Abendausgabe Nr. 520 42. Jahrgang Ausgabe B Nr. 258 10 Pfennig = Vorwärts= Bezugsbedingungen und Anzeigenpreise. And in der Morgenausgabe angegeben Redaktion: S. 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Dönhoff 292-297 Tel.- Adresse: Sozialdemokrat Berlin Berliner Volksblatt 3. November 1925 Berlag und Anzeigenabteilung: Geschäftszeit 9-5 Uhr Berleger: Vorwärts- Berlag GmbH. Berlin S. 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Dönhoff 292-201 Zentralorgan der Sozialdemokratifchen Partei Deutschlands Frankreichs neue Regierungskrise. Die Sozialisten gegen das Kabinett Painlevé. ftänden im schroffen Widerspruch zu den Beschliffen des letzten fozialistischen Rongreffes. Compère Morel erflärte, tie bisherige Politif Bainlevés fei nicht dazu angetan gewesen, Bertrauen zu erwecken. Painlevé werde es nicht gelingen, auch nur einen Teil seiner Versprechungen revolutionäre Maßnahmen am Blaze. Eine Regierung zu halten. Unter den gegebenen Umständen seien nur einschneidende zu halten. Unter den gegebenen Umständen seien nur einschneidende sei nötig, die sich gegebenenfalls über die Rechtmäßigkeit hinwegParis, 3. November.( Eigener Drahtbericht.) Der Nationalrat der Sozialistischen Partei hat heute morgen gegen 2 Uhr nach mehr ftündiger, sehr stürmischer Disfuffion mit 1431 gegen 1228 Stimmen eine von Baul Faure eingebrachte Resolution angenommen, die dem Kabinett Painlevé das Bertrauen verweigert. Für die Politit Interftigung find u. a. eingetreten: bie Genossen Léon Blum, Renaudel, Auriol und Grumbach, gegen fie Baul Faure, Compére Morel, Lebas und 3yromsky. zusetzen wiffe. In seinen Schlußworten wies Léon Blum darauf hin, daß der Nationalrat vollständig frei in seinen Entschlüssen sei, da die politische Kommission in ihrer Unterredung mit Painlevé diejem gegen über feinerlei Berpflichtung übernommen habe. Auf der anderen Seite aber müsse die Fraktion verlangen, daß der National rat eine unzweideutige Entscheidung treffe. Blum wies darauf hin, daß das neue Minifterium Bainlevé nicht mehr das gleiche sei, wie das erste. Wenn die Sozialisten thm ihr Vertrauen verweigerten, oder sich der Stimme enthalten mürben, dann sei eine neue Kabinettstrife unvermeidlich, die nur durch Herriot gelöst werden könne, dem einzigen Politiker, der das Bertrauen der gesamten Linten genieße. Dann allerdings werde die fozialistische Frattion wahrscheinlich vor die Notwendigkeit gestellt werden, an der Regierung teilzunehmen und wenn sie dies wiederum ablehne, dann tönne die umgekehrte Folge eintreten. daß die Radikalfoziale Partei erklärte, die Sozialisten sollten allein die Regierung bilden, und sie würde ihnen gegenüber die Politit der Unterstützung üben, eine Eventualität, die für die Partei feines. wegs wünschenswert sei. Wenn diese aber fortfahre, im Lande den Eindruck zu erwecken, daß sie nur zu zerstören verstehe, werde man sich nicht wundern dürfen, daß der Gedante einer Dittatur mehr und mehr an Boden gewönne. Der gefaßte Beschluß stellt Painlevé, der unter diesen Um fänden auf eine Mehrheit von links nicht mehr rechnen fann, vor die Entscheidung, ob er mit einer sogenannten Konzentrations mehrheit, d. h. mit Unterstüßung der Opposition regieren oder aber die aus seinem wiederholten Bekenntnis zu der Politit des 11. Mai unerläßlichen Konsequenzen ziehen will. In der Unter redung, die er gestern abend mit Vertretern der Sozialistischen Partei gehabt hat, hat er sich, wie Léon Blum darüber im Nationalrat berichtete, in diesem Sinn unzweideutig geäußert: Schon die Natur der Projekte, auf die er im Parlament einzugehen beabsichtige, zwinge ihn, auf teine andere Mehrheit zu rechnen, als diejenige, auf die sich das Kabinett Herriot gestützt habe. Wenn deshalb die Kredite für Maroffo und Syrien nur mit Hilfe der Rechten verabschiedet werden könnten, würde er nicht länger an der Spitze der Regierung bleiben fönnen. Unter diesen Umständen ist schon für die nächsten Tage mit einer neuen Regierungstrife au rechnen. noch folgendes: Ueber die Debatte im Sozialistischen Nationalrat erfährt TU. Als erster Rebner prach 3ygromstt, Mitglied der fozialistischen Seineföderation. Die Ertlärungen Bainlevés über Marotto und Syrien feien durchaus unbefriedigend und Die Parteiführer beim Reichskanzler. Fraktionsfizungen im Reichstag. Heute vormittag 11 Uhr empfing der Reichskanzler die Parteiführer der im Rumpffabinett vertretenen Parteien zu einer eingehenden Aussprache. An der Besprechung nahmen auch Reichs außenminister Dr. Stresemann, der heute vormittag aus Rönigsberg zurüdgefehrt ist, und Reichsarbeitsminister Brauns, teil. Gleichfalls um 11 Uhr trat die deutschnationale Reichstagsfrattion im Reichstag zusammen, nachdem um 10 Uhr ber Borstand ber Fraktion getagt hatte. Auf der Tagesordnung der Deutschnationalen Fraktionsfigung steht als einziger Buntt:„ Unsere nächsten Maßnahmen zur politischen Lage". Heute nachmittag 3 hr tritt auch die demokratische Reichstagsfraktion zufammen, um zu der parlamentarien Lage Stellung zu nehmen. Es ist anzunehmen, daß bis dahin das Ergebnis der Parteiführerbesprechungen beim Reichskanzler vor. liegen wird. Löbes Rückkehr. Der Reichstagspräsident 25 be ift am 29. Oftober mit der Deutschland von Amerifa abgefahren. Das Schiff trifft am 8. November in Hamburg ein, so daß der Reichstagspräsident voraussichtlich am Montag, den 9. november, wieber im Reichstage anwesend sein wird. Labours Erfolge. London, 3. November.( IB.) Bei den Gemeinderatswahlen in 300 Städten und Gemeindebezirten von England und Wales find nach den bisherigen Ergebnissen folgende Gewinne und Berlufte der verschiedenen Parteien zu verzeichnen: Condon: Arbeiterpartei Gewinne 35, Verlufte feine, Munizipalreformer Gewinne 4, Berlufte 29, Fortschrittler Gewinne 6 und Ber lufte ebenfalls 6. In den ländlichen Begirten haben die Ronservativen 26 Sige gewonnen und 49 verloren, die Arbeiterpartei 73 Sige gewonnen und 25 verloren, bie Liberalen 11 Gige gewonnen und 33 verloren. Weitere Ergebniffe merben erft im Laufe hes heutigen Tages be tanntgegeben. | Paul Faure fagte, daß nur revolutionäre Maßnahmen angezeigt feien. Bainlevé habe die sozialistischen Delegierten mit nichtssagenden Bhrafen empfangen. Der Redner meint, daß nur zwei Möglichkeiten beständen: Entweder werde ein Kabinett Herriot gebildet und die Sozialisten würden zum Eintritt in die Regierung aufgefordert, damit die Maßnahmen der Rapitalsteuer auf ihre und die Verantwortung der Radikalfoglalisten beschloffen würde. Faure nimmt jedoch gegen diese Möglichkeit Stellung, da bas Marottoproblem der wahre Stein des Anstoßes fei. Man dürfe nicht vergessen, daß Herriot in dieser Frage genau so dente, wie Painlevé. Die zweite Möglichkeit sei die Bildung eines sozialistischen Kabinetts. Das Wort hat nun Grumbach, der dafür eintritt, daß man dem Kabinett Painlevé bedingtes Bertrauen schenfe. Man dürfe nicht die Verantwortung dafür auf sich nehmen, das Kabinett gleich am ersten Tage gestürzt zu haben. Es wäre verfehlt, die Regierung nur nach dem Tegt ihres Programms zu beurteilen. man werde beffer daran tun, mit der endgültigen Stellung nahme bis zum Einbringen der Finanzprojekte zu warten. Schließlich dürfe man auch nicht übersehen, daß durch eine neue Rabinettstrise die Ergebnisse der Konferenz von Locarno aufs Spiel gelegt würden. Der Abgeordnete Lebas tommt zu dem Schluß, daß die Finanzprojette Painlevés durchaus un genügend seien, da fie einmal eine neue Banknotenemmission für Dezember porsehen und außeroem eine Erhöhung der Einkommensteuer. Es sei richtig, daß Painlevé auch eine besondere Steuer aus dem Befly plane, doch werde biefe Maßnahme erst nach 12 bis 15 Jahren voll in Kraft treten. Renaudel schließt sich den Worten Grumbachs an, wünscht, daß dem Rabinett Painlevé eine Frist von 8 bis 14 Tagen gegeben werde. Brade hält es für das Wichtigste, daß die sozialistische Parla. mentsgruppe unabhängig von dem Nationalrat über die mentsgruppe unabhängig von dem Nationalrat über die Stellungsnahme zum Kabinett Painlevé beschließt. Blum widerspricht mit großem Nachdrud. Die Stimmenthal. tung und die Stellungnahme gegen das Kabinett feien praktisch ge nommen ein und dasselbe. In einem wie im anderen Fall werde das Rabinett gestürzt werden. Es fäme dann zu einer neuen Rabinettstrife, die mur ein Mann beschwören fann, der eine Mehrheit bei den Linksparteien hat. Ein neues Kabinett Herriot fei daher unausbleiblich. Wenn wir die Radikalen in die Notwendigkeit verfegen, allein zu regieren, fährt der Redner fort, so würde das Band nicht begreifen, warum wir nicht mit ihnen gemeinsam die Regierung übernehmen; und man fann uns vielleicht auffordern, bas Rabinett allein zu bilden. Bir dürfen im Lande nicht den Eindrud erweden, daß die Sozialistische Partei nur zerstört und nur oppofitionsfähig ist. Dieser Eindrud tönnte dazu führen, daß das Land Lust zur Dittatur bekommt. Belgien für die Räumung. Die Vorbereitung in vollem Gange". Moers, 3. November.( Eigener Drahtbericht.) Die adminiffrativen Borbereitungen der Räumung der dritten Zone find bei den belgischen Bejahungsbehörden im vollen Gange. 3. Das Die Türkei als„ Sicherheitsfaktor". London,& November.( Eigener Drahtbericht.) Am Montag erfolgte in Angora die Eröffnung des Parlaments mit einer großen Brogrammrede des Präsidenten der türkischen Republik. Fes und Turbans waren verschwunden, alle Abgeordneten erschienen in europäischer Kleidung und entblößten Kopfes. Präsidium trug den Frad, Kemal Bascha war in Frad und 3ylinder. Er sprach, wiederholt von demonstrativem Beifall unterbrochen unb fich eng an das manuskript haltend, faft dreiviertel Stunden: Mit allen Mitteln beabsichtige das türkische Bolt die Wohltaten der modernen Zivilisation zu genießen. Auf diesem Wege gebe es tein Halten. Die bisher erzielten wirtschaftlichen und finanziellen Fort. Schritte der Nation seien ausschließlich den republikanischen Brinzipien zu verdanken, die auch in Zukunft Geltung haben und ausgebaut werden sollen. Bon besonderer Bedeutung sei heute in der Auswärtigen Bolitit des Landes die Lösung der Mossulfrage. Das ganze Land bewege biese Angelegenheit und wenn auch die rechtliche Lage der Türkei auf Grund eines Berichts der Bölkerbundskommiffion stärter geworden wäre, so habe die Lösung doch nochmals neuen Aufschub erfahren. Mit aller Entschiedenheit erwarte die türkische Regierung jeßt, daß eines Tages doch endlich das Recht anerkannt werde. Den Schluß der Rede bildeten einige Morte über 2 o carno. Die gegenseitige Sicherheit sel die Basts des Glückes aller Nationen, aber wenn die Sicherheit nicht auf alle Bölter ausgedehnt werde und der Waffenhandel nur unter der Kontrolle einiger Bölter ftehe, würden gewisse Länder anderen überlegen sein. Im Anschluß an die Rede des Ministerpräsidenten vollzog das Barlament die Wahl seines Borsigenden. Als Präsident wurde mit 176 gegen 3 Stimmen der alte Präfident Riazim wiedergewählt. Er fagte in feiner Danfrede für das ihm gefchenfte Ber. trauen u. a: Der Kampf des gegenwärtigen, Barlaments gegen die alte türtische Mentalität werbe in der ganzen Welt mit Beifall begri Persien ohne Schah? Bon Erwin Barth. In Persien ist der Schah abgesezt worden. Das wird ihm wahrscheinlich nicht sehr nahe gegangen sein. Dieser junge Mann, der, als er den Thron seiner Bäter bestieg, noch ein Kind gewesen ist, ein harmloses, fettleibiges, vierzehnjähriges Bürschchen, amüsiert sich seit dem Jahre 1923 ohne un terbrechung an der franzöfifchen Riviera. Er fand wahrscheinlich feinen wesentlichen Unterschied darin, ob er die StaatsStaatsgeschäfte hat er sich nachweislich niemals ge einfünste in Teheran verzehrt oder in Europa. Um die fümmert. Insofern hat er entschieden eine noch schlechtere Benjur als seine Vorfahren. Die Radscharendynastie Berfiens ift 130 Jahre alt geworden. Sie ging aus von einem turfotatarischen Volksstamm in Mafanderan im Norden Perfiens. Trotzdem diese Dynastie in der ersten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts ein paar fähige Köpfe hervorgebracht hatte, ist sie doch niemals in Persien richtig populär geworden. Aus der Unpopularität wurde Feindschaft. Urgroßpater, Großvater und Vater des jetzt abgesetzten Schahs, haben durch wiederholte, sehr fostspielige und ausschweifende Bergnügungsreifen nach Europa den Staat in Schulden und in finanzielle Abhängigkeit von Rußland und England gebracht. Der Urgroßvater Naßr ed Din wurde deshalb ermordet. Der Großvater Muzaffr eb Din mußte 1906 auf seine Despotenrechte verzichten, eine moderne Berfassung anerken nen und ein Barlament( Medschlis) mit der Gesetzgebung betrauen. Der Bater, Mohamed Ali, war ein grausamer Reatgejagt wurde und unlängst in Europa in der Berbannung tionär und Barentnecht, der von seinem Bolte zum Teufel gestorben ist. Der letzte Kadschar, Ach med, lebte seit genau zwei Jahren in freiwilliger, amüsanter Verbannung in Südfrankreich, lehnte zugunsten seines Wohllebens ab, nach Persien zurückzukehren und hat nun ebenfalls den Laufpaß erhalten. Soviel über die Bergangenheit der Kadscharen. Bersien ein Mann aus dem Bolte, Risa Khan, aus. Er Seit dem Jahre 1921 übt die tatsächliche Gewalt in war einfacher Soldat in der persischen Rosatenbrigade gewesen, die unter der Führung russischer Offiziere zwar formell ein Stück der persischen Armee war, in Wirklichkeit aber In= ftrument der russischen Außenpolitik in Persien gewesen ist. Dort hat er häufig Gelegenheit gehabt, gegen die perfifche Regierung auszurüden. In einer neuen, aus dem Jahrhunderte alten Streit zwischen Rußland und Bersien geborenen Regierungsfrisis ftand er plöglich auf, und seine Kameraden von der Kosafenbrigade folgten ihm. Er jagte den neu ernannten Oberbefehlshaber zum Teufel, übernahm selbst die Militärleitung im Staate und wurde im Nu auch Premierminister und der starte Mann, der die Regierungsgefchäfte zügelte. Auf seine Initiative hin und unter seiner Autorität wurden die im Jahre 1911 unterbrochenen Arbeiten zur Sanierung der Finanzen wieder aufgenommen. Die in allen Eden des Reiches mehr oder minder auffässig gewordenen mächtigen Nomadenstämme, zuletzt der Scheich von Mohamera, wurden zur Raison gebracht. Die Kraft dieses armen Bauernsohnes äußerte sich nicht nur in militärischen Operationen. In ihm murde eine feit langen Jahrzehnten vermißte ausgesprochene staatsmännische gabung sichtbar, die sich sofort der inneren Organisation des Landes widmete. Was bisher noch fein muselmanischer Staat fertig gebracht hat, auch die Türkei nicht, was aber eine elementare Boraussetzung für die Organisierung des Volksförpers ist, ein regelrechtes Personenstandsgesetz mit der Errichtung von Standesämtern, das hat er geschaffen. In Persien werden fortan die bombastischen Titel der aristokratischen Oberschicht ebenso verschwunden bleiben, wie die Benemming der etwa neun Millionen Einwohner nur nach dem Bornamen. Die feßhafte Bevölkerung hat jetzt schon zum größten Teil registrierte Familiennamen, und die Nomadenstämme werden sie in absehbarer Zeit haben. Bersien ist auf dem Bege zu einem geordneten Staat BeFragt man nach den unmittelbaren außenpolitischen Auswirtungen des perfifchen Regimes, so ist ohne Zweifel die russische Regierung berechtigt, sich die Hände zu reiben und die englische veranlaßt, mit den Zähnen zu fnirschen. Man braucht nicht aus der Bergangenheit Rifa Khans herzuleiten, daß er ein besonderer Ruffenfreund ist. Daß er aber der Sowjetregierung weniger voreingenommen als der englischen gegenüber steht, ergibt sich von selbst aus der großen Geste der Moskauer Regierung, bie mit einem Federstriá sämtliche russisch persischen Schulden be. feitigte und fich machtpolitisch, im Gegensatz zur Zarenregierung, nicht mehr in die inneren Angelegenheiten in Berfien einmischte. Die monarchistische Clique hat jüngst erst noch einmal versucht, unter dem Beistand Englands zu putschen und Risa Khan das Staatssteuer zu entwinden. Auch in den legten Aufständen im Süden war die englische Hand sichtbar. währenb früher in regelmäßiger Abwechslung unter zaristischem und englischem Einfluß geputscht wurde, um in der Regierung in Teheran das russische oder englische Kolonialsystem zu fördern, gilt heute Rußland als wohlwollender Nachbar und England als verdächtiger Imperialist. Persien ist heute ebenso wie die anderen Zentral- und Ostafiatifchen Staaten, von sehr großem Vertrauen in die russische Loyalität, die Unabhängigkeit des Landes zu adyben, erfüllt. Schließlich ist Perfien auch aus wirtschaftlichen Gründen gezwungen, sich gegen Englanb zu wenden, weil die reichen Petroleumschäße des Landes vom englischen Rapital ausge beutet werden, Rußland hingegen hat seit dem End« der Larenherrschaft aufgehört, in Persien winschaftiichc Güter zu stehlen. Nach dem Beschluß des persischen Parlamentsausschusses ist die Kadscharendynosrie abgesetzt. Ob sie einen Nachfolger bekommt und wer es sein wird, geht aus dun Beschluß noch nicht hervor. Das ist die Sorge spaterer Tage. Es weiß auch noch niemand, ob das Reich des Sonnenlöwen künftig eine Monarchie oder Republik sein wird. Wird Persien Republik, so ist Risa Khan ihr Präsident, bleibt Persien Man- eirchie, so ist Risa Khan wahrscheinlich ihr Schah. Das ist für orientalisch« Verhältnisse nichts Außergewöhnliches. Die Orien- lalen sind in dieser Hinsicht vorurteilsloser als die Westeuro» päer. Für einen Mann an der Spitze des Staates ist es im Orient kein Makel, aus einem armen Haus zu stammen, es ist im Gegenteil ein besonderer Anlaß zur höchsten Achtung. Es ist auch nicht von entscheidender Wichtigkeit, welche Regierungsform für Persien beschlossen werden wird. In diesem weiten Land, in das man Deutschland ein paarmal hinemsetzen kann, mit seiner dünnen meist analphabetischen Be- völkerung, seinen unwegsamen Gebirgen, seinen weiten Salz- wüsten und Steppen, mit seiner Armut an Verkehr und Ver- kehrsmitteln, ist an ein« Staatsordnung nach europäischen Begriffen auf lange Zeit hin nicht zu rechnen. Dort wird jede Regierung, mehr als das in Europa notwendig ist, den Stem- pel einer Persönlichkeit tragen müssen, wenn das Land vor- warte kommen will. Den Staub zerbröckelter Jahrhunderte auszufegen, die persischen Völker von der Ausbeutung des Landadels zu befreien, das Land, in dem sich heut« noch die Wirtungen der ethnographischen Zerrissenheit seit den Araber- und Mongoleninvasionen zeigen, zu einer gemeinsamen Nationalität zusammenzufassen und es insbesondere aus der tragischen Roll« zu befreien, die es fest hundert Iahren als Spielball zwischen dem zaristischen und englischen Imperialis- mus spielen mußte, das ist für den persischen Staatsmann die entscheidend« Aufgabe. Di« große Politik wird durch die Derjagung der Kad- 'choren in Persien nicht unmittelbar berührt werden, weil Persien auf lange Zeit hinaus mit der inneren Ordnung voll beschäftigt sein wird. Neue Serauschung. Tie neuen kommnuistischen Phrasen. Es war bisher die Taktik der Kommunistischen Partei, ihre Anhänger in einem durch scheinrevolutionäre Phrasen erzeugten Raiischzusmnd zu halten, der sie verhindern sollte, die Wirklichkeit zu sehen und die Tätigkeit ihrer Partei mit den notwendigen politischen Ausgaden de? Gegenwart zu vetgleichen. Die Phrase von der Weltreoolution und das Schlag wort der Diktatur des Proletariat» beherrschten Agitation und Politik der Kommunistischen Partei. Das Ergebnis der kommunisttschen Parteikonferenz und die Besprechung dieses Ergebnisses in der„Roten Fahne" .eigen» daß sich im Wesen daran nichts ändern wird. Die Stellung der russischen Exekutive und der große Führerschub schienen zwar Symptome einer Ernüchterung zu sein. Auf jeden Fall aber sucht die neu« kommunistische Führung zu verhindern, daß die Ernüchterung die Massen der kommuni» stischen Anhänger ergreift. Zu diesem Zwecke werden ihnen neue Rauschgifte in Gestalt meuer scheinrevolutio« närer Schlaqworte oersetzt. Es heißt in der„Roten Fahnech ..Langsam, schrittweise, aber mit eiserner Notwendigkeit reist in Deutschland eine neue,«ine zweite Revolution her- an, auf deren Tagesordnung die Diktatur de» Proleta- r i a t s steht." Als Hauptlosung der Kommunistischen Partei für die Politik der nächsten Zeit werden bezeichnet:„1. Schaffung eines starken Linksblocks in der deutschen Arbeiterbewegung. 2 Arbeiter- und Baucrnregierung. 3. Ein unabhängiges sozialistisches Deutschland im freien Bündnis mit der Sowjet- Erinnerungen an Totes unö Lebendiges. Pon KurtSinger. Der Teten sei zuerst gedacht: mit Friedrich Rösch ging enr Mann in die Ewigkeit, dessen Wirken der Oeffentlichteit nicht ia bekannt sein dürft« wie den Musikern und musikalischen Organi- lationen. Als Borsitzender des Allgemeinen deutschen Musikvereins hat er sich jahrelang um die Zusammenfassung und Ordnung weit a.nseinanderstrebender Musiktendenzen bemüht. Er war eine kämpfe- lisch» Ratur, doch stet» durchdrungen von der Berechtigung seiner Wünsche und Vorschläge, gewappnet mit allem Rüstzeug der Gegen- mehr. An sanglich Jurist, wurde er schon in den achtziger Jahren Musiker, dirigierte, komponiert«, schrieb Kritiken. Sein eigentliches Lebensziel setzte er sich mit der Organisation der Genossenschast der Tonsetzer und ihrer Tonticmenanstalt. Für dieses, sein Werk(das er mit Richard Strauß und Hans Sonnner 1898 ins Leben rief), hat er bis zum letzten Tag geschaffen und gedacht. Durch diese Gründung sollten die Musiker vor Ausnützung geschützt«erden, und«ine großzügig gedachte Kulturabgabe sollte neben dem sozialen Schutz auch noch eine Förderung der deutschen Musik gewähr- leisten. Ein aufrechter, streitbarer Musiker, auch dann zu schätzen und zu achten, wenn sein Denken unk» Handeln die übliche Linie de» Gefälligen und allgemein Anerkannten verließ. Ein stiller Augenblick des Gedenkens für die plötzlich oerstvrbene, linjerrn Lesern gut bekannte Bank« Weinbaum. Die Gattin des als Pianist und Dirigent der„Typographia" hochgeschätzten 'Alexander Weinbauni hat in den Konzerten dieses Männerchor, oftmals die Hörer in Hochstimmung oersetzt. Sie war«ine tulkn uirrte Sängerin, ihr Alt hatte menschNch belebten Ausdruck, war ikchnisch wohlgebildet und fügte sich außerhalb der solistifchen Tängkeii wohltuend einem Ensemble ein. Ihr großes Können, ihre Hilfsbereitschaft gerode gegenüber den sozial schlecht gestellten Organisationen, ober auch khre Mitwirkung in den Ochsschen und anderen Konzerten, wie als Nedersängerin sollen uns in Berbin- dung mit der fympakhssche« Menschlich? ett ihres Wesens iniver. grssen bleiben Von den Toten zum Lebendigen. Sa? Slernsche Konservatorium feierte«rn 1. November sein«Zjähriges Bestehen. Wilhelm Klatte und Ludwig Misch haben in einer für den Historiker wertvollen, statt und anregend geschriebenen Schrift das Werden und die Bedeutung des Sternschen Konservatoriums geschildert. E» braucht hier nur gesagt zn werben, daß diese» Institut das erst» war. das in Berlin überhaupt die Mägllchkest der musitalsschen Fachonsbildung bot. und zwar lange bevor die Hochschule für Musik errichtet wurde. An Qualität des Lehrerensemble» und erstmusi- kantischer Durchbildung ist das Sternsche Konservatorium später mir vom Scharwenka-Konservatorium erreicht worden. Al» die Hochschule gegründet war, wurden— da, ist ehrenvoll zn er- nhken—»ine Anzahl beb»n ender Lehrkräfte de» Konservotorinrns union." Dazu:„Schärfster Kampf bis.zur Entsetzung der Existenz unserer Parke: gepen den Kriegspakt von Locarno". Die neuen Phrasen, die die Kommunisten berauschen sollen, unterscheiden sich von den alten nur in einem. Früher schob man den Gedanken der Diktatur des Proletariats, des Börgerkrieg? innerhalbder Nationen in den Vorder- grund, jetzt den Gedanken des Bürgerkrieges zwischen den Nationen. Auf xeden Fall sollen die Massen in Kriegsstimmung und Kricgsbegeifterung gehalten werden. Mit einer nüchternen Einschätzung der tatsächlichen politischen Verbältnisse hat diese neue Phrasenpolitik nicht das Mindeste zu tun. Sie entspricht nicht einmal dem Bild, das sich die Realpolitiker Sowjet- rußlands von der internationalen Entwicklung der nächsten Zeit machen Denn man weiß in Rußland recht gut, daß die Linie nicht zu einem europäischen Krieg zwischen West und Oft geht, sondern zur Leiständigung der Nationen unterein- ander. Bei dieser Sachlage wirken die theatralischen Dekla- mattonen über den„schärfsten Kampf bis zur Einsetzung der Existenz der Partei gegen den Kriegspokt von Locarno" nur lächerlich._ 0Zaüt und freudig/ SchieleS Bekenntnis z« Locarno. Das„Berliner Tageblatt" hält feine Behauptung, Herr Schiele habe sich im Kabinett mit einem„lauten und freudigen Ja" zu Locarno bekannt, gegenüber dem sehr vorsichtigen und formalen Dementi im MTB. vollkommen aufrecht. Die „Berk. Volkszeitung" erzählt noch dazu, daß sich Herr Schiele in der Abschiedssitzung mit Tränen im Auge von seinen bis- herigen Kollegen getrennt habe. Die Rechtspresse dagegen findet kaum genug Worte der Entrüstung über den„Schwindel des B. T.". Ob nun Herr Schiele laut und freudig Ja gesagt hat oder leise und mißvergnügt, ist nicht entscheidend. Entscheidend ist, daß er I a gesagt hat, und daß er das getan hat, ebenso wie S ch l i e b e n und N e u h a u s, geht aus den Akten hervor. die die Reichsregierung veröffentlicht hat. Um diese entscheidende Tatsache geht die Rechtspresse herum wie die Katze um den heißen Brei. Ja, sie versucht sogar, ans der klaren Annahme formet des Kabinett» beschlusses so etwas wie eine Ablehnung herauszudefttl- lleren. Das legt die Frage nahe, warum denn die drei ab- gehassterten deutschnationalen Minister nicht selber das Wort ergreifen, um ihren Standpunkt klarzulegen. Warum sagen sie nicht selber, wie sie im Kabinett gestimmt haben und aus welchen Gründen sie so gestimmt haben? Fehlt ihnen das Gefühl für die klägliche Rolle, die sie spielen, oder hat ihnen ihre Partei das Reden verboten? Das Unglück auf Zeche Holland. Noch kein Untersuchungsergebnis. watieuscheid, 3. November.(Eigener Drahtbericht.) Auf An- frage teilt die Zechenleitung mit, daß die amtliche Unter- s u ch u n g über die Unglücksursach« bisher noch kein«ndgül- tiges Ergebnis gezeitigt hat. Anfang nächster Woche wird eine parlamentarisch« Untersuchungs- und Sicher» heitstommission eintreffen, um die llnglücksstelle zu besich- tigen. Die Aufräumungsarbeiteu an der llnglücksstelle selbst werden so lange Hintangehallen, bis ein greifbares Ergebnis der Feststellungen der Untersuchungstommsssion vorliegt. Der Betrieb wird hierdurch in keiner Weis« gehemmt. Der Oberstoatsamvall hat bis Dienstag vormittag dieLeichennochnichtfreigegeben. Aus diesem Grunde tonnte der Tennin für die Beisetzung der Opfer noch nicht angesetzt werden. Aus Kreisen der Bergarbeiter wird zu dem Unglück mitgeteilt. daß bisher keine besonderen Klagen über Gasaustritt in den Flözen der Zeche Holland l und II bekannt geworden sind. Die Betriebs- anlage sei als durchaus in Ordnung zu bezeichnen, auch sei das Gesteinstaubsicherungsoerfabren ziemlich durchgeführt. von der Staatlichen Akademie übernommen, die ja ganz andere Ziele hatte: nämlich die Ausbildung zum Fachmusiter, Lehrer und Virtuosen. Das Schicksal des Sternschen Konservatoriums, das mst großen Orchesterkonzerten und Opernaiissühnmgen auch jetzt wieder seinen Weltruf bestätigt, ist an groß« Namen gekettet gewesen: Pro- fessor Julius Stern(läöl)— 1883), der mit Kullat und Adolf Bern- hard Marx die Schule gründete und daneben durch den Sternschen Gesangverein ein« führend« Rolle im Berliner Musikleben spielte: Jenny Meyer, die mehr als 25 Jahre an der Spitze des Institutes stand, Gustav Holländer, dessen pädagogische Tätigkeit noch in unserer aller Erinnerung lebt und dessen Regierungszeit sozusagen üt Höhe des immer mehr wachsenden Instituts darstellt.. Mit seinem Tode übernahm Alexander v. Filitz die Direktion des Haupt- Instituts. Ohne zu übertreiben darf man mit einem von Herzen kommenden Glückwunsch die Schlußsätze der Festschrist zllieren: „Dreiviertel Jahrhundert hindurch hat das Sternsche Konservatorium als Stätte ernster Kunsterziehung bestanden. Von Künstlern ist es ins Leben gerufen: künstlerischer Geist ist aus ihm me geschwunden. Der Geist einer Geschichte von Bedeutung ist in dein Institut lebendig, nicht im Sinne einer hemmend zur Selbstgenügsamkeit oerleitenden Tradition, sondern al» stetigste Anspannung aller kräfteantreibenden Elemente, als Quell für den starken Idealismus, der erst aller Kunstlehre Weihe und Wirksamkeit gibt. Möge dem Institut dieser Geist nie entschwinden!" Mpftifihe Philosophie auf üer Sühne. Pirandello enthüllt gern sein warmes Gefühl für das schmerzvolle Dulden einer Mutter, der sich alkmäblich das geliebte Kind entfremdet. Und ein noch zarteres Lied auf die Mutterliebe »Besser als früher" ist seine Tragödie„Das Leben, das ich dir gab", die gestern im Renaissance-Theater zum ersten Mal« ausgeführt wurde. Nach sieben langen Iahren der Abwesenheit kehrt der Sohn ins mütterliche Heim zurück, nachdem er sein Herz an Lucia, ein« verheiratete Frau, verschenkt hat. Und stirbt inner- halb zweier Tage in den Armen seiner Mutter. Aber für sie ist er nicht tot Mit aller Kraft, deren ihre Lieb« fähig ist, klammert sie sich an die Einbildung, da» Leben, das sie einmal gegeben habe, könne nicht ausgelöscht sein, sei ein Teil ihrer selbst, müsse fortbe- stehen. Wenn der Sohn gestorben sei, so sei es schon vor Iahren aeschehen, damals, als er von ihr fortging. Aber das Leuchten seiner Augen, das ganze Wesen de» geliebten Sohnes seien m ihr lebendig. Sa lange dies« Philosophie einer Mutter einen verzweifellen Trost dedeutet, kann der Zuschauer dem vichter folgen. Pirandello ver- liert sich aber schließlich in wesenloses Spintisieren und gespensternde Mystik. Man höre, was in seiner Bühnenanweisung steht:„Die Bühne bleibt einen Augenblick leer: man sieht nur den gespenstischen Schimmer, der aus dem Zimmer des Toten kommt. Nach einer langen Pause rückt der Stuhl vor dem Schreibtisch ohne das ge- ringste Geräusch langsani nach hinten, als würde er von einer un- sichtbaren Hand bewegt. Nach einer weiteren, jedoch kleineren Pause hcht sich die laichte Gardin» aw Fenster aus einer Seite, als vertu; Wahlgelder und Erntezulagen. Entrüstung bei den Agrariern. Vor einigen lagen berichteten wir über den Beschluß einer Landbundoersammlung im Kreise Oberbarnim, wonach die Kosten für die Kre'»tags- und Provinziollandtags- wählen durch Umlage aus die Landbundmitglieder ausgebracht werden sollen, da die politischen Parteien kein Geld m der Kasse hätten. Im Anschluß daran wissen wir darauf hin, daß Landwirte des- selben Kreises sich geweigert haben, den Landarbeitern Erntezu logen zu bezahlen. Diese Mitteilung hat nun den-Verband der land- und sorst- wirtschaftlichen Arbeitgeber des Kreises Oberbarnim" zu einer ent- rüsteten Zuschrift an die„Deutsche Tageszeitung" angeregt, in der es nur so bagelt von-Gemeinheit",„Lüge",„Demagogie" usw. Der Arbeitgeberoerband behauptet, er habe genau die Erntezulage bczohtt. die der Schlichter Wissell im Juli zu bewilligen bat! Da ist sicher ein kleiner Irrtum: Der Arbcitgeberverband pflegt doch sonst woh! nicht Löhne zu zahlen, sondern höchstens ihre Zahlung zu empfehlen. Aber darüber hinaus vermissen wir die Versicherung, daß a l l e Landwirte des Kreises die vom Schlichter empfohlene oder.erbetene" Zulage wirtlich bezahlt haben. Wie unser Gewährsmann uns auf Rückfrage mitteist, können viele Landwirte des Kreises n o m h a f t gemacht werden, die sich trotz der Tatsache, daß die Arbeitgebervereinigung den Vergleichs- vorschlug auf Zahlung einer Erntezulage annahm, weigerten. Mehrzahlungen zu leisten. Der Arbeitgeberoerband hätte also klüger getan, sich erst hiervon zu überzeugen, al» sofort Entrüstungischreiben zu verfassen. Im übrigen bleibt die T o t s a ch e bestehen, daß sich die an- geblich notleidenden, im Landbund zusammengefaßten Landwirte des Kreises Oberbarnim bereit erNärten. die Wahl kosten für die Kreistags- und Provinziallandtagswahlcn durch Umlage pro Morgen Grundbesitz aufzubringen, weil nach ihrer Auffassung die ihnen nahestehenden polstischeu Parteien kein Geld in der Kasse haben!_ Das tronprinzttche Tafelgeschirr. Um da» Hochzeitsgeschenk der preußischen Städte an den ehe- maligen Kronprinzen des Deutschen Reiches geht bekanntlich fest Monaten ein Streit. Wir haben am 17. Oktober mitgeteilt, daß der Kronprinz es abgelehnt hat.«ine Deputation der Städte zu empfangen. Dazu schreibt uns der Führer dieser Deputatton. Ober- bürgermeister Ackermann- Stettin, eine Berichtigung, M der es heißt: .Die Nachricht, daß der«hemaNge Kronprinz des Deutschen Reiche« den nachgesuchten Empfang einer Deputation preußischer Städte in Ods zum Zweck» einer Aussprach« über da» Silber- gescheut der Städte zu setner Hoch,,« abgelehnt habe, ist un» zutreffend. Weder Hai die fraglich« Kommission bisher einen Empfang in Ods nachgesucht, noch ist irgendein sonstiger von ihr gestellter Antrag bisher vom Kronprinzen abgelehnt worden." Es mag richtig fein, daß diese Berichtigung formell zu Recht besteht. Die Verhandlungen werden nämlich zwischen der Kommission der Städte und dem Rechtsvertreter des Krön- prinzen in Berlin geführt. Don diesem Herrn stammt auch die von UNS zitierte Bemerkung, daß der arme Kronprinz bisher .nur Undank von seinem Volke geerntet" habe. Man geht wohl nicht fehl, wenn man annimmt, daß der Kronprinz über«e Taktik seines Rechtsvertreters unterrichtet ist und daß er die Ablehnung eine» Besuches in Ods durchaus billigt. Die tapfere Kommission der drei Oberbürgermeister sollte sich deshalb endlich entschließen, ihren Auf» trag zurückzugeben, da die bedauernswerten Hohenzollern offenbar kein Stück de» kostbaren Silberzeugs entbehren können. Das.undankbare" Boll wirb es seinen.dankbaren" Hohenzollern sicher stets gedenken._ Die„wekk am Abend", dos Beriiner kommunssttsche Abendblatt. teilte in ihrer Rümmer vom Sonnabend mit, daß sie wegen wirt» schoftttch« Schwierigkeiten ihr E r s ch e i n e n« i n st« 1 l t. Als wir dies vor einiger Zeit ankündigten, glaubte das Blatt die Nachricht dementieren zu dürfen. sie von derselben Hand gefaßt, und fällt wieder zurück.(Wer weiß, welche Dinge im Dunkel eines verlassenen Zimmers, in dem jemand gestorben ist, geschehen, ohne daß jemand sie sieht?)" Hier komme ich nicht mehr mit. Ich weiß es natürlich auch nicht, aber soviel' weiß ich, daß Pirandello, der seiner Tragödie den Titel„Das Leben, das ich dir gab" verlieh, vergessen hat, seiner Dichtung dramatisches Leben zu geben. Die TrogÄi« imponiert als philosophischer Essay. Dl« sehr verständige Regie de« Theodor T o g g e r versuchte, das unwirtliche Stück lebendig zu gestalten. Dankenswerter Weise verzichtete er ganz auf das mystische Beiwerk und wurde dabei unterstützt von Frau Rosa Valetti, die der schmerzensreichen Mutter ergreiiende Züge verlieh. Es zeugt von der Darstellungskrast dieser künstlerischen Persönlichkeit, daß sie die aus Pathos angelegt« Rolle ganz selbstverständlich völlig unpathetisch spielte und damit doch die innigsten Wirkungen erzielte. Verdienste um die Aufführung erwarben sich Helene Weigel, L. Neustädter, Gertrud Könitz und Erika v. Thellmann vxr- Das Schicksal der wiener DoltLopcr. Die Sanierung der Wiener Volksoper ist nicht in dem Maße geglückt, wi: es wünschenswert ge» wesen wäre. Nunmehr hoben die Mitglieder der Volksoper— er handelt sich ungefähr um 350 Personen— oeschlossen, da» Theater von sich au» zu eröffnen und aus Teilung zu spielen. Und zwar soll das in der Form geschehen, daß allen Mitgliedern, gleichviel, ob e» sich um den ersten Solisten oder um die Gaiderobensrau Handdt. einMxistensminimuin von 5 Schillingen zugesichert wird. Erst wen» die Einnahmen größere Ausgaben zulassen, soll«ine Abstufung erfolgen. Die Welt ohne Petroleum in 80 Iahren. Der Inspektor der englischen Kohlenbergwerke, Richard Redmayne, der zugleich«in vorzüglicher Kenner der Oelfrage ist. spricht sich in einem Bericht über die auf der Erde vorhandenen Petroleumvorröte aus...Ich zweiste," erklärt er,.ob das Erdöl jemals«ln ernsthafter Rivale der Kohle sein wird. Die jährliche Welterzeuaunq an Od ist etwa ein Neuntel von der Welwrzeugung an Kohle. Nach genauen Schätzungen wird der Petroleumvorrat in Amerika in 1? Iahren bereits sehr beschränkt sein. Ich glaube, daß es in den Bereinigten Staaten in 25 Jahren kein Petroleum mehr gibt. De? Weltvorrat an Od wird nicht länger als 80 oder 100 Jahre reichen." Die Siag-Aladcwie in Italien. Die eing-Afabemie wirb rm Febru«? und Mär; unter Leitung cheorz Schumann» mehrere Oratorien»er der Eocieta degli Aniicl de Tormo und vor der Regia Santa der llaecilt» in Rom ausführen. ES sollen ln Turin wie in Rom je 4 Konzerte flattfindan. ver»roh« wertsswi der Zord-Aabrllen wird am Mittwoch, abend» S Uhr, in der Urania mit einem Vortrag von Dr. Kurt H. Susse-Hannover nach einmal vorgeführt. VI« Sunsthandlvng Viktor yartberg, SchSnederger Iss« 41, zeifft im November neuere Gemälde von W i l t h tz« e ck« l und plastische Wnkc von Joseph Zhorat. ver Reichowirlschast» verband bildender Künstler vensschlaad» lädt die Berliner Küniller zu einer im Blenorsieungtsnal de« Herrenhauses am S. November, abends 8 Uhr. stattsindenden Versammlung ein, in der die gegenwärtige Notlage dar deutsche» Künstlerschasl ernrtcri werden so«. Die Fleischpreise. Was die Ladenfleischer sagen. In den letzten Tagen sind die Preise für Fleisch erfreulicherweise etwas zurückgegangen. Die Ladenschlächter möchten die Preise für Frischfleisch so weit drücken, daß die Verbraucher in der Lage fein werden, an Stelle des Gefrierfleisches nur Frischfleisch zu kaufen. Selbst wenn ihnen das gelingen sollte, was faum anzunehmen ist, ist das Gefrierfleisch durchaus nicht überflüssig. Denn es bietet die einzige Möglichkeit, regulierend auf die Fleischpreise einzuwirken. Die Ladenfleischer find auch selbst nicht dieser Ansicht, denn sonst tönnte man es nicht verstehen, daß sie mit allen Kräften eine Erhöhung der zollfrei einzuführenden Gefrier fleischmengen erstreben. Wenn die Ladenschlächter sich dauernd darauf berufen, daß ein ziemlich hoher Prozentsaz des Fleisches, das in den Läden zum Verkauf tommt, Qualitätsfleisch sei, das über ben amtlich notierten Preisen bezahlt werden müsse, so ist dem entgegenzuhalten, daß das über den Rotierungspreis verfaufte Fleisch nur zum allergeringsten Teil in die Schlächterläden gelangt; dieses Fleisch wird zum überwiegenden Teil für Hotels und die jogenannten besseren Restaurants getauft. Wenn aber wirklich in Fleischerläden ein derartig hochwertiges Fleisch zum Bertauf steht, se weisen besondere Tafeln auf diese Tatsachen hin. Diese Läden fann man in ganz Berlin mit der Laterne suchen. Ein zweites Argument, mit dem die Ladenschlächter die hohen Fleischpreise rechtfertigen, ist ebenfal's irreführend. Sie erklären dauernd, daß der Geschmack des Publikums sehr start verwöhnt sei und daß sie in der Hauptsache schmackhafteres Fleisch Kotteletts und Filets taufen müßten. Das Herausschälen dieser Teile aus dem Rind bringe ſtarfe, nicht zu verwertende Fettabfälle mit sich. Dadurch wüchsen die Unkosten und hohe Preise seien die Folge. Es ist schon von anderer Seite darauf hingewiesen worden, daß ein Rind ungefähr fünf Pfund Filet enthält. Und diese fünf Pfund Filet sollen eine so bedeutsame Einwirtung auf die Preisbemeffung haben? Ber's glaubt, zahlt' nen Taler. Die Dinge liegen ganz anders. Durch die hohen Preise ist der Fleischverbrauch zurückgegangen und das bedingt natürlich infolge des geringen Umfazes hohe Preisspannen. Bergrößerte fich der Umfaz, so müßten die Preisspannen von selbst auch zurückgehen. Ermöglicht man der arbeitenden Bevölkerung einen höheren Fleischverbrauch, dann wären die Fleischer, auch in der Lage, mehr abzusehen. Die Untosten verteilten fich auf einen größeren Umfag. Die Preisspannen und damit auch die Preise könnten dann geringer werden. Und die Kohlenpreise... Der Den Kohlenarbeitern find nach mannigfachen Wechselfällen über Schlichtungsinstanzen und Streif Stundenlohnerhöhungen in Höhe von 6 Pfennig bewilligt worden. Wie wir erfahren, steht eine Attion in Aussicht, die beabsichtigt, diese Lohnerhöhung durch Preisverteuerung auf die Verbraucher abzuwälzen. Ist dies schon im Zeichen der Preisabbauaftion ein Unterfangen, das sicherlich nicht die Billigung des Reichswirtschaftsministeriums finden wird, so möchten wir darauf hinweisen, daß die Lohnerhöhung teinesfalls eine Berteuerung der Kohlen rechtfertigt. Sept man als Leistung eines Rohl.arbeiters fünf Zentner in der Stunde an, also mit ungefähr 250 Bentner in der Woche und nimmt die wöchentliche Lohnerhöhung von 8 Mart hierfür in Anfab, so ergibt fi burch die Lohnerhöhung eine Berfeuerung des Roblenpreises um etwa 14 Pfennig für den Bentner. Es ist taum anzunehmen, daß sich die Kohlenhändler mit dieser Preiserhöhung be gnügen würden; sie werden wahrscheinlich die Lohnerhöhung zum 2nlah nehmen, um die mehrfach schon abgeschlagene Schlacht gegen die Preiserhöhung von neuem zu beginnen, ihre Forderung wird fich aller Wahrscheinlichkeit nach 5 Pf. für den 3entner stellen. Aber durch diese Rechnung wird ihnen hoffentlich von dem Reichswirtschaftsministerium ein Strich gemacht werden. Der Tod des Pagen. 1000 Mart Belohnung. Der Tod des Pagen Gerhard Schaepel ist trog aller Be mühungen der Mordtommission noch nicht aufgefiärt. Heute ver öffentlicht die Kriminalpolizei an den Säulen einen Anschlag, um tas Bubfitum erneut zur Mitarbeit zu veranlassen. Der Anschlag perheißt eine Belohnung von 1000 mart. Er weist darauf hin, daß Gerhard Schaepel feit dem 1. Oftober verschwunden ist und am 28. Ottober bei Geltom als Leiche aus der Havel gelandet wurde. Er war am 1. Oftober nachmittags 2 Uhr zum Dienstantritt erschienen, und ging mit dem Bemerken wieder meg, er wolle noch eine kleine Besorgung machen. Seitdem fehlt jede Spur von ihm. Als Schaepel am 1. Oftober die Wohnung seiner Pflegeeltern Beder verließ, um sich nach seiner Arbeitsstelle zu begeben, trug er, wie immer, eine Eßwaren enthaltende braune Attentasche. Es ist auffallend, daß er bei der Ankunft im Café diese nicht mehr bei sich hatte. Statt ihrer hatte er ein fleines pierediges Batet, bas in braunes Papier eingeschlagen. Er war ein gut gewachsener Junge, hatte dunkelblondes Haar und braune Augen und trug zulegt einen ziemlich defelten bräunlichen Jafettanzug ohne Wefte. Die Hose ist am Gefäß mit einem großen schwarzen Flicken ausgebeffert. Schnaepet trug ferner ein blaugeftreiftes Borhemd mit Stehumlegetragen und dunklem Selbstbinder, eine braune 2ebermüge mit Schirm und schwarze Schnürstiefel, die Ledermüze, das Patet und die Attentasche sind bisher nicht gefunden worden. Im mesentlichen kommt es auf folgende Feststellungen an: 1. Ber hat Schnaepel am Donnerstag, den 1. Oftober, nachmittags nach 2 Uhr und insbesondere in der Folgezeit noch gesehen? 2. Wer fann über Bersonen Ausfunft geben, mit denen Schnaepel in Be ziehungen stand oder über Berfonen, die seine Bekanntschaft fuchten? 3. 3ft Schnaepel in Potsdam, Beltow oder Umgegend gesehen worden? Mitteilungen, die die Behörde auf Wunsch vertraulich behandelt, werden an die Mordkommission Strewe- 3apfe, im Zimmer 88 des Polizeipräsidiums, Hausanruf 465. oder an die nächste polizeiliche Dienststelle erbeten. Fünfter Frauenkursus in Tinz. Die Heimonltshochschule Ting labet zur Teilnahme an ihrem fünften Frauenfurjus ein. Die Lehrfächer, die im Frauenfurfus im Vordergrunde stehen, find: Wirtschaftslehre, Geschichte, Kulturlehre, Gewerkschaftswesen, Erziehungs- und Schulfragen, Bohlfahrtswesen. Aufnahme finden Bewerberinnen im Alter von 18 bis 30 Jahren, die teine höhere als Boltsschulbildung genossen haben. Die Bewerberinnen haben an die Schulleitung ein Gesuch und einen selbstgeschriebenen Lebenslauf einzureichen, aus dem neben den allgemeinen Daten über Alter, Staatszugehörigkeit, Berufsausbildung usw. der Bildungsgang und der 3wed, der mit dem Besuch der Schule angestrebt wird, hervorgeht. Das Schulgeld, in dem die Kosten für Wohnung und Verpflegung inbegriffen sind Bettwäsche ist mitzubringen), beträgt für den ganzen Rurfus: für Thüringerinnen 100 m., für die übrigen Reichsbeutschen 125 D., für Ausländerinnen 200 D. Das Schulgeld ist bei Rursusbeginn zu entrichten. Dazu tritt die Berpflichumg, burch regelmäßigen Arbeitsbienst( 6 Stunden wöchentlich) an der Erhaltung der Schule mitzuarbeiten. Der Kursus beginnt am 15. Januar 1926 und dauert bis 15. Juni 1926. Die Bewerbungen sind spätestens bis Ende Rovember 1925 einzureichen. Die Entscheidung des Lehrerfollegiums über die Aufnahme erfolgt bis Weihnachten 1925. Ein aufregender Borfall spielte fich heute vormittag auf dem Bahnhof Klosterstraße ab. Ein Mann, von dem nur ber tame Albert Detert befannt ist, stürzte sich in felbstmörberischer Absicht vor einem einfahrenden Intergrundbahn zug. D. wurden die Füße zermalmt und der Brustkorb eingebrüdt, so daß der Tod auf der Stelle eintrat. Die Feuer. wehr barg den Toten und schaffte ihn nach dem Schauhaus. Durch den Vorfall trat eine längere Bertehrspornng ein. Objektive und subjektive Fälschung." Amtsgerichtsrat Dr. Herz fällt ein vernichtendes Urteil über Coßmann. München, 3. November.( Wd3.) Im Dolchstoß- Prozeß setzte am Dienstag vormittag der Sachverständige Amtsgerichtsrat Dr. Herz seine gestern begonnenen Ausführungen fort. Der Verlust des Krieges, so erklärte der Sachverständige, ist auf folgende Umstände zurückzuführen: Die Alliierten maren überlegen an Machtmitteln, an Menschen und an Material. Das deutsche Volt wurde durch die Hungerblodade ausgefogen, während es auf der feindlichen Seite zwar Entbehrungen, aber feine Not gab. Die selbstverständliche Folge war, daß die Friedenssehnsucht in Deutschland größer war als bei den Feinden. Eine Revolutionsagitation ist von einem fleineren Kreise betrieben worden. Die Tätigkeit der Revolutionäre führte aber erst zu einem Erfolg, als die Niederlage offenbar wurde. Die Revolution war eine Folge der Niederlage, nicht die Niederlage eine Folge der Revolution. Boraussichtlich wäre die Revolution vermieden worden, wenn der Kaiser rechtzeitig aus seinem Umte geschieden wäre. Theoretisch hat die Revolution das Weiterfämpfen verhindert, prattisch wäre aber das Weiterfämpfen ein va- banque- Spiel gewesen, bei dem auf unserer Seite die Chancen gleich Null waren. Der Sachverständige behandelte dann im einzelnen die von der flagten Partei aufgestellten Antithefen, denen er zum großen Teil zustimmte. Die politische Führung sei unzulänglich gewesen. Bethmann Hollweg fonnte sich zu feinem Entschlußz aufraffen, Michaelis stand zu sehr auf feiten der Obersten Heeresleitung, während Hertling in der elfaß- lothringischen Frage 3u sehr belastet gewesen sei durch seine frühere Festlegung. zu Nicht nur die politische Führung, sondern auch ein großer Teil des Bolles habe nicht erkannt, daß ein Verständigungsfrieden eine fiftliche Pflicht sei. Die in der Antithese Nr. 8 aufgestellte Behauptung, daß ein Sieg der Flotte bei dem beabsichtigten Borstoß unmöglich gewesen sei, tonne nicht absolut behauptet werden. Aus den Beugenaussagen habe man die Ueberzeugung gewinnen fönnen, daß die militärische Leitung die Möglichkeit eines Flottenfieges durchaus für gegeben hielt. Allerdings habe man auch die Ueberzeugung gewonnen, daß neben dieser Hoffnung auf den Sieg die weitere Hoffnung bestand, dadurch einen Einfluß auf den weiteren Berlauf des Krieges zu gewinnen, insofern, als man glaubte, daß dadurch die Baffenstilstandsverhandlungen mieder abgebrochen werden fönnten. Zu Gegenthese 9, die sich mit den Friedensmöglichkeiten befaßt, erklärte der Sachverständige, daß es natürlich schwer zu entscheiden sei, ob ein Berständigungsfrieden zu erzielen war. Er glaube aber, daß bei einer anderen Behandlung der Wilsonschen sowie der päpstlichen Friedensaktion die Möglichkeit vorhanden war, zu Friedensbesprechungen zu kommen. Die Schuld an dem Michtzustandekommen der FriedensverhandDie lungen frage nicht allein die Oberste Heeresleitung. Wilsonfche Friedensaftion scheiterte daran, daß der U- Booffrieg erklärt wurde. Bei der päpstlichen Friedensaftion wirfte fich der Kanzlerwechsel verhängnisvoll aus. Die Friedensaftion wurde dann durch Michaelis dilatorisch behandelt. Zweifelsohne war im ganzen Jahre 1917 und bis zur großen Offenfive 1918 eine starte Friedensstimmung sowohl auf englischer wie auf französischer offiziell erst sehr spät aufgenommen worden. Später proflamierte Seite vorhanden. Die Elsaß- Lothringische Frage ist von England Lloyd George Elsaß- Lothringen als Kriegsziel. Der Kardinal puntt der Friedensfrage blieb Belgien. Es war ein Fehler, baß man in Deutschland glaubte, Belgien als eine Friedensbedin gung für die Berhandlungen in der Hand behalten zu fönnen. Fest gestellt muß werden, daß die Anregung zu der Wilsonschen Friedens. altion von Deutschland ausging. Zur Gegenthese 10, die die 164 Goldmillionen Kurt Eisners betrifft, ftellt der Sachverständige feft, daß die Angelegenheit der Eisnerschen Gelber Auf Linie 69. Die hereingefallenen Taschendiebe Am 9. Juli sahen zwei Kriminalbeamte vom Taschendiebbezer nat zwei ihnen befannte Taschendiebe in Begleitung eines dritten Unbekannten aus einem Berbrecherteller in der Nähe des Alexanderplages fommen und auf einen Wagen der Linie 69 steigen. Da auf dieser Strede in der letzten Zeit zahlreiche Taschendiebstähle vorgekommen waren, nahmen sie sofort die Verfolgung der Berdächtigen auf. An der Kaiseralle mechselten die drei wiederholt die Wagen der Linie 69 und auch die Richtung, wurden aber weiter von den Beamten teils zu Fuß, teils in den Wagen selbst und zeitweise auch im Auto verfolgt und beobachtet. Die brei sprachen während der Fahrt und auch an den Haltestellen nichts miteinander und taten so, als ob sie nicht zusammengehörten. Plöglich verließ der eine von ihnen, der Arbeiter" Herbert Grühmacher. den Wagen und sprang auf einen in der Fahrt begriffenen Straßenbahnwagen Der Kriminalbeamte nach der nach der entgegengejezten Richtung. Simmad sprang ihm sofort nach, nahm ihn fest und sagte ihn geradezu auf den Kopf, er soll die soeben gestohlene Uhr herausgeben. Grügmacher war so verblüfft, daß er auch sofort eine goldene Uhr hervorzog. Inzwischen hatte der andere Beamie schon festgestellt, daß in dem Wagen der Linie 69 einem Arzt die ihr gestohlen worden war. Der zweite Taschendieb, der kauf mann Walter Conradt, den er festnehmen wollte, leistete heftigen Widerstand, so daß es dem dritten von der Bande gelang, unerkannt zu entkommen. Die beiden Festgenommenen wollen ihn nur unter dem Namen„ UIpe" fennen. Von den übrigen Taschen diebstählen auf der Linie 69 konnte nur Grühmacher und auch nur in einem Falle die Täterschaft nachgewiesen werden, da der Be stohlene ihn als denjenigen wiedererkannte, der in dem Gedränge bes Wagens ihn in ein Gespräch gezogen und dabei ein künstliches Gedränge, das zu dem beliebtesten Trid der Taschendiebe gehört, verursacht hatte. Das Schöffengericht Charlottenburg hatte die beiden Angeklagten zu 4 und 2 Jahren Zuchthaus wegen Bandenbiebstahls verurteilt. In der Berufungsverhandlung vor der Straftammer des Landgerichts III bestritten die Verteidiger, daß die beiden Taschendiebe bandenmäßig arbeiten, da jeder für sich operiere. Das Gericht folgte auch in diesem Punkte der Auffassung der Verteidigung und fegte die Strafen herav. Bei dem schon vielfach vorbestraften Brügmacher erfüllte das Gericht jedoch nicht dessen Bitte, ihn nur zu Gefängnis zu verurteilen. Er erhielt 2 Jahre Zuchthaus, Conradt fam mit einem Jahr Gefängnis davon. nicht geflärt sei. Daß die Münchener Judenschaft 164 Mi! lionen für Wahlzwecke aufbringen fonnte, sei sehr unwahrscheinlich. Auch von russischer Seite seien so hohe Summen niemals ausgezahlt worden. Die Gegenthese 13, die darauf hinweist, daß die Reichsregierung über die fatastrophale Lage an der Front im Unflaren gelassen wurde, verschärfte der Sachverständige noch dahin, daß die Reichsregierung fogar in falfche Kenntnis von der Obersten Heeresleitung gefeht worden sei. Bezüglich des U- Boot- Krieges müffe festgestellt werden, daß die Leistungen der U- Boote im Kriege gegen England von der Marine richtig eingeschätzt wurden. Falsch eingeschätzt habe man jedoch die Wirkungen, die die Versenkungen auf die englische Wirt schaft ausübten. Helfferich, der sich ursprünglich gegen den U- BootKrieg gewandt hatte, sei immer der Warner gewesen, daß der U- Boot- Krieg Englands Wirtschaftslage nicht verschlechtern, sondern verbessern werde. Die Verhandlungen von Breft- Citowft haben durch die Schwere der Bedingungen nach innen und außen tatastrophal gewirkt. Auch die Propaganda der Alldeutschen wirkte verheerend. Sie tam insbesondere den Linksradikalen zugute. Der Sachverständige wandte sich hierauf den einzelnen Dolch= ſto B.Artikeln der Süddeutschen Monatshefte zu. Der Sachverständige bezeichnete eine Reihe von Stellen in den Dolchstoß- Heften als falsch, insbesondere jene über die Gemertschaften, über das Auftreten Haases am 23. Ottober 1918 im Reichstag, wo er die Revolution von der Tribüne herab verkündet haben soll, über die Unruhen in Frankreich. Der Sachverständine fuhr dann fort: Coßmann fpricht von Vorbereitung der Revolution, prüft aber nicht, ob der Zusammenbruch überhaupt auf Unterwühlung, Revolution ufw. zurüdzuführen ist. In den Gründen für den Zusammenbruch ist bei Coßmann ver geffen die Ueberlegenheit der Entente an Menschen und Material und weiter die Hungerblockade, und wenn in den Dolch stoßheften gesagt wird, Revolution sei gleich Dolchstoß, so muß zuerst die Frage gestellt werden, ob Revolution überhaupt gemacht werden fann. Man tann Butsche machen, man fann Revolutionen von oben mit der Macht des Staates machen, aber eine Revolution gegen die Macht des Staates außer einem Umffurz von unten fann man nur machen, wenn die Machtmittel des Staates so morsch sind, daß fie unterliegen müffen. Man kann auch Gegenrevolutionen machen, wenn die Machtmittel der Revolution nicht start genug find. Das Wort, daß Revolutionen nicht die Schulb der Revolutionare, sondern die der Regierungen find, die berechtigte Forde rungen nicht rechtzeitig erfüllt haben, ist richtig. Die ,, Subdeutschen Monatshefte" bringen wesentlich Falsches, schiefe Darstellungen und Berzeichnisse. Die Veröffentlichungen der Süddeutschen Mone hefte sind eine Anklage. 99 Bon einer historischen Wahrheit fann nicht mehr die Rede seir wenn die Süddeutschen Monatshefte" den Anspruch, ein politisch- historische Zeitschrift und nicht eine politische Agitations fchrift zu sein, machen. Aber wenn sie lediglich den Anspruch erheben, eine politisch- agitatorische Zeitschrift zu sein, dann ist es eine Frage der Robustheit des Gewissens, wieweit man in Agitationsschriften gehen Gebot übertreten fann: Du sollst nicht falje 3eugnis kann. Ich glaube, daß man auch bei der politischen Arbeit nicht das reden. Eine objektive Fälschung liegt in den Dolchstoßheften vor und es fragt sich weiter, ob auch eine jubjeffive Fälschung gegeben ift. Ich glaube, daß sich in den Dolchstoßheften drei Beweise finden dafür, daß bemußt gefälscht worden ist. Nach diesen drei Beispielen, die der Sachverständige näher barlegte, muß auch eine subjektive Fälschung angenommen werden, da Coßmann im politischen Leben gestanden hat und viele Dinge, die er behauptet hat, besser wissen mußte. Sie tam zu Fall und geriet unter ben Anhänger. Ein Wagen bes Städtischen Rettungsamtes brachte die Schwerverlegte nach dem Elifabethkrankenhaus, wo ein schwerer Schädelbruch feftgestellt wurde. Der Zustand ist bedenklich. Martha Tiek gestorben. Wieder ist eine von den Alten dahingegangen. Ihre rührige Tätigkeit für die Aufklärung der Prole tarierinnen soll unvergessen bleiben. In jungen Jahren war fie zunächst in Dresden im Verein der Schäftearbeiter organisiert. Ais Genoffin Rohrlad tennen fie die alten Mitglieder der Partei, als sie mit ihren Gatten hier in Berlin mit den Genossinnen Ghrer, Stegemann, Dr. Hofmann, Ottilie Baader u. a. unter dem Sozia liftengeset eine eifrige Förderin unserer Jbeen war. Der Metallarbeiterverband, dem sie lange Jahre angehörte, hatte in ihr eine tatkräftige Agitatorin. Eine viermonatliche Gefängnisstrafe erlitt fie, nachdem fie in einer Bersammlung die Zustände der Gewerbeinspektion gekennzeichnet hatte. Bei dieser Gelegenheit foil fie einen Gewerbeinspektor beleidigt haben. Bor sechs Monaten erfitt fie einen Schlaganfall und befand sich bereits auf dem Wege der Befferung, als am Sonntag ein erneuter Schlaganfall ihrem arbeitsreichen Leben, ein rasches Ende bereitete. Die Einäscherung findet am Donnerstag, den 5. November, abends 8 Uhr, im Krematorium Gerichtstraße statt. Das erste Wafferkraftwerk im Saargebiet. Saarbrüden, 3. November. Das erste Masserkraftwerk des Saargebietes bei Möblach, das im Jahre 1924 begonnen wurde, geht in den nächsten Tagen seiner Vollendung entgegen. Die Anlage befigt ein Staubeden für sechs Millionen Kubikmeter Wasser und wird eine jährliche Krafterzeugung von 25 Millionen Rilsmatt stunden liefern. Frankreichs täglicher Eisenbahnunfall. Paris, 3. November.( EP.) In der Nähe von Aig entgleifte überschlug sich, wobei fämtliche Infaffen, zehn an der Bahl, gestern nachmittag ein Zug. Ein Wagen britter Rlafje überschlug sich, wobei sämtliche Infaffen, zehn an der Zahl, mehr oder weniger schwere Berlegungen davontrugen, Orgelfonzerte im Dom. Das nächste Drgelfonzert von Prof. Walter Fischer findet am Donnerstag, den 5. Nov., 8 1hr, im Dom statt. Es wirken mit: Räthe Navoth, Sopran, und Eva Liebenberg, Alt. Programm 50 Bf. berechtigt zum Eintritt. Typographia! Die Uebungsstunde am heutigen Dienstag muß um 18 Uhr beginnen. Chorleitung: Alexander Weinbaum. Bünktliches Erscheinen ader Sänger ist Ehrenpflicht. Groß- Berliner Parteinachrichten. 74. Abt. Behlendorf. Die für heute angesezte Funktionärversammlung fat ons unb findet dafür am Freitag, ben 6. November, abends 7, Uhr, ftatt. Bericht über bie Sigung der Schiebsfommission. Ake Funktionäre müffen bestimmt und pinftlich erscheinen. Abspringen verunglüden! Die üble Sitte des Abspringens von einer in voller Fahrt befindlichen Straßenbahn ist wieder um einen schwerwiegenden Fall, der aber noch nicht der letzte sein dürfte, bereichert morden. Daß alle Barnungen der Bresse und auch der Straßenbahnverwaltung, die sogar durch Warnungstafeln, die in den Straßenbahnwagen aushängen, an der Berminderung von Unfällen mitzuarbeiten versucht, scheinbar nur in den Bind geblasen Jungfezialistes: Spielgemeinschaft. Senoffixen und Gewoffen, ble ut beben, find und nicht beachtet werden, beweist die erschreckende Zunahme von Straßenunfällen beim Auf- und Abfspringen. Gerade weibliche Fahrgäste, bie allen Grund zu größter Vorsicht hätten, sind in legfer Zeit überfahren und teils getötet oder schwerverlegt worden. So versuchte am Montag abend furz vor 12 Uhr die vierzigjährige Emilie Bellinow, wohnhaft Kurfürstendamm 136, in der Tauenzienstraße now dem Triebmagen her Linie 79 abzuspringen. ax der Aufführung von zwei Szenen aus Tehers Bandlung bei ber Resolutionsfeier ber Bartei am Montag, ben 8. Stesember milzuwirken, werden gebeten, an der Brobe am Montag, ben 9. Movember, püsttlich zah mittags 5 Uhr, im großen Saal bet teuen elt", Safenheibe, teilzunehmen. Der Arbeitsausschuß. Arbeitsgemeinschaft der Kinderfreunde in Groß Berlin. Mittwoch, ber 4, pinttlich, abends 8 Uhr, Selferfihung im Jugendheim, Sinbenstz 8. IL Sof Ill Trp. Tagesordnung: Bericht über ben Reichsleiterturfus in ni und ble Reichstonferenz in Jena. Berschiebenes. Gewerkschaftsbewegung Beamtenstreik in Oesterreich. Beschluß der Beamtenerefufive. len, 3. november.( WIB.) Der Erefufivausschuß der Bundesbeamtenschaft hat befchloffen, das Angebot der Regierung afs ungenügend abzulehnen und den Beamtenstreit, beginnend am 5. November, zu proklamieren. Vom Streit find nicht betroffen, die staatlichen Betriebe, wie eisenbahn, Poft, Telegraph Ausgenommen find ferner jene Betriebe, deren Arbeit für die Bevölkerung lebenswichtig find, fo Polizei, Gendarmerie, Justiz, Aerzte, Apotheker und ein Teil der Jollbeamten. Auch die Bäder streiken. Es hat gesessen. Da die tommunistische Bresse die bedeutsame Resolution, die der Vorstand der Kommunistischen Partei Rußlands über die Arbeit in den Gewertschaften vor zwei Wochen faßte, ihren Lesern vorenthielt, hielten wir es für nüglich und notwendig, dicse Lücke auszufüllen. Darüber ist nun die Rote Fahne" sehr erboft. Wir haben weiter aus derfelben Nummer des Trud vom 17. Ottober einen Artikel des Führers der russischen Metallarbeiter Reselem veröffentlicht. Beide Aeußerungen ftimmen darüber überein, daß bie russischen Gewerffchaften, bie von der Rommunistischen Partei zu allen möglichen politischen und administrativen Aufgaben mißbraucht wurden, dadurch ihre eigentlichen Aufgaben vernachlässigt haben. treters des Reichs- und Staatsfommissars ein Schiedsspruch gefällt, der das alte Lohnabkommen mit Wirfung ab 1. November 1925 mit der Maßgabe wieder in Kraft setzt, daß die in§ 1 sowie in§ 2 unter a und b festgesezten Löhne und Vergütungen um 5 Pro. erhöht werden. Die Erklärungsfrist läuft bis 9. November mittags 12 Uhr. Berhandlungen in der chemischen Industrie. Frankfurt, 2. November.( 2.) Um eine Einigung im Lohnfampf in der chemischen Industrie herbeizuführen, hat das Reichsarbeitsministerium die Parteien auf Donnerstag, den 5. November, zu einer Aussprache nach Berlin geladen. „ Nicht tragbar“. Warum ift die Rote Fahne" über diese Beröffentlichung wichtiger tommunistischer Rundgebungen aufgebracht? Sehr einfach des halb, weil die KPD. in derselben Weise die deutschen Gemert- Bremen, 2. November.( Eigener Drahtbericht.) Der Bezirk fdjaften von ihren eigentlichen Aufgaben ablenten möchte. Mit Ge Nordwest des Verbandes der Staats- und GemeindeWien, 3. November.( Eigener Drahtbericht.) Am heutigen Tage walt möchte fie z. B., daß die Berliner Gewerkschaften ihre wirt arbeiter richtete an den zuständigen Arbeitgeberverband eine beginnt in ganz Desterreich der Streit der Bäckerei und Brotschaftlichen Aufgaben vernachlässigen und sich der Forderung auf Erhöhung der öhne, da der bisherige Gemeindepolitik widmen sollen. Wochenlohn gegenüber dem Wochenlohn des Jahres 1914 um fabrikangestellten. Der Beschluß, in den Ausstand zu treten, wurde Mas wäre damit erreicht? Die Gewerkschaften werben wahr. 12 m. niedriger ist. Die Bezirksschiedsstelle hat die 2ohnvon den Bäckereiarbeitern am Montagabend einmütig gefaßt, da das scheinlich weber eine gute Gemeindepolitit, noch eine gute Gemert- erböbung abgelebt, da sie von Staat und Gemeinde anLohneinigungsomt sich nicht entschließen fonnte, fofort eine Entschaftspolitik betreiben tönnen. Da in politischen Fragen die An- geblich nicht getragen werden kann. Die Arbeitnehmer beschlossen fcheidung in der Streiffrage herbeizuführen. baraufbin, den Sentralausius in Berlin um seine Entscheidung anzurufen und gegebenenfalls den Streit zu proklamieren. Die Arbeitszeitpolitik des Reichsarbeitsministeriums. Achteinhalb Stunden für Feuerarbeiter. In dem Stampf in der Glasindustrie fanden am 29. Oktober im Reichsarbeitsministerium Verhandlungen unter dem Borfiz des Oberregierungsrats brecht statt. Es handelt sich bekanntlich in der Hauptsache um die Arbeitszeit und die Löhne. Es tam schließ. lich zu einem Schiedsspruch, in dem es heißt: „ Die Arbeitszeit der in den Glashütten beschäftigten Arbeitnehmer dari 8 Stunden täglich und 48 Stunden wöchentlich nicht überschreiten. Bährend der Dauer der gegenwärtigen schwierigen Wirtschaftsverhältnisse und bis zum Infrafttreten einer etwaigen gefeßlichen Regelung, längstens bis zum 30. April 1926, darf in den Glashütten nach Anhörung der Betriebsvertretung a) für die mit der Verarbeitung der Glasmasse vor dem Ofen beschäftigten Arbeitnehmer eine eberarbeit von einer halben Stunde, b) für die übrigen Arbeitnehmer eine le berarbeit von einer Stunde stattfinden. Für die Zeit nach dem 30. April 1926 bis zum 31. Auguft 1926 verkürzt sich die nach Saz 1 zulässige Ueberarbeit für die oben unter a) genannten Urbeitnehmer auf eine Biertelstunde. Für die Gruppe I des Sauz verbandes Deutscher Glasfabriken verbleibt es hinsichtlich der Ueberarbeit der nicht am Glasofen beschäftigten Arbeitnehmer bei der bisherigen Regelung. Für die Ueberarbeit ist ein Lohnzuschloe von 20 Broz. zu gewähren. Diese Arbeitszeitregelung fann mit vier. möchentlicher rift, frühestens bis zum 1. September 1926, gefündigt werden." Braktisch bedeutet das in Wirklichkeit die achteinhalb stündige Arbeitszeit für die Feuerarbeiter und die neunstündige Arbeitszeit für die übrigen Arbeiter. Bom 1. April ab bleibt es für die nicht am Ofen beschäftigten Arbeiter auch meiter bei der neunstündigen Arbeitszeit, während die Feuerarbeiter die Arbeitszeit um eine Biertelstunde gekürzt bekommen. Daß gerade die Arbeit an den Defen eine äußerst gesundheitsschädliche ift, darüber bestand schon vor dem Kriege teine Meinungsverschiedenheit. Auch darüber, daß für diese Arbeiter der§ 7 der Arbeitszeitverordnung in Betracht toramt, fann es teine Meinungsverschiedenheit geben. Es ist bezeitynend für den Geist, der im Reichsarbeitsministerium herrscht, wenn man es wagt, zwei Jahre nach Beröffentlichung der Arbeitszeitverordnung noch einen der artigen Schiedsspruch zu fällen. Im übrigen denft man im Reichsarbeitsministerium gar nicht daran, etwa den Unternehmern der Glasindustrie unangenehm zu werden, indem man die Bestimmungen des§ 7 der Arbeitszeitverordnung auch durchführt. Die Redensart von den„ gegenwärtigen schwierigen Birtschaftsverhältnissen" ist eine taule Ausrede, die man gedankenlos den Unternehmern nachredet. Seit über sieben Wochen stehen die Glasarbeiter im Stampi, weil fie den gesetzlichen Achtstundentag durchsetzen wollen und insbesondere mit den Bestimmungen des Schiedsspruches vom 31. August nicht zufrieden sind. Der Schiedsspruch vom 29. Oktober bleibt aber noch hinter dem Schiedsspruch vom 31. August zurüd. Damals wurde eine Lohnerhöhung von 6 bzw. 8 Proz. ausfichten der Gewerkschaftsmitglieder notwendig auseinander gehen, wurde auch die größte uneinigteit in die Gewerkschaften pofitit ift die Spaltung und Schwächung der Gemerthineingetragen werden. Das Ziel der KẞD. in der Gewerkschaftsschaften, um so die gespaltenen und geschwächten Gewerkschaften inden Dienst der KPD. zu zwingen. Da wir diese Absicht aufgedeckt haben und die verheerenden Folgen der kommunistischen Politif aufgezeigt haben an den Ergebnissen in Rußland, ist die Note Fahne" darüber sehr verärgert. Was mir mit Befriebigung feststellen. Sanierung auf Roften der Arbeiterschaft. $ Die zum Kahntonzern gehörige Firma Stod Motor pflug geht nach der erfolgten Sanierung des Konzerns dazu über, bie Atfordlöhne teilweise bis zu 30 Broz. zu fürzen. Nicht genug bamit, daß zur Sanierung ein starter Brozentsaz der Belegschaft entlassen wurde, will man sich jetzt auf Kosten der Arbeiter über bie Geldtrife hinweghelfen, Bei den Verhandlungen, die wegen der Empörung der Beleg schaft mit dem Metallarbeiterverband und Berkehrsbund gepflogen wurden, machten die Firma sowohl wie auch die Konzernvertreter feine flaren Angaben über die geplanten Betriebseinschränkungen und Lohnreduzierungen. Es wurde nur immer betont, daß die Prodution nicht rentabel gemug sei und einzelne Fabritate jogar mit Berluft verfauft worden seien. Weiter hätten auch einzelne och verbiener bewiesen, daß die Afforblöhne zu hoch faltuliert feien. Die Belegschaft nahm zu den Dingen in einer Betriebsversamm. lung am Montag Stellung. Bergmann vom Berkehrsbund fomie Lehmann vom DMB. beleuchteten die Schwierigkeiten bei der Firma im Zusammenhang mit den Vorgängen im Ronzern und der Gesamtwirtschaft. Sie wiesen aber auch darauf hin, daß einen erheblichen Teil der Schuld an diesem Vorgehen der Firma die Belegschaft treffe. Die zahlreichen, von einzelnen Arbeitern geleisteten leberstunden, die rüdsichtslose Attordschufterei, das 2bfeitsftehen vieler von ihrer Organisation, die Organisationszer. fplitterung und dergleichen mehr haben die Firma ermuntert, so gegen ihre Belegschaft vorzugehen. Sie wiesen dann die Angriffe des Ber. treters des Industrieverbandes" Müller zurüd, der das Allheil. mittel des„ Angriffs auf der ganzen Linie" pries und dabei vergessen hatte, daß bis zum Beginn eines solchen Rampfes die Arbeiter bei Stod verhungert feien. Sie erklärten im Namen ihrer Berbände, die Belegschaft in jeder Situation zu unterstützen und zu feinem Lohnabbau die Hand zu bieten. Nach einer ausgedehnten Diskussion beschloß die Bersammlung, heute im Betriebe eine Ur abstimmung darüber vorzunehmen, ob dem Vorgehen durch Streit oder Berhandlungen mit den Drgani fationen begegnet werden soll Aussperrung wegen des Achtstundentags. Dortmund, 3. Movember.( WTB.) In dem Lohnstreit der Metallindustrie des Bezirkes Hagen- Schwelm sind zwei Schiedssprüche gefällt worden. Die Arbeiter haben diese abgelehnt, während der Arbeitgeberverband den Schiedsspruch über die Arbeitszeit und die Löhne angenommen hat. Von den Arbeit gebern ist die Berbindlichteitserflärung beantragt worden. Da das Arbeitszeitabkommen Ende Oktober abgelaufen war, haben die Arbeiter heute nur a cht Stunden gearbeitet. Der Arbeit. geberverband hat vom§ 3 des Arbeitszeitgefeßes Gebrauch gemacht und hat für den Monat November von sich aus die Arbeitszeit folgt, daß heute etwa Sämffiche am Tarifvertrag beteiligten vier Bergarbeiterverbände haben nunmehr den vom Schiedsgericht für den Ruhrbergbau gefäll ten Schiedsspruch fü den Ruhrbergbau angenommen und beim Arbeitsministerium seine Berbindlichkeitserklärung beantragt. Aus der Partei. Deutschösterreichische Parteiarbeit. Am 13. bs. beginnt in Wien der Partettag. Dem ausführlichen Bericht des Barteivorstandes über das verflossene Geschäftsjahr ent nehmen wir folgendes: Zwar hat die Barteiorganisation in der Provinz Einbußen zu perzeichnen, die auf die schwere Dauerfrise zurückzuführen find, aber in Wien, wo faft ein Drittel der ganzen Bepölkerung des Staates wohnt, ist die Zahl der Parteimitglieder von 266 415 auf 301 477 gestiegen. Man vergleiche nur diese Stärke der sozialdemokratischen Organisation in der Zweimillionenstadt mit den Organisatonsverhältnissen im Deutschen Reich und auch in anderen ändern, um sofort zu erkennen, daß die deutschösterreichische Partei heute an innerer Siürfe und Rührigkeit vorbildlich ist. Aller dings bietet in Wien die politische Organisation den Mitgliedern für ihre Beträge fozusagen auch materielle Gegenleistungen, indem sie ihnen jeden Monat gratis die illustrierte Zeitschrift„ Der Sozialdemokrat zustellt und ihnen durch die Kunststelle der Wiener Partei Theaterbilletts zu den beften Borstellungen aller Bühnen mit großer Breisermäßigung verschafft. Eine Boltsbühne mit eigenem Haus wie Berlin hat Wien dagegen noch nicht; endlich erhalten die Wiener Barteimitglieder jedes Bierteljahr gratis eine Broschüre. In Bien ist heute jeber dritte Erwachsene Mitglied der Sozialdemokratischen Bartet! Die Zahl der weiblichen Parteimitglieder ist in ganz Deutschösterreich gestiegen, und zwar von 154 190 auf 165 004, wovon 93 932 in Wien leben. Dagegen wird die Mitgliederzahl der Jugend organisationen mit 28 541 in 280 Gruppen als zu ge. ring betratchet. Die Parteipresse besteht aus den Tageblättern in Wien, Linz, Salzburg, Innsbrud, Graz und Klagenfurt, sowie einer Anaahl nicht täglich erscheinender Zeitungen. Die Biener..ArveiterSeitung hat eine Werttagsauflage von 99 000, am Sonntag bedeutend mehr. Diese gewaltige Berbreitung ist start gefördert worden durch das billigere Betriebs abonnement, bei dem die Zeitung in den Betrieb geliefert und dort das Bezugsgeld ein gezogen wird. Das bedeutet natürlich eine große Ersparnis an Trägerlohn. " Das fehr umfangreiche Bildungswesen wird im nächsten Jahr getrönt werden durch die Eröffnung der Arbeiter hochschule in eigenem Gebäude, wofür die Mittel aus dem Verkauf der großen Hammerbrotwerte genommen werden. Dem Stand der Parteiorganisation entspricht die Entwicklung der Gewerkschaften, der Ge nossenschaften, der Sport- und Kinderfreundeorganisationen und, nicht zu vergessen, bes ,, Republikanischen Schutzbundes", jener rein sozialdemokratischen Abwehrtruppe reaktionärer Uebergriffe, die mit dem Reichsbanner Schwarz- Rot- Gold" in freundschaftlichem Kartellverhältnis steht. Die deutschösterreichische Sozialdemokratie ist durch die politischen Kriegstredite bewahrt geblieben. Dadurch ist d. Moskauer Spaltungsarbeit viel wichtige Borarbeit entgangen und trotz der sehr schlimmen Elendsjahre, die Deutschösterreich nach Kriegsende und ieht wieder dant der Seipel- Bölferbundlichen„ Sanierung" durchmachen mußte, haben es die Kommunisten zu irgendwelcher Be deutung nicht bringen fönnen. gesprochen. Der letzte Schiedsspruch reduziert auch diese völlig verlängert. Die Arbeiter find dem jedoch in großer Zahl nicht ge Berhältniffe im damaligen Altösterreich vor der Spaltung um andere Lahnverschlechterungen. Die Glasarbeiter nehmen heute zu dem Schiedsspruch Stellung in einer Urabstimmung. Im Reichsarbeitsministerium rechnet man in Uebereinstimmung mit den Unternehmern offenbar darauf, daß die Glasarbeiter, durch den langen Kampf mürbe gemacht, dem Schiedsspruch zuftimmen werden. Gefeßliche Verpflichtungen und die öffentliche Meinung spielen für die hohe Bureaukratie, die unter dem Schurze des Herrn Dr. Brauns arbeitet, feinerlei Rolle. Benigstens vorläufig unter der Rechtsregierung nicht. 8000 Tegtilarbeiter ausgesperrt. Hannover, 3. November.( Eigener Drahtbericht.) Die Lohnverhandlungen in der hiesigen Textilindustrie führten zu feinem Erhandlungen in der hiesigen Textilindustrie führten zu feinem Er. gebnis. Infolgedessen fam es, wie wir bereits angefündigt haben, am Montag zur Aussperrung von etwa 8000 Tertilarbeitern. Schiedsspruch in der westdeutschen Kanalschiffahrt. Dortmund, 3. November.( WLB.) In dem Lohnstreit der west deutschen Kanalschiffahrt wurde heute unter dem Borsig eines BerIm TeppichGroß- Lager Berantwortlich für Bolitif: Ernst Reuter: Wirtschaft: Artur Gaternus; Gewerkschaftsbewegung: Friebr. Eglorn; Feuilleton: R. S. Döscher; Lokales und Gonftiges: Frik Karstädt; Anzeigen: Th. Glode; sämtlich in Berlin. Berlag: Borwärts.Beriaa 6. m. b. S., Berlin. Drud: Borwärts- Buchbrucerel und Berlansanftalt Baul Singer u Co.. Berlin G. 68. Lindenstrake 3. Großer Teppich- Verkauf Lager am Mittw. 4., Donnerst. 5., Freit. 6. u. Sonnabd. 7. Ständiges 1000 Teppiche Lager, ca. Brücken, Vorlagen, Tisch- a. Diwan- Decken, Läuferstoffe, erstklassige Fabrikate zu billigen Engros- Listenpreisen. Viele einzelne Muster Teppiche ca. 40% ermäßigt. auch in großen Exemplaren 350X450, 350X500, 400X500, 600X800 Nachstehend einige Beispiele der billig. 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