Abendausgabe Nr. 528 42. Jahrgang Ausgabe B Nr. 262 Bezugsbedingungen und Anzeigenpreife find in der Morgenausgabe angegeben Redaktion: 53. 68, Cindenstraße 3 Fernsprecher: Dönhoff 292-29% Tel.- Adresse: Sozialdemokrat Berlin 10 Pfennig Sonnabend 7. November 1925 Vorwärts= Berliner Volksblatt Berlag und Anzeigenabteilung: Geschäftszeit 9-5 Uhr Berleger: Borwärts- Berlag GmbH. Berlin Sm. 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Dönhoff 292-297 Zentralorgan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands Die Vertuschung eines Skandals. Verfahren gegen Kußmann- Knoll tatsächlich eingestellt! Das Berfahren gegen den Staatsanwaltschaftsassessor Kuß mann und seinen Komplizen, den deutschnationalen Spionageagenten Knoll wegen Ueberlassung der Atten des Barmat. Falles an ein deutschnationales Hezbureau ist durch den Amis gerichtsrat Ahlsdorf eingestellt worden. Damit ist die Befürchtung, die wir vor wenigen Tagen aussprachen, daß eine Ber tuschung dieses ungeheuerlichen Standals im Gange sei, vollauf bestätigt worden. Herr Amtsgerichtsrat Ahlsdorf, von dem dieser Beschluß herrührt, ist kein Unbekannter. Er ist der gleich e Gerichtsvorsitzende, der in dem Prozeß gegen den Landgerichtsdirektor Kroner, den Vorfizzenden des republikanischen Richterbundes, wegen Beleidigung des Herrn Bewersdorff von dem Angeklagten als befangen abge= lehnt wurde, weil er bereits im Boraus geäußert hatte, daß mindestens sechs Monate Gefängnis für Kroner herauskommen würden. Herr Ahlsdorf selber hat sich trotz dieser Aeußerung für unbefangen erklärt, und an der Verurteilung Kroners in erster Instanz mitgewirkt. Die Berufungsinstanz hat jedoch anerkennen müffen, daß der Ablehnungsantrag gegen Ahlsdorf vollauf begründet war, sie hat das Urteil aufgehoben und an die erste Instanz zurückverwiesen, weil der befangene Herr Ahlsdorf an dem Urteil mitgewirkt hatte. Hier wurde bereits ausgeführt, daß die Einbeziehung des Falles Kußmann Knoll unter das preußische Amnestiegesez nach dessen Sinn und Wortlaut nicht zu rechtfertigen ist. Die Ueberlassung amtlicher Aftenstücke an Knoll durch Kußmann fann weder als„ öffentliche Kundgebung", noch als„ Aeußerung" im polltischen Kampfe ausgelegt werden, selbst wenn man der juristischen Aus legungstunft weitesten Spielraum läßt. Wir erwarten und verlangen daher, daß dieser Einstellungsbeschluß von der Staatsanwaltschaft mit Die Rückwirkungen kommen in Gang. Der Reichskommiffar ernannt. Amtlich wird gemeldet: In Anschluß an die Verhandlungen in Locarno war die Reichsregierung mit den an der Besetzung des Rheinlandes beteiligten Mächten wegen der Wiederernennung eines Reichskommiffars bei der Interalliierten Rheinlandtommiffion in Berhandlungen eingetreten. Die Reichsregierung hatte diesen Mächten davon Mitteilung gemacht, daß fie für den Posten den deutschen Botschafter in Madrid, Freiherrn Langwerth von Simmern, auserfehen habe, und hat nunmehr die Nachricht erhalten, daß diefer Ernennung 3 ugestimmt werde. Hierbei ist seitens der Besatzungsmächte zum Ausdrud gebracht worden, daß, ebenso wie fich nach ihrer Ueberzeugung der neue Reichskommissar von dem Geifte der Verhandlungen in Locarno leiten laffen werde, auch die Interalliierte Rheinlandkommission fich ihrerseits diesem Geiffe getreulich anpaffen wolle. Baldiger Amtsantritt des Reichskommissars. Koblenz, 7. November.( Mtb.) Wie in hiesigen unterrichteten Kreisen verlautet, rechnet man damit, daß der Reichskommiffar für tie besetzten Gebiete, dessen Ernennung unmittelbar bevorsteht, Mitte nächster Woche in Roblenz eintreffen wird. Nur noch Formfragen in der Entwaffnung. Paris, 7. november.( WIB.) Havas meldet: In der gestern durch die Botschafterkonferenz an die deutsche Regierung gerichteten Note handelt es sich um Formiragen, über die fich die deutsche und die allierten Regierungen rasch einigen dürften. Es scheint, als ob schon ein bestimmtes Datum für die Räumung von den alliierfen Regierungen ins Auge gefaßt worden ist. den gegebenen Rechtsmitteln angefochten und eine öffent. liche Gerichtsverhandlung über den Fall durchgesetzt wird. Die Bertuschung des Falles wirkt geradezu grotest. Zu nächst hat der sogenannte Barmat- Ausschuß ein tieferes Einsteigen in die Materie abgelehnt mit der Begründung, daß in ein schweben des Gerichtsverfahren nicht eingegriffen werden dürfe. Runmehr wird das schwebende Gerichtsverfahren auf Grund der Amnestie eingestellt, nachdem es zum Vorwand gedient hat, dem Untersuchungsausschuß die Materie zu entziehen. Dabei schwebt das Verfahren seit mehr als drei Monaten, es hätte daher schon seit Wochen über die Gesichtspunkte der Amnestie hin geprüft werden fönnen. Die Herrschaften aber, die auf eine Vertuschung des Falles spekulieren, werden sich gründlich geirrt haben. Es besteht noch eine ganze Anzahl Möglichkeiten, das Versäumte nachzuholen. Erstlich durch Anfechtung des Einstellungsbeschlusses; sodann, indem das Plenum des Preußischen Landtags, das am 11. d. m. über den Bericht des Barmat- Ausschusses verhandelt, die Materie, soweit sie die Angelegenheit Kußmann- Knoll betrifft, an den Aus schuß zurückverweist, der jetzt nicht mehr durch ein schwebendes Verfahren an der Untersuchung gehindert ist, oder sie einem neuen Untersuchungsausschuß überweist, was das richtigere wäre, da die total unfähige Leitung des bisherigen Ausschusses ein vernünftiges Arbeiten doch nicht erwarten läßt. An Material für die neuen Arbeiten wird es nicht fehlen. Vor allen Dingen wird sich herausstellen, daß es sich nicht um einen Fall nur der Herren Rußmann und Knoll handelt, sondern um einen Juftizskandal ersten Ranges, in den noch ganz andere Bersonen und Organe der Justizbehörden in schlimmster Beise verstrickt sind! Mussolinis Polizeimache. Londoner Meldungen zufolge erklärte das Arbeiterblatt Daily Herald", daß das Attentat" gegen Mussolini von Anfang bis zu Ende von der Polizei inszeniert worden ist. Das ist wohl inzwischen die Ueberzeugung aller denffähigen Menschen außerhalb des faschistischen Italiens geworden. manis led s Siegesbericht. Rom, 7. November.( BTB.) Die Anordnungen der Regierung auf Belegung der Freimaurerlogen und Auflösung der unitarisch sozialistischen Organisationen sind im ganzen Lande durchgeführt worden. Zu Zwischenfällen ist cs nicht gekommen. Wer nicht daran glaubt, wird verboten! Rom, 7. November.( WTB.) Durch eine Verfügung von heute ift die Zeitung Voce Republicana" bis auf weiteres verboten worden mit der Begründung, daß sie gestern die Mel dung über das Attentat gegen Mussolini als ein angebliches Attentat" gebracht habe. Das Organ der Katholischen Bolts partei, Jl Popolo", ist gestern und heute nicht erschienen. Man weiß nicht, ob es verboten ist oder aus eigenem Antrieb nicht erschien. Die oppositionelle Zeitung Il Mondo" wurde be. fchlagnahmt... Oder verhaftet. Rom, 7. November.( WTB.) In Genua wurden der Bericht erstatter der kommunistischen„ Unita" und der des„ Avanti" ver. haftet. Sie find Mitglieder der Loge in Livorno. Konjunktur! den Labour im Vormarsch. Die englischen Gemeindewahlen. London, Anfang November. Unter einem für den fontinentalen Beobachter zunächst unbegreiflichen Mangel an Teilnahme der Bevölkerung haben in diesen Tagen in London und in einer Reihe von Ge= meinden des übrigen England die Kommunalwahlen stattgefunden. Die Zeitungen haben zwar seit einigen Wochen die übliche Wahlpropaganda gemacht, aber wer dabei an die fieberhaften Erregungen dachte, die anläßlich von Unterhauswahlen hierzulande üblich sind, der konnte keinen Augenblick lang im Zweifel darüber sein, daß sie, und mit ihnen die überwältigende Mehrheit der Bevölkerung, wenn überhaupt, so für die großen liberalen Blätter, die anscheinend von der Ausnur mit halbem Herzen dabei waren. Das gilt insbesondere sichtslosigkeit der liberalen Sache in diesem Wahlkampf so völlig überzeugt waren, daß sie durch ihre Enthaltsamkeit in der Polemit, insbesondere gegen links, mehr oder minder direkt, mehr oder minder bewußt, für die Labour Party Propaganda machten. Wie denn überhaupt, was in Parenthese vermerkt sei, von liberaler Seite in letzter Zeit ganz auffallende Annäherungsversuche an die Arbeiterpartei gemacht werden, wobei insbesondere ein so altangesehenes liberales Blatt, wie die„ Daily News" und ihr Abendblatt, der„ Star", mit gutem oder schlechtem- Beispiel vorangehen. Alles in allem, hat weder der Wahlkampf, noch der Wahltag, noch die langfame, fich auf mehrere Tage erstreckende Verkündigung der Wahlresultate irgend welche politische Leidenschaften erregt und große Londoner Blätter haben das Ereignis für so unwichtig gehalten, das sie ihm bisher nicht einmal einen Leitartikel gewidmet haben; was schon immerhin etwas sagen will, wenn man bedenkt, daß jede englische Beitung, die etwas auf sich hält, täglich mindestens drei Leitartifel enthält. Ist es ein Zeichen augenblicklicher politischer Apathie, parteipolitischer Müdigkeit, daß diese Munizipialwahlen sp völlig unbemerkbar waren? Wohl faum; denn sonst könnten die Zeitungen nicht feststellen, daß die 47 Prozent der Wählerschaft, die diesmal zur Urne gegangen sind, schon einen Fortschritt gegenüber früheren Munizipalwahlen darstellten und die heutigen Wahlen größeres Interesse erregt haben, als irgend eine Kommunalwahl seit 1913. Es handelt sich also ganz offensichtlich um eine traditionell geheiligte Interesselosigkeit, die immerhin bei einem so poltischen Bolf, wie dem englischen, auffällig ist. Der Grund für diese Erscheinung liegt darin, daß diese Wahlen nicht nur an und für sich weniger bedeuten als die Unterhauswahlen( dieser Unterschied zwischen den Staats- und Gemeindeparlamenten ist schließlich überall vorhanden), sondern einfach darin, daß fie fachlich, inhaltlich beinahe überhaupt nichts bedeuten. Denn vergleicht man einmal die Befugnisse einer Gemeindeverwaltung wie etwa Wien, um das bemerkenswerteste fontinentale Beispiel zu nennen, mit ihrem ausgedehnten fommunalen Steuersystem, den zahlreichen städtischen Betrieben und Betätigungen, mit dem Betätigungsfelde einer Londoner Borough(= die städtische Berwaltungseinheit), so zeigt es sich auf den ersten Blick, daß ihr möglicher und tatsächlicher Aufgabenfreis unvergleichlich fleiner ist. Die lokalen Behörden haben in England, dem gepriesenen Lande der Selbstverwaltung und Dezentralisation feinerlei Rechte, außer diejenigen, für die sie vom Unterhaus ausdrüdlich ermächtigt worden sind. Den Gemeindeverwaltungen fehlt somit völlig jene Elastizität des Betätigungsfeldes, mie fie die Gemeinden in den meisten Ländern des Kontinents besitzen. Im Wesentlichen beschränkt sich die Tätigkeit der Stadtverwaltungen Londons( London besteht noch immer aus einer Reihe selbständiger Gemeindeverwaltungen!) auf Fragen der fanitären Politik. Es sind hauptsächlich die Probleme der öffentlichen Gesundheitspflege, Beleuchtungsfragen und bis zu einem gewissen Grade Wohnungspolitit, die ihr vom Barlament überlassen. werden. -Im jüngsten Wahl, Kampf"- das Wort Kampf stellt standen sich auch hier eine gewaltige Uebertreibung dar! im wesentlichen die drei englischen politischen Parteien gegenüber, die Konservativen, Labour und die Liberalen, die bürgerDie Engländer rücken nach Wiesbaden. 31n, 7. November. Wolffs weftlicher Provinzdienst meldet: Wie uns mitgeteilt wird, werden als neue Standorte für die englische Rheinarmee die Kreise Wiesbaden Stadt, Wiesbaden Land, Langenfchwalbach und die Städte Biebrich, Idstein und Königstein vorgesehen. Der englische Gebietsteil wird alle naffaut machte. Er fand bereits zahlreiche Nachahmer unter den Abgeord. lichen Parteien allerdings in Verkleidungen, die ihre Namen fchen Teile füdlich der Lahn mit Ausnahme der Kreise Diez, St. Goarshausen, Rüdesheim und des besetzten Teils des Kreises Limburg umfaffen. Wiederherstellung der deutschen Gerichtsbarkeit. London, 7. November.( TU.) Wie der diplomatische Korrefpondent des„ Daily Telegraph" berichtet, hat fürzlich zwischen London, Paris und Brüssel neben der Frage der deutschen Abrüftung und der Kölner Räumung auch ein Gedankenaustausch über die vorgeschlagenen Erleichterungen des Besatzungsregimes in der zweiten und dritten Zone stattgefunden. Die bei dieser Gelegenheit in Aussicht gestellten Versprechungen sollen in zahlreichen Fällen sehr wesentlich gewesen sein. Wie verlautet, soll die deutsche Gerichtsbarkeit völlig wiederhergestellt werden, mit Ausnahme von Fällen, die durch oder gegen Mitglieder der Be sagungstruppen begangen worden sind, und von Fällen ernster Ruhe störungen, die unter die Militärgerichtsbarkeit fallen. Wie verlautet, foll im Laufe der nächsten Woche durch die Alliierten eine Er Plärung über die Erleichterungen in der zweiten und dritten Zone gemacht werden. Rom, 7. November.( EP.) Die politischen Auswirkungen des Komplotts gegen Mussolini bestehen in einem allseitigen Anfchluß bisher unschlüssiger Polititer an Faschismus und dessen Erstarkung im ganzen Lande. Als erster hat der Kammerpräsident Casertano bei Mussolini persönlich die Aufnahme in die Faschistische Partei nachgesucht, was in parlamentarischen Streifen starten Eindrud(!!) neten der verschiedenen Gruppen, die bisher die Regierung unterstützen, ohne ihre politische Selbständigkeit damit auffzugeben. So hat der Kongreß der nationalliberalen Abgeordneten und Partei führer unter Leitung des Erministers de Capitani und Sarrocchi den llebergang zum Faschismus beschlossen. Einige nationalliberale Abgeordnete haben bereits bei Farrinacci ihre Mitgliedskarten nach gesucht. Die Mailander Sektion der Partei hat sich ebenfalls für den Anschluß entschieden. ,, Nur einige Zwischenfälle." Rom, 7. November.( WTB.) Ein offizielles Communiqué der Breffeabteilung der Regierung gibt bekannt, daß die Ruhe und Ordnung in Italien aufrechterhalten worden sei, und das nur in Brescia und Triest sich bedauerliche 3 wischenfälle ereignet hätten. Im Zusammenhand mit der Aufbeckung des Attentatsplanes find weitere Berhaftungen erfolgt, über die Popolo di Roma" folgendes mitgeteilt: In Genua find 30 Personen verhaftet bzw. in Schußhaft genommen worden. In Neapel ist der Bruder des Generals Capello, ein früherer Poftdireftor, in Schußhaft genommen worden. In Turin Ein Bergleichs- und Schiedsgerichtsvertrag wurde zwischen sollen ein unitarischer Abgeordneter und ein General festgenommen Bolen und Schweden abgeschlossen. worden sein, jedoch liegt eine Bestätigung dieser Nachricht nicht vor. und ihr Wesen verschämt verdeden. Während die Labour Party auch für diese Wahlen ihren Namen beibehielt, nannten sich die Liberalen im Kampf um die Gemeinden Progressive". reformieren wissen,„ Kommunale Reformpartei". di. Fortschrittler, die Konservativen, die weiß Gott nichts zu 27 Die Sozialisten konnten bei der Agitation darauf hinweisen, daß in England, wo ein Großteil der Schulen noch privat bewirtschaftet" wird, wo die meisten Spitäler auf den Zufall öffentlicher Mildtätigkeit angewiesen sind, wo die öffentliche Gesundheitspflege noch in den Kinderschuhen steckt und in den Armenvierteln unbeschreibliche Wohnungsverhältnisse herrschen, noch unendlich viel zu tun sei, ehe, auch nur vom bürgerlichen Standpunkt aus gesehen, die Gemeinden alle jene Aufgaben erfüllt, die fie nach heutiger Auffassung erfüllten müßten und in anderen Ländern auch tatsächlich erfüllen. So ist im fommunalen Wahlkampf die Arbeiterpartei die einzige Partei, die bedingungslos die Interessen der Allgemeinheit gegenüber den egoistischen Besizinteressen der einzelnen verfritt, ein Moment, daß ihr auf der ganzen Linie ein offensives Vorgehen ermöglichte. Sieht man nunmehr die Ergebnisse der Wahlen nach der politischen Seite hin an, so wird man feststellen müssen, daß sie sich durchaus auf der Lim» bewegen, die aus den jüngsten Unterhausnachwahlen, aus den Zeitungspolemiken usw. schon in den letzten Wochen deutlich wurden, nur daß die Liberalennockschlechterabgeschnittenhaben als vorauszusehen war. Sie haben schon vorher in der kommunalen Politik Englands keine bedeutsame Rolle gespielt, der Verlust von 34 Sitzen hat sie aber beinahe völlig zur Bedeutungslosigkeit verurteilt. Politisch bedeutungsvoller aber ist die Art und Weife, wie die Konservativen diesmal abgeschnitten haben. Hier stehen 99 neue gewonnenen Sitzen 169 Verluste gegenüber, ein Resultat, das nicht nur eine kommunalpolitische Kritik darstellt, sondern in weitestem Maße ein Reflex der Verärgerung der Wähler- s ch a f t über die konservative Regierung Valdwin darstellt. Anders die L a � o u r P a r t y. Die Partei hatte vor sechs Iahren in den Gemeinden einen entscheidenden Sieg errungen, war aber drei Jahr« darauf wieder aus einer Reche ihrer Stellungen von den Konservativen hinausgeworfen worden. Bei den jüngsten Wahlen hat sie einen Großteil dieser Verluste wieder wettmachen können. Sie hat zwar auch 34 Sitze verloren, aber diese Verluste werden auf der andern Seite durch den geradezu sensationellen Gewinn von 218 Sitzen wieder vielfach aufgehoben. In London allein hat sie gegen hundert Sitze neu erobert und in zwei Londoner Stadtverwaltungen Minoritäten in absolute Mehrheiten verwandelt. Ein ähn- liches Bild bietet das flache Land, wobei besonders in die Wagschale fällt, daß hier die Arbeiterpartei ihre Siege teil- weise in neu erobertem Terrain errungen hat. Im Gegensatz hierzu haben die Kommunisten, die in einigen Gemeinden mit eigenen Kandidaten hervorgetreten sind, keinen einzigen ihrer Anhänger durchgebracht, und der kommunistische Unterhaus- abgeordnete Saklatvala mußte sogar die Enttäuschung erleben, in der Gemeinde St. Pancras als Kandidat mit der geringstein Stimmenzahl aus der Wahl hervorzugehen. Wenn man auch die sachlich« Bedeutung dieser Wahl nicht überschätzen darf, so wird man doch ihre politische nicht unterschätzen dürfen. Sie zeigt die Labour Party auf der ganzen Linie im Lormarsch. In einem größeren Zu- sammenhang gesehen, beweisen auch die Londoner und eng- lischen Gemeindewahlen, wie beinahe alle europäischen Wah- len der jüngsten Monate, daß die Arbeiterbewegung nach den Rückschlägen der Iahrel922/23— den Iahren des Tiefstandes der Arbeiterbewegung nach dem Krieg— überall. Schritt für Schritt, das verloren gegangene Gebiet zurückgewinnt. Aber nirgends ist so stark und in einem solchen Maß« bis in die bürgerlichen Parteien hinein wie in England das Gefühl vorherrschend, daß nichts mehr den schließlichen Aufstieg der Arbeiterpartei zur parlamentarischen Mehrheit und damit zur entscheidenden Macht im Staate aufhalten kann. �cht Jahre Sowjetrußlanö. Ter Gedenttag der bolschewistischen Revolution. Heute vor acht Iahren wurde in Rußland die Regierung Kerenski gestürzt und das Regiment der Bolschewiki auf- gerichtet, das nun acht Jahre währt. Das große geschichtliche Ereignis wurde damals unter wesentlich anderen Gesichts- punkten betrachtet als heute. Denn damals war noch Krieg, und die Regierung Kerenfki, obwohl revolutionär und demo- kratisch, versuchte auf feiten der Entente weiterzukämpfen. Demgegenüber war die bolschewistische Parole eines sofor- tigen, Demokratischen Friedens", die vom deutschen General- stab im Interesse der deutschen Kriegführung lebhast unter- stützt wurde, besonders wirksam. In der Nacht vom 6. zum 7. November bemächtigten sich nun die Petersburger Lol- schewiki der Regierungsgewalt, erklärten die Regierung Kerenfki für abgesetzt, und das Vorparlament für aufgelöst. Nicht soziale Auffassungen und Erkenntnisse, sondern das Friedensbedürfnis des russischen Volkes hat den Sieg des Bolschewismus herbeigeführt. Ächtreklame. Don Erich Elrisar. Märchenhaft sausen am Abend die Speere des Lichts durch die Spaßen der Stadt. Häuser, die nur unwillig im Licht« des Tages cm dem grauen Totsein ihrer Umgebung heraustraten, deginnen plöglich ein strahlendes Leben. Seltsame Farben beginnen zu glühen. Lichter flammen auf und huschen an Dachfirsten«Mang. Marichieren in langen Reihen, deren tieferer Sinn irgendein Hinweis auf ein« War« oder ein kom- mendes Ereignis ist. Ja. selbst wichtig- Meldungen der Zeitung finden von hier ihren Weg zu uns. Aber achten wir denn so sehr auf den Sinn dieser Zeichen? Genügt uns nicht ihr feenhaft leuchtendes Dasein, daß wir dem Hortsein des Tages entrückt, uns in einen Wagen setzen und vor- überfahrend mit erhobenen Blicken all das Licht trinken, das die glühenden Fronten oerschenken? Die Stadt wäre tot, wenn Plötz- lich all das viele Licht nicht mehr da wäre, wenn nur in genau ob- gezirkelten Abständen die Bogenlampen brennten. Niemand hört auf den, der da sagt, das Geschrei der Licht- reklame ist unerträglich: denn es ist ja kein Schreien, vielmehr ein Singen des Lichtes in weichen Farben. Eher den lustigen Reklame. oersen vergleichbar, auf die man beim Blättern in der Zestung stößt, die man belacht und vergißt, wenn man sie überhaupt las. Wir brauchen den aufwärt» gerichteten Blick nur zu senken und tausend Lichter, deren durch die Entfernung gemilderter Glanz sich wie weicher Samt auf unsere Augen legte, sind nicht mehr da für uns. Nur das magische Huschen auf den Gesichtern der Vorüber- gehenden bleibt uns sichtbar. Nur die zitternden Reflexe auf den Schienen der Straßenbahn od-r den blanken Autos, die vorüber- fauseü, oerraten ihr Leben und machen den fiebernden Puls der großen Stadt auch dem träumerisch zur Erde Blickenden sichtbar. Aber lange hält niemand den Kopf gesenkt, der den Frieden seiner Seele durch die Straßen des Abends trägt, denn ein Loch fräße sich in unser Herz, wäre der mächenhaste Schimmer der leben- den Haussronten nicht um uns. Denn wir alle, die der Alltag durch die Straßen hetzt, hungern nach Licht, das keiner uns entzündet als der, der uns bestiinmen möchte, seine Ware zu kaufen, zu seinem Feste zu kommen. Und well niemand mehr unseren Augen eine Freude macht, ohne in Gedanken den Gewinn zu berechnen, den er davon haben wird, glauben wir in einer Zell der Mechanisierung zu leben und müssen doch wahrnehmen, wie rund um uns eine neue Romantik erblüht, für die wir nur noch nicht die richtigen Augen haben. Ki-ie yochfchole(Or soziale wisseaschaflen In Peking. In Peking wird mit Unterstützung der Sowietbolschait eine Hockschut« erösfnet. Die Sswjct- regierung hat hiersür den Betrag von 100000 Dollar« gelpendet. Die Hoch- schule wird sich»it de« Studio» sozialer Frag« befassea. Cr bedeutete zugleich die Vernichtlmg oer demokratischen Entwicklung Rußlands für absehbare Zeit. Die bolschewistische Partei hatte ihre Herrschaft durch Gewalt errungen, und sie hat bis heute nicht daran gedacht, sich vom Volk in all- gemeiner, steier Abstimmung ihre Herrschaft bestätigen zu lassen. Das Land wurde, entsprechend den Plänen der Sozial- revolutionäre, an die Bauern aufgeteilt, Industrie und Außenhandel wurden nach einer Reihe fehlgeschlagener Experimente verstaatlicht. Heer und Polizei wurden auf die höchstmögliche Stufe der Vervollkommnung gebracht, wodurch es gelang, einerseits den Zusammenhalt des Reichs zu erhalten, andererseits die Herrschaft der regierenden Partei durch eiserne Unterdrückung aller gegen sie gerichteten Mei- nungen zu festigen. So entstand ein Staatswesen, das in feiner Art einzig in der Welt und in seinem Kern durch und durch russisch ist. An diesem durch und durch rusiischen Charakter der Re- volution vom 7. November und ihrem Ergebnis scheiterte auch jeder Versuch, auf das Ausland vorbildlich zu wirken. Alle Unternehmungen zur Ergreifung der Macht schlugen außerhalb Rußlands fehl, in allen kapitalistischen Ländern blieben die kommunistischen Parteien mehr oder weniger bedeutungslose Minderheiten. Die Lehren dieser acht Jahre waren so eindrucksvoll, daß sich auch Rußland und die Kommunisten außerhalb Rußlands ihnen nicht ganz zu entziehen vermochten. Die Behaupwng, daß nur der„Verrat" der Sozialdemokraten an dem all- gemeinen Mißlingen Schuld trage— die kommunistische „Dolchstoßlegende"— verlor alle Wirkung. Mehr und mehr mußte man sich von dieser höchst unmarxistischen Ideologie entfernen, und die Gründe des Derfagens tiefer suchen. Man fand sie oder glaubte sie zu finden in den Fehlern der eigenen Partei, die dadurch in eine Periode der „rechten" und der„linken Abweichungen", des Experimen- tierens und Hin- und Herfchwankens geriet. Das Ergebnis läßt sich unschwer voraussehen. Es ist die Erkenntnis, daß in hoher zivilisierten Län- d e rn als in Rußland die Eroberung der politischen Macht nicht durch Gewalt, sondern nur durch den Mehrheitswillen des Volkes geschehen kann, daß die russischen Wirt- schaftsmethoden verdienen, zwar studiert, aber nicht unbedingt nachgeahmt zu werden, zumal sie bisher nur sehr spärlich materielle Erfolge erzielt haben, daß die polizeiliche Unterdrückund fremder Meinungen etwas Barbarisches, Menschenunwürdiges und in keinem Fall Nachahmenswertes darstellt— kurz, daß der europäische Sozialis- mus etwas ganz anderes ist und sein muß als der russische'Bolschewismus. Mit anderen Worten: die Erkenntnis, die von der So- ziealdemokratie feit je gepredigt wurde, beginnt sich auch in Rußland und in den kommunistischen Parteien Europas Bahn zu brechen. Daß dieser Entwicklungsvrozeß von lärmenden Feiern des 7. November und lauten Schmähungen gegen die Sozialdemokratische Partei begleitet wird, verschlägt wenig. Die Wahrheit marschiert, und selbst die Tscheka vermag auf die Dauer nicht, sie aufzuhalten. Volksparteilick-Aeutsthnationaler Kleinkrieg Vertrauliche Mitteilungen und Indiskretionen. Der Streit um Schleies Ja in der Kabinettssitzrn'g nimmt immer groteskere Formen an. Zuerst brachte fc>..B. T." die Mitteilung, daß Schiele mit einem„lauten und freudigen Ja" auf die Frage geantwortet habe, ob er die Arbeit der Unterhändler in Locarno billige. Darauf erfolgte ein Dementi. Darauf wieder die Mitteilung, daß er nur„ein lautes Ja" in Aussicht gestellt habe und so fort mit Grazie. Dann kam der— volksparteiliche—„Hamburger Korrespondent" mit der Enchüllung, Schiele habe bei seinem Ab- schied vom Reichskabinett vor Schluchzen kaum sprechen kön- nen und dabei seiner Entrüstung über die unverantwortlichen Landesverbandsoorsitzenden der Deutschnationalen freien ,no od Nanette" im Metropoltheater. Amerika brachte uns den Jazz. Nun wissen wir auch, was amerikanische Operette ist. Gcleftcnhett bieten zum Tanzen, die Be- weglichkeit einiger Dutzend Girls zeigen, die lustigen Sachen in jedem Akt dreimal brüllen, Akrobatik mitten in die Handlung gesetzt, Parodie neben die Laune, Selbstverspottung neben das Klischee. Die zahmen Ehebrüchigketten interessieren uns nicht sehr, erst recht nicht, wenn sie en messe kommen. Ein Mann, eine Frau, und vier aus Sentimentalltät geliebte abgelehnte Mädelns, Verschiebung der Ge- dankensündhaftigkest aus einen Freund, sanfte Eheerkenntmsse und Gartenlaubenschluß mit drei glücklichen Paaren— viel ander» als in Berlin wird auch drüben nicht in Operette gedichtet. Die Musik von Vincent Poumans hat Schmiß, Schwung und jenen Rythmus der Jazzkapelle, der glauben macht, wir kennen diese Musik schon. Sie ist nie uninteressant. Springt schnell in unser Ohr und alarmiert die Tanzbeine. Was will man mehr? Ein paar Kleinigketten bleiben unvergessen: wie sich elegante Damen boxen und prügeln, wie der Vielgeliebte die Eifersüchtigen überlegt, wie vor einem Vor- hang richtige Menschenköpfe aus klappernden tanzenden Puppen- figuren sitzen, wie Enid Hudson zugleich tanzt und temperamenl- voll Geige spielt. Und dann die köstliche Szene: Siegfried Arno und Fritz Hirsch parodieren einen neben ihnen ernsthaft exeku- tierten modernen Tanz mit Beinschmeißen, Verrenkungen, graziösen Handbewegungen. Das ist urkomisch. Die unschuldige Nanette ist Irene von P a l a s t h y, jung und ausgelassen, stets tanzbereit. Lory L e u x muß immer herein- und herousspazieren, um die schönsten Kleider auf dem noch schöneren Körper zu zeigen. Einmal droht sie sogar, aus ihren Kleidern völlig herauszuspaziersn, was von auf. geklärten Männern im Namen der Pressefreihett beanstandet worden wäre. Die Generalprobe, die dem Verein Berllner Presse geschenkt wurde, offenbarte hier vielleicht noch nicht alles. Neben Arno und Hirsch, die sich Mühe geben, ein« im Text etwas eingefrorene Komik vier Stunden lang auftauen zu lassen, stellt Max Hansen den sentimentalen Liebhaber sehr lustig dar. Er singt ein Lied auf die Presse, die ein Auge zudrücken soll. Das ser gewährt, soweit es eine nicht gerade epochale Angelegenheit neuer Lperettcnkunst betrifft. Die Darsteller haben es Gott sei Dank nicht nötig,(auch nicht Hedwig Herder in ihrer vornehmen Haltung und Hella K ü r t y in echtem Jugendübermut) ebensowenig die Inszenierung Fredmann Frede- rich.s und die Stabführung Guttmanns. In Amerika wurde Nanette tausendmal hintereinander gespiett. Wir begnügen uns schon mit einem Teil davon._ K. S. Ein neues Zaren-Mufeum in �owjetrußlanü. Ist es nicht merkwürdig, daß in Sowjetrußland ein Zaren- Museum eingerichtet wird? Die Sowjetregierung hat tatsächlich in einem kleinen Häuschen Peters des Größen in Leningrad ein Museum, das dem Andenken des großen Zaren gewidmet ist, er- öffnet. Es ist in einem weißen, in holländischem Stil gehaltene-t Häuschen am Ende oes Sommerganens am Rewaka untergebracht. Im ersten Stock ist ein Zimmer, das den Kriegen Pners des Großen gewidmet ist. Da kann man den Schlachtplan der Poltawa-Schlacht, bei der die Russen im Jahre 170S das schwedische Heer vernichtend Lauf gelassen. Auch das wird ebenso sekbswerstSnbftch „dementiert". Um dem ganzen Rätselspiel die Krone aufzusetzen, ver- öfsirntlicht die„Berliner Börsenzeitung", die durch die„Eni- büllungen" Tannenzapfe und anderer Ehrenmänner in der Pannat-Kußmann-Knoll-Affäre sich schon einen besonderen Namen gemacht hat, den ausdrücklich als vertrau- lich. bezeichneten Informationsbrief ihres Dresdener Korrespondenten über Mitteilungen, dieDr. Stre- s e m a n n in Dresden den dortigen Pressevertretern, wieder -mter dem Siegel strengster Vertraulichkeit, ge- macht habe. In diesen Mitteilungen war auch das Ja des Herrn Schiele und das Schluchzen getreulich verzeichnet. Jetzt wird nun durch das offiziöse Telegraphenbureau eine lange Erklärung Stresemanns veröffentlicht, in der er bestreitet, in jener Pressebesprechung den Namen Schieles auch nur erwähnt oder überhaupt Mitteilungen aus der Kabinettssitzung gemacht zu haben. Uebrigens habe der Dresdener Mitarbeiter der„Börfenzeitung" einem Beamten her Reichspressestelle erklärt, Stresemann habe die betreffenden Aeußerungen, die in dem vertraulichen Brief an die Redaktion aufgeführt sind, nicht getan.... Diese Art des Streits um Kleinigkeiten ist durchaus ge- eignet und wahrscheinlich bestimmt, die Aufmerksamkeit von dem Kern der Dinge abzulenken, nämlich, daß die Deutsch- nationalen bereit waren, das Werk von Locarno zu schlucken, daß sie durch ihren Acheron daran zunächst verhindert wurden und nun wieder auf dem besten Wege zum Umfail sind. Um diesen Umfall zu verhindern, deshalb wird von gewissen Drahtziehern die Hetze gegen Stresemann höchst persönlich inszeniert, wahrscheinlich nicht ohne einigen Erfolg. Indessen hat die„Berliner Börsenzeitung", deren„Ent- hüllungskampagne" mit gestohlenen Akten im Fall« Barmat-• Kußmann-Knoll von allen„nationalen" Zeitungen als durch- aus gehörig angesehen wurde, mit der Veröffentlichung des vertraulichen Informationsbriefes die Entrüstung auch ande- rer Blätter hervorgerufen. Das„Hamburger Fremdenblatt" fordert die Anrufung journalistischer Standesgerichte, um die „Reinlichkeit im Journalisten st ande" wieder herzustellen, die durch den Bertrauensbruch des Chefredakteurs O e st r e i ch besudelt tvorden sei. Aber: die Differenz zwischen Bolkspartei und Deutsch- nationalen darf durch diesen Kleinkrieg um Stresemanns Skalp durchaus nicht vertieft werden. Das ist die große Sorge aller, die für den Luther-Block federführend wirksam sind. Denn schließlich stehen doch viel greifbarer« Ding« auf dem Spiel, als das bißchen Locarno. Es handelt sich doch um die Futterkrippe der Deutschnationalen! vorläufiger Zollvertrag mit öer Schweiz. Im Dezember endgültige Verhandlunge«. Bern. 7. November.(Eigener Drahtbericht.) Am Freilag nachmittag wurde hier das vorläufige Zollabkommen zwischen Deutschland und der Schweiz unterzeichnet. In dem Abkommen werden eine Anzahl van Zollsätzen festgesetzt, die zur Erleichterung de» gegensettigen Warenaustausche» in der Zeit bis zum Abschluß des in Aussicht genommenen Handelsverträge» Gültigkeit haben sollen. Die Verhandlungen über den Abschluß eines endgültigen Vertrages sollen EndeDezember in- Berlin beginnen. Ihr« Vorbereitung dürfte noch in diesem Monat durch Sonderbesprechun- gen über die Stickereizölle und den Stickereioeredelungsverkehr er- folgen._ P erstens neven Schah haben mit England mm auch die Der- einigten Staaten und Polen anerkannt. wurde Frunfe vergistet? Der plötzliche Tod Frunse» hat in Moskau das Gerücht eine» Giftmordes entstehen lassen. Di« Obdu- zierung der Leiche ist angeordnet. geschlagen haben, sehen, und die dunkelblaue Uniform Peter» mit b veiten roten Aufschlägen zeugt von seiner othletischen Figur. In diesem Zimmer befindet sich noch ein sellsame» historische» Doku- ment, das eigenhändige Manifest des Zaren über den Verrat des ukrainischen Hauptmanns Mazeppa, da» vor kurzem in«wer kleinen Kirche entdeckt wurde. Als tragisch lehrreiche» Final« de» blutigen 22jährigen Kampfe» zwischen den zwei großen Herrscher« Europas grinsen uns die Totenmasken Peters und Karls XII. an. Im zweiten Stock ist ein« Galerie russischer Uniformen, von der haibastatischen Kleidung der Strelizen bis zur europäischen Tracht preußischen Musters mit weihen Perücken, untergebracht Ein Zimmer ist mit Folterinstrumenten der Peter-Zett ausgestattet Man kann dort die furchtbarsten Geräte zu sehen bekommen, die zum Vierteilen, Rädern. zur Feuer- und Wassersolter dienten, sowie genau« Beschreibungen der schrecklichen Hinrichtungsmethoden. In einem anderen Zimmer sind sämtliche Möbelstücke, die vom Zaren selbst, einem gewandten Zimmermann, hergestellt wurden. In Peter» Schlafzimmer befindet sich eine Bibel und neben ihr die Ordnung von grotesk-erotischen Festlichkeiten gotteslästerlicher Art, die der Zar öfters veranstalten ließ. Millen im Schlafzimmer steht eine Büste Peter» au» Wachs in glänzender Rüstung. Sie ist von dem berühmten Bildhauer Rastrelli zu Peter» Lebzeiten angefertigt und gibt eine vollständige Illusion einer lebendigen Figur. Das energisch grausame Gesicht mit den fürchterlichen Glotzaugen ist naturgetreu dargestellt, sogar mit Haaren und Schnurrbart Auch die Warzen und das schlecht rasierte Kinn sind dabei nicht vergessen. Dr. P. Die zehn Gebote der Iheakcrbesucher. Dr. Georg H a r t m a n n, der neu« Intendant in Dessau, hat die dramaturgischen Programm- hefte neu literarisch gestaltet. Wir bringen aus einem dieser Blätter des Friedrich-Theoters in Dessau die nachstehenden beherzigenswerten zehn Gebote, l. Sei rechtzeitig an der Theatergorderobe und auch auf deinem Platze. 2. Konzentriere dich auf das Kunstwerk und seine Darstellung und befreie dich von Alltagssorgen und Alltags- geschwätz. 3. Vergiß nie, daß du einem Kulturvolke angehörst und daß sich da» Essen ick» Zuschauerraum(während des Stuckes und in den Pausen) nicht gehört 4. Belästige deine Nachbarn noch dem Gesehenen nicht sofort mit lautgeführter Kritik. 5. Begreifst du etwas nicht, so schimpfe nicht gleich. 6. Bedenke stets, daß ein Stück — wie der Mensch— nicht immer schön sein muß, um zu gefallen. Beide sollen interessieren. 7. Habe selbst bei einem Stuck, das dir einmal nicht gefällt, Freude an der Darstellung. 8. Laufe nicht nach dem Fallen des Vorhanges sofort zur Garderobe. Schadet es, wenn du zwei Minuten später au» dem Theater kommst? 9. Schreibst du an die Theaterleitung, so nenne dich mit Namen. 19. Lern« dir— in Polttik, Kunst und öffentlichem Leben— eine eigene Meinung zu bilden. Daran hängt vielleicht das Schicksal deines Volke«. Erflanssührnngen der Woche, vlenst Städtische Oper:»Iphigenie j n AuliS'. Soonab. Staatsoper; ,P a I e ft r i n a'. tlranla-vorträge. Sonnt.(5). Sonnab.(7):.Johann Strauß'. Sonnt (7):„Fremdenlegion". Sonnt.(9). Mittw.<9):.Da« chines. Räisel". Don Mont. an täglich:.Fidichi-Inseln". Dienst. 17). Donn.(71, Freit.(7): „Ouer durch die Sahara". Moni.(7 u. 9), Dicntt(9):»Ford» Riefen- beirtede im Film». Mittw.(7): Pros. Lars««:»Loderst«, sei» Ltd««ld « Dkfz;p!knarverfahren gegen Dr. Iaenicke. Verweis und Geldstrafe. Za dem Disziplinarverfahrea gegen Dr. Zae nicke verkündete nach mehr als einstündiger Beratung der Vorsitzende folgenden Le- fchlujj der Reich-difziplinarlammer: Der Angeklagte ist des D i e a st. Vergehens schuldig und wird deshalb zu einem verweis tmd zu einer Geldstrafe in höhe von einem Drittel fÄns» monatlichen Diensteinkommens verurteilt. Außerdem hat er die baren Auslagen des Verfahrens zu tragen. * Der Attache im Auswärtigen Amt. Dr. I a e n i ck e, der Schwiegersohn des verstorbenen Reichspräsidenten Ebert, hat sich heute vor der Reichsdisziplinarkammer in öffentlicher Derhandlung in einem von Stresemann gegen ihn eingeleiteten Disziplinarverfahren zu verantworten. Dos Verfahren gründet sich auf die Tatsach«, daß Dr. Jaenicke in das Fremden- buch des Hotels Pogano auf der Insel Capri im Mai dieses Jahres die Eintragung gemacht hat: .Mein lieber Herr Pagano! In Ihrem gemütlichen Haufe v e r- aast ich hier sogar, daß ein Hindenburg Präsident der Deut- sch-n Republik geworden ist. Dr. Jaenicke und Frau!' Im Anschluß an eine Dienstreise, die Dr. Jaenicke nach Italien gemacht hatte, hatte er sich mit seiner Gattin noch der Insel Capri begeben und auf Wunsch des Hotelwirts Pagano, einige Zeilen in das Gästebuch zu schreiben, machte er die Eintragung, die jetzt den Gegenstand des Verfahrens bildet. Ein Charlottenburger Beamter, der nach der Abreise Dr. Jaenickes da» Hotel Pagano bezog und im Fremdenbuch die Eintragung fand, schnitt das Blatt heraus und sandte es dem Auswärtigen Amt SU! Darauf verfügte Stresemann die Einleitung des Disziplinar- verfahren» gegen Dr. Jaenicke auf Entfernung au» dem Amt«. In der Reichsdisziplinarkammer Berlin I. die sich jetzt mit dem Fall zu beschäftigen, wird die öffentlich« Verhandlung von dem Senatspräsidenten am Kammergericht Dr. Grosmann geleitet. ZL» Beauftragter des Auswärtigen Amts wird Legations- rat Siedler die Anklage vertreten. Als Bertcidiger Dr. Jaenickes fungiert Justizrat Dr. Werthauer. Der Vorsitzende stellte zunächst fest, daß als geladener Zeuge der Skadlamtmann Oskar Arnoldt aus Charlottenburg er- schienen ist, der seinerzeit dieses Blatt des Gästebuches dem Aus- wärtigen Amt zugeschickt hatte. Hierauf äußerte sich Dr. Jaenicke zur Anklage. Auf Befragen des Senatspräsidenten Dr. Großmann gab Dr. Jaenicke die Richtigkeit der Eintragung zu. Vor f.: Wie erklären Sie sich dies« Eintragung? Aeußern Sie sich bitte über die Vorgeschichte, über den Zweck und darüber, welchen Sinn der Nebensatz haben soll.— Dr. Jaenicke: Ich habe die Eintragung morgens um Uhr sehr eilig gemacht, und nach«iner verhältnismäßig schlaflosen Nacht. Es sollte lediglich eine Danksagung für die Ga st freund- s ch a s t des Herrn Pagano sein. Es ist richtig, daß ich damals d i e n st l i ch in Mailand war und mich auf Erholungsurlaub auf Capri befand, um mich von den Anstrengungen der Messearbeit zu erholen. Ich kannte Herrn Pagano schon fest meiner Abituristen- zeit und ich stand ihm auch politisch nahe. Ich stand damals unter dem Eindruck der niederträchtigen hetze. r* der mein Schwiegervater zum Opfer gefallen war. war '.''Dazu kam der Ausgang der Reichspräsidentenwahl. Für mich es gleich, ob Iarres oder Hindenburg gewähll wurde, für mich war Marx der Kandidat des Rechtes, die übriaen aber K a n- didaten der Gewalt. Unter dem Eindruck, wl« gegen meinen Schwiegervater gehetzt worden war. unter dem Eindruck des Aus- ganges der Reichsvräsidentenwahl. brachte ich meine Sorge über die Konsequenzen der Wahl auch Herrn Pagano gegenük.r zum Ausdruck, mit dem ich oft politisierte. Herr Pagano beruhigte mich damit, daß es doch in Italien viel schlimmer sei als in Deutschland und er bat mich, die politischen Sorgenzu vergessen und mich fn der Natur zu erholen. Di« Eintragung war nur ein Dank dafür, daß er mich beruhigt hatte. Ich wollte damit ausdrücken:„Ich danke Ihnen, daß Sie mich vergessen ließen, daß nicht ein Marx, also ein Bertreter de» Rechtes. Reichspräsident ge. worden ist.' Ich habe mir nicht denken können, daß meine Ein- tragung in großen Kreisen bekannt würde und konnte mir nicht denken, daß sie durch eine Denunziation, indem das Natt herausgetrennt wurde, der Oeffentlichkeit mitgeteilt würde. Senatspräsident Dr. Großmann: Was war das für ein Buch? War es so ähnlich wie das„Brocken-Buch', in dem alle Gäste ihre Eindrücke wiedergeben? Dr. Jaenicke: Es war viel- leicht das, was man bei jungen Mädchen ein Poesiealbum nennt. Vors.: War es ein Gästebuch, wie es auch in deutschen Famllien üblich ist? Haben Sie in dem Buch geblättert? Dr. Jaenicke: Ich habe das Buch vorher nicht gekannt und auch nicht darin ye- blättert. Herr Pagano hatte mich schon am Abend um die Em- tragung gebeten, ich hatte sie aber abends vergessen und holte es morgens sehr schnell nach. Der Vorsitzende verlas sodann die Aus- sage der Frau Dr. Jaenicke, in der sie schildert, daß in dem Hotel Pagano zum großen Teil deutsch gesprochen wird, daß sich dort deutschen Zeitungen befinden, und daß da» ganze Haus rein deutsches Milieu trage, daß es also zu erklären sei, wenn man deutsche Gespräche über deutsche Derhästnisie führe. Bezüglich der Eintragung hgndele es sich um eine rein spontane Eingebung. Ihr Mann habe ihr auch nichts davon erzählt, obwohl'er wichtige An- gelcgenheiten mit chr bespräche. Frau Dr. Jaenicke schildert in der Aussage dann weiter, daß ihr Mann durch die politische Hetze gegen seinen Schwiegervater, den früheren Reichspräsidenten Eberl. sehr erregt gewesen sei, und daß er ihn sehr verehrte Den Plötz- l i ch e n Tod Eberls hätten sie all« als eine Folge der Hetz« im Magdeburger Prozeß und der Barmat-Angelegenhelt aufgesaßt. Dr. Jaenicke sei besorgt gewesen, daß nun auch durch den Ausgang der Reichspräsidentenwahl das politisch« Werk seines Schwieger. oaters vernichte! werde.— Der Vorsitzende fragte dann, ob er sich denken könne, wie Herr Pagano die Eintragung deuten würde, und ob er, Dr. Jaenicke, damit die Person Hindenburg» und sein« per- sönlichen Eigenschaften gemeint hob«.— Dr. Jaenicke: E» han- delte sich für mich nicht um Hindenburg als Persönlichkeit, fondern nur um ihn als Kandidaten der Rechtsparteien, also der staatsfeindlichen Parteien.— Bors.: Sie meinten damit also lediglich als Vertreter der rechtegsrichteten Partelen?— Dr. Ja«. nicke- Ja Deutlicher hätte ich mich ausgedrückt, wenn ich ge- schrieben hätte, daß nicht ein Marx oder ein Gothein. also ein Kandidat de« Rechtes gewähll worden sei.— Vors.: Sie empfinden also Marx als einen Vertreter des Rechts ge- d a n k e n s und Hindenburg als-inen Vertreter des Macht. gedankens?— Dies besaht Dr. Joenicke. Auf die wellere Frage des Vorsitzenden, ob ihm nicht zum Bewußtsein gekommen sei. daß die Emtrcmung auch anderen Gästen Pagonos, der doch als Hotelwirt mit Personen aller Richtungen gute Vekarmtsckast schließe, zu Augen kommen tonne, erklart Dr. Jaenicke:' Ich konnte nur annehmen, daß das Gesinnungsgenossen sein würden, denn Pagano vertrat ähnliche Anschauungen wie ich. 3m übrigen war er für mich nicht der Hotelwirt, sondern ein guter Freund. Die Eintragung erfolgte in letzter Minute und war nur «ine plötzliche Eingebung. .Zudcnstämmliag'— eine Beleidigung. Der sozialdemokratische Rechtsanwalt Dr. Steffen Kann ln Hanau, hatte in einem Prozeß vor dem Amtsgericht Bergen in seinem Plaidoyer den bekannten völkischen Agitator Rechtsanwalt Dr. Freisler-Kastel als Judenstämmling bezeichnet. Freister strengte deshalb«ine Be> leidiaungsklage an, in deren Verlauf Kann zu einer Geldstrafe von bO M. verurteilt wurde. Der Prozeß öer Pstsöamer. Was ist dos für ein Prozeß?! Eine Affäre der Potsdamer Klatschbasen, die Konversation aller besieren Feldwebelzirkel voni Hauptmann aufwärts, ein Kitzel für die verlogene Korrektheit der Soldatenstadt. Diese Gesichter im Zuschauerraum, voller Spannung, voller Initiative, wenn familiäre Intimitäten und die.damenfreund- schaftlichen' Neigungen Hefters, des Don Juans vom Typ der be- tränten Gartenlaube, blond und voll näsenlnder Milltärdisziplin, behandelt werden, teilnahmslos, wenn das Ohr des Gerichts sachlich- puristischer Aufklärung gehört. In den Blicken dieser besseren„Bürger der Residenz' steckt sehr viel Bosheit, fast ebensoviel wie kleinstädtisch« Beschränktheit. Sagen wir es doch osfen: Was hat das Berliner Volk mit dem Prozeß dieser schauspielernden Gräfin zu tun? Wenn der Gras Bothmer den Fall seiner Frau behandelt, erschüttert sich die Seele des Schmocks programmäßig und nach Zeilen aufs tiefste. Da sieht man Tränen, die geweint wurden, da sieht man Berg« von Leid, weil die lüsterne Brutalität des Spießers Abendunterhaltung haben will. Diese Gräfin mit ihren Luxustoiletten, ihren Autospritztouren. ihren angeblichen Liebhabern, was hat sie mit den dringenden Problemen der Zeit, mll der Tragik und der Rot unseres Lebens gemein?„Lululachen' hat kürzlich ein feuilletonistischer Berliner Gerichtskorrespondent die wenig sinnvollen Heiterkeitsausbrüch« der an- getlagten Dame hinter der Barriere genannt. Dies Lululachen jedoch — es muh gesagt werden— ist nicht einmal mehr auf dem Theater oon Interesie, geschweige denn im Leben. Diese naivst« aller Lulus ist, wie der Gatte betont«,„leichtlebige Rheinländerin', die im lächer- lichen Tand eines genußsüchtigen Leben» ertrank, aber selbst im Untergehen noch heitere Spaße macht. Vielleicht, wahrscheinlich so- gar. ist die immer bewegllche. sehr ungeniert« Clinor v. Bothmer sympathischer als zene verstaubten Gamaschenknöpfe mit den Krieg s- artikeln in den Gliedern und dem wohlgeordneten Schubfach im Ge- Hirn— die jetzt an Hand ihres lokalen Leibblättchens in die Töpfe des gräflichen Nachbarn hineinschnüffeln.— Sicherlich wirkt sie ange- nehmer als jene dicke,' borniert« Bürgersfrau, die, die Hand am schwerhörigen Ohr, die Sensation dieses Prozesses gierig in sich auf- saugt. Wellfreinde Spießbürger, mit den, ganzen uferlosen Selbst- bewußtsein begabt, die aus der Schwäch« tramphaft«in« Tugend macht— das sind unser« Potsdamer und ebenso ist.ihr Prozeh'. vie heutige verhanülung. Gegen MIO Uhr wird die Verhandlung gegen die Gräfin v. Bothmer wieder eröffnet. Als sie die Treppe zur Zelle hinaus- geführt wird, lacht die Angeklagte wieder über das ganze Gesicht und wundert sich darüber zu dem Justizwachtmeister hin, daß der Hof so voller Menschen ist..Interessiert man sich so für mich?" fragt die Gräfin kokett. Verärgert sitzt die Angeklagte im Saal, denn ihre Verteidiger haben für sie noch Hochwichtiges zu erledigen: die Gräfin kam gestern damit hervor, daß sie sich in gesegneten Um- ständen befinde. Beim Ausruf der Zeugen stört man, daß zum heutigen Termin der Polizei stob oon Potsdam, an der Spitze Kriminoloberkommisiar Steinhauer, vernommen werden. Die katholischen Geistlichen werden aus Dienstag nachmittag 3 Uhr geladen. Man rechnet damit, daß noch die ganze nächste Woche ver- Handell wird. Während der Verhandlung wird sin Schriftstück verlesen, in dem eine Frau Bergenthal mitteill, daß sich die Gräfin im Jahre 1924?? Mark und ein« goldene Uhr von ihr geliehen halle. Vis heut« wartet Frau B. vergebens auf Rückgabe. Präsident Ollo Rieck kennt die Familie Dochmer feit 1998. Der Verkehr. beiden Familien war sehr rege und intim. Kein Tag war ver- gangen, wo die Gräfin nicht in der Wohnung des Präsidenten war. In jeder Geselljchoft führte die Gräfin das Wort. Sie sei äußerst intelligent und nach Meinung des Präsidenten schr Hills- c bereit. Die Wohnungsaufsicht Hot er der Gräfin nicht übertragen, sondern er hat die Schlüssel seiner Wohnung nur für eventuelle Wassorbrüche usw. abgegeben. Die Aufwärterin Waduro sollte die Aufsicht führen. Am 28. August kehrte der Präsident zurück und fand nun seine ausgeplündert« Wohnung. Die Vermutung, daß die Gräsin gestohlen, erregt den Zeugen aufs höchste. Der Frau Wodura stellt der Präsident da» best« Zeugnis aus. Die Angeklagte nahm zu all diesen Vorgängen folgende Stellung dem Präsidenten gegenüber ein: Jnbezug aus die Teppiche meinte sie:.Opa, ich habe oon einem Optanten zwei Teppiche gekauft, die sahen beinahe aus wie Deine.' Aus Mitleid will die Gräfin noch mehr von dem Optanten gekauft haben. Am 39. September erschien die Gräfin bei Rieck mit dem katholischen Geistlichen. »Es lrilk jetzt eine Wendung ein." meinte damals Herr Pfarrer Warncke,„der Dieb wird wohl jetzt gefunden werden'. Darauf begaben sich olle zum HeiligenSee, wo das Silber gefunden wurde. Die Tochter des Präsi- denten hat dort das Paket entdeckt. Dabei fiel die Gräfin in Ohn- macht. Der Zeuge ist sofort zum Grasen ins Kronkenhaus gegangen und hat ihm den Fund gemeldet. Für alle im Gerichiesaal mutet das alle» wie«in Filmroman an. Manchmal, wenn der alt« 81jährige Präsident nicht mehr wester weiß, sieht er hilflos zu der Angeklagten hin, die ihm süß zulächelt. Der Präsident muß zugeben, daß er an der Gräfin doch manchmal stutzig geworden ist. Vorsitzender: Es ist in Ihrem Haufe schon einmal Geld weg- gekommen? Präsident: Die Gräfin und ihre Nicht« Ellinor waren zu der Zest bei uns. Es war heiß und ich hatte meine West« m>t Geld ins Eßzimmer gelegt. Da mußte die Gräfin plötzlich zur Toi- lett« und da rief die Ellinor:„Tante Mieze, was mach st Du da im Eßzimmer?' Die Gräfin rief damals lachend:..Ich war doch nicht im Eßzimmer.' Beim Abschied sagte die Gräfin: .Minder die Entreetür steht ja auf.' Nach der Abrechnung fehllen dann dem Präsidenten nach einigen Togen 199 M. Wo die hinge- kommen sind, weiß der Zeuge nicht.„Ich habe oft die Angeklagt« mit Geld ausgeholfen und Halle ich nichts, half die Gräfin m> r au»."' Die Angeklagte, immer mehr in die Enge getrieben, erzählt plötzlich dem Gericht von häufigen Ohnmachtsanfällen, die sie gehobt hätte, und die eine Folge einer von ihr ausgeführten Rettungsaktion sein sollen. Sie läßt sich das vom Präsidenten bestätigen. Vors.: Haben Sie die R e t t u n g s m e d a i l l e? A n g e k l.: Ja,«in Herr aus Berlin hat sie mir überreicht mit einem Diplom. Vors.: Ein Herr aus Berlin? Die Nachsorschungen sind jetzt darüber im Gange, es ist aber merkwürdig, daß das gerettete Kind gar nickt ermittelt worden ist. In geradezu gehässiger Weise ergeht sich Frau von Bothmer gegen die Potsdamer Polizei. Sie ist von der fixen Idee befallen, daß die Polizei sie vernichten will. Die gräfliche Angeklagte fürchtet offenbar nichts so sehr als den Augenblick, in welchem die Potsdamer Kriminalbeamten ver- Nammen werden sollen. Vors.: Herr Präsident, es sind der Polizei hier Vorwürfe gemacht worden, daß sie unrichtige Feststellungen ge- macht hätte. Wissen Sie etwas persönlich davon? Zeuae- Dar- auf muß ich mich erst besinnen. Zeuge Landrat Rieck. ein > Sohn de» Präsidenten, hat keinen Verdacht gegen die Angeklagte. Einschränkung öer Räumungsklagen: Vor einiger Zest berichteten wir über dte stark« Vermehrung der Räumungsklagen und Räumungsurtelle in Groß-Verstn. Dos Amtsgericht Lichtenberg arbeitet in dieser Hinsicht nach einer sozialeren Auffassung. Sein Geltungsbereich liegt in einer sehr dicht bevölkerten, hauptsächlich von Lrbestern bewohnten Gegend. Auch hier werden sehr zahlreiche Räumungsklagen ange- strengt, aber das Amtsgericht prüft jeden Fall äußerst genau und ist immer mehr geneigt, durch Ablehnung des Räumungsvsrlangens die Räumungsklagen einzuschränken, jedenfalls den vielen söge- nannten Belästigungsklagen nur stattzugeben, wenn eine Kette sehr erheblicher Ungehörigteiten des Mieters feststellbar fft. Im völligem Gegensatz hierzu steht die Rechtssprechung des Amtsgericht Neukölln. Dieses sieht«in« Belästigung schon als vorliegend an, wenn Mieter in den: Glauben, es könne gegen sie nichts unternommen werden, die lausende Monatsmiete frühestens vier Wochen nach den Fälligksststags zahlen. Aus dein gesetzlichen Begriff der Mietschuld wird dann also der Begriff der Belästigung wegen Zurückhaltens der Miete konstruiert, wodurch schon viel« Mieter des Amtegerichtsbezirkes Neukölln ihre Wohnung verloren haben._ Die neue Berliner EiSarena. Der Berliner Schlittschuhklub und die Berliner S p o r t p a l a st- A.> G. veronstolteten gestern eine Besichtigung des nahezu opllendeten Umbaues im Sportpalast, der in kurzer Zest seiner neuen Bestimmung als Eis-Arena, Rad- rennbahn. Boxring und Tanzsaol übergeben werde» wird. Der Umbau der großen Halle, der nach dem Entwurf Oskar Kausfmanns vollzogen wird, hat bereits derartige Fortschritt« gemacht, daß schon der Rahmen erkennbar ist, in dem sich die großen Sportereignisie des kommenden Winters abspielen werden. Vom Erdgeschoß aus führen an den Sesten vier geschwungene Treypen zum ersten Rang, der durch Einbau zahlreicher neuer Logenpläge völlig umgestallet ist. Der ganze Riesenraum hat eine neu« warni« Farbenausstattung erhasten, die Decke ist schattiert vom zarten Gelb bis zum ttefften Orange und Rot. Die Brüstungen haben stilisierten Schmuck durch Sportfiguren in Reliefform erhasten. Das Kasino im ersten Stock soll zu einem intimen Festsaal ausgebaut werden, im Zwischenstock werden für die Eislaufvereinigungen Klubräume ge- schaffen. Der Einbau de? Fußbodenbelags über der Eisfläch« für die Veranstaltung von Boxkämpfen, Sechstagerennen usw. kann im Zeitraum von 18 Stunden vesp. mst Ausstellung der Radrennbahn innerhalb oon drei Tagen erfolgen. dieser Abend, daß die Pflege de» Volkstanzes wie auch fies Volk?« liebes eine notwendige Kiilturaukgah« der heranwachsenden Jugend ist. Wie Kirchensteuern eingezogen werde«. Di« Kirche ist bekanntlich in der Wahl ihrer Mittel noch me- mals prüde gewesen. Dieser Tag« ließ der Gemeindekirchenrat von Stralau an sämuiche Hausreiniger des Ortes quartgroß« Zettel mit der Weisung verteilen, dieie Zettel in den Hau-kluren anzu- schlagen. Auf den Zetteln stand, wann und wo die Kirchensteüei: zu zahlen ist. Die Hausbesitzer oder Verwalter waren gar nicht gefragt worden, ab sie zu solchem Zettelankleben ihre Zustimmung geben. Die Zettel wurden daher größtenteils nickt anaeklebt, dr Hausflure kein Ort für kirchliche Anzeigen find. Wenn solches he- queme und bill'ge Rezept, Steuern und Gebühren eimutrsiben, auch andere Organs befolgen wollten, würden die Hausflur« bald wie Litfaßsäulen aussehen. Die Kirche soll lieber daraus achten. daß nicht immer wieder Personen, die längst au» der Landeskirche ausgeschieden sind, zu den Kirchensteuern herangezogen werden. Volkstanzfest. Immer weiter« Kreise zieht heute die Jugendbewegung, die im Grunde nicht» weiter ist als«in gesunder Protest gegen die Me- chanisterung und Verflachung des. gegenwärtigen Lebens. Man will zurück zu den Quellen de» Lebens, zur Natur, man sucht in Lied und Tanz Anknüpfungen an vergangene Zellen, die naturhaster und erdverbundener waren als die Gegenwart. Und diese Bewegung ist aus einem großen Gemeinschaftsgefühl erwachsen, nur dadurch, daß diese jungen Menschen wissen, daß sie in ihrem Denken und Fühlen eine Gemeinschaft bilden, gelingen ihnen die allen Volkstänze, er« wachen die asten Bolkslieoer bei ihnen zu neuem Leben. Auch .. Tänze nicht den jungen.., lich aufgepfropst worden sind, sondern daß sie ihr Erlebnis bilden. daß sie einen echten Ausdruck ihres Lebensgefühls bedeuten. Für einen Außenstehenden wirkt es zuerst merkwürdig, wenn hier mit Begeisterung Polka und Rheinländer getanzt werden, aber allmäh- lich fühlt man. daß hier überhaupt ein anderer Lebensrhythmuz schlägt, daß hier ein starker Wille lebt, die Gegenwart zu verein- jachen und von der Gefühlsseite zu oertiesen. Wiederum zeigte Ter Preisaushang für Brot. Die Polizeiverordnung vom 4. November 1025 über den Aushang der Preise und des Gewichts des zum Verkauf gestellten ortsüblichen Roggsngraubrotes, Weißbrotes und der Schrippen tritt am Montag, den 9. November, mit dem Erscheinen der Sonderausgabe des Änitsbkattes der Regierung Potsdam und der Stadt Berlin in Kraft. Die Kriegsopfer zu den..Revlenerhähuagea'. Der Reichsbund der Kriegsbeschädigten, Kriegsteilnehmer und Kriegshinterbliebensn. Ortsgruppe Neukölln. Geschäftsstelle Donaustraße Nr. 128, Abteilung 14, veranstaltete kürzlich eine öff-ntlich« Versammlung aller Kriexiopfer. in welcher M e i n h o l d- Zwickau über das Thema: „Wir wollen nicht vergessen werden' referierte. Dos Referat wurde mst großer Zustimmung aufgenommen und folgende Resolution an, genomiu- n:„Die Kriegsopfer des 14. Verwaltungsbezirkes stellen mit Entrüstung fest, daß durch die 3. Novelle ziun NVÄ. die Leicht« beschädigten und erwerbsfähigen Hinterbiedenen nur auf Kosten ihrer schwerbeschädigten Kameraden und erwerbsunfähigen Hinter- bliebenen ein« gering« Rentenerhöhnng erhalten haben und die wichtigsten Forderungen der Organisation unberücksichtigt geblieben sind. Sle fordern vom Reichstag, daß er bei seinem Zusan.men- tritt sofort die Verhandlungen wieder aufnimmt und die Anträge der Organisation erfüllt.' Lou-llnsall. Aus einem Neubau in der Zimmerstraße stützk« der dort beschäftigte 24 Jahr« alt« Schlosier Paul H a a ck, Schön- hauser Allee 194 wohnhaft, aus der ersten Etage fn den Fahr- stuhlschacht hinab. Dem Verunglückten wurde aus der nahe- liegenden Rettungsstelle in der Kommandantenstraßs erste Hilf« zu- teil, wo eine Hüftverletzung und starte Hautabjchürsungsn fsstgesielst wurden. Don hier tonnte H. in sein« Wohnung transportievt werden. Zprechchor für Proleiattsche?eierst>n>dev. Die Ordner der Proletoriichen Feierstunden Kesten sich Sonntag früh um S>/, Uhr im©rohen Sckäu- spielhau«. Um pünktliches Erscheinen wird gebeten. ES findet«ine Do>. besprechung statt.__ Gesckästlicbe Mitteilungen. Sa» oUbttamtf« iUafhea* au* Sirle», Moabit. Zumftr.«, beginnt am Montag, den 9. Rovember, wie alljährlich, mit dem WeidnoKtoooroerlaus. De» bentigen GeldoerbSItnissln Rechnung tränend, find oan» besonder» vorteil» baft« Llialitätsanoedo'e in 14 Abteilungen bereitqeiiellt, die schau jegt»ine oitnitig« Selegenbeit«um Sinkauf vraltischer ffesiaeschenke bieten. Moni--- Dienetag unb Mittwoch erhält ieder ttunb« beim Einkauf von Ib M. ah e vornehm yeholten«» Majolika-Tablett mit Nickelraird und-griff«rati». Gewerkschaftsbewegung Für eine Bibliothek der Aufklärung. Zwei Broschüren des ADGB. us Problem des Aufstiegs der Arbeiterklasse in Stellung der herrschenden Kaffe im Staate und, darauf jolgend, der Umwandlung der kapitalistischen in eine sozia listische Wirtschaft ist wesentlich ein geistiges Pro. blem. Die Zahl allein macht nicht macht. Wäre dem so, dann mürde der Kapitalismus längst der Bergangenheit angehören. Es ist die geistige Hörigkeit, in der sich die Mehrheit der Handund Kopfarbeiter gegenüber dem Kapitalismus befindet, auf der dessen politische Macht begründet ist. Die Macht werden wir erobern und behaupten nur in dem Maße, in dem es uns gelingt, die Massen aus diefer geistigen hörigkeit zu be freien. Borwärts. Von internen" Bertreterversammlungen des Arbeitgeberverbandes haben wir nicht gesprochen, sondern von ciner Berjammlung, über die in der Schlesischen Zeitung" ein Be= richt veröffentlicht wurde. 5. gab in seiner ersten Berichti. gung zu, beim ersten Teil der Tagung des Arbeitgeberverbandes anwesend gewesen zu sein. Das genügt. Zu seiner„ Stellungnahme" im Kuratorium, d. h. hinter verschlossenen Türen, werden wir uns äußern, wenn die„ Rundschau" sie ver öffentlicht. Bisher hat sie das nicht getan. Wir stellen also feft: Herr Hülser ist Bezirksleiter des christlichen Bentralverbandes der Landarbeiter und nimmt an einer agung der landwirtschaftlichen Arbeitgeber teil. In dieser Tagung werden in Abwesenheit des Hülser gefeßliche Ausnahmebestimmungen gegen die Landarbeiter verlangt. Gegen dieses Verlangen der deutschnationalen Agrarier protestiert öffentlich meder hülser noch sonst einer der deutschnationalen Führer des Zentralverbandes. Als deutschnationale Reichstagsabgeordnete werden diese einzigartigen Arbeitervertreter" jedoch wissen, was sie den Wünschen ihrer Parteigenossen schuldig sind. Lohnbewegung der Herrenmaßschneiderei. In einer gut besuchten Funktionärversammlung der Herrenmaßschneider am Freitag berichtete a ust mann vom Bekleidungsorbeiterverband über die Verhandlungen in Hannover und im Reichsarbeitsministerium. unbedingt erforderlich, läßt sich wohl wenig daran ändern. Andernfalls dürften die Aerzte die Sympathie aller sozial fortschrittlich gerichteten Kreise finden Achtung, Zimmerer! Bezirksversammlungen. Am Sonntag vormittag 91 Uhr tagen folgende Bezirke in den bekannten Lokalen: Bezirk 2: War fajauer Str. 17; Bezirk 13: Bellermann-, Ede Eulerstraße; Bezirk 15: Gleesche, Kopenhagener Str. 74. Am Montag abend 7 Uhr tagen folgende Bezirke in den bekannten Lokalen: Bezirk 5: Laufizer Blaz 8; Bezirk 20: Neukölln, Eri, Ede Donaustraße; Bezirk 34: Pietsch, Adlershof, Gedanstr. 25/26. Alle Funk tionäre des Berbandes haben die Pflicht, auf allen Arbeitsstellen regste Bropaganda für die kommenden Bezirksversammlungen zu betreiben. Zentralverband der Zimmerer, Rahlstelle Berlin und Umgegend. Theater der Woche. Bom 8. November bis 16. November 1925. Bollsbühne: 8., 13., 16. Judith. 9., 11., 12., 14., 15. Der Raufmann von Benedig. 10. Schlud und Sau. Opethaus: 10. Schapgräber. 11. Figaros Sochzeit. 12. Rigeunerbaron. 13. Madame Butterfin. 14. Palestrina. 15. Aftifanerin. 16. Traviata. Azoll- Oper: 10. Mona Lisa. 11. Margarete. 12. Mignon. 13. Luftige Weiber von Windsor. 14. Barbier von Sevilla. Klein- 3das Blumen. 15. Tosca. 16. Fliegender Solländer. Echauspielhaus: Wallensteins Tod. 11., 14. Veer Gynt. 12. Napoleon. 13., 15. Sannibal. 16. Große Ratharina. Der Bär. Schiller- Theater: 10. Maria Stuart. 11. Dr. Alaus. 12., 14. Siebelei. Beihnachtseinfäufe. 13. Bossenabend. 15. Rheinische Rebellen. 16. Charlens Tante. Deutices Theater: Der Kreide freis. Rammerspiele: 9. Das Apoftelſpiel. 10., 13., 15. Man tann nie wiffen. 11., 12., 14., 16. Gechs Verfonen fuchen einen Autor. Die Komödie: Gesellschaft. Leffing- Theater: Bis 12. Die grüne Flöte. 13. bis 15. Gier unter Ulmen. Theater in der Röniggräger Straße: 8., 9., 12., 15. Don Juan und Fauft. 10., 11., 13., 14. Wie es Euch gefällt. 16. Rurüd zu Methusalem.. Stäbt. Oper Charlottenburg: 8., 11. Don Pasquale. 9. Die Fledermaus. 10., 13. Sphigenia in Aulis. 12. Ein Mastenball. 14. Tannhäuser. 15. Die Baltitre. 16. Aiba. 17. Rigoletto. Großes Schauspielhaus: Für Dic. Theater des Westens: Der Orlow. Renaiffance- Theater: Das Leben, das id Dir gab. Die Tribüne: 8urid zu Methusalem. Deutsches Künstler- Theater: Die Terefina.- Romödienhaus: Ropf oder Schrift. Berliner Theater: Antonia. Neues Theater am Roo: On Bolln. Trianon- Theater: Hochzeitstage. Resibenz- Theater: Circes Beirat. Rentral- Theater: Trieschübel. Romische Oper: Theater in der Rommandantenstraße: Anneliefe von Dessau. Bon A bis 8. Bustspielhaus: Botasch und Berlmutter. Metropol Theater: No no Nanette! Theater am Schiffbauerdamm: Die jüdische Witwe. Theater am Rallendorfplak: Der lehte Ruß. Theater am Kurfürstendamm: Wenn ich wollte Kleines Theater: Die Alarmglode. Wallner- Theater: Fäden. Theater in der Klosterstraße: Der Cheftreit. Walhalla Theater: Internationale Ringkampffonkurrens. Rofe Theater: Bummelstudenten. Rafino Theater: Die Frau im gefährlichen Alter. Herrnfeld Theater: Stall Leon mit 9. Schloßpark- Theater Steglig: Rolpor tage. Theater in der Lükowstraße: Frauen hinter Gittern. Theater im Admiralspalast: Achtung, Welle 505! Wintergarten und Scala: Internatio nales Barieté. Das wird einem so recht eindringlich bei der Lektüre der zwei jüngsten Propagandabroschüren des ADGB.( ,, Das Märchen vom Preisabbau", 24 Seiten, Preis 65 Pf.; Die, Wirtschaft und die Gewerkschaften", 68 Seiten, Preis 1,20 m.) vor die Augen gestellt. Die eine Broschüre zeigt, wie die Junker und die Schwerindustriellen fieben Jahre nach dem 9. November 1918 in der Regierung fizen und gemeinsam die Arbeiterklasse durch Zölle und Steuern schröpfen. Nachdem die zentralen freien Verhandlungen in Hannover Die zweite Broschüre enthält die Wiedergabe der Referate von wegen der Ablehnung jeder Lohnerhöhung durch die Unternehmer gescheitert waren, wurde im Reichsarbeitsministerium ein von Hermberg und Jäckel auf dem Breslauer Gewerkschafts- allen Bertragsparteien gemeinschaftlich vereinbartes. Schieds. fongreß und der wesentlichsten Diskussionsreden zu diesen Referaten. gericht eingesetzt. Es gelang aber trog stundenlanger Bemühungen Die beiden Broschüren ergänzen einander. Sie müßten in nicht, einen Vergleich zustande zu bringen. Darauf fällte daz hunderttausenden Exemplaren verbreitet werden. Das verbietet Schiedsgericht einen Schiedsspruch, der für die ersten fünf aber leider ihr immerhin auch für Arbeiterbörsen erschwing- Städtegruppen, darunter Berlin, eine Erhöhung der Löhne um licher Thalia- Theater: Annemarie. Breis. Solche furzgefaßte Schriften, besonders wie die 5 Pfennig, für die restlichen fünf Gruppen eine Zulage von vier Pfennig vorsieht. Die Erklärungsfrist lief bis zum 3. November. erftgenannte, müßten häufiger verbreitet werden. Es wäre zu erwägen, ob man nicht den Gewerkschaftsmitgliedern Trozdem die Lohnerhöhung nicht im Eintlang steht mit der nachweislichen Teuerung, ist von den Arbeitern der Spruch ange= und auch den Barteimitgliedern in etwa vierteliährlichen Abnommen worden. Die Unternehmer haben ihn aber abge. ständen solche Broschüren to stenlos liefern fönnte. Man müßte lehnt, worauf von den Arbeiterorganisationen die Verbind. es jedenfalls tun. Man müßte Broschüren liefern, die anschaulich Itchfeitserflärung beantragt worden ist. Faustmann und leichtfaklich aftuelle Fragen eingehender behandeln, als es in der empfahl den Funktionären, feine bindenden Beschlüsse zu faffen, ehe Zeitung mörlich ist. Broschüren die Stoff zum Nachdenken nicht die Entscheidung des Reichsarbeitsministeriums vorliegt. und zur Aufklärung liefern. Broschüren, die hineinführen Die Funktionäre schlossen sich dieser Auffassung an. Am 23 No und hineinleuchten in die Probleme der Wirtschaft und der Politik Dember wird sich eine Branchenversammlung mit der Angelegenheit und die zusammen eine Bibliothet der Aufklärung näher befassen. bilden. Ausnahmegefehe gegen die Landarbeiter. Ein deutschnationaler Candarbeitervertreter". Der deutschnationale Reichstagsabgeordnete Hülser und Bezrefsleiter des chriftlichen Zentralverbandes der Landarbeiter, schickt uns eine zweite Berichtigung. Sie hat folgenden Wortlaut: 1. Sofort na chetanntwerden der falschen Auslegung des Berichts in der Schlesischen Zeitung" über meine angebliche Teilnahme an der Arbeitgeberversammlung, in welcher die Frage der Kontraftbrühe der Handarbeiter behandelt wurde, habe ich der„ Schlesischen Zeitung" eine Richtigstellung darüber zugesandt, bie von ihr sofort wörtlich abgedruckt worden ist. 2. Das Organ des Zentralverbandes der Landarbeiter,„ Die Rundschau", Berlin, hat in ihrer Nummer 22 ebenfalls eine ausfuhrliche Richtigstellung gebracht. 3. Wie ich nochmals feststellen muß, habe ich an einer Bertreterversammlung der landwirtschaftlichen Arbeitgeberverbände Schlesiens, in der die Frage der Kontrafibrüche der Landarbeiter behandelt worden ist, nicht eine Sefunde teilgenommen, wie ich überhaupt noch niemals an einer solchen internen Bertreterversammlung des Arbeitgeberverbondes teilgenommen habe. 4. Die deutsch nationalen Führer des Zentralrerbandes der Landarbeiter haben mehrfach, wie aus meiner Be richtigung im Vorwärts" vom 21. Oftober d. J. auch hervorgeht, der Unterzeichnete z. B. in der Kuratoriumssigung des 2- heitsnachweises der Landwirtschaftskammer am 22. September di, es Jahres, gegen die Bestrebungen von deutschnationalen und nichtdeutschnationalen Arbeitgebern auf gesehliche Ausnahmebestimmungen gegen die Landarbeiter Stellung genommen." Herr Hülfer, der das Kunststüd fertigbringt, deutschnationaler Reichstagsabgeordneter zu sein und zugleich den Landarbeitern vor. zureden, daß er auch die Interessen der Landarbeiter vertreten fönne, möchte gern den Lesern des Vorwärts" das nicht minder schwierige Kunststüd vormachen, wie man aus weiß schwarz und aus schwarz weiß macht. Sehen wir uns also diese Schwarz- WeißKunst näher an. Sofort nach Bekanntwerden" hat 5. eine Berichti gung eingeschickt. Bielleicht ist S. so freundlich, in einer britten Berichtigung" mitzuteilen, wann dieses„ Sofort" fich begab. Nämlich nach dem wir diesen Arbeitervertreter" deutschnationaler Agrarierintereffen angeprangert hatten. So it es auch mit der Berichtigung in der Rundichau". Die erschien am 25. Oftober, rier Tage nach der" Berichtigung" im Generalversammlung der Maschinisten und Heizer. In der Generalversammlung des Verbandes der Maschinisten und Heizer am Freitag im ,, Gewerkschaftshaus" gab Reinefeld den Geschäftsbericht für das 3. Quartal, Im dritten Vierteljahr wurden infolge der starf gestiegenen Bebenshaltungskosten mehr Lohnbewegungen geführt als in den Dorigen Bierteljahren. Insgesamt wurde im Durchschnitt eine Erhöhung des Lohnes um 8 Proz. erreicht. Es ist somit gelungen, die Löhne ungefähr im gleichen Maße zu erhöhen, wie der Reichsinder arbeiterstreit, der aber von den an ihm beteiligten Maschigestiegen ist Die schwerste eller Bewegungen war der Bau. nisten und Heizern mustergültig geführt worden ist. In dieser Gruppe hat es nicht einen einzigen Streitbrecher gegeben. Die Bildungsmöglichkeiten müssen bei den Mitgliedern mehr Beachtung finden. So konnten in den Sommermonaten teine Heizerturse abgehalten werden, weil die Beteiligung eine zu schwache mar. Jetzt soll ein Rurfus für Maschinisten in der Urania" über Elektrotechnit stattfinden, für den nur 4 Mart zu entrichten sind, zu dem sich bis jetzt aber auch erst wenige gemeldet haben. Das gleiche trifft zu für den unentgeltlichen gewerkschaftlichen Bildungsturfus. " In der Mitgliederbemegung ist eine starte 3u nahme zu verzeichnen. Es find 10 000 marfen mehr umgefekt worden als im vergangenen Quartal, was einer Zunahme von ungefähr 800 Mitgliedern entspricht. Aus dem Kaffenbericht, den Rudstuhl gab, ist zu entBerbandes gut ist. Die Hauptkasse hatte bei einer Einnahme von nehmen, daß trop des Bauarbeitertampfes die finanzielle Lage des ihren Bestand, der am Schluß des zweiten Quartals 8001,18 m. be26 857,93 m. rund 21 456,56 m. Ausgaben. Die Lofaltaffe fonnte trug, auf 12 951,19 m. erhöhen. zuversichtlichen Hoffnung, daß der Aufstieg des Verbandes im laufen. Nach einer furzen Diskussion schloß die Versammlung in der den Quartal im gleichen Maße meiter schreiten werde. Aerzte gegen ihren Abbau. Wien, 6. November.( Eigener Drahtbericht.) Das Ministerium für Sozialverwaltung hat befchloffen, nachdem bereits vor zwei Jahren fast ein Drittel der Abteilungsärzte in den Spitälern abgebaut worden ist, jezt ein meiteres Drittel abzubauen. Die Organisation dieser Aerzte. hat beschlossen, als Protest dagegen in den nächsten Tagen in den Bundesspitälern in einen mehr stündigen Proteststreit einzutreten, dem dann unter Umständen ein wirtlicher Streif folgen foll Ist die angekündigte Maßnahme aus Mangel an Geldmitteln . 1 1 Rachmittagsvorstellungen. Bollsbühne: 8. Schlud und Jav. 15. Datterich. Schauspielhaus: 14., 15. Rwerg Nafe. Schiller- Theater: 11. Journalifien. 14. Rumpelstilachen. Leffing- Theater: 8. Der Biberpelz. 15. Wie es Euch gefällt. Großes Schauspielbaus: 8., 15. Für Dich. 14. Funk Theater bes Westens: 8., 11. Peterchens beinzelmanns Beihnachtsmarkt. Mondfahrt. Refibenz- Theater: 8., 11., 14. Echneewittchen. Rentral- Theater: 8. Bunburn. Theater in der Rommandantenstraße: 8., 15. Anneliese von Deffau. 11., 14. Rotkäppchen. Metropol- Theater: 8. Ihre Hoheit die Tänzerin. Thalia Theater: 8., 15. Mein Leopold. 11., 14. Aschenbrödel. Theater am Rollendorfplag: 11., 14., 15. Dornröschen.. Rose- Theater: 14. Fran Solle. 15. Hans Hudebein. Schloßpark- Theater Steglik: 14., 15. Die fieben Raben. 1 Theater in der Bügowstraße: 8. Schneewittchen und die fieben Rwerge. 11. Mag und Morik. Theater im Admiralspalaft: 8., 15. Achtung. Welle 505! 11., 14. Alle Buppen banzen. Berantwortlich für Bolitit: Ernst Reuter: Wirtschaft: Artur Saternus: Gewerkschaftsbewegung: Friebe. Eglorn; Feuilleton: R. 8. Döscher; Lokales unb Sonstiges: Frik Karstäbt; Anzeigen: Th. Glode; sämtlich in Berlin. Berlag: Borwärts- Berlag G. m. b. S., Berlin. Drud: Borwärts- Buchdruderel und Berlaasanstalt Baul Ginger u. Co.. Berlin GB. 68. Lindenstraße 3. 2666666# 99996 Gustav Klemke und feiner Chefrau zu ihrer am 7. November stattfindenden Gilber hochzeit die herzlichsten Glüdwünsche. Die Parteigenossen der 52. Abt. 999999986666666 Berlin erliner ElektrikerGenossenschaft angeschl. dem Verb. sozigler Baubetriebe Berlin N24, Elsässer Str.86-88 Fernsprecher: Norden 1198 Filiale Westen, Wilmersdorf Landhausstr. 4 Tel. Pfalzburg 9831 • Herstellung elektr. Licht-, Kraftund Signalanlagen Verkauf aller elektrischer Bedarfsartikel Ausführung sämtl. Reparaturen Preiswerte, gediegene Arbeit 00000000 Korbmöbel eigener Herstellung in gediegenen Ausführungen kaufen Sie bei gr. Auswahl vorteilhaft u. bi lig im Beleuchtungskörper. Zentraic Яektribensing Inh. Gustav Bensing. Charlottenburg. Berliner Str. 86-87 Mähe Wilhelmplay Auf Kred t one Aufschl Wochenrate 2 M. an Auf Bar- u. Anzahlung. 10% Rabatt. Zag- Krone, mig 60 cm Seibenfchtem M.40.Alle Arten in allen Preislagen. Spetis immertronen, Herrenzimmertronen, Ante peln, Decenbeleuchtungen, Nachttisch. Klavierlampen ufm., in großer Auswahl bis zum vornehmften Genre am Sager) Spezial- Korbmöbelhaus Elektr. 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