Str. 517 42. Jahrg. Ausgabe A nr. 264 Bezugspreis: Böchentlich 70 Pfennig, monatlic 3, Reichsmart voraus zahlbar. Unter Kreuzband für Deutschland, Danzig, Saar- und Memelgebiet, Vesterreich, Litauen, Zuremburg 4,50 Reichsmart, für das übrige Ausland 5,50 Reichsmart pro Monat. Der Bormärts mit ber Gonntags beilage Bolt und Reit mit„ Gied lung und Kleingarten fomie dez Beilage Unterhaltung und Biffen" und Frauenbeilage Frauenftimme erscheint wochentäglich ameimal, Sonntags und Montags einmal. Telegramm- Adresse: -Sozialdemokrat Berlin Sonntagsansgabe sid nadod Vorwärts Berliner Dolksblatt 15 Pfennig Anzeigenvreise: Die einfpaltige Nonpareille seile 80 Pfennig. Refiamezeile 5,- Reichsmart. Aleine Anzeigen das fettgedrudte Wort 25 Bfennig ( zulässia awei fettgedruckte Worte). jedes weitere Wort 12 Pfennig. Stellengefuche bas erste Bort 15 Bfennig, fedes weitere Wort 10 Bfennig. Borte über 15 Buch. staben zählen für zwei Borie. Arbeitsmarkt Reile 60 Pfennig. 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Sie beruhten auf dem Gedanken, daß nur die Hauptverhandlung diejenige Klarheit bringen konnte, die über die Schuld des Angeklagten, woran die Allgemeinheit ein Interesse hatte, oder seine Unschuld, woran er einen erheblichen Teil Interesse hatte, notwendig war. des Wir haben uns bei unserer Entscheidung ebensowenig von der Anklageschrift, die mehrfach zum Gegenstand der Kritik gemacht worden ist, als von den Unstimmig feiten Frankfurter Urteils beeinflussen lassen, die immerhin von dem Standpunkt aus beurteilt werden müssen, daß die Dinge damals nicht eine solche Rolle spielten wie heute und damals in der Fülle des Materials verschwanden. verpflichtet war. Im einzelnen brauchte er nicht zu erwähnen, was er im einzelnen vorübergehend für Frenkel getan hatte. ob der andere Teil seiner Aussage der Wahrheit entsprach, nämlich Den Kernpunft des ganzen Prozesses bildete die Frage, das Gespräch, das er im Reichsaufsichtsamt für gestellt, was bisher nicht ganz unzweifelhaft war, daß dieses GePrivatversicherung in Berlin gehalten haben will. Zunächst ist fest spräch stattgefunden hat. Die Hauptverhandlung hat weiter er geben, daß wir annehmen müssen, daß der Angeklagte die wahrheit gesagt hat, als er betundete, daß er das Gespräch mit Meißner geführt habe. Es kann sich nicht darum handeln, daß über den Inhalt des Gespräches falsche Aussagen gemacht worden find. Wir haben es lediglich mit der Frage zu tun: Ist die Austunft, die von Meißner dem Angeklagten erteilt worden sein soll, erteilt worden oder nicht? Wäre eine Auskunft auf die Frage er. teilt worden, daß die Süddeutsche genehmigungspflichtig sei oder nicht, so hätte die Auskunft unmöglich erteilt werden können, die die Aussage miedergibt. Aber so ist ja die Frage nach der Aus fage nicht gestellt worden. Wir haben es nur mit der eidlichen SanctAussage, die Loeb gegeben hat, zu tun. Danach ist die Frage geſtellt worden: Ist eine Aufruhrversicherung in der Form der Süddeutschen, also nach dem Typ der Süddeutschen, genehmigungs pflichtig? Und wenn diese Frage im Zusammenhang mit einer im Gespräch auch erwähnten Frage, was diese Gesellschaft schon genehmigt erhalten hatte, gestellt worden ist, dann wäre es allerdings möglich, daß der befragte Beamte sagen konnte: In der Frage des Typs wird der Senat entscheiden, nämlich dann, wenn ein entsprechender Zulassungsantrag gestellt ist. Damit ist der Fall entschieden. Wenn man dem Angeklagten nicht nachweisen kann, daß eine solche Auskunft nicht erteilt worden ist und nicht hat erteilt worden sein können, dann fehlt die Möglichkeit, ihm nachzuweisen, daß er eine falsche Aussage gemacht hatte und selbstverständlich auch die Beschuldigung des vorsäglichen oder fahrlässigen Meineides. Bir haben uns auf die Egebnisse der Hauptver handlung gestützt. Da müssen wir feststellen, daß sich auch nicht ein Anklagepunkt ergeben hat, aus dem eine Schuld des Angelagten refultiert. Die Aussage, ob er bei seiner Aussage etwas verschwiegen habe, fonnte sich nur auf eine Tatsache beziehen, daß er früher einmal eine Vermittlung für Frenkel gegenüber dem Soldatenrat unternommen habe. In bezug auf die anderen Punkte at sich nicht ergeben, daß ein Berschweigen vorlag, besonders was die erwähnte Denkschrift anbelangt. Was die Bermittlungstätigkeit gegenüber dem Arbeiter und Soldatenrat anbelangt, so war sie eine gelegentliche aus seinem Freundschaftsverhälmis zu Frenkel und wenn er auf die Frage nach seinen früheren und jetzigen Berhältnissen zu Frenkel aussagt, er habe in freund schaftlichen Beziehungen gestanden, hat er alles gejagt, mozu er Kriegskommissar Frunse gestorben. Der Nachfolger Troykis. | ( Siehe auch dritte Seite.) lang einen gründlichen Meinungsaustausch über die gesamte inner politische Lage gepflogen; die durch die Genossen Paul Faure dund Compère Morel vertretene äußerste Linke der Partei war nicht hinzugezogen. Eine amtliche Mitteilung über die Unterredung ist nicht ausgegeben worden. Wie wir aber erfahren, hat die Aussprache über die Finanzfrage noch nicht zu einem pofitiven Ergebnis geführt. Painlevé erklärte, daß er noch nicht dazu gekommen sei, sein Programm endgültig festzulegen. Er versicherte jedoch, daß er die von Caillaur hinterlassenen Finanzpläne im Sinne der auf dem Parteitag der Radikalfozialen aufgestellten Forderungen so auszugestalten gedenke, daß die in Aussicht genommene Raffe zur Tilgung der Schuld in erster Linie aus Vermögens. steuern gespeist werden soll. Unter diesen Umständen willigte die sozialistische Abordnung ein, die Aussprache über die Finanzfrage auf montag zu vertagen. Auch bei der Kolonialpolitit ergaben sich noch zahlreiche Meinungsverschiedenheiten, insbesondere fonnte über die von der Regierung verlangten Kredite für Maroffo und Syrien eine endgültige Einigung nicht erzielt werden. Trozdem wird die Lage im großen und ganzen zu versichtlich beurteilt. Man hofft in der sozialistischen Partei, daß es gelingen wird, bis Montag auch in diesen Buntten eine Rompromiß formel zu finden, die der sozialistischen Fraktion gestattet, dem Rabinett Bainlevé ihre parlamentarische Unterstützung zuzusagen. Die Entscheidung darüber liegt bei dem Nationalrat der sozialistischen Aus Mostau tommt die Nachricht, für die weitere Deffentlichkeit unerwartet, daß der Bolkskommissar für das Kriegsmesen Michaj runse verstorben ist. Frunse bekleidete dieses Amt erst seit dem Januar d. J. Er wurde nach dem Sturze Trogkis vom russischen Communistischen Zentralfomitee auf diesen wichtigen Posten berufen. Freilich hat Frunse niemals die gleiche Rolle wie sein Vorgänger gespielt und wohl auch nicht spielen wollen. Er gehörte zum alten Stamm der russischen Revolutionäre und ist in der russischen Revo lutionsbewegung seit 1905 tätig gewesen. Als Kriegskommissar beforgte er zur Ergänzung der diplomatischen und höflichen Methoden forgte er zur Ergänzung der diplomatischen und höflichen Methoden Tschitscherins gelegentlich das demonstrative Säbelraffeln. Bei der starten nationalistischen Strömung in der russischen Bolitit verschaffte ihm diese Haltung, die selbstverständlich immer in voller Ülebereinstimmung mit dem russischen Zentralfomitee eingenommen courde, eine starke Popularität und erleichterte dadurch die schwierige Aufgabe der Nachfolgerschaft Troßfis. Selbstverständlich werden jetzt die engeren Anhänger Troßfis im russischen Zentralkomitee die Biederübertragung des Kriegstommiffariats an Trofi verlangen. Es ist aber ta um anzunehmen, daß die Bolscherifi eine so schnelle neue Karriere Trokkis für opportun halten werden. Die meisten Aussichten dürfte Dscherschinski haben. Trogkis Stunde in dem Sinne, daß er wieder eine alte Position einnimmt, dürfte noch nicht gekommen sein. In Frunse verliert die Sowjetregierung jedenfalls einen Mann von Tatkraft und Energie. Sein Tod hat freilich nach außen hin feinerlei politische Bedeutung, da Frunse ftets nur als Militärchef in Betracht tam. Die Todesursache. Moskau, 31. Oftober.( Telegr.- Ag. d. Sowjetunion.) Die Todes. ursache Frunses war herzlähmung, die nach einer Magenund Darmoperation eintrat. Diese war zur Beseitigung von Krankheitserscheinungen vorgenommen worden, die sich bereits nach einer vor 10 Jahren im Gefängnis vorgenommenen mißglückten Blinddarmoperation eingestellt hatten. Trotz der Herzschwäche, die fich bei der Operation zeigte, hofften die Aerzte, das Frunje genesen werde, doch trat bald eine erhebliche Verschlechterung ein. Eine Regierungserflärung aus Anlaß des Todes Frunses weist darauf hin, daß die Sowjetunion in Frunse einen ihrer besten Führer und einen Mann verlor, dem die Siege über Wrangel und Koltschat zu danken seien. Die Sozialisten und Painlevé. Noch keine Einigung. Baris, 31. Oftober.( Eigener Drahtbericht.) Als Bertreter der sozialistischen Partei haben am heutigen Sonnabend vormittag die Genossen Leon Blum, Renaudel, Moutet, Aurini. Baul Boncour und Mistral mit Bainlevé zwei Stunden Partei. Abberufung Sarrails. Zunächst kein anderer Oberkommiffar in Syrien. Paris, 31. Oktober.( Eig. Drahtber.) Die Abberufung des Generals Sarrail, dem man einen großen Teil der Schuld an den blutigen Ereignissen in Syrien zuschreibt, wird von der gesamten französischen Preffe mit Genugtuung verzeichnet. Neuerdings werden in Frankreich Stimmen laut, die der völligen Aufgabe Syriens das Wort reden. Das Frankreich vom Bölkerbund übertragene Mandat über Syrien geht am 27. September 1926 zu Ende, falls es nicht vorher auf französischen Antrag verlängert werden sollte. Gegen diese Erneuerung des Mandats, dessen Ausübung Frankreich bisher ungezählte Millionen und Tausende von Toten gefostet hat, erhebt heute nicht nur die Linkspresse ihre warnende Stimme, auch andere Blätter wie das„ Journal" schließen sich dem an. General Sarrail soll nunmehr durch einen Zivil. tommissar ersetzt werden, ein Posten, für den, wie bereits gemeldet, der sozialistische Abg. Baul Boncour in Aussicht\ ge= nommen war. Dieser hat jedoch in einer Unterredung, die er am Freitag nachmittag mit Painlevé hatte, das ihm gemachte Angebot endgültig abgelehnt. Bis zur Ernennung eines Gouverneurs soll der vor furzem zu einer Enquete über die Situation nach Syrien entjanbte General Lupont mit der provisorischenführung des Oberbefehls betraut werden. Vorwärts- Verlag G.m.b.H., Berlin SW. 68, Lindenstr.3 Boftfchedkonto: Berlin 37 536 Bankkonto: Bank der Arbeiter, Angestellten unb Beamten, Ballstr. 65; Diskonto- Gesellschaft, Depofitentaffe Lindenstr. 3. this in ***** Krieg und Frieden. Die kommende Entscheidung des deutschen Volkes. Wenn in ein paar Wochen das deutsche Volt über Locarno entscheiden wird, werden zwei große Heerlager gegen einanderstehen. Das eine wird geführt sein von der Sozial demokratischen Partei, und viel Volk der bürgerhinüber wird mitmarschieren. Der andere wird geführt sein lichen Mitte, Demokraten, Zentrum bis zu den Volksparteilern fchaftsparteiler, Rommunisten werden die Gefolgschaft von der Deutschnationalen Partei; Böllische, Wirtbilden. Ueber die Führerrolle der Sozialdemokratischen Partei im Kampf für Locarno fann gar kein Zweifel sein. Denn fratie nicht nur die weitaus stärkste, sie ist auch unbestreitbar Führerin seit Jahrzehnten auf dem Weg zur friedlichen Verständigung Deutschlands mit dem Westen, vor allem Frankreich. Bebel und Liebknecht protestierten gegen die Annerion Elsaß- Lothringens, die, wie sie erkannten, zu einem dafür dieselben Berleumdungen und Beschimpfungen auf sich, neuen deutsch- französischen Krieg führen mußte, und nahmen denen heute die sogenannten ,, Doichstößler" von 1918 ausgesetzt sind. Seit Jahrzehnten ist im Deutschen Reichstag teine fozialdemokratische Rede gehalten worden, in der nicht schon der Grundgedante des Werts von Locarno voranklingt. Als die Maroffofrise den europäischen Frieden bedrohte, war es Kurt Eisner, auf dessen Anregung die Berliner Organifation Jean Jaurès zu einer deutsch- französischen Friedensfundgebung einlud. Bülow, der Feind aller Schnorrer und Verschwörer", verwehrte auch dem großen französischen Sozialisten die Einreise. Ein paar Jahre später fam er vom Jubel der Berliner Arbeiterschaft umbrauft und predigte in gebrochenem Deutsch aber mit unvergleicher Wirkung- französisch zu sprechen, hatte ihm die. Polizei verboten das Evangelium der deutsch- französischen Versöhnung. Es folgten die Berner Konferenzen, das Werk Ludwig Franks und Albert Thomas'; der Sozialismus begann auswärtige Realpolitik zu treiben mit dem Biel sofortiger Wirkung. Da fam die Weltkatastrophe von 1914, die Jaurès, Franf, Millionen Vorfäm fer der edelsten Gedanken und mit ihnen zeitweilig diese selbst unter ihrem Schutt begrub... Nun beginnt der mühsame Wiederaufbau. Wenn irgend etwas den klassischen Traditionen der deutschen Sozialdemofratie entspricht, dann ist es die Versöhnung mit dem Westen, die Festigung des europäischen Friedens. Und dazu ist Locarno ein erster bedeutender Schritt. Auf der anderen Seite ist ebenso wenig zu bestreiten, daß es die Deutschnationale Partei ist, die im Kampf gegen Locarno die Führung hat. Den Vertretern der Ge walipolitit muß Locarno deshalb ein Breuel sein, weil man nicht die Gewaltpolitik nach innen vertreten fann, wenn man auf die Gewaltpolitik nach außen verzichtet. Stets und in allen Ländern sind es die reaktionärsten, die arbeiterfeindlichsten Parteien gewesen, die ihr vaterländisch schlagendes Herz am sichtbarsten über der Weste trugen. Sie fühlen fid als die Herren der Kriegsmaschine, die ebenso Machtinstrument nach innen wie nach außen ist. Und sie wissen, daß fie größere Maffen des Volks, deren Interessen den ihren ebenso entgegengesetzt sind, wie die des Schäfers, der schert und des Schafes, das geschoren wird, nicht in ihren Bann ziehen können, wenn sie nicht den Schellenbaum der nationaliftischen Phrase vor sich her tragen. Darum haben sie ja auch jetzt wieder die Heuchlermaste von sich geworfen und zeigen fie sich in ihrer natürlichen Gestalt. Ihr Traum bleibt der nächste Krieg! Für oder gegen Locarno, mit den Sozialdemokraten oder mit den Deutschnationalen! Für Frieden oder Krieg hier scheiden sich die Wege! Die Kommunistische Partei marschiert mit Böltischen und Wirtschaftsparteilern hinter den Deutschnationalen her. Wir wollen feineswegs sagen, daß ihr diese Rolle angenehm ist, obwohl sie an fie fchon lange gewöhnt ist. Aber mer nüchtern die Dinge betrachtet, wie sie sind, der kann doch nicht verfennen, daß es die Deutschnationalen find, die außenpolitisch führen, und die Kommunisten, die geführt werden. Es wird wieder einmal die fatale Situation eintreten, daß jede für die Kommunisten abgegebene Stimme für die große zur Frage stehende Entscheidung genau so gut sein wird, als wenn sie gleich für die Deutschnationalen abgegeben worden wäre. Gewiß, niemand bestreitet es, die Kommunisten haben ganz andere Motive als die Deutschnationalen. Aber in der Politik fommt es nicht auf die Motive an, sondern auf die Wirkung. Kommunistische Außenpolitik wird Deutschland doch nicht früher treiben, als bis es fommunistisch regiert sein wird das heißt, nach unserer Meinung drei Tage nach St. Nimmerlein, aber auch nach tommunistischer Ueberzeugung erst in einer recht späten Zeit. Doch die deutschnationale Hetze gegen den Frieden ist eine immer lebendige, stets vorhandene www Gesotz sie unterstützen, heißt das Gegenteil von dem tun. was das Interesse der Arbeiterklasse gebietet. O Um chre unmögliche Situation zu halten, haben die Kam- munisten aus Moskau das Märchen importiert, der Vertrag von Locarno fei»ein Kriegspakt gegen Sowjet- r u ß l a n d". Mit dieser lächerlichen Erfindung werden sie auch bei den kommenden Wahlen hausieren gehen. Wer wird sie ernst nehmen? Rußland hat in dem Augenblick, in dem Deutschland im Begriff stand, nach Locarno zu gehen, das neue Vertragswerk unterzeichnet, das es enger mit Deutschland verbinden soll. Niemand in Deutschland wünscht die guten Beziehurrgen zu Rußland zu stören, nur ein paar Narren in alter Generalsuniform spielen mit dem Gedanken einer Intervention. Allerdings, aucb von Rußland wird erwartet, daß es nichts tut. was oen Frieden Europas zu stören vermöchte— aber ist das zuviel verlangt? Warum, wenn es Verdacht gegen den Völkerbund hegt, der eben erst bei der Beilegung des bulgarisch- griechischen Konflikts praktische Friedensarbeit geleistet hat,— warum tritt Rußland nicht dem Völkerbund bei, um gemeinsam mit Deutschland seinen besürchtetan Mißbrauch zu westlich- imperalistischen Zwecken zu verhüten? Warum nicht? Etwa, weil sich Rußland in seinem östlichen Im- perialismus keine Schranken auferlegen will? Rußland und die deutschen Kommunisten übernehmen Gedankengänge der alten Machtpolitik, wenn sie meinen, jede Freundschaft zwischen zwei Völkern müsse auch eine Feind- schast gegen ein drittes in sich schließen. Solche Gedanken« gänge lehnen wir ab. Freundschaft mit Frankreich und England, wie wir sie verstehen, bedeutet nicht Feindschaft mit Rußland. Je unhaltbarer die eigene Position der Kommunisten im Kampf gegen Locarno ist, desto sicherer stärken sie die Po- sition der Deutschnationalcn. Es ist ein Jammer, immer wieder Teile der deutschen Arbeiterschaft in der politischen Gefolgschaft dieser schlimmsten Arbeiterfeinde zu finden. Immer wenn sie im Schmuck ihrer Sowjetsterne aufmar- schieren, wallt ihnen— für jeden politisch Sehenden deutlich sichtbar— eine mächtige schwarzweißrote Fahne voran. Aber diese Bünden sehen sie nicht! Rechtsblockkrach. Die Deutschnationalen drohen mit Indiskretionen. Das Rumpfkabimtt des Rechtsblocks war den Versuchen der deutschuationalen Parteileitung gegenüber, die Verant- wortung für den Sicherheitspatt von sich abzuwälzen, ge- zwungen, den Kabinettsbeschluß zu veröffentlichsn, in dem die dcutschnvtionalen Minister einem Abschluß des Vertrags von Locarno z u st i m m t e n. Die„K r« u z z« i t un g" und ähnlich auch die anderen deutschnationalen Blätter beant- warten die VeröffentlklMwj mit der Drohung, ohne Rück» ficht auf außenpolitische Interessen und ohne jede Bindung an die frühere Mitwirkung in der Regierung, das Material über den Gang der Locarno-Angelegenheiten der Oeffentlichkeit zu unterbreiten. Vorläufig stellt das Blatt des Grafen Westarp die Be- hauptung auf, die deutsch« Delegation habe die Richt- linien, die das Kabinett vor Locarno aufgestellt hatte, nicht befolgt und es deutet an, daß die Reglerungsricht- linien mit denen der D eu t s ch n a ti o na l e n Partei weitgehend übereinstimmten. Eine solche Kompctenzüber» schreitung sei die P a r a p h i e r u n g des Dertragswerks ge- wesen. Man kann sich schwer vorstellen, daß die Herren Luther und Stresemann zu diesen Unterstellungen schweigen werden. Sie enthalten einmal die Behauptung, daß sich die Reichs- regierung dem Diktat der Deutschnationalen glatt unterworfen hat, und werfen auf der anderen Seite der Delegation vor, daß sie sich an die Abmachungen mit den Allerseelen. Von Paul Gutmann. Ain Tag nach dem heutigen Sonntag, der den Heiligen der katholischen Kirche gewidmet Ist, begeht diese das Fest der Abge- schiedcnen, das Fest Allerseelen. Einmal im Jahr erinnert man sich der Toten, jener stummen Gläubigervcrsammlung auf dem Friedhof. deren wortlose Mahnung um Lieb» mit Blumen, Kränzen, brennen- den Lmnpen befriedigt wird. Wie herrlich sind sie uns entrückt, in jene reine Sphäre, wo es keinen Haß. keine Mißgunst, kein« Tod- seindschast mehr gibt.»Und derb« Knochen, die sich tödlich schlugen/ sagt Goethe bei Betrachtung von Schillers Schädel,»sie liegen kreuz- weis. zahm, allhier zu rosten. Entrenkte Schulterblätter, was sie trugen, fragt niemand mehr." Man kann au» dem Beisammensein mit den Toten mitunter mehr lernen, als au» dem lärmenden Durcheinander der Lebenden. Die Toten sind sehr weise, und eine lächelnd« Ironie liegt auf ihren stummen Zügen. Sie, die aus einer Ewigkeit in die ander« über- gegangen sind, und nun auf dem Aldebaran oder dem Stern Alpha im Sternbild des Orion ebenso zu Hause sind wie auf dieser lächerlich winzigen Erde, sie wissen, daß es nichts Dümmeres geben kann al« den Haß da unten. Lohnt es etwa, nachdem man Billionen Jahre nicht gelebt hat und Billionen Jahr« nicht mehr leben wird, sich um«in Wort, eine Auslegung,«in Fahnentuch gegenseitig das Dasein unter dieser lieblichen Sonne zur verpesteten Hölle zu machen. Lohnt dieser Aufwand von Verleumdung und stinkender Niedertracht in dieser kurzen Daseinssekunde, die doch so schön hätte sein können. Kein Land ist dem Thristen so nah« wie das Küstenland Klein- ästen. Was stch hier begeben hat. ist heilige Geschichte, und während der Christ der Toten gedenkt, weilen seine Gedanken an jenen fernen Küsten am Mittelmeer. Der Apostel Paulus, der das Ehristentum nach Europa gebrocht hat, erfuhr dort drüben tn jener Stadt sein« Wandlung, wo dieser Tag« den Toten ein Schimpf widerfahren ist. der an die furchtbarsten Zeiten des Altertum» und des Mittelalters erinnert. Ein Bild von barbarischer Entsehllchkeit. das der Schändung der Leichnam« in der»Jliae" gleichkommt, taucht blutig auf in dem erleuchteten Zeitalter der drahtlasen Telegraphic. der Flugzeuge, der Bölkerkongresse. Die nackten Leichname von Arabern. die, an Kamele gebunden, durch die zerstörten Gassen von Damaskus geschleift wurden, sind eine Schmach, die kein Lebender von dieser Zeit abwaschen kann. Sie sind das furchtbore Menetekel, daß der Haß auf Erden und mehr denn se sein« Herrfchaft ausübt, und daß es gleichgültig ist, ob ein Verbrechen von dem primitiven Läufer des Altertums oder durch das staunenswerte Wunder geistigen Fort- schritts, durch Herrsche Wellen, den Mitlebenden bekanntgegeben wird. Die Grausamkeiten der Römer in Karthago und Korinth, der Spanier tu Peru, eine» französischen General, in Damoskus. sie Deutschnationalen und den Kabinettsmitgsiedevn nicht gehalten hat. werfen ihr also zwifchen den Zellen ein u n e h r- liches Spiel vor. Wenn sich die Dinge so abgespielt haben, wie die.Lreuzzeitung" sie andeutet, dann bleibt es unerklär- l i ch, weshalb die Parteileitung und die Kabinetts- Mitglieder der Deutschnationalen nicht spätestens in dem Augenblick, in dem die Herren Luther und Stresemann ihre Paraphe unter das Dertragswerk setzten, in oller Form vor der Oeffentlichkeit Einspruch erhoben, anstatt zunächst zu schweigen und hinhaltende Beschlüsse zu fassen und es den Landesvertretern zu überlassen, den Bruch zu voll- ziehen. Die verabredete Ausrede der deutschnationalen Partei- leitung. daß man erst nach den ausländischen Kommentaren zum Vertrag dessen Bedeutung habe übersehen können, hält heute noch weniger als vor Tagen stand, da die Beröffent- lichung der deutschnationalen Richtlinien dsn Beweis erbringt, daß die Deutschnationalen schon in einem viel früheren Zeitpunkt Klarheit über den Widerspruch zwischen ihren Wünschen und dem Erreichten hatten. Man kann mit gutem Gewissen als wahr unterstellen, daß die deutschnationalen Minister und ein Tell der Partelleitung den„Betrug", dein sie der Delegation vorwerfen, selbst mit- machen wollten. Das alles ändert nichts an der Tatsache, daß der Krach im Rechtslager, den die Deutschnationalen herauf- beschworen haben, der Stellung Deutschlands empfindlich schaden muß. wenn auch die Gewißheit, daß der überwiegende Teil des deutschen Volkes das Friedens- werk von Locarno begrüßt, außer jedem Zweifel bleibt. Da- für haftet schon die einmütige Zustimmung nicht nur der Rheinlandvertreter, sondern auch der Minister- Präsidenten derLSnder einschließttch der d« u t s ch- nationalen, die sie dem Vertrag nach der Rückkehr der Delegation in zusammenfassenden Sitzungen gegeben haben. Aus Parteiegoismus jetzt die Deutschnationale Partei als Regierungspartei in der für die Gesundung Deutschlands wichtigsten außenpolitischen Frage das Ansehen und den Kredit des Reiches aufs Spiel. Sie ist nicht imstande, die Ziollkourage, die sie von anderen verlangt, für sich aufzu- bringen: sie, die VerSchkerin demokratischer Formen unterwirst sich kampflos dem nationali st ifchen Mob der Straße. Es ist schon richtig, wenn die„Germania" erklärt, mit dieser Partei sei nicht nur nicht zu regieren, fondern sie sei auch eoen sowenig möglich Äs neutrale Partei. die man außerhalb der Regierung wohlwollend duldet. Aber wem sagt man das? Die, die es angeht, haben es noch immer nicht begriffen oder wollen es aus durchsichtigen inner- politischen Gründen nicht begreifen. Man wird also das Volk entscheiden lassen müssen, ob es dem Reichstag nicht eine andere Mehrheit wünscht als die der Brotwucherer und Vertragsgegner._ öruhn ins Stammbuch. Es hat V r u h n beliebt, uns wieder einmal durch die Gosse seiner„Wahrheit" zu schleifen. Wir hatten im Februar dieses Jahres seine Legitimation zu dem Beruf eines Reint- g e r s der öffentlichen Sitten in Frage gestellt, wobei uns Borkommnisse aus feiner entfernteren, aber auch aus seiner jüngsten DergangenheU die nötigen Fragezeichen lieferten. Der Edk« lief zum Kadi, er wollte auch einmal Kläger sein. Die Durchführung des Prozesses wurde aber durch die preußisch« Amnestie oerhindert. Druhn erzählt jetzt seinen bedauernswerten Lesern zum zweiten Male, wie schmerzlich ihm die Vinstellung des Verfahrens ist. Er hat also wenigstens in einer Beziehung ein feines Gefühl, nämlich darin, daß seiner ersten Versicherung kein Mensch Glauben ge- schenkt hat. Ihr« Wiederholung wirb ihm aber nichts nützen. Bruhn hat in unserem Prozeß selbst eingestanden, es ist aber trotz- dem wahr, daß er mit einem Spielklubbesitzer, der in der „Wahrheit" wiederholt angegriffen worden war und erfahren hatte, zeugen davon, daß aus der Herrschaft des Schwertes immer neue Verbrechen entstehen müssen und daß nur die Lehre der Liebe, ob nun sozialistisch ob christlich, die Paulus in jenem heute blutbesudelten Damaskus aufgegangen ist, uns retten kann. Während man in Frankreich, in Italien, in Oesterreich, am Rhein oder in Schlesien der toten Seelen gedenkt, wird wie ein Gespensterreigen der Zug der Kamel« mit den Leichnamen der Erschlagenen auf ihren Rücken durch den Novembernebel ziehen. Und jene stummen Gläubiger auf den Friedhöfen, unter den eittlaubten Bäumen, werben Rechenschaft fordern, daß die Lebenden Spott mit den Toten treiben, und daß der friedliche Tod dazu dienen soll, die Flamme des mörderischen Hasses bis zum Weltbrand anzufachen. Wer aber fühlen und sehen gelernt hat, dem kann es bei dem Anblick der mit Leichen belodenen Kamele nicht anders ergehen, als jenem Paulus, von dem da geschrieben steht:„Und da er auf dem Wege war und nahe bei Damaskus kam. umleuchtete ihn plötzlich ein Licht vom Himmel.. 5r!eörich hasse. Za seinem 100. Geburtstag am 1. November. Die Rachwelt kann diesem Mimen zwar nicht die Kränze flechten, auf die sein beispielloser Ruhm zu Lebzeilen ihm Anwartschast gegeben zu haben schien, apf jeden Fall aber muß man seiner gedenken als des ersten und virtuosesten unter den vielen Schau- spielern, die den Ruf und Ruhm des deutschen Theaters in die Well getragen haben. Er war der Sohn des ersten Kammerdieners des nach- maligcn Könige Friedrich Wilhelm IV., dieses Romantikers auf dem Throne, der denn auch früh mit sicherem Instinkt das Talent witterte, das dem Sahne seines Diener? beschert worden war. Er nahm sich der Pflege dieses Talentes persönlich an, ließ den jungen Friedrich Haase von Ludwig Tieck ausbilden und verschaffte ihm 1846 ein Engagement am Hoftheater zu Weimar, ohne vorerst vurch sonder- lich« Erfolgt seines Schützlings belohnt zu werden. Erst fünf Jahre später, am Präger Theater, zog Haases darstellerische Virtuosität die Aufmerksamkeit Dmgelstedts auf sich, der Haas« alsbald für seine Musteroorstellungen in München engagiert«. Hier begründete Haas« mit den Kabinettstücken seines Hofmarschall von Kalb und seines Marinelli seinen Weltruf, den er in den folgenden Il-h Jahr- zehnten durch ganz Europa trug. Die zwingende krast seiner schau- spielerischen Leistungen war in der Hauptsache ein Erbe des Milieus. in dem er aufgewachsen war und da-- ihm Gelegenheit gegeben hatte, olle Stufen und Schattierungen der Aristokratie aus aller- nächster Nähe zu studieren. Allerdings läßt sich darauf auch zurück- führen, daß feine Kunst mehr Sache beispiellos«irkungssicherer mosaikartiger Kleinarbeit ol» organischer Gestaltung war. Auch gelang es ihm infolge dieser persönlichen Bedingtheit nicht, au« dem Virtuosentum zum zusammensassenden und ausbauenden Schaf- fen eines Theaterdircktvrs auipisteigen, obschon er mehrfach diesen Versuch machte. Jsür seine Zeit ober bedeutete er den Inbegriff darstellerischer Höchstleistung und hat einer noch mehr erlebnis» frohen als krittklüsternen Welt einen tiefen und nacbwirkenden Ae» griff von deutscher Bühnenkunst gegeben. daß diese alosra maxima neuen Schlamm über ihn auszuschütten im Begriffe sei. sich zu„Verhandlungen" m einem Cäfö ge- troffen hat. Er hat weiter zugestanden, es ist aber trotzdem wahr, daß sein Freund und Mitarbeiter, der wegen Unterschlagung von Mündelgeldern aus dem Anwallstand ausgeschlossene frühere deutschkonseroative Reichstagskandidat Bredereck von eben diesem Spielklubbesitzer regelmäßig« Geldzuwendun- gen empfangen hat, ohne daß die Kenntnis dieser Tatsache den Bruhn zu einer Lösung der geschäftlichen und freundschaftlichen Beziehungen zu dem Stipendiaten des Spielhausunternehmers ver- anlaßt hätte. So wenig es einer Kennzeichnung des Bruhn für die Oeffentlichkeit noch bedarf, sie hätte immerhin die ösfenlliche Fest- stellung dieser Tatsachen als eine Bestätigung der Richt i gleit des allgemeinen Urteils über ihn mll Interesse entgegengenommen. Und weiter wäre bei einer Verhandlung des Prozesses die deutsche Sentlmentalllät auf ihr« Rechnung gekommen durch die Enthüllung eines rührenden, innigen Freundschastsverhällnisses zwischen dem Antisemiten Bruhn und einem jüdischen Renn- stallbesitzer, das beiden Teilen in gleichem Maße zur Ehre gereicht und das Aussicht auf Dauer hat, da es für Bruhn von Nutzen ist. Der Borkämpfer ,,für deutsche Art und natio- nale Ehre" bekommt nämlich von seinem jüdischen Intimus Wink«, die er am Totalisator schon mit vielem Erfolg verwendet hat. Man weiß, daß der Bruhn gegen die Berührung mll heißem Wasser un- empfindlich ist wie ein indischer Fakir. Trotzdem haben wir keinen Zweifel, daß er dem gegen uns angestellten Prozeß im Hinblick auf die bevorstehende Stäupung mit viel weniger Gemütsruhe«nt- gegengesehen hat als wir, die wir zu unserem Bedauern durch die Amnestie auch des Vergnügens beraubt sind, im Gerichtssaal die Vorgänge aus der Reichstagswandelhalle zu rekonstruieren, die den Beweis geliefert haben, daß die durch die Deutschnationalen be- trogenen Sparer ein ebenso richtiges wie für Bruhn wenig schmeichelhaftes Urteil über seinen Charakter haben. Aber so erwünscht uns in unserem anstrengenden Beruf eine Erheiterung ist, wir trösten uns mit dem Ersahrungssatz, daß auf- geschoben nicht aufgehoben ist. Wir wissen, daß der Bruhn seine politisch-geschäfllichen Grundsätze nicht ändern kann und wird und daß wir noch manchesmal genötigt sein werden, Beiträge zu seiner Biographie zu liefern, deren Porträtähnlichteit zu beweisen er uns hoffentlich Gelegenhell geben wird. Vielleicht erleben wir dann eines Tages noch die Genugtuung, daß sogar auf den Gesichtern seiner eigenen Gesinnungsgenossen die Richtigkeit des Wortes Platos in die Erscheinung trllt: Der Mensch errötet, w-nn er die ,,W a h r h e i t" in ihrer Nacktholl fleht. Futterkrippe, Futterkrippe! Ein Landwirt über den Landbnnd. In der„Frankfurter Zeitung" rechnet ein nori deutscher Landwirt mit dem verkrachten Landbund ab. Er schreibt ihm u. a. folgendes ins Stammbuch: „Der Zahl nach sind natürlich die K l e i n b a u e r n am stärksten in der Guppe Landwirtschafr oertreten. Diese möglichst restlos im graßagrarischen Interesse im Reichslandbund zusammenzu- fassen, war das Hauptziel der skrupellosen Agitation. Ein ungeheurer Bcamlenapparal war dazu erforderlich, der natürlich Unsummen verschlang, und zu dessen Unterhaltung die Bauern bluten mußten. Als Befähigungsnachweis für Landbundführer und»beamten genügte: Deutschnationale Gesinnungstüchti gleit. Namentlich die höheren militärischen Chargen wurden gerne gesehen. ä'"■'..... Aus Mitglledsbeiträgen allein, das sah man bald ein, war nicht so viel Geld zusammenzubringen, wie zur Eroberung der polttischen Macht erforderlich war. Darum gedacht« man den ganzen Waren- verkehr der gesamten Landwirtschaft in der Regie des Reichsland- bunde» zusammenzufassen, um durch den Handel, durch Preiszuschläge. die Parteikassen stillen zu können. Die Landbundgenossen. schoflen wuchsen wie Pilze aus der Erde. Betriebsleiter wurden meist Leute, die von kaufmännlschen Geschäften kein« Ahnung hatten. Nur tüchtig auf die»verfluchten Juden" zu schimpfen, darin berauschte man sich und die ahnungslosen Pokasch und Perlmutter beim Film. Im jüdischen New Park sind Potasch und Perlmutter so populär, wie bei uns der Raffketyp. Die Herren(Blaß und Goodman haben dl« Taten der immer smarten Geschäftsleute dramatisch ausgeschöpft, in nicht weniger als vier Teilen. Den ersten Teil„Potasch und Perlmutter bei der Kon- fektion" hat man in Berlin bereits mit großem Vergnügen gesehen. Den zweiten Teil, in dem die beiden, der Konjunktur folgend, unter die Filmfabrikanten gegangen sind, gab man gestern im Lust- s p i e l h a u s. Seine groteske Komik versetzt die Zuschauer für ein vaar Stunden in quietschfidele Laune. Schon lange ist der Zu- schauerraum eines Berliner Theaters nicht von solchen Lachsalven erschüttert worden. Es ist auch zum Schreien komisch, wenn die beiden aus der Konfektion, die ohnehin von der Filmerei nichts ver- stehen, durch die Einmischung ihrer Familienmitglieder— der Misch» poche, wie es in dem Iargonstück heißt,— in die verzweifellsten Situationen geraten. Die Hauptdarsteller. Friedrich' Lobe und Paul Gr ätz, sind in ihrer mit Armen und Beinen arbeitenden Groteskkomik nicht zu überbieten. Neben ihnen ernteten Käthe H a a ck(die eine etwas hausbackene Filmdiva gab), Robert Scholz, Else B ä ck> N e f t, John G o t t o w t Beifall auf offener Szene. Dgr. »Der leßke Kuß." Im Nollendorf-Theater wird«in« neu« Operette von Roberr Winterberg gespielt:»Der letzt« Kuß." Wie sich von selbst versteht, ist die Handlung" mehr als aperetten- Haft, burlesk, grotesk, zeitweilig clownhaft. Ihr Kern etwa folgen- der: Eine Kabarettdiva(Hilde Falk) hat einen.Freund"(Kurt Desp ermann), den sie stürmisch liebt, der sie aber oerlassen will. Er will«ine Tochter„au» gutem Hause" heiraten, well er lein Geld hat. Aber der Teufel reitet die Frau Schwregermama, ausgerechnet die Diva in die Gesellschaft zu laden, die sie zur Feier der Unterzeichnung de» Ehekontrakts oeranftaltet. Die Diva kommt, trifft ihren Freund und— na, das übrige ist Allerwells- komik, die gleichermaßen den Ersatzfreund in Gestalt eines exotischen Exgensrals(H a i n i s ch) und eine junge Ehefrau in Person eines hypermodernen„Mädchens aus guter Familie"(Hilde M u t h) bringt. Di« Aufführung war flüssig und schmissig. Das Publlkum spendete mehr als lebhaften Beifall. Es gall gleichermaßen der Darstellung wie dem Komponisten.». Die„'llloholMikerei" im Zllm. Durch die Gewinnung von Alkohol au» den beim Brotb.'ck«n enislcdenden Schwaden wurde da» allgemein« (Xnteresse auf die Lichtenbciger Großbäckerei der Berliner tlonsumgenoffen- Ichast gelenkt. In dieser Riesenbäckerei, übrigen» der größten der Welt. spielt ein Teil eine» KuItiiijilmS, den die Deullg-Film A-G. unier der Regie von Alfred ZeiSler(Photographie Tonrad Wieneck«) fertiggestellt hat. Märcher oorOevnrgen. Am Sonniag nachmittag gehen im Residenz- Theater.Schneewittchen und die sieben Zweige' in Szene, wobei die Zwerge von Schäser« Lilipulanergrurp« dargestellt werden.— Di« erste Kinder- Vorstellung im Tdeater w der Kommandantenstratze—.Rotkäppchen'— findet am Mittwoch nachmittag 3'/, Uhr statt. varlräge. Im Rad wen der Vorträge zur Andersen-AuZstellung stricht Pros. Guslao Rcckel am Montag. 8 Uhr, in der alten Aula der Universität üb«:»Andersen und Deutschland'. DU vorgeschlchtllche Abteilung der Staatlichen Multen erhält in Dr. Unverzagt einen neuen Leiter an Stell« beb wegen Erreichung de» Höchstalter» pcnfionierlen Pros. Schuchhardt. Politiker �ustizskanöal. Im Prozetz Loeb zwingt die völkische Regierung den Oberstaatsanwalt, gegen sein Gewissen zu handeln! Die thüringische Ordnungsjustiz hat zwei schwere Nieder- lagen erlitten. Am Freitag verwarf das Reichsgericht die Revision der Staatsanwaltschaft Weimar gegen das frei- sprechende Urteil, das alle politischen Verleumdungen gegen den Genossen Mini st er Hermann zerschlug. Am Sonnabend sprach das Schwurgericht Weimar den Genossen Staatsbankpräsidenten a. D. L o e b von der Anklage des Meineides frei und gab ihm in der Urteilsbegründung«ine Ehrenerklärung, die die politische Berleumdersippe Lügen straft. Dieser doppelte Zusammenbruch ist ein Symptom. Es geht zu Ende mit der Ordnungsherrlichkeit in Thüringen, die auf die Verleumdung und Verunglimpfung des politischen Gegners aufgebaut ist. Das Verfahren gegen Loeb ist geradezu ein Musterbei- spiel für den politischen Mißbrauch der Justiz durch die S t a a t s a n w a l t s ch o f t. Es genügt eine Auf- Zählung der Aufeinanderfolge der Vorgänge und Amtshand- lungen, um den Beweis dafür zu führen. Im Oktober 1919 hatte Loeb beim Reichsaufsichts- amt für Privatoersicherung ein« Unterredung mit dem Regie- runasrat Meißner. Im Dezember 1921 sagte er im Verfahren gegen die Süddeutsche Transportversichenings- gesellschaft vor dem Schöffengericht in Frankfurt a. M. unter Eid über Tatsache und Inhalt der Unterredung aus. Gegen das Urteil aus dem Dezember 1921 wurde Revision eingelegt. Das Reichsgericht gab der Revision statt. Eine neue Hauptoerhandttmg wurde vorbereitet. Loeb wurde i m Ortober1923 abermals, diesmal kommissarisch in Weimar über die Vorgänge aus dem Oktober 1919 vernommen. Seine Aussage deckt sich mit seiner Aussage aus dem Dezember 1921. Im Urteil des Frankfurter Gerichts wurde feine Aussage unter Eid in mehreren Punkten nicht nur als unglaubwürdig, sondern direkt als unwahr bezeichnet. Trotzdem denkt weder das Gericht, noch die Staatsanwalt- s ch a s t daran, ein Meineidsverfahren gegen ihn einzuleiten. Inzwischen aber hatten die Angriffe der Völki- s ch e n im Thüringer Landtag und in der Presse gegen Loeb begonnen. Nunmehr unternimmt der Führer der Völ- tischen in Frankfurt a. M. Dr. Krebs den Versuch, durch Umfrage bei Zeugen aus den früheren Prozessen und durch Aktenstudium Material gegen Loeb zu erhalten. Er inter- essiert sich für das gesamte Vorleben, das durchstöbert wird. Seine Akten und Aussagen und das Frankfurter Urteil werden unter dem Gesichtspunkt durchstöbert, daß sich vielleicht Mate- riol zur persönlichen Vernichtung von Loeb finden lasse. Loeb erfährt davon. Er machte Krebs schriftlich darauf aufmerksam, daß er sich der Beleidigung strafbar mache. Krebs revozierte. Am 22. September 1924 trat Loeb als Präsident der Staatsbank zurück und am selben Tage erstattete Krebs in Frankfurt a. M. Anzeige wegen Meineid gegen ihn. Er stellte unter Beweis: 1. Loeb sei nichl bei Meißner, sondern bei Becker gewesen. 2. Loeb habe verschwiegen, bei der Gründung der Süd- deutschen Transportversicherungsgefellschast 1918 beteiligt gewesen zu sein. 3. Loeb habe verschwiegen, mit den finanziellen Verhältnissen der Süddeutschen Transportoersicherungsgesellschast im Jahre 1919 befaßt gewesen zu sein. Die Staatsanwaltschaft Frankfurt a. M. wäre verpflichtet gewesen, auf Grund des§ 157 des StGB, nach der Anzeige eine Untersuchung gegen Loeb in Frankfurt a. M. einzuleiten. Statt dessen gab sie pflichtwidrig die Akten an die Staatsanwaltschaft Weimar ab. Da soll man glauben, daß keine polittschen Beweggründe hineingespielt hätten! In Weimar wurde die Voruntersuchung geführt. Am Schlüsse der Voruntersuchung stellte die Staatsanwalt- schaft den Antrag a u f Einstellung des Ver- f a h r e n s. begründete aber seinen Atnrag auf folgende Weise: «Somit haben die Ermittelungen den Verdacht gegen Loeb keineswegs beseitigt und er bleibt auch weiter des Mein- eides dringend, aber zur Ueberführung nicht hinreichend verdächtig.� Die reaktionäre Staatsannialtschast war sich klar, daß Loeb unschuldig war, aber sie wollte ihn aus partei- politischen Gründen für immer insamieren. Loeb wehrt sich entschieden dagegen. Die Hauptoerhandlung wurde angefetzt. Nun kommt es zur Hauptverhandlung. Da sind vier Gruppen von Mitwirkenden. Erstens der Angeklagte Loeb und die Verteidigung. Erfüllt vom Wissen um die Unschuld von Loeb und der Empörung über den ungeheuerlichen Miß- brauch der Justiz durch die Staatsanwaltschaft kämpft sie einen eindrucksvollen und durchschlagenden Kampf gegen die An- klage. Zweitens: die Staatsanwaltschaft, die im Auftrage des Thüringer reaktionären Justizministeriums um jeden Preis eine Verurteilung oder doch eine Infamierung des Angeklagten herbeiführen will, trotzdem der Chef der Behörde, der Obcrstaalsanwall von der Unschuld des An- geklagten überzeugt ist. Drittens: Das Schwurgericht, dessen Präsident mit strengster Objektivität in der Verhand- lungsführung sich bemüht, eine Rechtsentscheidung und nicht eine politische Entscheidung zu treffen, und der aus der Kata- strophe der Thüringer staatsanwaltlichen Ordnungsjustiz die Würde des Rechts rettet. Viertens: Die als Zeugen ge- hörten Beamten des Reichsaufsichtsamts, durch deren Aus- sagen die mit der Wirklichkeit nicht übereinstimmende Fiktion entsteht: Eine Reichsbehörde ist unfehlbar, und die sich deshalb in den ungeheuerlichsten Konstruktionen darüber ergingen, was vor sechs Iahren hätte gesagt werden können und was nicht. Stück für Stück von den Anschuldigungen des politischen Denunzianten fällt. Es wird festgestellt, daß die Beschul- digungen des Frankfurter Urteils gegen Loeb zu unrecht erhoben sind. Nichts bleibt übrig von dem, was die Staatsanwaltschaft in der Anklageschrift als Indiz dafür benutzt hat, daß Loeb des Meineids verdächtig sei und bleibe. Niemand weiß mehr, wessen die Staatsanwaltschaft den Angeklagten eigenttich beschuldigt. Der Oberstaats- a n w a l t im Bewußtsein der Unbegründetheit der Anklage hat sich g e w e i g e rt, sie zu vertreten. Eine S p e- zialverfügung des Ministeriums zwingt ihn, der Verhandlung beizuwohnen. Zwei Tage lang schweigt er. Am dritten Tage erklärt er, sein Gewissen verbiete i h m, einen Unschuldigen anzuklagen. Er streikt. Sein nach- geordneter Beamter führt den Auftrag der Rechtsregierung aus. Er zieht sich von Punkt zu Punkt zurück. Zum Schluß bleibt übrig: Man weiß nicht, mit wem Loeb verhandelt hat, aber der Unbekannte kann Loeb die beschwo- rene Auskunft nicht gegeben haben, weil Reichsbehörden nie- mals irren. Also ist Loeb schuldig und soll auf 1� Jahre ins Zuchthaus! Das ist nicht mehr Recht, das ist Mißbrauch der Amtsgewalt zur politischen Bekämpfung eines Gegners, die ungesetzlich, ja in diesem ungeheuer- lichen Falle vielleicht sogar st r a f b a r ist. A u f B e f e h l des Justizministeriums wird diese lächer- liche Konstruktion vorgeführt, um einen der Reaktion verhaßten Mann politisch und mo- ralisch für sein ganzes Leben zu vernichten. Der Oderstaatsanwalt, selbst rechtsstehend, hat durch sein Verhalten diese Methode öffentlich gebrandmarkt. Das Schwurgericht hat ihr ein Ende gemacht: es hat den An- geklagten vollständig rehabilitiert. Was bleibt? Der Protest der öffentlichen Meinung gegen die völkischen Verleumdungsmethoden, gegen den Mißbrauch der Justiz durch reaktionäre Beamte, gegen die Zustände im Thüringer Justizministerium und der Thüringer Staats- anwaltschaft.....______________________________...... Niemals in der Geschichte der deutsch.«» Justiz hat es sich ereignet, daß der Chef einer Änklagebehörde sich von der Vertretung der Anklage zurückzieht, weil er sie für unge» rechtfertigt hält, während auf Anordnung der Regierung aus Tendenzgründen die An- klage weitergeführt wird. Hier ist der unwider- legliche Beweis geführt, daß der Iustizapparat zu v o l i» tischen Zwecken mißbraucht worden ist. Hier handelt es sich nicht mehr um stimmungsmäßige Beeinflussung und unbewußte Einstellung von Beamten, hier liegen offene und klare Kausalzusammenhänge,)vor. Im kaiserlichen Deutschland wurde der Iustizapparat ebenfalls zu Repressionen gegen politisch unbequeme Parteien benutzt. Man erhob politische Anklagen und führte politifche Prozesse; aber man versuchte nicht, den politischen Gegner zu insamieren. Es blieb den Völkischen und Deutsch» nationalen vorbehalten, diese Methode anzu- wenden. Sie mißbrauchen den Justizapparat, um das Leben politisch verhaßter Gegner bis ins kleinste zu durchstöbern, sie versuchen ihn durch falsche Anklagen zu insamieren, sie er- statten neue Anklagen, wenn alte zusammenbrechen. Die Ver- leumdung im Gewände objektiver amtsicher Untersuchung, das ist ihre Methode. Diese infame Methode aber zerstört das Ansehen der Justiz, sie untergräbt die Autorität des Rechts. Diese Methode hat einen katastrophalen Zusammenbruch erlitten. Die Katastrophe der Ordnungsjustiz von Weimar wird in Thüringen zur Beseitigung der unhattbaren Zustände der Ordnungsherrschaft beittagen, sie wird im Reiche der großen Aufgabe der Reinigung der öffentlichen Atmosphäre von reaktionären Verleum- dungsmethoden dienen. Bauern.--- Die Verluste der einzelnen Organisationen be- zijferu sich aus viele Millionen. Die letzte Reichstagswahl und die hindenburgwahl haben enorme Summen verschlungen." Der Gewährsmann der„Frankfurter Zeitung" schließt zusammenfassend: „Der Reichslandbund wollte einen Staat im Staate aufrichten, um mtt der Rcgierungsgcwalt das Rad der Zeit auf- zuhalten. Mit der wirtschaftlichen Macht des Reichsland- bundes bricht auch seine politische Macht zusammen, denn den Betörten gehen jetzt die Augen auf. Soviel steht fest, daß ein großer Teil des finanziellen Druckes, unter dem weite Kreise der Landwirtschost heute seufzen, auf die verfehtten Unter- nehmungen des Reichslandbundes zurückzuführen ist." So urteilt ein Landwirt über den Landbund. Die Aus- führungen beweisen, wie unverantwortlich es wäre, dem Ver- langen der deutschnationalen Drahtzieher des Landbundes nach staatlicher Hilfe nachzukommen. Das hieße Geld in einen Topf ohne Boden stecken. Die Mißwirtschaft des Landbundes erinnert an die jahrelange Kampagne der deutschnationalen Presse gegen die angebliche sozialdemokratische Futterkrippen- und Mißwirtschaft. Diese Hetze ist in letzter Zett so restlos zusammengebrochen, daß man auf deutschnationaler Seite kaum noch damit zu operieren versucht. Aber es zeigt sich jetzt, daß die Urheber der Hetze von der Lotter- Wirtschaft, die sie andern in die Schuhe schoben, selbst den ausgiebigsten Gebrauch gemacht haben. Ebert-Silüer für üie Schulen. Ein nachahmenswerter Beschluß. Hamburg. 31. Oktober.(Eigener Drahtbericht.) Das Bild des ersten Reichspräsidenten Friedrich Ebert ging am Freitag sämtlichen st a a t l i ch e n S ch u l e n zu. In einem Begleitschreiben trägt der Präses der Oberschulbehörde, Genosse E. Krause, den Kollegien auf, dein Bild« einen würdigen Platz im Schul- gebäude zu geben. Das Bild ist eine sehr gut gelungene Radierung: technisch vorzüglich hergestellt und schlicht und geschmackvoll gerahmt. Von der Oberschulbehörde ist der Frettag voriger Woche zur Ueber- gäbe des Bildes gewählt worden, weil am Sonnabeird das vom Reich gestiftete Grabdenkmal des ersten Reichspräsidenten der Deutschen Republik auf dem allen Bergfriedhof zu Heidelberg ent- hüllt wurde. Hinüenburg, üie Marionette. Was Landbündler sich erlauben dürfen. Die Landbündler mimen wieder einmal die Entrüsteten. Mit den bombastischsten Redensatten schimpfen sie auf die schlechten Zeiten und vor allem auf die einzelnen Regierungen, die es nach ihrer Meinung nicht recht begreifen wollen, daß wieder einmal«ine Hilfsaktion für die„notleidende" Landwittschaft in die Wege ge- leitet werden muß. Daß sie dabei Töne anschlagen, die, wenn sie aus dem Munde eines Arbeiters kämen, die Aufmerksamkeit der Staatsanwaltschaft auf sich ziehen würden, zeigt eine Landbund-, t a g u n g, die kürzlich in Schwettn stattfand und auf der ein Herr Wendhausen folgendes vom Stapel ließ: „Wir müssen eine absolut agrarireundliche Haltung der meck- lenburgischen Regierung fordern. Zeigt sie diese Hallung. nicht, wird sie uns zum Feind haben...., —„Was uns bevorsteht, geht ohne Kampf nicht ab. Können wir unsere Forderungen nicht durchsetzen, müssen wir außerordentliche Maßnahmen treffen. Aber be- ürchten Sie keinen Putsch! Für die Intensivierung der'• schaft dürfen aber kein» neuen Schulden gemacht werden. Deutschen Reich sind Männer wie Hindenburg, Cut:, und Stresemann reine Marionetten gegen den Reichspräsidenten Schacht, der ollein den Schlüssel zur Witt- schaft de» Deutschen Reiches in Händen hat. Bettrauen, glauben, handeln und kämpfen wollen und sich nicht klana- und fanglos von der Scholle jagen lassen, das soll unsere Losung sein. Die Landwittschaft hat die Kraft, wenn sie den Mut hat, sich durchsetzen zu wollen. Wer sich einbildet, daß sich auch nur eine Stimme erhob, um gegen die grobe Beschimpsung des Reichspräsidenten und General- feldmarschalls a. D. zu protestieren, der irrt sich. Im Gegenteil: Tosender Beifall war die Antwottl Frontbann-verhastungen. Die Korrespondenz BS. meldet: Die Abteilung IA des Berliner Polizeipräsidiums hat am Donnerstag eine Reihe führender Mitglieder des rechtsradikalen Frontbann in Bettin unter dem Verdacht der Geheimbündelei verhaftet. Unter den Festgenommenen befindet sich einer der bekanntesten Frontbannführer in Berlln, Hauptmann R ö h r b e i n. die Namen weiterer Verhafteter sind u. a.: Gehrke, Ernst, Wetzel, Schioelbein und Ioerk. Insgesamt Handell es sich um 9 Per- fönen, die zum Teil bereits dem Vernehmungsttchter vorgeführt worden sind, der auch schon mehrere der erlassenen Haftbefehle bestätigt hat._ v)o Deutschnationale herrschen. Kinderelend auf den Rittergüter». Durch die Pres!« ging in diesen Tagen eine Notiz, die sich mit dem Kinderelend auf dem Lande beschäftigt. Die Notiz knüpft an«in« Statistik des Mecklenburgischen Lehrervereins an. aus der hervorgeht, daß bei den mecklenburgischen Bouerndörfern 2, LI Proz. der Schullinder, bei den Rittergütern dagegen 3,53 Proz. körperlich besonder» bedroht sind. Bei dieser Zählung hat man aber nur die Schätzungen der Lehrer zugrunde gelegt. Dott, wo Schulärzte untersuchten, ergaben sich weit schlimmere Resultate. Leider hat man erst auf wenigen Gütern alle Kinder schulärztlich untersucht, da sich die machthabenden Junker nach Kräften dagegen sträubten. Aber einzelne vorliegende An- gaben beweisen schon genug. So hat man nach der EUernzeitung „Die Brücke" auf dem" Rittergut Groß-Schwiesoo bei Güstrow von 39 Kindern 11, also nahezu ein Drittel der Klasse, als krank befunden. Davon waren drei Kinder augenkrant, zwei Kinder ohrenkrank, ein Kind tuberkulös. Auf anderen Gutshöfen sieht es nach der ge- nannten Zeiwng nicht besser aus. Als ein großer Mißstand ist das Fehlen von Spielplätzen für die Jugend festgestellt worden. Nach einer Untersuchung des Weckten- burgischen Lehreroereins seht! es allein in Mecklenburg bei 223 Schulen an einem Spielplatz. Die vorhandenen sind zum größten Tell unbrauchbar. Die„Mecklenburgische Schulzeitung" schreibt:.... Ost siegen die Plätze in der Nähe der Gutsschweine- bucht, neben den Gutsschafstellen oder bei der Schnitterkaserne" und weiter:„In Morästen und tiefen Sandgruben kann niemand spielen und wäre es das spielfreudigste Kind der Well." Diese Feststellungen zeigen den behördlichen Wohlfahttsstellen ein sehr bedeutsames Tätigkeitsfeld an. Auch der„Deutsche Verein für ländliche Wohlfahtts- und Heimotpflege" sollte e» nicht unter- lassen, dem Kinderelend in der Landwittschaft eine erhöht« Auf. merksamkeit zuzuwenden. Einzusetzen wäze bei der Kinder- arbeit. Die Kinderarbeit ist trotz aller Verbote auf den Guts- Höfen noch immer in erschreckendem Maße zu finden. Namentlich die Knaben müssen nach der Schulzett und in den Ferien viel- fach die Arbelten Erwachsener verrichten. Dabei ist die Eni» l o h n u n g der Kinder ganz minimal Auf den Gütern des Stahlhelmführers Titus-Livius, die in der Nähe von Rostock liegen. sind Stundenlöhne von 5 Pfennig und noch weniger gezahlt worden. Während Sachsen leine einzige e i n t l a s s i g e Schule mehr hat, ist dies auf den ostelbischen Gütern die Regel. Auch durch die mangelhafte Schulbildung wird dem Landarbeiter- lmd das spätere Fottkommen erschwert. Ein Seebad vernichtet. Die Tanziger Westerplatte, von allen Bewohnern ge- räumt und verkehrsgesperrt, polnisches Munitionslager. vauzig. 31. Oktober.(WTB.) Heule mußte die Westerplalle von sämtlichen Bewohnern geräumt und alsdann dem Hafenausschuß übergeben werden. Der Ausschuß wird ste alsbald gemäß dem Beschluß des Bölkerbundsrats zur Nutznießung an Polen für Zwecke des Munitionstransnortes aushändigen. Gleich. zeitig damit ist die Westerplatte für den allgemeinen öffentlichen Verkehr gesperrt und ihr Betreten ist nur Personen mit besonderen Ausweisen gestattet. Wenn schon der Verlust des volks- tümlichsten Seebades die Stadt Danzig auf das schwerste betroffen hat. so kam es dem Danziger Senat weiter hatt an, die äußerst schwierige Ausgabe zu lösen, die Westerplatte von sämtlichen I Bewohnern zu räumen. Für rund 199 Familien mußte der Senat neue Wohnungen beschaffen. Das ist ihm unter großen Schwierigkeiten gelungen, zum Teil durch Siedlungen. Nur drei Familien sind noch nicht untergebracht. �tufftanüsürobuna in Spanien! Eine angebliche Studentenverschwörung. Madrid. 31. Oktober.(TU.) In der letzten Zeit sind in Spanien verschiedentlich Studenten verhaftet worden, die Flugblätter gegen dce Diktatur zu verteilen suchten.'In den meisten Fällen lieh es die Polizei bei einigen Tagen Arrest bewenden, wonach die Schuldigen mit einer Verwarnung wieder in Freiheit gesetzt wurden. Die mllde Behandlung scheint aber die gewünschte Wir- kung nicht gehabt zu haben. Bei dem Borsitzenden der studen- tischen Vereinigung der Pharmazeuten wurden jetzt ganz« Pakete Flugschriften beschlagnahmt, in denen offen zum bewaffneten Aufstand aufgerufen wurde. Die Polizei glaubt einer geheimen Or- ganisation auf der Spur zu sein, die zwar von den Universitäten ausgeht, sich ab-:r auch über Arbeiter- und Separatisten- kreise verbreitet. Es wird behauptet, daß auch ausländisch« Revolutionäre und Terrottsten mit der Organisation in Verbindung standen und idr Geldmittel zufließen ließen. „Ausländer, Fremde, sind» zumeist— die unter uns gesät den Geist— der Rebellion Dergleichen Sünder— sind gottlob selten Landeskinder."(Anmerk. Heinrich Heines.) Der Moflulkonstitl. Die vom VölkerbundSrat bestimmte Kom- misfio» kür die Untersuchung des MossulstteiteS ist in Bagdad eingetroffen. Gewerkschaftsbewegung Nehmt den Abgebauten die Pensionen! Gebt das Geld den Industriellen! Die schwerindustrielle Telegraphenunion verbreitet folgende Rundgebung des Reichsverbands der Deutschen In dustrie, die an faltschnäuziger Unverschämtheit wohl ihresgleichen sucht: Der Berkehrsausschuß des Reichsverbandes der Deut. ( chen Industrie hat sich in seiner Herbsttagung vom 15. Ottober d. J. mit der Frage der Pensionslast der Deutschen Reichsbahn und ihre Rückwirfung auf die Tarifgeftaltung ein gehend beschäftigt und dabei folgende Entschließung gefaßt, die die Zustimmung des Borstandes des Reichsverbandes erhalten hat, auch den zuständigen Stellen übermittelt worden ist: nommen. „ Der Berkehrsausschuß des Reichsverbandes der Deutschen In dustrie begrüßt es, daß nunmehr in regelmäßigen Zeitabständen der Deffentlichkeit Mitteilungen über die Entwicklung der Reichsbahn unter Bekanntgabe der verschiedenen zahlenmäßigen Unterlagen gemacht werden. Weiterhin hat der Berkehrsausschuß in seiner Herbst. tagung vom 15. Oftober 1925 zu der Frage der dringend nötigen Ermäßigung der Gütertarife erneut Stellung geDer Verkehrsausschuß sieht in der im verflossenen Frühjahr bei der Reichsbahn erfolgten Lo hnerhöhung, die eine zehnprozentige Steigerung der Personentarife zur Folge hatte, und der im Bormonat gewährten Aufbesserung, die rund 25 Millionen Mart erforderte und zu der eine Erhöhung der sozialen Lasten in Höhe von 35 Millionen Mark trat, eine Entwicklung, die den so nötigen Tarifausgleich und Tarifabbau unmöglich macht und zudem unerwünschte Rückwirkung auf die Belegschaften der Privatbetriebe ausübt. 44 ziffer, für die Monate Februar und März 1926 die Ende Januar bzw. Ende Februar herauskommende Inderziffer. Wie das Abkommen zeigt, hätten die Unternehmer weise daran getan, den Schiedsspruch seinerzeit anzunehmen, über den hinaus ihnen der Deutsche Verkehrsbund sogar eine längere Gültig, feitsdauer angeboten hatte. Das jetzt in Kraft getretene Abkommen enthält diese Berlängerung nicht und sieht für die Zeit nach dem 1. Januar Löhne vor, die über den im Schiedsspruch festgesetzten Lohn hinausgehen. Benfionsetat der Reichsbahn belafiet hat, mill man ihn wieder ent- I rechnungsmaßstab die am 31. Dezember 1925 herauskommende Inder. lasten, indem man nunmehr auch die Pensionen abbaut. Die Ersparnisse", die dadurch gemacht werden, sollen aus. schließlich der Privatindustrie zukommen, und zwar in Form von Tarifermäßigungen, die, wie der Reichsverband so schön sagt, den Bedürfnissen der Wirtschaft" angepaßt werden sollen. Goweit rechtliche Hindernisse gegen den Abbau der Pensionen bestehen, soll eben das Reich eingreifen und auf diesem nicht mehr ungewöhnlichen Wege den Industriellen Geschenke machen. Auf 400 Millionen Mark ist durch die Wirtschaft der Privatindustriellen, die heute im Verwaltungsrat der Reichsbahn die erste Geige spielen, der Pensionshaushalt der Reichsbahn angeschwollen. Nach dieser Summe bemessen die Herren vom Reichsverband der Industrie die Bedürfnisse der Wirtschaft". Die Herren vom Reichs. verband der deutschen Industrie haben sich nie mit Kleinigkeiten abgegeben. Da sie es verstanden haben, die Steuerwirtschaft des Deutschen Reichs so zu beeinflussen, daß die Reichen entlastet und die Armen belastet werden, würde die vorgeschlagene Uebernahme des Pensionsetats durch das Reich bedeuten, daß die Arbeiterschaft, und nicht zum mindesten die Eisenbahner seibst, den Herren von der Privatindustrie diese Gelder zu zahlen hätten. Man muß sich nur wundern, daß der Reichsverband der deutschen Industrie nicht auch verlangt, daß das Reich die gesamten Berfonalausgaben der Reichsbahn übernimmt, damit diese in der Lage ist, die Bedürf nisse der Wirtschaft" in noch größerem Maße zu befriedigen. Ganz abgesehen davon, daß die Zahlen, die für die Lohn erhöhungen angegeben werden, befanntermaßen sehr über trieben sind, ist es ein starkes Stüd von den Schwerindustriellen, die fargen Pfennige, die man den Eisenbahnern zukommen ließ, überhaupt anzuführen. Wenn der Reichsverband bemerkt, daß diese unzulänglichen Lohnerhöhungen ,, unerwünschte Rückwirkung auf die Belegschaften der Privatbetriebe ausübt", dann lönnen wir dieser Behauptung ausnahmsweise beipflichten. Die Löhne der Eisenbahner sind so standalös niedrig, daß fie für die Lohnentwicklung der Privatindustrie ein schweres Hindernis bilden. Aber gerade deshalb rennt der Reichsverband gegen jede Aufbesserung dieser unzulänglichen Löhne an. Gerade deshalb fommt jetzt der Reichsverband mit seinen unverschämten Forde rungen, den abgebauten Eisenbahnern die schmalen Penfionen und Abfindungssummen zu entziehen. Das größte hindernis für die wirtschaftlich dringend nötige Ermäßigung der Tarife ist die erst im Laufe dieses Jahres in weiteren Kreisen bekanntgewordene Belastung der Reichsbahn mit einem Pensionsetat in einer solchen Höhe, daß auf 100 M. Besoldung 37 m. Ruhegehälter fommen. Dadurch entstehen 400 millionen Mark Ausgaben oder rund 300 Millionen Mart mehr als 1913. Der Berkehrsausschuß hält eine Nachprüfung der Pensionsberechtigung der seit Kriegsende abgebauten" Rentenempfänger mit dem Ziel der Zurücführung einer möglichst großen Anzahl in das freie Wirtschaftleben für erforderlich. Beiterhin regt der Berkehrsausschuß an, daß die Reichsbahnverwaltung mit der Reichsregierung in Verhandlungen darüber eintritt, inNach dem Streit im Rohlengroßhandel. wieweit eine Entlastung des Pensionsetats, soweit es sich um nach dem Kriege aus Gründen der Demobilmachung eingestellte und Eine Lehre für die Unternehmer und die Angestellten. wieder abgebaute Personen handelt, dadurch eintreten fann, daß die In unserem gestrigen Morgenblatt brachten wir bereits die mit Reichsbahn- Gesellschaft aus dem Reichsetat Buschüsse teilung, daß der Streit im Kohlengroßhandel erfolgreich be. erhält. Alle hierdurch bewirkten Einsparungen sollen ausschließendet ist. Das Abkommen, das diesen Streit beendet, hat folgenden lich zu Tarifermäßigungen nach den Bedürfnissen der Wirtschaft verwendet werden. * Nachdem man den Abbau des Personals der Reichsbahn auf Betreiben der Industriellen mit Hochdruck betrieben hat, nachdem man das Personal so sehr abgebaut hat, daß die Reichsbahn gezwungen ist, Arbeiten, die sie bisher in eigener Regie ausführte, an die Privatindustrie zu vergeben, nachdem man derart den Tabletten in affen Apotheken u. Drogerien Mt. 1.lösend, lindernd, erfrischend Wortlaut: „ Die Arbeit wird am 31. Oftober 1925 in vollem Umfange mieder aufgenommen. Alle Arbeitnehmer sind wieder einzustellen. Das Arbeitsverhältnis gilt durch den Streit als nicht unterbrochen. Bom 2. Oftober bis 31. Dezember 1925 einschließlich sind 98 Pf Stundenlohn an den ständigen Arbeiter zu zahlen. Für die Zeit vom 1. Januar bis 25. März 1926 einschließlich beträgt der Stundenlohn der ständigen Arbeiter eine Reichsmart, mit der Maßgabe, daß sich dieser Lohnjazz je nach Veränderung der Reichsindegiffer entsprechend erhöht oder bei einem Fallen von mehr als 10 Pro 3. fenft. Als Richtzahl hierfür gilt die letzte Reichsinderziffer von 144,9. Die übrigen Sätze des Lohntarifs verändern fich prozentual im gleichen Verhältnis. Für die im Monat Januar 1926 zu zahlenden Lohnfäße gilt als BeNsrael GEGR.1815. 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Bedauerlich bleibt diese Tatsache nichtsdestoweniger. Vielleicht vergleichen viele dieser Angestellten einmal ihre Gehälter mit den Löhnen der Kohlen. arbeiter. Wenn heute viele Angestellte meit schlechter entlohnt sind als die Handarbeiter, dann haben sich die Angestellten das selbst zuzuschreiben. Sie sind zum großen Teil überhaupt nicht organisiert, oder gehören allen möglichen bürgerlichen Organisationen an. Bielleicht nehmen sich aber die Angestellten jezt ein Beispiel an den Arbeitern, die dank ihrer ausgezeichneten Organisation einen durch schlagenden Erfolg erzielt haben. Die Gasbetriebsgesellschaft will sparen. Während die Direktionen der Städtischen Gas- und Wasserwerke den Schiedsspruch angenommen haben, scheint der Direttion der Gasbetriebsgesellschaft der Vorschlag Wissells noch zu weit zu gehen, weshalb sie sich weigert, den Schiedsspruch an. zuerkennen. Sie will vielmehr die Lohnerhöhung erst ab 1. November zahlen, anstatt rückwirkend ab 5. Oktober. Sie möchte auf diese Weise auf Kosten der Arbeiter etwa 10 000 Mark Lohn sparen. Die Verhandlungen werden am Montag fortgesetzt. Je nach ihrem Ausgang werden die Arbeiter der Gasbetriebsgesellschaft entscheiden. Der Streit bei der Schwebebahn beendet. Elberfeld, 81. Oktober.( Mt5.) Die streikenden Angestellten der Schwebebahn und der Talbahn haben heute die Arbeit wieder aufgenommen. Es wurde eine Einigung bahin erzielt, daß über die Einstellung der entlassenen Streifenden mit den Gewerkschaften von Zeit zu Zeit verhandelt werden soll. Der Lohnkampf der österreichischen Bundesbeamten. Wien, 31. Oftober.( TU.) Die österreichische Bundesregierung ist in ihrem Streite mit den Beamten noch zu keinem Ergebnis gelangt. Sie bat den Beamten Zuwendungen bis zu einem Trittel des Monatsgehaltes angeboten, doch wollen die Beamten nicht von ihren Forderungen abgehen. Heute werden neue Verhandlungen stattfinden, von denen man erhofft, daß sie wenigstens die drohende Streifgefahr abwenden werden. Gewerkschaftliches fiehe auch 3. Beilage. Berantwortlich für Politit: Ernst Renter: Wirtschaft: Artur Saterans; Gewerkschaftsbewegung: Friedr. Eztorn; Feuilleton: A. S. Döscher; Lotales und Sonstiges: Frig Karstädt; Anzeigen: Th. Glode; sämtlich in Berlin. Berlag: Borwärts- Berlag G. m. b. S., Berlin. Drud: Vorwärts- Buchdruderet und Berlaasanftalt Boul Ginger ut. Co. Berlin SB 68. Lindenstraße 3. Hierzu 3 Beilagen ,,, Aus bez Filmwelt" ,,, Unterhaltung und Wissen und Frauenstimme". Muſifaufträge übergibt man nur dem Nachweis des Deutsch. Musiterverbandes, Berlin O 27, Andi casstr. 21( Sönigstadt 4310, 4048). Geschäftszeit 9 bis 5, Conntags 10 bis 2 Uhr. Auf Wunsch Vertreterbesuch BESONDERS VORTEILHAFT: Kleiderstoffe 3 außergewöhnlich preiswerte Angebote: Wollpopeline hellfarbig ..... Mtr. 1.85 Samt u. Plüsch In der erweiterten Abteilung im I. Stock: Rippvelvet in großer Farbenauswahl, 70cm. Mtr. 3.20 Velours de laine aparte 4.50 Köper Karos u. Streifen.... Mtr. 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Wir geben in folgendem eine Schilderung der Verhältnisse in den verschiedenen Heimarbeitsbezirken Deutschlands. Sonneberger Spiel- unö Slaswaren. Noch jeder, der Thüringens Wälder und Auen durchwanderte, noch jeder, der Thüringens Täler und Berge kennen und lieben lernte, wird mit Entzücken der Zeit gedenken, wo er diese Herrlichkeiten genießen und in sich aufnehmen konnte. Merkwürdigerweise wissen aber die wenigsten davcu zu berichten, daß gerade in den land- schastlich hervorragendsten Gegenden das größte Elend in der Be- völkerung herrscht. 2m Thüringer Wald, und da besonders in der Eonneberger Gegend, wohnen die Heimardeiter der Spielwaren- industrie. Jener Industrie, die jahraus, jahrein ihre Erzeugnisse in alle Welt sendet, Erzeugnisse, die den Herstellern kaum das täglich« Brot, aber Sorge und Not im Ueberfluh bringen und die doch ge> rode dazu berufen fein sollen, Freude und Annehmlichkeiten zu be- reiten. Die Sonneberger Spielwarenherstellung geschieht fast voll- tommen«in der Heimarbeit. Jedes Dorf, jedes Städtchen im freund. lichen, sonnigen Tal oder am bewaldeten Bergabhang ist bewohnt von den kleinen Spielwarenfabrikanten. Viele arbeiten für den Unternehmer, der vielleicht einen kleinen Fobrikbetrieb unterhält, in der Mehrheit aber seine Heimarbeiter an der Hand hat, die ihm die Waren herstellen. Vereinzelt kommt es noch vor. daß Heim- erbeiter ihre Arbeitsprodukte den.Verlegern' anbieten, die, je nach So wobnt der Heimarbeiter-- der Konjunktur, dem Arbeiter die Waren abnehmen, oder mich nicht. Diese sich als.selbständige Hausgewerbetreibende' bezeich- nende» Heimarbeiter leben noch unter ungünstigeren Bedingungen als die anderen. In den niedrigen Stuben der flachen Häuschen sitzt die Heimarbciterfamilie um den einzigen Tisch der mehr als ärm- lichen Wohnungseinrichtung und fertigt jene Gegenständ« an. die besonders zur Weihnachtszest in den Läden der Großstädte zu finden sind und die beim bloßen Anblick jedes Kinderherz höherschlagen lassen, hier wohnen die Helfer des Weihnachtsmannes; emsig arbeiten die Kleinen und Kleinsten, damit der Gabensack des um die Weihnachtszeit so beliebten Manne» auch zur Zeit voll wird. Für sie selbst gibt es kaum einen Gabentisch. Vielleicht ist ihnen auch die Illusion des Spielzeuges abhanden gekommen, wenn sie tagtäglich„Bää in de Bruder* stecken und.de Pfaarmäuler tusche müsse*.(Beine in die Bretter, aus denen nachher Holzpferde werden. steckeii müssen und die Pferdemäuler onzutuschen haben.) Glaubt man noch, daß das Mädchen Lust zum Spielen hat, das von sich und seiner Arbeit berichtet:.Ich geh nei die Drahbänk un drambel un nouchar muß ich aa die Lää zammhäng.*(Ich gehe in die Dreh- bank und trete, nachher muß ich die Beine der Puppen zusammen- hängen.) wie sie leben unü arbeiten. Der Vater geht tu den Wald and holt sich da» hol; selbst, au» dem die Pferde- und Puppenleiber hergestellt werden. Mit dem Schnitzmesser richtet er es zu, Mutter und Kinder tuschen, malen. kleben, formen daran herum und schließlich haben alle zusammen In emsiger Arbeit lb M. in der Woche verdient. Was soll davon zuerst gekauft oder bezahll werden? Nur die wenigsten haben einig« Quadratmeter Land, auf dem Kartoffeln und einiges Gemüse ge- zogen wird. Es fehlt an Zeit für diese Arbeit. Schlechtes Brot. billige Margarine,«ine Mehlsoße zu den Klößen. Sonntags ein halbes Pfund Fleisch für die achtköpsige Familie: damit werden die leiblichen Bedürfnisse befriedigt. Glücklich wird derjenige gepriesen, der etwa von Verwandten aus der Großstadt gelegentlich ein Bündel alter, abgelegter Sachen geschickt erhält. Ein Sonntagsanzug muß oft für Lebenszeit halten, für die Schmutzarbeit beim Hobeln. Malen und Leimen genügt dos älteste Zeug. Ein Kulturbedürfnis kennt der Heimarbeiter nicht, Arbeit und Schlaf, damlt erschöpft sich sein Leben.— In der Üauscha-Sleinacher Glaswarenindustrie sind die Verhältnisse nicht viel besser. Die Glasbläserei eignet sich ganz besonders für die Heimarbeit. Der Glaswarenheimarbeiter braucht so gut wie kein Werkzeug. Eine offene Gasflamme, ein blafebalg- ähnliches Gebläse unter dem Arbeitstisch und vielleicht noch ein Taster ist olles, was er nötig hat. Sein Rohmaterial sind Glas- röhren der verschiedensten Stärken, aus denen er alle nur erdenk- l-chen Gegenstände herstellen kann. Von der einfachen Ampulle bis zum komplizierten chemischen und technischen Laboratoriumsgerät fornit er alles, fast möchte man sagen, mit der Hand. Hört man die Preise, die als Arbeitslohn für die feinen, zerbrechlichen In- ftrumente bezahll werden, so bekommt man erst die richtige Hoch- ochtung vor der Qualifikation des Arbeiters, der dabei den Unter- hall für seine große Familie erwerben kann. Zn Sleinach wohnen die Hersteller der künstlichen Augen, eine Arbeit, die sich vom Dater auf den Sohn vererbt. Obwohl nur etwa lOO Augcnmacher vorhanden sind, muß man sich doch wundern, wo all die Puppen und Tiere bleiben, in die die Unzahl von Augen hineingesetzt werden, die täglich hier hergestellt werden. Für 100 Augen gibt es 1.80 M.. Arbeitsdauer 7 Stunden. Die Leute sind sehr schwer zu organi-; sicren. Nach den Entscheidungen der Arbeitsbehörden werden sie i als Heimarbeiter betrachtet, die Steuerbehörden verlangen von ihnen I Gewerbesteuer, die sonst nur Gewerbetreibende zu zahlen brauchen. So ist ihre Lage ungeklärt. Nur eins steht fest: daß sie alle ei» Elendsdasein führen, das auch dadurch nicht gemildert wird, daß man versucht, dem steinigen Bergboden einige Früchte abzuringen. Eine andere Erwerbsmöglichkeit besteht hier oben, 900 Meter übe.' dem Meeresspiegel, nicht. Elend, Not, Krankheit, früher Tod sind die Etappen der Glashcimarbeiter, besonders die Lungentuberkulose fordert zahlreiche Opfer. vom armen Sürsienbinüer. Die Zentrale für die deutsche Bürstenindustrie ist das Städtchen Schönhcide im Sächsischen Erzgebirge. Die Anfänge der Bürsten- fabrikation gehen bis in das sechzehnte und siebzehnte Jahrhundert zurück. Von Schönheide hat die Industrie Verbreitung in die nächste Umgebung gefunden. Wenn auch in neuerer Zeit die ma- schinelle Herstellung der Bürstenwaren ausschlaggebend geworden ist, eine Arbeitsvcrrichtung wird auch heute und wahrscheinlich noch in langer Zukunft mit der Hand in der Heimarbeit vorgenommen werden, nämlich das Borsteneinziehen, das„Binden der Bürsten*. Alles„zieht ein*. Wenn man bedenkt, daß in der Stunde 200 bis 250 Löcher mit Borsten oder Haaren versehen werden müssen und daß im Schönhcider Bezirk etwa 2000 Heimarbeiter ausschließ- sich mit dieser Arbeit täglich bis zu 18 Stunden beschäftigt sind, kann man ermessen, was die Welt in Bürstenwaren umsetzt. Die Verdienste sind unter aller Kritik, wenngleich der Holzarbciterver- band auch hier schon sein möglichstes getan hat. Slnndenverdicuste von 15 bis 20 Pf. sind der Durchschnitt: die Arbeiterorganisationen finden keine Unterstützung durch behördliche Anordnungen. An dem genannten Verdienst ist die ganze Familie beteiligt. Der Vater arbeitet meist, d. h. solange er noch irgend kann, in der Fabrik. Zur Erhöhung der Einnahnien arbeitet zu Hause die ganze Familie mit und abends, nach Feierabend arbeitet der Vater weiter. Die tariflich festgesetzten Löhne werden oft genug von den Unternehmer» nicht inWegehallen: die geringen Verdienste der Fabrikarbeiter zwingen die Frauen und die Familienangehörigen zur Heimarbeit. Um sie nicht zu verlieren, bieten sich die Frauen billiger an, die Unternehmer machen sich das zunutze. Die Heimarbeit kommt ihnen auf alle Fälle billiger als die Betriebsarbeit, weil die Betriebsunkosten, Sozialbeiträge und ähnliches mehr gespart werden. Das kllogenüe Tal im vogtlanö. Am Rand« Westsachsens, im Vogtlande, dicht an der tschecho- stowakischen Grenze, siegt in einzigartiger Umgebung die INusik- instrumenlenskadt Klingenthal. Niemand hat bei der Namengebung dieser Stadt daran gedacht, daß hier einmal der Hauptsitz der -- und so der Arbeitgeber Harmonikaindustrie werden würde, und doch klingt's nicht nur in jedem Hause, nein im ganzen Städtchen, in allen Dörfern ringsum, im ganzen Tal. Eine amtliche Arbeiterzählung ermittelte im Com- mer des vorigen Jahres 1936 männliche und 772 weibliche B e- t r i« b s arbeitet. Die� Zahl der Heimarbeiter ist schwer sestzm Die Passion. Roman von Tlora viebig. „Manfred, sieh mich anl* Die Stimme Berndorffs klang jetzt genau so ruhig, wie die des Sohnes geklungen hatte, sie war von einer unheimlichen Ruhe.„Lkomm hierher, ganz nahe, tritt vor mich!" Er streckte den Arm aus, faßte den Sohn, wie man einen Knaben faßt, pslan.zte ihn dicht vor sich hin und hielt ihn so fest:„So. Run sag' mir noch ein- mal, Auge in Auge— he, nicht gezwinkert, nicht auf die Seite geblickt! Auge in Auge— sag nach einmal, daß es Verleumdung ist, daß du niemals in der Heiligkreuzgasse ge- wesen bist, bei den verfluchten Dirnen der Lukaszewicz, fag's vor Gott, dem Allmächtigen, der uns jetzt hört— he. warum bist du so fahl? Deine Augen zwinkern— fag's, nun fag's!" „Wozu die Komödie?! Das ist ja albern!" Der junge Mensch riß sich los.„Ich habe keine Lust, mich von dir wie einen dummen Jungen behandeln zu lassen!" „Du bist da gewesen— jetzt weiß ich's!" Ein furchtbarer Schlag traf den Sohn ins Gesicht. Dann ein Äufbrüllen: „Lügner!" Und dann wich Hermann Berndorff plötzlich zurück. Er schlug hintenüber ohne erst zu taumeln, ohne zu wanken, glitt zu Boden wie ein Baum, der gefällt ist. 2. Im Eckhaus der neuen Kulmstraße, vier Treppen bei Bergmann, wohnte Manfred Berdorff. Bor beinahe drei Vierteljahren war er nach Berlin gekommen. Er hatte erst feinere Wohnungen gehabt, aber nun war er hier gelandet'. die Witwe Bergmann war eine saubere, ordentliche Frau, trotzdem vermietete sie nicht so leicht, denn sie duldete keinen Zimmerherrn, der sich Weiber mit aus die Bude brachte. Wenn Manfred am Fenster stand, konnte er hinüberblicken auf den Schienenstrang der Eisenbahn, und das tat er oft stundenlang, starrte hinter den davonbrausenden und eifrig schnaubenden Zügen drein; und seine Gedanken drehten sich wie die geschwinden Räder dort, aber planlos und ungewiß. Er hatte nicht das Gefühl des Fleißes, das zur Eile treibt. Er bereitete sich noch immer zum Abiturium vor, das heißt, er hatte noch gar nicht angefangen mit der Borbereitung. Trotzdem nannte und schrieb er sich: Stud. jur._________ Zu Hause war's nichts mit dem Examen geworden, ob- gleich er nun hätte bei der Mutter wohnen können. Das Gut war verkauft, mußte subhastiert werden; leider blieb nicht sehr viel für die, solange sie lebte, zur Nutznießerin der Erb- schaft eingesetzte Frau. Nur soviel, daß Frau Malvine eine k�ne Wohnung in der nicht teuren Kreisstadt beziehen und 'WWSohn monatlich eine Summe von hundertfünfzig Mark abgeben konnte. Sie hatte ihn innigst gebeten, bei ihr zu bleiben, wenigstens so lange, bis er fertig war— sollte sie denn auf einmal alles verlieren, mit dem Mann, der ihr so plötzlich genommen worden war, auch den Sohn? Aber Man- fred blieb fest: nein, das hielt er nicht aus, nun hier noch länger auf dieser elenden Penne zu hocken, in der er doch nicht voran kam; alle wollten ihm da nicht wohl, augefangen vom unwichtigsten Lehrer bis hinauf zum allmächtigen Di- rettor. Und das sah dann die Mutter auch ein: ihr Manfred machte hier kein Glück, und Glück mußte einer in dieser Atmo- sphäre kleinstädtischen Klatsches und Tratsches haben, der glatt durchs Examen kommen sollte. Frau Malvine war müde, willenlos. Sie hatte keine Fata Morgana mehr; feit sie picht mehr durch die gelbe und grüne Scheibe sah, die ihr die WeU verschönte, war alles so trübe, daß es auf noch mehr Trübung ihr kaum mehr ankam. Wie sah ihr Manfred grau und hohläugig aus! Er klagte immer über Müdigkeit, über Kopfschmerzen und war zu allem unlusttg. Kein Wunder war das nach dem Entsetzen, mit dem der jähe Tod des Baters ihn erfüllt hatte. Tagelang hatte er geweint, sich nicht beruhigen können. Und dann die vielen Aufregungen durch die Auflösung der bisherigen, doch immerhin behaglichen Ber- hältnisie, durch den Ernst der Existenzfrage. Und dann sein glühender Wunsch, aus der Enge in die Weite zu kommen. Vielleicht mochte ihm auch die Mandelentzündung, die ihn bald nach dem Tod des Vaters befallen hatte, noch immer in den Gliedern liegen. Die war recht hartnäckig gewesen. Doktor Iarzebowski war stets sorgsam in seiner Behandlung und bei Mandelentzündungen besonders vorsichtig, die ließen oft lange ihr Gift im Körper zurück. Der junge Berndorff durfte das Bett nicht verlassen. Da die Mutter noch draußen in Bukowitz war, um das, was sie an Möbeln mitnehmen wollte und tonnte, unter vielen Tränen zusammenzusuchen, übernahm Fräulein Wilkowski die Pflege. Sie lachte, als der Arzt sie darauf aufmerksam machte, daß eitrige Mandelentzündung anstecke: o, sie hatte gar keine Angst. Sie hatte immer ihre verstorbene Mutter, die häufig an Halsentzündungen litt, gepflegt, und sogar vor zwei Iahren bei der Scharlachepidemie die kleine Tochter von Bekannten, wo noch mehr Kinder krank lagen. Nun, sie brauchte ja auch Herrn Jerndorff nicht so nahe zu kommen, konnte für alle Fälle ein Gurgelwasser gebrauchen. Doktor Iarzebowski schrieb ihr aus Vorsicht eines auf. Sie brauchte es auch. Aber die Nächte, in denen sich Manfred schlaflos warf, faß sie dicht an seinem Bett und hielt seine fiebernden Hände beruhigend in den ihren, nahm, wenn er gar zu un- ruhig war, seinen Kopf an ihre Brust. Die Mandelentzündung war denn auch endlich gewichen, nur die geschwollenen Hals- drüfen waren noch geblieben, aber das war ja weiter nicht schlimm. Nur die Nerven blieben noch schlecht. Die wurden erst besser, wenn er hier heraus war— nur heraus, heraus! Dem jungen Mann schien der Boden unter den Füßen zu brennen. Es war seine Absicht, sich in Berlin sofort einen tüchtigen Einpauker zu nehmen; bei dem ließ er sich privatim schnell vorbereiten und machte binnen kürzester Frist an einem, für nicht allzuschwer bekannten Gymnasium das Examen. Manfred wies jede Einrede ab; er war förmlich unnahbar und fo verschlossen, daß Frau Malvine fast aufatmete, als es sich ermöglichen ließ, daß er schon bald nach Ostern nach Berlin abreiste. Sie hätte ihn jetzt lieber in Posen gesehen, da konnte sie ihn, wenn es ihr gar zu hart ankam, doch auch einmal besuchen; aber ihm war Posen nicht weit genug, er bestand auf Berlin.-- Und nun war er schon so lange hier. Der müßig am Fenster stehende und hinüber auf den Schienenstrang starrende junge Mann fuhr zusammen. Er war jetzt immer so schreck- Haft. Da hatte er neulich einen Brief von der Olga bekommen, der ihm kaltes Entsetzen durch alle Glieder rieseln ließ: „denn ich kann nicht mehr länger hier bleiben, wo alle mit Fingern auf mich zeigen. Ich will zu meinem Bruder Stefan nach Berlin, der hat eine gute Stellung als Buch- Halter in einer großen Wollwarenfirma, vielleicht kann er mich da später auch anbringen, mir ist egal als was. Es ist mir ja hart Vaters wegen; der allein hat noch keine Ahnung. Aber ich muß fort— wo loll ich hin?! Und dann bin ich doch auch in Deiner Nähe. Geh doch mal zu Stefan, Du kannst ja Grüße bringen, er wohnt Alexanderstraße 22. drei Treppen links, und sieh Dich um, wie es bei ihm ist. und wie er selber ist. Er war so lange nicht hier. Er ist jetzt verheiratet, ich kenne seine Frau gar nicht." �....,.(Fortsetzung folgt.) stellen. Bei den Ortsfrankenkassen waren 942 Männer und 1 3520 Frauen versichert, doch werden auch nicht entfernt alle an Harmonitas Arbeitenden erfaßt. Aus Anlaß einer Rundfrage, die die Gesellschaft für Soziale Reform" wegen der Kinderarbeit an die Lehrer des Bezirks richtete, bemerkte ein Lehrer, daß in seiner Schule der eigenartige Fall zu verzeichnen sei, daß das Gesetz zum Schuhe der Kinder nicht nur start umgangen wird, sondern daß die Eltern in der Mehrzahl von dem Gefeh verleitet werden, die Kinder zu Lügnern zu erziehen. Der Lehrer hatte nämlich bei der Um frage in der Schule bemerkt, daß sich nur eine unverhältnismäßig geringe Anzahl pon Kindern zur Heimarbeit bekannte, während feinem Wissen nach beinahe elle Schulkinder zu Hause mitarbeiten müssert. Eine unerhörte Menge von Mund- und Handharmonitas werden von diesen Tausenden hergestellt, aber trop geteilter Arbeitsmethoden und größtem Umfaß ist auch bei tiefer Gruppe Hein arbeiter Not und Glend ständiger Gast. Die technischen Einrichtungen der Fabriken steden in den Kinderschuhen, die Heimarbeit ift billiger als eine technisch vervollkommnete Arbeitsweise. zählige Hände und Heimarbeiterhütten passiert so ein Instrument, bis es fertig ist, aber jedem ist nur ein farger Berdienst zugeneffen. Bor einigen Jahren hatte der Holzarbeiterverband mit Unterstützung der Heimarbeiter eine Tarifierung der Stücklöhne durchgesetzt. Leider ist jetzt vieles davon verloren gegangen. Ein Gang durch die Heimarbeiterwohnungen zeigt die Emfigkeit, mit der gearbeitet werden muß, um auch nur das nackte Leben fristen zu können. Das Leimen der Bälge für Ziehharmonifas erfordert den ganzen Raum der engen Stube; der Geruch des übelriechenden Leimes durchzieht alle Räume des Hauses. Die„ Balgenmaad" meist find es ältere Frauen, die die unsaubere Arbeit verrichten erhält für ein Dugend Bälge normaler Größe ganze 3,30 M. In 35 Stunden liefert sie 3 Dußend. Von den verdienten 9,90 m. gehen noch 1,65 m. für Leim und Spiritus ab, so daß nur ein Stundenverdienst non 21 Bf. übrig bleibt. Alle Gemeinden des Bezirks haben hohe Aufwendungen für die öffentliche Wohlfahrtspflege Die Weber. zu machen. Wer das Elend der sächsischen Weber kennenlernen will, braucht nicht nach Obersteina zu reisen, ja er braucht sich nicht einmal Hauptmanns Weberdrama anzuschen. Auf der Heimarbeitsaus frellung find so erschreckende Beispiele von Menschennot und Menschenelend zu sehen, daß immer und immer wieder Ausrufe des Cntsegens laut werden. Besonders in der Inlett- und Bandweberei ist die Heimarbeit noch gang und gäbe. Aber auch andere Textil maren werden noch vom Heimarbeiter hergestellt. Die Leute find ronfervativ. Sie hatten zäh an ihrem Handwebfiuhl fest und nehmen lieber mit ihren Hungerlöhnen vorlieb, als daß fie in die Fabrik gchen. Das nußen die Unternehmer nótürlich aus und richten ihre Breise danach ein. Der Bandweber muß sich das Rohmaterial selbst foulen, um es am Stuhl verarbeiten zu können. Im einzigen Zimmer des Häuschens bleibt nicht viel Raum für die Bewohner übrig, mehrere photographische Aufnahmen auf der Ausstellung lafsen das klar erkennen. Eine Stube hat 25 Quadratmeter Grund fläche, ist also so groß wie ein normales zweifenstriges Zimmer. Der Webstuhl, die Spulmaschine und das Scherzeug nehmen einen Platz von 10 Quadratmetern ein. Im verbleibenden Raum wird gewohnt und gefocht. Eine schräg abfallende Dachlammer dient der Familie zum Schlafen. Eine andere Weberei". Zwanzig Quadrat meter Stubengröße, Webstuhl und Spulmaschine laffen nur noch 10 Quadratmeter übrig, mit denen sich eine achttöpfige Familie als Echlaf, Wohn- und Kochraum begnügen muß. Das älteste Kind ist 13 Jahre alt, das jüngste% Jahr. Die Verdienste der Bandweber find zum Berhungern zu hoch und zum Leben zu niedrig. Tuber tulose, Krankheit, Hunger sind der Normalzustand im Leben des Heimmebers. * " Die Heimarbeit in Deutschland ist ein trübes Rapitel, solange sie besteht. Alle Versuche, den in ihr Beschäftigten durch gesetzgeberische Maßnahmen eine Berbesserung der Lohn- und Arbeitsbedingungen zu schaffen, find bisher an der Halbheit der Gefeße gescheitert. Nur eine durchgreifende Organisierung der Heimarbeiter fann den Gewerkschaften die Macht geben, die Unternehmer zu einer grundlegenden Aenderung ihrer Einstellung zu veranlassen. Pädagogisches Intermezzo. tungen teilgenommen zu haben. Gegen den Wirt wird, wie in allen Fällen, auch mit Verwaltungsmaßregeln vorgegangen werden. Da es auch im öffentlichen Interesse liegt, das Spielerunwesen nach Möglichkeit einzudämmen, so erbittet das Sonderdezernat nach wie vor vertrauliche Mitteilungen nach dem Zimmer 190 in der Magazinstraße 3/5, Anruf Polizeipräsidium 692 und 717. Die Explosion von Reinickendorf. „ Mensch, was hast du mit dem Motor gemacht?" mußten. = Die Markthallenpreise. Eine Antwort an Herrn Berichte. Die Deputation für das Ernährungswesen teilt folgendes mit: In der Versammlung des Reichsverbandes Deutscher Obst- und Gemüsekleinhändler cm 30. Oftober dieses Jahres hat der Abgeordnete Peri dyte scharfe Kritik an den amtlichen Preisnotierungen der Berliner Marfihallen geübt und die Behauptung aufgestellt, daß diese Notierungen fünstlich niedrig gehalten werden. Diese Behauptung ist unzutreffend. Die Feststellung der Zu dem großen Explosionsunglüd in ber Gummi- amtlichen Breise erfolgt in sorgfältiger Weise durch eigene lösungfabrit in Reinidendorf erfahren wir noch folgende inter- Ermittelungen der Markthallenverwaltung unter Beihilfe einefiante Einzelheiten: Emige Siedler der in unmittelbarer Nähe der wandfreier Händler, unter denen sich auch ein sehr zu Fabrit gelegenen Kolonie erfuhren lange vor dem Unglück von verlässiger Kleinhändler befindet. Daß bei der Aufstellung des Markteinem Beschäftigten, daß die Maschinen in der Sabrit bereits um berichtes eine zuri.khaltende Tendenz geübt wird, indem gewisse 6 Uhr morgens von dem Nachtwächter in Betrieb gesetzt werden Spigenpreise für Warenmengen, die in der Versorgung feine Rolle spielen, außer Acht gelaffen werden, ist selbstverständlich und entspricht auch dem Vorgehen bei sämtlichen sonstigen amtlichen MarktDer Wächter ging dann nach Hause, während die Arbeiter erst nelierungen. Der sjerr Referent ist bereits im Juli d. J. von der um 8 Uhr ihren Dienst antraten. Während dieser zwei Stunden Direktion der städtischen Markthallen aufgefordert worden, die sind die Maschinen stets ohne Beaufsichtigung Gelbstverständlich hatte auch während dieser Zeit der Antriebs- it.gfeit sehr schon damals erbroenen Behausungen unter BeElektromotor eine Wartung. Die von uns im Sonnabend weis zu stellen, hat aber hiervon feinen Gebrauch gemacht. morgenblatt gebrachte Mitteilung, daß das Explosionsunglück auf Ernährungsdeputation auf die Angriffe des Herrn Perschka, die Es wäre zu wünschen, daß die Kleinhändler diese Antwort der Sturzschluß zurückzuführen ist, gewinnt durch diese Angaben an Wahrscheinlichkeit. Ein Elektromotor, dessen Kollektorring nicht jach uns aus seiner parteipolitischen Einstellung heraus zu erflären find, gemäß blant geichmirgelt ist, wird an dieser Stelle sehr leicht wirklich zur Kenntnis nähmen. Vielleicht könnte das für viele von Funken entwickeln, bie bei der Feuergefährlichkeit der ihnen ein Anlaß werden, sich auch mit den anderen Ausführungen Benzin Gummimischung in den Mischmaschinen leicht eine des Herrn P. denkend zu beschäftigen, und so zu der Ueberzeugung Diese Annahme wird noch dadurch besonders bekräftigt, daß ein mehr als zweifelhaft sind. Entzündung und schließlich eine Explosion herbeiführen fönnen. zu kommen, daß diese Ausführungen auch noch in anderer Hinsicht 3 euge dafür vorhanden ist, der gehört hat, wie einer der verunglückten Arbeiter seinem Kollegen zurief: Was hast Du nur mit dem Motor gemacht?" Die Leitung der Fabrik wird sich zu äußern haben, ob diese Angaben zutreffen. Gleichzeitig wird aber auch die Behörde auf eine unfaßliche Fahrlässigkeit in der Fabritationsmethode der Gummilösungfabrik hingewiesen. Die Inhaber der Häuser in der Siedlungstolonie find aum großen Teil durch die Erplosion finanziell schwer geschädigt. Die Dächer der Häuser sind nicht nur durch umherfliegende Ma schinen- und Mauerteile durchschlagen worden. Der Luftdrud hergestellte Berbindung zwischen den einzelnen Biegeln ist dadurch hat auch die Dachziegel von innen angehoben Die durch Kalt ungehindert Zutritt haben. Die Siedler, die unter großen Geld. teils gelockert, teils ganzlich beseitigt, so daß Regen und Feuchtigkeit Lage, den Schaden aus eigenen Mitteln beden zu können. Das opfern in den Besitz der Wohnungen gelangt find, sind nicht in der Bezirksamt Reinickendorf, das alle Attien der Siedlungsgesellschaft 3500 m. hinaus die Siedler unterstüßen müssen, damit in Händen hat, wird über den bereits ausgeworfenen Betrag von nicht die Dachböden, die darunterliegenden Wohnräume und die Einrichtung vollends unbrauchbar werden. Der Bürgermeister und die Begirtsbaumeister haben in ihrer Eigenschaft als Aufsichtsräte der Siedlungsgesellschaft seinerzeit nichts gegen eine Ertraguwendung so mehr ist deshalb zu erwarten, daß sie den Siedlern, mehr als von 5000 m. an den Geschäftsführer der Gesellschaft gehabt. Um geplant ist, helfen werden. polizeilichen Borschriften sehr weitherzig angewandt Bei dem Bau der Gummilösungfabrit scheinen auch die bau. worden zu sein. Die Fabrit ist den Siedlern direkt vor die Tür gefeßt entfernt. Gegen die in demselben Fabritgebäude untergebrachte worden, sie ist von den nächsten Häusern taum 20 Meter Binkschmelze, die mit ihren Abgasen die ganze Siedlung verpestete, haben die Siedler mit Erfolg protestiert. Auf die Anfragen wegen der Feuergefährlichkeit der Gummilösungfabrit hat merkwürdigerweise die Baupolizei bis heute feine Antwort erteilt. nunmehr selbst von der Gefährlichkeit des Betriebes überzeugt haben. zwischen hat sich das Unglüd ereignet und die Baupolizei wird sich ja InWenn man einen Streit schlichten will.. Bon zwei Räubern wurde in der Nacht zum Sonnabend der 50jährige Schlächtermeister Karl Benz, der aus der Provinz zur Abwicklung von Geschäften nach Berlin gekommen war, überfallen. Als er por dem Hause Königgräger Straße 23 aus der Droschte stieg, stieß er auf zwei Männer und eine Frau, die sich heftig stritten. Er wollte ichlichten und sagte zu den Männern: Laßt doch die Dame in Ruhe. Die beiden blickten auf und fahen, daß der Friedens. ftifter nach Entlohnung der Droschtenführer noch seine Brieftasche 3ähne aus, warfen ihn zu Boden und versuchten, ihm die in der Hand hatte. Da fielen sie über ihn her, schlugen ihm vier Brieftasche zu entreißen. Der Meister, bem die Berliner Ber hältnisse nicht unbekannt sind, war jedoch so vorsichtig gewesen, fie an einer Rette zu tragen. So gelang der Raub nicht, und die Uebeltäter ergriffen die Flucht. Einem Beamten der Schußpolizei, der sie verfolgte, gelang es, einen von ihnen, einen 21 Jahre alten Klempner Otto 3int, einzuholen und festzunehmen. Der zweite, ein gemisfer Otto 3int, einzuholen und festzunehmen. Der zweite, ein gewiffer Erich Schönfeld, der in der Großbeerenstraße wohnt, enttam. Der Ueberfallene mußte fich in ärztliche Behandlung begeben. Zweitägiger Ausflug nach dem Riesengebirge. Beteiligung die zweitägige Sonderzugfahrt nach dem Die Reichsbahndirektion Berlin beabsichtigt, bei ausreichender Riesengebirge, mit den Zielen Oberschreiberhau und Krummhübel, am 7. und 8. November zu wiederholen. Der Sonderzug fährt über die Stadtbahn, Charlottenburg ab 1,12 nachm., Ankunft in Oberschreiberhau 9,22 abends, in Krummhübel 9,01 abends. Die Fahrpreise für Hin und Rückfahrt betragen nach Hirschberg 12,60 mart, nach Oberschreiberhau 14 m., nach Krummhübel hübel ist gesorgt. Am Sonntag find von beiden Orten Wanderungen 14,80 M. Für lebernachtung in Oberschreiberhau und KrummSchneekoppe vorgesehen. Der Fahrtartenverkauf beginnt unter fachkundiger Führung nach den Schneegruben bzw. nach der Zoologischer Garten, Bahnhof Friedrichstraße und Schlesischer Bahnam Montag, den 2. November, bei den Fahrkartenausgaben Berlinhof, sowie bei den üblichen Ausgabestellen des Mitteleuropäischen höfen. Reisebureaus. Näheres durch die Bekanntmachung auf den BahnDas Deutsche Institut für Frauenkunde. funde im Deutschen Krantenfaffenhaus einen Bortragsabend unter Am 29. Oftober veranstaltete das Deutsche Institut für FrauenMenschen von der Empfängnis bis zur Geburt". gleichzeitiger Borführung des Kulturfilmes: Das Werden des Den erläuternden Bortrag hielt Herr Univerf.- Prof. Dr. W. Liephaus" Die zahlreichen Besucher des Vortrages waren von den Dar mann, Direktor der Frauentlinit und Entbindungsanstalt ,, Cecilienbietungen sehr befriedigt und wünschten, diese und andere Filme nebst ist Aussicht vorhanden, den oben genannten Film in nächster Zeit Vorträgen in laufenden Veranstaltungen vorgeführt zu sehen. Es zu wiederholen bzw. fortzusehen. Entsprechende Anfragen sind nach Charlottenburg, Berliner Straße 137 zu richten. Tarzan im Urwald. den Reigen der Weihnachtsspielwaren Ausstellung eröffnet. Lar Das Barenhaus Tiez in der Frankfurter Allee hat gestern zans underleben und Wunderwelt im Urmald ist in sechs Dioramen, von Künstlerhand geschaffen, erstanden; es wird die nächsten vier Wochen das Gesprächsthema der Kinderwelt im Often bilden. Die Aufnahme des verwaisten Menschentindes bei den Affen, seine Wahl zum König des Affenstaates, sein Verwachsen mit der Tier- und Pflanzenwelt des Urwaldes und der Wüste, schließlich das Erwachen des Menschtums in ihm und seine Rettung: das alles ist in anschaulicher, gleichzeitig belehrender Weise dargeboten. Die Ausstellungsleitung ist weit über den Rahmen des sonst Ge wohnten hinausgegangen. Der gestern gleich nach der Eröffnung der Ausstellung. einsetzende starke Besuch bewies das Interesse der Bevölkerung an mittag in der alten Bauakademie stattfand, begann mit GedenkDie Jahresfeier der Hochschule für Politit, die Sonnabend Ebert, der als Reichspräsident die Hochschule tatkräftig förderte. worten des früheren Ministers des Innern Drews für Friedrich Der preußische Kultusminifter Beder sprach furz über die wandlung des Vaterlandsgedankens: erst mit dem Staatsgebanten gleich, ist er durch Heimats empfinden und Boltsbewußtsein vertieft worden. Aufgabe der Fule fei, den Staat wieder in den Mittelpunkt des Denkens zu stellen. Prof. Onchen referierte über das Motiv der Sicherheit in der neueren europäischen Staatengeschichte. Feiner Sprühregen näht durch die schmuhiggraue Dämmerung, erste Straßenlaternen spiegeln trüben Widerschein auf glitschrigem Pflaster. Das Heztempo der Großftadt peitscht unerbittlich die Menschenflut durch die troftlosen Steinrinnen der Straßen. Da geht ein junger Postbeamter, ein dreijähriges Kerlchen an der Hand, das auf seinen noch wackelnden Beinchen im Sauseschritt seines Jahr hunderts wacker mitzuhalten strebt. Plöglich aber war da eine ganz besonders glitschrige Stelle, oder versagten die Beinchen weitere Rekordleistungen? bums, lag er auf der Nase. Man erwartete die übliche Szene: der Vater schilt oder tröstet weinerlich, der Bub heult trompetend aus Schreck oder Mitleid mit sich selbst. Aber es geschieht etwas völlig unerwartetes. Mit schallendem Gelächter beugt der Bater sich zu dem Kleinen, sieht ihm ins Gesicht und lacht und lacht, so warm, so überzeugt, so hingegeben, als wäre dieser Fall eine Quelle herzlichster, unendlicher Heiterkeit. Der Bub verzieht erst das Mäulchen ein wenig ratios, die Situation scheint ihm noch etwas ungewöhnlich. Dann aber lacht auch er, hell und jauch noch etwas ungewöhnlich. Dann aber lacht auch er, hell und jauch. zend, und in einmütiges Gelächter marschieren beide weiter die Straße hinunter, die trotz Schmuh, Dämmerung und Rieselregen Anfassen schmuziger Geldscheine herrührte und deshalb auch Geld.haus am Friedrichshain eingeliefert. auf einmal ganz freundlich und hell ausschaut. Glücklicher Junge, der ein gestoßenes Näschen und eine geschrammte Kniescheibe mit Frohsinn überwindet! Dir wird mal ein schmerzliches Ausrutschen und Hinschlagen auf dem oft so glitschigen Lebenswoge nicht schaden, du wirst lachend weitermarschieren, wo wir anderen meinen, wir müßten mit gebrochenen Gliedern liegen bleiben, oder fönnten nur noch stöhnend und trübfelig an rücken weiterhumpeln, Die Todesfahrt auf dem Sozinssi. Nach übereinstimmender Aussage sämtlicher Augenzeugen war der Motoradfahrer Jaensch schnell wie ein Pfeil" auf seinem Rade bahergefligt gekommen, als er durch die Kochhannstraße in die Petersburger Straße einbog. Dabei war es zu einem 3usammenstoß mit einem Auto gekommen, das gerade die Petersburger Straße durchfuhr. Das Rad wurde hinten gefaßt und der auf dem Soziusfig befindliche Freund des Jaensch so unglücklich heruntergeschleudert, daß er eine Gehirnerschütterung erlitt und verstarb. Das Schöffengericht mitte fam zu der Ueberzeugung, daß der unglückliche Motorfahrer allein die Schuld an dem Vorfall treffe und erkannte gegen ihn auf 5 Monate Gefängnis. Da eine Reihe von Milderungsgründen zugunsten des Angeklagten tprachen, bewilligte das Gericht ihm Strafauslegung auf drei Jahre gegen Zahlung einer Buße von 300 Mart, ,, Meine Tante deine Tante". Ein Spielerneft wurde am Freitag abend in der Warten bergstraße 60 zu Lichtenberg ausgehoben. Die Polizei war befannt geworden, daß sich hier bei dem Schankwirt 3., besonders Freitags und Sonnabends, von verschiedenen Banfhaltern Arbeiter in Meine Tante deine Tante" ihr Geld abnehmen ließen. Das Sonderdezernat ber Kriminalpolizei stellte durch längere Beobachtungen fest, daß in der Wirtschaft in der Tat viel gespielt wurde. Am Freitag abend zogen die Beamten mehrere Wachtmeister der Schugpolizei hinzu, umstellten das Lokal und überraschten 15 Personen, die alle festgestellt wurden. Die ertappten Banthalter geftanden, daß fte das Glücksspiel gewerbsmäßig betrieben haben. Auch die Spieler gaben zu, wiederholt an den Veranſtal Zum Tode des Pagen Gerhard Schaepel. Der geheimnisvolle Tod des Pagen Gerhard Schaepel ( nicht Schnapel) ist auch heute noch nicht aufgeflärt. Eine ganze Reihe von Zeugen, darunter auch Kellner aus dem Café Bater land" find vernommen worden, ohne daß sich ein Anhalt für das Berschwinden und den Tod des jungen Menschen ergab. Schaepet, ein gut gewachsener und sehr gut aussehender Knabe, war com 18. bis 25. September nicht im Betrieb, sondern frant geschrieben, meil er an der rechten Hand einen Ausschlag, der wahrscheinlich vom trantheit" genannt wird, hatte. Am 2. Ottober sollte er seinen Dienst wieder antreten. Um sich wieder vorzustellen, begab er sich schon am 1. Oftober nachmittags nach dem Café. Als er von seinen Pflegeeltern wegging, hatte er eine Attentasche und ein Batet unter dem Arm. Beim Eintreffen im Café besaß er die Aftenförtner fagte, baß er noch einmal auf 10 Minuten weggehen müffe. tasche nicht mehr. Das Patet nahm er wieder mit, als er dem Es ist dann aber auch verschwunden und bisher nicht wiedergefunden worden. Es wird vermutet, daß Schaepel, bevor er ins Café tam, die Aktentasche jemandem gegeben hat, der ihn gleich wieder zurückWer hat den jungen Mann am 1. Oftober nach mittags oder später irgendwo allein oder mit einem anderen zu fammen gesehen? Alle Mitteilungen, die zur Aufklärung dienen tönnen, nehmen die Kriminalkommissare Streme und 3apfe im Polizeipräsidium entgegen. erwartete. Schererei mit Arbeiterwochenkarten. irgendein behördliches Schriftstück, das faum mehr als eine einfache Die Erhebung von Berwaltungsgebühren für Unterschrift erfordert, ist seit langem als besonders drückend bei dem Bezug von Arbeiterwochenfarten empfunden worden. Wer einen Antrag auf Ausfertigung einer Arbeiterwochenfarte stellen will, muß zwei Bescheinigungen beibringen, eine vom Arbeitgeber über die Arbeitsstätte und die Art der Beschäftigung, die andere von der Bolizei über seinen Wohnsiz. Manche Polizeibureaus lassen fich, flagt man uns, für diese Leistung 50 Pfennig Berwaltungsgebühr zahlen, andere Bolizeibureaus aber tun das nicht. Unferem Gewährsmann wurde noch vor etlichen Tagen die Gebühr abver langt, als er das Antragsformular bei der Polizei vorlegte. Er mies darauf hin, daß manche Bolizeibureaus die Gebühr nicht fordern. Auch habe, fügte er hinzu, die Reichsbahnverwaltung erklärt, daß den Arbeitern durch diese Ausweise teine Untoften entstehen dürften. 2ber der ihn abfertigende Bolizeioffizier antmortete, er erhebe die Gebühr auf Grund einer Verordnung vom Juni 1925. In der letzten Branchenverfammlung der Elektromonteure wurde die hier geschilderte Schröpfung der Arbeiterschaft zur Sprache gebracht. Bir find der Meinung, daß es Zeit wäre, mit diesem an die Gepflogenheit der Inflationszeit erinnernden Schröpffystem schleunigst aufzu räumen. erlitt der Fleischergeselle Karl Hartmann aus der Dolziger Bei der Arbeit verunglüdt. Einen sonderbaren Unfall Straße 47. Er war gegen 5 Uhr auf seiner Arbeitsstelle im Viehhof damit beschäftigt, sein Messer zu wegen. Er rutschte ab und stieß sich bas Meffer in die Seite. Durch einen Wagen des städtischen Rettungsamtes wurde er in bewußtlofem Zustande in das KrantenImmer wieder das Aufspringen. In Charlottenburg in der Bismarckstraße verfuchte vor dem Theater die 35 Jahre alte Lehrers, frau Martha Köhler aus Charlottenburg. Suarezstr. 78, auf einen in voller Fahrt befindlichen Straßenbahnwagen zu springen. Sie fam jedoch unter den Anhänger und erlitt Sie wurde zunächst zur Rettungswache befördert und von dort in einen schweren Oberarmbruch und Bauchquetschungen. bewußtlosem Zustande in das Krankenhaus Westend eingeliefert. An den Folgen einer Zahnoperation gestorben ist ein 21 Jahre alter Kaufmann Werner Haese aus der Bärwaldstraße 51. Ihm zog vor acht Tagen ein Dentist unter Anwendung von Betäubungsmitteln zwei Zähne. Kaum war er nach Hause gekommen, da schwoll ihm das Geficht an. Zunächst ließ er den Dentisten rufen. Dieser erklärte, daß er auf die Erscheinungen gerade gewartet habe und verordnete warme Umschläge. Als diese nichts halfen, wurde endlich ein Arzt geholt, der den Leidenden sofort nach dem Krantenhaufe bringen ließ. Dort ist Haese am Freitag abend gestorben. Die Leiche wurde von der Kriminalpolizei beschlagnahmt. Monatshefte veranstaltet unter dem Titel ,, Der Aufbau" eine Serie Der Aufbau. Die Gesellschaft der Freunde der Sozialistischen tontradiftorischer Bortragsabende über politische, wirt aftliche und fulturelle Probleme der Gegenwart in freier Folge im eichs= wirtschaftsrat Bersönlichkeiten aus verschiedenen Lagern werden in poller Redefreiheit zu Worte tommen. Der Botanische Garten in Berlin- Dahlem ist vom 1. November 1925 ab wie folgt geöffnet: Sonntags der Garten von 10 Uhr bis zur Eintritt der Dunkelheit, die Gewächshäuser von 10 Uhr bis Dunkelheit, die Gewächshäuser von 10 Uhr bis 4 Uhr. 4 Uhr; wochentags der Garten von 8 Uhr bis zum Eintritt der Trustfrei! Trustfrei! Tragt ,, Heros" die Qualitäts- Dauerwäsche Durch ihre blendende Weiße und Geschmeidigkeit von echter Leinenwäsche kaum zu unterscheiden. Heros" Dauerwäsche- Fabrik W. Kaless, Ketschendorf( Spree) Menschenleben in Gefahr!" Laden- und Kellerbrände. Eine Banit entstand am Sonnabendnachmittag bet etnem Ladenbrand in der Berliner Straße 16 in Weißensee. Als die Feuerwehr an der Brandstelle antam, stand dort ein Laden in solcher Ausdehnung in Flammen, daß die Wehr unverzüglich aus mehreren Schlauchleitungen vorgehen mußte. Eine 80jährige Frau versuchte aus dem Fenster der ersten Etage auf den Bürgersteig zu springen. Die Feuerwehr breitete ein Sprungtuch aus und konnte die Frau auffangen. Ueber Stecleitern drangen die Feuerwehrleute in die Wohnungen und holten eine zweite Frau heraus, die auch wie die erste nach einem Krankenhaus gebracht werden mußte. Der Brand konnte auf den Laden beschränkt werden. In der Hauptstraße in Friedenau erfolgte ein Zusammenstoß zwischen einem Auto und einem Straßenbahnwagen, wobei eine Berson schwer und mehrere leicht verlegt wurden. Ein Kellerbrand beschäftigte die Wehr längere Zeit in der Feurigstraße 35 in Schöneberg, wo ebenfalls infolge der enormen Berqualmung eine Panik unter Baurat Berg ließ unden Hausbewohnern ausgebrochen war. verzüglich mit mehreren Rohren angreifen. Troßdem war die Befämpfung schwierig, weil feuergefährliche Produfte in Brand geraten Unter der Einwirkung des Qualms sind mehrere Bermaren. jonen ertranft. Das Reit- und Fahrturnier. Der Sonnabendnachmittag brachte die ersten Veranstaltungen in der 4000 Personen faffenden neuen Automobilhalle am Raiserdamm, die völlig überfüllt war. Das Programm war ausgefüllt mit Prüfungen aller Art. Da es nun heutzutage ohne Fridericus Reg" nicht geht, ritt ein ländlicher Reiterverein in friderizianischen Uniformen eine Quadrille. Der Glanzpunkt war die spanise Reitschule aus Wien, deren Leistungen, namentlich in der Schule über der Erde mit demonstrativem Beifall belohnt wurde. Sonntagskonzert der Philharmoniker. Im heutigen Stonzert best harmonischen Drchesters, Dirigent: Prof. Julius Brümer, wirken solistisch mit: Stonzertmeister Beit( Bioline), Prof. Fischer( Orgel) und Otto Müller ( Harfe). Bez risbildungsausschuß Groß- Berlin. Sonntag, den 1. November, abends 8 Uhr, lieft der Arbeiterdichter Heinrich Lersch aus eigenen Werken im Andreas Realgymnasium, Koppenstraße 76( Aula). Breis pro Rarte 50 Bi., zu haben im Bureau des Bezirtsbildungsausschusses, Lindenstr. 3, 2. Hof 2 Tr., Bimmer 8. Sonntag, den 8. November, bormittags 11 Uhr, im Großen Schauspielhaus, Karlstraße 1, Proletarische Feier. stunde Die Revolution". Preis der Einzelfarte 1,20 m., im Abonnement alle fünf Beranstaltungen 4 M. Die noch ausstehenden Zeichnungsliften müssen schnellstens zurüdgereicht werden. Sonntag, den 15. No vember: Rheinische Rebellen im Staatlichen Schillertheater, Charlotten burg. Preis pro starte 1,20 m. Kleiderablage und Theaterzettel frei. Ginige Starten für die Städtische Oper am Montag, den 2. November ( Waffenschmied) und Dienstag, den 3. November( Ariadne) find noch im Bureau des Bezirtsbildungsausschusses zu haben. && TRIOLIN& LINOLEUM Lammfromm Veget mur 127 Potsdamer Str. Berlín Der Funkverkehr der Zukunft. Das drahtloje žino. Absturz des Autogiro. Condon, 31. Oktober.( WTB.) Der von dem Spanier De lacierva erfundene Autogiroflugapparat, bei dem Bei der Tagung der Heinrich- Herz- Gesellschaft in die Tragflächen durch rotierende Fächerflächen ersetzt sind, stürzte Karlsruhe, wo die feierliche Enthüllung des Denkmals für den großen bei Farnborough aus geringer Höhe ab. Das Fahrgestell wurde Forscher stattfand, hielt am Freitag, den 30. Oftober, Dr. Schrögewaltsam durch die Verspannungen getrieben. Der englische Flugfer von der technischen Leitung der Telefunken- Gesellschaft einen zeugführer blieb unverlegt. Bortrag über die Aussehen erregenden Erfolge, die die gemeinsamen Arbeiten von Dr. Karolus- Leipzig mit Telefunken zur Vervollkommnung drahtloser Bild- und Schriftübertragungen in letzter Zeit erzielt haben und die eine Epoche auf diesem Gebiete anbahnen. Nach Dr. Schröters Ausführungen ist in absehbarer Zeit mit der Eröffnung eines Bild- und Schriftüberfragungsdienstes nach Ueberfee zu rechnen, wobei es möglich sein wird, die bisher erreichten Uebertragungsgeschwindigfeiten ganz außerordentlich zu vergrößern. Desgleichen wird man Dank der Arbeiten von Dr. Karolus auch die Fernübertragung von Filmen das drahtlose Kino praktisch mit der neuen Methode Telefunten Karolus verwirklichen fönnen. Es handelt sich hier um ein Verfahren, das dem bekannten Kornschen bei weitem überlegen ist und tatsächlich die großartigen Aussichten, die Dr. Schröter in seinem Bortrage eröffnete, zu recht fertigen scheint. Gefängnis für einen völkischen Totschläger. Altonaer Schwurgericht hatte sich am Freitag und Sonnabend der Hamburg, 31. Oftober.( Eigener Drahtbericht.) Vor dem völkische Ortsgruppenführer und Stadtverordnete Werner Dieh unter der Anflage des Totschlags zu verantworten. Dieß hat am 22. Juli feinen Schwager Borrath in Boberg erschossen, nachdem vorher heftige Auseinandersehungen zwischen Borrath und Diez, Frau Borrath und einigen anderen Leuten der Schlägerei zunächst nicht beteiligt war, fam dazu und gab den stattgefunden hatten, die zu einer Schlägerei führten. Dieß, der an tödlichen Schuß auf seinen Schwager ab. Vor Gericht stellte er die Tat als Notwehr hin. Der Staatsanwalt hielt ihn jedoch nach einer umfangreichen Beweisaufnahme des Totschlags für schulbig und beantragte eine Zuchthausstrafe von 8 Jahren und Aberkennung der bürgerlichen Ehrenrechte auf 5 Jahre. Das Gericht erfannte dagegen auf zwei Jahre Gefängnis megen fahrlässiger Tötung. Neue Verhaftungen in der Mordaffäre Rosen. Breslau, 31. Oftober.( Tul.) Eine neue sensationelle Wendung ist in der bekannten Mordaffäre Rosen eingetreten, von der man hofft, daß das Verfahren nunmehr fhnelle Fortschritte machen wird. Nach amtlicher Auskunft sind der Sohn und die Schwiegertochter des ermorderten Schuhmachers Stod, der Briefträger Stod und seine Ehefrau, unter dem Verdacht der Mittäterschaft an den Mordtaten in Haft genommen und dem Unterfuchungsgefängnis zugeführt worden. Auch gegen die Hausangestellte Grabsch, die bisher nur als Zeugin vernommen war, richtet sich nunmehr das Untersuchungsverfahren. Die Grabsch ist vorläufig noch auf freiem Fuße. Die Voruntersuchung gegen den Arbeiter Ramminger wird voraussichtlich eingestellt werden, nachdem diesem ein einwandfreier Alibibemeis gelungen ist. Das Ehepaar Stod war schon seit längerer Zeit in verschiedenen Kreisen der Mitschuld an der Mordtat verdächtigt worden. Der Ber bacht fand darin seine Spize, daß das Berhältnis zwischen dem Schuhmacher Stod und dem Sohn sowie der Schmiegertochter denkbar schlecht gewesen sein soll. Weitere Eisenbahnunfälle in Frankreich. Paris, 31. Oftober.( E. P.) Außer dem bereits heute vormittag gemeldeten Unglüd ereigneten sich zwei weitere Entgleifungen. Bei Moulin überfuhr ein Personenzug eine Kuh und entgleifte. Personen tamen aber nicht zu Schaden. Bei Pé rigneur entgleiste ein Expreßzug, wobei sechs Wagen um= geworfen und zertrümmert wurden. Aber auch hier wurden feine Personen verlegt, sondern nur beträchtlicher Sach schaden angerichtet. Schiffsbrand auf der Ostsee. Steffin, 31. Oftober.( WTB.) Der deutsche Dampfer Teu tonia" der Reederei Kunstmann- Stettin traf gestern das deutsche Motorschiff Uli" in der Ostsee auf der Höhe von Stockholm lichterloh brennend an. Er brachte die Besatzung in Sicherheit und nahm das brennende Schiff in Schlepptau bis unter den Schutz der schwedischen Küste. Dort wurde das Feuer mit den Löschvorrichtungen des Dampfers gelöscht. Die wertvolle Ladung ist allerdings zum größten Teil durch das Feuer vernichtet, während Kraft einen Nothafen erreichen konnte. Schiff und Motor noch seefähig waren, so daß Uli" mit eigener Nebel auf der Elbe. Durch den Freitag abend und Sonnabend fahrt auf der Elbe völlig stillgelegt. Seit gestern abend früh in Hamburg herrschenden starten Nebel wurde die Schiff= 7.30 Uhr bis heute morgen 10 Uhr sind feine Seeschiffe mehr aufgelaufen. Das Verholen von Seeschiffen mußte eingestellt werden. getommen. Ebensowenig sind Schiffe vom Hamburger Hafen ausDie Unterelbepassagier und Frachtdampfer famen mit ganz bedeutenden Verspätungen an den Hamburger Landungsbrücken an. Der Hafenverfehr hatte die größten Schwierigkeiten, um die Unmenge Hafenarbeiter rechtzeitig an die Arbeitsstätten zu bringen. Curhaven meldete heute morgen nur noch diefiges Wetter, während die Elbe bei Hamburg noch unter dich te stem Nebel lag. Falschermünzer in Düsseldorf verhaftet. Die Düsseldorfer Polizei ist einer vi er töpfigen Falschmünzer bande auf die Spur gefommen. Schon seit längerer Zeit befanden sich in Düsseldorf falsche 1 und 2- martstüde im Umlauf. Das zur Herstellung der Münzen benutzte Material, sowie eine größere Anzahl von Falfch= stüden fonnten beschlagnahmt werden. Innerhalb der letzten drei Monate ist dies die 4. Falschmünzergesellschaft, die in Düsseldorf unschädlich gemacht werden konnte. 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Die Wirtschaft ist dabei hervorgerufen durch die schmere Lage der Staatsfinanzen. Der verwahrloft und es herrscht eine ungeheure Arbeitslosigkeit. In Finanzminister Caillaug vermochte nicht, die schwebenden Währungs. Polen wurde das Gleichgewicht des Staatsbudgets durch die Einund Finanzfragen zu lösen; die von ihm aufgelegte neue Anleihe führung einer Bermögensabgabe erreicht; allerdings wird war ein Mißerfolg, mur ein Bruchteil der erhofften Summen es infolge der Berlangsamung der Steuereingänge durch die Wirtwurde gezeichnet. Auch mißlang ihm die Regelung der Schulden schaftskrise in Frage gestellt. Rußland gelang es bereits im jetzt gegenüber den Bereinigten Staaten, es wurde Frankreich nur ein abgelaufenen Steuerjahr, das finanzielle Gleichgewicht sicher zu fünfjähriges Provisorium angeboten. Seitdem Caillaug Finanz- stellen. In einigen Ländern werden sogar Steuerreserven minister geworden ist, hat die Bantnotenpresse neue Milli- aus den lleberschüssen gebildet( Thesaurierung), so in Deutscharden in den Berfehr gepumpt, und jeßt, wo im Herbst wieder viele land, wo sich das Finanzministerium als 3wangsspartaffe" be Schatzscheine fällig werden, wird voraussichtlich wieder die Bank trachtet, die aber der Produktion und dem Berbrauch große Summen notenpreffe herhalten müssen. Der Finanzplan Caillaug' hat die entzieht, in Japan, wo das letzte Wirtschaftsjahr mit einem fozialdemokratischen Parteien ganz besonders enttäuscht, weil er als großen Steuerüberschuß abschloß, Merito, wo der Ueberschuß fozial ungerecht empfunden wird. Der von der Sozialdemo- zur Gründung einer Notenbank verwendet werden soll, Finn Pratie geforderten Vermögensabgabe steht Caillaug feindlich gegen land, wo der erhebliche Ueberschuß des letzten Jahres zur über, und er möchte den Steuerfag für Arbeitseintommen auf Dedung des Defizits des laufenden Finanzjahres gebraucht wird. 10 Broz.( für Industrie- und Handelseinkommen auf 15 Broz.) er. höhen. Durch diese Pläne hat er das Bertrauen der Arbeiterschaft und der Beamten eingebüßt. Die Steuerflucht ist in Frankreich noch stärker vorherrschend als in andern Ländern, vor allem vermechten es das Finanzkapital und die Landwirtschaft, sich der Steuerzahlung zu entziehen.( Die Hälfte der Staatseintommen entfällt noch auf Zölle, Verbrauchs- und Umsatzsteuern.) Die Kosten des Krieges, die in Form von Kriegspensionen, der Wiederherstellung der zerstörten Gebiete und der Zinslast der inneren Kriegsschulden getragen werden, für die äußeren Kriegsschulden wurden bisher nur zum geringen Teil Zinsen gezahlt, haben die finanziellen Schwierigkeiten hervorgerufen, denen nur mit einem scharfen Anziehen der Steuerschraube hätte begegnet werden fönnen. Das ist bisher ausgeblieben, obwohl die Lage der Wirtschaft seit dem Waffenstillstand andauernd günstig war. Bei Frankreich liegt der besondere Fall vor, daß es dem Staat schlecht, der Wirtschaft dagegen gut geht. Die schlechte Budgetlage hat die Berschlechterung der Baluta hervorgerufen, die für den Erport von großem Vorteil war, ohne daß die verhängnisvollen Wirkungen der Inflation bisher eingetreten wären. Erst jetzt, wo die Kapitalflucht in hohem Maße einsetzte, beginnt die unglückliche Lage der Staatsfinanzen auch die der Wirtschaft zu gefährden. Sonntag, 1. November 1925 die Staatsausgaben in fast sämtlichen Ländern außerordentlich hoch und gehen weit über das Maß der allgemeinen Preissteigerungen hinaus. Die Kriegsfolgen, Penfionen und Zinsen nach den Kriegsschulden, belasten die Staatsbudgets der Kriegführenden, nicht nur Deutschlands, mit ungeheuren Summen, die vor allem drückend werden, wenn die Schulden an das Ausland gezahlt werden leistungen aufbringen. Das französische und spanische Budget wird müssen. Deutschland muß riesige Steuersummen für Reparationsdurch den Krieg in Marotto und Syrien belastet. Auch verschlingen die Heeresausgaben immer noch große Teile der Staatsausgaben. Solange die Völker die riesigen Steuern für unproduftive 3wede leisten müssen, werden sie durch diese auf doppelte Weise, wirtschaftlich und sozial gedrückt. Angesichts der verminderten Bolfseinkommen in den meisten Ländern find die Wirkungen des Steuerbruds viel schwerwiegender als vor dem Kriege. Die Kapitaltnappheit in manchen Ländern ist auf diesen Steuerdruck zurückzuführen, ebenso gehen auf ihn manche Hemmungen des internationalen Handelsverkehrs zurüd. Sozial wird das Uebel durch die ungerechte Lastenverteilung, die die Steuerlasten den schwächsten Schultern qufbürdet, verschärft. Die neue Schußzzollwelle mit den hohen Schutzöllen wirkt ebenfalls in dieser Richtung. Sind doch die Zölle, finanzpolitisch betrachtet, nichts anderes, als Verbrauchssteuern. Als Länder, in denen die Steuerlaften in fozialem Sinne am ungerechtesten verteilt find, follen genannt werden: Deutschland, Italien, Frankreich, Ungarn und Indien. A. H. Weiter steigende Arbeitslosigkeit in Berlin. erhebliche Steigerung der Arbeitslosigkeit, die mit Der Arbeitsmarkt verzeichnet in der letzten Woche eine ganz annähernd 3700 neuen Arbeitsgejuchen und ca. 2000 Zugängen von Unterstüßungsempfängern die der Borwochen weit übertrifft. In den maßgebenden Industrien mird infolge Absatzschwierigkeiten und Mangel an Neuaufträgen mit weiteren Entlaffungen für die nächste Zeit gerechnet. Betriebseinschränkungen und Stillegungen mehren sich. Hinzu kommt, daß infolge der vorge schrittenen Jahreszeit allmählich der Kräftebedarf der Landwirtfich merklich verringert. Auch der um diese Jahreszeit erfahrungsschaft nachläßt, und auch die Aufnahmefähigkeit des Baugewerbes gemäß im Handelsgewerbe einsetzende Bedarf an Berkaufs- und sonstigen Aushilfskräften für das Weihnachtsgeschäft, ist bisher noch ausgeblieben. Ein Merkmal für den Grad der Berschlechterung des Arbeitsmarktes im allgemeinen ist insbesondere auch die 3 unahme der jugendlichen Arbeitsuchenden, die erfahrungsgemäß bei der Einstellung bevorzugt werden. Der Stand von rund 2000 jugendlichen Arbeitsuchenden muß als verhältnismäßig hoch bezeichnet werden, wenn man berücksichtigt, daß noch vor wenigen Wochen ein ständiger Mangel an Jugendlichen vorherrschte. Gute Beschäftigungsmöglichkeiten bestehen fast ausnahmslos mur in einigen durch Saison günstig beeinflußten Berufen, u. a. in der Kürschnerei, Herrenkonfektion und Striderei. Der Prozeß der Wiederherstellung des Gleichgewichts der Einnahmen und Ausgaben in den Staatshaushalten schreitet seit einigen Jahren vorwärts. Vor allem gelang es den neutralen Ländern, Holland, der Schweiz, den standinavischen Ländern sowie den Randstaaten, ein verhältnismäßiges Gleichgewicht der Staatsfinanzen herzustellen. In der lebten Zeit wurden folgende Staatshaushalte mehr oder weniger in Ordnung gebracht: die des italienischen, belgischen, tschechoslawatifden, griechischen und meritanischen Staates. Allerdings find in Belgien und in der Tschechoslowakei neben den durch Steuer einnahmen gedeckten ordentlichen Staatsbudgets auch außer ordentliche vorhanden, die einstweilen durch Anleihen gedeckt werden müssen. Insofern aber diefe produktiven Zwecken dienen( Investitionen), wird durch fie die Valuta und die Kredit fähigkeit nicht gefährdet. Sehr bemerkenswert ist die Sanierung des griechischen Staatsbudgets, die durch drastische Sparmaßnahmen auf der Ausgabeseite und durch die Erhöhung der Einkommensund Erbschaftssteuern auf der Einnahmeseite erzielt wurde. Dabei wurden die Einfuhrzölle auf Lebensmittel abgeschafft. Die Sanierung der italienischen Staatsfinanzen ist überwiegend das Gefunde Finanzen schlechte Wirtschaftslage. Ergebnis von Maßnahmen, die von den Vorgängern der faschistischen Das umgefehrte Bild zeigt eine Anzahl anderer Länder. Regierung in die Wege geleitet wurden und die sich erst jetzt aus. wirten. In Merito war voriges Jahr noch infolge des Bürger In diesen sind die Staatsfinanzen in Ordnung, bagegen triegs ein riesiges Staatsdefizit vorhanden, das innerhalb eines ist die Wirtschaftslage ungünstig. In England, wo Jahres überraschenderweise in einen nicht unerheblichen Budget- Es waren 62 268 Personen bei den Arbeitsnachweisen eingedie Staatsfinanzen immer aus Steuern gedeckt wurden, ist die ungünstige Wirtschaftslage nicht die Folge des großen Steuerdruces, überschuß umgewandelt werden konnte. Auch in Indien wurde tragen, gegen 58 586 der Vorwoche. Darunter befanden sich 43 816 im laufenden Jahr zum ersten Male seit dem Krieg das Gleich( 41 797) männliche und 18 452( 16 789) weibliche Bersonen. Untersondern anderer Ursachen. Indessen blieben die Steuereingänge der gewicht des Budgets erzielt, ohne englische Anleihen in Anspruch flüßung bezogen 19 065( 17 479) männliche und 4144( 3695) weiblezten Monate unter dem Boranschlag, und es wird daher für( 21174) legten Monate unter dem Boranschlag, und es wird daher für das laufende Jahr ein Defizit im Staatshaushalt befürchtet. Die nehmen zu müssen. Allerdings wurde dies mur durch die Anliche, insgesamt 23 209( 21 174) Berfonen, davon bei Notstands englische Bevölkerung hat 16 Milliarden Goldmart Steuern im Jahr pannung der Steuertraft der im größten Elend lebenden Be völkerung erreicht. zu entrichten, bei ungünstiger Wirtschaftslage eine übermäßige Belastung. Hinzu kommen noch in der letzten Zeit die erheblichen Aufwendungen des Staates für die Subvention der Kohlenbergwerke. Für Deutschland ist dieselbe Lage vorhanden, Gefundheit der Staatsfinanzen, Blutarmut der Wirtschaft, der die Kapitalien entzogen werden. In folgenden Ländern: Defter reich, Ungarn, Polen und Rußland konnte der Staatshaushalt saniert werden; die Wirtschaft muß aber für diese Sanie rungen, die mit Rücksicht auf die Aufrechterhaltung der Valuta vorgenommen werden mußten, herhalten. Desterreich leidet unter dem ihm vom Völkerbund aufgedrängten Normal budget. Die Staatsausgaben dürfen nicht erhöht werden, selbst wenn höhere Einnahmen leicht zu erzielen wären. Deshalb ist Desterreich nicht in der Lage, Investitionen zu machen und seine Beamten auch nur notdürftig zu versorgen. Auf der letzten Genfer Konferenz Wirtschaftlicher und sozialer Steuerbrud. wurde mur der noch vorhandene geringe Rest der Bölkerbunds. anleihe für Investitionszwede( Elektrifizierung der Alpenbahnen) freigemacht. In Ungarn endete das Wirtschaftsjahr statt des vom Völkerbund vorgesehenen Defizits von 100 Millionen Goldkronen Staatshaushalte mit Defizit. Außer in Frankreich, über das eingangs gesprochen wurde, find noch Fehlbeträge des Staatshaushalts vorhanden in Spanien und Portugal, in den überseeischen Ländern in China, Brasilien, Argentinien und Südafrika. In bezug auf Spanien soll nur auf den Marokkokrieg, für China auf die verworrenen Machtverhältnisse hingewiesen werden, die das Staatsdefizit hinreichend begründen. Unter den erwähnten überseeischen Ländern wird das begründen. Unter den erwähnten überseeischen Ländern wird das Staatsdefizit, das in Argentinien nicht erheblich ist, nicht durch die wirtschaftlichen Verhältnisse, sondern durch unzureichende Besteuerung des Rapitals verursacht. Die Wirtschaftslage dieser Länder ist durchaus günstig. Die Wiederherstellung des Gleichgewichts der Staatshaushalte ist sehr wichtig, vor allem für die Erhaltung der Währung. Ein geordnetes Staatsbudget verbürgt zwar die Beständigkeit der Baluta allein noch nicht, doch ist es ihre Vorbedingung. Indessen sind arbeiten beschäftigt 1344. In der Metallindustrie hält der Rückgang der Befchäftigungsverhältnisse und die Zunahme der Arbeitslosigkeit an. Sm allgemeinen find Ablaßschwierigtetten und Mangel an Neuaufträgen die Ursachen für diese Entwicklung. In der Elektroindustrie wird aus diesem Grunde noch mit größeren Entlaffungen für die nächste 3: gerechnet. Im Bekleidungsgewerbe blieb die Herrenkonfettion gut beschäftigt; dagegen macht sich ein merkliches Nachlassen der Beschäftigungsverhältnisse für die Damenkonsertion bemerkbar. Die Damenmaßschneiderei hatte gering erhöhten Bedarf an männlichen und weiblichen Arbeitskräften. Oberhemdnäherinnen für Heimarbeit fehlen auf dem Arbeitsmarkt. In der Puzzfedernindustrie nimmt bie Arbeitslosigkeit zu. Für Kürschner und Kürschnerinnen bieten fich gute Beschäftigungen. Nach mir vor ungünstig ist die Lage für die Schuh- und Schäfteindustrie. Die Besserung der Beschäftigungsverhältnisse im Berpiel. fältigungsgewerbe hält mit Ausnahme für Maschinenjeger an. Arbeitskräften hauptsächlich infolge des Rüdganges der Beschäfti Für ungelernte Arbeit hat sich die Nachfrage nach gungsverhältnisse in der Metallindustrie und der Landwirtschaft erheblich vermindert. Auch das Baugewerbe übt auf diese Gruppe teilweise eine ungünstige Rückwirkung aus. 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Die Arbeiterzahl be trägt( einschließlich Lehrlingen) 560 Mann. Der Betrieb ist auf das Lichtenberger Wert tonzentriert worden; in Tempelhof befinden fich nur noch die Reparaturabteilung und der Ersatzteilverkauf. Ueber die Verwertung der Tempelhofer Anlagen werden gegen: wärtig mit ausländischen Automobilinteressenten Berhandlungen geführt. Die Mittel zur Fortführung des Betriebes und zur Beschaffung der zur Fertigstellung der Wagen erforderlichen Materialien sind aus dem Verkauf glatt aufgebracht worden. Die Arbeiten auf dem Gebiete der Rationalisierung sind auch mährend der Zeit der Geschäftsaufsicht gefördert worden. Die Berwaltung vertritt allerdings nach wie vor den seit langem von ihr eingenommenen Standpunkt, daß die Krisis im deutschen Automobilbau nur durch eine enge Fabritationsgemeinschaft endverarbeitender und materialliefernder Firmen zu lösen ist. Die Bemühungen der Aga in dieser Richtung werden fortgesetzt. ten, 40 Mottereigen offenfaften, 22 Brenneret. 12,26 Millionen(=) zusammen. Die Sudenburger Me. und Mühlengenossenschaften und zirka 11 Bieh verwertungs- fchinenfabrit und Eisen A.-G. ermäßigt ihr Kapital fogar genossenschaften auf ein Siebentel; von 8,4 auf 1,2 Millionen. In allen diesen Unter diesen Genossenschaften befinden sich eine ganze Zahl, die Fällen wird das Kapital durch Neueinzahlungen wieder erhöht über eine recht erhebliche Ausdehnung verfügen. Die Haupt werden; nie aber auf die alte Höhe. Die Ansprüche für Gewinne gebiete der Genossenschaften sind die Mark Brandenburg, Ober- und Zinsen bleiben also gesenkt, und die Kapitalerhöhungen schlesien und das übrige Schlesien. Die geschäftliche Lage der Ge- bringen neues Geld, das wirklich der Erweiterung und Verbesserung nossenschaften ist deshalb schwer zu übersehen, weil zwischen den ein- der Produktion und der Senkung der Kosten zugute kommt. Gleichzelnen Genossenschaften und Brovinzial- bzw. Landesverbänden aller- zeitig wachsen durch die Berringerung der Gewinn- und lei enge finanzielle Beziehungen bestehen, über die zu- 3insansprüche die Beschäftigungsmöglichkeiten. Damit ist derverlässige Angaben faum zu erlangen sind. Aus dieser Tatsache er jenige Weg endlich beschritten, der den schweren Krisenzuständen in gibt sich andererseits wieder eine starke Rückwirtung der 3ah der Wirtschaft, wenn auch ein allmähliches, so doch ein sicheres Ende wird. nossenschaftsverbände auf die mit ihnen finanziell verfilzten anderen öffentlich zu befennen. So hat sich auf der Generalversammlung die enten unternehmer beginnen auch jeneſta Genossenschaften. der Gebr. Schöndorff A.-G. Kommerzienrat Schöndorffwerte und für die Bewertung nach dem heute möglichen Ertrag ausHamburg entschieden gegen die übertriebene Bewertung der Sachgesprochen. An der falschen Bewertung leide die ge= samte Industrie und der gesamte Handel, und zwar nicht nur wegen der Höhe des Kapitals, das zu verzinsen ist, sondern auch wegen der hohen Steuern, die man fordere. Bedauerlich ist nur, daß den Unternehmern folche, Einsichten erst kommen, nachdem durch ihre Schuld das Kind im Brunnen liegt. = Intereffe dafür befundet hat, den Krach zu vermeiden. Der Konkurs Man versteht, warum der Reichslandbund ein startes und die Heranziehung der Mitglieder zur Haftung werden manchen Landbundfreunden die Augen darüber öffnen, wie un. fähig die politisch eingestellte Bewegung den Genossenschaftsfragen gegenübersteht. Lebenshaltungsindex. Die Reichsinderziffer für die Lebenshaltungstoft en ( Ernährung, Wohnung, Heizung, Beleuchtung, Bekleidung und Sonstiger Bedarf") ist nach den Feststellungen des Statistischen Reichsamts für den Durchschnitt des Monats Oktober mit 143,5 gegenüber dem Vormonat( 144,9) um 1 Broz zurüdge. gangen. Die Ernährungsausgaben allein find infolge der Berbilligung von Brot, Kartoffeln, Gemüse, Fleisch und Zucker um fast 2 Broz. zurückgegangen; Bier und Molkereierzeugnisse haben sich weiter verteuert. Die Genossenschaften des Reichslandbundes. Angesichts der Schwierigkeiten bei den Genossenschaften des Reichslandbundes ist es interessant, festzustellen, über wieviele Genossenschaften der Reichslandbund verfügt. Die Genossenschaften be tragen zurzeit zirfa 1300, unter diesen gibt es 200 reisland. bundgenossenschaften, das sind also Genossenschaften mit meist größerer Mitgliederzahl. So hat z. B. allein die Rottbuser Landbundgenossenschaft 2000 Mitglieder. Unter den LandbundDie Kapitalzusammenlegungen mehren sich. Wir haben immer genossenschaften sind wiederum zirka 200 mit unbeschränkter den Standpunkt vertreten, daß ein großer Teil der heutigen Haftpflicht der Mitglieder. Nach ihrem Tätigkeitsgebiet gliedern Schwierigkeiten der Industrie auf die zu hohen Rapitalfest fich die Reichslandbund- Genossenschaften u. a. in zirta 660 let aften ist das eine große Gefahr. Leider ist die Provitsucht trizitätsgenossenschaften, 190 Rrebitgenossen. Rentabilität, auch für die Beschäftigung der Beleg. fchaften, 130 Eintaufs- und Absagenossenschaffhaften ift das eine große Gefahr. Leider ist die Provitsehnsucht der Unternehmer, auch wo sie ganz sinnlos ist, immer stärter als Ab 1. Oktober 1925 verkaufe Engrospreisen ihre Vernunft. Die vielen Konzernzusammenbrüche, die riesig anschwellenden Konkurse belehren sie endlich eines Besseren. Daß mit Herren- und Damenstoffe Bildung des Rheinisch- Westfälischen Montantrust auch eine zu unseren auch an Privatkundschaft Tuchhaus Ehrig& Ticke Aki.- GCS., Leipziger Straße 104, I. Stock( kein Laden) Auf Wunsch Zahlungserleichterung. Geschäftszeit 9-7 Chr. 5 Berringerung der Gewinnansprüche durch Zuſammenlegung des Aktienkapitals verknüpft werden soll, ist bekannt. Von der scharfen Kapitalzusammenlegung bei der Rhein. Metallwaren- und Maschinenfabrif 2.-G.( Rheinmetad) von 18 auf 6 Millionen haben wir fürzlich berichtet. Die früher mit dem Sichel- Konzern ver. bundene Gebr. Schöndorff A.-G. legt jetzt ebenfalls auf MASSARY vember. In der am Freitag stattgefundenen Mitgliederversammlung Die Produktionseinschränkung der Rohffahlgemeinschaft für Noder Rohstahlgemeinschaft wurde beschlossen, trotz der Besserung in verschiedenen Produktionszweigen die zurzeit bestehende Produktionseinschränkung von 35 Broz. für den November bestehen zu lassen. Auch die Verbandspreise wurden unverändert gelassen. Eine Auslandsanleihe für Oldenburg. Ein Konsortium ameritanischer Banffirmen, unter anderen die Firmen Ames, Emerich u. Co., Chicago und Nem Jort, und Strupp u. Co., New York, haben mit dem Freistaate Oldenburg einen Vertrag bezüglich der Uebernahme einer 7prozentigen Anleihe von 3 Millionen Dollars abgeschlossen. Die Anleihe, die die Zustimmung der Beratungsstelle für ausländische Anleihen beim Reichsfinanzministerium ge funden hat, und zwar sowohl hinsichtlich der Bedingungen wie des Verwendungszwedes, ist im wesentlichen für den Ausbau des Hunte- Ems- Kanals und des Mellorationstanals Rampe- Wedels berg bestimmt. Die Anleihe läuft 20 Jahre. Naturheil- Methode Kneipp! Delft EDEL WIE DER etragene NAME 5 s chutzmarke Die weltberühmten Pfarrer Kneipp- Pillen das zuverlässige, blutreinigen de Abführmittel Rheum u. Sapo je 2, Cal. 3, Junip. 1, Aloe 4 Zu haben in allen Apotheken Mk. 1.0118 15000 Mark für frohe Gesichter! 2. NAMENLISTE Den 50tark- Schein erhielten weiterhing: Die Damen: Trude Reichart, Steinstr. 26, Inge Rassow, z. Zt. Berlin. Grete Herrmann, Uhlandstr. 54/55. Frida Kücken, Marienfelde. Kieperpl. 9. Erna Müller. Teltower Str. 48. 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Die Maschine stand still; es fam die Agonie. Wer das gesehen hat, spricht davon nur, wenn er muß. Wer das Ende aber nicht erlebt hat wie mir, zwischen den Fronten, hat fein Recht darüber zu reden, der schweigt besser! Und wär's ein General! Feind, und vergißt dabei vollkommen, diejenigen über die Gewerkschaftsbewegung seelischen und materiellen Voraussetzungen des Zusammenbruchs zu befragen, die darüber doch am besten Auskunft zu geben vermöchten: die Truppe, die Frontsoldaten! " Erst General Gröner, der Schwabe und Demokrat, rückt im Gegensatz zu den Militärs" des Herrn Coßmann, für die der Weltkrieg und der Zusammenbruch lediglich ein Kriegfpiel", eine operative Rechenaufgabe bedeutet, die Kernfrage des Zusammenbruchs, das feelische Moment und den Geisteszustand der Truppe in den Vordergrund. Er spricht davon, daß nicht allein die Uebermacht der Gegner und unfer Mangel an Menschen und Material entscheidend für den Zusammenbruch gewesen sei, sondern die seelische 3er mürbung des einfachen Soldaten, der eben beim legten Totgeschlagenwerden nicht mit dabei sein" wollte! Traurig genug, daß ein Gremium Kommandierender Generale und Admirale vierzehn Tage lang debattieren muß. um jetzt endlich zum Kernpunkt des Zusammenbruchproblems, zu der verheerenden Wirkung des Ludendorffschen Waffenftillstandsangebots, wenn auch nur ganz äußerlich, zu ge langen. Jeder, der den Krieg erlebt hat, als Frontsoldat und Mensch, steht völlig fassungslos vor diesem Münchener Disput und fragt sich, wie es möglich ist, daß die Elite der einſtigen deutschen Generalität die wahre geistige Verfassung der ihr unterstellten Truppe so wenig zu erfassen vermag! Wie war das möglich? Zwischen der deutschen höheren Führung und der Truppe war während des ganzen Krieges eine undurchdringliche Wand aufgerichtet, zunächst durch die Klassenscheidung innerhalb der Armee zwischen dem Offizier der höheren Stäbe, dem attiven, truppenfremd gemordenen Generalstabsoffizier und dem begüterten Reserve offizier der berittenen Waffen auf der einen Seite, und dem meist vermögenslosen Front- Infanteristen und Artilleristen des Aktiven oder Beurlaubtenstandes auf der anderen Seite. Weiter durch den Instanzenzug" zwischen Truppe und Stab. Beim Regiment, spätestens bei der Division wurde der Stimmungsbericht" über den„ Geist der Truppe" umgebogen und umgefärbt, und wenn er zur Obersten Heeresleitung gelangte, dann war dieser Bericht völlig farblos oder frisiert" und gab ein falsches oder doch ein start abgetöntes Bild. Je weiter aber der Mensch von dem unmittelbaren Gefahrenzentrum für Leib und Leben entfernt ist, defto eher ist er geneigt, seelische Depressionen der fämpfenden Truppe zu unterschäzen und den psychischen ( Siehe auch 4. Seite Hauptblatt.) Gelber Terror. Wie man Arbeifer in die gelben Organisationen preßt. vereins der Firma Attumulatorenwert BerlinBor uns liegt ein Brief des Baterländischen Arbeiter. Oberschöne weibe". Der Brief ist vervielfältigt an Arbeiter gerichtet, die Mitglieder bei den Gelben wurden, um dort unterzufommen. Der Brief hat folgenden Wortlaut: Wie wir bei Durchficht unserer Bücher feststellen fonnten, bist Du mit Zahlung der Beiträge dermaßen im Rückstand, daß bei uns Zweifel darüber besteht, ob wir dich noch als Kamerad be trachten nud in unserer Mitgliederliste weiterführen sollen. Wie Du tommen... . Mit fameradschaftlichem deutschen Gruße Der Vorstand gez.: Rarl Brandt, 1. Borsigender, Berlin, Memeler Straße 82. Otto Salemsti, 2. Borsigender, Röpenid, Dorothenstraße. 17. Josef Butoll, Kassierer, Oberschöneweide, Battstraße 22. Hans Bossin, Schriftführer, Berlin D., Weidenweg 70. Diese deutschen Kameraden" drohen mit einer Deutlichkeit, die nichts zu wünschen übrig läßt, daß die Arbeiter, die sich weigern, dem gelben„ vaterländischen Verein" anzugehören, entlassen und anderweitig nicht wieder eingestellt werden. Glüdlicher. weise ist dafür gesorgt, daß die Bäume diefer vaterländischen Deut zeigt wie diefelben Leute, die nicht genug schreien fönnen, selbst mit Hilfe der Unternehmer gegen ihre Kameraden vorgehen. Sonntag, 1. November 1925 Demgegenüber muß festgestellt werden, daß die Bergarbeiterorganisationen, die dem Schiedsspruch des Schlichters nur mit den allergrößten Bedenten zugestimmt haben, bei den Schlichdaß die jetzige Lohnerhöhung den Forderungen der Bergarbeiter, die tungsverhandlungen mit allem Nachdrud darauf hingewiesen haben, befanntlich 15 Broz. Erhöhung verlangten, nur in geringerem Maße gerecht wird. Internationale Hilfsaktion für Judien. ( JGB.) Wie bekannt, traten am 15. September in den Baummollfabriken Bombays 20 000 Arbeiter in den Streit. Die Zahl der Streitenden nahm in der Folge rasch zu und stieg auf 150000 bei einer Gesamtzahl von 156 000 beschäftigten Arbeitern. Die Ursache des Streits ist eine von den Unternehmern beabsichtigte Lohnherabjegung, gegen die sich die bereits jetzt schon elend bezahlten Arbeiter mit Recht entschieden zur Wehr sehen. Da es bis jetzt noch nicht möglich war, zu einem Uebereinfom men zu gelangen, hat die indische Gewertschaftszentrale in einem Telegramm an den Internationalen Gewerkschaftsbund internationale Hilfe beantragt. Wenn auch die Gewerkschaften Indiens dem JGB. noch nicht angeschlossen sind, so hielt es der Borstand doch für angebracht, dem erhaltenen Hilferuf zu entsprechen und eine Hilfsaftion einzu. leiten. Die indische Gewerkschaftsbewegung hat in den letzten Jahren gute Fortschritte gemacht und alles versucht, um durch gewerkschaft. liche Aktion die traurige Lage der indischen Arbeiter zu beſſern, wobei sie auch bereits Erfolge erzielte. Der JGB. hat bereits aus ihm zur Verfügung stehenden Mitteln einen Betrag telegraphisch nach Indien überwiesen, um sofort ein Zeichen der Solidarität der dem JGB. angeschlossenen Organisationen zu geben. Er bittet nunmehr die Landeszentralen, weitere nach Indien zu überweisen. Mittel zur Verfügung zu stellen, um diese gemeinsam telegraphisch Sattler, Tapezierer und Bortefeuillet- Berbanb. ja selbst wissen wirſt, iſt die allgemeine Wirtschaftslage für uns In dustriearbeiter jetzt wieder ganz besonders schlecht und wird in nächster Zeit noch bedenklicher, da auch unsere Firma mit Entlassungen beginnen wird. In Erkenntnis dieser Wirtschaftskrise halten wir es für unsere vornehmste Pflicht, nichts unverfucht zu lassen, um unsere Kameraden vor Not und Entlassung zu schüßen. Können dieses aber nur insoweit, wie die Kameraden sich durch pünktlicher Betriebsräte aller Branchen am Montag, nachmittags 6 Uhr, im Gefiches Beitragszahlen ihre Mitgliedschaft erhalten haben wertschaftshaus, Gaal 5. Bericht über die Betriebsrätekonferenz. Erscheinen das Bersäumte nachzuholen, geben wir Dir gleichzeitig bekannt, daß neue Friedrichstr. 1. Um Dir nun in letzter Stunde noch die Möglichkeit zu geben, aller ist Bflicht. Die Ortsverwaltung. Aleber! Branchenversammlung Montag, abends 7 Uhr, Schlesische Heimat", mir am Sonnabend, den 31. Oktober 1925, nachmittags 1% Uhr, im Die Branchenleitung. Angestellte der MEB.( Charlottenburger Wasserwerke). Donnerstag, den Lokal von Heidemann, Wilhelminenhofstraße, Ede Rathenaustraße, 3. Ropember, abends 6½ Uhr, in ben Musikerfälen, Kaiser- Wilhelm- Str. 31, eine Mitgliederversammlung haben, wo Du Dich erklären fannst, Clektrizitätsmerte, Spandau, Elektrizitätswerk Südwest", Berliner Bororts. öffentliche Angestelltenversammlung der Betriebe: Brandenburgische Kreis. ob Du Dich noch als unser Mitglied fühlst oder nicht. Solltest Du Elektrizitätswerte Steglig, Charlottenburger Wasserwerte, Märkisches Elektrizu dieser Sizung nicht kommen, Dich auch bei keinem unserer Versitätsmert. Tagesordnung: Die erhalten wir einen brauchbaren Rahmen- und Gehaltstarifvertrag?" 2. Stellungnahme zu dem am gleichen Tage gefällten trauensleute melden, so wirst Du aus unserer Mitgliederliste ge Schiedsspruch. Butab. DB. 8d. ftrichen und fühlen wir uns unserer fameradschaftlichen Pflicht Dir 8b. Bezirksversammlungen. Montag: Nordwesten: Achtung! Neues Lotal! Beginn 8 Uhr. 1. Arbeitsgerichtsgesch, gegenüber entbunden. In diesem Falle geben wir auch Deinen Restaurant Mattte, Turnifft. 78. Namen unserem Arbeitsvermittlungsbureau bekannt, fo daß es nicht Bernhard Göring. 2. Verbandsangelegenheiten. 3. Berschiedenes. Schöneberg Arbeitslosenversicherung und endgültiger Reichswirtschaftsrat. Referent: Rollege Friedenau, Berlin B. 30, 3. 35,. 37: Achtung! Neues Lotal! Reſtaurant möglich sein wird, von dort aus neue Arbeit vermittelt zu beBerwiebe, Schöneberg, Ebersstr. 18. Beginn 8 Uhr 1. Areuz und Quer durchs Arbeitsrecht. Referent: Rollege Willi Weinberger. 2. Verbands- und Bezirks angelegenheiten. 3. Berschiedenes. Dienstag: Often: Andreas- Casino, Andreasstr. 3. Beginn 7.30 Uhr. Plattdeutscher Abend. Gesellige Unter haltung. Borher: Bericht des Werbeausschusses über seine bisherige Tätigkeit. Briz: Restaurant Raddaß, Chausseestr. 39. Beginn 8 Uhr. 1. Werden und Bachfen des 3d Referent: Rollege Rarl Bublig. 2. Bezirksangelegenheiten. 8. Berschiedenes. Niederschöneweide, Oberschöneweibe, Johannisthal, Baum Schulenweg, Rarlshorst. Restaurant Räthel, Niederschöneweide, Brüdenfit. 15. Beginn 8 Uhr. 1. Die kommenden Arbeitsgerichte. Referent: Rollege Dr. Fris Kucharffi. 2. Verbands- und Bezirksangelegenheiten. 3. Berschiedenes. Adlers hof, Alt- Glienice, Grünau, Bohnsdorf, Fallenberg, Eichwalde, Schmödwig: Restaurant Lehngut, Ablershof, Sedanftr. 3. Beginn 8 Uhr. 1. Bericht der Bezirksleitung über die bisherige Tätigteit. 2. Neuwahl des Werbeausschusses. 3. Berschiedenes. Nomames: Restaurant Gebauer, Wallstr. 62. Beginn 8 Uhr. 1. Die Angestellten in der Internationale. Referent: Rollege Bruno Lache. 2. Berbands und Bezirksangelegenheiten. 3. Verschiedenes. Mittwoch: Elben- Südmeften: Blücherfäle, Blücherstr. 61. Beginn 8 Uhr. Bunter Abend: Mufir Rezitation Gefang. Borher: Kurger Bericht über Verbands. und Bezirksangelegenheiten. Neukölln: Bürgerfäle, Bergstr. 147. Beginn 8 Uhr. 1. Die Bedeutung der Gewerkschaften für Bolt und Staat. Referent: Kollege Sans Gottfurcht. 2. Berbands- und Bezirksangelegenheiten. 8. Verschiedenes. Spandau: Restaurant Roter Adler, Potsdamer Straße. Beginn 8 Uhr. 1. AUtägliches aus dem Stref. und Privatrecht. Referent: Rechtsanwalt Dr. Theodor Tichanter. 2. Verbonds und Bezirksangelegenheiten. 3. Berschiedenes. Copenid: Restaurant Autopeter, Berliner Str. 27. Beginn 7.30 Uhr. 1. Rund. funt: Theorie und Bratis nach den Erfahrungen eines Bafflers. 2. Ueber tragung der Rundfunkdarbietungen des Berliner Genders. 3. Berschiedenes. Donnerstag: Nordosten: Union- Feltfäle, Greifswalder Str. 222. Beginn 8 Uhr. 1. Menfchen- Defonomie( Das Broblem der Geburtenregelung im Zeit. alter des Rapitalismus). Referentin: Landtagsabgeordnete Frau Marie Runert. 2. Berbands- und Bezirksangelegenheiten. 8. Berschiedenes. Südosten Treptom: Grünauer Garten, Grünauer Str. 14. Beginn 8 Uhr. 1. Die Geburt der Rultur( Rulture und Wirtschaft im Altertum und Mittelalter). Referent: Alexander Stein( Sekretär des Reichsausschuffes für fozialistische Bildungs. arbeit). 2. Berbands- und Bezirksangelegenheiten. Neuwahl des Werbeaus. Schuffes. 3. Statt des geselligen Beisammenfeins: Der 9. November" Gedenkworte, Regitationen( Rollege Curt Michaelis). Das Referat findet am 3. e. zember eine Fortfegung: Kultur und Wirtschaft im Zeitalter des Rapitalis. nuus". Steglig, Lantwis, Güdende, Lichterfelde, Behlendorf, Schlachtenfes, Dahlem: Albrechtshof, Steglib, Albrechtstr. 1a. Beginn 8.30 Uhr. 1. Satire eine Waffe der Unterdrückten. Referent: Landtagsabgeordneter Erich Kuttner 2. Berbands und Bezirksangelegenheiten. 3. Verschiedenes. Wilmersdorf, Salenfee, Schmargendorf, Grunewald, Berlin 23. 15, M. 50: Augustahof, Auguftafir. 1. Beginn 8 Uhr. 1. Rommunalpolitische Tagesfracen. Referent: Bezirksverordneter Otte Burgemeifter. 2. Verbands- und Bezirksangelegen. heiten. 3. Berschiebenes. Tempelhof, Moriendorf, Marienfelde, Lichtenrade: Reftaurant Ringler, Tempelhof, Berliner Str. 100. Beginn 8 Uhr. 1. Sozia lismus als Rulturbewegung. Referent: Schriftsteller Felir Fechenbach. 2. Berbands- und Bezirksangelegenheiten. 3. Verschiedenes. Wedding- Gesundbrunnen: Gerrianta Brachtfäle, Chauffeeftr. 110. Beginn 8 Uhr. 1. Der Anaeftefte als Weltbummler. Referent: Rollege Curt Smolingin. 2. Berbands- und Bezirks. angelegenheiten. 3. Verschiedenes. Lichtenbera, Friedrichsfelde, Biesdorf, Raulstorf, Mahlsdorf, Rummelsburg, Stralan, Perlin D. 112: Beaners Ver einshaas, Frankfurter Allee 226. Beginn 8 Uhr. 1. Die Kunst als Spiegel des Lebens( mit erklärenden Bildvorführungen). Referent: Rollege Walter Eichbach. 2. Berhands- und Bezirksangelegenheiten. 8. Berschiedenes. Beißenfee: Reftaurant Johann, Berliner Allee, Ecke Lehderstraße. Beginn 8 Uhr. 1. Gewerk. bands und Bezirksangelegenheiten. 3. Berschiedenes. Schönhauser Borstadt: Rnads" des im Trommelfeuer zermürbten Menschen durch fchen" nicht in den Himmel waber den angeblichen roten Terror Forschheit“ und„ Schneidigkeit der Führung wettmachen zu wollen. So ging das deutsche West heer legten Endes an der Lüge seiner Führerschaft zugrunde. Als die große Schlacht in Frankreich" nicht zu dem erhofften Ergebnis, zum Durchbruch großen Stils und zum ,, Bewegungsfrieg" führte, als die Teilschläge am Chemin des Dames und bei Armentières vom Gegner aufgefangen waren, und die abgehegten Divisionen von Stellung zu Stellung, von Angriff zu Angriff herumgeworfen wurden, als die Bataillonsstärken von tausend auf fünfhundert und zweihundert Mann her untergingen, da setzte bereits im Juni und Juli 1918 eine drückende Lähmung, vor allem der Frontinfan terie, an allen Abschnitten der Westfront ein. Die Truppe war ausgepumpt und ausgebrannt". Ludendorff weiß das heute noch nicht. Man hat das Bersagen der Truppe herausgefordert, weil man ihre Sprache nicht zu reden und ihre er ztöne nicht zu hören verstand! Die Klaffenscheidung in arm und reich, die mitten durch das Offizierstorps ging, und das Surrogat der Disziplin, das aus einem Heer von Bürgern und Soldaten eine technisch vollendete Militärmaschine gemacht hatte, durch deren Getriebe die Wahrheit nicht zu treiben war, hat uns den richtigen Augenblid zur Beendigung des Krieges verpassen lassen. Nun war das Ende da. " General Gröner bezeichnet in seinem Resumee über den Zusammenbruch als eines der größten Gefahrenmomente die Druckstelle" der Amerikaner nördlich Verdun. Dort stand ich in diesen entscheidungsvollen Tagen, in der Gegend von Dun an der Maas. Ein Artilleriefeuer, wie ich es im ganzen Krieg noch nie gesehen habe, beherrscht den Gefechtsraum zwischen Stenay, Monimedy, Longuyon und Dun. Der Bergiegel von Dun, als Edpunkt der AntwerpenMaas- Stellung gedacht, zerfällt förmlich wie Zunder im Fern feuer der amerikanischen Geschütze. Wer sich nicht rechtzeitig retten kann, wird von den niedergehenden Stein- und Schuttmassen erschlagen. Wir hoden in unseren Granatlöchern und warten, von Hunger und Durst gequält, Tag für Tag, Nacht für Nacht. Das Trommelfeuer der Amerikaner wirft uns, die ausgemer gelten, zerlumpten Geftalten der zermürbten Regimenter hin und her; die feindlichen Flieger beherrschen die Luft über unseren Köpfen; die Ratscher" fegen uns die Höhe von Liny hinunter, und in Gemütsruhe, wie im Manöver, fezt der Amerikaner über die Maas. Kein Finger rührt sich, fein General wagt es nur, den Gegenangrifff zu befehlen. Wir flammern uns in den Boden, da wo wir gerade stehen, und fämpfen uns schrittweise, aber unaufhaltsam zurüd, von einer Lähmung befallen, die mir vierundeinhalbes Jahr nicht gekannt haben; denn vor uns stand Tag und Nacht- das Ende, nach dem wir schrien: der Waffenstillstand. ,, Warum soll gerade ich noch in der letzten Biertelstunde Sterben", das denkt sich jeder von uns, und der Amerikaner drüben vielleicht auch; doch der rennt an und schickt eine fressende Feuerwand vor der angreifenden Truppe her! Hinter uns aber zerbrödelt die Front. Das Fernfeuer der Amerifoner legt alles in Trümmer, die Munitionsdepots, die Gerätelager, die Feldbahnhöfe, die La zarette. Alle Straßengabeln und Ortsunterkünfte liegen im fchwersten Feuer. Die Truppe bimafiert, zitternd vor Kälte in den Wäldern und feuert dann ibre Felbtanonen auf den Arbeitsmangel oder Arbeiterfeindlichkeit. In der Brotbäderei von Modrom. Im Laufe eines Jahres hat die Brotbäckerei von Modrom in Reinickendorf, trotzdem dauernd und teilweise in erheblichem Um fange Ueberstunden bzw. Ueberschöffe von dem größeren Teil der Belegschaft verlangt wurden, in zwei Fällen den jeweiligen Obmann nach dem Betriebsrätegejez wie auch den Stellvertreter des Obmanns megen Arbeitsmangel" entlassen. Diese Ueberstunden bzw. Ueberschöffe wurden allerdings nicht gleichmäßig von allen Arbeitern des Betriebes verlangt, sondern zufälligerweise fast nur von den Schich ten, in denen der Obmann und fein Stellvertreter nicht arbeite ten. Man hatte aus betriebstechnischen Gründen" es auch so eingerichtet, daß der Obmann stets Nachmittagsschicht arbeiten mußte, wodurch er auch von allem fulturellen Leben ferngehalten wurde. Daß, um dem Obmann die Ueberstunden nicht zu augenfällig zu machen, die Frühschicht auch das Nachtbackverbot nicht so genau nahm, ergibt sich schon aus der Tatsache, daß die Innung Reinidendorf den Inhaber Modrow in eine Ordnungs ftra fe von 100 m. nehmen mußte. Daß in dieser Frühschicht, welche aus„ Betriebsgründen" dauernd leberstunden und Ueberschöffe leisten muß, ein Wertmeister und dessen Sohn arbeiten, welche als Vertreter und Vertraute des Betriebsinhabers gelten, ist wohl nur Zufall. Daß dieser Werkmeister und sein Sohn durch diesen Zufall fast den doppelten Lohn erhalten, ist unter diesen Umständen eine nicht zu umgehende Tatsache. Die entlassenen Obmänner sind allerdings so unintelligent", daß sie an die Zufälle wie auch an die Betriebsnotwendigkeiten nicht glauben, um so mehr, als diese Erscheinungen alle erst zutage traten, als die Belegschaft sich einen Obmann wählte. der so permessen war, die Intereffen der Kollegenschaft dem Unternehmer gegenüber zu vertreten, Da an diese Zufälle nicht geglaubt wurde, flagte der Obmann auf Grund des Betriebsrätegefezes. Leider fam ein Bergleich zustande, durch den feine klare Entscheidung getroffen wurde. Der jetzt entlassene Obmann fann leider die Hilfe des Gerichts nicht in Anspruch nehmen, da durch einen Krankheitsfall, den der Unter nehmer ausgenügt hat, die Wahlperiode abgelaufen war, ohne daß gleichzeitig zur Neuwahl geschritten wurde. Dieser Umstand, daß Diese Gelegenheit der versäumten Wahl aus Krankheit von dem Bäckereiinhaber Modrow schnell benutzt wurde, wegen Arbeitsmangel" den Obmann zu entlaffen, trotzdem Ueberstunden und leber. schöfe gefordert werden, läßt mit großem Recht die Annahme zu, daß Feindseligkeit gegen das Betriebsrätegesetz und die organisierte Arbeiterschaft der Grund der Entlaffung sind. Für die Arbeiterschaft ergibt sich aber daraus die Mahnung, nun erst recht die Gesetze für sich in Anspruch zu nehmen und Formfehler zu vermeiden, die dem Arbeitgeber versteckte Maßregelungen unterbinden. Nur keine Lohnerhöhung! Sie könnte den Profit fürzen. Effen, 31. Oftober,( Eigener Drahtbericht.) Bon bergbauindustrieller Seite wird gegen die in dem Schiedsspruch vom 29. Oktober vorgesehene durchschnittliche Lohnerhöhung von 6 Broz. ein neuer Propagandafeldzug eröffnet. Die schwerindustriellen Blätter behaupten, daß die in den letzten Wochen durch Leiftungssteigerung und Betriebsmechanisierung erzielte Berbesserung im Bergbau, die ohnehin schon durch die neue Rohlenpreisermäßigung zum größten Teil vorweggenommen worden ist, nicht nur mit einem Schlage beseitigt würde, sondern darüber hinaus die Gefahr neuer Rückschläge afut werde. Die Kohlenabsagnot werde eine weitere Verschlechterung erfahren. In diesem Zusammenhang wird das Gefperit neuer Betriebseinschränkungen und Rechenstillegungen an die Band gemalt. fchaftliche Reit, und Streitfragen. Referentin: Kollegin Frieda Licht. 2. Ver Schönhauser feitfäle, Schönhaufer Allee 129. Beginn 8 Uhr. 1. Probleme ber internationalen Gewerkschaftsbewegung. Referent: Kollege Karl Beiß. 2. Berbanbs- und Bezirksangelegenheiten. 3. Berschiedenes. Zu Anfang des Monats ift die beffe Zeit neue Abonnenten für das Parteiblatt zu werben. Wer will die günstige Gelegenheit verfäumen? Jeder hat die Möglichkeit, einen Freund oder Nachbarn auf die Borzüge des Borwärts" hinzuweisen und ihn als neuen Cefer zu gewinnen. Nachstehender Bestellzettel ist auszufüllen und an die Hauptgeschäftsstelle des Borwärts", Berlin S 68, Lindenstraße 3, einzusenden. Ich abonniere den Borwärts" mit der illustrierten Sonntagsbeilage Bolt und Zeit und den Beilagen Unterhaltung und Wissen", Aus der Filmwelt", Rinderfreund" und Frauenstimme" in Groß- Berlin täglich zweimal frei ins Haus. ( Monatlich 3 Goldmart, wöchentlich 70 Goldpfennig.) Name: Wohnung: www Born t Sof- Quergeb. Seitenflbei -Straße Nr. Tr. lints- rechts Aus der Partei. „ Die Gesellschaft." all parteinachrichten Im Mittelpunkt des foeben erschienenen Novemberheftes unserer wissenschaftlichen Zeitschrift ,, Die Gesellschaft" steht eine längere Abhandlung von Dr. Georg Deder Die Zentrumsfrise", in der, anfnüpfend an die Schrift des Redakteurs der Germania", Dr. H. Leipel,„ Wir müssen aus dem Turm heraus", die jüngsten Krisenerscheinungen im Zentrum eingehend untersucht werden. Der Berfasser beschränkt sich aber nicht auf die Darstellung dieser Arise, sondern prüft, geftüßt auf statistische Untersuchungen, die Rolle des Sentrums im deutschen Parteileben und die soziale Struktur der Zentrumswählerschaft, die letzten Endes den Untergrund der sich verschärfenden Zentrumstrise bildet. Wenn auch, wie der Verfasser feststellt, die ihrem Wesen nach rechtsstehende Politik des Zentrums ftets mit den linten Stimmen eines großen Teiles seiner Wähler durchgeführt worden ist, so verstärkt doch der zunehmende Klaffengegenfaz die Unzufriedenheit des linken Flügels des Zentrums, der sich zum größten Teil aus proletarischen Kreisen refrutiert. Nicht minder aktuell wie der vorstehende Aufsatz ist eine Ab. handlung Adolf Brauns über die Europäische Zollunion". Nach einer Darstellung der gegenwärtigen weltwirtschaftlichen Lage erinnert Braun an die schon in den neunziger Jahren einsehenden Bestrebungen in Deutschland, eine europäische Zollunion herzu stellen. Diese Bestrebungen wurden von der schußzöllnerischen und imperialistischen Welle der Bortriegsjahrzehnte fortgeschwemmt. Sie treten aber jetzt in verstärkter Form in die Erscheinung, nicht nur als Gebot der deutschen Politit, sondern als gebieterische NotwendigBeit aller europäischen Staaten, die sich nur durch wirtschaftlichen Zusammenschluß auf dem Weltmarkt zu halten vermögen. Bon weiteren Abhandlungen der reichhaltigen Nummer sind noch zu nennen: Ein instruktiver Aufsatz von Prof. Dr. S. Mard über Mar Adlers Sozialphilosophie", ferner eine längere Abhandlung von B. Nikolajewski ,, Aus der Geschichte der Ersten Internationale", in der eine Anzahl bisher unveröffentlichter Briefe von Friedrich Engels an Theodor J. Cuno aus den Jahren 1871/72 wiedergegeben wird; ferner der Artikel von C. D. Burns Die englische Arbeiterbewegung", von B. Schüd ,, Die Lage der Arbeiterklasse in Brafilien" und Wolfgang Schwarz Bon Radowig, ein Diplomat Bismards". Tuberkulose. ist die Geißel der Menschheit geworden. Sie zu verhüten und den Betroffenen Hilfe zu bringen ist das Bestreben, welches die Nymphosan Alt. Gei, München 38, leitet. Das Präparat, Nymphofun Sirup hat bereits großen Segen gestiftet und einige tausend Dant. ichreiben bestätigen die überraschende Wirkung des Bräparates. Preis pro Flaiche M. 3,-, vorrätig in: Berlin C Alexander- Apoth., Alexanderstr. 8. Elefanten- Apotb., Dönhoffplaz, Apoth. 3. roten Adler, Robitrage 26/28. Simone Apoth, Spandauer Str. 17; Berlin N: Moler- Apoth., a. Weddingpl., Brettichneiders Apoth., Oranienburger Str, 37, Brunnen- Apoth, Baditr. 11, Diana Apoth., Turmstr. 28. Apoth.. eis. Kreuz, Kastanienallee 2, Apoth. z. gefr. Adler, Auguststraße 60, Germania- Apoth, Lothringer Str. 50, Vittoria- QuiseApoth., Voltastr. 44; Berlin O: Fürst Bismard- Apoth., Wrangelfir.47, Seeges Apotb., Gubener Str. 88, Jungs Apoth. a. schw. Adler Neue Königftr. 50; Berlin S: Apoth. am Hermannpl., Hirich- Apoth., Lindenstr. 75, Berlin W: Radlauers Kronen- Apotb., Friedrichstr. 160, Belitan- Apotb., Leipziger Str. 93, Dr. Bostinfels Avoth., Kurfürstenstr. 154, Wittes Apoth., Potsdamer Str. 84 a; Berlin- Char lottenburg: Apoth. am Reichstanzlerplatz: Berlin Schöneberg: Ratbans- Apoth; Bin.- Lichterfelde: Central- Apotheke. Ausführliche bochinteressante Broschüre durch die Nymphosan ft Gei, Mindben 38, gratis. Sbreiben Sie noch heute unter Bezugnahme auf diese Zeitung I Beit. Bals. Myr. cps. 3%, Na. benz. 0.1% Extr. Malt. 24°/ Na. br. 2% Ferr. pept. oxyd. liqu. aa 50 o Sach 16% f. emuls. 10 Einfendungen für diese Rubrik sind Berlin B. 68. Lindenstraße 3. für Groß- Berlin ftets an bas Bezirkssekretariat, 2. Sof, 2 Trev. rechts, zu richten Die Arbeiterwohlfahrt und der Bildungsaussajuk bes Kreises Tiergatten veranstalten an jedem Dienstag abend 7½ Uhr( beginnend am 3. November) im Bezirksamt Tiergarten, Klopstoditr. 24, Rimmer 4, Bortragsturfe: 1. Genoffe Göring: Die Arbeit der politischen Par telen im neuen Gbaat". 2. Berantwortung. Aufgaben und Ricle." Die Teilnahme recht vieler Genoffen und Genofsinnen ist erwünscht. Teilnahme Lostenlos. 2. Kreis Tiergarten. Dienstag, ben 8. November, 18 Uhr, im Artushof, Berleberger Straße, Mitgliederversammlung mit eingeladenen Gästen. Tagesordnung: Der Bücherkreis zur Beschaffung guter Literatur. zirksführer laden ein. Be Allgemeine Funktionär- Bersammlung Dienstag, den 3. November, abends 7, Uhr, im Saalbau Friedrichshain, Am Friedrichshain Tagesordnung: Locarno und die deutsche Politik Referent: Dr. Rudolf Breitscheid. Butritt haben alle Parteis und Gewerkschaftsfunktionäre der SPD. mit dem Ausweis von 1925. Das Mitgliedsbuch muß vorgezeigt Der Bezirksvorstand. werden. 3. Kreis Webbing. Montag, den 2. November, abends pünktlich 7 Uhr, an belannter Stelle, Sigung des engeren Kreisvorstandes mit den Bezirks amtsmitgliedern und den neugewählten Stadt- und Bezirksverordneten. Tagesordnung: Die Situation im Bezirk nach der Wahl am 25. Oftober." Referent Genoffe Bürgermeister Leid. Erscheinen eines jeden unbedingt erforderlich. 4. Kreis Prenzlauer Berg. Montag, den 2. November, abends 7% Uhr, bei Klug, Danziger Str. 71. Gigung des erweiterten Kreisvorstandes. 5. Kreis Friedrichshain. Funktionärsikung am Montag, den 2. November, abends 7% Uhr, in Schmidts Gesellschaftshaus, Fruchtstr. 36a. Erfcheinen aller Funktionäre fowie Abgeordneten des Kreises ist Bflicht. Karten und Mitgliedsbuch mitbringen. 7. Kreis Charlottenburg. Am Montag abend erweiterte Sigung im Rathaus, Rimmer 1. Der Rurfus ber Arbeiter- Bildungsschule Geschichte der Arbeiterbewegung", Referent Cenoffe Marquard, beginnt am Montag, den 2. November, abends 7½ Uhr, im Jugendheim Rosinenste. 4. Anmeldung fann noch am ersten Abend erfolgen. 11. Areis Schöneberg. Montag, ben 2. November, abends 8 Uhr, spricht im Mufitsaal der Uhlandſchule Genoffe Alexander Stein über Biele und Wege fozialistischer Bildungsarbeit". Reger Befuch dieses Bortrages und der jekt beginnenden Bildungsfurfe wird erwartet. Dienstag, den 2. No. vember, in der Hohenzollern- Schule, Belziger Straße, Filmveranstaltung der Sozialistischen Arbeiterjugend. Um 5 Uhr nachmittags Märchen im Film u. a., um 7 Uhr abends der Hamburger Jugendtag, um 8% Uhr die Rollwudherdemonstration im Luftgarien. Danach der Film des Reichs. banners( Verfassungsfeier 1925). Alles Nähere durch die Handzettel. Wir bitten die Genossen, die Veranstaltung redyt zahlreich zu besuchen. 12. Kreis Steglig, Lichterfelde, Lankwiz. Areisvorstandsfihung Montag 7½ Uhr an bekannter Stelle. 16. Streis Köpenid. Kreisvorstandsfihung am Montag, den 2. Nopember, abends 7 Uhr, bei Rabel. Röpenid, Freiheit 5. 17. Kreis Lichtenberg. Mittwoch. den 4. November, abends 7% Uhr, in der Bibliothet, Weidfelstr. 28, Gigung des Kreisvorstantes. Am Donners tag, den 5. November, abends 7 Uhr pünktlich, spricht in einer öffentlichen Bersammlung der Freien Schulgemeinde in der Aula Partaue, Möllendorffstraße, Gcnoffe Dr. Löwenstein über Der Reichsschulgefchentwurf, der Totengräber ber Söherentwicklung des deutschen Bolles". Die Barteimitglieder werden ersucht, sich an dieser Versammlung restlos zu beteiligen. 18. Kreis Beißenfee. Am Montag, den 2. November, abends 7 Uhr, im Rathaus, Sigungsfaal, Sigung des Rreisvorstandes, ber Fraktion und Kommunalen Kommiffion. 20. Areis Reinidendorf. Montag, den 2. November, abends pünktlich 6½ Uhr, Heute, Sonntag, den 1. November: 42. Abt. Bezirke 115, 116, 117, 118 und 120: Besichtigung der Funkstation. Treffpunkt vormittags 10 Uhr bei Wiersdorff, Urbanftr. 6. Morgen, Montag, den 2. November: 29. bt. 7 Uhr bei Burg, Prenzlauer Allee 189, Funktionärversammlung. 95. Abt. Reukölln. 8 Uhr bei Wittig. Steinmehitr. 83, wichtige Vorstands. figung. 103. Abt. Oberschöneweibe. 7½ Uhr bei 3mberg, Funktionärversammlung. Mittwoch, den 4. November: 40. bt. 7% Uhr bei Müller, Kreuzbergstr. 44, Werbezahlabend. Es wird gebeten, Borwärts- Abonnenten, die nicht Mitglieder sind, hierzu einzuladen. Tagesordnung: Warum muß die Arbeiterschaft politisch organi fiert sein?" Referent Wilhelm Landa. 92. Abt. Neukölln. Rur Groß- Berliner Funktionärversammlung im Dienstag mezden die Funktionäre ersucht, recht zahlreich zu erscheinen. Mittwoch, den 4. November, 8 Uhr, bei Wolff, Raiser- Friedrich- Str. 171, fehr wichtige Abteilungsfunktionärsigung, au der die Bezirksführer besonders ein laben. Am Erscheinen verhinderte Funktionäre müssen sich durch geeignete Genossen vertreten lassen. aus. Jungsozialisten. Am Montag, den 2. November, fällt der Gruppenabend Am Montag, den 9. November, findet in Tegel ein Vortragsabend des Bezirksbildungsamts Reinidendorf flatt. Bortrag: Gosiale Tendenzen in der deutschen Literatur". Wir bitten um recht zahlreiche Beteiligung der Arbeiterjugend und unserer Mitglieder. Gruppe Tiergarten: Nächste Rufammenkunft Montag, den 2. November, 8 Uhr, in der Ausgabestelle bes ,, Borwärts", Wilhelmshavener Str. 48. Gäste willkommen. Die Sep tember- und Ottobethefte der Jungsozialistischen Blätter" find eingetroffen und werden an diesem Abend ausgegeben. Gruppe Schöneberg: Montag, den 2. November, 8 Uhr, Bortrag des Genossen Alexander Stein über Riele und Wege sozialistischer Bildungsarbeit" in der Uhland- Schule. Allen Genoffen wird der Besuch der Bilungskurse empfohlen. Dienstag, den 8. November, Filmveranstaltung der SAJ. Der Seimabend fällt aus. Spielgemeinschaft: Sonntag nachmittag 1½ Uhr am Bahnhof Rahnsdorf treffen sich alle Mitwirkenden für die Serbftfeier der Partei in Sorges Paradicsgarten zur Generalprobe. Montag, den 2. November, 7 Uhr, Gruppenkonferens in der Belle- Alliance- Gtt. 7-10. Gäste haben keinen Rutritt. Frauenveranstaltungen am Montag, den 2. November: 6. Kreis Kreuzberg. 7 Uhr bei Wolff, Gräfeftraße, Funktionärtonferenz. 3. Abt. 8 Uhr bei Krüger, Engelufer 23, Vortrag: Unfer heutiges Schul wesen". Referent Erna Aresse. 81. Abt. Friebenan. 8 Uhr Frauenabend bei Rlabe, Sandjernstr. 60, Bor trag: Alt- Berliner Humor". Referent Genosse Sandte. " 84. Abt. Lantwik. 7½ Uhr Frauenabend bei Lehmann. Bortrag: Aus wirkung des Sebammengefeßes". Referent Genosse Adam. 102. Abt. Baumschulenweg. 7 Uhr im Lokal Sak, Baumschulenftr. 72, Bortrag: Gein und Werden einer neuen Rultur". Referent Minna Todenhagen. 123. Abt. Raulsdorf. An Stelle bes Frauenfefeabends findet am Dienstag, den 3. November, 7% Uhr, ein Unterhaltungsabend statt. Alle Frauen find beralichst eingeladen. 11. Areis Schöneberg. Rinderfreunde: Dienstag, ben 3. November, nach mittags 5 Uhr, in der Hohenzollern- Schule, Belziger Straße, Märchen im Film, ferner Wanderung durch den deutschen Wald" und gute Trid. filme. Untoftenbeitrag 20 Bf. Ane Selfer müssen unbedingt um 145 Uhr bestimmt anwesend sein. Bereinigung sozialdemokratischer Studenten. Das in diefem Semester veranstaltete marxistische Geminar hält feine erfte Gigung am Dienstag, den 3. November, abends 8½ Uhr pünktlich, im Sozialwissenschaftlichen Klub, Wilhelmstr. 48 I, ab. Thema: Die Wirtschaft als Gesamtprozeß und die Sozialisierung".( An Hand des Buches von Genossen Rarl Renner.) Alle Mitglieder müssen sich rege beteiligen. Intereffierte Genoffen find herzlich willkommen. Deutscher Metallarbeiter- Verband Mitglieder der Ortstranfentane Achtung! der Schloffer und verw. Bernie Achtung! www Die Betriebsversammlung Montag, 2. nov., nadm. 5, 5, im Berbandshaus, Linfenstraße 83 85, der Firma Stod, Motorpflug. findet Parterresaal, nicht heute. Gonntag, sondern am Montag um 4 Uhr statt. Versammlung Tagesordnung: Aufftellung ber Achtung! Funktionäre Achtung Delegierten aum Ausschuß der Dristranten Am Mittwoch, den 4. November, im fleinen Sigungsfaal des Rathaufes in Wittenau, Sigung des engeren finden in den befannten Lokalen die Kreisvorstandes. Stefan Esders Kaiser- Wilhelm- Str. 55 ( vormals Weltmann) BERLIN C2 Ecke Spandauer Str. 35 Herren- Kleidung Damen- Kleidung Ulster weireihig, Rücken mit Gurt, aus modern gemusterten Cheviots 125.- 115.- 105.- 95.- 85.- 75.55.Ulster zweireih, m. aufgesetzt. Taschen, a. modernsten, lebhaft gemust. 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Riederschöneweide: Beteiligung an der Beranstaltung der Gruppe Johannisthat. Treptow: Führung burch das Ethnographische Museum im Sirschfeld- Institut. Treffpunkt 10% Uhr Moltfe- Denimal. Raulsdorf: Besuch der Giernwarte, nachmittags 5 Uhr Bhf. Werbebezirk Often: Jugendheim Rigaer Str. 102/103, 7% Uhr, Bortrag: ,, Die Bauernfriege". Arbeitsgemeinschaft Abraham und Abt. Baumschulenweg: Sonntag früh Besichtigung des Parteiarchivs. Treffpunkt 49 Uhr Lindenstr. 3, 2. Sof. Leitung: Genosse Sinrichsen. Abteilungsmitgliederversammlungen am Montag, 712 Uhr: Moabit I: Edule Giemensftr. 20. Moabit II: Gemeindeschule am Stephansplat. Baumschalenweg: Jugendheim Ernststr. 16. Hermsdorf: Jugendheim Roonftraße. Often( Frankfurter Viertel): Helfersikung. Schöne bera I: Vortrag bes Genossen Alex. Stein: Riele und Wege sozialistischer Bildungsarbeit". Uhland- Schule, Kolonnenstraße, 8 Uhr. Ferner wird allen Jugendgenossen und genossinnen die Beteiligung an den Bildungskursen empfohlen. Achtung, Jugendchor! Ueben im Jugendheim Lindenstr. 3, abends 48 Uhr. . Sozialistische Arbeiterfungend Schöneberg I: Dienstag, den 8. Stovember, abends 7 Uhr, in der Sohenzollern- Schule, Belaiger, Ede Eisenacher Straße, Laufen die Filme: Der Hamburger Jugendtag ber Sozialistischen Arbeiter Jugend". Die Rollwucherdemonftration der sozialistischen Bartelen", Berfassungsfeler in Berlin am 9. August 1925. Untoftenbeitrag 35 Pf. Vorträge, Vereine und Versammlungen. Reichsbanner Schwarz- Rot- Gold". Gefäftshelie: Berlin G. 14. Gebaftianftr. 37/38. Sof 2 St. Kreuzberg: Abt. 12 mit Jungmannschaft Mo., b. 2., abends 7 Uhr, Berf. bei Lehmann, Mustauer Str. 1. Bortrag. Abt. 13 Mi., b. 4., abends 8 Uhr, Berf. bei Eichholz, Cuornftr. 23. Charlottenburg: Rameradschaft Stuttgart Mo., b. 2., abends 8 Uhr, Verf. bei Grimm, RaiserFriedrich- Str. 63. Vortrag über Neueinteilung und weitere Aufgaben des Steglig- Lichterfelde- Lankwig: Reichsbanners". Neuwahl der Funktionäre. Mo., b. 2., abends 8 Uhr, Café Albrechtshof, Bollverf. Bortrag Dr. Alette. Republikaner als Gäste willkommen. Vantow mit Untergruppen: Mo., b. 2, abends 8 Uhr, Turnhalle Wollantstraße, Ausgabe der neuen Mitglied starten. Rowawes: Mi., d. 4., abends 8 Uhr, Berf. im Eisenbahnhotel. Bortrag des Kameraden B. Buttkamer: ,, Die Arise im Reich". Wilban: Mi., d. 4., abends 7 Uhr, im Rafino Schwarklopff, Monatsverfammlung. Reukölln: Jungmann schaft Mo., b. 2., abends 7 Uhr, Mital.- Berf., Jbealpassage, Weichselstr. 8. Referat des Rameraden Gutschmidt. Mitte: Go., d. 14., Herbstvergnügen bei Ramlow in Schönhola. Eintrittskarten bei den Zug und Gruppenführern. Witte: Mo., d. 2., abends 8 Uhr, 8ug 1 Gophienste.$ 2. Di., b. 3., abends 8 Uhr, Rug 2 Bonenftr. 19; 8ug 3 Bartelstr. 7; 3ug 4 Barnimstr. 12. Mi., d. 4., abends 8 Uhr, Aug 6 Stallschreiberstr. 29. Eintrittskarten für das Wintervergnügen am 14. find bei allen Rugführern zu haben. Wilmersdorf: Den Kameraden wird der Besuch des am Di., d. 3., abends 8 Uhr, in der Sohenzollern- Schule ftattfindenden Filmabends dringend empfohlen. Untoften. beitrag 35 Pf. Eichwalde: Sonntag, den 1, nadm. 1½ Uhr, am Bhf., Bflichtveranstaltung. Sumboldt- Hochschule. Dr. Huelsenbed hält Montag abend 64 Uhr in der Aula Dorotheenstr. 12 einen Lichtbildervortrag über Die wirtschaftliche und politische Bage Chinas". Gesellschaft für Seguelreform. Bortrag Mittwoch, den 4. November, abends 8 Uhr, in der Schule Friedrichstr. 126, Nahe Bhf. Friedrichstraße. Ostar Silbrer: Das Problem der glücklichen Che". Eintritt für Gäfte 75 Bf., für Mitalieber 30 Pf. Der Reidsbund Jüdischer Frontsoldaten, Bezirk Eid, veranstaltet am Mitt woch, den 4. November, abends 8 Uhr, im großen Gaal der Obb- fellow- Loge, daß am Freitag, den 6. November, die Sie follten daran denten, rift aur Erneuerung der Bose 2 Klaffe bie ungewöhnlich itarte Nachfrage nach Lofen in vielen Fällen nicht befriedigt werden fonnte, besteht bei Nichteinhaltung der vorbezeichneten Frift die Gefahr, daß über das Los 2. Riaffe anderweit verfügt wird, was nach den Planbestimmungen zuläffig ist. Wer an den ungewöhnlich günstigen Gewinnchancen der folgenden Klaffen teil nehmen will, versäume baher nicht, fein Los zeitig zu erneuern. 17 000 Geminne im Gesamtbetrage von über 2 Millionen RM. werden in der am 13. und 14. So vember stattfindenden Siehung 2 Klaffe ausgespielt, barunter 2 Gewinne au je 26/252 Preußisch- Süddeutscher Alaffenloiterie abläut. Da bei ber 1. Riffe 100 000 m als Höchstgewinne Paul Karle Herren- und Damenstoffe Velour de laine, Tuche, Ripse, Gabardine Kleiderschotten, Sammete, Seal, Biberette Crêpe de Chine, Kleider- und Futterseiden In großer Auswahl kaufen Sie bei uns am besten und billigsten 1. Geschäft: 2. 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Im übrigen ist die Beschaffung des Erbscheins Gache der Erben Ihres Snpothekengläubigers. Waldmann. 1. Das Wahlrecht ruht während der Dauer der Rugehörigkeit zur Wehrmacht. 2. Den Polizeibeamten steht das Wahlrecht zu. 6. M. 4. 1. Es entstehen diefelben Roften. Schentungsfteuer ist nicht zu entrichten. 2. Die Berechnung erfolgt nach den jekt gelten. ben Bestimmungen. Ihre Fragen find übrigens fchon einmal beantwortet morben. Das Rundfunkprogramm. Sonntag, den 1. November. Geschäftliche Mitteilungen. Die neuen Fußbekleidungen. Da die neue Mode mit ihrer start wirkenden Farbenpracht ganz auf streng harmonische Gesamtwirkung eingestellt ist, muß eine früher nie geahnte Sorgfalt auf die Auswahl passender, stilgerechter Fußbekleidung gelegt werden. Die Firma Stiller hat bei usammenstellung ihrer neuen Wintermodelle Wert darauf gelegt, die Tanz, Gesellschafts- unb Abendschuhe den neuesten Forderungen der Mode in weitestgehendem Maße anzupassen. 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Der Katalog wird auf Wunsch tostenlos zugesandt. 9 Uhr vorm.: Morgenfeier. 1. a) Rost: Benedictus, Andante religioso, b) Siegfried Karg- Elert: Benediction( Organist Johannes Bukowski von St. Sebastian, Harmonium). 2. a) Stradella: Pieta Signora, Kirchenarie, b) Mozart: Ave verum und Agnus Dei, aus „ Krönungsmesse"( Alice Bauer, Gesang). 8. a) Händel: Larghetto, b) Franz Ries: Adagio( Kammermusiker Johann Lasowski von der Berliner Staatsoper, Violine). 4. Caritasdirektor Johannes van Acken spricht über das Thema:„ Der Deutsche Caritasverband und seine Arbeit". 12 Uhr mittags: Die Stunde der Lebenden. Rudolf Borchardt: 1. Hermann Kasack: Einleitende Worte. 2. Rezitationen. 3. Alexander Granach: Das Buch Joram". 2.30 Uhr nachm.: Schachfunk für Anfänger( E. Nebermann). 3 Uhr nachm.: Hans- Bredow- Schule( Bildungskurse). Abteilung Landwirtschaft. Privatdozent Dr. v. Falck: Die Aufzucht des Rindes". 3.30 Uhr nachm.: Funkheinzelmann im Nixenreich". von Hans Bodenstedt. Erzählt vom Funkheinzelmann. 4.30-6 Uhr abends: Konzert. 7.15 Uhr abends: Dr Nestriepke:„ Die Idee der modernen Volksbühne". 8 Uhr abends: Einführung zu dem Sendespiel am 3. und dem Oratorium am 4. November. 8.30 Uhr abends: Sende- beiterung. spiele. Abteilung Schauspiel. Spielzeit 1925/26. Leitung: Alfred Braun. 4. Veranstaltung. Hopfenraths Erben", Volksstück mit Gesang in fünf Aufzügen von Heinrich Wilken. Dirigent: Konzertmeister Ferdy Kauffman. Personen: Bankier Baron von Jankowitz: Hugo Schuster; Christiane Hopfenrath, Brauereibesitzerin: Lu Euler Rudolphine, ihre Tochter: Lotte Holms; Hans, ihr Neffe: Alfred Fischer; Gottlieb Dabelstein, Butterhändler: Erwin Kopp; Frau Adelma Blumberg, Rentiere: Charlotte Freyer; Fritz Günther, Besitzer eines Schuh- und Stiefelbasars: Max Wilmsen; Käthchen, seine Schwester: Eva Holberg; Cäsar Gelbsiegel, Theaterkassierer: Alfred Braun; Lisette, Dienstmädchen; Jacques, Livreediener; eine vornehme Dame; Kopp, Schneider. Bierfahrer, Kassenbote, Briefträger, Gäste, Brauereipersonal, Herren, Damen. Ort: Berlin. Zeit: Gegenwart. Anschließend: Bekanntgabe der neuesten Tagesnachrichten. Zeitansage, Wetterdienst, Sportnachrichten, Theater- und Filmdienst. Königswusterhausen, Sonntag, den 1. November. 11.30-12.50 Uhr mittags: Mozart- Konzert. Mitwirkende: Margarete Timmer, Sopran, Berlin; Streichquartett der Herren Alfred Schmidt, 1. Violine; Kurt Heinze, 2. Violine; Fritz Henning. Viola; Hans Didzoszeit, Cello; Herr Ländler am Flügel. 1. Allegro aus„ Eine kleine Nachtmusik". 2 a) Frühlingslüfte, b) Warnung ( Margarete Timmer). 3. Sonate( A. Schmidt, Violine). 4. Il re Pastore( Margarete Timmer und Alfred Schmidt). 5. a) Sagt, holde Frauen, aus Figaros Hochzeit", aus der Oper„ Die Entführung aus dem Serail"( Margarete Timmer). 6. Rondo aus Eine kleine Nachtmusik"( Streichquartett). 12 Uhr mittags: Esperantovortrag. Wetter für Berlin und Umgegend. Nach starkem Nebel und leichtem Regen wieder aufbeiternd, aber fühler. Für Deutschland. Nach Südosten unter leichtem Regen fortschreitende Abkühlung. Im Osten wieder Auf5 öffentl.Versammlungen am Dienstag, 3.November, abends 7'/, Uhr 1. Moabiter Gesellschaftshaus, Wiclefstraße 24 2. Kliems Festsäle, Hasenheide 13-15 3. Königsbank, Frankfurter Straße 117 4. Sophien- Säle, Sophienstraße 17-18 5. Schloß Schönhausen( Schönherr), NiederSchönhausen, Lindenstraße 11 Thema in allen Versammlungen: Pastore( Margarete Timmer und Alfred Schmidt). 5. a) Sagt Massenvergiftung schulpflichtiger Kinder. Montag, den 2. November. Außer dem üblichen Tagesprogramm: 4.30-6 Uhr nachm.: Nachmittagskonzert der Berliner Funkkapelle. Leitung: Konzertmeister Ferdy Kauffman. 6.30 Uhr abends: Uebertragung aus der Technischen Hochschule in Charlottenburg. Vortrag des Präsidenten des Telegr.- Techn. Reichs amtes, Professor Dr. K. G. Wagner: Die kulturelle Aufgabe des Rundfunks. seine Organisation und Technik.( Einleitung einer Vortragsreihe: Die wissenschaftlichen Grundlagen des Rundfunkempfangs, veranstaltet von der Heinrich- Hertz- Gesellschaft, dem Außeninstitut der Technischen Hochschule und dem Elektrotechnischen Verein, Berlin). 7.50 Uhr abends: Hans- BredowSchule( Bildungskurse). Abteilung Völkerkunde. Dr. Paul Ostwald: Das moderne Japan". 2. Vortrag. Das Werden Japans zur Weltmacht". 8.30 Uhr abends: Bunter Abend. Mitwirkende: Erika v. Tellmann, Franz Baumann, Dietrich- Quartett. Am Flügel: Paul Strasser. Anschließend: Dritte Bekanntgabe der neuesten Tagesnachrichten, Zeitansage. Wetterdienst. Sportnachrichten. Theater- und Filmdienst. 10.30 Uhr abends: Schachfunk( E. Nebermann). Referenten: Adolf Harndt, Adolf Hoffmann, Paul Rogal, Dr. Karl Sturm, Curt Witthauer. Die Geistlichen und Lehrer sind besonders eingeladen. Freireligiöse Gemeinde Mitgl. der Arbeitsgem. freig. Verbände. 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Daß dieser Butschrei gegen den nach wie vor wuchernden und blühenden Filmkitsch nicht den menigen qualifizierten, fünstlerisch zu wertenden Filmen gilt, ver. steht sich von selbst. Ja, dieser wunderbar närrische Film 1000: 1= Harold Lloyd ist aber mehr, meit mehr als nur Quelle des Lachens. In der grotest und übermütig ausschwingenden Komit des Harold Lloyd liegt schon an und für sich etwas Menschlich- Belangvolles: das in Uebertreibungen getauchte, verstiegen ausgewertete, aber eben sehr menschliche Schlemihlgeschic. Sehr Rührendes also in sehr heiterer und dadurch sehr verföhnlicher Linienführung; ohne Tragit und ohne Berhöhnung, nur in einer föstlichen grotesten Häufung von Berhängnissen, die dem liebenswürdigen, schauspielerisch vortrefflich maßhaltenden, eindringlich und nie ermüdend mirksamen Mimiter Harold Lloyd paffieren. Auch diesmal stürmt auf ihn, den Mann mit der typischen Hornbrille, allerlei Unerwartetes, luftig Tolles ein; er gerät in phantastisch- komische Situationen und benimmt sich in ihnen mit seiner bekannten quedfilbern- pfiffigen Unbeholfenheit. So ist dieser neue Lloyd- Film reich an mirtlich wizigen Einfällen, er überrascht durch äußerst lustige Tridaufnahmen und hält vom erften bis zum legten Bild ein famoses Tempo. Aber: dieser Film ist auch, mehr als jede ernsthaft gemeinte, Propaganda, eine( vielleicht unfreiwillige) unerhört schlagträftige antimilitaristische Auftlärungsgeschichte. Er vers hohnepiepelt die Bickelhaube mit einem geradezu klassischen Witz, so agend, so erledigend, daß selbst das Fridericus- Rer- trächtige Publifum des Ufa- Balastes in helles Entzüden geriet. Diese schießgewehr. feindlichen satirischen Bildstreifen haben geradezu fonferenzmäßige Eindringlichkeit. Ein Film, in jeder Hinsicht erfreulich. Mit dem Beiprogramm dürfte die Ufa, die sich an dieser Stelle befanntlich großartig, feudal henehmen und amerikanisch übernehmen will, etwas freigebiger sein. Gewiß, der neue Musikmann, Rappé, hat Schmiß und Wiz. Aber das übrige Beiprogramm ist teils üblich, teils übel. „ Die Moral der Gaffe." ( Primus- Palaft.) -17. die Einzelfigur wurde absichtlich von Staubwolten verschlungen, die Bewegung als Ganzes aber deutlich gewahrt. Diese Szenen und einige Arabertypen waren von gewissem Reiz. Josef Schild. traut war sympathisch, Norma Talmadge aber hat nichts von einer Orientalin an sich. Was sie spielte, war schlechte Maste rade. Barum man Programme verkauft, ist unerklärlich, enthalten fie doch nicht einmal den Namen des Regisseurs. c. b. Jaap Speyer hat in diesem Film von heute Belten einander gegenübergestellt: Borderhaus und Hinterhaus und auch zwei Gene rationen: das alte solide Bürgertum, das fleißig Geld verdient hat und die Jugend, die es im Genußleben verausgabt. Die Mädchen der Gasse sind natürlich die Opfer der Vorderhäuser, in denen der Reichtum und in der zweiten Generation das Lurus- und Amüsier. bedürfnis eingezogen ist. Die Gasse verförpert in zmei symbolhaft ghaltenen Figuren der Litfaßsäule und der giftigen Bunge, begleitet die ernsten und fomischen Begebenheiten mit ihrem Chor: die Klatschmäuler sprechen das Vedikt aus. Das Thema( die Lebe melt und die Töchter der Kleinbürger, die teils in wirtlicher Liebe, tels in dem Drang, am Leben der vornehmen Welt teilzunehmen, mit den Herren Söhnen sich einlassen) ist seit Sudermanns Tagen oft genug behandelt worden. Jaap Speyer schwimmt gern in diesem Milieu, aus dem heraus man hübsche Tanzdielenszenen mit feigenden Negern der Jazzbande und allerlei Abenteuer zwischen Verheirateten und Unverheirateten vorführen kann. Er spekuliert auch auf das gute Herz und die Tränendrüsen, dem ausschweifenden Laster muß Die Moral gegenübergestellt werden, und der gute Ausgang schließlich alle gewagten Situationen vergessen lassen. Vor allem muß man Die Typen mit zugträftigen Darstellern befezen, dann wird das Schiff des Erfolges schon vom Stapel laufen. Was für ein prächtiger, sonniger Mensch ist doch der Viehhändler en gros, wie ihn Werner Krauß auf die Beine stellt. Er hat weiß Gott noch das Herz auf dem rechten Fleck und obwohl er es zu was gebracht hat, möchte er des Fleischermeisters Gräbert Witwe, die in der Gasse ihren Laden hat, gern heiraten. Aber sie muß erst mit ihrer Tochter reden, und Diese Tochter erwartet von dem Sohne des Viehhändlers, den Ernst Sofmann als rechten Lebejüngling spielt, ein Kind. Die Mutter muß sich opfern, da der Sohn des Borderhauses die Tochter des Hinterhauses nicht heiraten will. Margarete Kupfer weiß die Frau Gräbert mit allen Tugenden einer echten Mutter auszustatten, die sich für ihr Kind einseht und nach einer längeren Reise das inzwischen eingetroffene Baby als das ihre ausgibt. Mit köstlichem Humor weiß fie der Klatschsucht der Gaffe zu begegnen und am Schluß fann fie triumphieren, es findet sich ein Vater für das Kind und ein Mann für die Tochter in Hans, den das Programm mit einiger Jronie als Idealist und Schlächtergeselle" vorstellt. Marie Odette gibt die Tochter mit den vermeinten Augen und dem hübschen Gesicht, wie sie für unglückliche Mädchen norgeschrieben sind, die den Zuschauer rühren sollen. Zwischendurch läuft eine fleine Auseinandersetzung zu Dritt zwischen befagtem Lebe jüngling und dem Befizer einer Tanzdiele und seiner Frau. Trotz aller verführerischen Situationen geht die Affäre natürlich anständig aus. Die Frau friegt nur ein Kind von ihrem Mann. Moralisch bleibt auch der alte ehrliche Schustermeister, den Hermann Picha gut charakterisiert. Er will von dem Sündengelde, das seine Tochter ( Evi Eva) einem ausgelernten Lebemann( von Adolf Engers hervorragend getroffen) abnimmt, nichts haben. Ganz vorzügliche Chargen steuern Rosa Valetti und Ellen Blessom als Vertreterinnen der Gasse bei. In der Sucht, zu glänzen, ist das Milieu sowohl der Schlächtermeisterin wie des Viehhändlers weit überzeichnet. So wohnt meder die eine noch der andere. Aber man foll diese Art Filme überhaupt nicht zu ernst nehmen, weder ihre Moral noch ihre Unmoral. D. Die Tänzerin von Ahaman." ( Richard- Oswald- Lichtspiele.) DIE LEUCHTE ALIEN GOTAMA BUDDHAS KAMPF UM LIEBE UND ENTSAGUNG REGIE: FRANZ OSTEN DER GROSSE INDISCHE FILM DER ENELKA 品 URAUFFÜHRUNG DIENSTAG, DEN 3. NOVEMBER 1925 ANLASSLICH DER EROFFNUNG DES PICCADILLY CHARLOTTENBURG, BISMARCKSTRASSE 93/94 UNTERGRUNDBAHNHOF BISMARKSTRASSE KAPELLMEISTER: HANSHEINRICH DRANSMANN 47 UHR 9 UHR Versäumen Sie nicht sich den First- National- Film der Deulig- Film A.-G. „ Dr. Camerons seltsamster MAXIATE Fall" Die Premiere fand rauschenden Mit dem Problem der orientalischen Tänzerin haben sich ernsthafte Männer beschäftigt. Man dente nur an Gobineau. Er lebte in fremden Ländern, fühlte mit fremden Bölfern. Die Amerikaner aber gehen vollkommen verantwortungslos an das gleiche Thema. Sie nahmen feinen Orientalisten als Berater, das hätten sie auch gar nicht nötig gehabt, denn schon der einfachste, vielleicht in gedrückter Stellung in Amerita lebende Orientale hätte fie andauernd auf Fehler aufmerksam gemacht. Man läßt die orientalische Tänzerin einen Ungläubigen lieben, den sie vorerst für einen Araber hält. Wenn man sich diesen, die Tänzerin mit einem Handfuß be grüßenden Araber befieht, dann fann man ihren Irrtum unmöglich verstehen. Jedoch der Pseudoaraber ist ein Offizier, und Offiziere find im Film immer Mordsterle, die bringen alles fertig. In zwischen gibts dann noch im tiefen Orient, wo bei genauer Betrachtung des Films freilich Rasen in der Wüste wachsen, einen Ueberfall auf die Weißen, der zur Folge hat, daß zum Schluß Tänzerin und Offizier fich triegen. Also, es gibt wirklich allerlei fürs Geld. Die Hersteller wollten den Filmreißer auf jeden Fall. Photographisch waren die Reiterszenen recht gut gelungen. Man ließ nette, wendige Pferde durch Sand galoppieren. Um die Wüste Dorzutauschen, brachte man die ganze Photographie milchig heraus, Beifall! mit Colleen More, dem reizendsten Filmstar Amerikas, anzusehen. Dazu: Die ausgezeichnete Bühnenschau Die unübertroffene Deulig- Woche 44 ALHAMBRA Kurfürstendamm 68 Wochentags 630, 900:: Sonntags 4,30 630, 900 Beilage des Vorwärts Wenn Männer ausgehen". ( Ufa- Theater, Kurfürstendamm.) Wenn man die amerikanische Seele nach der Filmproduktion dieses Landes beurteilt, muß man zu dem Ergebnis tommen, daß sie vor allem aus zwei entgegengesetzten Empfindungen besteht: einem findlichen Vergnügen an lustigen Ereignissen und Zaten und einer etwas meinerlichen Sentimentalität. Nach diesen Empfindungsgruppen lassen sich denn auch die amerikanischen Filme einteilen, mit dem Unterschied, daß die humoristischen mit ihrem drastischen Griff nach dem feelisch und gegenständlich Komischen unsere Teilnahme und unseren Beifall haben, während wir für die etwas findliche Gefühlsduselei dieses unverbrauchten Voltes weder das nötige Berständnis noch die längst verlorene Raivität aufbringen. Der Unterschied der beiden Gruppen zeigt sich meist leider auch im Tempo, das bei den humoristischen Filmen blizzugartig, bei den elegischen schnedenhaft ist. Der neue Film ,, Wenn Männer ausgehen" fucht beide Arten miteinander zu verbinden. Indem er zeigt, wie ein junger Ehemann, undankbar gegen die etwas hausbadene Güte feiner felbstverständlich zuderfüßen, jungen Frau, auf Abwege gerät und einer zweiten Frau mit schlechtem Charakter in die Hände fällt, die ihn erst die Borzüge der ersten schäzen lehrt und dadurch zu diese zurückführt, will er die kleine Tragikomik der Che mit ihren heiteren und ihren trüben Seiten versinnbildlichen. Leider gelingt dies infolge der vielen Unwahrscheinlichkeiten der Handlung und des schleppenden Tempos mur unvollkommen, obwohl viele fleine Wintelzüge aus dem Eheleben reizend und die Darstellung durch Lewis Stone, Mary Carr, Alma Benett unb Helen Chadwid recht gut ist. Warum hat uns die Ufa aber die auf dem Programm ange fündigte Aesop Fabel Der Knabe und sein Hund" vorenthalten? f. h. c. , Dr. Camerons seltsamfter Fall." ( Alhambra, Kurfürstendamm.) Dr. Camerons feltfamster Fall wird zugleich ein sehr seltsamer Fall im Film. Wohl noch nie hat man es so deutlich verspürt, daß der Weg ein unrichtiger ist, der den guten Abschluß auf jedent Fall mill. Durch diesen Film geht ein Riß. Dabei sind Gedanken verwendet worden, aus denen sich bestimmt hätte ein Wert aus ganzem Guß formen lassen. Dr. Cameron, Jrrenarzt und Dichterafpirant, ist ein Sittlichkeitsapostel. Darum läßt er ein Stüd verbieten, das gerade der erste, große Erfolg einer temperamentvollen Diva mar. Sie hängt am Glanz, fie hängt an den Ehrungen, trbeitete sie sich doch vom Fabritmädel zur Schauspielerin empor. Darum will fie sich rächen an diesem Dr. Cameron. Sie geht in sein Haus und spielt ein hilfloses Geschöpf, das sein Gedächtnis verlor. So wird die Unglückliche dem Arzt interessant, er behält fie zur Beobachtung bei fich. Er hält wissenschaftliche Vorträge über biesen seltsamen Fall. Da er entdeckt, daß die junge Dame schaus Spielerisch begabt ist, foll sie die Hauptrolle in seinem Drama fpielen, um ihr so gegebenenfalls das verloren gegangene Gedächtnis zurüd zugewinnen. Der Theaterdirektor, der von dem Streich der Diva meiß, mill das Drama zur tollsten Groteske perzerren. Das wäre tatsächlich eine Lustspielidee gemefen, ein Nasenstüber für den Wissenschaftler, der alle Menschen für anormal hält, und eine glänzende Rache der Diva. Doch nein, fie fällt eben vor der Aufführung um, fie macht nicht mehr mit, denn sie liebt den Arzt. Das verzeiht ihr der Zuschauer faum. Der ganze Film steht und fällt mit Colleen Moore. Man will fie uns als Schönheit aufzwingen, das stößt auf Widerstand. Im Profil wirft sie unschön. Ihr Gesicht ganz photographiert hat großen Reiz. Sie hat diesen aparten egotischen Einschlag, den Peggy und Jackie haben. Als Schauspielerin ist sie groß. Glänzend schon in der Erzentrit ihrer Bewegungen, als sie Die Hauptrolle in dem pifanten Stück spielt, unartig und unerzogen in ihren temperamentvollen Wutausbrüchen und völlig geändert, innerlich und äußerlich, als liebendes Weib. Wirklich, Colleen Moore fann sehr viel. -8. , Der Leibgardist." ( Marmorhaus.) Rann man Romödien, deren Reiz im prickelnden Dialog liegt, verfilmen? Gewiß, wen der Regisseur es versteht, sich vom Borbilde loszulösen und für das, was er ihm nicht nachfilmen kann, anderes, Filmmäßigeres zu geben. Rober: Wiene ist es nicht ganz gelungen, bei der Verfilmung von Molnars bekannter Ko mödie„ Der Gardeoffizier diese Marime in die Tat umzusehen. Er bleibt zu sehr in den Spuren der Vorlage, die dünne Handlung mird im Film zu breit ausgesponnen, es fehlt nicht an Längen und Wiederholungen. Aber von dem föstlichen Geist Molnars ist doch genug gerettet und in die bildmäßige Form übersetzt worden, so daß wir eine Filmfomödie mehr haben. Der Grundgedanke, wie der eifersüchtige Schauspieler selbst einen Rebenbuhler spielt, um feine Frau auf die Probe zu stellen und dabei selbst in die schönsten feelischen Konflikte gerät, als er Erfolg zu haben beginnt, ist auch im Filim höchst wißig herausgearbeitet. Alfred Abel mit seinen prägnanten Zügen ist der geeignetste Darsteller der Rolle die er so oft auch auf der Bühne gespielt hat. Sein Mienenspiel drückt in raschem Wechsel den Zwiespalt seiner Natur aus, die beglückt ist, wenn er als Leibgardist keinen Erfolg hat, und schmerzlich berührt wird, wenn seine Frau auf sein Spiel eingeht. Durch den raschen Szenenwechsel zwischen der Bühne, wo er den Hamlet spielt, seinem Anfleidezimmer, morin er in rafender Eile sich zum Leibgardisten umtostümiert, und der Loge seiner Frau, in der er in größter Eile seine Gastrollen [ pielen muß, entsteht ein fesselndes Hin und Her, wie es auf der Theaterbühne nie möglich wäre. Die Darstellerin der Frau Maria Corda ist freilich nicht die Partnerin, die man für Abel erwarten müßte. Sie gibt ihm im ganzen nur die Stichworte, aber es fommit fein Duett zustande. Eine prächtige Type ist Alice Hetsey als Elefant. Wenig glücklich bedacht ist der Kritiker, der bei Molnar die Rolle des Räsommeurs spielt, Anton Edthofer hat in der stummen Rolle des Films geringe Möglichkeiten. Der Erfolg des Films war, besonders auch dant der vorzüglichen Photographie, eflatant. r. Piccadilly ist der Name einer der Hauptstraßen im Westen Londons. Er hat in der ganzen Welt einen besonderen Reiz, daher ist es tein Wunder, daß ein neues Lichtspieltheater Berlins diesen Ramen trägt. Für den Bau intereffiert sich wohl jeder, dem an einem schönen Aussehen der Straßen gelegen ist, denn das neue Theater, dessen Eröffnung in den nächsten Tagen bevorsteht, liegt gerade dem Charlottenburger Opernhaus gegenüber. Architekt Friz Wilms hat das neue Theater erbaut ohne Fenster für die Luftzufuhr an der Straßenfront. Diese wird von einem aus Muschelfalfstein- Maßwert hergestellten sogenannten Lichtfenster beherrscht, das in immer neuen Farben die Geschäftssprache der Jeztzeit, die Lichtreflame, in das Duntel der Straße hinausschreien farn. Für eine gute Durchlüftung des Raumes wird durch die modernsten Anlagen gesorgt, die im Sommer vorgefühlte, im Winter vorgewärmte Luft zuleiten. Da man vom Rang aus im Kino oft ein schräges Bild hat, ist dieses Theater, obwohl es für 1200 Personen Sigpläge bietet, ohne Rang gebaut. Man spricht diese Maßnahme für eine ganz erhebliche Verbesserung an. Die Bühne ist, dem Zuge der Beit folgend, auch für Barieté- Borstellungen eingerichtet. Für die Sicherheit des Publitums ist nach bestem Wissen gesorgt, führen doch zehn Ausgänge, unmittelbar, ohne Treppen, ins Freie. Täglich 8%, Uhr Theater, Lichtspiele usw. HALLER Residenz- Th Volksbühne Dir. A. Hellmer Der Kaufmann Gier unter Ulmen 3: Schluck u. Jau 8U. Lessing- Th. 8. Uhr: von Venedig Morgen 8 Uhr Der Hautmann von Venedig Staats- Theater Opernhaus 7 U.: Afrikanerin Opernhaus von O'Neill Gerde Müller Wegener, Müthel Stg. nachm. 31/2 Biberpelz zu halb. Preisen Kleines Th. Tägl. 8 Uhr: Die Alarmglocke am Königsplatz Lustsp.v.Hennequin u.Coolus 22: Nathan d.Weise 7: Mad. Butterfly Schauspielhaus 8 Uhr.: Peer Gynt Trianon- Theat. 8 Uhr Schiller- Theater Hochzeitstage 3 Uhr: Doppel selbstmord 8 U.: Charleys Tante von Geraldy. Servaas Jacobsen, Teabler Vorz, dies. zahREVUE Theater im Admiralspalast ..ACHTUNG! WELLE 505!" II. Rang von 2 Mk. Parkett von 4 Mk. Logen von 8 Mark Heute nachm. 3 Uhr: Die Vorgauze stellung 7.halben Preisen 8 Uhr: Circes Heirat Hesterberg. Sabo Engers. Mattoni Heute nachm 32 Kl. Pr. z. 1. Male: Märchen- Vorstg. für Kinder Schneewittchen Thalia- Th. 8. Annemarie Uhr: Lotte Neumann Heidemann, Dora Baselt, Metelka Heute nachm. 3 Kleine Preise! In weißen Röẞ'I Theater in der Kommandantenst. 8 Uhr: Central Theater Anneliese v. Dessau 3 und 8 Uhr: Trieschübel Marie Escher a G. Heute nachm. 34 Kleine Preise! Städtische Oper end. Abend Metropol- Theater Annelieser. Dessau Charlottenburg 7 Uhr: Fledermaus kasse 1/2 d.Kassenpreises Letzte Woche! Th. am Kurfürstendamm MamsellAngot 8 Uhr: Nachm. 3% Uhr: Barnowsky- Bühnen Ihre Hoheit die Tänzerin Wenn ich wollte... Theater in der Dienstag, 3. Nov. Th. am Schiffbauerdamm 8 Uhr: ( Nenes Operettenhaus) Heute u.morgen 8. Niddyimpekoven 8: Lady Fanny und Abonnem.- Turnus 2 Königgrätz.Str. Deutsches Theater Don Juan u. Faust Neue uaite Tänze die Dienstbotenfrage 7% Uhr: Der Kreidekreis von Klabund Dienst. 8 U.: Wie es euch gefäilt Die Trabane Tagl 8 Unr: Zurück zu Methusalem Komedienhaus Kammerspiele Tä 8 Uhr: 812 Uhr Sonnabend, 7. Nov. Premiere des Welterfolges: Wallner- Theater Täglich 8 Uhr: Nono Nanette Fäden Intimes Theater Casino- Theater Bülowstr.6. Täg1.8 U. Alle Berl. Zeitungen schreiben: Stall Levy mit Y ist der größte Täglich 8 Uhr: Neu! New! Die Frau Kopf oder Schrift Herrnfeld- im gefährlichen Alter Das Apostelspiel Berliner Theater seit 30 Jahren. von Max Mell Regie: Letzte 2 GastVorher das Hovbr.- Programm Volkstüml. Preise Theater in der spiele des Theat. d. Westens Lützowstr. 112 Max Reinhardt Moskauer Künstler- Th. Musikal. Bühne Die Komödie Heute 8 Uhr zum letzten Male: Das große Operettenhaus Tägl. 8 Uhr: Gastspiel Kurfürstendamm 207 Carmencita u.d.Soldat n. Lichtenstein 8 Unr Gesellschaft Trag. Spiel von K. Lipszeroff Musik.Carmen"-Bizet Montag 8 Unr Abschiedsgastsp. v. John Galsworthy Perichole Regie: M. Reinhardt Kom. Oper. Musik v. Offenbach Th. a. Hollendorfpl. Ab Dienstag 3. Nov. Täplich 8 Uhr: Der Ensemble- Gastspiel d. Dts. Volksth.Wien 7%, U. zum 1. Male: letzie Kufs Antonia Operette von Rob. Winterberg Lustspiel von M. Lengyel Falk, Vespermann, Hainisch, Sári Fedák, Otto Tressler, H. Lackner Picha, Wasa, Muth, Hell. Margar. Koeppke Sonnt.nchm. 4 Uhr. Emmy Förster Märchenvorstellg Karl Ehmann Siegfried Breuer Dornröschen. Franz Engel Dr. Imre Szilágyl loszenierung Dr. Rudolf Beer Neues Lustspielhaus 8 Uhr: Potasch& Perlmutter II. Teil ( Pelasch& Perlmutter b. Film) Theater am OO SCALA Taglich 8 10 Uhr. Heute Olly- Polly Operette von Kollo Premiere Erna Nitter Internat. Curt Bois Parkettpl.v. 2-12 M Deutsches Varieté Kunstler- Theater Sonntags 30 zu ermäßigt. Preis. Tägl. 48 Uhr: Gastspiel Fritzi Massary: Lea Seide Der Orlow Täglich 8 Uhr D. Mädel v. Rhein Heute nachm. 4 U.: Schneewittchen Vorzeig, zahlen auf allen Plätzen( auch Stgs) halbe Preise, nachm. v. 25 Pfp. an abends v. 50 Pfg. an Puhlmann Banne Film Berlin, Schönhauser Allee 148 Ab 30. Okt. bis 5. Nov.: „ Der Mann, der sich verkauft“ Nach dem Roman der Berliner Morgenpost Mit Hans Mierndorf, Olaf Fjord Bruno Kastner, Vivian Gibson Helga Molander u. a. Persönl. Auftreten Auf der Bühne: Ernst Hoffmann in seinem neuesten Schlager Anf Wochent 6 Uhr, Sonnt 4 Uhr. Flora- Lichispiele Landsberger Allee 40-41 Heute und morgen: Frauen, die man oft nicht grüßt In den Hauptrolien: Lya Mara und Alfons Fryland Ab Dienstag: Das Bombenprogramm die 2 Deutschen Großfilme „ Briefe, die ihn nicht erreichten" Außerdem: Des Lebens Würfelspiel Trabrennen Mariendorf das voile Progr. Die Teresina Sonntag, den 1. November nachmittags 12 Uhr Das große Programm 1) Ouvertüre zu der Oper.Raymond"... von Thomas 2) Uta- Wochenschau 3) Auf der Bühne: 4) ,, Am Rande der Steppe" Eine Wild- West- Szene unter Mitwirkung von Relah. Pasch( Metropol- Theater), Martha Meltzer, Operettensängerin und The Original- Texasgirls a G. Choreographie: Olek Tanaroff u. Jajia Zarrifah Der Farmer aus Texas nach der Komödie Kolportage" von Georg Kaiser Regie: Joe May. In den Hauptrollen: Mady Chritians, Lilan Hall- Davis/ Frieda Willy Fritsch Christian Bummerstädt Richard Pauline Garon Edward Burns Hans Junkermann Wochentags 7 u. 9 Uhr, Sonnabend und Sonntag 5, 7 u. 9 Uhr Vorverkau ohne Aufschlag täglich mittags 12-2 Uhr Fernsprecher: Hansa 4883. Ula- Theater TURMSTRASSE ( Turmstrasse, Ecke Stromstrasse) Verkehrsverbindungen: Direkt vor dem Theater halten die Strassenbahnlinien: 3, 4, 11, 12, 13, 14, 19, 21, 44, 45, 56, 113, 119. Autobuslinien: Nr. 11, 28. Stadtbahn: Bahnhof Bellevue ER HAROLD LLOYD DER MANN, DER MILLIONEN ZUM LACHEN BRINGT IST MIT SEINER NEUESTEN LACH- SENSATION 1000: 1= HAROLD LLOYD IM UFA- PALAST AM ZOO !!!!!!!!!! WER EINMAL RICHTIG LACHEN WILL, VERSÄUME NICHT, IHN HEUTE IM UFA- PALAST UM 3, 5, 7, 9 UHR ZU BESUCHEN DER NEUE HAROLD- LLOYD- FILM IST IN GANZ DEUTSCHLAND NUR IM UFA- PALASTAMZOO ZU SEHEN AUSSERDEM: UFA- SINFONIE- ORCHESTER: ERNO RAPÉE UFA- BALLETT: ALEXANDER OUMANSKY KI- KI- RI- Ki Ein Kulturfilm der Ufa. Ufa- Wochenschau die neuesten Ereignisse. JUGENDLICHE HABEN ZUTRITT PREISE: 1.50-5.00 M. VORVERKAUF OHNE AUFSCHLAG TAGL. AB 11 UHR UNUNTERBROCHEN TELEF. KARTENBESTELLUNGEN NOLLENDORF 62, 1397, 5280, 5281. WINTED ORIEN Heute RIEN Komische 2 Vorstellungen 2 neuen mit dem sensationellen November- Spielplan! U. A.: Bells chinesische Gladiatoren in ihren antiken Waffenspielen Alberty- Truppe Neuartige Luftgymnastik Nachm. 31 Uhr halbe Preise Ha Rauchen gestattet Konzert- Direktion Hans Adler Heute, Blüthnersaal, 8 Uhr: Konzert d. Berliner Sinfonie- Orchesters Oskar Fried Solist: PantschoWladigeroft R. Strauß, Bürger als Edelmann Wladigeroff, Klavierkonzert Strawinsky, Feuervogel. Karten 1, 2, 3. 4 M. Miffagskasse 11-1. Abendkasse Reichshallen Theater Allabendlich 8 Uhr. Sonntag nachm. 3 Uhr Steffimer Sänger Nachm. halbe Preise! Dönhoff- Brett'l: Familien Varleté. Anfang 3 Uhr Sonntags 51% Uhr. Blite- Sänger Kottbuser Str. 6- Tel. Mpl. 160 77. Täglich& Uhr a. Sonntag nachm. 3 Uhr( zu balben Preisen): Klubfreunde, musik.Auftakt Ber alte Dorfschullehrer, Lebensbild Zum Schluß:?? Jugendsonde?? sowie der unvergleichliche Soloteil. 814 Oper Dir.: James Klein 81 GrößteRevue der Welt Von A bis Z Das Gewaltigste an Ausstattungspracht, was je auf einer Bühne gezeigt worden ist 46 Bilder! 300 Mitwirkende! Das Tagesgespräch Berlins Parkett 6.- M. Preise 2.- bis 12.- M. ( Logen 15 M.) Sonntag 3 Uhr Jeder Erwachsene 1 Kind frei Halbe Preise Vorverkauf ununterbr. geöffnet Circus Busch Letzter Sonntag ! Rheinland- Festspiel! 3 und 7 Uhr auch nachmittags ungekürzt bel halben Preisen Letzte NoAufführ. 6. vember Vorher: Neue Circus- Sensationen HASPIELPLAN Ueberall Uta- Wochenschau Ueberalt Ufa- Wochenschau Bla- Palest am Zoo Tel. Bestellung: Nollendorf 62. 1397, 5280. 5281. Uta- Theater Kurfürstendamm Ufa- Theater Tesentzienpalast 2. Woche Ofa- Theater Hozartseal 2. Woche Ota- Theater Nollendorfplatz 2. Woche Ufa- Theater Kammerlichtsplele Ufa- Theater Tarmstraße Ufa- Palast Königstadt 1000: 1 Harold Lloyd In der Hauptrolle: Harold Lloyd Wochentags 5, 1 u. 9 Uhr. Sonatags 3, 5, 7 u. 9 Uhr. Vorverkauf ab 11 Uhr anunterbrochen. Wenn Männer ausgehen! Ein heiterer Film für Eheleute und solche, die es werden wollen, Wochentags 7 und 9 Uhr Sonnabend w. Sonntags 5, 7, 9 Uhr Der Farmer ads Texas 64 nach der Komödie Kolportage Regie: Joe May Auf der Bühne: Säuglinge Eine Szene zum Film V. Morgan u. Robitschek Wochentage 7 and 9 Uhr Sonnabend u. Sonntag 5, 7, 9 Ubr 39 Urwelt im Urwald Die Wunderwelt des Amazonenstroms. Der große Expeditionsfilm der Ufa. Regie u Aufnahmeleitung: Freiherr Adolf v. Dungern. Wochent. 5, 7, 9 Sannt.3, 5, 7, 9 Jugendliche haben Zutritt. Charleys Tante mit Sid Chaplin, Auf der Bühne: Die drei Manley's die lustigen skandinavischen Siepptänzer Wochent. 5,7,9/ Sonnt. 3,5,7,9 Der Mann, der die Ohrfelgen bekam Die Tragödie ein. Clowns mit Lon Chaney Regie: Viktor Sjöström Wochentags 7 und 9 Uhr Sonnabend u. Sonntags 5, 7, 9 Uhr Der Farmer aus Texas nach der Komödie Kolportage Regie: Joe May Auf der Bühne Am Rande der Steppe Eine Wild- West- Szene Fri. M. Meltzer, Reinh. Pasch v. MetropolTheater, TheOriginal Texasgirls a. G. Wochentags 7 and 9 Uhr Sonnabend u. Sonntags 5, 7, 9 Unr Der Farmer aus Texas nach der Komödie Kolportage Regie: Joe May Auf der Bühne: Harry Allister der größte Mimiker der Welt Walter Steiner der beliebte Humorist Wochentags 7 und 9 Uhr Sonnabend u. Sonntags 5, 7, 9 Uhr Charleys Tante mit Sd Chaplin. Die erfolgreichste KoJia- Theater Friedrichstr. Wochentags 7 und 9 Uhr mödie seit 40 Jahren Sonntags 5, 7, 9 Uhr. Ula- Theater Alexanderplatz dfa- Theater Weinbergsweg Das Finale der Liebe mit Lucie Doraine Regie: Felix Basch Wochentags 7 und 9 Sonnabend u. Sonntags 5,7,9 Uhr Der Herr Generaldirektor Wochent, 7 u. 9 Uhr Sonnab. u. Sonntage 5, 7 und 9 Uhr Ueberall Uta- Wochenschau Ueberall Uia- Wochenschau Ueberall Ufa- Wochenschau CA 2000 Frder Morgenstunde m. 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To., Ttuttsart,«ine KaraL-ri strich« P«>!>e »eben. Eines großen Filmstars mit vier Beinen ist besonders zu ge- denken Gladiator! Gladiator war kein Gladiator, hatte auch nicht das geringste von einem solchen an sich. Gladiator war— ein Kamel. Ein bSsartiges Biest! So lammfromm diese Tiere aussehen, fle sind es nicht. Die Heimtücke in persona sind diese Wüstenbewohner. Gladiator war selten gutgelaunt. Solang« er sich im Stall oder auf der Weide befand, war von Tücke nichts zu bemerken. Wenn es jedoch arbeiten hieß, dann war Gladiator außer sich. Ebenso wie viele Menschen, die ihren Lebensinhalt auch ungestört Im Stall oder auf der Weide genießen wollen und der Arbeit ob- hold sind. Gladiator war schon über zwanzig Jahre alt, als er in meine Hände kam. Vom Film hatte er wohl nie gehört, und der an den Beinen so hübsch ausgefranste und unrasierte Cowboy, der ihn be- stieg, muß ihm wohl wie«in Asse vorgekommen sein, als er nach ihm zurückblickte. Im Nu lag der Cowboy unten. Wer noch nie von einem Kamel abgeworsen wurde, soll auch nicht den Wunsch aussprechen, eines zu besteigen. Denn ein Flug vom Höcker ist oft- mals schon mit unangenehmen Folgen verbunden gewesen. Gus Biermann(dies der echt amerikanische Name des Cowboys) war bestimmt, Gladiator in einem afrikanischen Fildrama tn der Wüste(sprich Centropolis im Kanasas) mit dem Lasio einzusangen. das Kamel, ohne daß es sich legte, zu besteigen und damit Rettung für die in der Wüstenfestung von wilden Beduinen(meist aus Missouri) eingeschlossenen Europäer herbeizuholen. Die Geduld eines echten Eowboy» ist bewundernswert. Sie hält oft zehn bis sünsz-hn Minuten an. Gus Biermann war trotz seinem rein deutschen Namen ein echter Cowboy. Seit zehn Iahren auf der Ranch, gab es keinen Bronco. den er sich nicht in Kürze zugeritten halte. Sechs oder sieben gebrochen« Rippen, ein Schädel- bruch, eine Armverkrümmung wie eine kleine Beinoerkürzung waren die Folgen der Kämpfe zwischen Gus und den wilden Broncos. Nicht zu vergesien die durch einen Büffelhuf schief getretene Kartoffel- nase! Gladiator weidete ruhig auf der sandigen Stepp« von Centn»- polis(Pardon: in Afrika!), als Gus zum ersten Male an ihn heran- trat. Gus besah sich das hochbeinige Höckervieh, das er sonst nur bei der alljährlich wiederkehrenden Bornum u. Bailey Show im vorsichtigen Abstand kennengelernt hatte. Gus sah sofort, daß mit einer Voltige, wie beim Pferde, bei dem weit höheren Gladiator nichts zu machen war. Er schlenkerte sein kurze» Bein, hielt den Koos seitwärts, während er über seine Kartoffelnase hinwegschielt«, nestelte seinen Lasio los— und im nächsten Augenblick zog sich die Schlinge über Gladiators Kopf zu. Es kam nun zu einem großen wunderbaren Wettrenne«. Renne« kann man es eigenUich nicht nennen, denn nur Gladiator fegte mit Schnellzugsgeschwindigkett über die Ebene, während Sus als unfreiwilliger Pasiagier mit- geschleift wurde. Nachdem wir ein Waschbecken Sarbolwasier und etwa hundert Fuß Mullbind« an dem etwa» derangierten Gus verbraucht hatten, ging die Arbeit von vorne los. Sus blickte vorsichtig unter seinem Verband am Kopf« hervor, bestieg einen Mustang und legt« zum zweiten Mal« die Schlinge um Gladiator, Hal». Jeder Sport». mann hätte seine Freude an dem Rennen gehabt, da» jetzt folgte. Im sausenden Galopp versucht« Gladiator das Rennen zu gewinnen. Gus saß fest im Sattel eines Mustangs und brüllt« ein Lexikon von Vokab: larien hemor. Sein Verband um dm Kopf hatte sich ge- lockert und wär ihm auf die Schultern gerutscht. Blut rann ihm übers Gesicht, und Freude funkelt« in seinen Augen. So oft er an der Korona der Cowboys vorbeikam, schössen dies« die Kammern ihrer sechsläusigen„Kanonen' leer, damit Gladiator noch rabiater würde. Der Tierschutzverein würde sicherlich keinen Geschmack an diesen Dingen gefunden haben. Aber im wilden Westen!?! Die Losioschlinge tat ihr« Schuldigkeit. Gladiator war der Klügere und gab endlich nach. Gus kam näher und sprang vom Pferderücken auf Glodiowr. Im nächsten Augenblick lag Gu» im Sand. Acht Tage dauerte dies liebliche Spiel, dann war Gladiator lammfromm. Der Aufnahmetag für Gladiators Debüt als Filmdarsteller de- gann bei 34 Grad Reaumur im Schatten. Alles zerfloß. Gus im arabischen Kostüm, mit indischem Turban und malaiischen Schuhen, holte seinen ganzen Schatz von Flüchen hervor. Der Schweiß rann ihm in Strömen herab. Der Turban saß schlecht und rutscht« ihm fortwährend in die Stirne, die Augen des tapferen Gus verdeckend. Als olles zur Aufnahme bereit war, war Gu» verschwunden. Er erschien allerdings bald darauf, erklärte aber fluchend, daß er alle Unterkleider der Hitze halber abgelegt und nur den langen Burnus und den Turban wie die Schuhe anbehalten habe. Auf das gegebene Signal schlich Gu« an den abseits von den anderen Kamelen stehenden Gladiator heran, fing ihn Mit dem Lasio ein. und nun begann«in Kamps, der Tote hätte erwecken müssen. Gus fluchte und Gladiator ließ ihn nicht aussitzen. Die Operateure kurbalten und Gus kam mit einem fünfzig Fuß langen Fluch auf dem Buckel Gladiators an. Gladiator schlug hinten au», ein Opera- teur wurde außer Gefecht gesetzt, da Ihm der Apparat gegen den Magen und mir der Statiokops gegen da» Schienbein flog. Gus blieb oben. Nun sollte die wichtigste Szene kommen, wie Gus auf Gladiator am Lager der Araber vorbeigaloppiert, wie man dann seinen Trick entdeckt, und wie er von den blutgierigen Arabern aus den anderen Kamelen verfolgt wird. Der Regisseur denkt und ein Kamel lenkt. Auf Gladiators Buckel jagte Gus aufs Zeltlager zu. Ein übereis-iger Statist schoß viel zu früh auf den heranstürmenden Gus. Das Kamel, das zum ersten Male in solcher Nähe einen Knall horte, macht« kehrt und raste auf die Kamelherd« zu. Alle außerhalb des Bildfeldes stehenden Kräfte bildeten eine Kette, und als Gladiator heranbrauste, schössen sämtliche Cowboys ihre Revolver ab. Gladiator machte kehrt, die anderen Kamel« rasten mit Gladiator, auf dem Gus wie ein Affe auf einem Schleisstein hockte, ins Zeltlager, rissen dt« Zelte um und— die Araber suchten ihr Heil in der Flucht, was ober nicht allen gelang. Die beabsichtigte Versolgung durch die Araber konnte natürlich nicht gedreht werden, da die Kamel« durch die verrückte Schießerei wild geworden und mit Gladiator durchgebnumt waren. das Gnöe einer Legende. Herr Coßmann schleift den Dolch»ach beste» Kräften Zu kühnem Stoß in seine« Alonatshefiev Und brummt in sich hinein:.Entlarven soll lch Den rolcn Hochverrat mit meinem Dollich!- Schon piekst er z». ba spricht Ära» Alto:.Ztein! hier prallst du ab! Bei mir. da fällst«'rein!' Schwach wird ihm da z« Mut and wenig mollig. Er kommt sich mulmig vor mit seinem Dollich i 0 Toßmaun, schaurig hast du dich blamorenl Du hebst die Hände, schreist:.Ich Hab' verloren� Fällst gänzlich um, nicht tragisch, sondern drollig Und stürzst von hinten in de« eignen Vollich! Gu» hing an seinem Eitz, der Turban lag über seinen Augen, ein End« davon flatterte wie ein Banner rückwärts nach. Nicht unweit Tentroposis Ist ein Tümpel, den die Centropolitaner stolz Our l»ke (unfern See) getauft haben. Rur auf einer Seite von Our Iske war da» Wasser klar, während der Rest schwarzer Morast war. Gladiator stürmt« durch(Zur lake an der Schlammseite, setzt« Gu» dort ab und verschwand am anderen User mll der ganzen Kamelherde. E» war vorgesehen gewesen und«ine Woche hindurch(während wir an den anderen Szenen arbeiteten) von Gu« mit Gladiator probiert worden, daß sie auf der einsamen Wüstenstation Nr. 2 ein- treffen und dl« Gaenison alarmieren sollten, um dann auf Pferden In prächtigen Wüstenritten den bedrängten Kameraden aus Station Nr. i Hilfe zu bringen. Gladiator hotte nichts vergessen. Er traf. leider mit noch weiteren zwanzig Kamelen, auf Station Nr. 2 ein. Nur fehlt« der tapfere Gus, der die Meldung überbringen sollte. Wir olle dächten, Gus wäre im See von den nachfolgenden Kamelen im Morast zerstampft worden, und stürmten ans User. Gott sei Dank. Gus lebte. Sein Burnus und die Schuh« waren leider in Our wk- geblieben, und da Gus, wie schon vorher erwähnt, sich oller Unterkleider entledigt hatte, so wäre die Situation bedenk- lich geworden, aber der schwarze Schlamm von Our Iske haftet« an Bus' Gesicht und Haaren. Gus fluchte entsetzlich: bei jedem Wort kam« Sturzbäch« von Schlamm m» dem»und« de« Cowboy». Der Herr Direktor, unser hoher Ehes, der der Szene beiwohnt«, schrie Gus ein Schimpfwort zu. Gus. der gemütlich« Gus, trat in seinem bemitleidenswerten Aufzug näher, spuckte den Rest de» tn seinem Innern befindlichen Schlammes au«, vergaß allen Respekt vor der hohen Direktion und sprach nur zwei Sätze. Der erste lautete: Go to hell(geh' zur Hölle). Der zweite Satz ist in deutschen Landen wohlbekannt, da ihn im goldenen Mittelalter ein deutscher Ritter mit einer eisernen Prothese seinen Widersachern entgegen- geschleudert hat. Das Lanö öer festlichen Arbeit. Die Insel Ba Ii. die westlichste der klein« Sundainseln an der Südostküste von Java, ist nicht nur überaus reilb an landschaftlichen Schönheiten, sondern auch in ethnologischer Beziehung auherordent- lich bemerkenswert. Während auf Java der Hinduismus und namentlich der Siwakult schon längst dem Islam gewichen ist, haben sich aus Bali die ehrwürdigen Ueberlieferungen der Vergangenheit lebendig erhalten. Sie erstrecken sich keineswegs nur aus den religiösen Kult, sondern ergreisen in gleicher Weise alle Aeuhe- rungen und Betätigung« des Leben» der ungefähr Sl)iX) Seelen zöblenden Bevölkerung. Wie sehr die» der Fall ist und wie schön und seltsam sich dadurch da» Bolksleb« auf Bali gestaltet, schildert C o l i n R o ß in seinem soeben im Verlag F. A. Brockhaus(Leipzig) erscheinenden Buch„Heute in Indien'. Colin Roß bekennt sich mit Schwung und Nachdruck zu d« sogenannten Bali-Besessenen. .Ja, Bali ist in Wahrheit ein.Van-Zanten-Eiland', da» ein süßes Gift birgt,' ruft er aus..Wer einmal davon genossen, der wird unbrauchbar für dm Westen, für westliches Jagen und Hasten. westliche Genüsse und westliche Frauen. Ich habe viel Schönheit auf dieser Erde gesehen, und ich möchte wohl den ein« oder anderen der schönsten Orte wiedersehen, wie dl« Gletscher de» Jlllmani oder die Tempel von Nikko oder den Strand Hawais. Wenn aber nicht, nun dann kann ich es verschmerzen. Erführe ich aber heute, daß ich Bali nie wiedersehen sollte, so ging« es mir doch wie ein eiskalter, schneidender Schmerz durch die Seele.' Doch das sind nur Worte, könnte Man sagen, Stimmung« und Gefühle. Wie aber swd die Tatsach«? Völkern gegenüber gilt unstreitig der Satz:»Sag« mir, wie du arbeitest, und ich sage dir. wer du bist!' Nun, Bali ist auch bei der Arbeit so, daß selbst die größte Ball-Besesienheit verständlich und gerechtfertigt erscheint. Colin Roß schildert das arbeitend« Bali wie folgt:.Es war auf einer meiner ersten Fahrten durch die Insel, als ich das Feld mit den pflügend«, festlich geschmückt« Ochsengespannen erblickte. Biel- leicht fünfzig Gespanne zogen hier in Reihen neb«- und hinter- einander über ein ausgedehntes Feld. Di« Ochsen waren zu zweit oder zu viert vor die Pslüge gespannt. Sie trug« ein« imposanten Kopfschmuck aus buntbemalten Lederschild«, und am Hals baumelten aus Holz geschnitzte Glocken In Form von Alpen-Zkuhglocken, nur ungleich größer. Wahre Glockenriesen war« da«, die d« Ochsen bis zu den Knien herabhingen, und noch breiter als hoch waren. Das war mein erster Eindruck von balischer Landwirtschast, die immer verknüpft ist mit Gottesdimst und Fest, wt« jede Ardeft auf Bali und überhaupt jede Lebensäußerung. Der Bod« gehört den Göttern. Sie haben ihn den Mensch« zur Nutzung überlassen, und sie wollen, daß alle gleichmäßig daran teilhaben. Auf diesem Glaubmssatz beruht der balinesische Agrarkommunismu». Die Desa, die Dorfgemeinschaft, versüat über das Land. Sie weist jedem sein« Teil zu, den er zu bewirtschaften hat und dess« Frücht« er ernt« darf, ohne daß jedoch der Bod« in sein Eigentum übergeht. Dieser kommunistische Grundsatz wird jedoch in letzter Zeit mehr und mehr durchbrochen, und e» gibt h«t« schon Form«, unter d«« man Privateigentum erwerben kann. Eines Hab« die Holländer jedoch verhindert, wie fast auf dem ganz« Archipel, daß europäisch- amerikanisches Kapital sich des Lodens bemächtigt. Nichtbalinesen tonn« auf Bali kein« Grund erwerbm, höchstens auf begr«zte Zeft pachten. Das balinesisch« Agrarsystem beruhte bisher darauf, daß es noch frei« Urwaldboden gibt. Wird ein Dorf so bevölkert, daß das Land der Desa nicht mehr zur Ernäbrung aller ausreicht, so zieht da» Jungvolk au» und gründet im Urwald ein neues Dorf. Wie jedoch überall, wo die Europäer mit ihrer Hygiene eine Berringe- rung der natürlichen Sterbllchkeitsziffern bewirk«, so droht auch Bali mit der bevorstehend« Uebervölkerung alles Elend unserer Zeit: Hunger, Arbeitslosigkeit, Industrialisierung. Das sind einst- weilen olles noch unbekannte Bearisfe. Noch reicht der Boden für alle, aber kaum noch für lange. Nur Im West« der Insel sind noch Teile ungmutzten Urwaldes. Dabei wächst die Bevölkerung in einer unheimlichen Weise. Betrug sie vor dem Kriege bereits 800 000 Einwohner, so ist heute schon die Million überschritten. Ist das letzte freie Land verteilt, dann ist es auch zu Ende mit den bisherig« freien und glücklichen Lebensformen. Dann werden sich die Balinesen aus Borneo und Sumatra als Kulis verdingen müssen. Oder man wird auf Bali Plantagen und landwirtschaftliche Industrien gründ«. die Arbeitsgelegenheiten schaffen. Damit wird auch die bisherige kommunistische Lnndverfossung ihr Ende finde», und damit auch das gemeinsame Arbeiten aus gemeinsamen Feldern. Dieses Arbeiten, das gar kein Arbeiten in unserem Sinne ist, sondern ein fröhliches Spiel, ein Fest und nur eine neue Form für das Wiedereinswerden mit Natur und Gott. Noch stärker als beim Pflüg« und Säen und Pflanz« tritt dies natürlich bei den Erntearbeiten In Erscheinung. RciserMe ist da» große Fest, ich hätte beinahe gesagt das größte, wenn nicht olles Fest wäre auf dieser Insel und man bei ihren Festlichkeiten nickt eint Steigerung nach der anderen erlebt. Die Arbeit ist gar nicht einmal so leicht. Es heißt den ganz« Tag in der sengenden Sonnenglut auf dem Feld stehen. Mit dünnen Baumwolljacken und breitrandigen Hüten schützen sich Männer und Frauen gegen den Sonnenbrand. In langer», buntgemlscht« Reihen schreiten sie durch das Feld und köpfen mit kleinen Messern die Rsisühren. So lose sitzen die Körner in den reifen Nehren, daß weder Sichel noch Sense verwendbar sind, geschwelg, denn Mähmaschinen. Jede Aehre muß einzeln geschnitten werden. So ist es«in ordentliches Stück Arbeit, bis ein ganze» Feld abgeerntet ist. Aber wie wird sie erledigt! Musik und Fahnen marschieren mit hinaus. Z» den Klängen des Gong« und der Handtrommeln wird gearbeitet. Tänzer treten auf. Aber unermüdlich schneiden unterdeii« dl« flinken, kleinen, braunen Hönde die Aehren. Selbstverständlich, daß auch ein kleiner AUar errichtet wurde, auf dem die Erstlinge des Feldes den Göttern als Opfer dargebracht werden. Hinter den Linien der Männer und Frau« arbeit« dann die Knaben und Mädchen, die die ährenlos« Halme mft stchekartig« Messe« schntiden. Und da ist erst ein Getobe und Geknll«! Ich stand lange auf dem Feld, als ich die erste Rcisernte mit- machte, sehr lange. Dabei hatte ich ununterbrochen die müden, miß- mutigen Gesichter der Männer und Frauen in unseren Fabriken vor Augen. Ach, so weit brauchte ich mich ja gar nicht zurückzuerinnern, bloß an die javanischen Zuckerfabriken! Nun, Ich bin durchaus nicht sentimental und verkenne keinen Augenblick, daß wir der modern« Technik viel an Annehmlichkeit und Sicherheft und Bequemlichkeft des Lebens verdanken, und ich denke, daß Autos und Flugzeuge und Eisenbahnen und Radio Dinge sind, die immerhin ihren Preis wert flick. Aber hoch Ist der Preis doch, den wir für Technik und Zioili- jation bezahlt haben, will mich dünken, wenn ich hier sehe, daß ohne dies« Arbeit keine Fron zu sein braucht wie bei un». sondern Fest und Freud«.' Ein Tag im Jahre. Auch ein Totentanz. Ein Dorffriedhof. Kreuze und Hügel mit einfachen Blumengebinden geschmückt. Hier und da fladert blinzelnd ein rotes Licht. Lux aeterna luceat Aus irgendeinem Fenster der schmud Losen Halle dringt lautes Sprechen. Ich stehe und lausche. " Selig sind die Toten, die im Herrn sterben.. Der Sturm verjagt die Bertfezen, fast ehe sie mein Ohr erreichen fönnen. lind plötzlich ist das Kirchlein und der schreiende Mann darinnen versunken, ich bin in einer anderen Welt. Da kommen endlose Reihen. Ihre Knochen trommeln einen büsteren Marsch. Hier ein zertrümmerter Schädel, dort zerfegte Schenkelfnochen. Da wanft ein halber Rumpf. Hintende Beine. Zum Fluch geballie Fäuste. Und über allem ein wehendes Banner. Für Deutschlands Ruhm und Ehr' allhier auf dieser Welt Ein anderer Bug naht. 44 predigt von ihren Erfolgen. Wie immer stehen sich Anhänger und Gegner schroff gegenüber: mer hat recht? Daß die Rute in der Hand ausschlägt, ist eine Tatsache, die nicht geleugnet werden kann. Ueber die Ursachen des Ausschlagens herrschen nun Meinungsverfchiedenheiten vor. Während manche Forscher phyfitalische Ursachen annehmen, suchen die anderen den Ursprung des Schwingens der Rute in dem Rutengänger selbst. Nach der ersten Annahme sollen Emanationen oder elektrostatische Felder wirksam sein, nach der anderen gehen die Rutenbewegungen direkt vom Nervensystem der Menschen aus. Interessant sind die Versuchsergebnisse von Prof. Graßberger( Wien), die dafür sprechen, daß die Ursache der Rutenbewegungen im Rutengänger selbst zu suchen sei, und zwar soll das Triebmittel des Rutenausschlagens Autosuggestion sein. Erhärtet wird diese Meinung noch durch einschlägige Versuche des Geologen Kranz, die alle Graßbergers Urteil bestätigen. Danach ist also die Wünschelrute vergleichbar dem Bauberstab des Fafirs. Es handelt sich bei ihr um Autosuggestion, die eine sogenannte ideomotorische( unbewußt ausgeführte, wenn lebhaft vorgestellte) Bewegung hervorrufen. Arbeiten start erinnerte: Frau Omperia", angeregt durch die Er. zählung von Balzac. Seine letzten Arbeiten sind jene wundervollen Aquarelle, die er in Amsterdam schuf." Corinth hatte sich die Reise nach Holland zu den alten Meistern, zu dem Ausgangspunkt seiner Malerei, brennend gewünscht. Vor ungefähr vierzig Jahren mar er in Holland, und jetzt sehnte er sich wieder nach den ihm sicher, verwandten Temperamenten Frans Hals' und Rembrandts. Besonders wichtig und der Mittelpunkt der Reise sollte Haarlem werden, und dabei dachte er hauptsächlich an das Bild der Vorsteherinnen des Armenhauses. Wir reisten über Düsseldorf. Hier hatte Corinth eine Kollektion in der Ausstellung, und immer neugierig, seine Arbeiten in anderer Umgebung wieberzusehen, stand er erfreut vor seinen Werfen: Donnerwetter, die Susanne ist doch ein gutes Bild, hier sehe ich sie erst richtig!"... Wir eilten nach Amsterdam; und wie neubelebt, erkannte ich ihn faum wieder: so sprudelnd und frisch war er in dieser Atmosphäre seiner geliebten Meister. Haarlem hat er nicht mehr gesehen. Ein Trauerzug zog durch Haarlem auf dem Wege von Zandvoort nach Amsterdam dicht am Frans- Hals- Museum vorbei zwei Tage vor seinem Geburtstage." Zermalmte Glieder. Vor dem Höllenrachen ausgedörrte Andere Gesichtspunkte vertritt Wendler in seinen ErperiRümpfe. In Balzen zerquetschte Knochen. Von giftigen Dämpfen mentaluntersuchungen zum Broblem der Wünschelrute. Seiner Die mittelalterliche Feme. zerfressene Schädel. Im Sturz geborstene Wirbelsäulen... Endlos, Meinung nach lassen sich die Erscheinungen der Wünschelrute nicht enblos Die Toten vom Schlachtfelde der Arbeit!" lese ich alle psychoreflektorisch aufklären. Das zeigte sich besonders, als auf der wallenden Fahne, die mir ein grinsender Gesell keck vor man vor einiger Zeit die Wünschelrute bei Kabelschäden in den Augen schwingt. Berwendung zog, und zwar in Nürnberg, wo sich Störungen Der Zug der Frauen. Matt, müde, troftlos. Ein Gerippe in den Zuleitungskabeln der Straßenbahn bemerkbar machten. Die trägt auf entfleischten Händen den eigenen Schädel. Ein Kindlein zwischen zwei Aufgrabungen liegende, etwa 160 Meter lange Kabel läuft hinter ihm, Törderin! Aus bitterer Not! Die Schuldigen strecke, die durch Meßinstrumente als fehlerhaft festgestellt war, wurde mit einer Stahlrute in der Richtung vom Speisepunkt zum Umformerwerf abgegangen. Die Rute schlug nach etwa 15 Schritten und dann nach 90 Meter aus. Die restliche Strecke des Kabels zeigte feinerlei Einfluß auf die Rute. Die rückwärtige Begehung der Strecke zeitigte das das gleiche Ergebnis. Nach erfolgter Freilegung zeigte tatsächlich das Kabel an beiden Stellen Verlegungen, wo ein Stromaustritt zur Erde erfolgte. Wendler nimmt nun an, daß Elektronen, von den Gegenständen ausgehend, bestimmte Wirkungen im Gehirne des Rutengängers ausüben, als deren Ergebnis die Rutenschwingungen sichtbar in Erscheinung treten. aber leben! Alle Qualen, die über Menschen famen, lese ich aus den Resten, die ihren Reigen aufführen. Gewalt und List, Betrug und Berführung Dort flattert ein Strid. Eine Wasserbahn hinterläßt jene. Und diese liebroft eine leine Flasche als seltsame Buhle. Und über allem der flickige Hauch des Elends. Ein waynwißiges Lachen gellt über das Blachfeld. Ich selber bins. Das Bewuschel und Gezappel ist schuld! Aber das Lachen wird nicht fertig mit dem Sput. In riesenhafter Bucht springt er doppelt auf mich ein! Mich zeichnete die Not. " Und mich die Sorge...!" Berhungert „ Die Schwindfucht zerbrach mich, ehe ich start Meine ,, Siehe die Knollen meiner Gelente frumme Wirbelsäule sagt dir alles...!"„ Der Alkohol des Baters tötete mich Und ich fant vor Entkräftung vom Arbeitsplatz ins Grab mar Und immer weiter geht diefer 3ug. Auch Ungeborene find darunter, die mit närrischen Gebärden den Enteilenden winken. Gindentöne med en mich. Ich stehe noch immer an die Wand des Kirchleins gelehnt. Ein lebendiger Strom quilit aus engen Porten. Satte Gefichter, zufriedenes Lächeln. Und unweit des frillen Ortes beginnen die Pfeifen zu quinquirilieren, die Geigen jauchzen auf, die Flöten fingen.... das Himmelreich ist ihrer!" Ist nur der rauhe wind daran schuld, daß mir zwei Tränen F. A. Celtis. über die Wangen rollen? Das Geheimnis der Wünschelrute. Von Ewald Schild. Ursprünglich glaubte man, daß in dem frisch geschnittenen Gabelzweig( bem sogenannten Zwieselaft) einer Weide oder noch besser eines Haselstrauchs geheime. Kräfte stecken, die einen unterirdischen Wasserlauf, eine Erzader usw. anzeigen, wenn man fie in der Hand über den Boden führt. Man schnitt daher die Münschelrute in der Johannisnacht bei Sonnenaufgang splitternacht unter besonderem Zeremoniell ab und hatte dabei sonst noch allerlei Vorsichten zu gebrauchen, damit die Rute ihre natürliche Zauberfraft" nicht einbüße. Heute ist es allerdings anders geworden, diese Gebräuche übt fein Rutengänger mehr, dafür aber nimmt heute der Dffultismus die Wünschelrute liebevoll unter seine Fittiche und BRAUNER Erinnerungen aus Corinths letzten Tagen. Ergreifende Mitteilungen über die letzten Lebenstage und die legten Arbeiten Corinths machte sein Freund Leo Milchelson fürzlich im„ Kunstwanderer". Er hat den Meister in feiner legten Lebenszeit sehr nahe gestanden, ihm auch häufig als Modell gedient und ihn auf seiner legten Reise nach Holland begleitet, auf der er gestorben ist. Corinth selbst dachte an ein langes, langes Schaffen," schreibt er. Ich wußte, daß er sich im Stillen ein Alter vorstellte, dem des Tizian nicht unähnlich, der mit neunundneunzig Jahren und, wie Corinth gern betonte, nur von der Beſt aus feiner Arbeit geriffen worden war". Und Corinth hätte die lange Beit gewiß auszunuzen gewußt: seine Arbeitskraft war ungemindert, und die Pläne waren da, die eine weit längere Spanne ausgefüllt hätten... Um so seltsamer berührte es mich, wie der Meister, nur wenige Monate vorher es war im April beim Malen seines großen Bildes ,, Ecce Homo" Todesahnungen aussprach. Und wer ihn fannte, wußte auch, daß er damit nicht gern scherzte er, der noch so viel zu malen hatte. Damals stand ich gerade als Christus Modell zusammen mit Paeschte als Krieger und Grusemann als Bilatus, als Corinth sich sehr ermüdet feßte, Pinsel und Balette hinlegte:„ Dieses wird vielleicht mein legtes Bild, wäre fein, wenns so täme! Wir hätten es beinahe glauben tönnen, so bis zum Letzten verausgabt und erschöpft saß er da. Stundenlang hatte er stehend, wie im Fieber gearbeitet, ohne sich selbst, noch Paeschke, der fich in der schweren Rüstung faum noch auf den Beinen halten fonnte, eine Pause zu gönnen. Aber sein leztes Bild wurde es nicht; noch ein schönes Selbstporträt, ein prachtvolles Gartenstück, ein paar Bilder von Thomas, feinem Sohne, und ein Stilleben folgten, und dann entstand noch ein sehr seltsames Bild, das an seine ersten to daim de Don si goin pinsan das di di compe Tolo male) Holmium of Inco Die fortgesetzten Enthüllungen von Fememorden lenten die Aufmerfjamfeit wieder einmal auf die mittelalterliche Feme, die ungesetzmäßige Organisation zur Wahrung des Rechtes. Sie lenkte ihren Ursprung von Karl dem Großen her und hatte sich im Laufe der Jahrhunderte vollkommen selbständig gemacht. Ursprünglich hatte die Feme nur aus Freischöffen" Westfalens( der Roten Erde) be standen, doch allmählich gewann sie ihre Richter aus allen Teilen Deutschlands. Einen gefeßlich geordneten Rechtsgang fannte man in der Feme insofern nicht, als eine Berufung gegen Femeurteile höchstens beim König eingelegt werden konnte. Jedes Urteil war sofort vollstreckbar, und es fonnte sogar vorkommen, daß ein Angeflagter, den man auf frischer Tat betraf, sofort vor die„ heimlichen Richter" gezogen und unmittelbar darauf gehenkt wurde. Zeugenvernehmungen gab es bei diesem summarischem Verfahren nicht. Es genügte volifonimen der Eid des Anklägers. " Ein Notgericht", mie man solche Femgerichte nannte, die unmittelbar auf frischer Tat folgten, war aus drei Schöffen" 31fammengefeßt, die selbst auch fefort die Bollstreckung des Urteils vornahmen. In allen Städten hatten die Freischöffen" ihre Wissenden", zu denen aber auch nicht wenige Fürsten gehörten. Selbst Bischöfe und Geistliche waren manchmal ungeachtet des päpstlichen Berbots Mitglieder der Feme. Der Aufzunehmende wurde durch einen Freigrafen vor dem Freigericht nach Ableistung des Schöffeneides" und Erlegung eines bedeutenden Aufnahmegeldes durch Mitteilung der geheimen Erkennungszeichen wissend" gemacht. Er mußte unbedingt alle Femeangelegenheiten geheimhalten, bei Hinrichtungen Hilfe leisten, Ladungen bestellen und erforderlichenfalls auch die Angeklagten herbeischaffen helfen. Das regelmäßige Verfahren war durchaus an die westfälischen Gerichte gebunden, die" Rotgerichte" aber fanden an jedem beliebigen Orte statt. Zum Zeichen, daß ein Gebentter durch die Feme gerichtet war, wurde ein Dolch neben seinem Leichnam in den Baum hineingestoßen, an dem man den Beschuldigten gehenft hatte. Wie sehr das Selbstbewußtsein dieser heimlichen Richter schließ lich gewachsen war, geht daraus hervor, daß sie den Kaiser Friedrich III. vor ihren Stuhl luden und ihm im Falle des Ungehorsams mit der Verfemung drohten, d. h. ihm die heimliche Ermordung anfündigten. Diese und andere Uebergriffe führten schließlich zu einer vollkommenen Rechtsunsicherheit, da niemand mehr vor der immer mehr einreißenden Willfür dieser heimlichen Mörderbünde ficher war. So raffte sich denn das Deutsche Reich allmählich auf, um fich von ihnen zu befreien. Man hob die Borrechte auf, die den Femerichtern im Laufe der Zeit durch die Kaiser erteilt waren, und bereits mit dem Ausgang des 15. Jahrhunderts war es mit der Macht der Feme zu Ende. Erst unserer fulturell so vorgeschrittenen Beit ist es vorbehalten geblieben, die Mörderzentralen der Feme wieder erstehen zu lassen. Landeshufer Leinen- und Gebildweberei FV.Grünfeld Berlin V8 Leipzigerstr.2022 Grunfeld Handarbeiten! Werke liebevoller Hände Jetzt ist die richtige Zeit zur Auswahl aus meinem vielseitigen Lager aufgezeichneter, angefange ner und fertiger Handarbetten tempo Zveigniederl. Köln Größtes Sonderhaus für Leinen u Woche. 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