Freitag, nicht ftatt. Näheres wird noch bekanntgegeben, Heute, Freitag, den 30. Oktober: 75. t. Wannsee. 7 Uhr im Reichsabler, Rönigstraße, Mitgliederversamm Iung. Gämtliche Genoffinnen und Genoffen müssen erscheinen. 82. Abt. Stegli. 7% Uhr in der 1. Gemeindeschule, Ringstraße, Arbeits genteinschaft des Genossen Mag Aveuziger: Der Kampf um die Schule". Alle Genoffinnen und Genoffen find dringend eingeladen. 101. unb 102. Abt. Bildungsausschus Treptow- Baumschulen meg: 6 und 8 Uhr: 40. Borführung wissenschaftlicher Filme in der Treptower Sternwarte. Der bekannte Forscher Dr. D. Saufer fpricht au feinem Großfilm„ Schöpfungsgeschichte( 1. Die Erde als Stern unter Sternen; 2. Der Erde Bau: 3. Menschheitsdämmerung). Rarien au 6 Uhr( 60 Bf.) P und 8 Uhr( 70 Bf.) find in der Spedition Reßler, Graekftr. 59, und an der Raffe zu haben. Jungsozialisten. Gruppe Mitte: Seute abend 8 Uhr in der Schule Gipsstr. 23a, Fortfegung der Arbeitsgemeinschaften. Gruppe Schöneberg: Heute abend 8 Uhr im Jugendheim Rubensstraße, ameiter Arbeitsaemeinfdafts. abend: An der Wende des Seitalters". Gruppe Reukölln II: Den heutige Gruppenabend fällt ons 51. Abt. Charlottenburg. Sonntag, den 1. November, Besichtigung der Bes triebsanlagen der Konsumgenossenschaft in Lichtenberg. Treffpunkt vor mittags 9 Uhr am Bahnhof Westend. Gäfte willkommen. Am Sonnabend, den 31. Oftober d. J., veranstaltet die Reichsbahrdirektion Dresden in Verbindung mit dem Fremdenver tehrsbureau der Stadt Berlin einen Sonderzug von Leipzig nach Berlin. Der Sonderzug fährt am Sonnabend früh 8 Uhr in Altenburg ab, 9 Uhr 9 Minuten ab Leipzig Hauptbahnhof und trifft um 12 Uhr 10 minuten in Berlin Anhalter Bahnhof ein. Die Rückfahrt erfolgt am Sonntag nachmittag vom Anhalter Bahnhof um 5 Uhr 40 Minuten, an Leipzig Hauptbahnhof 8 Uhr 19 Minuten, Altenburg 9 Uhr 25 Minuten. Auf dem Bahnsteig am Anhalter Bahnhof unterhält das Fremdenverkehrsbureau der Stadt Berlin eine Auskunftsstelle. Diejenigen Teilnehmer, die in einem Berliner Hotel übernachten wollen, schließen sich den am Bahnhof wartenden Hoteldienern an. Der Nachmittag steht zur freien Berfügung. Für den Abend sind vorgesehen: Der Besuch der Städti ichen Oper( Maskenball von Berdi, Anfang 8 Uhr mit Josef Schwarz als Gast), oder des Leffingtheaters( Gier unter Ulmen von O'Neill, Schauspiel), Anfang 8 Uhr, oder des Großen Schauspielhauses( Die große Revue Für dich"), Anfang 8% Uhr. Am Sonntag vormittag um 9% Uhr ist eine Straßenbahnrundfahrt durch Berlin vorgesehen unter Berücksichtigung der Berliner Hauptsehenswürdigkeiten. Im Anschluß hieran erfolgen wedding: Ledigenheim Schönstedtstr. 1, Arbeiterdichterabend. Nachdem der erste Sonderzug aus Dresden zwei Führungen. Jugendveranstaltungen. Karten zur Broletarischen Feierstunde am 8. November im Großen Schom spielhaus und Karten zum Zersch- Abenb am 1. Rovember find zu ermäßigten Breifen im Jugendsekretariat erhältlich. Achtung, Abteilungstaffierer! Heute von 5-7 Uhr Abrechnung der Bei toagsmatten, Ausgabe des November- ,, Jugend voran" und der Arbeiter Jugend". Heute, Freitag, den 30. Oftober, abends 7½ Uhr: Roabit I: Schule Siemensstr. 20, Bortrag: Jugendschuk". Moabit T Gemeindeschule am Stephansplat, Bortrag: Die Reichsverfassung". Nordost 1: Jugendheim Neue Königftr. 21, Bortrag: Jugend und Körperkultur". Rorbost II: Jugendheim Danziger Str. 62, Vortrag: ,, Entstehung einer Zeitung". Baltenplay: Weißensee: Jugendheim Roeldeftr. 157, 10- Minuten- Referate. Jugendheim Rigaer Str. 108, Sermann- Löns- Abend. Often( Stralance Biertel): Jugendheim Goklerstr. 61, Bortrag: Geschichte der Jugendbewegung". Warschauer Viertel: Jugendheim Tilfiter Str. 4, Fahrtenerlebnisse mit Licht bildern. Südost( Köpenider Biertel): Mariannenufer la, Satirischer Abend: ,, Berliner Denkmäler". Charlottenburg: Jugendheim Rosinenstr. 4, Vortrag: Die Abt. Charlottenburg". Schöneberg I: Jugendheim Rubens, Ede Haupt. ftraße, Aussprache: Was lehrt uns unser lekter Bortbag?" Boumschulen. weg: Jugendheim Ernststr. 16, Mitgliederversammlung. Treptow: Jugend Reu- Lichtenberg: BestalozziEnzeum, Pring- Albrecht- Str. 44, Vortrag: med und Siele der SAJ." Tegel: Jugendheim Bahnhofftr. 15, Lenau- Abend. im September d. 3. bei allen Teilnehmern vollste Zufriedenheit gefunden hat, hat sich die Reichsbahndirektion Dresden in Verbindung mit dem Fremdenverkehrsbureau der Stadt Berlin entschlossen, am 31. Oftober einen zweiten Sonderzug folgen zu lassen. Der Sonder zug fährt diesmal schon Sonnabend früh um 7 Uhr 50 Minuten vom Dresdener Hauptbahnhof ab und trifft über Elsterwerda um 11 Uhr 22 Minuten vormittags in Berlin Anhalter Bahnhof ein. Die Rüd fahrt erfolgt am Sonntag, 1. November, nachmittags 5 Uhr 50 Mi heim Elfenstr. 3, Bortrag: Die Revolution". muten, Ankunft in Dresden Hauptbahnhof 9% Uhr abends. Auf dem Bahnsteig am Anhalter Bahnhof unterhält das Fremdenverkehrsbureau der Stadt Berlin eine Auskunftsstelle. Diejenigen Teilnehmer, die in Berliner Hotels übernachten wollen, schließen sich den am Bahnhof wartenden Hoteldienern an. Der Nachmittag steht zur freien Verfügung. Im übrigen sind die gleichen Veranstaltungen wie für die Teilnehmer an der Sonderfahrt Leipzig- Berlin vorgesehen. Den Die Wahlerfolge der Parteien in den Bezirken. Bei den letzten Stadtverordnetenwahlen haben die Sozialdemokraten in Neukölln am besten abgeschnitten. Sie erhielten dort 411 von 1000 abgegebenen Stimmen, die Kommunisten nur 257. Die Kommunisten erhielten die meisten Stimmen auf dem Wedding, nämlich 330 von 1000; die Deutschnationalen brachten es in Zehlendorf auf 358 Stimmen. größten Erfolg hatten die Demokraten in Wilmersdorf mit 174 Stimmen und den geringsten mit 49 in Spandau. Die Deutsche Volkspartei erzielte in Zehlendorf mit 177 die höchste Biffer und mit nur 25 die niedrigste auf dem dichtbevölkerten Wedding. Die Wirtschaftspartei errang nirgends mehr als 67 Stimmen, Das Zentrum verzeichnet im Tiergarten( Moabit) eine höchftzahl von 47 Stimmen und mur 22 in Köpenid. Das Rundfunkprogramm. Freitag, den 30. Oktober. Außer dem üblichen Tagesprogramm: 4.30-6 Uhr nachm.: Nachmittagskonzert der Berliner Funkkapelle. Leitung: Konzertmeister Ferdy Kauffman. 6.40 Uhr abends: Zehn Minuten für die Frau( Der billige Einkauf"). 7-7.50 Uhr abends: Hans- Bredow- Schule( Bildungskurse). 7 Uhr abends: Abteilung Gartenbau Garten direktor Lesser: Gartenarbeiten im Winter". 7.30 Uhr abends: Abteilung Literatur. Th. Kappstein: Deutsche Dichter und Denker. 3. Vortrag., Novalis". 8 Uhr abends: Professor Dr. Max v. Schillings spricht zum Sendeam 31. Oktober. 8.30 Uhr abends: spiel Iphigenie in Aulis* Luther. Zum Reformationsfest. Mitwirkende: Friedrich Kay Bler. Rezitation, und das Berliner Funkorchester. Dirigent: Dr. W. Buschkötter. 1. Händel: Concerto grosso D- Moll. Maestoso Allegro Air Allegro moderato Finale( Allegro con fuoco) ( Bearbeitung von W. Buschkötter). 2. Luthers Rede vor dem Reichstag zu Worms( Friedrich Kayẞler). 3. Bach: Brandenburgisches Konzert Nr. 3, Allegro moderato- Allegro. 4. a) Lutherbriefe, b) Ein' feste Burg ist unser Gott( F. Kayßler). 5. Reinecke: Variationen und Fuge über den Choral Ein' feste Burg. 10 Uhr abends: Dritte Bekanntgabe der neuesten Tagesnachrichten, Zeitansage, Wetterdienst, Sportnachrichten, Theater- und Filmdienst. Werbebezirk Neukölln: Ueben zur Revolutionsfeier im Heim Canner Straße abends 18 Uhr. Erscheint alle und pünktlich. Werbebezirks funktionärtonferenz fällt aus! Bildungsfurfus Bankow: Beginn abends 7% Uhr. Schule Niederschönhausen, Blankenburger Str. 69. Thema: Einführung in die Bolkswirtschaft". Referent Genosse R. Abraham. Werbebezirk Westen: Sonntag, den 1. November, im Heim Char lottenburg, Rosinenstr. 4, nachm. 4 Uhr: Besprechung der Bibliothekare; nachm. 5 Uhr: Werbebezirkskonferenz. 6x1-7 To rechnet. die klüge Waschfram denn auf 6 Gutscheine neföilt fin 1 Porkut 110 Schleich's SchaumfeeSeifenpulver gratis! Jedes Paket Schaumifen enthält 1. Gutschein CHEMISCHE FABRIK SCHLEICH GMBH BERLIN NW6 Abschluß der Bergbaudebatte. Schlußfihung des Berliner Stadtparlaments. Abstimmungen über Justizetat und Pfarrerbesoldung. gesetzt vorlegen wird. Im Landtag folgte gestern die zweite Lesung der Uranträge aller Parteien mit Ausnahme der Sozialdemokraten und Kommunisten über die Aufbesserung des Diensteintommens der evange lischen und katholischen Pfarrer. Der Ausschuß hat diese Anträge abgelehnt und eine Entschließung zur Annahme empfohlen, worin die Erwartung ausgesprochen wird, daß die so Regierung fo bald wie möglich ein definitives Pfarrerbesoldungs. Finanzminister Dr. Höpfer- Afchoff erflärt: Es liege tein Notstand für die Kirchen vor, denn der Staat selbst ftelle durch den Haushaltsplan die gewünschten Beträge zur Verfügung. Aber der Staat tomme nur subsidiar in Frage. An erster Stelle müßten die Einkünfte des Pfründen vermögens und die Steuerkraft der Kirchengemeinden in den Dienst der Pfarrer. besoldung gestellt werden. Borher könne die Leistung des Staates nicht gesetzlich festgelegt werden. Namentlich könne fich der Stact nicht auf eine Jahresleiftung von 63 Millionen festlegen laffen, während die Friedensleistung nur 27 Millionen betrage. Der Gesetz entwurf verlange neue Ausgaben und der Landtag hätte die Verpflichtung, für Dedung zu sorgen. Nach einer Debatte werden die Geseze in zweiter Lesung gegen die Linke angenommen. Damit ist die Regelung dahin getroffen, daß vom 1. April 1924 ab bis zum 31. März 1927 für die evange lischen Kirchen zusammen eine Rente von 43 Millionen, für die fatholische Kirche eine solche von 17 675 000 m. feft gelegt wird. Auslandsanleihe der Elektrizitätswerke.- Kreditschädigung durch die Schwarzweißroten. Die alte Berliner Stadtverordnetenversamm| Firma auch in Deutschland anfäffig sei. Beinlich set auch die Bes lung, die bis zum Zusammentritt der neuen noch tagen darf, aber bingung, daß die Stadt an die derzeitige Geschäftsform der städtinur noch dringendste Anlegenheiten erledigen wollte, hatte gestern schen Werke gebunden sein solle; sie gebe damit zeitweise einen Teil die letzte Sitzung. Wider Erwarten ging es in ihr ziemlich ruhig zu. ihrer Selbständigkeit auf. Aus praftischen Erwägungen werde die Mehrheit der Fraktion für die Vorlage stimmen. Gen. Reuter: Von einem Nachtlang der Wahlen war nicht viel zu spüren; nur zur Begründung des Einspruchs gegen die unverzügliche Beschlußfassung Vorlage berechtigt. Bir stimmen für die Borlage, weil mir Die Versammlung ist ganz zweifellos zur Beschlußfassung über die über die Bürgschaft für die Auslandsanleihe der ihre Verabschiedung für durchaus dringlich ansehen. Der Kämmerer Berliner Elektrizitätswerte wiesen die Kommunisten hat nicht erklärt, daß er bis Ende des Jahres die für die städtischen auf das Wahlergebnis hin. Der fommunistische Antrag, diese An- Elektrizitätswerte erforderlichen Ausgaben auf Grund der jüngsten gelegenheit bis zum Zusammentritt der neuen Stadtverordneten Ergebnisse der Dollaranleihe werde decken können; er hätte auch gar versammlung zu vertagen, wurde abgelehnt. Eine Verzögerung feine Berechtigung zu einer solchen Erklärung gehabt, angesichts der müßte die Wirkung haben, daß der dringend nötige Bau des allgemeinen Lage der Kommunalfinanzen und der Unsicherheit der wirtschaftlichen Entwicklung. Nebenher polemisierte Genosse Reuter Großfraftmerfes der Elektrizitätswerke bis auf weiteres zum gegen Koch und v. Eynern, die das Ihrige getan hätten, den Stillstand kommt. In der Debatte tam es zu einer scharfen AbKredit Berlins in Mißkredit zu bringen. Kollegen, die eine der. rechnung des sozialdemokratischen Redners Genossen Reuter mit artige Bolitik und Heze betreiben, müsse man als den rechts stehenden Parteien, deren Heze gegen Berlin die Anleihebeschaffung für die Stadt er schwert hat. Der Kommunist Dörr bemühte sich, durch eine fünstlich in die Länge gezogene Rede das Haus zu leeren, um die Beschlußunfähigkeit zu erreichen. Es gelang ihm nicht, und die Bürgschafts übernahme, ohne die diese Anleihe nicht zu erlangen wäre, wurde genehmigt. Bei der Abstimmung über den Justizetat werden die Anträge des Hauptausschusses in der Hauptsache angenommen. Eine Die Stadtverordnetenversammlung trat gestern noch einmal Reihe von Anträgen werden der Ausschußberatung überwiesen, eine zusammen, um über die Uebernahme der Bürgschaft für eine Ausgroße Zahl kommunistischer Anträge abgelehnt. Abgelehnt wird landsanleihe der Berliner Elektrizitätswerte A.-G. zu beschließen. auch der fommunistische Antrag auf Abschaffung der Todes Die sehr start besuchte Versammlung eröffnete der Vorsteher Gen. strafe, für den auch die Demokraten und Sozialdemokraten Haß um 7 Uhr mit der Mitteilung, daß die städtischen Behörden ftimmen. dem ehemaligen Stadtverordnetenorsteher Michelet, der 57 Jahre Annahme findet n. a. auch ein Antrag, auf die Reichs. im Dienste der Stadt gestanden, zur Vollendung seines neunregierung einzuwirken, daß bei Aenderung des Strafgefeßigsten Lebensjahres die Glüdwünsche Berlins dargebracht buches der persönlichen Ehre ein besserer Schuß zuteil haben. Michelet hat den Vorsteher gebeten, der Versammlung seine Grüße und seine Danksagung persönlich zu übermitteln; der Borsteher entledigte sich dieses Auftrages unter lebhaftem Beifall der Versammlung. Die Witwe des verstorbenen Profeffors Dr. Hugo Preuß hat für die Beileidskundgebung der Versammlung an diese ein Dankschreiben gerichtet. wird. Bei der Fortführung der Aussprache über den Bergetat erklärte Handelsminister Dr. Schreiber: Seine Berwaltung sei dabei, Sie in der Frage des Grubensicherheitswesens gefaßten Beschlüsse schleunigst durchzuführen. Die außerordentliche Höhe der Haldenbestände sei ein deutlicher Beweis dafür, wie außerordentlich schlecht tatsächlich die Lage des Ruhrbergbaus ist. Die Ursache dafür jei in dem Darniederlegen vieler Wirtschaftszweige. Es sei eine Weberproduktion an Kohle entstanden, wobei die Gruben nicht einmal voll ausgenutzt werden konnten. Es gebe nur ein Mittel: Die Produktion müsse dem Bedarf angepaßt werden. Das gehe nur durch Stillegung der Bechen, die am unwirtschaftlichsten sind. Der Minister ist aber der Hoffnung, daß der Stillegungsprozeß im wesentlichen abgeschlossen ist. Zur Entlassung gekommen seien im Ganzen 60 000 Arbeitnehmer. die während des Sommers zum größten Teil in anderen Berufen unterfommen fonnten. Jetzt müsse man aber damit rechnen, daß etwa 25000 Bergarbeiter an der Ruhr arbeitslos auf tängere Zeit fein müssen, wenn sie nicht durch Notstandsmaß nahmen Beschäftigung finden können. Auch die Lage der Ge. meinden und der Gewerbetreibenden sei durch die Stille gung vieler Zechen außerordentlich ungünstig beeinflußt worden. Die Belegschaft im Ruhrrevier betrage gegenwärtig etwa 400 000 und sei damit geringer als in der Borfriegszeit. Trotzdem seien immer noch in einem gewissen Umfange Feierschichten mit ihren bedenklichen sozialen Folgen für die Belegschaft notwendig gewesen. Das Staatsministerium habe in seiner gestrigen Sigung einer Bor. Lage seine Genehmigung erteilt, die eine großzügige Einge. cindung im Ruhrrepier vorfehe. Die Gemeindetats würden dadurch entlastet. Die zufünftige Lage des oberschlesischen Eteinfohlenbergbaues werde im wesentlichen abhängen von der Regelung der Beziehungen zwischen Deutschland und Polen. Dabei müsse vermieden werden, daß die kommenden Vereinbarungen die Lebensinteressen unseres oberschlesischen Bergbaus ungünstig be. cinflussen. Die ungünstige Lage im Erzbergbau führt der Minister auf die starte Konturrenz ausländischer hoch mertiger Erze zurüd. Im Verlauf der Debatte nahmen die Abgg. Krämer- Redlinghausen( D. Bp.), Schulz- Breslau( Romm.), Herrmann- Breslau ( Dem.), Dr. Semmler( Dnatl.), Düring- Essen( 3.) und BayerWaldenburg( D. Bp.) das Wort. Abg. Fries( S03.) spricht über die große Not im Siegerland: Der Niedergang der Siegerländer Industrie hat seine Ursache nicht zuletzt in der Tarifpolitit der Reichseisenbahn. Sie hat bis heute noch nicht die Borfriegstarife für Erz- und Brennstoff eingeführt. Diese Hilfe muß unbedingt erfolgen. Ferner ist schuld am Niedergang die Eigenbrödelei ber Siegerländer Unternehmer. Diese Herren haben fast den ganzen Siegerländer Gruben, Hütten und Walzwerkbefiz an die Großbetriebe im rheinisch. die Großbetriebe im rheinischmestfälischen Industriegebiet verschachert, anstatt einen ge eigneten Zusammenschluß der Siegerländer Betriebe herbeizu führen. Wäre das erfolgt und hätte man mit der Technik, d. h. im rechtzeitigen modernen Ausbau der Gruben und Werfe Schritt gehalten, dann fönnte fich das Siegerland auch in der heutigen Zeit mirtschaftlich aufrecht erhalten. Heute sind die Betriebe in den Händen der auswärtigen Konzerne. Sie haben sich Gemäß einem Antrage des Aelteftenausschusses beschloß die Ber. fammlung, die Vorlage wegen Festsetzung des Fluchtlinien planes zwischen Aderstraße und Rolandufer dem Magistrat mit dem Ersuchen zurückzugeben, daß er zu dem Angebot der Firma Trah Stellung nehmen und der Versammlung eine neue Vorlage machen möge. Bur zweiten Beratung stand die erwähnte Vorlage, die die Bürgschaftsübernahme für eine Anlage von 30 Millionen Schweizer Franken durch die Stadtgemeinde Berlin bezweckt. Bor der Erstattung des Berichts nahm Dörr( Komm.) das Wort, um einen Antrag zu begründen, wonach die Bersammlung den Gegenstand nicht verab. schieden, sondern seine Erledigung der neuen Bersammlung überlaffen sollte.- Der Anrtag wurde abgelehnt und Dr. Kirchner laffen sollte. ( Dnat.) erstattete nunmehr den Ausschußbericht, der die Zustimmung zur Vorlage empfiehlt, da es dem Kämmerer durch seine auf Veranlaffung des Ausschusses unternommenen nochmaligen Verhand lungen mit dem Konsortium gelungen sei, noch einige Zugeständnisse zu erreichen. In der Erörterung beharrte Stolf( Romm.) auf seinem im Ausschuß eingenommenen ablehnenden Standpunkt. Dr. Steiniger( Dnat.) erblickte in dem Vertrag immer noch eine„ De mütigung der Stadt Berlin", insofern ein Teil der Anleihe in Gestalt eines Lieferungsauftrags an eine Schweizer Firma fonsumiert merde; mildernd jei allerdings der Umstand, daß die betr. die Produktions- und Lieferungsquoten für die Siegerländer Hauptbetriebe gesichert und werden, menn die Krise noch weiter zunimmt, die Siegerländer Betriebe einfach schließen, wie das ja schon teilweise der Fall ist, und die Produktions- und Lieferquote auf die technisch vollkommenen Betriebe im Ruhrgebiet übernehmen. Selten gibt es auf der Welt ein so verbohrtes Arbeitgebertum als im Siegerland. mit wenigen Ausnahmen sind die Herren mehr als brutal und rücksichtslos. Die Art, wie die Herren die Arbeiterschaft bisher dort behandelt haben, übersteigt alle Grenzen. Im vergangenen Jahre erhielten die Arbeiter der Eisen- und Metallinduftrie vier Pfennig Erhöhung des Stundenlohnes vom Schlichtungsausschuß bewilligt. Die Arbeitgeber lehnten den Schiedsspruch ab. Es mußte der Reichskommiffar, das Reichsarbeitsministerium, das Gewerbegericht, die Arbeitgeber bei allen Instanzen verloren hatten, haben sie sich ja sogar das Landgericht in Anspruch genommen werden. Nachdem endlich bereit erklärt, zu zahlen. Natürlich nehmen die Herren die Bertretung der nationalen Interessen für sich ganz besonders in Anspruch. Wie ihr Patriotismus in der Praris aussieht, zeigt folgender Borfall: Auf einer Grube bei Braubach wurden durch zwei Siegerländer Agenten 200 3taliener angeworben und auch eingestellt. Wochenlang herrschte darüber Empörung an dem betreffenden Orte und in der Umgebung. Die Not im Siegerland schreit zum Himmel. Die Hälfte der Arbeiterschaft ist arbeitslos. Die Erwerbslosenunterstüßung wird vielfach, unferes Erachtens aus nicht gerechtfertigten Gründen, vorenthalten. Biele Familien haben für den fommenden Winter feine Kartoffeln, feine Rohlen und feine ausreichende Kleidung. Ja, noch nicht einFeinde Berlins www bezeichnen. Der Vorwurf, die Stadt habe eine liederliche Ausgabenwirtschaft getrieben, sei unberechtigt; event. würde er alle Frattionen gleichmäßig treffen. Ganz besonders widerfinnig sei, der Verbrechen zu machen. Für die städtischen Anlagen, die unbedingt Stadt aus der Hergabe der 2 Millionen für die Städtische Oper ein gefördert werden müssen, weil sie unbedingt notwendig sind, wird auch die Aufsichtsbehörde die Anleihe schließlich genehmigen, mag fie fonft auch privatwirtschaftlichen Erwägungen nicht unzugäng lich sein; hätte die Stadt in dieser Richtung rechtzeitig nach oben mehr Rückgrat gezeigt, so wären wir vielleicht nicht in die heutige doch nicht gerade angenehme Situation geraten. Dr. Caspari. ( D. Bp.) protestierte sehr lebhaft dagegen, daß die ernsthafte Brüfung von Anleihen, die bedenkliche und die Stadt Berlin herabwürdi gende Bedingungen enthielten, eine Hetze sei. Gronewaldt erklärte als Geschäftsmann die Zustimmung zur Vorlage für sich und zugleich für die Wirtschaftspartei. Dörr( Komm.) suchte nochmals vor der Borlage damit graulich zu machen, daß er zwischen dem Schweizer- Holländer Bankentonsortium und dem aus dem Prozeß gegen die Landespfandbriefanstalt bekannten Adelsfonsortium eine Art von Parallele zog. Im übrigen war seine Rede eine Wiederholung der von den Rednern der Rechten vorgetragenen Argumente; darüber hinaus aber juchte er nachzuweisen, daß der Vertrag die vitalsten Rechte der Stadt ihren eigenen Werken gegenüber in die Hände einer Anzahl ausländischer Kapitalisten lege und der Stadt in unverantwortlicher Weise die Hände binde. Allmählich wuchs fich dieser Schwanengesang Dörrs zu einer Dauer und Obstruktionsrede aus, die eine volle Stunde in Anspruch nahm und erst lange nach 9 Uhr ihr Ende erreichte, die aber mit dem zur Beratung stehenden Gegenstand kaum noch in auch nur entferntem Zusammenhange stand. Um 9 Uhr 20 Minuten war Dörr immerhin doch zu Ende gefommen und die von ihm zum Schluß beantragte namentliche Abstimmung ging vor sich; sie ergab die Annahme mit 123 gegen 33 Stimmen; 4 Mitglieder hatten sich der Abstimmung enthalten. 4 Mitglieder hatten sich der Abstimmung enthalten. Das letzte Wort. Borsteher Genosse Haß teilte im Schlußwort noch mit, daß diese Lebte Sigung die zweihundertste seit November 1921 gewesen ist. In diesen schweren vier Jahren sei unter den trostlosesten Verhält niffen doch Fruchtbares geleistet und die Einheit der Stadtgemeinde Groß- Berlin gesichert worden. Der Borsteher ließ die Arbeiten der Stadt Revue passieren und stellte das Urteil der Geschichte anheim. Bon den Kommunisten wurde ein hoch auf die Kommunistische Partei ausgebracht. Schluß% 10 Uhr. mal genügend Brot. Wir appellieren an das Haus und an die Regierung, für eine so arme und geduldige Bevölkerung rasch die dringend notwendige Hilfe zu schaffen.( Beifall b. d. Soz.) In der Spezialdebatte bedauert Abg. Frau Desterreicher( Soz.) die Stillegung der Bernsteinmerte in Königsberg, durch die viele Arbeiter brotlos würden. Damit ist um 28 Uhr auch die Einzelaussprache beendet und das Haus vertagt sich auf Freitag 11 Uhr: Zweite Beratung des Haushalts des Staatsministeriums und Ministerpräsidenten. Aus der Partei. Die franzöfifche Sozialdemokratie veranstaltet am 31. Oktober in Paris ein großes Bantett zur Feier des zwanzigsten Ge denktages der Einigung der französischen Partei und zur eier des hunderttausendsten Mitglieds. Inzwischen ist allerdings die Mitgliederzahl der Partei bereits über 105 000 hinausgewachsen. Zu der Feier sind die Vertreter der ausländischen Parteien und eine Reihe international bekannter Genossen persönlich eingeladen worden. Von der französischen Partei murden als Redner bestimmt die Genossen Leon Blum, Paul Faure, Paul Bon cour, Henri Sellier und der Bürgermeister von Lille Sa= lengro. Am 1. November tritt der Nationalrat der Partei zu sammen, um sich insbesondere mit Organisationsfragen und mit der Schaffung eines Verbandes sozialistischer Gemeindefunt. tionäre zu beschäftigen. 14.50 UNSERE EINHEITSPREISE 2024% 1250 21°° 1650 1850 24.º⁰ 2700 30°° T do MARKE AMAND Güte und Passform sind die Vorzüge der weltbekannten. SALAMANDER- SCHUHE acerno SALAMANDER Beachten Sie unsere Neuheiten in der Strumpfabteilung Werbe Woche Kleiderstoffe Köper- Flanell imit. hübsche Muster Meter um unseren bisherigen Kunden unsere Leistungsfähigkeit und neue Kunden zu werben zu beweisen Bettwäschestoffe Louisianatuch 0.85 Kissenbreite Meter 0.85 Louisianatuch Deckbettbreite... Meter 1.45 Handtücher Handtücher Gerstenca. 46X100, ges, u. gebänd. korn, ca. 48X100, ges. u. gebänd. 0.48 Handtücher Gerstenkorn, 0.68 Meter 1.25 Louisianatuch Spezialmarks", Kissenbr., Mtr. 0.95 Louisianatuch Velour- Barchent groß. Musterauswahl Meter 0.95 Popeline m. kunstseid. Streifen Schotten doppeltbreit... 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Beilage des Vorwärts Drei Vierteljahre deutscher Außenhandel. Sinkende Rohstoffeinfuhr- steigende Ausfuhr von Fabrikaten. 1 Deutschlands Ein- und Ausfuhr von Rohstoffen und Fertigwaren 1923, 1924u.1925 Z In Millionen Reichsmark Mit dem Fortschreiten der deutschen Wirtschaftstrije,| Einfuhrüberschusses in der gesamten Handelsbilanz doch Hoffnungen beren Wirkungen in einen raschen Anwachsen der Arbeitslosen für den deutschen Außenhandel rechtfertigt. Wie ein Vergleich mit zahlen der Arbeiterschaft nur allzu spürbar merden, wächst die Be- den Säulen ergibt, die den Monatsdurchschnitt der beiden verdeutung des Expertes für die Beschaffung neuer Sn gangenen Jahre in der Ein- und Ausfuhr der einzelnen Waren dustrie aufträge. Die ersten Dreivierteljahr des deutschen gruppen fennzeichnen, liegt die Ausfuhr von Fertigfabri Außenhandels ftanden sehr stark unter dem Einfluß von Fattoren, afen in diesem Jahre ganz wesentlich über den Ergebderen Wirkung sicherlich nicht von Dauer ist. 3war brachte der nissen der Vorjahre. 10. Januar endlich die Aufhebung der einseitigen Meistbegünstigung, die Deutschland nach dem Friedensdiktat den Ententestaaten gewähren mußte. In der Folgezeit blieben jedoch die Einfuhrverbote, die in der Inflation zur Regulierung der Wirtschaft geschaffen worden waren, großenteils noch in Kraft. Eine freie Konfurrenz mit dem Weltmarkt gab es auf vielen Gebieten nicht. Im zweiten und dritten Vierteljahr wirfte die bevorstehende Bollregelung als Anreiz zur Steigerung der Einfuhr, und dieser Anreiz wurde noch verstärkt durch große Auslandskredite, die sich immer in einer Zunahme des Warenimports auszuwirken pflegen. Die Einführung der Getreidezölle und die gute Getreideernte ließen mm September das Interesse an der Einfuhr fremden Kornes abflauen. Hingegen fanden in manchen Industrie waren noch starte Auslandskäufe statt, und zwar deshalb, weil die Industriezölle erst am 1. Oftober in Kraft traten und die Importeure ein starkes Interesse daran hatten, noch Bare zollfrei hereinzubringen. So stand die Einfuhrfeite der deutschen Außenhandelsbilanz unter den verschiedensten Einwirkungen. Der Export hingegen litt darunter, daß wir noch immer teine wesentlichen Erfolge in unserer Außenhandelspolitit haben dank jener deutschnationalen Bollpolitit, die frischfröhlich auf einen Zollkrieg hinarbeitet. Die hohen Zölle der fremden Staaten verhindern die notwendige Steigerung der deutschen Warenausfuhr, die deutschen Unterhändler vermochten, von Interessenwünschen hin und hergetrieben, weder vor, noch nach dem Infrafisezen des Bolltarifs Wesentliches zu erreichen. Die Hochhaltung der inländischen Preise für Rohstoffe und Halbfatrifate tut ein übriges, um der Verarbeitungsindustrie die Konturrenzfähigkeit am Weltmarkt zu erschweren, und schließlich ist unsere ganze Produktion außer mit der Kapitalnot noch mit rüd ständigen Betriebsmethoden zu sehr be lastet, als daß sie auf der ganzen Linie erfolgreich für den Belimartt produzieren könnte. Alle diese Momente sind wohl im Auge zu behalten, wenn man ften, wenn die nachstehend in einem Schaubild dargestellte Entwicklung des deutschen Außenhandels seit Januar richtig würdigen und feine falschen Schlüsse aus ihr ziehen mill. Deutschlands Außenhandel Insgesamt Januar- September 1925 In Millionen Reichsmark Einfuhr Ausfuhr 382.0 676.2 ......... 458.1 Rohstoffe und halbfertige Waren 149.5 12.9.2 75.6 57.3 249.0 602.5 515.9 432.6 376.6Fertige Waren 255.3 185.5 148. Reiner Warenverkehr Gold und Silber 10414.1 628.5 55.1 -4028.2 6386.2 115% 1178.5 10691 897.60 33.1 135.5 776.6 728 6854 742, 724.0 533.90--Z 4871 521 Einfuhr Ausfuhr 1006. 993 100% 25.1 J F M A M J J A S Einfuhr Ausfuhr Hebt man mum aus der Außenhandelsstatistit die für die Ent midlung der Industrie außerordentlich wichtigen Spezialergebnisse der Rohstoffversorgung und der Fabrikatausfuhr hervor, so erhält man das in der Mittelspalte dargestellte Bild. Freitag, 30. Oktober 1925 Folgen deutschnationaler Handelspolitik. Die Mitteilungen der Industrie- und Handelstammer Solingen berichten für September außer über die Geschäftslage auch über die Wirkungen der Kündigung des deutsch- spanischen Handelsvertrags, das bekannte deutschnationale Meisterstüc". Die politisch ganz rechtsstehenden Herren der Solinger Kammer melden unter anderem: In der schwierigen Lage der Kleineisen- und Stahlwarenindustrie unseres Bezirks ist gegenüber dem Vormonat feine wesentliche Veränderung eingetreten. Die inländischen Abnehmer bestellen nur, soweit dies zur Aufrechterhaltung ihres Geschäfts unbedingt erforderlich ist. Auch die Weihnachtsaufträge sind nicht annähernd in dem üblichen Umfange eingegangen." „ Die Aufhebung der Einfuhrverbote der Schweiz ist hier mit Genugtuung begrüßt worden. Dagegen hat die Kündigung des deutsch- spanischen Handelsabkommens bereits sehr nachteilige Folgen gezeitigt. Aufträge sind vielfach nur unter Borbehalt erteilt, bereits vergebene Aufträge annulliert worden. Ein Nichtzustandekommen eines erträg lichen neuen Abkommens würde die ohnehin in ihrer Ausfuhr bereits start beeinträchtigte hiesige Industrie sehr bedauerlich benachteiligen." Inzwischen er weist sich, daß die wiederholten deutschen offiziösen Pressemitteilungen, ein neues deutsch- spanisches Abkommen werde rechtzeitig zum 16. Oktober zustande kommen, großen Scha den angerichtet haben. Die Erledigung und Expedition der spanischen Aufträge noch vor„ Toresschluß" ist längere Zeit nicht so bringlich behandelt worden, wie es dem wirklichen, aber in Deutschland offiziös verschleierten Ernst der Situation entsprochen hätte. Nun wird gemeldet, daß in den spanischen Häfen bedeutende Mengen deutscher Waren erst nach dem 16. Oftober angekommen sind, die entweder den jetzt geltenden dreifachen Zoll zu bezahlen haben oder zurück beordert werden müssen. Den Schaden der deutschen Absender, der in jedem Falle entsteht, kann man noch nicht abschätzen, jedenfalls ist er sehr groß. Wer will nun noch bezweifeln, daß solche Handelspolitik der Deutschnationalen ein Meisterstüc war? r Reisbant. Nach dem Ausweis der Reichsbant vom 23. d. m. haben auch in der dritten Oktoberwoche die Geldverhältnisse der Zentralnotenbank eine weitere beträchliche Entlastung erfahren. Der Wechselbestand ist um 171,7 auf 1311,9 millionen Rm. zurückgegangen. Die Lombardanlage erfuhr gleichfalls eine Abnahme, der Effektenbestand zeigt dagegen e eine Vermehrung um 9,7 auf 216,9 millionen. Die gesamte Wechsel, Lombard und Effektenanlage vermindert sich somit um 176,9 auf 1542,4 millionen M. An Zahlungsmitteln sind 98,7 millionen Reichsbanknoten und 91,7 millionen Rentenbankscheine in die Kajsen der Bank zurückgeflossen. Der Umlauf an Reichsbanknoten beträgt demnach 2395,2 Millionen, der Bestand an Rentenbankscheinen 410,9 millionen. Da der Goldbe stand und der Bestand an deckungsfähigen Devisen um 17,3 auf 1528,2 Millionen RM. vermehrt werden konnten, deckt er den Noten. umlauf zu 63,8 Proz. gegen 60,6 Proz. in der Borwoche. 1923 1924 J FMAMJ JAS bag 3 Millionen benötigte Kredite in der geforderten Höhe bisher Monatsdurchschnitt 19 2 5 Auf die Förderung der Ausfuhr von Fertigwaren aber hat die deutsche Industrie den größten Nachdruck zu legen, wenn ihr und der Arbeiterschaft eine steigende Betätigung gewährleistet werden sell. Borbedingung ist dazu eine Stärkung des inneren Marftes, die den Industrien zunächst einmal einen ausreichenden Absatz für eine rationelle Beschäftigung gewährleistet. Erst dann werden die Produktionstoften soweit sinken können, daß ein erfolg reicher und gesunder Wettbewerb am Auslandsmartt möglich ist. Wenn troh der bereits erwähnten Schwierigkeiten, trotz der hohen Auslandszölle, trog Kapitalnot und trop leberteuerung der inländischen Rohstoffe der Crport fertiger Waren sich in aufsteigen der Linie bewegen fonnte, so ist das ein Beweis dafür, daß die deutsche Wirtschaft über ausreichende Produktionsmöglichkeiten vertönnten, wenn eine gesunde die Entwicklungsmöglichkeiten der deutschen Produktion unterstützen würde. An der Steigerung der Ausfuhr von Rohstoffen und Halbfabrikaten ist das Interesse der deutschen Wirtschaft wesentlich geringer, da es natürlich für ein Land mit unzureichenden Rohstoffquellen viel nützlicher ist, einen möglichst großen Teil seiner eigenen Rohstoffe zu hochwertigen Produkten zu ver arbeiten und diese auf dem Weltmarkt anzubieten. Dazu gehört aber eine freihändlerisch gerichtete 3oll. und Handelspolitit, zu der sich die bisherige Regierung nicht aufZur Geschäftslage der Aga. Die Lage ist gegenwärtig die, daß nicht aufzutreiben waren. Die Verhandlungen mit der amerikanischen Gruppe haben sich zerschlagen, mit der italienischen Gruppe sind sie nie aussichtsreich gewesen. Während bei voller Beschäftigung 2200 Arbeiter im Wert ihre Tätigkeit fanden, sind jetzt nur 800 beichäftigt; die Produktion stellt sich auf etwa 120-130 Wagen, während vorher 500 Wagen bei voller Beschäftigung hergestellt wurden. Das vorhandene Material läßt den Bau von etwa 1000 Wagen zu, vorhanden sind im Werke 300 Wagen. Schöllersche und Eitorfer Sammgarnfpinnerei A.-G. Wegen Unrenfabilität ftillgelegt.. Wie WTB. erfährt, wird die ihren Betrieb in Breslau auflösen. Sämtliche Maschinen der Breslauer Fabrik werden nach Eitorf gebracht. Die Auflösung, bon der 400 Arbeiter und Arbeiterinnen betroffen werden, erfolgt, weil sich der Betrieb nicht mehr rentiert. fügt, bie noch viel ft ärter nubbar gemacht werben Die echten holländischen Man sieht zunächst, wie der Wert der in den einzelnen Monaten eingeführten Rohstoffe aus Halbfabrikaten( punktierte Linien des cberen Teiles) eine erst allmählich sinkende, dann wieder ansteigende und im September start absteigende Linie ergiebt. Die Ausfuhr von Rohstoffen und Halbfabritaten hat im Berhältnis viel geringere Schwankungen aufzuweisen. Der Rüd. gang im Roh- und Halbstoffimport läßt darauf schließen, daß die deutsche Produktion in der Zeit ihres immer noch günstigen Geschwingen fonnte. schäftsganges sehr weitgehend von Vorräten früherer Jahre gezehrt hat, wie wir das für die Eisenindustrie und ihre Erzversorgung bereits früher im einzelnen nachgewiesen haben. Vom Juli ab steigt dann die Rohstoffeinführung wieder an, um im Sep. tember noch stärker zu finfen jeßt offenbar im Zusammenhang mit der geringeren Beschäftigung der Industrie. Die Einfuhr fertiger Waren( punktierte Linie im unteren Schaubild) verläuft ziemlich stetig. Hingegen wird deutlich die allmählich ansteigende Tendenz der Ausfuhr von fertigen Waren erkennbar, die troß des immer noch großen Istoiterum and Belgische Industrieeinwanderung ins Ruhrgebiet. Nach dem Luxemburger Moniteur" wird die mit 90 Millionen Frank Kapital ausgestattete belgische Glasfabrik Libbey- Owens bei Gelsen firchen unter der Bezeichnung Deutsche Libbey- Owens- Gesellschaft für maschinelle Glasherstellung" eine neue Glasfabrit errich ten, die vorläufig mit zwei Defen und vier Maschinen arbeitet und ein Kapital von sechs Millionen Mar? besitzt. Die belgische Zeche Dahlbusch, die geldlich an dem Unternehmen start beteiligt ist, wird die erforderlichen Glasmengen liefern. Reichelt Reklame: POLAK ap PUDDINGE ebb Der feine Geschmack wählt Tudding Tolak. Billige Käse- Preise Echter Emmenthaler Hochfeiner Schweizer Vollfetter Tilsiter Nordisch. Vollfettkäse Butter bis einschließlich Donnerstag, den 5. November senstsidu nshot olis ½ Pfd. 48 Pf. ½ Pfd. 42 Pf. 1/4 Pfd. 33 Pf. % Pfd. 30 Pf. Echter Edamer vollfett Echter Edamer Vollfetter Limburger Feinster Limburger. 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Eberswalde; BittenauBriefelang in Bittenau a. b. Nordbahn. Bezirk Often, Abteilung A: Frisch Frei- Stralau in Niederschöneweide, Gasanstalt; Treptower BallspielClub- Alt- Glienice in Alt- Glienice am Riesberg: Adlershof- Oberspree in Ablershof, Bismardstraße; Merkur- Fichte- Südoft in Grünau, Bahmertstraße. Abteilung B: Bertha 22- Lichtenberg II in Lichtenberg, Wagnerftrage; WinterArbeiter Abftinentenbund, Debsgruppe Berlin. Sonnabend, den 31. Otto. Ber, 7% Uhr, im Jugendheim Schönstedtstr. 1, Mitgliedperfammlung. Mit gliebsbücher. Sonntag, den 1. November, Fahrt nach Rahnsdorf. Treffpunkt 9 Uhr Bhf. Rahnsdorf. Mensch und Tier im Urwald. Unter Mitwirkung des bekannten Afriba. forschers Hans Schomburgt findet am 31. Oftober in der Aula des Röllnischen Gymnasiums, Infelste. 2-3, ein Filmvortrag Mensch und Tier im Urwald" ftatt. Beranstalter diefes Filmvortrages ist die Bereinigung von AquarienFreie Schulgemeinde Berlin- Tiergarten. Am Montag, den 2. November, abends 7 Uhr, Generalversammlung in den Arminiushallen, Bremer Str. 71. Das Erscheinen aller Mitglieder ist Pflicht. Neuaufnahmen finden statt. Reichsbund der Kriegsbeschädigten und Ariegerbinterbliebenen, Bezirk Zentrum. Montag, den 2. November, 8 Uhr, spricht Kam. Lobischkies über ,, Agrarpolitik" im Rosenthaler Hof, Rofenthaler Str. 11-12. Tasmania- Borwärts 20 in tebersdorf: Strausberg-- Berliner Sportverein 16 in Friedrichsfelde, Treskowallee: Weißenfe Gaboma in Aöpenid- Rorb; Lichten berg III- Germania, Rartellsportplat in Friedrichsielbe: Bichtenberg I- Asbania in Stralau- Rummelsburg, Annaststraße: Romet- Fürstenwalde- Sparta in Lichtenberg, Sauffftrage; Männer- Turnverein Ketschendorf- Brandenburg 02 in Retschendorf: Friedrichshagen fpielt auf eigenem az gegen Britannia- Lichten berg. Bezirk Südwest, Abteilung A: Boltersdorf- Ballspielflub Moabit im Beuffelgrund, Bahnhof Beuffelstraße: Stern- Steglik- Nowawes in Steglik, Ning, Ede Südendstraße. freunde. Abteilung B: Rüjtig- Borwärts-- Wilmersdorf in Wilmersdorf, Württembergische, Ede Rähringer Straße: Stern- Marien. felde auf eigenent Blak gegen Frisch Auf- Ludenwalde; Luckenwalbe II- Hertha in Sudenwalde; Backer- Charlottenburg in Bankwiz. Abteilung C: Mariendorfer Sport- Club-- Neuköllner Ballipiel- Club in Mariendorf am Edernpfuhl; Botsdam- Budenwalde V, Bornstedter Feld; Britannia- Reutöln- Teltow; Schmargendorf- Luckenwalde III in Ludenwalde. 2eipzig- Stötteris 2 in Berlin. Am Sonntag hat bie zweite Mannschaft des Sportvereins Stralau eine Leipziger Mannschaft zu Gast, Leipzig- Stötterik. Die Stoalauer werben nur fehr wenig Aussicht auf Erfolg haben. Beginn des Spieles 2% Uhr auf dem Sportplag in der Goßlerstraße. Borher spielen Stralau III gegen Brandenburg 24 II. i Touristenverein Die Naturfreunde"( Rentrale Wien), Abt. Friebenen. Am Sonntag, den 1. November, Wanderung nach Meißners Sof. Treffpunkt 47 Uhr Bhf. Wilmersdorf Friedenau. Alle Genossen der Abt. 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Mit dieser Dentschrift wurden gesetzgeberische Maßnahmen zur Berhinde rung der rücksichtslosen Konjunkturausnutzung verlangt, um das Wirtschaftsleben von den demoralisierenden Einflüssen der Kriegs. wirtschaft zu reinigen. Im einzelnen wurde ein Ermächtigungsgesetz nach der Art des englischen Munitionsgefeßes, die Schaffung eines neuen Kriegsgewinnsteuergesetzes gefordert und die 3wangsver maltung solcher Unternehmen angeregt, die sich den staatlichen Maßnahmen nicht unterordnen wollten. Diese Dentschrift wurde dem Reichskanzler und gleichzeifig einigen führenden Persönlichkeiten des Wirtschaftslebens, die sich zum Teil fehr lobend darüber aussprachen, übersandt. 3ch wurde darauf vom Kriegsamt entfernt. Im Frühjahr 1918 betam ich ein Telegramm von Luden. dorff, worin er mich fragte, ob ich eine Dentschrift verfaßt hätte über Unternehmergeminne usw., im Reichstag sei die Existenz dieser Denkschrift vom Vertreter der Regierung geleugnet worden. Ich habe Ludendorff zurücktelegraphiert, daß sich der Entwurf bei den Aften des Kriegsamtes befinde, daß ich im übrigen aber nicht wüßte, was mit der Dentschrift geschehen sei. Der Beuge streifte dann die Frage, inwieweit deutsche Firmen Kriegsmaterial an das Ausland geliefert haben. Der Fall einer direkten Belieferung sei nur einmal gemeldet morden. Im übrigen habe es fich um Lieferungen von Rohmaterial an das neutrale Ausland gehandelt. Es seien zwar gewiffe Be bingungen an solche Lieferungen geknüpft worden, die verhindern sollten, daß das Material ben Feinden zugute fam; aber es fehlte die Möglichkeit, diese Bedingungen bezüglich ihrer Einhaltung zu fontrollieren. Als Chef des Kriegsamtes oblag mir auch die Sorge für den Ersatz des Heeres. Das Ergebnis meiner Untersuchung war, daß ich im April 1917 ins Große Hauptquarfier zu Ludendorff fuhr und ihm erklärte, er könne auf Erfah mit Sicherheit bis zum Frühjahr 1918 rechnen, er möge feine Operationen danach einrichten, daß er von diesem Zeitpunkt ab nicht mehr mit Erfah rechnen tönne. Im September 1917 tam ich ins Feld und bekam an der Westfront die 33. Division, die fich später im Jahre 1918 bei der Offensive über den Durchschnitt geschlagen hat. Diese Division bestand in der Hauptsache aus Arbeitern. Ich habe in dieser Division niemals den Einbrud gewonnen, daß irgendwelche politische Propaganda herrschte. Anfang Januar 1918 übernahm ich das 25. Refervetorps im Westen. In dieser Beit ging eine Reihe von Divisionen durch meine Hände. Ich habe nicht den geringsten Einbrud davon erhalten, daß die Truppen einer politischen Berseuchung unterworfen worden seien. Ich habe fogar die Ueberzeugung, daß unser Westheer im Frühjahr 1918 so gut war, wie feit dem Sommer 1914 nicht mehr. Irgendwelche Anzeichen, daß eine polifische Propaganda in das Heer hineingetragen wurde, habe ich nicht bemerkt. Ich kam dann nach dem Often in die Utraine. Am 19. Mai schrieb mir Ludendorff, daß an der Westfront alles gut stehe, er brauche zwar menschen, indeffen stehe die Menschenfrage bei der Entente auch nicht besser als bei uns. Ich persönlich habe die Lage im Besten am 19. Mai nicht mehr so günstig beurteilt, weil nach meiner strategischen Beurteilung mit dem Scheitern der Frühjahrs offensive zu rechnen war. Die Bestfront fing an eine Schlangenlinie zu bilden. Das war gefährlich, weil sie dem Feinde Anlaß zu Flantenvorstößen gab, Am 20. Juli war ich ber Ueberzeugung, daß an einen Sieg nicht mehr gedacht werden konnte, sondern daß es sich nur noch darum handeln konnte, so gut oder so schlecht es ging, aus dem Kriege herauszufommen. Mitte Sep. tember fuhr ich nach dem Westen. In Berlin hatte ich einige Besprechungen. Es herrschte dort bei ben maßgebenden Stellen eine geradezu idyllische Auffassung der Dinge. am 23. und 24. September in Spa bei Ludendorff. Dieser schilderte die Lage als ernst, aber nicht als unmittelbar bedrohlich. Ich sagte zu ihm: Sagen Sie mir offen und klar: Wie lange werden Sie im Westen noch Widerstand leisten können? Ludendorff antwortete: 3ch werde noch einige Monate Widerstand leisten können. Bis Weihnachten muß Friede jein. Auf meiner Rüdreise nach Berlin erreichte mich noch die Nachricht von dem Waffenstillstandsverlangen Luden= dorffs. Staatssekretär Solf vom Auswärtigen Amt machte einen zerschmetterten Eindrud. Es herrschte eine allge. meine Panit. 3ch fonnte natürlich diese Waffenstillstandsforderungen mit der Auskunft Ludendorffs vom 24. September nicht vercinbaren. Am 30. Ottober traf ich in Spa ein. Ich war zum Nachfolger Ludendorffs berufen, ohne daß ich von jemand revolte auf Riel und Wilhelmshaven beschränkt blieb, damit gerechnet werden, daß noch einige Zeit, gefragt worden war. Ich benutzte den 31. Oktober, um mich über| so konnte, wenn alles in der Heimat ruhig blieb, wenn die Matrosendie Situation im Westen zunächst im Großen Hauptquartier zu orientieren. An diesem Lage ist zum erstenmal eine ganze Division in Ungehorsam getreten. Es war eine Landwehrdivision, die fich weigerte, in Stellung zu gehen. Es war die Maffenpinhoje, daß man beim legten Totgeschlagenwerden nicht mit dabei sein wollte. Am 1. November traf ich mit dem Minister Drews zusammen. Ich war vom Often nach dem Besten gefahren mit dem festen Vorjah, wenn es irgendwie möglich war, die Stellung des Kaisers zu retten; da ich persön fich gegen die Abbantung des Kaifers die allergrößte Abneigung hatte, habe ich dem Generaladjutanten vorgeschlagen, daß Seine Majestät unverzüglich an die Front gehen solle, und 3war nicht zu Paraden, sondern in den Kampf. Dies sollte nicht in der Form geschehen, daß der Raiser fich an die Spiße seiner Truppen ftellte und gewiffermaßen einen Todesritt unternehmen sollte, sondern ich erklärte, er solle in den Schüßen graben, dorthin, wo viele Taufende deutscher Soldaten und Offi ziere standen, und dort sollte es der Kalfer darauf ankommen laffen, ob eine Augel ihn träfe. Wenn der Kaiser falle, gäbe es feine fchönere Stunde für ihn, und wenn er verwundet werde, sei nach meiner persönlichen festen Ueberzeugung ein Umschlag in der Stimmung des deutschen Voltes zu erwarten. Die beiden Generaladjutanten erwiderfen, es ginge nicht an, den Kaifer an die Front zu bringen. Ich habe dann auch dem Feldmarschall denselben Vorschlag unterbreitet. Aber der Vorschlag wurde von ihm gleichfalls mißbilligt. Am 1. November fuhr ich zur Front zum Heerestruppentommando. Ich habe feststellen müssen, daß es die höchfte Beit war, fich schnell vom Feinde abzudecken und zurückzuziehen. Ich war schon vorher der Auffassung gewesen, daß man die Weft front schon seit Monaten auf eine fürzere Linie hätte zurücknehmen müssen. Als ich das Kommando übernahm, war hinten feine Verstärkung mehr vorhanden. Die Amerikaner sind nach dem 1. November immer näher an uns herangekommen. Der Feind stieß auf dem linken Flügel vor, und es bestand die Gefahr der Gintreifung des deutschen Heeres. Am 5. November mußte ich nach Berlin reisen, um dem Kabinett Vortrag zu erstatten. Es fam der überraschende Vortrag über die Marinerevolte, und die Mitteilung, daß ein Eindämmen nicht mehr möglich sei. Es sollte verhindert werden, daß sich diese Revolte über das ganze Reich ausbreitete. Ich war mir klar, daß die Truppen nicht auf ihre Kameraden schießen würden. Am 6. November hatte ich eine Besprechung mit dem Prinzen Mag von Baden Wer glaubt, daß Prinz Mar von Baden etwa dem Raiser die Treue gebrochen hätte, oder daß er mit der Revolution vorfählich etwas zu tun hatte, der begeht ein schweres Unrecht. Mich selbst tann ein folcher Vorwurf nicht einmal bis zu den Stiefelspitzen erreichen. Wenn die Monarchie fich nicht retten lassen wollte, so war das natürlich thre Sache. Ich hatte am 6. November die Ueberzeugung, daß der Kaiser an der Spitze des Reiches nicht mehr möglich sei. Ich hatte aber alles getan, den Kaifer und die Monarchie zu retten. Auf meinen Vorschlag hat der Reichskanzler mir am 6. November den Befehl gegeben, die Führer der sozial demokratischen Mehrheitspartei und die Vertreter der Generalfommission der Freien Gemertschaften zu einer Aussprache über die Frage der Abdantung des Kaisers zu bitten. An der Besprechung haben teilgenommen Scheidemann, Ebert, Südefum, Bauer, David und Legien. Ich fand die Bertreter der Sozialdemokratie durchaus verständig. Bon feiner Seite ist ein Wort gefallen, das darauf schließen ließ, daß die Herren etwa auf die Revolution hinftenerten. Im Gegenteil ist nur davon gesprochen worden, wie man die Monarchie retten fönne, und bezeichnend ist, daß zum Schluß der spätere Reichspräsident Ebert den Vorschlag machte, die Abdankung des Raisers sei unumgänglich notwendig, wenn man die Monarchie retten und die Revolution verhindern wolle. Er schlage daher vor, baß der Raifer heute noch freiwillig feine Abbantung erkläre, und daß einer seiner Söhne, vielleicht Bring Eitel Friedrich Kronprinz selbst sei in diesem Augenblick unmöglich. oder Prinz Oskar, die Bertretung des Kronprinzen übernehmen. Der Ich mußte leider den Vorschlag ablehnen, weil ich vom Feldmarschall den Auftrag mit auf den Weg bekommen hatte, einmal den Kaifer zu schüßen, und zweitens war mir mitgeteilt worden, daß fämtliche Söhne des Kaisers fich mit dem Kaiser solidarisch erklärt hatten, die ihnen etwa angetragene Regentschaft abzulehnen. Ebert drückte fein schmerzliches Bedauern darüber aus und schloß mit einigen freundlichen Bemerkungen für mich. Ich betenne mich als absolut schuldig, daß ich an jenem 6. November nicht auf den Vorschlag Eberts eingegangen bin. Ich fuhr am gleichen Tage nach Spa zurüd. Ich hatte bort am 7. und 8. November mit einer militärischen Angelegenheit zu tun, und die Frage der Kaiserabdantung schied für mich aus, nachdem mein Vorschlag abgelehnt worden war. Andere Offiziere der Obersten Heeresleitung hatten aber meinen Vorschlag wieder aufgenommen und bis zum 8. November daran festgehalten, der Kaiser möge sich an die Front begeben. 2m 8. November wurde dieser Borschlag abgelehnt. Was die Frage der Dauer des Widerstandes anlangt, vierzehn Tage oder drei Wochen Widerstand geleistet werden konnte. Nun kommt die Frage, ob, nachdem am 29. August Waffenstillstand angeboten war, das Heer, wenn das Angebot abgelehnt wurde, noch fest in der Hand der Führung blieb. Durch das Waffenstillstandsangebot war den Heeren schon in der Ferne die Heimat gezeigt worden, und dazu kam, daß sucht erfüllt waren, Weihnachten zu Hause zu sein. Was war der Weihnachten vor der Tür stand und die Leute von der Sehn Borteil, wenn die Heere zusammenbleiben würden, die Revolution nicht fam? Es war der Vorteil, daß wir auch die Friedensbedingungen nicht anzunehmen brauchten, wenn wir mit einem schlagfertigen Heere hinter dem Rhein standen. Es ist richtig, menn gesagt wird, daß die Revolution dem Heere die Möglichkeit genommen habe, durch den Widerstand hinter dem Rhein wenigstens um beffere Friedensbedingungen zu fämpfen, immer natürlich unter der Vorauslegung, daß die Heimat nicht eine Bewegung zeitigte, die zuletzt zu einer Berschlagung des Heeres führen mußte. Der Widerstand hätte im Often, vielleicht auch am Brenner und anderwärts unsere Lage günstig gestalten tönnen. Am 10. November abends habe ich mit dem Boltsbeauftragten Ebert ein Bündnis zur gemeinsamen Bekämpfung der Revolution geschlossen. Wir haben gemeinsam von Anfang an die Revolution betämpft, und zwar nach meiner Initiative und mit den Mitteln, die ich zur Bekämpfung für notwendig hielt. Bei der Mehrheitssozialdemokratie hatte er das Gefühl, daß fich diese Bartet absolut sicher und zuverlässig gewiffermaßen vor den Wagen der Landesverteidigung spannen lassen würde, wogegen die USP.- Leute in dieser Hinsicht als unsichere Rantonisten erschienen. Trotzdem hätten auch die Unabhängigen für die Idee der Landesverteidigung gewonnen werden können, wenn die Regierung es beffer verstanden häfte, sie dafür herumzufriegen. Der Zeuge verweift darauf, daß es ihm seinerzeit gelungen war, Haafe in einer Unterredung so zu beeinflussen, daß dieser den Streif abgeblasen habe. Zuzugeben sei, daß die programmatische Einstellung der USB. auf gewiffe Parteianhänger von Einfluß gewesen fein mag. Bis fief in den Sommer 1918 hinein fei aber ein derarfiger Einfluß in der Kriegführung nicht beobachtet worden. Be merkenswert sei, daß bei allen Besprechungen, die der Zeuge auch mit Ludendorff führte, nie als Grund für die schwierige Lage die politische Propaganda bezeichnet worden fei. Ludendorff habe für den Ernft der Lage nur drei wesentliche Punkte angegeben: 1. die überaus schwierige Erfahfrage, 2. die feindlichen Tants, die in großen Maffen überraschend auftraten, und 3. daß die Zufuhr frischer Reserven fehlte. Bezüglich der Frage/ des R.-A. Hirschberg, ob die Er oberungsziele der Altdeutschen auf die Stimmung an der Front von Einfluß gewesen sei, führte der Zeuge aus, daß die Polifit der großen Kriegsziele eine falsche Politit gewesen sei, weil die Wirkung nicht ausbleiben tonnte, als die großen Ziele verschwinden mußten. Es sei falsch gewesen, an den Zielen noch zu einer Zeit festzuhalten, wo eine nüchterne Betrachtung der militärischen Lage die Erreichung der Ziele mindestens recht zweifelhaft erscheinen ließ. In diesem Moment hätte man eine Umschwenkung vornehmen müssen. Für das deutsche Volt hätte es gar kein größeres Kriegsziel geben tönnen als das Reich zu erhalten. Coßmann gibt Irrtümer zu. Brof. Coßmann betonte die Einstellung der„ Süddeutschen Monatshefte" bezüglich der Kriegszielfrage. Die Einftellung fei dadurch gekennzeichnet, daß die Frage der Sicherung die ausschlaggebende Rolle gespielt habe. Er gebe zu, daß man fich geirri habe und vor allem die strategische Bedeutung der Grenzen überschäßte, die jetzt durch die Entwicklung der Luftschiffahrt an Wert verloren habe. Maßgebende Kreise hätten überhaupt feine Striegsziele gehabt, weil man überhaupt teinen Krieg gewollt habe.( 1) R.-A. Hirschberg bezeichnet dieje Darstellung der Haltung der „ Süddeutschen Monatshefte in der Frage des Kriegsziele als irreführend. Er werde noch den Beweis führen, daß die„ Süddeutschen Monatshefte" noch im Februar 1918 für die Festhaltung der flandrischen Küfte eingetreten feien. Auf eine weitere Frage des Berteidigers Dr. Hirschberg erwiderte der Zeuge Gröner, wenn die Revolution nicht ausgebrochen wäre, so hätte die Verteidigung der Ostgrenze feine Schwierigkeiten gemacht, und man hätte dann auch mit der 3eit Truppen für die Südgrenzen herausziehen können für Bayern, Schlesien und für Sachsen. R.-A. Hirschberg zitiert dann ein Telegramm aus Innsbrud an die bayerische Regierung, daß die Tiroler dagegen profeffieren müßten, daß die Verteidigung der Südgrenze auf Tiroler Boden erfolge, ferner eine Mitteilung der bayerischen Regierung nach Berlin, daß die geplante Abordnung einer preußischen Division nach Bayern nicht erwünscht sei. Zeuge Gröner schildert weiter seine Bemühungen, das Er Chaos nach Ausbruch der Revolution zu vermeiden. MERCEDES Warum nur Mercedes- Schuhe? Weil die Marke, wie jede andere von Ruf und Namen, einzig durch hervorragende Eigenschaften und niedere einheitliche Preise erfolgreich sein kann. bedeutet stets Werte! Ueber 1100 elgene Geschäfte und Verkaufsstellen in allen größeren Städten Deutschlands, IN BERLIN: Marke MERCEDES FRIEDRICHSTR. 61/ POTSDAMER STR. 55 BRUNNENSTR. 194 babe sich zu biefem Swede mit Ebert in Berbindung gefeht umb Hindenburg habe, obgleich es ihm unsympathisch war, das. felbe getan, da es damals außer der Sozialdemokratischen Partei feine Partei gab, die in der Lage gewesen wäre, die Ordnung wiederherzustellen. bert verdient ganz besonderen Dant für seine in jenen Tagen bezeugte Baterlandsliebe und restlose Hingebung an die Sache. R.-A. Graf Pestalozza bezeichnet diese Ausführungen des Zeugen als eine der wichtigsten dieses Prozesses. Der Zeuge Gröner schildert dann die weitere Entwicklung der Dinge in Berlin und schließt zusammenfassend, ein großer Fehler sei es gewesen, daß die Zivilgewalten fich lediglich auf das Militär verlassen und nicht selbst eingegriffen haben. Sie feien immer nur auf die Erwartung des Sieges und auf das feste Vertrauen auf das deutsche Heer eingestellt gewesen. Im Anschluß an die 5½ftündige Bernehmung des Generals Gröner hörte das Gericht als nächsten Zeugen den Fabrikanten Bosch aus Stuttgart, der zusammen mit Dr. Neumann und Prof. Ed zu Beginn des Jahres 1918 an Ludendorff den be= Fannten Brief gerichtet hat, worin General Ludendorff darauf aufmerksam gemacht wurde, daß die Stimmung im Volke immer schlechter merde, und daß unbedingt auf einen Berständigungsfrieden hingewirft werden müsse. General Ludendorff habe damals geantwortet, daß die Ver. teidigung ebensoviel Blutvergießen toste mie der Angriff. Der Zeuge bemerkt, daß er bei Ausbruch des Krieges rund 4000 Leute beschäftigte und während des Krieges niemand festgestellt habe, daß unter der Arbeiterschaft irgendwelche Agitation gegen die Landesverteidigung getrieben worden wäre. Als letzter Zeuge murde der Vorsitzende des Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbundes, Leipart, vernommen, der bemerkt, daß die Stellungnahme der Gewerkschaften im allgemeinen mit derjenigen der SPD. identisch gewesen sei. Die Stimmung unter der Arbeiterschaft sei besonders durch die Kriegszielpolitik der Vaterlandspartei beeinträchtigt worden. Der Vorwurf des Dolchstoßes sei eine Beleidigung der Sozialdemokratischen Partei und treffe auch die Gewerkschaften. Die Gewerkschaften und die SPD. hätten während der ganzen Dauer des Krieges ihre vaterländische Pflicht erfüllt. Nach den Worten vom August 1914: Uns freibt nicht Eroberungsfucht. Die Verhandlung wurde dann auf Freitag vormittag 9 Uhr vertagt. In der morgigen Sitzung wird der Abg. Scheidemann vernommen werden. Sport. Rennen zu Karlshorst am Donnerstag, den 29. Oktober. 1. Rennen. 1. Kinderfreund( Hr. Gilde), 2. Fibula( v. Seherr- hoß), 3. Föhn II( Leutn. Holsto). Zoto: 1028 10. Blat: 133, 133, 44: 10. Ferner liefen: Malachit, Napoleon II, Stja, Couci le Chateau, Puppe II, Streiterin, Heimatfang, Haefeler, Isermann, Paufe, Arbeitsbiene, Jbikus, Hagen, Choral, Sonntagsfind. 2. Rennen 1. Berifles( W. Wolff), 2. Teifi( Slose), 3. Felsenrose ( D. Schmidt). Toto: 23: 10. Blag: 17, 17, 31: 10. Ferner liefen: Fechterin, Cambutta, Penelope, Schirmherr, Laon gef. 3. Rennen. 1. Stardinal II( Hr. Standinger), 2. Balamon( v. Keller) 3. Leander( v. Borte). Toto: 14:10. Plag: 12, 12: 10. Ferner liefen: Mundschent, Stummer Teufel. 4. Nennent. 1. Sturm( W. Wolff), 2. Erdferkel( Br. Müller), 8. Allotia( Franzle). Toto: 167: 10. Blat: 48, 20, 26:10. Ferner Tiefen: Toga, Kurfürst, Blümlisalp, Lebebame, Eulalia, Maas gef., Lauf, Mheinsage. & Rennen 1. Don II fb. Steller), 2. Marr( v. Mess),& Serzog ( Sr. Güilscher). Toto: 54: 10. Blat: 22, 17, 19: 10. Ferner liefen: Rappelkopf, Eichwald, Dtavi, Daim II, Samos, Blautopaz, Cid, Mirakel. 6. Rennen. 1. Prometheus( Moriz), 2. Maiprinz( Hauser), 3. Luna ( Milli Heuer). Toto: 23: 10. Plaz: 16, 19, 63: 10. Ferner liefen: Formint, Jdol, Atlantic, Lancade, Aviator, Depression, Vielliebchen, Hohe Sonne. 7. Rennen. 1. Oddrun( Müschen), 2 Belladone( Stys), 3. Duell. nymphe( Kurzawa). Toto: 306: 10. Blag: 45, 15, 24:10. Ferner liefen: Daubenton, Kiz me quid, Starrara, Rotbart, Donese, Udine, Solo, Hazard. 8. Rennent. 1. Eigenfinn( Barga), 2. Mandarine( Huguenin), 3. Broklamation( H. Aschenbrenner). Toto: 36:10. Plag: 16, 28, 20: 10. Ferner liefen: Titus, Poesie, Nektar, Immer Vorwärts, Prospero, Spekulant, Baltin, Lord Clifton. Die Direktion Zwei- Stunden- Rennen auf der Olympia- Radrennbahn. der Olympia- Radrennbahn veranstaltet infolge der jetzt günstigen Witterung am kommenden Sonntag, den 1. November, noch ein Zwei- StundenRennen hinter Motoren. Aber nicht allein die Witterung ist der Grund der Veranstaltung, sondern auch die günstige Gelegenheit evtl. endlich einmal ittig und Möller mit Sa mall auf der Olympia- Rad rennbahn zusammen zu bringen. Diese drei Fahrer lagen bis zum Schluß ber Saffon fo feft, bat es niemals gindte, dieselben su gleider Seit verpflichten. Um einen Ausgleich für das gute Eingefahrensein Sawalls auf der Olympia- Radrennbahn zu schaffen, ist ein Zwei- Stunden- Rennen gewählt worden. Hierdurch wird das Rennen ganz besonders interessant und offen. Festverpflichtet find bisher der glänzende Zweistundenfahrer Karl Bittig, der Matador der Olympia- Radrennbahn Walter Saw all sowie Jean Weiß, Franz Se ruptat, und als fünfter Teilnehmer Erich Möller, welche als Zweistundenfahrer gleichfalls schon große Erfolge hatten. Anfang der Rennen 2, Uhr. Wefter für Berfin und Umgegend. Ziemlich heiter und am Tage mild, morgens und abends frisch und etwas neblig. Für Deutschland. Vielfach Morgennebel, an der Nordseeküste etwas Regen, in den Tagesstunden mild. Muſitaufträge Leuchter, Vasen u.Geschirre alle Gebrauchsgegenstände aus Glas, Metall, Email, Porzellan, Marmor, reinis gen Sie spielend leicht mit VIM. VIM Streuen Sie etwas VIM auf einen feuchten Lappen und scheuern Sie die Gegenstände nur ganz leicht. VIM kratzt nicht. übergibt man nur dem Nachweis des Deutsch. Musikerverbandes, Berlin O 27, Andieasstr. 21( Sönigstadt 4310, 4048) Geschäftszeit 9 bis 5, Sonntags 10 bis 2 Uhr. Auf Wunsch Bertreterbesuch Auf Teilzahlung liefert Elegante Herren- Moden fertig und nach Maß unter Garantie für tadellosen Sitz und Verarbeitung Maßschneiderci J. Kurzberg Oranienstr.160, L Chausseestr. 1, Eingang Elsässer Straße. Tapeten 25 Pf. 30 Pf. 35 PL. Mefenauswahl in allen Preislagen- herrliche Muster Tapeten- Magazin Humboldt Brunnenstraße 112, Ecke Voltastraße nur 1. Etage, fein Laden. ( Ringfrei, daher konkurrenzlos billig.) Borzeiger erhält 5% Rabatt. 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Alt Moabit 112 Beusselstr. 29 GROSS BERLINS Luisenstr. 43/44 Stephanstr. 42 Turmstr. 47 a Wilsnackerstr. 30 C. Alte Schönhauserstr. 30 • Charlottenburg Berlinerstr. 115 Dankelmannstr. 58 Grolmannstr. 14 Holtzendorffstr. 4 Kaiser- Friedrichstr. 55 Kleiststr. 19 Knobelsdorffstr. 3 Suárezstr. 15 Tauroggenerstr. 12 Uhlandstr. 32 Wilmersdorfer Str. 71 Spandau Breite Str. 49 126 148 Hamburger Str. 35 Jägerstr. 1 Neuendorfer Str. 5 Potsdamer Str. 1a Schönwalder Str. 88 Berlin- Lichtenberg Boxhagener Str. 68 Frankfurter Allee 60 Frankfurter Allee 101 Frankfurter Allee 224 Wilhelmstr. 10 Berlin- Wilmersdorf Berliner Str. 131 Nürnberger Str. 33/34 Olivaerplatz 2 Wexstr. 28 KAISER'S KAFFEE GESCHÄFT Neukölin Bergstr. 140 Hermannstr. 40 Hermannstr. 119 Kaiser- Friedrichstr. 242 Berlin- Steglitz** Rheinstr. 42 Schloßstr. 85 Berlin- Schöneberg Kolonnenstr. 66 Tempelhoferstr. 21 Berlin- Oberschöneweide Edisonstr. 58 Wilhelminenhofstr. 41 Berlin- Adlershof, Bismarckstr. 25 Baumschulenweg, Baumschulenstr.19-20 Britz, Chausseestr. 47 Friedrichsfelde, Berliner Str. 40. Hermsdorf, Bahnhofstr. 17 Hohenschönhausen, Berliner Str. 113 Lichterfelde- W, Hindenburgdamm 54-55 Mariendorf, Chausseestr, 34 Pankow, Schönholzer Str. 1 Reinickendorf, Residenzstr. 107 Rosenthal, Hauptstr. 10 Südende, Steglitzer Str. 25 Schmargendorf, Breite Str. 22a. Tegel, Berliner Str. 9 Tempelhof, Berliner Str. 55 Weißensee, Berliner Allee 242 Weitere Filialen in Cöpenick, Schloßstr. 1 Friedrichshagen b. Berlin, Friedrichstr. 86 Nowawes, Friedrichstr. 20 Potsdam, Brandenburger Str. 20 " Nauener Str. 38 Freitag 30. Oktober 1925 Unterhaltung und Wissen Wunder der See. Bon R. H. Francé Unsere Welt ist wieder wundersüchtig geworden. Wunder, Offultismus, das Rätselhafte, Mystit, das sind die Schlagworte der Modedenter" und vornehm" tuenden Geister. Ich bin also in guter Gesellschaft", wenn ich ein Wunder" erzähle. Mein Wunder spielt im Wasser. In dem schönen, von uns so viel durchforschten flaren, warmen Wasser im südlichsten Mittelmeer. Wo die kleinen Papierboote segeln, die Berberschiffer fahren, um nach Badeschwämmen zu tauchen, wo die Edelkoralle ihr ver borgenes Dasein führt und nach den Glutstürmen, welche noch heißere Länder herübersenden, immer wieder wochenlang die See fpiegelglatt, leise atmend, traumhaft ruhen tann. Dann taucht mein Wunderding auf, steckt vorsichtig ein Köpfchen heraus aus der schützenden Flut, breitet sich aus und überläßt sich dem, der es in Ruhe beschauen mag. Staatsquallen treiben dann an solchen stillen Nachmittagen in dem großen Tierstrom, zwischen violett schillernden Riesenglocken von Medusen, langen, glizernden Ketten von Feuerwalzen und einer in Perlmuttei farben schillernden, zappelnden Menge unnennbarer Kleinigkeiten. Was ist eine Staatsqualle? Ein einfaches" Tier. Niedrig organisiert, wie man das in der Sprache der Tierfunde zu nennen pflegt. Diese hier ist vollständig durchsichtig; sie sieht aus, als wäre sie aus Glas erbaut. Andere ihrer Artung sind lebhaft gefärbt, dunkelblau oder farminrot oder violett. Und des Nachts werden sie alle wie schwimmende Edelsteine leuchten. Niemand kennt eigentlich ihre wahre Natur. Ist das Ganze ein einziges Tier oder ist es ein Tierstod nach Art der Korallen, die ja auch gar nicht weit entfernt davon sind in der Berwandtschaft? Man streitet darüber unter den Kennern; aber das soll uns jetzt nicht fümmern. Wir wollen nicht streiten, sondern forschen und wissen. Die Staatsqualle" haben wir herausgeschöpft aus ihrem Ele ment. Sie steht in einem hohen, großen Glasgefäß voll Seewasser nor uns. Und damit sie richtig sichtbar sei haben wir dafür ge forgt, daß der Hintergrund dunkel, fie selbst aber hell beleuchtet ist. So schwimmt sie nun wie ein gläsernes Kunstwert. Wir wollen sie jetzt gemeinsam studieren. Das ganze Tier, oder wenn wir es so nennen wollen: der Staat, oder wenn es uns besser paßt: die Organisation baut sich aus mehreren Stockwerken von Teilen auf, die aber stets fenfrecht angeordnet sind. Immer schwimmt das Ganze auch mehr oder minder sentrecht im Wasser, höchstens, daß es sich im Eifer des Vorwärts. fommens auslegt wie ein Schwimmer; den Kopf behält es aber ftets oben. Es hat nämlich einen Kopf. Den nennt man Luftfammer, und die gehört zu einem langen, manchmal meterlangen und noch längeren Sad, der als„ Stamm" alle übrigen Teile aus fich durch Sproffung hervorgehen läßt. Am Kopfende ist er blasig aufgetrieben und blickt mit einem augenförmigen Etwas zum Himmel hinauf. Ob das wirkliche Augen sind, ist noch nicht entfchieden, aber nicht wahrscheinlich. Dagegen fann dieser Kopf etwas anderes. Er stülpt in der Jugend seine Haut ein, und dadurch entsteht ein Behälter, der oben fest ist wie Horn. Er bildet eine Flasche, die man auch Luftflasche" nennt. Wie kommt da Luft hinein? Der untere Teil der eingeftülpten Haut sondert ständig Luft aus und füllt dadurch die Flasche. Eine luftgefüllte Flasche schwimmt natürlich an der Wasser overfläche; an ihr hängen alle übrigen Teile, also schwebt die ganze Staatsqualle wie eine Flaschenpost ganz von selbst am ruhigen Meeresspiegel und steckt die Luftflasche gewöhnlich noch ein Stückchen heraus so starf ist ihr Auftrieb. Wie aber, wenn Wellen schäumen? Sie würden das zarte Glasbäumchen umherschleudern, Teile abreißen; es würde binnen Pürzestem zerrieben und zerbrochen sein. Dagegen gibt es ein Eduhmittel. Die Luftflasche hat oben Deffnungen, die nach Bedarf aufgemacht oder geschlossen werden. Die Luft entweicht, und der fleine Wunderbaum sinft in die ruhige, wellenlose Tiefe. Am sturm. losen Tag aber bilden die Gasdrüsen" wieder frische Luft. Der Gashehälter füllt sich, und die Staatsqualle taucht wieder auf. P Das Ganze aber will nicht nur schweben, sondern auch schwimmen. Zu di3wed sind in der Entwicklungszeit die vielen Schwimmglocken" hervorgesproßt. Gewöhnlich sind sie so angeordnet, daß sie sich gegenseitig nicht stören. Sind glasflare Blafen, nach unten zu offen, im Innern aber erfüllt von Muskeln. Die ziehen sich kräftig und tattmäßig zusammen. Dadurch pumpt fich die ganze Organisation gleichsam durch das Wasser. Mit lebhaften Stößen rückt sie durch die Flut; die Schmimmgloden arbeiten im Gleichmaß wie eine Schar gutdisziplinierter Arbeiter. Born die Luftflasche, dann die Traube der Arbeitsgloden und, wie eine lange Fahne, die endlose Schleppe der übrigen Personen" hinterDrein; so ziehen die Staatsquallen gemächlich, beinahe würdevoll im Waffer umher. Unter den SchwimmAber noch kennen wir nicht alles. personen" sizzen erst die Mährtiere, welche für den Erwerb des Ganzen sorgen. Diese„ Nährpersonen" haben die Gestalt der ge= wöhnlichen Bolypen, d. h. fie find Magenschläuche mit einem weitgeöffneten Fangmaul, nicht viel anders gebaut, wie die Blumen der Korallen. Was sie mit ihren Aermchen festhalten, das wird in ihren Mund gestopft, als da sind Ruderfußkrebschen des Planttons, fleine Würmer, auch andere Quallen, selbst fleine Fischchen und dergleichen Mitbewohner der Hochseee mehr. Unterſtükt werden diese Freßpolypen durch lange, mit Muskeln versehene, daher äußerst bewegliche Fäden, die ganze Batterien von fogenannten Nesselkapseln tragen. Das sind kleine Behälter, aus denen bei Berührung ein ähender, fürchterlich brennender und andere Tiere lähmender Saft hervorsprüht. Wir werden uns also hüten, unsere Staatsqualle mit der Hand zu berühren. Die Fäden schlängeln überall umher; andere feine vielfach aufgerollte, die der Frangapparate entbehren, unterstüßen sie dabei als Taster. Haben fie etwas erspäht, dann fangen sie den Bissen ein und machen ihn mit den Giften der Fangfäden wehrlos. Schließlich wird die Beute por die Freßperson" geschleppt, die oft noch mit einem festen Deckel vor Verlegung besonders geschützt ist. Und nun fommt das Allermerkwürdigste: Was diese unerfättlichen Fresser effen, das fommt aüen übrigen Personen" zugute. Ihre Leibeshöhle ist hinten offen, geht in einen Kanal über, der zu der Leibeshöhle von allen Mitgliedern diefer sonderbaren Gemeinschaft führt. So werden sie sämt lich ernährt. Schließlich figen am Stamm, der durch Knospung mie bei einer Pflanze ununterbrochen wuchernd neue Personen hervor. bringt, auch die Geschlechtspersonen, denen die Fortpflanzung des Ganzen obliegt. " Es kommen dadurch nichts anderes als fleine Quallen zustande; minzige Medusen, die sich manchmal loslösen vom Mutterstamm und entweder allmählich in die Meerestiefe verfinfen, um dort unten geschützt das in ihnen verborgene Ei und die männliche Geschlechtszelle auszureifen, die sich in der Verborgenheit zu finden wissen. Oft aber bleibt das alles am Stode ſizen, und es verlassen ihn erst dann die jungen Larven, die schon eine winzige Luftflasche, einen einfachen Magenschlauch, die Anlage zu ein paar Tastern und einen Fangfaden mitbekommen und die Schwimmgloden somie die Vielzahl aller ihrer Bildung nach und nach hervorsprossen lassen. In dieser Beziehung herrscht große Mannigfaltigkeit im Reich der Glastiere so daß man da viele Gruppen und hunderte der allerschönsten und wunderlichsten Arten hat unterscheiden können. Die meisten leben gleich tierischen Blumengirlanden in der Lichtflut der Hochsee; es gibt aber welche, die sich auch zeitlebens in das ewige Dunkel der Meerestiefe verfriechen. Fern von allen menschlichen Begriffen spielt sich dieses tierische Urleben ab und doch wie vertraut sind uns an diesen Dingern so manche Beziehungen! Da ist zunächst das Zusammenarbeiten der Einzelpersonen zu einem Ganzen. Wie das eine das andere unterstützt und jeder von dem Ganzen, dieses aber von der Arbeitsleistung der einzelnen abhängt. Ist das nicht Arbeitsteilung, wie in einer gutgeleiteten Fabrif? Ist es nicht ein Sozialismus der edelsten Art nach den Prinzipien der vollkommenen Gerechtigkeit? Die einzelnen, die ja in diesem Fall auch leiblich zusammenhängen, sind gleichDer Erfinder des„ Dolchstoßes". Professor Coßmann. Rüsch berechtigte Teilhaber an einem Gemeinwesen. Daß dieses meist nur aus einigen hundert Personen besteht, tut nichts zur Sache. mit vielen Behntausend können immer noch dieselben Grundsätze von Gerechtigkeit durchgeführt werden. Man denke sich eine Er werbsgemeinschaft nach diesen Grundsätzen aufgebaut. Boll Hingebung dienen alle ein- und demselben Ziele. Welches Ziel ist das? Man dente nur scharf darüber nach und wird finden, daß das letzte Ziel doch nur ihre eigene Wohlfahrt ist. Sie haben fich nur zusammengetan in dieser wunderlichen Weise, um ihre Existenz besser zu fördern. Sie haben sich organisiert". Organisation zum größten Nußen jedes Teilhabers ist demnach schon ein Naturgesez, mird daher niemals untergehen. Gegen 18 Beilage des Vorwärts In den Straßen New Yorks. Von D. Harms. Wer von der alten Welt kommt und zum ersten Male in den Hafen von New York einfährt, wird diesen Eindruck nie vergeffen. Trogdem man teils durch Erzählungen, teils durch früher gesehene Bilder auf etwas Besonderes vorbereitet ist, wird man doch staunend diese gigantischen Bauwerke betrachten, die die Entwicklung der amerikanischen Technik zeigen. Durchschreitet man dann vom Südende der Stadt den Broadway( breiter Weg), dessen Name jedoch kaum angebracht erscheint, da die Straße im Vergleich zu den schwindelnd hohen Häusern sehr schmal ist, so ist man gar bald in dem Gedränge des Geschäftsviertels dieser Riesenstadt. Beim Betreten eines der Wolkenkratzer ist die große Zahl der Fahrstühle, die für den dauernden Verkehr in diesen riesigen Geschäftshäusern Sorge tragen und deren Zahl sich oft auf zwanzig bis dreißig beläuft, besonders auffallend. Um eine möglichst schnelle Personenbeförderung zu erzielen, hat man außer Lokalaufzügen, die in jedem Stockwert halten, Expreßaufzüge, die zunächst zehn bis zwanzig Stockwerke hoch fahren und erst dann halten, eingeführt. Interessant ist das Entstehen solch eines hohen Gebäudes. Drei bis vier Stockwerke tief wird die Erde ausgeschachtet, was durch moderne Baggermaschinen geschieht, die alle zwei bis drei Miuten ein Lastauto volladen und doch wenige Menschen zur Bedienung erfordern. Schon nach einigen Tagen ist so das Wert des Ausschachtens vollbracht, und die Maurer, die hier meist Staliener find, beginnen mit dem eigentlichen Bau. Holz wird bei den modernen Bauten nicht verwandt; bevor die Mauern empormachsen, wird ein Gerüst aus schweren Eisenträgern errichtet, das für die nötige Stabilität des Gebäudes Sorge trägt. Sobald die Mauern sich dann etwas aus der Erde erheben, werden proviforische Aufzüge angebracht, die mit rasender Geschwindigkeit die erforderlichen Materialien heraufschaffen. Man merkt, daß hier das Sprichwort gilt Time is money"( Beit ist Geld"). Erstaunlich schnell geht das Haus seiner Vollendung entgegen. " Sehr beachtenswert sind auch die Verkehrseinrichtungen, von denen an erster Stelle die Untergrundbahn zu nennen ist, die an einigen Stellen in drei Stockwerken übereinander angeordnet ist. Dem großen Verkehr Rechnung tragend, sind auch hier Lokal- und Expreßzüge eingeführt, was dann vier parallele Gleise in jedem Stockwerf erfordert. Das automatische Schließen der Wagentüren wird von einem Mann für den ganzen Zug bewirkt und schließt Unfälle durch Aufspringen während der Fahrt aus. Dem Fremden fällt es auf, daß es nicht verschiedene Wagentlassen gibt, und daß auch für jede Fahrt, ob furz oder lang, die gleiche Summe zu entrichten ist. Aehnlich sind die Hochbahnen eingerichtet, die auf Eisenfonstruttionen über den Straßen angeordnet sind, aber den großen Nachteil der Verdunkelung der unter ihnen liegenden Wohnungen und Läden haben. Hier wie bei der Untergrundbahn gibi es an allen Stationen automatische Sperren, die feinerlei Bedienung erfordern und das Passieren zum Bahnsteig nur nach Einmurf eines 5- Cent- Stückes gestatten, während man beim Verlassen des Zuges ungehindert hindurchgehen kann. Das langsamste Verkehrsmittel in New Yort ist ohne Zweifel die Straßenbahn, deren Geschwindigkeit während der Geschäftszeiten fleiner ist als die eines Fußgängers. Wenn ich früher durch Berlin fuhr und sah, wie bei Ausbesserung von Straßen oder Straßenbahngleisen fünf bis sieben Leute fich abmühten, mit schweren Hämmern und Meißeln den Beton zu entfernen, und an einigen Quadratmetern mehrere Stunden zu tun hatten, habe ich häufig gedacht, weshalb man hier nicht statt der Menschen Maschinen die harte Arbeit verrichten läßt. Daß es möglich ist, fie auf maschinellem Wege zu erledigen, fonnte ich hier beobachten. Ein einziger Mann war imftande, die Betondecke mit Hilfe eines Lufthammers, der den im Kesselbau gebräuchlichen sehr ähnlich ist, nur entsprechend größere Dimensionen hat, mit Leichtig zu lösen. Für die erforderliche Preßluft sorgte ein fleiner trieben wurde. der Unpolitische im Münchener Dolchitoßprozeßompreffor, der fahrbar war und durch einen Benzinmotor geT T S „ Ich bin Soldat, war es und werde es sein bis zu meinem letzten Atemzuge. Die Polifit fümmert mich nicht, ich bin ein deutscher Mann." feitiger Nutzen durch gegenseitige Aufgabe von Sondervorteilen, das Brinzip des Ausgleichs und der Gerechtigkeit als oberster sozialer Grundsatz, ist von der Natur vorgezeichnet und hat sich schon in ihr bewährt. Kann jemand diese Säße widerlegen? Diese einfachen Tiere wissen von der Weisheit dieser Marimen gar nichts; sie haben nicht einmal ein Gehirn, sind überhaupt nicht viel anders gebaut wie ergendeine Pflanze. Diese Grundsäge von Organisation, sozialem Ausgleich und Gerechtigkeit haben sich aber in ihrem Dasein bewährt. Durch sie werden sie am Leben erhalten und gedeihen sie. Darum werden diese Grundsäge auch nicht mehr nerlassen nachdem sie( wir wissen allerdings nicht, woher sie famen) einmal verwirklicht worden sind. Diese Grundsätze gelten aber für jede Gemeinschaft. Jede würde dadurch besser gedeihen. Wird man der Naturerfenntnis endlich einmal ihr Recht einräumen, sie als Lehrmeister des Menschen wählen und ihm zum Gebrauch für sein eigenes Leben der Vermittler der Weisheiten der Natur zu sein? Aus der empfehlenswerten Bilchergabe des Bücherkreises: Das Land der Sehnfuch t", Reifen eines Naturforschers im Gilden, worin France Landschaftsschilderung und Naturbeobachtung bietet.( Berlag J. H. W. Dieg Nachf.. Berlin.) Verkehrstürme, deren erstes Exemplar in Deutschland der Potsdamer Platz in Berlin aufweist, gibt es hier natürlich zahlreich. Außerdem findet man für die Verkehrsregelung an den Hauptstraßen in fleinen Abständen an Masten Lampen, die entweder " Achtung"," halt" oder„ Freie Fahrt" anzeigen. An den Ecken enger Straßen findet man häufig den auch von Deutschland übernommenen Pfeil mit der Aufschrift One way street"( Einbahnstraße). Diesen Verkehrseinrichtungen, und nicht zuletzt auch der Geschicklichkeit der New Yorker Verkehrspolizei ist es zuzuschreiben, daß der ungeheure, stetig anwachsende Berkehr in dieser Riesenstadt fich fast reibungslos vollzieht. Der Kraftaufwand beim Maschineschreiben. Bemerkenswerte Ergebnisse haben neue Versuche über den Energieverbrauch beim Maschinenschreiben gezeitigt, über die das Archiv für Hygiene" berichtet. Die Versuche wurden an gefunden männlichen und weib lichen Personen vorgenommen, die im Alter zwischen 18 und 50 Jahren standen. Zunächst hat sich gezeigt, daß die Lungenventilation während des Schreibens durchschnittlich um 30 Proz. anstieg. Die Arbeitsleistung wurde in der ersten Stunde mit einem größeren Kräfteaufwand vollbracht als in der zweiten Arbeitsstunde, war aber gleichwohl in der ersten Stunde um etwa 4 Proz. geringer als in der zweiten. Beim Schreiben nach Diftat ergab sich, daß während der gleichen Zeitspanne durchschnittlich um 42 Proz. mehr Arbeit geleistet werden konnte als beim Schreiben nach Borlage; gleichzeitig wurde dabei auch weniger Energie verbraucht. Die Versuche, die sich auf die Güte der Arbeitsleistung bezogen, zeigten bei den männlichen Bersonen wesentlichere Unterschiede als bei den Frauen, wobei allerdings mehr individuelle als generelle Unterschiede hervortraten, was beweist, dh die Leistungsfähigkeit beim Maschinenschreiben in erster Linie vom. Temperament und von der Gewandtheit der Einzelpersonen abhängt. So ergaben die Atmungsversuche z. B., daß die männlichen Personen während des Schreibens immer schneller und flacher, die weiblichen dagegen langsamer und tiefer atmen als während der Ruhezeit. Ferner stellten die Versuche fest, daß die männlichen Personen sowohl beim Abschreiben wie auch beim Diktat in der gleichen Zeit um etwa 11 Broz. weniger Arbeit leisteten als die weiblichen Versuchspersonen. Jn 150 Jahren 448 000 Tierarten entdeckt. Man schätzt die Zahl der heute bekannten Tierarten auf mindestens 465 000, movon allein 385 000 auf die Insekten kommen. Die Zahl der Wirbeltiere beträgt etwa 25 000. Bor 150 Jahren waren nur die wenigsten dieser Tiere bekannt. In einem 1779 erschienenen Buche gibt Prof. J. P. Breidenstein die Gesamtzahl der damals bekannten Tierarten mit 16 675 an; davon find 210 Säugetiere, 2090 Vögel, 2050 Amphibien, 2025„ Gewürm" und 10 300 Infekten. In den letzten 150 Jahren ist also eine ungeheure große Anzahl von Tieren untersucht und wissenschaftlich beschrieben worden; vor allem hat die Kenntnis der Insekten gewaltige Fortschritte gemacht. Der Bahl nach stellen ja diese Tierarten die eigentlichen Beherrscher der Erde dar. Nun sind gegenwärtig nicht weniger als 173 000 Arten von Käfern, 61 000 Schmetter lingsarten, 55 000 Hautflügler( bienenähnliche Tiere), 44 000 3weiflügler( Fliegen, Mücken usw.) und 52 000 sonstige Insekten anderer Gruppen bekannt. Die Zahlen, die Breidenstein von 150 Jahren fannte, find also verschwindend klein im Vergleich zu der, heutigen Zahlen. Die Erzeugniffen llo der herrenkleider Fabrik GEBR. Weitere Zweigniederlassungen der Firma Gebr. 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