Abendausgabe Nr. 530 42. Jahrgang Ausgabe B Nr. 263 Bezugsbedingungen und Anzeigenpreise Find in der Morgenausgabe angegeben Bedattion: SW. 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Dönhoff 292-297 Tel.- Adresse: Sozialdemokrat Berlin Vorwärts Berliner Dolksblatt 10 Pfennig Montag 9. November 1925 Verlag und Anzeigenabteilung: Geschäftszeit 9-5 Uhr Berleger: Vorwärts- Berlag Gmbh. Berlin S. 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Dönhoff 292-29% Zentralorgan der Sozialdemokratifchen Partei Deutschlands Hochverrat gegen die Reichseinheit. Rupprecht von Wittelsbach will die Staatsmacht in Bayern übernehmen. Anfrage der Hochverräter bei den Behörden. Es war die große Aufgabe der deutschen Revolution, in den Birrnissen der Nachkriegszeit die Einheit des Reiches zu erhalten. Es gehört zu den größten Verdiensten der Parteien, die damals die Führung des Reiches übernommen haben, daß sie diese große nationale Aufgabe durchgeführt haben. Die Reichseinheit ist erhalten worden, von vornherein im Ringen gegen die partikularistischen Tendenzen, die von Bayern aus während der Verfassungsarbeit immer wieder fühlbar wurden. Sie ist erhalten worden troy der mannigfachen Versuche, die bayerische Regierungen nach dem Kapp- Butsch unternommen haben, die Beziehungen Bayerns zum Reiche aufzulockern und Bayern unter den Ländern eine besondere Rechtsstellung zu geben. Hinter diesen Versuchen standen nicht nur der bayerische Partitularismus, sondern auch die Träger des monarchistischen Gedankens. Der Butsch vom November 1923 war die erste offene revolutionäre Auflehnung gegen die Reichsverfaffung und gegen die Republik. Die Niederlage der PutDie Niederlage der Putschisten hat den Uebermut der bayerischen Partitularisten zunächst etwas gedämpft. Ihre Arbeit im geheimen aber ist fortgesetzt worden. Bor wenigen Tagen veröffentlichten die Münchener Post" und die Frankfurter Zeitung" Mitteilungen über neue putschistische Pläne der bayerischen Partitularisten und Königsmacher. Mit großer Deutlichkeit wurde auf die Umgebung Rupprechts von Bayern und auf ihn selbst hingewiesen. Diese Gerüchte haben in der offiziöfen Bresse der bayerischen Regierung Dementis hervorgerufen, die fich allerdings meit ftärter gegen die Pläne der Königs macher im geheimen richteten, als gegen die Nachrichten selbst. Die Pläne der Königsmacher wurden geradezu als findisch hingestellt. Die monarchistische Frage, so mar in den Organen der Regierung zu lesen, die sich lange genug selbst als Träger des monarchistischen Gedankens bezeichnet hat, stehe für Iange Zeit nicht auf der Tagesordnung. Die Frankfurter 3eitung" veröffentlicht heute genaue Mitteilungen über diese neuen Putschpläne der bayerischen Königsmacher. Ihre Organisationen, der Heimat- und Königsbund" des Freiherrn v. Aretin und der Bund Bayerntreue" des Generals Moehl, einst Kommandeur der bayerischen Reichswehr und jetzt Reichspensionär, hoffen mit dem Rufe" Der König kommt die bayerischen Monarchisten in Bewegung zu bringen und die republikanische Verfassung zu stürzen. Es handelt sich nicht mehr nur um das Treiben einzelner Bünde und Organisationen politischer Extremisten, sondern es handelt sich um einen Plan, der im Einvernehmen mit dem bayerischen Prätendenten Rupp recht von Wittelsbach durchgeführt werden soll. Die Beteiligung Rupprechts an diesen Projekten steht diesmal ganz außer Zweifel. Mit seinem Wissen haben Personen seiner nächsten Umgebung bei den maßgebenden Spizen der bayerischen Behörden vorgesprochen. Sie haben die Frage gestellt, wie sich die Behördenverhalten würden, wenn Rupprecht in nächster Zeit als König von Bayern die Macht übernehmen würde. Sie haben in diesem Gespräch offen zu erkennen gegeben, daß der Sieg des Königtums in Bayern zugleich die Biederherstellung der banerischen Souveränität außerhalb des Reichsverbandes im Militärwesen, im Finanzwesen und im Verkehrswesen bedeuten würde. Dieses Borgehen Rupprechts v. Wittelsbach und seiner nächsten Umgebung ist hoch verrat, Hochverrat gegen die republikanische Berfassung, Hochverrat gegen die Einheit des Reiches. Der Artikel 17 der Reichsverfassung schreibt ausdrücklich vor, daß jedes Land eine freistaatliche Verfassung haben muß. Die Webernahme der Macht in Bayern durch Rupprecht ist nur möglich auf dem Wege eines revolutio nären Umsturzes der Reichsverfassung. Sie würde zugleich die Loslösung vom Reich, die Spren gung der Reichseinheit bedeuten. Sie wäre ein schwerer Schlag gegen die nationale Einheit, die die Weimarer Berfaffung in den schweren Wirren der Nachkriegszeit er halten hat. Die Verantwortung für dies unverantwortlich putschi stische Treiben fällt nicht nur auf die Moehl und Soden und Aretin. Sie fällt mit poller Schwere auf Rupprechtv. Wittelsbach. Er hat das Treiben dieser Butschisten unterstügt, er hat sich ,, Se. Majestät der König" nennen lassen. Er hat mit der Geste und der angemaßten Würde des Königs nicht nur die Fronten der Putschiften, sondern bis zu dem jüngsten Verbot auch die Fronten der Reichswehrtruppen abgeschritten. Er hat bewußt die Borbereitung des revolutionären Umsturzes unterstützt. Aber jetzt handelt es sich nicht mehr um Agitation, fetzt handelt es sich um vorbereitende hochner räterische Schritte. Das Datum des 9. November hat die Herrschaften in Aufregung versetzt. Es gelüftet ihnen | nach einer Wiederholung des Putsches gegen Republik und| verfassungswidrigen Vorgehens ist danach aussichtslos und wäre Reichseinheit. Sie halten ihre Stunde für nahe. Die bayerischen Behörden, an die sich die Beauftragten des Prätendenten gewandt haben, haben deren Pläne schroff abgelehnt und auf ihre Pflicht verwiesen, einen revolutionären Umfturz gegen die Verfassung zu betämpfen. Trotz des guten Willens Rupprechts und seiner Getreuen zum Putsch scheint eine afute Gefahr im Augenblid nicht vorzuliegen. Die in Bayern regierende Bayerische Volkspartei hat lange genug den monarchistischen Plänen Vorschub geleistet aber dieser offene Borstoß erschreckt sie. Auch sie trägt Verantwortung daran, daß die Partitularisten und Monarchisten in Bayern heute wieder an einen Putsch denken können. Ihre zweideutige Haltung zu Republit und Reichsverfaffung hat den Nähr boden für die bayerischen Monarchisten abgegeben. Jetzt muß sie sich entscheiden, ob sie den Treibereien ein für allemal ein Ende machen will. Sind die Butschpläne der bayerischen Monarchisten auch feine atute Gefahr, so bildet ihr Treiben doch eine dauernde Bedrohung der Reichseinheit und damit der wirtschaftlichen Konsolidierung, deren Deutschland dringend bedarf. Diesem Treiben muß von Reichs wegen ein Ende gesetzt werden. In aller Form erheben wir die Anklage des verfuchten Hochperrats an Reichsverfassung und Reichsein heit gegen Rupprecht D. Wittelsbach, sein sogenann tes Rabinett und gegen die Führer der monarchistischen putschistischen Organisationen in Bayern. Wir fordern, daß die zuständigen Reichsbehörden gegen diese antinationalen Elemente mit der größten Energie einschreiten. Ein jeder Bersuch, von Bayern aus die Reichseinheit zu zerstören und der monarchistischen Restauration in Deutschland die Wege zu öffnen, muß auf den härtesten Widerstand aller Republikaner stoßen. * Die Frankfurter Zeitung" erhält von besonderer bayerischer Seite folgende Information: M Die beiden hervorragendsten Berater des Kronprinzen Rupprecht, sein Rabinettschef Graf von Soden Frauenhofen, und der ehemalige Kommandeur der bayerischen Reichswehrdivision, General Möhl, haben vor etwa zwei Wochen einigen Spigen der Behörden, und zwar der maßgebenden Behörden, Besuche gemacht, bei denen sie nach furzer Borunterhaltung die Frage stellten: wie man sich verhalten werde, wenn Kronprinz Rupprecht in naher Zeit fich veranlaßt sehe, die Gewalt zu übernehmen? Die Frage wurde damit motiviert, daß die Verhältnisse in Bayern feit der letzten Erschütterung im November 1923 unverkennba: sich gefestigt und beruhigt haben. Es sei nicht zu übersehen, daß das Bolt in allen seinen persönlichen Sorgen Gefahr laufe, mit dem Bestehenden sich gleichmütig abzufinden, und daß so der lebendige Bille zur Wiederherstellung der alten Staatsform nicht wachse, sondern beinahe fichtbar von Tag zu Tag an Spannkraft verliere. Es sei 3eit zu handeln. Zuerst habe man nun unter der militärischen Führung des Generals Möhl die Bayerntreue" ins Leben gerufen, eine Organisation fönigstreuer Bayern, die dazu bestimmt sei, den vorhandenen Berbänden gleicher Richtung, vor allem den großen Heimat- und Königsbund", die stoßkräftige Stütze zu geben. Nun sei der zweite Schritt ins Auge zu fassen: die Rönigsgewalt durch Seine Hebernahme der Majestät. Reiner der besuchten Herren zögerte mur einen Augenblick zuantworten: er sei, wenn auch monarchistisch von Gesinnung, heute verpflichtet, die Staatsordnung und die Verfassung zu schützen. Der angedeutete Schrift fönne, von wem er auch fomme, nur als ein revolutionärer Umstutzversuch angesehen werden, und man werde nicht verfehlen, einer solchen Aftion mit allen Mitteln entgegenzutreten. nichts als Wahnsinn. Seiner Königlichen Hoheit persönlich wird kein Verständiger solchen Wahnsinn zutrauen, und hoffentlich darf man dasselbe von seiner Umgebung sagen. Freilich läßt sich nicht verfennen, daß Kronprinz Rupprecht auch fonft oft wenig flug beraten ist: so, wenn man sich jetzt anschickt, von dem bayerischen Staat zu verlangen, daß er die Abfindung. die das Haus Wittelsbach erhalten hat, auf 10 Millionen aufwerte. Ebenso unschön sind manche Finanzierungsmethoden der Aktion zu Wiederherstellung der alten Staatsform, wie die Zusage einer neu Wiederherstellung der alten Staatsform, wie die Zusage einer neu zu schaffenden Ordensdekoration, deren Rangflaffen je nach Höhe der heute gezahlten Summe verliehen werden sollen. Die wenig flugen Freunde des Kronprinzen Rupprecht haben übrigens fürzlich schon eine Zurückweisung erfahren, die ihnen zeigen fonnte, wie verantwortliche Männer, deren persönliche monarchistische Gesinnung unzweifelhaft ist, über ihre Eidespflicht denken. Man hatte sich in einem eindringlichen Schreiben bei Hindenburg über das Berbot an die Reichsweit, fünftig noch vor dem Kronprinzen Rupprecht als einem Offizier der alten Armee zu defilieren, beschwert. Der Herr Reichspräsident hat das Schreiben nicht beantwortet. Es ist für einen bayerischen Baterlandsfreund nicht leicht, über solche Dinge öffentlich zu reden, und ich vermeide es gern, auf weitere Einzelheiten einzugehen. Aber vor unbesonnenen Handlungen zu warnen, erscheint mir als Pflicht. Das Reich darf nicht gefährdet werden. Diesem obersten Gesetz müssen heute alle anderen Wünsche und Ideale fich unterordnen. Auch wenn sie dem einzelnen noch so heilig sein mögen." Hermann Greulich Seine Be3ürich, 8. November.( Eigener Drahtbericht.) Herman Greulich ist heute hier gestorben. stattung erfolgt am Mittwoch dieser Woche. den Anfangszeiten der sozialistischen Bewegung, ein Zeuge Ein Dreiundachtzigjähriger ging dahin! Ein Zeuge aus ihres Aufstiegs und ihrer sieghaften Durchsetzung in allen europäischen Ländern. Ein Mann, der noch im hohen Greisenalter mit gleicher Leidenschaftlichkeit teilnahm an den politischen Geschehnissen, mit der er einst als Jüngling sich der Bewegung anschloß. Hermann Greulich, wohl der Senior unter den Führern des internationalen Sozialismus, hat seit mehreren Menschenaltern in Zürich gelebt und gewirft. Dort hat er durch viele Jahrzehnte der Arbeiterbewegung den Stempel seiner Persönlichkeit aufgeprägt. Dort hat er, inmitten der aus allen Ländern in der Schweiz sich fammelnden sozialistischen Jugend, der besonderen Eigenart schweizerischen Staatslebens feine Dienste gewidmet. Von dort erschien er schon Ende der sechziger Jahre als Delegierter auf den Tagungen der Internationalen Arbeiterassoziation. Von dort ging der Ruf seines praktischen Wirkens in der Partei und der Gewerk schaft hinaus über die Grenzen der Eidgenossenschaft. Mit Bebel, Liebknecht, Keir Hardie, Jules Guesde, Viktor Adler, Eduard Bernstein gehörte Hermann Greulich zu den be= fanntesten unter den Führern der sozialistischen Arbeiterbewegung. Aber Hermann Greulich stammte nicht aus der Schweiz. Er mar 1842 in Breslau als Proletarierkind geboren. Schon früh verlor er den Vater, und er mußte bereits als Knabe Lohnarbeit verrichten, um die Familie vor der bittersten Not schützen zu helfen. Eine lange Lehrzeit im Buchbindergewerbe folgte. Fünf volle Jahre mußte der junge Bursch beim Meister zubringen, bevor er als Gefelle endlich selbst feine tümmerlichen Groschen verdienen konnte. Die damals noch allgemein übliche Wanderschaft führte ihn durch Desterin nähere Berührung mit den politischen Strömungen jener Zeit und besonders mit der jungen Arbeiterbewegung, die sich hauptsächlich in den Arbeiterbildungsvereinen taftend zu selb ständiger Gestaltung rang. Das Jahr 1865 fah den jungen Buchbindergesellen aus Reutlingen als Delegierten auf dem Arbeitervereinstag in Stuttgart, wo er mit August Bebel, Friedrich Albert Lange und anderen Führern der jungen Bewegung bekannt wurde. Auch auf sachliche Gegengründe wurden die Besucher hinreich nach Süddeutschland. In Reutlingen tam er zuerst gewiesen, wie auf die Gefahr eines Verlustes der Pfalz. Auf die Frage, ob denn ein bayerischer König möglich sei ohne Militär. und Finanzhoheit, ohne eigene Post und Eisenbahn. erfolgte freilich die stolze Ankündigung, diese Hoheitsrechte würden selbstverständlich von einem bayerischen Rönig wieder an sich genommen werden. Man ließ danach den Besuchern aber wieder feinen Zweifel, daß solche Pläne die Sprengung der Reichseinheit bedeuteten, und daß die ganz große Mehrheit, selbst der wittelsbachisch gesinnten Bayern, sicher in Franken und wahrscheinlich auch füdlich der Donau, nicht bereit sein werde, um solchen Preis die alte Staatsform zurüdzulaufen. Bird nach diesen unmißverständlichen Zurückweisungen, an deren vollem Ernst ohne Ansehung der besuchten Persönlichkeiten nicht gezweifelt werden kann, der unsinnige und für unser engeres wie für unser weiteres Baterland gleich verhängnisvolle Gedanke eines attivistischen Borgehens erlebigt sein? Jeder Bersuch eines | Bald darauf ging Greulich in die Schweiz. Dort lernte er Bürkli kennen, den Vater der Schweizer Sozialdemokratie, und Johann Philipp Beder, den alten Revolutionär und Freund von Karl Marr, den Herausgeber des„ Borboten". In Zürich schloß sich Greulich auch bald der Internationalen Arbeiter- Assoziation an, als für diese im Jahre 1867 eine fchweizerische Seftion gebildet wurde. In dieser Sektion war der junge Buchbinder der„ Sekretär", was wir im deutschen Vereinsleben als Schriftführer zu bezeichnen pflegen. Organis satorisch tätig war Greuktch auch im Verband der deutschen Arbeitervereine in der Schweiz, die unter seiner Wirksamkeit ihren Anschluß an die Internationale Arbciter-Assoziation fanden. Als die Züricher Genossen Ende der sechziger Jahre ein eigenes Parteiblatt gründeten, wurde Greulich sein erster Re- dakteur. Er ist es bis zum Jahre 1880 geblieben. Alle Klein- lichkeiten der Proletarierexistenz eines solchen Parteiorgans und ihrer Nedaktion hat Greulich mit durchlebt. Aber wenn die Züricher Partei aus diesen bescheidenen Ansängen zu einem festen Gesüge wurde, das trotz aller von außen kommen- den Strömungen nicht ins Wanken geriet, dann ist das nicht zuletzt das Verdienst des schlichten Mannes, der jetzt Abschied nahm. Aber nicht nur im engen Parteikreis ist seine Arbeit und sein Verdienst beschlossen. Vielmehr"reicht seine Wirk- samkeit weit darüber hinaus. Anfang der siebziger Jahre Schweizer Bürger geworden, widmete Greulich sich neben der Parteiarbeit vor allem der sozialpolitischen Tätigkeit. Was bis dahin noch so gut wie unerhört schien, machte Greulich zur Tat. Er widmete sich der ebenso mühseligen wie unschein- baren Arbeit der Statistik. Und seinen fleißigen Unter- suchungen über Arbeitszeit und Arbeitsbedingungen, über die Lebensweise der Arbeiterschaft— Untersuchungen, die er auch im Parteiblatt vielfach zum Abdruck brachte— brachten ihm eine Berufung in das statistische Bureau des Kantons Zürich, dessen Leiter er bald darauf wurde. Jedoch blieb er nicht lange in dieser Staatsstellung. Vielmehr folgte er freudig dem Wunsche der schweizerischen Eewerkschasten, die ihn an die Spitze des von ihnen ins Leben gerufenen Schweizerischen Landesarbeitersekretariats stellten, des ersten seiner Art. das daher um die Entwicklung auch der deutschen Arbeitersekretariate als Vorbild und Anreger Außerordent- liches geleistet hat. Wertvolle sozialstatistische Untersuchungen, u. a. über„Arbeitslosigkeit und Llrbeitslosenfürsorge in der der Schweiz" und die Jahresberichte des Landesarbeiter- sekretariats haben den Namen Greulichs auch in weiten bürger- lichen Kreisen bekannt gemacht, die sich um die Kenntnis der Arbeiteroerhältnisie ehrlich mühen. Seit Anfang dieses Jahrhunderts gehörte Greulich auch dem schweizerischen Nationalrat an. Seine tiefgründige Kenntnis des Wirtschaftslebens gab seinem Urteil ein beson- deres Gewicht, auch wenn es, wie zeitweise in der Zoll'rage, nicht iinmer mit den überlieferten Anschauungen der Partei übereinstimmte. Ein Dreiundachtzigjähriger nahm Abschied von der Be- wegung, der er seit sechs Jahrzehnten angehörte und der er nicht nur in seiner zweiten Heimat sein Bestes gab. Den Ueberlebenden in der Internationale gibt die kurze Nachricht von Tode Hermann Greulichs Anlaß, der Arbeit jener Alten zu gedenken, die die Bahn gebrochen haben für den großen Strom der sozialistischen Bewegung, der hellte die Kulturwelt befruchtet. Und wenn man in der Partei der Mühseligen und Beladenen in Zukunft die besten Namen nennt, dann sei auch der Name Hermann Greulichs genannt! Die yrovinziallanötagswahlen. Wahlblock der Rechtsparteien. Urezkau, S. November.(Eigener Drahtbericht.) Für die Vroyinziallandtagswahlen hat sich jetzt für ganz Schlesien ein Wahl block der Rechtsparteien von den Völkischen bis zur Deutschen Volkspartei und der Wirtschaftspartei gebildet, dessen Führung die Deutschnatio- n a l c n haben. Es wird Listenverbindung erklärt, aber außerdem offensichtlich auch agitatorischer Burgsrieden hergestellt, um die bürgerlichen Wähler nicht durch gegenseitig« Bekämpfung wegen Locarno zu verärgern. Unsere schlesische Parteipresse beantwortet die Bildung dieses Rechtsblockes, der sich selbstverständlich„Vater- landische Arbeitsgemeinschast" bezeichnet, mit einem Appell an die Arbeiterschaft, nun auch chrerseits die Bedeutung der Selbstver- waltungswahlen am 29. November ernst zu nehmen. Kaisers unheroische Iuöith. Als Holpfernes, der Feldhauptmann Nebukadnezars, des Asjyrerkönigs, die Hebräsrstadt Bethulien belagerte und die Not der Kinder Israels aufs höchste gestiegen war, begab sich Judith, die junge und schöne Witwe des Bethuliers Manasse, in das assyrische Heerlager und betörte des Holofernes Herz. Da sie mit ihm allein ivar in seinem Zelt und er schlief, trunken von Liebe und Wein, betete sie heimlich mit Tränen und hieb ihm mit seinem Schwert das Haupt ab. So erzählt chronikhaft und kindlich fromm die biblische Geschichte. Schon Hebbel empfindet hier eine Lücke. In seiner Judith-Tragödie, die in der Doltsbühne am gleichen Tage aufgeführt wurde wie Georg Kaisers„Jüdische Witwe" im Theater am Schiffbauerdamm, sucht er nach tieferen seelischen Motiven für die unerhörte und unweibliche Heldemat, läßt aber die historischen Umrisse unangetastet. Georg Kaiser geht weiter. Er stülpt die ganze Historie um. Sein präziser Gehirnmechanismus empört sich gegen die innere Unwahrscheinlichteit der legendenhaften Ueberlieferung. Sein Skeptizismus erwacht, er glaubt nicht an den grandiosen Heroismus aus Frömmigkeit und Daterlandsliebe. Seine Judith ist ein gänzlich unheroisches Weib, deren Handeln von fast unbewußter Triebhaftiateit bestimmt wird. Der ihr von der Familie bestimmte Gatte Manasse ist zwar lüstern, aber ein Greis. Sie tötet ihn und wartet auf den Geliebten, der aus der jungfräulichen Ehe- srau ein Weib machen soll. Da kommt die dumme Belagerung, die zu ihrer Betrübnis die jungen Leute anderweitig beschäftigt. Der Trieb ist übermächtig in ihr. Sie schleicht ins feindliche Lager und bietet sich schmeichlerisch Holofernes an. Inzwischen entbrennt auch der junge Nebukadnezar in Sinnenlust, und Judith, die mit fliegenden Fahnen vom rohen Holofernes zum feingliedrigen und ästhetisicrenden König übergeht, schlägt dem Feldhauptmann den Kopf ab. Sie denkt sich nichts Gewaltiges dabei, sie will nur Nebukadnezar einen Gefallen tun und ihn vom Nebenbuhler be- freien. Als im Lager Verzweiflung und Verwirrung entsteht, sagt sie enttäuscht und ganz verwundert:„Jetzt brauchst du ihn doch nicht mehr zu fürchten, du mußt doch nun nicht fortrennen." In Kaisers gedrucktem Buch folgen einige von saftiger Satire strotzende Szenen, die er leider— aus Wunsch der Theaterleitung— selbst ver- ballhornisiert hat. Trotzdem bleibt seine„Jüdische Witwe" ein dramatisch belebtes, eindrucksvolles Gebilde. Mit teuflischem Grinsen zieht Kaiser die Maske von der versälschenden und pathetisierenden Legende, von der Unwahrhaftigkeit der rituellen, erhaben scheinenden Gebräuche. Seine Komödie hat parodistische Züge, ist aber keine Parodie. Darum kann man mit Karlheinz Martins großzügiger Regie nicht in allen Punkten einverstanden sein, die überall das Parodistische unterstrich. Aber es gelingt ihr. ein grandioses Bild von dem Hohn ouf alles Phrafentum und Heiliggetue zu schaffen. Martins Inszenierung ist ein erlebnishaftes Ereignis, wie es uns die Durch- schnittsware zeigende Bühne nur festen bietet. Else Eckersberg war ein entzückend anzusehendes Schmoll- weibchcn, das ihre Schauertaten mit selbstverständlicher Kindlichkeit und fröhlicher Unbewußtheit verrichtet. Oskar Homolka gab den Holofernes in der Maske eines Donkosaken und verlieh ihm Lobes Rückkehr. Eindrücke in Amerika. Hamburg, 9. November.(Eigener Drahtbericht.) Reichstags- Präsident Genosse L ö b e traf am Sonntag mit � dem Dampfer „Deutschland" in Cuxhaven ein und trat sofort die Weitersahrt nach Berlin an. Dem Hamburger Vertreter des„Soz. Pressedienst" erklärte Löbe, daß er am Montag zunächst mit dem Rcichspräsi- denten und dem Reichskanzler über die parlamentarische Lage Rücksprache halten werde. Anschließend beabsichtige er mit den Partei- sührern zu konferieren. Seine allgemeinen Eindrücke über den Aufenthall in Amerika faßte Genosse Löbe wie folgt zusammen: den sozialdemokratischen Mitgliedern der deuijchen Delegation hat es eine besondere Freude gemacht, die stark zerrüttete amerikanische Arbeiterbewegung durch Versammlungen und persönlichen Einfluß unterstützen zu können. Es wurden Versammlungen in New Pork, Chitago und Philadelphia abgehalten, wo die Bewegung durch Krieg und kommunistischen Zwist sehr stark zurückgedrängt war. Erschwert wird die Aufwärtsbewegung der Arbeiterorganisationen durch das Eindringen der Neger in die Industriestädte, die noch nicht organisationsfähig sind, aber deren Borposten augenblicklich ihren ersten Kongreß in Chikago abhalten. Die Kriegspsychose, die einst stark gegen Deutschland gerichtet war, ist durch das Auftreten der deutschen Delegation zweifellos zurückgedrängt. Sie konnte so das Verhällnis zwischen Amerika und Deutschland bessern helfen, so daß praktisch eine gewisse politische Borarbeit für die finanziellen Aus- gaben Dr. Schachts geleistet wurde. Große Genugtuung löste in allen amerikanischen Kreisen die Nachricht über das Werk von Locarno aus. In öffentlichen Reden und noch deutlicher in privaten Unterredungen wurde der Freude Ausdruck gegeben, daß mit Locarno ein Unruheherd, der die ganze Welt und auch die amerikanische Wirtschaft gefährdet, aus- gelöscht wurde. Um so bestürzter war man, als durch den Austritt der deutschnationalen Minister der Glaube aufkam, daß das ganze Werk von Locarno gefährdet sei. Die industrielle und technisch« Entwicklung Amerikas geht in so mächtigen Schritten vor sich, daß Europa kaum Aussicht hat, es jemals einzuholen. Es gerät vielmehr in immer größere Abhängig- keit. Es ist gerade deshalb jedenfalls äußerst wichtig, daß ein republikanisch und demokratisch geführtes Deutschland auch in geistigem Koytakt mit Amerika bleibt. keine frühere Einberufung ües Reichstags! Reichstagspräsident Löbe wird heute nachmittag die Derbin- dung mit den Führern der Reichstagsfraktionen aufnehmen und dann den Aeltestenrat einberufen, der wahrscheinlich am Mittwoch, dem 11. November zusammentreten wird. Eine Einberufung des Reichstages ist vor dem 23. November kaum zu erwarten, da am 15. und 16. November der Deutschnationale Parteitag und am 15.— 18. November der Zentrumsparteitag in Cassel stattfinden. die Schwierigkeiten painlevös. Der �i»anzausschuft fordert gründliche Umarbeitung. Paris, 9. November.(Eigener Drahtbericht.) Die Finanz- kommission der Kammer, vor der am Sonntag morgen zunächst Painlevö die Regierungsvorlage verteidigte, hat nachmittags mit 17 gegen 14 Stimmen bei 2 Stimmenthaltungen folgenden Antrag des Abg. A u r i o l(Soz.) angenommen: „Die Finanzkommission, entschlossen, jede neue Inflation zu vermeiden und von der Aufsasiung ausgehend, daß die außer- ordentliche Abgabe, die von der Nation gefordert wird. nicht oussthließlich aus der Erhöhung der Cedularsteuer(eine Art Erfassung des Einkommens an der Quelle) basiert sein dürfe, ist der Uebcrzeugung, daß die Sanierung der Währung und der Finanzen nur gewährleistet werden kann, auf dem Wege einer wirksamen Heranziehung aller Kräfte der Produktion und aller Formen des Reichtums. Sie fordert demgemäß die Regierung auf, ihr end- güstiges Programm in diesem Sinne entsprechend abzuändern." Im Namen der Opposilion erklärte Abg. Bokanowski, daß die Rechte die Verantwortung für die von der Regierung geforderten neuen Borschüsse von der Bank von Frankreich ablehnen müsse. da diese notwendigerweise eine neue Inflation im Gefolge nußknackerische Züge erhabener Lächerlichkeit. Neben diesen beiden Darstellern strichen Hubert v. Meyerrinck(Nebukadnezar) und Leonhard Steckt(geschwätziger Trottel von impotentem Ehemann) verdientermaßen den Beifall ein, der übrigens äußerst umstritten war, da sich ein Teil der Anwesenden in seinen heiligsten Gefühlen verletzt fühlte._ Ernst D e g n e r. Die„Typographia" veranstaltete in der Hochschule für Musik ein erstes Winterkonzert. Das Programm wies eine Reihe von Boltsliedern auf, die in den anspruchsvolleren, ober dabei doch iinmer noch natürlichen Bearbeitungen Othegravens erschienen. Davon sang der Verein das„Vogel flieg weiter" mtt besonders ein- drucksvoller Art der Darstellung. Er zeigte sich überhaupt den ganzen Abend auf alter Höhe, rund im Tonlichen, die Tenöre mit vlel geschickter Handhabung der Fistelstimme, sauber, korrekt und plastisch in der Sprachbehandlung. Alexander Weinbaum, der mit seinem Chor durch lange Tätigkeit so innig verwachsen ist, prägt sich in ihm immer noch mehr ein fügsames und empfindsames Instrument. Bon den kunstvolleren Sätzen macht besonders Kienzls„Der Nonne Abendgebet" den Eindruck einer absolut ge- schlossenen Leistung. Lachners launischer Chortanon„Wenn ich weiß, was du weißt", im Männerchor etwas unter Raumbewegung leidend, machte den fröhlichen Beschluß. Andreas Weißgerber spielte Mozarts O-Dur-Konzert mehr romantisch-empsindsam als rotokohaft-virtuos und später mit viel glänzender Technik drei kleinere Stücke. Der wohlgewngene Abend war die zweite Dar- bietung dieses ganz auf leichte Kleinkunst eingestellten Programms. S. G. Zosef Plaat ist zu seiner Gemeinde in den S ch i l l e r s a a l am Knie zurückgekehrt und macht wieder jung und alt mit seinen Spaßen klassischen und modernen Ursprungs lachen. Ob er Andersen- Märchen erzählt, Zetterströms„Weckeruhr" vorträgt, den Krah- winkler Landsturm marschieren läßt oder den„Erklärer im Kintopp" mimt: Immer folgt man ihm gern und willig und am Schluß ist des Beifalls kein Ende. Eröffnung der Londoner Znternatlonalen Ausstellung. In der Londoner Royal Academy fand die Eröffnung der von der Ivter- national Society ok Painters, Gravers and Sculptors veranstalteten internationalen Ausstellung durch den Staatssekretär für Indien, Lord Birkenhead, statt. In seiner Eröffnungsrede hob er hervor, daß zahlreiche bedeutende Künstler Deutschland». Großbritanniens, Oesterreichs, Ungarns, der Schweiz und der Tschechoslowakei an der Arbeit der Gesellschaft teilnehmen. Dies fei gut so. Selbst unter den durch den letzten bedauerlichen Kampf erzeugten Leidenschaften zeige es sich, daß in dieser Frage in den verschiedenen Ländern der Welt ein Maß von Vernunft gewahrt werde. Dies sei denen zu verdanken, die an Ausstellungen dieser Art teilnähmen. Sie hätten es der Kunst ermöglicht, zur Harmonie der Welt und den aus der Ausstellung ersichtlichen freundschaftlichen Beziehungen beizuiragen. Die Auswahl für den Saal mit den deutschen Bildern ist von der Pressestelle des Auswärtigen Am.'s dem Direktor d>er Bremer Kunsthallc, Dr. Waldmann, übertragen worden. Es ist ihm gelungen, durch eine Auswahl von zum größten Teil deutschen Museen entstammenden Bildern von Menzel. Leibi, Thoma, Truebner, Uhde, Schuch, Liebermann, Eorinth, Slevogi, haben müsse. Ein Antrag E a ch i n s(Komm.), die Regierungs- vorläge in ihrer Gesamtheit abzulehnen, wurde mit 18 gegen 1 Stimme abgelehnt und mit der gleichen Stimmenmehrheit das Eintreten in die Diskussion zum zweiten Teil des Gesetzentwurfs beschlossen. Die Beratung des zweiten Teils ist jedoch über den Artikel 1 nicht hinausgekommen, da schon über den Artikel 2, der die Tilgungskasse zur Ausgabe von Schatz- obligationen ermächtigt, eine Einigung nicht erziell werden konnte. Es wurde beschlossen, darüber am Montag mit Painlev4 zu beraten. Das Plenum der Kammer tritt Montag nachmittag zusammen, um mit der Beratung des Gesetzentwurfes zu beginnen. Man glaubt jedoch, daß die Finanzkommission nicht vor Ende dieser Woche in der Lage sein wird, dem Plenum den Gesetzentwurf zu prä- sentieren, vorausgesetzt, daß die Regierung bis dahin die von ihr oerlangte vollständige Modifikaton der Steuervorloge beendet haben wird._ Die Rückwirkungen. Havas-Darftellung der Milderungen des BesatzungS- regimes. Paris, 9. November. Der Londoner Havas-Bsrichterstatter will über das Regime im besetzten Gebiet folgendes erfahren haben: Die Alliierten haben Erleichterungen zugestanden, die eine Aende- rung des Bcfctzungsregimes sowohl vom militärischen, als auch vom zioilrechtlichen Gesichtspunkt aus vorsehen. Die Erleichte- rungen, die in Frage kommen, haben bereits begonnen. Sie erstrecken sich auf das Paßwesen, die Aufenthalts- e r l a u b n i s in der zweiten und dritten Zone, das Aufenthalts- verbot, von dem gewisse Deutsche bisher betroffen worden sind, die Requisitionen und die Unterbringung der Militär- und Zioilverwaltungsbehörden. Ferner werden Aende- rungen im Militär-, Zivil- und Justizwesen vorgenommen werden, so z. B. will man eine Verminderung der Befugnisse der Kriegsgerichte zugestehen, sowie die Uebertragung von Aburteilungen auf die deutschen Zivilgerichte und die Ueber- tragung der örtlichen Verwaltungsfragen auf die Gemeinde- behörden. Ganz allgemein wird so gegen die von der deutschen Regierung in der Zioilvcrwaltung geforderten Erleichterungen nichts eingewendet. Nichtsdestoweniger werden sie nur unter der Bedingung der Gegenseitigkeit zugestanden, d. h., daß Deutschland, abgesehen von der Beobachtung der Cntwasfnungs- tlaufeln, auch den von den Alliierten geforderten Bedingungen Rech- nung tragen muh, besonders was die Wiederherstellung des Postens des O b e r k o m m i s f a r s bei der Rheinlandkommission anbelangt, was übrigens bereits geschehen ist. Deutschland muh ferner die so- genannten Ordonnanzen des passiven Wider st ande« auf- heben. Die Frage der militärischen Besetzung wird gegenwärtig studiort. Deutschland möchte gern(und Versailles schreibt e» vor! Red.), daß die Alliierten im besetzten Gebiet nicht mehr Truppen belassen, als Deutschland selbst im Jahre 1914 dort gehabt hat, d. h. ungefähr 40 000 Mann: doch die Alliier- ten haben diesem Wunsch nicht stattgegeben. Ein« Herabsetzung der Besatzungstruppen werde sich ohnehin au» der Aufgabe der ersten Zone ergeben, und man sehe voraus, daß man sich hinsichtlich der zweiten und dritten Zone werde einigen können. Keine Hastgesänge mehr. London, S. November.(TU.) Die kommende Woche steht Eng- land unter dem Zeichen der Waffenstillstandsfeier. Die Sonntags- blätter bringen Erinnerungen an den Waffenstillstandstag, b e- mühen sich aber im Gegensatz zu früheren Jahren, diesmal die Waffenstillstandsfeier als«inen Tag der Versöhnung und des Ausgleichs darzustellen. Irgendwelche Ausfälle gegett Deutsch- land werden peinlichst vermieden. In Görlitz fand am Sonntag eine große republikanische Kundgebung des Reichsbanner» statt, in deren Berlauf Bundespräsident H ö r s i n g über Entstehung, Weg und Ziel« der Organisation sprach. Große Erregung rief die von ihm gemachte Mitteilung hervor, daß der demokratische Polizei- dezernent den geschlossenen Aufmarsch der Reichsbannerleute zu dem Festlokal verboten habe. Hörsing bezeichnet« diese Handlungs- weise als eine Gesetzwidrigkeit. Großmann, Pechstein und anderer hervorragender deutscher Maler sowie einigen kleinern Werken bedeutender deutscher Bildhauer ein Bild der künstlerischen Entwicklung Deutschlands in den letzten 50 Jahren zu bieten. Der deutschen Abteilung ist ein eigener großer sehr gut beleuchteter Saal der Royal Academy zur Bersügung gestellt worden. Zur Eröffnungsfeier waren die diploinatiscken Vertreter der fremden Länder, darunter der deutsche Botschafter Dr. Schamer, sowie die Spitzen des politischen, künstlerischen und gesellschastlichen Lebens anwesend. Eine neue Entdeckung Skeinach». In der jüngsten Sitzung der Wiener Akademie der Wissenschaften wurde ein« neue Arbeit Pros. Steinachs und seiner Assistenten Dr. Heinlein und Dr. Mesner überreicht. Danach wurde durch Tierveijuche in der Wiener biolo- gischen Versuchsanstalt festgestellt, daß durch kleine Jnjektionsdosen eines Extraktes aus weiblichen Keimdrüsen, dessen Gewinnung Steinach noch geheimhält, an kastrierten Weibchen volle Weiblich- keit ausgelöst wird. Bei normal gealterten Weibchen wird durch diese Injektionen der erloschene Sexualzyklus wieder belebt. Uufallverhülungssport in Amerika. Die amerikanische Industrie mar lange wegen ihres rücksichtslosen Ruubbau.-s an Menschenleben berüchtigt. Manche Zweige, so die mit Frauen und Kindern arbeitende Textitindustrie der Sudstaaten, haben sich in dieser Hinsicht nicht gebessert. Andere aber legen heute Wert auf menschliche Ar- beitsweise, die sich zugleich als nutzbringender erwiesen hat. In einem Aufsatz über Unfallverhütung und Zusammenarbeit in der amerikanischen Hütten industrie, den H. K o p p« n b e r g in der Wiener Zeitschrift für Gewerbehygiene usw. veröffentlicht, wird das Borgehen und der Erfolg der.Safety"-(Sicherhcits-)Bewegung dargestellt. Durch wirksame und zwecks Verhütung der Abstumpfung des Interesses stets wechselnde Plakate werden die Arbeiter zur Vorsicht aufgefordert. Ein Plakat enlhält das Bild zweier Kinder mit der Umschrift:„Denkt an eure Kinder! Seid vorsichtig!" Ein anderes Bild zeigt„die Geschichte eines Nagels", der, in den Fuß getreten, einen Mann zum einbeinigen Krüppel macht. Solche Plakate sind jetzt auch in der deutschen Industrie in Aufnahme. Echt amerikanisch aber ist die Art, in der die Unfallverhütung zum Sport mit allen dessen anspornenden Wirkungen gemacht wird. Möglichst wenig Unfälle zu haben, sst Ehrensache des Betriebs. So"werden zu Anfang des Monats„Safety"-Fahnen aufgezogen, die beim ersten Unfall niedergeholt werden müssen. Mtt Stolz ver- kündet der Anschlag einer Fabrik mit 4500 Arbettern, daß während eines Monats keine einzige Feierschicht durck Unfall nötig geworden sei. Und die riesige Steel Corporation(Stahltrust) macht bekannt, daß von 1906 bis 1922 die Unfallzahl um fast 56 Proz. gesunken ist. Zu dem Eigennutz, der wohl die stärkste Triebfeder ist, und der Menschlichkeit kommt hier als dritte und wirksamste Kraft der Geist des Wettbewerbs, der durch Borträge, Filmvorführungen und sonstige Ausklärungsmittel erfolgreich unterstützt wird. vic«rfellfck'alt der Slurmlrevnde 6. U. veranstaltet den ersten Sturm« ball(Uo-iümtest der Expressionisten) am 14. November in sämtlichen Räumen der Gescllschast der Freunde, Potsdamer Ettahe v. Die expressionistische ZluSnatiunz der Säle wird durch Hugo Scheiber-Budapesi ausgejiihrt. Auskunft und Einladungen Lützow 4443. Heute abend 712 Uhr freffen sich die Genossinnen und Genossen zur Revolutions- Gedenkfeier Neder in ,, Neuen Welt" Der Mussolini Schwindel kommt heraus! Hoffnung auf hellere Tage. Die Welt ist- wie schon ein altes und gab an, daß unten" etwas vorgefallen sein müsse. Man benachSelbst in Italien wundert man sich. Rom, 9. November.( Eigener Drahtbericht.) Die neuesten Enthüllungen der italienischen Presse über das geplante Attentat auf Mussolini bestätigen, daß es sich mehr um ein Spigelwert, als um eine tatsächliche Abficht gehandelt hat. Es ist jetzt festgestellt, daß der anfänglich verhaftete, am Sonnabend aber wieder auf freien Fuß gefehte Redakteur Quaglia auf Grund von Erzählungen, die ihm der verhaftete Zaniboni machte, der Polizei Mitteilung von einem bevorstehenden Attentat auf Mussolini zukommen ließ. Er versicherte der faschistischen Polizei weiter, daß General Capello als maßgebender Geldgeber in Frage käme und Janiboni bereits im Besitz eines& arabiners mit 3ielfernrohr sowie einer beftimmten Summe Geld für die Flucht nach erfolgter Tat fei. Aber bis heute hat die Polizei eine offizielle Bestätigung dafür, daß tatsächlich ein Karabiner mit Zielfernrohr bei der Verhaftung des angeblichen Haupttäters gefunden wurde, nicht abgegeben. Infolgedeffen ist es nicht verwunderlich, wenn selbst in faschistischen Kreisen mehr und mehr die Auffassung entsteht, daß man wieder ein. mal einem Schwindel Mussolinis zum Opfer gefallen ist. Das hält den italienischen Ministerpräsidenten natürlich nicht ab, weiter. hin Berhaffungen vorzunehmen. Er versucht mit allen Mitteln die Auffaffung, als follte er das Opfer eines Mordanschlages werden, aufrecht zu erhalten. Sozialistische Wahlerfolge. Brüssel, 9. November.( Eigener Drahtbericht.) Die Provinziallandtagswahlen in Belgien haben den Erfolg der Sozialisten vom 5. April bestätigt. Die Sozialisten gewinnen 25 bis 30 Size. Die sozialistische Mehrheit in der Provinz Hennegau ist be= hauptet, die katholische Mehrheit in der Provinz Namur gestürzt worden. Die eigentlichen Besiegten sind jedoch die Libetalen. Die politischen Folgen dieser Wahl find, daß die gegen wärtige belgische Regierung eine weitere Festi gung erfährt infolge des Rückganges der Liberalen, die zum Rabinett in Oppofition stehen. Die Kommunisten vermochten einige Size in Lüttich, Brüssel und Charleroi zu gewinnen. In Süd- Oberschlesien. Breslau, 9. November.( Eigener Drahtbericht.) In dem früher öſterreichischen Bezirk Bieliz der jezigen Woiwodschaft Kattowiz fanden am Sonntag Gemeindewahlen statt. Sowohl in der Stadt Bieliz wie in einer Anzahl kleinerer Orte hatten nur die gemeinsamen Listen der deutschen und polnischen Sozialisten eine Stimmenvermehrung gegenüber dem bisherigen Stand zu verzeichnen. Die Mehrzahl der darauf entfallenen Mandate wird den deutschen Sozialisten zugeteilt. Die deutschen bürgerlichen Gruppen haben sich ungefähr gehalten, die bürgerlichen Polen haben einen kleinen Rückgang, die jüdische Sonderliste ist ganz durch gefallen. Curzons Tochter Sozialistin. Die Lady auf Agitation. London, 9. November.( WTB.) Lady Cinthia Mosley, eine Tochter des verstorbenen fonservativen Führers Lord Curzon, erklärte in einer Rebe auf einer Bersammlung der Unabhängigen Arbeiterpartei in Glasgow: Sie fönne nicht einsehen, weshalb sich die Arbeiter mit den augenblicklichen Zuständen abfinden, wenn sie mollten, fönnten sie dies abändern. Völkerbund Danzig/ Polen. Rücktritt Mac Donnels. Berliner Wigwort sagt eine einzige große Familie: die Großen ziehen die Kleinen aus. Aber die Kleinen sind in die Schule gegangen, Weltkrieg und Inflation, Ludendorff und Stinnes, waren vortreffliche Lehrmeister, nun sind die Kleinen auch allmählich groß" geworden, erkennend und zielsicher. So war die Musik um die Reden, der Liedgesang, der Volkstanz mehr als Unterhaltung, ob zwar auf sie der Proletarier wie andere ehrlich Anrecht hat. Die „ Umrahmung" der ernsten Vortragsgedanken, vielfach von der Jugend besorgt, war das Symbol der Gewißheit besserer Tage für die ganze Menschheit und des endgültigen Sieges des Rechts. Jugend folgt dem Alter, das ist die Garantie dafür, daß der das ist die Garantie dafür, daß der novemberrauhe Sturmestampf einen blühenden Frieden, den Völkermai einst schaffen wird. Im Großen Schauspielhaus. Die Proletarische Feierstunde, die am Sonntag im Großen Schauspielhaus der Revolution geweiht war, wurde durch die Rede Ernst Tollers ein startes Erlebnis. So start auch die musikalische Umrahmung unter Sascha Horensteins Leitung wirfte und der Florathiche Sprechhor als Stimmorgel das Tollersche Requiem und den Tag des Pros letariats" sprach, es waren Leistungen, die bekannt sind. Ja, es besteht für den Florathschen Sprechchor, dem Bahnbrecher der ganzen Sprechchorbewegung, die Gefahr der Erstarrung, menn er nicht zu bringend gebotener Bewegung übergeht. Hier ist die Provinz schon viel weiter vorgeschritten, vielleicht meil sie weniger mit Tradition belastet war und so fühner experimentierte. Der Florathsche Sprechchor ist auf stimmlichem Gebiet, im Ausschöpfen des Sprechrhythmus noch unerreicht, doch die Bewegungsfrage harrt feiner noch ungelöst. Es muß gefagt werden, gerade weil dieser Sprechchor so unendlich Großes geschaffen hat und er, mit der Beit gehend, viel mehr seine hohe Mission erfüllen könnte. In dies Problem gehören auch scheinbare Kleinigkeiten, wie die Gewandung der Sprechenden. Ein proletarischer Sprechchor muß, weil er zu gleicher Zeit finnfällig auf das Auge wirkt, auch hier alle goldenen Ketten über der Weste, Kragen und so weiter vermeiden und den Typus des Fabritarbeiters in der Werkstatt wiedergeben, zumal, wenn er die Nöte der Revolution in die Welt ruft. Das stärkste Erlebnis der Feierstunden war die Rede Ernst Tollers. Leidenschaftliche Anklage, glühender revolutionärer Pathos und unbarmherziges Gericht. Das war das erstemal, daß eine Rede in den Feierstunden wirklich so aus der Zeit geboren war, daß die Worte auch nicht ein Atom predigenden Klanges hatten. Wie auch jemand sich zu den Problemen der legten sieben Jahre stellen mochte, er geriet in den Bann des Dichters, der wie ein Prophet die Vergangenheit aufstehen ließ und in Zukünftiges schaute. Der Dichter prach so durch seinen Mund noch stärker, als durch den hundert ftimmigen Mund des Sprechchors, weil die Macht seiner Persönlich teit das Ringen mit sich und den anderen zum erschütternden und aufwühlenden Erlebnis werden ließ. Republikfest in Steglit. richtigte die Kriminalpolizei, bei deren Eintreffen sich ein furchtbares Bild bot. Frau K. lag, leicht befleidet, tot zwischen dem Fenster und dem Bett ihres Mannes am Boden in einer großen Blutlache. Die Leiche wies nicht weniger als 9 Messerstiche auf, die zum größten Teil das Gesicht getroffen hatten.. Giner hatte die Halsschlagader zerschnitten und so den Tod durch Verblutung Schweißer Krzyzoftaniat verhaftet worden sei. Er wurde dem herbeigeführt. Kurze Zeit darauf lief die Meldung ein, daß der Polizeipräsidium eingeliefert und sofort vernommen. Wie er behauptet, hat er die Tat in der Abwehr begangen. Zwischen ihm und seiner Frau sei es nochmals zu einem Streit gekommen, bei dem seine Frau ihn mit dem großen hölzernen Auffaz des Bettes bedroht habe. In der Notwehr habe er das Messer als Waffe benutzt. Seine Aussage wurde jedoch durch die Vernehmung seiner Tochter widerlegt. Das Mädchen schilderte die Vorgänge so eingehend, daß die Darstellung des Vaters, er habe in der Notwehr gehandelt, nicht mehr aufrecht erhalten werden kann. Da die 19jährige gegen den Vater, einen großen fräftigen Mann, doch nichts ausrichten konnte, so habe sie sich ganz still zu verhalten. Ehe der Bater die Wohnung verließ, habe er sie noch bedroht, fie ebenfalls zu töten, wenn sie nicht reinen Mund halte. Das Mädchen erzählte weiter, daß es seit 1½ Jahren von dem Vater mißbraucht worden sei. Möglicherweise hat der Mann seine Frau beseitigt, um zu verhindern, daß sie ihre Drohung, seinen unerlaubten Berfehr mit der Tochter der Polizei anzuzeigen, wahr machte. Hedwig K. wurde vorläufig in Schuzhaft genommen. Der Prozeß der Gräfin Bothmer. Stangen hat Geld und Liföre bekommen. Die Verhandlung verzögerte sich um über eine halbe Stunde. Bei Ankunft der Angeklagten wurden heute zum erstenmal feine Absperrungen mehr vorgenommen. Die Frau Gräfin war bei bester Laune und fam sehr aufgeräumt die Hallentreppe herauf, im Arm ein großes Batet mit allerhand Erfrischungen. Auch Regierungsrat Graf von Bothmer, der Mann der Angeklagten, ist im Gaal. Das Kapitel Stangen scheint noch ein Nachspiel zu finden. Der Vorfizende, Landgerichtsdirektor Dr. Westerkamp, richtet bei Eröffnung das Rennenlernen des Hausdieners Stangen. Die der Sigung an die Angeklagte einige Ermahnungen in bezug auf Angeklagte muß heute zugeben, daß sie Otto Stangen etwa 35 bis 40 mart und Litör gegeben hat. Nicht ein Wort hat die Angeklagte am Freitag bei der Vernehmung Stangens darüber gesagt, daß fie Geld gegeben. Und heute diese hochwichtige Be stätigung! Else Bandura, Aufwärterin bei Präsident Ried und über 1½ Jahre dort tätig, schildert als Zeugin, wie harmlos die Gräfin ich gegenüber den Ausplünderungen verhalten hat. Einmal rief Frau von Bothmer:„ Aber liebe Bandura, bie Potsdamer Polizei iſt ja so dämlich. Die holen wir gar nicht erit." Immer wieder habe die Gräfin dafür gesorgt, daß teine Anzeige er. stattet wurde. Schließlich hat sich die Aufwärterin Zeichen an bie Türen gemacht, und am nächsten Tage waren die Zeichen fort. Es war jemand mit richtigen Schlüsseln in der Wohnung gewesen. Zu einer gewaltigen Kundgebung für die Republik gestaltete Nur die Angeklagte war noch im Besiz der zweiten Schlüssel. Einsich die Bannerweihe des Kreisvereins Stegliz des Reichsbanners mal habe die Gräfin gesagt:„ Ach, hier sind ja Fingerabbrüde, Als sie sich weigerte, hat es die Gräfin Schwarz- Rot- Gold. Als Auftakt zu der Hauptfeier am Sonntag fand wischen Sie alles ab." am Sonabend ein großer Fackelzug statt, zu der die Berliner Kamerad felbst gemacht. Die Zeugin drang darauf, daß dem Präsidenten oder dessen Verwandtschaft von den Plünderungen Mitteilung geschaften in großer Zahl erschienen waren. Der Fadelzug, der einen großen Teil des Bublifums in Bann zog, erregte in dem reattionären macht werde. Das ist längst geschehen," beruhigte sie die Angeklagte damals. Aber die heutige Berhandlung erbrachte, daß die Gräfin Steglitz beträchtliches Aufsehen. Nach bewährtem Muster versuchten teine Nachricht gesandt hat. Tagelang hat die Angeklagte die Dieb Schlußgruppen des Facelzuges abzuschneiden und in der diesen finnen, daß die Teppiche noch am 11. Auguft im Zimmer des Brä die Stegliger völtische Jung Lümmelgarde die stähle vertuscht. Frau Bandura fann sich ganz genau darauf be Kreisen eigenen heimtüdischen Weise machte man sich an einzelne sidenten gelegen haben, die Angeklagte aber mill an Hand einer Kameraden mit Bogerhieben, Bürgegriffen und Stochieben heran. Quittung beweisen, daß fie fie fchon am 6. Auguft von dem großen Glücklicherweise war die Stegliger Bolizei auf dem Bosten und ver Unbekannten gekauft hat. Diese Quittung wird vom Schreibsachhinderte energisch jeden ernsten Zwischenfall. Im Albrechtshof fand verständigen geprüft werden. Die Auseinandersetzungen der Ange dann der offizielle Empfangsabend statt. Die Kreisleitung fonnte Plagten mit der Aufwärterin werden so temperamentvoll, daß die Abordnungen von Kameradschaften aus Großenhain i. Sa., Zuhörer laut merden. Der Vorsitzende droht mit Räumung. Bei 3eithain, Braunschweig, Blaue, Spandau, Bran. der Haussuchung im von Bothmerschen Hause fand die Seugin denburg usw. begrüßen. Kamerad Frig Ebert jun. hieltä fche, die dem alten Präsidenten gehört. Ein die Begrüßungsansprache, der sich weitere Begrüßungsreden angroßer Haufe Wäsche wird auf dem Beweistisch ausgebreitet: KopfGenf. 9. November.( TU.) Aus Bölterbundstreifen wird mitgeschlossen. In einem gemütlichen Beisammensein fand der Sonnabend teilt, daß der Völkerbundskommissar für Danzig, Mac Donnel, seinen Ausklang. Die auswärtigen Kameraden bezogen ihre Bürger- tiffen, um genäht und die Buchstaben v. B. frisch aufgesetzt. fein Rücktrittsgesuch eingereicht habe. Sein Rücktritt wird auf quartiere, die von Republikanern in großer Zahl bereitwilligst zur Den Höhepuntt bildete am Schwierigkeiten, die zwischen ihm und dem polnischen Verfügung gestellt worden waren. Minister für Danzig, Straßburger, entstanden sind, zurüdge. Sonntag die Weihe des Banners der Kreisleitung und gleich führt. Als Nachfolger Mac Donnels wird der Holländer Prof. zeitig die Weihe des Banners der Kameradschaft Lichterfelde. Um 1 Uhr begann der Abmarsch der Kameraden van Hamel, jetzt Direktor der Rechtsabteilung des Bölferbunds- mit Spiel und Sang von drei verschiedenen Stellen aus. Auf dem fcfretariats, genannt. Sein Nachfolger soll ein Deutscher sein Schulhof der Gemeindeschule in der Friesenstraße in Stegliz fand für den Fall, daß Deutschland in den Bölkerbund eintritt. die Weihe statt. Nach einer Ansprache des Kreisführers Heusner hielt Kamerad Chefredakteur Georg Bernhard die Festrede, in der er insbesondere die geistige Bewegung und die republi tanische pazifistische Idee des Reichsbanners her. vorhob. Kamerad Nomad hielt hierauf als Vertreter des Gaues die Weiherede. Dann zogen die Kameradschaften gefchloffen zu Hertels Festsälen nach der Lichterfelder Straße, wo sich die Fest veranstaltung im wahrsten Sinne des Wortes zu einem Bolts fe ft gestaltete. Zum Schluß des offiziellen Teils wurde noch der Kriegsgefallenen gedacht und eine Deputation Kriegsbeschädigter legte auf dem Friedhof an den Kriegergräbern einen Kranz mit der Inschrift ,, Den Kriegsopfern zum Gedenten" nieder. Vorher nahm Stadtrat Gen. Hermes noch Gelegenheit, namens der repu blikanischen Berteien dem Reichsbanner die besten Grüße zu übermitteln. Das Fest nahm dann einen ungestörten und harmoni schen Verlauf. Unter den Darbietungen erregte wieder die Byramidengruppe der Zehlendorfer Kameradschaft Aufmerkſamteit und den Stegliger und Lichterfeldern gezeigt, daß die junge Saat der und Beifall. Die Veranstaltung hat einen tiefen Eindrud hinterlassen Republik aufgeht und zu Früchten treibt. Die britische fonfervative Regierung hat gegen Sowjetrußland demonstriert. Sie hat, im Gegensatz z. B. auch zur deutschen Reichs. regierung, an dem Fest des Staatsfeiertags in der Botschaft nicht teilgenommen. Dagegen war die britische Botschaft in Berlin auf diesem Fest offiziell vertreten. Zurückgewiesene Aufdringlichkeit. Der französische Ge fandte in Bukarest soll im Auftrage Briands dem rumänischen Außenminister Duca in unmißverständlicher Weise mit geteilt haben, daß Rumäniens Intervention im bulgarischgriechischen Grenzwischenfall nicht gerechtfertigt war und deshalb nicht erwartet, noch geschätzt wurde. Revolutionsfeiern. Und wieder ist ein Jahr herum, wieder fam der Gedenktag des 9. November, der ein Tag der Mahnung ist, Begonnenes fortzujezzen, wieder famen in den Bezirken der Partei in und um Berlin herum die Genossen und Genofsinnen zur Feier zusammen. Es ist fein Freudenfest gewesen, wie es jene Kreise zu feiern pflegen, die forglos in den Tag hineinleben fönnen, nirgends ein Fest mit Shimmyschall, Konfettiwirbel und vergnügungstoller Freiheit der -Naden. Eigener Geschmack, aber auch die wirtschaftliche Not lehrte im Laufe der Zeit die unteren Klaffen ein Kulturbewußt sein, das allen lauten Festtrubel als phrasenhafte Uebertreibung mirtlicher Freude verachtet. Nur die ernste Feier entspricht dem hohen Ziel des Sozialismus. Nur die ernste Feier entspricht der bitteren Lage, in der sich die breiten Massen heute befinden, mit der sie sich aber feinesfalls abfinden werden. Der Novem ber des Jahres 1918 führte uns nicht in ein Land, darinnen Milch und Honig fließt, denn uns war nicht viel mehr damals geblieben als ein einziger großer Scherbenhaufen, die Verlustliste von 2 Millionen Toten und eine Armee von Verkrüppelten und Unterernährten. Aber das rote Banner, das uns damals führte, steht heute genau so aufrecht wie in jenen Tagen und unser Wille, es zu halten und flattern zu lassen bis zum letzten Ziel, ist in der Not der Zeit gemachsen. Wir wissen, daß der Weg, den Ebert und Rathenau schon wiesen, der richtige ist: Weimar liegt hinter uns( Weimar", tie Aufgabe, freilich erst zum Teil), Locarno soll jet passiert werden. So auch ungefähr der Gebantengang der Ansprachen, die bei den glänzend besuchten Bersammlungen der Partei von führenden Genossen gehalten wurden. So auch der Geist der Feiern: Geist der Treue zu den Opfern und zum Wert, Geist der Gattenmord in der Göhrener Straße. Die Mutter vor den Augen der Tochter ermordet. Eine Bluttat von solcher Scheußlichkeit, wie sie in der Geschichte der Berliner Kriminalität glücklicherweise selten verzeichnet ist, ereignete fich gestern im Hause Göhrener Straße 9. Dort ermordete in der Nacht zum Sonntag der 53 Jahre alte Schweißer Thomas Bachner. Am Sonntag morgen fam R. zum 231. Revier und beKrzyzostaniat seine 46 Jahre alte Frau Anna, geb. zichtigte sich selbst der Tat. Das Ehepaar R. wohnt seit 12 Jahren mit der 19 Jahre alten Tochter Hedwig in der im 3. Stod des Seitenflügels gelegenen Wohnung des Hauses Göhrener Straße 9. Die Leute lebten in aus fömmlichen Verhältnissen. Die Ehe, die anfangs glücklich war, hatte in den letzten Jahren eine Trübung erfahren, und es tam oft zwischen Mann und Frau zu 3ant und Streit. Die Gründe dafür waren mannigfaltig. So fühlte die Frau fich vernachlässigt und marf dem Mann ein allzu freundschaftliches Verhältnis zu seiner Tochter vor. Am Sonnabend abend beauftragte die Mutter die Tochter mit einer häuslichen Arbeit in der Küche, während sie selbst im Zimmer blieb. Der Vater half der Tochter bei ihrer Arbeit, und als etwas später die Frau ebenfalls in die Südhe tam, glaubte fie erneut, eine Bestätigung ihres Verdachtes wahrnehmen zu fönnen. Es kam zu einem heftigen Auftritt, in dessen Verlauf die Frau mit einer Anzeige bei der Polizei drohte. Gegen 12% Uhr erschien plötzlich Hedwig K. bei ihrer in demselben Hause eine Treppe höher wohnenden Tante | Tof aufgefunden. Durch ein tragisches Mißgeschid tam bie 24 Jahre alte Ehefrau Almine Schirrmacher aus der Acerstraße 42 ums Leben. Als der Ehemann heute morgen turz nach 6 Uhr von seinem Dienst heimfehrte, fand er seine Frau leblos in dem mit Gas angefüllten 3immer vor. Da er seine Frau zunächst nur bewußtlos glaubte, schaffte er sie schleunigst nach bem Lazarusfrankenhaus, wo aber nur noch der Tod festgestellt werden tonnte. Frau Sch. ist vermutlich Opfer eines Unglüds geworden. Ein Nachspiel zum Prozeß Haarmann. An heutigen Tage beginnt in Hannoner das Bieberaufnahmeverfahren gegen den Freund des hingerichteten Maffenmörders Haarmann, den ebenfalls zum Tode perurteilten Arbeiter Grans. Während Haarmann das Urteil annahm, legte Grans Revision ein, die anfänglich vom Reichsgericht verworfen wurde. Das Urteil wäre infolgedessen rechtskräftig geworden, wenn es Haarmann nicht gelungen wäre, eines Tages auf einem Transport zum Polizeipräsidium in Hannover einen Brief aus dem Wagen zu werfen, der an den Vater des Grans gerichtet war und in dem Grans als vol!? ommen unschuldig bezeichnet wurde. Sport. Rennen zu Strausberg am Sonntag, den 8. November. 1. Rennen. 1. Eisentrone, 2. Farmer, 3. Mäuseturm. Toto: 109: 10. Plat: 33, 20, 52: 10. Ferner liefen: Felsenrose, Luftpoft, Ganymed, Basalt, Nöschen, Schirmherr, Rosenfelch, Killewitt, Cito, Georg, Trumpf. 2. Rennen. 1. Nordlicht, 2. Allegro, 3. Sans Atout. Toto: 29:10. Blat: 15, 38, 25: 10. Ferner liefen: Escorial, Phyllis, Stephanie, Toledo, Nimrod, Narr, Caracas, Aarau, Hohe Sonne, Buschkin. Blag: 17, 15, 39: 10. Ferner liefen: Zuna, Myron, Spaniola, Emigrant, Livabia( gef.), Lucrezia. 3. Rennen. 1. Eleazar, 2. Barfuß, 3. Hilarius. Toto: 29: 10. 4. Stennen. 1. Leander, 2. Colberg, 3. Battle Cruiser. Toto: 44:10. Blaz: 14, 15, 31: 10. Ferner liesen: Porta Westfalica, Fauche le Bré, Taiga, Toronyor, Fauche le Blé, Countryside, Chiemgauerin, Prolog, Palma, Barus, Dbotrit, Giramete, Chin- Chin, Kadewitt. Toto: 76: 10. 5. Rennen. 1. Fechierin, 2. Rashidr, 8. Siri. Blak: 12, 19, 13: 10. Ferner liefen: Ravenna, Cddrun, Gnadenfrift ( gef.), Stummer Teufel, Gigerl Blak: 51, 51, 46: 10. Ferner liefen: Stiß me quied, Teift, Pandora, Lith 1. Transuse, 2. Roberta, 3. Fenelon. Toto: 249: 10. Falter, Efto, Lamamora, Chronos, May Rambler, Rüstung, Venus IV, Veleda, Stigmaria, Kornblume, Borgo, Motte. 6. Rennent. Groß- Berliner Parteinachrichten. 12. Areis Steglig, Lichterfelbe, Bankwig. Die für heute angefegte Frattions figung findet nicht statt. Geschäftliche Mitteilungen. Infolge der großen Geldknappheit ist es dem bekannten Schuh- Lokal Behrndt, Münzftr. 25, mit feinen Filialen Rottbuffer Damm 13 und rankfurter Allee 54, gelungen, riesige Barenposten in erfttlaffigen Herren- und Damenschuhen sowie Stiefeln zu beschaffen daß diese zu geradezu lächerlich billigen Preisen in den bret Bertaufstellen abgegeben werben. Wir weisen auf das heutige Juferat hin Gewerkschaftsbewegung Rückkehr der Amerikadelegation. Gegenbefuch amerikanischer Gewerkschafter. H. New Bort, 8. November.( Eigener Drahtericht.) ad nahezu zweimonatiger Studienreise fährt am Dienstag die erste Gruppe der deutschen Gewerkschaftsvertreter mit bem Delegationsführer Genossen Schumann vom Verkehrsbund von New York nach Berlin zurüd. Die übrigen Teilnehmer mit dem Genoffen Tarnow vom Holzarbeiterverband folgen in nächster Woche. Die Reise war ein guter Erfolg. Die deutschen Gewerkschaftsvertreter fanden überall bei den amerikanischen Gewerkschaftsgenoffen herzliche Aufnahme. Zu ihren Spezialfiudien bekamen die einzelnen Genoffen jeden gewünschten Einblick in die Verhältnisse der amerifanifchen Gewerkschaftsbewegung, wie auch in die sozialen Berhältnisse und insbesondere auch in die volkswirtschaftliche Situation und in die Betriebsorganisation. Die deutsche Delegation rechnet damit, daß im nästen Jahre eine Reihe amerikanischer Gewerkschafter nach Deutschland tommt, um unsere Verhältnisse näher kennenzulernen. Wahlversammlungen des DMV. In der Zeit vom 9. bis 21. November finden die Wahlkörperverfammlungen für die Berliner Ortsverwaltung des Deutschen Metallarbeiterverbandes statt. In diesen Versammlungen ist zu den Anträgen Stellung zu nehmen, die zur Generalversammlung am 30. November zur Beratung stehen. Es ist daher Pflicht unserer Genossen, auf dem Bosten zu sein und sich in der Rührigkeit nicht von den KPD.- Leuten übertreffen zu lassen! Krankenkaffenwahlen in Wilmersdorf. Da nur die freigemertschaftliche Liste der Arbeitnehmer für die Wahl zum Ausschuß für die Wilmersdorfer Krantenfasse gültig erflärt ist, findet eine Arbeitnehmerwahl nicht statt. Dagegen find zmei Arbeitgeberlisten aufgestellt. Es ist unbedingt notwendig, daß elle freigewertschaftlich orientierten Arbeitgeber die Liste 2 ( Schiement) zu wählen haben. Die Wahlen finden morgen, Diens tag nachmittag, non 4 bis 8 Uhr in den Räumen der Krankenfasse Wilmersdorf, Kaiser- Allee 173a, statt. Wahlberechtigt ist jeder, der Arbeitnehmer beschäftigt, die bei der Wilmersdorfer Krankenkasse angemefoet sind und für die Abrechnung geleistet ist. Gewerkschaftsfommission, 9. Bezirk. Einigung im Fuhrgewerbe. Am Sonnabend wurde noch einmal zwischen dem Deutschen Berkehrsbund und der Fuhrherrninnung zu Berlin verhandelt. Durch den Schiedsspruch vom 2. November war den ut= fchern eine Zulage von wöchentlich eine Marf zugesprochen morden, alle übrigen Arbeiter sollten jedoch keine Aufbesserung ihrer Löhne erhalten. Durch die Verhandlungen wurde der Schiedsspruch dahin ergänzt, daß die ständig beschäftigten Arbeiter, Stalleute und Wächter zu ihrem Lohn von 49 Marf eine Ausgleichszulage von einer Mark wöchentlich erhalten. Eine Bollversammlung der im Fuhrgemerbe Beschäftigten nahm gestern zu dem Ergebnis der Berhandlungen Stellung und beschloß nach eingehender Diskussion, das Angebot der Fuhrherren anzu nehmen. Das Lohnabkommen läuft vom 31. Oktober bis zum 1. Januar 1926. Reichskonferenz der Bildhauer. Bertreter der im Deutschen Holzarbeiterverband organisierten Bildhauer traten am 31. Oftober und 1. November zu einer Reichsbranchenkonferenz in Leipzig zusammen. Die Bildhauer haben bekanntlich ihre seit 1881 bestehende Berufsorganisation am 1. Ottober 1919 dem Deutschen Holzarbeiterverband angeschlossen. Auf der Konferenz gab zunächst der Obmann der 3entral fommission der Bildhauer, Paul Dupont, einen Bericht über die Tätigkeit der Zentralfommission und die derzeitige Berufs lage. Eine schwere Berufstrije ist über die Bildhauer herein. gebrochen, mit einer weit über den Durchschnitt hinausgehenden Arbeitslosigkeit. Die Inflationszeit mit einer beispiellofen Hoch tonjunttur im Bildhauergewerbe hatte nicht nur eine überaus starte 3unahme des Kleinmeistertums zur Folge, auch Heimarbeiter machten sie sich zumuze und suchten bei unbeschränkter Arbeitszeit und strupelloser Konkurrenz sich eine Existenz auf Kosten der Gehilfenschaft zu erringen. Auch die Lehrlingszahl ist schon wieder derartig ange. wachsen, daß der Ausfall durch die Kriegsopfer vollständig gededt ist. Alle Eltern und Vormünder sollten es sich sehr wohl überlegen, ihre Kinder und Pflegebefohlenen jezt Holzbildhauer werden zu lassen. Aufgabe der Konferenz war es nun, diesen Uebeln entgegenzuwirken. Die Zentralfommission der Bildhauer hatte schon gemein sam mit dem Vorstand des Bildhauer- Meisterbundes, der diese Uebel ebenfalls anerkannte, Schritte unternommen 1. zur Berhütung weiterer planloser Einftellung von Lehrlingen nicht nur bei Kleinmeistern, auch in Möbelfabriken und Lischlereien2. zur Befämpfung des Heimarbeitunwesens, und 3. zum Zwecke der Arbeitsbeschaffung. Die breite Deffentlichkeit, die maßgebenden Behörden, sowie die parlamentarischen Körperschaften müssen auf die Krije im Bildhauergewerbe hingewiesen und um Abhilfe ersucht werden. Diese Krise wird noch verschärft durch den Einfluß maßgebender Bersonen und Körperschaften des Kunstgewerbes mit dem Motto„ Die Form ohne Ornament", was völlige Ausschaltung des Detora. tionsbildhauers bedeutet. Troy unserer Zeiten Nöte sollte cber der plastische Schmud bei der großen Außen und Innendekoration am Gebäude, am Möbel und zu sonstigen Zweden auch beim„ neuen Stil" nicht ganz unbeachtet bleiben, denn das hieße sich in Gegenfaz jesen zu allen früheren Zeiten. Auch die Repu blit hat repräsentative Pflichten und da darf sie den plastischen Schmud nicht ganz hintanzustellen. Auch das gehört zum fulturellen Wiederaufstieg unjeres Landes und des deutschen Boltes. Die Konferenz folgte diefen Gedankengängen, die in zwei Ent schließungen niedergelegt wurden. Ueber Organisationsfragen und den Aufgabenfreis der Gewerkschaften" referierte alsdann Karl Jahn vom Verbandsvorstand. Auch diese Ausführungen werden unzweifelhaft ihre Früchte tragen. Jeder Bildhauer, mit Ausnahme der Sensation unserer = Stein- und Alabasterbidhauer, die jetzt dem Steinarbeiterverband angeschlossen sind, gehört in feine Gewerkschaft, und das ist der „ Deutsche Holzarbeiterverband". Entlaffung eines Arbeiterratsvorsitzenden. Der Borsitzende des Arbeiterrats der Firma„ Legtilverlag wurde entlassen und erhielt seinen Lohn für die tarifmäßige Kündi gungsfrist von einer Woche. Mit der Entfernung des Arbeiterrats vorsitzenden aus dem Betriebe hatte es die Firma so eilig, weil er, wie sie behauptet,„ durch fortgesezte Umtriebe Aufregung und Unruhe" in den Betrieb gebracht habe. Das heißt mit anderen Worten, der Arbeiterratsvorsitzende hat sich der Interessert seiner Kollegen angenommen und fie pflichtgemäß ver treten; dadurch hat sich die Geschäftsleitung beunruhigt gefühlt. Daß die angeblichen Umtriebe" des Arbeiterratsvorsitzenden feinen Grund zur fristlosen Entlassung abgaben, hat die Firma selbst dadurch anerkannt, daß sie ihn ordnungsgemäß fündigte, die Kündigungszeit bezahlte, aber auf seine Arbeit verzichtete. Zur Kündigung ist aber nach dem Betriebsrätegejek die Zustimmung der Betriebsvertretung erforderlich, die die Firma gar nicht nachgesucht hatte. Erst nach dem der Arbeiterratsvorsitzende gegen seine Kündigung Einspruch erhoben hatte, holte die Firma das Versäumte nach. Zu diesem Zweck wurde erst der Betriebsrat tonstituiert, denn bis dahin hatte der Arbeiterrat und der Angestelltenrat, jeder für sich, seines Amtes gewaltet. Der Betriebsrat, in dem die Stimmen der Angestellten den Ausschlag gaben, stimmte. vier Wochen nach der Entlassung der Kündigung zu! Der entlassene Arbeiterratsvorsitzende flagte beim Gewerbe gericht auf Fortzahlung seines Lohnes. Er machte geltend, die Zustimmung des Betriebsrats müsse eingeholt werden, bevor die Kündigung ausgesprochen werde, die nachträgliche Zustimmung sei nicht rechtswirksam. Das Gericht entschied aber unter Hinweis auf frühere Gewerbegerichts- und Landgerichtsurteile, daß die nachträgliche Zu ftimmung des Betriebsrats zulässig, die Entlassung aber erst Dems vom Zeitpunkt der Zustimmung ab rechtswirksam werde. gemäß wurde die Firma verurteilt, dem Kläger den Lohn bis zu diesem Zeitpunkt 250 M. zu zahlen Den vom Kläger vertrefenen Standpunkt, daß mit der Zustimmung des Betriebsrats zur Kündigung erst die Kündigungsfrist zu laufen beginne und deshalb bezahlt werden müsse, bezeichnete das Gericht als irrtümlich. Die englischen Eisenbahner gegen Lohnkürzung. London, 9. November.( WTB.) Auf einer Massens versammlung in Creme erklärte der Präsident des Nationalverbandes der Eisenbahner, man befinde sich einer Krise viel näher, als man glaube. Die Lage merde verzweifelt. Es wurde eine Entschließung angenommen, die heftigen Widerstand gegen die Gegenvorschläge der Eisenbahngesellschaften auf Verminderung der Löhne zum Ausdruck bringt. SPD.- Metallarbeiter. Morgen, Dienstag abend 7 Uhr, in den ,, Gardesälen", Sophienftraße 34, sehr wichtige Frattionsversammlung. Das Erscheinen aller Genoffen ist Bflicht. Bartel ausweis legitimiert. Der Fraktionsvorstand. Berantwortlich für Bolitik: Ernst Reuter: Wirtschaft: Artur Saternus; Gewerkschaftsbemegung: Friedr. Egtorn; Feuilleton: R. H. Döscher; Lokales und Sonstiges: Frig Karstadt: Anzeigen: Th. Glode; fümtlich in Berlin. Berlag: Borwärts- Berlag G. m. b. S., Berlin. Drud: Borwärts.Buchdruckerel und Berlaasanstalt Baul inger u. Co.. Berlin G. 68. Lindenstrake 3. 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