Nr. 51942. Jahrg. Ausgabe A nr. 265 Bezugspreis: 25hentlich 70 Bfennig, monatlic 8. Reichsmart voraus zahlbar. Unter Kreuzband für Deutschland, Danzig, Saar- und Memelgebiet, Wefterreich, Litauen, Luxemburg 4.50 Reichsmart, für das übrige Ausland 5,50 Reichsmart pro Monat, Der„ Borwärts" mit der Sonntags beilage Boll und Reit" mit„ Gied Jung und Aleingarten sowie der Beilage Unterhaltung und Wissen und Frauenbeilage Frauenftimme erfcheint wochentäglich zweimal, Sonntags und Montags einmal. Telegramm- Adresse: .Gozialdemokrat Berlin Morgenausgabe Vorwärts Berliner Volksblatt 10 Pfennig Anzeigenpreise: Die einfpaltige NonpareilleGeile 80 Pfennig. Reflamezeile 5. Reichsmart. Alene Anzeigen" bas fettgebrudte Wort 25 Pfennig ( auläffa awei fettgedruckte Worte). fedes weitere Wort 12 Bfennis. Stellengesuche das erfte Wort 15 Pfennig, fedes weitere Wort 10 Bfennig. Worte über 15 Buchftaben aählen für zwei Worte. Arbeitsmarkt Seile 60 Pfennig. Familienanzeigen für Abonnenten Beile 40 Pfennig. Anzeigen für die nächste Summer müssen bis 4½ Uhr nachmittags im Sauptgeschäft, Berlin SW 68, LindenAraße 3, abgegeben werden. Geöffnet von 8% Uhr früh bis 5 Uhr nachm. Zentralorgan der Sozialdemokratifchen Partei Deutschlands Redaktion und Verlag: Berlin SW. 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Dönhoff 292–297. Dienstag, den 3. November 1925 Vorwärts- Verlag G.m.b. H., Berlin SW. 68, Lindenstr.3 Boftscheatonto: Berlin 37 536 Bankkonto: Bank der Arbeiter, Angestelltex und Beamten, Wallstr. 65; Diskonto- Gesellschaft, Depsfitentaffe Bindenfte.&. Rumpfkabinett und Rumpfkoalition. Der Eindruck in Frankreich, Die Sitzung bei Luther. Herr Luther versammelt heute die letzten Refte der gewefenen Rechtstoalition um sich. Für das Zentrum werden Marg, Fehrenbach und Stegerwald, für die Volkspartei Scholz, Curtius und Remptes, für die Bayerische Volkspartei Graf Lerchenfeld und Leicht in der Reichsfanzlei erscheinen, um mit dem Reichskanzler über die Lösung der Krise zu fonferieren. Inwieweit diese drei Parteien, die zusammen im Reichstag nur 139 Stimmen aufbringen, noch als luthertreu zu betrachten sind, wird der Verlauf der heutigen Sigung ergeben. Sicher ist aber jetzt schon, daß es ihnen beim besten Willen nicht gelingen fann, die Ralifizierung der Verträge unter Luther und ohne Reichstagsauflösung durchzusetzen. Dazu müßten sie allein die Mehrheit haben, und die haben sie nicht. Bollen die Mittelparteien das Wert von Locarno voll enden, so sind sie dabei auf die Zusammenarbeit mit den Sozialdemokraten angewiesen. Die Sozialdemokraten sind der Meinung, daß die Annahme des Vertrags von Locarno durch eine andere Mehrheit als jene, deren Regierung den Vertrag geschlossen hat, nicht möglich ist ohne eine Neuwahl des Reichstags, eine Befragung des Volts. Schließen fich die Mittelparteien dieser Auffassung an, so wird der Weg zur meiteren Entwicklung frei. Sperren fie sich gegen sie, so ist ein Ausmeg überhaupt nicht sichtbar. Die heutige Konferenz fann also in fünf Minuten zu einem fruchtbaren Resultat fommen, wenn sie sich zu dem Standpunkt bekennt, daß der Reichstag vor der Ratifizierung aufzulösen ist. Anderenfalls fann sie sehr lange beraten, ohne daß dabei etwas heraustommen wird. Schieles, lautes, freudiges Ja". Aus der Sigung des Kabinetts vom 22. Oktober, in der laut aftenmäßiger Feststellung der Reichsregierung alle Minifter, also auch die deutschnationalen, dem Ergebnis von Locarno einmütig zustimmten, weiß das„ Berliner Tageblatt" noch folgende interessante Einzelheiten zu berichten: Der deutschnationale Innenminister Schiele wurde gefragt, ob er das Werf von Locarno billige. Darauf antwortete er etwa mit folgenden Worten:„ Wenn ich gefragt werde, ob ich das Werk von Cocarno billige, so antwortete id) mit einem lauten, freudigen Ja." Als der Reichspräsiden. Hindenburg die Kabinetts fizung schloß, bemerfte er, es sei für ihn die größte Freube, baß im Kabinett völlige Einigkeit bestehe. Vor der französischen Kabinettserklärung. In Erwartung der sozialistischen Zustimmung. Paris, 2. November.( Eigener Drahtbericht.) Der Kabinetts rat, den das neue Ministerium am Montag vormittag abgehalten hat, galt vor allem der Feststellung der Regierungserklärung. Pa in levé unterbreitete feinen Ministerfoñegen einen von ihm selbst nach Rücksprache mit den verschiedenen Partelen der Linten entmorfenen Text. Die das Finanzprogramm behandelnde Stelle der Regierungserklärung fand nach der amtlichen Meldung die einmütige Zustimmung des Kabinetts. Die Aussprache über bie Rolonialpolitit, die Weiterführung der Berwal. tungsreform in Elsaß Lothringen, die Sozialver sicherung und die Wahlreform fand in einem zweiten, an Nachmittag unter Borsiz des Präsidenten der Republit abgehaltenen Ministerrat statt. Auch hier wurde ein vollkommenes Ein. bernehmen erzielt. Im Anschluß an den Ministerrat hat Painlevé die Mitglieder ber politischen Kommission der sozialistischen Partei aber. mals empfangen. Ein Mitglied des Rabinetis erklärte den Bresse listischen Wünschen und Forderungen in weitgehend stem vertretern, daß die Erklärung über die Finanzpolitik den jozia Maße gerecht werde, so daß die Zustimmung der sozialistischen Partei faum mehr zweifelhaft sein könne. Der Intransigeant" meldet, daß die Regierungserklärung vor. aussichtlich sehr kurz sein wird. Sie werde eine kurze Darlegung ber innen- und außenpolitischen Lage enthalten und nur die wichtigsten Fragen behandeln. Auf dem Gebiete der Außenpolitit merde Painlevé fich voraussichtlich auch über die politischer Folgerungen des Vertragsabschlusses von Lo. carno äußern und nachdrücklich den Wunsch der französischen Regierung betonen, im Einvernehmen mit dem Bölkerbund die Politi zur Sicherung und Festigung des Friedens fortzusetzen. Auf dem Gebiete der Sozialpolitit werde die Regierung die Einführung des obligatorischen Schiedsverfahrens bei Arbeitsstreitigkeiten und ihren Willen zur schleunigen Berabschiedung der Sozialversicherungsgelege anfündigen. In der Finanzfrage dürfte fich Painlevé nach der Erklärung des Blattes einft. frage dürfte fich Bainlevé nach der Erklärung des Blattes einft weilen darauf beschränken, die großen Richtlinien der von ihm geplanten Sanierungsmaßnahmen aufzuzeigen, da die entsprechenden Gefeßentwürfe noch nicht fertiggestellt sind und frühestens in einer Boche dem Parlament zugehen können. " 1 Wozu sich der offizielle Vertrauensmann im Rabinett, der frühere Fraftionsvorsitzende Schiele mit einem lauten, freudigen Ja" bekennt, wofür alle drei deutschnationalen Mi nifter stimmten und was dem Retter" Hindenburg die größte Freude" bereitet das ist für die deutschnationale Parteileitung ,, unannehmbar". Alfo auf alle Fälle auch hier Zweiseelenpolitik wie bei den Dames- Gesezen, Politik mit doppeltem Boden, Mampe halb und halb. Das geradezu harlekinadenhafte Durcheinander, das bei dem Zusammenbruch der Rechtsfoalition herrschte, wird auch durch eine andere Tatsache illustriert: Kaum hatte Herr Schiele im Kabinett für die Paraphierung gestimmt, da erschien bei ihm schon ein eilender Bote der Parteileitung mit dem Befehl, es dürfe nicht paraphiert werden! Aber da war es schon zu spät. Hatte man den Boten am Ende absichtlich zu spät geschickt? In später Abendstunde verbreitet Wolffs Bureau folgendes mangelhafte Dementi: Zu der Mitteilung des Berliner Tageblattes vom 2. November 1925 über Einzelheiten aus einer Sigung des Reichstabinetts er. fahren wir, daß die Aeußerungen des Reichsministers des Innern nach Zusammenhang und Inhalt unrichtig wiedergegeben sind. Selbstverständlich muß es abgelehnt werden, nähere mit teilungen über Sizungen des Reichskabinetts zu machen. Stresemann gegen die Deutschnationalen. Königsberg, 2. November.( II.) Bei dem Festbankett an läßlich des fünfzigjährigen Jubiläums der Königsberger Allgemeinen Seitung" hielt Reichsaußenminister Dr. Stresemann eine Rede, bei der er furz auf die politische Lage zu sprechen tam. Er betonte dabei, daß die Regierung von feiner Partei verlangt hätte, ihr Botum abzugeben, ehe die Rüdwirtung der Berhandlungen von Locarno fich übersehen ließe. Locarno wäre der Anfang einer Entwidfung, die Deutschland wieder als gleichberechtig. ten Faktor in die Welt einführe. Diese ganze Entwicklung werde gestört, wenn die Außenpolitit von innerpolitischen Gesichtspuntten beeinflußt, gerade von denjenigen Krei fen verkannt werde, die sich auf eine Führerpersönlichkeit wie Bismard berufen, aber die Stellungnahme ihrer Führer von Mehrheitsbefchlüffen abhängig machten. Frankreichs syrische Sorgen. Damaskus abgeschnitten- Dupont übernimmt Oberbefeh! Paris, 2. November.( Eigener Drahtbericht.) Die Lage in Syrien ist nach wie vor im höchsten Grad undurchsichtig. Wenn auch die amtlichen Stellen den Darstellungen aus englischer Quelle weiterhin Dementis entgegensetzen, so scheint man doch in Paris der weiteren Entwidlung der Dinge mit wachsender Besorgnis entgegenzusehen. Selbst in den Meldungen der französischen Nachrichtenagen turen wird nunmehr zugegeben, daß in Damastus und vor allem in der Umgebung der Stadt die Ruhe und Sicherheit noch nicht wieber hergestellt werden konnte. So befinden sich die großen Straßen von Damastus nach Beirut und nach Homs noch immer in der Hand der Aufständischen. Auch der Bahnverfehr fonnte noch nicht wieder aufgenommen werden, wodurch die Lebensmittelversorgung der Stadt sehr schwierig geworden zu sein scheint. Ein Teil der in das Innere entsandten französischen Truppen mußte zum Schuße der Stadt zurüdberufen werden. Obwohl find, scheinen die französischen Truppen noch keineswegs auszu in letzter Zeit beträchtliche Verstärkungen nach Syrien abgegangen reichen, um der Lage gewachsen zu sein. General Sarrail, der sich am 8. November nach Frankreich einschiffen wird, hat bereits am Sonntag den Oberbefehl und die Leitung des französischen Völkerbundsmandats dem zu seinem vorläufigen Nachfolger bestimmten General Dupont übergeben. Eine Milderung der Besetzung. Aufhebung der Rayonsbeschränkungen. Als erste Milderung des Befagungsregimes wird, wie der Reichsdienst der deutschen Breffe meldet, eine Ordonnanz der Rheinlandtommiffion erwartet, die Rayonbeschränkungen aufhebt. Im Dezember 1921 war eine Ordonnanz ergangen, der zufolge die ehemaligen, gefchleiften oder noch zu schleifenden Feftungen weiter auf gewisse Grunddienstbarkeiten" Anspruch Dies wurde für den Brückenkopf Kehl fofort, für andere Anlagen hätten, die auf Grundstücken im Rayon dieser Festungen lafteten. furz darauf durch die Bejazzungsbehörde in Anspruch genommen. Die daraus folgenden Lasten und Beschränkungen bedeuteten für eine Reihe rheinischer Stadtgemeinden sehr unangenehme hinder wiffe ihrer tommunalen Politit Rückwirkungen deutschnationaler Regierungskunft. ( Von unserem Pariser Korrespondenten.) Paris, 1. November. Eine unglückselige Berfettung der innerpolitischen Umstände hat es gewollt, daß die Ergebnisse der Konferenz von Locarno, deren Verhandlungen in Frankreich leidenschaftliches Interesse wachgerufen hatten, durch die Vorgänge auf dem finanziellen und ministeriellen Gebiet in den Hintergrund gedrängt wurden. Das Ende der Konferenz fiel zusammen mit dem Abschluß des Konresses von Rizza, auf dem die Mehrheit der Radikalen Partei gegen die von Caillaug vorgeschlagene Taftif Stellung genommen hatte, die unvermeidlich zur Sprengung des Linkskartells führen mußte. Von jenem Augenblid an wußte man, daß das Kabinett Painlevé- Caillaug zum Rücktritt verurteilt war. Das Interesse der gesamten öffentlichen Meinung richtete sich infolgedessen zunächst fast ausschließlich auf die Entwicklung der inner politischen Krise. Es wäre aber ein großer Irrtum, anzunehmen, daß man fich deshalb in den maßgebenden politischen Kreisen weniger mit den in Locarno erzielten Ergebnissen und vor allem mit dem Echo, das sie in Deutschland gefunden haben, beschäftigte. In Wirklichkeit hat man hier nicht nur auf den Redaktionen, fondern auch in den Bureaus der Regierung und den Arbeitsräumen des Präsidenten der Republik die Vorgänge in Deutschland außerordentlich außerordentlich aufmerksam perfolgt, und es wäre faisch, zu verbergen, daß der heftige Widerstand, den die Vereinbarungen von Locarno bei den Deutschnationalen gefunden haben, auch in den zur Verständigung bereiten Kreisen einen viel schlechteren Eindruc hervorgerufen haben, als es in der vor allem mit innenpolitischen Dingen beschäftigten Presse im allgemeinen zum Ausdruck fam. Kein Wunder, wenn die rechtsstehenden Ele= mente, die dem Abbau der Poincaréschen Ruhrpolitik mit Trauer zusahen, sich jetzt über den Widerstand der Deutschnationalen gegen den Bertrag von Locarno tief befrie Digt zeigen! Jedenfalls ist ein eisiger Reif auf die Bertrauensmelle gefallen, die nach Locarno über ganz Frankreich hinwegging. Die geradezu stürmische Begeisterung für die deutsch- franzö fische Verständigung und Annäherung, die in den Kundgebungen zum Ausdrud fam, mit denen Briand bei seiner Ankunft in Paris begrüßt wurde, hat einen für die Zukunft nicht ungefährlichen Dämpfer erfahren, und man darf heute ohne Uebertreibung sagen, daß die Verantwortung, welche die Deutschnationalen auf sich geladen haben, viel schwerer wiegt, als es im ersten Augenblic scheinen konnte. Zwar Bon deutscher offizieller Seite hatte man seit Monaten nicht aufgehört, den Alliierten und vor allem Frankreich gegenüber zu betonen, daß für die öffentliche Meinung der westeuropäischen Staaten, die den Kriegsschauplatz bildeten, und in erster Linie für die öffentliche Meinung in Frankreich Die Bereitwilligkeit der Deutsch nationalen Partei, einem Sicherheitspakt ihre Zustimmung zu geben, von großer Bedeutung sei. In feinem Augenblid ist im Laufe der letzten Wochen die französische Regierung etwa auf die Gefahr aufmerksam gemacht worden, daß die deutschnationale Frattion im entscheidenden Augenblid versagen würde. wurde von deutscher Seite immer darauf hingewiesen, daß es wohl eine Gruppe unverföhnlicher Elemente gäbe, aber bie Gefahr eines völligen Bersagens hat weder der Reichstanzler, noch der Außenminister gegenüber den alliierten Staatsmännern auch nur in einem Augenblid als wahrscheinlich hingestellt. Die Wirkung der Berliner Ereignisse ist infolgedessen in Paris um so stärter. Diejenigen, die mit Briands Bertrauenspolitik nicht einverstanden waren, fich aber angefichts der Stimmung in Frankreich starte Reserve auferlegen mußten, Stellen jeht mit Bergnügen feft, daß die Haltung blenbet, im Begrifff war, sich von Deutschland hereinlegen zu der Deutsch nationalen ein wahres Glück bedeute, da Briand, von seinen pazifistischen Theorien verlaffen". Auf der Linken weist man derartige demagogische Interpretationen selbstverständlich entschieden zurück. Aber es fann kein Zweifel darüber herrschen, daß auch auf der Linken Die laute Freude über den Ausgang von Locarno infolge der Ereignisse in Berlin durch eine gewiffe Resignation ersetzt I worden ist. Uebrigens ist es ein öffentliches Geheimnis, daß der Präfident der Republik, der Briand nach seiner Nüdkehr zu seiner Bolitik beglückwünschte, gewisse Befürchtungen, die durch die Haltung der Deutschnationalen in ihm hervorgerufen worden find, in den Gesprächen, die er anläßlich der Minifterkrise mit den Politikern führen mußte, unverblümt zum Ausdruc brachte. Inzwischen hat Herr Stresemann versucht, durch Er flärungen der deutschen Botschafter in England, Brüssel und Paris beruhigend zu wirken. Aber man fragt sich auch hier, teine flaren politischen Berhältnisse geschaffen mit welchem Recht er das tun fonnte, solange in Deutschland sind und man im Ausland nicht weiß, mit welcher Regierung für die nächsten Monate in Deutschland zu rechnen iſt. Je schneller hierüber die erforderliche Klarheit geschaffen wird, T um so besser ist es für Deutschland, vor allem aber für das Rheinland. Darüber sollte man sich jedenfalls im flaren sein: Je schneller die Rüdwirkungen der deutschnationalen Regierungskunst auf das Ausland durch die Schaffung flarer Berhältnisse behoben sind, desto günstiger wird es um die Rüdwirkungen von Locarno ftehen. Nachschrift der Redaktion: Die ruhig objet tiven Darlegungen unseres Pariser Korrespondenten bilden die beste Erläuterung zu den Pariser und Londoner Meldun gen, die jetzt von der deutschen Rechtspresse veröffentlicht werden. Der Lokal- Anzeiger" zum Beispiel teilt seinen Lefern die angebliche englische und französische Auffassung unter der dicken Schlagzeile mit: Ohne die Deutschnatio= nalen geht es nicht." Für diese Auffassung tann er fich freilich nur auf das nationalistische Echo de Baris" berufen, in dem ausgeführt wird, der Bertrag von Locarno habe für Frankreich nur dann Wert, wenn er von den Deutsch nationalen, den wahren Gegnern Frankreichs unterzeichnet werde. Diese Aeußerung beweist nichts anderes, als daß die französischen Nationalisten gern die Gelegenheit wahrnehmen, das ganze Berständigungswerk gemeinsam mit ihren deutschen Gesinnungsgenossen zu bekämpfen und womöglich zu vernichten. Der Lotal- Anzeiger" weiß außerdem mitzuteilen, daß der Reichspräsident v. Hindenburg in englischen Blättern wegen seiner Haltung in der Pattfrage fehr gelobt werde. Ein Glück, daß das diesmal Herrn v. Hindenburg passiert ist und nicht dem Vorwärts". Sonst hätten wir gewiß im ., Lokal- Anzeiger" gelesen, es sei wieder einmal der Beweis dafür geliefert, daß der Vorwärts" nur die Geschäfte des Auslands beforge! " Achtung, Manöver! Sinowjew und der Frontkämpferbund. Merkwürdige Fortlaffungen. In der„ Roten Fahne" vom 30. Oftober wurde wieder einmal eine Rede Sino wjems wiedergegeben, die in der Plenarsizung des ruffifchen Zentralfomitees über die Lage in der Kommunistischen Partei Deutschlands gehalten war. Diese Rede ist höchst interessant, da fie die Stellung der Moskauer Leitung zu der Krise in der KPD. wiedergibt. Wir nehmen an, daß fie auch bei den Berhandlungen auf der fommunistischen Parteifonferenz in Berlin eine Rolle ge spielt hat. Deshalb ist nur bedauerlich, daß die Rede in der Roten Fahne" ungenau und unvollständig wiedergegeben worden ist. Es dürfte die Teilnehmer der Konferenz, wie auch zahlreiche kommunistische Arbeiter interessieren, daß in dem Paffus der Stnewjem- Rede über die Verhandlungen mit den Bertretern des deutschen Zentralfomitees in Moskau der Sag fortgeblieben ist, daß man bei diesen Verhandlungen in Moskau über die Zu sammensetzung des neuen 3entralfomitees Ber einbarungen getroffen hat. Weshalb die„ Rote Fahne die Tatsache dieser Bereinbarungen unterschlagen hat, ist un erfindlich. Oder sollte es ihr doch unbequem erscheinen, wenn die fommunistischen Arbeiter erfahren, daß die Zusammensetzung des Borstandes der Kommunistischen Partei Deutschlands in Mostau beschlossen wird? Nicht minder merkwürdig erscheint es, daß aus der Rede Si nowjews der Baffus über den Roten Fronttämpferbund start gekürzt ist. In dem Wortlaut der Rede, der in der Bramda" Dom 25. Oftober veröffentlicht ist, heißt es darüber wie folgt: 19 „ Die Roten Fronffämpfer sind, nebenbei bemerkt, gut organifiert. Das ist die keimzelle der Roten Garde. Wie es früher im Jahre 1923 Rote Hundertfchaften gab, fo gibt es jetzt dort einen Roten Frontfämpferbund, der legal egiffiert. Nach diesem Splitter der deutschen Wirklichkeit kann man urteilen, daß die Elemente des Bürgerkrieges in Deutschland aud heute nicht völlig verdorrt find." Severing über die Polizeiorganisation. Ansprache zur Eröffnung der polizeiwissenschaftlichen Woche. Der Sinn der neuen kommunistischen Taktik. Die hier in Fettdruck wiedergegebenen Säge fehlen in dem Die Parteifonferenz der Kommunisten hat die Diskussion Bericht der Roten Fahne". Warum werden diese für tommu in der Kommunistischen Partei abgeschlossen. Die kommunistische Leser doch höchst bemerkenswerten Säße den Lesern vornistische Parteizentrale wird von den Führern der Ultralinken enthalten? Etwa, weil die Erinnerung an die Elemente des Bürger, gereinigt und mit Kommunisten befeht, die der Erefutive in friegs nicht in die neue Linie" paßt, die Opportunismus vorRußland ergeben sind. Die politischen Richtlinien, täuschen foll? die die Konferenz aufgestellt hat, entsprechen den Forderungen, die in dem bekannten Briefe der Erefutive an die deutsche Kommunistische Partei aufgestellt worden sind. Es handelt fich darum, daß unter russischem Einfluß die deutsche Kommunistische Partei größere tattische Gefchidlichteit in der Entwicklung einer Demagogie aufzeigen soll, die auf das Einfangen sozialdemokratischer Ar beiter berechnet ist. Die Entlarpungsstrategie" foll etwas verhüllter als in ihren Glanzzeiten, dafür aber um fo intensiver betrieben werden. Wenn jedoch die Kommunisten daran denken, daß diese dummschlaue Entlaroungs ftrategie Erfolg haben fönnte, so graut ihnen selber davor. Der Bertreter der Erefutive auf der kommunistischen Parteifonferenz führte aus: " # Die rechte Gefahr tönnte uns mit einer neuen scharfen rechten Krise nur unter einer Bedingung bedrohen, nämlich wenn wir durch Intelligente Taffit im Kampfe um die Massen einhundert bis zwelhunderttausend fozialdemokratische Arbeiter geminnen werden. Diese neuen Schichten fönnten, wenn fie in die Partei eindringen, den Brandlerismus unzweifelhaft start galvanifieren. Dann hätten wir uns in unserer Gesamtheit wieder gegen diese neue rechte Gefahr zu wenden." Das heißt also: Wenn sozialdemokratische Arbeiter der fommunistischen Demagogie erliegen und zur Kommunistischen Partei stoßen sollten, so werben die Kommunisten auf Anmeifung von Mostou ihnen beizubringen suchen, daß fommunifische Bersprechungen in der Entlarvungsstrategie nicht rnst zu nehmen sind und daß fie lediglich wie Heloten jedim int von Mostau gegenwärtig stehen müßten. Mit dieser unaufrichtigen auf offenen Betrug gegründeten Politik werden die Kommunisten ebensowenig Erfolg haben wie mit den Manövern, die sie bisher angestellt haben. Medizin und Notgemeinschaft. Bon Dr. med. Norbert Marg. Zu der vom 25. bis 31. Oftober in Essen stattgehabten Versamm lung der Notgemeinschaft der deutschen Bissenschaft ist aus der Feder des Reichstagsabg. Dr. Georg Schreiber ( Münster) eine Broschüre erschienen, die sich mit der Förderung der deutschen Medizin durch die Notgemeinschaft befaßt. Die Notgemein jaaft ist ein wissenschaftlicher Selbstverwaltungsförper, der auf dem Gedanken der Genossenschaft bafiert. Sie umfaßt heute die gesamten Gedanken der Genossenschaft basiert. Sie umfaßt heute die gesamten deutschen Akademien der Wissenschaften, Universitäten, technischen Hochschulen, die Kaiser- Wilhelm- Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften, den Berband technisch wissenschaftlicher Bereine und die Gesellschaft deutscher Naturforscher und Aerzte. Sie sollte ver. fuchen, den durch die Nachkriegszeit und die Inflation in Gelbbedrängnis gekommenen wissenschaftlichen Instituten eine Unterstüßung init Geld und Materialien zu gewähren. Weiter ist es ihre Aufgabe, die vom kaiserlichen Deutschland versäumte friedliche Durchdringung der Welt mit den Ergebnissen deutschen Forscherfleißes nachzuholen; also einen Versuch zu wagen, den Frankreich schon vor dem Kriege mit feinen sogenannten Missions scientifiques, d. h. freie Lieferung aller Literatur einzelner Spezialgebiete, mit großem Geschic ver felgte. Während der Inflationszeit war für den deutschen Mediziner besonders die Unterhaltung der Versuchstiere sehr foftipielig, toftete doch ein Hund im Monat so viel, wie das Gehalt eines wissenschaft lichen ffiftenten ausmachte. Ferner war durch die rapide Geldentmertung die Ergänzung und Wiederanschaffung des Instrumentariums vollkommen ausgeschloffen. Nach Schilderung dieser Schwierigkeiten wendet sich Dr. Schreiber den einzelnen medizinischen Sonderfächern zu. Hier müssen mir bemängeln, daß für die einzelnen Gebiete für die soziale Hygiene verschwindend wenig geschehen ist. Bei den Volksfeuchen werden nur rein bakteriologische Unterfucjungen unterstüßt, also Forschungen, die in erster Linie nur einem fleinen Kreis von Erfranften zugute fommen fönnen, während gerade die vom sozialhygienischen Standpunkt wichtigsten Bezie hungen zwischen Krankheit und sozialer Lage, also die Boraus fegungen für die piel wichtigere vorbeugende Fürsorge, nicht in den Bereich der Untersuchungen gezogen werden. Wenn wir vom sozialistischen Standpunkt die Leistungen der Notgemeinschaft hinsichtlich ihrer Förderung der Medizin betrachten, so müssen wir mancherlei bemängeln. Dankbarkeit ist eine schöne Tugend, daß aber gerade die Großindustriellen Karl Duisberg, Starl Friedrich v. Siemens, Florian Klöckner, diese Nußnießer der Boltsausbeutung durch die Inflation, wegen des entgegengebrachten Inter effes die gespendeten Summen werden schamhaft verschwiegen als Wohltäter der Wissenschaft gepriesen werden, ist reichlich de placiert. Gerade durch die Intensivierung der Wirtschaft, d. h. burch rüdsichtslosestes Einspannen aller Forschungsergebnisse in den Dienst des Kapitalismus, werden digje proßen Bermögen erworben. Wenn folche Leute Paten der Notgemeinschaft find, so ist zu verstehen, daß die Hauptaufgaben der jozialen Hygiene feine Unterſtügung finden tönnen, bie fich mit der Erforschung der tieferen Beziehungen zwischen In den Räumen der Berliner Universität wurde Montagmorgen die 2. Preußische polizeimissenschaftliche Woche er öffnet. Es zeugt von dem Wissensdrang, der innerhalb der Polizeibeamtenschaft herrscht, daß etwa 600 Teilnehmer aus ganz Preußen erschienen waren. Aus der geschickt zusammengestellten Bortragsfolge, zu der die Akademie namhafte Staatsrechtler gewonnen hat, sind be fonders folgende Themen erwähnenswert: Dr. Abegg, Ministerialdirektor im Preußischen Ministerium des Innern, über" Lehren aus dem Entwicklungsgange Friedrichs des Großen und Napoleons für die heutige Zeit", Dr. Drews, Staatsminister a. D.:„ Das Wesen der Polizei", Dr. Fald, Ministerialdirektor: Disziplinarrecht in Gegenwart und Zukunft", Professor Dr. Lassar:„ Tagesfragen des Polizeirechts" u. a. Die Eröffnungsansprache hielt der Staatsminister a. D. Drews, Präsident der Verwaltungsafademie. Darauf ergriff der Minister des Innern Severing das Wort, und führte aus: Wir leben in einer schweren Reit. Wenn ich dies fage, Jo fürchten Sie nicht, daß ich eine hohe Politif vortrage. Zuversichtlich hoffe ich, daß noch in diesem Jahre die Organisation der Polizei zur Ruhe tommen wird, und daß wir dann verstärtt an der inneren Durchbildung der Polizei arbeiten fönnen. Gelingt es dem Vertrage von Locarno Ruhe in Europa zu schaffen, dann fönnen wir auch in Ruhe unsere Polizei durchbilden. Nun einige Worte zur Organisation der Polizei. Es ist eine betrübliche Tatsache, daß wir unsrer volle Souveränität noch immer nicht zurridgewonnen haben, sondern noch immer bis zu einem gewissen Grade auf die Beschlüsse der Alliierten angewiesen bzw. von diesen Beschlüssen abhängig sind. Dies trifft ganz besonders für die Organisation der Polizei zu. In den nächsten Tagen werden die Berhandlungen mit den Alliierten über die Organisation der Polizei den Lebensbedingungen des Proletariats und feiner Ausbeutung durch den zehnstündigen Arbeitstag, der Unterernährung, der Ueber anstrengung der Jugendlichen und der Frauenarbeit befassen müssen. So wird der Wunsch von Prof. Kräpelin, mit Hilfe der Notgemeinschaft die Frage der verschiedenen Arbeits- und Entlohnungssysteme in ihren Einwirkungen auf den Arbeiter zu erforschen und unter fuchungen über Arbeitspausen anzustellen, bei solchen„ Gönnern" ein frommer Wunsch bleiben. Eine wirkliche Förderung der sozialen Hygiene und diese kommt für uns Sozialisten heute an erster tann nur durch Schaffung von Lehrstühlen an Universitäten Stelle- tann nur durch Schaffung von Lehrstühlen an Univerſitäten geschehen. Wie es damit bestellt ist, beweist die Tatsache, daß es in ganze Lehr- und Forschungsbetrieb von dem Professor allein zu ganz Deutschland nur ein Ordinariat in Berlin gibt und daß der erledigen iſt. Wenn jetzt indessen die Professoren verfuchen, Beziehungen zwischen den Arbeitermassen und der Medizin zu knüpfen, fo werden ihre Bersuche fruchtlos bleiben. Denn das Proletariat hat noch nicht vergessen, daß von seiten der deutschen Aerzte, den sogenannten be rufenen Hütern der Boltsgesundheit", mit Ausnahme des Sozial demokratischen Aerztebundes, fein Brotest gegen die lebensver teuernden Schutzölle erfolgt ist. Das Broletariat weiß auch durch feine Bresse, daß nach den Beschlüssen des Leipziger Berbandes der deutschen Aerzte die Aerzteschaft die Abschaffung des§ 218 bekämpft, eines Paragraphen, der jährlich Tausende von Proletarierfrauen als Opfer fordert. Es wäre die Aufgabe der deutschen Professoren, zuerst die Reaktion im eigenen Lager zu befämpfen. Erst dann fann eine Einheit zwischen Proletariat und Wissenschaft zustande tommen. Die Boltsbühne im Radio. Im Berliner Rundfunt fprach Sonntag abend Genosse Dr. S. Nest riepfe über„ Die Ideeber modernen Boltsbühne. In seiner Darstellung der Ent wicklung des Theaters vom Kult des Altertums zum Schaugeschäft der Gegenwart, vom Zuschauervolk der alten Zeit zum Amüsier publifum des heute ließ er die wirtschaftlichen Gründe dieser Ent sidlung nicht unerörtert. Er verlangte, daß zwischen dem Theater und den Zuschauern ein engeres Berhältnis hergestellt merde, das uns der alten Bedeutung des Theaters für den Boltsgeist wieder näherbringt, auf daß es Künder eines neuen Ethos werde. Diese neue Stellung dem Theater im öffentlichen Leben zu erringen, ist das Ziel der Voltsbühnenbewegung; sie erstrebt das Kulturtheater vom Fundament, d. h. vom Bublifum aus. Nestriepte forderte denn die uns Berliner Bollsbühnenmitgliedern längst vertraute Werbe- und Organisationsarbeit der Volksbühnen, die jetzt in so viclen deutschen Stadten als Besucherorganisationen am Werte sind, auch ohne schon eigene Häuser zu befizen. Er umriß die gegenseitige Einwirkung von Theaterleitung und Bublifum aufeinander in der Bollsbühne und schilderte die rasche Entwicklung der deutschen Bolts bühnenbewegung zur tulturellen Großmacht, die Bolksbildung und Theaterkultur bereits start gefördert hat. Restriepte unterließ nicht, den Unterschied darzulegen zwischen dem„ chriftlich- deutschen" Bühnenvollsband und dem Berband der freien Boltsbühnen, beijen Waimadht, der Berliner Boltsbühne, E. V., der Schluß des gerade durch ruhige Sachlichkeit propagandistisch wirkungsvollen Vortrages gewidmet war. r. bn. 3um Abschluß gelangen. Ein wichtiger Buntt bei diesent Berhandlungen ist die eftfehung der Kopfzahl Ein ge ringer Abbau, besonders bei der Schußpolizei, wird sich taum umgehen lassen. Dies ist aber fein Grund zu Befürchtungen für den einzelnen Beamten, denn es ist darunter fein Abbau des einzelnen Beamten zu verstehen, sondern man wird die Kopfzahl derart verringern, daß man freiwerdende Fehlstellen streichen wird. Wenn mir aber einen Abbau vornehmen, dann kann man uns wohl aufgeben, die jetzige Kopfzahl der Polizei auf eine bestimmte Zahl zu verringern, nicht aber fann man uns verweigern, bie Qualität unserer Polizei zu verbessern. Hier müssen wir aufbauen, müssen durch Qualität die Quantität ersehen. Hier müssen auch Sie eingreifen und helfen, die Polizei immer mehr durchzubilden, ausgehend von dem Grundfag, daß die Gewalt der Bernunft und die Menschlichkeit der Schußwaffe und dem Gummifnüppel voranzustellen ist." Wer führt irre? Der Putschift setzt sich aufs hohe Roß. In seiner Landtagsrede vom 14. Oftober hatte Genoffe Gerering auf die Butschpläne der sog. Bateríändischen Verbände Hamburgs im Frühjahr 1923 hingewiesen und von den Dokumenten gesprochen, aus denen die Bürgerkriegsabsichten dieser Gesellschaft flar hervorgingen. Dazu erläßt mun ein Generalmajor a. D. Hellfrig, ein Führer der Hamburger Baterländischen", eine bochnäßige Erflärung, in der er sich darauf beruft, daß die damals verhafteten Persönlichkeiten nach richterlicher Bernehmung frei. gelassen wurden und daß der Oberreichsanwalt später des Verfahren wegen Geheimbündelei einstellte. Daher jeten die Angaben Severings cine 3rreführung der öffentlichen Meinung". Wir sind dem„ Lotal- Anzeiger" dafür dankbar, daß er uns durch die Beröffentlichung dieser Erklärung Gelegenheit gibt, auf jene Dinge zurü zufommen, die leider viel zu schnell in Bergessenheit gereten find. Die Dokumente, auf die Genoffe Severing anspielte und deren Cristenz Herr Hellfriz dreift leugnet, sind seinerzeit zum erstenmal gelegentlich des Prozesses des Generals von Watter gegen ben Borwärts" im Juli 1923 vor Gericht verlesen worden. In einem Brief eines Obersten Freiherrn von Stoltenberg an den General von Watter, dessen Echtheit nicht bestritten wurde, fendern defen. Empfang Batter bestätigen mußte, heißt es: Alle Verbände( Ehrhard, Baltifum, Stahl. helm, Oberland) in unserer Provinz haben sich General Sellfrig unbedingt zur Verfügung gestellt. Das gleiche hat auch der Niederdeutsche Heimatbund am 6. April getan. Die Schlußfizung, bei welcher General Hellfrig zugegen war, am 6. April 1923 ergab dann in Gegenwart von zwei Offizieren als Vertretern der Reichswehr die unbedingte Unterstellung des Niederdeuschen Heimatbundes unter General Sellfrig, den alleinigen Beauftragten der Reichswehr, für Zwede militärischer Verwendung in Fällen innerer und außenpolitischer Cage. Die Finanzierung des Niederdeutschen Heimatbundes geschieht weiter nach Anweisung des Provinzialleiters. Die einzige Sorge, tah die Reichswehr bei einem lediglich inneren Konflikt na ch lints rutschen tönnte, besteht für mich nicht, da in diesem ganz unmahrscheinlichen Fall General Hellfrig wie alle Baterländischen Verbände nicht nur mitmachen würden, fondern, wenn erfolgreich, gegen die Reichswehr mit der Waffe vorgehen würden. Mit treudeutschem Gruße Oberst Freiherr von Stolkenberg. Diefer alieinige Beauftragte der( schwarzen) Reichswehr in Hamburg und Umgebung war also nach den Befundungen feiner engsten Mitarbeiter entschlossen, nicht nur gegen die Arbeiterschaft mit der Waffe vorzugehen, sondern sogar gegen die Reichs. why, falls diefe in einem von den VVB. hervorgerufenen Bürger erfaffung gestanden hätte. Und diefer felbe Halfilz, der segar frieg nach Irts rutschen" follte.- lies. treu zur republikanischen rit dem reibrecherischen Gedanken spielte, die ich marze Reichswehr mit der Waffe gegen die iegale Reichs. to ehr marschieren zu lassen, wie man das wenige Monate später in Küstrin erlebt hat, der wagt es heute, fich aufs hehe Roß zu sehen und den preußischen Minister des Innern der Jurefuhrung zu be. zichtigen! Wenn sich Herr Hellfrih unter folchen Umständen auf den Ober. reidheanwalt beruft, der trotz alledem das Berfahren einstellte, so ist das für ihn keine Entlastung. Es ist höchstens eine Belastung für den Oberreichsanwalt! Aschenbrödel." 3m Thalia Theater ist die Weihnachts fomödie eingezogen. Aschenbrödel", das unglückliche Kind in Sad und Afche, mit den fleinen Füßen, auf die nur die fleinften Pantoffelchen passen, linsenlesend, erbfenzählend. Es spaziert piel Herzzerbrechen über die Bühne, viel fanftes Stöhnen macht sich aus gepreßtem Herzen Luft. Aber dann geht's um so lustiger zu, wenn Tüde und Hinterlift feige vor der Tugend fliehen, die geradenwegs vom Aschenherd kommt. Die böse Stiefmutter und bie schlimmen Töchter entweichen irgendwohin in die bunfle Nacht, und die nun zurückbleiben, die tonnen nach Herzenslust tanzen und luftig sein. Sie haben's verdient, weil es ihnen vorher fa Gut und Böse, auf Beiß und Schwarz gestellt, daß der Charakter lange Zeit schlecht gegangen ist. Die Aufführung ist so ganz auf bes Märchens, wie bei jeder Dramatisierung, arg zu leiden hat. Aber alles ist so prächtig und bunt, sehr viel Musit schmettert hinein, nur ein bißchen zu phantasielos für die Kinder, für die es doch eigentlich gemacht ift. St. er Goldherstellung. Vor einiger Zeit erregten fenfationelle Nach richten über die fünstliche Goldherstellung im Laboratorium Professor Miethes das Intereffe der Deffentlichkeit. Jetzt erzählte Dr. Stammreich, der Affiftent des Gelehrten, in einem Vortrag über den Aufbau der Stoffe", ben er in der Humboldt. Hochschule hielt, einiges über das Wesen dieser Entdeckung. Er fagte, daß man eigentlich erst im Jahre 1913 die Be deutung der Elektrizität für das Wesen des Atoms flor tannt hätte, indem man feststellte, daß das Atom eigentlich gar nichts anderes als eine Form der Elektrizität sei. Prof. Miethe, hätte nun mit seiner Arbeit das Biel verfolgt, Atome AU gerlegen refp. zu zertrümmern, also aus Quedfilberatomen Goldatome zu machen, nachdem mit durch die Entdeckung des Radiums durch Madame Curie bewiesen worden sei, daß die Unverwandelbarteit der Elemente nicht mehr fest stünde. Das Atom sei gewissermaßen teine Einheit, sondern es verfüge über einen Bau. Näheres über den Bau des Atomternes und über die mit ihm zusammenhängenden energetischen Borgänge wüßten wir freilich nicht und wenn das Rabium zerfiele, so wäre das eigentlich gegen jebe Theorie. Auch der sogenannte Rutherfordsche Atomzerfall hätte nicht viel Aufklärung geboten. Als es tatsächlich gelungen war, aus Qued fiber Gold zu machen, da hätten über den Vorgang im einzelnen auch nur Ber mutungen angestellt werden können. Man wüßte heute noch nicht einmal genau, wieviel Strom nötig fei, um aus einer be. stimmten Menge Quecksilber eine bestimmte Menge Goldes zu ge winnen, aber weil man nicht glaubt, daß fich andere Atomverbin dungen chemisch einfacher nachweisen laffen können, würde vorläufig weiter experimentiert werden. ergo. Erffe Tanzmatinee der Boltsbühne. In der erften diesjährigen Tanz matinee der Boltsbühne, die am Sonntag, ben 15. November, mittage 12 Uhr, im beater am Bülowplat stattfindet, wird die Tanzgruppe rumby unter Mitwirkung der Tanzgruppe alucca. Kompofitionen von Berthe Trumph, Bret Balucca, Rud. b. 2aban, Mary Bigman und Bere Storonell sur Aufführung bringen. Starten für Boltsbühnenmitglieder zum Preije von 1 Mart in den bekannten Berlaufstellen erhältlich. Staatsoper. Generalmusikdiretor Rleiber wird auch die 3igeuner baron" Borstellung am Sonnabend, dem 7., im Opernhause dirigieren Thüringer Justiz. Der Befehl zum Juftizmord. Der Thüringer Oberstaatsanwalt Dr. Fie ders bestätigt in einer Erflärung, daß er von vornherein den Genossen Loeb für unschuldig gehalten habe. Er fügt hinzu, daß er aus innerdienstlichen Gründen nicht in der Lage gewesen sei, den Staatsanwalt seiner Ueberzeugung entSprechende Anweisungen zu geben. Diese innerdienstlichen Gründe", über die er sich nicht äußert, bestehen darin, daß der Generalstaatsanwalt im Auf trage der Regierung ein Plaidoyer auf schuldig" und den ungeheuerlichen Strafantrag auf ein Jahr sechs Monate Buchthaus verlangte. Es ist so, wie unser Jena- Weimarer Barteiblatt entrüstet schrieb: bie Thüringer Regierung befiehlt den Justizmord. Der Thüringer Landtag wird über diese unglaublichen Borgänge vollste Aufklärung schaffen müssen. Wer ist der Schuldige? sich dem Trunt. In der vergangenen Woche blieb er einige Tage[ meg. Als die Direttoren mun seinen Schreibtisch öffneten, fanden sie die von ihm zurückgehaltenen, von den Buchhaltern bereits gezeichneten Briefe und famen so hinter die Magenschaften und Beruntreuungen. Am Sonnabend sollte Linom erscheinen, unt fich zu erfiären, wie er den Saben deden wolle. Er hatte auch sein Eigentum sowie Außenstände an Darlehen zur Verfügung gestellt. Alles das reichte aber nicht aus, die Beruntreuungen auszugleichen. As Linow nicht erschien, fuhr man nach seiner Wohnung, traf ihn dort an und ließ ihn festnehmen. Er gab alles zu und wurde ihn dort an und ließ ihn festnehmen. Er gab alles zu und wurde der Berliner Kriminalpollzei vorgeführt. Unzufriedene Deutschnationale. Sie wollen weiter Liebesgaben. Breslau, 2. November.( Eigener Drahtbericht.) Das führende deutschnationale Blatt in Schlesien, die Schlesische 3eitung, gibt ihrer Unzufriedenheit über den Austritt der Deutschnationalen aus der Reichsregierung weiterhin Ausdrud. Bemerkenswert ist, daß durch dieses Organ diejenigen Kreise des landwirtschaftlichen und industriellen Unternehmertums sprechen, die in der jezigen Der Republikanische Richterbund zum Fall Kroner. Konjunktur auf keinen Fall die Förderung ihrer Sonder Bom Borstand des Republikenischen Richterbundes wird uns interessen durch die Deutschnationale Partei in der Regierung geschrieben: vermissen wollen. Bei allen Bedenten gegen den Vertrag von Die Entschließung des Vorstandes des Breußischen Richter. Locarno, so erflärt das Blott, hätte die Deutschnationale Bolts. vereins zum Fall Kroner nötigt zu folgenden Feststellungen: partei ihrem Einspruch nicht die fategorische Form 1. Der Fall Kroner" ist seiner ursprünglichen Natur nach ein zu geben und nicht ihre Bertreter im Reichs. Fall Bemersdorff. Der Landgerichtsdirektor Bewersdorff hat tabinett abzuberufen brauchen. Es wird dann anin dem Magdeburger Rothardt- Prozeß vorgesessen und maßgebend gedeutet, daß Hindenburg, deffen Stellungnahme zu Locarno das an dem Urteil mitgewirkt, in welchem dem Reichspräsidenten Friedrich Blatt nicht zu fennen vorgibt, comohl der Reichspräsident seine Ebert nachgesagt worden ist, er habe juristischen Landesverrat be- Bereitschaft zur Unterschrift wiederholt erklärt hat, doch der In gangen. Dieses tatsächlich und rechtlich unzutreffende Ur- begriff deutscher Art und Würde" fei. Offenbar foll damit gefagt teil hat in der Welt, vor allem bei der übergroßen Mehrzahl aller roerden, daß mit seinem Namen den Anhängern der Rechtsparteien raterländisch und republitanisch empfindenden Deutschen einen auch der Verzicht auf Elsaß- Lothringen und Eupen, die franzöfifchen Sturm der Entrüstung hervorgerufen. Unmittelbar nach der Garantien für die Ostverträge und der Eintritt in den Bölferbund Urteilsverfündung haben das Reichs und das preußische Rabinett schmachaft gemacht werden fönnie. einschließlich des Reichs- und des preußischen Juftigministers dem Reichspräsidenten ihr unerschüttertes Vertrauen ausgesprochen. Reben angesehenen Richtern, Anwälten und Rechtslehrern hat auch der damalige Landgerichtsdirektor Kroner Worte herber Kritik gefunden, aus denen die ehrliche Empörung eines in seinen vaterländisch- republikanischen Gefühlen aufs tiefste verlegten Mannes und Richters spricht. Der Paft mit dem Cumberländer. Völkische Korruption. Als fürzlich der Vergleich des Staates Braunschweig mit bem Herzog von Cumberland im Landtag zur Abstimmung stand, enthielt sich der einzige volfische Abgeordnete Riese der Stimme. Er ftimmte entgegen den Weisungen seiner Partei nicht mit ein und ermöglichte so die Annahme des Bergleichs. Die sozialdemokratische Landtagsfraftion mar nun in der Lage, dem pölkischen Abstimmungshelden seinen Batt mit dem ehemaligen Herzog vorzuwerfen. Riese bestritt das zunächst energisch. Jett fonnte ihm aber sein Besuch bei dem ehemaligen Herzog von Braunschweig in Gmunden nachgewiefen werden. Daraufhin wurde Riese aus seiner Partei ausgeschlossen und zur Niederlegung feines Landtagsmandates aufgefordert. Er weigerte sich selbstverständlich, 107 Französisches Parteijubiläum. 20 Jahre feit der Einigung. Paris, 2. November.( Eigener Drahtbericht.) Die Sozialistische Bartei Frankreichs hat am Sonnabend abend gleichzeitig mit dem 20jährigen Tage des Zusammenschlusses der französischen Arbeiter.. partei die großen politischen Erfolge gefeiert, die ihr die beiden fepten Jahre gebracht haben. Die Zahl der eingefchriebenen Parteiunter 50 000 zurückgegangen war, hat bereits wieder 100 000 übermitglieder, die infolge der kommunistischen Bühlereien 1921 auf schritten. Die Bartei ist im Parlament durch 110 Abgeordnete und Senatoren vertreten, seit den letzten Kommunalwahlen stehen in nicht weniger als 600 Gemeinden fozialistische Bürgermeister an der Spige und nicht weniger als 10 000 Parteigenossen zurzeit in den Gemeindeparlamenten. Dem Bankett, das diesen glänzenden Aufstieg der französischen Partei zu feiern berufen war, gab die Anwesenheit zahlreicher Ver. treter der ausländischen Bruderparteien, sowie ber Delegier. ten des am Sonntag zusammengetretenen Nationalrats und zu der feit zwei Tagen hier beratenden Stonferenz der sozialistischen Ge Sprachen eröffnete Genoffe Brade, der die Glückwünsche des meindeverwaltungen ein besonderes Gepräge. Die Reihe der AnErefutivkomitees der Internationale übermittelte. Weitere Grüße überbrachten Vliegen Holland und de Broudère Belgien. Baul Boncour feierte in zündenden und mit begeistertem Bei fall aufgenommenen Worten den Kampf der internationalen Arbeiterschaft für die Konsolidierung des Bölterbundes und den Bertrag von Locarno. Leon Blum, mit stürmischen Ovatio nen begrüßt, sprach über die innerpolitische Situation. Die Sozialistische Partei, so führte er aus, fei zu einem gewaltigen machtfattor geworden. Sie habe allen Anlaß, das Haupt stolz zu erheben. Sie habe nach rechts und nach links einen schweren Kampf geführt und ihn gewonnen. Reattion und Nationalismus haben die französische Arbeiterpartei als Agenten des Auslandes ver. leumbet, aber unbefümmert um die vergiftende Heße des Bolsche wismus sei die Partei ihren Weg gegangen, der, wie der Erfolg zeige, der richtige gewesen sei. Leon Blum sprach dann eingehend über die Finanzfrage. Er wies darauf hin, daß bisher die Sozialistische Partei allein den Mut gehabt habe, mit einem ton, treten Programm vor die Deffentlichkeit zu treten und hielt gründliche Abrechnung mit der Demagogie, mit der Reaffionäre und Kommunisten vereint gegen dieses Programm und vor allem gegen die Kapitalsabgabe fämpfen. Auch Caillaur betam einige sehr harte Borte zu hören. Als das Ziel der sozialistischen Finanzpolitit begeichnete Leon Blum die Befämpfung der Inflation, bie Stabi lisierung der Währung und die Tilgung der Schuld als Borbedingung für einen Abbau der Teuerung. Der Generalsekretär der Partei, Paul Faure, gab einen Rückblick auf die Gefchichte der französischen Arbeiterbewegung mährend der legten 20 Jahre und schloß mit einem hoffnungs frohen Ausblick auf ihre Zukunft. 2. Der Breußische Richterverein hat es nicht für nötig gefunden, sich gegen das die preußische Rechtspflege bloßstellende Magdeburger Urteil zu wenden. Dagegen hat er sofort gegen den Kritiker Kroner Stellung genommen, und widerspricht jezt öffentlich dessen Beförderung, mit der Begründung, Kroner habe durch seine Kritik dem Ansehen des Richterstandes einen schweren Schlag versetzt und die Staatsautorität gefährdet. Diese Erklärung bes Breußischen Richtervereins verschweigt, daß ben Kern der Kronerschen Kritik juristisch- fachliche Darlegungen bilden. Wir stellen dieser Erklärung die Worte des Generalstaatsanwalts Lindow gegenüber, die er als Untlagevertreter in der öffentlichen Gerichtsverhandlung gegen Kroner gesprochen hat:„ Ich fann auch gar nicht umhin, zuzugeben, daß die Krint nicht nur scharf, fondern daß fie auch großenteils berechtigt und durchaus beachtens, fapitalisten Braunschweigs, dem ehemaligen Herzog, die Millionen Kommiffionsvorschläge dazu fanden zum größten Teil einstimmige wert ist. Die Erklärung des Preußischen Richtervereins verschweigt ferner, daß die eine wesentliche Stüße ihres Angriffs bildende, auf 3000 M. Geldstrafe lautende Entscheidung des Schöffengerichts urch das Urteil der höheren Instanz aufgehoben borben ist, meil Stroner den Borstzenden des Schöffengerichts mit Recht wegen Befangenheit abgelehnt hatte. 3. Die Beförderung Stroners beruht auf einem Beschlusse des Preußischen Staatsministeriums. Der Staatsfetretär im Preußischen Justizministerium hat in öffentlicher Landtagssigung erklärt, der Kammergerichtspräsident habe vermöge feiner Zuständigkeit die Qualifikation Kroners zum Oberverwaltungsgerichtsrat bejaht. Alle diese verantwortlichen Staats. tellen trifft alfo der von dem Preußischen Richterverein leichtfertig erhobene Vorwurf, daß die Beförderung dem Interesse des Volts. ganzen und bes Staatswohles widerspreche. Der Preußische Richter. verein hat sich nicht gescheut, diese Vorwürfe öffentlich zu er. heben, obgleidh er sich stets als unpolitische Fachvereinigung bezeichnet und die Vorrechte einer solchen in Anspruch genommen hat. 4. Das sich unmittelbar gegen die Staatsautoritat richtende Vorgehen des Vorstandes des Preußischen Richtervereins läßt nur die Erklärung zu, daß es durch parteipolitische Gesichtspunkte bestimmt ist. Kroner als Borsigender des die volle sichtspunkte bestimmt ist. Kroner als Borsitzender des die volle Durchführung der Verfassung erstrebenden Republikanischen Richter bundes und der Bund selbst find den Urhebern der Entschließung ein Stein des Anstoßes. In der sich hier offenbarenden Einseitigkeit der Beurteilung enthüllt sich das Seelenleben eines großen Teiles der preußischen Richter, beffen Auswirkungen leider, längst vor Gründung des Republikanischen Richterbundes, in weitesten Bolts freifen schweres Mißtrauen gegen die Rechtspflege hervorgerufen haben. Der Borstand des Republikanischen Richterbundes weist die Angriffe des Borstandes des Preußischen Richtervereins auf das Schärffte zurüd. Eine ausführlichere Stellungnahme bleibt für das Bundesorgan Die Juftig" vorbehalten. Ein Reiniger". Jahrelange Unterschlagungen. Zu den Beruntreuungen bei der Bezugsvereinigung beutscher Landwirte in der Botsdamer Straße 30 erfahren wir, daß der verhaftete Profurist Walter Linow, ein Mann von 47 Jahren, der aus Oderberg stammt, bet der Firma seit zehn Jahren tätig war. Diese wußte nicht, daß er schwer vor. bestraft ist, und war mit seinen Leistungen durchaus zufrieden. Linow fing als Buchhalter Klein an und arbeitete sich zum Bro. furisten empor. Er befigt in Nowawes im fogenannten Bergstüd, Hubertusbamm 15, ein eigenes Grundstüd, auf dem er auch wohnte. Bie man jest weiß, fpetulierte er bereits in der Inflationszeit mit Papieren. Damit hatte er Glüd. Dagegen schlugen seine Spekulationen in landwirtschaftlichen Produkten, besonders Mais, in die er sich später einließ, vollständig fehl. So geriet er auf die schiefe Ebene. Die erste Unterschlagung von 46 000 Mart beging er, wie jest festgestellt wurde, bereits im Juli vorigen Jahres. Er behielt Rorrespondenzen der Buchhalter, die er gegenzeichnen mußte, zurüd, unterbrach und durchkreuzte auf diese Weise den Verkehr mit den Zweigstellen und Mitgliedern und deďte mit den 46 000 Mart, die er heimlich einnahm, Spekulations. verluste in Holland ab. Diese Berluste hinderten ihn aber nicht, feine Spekulationen fortzusetzen. Er faufte große Mengen Mais, auch in Frankreich, in der Hoffnung, daß er endlich steigen werde. Das geschah aber nicht. So fliegen die Unterschlagungen, die er zur Regulierung feiner Brivatschulden beging, auf 30 000 Mart und 157 600 boll. Gulben, für die er aus den Eingängen feine Deckung mehr beschaffen konnte. In der letzten Zeit, als er feinen Ausweg mehr fah, vernachlässigte er seinen Dienst und ergab 1 bas Mandat niederzulegen. So sind die völkischen Helden! In den Bersammlungen und in ihre Presse wettern sie gegen die Binstnechtschaft" und gegen das Kapital. In der Praxis aber treiben sie einem der größten Neuobjekte bes braunschweigischen Freistaates zu! Genosse Vaul Hirsch bestätigt. Als zweiter Bürgermeister von Dortmund Dortmund, 2. November.( Ciganer Drahtbericht.) Die Beftätigung des ehemaligen preußischen Ministerpräsidenten Baul Hirsch als zweiter Bürgermeister von Dortmund ist munmehr von Der Regierung in Arnsberg in Dortmund eingegangen. Gegen gierungspräsidenten wie dem preußischen Minister des Innern Ein die Wahl war von rechtsstehenden Barteien sowohl bei dem Refpruch erhoben worden. Der Regierungspräsident hat die Ent. fcheidung über den Einspruch und die Bestätigung dem Innenminister überlaffen. Die Einführung des Genossen Hirsch erfolgt in der nächsten Stadtverordnetenversammlung. Deutschland und Italien. Der neue Handelsvertrag. Organisationsfragen in der sozialistischen Partei. Der Nationalrat ist am Sonntag morgen in Paris zu fammengetreten. Auf seiner Tagesordnung stehen lediglich Fragen administrativer und organisatorischer Natur. Es wird aber natürlich auch die politische Situation erörtert werden, aber wahrscheinlich erst am Montag abend, wenn die am Sonnabend vertagte Besprechung der Parteiabordnung mit Painlevé beendet ist. Unter dem Vorsiz des Abg. Hubert Rouger hat ber Nationalrat am Sonn die des Parteistatuts beraten. Die Annahme. Eine längere Debatte enispann sich über die Frage der fünftigen Zusammensetzung des Parteivorstandes, der gegenwärtig 24 Mitglieder zählt. Die Kommission schlägt ihre Ber mehrung auf 33 vor. Ein Antrag Renaudel will die Erhöhung dieser Zahl auf 45, von denen 15 von den numerisch stärksten Ver bänden der Departements belegiert werden sollen. Nach einem bänderungsantrag Brade folien bleje 15 Delegierte der Proving non der Gesamtheit der Verbände, ohne Rücksicht auf ihre Stärte, gemählt werden. Compère- Dorel dagegen mill diesen Vertretern der Provinz nur beratende, aber nicht beschließende Stimme zuerkennen. Paris, 2. November.( Eigener Drahtbericht.) Der Rational. rat der Sozialistischen Partei hat am Montag feine Beratungen über Organisationsfragen fortgefeht. Eine sehr lebhafte Aussprache entstand über einen von den Genossen Blum und Renaudel vorgelegten Antrag, den nationalrat der Partei durch eine ständige ommiffion von 45 Mitgliedern zu eriegen, von denen je ein Drittel von der Barlamentsfraktion, von den Berbänden der Hauptstadt und ihrer Bororte und von den Organisationen der Provinz gewählt werden soll. Dieser Antrag murbe insbesondere von Paul Faure, Compère.Morel und Le bas heftig betämpft mit der Begründung, daß dadurch die Rolle des Parteivorstandes zu der eines Exekutiofomitees herab. auf Montag abend um 9 Uhr anberaumte Nachtfigung verschoben.) gebrückt werbe.( Die Abstimmung über den Antrag wurde auf eine Anerkennung für Polen. Der deutsch- italienische Handelsvertrag, ber am 31. Oftober von ben beiden Delegationen unterzeichnet wurde und noch der Ratifi. fation durch die Barlamente bedarf, bringt endlich einen gewissen Das Rabinett Luther hat, solange es unter dem Einfluß der Deutsch Fortschritt in der Regelung der internationalen Handelsbeziehungen, nationalen stand, so vollkommen in der Gestaltung der Handelsverträge versagt, daß es schwer fein wird, die verpaßten Gelegen heiten miederzufinden. Der deutsch- italienische Wirtschaftsvertrag nun trägt noch alle Kennzeichen einer überhafteten Lösung und ent.| England und Frankreich über die eingestellten Aushält so viel Zugeständnisse auf industriellem und agrarischem Gebiete, daß ein Ansturm der Interessenten gegen das Bertragswert zu er warten ift. Um so mehr wird die Arbeiterschaft darauf bringen müssen, daß diefer seit langem erste Versuch einer zwischenstaatlichen Regelung der Handelsbeziehungen nicht wieder an der Eigenbrödelei fleiner Wirtschaftsgruppen scheitert. weisungen. Der Gesandte in Warschau stattete dem Außenminifter frzyniti einen Besuch ab und erklärte im Namen Herrn Chamberlains, daß der Beschluß der polnischen Regierung über die deutschen Optanten ein lebhaftes do bel der Regierung Großbritanniens gefunden hat. Der Entschluß der polnischen Regierung gereiche zur Ehre und liefere einen unmittelbaren und ficheren Beweis, daß die polnische Regierung die Gedanken des Bertrages von Locarno poll zu verwirklichen gewillt sei und auf ihnen eine allgemeine Bälterverständigung zu begründen beab. fichtige. Die englische Regierung hege feinen Zweifel, daß die Daßnahmen der polnischen Regierung in Deutschland als em gonnenen Politik aufgefaßt merden mürben; die deutsche Regierung wie das deutsche Bolt werden diese Maßnahmen in ihrem wahren Wert zu schäzen wissen und auch ihrerseits die neuen Grundfäße in den internationalen Beziehungen zu verwirklichen sich bemühen. Der Vertrag baut fich auf auf der uneingefränften gegenseitigen Meistbegünstigung; bemnach tommen dem deutschen Erport alle Bergünstigunnen zugute. bie anhere Industriestaaten bei ihrer Barenausfuhr nach Italien genießen. Die Schiffahrt ist den Deutschen fret, auch die steuerliche Ba THAT der Handelsgesellschaften, das Niederlaffungsrecht, die Durchfuhr. fragen haben ihre Regelung im günftigen sinne gefunden In Rollerfies Ergebnis der neuen, in Locarno von beiden Nationen be fragen wurden Erleichterungen von Italien erreicht. Hingegen mußte auch Deutschland Zugeständnisse machen und zwar besonders bei Südfrumten, vbst, Hant, Baumwollmaren, Häuten, Marmor und anderen Waren. Weltgehende Zugeständnisje mußten der Einfuhr italienischer Runstseibe, geringer bei Automobilen gemacht werden. 2fo endlich einmal jo etwas wie ein 3off abbau, den die deutsche Wirtschaft so dringend braucht. Interessant ist, daß nach dem neuen Vertrag die Weinzölle höher sein werden als im spanischen Bertrag. Borläufig aber, nämlich bis zur Ratifitation, bleiben die niedrigen spanischen Beinzölle in Rraft. Ob es notwendig war, den spanischen Bertrag am 15. Oktober zu Fall zu bringen, nachdem die Zugeständnisse der Deutschnationalen an die Spanier doch für längere Zeit hinfällig geworden sind? Ela neuer Wahifieg in der Schweiz. Am Sonntag wurde in Basel bei den Ständeratswahlen der Sozialist ullenschläger mit 9125 Stimmen gewählt. Die beiden bürgerlichen Gegen tandidaten erhielten zufammen nur 8486 Stimmen. Jum Nachfolger Frunjes ist der bisher stellvertretende Kriegs fommissar Unschlicht auseriehen. Seine offizielle Ernennung for nach dem Barteifongreß der Stommunistischen Partei, der Mitte Dezember stattfindet, erfolgen. Rüdiriff des Gouverneurs von Memelland. Der Sewuser Berichterstatter des„ Memeler Dampfbootes" meldet, daß der Gouverneur des Memelgebietes John Budrys gestern der litauischen Regierung sein Rüdtrittsgesuch eingereicht hat. Auch die französische Regierung hat an die polnische Regierung eine Erflärung gerichtet, in der sie ihrer hohen Wert schäzung für den Entschluß der polnischen Regierung Ausdrud ben europäischen Frieden grundlegenden Berträge van Bocarno in gibt, ber ein Beispiel des liberalen Geistes sei, in dem die für ber Braris verwirklicht werden müssen. Wird Persien Republik? Jn Teheran ist eine starke gegen das Herrscherhaus gerichtete Bewegung ausgebrochen. Das Parla ment hatte eine befondere Sigung anberamt, um eine ben natio nalen Wünschen entsprechende Lösung zu finden, vertagte fich jedoch in aller Gile, ale außerhalb des Parlamentsgebäudes einige Siffe fielen. Deutsche Kriegergräber in Frankreich. Auf dem Friedhof in Deutsche Kriegergräver in Frankreich. Bagneur veranstaltete am Montag die Deutsche Kolonie in Paris mit dem Botschafter an der Spize eine Gedächtnisfeier für die in französischer Gefangenschaft verstorbenen deutschen Kriegsteilnehmer. Jn feiner Ansprache teilte der deutsche Botschafter mit, daß vom Reich nunmehr die Mittel fichergestellt feien, um die Grabstätten der auf den Parifer Friedhöfen bestatteten deutschen Strieger würdig auszugeftalten. Die Deutsche Botschaft hat neuerdings wieder sich von der würdigen Unterhaltung der deutschen Kriegergräber auf dem ehemaligen Schlachtfeldern zu überzeugen Gelegenheit gehabt. Die Schuld des Reichsarbeitsministers Zum Arbeitszeitkampf in der Glasindustrie. 1 Die Verschleppungstaktit des Reichsarbeitsministeriums in der achtstündige Arbeitstag der am Glasofen Beschäftigten besteht, geht Frage der Regelung der Arbeitszeit wächst sich immer mehr zu flor hervor, daß es nur Unternehmerwillfür in Brandenburg und einer Schädigung der Volkswirtschaft aus. Große Wirtschaftstämpfe Schlesien ist, die diesen Kampf in der Industrie heraufbeschworen hat. beunruhigen das Leben des deutschen Bolkes, Zehntausende von Der Schußverband operiert auch mit Durchschnittsver Arbeitskräften werden durch Aussperrungen an nüßlicher diensten in der Deffentlichkeit von 48 Mart pro Woche. Er Arbeit gehindert und Millionen von Arbeitsstunden gehen unwider gibt aber nicht an, daß es sich hier nur um einen ganz be. bringlich der deutschen Volkswirtschaft verloren. Ist schon faum zuhränkten Teil der Glasarbeiter handelt, wie dies auch glauben, daß das Reichsarbeitsministerium diesen Dingen anschei- in anderen Berufen zu verzeichnen ist. Er sagt dabei nicht, daß nend teilnahmslos gegenübersteht, so steht man dirett vor einem Glasschleifergehilfen, die eine ordnungsgemäße Lehre Raisel, wenn auch Arbeiterschichten in folche Rämpfe hineingezogen zeit von drei Jahren hinter sich haben, noch mit Stunden föhnen von 43 bis 61 Bf. je nad) Lebensalter abgespeist werden. Er jagt nicht, daß das Heer der ungelernten Arbeiter und Arbeiterinnen noch viel weniger verdienen als die Schleifergehilfen. Der Schugverband sagt auch nicht in seiner Ber öffentlichung, was er sonst immer anerkannt hat, daß die Glasarbeiter ein überaus fleißiges Böllchen sind. Die Deffentlichkeit wird von ihm irregeführt. werden, denen der Schutz des§ 7 der Berordnung über die Arbeitszeit zugesichert bisher jedoch versagt worden ist. So stehen die Glasarbeiter der Beißglashütten in der Niederlausit feit sieben Wochen im Kampf, und seit dem 10. Oftober find auch die gesamten Glashüttenarbeiter der Weißglasindustrie in Schlesien ausgesperrt, so daß etwa 15 000 fleißige Arbeiter feiern müssen, weil das Reichsarbeitsministerium fein Versprechen nicht eingehalten hat. Bereits im Januar 1924 hat der Zentralvorstand der Glasarbeiter einen Antrag an das Reichsarbeitsministerium gestellt, für die am heißen Glasofen beschäftigten Arbeter den acht ftündigen Arbeitstag gefeglich einzuführen. Nichts rit geschehen, und trotzdem der Kampf schon sieben Wochen währt, denkt auch heut noch der Arbeitsminister nicht daran, sem Bersprechen einzulösen. Mittlerweile wird die Deffentlichkeit mit unrichtigen Nachrichten vem Shagverband deutscher Weißglashütten über fchüttet. In Dutzenden von Provinzzeitungen wird die Sache so bargestellt, als wenn„ unerfüllbare" Forderungen der Glasarbeiter die Unternehmer zwängen, den Kampf immer weiter auszudehnen. Schen ist geplant, die Aussperrung auch auf die Glas hütten im Freistaat Sachfen auszudehnen und damit mcitere Tausende von Arbeitern brotlos zu machen. Demgegenüber ist eine Karstellung der Dinge notwendig. Nicht einmal für bie gesamten Glasarbeiter- wie der Schutzverband schreibt ist die achtstündige Arbeitszeit verlangt worden, sondern nur für die am Glasofen Beschäftigten. Daß diese Arbeiter mit acht Stunden genug haben, hat der Leiter bes Schuhnerbandes felbft anerkannt, indem er im Juli dieses Jahres ein Arbeitszeitab? ommen auf 8 Stunden für die Glasarbeiter in Sachsen in freier Verhandlung unter zeichnete. Er tat dies, weil er wußte, daß in ganz Bayern, in Rheinland, zum großen Teil in Thüringen die a chyt stündige Arbeitszeit besteht und die Unternehmer sich gut dabei stehen. Kaum war dieses Arbeitsgeita blommen abgeschlossen morden und ehe es noch in Kraft trat, feßte eine Gegenattion Brandenburger und schlesischer Unternehmer ein, und der Schutzverband fündigte das bis zum 31. Januar 1926 in Sachsen laufende Arbeitszeitablommen sofort nach seinem Abschluß. Aus der Tatsache, daß im übrigen Deutschland weitaus der „ Erweiterung der Lehrzeit. Wie ein Innungsmeister den Achtstundentag ausnutzt. Die Handwerts- Beitung", das Amtsblatt der Berliner Handrvertstammer und des Zentralausschusses der vereinigten Snnungsverbände Deutschlands, veröffentlicht in ihrer Nummer vom 1. Nopember folgende Notiz: Die Glasarbeiter werden trotz der schiefen Darstellung des Unternehmerverbandes die Sympathie der Deffentlichkeit haben. Wer eine Glashütte im Betrieb gesehen hat und die ungeheure Hihe, in der am Glasofen gearbeitet wird, verspürt hat, der weiß, daß diese Arbeiterschaft den achtstündi gen Arbeitstag als höchftarbeitstag gebraucht. Sollte im Reichsarbeitsministerium der Glashüttenbetrieb immer noch unbefannt sein, dann ist es die höchste Zeit, daß man sich um diese Berhältnisse fümmert. In einer Zeit, wo für Deutschland der Export Don Fertigware eine zwingende Notwendigkeit ist, beschwört das Reichsarbeitsministerium durch Nichteinhaltung feiner Bersprechungen monatelange Rämpfe in einer der wichtigsten Erportindustrien herauf. Soll das so weitergehen, sollen ber Boltswirtschaft im Interesse von Unternehmermilltür noch tiefere unden geschlagen werden? Will das Reichsarbeitsministerium nicht endlich den§ 7 der Berordnung über die Arbeitszeit auch für die Schwerarbeiter in der Glasinduftrie gelten laffen? Wir fragen den Herrn eichsarbeitsminister, was er zu tun gedenti? Bielleicht foll der Kampf, der in der Weißglasindustrie tobt, erst noch weitere Bellen schlagen und auch die Berliner Metallindustrie in Mitleidenschaft ziehen. In Weißwasser( 0.- 2.) werden die Glastolben für die Glühlampenindustrie hergestellt. Auch dieser Betrieb in Weißwaffer und gleiche Betriebe in Mustau( 2) sind stillgelegt. Nur in diesen beiden Orten werden die Glasfolben produziert, sonst nirgends in Deutschland. ein längerer Kampf muß mit Raturnotwendigkeit die Berliner Glühlampenindustrie in starte Bedrängnis bringen, und legten Endes werden Zehntausende in der Glühlampenindustrie Bes schäftigte erwerbslos werden. So will es anschermend das Arbeit. gebertum. So will es anscheinend auch der Osramtonzern, der die größte Blasfabrit in Weißwasser befißt und gleichfalls in die Sympathieausfperrung hineingegangen ist. Das Reichsarbeitsministerium hat die Möglichkeit, tiese schweren Erschütterungen des Wirtschaftslebens zu verhindern. s braucht nur fein Versprechen zu erfüllen und dem§ 7 der Ar teitszeitverordnung Geltung zu verschaffen. Wir werden sehen, ob tas gesieht. Der Reichsarbeitsminister hat das Wort. behnt wird, trotzdem durchschnittlich 60 Broz., in den Webereien segar bis zu 80 und 90 Prog. Frauen beschäftigt find. Der Schiedsspruch sieht von der 49. bis 54. Arbeitsstunde einen Zuschlag von 10 Broz. pro Stumbe vor, während sie in sämtlichen anderen Bezirken Süddeutschlands die Ueberstundenzuschläge bis zu 20 Proz. gehen. Trotzdem hat der Arbeitgeberverband für Nordbanern diesen Schiedsspruch abgelehnt und am vergangenen Sonnabend in allen Betrieben eine Bekanntmachung angeschlagen, in der die bisherige Arbeitszeit weiterhin ange. ordnet" wird; wer die Mehrarbeit verweigere, müsse mit frist. Lofer Entlaffung rechnen. In dieser Bekanntmachung wird außerdem der vom Landesschlichter gefällte Schiedsspruch ohne meiteres für unannehmbar erklärt. Damit haben die nordbayerischen Tegtilunternehmer Für Erweiterung der Lehrzeit. Herr Schloffermeister D. 3ander, Vorsitzender des Gesellenprüfungsausschusses, sendet uns ein Schreiben, in dem er die Lehrzeit von 3 oder 4 Jahren als ungenügend bezeichnet. Während sich vor dem Kriege die Arbeitszeit bei möchentlich 54 bis 60 ArbeitsStunden auf 10 800 bis 12 000 Lehrstunden erstrecte, beträgt fie heute nur 8000 Stunden bei 48ftündiger Arbeitszeit in der Woche. Davon gehen 8 Stunden in der Woche für die Pflichtschulzeit ab. Es bleiben also nur 40 Stunden, die Herr Zander als ungenügend ansieht. In anderen Staaten habe man mit den achtstündigen Arbeitstag die fünfjährige Lehrzeit eingeführt. Der theo retische Unterricht jei auf die Abendstunden vererständigung abgelehnt und unmöglich gemacht legt, um die handwerksmäßige Ausbildung des Lehrlings nicht ju stören. Die Lehrzeit umfasse wie früher bei uns 12 000 Lehrftunden. Es liege auf der Hand, daß dabei beffere Ergebnisse erzielt werden fönnten. Die Handwerks 3eitung" enthält sich jeden Kommentars zu diesem Borschlag. Herr Bander vergißt anzugeben, in welchen Landern die Lehrzeit auf fünf Jahre verlängert wurde. Diese Berfängerung genügt ihm aber noch nicht. Die theoretische Ausbildung müsse auf die Abendstunden verlegt werden, wodurch vor allem der Achstundentag nur noch theoretisch bestehen würde. Geblieben wäre die Verlängerung der Lehrzeit. Ueber eine solche geistige Impotenz fann man nur noch Mitleid empfinden. für rund 24 000 Arbeitnehmer die Aussperrung angekündigt und gleichzeitig den Wirtschaftsfrieden gebrochen, nachdem sie von vornherein jebe Berhandlung und jede hatten. Dabei muß berücksichtigt werden, daß im übrigen Süddeutschland durchweg bedeutend höhere Löhne gezahlt werden. Während in Nordbayern 3. B. für einen 25 Jahre alten Tertilarbeiter 47,5 Bf. in der Stunde gewährt werden, werden in Südbayern 53,5, Württem berg 58 und Baden 31 Pf. gezahlt. Das gleiche Verhältnis trifft auf die Frauenlöhne zu. Aus der ,, Abvag". Aus Arbeitertreifen der Aboag" wird uns geschrieben: Arbeitern die von den freien Gewerkschaften abgeschlossenen Tarife Die Unternehmer wachen mit Argusaugen darüber, daß von den restlos erfüllt werden. Wenn aber die Artier die Erfüllung des Tarifvertrages von den Unternehmern verlangen, werden die größten Schwierigkeiten gemacht. von der Direktion, bzw. von dem Arbeitgeberverband auf ihr Schreis ben bis heute noch feine Antwort erhalten. Die Angelegenheit selbst wird noch schöner, wenn man feststellen muß, daß nach dem Lohntarif die Handwerker, die selbständig arbeiten und nach Klasse I entlohnt werden müßten, bei der Einstellung in die Gruppe der Hilfshandwerfer eingereiht werden. Das bedeutet einen Berluft von 15 Pf. pro Stunde. die für diesen Lohn anfangen. Wenn man sich gewisse Arbeiter näher ansieht, braucht man sich über das Verhalten der Aboag nicht weiter zu mundern. Da arbeitet ein gewisser Urban W... 54 Stunden die Woche bei der Aboag, außerdem 42 Stunden als Postaushelfer beim Bostamt 4. Andere Revolutionäre" führen den schärfsten Kampf gegen die Betriebsräte und die freien Gewerkschaften, ohne den Finger für die Verbesserung ihrer Lage trumm zu machen. Leider muß gesagt werden, daß es immer noch Arbeiter gibt, Daß durch solches Berhalten die schwersten Schädigungen für die Belegschaft entstehen, rührt diese revolutionären" Unorganisierten nicht Die Arbeiter haben alle Beranlassung, solchen Leuten das Handmert zu legen, um weiteren Schädigungen vorzubeugen. Es sollte auch dem dummsten Arbeiter endlich einleuchten, daß der Zusammenfchluß der Unternehmer bei Lohnverhandlungen immer mehr zum Ausdrud tommt und es daher notwendig ist, daß die Arbeiter endlich die Reihen schließen. In der jezigen Zeit brauchen die Kollegen mehr denn je die Einigkeit in ihren eigenen Reihen; daher, Kollegen, feht euch jene Leute näher an und lagt euch von eurem Wege und euren Zielen nicht abbringen. Erklärung des Metallarbeiterverbandes. Der Borstand bes Deutschen Metallarbeiterverbandes schreibt uns: " Zunächst aufgegriffen durch die kommunistische Presse wird nachträglich durch den Wirtschaftlichen Tagesbericht von Richard Calmer und damit in verschiedenen Tageszeitungen auf ein Rundschreiben Bezug genommen, das sich mit der gegenwärtigen Birt schaftslage sowie der Aufstellung von Forderungen beschäftigt und nach der Calmerschen Korrespondenz vom Vorstand des Deutschen Metallarbeiterverbandes herausgegeben worden sei. Diese Behaup tung ist falsch. Es handelt sich um ein Zirkular, das von einer unserer Bezirksleitungen an einen engbegrenzten Kreis von Ver. tandsfunktionären verschickt wurde. Die Verschickung erfolgte ohne vorherige Kenntnis des Vorstandes. Er muß deshalb eine Berantwortung dafür ablehnen." " Es handelt sich um das von uns in der Sonnabendabenbausgabe des Borwärts" erwähnte Rundschreiben des Bezirksleiters des Metallarbeiterverbandes für Württemberg, das die„ Rote Fahne" vom gleichen Tage zu einem Ausfall gegen die refor. mistischen Gewertschaftsführer" benutzt hatte. Soweit der von uns erwähnte erste Teil des Rundschreibens in Frage fommt, der die augenblickliche Taftif bei der Aufstellung Don Forderungen betrifft, gilt nach wie vor das, was wir in der Bolemit gegen die Kommunistische Demagogie" geschrieben haben. Auf den zweiten Teil des Rundschreibens, dessen Wortlaut mir bis jetzt nur aus seiner Ausschlachtung durch die KPD.- Presse fennen, find wir nicht eingegangen, da auch uns diese Stelle etwas spanisch vorfam. Achtstundentag in der Solinger Industrie. Solingen, 2. November.( WIB.) Der Reichs- und Staats. fommissar lehnte den Antrag des Arbeitgeberverbandes, das alte Arbeitszeitabkommen für verbindlich zu erkennen, ab, weil er der Meinung war, daß die Einigung zwischen den Barteien ohne staat lichen 3mang möglich fein würde. Damit ist der gefeßliche Achtstundentag in der Solinger Metallindustrie in Kraft getreten. Ablehnung eines abweisenden Schiedsspruches. Effen, 2. November.( Eigener Drahtbericht.) Eine Konferenz der Funktionäre der vertragschließenden Gewerkschaften für die Gas, Wasser und Elektrizitätswerte des Tarifgebietes RheinlandWestfalen bat den Schiedsspruch vom 29. Oftober, der die alten Löhne wieder in Kraft ießte, abgelehnt. Transportarbeiterfunktionäre der BBM3.- Betriebe! Donnerstag, den 5. November, abends 8 Uhr, im Saal 8 des Gewerffdaftshauses, Engeinfer 24/25, Funktionärversammlung. Stellung nahme zum Schiedspruch. Rutritt zur Versammlung haben alle Trans portarbeiterfunktionäre, bie einer dem Metallfartell angefchloffenen Dr ganisation angehören. Mitgliedsausweis und Funktionärtarte blenen als Legitimation nnd find am Saaleingang der Kontrolle vorzuzeigen. Ohne Ausweis tein Einlak. Das Metalltartcll. Berantwortlich für Bolitik: Eruft Reuter: Wirtschaft: Artur Saternus; Gewettichaftsbewegung: Friebe. Eztorn; Feuilleton: R. 5. Döscher; Lotales und Sonstiges: Fris Rarftäbt; Anzeigen: Th. Glode; fämtlich in Berlin. Berlag: Borwärts.Berlag G. m. b. S., Berlin. Drud: Borwärts- Buchdruderet und Berlagsanstalt Baul Ginger u. Co.. Berlin S. 68. Sindenstraße& Sierau 2 Beilagen und ,, Unterhaltung und Biffen". zu Ab 1. Oktober 1925 verkaufen wir Engrospreisen Herren- und Damenstoffe auch an Privatkundschaft Unverschämtheit der Textilbarone in Nordbayern. Für die nordbayerische Textilindustrie wurde am So auch hier bei der Aboag", der Allgemeinen Berliner OmniManteltarif bis zum 1. November 1926 verlängert, zugleich verlangten von ihren Organisationen, daß während der Vertragsaber auch die Arbeitszeit bis zu 54 Stunden ausgebauer die Löhne erhöht werden sollten. Die Organisationen haben 27. Oftober ein Schiebsspruch gefällt, durch den ber bisherige bus- Aktiengesellschaft. Die Arbeiter der technischen Abteilung Tuchhaus Ehrig& Ticcke Akt.- Ges., Leipziger Straße 104, I. Stock( kein Laden) Geschäftszeit 9-7 Uhr. Auf Wunsch Zahlungserleichterung. Einen Augenblick! Winteruisier Herrenulster Winteruister aus marengo Cheviot, Diagonal n. Phantasiestotler sus Flauschstoften in verschiedenen Farben. aus Grätenstoffen mit Abseite, Schwedenform mit Ueberkaro, ie nach Qualität. 75,-, 65, Ersatz tür Maß, aus hervorragenden Velour- und Ratiné stoffer, ie nach Qualität ..110.-, 100,-. 90-. Ulster Wintervaletots mit Sammelkragen, ein- und zweireihige Form ie sach Qualität ,. 100.-, 80.-, 70.- 60.-, marengo- u. schwarz Cheviot auf gut, Satinells, 45.55. 60.80.55. 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Heilage öes Vorwärts vkenstag, Z. November 1925 Zugegeben, daß ein einfaches Fleischgericht, reichlich und gut gekocht» besser und billiger ist als ein dekoratives Gedeck aus mehreren Gängen, wo man die Portionen mit dem Vergrößerungsglas suchen muß. Aber für viele Menschen,(es sind nicht gerade die Schwer- arbeiter) bedeutet Aufmachung alles, sie fragen nicht danach, ob sie satt werden und ob ihnen das Essen schmeckt, sie prüfen kaum die Qualität der Speisen! sie sind vollkommen befriedigt ollein durch die Gewißheit, daß sie nicht in irgendeiner zweifelhasten Pension speisen, sondern in einem Restaurant für«bessere" Menschen. Allerdings reicht das Geld nicht, um eines der teuren Lokale täglich zu besuchen. Deshalb geht man in Restaurants mit bescheideneren Preisen, in Restaurants, die ebenfalls die Tische mit blendend weißen Decken oerzieren, die auch den Eindruck erwecken, als ob hier nur schwer belastete Brieftaschen dinieren. Sie Nestaurants. Sic liegen meist in den Nebenstraßen, still und bescheiden, ohne viel Reklame von sich zu machen, sie wissen, was sie dem aufstreben- den Menschen bedeuten. Manchmal umgibt diese Restaurants ein anspruchsloser Garten. Zwischen eins und drei sind sie übersüllt. Der Kellner windet sich zwischen den Tischen hindurch. Es gibt hier leine Würstchen oder Erbsen mit Speck. Man ißt nur Gedeck, das aus drei Gängen besteht und etwa eine Mark kostet, außerdem cristieren eine Menge Speisen auf der Sorte, die man aber über- steht und die nur dazu da sind, um eioe gewisse Vornehmheit aus. »echt zu erhallen. Sicherlich ißt man in den einfachsten Lokalen nahrhaftere Sachen, doch die Tische sind hier gedeckt, und die Kellner behandeln die Gäste, als ob diese ständige Besucher teurer Dielen seien. Diese Restaurants sind eine Zwischenstation: sie gefallen sich in einer hochhcrrfchaftlichen chaltung bei billigen Preisen, doch nur äußerlich in der Aufmachung, es fehlen alle Dinge, die ein Essen angenehm machen, vor allen: Ruhe und Beschaulichkeit. Dos Essen wird schnell serviert, und man ißt mit einer beinahe amerikanischen Gehctztheit, aber man besindet sich unter«besseren" Leuten, und der Kellner Hot eine Verbeugung für jeden übrig und eine besonders liebenswürdige, wenn der Gast auch etwas trinkt, denn in diesen Restaurants herrscht kein Trinkzwanz. vke Gäste. Und man weiß, was man sich und dem guten Ton im Restaurant schuldig ist. Man hast das Banner guter Erziehung hoch, mag man sie in der Kinderstube oder aus dem Gesellschastsiilm gelernt hoben; man verbeugt sich, bevor man sich an einen Tisch seht, an dem andere berests Platz genommen haben und man bricht selbftver- ständlich die Kartoffeln mit der Gabel, überhaupt tut man so, als ob man über eine gefüllte Brieftasche verfügt. Jeden Tag erscheinen hier dieselben Gesichter, auf ollen brütet ein schöner Lebensernst, der nur am Sonntag durch sozusagen..weltmännische' Heiterkeit vergoldet erscheint, wenn man mit seiner Dame blumenreiche Unter- Haltung betreibt, und sich dank seiner vorzüglich gebügelten Hofen als Lebensksnner fühlt. Menschen, die hier essen, glauben immerhia eine gewisse Vosikion zu bekleiden und im Leben etwas vorzustellen. «in Wechsel zu sein, den die Zukunft bald honorieren wird. Haupt- sächlich sind es jüngere Geschäftsangefteltte, die augenblicklich noch ein Beibuch betreuen und sich in den Freistunden als Champion irgendeines Sports photographieren lassen, denen aber in holder Ferne ein Prokuristenposten winkt, manchmal schielen sie heimlich auf die anderen, um endlich die richtige Messerhaltung zu erlernen. hin und wieder beweisen sie auch eine selbstoerständliche Kenntnis sämtlicher Lebensformen. Immer aber verbergen sie Schüchternheit Vinter einer leise blasierten Miene. Daneben speisen hier ältere Damen am Rande der Hoffnungen oder Studenten mit einem Schwsrgewicht von Büchern in der Tasche, die bei Rinderroulade eingehend Kant diskutieren; an anderen Tischen sitzen Ostasiaten. die mühsam die Bestellung einer Limonade zulammenbuchstobieren. Leden Tag erscheint derselbe alte Herr, der dem Kellner erklärt, er habe sich das Brötchen zur Suppe mitgebracht. Aste, vereinsamte Damen erproben hier den Rest ihrer kritischen Krait am Mittagessen. Alle ober sind ein Gewesen oder ein Rochnicht, sie träumen von der Vergangenheit oder sie leben in der Zukunrl und glauben für die kurze Spanne des Mittagessens etwas vorzustellen, hier werden sie bedient, höflich und korrekt, sie. die selber dienen müssen. Und die Kellner entwickeln oöterlich-wohlwollende Talente, sie zeigen nicht die Miene de? Grandsdgneurs, die sie in Tanzdielen oder in anderen luxuriösen Unterholtungsstätten aussetzen, sie verstehen diese Menschen, aber lassen es sie nicht fühlen, ihre Herablastung ist kaum merkbar. Vielleicht bemitleiden sie im geheimen die Gäste, mit denen sie nicht tauschen möchten, und von denen sie manchmal wohl wisien, daß sie einst bessere Tage gesehen haben. Restaurant» bilden einen Beitrag zum Seelenleben de» bürge» Nchen Großstadtmenschen. Man ist glücklich, wenn der Anschein von Solidität, Wohlhabenheit und Gcachtetwerden gewahrt bleibt. Für einige Augenblicke vergißt man, daß man nur ein untergeordnetes Glied der Gesellschaft ist, diese kurze Spanne des Mittagessens stärkt das Ansehen vor sich selbst, man ist nicht Talmi, man ist fast richtiges Gold. Aber dieser Menschentyp braucht solche Augenblicke, denn das Idealbild des Kavaliers bleibt unvergessen. Jeder Arbeiter, der ebenfalls bestimmt in diesen Restaurants essen könnte, wenn er wollte, würde hier als lästige Störung angesehen werden, er würde die hier Speisenden zu eindringlich an ihr wahres Sein er- innern, und in dieser Stunde, auf die man sich den ganzen Vor- mittag gefreut hat,, will man nur den angenehmen Schein pflegen. Diese Menschen, Kleinbürger und Unbedeutcnheiten, die sich durch einen Vergleich mit einem Arbeiter tödlich beleidigt fühlen, die die Sozialdemokratie als eine Erfindung des Bösen ansehen, sind im Grunde bedauernswert und erscheinen als Figuren in dem Kasperle- thsatcr des bürgerlichen Ehrgeizes, der immer darauf hinausgeht, mehr zu erscheinen als man ist. Die örei Llebel. Es gibt Leute, die auf alle Politik pfeifen. Von vornherein. Die man kilowcise mit Beweise totschlagen kann, denen der andere mit haarscharfer Klarheit nochweist, daß ihre politische Uninteressi?«- heit nichts anderes ist als bequemes Beiseitestchen. Sie werden lächelnd mit dem Kopf schütteln und mit kindisch-eigenwilliger Be- tonung sagen:«Ich versteh' davon nichts." Das sind die Farblosen. Wirklich keine angenehmen Erscheinungen. Dann gibt es eine zwei:« Gruppe: Die Lauwarmen. Die einmal hierhin, einmol dorthin schielen und deren einziges Bestündiges ihre völlige Unbeständigkeit ist. Nicht aus Verrat, sondern aus angeborener Feigheit. Die nicht charaktervoll genug sind, nur einmal wenigstens ihre Meinung beut- lich zu sagen, und die dort ein Paar Punkte zugeben und hier etwa» zurückzunehmen hoben, bis sie wie Betrunkene fortwährend auf schiefer polirischer Ebene cinhertaumeln. Das sind die Uebleren. Und schließlich gibt es welche, denen die Politik ein unanständtgez n Die Passion. .ioman von Clara viebig. Das Olga sich dachte! Die war wirklich naiv. Da konnte er doch nicht hingehen so ohne jeden Grund. Das hieße ja geradezu mit Fingern auf sich selber zeigen.„Mein Gott, mein Gott!" Manfred Bcrndorff rang die Hände: war er nicht in einer furchtbaren Situation? Sie ja auch— aber er vielleicht noch in einer furchtbareren. Was sollte werden? Geld hatte er nicht, das war alles draufgegangen zur Wieder- Herstellung seiner Gesundheit. Der Mutter konnte er un- möglich schon wieder schreiben:„Schick mir Geld." Sie glaubte es ihm ja, daß das Einpauken viel Geld kostete, aber dieser Glaube hatte doch mal ein Ende. Ein Examen hatte er bis nicht gemacht. Sie würde zuletzt die Geduld verlieren. lnd wenn sie die auch aus sich selber nicht verlor— sie liebte ihn ja so sehr— so würde sie die durch andere verlieren. Er konnte es deutlich hören, wie sie sprachen:„Nun, hat Ihr Sohn jetzt sein Examen gemacht? Was. noch immer nicht?!" Arme Mutter! Er hatte ein grenzenloses Mitleid mit ihr. und auch mit Olga. Aber was konnte er ttm, wie tonnte er alles ändern?!— Gott sei Dank, daß er jetzt wenigstens ge- heitt war! Der junge Mann zog die Brauen zusammen, und ein finsterer Zug setzte sich auf seiner Stirn fest: das konnte er doch wohl als bestimmt annehmen—? Der Profesior, den er wegen verschiedener merkwürdiger, ihn nach und nach beunruhigender Zustände aufsuchte, hatte ihm zwar nach gründlicher Untersuchung bei jener ersten Kon- sultation nichts als bestimmt zugesichert—„Rückfälle sind niemals ausgeschlossen, auch noch nach langer Zeit nicht". Das wäre entsetzlich! Es war wirklich unerhört gewesen von solchem Mann. einem armen Menschen, der in seiner Rot und Angst zu ihm kam, eigentlich jede Hoffnung zu nehmen. Dieser Pessi- mismus empörte Manfred, beleidigte ihn förmlich: was, Jahr um Jahr noch sollte er in Angst vor diesem Gespenst schweben, sein ganzes Leben sollte vielleicht dadurch verpfuscht sein?! Er ging nicht mehr hin. Und auch beim zweiten Arzt, bei dem er sich aber doch in dauernde Behandlung geben mußte, blieb er nicht lange. Berühmte Namen, Leute, die alles besser wisien wollten, im Grunde aber nicht mehr Wisien hatten, als er selber aus Büchern schöpfte! Erst hatte er sich kaum getraut, nach einschlägiger Lektüre zu fragen, er betrot im Zwielicht, den Hut tief in die Slirne gedrückt, die medizinische Buchhandlung und flüsterte, weit über den Dertaufsttsch vor» gebeugt, mit gedämpfter Stimme. Nach und nach wurde er dreister: er gab sich als Studenten der Medizin aus: das waren ja alles natürliche Dinge, warum sich scheuen? Der Mediziner muß jede Neuerscheinung kennen. Er ließ sich alles Einschlägige vorlegen. Mochte das Werk noch so teuer sein, er kaufte, taufte. Er stürzte damit nach Hause und los, los mit steigender Röte auf den Wangen, mit Pulsen, die wie im Fieber jagten. Nun besaß er schon eine ganze Literatur. Beim viexten Arzt war er nun doch auch schon angelangt. Manfred Berndorff belaß die ganze Ungeduld seines Daters: der hatte auch nie lange gefackelt, bei dem hieß es immer: schnell, es mußte alles gleich sein. Ach, sein armer Vater! Wie mit einem bohrenden Schmerz nagte es dem Sohn am Herzen, wenn er seines Vaters gedachte. Und das tat er jetzt oft. Viel, viel öfter als er, da der lebte, an ihn gedacht hatte. Hätte er dem Vater nicht noch die Liebe antun können, das Abiturium zu machen?„Mein Gott, ja. wenn ich gewußt hätte, daß er so bald sterben würde, hätte ich's sicher getan." sagte er sich. Nun war es zu spät. Um manches andere ungeschehen zu machen, war es auch zu spät. Die helle Verzweiflung konnte ihn packen, wenn er sich über die eigene Dummheit klar wurde, und auch darüber, daß die letzten Worte, die sein Vater zu ihm gesprochen, Worte des Zornes gewesen waren. Nein, ihm konnte es niemals gut. gehen auf Erden? In solchen Stimmungen hätte er sich ein Leid antun können. Dann starrte er hinüber auf den Schienenstrang und blickte fast gierig nach den Rädern, die sich so schnell drehten: sich darunterwerfen, sich darunter- werfen! Es war ein Glück, daß er durch eine Annonce, unten in der verstecktesten Ecke der Zeitung, auf einen Doktor Süßkin in der Elsäsier Straße aufmerksam wurde. „Rat und sichere Hilfe auch in verzweifelten Fällen"— nun. sein Fall war nicht verzmeifett. konnte gar nicht ver- , zweifelt sein, er war ja noch jung, so jung. Aber er war des Gerennes von einem Arzt zum anderen herzlich satt. Darum doppelt schnell hin nach der Eisässer Straße. Er fand in einem ziemlich verkommenen, hochstöckiaen Haus, in dem viele Parteien hausten, ganz oben in der fünften Etage, die durch ein kleines, kaum eptdeckbares Schildchen gekennzeichnete Wohnung des„Wunderdoktors", wie eine Frau, die er auf der Treppe befraate, den Doktor Süßkin nannte. Er fand einen erfahrenen Mann. Der Doktor hatte zwar nicht in Deutschland promoviert, aber was schadete das, er fand Hilfe dort, fand Heilung. Und zwar sehr bald. Man- fred Berndorst wunderte sich selbst, daß kein größeres Glücks- empfinden ihn überkommen wollte. Er war ja nun wieder gesund, Gott sei Dank, wieder gesund! Er stand vorm Spiegel und prüfte sich mit kritischem Blick, vom Kopf bis zu den Füßen. Ebenmäßig und gerade» nicht dick aber auch nicht mager, die Beine wie schlanke Säulen, die Hüften schmal, und klar die Haut und glatt, nirgendswo ein« Anschwellung mehr, kein Untätchen am ganzen Menschen. Er hätte jubeln können und jubelte doch nicht. Es lastete auf ihm wie ein steter Druck. Aber das war natürlich. Gott im Himmel. wenn die jetzt nach Berlin kam! Und was sollte überhaupt werden—?! Manfred hatte furchtbare Rächte: er schlief wohl, ave.r solcher Schlaf war Qual. Aus wirren Träumen, die ihn ängstigten, fuhr er auf mit einem Schrei. Er lag in Angst- schweiß gebadet. Wenn er doch nur jemand hätte, dem er sich anvertrauen könnte! Aber er hatte niemand.„Vater, Vater!" Ein Stöhnen entrang sich ihm. Nein, er war ja nicht schlecht, er wollte das Mädchen ja nicht im Stich lassen, gern mal ab und zu, wenn sie erst hier war, sich mit ihr treffen, aber, aber— und er schlug sich vor die Stirn und nannte sich selber einen Esel. Warum hatte er ihr seine Adresse genau angegeben? Er hätte gleich in seinem ersten Brief irgendeine erfinden sollen: mit der Mutter mußte � vereinbaren, daß die ihm postlagernd schrieb. Es konnte jc, schwer sein, vielleicht hier eine zusagende Wohnung zu finden, er hatte noch keine ständige, es war überhaupt besser, daß er sich die Briefe selber abholte, als daß eine unzuverlässige Wirtin sie während seiner Abwesenheit herumfahren ließ. O, wie dumm war er gewesen! Dann wären Olgas Briefs nicht an ihn gelangt, xr brauchte sie nicht zu lesen, und sie selber konnte ihn dann nicht ausfinden: er war für sie unter- getaucht im weiten Meer der Stadt— auf ewig. Zu seiner Mutter würde sie ja nicht gehen und bej der nach ihm forschen: dazu war sie zu stolz. Etwas wie Achtung stieg in ihm auf für sie, die ihm mit ihren Briefen, in denen sie ihr Leid klagte, ihre Angst— sie schrieb, man merke es jetzt, daß sie ein Kind bekam, sie konnte es nicht verbergen mehr— wohl mit den von Tränen betropften Zellen an sein Herz rührte, so rührte, daß er es sogar äußerlich schmerzhaft spürte, ihm aber nie einen Dorwurf machte. Es gab Stunden, in denen er sie eigentlich bewunderte: frellich, als sie es ihm entdeckt hatte, da war er schon damals noch mehr außer sich gewesen als sie. Er hatte eine Angst bekommen, wie ein Kind vor der Rute. Fortlaufen, fliehen, das war fein einziger Ge- danke gewesen. Gott sei Dank, daß er jetzt in Berlin war, weit fort in einer Stadt, die groß und weit war wie eine Welt! Aber in der es doch kein Entkommen gab. Oder doch? Hoffentlich! Aber kein Dor-sich-selber-entrinnen. ___(Fortsetzung folgt.) Geschäft ist. Das sind die Demagogen, mit bem immer lächelnden und leutseligen Antlig, die die kochende Voltsseele mutbar zu machen verstehen. Die gestern den Dolch stoß", heute die„ nationalen Belange", morgen den Locarnoer Verrat in die Menge schreien, die Minderwertigen gegen Rote und Juden nobil machen und die in Wahrheit nur zu gut wissen, daß ihre zuinnerst unwahrhaftige Politit doch einmal an der eigenen grenzenlosen Lüge erstiden muß. Berufsheher wider befferes Biffen. Solange, wie es möglich, wird gehochftapelt. Das find die llebeisten. Sind Schriftsteller vogelfrei? Schwerindustrie und geistiges Eigentum. Er Vor dem Amtsgericht Charlottenburg mußte fich dieser Lage die Firma Siemens u. Halste in einem ihrer Profuristen eine höchst notwendige Belehrung über die Bedeutung des literarischen Eigentumsbegriffes zuteil werden lassen. Der nicht unbe tannte Schriftsteller Arno a ch- hengsbach war 11 Jahre lang in der literarischen Abteilung der Siemens- Werte tätig. Sein nächster Chef war ein Oberingenieur Quainz. Dieser Herr hat die Gewohn heit, Arbeiten seiner Unterstellten unter seinem Namen an die Firma weiterzugeben und auch mit seiner Signatur in den Siemens- Publitationen zu veröffentlichen. Im Falle Hach ging er fogar so weit, felbständige Auffäße dieses Schriftstellers an die Monatsschrift„ Die Bergstadt und andere Journale zu fenden und die Abdruckhonorare einzustreichen. , erwarb sich so den Ruhm eines vielgewandten Schriftstellers. Die Firma Siemens u. Halske A.-G. mußte Herrn Hach nach seinem Austritt in mindestens drei Fällen bescheinigen, daß Herr Quaing fich ihm gegenüber bezüglich der Verwendung seiner Manuskripte nicht einwandfrei benommen hätte. Herr Quainz wurde aber feines wegs von feiner Firma faltgestellt, sondern noch befördert. Um diese Angelegenheit von prinzipieller Bedeutung auch öffentlich zu einer Geschäftsreise zu sein und ließ sich durch einen Anwalt seiner eine Beleidigung, auf die dieser nur mit einer Klage antworten fonnte. Der Kläger zog es vor, während der Berhandlung auf einer Geschäftsreise zu sein und ließ sich durch einen Anwalt efiner Firma vertreten. Dieser suchte das plagiatorische Verhalten seines Mandanten durch einen Abschnitt aus der Dienstordnung von Siemens u. Halste über gewerbliches Eigentum zu rechtfertigen. Er mußte fich aber von Dr. Eloeffer mom Schuhverband deutscher Schriftsteller und von dem Rechtsvertreter dieser Berufsorganisation über den Begriff geistiges Eigentum dahin aufklären laffen, daß die Firma wohl die Anonymität von ihr angeregter Publikationen fordern dürfe, daß aber Herr Quaint feineswegs das Recht habe, sich mit anderer Federn auszuftaffieren. Herr Hach mußte wegen formaler Beleidigung verurteilt werden, aber was zu erreichen war, hatte er erreicht: die moralische Berurteilung des Gegners und der ihn schützenden Firma. Sein Wahrheitsbeweis wurde als erbracht angesehen. Wenn man übrigens den Ausführungen des Siemensschen Anwalts Glauben schenken darf, so herrscht allgemein in der Schwerindustrie die von ihm vertretene Auffaffung vom geistigen Eigentum. Nach den Behauptungen des Herrn behandeln Germaniawerft, Deutsche Werke, Krupp um. literarische Erzeugnisse ihrer Angestellten nach demselben freibeuterischen Prinzip.- Stimmt das? Dann müßte man die Schriftstellerverbände ersuchen, sich einmal um diese Zustände zu fümmern, Starke Zunahme der Straßenunfälle. Ueber 3000 in einem Vierteljahr- 39 Tote. Einen Reford, allerdings einen höchst unerfreulichen, stellt die Zahl der Zusammenstöße in den Monaten Juli, August und Sep. tember dar, denn sie überschreitet diesmal bereits das dritte Tausend. Es handelt sich um 3034 Fälle im 3. Quartal, denen 2816 Zusammenstöße im 2. Quartal gegenüberstehen. Von den Zusammenstößen entfallen auf Personentraftwagen, d. h. auf die Brivatautomobile, 693( 677), auf Kraftdroschten 649( 551), Kraftomnibuffe 64( 113), Lasttraftwagen 368( 398), Krafträder 229( 155), Kleinkrafträder 107( 103), Treträder 332( 256), Pferdegespanne 286 ( 57) und Straßenbahnen 306( 306) Fälle. Dabei sind insgesamt 39( 33) Personen, darunter 3( 10) Kinder, getötet und 1409( 1369) Personen, darunter 134( 132) Kinder, verlegt worden. Die Schuld an den Zusammenffößen trifft in den meisten Fällen die Führer der privaten Personenkraftwagen, auf deren Konto 442( 457) gebucht find. Dann folgen die Kraftdroschten mit 364( 307), die Fuß gänger mit 353( 383), die Treträder mit 297( 219), die Laft fraftwagen mit 193( 231) Fällen usw. Als Ursache sind u. a. angegeben: Schnellfahren in 411( 422), falsches Einbiegen oder lleberholen in 253( 236), Iruntenheit der Führer in 59 ( 71) Fällen. Ein gefährlicher Fund. = Durch unvorsichtiges Umgehen mit einem Sprengförper ist der 36 Jahre alte Weichenwärter Franz Maslod schwer zu Schaden gekommen. Maslock fand am Sonntag auf der Strede zwischen den Bahnhöfen Grunewald und Eichkamp in dem Graben neben dem Bahndamm einen Sprengförper, wie man sie zum Ausroden und Sprengen von Baumstubben benugt. Er nahm ihn mit in seine Bude, um zu sehen, ob er noch brauchbar sei. Als er versuchte, die 3inthülse mit seinem Taschenmesser abzulösen, explodierte der Sprengförper und verlegte ihn schwer an der linken Hand und an beiden Oberarmen. Als am Montag früh ein anderer Bärter beim Reinigen der Laternen die Strecke absuchte, um nachzusehen, ob vielleicht irgendwo noch mehr Sprengstoff liege, fand er denn auch ganz in der Nähe der ersten Fundstelle noch 6 Sprengtörper der gleichen Art. Die Sprengförper hat wahrscheinlich jemand am Sonntag aus einem Vorortzug hinaus geworfen, um sich ihrer zu entledigen. Schwerer Straßenbahnzusammenstoß. Ein schwerer Straßenbahnunfall ereignete sich am Montag abend gegen 5 Uhr in der Schönhauser Allee, Ede Danziger Straße. Ein Straßenbahnzug der Linie 48 E fuhr an der Haltestelle auf den Anhänger der Linie 48 mit großer Bucht auf. Unter den Fahrgästen brach eine regelrechte Panit aus, und es hatte zuerst den Anschein, als ob ein sehr schweres Unglüd entstanden war, da der Borderperron des Triebwagens der Linie 48 E und der Hinterperron des Buges 48 erheblich beschädigt waren, doch kamen die verunglückten Fahrgäste glücklicherweise glimpflich davon. Acht Fahrgäste, die größtenteils einen Nerven | ( chod erfitten, fonnten nach ber ersten Behandlung auf der Rettungs. stelle 11 nach Hause entlassen werden. Auch ein junges Mädchen und eine ältere Frau, die von der Feuerwehr nach dem Lazarusfrankenhaus transportiert wurden, fonnten wieder entlassen werden, da sich die Verlegungen als nicht gefährlich erwiesen. Durch den Zusammen ftoß trat eine empfindliche Bertehrsstörung ein, die besonders hart von den heimkehrenden Arbeitern und Angestellten empfunden wurde. Allgemeine Funktionär- Bersammlung Butritt heute, Dienstag, den 3. nov., abends 7, Uhr, im Saalbau Friedrichshain, Am Friedrichshain Zagesordnung: Locarno und die deutsche Politik Referent: Dr. Rudolf Breitscheid. haben alle Bartei- und Gewerkschaftsfunktionäre der SPD. mit dem Ausweis von 1925. Das Mitgliedsbuch muß vorgezeigt Der Bezirksvorstand. werden. Am Schlesischen Bahnhof. Das Ende einer Bierreife. Die Gegend am Schlesischen Bahnhof ist mit ganz besonderer Borsicht zu genießen. Auf keinen Fall aber ist es empfehlenswert, bort neue Bekanntschaften zu schließen und mit ihnen sofort eine Bierreise zu unternehmen. Ein Schlossermeister aus der Proving hat dabei recht unangenehme Erfahrungen machen müssen. Seinetwegen stand der erst 21jährige Gelegenheitsarbeiter Rudolf Bialas wegen Raubes vor dem Schöffengericht Berlin- Mitte. Der Schlossermeister hatte seinen legten Zug versäumt, der ihn in fein Heimatsstädtchen bringen sollte. Der also Zurückgebliebene mußte diesen Umstand wohl für einen Grund zum Trinken halten. mehrere Lofale in der Gegend des Schlesischen Bahnhofs sahen den Meister als freigebigen Gast, der bald einen Kreis fröhlicher Becher um sich sah. Wie wenig es aber den Damen und Herren seiner neuen Umgebung auf den spendierten Altohol antani, das verrieten deutlich einige aufgefangene Säße wie:„ Den bewachen wir!" Jeder vernünftige Mensch hätte daraus wohl sicher die Konsequenzen gezogen, daß es jezt an der Zeit wäre, fich ziemlich unauffällig zu empfehlen. Anders unser Schlossermeister. Er ließ sich von dem Angeklagten und dessen Anhang noch einmal zum Befuch eines anderen Lotales verleiten. Schon nach dem ersten Glase Bier wurde ihm auffällig übel, er hatte das Empfinden, als wäre etwas hineingeschüttet worden, das ihn seiner Sinne berauben sollte. Alls fich der Unvorsichtige auf die Toilette begeben hatte, folgte ihm der Angeklagte und fiel sofort über den Schlossermeister her. Nach einem betäubenden Schlag in die Augen, durch welchen der Ueberfallene heftig blutete, riß ihm B. einen Fünfzigmartschein aus der Westentasche und suchte das Weite. Seine goldene Uhr und Kette fonnte der Meister nur dadurch retten, daß er sie frampfhaft festhielt. Der Angeklagte fuchte die ganze Sache zuerst wesentlich harmloser hinzustellen, mußte aber nach den übereinstimmenden, belastenden Aussagen der beiden Zeugen sehr bald klein beigeben. Das Gericht versagte dem B., der troß seiner Jugend schon mehrfach vorbestraft ist, wegen der Roheit seiner Tat jede mil dernden Umstände und verurteilte ihn megen Raubes zu einem Jahr und drei Monaten Buchthaus. Der An Getlagte, dem zwei Monate auf die Untersuchungshaft angerechnet wurden, nahm die Strafe fofort an. Raubüberfall in der Schäferstraße. Auf dem Wege vom Bostichedamt wurde am Montag vor mittag eine 17jährige Angestellte einer Firma in der Schäferstraße 13 überfallen und beraubt. Das Mädchen hatte 1000 mart abgeholt, die es in einer Attentasche trug. Auf der Treppe zum Geschäft erhielt es plötzlich einen Schlag ins Genid, der es zu Boden streďte. 3 mei junge Männer entriffen ihm im nächsten Augenblid die Tasche und liefen mit der Beute davon. Es gelang, die beiden Männer zu stellen. Es sind zwei ftellungslose Raufleute namens Bittkowski und Rohrbach, die angeblich in Spandau wohnen. Die Tasche mit dem Gelde wurde auch noch bei ihnen gefunden. Musikfest der Heilsarmee. Am Sonntag begann im Saalbau Friedrichshain der erste mufi falische Kongreß der Heilsarmee. Mag man sich zu dieser Bewegung stellen wie man will, mag man lächeln über ihren naiven Glauben oder fich lustig machen über ihre Marschmufit, nach der geistliche Lieder gesungen werden, fein Mensch wird ihre Leistungen auf dem Gebiet sozialer Fürsorge in Abrede stellen wollen, niemand wird die guten Seiten dieser Bewegung verkennen. Bugegeben, daß die etwas maritschreierische Aufmachung zum Lachen reizt, trotzdem steden in der Heilsarmee Werte aufrichtigen Menschentums. Die ous vielen deutschen Städten, wie Stuttgart, Stettin, Breslau und Das Rundfunkprogramm. Dienstag, den 3. November. Außer dem üblichen Tagesprogramm: | Heidelberg. herbeigeeilten Musiker find teine Berufsmufifer, es handelt sich hier um Leute, die ihren bürgerlichen Beruf haben und ihre freie Zeit dem Wert der Heilsarmee fostenlos zur Verfügung Die Vorträge der einzelnen Kapellen waren zum stellen. Teil ausgezeichnet, und es fiel immer wieder auf, wie rein die Blasinstrumente flangen. Reit- und Fahrturnier. Die Sonnabend und Sonntagabend- Springen sahen die neue Automobilhalle am Kaiserdamm nicht überfüllt, mie das bei Turnieren in den Anfangstagen üblich ist, weil die Wetter sich erst über die Form der Pferde vergewissern wollen. Am Sonntag nochmittag aber, an dem alle Leute vom Bau tamen, war ein gedrängt gefülltes Haus. Viel Beifall fand die LierspännerQuadrille bildschöner oldenburgischer Hengste Die Wiener Spanische Reitschule brachte unter anderem Arbeiten der Hengste an der hand des Abrichters. Diese Borführungen wirken gerade in Wien so verblüffend, weil dort die Reitschule in einem eigens für fie erbauten Heim untergebracht ist. In dem großen Raum der Auromobilhalle verliert sich manche Einzelheit. Natürlich bleibt auch hier eme starte Wirkung. Diese fagenumwobenen Schimmel sehen aus wie einer Spielzeugschachtel entnommen, jeder ihrer Schritte ist Tradition, fie find lebendig gewordene Gemälde. Die vergangenen Zeiten ergößten sich an der beseelten allerzierlichsten Gewandtheit. Heute will man filometerfreffen mit dem Automobil, bem Flugzeug und dem Motorrad. Das schöne Pferd ist Schattobjekt, das gute Pferd wird zum Sportzwed. Gestern nachmittag tonzentrierte sich das Hauptinteresse des Bublifums auf das Hochspringen, zu dem zehn Pferde antraten. Als einzige Dame nahm Fräulein Sauermann feil, die mit Argentino 1,75 Meter fehlerfrei sprang. Beni tat bei 1,80 Meter mit dem ungarischen Hauptmann von Cseh einen sehr gefährlich aussehenden Sturz. Der Reiter blieb unverlegt, der Wallach wurde lahm aus der Arena geführt. Sieger blieb das allbekannte Springpferd Hanko unter seinem Besizer und Reiter von Langen. Zweiter war Spanier, der 5 Zentimeter meniger als Hanto, nämlich 1,90 meter fehlerfrei unter Leutnant momm sprang. Der schweizerische Hauptmann Beiß hat sich eine Sehnenzerrung zugezogen, die ihm das weitere Reiten fürs Erste unmöglich macht. Zwei Reitlehrer an der Eidgenösischen Regieanstalt in Thun werden dafür nach Berlin kommen, um die schweizerischen Pferde zu reiten. Humboldt- Hochschule. Dr. med. eft mann bält Mittwoch, abends 8 Uhr, in der Aula Dorotheenftr. 12, einen Lichtbildervortrag: Bom Ur. prung des Lebens, von der Urgelle bis zum Menschen." Lehrgänge in der Wohlfahrtspflege. Das Archiv für 3o51. fabrtspflege, Berlin 28.35, Flottwellstr. 4 I, veranstaltet in diesem Winter wieder Rebrgänge in der Wohlfahrtspflege. Es werden Vorlesungen gehalten über: Die Fürsorgepflichtverordnung, Aufbau der Wohlfahrts ämter"," Die Bedeutung der Auswertungsgefeße für die Bohlfahrtspflege und„ Die Neugestaltung der Strafgefangenenfürsorge. Als Dozenten find gewonnen worden: Stadrat Dr. Muthefius, Beigeordneter Dr. Memelsdorff ( Städtetag), Dbermagistratsrat Dr. Dllendorff. Oberreg. Rat Dr. Neufeld ( Finanzministerium). Dr. Margarete Sommer. Die Borlesungen finden in der Aula des Friedrich- Wilhelm- Gymnafiums, Berlin SW., Kochstr. 13 stait. Brogramme und starten sind in der Geschäftsstelle erhältlich. Zum Grubenunglück auf Zeche Holland. Die Untersuchung der Explosionsursachen. de Bie das Grubensicherheitsamt durch den„ Amtlichen Breußischen Breffedienst" mitteilt, hat die bisherige Untersuchung über die Schlagwetter- Explofion auf Beche Holland I- II folgendes ergeben: Kurz vor der Explosion ist in einem tieferliegendem Flög eine starte Erderschütterung( Gebirgsschlag) erfolgt. Dadurch sind größere Mengen Schlagwetter ausgetreten und mit dem Wetterstrom in höher liegende Streden gezogen. Dort haben sie sich entzündet. Die Ursache der Enündung ist mit Wahrscheinlichkeit darin zu suchen, daß durch den Gebirgsschlag in ber elettrijchen 2otomotivförde rung Kurzschluß und damit lammenbildung aufgetreten ist. Die Fortpflanzung der Explosion ist durch das Gesteinstaubverfahren aufgehalten worden, das sich hierbei vorzüglich bewährt hat. Im ganzen find 17 Mann tödlich verunglüdt. und zwar teilweise durch mechanische Berlegungen, teilweise durch Basvergiftung, teilweise durch Verbrennung. Die Untersuchung, an der der Leiter des Grubensicherheitsamts fowie der Unfallausschuß der Grubensicherheitskommission Dortmund teilnimmt, wird fortgefeßt. Das Beileid des Reichspräsidenten. Der Herr Reichspräfident hat an den Oberberghauptmann in Dortmund folgendes Telegramm gerichtet: " Die Nachricht von dem schweren Explosionsunglüd auf der Schachtanlage Holland hat mich tief bewegt. Ich bitte Sie, den Hinterbliebenen der toten Bergleute den Ausdrud meiner herzlichsten Anteilnahme, den Verletzten meine besten Wünsche für ihre Wiederherstellung zu übermitteln. v. Hindenburg, Reichspräsident. ndenburg Sport. Internationaler Ringer- Weftstreit. # Bei dem am Sonnabend im Walhalla- Theater am Weinbergsweg begonnenen Ringer- Wettstreit haben sich die alten Prominenten ber Matte wieder zahlreich eingestellt. Nicht weniger als 37 Ringer find bereits angetreten, darunter, um nur einige zu nennen, aus Deutschland Hans Schwarz und Pietro Scholz Es werden täglich 5 Kämpfe durchgeführt, und zwar bis zur abjo. luten Entscheidung. Am Sonnabend wurde das Programm mit flotten Rämpfen eröffnet. Der Ruffe Kyriloff mußte fich fchon nach 6 Minuten über den Baŋern Kochfeder triumphieren. dem Sachsen Schneider beugen. Winter Wien fonnte jogar Lassartasse Frankreich fonnte den Desterreicher Zilch nach 1% Minuten durch Untergriff auf die Matte legen. Der Berliner Krichelsdorf fonnte gegen eine so gute Klaffe mie Bestino. nad 19 Minuten beugen. Ergebnisse des Sonntags: Pietro Scholz, der Liebling aller, siegte nach technisch hervorragendem Stampf über Bierholz nach 16% Minuten durch einen prächtigen Hüftenschwung. In der gleichen Zeit erledigte Raman. Bien den Bolen Borpul. Buchheim Sachsen legte nach 14 Minuten totny- Bolen durch Untergriff matt. Lasfartaffe marf Stienfharf- Berlin nach 19 Minuten, während Barttowiat Deutschpolen über den Thüringer Opitz nach 20 Minuten durch doppelten Armgriff triumphieren tonnte kapelle. Leitung: Konzertmeister Ferdy Kauffman. 7 Uhr abends: 4.30-6 Uhr nachm.: Nachmittagskonzert der Berliner FunkLiterarische Stunde.( Um Kaspar Hauser"). 7.30 Uhr abends: Direktor Karl Fraenger: Die Pfalz am Rhein". 8 Uhr abends: Reichsminister des Auswärtigen. Dr. Stresemann: Die Bedeutung des Vertrages von Locarno". 8.30 Uhr abends: Sendespiele. Abteilung Oper. Leitung: Cornelis Bronsgeest. Spielzeit 1925/26. 11. Veranstaltung. Die komische Oper Das Mädchen von Eli- wifch nicht auf die Dauer standhalten, er mußte sich dessen Kraft zondo", Oper in einem Teil von J. Offenbach. Dirigent: Selmar Meyrowitz von der Berliner Staatsoper. Vertigo, Gastwirt: Bernhard Köhler; Miguel, ein junger, Baske: Leonhard Kistemann; Manuelita, eine junge Waise: Käte Joken- König. Die Handlung spielt in Elizondo, einem baskischen Dorfe. 9.30 Uhr abends: Heitere Rezitationen. Vorgetragen von Hans Mülhofer. Anschließend: Dritte Bekanntgabe der neuesten Tagesnachrichten, Zeitansage. Wetterdienst, Sportnachrichten. Theater- und Filmdienst. 10.30 Uhr abends: Winke für Funkbastler( Geh. Oberregierungsrat Dr.- Ing. Albrecht). " Licht ist produktiv. Wer seinen Betrieb richtig befeuchtet, erhöht die erhöht die Leistungsfähigkeit seiner Arbeiter, vermindert Unfälle und Ausschußarbeit. Licht, in genügender Menge richtig angewendet, erhöht die Produktivität. Das Lichtheft Licht und Arbeit ist bei Elettrizitätswerfen, Osram Bertaufsstellen und anderen Elektro- Fachgeschäften für 25 Pf. erhältlich. OSRAM I tof si bed Parteinachrichten Einsendungen für diese Rubrik find Berlin B. 68. Lindenstraße 3, für Groß- Berlin sfets an das Bezirkssekretariat. 2. Sof, 2 Trev. rechts, zu richten 4. Kreis Brenzlauer Berg. Kreisausschuß für Arbeiterwohlfahrt: Alle Helferinnen und Helfer in der Wohlfahrtspflege nehmen an der vom Jugendamt heute, Dienstag, abend um 7 Uhr im Jugendheim Danziger Str. 62 ( Roter Saal) einberufenen Sigung teil. 7. Areis Charlottenburg. Donnerstag, den 5. November, 7% Uhr, Bortragsabend der Freien Schulgemeinde im Schiller- Realgymnasium, Schillerftraße 26, vorn part. rechts( Obertertia). Vortrag über: Die Schule als Erziehungsfaktor im ftaatsbürgerlichen Sinne". Referentin: Genoffin Ellen Beidler. 13. Kreis Sempelhof. Mittwoch, den 4. November, 7% Uhr, bei Niendorf, Mariendorf, Chauffee. Ede Streligstraße, Kreisvorstandssigung. Morgen, Mittwoch, den 4. November. 33. t. 71 Uhr Abrechnung mit dem Raffierer, Oktoberbeiträge und Sammel. liften. Gleichzeitig Gigung sämtlicher Funktionäre. Erfcheinen Pflicht, evtl. Bertreter schicken. 58. Abt. Charlottenburg. 7½ Uhr bei Genoffin Schenkalowsky, Meinekeftr. 25, Gartenhaus part., Funktionärverfammlung. 81. Abt. Friedenau. Sozialistisches Geminar: 8 Uhr bei Alabe, Handjernftraße 60. Thema: Bürgerliche und proletarische Ideologie". Referent: Friedrich Wendel. 82. Abt. Steglik. 7½ Uhr bei Thiel, Ringftr. 57, Sigung des Vorstandes und der Funktionäre. 84. Abt. Lankwig. 8 Uhr bei Lehmann, Raifer- Wilhelm- Str. 29/31, Funktionär. versammlung. 104. bt. Niederschöneweibe. 7 Uhr bei Thiele, Berliner Str. 38, Vorstands fihung mit den Funktionären. Ergänzungswahl zum Borstand. 108. bt. Johannisthal. 7% Uhr bei Gobin, Roonftr. 2, Funktionärversammlg. 108. Abt. Ropenid. 7% Uhr im Kleinen Gaal des Stadttheaters Funktionär verfammlung. Stellungnahme zur Wahl des 1. Abteilungsleiters. Erfcheinen aller Funktionäre unbedingt erforderlich. 134. Abt. Buch. 8 Uhr im Lotal Göpfert Sigung des Abteilungsvorstandes mit den Betriebsvertrauensleuten und den Kreisdelegierten. * Jungfozialisten. Gruppe Süden: Seute, Dienstag, 8 Uhr in der Juristischen Sprechftunde, Lindenstr. 3, Rusammenkunft. Gruppe Lichtenberg: Scute, Dienstag, 7 Uhr, im Jugendheim Bartaue Bortrag: Rollgerichte". Rcferent: Gen. Arthur Richter. Bericht von der Gruppenkonferenz. Arbeitsgemeinschaft der Kinderfreunde, 82. Abt. Steglih. Seute, Dienstag, pünktlich nachmittags von 4-6 Uhr, im Seim Albrechtstr. 47. Jugendveranstaltungen. Rarten zur Revolutionsfeier am Sonntag, den 8. November, im Großen Schauspielhaus find zum ermäßigten Breise im Jugendfekretariat zu haben, Beginn ber Bildungskurse. Thema: ,, Geschichte der Arbeiter. bewegung". Berbebezirk Tiergarten: Dienstags, ab 3. Sovember, Schule Siemensftr. 20. Ref.: Genoffe Fechenbach. Werbebezirk Brenzlauer Berg II: Mittwochs, ab 4. November, in der Reitungsspedition Greifenhagener Str. 22. Ref.: Genosse Schlitte. Werbebezirk Neukölln: Mittwochs, ab 4. November, im Jugendheim Canner Straße. Ref.: Genoffe Marquardt. Werbebezirk Often: Donnerstags, ab 5. November, im Jugendheim Rigaer Str. 103. Ref.: Genoffe Rauch. Werbebezirk Besten: Donnerstags, ab 5. November, in der Schule Schöneberg, Feurigftr. 58. Stef.: Genoffe Ragenstein. Werbebezirk Spandan: Freitags, ab 6. November, in der Gartenstadtschule Staaten, Ref.: Genoffe Lange. Werbebezirk Kreuzberg: Sonnabends, ab 7. November, Schule Stallschreiberstr. 53. Ref.: Genoffe Lösche. P Andere Themen: Werbebezir? Oberfpree: Dienstags, ab 3. Rovem ber, im Jugendheim Niederschöneweide, Berliner Str. 31. Genoffe Grelling über: Einführung in die Boltswirtschaftslehre". Werbe. bezirk Reinickendorf: Donnerstags, ab 5. November, im Jugendheim Tegel, Bahnhofftr. 15. Genoffin Dora Fabian über: Entwicklung des Rapitalismus". Beginn überall abends 7% Uhr. Heute, Dienstag, den 3. November, abends 7% Uhr: Gymnastik Aurfus: abends 8 Uhr im Jugendheim Lindenstr. 3. Abteilungsmitgliederversammlungen: Webbing/ Nord: Schule Millerftr. 48, ptr. Norbolt I: Jugendheim Neue Rönigftr. 21.- Rarboft II: Jugendheim Danziger Str. 62. Schöneberg II: Schule Frankenstr. 10. Wilmersdorf: Jugendheim Hildegardstr. 4. Marienborf: Alte Schule, Dorfftr. 7. Steglig I: Jugendheim Albrechtstr. 47. Reukölln V: Jugendheim Schierteftr. 44. Reinickendorf- Oft: Secbad", Rest benzftr. 46. Rosenthal: Schule Schillerstraße. Niederschönhausen: Schule Blankenburger Str. 69. Bankow: Jugendheim Breite Str. 32. Spandau: Bei Gen. Sill, Weißenburger Str. 34. * Rorbring: Spedition Greifenhagener Str. 22. Bortrag: ,, Geruelle Fragen", II. Teil. Reukölln III: Jugendheim Nogatstr. 52. Aussprache: Jugend und Sozialismus". Baltenplak: Schule Dieffenbachstr. 51. Seiterer Abend. Beften: Beteiligung am Filmabend der Abt. Schöneberg I. Treffp. 27 Uhr HauptEde Raiser- Friedrich- Str.( Normaluhr). Gruppenabend fällt dafür au. Morgen, Mittwoch, außerordentliche Mitgliederversammlung 28 Uhr bei Tannhäuser, Steinmekſtr. 44. Erscheinen aller Mitglieder ist Pflicht! Schöneberg I: Abends 7 Uhr in der Hohenzollern- Schule, Belziger Ede Eisenacher Straße, Taufen die Filme: Der Samburger Jugendtag der Sozialistischen Arbeiter jugend" Die Rollwucherdemonftration ber foigalistischen Barteien", Berfoffungsfeier in Berlin am 9. August 1925". Untoftenbeitrag 35 Bf. * Banton: Sämtliche Mitwirkende des Sprechchors fomie bes Szenenspiels haben bestimmt morgen, Mittwoch, abend im Jugendheim Breite Str. 32 aut Uebung zu erscheinen. Wetter für Berlin und Umgegend. Meist bewölkt und fühl, zeitweise leichter Regen. Für Deutschland. In West- und Mitteldeutschland aus gedehnte, meist leichte Niederschläge. Schlesien bedeckt, aber troden, Dit preußen mäßig bewöllt und Froft. VIM V2 ம Arbeiter Sport Arbeitersportler als Schützer der Republik. Arbeiterpartet und mit den Gewerkschaften der Richtung Amsterdam. In Lettland... Ueber das Zusammenwirten zwischen der Sozialdemokratischen Partei in Lettland, dem Arbeitersportverband und der dortigen Republitschutzorganisation erfahren wir interessante Einzelheiten. Bald nach dem Ende des Befreiungstampfes des lettischen Boltes für seine Unabhängigkeit und eine demokratische Staatsverfaffung bildete sich im Lande eine faschistische Bewegung, die einen terroristischen Kampf gegen die neue Staatsform und die Arbeiterschaft, die zum allergrößten Teile die neue Staatsverfassung fchüßte, aufnahmen. Zuerst waren es einige Gruppen von realtionären Offizieren, die als Mordbanditen tätig waren. In den Jahren 1920-1922 erfolgten mehrere Angriffe auf sozialdemokratische Abgeordnete, bei denen u. a. der Genosse Kursemniets getötet wurde. Arbeiterverfammlungen und Demonstrationen wurden gesprengt und gestört, unsere Parteifahnen vernichtet. Nach dem Siege des Faschismus 1922 in Italien gingen die lettischen Faschisten dazu über, ihre Organisationen noch straffer auszubauen. Die Attiven Nationalisten" und der„ Lettische natiolistische Klub" wurden militärisch organisiert, geschult und bewaffnet. Die Mitglieder waren hauptsächlich Korpsstudenten und bürgerliche Jugendliche. Der Klub hat eine ganze Reihe von Verbrechen verübt. Besonders hervorzuheben sind die Angriffe auf die Arbeiterdemonstrationen im Jahre 1923 und die Antikriegsdemonstration im vorigen Jahre in Riga, ferner Handgranatenüberfälle auf die Buchdruckerei des„ Sozialdemokrat" und die Demolierungsversuche in der Redaktion des Blattes. Biele Zusammenstöße mit Ordnern und Arbeitersportlern in Riga, Libau und in der Provinz, wobei u. a. der Genosse Maffat getötet wurde, schließen den Kranz der faschistischen Berbrechen. Neben diesen aftiven Organisationen bestehen noch andere, die weniger aggreffin tätig sind, in dem Kampf gegen die Sozialdemofratie aber gemeinsame Sache machen. Das aus 18 000 Mann bestehende Schuttorps", das nach außenhin zur Hilfeleistung der Polizei angegliedert ist, besteht ebenfalls zum allergrößten Teil aus reaktionären bürgerlichen Elementen. Es hat sich zu einer bewaffneten Kampforganisation besonders der Großbauern entwidelt. Die Landarbeiterschaft und die meistenteils sozialistisch gefinnten Kleinbauern haben start unter diesem Schuß" forps zu leiden. " Kommunisten und Anhänger bürgerlicher Parteien werden grundfäglich nicht aufgenommen. Der Bund ist nicht nur als eine Abwehrorganisation der Arbeiterschaft tätig; er hat sich auch ftets für gefeßt; er gibt eine eigene illuftrierte Monatsschrift heraus. die Republik und die demokratische Staatsverfassung ein# Der Reaktion ist natürlich der Sport- und Schutzbund" ein Dorn im Auge und fortwährend wird seine Auflösung gefordert. Aber die großen Verdienste um die Erhaltung der Arbeiterbewegung und der Republit, die von sämtlichen republitanischen Organisationen dankbar anerkannt werden, haben das Geschrei der Reaktion zum Schweigen gebracht. Der Bund will auch in internationaler Beziehung tätig fein und erstrebt ein Sufammenarbeiten mit dem Republikanischen Schuhbund Desterreichs" und dem Reichsbanner Schwarz Rot Gold" in Deutschland. Der Aufbau des lettischen republikanischen Schußbundes und die Grundlage, die er besonders in den Arbeitersporttreisen des Landes findet, sollten unseren Arbeitersportlern zu denken geben. Die Neutralität", die von den deutschen Arbeitersportvereinen der Republik gegenüber eingenommen wird, ist doch im Grunde genommen nur ein unentschlossenes Zurückweichen vor der Großmäufigteit der Kommunisten. In ihren politifchen Organisationen banferolt, versuchen diese besonders in Berlin menigstens in der Arbeitersportbewegung noch das Feld zu behaupten. Von hier aus soll dann die Arbeiterbewegung erobert werden. Wie lange dieses Treiben noch fortgesetzt werden tann, hängt von der Aftivität der republikanisch und sozialdemo fratisch gesinnten Arbeitersportler ab. Schwimmfeste. Städtewettkämpfe in Neukölln. Die Freien Schwimmer Neukölln" hatten zum Sonnabend und Sonntag die Vereine Freier Schwimmerbund Möwe Mannheim, Freier Wassersportverband Hannover- Linden Abt. Hawa, ArbeiterSchwimmverain Leipzig, Vorwärts Berlin und Poseidon Breslau zu Wettkämpfen eingeladen. Die lettische Sozialdemokratie hat felbstverständlich die Aufhebung und die Entwaffnung der faschistischen Organisationen verlangt, leider bisher vergeblich. Die Arbeiterschaft fonnte sich aber mit diesen Forderungen allein nicht begnügen. Zu Beginn des Jahres 1923 wurden bei der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei in Riga Bersammlungsschußabteilungen gegründet. Bald stellte sich heraus, daß in dem attiven Kampf gegen die start organi. fierten und durchgebildeten Faschisten ebenso tüchtige Arbeifer abteilungen nötig sind. Deshalb ftellte sich der unter der Führung der Sozialdemokratischen Partei stehende Arbeitersportverenanteste Schwimmen des Tages. Kopf an Kopf lagen die Mannband in den Dienst der Sache. Bei den Ortsvereinen des Berbandes wurden militärische Sektionen geschaffen, die beim Borstand eine eigene Leitung hatten. Die Settionen nahmen den Rampf gegen den lettischen Faschis. mus nach allen Richtungen hin auf; sie hatten viele Berlufte zu tragen. Bereits im Jahre 1924 waren 3000 attive Mitglieder vorhanden. Nach der Ermordung des Genossen Massat wurden endlich die faschistischen Organisationen verboten, gleichzeitig aber auch der Arbeitersportverband und damit die sozialdemokratisch- rupublikanische Gegenorganisation. Das nüßte der Realtion allerdings wenig, denn nach der Auflösung des Arbeitersportverbandes traten sämtliche Arbeitersportler in die Sozialdemokratische Arbeiterpartei und gründeten dort Sportfettionen. So war es möglich, trotz aller Drangfalie rungen die Bewegung erfolgreich weiterzuführen. Seit dem 1. Juli dieses Jahres arbeiten die Arbeitersportler wieder in einer selb ständigen Organisation, die den Namen„ Arbeitersport- und Schuhbund"( Stradnieku Sports un Sargs") führt. Der neue Bund hat zurzeit 45 Ortsvereine mit rund 4000 Mitgliedern. Es ist selbstverständlich, daß der Bund seine ursprüngliche Auf gabe, nämlich Sport zu treiben, nicht aufgegeben oder vergessen ersten Arbeiter- Olympiade in Frankfurt a. M. in diesem Jahre be hat. Die schönen Erfolge der lettischen Arbeitersportler auf der weisen das. Der Schutzbund hat feine militärischen Sektionen, die nach Gruppen, Zügen, Rompagnien und Bataillonen eingeteilt find und militärisch geschult werden. Die Mitglieder tragen eine be sondere Uniform, die der unseres Reichsbanners Schwarz- Rot- Gold ähnlich ist. In politischer Hinsicht arbeitet der Arbeitersport- und Schutzbund" im engsten Einvernehmen mit der Sozialdemokratischen Thr Küchengeschirr reinigen Sie am besten mit VIM. Frei von Säuren ist VIM das hygienischste Putzmittel für das Kochund Tisch- Geschirr. VIM 30 PF. UND WENN EINMAL DAS GELD NICHT REICHT, KAUFT MAN BEI FEDER FEDERLEICHT DHUNU YJ. Schon die Sonnabendfämpfe ließen erkennen, daß die Wahl der eingeladenen Vereine gut getroffen war; die Schwimmen zeigten geschlossene Felder und harte Kämpfe um den Sieg. Go war gleich die Eröffnungsstafette 6mal 50 Meter ein hartes Rungen zwischen Neukölln und Vorwärts, das Neuföln nur durch den Schlußmann für fich entscheiden fonnte. In weiteren Abständen foigten Breslau und Mannheim. Besonders hervorzuheben ist die Beit, die der Jugendliche Frohn Neukölln im Männlichen Jugendschwimmen 100 meter beliebig mit 1.12 erreichte. Wenn die Zeiten im Bruft, Rücken- und Seitejchwimmen nicht ganz die während der Diympiade gezeigten Leistungen erreichten, so nur deshalb, meil alle Schwimmen aus der Schwimmlage ohne Startiprung vollzogen wurden. Die Männer Bruststafette war das interschaften von Vorwärts und Neukölln vom Start an bis furz vor dem Biel zusammen. Erst der Schlußschwimmer von Vorwärts tann durch schnelleren Anschlag den Sieg für seinen Berein buchen. Die Sprünge gezeigten ergaben gutz Durchschnitts leiſtungen. Besonders hervorzuheben ist das Springen des einbeinigen Springers Frey- Mannheim. Das Jugendwasser= ballspiel Hannorer- Borwärts Berlin fonnte lesterer mit 5: 2 überlegen gewinnen, während im zweiten Spiel Leipzig- Neuföun wurde pünktlich 3 Uhr das Feft mit einem eindrucksvoll vormit 4: 0 Toren Neukölln den Sieger stellte. Am Sonntag getragenen Prolog eröffnet. Mit lebhafter Spannung wurde dem standen sich der Olympiafieger Werner- Mannheim, Götte- Neukölln 100 Meter Männerschwimmen entgegengesehen. Hier und clu 33 a Breslau das Schwimmen erst erster beenden. Werner Kaluzza- Breslau gegenüber. Ganz überraschend konnte verlor Terrain durch ungewohntes und schlechtes Wenden. 1 Resultate vom Sonnabend, ben 31. Oktober. Männerftafette 6x50 Meter, RI. A: 1. Neukölln 3,21,2. 2. Borwärts 3,24. Weibl. Jugendbrustschwimmen 100 Meter: 1. Beer 1,43,4. 2. Chriftopei, Borwärts, 1,51,3. Männl. Jugendschwimmen 100 meter: 1. Frohn, Neukölln, 1,12,4. 2. Miltreit, Neukölln, 1,18,2. Männerrüdenschwimmen 100 Meter, RI. A: 1. Götte, Neukölln, 1,24,1. 2. Sowe, Neukölln, 1,28,2 Beibl. Jugend- Sagen stafette 3 × 100 meter: 1. Borwärts II 5,31,4. Männl. Jugend Bruststafette 4 × 50 Meter: 1. Borwärts I 2,48,2 2. Neukölln I 2,49,3. Männerseiteschwimmen 100 Meter, RI. A: 1. Saluzza, Breslau, 1,19,4. 2, Sitischer, Borwärts, 1,23,4. Männerbruftfchmimmen 100 Meter, RI. A: 1. Ringel Vorwärts, 1,28,2. 2. Jastulsti, NeuZölln, 1,29. Springen für Männer, RL, A, 5 Springe: 1. Bed, Borwärts, 31 Buntte. 2. Rrabel, Neutöln, 293 Punkte. Stredentauchen für Männer: 1. Baple, Borwärts, 50 Meter in 41% Get. 2. Freiländer, Mannheim, 50 Meter in 46% Get. 3. Bluhm, Neukölln( einbeinia), 50 Meter in 1,03. Männer. ftafette 3 × 100 Meter, RI. A: 1. Neukölln 3,35,2. 2. Vorwärts, Berlin, 3.48. Männl. Jugendlagenftafette 4 × 50 Meter: 1. Vorwärts I 2,34,1, 2, Sleuföln I 2,35,2. Baddeln für Männer 25 Meter topfwärts und 25 Meter fußwärts: 1. Dahle, Neukölln, 1,26,3. 2. Fuchs, Neukölln, 1.20. Männerbruftftafette HERREN, LOUIS WINCKELMANN DAMEN AEN, KINDER KLEIDUNG DA MEN- HERREN PELZE WASCHE feder ALLES AUF KREDIT BRUNNENSTR- 1/ FRANKFURTER ALLEE 350 NIEDRIGE PREISE KOTTBUSER DAMM 108/ CHARL- SCHARRENSTRS KLEINE ANZAHLUNG Mitglied des Verbandes des BEQUEME RATEN kreditgebenden Einzelhandels SOZIALE RÜCKSICHTNAHME Tapeten 25 Pf. 30 Pf. 35 Pf. 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Freiländer, Mannheim, 9 Telier. Weibl. Jugenbrüdenschwimmen 100 Meter: 1. Gaönberg, Bormärts, 1,47.1. 2. 98agner, Neutölln, 1.48. Männer- Bruftfomimmen 200 meter: 1. Ringet, Bormärts, 3,19.4. 2. Schula, Reutöln, 3,24,2. Frauen- Riidendsimmen 100 Meter: 1 Niefdh, Reutöün, 1,46. 2. Rohrdorf, Reukölln, 1,56,4. Männerftafette 50, 100, 200, 100, 50 Meter: 1 Neuföln 6,23,4. 2. Bormärts, Berlin, 6,34,4. Anabenbruftafette 4 × 50 Meter: 1. Borwärts I 3,09,1. 2. Reukölln II 8,19,2. Männl. Jugendtafette 4 × 50 Meter: 1. Borwärts I 2,19,1. 2. Neukölln I 2,20,2. Männerfchwimmen beliebig 100 Meter, RI. A: 1. Ralussa. Breslau, 1.10.1. 2. Götle, Neukölln, 1,10,2. Rettungsschwimmen 50 meter: 1. Brzebielsti 1,22,3. 2. Bent, NeuBun, 1,32,4. Mädchenbruftftafette 4x50 Seter: 1. Neuföln I 3,30,2. 2. Bormaris I 3,37. Wafferballfviele: Jugendmannschaften Leipzig gegen Borwärts, Berlin, 3: 6. 2. Jugendfoiel Sannover gegen Neukölln 2: 4. Männerflaffe: Sannover gegen Breslau 6: 3. 2. Spiel Mannheim gegen Neukölln 2: 4. „ Neptun 1894." Am Sonntag hielt der Lichtenberger Schwimmverein Neptun 1894" fein diesjähriges Schwimmfest im Stadtbad Friedrichshain ab. Der gute Besuch des Festes war ein Zeichen, daß ein reges Interesse für den Schwimmsport besteht. Die Starienden zeigien großen Eifer bei den einzelnen Wettkämpfen. Besonders gute Leistungen brachten die Jugendlichen des festgebenden Vereins. Den Abschluß bildeten 2 Wasserbalispiele. Borwärts- Lichtenberg fonnte gegen die Jugendmannschaft des Veranstalters nur ein Unentschieden von 3: 3 herausholen. Bei den Männermannschaften trat Berliner Schwimmunion gegen Neptun- Lichtenberg an und fonnte das Spiel mit 5: 1 gewinnen. Resultate. Sugenblogenstafette 4 × 40 meter: 1. Neptun, Lichtenberg, 4,45. 2. Bormärts, Lichtenberg, 5,00. Männerfeiteschwimmen 80 Meter: 1 Sütscher, Borwärts, 1,05,3. 2. Cobus, Union, 1,10,1 Beibl. Jugenbrüdenschwimmen 80 Meter: 1. Grieche, Neptun- Lichtenbera, 1,29. 2. Bichöfer, Union, 1.38,1. Knaben- Bruftschwimmen 40 meter: 1. Thiele 41. 2. Grund 48. Mädchenbrufschwimmen 40 Meter: 1. Söhnom 54. 2. Baltrafchat 55,2, fämtlich Neptun Lichtenberg. Beibl. Jugendfchwimmen 40 meter: 1. Rein, Borwärts, 1,35,2. 2. Teklaff, Stephun- Lidytenberg. 38,4. 1 Männl. Jugenbrüdenschwimmen 120 meter: 1. Gräbert, Borwärts, 1,48,4. 2. Senfchle, Neptun Lichtenberg, 1,50. Jugendspringen: 1. Sönow, Litenberg, 13,2 Bunkie. 2. Senschke, Sichtenberg, 11,1 Buntte. Beibl. Jugendbruftfchwimmen 40 Meter intern. 1. Born 44,4. 2. Paschte 46,2. Männl. Jugendschwimmen 80 meter: 1. Rühn, Richtenberg, 1,05,5. 2. Sönow, Neptun- Lichtenberg, 1,10. Anaben- Bruft fchwimmen 40 meter: 1. Quz, Union, 37,3. 2. Grensing, Neptun- Lichtenberg. 39,3. Männer- Lagenftafette 4x100 Meter, RI. B: 1. Union, Berlin. 6,31,3. 2. Freie Schwimmer Charlottenburra 6,31,4. Frauenbrufschwimmen 80 Meter: 1. Röjer, Reptun- Lichtenberg, 1,26,4. 2. Borchert, Union, 1,32. Männl. Sugendbruftschwimmen 120 meter: 1. Seine, Neptun- Weißenfee, 1,57. 2. Lange, Neptun- Lichtenberg, 2,00. Männer- Rüdenidhwimmen 80 Meter, RI. B: 1. Schmidt, Lichtenberg, 1,15. 2. Soffmann, Freie Schwimmer Müggelfee, 1.16. Jugendbrufschwimmen 40 meter: 1. obstau, Lichtenberg, 40,2. 2. Krisch, Sichtenberg 41,2. Weibl. Jugendlaren stafette 3 × 40 meter: 1. Reptun, Lichtenberg, 2,02,2. 2. Vorwärts. Lichtenberg, 2,07.1 Bereinsmehrkampf, Männer: 1. Charlottenburg 49 Bunkte. 2. Weißenfee 44% Bunkte. Jugend beliebig intern. 40 meter: 1. Bauer, Lichtenbers, 32.1. 2. Ernst, Lichtenberg, Mädchenbruftfchwimmen 80 Meter: 1. Solm, Lichtenberg, 41,1. 2. 2ad, Lichtenberg. 41,4. 32,2. Elternabend der FTGB.- Wedding. Wie alljährlich, io veranstaltet der Bezirk Wedding der cien Turnerschaft Groß- Berlin" am morgigen Mittwoch einen Citernabend. Die Kinderabteilungen merden mit guten Darbietungen aufwarten. Die Veranstaltung findet in den Germania fälen, Chauffeestraße, statt. Die Arbeiterschaft ist herzlichst ein geladen. Theater Lichtfpicic ntw. Volksbühne 8 Uhr: FIESKO Morgen 8 Uhr Wer weint um Juckenack? Staats- Theater Opernhaus 8 Uhr: Bajazzi Pucinella Opernhaus am Königsplatz 7% U. Der Waffenschmied Schauspielhaus 3 Uhr. Hannibal Schiller Theater 8 Uhr: Weihnachtseinkäufe Liebelei Städtische Oper Charlottenburg Heute 8 Uhr Ariadne auf Naxos Abonnem.- Turnus 2 Deutsches Theater 7 Uhr: Der Kreidekreis von Klabund VARIETENEUHEITEN sensationeller Art In der SCALA Kammerspiele Dir. A. Hellmer 8 Uhr: Das Apostelspiel von Max Mell 8U. Lessing- Th. Gier unter Olmen von O'Neill Gerde Müller Wegener, Müthel Hieines Th. Tägl. 8 Uhr: Residenz- Th. 8 Uhr: Circes Heirat Hesterberg. Sabo Engers Mattoni Thalia- Th. Die Komödie Die Alarmglocker Annemarie Kurfürstendamm 207 Lastsp.v.Hennequin a.Caelus 8 Unr Gesellschaft v. John Galsworthy Regie: M. Reinhardt Berliner Theater Ensemble Gastspiel Werbezirk, Ander Albers, E. Burg Lotte Neumann Heidemann, Dora Baselt, Metelka Theater in der Trianon- Theat. Kommandant.Str. 8 Uhr 8 Uhr: Eröffnung des Internationalen Kongresses. In Pantin, einem der Arbeiterpororie von Paris, ist am Sonnabend nachmittag der 3. Kongreß der Arbeiterinter. nationale für Sport und förperliche Ertüchti gung zusammengetreten. Gegründet im Jahre 1913, hat die internationale Bereinigung bereits im Jahre 1919 die durch den Krieg 3erriffenen Fäden wieder aufgenommen und sich im Jahr darauf in uzern erneut zusammengeschlossen. Sie nahm seit dieser Zeit einen mächtigen Aufschwung. Ihre Mitgliederzahl ist in wenigen Jahren von 380 000 auf 1 300 000, die Zahl der ihr angeschlossenen Verbände von 8 auf 14 gestiegen. Eröffnet wurde der Kongreß durch den Bürgermeister von Pantin und Borsitzenden des Verbandes der sozialistischen Arbeitersportvereine, Genossen Auray, der in seiner Begrüßungsansprache als eine der Hauptaufgaben der Internationale die Wiederversöhnung der Bölter bezeichnete und mit dem Ruf: Nie wieder Krieg! schloß. Bridoug ( Belgien), der Vorsitzende des Internationalen Komitees, schilderte den Werdegang der Vereinigung, die mit wachsenden Erfolgen den Rampf gegen die bürgerlichen Organisationen in den einzelnen Ländern aufgenommen habe. Der Kongreß begann sodann die Beratung der auf seiner Tagesordnung stehenden Fragen. Als Borsitzender für den ersten Verhandlungstag wurde Genosse Gellert Deutschland gewählt. Ein Antrag des Borfizenden der kommunistischen Sportinternatio. nale, als Journalist den Berhandlungen bei wohnen zu dürfen, wurde abgelehnt. Dagegen wurde auf Antrag Deutschlands mit 13 gegen 8 Stimmen beschlossen, einen Wertreter der kommunistischen Sportverbände zu der Frage des Zusammenschluffes der Arbeitersportbewegung zu hören. Die Nachmittagssigung galt vorwiegend organisatorischen Fragen. Ein Antrag Deutschlands, den Siz der Internationale von Belgien nach Deutschland zu verlegen. stieß auf franzöfifchen Widerspruch. Die Abstimmung darüber wurde auf Montag vertagt. Am Sonntag nachmittag fanden zu Ehren des Kongresses mehrere sportliche Beranstaltungen statt, die von lofalen Berbänden bestritten wurden.. Jiu- Jifu- Kampfabend„ Nord- Ost 06". Die Johannisthaler Zweigabteilung der sportlichen Bereinigung Nord- Ost 06" veranstaltete einen sehr interessanten JiuJitsu- Kampfabend. Die Kämpfe, die durchweg flott geführt wurden, gaben Beugnis guten Könnens und ernsten Trainings. Der gut besuchte Abend wurde mit Jiu- Jitsu- Borführungen( Demonstrationen) begonnen, denen sich ein Trainingsfampf zweier guter Techniker anreihte. Dann begannen die eigentlichen Kämpfe. In der Jugendklasse siegte Jofiel( Joh.) über Briesemeister( NO.) durch Armhebel nach 3,45 Minuten. Es folgten Kämpfe der Männerabteilung. Dobroschelsti( Joh.) und Reichenbach( NO.) trennten sich nach hartem Kampf in 15 Minuten unentschieden. Einen schönen Kampf lieferten fich Rennert( Libertas) und Stirnemann( NO.), der leider in der zweiten Runde abgebrochen werden mußte, da Rennert sich die Hand verstauchte. Rieme( ND.), ein vollkommener Technifer, siegte bereits nach 55 Gefunden über Hanisch( Joh.) durch Halsschere. Gute Beranlagung in der Jugendflaffe zeigte noch Reuger( Joh.), er mußte jedoch nach 4,30 Minuten gegen Finninger( RD.) aufgeben. Horlemann( Joh.) und Behrend( Joh.) trennten sich unentschieden. Der Haupttampf des Abends, bei dem Machner( NO.) auf DIE LEUCHTE ASIENS GOTAX BLIDDHAS KAMPF UN LIEBE UND ENTSAGUNG REGIE: FRANZ OSTEN URAUFFÜHRUNG 7 UHR HEUTE 9 UHR ANLASSLICH DER EROFFNUNG DES PICCADILLY UNTERGRUNDBAHNHOF BISMARCKSTR. KAPELLMEISTER: HANSHEINRICH DRANSMANN Täglich 8 Uhr: Th Ld. Klosterstr. 43 Neves 8 Uhr: Gastspiel Kochzeitstage Anneliese HALLER von Geraldy. Servan Jacobsen, Teabler d. Dts. Volksth.Wien Vorz. dies. zahl. von Dessan TU. zum 1. Male: an der Abend- Mittwoch, 4 Nov Antonia Lustspiel in 3 Akt v.M. Lengyel Sári Fedák, Otto Tressler, H. Lackner kasse 1/2 d. Kassenpreis. Margarete Koeppke Barnowsky- Bühnen KI. Pr. z. 1, Male: REVUE Theater im am 0 Theater TOT al Taglich 8 10 Uhr: Olly- Polly Märchen Vorste Admiralspalast Der Ehestreik Kinder 3%: Rotkäppchen ACHTUNG! mit d Schlierseer Bauerntheater Ria Thiele, Emmy Theater in der Theat. d. Westens WELLE Förster, K. Ehmann, Königgrätz.Str. Siegfr. Breuer, Franz 8 Uhr: Wie es Engel, Dr. Szilágyi Inszenierung Dr. Rudolf Beer 8 Uhr: euch gefällt Mittw. u. Do. 8 U: Philharmonie Don Juan u. Faust Haydn- Mozart- Die Tribüne Beethoven- Abd. des Philharm. Orch Birig. Prof. Jalias Priver sint. G- Dur Haydn, Tägl 8 Uhr: Zurück zu Methusalem omödienhaus Tägi. 8 Uhr: 7. Sini. Beethoven, Kopf oder Schrift Sol.: Veit u, Höber! Das große Operettenhaus Tägl. 8 Uhr: Gastspiel Eduard Lichtenstein 505!" Th. am Kurfürstendamm 8 Uhr: Metropol- Theater zowsir. 112 Theater in der Täglich 8 Uhr Niddy Impekoven D. Mädel v. Rhein Netta alle känze Schneewifchen Bis Donnerstag geschlossen Mittw, nachm. Vorzeig. zahl.( auch Redlich( ND.) stieß, endete nach 25 Minuten gleichfalls unentschieden. Die Gegner waren fich durchaus gleichwertig und mit erstaunlicher Schnelligkeit wechselien fie Stellungen und Lagen, ohne daß jedoch der eine oder andere eine Entscheidung herbeizuführen vermochte. Die Veranstaltung war durchaus geeignet, für den Jiu- Jitsu- Kampfsport zu werben. * Der am Freitag im Moabiter Gesellschaftshaus vom Sport. Club Siegfried 09 veranstaltete Borabend brachte durchweg guten und harten Sport. Die bewegtesten Treffen waren im Fliegenund Weltergewicht, wo Schöne( Nord- Ost) gegen Liebig und Müller ( Nord- Oft) gegen Ludstadt nach wechselvollem Kampfe unentschieden fampften. Es siegten Kraft( Lurich) über Schulz, Kulczac über Blank( Nord- Oft), Adamkiewicz über Heese( Lurich) und Schent ( Nord- Ost) über Winkler durch t. o. Der Einleitungstampf im Jugendpapiergewicht zwischen Angermüller( Lurich) und Kontorret erntete viel Beifall, er wurde ohne Wertung ausgetragen. Rartel- Verband Webbing, 3. Bezirk. Montag, den 9. Stovember, 7½ Uhr, findet im Ledigenheim Schönstedtstraße, Simmeritr. 22, vorn 1 Trp., eine Startelfigung ftatt. Jeder Berein und jede Abteilung muß einen Vertreter entienden. vember, 8 Uhr, Funktionärversammlung bei Masello, Lichtenbera, Sauptstr. 6. Lichtenberg, Sagenstr. 1. Lichtenberger Schwimmberein ,, Stepinn 1894" e. B. Mittwoch, den 4. Ste Sonnabend, den 14. Rovember, 8 Uhr, Mitgliederversammlung bei Daberkow, Athleti- Sport- Club. Geschäftsstelle: Sanns Rahn, Berlin MD, Marienburger Git. 47. Leichtathletik, Handball, Hoden, Rudern. Am Dienstag, den 3. November, nach den Baden, Borstandsligung. Donnerstag 8 Uhr Waldlauf in Sabowa, Balbfchänke. Freitag, den 6. Rovember, Monatsverfainmlung bei Sehrigt, Mühlenstraße, Ede Brommnbrüde. Am Sonntag, den 8. November, spielen die Männer- Sandballmannschaft unt 2 Uhr gegen Sparta" in Adlers. hof und die 2. Sodenmannschaft um 2½ Uhr gegen 2. Bilmersdorf in Bilmersdorf. Touristenverein Die Naturfreunde"( Rentrale Wien), Ortsgruppe Berlin. Mittwoch, den 4. November, in der Schule Beinmeisterraße Funktionärsgung. Monatsprogramme mitbringen. Der Eli- Trodenturfus am Mittwoch fällt aus. Sufammenkunft aller Rurfusteilnehmer Donnerstag, den 5. November, Abt. Wedding. Dienstag, 8 Uhr, im Seim Schleiermacherfir. 10, Sef lints. ben 3. November, im Seim 2üttider Str. 48 Bortrag des Genossen Lehrer Boltersdorf über Aftronomie. Gäste wiltommen. Sonntag, den 8. Novembers Banderung Ertner- Stien fee. Treffpunkt 7 Uhr Lehrter Stadtbahnhof. Abt. Friedenen. Dienstag, den 3. November, im Jugendheim Offenbacher Straße 5a, Bortrag: Staat, Rommune und Naturfreundebewegung. AWI( Urbeiter- Wintersport Intereffengemeinschaft) Groß- Berlin. Mitglieder perfammlung am Donnerstag, ben 5. Ronember, 7 Uhr, auf dem Fichteplas in Baumschulenweg. Tagesordnung: 1. Kurse und Ausbildung. 2. Winterfportfahrt. 5. Winterfportgeräte- Berficherung. 4. Befchaffung von WinterWintersportfahrt. Unsere diesjährige WinterSportgeräten. 5. Neuwahlen. portfahrt geht wieber nach dem Riefengebirge und fahren wir gemeinsam am 24. Dezember nach Schmiedeberg. Rückfahrt beliebig bis zum 3. Januar. Melbeschluk bis 1. Dezember. Mene Aurse. Die zurzeit laufenden Rurse find voll befest und können diefen Monat feine neuen mehr eingerichtet werden. Fire die Novemberkurse nimmt Otto Steinide, Gieliger Str. 25, Neuanmeldungen entgegen oder in der Mitgliederversammlung em 5. November. Jugendliche toftenlos. Am 1. November macht hie AMJ eine Arbeitsfahrt. Auch Rurfiften fönnen teilnehmen. Mit Schanzeug und Sonntagsrüdfahrt1 tarte nach Groß- Besten 6,45 Uhr früh ab Görliker Bahnhof. Damen- Schwimm- Verein Berlin 1923. Uebungsstunde jeden Mittwoch von 6-7 Uhr in der Badeanstalt Dderberger Straße. Gikung jeben Freitag nac Geschäftsstelle: Agnes Meißner, Lichtenberg, Röderftr. 59. ben 7. November, in Mentes Bolfsgarten, Lichtenberg. Röderftr. 28/29, Winterdem 1. und 15. des Monats im Aleinen Schulthei", Raffanienallee 23, 8 Uhr. Am Sonnabend, vergnügen. Freie Turn- und Sportvereinigung 94, 1. bt., Romames. Mittwoch, den 4. November, 8 Uhr, Bersammlung bei Siemte, Wallstraße. Die Jiu- Jitsu- Abteilung ,, Nord- Di" beginnt wiederum mit einem Anfängerturfus für Jugendliche und Erwachfene in der Sporthalle Christburger Straße 7. Eine befondere Gebühr wird nicht erhoben. Die Leitung hat der kreisipotiwart E. Mielle übernommen. 5 öffentl.Versammlungen am Dienstag, 3.November, abends 7/2 Uhr 1. Moabiter Gesellschaftshaus, Wiclefstraße 24 2. Kliems Festsäle, Hasenheide 13-15 3. Königsbank, Frankfurter Straße 117 4. Sophien- Säle, Sophienstraße 17-18 5. Schloß Schönhausen( Schönherr), NiederSchönhausen, Lindenstraße 11 Thema in allen Versammlungen: Massenvergiftung schulpflichtiger Kinder. Referenten: Adolf Harndt, Adolf Hoffmann, Paul Rogal, Dr. Karl Sturm, Curt Witthauer. Die Geistlichen und Lehrer sind besonders eingeladen. Freireligiöse Gemeinde Mitgl. der Arbeitsgem. freig. Verbände. 12 Komische WINIARTEN 81 Oper Dir.: James Klein 81 Größte Revue der Welt Von Abis Z Das Gewaltigste an Ausstattungspracht, was je auf einer Bühne gezeigt worden ist 46 Bilder! 300 Mitwirkende! Das Tagesgespräch Berlins Parkett 6.- M. Preise 2.- bis 12.- M. ( Logen 15- M.) Vorverkauf ununterbr. geöffnet Freitag 8 Uhr: Ver- Stgs.) halbe Preise, Rose- Theater tellenangebote anstalt. des Vereins nachm. v. 25 Pfg. an Berliner Presse: abends v. 50 Pig an 84 Uhr: BummelOperette von Kollo Erna Nitter Curt Bois Wenn ich wollte... Parkettpl.v. 2-12 M Deutsches Generalprobe Intimes Theater No No Nanette Bülowstr.6. Tägl.8 U. Sonnabend, 7. Nov. Alle Berl. Zeitangen schreiben Premiere des Weiterfolges: Nono Nanette Stall Levy mit Y ist der größte HerrnfeldGastspiel Casino- Theater seit 30 Jahren. H. Rang von 2 Mk. Th. a. Mollendorfpl. Kunstler- Theater Parkett von 4 Mk. Logen von 8 Mark Täglich 8 Uhr: Der Orlow Central. Theater 8 Der Tägl. 3/8 Uhr: Uhr Trieschübel Icizie Kus Fritzi Massary: Operatie von Rob. Winterberg Die Teresina Ne Lustspielhaus Falk, Vespermena, Hainisch, Th. am Schiffbauerdamm Picha, Wasa, Math, Hell. 8 Uhr: Potasch& Perlmutter( Henes Operettenhaus) Stg., Mittw u. Sbd. 8: Lady Fanny und Märchenvorstelig II. Teil Wallner- Theater Täglich 8 Uhr: Täglich 8 Uhr: studenten finden im Vorwärts beste Beachtung Rennen zu Strausberg Schlager Dienstag, den 3. Novbr. nadimittags 1 Uhr Charlottenburg ab. Friedrichstraße ZO Neu: APOLLO- THEATER Die Fran im gefährlichen Alter DER MANKexanderplate Schlesisch. Bhf. 8 ( Polasch& Periwaffer h. Film) die Dienstbotenfrage Dornröschen. Fä den Verber das Nov.- Pregram DER SICH VERKAUFTE Strausberg Volkstüml. Preise 1141 114 6 5 ! November- Sensationen! auf allen Gebieten der internationalen Varieté- Kunst Sonnt. nachm. 31%, Uhr halbe Preise Rauchen gestattet Elite- Sänger Kottbuser Str. 6- Tel. Mpl. 160 77. Täglich& Uhr a. Sonntag nachm. 3 Uhr( zu halten I reisen): Klubfreunde musik.Auf k Der alte Derischullehrer, Lebensbili Zum Schluß:?? Jugendsande?? sowie der unvergleichliche Soloteil. Reichshallen- Theater Allabendlich& Uhr a. Senalas nadm. 3 Uhr Steffimer Sänger Nachm. halbe Preise' Dönhoff- Brett'i: Familien Varleté. Anfang 8 Uhr Sonntags 5% Obr. Circus Busch RheinlandLetzte Woche: Manege- Festsp 1000 Jahre Deutscher Rhein Neue November- Spezialit. ua. Bergs lustige Bären Der Mann in der Kanne Prolongiert Flugknstler Mirano am fllegendenTorpedo . 118 119 .. 11% 11 . 113 1143 135 an 1215 122 12 128 Neukölln, Berliner Tik- Trio Lahnstr.74/ 75 L Str. 519 42. Jahrgang 2. Beilage des Vorwärts Kommunale Produktionskredite. Leistungssteigerung der städtischen Betriebe durch Anleihen. Wenn eine Kommune in Deutschland eine ausländische Anleihe aufnehmen will, so ist sie an die Zustimmung der Beratungs. stelle für Auslandskredite gebunden. Die Beratungs stelle ist eine nach Stabilisierung der Währung gegründete Reichs instanz. Den Vorsiz in der Beratungsstelle führt ein Vertreter des Reichsfinanzministeriums. Ein wichtiges Mitglied der Beratungsstelle ist der Bertreter der Reichsbant. Nun hat sich der Reichsbankpräsident Dr. Schacht fürzlich in verschiedenen Aeußerungen sehr scharf gegen die Bemühungen der Kommunen gewandt, Kredite auf dem ausländischen Kapitalmartt zu erhalten. In erster Linie zu Auslandskrediten berechtigt seien die privaten Birt. schaftstreife. Es erscheint notwendig, gegen diese Auffassung des Reichsbantpräsidenten Stellung zu nehmen. Herr Dr. Schacht macht einen Unterschied zwischen der kommunalen Betätigung und der Wirtschaft". Demgegenüber muß darauf hingewiesen werden, daß die deutschen Kommunen heute zahlreiche Unternehmungen betreiben, die wesentliche Bestandteile der Wirtschaft find. Gas, Wasser und Elektrizitätswerke, Straßenbahnen, Untergrundbahnen u. dgl. find Anlagen, die lebensnotwendige Güter oder Dienste produzieren. Der Bedarf der Städte an langfristigen Anleihen für ihre werbenden Unternehmungen ist heute außerordentlich groß. Auf der einen Seite sind die meisten Werte in ihrer technischen Substanz durch den Krieg und die nachfolgende Inflationszeit start start heruntergewirtschaftet worden. Auf der anderen Seite hat sich seit Stabilisierung der Mark der Absatz an Gas, Elektrizität usw., sowie der Berkehr auf den Straßen und Untergrundbahnen bedeutend gehoben. In Berlin z. B. betrug im Inflationsjahre 1923 die nugbare Strom: abgabe der städtischen Elektrizitätswerte 436 Millionen Kilowattstunden. Im darauffolgenden Jahre 1924 war die entsprechende Bahl 462 Millionen Kilowattstunden. Im laufenden Jahre 1925 wird der mußbare Stromabfaz, nach den bisher vorliegenden Zahlen zu urteilen, den Wert von 600 Millionen Rilowattstunden überschreiten. Diese Entwicklung geht bis jetzt noch immer in einem raschen Tempo weiter. Um die vorhandenen, unzureichend gewordenen Betriebsmittel in Einklang zu bringen mit der steigenden Nachfrage, find große Erweiterungen der technischen Anlagen notwendig, Die naturgemäß große Mittel erfordern. Da der deutsche Kapitalmarft in seiner heutigen Verfassung nicht in der Lage ist, die benötigten Summen herzugeben, so bleibt nur der Schritt in das Ausland übrig. Es besteht fein Grund, weder vom Standpunkte der Boltswirtschaft, noch von dem der Währung aus betrachtet, diesen Auslandskrediten der Städte Schwierigkeiten in den Weg zu legen. Die kommunalen Unternehmungen find nämlich produktiv zunächst in dem Simme, daß sie die Berzinsung und Tilgung der aufgenommenen Anleihen selber herauswirtschaften. Darüber hinaus aber sind Neuinvestitionen in den fommunalen Werfen gerade im gegenwärtigen Zeitpunkt in einem tieferen Sinne produktiv. Nämlich infolge des rapiden Fortschrittes der Technik befißen moderne Betriebseinrichtungen einen höheren wirtschaftlichen Gütegrad als Anlagen älteren Datums. Sofern es sich also bei den städtischen Unternehmungen darum handelt, entweder einen Mehrbedarf zu decken oder veraltete Anlageteile stillzusehen, werden neue Anlagen, eben weil sie moderner find, meistenteils billiger produzieren, als dies mit den älteren Betriebsmitteln möglich war. Die neuen Anlagen bringen alfo Ersparnisse. Diese Ersparnisse fönnen entweder in dem städtischen Haushalt für allgemeine Zwecke des Etats verwandt werden, oder sie können dazu benutzt werden, die Tarife, die die Abnehmer der Werke zahlen, herabzuseßen. Beide Verwendungszwecke tommen der Bevölkerung zugute, indem entweder der Steuerdruck oder die Produktionskosten bzw. die Kosten der Lebenshaltung vermindert werden. Ersparnisse in den kommunalen Betrieben stellen eine Erhöhung der Leistungsfähigkeit der Bolts= wirtschaft dar, die sich u. a. in einer Erhöhung der Konkurrenzfähigkeit auf dem Weltmarkte äußert. Steigerung der Leistungsfähigkeit der Wirtschaft ist aber ein wesentlicher Faltor für die aufrechterhaltung der Währung. Rommunale gewerb liche Unternehmungen, die durch ausländische Kredite in einer technisch und wirtschaftlich zweckmäßigen Weise ausgebaut werden, bedeuten also nicht nur eine Schwächung, sondern im Gegenteil, eine Stärtung der Währung. noch insofern eine besondere Bedeutung, als die eingangs erwähnte Die Frage der Auslandskredite hat für Berlin im Augenblick Beratungsstelle zurzeit damit beschäftigt ist, die 30- millionenFrant- Anleihe zu prüfen, die die städtischen Elektrizitätswerte die Abficht haben, bei einem schweizerisch- holländischen Bankentonfortium aufzunehmen. Die Anleihe ist bekanntlich für den Bau des Großtraftwertes Rummelsburg bestimmt. Dieses neue Wert gehört zu jener Kategorie von Anlagen, die durch ihre hochmoderne technische Einrichtung die elektrische Energie billiger erzeugen werden, als es in den vorhandenen Kraftwerken der Stadt bzw. durch den Bezug von Fernstrom bisher möglich war. Aber für den Entschluß, das neue Kraftwerk zu errichten, ist dieser Gesichtspunkt der Verbesserung der Defonomie gar nicht einmal ausschlaggebend gewesen. Es handelt sich bei Rummelsburg einfach darum, den ständig wachsenden Mehrbedarf der Bevölkerung an elektrischem Strom zu befriedigen. Dieser Mehrbedarf kann nur durch den Bau eines neuen Kraftwerkes gedeckt werden. Denn selbst die von manchen Seiten empfohlene Ausdehnung des Bezuges von Fernstrom würde doch nur der Erhöhung der Grundleistung zugute kommen. Die Spizenleistung müßte immer an Ort und Stelle erzeugt werden, so daß eine starte Er. weiterung der Betriebsanlagen in Berlin felbft unter feinen Umständen zu vermeiden ist. Diese Erweiterung etwa durch Ablehnung der 30- Millionen- Frant- Anleihe zu verhindern, hieße, der Bevölkerung und der Wirtschaft die elektrische Energie vorzuenthalten, die fie für die Beleuchtung, für die industriellen und gewerblichen Kraftbetriebe und für die Straßen- und Untergrundbahnen dringend i benötigen. Dr.- Ing. W. Majerczit. Großbanken und Berliner Pfandbriefbank. marties war aber so start, daß holländische Käufer von Golbpfand. Pfandbriefamtes gehalten. Die Beunruhigung des Pfandbrief briefen auf den Ankauf verzichteten. Diktatur über den Pfandbriefmarkt? Im Anschluß an die Sanierung des Rahn- Konzerns spielt auf dem Markte der Goldpfandbriefe zwischen den beteiligten Groß banken und der Berliner Pfandbriefbank ein Kampf, der in hohem Maße öffentliche Intereffen berührt. Bekanntlich haben mehrere Großbanken, darunter die Diskontogesellschaft und die Commerz und Privatbant, gegen Kredite an den Kahn- Konzern zirka 5 Millionen 10- und 8prozentige Goldpfandbriefe der Berliner Pfandbriefbank übernommen. Damit nicht genug. In den inzwischen zum Schutz des Pfandbriefmarktes von öffentlichen Stellen eingeleiteten Verhandlungen erklärten die Banken sich zwar bereit, mit Rücksicht auf die Sicher heit des Goldpfandbriefmarftes mit Berfäufen zurückzuhalten. Sie dehnten nun aber ihre Versuche, das Kursrisiko auf andere abzu wälzen, auf die Stadt Berlin aus. Sie wollen den Goldpfandbriefmarkt nur unter der Bedingung vorläufig in Ruhe laffen, daß die Berliner Pfandbriefbant fich wenigstens inner. zum Börsenkurs verpflichtet und daß überdies die Stadt Berlin die Bürgschaft dafür übernimmt, daß die Abnahme zum Börsenkurs auch wirklich erfolgt. Außerdem soll sich die Berliner Pfandbriefbant verpflichten, in der Zwischenzeit feine neuen Gold Pfandbriefe auszugeben. Sehr bedenklich und u. U. für die Zukunft der Goldpfand- halb einiger Monate zur Abnahme der Pfandbriefe briefe gefährlich sind die Praktiken, zu denen sich die be= teiligten Großbanten berechtigt glauben, um aus der Festlegung einiger Millionen ihrer Bestände keine Liquiditätsschwierigkeiten und aus dem eventuellen Verkauf der Goldpfandbriefe feine Kursverluste zu erleiden. Aus irgendwelchen Gründen beabsichtigen die Banten nämlich den Berkauf der Goldpfandbriefe. Pfandbriefe find nun teine Attien. Die Goldpfandbriefe der Berliner Pfandbriefbant find mündelsicher, es besteht eine Zins und durch die hinter den Pfandbriefen stehenden Hypotheken eine Rückzahlungsgarantie. Wer Pfandbriefe hat, kann, Stabilität der Währung vorausgefeßt, nie sein Kapital verlieren. Der Kurs aber, genau wie der Kurs von Staatspapieren, ist beweglich und geht zu Lasten des Befizers der Pfandbriefe. Die Hypotheken- und Bfandbriefbanken haben wohl ein großes Interesse daran, daß ihre Pfandbriefe einen festen Kurs haben, aber unmöglich tönnen fie dazu verpflichtet werden, weil sonst die freie Preisbildung auf dem langfristigen Rapitalmarkt unmöglich gemacht würde. Um die Sicherheit der Goldpfandbriefe zu gewährleisten, sind die Pfandbriefbanken übrigens verpflichtet, jeweils so viel Pfandbriefe mieder aufzunehmen, als der Bestand an gewährten Hypotheten zurüdgeht. Das wissen auch die Großbanten. Sie wiffen ferner, welche große Bedeutung für die Gesundung der deutschen Wirtschaft ein richtig funktionierender und vom Vertrauen der Sparer getragener Pfandbriefmarkt hat. Sie selbst sind im eigenen und im Gesamtintereffe verpflichtet, am Wiederaufbau eines gefunden und träftigen Kapitalmarktes mitzuwirken. Dennoch sind fie auf dem besten Wege, nachdem sie durch ihre ungesunde Bins. und Stügungspolitik die Aktien fast zu Assignaten gemacht haben, auch die Pfandbriefe dazu zu machen. Aus der Furcht vor möglichen Kursverlusten bei dem freien Berkauf der Pfandbriefe haben sie nämlich von der Berliner Pfandbriefbant gefordert, ihnen ihre annähernd 5 Millionen Goldpfandbriefe aus dem Kreditgeschäft mit dem Kahn- Ronzern zum Börsenkurs abzunehmen. Als sich die Pfandbriefbant mit Recht dagegen verwahrte, weil sie als öffentliche Bank zwar gemeinwirtschaftlichen, aber nicht den privattapitalistischen Interessen ber Großbanken zu dienen habe, versuchten die Banten es mit Drud. Auf dem Berliner Pfandbriefmarkt wurden furz hintereinander große Beträge Berliner Goldpfandbriefe bis zu mehreren hunderttausend Mark angeboten, was vorübergehend zu Kurseinbußen führte. Der Surs wurde durch Auffäufe des Berliner herangezogen aus: Dienstag, 3. November 1925 Genossenschaften in der Wirtschaftskrise. Im letzten Bande seines Berichts über die Produktionserhebung, der soebent erschien, zollt das Internatio= nale Arbeitsamt dem wohltätigen Wirken Anerkennung, das die Genossenschaften aller Art während der durch den Krieg veranlaßten Wirtschaftskrise entfaltet haben. In den allgemeinen Schlußfolgerungen des Kapitels über die Bekämpfung der Krise spricht sich der nun endgültig abgeschlossene Bericht wie folgt ,, Unter den Kräften, die wir in dem Werte überblickten und die ficher in nennenswertem Maße zu den beobachteten Ergebnissen beitrugen, haben wir ganz besonders die Genossenschaften zu erwähnen. Wir hatten unsere Fragebogen an deren Zentralstellen in den verschiedensten Ländern gerichtet. Mit Entgegentommen haben sie unseren Wünschen entsprochen. Sie haben die von ihnen geleisteten Arbeiten beschrieben, das Programm entwor fen, welches sie ihren Bestrebungen zugrunde legten. Wir glauben an dieser Stelle das regelnde Wirken unterstreichen zu sollen, Lebensmittelmarkt in den fritischen Stunden ausübten, als fein wie welches die Konsumvereine in einer Anzahl Länder auf dem immer gearteter Widerstand die Teuerung hemmen tonnte. Wir weisen hin auf das Band, das in manchen Ländern zwischen den landwirtschaftlichen Genossenschaften den städtischen Konsumvereinen geknüpft wurde, auf die Zentralisierung des Einkaufs und des Absages in den Händen regionaler und nationaler Organe, auf die von Land zu Land zwischen den Zentralorganen hergestellten Verbindungen und auf die Ausschaltung jedes Gewinnstrebens in diesen Beziehungen, auf die Verwirklichung eines wahrhaften internationalen Solidaritätsgeistes in ihnen und durch fie. Bir erinnern zu gleicher Zeit an ihr Streben, die Staa. ten selbst in ihren allgemeinen Beziehungen mit dem Geifte der Genossenschaftlichkeit zu durchdringen. und er 20 Proz. Dividende im Ulstein- Haus. Auch der Riesenbetrieb die Note der Inflation fennen gelernt. des Ulftein- Berlags hat, wie das gesamte deutsche Zeitungsgewerbe, Aber Konzentration das beste Mittel gegen die Krisenerscheinungen ist. Handlungsunkosten durch kaufmännische und betriebliche hat die Konsequenz daraus gezogen, daß die Senkung der 1921 wurden die Familienbesig gebliebenen Ullstein- Betriebe zur Attiengesellschaft zusammengeschlossen, die eine Anzahl Untergesellfchaften durch Beteiligungen kontrolliert. Für die Entrichtung der Umsatzsteuer dürfte das eine große Entlastung gewesen sein. Die gute Druckereitonjunttur nach der Inflation, die reichen Annoncenaufträge der start aufgelebten Reklame tamen hinzu. Allerdings, der Uüstein- Berlag hat ein gutes Fingerspigengefühl für das, wonach die Deffentlichkeit verlangt. Der geringen Kauftraft des bürgerlichen Mittelstandes, die das Buchgewerbe daniederliegen läßt, fam er mit neuen Zeitschriften entgegen. Die Vielseitigkeit der pon technischen Zeitschriften und billiger Publikationsgebiete, Bücherferien bis zu den Schnittmustern und zur Kinderzeitschrift lagsreklame. Das Ergebnis ist für 1924 eine glänzende erlaubben hundertmillionenfach eine durchgreifende Ver= Bilanz Es wird auf 10 Millionen Aktienkapital ein Reingewinn von 2,7 Millionen oder reichlich ein Biertel des Aktienkapitals ausgewiesen. Der tatsächliche Gewinn dürfte noch um die 2,3 Millionen höher sein, um die die Grundstücke und Gebäude a b gewertet worden sind. Die gestiegenen Zahlen der Anlagen und Mobilien werden im Geschäftsbericht nämlich durch die vorgenomme nen gründlichen Modernisierungen der Betriebe belegt. Man darf den Reingewinn alfo wesentlich höher veranschlagen. Der Geschäfts. bericht selbst gibt dafür außer dem schon genannten start gestiegenen Annoncengeschäft einige Gründe an, besonders die hohe Auflage der Beitungen. Die Arbeiterschaft fann, nachdem sie ihre verstreuten Be triebe zusammenzufassen begonnen hat, von der taufmännichen Form und dem tonzentrierten Vorgehen des luftein- Konzerns mancherlei lernen. Umwandlung der Firma Heinrich Lanz in Mannheim in eine Affiengesellschaft. Die bisher als offene Handelsgesellschaft betriebene Firma Heinrich Lanz in Mannheim, die durch ihre MaschinenAttiengesellschaft unter der Firma Heinrich Lanz A.-G. mit einem rung der Deutschen Bank und der Rheinischen Kreditbank in eine und Motorfabrikation bekannt ist, wird binnen furzem unter Füh Grundkapital von 12 Millionen Mart und einer offenen Reserve von 1,2 Millionen Mart umgewandelt werden. Die unmittelbare Beranlassung für diese Umwandlung bildet die im vorigen Jahre mit der R. Wolf A.-G. in Magdeburg eingegangene Interessengemeinschaft, die ohne die Gleichheit der Gesellschaftsform beider Unternehmungen sich nicht in vollem Umfange hätte auswirken können. fönnen. Die gesamten Attien übernehmen die bisherigen Gesellschafter der Firma Heinrich Lanz, die Erben des Gründers der Firma find. Die Lage der Kabelindustrie. Zu den nach wie vor gut befchäftigten und auch rentablen Industrien gehört die deutsche Kabelindustrie. Sie profitiert von der guten Konjunktur, die von der allgemeinen Ausdehnung der Elettrizitätswirtschaft in der ganzen Welt ausgeht. In Deutschland hatte insbesondere die Inflation starte Auftragsreserven aufgespeichert. Der Ausbau der Wasserkräfte und Stromneße, die fortschreitende Elektrisierung in der Industrie, der Wiederaufbau des deutschen Seetabelverkehrs brachten erhebliche Aufträge, besonders aus den gemeinwirtschaftlichen Elektrizitätsunternehmungen. In den Bilanzen für das Jahr 1924 fam ( Duisburg, Rheydt, Deutsche Rabelwerke, Hackethal und Boltohm) wurden Rohgewinne von rund 9,7 Millionen( gegenüber 6,2 Millionen 1913) ausgewiesen. Die Reingewinne betrugen bei den fünf Werken 1924 allerdings nur 2,1 gegen 3,3 Millionen 1913, da die Geschäftsuntosten( ohne Abschreibungen) gegenüber 1913 fich mehr als verbreifacht haben. Die Dividenden betrugen bei brei Gesellschaften 6,6 und 15 Broz. zwei Gesellschaften haben auf die Dividendenverteilung verzichtet, obwohl wenigstens die eine ( Hadethal Draht- und Rabelwerte) mit ihrem 3,06 Millionen Bruttogewinn sicher dazu in der Lage gewesen wäre. Allerdings ist dabei zu berüdfichtigen, daß die Dividenden fich gegenüber der Borkriegs zeit auf ein bedeutend erhöhtes Rapital verteilen. Das Aftienfapital der fünf Gesellschaften beträgt heute 30,0 gegenüber 18,25 Millionen 1913. Die umfaße sind offenbar start gestiegen. Am deutlichsten dürfte sich das aus der start gestiegenen Vor ratshaltung und den Warenbeständen ergeben, die mit 10,5 gegen 5,4 Millionen verdoppelt sind. Das Jahr 1924 allein ist mit 2,3 Millionen an dieser Steigerung beteiligt, ein Zeichen, wie befruchtend das Ende der Inflation auf die Industrie wirkte. Auf Diese starte Beschäftigung dürfte auch das Ansteigen der Gläubiger zurückzuführen sein( es wird wenig mit Banttrediten ge= arbeitet), die sich gegenüberr 1913 und Anfang 1924 auf 13,7 Millionen verdreifacht haben. Zahlungsschwierigkeiten scheinen bei den Abnehmern wenig zu bestehen; die Außenstände sind, trotz des erweiterten Geschäfts, niedriger als 1913( 13,5 gegen 15,2 Millionen). Auch im Jahre 1925 ist die Beschäftigung sehr gut. Es wurden sowohl Betriebserweiterungen als Reueinstellungen Das ist in einer Sache, die für die Bolkswirtschaft von höchfter Bedeutung ist, zum eigenen Borteil privater Bankintereffen eine Preffion in vollster Form. Abgesehen davon, daß die Berbiese günstige Lage deutlich zum Ausdrud. Bei fünf großen Werfen pflichtung zur Rücknahme zum Börsenfurs einer Baluta. klausel gleichkommt, wie sie gegenwärtig vom Reichswirtschaftsministerium bei den Kartellen unterdrückt worden ist, soll das Vermögen der Steuerzahler zu einer Bürgschaft gegen mögliche Kursverluste von Privatbanten werden. Die Banten übertragen nun also die Methode, die sie bei ihren Konzernstübungen zugunsten der Sicherheit ihrer Forde rungen gegenüber dem Staat durchgesetzt haben, auf den Pfandbriefmarkt ganz allgemein und auf die Stadt Berlin im besonderen. Wenn dieser Forderung nachgegeben wurde, so müßte das zu Konsequenzen führen, die geradezu tatastrophal wären. Alle öffentlichen Banten, die Goldpfandbriefe ausgegeben haben, müßten auf das Anfordern der Privatbanken zum Börsenkurs beliebige Mengen von Pfandbriefen aufnehmen; da das auf die Dauer niemals anders geschehen könnte als entweder durch Inanspruchnahme öffentlicher Mittel oder durch Kündigung der 5ypothefen, müßte das ganze, mit so großer Mühe wieder aufgebaute Geschäft der öffentlichen Realkreditbanten zusammen. brechen. Das sind schließlich Konsequenzen, zu denen es unter teinen Umständen tommen darf, zu denen das Verhalten der beteiligten Großbanten im Fall der Berliner Pfandbriefbank aber unausweichlich führen muß. Dem Herrenwillen der Großbanken, der mühsam ihre wachsenden Verlegenheiten verdeckt, müssen endlich jene Grenzen gezogen werden, die nicht mehr wie bisher die wirtschaftlichen Gesamtinteressen den Privatinteressen der Großbanten opfert, statt diese den Gesamtinteressen ein und unterzuordnen. Wenn man auch verschiedener Meinung fein fann, ob das Berliner Pfandbriefamt immer eine gemügend vorsichtige Politik getrieben hat( zu einer Beunruhigung der Pfandbriefbefizer liegt allerdings nicht der mindeſte Grund vor), so muß man vom brandenburgischen Oberpräsidenten bei den kommenden Berhandlungen doch die nachdrücklichste Wahrung der öffentlichen Interessen den Großbanten gegenüber erwarten. K- r. borgenommen. Fufion in der München- Gladbacher Textilinduftrie. Eine bedeut fame Fusion in der München- Gladbacher Tertilindustrie wurde jetzt vollzogen. Sowohl die Generalversammlung der Gladbacher er tilwerte. G. vormals Schneiders& Irmer als auch bie Gladbacher Wollindustrie A. G. vormals 2. Joften ftimunten dem seit einiger Zeit vorbereiteten Fusionsplan ber beiben Werke zu; erstere mit allen gegen zwei Stimmen, legtere einstimmig. Damit ist die Verschmelzung der beiden Werke, die zu den wichtigsten des München- Gladbacher Industriebezirks gehören, vollzogen. Etatsdebatte im Landtag. Beratung des Kultusetats Der Preußische Landtag führte am Montag die allgemeine AusSprache zum Haushalt des Staatsministeriums und des Ministerpräsidenten zu Ende. Der demokratische Abgeordnete Riedel wies auf die schädlichen außenpolitischen Folgen der zweideutigen und unaufrichtigen Politik der Deutschnationalen hin, deren Presse es fertig bringt, den Beschluß des Reichskabinetts unter dem Vorfiz Hindenburgs in sein Gegenteil zu verfehren und zu behaupten, das Ergebnis von Locarno habe nicht die Billigung der Luther- Regierung gefunden. In der Einzelaussprache betont Ministerpräsident Braun Delbrück vernichtet die Dolchstoßlüge. Coßmanns Behauptungen sind Geschichtsfälschung und Volksvergiftung. " München, 2. November.( Eigener Drahtbericht.) Im Dolchstoß-| fommen lassen. Denn auf die Stimmung der Front fommt es doch Prozeß hat am Montag die Woche der Sachverständigen" sehr viel an, und diese Stimmung ist nicht identisch mit der in begonnen. Da man voraussetzen durfte, daß diese sechs Herren ihr Hauptquartier und bei den Stäben. Nun ist für diesen Prozez Urteil in ruhiger Sachlichkeit abgeben werden, sodaß die bisher üb- wichtig, ob Coßmann für den Inhalt der Süddeutscher lichen dramatischen Höhepunkte nicht in Aussicht stehen, hatte das all- Monatshefte" verantwortlich ist. Er ist natürlich nicht für gemeine Intereffe nachgelassen. In dem fleinen Gerichtssaal flaffen jede einzelne Wendung verantwortlich, aber für den Geist des selbst auf den Pressebänken erhebliche Lücken. Am Montag aber Ganzen trägt er die Verantwortung, und in diesem Fall umso ficherlich nicht zu Recht. Denn die Art und Weise, wie der hoch mehr, als er ja offensichtlich die Mitarbeiter aussuchte und ganz angesehene Gelehrte Professor und Geheimrat Dr. Hans Del einseitig zusammengestellt hat. Die Gegenpartei tommt in diesen brüd seine Ansicht über den Dolchstoß der„ Süddeutschen Monats: Dolchstoßheften überhaupt gar nicht zu Wort. Dafür ist nun der hefte" vortrug, war nicht nur reich an dramatischem Leben, sondern Herausgeber verantwortlich, und zudem ist für die ganze Einleitung überraschte vor allem durch die absolut flare Entschiedenheit, mit und für das ganze Nachwort unzweifelhaft Coßmann persönlich der er die Sozialdemokratie und ihre Führer mit Einschluß der verantwortlich zu machen. früheren USB- Leute freisprach von den Berdächtigungen Coßmanns und mit der er weiter ohne Dichten und Deuteln die beiden Dolch stoßhefte des Klägers für eine glatte tendenziöse Fäl gegenüber deutschnationalen Beschwerden, daß der Posten einer neuen Regierungsratsstelle in der Breffeabteilung des Staatsministe riums durchaus nicht überflüssig sei. Gegenüber fommunistischen Angriffen auf die Zustimmung des Staatsministeriums zur Wieder: einführung der Einfuhrscheine erklärt der Ministerpräsident, es sei ihm unerfindlich, wie man aus der Haltung des Staatsministeriums zur Einfuhrscheinfrage einen Gegensatz zwischen ihm und der Sozial- chung der geschichtlichen Tatsachen erklärte. demokratie konstruieren fönne. Nach Abschluß der Besprechung wird das Gehalt des Minister. gräsidenten bewilligt. Die Abstimmung über die angefochtenen Titel und vorliegenden Anträge findet am Dienstag statt. Das Haus geht hierauf zur zweiten Beratung des Haushalts für Wissenschaft, Kunst u. Bolfsbildung über. Es finden vier allgemeine Besprechungen statt, die folgende Gegenstände umfassen: 1. Minifte rium, allgemeine Berwaltung, Lehrerbildungs- und Volksschulmesen, evangelische und katholische Kirche; 2. Provinzialschulkollegien und höhere Lehranstalten; 3. Universitäten und technisches Unterrichtsmejen; 4. Kunft. Gen. König- Swinemünde eröffnet die allgemeine Aussprache mit einer wirksamen Rede, die in großen Zügen die staatliche Kulturpolitik in den Rahmen des weltpolitischen Geschehens der Kriegsund Nachkriegszeit hineinstellt. Die Schulpolitik der preußischen Regierung trägt in der heutigen Zeit politisch, wirtschaftlich und gesellschaftlich eine schwere Berantwortung. Politisch hat sich das Antlig Europas in den zehn Jahren seit 1915 total verändert; damals Monarchien, heute Republiken, ein Weltdrama hat sich vollzogen. Der Jugend muß der Blick für die Ursachen und Zusammenhänge dieses Weltdramas geschärft mer. den; deutsch nationale Führer fönnen das Schiff der heutigen deutschen Jugend nicht als Kapitäne lenten; denn Führer fönnen die nicht sein, die schimpfend und negierend beiseite stehen. In Europa vollzieht sich überall ein Aufsteigen des vierten Standes als gleichberechtigter Stand; die Arbeiterschaft stellt die politischen Führer. Der vierte Stand wird in dem Gesellschaftstörper als gleichberechtigt eingegliedert( Unruhe rechts); daß Sie( nach rechts) das nicht verstanden haben, ist Ihre schwere Schuld.( Lachen rechts.) Sie machen jetzt Anleihen beim Freiherrn von Stein, den die preußischen Junter als ihren ärgsten Feind verfolgt und geächtet haben. Nehmen Sie die Gewerkschaften von Rhein und Ruhr meg, so wären diese Landesteile heute nicht mehr deutsch. Die Arbeiterschaft hat Deutschland gerettet. Wir fordern vom Kultusministerium, daß es dem vierten Stande der breiteffen Schicht der Volksmasse den Zugang zu allen Bildungsstätten vermittelt. I Sachverständiger Delbrüd. Was ist Dolch stoß? Man fann darunter verstehen, daß dem fiegreichen oder wenigstens im Gleichgewicht stehenden Heere in den Rücken gefallen wurde, oder man fann darunter die Vergrößerung einer vorhandenen Niederlage bei noch währendem Kampfe verstehen. Man kann schließlich den Dolchſto wesentlich darauf reduzieren, daß die Revolution auf den Waffenstillstand und den Frieden einen überaus ungünstigen Einfluß ausgeübt hat. Letzteres ist nicht abzustreiten, ist aber noch weniger bewiesen. Wenn General Gröner, mit dem ich sonst in allem, was er gesagt hat als Zeuge, übereinstimme, im Einklang mit anderen Militärs ausge führt hat, daß vielleicht noch im Innern Widerstand hätte geleistet werden fönnen, so fann ich das nicht glauben. Ich bin vielmehr der Ansicht, daß man doch immer wieder auch die Gefahren beachten muß, die uns im Südosten und im Süden drohten, wo wir voll. tommen zusammengebrochen waren. Das Entscheidende der ganzen Dolchstoßfrage ist, warum wir den Krieg verloren haben. Wir verloren ihn dadurch, daß die große Offensive, auf die unsere ganze Hoffnung gefeßt war, am 21. März 1918 zwar einen ruhmvollen tattischen Erfolg, aber feinen strategischen Erfolg gebracht hat. Sie ist vom Standpunft der Strategie als ein tatsächlicher Mißerfolg hinzustellen Die Schuld liegt nach meiner Meinung an überaus schweren Fehlern der militärischen Führer. Da setzt num das ein, was ich als zweite Auffassung vom Wesen des Dolchstoßes auffasse, nämlich das allmähliche Nachlaffen unserer Kräfte. Es ist fein Zweifel, daß dabei auch die Stimmung unter den Truppen, die von der Heimat genährt wurde, eine Rolle gespielt hat, aber es ist doch wohl zu unterscheiden, wieviel von den Einwirtungen der Heimat auf die Truppen auf die revolutionäre Agitation entfällt und wieviel dabei einfach die materielle Not ausgemacht hat. Dazu kommt noch, daß sich immer mehr die Auffassung verbreitete, die Fortsetzung des Krieges sei über. flüssig; Deutschland hätte einen Berständigungsfrieden haben tönnen. Der Verständigungsfriede ist nur ein Friede auf dem status quo, und für diesen Frieden haben wir nicht das nötige getan, weil wir uns nicht haben entschließen können, die Erklärung abzugeben, daß wir vollständig auf Belgien verzichten. Noch immer aber stoßen wir auf Widerstand, noch immer straubt fich die oberste Schulperwaltung auch gegen die elementarsten Notwendigkeiten auf diesem Gebiete. Der Schielesche Reichsschulgesetzentwurf ist ein Zeugnis für die Bildungsfeindlichkeit der Rechten, er bedeutet eine Herabdrückung der Volfsbildung. Auch dem fünftigen Das haben wir nicht getan, und das ist die ungeheure Sünde. Lehrer will man nicht die Borbildung geben, die er nötig hat, um Ich zähle nicht weniger als vier bis fünf ganz pofitive Friedens den modernen Ansprüchen gerecht zu werden. Wirtschaftlich ist angebote der Entente, teilweise natürlich in diplomatischer Ber. cbenfalls eine völlige imgestaltung und Umschichtung eingetreten.hüllung. In all diesen Friedensangeboten wurde am uns mehr oder Auch diese Umwälzung Europas muß der Jugend durch die Schule meniger deutlich die Frage geftellt: Wie denti ihr über zum Berständnis gebracht und besonders der Geschichtsunterricht ent- Belgien? Aber nic gaben wie offiziell eine flare und zuver prechend vertieft und bis auf die Gegenwart burchgeführt werden. lässige Antwort. Die deutsche Republif, die sich auf die deutsche Arbei terschaft stügt, wird auch die deutsche Frage im groß deutschen Sinne lösen, wird die Fahne Schwarz- 9 Rot. Gold wieder voll zu Ehren bringen. Ich hoffe, daß der Kultusminister sich der preußischen Jugend so annehmen wird, wie wir es erwarten.( Beifall bei den Soz.) Abg. Delze( Dnat.) legt die Stellung seiner Fraktion zum Reichsschulgesetz dar. Letzten Endes sei die Weimarer Verfassung schuld an den schwierigen Verhältnissen. Die Schule müsse vom chriftlichen Geiste durchdrungen sein. Unverständlich sei die Haltung des Zentrums. Das erkläre auch, daß die katholischen Wähler sich in so großer Zahl der Deutschnationalen Partei zuwenden.( Lachen und Widerspruch im Zentrum.) Abg. Dr. Lauscher( 3.) wünscht Wahrung der. Barität bei der Stellenbesetzung in den Abteilungen des Ministeriums. Die religiöse Spaltung darf nicht dahin führen, daß mir nicht mehr ein Bolk von Brüdern sind, dessen einzelne Mitglieder sich zu gemeinsamer Arbeit die Hand reichen müssen.( Sehr wahr!) zu erinnern sei an die Boeligiche Schulreform. Die Deutschnationalen hätten fich nicht gegen die Kürzung der Religionsstunden gewandt. Ueber das Reichsschulgeset sei eine Berständigung möglich, wenn sich die Linke auf den Boden der Gewissensfreiheit stellen wollte. Kein Berständnis fei aufzubringen gegen die Kampfansage der Sozial. demokratie in Heidelberg. Das Zentrum wolle die Bekenntnisschule niemand aufdrängen; die Sozialdemokraten aber wollen eine Zwangseinheitsschule auch den Widerstrebenden aufnötigen. Das Zentrum werde auch meiter an der konfessionellen Lehrerbildung festhalten. Abg. Schwarzhaupt( D. Bp.): In der Personalpolitik scheint die oberste Schulverwaltung jetzt das Schwergewicht darauf zu legen, die Linke zufriedenzustellen.( 3uftimmung rechts, Widerspruch lints.) Bezüglich der Beobachtung der Barität haben wir ebenfalls vielfach Grund zu Beschwerden und wir hoffen, daß der Minister auf Grund der von uns im Hauptausschuß gemachten Angaben Remedur schaffen wird. Der Reichsschulgesehentwurf in seiner gegenwärtigen Form drücke die Leistungsfähigkeit der, Schule bedenklich herab; es wäre erfreulich, wenn dieser Entwurf zurüdgezogen würde. Abg. Korff( Komm.) meint, die heutige Wissenschaft und Kunst feien, wie Bolizei und Justiz, nur Mittel zur Aufrechterhaltung der tapitalistischen Klassenherrschaft. Es sei nicht das geringste unter= nommen worden, das Schulwesen republikanisch einzustellen. Auch die christlichen Kirchen seien die Bundesgenossen der tapitalistischen Diktatur. Ulm 47 Uhr vertagt das Haus die Weiterberatung auf Dienstag 11 Uhr. Bergleichen wir die Furchtbarkeit der wirtschaftlichen Lage, die unzulängliche Verpflegung und Ausstattung der Front, die Ueber. zeugung, daß man den Frieden hätte haben tönnen, wenn man ihn mur ehrlich wollte, die grauenhaften Menschenverlufte, die Empfindung von der llebermacht der feindlichen Front, weiterhin die Erkenntnis der ungenügenden Wirkung des Unterseebootfrieges, sich allmählich immer mehr durchseßte, daß die Regierung und die von der man uns so viel erzählt hatte, fomie die Erkenntnis, die Oberste Heeresleitung die öffentliche Meinung systematisch getäuscht hat, und fragt man sich nun bei diesem Vergleich, wieviel hat da eine systematische Agitation bei der moralischen Zermürbung der Front durch die Sozialdemokraten mitgewirkt, so muß man zu der Erkenntnis und zu dem Urteil kommen, daß diese Agitation ein nur ganz unbedeutendes Moment in dem großen Ganzen gewesen ist. Daß die Generäle und Admirale, die eine fubjeftiv gar nicht verdenken. führende Stellung hatten, das nicht zugeben, das will ich ihnen Denn fie gehören mit in den Kreis der Schuldigen. Ich glaube, daß das Ergebnis der Zeugenaussage etwas anders ausgefallen wäre, wenn man nicht nur Admirale, Generale und Stabsoffiziere, sondern auch Frontsoldaten hätte zu Bort Vorträge, Vereine und Versammlungen. Reichsbanner Schwarz- Rot- Gold". Gefchäftsstelle: Berlin G. 14. Sebaftianfte. 37/38. Sof 2 Ez. Sennigsdorf. Di., d. 3., 8 Uhr, bei Wolter Monatsversammlung ohne Damen, Tagesordnung: Arbeitsplan für den Winter. Lichtenbern. nebft Abteilungen. Do., d. 5., 7 Uhr, Antreten des gesamten Arcises bei Rrüger. Um 7,15 Uhr Abmatich um 10 Uhr Sigung fämtlicher mittags 3 Uhr, bei Echonert am Rummelsburger Gee. Republikanischer Rug- und Gruppenführer. Sämtliche Mitglieder, auch paffive, Go., d. 8., nady Familienabend. Pflichtbeteiligung. Mitte: Di., b. 3., 8 Uhr, Jugend Aderstr. 1. Berein der Freibenter für Feuerbestattung, 12. Bezirk, Steglis, Lankwik, Richterfelde. Dienstag, den 3. November, 7 Uhr, in der Oberrealschule Steglis, Elifenstr. 3/4, öffentlicher Lichtbildervortrag über unsere heutige Renninis Dom Ursprung des Menschen". Bereinigung für Schul- und Erziehungsfragen. Dienstag, den 3. November, 8 Uhr, im Realgymnasium Oberschöneweide. Reppelinstraße, Bortvag: ,, Die Liebe als Erzieher"( Conrad Agahd). Ritherklub Sarmonie- Erita". Dienstag, 8 Uhr, Ewalds Vereinshaus, Staliger Str. 126. Jetzt zu der Hauptfrage: Sind diese Hefte nach der Behauptung des Beklagten eine Geschichtsfälschung? Da tann ich Coßmann nicht helfen. Es ist eine Geschichtsfälschung umfo schlimmerer Art, als sie gleichzeitig eine Boltsvergiftung darstellt. Ich fann es den ungerecht Beschuldigten nicht verdenken, wenn sie sich in schärfsten Ausdrüden dagegen verwahren; eine fühle, sachliche Widerlegung würde nicht durchgedrungen sein. Die leiden schaftlichen Angriffe mußten leidenschaftlich beantwortet werden. Solche Beschuldigungen rufen bei den Angegriffenen Empörung hervor, die fich äußern muß. Ich muß noch hinzufügen, daß die Klägerparteiselbst einen Rudzug angetreten hat. Zunächst haben die Süddeutschen Monatshefte" ein anderes Heft folgen lassen, ein Jahr später, in dem sie nachträglich eine Zermürbung der Front durch moralische Momente bestätigen. Weiterhin läßt Coßmann jetzt die Mehrheitssozialdemokratie, d. h. den größten Teil der Gewerkschaften und der Arbeiterschaft, so gut wie vollständig aus der Schuld heraus. Ich möchte sagen, daß Neunzehntel der Anklage, die ursprünglich in den Heften erhoben wurde, eigentlich jetzt vom Kläger fallen gelaffen find. Es wäre also notwendig, wenn Brofessor Coßmann sich entschlösse, auch das legte Behntel fallen zu lassen. Das sollte Coßmann nach meiner Ansicht zugeben, daß erstens der Anteil der fyftematischen Kriegsjabotage an der Katastrophe von 1918 im Verhältnis zu allen anderen Ursachen nur fehr gering gewesen ist, und zweitens, daß die Sozialdemokratische Partei als solche von diesem Borwurf überhaupt nicht betroffen werden kann. Das wäre nach meiner Meinung ein unschäßbarer Dienst an der Wahrheit wie am deutschen Bolt. In der dann folgenden Fragestellung Coßmanns und feines Brteidigers erflärte der Sachverständige Delbrüd u. a., daß auch die USB. im wesentlichen frei ist von einer Schuld an der Bermürbung der Front. Ganz frei sei sie allerdings nicht z sprechen, aber hier handle es sich nicht darum, sondern um die Tatsache, daß die Angriffe zweifellos die jetzige Sozialdemokratie treffen sollen. Daran ändert nichts, daß an mancher: Stellen der Dolchstoßhefte Unterscheidungen nach dieser Richtung gemacht worden sind. Denn es handelt sich hier um den Gesamteindrud, und der geht gegen die Sozialdemokratische Partei schlechthin. Im übrigen enthalten die Hefte für mich nichts Neues. Die Hefte geben sich als wissenschaftliche Forschung und sind in Wahrheit eine Leidenschaftliche Tendenzschrift. Die Hefte behaupten, die Industriearbeiterschaft habe, durch Agitation verführt, den Sieg nicht gewollt. Was heißt,„ Sien wollen? Den Ludendorff- Sieg mit der flandrischent ich auch nicht. Ich wollte einen Sieg, wie ihn Friedrich der Große Küste, Lüttich usw., diesen unmöglichen Sieg mollte in dem Hubertusburger Frieden besiegelte. Den Sieg im Sinne Friedrichs des Großen aber, den wollte das ganze deutsche Volk einschließlich der Unabhängigen Sorfaldemokratie. Sierauf tam der zweite Sachverständige zu Wort, Amtsgerichtsrat a. D. Herz, der durch seine lange Tätigteit im parlamentarischen Untersuchungsausschuß bekannt geworden ist. Dr. Herz mies zu nächst nach, daß die internationale und pazifistische Einstellung den Willen zur Landesverteidigung an fich nicht zu schmälern brauchten. Dann schilderte er, wie das Mißtrauen in breiten, Schichten des Boltes immer größer wurde, als die Oberfte Heeresleitung ihren allmächtigen Einfluß auf die politische Beitung des Reiches aus gedehnt hatte. Ueber die Marinemeuterei erklärt der Sachver ständige, ftändige, daß die erste Meuterei nicht von den Mannschaften, sondern von den Offizieren schon im Jahre 1915 ausgegangen fel, die damals erheblich gemurrt und sich geweigert hätten, die Eisernen Kreuze anzulegen und schließlich nur durch eine scharfe Ordonnanz die Ordnung gehalten werden fonnte. Weiterhin bestritt der Sachverständige, daß die vorgekommenen Wühlereien an der Front überhaupt Erfolg gehabt hätten. Das gehe aus den Erklärungen Ludendorffs im September 1918 hervor. Im übrigen fei bei dem Waffenstillstand nicht die Ehre des deutschen Boltes bedroht gewesen, das vier Jahre lang gegen fünf Kontinente einen heldenmütigen Widerstand geleistet habe, sondern bedroht war nur das Prestige der Generäle. Den Schluß feines Gutachtens erstattet der Sachverständige Dr. Herz am Dienstag. bei Botrak, Gedanftr. 53. Thema: Bortrag des Ingenieurs und Funtfreunds Rümmich über Widerstandsverstärker. Ausstellungsapparate für die Deutsche Amateur- Fundausstellung find mitzubringen. Gäste willkommen. Theosophische Gesellschaft, Zweig Berlin. Mittwoch, ben 4. November, 7 Uhr, in den Gesellschaftsräumen Wilhelmftr. 130, Studienabend: Bevor das Ohr vermag au hören, muß die Empfindlichkeit ibm fchwinden". Mit Diskussion. Eintritt frei. Freidenkervolkshochsdale. Dienstag, den 3. November, 7½ Uhr, Askanisches Gymnasium, Berlin SB, Sallefche Str. 24/26( am Anhalter Bahnhof). Dr. V. Krische: Gemeinschaftskultur". Mittwoch, den 4. November, 7%, Uhr abends: Elocutionary Competition". Longfellow English Debating Club, Berlin W. Bülowftr. 104, Guttmannfaal Hat eine Frau ein Bild von sich von vor ungefähr sechs Monaten, als sie noch nicht Lavaren zum Haarewaichen gebrauchte, und ein neueres, nachdem sie sich feas Monate lang mit Lavaren die Haare wuich? Ich suche solche, unt durch deren Beröffentlichung jeder Frau vor Augen zu führen, wie start und voll die Haare danach werden. Selbstredend nur BbotoArbeiter Radio- Klub E. B., Gruppe Schöneberg. Donnerstag, den 5. Stographien! Reichnungen nicht, denn diese beweisen gar nichts. Friedrich vember, 28 Uhr, Bersammlung aller Mitglieder und werftätigen Nadiofreunde Sauer- Gotha. Nehmen Sie Biomalz wenn Sie Ihre Gefundheit und ein gutes, blühendes Ausfeben erhalten wollen. Ihre Biomala fräftigt und erfrischt den ganzen Rörper ungemein. Schlaffe, telle Büge Nerven erholen fich, Ihre Arbeitstraft hebt sich. 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Fünf Schritte!.Ein»— zwei— drei— vier— fünf— kehrt! — eins— zwei— drei— vier. Dunnerkiel. wenn sie mir wenigstens den verdammten Laden offen ließen, die Idioten. Zu denken, daß man bei nachtschlafener Zeit einen Laden brauchte! Da ist's doch ohne dies dunkel. Und das bißchen Sternengeflunker wäre doch kaum der Rede wert. Ja, wenn man draußen hätte sein können, so ganz allein, mitten im Felde, den weiten winterkalten Nachthimmel über sich, Teufel, wäre das eine Sache. Sieben Laufstunden wären e» nur nach Hause.' Rennen würde er, über Gräben und Dämm«, die Hilgauer Chaussee hinunter, rechts den Feldweg hinüber nach Klein-Schiffen zum Onkel Jansen. „Tja, da wäre halt nichts zu ändern: Ucber den Zaun gleich hinten, auf den Holzstoß, durch die Giebelöffnung in die Mansarde, dann leise, ganz leise— so— die Treppe herunter, nun noch ein» wenig vorsichtiger, daß die Tür zum Schlafzimmer nicht knorrt, der Onkel könne erwachen, denn der ist das Mißtrauen in Person. Tja, dann müßte man halt etwas fest« zugreifen,— so—, noch etwas fester,— so—, dann ganz fest, mit aller Kraft.' „Run würde Jörn» Butnik schnell Licht anzünden und alle» Targeld an sich nehmen, des Onkels besten Sonntagsanzug anziehen. ein großes Stück Fleisch au» dein Rauch einpacken für die ersten Tage und dann könne er vielleicht den Frühzug nach der Hauptstadt erreichen.' Jörn» fühlt« sich moMg, wenn er sich mit dem vielen Geld« in der großen Stadt sah. .Das zweitemal würden sie ihn nicht mehr erwischen. Dunner- kiel! Wie konnte er vor einen halben Jahr« so stockdumm sein und der Polizei in die Hände laufen? Dunnerkiel und Teufel, so stock- blitzhagel dumm!' Jörns Dutnik schlug sich die Hände über die Arm«. Am liebsten hätte er sich auf die Ohren geschlagen, aber er hatte gottsträfliche« Zahnweh. ..Ein»— zwei— drei— vier— fünf— kehrt—«ins— zwei--— da wollte er sich heute nachmittag de« Iammerknochen ausreißen lassen, hatte damit gerechnet, beim Sanitätsrat« in de? Gefängnisklinik«in schneidende» oder stechendes Etwas, vielleicht eine Sonde oder ein ähnliche» scharfe» Instrument an sich zu bringen. Dann hätten sie ihm lange Dunkel machen gekonnt. Keine zwei Tage mchr wäre er in der Gefangenschaft gewesen. Haha! am hellichten Tage hätte er in der Hafstund« den ersten besten Ausseher «nrgegriften. So ganz plötzlich wäre er auf ihn gesprungen und hätte ihn erstochen, hätte mit dem Leblosen scheinbar gerauft und ihm dabei heimlich den Säbel am Knauf gepackt. Wenn dann die anderen drei Aufseher ihrem Kollegen zu Hilf« geeift wären. hätte er einen nach dem anderen erledigt.' Da» übrige dachte sich Jörn» kinderleicht. Rufen würde er über die Scharen der verblüffte« Mit- gefangenen: .Hierher, alle an die Mauer, wer mit heraus will. So— ein« Pyramide gebaut.— So.— du hier, du hier, du hier.— Du auf dies« und diese Schulter, du aus diese und diese.' .Dann würde er, Jörn» hinaufklettern, sich auf die Mauer legen und seine Genossen herauf helfen, so— .Rein, da» würde Jörns Butnik nicht tun. Er vwr schon ein- mal so dumm. Drüben die Mauer hinunter würde er springen und laufen wie ein Hase, nein, wie ein Windhund. Aber den Säbel würde tt mitnehmen.' So ähnlich hatte er gedacht, als er sich zum Rapport meldete. Aber man hatte ihm mitgeteilt, daß sein Zahn erst am nächsten Tage gezogen würde, allerdings in der Zell«. Jörns Butnik legt« sich versuchsweise auf die Holzpritfch«. .Dunner und Feuer, wie kalt und hart; wenn man ihm wenigstens einen Strohsack in den Arrest gelegt hätte. Da» war das allerfchlimmst« was ihm die Bande antun konnte. Totquälen wallten sie ihn während der 13 Jahr«, systematisch zugrunde richten, daß er die Freiheit nicht mehr erlebe. Und das alles wegen einem lumpigen Totschlag.' .13 Jahre! nein nicht mehr ganz.' widersprach sich der Frierend«. .Nur noch 1214, das wären, das Jahr zu 52 Wochen, 12� mal 52, ist gleich 650 Wochen, oder 4550 Tag«. Dunnerkiel. das ist lange. Autsch, mein Zahn.' Jörns Butnik erhob sich von der Pritsche und begann seinen Dauerlaus. .Ei«— zwei— drei— vier— fünf— kehrt! Eins--- hall! ob vielleicht der Wärter die Tür nicht verschlossen hat.' Jörns probiert« leise. Enttäuscht wandte er sich wieder seiner Pritsche zu. .Himmel und Feuer und Teufel, wenn ihm die Tierquäler wenigstens eine Decke gelassen hätten. Nein, verrrecken soll er, daß sie ihn los wären. Aber vor einigen Tagen da hatte er's ihnen ge- zeigt. Und wenn sie die verteufelte Spritz« nicht gehabt hätten, wäre er jetzt in Freiheit.' „Autsch, mein Zahn.' stöhnt« er leise und gequält.„Ich halt'» nimmer aus, 13 Jahr«, nein, 121h nur, aber lang« genug, zum Berzweifeln lauge.' .4550 Tage noch. Hm! Wenn die Nachtwach« sich w der Tür irren würde?' Jörns Butnik hörte sie in dem unteren Stockwert eine Zell« nach der anderen öffnen und schließen. Dann vernahm er die all- nächtlichen gewohnten Schritte auf der Treppe zu seinem Stockwerk. „Zwei Wächter,' dachte Jörns..Ach was, meinetwegen fünf- undzwanzig. wenn sie sich nur in der Tür täuschen. Dunnerkiel, jetzt machen sie die erste Zelle vom am Gang auf. Himmel und Feuer und Teufel, wenn jetzt der Jörns Burnik zufällig dort drinnen märe! Dem ersten würde er plötzlich den Wasserkrug auf den Schädel schleudern— so—. Der würde den Schlüsselbund an der Tür hängen lassen. Dann würde sich Jörn» auf den zweiten Wächter werfen und ihm die Kehle zudrücken— so— noch fester — so— ganz feste, mit aller Kraft— so Luthers Schwanengesang. Ich weiß nicht, was soll es beüeutea, Saß ich fo traurig bin, ÄBSKlMfe». £5— ein Märchen von Rechtsblock uaü pleiten, öas geht mir nicht aus öem Sinn.— „Das gäbe kaum ein Geräusch.' .Dann würde er die Schlüssel leise an sich nehmen und er wäre gerettet.' .Dunner und Teufel und Feuer! wenn sie nur nicht alle Nächte an seiner Zelle vorübergingen. Ausgerechnet an Jörn» Butniks Zelle gingen die Feiglinge immer vorüber. In ollen Zellen schauten sie, ob alles in Ordnung war«, nur in seiner Zelle nicht.' Jörns ballte die Fäuste, es wurde ihm auf einmal etwas warm. Die Nachtwache kam näher, noch fiinf Zellen vor der seinen hatten sie zu kontrollieren. Jörns fror plötzlich nichi mehr. In der rechten Hand hielt er den Wasserkrug, mit der linken Hand machte er würgende Gesten. .Noch oier Zellen,' dachte Jörns.„Dort sitzt der Mädchen- mörder, der feig« Hund Der würde nur Mädchen morden, aber keinen Mann. Od«? gar zweie. Der Schwächling. Aber er, Jörns würde die ganz« Well erschlagen können, ermorden, heimlich oder offen, nur hinaus wolle er. in die Freiheit, da» Hundeleben, das miserable hatte er dick bis an den Hals.' Jörn» Butnik stellt« sich auf die Fußsohlen, breitspurig und wuchtig. Sein« rechte Hand mit dem Krug mochte eine kleine Be- wegung nach rückwärts. Jörns bückt« sich und goß den Wasserrest leise aus den Boden. Dann stellte er sich noch ein« Spur fester auf dem Beton Di« linke Hand griff begehrlich an das Türgewände. „Jörns Butnik würde dem Wächter im ersten Augenblick die Tür aus der Hand nach innen reißen und würde ihn niederschlagen. Noch zwei Zellen. Wenn sie nur nicht vorbeigehen' Jörns Butnik wurde es rot und grün oor den Augen. -Noch ein« Zelle. So jetzt Achtung.' Jörns duckte sich wie ein Tiger zum Sprung«. Die Augen traten ihm aus den Höhlen, der Atem stockt« ihm. leise steckte er die Fingerspitzen der linken Hand zwischen die Tür und das Gewände. Da knickt« er plötzlich zusammen. Die Wache toat vorüber gegangen. Langsam kroch Jörns das Blut zum Herzen.„Eisig kalt wurde es ihm.' „Eins— zwei— drei— vier— füns.' Jörns blieb unter dem Fenster stehen. Dann reckt« er sich aus die Zehen und tastet« mit den Händen langsam nach"ben unter den geschlossenen Laden. Mit einem Finger hatte er ein aus der !?>and vorstehendes, hakenähnliches Eisen gefühlt. Dann ließ er sich auf die Absätze zurückfallen, zog sein leinenes Halstuch aus, knoteie die Zipfel zusammen und hängte die entstandene Schlinge in den Haken. Noch einmal lauert« er nach der Tür, ob die Wache nicht doch noch zurück keyie Dann lehnt« er sich mit dem Rucken gegen die Wand zog sich an der Schlinge in die Höh« und jappt« sich mit cei" Kopie tmein. wann wurde die letzte hexe verbrannt? Bor kaum 150 Jahren. Die letzt«.Hexe' ist nämlich 1781 in Spanien verbrannt worden. In der Schweiz starb das letzt« Opfer dieses traurigen Wahne» im Jahre 1780, in Frankreich um 1731. In Deutschland war die un- glückliche Oberin des Klosters Unterzell bei Dürzburg, mit Namen Maria Renata, das letzte Opfer des Scheiterhaufen«.— Selbst 1866 also oor kaum 60 Jahren, wurde in der Rheinprooinz ein Fräulein das eine zahme Taub« mit sich führte, eben wegen dieser Taube— als herenoerdächtig oerhastet. Sie war während eine» Spazier- ganges in einem Landhause eingekehrt und hatte da» Pech, daß während dieser Zeit im Stalle ein Kalb sich ungeschickt im Anbinde- seil verstrickte und erwürgte. Die» genügt«, um sie als Hex« an- zuzeigen. Zum Glück aber waren die Behörden vernünftiger, als die abergläubischen Anzeiger und verfügten die Freilassung de' Fräuleins. Mengenabgabe vorbehalten WOHLFEILE WOCHE Damen- Wäsche Wir bringen in dieser Woche Waren aus fast allen Abtellungen, die sich durch Ihre Preiswürdigkelt schon Jetzt zum Einkauf für das Weihnachtsfest ganz besonders eignen Mantelstoffe Reinw.Ripse0cm ca. 180 cm breit, gemustert, 350 Meter ca. 130 cm breit, elegante 540 ca. 140 cm breit, gute Qual, Mtr. Kunstseldentrikot game: 350 Satin riche schwarz, elegante Klelderware, 475 100 cm ..... Meter Berliner Köpervelvet schwarz 750 und farbig, ca. 70 cm breit Meter Elderflanell hell und dunkel gestreift, Mtr. Ein Posten Opal 145 weiss u. farbig, für eleg. Lelbwäsche, 35 ca. 95 cm brt., Schweizer Ausrüstg., Mtr. Windelform Hemdhosen won, farbig, kräftige Qualitat.. Trikotagen mit schönem Stickerei- Einsatz. mit schönem Stickeret- Einsatz gutem Ston, 245 Damen- Schlüpfer Baumvolle, Jarble, Fuarlige Quaffee.95 Prinzessröcke Jumperform chest, mit schon aus gratem 275 Strandjäckchen Wischestoff, schöner breiter Stickerei.... 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Nov., starb nad) langem Krantenlager meine liebe Fran Martha Tietz In tiefer Trauer Frig Tieh Bin Niederschönhausen, RarowerStr.8 Einäscherung Donnerstag, den 5. Non., abends 8 Uhr, Kremator. Gerichtstraße Am 1. November, morgens 31 Uhr, entschlief fanft nach turzem schweren Leiben meine liebe Frau, unfere gute Mutter und Schwiegermutter Anna Büchner geb. Büttner, im Alter von 48 Jahren. Mogstr 87. In tiefer Traner Emil Büchner Gertrud Schulz, geb Büchner Wilhelm Schulz Einäfcherung am Freitag, 6. Nov., mittags 12 Uhr, im Krematorium Bilmersdorf. Der Massen- Einkauf gestattet mir folgendes billiges Angebot Deutscher Metallarbeiter- Verband Dienstag, den 3. November, abends 7 Uhr, im Lokal Poweleit, Jostyste. 7: Vollversammlung der Autoreparaturschloffer GroßBerlins. Tagesordnung: 1. Bericht von den legten Berhandlungen über Abschluß des Lohnabkommens. 2. Berschiedenes. Wir ersuchen dringend, daß alle Betriebe pünktlich und zahlreich in dieser Berfammlung vertreten sind. Donnerstag, 3. November, abends Uhr, im Zimmer 28 des Berbandshauses, Cinienftr. 83/85: Vollversammlung fämtlicher Kollegen Schmiede aus den 3anungsbetrieben. Tagesordnung: Stellungnahme Aur Neuwahl des Gesellenausschusses. 2 Branchenangelegenheiten. Bflicht aller Kollegen ist es, in der Ber Tammlung zu erscheinen. Kolleginnen! Kollegen! Donnerstag, den 5. Rovbr., abends 7 Uhr, in der Ausstellung für Arbeiterwohlfahrt, Charlottenburg, Fraunhoferstraße: 50 000 Liter Fruchtweine Mitgliederversammlung süß, 14, m. Steuer Heidelbeer- u. Apfelwein Fruchtwein, Portweintyp Johannisbeerwein Stachelbeerwein. Tagesordnung: 1.„ Die Forbiche Ltr. M. 0.87 Broduktionsmethode in der Berliner 0.96 Metallindustrie". Referent: Baul Zippel. 1.02 2. Ausfprache. 99 99 " " 99 99 1.08 75000 Liter Südweine Mitgliedsbuch legitimiert. Zahlreicher Befuch wird erwartet. unverschnitten, mit Steuer Achtung! Betriebsräte Achtung! Tarragona süß 17%. 1.74 Ltr. M. 1.50 Malaga 16% 99 99 • 99 99 Douro Portwein 20% 99 95 Samos( Krankenwein) Die Betriebsräte- Zeitschrift Nr. 22 ift 2.07 erschienen und kann gegen Borlegung ber 2.70 Begitimationstarte des Betriebsratsobmannes in unserem Bureau, Zimmer 5, 35 000 Fl.Rot- u.Weißweine in Empfang genommen werden. Serie 1 mit Steuer nur M. 0.90 2 " " 11 99" 132 99 3 99 99 " 99 1.80 99 99 99 236 99 99 Die Ortsverwaltung. Erdal Marke Hotfrosch Lederpar Schwar Siegreich durch Qualität Erdal für die Schuhpflege Wer den echten Erstklassige Spirituosen efen Kapitän- Kautabak la Aquavit, 35% la Weinbrand Verschnitt, 38%" la Reiner Weinbrand, 35% la Jam.- Rum- Versch. 45% Ltr. M. 2.95 39 99 3.20 4.20 99 99 4.45 099 .99. 4.45 la Jam.- Rum- Versch( Teerum) 55% 5.20 Die bek. Süßkind- Liköre 38%" Kostproben gratis Ausschank direkt vom Faß Likör- Fabrik u. 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Diese neuen G schäftsstellen befinden sich: in Charlottenburg: Scharrenstraße 39, Eingang Wilhelmplatz ( Telephon: Amt Wilhelm 3060-62); in Neukölln: Weigandufer 435-48 ( Telephon: Amt Neukölln 1523-25); in Spandau: Rathaus, Zimmer 150 ( Telephon: Amt Spandau, Rathaus). Wir bitten die Stromiabnehiner, welche in diesen Bezirken wohnen. sich in allen Rechnungs- und Zahlungsangelegenheiten nur noch an die vorgenannten Stel en zu wenden. Berliner Städtische Elektrizitätswerke Akt.- Ges.( BEWAQ auch nur einmal versucht hat, Neu erschienen 589 Verkäufe gearbeitet, mit gutem Leder und Futter... Alexanderplatz Frankfurt.Allee 3m Märchenwald Tarzan im Urwald Original Rasierapparat 125 Gillettemit einer Original- Gillette- Klinge Berleih Don Gesellschaftsanzügen, Möbelspeicher. Neue und gebrauchte Brunnenstraße 4, Norben 5177. Möbel. Teilzahlung ohne Aufschlag. Getragene Serrengarderobe, tadellos Lükomftraße 95. 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