Abendausgabe Nr. 522 42. Jahrgang Ausgabe B Nr. 259 Bezugsbedingungen und Anzeigenpreise find in der Morgenausgabe angegeben Redaktion: S. 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Dönhoff 292-29% Tel.- Adresse: Sozialdemokrat Berlin 10 Pfennig Mittwoch 4. November 1925 Vorwärts= Berliner Volksblatt Berlag und Anzeigenabteilung: Geschäftszeit 9-5 Uhr Berleger: Borwärts- Berlag GmbH. Berlin S. 68. Lindenstraße 8 Fernsprecher: Dönhoff 292-20% Zentralorgan der Sozialdemokratifchen Partei Deutschlands Der Skandal von Weimar. Rücktritt der Ordnungsregierung" im Landtag gefordert. Jena, 4. November.( Eigener Drahtbericht.) In der Dienstag.| vorgesetzte Dienststelle und aus der öffentlichen Stellungnahme des sitzung des Landtags von Thüringen führte die Ordnungsregierung Oberstaatsanwalts flar ersichtlich, daß er an der weiteren Bearbeitung unter dem Eindruck des Weimarer Justizskandals eine elende Ro- nicht mehr beteiligt war." mödie auf. Der volksparteiliche Abgeordnete Baur- Sondershausen, der Parteifreund des Juſtizminiſters Leutheuser, stellte eine Anfrage, ob die Behauptungen der Linkspresse über eine Einwirkung des Justizminifteriums auf das Verfahren gegen Loeb richtig sei oder nicht. Entgegen allen bisher geübten Ge pflogenheiten beantwortete der Justizminister Leutheuser, der auch Reichstagsabgeordneter der Deutschen Volkspartei ist, diese An frage sofort und gab dabei eine Erklärung ab, in der es u. a. heißt, daß weder er noch die Beamten des Justizministeriums der Staatsanwaltschaft noch dem Generalstaatsanwalt in der Meineidssache gegen Loeb irgendwelche sachlichen Anweisungen gegeben hätten. Auch der Generalstaatsanwalt habe teine Anweisung darüber gegeben, in welcher Weise auf Grund der Hauptverhandlung die Staatsanwaltschaft ihre Anträge stellen solle. Weiter heißt es dann in der Erklärung, daß der Generalstaatsanwalt den Oberstaatsanwalt Dr. Frieders mit der Vertretung der Anklage betraut hätte, weil Frieders in einem Bericht vom 7. Mai 1925 selbst ge meldet habe, daß er die Sache Loeb in Gemeinschaft mit dem Staatsanwaltschaftsrat Floel bearbeite. Beiter sei aber teine Anweisung ergangen. Nach dieser Erklärung des Justizministers übergaben die Rechts. beistände des Oberstaatsanwalts Dr. Frieders. der Presse folgende Erklärung: „ Die Regierungserklärung bedarf in wesentlich, den Oberstaatssuwalt Dr. Frieders betreffenden Punkten der notwendigen Berichtigung. In der Erklärung heißt es:„ Die Maßnahmen des Generalsstaatsanwalts beruhen einmal auf dem Bericht des Oberftaatsanwalts Dr. Frieders felbft vom 7. Mai 1925, in welchem diefer meldete, daß er felbst die Sache Coeb in Gemeinschaft mit dem Staatsanwaltschaftsrat Floel bearbeitet habe." Demgegenüber ftellen wir fest, der Bericht vom 7. Mai 1925 ift eine Geschäftsübersicht über das verfioffene erfte Kalendervierteljahr 1925, die von dem Generalstaatsanwalt durch besondere Verfügung vom 28. Mär3/ 24. April 1925 zu statistischen 3Zweden. mit der Maßgabe eingefordert war, daß die Tätigkeit jedes Beamten bis ins Einzelnfie anzugeben sei. Der Bericht enthält demzufolge in einer Fußnote außer anderen Einzelsachen, in denen der Oberstaatsanwalt gearbeitet hat, auch das Verfahren wegen Meineids gegen Loeb mit dem Zufah in Gemeinschaft mit Staatsanwaltschaftsrat Floel." Diese Angabe bezog sich auf die in das erste Kalendervierteljahr fallende Bernehmung in Berlin und Frank furt a. Main fowie die dazu erforderliche Affeneinficht. Dagegen war aus späteren schriftlichen Mitteilungen an die Nach der Pariser Abstimmung. Einige Poincariften für Painlevé- Pessimistische Breffeftimmen. Einige Stunden vor der gestrigen Abstimmung hatte die offiziöse Havas Agentur eine Betrachtung über den voraussichtlichen Aus gang verbreitet, in der eine Mehrheit von etwa 25 Stimmen für Bainlevé herausgerechnet wurde. Wenn diese Mehrheit um sieben Stimmen größer wurde, so ist das auf das überraschende Abschwenken einiger ehemaliger Poincaré- Minister, z. B. Le Trocquer, Colrat, Landry, die für die Regierung gestimmt haben, zurückzuführen. Sonst wäre die Regierungsmehrheit noch geringer geworden. Diese Gruppe von Ueberläufern wird nun heute morgen von der Bariser Rechtspresse mit Vorwürfen überschüttet, doch dürfte ihr Verhalten bestimmte tattische Zwede verfolgen: Diese ehemaligen und wohl auch noch, heutigen Poincaristen wollen durch dieses Ent gegenkommen Bainlevé veranlassen, sich in Zukunft auf die Rechte zu stüzen; ihre Unterstützung der Regierung fönnte sogar die von ihnen gewünschte neue Regierungstrije und den von ihnen erstrebten endgültigen Bruch des Kartells der Linken beschleunigen, indem es den Sozialisten immer schwerer gemacht würde, dem Kabinett gegen über Neutralität durch Stimmenthaltung zu wahren. Jedenfalls ist das Mmisterium Bainlevé durch die gestrige 2b. stimmung nur für die allernächste Beit gerettet. Die Kommentare der politischen Presse, sowohl der Rechten wie der Linken, zeigen deutlich, daß man von der Dauerhaftigkeit dieser Regierung bei Freund und Feind nicht viel hält. Sowohl das nationalistische Echo de Paris" wie auch das neue linksradikale Organ Volonté" sprechen von der Fortdauer der Regierungstrise. Nur einige wenige Linksblätter, darunter Quotidien“ und„ Deuvre" meinen, daß man die Regierung nach ihren Taten beurteilen solle. Zu den weiteren Ausführungen der Regierungserklärung muß hervorgehoben werden, daß die Anweisung an die Staatsanwaltschaft dasselbe Datum vom 19. Oktober 1925 trägt wie der Sondererlaß des Generalstaatsanwalts, der dem Oberstaatsanwalt Dr. Frieders abweichend von dem Inhalt der Generalverfügung die Mitvertretung der Anklage im Verfahren gegen Loeb anbefahl. Beide sind also erst kurz vor der Hauptverhandlung gegen. Loeb entstanden und eingegangen. Es war aber bereits einige Zeit zuvor vom Justizministerium aus über den Kopf des Oberstaatsanwalts hinweg mit dem Sachbearbeiter Staatsanwaltschaftsrat Flpel darüber verhandelt worden, daß der Erste Staatsanwalt Burm stich aus Jena die Anklage vertreten sollte. Aus dieser Sachlage ergibt sich mit schärfster Deutlichkeit, daß der Oberstaatsanwalt Dr. Frieders zu jener Zeit nicht mehr als Mitarbeiter an der Sache Loeb bei den oberen Dienststellen gelten fonnte, da ja sonst drei Staatsanwälte die Antlage erhoben hätten. Diese Erklärung des Oberstaatsanwalts Dr. Frieders spricht für sich. Aus ihr geht zunächst mit aller Deutlichkeit hervor, daß der Justizminister Leutheufer gegenüber dem Landtag und der Deffentlichkeit glatt die unwahrheit behauptet hat. Weiter gibt Frieders in seiner Erklärung nun aber auch das sorgsam gehütete Geheimnis des Loeb- Prozesses preis: Vor der Hauptverhandlung find im Juffizministerium unfer Umgehung des verantwortlichen Chefs der Anklagebehörde Berhandlungen über die Durchführung des Verfahrens gegen Loeb gepflogen worden. Der Skandal gewinnt also immer mehr an Ausdehnung. Hinzu kommt noch, daß unser Jenaer Parteiblatt den Staatsanwaltschaftsrat Müller, der an Stelle von Frieders die Mitvertretung der Anklage übernahm, in aller Deffentlichkeit fragt, ob es richtig sei, daß er wenige Tage vor der Hauptverhandlung dem Angeklagten Loeb gegenüber feiner Meinung dahin Ausdruck gegeben habe, daß Loeb mit Paufen und Trompeten freigesprochen werden müsse. Das Blatt fragt den Staatsanwaltschaftsrat Müller, was ihn veranlaßt habe, den Befehl zur Mitvertretung der Anklage a u szuführen und sich gegen seine Ueberzeugung und fein Gewissen mit den ungeheuerlichen Strafanträgen des Staatsanwaltschaftsrats Floel zu identifizieren. Schon in seiner gestrigen Ausgabe forderte unfer Jenaer Parteiblatt den sofortigen Rücktritt des Juffizminifters, und bei den am Dienstag im Landtag von Thüringen begonnenen Etatsverhandlungen hat der ehemalige Innenminister Genoffe Herrmann die Forderung nach dem Rüdfriff der gesamten Staatsregierung erhoben. Der britische Arbeiterwahlfieg. Ueberall Fortschritte in den Gemeinden. London, 4. November.( Eigener Drahtbericht.) Die letzten Er. gebnisse der Gemeindewahlen in Groß- London zeigen eine Stärkung der Arbeiterpartei um 65 Mandate, während die Liberalen 23 und die Konservativen 37 Mandate verIoren haben. Gesamtergebnis. Staatshilfe für Schlesien. Notlage des schlesischen Bergbaues.- Deutsch- polnischer Bollfrieg. Bon Immanuel Birnbaum( Breslau). Die tatastrophalen Zustände in den schlesischen Bergbaurevieren um Waldenburg und um Hindenburg haben in den letzten Wochen endlich wirkliche Hilfsmaßnahmen in Gang gebracht. Das Hauptverdienst daran haben preußische Stellen, während das Reich sich zunächst leider noch sehr viel zurüc haltender gezeigt hat. Auf gemeinsamen Wunsch der Arbeitgeber und der Arbeiterorganisationen ist der allgemeinpolitischen Bedeutung dieser bedrohlichen Zustände jetzt dadurch Rechnung getragen worden, daß der preußische Innenminifter, Genosse Severing, die Führung der Abhilfeaktion in die Hand nahm. Landtagsplenum und Staatsregierung sind auch rasch über das Stadium der Beratungen hinaus zu positiven Entschlüssen gekommen. Doch ist ihre Zuständigkeit durch die des Reiches immerhin eng begrenzt, so daß noch Entscheidendes zu wünschen übrig bleibt. Auf vier Wegen erhoffen Bergarbeiter und Bergherren Hilfe gegen die Folgen der internationalen Kohlenkrise für die ostdeutschen Reviere, deren Produktionsbedingungen infolge schlechten Ausbaues der Wasserstraßen, alleiniger Abhängigkeit von der tarifpolitisch beengten Reichsbahn und nicht zuletzt schlechter Konjunktur der Kohle verarbeitenden oftdeutschen Industrie infolge handelspolitischer Sperre der deutsch- polnischen Grenze besonders ungünstig geworden sind. Steuerpolitisches Entgegenkommen, Krediterweiterung, Ermäßigung der Bahnfrachttarife und handelspolitischer Schus ist das Bierkleeblatt dieser Bergbaumünsche. Sowohl die Rückwirkung auf die übrigen Wirtschaftszweige wie auch die unmittelbaren Aussichten des Erfolges dieser vier Wege für die Bergarbeiter ist sehr verschieden einzuschäzen. Steuerpolitisch wird von den Bergarbeitern mit Recht äußerste Zurückhaltung gegenüber den Bestrebungen auf Ermäßigung oder Stundung der Lasten der bergbaulichen Unternehmer gewahrt, die fa durch die Besigsteuer- ,, Reform" des Herrn v. Schlieben ohnehin bereits erheblich gemildert wurden. Schon in den Darlegungen der führenden Männer der schlesischen Staats- und Selbstverwaltung vor dem preuBischen Oftausschuß wurde mit Recht eine bessere Ber= teilung des Steuerertrages vor allem aus der Hauszinssteuer für wichtiger gehalten. Gerade in den Bergarbeiterbezirken ist ja eine weit ausgiebigere Verwendung der Hauszinssteuergelder für den Wohnungs! wendig. Denn dort ist angesichts der niedrigen Löhne und der dementsprechend notwendig niedrigen Mietserträge vom pri vatfapitalistischen Wohnungsbau noch me niger zu erwarten, als anderswo. Benn in großen Bergarbeiterdörfern nur vier Prozent der Wohnungen von den Hygienifern als einwandfrei im Sinne ihrer Mindest forderungen bezeichnet werden, so ist das wohl die denkbar schärffte Kritik an der Hauszinssteuerpolitit Schliebens und feiner Reichstagsmehrheit. Innerhalb der durch das Reich leider gezogenen Grenzen ist wenigstens von Preußen in dieser Frage jetzt weitgehendes Entgegenkommen gesichert. Die Kreditwünsche des Waldenburger Bergbaus sind im Landtag von den Kommunisten abgelehnt worden, die darin London, 4. November.( TU.) Einige Blätter wie ,, Daily Tele- eine einseitige Hilfe für die Unternehmer zu finden meinten. graph" heben hervor, daß der Erfolg der Sozialisten recht bescheiden Man wird auch vom sozialdemokratischen Standpunkt aus fei, und freuen sich der Tatsache, daß nicht eine größere Anzahl Kontrolle durch die Betriebsräte fomohl der Kredit bedürf Gemeinden eine sozialistische Mehrheit zeigt. Dahingegen benugt tig feit als auch der Kredit verwendung bei den elndie„ Daily Mail" das Wahlergebnis als Aniaß zu erneutem Hirzelnen Unternehmungen wünschen müssen und bedauern, daß meis auf den Ernst der sozialistischen Gefahr. meis auf den Ernst der sozialistischen Gefahr. In eine solche Kontrolle gegen den Widerstand der Unternehmer so großen Provinzstädten, abgesehen von London, haben die Konjer nicht durchgesetzt werden konnte. Ein gewisses Maß bevativen 21, die Liberalen 22 Size verloren; die Arbeiterpartei hördlicher Kontrolle ist aber doch gesichert worden. hat 47 Sige gewonnen. Auch fritische Bergarbeitervertreter nehmen an, daß unter dieser Aufsicht wenigstens die jetzt zu gewährenden öffentlichen Kredite ausschließlich zu volkswirtschaftlich nüzlichen und besonders auch im Arbeiterinteresse liegenden Produktionserweiterungen und umstellungen verwertet werden. Außerdem ist inzwischen vertraglich gesichert, daß auf Grund der Kreditgewährung in Waldenburg eine vorläufige Lohnerhöhung von 7 Proz. bauernd beibehalten wird, während die Arbeitgeber sie ohne diese Kredite ablehnten und staatlichen Schiedszwang mit der allgemeinen Betriebsschließung zu beantworten drohten. Indem das vermieden murde, ist ben Bergarbeitern ein furchtbarer Kampf mit ungünstigen Aussichten erspart worden. Mit Recht hat daher der Bergarbeiterführer Genosse Franz im Landtag feststellen können, Garantien umgeben wurde wie bei der staatlichen Unterdaß die öffentliche Kreditgewährung mit ähnlichen sozialen London, 4. November.( WTB.) Nach den endgültigen Berichten hat die Arbeiterpartei bei den Gemeinderatswahlen 182 Rettogewinne zu verzeichnen, darunter 47 in der Pro vinz und 85 in London. In London hat die Arbeiterpartei in 8 von 28 Gemeinderäten die Mehrheit. In den neuen Gemeinde räten werden 364 Arbeitervertreter und 1002 andere Bertreter figen, verglichen mit 277 bzw. 1083 bei den letzten Wahlen.( Die Zahl der Site ist seit den letzten Wahlen vermehrt worden.) Abd el Krim wünscht Frieden. Erpres" bestätigt, daß ein Striegsberichterstatter namens Bincent London, 4. November.( T11.) Der Pariser Vertreter des„ Daily Sheean mit Friedensvorschlägen Abdel Krims in Raftügung der englischen Kohlengruben, deren Erzwingung doch bat eingetroffen sei. Franzöfifches Flugzeng abgefchoffen. Paris, 4. November.( Havas.) Ein franzöfifches Flugzeug wurde bei Sou- el- Areta durch Riftabylen abgeschossen. Die beiden Flieger lehnten die Aufforderung, fich zu ergeben, ab und wurden durch Gewehrschüffe getötet. Marschall Betain hat vor seiner Abreise aus Fes in einer besonderen Proklamation das Andenken dieser Flieger geehrt. 1600 Tote in Damaskus. 1200 auf den Straßen, 400 in den Häufern. Alexandria, 4. November.( WTB.) Es verlautet, daß die fran zösische Angabe, wonach bei der Beschießung von Damaskus etwa 1200 Menschen getötet wurden, sich mur auf die in den Straßen aufgefundenen Leichen bezog und daß 400 weitere Leichen in den Häusern vorgefunden wurden. Ein Reisender berichtet, daß der Präsident der Handelstammer von Damastus von einem Senegalfoldaten erschossen wurde, well er im Besize eines Revolvers war und der Senegalese den affenfein, der ihn bazu befugte, nicht lefen fonnte. Amerikanische 3erfförer auf dem Wege nach Syrien. 2331e Das neue fanadliche Parlament besteht aus 118 Ronservativen, em port Herald" aus Statro meldet, find gestern zwei amerita 124 Liberalen und Progreffisten, 2 Mitgliedern der Arbeiternische 3erftörer auf dem Wege nach Syrien in Mexandrien ein partei, 1 Unabhängigen. getroffen. Attentat in Polen. Im Schnellzug Kratau- Czenstochau wurde auf General Szeptydi ein Revolverattentat verübt. Der General blieb unverlegt. Die Täter entfamen gerade auch die Kommunisten als großen Sieg der Bergarbeiter feierten. Ungelöst ist leider noch die Frage des Entgegen. tommens der Reichsbahn vor allem durch Bewil ligung von Ausnahmetarifen. Die Hemmungen der Reichsbahn- Gesellschaft entspringen aus ihrer Lage als Reparationsbetrieb, beffen Leistungen zum Teil nach der Höhe der Mindeftfrachtsäge berechnet werden. Aber die Reichsbahn darf nicht länger mehr übersehen, daß ohne tarifpolitisches Ent gegenkommen ihre Rohlenfrachten aus dem Osten bald überhaupt größtenteils aufhören müssen, was schließlich doch nicht im finanziellen Intereffe ihres Betriebes fiegen fönnte. Die fchlesischen Bergbauunternehmungen find ja alle mehr aber weniger auf den früheren Ausnahmetarif hin überhaupt erst I aufgebaut worden, und angesichts threr verkehrspolitisch un günftigen Lage ist die Höhe der Frachtfäße für sie eine entscheidende Existenzfrage..Es ist also unrichtig, daß der Damesplan die Reichsbahn zur Schädigung des Bergbaus zwingt. Im ganzen sind die Wünsche des Bergbaus nach Hilfeleistung durch Wenderung in der Steuerpolitik-fowelt fie sich hierin auf bessere Berteilung der Hauszinssteuererträge beschränken, auf Kreditgewährung und auf niedrigere Bahntarife zweifellos auf dem richügen Wege. Nicht ebenso über jeden Zweifel erhaben ist die vierte Methode der Hilfeleistung, die vorgeschlagen wird: der dauernde handelspolitische Schuh gegen die ostoberschlesische Konkurrenz. Man fann dabei von den Interessen des Grenzlanddeutschtums auf neupolnischem Gebiet einmal ganz absehen. Auch dann bleibt die im Hauptausschuß des Landtags erhobene Forderung, feinesfalls mehr als 100 000 Tonnen ostoberschlesische Kohle hereinzulaffen, überaus bedenklich. Es ist zunächst etwas anderes, ob der polnischen Regierung durch das Deutsche Reich die Abnahme eines bestimmten Kohlenfontingents bedingungslos garantiert werden foll oder ob nur Freiheit des Angebots in bestimmter Höhe gewährt wird. Bon den deutschen Bergbaufreifen wird es oft so dargestellt, als ob ausschließlich die erste dieser beiden Möglichkeiten in Frage täme, die aber praktisch den oftoberschlesischen Gruben jede Preisforderung erfüllen würde und ichon deshalb in Wirklichkeit ganz ausscheidet. Lehnt man aber Freiheit des Angebots in Höhe eines erheblichen Bruchteils des früheren Kontingents ab, dann bedeutet das eine Siche rung des deutschen Kohlenbergbaus auch gegen Preisunterbietung. Die Schaffung eines derartigen Preis monopols muß die Produktionskosten der verarbeitenden deutschen Industrie schwer belasten. Darüber hinaus macht sie jede handelspolitische Verständigung mit Bolen unmöglich. Bolen fann und muß in mancher anderen Frage( iederlassungsrecht, Liquidation deutschen Eigentums, Ausmeifung deutscher Optanten, Einfuhrzölle für deutsche Waren) nachgeben. In der Sicherung seiner Kohlenausfuhr fann es angesichts des engen wirtschaftsgeographischen Bu sammenhangs zwischen Oftoberschlesien und Deutschland auf deutsches Entgegenkommen nicht verzichten. Alle polnischen Fürsprecher eines verständigen Einlentens in den übrigen Streitfragen sind an der Aufrechterhaltung dieser Forderung interessiert. gen fie damit nicht nur die Arbeiter der tohleverbrauchenden und der auf Export nach Polen angewiesenen Industrie. Sie stärken auch durch Förderung eines Preismonopols die zufünftige Stellung der Bergherren gegenüber sich, den Bergarbeitern selbst, indem sie den Unternehmern neue Stillegungen wirtschaftlich erleichtern. So werden sie bei genauer Prüfung von den vier Wegen zur Bekämpfung der ostdeutschen Bergarbeiternot mur drei zur Benutzung empfehlen können und auf deren Ausnutzung dafür umso energischer dringen müssen. Die„ nationale Opposition". Die Stresemann- Partei ist nicht mehr vaterländisch". Wenn die Deutschnationalen am Ende ihres Lateins sind, pflegen die„ V. v. V. D.", die Bereinigten vaterländischen Berbände Deutschlands", sich regelmäßig in empfehlende Erinnerung zu bringen. Auch jetzt haben diese Allerweltsputschisten, denen früher der Ehren Geisler den Namen gab, während jetzt nur noch der Baltikumer v. d. Goltz für fie spricht, am Dienstag in einer Vertretertagung große Politik zu machen unternommen. Die Deutsche Zeitung", ihr besonderes Sprachrohr, teilt freudestrahlend mit, daß auf Einladung zwar die Böltischen durch Reventlow und die Deutschnationalen durch Qua a z fich vertreten fießen, daß aber die Deutsche Bolts partei feinen Vertreter geschickt hatte. Daraus wird das Berdammungsurteil gefolgert: Diese Partei scheint sich nicht mehr jar national- vaterländischen(?) Bewegung zu rechnen." 12 Was aber durch die Abwesenheit der Volkspartei etwa perfäumt wurde, das wurde durch die offiziellen Beitrittserklärungen des Stahlheim" und des Werwolf" wieder wettgemacht, die ebenso wie der„ Tannenberg- Bund" fich bereit erflärten, in bezug auf Locarno und die bamit verbundene Bolitit Schulter an Schulter mit den anderen Verbänden und in gemeinsamer Front zu fämpfen". Natürlich auch mit den Bölkischen und den Deutschnationalen, die ohne weiteres in den großen„ nationalen" Oppositionstopf geworfen werden. N Außenwelt nur von geringer Bedeutung. Da die Führer zu Was die„ V. v. B." reden und beschließen, ist für die meist beschäftigungslose Offiziere find, die zu ihrem eigenen Bedauern während des Weltfriegs feine Gelegenheit fanden, Eine doppelte Schädigung der oftdeutschen verarbeitenden für das Vaterland zu sterben", so ist ihre nachträgliche KriegsIndustrie durch ungünstige Beeinflussung ihrer Produktions- ftimmung menschlich begreiflich, um so mehr als sie augen fosten und gleichzeitige Aufrechterhaltung der Schädigung scheinlich ihren Beruf verfehlt haben. Politisch nicht unwichtig ihrer Ausfuhr ins nächst gelegene Ausland muß aber auch auf ist aber, daß jetzt fogar die Volkspartei als nicht mehr den Absatz der deutschen Kohle auf den inneren Markt un- national- vaterländisch" anerkannt anerkannt wird, und daß der günstig zurückwirten. Die Befferung des mestoberschlesischen Stahlhelm" und der Werwolf", beide von Stresemann Kohlenabjazes seit dem Zollkrieg scheint dem zu widersprechen. verhätschelt, der erstere sogar unter Führung eines bekannten Doch ist diese Befferung nach Meinung tundiger Fachleute nicht Volksparteilers stehend, fich jetzt offen in die Anti- Stresemannzulegt auf die Lattit des Ruhrbergbaues zurück- Front eingliedern! zuführen, der während des Zollfrieges auf Kohlensendungen nach Ostdeutschland verzichtete, um die Durchhaltestimmung hier hochzuhalten. Hat der Ruhrbergbau damit sein Ziel der Ausschaltung des o st oberschlesischen Reviers einmal erreicht, so dürfte er auch den Wettkampf mit den niederschlesischen und westoberschlesischen Revieren wieder aufnehmen, denen er in mancher Beziehung überlegen ist. Die fünstliche Wirtschaftsfriegskonjunktur dieser Bezirke dürfte so bald wieder zu Ende geben. Die schlesischen Bergherren würden fich dann schließlich auch mit schlechterem Rohlenabjah zufrieden geben, wenn ihnen gleichzeitig für diese geringere Menge hohe Monopol preise garantiert werden. Bezeichnenderweise hat sich das Gleiwizer Kohlensyndikat gerade zu Beginn des deutsch polnischen Zollfrieges erst auf Mindestpreise festgelegt, damit also erst zu einem echten Kartell umgewandelt! Man wird die Bergarbeiter verstehen, wenn sie möglichst wenig Kohlenwagen jenseits der Grenze an gefüllten deutschen Halden vorbeirollen sehen möchten. Aber wenn sie aus dieser Stimmung heraus den Kurzschluß ziehen, handespolitische Schuhwünsche ihrer Unternehmer zu unterstützen, so schädiProletarisches Weihnachtsspiel. Bon Lobo Frant Was sollen wir zu Weihnachten spielen, wir Sozialisten, die wir diese Gesellschaft überwinden und eine neue Gesellschaftsform schaffen wollen? Eine neue Gesellschaftsform bedingt einen neuen Lebenswillen. Sollen wir schweigen an diesen Tagen, in denen die Legende von Bethlehem in unserem Blute lebendig wird? Oder sollen wir versuchen, dem Feste vom Erlöser der Bedrängten einen neuen Sinn, einen neuen Inhalt zu geben? Winterfonnenwende! Das ist vorläufig nur ein Wunschbegriff, ein Ziel. Aber die Verbindung von der füßen Mär zu Bethlehem" bis zu dem Lichtgebet auf einsamer Höhe, fie bildet das Problem. Was tun, um die erwartungsvollen Herzen nicht leer zu laffen? Die Gestalt des erlösenden Kindes muß erhalten bleiben; denn sie hat ihren Ursprung in dem Gefühl, daß nur der reine, unbewußte Mensch zu großen Taten berufen fei. Gleichzeitig liegt darin eine Heiligfprechung des Kindes im tiefsten menschlichen Sinne. In jedem Kinde schlummert eine erlösende Kraft. Jedes Kind ist ein Christuskind. Dieses ist das neue Ethos des sozialistischen Weihnachtsspieles. Das dramatische Spiel muß das Erdenchriftuskind glaubhaft machen. Es muß eine Handlung darstellen, in der dieses Kind die treibende Straft ist. Das Ereignis für diese Berherrlichung des Kindes ist die Sonnenwende. Das Kind wird geheiligt durch den ersten Strahl der neuen aufsteigenden Sonne, der seinen Scheitel berührt. An die Stelle der alten Beihnachtsfeligkeit tritt die Seligkeit des Lichtes, die Geburt der Sonne, die Geburt des neuen Menschen, der sich angesichts der neuen Sonnenherrlichkeit zu neuen Taten aufrafft and so neu geboren wird. Unser neues sozialistisches Weihnachtsspiel darf dabei nicht minder interessant und nicht minder zauberhaft sein, als die überlieferten Spiele es teilweise für die Kinder waren. Ja, es muß in der Erneue rung seines Geistes und seiner Umwelt die alten abgegriffenen Rührstücke weit hinter sich lassen. Auch äußerlich muß das Spiel neue Wege gehen. Das alte staubige Bühnengestell muß überwunden werden. Das Podium, die leere Bühne, der Platz im Freien, fie müssen die Plattform für unsere Spiele werden. In die Handlung hinein werden die Sprechchöre als Pfeiler und Fanale gestellt. Die rhythmischen Tänze, als Ausdrucksmittel des durch die Seele bewegten Körpers, müssen die leuchtenden Ornamente des neuen Spieles werden. Die Hörerschaft muß sich als Resonanz für das Spiel und als tōnendes Echo zur Mitwirkung entschließen. | Beratungen im Zentrum. Vertrauliche Situng der Reichstagsfraktion. Die Zentrumsfrattion des Reichstags trat heute vor. mittag unter der Leitung des Reichskanzlers a. D. Marg zu einer außerordentlich zahlreich besuchten Sigung zusammen, um über die politische Lage zu beraten. Die führenden Mitglieder der Fraktion find fast vollzählig anwesend. Abg. Dr. Wirth ist von seiner Amerifareije noch nicht zurückgekehrt. Ob er sich der Zentrums. fraktion wieder anschließen wird, hängt von dem Ausgang des Zentrumsparteitages in Raffel ab. Die heutigen Verhandlungen der Zentrumsfraktion find streng vertraulich und werden den ganzen Tag in Anspruch nehmen. Umfall der Wirtschaftspartei. Amtlich wird gemeldet: In Fortjegung der geftrigen Besprechung mit Bertretern des 3entrums, der Deutschen Volkspartei und der Bayerischen Bolks. partei empfing der Reichskanzler heute vormittag als Vertreter Hampe und Mollath. Das Ergebnis der Besprechung war, daß die der Wirtschaftlichen Vereinigung die Abgeordneten Vertreter der Wirtschaftlichen Bereinigung dem Reichsfangler mitteilten, fie schlössen sich dem gestern verlautbarten Standpunkt der drei Bertrauensmänner der in der Regierung vertretenen Parteien an. Es ist auffällig, das bei der Besprechung der Führer der Wirtfchaftspartei Prof. Dr. Brecht nicht zugezogen war. Brecht hatte sich im Ausmäctigen Ausschuß gegen die Berträge erflärt. Die Gerüchte von Unstimmigkeiten zwischen der Reichstagsfraktion der Wirtschaftspartei und ihrem Führer, die bisher immer wieder dementiert wurden, gewinnen durch diese Situation an Wahrscheinlichkeit. Stahlhelm und Finanzministerium. Ein Erlaßz. Die Republikanische Beschwerdestelle hatte Beschwerde darüber geführt, daß im Bezirk Hannover auffallend viele Finanzund Zollbeamte im Dienst das Stahlhelm. und Jung do= Abzeichen tragen. Der Präsident des Landesfinanzamts Han nover hat darauf an die untergeordneten Stellen folgenden Erlaß gerichtet:„ Es ist zu meiner Kenntnis gelangt, daß hier und da Reichsfinanzbeamte während des Dienstes Abzeichen politischer Dr. ganisationen tragen. Da die Reichsfinanzverwaltung als unpolitische Behörde Wert darauf legen muß, als solche in allen ihren Gliedern zu erscheinen, untersage ich hiermit den Beamten meines Ge schäftsbereichs allgemein, während des Dienstes Ab zeichen politischer Organisationen, einerlei, ob sie rechts oder links eingestellt sind, zu tragen." Besatzungsänderungen am Rhein. Zu Roblenz, 4. November.( WTB.) Der Bezirksdelegierte von Stahlhelm" ,,, Werwolf" ,,, Tannenbergbund", Jungdo und wie die Verbände tapferer Landsoldaten alle heißen Roblenz, General Bimpffen, hat um Enthebung von mögen, haben die Wahl Hindenburgs als des feirem Boften nachgesucht; diesem Ersuchen ist stattgegeben worden. Retters" mit besonderem Gifer betrieben. Jegt bilden sie zu seinem Nachfolger wurde der bisherige Bezirksdelegierte in Bonn die Front gegen die Politit, die von Hindenburg ausdrücklich Gelin ernannt. Ferner ist vor kurzem dem Kreisdelegierten von gebilligt und unter seiner Führung eingeleitet worden ist! Spener, Balot, ber Boften als Generaldirektor der elsässischAber auch nach dieser Bildung der national- pater. Lothringischen Angelegenheiten in Paris übertragen worden. ländischen" Front gegen Hindenburg- Luther- feinem Nachfolger wurde nunmehr Rosseau ernannt, der schon Stresemann werben Stahlhelm- Werwolf- Jungbo und einmal die Kreisdelegation von Speyer zeitweilig verwaltete. all die anderen totficher immer noch die besonderen Lieblinge jener republitanischen" Behörden bleiben, die sich bei Kriegsgedenkfeiern vertreten lassen und dort Reden von unwandelbarer Treue" zum desertierten Kaiser, von Fahneneid und Kriegsartikeln anhören, ohne dabei etwas anderes als inniges Behagen zu empfinden. Bann wird jedoch die Einheitsfront der„ National- vater ländischen" endlich in den Wahlkampf geschicht? Wann sollen die unbedingt notwendigen Neuwahlen zum Reichs. tag stattfinden, die eine Mehrheit für den Nie- wieder- Krieg Bertrag bringen werden? Preisausschreiben für ein Weihnachts. oder Connwend Laienspiel erlassen, wohl auch aus der Erkenntnis heraus, daß eine Anregung und eine Zusicherung der Berbreitung notwendig feien, die sozialistischen Berfasser für eine so wichtige Aufgabe zu intereffieren. Der Reichsausschuß geht von dem Wunsche aus, Laienspiele zu veranlassen, die einen fünft lerisch befriedigenden Ausdruck für sozialistisches Leben und Streben darstellen. Selbständige dichterische Ausdrucksart mit eigenen Aufführungsformen werden gefordert. Einsatz von Chor, Lied, Instru mentalmusit, Sprechchor und Tanzipiel werden angeregt. Sie sollen die führenden Elemente in einer einfach gegliederten Handlung jein, die ihren Stoff aus der lebendigen Umwelt der Arbeit nehmen und dem Glauben und der Hoffnung schaffender, unterdrückter Menschen Ausdrud verleihen soll. Es ist anzunehmen, daß dieser Aufruf zahlreiche sozialistische Laienspiele auf eine Stelle zufammenbringt, und es darf die Hoff nung ausgesprochen werden, daß das Ergebnis die Arbeiterjugend und die Arbeitervereine vor neue Aufgaben und damit vor eine weitere Entwicklung stellen wird. Hoffentlich fällt die Entscheidung zeitig genug, damit die neuen ausgewählten Spiele noch in diesem Jahre aufgeführt werden können. Wiener Fröhlichkeit in Berlin. Soviel Fracks und kostbare Abendkleider mit freigebig enthüllten Rücken noch tastbarerer Frauen haben sich selten zusammenge funden, wie gestern im Berliner Theater zum Gastspiel des Wiener Boltstheaters. Man gab Antonia", ein Luftspiel des Ungarn Melchior Lengyel, das in Wien weit über hundertmal über die Bretter gegangen ist. Es sei fern von mir, den komplizierten Inhalt der Komödie mit ihren operettenhaft erzwungenen Konflikten und den unwahrscheinlich verzwickten Charakteren zu erzählen. Der Inhalt ist Nebenfache. Lengyels Stück ist eine Hymne auf die unvergängliche Lebensbejahung, auf die ewig fröhliche Festlichkeit ungarischer oder auch österreichischer Menschenfinder aus der großen Welt. Darauf fommt es hier an und auf das unvergleichlich lebendige Spiel der Wiener SchauIpieler. Die Russen haben wir in Berlin gehabt und Pirandellos Staliener mit gewiß wertvolleren Komödien. Keiner ist unseren Herzen so nahe gefommen wie die Wiener. Sicherlich bleibt uns schwerblütigen Norddeutschen Lengyels mondäne Komödie ein wenig mejensfremd. Aber was für ein wohliges, anheimelndes Gefühl strömt von diesem temperamentsprühenden Schauspielervölfchen in den Zuschauerraum! Wiener Walzerstimmung. Das Zusammenspiel ist musterhaft. Den Darsteller der fleinsten Rolle müßte man nennen, so gut paßte jeder in den Rahmen. Ueber allen glizerte Sari Fedat, die Darstellerin der Titelrolle, im ersten Bild eine stramme, resolute Gutsbefizerfrau, im zweiten und britten ein berückendes Weib mit dem sicheren Auftreten der Dame Don Welt halb Dame und halb Kokotte und im vierten wieder Gibt es in der heutigen Literatur Laienspiele, die auf diesen Grundfäßen aufgebaut sind? Man kann wohl antworten: nein. Aber cine hausbadene Gattin. Dies Brillieren mit allen Mitteln voll Anfäge sind vorhanden. Der Reichsausschuß für joziaendeter Routine macht ihr so leicht teine Berliner Schauspielerin listische Bildungsarbeit, Berlin S. 68, hat jüngit ein nach. Bon den übrigen durchweg sympahtischen Darstellern fiel die Flaue Börse! Neue Konzernschwierigkeiten. Die Tenbenz war heute anfänglich recht gut behauptet, man beachtete günstiger lautende Berichte der Kommerz- und Privatbant. Ms dann aber Gerüchte laut murden, daß die für heute angefagte. Sigung des Montantruftes überhaupt nicht stattgefun den habe, wirfte fich dies auf sämtliche Montanaftien recht fursdrüdend aus. Namentlich im Phönig. Im weiteren Berlauf erhielten sich dauernd Gerüchte über weitere Ronzernschwierigteiten. Die Tendenz flante ab. Naive Margarete Röppte auf. Ein füßes Plappermäulchen mit ganz eigener Technit. Aus ihren unvermutet hervorgestoßenen Bewegungen und plöglich geschnellten Worten blühte eine Kindlichkeit auf, die unübertrefflich war. Dbgleich die Komödie sich ein wenig lange hingezogen hatte, war der Beifall der angeregten ZuDgr. schauerschaft außerordentlich herzlich. Die Rätsel der Tiahuanaco- Kultur. füfte Südameritas eroberten, stießen sie auf eine barbarische Zivili Als die Spanier von bestialischer Goldgier getrieben, die Westjation, die eine beträchtliche Höhe einnahm und heute noch in ihren funstvollen Töpfereien, Bebereien usw. unsere Bewunderung erregt, die sogenannte Inta- Kultur. Wir wissen heute, daß die Infa- Kultur auf einer viel älteren beruht, die von verschiedenen Zentren ausgeht, aber fich schließlich vereinigt in Tiahuanaco auf dem Hochlande der Kordilleren im Süden des Titicaca- Sees. Legationsrat Prof. Posnansti, der dort an Ort und Stelle länger lebte und Forschungen veranstaltete, hat sich eine eigene Theorie über diese Jahren zu. Sie wäre demnach viel älter als die altägyptische Kultur Kultur gebildet. Er schreibt ihr ein Alter von 12 000 bis 15 000 und würde damit zur ältesten menschlichen Kultur überhaupt. Zur Begründung seiner These führt Herr Bosnanski geologische Hyp thesen an, nach denen Südamerifa früher mit anderen Kontinenten zufammenhing. Im Hintergrund taucht jogar das alte Atlantis problem wieder auf, ohne daß indessen feste Formulierungen fich als möglich erweisen. Man tann jedenfalls dankbar dafür sein, daß diese Probleme erneut erörtert werden und vor allem dafür, daß dem Laien Gelegenheit gegeben wird, eindrucksvolle Bilder von dieser Kultur zu bekommen. In einem Filmvortrag der Urania wurde gestern Gelegenheit dazu gegeben, indem die von Herrn Posnansti aufgenommenen Filme vorgeführt wurden. Man sah das Elend und den Tiefstand der aussterbenden Indianer, die heute das Gebiet des Titico ca- Sees bevölkern und sich für die Nachkommen der alten Herrenraffe halten. Ihre Sitten und Gebräuche, die noch vielfach auf uralte Sitten und Gebräuche zurückgehen, wurden uns gezeigt, und dann stiegen wir unter Führung des Stammesältesten, den Bosnansti als letzten Traditionszeugen der großen Bergangenheit ausgibt, zu der Trümmerstätte empor und sahen die gewaltigen Blöcke der Tempel und astronomischen Anlagen, die unterirdischen Wohnungen und die mit merkwürdigen Stulpturen bedeckten Tore, die der Sonne gewidmet waren und in den jüngsten bolivianischen Briefmarken wieder aufleben. In merkwürdiger Mischung von Phantasie und Forschung versucht Bosnanski ein Bild diefer alten Kultur, die durch eine plögliche Ratastrophe( ein Erdbeben) zusammenbrach, zu geben. Es ist hier nicht der Ort, zu untersuchen, was davon der wissenschaftlichen Kritit standhält. Jedenfalls ist das Ganze von großer Anregungskraft. D. Gorfi unter fafchiffischer Aufficht. Wie die sozialistische Breffe mittellt, wurde vor einigen Tagen in der Billa Gortis in Torrent eine HansDie italienische Regierung hat nun geantwortet, der gwed der Haussuchung fuchung vorgenommen, wogegen Borti einen Protest an Mussolini richtete. fei gewesen, festzustellen, ob zwischen bem Selretär Borlis und der italie afhen Oppofition Beziehungen beständen. Die entlaroten„ Dolchstößer". Ein weiterer Sachverständiger gegen Cohmann. München, 4. November.( Bd.8.) Im Dolchstoß- Brozeß murde am Mittwoch vormittag als meiterer Sachverständiger der Generalsekretär des parlamentarischen Untersuchungsausschusses des Reichstages, Dr. Fischer Berlin, gutachtlich gehört. Der Sachverständige führte aus: Wer den Begriff Dolchstoß gebrauche, spricht damit die Ueberzeugung aus, daß ein fampffräftiges und fampffreudiges Heer an der Front noch imstande gewesen wäre, günstige Waffenstillstandsbedingungen zu erfämpfen. Es besteht kein Zweifel, daß der Vorwurf des Dolchstoßes fich gegen die gesamte Sozialdemokratische Partei wendet. Man muß fich flar sein, daß zur Zeit der Beröffentlichung der Dolchstoß- Hefte die Bereinigung der beiden sozialdemofratischen Gruppen längst vollzogen war. Es wird in den Dolchstoß- Heften vielfach von Novemberverbrechern gesprochen, unter denen man allgemein diejenigen Persönlichkeiten versteht, die im Verlaufe der November- Revolution in der vordersten Linie standen, also Ebert, Scheidemann, Landsberg usm. Wenn der Leser mun ein solches Heft in die Hand nimmt, wird er, wenn er den Titel„ Der Dolcstoß liest, die Borstellung vom Dolchstoß, die sich bis dahin im Laufe der Zeit ergeben hat, bekommen. Die Frage, ob in diefen Heften der Begriff des Dolchstoßes, wie er sich bis dahin entwickelt hatte, mit übernommen wird, läßt sich mit einem runden Ja oder Nein nicht beantworten. Bu nächst ist auf das Titelbild des ersten Dolchstoß- Heftes zu verweisen. Es ist nicht mur ein Dolch, sondern ein Schwert abgebildet, das so groß ist, wie der niedergestreckte Soldat. Der Eindrud dieses Bildes wird noch. verstärft durch die völlige Waffenlosigkeit des niedergestreckten Soldaten. Damit wird schlechthin dargestellt, daß der Genickstoß die einzige Ursache des Niederbruchs ift. Der Sachverständige glaubt nicht, daß die„ Süddeutschen Monatshefte" einen Unterschied zwischen SPD. und USP. habe machen wollen, in dem Dolchstoßheft tomme auch das Gegenteil zum Ausdrud. Benesch und die Deutschen. Eine Wahlrede des Minifters. Prag, 4. November.( TU.) Außenminister Dr. Benesch fam in einer Wählerversammlung auch auf das deutsch- tschechische Problem zu sprechen. Die Sudetendeutschen, so sagte er, entwidelten im Auslande eine Propaganda, die meder gerecht noch berechtigt sei. Er habe als Außenminister ein ganzes System ber Gegenpropaganda aufbauen müssen. Der Standpuntt des Staates fei mit den Worten gekennzeichnet: Solidarität, Beruhigung, mirtschaftliche Mitarbeit, teine Duldung von Propaganda. Er müffe zugeben, daß die Deutschen in einigen Kleinig feiten Recht hätten, es handele sich bei den Deutschen aber nicht um einen Existenztampf, sondern um einen Rampf um die Macht im Staate( 1). Diese Frage, wann und wie fich die Deutschen an der Regierung beteiligen würden, fönne er als Außenminister nicht beantworten. Die Borausseßung aber dafür wäre eine Hare Stellungnahme der deutschen Opposition zum Staate. Locarno habe der irredentischen Bewegung der Sudetendeutschen den letzten Stoß gegeben. Andererseits aber fönnten die Tschechen den Deutschen nichts Befferes bieten als die in Locarno zustande gekommene Berpflichtung, daß fie von den Tschechen nicht in einen Kampf mit dem Deutschen Reiche getrieben würden. Sich gegen die Angriffe der Nationaldemokraten und des Dr. Kramarichs verteidigend, schloß Dr. Benesch seine Ausführungen mit der Fest stellung, es sei nicht wahr, daß er und feine Bartei den Deutschen nachliefe. Es sei jedoch Pflicht der Tschechen, die natio nalen Minderheiten für den Staat zu gewinnen. Irredenta und Auslandspropaganda mögen deutschbürgerliche Politiker der Tschechoslowakei treiben, wobei die Hatenfreuzlerei ge mäß ihrer 3medbestimmung als radaunationalistische Arbeiter fangfiliale der bürgerlichen Reaktion mitgerechnet ist. Die fudeten deutschen Sozialdemokraten haben mit all diesen Leuten nichts zu tun, werden vielmehr im jezigen Wahlkampfe wieder einmal Bolfsperräter gefcholten, weil sie den Eintritt in die deutschbürgerliche Einheitsfront abgelehnt haben. Wenn aber diese fudetendeutschen Sozialdemokraten wegen der Entrechtung und Bedrängung der 3% Millionen Deutschen in schärffter Opposition stehen, so wird es sich ihnen meber um die Macht im Staate, noch viel weniger aber um Kleinigkeiten handeln. Die nichtchauvinistischen Tschechen sollten endlich darangehen, den nichtchauvinistischen Deutschen die Mitarbeit im Staate zu ermöglichen! Schnapsverbot in Persien. Der Landesverweser läßt sich schon König nennen. London, 4. November.( BIB.) Chitago Tribune" meldet aus Teheran: König Bählä mi hat ein Defret erlassen, worin er die Schließung aller Spielhäuser und aller Branntweinschenken anordnet und erflärt, seine Herrschaft werde bedeuten: Arbeit und nicht Schauspiel. In seinen Ansprachen bei den ersten Empfängen von Abordnungen fagte der König wiederholt, er werde sofort groß zügige Maßnahmen ergreifen, um die Lage des Landes zu ver bessern. Diese Bersprechen finden den vorliegenden Berichten zu folge allgemeinen Glauben, da der König als Premiermini fter Charafter gezeigt habe. Ein Ausschuß ist ernannt worden, um die Bestimmungen für die Wahl der versprochenen verfassung gebenden Bersammlung zu treffen, die aus 300 Mitgliedern bestehen und alle Klassen der Bevölkerung vertreten soll, sowie um eine Reform der Berfassung vorzubereiten und damit die Abfegung des früheren Schahs und die Ernennung Bähläwis zu jeinem Nachfolger zu legalifieren. Die Nationalversammlung bestimmt die Staatsform! BIB. meldet: Die persische Gesandtschaft in Berlin teilt mit, daß sie folgendes amtliche Telegramm aus Teheran empfangen hat: Um der öffentlichen Meinung des Landes Rechnung zu tragen, hat der Medschliß( bas Parlament) am 1. November beschlossen, die bisher herrschende Dynaftie Kadjar abzuseßen. Er hat die provi. forische Gewalt feiner Hoheit Riza Khan Bähläwi bis zu dem Zeitpunkt übertragen, an dem eine Nationalverfammfung einberufen wird, um über die spätere Regierungs farm zu beschließen. Ebertfiraße flatt Bismardstraße. 3u Ehren des verstorbenen Reichspräsidenten Ebert ist vom Magiftrat der Stadt Frant furt a.. bie verlängerte Bismardstraße Ebertstraße be nannt worden. Grevesmühlen in Bochum. Die am Dienstag in Bochum ver. hafteten Reichsbannerführer sind nach eingehender Berneh mung im Untersuchungsgefängnis bis auf den Kreisleiter Dahm wieder freigelassen worden. Demokratischer Bürgermeister in New Hort. Der Demokrat James Walter ist mit überwältigender Stimmen mehrheit zum Bürgermeister von News Dort gewählt morden. = Reffortfrieg in Südflawien. Infolge der Aufhebung der Eifen bahn frei farten für das Telephonreparatur Personal durch den Eisenbahnminister Radojevitsch verfügte der Boft- und Telegraphenminister die Ausschließung fämtlicher Tele phone der Eisenbahnen aus dem Bertehr, da diese Telephone der Eisenbahnministerium bisher unentgeltlich zur Berfügung gestellt worden waren. Südflawische Refruten kehrt zurüd! Der ferbische König unterzeichnete einen Utas, monach sämtlichen Militärflüchti: gen, die sich am 1. Januar t. 3. freiwillig zur Dienstleistung melden, Die Strafe erlaisen mirh Der Einbrecher. Lichter flimmern heiß in die Straßen des Bergnügungsviertels, 11 Uhr ist's. Theater, Kinos und Kabaretts haben eben ihre Vorstellung beendet, nun ergehen sich Tausende im noch erträglich falten Oftoberabend. Zwischen der Abendunterhaltung und dem Bett im Heim liegt bei vielen noch ein bißchen Zwiegespräch, eine Tasse Kaffee, eine Bigarre, eine Beitung. Sehn'n Sie, ich hab's schon meiner Frau gesagt, mit Locarno ist das so' ne Sache... 14 Was ist das da? Barum stehen an der Ede so viele Menschen? " Und sogar Grüne? Niemand weiß es genau. Schnell findet sich im Laternenglanz ein fleiner Debattierklub der Wissenden" zusammen. Jeder hat auf einmal irgend etwas beobachtet. Ich tam gerad' fo, und da kam der Nachtwächter so, nicht wahr? Wie er hier zum Eingang vom Banfgeschäft fommt, will er das Schloß prüfen: dazu wird der Mann ja schließlich bezahlt. Aber da sieht er, daß die Ladentür offen ist!" Offen?" staunt der Chor. Offen, antmortet der erste Sprecher. Dem zweiten macht's schon Schwierig. feiten, sich durchzusetzen, denn jetzt kommt immerzu ein Grüner und gebietet: Weitergehen, meine Herrschaften, immer weitergehen!" Nanu, fassen Sie mir doch nich jleich an!"" Is ja ejal," beschwichtigt ein anderer. Haben sie ihn denn, den Dieb?" 3, feene Ahnung." Plötzlich ruft einer, der schon die ganze Zeit sich bemüht hat, durch die hohen Fenster ins Innere der Bank schauen zu tönnen:„ Doch, da is er ja!" Große Aufregung, Sensation! Man stürmt die Fenster, drückt fast Scheiben ein richtig, zwischen zehn Beamten steht ein dunkelhaariger Mann. Dunkle Haare schon verdächtig. Man freut sich: einen Geldschrankknader sieht man nicht alle Tage. Und so beschließen hoffnungsvoll die meisten, zu warten. Gesprächsthema bleibt Er, seine Hoheit der Dieb.„ Bitte weiter geben, meine Herrschaften!"" Na, er wird teen Geld gehabt ham für'n Sonntag!" Direft von der Straße aus- dufte!" Möglich, daß der Einbruch von vorn erfolgte, aber hinten Cin raus ist der„ dufte" Bruder dann jedenfalls verduftet. Grüner weiß nämlich zu berichten, daß der verdächtige Schwarzhaarige" ja" nur" der Wächter ist Ist das aber gemein Bald ist die Straße ftill und einfam. Am Vorabend des Bothmer- Prozesses. Die Potsdamer„ Sensation". Botsdam hat seine Senjation. Der Prozeß der Gräfin D. Bothmer, morgen, übermorgen und noch länger 14 Tage sind dafür in Aussicht genommen. Man hört in Botsdam immer wieder zwei Fragen: Wissen Sie nicht, wie man eine Karte betommt?" und„ Sagen Sie, war fie es wirklich?" Beim Gerichtstaftellan in der Raiser Wilhelm- Straße Neben Bettel: arten werden nicht ausgegeben." Er war ein geplagter Mann, man hat ihm die Tür eingerannt Dle Unterbringung der Breffe macht Schwierigkeiten. Annähernd 25 Bertreter finb angemeldet. Heute hat man einen Ausweg gefunden. Die Geschworenenbänke für die Bresse wird der Justizminister be willigen. Die Frage ist zur Stunde noch ungelöst. Alfes Recht will id, stärfen, alles Unrecht fränten. Dieser Spruch hängt über jener Tür, durch welche die Gräfin den Schwurgerichtsjaal morgen betreten wird, in welchem das erweiterte Schöffengericht gegen fie tagt. Bekanntlich hat die Angeflagte bas Potsdamer Gericht um einige Bünsche gebeten, fie sind ihr bis auf ethen bewilligt. Außer dem bereits bewilligten Auto für die Fahrt zum Gericht darf sie sich einen Friseur tommen lassen, ihre gewünschten Geschmeide, darunter das Glüdsarmband, dürfen ihr ge hocht werden. Frau v. Bothmer scheint eine geradezu findliche Gitelfeit zu befizen. Ein funt elnagelneues Kleid ist zur Berhandlung für sie gearbeitet. Nur eins fann das strenge Gericht nicht erlauben: das Miticgessen im Gerichtssaal. Im Zimmer Nr. 30 muß sie es einnehmen. Nr. 30 ift die Belle Ser Angeklagten, die sich in Unterfuchungshaft befindet. Das Blatt für, deutsche Art". Jmmer verleumden. In der Deutschen Tageszeitung" vom 25. Oftober 1925 findet fich folgende Rotiz: Abmegen. Der feit Anfang Auguft beurlaubte Amts und Ge „ Der Herr Amts. und Gemeindevorsteher auf meindevorsteher Karl Mette in Dahlwig- Hoppegarten bei Berlin ist jetzt vom Landrat des Kreises Niederbarnim vom Amte fuspendiert worden. Gegen Mette schwebt nicht nur ein gerichtliches Berfahren wegen Sittlichkeitsdelikten, sondern es haben sich auch in der Führung der Kaffengeschäfte Unstimmigkeiten ergeben. Mette, feiner politischen Herkunft nach Sozialist, mar der erste besofdete Gemeindevorsteher der Gemeinde. Er wurde im Jahre 1919 von der Gemeindevertretung einstimmig auf 12 Jahre gewählt. An diesem Geschreibsel ist nur das eine richtig, daß gegen Mette ein Disziplinarverfahren schwebt, er hat aber nie der SPD. noch einer anderen sozialistischen Bartei angehört. Vielleicht erfundigt sich die„ Deutsche Tageszeitung" einmal bei dem deutschnationalen Rittergutsbefizer Heinrich v. Trestow auf Dahlwiz nach der politischen Herkunft des Mette, denn der lettere war ja ihrem Barteifreund bis zum Jahre 1919 als Amtssekretär unterstellt. Freilich dürfen wir nicht hoffen, daß diese Feststellung dazu beitragen wird, die Wahrheitsliebe des Blattes für deutsche Art" zu stärken. Berhängnisvolle Ohrfeigen. Unter der Beschuldigung, den Tod ihrer Tante verursacht zu haben, wurde gestern die Frau des Artisten N. aus der Trescomftraße 63 zu Bantow festgenommen. Frau N. lebt von ihrem Manne getrennt, wohnt aber in demselben Hause. Die Wirtschaft führte bem Manne eine 68 Jahre alte Tante Marie Sch. Als N. vorgestern abend nach Hause tam, fand er die Tante in einem be denklichen Zustande auf dem Bette liegen. Sie gab an, seine Frau jei dagewesen, habe mehrere Sachen an sich genommen und sie, als fie das habe verhindern wollen, mit einem Brett auf den Ropf geschlagen, so daß ihr gleich schlecht geworden sei. Die betagte Frau wurde nach dem Krankenhause gebracht und starb dort gestern an einem Blutergußim Gehirn. Frau N. wurde daraufhin von der Kriminalpolizei festgenommen. Sie gibt zu, der Tante einige„ Ohrfeigen" gegeben zu haben, weil sie ihr den Zutritt zur Wohnung habe vermehren wollen. ,, Das rote Gespenst" vor der Haustür. Die altadelige„ Kreuzzeitung" mit Gott für König und Bater land ist vor Entsegen förmlich außer sich. Sie weiß etwas Grauenerregendes, was zwar noch feinem Menschen außer ihr bekannt ist, aber das ja gerade ist das Fürchterliche: In furzem wird die Radtfultur" ordentlicher Lehrgegenstand in den Berliner Schulen werden." So meldet sie und berichtet dann tränenden Auges über eine Versammlung der Bereinsvertreter und der Dele gierten zum Ortsausschuß für Jugendpflege in Neukölln, auf der nach einem Vortrag angeblich beschloffen sein soll, in den Neuköllner Schulen Borträge über Madtfultur zu veranstalten. Das niederschmetternde Bahlresultat ist den blaublutigen Schreiberfeelen in der Streuzzeitung" anscheinend so verheerend ins Gehirn gefahren, daß sie die Begriffe verwechseln, und ein für ein UI ansehen. Uebelste Brüderie und ein verächtlicher Appell an die trübften Instinkte ber Spießerjeele in Klein- Budow spricht aus dem Schlußsay, in dem es heißt: Die Berliner Eltern haben daher mit der Nacktkultur in den Schulen zu rechnen." Uns dünti, daß gerade den Herren von Jhenpitz und Lideriz ein wenig Radikultur" zur Austüftung ihrer anscheinend sehr verftaubten Gehirne dringend not täte. Bootsunglück auf dem Tegeler See. Sechs Boote gefentert. schule für Leibesübungen, Spandau, mit jechs Heute um 10% Uhr vormittags übten 32 Mann der Hoch Ruderbooten auf dem Tegeler See. Infolge des hohen WellenBorfig- Dampfer aufgefischt, ein Schüler, namens Weber, der ganges tenterten jämtliche Boote. 31 Mann wurden vom Hochschule wird noch vermißt. Die Boote find sämtlich geborgen worden. Reichswasserschutz und Kriminalpolizei waren zur Stelle. Es erscheint unglaublich, wie die Schüler bei dem heute tobenden Sturm eine Ausfahrt machen konnten. Der Leitung, die das zuließ oder anregte, fann der Vorwurf der leichtsinnigen Handlungsweise nicht erspart bleiben. Schüsse in der Nacht. Das Abenteuer eines Schupobeamten. Schüsse verursachten in der vergangenen Nacht einige Aufregung in Moabit. Ein Schupowachtmeister des 24. Reviers wurde auf seinem Rundgang von Bewohnern des Hauses Emdener Str. 5 an gerufen, weil sie auf der Bodentreppe ein Geräusch gehört und dann einen Mann baliegen gefunden hatten. Der Beamte, dem er über seine Person teine Auskunft gebert wollte, mußte Gewalt anwenden, um ihn nach der Wache zu bringen. An der Ede der Emdener und Waldenser Straße verfekte er dem Wachtmeister plöglich einen Tritt vor den Unterleib, so daß er zu Boden fiel, entriß ihm den Gummitnuppel und schlug auf ihn ein. Der schwer Bedrängte gab drei Schredschüsse ab und raffte sich dann wieder auf. Als die Schüsse eine größere Menschenmenge anlocken, die zum Teil für den Beamten und zum Teil für den Angreifer Partei nahmen, ergriff der lettere die Flucht. Der Beamte schoß jeht viermal hinter ihm her, ohne ihn zu treffen. Dabei erhielt eine Frau Lüdtke aus der Wiclefstraße einen Streifschuß am linten Oberschenkel. Mehrere Beamten eilten zu Hilfe, holten den Flüchtenden ein, ergriffen ihn und brachten ihn nach der Revierwache, mo er, als ein 23 Jahre alter Walter Kortwig festgestellt murde, der angeb lich in der Wiclefstraße wohnt. Frau Lüdtke wurde nach dem Birchow Krankenhaus gebracht. Keine Angst vor Zahnoperationen! Man schreibt uns: Der in der Sonntagsnummer berichtete Tod eines jungen Berliner Kaufmanns als Folge des mit Betäubung vorgenommenen Ziehens von zwei Zähnen gehört in der Zahntechnik zu den größten Seltenheiten. Die heute allgemein angewendete lokale Betäubung, um Bahnoperationen völlig schmerz los auszuführen, ist an sich ganz ungefährlich. Borauslegung ist natürlich, daß bei der Betäubung wie bei der Operation selbst abfolut einwandfreie Instrumente benugt werden und mit reinen Fingern gearbeitet wird. Jeder gewissenhafte Dentist oder Zahnarzt wird daher nur Inftrumente benutzen, die nach jebem Gebrauch in desinfizierender Lösung ausgefocht sind. Die Erscheinung, daß nach der Operation das Geficht anschwillt, ist nichts Ungewöhnliches, wird sogar in der Bahntechnif im allgemeinen nicht ungern gesehen, weil sie bei sehr empfindlichen Individuen die Wundfolgen und auch gewisse Nachwehen der Betäubung leichter überwindet. Sehr wichtig ift, daß mindestens während der ersten 24 Stunden nach der Operation nicht geraucht wird, weil sonst durch Eindringen Don Nitotin in die offenen Gaumenmunden leicht Blut= vergiftung entstehen kann. Franz Wißberger, der frühere langjährige Chefredakteur der Berliner Zeitung", der Vorgängerin der B. 3 am Mittag", ist, wie die B. 3." mitteilt, gestern in Schöneiche bei Friedrichshagen, mo er seinen Lebensabend verbrachte, im Alter von 70 Jahren ge9 ftorben, mit ihm ift seine Gattin aus den Leben geschieden. Gie hatten beschloffen, gemeinsam den Freitod zu wählen. 3m Dienfte födlich verunglückt ist der Eisenbahnschaffner Bilhelm Höft aus Stettin. Er hatte von dort einen Zug nach Berlin begleitet und in einer von der Eisenbahnvermaltung eingerichteten Stelle in Pantom übernachtet. Heute morgen wollte er einen Güterzug nach Stettin zurückbegleiten. Als er um 7 Uhr die SchlußTaterne anbrachte, hörte er nicht, daß auf demselben Gleis noch einige Wagen heranrollten. Er geriet zwischen die Buffer, die ihm den Kopf zermalmten. auf Beranlassung des Reichsbanners Schwarz- Rot- Gold, Emil Cudwig, der bekannte Verfasser bistorischer Darstellung, spricht Gau Berlin- Brandenburg, am nächsten Montag, den 9. November. Einlag zu der Veranstaltung ist nur mit Karten gestattet, die im Gaubureau, Berlin S. 14, Sebastianftr. 37/38, erhältlich find. Ein neues Bergwerksunglück. Zwei Todesopfer. Krefeld, 4. November.( WTB.) Heute vormittag erfolgte auf der Schachtanlage 1 und 2 der Zeche Friedrich Heinrich Lintfort ( Kreis Mörs) beim Bortreiben eines Querschlags im Nebengestein eine örtlich begrenzte Schlagwetterentzündung. Die Ursache ist noch nicht aufgeklärt. Die Explosion hat zwei Todesopfer gefordert. Sechs weitere vor Ort beschäftigte Leute kamen mit geringen Berlegungen davon. Der Betrieb ist in feiner Weise beeinträchtigt. Eine Untersuchung durch die Bergbehörden ist im Gang. Die Beerdigung der Opfer auf Zeche Holland". Effen, 4. November.( Tul.) Auf Wunsch der Angehörigen findet die Beerdigung der verunglückten Knappen von Zeche Holland I und II in den Tagen vom Mittwoch, ben 4. November bis Freitag, den 6. November, von den einzelnen Trauerhäusern aus statt. Noch ein Todesopfer. Gelsenkirchen, 4. November.( WTB.) Von den beim Grubenunglück auf der Zeche Holland verunglückten Bergleuten ist ber schwerverletzte Bergmann Jeschte heute nachmittag feinen Bere legungen erlegen. Jeschke war 26 Jahre alt und ledig. Hiermit hat sich die Zahl der Toten auf 18 erhöht. Sturm an der französischen Küfte. Baris, 4. November,( TU.) Seit Sonntag abend wütet über der Kanalfüfte und der des Atlantischen Ozeans ein heftiger Sturm. Eine Fischerbarte wurde gestern nacht 35 Meilen von Dieppe vom Sturm überrascht. Drei Matrojen wurden von einer Boge entführt und fonnten nicht wieder aufgefunden werden. Alle Ueberfeedampfer laufen mit großer Beripätung ein. Der amerikanische Dampfer Avon" traf mit 24ftündiger Berspätung in Cherbourg ein. Die Berengaria", die aus New York mit einer halbtägigen Berspätung im Hafen einlief, wurde von dem 32 Jahren feine so stürmische See erlebt habe. Sturm schwer mitgenommen. Der Kapitän erflärte, daß er seit ein malanischer Amotläufer auf einem von Singapore na Ein Amotläufer. Nach einer Meldung aus Singapore tötete Benang fahrenden Schiff den Kapitän und hat a cht Eingeborene ihmer verlegt, bis er schließlich von einem Europäer erfchoffen wurde. Groß- Berliner Parteinachrichten. 26. Abt. Donnerstag, bent 5. November, 74, Uhr, Funktionärsigung bei Süles ( rüher Wenferitt), Prenzlauer Allee 239. Die Sammelliften müssen bort mit abgerechnet werden. Gewerkschaftsbewegung Vor dem österreichischen Beamtenstreik. Andauernde Berhandlungen. Wien, den 4. November.( Eigener Drahtbericht.) Nach dem Befchluß der Eretufive der österreichischen Beamten, ab Donnerstag früh in den Streit zu treten, lud der Ministerpräsident die Berhandlungsfommiffion der Beamten gestern abend nochmals zu fich. Die Berhandlungen dauerten von 8 Uhr abends bis heute mittag 12 Uhr. Zurzeit scheint die Entscheidung von der Haltung des Generalkommissars des Bölterbundes. Dr. Zimmermann, abzuhängen. Die Regierung wird verfuchen, in noch maligen Berhandlungen mit dem Generalfommissar die nötigen Kredite zu erhalten und die Forderungen der öfterreichischen Bundesbeamten zu befriedigen. Die Militärverbände fiben Solidarität. Wien, 4. November.( Mtb.) Die fozialdemokratischen Militärverbände fordern in einem Aufruf die Soldaten auf, die Solidarität mit den Bundesangestellten, deren Ausstand auch im Interesse der Soldaten geführt wird, in der Weise zu wahren, daß fie felbft am Streif nicht teilnehmen, jedoch Befehle, die einen Streitbruch bedeuten würden, an die Gewerkschaftsleitung mitzuteilen haben. Mehnliche Weifungen ergingen von den zuständigen Organisationen an die Offiziere und Unteroffiziere des Bundesheeres. Lohnbewegung der Eisenbahner. Besprechungen im Reichsarbeitsminifterium. Am gestrigen Dienstag fanden Besprechungen der Tarifgewert schaften der Arbeitnehmer der Deutschen Reichsbahngesellschaft ftatt, die sich mit der einzuleitenden Lohnbewegung be schäftigten. Positive Beschlüsse wurden bei dieser Gelegenheit noch nicht gefaßt, well inzwischen eine Einladung zu Berhandlungen vom Reichsarbeitsministerium eingetroffen war. Diese Verhandlungen, die nur informatorischen Charafter tragen, waren vom Ministerialrat Mewes zu heute vormittag anberaumi worden, und zwar wohl mit Rücksicht darauf, daß schon in verschiede. nen Direktionsbezirken des Reiches, so in Frankfurt a. M., Eſſen, Köln, Raffel, Elberfeld, Lohnbewegungen der Eisenbahner im Gange find, die zu einer Anrufung des Schlichters geführt haben. Ueber das Ergebnis der heutigen Besprechungen im Reichsarbeitsministe rium war bis zu den Mittagsstunden noch nichts bekannt. Am gestrigen Tage nahmen die Bertreter der Eisenbahnergemertschaften und die Vertreter der Beamtenorganisationen der Reichsbahn gleichfalls zu einem eventuellen Zusammengehen in der Lohn- und Gehaltsbewegung Stellung, jedoch wurden, wie wir erfahren, diese Verhandlungen noch zu feinem Abschluß geführt. Tagung der Versicherungsangestellten im ZDA. Die vom Zentralverband der Angestellten einberufene 5. Reichstonferenz der Versicherungsangestellten tagte am 1. November in Weimar. Alle wesentlichen Versiche rungspläge hatten zu dieser Tagung Delegierte entsandt, an der ebenfalls die gesamten Mitglieder des Reichsfachausschusses der Berficherungsangestellten teilnahmen. Die Dom Borstandsmitglied Brenfe geleitete Konferenz nahm zunächst ein Referat des Verbandsvorsitzenden, Kollegen Urban, Die Reichsfachgruppe der Berficherungsangestellten im 3d.", entgegen. Urban schilderte ben gewerkschaftlichen Werdegang der Berficherungsangestellten bis zum heutigen Zeitpunkt. Hierbei behandelte er in ausführlicher Weise ben Fall leberläufer von Lein". Das vom Referenten dargelegte Tatsachenmaterial war so überzeugend, daß die Konferenz einstimmig den Schritt des von Tein aufs schärffte ver urteilte. In einem zweiten Referat: Unsere Tarifbewegung", behandelte Brillte die lehten Borgänge in der Gehaltsstreitigkeit mit dem Arbeitgeberverband deutscher Versicherungs. unternehmungen und schilderte in ausführlicher Weise die augenblickliche Lage des Versicherungsgewerbes und die wirtschaftliche Lage der Versicherungsangeftellten. Sodann verwies er auf die bevorstehenden Berhandlungen über einen neuen Manteltarif und forderte die Kollegen auf, wenn diese Berhandlungen zu einem befriedigen den Ergebnis führen sollen, noch in ftärferem Maße wie bisher die gewertschaftlichen Voraussetzungen dafür zu schaffen. Beide Referate wurden zusammen zur Diskussion gestellt. Die Konferenz nahm zu beiden Tagesordnungspunkten die vorgelegten Refolutionen einstimmig an. In diesen Resolutionen bringen die Delegierten zum Ausdrud, daß die Förderung der gemertschaftlichen Interessen der Versicherungsangestellten am besten durch den Zentralverband der Angestellten erfolgt. Sie ertennen, daß die Versicherungs. angestellten im 3d2. fachgemäß vertreten werden durch ihre Reichs fonferenz, ihren Reichsfachausschuß, thre Gaufachgruppen und ihre örtlichen Fachgruppen. Schließlich spricht bie 5. Reichsfonferenz dem Zentral. berband der Angestellten, insbesondere dem Vorstand und der neuen Reichsfachgruppenleitung, das Bertrauen aus und richtet an die Berufskollegen im ganzen Reich das Ersuchen, durch ihre Treue zum 3dA. und durch die Werbung neuer Mitglieder die gewertschaftliche Macht der Bersicherungsangestellten zu starten. Eine weitere Refolution, die ebenfalls einstimmige Annahme fand, bringt zum Ausdruck, daß der Schiedsspruch des Reichsschlichtungsausschusses vom 23. Oftober 1925 nicht als eme der Leistungsfähigkeit des Versicherungsgewerbes und der wirtfchaftlichen Lage der Berficherungsangestellten entsprechende Gehalts regelung anzusehen ist. Die Versicherungsangestellten müßten fich energisch dagegen mehren, wenn bel den bevorstehenden Eini. gungsverhandlungen von dem Schiedsspruch irgend etwas gekürzt würde oder wenn, mie die Absicht bestehen soll, diese Einigungsverhandlungen mit den Manteltarifverhandlungen verknüpft merden würden. Die Resolution fagt zum Schluß, daß das Berliner ElektrikerGenossenschaft angeschl. dem Verb, sozialer Baubetriebe Berlin N24, Elsässer Str.86-88 Fernsprecher: Norden 1198 Filiale Westen, Wilmersdorf Landhausstr. 4 Tel. Pfalzburg 9831 Herstellung elektr. Licht-, Kraftund Signalanlagen Verkauf aller elektrischer Bedarfsartikel. Ausführung sämtl. Reparaturen • Preiswerte, gediegene Arbeit • 300000 Küchen Riesen- Auswahl, enorm preiswert! Toh Anrichte- Küche Gerty. Anrichte- Küche Marta. 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In der Bekleidungsindustrie sind danach etwa 13 Proz. der gesamten sammelten ertennen, daß dies nicht mehr notwendig set, durch deutschen werftätigen Bevölkerung beschäftigt. Die Hochschutzzölle fpontane Zurufe:„ Wir haben von dem Ueberläufer genug! Der des neuen Tarifs haben die Preise für Baumwollgewebe um Mensch ist für Berlin erledigt!" Riedel wandte sich hierauf furz| 20 bis 30, ja selbst 32 Proz. über den Weltmarft den weit wichtigeren sachlichen Verhandlungen der Konferenz unter| ft and hinaufgetrieben, obwohl die Arbeitslöhne in Deutschdem Beifall der Versammelten zu und empfahl folgende Resolution, land wesentlich geringer als in allen anderen Ländern sind. Weiter die denn auch begeisterte einstimmige Annahme fand: Die heutige Mitgliederversammlung der im 3d2. organisierten heißt es in der Zuschrift: Bersicherungsangestellten in Berlin verurteilt einmütig die verwerf. liche Handlungsweise des ehemaligen Kollegen v. Tein. Sie erklärt, daß nur der 3d2. als wirtschaftliche Bertretung der Interessen der Bersicherungsangestellten für denkende Angestellte in Frage tommt. Die Handlung des Herrn v. Tein wird in Berlin teine Nachahmung finden. Die Bersammlung spricht ferner der neuen Reichsfach= gruppenleitung ihr Vertrauen aus. Hierauf wurden die Kollegen benannt, die im nächsten Jahre die Fachgruppe in der Delegiertenversammlung vertreten sollen. Die endgültige Formulierung der Liste soll die Seftionsleitung vornehmen. Streik in den Kupferschmiedereien. In der geftrigen Bersammlung der in den reinen Kupferschmiedereien beschäftigten Kupferschmiede, die zu dem Schiedsspruch Stellung nahm, erstattete der Bevollmächtigte, Genosse Fleischmann, Bericht von den Berhandlungen. Der Schiedsspruch, der eine Lohnerhöhung von 1,12 m. auf 1,18 m. vorjah, womit die Löhne der Berliner Kupferschmiede noch um 5 bis 10 Pf. unter dem Reichsdurchschnitt zurückblieben, wurde von beiden Parteien abgelehnt. Die Bersammlung trat einstimmig dem Beschluß der Bertrauens. leute bei, die die Arbeitsniederlegung empfohlen hatten. Es wurde beschlossen, daß zunächst heute früh in den Betrieben Don Pest, Bergstraße; Kraft, Birtenstraße und Mann u. happe, Frankfurter Straße, die Arbeit niedergelegt werden soll Diese Arbeitsniederlegung ist auch erfolgt. Bei der Haltung der Unternehmer ist zu erwarten, daß sich der Streif binnen turzem auf die gesamten Rupferschmiedereien ausdehnt. Lohnbewegung in der Automobil- Reparaturbranche. Am 13. Ottober wurde für die Automobil- Reparaturbranche ein Schiedsspruch gefällt, der für die Facharbeiter in Klasse I eine Erhöhung des Stundenlohnes von 0,96 m. auf 1,05 m. vorsah. Da dieser Schiedsspruch von den Arbeitern wohl angenommen, von den Unternehmern aber abgelehnt worden war, wurde die Berbind. lichkeitserklärung beantragt. In den Berbindlichkeitsver handlungen erklärten die Unternehmer, wegen der schlechten Ge fchäftslage die Lohnfäße des Schiedsspruches nicht zahlen zu tonnen, aber zu einer Erhöhung des Stundenlohnes auf 1 M. bereit zu sein. Dieses Angebot hatten die Unternehmer schon in den freien Berhandlungen gemacht. Da vom Schlichter dem Antrag auf Berbindlichkeitserklärung nicht stattgegeben wurde, beschäftigte sich gestern abend eine Bollversammlung mit der Angelegenheit. Riedel vom Metallarbeiter verband teilte mit, daß die Unternehmer sich auf Vermittlung des Schlichters bereit erklärt hätten, einen Pfennig mehr, also 1,01 m. geben zu wollen. Den besten Beweis für die Folgen der deutschen 3ollpolitit, die sich zum Teil schon in den Monaten vor dem Inkrafttreten der Zolltarifnovelle auswirkten, gibt folgende Tatsache: In den letzten 4 Monaten war der Durchschnittspreis der Baumwolle um mehr als 15-20 Proz. niedriger als in den entsprechenden Monaten des Vorjahres. Trog der billigeren Baummolle war aber der Preis für fertige Gewebe nicht etwa billiger, fondern 10-15 Pro3. teurer, als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Eine schlagendere Illustration der unfeligen Auswirkungen des Hochschutzzolles fann wohl taum gegeben werden. Unter diesen Umständen darf es nicht wundernehmen, daß die deutschen Baumwollweberien zu den wenigen Gruppen gehören, die sich seit Jahren einer ausgesprochenen Hochtonjunktur erfreuen. Die Textil- Woche" errechnete fürzlich, daß der Uebergewinn der deutschen Textilindustrie wenn man ihn ganz bescheiden nur mit 10 Broz. annimmt bei einem Produktionswert von 3,2 Milliarden jährlich 320 Millionen Marf ausmacht. Es soll nicht bestritten werden, daß ein gut Teil des Verdienstes nicht den Webern, sondern den Spinnern zufällt; es ist aber m. E. Sache der Weber, den Kampf gegen die Spinner zu führen, und wenn sie das bisher unterlassen oder sogar mit den Spinnern gemeinsame Sache gemacht haben, so müssen sie die Folgen hierfür auf sich nehmen. Die verarbeitende Industrie leidet nun darunter, daß die Bes völkerung infolge ihrer geschwächten Kaufkraft nicht so hohe Breiſe anlegen tann wie sie den fünstlich hochgehaltenen Roh- und Halbstoffpreisen entsprechen würden. Dadurch trifft die verarbei tende Industrie, also die Bekleidungsindustrie die ganze Last der Rohstoffverteuerung. Daß die deutschen Webereien den Ast abfägen, auf dem sie fizen, scheint ihnen bisher nicht zum Be mußtsein gekommen zu sein." Man sieht, in der Bekleidungsindustrie geht es nicht anders, als in anderen verarbeitenden Industrien, die ebenso von der verfehlten Bollpolitik getroffen werden. Wenn sie sich nur zusammen mit den Arbeitnehmern entschieden gegen die Zollpolitik zur Wehr sehen mollten! Pommerns Großbetriebe in der Wirtschaftskrise. Die allgemeine Wirtschaftsfrise hat sich laut WLB. in den letzten Wochen auch in den pommerschen Großbetrieben schärfer als bisher aus geprägt. Namentlich in der Werftindustrie werden dauernd Arbeiterentlaffungen vorgenommen, Neue Aufträge waren in der letzten Zeit nur bei einer Stettiner Werft( Nüschte u. Co.) bekannt geworden. Der Ostsee- Werft A.-G. in Stettin- Frauendorf iſt auf wiederholten Antrag vom Regierungspräsidenten die Stillegung des Betriebes zum 31. Oftober genehmigt worden. Ferner ist in der zum Frant- Konzern gehörenden, jetzt über 75 Jahre bestehenden Raffee- Surrogatfabrit J. G. Weiß, Stettin- Frauendorf, die Fabrikation eingestellt worden. 70 Arbeiter wurden hier ent lassen. Auch bei den Stettiner Stömer Werten, sowohl in der bisher gut beschäftigten Autofabrik wie bei den zweigunterBergleichsvorschlag abzulehnen und tariflos weiter zu ar Die Bersammlung beschloß nach längerer Distuffion, auch diesen beiten. In den einzelnen Betrieben soll die Forderung erhoben werden, die Lohnfähe des Schiedsspruches zu zahlen. Weiter verpflichteten sich die Anwesenden, in den Betrieben die regfte Bropaganda zu entfalten, um die der Organisation noch Fernstehenden von der Notwendigkeit des organisierten Zusammenschlusses zu übernehmen( Fahrräder, Nähmaschinen und Schreibmaschinen) wurden zeugen. Bei einem besseren Organisationsverhältnis hätte die Lohn bewegung bestimmt einen anderen Erfolg gebracht. Was man ftellungslosen Frauen zu bieten wagt. Uns wird geschrieben: Im Berliner Lokal- Anzeiger" erschien folgendes Inserat: Suche sofort eine erfahrene Frau oder Fräulein, die mit schriftlichen Arbeiten Bescheid weiß. Erfragen Rottbuffer Damm 13, Destillation. Den Bewerberinnen wurde bei der Meldung Rottbuffer Damm gesagt, die Vorstellung müßte Heideftraße erfolgen. Also nochmals Weg und Fahrgeld und dann folgendes Angebot: Arbeitszeit von 8 Uhr früh bis 10 refp. 11 Uhr abends, Tischzeit unbestimmt, neben Dieses beschämende Angebot murde von der Firma Fuhrgeschäft bei Hauswirtschaftshilfe, Außendienst, Cohn monatlich 50 Mart. Müller, NB., Heideftr. 49, gemacht. Derartige Firmen müßten auf die schwarze Lifte gelegt und bontottiert werden. Der Wiener Bäckerstreik. Allgemeiner Brotmangel. wegen Mangels an Aufträgen Betriebseinschränkungen und Kurzarbeit durchgeführt. Die Gesamtzahl der Arbeitslosen stieg in der vergangenen Woche in Pommern um rund 1200. In Stettin find allein etwa 2000 Metallarbeiter arbeitslos. Der Absatz des deutschen Kalifyndifats im Oftober 1925 betrug 785 879 Doppelzentner Reintali. Der Gesamtabsatz der ersten zehn Monate des Jahres beträgt 11 086 589 Doppelzentner Reintali gegen 6831772 Doppelgentner Reintali in ben ersten zehn Monaten 1924. Vorträge, Vereine und Versammlungen. Reichsbanner Schwarz- Rof- Gold". Gefchäftsstelle: Berlin G. 14. Gebaftianfte. 37/38, Sof 2 Tr. Friedrichshain. Heute Mittwoch abends 8 Uhr, 3. Gettlon. Boigt straße 25. Abends 8 Uhr, 1 u. 2. Gettion bei Beber, Stralauer Allee 31b. Charlottenburg, Rameradschaft Spree. Abends 8 Uhr. Restaurant Büttner, Ber fammlung. Bortrag Kamerad Rarl über: Berliner Märztage 1848" und„ Berlines Revolution 1918" Pflichttag. Kameradschaft 800, Donnerstag, den 5, abends 8 Uhr, bei Thunad, Wielandstraße 4, Bersammlung. Vortrag Kamerad Holge über: Not wendigkeit der neuen Organisation" und Weitere Aufgaben des Reichsbanners". Reutölln. 1. u. 2 8ug, Mittwoch, den 4, abends 8 Uhr, Uebergabe der Frauenfpende an das Tambourtorps in der Rottbuffer Riaufe, Rottbusser Damm 90; gemütliches Beiſammensein Wien, 4 November.( Eigener Drahtbericht.) Der Streiflichtag. der Wiener Bäder bauert in ungeminderter Schärfe fort. Infolge. beffen ist ein allgemeiner Mangel an Brot und Ge bad eingetreten. Außer der Bäderei des Konsumvereins ar= beitet nur eine städtische Bäckerei, die die Krantenanstalten beliefert. Es finden heute nochmals Berhandlungen statt, von deren Ausgang Die Forttauer des Streits abhängen wird. Deutscher Belleibungsarbeiter- Berband. Filiale Berlin, Sebaftianftr. 37/38 Herrenmaß- Branche! Freitag, abends pimttl. 7 Uhr, Funktionär Bersammlung in den Räumen des Deutschen Bekleidungsarbeiter- Berbandes. Sebaftianfte. 37/38 unb was nun? Jeder Funktionär obengenannter Branche hat bie Berpflichtung, Sof ptr Tagesordnung: Die Ablehnung des Schiedsspruchs burch die Arbeitgeber pünktlich zu erscheinen. Jedes Geschäft muß vertreten fein! Die Branchenleitung Tapeten 1025 Pf. 30 Pf. 35 Pt. Riefenauswahl in allen Preislagen herrliche Muster Tapeten- Magazin Humboldt Brunnenstraße 112, Ecke Voltastraße nur 1. Etage, fein Laden. ( Singfrei, daher konkurrenzlos billig.) Borzeiger erhält 5% Rabatt. 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