Nr. 527 42. Jahrg. Ausgabe A nr. 269 Bezugspreis: Böchentlich 70 Bfennig, monatli 3, Reichsmart voraus zahlbar. Unter Rreusband für Deutschland, Danzig. Saar und Memelgebiet, Veſterreich. Litauen, Luxemburg 4,50 Reichsmart, für das übrige Ausland 5,50 Reichsmart pro Monat. Der Bormärts mit der Sonntags beilage Boll und Reit mit Gieb lung und Aleingarten fomie der Beilage Unterhaltung und Biffen und Frauenbeilage Frauenftimme erfcheint wochentäglich zweimal, Sonntags und Montags einmal. Telegramm- Abreffe: Sozialdemokrat Berlin* Morgenausgabe Vorwärts Berliner Volksblatt 10 Pfennig Anzeigenpreise: Die einfpaltige Ronpareille. seile 30 Pfennig. Reklamezeile 5, Reichsmart. ,, Aleine Anzeigen das fettgedruckte Wort 25 Pfennig ( zulässig zwei fettgedruckte Worte), jedes weitere Wort 12 Pfennig. Stellengesuche das erfte Wort 15 Pfennig, fedes weitere Wort 10 Pfennig. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worre Arbeitsmarkt Reile 60 Pfennig. Familienanzeigen für Abonnenten Beile 40 Pfennig. Anzeigen für die nächste Nummer müffen bis 4½ Uhr nachmittags im Sauptgeschäft, Berlin SW 68, Lindenftraße 3, abgegeben werden. Geöffnet von 8½ Uhr früb bis 5 Uhr nachm. Zentralorgan der Sozialdemokratifchen Partei Deutschlands Redaktion und Verlag: Berlin SW. 68, Lindenstraße 3 Sonnabend, den 7. November 1925 Fernsprecher: Dönhoff 292-297. Mussolinis Ablenkungsmanöver. Allgemeine Skepsis gegenüber den Attentatsversionen. " " Das faschistische Italien befindet sich in einem mahren| man ermessen tönnen, bis zu welchem Grade der moralischen Freudentaumel über die Aufdeckung" des Attentatsplanes" Bersumpfung das faschistische Italien gesunken ist! gegen Mussolini. Diese Freude findet ihren Ausdruck auch in Gewalttaten, die trotz der Mahnungen Mussolinis und Farinaccis an verschiedenen Stellen Italiens, vor allem in Triest, verübt wurden. Außerhalb Italiens begegnet die Attentatsgeschichte ausgesprochener Stepsis. So zeigt selbst der Teil der deut fchen Bresse, der sonst mit Mussolini sympathisiert und es niemals verfäumt, der Sozialdemokratie etwas am Zeuge zu fliden, wenig Neigung, die Komplottsmeldungen tragisch zu nehmen. Sogar ein rechtsstehendes Blatt wie die„ D. A. 3." läßt in einem sorgfältig abgewogenen Leitartikel dieselben Zweifel durchblicken, die im„ Borwärts" von der ersten Stunde an sehr entschieden zum Ausdruck gebracht wurden. Demokratische Organe, wie der Reichsdienst der Deutschen Presse", die Bossische Zeitung" und die„ Berliner Boltszeitung", machen aus ihren Zweifeln fein Hehl und bringen die Komplottangelegenheit mit dem bevorstehenden Matteotti Prozeß in Verbindung. " Auch im Ausland wird Mussolini in seiner neuen Rolle als Märtyrer feine Lorbeeren ernten. Mögen auch die in Rom aftreditierten Diplomaten, einschließlich des deutschen Botschafters, dem Ministerpräsidenten ihre Glückwünsche ausgesprochen haben etwas anderes blieb ihnen allerdings nicht übrig, nachdem der König das Signal zu dieser Sym pathieposse gegeben hatte, die öffentliche Meinung Europas wird sich dadurch kaum beirren lassen. In diplomatischen Berliner Kreisen nimmt man die Attentatsnachrichten aus Rom nur insofern ernst, als man schlimme Rückwirkungen in Italien selbst befürchtet. Jmmer seltsamer. Rom, 6. November.( Meldung der Agenzia Stefani.) Einige Personen, die unter dem Verdacht stehen, als Helfershelfer an dem Komplott gegen Mussolini beteiligt gewesen zu sein, wurden verhaftet. Die Zeitungen legen der Tatsache eine große Bedeutung bei, daß 3aniboni 3 immer in drei Hotels gemietet hatte ( wahrscheinlich, damit er ja nicht auffalle!! Red. d.„ B."), die sämtlich in der Nähe des Palazzo Chigi liegen und daß man von den Baltons der gemieteten Zimmer aus den Balkon sehen kann, auf dem Mussolini dem Vorbeimarsch des Festzuges beiwohnen wollte. Von den Fenstern dieser Zimmer aus hätte man leicht mit einem Gewehr auf Mussolini schießen können, da die mittlere Entfernung bis zum Balkon des Palazzo Chigi rund 80 meter beträgt. Rom, 6. November.( EP.) Die Idea Nazionale" meldet, Zaniboni sei heute einem zwei stündigen Berhör unterzogen worden, bei dem er sich sehr zynisch benommen habe. Bei seiner Festnahme sei er im Beſize einer neuen Pistole der Marke Stein ( foll wohl heißen: Steyr, um den Verdacht auf österreichische Beteiligung zu lenken. Red. d.„ B.") befunden worden, die mit zwölf Schüssen geladen gewesen sei. In seinem Automobil feien sechzig weitere Patronen gefunden worden, die offenbar auf der Flucht zu seiner Berteidigung dienen sollten. Die Polizei sucht eifrig diejenige Person, die den Karabiner geliefert hat, und scheint schon auf ihrer Spur zu sein. Zaniboni der Faschistenfreund. Die Zweifel der ersten Stunde sind übrigens durch alle Befürworter einer Versöhnung zwischen Faschisten und den sozialistiRom, 6. November.( Ep.) 3aniboni war seinerzeit eifriger feither mitgeteilten Einzelheiten nur noch verstärkt wor: schen Gewerkschaften und hatte zu diesem Zwed lange mit d'Annunzio worschen Len. Auch von 3 aniboni stellt es sich jetzt heraus, daß und dem damaligen Kammerpräsidenten Semiola unferhandelt, die er aus der Sozialistischen Partei vor mehr ebenfalls für diese Idee eingenommen waren. Die„ Tribuna" erals Jahresfrist ausgeschieden war, war, nach innert daran, daß Janiboni wegen seiner Zweideutigkeit nach der anderen Meldungen sogar ausgefchloffen Ermordung Matteottis vom Borstand der Einheitssozialisten durch wurde wegen seiner zweideutigen haltung eine öffentliche Erklärung aus der Partei ausgeschlossen wurde. Bei gegenüber dem Faschismus. Das hat Mussolini den letzten Wahlen in Julisch- Venetien war Zaniboni unterlegen. nicht daran gehindert, die ganze Sozialistische Partei aufzu Der Mailänder Avanti" dagegen behauptet, daß Zaniboni vor lösen und ihre Presse zu unterdrücken. Das ist ungefähr fo, vielen Monaten freiwillig aus der sozialistischen Partei aus rein theoretisch gesprochen, wie wenn Maurenbrecher getreten sei, weshalb man nicht begreife, warum die Berantwortung putschen würde, und die Reichsregierung zur Strafe dafür für sein Vorhaben einer ganzen Bartei untergeschoben werde. die Sozialdemokratische Partei Deutschlands auf Grund des Die Sozialisten komploffierten grundsätzlich nicht. Der faschistische Art. 48 der Verfassung mit der Begründung auflösen wollte," Impero" verlangt von der Regierung die sofortige Gin daß Maurenbrecher vor Jahren Mitglied der SPD. war! führung der Todesstrafe für alle, welche gegen das Leben Gerade durch diese ebenso grotesken wie grundlosen Verfol- des Königs oder des Regierungschefs die Hand erheben. Wir wollen gungen unserer italienischen Genossen fordert Mussolini den teine Ungefeßlichkeit(!!), wünschen aber faschistische Gesetze. Zaniboni, Berdacht heraus, daß das Komplott gegen ihn ein Lodder feige Meuchelmörder der Freimaurerei, muß degradiert und erSpigelwert war mit dem vorbedachten Ziel einer noch schossen werden." Inzwischen ist Zaniboni im Gefängnis Regina schärferen Knebelung der Opposition. Coeli dem ersten Berhör unterzogen worden. Der„ Popolo di Roma" schreibt: Da noch Fahndungen sehr heifler Natur im Gange feien, tönne man noch nicht alle Einzelheiten des glänzenden Vorgehens der Polizei bekanntgeben. Es fragt sich nur, ob Mussolini auch den anderen Zweck der Aktion, nämlich die Vermeidung eines einigermaßen geordneten Matteotti- Prozesses, erreichen wird. Daran wird Der Beschluß der Reichstagsfraktion. Billigung der Haltung des Fraktionsvorstandes. Baldige Einberufung des Reichstags. Die sozialdemokratische Reichstagsfraktion trat am Freitag das erstemal nach den großen Ferien wieder zusammen, um sich mit der politischen Lage zu befassen. Das Ergebnis der dreistündigen Aussprache, die sich einem Referat des Genoffen Hermann Müller anschloß, wurde in folgender Entschließung niedergelegt: Die fozialdemokratische Reichstagsfraktion billigt die Haltung, die der Fraktionsvorstand bisher eingenommen hat, und beauftragt ihn, fofort mit dem Reichstagspräsidenten wegen der als baldigen Einberufung des Reichstags in Verbindung zu treten. Zugeständnisse? Ein unfreiwilliges Eingeständnis. Der Reichsdienst der Deutschen Presse" will aus der Regierung nahestehenden parlamentarischen Kreisen erfahren haben, daß man in diesen Kreisen eine Reihe von Maßnahmen erörtert habe, die als 3ugeständnisse an die Sozialdemokratie gedacht wären. von der Umfassteuer nur 75 Proz. in Anspruch zu nehmen, sobald etwa die Hälfte der veranschlagten Beträge aus dieser Steuer bezahlt sei, so daß im zweiten Halbjahr mur noch 25 Proz. des Gesamtbetrages zu erheben sein würde. Schließlich solle die gesamte Handelspolitik fünftig auf der Basis einer zielbewußten Exportförderung fortgeführt werden. Was in dieser Mitteilung als Zugeständnisse an die Sozialdemokratie bezeichnet wird, ist eine Reihe von notwendigen Reformen, die jeder in Deutschland begrüßen wird. Wenn die Reichsregierung diese Reformen als Zuge ständnisse an die Sozialdemokratie erwägt, so setzt das voraus, daß diese Reformen möglich und durchführbar find. Dann wäre es aber die Pflicht einer jeden Reichsregierung, diese Reformen unabhängig von der politischen Konstellation von sich aus durchzuführen, und die Pflicht jeder Partei, fie zu fordern und durchzusetzen. Die Tatsache, daß man mögliche und notwendige Reformen nur als Zugeständnisse an die Sozialdemokratie zu machen bereit ist, beweist mur, daß die Teilnahme der Deutschnationalen an der Regierung bisher notwendige und mögliche Reformen verhindert hat, die im Interesse des ganzen Volkes schon längst hätten durchgeführt werden müssen. Man habe dabei an eine Reform der Beamtenbe Wirth zurückgekehrt. Der frühere Reichsfangler Dr. Birtb foldung, an eine Ratifizierung des Washingtoner ist am Freitag von seiner Amerikareise nach Deutschland aurid Abkommens über die Arbeitszeit, an Steuererleich gefehrt. Er feste von Bremerhaven aus die Reise nach Berlin terungen bei fleinen Einkommen, an Reformen im fort, wo er bereits am Freitag abend eintraf und Gelegenheit Versicherungswesen und in der Kriegsbeschänahm, sich von seinen politischen Freunden über die politische und digtenfürsorge gedacht. Ferner sei erwogen worden, parlamentarische Lage unterrichten zu lassen. Vorwärts- Verlag G.m. b. H., Berlin SW. 68, Lindenstr.3 Boftfchedtonto: Berlin 37 536 Bankkonto: Bank der Arbeiter, Angestellten und Beamten, Wallstr. 65; Diskonto- Gesellschaft, Depofitentaffe Lindenstr. 3. Zollkrieg mit Spanien. Spanien kündigt Kampfzölle an. maßnahmen. - Deutsche GegenDie spanische Regierung hat die mit Deutschland geführten Handelsvertragsverhandlungen abgebrochen und formell den 3011frieg erklärt. Auf deutsche Waren werden die höchsten Zollfäße mit einem weiteren Aufschlag von 80 Pro3. erhoben. Die deutsche Regierung fündigt Gegenmaßnahmen an. die Der Ausbruch des offenen 3ollkrieges mit Spanien tommt nur denjenigen unerwartet, die an das handelspolitische Geschick der Regierung Luther geglaubt haben. Dieses famose Kabinett hat es fertig bekommen, entgegen der Meinung maßgebender Industriekreise, auf den bloßen Wunsch der Deutschnationalen hin, den spanischen Bertrag zu fündigen, um die hohen Weinzölle am 16. Oftober dieses Jahres in Kraft setzen zu können. Der Termin ist verstrichen Weinzölle des spanischen Bertrages sind noch in Kraft, aber nicht gegenüber Spanien, sondern gegenüber Italien, das bis zur Ratifikation des mit ihm abgeschlossenen Bertrages im Genuß der von Spanien für seinen Weinbau ausgehandelten Vorteile bleibt. Schon diese Tatsache beweist, Gile hatte, und daß fie vom Berhandlungsgegner als ein daß die Kündigung des spanischen Vertrages gar feine Aft der Handelsfeindschaft gedeutet werden mußte. andere rollte sich zwangsläufig ab. Schon seit dem 16. Dftober stößt die deutsche Wareneinfuhr auf die größten Schwierigkeiten, wenn sie nach Spanien gelangen foll. Spanien setzte die höchft fäge seines Zolltarifs in Kraft, genau wie Deutschland. Es wurde aber noch weiter verhandelt, in demselben Stile, der schon die früheren Verhandlungen mit allen möglichen Ländern so unglaublich erschwert hatte. Interessierte Sachverständige fein Arbeitervertreter war unter ihnen fuchten ihre Sonderwünsche um jeden Preis und mit allen möglichen Wintelzügen durchzusetzen. Bis das dieses Land die Anweisung zum Abbruch der Berhandlungen ganze Theater einem Bariner zu langweilig und foftspielig wurde. Zufällig war diefer Partner Spanien, zufällig gab diefes Land die Anweisung zum Abbruch der Berhandlungen und begann mit den Maßnahmen des offenen Kampfes. und begann mit den Maßnahmen des offenen Kampfes. Alles Es hat gar feinen 3wed, über die Tragweite dieses Kampfes hinwegtäuschen zu wollen. In einem Zeitpunkt ft eigender Arbeitslosigkeit wird die deutsche portfähigkeit und die Beschäftigungsmöglichkeit auf das empfindlichste geschwächt. Denn von jetzt ab gibt es fast keine deutsche Ausfuhr nach Spanien mehr; es tritt vielmehr ein Zolltarif in Spanien in Kraft, dessen Wirkung die deutsche Industrie schon deshalb gut kannte, weil sie ihn fchon einmal, vor dem Abschluß des Bertrages zu spüren betommen hatte. Der Tarif, Höchstzölle plus 80 Broz. Zuschlag, mirtte auf den deutschen Export zum großen Teil prohibitiv", stellt die Denischrift zur Begründung des spanischen Vertrages ausdrücklich fest. Und weiter fennzeichnet die deutsche Regierung ihre Absichten beim Abschluß des Bertrages wörtlich folgendermaßen: Ihr Bestreben ging daher dahin, bis zum Eintritt günstigerer Verhältnisse und eines geeigneten Zeitpunktes für Berhandlungen über einen endgültigen Handelsvertrag, ein Provisorium zu fchaffen, um mit dem Ablauf des Handelsabkommens den Eintritt eines pertragslosen 3ustandes zu vermeiden, der infolge Anwendung der Säge des Magimaltarifs mit Hinzurech nung des 80prozentigen Valutazuschlags eine 3ollerhöhung um 500 bis 600 und mehr Prozent für die deutschen Waren zur Folge gehabt häfte. Fast alle Industrien zogen aus dem Bertrag Nutzen. Sagt doch die erwähnte Denkschrift: Um den Wert der erzielten 3011vergünstigungen rigtig einschäßen zu können, jei darauf hingewiesen, daß unsere Ausfuhr nach Spanien von besonderer Bedeutung für die Maschinen, die elektrotechnische, die Werkzeug, die chemische, die Leder, Fahrrad- und Automobil. industrie, ferner die Industrie der kleinen Eisenwaren und der Küchengeräte sowie die Uhren, Bijouterie warenund Spielwarenindustrie ist. Für die Erzeugnisse dieser Industrien oder doch für wesentliche Teile ihrer Produktion ist eine Herabfegung der spanischen Einfuhrzölle unter die zweite Kolonne eingetreten. Aber auch die Erzeugnisse einer Anzahl anderer Industrien sind bei den Zollherabfegungen berücksichtigt worden, so die Industrie der Steine und Erden, die Asbestindustrie, die Glasund Holzindustrie, die Papierverarbeitung( Postkarten), das Druckgewerbe( Bilder, Stiche, Lichtdruce), die Knopf, Tertil, Kautschuk, Hut- und Binfelindustrie. Bisher hat noch kein Regierungsbeamter zu behaupten gewagt, daß unsere Warenausfuhr nach dem Kriege zu groß fei. Die Deutschnationalen allein haben es fertig bekommen, den Export nach Spanien, der im ersten Halbjahr dieses Jahres an Fertigwaren allein 69,2 Millionen Mart betrug, den Intereffen eines Standes, der deutschen Weinbauern, zu opfern, die im ganzen Jahre 1924 nur für 94 Millionen Mark Wein erzeugen fonnten! Um die ,, nationale Arbeit" eines fleinen Teils der deutschen Weinbauern zu schüßen, hat man einen Export preisgegeben, der Zehn tausenden von ebenfalls nationalen Industriearbei. tern Beschäftigung bot. Dabei war und ist den notleidenden Weingärinern auf andere Weise zu helfen. Keinesfalls fann ihnen der Zollkrieg nutzen, der viele Deutsche um Arbeit und Lohn bringt und damit auch zahlreiche Arbeiter in West- und Süddeutschland, den Gegenden großen Beintonfums, zum Verzicht auf ihren Schoppen leichten Beines zwingt. Dadurch aber werden die Preise, die der Weinbauer erhält, nicht höher. Crotest ist es zu sehen, wie die deutsche Industrie, die sonst über mangelnden Abfag und Konkurrenzunfähigkeit am Weltmartt stöhnt, eine Politik bezahlt, die ihr selbst an den Kragen geht. Ohne die Zustimmung der Deutschen Volkspartei zu dem Zolltompromiß und zum Antrag der Deutschnationalen auf Kündigung des spanischen Bertrages war diese ganze Entwicklung unmöglich. Sie wird die deutsche Volkswirtschaft, vor allem aber die Arbeiterschaft teuer zu stehen kommen. Gegenmaßnahmen Deutschlands find jetzt unvermeidlich. Ob und wann sie zu einem Erfolg führen werden, das steht noch dahin. Der Zollkrieg mit Spanien ist um jo bedenklicher, als er nur ein Teil aus der Kette fortgefeßter Fehlschläge der deutschen Regierung in Fragen der Handelspolitik ist. Gewiß hat man mit Belgien und Italien Tarifverträge ab geschlossen. Aber wir haben auf der anderen Seite Bollfrieg mit zwei Staaten, wir haben noch immer nur einen faulen Waffenstillstand mit Frankreich; es fehlen vor allem noch Berträge, die mit einer Nieberlegung der Zollschranken des Auslandes auch die eigenen Bollmauern herabseßen. Daran ändern bekanntlich die Meistbegünstigungsverträge mit Rußland, Amerika, England und anderen Ländern nicht das ge: ringste! Der deutsche Zolltarif von 1925 fand selbst bei seinen Anhängern vielfach nur deshalb Buftimmung, weil er als Berhandlungsinftrument bezeichnet wurde. Laufen die Verhandlungen weiter so, daß dem Abschluß jedes neuen Tarifvertrags mit dem einen Staate der Rollkrieg mit einer anderen Macht folgt, so bleiben wir auf den hohen Zöllen fizen, die Preise bleiben hoch, die Kartelle behalten ihre Gewalt, der deutsche Export muß zwangsläufig finfen, weil der Industrie der aufnahmefähige Markt einer vollbeschäftigten und gut bezahlten Industriearbeiterschaft fehlt! Obendrein aber droht die Gefahr schwerer Konflitte mit den eigentlichen Handelsstaaten, für die es auf die Dauer unerträglich wird, mit Deutschland zu handeln, wenn die ein zelnen Waren Herkunftszeugnisse tragen müssen und wenn etwa der holländische Importeur, der spanische Apfelsinen für Deutschland gekauft hat, nicht weiß, ob er sie morgen noch über die Grenze bringen fann! Schon einmal warnten wir davor, die Führer der deutschen Wirtschaftspolitik sollten sich davor hüten, einen handelspolitischen 2. Auguft 1914 heraufzubeschwören. Was nüht der politische Friebe von Locarno, wenn ihm nicht der Wille zu wirtschaftlicher Gemeinschaftsarbeit der Völker zur Seite steht? Man fann die Rechte, die die deutsche Arbeiterschaft auf die deutsche Handelspolitik hat, ignorieren. Aber man fann nicht hindern, daß die Mehrheit des deutschen Boltes die handelspolitischen Generalstäbler zur Berantwortung zieht, wie fie es verdienen. Der Ronflitt mit Spanien ist da; er muß ausgetragen werden. Aber auch die Leute find noch da, die ihn heraufbeschmoren. Man wird fie daran erinnern, wenn die wachsende Not des wachsenden Heeres ber Erwerbslosen und unterentlohnten nach Abhilfe schreit. Der Nachfolger Frunjes als ruffiicher Kriegsminister ift der bis herige Befehlshaber des Moslauer Korps, Borofiloff. Sonderbarer Uebereifer. Der„ Berein Deutscher Ingenieure zu Berlin" verwendet in seinem neuen Adreßbuch für die alte deutsche Stadt Eger nur noch den tschechischen Namen heb. Eger ist so gut wie rein deutsch, es bat außer der Garnison und einigen Staatsbeamten usw. Leinen Lichechen. --Künstler in Not. Die Lage zahlloser Geistesarbeiter ist seit der Inflationszeit, die ihnen den wirtschaftlichen Halt raubte, äußerst ungünstig geworden. Bielleicht am meisten aber unter ihnen leiden die Künstler, bie ja, in ihrer großen Masse wenigftens, diesen Halt nie befaßen und auf die günstige Wirtschaftslage natürlich auch auf die Kunstfreudigkeit der Gesamtheit angewiesen sind. Hier aber hat sich das Bild gegenwärtig so verschoben, daß der Kunstfreund, der bereit wäre, junge Runft zu fördern, nicht mehr die Mittel dazu hat, jene Kreise aber, die heute noch größere Summen für Kunstwerfe anlegen, nur solche laufen, die gesicherte Werte darstellen, deren Schöpfer also schon anerkannt sind. Aufstrebende, oft so wert volle Talente stehen dadurch im Dunkel und in der Not. Stunft ist aber für die Menschheit eine Lebensnotwendigkeit. Gehen ihre Träger unter, so ist nicht nur der Berlust einzelner mertvoller Menschen zu beklagen; viel wesentlichere Dinge verschwinden mit von keinem vernünftig Denkenden bestritten wird, Staatsaufgabe, ihnen: Kultur und Menschlichkeit. Also ist es, was ja auch wohl in diesem Falle einzugreifen, wenn private Kräfte versagen. Die Thüringer„ Ordnung". Der Justizskandal vor dem Landtag. Jena, 6. November.( Eigener Drahtbericht.) Die Staatspreffestelle des thüringischen Staatsministeriums teilt heute mit: Der Oberstaatsanwalt Dr. Frieders verbreitet in der Presse weitere Mitteilungen, in denen er gegen die Regierungserklärungen zu dem Meineidsverfahren gegen den früheren Staatsbankpräsidenten Loeb Stellung nimmt. Das Justizministerium lehnt es ab, in der Presse auf die von Dr. Frieders gebrachten Ausführungen, die immer wieder den wahren Sachverhalt verdunkein, einzugehen. restlose Erklärung werden die bereits in die Wege geleiteten Ber fahren bringen. Von den Rechtsberatern des Oberstaatsanwalts Dr. Frieders erfahren wir soeben, daß Dr. Frieders vom Justizminifterium folgendes Schreiben erhalten hat: Eine Hiermit beurlauben wir Sie mit sofortiger Bir fung. Sie haben sich bis zur endgültigen Erledigung dieses Berfahrens jedes Dienstgeschäftes bei der Staatsanwaltschaft zu enthalten." Dieser Schritt der Regierung, den Oberstaatsanwalt Dr. Frieders turzerhand hinauszuwerfen, dürfte erfolgt sein auf Grund der Erörterungen, die heute morgen der Justizskandal im Landtag von Thüringen erfahren hat. Landtagsabgeordneter Genoise Dr. Rieß griff den Justizminifter wegen seines bisherigen Berhaltens recht heftig an und schonte dabei auch den Oberstaatsanwalt Dr. Frieders nicht. Denn so führte Dr. Rieß aus-: Frieders war lange von der Partie, gegen die er heute so führte Dr. Rieß aus anfämpfen muß, nämlich der Partie der Rachejuftiz in Thüringen, wie er das in den Strafanträgen Hermann und vor allem in dem„ Schwanz" bewiesen habe, den er bem Einstellungs antrag in der Meineidssache Loeb angehängt hatte, um, wie er felbft andeutete, Loeb nicht vor seinen eigenen Freunden unmöglich werden zu laffen. Dr. Rieß warf dann auch die Frage auf, wer die außerhalb der Justiz stehenden Behörden sein sollen, eingewirkt haben und der Staatsanwaltschaft gegenüber autorativ die nach Angaben des Oberstaatsanwalts auf das Meineidsverfahren aufgetreten sind. Der Justizminister hatte am gestrigen Tage auf die bestimmte Frage, ob er seine Erklärungen im Bardtag für die ganze Regierung abgebe, geantwortet, daß er in diesem Falle nur für das Just i 3 ministerium spreche Diese wesentliche und vielsagende Einschränkung gab Dr. Rieß Veranlassung zu bemerken, daß man bei der ganzen Angelegenheit jetzt einen Stollegen des JuftizKüch3ner, im Auge habe. Außerdem machte Dr. Rieß minifteriums, nämlich den Finanzminister Dr. von des Landeskriminalamtes, Oberregierungsrat die aufsehenerregende Mitteilung, daß auch der Leiter nisch, der unentbehrliche Gehilfe des Innenministers anwalt zu bestimmen suchte, ein Schuldig zu erreichen. Sattler, auf das Verfahren eingewirkt hat, indem er den Staatsdaß man die ganze Angelegenheit nur auf ein anderes Gleis zu Auf diese Rede antwortete der Justizminister Leutheußer, schieben versuche. Die eingeleitete Untersuchung würde Aufklärung bringen, denn bis jetzt habe der Oberstaatsanwalt Frieders es abs dem Grunde, weil Frieders der Auffassung ist, der Generalstaatsgelehnt, sich vom Generalstaatsanwalt vernehmen zu lassen, aus anwalt jei in diefer Angelegenheit befangen. * Der Thüringer Justizskandal erhält über die Grenzen von Thüringen hinaus Bedeutung dadurch, daß das Berliner Organ der Deutschen Boltspartei, die Tägliche Rundfcha u", fich schüßend vor die Thüringer Justiz und den Justizminister Leutheußer stellt. Das Blatt der Boltspartei bezeichnet die Tatsachenfeststellungen der Linkspresse furzerhand als„ Lügen, Berdrehung und Berleumdung". Wir wollen nicht mit dem Blatte der Boltspartei darüber rechten, was Anftand und Moral im politischen Leben find. Nach den infamen Methoden, die in Thüringen zur Ber unglimpfung politischer Gegner angewandt worden sind, gibt es weder mit den Urhebern, noch mit den Berteidigern dieser Methoden darüber eine Distuffion mehr. Wir stellen nur fest, daß das Berliner Organ der Boltspartei, statt im Intereffe des Ansehens und der Würde der deutschen Justizbehörden Stellung zu nehmen gegen den Standal von Weimar, das Bertrauen in die deutsche Justiz mit untergraben hilft. Wir hatten bisher angenommen, daß die ver werflichen Methoden, wie sie in Thüringen gehandhabt wor= den sind, das ausschließliche Vorrecht der Völkischen und der Deutschnationalen wären. Sollen wir nun annehmen, daß auch die Deutsche Wolfspartei die Ausnutzung der Justizbehörden zur Ausübung politischen Terrors gegen politische Gegner billigt? Bayerischer Krisenwind. Erschütterung der Regierungskoalition- Monarchistischer Aktivismus. München, 6. November.( Eigener Drahtbericht.) Berschiedene Vorgänge weisen seit einiger Zeit darauf hin, daß in Bayern wieder einmal risenluft weht. Zunächst scheint die Grundlage der bayerischen Regierungstoalition etwas brüchig geworden zu sein. Es besteht fein 3weifel, daß die Freundschaft zwischen Bayerischer Volkspartei und den Deutschnatio nalen erheblich fühler geworden ist, je weiter sich große Teile der Bayerischen Volkspartei dem Zentrum genähert haben und die bayerischen Deutschnationalen sich auf den äußersten Flügel ihrer Partei an die Seite der„ Deutschen Zeitung" gestellt haben. Ein bireft gespanntes Berhältnis besteht aber zwischen der genossen, dem Bayerischen Bauernbund, dessen linker Bayerischen Volkspartei und dem dritten Koalitions Flügel um Gandorfer und Kübler, die bekanntlich 1918 eng mit den niederbayerischen Bauern eine Agitation treibt, die außer Eisner verbündet waren, start an Einfluß gewonnen hat und bei ordentlich scharf und der Bayerischen Volkspartei sehr unbequem iſt. Sollte aber auch der Bauernbund die Regierungskoalition fündigen fall die Krüden der völlischen Frattion leihen, nachdem die radikalen und in die Opposition gehen, so würde sich eben Dr. Held im NotHitler- Leute aus dieser Fraktion ausgeschieden sind. Mehr aber als von diesen beiden Gefahrenherden ist die banerische Regierungspolitik gefährdet vom Aktivismus der mon archistischen Bewegung. Rönigsbund seit Monaten eine besonders rege Agitation im Daß der Heimat und ganzen Lande entfaltet hat, ist allgemein bekannt. Hinter deir Kulissen hat er aber offenbar noch mehr getan und sich mit Regierung gefommen find. Eine dem bayerischen Ministerpräsidenten illegalen Dingen befaßt, die jetzt zur Kenntnis der bayerischen der Allgemeinen Rundschau", daß in immer weiteren persönlich und dienstlich nahestehende Persönlichkeit beklagt nun in Dr. Held verdächtigt wird und daß in letzter Zeit auch persönlichkeiten Kreisen das monarchische Bekenntnis des Ministerpräsidenten die man ernster nehmen muß als den Redakteur des Miesbacher Anzeigers", sich der attivistischen Bewegung im Monarchismus angeschlossen hätten. Wörtlich heißt es dann: Man hat neben dem Bund Bayern und Reich einen neuen Rampfbund von Bayerntreuen" gegründet und will ihn zum attiven Sturmtrupp des monarchistischen Gedankens aus bauen. Kein Geringerer als General Möhl soll sich an die Spize stellen. Wer alles das fennt, was vor und hinter den Kulissen in dieser Bewegung geschieht und geplant ist, der tann nicht verschweigen, daß hier dem bayerischen Bolf und Staat eine Gefahr droht. Je offener und je frühzeitiger auf sie hingewiesen wird, um so weniger schlimm merden die Folgen dieser Gefahr sein. Gewiß versichern die Herren in Wort und Schrift, daß sie feinen Butsch und feine Revolution wollen, aber haben das nicht auch die Leute um Hitler mit und ohne Ehrenmort versichert? Troßdem war eines Tages die Bewegung in solchen Lauf gekommen, daß fie nicht mehr aufzuhalten war und zum Zusammenprall führte. Was soll der 3med der zur Tat drän genden Aktivität in der monarchistischen Bewegung sein als eben die Tat. Wie die Berhältnisse liegen, ist die Tat aber ohne Butsch, ohne Umsturz nicht denkbar. An den hier mitgeteilten Tatsachen zu zweifeln, besteht nicht der geringste Anlaß, wenn auch die unmittelbare Sorge vor einem monarchistischen Putsch verfrüht erscheint. Immerhin ist es not wendig und verdienstvoll, dem bekanntlich zu Erzessen neigenden bayerischen Nationalismus für die nächste Seit besonders auf vie Finger zu sehen. Minimum gefunten. Sie bewegen sich für Durchschnittsleistungen| Frau die Furcht vor Schlangen abgewöhnen. Eines Tages gelingt zwischen zwei und zwanzig Mart. Von diesem Preis beträgt die Reineinnahme des Künstlers nur etwa fünfundzwanzig Prozent. tnappen Berichten, die Prof. Wiese, der Borsitzende des UnterAm erschütterndsten fühlte man das Elend der Künstler aus den ftügungsausschusses des Wirtschaftsverbandes, verlas: in einer Rellerwohnung haufen fie, die Frau ift lungentrant; ein Keramiter erhängt sich aus Not, sein Nachlaß an Werken beläuft sich auf 14 000 Sentimentalität. Aber das Bild, das sie zeichnen, ist namentos Mart. Seitenlang geht es so weiter, immer nur furze Notizen, ohne traurig. verbandes, der besonders auf den Art. 158 der Reichsverfassung hin Bon Synditus Kroeplin, bem Rechtsbeirat des Wirtschaftsdie Frage des Urheberrechts behandelt. Man tann hier mur rüd wies, der dem Schuß der Künstler gilt, wurde neben anderem auch fichtslos beistimmen: es ist ein Kulturskandal, daß Klagen, die sich gegen die Verlegung des Urheberrechts richten, jezt als Privat flagen erhoben werden müssen, da zum Einschreiten des Staats mit Recht wies der Redner auf die Beschlagnahme der verschieben anwalts das erforderliche öffentliche Interesse daran angeblich fehlt. artigsten Kunstwerte und auf einige andere staatsanwaltschaftliche Eulenspiegeleien der Kunst gegenüber hin, die alle dieses erforderliche öffentliche Interesse natürlich hatten. Alle Redner aber tamen zu dem Schluß: wenn sich für die sei, mehr als eine Million aufbringen ließ, wenn jährlich brei weitere Millionen für Museumszwecke ausgegeben werden, so müssen erst recht für die lebende Kunst die Mittel zur Erhaltung und Förderung vorhanden sein. Museumstunft mag gut und nüßlich sein, immer aber erst dann, wenn ihre Förderung nicht zur Abtötung der lebenden Kunst führt mit warmherzigen Worten pflichteten Bertreter der verschiedensten Landtagsfrattionen diesen Ausführungen bei und versicherten den versammelten Künstlern gleichzeitig, daß die Annahme ihres Antrages sicher sei, die Höhe der zugewiesenen Beträge bei der augenblicklichen Finanzlage natürlich noch zweifelhaft. Eins ist ficher: Hilfe ist not, bitter not und kommt sie nicht schnell, so dürfte es für eine ganze Künstlergeneration zu spät sein Im Landtag liegt auch bereits ein Antrag vor, der die Bereit stellung von Mitteln zu einer Hilfsaktion für die Künstler fordert. Um die Notwendigkeit seiner Annahme zu beweisen, hatten sich Angehörige der verschiedenen Künstlervereint- attische Göttin in unserem armen Staat, von welcher Seite es immer gungen zu einer Versammlung im Plenarjaale des Herrenhauses zusammengefunden, die vom Reichswirtschaftsverband der bildenden Künstler einberufen worden war. Für den erfranften Prof. Kampf führte den Vorsiz Baluschet. Er begründete die Forderungen der Künstler, die diese Hilfe nicht als ein Almojen, sondern als eine staatliche Gabe haben wollen, die es ihnen ermöglicht, für die Allgemeinheit zu schaffen. Balufchet, wie auch die folgenden Redner des Abends, betonte, daß das wesent liche für den Künstler sei, ihm die Möglichkeit zum Kunstschaffen zu geben. Der berufene Künstler fann und soll sich nicht auf eine andere Tätigkeit umstellen, die seine geistigen und förperlichen Kräfte verbraucht. Die bewilligten Mittel müßten auch den Künstlern zur freien Selbstverwaltung, wenn auch unter staatlicher Kontrolle, über lassen werden, da kaum ein Außenstehender imftande sein kann, die Notwendigkeit einer Unterstügung zu beurteilen. Vor allem erstrebt man die Einrichtung von Darlehenstaffen, damit augenblicklicher Not abgeholfen werden kann und der Künstler Pfändungen, ja dem Berlust des Ateliers( über 450 Ateliers find in Berlin schon nicht mehr im Besiz von Künstlern) oft um verhältnismäßig fleiner Summen willen entgeht. Nach Prof. Krauß, dem Borsigenden der Bildhauervereinigung, der sich im wesentlichen den Ausführungen Baluschets anschloß, fproch für den Verein der Deutschen Gebrauchsgraphifer Herr Bastanier, der darauf hinmies, daß selbst dieser Zweig der bildenden Kunst, auf den sich sonst die notleidenden Künstler retteten, heute überfüllt ist. Die Nachfrage ist im Verhältnis gering, und es tommt daher nicht selten vor, daß von größeren Unternehmern an die Künstler die Forderung gerichtet wird, unentgeltlich ihre Entwürfe zur Verfügung zu stellen, mur um befannt zu werden. Auch im Kunsthandel find die Preise für Graphitblätter auf ein Der Wursteinkauf bringt es an den Tag. grundsäglich nur deutschnationale Bresseerzeugnisse. Der gefchäfts. Mein Wurstfabrikant verwendet zum Einpaden seiner Ware gewandte Mann beweist durch diese seine Gepflogenheit eine hervor. Die Schwarzweißroten find beglüdt, weil sie ihn für einen Ge ragende psychologische Begabung. Er verdirbt es mit feiner Partei. finnungsgenossen halten, und die Republikaner sind zufrieden, weil er die Drudschriften des Herrn Hugenberg nach Berbienft würdigt. Neulich schlug der fluge Mann meinen Aufschnitt in einige Blätter der Nummer der Woche" vom 5. September d. J. ein. Ich bebevor ich sie in den Mülleimer warf. Da fiel mein Auge auf eine tomme dieses Blatt sonst nie in die Hand und überflog die Bogen, Stizze Eva und die Schlange" von Whatoff Allen. Ich begann fie zu lesen und wurde sehr bald interessiert Ihr Inhalt war: Ein Pflanzer in den Tropen mill auf eine etwas gewaltsame Art seiner es ihm, eine Boa constrictor zu schießen; er bringt sie nach Haus und legt sie über das Brett des offenstehenden Fensters eines für lebendig halten mußte. Lächelnd hört er die Schreie an, die Bimmers, so daß die arme Frau, wenn sie dieses betrat, die Schlange fie ausstößt, nachdem sie den Raum aufgesucht hat, stürzt ihr dann aber, als plößlich Totenſtille eintritt, geängstigt nach und muß nun fehen, daß eine andere Boa constrictor der getöteten Gefährtin Der Berfasser schließt mit den Worten: Es ist die beste Geschichte, gefolgt mar und an der Gattin des Schüßen Rache geübt hatte. bie ich seit langem geschrieben habe. Er hätte sagen müssen: abin Deutschland wenig bekannten Buche: Novel notes, Tropen geschrieben. Die Stizze entstammt nämlich dem entzückenden, aber das bei einem Lieferanten des Herrn Hugenberg von selbst versteht, stubien des Engländers Jerome K. Jerome, nur mit einigen, wie sich geschmacklosen Abänderungen und Zufäßen versehen. Die Redaktion der Woche" überläßt offenbar die Bestrafung Englands nicht mehr dem lieben Gott, sondern betreibt sie neuerdings durch Ausplünderung hin, daß mir der Genuß seiner Erzeugnisse eines Tages durch Ein. englischer Schriftsteller in eigener Regie. Ich werde meinem Fleischermeister treu bleiben auf die Gefahr widelpapier mit Poesien des Herrn Hugenberg selbst verdorben wird. In seiner Jugend hat dieser Herr nämlich in der damaligen jüngstdeutschen Zeitschrift Gedichte hyperradikalen Inhalts veröffentlicht, und da die Menschen gerade die Künste, auf deren Uebung sie fich nicht verstehen, mit besonderer Leidenschaft betreiben, darf ich annehmen, baß er immer noch den Pegasus besteigt, wenn auch nur am Sonntag. " Autounfall Slezats. Kammerjänger Leo Slezal hat gestern früh auf einer Spazierfahrt mit seinem Auto in Schlachtensee einen bedauerlichen Unfall erlitten. Der Künstler fiel beim Aussteigen aus dem sich noch bewegenden Wagen so unglücklich, daß er sich eine Berstauchung des linken Fußknöchels zuzog. Die Verlegung ist nicht gefährlich, verhindert den Künstler aber doch, sein für heute ange. fetztes Konzert zu absolvieren. Dieses wird mitte November nachgeholt. Billetts behalten Gültigkeit. Brofeffor Ostar Fichel bält für die Vol! sbühne einen Zyllus von bier Vorträgen ab, die dem Thema„ Szenisches Leben oder das bewegte Bühnenbild" gewidmet sind. Die Vorträge finden in der Aula des Kunstgewerbemuseums, Brinz- Albrecht- Str. 7a, statt. 2,50 M., für den Einzelvortrag 70 Pt. der erfte am 11. November, abends 8 Uhr. Karten für alle vier Vorträge Museumsführungen. Sonntag, den 8. Nov., vorm. 10 Uhr, finden amis liche Führungen im Neuen Museum( Aegypten in griechisch- römischer Beit) Dr. Scharff und im Kaifer Friedrich Museum( Italienisches Führungen am Eingang ber betr. Muſeen in beschräntter Anzahl erhältlich. Barod) Dr. Boz statt. Bulaßtarten au je 50 Bf. sind vor Beginn der Humboldt- Hochschule. Dr. Tobn Biener hält beute abend 8 Uhr in der Aula Dorotheenitr. 12, einen Lichtbildervortrag über feine or ungsreifen in 3entralasien Sommer 1924 und 1925". Englisches Theater. Als vierte englische Vorstellung in diefer Spielzeit gent am 8., 11 lbr vormittage, neueinstudiert im Refidenztheater The Great Ranning Adventure" in Szene. Regie: Adele Hartwig. Hauptrolle: Dr. Philipp Geheimverbände und Generalstab. Ergänzungsfragen der Entente. Kunst und Wissenschaft im Landtag. Sozialdemokratische Anträge zugunsten notleidender Künstler. Paris, 6. November.( Eigener Drahtbericht.) Das über die Freitagsigung der Botschaftertonferenz ausgegebene offizielle Rommuniqué besagt, daß die Konferenz von dem Gutachten des Militärfomitees in Bersailles zu der deutschen Note vom 23. Dt. tober Kenntnis genommen und den Tert einer für die deutsche Re- Ausführungsgeset zum Finanzausgleich vor und Das Haus nimmt zunächst die Abstimmungen zu dem gierung bestimmten Mitteilung entworfen habe, in der diese um stimmt dabei der Borlage in zweiter Lesung nach den Ausschuß verschiedene ergänzende Aufklärungen ersucht werde, in beschlüssen zu. Unter den abgelehnten Aenderungsanträgen befindet der Hoffnung, daß die deutsche Antwort den alliierten Regierungen sich auch der der Deutschen Volkspartei, der die Geltung des Gefeßes gestatten werde, nunmehr ein bestimmtes Datum für die nicht bis zum 1. April 1927, sondern nur bis zum April 1926 Räumung der Zone von Köln in Aussicht zu nehmen". ausdehnen wollte. Die dritte Beratung der Vorlage soll am MittDiese Mitteilung ist am Freitag nachmittag dem deutschen Bot- woch, den 11. November, stattfinden. schafter überreicht worden. Sie verlangt gewisse ergänzende Infor. mationen über die Reorganisation der Polizei, über die Auflösung des Generalstabes in seiner gegenwärtigen Form und über die Geheimverbände. Der deutsche Botschafter hatte am Freitag morgen eine längere Unterredung mit Briand, die außer der Räumung von Köln den Rückwirkungen von Locarno gegolten hat. Nach unseren Informationen enthält die neue Entwaffnungsnote nichts, was eine endgültige Verständigung erschweren könnte. Es darf unter diesen Umständen angenommen werden, daß die Hoffnung auf einen baldigen Beginn der Räumung von Röln sehr schnell Wirklichkeit werden wird. Im Geiste von Locarno. Ein Zirkular an die Beamten im besetzten Gebiet. Der„ Temps" vam 5. November teilt mit: Der Staatssekretär von Schubert hat dem franzöfifchen Botschafter in Berlin davon benachrichtigt, daß die Reichsregierung ihre im Jahre 1920 im Zusammenhang mit der Besetzung Frankfurts/ Main er. laffenen Rundschreiben, monach die deutschen Behörden angehalten wurden, gegenüber den französischen Besaßungsbehörden im Rheinland eine feindselige Haltung einzunehmen, zurückge. zogen wurden. Neue Instruktionen, die vom Geist des Locarno Vertrages inspiriert sind, sind an alle Beamten gerichtet worden, die in Zukunft mit ihren französischen Kollegen die wohlwollendsten Beziehungen unterhalten sollen. a Schiedsgericht im Fall Graff. Abschnitt Universitäten, Technische Hochschulen Hierauf wird die zweite Beratung des Kultushaushalts beim usw." fortgesezt. Abg. Kilian( Komm.) bekämpft den reaktionären Geist auf den Universitäten und Hochschulen. Auch der Marxismus müßte auf den Universitäten gelehrt werden. Abg. Hoff( Dem.) findet die staatlichen Einrichtungen auf dem Gebiete der Medizin nicht ausreichend und empfiehlt einen Erweiterungsantrag feiner Frattion. Auch der Pädagogik müsse die Stellung zugewiesen werden, die sie als Wissenschaft habe. Der Beist auf den Universitäten laffe noch immer sehr viel zu wünschen übrig. Wer nicht rechts gerichtet sei, werde einfach bontottiert. Abg. Dr. Klamt( Wirtsch. Bg.) mendet sich dagegen, daß man aus den Akademien politische Institute machen wolle, wie es der Abg. Waentig( Soz.) fordere. Abg. Dr. v. Brehmer( volt.) vertritt einen Antrag, der die Pharmatognofie als planmäßiges Extraordinarium der Berliner philosophischen Fakultät anerkennen laffen mill. Abg. Dr. Weyl( Soz.): Der Berliner Professor Lubarsch hat sich ohne jede Berechti. gung in die inneren Berhältnisse der Privatfliniten der Berliner Herzteschaft eingeweiht; mir erwarten, daß Remedur geschaffen wird. Die Wissenschaft muß mit der Arbeiterschaft und dem Wolfsleben in immer engere Berührung treten, um fruchtbar und lebendig zu bleiben. Abg. Dr. Semmler( Dnat.) äußert sich dahin, daß Breußen feine technischen Hochschulen ausbauen müsse. Abg Dr. Pinterneil( D. Bp.) ist derfelben Auffassung. Zum Opfer politischer Agitation sollte der Student zu schade fein. Abg. Graue( Dem.) sieht eine Gefahr darin, daß die Wissenschaft in eine faum übersehbare Menge disparater Disziplinen ausein andergefallen ist. Ueberall aber wachte uns ein neuer deutscher bealismus entgegen, die sozialen und personellen Gegenfäße der Gegenwart würden dadurch ausgeglichen, und hierin sei die Aufgabe wahrhaft nationaler Universitäten zu erbliden. Abg. Dr. Behner( Dem.) betont gegenüber Ausführungen des Abg. Lauscher, daß auch die neuen Richtlinien für das höhere Schul wesen dem Ratholizismus im Religionsunterricht Rechnung tragen. Haus geht über zur vierten allgemeinen Aussprache, der das Thema Damit schließt die Besprechung über dieses Kapitel, und das Run ft zugrunde liegt. Abg. Frau Deffreicher( Soz.): einer neuen revolutionären Kulturepoche, die nach neuen Formen Wir sind Zeugen des Absterbens einer alten, des Aufkommens des fünstlerischen Ausdrucks sucht. Hier muß das Belt selbst Richter fein. Mit dem Staatsanwalt entscheidet man derartige Probleme nicht. Alle Uebelstände einer Uebergangsperiode treten doppelt traß hervor. Die Schmerzensschreie der notleidenden Künstler find er follte die Gesamtheit unter dem schwarzrotgoldenen Banner bestrebt schütternd. Wir haben Anträge vorgelegt, die bezwecken, diese Not zu lindern. Ueber alle außenpolitischen und inneren Nöte hinweg der Bunsch vor allem der deutschen Arbeiterschaft und der deutschen sein, die deutsche Künstlerschaft zu schüßen und zu fördern. Das ist Frauen. Abg. Kimbel( Dnat.) regt an, die Einrichtung der großen goldenen Medaille für Kunst als Ansporn für die ausstellenden Künstler wieder einzuführen. Abg. Dr. Schwering( 3.) wendet sich dagegen, daß für eine alt- attische Statue eine Million Mart ausgegeben worden sei. Hundert Künstler hätten jahrelang mit diesem Betrage unterstügt merben tönnen. die Erneuerung des inneren Menschen in Deutschland herbeizuführen. Abg. Buchhorn( D. Bp.) fragt, mas das Ministerium tue, um Abg. Kerff( Komm.) erklärt, daß auch seine Partei der Not der Künstlerschaft abhelfen wolle. Es sei aber der Künstler nicht würdig, bei der Bourgeoisie betteln zu gehen. Abg. Frau Dr. Klausner( Dem.) hofft, daß sich staatlicherseits eine dauernde Hilfe für die Künstler ermöglichen laffe, ebenso wie Kredite für Handwerk und Landwirtschaft gewährt worden sind. Minister Becker weist darauf hin, daß die Not der Künstler unausgefeßt das in Frage tommende Reffort feines Ministeriums beschäftige. Abg. König- Swinemünde( Soz.) bedauert, daß der Finanzminister gegenüber der Bedeutung der Boltsbühnenorganisation so engherzig jei. Bon den 800 000 Mart, die die Sozialdemokraten für den Landesbühnenverband angefordert haben, molle er nur 100 000 Mart zugestehen. Im nächsten Etat müßten diese Mittel ganz bedeutend erhöht werden. Abg. Dr. Behner( Dem.) bezeichnet das Verbot der jüngsten deutschen revolutionären Literatur als eine fulturelle Dummheit und fragt das Ministerium, ob es für Bogelfreiheit des Schriftstellers sei. Nachdem Kultusminister Beder noch mitgeteilt hat, daß ein Runstausschuß gebildet fet, der auch für die Bühnenorganisationen zuständig ist, ist auch die letzte allgemeine Besprechung beendet, und das Haus wendet sich der Einzelberatung zu. Köln, 6. November.( WTB.) Der Brüsseler Berichterstatter der Kölnischen Zeitung" erfährt, daß die deutsche und die belgische Regierung fich dahin geeinigt haben, die infolge der Ermordung des belgischen Leutnants Graff entstandenen Meinungs- und Ur teilsverschiedenheiten dadurch beizulegen, daß ein Ausschuß ge bildet wird, dem je ein deutsches und ein belgisches Mitglied des ständigen deutsch- belgischen Schiedsgerichtes in Paris sowie ein Neutraler Schweizer) angehört. Der Ausschuß wird die Prozeß vorgänge von Aachen und Stettin untersuchen und danach entschel den. Die Untersuchung soll alsbald beginnen. Diese Regelung be. deutet nach dem bisher grundsäglich ablehnenden Verhalten Belgiens ein Entgegenkommen und beruht augenscheinlich auf dem Bestreben der gegenwärtigen belgischen Regierung, insbesondere despre arritet treng berber arbeid. Urteile im Stuttgarter Kommunistenprozeß. Außenministers Vandervelde, gemäß den Versprechungen und dem Geist von Locarno, die Beziehungen zwischen Deutschland und Belgien zu entspannen, zu überbrüden. pflichtete ebenfalls seiner Erklärung bet, daß man vor Rüdtehr Sarrails fein Urteil darüber fällen dürfe, men man für die beklagenswerten Borkommniffe im Mandatsgebiete zur Ver. antwortung ziehen müsse. Londoner Entkräftung des Sarrail- Berichts. London, 6. November.( WTB.) Evening Standard" schreibt: Sarrails verspäteter Bericht über die Ereignisse in Da mastus fei nicht überzeugend und stimme nicht mit den Madungen und Photographien überein, bie mährend der legten zwei Wochen aus zahlreichen und verschiedenen Quellen in Europa ein trafen. Die legten Nachrichten feien noch beunruhigender und alles beute darauf hin, daß neue Angriffe in großem Maßstabe zu ermarten seien. Das französische Bolt scheine noch nicht einmal jetzt den vollen Ernst der Lage zu erkennen. Syrien und der Völkerbund. Bölferbundskommission zur Untersuchung der Vorgänge in Genf, 6. November.( TU.) 3u der Frage der Entsendung einer Syrien teilt das Bölkerbundssekretariat mit, daß dieser Weg nur begangen werden fönne, wenn ein Mitgliedstaat des Bölter. bundes den Antrag stelle und Frankreich seine Genehmi gung dazu erteile. Die Frage wird in der nächsten Tagung des Bölkerbundes am 7. Dezember besprochen werden. Inzwischen habe Frankreich der ständigen Mandatskommission des Bölkerbundes versprochen, der Kommission einen ausführlichen Bericht über die Gesamtlage in Syrien voraussichtlich im Februar zu übergeben. | In der Einzelbesprechung werden eine Reihe lofaler Wünsche Forgetragen. Die Beratung geht erst in später Abendstunde zu Ende. tommenden Freitag. Das Haus vertagt sich auf Mittwoch, den Die Abstimmung über die strittigen Titel und Anträge erfolgt am 11. November. Hohe Gefängnisstrafen. Leipzig, 6. November.( Eigener Drahtbericht.) Im Stuttgarter Kommunistenprozeß wurde am Freitag folgendes Urteil gefällt: Die Angeklagten werden wegen Bergehens nach§ 7 des Republik. schußgefeßes und§ 7 des Sprengstoffgefeßes verurteilt, und zwar: Heidenreich zu 2 Jahren 6 Monaten Gefängnis unb 250 Mart Geldstrafe, Harsch und Meier zu je 3 Jahren 6 Monaten Gefängnis und je 350 Mart Gelbftrafe, Möd zu 2 Jahren Gefängnis und 200 Mart Geldstrafe und Stecher zu 1 Jahr 9 Monaten Gefängnis und 200 Mart Geldstrafe. Den Angeflagten werden 11 bis 15 Monate und die Geldstrafe auf die Untersuchungshaft angerechnet. Kommunistenunfug in Brüssel. Zwei Engländer verhaftet. Brüffel, 6. November.( Eigener Drahtbericht.) Die Polizei verhaftete hier zwei englische Kommunisten, Dutt unb FrL. Moor. oefe. Sie tamen im September aus Moskau nach Brüssel ohne Reisepaß und lebten seither hier unangemeldet. In ihren Wohnungen wurden zahlreiche aus Moskau stammende Dokumente, namentlich aufrufe zur Gehorsamsverweigerung an eng. lishe Truppen und an die Flotte fowie an die Eingeborenen der britischen Kolonien gefunden. Gegen beide ist ein Strafverfahren eingeleitet worden. Für wirtschaftliche Völkerverständigung. Tagung der internationalen Handelskammer. Paris, 6. November.( Eigener Drahtbericht.) Die Tagung, zu ber am Freitag der Borstand der Internationalen Han delstammer in Paris zusammengetreten ist, erhält besondere politische Bedeutung durch die erstmalige Anwesenheit von Bertretern der im Auguft der Handelstammer beigetretenen deutschen Wirtschaftsverbände. In seiner Begrüßungsansprache gab ber Bra fident der Handelstammer Leaf der freudigen Genugtuung über die nunmehr gesicherte Mitarbeit der deutschen Wirtschaftskreise Ausdrud. Er wies darauf hin, daß es von Anfang an Grundsag der Kammer gewesen sei, sich auf die Angelegenheiten zu beschränken, in denen eine solche Busammenarbeit möglich sei und alle Fragen, deren Behandlung die nationalen Empfindlichkeiten verlegen fönne, auszuschalten. Um so freudiger sei es zu begrüßen, daß, während die Kreise der Wirtschaft alles in ihrer Macht Stehende getan hätten, um die Intereffen des Friedens in der ihnen eigenen Sphäre zu fördern, die Staatsmänner der großen europäischen Länder ihrerseits mit Erfolg daran arbeiteten, die vorhandenen Intereffen. gegensäge auszugleichen und durch den Bertrag von Locarno In seiner Erwiderung gab der Führer der deutschen Delegation, Herr von Mendelssohn, der Versicherung Ausdrud, daß die deutsche Wirtschaft durch ihren Beitritt zur Internationalen Handels. tammer die Bereitschaft bezeugen wollte, bas Rapitel des Krieges zu schließen und ein neues Kapitel der internatio nalen Gemeinschaftsarbeit schreiben zu helfen. Erfüllt, von dem Die Vorlage der Regierung im Rechtsausschuß des tommunistischen Abgeordneten die Erlaubnis zur Abhaltung der großen Gedanken der Berständigung der Bölfer, der dem Gefühl der Würde des eigenen Boltes nicht widerspreche, wünsche die deutsche Wirtschaft aufrichtig eine solche 3usammenarbeit im Sinne des wirklichen Friedens und der allgemeinen Wohlfahrt, auf deren Grundlage jedes Bolt um so beffer seine nationale, fulturelle und ethische Eigenart entfalten fönne. Er be grüße es als ein günstiges Borzeichen dafür, daß diese Tagung, furz nachdem die europäischen Staatsmänner sich zusammengefunden hätten, um eine Grundlage für den Frieden zu schaffen, zusammen getreten sei mitten in den Wochen, in denen Deutschland der Entschlüsse harre, die darüber entscheiden würden, ob das Wert von 20 arno zur Wirklichkeit werden und einen Frieden schaffen werbe, der durch gegenseitige Achtung vor der Ehre und Freiheit des Bartners und gemeinsame Arbeit von der Wohlfahrt der Menschheit verbürgt sein solle. Er hoffe, daß die Entschlüsse dieser Woche es den Regierungen und Barlamenten aller beteiligten Bölker ermög lichen werden, dem Bertrag von Locarno zuzustimmen. Der Beitritt Deutschlands bedeute nicht nur ein Meilenstein auf dem Wege zur Wiederaufrichtung der Weltwirtschaft, sondern im befon. deren auch auf dem Wege zur Verständigung zwischen Deutschland und Frankreich. Briand über Syrien. Bericht vor dem Kammerausschuß. Paris, 6. November.( III.) Der Kammerausschuß für aus Ermächtigungsgesetz ohne Ende? Reichstage. Im Rechtsausschuß des Reichstages wurde gestern ein Gesetzentwurf der Regierung zur Ergänzung des Art. 48 der Reichsverfassung vorgelegt. Die Reichsregierung schlägt vor, ihr in der Zeit, in der der Reichstag nicht versammelt ist, zur Beseitigung ungewöhnlicher Notstände, ein Notverordnungsrecht zu geben, das an die Zustimmung des Reichsrats und des leberwachungsausschusses des Reichstages geknüpft ist. Die auf Grund dieses Rotverordnungsrechtes erlaffenen Verordmmgen sollen die Kraft von Reichs. gesehen haben, müssen aber von der Reichsregierung aufgehoben werden, wenn der Reichstag, dem sie alsbald vorzulegen sind, ihre Aufhebung verlangt. Man erinnert sich, daß dieser Gefchentwurf hervorgewachsen ist aus dem Plan der deutschnationalen Minister, die 3011gefeße mit Hilfe dieses Notverordnungsrechts unter Umgeheung des Reichs tages burchzupeitschen. Der Gefeßentwurf der Regierung fommt auf ein unbefristetes Ermächtigungsgesetz hinaus. Der Rechtsausschuß beschloß, die Angelegenheit bis Mitte Dezember zu vertagen. Am 10. November tritt in Brüssel eine internationale Konferenz tommunistischer Barlamentarier zusammen, auf der zahlreiche Länder neitreten sein sollen, das nichtparlamentarische Rußland natürlich nicht. Die belgische Regierung gab auf Ersuchen eines Konferenz unter bestimmten Bedingungen. Keine Einstellung der Kriegsprozesse. Ein bedauerliches Dementi. Brüffel, 6. November. ( BTB.) Nach einer Meldung der Belgischen Telegraphenagentur dementiert bas Juftize ministerium die von ihr gestern verbreitete Nachricht, daß es die Gerichte in einem Rundschreiben angewiesen habe, die Brozeffe gegen Deutsche niederzuschlagen, die beschuldigt werden, Kriegsverbrechen oder Kriegsvergehen begangen zu haben. Auch die Angabe, daß der Justizminister angeordnet habe, schon ergangene Urteile nicht zu rolftreden, wird als falsch bezeichnet. Das Internationale Frauenkomitee. Erfte Tagung in Amsterdam. Amsterdam, 5. November.( Eigener Bericht.) Am 3. und 4. November fand in den Räumen des Internationalen Gemertschaftsbundes die erste Tagung des Internationalen Frauen tomitees statt. Es nahmen teil: Gertrud Hanna Deutschland, Frau Chevenard- Frankreich, FrL Quailla. England. FrL Burniaur Belgien und Frau Crone. Danemarf. Die Konferenz zeigte eine einmütige Auffaffung wärtige Angelegenheiten hat heute nachmittag die Berichte Bain gari wird mitgeteilt: Der kommunistische Reichstagsabgeordnete über die besonderen Frauenfragen, vor allem über die Propa levés und Briands über die Borgänge in Syrien angehört. Painlevé gab eine eingehende Darstellung der Lage in Syrien seit Beginn dieses Jahres. Er erklärte mit Nachdruck, daß es Frant. reichs heilige Pflicht sei, das ihm vom Bälterbunde anvertraute Mandat über Syrien auch weiterhin zu behalten. Er erinnerte daran, daß Frankreich und Syrien durch traditio. nelle Bande verknüpft seien und das französische Bolt verpflichtet sei, seine zivilisatorische und erzieherische Arbeit im Lande fortzuführen. Es sei immer das Streben Staatsanwaltschaft und Immunität. Festnahme eines kommunistischen Reichstagsabgeordneten Stuttgart, 6. November.( TU) Bom Polizeipräsidium Stutt Rosenbaum, verantwortlicher Schriftleiter der Süddeutschen Rosenbaum, verantwortlicher Schriftleiter der Süddeutschen Arbeiterzeitung", ist am 5. November megen eines in der Süd deutschen Arbeiterzeitung erschienenen Artikels, der den Tat bestand eines Berbrechens der Vorbereitung zum Hochverrat ent hielt, auf Anordnung der Staatsanwaltschaft vorläufig feft- sozialen Fortschritt teilzunehmen. ganda unter den Frauen. Auf Grund der Aussprache wurden zwei Aufrufe beschlossen. Männer veranlassen, die Frauen zum Anschluß an ihre Organi Der eine soll die fationen zu bewegen, der andere fordert die unorganisierten Frauen auf, an dem Kampf der Arbeiterschaft um politischen und In den Völkerbundsausschuß für Kinder- und FrauenDie Stuttgarter Staatsanwaltschaft scheint merkwürdige bundes Frl. Burniaur, als Stellvertreterin Frau Chevenard ge schuß murde als Bertreterin des Internationalen GewertschaftsBegriffe von der Immunität eines deutschen Reichstagsabgewählt. Mit großer Genugtuung wurde die Absicht des Intergewesen, die fremden Völker im Geiste der Duldsamkeit zu erziehen, ordneten zu haben. Die Festnahme eines Abgeordneten wegen nationalen Gewertschaftsbundes begrüßt, über die geeines Pressedelikts ist entschieden ein Uebergriff. so daß sie sich selbst regieren tönnten. Zur Erfüllung dieser Aufgabe habe die französische Regierung beschlossen, den Senator Henri de Souvenel als hohen Kommissar nach Syrien zu entsenden. Briand bestätigte mit allem Nachdrud die Ausführungen Painlevés und genommen worden. Der lettische Staatspräsident Janis Ticatste it durch das neugebildete Parlament( Saeima) wiedergewählt worden. Er gehört bem demokratischen Zentrum an. fegliche Regelung des Schußes der arbeitenden Frau eine Flugschrift zu veröffentlichen Ausführlich wurde u. a. auch das Problem der Heimarbeit behandelt und der Wunsch geäußert, daß der Internationale Gemertschaftsbund über die Zu stände in der Heimarbeit eine eingehende Untersuchung veranlaßt. Gewerkschaftsbewegung Wie die Gelben„ fechten". Das charakteristische Unterscheidungsmerkmal zwischen den Gewerkschaften und den„ vaterländischen Gelben besteht eben darin, daß die Gewerkschaften tämpfen und jene fechten". Sie fechten über all, hauptsächlich bei den Unternehmern, denen sie ihre Dienste anbieten gegen die gewerkschaftlich organisierten Arbeitnehmer. " Die Baterländischen" geben ein Wochenblatt heraus, die " Deutsche Werksgemeinschaft". Damit das Geschäft beffer geht, nahmen sie den Schnappsad auf den Buckel und riefen aus, es müsse gelten, ,, insbesondere in den weitesten Kreisen der Wirtschaft, der Bolitik und der Wissenschaft(!) für die Wertsgemein= fchaftsbewegung eine größere Werbetätigkeit zu entfalten, als solches bis jetzt möglich gewesen ist" Sie prahlten, ihre ebenso hoffnungslosen als unfagbar niedrigen Treibereien feien ausschlaggebend für den wirtschaftlichen und geistigen Wiederaufbau unseres Boltes". Die Unternehmer müßten daher ihren Bestrebungen die entsprechende Förderung zuteil werden lassen. Sie bitten um die Freundlichkeit, einen Baustein unserer„ Deutschen Bertsgemeinschaft" zu übernehmen und uns hinsichtlich des weiteren Vertriebes von Bausteinen behilflich zu sein". Wo der Bettel nicht zog, schicken sie eine Mahnung samt Postscheckformular: " Dem erwähnten Schreiben fügten wir einen Baustein bei. Da wir bis zum heutigen Tage von Ihnen ohne Rüdäußerung geblieben sind, so gestatten wir uns die Bitte an Sie zu richten, Sie möchten doch freundlichst zu unserem Antrag Stellung nehmen, möglichst derart, daß Sie den gesandten Baustein honorieren und noch weitere anfordern. Indem wir unsere Arbeit und unsere Bestrebungen Ihrem Wohlwollen angelegentlichst empfehlen, verbleiben wir Mit vorzüglicher Hochachtung sehr ergebenst Berlag Deutsche Werksgemeinschaft e. G. m. b. 5. Wilh. Schmidt, M. d. L., Vorsitzender des Reichsbundes vaterländischer Arbeitervereine. Friz Heß, Reichsgeschäftsführer des Reichsbundes vaterländischer Arbeitervereine. Hüdemann, M. d. L. Aus eigener Kraft fönnen diese„ Baterländischen" nichts werden. Da sie dem Unternehmer bewußt in die Hände arbeiten, ist es nur tonsequent, wenn sie von der Wirtschaft" Bezahlung fordern. Daß diese arbeitnehmerfeindliche und im Arbeitnehmer finne gemeinschädliche Gesellschaft an die Wissenschaft appelliert, wäre erstaunlich, wenn man nicht annehmen müßte, daß sie damit die in der Vereinigung Deutscher Arbeitgeberverbände vertretene Wissenschaft" meinen, der sie zu schmeicheln suchen, um" Bau steine" zu ergattern. Um den„ wirtschaftlichen und geistigen Wiederaufbau unseres Boltes" wäre es wahrlich schlimm bestellt, wenn er auf die nichtsnuzigen Treibereien der Gelben angewiesen wäre. Aus dem Versicherungsgewerbe. Der Zentralverband der Angestellten teilt uns mit: Die vom Reichsarbeitsministerium zum 5. November 1925 angesetzten Eini gungsverhandlungen wegen des Antrages des Zentralverbandes auf Verbindlichkeitserklärung des Schiedsspruches vom 23. Oftober 1925 führten zu feinem Ergebnis. Beim RAM. besteht anscheinend die Absicht, den Schiedsspruch durch eine Vereinbarung abzulösen, wodurch die vorgeschlagenen Schiedsspruchgehälter über den 31. Dezember 1925 hinaus in Gel tung bleiben sollen. Im übrigen scheint auch die Absicht vorzuherrschen, diese Einigungsverhandlungen mit den Manteltarifver handlungen zu verknüpfen, wogegen fich der 3d2. mit aller Ent fchiedenheit wehren wird. Die Einstellung des Reichsarbeits minifteriums ist nicht verständlich. Das RAM. hat in letzter Zeit für andere Berufsgruppen Schiedssprüche für verbindlich er flärt, die eine weit höhere prozentuale Zulage vorfchen als der Schiedsspruch vom 23. Oftober 1925 im Berficherungsgewerbe. Es ist unerfindlich, welche Gründe beim RAM. vorliegen, diesen Schiedsspruch ohne Veränderung nicht für verbindlich zu er flären. Die geringfügige Belastung des Versicherungsgewerbes durch diesen Schiedsspruch fann Bedenken über nachteilige Wirkungen hinsichtlich der Wirtschaftlichkeit der Bersicherungsunternehmungen Mengenabgabe vorbehalten gar nicht auffommen lassen. Der 3d. verlangt eine flare Ent. cheidung des RAM. über den Antrag auf Verbindlichkeitser flärung und feine Kompromisse, die doch nur zum Nachteil der Angestellten führen. ,, Der Dank vom Hause Habsburg". Unter dieser lleberschrift schilderten wir in Nr. 483 des„ Borwärts" das Schicksal eines alten Bankbuchhalters nach 48jähriger Tätigkeit in dem Bankgeschäft G. Loewenberg u. Co. Hierzu er halten wir jetzt durch den Rechtsanwalt Dr. Georg Fontheim folgende pressegesetzliche Berichtigung": Sie haben in Ihrer Ausgabe vom Dienstag, den 13. Oftober 1925, einen Artikel mit der Ueberschrift„ Der Dank vom Hause Habsburg" veröffentlicht und sich hier mit meiner Person und meiner Beziehung zu dem Bunthause G. Loewenberg u. Co., Unter den Linden 42, beschäftigt. Ich ersuche sie hierdurch höflichst, als Berichtigung zu dieser Notiz von folgendem Kenntnis nehmen zu wollen und es in Ihrer Zeitung an entsprechender Stelle zu Deröffentlichen: Ich selbst stehe dem Artikel fern, habe zu dessen Inhalt teine Beranlassung gegeben und hätte auch nicht zugelassen, daß diese Notiz erscheint. Die bisherigen Inhaber der Firma G. Loewenberg u. Co. haben sich, wie ich anerkennen muß, zu mir stets wohlwollend verhalten und mich unterstüßt. Ich habe jetzt von den bisherigen Inhabern eine Zumendung erhalten, welche mich für lange Zeit vor jeder Not schüßt und die Hilfsbereitschaft und foziale Fürsorge meiner Chefs für ihre alten Angestellten ertennen läßt. Hochachtungsvoll Paul Ernst, Stromstraße 57." Zu dieser Berichtigung haben wir zu bemerken: Es ist richtig, daß Herr Baul Ernst die Notiz im" Borwärts" nicht veranlaßt hat. Richtig sind froh dem die im Vorwärts behaupteten Tatsachen. Richtig ist insbesondere, daß nach dem Inhaber wechsel der Firma die Pension von monatlich 100 Mart nicht mehr gezahlt wurde. Unsere frühere Darstellung können wir nunmehr dahin ergänzen, daß auf Grund unserer Beröffent lichung ein Vergleich erfolgt ist, wonach der alte Herr an Stelle der früheren Pension eine Abfindungssumme von 2000 Mart erhalten hat, unter der Bedingung, daß er dem Borwärts" die vorstehende Berichtigung" zugehen ließ, der wir lediglich deshalb Raum gegeben haben. Vorsicht bei Arbeitsvermittlung ins Ausland. Ende des Wiener Bäckergehilfenstreiks. männer und Betriebsräte der Bäckergehilfen haben am Freitag Wien, 6. November.( Eigener Drahtbericht.) Die Vertrauens mit Zweidrittelmehrheit beschlossen, den Schiedsspruch des Einigungsamtes anzunehmen. Diesem Beschluß ging eine sehr heftige Debatte voraus, die damit endete, daß die Opposition unter lärmenden Zurufen den Sizungssaal verließ. Um 2 Uhr nachmittags wurde dem Einigungsamt mitgeteilt, daß beide Parteien, sowohl die Arbeiter als auch die Bäckermeister und Brotfabriken, den Schiedsspruch angenommen hätten. Die Arbeit wird Sonnabend früh wieder aufgenommen. Für die gewerkschaftliche Freiheit. Gegen das Treiben der Faschisten. ( JGB.) Im Hinblick auf die neuerlichen Schandtaten und Gewaltmaßnahinen der Faschisten in Italien richtete das Sekre tariat des Internationalen Gewertschafts= bundes an den Präsidenten des Verwaltungsrates des Internationalen Arbeitsamtes ein Schreiben, in dem an Hand umfangreichen Beweismaterials mit eindringlichen Worten auf die Verschlimmerung der 3 ustände in Italien sowie auf den Widerspruch hingewiesen wird, daß Italien einerseits am Friedenswerk des Völkerbundes und des Internationalen Arbeitsamtes teilnimmt, während andererseits die italienische Rc= gierung alles iut, um den Bürgerkrieg im Lande anzufachen". Es heißt dann in dem Schreiben unter anderem weiter: Wenn es noch heute geschehen kann, daß die Bevölkerung in dem einen oder anderen rückständigen asiatischen Lande den De. spotismus aus irgendwelchen Gründen ertragen muß, scheint es uns unter der Würde eines europäischen Staates, gegen die Mehrheit seiner Staatsangehörigen Zwangsmaßnahmen in Hinsicht auf das Vereins- und Versammlungsrecht anzuwenden, wie sie derzeit in Italien in Gebrauch sind. Es ist richtig, daß weder der Rat, noch irgendeine andere Instanz des Internationalen Arbeitsamtes über diese Art von Würde zu urteilen hat. Was indes zweifellos im Rahmen der Kompetenz unserer Institution liegt, das ist die Objorge für die Respektierung der im Teil XIII des Bersailler Friedensvertrages festgelegten Klauseln. Bon einer solchen Respektierung fann jedoch keine Rede sein, wenn die gemertschaftliche Freiheit aufgehoben wird. In Italien haben die Verhältnisse eine derartige Wendung genom= men, daß die Faschisten unter Billigung oder freundlicher Duldung der Behörden die Arbeiter zum Beitritt zu den Zu dem unter dieser Ueberschrift in Nr. 514 des Vorwärts" veröffentlichten Artikel sendet uns die Firma Döhlerguß G. m. b. H. ein Schreiben, worin sie zunächst angibt, daß der rhift ifchen Organisationen zwingen. Diejenigen, beiter, der vor dem Gewerbegericht als Kläger gegen sie auftrat, nicht von ihr, sondern von ihrer Rechtsvorgängerin an die spanische Firma vermittelt worden sei, und daß sie, die Firma Döhlerguß, feine Betriebe im Auslande einrichte. so deutlich erwähnt worden, daß dies ohne weiteres annehmabr war. Das mag zutreffen, ist aber vor Gericht nicht, oder doch nicht Im übrigen sucht die Firma Döhlerguß darzulegen, daß ihre Rechtsvorgängerin bei der Bermittelung des Arbeiters an die spanische Firma forrett gehandelt habe; das Arbeitsverhältnis in Berlin sei gelöst und in Spanien ein neues Arbeitsverhältnis eingegangen worden. Auch das mag zutreffen. In unserem Artikel ist ja auch gefagt, daß das Gericht festgestellt hat, die Firma Döhlerguß habe teine rechtlichen Verpflichtungen gegenüber dem flagenden Arbeiter. Daß aber gegenüber einem nach dem Auslande vermittelten Arbeiter moralische Verpflichtungen bestehen, besonders die, einen solchen Arbeiter nach seiner Rückkehr wieder zu beschäftigen, das hat der Direttor der Rechtsvorgängerin der Firma Döhlerguß als Beuge vor Gericht anerkannt. Er sagte auch, daß in früheren Fällen nach diesem Grundfah gehandelt worden sei.... Wenn uns die Firma Döhlerguß mitteilt, sie habe sich schon, ehe der Arbeiter das Gericht anrief, für seine Intereffen gegenüber der spanischen Firma eingefeßt und sie werde das, trotzdem der Arbeiter zum Gericht ging, auch ferner tun, so weisen wir darauf hin, daß das jetzt nicht mehr blos vom guten Willen der Firma Döhlerguß abhängt, sondern daß sie von ihrem Prozeßvertreter in Anerkennung einer moralischen Pflicht ausdrücklich dazu verpflichtet worden ist. Wenn es die Firma Döhlerguß als bedauerlich bezeichnet, durch unferen Artikel in den Anschein unsozialen Handelns gebracht zu werden, so bemerken wir, daß wir den Fall so dargestellt haben, wie er sich vor Gericht abgespielt hat, ohne unsererseits Schlußfolgerungen daran zu fnüpfen. WOHLFEILE Schuhwaren Damen- Pumps schwarz moderne Form, gute Verarbeitung........ Spangenschuhe für Damen, in verschiedenen Ausführungen, moderne Formen u. 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Daß die Regierung selbst bei diesen auf die Unterdrückung des Vereinsrechts gerichteten Maßnahmen die Hand im Spiele hat, geht daraus hervor, daß die Präfekten befugt sind, kommissäre anzuweisen und diese mit der Verwaltung der Berufsorganisationen zu beauftragen. In diesem Zu sammenhang scheint es uns am Blake, Ihre Aufmerksamkeit auf die Tatsache zu lenken, daß das Gesetz über die geheimen Organifationen ganz nach dem Gutdünken der Regierung auch auf die Gewerkschaftsorganisationen Anwendung finden kann." Bekanntlich wurde beschlossen, das Problem der gewerkschaftlichen Freiheit auf die Tagesordnung der Internationalen Arbeitskonferenz des Jahres 1927 zu sehen und eventuell eine die gewerkschaftliche Freiheit betreffende Konvention auszuarbeiten. Streit in der Deutsch Englischen Quarzschmelze Heinersdorf. Die Firma verbreitet, um Streitbreder zu gewinnen, das Gerücht, daß sich die Arbeiter in einem wilden Streit bea finden. Wir erklären, dag der Streit von uns fanttioniert ist, weil die Firma fein Entgegenkommen zeigte und die Verhandlungen wegen Lohnerhöhung sich zerschlagen haben. Verband der Fabritarbeiter, Ortsverwaltung Groß- Berlin. Musikinstrumentenarbeiter! Die Sikung der Branchenkommission findet amt Dienstag, den 10. November, 7 Uhr, im Verbandshaus Rungestr. 30 ſtatt. Berantwortlich für Politik: Ernst Renter: Wirtschaft: Artur Saternus; Gewerkschaftsbewegung: Friedr. Estorn; Feuilleton: K. S. Döscher; Lotales und Sonstiges: Friz Karstädt; Anzeigen: Th. Glode; sämtlich in Berlin. und Berlagsanstalt Baul Singer u. Co. Berlin SB 68 Lindenstraße 3. Sierzu 2 Beilagen und Unterhaltung und Wissen. Berlag: Borwärts- Berlag G. m. b. S., Berlin. Drud: Borwärts.Buchbruceret O CHE Heute Schlusstag! Winter- Lodenjoppen 18° 24° 18ºº2450 zweireihig, warm gefüttert. 50 Trikotagen Damen- Hemdchen 48. 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Hänschen, Hänschen, denke dran, was aus dir noch warden kann Alexanderplatz Im Märchenwald Frankfurter Alee Tarzan im Urwald 3 Nr. 527 ❖ 42. Jahrgang 1. Heilage öes Vorwärts Sonnabenö, 7. November 7925 Me märkisihe Kleinstädte aussehen. dem Grafen von Lindow verpfändet, der das ganze Ruppmer Land beherrfcht-r Bis 1524 teilte Granfee die Geschicke RuppinZ, dann fiel es als erledigtes Lehen an die drandenburgifchen Kurfürsten zurück. Nach der Einführung der Reformation wurden die beiden bestehenden Klöster fFranziskaner- Mönchs- und Benediktiner- Nonnenkloster) aufgehobeni elfteres 15Sl fn eine Schule ver- wandelt. Der Dreist'gfährige Krieg brachte Elend und Fcucrsbrünste: durch den Großen Kurfürsten wurden holländifchc Kolonisten heran- gezogeil. Der Siebenjährige Krieg(Besetzung durch die Schrvedenl und die Franzosenzeit störten wohl noch zeitweise den Wiederauf- stieg, der msttlerweile die Bevölkerung aus 4SlX> Seelen brachte. * Der starte skandinavische Verkehr rauscht an Gransee vorüber: die D-Züge halten hier nicht. Wenn trotzdem der Ort ein Aufblühen zeigte, so sprechen hierfür zwei Momente mit, das gute agrarische Hinterland und die Lage als Ausfalltor für den Besuch von Rheins- berg, Ruppin, Neu-Glebsow usw. Seine idyllische Ruhe und die Nähe von Wasser und Wald lassen es als Sommcraufenthaltsort geeignet erscheinen und es wäre wohl angebracht, wenn in dieser Hinsicht etwas mehr getan würde. Politisch ist ein so rein agra- risches Städtchen stark nach rechts orientiert, aber die Tatsache, daß Zu den märkischen Städten, die ihre alte Mauer-Umwallung noch bewahrt haben, gehört auch das an der Nordbahn gelegene Gransee. Wenn der Feldsteinkranz schon verschiedene Lücken auf- weist, so rührt dies nicht davon her, daß der Leib der Stadt von sich aus den Panzer gesprengt, sondern Altersschwäche und die Lust, das vorhandene Baumaterial zu verwenden, haben diese Einbußen gezeitigt. Was sich erhalten hat, zeigt noch manches malerische Bild. Oas Silü See Staüt. Tritt man aus dem Bahnhofsgebäude heraus, so bietet sich ein interessant gegliedertes Panorama. Zur Rechten Häuser und Bäume, zur Linken eine hochanlteizende, langgestreckte, bewaldete Kupp«, tn der Mitte das Stadtbild sich lang hinziehend und von der doppeltürmigen Kirche überragt, und tm Vordergrund e.n tiefer liegendes fruchtbares Land, dem die Abwechselung von grünender Saat und dunklem Boden und einzelnen roten Ziegeldächern in der Reihe der Scheunen einen frohen Farbenton geben. In einer großen Bagenlinie führt die Straße vom Bahnhof zum Fuß des uns gegenüberliegenden Berges: der tm Stadtinnern liegende Teil dieser Strahenlinie führt den Namen Friedrich-Wil- Hestn-Straße. Dos Eintritts-(einstige Zehdenicker) Tor ist seit 1838 nicht mehr vorhanden, nur zwei Adler holten auf den Enden der hier offenen Mauer Wacht. Don der Hauptstraße gehen nun einige Querstraßen ab— m-g man auch noch so gen'>gt sein, bescheidene Reize zu loben: angesichts dieser sehr nüchternen Architektur kleiner und kleinster Häuser wäre ein Lob nicht angebracht. Ts war eben eine karge Zeit, in der die im 17. Jahrhundert stark mitgenommene Stadt sich neugestalten mußte. Eharakterislisch ist, daß das Rathaus, da« sonst in Kleinstädten stets zum Mittelpunkt wird, hier sich eben- falls sehr bescheiden gibt. Auch der 1324 errichtete Neubau, Erb- geschoß und erster Stock mit kleinem Giebel, offenbart die Not unserer Zett. Erfreulich isl. daß es an versuchen, durch prohige Neubauten zu wirken, fehlt—. derartige seidene Lappen m........ lichen Kleide wird es hoffentlich auch in Zukun Eine der Nebenstraßen, die Kirchstraße, Kirche inmitten eines Platzes, an dessen einer Ecke Post und der Komplex von Sparkosie, Amtsgericht und Rathaus befinden. Von hier aus rechts haltend, gelangt man zum Rest eines ebemaligen fUosters. fetzt Schul, zwecken dienstbar gemacht, dessen Längsseite einen weilen Platz begrenzt, von dem aus Promenaden an der Mauer und zum nahen Gehrenfee sich erstrecken. Zur Friedrich-Wilhelm- Straße zurückkehrend, kommen wir am Luisenplatz mit Denkmal W»rbei, zum Ruppmer Tor. Kurz vor ihm befindet sich in der Hauptstraße das Spital zum heiligen Geist mit kleiner Kapelle-, zur Rechten des Tores, die Mauer verfolgend, gelangen wir zu dem runden Puloerturm. Jenseits des Tores dehnen sich Neubauten, fruchtbare Gärten, Edelobstanlogen, Scheunen aus, und darüber er- Neubauten, hebt sich die schöne Waldlandschäst, ein ideales Terrain für den Er- Holling suchenden Großstädter. Die Steigung ist nicht übermäßig, Nebenwege führen wagerecht weiter und bieten schöne Ausblicke: für Bänke, Schutzhütten ist in diesem Stadtwald gesorgt. Die Sehenswürüigkeiten. Das Tor und die Kirch« sind unstreitig der Beackstung wert. Die gotisch« St. Marienkirche, ein drsischissiaer Hallenbou, stammt f au, d«m Anfano des 14. Jahrhunderts. Gewaltige Mauern,«in > Turm bis hoch hinauf au« Feldstein, an den hohen Seitenwänden in Mauerstein, zeigen die Solidität des allen Bauens. Das Dach steigt hoch auf, der Chorgiebel ist reich ornamentiert, der massige Turm endet in zwei Spitzen, die voneinander in der Form ab- weichen. Im Innern, das 1862 bis 1865 renoviert wurde, herrscht daher die weiße Tünche vor: Gestühl und Kanzel sind in sehr ein- fachen Formen gehalten. Interesiant ist der Barockaltar von 1739 mit Teilen eines sigurenveichen gotischen Altars, sowie das in der Wölbung zum Chor eingebaute überlebensgroße Kruzifir. Ein alter eisenbeschlagener Ablaßkasten und etliche Gratynäter finden sich vor. Das Ruppiner Tor ist ein viereckiger Bau mit hübschen Ornamenten auf den der Stadt zugekehrten Flächen. Die Mauer geht dicht an das Tor heran, ist«der auf beiden Seiten durchbrochen, rechts(von der Stadt aus gesehen) für Fuhvwerke und Fußgänger, links nur für letztere. Mit diesem Durchbruch hat es folgende Bewandtnis: Da der„falsche Waldemar* durch dos Tor in die Stadt eingezogen war(1348— von Willibald Alexis im.Falschen Waldemar ge- schildert), mußte es auf Befehl Ludwig des Römers zugemauert werden. Man verschasste sich daher einen neuen Eingang, und als später der Verkehr sich vergrößerte, wurde die eigentliche Durch- fahrt wieder aufgemacht, und so ist das nun mit zwei Fahrstraßen versehene Tor dem Schicksal, als.Verkehrshindernis* beseitigt zu werden, glücklich entronnen. der Geschichte üer Staöt. Der Ort wurde Ende des 12. Jahrhunderts als Grenzfeste ans slawischer Siedlung errichtet, erscheint 1262 als Granzayge und bekommt das deutsche Stadtrecht: 1319 werden Burg und Stadt von Markgraf Waldemar, der hier drei Jahr« früher eine empfindliche Niederlage im Kampfe mit den nordischen Nachbarn erlitten hatte, an das Reichsbanner jetzt zur Bannerweihe schreitet, zeigt doch, daß die Reaktion das Terrain nicht ganz beherrscht. Der Buch- und Popierhändler hält auch in kluger Neutralität rechts- und linksgerichtete Zeitungen feil, während in der Berliner Ilm- gegend bekanntlich solche Urbanität des Geistes nicht anzutreffen ist. Daß der agrarische Einschlag zur Berbilligung des Lebens nicht bei- trägt, wird von der Bevölkerung„ohne Ar und Halm* wohl empfunden. Der Agrarier will auch am Ursprungsort die„Der- liner* Preise nehmen. Gerade diese materielle Entwicklung wird einem späteren Umschwung der politischen Anschauung den Weg ebnen. Die Passion. Roman von Clara vicbig. „Wenn em Brief an mich kommen sollte, schick ihn mir gleich," bat dringend die Schwester. Ihr war ganz dumpf im Kopf, sie dachte nicht mehr wie zuerst: was soll nun werden? Sie war apathisch dieser Frage gegenüber. Auch keine Angst waren sie ausgestellt, auf der Mittelpromenade der breiten Straße, in langen waldduftspendenden Reihen, an jeder Ecke, auf jedem nur ein wenig freien Platz. In Lichtenberg waren kam sie an vor der schweren Stunde: die mancherlei Be schwerden, die sie hatte, beachtete sie kaum, sie dachte nur: ein Brief, ein aufklärender Brief von ihm, der muß kommen! „Wenn du nur sagen möchtest, wer der Kerl ist," sagte der Bruder.„Ich sag's ja meiner Frau nicht. Keinem Menschen. Du kannst es mir ruhig sagen." Aber sie preßte die Lippen zusammen und schwieg. „Sie sagt es nicht." sagte WUkowski zu seiner Frau, die ihn verhörte.„Aber wenn ein Brief an ste kommt, mach ich den auf. So ungehörig das an sich auch ist. Der gibt mir aber doch vielleicht' ne Handhabe, damit ich den Kerl zu fassen kriege." „Man kann das ganz gut mit'nem dünnen Bleistift oder 'nem Hölzchen machen: wenn man vorsichtig ist, merkt's kein »ensch. Und dann klebt man wieder zu." meinte die Frau. Olga Wilkowski wartete jetzt schon acht Tage. Roch immer kein Brief. Ich muß gehen und nach ihm sehen, dachte sie, etzt kann ich's noch. Aber als ste auf die Straß« kam. merkre .le, daß sie es doch nicht mehr konnte. Der Lärm, der Trubel auf den Straßen ängstigte sie. Daß Berlin voller Menschen «ar, das hatte sie gleich bei ihrer Ankunft gemerkt, daß es aber so viele Menschen hier gab, das hatte sie doch nicht ewußt. Als sie aus ihrer stillen Seitenlmcht in die Haupt- /raße einbog, prallte sie förmlich zurück. Ein Strom von Menschen wälzte sich auf sie zu, sie wich bis dicht an die Häuser zurück lmd hielt schützend die Hände vor ihrem Leib. Niemand nahm Rücksicht auf sie, alles rannte, puffte, drängte. Leute, mit Paketen schier überladen, stürzten auf die Elektrische zu. die kaum an der Haltestelle anhielt, als sich auch schon ein regelrechter Kampf entspann. Wer sich am besten seiner Ell- bogen bedienen konnte, kam hinein, die anderen blieben schimpfend zurück. Droschken wurden gestürmt, Leute, die sonst nicht an Droschtefahren dachten, leisteten sich heute einen Wagen. Der Kutscher bekam die Weihnachtstanne vorn auf den Bock, er selber konnte kaum mehr sitzen, nur noch so daneben kleben. Große Bäume, wahre Prachtbäume. Ueberall K S' fr die Weihnachtsbäume billiger als in der Stadt, darum kauften viele Berliner hier. Und auf dem Trottoir ließen ausschreiende Verkäufer ihre Wägelchen aus bunt angemaltem Blech, ihre Schimmel, ihre Ramien, der wandernden Menschheit zwischen die Füße rennen. Hampelmänner zappelten, Puppen nickten, Lämmer blökten, Pfeifen trillerten, Vögel quietschten, Trom- peten tuteten. Jeder Händler führte ein anderes In- strument voi". ein Höllenlärm. Ganze Knäuel von Zuschauern ballten sich. Es wurde Olga schwindlig, sie haste nicht den Mut mehr, sich weite? In dies Ehaos zu stürzen. Ach. sie hatte gänzlich vergessen, daß das große Fest der Freude vor der Tür war, das Fest beglückender Geschenke. Ein bitteres Gefühl durch- zuckte sie: für sie gab es keine Freude, für sie gab es kein Ge» schenk. In einer Schwächeanwandlung, die mebr ihre Seele als der Körper ihr verursachte, schlich sie in die stillere Straße zurück. Run traute sie sich nicht mehr fort aus der kleinen muf- figen Hinterstube, in der unterm Bett der Schließkorb mit ihren Habseligkeiten stand: gegenüber von ihrem Bett noch ein zweites Bett, in der Mitte ein hölzernes Tischchen und zwei einfache Stühle. Hier saß sie nun vom Morgen, wenn sie auf- stand, bis zum Abend, wenn sie sich niederlegte— todinüde, zerschlagen. Sie schneiderte für die Frau hier— wie sollte ste auch sonst die Wartezeit hinbringen? Der verstand sagte ihr auch, daß es klug war. sich die Frau zu verpftichten Aus zwei alten Kleidern, die sie zertrennte, machte sie der ein neues Kleid. Es wurde sehr hübsch, Frau Lehmann war entzückt: „Nee. Fraulein. Sie haben aber wahrhaftig Schick! Wenn Sie »bieder auf die Beine sind, können Sie rn'n erstet Geschäft onkomm'." Gott sei Dank, daß sie die Geschicklichkeit haste! Sie nähte auch gern, aber jetzt siel es Olga doch unendlich schwer. Mit jedem Stich nähte sie sich an dem Gedanken fest: ein Brief, ein Brief, warum kam von ihm denn kein Brief?! Am Tag vor Heiligahend erschien Stefan. Er brachte ihr von seiner Frau ein Daket, darin waren Windeln und etwas Kleinkinderwäsche:„Das schickt Ella dir zu Weihnachten, vvn unserem Jüngsten: wir brauchen'? nicht mehr." Sie nahm die schlecht gewaschenen Kinderhcmdchen und die zum Teil zerrissenen Windeln. Ihre Lippen zuckten/ aber sie fühlte, sie mußte die nehmen und danke sagen, sie war jetzt zu arm, um etwas zurückweisen zu dürfen. „Und dann Hab' ich auch noch'nen Brief für dich," sagte der Bruder. Sie fuhr auf: ein Brief! Und das sagte er jetzt erst? „Aber es ist dem eigener." Stefan übergab ihn ihr. Es kam in feinen Blick ein mitleidiges Flimmern.„Er ist zurück- gekommen. Deine Adresse steht ja hinten drauf..Adressat ver- zogen. Unbekannt wohin'. Das ist gut, nun weißt du we- nigstens, woran du bist." „Bas weiß ich jetzt," sagte sie tonlos und senkte tief den Kopf. „Nimm dir's nicht zu sehr zu Herzen." der Mann legte seine Hand auf das blonde Haar. Sie tat ihm sehr leid, aber er war zugleich böse: wie konnte sie sich mit solch einem dummen Jungen einlassen?„Herrn Stud. Manfred Bern- dorft"— einer, kaum der Schule entwachsen! Er glaubte, es ehört zu haben, daß der als Primaner beim Vater in 'ension gewesen war. Wilkowski und Frau hatten Olgas Brief gelesen. Selbst Frau Ella hatte sich dabei eines gewissen Mitleids nicht er- wehren können:,„So'n armes Tier! Hab ich ihr ja gleich gesagt. Wie konnte sie bloß nochmal so dumm sein und noch liebreich an den Bengel schreiben, sich so beunruhigen, daß er krank wäre! Da hätte ich die Olga höher eingeschätzt. Die ist ja dümmer als erlaubt ist." Mit einer gewissen Indignation hatte Frau Wilkowski den Brief neu gummiert und zugeklebt. „Siehste wobl," sagte sie dann triumphierend,„fein, werkt sie gar nich." „Geh hin, geh hin," flehte das Mädchen und umklam- merte den Arm des Bruders.„Es ist ein Irrtum. Es kann nicht sein, daß er fort von da ist. Er geht nicht fort, ohne mich es wissen zu lassen. Er hat gewiß noch einen Brief für mich zurückgelassen. Ich bitt' dich, geh hin!" „Mein Gott, Olga, ich habe doch noch so viel zu tun— im Geschäft— und dann muß ich noch den Baum für die Kinder anputzen, ich habe wahrhaftig nicht Zeit." „Geh hin, geh hin," stöhnte sie. Ihr„Geh hin" klang schrecklich, es wurde Um unbeh«H>ch dabei.„Aber warum denn? Es hat ja doch keine« Z»e< mehr." Hr versucht« ste aufzurütteln:„Hnst du denn>ar keinen Stolz mehr?" „Mir ist bange, er tut sich was an. Er»ar s«»er- zweifelt. Geh hin, sieh nach, frag« die Frnu aus, s»nst gehe ich noch selber!" (Fortsetzung folgt.) „ Bei der Volkspartei." Zwischen dem Chefredakteur Hans Ohlsberg und dem verant wortlichen Redakteur des Vorwärts" Friz Karstädt ist in einem Verfahren vor dem Schiedsmann ein Vergleich geschlossen worden, nach dem der ,,. Vorwärts" sich verpflichtet, folgende Berichtigung zu veröffentlichen: Der Vorwärts" beschäftigte sich in seiner Nr. 496 vom 20. Of tober 1925 abends unter der Ueberschrift ,, Bei der Volkspartei" mit der Versammlung der Deutschen Volkspartei in den Kammersälen in der Teltower Straße vom Montag abend. 1. Es ist unwahr, daß ich mich ,, plötzlich auf das Publikum gestürzt" und begonnen habe, ,, frebsrot vor Wut" ,, richtiggehend zu prügeln". Wahr ist viel mehr, daß ich, nachdem die Reichsbannerleute die Versammlung durch gemeinsames Johlen und durch Abfingen der Internationale die Refe renten am Schlußwort zu verhindern suchten, die Ruheftörer aus dem Saale gewiesen habe, wozu ich, da ich das Hausrecht besaß, ohne weiteres berechtigt war. Als die Ruheftörer dieser Aufforderung nicht rachfamen, gab ich den Vorsiz an Herrn Dr. Falk ab und begab mich in den Saalraum, um die Weiterlärmenden durch die im Nebenraume befindliche Polizei aus dem Saale weisen zu lassen. Da die Lärmenden den Durchgang zu dem genannten Nebenraume versperrten, Sozialisten hindurch. Diese suchten mich an dem Durchschreiten ihrer Kette zu hindern und weigerten sich auch weiterhin, den Saal zu verlaffen, obwohl ich sie darauf aufmerksam machte, daß sie sich des ge= meinschaftlichen Hausfriedensbruchs schuldig machten. Ich machte mir darauf gewaltsam Blak. Geprügelt habe ich in dieser handgreif lichen Ausübung meines Hausrechts nicht. 2. Es ist un wahr, daß die Schuzpolizei, später auch den Herrn Vorsitzenden" festgenommen und ihn in Begleitung von drei Polizisten zur Wache" gebracht hätte. Wahr ist vielmehr, daß ich einige der Hausfriedensbrecher feststellen ließ, die, da sie keine ausreichenden Papiere bei sich hatten, zur Feststellung ihrer Personalien in Begleitung von Polizisten zur Wache wandern mußten. Ich selbst habe mich, nachdem ich die Ausführung meines Verlangens sichergestellt ich, weider in den Saal und an den Borstandstisch begeben, wo ich der Bersammlung noch bis zum Schluß beiwohnte. Auch nach Schluß der Versammlung bin ich nicht feſt= genommen worden. Hans Ohlsberg. mußte ich mitten durch das Gewühl der etwa 80 bis 100 lärmenden Der Prozeß gegen die Gräfin v. Bothmer. Bernehmung des Ehemannes. Der Prozeß hatte gestern abend seinen Höhepunkt erreicht. Biel fann für die Gräfin wohl nicht mehr gerettet werden. Sie ist vollständig faffungslos geworden über das, was die Verhandlung gegen fie brachte. Das sonst so hübsche Gesicht der Gräfin verzerrt sich, wenn schlagende Beweise kommen, sefundenlang zur Grimasse. Immer wieder greifen die Hände in den hoch ondulierten Kopf und immer wieder bringt ihr der Justizwachtmeister diskret das Wasser in die Anklagebant. Sie schlürft es mit gierigen Zügen und nach Schluß der Verhandlung bricht sie in Weinen aus. Unter starter Spannung der Zuhörer wird Regierungsrat Ludwig Graf v. Bothmer, der Gatte der Angeklagten, vernommen. Er will aussagen. Aber es wäre besser gewesen, er hätte seine Aussage verweigert, denn er wußte nicht, daß der Freund der Gräfin, Hauptmann Heffter, zehn Minuten vorher diskret seine Aussage in bezug auf die Beziehungen zur Gräfin verweigert hat. Es mutet geradezu jämmerlich an, was der Regierungsrat sagt: Meine Frau hat eine leichte Hand im Geldausgeben. In der Nachinflation stellten sich Schwierigkeiten in der Wirtschaft ein; ich griff zu Darlehen und Gehaltsvorschüssen. Schon Anfang 1925 brach ich mit meinen Nerven zusammen. Ich fam ins Sanatorium und meine Frau ging allerhand Verbindlichkeiten ein. Stehlen brauchte meine Frau nicht, ruft erregt der Regierungsrat. Der Verdacht ist ja ungeheuer. Ich erkläre hier ausdrücklich: es ist ein großer unterschied zu machen zwischen einer Dame unseres Standes oder einer anderen. ⚫ weil die Bresse auch hier ist, betone ich es: Ich trete voll für meine Frau ein, nach jeder Richtung hin. Diese Erklärung bezieht sich auch auf Hauptmann Heffter. Die Schulden meiner Frau werde ich alle tilgen. Den Vorwurf gegen seine Frau im Abschiedsbrief, der dahin geht, daß sie ihn zu dem Selbstmord getrieben, nimmt der Regierungsrat zurück. Man hört aus der Bernehmung, daß, während Graf Bothmer seiner Frau 200 m. für die Badereise gab, die sie mit Heffter angetreten, Pfändungsbefehle ins gräfliche Haus famen und Gerichtsvollzieher ein- und ausgingen. Der Regierungsrat fämpfte mit schweren Sorgen und die Gräfin inszenierte Den luftigen Ringtampf im Auto in Polzin. In der Nachmittagsfizung kommt der Potsdamer Und Diebstahl beim Landgerichtspräsidenten a. D. Ried zur Verhandlung. Die Angeflagte äußert sich dahin: Zum Präfidentenhaus stehe ich in innigster Verbindung. Ich bin dort wie ein Kind im Hause und lehne jeden Diebstahlsverdacht von mir ab. Gestohlen sind beim Präsidenten Tafelsilber, Wäsche, Bücher und Perserbrüden. Die Angeklagte will eine Bescheinigung über den Kauf haben, nennt den Verkäufer der Teppiche Germersdorf, Kanonierstraße 5 in Berlin, aber es ist alles Schwindel. Dieser Teppichkauf ist zwar am 6. August von dem großen Unbefannten quittiert, jedoch noch am 12. Auguſt lagen die Teppiche in der Wohnung des Präsidenten. Die Unterschrift auf dieser Quittung verrät die Handschrift der Gräfin. Der bestohlene Präsident hat einen Brief erhalten, zusammengesetzt aus Zeitungsbuchstaben mit folgendem Inhalt:„ Der Staatsanwaltschaft und Polizei wird gemeldet, daß der Dieb von Charlottenburg nach Polen mit den gestohlenen Sachen abgereist ist. Alle Verhafteten bitte zu entlassen." Und diese Zeitungsbuchstaben stimmen genau überein mit Zeitungen, die man bei der Gräfin bei der Haussuchung gefunden, aus denen die Buchstaben herausgeschnitten waren. Bei dieser Feststellung verliert die Gräfin vollständig ihre Haltung. Sie wird heiser und fängt an zu weinen. Es tommt dann Die Angelegenheit mit einer Base und der Brief an den katholischen Geistlichen, die aber zunächst nichts Wesentliches ergeben. Dann werden um 6 Uhr sämtliche Polziner Zeugen auf unbestimmte Zeit beurlaubt. Der Schreibsachverständige wird heute den Brief an den fatholischen Pfarrer mit der Handschrift der Gräfin vergleichen. Und damit wird vermutlich ihr Schicksal besiegelt sein. Ein geheimnisvoller Silberdiebstahl. Eine geheimnisvolle Affäre beschäftigt die Potsdamer Kriminalpolizei. Gestern morgen gegen 45 Uhr hörte die Hausange= stellte des Geh. Regierungsrats Strudmann im Hause Markgrafenstr. 12 in Potsdam, in welchem die Gräfin v. Bothmer wohnt, ein leises Geräusch im Speisezimmer. Sie machte sich bemerkbar und die Einbrecher es waren zwei verschwanden. Der eine trug einen schwarzen Baletot und steifen Hut. Es fehlen Silbersachen von hohem Wert, die zum großen Teil G. St. gezeichnet waren. Etwas ganz Sonder bares ist aber festgestellt worden: die Anrichte und der Anrichtetisch find mit richtigen Schlüsseln geöffnet worden. Mitteilungen, auch streng vertraulich, nimmt die Kriminalpolizei Potsdam, Zimmer 25, entgegen. Ueberfall mit einer Scheintodpistole. Am Freitag früh versuchte ein junger, neunzehnjähriger Mensch namens Mertsch, der bei einer früheren Schantwirtin Rösler in der Müllerstraße 70 wohnte, einen räuberischen leberfall auf feine Er beschäftigte Wirtin. Mertsch sollte Kaufmann werden, entlief aber überall aus der Lehre, so daß nichts mit ihm anzufangen war. Er beschäftigte sich dann hin und wieder als Arbeitsbursche, und in der letzten Zeit tat er gar nichts mehr. Am Freitag abend fragte ihn seine Wirtin, ob er morgens auf Arbeit gehe. Er erwiderte, daß er schon um 5½ Uhr weggehen müsse. Die Frau stand deshalb früh um 5 Uhr auf, um ihm das Frühstück zu machen. Als sie den dunklen Flur " betrat, ftand der Bursche schon da und gab mit einer fogenannten Scheintodpistole" einen Schuß auf sie ab. In der Erwartung, daß er sie damit betäuben werde, täuschte er sich jedoch. Die Frau blieb bei Besinnung und rief um Hilfe. Ein Kriminalbeamter, der über der Frau wohnte, hatte den Schuß gehört, eilte herbei, verfolgte Mertsch, der inzwischen geflüchtet war, entdeckte ihn auf dem Boden und nahm ihn fest. Der junge Mensch gibt zu, daß er die Frau habe betäuben wollen, um sie zu berauben. Betrüger aus Not. Ein menschlicher und milder Richter. Für seine schwerkrante Frau und drei unmündige Kinder hat der Reisende Erich W. einen gefährlichen Weg betreten, der ihm zum Verhängnis wurde. Aber das Schöffengericht Berlin- Mitte, unter Vorsiz des Landgerichtsdirektors Gay 1, hatte noch einmal Verständnis für die Notlage des schon einige Male vorbestraften Angeklagten. Er ließ größte Milde walten und entließ den Familienvater aus der Untersuchungshaft zu seinen darbenden Kindern und der leidenden Frau. fortgesetten Betruges in acht Fäller mußte sich W. Wegen schwerer Urfundenfälschung in zwei und = Einäscherung des Ullnerwerkes in Wolgast. 400 Arbeiter broflos. Das in weitesten Kreisen bekannte UIInerwerf, eine der größten Holzbearbeitungsfabriken in Pommern, ist vollstän dig niedergebrannt. Das Feuer, das abends auf bisher nicht ermittelte Weise zum Ausbruch fam, griff mit solcher Gewalt um sich, daß bald der über drei Morgen große Plaz mit sämtlichen darauf befindlichen Gebäuden und den großen Holzvorräten nur noch ein einziges Flammenmeer bildete. Die aus allen Ortschaften herbeigeeilten Feuerwehren waren dem entfesselten Element gegenüber machtlos und konnten nur mit größter Mühe das Kontorgebäude mit den wertvollen Atten und Modellen retten. Schaden ist enorm und soll nur zum Teil durch Versicherung gedeckt fein. Etwa 400 Arbeiter sind durch die Feuersbrunst brotlos geworden. Arbeitersport. Der Touristenverein Die Naturfreunde"( Zentrale Wien), Werbebezirk Norden. Montag, den 9. November, 8 Uhr, Sonnenburger Str. 20, Zimmer 5, Führerfizung. Vortrag des Gen. Fiedler über Geologie der Mark". Interessenten find gleichfalls willkommen. Großes Arbeiter Fußballwettspiel in Neukölln. Wacker- Lankwik I und Rüftig- Borwärts- Neukölln I treffen sich am Sonntag, den 8. November, auf dem Städtischen Sportplak Neukölln, Grenzallee( nahe Cimbriasportplag) zum Verbandsspiel. Anfang 2½ Uhr. Vorher, 12,45 Uhr, Wader II gegen RüftigBorwärts II. Um 11 Uhr Neukölln III gegen Rüftig- Borwärts III. Um 9 Uhr Neukölln 1. Schüler gegen Vorwärts 1. Schüler. Die Arbeiter- Athleten- Sport- Vereinigung Neukölln hat ihre Uebungsstunden Montags von 8-10 Uhr in der Turnhalle Mahlower Straße. Gäste herzlich willkommen. Arbeiter- Sport- Kartell Schöneberg- Friedenau. Dienstag, den 10. November, Die Borfikenden, Delegierten und Techniker eines jeden Vereins müssen unbedingt erscheinen. Fichte 19. Gruppe, FTGB. Westen und Radfahrer 1. Abt. müssen auch vertreten sein. Es betrifft die Propaganda für den Film Die neue Großmacht", der ab 20. November im BTL. Botsdamer Straße, BTL. Rheinstraße 14 und Alhambra, Hauptstraße, läuft. vor dem Gericht verantworten. Als er seine Stelle als Reisender verloren hatte und auch als Gelegenheitsarbeiter nur wenig Geld verdienen konnte, griff der Angeklagte in seiner Not zu dem verzweifelten Mittel des Betruges. In den verschiedensten Abzahlungsgeschäften faufte er ziemlich erhebliche Bosten von Bett bezügen, Ropffissen, Laken und Damenwäsche, auf welche B. nur eine ganz geringe Anzahlung leistete. Schon am nächsten Tage wurde die ganze Ware verkauft und der Erlös dafür 8 Uhr, außerordentliche Sikung im Lokal Rofchenz, Apostel- Paulus- Str. 27. sich dann nicht mehr sehen lassen. Auf diese Weise erbeutete B. von dem Angeklagten zurückbehalten. Bei den Kaufleuten hatte er eine Summe von fast eintausend Marf.. Von zwei anderen Firmen hatte der Angeklagte den Auftrag, Kunden für die Abzahlungsgeschäfte zu werben. Hier schrieb er selbst zwei Aufträge aus, die er mit fremden Namen unterschrieben ließ. Schon auf diese beiden schweren Urfundenfälschungen hin hätte B. leicht Bekanntschaft mit dem Zuchthause machen fönnen, wenn ihm nicht mildernde Umstände zugebilligt würden. Da aber dem Gericht Beweise aus einem Krankenhause vorlagen, daß die Frau des Angeklagten hochschwanger in frankem Zustande ihrer Niederfunft entgegensehe, daß auch die Kinder Not litten, erkannte es im Verein mit dem Antrage des Staatsanwalts nur auf eine Gefängnisstrafe von neun Monaten, von denen ein Monat auf die Unterfuchungshaft angerechnet wurde. Proletarische Feierstunde. Die Feierstunden, die im Großen Schauspielhaus Sprechchor und Hörer zu einer Gemeinschaft verbinden, sind ein ergreifender Ausdruck der künstlerischen Kräfte, die im Proletariat wirksam find. Der weite Kuppelbau des Hauses ist bis in die obersten Reihen dicht besetzt mit den schwarzen Massen, die ihre Sehnsucht, ihre Verzweiflung, ihr Hoffen und Kämpfen durch den packenden Rhythmus des Sprechchors vertausendfacht empfinden. Sie selbst werden ge spielt auf dieser Menschenorgel von Stimmen, die von den Stimmen zarter Kinder bis zu denen alter Menschen über ein umfassendes Register verfügt. Die anklagenden und wehmütigen Worte, die revolutionären Aufschreie, das sehnsüchtige Verlangen, all das, was die Menschen bewegt, wird so eine Sinfonie ihres Schicksals. die Menschen bewegt, wird so eine Sinfonie ihres Schicksals. Doch nicht nur die Sprache, nein, auch die Körper schwingen und sprechen mit und werden zum künstlerischen Ausdrucksmittel, denn der Sprechchor sprengte im Laufe der Entwicklung die förpergebundene Starrheit. Die Geschichte der im Großen Schauspielhaus gesprochenen Sprechchöre ist ein Spiegelbild der Massenempfindungen, die durch den Mund des Sprechchors lebendig wurden. Lebendig wird wieder die aufgewühlte und leidenschaftdurchzitterte Zeit der Revolution, auftaucht der wirre Fiebertaumel der Inflationsjahre und die Sehnsucht nach Erdenverbundenheit und Menschheitserlösung. Was die Dichter aus dem Leben der Zeit schöpfen, hier wird es lebendig, allen mitgetragenes und gefühltes Erlebnis. Musik und Gesang verschwistern sich mit dem Sprechchor und aus all dem steigen so Feierstunden, die das fleinbürgerliche Gewand abstreiften und Eigenes schaffen, das den Weg zu einer neuen Kultur mehr als nur ahnen läßt. Es liegt so im eigenen Interesse der Arbeiterklasse, ihre Feierstunden immer mehr auszugestalten und zu pflegen, und so muß auch der kommende Sonntag, der die Massen in das Große Schauspielhaus ruft, um die Revolution" lebendig werden zu lassen, zu einem nachhaltigen Eindruck werden. Außer der musikalischen Umrahmung wird das" Requiem" und" Der Tag des Proletariats" von Ernst Toller vom Florathschen Sprechchor gesprochen werden und der Dichter selbst wird eine Ansprache halten. Der Sonderzug nach dem Riefengebirge fällt aus. Der für den 7. und 8. November in Aussicht genommene zweitägige Sonderzug nach dem Riefengebirge fann, wie die Reichsbahndirektion mitteilt, wegen mangelhafter Belegung nicht gefahren werden. Die berausgabten Fahrkarten werden an den Fahrkartenausgabestellen, bei denen sie gelauft sind, zurüdgenommen. ,, Borwärts Berlin 1897 E. B." Am Sonntag, den 8. November, nachmittags 3 Uhr, veranstaltet der Schwimmverein Borwärts" im Stadtbad Neukölln, Ganghoferstraße, feine diesjährigen Meisterschaften, die bei der guten Belegung spannende Kämpfe und guten Sport gewährleisten. Eintritt 50 Pf. Sport. Bogabend Brandenburg- Maccabi. In den Hohenzollernsälen in Charlottenburg fand vorgestern ein Klubkampf im Boren zwischen dem Verein für Turnen, Spiel und Sport e. V. Brandenburg" und dem Jüdischen Borklub ,, Maccabi". e. V. statt. Die gebotenen Leistungen standen auf einer hohen technischen Stufe, der Saal überfüllt. Als erstes Paar standen sich die Papiergewichtler Wandt III( Mac.) und Hinge II( Brdbg.) gegenüber. Wandt gewann schwach nach Punkten. Koch( Brdbg.) fertigte Batist( Mac.) nach 3 Runden und 1 Zufahrunde nach Punkten ab. Schott( Mac.), der gute Beinarbeit zeigte, vermochte den harten Werner( Brdbg.) knapp nach Punkten zu schlagen. In den folgenden Kämpfen, die durch das flotte Tempo die Zuschauer dauernd fesselten, siegte Friedländer( Mac.) nach Punkten über Klavitter( Brdbg.). Marks( Bidbg.) trieb Zwiebel( Mac.) vor sich her, wie er wollte und siegte hoch nach Punkten. Einen erbitterten Kampf lieferten sich Wende( Borringklub 1913) und Steinert ( Brdbg.), aus dem Wende als guter Sieger nach Punkten hervorging. Zapik( Brdbg.), der gegen Grogowski( Mac.) durch die Seile stieg, vermochte gleichfalls hoch nach Punkten zu gewinnen. Stahlberg gelang es, Waiẞkind sehr zu zermürben und einwandfrei nach Punkten zu schlagen. Praiß( Mac.) und Müzliz( Brdbg.) trennten sich nach hartem Schlagwechsel unentschieden. Die Berufsringer im Walhalle- Theater. Der Mittwoch brachte bei gutem Besuch den schnellen Fortgang der Konkurrenz. Hans Schwarz mußte an dem schweren Tom Jackson viel Mühe anwenden, um ihn nach 13 Minuten durch einen Untergriff von vorn zu besiegen. Anglio und Kutschke mußten sich früh trennen, da letterer durch eine Ellenbogenverlegung am Weiterringen verhindert wurde. Die beiden Sachsen Schäfter und Schneider lieferten ein schnelles und abwechslungsreiches Treffen, bis es Schneider gelang, seinen Landsmann nach 22 Minuten durch Kopfzug zu besiegen. Sirt legte Möbus nach 20 Minuten durch Abfangen eines Hüftenschwunges auf die Matte. Der gute Besuch am Donnerstag tann als Anerkennung für den guten gebotenen Sport gewertet werden. Es zeigt sich immer mehr, daß alle Ringer bestrebt sind, schnelle Entscheidungen herbeizuführen, was sehr zur Hebung des Ringsports beitragen dürfte. Es siegten Pietro Scholz über Debin in der Gesamtzeit von 53 Minuten. Hans Schwarz legte den Polen Worgul nach 22 Minuten auf die Matte. Im nächsten Kampf fiegte Buchheim über Angulski. Schanzer erlag dem Finnen Sirt schon nach 7 Minuten. Kunst rang mit Minter bis zur Polizeistunde unentschieden. Reit- und Fahrturnier. Der Freitagnachmittag brachte ein abwechslungsreiches Programm und Entscheidungen, die alle pferdesportinteressierten Kreiſe oufs stärkste fesselten. Als der beste Hackney des Turniers wurde Graf zu Solm auf Preten Marc Anton anerkannt. Das Pferd holte sich auch 1924 den gleichen Preis. Den Preis des St. Georg holte Fräulein Kolzen aus Hamburg auf der Stute Nortenda an Das Reichsbanner Schwarz- Rof- Gold, Gau Berlin- Branden fich. In der Arena der Autohalle fand als Abschluß ein Gruppenburg, veranstaltet am 9. November in der Stadthalle Klosterstraße springen über 1 Meter hohe Hindernisse statt. Die Baartlasse für eine republikanische Kundgebung, bei der Emil Ludwei nicht über 8 Jahre alte Reitpferde gewann Herr Marwede " Donner II". Im Sattel waren Fräulein mig, der befannte historisch- politische Schriftsteller und Berfasser mit Wotan" und des aufsehenerregenden Buches ,, Kaiser Wilhelm II." die Rede hält. D. Lungen und Herr Waetjen. Eingeleitet wird die Kundgebung durch Gesangsvorträge des Ge= fangvereins Fichte Georginia und durch Rezitationen des bekannten Schauspielers Alfred Beierle. Der Zutritt zu der Veranstaltung ist nur mit Karten möglich, die in der Ge= schäftsstelle des Reichsbanners, Berlin S. 14, Sebaſtianſtr. 37/38, in der Zeit von 10 bis 5 Uhr zu haben sind. = Genoffin Dr. Hildegard Wegscheider spricht am Montag, den 9. Nobember, abends 7, Uhr, in der Aula der 13. Gemeindeschule, Charlottenburg, Pestalozzistr. 40, über das Thema: Lebensreform im Lichte der Internationale. " Wetter für Berlin und Umgegend: Biemlich heiter, aber fübl. Für Deutschland: Vereinzelt noch etwas Regen. Stellenweise leichter Frost. Führen Sie Buch über Ihre täglichen Ausgaben? Wir nehmen an, daß Sie regelmäßig Odol fünstlerische Sehen". Der Abend wird durch Biolin- und Gesangsvortrag benutzen und daß Sie über Ihre kleinen AusBolfsbildung in Weißenfee. Prof. Dr. Lambe spricht heute Sonnabend, 7%, Uhr abends, in der Aula des Realgymnasiums, Boeldpromenade 37, an der Hand vieler Lichtbilder über: Eine Betrachtung über das von Fräulein Käthe Lindenberg bereichert. " Das Rundfunkprogramm. Sonnabend, den 7. November. Außer dem üblichen Tagesprogramm: 4 Uhr nachm.: Einführung zu der Uebertragung aus der Staatsoper am 8. November 4.30-6 Uhr nachm.: Nachmittagskonzert der Berliner Funkkapelle. Leitung: Konzertmeister Ferdy Kauffman. 6.45 Uhr abends: San.- Rat Dr. Paul Frank: Medizinischhygienische Plauderei. 7.15 Uhr abends: Hans- Bredow- Schule ( Bildungskurse). Abteilung Esperanto( Direktor Julius Glück). 7.45 Uhr abends: Gert Hartenau- Thiel: Meine Begegnung mit dem Königstiger". 8.30 Uhr abends: Fritz Reuter.( Zu seinem 115. Geburtstage). Einleitung: Gustav Freytag über Fritz Reuter. Frau". 2. Aus„ Kein Hüsung":" Johann und Daniel( Zwie"> gaben Buch führen. Bitte, sehen Sie mal in Ihrem Ausgabenbuch nach, wie oft Odoldarin erscheint: wahrscheinlich etwa alle zwei bis drei Monate. Wissen Sie, weshalb wir um diese Feststellung bitten? Weil wir in der heutigen Zeit der chronischen Geldknappheit Wert darauf legen, Sie auf eine 1. Aus Ut mine Stromtid"( Kap. 1):„ Havermann am Sarge seiner Tatsache aufmerksam zu machen, die Ihnen selbst gespräch). 3. Aus Läuschen un Rimels":" De Karnellen vogel. vielleicht bisher entgangen ist: nämlich darauf, Karnellenvogel. Geheimen Post- und Eisenbahnverein", vorgetragen von Hans daß Odol nicht nur das anerkannt wirksamste, Dritte Bekanntgabe der neuesten Tagesnachrichten, Zeitansage, sondern zugleich das sparsamste Mund- und Filmdienst Bahnpflegemittel ist. 4. Aus Abendeuer des Entspekters Bräsig: Onkel Bräsig" im Brandt 9.15 Uhr abends: Lustiges Wochenende. Anschließend: Wetterdienst. Sportnachrichten, Theater- und 10.30-12 Uhr abends: Tanzmusik. Das Unterstützungswesen Groß- Berlins. Die notwendige Vereinigung. Mit der organisatorischen Verschmelzung Alt- Berlins und seiner Bororte ist keineswegs ohne weiteres eine Vereinheitlichung der Verwaltungsmethoden auf allen Gebieten eingetreten. Alt- Berlin hat eine viel ältere Tradition als die Vororte. Das gilt besonders auch auf kulturellem und sozialem Gebiet. Die Verwaltungsmethoden sind immer das Ergebnis der grundsätzlichen Auffassung über den Zweck einer Verwaltung. Ist über die Zweckbestimmung grundsäglich lebereinstimmung erzielt. so muß sich daraus die methodische Einheitlichteit entwickeln. STADI BEILAGE DES ten Stadtbahnbogens ergibt dann also das Bild eines Tunnels. Diese Arbeiten fönnen nur nach und nach vorgenommen werden, da der Betrieb nicht beeinträchtigt werden darf. Ein großer Teil der Arbeiten ist schon fertiggestellt, die vollständige Beendigung dürfte ungefähr in einem Jahre erfolgen. Zu den Stadtverordnetenwahlen. Der Rud nach links. Die Kommunisten haben bei den Stadtverordnetenwahlen mehr gewonnen, als sie selbst erhofft hatten. Sie hatten vielmehr befürchtet, daß die vielen Blamagen, die sie sich hier und in der Provinz zugezogen, nicht ohne ungünstige Rückwirkung auf die Wahlen sein würden. Ihr Verhalten in der Stadtverordneten versammlung, die eigene unfruchtbare Verneinungspolitik und die wirten müssen. Der Etfibrief und die Art, wie die deutsche Bentrale auf das Gebot von Moskau eingeschwenkt ist, zeigte die deutschen Führer" in ihrer ganzen erschreckenden Willens- und Meinungslosigkeit, in voller Abhängigkeit von bolscheRK VORWARTS die Versammlung, mit den Anerkennungsgebühren für Reflame in den Straßen, die Raum über Straßengelände beansprucht und gegen deren Höhe die Gewerbetreibenden Einspruch erheben. Die. Bersammlung erfennt an, daß die Reklame, die Herstellung der leuchtenden Schilder usw. vielen Leuten Arbeit gebe und auch das Weltstadtbild, das der Straßenverkehr erfordere, erzeuge. Deffen ungeachtet steht unsere Fraktion auf dem Standpunkt, daß die Großreflame der fapitalfräftigen Firmen ihnen ein Kon furrenzübergewicht gegenüber den kleineren Firmen gewähre, das so groß ist, daß sie der Stadt, die die Genehmigung dazu geben muß, sehr wohl dafür eine entsprechend hohe Anerkennungsgebühr zahlen können und daß diese Forderung als Ausgleich für erlangte besondere Vorteile sehr wohl gerechtfertigt sei. Die neue Bezirksversammlung wird sich mit einer Revision der Gebührenordnung zu befassen haben. Mit einigen Worten dankte der Vorschloß die alte Versammlung. gemeinden haben auf dem Gebiete der sozialen Fürsorge Sabotage der Arbeit anderer hätte ja auf die Wähler abschreckend steher Herr Dr. Kunz den Mitgliedern für die geleistete Arbeit und Die in den 14 Außenbezirten zusammengeschlossenen Borortden sechs Berliner Innenbezirken sehr vieles voraus. Der Grundfat der vorbeugenden Fürsorge als öffentliche Pflichtaufgabe hat in den Vorortgemeinden seinen Niederschlag gefunden in vielen Sforgeeinrichtungen, die Alt- Berlin als Gemeindeeinrichtung nicht aufzuweisen hat. Die sozialdemokratische Stadtverordnetenfraktion wird es auch in der neuen Stadtverordnetenversammlung nicht an Bemühungen darum mangeln lassen, den Grundsaz der vorbeugenden Fürsorge in der Einheitsgemeinde auf der ganzen Linie zum Durchbruch zu bringen. Die nach dieser Richtung hin im Januar d. J. gestellten Anträge haben leider immer noch keine Erledigung ge= funden. Während man auf dem Gebiete der vorbeugenden Fürsorge bei der Schaffung der erforderlichen Einrichtungen die Hemmungen der Finanzlage mit berücksichtigen.muß, ist man bei der methodischen Bereinheitlichung des Unterstügungswesens in der Lage, fich der grundsäglichen Auffassung anzupassen. Daß auf diesem Gebiet überhaupt Verschiedenartigteit besteht, dürfte in Fachfreisen allgemein als unhaltbar empfunden werden. Für die Bereinheitlichung ist die Herausarbeitung der Grundsäge für die 3wed bestimmung des Unterstügungswesens notwendig. Auch das Unterstützungsmesen ist dem Gesichtspunkt der Vorbeugung" zu unterstellen. Gine einmalige Unterſtügung zur Wiederaufrich tung einer selbständigen Existenz ist das Gegebene, sofern der Unterstützungsempfänger über die erforderlichen persönlichen Kräfte verfügt. Laufende Unterstügung würde in einem solchen Falle wirtschaftlich und kulturell wertvolle Kraft vergeuden. Laufende Unterstügung fann nur der durch Alter oder förperliche Gebrechen arbeitsunfähige Mensch beanspruchen. Die Ablösung des Unterstützungswesens, oder seine Höherentwicklung durch die in der Verfassung vorgesehene umfassende Bolfsfürsorge ist zunächst fa um zu erwarten. Ebenso ist eine Nutzbar machung der im sozialen Menschen( Trinker, Arbeitsscheue usw.) latenten nüßlichen Fähigkeiten, wie ein Bewahrungsgesetz sie vorsehen müßte, im meitesten Umfange zunächst nicht zu er= marten. Das Unterstützungswesen wird mit diesem Ballast noch Inge belastet bleiben. Obwohl auch hier die Gemeinden vieles von fich aus tun können, und im Interesse einer volkswirtschaftlich und fulturell zu rechtfertigenden Wohlfahrtspflege tun müssen. Wie weit die Durchführung dieses Gedankens durch die offene Fürsorge durch das System der Schußaufsicht möglich ist, das hängt vielfach von der Entwicklung der pflegerischen Arbeit am Menschen durch die Bürgerschaft selbst ab. Was die Gesetzgebung an traditioneller Standesschichtung durch Schaffung der Gruppenfürsorge Kleinrentner, Sozialrentner, Unterftüßungsempfänger" geschaffen hat, muß durch eine gehobene Einheitsfürsorge abgelöst werden. Die Fürsorgepflichtverordnung geht den ersten Schritt nach dieser Richtung. Das ganze Broblem soll hier nicht aufgerollt werden. Worauf es hier ankommt. das ist die Vereinheitlichung des Unterstützungswesens in bezug auf die Handhabung. In Ali Berlin besteht das rein ehren amtliche System. Der Unterstüßungsantrag wird bei dem Borsteher der Wohlfahrtskommission gestellt. Nachprüfung erfolgt durch Kommissionsmitglieder, über die Unterstützungshöhe entscheidet die Kommissionssizung. In dringenden Fällen greift der Borsteher bis zu einer bestimmten Höchstgrenze sofort ein. In den Vorortbezirken ist die erstmalige Stellung von Anträgen auf einmalige Unterstützung im Wohlfahrtsamt üblich. Die Borprüfung, ob der Antragsteller im Amtsbezirk wohnt, Krankengeld, Erwerbs. losenunterstügung oder dergleichen bezieht, erfolgt durch einen Beamten, die Nachprüfung der wirtschaftlichen Verhältnisse durch Ehrenbeamte. Ueber Höhe der Unterstützung entscheidet die Kommissions: fizung. Während in den Vorortbezirken die Mitarbeit der Fürsorgebeamten in den Kommissionsfigungen und Kreisversammlungen gang und gebe ist, in manchen Fällen ist der Dezernent des Amtes Vorfizender der Kreisversammlung, besteht eine solche Zusammenarbeit in den 6 Innenbezirken nur in vereinzelten Fällen. Ob die Tatsache, daß Alt- Berlin für das Unterstüßungswesen weit mehr Geld aufwendet als die Borortbezirke, auf die Berliner Methode zurückzuführen ist, sei dahin gestellt Man fönnte sie sehr wohl auch zurüdführen auf den Mangel an Einrichtungen vorbeugender Art. Wenn ich der methodischen Anpassung des Alt- Berliner Unterstüßungswesens an das der Außenbezirke, also der Vereinheitlichung das Wort rede, so geschieht das nicht aus finanziellen Rücksichten, sondern aus Gründen, die in der Sache selbst liegen. Die moderne Entwicklung muß die Schranken, die zwischen Verwaltung und Bürgerschaft immer noch bestehen, schnellstens überwinden. Die amiliche Verwaltung muß sich immer mehr zu einem Organ der staatsbürgerlichen Gesamtarbeit entwickeln. Ehrenamtliche und berufliche Verwaltungsarbeit müssen auf die Basis der Geineinsamkeit gestellt werden. Die neue Berliner Wohlfahrtssatzung sieht bei der obersten Berwaltungsstelle, der Wohlfahrtsdeputation, die Mitarbeit der freien Organisationen unter Wahrung des Wahlrechtes durch die Stadtverordnetenversammlung vor. Die Anwendung dieser Maßnahmen cuf die Bohlfahrtskommissionen wäre, wenn dabei das Wahlrecht Der Bezirksversammlungen erhalten bleibt, zu erwägen. Auf diesen Borbehalt fann feinesfalls verzichtet werden, da die Bezirksversammlungen die unmittelbarste Fühlung zu den breiten Woltsmassen haben. M. Todenhagen. Bauarbeiten bei der Stadtbahn. Die schon im Jahre 1922 begonnenen Bauarbeiten bei der Stadtbahn sind aus zwei Gründen notwendig geworden. Einmal handelt es sich um reguläre Ausbesserungsarbeiten und andererseits um Berstärkungen, die nötig sind, um dem ständig wachsenden Berkehr genügen zu fönnen. Wie bei jedem Bau, hat auch die Bitterung während der 43 Jahre des Bestehens der Stadtbahn hier Schäden verursacht, die ausgebessert werden müssen. Die Anforderungen, die heute an die Stadtbahn gestellt werden, find naturGemäß auch größer als vor 43 Jahren und werden sich bei Eins führung des elektrischen Betriebes, der eine dichtere Zugfolge ermöglicht, noch mehr vergrößern. Es müssen daher also die Bögen und die eisernen Brücken verstärkt werden. Die Bögen werden durch neue, 51 3entimeter starfe, innen eingebaute Ge= mölbe verstärkt, die durch einen zweiten, unter der Erde liegenden Die Revolution Sonntag, den 8. November 1925, vormittags 11 Uhr, im Großen Schauspielhaus, Karlstraße Ouvertüre zu„ Coriolan"/ Requiem und Tag des Proletariats von Toller/ Rafoczy- Marsch von Berlioz/ Ansprache Ernst Toller/ 3. Satz a. d. ,, Symphonie pathétique" von Tschaikowski/ Schlußgesang Dic Internationale. Karten 1,20 m., im Abonnement 0,80 m. Plätze werden verloft. wie alle früheren wistischer Herrschaft. Ohne Widerrede wurde die neue Parole als unfehlbar hingenommen und die Bannbulle gegen jeden unverzüglich geschleudert, der, wie Schönlant, an der Unfehlbarkeit im geringsten zweifelte. Die fommunistische Bewegung ist denn auch in den letzten Monaten im ganzen Reich stark zurückgegangen; in einigen Ländern und Provinzen ist sie fast völlig zusammengebrochen. Für die Berliner Wahlen hatten deshalb die Kommunisten selbst die stärksten Befürchtungen. Wenn diese nicht eingetreten sind, so ist das wahrlich nicht das Verdienst der Kommunisten. Sie hatten als extremste Partei das unverdiente Glü d", aus der Unzufriedenheit sehr großer Wählermassen Vorteil bei den Wahlen zu ziehen. Seit Wochen nimmt die Arbeitslosigt eit dauernd zu. Bon den 63000 beim städtischen Arbeitsamt gemeldeten Ars beitslosen erhält nur etwa ein Drittel die Erwerbs. lofenunterstützung. Vicle der politisch wenig aufgeklärten Beamten haben geglaubt, ihre berechtigte Unzufriedenheit in der Abgabe eines ultraradikalen Stimmzettels zum Ausdruck zu bringen. Ebenso die städtischen Arbeiter, die über das Verhalten des Magistrats in der Lohnfrage verbittert gewesen find. Obgleich ihre Forderungen von der sozialdemokratischen Fraktion im Rathause und im„ Borwärts" auf das energischste unterstügt wurden, lehrt die Geschichte der Barlamentswahlen zur Genüge, daß die politisch weniger gefestigten Elemente, die sogenannten Mitläufer", in solchen Situationen den Extremen zuneigen. Nach den früheren Bestimmungen der Wahlordnung fonnte nur derjenige wählen, der am Wahltag 20 Jahre und seit 12 Monaten seinen Wohnsiz im Gemeindegebiet der Stadt Berlin hatte. Nach den jezigen Bestimmungen genügen hierzu 6 Monate. Es find diesmal etwa 300 000 neue Wähler eingerückt. Zum großen Teil junge Leute, die sehr leicht von raditaler Demagogie eingefangen werden. Mit ihrem zahlenmäßigen Wachstum werden die Kommunisten vor die Frage gestellt, ob sie ihr verantwortungsloses Treiben fortsezen wollen zum Schaden ihrer Mandatgeber. Einige Anzeichen scheinen dafür zu sprechen, daß wenigstens ein Teil der Kommunisten der Auffassung zuneigt, fie müßten eine andere. Taftif einschlagen. Die wenigen Gelegenheiten zu praktischer Betätigung, die sich den Kommunisten nach den Wahlen geboten, haben allerdings noch keine Klarheit geschaffen. Herr Stolt und Herr Dörr, die beide das Feld ihrer segensreichen Tätigkeit nicht mehr betreten werden, haben bei ihrem letzten Auftreten nach altbewährter Schablone sich in der Aufführung fommunistischer " Manöver" erschöpft. In einem Aufruf an die Berliner Arbeiterschaft bieten die Kommunisten der sozialdemokratischen Fraktion im Stadtparlament ein Zusammengehen mit ihnen an. Die KPD. werde einer gemeinsamen Arbeiterpolitik feine Schwierigkeiten bereiten. Auf ihrer Reichsparteikonferenz am vergangenen Sonntage ist ähnliches gesagt worden. Die Kommunisten werden es uns nicht verargen fönnen, menn wir allen diesen Anerbieten einigermaßen steptisch gegenüberstehen. Wir haben keine Ursache, sie von vornherein zurüd zuweisen, aber es ist an ihnen den Beweis der Aufrichtigteit, der Stetigkeit ihres taktischen Verhaltens zu erbringen. Treiben sie im Roten Haus auch weiter lediglich leere Demonstrationspolitik und entfesseln sie auch ferner in holder Ueberein ftimmung und unter Assistenz der Rechtsparteien turbulante Szenen zum Zwecke der Agitation, dann würde sich ein Zusammenarbeiten mit ihnen zu praktischem Tun taum denken lassen. Die Sozialdemokratie fann in aller Ruhe die weitere Entwicklung abwarten. Die letzte Bezirksversammlung in Berlin- Mitte. Im Rathaus tagte am Mittwoch die letzte Bersammlung der alten Bezirksvertretung. Von den auf der Tages: ordnung befindlichen Angelegenheiten führten nur zwei Vorlagen zu ausgedehnteren Auseinandersetzungen. Die eine betraf die Gewährung einer Umzugskostenbeihilfe für einen abgebauten Beamten, der 450 M. Wartegeld monatlich erhält und nur kurze Zeit im Dienst der Stadt stand. Für die SPD.- Fraktion führte Genosse Dr. Striemer aus, daß in der Periode der Demobilmachung die aufgeblähten Verwaltungsförper im Reich, in den Ländern und Kommunen nur dadurch schnell entlastet werden konnten, daß der jogen. Abbau" erfolgte. Diese Maßnahme, die eine Notmaßnahme war, hat zu einer ungeheuerlichen Belastung der Steuerzahler geführt, die nicht mehr fragbar ist. Die Wiedereinfügung der Abgebauten in den Wirtschafts- und Verwaltungskörper fei unumgänglich. Wenn wir dieses Ziel auch im Handumdrehen nicht erreichen können, fo zwingt es doch zu größter Sparfamteit. Deshalb müsse der mit hohem Wartegeld Abges baute feinen Umzug selbst bezahlen. Gen. Brendel betonte, daß die Abgebauten, die hohe Wartegelder beziehen, sich zu ehrenamtlicher Tätigkeit zur Verfügung stellen follten, da es an Unsere Stadtverordneten. Nachdem die Verteilung der Stadtverordnetenmandate auf die Parteien durch den Stadtwahlausschuß. vollzogen worden ist, läßt sich jetzt besser übersehen, wer der neuen Stadtverord netenversammlung angehören wird. Die sozialdemokratische Fraktion bleibt die weitaus stärkste. Bon ihren fünftig 73 Mitgliedern entfallen auf die Kreise I 4, II 4, III 7, IV 7, V 6, VI 8, VII 4, VIII 2, IX 1, X 3, XI 3, XII 6, XIII 3, XIV 3, XV 4, auf die Stadtwahlliste 8. Die schon im Vorwärts"( Morgenausgabe vom 27. Oktober) mitgeteilte Zusammenstellung der Namen stützte sich auf ein vorläufiges Ergebnis, das noch lückenhaft war. Sie war aber nahezu richtig und bedarf der Korrektur nur für Kreis V und für die von der Stadtwahlliste Gewählten. Wir geben hier nochmals die korrigierte Busammenstellung, im ganzen. Unsere Stadtverordneten sind: 1. Kreis Mitle: Dr. Weŋl, Siegbert Löwy, Paul Horsch, Adolf Hoffmann sen. 2. Kreis Tiergarten: Karl Bublib, Hermann Clajus, Alfred Poersch, Dr. Käthe Frankenthal. 3. Kreis Wedding: Friz Brolat, Wilhelmine Weide, Mar Ulrich, Walter Ried, Bruno Krause, Friz Drews, Gustav Blaschzik. 4. Kreis Prenzlauer Berg: Theodor Fischer, Helene Schmiz, Mar Kemnis, Mar Kreuziger, Adolf Döhnert, Georg Maderholz, Lisbeth 3ern. 5. Kreis Friedrichshain: Michael Kayser, Agnes Fahren wald, Christian Gutetunst, Karl Klingler, Martha Hoppe, Alfred John. 6. Kreis Kreuzberg: Frih 3ubeil, Hermann Schweidardt, Dr. Witte, Gustav Häußer, Dr. Richard Lohmann, Lisbeth Riedger, Otto 3 öpfel, Heinrich Schröder. 7. Kreis Charlottenburg: Albert Horlig, Otto Schmidt, Dr. Kamerau, Johanna Kühn. 8. Kreis Spandau: Mar Schulze, Frizz Kranz. 9. Kreis Wilmersdorf: Georg Oppel. 10. Kreis Zehlendorf- Steglit- Tempelhof: Friedrich Binte, Otto Klose, Richard Draemert. 11. Kreis Schöneberg: Franz C 3eminsti, Georg Wendt, Erich Flatau. 12. Kreis Neukölln: Hermann Harnisch, Franz Gutichmidt, Anna Bormann, Kurt Gärtner, August Händel, Mar Fechner. 13. Kreis Treptow- Köpenid: Wilhelm Reimann, Frizz Woit, Wilhelm Strieder. 14. Kreis Lichtenberg: Friz Thurm, Gustav Tempel, Ernst Arndt. 15. Kreis Weißenfee- Pankow- Reinidendorf: Hermann Amberg, August Schmidt, Ludwig Hod app, Heinrich Schäfer. Stadtliste: Hugo Heimann, Johannes S a ß, Ernst Reuter, Richard Krille, Minna Todenhagen, Theodor Glode, Robert Rohde, Siegfried Weinberg. Dank der Stadt Berlin an 20000 Wahlhelfer. Der Magistrat der Stadt Berlin veröffentlicht nachstehende Danksagung: Bei den am Sonntag, dem 25. Oftober d. I., stattgefundenen Wahlen der Stadtverordneten und Bezirksverordneten haben sich rund zwanzigtausend Bürger und Bürgerinnen unserer Stadt als Wahlvorsteher, Wahlvorsteher- Stellvertreter, Schriftführer und Beisiger ehrenamtlich in den Dienst der Allgemeinheit gestellt, um die Wahlen durchführen zu helfen. Wir sprechen hierdurch allen Beteiligten für ihre tatkräftige Mitarbeit unseren Dank aus. Böß. Neue Amtsräume des Statistischen Amts der Stadt Berlin Das Statistische Amt der Stadt Berlin ist türzlich aus dent Hause Poststraße 16, dem alten Ephraimschen Palais, nach dem Alexanderplatz( C 25, Alleganderstraße 46/48) in das jogenannte Engelhardt- Haus übergesiedelt. Es ist dies der vierte Umzug, den das Amt während seines nunmehr 63jährigen Bestehens hinter sich hat. Bei seiner Begründung im Jahre 1862 wurde das Amt, das bis zum Jahre 1881 Statistisches Bureau" hieß, im Rathaus untergebracht. Als die dortigen Räume zu eng wurden, wurde es im Jahre 1875 in den ersten Stock des dem Heiligen- Geist- Hospital gehörigen Hauses. Heiligegeistgasse 11, verlegt. Im Oktober 1880 fonnte es in dem geräumigen zweiten Stock des Köllnischen Rat hauses, Breite Straße 20a, einziehen. Für die Vorbereitung der Volkszählungen mußten aber schon damals besondere Bureauräume eingerichtet werden, bis im Jahre 1895 die Ver einigung sämtlicher Abteilungen des Statistischen Amts einschließlich feiner ausgedehnten Bücherei durch die Uebersiedlung in das Ephraimsche Balais möglich wurde. Dort, am moltenmarkt, im Herzen Alt- Berlins, hat das Statistische Amt dreißig Jahre hindurch seine Unterkunft bis zu dem jezigen Umzuge gehabt, die es auch beibehielt, als die Statistischen Aemter der früheren Nachbarorte Charlottenburg, Neukölln, Schöneberg, Wilmersdorf und Spandau mit dem Alt- Berliner Amt verschmolzen wurden. Die Friedrichstraße 110/112. Bählungsabteilung des Amts befindet sich im Passage- Kaufhaus, M. SCHULMEISTER MSchulmeister T Hochbahnstation Kottbuser Tor Mollige Winter- Mäntel Mk. 49. 54.-, 60.-, 70.-, 80.-, 100.Mollige Jünglings- Mäntel Mk. 29.-, 34.-, 38.-, 41.-, 50.-, 60.Bogen fundamentiert werden. Das Profil eines derartig verstärt. 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In den Jahren unferes gemeinfamen Arbeitens lernten wir ben leider zu früh Berftorbenen als einen gewissenhaften und ftets hilfsbereiten Rameraben achten und schägen Das Andenten an ihn hält allzeit in Ehren Geschäftsleitung und Berfonal der Borwärts- Buchdruderel. Elnäscherung: Montag, 9 November, 12 hr, im Krematorium Wilmersdorf, Berliner Straße. Metallbetten Stahlmatratz., Kinderbetten günstig an Priv. Kat. 650 fr. Eisenmöbelfabr. Suhl Thür. Extra billiges Sonder- Angebot! Damen- Halbschuhe elegant, modern und haltbar Damen- Schnürstiefel putes Rindbox 36-42 Mädchen- Schnürstiefel haltbare Qualitát, 31-35 V. Herren- Schnürstiefel baltbar und modern. Herren- Halbschuhe elegant und Spitz 14.50, 12.50, 10.90, von 90 690 80 KamelhaarUmschlag- Schuhe mit Filz und Ledersohle verdeckte Naht, 36-42. Lack- Halbschuhe mod. Form mit mod Absatz Damen- Halbschuhe Ja Boxkait Damen- Spangenschuhe elegante Form, Absatz L. 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In Ländern, die keine heiten verlangt( Verpfändung der Grundstücke und Gebäude, BeInflation hinter sich haben, in denen das Betriebskapital der In leihung nur bis 30 Broz., jährliche Tilgung), sondern darüber hindustrie nicht in festen Sachwerten verschwunden ist, braucht sich die Arbeiterschaft noch heute um die Industriefinanzierung nicht viel zu fümmern. In Deutschland ist das anders. Die schwersten Gefahren für die Beschäftigung und für eine ausreichende Lebenshaltung der Arbeiterschaft drohen in den früheren Inflationsländern gerade von der Kapitalnot der privatfapitalistischen Industrie; dieses Moment ist denn auch der schwerste Einwand, den die Unternehmer den Lohnsteigerungstämpfen der Arbeiterschaft immer entgegenhalten. Aufbau und Organisation der staatlichen Industriebant. Unter diesen Umständen verdient ein Versuch des Freistaates Sachsen, die in Sachsen besonders start vertretene Fertig industrie durch Beschaffung langfristiger Darlehen flott zu machen und flott zu halten, die Aufmerksamkeit der Arbeiterschaft. Am 1. Oftober ist in Dresden die Sächsische Landespfand briefanstalt ins Leben getreten, deren einzige Aufgabe es ist, Industrie, Handel und Gewerbe des Freistaates Sachsen mit Kapital auszustatten. Gegen hypothefarische Berpfändung der betreffenden Fabrik- und sonstigen Betriebsgrundstücke sollen auf 20 Jahre Darlehen in Beträgen von nicht unter 5000 und nicht über 200 000 m. gewährt werden, die in jährlichen Raten zu tilgen sind. Insbesondere der mittleren Industrie, die von den großen Banken vernachlässigt wird und auch keine Auslandskredite erreichen fann, soll auf lange Jahre hinaus Kapital verschafft werden, das sie im Lauf der Zeit aus den erzielten Ueberschüssen zurückzahlen muß. Das für diese Hypothekenkredite notwendige Geld foll durch den Berkauf von Pfandbriefen im Inland und Ausland beschafft werden, also bei jedermann, der Geld zur Verfügung hat und es gegen Zinsen auf lange Zeit festlegen mill. Diese Art von Kapitalbeschaffung ist zwar schon sehr lange bekannt. Der ganze Häuferbau der früheren Zeit, die ganze Kredit wirtschaft des landwirtschaftlichen Grund und Bodens beruhte und beruht auch jest wieder darauf. Vollkommen neu ist sie aber für die Industrie in der Art, wie sie jetzt in Sachsen durchgeführt wird. Es gab zwar schon immer Einzelhypothefen auch auf Fabrifgelände und Fabrikgebäude, die von privaten Hypothekenbanken gewährt wurden. Es gab auch Industrieanleihen( Obligationen), die wie Pfandbriefe feft verzinslich waren und auch in langen Jahren getilgt oder ausgeloft wurden. Unbekannt aber waren Industriepfand briefe, wie die der neuen Sächsischen Landespfandbriefanstalt, die durch die Uebernahme einer Staatsgarantie für ihre Besizer Mündelsicherheit haben. Das ist es denn auch, was die Arbeiterschaft am meisten angeht; von der Tatsache abgesehen, daß die Unternehmer Kredite er. halten. Die Sächsische Landespfandbriefanstalt wird nämlich als eine hypothefen, und Pfandbriefbant des fächli schen Staates aufgemacht. Der fächsische Staat stellt das Grundtapital von 1 Million Mart und regelt die Einrichtung und die Verwaltung der Bank durch ein Staatsgesetz. Das Direktorium der Bant ist mit der Sächsischen Staatsbant verbunden. Im Berwal tungsrat, dessen Borsigender ein Staatsfommissar ist, figen neben 3 Mitgliedern des Landtags 3 vom Direitorium ernannte Mitglieder örtlicher Kreditausschüsse und 4 Bertreter der industriellen Darlehnsnehmer, die vom Finanzminister und vom Wirtschaftsminister ernannt werden. Es handelt sich also um eine ausgesprochene Staats. bant und Staatsgründung. Allerdings zur Förderung pripattapitalistischer 3 wede. Und das ist die andere Seite der Sache, die die Arbeiterschaft intereffieren muß. Es ist zwar auch das nichts Neues; denn die Landschaften, die Stadtschaften fönnen auch als öffentlich, als„ staatlich" angesehen werden, weil eine öffentliche Garantie für die cusgegebenen Schuldscheine hinter ihnen steht. Aber es ist doch von höchster Bedeutung, daß nun auch die Industrie, deren ganzer Stolz eben im freien, unabhängigen Unternehmertum" besteht, gewiffermaßen unter staatliche Bormundschaft genommen werden muß. Man fann sich fein deutlicheres Zeichen für die innere Brüchigkeit des Privattapitalismus in Deutschland denken, dessen Privatbanten( 3inspolitit) fich einfach als unfähig ermiesen haben, das industrielle Kreditsystem in Ordnung zu bringen, als diese Ausdehnung der Staatstätigkeit auf die Finanzierung der Industrie. Der kreditnehmenden Industrie wird natürlich nichts geDie Bilanz des Hoesch- Konzerns. Wenig offene, aber starke kapitalisierte Gewinne. Zu den Montantonzernen, die sich während der ganzen Kriegsund Inflationszeit aufs strengste auf the engeres Erzeugungsgebiet beschränkten( die Beteiligung an der Frigga"-Reederei diente der Erzverschiffung), zählt auch die Eisen und Stahlwert Hoesch A. G. in Dortmund. Wie bei Klödner und van der 3ypen fpiegelt sich auch bei Hoesch diese Tatsache im Jahresbericht und in der Bilanz für 1924/25 wider. Noch im März d. J. erklärte der Borsitzende des Aufsichtsrats Springsrum, daß die erste Hälfte des Geschäftsjahres sehr ver Iuftbringend gewesen sei, erst die Frühjahrsmonate 1925 erlaubten wieder mit Ueberschüssen zu arbeiten. Der Geschäftsbericht spricht von einer weiteren Geschäftsstille darauf, die bis zum Schluffe des Geschäftsjahres( 30. Juni) angedauert hätte. In der Bilanz und in den Zahlen des Geschäftsberichts ist von dieser Unterbeschäftigung nicht viel zu merken; was auch mit den nur ganz unbedeutenden gelegentlichen Betriebseinschränkungen übereinstimmt. Im Gegenteil find, abgesehen von der Kohlenförderung und KokserzeuDie gung, die Leistungsziffern überraschend hoch. Roheisenerzeugung ist mit 562 570 Tonnen höher als in den vier Jahren 1918-1922( höchftziffer 1918 mit 468 992 Tonnen). Die Erzeugung von Rohblöcken mit 738 887 Tonnen übertrifft die Höchst ziffer dieser vier Jahre( 1922: 577 332) noch um mehr als 25 Proz. Die Eisensteinförderung ist gegenüber den beiden Bor. jahren faft verdoppelt und übertrifft fogar Förderziffern der Kriegsfonjunktur. Die Berfandrechnungen der Hütten- und Walzwerke allein find mit rund 99 Millionen Mart gegenüber der Borkriegszeit mehr als verdoppelt. Diese relativ starke Beschäftigung tommt auch im Geschäfts ergebnis deutlich zum Ausdruck. Allerdings darf man dabei nicht den ausgewiesenen Reingewinn zugrunde legen, wie es Unternehmerart ist, sondern die Veränderungen in der Bilanz. Aus dem Geschäftsergebnis wurden nämlich( ähnlich wie bei Klöckner) fehr erhebliche Substanzerweiterungen bestritten: Am 1. Mai wurde ein neues Fein- und Drahtwalzwerf in Betrieb genommen. Bis zu diesem Herbst sollte ein neuer Hochofen in Be trieb genommen werden. Ebenso wurden ein 150- Tonnen- Martin Solidarhaft der Darlehnsnehmer aus der Industrie. Die Hypotheken und Pfandbriefe werden in Zeitserien ausgegeben ( die erste Pfandbriefferie zu 8 Proz.), und die Darlehnsnehmer jeder Serie werden solidarisch zu einer 3uschußpflicht für Berluste aus ihrem Darlehnsnehmertreis verpflichtet, die erst ein Jahr nach Rückzahlung der Hypothek erlischt und für die eine besondere Sicherheitshypothet von weiteren 10 Proz. des Darlehns eingetragen wird. Treten Verluste der Bank ein, so haftet zunächst die für jede Pfandbriefserie gebildete Sonderrüdlage, danach die Reserve der Bant, darauf wird auf die zehnprozentige Serienhaftsumme der Darlehnsnehmer zurückgegriffen, dann auf das Grundfapital der Bank und in letter Linie erst auf die Staatskasse. Der Weg vom industriellen Darlehnsnehmer bis zur Staatstaffe, d. h. der Allgemeinheit, ist also sehr weit gemacht, was nicht nur gerecht, sondern für die Sicherheit der Rückzahlung und die Sicher heit der Pfandbriefe auch sehr zweckmäßig ist. Sonnabend, 7. November 1925 ftellungsjahr 1924/25 rechtfertigt nach den Erträgen nicht nur die erfolgten geringen Lohnerhöhungen, sondern auch noch weitere Ber änderungen in der Arbeitszeit. Auch die Hoesch- Bilanz zeigt wieder einmal, wie jorgfältig die Belegschaften auf die Geschäftsberichte und Bilanzen, statt auf die Klagereden der Unternehmer achten müssen. " Affienkurse und Wirtschaftskrise. In der weiteren Verschlech terung des Kursstandes der an der Berliner Börse gehandelten der Vertrag von Locarno, der als das bedeutendste außenpolitische Aftien zeigt sich, daß noch so günstige außenpolitische Momente wie Ereignis seit dem Kriegsausbruch bewertet werden muß, für die in der inneren Wirtschafts- und Industriepolitik begangenen Fehler nichts bedeuten können. Die Entwicklung der Aktienkurse ist viel. mehr restlos beherrscht von der inneren Sanierungsfrise der deutschen Wirtschaft. Die Zahl der Unternehmungen, die an der Börse unter 50 roz. ihres Gold" tapitals bewertet werden, ist von 32,6 auf 36,9 Proz. gestiegen und hat sich damit innerhalb acht Monaten ver achtzehnfacht. Gerade in der Höhe und höher als das Goldtapital werden nur mehr 13,8 gegenüber 15,3 Broz. der an der Berliner Börse gehandelten Unternehmungen bewertet. Gegen vor acht Monaten( 35,9 Broz.) ist ihre Zahl auf ein Drittel gesunken. Der Attieninder selbst, der im Februar noch bei 110 Broz. stand, steht heute wenig über 60 Broz. Sm Durchschnitt werden die an der Berliner Börse gehandelten Unternehmungen also nur mehr mit drei Fünftein ihres Goldfapitals bewertet. Da hilft es nichts mehr, von börsentechnischen Momenten, von Rapitalfnappheit und von Vorratsaftien als den Gründen dieses. Tiefstandes zu sprechen. Die Unterbewertung der Aktien= unternehmungen an der Börse ist die einfache Folge ihrer leberbewertung in der Goldbilanz. Der Absturz Das leichtfertige Schuldenmachen, das durch die Inflation und des Attieninder auf beinahe die Hälfte innerhalb neun Monaten, durch die vielfach äußerst törichten Staatskredite der letzten zwei während die Umsäge in der Industrie zweifellos wuchsen, Jahre in so gefährlicher Weise überhand genommen hat, werden fich ist der dokumentarische Beweis dafür, daß die seinerzeit aus dem die sächsischen Unternehmer also sehr überlegen, soweit es überhaupt Berhältnis der Kapitalzusammenlegung errechneten Kurse the o= von ihnen abhängt. Die Gewährung der Hypothekendarlehen retische Annahme waren und die heutigen Kurse erst der erfolgt nämlich ausschließlich durch das Direktorium der Bank. Die Ausdrud des mirtlichen Werts der Unternehmungen find. Das in 5 fächsischen Städten gebildeten Kreditausschüsse haben endlich zu berücksichtigen, wenn die Sanierungsfrise der Wirtschaft nur begutachtende und beratende Aufgaben, nicht aber entscheiden nur begutachtende und beratende Aufgaben, nicht aber entscheiden überwunden werden soll, ist allerhöchste Zeit. Geschieht es nicht, sie über die Kreditgewährung. Wegen der Haftung der Dar fo brauchen sich die deutschen Unternehmer weder über die weitere lehnsnehmer müssen sie bei Darlehen von über 20 000 m. nur ge- Verschärfung der Krise noch darüber zu wundern, wenn das Ausland hört werden. Gehen die Darlehen über 100 000 m. hinaus, jo gegenüber der deutschen Industrie sich noch fester zufnöpft als bisher. braucht das Direktorium noch die Zustimmung des Staatskommissars; Großhandelsindeg. Die auf den Stiájtag des 4. November be follen sie ausnahmsweise mehr als 200 000 m. betragen, so ist außer rechnete Großhandelsinderziffer des Statistischen Reichs, dem die Zustimmung des Verwaltungsrats und des Finanzamts, die im wesentlichen die Preisbemegung der Rohstoffe und ministeriums erforderlich. Ueber Halbwaren darstellt, ist gegenüber dem Stande vom 28. Oftober ( 122,5) um 1,5 Proz. auf 120,7 zurückgegangen. Gesunken sind die Preise für Roggen, Gerste, Hafer, Kartoffeln, tierische Fette, Rindfleisch, Milch, Hopfen, Rindshäute, Kalbfelle, Baumwolle und Baumwollhalbwaren, Rohjute, Leinengarn sowie Blei und Zinn. Höher lagen die Breise für Weizen, Schweinefleisch und einige Nichteisen. Bon den Hauptgruppen haben die Agrarerzeugnisse von 116,1 auf 113,7 oder um 0,2 Broz., die Industrie. ftoffe von 134,6 auf 133,7 oder um 0,7 Broz. nachgegeben. Für den Durchschnitt Oktober ergibt sich ein Rüdgang der Großhandelsinderziffer von 125,9 im Durchschnitt September auf 123,7 oder um 1,7 Pro 3. die Wirksamkeit der neuen Einrichtung darf man sich allerdings nicht zuviel llufionen machen. Sicher ist es falsch, wie es auf dem legten Bantiertag geschehen ist, den Industriepfandbriefbanken die Eriftenzberechtigung abzusprechen. Daraus spricht schließlich nur das Eingeständnis des eigenen Ber sagens der privaten Hypothekenbanken. Der Erfolg der Neugrün dung hängt aber leztlich davon ab, ob es gelingen wird, überhaupt das nötige Stapital aufzutreiben. Im Deutschland des zu nehmenden Lohndrucks und der Steuer- und Zollausbeutung der arbeitenden Maffen, von denen bei ausreichenden Löhnen und Gehältern allein gespart werden fönnte, verhindert das die Kurz. Förderung der landwirtschaftlichen Siedelungen. Am Montag, fichtigteit ber Unternehmer selbst. Das Ausland aber hält die Taschen zu, weil die deutschen Unternehmer alles vom den 9. November, finden Besprechungen zwischen dem Reichspräsi Lohndrud und vom Schleuderexport, nichts aber von der Stär denten von Hindenburg, dem Reichsarbeitsminister Dr. Brauns und fung des Inlandsmarttes erwarten. So hängt der Erfolg dem Vorstande des Reichsverbandes landwirtschaftder Sächsischen Landespfandbriefanstalt leztlich von den Unterlicher Klein und Mittelbetriebe statt. In den Benehmern selbst ab. Nur wenn sie den Inlandsmarkt durch Ratio- fprechungen werden die Maßnahmen besprochen werden, die vom nalisierung( Breissenfung) und durch vernünftige Lohnpolitit( Kauf. Reich und den Ländern in nächster Zeit ergriffen werden müssen, um frafistärtung) zu stärken vermögen, fönnen fie hoffen, sowohl Kapital Iungen herbeiführen zu können. Tausende von existenzlosen Landcine starte Förderung der landwirtschaftlichen Siede zu bekommen als auch das Kapital verzinsen und später zurüd- wirien, verdrängten Bächtern, Bauernföhnen, die auf dem Gute zahlen zu fönnen. Die Arbeiterschaft auf der anderen Seite hat weder zur Furcht noch zur Hoffnung Anlaß. Auch wenn die sächsische Gründung in anderen Teilen Deutschlands Nachahmung findet, liegt nichts anderes vor, als daß der Staat den Unternehmern in einer Zeit, in der durch die Schuld der Banken die Kreditwirtschaft noch in voller Unordnung ist, die Hand zur Selbsthilfe reicht. Mißlingt das Experiment, so erfolgt zum Nachteil der Unternehmertlase bestenfalls eine Ausdehnung der staatlichen Industrietätigkeit, die infolge des Bankrotts des Wirtschaftsführertums ohnehin im Wachsen ist. Im übrigen darf sich die Arbeiterschaft nach wie vor auf nichts verlassen, als auf sich selbst. Durch Lohnfämpfe muß fie die deutschen Unternehmer zur Stärkung des Inlandsmarktes zwingen, in eigenen Banken und Genossenschaften muß sie ihre Ersparnisse und die Kauftrait ihrer Löhne zu steigern suchen und durch die Partei muß fie den Zoll- und Steuerraub zu verhindern wiffen. Das gilt wie für den Privattapitalismus, so auch für den Staatskapitalismus in der heutigen Wirtschaftsordnung, wo er, wie jest in Sachsen, in der heutigen Wirtschaftsordnung, wo er, wie jetzt in Sachsen, privatfapitalistische Zwecke zu fördern sucht. R- T. a ihres Baters feine Beschäftigung finden, und andere drängen auf eine landwirtschaftliche Eristenz. Andererseits würden die dünnbevölkerten Off provinzen, die der Einwanderung aus dem Often ausgefeßt find, noch Raum für deutsche Landwirte gewähren. Man hofft in Kreisen des Reichsverbandes, daß die perantwortlichen Stellen in der Siedelungspolitit sich zu energischen Maßnahmen entschließen, werden. Die Depression in der Weltschiffahrt. Der foeben veröffentlichte Jahresbericht von Lloyds- Register, das die gesamte Schiffsftatiftit umfaßt, stellt fest, daß in den am 30. Ottober abgelaufenen 12 Monaten die trostlose Lage der Seeschiffahrt in feiner Weise sich gebeffert hat. Der infolge des Weltfrieges gebaute Frachtraum, von dem nicht weniger als 28 millionen Bruttotonnen aufgelegt( außer Dienst gestellt) morden find, brückt auf die ohnehin fon ungenügenden Frachtraten; andererfeits hat der gesamte Ueberfeehandel der Welt bas Borfriegs. volumen noch nicht mieber erreicht. Infolgedessen ift die Zahl der Neubauten im Berichtsjahr nur gering gewesen und beläuft sich auf 493 Schiffe mit insgesamt 1315 730 Brutto. tonnen, die bei Blonds gemeldet und klassifiziert wurden. Baupläne für 413 neue Schiffe von insgesamt 1 229 703 Tonnen wurden ges nehmigt. Die Bautätigkeit war noch schwächer als im Vorjahr. ofen, eine 7500-.- Turbine und eine Automobilfedernfabrik in Hohenlimburg errichtet. Gemeinsam mit dem Köln- Neueffener Bergwerksverein, mit dem seit 1920 eine 80jährige Interessengemeinschaft besteht, erfolgte im Laufe des Geschäftsjahres die Angliebe rung des Edelstahlwerks Eid en u. Co. in Hagen. Diese betrieb lichen Erweiterungen und Abrundungen verschlangen Millionensummen, die nicht aus neuen Rapitalaufnahmen, fontumsverhältnissen beteiligt. 3mischen 1902 und 1924 hat sich die dern aus laufenden Einnahmen geflossen find.( Die Reserven blieben unangetastet.) Die Bilanz selbst bewertet diese 3ugänge bei den Berg- und Hüttenwerfen mit 12,56. bei den Beteiligungen mit 1,82 millionen; zusammen 14,38 Millionen. Aber auch die besondere als noch nicht abrechnungsfähige Berpflichtungen" in der Goldbilanz gestellte Reserve von 9,27 Millionen brauchte dazu nicht herangezogen zu werden. Diese Reserve wurde nur in Hochofenerneuerungs-, Bergschäden und Delfredererüdlagen umge wandelt und sogar aus dem Geschäftsergebnis( mit dem neuen Unterstützungsfonds zusammen) um 4,23 Millionen Mart erhöht. In Abzug zu bringen sind von diesen Bilanzverbesserungen allerdings die Abschreibungen mit 6,31 Millionen, so daß ein Substanz- und Reservengewinn von 12,30 Millionen verbleibt. Nimmt man nun ben offen ausgewiesenen Intereffengemeinschaftsgewinn von 0,80 Millionen( über dessen Feststellung sich nichts entnehmen läßt) hinzu, so tommt ein tatsächlicher Geschäftsgesellschaften, die Spareinlagen bei den Banken und die Kapitalien gewinn von 13,10 Millionen heraus, der sich ganz anders ausnimmt als die lumpigen 779 931,88 m., die ausgewiesen und Dorgetragen werden. Die ganzen Ausführungen des Geschäftsberichts erhalten durch die Aufzeigung dieser Differenz zwischen tatsächlichem und ausgewiesenem Gewinn erst die Beleuchtung, die sie verdienen 13,10 Millionen gegenüber einem Borkriegskapital Don 28 Millionen und gegenüber Gesamtgoldeinzahlungen von höchstens 35-40 Millionen Mark sind doch fast 30 Proz. Das Ergebnis ist also trog aller auch hier wieder mit sehr großem Nachdruck vorgetragenen Klagen über die Steuer, Sozial- und Frachtlasten nicht schlecht, sondern ausgesprochen gut zu nennen. Vor allem enthüllen fie flar das Unrecht, das an den 20 000 mann Beleg fchaft verübt wird, wenn der Hoesch- Konzern über die Lohnzwangswirtschaft, die Löhne und die achtstündige Arbeitszeit in den Rotereien und Hochofenwerten loszieht, Selbst das schwierige Um Die Neuverteilung des Kapitals in den Bereinigten Staaten. Rapitals geigen ben großen Fortschritt der Kapitalanlagen der Die statistischen Veröffentlichungen über die Neuvertellung des Rapitals zeigen den großen Fortschritt der Kapitalanlagen der Pleinen Leute. Immer breitere Schichten werden als Aftio. nare oder Inhaber von Wertpapieren an den fapitalistischen Eigen Zahl der Attienbefizer verbreifach t. Bei einer Anzahl von großen Industriegesellschaften erhöhte sich die Zahl der Aktienbesiger Don 1917 bis 1925 von 2% Millionen auf über 5 Millionen, darunter Unter den Dividendenempfängern befanden 338 000 2ngestellte. fich im Jahre 1917 9,5 Proz. Personen mit einem jährlichen Eintommen unter 5000 Dollar, 1925 22,7 Broz. Die Zahl der Aktionäre der Standard- Dil- Gesellschaft stieg von 6078 im Jahre 1911 auf über 300 000 im Jahre 1925. Auch die Zahl der Aktionäre der Brivateisenbahnen ist erheblich geftiegen. Für den zunehmenden Kapitalbesiz der Arbeiter zeugt die Erhöhung der Spargelder bei den Banten von 98 Dollar pro Stopf 1914 auf 168 Dollar 1924. Die großen landwirtschaftlichen Genossenschaften erhöhten ihre Mit glieberzahl von 650 000 im Jahre 1914 auf 2% Millionen Anfang dieses Jahres; die Bou- und Kreditgenossenschaften von 3 auf über 7 millionen. Die letteren haben ihr merbendes Rapital in diesem Jahrzehnt verdreifacht. Die Prämien der Lebensversicherungsder Bau- und Kreditgenossenschaften ergeben zusammen die ungeheure Summe von 35 Milliarden Dollar. Das Kapital der 30 Gewertschaftsbanten beträgt 150 Millionen Dollar. Den Schätzungen Professor Carvers zufolge beträgt die die Industriearbeiter bezahlte Lohnfumme jährlich 23 Milliarden Dollar, wovon 6 bis 7 Milliarden erspart und fruchtbringend angelegt werden. an Wendung in der englischen Anielbepolitit. Das britische Reich batte bisher an den großen internationalen Finanztransaktionen sich start zurückgehalten. Es bestand eine Beschränkung der Kredit gewährung an das Ausland. Der englische Schazkanzler Churchill daß die Befcrantungen für ausländifce Anleiben teilte nun am Dienstag in Cheifild namens der Regierung mit, aufgeboben worden feien. Die Zeit fei nefommen, die Freiheit des Gelbmarltes völlig wieder berzustellen. Gegen die Gewährung bon Anleihen an die Kolonien oder an das Ausland würden feine Einwände mehr gemacht werden. Bevorzugt würden aber solche Anleihen, durch die der Industrie Aufträge verschafft würden. Tage eingestellt gewefenen Werfftudenten haben mit Technischer Ein Generalstabschef als Zeuge. Nothilfe nicht das mindeſte zu tun. Er will nichts von Untersuchungsausschüssen wissen. München, 6. November.( D3B.) Am Schluß der dritten Berhandlungswoche nahm heute als Sachverständiger Oberst a. D. Jochim das Wort, der u. a. ausführt: Ich war in den Jahren 1916 bis 1917 Generalstabschef bei der 6. Armee, wo ich auch ein Regiment führte, und so das Schützengrabenleben aus eigener Erfahrung fennengelernt habe. Der Sachverständige kommt dann auf die Veröffentlichung des Barlamentarischen Untersuchungsausschusses zu sprechen und führt aus: Es ist ein Unding, über geschichtliche Vorgänge durch Mehrheitsbeschlüsse zu urteilen, um so mehr, als im parteipolitischen Gremium parteipolitische Ansichten mitSpielen, es müssen Kompromisse gemacht werden, um zu einem BeWas die Speicheranlagen des Anhalter Güterbahnhofs anlangt, so ist vormeg zu bemerken, daß die Reichsbahndirektion Berlin neuerdings nicht unerhebliche Mittel für bauliche Berbesserungen zur Verfügung gestellt hat. Bezüglich der Sauberkeit der Speicheranlagen des Anhalter Bahnhofs ist festzustellen, daß die Speicher täglich gründlich gefegt und andauernd sauber gehalten werden. Es ist naturgemäß unausbleiblich, daß bei einem so starten Güterumschlag viel Berpackungsmaterial( Holz, Papier, Stroh und dergleichen) abfällt. Sobald aber die Bläge einiger: maßen frei sind, werden fie gefegt. Beim Auftauchen von Revolutions- Gedenkfeier schluß zu kommen. Ich möchte die außerordentlich mühsame und Montag, den 9. November, abends 7½½ Uhr, gewissenhafte Arbeit des Untersuchungsausschusses in teiner Weise anzweifeln, aber Tatsache ist, daß das Ergebnis des Untersuchungs ausschusses einer wissenschaftlichen Forschung nicht in allen Teilen standhält. Es ist ausgeschlossen, daß ein einzelner Mensch in der weiten, langen Front fich ein zentrales Bild über die Gesamtlage machen tonnte. Ich habe bedauert, daß nicht wirkliche Frontoffiziere, die an der Front gewesen sind und einen großen lleberblid hatten, wie z. B. Regiments- und Bataillonsfommandeure, hier als Zeugen vernommen worden sind. Ich unterfcheide genau, wie Erzellenz Kuhl die langsam vorbereitende Zersegung in Heer und Flotte, beginnend seit dem Jahre 1915- und andererseits als ihre Auswirkung den eigentlichen sogenann ten Dolch stoß der Revolution, der dem Heere das Rüdgrat zerbrach. In einem Artikel der Münchener Bost", der hier unter Anflage steht, wurde gesagt: Wir fämpften nicht für den Steg, wir fämpften für den Frieden. Scheidemann jagte einmal in einer Reichstagsrede im Juni 1916: Ich fann mir feinen Menschen vorstellen, der in einem Kampfe steht, ohne daß er den Glauben an den Sieg hat. Hier betont also ein namhafter Führer der Mehrheitssozialisten selbst den Willen zum Sieg, während in der Mün chener Post" dieser Wille scheinbar abgeschmächt wird. Das ist typisch. Nachher sagt man: Das furchtbare Unglüd, das über uns hereingebrochen ist, die Revolution, ist die Folge des verlorenen Krieges, anstatt zu bekennen: die furchtbaren Friedensbedingungen find die Folgen der Unterwühlung der Wehrkraft des Bolles, die Wirkung des schleichenden Giftes der Verhegung und des Dolch stoßes der Revolution. Die Aussagen der Zeugen aus Heer und Marine haben flar bewiesen, daß eine planmäßige Bor bereitung der Revolution im Landheer und in der Marine stattgefunden hat. RA. Dr. Hirschberg hält dem Sachverständigen vor, daß eine Reihe seiner Ausführungen mit den Feststellungen anderer Autoritäten im Widerspruch stünden. Er richtete an Oberst Jochim die Frage, ob dieser unterrichtet sei, ob auf Grund der Kronratsizung Dom 11. Sepetmebr 1917 der damalige Reichskanzler Michaelis der Obersten Heeresleitung zugesichert habe, er werbe für den wirtschaftlichen Anschluß Belgiens eintreten. Jochim: Nach meiner Ansicht hat dieser Brief teine wichtigkeit, denn der Kaiser hatte bereits die Annegion Belgiens verworfen. RA. Hirschberg: Die DHL. hat am 15. September entgegen der Entscheidung des Kaisers ihre Forderung auf Offupation Belgiens aufrechterhalten. Ist dem Sachverständigen bekannt, daß der Berein Deutscher Eisen- und Stahlindustrieller und der Verein Deutscher Hüttenleute im Dezember 1917 eine Denkschrift an die Reichsleitung und Oberste Heeresleitung gerichtet haben, die die Einverleibung der französisch- lothringischen Eisenerzbecken in das deutsche Reichsgebiet verlangle? Oberst Jochim: Es ist mir befannt, daß diese Bestrebungen vorlagen. Ich habe aber bereits dargelegt, daß Ludendorff sich darauf nicht festlegte, sondern daß er bereit war, auf die Annexion zu ver zichten. RA. Hirschberg: Nach einer Mitteilung im Parlamentarischen Untersuchungsausschuß hat die OHL. im Januar 1918 die Schwerindustrie aufgefordert, für die Annerion einzutreten und für die Propaganda Geldmittel zu sammeln. Jochim: Das waren Mitteilungen des Abg. Deermann. Ich halte es für ausgeschlossen, daß die DHL. mit einem solchen Ersuchen an die Schwerindustrie herangetreten ist. RA. Dr. Hirschberg: Ist dem Sachverständigen das Schreiben Hindenburgs vom Dezember 1917 befannt, in welchem dieser mitteilt, daß unter schweren Bedenken auf den dauernden Besitz der flandrischen Küste verzichtet werde, falls der Krieg zustande tommen würde. Später hat man dann diesen Verzicht widerrufen und die Forderungen nach Annegion von neuem aufgestellt. Jochim: Der Kaiser hatte im Kronrat vom 11. September 1917 gegen die DHL. entschieden. Damals war die Frage zurückgestellt worden bis zum Jahreswechsel 1917/18. Zu diesem Zeitpunkt sollte die Frage neu geflärt werden, wenn der Friede bis dahin nicht eingetreten wäre. Weiterverhandlung Montag vormittag 9 Uhr. Ausbeutungsmethoden der Reichsbahn. Eine Erwiderung der Reichsbahndirektion. Parteinachrichten Einsendungen für diese Rubrik sind Berlin SB. 68. Lindenstraße 3. für Groß- Berlin fiets an das Bezirksijekretariat, 2. Hof, 2 Trev. rechts. zu richten. 7. Kreis Charlottenburg. Die Juristische Sprechstunde findet heute, Sonnabend, nachmittag von 4-5 Uhr im Jugendheim Rosinenftr. 4 statt. 11. Kreis Schöneberg- Friedenau. Am Montag, den 9. November, Beginn des Rurfus: 3ft Religion Privatfache?" im Guttemplerlogenheim, GustavFrentag- Straße. Beginn 8 Uhr. 17. Kreis Lichtenberg. Das Reichsbanner unferes Arcises veranstaltet ant Sonntag, den 8. November( Anfang nachmittags 5 Uhr), in Echonerts Fest faal, Annaftstraße, einen Republikanisden Familienabend mit Tanz. Bir bitten die Parteigenossen, mit ihren Angehörigen recht zahlreich au rfcheinen. 20, Kreis Reinidendorf. Sonntag, den 8. November, vormittags 9 Uhr pünftlich, im Ratskeller des Rathauses in Wittenau Sigung des erweiterten Areisvorstandes. 123a Abt. Raulsdorf- Güb. Seute 7% Uhr im Jägerheim öffentliche Proteftverfammlung. Referent: Bezirksverordneter Räming. Außerdem werden Stadtfajulrat Dr. Giggel und mehrere Bezirksverordnete anwefend fein. Bir bitten um recht zahlreiche Beteiligung. im großen Saal der neuen Welt, Hasenheide unter Mitwirfung des Hegar- Chors und der Spielgemeinunter Mitwirfung des Hegar- Chors und der Spielgemein- IFBX PITI HILFEJTHETITE schaft Berliner Jungfozialisten. Ansprache gehalten von Staatssetretär Heinrich Schulz, M. d. R. Eintritt frei. Mitgliedsbuch dient als Ausweis. Der Bezirksvorstand. 3. Kreis Wedding. Montag, den 9. November, abends 7% 1hr, im großen Saal der Pharusfäle, Müllerstraße 142. Ansprache: Dr. Otto Friedländer. Steglih. Montag, den 9. November, abens 8 Uhr, im Lnzeum Rothenburgstraße. Mitwirkende: Das Deutsche Botalquartett. Rezitationen. Ansprache: Regierungsrat Genosse Gaertig. Johannisthal Montag, den 9. November, abends 7% Uhr, bei Schreiner, Friedrichstraße 6. Ansprache: Wilhelm Landa. Zehlendorf. Sonntag, den 8. November, abends 7 Uhr, im fleinen Saal des Lindenparts. Rezitationen, Boltstänze, Sprechchor, Ansprache. Oberschöneweide. Sonntag, den 8. November, abends 6 Uhr, im neuen Saal von Jmberg. Rezitationen, Voltschor Südosten. AnSprache: Wilhelm Reimann. Panton- Heinersdorf. Sonntag, ben 8 November, abends 7% Uhr, in der Schulaula Bollantstraße 131. Rezitationen und Sprechchor. Niederschöneweide. Sonntag, den 8. November, abends 6 Uhr, im Restaurant Schmidt. Revolutionsfeier, verbunden mit gemütlichem Beisammensein. Buch- Röntgental Sonntag, den 8. November, abends 6 Uhr. gemeinsame Feier im Elysium, Raiser- Friedrich- Straße. Ansprache: Genosse Zachert, M. d. L. Frohnau- Waidmannsluft- Hermsdorf. Sonnabend, den 7. November, bei Böttcher in Hermsdorf, Waldstraße. Musikalische Vorträge, Rezitationen, Boltstänze der Arbeiterjugend. Ansprache: Genosse Wilhelm Landa. im Ratten von anderem llngeziefer ist nichts bekannt ist stets unverzüglich und mit Erfolg Gift gelegt worden. Seit vielen Monaten ist nicht ein einziger Fall von Rattenfraß vorgekommen. Die vom Personal während einer einmaligen halbstündigen Frühstücks- oder Nachmittagspause benutzten Unterfunftsräume liegen allerdings der früheren Bauweise entsprechend Keller. Jedoch wird auch hier auf peinliche Ordnung und Sauberfeit der Räume seitens der Berwaltung gehalten. Die Beleuchtung der Unterkunftsräume und der Speicheranlagen erfolgt teils durch elektrische, teils durch Gaslampen. Sie sind überall reichlich vorhanden und zwemäßig angebracht. Verbandstäften sind auf allen Speichern vorhanden und durch entsprechende Hinweise leicht auffindbar. Baschgelegenheiten stehen in den Unterkunftsräumen in genügender Menge zur Verfügung. Siggelegenheiten für das mit der Lufenfontrolle betraute Bersonal find nie vorhanden gewesen. Ihre Einrichtung würde auch mit der Aufsichtstätigkeit dieser Bediensteten nicht in Eintlang zu bringen sein. Wo Fälle etwaiger ungehöriger Behandlung des Bersonals zur Kenntnis der Bermaltung tommen, merben sie selbstverständlich verfolgt. Was das Betreten des Schuppen durch Rollfutscher der Speditionsfirmen anlangt, so ist im Interesse einer beschleunigten Auslieferung der Güter vereinzelt zugelassen, daß Rolltuischer, die dem Personal be fannt sind, auf den für ihre Firmen bestimmten Plägen beim Aussuchen der Güter unter Aufsicht der Lufenaufseher und der Auslieferer behilflich find." Die Erwiderung der Reichsbahndirektion geht um die tatsäch lichen Borgänge vielfach herum. Das trifft insbesondere auf die Arbeitsleistung der Güterbodenarbeiter zu. Das Gut stellen, die Bezettelung der Wagen, das Ausfegen der Böden usw. werden als Rebenbeschäftigungen in die Verluftzeiten nicht ein talfuliert. Weiter werden die Empfangs- und Bersandbeamten, die nur indirekt am Arbeitsprozeß beteiligt find, im Gedinge mitgeführt. Hieraus ergibt sich die von den Güterbodenarbeitern beanstandete Steigerung der Zonnenleistung. Die Reichsbahndirettion bestreitet, daß die Umladerampen fich in einem trostlosen Zustande tefinden, erklärt aber selbst, daß in der legten 3eit Mittel zur Berbesserung von Ladeanlagen bereitgestellt wurden. Damit gibt fie, wenn auch indirekt, zu, daß unsere Kritit berechtigt ist. Die Reichsbahndirektion würde gut tun, in die Dienststellen hinunterzusteigen und mit den Betriebs stehenden Leistungsbeamten". räten Rücksprache zu nehmen, ohne Beisein der in Berteidigung Zu dem Artikel„ Die Ausbeutungsmethoden der Reichsbahn in Nr. 509 des„ Vorwärts" erhalten wir von der Reichsbahndirektion Berlin eine eingehende Berichtigung. Es heißt da: " Unrichtig ist zunächst die Angabe, daß die sogenannte wissen schaftliche Betriebsführung sich im Güterbodendienst zum Nachteil der Arbeiter ausgewirkt hätte. Richtig ist vielmehr, daß gerade in diesem Dienstzweige die Arbeitsmethode in den letzten Jahren unverändert geblieben ist, soweit nicht der im Berliner Bezirk zunächst auf eine einzige Dienststelle beschränkte Einsatz von Elektrofarren eine anderweitige Bewertung der Arbeitsleistungen bedingte. Un zutreffend ist ferner, daß im Berliner Bezirk eine Steigerung des Tonnensolls, dessen Festsetzung unter Mitwirtung der Betriebsver. tretung zu erfolgen hat, systematisch angestrebt worden wäre. Im Gegenteil ist beispielsweise bei der Güterabfertigung An. halter Bahnhof die Solleistung, die im Februar 1924 7,9 Tonnen betrug, infolge der Renderung in den Labe verhältnissen allmählich auf 6,8 Tonnen herabgefeßt worden. Daß die Güterbodenarbeiter unter ständigen Gefahren für Leben und Gesundheit ihre Arbeiten verrichten, fann ebensowenig als den Tatsachen entsprechend anerkannt werden, wie die weitere Behauptung, daß die Umladerampen sich in einem troftlosen Zu- lich Verbandstäten halten wir aufrecht. stande befänden. Im übrigen hat die Berwaltung gerade in der legten Zeit wiederholt Mittel zur Berbesserung von Labeanlagen bereitgestellt,& B. für Anhalter Bahnhof und Rummelsburg. Stechlarren und Ladebrücken sind auf allen Stellen in ausreichender 3ahl und in gebrauchsfähigem Zustand vorhanden. Entgegen der Berichtigung halten mir aufrecht, daß auf den Anhalter, Potsdamer und Hamburg- Lehrter Bahnhöfen ständig vorhanden sind. Bas die Beleuchtung betrifft, so ist es wohl Karren fehlen und auch die Brüden in ungenügender Bahl richtig, daß Lampen in genügender Anzahl vorhanden, aber nicht gebrauchsfähig waren. Erst nach dem Erscheinen unseres Artikels murden die Gaslampen gebrauchsfähig gemacht. Das gleiche trifft auf die wiederholt angeforderten Waschbeden und Ständer zu. Auf den Frachtbriefen wird nach wie vor von den Auslieferern die Stückzahl abgestrichen. Hausfuchungen find in den letzten Jahren nicht vorgekommen. Daß die Speicher des Anhalter Bahnhofs seit Monaten verstopft wären, ist völlig unzutreffend. Borübergehende Schwierigkeiten sind naturgemäß während des legten Rollkutscherstreits entstanden. Daß es während des erwähnten Rolltutscherftreiks stellenweise nötig war, einer Ueberfüllung der Schuppen durch Einsatz von Aushilfsträften entgegenzuwirken, liegt auf der Hand. Die auf der Güter. abfertigung Anhalter Bahnhof aus diesem Anlaß während einiger Mobil bann erhalten Gie Sammeln Sie Gutscheine eine prahtvolle Bonbonniere Aehnlich liegen die Dinge in der Kantine. Nach dem Ereinen unseres Artitels wurde von Herrn H. der Kantinenwirt nach wie vor bestehen in dem Aufenthaltsraum des Speichers II für die Zustände im Aufenthaltsraum verantwortlich gemacht. Aber ( Ahg.) überhaupt teine Fenster und teine Lüftung. Im Vorraum des Badtellers befindet sich fein Licht. Die Treppe ist seit längerer Zeit schadhaft. Auch unsere Behauptung bezüg 27. und 31, Abt. Alle Parteigenoffinnen und-genoffen merden gebeten, fich heute an den Elternabend der Jugendaruppen Schönhauser Borstadt und II, abends 8 Uhr in der Schulaula Schönfließer Str. 7, zu beteilige Genoffe Feliz Fechenbach hält die Ansprache. 19. Abt. Morgen, Sonntag, den 8. November: Vormittags pünktlich 10 Uhr bei Schrepel, Grünthaler Str. Y Funktionärversammlung. 21. Abt. Wegen der Revolutionsfeier am Montag findet die Funktionär versammlung am Sonntag, pünktlich vormittags 10 Uhr, bei Kroll, Utrechter Str. 21, ftatt. 36. Abt. Zur Besichtigung ber Anlagen der Ronfumgenoffenfchaft treffen sich die Mitglieder vormittags 84 Uhr bei Deidert, Matternstraße. Gäste will. fommen. Unfoften entstehen nicht. * Junglozialisten. Gruppe Mitte und Norben: Die Glaßbrenner- Bevanstaltung am 14. November fällt infolge des Konfliktes zwischen Partei und Internatio nalem Jugendbund als Jungfozialistenveranstaltung aus. Der Abend findet aber in einem anderen Rahmen am selben Tage statt. Gruppe Reinidendorf: Der Gruppenabend fällt aus. Dafite Beteiligung am Vortragsabend des Boltsbildungsamtes in Tegel, Gdule Tresdomstraße. Gruppe Schöne berg: Sonntag, den 8. November, 7 Uhr, gemeinsam mit der Arbeiterjugend Revolutionsgebentfeier im Jugendheim Rubensstraße. Bund der Jugendgerichtshelfer. Mittmost, den 11. November, 7½ Uhr, im Sauptgesundheitsamt, Fischerstr. 39/41, Bersammlung. Tagesordnung: Bortrag: Der fozial- pädagogische Gehalt der Strafvollzugsvorschriften. Referent: Gefängnispfarrer Schilt. Wir erwarten bestimmt das Erscheinen aller Jugendgerichtshelfer. Sterbetafel der Groß- Berliner Partei- Organisation 38. bt. Am Mittwoch, den 4. November, verstarb im 86. Lebensjahre unser Genosse Auguft Franale, Große Frankfurter Str. 21, Sospital. Einäfcherung am Montag, den 9. November, vormittags 11 Uhr, im Krematorium Baum fchulenweg. Wir erwarten zahlreiche Beteiligung. Jugendveranstaltungen. Schönhauser Borstadt I und II: Heute, Sonnabend, den 7. November, 8 Uhr, Schulaula Schönfließer Str. 7, Elternabend. Ansprache des Gen. F. Fechenbach. Alle Genossen und Freunde find herzlichst eingeladen. Beginn der Bildungskurse. Thema:„ Geschichte der Arbeiterbewegung". Werbebezirk Kreuzberg: Sonnabends, ab 7. November, Schule Stallschreiberstr. 53. Ref.: Genosse Lösche. Beginn abends 7½ Uhr. Morgen, Sonntag, den 8. November: Beteiligung an der Revolutionsfeier im Gr. Schauspielhaus: Webbing- Norb, Rosenthaler Borstadt, Friedrichshain( Treffpunkt 159 Uhr Strausberger Blak), Charlottenburg- Oft( Treffpunkt 10 Uhr am Wittenbergplas. Nachmittags 4 Uhr Funktionärsikung bei Aruschke, Ansbacher Strafe. Da fich die Seimfrage noch nicht geflärt hat, befuchen wir am 10. November bie Abt. Charlottenburg in der Rosinenstraße. Treffpunkt 48 Uhr vor dem alten Seim), Steglia I, Steglig II, Reinidendorf- Oft, Tegel, Revolutionsfeiern abends 7½ Uhr: AR Charlottenburg: Jugendheim Rofinenftr. 4. Wilmersdorf: Jugendheim Sudegard ftr. 4. Mariendorf: Alte Schule, Dorfitt. 7. Tempelhof: Engeum Germaniaftr. 4/6. Johannisthal: Rathaus, am Königsploh. Rieberfönc weibe: mit der Partei. Bantaw: Schulaula Bantom, Wollantitr. 181. Eintritt 40 Bf. Warschauer Biertel: Abends 6 Uhr in Seim Bortvag: erinnerungen". Revolutions Werbebezirk Neulalla. Montag, den 9. November, abends 48 Uhr, Revo lutionsfeier in der Aula der Walter- Rathenau- Schule, Boddinftr. 34/38. Mufil, Gefang, Rezitation, Aufführung. Einlak 7 Uhr. Eintritt 50 Bf. * Jugendgenoffinnen und genoffen, die Zuft haben, an einer Aufführung von zwei Szenen aus Tollers Bandlung“ im Rahmen der Revolutionsfeier ber Groß- Berliner Barteiorganisation am Montag, den 9. November, teilzunehmen, werden gebeten, au unferer Brobe am Montag, den 9. November, pünktlich 5 Uhr, im großen Saal der Neuen Welt" in der Safenheibe au erscheinen. Geigen- und Bautenspieler find befonders erwünscht. Fahrgeldauslagen werden restlos zurüderstattet. Spielgemeinschaft Berliner Jungsozialisten. Vorträge, Vereine und Verfammlungen. Reichsbanner Schwarz- Rot- Gold". Gefchäftsftelie: Berlin S. 14. Sebaftianftr. 37/38. Sof 2 Tr. Tiergarten. Sonntag, d. 8., Treffpunkt an belannien Stellen 11.30 Uhr( nicht 12). Wilmersdorf. Achtung! Aenderung für Sonntag: Bflichtveranstaltung Bannermeihe Steglik. Antreten Fämtlicher kameraden nicht 10,45, fondern 11.45 Uhr sehrbelliner Blak. Tambourkorps und sämtliche Fahnen zur Stelle. Treptow. Redner zur Sonntagsveranstal Lichtenberg mit Untergruppen. Go., d. 7., tung Gauvorfikender frik Roch. nachm, 5 Uhr, Bflichtantreten bei Krüger, Türrschmittstraße, zum Fadelaug. Reinidendo: f. Gonntag, b. 8., nadim. 12,30 Uhr. Antreten aller Untergruppen Aranoldplak, Bhf. Lichterfelbe- Oft. Bflichtteilnahme an der Bannerweihe, in Stealiß. Straßenbahnlinien 32 und 99, umſteigen in 90 Köpenid. Go., 5. 7., abends 7 Uhr, Kölnischer Blag. Rameraden fahren nach Bohnsdorf aur Serbfifeier. Achtung, arbeitslofe Rameraden wollen fich zum Bertrieb der 3lluftrierten Reichsbannerzeitung" bei der Firma 3. S. B. Diez, Lindenstr. 3, 3. Sof. 5. Aufgang, 2 Trp., awischen 8 und 5 Uhr melben. Freireligiöse Gemeinde. Sonntag vormittag 11 Uhr Bappelallee 15. Bor trag des Herrn A. Domben: Ratur und Geist". Sarmonium: Du bist mie eine Blume( Schumann). Gäfte willfommen, beteiligen fic am Montag, den 9. November, an dem Lichtbilderportrag des Gemeinschaft proletarischer Freibenker, Gruppe Eüb- Dit Die Genoffen Vereins der Freidenter für Feuerbestattung" in den Sohenstaufenfälen. Rottbuffer Damm 76. Freibenkervolkshochschule. Dienstag, den 10. November, 7% Uhr, Askanisches Gymnasium, Berlin SB, Sallesche Str. 24/26( am Anhalter Bahnhof). Dr. B. Krische: Gemeinschaftstultur". Berbanb sozialistischer Abstinenten. Wir bitten unsere Mitglieder, soweit sie nicht durch Teilnahme an den Revolutionsfeiern verhindert find, am Montag, den 9. November, abends 8 Uhr, an der Versammlung des SDG2. im Ganlbau Friedrichshain teilzunehmen. Bastor Sölzel- Lippstadt spricht über das Thema: Seraus aus dem Sumpf!" verfammlung Donnerstag, den 19. November, 8 Uhr. Deutscher Berein für den Schuh bes gewerblichen Eigentums. Bereins Bortrag Rechtsanwalt Brof. Dr. Wassermann, Hamburg, über: Der gewerbliche Rechtsschutz und hinterbliebenen, Ortsgruppe Norden 14, veranstaltet am Sonnabend, den die Sanfeatischen Gerichte Gäfle find willkommen. Der Reichsbund der Kriegsbeschädigten, Ariegsteilnehmer und Krieger28. November, in Büttners Feftfälen, Schwedter Str. 23/24, ein Serbstvergnügen unter Mitwirtung der beliebten Triumph- Sänger. Anfang 8 Uhr. Eintritt Rinder der Schwerbefchäbigten und Sinterbliebenen. Eintrittsfarten sind bei 1,25 Mart. Der Ueberschuß ist zum Besten der Weihnachtsbelcherung für die den Funktionären und in der Geschäftsstelle Stolpische Str. 12, vorn 3 Treppen, A: beiter- Radio- Klub e. B., Ortsgruppe Charlottenburg. Treffpunkt aller Reftaurant Thunad, Wielandstr. 4. Thema: Einführung in die Radiotechnit. ,, Der Brimärfreis." Bie baue ich mir einen einfachen lautstarken Debektorapparat für den Berliner Empfang? Gäste willkommen. briefe teinen Auslieferungsstempel tragen. Jeder Nicht bestritten wird von der Verwaltung, daß die Fracht tragenen Kollis nicht mehr abgestrichen wurden. Güterbodenarbeiter weiß, daß die auf den Frachtbriefen vorge So wurde am Borschrift herausgegeben: Es find sofort nachfolgende Waren zu 25. Oftober auf einem ber angezogenen Güterbahnhöfe folgende wiegen: Aale, Kaffee, Spirituosen, Bein, Tabat, Bigarren, Bierhältlich. garetten, Fleisch- und Wurstwaren in Kisten, Leder- und Schuh- werttätigen Funtfreunde am Dienstag, ben 10. November, um 7% Uhr, im Tuchrollen, Bollwaren, Schokolade, Zuckerwaren, Trifotagen und waren, Spigen und Seidenmaren." Nicht mehr gewogen werden Konfettion. Die Reichsbahndirektion gibt selbst zu, daß entgegen tannt sind, zugelassen werden. der Schuppenordnung Rolltutscher, die dem Personal be. hofs ist nicht nur eine vorübergehende. Genau jo liegt es mit der Die Ueberfüllung der Speicher des Anhalter Bahnangeblich peinlichen Ordnung und Sauberkeit. Eine tägliche Reini gung der Speicher ist schon wegen des Personalmangels, aber auch wegen der Ueberfüllung der Speicher gar nicht möglich. Im übrigen würden wir der Reichsbahndirektion empfehlen, einen Teil der Mühe, die sie zur Berichtigung unserer Veröffentlichung Derwendet, dazu aufzuwenden, um gewissen völtischen Be amten auf die Finger zu sehen. Komet Freilauf" gehört in jedes Fahrrad! Unverwüftlich im Gebrauch! Theater, Lichtspiele usw. Volksbühne Dir. A. Hellmer Lessing- Th. 71 Uhr Zum ersten Male: Bis 12.Nov tgl.8U Judith Gastsp. J. P. G. Grüne Flöte Morgen 3: Schluck u. Jau 8 Uhr: Judith Ballettpantom. on Hofmannsthal Staats- Theater Musik von Mezari Opernhaus 7U: Zigeunerbaron Opernhaus am Königsplatz Reg. Max Reinhardt Sonnt.nchm.32 Biberpelz zu halben reis. 7% Hänsel u. sirete! Kleines Th. Klein- Idas Blumen Tägl. 8 Uhr Schauspielhaus Die Alarmglocke 8 Uhr. Hannibal Schiller Theater Lusisp.v.Hennequin u.Coelus 8 Uhr: Weihnachtseinkäufe Liebelei Städtische Oper Charlottenburg 71 Uhr: Zauberflöte Werbezirk, Ander Albers, E. Burg Trianon- Th. 8 Uhr Hochzeitstage von Geraldy Noves Theater am O Deutsches Theater Taglich 8 10 Uhr 72 Uhr: Der Kreidekreis von Klabund Kammerspiele 8 Uhr: Das Apostelspiel von Max Mell Die Komödie Kurfürstendamm 207 8 Unr Gesellschaft v. John Galsworthy Regie: M. Reinhardt Olly- Polly Operette von Kollo Erna Nitter Curt Bois Parkettpl.v. 2-12 M Residenz- Th 8 Uhr: Circes Heirat Hesterberg. Sabo Engers. Mattoni Heu.e u Sonntag 31 Uhr( KI. Pr) Märchen- Vorstg Schneewittchen Thalia- Th. Uhr: Annemarie 8 Lotte Neumann Paul Heidemann Dora, Baselt. Wilfan Heute 31 2( K1.Pr) Großes Schauspielhaus 814 Für Dich CHARELL- REVUE 300 Mitwirkende Parkett M. 6.2ter Rang M 1.50 Rang M. B.Loge M 7.3ter Rang 75 Pf. Sonntag nachm. 3 Uhr unverkürzt.zu ermäß. Preisen. W ALHALLA Weinbergsweg, am Rosenthaler Platz Heute u. folgende Tage: Berlin Größtenie gezeigte Ringkampi- Konkurrenz 40 Intern. Ringer 40 You Weltraf Vorher: Gr. Varieté- Teil Anfang 8 Uhr. Preise 1., 2., 3.12 WINTERTEN 6 5 November- Sensationen! auf allen Gebieten der internationalen Varieté- Kunst Sonnt. nachm. 312 Uhr- halbe Preise THE Rauchen gestattet, Berliner Theater Märchen- Vorst Täglich 84 Uhr: 8 Uhr: Gastspiel d. Dtsch. Volkstheaters Wien Antonia Aschenbrödel Stg. nachm. 32 Kleine Preise! Neu einstud ert Mein Leopold Theater in der Tressler, H. Lackner Kommandantenst Margarete Koeppke 8 U. z 355 Male Lustspiel in 3 Akt v.M. Lengyel Sári Fedák, Otto HALLER REVUE Theater im Admiralspalast Ria Thiele, Emmy Anneliese v. Dessau ACHTUNG! Forster, K. Ehmann, Siegfr Breuer, Franz E el. Dr Szilágyi Inszenierung Dr. Rudolf Beer Heure 32( kl Pr Märchen Vorstg Rotkäppchen Stg. nachm. 312 Kleine Preise! Th. a. Nallendorfpl Annelieser Dessar Ta ich 8 Uhr Zum 100. Male Ber Icizie Kuß Op rette von Rob. Winterberg Falk, Vessermann, Hainisch, Picha, Wasa, Math, Hell. Stg. Mittw u. Sod Märchenvorstelig Bornröschen. Barnowsky- Bühnen Theater in der Königgrätz.Sir. Heute bis. Montag 8 Uhr: WELLE 5051" Rang von 2 MK Parkett von 4 Mk. Logen von 8 Mark Theat. d. Westens Ste. nachm. 3 U. Das große Die ganze VorOperettenhausstellung zu halben Tägl. 8 Uhr: Lea Seidl und Ed. Lichtenstein als Gast in Der Orlow Th id. Klosterstr. 43 Preisen! Central Theater 8 Uhr Trieschübel Rose- Theater 4 Uhr Frau Holle 8 Uhr: Gastspiel 8 Uhr BummelXaver Terofal studenten Don Juan u. Faust Der Ehestreik Casino- Theater Die Tribüne Tágl 8 Uhr: Zurück zu Methusalem Homödienhaus Ta 18 Uhr: mit d Schlierseer Bauerntheater Theater in der Lützowstr. 112 Morgen 8 Premiere Frauen hinter Gittern Kopf oder Schrift Stg.4 U z.letzt Male SCALA 8 UDr. Internat. Varicté Sonntags 3 zu ermäßigt. Preis das volle Progr. Schneewittchen Vorzeig auch Stgs. nachm. v. 25 Pfe an abends v 50 Pfg an Intimes Theater Bülowstr.6. Täg1.8 U. Alle Berl. Zeitungen schreiben: Stall Levy mit Y ist der größte HerrnieldSchlager seit 30 Jahren. Täglich 8 Uhr: Neu! Neu! Die Frau Komische 81 Oper Dir.: James Klein 81 Größte Revue der Welt on A bis Z Das Gewaltigste an Ausstattungspracht, was je auf einer Bühne gezel, t worden ist 46 Bilder! 300 Mitwirkende! Das Tagesgespräch Berlins Parkett 6.- M. Preise 2.- bis 12.- M ( Logen 15 M.) Sonntag 3 Uhr Jeder Erwachsene 1 Kind frei Halbe Preise Vorverkauf ununterbr, geöffnet Lustspielhaus 8 Uhr Potasch& Perlmutter II. Teil Potasch& Perlmutter b. Film Th. am Schiffbauerdamm Heute 72: Premiere Die jüdisch. Witwe Th. am Kurfürstendamm 8 Uhr Wenn ich wollte...! Wallner- Theater Täglich 8 Uhr: Fäden Deutsches Künstler- Theater Tägi 48 Uhr: Gastspiel Fritzi Massary: Zur Bermählung unseres ait bewährten Genossen Andreas Bode mit Fräulein Cieschen Schulz die herzlichsten Glückwünsche. Mehrere Genossen der Abteilung 103 der SPD. Unterem Partetgenoffen Gustav Klunke und seiner Ehefrau zu ihrer am 7. November stattfindenden Silber. hochzeit die herzlichsten Glüd wünsche. Die Parteigenossen der 52. Abt. Allg. Ortskrankenkasse für Berlin- Lichterfelde Am Freitag, den 20. November 1925, abends 72 Uhr, findet im Raffenlofal Berlin- Lichterfelde, Roonstr. 13, 1 Tr., eine ordentliche Ausschußsignng Die Teresina tatt mit folgender Tagesordnung: Metropol- Theater eines Ausschusses zur Prüfung der Jahres1. Berlesen des legten Protokolls. 2. Wahl Heute 7, Uhr: Premiere des We terfolges rechnung 1925. 3. Boranschlag für das Jahr 1926. 4. Sagungsänderungen. 5. Ber fchiedenes 53/11 No no Nanette! Berlin- Lichterfelde, 5. November 1925. Stg. nachm. 3 U.. Ihre Hoheit die Tänzerin APOLLO- THEATER DER MANN 8 U. Reichshallen- Theater DER SICH VERKAUFTE Allabendlich 8 Uhr u. Sonntag nachm. 3 Uhr Stettiner Sänger Nachm. halbe Preise Dönhoff- Brett'l: Familien Varieté. Anfang 8 Uhr Sonntags 5% Uhr. Ein Exemplar der Nr. 222 vom Jahrgang 1915 des„ Borwärts" wird gesucht. Berlag des Vorwärts, SW 68, Cindenftr. 3 Erfolg SCHUTE MARKE Quittungs- Rabatt u.Reklomemarken fertigt seif 45 Jahren als Spezialitat Conrad Müller Schkeuditz Leipzige GummiMäntel für Herren, Damen u.Kinder, vorrätig u. nach Maß Pelerinen u. Windjacken Reparaturen. haben Inseratem Spezialgeschäft Vorwärts Weinheber, Petristr. 1. a d. Gertraudtenstr. 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Die zuviel geschminkte Sängerin, die jetzt erschien, lebte nur von der Gnade ihrer Borgängerin, die das Volk erhitzt hatte. Was bleibt einer Frau, wenn sie verblüht ist und in das grelle Lampenlicht trit, anders als schmerzhafte Resignation? Es sei denn, sie leuchte in ihrer Stube daheim als Mutter oder Kameradin. Das Lächeln, mit dem diese Sängerin für den dünnen Beifall dankte, war bitter und hilflos. Dann tam der Mann. Ein Jüngling ganz in Schwarz erschien, unbeholfen, täppisch, puppenhaft. Doch das war nur Maste. Plöglich, als die Mufif endete, straffte er sich, begann zu singen und besiegte das dumpfe Murren des Saales mit machtvoll strahlender Stimme. Immer stolzer und blühender wurde er. Mufit war der Sturm, der in seine Segel blies und ihn auf das verwunschene Meer der Töne nach himmlischen Rüsten zutrieb. Das Volf sah wehmütig und beglückt das fingende Schiff vorüberschweben. Die Brücke, die das fleine Mädchen gebaut hatte, stand jetzt mit hundert Pfeilern in den Herzen der kleinen Leute, der Bürger, Arbeiter, Frauen und Soldaten. Die Verzauberung war da, das hundertfache Auf und Ab des Herzschlages, das Licht im Dunkel, die Erhebung aus dem Alltag, Gelächter, Wollust, die Freude. Auch die Brücke schwankte auf und ab und war unzerbrechlich und wundervoll. Das tönende Schiff verschwand im Feuer einer hinschmelzenden Arie, verging im füßen Seufzer endlicher Erlösung. Auch das Volk feufzte und verging. Graue Gesichter schimmerten wie von innerlicher Glut. Drei Gongschläge riffen den Vorhang herunter. Als das Spiel zum zweitenmal begann, standen japanische Artisten auf der Bühne. In ihren gelben Gesichtern bewegten sich die schrägen Augen wie in den Köpfen schöner Tiere. Auch ihre Spiele waren tierhaft, Zauberspiele voll unerhörtem Rhythmus, Springen und Schleudern der Leiber, wie vielleicht nur in indischen und sibirischen Urwäldern die großen Tigerfagen springen fönnen. Doch in den ganz fernen Gefichtern stand der Abglanz eines Lächelns, wie es Buddha lächelt, der in goldener Ruhe in den Tempeln thront. Nach diesen Artisten, die das Hers langsamer fchlagen machten, erfchien mit schamlofem Tänzerinnenschritt eine halbentblößte Frau, ein roter Fleischberg, das Männerverberben, das Ungeheuer, das Jünglinge frißt. Sie rollte die Augen und fang zu ihrem Tanz mit gemeiner Stimme ein schamloses Lied und wiegte sich im Tafte einer graufigen Melodie, die taumelnd das Herz packte und betörte. Eine Melodie war das, wie sie nur ausgedacht, aber niemals ge= fungen werden darf. Vielleicht haben die Sirenen so gesungen, die unfruchtbaren Weiber, die am Strande liegen und die Schiffer anlocken. Die gewölbten Brüste triefen vom Licht. Die nackten Leiber blenden die Augen. Goldener Flaum zittert zärtlich über schneemeißer Haut. Die Münder sind zersprungene Granatapfel. Du mußt in die lockenden Umarmungen stürzen, da gibt es teine Rettung. Für einen lasterhaften Kuß verschentst du gern und willig dein Leben. Die Frau auf der Bühne berauschte sich an ihrer Gewalt. Den entblößten Leib warf sie wollüftig in das grelle Licht der vielen Lampen. Sie warf sich selbst hinunter in das bebende Bolt, fie wurde hundehaft und gab sich den Männern hin, die nach Auß und Umarmung gierten. Auch sie lächelte, aber sie lächelte mie ein Tier, das sich am Blutgeruch in immer neue Rasereien hineinsteigert. Weißes Licht schoß aus ihren schwarzen Augen. Da sah ich die Madonna. Sie saß in der ersten Reihe des Saales in einem der roten Plüschseffel und hatte mit unbeschreiblichem Lächeln dem kleinen Mädchen zugehört, das die Brücke baute. Sie hatte der geschminkten Sängerin gedankt und ihre Bitternis verstanden. Auch sie war mit dem singenden Schiff nach der Unendlichkeit gefahren. Ihr Lächeln wetteiferte mit dem Lächeln der japanischen Turner um die Krone. Wie eine Arbeiterin war sie gekleidet und hatte das große Umschlagetuch der römischen Frauen um ihre Schultern gelegt. Unter dem Tuch lag an der weißen Bruft ihr Kind und schlief und tranf. Auch Der Joseph saß an ihrer Seite. Als die Frau auf der Bühne zu singen und zu tanzen begann, hatte die Mutter ihr Kind zart zugedeckt, als wolle sie es behüten vor dem Lärm der Stunde. Die Glut der vielen Hundert Männer flammte nach der tanzenden Frau, nach dem Tier da oben, der Blutfäuferin. Da nahm die Mutter das Kind fester an ihre Brust, da stand sie auf und ging stolz und selbstbewußt durch den erhitzten Kampf der Geschlechter und verließ mit ihrem Mann den Saal. Leichter Schmerz krümmte ihre Lippen und lag wie eine Frühlingswolfe auf der weißen Stirn. Da barst die Brücke, die das Mädchen gebaut hatte und auf der die wüste Sängerin tanzte! Ein Pfeiler hatte sich empört, war aus dem Herzen geriffen, trug nicht mehr, verweigerte sich. Und mit dem Zusammenbruch der Brücke fiel auch die Tänzerin, tanzte in der Luft, am Abgrund hin und hatte teine Gewalt mehr. Matt und falt wurden die Lieder und Gebärden, hilflos alle Schritte. Mit einem weinerlichen Schrei schloß sie ihren Gefang. Keine Hand rührte sich, als sie mit erstarrtem und abgeschminktem Gesicht hinter die Auliffen flüchtete. Auch ich bin gegangen, als die römische Frau mit dem Kind bas Theater verließ. Die Madonna! Die Mutter mit dem Kind! Der bezwingende und stumme Proteft gegen die unfruchtbaren Beiber, die aus der Liebe Brunst und Geschäft machen. Geburt! Geburt! Die ewige Geburt! In der nächsten Zeit war ich aufgewiegelt wie damals, als der Thomas Endermann seine Gespräche mit mir führte und um den Ginn des Daseins fämpfte. Ueberall suchte ich die Madonna. Die heidnischen Göttinnen lebten nicht mehr, sie ergriffen nicht das Herz, sie machten es nur ehrfürchtig. Aber die Mutter mit dem Kind braucht man nicht zu fürchten. Von dieser Zeit an lebten für mich die mystischen Bildwerke und Gemälde der alten und der neuen Bölfer, in denen das große Mysterium der Mutter mit dem Kinde dargestellt wurde. Die Unruhe des Blutes warf mich durch viele Länder. Die Madonna blieb mir fern, die Mutter mit dem Kind, doch ihrer Schwester bin ich einmal begegnet. Amfterdam funtelt manchmal wie ein großer schwarzer Diamant. Das Licht, das aus ihm zudt und strahlt, tommt vom Judenviertel her, aus den Augen und von den Stirnen der jüdischen. Mädchen. Dort in diesem Ghetto bin ich der Schwester der Madonna begegnet. Der Mensch tann sein Einsamsein nicht ertragen. Eine alte Sage erzählt, daß früher der Mensch Mann und Weib zu gleicher Zeit war, daß ihn ein strenger Gott geteilt habe. Um vollkommen Bu fein, um mich zu verdoppeln, ging ich an jenem Abend in Amster Spartag. 15lUBH „ Jede unnötige Ausgabe ist zu vermeiden, sagt Herr Luther, halbe Mark für eine Witwen- und Waisensammlung vertan." dam durch dunkle Straßen. Als ich eine Gracht erreichte, in der die Lampenreihe der Straße wie eine Tränenfette zitterte, sprach mich ein Mädchen an. Ich hungerte nach Kuß und Umarmung, vielleicht auch nur nach der Illusion zärtlicher Liebe, und ging mit ihr nach dem schwarzen Häuserkasten, in dem sie wohnte. Das Haus lag an ber dunklen Gracht mit dem traurigen Widerschein der Laternen. Das Haus war ein Freudenhaus. Viele Kammern waren durch dünne Wände in drei Verschläge geteilt, in denen die Mädchen ihren Beruf ausübten. Goethe hat in seinem Weltgedicht:„ Der Gott und die Bajadere" die harten Lager verklärt, diese Folterbetten der Liebe. Auch diese Nacht, die ich erlebte, mehrt den Glanz in diesen fahlen Stuben. Die Wände des Zimmers, in das mich das Mädchen führte, waren gefalft. An dem Fenster nach der Gracht zu stand das schmale Bett. Auf einer armen Kommode verfümmerte ein blinder Spiegel. Die Goldverzierung war schon lange abgeblättert. Man sah nur das billige gelbe Holz und darauf wie häßliche Narben ein die Bergänglichkeit aller Dinge noch einmal aufmerksam gemacht wenig Gold von einstiger Bracht. Neben dem Spiegel, als solle auf werden, hing fern und damenhaft die Büßende Magdalena" eines italienischen Meisters, der sich mehr an dem blühenden Fleisch seiner Donna berauscht hatte als an ihrer tränenvollen Reue. Aus der verfinsterten Strenge einer Höhlenlandschaft blühte diese einsame Frau blumenhaft hervor. " Auch das Mädchen hungerte, doch sie hungerte nach Brot. Sie nahm das Gelb, das ich ihr gab und verließ mich bald. Sie war ein englisches Mädchen. Sie hieß Annabel. In einer Stunde, darling!" fagte sie. Die ganze Nacht wollte ich bei ihr bleiben und legte mich in das schmale Bett. Auf der Kommode lag noch ein Stück weißes Brot. Auch ich hungerte doppelt. Also nahm ich das Brot und aß. Ich aß das Brot und plötzlich begriff ich das neue Mysterium, das des Sakramentes. Wer von diesem Brote ißt, der ist von meinem Leibe!" Und ich aß von ihrem Leibe! das zerbrochene Lachen, in dem mehr Tränen rinnen als jemals Durch die dünnen Wände kam das Lachen der anderen Mädchen, Freude geflungen hat. Männerschritte dröhnten an meiner Tür porbei. Marit je! Marit je!" rief eine Stimme, Ein Mädchen weinte. Drohend erhob sich eine Frauenstimme. Nach einem furzen Schweigen begann das Weinen wieder, aber schon in das Schicksal ergeben. Ein Truntener grölte. Klirrende Gläser erklangen zu freischendem Gelächter. Einmal wurde an meine Tür geflopft, doch der unsichtbare Bucher verlief fich, als alles stumm blieb. Das war das Haus ohne Wände. Ich sah und hörte in den Minuten, als ich mach lag, humbert Romane und Tragödien. Dann überfiel mein Herz die große Unruhe. Eydermann mit seinem Gespräch war nahe, ich dachte an die römische Madonna, an die Mutter mit dem Kind, an die ewige Geburt. Die Kerze tanzte und an den fahlen Wänden zudten die Schatten. Der Abend in dem römischen Vorstadttheater stand auf, die Frau mit dem lasterhaften Lied tanzte stumm in den Schattenbildern des Lichts. Da stand ich auf, verlöschte die Rerze und ging. Annabel, wann wirst du einmal dein Kind an der weißen Brust halten? Annabel, wann wirst du einmal mütterlich lächeln? Die ganze Nacht lief ich unruhig durch die Stadt Amsterdam und hatte nur einen Gedanken:„ Ich habe dein Brot gebrochen, ich habe mit von deinem Leibe gegeffen, ich habe mit deinen Leib zerbrochen. 293 Beilage des Vorwärts lioW - und ich hätte heute beinahe' ne Wie Charleys Tante" entstand und was der Berfasser mit dem Stud verdiente. Nun ist auch„ Charlens Tante" verfilmt worden und hat, was nicht anders anzunehmen war, der Film auch denselben Erfolg, wie ihn das Luftspiel hatte. Grnsthaft, wer unter Lausenden von Menschen hat überhaupt den Namen des Verfassers von jeder schon einmal Tränen gelacht hatte, deren Aufführungszahl Charleys Tante" gefannt? Die Poffe, die jeder fannte, über die Legion war, ftellt ein typisches Beispiel dafür bar, wie ein Autor völlig hinter der Popularität seines Wertes verschwinden kann. Ohne Uebertreibung war diese tolle Farce des Brandon Thomas der größte Erfolg, den je ein Bühnenschwank erzielte. Er hat seinem erfasser ungeheure Reichtümer eingebracht, und trotz alledem blieb der Name Brandon Thomas im Hintergrund. Literarische Werte wird niemand in diesem zwerchfellerschütternden englischen Schwank gesucht und gefunden haben, nichtsdestoweniger ist seine Entstehungsgeschichte interessant und unbefannt gemug, um in die Deffentlichkeeit zu treten. Gegen Ende des Jahres 1892 machte der bekannte und beliebte Schauspieler Benley Brandon Thomas den Vorschlag, ihm eine wirksame Rolle auf den Leib zu schreiben. Thomas, selbst Schau für einen Mann zu schaffen, da hier ja die derben, tomischen Wir ſpieler und erfahrener Bühnenpraktikus, verfiel auf den ebenso neuartigen wie zugfräftigen Gedanken, eine Frauenverkleidungsrolle tungen handgreiflich am Tage lagen. Als Thomas seine Idee Penlen auseinandersetzte, stimmte dieser ganz begeistert zu, obwohl er eine solche Rolle noch nicht gespielt hatte. Mit großer Arbeitsluft ging Thomas zu Werke und schuf in drei Wochen die weltberühmt ge wordene Posse. Der Bühnenerfolg war über alles Erwarten groß Jahre das alleinige Aufführungsrecht, stellte 1466mal den Lord und ist dem Wert bis heute treu geblieben. Benley hatte für zwölf Babberly dar und verdiente an„ Charlens Tante" nicht weniger als 4 Millionen Mart. Nach Ablauf der zwölfjährigen Frist war Bran don Thomas wieder im alleinigen Besiz der Autor- und Aufführungsrechte, durch die er zum Multimillionär wurde. Mehr als 30 000 Borstellungen und die Uebersetzung in 18 Sprachen haben ihm einen Gewinn von rund 20 Millionen Mark eingetragen. Von alten Brüden. Den lleberlieferungen zufolge soll die älteste europäische Brücke, die aus Steinen erbaut wurde, im Jahre 1080 bei Dinant über den Maasstrom geschlagen worden sein. Ein Jahr. Steinbrüde über die Themfe. In Deutschland ist als älteste, heimische hundert später begannen die Engländer mit dem Bau der ersten Steinbrüde die Donaubrüde bei Regensburg bekannt, die schon 1135 in alten Urkunden erwähnt wird. Eine besonders interessante Ge schichte hat die alte Rheinbrüde bei Mainz, die Karl der Große zu Beginn des 9. Jahrhunderts erstehen ließ. Man baute an dieser Brücke vom Jahre 803 bis zum Jahre 813. In leztgenanntem Jahr wurde die Holzbrücke, vermutlich infolge Brandstiftung, bis auf die Grundpfeiler eingeäschert. Diese gewaltigen Pfeiler aus Eichenholz stammten noch von der ersten Rheinbrüde bei Mainz, die zur Römerzeit Kaiser Trajan( 98-117) aufführen ließ. Erst Ende des vorigen Jahrhunderts, im Jahre 1880, begann man mit der Entfernung der bei nahe zwei Jahrtausende aften mächtigen Grundpfeiler, die der Schiffahrt hinderlich wurden. Die Eichenstämme waren durch die Waffereinwirkung hart und fest wie Eisen geworden. Viele Pfeiler und andere Holzteile wurden von der Stadt Mainz an Antiquitäten händler und Möbeltischler abgegeben, die die Balten Trajans" gut bezahlten. Viele Biermöbel, Truhendedel, Schrankeinlagen, Wand; bretter und Seffet find aus dem alten Holz, das innen noch völlig gefund war, gearbeitet worden und fanden willige Abnehmer. Menzels Raf an die Duse. Eleonora Dufe, die bekanntlich eine große Berehrerin der Kunst Menzels war, hatte es durchgesetzt, den Meister persönlich zu sehen. Aber da Menzel tein Italienisch und die Duse nicht Deutsch konnte, war die Berständigung sehr schwierig. Schließlich fagte Menzel zu Albert Hertel, in dessen Bohnung die Begegnung stattfand: Sagen Sie der Frau, alles in allem hätte sie unflug gehandelt! Wenn einem auch ein paar Blümchen gefallen, die einem in den Weg kommen, so soll man doch deshalb nicht das Mistbeet tennen lernen wollen, auf dem sie gewachsen sind." Das grosse Verkaufs- Ereignis AR Nur in unserem Hause Moabit, Turmstraße, Ecke Ottostraße Der Verkauf Der Käuferzusfrom war gewaltig! wird fortgesetzt Neue Höchstleistungen! Kleider- und Seidenstoffe| Gardinen Möbelstoffe Wollwaren 4.90 Gobelinstoffe 130 br., Normal- Hemden Woll- Rips alle modernen Farben, 130 cm br., Mtr. 6 90 neue Verdnre- Muster. 6.75 5.50 für Herren, mit Doppel- 1.95 Woll- Marocain reine 3.85 Möbelstoffe 130 breit, Wo le, ea 100 em breit.. Mir. Reinwoll. Schotten ripsartig mod. 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