Nr. Sil ♦ 42,?ahrg. Musgabe A Ar. 266 Bezugspreis: WSchentlich 70 Pfensi«. Baattffl«» S— Reichsmark voraus»ablbar. Unter Zireusbaub Mr Deutlchlaud. Don, ig. Saar- und Remelaebist. D-sterr-ich. Litauen. Lmembur« *,50 Reichsmark, für das übrig« ausländ 5.50 Reichsmark pro Monat. Der„Sormätts* mit der Sonniags. Keila«»Volk und Reit* mit Siedlung und«leingarten* lomie der Beilag«.Unterbaltun« und Wissen* und Fraueubeilage„Frauenstimme* erscheint mochentäglich iweimal. Sonntags und Montag» einmal. Telegramm-Adresse: So,ialde«otrat Berti»* Morgenausgabe m Devlinev VolklsblÄkt (lO Pfennig) aitgciflenptcvic: Die((»fnaltite Nonpareille. teil« 80 Pfennig. Reklamezeili Reichsmark...«lein, Anzeigen* das fettgedruckt« Wort Zö Pfennig Ctuläfii«»»ei fettgedruckte Worte>. fede» weitere Wort 12 Pfennig. Stellengesuch« das erste Wort 15 Pfennig. ledes«eitere Wort 10 Pfennig. Worte über 15 Buch» ftaben läblen für zwei Wort«. Arbeitsmarkt Reil« 00 Pfennig. Kamilirnan, eigen für Abonnenten geil« 40 Pfennig. «nzeigen für die nächste Nummer Müssen bis m Uhr nachmittags im Hauptgeschäft. Berlin EW 08. Linden» Krasse 3. abgegeben werden. Geöffnet von 8lb Ubr frllb bis 5 Uhr nachm. Zentralorgan der Sozialdemokrat! Tcbcn parte! Deutfchlands Redaktion und Verlag: öerlin EW. öS, Lindenstraße Z Fernsprecher: Dönhoff 292-297. Vonvärts-Verlag G.m.b.H., öerlin EW. öS» Lindenstr.Z P»stfche4lk»»t»! Berlin Z7 5Z0—«ankkont»! Bank der Arbeite«, Angestellt«» und Beamte». Wallst«. 05; Disdoato-Gesellfchaft, Deposttenkass« Liudcnftr. z. 32 Stimmen Mehrheit für painleve. Abwartende Haltung der Sozialiften.- Die Regierung einftweileu gesichert. Pari». Z. November.(Eigener Drahtberichi.) Um ll Uhr vbends war die Debatle in der Kammer über die Znterpellakionen zur allgemeinen polittk der Regierung painleve beendet. Die Znter» pellatlonen über Speziolfragen waren aus Wunsch der Regierung zurückgestellt worden. Es sand die Abstimmung über eine von der Regierung angenommene vertranensresolution statt, die von den bürgerlichen Linksparteien eingebracht worden war und die solgenden Wortlaut hat: „Die Kammer billigt die Erklärung der Regierung und hat das Vertrauen zu ihr, dah sie in vollem Einverständnis mit der republikanischen Mehrheit eine Politik des Friedens und der finanziellen Sanierung durchführen wird. Sie lehnt jede hinzufügung ob und geht zur Tagesordnung über." Das Ergebnis der Abstimmung war: Für die Regierung 221 Stimmen, gegen sie 18g. Auster den 100 S o z i a l i st e n hatte sich etwa ein Vuhend Ab» geordnete von der sogenannten Republikanischen Linken, die zwischen dem Linksblock und dem Rationalen Block stehen, der Stimme e n t» hallen. vor der Abstimmung gab namens der sozialistischen Fraktion Genosse Paul Favre eine Erklärung ab. wonach die Sozialisten nicht in der Lage wären, der Regierung ihr vertrauen zu gewähren. Dos bedeute aber nicht, dost die Sozialisten es g e» gebcnenfalls ablehnen würden, einer von der Regierung Pain» leoä getragenen Politik ihre Zustimmung zu geben, die in klarer weise den Wünschen der breiten Massen des Volkes Rechnung tragen würde. Wer die Unlerstühung der sozialistischen Fraktion sich zu sichern bestrebt sei, wisse nun. woran er sich zu halten haben würde. Unmittelbar vor der Abstimmung hatte Painleve bei der Be» nntworkung der Interpellationen eine Rede geholten, in der besonders ein Sah ousslel, der vielfach erörtert wurde. Gegenüber den Kritiken der Rechten, die ihm vorgeworfen hatte, dah die soeben beendete Regierungskrise aus Grund auherparlamenlorischer Be» schlüsse, nämlich als Resultat des Radikalen Kongresses von Rizza. ausgebrochen sei. erklärte er, er sei jederzeit bereit, von seinem Posten als Ministerpräsident zurückzutreten, wenn aber die Sammer der Ueberzeugung sei. dost das von seiner Regierung entwickelte Programm für die Rettung des Landes notwendig fei. dann bitte er die Abgeordneten, diesem Programm ihre Zustimmung zu geben. Dieser Sah wurde allgemein dahin kommentiert, dost Pain» leoe bereit sei. aus eine lediglich von den Linksparteien gestellte Mehrheil zu verzichten und die Unlerstühung von Elementen der Mittelparteien wieder anzunenhmen, ähnlich wie bei der Bildung seiner ersten Regierung zu Beginn des Sommers: denn er appellierte mit diesen Worten nicht mehr lediglich an den Linksblock, sondern an die Kammer schlechthin. Der allgemeine Eindruck unmittelbar nach der Abstimmuag war der, dah die Existenz der neuen Regierung painlevö nunmehr für die nach st en Wochen gesichert sei. Unstimmigkeiten unter den Sozialisten. Paris. 3. November.(Eigener Drahtbericht.) Im Lause des Wende wurde bekannt, daß die Genossen Moutet, Paul Bon» cour, Rcnaudel und Vincent Auriol aus Protest gegen die von ihnen bekämpfte Stellungnahme der Mehrheit des Ratio- nalrats ihre Demission ol� Mitglieder der politischen Kom- Mission der sozialistischen Kammersroktion, die etwa dem deutschen sozialdemokratischen Fraktionsvorstand entspricht, gegeben haben. In bürgerlichen Kreisen verbreiteten sich anknüpfend an diese Nachricht wilde Gerüchte über«ine bevorstehende Spaltung der Sozialistischen Partei. Daran ist natürlich kein wahres Wort. Die Regierungserklärung. Kühle Aufnahme— Allgemeiner Beifall nur für Loearno. Paris, 3. November.(Eigener Drohtbericht.) Die Negierungs- erklärung, die am Dienstag in der Kammer von Painlev� selbst und im Senat von Justizminister Chautemps verlesen worden ist, beginnt mit der Feststellung, daß die gegenwärtige Situation energische und kühne Maßnahmen erfordere, nach einem einheitlichen Plan und mit Methode ausgeführt. Tie Er- klärung entwirft dann die Grundlage des finanziellen Pro- g r a m m s der Regierung. Das finanzielle Problem sei gegen- wärtig die wichtigste Frage, mit der sich die Regierung zu befassen haben wird. Der wirtschaftlichen Unstabilität müsse ein Ende ge- macht werden und die Regierung werde vom Lande auf die Gefahr hin, ihre Popularität aufs Spiel zu setzen, erhebliche Opfer verlangen müssen. Diese Opfer müßten obligatorisch sein, damit sich niemand ihnen entziehen könnte, und sie mühten bewilligt sein, um keinem Widerstand zu begegnen. Zunächst müsse ein Gleich- gewicht des Budgets hergestellt und sämtliche ständigen Aus» gaben durch ständig? Einnahmen gedeckt werden. Die Schwierigkeiten, mit denen das Schatzamt bei der Rückzahlung der gekündigten Schatzscheine zu kämpfen habe, gedenke die Regierung durch ein« energisch« Tilgung der Staatsschuld zu be» heben. Die dazu erforderlichen Mittel werde die Regierung sich durch eine oußerordeakliche Besteuerung sämtlicher Arten von Vermögen beschaffen. Eine autonome Amortisationskass« werde diese Mittel zu oerwalten haben, wodurch der Versuchung vor- gebeugt werden soll, die außerordentlichen Steuern zur Deckung der ordentlichen Staatsausgaben zu verwenden. Durch die Jnkroft- setzung dieses Programms hoste die Regierung die Stabilität des Franken sicherzustellen. Auch das Problem der aus- wärtigen Schulden müsie ein« endgültige Regelung er« fahren, und die Regierung beabsichtig« infolgedessen, die bereits be- gonnenen Verhandlungen ml» England und mit den vereinigten Staaten wieder aufzunehmen. Die Erklärung fordert dann das Parlament auf, den Etat für 192(5 und die Sanierungscntwürfe der Regierung schleunigst zu verabschieden und geht dann zu verschiedenen Fragen der Innen- Politik über. Es wird insbesondere darauf hingewiesen, daß die Regierung vom Senat die schleunige Verabschiedung der die Sozialversicherung betreffenden Gesetzenwürfe fordern werde, daß sie das Werk der Einheitsschule in die Wege zu leiten gedenke, und daß sie unverzüglich die Militärreform, die die Herabsetzung der Dienstzeit ans ein Zahr mit sich bringen würde, zu unternehmen beabsichtige. Näher geht dann die Regierungserklärung ans die Frage von Marokko und Syrien ein. Eine Gefahr für die französischen Besitzungen in Ma- r o t k o. so führt sie aus, bestehe gegenwärtig nicht mehr. Marschall Potain sei jetzt in der Lage, Marokko zu verlassen. 2l Bataillone würden nunmehr noch Frankreich zurückkehren können. Sämtliche Soldaten würden noch Wlauf ihrer gesetzlichen Dienstzeit enlassen werden. Frankreich habe in Marokko nur für die Wiederherstellung des Friedens gekämpft und halte infolgedessen auch gegenwärtig, wo die Angreifer besiegt seien, diejenigen Friedensbedingungen ausrecht, die in der Stunde der Not festgelegt worden seien.. Die bedauernswerten Ereignisse in Syrien seien eine Rückwirkung der Bewegung, die den ganzen Osten ersaßt habe. Die Regierung habe eine eingehende Untersuchung über die jüngsten Ereignisse eingeleitet und werde das Parlament auf dem laufenden halten. Ein ziviler Kom- m i s s a r werde die Verwaltung des französischen Mandats in Syrien zu versehen haben, das kein anderes Ziel habe, als die Be- völkerung dieses Gebietes zur Selbstverwaltung vor- zubereiten. Di« Erklärung schließt mit dem Hinweis auf den erfolgreichen Abschluß der Locarno-Koaserenz. die die politische Atmosphäre Europas gereinigt und die Wege des Friedens geebnet Hobe. Der Regierungserklärung, die von Painlevö sehr eintönig ver- lesen wurde, begegnete die Kammer zunächst mit eisigem Schweigen. Zu einer bemerkenswerten Kundgebung kam es lediglich, als Painleoä auf Loearno zu sprechen kam. Die gesamt« Kammer von der äußersten Linken bis in die Reihen der äußersten Rechten klatschte stürmisch Beifall, wodurch zum Ausdruck gebrocht wurde, daß die Friedenspolitik der fron- zäsischen Regierung beim gesamten französischen Volk ohne Unterschied der Parteirichtungen und Anschauungen Unterstützung findet. Der Kammerpräsident h e r r i o t verlas daraufhin, wie dies der Parlamentsbrauch fordert, die lang« List« von 7 0 I n t« r- p e l l o t i o n« n. Auf Antrag der Regierung hat die Kammer dann beschlossen, zunächst mit der Diskussion der Interpellationen, die die allgemeine politische Situation zum Gegenstand haben, zu beginnen. Riza Khan soll Schah werben. London, 3. November.(WTB.) Der Korrespondent der.Mar- ning Post* In Teheran meldet, man erwarte, daß die Einberufung einer verfassunggebenden Versammlung innerhalb dieses Monats erfolgen wird, und daß der Premierminister Riza Khan zum Schah gewählt werden wird. Ruhland sieht im Umschwung einen Tieg über England. Moskau, 3. November.(WTB.)„Ismestija* sagt in einem Leitartikel: Der Sturz der Dynastie der Kadscharen beseitigt die Hindernisse einer freien nationalen Entwick- l u n g in Persien und ist nicht zuletzt zu verdanken dem Verzicht Sowjetrußlands auf alle Borrechte, die sich die Zarenregicrung in Bersten gesichert hatte, insbesondere auf den russisch-englischen Der- trag vom Jahre 1907 über die Austeilung der Einflußsphären. Der Umsturz ist ein Sieg des nationalen Bürgertum» über die englisch orientiert« feudale Reaktion. Um die Regierung painleve. Die Sozialisten übe« Stimmenthaltung. Paris, 3. November.(Eig. Drahtber.) Mit 1431 gegen 122ß Mandaten hat der Nationalrat der Sozialistischen Partei Frankreichs in der Nacht vom Montag zum Dienstag einer von Paul F a u r e eingebrachten, von den Abgeordneten Compöre-Morel und L e b a s unter- stützten, von Blum, Grumbach, Nenaudel und Mistral bekämpften Resolution zugestimmt, die der Parla- mentsfrattion den Auftrag gibt, dem neuen Kabinett Pain- levs das Vertrauen zu verweigern und die es der Fraktion überläßt, das Mißtrauen, sei es durch eine direkte Ablehnung des Vertrauensantrages, sei es durch die Enthaltung von der Abstimmung, zum Ausdruck zu bringen. Für die gesamte politische Welt bedeutet dieser Beschluß eine an Verblüffung grenzende Ueberraschung. In der Tat hatte sich am Montag nach der fast dreistün- digen Unterredung, die das Exekutivkomitee der Sozialistischen Partei mit Painlev6 im Lause des späten Nachmittags hatte, das Gerücht verbreitet, daß sich eine weitgehende Uebereinstimmung herausstellte zwischen dem Mi- nisterpräsidenten und der Sozialistischen Partei. Dieser Ein- druck wurde wesentlich verstärkt durch den ausführlichen Be- richt, der in der Nachtsitzung des Nationalrats von Leon Blum über diese Unterredung erstattet wurde und aus dem hervorging, daß Painlev� in der Tat die feste Verpflichtung übernommen hatte, die Finanzprojekte Ende dieser Woche oder allerspätestens am nächsten Montag einzubringen, und das Prinzip der Belastung des Reichstums in allen seinen Formen zu deren Grundlage zu machen: daß er sich weiterhin ver- pflichtete, die Gesetze betr. die Einführung der allgemeinen Sozialversicherung in der allernächsten Zeit im Senat zur Annahme zu bringen und in der Militärpflicht die Einführung der einjährigen Dienstzeit an Stelle der 18monatlichen zu beantragen. Da er sich außerdem entschlossen erklärte, im Falle eines Widerstandes im Senat die Bertrauensfrage dort nicht zu stellen, sondern in die Kammer zurückzukehren und mit einem neuen Mandat vor den Senat zu treten, um auf diese Weise den Widerstand des Senats zu brechen, schienen die Garantien gegeben, um der sozialistischen Fraktion zu ermöglichen, dem zweiten Kabinett Painlev6 wenigstens ein bedingtes Vertrauen zu gewähren. Zur Ueberraschung der meisten Mitgieder der Parla- mentsfraktion beanttagte Eompdre-Morel, obwohl er in den letzten Tagen als Vertreter der Fraktion in den gemeinsamen Sitzungen des Linkskartells für die Aufrechterhaltung des Kartells eingetreten war und sogar der Verfasser der Tagesordnung ist, in der die Notwendigkeit, das Kartell beizubehalten, proklamiert wird, daß man dem Kabinett PainlevS von vornherein das Vertrauen verweigern solle, selbst wenst dadurch die Gefahr einer rechtsgerichteten Kon- zenttationsregierung heraufbeschworen würde. Als Eompl-re- Morel, der bekanntlich im Kriege eine Zeitlang den Posten eines Regierungskommissars im Kabinett Elemenceau be- kleidete, sich außerdem für die Anwendung illegaler Mittel und fast für eine personliche Diktatur aussprach, richteten Grumbach, Renaudel und Leon Blum lebhafte Anklagen gegen ihn, indem sie ihn eines gefährlichen Doppelspiels zu überführen suchten. Blum erklärte, daß die von Eomp�re-Morel vorge- schlagene Taktik nach kurzer Zeit nicht zu einem sozialistischen, fondern zu einem faschistischen Regime führen würde: Gnim- dach machte besonders auf die gefährlichen Folgen aufmerk- sam, die eine neue irmerpolitische Krise und gar die Ankunft einer Konzentrationsregierung für das große Friedens- werk.von Loearno haben könnte. Renaudel und Mistral wiesen auf die Folgen hin, die eine neue Krise für den Bestand de? Linkskartells baben würde, sind schließlich ver- langte Leon Blum kategorisch, daß der Nationalrat klar sagen solle, ob die Fraktion für oder gegen das neue Kabinett stimmen müsse. Hätte die Nordföderation, die die stärkste Be- zirksorganisation der französischen Partei ist, nicht ihre ganzen 350 Mandate zugunsten der Resolution von Paul Faure in die Wagschale geworfen, so wäre der Antrag Renaudel an- genommen worden, der die Fraktion ermächtigte, der Regie- nmg ein st weilen Vertrauen zu gewähren, ihre end- gültige Stellungnahme aber von dem Inhalt der Finanz- Projekte abhängig zu machen, für deren Annahme sie eine Höchstfrist von 14 Tagen vorsah. Bezeichnend ist, daß der im allgemeinen auf dem äußersten linken Flügel der Partei stehende Bracke und eine große Reihe seiner Freunde eben- falls für die Resolution Renaudel gestimmt baben. Die Folge der Abstimmung des Nationalrats ist, daß die Frage wieder akut geworden ist, ob dos zweite Kabinett Painlev6 sich halten kann. Denn sollten sich die Sozialisten bei der entsche-denden Abstimmung der Ssimme enthalten, und sollte die Rechte geschlossen gegen das Kabinett stimmen, so wäre das Ministerium in die Minderheit versetzt. Entschlösse sich ein Teil der Rechten, für das Kabinett zu'stimmen, was unwahrscheinlich ist, so könnte Painlevcs zwar vom parlamen- tarischen Standpunkt aus am Ruder bleiben, aber vom poli- tischen Standpunkt aus müßte er seine Demission geben. Die sozialistische Parlamentsfraktion hat beschlossen, nicht gegen das Kabinett zu stimmen, sondern sich der Abstimmung zu enthalten. Sie hat außerdem einer Er- klärung zugestimmt, die Paul Faure im Augenblick der Ab- stimmung verlesen soll und in der die Enthaltung.mit der zögernden Haltung Painlev6s in gewissen Fragen begrüsidet wird und die betont, daß die Fraktion bereit fei, f ü r die Projekte Painlev6s zu stimmen, wenn sie den Erwartungen der Linken entsprechen würden. Im allgemeinen ist das in den politischen Kreisen so aufgefaßt worden, daß die sozialistisch« Fraktion, und zwar diejenigen Genossen, die auf dem Nationalrat die Mehrheit haben, dem Kabinett Pain- leo6 doch noch eine Brücke bauen wollen. Ob diese Brücke genügt, um eine neue Krise zu verhindern, ist keineswegs sicher, so daß die inncrpolitische Situation gegenwärtig konfuser ist als je feit dem Beginn der neuen Legislaturperiode. Die Konferenz bei Luther. Keine« Schritt weiter! Die amtliche Meldung über die gestrige Aussprache zwischen dem Rumpftabinett und seinen Vertrauens- männern in den Parteien lautet: Heut« fand unter Vorsitz des Reichskanzlers, sowie unter Teil» nähme der Reichsminister Dr. Brauns, Stingl und Dr. Stresemann eine Aussprache mit den Vertretern der in der Regierung durch Vertrauensmänner vertretenen Parteien statt. An der Aussprach« nahmen teil: Von der Zentrumsportei die Abgeordneten Fehrenbach. Marx und Stegerwald: von der Deutschen Volks- Partei die Abgeordneten Dr. Scholz, Dr. Curtius und Kemptes; von der Bayerischen Dolkspartei der Abgeordnete Leicht. Di« eingehende Erörterung ergab eine allgemeine Ueber- einstimmung in der Beurteilung der politischen Lage. Die Ver- treter der Parteien waren mit der Reichsregierung darüber einig, daß die Schaffung der Grundlagen für die endgüllige Eni» s ch e i d u n g über das Werk von Locorno die beherrschend« Frage der Gesamtpolitik ist. hinter der alle anderen Fragen jetzt zurückzutreten haben. Die Vertreter der Parteien billigten die infolge des Aus- tritt» der deutschnationalen Minister getroffenen Maßnahmen zur Weiterführung der Regierung. Es herrschte all- gemeine Uebereinstimmung darüber, daß die Deutschnatio» nale Partei, deren voreiliges Verhalten um des deutschen Gesamtschicksals willen nachdrücklichst mißbilligt wurde, sich von der weiteren Teilnahme an der Regierung dadurch selbst ausgeschlossen hat. Die Vertreter der Parteien gaben serner der Auffassung Aus» druck, daß eine Einberufung des Reichstage» Im Laufe de» Monats November erst möglich ist, wenn«in erschöpfender Tatbestand in bezug auf das Wert von Locarno und feine Rück- Wirkungen den gesetzgebenden Körperschaften unterbreitet werden kann. Das sind ziemlich viel Worte, um zu sagen, daß die Kon- ferenz ergebnislos verlaufen ist. Man sieht keine Lösung, und erklärt sich infolgedessen damit einverstanden. daß das Rumpftabinett weiter wurstelt wie bisher. Nebenher werden den Deutschnationalen ein paar kleine Unfreundlich- keiten gesagt: für den künftigen Kurs in Deutschland ist das aber nicht entscheidend— umsoweniger, als sich die Gerüchte von einem bevorstehenden Wiederumfall der D e u t s ch n a t i o n a l e n mit jedem Tage verstärken. Wenn aus der gestrigen Sitzung der deutschnationalen Reichstags- fraktion parteioffiziös gemeldet wird, an der„grundsätzlichen EirHtlilung" der Fraktion zu Locarno habe sich nichts ge» anLert, so besagt das sehr wenig. Ueber den Zeitpunkt der nächsten Reichstagssitzung konnte die Konferenz natürlich nur eine Meinung' äußern, sie konnte ihn nicht von sich aus bestimmen. Der Reichstag muß ein- berufen werden, wenn ein Drittel seiner Mitglieder es verlangt. Der Sesthluß öer vemskratea. Der Haupworstand der Demokratische» Partei hat gestern einstimmig folgende Entschließung angenommen: Der Parteivorstand billigt die Haltung des Parteivorsitzenden zur außen- und innenpolitischen Entwicklung und erklärt sich nur mit einer Lösung der Krise durch eine Regierung einverstanden, die l. die Annahme des Vertrages von' Locarno von einer befriedigen. den Lösung der R ü ck w i r k u n g e n abhängig macht. 2. sich für ein« ehrliche Durchführung der Politik von Locarno und ein« Annäherung der europäischen Staaten einsetzt, 3.«ine Innenpolitik gewährleistet, die der Festigung der Republik dient, 4. sich auf die Parteien stützt, die diese Außen- und Innenpolitik ent- schlössen mitmachen. « Die Führer der sozialdemokratischen Reichs- tagsfraktion sind vom Reichskanzler Dr. Luther für Mitt- woch abend 6 Uhr zu einer Besprechung über die politische Lage in die Reichskanzlei gebeten worden. Genosse Crispien SS Jahre alt. Bon den drei Vorsitzenden unserer Partei rückt heute, als zweiter nach Genossen Dels, Genosse Artur Crispien in die Reihe der Fünfziger ein. Die Partei vereint sich heute zu den herz- lichften Glückwünschen für ihn. Sein Leben und Wirken ist eine schlagende Widerlegung des üblen Spießerworts, daß die Politik den Charakter verdirbt. Denn Artur Crispiens politisches Wirken war nie von anderen Motiven geleitet als von heißer Liebe zu den Be. drückten und von flammender Begeisterung für die Ideen de» Sozialismus. Daran und an seiner Kampfnatur kann auch der Ablauf der Jahre nichts ändern.— Leider wird unser Freund gerade in diesen Tagen von einem schmerzhaften Ohrenleiden geplagt, das er sich auf seiner letzten Versammlungsfahrt durch Baden, au» Anlaß der Landtagswahlen, geholt hat. Glücklicherweise aber wird dieses Leiden bald behoben fein und hindert auch nicht dos Geburtstagskind, die Worte der Freundschaft und de» Dankes zu hören, die ihm heute aus allen Gauen Deutschlands ent- gegentönen. Die Zrontbannverhastungen. SechS Verhaftungen wegen Geheimbündelei und Bildung militärischer Verbände. Das Polizeipräsidium teilt mit: Gegenüber den verschieden lautenden Mitteilungen der Presse über die Verhaftung von Frontbannführern wird folgendes festgestellt: Der Frontbann verpflichtet«, wie in letzter Zeit dem Polizei- Präsidium bekannt wurde, seine Mitglieder mit einer Erklärung, die in Ziffer 3 hieß: „Ich versichere ehrenwörtlich, meinen mir bekannten Führer oder den Kameraden des Bundes, die sich mir als Führer ausweisen, bei sämtlichen offiziellen Veranstaltungen, ge- treu den Ueberlieferungen de» alten Heeres, un- bedingt Gehorsam zu leisten.' Dies« Erklärung verstäßt gegen§ 128 St.G.B.(Geheim- b ü n d e l e i), wonach es oerboten ist, unbedingten Gehorsam an bekannte Führer zu versprechen. Zur Feststellung des strafbaren Tatbestandes sind daher am 29. Oktober durch die Abteilung I A des Polizeipräsidiums Durchsuchungen bei einer Reih« führender Persönlichkeiten de» Frontbannes, der eine nationalsozialistisch« Organisation ist, vorgenommen worden. Da» vorgesuadeue Material ergab, daß Geheimbündelei vorllegt und daß dle Verpslichtungser- klärung von neu eingelreleaeu Mitglieder» dt» w die letzt« Zell hinein— es sind Erklärungen vom IS. September gefunden worden — 1» der gcfchilderleu strafbare» Form verlangt und gegeben worden find. Die Durchsuchungen ergaben weiter, daß der Frontbann, der entgegen anderslautenden Behauptungen kein eingetragener Verein ist— die Eintragung ist nur beantragt—. gegen die Verordnung des Reichspräsidenten vom 24. Mai 1921 betreffend Verbot der Bildung militärischer Verbände verstößt. Festgenommen wurden 18 Personen, von denen 19 als Führer der Organisation am 39. Oktober dem Richter zugeführt sind. Gegen sechs Personen hat der Richter Haftbefehl er- lassen. Die Behauptung des.Deutschen Tageblatte»'»am 1. November 1925 Nr. 2S7, daß die Polizei gewissermaßen als Geisel den Bruder des nicht angetroffenen Frontbannmitgliedes Iurk festgenommen hätte, ist falsch. Dieser ist vielmehr freiwillig den Beamten gefolgt. da er, wie er selbst angab, über den Verbleib des beschlagnahmten Materials näheres erfahren wollte. Eine Festnahme, zu der die Polizei im übrigen während der schwebenden Durchsuchungen und Festnahmen berechtigt gewesen wäre, ist nicht erfolgt. Bei einigen der Festgenommenen sind einzelne Schußwaffen vorge- f u n d e n worden. Auch hat sich ergeben, daß der gegen den Führer des Frontbannes Hauptmann a. D. Röhrbein schon länger bestehend« Verdacht persönlichen Mißbrouches seiner Führerstellung durch strafbar« Beziehungen zu jugendlichen Mit- gliedern sich bestätigt hat, so daß das Verfahren aus§ 17Z St.S.B.«ingeleitet worden ist. Es trifft zu. daß bei der Durch- suchung in der Wohnung Röhrbeins morgens um 7 Uhr ein jugendliches wohnungslos«» Frontbannmitglled festgenommen wurde, das einen vergeblichen Fluchtversuch unternahm. Di« gesamten Vorgänge sind bereits am Tage nach Vornahme der Durchsuchungen am 39. Oktober der zuständigen Staatsanwaltschaft zugeleitet. Grevesmühlen im Nuhrgebiet. Der Kampf der Staatsanwaltschaft gegeu die Freunde der Republik. Auf Veranlassung der Staatsanwaltfchost wurden �am Montag in Bochum die Führer des Reichsbanners Schwarz-Rot- Gold,«rbeiterfekretär Dahm, Buchhändler Schutt und Arbeiter Waller o e r h a f t e t. Das Verbrechen, das ihnen auf Grund von �Dc- nunziationen zur Last gelegt wird, soll Landsriedensbruch sein. Tat- sächlich sind die drei angesehenen, alleingesessenen Bürger der Stadt Bochum alles andere als Landfriedensbrecher: mit aller Kraft sind sie stets bemüht gewesen, das Reichsbanner von den Ruhestörungen der Rechtsorganrfationen fernzuhallen und Zusammenstöße zu ver- meiden. IrotzdesVerbotsdesInnen minister- ziehen die Mitglieder der rechts st ehendenBünde seit der Räumung des Ruhrgebietes fast Abend für Abend und Nacht für Nacht in geschlossenen Zü�en und mit Knüppeln und sonstigen Waffen ver- sehen durch die Gegend und bedrohen die öffentliche Sicherheit und Ordnung in den Städten des Ruhrgebiete» in unerhörter Weise. Fast täglich kommt es dabei zu Schießereien mit dem Re- v o l o e r. Die Polizei hat bei Derhaftungen von Mitgliedern des Stahlhelms, des Werwolfs und anderer Rechtsorgamsationen in Dortmund und Bochum vielfach Gelegenhell gehabt, Revolver und Schlagwaff4n in großer Zahl zu beschlagnahmen. R i e aber Hot man davon gehört, daß die Staatsanwaltschaft gegen diese Revolverhelden im Lager der Rechten mit energischen Maßnahmen eingeschritten wäre. Um so größer ist jetzt die Empörung der republikanischen Bevölkerung des Industriebezirks über das will- kürliche und einseitige Vorgehen der Staatsanwaltschaft. ßür die Gemeinschastslcbule. Kuudgebuug deS Senats der Universität Leipzig. Leipzig. 3. November.(TU.i Der Akademisch« Senat der Universität Leipzig hat folgende Kundgebung beschlossen: Dcr Senat der Universität Leipzig sieht es als geboten an, daß jede reichsgesetzliche Ordnung der deutschen Schule den religiösen, sittlichen und erzieherischen Werten, die die Bekenntnisse in sich verkörpern. sowie dem Willen der Erziehungsberechtigten, die ihre Kinder zu diese» Werten hingeführt zu iehen wünschen, das Recht der freisu Auswirkung sicher«. Er lehnt aber ein« Wieder- «ioführung der sog. geistlichen Schulaufsicht auch in der Form einer kirchlichen Beaufsichtigung des Rellgionsuitterrichts sowie jede Antastung des Charakters der Volksschule als einer Staatsemrichtung und der Lehrer als Staatsbeamter nachdrücklich ab. Er fordert endlich, daß unbeschadet der Rechte der.Bekenntnis- schule' als einer mit den anderen Schularten gleichberechtigten Staatsschule, die.Gemeinschaftsschule' keinerlei Be- einträchtigung erfährt, am wenigsten an den Stellen, wo sie beretts eingebürgert und bewährt ist. EinWort zu öen Museumsbauten Im Landtag wird i» diesen Tagen der Etat des Kultus ministe- nums oerhandelt, wobei auch über die Art, wie der Fortgang der Bauten auf der Mufeumsinfel gefördert werden soll, entschieden werden wird. Der Hauptausschuß hat sich schon vor vierzehn Tagen mit dieser Frage beschäftigt und«inen Beschluß gefaßt, der an die schlimmsten Zeiten wilhelminischer„Kunstpflege' erinnert. Nach diesem Beschluß sollen zunächst nicht die Innenräume ausgestallet »»erden, sondern der noch fehlende Vorbau des Pergam�n-Museuins und die Halle am Wasser, die den nördlichen und füMchen Flügel de» Neubaukomplexes verbindet, hergestellt und an die plastische Ausschmückung der Giebelfronten gegangen werden. Das heißt also, es soll vor allen Dingen«in von außen schön aussehender Mufeumsba» geschaffen und dann erst, also nach recht langer Zeit, an die Einrichtung der Jnnenräum« gegangen werden. Dies« für die Unterbringung der Kunstschätze. die jetzt in abgelegenen Magazinen und Baracken lagern, wo sie von niemand gesehen und besichtigt werden können, so notwendigen inneren Einrichtungen sollen also noch weiter vertagt werden, damll das Volk sich an dem Anblick eines leeren Museums erfreuen kann. Außen hui! innen pfui! ist man oersucht zu sagen. Diese Art des Vorgehens bei derartigen Bauten ist geradezu unbegreiflich— ist st« doch, wie nur je zu Wilhelms IL Zellen, in erster Linie auf äußeren Prunk gerichtet. Gewiß soll das Bauwerk schön und würdig sein, und je eher die äußeren Schmuckteile fertiggestellt werden können, um so besser— wenn erst die Kunstschätze untergebracht und dem Volke zugänglich gemacht sind. Dies ist doch schließlich die Hauptsache und nicht das Asußere. Die Baukommission des Museums und die beteiligten Museumsdirektoren sind, wie wir aus zuver- lässiger Quelle erfahren, zu der Sache nicht gehört worden und sie sind geradezu entsetzt über den Beschluß des Hauptausschusses. Sie wünschen, wie eigentlich jeder vernünftige Mensch, daß die Innen- räume sobald als möglich zugänglich werden, damll der Pergamon- altor, die griechischen und orientalischen Ausgrabungen, die ägyp- tischen Denkmäler und die ganze Entwicklung der deutschen Kunst endlich einmal zur Anschauung der wellesten Volkskreise gebracht werden. 4S Jahre ist der Pergamonfries— um nur dies eine her- vorzuheben— um den uns die ganze Well beneidet, in Berlin und nur 5 Jahre war er würdig aufgestellt und jetzt soll er noch auf lang« Zeit in ungeeigneten Magazinen liegen bleiben! Die äußere Fassade könnte ohne Schaden noch recht lang» sich dem Blick unfertig darbieten: sie würde so nur Zeugnis ablegen dafür, daß die Re- publik Preußen ein gewaltiges Unternehmen von höchster kultureller Bedeutung auch in diesen schlimmen Zeiten fördert, wenn sie es auch picht zu einem schnellen Ende zu führen vermag. Möge der Landtag sich noch in letzter Stunde besinnen und de» Beschluß des Hauptausschusse» abändern! Hohe Kunst uttü höhere Tochter. Harald Kreutzberg kommt vom Ballett. Seine Technik stammt von dort. Zum Teil euch sein Stil. Aber er hat alle Mangel und Schäden des Akrobatisch-Dekoratioen überwunden. Sich zu einer rein seelisch ausdrucksvollen Kunst durchgerungen und ab- geklärt. Der feminine Dust ist verflogen, der ihm früher zuweilen anhaftete. Ein männlicher Tänzer? Nicht ganz. Eher ein Page, ein Knappe, ein anmutiger, temperamentvoller Knabe. Knabenhost, nicht weibisch, die zierlich« Leichtigkeit der Schwünge und Sprünge in der„Sarabande. Knabenhaft die rührende Müdigkeit am Schluß des.Nächtlichen Tanzes'. Knabenhaft da» Spielerisch«, da« stch wie eine tändelnd hingeworfene Blütengirlond« durch manch« Tänze schlingt. Alles dieses keine Fehler, keine Mängel, sondern reizvoll«, ganz persönliche Noten eines wahrhaft großen Künstler». Eine» Künstlers, dessen Schaffen scheinbar mühelos, naturwüchsig und ursprünglich dcm reichen Born eines zarten, dijserenzierten Innen« lebens entquillt. Eines Künstlers, dem zwar die streng« monu- mentale Linie fehlt, der aber im.Aufruhr" Stärkstes und Tiefste» ergreifend gestaltet und hie? ein Thema rein tänzerisch be- wältigt, mit dem sonst effektlüstern« Pantomimen beiderlei Ge- schlecht» wohlfeile Lorbeeren zu«ritten pflegen. Ein Gipfel der modernen Tanzbühne. Ein Berufener und Auserwählter. Woran man den Berufenen und Auserwähtts» erkennt? An der zwingenden Notwendigkett de« Schaffens, an der Redlichkeit de» Gestallens. Jeder Schritt, jeber Sprung, jede Arm« und Finger- bewegung scheint aus dem innersten Kern seines Wesens zu kommen. Man hat das Gefühl: es muß'o. es kann nicht anders sein. Das Fräulein Edit Mezey. das stch mit Kreutzberg zu» lammen in dem schlimmen Klindworth-Scharwenka» Saal(unzulängliche Bühne, stereotyp verlagende Beleuchtung) produziert, gehört mit Nichten zu den Berufenen und Auserwählten. Sie gehört zu dem heute nicht seltenen Typus der höheren Tochter, die, niedlich anzusehen und mit einem kleinen Talentchen behaftet, durch ihre Tanzkünste im Familienkreise Beifall fand und sich nun für eine Künstlerin hält. Aus welcher Schule sie hervorgegangen rst. weiß ich nicht. Die fatale Steifheit des Kreuzes deutet auf Ballett. Jedenfalls müht sie sich,.modern' zu tanzen. Und ihr reichbewegtes Mienenspiel zeigt, daß st« stets streng bei der Sache ist. Aber der Körper geht nicht mit. Seme Bemegungen zerfließen und zerflattern ziellos ohne;«d« Ausdruckskraft. Dilettantismus. Ahnungs- und hoffnungslos. John Schikowski. Gastspiel de» Schlierseer Vauernlheater».(Theater in der K l o st e r st r a ß e.) Eine literarisch« Angelegenheit ist„D« r Ehe- streik' von Äaliu» Pohl nicht: Die neu« Kellnerin im„BSren' erregt die Eifersucht der Bäuerinnen, die schließlich, um ihr« Männer für den zu regen Wirtshausbesuch zu bestrafen, in den Ehestreik treten und die Heimkehrenden an der verschlossenen Kammertür rütteln lassen. Wie sich'» versteht: Ende und damll alle» gut.-- Für drei Aufzüge ist der Stöfs nicht eben reichlich, und man hätte sich das Spiel gern um eine gute halbe Stund« mindestens gekürzt gewünscht, trotzdem sich Menschen mit so ursprünglicher Spielfreudig. reit dafür«insetzten wie die Truppe Taver Terofals. Der Barll und die Anamierl, die beiden Allen, die ober trotz ihres Alter, noch in die schänst« Eifersucht geraten und, versteht sich, den Ehe- streik mllmachen. sind die beiden köstlichsten Gestalten des Abends, £ a v e r und Anna T« r o f a l. Selbst wo das Wort unecht ist, Gesten und Tonsall, und, nicht zu vergessen, die Masken, sind so echt. daß man vor Freude manchmal schreien möchte. Dann gibt'» noch ein« Handvoll prächtiger Frauen, voran die Wurzl, von der Mirzl Staller als eine Schlampe dargestellt, wie sie glaubhafter kaum denkbar ist. Wenn sie mtt den anderen am Tisch sitzt und sich ihr unordentliches graues Haar zu einem Knoten heraufwürgt, oder sich bemüht, ihrem Mann dke Hälfte des Tabaks wegzurauchen. dann könnte sie einem bayerischen Zille zum Modell dienen. Und dann die wundernette Wimpsingerin Anamierl Hock»! Der Sohn de- Bartl und der Anamierl, der Schmied Jochen und sein Weib Pepi, wurden von Karl Mittermayr und Fannerl Mittermayr- Terofal geschickt, aber mit einem zu offensichtlichen Liebäugeln nach dem Zuschauerraum dargestellt: doch vielleicht war das nur ein Fehler des ersten Abends.— Das Publikum war, na3j dem Beifall zu schließen, mindestens befriedigt. Besondere Freude erregte das Schlierseer Birtuosen-Trio, da« sich nach dem ersten Akt hören ließ. Es sei sestgestelll, daß der stürmisch« Applaus ver- dient war. iTes.s ver hegarchor hatte sich eine groß« Aufgabe gestellt, als er in der Neuen Welt größere Werte der Romantik mtt Orchester zu Gehör brachte. Unter H. G. Rohrbach» sicherer Leitung wurden Webers Ouvertüre zu.Euryanthe'. Rheinbergers.Johannis- nacht' und als Hauptstück des ganzen Abends das länger« Ehorwerk „König Laurins Rosengarten' von Bolbach zu Gehör gebracht. Das letztere erklang zum erstenmal in Berlin. Es segelt im typischen Oratorienstil, stellt besonders zahlreiche und auch stellenweise recht hohe Anforderungen an den Chor, die der Berein geschickt und sicher löste, und bedient sich im Orchester der ganzen Palette Wagnerscher und Nachwagnerscher Forben. die in der Hand eines Nur-Ialentes allerdings bald abgeschmackt wirken. Die Sprechchorstell« des dritten Telles ist der Gipfel ästhetischer Geschmacklosigkeiten. Der Hegar- chor nun hatte sich dieses Wertes mit viel Fleiß und Hingabe angenommen, vielleicht mtt mehr Aufopferung als diese uns doch eigentlich recht gleichgültig lassende.Deutsche Heldenmär' es«igent- lich verdient. Und er sang das Werk mtt schönem Klang, auter Sprachbehandlung und einer stellenweis« besonders packenden Schlaga kraft. Thormeister Rohrbach setzte stch mft Verve und Elan !ür sein« Erstaufführung«in und hatte seinen Chor und auch da» Orchester fest in der Hand. Die Blüchnerleute(Berliner Sinfonie- Orchester) durchsetzten die Aufführung mit prächtigen Klängen, wenn sie auch nicht aus der reservierten Hallung zu bringen waren, die unser« großen Orchester eben nur unter ganz starker Hand auf- zugeben pflegen. Theodor Heß von der Wyk sang Pen har- fenden und kämpfenden teutschen Helden mit all seinen schönen Mitteln. Der Bereln kann mtt dem Erfolg dieses ersten Abends wohl zufrieden sein._ S.®. Dl« Geveralverwalbma der Slaolslhealer hat der Hedwig. Wanael- Hille da» Schill«r-»h«ater jür Bufttag, den IS. Nov., 11 V, Uhr, zu einer Matinee zur Verfügung gesielt. Mitwlrlende: Äimmerlängerin ntscher-Marexki. Tllla Durieuz. Gertrud Neri dein,(Teindaia), IS(I beim Karra»(Rezitation). Billett« zu 2 und 1 M bei verthenn. Bat« k Bock und an der Tageskasse. Der neue Aufammenbruch. Coszmaun will nicht mehr verantwortlich sein. Im Münchener Prozeß stellte der Sachverständige Amts- gerichtsrat Dr. Herz fest, daß die Dolchstoßartikel in den „Süddeutschen Monatsheften" nicht mir objektive, sondern auch subjektive Fälschungen, d. h. bewußte Unwahrheiten enthalten. Derartige Feststellungen sind vernichtend für den Ruf einer Zeitschrist, die Anspruch auf wissenschaftlichen Wert erlebt. Ein Herausgeber, der den Vorwurf der bewußten Fälschung schweigend auf seiner Zeitschrift sitzen läßt, erledigt damit sich und seine Zeitschrift. Was unternimmt Coßmann. der Herausgeber der „Süddeutschen Monatshefte", auf die Feststellung des Sachver- ständigen? Er schweigt nicht nur, sondern er läßt es auch schweigend zu. daß der Versuch unternommen wird, ihn per- sönlich vor den Folgen der Feslstellungen zu bewahren, indem die Frage aufgeworfen wird, ob der Herausgeber einer periodi» schen Zeitschrist für die nicht unter seinem Namen erscheinen- den Aufsätze verantwortlich ist. da er sie vor ihrem Erscheinen nicht gekannt zu haben braucht. Die Dolchstoßlegende endet mit einer moralischen Kata- strophe ihrer Urheber. Mit ihr sind auch sie erledigt. Das Empfinden leitet auch die Rechtspresse, die zu Beginn des Prozesses die Ausführungen der Seeoffiziere nicht aus- führlich genug bringen konnte. Sie u n t« r d r ü ck t die Aus- sagen der Sachverständigen Prof. Delbrück und Amts- gerichtsrat Dr. H e r z. Sie gibt damit zu. daß sie auf die sachliche Erledigung der Dolchstoßlüge nichts zu er- widern weiß. Die Lüge ist zusammengebrochen, aber die Wahrheit soll nicht ans Tageslicht. Damit ist bewiesen, daß der Zweck des„Dolchstoßes" nicht die Aussindung der geschichtlich«, Wahrheit, sondern die Verleumdung der Sozialdemokratie war. Jubiläumsgeschenke und Lohnsteuer. Eine Entscheidung des Finanzministeriums. Auf Grund einer tariflichen Vereinbarung erhalten die Arbeiter der Stadt Berlin nach LSjähriger Arbeit ein Iubiläumsgeschent von 100 M. Obgleich dieses Geschenk wirklich nicht erschreckend groß ist, wollte der Magistrat davon doch noch die Lohnsteuer abziehen. Daraufhin wandt« sich der Der- band der Gemeinde- und Staatsarbeiter unter Vermittlung der sozialdemokratischen Reichstagssraktion an das Reichssinanzministerium und beantragte, dos Jubiläumsgeschenk sür steuerfrei zu erklären. Im Degensatz zu seiner bisherigen Haltung hat das Reichs- finanzministerium auch dahin entschieden und den Magistrat der Stadt Berlin angewiesen, das Geschenk steuerfrei zur Auszahlung zu bringen. Das Finanzministerium hat«» allerdings abgelehnt. solch« Jubiläumsgeschenk««in kür allemal für steuerfrei zu erklären. Immerhin ist durch diese Entscheidung ein wichtiger Präze- d e n z f a l l geschossen worden, auf den m ähnlichen Fällen Bezug genommen werden kann. Die Deutschen an Sie Zront!... ... Wenn es gilt, vor Mussoliut auf de« Bauch zu rutsche«. WTB. meldet aus Rom: Mussolini empfing heute die zu ihr« 2. Tagung hier ver» sammelten Direktor«« der internationale« Nach« richtenagenturen, die ihm von den Generaldirektoren d« Ageitzia Stefani vorgestellt wurden. Nachdem« sich üb« die Ar- beiten der Tagung unterrichtet hatte, hielt er«ine herzlich« Be- grüßungsansprach« an die Anwesenden, in der er die Bedeutung der Aufgab« der Nachrichtenagenturen hervorhob, die die öffentliche Meinung der Welt mit vollkommener Sachlichkeit und größter Genauigkeit unterrichten sollen. Er appelliert« an diese Sachlichkeit, damit die Leiter der Nachrichtenagenturen in ihren Ländern die wahre Lage in Italien schildern, wo. wie all« An- wesenden persönlich hätten seslstellen können, nachdem der Faschismus ans Ruder gelangt sei. Ruh«, Disziplin, Ordnung und LiebezurArbeit herrsche. Im Namen der Direktoren der Rachrichtenagenturen antwortet« Dr. M antler, Direktor von Wolsfs Telegräphischem Bureau, indem er die Gefühle lebhaftesten Dankes sür die Ehre dieses Empfanges und für die unvergeßliche Aufnahme zum Ausdruck brachte, der sämtlichen Teilnehmern an der Tagung in Italien bereitet worden sei, so daß diese bei ihrer Abreise begeisterte Erinnerungen mit sich nehmen. Er fügte hinzu: Sämtliche lellnehmer an der Tagung stcllken mit der lebhaftesten Genugtuung fest, wie grundlegend sich dle Verhältnisse in Stallen geändert hätten, seitdem d« gegenwärtig an der Spitze der Regierung stehende hervorragende Mann die Leitung der Slaatsgeschäste übernommen hat. vnd wie überall Wohlstand. Ruhe und ersprteßllch« lätlgkeit zu bemerken sind. Dr. M antler schloß mit Wünschen für die Wohlfahrt Italiens. Mussolini drückt« darauf allen Anwesenden nochmals die Hand. * In Berlin« Pressetreifen ist da» unterwürfige Lerhällni» de» WTD.-DireUor« zur jeweilige« Obrigkeit ebenso sattsam bekannt. wie seine stockreaktionäre Gesinnung. Daher braucht man sich über die kriecherische Rede, zumal als Dankesqutllung für«inen selig machenden Händedruck Musiolini». nicht zu wundern. Ader pro« t e st i e r« n muß man dagegen, daß jemand, der sich zur deutschen Presse rechnet, vor dem Unterdrücker der italienischen Pressefrecheit in Ehrfurcht erstirbt. Es fehlt« nur noch, daß der überaus„natio- nale" Dr. Manller seinen Dank dem Diktator für die tatkräftige Förderung der deutschsprachigen Presse Südtirpls aussprach, deren letzt« Tageszeitung kürzlich unter den faschsstischen Verfolgungen ihr Erscheinen einstellen mußt«! An zuständig« Berliner Stelle wird uns auf Anfrage erklärt, daß Dr. Montier natürlich keinerlei amtlichen Auftrag der deutschen Regierung hatte und seine Rede lediglich als Privatperson gehalten hat. Um so ent. schieden« muß man dagegen Verwahrung einlegen, daß das DTB.. dessen offiziöser Charakter unbestreitbar ist, die privaten Ergüsse seines Direktors in einer Wesse verbreitet, die nicht ander, aufgefaßt werden kann, als«in« reklamenhafte Verherrlichung de» Faschismus und seines Häuptlings. »«in wahrhaft faschistischer weise". Der Minister de» Innern, Federzoni. wird»Popolo di Roma' zufolg« nach Südtirol reiien. Dies« Reise soll, wie verlautet, den Newel« dafür erbringen, daß Italien da« Südtiroler Problem in wahrhaft italienischer und faschistischer Weise regeln wolle geben an. Somit ist den Behörden in der Ausübung ibrer Pflichten wieder freie Hand gegeben. Di« „Deutsche Zeitung" ist darüber so entsetzt, daß sie aus Verzweiflung in die Schlagzeile ausbricht„Das B.orkumlied der Polizei ausgeliefert". Nicht auszudenkende Katastrophe. Haken- kreuzler Borkums, wahrt eure heiligsten Güter! Nebenbei: wenn dcutschnationale Richter unschuldige Republikaner ins Zuchthaus werfen, völkische Verbrecher frei ausgehen lasten, so findet das völkische Organ das ganz in der Ordnung. Wenn aber die vier Hetz- strophen, die die geistig Minderbemittelten als Barkumlied in die Lüfte schmettern, in„Gefahr" sind, erhebt sie ihre biedere Bier- stimme. Vieüer ein fibtreibungsprozeß. bll Frauen unter Anklage. 40 verurteilt. Ein Prozeß, der ein Seitenstück zu dem Heiser-Prozeß bildet, fand vor dem großen Schöffengericht Neukölln statt. Nicht weniger als vier Vsrhandlungstage waren für den Prozeß, bei dem nicht weniger als Sl> Frauen und Mädchen unter der Anklage der Ab- trcibung standen, vorgesehen. Dennoch ging er aber bereits am ersten Tage zit� Ende. Die Hauptangeklagte ist die ehemalige Hebamme Marie Schmidt, die schon einmal wegen desselben Verbrechens zu Z Iahren Zuchthaus verurteilt wurde. Es muhte Befremden er- regen, daß für eine so große Ansammlung von Menschen nicht ein größerer Verhandlungsraum vorgesehen war. Die Folge war, daß verschiedene Frauen und Mädchen infolge der unerträglichen Atmn- sphäre, die im Saal herrscht«, ohnmächtig wurden. Das Treiben der Hebamme Schmidt wurde durch den Tod eines bei ihr in Behandlung gewesenen jungen Mädchens aufgedeckt. Bei der Durchsuchung der Schmidtschen Wohnung fanden Kriminalbeamte ein Notizbuch, in welchem etwa ZSO Adressen von Frauen und Mädchen verzeichnet waren, die bei ihr in Behandlung standen. Diese„Buchführung", bei der selbst genaue Daten und die bezahsten Honorare nicht fehlten, wurde der Schmidt sowohl wie auch vielen Frau«» und Mädchen zum Verhängnis. Der erste Teil der Verhandlung war ausgefüllt mit der Vernehmung von 38 angeklag- ten Frauen und Mädchen, die zum großen Teil aus der Provinz ge- kommen waren. Einige versuchten zu leugnen, während andere, unter Hinweis auf ihre große Notlage, ihr« Tat e i n g e ft a n d e n. Der verhättnismäßig kleine Saal des Neu- köllner Amtsgerichts, in dem die Verhandlung stattfand, wurde wieder und wieder erfüllt vo» Weinen und Schluchzen. Hin und wieder fällt eine derA n a e kla g�l e n o h.n m ä cht i g hin, eine Folge der fast unerträglichen Lust im«aal. Abgesehen von den 60 Angeklagten, befinden suh noch etwa 40 Personen in dem viel zu kleinen Saal. Bereits in den Abendstunden des gestrigen Tages wurde in dem unter Ausschluß der Oeffentlichkeit verhandelten Prozeß das Urteil gesprochen. Die Angeklagte Hebamme Schmidt, die wegen Verstoßes gegen§ 218 bereits in einer früheren Ver- Handlung zu 9 Monaten Gefängnis verurteilt worden war, erhielt eine Gesamtstrafe von 2 Zahren 2 Monaten Zuchthaus, unter Ab- «tennung der bürgerlichen Ehrenrechte auf Z Jahre. Drei ange- klagte Frauen erhielten wegen vollendeter Abtreibung Gefängnis- strafe.» von je 3 Monaten, während 37 Frauen wegen versuchter Unterbrechung der Schwangerschaft zu je 7 Wochen Gefängnis verurteilt wurden. Mit Ausnahme der Haupt- angeklagten Hebamme Schmidt wurde allen anderen Frauen eine Bewährungsfrist von 3 Jahren zugebilligt. Dankbarkeit proletarischer Patienten. Welcher Wertschätzung sich die Ambulatorien der B«r- liner Ortskranke n k a s s e n bei den breiten Massen in der kurzen Zeit ihres Bestehens erworben haben, zeigt die. Huldigung, die d i e P ati e yre n de s We b d i n g d e» A e rz te n und Schwcstern'des Ambulatoriums Mül.ierftraße das am 1. November auf sein einjähriges Bestehen zurückblicken konnte, dargebracht haben. Der Worierouin des Ambulatoriums war an diesem Tag« in ein Meer von Blunien gehüllt, in deren Mitte eine große, künstlerisch ausgeführte Plakette mit der folgenden Inschrift stand:„Den Aerzten und Schwestern des Ambulatoriums die dank- baren Patienten des Wedding." Dieser Danksagung hatten sich über tausend Patienten durch eigenhändige Unterschrift angeschlossen. Das dankbare Interesse des Pro- letariats zeigt also, daß die Krankenkassen durch Schaffung der Am- bulatorien einem dringenden Bcdürinis der breiten Masten nach guter ärztlicher Versorgung in weitestem Maße gerecht werden und daß die Kasten auf dem besten Wege sind, das Vertrauensverhältnis zwischen Arzt und Patient wieder herzustellen. Unzüchtige Silüer. Eine Auseinonderfehung über den Legriff„Kitsch". Der Maler und Radierer Max Brüning, ein Meisterschülcr von Prof. Franz v. Stuck, seinerzeit auch Zeichenlehrer des ehe- nialigcn Kronprinzen in dessen Hauptquartier in Charleville, stand in der Berufungsinstanz vor der 2. Strafkammer des Landgerichts I, nachdem er im Mai dieses Jahres vom Schöffengericht Berlin-Mitte wegen Verbreitung unzüchtiger Bilder zu 600 M. Geldstrafe ver- urteilt worden war. Es handelte sich um 3 Bilder des Künstlers:„Ambrarausch", „Kleidcrnot" und„Abendtoilette", bei denen das Schöffengericht die Art und Weise, wie der Künstler weibliche Oberkörper darstellte, als unzüchtig bezeichnet hatte. In der Verhandlung, bei der- Land gerichtsdirektor Tolk den Lorsitz führte, betonte Brüning, daß er sich bei diesen Bildern lediglich von seinem künstlerischen Empfinden habe leiten lassen. Die Sachverständigen, die vom Gericht und von der Verteidigung geladen waren, gaben völlig verschiedenartige Gut- achten ab. Der Kunsthistoriker Prof. Amersdorfer lehnte Brüning als Künstler überhaupt ab und bezeichnete die inkrimi nierten Bilder als Kitsch. Der Maler Hans Baluschek hiell die drei fraglichen Bilder ebenfalls für Kitsch, erkannte aber an, daß sowohl mehrere Studien und Entwürfe zu diesen Bildern, wie auch sonstige Radierungen Brünings in vieler Hinsicht Talent und künstlerische Fähigkeiten verrieten. Der Graphiker Prof. Frenze! schließlich lehnte die Bezeichnung Kitsch überhaupt ab, weil nach seiner Ansicht heutzutage anerkannte Künstrichtungen gegenseitig ihre Werke mit dem Ausdruck Kitsch belegten, so daß gerade auf diesem Gebiete eine immer größere Verwirrung herrsche. Nach seiner Auffassung könne man bei allen drei Bildern die künstlerischen Ab sichten Brünings durchaus bejahen, auch wenn die eine Radierung als künstlerisch nicht gelungen bezeichnet werden müsse. Die Ver- teidiger plädierten auf Freisprechung, weil unter Berücksichtigung des heute in Bildern und Büchern Gebotenen kein normal empfindender Mensch durch die künstlerische Darstellung weiblicher Oberkörper in seinem Schamgefühl oerletzt werden könne. Das Gericht änderte denn auch das erste Urteil dahin ab, daß es bei einem der drei Bilder die Unzüchtigkeit ver- n e i n t e und die Geldstrafe auf 300 Mark herabsetzte. Land- gerichtsdirektor Tolk betonte hierbei, daß das Gericht nicht über die künstlerischen Qualitäten Brünings und über den Wert seiner Bilder zu urteilen habe. Revision öes?mpfzwanggesetzes. Auf Antrag der sozialdemokratischen Fraktion des Preußischen Landtages hat der Landtag beschlossen, dos Staatsministsrium aufzufordern, über die Frage, welche Folg«' die Einführung der sogenannten Gewissensklausel nach englischem System bei derImpfung in Deutsch- l a n d hätte, eine Untersuchung vorzunehmen und das Ergebnis der Untersuchung in einer Denkschrift dem Landtag zu unterbreiten. Bor kurzem hat der Landesgesundheitsrat zu dieser Frage Stellung genommen. 23 geschulte Hyaieniter nahmen an der Beratung teil, von unserer Seite die Genosten G r o t j a h n und W e y l. Unsere Freunde legten zwei Anträge vor. Der erste verlangt die Einführung der Gewistensklausel noch englischem Muster in Deutschland. Dieser Antrag wurde mit 17 gegen 7 Stimmen bei 2 Stimmenthaltungen abgelehnt. Im impffreudigen(?) Deutschland doch ein gewister Erfolg. Der zweite An- trag, der eine Schadensersatzpflicht für alle nach- weisboren Jmpfschäden eingeführt wissen will, wurde mit Ä) Stimme» gegen 2 Stimmenthaltungen angenommen. Im Ver- waltungswege wurde dafür gesorgt, daß von jetzt an jeder poli- z ei l i ch e Z wä n g ZU r Do r n o h m e der Impfung unter- bleibt. Es werden also jetzt die beschämenden Schauspiele auf- hören, bei denen ein Polizist den Säugling von der Mutterbrust reißt, um das hilflose Wesen an die Lanzette des Jmpforztes zu liefern. Die Darlegungen der verschiedenen Redner werden demnächst in der verlangten Denkschrift wiedergegeben werden. Die Denk- schrift dürste Veranlassung geben, daß sich der Reichstag in absehbarer Zeit mit einer R e v i s i o n�d« r I m p f g e s e tz e— das sind Reichsgesetze— in neuzeitlichem Sinne befassen wird. I» t>eutiaei> de» Pbilharmsnilchen Orchester«, Dirigent Prof. Prltwrr, gelonqc» zur Aufflibruna: DatlettiMlstk tDluck-Mottl), Bwlin. Konzert E.Dur(Bach), vorzetragei, von Konzertmeister Holst, 2. Sinfonie «Schumann). . Die Passion. Roman von Clara Viebig. Wenn mein doch die Gedanken los wäre! Sie kamen, besonders des Nachts, wie Mäuse aus ihren Löchern und machten sich an einen heran, als wäre man ein aller Schrank voll Gerumpel; und begannen zu nagen, bald hier, ball) da. Man hörte ihr Nagen, es machte einen verrückt.— Nun war bald Weihnachten, die Mutter erwartete bestimmt, daß er zu ihr kommen würde. Ach ja, er wäre auch gern gefahren, hätte wieder einmal eine sorgende Hand gespürt, aber er konnte doch nicht. Er konnte doch nicht dort sein, wenn Olga noch da war. Und wenn die schon hier war? Dann auch nicht. Denn der alte Wiltowski würde ihm auf den Leib rücken, ihn zur Rede stellen, würde die Hände ringen und schreien:„Was hast du aus meiner Tochter gemacht?" Und die Leute würden sich umdrehen nach ihm auf der Straße. mit Fingern auf ihn zeigen, und wenn er nach dem Kirchhof kam, seines Vaters Grob zu besuchen, dann rührte der sich unten zwischen seinen Brettern— er war ja noch nicht ver- fault— schüttelle die Erde von sich ob. stieg herauf und schlug ihm mitten ins Gesicht. Nun jährte es sich bald, daß er zum erstenmal in die Heiligkreuzgasfe geschlichen war. Andere taten gleiches; viele. Es ging ihnen gut, Nur er halle Pech gehabt— nein, Un- glück. O, solches Unglück! Er neigte den Kopf in seine Hände und weinte bitterlich. Warum er nur noch immer diese Angst nicht los werden konnte? Er brauchte jetzt doch gar keine Angst mehr zu haben. Die Neuralgien, die Gliederschmerzen hatten aufgehört, seine frühere Gesichtsfarbe war wieder da, er halle Appetit, ihm war nicht mehr übel, die Augen taten ihm nicht mehr weh; und was ibn zuweilen besonders ge- quält halle, er sah nicht mehr doppelt. Es ging ihm gut, sehr gut, sogar ausgezeichnet. Ein hübscher junger Mann. Das sagten ihm täglich Mädchen, die auf der Straße an ihm vorübergingen mit ihren Blicken. Wenn er noch einmal nach ihnen umblickte, hatten sie auch oft sich nach ihm um- gedreht. Waren sie alle käuflich? Alles solche, vor denen sein Vater ihn gewarnt halle? Nein, es gab auch harmlose, junge Geschöpfe, Mädchen, die unbewußt ihr Wohlwollen zeigten, freundliche Blicke verschenkten, die liebende und ge- liebte Frauen werden würden, blühend ihren Mann de- glückten. Ob er auch einmal solch eine Frau bekommen würde? Sicherlich— warum denn nicht? Er mußte nur erst zusehen, daß er sein Examen zustande brachte, und daß er dann bald etwas wurde. Was? Das wußte er selber nicht. Alles war langweilig, aussichtslos, kostete Geld. Die Mutter schickte ihm sowieso schon mehr, als sie ihm eigentlich schicken konnte; er hatte sie mehrmals um Aushilfe angehen müssen, die hundertfünfzig Mark hatten nicht ausgereicht, es reichten ihm nicht zweihundert, die Kuren hatten immens gekostet. Besonders Süßkin hatte ihn hochgenommen, an ihm gehangen wie ein Blutsauger. Aber das hatte er ja nun hinter sich, er konnte ein neues Leben beginnen. Mit einem Seufzer hob der junge Mann das Gesicht aus den Händen: und fleißig wollte er sein, so fleißig, daß alle Welt Achtung vor ihm hatte, und vor allein er selber vor sich. Daß der tote Vater nicht mehr anfstehen konnte und ihm ins Gesicht schlagen. Ach. daß er diese Erinnerung doch gar nicht los werden konnte! Die war fast eine fixe Idee. Um Gottes willen nur keine fixen Ideen, keine Wahnvor- stellungen, keine neurasthenischen Zustände! Er Halle sie geschildert gesunden in einer der letzten Broschüren, die er gelesen hotte. Ach was, Unsinn, das paßte doch alles nicht auf ihn! Er versuchte ein lautes, seine Nervosität verspotten- des Gelächter. Er hatte eben viel zu viel gelesen, sich, indem er Aufklärung suchte— nein, nicht Aufklärung, Rettung— richtig blöde gelesen. Er war ein Dummkopf, ein kindischer Tor!" Er lachte abermals, aber das eigene Lachen klang ihm so schauerlich, daß er, sich erschreckend, die Hand vor den Mund hielt. Aus den Ecken des Zimmers kam es heran wie Gespenster— geheimnisvolle Wesen, die eigentlich tote Dinge waren und doch lebendig, denn sie waren es, die sich dem Tod entgegenstemmten— einem langsam schleichenden, elenden Tod. Ob sie den wirklich siegreich abwehrten? Ha, da— Quecksilber und Jod inllollcm Derein! Führten sie nicht einen Tanz auf vor seinen Augen? Arsen gesellte sich zu ihnen und Chrom— Salben, Mixturen, Injektionsspritzen und Tabletten. Wie sie tanzten, wie sie tanzten! Tabletten drehten sich dahin wie kleine Rädchen, Pillen rollten wie Perlen. Durch seine Adern fühlte er es wieder rinnen, wie unter den Händen des Doktor Süßkin, seine Muskeln krampften sich schmerzhaft zusammen, er glaubte den gleichen Schwindel, das gleiche Würgegefühl hu spüren wie damals. Seine Augen tränten, seine Ohren sausten. Gott, was doch die Einbildung tot? Und hier war ja niemand außer ihm im Zimmer und nichts, gar nichts war da, was ihn schrecken konnte. Doch horch, da raschelte etwas draußen! Bor seiner Tür. Run pochte es leise.................■....___ Die Bergmann klopfte ganz anders an, die schlug an die Tür wie mit einem Hammer. Wer war es? Wer pochte so unirdisch leise? Und doch klang es so laut an sein über- reiztes Ohr. Run wieder— und nochmals. Da schrie er, sich besinnend:„Herein!" „Olga—?!" Das schrie er noch lauter. Da war sie. Da stand sie zögernd auf der Schwelle und schob sich dann langsam herein. Ein Strahl von Freude glitt über ihr blasses Gesicht.„Manfred," sagte sie,„guten Tag." Und fiel ihm dann aufweinend um den Hals. Er sagte kein Wort. Er war so erschrocken, daß er nichts mehr herausbrachte. Was sollte er auch sagen? Eine sehr große Verlegenheit, die an völlige Ratlosigkeit grenzte, hatte ihn befallen. Er hielt still und ließ sie sich ausweinen an seinem Halse. Himmel, wie sah sie aus! Es konnte nicht lange mehr dauern, dann kam sie nieder. Wenn er ihre Stimme nicht gekannt hätte, so hätte er sie kaum wiedererkannt. All ihre Zierlichkeit war verloren gegangen, die Anmut, die ihr eigen gewesen, die ihm so gefallen hatte, ihn gelockt, sein Blut so erregt, daß er sie an sich gerissen in einer Stunde, die jegliche Besinnung über den Haufen geworfen hatte, war jetzt dahin. Ihr Gesicht war völlig in die Breite gegangen; der Mund, der groß geworden mit dicken Lippen, hatte nichts mehr von seinem Reiz. Nur das schöne Haar war noch da, aber auch das bauschte sich nicht mehr locker und sorgfältig frisiert, sie hatte es alles nach hinten gestrichen und in einen festen Knoten gedreht. Er half ihr beim Ablegen und schob ihr einen Stuhl hin. Ihre Bewegungen waren schwerfällig. „Wenn es am Ende ein Ehristkindchen wird?" sagte sie mit einem kläglichen Lächeln. Er sagte noch immer kein Wort, das Herz stand ihm still bei ihren Worten— wirklich so bald schon?! Aber er kniete vor ihr nieder und legte seinen Kopf auf ihre Knie. Es fiel lange kein Wort mehr, beide schwiegen, man hörte nur das bedrängte Atmen des jungen Mannes. Das Mädchen strich mit zitternder Hand über das dunkellockige Haar auf ihren Knien— immer wieder— es war eine mütterliche Gebärde. Und sie war es auch, die zuerst wieder sprach:„Ich bin noch nicht bei Stefan gewesen, ich bin zuerst zu dir gekommen. Gerade von der Bahn. Ich bin die ganze Nacht durchgefahren. Meinen Reisekorb habe ich vorerst an der Bahn gelassen. Kann ich mich ein bißchen bei dir zurecht machen? Ich sehe gewiß toll aus?" Ihre Stimme bat um Entschuldigung.„Und dann gehst du mit mir zu Stefan, nicht wahr? Mittags; er wird zum Essen nach Hause kommen. Bor seiner Frau habe ich ja ein bißchen Angst— und gerade jetzt! Sie seufzte._(Fortsetzung folgt.) „ Geschäftliches." Konkurrenz für die Isolierzelle. Das Lotal der Mettrieger an der Erfaisergedächtnisschwäche hat eine fürchterliche Konkurrenz bekommen. Am Kurfürstendamm ist eine neue Kampfstätte germanischen Umtrunks entstanden, wo die Mannen vom Hakenkreuz ebenfalls ungestört ihren traditionellen Soufgelüften frönen fönnen: das„ Kurfürstendamm- Bierhaus". Bulles Deutsches Tageblatt" bringt die erfreuliche Meldung unter Geschäftliches" und empfiehlt seiner blondscheiteligen Kundschaft die Gaststätte, die anheimelnden Charakter trage", und so recht geeignet set, den Treffpunkt nationaler Familien zu bilden". Weiter heißt es:„ Da es Pflicht ist. Bestrebungen, die die Geselligkeit im nationalen Sinne zu fördern geeignet sind und die besonders die reifere Jugend von den jüdischen Jazz- und Schimmy- Buden fernhelten " Die nationale Geselligkeit..." Im„ Kurfürstendamm- Bierhaus" werden sie Jazz und Schimmy" nach altgermanischem Ritus tanzen, die reifere Jugend und das gesetztere Alter Teutolands. # Erhöhung der Gefrierfleischeinfuhr? Trotz aller Bemühungen der in Frage kommenden Stellen ist ein wesentlicher Abbau der Fleisch preise bisher in dem allgemein gewünschten und notwendigen Maß nicht erzielt werden. Mancherlei Anzeichen deuten auch darauf hin, daß der Groß und Kleinhandel im Fleischergewerbe entschlossen ist, weiteren 2bstrichen der Verdienstspanne einen sehr energischen Widerstand entgegen zu sehen. Aus diesem Grunde hat man sich, wie wir erfahren, an zuständiger Stelle bereits mit der Frage einer Erhöhung des Gefrierfleischfontingents beschäftigt. Sollten die Fleischpreise ihre bisherige Höhe weiterbehalten, ist von maßgebender Seite beabsichtigt, die Einfuhr erheblich zu erhöhen und durch eine besondere Organisation dem Publikum dieses Fleisch zur Verfügung zu stellen, das nur mit einer sehr geringen Unfostenspanne belastet wäre und infolgedessen weiten Kreisen ein willkommener wohlfeiler Ersatz für das noch immer viel zu teuere deutsche Fleisch wäre. Nochmals der Ueberfall anf das Strausberger Bostauto Bie erinnerlich, hatte sich das erweiterte Schöffengericht Lichtenberg im Juli d. 3. mit den drei Gebrüdern ein rich und dem ehemaligen Polizeiwachtmeister Bruno Stild zu beschäftigen, die im Jahre 1921 den verwegenen Raubüberfall auf das Strausberger Postauto ausführten. In dem Prozeß hatte der eine der Brüder, der 30 Jahre alte Händler Hermann Heinrich, einen Tobsuchtsanfall bekommen, so daß das Verfahren gegen ihn abgetrennt und Heinrich zur Beobachtung seines Geisteszustandes einer Jrrenanstalt übermießen werden mußte. Heinrich ist nach Angaben der ihn behandelnden Aerzte Simulant, so daß die Anklage wegen des zweifachen Raubes gegen berg verurteilte Hermann Heinrich, der übrigens unlängst vom benutt! Das ist eine Angelegenheit aller Proletarier, in ber es nichts Trennendes gibt und geben darf. Es ist weiterhin auch eine Parteinachrichten Angelegenheit der Frauen, die wir deshalb für unsere Ideen geminnen müssen. Wer die Jugend hat, hat die Zukunft. Eine Zu funft erstreben mir, deren geistiges Niveau aber nicht so mittelalterlich sein darf, wie das durch die Berwirklichung des Reichsschulgesetzentwurfes über uns heraufbeschworen würde. Stürmischer Beifall lohnte die Ausführungen des Redners. Die Distuffion war teilweise temperamentvoll und vielseitig, teilweise aber auch langweilig und öde. Den langweiligen Bart bestritten mit piel Lärm und Phrasen einige Kommunisten, die ihrerseits nur Einigkeit für die Weltrevolution, sonst aber für nichts meiter erstreben. Die Revolution Sonntag, den 8. November 1925, vormittags 11 Uhr, im Großen Schauspielhaus, Karlstraße Ouvertüre zu„ Coriolan"/ Requiem und Tag des Proletariats von Toller/ Rafoczy- Marsch von Berlioz/ AnSprache Ernst Toller/ 3. Satz a. d.., Symphonie pathétique" von Tschaikowiti/ Schlußgesang Die Internationale". Reit- und Fahrturnier. Der Dienstagnachmittag brachte das für Abteilung B Amazonenjagdspringen, das Es stellten sich 18 Bewerbeim Herreniattel zu reiten war. rinnen. Siegerin blieb Fräulein von Opel auf Aristokrat", die als einzige den Kurs fehlerfrei absolvierte.„ Aristokrat scheint ein Spezialist der Arena der Automobilhalle zu werden, holte er sich boch bereits dreimal den ersten Preis. Da die Spanische Reitschule mit großem Beifall aufgenommen wurde, wird fie ab Donnerstag aud jeden Abend auftreten. Die Eintrittspreise für das Turnier sind auf die Hälfte des bisherigen Preises gesezt worden. Arbeitslose Reichsbanner- Kameraden wollen sich zum Ver trieb der Ilustrierten Reichsbannerzeitung bei der Firma J. H. W. Diez, Lindenstr. 3, 8. Hof. 5. Aufgang 2 Trp., gwlichen 8 bis 5 1hr melden. Einfendungen für diese Rubrik find Berlin SB. 68, Lindenstraße 3, für Groß- Berlin ftets an das Bezirkssekretariat, 2. Sof, 2 Trev. rechts, au richten, 3. Areis Webbing. Seute 7½ Uhr Mitgliederversammlung in den Bharus fälen, Müllerstraße. Thema: Kulturfragen der Arbeiterschaft. Gäste fönnen eingeführt werden. 14. Rreis Neukölln. Am Donnerstag, den 5. November, 7% Uhr, Kreis Dorstandsligung an bekannter Stelle. 15. Areis. Der Kursus des Kreisbildungsausfchuffes beginnt am Freitag. den 6. November, 7½ Uhr, in der Schule in Niederschöneweide, Berliner Straße 31. Bortragender: Gen, Wermuth. ,, Die Einführung in den Gozialismus". Rege Beteiligung wird erwartet. 17. Kreis Lichtenberg. Donnerstag, den 5. November, 7 Uhr, fpricht in einer öffentlichen Versammlung der freien Schulgemeinde in der Aula Barfaue, Möllendorfstraße, Genosse Dr. Löwenstein über: ,, Der Reichsfolgefegentwurf, der Totengräber der Höherentwicklung des deutschen Boltes". Die Barteimitgliedschaft wird ersucht, fich an dieser Versammlung recht rege zu beteiligen. 19. Kreis Bankow. Die Kreisdelegiertenverfammlung vor dem Sahlabend fällt biesmal aus. 20. Areis Tegel. Seute abend pünktlich 8 Uhr im Lokal Hamused, Tegel, Sauptstr. 6( Tegeler Vereinshaus), Gatirischer Abend. Rünstlerische Leitung: Nefi Zanger und Dr. Stefan Meifel. Karten find noch an der Raffe zu haben. Heute, Mittwoch, den 4. November: 33, Abt. Die Funktionärversammlung und Abrechnung mit dem Abteilungs faffierer findet heute schon um 7 Uhr abends im Lokal Lojad, Beymeftraße 8, ftatt. 52., 53. unb 54. Abt. Charlottenburg. Im Lokal von Zug, Suttenstr. 26, stehen 5 verschiedene Aufnahmen unseres Wahlpropagandaumauges aus. Bestellungen werden dafelbft entgegengenommen. Preis pro Stid 50 Bf. 76. Abt. Dahlem. 8 Uhr bei Schilling Mitgliederversammlung und Rahlabend. 123, Abt. Raulstorf. Die Genoffen nehmen an der öffentlichen ProtestDerfammlung in Raulsdorf- Cuid teil. Treffpunkt: Sonnabend, den 7. NoBember, 7% Uhr, bei Csferich, Frankfurter Ede Dorfitvahe. Die Funktionär versammlung fällt aus. Wir erwarten zahlreiche Beteiligung. Morgen, Donnerstag, den 5. november: 8. bt. 7 Uhr bei Ridert. Steinmenftr. 36a, wichtige Borstandssigung. 53. Abt. Charlottenburg. 7½ Uhr bei Lug, Huttenftr. 26, Funktionäre verfammlung. 86. Abt. Marienborf. 8 Uhr bei Niendorf. Chauffeefte. 19, Funktionär versammlung. Frauenveranstaltungen: 9. Abt. Donnerstag, den 5. November, 7% Uhr bei Hübner, Wilsnader Straße 34, Frauenabend. Vortrag der Genoffin Elfe Scheibenhuber. Alle Genoffinnen find hierzu eingeladen. 32. bt. Heute, Mittwoch, 7 Uhr, in der Schule Lange Str. 31. Rimmer 55, Frauenabend. Tagesordnung: Wie gestalten wir unsere Frauenabende aus?" Alle Genofsinnen müffen erfcheinen. * Aufklärung eines Raubmords in Garh a. b. Ober. Ein Kapitalverbrechen verfekte vor 8 Tagen das pommersche Jungsozialisten. Spielgemeinschaft: Die im Rundschreiben vom 2. November Städtchen Garg a. d. D. in die größte Aufregung. Eine betagte Witwe Pauline Steinmetz, die in ihrer Wohnung am Klofterberg einen fleinen Bigarrenhandel betrieb, wurde in der Nacht zum 26. Oftober in ihrer Behausung ermordet und beraubt. Dem Mörder fielen etwa 1000 m. und wahrscheinlich auch ein Spartassenbuch in die Hände. In Berdacht geriet ein 19 Jahre alter Arbeiter angefekte Probe zur Wandlung" für die Revolutionsfeier der GroßBerliner Barteiorganisation findet am Montag, den 9. November, abends gana pünktlich 5% Uhr, im großen Saal der Neuen Welt", Sasenheide, ftatt. Einzelfprecher und Chor müssen unbedingt pünktlich aur Stelle fein. Gruppe Mitte und Norden: Seute abend 8 Uhr Probe zum Glakbrenner- Abenb in der Schule Gipsitt. 23a, Bollzähliges Erscheinen not mendia. Gruppe Charlottenburg: Jugendheim Rofinenstr. 4, v. 1 Trp., 5. November, 7 Uhr, Gruppenabend mit Vortrag. ihn aufrechterhalten wurde. Das erweiterte Schöffengericht Lichten Franz Tragbrodt aus Rostod. Dem Berliner Kriminalfommiffiar Rinderfreunde. Reuköln: Freitag, den 6. November, 7½ Ubr, RusammenSchwurgericht in Berlin wegen des Totschlags und Raubüberfalls in Oranienburg auch zu 15 Jahren Zuchthaus verurteilt worden mar, zu 6 Jahren Zuchthaus, 5 Jahren Ehrverlust und Stellung unter Polizeiaufsicht. Heinrich nahm die Strafe sofort an. Verschwinden eines jungen Menschen. Seit dem vergangenen Freitag ist der 19jährige Sohn des Schneidermeisters Meißner, der Postaushelfer Franz Meißner, Quisenufer 5 wohnhaft, spurlos verschwunden. Er machte an dem genannten Abend noch einen Spaziergang und ist gegen 11 Uhr auf dem Heimwege noch gesehen worden. Der Bolizei ist kein Unglüdsfall oder Vorgang bekannt, der das Berschwinden des jungen Mannes aufklären tönnte. Alle Personen, die den Vermißten nach dem 30. Oftober gefehen haben. werden gebeten, der Vermißtenstelle des Polizeipräsidiums( Kommissar Gahmisch) Mitteilung zu machen. Meigner ist 1,70 Meter groß. jolant und blond; er trug einen grauen weichen Hut, einen grauen Ulster und einen abgetragenen arbigen Jadettanzug. sam Die Drei- Café- Ecke. Drei- Café- Ecke.s Die Etablissements der seit vielen Jahren auf Fremdenverkehr eingestellten Friedrichstraße mit etlichen Nebenstraßen fämpfen seit einigen Jahren einen harten Kampf um ihre Eristenz. Gewaltigen Abbruch hat ihnen der unendlich währende Bau der Nordsüdbahn eine üble Kriegsfolge gemacht. Ganz allmählich ist eine Abwanderung nach dem Westen erfolgt. Immerhin halten die großen Revuetheater, als die zurzeit stärksten Magneten, die Massen beisammen. So wird denn auch von den anderen Unternehmen versucht, sich zu modernisieren. Gerade in der Friedrichstraße und um fie herum gibt es viele Lokale, die noch immer von dem goldenen Glanz ihrer aus den neunziger Jahren stammenden Stuckornamente gehren. Man hält als Gast das heute nicht mehr aus. Einen annehmbaren Mittelweg aus der Vergangenheit in die Gegenwart hat dos einst sehr bekannte, an der Ecke der Friedrichstraße und Unter den Linden gelegene, jetzt in andere Hände übergegangene Café Victoria eingeschlagen. Man hat die unteren Räume ohne große sichtbare Veränderung gelaffen, aber der Saal in der ersten Etage hat eine vollkommene Veränderung durchgemacht und stellt sich als durchaus moderner Café- Gesellschaftsraum dar, der in sehr sympathischen, warmen und gedämpften Tönen gehalten ist. In der Tat ein Raum zum Ausruhen und Sichwohlfühlen. Jezt heißt das Etablissement Raffeepalast König. Café Bauer, an der Cdfe gegenüber, aber heißt auch nicht mehr so und von der alten Drei- Café- Ecke ist mit dem Namen nur Krangler übriggeblieben. Das Publikum wird den altbekannten Lokalen, wenn sie sich moder: nifieren, wieder, wie einst, seine Gunst zuwenden. Ortsausschuß für die Zeppelin- Eckener- Spende. Nach den täglich aus dem Reich eintreffenden Meldungen nimmt die Zeppelin- Eckener- Spende des deutschen Voltes immer größere Ausdehnung an. In den Ländern und Städten haben sich Ortsausschüsse gebildet, die bemüht find, die Sammlungen der deutschen, von allen Barteien einig betriebenen Boltsspende gut durchzuorgani fieren und so zu einem vollen Erfolge zu führen. Wie wir erfahren, hat sich nun auch in Groß- Berlin ein solcher OrtsAusschuß gebildet, in dem Oberbürgermeister Dr. Böß den Borfig übernehmen wird. Maffenversammlungen gegen das Reichsschulgesek. Gestern abend fanden in verschiedenen Gegenden Berlins, und zwar in Kliems Festfälen, in den Sophienjälen, im Moabiter Ge: fellschaftshaus, in der Königsbank und im Schloß Schönhausen füni durchweg außerordentlich gut besuchte Versammlungen statt, in denen zum Kampf gegen eine der größten Gefahren, nämlich gegen die Berwirklichung des Reichsschulgesetes, aufgerufen wurde. Referenten waren die Genossen Adolf Hoffmann, Harndt, Rogall, Sturm und Bitthauer. Genoffe Adolf Hoffmann, der in den überfüllten Sophiensälen sprach, in denen auch viele tampfesluftige Gegner anwesend maren, führte folgendes aus: Wenn der Reichsschulgesehentwurf, der die Bekenntnisschule in ver faffungswidriger Weise als Regel einführen will, Wirklichkeit merben würde, so bedeutet das nichts weiter, als eine neue Intereffenerfüllung des Kapitals. Wenn man gegen uns arbeitet, tut man es, weil man sich sagt, religiöse" Arbeiter streifen nicht, sind zufrieden, hungern gern und arbeiten zehn Stunden zu niebrigen Löhnen. Welche Antwort aber gibt das Bolt darauf Leider müssen wir zugeben, daß sich die Bevölkerung nur zu einem fleinen Teil überhaupt für diese wichtigen Dinge intereffiert. Selbst von Arbeitern muß gefagt werden, daß sie nicht in allzu großer Menge begriffen haben, daß der Geistes Bolzom gelang es jedoch, den wahren Täter in der Person eines aus Garg gebürtigen Arbeiters Emil Galinitomski zu ermitteln, der die Tat auch zugab. Darauf fonnte Tragbrodt aus der Haft entlassen werden. gustaf nagel im Irrenhaus. funft in der Barade Ganghoferstr. 9. Thema: Bericht vom Reichsturfus und der Reichskonferens Gruppe Reinidendorf- West: Freitag, ben 6. November, 7½ Uhr, im Boltshaus, Scharnweberstr. 114/115, Bortong der Genoffin Emma Dölk fiber: Riele ber/ Rinderfreunde. Jugendveranstaltungen. Der Wanderredner und Kulturmensch gustaf nagel, so schreibt er sich nämlich selber, ist auf Beschluß der Stendaler Straffammer zur Beobachtung seines Geisteszustandes einem Irrenhaus überwiesen worden. Nagel mar megen Beamtenbeleidigung vom Schöffengericht Salsmedel zu fechs Wochen Gefängnis verurteilt worden und hatte dagegen Berufung eingelegt. Bei der Verhandlung in Stendal hegte das Gericht Zweifel an seiner zurechnungsfähigkeit und beschloß entsprechend. Uebrigens hatte fich Nagel im vorigen Jahre auch als" Retter Deutschlands" be zeichnet und sich bei der Reichstagswahl am 7. Dezember von seinen Nord: Jugendheim Varkaus 10. Betreuen als Kandidat aufstellen lassen. Wie er verfündete, wollte er mit Gottes Hilfe gewählt werden und dann die Regierung allein führen. night sound an Abteilungstaffierer! Seute von 5-7 Uhr Abrechnung, Ausgabe der November ,, Jugend voran!" und der Arbeiter- Jugend". Retersburger Biertel: Augendheim Ebertnite. 12. freibertr. 34. meberite. 105. Ricberschöneweibe: Schule Berliner Str. 31. Kaulsdorf: Heute 7% Uhr, Abteilungsmitgliederversammlungen: Webbing: Schule Ruheplak Ede Antonftraße. Selmholkylah: Schule Eberswalder Str. 10. Frichrichshain: Jugendheim Dieftelmenerftr. 6/7. 2uisenstadt: Schule StallReichenberger Bicetel: Jugendheim Reichenberger Str. 66. -Tempelhof: Enaeum Germaniaftr. 4/6. Friedrichshagen: Jugendheim Scharn Schule Adolfftr. 25. Lichtenberg- Mitte: Sugendheim Doffefte. 22.Westen: Bei Tannhäuser, Steinmet ftraße 44. 2197 47 Lichten Baltenplay: Jugendheim Rigaer Str. 103. Bortrag: Leo Tolstoi Frankfurter Biertel: Jugendheim Rigaer Str. 103. Bortrag: Jugendbewegung und Jugendpflege. Patichatter Biesfel: Jugendheim Tilfiter Str. 4. Bortvag: Arbeiter Abftinentenbund". Wannsee: Schule Charlottenstraße. Vortrag: Revolution von 1918". " Durch den Bruch des Staudammes am Eiguau- See in NordWales wurde das Dorf Bölgar og von den zu Tal stürzenden LLDETECTE Wassermassen vernichtet. Zehn Personen wurden als Beichen geborgen, 20 werden noch vermißt. Die Flut zerstörte die Brücke und richtete große Verwüstungen an. Viele Städte waren in Dunkelheit getaucht, da die Stromlieferung unterbrochen war. Sie Die Anwohner des Tales famen mit knapper Not davon. fonnten infolge rechtzeitiger Warnung die Häuser verlassen, bevor diese weggespült wurden. Sport. Rennen zu Strausberg am Dienstag, den 3. November. 1. Rennen 1. Eiſentrone( E. Hoffmann), 2. Märchenzauberin ( Augustin), 3. Jlberstedt( Klose). Toto: 44: 10, Blat: 22, 71, 30: 10. erner liefen: Berta, Cea, Schirmherr, Koroby, Seewarte, Cambutta, Alsterrole, Wolfenschieber, Deliade. 2. Rennen. 1. Blümlisalp( Albers). 2. Rüftung( D. Schmidt), 3. Fechterin( Haynes). Toto: 249: 10. Plak: 21, 11, 13: 10. Ferner liefen: Winntou, Schwertlilie, Allotria. Quo vadis. 3. Rennen. 1. Depression( Müschen), 2. Barfuß( E. Roß), 3. Lebedame( Betelt). Toto: 65: 10. Blag: 33, 19, 46: 10. Ferner liefen: Beleda, Qutrezia, Maas, Mottlau. Harma, 3deal, Gilba, Siegl. Biefelberg. 4. Rennen. 1. Leander( R. Torle), 2. Roberta( M. Schmidt), 3. Nordlicht( M. Dreißig). Toto: 69:10, Blat: 26, 29, 21: 10, Ferner liefen: Minenhof, Toledo, Haczar, Nimrod, Caracas, Lava, Porta Westfalica, Stephanie, Neva, Parioli, Tranfuse, Felsenquelle. 5. Rennen. 1. Abteilung: Felfenrose( Dippelf), 2. Angriff ( Bartelt), 3. Oddrun( Müschen). Toto: 34: 10. Play: 25, 19. 21: 10. Ferner liefen: Trumpf, Falter, Gigerl, Cambutta, 8mirn, Nolenfeld, Kriegsgewinnler. 2. Abteilung: 1. Laon( H. Beer), 2. Rasvidr( Morig), 3. Duellnymphe( Dyhr). Toto: 47: 10. Blag: 17, 35, 20: 10. Ferner liefen: Farmer, Melitta, Anarchist II, Wetterscheibe, Ganymeb, Eich tage, Madt, 6. Rennen. 1. Belladone( D. Schmidt), 2. Chronos( M. Jentsch), 3, Kolberg( Gabor). Toto: 68:10. Blah: 21, 25. 15: 10. Ferner liefen: Borge, Obotrit, Diljels, Stotoro, Bellejus, Räuberhauptmann, Solo, Berlentette, Sonnenschein. Das Rundfunkprogramm. Mittwoch, den 4. November. Außer dem üblichen Tagesprogramm: P % 4 Uhr nachm.: Sendespiele. Abteilung Jugendbühne. Leitung: Alfred Braun. Spielzeit 1925/26. 2. Veranstaltung. Iphigenie auf Tauris", Schauspiel von Wolfgang von Goethe, Iphigenie: Gerda Müller; Thoas, König der Taurier: Heinz Bernecker; Orest: Günter Hadank; Pylades: Alfred Braun; Arkas: Fritz Alten. Schauplatz: Hain vor Dianens Tempel. 6.45 Uhr abends: Dr. med. Fritz Streblew: Hygiene der Heizung. 2. Vortrag. Wärmeökonomie des Wohnhauses im Winter". 7.15 Uhr abends:„ Konsul Dr. Pröbster: Der Kampf um Morokko". 7.45 Uhr abends: HansBredow- Schule( Hochschulkurse), Abteilung Rechtswissenschaft. Geh. Oberregierungsrat Dr. Ludwig Lab: Einführung in die soziale Gesetzgebung. 1. Vortrag. 8.15 Uhr abends: Einleitung zu dem Roman als Funkspiel am 3. November. 8.30 Uhr abends: Das Oratorium. 1. Haydn; Rezitativ und Arie aus der Schöpfung: Mit Würd' und Hoheit angetan"( Eugen Transky). 2. Hayda Arie aus der Schöpfung:„ Nun beut die Flur das frische Grün" ( Nora Pisling- Boas, Sopran). 3. Mendelssohn: Gott sei mir gnädig aus Paulus"( Theodor Heß van der Wyk, Baß), 4. Haydn: Duett aus Vier Jahreszeiten: Ihr Schönen aus der Stadt ( Nora Pisling- Boas und Eugen Transky). 9 Uhr abends: Das Lied von der Glocke von Schiller. Komponiert von A. Romberg. ( Mit dem Goetheschen Epilog). Dirigent: Bruno Seidler- Winkler. 1. Meister und Altgeselle: Theodor Heß van der Wyk; 2. Geselle: 自 Bilbungsturje. Thema: Geschichte der Arbeiterbewegung". Werbebezirk Brenzlauer Berg II: Mittwochs, ab 4. November, in der Reityngsfpedition Greifenhagener Str. 22. Ref.: Genoffe Schittte. Werbebezirk Renfön: Mittwochs, ab 11. November( nicht heute), im WerbeRef.: Genoise Marquardt. Jugendheim Canner Straße. bezir? Often: Donnerstags, ab 5. November, im Jugendheim Nigaer Straße 103. Ref.: Genoffe Rauch. Werbebezirk Westen: Donners. tags, ab 5. November, in der Schule Schöneberg, Feurigstr. 58. Ref.: Genoffe Rasenstein. Werbebezirk Spandan: Freitags, ab 6. November, in der Gartenstadtschule Staaten. Ref.: Genoffe Lange. Werbebezirk Krenzberg: Sonnabends, ab 7. November, Schule Stallfchreiberstr. 53. Ref.: Genoffe Bösche. Andere Themen: Werbebezirt Oberfpree: Dienstaas, ab 3. Novem ber, im Jugendheim Niederschöneweide. Berliner Str. 31. Grelling über: Einführung in die Bolkswirtschaftslehre". überall abends 7 Uhr, Genoffe Beginn Bankow. Sämtliche Mitwirkende des Sprechchors fowie des Szenenspiels haben bestimmt heute, Mittwoch, abend im Jugendheim Breite Str. 32 zur Uebung zu erscheinen. Werbebezirk Neuköln: Seute abend leben zur Nevolutionsfeier, Jugend heim Canner Straße. Vorträge, Vereine und Versammlungen. Locarno".Reichsbanner Schwarz- Rot- Gold". Gefäftsstelle: Berlin 6. 14. Gebaftianftr. 37/38. Sof 2 Tz. Webbing. Mi., d. 4., 7 Uhr, Bollversammlung. Attive und Bassive müssen erscheinen. Bortrag Kamerad Erwin Barth: Bertrag von Rehlendorf. Mitgl. Vers. Mi., b. 4., fällt aus und findet Mi., S. 11., 8 Uhr, bei Schnorre ftatt. Kreuzberg. Do., d. 5., Badeabend fält wegen Baffinreinigung aus. Jungmannschaft Südost 7% Uhr Pflichtverfamm Charlottenburg. Ramerabschaft Rathaus lung bei Lier, Naunynſtr. 9. De., d. 5., 8 Uhr, Bflichtverfammlung bei Vogel. Bortrag: Neueinteilung und weitere Aufgaben des Reichsbanners". Erfahwahl der Funktionäre. Tempelhof. Do., b. 5., 7% Uhr, Mital. Berf. Tempelhof: Genoffenschaftswirtshaus, Dorfftr. 51; Mariendorf: Merkev, Kurfürfien- Ede Schüßenstraße: Lichtenrade: Sarno, am Bahnhof: Tagesordnung: Umorganisation und Neumahl der Wunttionäre. Weißensee. Do., d. 5., 7½ Uhr, Mital.- Berf. Grüner Baum. Fr., d. 6., nachmittags 51 Uhr, Einäicherung unseres Rameraden Paul Müller, Krematorium Gerichtstraße. Bflichtbeteilung. Bankow mit Untergruppen. Do., d. 5., 7 Uhr. Sämtliche Jungkameraden im Jugend heim Breite Straße. Reinidendorf, r., b. 6., 7½ Uhr, Lokal Namlow, Reinidendorf, Schönholz 14, Bollversammlung sämtlicher Untergruppen, Arbeiter Abflinentenbund. Mittwoch, den 4. Nopember: Gruppe Neukollas Jugendheim Schirkestraße 714 Uhr Gruppenabend. Ortsgruppe Berlin: Geschäftsstelle Engelufer 29 ab 6 Uhr Arbeitsabend. Wefter für Berlin und Umgegend. Meist bebedt, weitere Regenfälle, Für Deutschland. Ausgedehnte Regenfälle, auch in Ditdeutschland. warm. доро tampf des Kapitals nur eine wirtfame Reben- Eugen Trangky: 5. Meisterin: Nora Pisling- Baas. Der Chor der Sie können Ihren Zähnen keine größere form des mirffchaftlichen Klassenfampfes dar= Berliner Funkstunde unter Leitung von Ludwig Preiß. Anstellt. Auf dem Gebiete der Kirchenpolitit ist aber dem Bolle Schließend: Dritte Bekanntgabe der neuesten Tagesnachrichten, Wohltat erweisen, als wenn Sie sich an eine eine Möglichkeit gegeben, feinen Willen durchzufegen; die MögZeitansage, Wetterdienst, Sportnachrichten, Theater- und Film- geregelte Zahnpflege mit Odol gewöhnen. lichkeit des Kirchenaustritts. Biel zu wenig wird sie dienst. Mittwoch 4. November 1425 Unterhaltung unö �Vilsen Seilage ües vorwärts Das Lautenbanö. von knulp. Ts ist»in graues, seidenes Lautenbond. Als ich gestern abend mein« Laute in die Hand nahm, mich still in»ine Sofaeck« setzte und mit den Fingern«in wenig die Saiten zupfte— da fiel das graue, seidene Band über meine Knie. Erst beachtet« ich es gar nicht: dann aber funkelte mir etwas entgegen, das wie Gold glänzt«. Für einen Augenblick. Ganz flüchtig. Ich beugt« mich nieder und er. kannte auf dem Ende des Bandes zwei Buchstaben, di« mit Gold- säden in die graue Seide eingestickt waren: sie waren mir gut bekannt. Die Goldfäden bildeten ein S, um das sich«in L Ichlang. L. S.! Das waren die Anfangsbuchstaben eines Mädchen- namens. Das Mädchen, Lconore war ihr Vorname, hatte ich in einem Sanatorium kennen gelernt. Sie war dort mein« Kameradin geworden. Wir hatten»ine glücklich« Zeit verlebt. Trotz unserer Krankheit, die ein« sehr ernste war. Wir litten an der Lungen. tuberkulös«. Ich spuckte Blut, und mein« Kameradin hustete und hatte immer Fieber. Wir beide hofften, gesund zu werden. Und wußten, daß eine lange Zeit dazu gehören würde. Wir waren zu» versichtlich und empfanden di« Zeit, die so lang war. in der wir aber gesunden sollten, als eine sehr schön«. Wir lagen viel« Stunden am Tage aus dem Liegestuhl, träumten ln den Tag hinein, lasen hin und wieder ein gutes Buch und gingen gemeinsam spazieren. In die Berg« hinauf. Auf Wegen, di« sich sanft empor schlängelten und in einen dunklen Wald mündeten. Dort standen Kiefern und Tannen, und es roch kräftig nach Ozon. Den saugten wir mit oller Kraft ein. Davon würden wir gesund werden. Das dachten wir. Und wenn wir tüchtig frische Lust ein- geatmet hatten, lachten wir wie Menschen, die ein großes, gute» Werk vollbracht haben und gingen heim. Arm in Arm. Ueber uns di« Sterne.... In der Nacht lagen wir viele Stunden hindurch wach, weil wir an uns denken mutzten. Oft stand ich am Fenster des Turmzimmers, in dem ich— hoch über ollen!— ganz allein wohnte und sah auf da» chaus hinab, in dem mit anderen kranken Frauen das Fräulein Leonore schlief. Immer schimmerte von ihrem Fenster ein kleiner Lichtschein durch das Dunkel. Ich wußte dann, daß mein« Kam?- radin wach war. Sie dachte an mich, wie ich an sie denken mußte. Unser Schicksal war fast da» gleiche. Ich war ein junger Journalist und hatte mir an großen Zeitungen die ersten Erfolg« geholt, als die Krankheit zum Ausbruch kam und alle» unterbrach. Fräulein L. E. war eine Musikstudentin und wurde mitten aus dem Studium gerissen, in dem sie schon ein großes Stück vorwärts gekommen war. Die kleinen Tuberkeln, die von vielen Menschen eingeatmet werden, ohne ihnen zu schaden, hatten in unsere Lungen kleine Löcher gefressen und drohten, den ganzen Körper zu zerstören. An eine Fortsetzung unserer Arbeit, an der wir mit unserem ganzen Ich hingen, di« die Erfüllung unseres Leben» war. konnten wir nicht mehr denken. Wir waren auf Sand gesetzt— gestrandet. Und nun wollten wir wieder flott werden— gesund werden. Was halte der Arzt gesagt? Jahre würde es dauern! Wir hatten also viel Zeit. glichen in nichts gesunden Menschen und bummesten als Genesende, in langen Iahren Genesende durch die Welt. Von einnp Sanatorjmn in das andere. Bis wir uns in dem einen stufest.' Wir, hatter» uns gefunden. Es mutzte so kommen. Das Fräulein L. S. mußte meine Kameradin werden. Alle Voraussetzungen waren gegeben. Mein« Kameradin war zuversichtlicher al» ich. Ihre Aurcrsicht war beständig— die meine schwankend. Ich war einmal so per- zweifelt, daß ich an sie das Ansinnen stellte, mit mir gemeinsam aus diesem für uns so elend gewordenen Leben zu gehen. Das war zu einer Zeit, als sie besonders viel hustete und immer in Fieber war. Und ich spie Blut. Sie hatte trotzdem gelacht und mir von der Zeit erzählt, wo sie auf der Bühne stehen und singen und ich im Parkett sitzen würde, um für eine große Zeitung eine Kritik zu schreiben. Als sie mir das erzählte, hatte ich wieder gelacht und an unsere Zukunft geglaubt. Nur— daß sie wieder singen würde, daran konnte ich nicht glauben, obwohl sie mir von Sängern erzählt hatte, die berühmt waren, trotzdem sie nur eine halbe Lunge hatten. Ich lächelte und schwieg. Leonore war es, di« mich immer wieder auf. richtete und mir unermüdlich von ihrem Lebensmut gab. Eines Tages erlebten wir da» Bitterste: wir mutzten das Sana- torium, in dem wir uns kennen gelernt hatten, verlassen. Unsere Kurzeit war um. Der Winter war da— die Berge tief verschneit. Fräulein L. S. mutzte zu ihren Eltern nach Schlesien. Ich fuhr nach Berlin. Einmol haben wir un» noch gesehen. Sie besuchte mich in Berlin. Ich lag zu Bett. Ein Glas voll Blut stand wkeder aus dem Tisch. In den chänden hielt ich meine Laute. Dünn und bleich lagen di» Finger auf den Saiten. Ruhend. Spielen konnte ich nicht. Ich durfte mich nicht bewegen. Aber alle», was mir mein« Kameradin während ihres Besuche» erzählt hatte, dichtete ich Im Reime und zupfte dazu leise an den Saiten, während mir der Sinn de« Gehörten durch den Kopf ging. Dieser ewig« Sinn: leben, leben, leben! Das Leben wollen— dos Leben sein! Jede Minute darum kämpfen. Bis zum letzten Hauch. Mein« Kameradin hatte mich stark gemacht: ich ertrug olle, ge» duldig und Überwand das Leiden. Sie aber lag wieder zu Bett und schrieb mir lauge Briefe. Wir lebten nur van unseren Briefen. Stand«, mit niemand weiter im G«donkenau»tausch ol» mit un» selbst. Eines Tages erhielt ich einen dicken Brief von ihr. Er enthielt das Lautenband. Es war ein graues Seidcnband. Ich hielt es erfreut in den 5?änden und sah erst nach einem Weilchen an den, etnen End» ein goldene» Leuchten. Es waren die Buchstaben L. S.— mit Goldfäden gestickt. Ich war sehr glücklich und dankte der Spen- denn bewegt. Sie hatte die Luchstaben selbst«ingestickt. Aus ihrem Krankenlager. Mit schwachen Händen. Goldene Fäden hatte sie genommen.... Bald erhielt ich von ihr einen Brief, der sehr kurz war und in dem sie mir mit freudiger Hast schrieb, daß sie in der vergangenen Nacht ungebrochen die Tonleiter gesungen hätte Ungebrochen! Hinaus bi» zum letzten Ton! Ich stutzte. I»tzt wußte ich plötzlich, daß mein» Kameradin sehr, sehr trank war, Wenn sie sich darüber freute, daß sie ungebrochen»ine Tonleiter singen konnte, mutzt« e» mit Ihr schlimm stehen. Di»!- ewige Optimistin l Mit dem letzten Atemzug glaubt« sie an da, Leben. Ich tonnt» nicht zu ihr hin. Eine lange Reife hätte ich nicht ertragen. Ich war noch zu schwach, um aus dem Zimmer zu gehen. Und wenn ich es gewagt hätte wer hätte mir das Geld zur Reise gegeben? Die Inflation hatte mir den letzten Pfennig aus den Händen gerissen. Ich antwortete auf ihren Brief, ohne selbst Antwort zu er- halten. Es war schon im Frühling. Da— eines Tage? kommt ein Brief mit schwarzen Rändern. Ich öffnet« ihn nicht: ich wußte, was in ihm stand, meine Kameradin war gestorben! positive Politik. ,. I.. M'.11.' .\«V"'•••: 1" ••V;: „Auf. spucken wir dem Ausland in die endlich friedensbereiten Hände!" Lassen wir den Alinisterballast fallen, damit der nationale Phrasenballon wieder steigt. Und nun halte ich dos Lautenbond in den Händen und sehe di« blinkenden Goldfäden in der grauen Seid«. Zwei Buchstaben sind os nur. Wird mehr»on unserem Leben übrig bleibe»? Es braucht nicht wehr zu sein. So leben, daß sich unser Name in di, Ewigkeit einwebt so, daß er ab und zu ausleuchtet, wie Sternenlicht am Firmament. Das ist genug! Den kommenden Geschlechtern wird es künden, daß wir um da» heilige L»b«n gerungen haben es gepriesen haben mit unserem letzten Atemzug.... Eine ungebrochene Tonleiter, gesungen von einem sterbenden Mädchen ist da» nicht mehr als die Heerzüge all der Großen, die ausgezogen waren, um Welten zu erobern und Tod und B«rdammnis ernteten? Von ihnen künden gewaltige Denkmäler. Von meiner toten Kameradin nur zwei Puchstaben, mit goldenen Fäden in graue Seid« gestickt. Brüder, wenn meine Laut« klingt, wenn da» grau« Seidenband flattert, wenn zwei Buchstaben ausleuchten~— dann weiß ich- e» ist genug!_ Der älteste Arft der well, von dem w'r wissen, dürfte der Aegypter I-em-Hetep sein, der etwa zäOÜ Jahre vor Christi gelebt hat. Er muß sich großen Ansehens ersreut haben, denn sein Grab befindet sich»eben dem des Königs bei der Pyramide von Sakkara bei Memphis. Nach seinem Tode wurden ihm göttlich« Ehren er- wiesen. zlWO Jahr« wurde sein Andenken beim ägyptischen Bolle heilig gehalten und viel« Krankenhäuser nach ihm benannt. hpgienisihe Aufklärung. Wenn das Kind in den Brunnen gefallen ist, dann erst deckt man ihn zu. Erst wenn sich Krankheitserscheinungen bemerkbar machen, pflegt man an sein« Gesundheit zu denken und läuft zum Arzt. In Un- tenntnis der einfachsten Funktionen unseres Körpers und seiner wichtigsten Organe, dafür aber meist über eine mehr oder minder reichliche Portio» Aberglauben verfügend, sieht man dem Wissen und Können des Arztes urteilslos gegenüber, hält ihn in der Regel für den großen Medizinmann und ist höchst unzufrieden, wenn er nicht Wunder wirken kann. Daß der Arzt lediglich unseren Organis- mus in der Bekämpfung von Krankheiten unterstützen kann, diese Einsicht mangelt noch vielsoch. Um Hab und Gut ist man ängstlich besorgt, aber unser käst- lichster Besitz, Leben und Gesundheit, wird noch immer mit einer an Fatalismus grenzenden Gleichgültigkeit behandelt, besser gesagt: vergeudet. Rur so ist es zu oerstehen, daß trotz Warnungen und Strafen Scharlatane und Quacksalber noch immer ein dankbares Publikum finden. Der Mangel an systematischer, rechtzeitiger Belehrung schon von Jugend auf trägt die Hauptschuld an diesen sur Gesundheit, Wirtschaft und Vermögen unseres Volkes fb beklagenswerten Zuständen. Welche Unsummen an Volkskrost und Vermögen werden aus dies« Weise noch immer trotz aller Anstrengungen und Fortschritte der össentlichen Gesundheitspflege vergeudet. Nicht dringend genug kann aus diesen Uebelstand und seine Folgen hingewiesen und energisch auf Abhilfe gedrängt werden. Wie überlegen dünken wir uns doch in unserem Europäerhoch- mut den Asiaten gegenüber und doch sind sie uns in mancher Bc- ziehung vorau». Der Chinese z. L. bezahlt seinen Arzt nur. solange er gesund ist. Tobleau. Dieser ist natürlich im eigensten Interesse bestrebt, seinen Patienten so schnell wie möglich wiederherzustellen und durch rechtzeitige Belehrung da» Auftreten von Krankheiten zu verhindern. Die ärztliche Wissenschaft ist ja in unseren Tagen trotz Rot und Mühsal in anerkennenswerter Weise fortgeschritten, sie sollte sich aber nicht nur in ihrer praktischen Auswirkung um die Kranken allein be- mühen, sondern in weit höherem Grade als bisher in den Dienst der Allgemeinheit zwecks Ausklärung und Belehrung über die wichtigsten Grundsätze von Leben und Gesundheit gestellt werden. Wir haben ein« Ueberproduktion on Aerzten. Hier könnte den. selben ein weite» Arbeitsfeld zu segensreichster Tätigkeit zur Ber- fügung gestellt werden. In den Schulen müßt» tm Anschluß an den naturwissenschaftlichen Unterricht mit Erklärungen der«msachsten Körperfunktionen und Gesundhettsregeln begonnen werden. Schul» Hygiene und Leibesübungen können hierbei unterstützend wirksam in Funktion treten. �, Hand in Hand damit müßten in regelmäßigen Elternversamm- lungen der Schul« ärzttiche Belehrungen über Kinderpflege sowie die Gefahren des Kindes- und Entwicklungsolter, und ihre Verhütung gehen, welche noch durch besonder» geschickt abgefaßte Merkblätter vertieft und befestigt werden können. Die so in der Schule erworbenen Kenntnisse müssen durch obli- qatorischen Unterricht in der Fortbildungsschule, durch öffentliche Vorträge. Vorführung von Lichtbildern und durch praktische Ueimn- gen usw. bezüglich aller Fragen de» praktischen Lebens, der Hygiene, Ernährung. Unfallverhütung. Körperzucht und Altoholmißbrouch so- weit gefördert und vertieft werden, daß schließlich jeder in Erk«nnr-. vis her. ungeheuren Wichtigkeit hierau» Rutz«, für stch und(eme Familie ziehen kann. In Krankheitsfällen aber würde d-r Arzt durch präzise, sachgemäße Angaben seitens de» Patienten bei der Diagnose wirksam unterstützt werden. So sehr die Förderung der Sportfreudigkeit vom gesundheitliche» Standpunkt zu begrüßen ist. so reicht die» allein dach noch nicht aus, sondern e» muß eine großzügige intensive Belehrung ol» Fundament gemeinnütziger Gesundheitspolitik vorausgehen. Staat und Gemeinden müssen diese Auftlärunavarbeit nach Kräften weitgehendst fördern und»»»reichende Mittel in großzügig- ster Weise hierfür bereitstellen, die sich bei Propagierung einer ver- nünftigen gesundheitsfördernden Lebensweise und darauf folgende Steigerung der Arbeits- und LeistungssäHigkeft glänzend bezahlt machen.......... Gleichzeitig ist es höchste Zeit, daß endlich eine ehrliche, energische und gesund« Wohnungs- und Wirtschaftspolitik im Jnieresie des Kernes unseres Volkes getrieben werden, um den Lebensbedarf bes arbeitenden Valkes in ausreichendem Maß« zu angemessenen Preisen sichern zu können, ohne Rücksicht auf egoistische Eondermteressen volksfeindlicher Minderheiten. Daß sich die Arbeitgeber der Sache noch nicht energisch ang«. nommen hohen, die doch sonst ihren Vorteil so gut wahrzunehmen wissen, ist direkt uiwerständlich und nur durch ihr engherziges und kleinliches Haschen nach Augenblickserfolgen sowie deren schwersalli- gen. egozentrischen Bxreaukratismus erklärlich. Ebenso sind die Alters., Inoaliden-, Angestellten- und Penstonskassen von Behörden und Unternehmern, desgleichen die Lebensversicherungen oller Art an intensiver Auskläruna interessiert unb gleichfalls energisch zur Unterstützung heranzuziehen. Desgleichen muß mit den, Raubbau an der Arbeitstrast aller Werttätigen endgültig Schluß gemacht werden. Jedem arbeitenden Volksgenossen'st rechtzeitig und ausreichend Er- holung im gleichen Maß« wi« der Beamtenschaft zu gewährleisten woraus er mit Rücksicht aus seme intensivere Tätigkeit mindestens den gleichen Anspruch Hai. ganz zu schweigen von der wirttchastlichcn Unsicherheit den lebenslänglich gesicherten und pensionsberechtigtcn Beamten gegenüber.- Allen wahren Volkssreunden und Vertretern erossnet sich hiermit ein weiteres Feld ehrenvoller und segenseichster Tätigkeit im Dienst« unseres um Existenz und wirtschaftliche Gesundung schwer ringenden arbeitssrcudigen und opferwilligen deutschen Volkes. __ E. Sembritzki. Vom Fahrstuhl vnd seinen Vorsahren. Der Fahrstuhl wird immer ger» als Errungenschaft unserer Zeit gepricsen. Dieser Stolz ist nichts weniger als berechtigt, denn der Fahrstuhl oder ,.Lift, wie die seinen Leute sagen, ist im Grund« eine recht alte Sache. Zwar behauptet man sogar, daß die alten Römer idn schon gekannt haben. Möglich, daß«in» ähnliche Einrichtung bei ihnen üblich war, aber eine unserem heutigen Fahrstuhl entsprechend« Konstruktion war ihnen zweifellos noch unbekannt. Dagegen hatte man im 17. Jahr- hundert in Frankreich bereit» vollkommen richtige Jahrstuhle, die damals den Na, neu.fliegende Stühle' trugen. Als ihr Erfinder hat der Franzose«illayer zu gelten, dem man nebenbei auch die Erfindung des Brieskastcns zuschreibt. In mehreren Schritten wird der„fliegende Stuhl' Villayers als eine Einrichtung beschrieben. die.„wenn man sich daraus setzt, durch Gegengewichte oder durch das Gewicht des Körpers zwischen zwei Mauern hinaus, und ym- untersteigen kann bis zu dem Stockwert, zu dem man gelangen will. Diese Erfindung verbreitete stch sehr rasch in Frankreich, in den Königepalästen bürgert« sie sich zuerst ein. bis ein peinliches Aben- teuer einer Prinzessin ihrer Beliebtheit ein jähes End« bereitete. Diese blieb nämlich eines Tages insolge Dersagens, bas auf eine schadhafte Stelle zurückzuführen war. stundenlang in der Luft in schwebender Lage hängen und kannte nur mit schwerer Mühe be- freit werben. Unter Ludwig XVI, wurde die Gestalt des fliegenden Stuhles technisch sehr vervollkommnen, so daß Frau von Gelnis von „unerhört kühnen Aufzügen, die leider noch zu selten seien', sprechen konnte. Theater Dir. A. Hellmer 8 U. Lessing- Th. Lichtfpiele Gier unter Ulmen afw. Volksbühne 8 Uhr: Wer weint um von O'Neill Gerde Müller Wegener, Rewalt Kleines Th. Tägl. 8 Uhr: Juckenack? Die Alarmglocke Morgen 8 Uhr Zum 25. Male Der Haufmann von Venedig Lustsp.v.Hennequin u.Coolus Werbezirk, Ander Albers, E. Burg Staats- Theater Trianon- Theat. Opernhaus Uhr 8 hr Ariadne Hochzeitstage auf Naxos Opernhaus von Geraldy. Teubler Steuermann Vorz. dies. zahl CK+ B Gegründet 1893 Haweran Wundkur -O ist die ärztlich begutachtete, bestens empfohlene und auf wissenschaftlicher Basis aufgebaute vollständige Kur zur schnellsten und restlosen Ausheilung schwer heilender Wunden wie: Krampfadergeschwüre, offene Beine, Hautausschlag, Flechten, Brand- und Frostwunden, Durchliegen, Verletzungen aller Art, rissige oder aufgesprungene Haut usw. Selbst die hartnäckigsten Fälle werden in überraschend kurzer Zeit geheilt. Die ,, Haweran-Wundkur" darf in keinem Haushalt fehlen. Die Herstellung geschieht unter Aufsicht eines approbierten und vereidigten Apothekers. Haweran- Wundkur" ist in allen Apotheken vorrätig. Falls nicht, per Nachnahme direkt vom Hersteller: KOCH& BECKER, Komm.- Ges., Berlin SO 3 Skalitzer Straße 100 Th i.d. Klosterstr. 43 8 Uhr: Gastspiel Xaver Terofal an der Abend- Der Ehestreik kasse 1/2 am Königsplatz Vorz. dies. zabl. 7: Zigeunerbaron Schauspielhaus 8: Die große Katha rina Der Bär Schiller Theater 8 Uhr: Doppelselbstmord Städtische Oper Charlottenburg 7 Uhr: Carmen AbonnementsTurnus I Deutsches Theater 7% Uhr: Der Kreidekreis von Klabund d. Kassenpi eis. mit d Schlierseer Bauerntheater Großes Schauspielbans 8/4 Fün Dich CHARELL- REVUE 300 Mitwirkende Parkett M. 6Rang M. 8.2ter Rang M L50 Loge M. 7.Kammerspiele 3ter Rang 75 Pf. 8 Uhr: Man kann nic wissen von Shaw Die Komödie Kurfürstendamm 207 8 Unr Gesellschaft v. John Galsworthy Regie: M. Reinhardt Berliner Theater 8 Uhr: Giastspiel d. Dtsch. Volkstheaters Wien Antonia Lustspiel in 3 Akt.r.M. Lengyel Sári Fedák, Otto Tressler, H. Lackner Margarete Koeppke Ria Thiele, Emmy Förster, K. Ehmani, Siegfr. Breuer, Franz Engel, Dr. Szilágyi Inszenierung Dr. Rudolf Beer Th. a. Nollendorfpl. Täglich 8 Uhr: Der letzte Kuß Operatte vea Rob. Winterberg Falk, Vesparmann, Hainisch, Picha, Wasa, Muth, Hell. Stg., Mittw. u. Sbd. Märchenvorstellg. Dornröschen. APOLLO- THEATER 8 DER MANN DER SICH VERKAUFTE Er Sonntag nachm. 3 Uhr unverkürzt zu ermäß. Preisen. Komische 8% Oper Dir.: James Klein 814 Größte Revue der Welt Von " A bis Z Das Gewaltigste an Ausstattungspracht, was je auf einer Bühne gezeigt worden ist 46 Bilder! 300 Mitwirkende! Das Tagesgespräch Berlins Parkett 6.- M. Preise 2. bis 12. M. ( Logen 15.- M.) Vorverkauf ununterbr. geöffnet 2017 12 OBERST bleibt die führende deutsche 5 s CIGARETTE in vollem Format und unveränderter Qualität Baldorf Astoria Cigarettenfabrik A- 6 WINT ORTEN AKUSCHE Deutscher Metallarbeiter- Verband Ronkurrenzlas! Rever fournierter breitüriger Antieideschrant, 150 breit. mit Spiegel, 105,-. Neue fournierte Bettstellen mit Batentboden, dreiteilige Wuflage, 55,-. Neue fournierte Rachttische mit Marmorplatte 15,- Rußbaum- Waschtoilette, weißer Marmor, 72- Rugbaum- Umbau 38,- UmbauBlüfchlofa 45,-. Säulenbüfett 75,-. Diplomat 48, Neue komplette Küchen, breit, nur 88,-. Schlafzimmer, 150 breit, weißer Marmor, Drellauflagen, mit Kristall- Facette- Spiegel, nur 325,- Echt eichene Efzimmer mit 6 Lederstilhlen 345,- Herrenzimmer, 150 breit, 365.-. Riefenauswahl in Einzelmöbeln, Renaissance- Möbeln, fom pletten Einrichtungen, modernen Küchen. Möbelhaus Gottlieb, Rügenerstraße 13, Bahnhof Gesundbrunnen. Lieferung innerhalb Groß- Berlins frei Haus. 102 bet wirklich auffallend billig auf allerbequemfie Teilzahlung nur im wizbrüde 3/4 und Putbuser Straße 14. Heute, Mittwoch, den 4. November, Straßenbahn: Brunnenstraße, Ede Rü. abends 7 Uhr, bei Schneider, gener Straße. 3 Minuten vom Bahnhof Achtung! Drahtarbeiter Achtung! Möbelhaus Sumboldt, An der Janns. Tilflter Straße 77: Gesundbrunnen. Versammlung der Nadler. Elegante Schlafzimmer und SpeifeDie Ortsverwaltung. KLEINE ANZEIGEN Jedes Wort 12 Pf. Anzeigen, welche für die Fattgedrucktes Wort 25 Pf. ( zulässig 2 fattgedruckte Worte). Stellengesuche das Werl( fettgedruckt) 15 Pf, jedes weitere Wort 10 Pf. Worte mit mehr ais 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. nächste Hammer bestimmt sind, müssen bis spätestens 4 Uhr nachmittags in der Haupt- Expedition des Vorwärts, Lindenstraße 3. abgegeben werden. Dieselbe istwochentags von morgens 8 Uhr bis nachm. 5 Uhr ununterbroches geöffnet. Verkäufe Verband der Gemeinde- u. Staatsarbeiter brauch und Gewerbe. Teilzahluna. Re zimmer, Einzelmöbel fabelhaft billig ab Fabrit gegen Teilzahlung. N. 65. Schulstraße 35 III. Neukölln, Delbrüdftraße 56/57. 10 billige Schlafzimmertage. Nur bis 7. November. Schlafzimmer, tomplett, 445.482.- 509.-, 532.-, 588.--, 649.-, 695.- bis 1200.-. Solide Tischlerarbeit. Auch gegen Teilzahlung, bei geringfügiger Anzahlung und sehr kleinen Naten. Möbelschas, BrunnenStraße 160( Eingang Anklamerstraße). Musikinstrumente • Salonflügel, Klaviere, tabellose Verarbeitung, langjährige Garantie. Teilzahlung gestattet. Serer u. Co., Ballasstraße 9, an der Botsdamerstraße, u. Brunnenstraße 191. 1. Etage, cm Rosenthaler Blaz. Vianos preiswert. Klaviermacher Teppich- Schrager verkauft gegen be- Lint. Brunnenstraße 33. quemfte Teilzahlung Teppiche, Brüden, Ronzertpiano 650.-, Diwandeden, Madrasgardinen, Stores, Sarmonium billigit, Steinmenerpiano Bettdecken, Steppbeden, Bettvorlagen, Läuferftoffe. Elfäffer Straße fechs, am Flügelton) 1250.- ab Fabrik, Rahlungserleichterung ohne Breisaufschlag, Rosenthaler Vlak. Oranienstraße 166 III. Raumann- Nähmaschinen für Sausge. Bianos, preiswert. Teilzahlung. Gaparatur- Wertftatt für alle Snfteme rantie für Qualität. Bermietung. Bahrt, Emil Salbarth 6. m. b. S., Friedrich Sauptstraße 1, Ede Grunewaldstraße.* ftraße 55a. Merkur 6268. Reinaeuge( Richter Bräsifion), Sicher heits- Goldfullfederhalter. Bureaubedarfs Musikinstrumente Neukölln, aus erfter Hand. Lindner, Schiller- Biolinen 5.50, Orchester- Biolinen Friedrich- Straße 36/37. 14.50, Gitarren 8.90, Bauten 16.50, Achtung! Vereinsartikel, große AusCellis 38.-, Wiener Affordions, Einmahl, Ueberraschungen, Tombola für reiber, 4 Baß, 8,90, Deutfche Affordions, alle Festlichkeiten. Besonders billige Einreiher, 2 Bak, 4.75, Wiener Affor Preise. Kaffen-( eranderplan). Bareinsched. Schillingstraße bious, Ameireiher, 8 Bak. 18.50, Ban bonien, 104tönig, 95.-, Sprechmaschinen Rugabe unb Reflameartilel, Neu- eigener Fabrikation, neueste Ronftentheiten, Geschenkartikel. Große Auswahl. tion, gute Instrumente, 9,50, 12.-. 5. Ausschlußanträge gegen 3 Mitglieder auf Grund des Bareinfched, Schillingstraße 1( legan 18. mit Saube 22, Ciche, Eichen§6 des Statuts. derplag). Schrankapparate 89.-, 10 000 3nstru Filiale Groß- Berlin. Freitag, den 6. November 1925, abends 6 Uhr, im Saal 4 des Gewerkschaftshauses, Berlin, Engelufer 24/25: Ordentliche Generalversammlung aus Tagesordnung: ! November- Sensationen! auf allen Gebieten der 1. Bericht eines Delegierten der Rußlanddelegation internationalen Varieté- Kunst 2 Freie Aussprache. 3. Bericht vom 3. Duartal: a) Geschäftsbericht, b) Sonnt. nachm. 312 Uhr halbe Preise bericht, c) Bericht der Revisoren. Rauchen gestattet Reichshallen- Theater Allabendlich 8 Uhr u. Sonni ag nachm. 3 Uhr 4. Beschluß über Abänderung des Drtsstatuts. Raifer Bianos, prächtige Inftrumente. be queme Rahlweife. Gachter, Oranienburgerstraße 42. Stettiner Sänger ihrer Delegiertenfarte und Verbandsausweis.- Bünft aus eriter Sand. Baul Baegelom, Lager. Billigfte Bezugsquelle für WieNachm. halbe Preise! Dönhoff- Brett'l: Familien Varieté. Anfang 8 Uhr Sonntags 51% Uhr. Deutsches Täglich 8 Uhr:] HALLER Künstler- Theater REVUE Theater Im Tägi. 48 Uhr: Gastspiel Fritzi Massary: Admiralspalast Die Teresina ACHTUNG! Residenz- Th Elite- Sänger WELLE Kottbuser Str. 6- Tel. Mpl. 160 77. 505!" Täglich 8 Uhru. Sonntag nachm. 11. Rang von 2 Mk. 3 Uhr( zu halben Freisen): Parkett von 4 Mk. Klubfreunde, musik.Auftakt Logen von 8 Mark Der alte Dorfschullehrer, Lebensbild Central Theater Zum Schluß:?? Jugendsünde?? sowie der unvergleichliche Soloteil. und Uhr 8 Trieschübel Du Lannst Du daheim von Deinen Berufsverdrießlichketten wicht loskommen? Empfindest Du Deine Kinder als Blage geifter? Dann fehlt Dir die Elastizität, die Tagesforgen zu bannen. Tros Tagesforgen ist Erber Aufbaufalz Genießerum fröhlichen Spiel stets bereithäus liches Glüd. Die täglichen Heinen Prisen Dr. Schröder's- Aufbaufals machen es Dir fehlt baber nur Käglich 2x1 Brife Aufbau- Sals = 1 ganze Leben Jugend! Das Gals bes Lebens ist ein vitaminhaltiges Mähr falz- Bräparat, bergestellt nach den neuesten Errungen fchaften ber Bitamin- Nährsalz- Wissenschaft. Es schafft gefundes, alfalireiches Blut. • Es bebebt. Müdigkeit, Abspannung, Unluft, Depreffton. Es träftigt Nerven, mustein, Haarwurz, Bahngebilbe Es erneuert die Bellen und Gewebe. Es fördert bie Berbauung, b.Blutumlanf, Stoffwechfel Es reinigt. Nieren, Leber, Darm und Blaje Es bindet. überschüß. Säuren im Blut u. in den Organ Es gibt... Kräftegefühl, Frohsinn, Wohlbehagen. si..... geſchmadi, geruch fret, angenehm zunehmen. Dr. Schröder'sAUFBAUSALZ die physiologische Ergänzungs- Nahrung( ges. gesch.) zeigt überraschende Erfolge bel allen Zuständen. Originalglas Mar! 2.50( für 3 Monate ausreichenb). In allen Apotheken und Drogerien, sonst durch ..Vita Vertriebs- u. Handelsgesellschaft, Berlin SW 48 99 Besselstr. 19, 1. Stock, Ecke Charlottenstraße. Telephon: Dönhoff 349 Unsere neue Packung: Klein- Kur M. 1.8 Uhr: Circes Heirat Hesterberg. Sabo Engers. Mattoni Sbd.nachm. 3%, U Märchen- Vorstg . Kinder. Kl. Pr.: Schneewittchen Zutritt haben nur die Delegierten unter Borzeigung Bettfebern, füllfertig, auch ungerissen, mente fertia und halbfertia ftä dia auf liches und vollzähliges Erscheinen ist notwendig.[ 167/7 Briezen, Oderbruch 40. Die Ortsverwaltung. Am Montag, den 2 November 1923, entschlief sanft nach langem, mit großer Geduld getragenem Leiden mein inniggeliebter, treusorgender Mann, der Korrektor Paul Dreßner im 62. Lebensjahre. Dies zeigt, uin Beileid bittend, allen denen, die ihn kannten und liebten, tiefbetrübt an Elisabeth Dreßner, geb. Schröder. Berlin. den 2. November 1925 Koppenstraße 36. Die Beerdigung findet am Freitag, den 6. November 1925, nachmittaes 22 Uhr, von der Leichen. halle des Georgen Friedhofes, Landsberger Allee, aus statt. Barnowsky- Bühnen Theater in der Königgrätz.Sir. Heute u.morgen 8: Thalia- Th. Don Juan u. Faust 8 Uhr: Annemarie Lotte Neumann Heidemann, Dora Baselt Sbd. nachm. 31 Märchen- Vorstg t. Kinder. Kl. Pr. Aschenbrödel Theater in der Kommandantenst. 8 Uhr: Freit 8 Uhr: Wie es euch gefällt Die Tribüne Tågl 8 Uhr: Zurück zu Methusalem Homödienhaus Tägl. 8 Uhr: Reichsbanner Schwarz- Rot- Gold Den Mitgliedern die traurige Nach richt, daß unser Rassierer, Kamerad Paul Müller am Montag, den 2. November, na turzem schweren Leiden verschieden ist Ehre seinem Andenken! Vorstand d. Ortsvereins Weissensee Einäfcherung Freitag 5 Uhr Kre matorium Gerichtstraße. 84/8] Wallner- Theater Th. am Schiffbauerdamm Täglich 8 Uhr: Geschlossen! Kopf oder Schrift Fäden Sonab., 7 Nov. 71, Anneliese Neues von Dessau Heute 3 z. 1. M. Märchen- Vorstg. f Kinder. Kl. Pr Rotkäppchen Theat. d. Westens Das große Operettenhaus Tägl. 8 Uhr: Lea Seidl und Ed. Lichtenstein als G. in Theater am o Täglich 8 10 Uhr: Olly- Polly MUIROPOL 8 Uhr: Frida U. derverkäufer. Besichtigung unferet Ausstellung ohne Raufzwang erbeten. Schulz u. Gundlach, Münzstraße 18. Bekleidungsstücke. Wäsche usw. dicht Meranderplan. Spredmaschinen unferer neuesten Monatsgarderobe, Lothringerftraße 56, Bon Konstruktion ohne fedes Nebengeräusch. eine Treppe, Rosenthalerpias. Millionären, ersten, Anwälten furge Eichen- Sarrant- Apparate pon 89 Mart Sauben Sprechmaschinen Don 22 Reit getragene Ravaliergarderobe, fabel- an, haft billige Breife. Anzüge, Taillen. Mart an, Serien- Apparate 9.50, 12. Durch große Serienfabrikamäntel, Baletots, Frad, Smoking, 18 Mart. Gebrodanzüge, Sofen, elegante Sport- tion und Raffaeinkauf unsere Leistungs5000 fertige und unfertige Gebpelze. Rein Raufzwang. Weitester fähigkeit. Bitte Beg lohnend. Saus. Sprechmaschinen, 100 000de. Bestandteile auf Lager, mie Werke, Tonarme. Räder nummer 56 beachten. ufw. Billiate Bezugsquelle für WiederLeibhaus Friedrichstraße 2. Gelegen verläufer. Besichtigung unferer Musterheitstäufe: Sportpelze, Gehpelge. Bela- ausitellung ohne Raufawang erbeten. mäntel, Belajaden, fühle aller Art, Schula u. Gundlach, Münzstraße 18. enorm billig! Spottbillige Angebote: dicht am Alexanderplak. Anzüge, Ulfter, Baletots, Sofen, in befter Berarbeitung. genau Fahrräder Getragene Serrengarderobe, tadellos erhalten, Gelegenheitskäufe in Bels Freilaufräder, Lampen, Zubehörteile waren, große Auswahl, billige Breife. Kaufen Sie am günstigsten in der FahrLeibhaus Spiegel, Chauffeeftraße 7. radarokhandlung Waldemarstraße, Ede Aufgabe unserer Belzwaren ist, au enorm billigen Preifen an die RundBicklerstrake. Motorräder, toloffales Lager in allen fchaft zu kommen. Wir verkaufen jent: Preislagen von 175.- an, fämtliche Belamäntel, hochelegant, 148,-, Belg. Eriage und Zubehörteile am Lager. jaden nur 50,-, Frauenfragen 8,75, eift, Große Frankfurterstraße 25/26. 2Bolfsziegen 13,50, Schals, Füchse 25, ufw. Sahlungserleichterung. Spezial. pelshaus, Charlottenburg, Bilmers Kaufgesuche dorferstraße nur 113/114, über Rorfett neumann. Monatsgarderoben, Belzwaren. Leihhaus Rosenthaler Tor, Linienftr. 203/204, Fehrräder kauft Linienfttake 19 nur eine Treppe, Ede Rofenthaler Straße. Verschiedenes Riefenauswahl. Wolfsziegen 12.Brachtexemplare, Fichie 15.-, Stunts. Bertrauensvolle Auskunft Frauen. fragen, Silberwölfe, Belajaden 75. Mädchen. Langjährige Erfahrung( ärat Neue lid). Wolff, Wienerstraße 20. Premiere Die jüdische Witwe Belamäntel, Monatsgarderoben. Bor Herrengarderoben. Sportpelse ftaunend tal III, 2 Treppen, Görlizer Bahnhof. billig. Casino- Theater Möbel 36 Täglich 8 Uhr: Gelegenheit. Kleiderschrank 18.Bertito 15, Waschtoilette 15.-, Frant furter Schreibtisch 25 Mart, Sofa 15.-, Frauchen 24.-. Möbelhaus Gottlieb, Arbeitsmarkt Stellengesuche Weber- Fleßburg New! Neu! and das gr. Programm Die Frau den 24. Eintritt 1, 2 u. 3 Mim gefährlichen Alternfleideschränke 110.-, englife Bett beiter, Organisationstalent, 37 Jahre Rügenerftraße dreizehn. Abgebauter Bankbevollmächtigter, Barteigenoffe, gewiffenhafter, fleißiger ArVorher das Hovbr.- Programm ftellen 48. Blülichfofas, Einzelmöbel. alt, fucht Bertrauensstellung. Gefl. AnMetropol- Theater Volkstüml. Preise Bahlungserleichterung. Stein, nur Angebote R. 50 Saupterpedition des VorOperette von Kolio Heute und morgen Erna Nitter Curt Bois Parkettpl.v. 2-12 M Intimes Theater geschlossen Freitag 8 Uhr: Veranstalt. des Vereins Berliner Presse: Generalprobe Philharmonie 8 Uhr: Sinfonie Konz, Elameritrake 20. Batentmatraken, Auflegematragen, Metalbetten, Chaiselongues. Balter, Star garderstraße achtzehn. Zeilzahlung. Möbel feber Art. ringe Anzahlung, bequeme Abzahlung. märts. Stellenangebote 13816* itcake 77/78. Ede Bridenstraße. Turbine( A. E. G.) und Eismaschine Bauflempner ftellt fofort ein S. GeiSefter u. Sohn, Berlin, Enlauerstraße 6. No no Nanette des Philharm. Orch. öbelhaus Luifenftabt, Röpenider Maschinist zur Bedienung der DampfBülowstr.6. Tägl.8. Sonnabend, 7. Nov. Dirig. Prof. Jalias Prüwer Der Orlow Alle Berl. Zeitungen schreiben: Stail Levy mit des Weiterfolges: II. Sinf. Schumann. ist der größte Nono Nanette Viol- Konz. E- Dur HerrnfeldLustspielhaus 8 Uhr: Potasch& Perlmutter II. Teil ( Potasch& Perlmutter b. Film Schlager seit 30 Jahren. Th. am Kurfürstendamm Rose- Theater 8 Uhr: Wenn ich wollte...! 8 Uhr: Bummelstudenten Theater in der SCALA Latzowsir. 112 8 Uhr: Internat. Täglich 8 Uhr D. Mädel v. Rhein Mittw. nachm. 4 U: 7: Premiere abuco Bach( Holst) Pelzhaus Leipziger Str. 58 I verkauft Pelzmäntel, Pelzjacken, Schneewittchen Schals, Füchse, Wölfe Vorzeig. zahl.( auch Varicié tshalbe Preise, nachm. v. 25 Pfc. an auf abends v. 50 Pfg an für Teilzahlung! Circus 50.-Mk. PIANO MONATSBusch 72U Letzte Woche Rheinland- Festsp. Neue NovemberSpezialitäten ergs lustige Bären Der Mann in der Kanne ein Raten beginnend, bel geringer Anzahlung direkt von der DEMUSIN- PIANO- FABRIK ( Borsig) gesucht. Angebote unter 2. 50 Sie bestimmen in unserem großange an die Expedition dieses Blattes. legten Strebit.Unternehmen die Teilzahlung bei Anschaffung guter Möbel, Tompletter Wohnungseinrichtungen mie Ergänzungsmöbel aller Art, ferner Teppiche, Gardinen, Deden, Dekorationen www. Jeder Einkauf wird bistret be. Hanbelt! Moabiter Kredithaus, Turmftraße 81. eine Treppe. Möbelfabrik Georg Tennickeit, Dranienstraße 172/173. Große Auswahl in Nußbaum- Schränken, Bettstellen, eichenen Schlafzimmern, Speiſezimmern, Serren zimmern, Rüchen auf bar und Teilaahlung. Teilzahlung, fulant. Möbel- Misch. Teilzahlung, billig. Möbel- Milch. Möbel- Milch. Teilzahlung, reell, Große Frankfurter ftraße 45/46. Herrenzimmer feder Größe billig Rlubfofas 150, Subtische 25, Flur. garderoben 55 Goldmart. Möbelhaus Ramerling, Raftanienallee 56. NO " Shle Möbel Fabriklager, Friedrichftraße 7. Speiſezimmer. 1,60, Eiche mit Mahagoni, Büfett mit Facette aläfern, handaefchnigte Nusbaum- Mafe runa, 295. B Jhle Möbel Fabrikiager, Friedrichfraße 7. Schweres Herrenzimmer, reich gefchnitt, 1,60 breit, Eiche, Diplo. mat mit geftodener Blatttante, fchwerer, runder Tisch, 2 Rindlederstilhle und Armlehnfeffel, komplett gebeist. nur Besuchen Sie uns 1- oder verlangen Sie sofort PLANO Offerte- Katalog- Zahlungsbedingungen kostenlos. 395.Prolong. Mirano Berlin 027, Blumenstr.70Möbel- Einkauf. Komplette Simmer. Fliegd. Tordedo an der Markusstrasse, von 9-7 Uhr geöffnet. Fabrik Hof 1 Tr. L. Aderstraße 35. Raviere fauft Bogel. Redakteur oder Redakteurin zur Bearbeitung der Sozialpolitik für den ,, Vorwärts gesucht. Gefordert wird gründlichste Beherrschung des Stoffes und die Fähigkeit, Ihn leichtverständlich und lebendig zu gestalten. Zuschriften an den Verlag Vorwärts", Berlin SW 68, Lindenstraße 3. " Wer fich durch den erfauf eines outgehenden Schlagerartifels einen hohen Berdienst sichern will, fchreibe fofort an P. Zucker Chemnis i. Ca. cfonders Sober Verdienst! wirksam sind die KLEINEN ANZEIGEN in der Gesamtauflage des " Vorwärts" und trotzdem !! billig!! Birabu ger Str. 35. Plakatmaler für Schaufenster- Blafate fuhen Lindemann& Co., A.-G. Berlin- Moabit, Turmstr. 14-76 Borstellung mit Schriftprobe 9-12 Bortier Nr. 521 42. Jahrgang 2. Beilage des Vorwärts Radau- statt Kulturdebatte. Mittwoch, 4. November 1925 worden ist; sie hat es in ihrem Reinlichkeitsgefühl abgelehnt.( Lebhaftes hört, hört! links.) Abg. Dr. Linneborn( 3.): Die katholische Kirche hat noch nicht ganz die Freiheiten erlangt, die ihr die Reichsverfassung gewährleistet. Wenn Kontordatsverhand Minister Becker gegen deutschnationale Demagogic.- Lärmkonzert und keine fachliche Antwortungen angeknüpft werden, iſt hierauf Rücksicht zu nehmen. In der gestrigen Landtagsfizung gedachte Präsident Bartels des Unglücks auf 3eche Holland. Darauf wurde die allgemeine Aussprache über den Kultushaushalt fortgesetzt. Kultusminifter Beder: Seit der Revolution ist auf fulturpolitischem Gebiete tatsächlich Enormes geleistet worden, viel mehr, als in den 50 Jahren preußischer Kulturgeschichte vor der Revolution.( Widerspruch und Lachen rechts.) Die Ministerien Haenisch und Boelig werden immer in der preußischen Schulgeschichte eine historische Bedeutung haben. Preußen hat sich immer dem Reiche willig untergeordnet im Interesse der großen Tendenz der Einheitlichkeit. Auf der anderen Seite hat Preußen felbſtner ständlich von den Forderungen der Reichsverfassung Gebrauch machen müssen und sich die selbständige Verwaltung seines Schulwesens gesichert. Eine große Gefahr lag in der Ronfessions frage. Ich möchte zu dem pielbesprochenen Reichsichu 1= gesegentwurf hier feine Stellung nehmen, muß aber betonen, daß es nicht möglich sein wird, durch Interpretationen der Reichsverfaffung die notwendigen Grundlagen für ein Reichsschulgesetz zu schaffen. Wir müssen ausgehen von den lebendigen Bedürfnissen des preußischen und deutschen Bolkes, und diese liegen vor allem darin, daß wir uns nicht gegenseitig die Könfe einschlagen. Bu diesem Ziele kommen wir, wenn wir vollkommen zugeben, daß keine Partei die andere zwingen kann, auf ihren Weltanschauungsboden zu treten. Die fonfeffionsloje, die fonfeffionelle und die interfonfeffionelle Schule müffen als gleichberechtigt nebeneinander stehen. Jede Gemeinde hätte dann zu entscheiden, welches System sie haben will. Es müßte ein Weg gefunden werden, um die einheitliche Bildung auch auf die Boitsschulen zu übertragen; dieser Weg ist durch die neue Lehrerbildung gefunden. Zweifellos liegt unsere Kulturpolitik jetzt in einer einheitlichen Linie. Nicht nur aus innerer Ueberzeugung bin ich dafür eingetreten, die Idee einer simultanen Akademie zurüdzustellen; diese simultane Akademie würde eine Akademie für Evangelische, Dissidenten und Juden sein; einen Katholiken bekäme man nicht -hinein Ich bin aber bereit, wenn das Haus beschließen sollte, neben den drei Akademien, einer fatholischen und zwei evangelischen, noch eine vierte, eine simultane, zu errichten, diesen Vorschlag beim Finanzminister zu befürworten. In den nächsten zwei Jahren würden wir lernen, wie es mit der endgültigen Regelung nachher zu halten ist.( Unruhe.) Das Verlangen nach Universitätsbildung für die Lehrer halte ich geradezu für eine Gefahr. Zum Fall Lessing, mit dem sich der Minister eingehend beschäftigt, erklärt er, er sei durch das Verhalten namentlich der Rechtsparteien in die Rolle eines Verteidigers gedrängt worden, die er gar nicht spielen wollte. Wohl aber wolle er die staatsbürgerlichen Rechte verteidigen.( Bei dieser Stelle der Rede kommt es zu Kundgebungen auf der Rechten, die der Minister mit der Bitte unterbricht, ihn ein offenes Wort zu gestatten.) Was das Verhalten der Studentenschaft angeht, so fann ich wirklich nicht verstehen, daß gerade die Deutschnationalen in diesem Falle ſo auftreten, die sich doch sonst immer zum Träger des Autoritätsgedankens machen. Hier aber zeigt sich eine grundfähliche Stellung gegen die Autorität. ( Stürmische Unterbrechungen bei den Deutschn.) Mir wird immer zum Vorwurf gemacht, daß ich nicht früh genug eingegriffen hätte. Ja, das Zeter und Mordio hätte ich hören mögen, wenn sich das Ministerium sofort in jeden Kampf zwischen Professor und Student hätte einmischen wollen. Zunächst kommt doch die Universitätsautonomie in Frage, die wir hochhalten müssen. Erst wenn diefe versagt, dann tritt das Ministerium ein.( Buruf: Sie hat versagt!) Das Ministerium hat dann auch eingegriffen, und ich bin der Ueberzeugung, daß es einerseits die Selbständigkeit der Hochschule nicht angetastet hat, und daß es andererseits die staats rechtlichen Ansprüche des Professors Lessing berücksichtigt hat.( Erneute stürmische Unterbrechungen bei den Dnat.) Der Minister mendet sich erregt nach rechts und erklärt weiter: Meine Herren, es ist eine ausgezeichnete Sache, nach außen hin eine folche Stellung einzunehmen.( 3uruf bei den Deutschn.: Unerhört! Wir sind doch feine Demagogen!) Ich will nicht davon reden, was in bezug auf demagogische herabsetzung der Re der gierung und namentlich auch des Kultusministers Rechten geleistet worden ist. Durch den übertriebenen Kampf ist der ganze Schwerpunkt verschoben worden.( Buruf bei den Deutschn.: Aus Reinlichkeitsgefühl!) Ich frage: von Wer hat die deutsche Jugend für seine parteipolitischen Zwede unerhört ausgenutzt?.. -( Neue stürmische Unterbrechungen bei den Deutschn. Lebh. Hört, hört! auf der Linken.) Von der Presse der Rechten und nicht nur von der Presse, sondern auch von bestimmten Organisationen ist ein Einfluß ausgeübt worden, um unsere Studentenschaft für ganz bestimmte parteipolitische Tendenzen einzufangen.( Erneute stürmische Unterbrechungen bei den Deutschn. Die Unruhe im Hause dauert an.) Der Minister wendet sich jodann den Ausführungen des Zentrumsabgeordneten Lauscher zu, Was die Konkordatsverhandlungen angehe, deren baldigen Beninn das Zentrum wünsche, so sei auf die mancherlei Schwierig feiten wegen der Zuständigkeitsgebiete zwischen Reich und Ländern zu verweisen. Jedenfalls ist die preußische Regierung jederzeit bereit dazu gewesen. Auch auf dem Gebiete der evangelischen Kirche ist ganz Erhebliches geleistet worden. Von einer Kirchenfeindschaft tonne gar feine Rede sein. Umso unbegreiflicher ist das Verhalten mancher Kirchenorgane. Die Hetze, die gegen, mich persönlich von firchlichen Organen getrieben worden ist wegen meiner angeblichen sozialisierenden oder katholifierenden Tendenz ist geradezu unerhört.( Lebhafte Zustimmung links.) Ein derartiges Berhalten fann ich weder für vornehm noch für chriftlich halten. Wie sieht es denn wirklich mit der Beckerschen Personalpolitik aus? Wenn Herr Delze gesagt hat, daß ich nach Severing der zweitschlimmste Minister im Kabinett sei, so habe ich das als ein Kompliment aufgefaßt.( Stürmischer Beifall links, Unterbrechungen rechts.) Ich habe bisher immer beobachtet, daß, je weiter nach links ein Minister steht, er de sto unab hängiger von seiner Partei arbeitete. Je weiter nach rechts aber ein Minister stand, um so mehr war er auch von seiner Partei abhängig.( Buftimmung links. Widerspruch rechts.) Wir haben im Kultusministerium fieben leitende BeKAFFEE HAG Davon gehören zur Deutschnationalen Partei zwei, zur Deutschen Volkspartei zwei, zu den Demokraten zwei und zum Zenfrum einer, sozialdemokratisch ist keiner.( Stürmisches Hört, hört! links. Unruhe rechts und Zurufe: Kestner ist wohl deutschnational geworden.) Wir haben dann 28 Ministerialräte. Ich muß zugeben, daß ich nicht jeden einzelnen habe fragen können, welcher Partei er nahe steht!( Aha!-Rufe rechts.) Aber ich habe feststellen können, daß der Sozialdemokratischen Partei etwa 2 oder 3, dem Zentrum 7 angehören, während zu den Denisánationalen oder der Deutschen Boltspartei mindestens 9 bis 10 zu rechnen find.( Erneute Unterbrechungen rechts. Jm ganzen Hause herrscht große Unruhe.) Von 39 Hilfsarbeitern sind ganze 8 Katholiken, 3 Sozialdemokraten, oon den 114 mittleren Beamten find 7 Katholifen. So sieht es mit der angeblichen unerhörten Vorherrschaft des Zentrums im Kultus ministerium aus!( Dauernde stürmische Unterbrechungen rechts.) Aehnlich wie die Zusammenfegung des Ministeriums, tie eine ganz fabelhafte Benachteiligung der Sozialdemokraten, und des Zentrums zeigt, ist es auch in sämtlichen anderen Abteilungen des Kultus ministeriums. Unter den 82 Regierungsschulräten find ganze 6 Sozialdemokraten.( Erneutes Hört,-hört! bei den Sozialdemokraten. Rufe: Unerhört!) Unier den 433 Schulräten einschließlich der städtischen sind 56 bis 60 So= zialdemokraten.( Dauernder Lärm rechts und Zwischenrufe.) Ich bin ja von der Rechten dazu gezwungen worden, alle meine Beamten bis in die Provinz hinein auf ihre Parteizugehörigkeit zu prüfen.( Buruf rechts: Haben Sie das amtlich festgestellt?) Jawohl. Ich habe mich bemüht, so erklärt der Mister weiter, ungerechtig feiten möglichst zu beheben. Wenn es nach den Grundsätzen der Gerechtigkeit ginge, dann müßten für geraume Zeit nur Sozialdemokraten ernannt werden. ( Lärmender Widerspruch rechts) Ich denke natürlich nicht daran, so vorzugehen. Ich halte es für meine Pflich, bei der Ernennung unter der selbstverständlichen Voraussetzung, daß Qualität und Vorbildung gewährleistet sind, die politischen Belange und parieipolitische Zusammenfegung eines Bezirks zu berücksichtigen.( Erneuter großer. Lärm rechts.) Ich glaube, durch meine ganze Haltung in den letzten Jahren den Anspruch erworben zu haben, daß man mich nicht ohne weiteres in ein Parteischema zwingt. Nach Ausführungen des Abg. Schwent( Wirtsch. Vg.) nimmt das Haus die rückständigen Abstimmungen zum Haushalt der Bergverwaltung vor. Dabei findet zunächst ein fommunistischer Antrag Annahme, der zum Ausdruck bringt, daß von den Berggewerbegerichten Prozeßgebühren oder Zeugenvorschüsse pon den klagenden Arbeitern nicht erhoben werden dürfen. Die An frage des Hauptausschusses gelangen fast durchweg zur Annahme, tarunter u. a. der, der eine Ausgleichszulage für die auf Privatdienstvertrag verpflichteten Angestellten des Staatsbergbaues befürwortet. Dr. Boelitz( D. Bp.): Ich habe nie ein Hehl daraus gemacht, daß ich auf dem Boden der konfessionellen Schule ſtehe. Wie steht der jezige Kultusminister zu dieser Frage? Wir wünschen, daß der Staat an dem bisherigen System festhält. Die Wissenschaft darf nicht konfessionell gelehrt werden. Dabei wird dem Religionsunterricht auf den Simultanschulen nicht im geringsten Abbruch getan. Der Umstand, daß die Verfassung der Bolksschule die Konfeffionalität zuspricht, der höheren Schule aber nicht, ist doch nicht von ungefähr, denn es ist doch etwas anderes, ob ich mit Kindern von 6 bis 14. Jahren oder mit Schülern von 14 bis 20 Jahren zu tun habe.( hört, hört! und Bewegung.) Ich sehe geradezu eine Gefahr darin. wenn man beide Kategorien fonfessionell aufziehen würde. Die Konfessionsschule im Namen der Gewissensfreiheit zu fordert, ist nach unserer Auffassung unlogisch. Wir haben die Zusammenfassung aller Kräfte nötig. Die Bildungseinheit wird zerrissen, wenn wir in der höheren Schule die Wissenschaft konfessionell vermitteln. Was wir brauchen, ist eine deutsche, eine nationale Erziehung!( Beifall bei der Deutschen Volkspartei.) Nach Ausführungen des Abg Müller- Frankfurt( Komm.) verwahrt sich Abg Graue( Dem.) gegen den Mißbrauch der Kirche zu parteipolitischen Zweden. Bei Stahlhelmpara den werden Pfarrer im Talar herengezogen.( hört, hört! Kirchen werden zu politischen Versammlungen hergegeben, in den Predigten werden die Regierung und ihre Repräsentanten auf der Kanzel in der unglaublichsten Weise angegriffen. Die evangelische Kirche scheint sich vielerorts immer noch als die Dienerin des alten Regimes zu fühlen. Mit dem Grundsay Religion ist Privatsache" hat die Sozialdemòfratie die Kirche den Reaktionären in die Hand gespielt und sich felbft jedes Einflusses in der Kirche und auf die Kirche beraubt. Wir haben jetzt die freie Kirche im unfreien Staat. Die Kirche hat durch Weimar erhöhten Einfluß auf die Schule erlangt, und auch das ist Schuld der Sozialdemokratie. Nur wenn sie sich auch um die Kirche fümmert, fann diese Gefahr gebannt, die Kirche mit sozialem Geist durchtränkt und zu einer wahren Volfsfirche umgestaltet werden.( Beifall bei den Demokraten.) Hierauf wird die Weiterberatung auf Mittwoch 11 Uhr vertagt. Schluß 7 Uhr. Fälscher Coßmann. Er versucht die Verantwortung abzuwälzen. München, 3. November.( BDZ.), Nach Beendigung der Ausführungen des Cachperständigen Amtsgerichtsrat Dr. Herz richtete Rechtsanwalt Graf Pestalozza an den Sachverständigen die Frage, wie er dazu komme, den Inhalt verschiedener Artikel als fubjeftive Fälschung zu bezeichnen, ohne daß der Sachverständige den Bersasser des Artikels tenne. Sachverständiger Dr. Herz erwiderte hierauf, daß nach seiner Ansicht der Herausgeber für die nicht signierten Artikel, die volle Verantwortung zu tragen habe. R.-A. Dr. Hirschberg stellte feft, daß Profeffor Cozmann ausdrücklich als verantwortlicher Herausgeber der Süddeutschen Monatshefte zeichnete. In der Abstimmung über die ausstehenden Titel des Haushalts des Staatsministeriums und des Ministerpräsiden ten werden die Etats nach den Anträgen des Hauptausschusses fest. gestellt. Abgelehnt wird die Entschließung auf Wieder R.-A. Graf Pestalozza gab zu, daß Professor Cobutann herstellung der preußischen Gesandtschaft in für den Inhalt der Hefte die preßgesegliche Berant Dresden, während der Antrag auf Errichtung einer Verwortung trage. Etwas anderes fei es, wenn behauptet tretung Preußens in den Hansestadten mit dem Siz werde, Professor Coßmann habe eine fubjektive Fälschung vorgein Hamburg Annahme erfährt. Gegen Deutschnationale und Kom nommen, ohne daß der Sachverständige wisse, ob der Artikel von munisten verfällt der Antrag der Ablehnung, der den Städten und Coßmann überhaupt geschrieben ist. Industriegebieten Staatsfredite zweds Ankaufs von Kartoffeln aus deutschen Produktionsgebieten vor Eintritt der falten Witterung gewähren wollte. Dann nimmt das Haus die unterbrochene allgemeine Be sprechung des Kultushaushalts wieder auf. Nach Ausführungen des Abg. Stod( völf.) lehnt Abg. KleinSpohn( S03.) die Konfessionsschule ab und wünscht, daß alle Berbindungen, auch die materiellen Unterstügungen des Staates für die Kirche, verschwinden. Er fragt, wie es fomme, daß in Schleswig- Holstein ein Bertrag mit der Kirche geschloffen sei, der im völligen Widerspruch mit dem Art. 146 und 143 der Berfaffung ftehe. Abg. Dr. Hoffmann- Münster( Dnat.) behauptet, daß Minister Er wendet sich in Becker nicht unparteiisch feines Amtes walte. breiten, start demagogischen Ausführungen dem Fall Leffing zu. Als sich Kultusminister Beder mit den Worten: Ich habe ganz offen die Dinge beim rechten Namen genannt" zu einer Gegen erflärung erhebt, jetzt rechts ein derartiger Lärm ein. daß die nächsten Säße der Rede verloren gehen. einmal Kultusminister Beder fortfahrend: Zustände, die existieren, soll man festnageln, wie sie wirklich find. Ich kann in feiner Weise die Aeußerungen Lessings über den Reichspräsidenten billigen, aber gleiches Recht für alle! Was ist nicht alles in der Preffe über den verstorbenen Reichspräsidenten Ebert geschrieben worden! Das Recht der Kritik hat Herr Lessing als Staatsbürger auch. Die freie Meinungsäußerung ist durch die Reichsver. faffung gewährleistet. Für patriotische Boltsgefühle habe ich, hat die Regierung das größte Verständnis. Es ist vorgekommen, daß der Studentenschaft Geld für den politischen Kampf angeboten Die + Sammelbogen für die Zeppelin- EckenerSpende liegen bei allen Sparkassen u. Banken zur Zeichnung aus. ist coffeinfrei Vergiß auch Du nicht, Deinen Beitrag zu leisten! darum erlaubt für Der Sachverständige Amtsgerichtsrat Dr. Herz betonte demgegenüber, daß Prof. Coßmann den Artikel prüfen mußte, bevor er ihn abdrucken ließ. Der Borfigende zum Sachverständigen: Glauben Sie, daß jeder verantwortliche Schriftleiter die Artikel, die er veröffentlidt, vorher prüft? Jd glaube das nicht, weil ich .wiederholt erfahren mußte, daß angeklagte Schriftleiter erklärt haben, sie hätten die unter Anklage gestellten Artikel vor der Drudlegung gar nicht gelesen. Angefl. Gruber: Man will sich hier vor der Berantwortung drücken. Borsitzender: Alterieren Sie sich doch nicht. Angell. Gruber: Ich bin jetzt vierzehn Tage ruhig gewesen, aber das geht mir über die Hutschnur. Es ist doch ein Unterschied zwischen einer wissenschaftlichen 3eitschrift und einer politischen Tageszeitung. Die weitere Fragestellung drehte sich um das bekannt Zitat aus dem„ Borwärts"-Artikel, das auch in den Süddeutschen Monatsheften erwähnt wird, nämlich „ Deutschland soll, das ist unser fefter Wille als Sozialisten, feine Kriegsflagge für immer streichen, ohne sie das lehemal fiegreich heimgebracht zu haben." Sachverständiger Amtsgerichtsrat Dr. Herz erklärte, da eine Fälschung infofern vorgenommen sei, als diefer Saß aus dem Zusammenhang herausgerissen wurde. Der Artikel habe den Zwed gehabt, die Stimmung vorzubereiten für einen Frieden, bei dem. es weder Sieger noch Besiegte geben sollte. Im Anschluß an weitere Fragen, die an den Sachverständigen gerichtet wurden, verlas der Vorsitzende die Anweisung an die Waffen stillstandskommission, die am 23. Oftober 1918 von Hindenburg und Ludendorff veranlaßt wurde. Der Sachverständige wiederholte hierzu, daß der in jener Anmeifung dargelegte Standpunkt der Obersten Heeresleitung nach her ein anderer gewesen sei. Das Waffenstillstandsangebot habe jedenfalls das deutsche Bolt außerstande gefeht, sowohl militärisch als auch seelisch weiter zu kämpfen. Schließlich teilte der Sachverständige zu seinen vorherigen Aus führungen ergänzend, mit, es sei behauptet worden, daß die Offen. five auf Reims durch einen sozialistisch und pazifistisch eingestellten Wachtmeister, der zu den Franzosen überging, verraten wurde. Der Sachverständige hat die Angelegenheit nachgeprüft und stellte als Tatsache fest, daß ein Offizier gefangen wurde, der unter seelischem Drud allerhand ausgesagt habe, darunter auch Falsches. Die Verhandlung wurde darauf auf Mittwoch vormittag 9 Uhr Dertugt. Lungenkranke Kaffee- Hag- Probierstube Berlin, Kurfürstendamm 26a hausAmsstcuer und Wohnungsnot. Die Benachteiligung der grotzen Städte. Die zahlenmäßigen Angaben des Berliner Hauptsteuerdirektors Dr. Lange über die ungeheure Benachteiligung Berlin» bei der Berteilung der Hauszinssteuer, wobei Berlin, das nicht wem- ger als 222 Millionen Mark aufbringt, nur einen lächerlich geringen Bruchteil dieser Summe zur eigenen Verfügung erhält, haben all- gemeine» Aufsehen erregt. Sie sollten bei den Beratungen des Preußischen Landtags über die Ausführurgsbestimmungen zum Finanzausgleich sehr eingehend beachtet werden. Unter der gleichen Ungerechtigkeit leiden auch die übrigen großen Städte. Zu dieser Frage schreibt uns der Beigeordnete des Deutschen Städtetages, Herr Dr. Meyer-Lülmann: Die jetzige Verteilung des Hauszinssteueraufkommens, das für den Wohnungsbau bestimmt ist, hat zu lebhasten Beanstandungen ge- führt. Don den 14 Proz. der Friedensmiet«, die für den Wohnungs- bau vorgesehen sind, erhalten die Stadt- und Landkreise 8 Proz., der P Staat S Proz. Der Wohnuagsstirsorgefonds. die Hälft« der insgesamt verfügbaren Mittel fließt also in den staatlicher Ausgleichsfonds, den sogen.„W ohnungssür- f o rg e f o n d s', der nach nicht näher bekannten Grundsätzen und Maßstäben im Wege staatsbehöcdlichen Ermessens zur Verteilung ge- langt. Seine Mittel fließen jedenfalls nicht in die Gemeinden zu- rück, aus deren Mieten er hauptsächlich gebildet ist. Wenn z. B. in einer großen Stadt der Wohnungsbauanteil des Hauszinssteuerauf- kommen» in einem Jahre sich auf insgesamt 7 Millionen beläuft, so werden davon der Stadt in der Regel nur< Millionen zur Er- stellung von Neubauwohnungen belassen, die übrigen Z Millionen werden irgendwohin zu unbekannten Siedlungszwecken entführt. Man kann leicht ausrechnen, wieviel Wohnungen weniger hierdurch die Stadt jährlich zu finanzieren in der Loge ist(Höchstsatz der Haus- zinssteuerhypothek für das einzelne Bauvorhaben: 6000 bis 7000 Reichsmark). Die Zusammenfassung eines so großen Teiles der Wohnungsbau- mittel(43 Proz. von dem ganzen Aufkommen) in der Hand des Staates wird eirmol damit begründet, daß das Steueraufkommen. p r o K o p f der Bevölkerung gerechnet, in den einzelnen Regierung»- bezirken ein sehr verschieden hohes sei und daß deshalb ein staatlicher Ausgleich stattfinden müsse. Dabei wird indessen nicht hinreichend berücksichtigt, daß, wenn man für die Verteilung der Gelder in erster Linie den Umfang des Wohnungsbedarf» ausschlaggebend sein lasten will, die allergrößte Wohnungsnot und die schlimmsten Mißstände im Wohnungswesen gerade in den volkreichen Städten zu finden sind. Auch ist genugsam be- kannt, daß gerade in den größeren Städten die Wohnungsnot un- gemein verschärft worden ist durch die Zuwanderung von außen her, aus den abgetrennten Gebieten usw. So entspricht einem relativ höheren Steueraufkommen eine» Teile» der städtischen Be- zirke im allgemeinen auch nur ein relativ viel dringlicherer örtlicher Wohnungsbedarf in diesen Städten wohaongsbau und Siedlung. Im übrigen ist nicht zu vergesten, daß sich die Unterschiede de» örtlichen Steuerauskommens wesentlich auch dadurch erklären, daß alle dem eigentlichen Land- und Forst wirtfchoftsbetrieb dienenden Gebäude von der Hauszinsbesteuerung ausgenommen sind. Die mehr ländlichen Bezirke tragen infolgedesten auch viel weniger mm Steueraufkommen bei. Die Bildung des staatlichen Wohnungsbaufond« wird wetterhin begründet mit der Notwendigkett einer Aus- und Umsiedlung großstädtischer Bevölkerungsteil« in ländlich« und kleinstädtische Be» zirke. Dieser ganzen Umsiedlungspolitik fehll es— wenigstens gegen» roärtig— größtenteils an den wirtschaftlichen Voraussetzungen. Eine Verpflanzung von Städtern auf» Land zu rein landwirtschaftlicher Beschäftigung dürfte— als wohnungspolttische Maßnahm«— prak» ttsch kaum in Betracht kommen. Soweit es sich aber um die An- siedlung von Arbeitern. Angestellten, Beamten, Angehörigen der freien Berufe usw. handelt, die ihrem Hauptberus in der Stadt nach- gehen müssen, ist es notwendig, die Wohnstätten in erreichbarer Nähe des städtischen Arbeitszentrums zu errichten. Man hat nun geglaubt, siedlungspolitisch weitblickend zu ver- fahren, indem man die Vorort gemeinden aus dem Staatsfonds mit Wohnungsbaumitteln vorzugsweise dotierte. Dieses Verfahren kann nicht gebilligt werden. Die Dorortgemeinden werden in der Regel von sich aus finanziell gar nicht in der Loge sein, die für die Siedlungen erforderlichen großen Aufwendungen für Berkehrs- Verbindungen, Anlegung von Straßen, Versorgungsleitungen usw. zu machen. Der„Aussiedlungsstodt" selbst aber können diese Aus- Wendungen nicht zugemutet werden, solange da» Gebiet nicht ein« gemeindet ist und sie nicht in ihren eigenen Grenzen siedeln kann. Biel bester und wirksamer fft es, die öffentlichen Mittel für den Wohnungsbau durch die Städte selbst verwenden zu lasten, die sich auch sonst aus mannigfache Weise um die Förderung des Sied» lungswefens bemühen, so z. B. durch Bereitstellung von Bau» g e l ä n d e zu günstigen Bedingungen, durch tunlichst entgegen- kommende Regelung der Straßenkosten, durch Beschaffung weiteren Hypothekenkredits im Bürgfchaftswege, durch Be- vorfchustung der Hauszinssteuerhypotheken, durch Gewährung von Zinszuschüsten usw. usw. Weiter gehört allerdings dazu eine groß- zügig« Eingemeindungspolitik, die den Städten recht- zeitig ein gesundes, welträumiges Siedlungswachstum ermöglicht. Das Interesse der Städte. Derfehtt ist natürlich die Vorstellung, als ob es im Int er- efse'einer gesünderen Wohnweise vorzuziehen sei. nicht die Stadt« selbst, sonde.n ihre ländlichen Nochbar- gemeinden zu Trägern der Wohnungsbauförderung zu machen. Es versteht sich von selbst, daß auch die Städte im Sinne der Neuzeit- lichen Anschauungen über Städtebau dahin streben werden, daß die neuen Siedlungen möglichst in den Außenbezirken in gesunder, wirtschaftlicher und schöner Bauweise erstellt werden. Gerade die Städte haben In diesem Sinne in der Nachkriegszeit bedeutendes ge- leistet. Das Verschwinden der Mietskaserne, die wirtschaftlichere Lösung der Wohnungsgrundrist«, die Einheitlichkeit der Bebauung größerer Daublöck.' zur Crzielung eines erfreulichen Stadtbilde» und vieles andere sind die Früchte dieser Arbett. Endlich ist auch die Vereinigung der großen für Neubauzwecke bestimmten Hauszinssteuermittel in der Hand des Staate» ver» waltungstechnisch bedenklich. Sie bedingt einen umstand» lichen Verteilungsapparat, der Verwaltungskosten verschlingt und besten Ergebniste niemand befriedigen, weil es eben an einem brauch» baren Maßstab für die Verteilung fehlt. Mag ein Ausgleichsfond«, der sich in mäßigen Grenzen hält, zur Unterstützung der ausgesprochenen Wohnungsnotstands» bezirke mit unzulänglichem eigenen Steueraufkommen— man denk« z. B. an Oberschlesien— seine Berechtigung haben, mit der übermäßigen Bemestung des staatlichen Lusgleichsfonds(fast die Hälfte der gesamten Wohnungsbaumittel) kann man sich nicht einverstanden erklären. Mit Recht hat auch der Staatsrat vor eini» gen Monaten eine Berichttgung de» gegenwärtigen Dertellungsver- hällnisses(Stadt- und Landkreise 8 Proz., Staat K Proz.) dahin ge- fordert, daß erhalten sollen: die Stadt- und Landkreise 10 Proz.. der Staat 4 Proz. Zu wünschen ist, daß grundsätzlich der G e m e i n d e» enteil eine Erhöhung erfährt, der staatliche Anteil hingegen auf da» unbedingt notwendige Maß beschränkt wird. Sofern es, wie anzunehmen, demnächst zu einer gesetzlichen Erhöhung de» Woh- nungsbauanteils an der Hauszinssteuer kommen sollte, darf diese keinesfalls dem staatlichen Ausgleichsfonds zuwachsen, sonder» aus» schließlich dem Anteil der Stadt- und Landkreis«. Internationale �anüelsprobleme. ,anz« in ihr die alt« eiten f o l füllend«! Schutzzollbewegung' führte er aus, daß sich Erfahrung wiederhole, daß die kriegerischen Z g e n d e Wirtschaftspolitik immer ein Erstarken der Schutzzoll- tendenzen zeige. Immerhin sei aber die heutige Schutzzoll- bewegung ganz ariderer Art, denn die ftüberen Nochkriegskrisen seien von viel kürzerer Dauer und von geringerem Umfange ge- wesen. Die tieferen Ursachen der heuttgen Störungen de» inter- nationalen Handels lägen aber nicht in den Schutzzöllen, die nur als Reflex betrachtet werden dürften. Die eigentliche Ur- fache sei die schüttre internationale Wirtschaftskrise im Gefolge des Krieges. Ganz im besonderen ober sei diese ver- urfacht durch den ungeheuren Kapitalmangel, der beute die nze Welt erfülle. Wenn die europäische und amerikanische In- de» industriellen Aufstiegs Europas im lg. Jahrhundert sei der Kapitalexport gewesen, der in den letzten Jahrzehnten vor dem Kriege jährlich 9—11 Milliarden Goldmark betragen habe. Aus Rußland, die Balkanstaaten und die überseeischen Kolonial- länder sei mindesten» eine Kapitalausfuhr von 170 Milliarden Gold- mark entfallen, die in diesen Ländern die Bedürfnisse erst geweckt und die Nachfrage erzeugt haben. Heute fehle, nachdem der Krieg alle europäischen Länder aus Rentnerlandern zu Schuldner- ländern gemacht hätte(von kleineren Staaten abgesehen), jede Mög- lichtest des Kapitalexports. Amerika sei zwar ungeheuer reich ge- worden, aber der amerikanische Kapitalüberschuß werde von den allen Industrieländern aufgesogen. West ober dieser Kopitalexport fehl«, fehlte den amerikanischen und europäischen Erzeuaungs- und den internationalen Handelsbetrieben die Absatzsahigkeit. Zu dieser Hauptursache der Krise im internationalen Handel kämen zwei zusätzliche, aber nicht minder wichtig« Ursachen, einmal der Rückgang der Konsumkraft ganz Europa». Europa ist weder für die europäische Industrie noch derselbe Verbraucher, noch für die überseeische Industrie derselbe Käufer für Rohprodukt«. Die zweite Ursache sei die internationale Agrarkrise, die auch die Landwirtschaft sowohl in Europa als in Ueberse« zu einem schlechteren Käufet mache al« ehedem. Ein« Besterung der internationalen Handelslaa« könne natur- gemäß nur in dem Maße erfolgen, in dem Sie Kapital- übergibt man nur dem Nachweis deS Deutsch. MulikerverbaNdeS, Berlin 027, AndrraSstr. 2t lKöntgstadt«ZlO, 4048). «richSstSzelt»bis», Sonntag« lObi« 2 Uhr. Aus«misch Bertreterbesuch Neubildung neue Kapitalexporte ins Ausland ermögliche und neu« Nachfrage in Uebersee zu erwecken vermag. So'Zweifellos e» sei, daß dafür Jahre in» Land gehen werden und daß bi» dahin die gesamte kapitalistische Wirtschaft noch schwere Erschütterungen durchzumachen haben werde, so weniabesteh« zum Pessi- mismus ernsthafter Anlaß. Auch die heutigen gegen- festigen Absperrungsbestrebungen würden in verhältnismäßig kurzer Zeit überwunden werden, denn je stärker diese Absperrung vorgenommen werden würde, um so schneller müßten hie Völker erkennen, daß sie ihr gegenseitige» Zusammenwirken im Austausch der Guter. Kräfte und Kapital« einfach nicht entbehren können. In der Diskussion ergriff auch Conrad mn da» Wort und beklagte sich bitter da» Wohlleben und die Verschwendungssucht der Arbeiterschaft und über die Raub volitik de» Staates, die angeblich die Unternehmungen zu 60 Proz. für den Staat und zu den SS Proz. für die Arbeiterschaft arbesten lasse, die Unternehmer aber vor das Nichts stelle. Professor Eulen- bürg wies dagegen nach, daß, was auch der Staat und die Arbeiter- ?Ialen Abgaben von den deutschen Unter- lo» die Industrie wieder be» schaft an Stenern bzw. sozialen Abgaben von den deutschen Unter. fehmern oerlangten, restl ru chten müsse. Die Wirtschaftsloge im Oktober. Nach den Berichten der preußischen Industrie» und Handelskammern ist die etwa» Hoffnung»- vollere«uffasiung über die Entwicklung der Wirtschaftslage, wie sie sich im September anzubahnen schien, im Oktober nicht zerecht- fertigt worden. Die allgemeinenAbsatzschwierigkeiten. die Kapital- und Kreditnot, die VetnebSeinschränkungen und»Still» legungen, die' Geschäftsaufsichten und Konkurse dauern fort. Nur in der Montanindustrie scheint der Tiefpunkt errelcht zu sein, während in der Eisxnindustri» die Schwierigkeiten noch weiter gewachsen sind und neuerding» auch auf die AutomobUindustrie übergegriffen haben. Die Sehrfette de« Mrtschasl»kriege» mit polen. Der polnische Wirtschaftskrieg mit Deutschland hat verschiedene Maßnahmen zur UnabhSnyigmachung der polnischen Industrie im Gefolge gehabt. Da» Warschauer Innenministerium verfügt« jetzt z. B. an alle ihm unterstellten Behörden, daß amtsi-be Bestellungen nicht in» Ausland gegeben werden dürfen, es sei denn, daß der Konkurrenzpreis der Auslandsware mindestens 10 Proz. niedriger wäre. Auch die Versuche zur Nachahmung deutscher Ware« haben zugenommen, allerding» zumteil keine erheblichen Erfolge gehabt, da die deutschen Qualitäien nicht erreicht wurden. So find in Ostoberichlefien z. B. in den meisten Konsum- artikeln überwiegend noch deutsche Markenwaren zu haben. Bei längerer Dauer de» Handelskriege» dürften aber die Bestrebungen, deutsch» Waren zu derdrängen, größeren Erfolg haben. Deutschs Pank und Eommerzbank bauen Filialen ab. Aus Essen wird mitgeteill, daß die Deutsche Bank am 1. Januar 1926 ihre Filiale in Buer schließen und deren Geschäfte an die Zweigstelle in Gladbach übertragen wird. Gleichzeitig wird über eine Vereinbarung zwischen der Deutschen Bank und der Commerz- und Privatbank berichtet, wonach anallenOrten.wo jede der beiden Großbanken eme Zweigstelle besitzt, eine der beiden Banken aus ihre Zweigstelle verzichten soll. Ausgenommen soll der Fall sein, wo be- sondere Umstände den doppesten Verrieb notwendig machen.— Wie wir von beteiligter Seite erfahren, trifft die Meldung in diesem Umfang nicht zu. Es handell sich vielmehr darum, daß die beiden Banken insofern Rücksicht aufeinander nehmen wollen, daß, wenn die mitgeteill, daß in den beiden ersten Quartalen dieses Jahres relativ gut verdient worden sei, daß aber die Erträgnisse des drillen Quartals bereits stark unter der Krise gelitten hätten. Aus den Abbauabsichteu der beiden Großbanken darf man daher schließen. daß auch die reichliche Derdienstdecke, die sich die Großbanken durch die weite Zinsspanne und die hohen Provisionen gesichert hatten, für den heuuaen Geschästsumfang zu klein geworden ist. Das heißt mit anderen Worten, daß auch die Großbanken sich zu der Einsicht bequemen müssen, daß hohe Preise allein ein Gewerbe nicht rentabel machen können und daß auch das Bankgcwcrbe seinen übersetzten Apparat verkleinern und die Betriebskosten senken muß. ver Aal der Inlernallonalen Handelskammer wird am 6. Ro- vember in Pari» zu seiner 19. Sitzung zusammentreten, die durch einen Vortrag de» oerzeitigen Vorsitzenden, Walter Leas von der Westminsterbank über die Wirtschaftslage Europas eingelettet werden wird. Auf der Tagesordnung stehen u. a. folgende Fragen: Ein- fuhr- und Ausfuhrverbote bzw.-beschränkungen, wirt- schaftlicher Wiederaufbau, Konsulargebühren und Konsular- formalitäten. Zu der ersten Frage hat der Völkerbund ein Gutachten der Internationalen Handelskammer angefordert. Außerdem werden im Lause der Sitzung de» Rats in Ausführung des Brüffeler Beschlusses der Handelskammer drei Sonderausschüsse eingesetzt werden, nämlich ein Ausschuß für Transserierungsfragen, «in Ausschuß, der sich mst den Entwürfen der großen staatlichen Arbesten beschästigen wird(Sachlieierungen). und ein Komstee. das sich mst den Behinderungen beschäftigen wird, die dem Handel in einzelnen Ändern noch entgegenstehen. An den Sitzungen werden zum erstenmal deutsche Delegierte teilnehmen. Mus öer partes. Beschluß des. parteivorslandes über den Aelsonbunt». Der Parteivorstand trat am Montag, den 2. November, lu einer Sitzung zusammen, zu der Genosse Professor Dr. Nelson " lgehärige de» Internationalen Jugcndbundes neben Vertretern der Sozialistischen' Arbeiterjugend, der Juiigsozialisten sowie einig« Ang Es handelte sich Iu< und de» Zentralbildungsausjchusses geladen waren. um ein» Prüfung der gegen den Internationalen Iugendbund (Nelson bund) erhobenen Einwendungen: Er erkenne nickt ausschließlich da» Statut der Sozialdemokratischen Partei Deutsch- lands für seine Betätigung innerhalb der Partei an, sondern er sei eine besondere Organisation mit besonderen Statuten und besonderer Leitung innerhalb der Sozial- demokratischen Partei. Er betrachte diese lediglich als Agitations- seid für sein« besonderen Ziele und Auffassungen, die nach§ 2 der- gedruckt oerbresteten Statuten de« Internationalen Iugendbundes (Nelsonbund).die Gründung einer Partei der Vernunft der Jugend aller Länder ist". Des weiteren war die theoretische Einstellung de» Nelsonbundes insbesondere zur Demokratie zu prüscn. über die in den Schriften de» Prosessor» Nelson ein reichhaltiges Material vorliegt. In der Aussprach« wurde dem Genossen Nelson Gelegenheit gegeben, sein« Auffassungen darzulegen, ebenso den Vertretern der Arbeiterjugenb und dem Genossen Schiller- Göttingen, der ins- besondere die speziellen Göttinger Verhältnisse, wie sie sich durch das Wirken Nelson« und seiner Anhänger«ntwickell haben, schilderte. In bezug auf die Parteizugehörigkeit de» Professor» Nelson wurde festgestellt, daß er i m I a h r e 1 9 2 S in die.Bereinigte Sozialdemo- kratische Partei Deutschlands"«ingefteren sei. Aus die Frage, welcher Partei er vordem angehört habe, erklärte er, daß er un Jahr« 1918/19 Mstglied der Unabhängigen Sozialdemo- tratischen Partei in Bsrlm gewesen sei. In der Zwischenzeit habe er keiner Partei angehört. Auf die Frage, ob er seine Zu- aehörigtest zur Unabhängigen Partei beweisen könne, erllärte Nelson, daß er in einer solchen Frage eine beleidigende Pezweiflung setner Wahrhestslieb« erblick«, die ihn zwinge, das Lokal zu verlassen—, was er sodann mit seinen Aichängern tat. Der Parteioorstand beschloß, unbelümmert um diesen Zwischenfall, die Prüfung fortzusetzen. Der Vertreter der Jung- sozio listen ersuchte, die Nelsonbündler nicht nach�bem auch von ihm nicht gebilligten Austreten beim Verlassen der Sitzung zu be- urteilen. Der Nelsonbund Hab« sich in der Hauptsache erzieherisa:c Ausgaben gestellt und konkurrier« seiner Ausfassung nach in politischer Beziehung nicht mit der Partei. Der Parteioorstand trat dann zu besonderer Beratung zusammen und beschloß»instimmig: ver Zakernakioaale Zugendbund(Nelsonbund) ist eine selb- ständige Organlsaklcm mit eigenen Slakuken und eigener Lettung, die innerhalb der 5»zialdemokratischen Partei für ihre besonderen Zwecke und Ziele zu wirken beabsictiligt. vief« Tätigkeit«rägl den ' rakter der Zellenbauerei und muß daher organisatioas- digend wirken Au» diesem Grunde ist die ZugehSrigkeit zum Znternakionalcn Zngendbvnd(Nelsonbund) unvereinbar mst der Zugehörigkeit zur Zozlaldemokralischen Partei veulschland». Die theoretisch« Einstellung den Paneioorstand nicht zu diesem Besch! der Sozialdemokratischen Partei sst die geistige Betätigungsmöglich keit gegeben, die die Freiheit der wissenschaftlichen Forschung er- fordert. Die Stellung de« Nelsonbunde» zur Demokratie steht ledoch in schroffem Widerspruch zu den Beschlüssen der Partei. Nelson spricht von der Demokratie als der„Religion der Pöbelverehrung", die durch eine besondere Führeraristokratie abgelöst werden müsse. Er sagt:.ein« eigeiftliche Organisation kann gar nicht demokratisch sein" und betont:„um des Recht» willen müssen wir die Demokratie verwersen". Er sagt schließlich:„die Demokratie ist nicht die große Arena, au» der der Tüchtigste als Sieger hervorgeht, st« ist die Narrenbühne, auf der der Piiffigste oder bestbezahste Schwätzer dem Bornehmen oder nur auf feine gute Sache bauenden Eharakter den Rang abläuft" des Nelsonbundes hätte lusse veranlaßt, denn in Das sind Ausführungen, in denen sich Prosessor Nelson mit den Völkischen, den ärgsten Feinden der DemokraN«. begegnet und die den notwendigen Widerspruch der gesamten Partei hervorrufen müssen. Halt' del verschleimnng. Hosten. Helschkeit. Kay»«cht« Soöener stet» bereit. jgs#�Rahiiia- ~ MARQARI�E