Nr. 533 42. Jahrg. Ausgabe Nr. 272 Bezugspreis: Böchentlich 70 Bfennig, monatli 8, Reichsmart voraus zahlbar. Unter Kreuzband für Deutschland, Danzig, Gaar- und Memelgebiet, Defterreich, Litauen, Luxemburg 4,50 Reichsmart, für bas übrige Ausland 5,50 Reichsmart pro Monat. Der„ Borwärts mit der Sonntags beilage Bolt und Reit" mit„ Gied Lung und Aleingarten sowie dez Beilage Unterhaltung und Wissen and Frauenbeilage Frauenftimme erfcheint wochentäglich ameimal, Sonntags und Montags einmal. Telegramm- Adresse: Cozialbemotrat Berlin Morgenausgabe De and ni Vorwärts Berliner Dolksblatt of mand tim locizie 10 Pfennig Anzeigenpreise: Die einfpeltige. Nonpareille. eile SO Bfennig. Refiamezeile 5.- Steichsmart. ,, Kleine Anzeigen bas feitgedrudte Wort 25 Pfennig ( aulafia zwei fettgedruckte Worte). jedes weitere Bort 12 Pfennig. Stellengefuse bas erfe Wort 15 Bfennia. jedes weliere Mort 10 Pfennig. Borte über 15 Buch staben zählen für zwei orie. Arbeitsmarkt Reile 60 Pfennig. Gamilienanzeigen für Abonnenten Beile 40 fenidia. Anzeigen für die nächste Summee milffen bis 4 Uhr nachmittags im Sauptgefääit, Berlin GW68, Linden. Strake 3, abgegeben werben. Geöffnet von 8 Uhr früh bis 5 Uhr nachm. Zentralorgan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands Redaktion und Verlag: Berlin SW. 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Dönhoff 292–297. Mittwoch, den 11. November 1925 Die Internationale gegen Mussolini. Botschaft des Sekretariats an die italienischen Arbeiter. Das Gefretariat der Sozialistischen Arbeiterinternationale hat, als die Nachricht von der Auflösung der italienischen Sozialistischen Partei und der Unterdrückung ihres Zentralorgans Giustizia" bekannt wurde, folgende Botschaft an die italienischen Sozialisten gerichtet: Genossen Italiens! " Erst gestern hat die Erefutive der Sozialistischen Arbeiterinter. nationale einen ausführlichen Bericht über die Gefahren entgegen genommen, in denen sich eure Bewegung befindet und mit Erschüt terung vernommen, daß die italienischen Sozialisten vollständig überzeugt waren, Mussolini werde vor dem Prozeß gegen die Mörder Matteottis mit allen Mitteln versuchen, eurem tapferen Tageblatt, der„ Giustizia", ein Ende zu bereiten. Durch unaufhörliche Verfolgungen hat das italienische Schandregiment versucht, die„ Giustizia" materiell zugrunde zu richten. Eure Partei hat ungeheure Opfer gebracht, um eure wichtigste Waffe in der Zeit, wo jede Organisation mit blutiger Gewalt unterdrückt wurde, zu erhalten. Ihr maret euch trotzdem bewußt, daß Mussolini gegen die„ Giustizia" vor dem Stattfinden des Matteotti- Prozesses, menn es nicht anders geht, einen tödlichen Streich durch eine neue Gewalttat vollführen merde. Die Erefutive der Sozialistischen Arbeiterinternationale hatte gestern beschlossen, um euch in diesem Kampfe um die Erhaltung der„ Giustizia" zu helfen, sofort eine allgemeine internationale Sammlung unter den angeschlossenen Parteien zu organisieren, die euch nach im Laufe dieses Monats tausend Pfund sichern sollte. Heute nun erfahren wir mit tiefer Bewegung, daß das Schid sal, das die italienischen Genoffen vorausgesehen, fich bereits erfüllt hat. Mit frechem Hohn verkündet Mussolini in seinem Manifest, daß er die„ Giustizia" endgültig verboten habe und daß er noch mehr getan als ihr vorausgesehen, daß er eure tampferprobte Partei felbft aufgelöst und eine neue Aera der Verfolgungen eingeleitet hat. Euer Vorfämpfer Matteotti ist von den Faschisten ermordet worden. Nun ist die Partei Matteottis, die Partei, die wir stolz in den Reihen der Sozialistischen Arbeiterinternationale als Mitglied zählten, eure in Kämpfen und Opfern ruhmbedeckte Partito Socialista Unitario von ihm zum Tode verurteilt worden. Die Krise des Linkskartells. Einigung in der Finanzfrage unmöglich. Paris, 10. November.( Eigener Drahtbericht.) Die neue politische Krise durch die Gegnerschaft fast aller Parteien gegen das Finanzprogramm des Minifteriums Painlevé hat ihren Höhepunkt erreicht. Als die Beratungen der Finanzkommiffion auch heute zu fortgesetzten Widersprüchen in der Haltung der Kartellparteien führten, verließen die sozialistischen Mitglieder die Kommiffion. Leon Blum verlangte im Namen der Fraktion die fofortige Einberufung einer Delegiertenkonferenz der Linken und ftellte dort klipp und flar die Frage, ob die gemeinsam getroffenen Vereinbarungen in Zukunft von allen Parteien eingehalten werden oder nicht. Die Diskussion führte zu dem von Leon Blum und Renaudel ausdrücklich konstatierten Ergebnis, daß eine Einigung innerhalb der Linken und damit auch in der Finanzkommiffion nicht mehr zu erwarten sei. Leon Blum erklärte infolgedeffen, daß es jeht notwendig fei, die Diskuffion der Finanzkommiffion so schnell als möglich zu beenden und dem Plenum der Kammer die Entscheidung über die Regierungsvorlage zu überlaffen. Die fozialistische Fraktion wird die Borlage ablehnen, und da es mehr als wahrscheinlich ift, daß die Regierung für ihre Projekte eine Mehrheit überhaupt nicht erhält, ist für Ende der Woche mit der neuen kabinettskrise zu rechnen. Ihre Lösung dürfte um so schwieriger fein, als weder die Rechte noch die Cinte eine lebensfähige Koalition zu bilden in der Lage sein dürften. Offiziöse Darstellung. Paris, 10. November.( WIB.) Painlevé hat heute vormittag eine Delegation der sozialistischen Kammerfraktion, be= stehend aus den Abgg. Blum, Vincent Auriol, Renaudel und Bedouce empfangen. Ueber diese Unterredung glaubt Havas auf Grund von Mitteilungen einer autorisierten Persönlich feit berichten zu können, daß über die sachliche Entwicklung der Sanierungsgefeßdebatte fast ein Abkommen erzielt sei, daß aber noch weitgehende Meinungsverfchiedenheiten zwischen den Sozialfften und der Regierung hinsichtlich des Durch führungsverfahrens bestehen. Aber ebenso wie Matteoffi heute in den Herzen der Proletarier aller Länder lebendiger ift als jemals, ebenso wird wieder lebendig werden die Sozialistische Partei Jialiens und ihre tampferprobte„ Giustizia". Genossen, wir wissen, welche harte Zelt ihr nun ohne eure legale Organisation, ohne jede Möglichkeit, eurer Meinung in der Bresse Ausdrud geben zu können, zu erdulden haben werdet. Aber wir wissen ebenso, daß ihr nicht verzweifeln werdet, daß ihr mit allen Kräften weiter arbeiten werdet an der Wieberaufer stehung der proletarischen Bewegung Italiens, die triumphieren wird, weil sie über das Blutregime des faschistischen Bahnsinns triumphieren muß. Und so senden wir von den Millionen Proletariern, die unserer Internationale angeschlossen sind, euch den brüderlichen Gruß internationaler Solidarität: Es lebe die„ Giustizia"! Es lebe die sozialistische Partei Italiens! Glückwunsch an Vandervelde. Das Exekutivkomitee der Sozialistischen Arbeiter- Internationale richtete an den Genossen Vandervelde- Brüssel folgendes Telegramm: „ Die Exekutive der Sozialistischen Arbeiter- Internationale hat mit freudiger Genugtuung von der Haltung erfahren, die der sozia liftische Minister Genosse Vandervelde gegenüber dem Oberhaupt der faschistischen Mörderregierung in Locarno persönlich eingenommen hat. Entgegen den Angriffen, denen Genosse Bandervelde deswegen ausgelegt war, spricht die Eretutipe ihm im Namen der Millionen Arbeiter, die mit ihren verfolgten italienischen Brüdern fühlen, ihren Beifall und ihr Bertrauen aus. Brüdern fühlen, ihren Beifall und ihr Bertrauen aus. Die Ausschreitungen in Brescia und Trieft. Rom, 10. November.( Eigener Drahtbericht.) In Brescia haben die Faschisten die Druckereien zweier Oppofitiosblättter ge. stürmt und die Einrichtungsgegenstände start demoliert. Ebenso ist es in Triest zu schweren Ausschreitungen der Faschisten ge tommen, die sogar das österreichische Ronsulat nicht ver schont ließen, weil es zu Ehren Mussolinis nicht geflaggt hatte. Ein Milizoffizier verhinderte im letzten Augenblick die Bernichtung des österreichischen Wappens. tommensumme um rund 1,5 milliarden Franten verringert. Die Sigung murde unterbrochen, um Painlevé Mitteilung von dem Ergebnis der Abstimmung zu machen. Nach dem Wiederzufammentritt hat sich der Finanzausschuß auf morgen nachmittag vertagt. Paris, 10. November.( EP.) Die Abstimmung in der Finanzfommission hat in den Wandelgängen Erregung hervorgerufen. Diese Abstimmung bedeutet einen schweren Schlag für die Finanzprojekte, und man ist der Ansicht, daß nach dieser Rundgebung das Regierungsprojekt als nicht vorhanden betrachtet werden tönne. Infolgedeffen ist der allgemeine Eindruck heute abend sehr ungünstig für das Kabinett. Noch keine Ministerkrise. Paris, 10. November.( WTB.) Im Ministerrat hat Bain. levé erflärt, daß er morgen vor dem Finanzausschuß wieder erscheinen werde. Ein Vorschlag der Linksparteien. Paris, 10. November.( BTB.) Die Sigung der Bor stände der Linksparteien, die auf heute nachmittag auf geschoben war, wurde um 5,30 Uhr aufgenommen und endete turz nach 7 Uhr mit der Beauftragung der Abgg. Malvy und Cazals, sich nochmals zum Ministerpräsidenten Painlevé zu begeben und ihn aufzufordern, einen neuen Finanzierungs. plan vorzulegen, der die Richtlinien und Anregungen, die in den Sigungen der Mehrheitsparteien gemacht worden feien, zum Borbild nehme. Deutschland und der Krakauer Prozeß. Die Olszanski- Akten übergeben. BIB. meldet: eine beglaubigte Abschrift der Atten über den ukrai Das Auswärtige Amt hat der polnischen Gesandtschaft in Berlin nischen Studenten Olszanski übersandt, der sich seinerzeit vor bem Amtsgericht in Beuthen als Urheber des auf den polnischen Staatspräsidenten in Lemberg im September v. 3. verübten Miten tats bezeichnet hatte. Die polnische Gesandtschaft hatte in einer Berbalnote um Einfichtnahme in diese Akten gebeten. Niederlage der Regierung im Ausschuß. Paris, 10. November.( BTB.) Der Finanzausschuß der Hoffentlich wird die Warschauer Regierung nummehr erkennen, Stammer hat mit 12 gegen 7 Stimmen bei Stimmenthaltung daß die Weiterführung des Prozesses gegen den an dem Attentat un der Sozialisten die Bestimmung des Regierungsentwurfes a bfchuldigen zionistischen Studenten Steiger ein Justizmord wäre, gelehnt, die eine Besteuerung der Rentenpapiere vorfieht. Durch der in der ganzen Kulturmelt als eine polnische Auflage der biefe Abstimmung wird die im Gefeßentwurf vorgesehene Auf Dreyfus, bam. her Fechenbach Affäre angesehen mürbe. Vorwärts- Verlag G.m.b. H., Berlin SW. 68, Lindenstr.3 Bostichedtonto: Berlin 37 536 Bankkonto: Bank der Arbeiter, Angestellten unb Beamten, Wallstr. 65; Diskonto- Gesellschaft, Depofitenfaffe Linbenste.&. 19 Der neue Fall Giesche. Deutsches Nationalvermögen und deutsche Nationalisten. Es erregte gewaltiges Aufsehen, als Genosse Reil Ende Juli v. J. in einer großen Rede über die Steuerdrücke= bergerei der Großfonzerne nachwies, daß die feudalen Besitzern gehörige Bergwertsgesellschaft Georg v. Giesches Erben, ein mehr als 200 Jahre altes Unternehmen, bis zum Kriege von allen Staats- urid Reichssteuern befreit gewesen ist, und später bei einem Bermögen von 350 Millionen Goldmart nur 50 millionen zur Steuer angegeben hat. Hier war in der Tat ein Beispiel für den Steuerbetrug der Großen in einem Ausmaße geliefert worden, wie es felten zu finden ist. Natürlich ist die Firma Giesche national bis auf die Knochen". Das Judengeld der Großbanten war ihr anrüchig; in den Betrieben wurde eine lebhafte Stahlhelmpropaganda entfaltet. Der Borsigende des Berwaltungsrats, ein Herr Ganse, gehörte zu den Leuten, die fich in monarchistischen Huldigungen für die frühere Kronprinzessin nicht genug tun fonnten. Eine fleine Steuermogelei allerdings wurde in diesen Kreisen nie tragisch genommen. Wie viele andere Unternehmungen der Großindustrie, so wurde auch die Giesche- Gesellschaft in der Zeit der Sta bilisierung notleiden d. Nicht als ob sie irgendwelche Einbußen an ihren Bermögenswerten erlitten hätte die Sache spielte fich anders ab. Eine nicht gerade solide Führung der Finanzgeschäfte riß die Gesellschaft in immer höhere Schulden hinein; eines Tages meldeten sich die Schuldner mit der Rückforderung der Kredite, die Gesellschaft erwies fich als sanierungsbedürftig. Lange Zeit wurde mit den Behörden des Reiches und Breußens verhandelt. Ein Abschluß, der die dem preußischen Staat gehörige Breußag" zur Trägerin der Sanierung gemacht hätte, war so gut wie perfett. Da wurde die Deffentlichkeit überrascht durch einen Beschluß der Bewertenverfammlung, in der befannt gegeben wurde, daß der größte Metallfonzern der Welt, die Anaconda Copper Mining Company of Montana, die Sanierung des Unternehmens auf fich genommen habe. Der Harriman- Konzern war an diesem Stüßungsplan beteiligt. Die Gewerkschaft Giesches Erben sollte demnach einen Rredit von 50 Millionen Mart erhalten und das Recht auf die neuen Aftien der noch auf polnischem Boden liegenden Unternehmungen des Giefche- Konzerns bekommen. Dies der Blan in seinen Grundzügen. Er verbirgt mehr, als er sagt. Die ältesten Bergwerfunternehmens in seinem Aufbau gerettet Giesche- Gesellschaft rühmte fich fogar, damit den Bestand des zu haben. Tatsächlich liegen die Dinge jedoch wesentlich anders. Als im Jahre 1921 die willkürliche Teilung Oberfchlesiens eine Trennung zusammengehöriger Produktionsgebiete herbeiführte, gab es in der deutschen Bresse nur einen Aufschrei der Entrüstung über diesen neuen Raub an Bodenschätzen, die hier unter dem Schein des Völkerrechts vollzogen wurde. Die romantischen Nationalisten auf der äußersten Rechten hoffen noch heute, die damalige Grenz ziehung durch einen Gewaltatt wieder vermischen zu können. Die tapitalistischen Nationalisten hingegen, zu denen man die Anteilbefizer der Giesche- Gesellschaft rechnen muß, haben anders gedacht. Sie haben ohne Not denn es lag ihnen ja von deutscher Seite ein Hilfsangebot vor- die bisher noch unter entscheidendem deutschen Einfluß stehenden und in ihrem Befih befindlichen 3inthütten dem ameritanischen Rapital preisgegeben. Die ganze Angelegenheit wäre höchstens von privatwirtschaftlicher Bedeutung, und in einer privatkapitalistischen Wirtschaft ohne wesentliches Intereffe, wenn nicht zugleich mit bem Berkauf der polnischen Felder und Hütten bie mit dem Berkauf der polnischen Felder und Hütten die infbafis bem internationalen Kapital ausgeliefert würde. Zukunft des deutsa) gebliebenen Teiles der oberschlesischen Auf der polnischen Seite liegen die wichtigsten Zinkhütten des Konzerns. Diese Seite aber tommt unter a meritanische Herrschaft. Die Amerikaner haben natürlich an der Erzausfuhr fein Interesse; ihnen liegt nur an dem verarbeiteten Metall. Und dieses ist weltwirtschaftlich zu einer geradezu überragenden Stellung aufgerückt. Nach der Erschöpfung vieler alter Erzfelder, die noch vor dem Kriege zur Versorgung der deutschen Industrie wesentlich beitragen produktion für die Weltversorgung mit 3int Don ent Zonnten, ist der Besiz des Giesche- Konzerns mit seinen hochwertigen Erzen und seiner wertvollen chemischen Neben scheidender Zukunftsbedeutung. Aber nicht nur der Weltmarkt hat von diesen Gebieten eine große Ausbeute zu erwarten, auch Deutschland mit seiner großen verarbeitenden Metallindustrie ist auf die Einfuhr von Zint angewiefen, nachdem ihm, das vor dem Kriege der zweitgrößte Sintproduzent der Belt mar, der weitaus überwiegende Teil der 3inferzvorräte und Binfhütien entzogen wurde. Es bestand die Aussicht, Berlorenes wiederzugewinnen, wenn es gelang, die noch auf deutschem Gebiete liegenden inferze felbst zu verhütten und zur Bersorgung des eigenen Marttes bereitzustellen. In dieser Richtung bewegte fich auch der Plan Preußens. Durch den Eintritt der Amerikaner in das Ge- schäft ist der Plan in sein Gegenteil verkehrt worden. Den Amerikanern, als einem internationalen Metall- konzern, liegt natürlich nur an dem Erz als O b j e k t des Handels und der Verarbeitung. Es ist ganz selbstverständlich, daß mit der Bindung des amerikanischen Kapitals an die Eiesche-Unternehmungen das Bestreben dahin gehen wird, die ostoberschlesischen Hütten voll zu beschäftigen, den Ausbau der Rohzinkgewtnnung und der zinkverarbeitenden Industrie in Deutschland abseits liegen zu lassen und aus der starken Position des größten Rohstoff- lieferanten eigenen Nutzen zu ziehen. Dann aber sinken die deutschobersthlesischen Zinkfelder zu Stätten reiner R o h st�o f f g e w i n n u n g herab. Die Hüttenzinkgewinnung konzentriert sich in Polen, und das Metall muß erst auf dem Wege des internationalen Handels zu den Zinkblechwalz- merken, Berzmkereien und Metallschmelzen wandern. Nun hät die deutsche Volkswirtschaft mit ihrem lieber� schuß an P.mduktionsanlagen und ihrem Reichtum an Arbeits- kräften kein größeres Interesse als das, die Verarbei» t u n g s i n d st r i e im eigenen Lande zu fördern. Je größer der Wert der Produkte ist, die durch Anwendung ge- eigneter Prodvktionsmethoden und hochwertiger Arbeitskrast gewonnen werden können, desto größer ist der Nutzen bei der Deckung des eigenen Bedarfs und beim Export der fertigen Ware. Dieser Grund war es auch, der die Sozialdemokratie veranlaßt Hat. gegen die hohen Zölle auf Roh- stoffe und Halbfabrikate zu protestieren, well diese der Evikwicklung der Verarbeitungsindustrien hemmend im Wegs stehen. Wird nun die Möglichkeit eines Ausbaues der eigenen Industrie vernachlässigt zugunsten der Monopol- bestrebungen des ausländischen Metallkapitals, so muß das auf die Dauez- von schwerstem Schaden sein. Die Preisbildmm lür dieses wichtige Metall erfolgt vom Welt- markt, von fsinen Großproduzenten her. Die deutsche Industrie hat nicht die geringste Möglichkeit, die Preisbildung der internationalen Rohstoffmongpo- listen zu durchkreuzen. Wir besitzen dann noch als deutsches Volk den deutsci�'n Boden, aus dem Zink gewonnen werden kann— dst' Verfügung über die Art seiner Ge- winnung und Verwertung, über den Umfang der Produktion irnd über die Preisgestalnmg bKeibt dem Ausland überlassen. Man sollte meineit, daß gerade diejenigen Kreise für der- artige Gedankengänge Nolle» Verständnis hätten, die Worte wie„national� und„Schutz der nationalen Arbeit" ständig im Munde führen. Ja, rderm ölte hundert Prozent nicht wären, für die der Kapitalist fein Vaterland verkauft! Wir glauben, daß es im vorliegenstan Falle nicht einmal hundert Prozent waren, sondern daß der Harrlmankredit oaz Angebot der Preußag kaum diesen Betrag übersteigt. Aber durch die Beteiligung der Prenßag an diesem Geschäft hätten die deutfltpberschlesischen- Zinkerzfelder als nationales Gut erhalten und verwaltet werden können. Jetzt werden sie dank den Geschäftspraktiken der Gieschcgesellschoft zum Hondelsobjekt des internationalen Kapitals. Das ist der zweite Fall G i e s ch e. Die Arbeiterschaft wird gut tun, ihn sich zu merken, wenn man ihr bei irgend- welcher Gelegenheit nationale Notwendigkeiten zur Ablenkung von sachlich berechtigten Forderungen vorhält. Die Ar- beiterschaft war es, die bisher die Austastung vertreten hat, daß die Bodenschätze eines Landes das höchste nationale Gut seien; nicht zuletzt dieses war der Grund, weshalb man sich den französischen Machtansprüchen im deutschen Westen bei der Ruhrbesetzung mit der letzten Kraft entgegengestellt hat. Das feudoleGroßkwpital macht es für«in oder einige Dutzend Millionen Goldrnork anders. Die preußische Regierung ist nicht gesonnen, dieser Ver- schocherung deutscher Produktionsstätten untätig zuzusehen. Wie der amtliche„Preußische Pressedienst" mitteilt, hat der Regierungspräsident in Breslau den Oberbergrat Dr. Schoe- mann vom Oderbergamt in Breslau zum Staatskom- missar bei der Dergwerksgesellschaft Georg v. Giesches Erben bestellt. Die Regierung hat damit von dem Aufsichtsrecht Gebrauch gemacht, das ihr auf Grund des für die Gesellschaft noch geltenden All- gemeinem Preußischen Landrechtes zusteht, und das im übrigen in der Urkunde, durch die seinerzeit der Gesellschaft das Recht der juristischen Person verliehen ist, vorgesehen ist. Die preußische Regierung will also die ihr zur Ver- fügung stehenden rechtlichen Mittel anwenden, um die deutschen Bodenschätze deutscher Verfügungsgewalt zu erhalten. Sie wird dabei die Unterstützung der Arbeiter- schast haben, die von einer festen Presse sonst so gern als Knecht des internationalen Kapitals hingestellt wird— man sieht jetzt warum: um die Spuren eigener schmählicher Ge- winnsucht zu verwischen. Locarno und Entwaffnung. Zweidrittelmehrheit?— Drohung mit einem Reichswehrputsch. Nach dem„Reichsdienst der deutschen Preste" wird zur- zeit vom Reichsministerium des Innern in Verbindung mit dem Reichsjustizministerium die Frage geprüft, ob der Vertrag von Locarno verfassungsändernd ist oder nicht. Politisch bedeutet die Entscheidung über diese Frage die Ent- schcidung darüber, ob zur Rattfizierung nur eine einfache oder eine Zweidrittelmebrheit notwendig ist. Da ist es interessant, daß sich der„Tag' jpmt Träger der Zweifel macht, ob die Ratifikation durch emfachc Mehrheit erfolgen könne. Der „Tag" weist darauf hin, daß Deutschnationale. Völkische und Kommunisten zusammen über mehr als ein Drittel der Reichs- tagslitze verfügen, so daß die Geschlossenheit dieser Opposition die Annahme eines versassungsändernden Gesetzes unmöglich mache. Der Verdacht steigt auf. daß es sich darum Hansell, einen verfassungsändernden Charakter des Vertrags zu ton- struicren, um die Unentbehrlichkeit der Deutschnationalen oder doch eines Teils von ihnen bei der Lollenoimg des Werkes darzutun. Dabei taucht die Frage auf:„Was kostet jede deutschnationale Stimme?" Billig werden sie gewiß nicht zu haben sein, denn bekannttich sind den Deutschnationalen ihre Grundsätze teuer, uns sie verkaufen sie darum nur zu höchsten Preisen. Vor der Verabschiedung des Vertrags soll der Defehl zur Räummzg Kölns gegeben werden. Dazu sind noch ver- schieden« Fragen der Entwaffnung zu regeln, worüber bei der deutschen Regierung eine Rote der Botschafterkonferenz eingegangen ist. Der„Berliner Lokal- Anzeiger" fordert stürmisch die Veröffentlichung dieser Note, well ihre Geheimhaltung„immer größere Beunruyi- gung in politischen Kreisen" hervorruf«. Auch wir hallen die Geheimniskrämerei, die fett Jahr und Tag in de? Entwaffnungsfrage getrieben wird, für unangebracht, meinen aber, die geforderte Offenherzigkeit der Regierung sollte nicht erst bei der l e tz t e n Note beginnen. Ueber diese Angelegen- heit ist ja unter der deutschnational geführten Koalitionsregierung lange genug verhandelt worden. Es wird mterestant sein, zu erfahren, welch« Zugeständnisie schon damals gemacht worden sind. Aber monatelang auf dem Gebiet der Entwaffnung in aller Stille Eriüllungspolittk treiben und dann wieder, wenn man aus der Regierung her- aus ist, Deklamationen über das Thema„Wehrlos— ehrlos" beginnen, das gekst nicht? Der.Lokal-Anzeiger" begnügt sich nicht damit, die Veröffentlichung der Cntwaffnungsnote zu fordern, er droht auch, daß die in ihr enthaltenen Forderungen„möglicher- weife die allerschwer st e Erschütterung für die Reichswehr bedeuten und damit Deutschland in eine innerpolitische Gefahrenzone hineinziehen könnte, aus der es sich glücklich heraus glaubte." Wenn Worte noch einen Sinn haben, fo ist das eine Erinueruna daran, daß seinerzeit durch die Entwaffnungsforderungen der Entente verKapp-Putsch ausgelöst wurde, und eine Drohung mit Venn öu eine Tante hast... Oder: wie sage ich es meinem Staatsanwalt? Don Lucia«. Meine Nerven halten diese Spannung nicht mehr aus. Ich weiß, daß es ein Derbrechen ist, das ich plan«, aber es muß etwas geschehen, um mein Gewissen zu entlosten. Eine gute brave Tante. .die mir nie etwas zu Leid« getan, die mich im Gegenteil immer reichlich mit Geld versorgt hat, soll meuchlings von mir ermordet werden. Es hilft nichts, sie steht mir im Weg«. Aber was tun? Ha, ich weiß es, ich gehe zum lieben Staatsanwalt und frag« ihn, ob er etwas dagegen hat, wenn ich mein« Tante umbringe. G Der Staatsanwalt ist ein jovialer, netter Herr, keiner von der schneidigen Sorte, ohne Schmisse, ohne Banane im Genick, ohne Bier- bauch. Ein reizender lieber Mensch. Al» ich ihm, etwas befangen, meine Absicht vortrug, meine Tonte zu ermorden, well es mir schlecht geht und sie doch das viele Geld hat. sah er mich frellich sehr ver- dugt an. „Sind Sie de? Teufels?" rief er.„Da fragen Sie mich, den Skaatsonwalt?" „3a, warum denn nicht." antwortete ich.„Wenn«n Kronpräten- dent eine handfeste Republik umbringen will, so fragt er doch auch erst den Ministorpräsidenten. Meine Tonte ist zwar eine gute Frau, aber ich laufe stellungslos umher, und mit ihrem vielen Geld könnte ich eine feine Sache anfangen." Der Staatsanwalt lächelt« überlegen.„Sie verkennen voll- ständig die Situation, mein Lieher. Sie sind bloß ein Schriftsteller, ein Proletarier, und haben keinen Tropfen Herrscherblut im Leibe. Wenn ich Sie nicht so außerordentlich als Mitarbeiter meines Lieb- lingsblattes, des„Dorwärts".' schätzen würde, dann mühte ich Sie sofort verhasien. So nehm« ich�an, daß Sie bloß etwas über- geschnappt sind." * Es hilft nichts, mein Gewissen kann ich auf dies« Weise nichi frei machen. Wie fange ich es bloß an, um meine Tante auf durchaus legitime, anständige Art um die Ecke zu bringen. Wenn«in einzelner etwa» anstellt, ist es ein Verbrechen. Wenn aber Hundert« dasfelb« tun. ist«»«ine vom Schicksal geweiht« Doltebewegung. Lossen wir die Volksseele kochen, wiegeln wir alle, die an der Existenz einer Tante tranken, auf, diese zu beseitigen. Gründen wir nationale Verbände mit dem Motto:„Tod der Tante!" Entwerfen wir Statuten. Bedrohen wir jeden Verräter mit der Feme. Verfassen wir ein Kampflied der Tantenmörder. Gewinnen wir die Jugend. Auf, laßt uees die Tante siegreich schlagen. Erflehen wir den Segen des Himmels für die gerechte Sache. Anschriften unter: Dalldorf, Spinnstr. 7. Chorkonzert«. Der Sonntag sah zugleich zwei der größten und leistungsfähigsten Männerchöre des Berliner Gaues im Deutschen Arbeitersängerbund an der Arbeit. Am Nachmittag konzertterte in der Philharmonie der Berliner Sängerchor unter Leitung von Philipp Heid, am Abend schwang in der Alten Garn isonkirche Joscho Horenstein den Stab über seinem Schubertchor. Das gab ein lehrreiches Neben- und Nacheinan- der. Philipp Heid baut feine Ehorarbeit auf die natürliche Be- Handlung der Stimme eines jeden einzelnen Sängers. Er hat— jedenfalls selbst ein guter Sänger— ein« außerordentlich« Weichheit und Modulationssähigkeit seines Chortons erzielt. Demzufolge über- schrecket er niemals den Rahmen des chorisch Möglichen und ver- zichtet zuweilen auf ein Aeußerstes an Ausdruck und scharfer Heraus- meißeluna des Kunstwerkes. Ganz anders arbeitet Horenstein. Bei ihm find nicht die Bedingtheiten des natürlichen Ehorsingen» die einzige und Gestalt gebende Grundlage(eingeschaltet sei, daß natür- lich eins das andere nicht völlig ausschaltet). Er formt vielmehr alle» au» dem intuckioen Erschauen de» Kunstwerks, leidenschasttich. mit der großen Geste des Musikers, nicht immer ganz frei von starren Elgenwllligkecken, aber doch allenthalben durch die Kraft des Könnens und des Temperaments mitreihend, wenn auch bei manchem Streifzug an die Grenze des noch eben Möglichen oder bei einem den Stil des schlichten Volksliedes stark beeinträchtigenden über- starten Modisizieren nicht jedesmal überzeugend. So sang der Schubertchor ein delikat gewähltes Programm mit einem Maß der Hingebung, meist jüngere Meister: Schubert, Hegar, Gernsheim. Eva Katharina L i ß m a n n sang wunderschön und mit einer schlich- ten, überzeugenden und eindruckskräfttgsten Art alle Gesänge, meist von oolkshafter Haltung. Fritz Kleiner war ihr«in anschmieg- samer Partner. Der Berliner Sängerchor blieb dagegen mehr erdennahe und volkstümlich in der Wahl seiner Stoffe. Er bot Dolladen' Löwe, Hegar, Hutter im Chor-, Schubert und Löwe sang Leo Schützendorf mit mächtiger Stimme. Wie manches ist an dieser Musik schon verblaßt, wie manches wirkt nur noch als pathetische Hohlbeck. Und doch zeigte sich die Menge fichllich er- griffen, als Schützendorf noch die zuviel mitzhandelle„Uhr" brachte. War es die Wirkung erner raffinierten Vortragskunst oder steckt>n diesem uns so recht fernen Löwe doch noch ein Stück uns gleich. gerichteior Kraft? Philipp Heid sei gebeten, sein Programm nicht herunterzu„hetzen". Jede Darbietung ist auch dem teilnahmlosesten Hörer«in Stück„Erlebnis", das erst auzschwingen muß. S. G. „Die Brauk von Messina" im Rundfunk. Und es war doch Schiller! Als ob die„Braut" eigens für den Ztodio gedichtet worden wäre, so wirksam, so schicksalstönend war der gestrig« Abend. Bon Natur aus eignen sich Masienchöre. wenn sie Schicksalschör« sein sollen, für die Uebertragung durch den Aether sehr gut. Und au»- gezeichnet wurde das technisch-akustische Problem durch den viel er- probten, viel gelobten Sprechchor der Berliner Universität gelöst. Heut«, wo wir in der Lufttunst— wenn man lo sagen darf— erst am Anfang stehen, sind tüchtige Regisseure in der Lage, Chöre auf der Theaterbühne besser zu nuancieren: drohender, ausfallender und vor allem unheimlicher wird die Tönung nicht möglich sein, als da» gestern abend unter der Leitung von Dr. Wilhelm Leyhaufen geschehen lst. Erfreulich, daß das Lob auch anderen klingen kann. Gute seiner Wiederholung. Der„Lokal-Anzeiger" hält es für mög« lich, daß die Reichswehr nicht nur gegen Lucher-Geßler, som dern auch gegen Hindenburg putschen könnte! Kommunisten unter stch. Oder: Zwei„Welten" im Abendlicht. Eines Tages erschien die„Welt am Abend". Selbstverständlich als unabhängiges oder unparteiisches Blatt. Kennzeichen: Be- fchimpfung der Sozialdemokratie in jeder Spalls: wenn auch nicht ganz so brutal unfähig wie in der Schwesterzeitung„Rote Fahne", so doch ganz unverkennbar rasseecht kommunistisch. Als wir diesen kommunistischen Charakter des Blattes gelegentlich vermerkten, gab es Erklärungen: lRan dächte nicht daran, man sei wirklich Partei- politisch nicht gebunden usw. Bis dies« Abwehrerklärungen lang- sam verstummten und Moskau seine breite Hand ganz offen auf das Unternehmen legte. Vor einigen Monaten war es mck der.Well"-Herrlichkeck am Ende. Sämtliche Redakteure und Angestellten des Unternehmens erhielten die Kündigung zum 1. Oktober in Vorahnung Wirtschaft- licher Schwierigkeiten. Als wir diese Kündigungen und Ein- stellungsobsichten registrierten, mußten die schon gekündigten Re- dakteure in den Spalten des Blättchens der Wahrheit zu- wider alles ableugnen. Tatsächlich gelang es, noch eine Lebens- Verlängerung bis zum Ende Oktober zu erzielen. Plötzlich aber war die„Welt am Abend" nicht mehr da. Ebenso plötzlich tauchte dafür„Die Welt, Partellose Bolkszeckung", mck täuschend nachgeahmtem Kopf der Entschlafenen auf. Aber nur wenige Tage. Dann war die erste„Well" wieder da, nicht mehr parteilos, sondern rasseecht-konmmnisttsch, dazu noch bewaffnet mck einer„einstweiligen Verfügung", die sie von der— man erschrecke nicht!— bürgerlichen Justiz erwirkt hatte, und die der— Partei- losen—„Well" die Pflicht auserlegte, eines un- sanften Todes zu sterben, was so viel heißen soll, daß den, Verlag und der bisherigen Redaktion bei schwerer Geldstrafe ver- boten wurde, ein parteilose» Blatt mck ähnlichem TUel als Kon- kurrenz für das Kommunistenblatt herauszugeben. Denn— und das ist das Erheiternde:— jetzt sind zwei„Wellen" da, die eine, kommunistischer Prägung, hat sich den sattsam be- konnten Walter Oehme als„Chesredakteur" geholt, von dem die andere„parteilose" in einem Extrablatt behauptet, daß er „seinerzeit au» der USP. wegen seiner dunNen politischen und finanziellen Beziehungen zu dem Staatskommissar für öffentliche Sicherheit ausgeschlosien wurde", von dem aber jedenfalls feststeht, daß er das zuletzt das von der damals volksparteilichen Abge- ordneten Katharina von Oheimb begründete Bilderblatt redlgierte. Dt»„parteilose" Well kämpft gegen ihr» Konkurrentin aus dem „Abend"lande«inen verzweifelten und wahrscheinlich aussichtslosen Kamps, denn sie muh selber zugeben, daß sich hinter diese Kon- kurreMln kein Geringerer al» der betriebsame Willi Münzen- b e r g, der kommunistische Sekretär der kommunistischen IAH. und noch mancher anderen kommunistischen Rebenorganisationen gestellt und die notwendigen Gelder zur Wiederbelebung einer Toten be- schafft hat. Die beiden„Wellen" führen nun eine» furchtbaren Kampf gegen- einander auf. Ihre Kämpen sind samt und sonders Kommunisten. Soweit sie nicht„eingeschrieben" sind, leisten sie der KPD. freund- willige Helfersdienste. Aber einstweilen regalieren sie sich auf ihrem jewelligen Papier als„Verleumder",„Gauner".„Lügner", al» Leute von„krankhaftem Ehrgeiz" usw. usw. Das sind Kommunisten unter sich. Wir können uns da de» eigenen Urteils enthalten, um so mehr, als da« elektrische Abend licht diesen erhebenden Streck zweier„Wellen" ohnehin genugsam be- leuchtet. wenn Deukschnaklonale regleren. Di« sozioldemokra- tisch e Fraktion des Württembergischen Landtags hat die Ein- ladung zu den Veranstaltungen beim Besuch Hindenburg? in Stuttgart abgelehnt, well ihr Fraktionsoorsitzender. Reichstags- und Landtagsabgeordneter Keil, im Gegensatz zu den Vorsitzenden der übrigen Landtagsfraktionen bei der Eulladung zum Empfang des Reichspräsidenten im Staatsministertum übergangen worden s«. Sprecher waren bei dieser Dramenausführung, die ja auf der Bühne in erster Linie Sprecher und nicht Spieler verlangt, am Werke. Be- sonders zu nennen Fritz E b« r t vom Staatstheater und vor allem Maria Fein, die Sprecherin der Jsabella. Man weiß nicht, was man bei Frau Fein mehr bewundern soll: die Milde und Innigkeit ihrer dunklen, mütterlichen Stimme oder die große Kunst, mck der sie solche hohe Naturgabe zu verwenden, zu veredeln weiß. Radio ist gewissermaßen die Zeitlupe für menschliche Svrochkunst. Frau Fein bestand die Prüfung wie sellen jemand. Nicht zu vergessen auch Alfred Braun, der temperamentvolle Regisseur. Man muß den Fleißigen dieses Abends von ganzem Herzen danken. Ergo. Ein Mord au» Barmherzigkeik. In Littleton, einem Städtchen in Colardo. hat vor kurzem Dr. Herold Blazer, ein angesehener Rechtsanwalt, sein« Tochter mck Chloroform oergiftet, um sie von den Leiden eines dauernden und hoffnungslosen Siechtum» zu erlösen. Da» Mädchen war von Jugend auf ein hllfloser Krüppel, vollkommen gelähmt und idiotisch. Die Verteidigung des al» Kindesmörder unter Anklage gestellten Rechtsanwolls macht gellend, daß da» Gesetz unter Mord die vorsätzliche Tötung eine» vernünftigen Wesens versteh,, daß aber Dr. Blazers Tochter nicht als ein solches bezeichnet werden könitte. Doch das ist natürlich nur eine juristische Spitzfindigkeck, denn so niedrig die geistigen FSHinkeiten des getöteten Mädchens auch gewesen sein mochten, so war es doch zweifellos kein Tier, sondern ein Mensch. Es ist aber klar, daß der Gesetzgeber oll« Menschen ohne Unterschied schützen wollt« und unter vernünftigen Wesen nichts anderes verstand als Menschen jeder Art im Gegensatz zum„unvernünftigen" Tier. Andererseite kann nickt daran gezweifelt werden, daß Dr. Blazer aus durchaus edlen und reinen Motiven gehandelt hat. Es wird daher damck gerechnet, daß er freigesprochen wird. ver Slaalspräsident als Desraudank. Der nicht alltägliche Fall, daß ein Staatsoberhaupt Unterschlagungen begeht, ist kürzlich in Sowjetrußland vorgekommen. Der Präsident der Kcllmückenrepubiik hat es getan und sitzt setzt dafür aus der Anklagebank vor dem Kriminalgericht in Astrachan. Der Fall liegt so: Zu End« de» Jahre» 1923 war die Kalmückenrepublik von einem furchtbaren Orkan und einer Ueberschwemmung heimgesucht worden, wob« 8000 Menschen obdachlos wurden. Die Republik erhielt daraufhin von dem Rot der Volkskommissare der verbündeten Sowjetrepubliken 25909 Rubel, um den Opfern zu helfen. Es stellt« sich aber heraus. daß der Präsident sich von diesem Gelde einen kostbaren Pelz an- fertigen ließ, seiner Frau Pariser Modellkleider kaufte, und glänzende Gefellschdts-ibcnd« veranstaltete. Run hat sich der Präsident wegen dieser Unterschlagungen vor Gericht zu verantworten. Die„Enthüllung" Tntanchamon». Roch Beseckigung einer meckeren Sarkophaghülle wurde im Grabgewölbe Tutcmchamons ein in Menschengestall geformter vergoldeter»arg gesunden. Der Deckel dieses Sarges war mit Malereien und Zeichnungen auf mar- niorisriem Grund, farbigem Glas und Goldlagen bedeckt. Dan» folgte ein Leinenbahrtuch und darunter der Sarg selbst. Di« wunderbar ausgeführten Goldornamente waren von einer schwarzen klebrigen Schicht bedeckt— dem Niederschlag von Räucherungen beim Totenoienst. Heßler und die Königsmacher. Er kann sich nicht erinner«... Auf Anfrage teilt Schriftsteller Emil Ludwig der „Soff. Ztg" mit. daß der Minister, der den bayerischen Königsmachern die Zusicherung gegeben habe, die Reichs- wehr werde sich neutral verhalten, wenn Rupprecht von Wittelsbach zum Zweck einer monarchistischen Restauration zum bayerischen Staatspräsidenten er- hoben werde, Reichswehrminister G e ß l e r gewesen ist. Die „Voss. Ztg." hat sich weiter davon überzeugt, daß der De- währsmann Emil Ludwigs volles Vertrauen ver- dient. Ueber G e ß l e r s Haltung zu den Beschuldlgungen teilt die„Voss. Ztg." mit: „Dr. Eeßler. mit dem wir uns sofort in Verbindung gesetzt haben, erklärte, er könne sich heute der vielen Gespräche, die er in Bayern über alle möglichen dort bestehenden Pläne gelegentlich ge- führt habe, nicht mehr genau entsinnen. Aus seinen Dar- legungen gegenüber unserem Mitarbeiter geht aber hervor, daß er die Errichtung eines Stoatspräsidentenamtes in Bayern und die Bestellung irgendeinerPersönlichteit zum Staatspräsidenten für eine innerbayerische Verfassungsangelegenheit holt. Wenn er sich in solchem Sinne gelegentlich einmal ausge- sprachen haben sollte, so hätte es sich selbstverständlich immer nur um seine Privatmeinung gehandelt. Eine Bindung des Kabinetts, überhaupt«ine amtliche Klärung seiner Stellungnahme sei dadurch niemals erfolgt." Geßlers ausweichende Antwort erinnert an sein Ver- halten in der Sixt-von-Armin-Affär«. Sie redet an den Tatsachen, auf die es ankommt, vorbei. In dem Bericht über Emil Ludwigs Enthüllungen heißt es: „Er teilte mit. daß vor genau einem Jahre in München der Plan bestanden habe, mit einfacher Stimmenmehrheit im Landtag den früheren Kronprinzen Rupprecht zum Staatspräsi- d e n t« n von Bayern zu wählen. Durch diktatorische Maßnahmen sollte er dann die Monarchie in Layern wiederherstellen. Damals habe ein deutscher Reichsminister dem Kronprätendenten(soll heißen: dem Beauftragten des Kronprätendenten) die Zusicherung gegeben, daß die Reichswehr sich in diesem Fall« neutral verhalten und nicht marschieren werde." Danach verhält es sich so, daß Reichswehrminister Geßler die Zu sicherung gegeben hat. die Reichswehr werde im FMe einer monarchistischen Restauration meutern. Gegenüber dieser Mitteilung genügen die Erklärungen des Herrn Geßler in keiner Weisel Es ist einfach u n d e n t- bar, daß sich ein verantwortlicher Minister an eine Zu- sicherung von solcher Tragweite nach Jahresfrist nicht mehr erinnert. Es wäre zu wünschen, daß der Gewährsmann Emil Ludwigs aus seiner Verborgenheit heraustritt, um das Gedächtnis der Beteiligten aufzufrischen! » Wie km übrigen bereits wieder Kräfte am Wert sind, die sich bemühen, den Tatbestand zu verdunkeln, zetgt ein Telegramm der Telegraphen. Union, das unter der Ueberschrist gegeben wird:„Ober» bürgermeister Luppe dementiert Emil Ludwig" und das. au» Nürnberg datiert, so lautet: Gegenüber den Mitteilungen des Schriftstellers Emil Ludwig anläßlich einer Veranstaltuna des Berliner Reichs- ä. banners Schwarz-Rot-Gold, daß bei dem Dersuch«, im Jahr« ; 1924 Kronprinz Rupprecht von Bayern aus dem Wege der kwotspräsidentenschaft zum König zu erheben,«in Reichs« minister dem früheren Kronprinzen die Zusicherung gegeben habe. daß die Reichswehr in diesem Falle sich neutral verhalten mürbe, wird in bezog ans den Nürnberger Oberbürgermeister Dr. Luppe, der dagegen eingelchrttten sei, festgestellt, daß diese Darstellung mahl auf einem Mißverständnis beruht. Jahre 4924 ataubten kSnigstreue Kreise, die Regierung Kronprinz Rupp- recht durch ein« einfach« Stimmenmehrheit im Land- tag durchsetzen zu können. Man war der Meinung, daß die Reichswehr in einem solchen Fall«, da es sich um eine inner« Angelegenheit Händelte. Gewehr bei Fuß stehen würde. Als aber von Berlin das Gegenteil bekannt wurde, sah man sich veranlaßt, abzulassen. In der Ueberschrist versucht die TU. den Eindruck zu erwecken, als ob es sich in dem Telegramm um eine Aeußerung des Oberbürgermeister» Dr. Luppe handelt. Aus dem Inhalt geht das nicht hervor. Darüber hinaus entpuppt sich diese,.Dementi" als eine grob« Irreführung, da es auch nicht ein Wort von den Behauptungen Emil Ludwigs w'darruft. Mch helü erinnert sich nicht! München, 49. November.(Eigener Drahtbericht.) Di« Ab- Wesenheit des Ministerpräsidenten Dr. Held von München hat die notwendige AufNärung von dieser Seit« über die monarchistische Putschgefahr, insbesonder« über den Empfang der Rupprecht-Akttvi- sten verzögert. Immerhin hatte der Ministerpräsident noch so viel Zoll vor seiner Abreise, um die regierungstreue rechtsstehend« Presie zusammenzurufen und ihr einige Mitteilungen über die ganz« Ange- legenheit zu machen. Dabei wurde zugegeben, daß der Empfang der„Bayerntreucn"'tatsächlich stattgefunden hat, dagegen auf das entschiedenste bestritten, daß bei diesem Empfang in irgend einer Weise die Rede war von einer bevorstehenden Uebernahm« der Staatsgewalt durch Rupprecht. Auch die Nächstbeteiligten, Graf Soden und General M o e h l bestreiten dies. Bezeichnend ist übrigens, daß dieser Kreis, der in München publizistisch durch das Winkelblättchen des Dr. Heim„Das bayerisch« Baterland" vertreten ist, offen den Verdacht aussprechen kann, daß der Ministerpräsident Held oder wenigsten» eine seiner Vehörden, für die er verantwortlich Ist. hinter der bekannten Zuschrift an die �frankfurter Zeitung" stehe. Dies« Aktivisten verlangen deshalb vom Ministerpräsidenten den ein- wandfreien Nachweis, daß er mit dieser Zuschrift nicht das ge- ringst» zu tun hati öaperlfcher Sauernbunü gegen Restauration. München, 40. November.(TU.) Zu den Putschgerüchten er- klärte heut« der dem Bauernbund angehörend« Landwtrtschafts- minister Professor Dr. Fehr auf der Bundestagung d« Partei, daß man heute da» Volk mit dynastlf-hea fragen In Ruhe losten sollte. Er versichert«, daß in dem Augenblick, in dem die bayerische Regierung nicht mit allen ihr zu Gebot« stehenden Mitteln Putsch- absichten entgegentreten würde, er und seine Partei die Konsequenzen daraus ziehen würde». Im Falle der Wiederaufrichtung der Monarchie würde Bayern isoliert dastehen. vostzetfragen. Amtlich wird gemeldet: Am 4G. Novemtzer fand in der Reich»kanzlei eine Besprechang über P o l i, c i f r a g e n mit den Innenministern der Sander statt. ,u der auck einige Ministerpräsidenten erschienen waren. Et wurde völlige Einigkeit der«uffastung zwischen der«eichSregierung und d«u Ländern fest- gestellt. Schluß öer Sachverftänöigenaussagen Die Dolchstotzanhänger werden nochmals vernommen- Cotzmann findet die Sprache wieder. Im Coßmann-Prozeß wurde gestern der Sachverständige Ge- neral v. K u h l noch einmal vernommen, während die Sachverständigen Delbrück und Herz schon entlasten sind. R.-A. H i r s ch b e r g machte zunächst auf das Auffällige dieser Taktik aufmerksam. Ge- neral v. Kühl bejahte daraus die Frage des klägerischen Anwalts, ob Deutschland im November 4918 und in der Folgezeit noch hätte weiter kämpfen können, wenn die Revolution nicht ausgebrochen wäre und erklärte: Ich habe hier den Beweis angetreten, daß wir ein« Atempause Anfang November hätten gewinnen können. General L u d e n d o r s s hat im Oktober gesagt, als die Bedingungen Willsons sich hlar enthüllten, wir müßten weiter kämpfen. Wenn ein Sachverständiger sagte, die Fortführung des Kampfes wäre unmöglich gewesen, so habe ich die Begründung dieser Be- houptung vermißt. Die Kriegsührung ist eine Kunst und bedarf der Wissenschast. Für mich steht unumstößlich fest, daß uns der Feind nicht mehr hätte folgen können, und daß es einer langen Vorberei- tung bedurft hätte, wenn er uns hätte nachrücken wollen. Di« Stim- mung war so, daß wir hätten weiter kämpfen können, wenn wir eine Atempause bekommen hätten. Als der Sachverständige sich nun gegen die Ausführungen Delbrücks wandle, protestierte R.-A. Dr. Hirschberg dagegen. «eil Delbrück alchl mehr anwesend sei. General v. Kühl hielt dem entgegen, daß er von Delbrück aufs schärfst« angegriffen worden sei. Ferner habe Delbrück gesagt, daß die G e- nerale mit in den Kreis der Schuldigen gehörten. Dos sei ein unerhörter Angriff, gegen den er s ch ä r f st e n Protest erheben müßt«. Der Vorsitzende meinte, diese Dinge könnten die Herren im Parlamentarischen Untersuchungsausschuß austragen. R.-A. Graf Pestalozzo stellt« die Frage, ob der Ausammen- bruch aus schlechte militärisch« Führung zurückzu- führen sei. General v. Kühl: Dos ist ja gerade das, worauf es ankommt. Ich beziehe mich da auf mein« ersten Aussagen. Die OHL. hat mit ungewöhnlichem Geschick die Osfensioe von 4918 eingeleitet und mit solcher Tatkraft durchgeführt, daß die ganze Leistung noch meiner Ansicht zu den größten Taten der Kriegsgeschichte gehört. Daß der Enderfolg in strategischer veziehung nicht ans unserer Seite war, liegt an sehr vielen Umständen, die auch die OHL. nicht be- wältigen konnte. Ich kann nur immer wieder sagen, man möchte mir einen anderen General bezeichnen wie Hindenburg und Luden- dorsf, der die Führung hätte übernehmen und die Sache hätte besser machen können. Die Fragen, dir an den letzten SachverpSodigea, den edeafnll» be- reit, vernommenen Major volkmann gestelli werden, dezogen sich darauf, wie die Revolution auf das Herr eingewirkt habe, und wie die Stellung der Mehrheitssozialisten nach Ausbruch der Revolu» tion war. Der Sachverständige«endet sich noch einmal gegen dl« USP. und äußert sich dann über die Wirkung der Revolution auf das Heer. Die OHL. hatte zunächst die Absicht, dos Heer g« s ch l o s» sen hinter den Rhein zurückzuführen, dort einen starken Grenzschutz aufzubauen, zuverlässig« Truppen in die einzelnen Pro- vinzen zur Wiederherstellung der Ordnung zu schicken und einen Teil der Truppen nach Palen zu entsenden,«o stch bereits die polnisch« Einfallbewc�ung fühlbar macht«. Dies« Absichten konnten nicht durchgeführt werden wegen des überraschenden Verfalls de» Heeres, der stch auch darin zeigt«, daß die Truppen, die auf dem Heimmarsch noch wohl diszipliniert waren, sofort dem Einfluß der Soldatenräte verfielen, als das Rheinland erreicht mar. Nur mit äußerster Müh« gelang es durchzusetzen, daß die Mllitärtransporte sich noch einiger- maßen regelmäßig abwickelten. Ein Teil der Soldatenräte hatte sich ehrlich bemüht, durch gütige» Zureden auf die Mannschaften esnzu- wirken. Hunderttausende von Soldaten wurden von den Solda» tenräten willkürlich in die Heimat entlassen. Die OHL. führt« einen geradezu verzweifelten Kampf. Am schlechtesten gestalleten stch die Dinge im Osten. Es waren furchtbare Zustände in Polen und Rußland. Man«rinner« sich nur an die schmachvollen Verhandlungen der Soldatenräte mit dem Volk und den Bolschewisten, die aus die freiwillige Wafsenabgab« abzielten und daran, wie die Räte nachher von den Bolschewisten, mit denen sie sich zu verständigen suchten, verhöhnt wurden. Es muß sestgestellt werden, daß die Offiziere vielfach ihr« Pflicht erfüllt haben: nur umer großen Mühen gelang es ihnen. kleine zuverlässige Truppenteile für den Grenzschutz äufzustellen. Geradezu katastrophal gestalteten sich die Derhämiisse in Posen und Westpreuhen. Mitte November überstürzten stch dann die Demobilmachungsanordnnagen de» Kriegsminisieriums. Die Gründe lagen dann, daß angesichts der ungeheuren Zustände in der Heimat und der verheerenden Tätigkeil der Arbeiter- und Soldatenräte eine geordnete Demobllmachung überhaupt nicht mehr möglich war. Daß so Unerhörtes geschehen konnte, daran ist nicht allein die militärische Lage und der Hunger schuld, sondern auch die- jenigen waren daran schuld, die die Menschen seil Iahren auf die revolutionär« Erhebung vorbereitet und ihnen glücklicher« Zeiten versprachen. Mitschuldig sind die, die im Krieg« den Klassenkampf höher stellten als das Schicksal der Ration. Prof. C o ß m a n n richtete an den Sachverständigen die Frage. wie er die verschiedene Einstellung der Sozialdemokrati« beurteile. Bei einem Teil der unabhängigen Führer sei eine ausge- sprochene Stellungnahme gegen Deutschland, namentlich in der Schuldsrage nicht zu verkennen. D o l t m a n n: Ich habe bereits daraus hingewiesen, daß es sehr befremden mußte, daß deutsche Männer die Alleinschuld Deutschlands — auf Grund mindestens nur mangelhafter Kenntnis propagierten. Es hat stch ja auch herausgestellt, daß diese Beschuldigungen falsch sind. Es bleibt aber eine schmerzlich berührende Erscheinung, und ich bin der Auftassung, daß man nicht so leicht in einem anderen Lande solch« Menschen finden würde. Damit war die Vernehmung des Sachverständigen Bolkmann beendet. Rechtsanwalt Dr. H I rs ch b e r g richtete an den bereits ver» nommenen Sachverständigen Dr. Fischer noch die Frage, ob ein Werterkämpfen im Herbst 1918 eine Verschlechterung gebracht hätte. Dr. F i s ch e r erklärte dazu, daß man wohl weiter hätte kämpsen können, daß aber nach seiner Meinung die Fortsetzung de» Kampsee keinen praktischrnErfolg mehr gebracht hätte. Da» Waffen st illftandsangebot habe die Wirkung einer verlorenen Schlacht gehabt. Die Regierung hätte dem Dolke erklären müssen, daß der Krieg E Ende ginge, dann wäre es möglich gewesen, olle Kräfte einzu- zen zur Erhaltung der Ordnung im Innern. Dann hätte man bei n Verhandlungen mtt dem Gegner ein zwar nicht mehr kämpf- fähige», aber immer noch in den allen Formen geordnetes Heer und einen geordneten Staat gehabt. Auf die Frage des Rechtsanwavs Dr. H i r s ch b e r g, ob die Möglichkeit bestand, aus den amtlichen Heeresberichten und in»- besondere aus den Mitteilungen an die Press« sich ein Bild über die Lage an der Front zu machen, verwies der Sachverständige darauf. daß man im allgemeinen wohl gewußt Hab«, daß sich die Truppen zurückziehen mußten. Man konitte sich aber keineswegs über die tatsächliche katastrophale Lage ein Bild machen. nicht einmal an de« internen Srlegsstelleu bestand Klarheit darüber, daß die letzte« Reserven verbraucht waren. Insbesondere war aus den Heeresberichten die tatsächlich« Lage her Front nicht zu ersehen. Daraus war auch die große Ueberroschung zu erklären, die schon das Wassenstillstondsangebot der Obersten Heeresleitung m der Heimat hervorrief. Damit war die Vernehmung der sämtlichen Sachverständigen ab- geschlossen. Der Vorsitzende entlleß die Sachverständigen und dankte ihnen für ihre wertvolle Arbeit. Die Berhandlung wurde hierauf aus Mittwoch vormittag 9 Uhr vertagt. Geheimbunde in Ostpreußen. 20 Personen verhaftet. Königsberg, 10. November.(WTL.) wie wir hören, find durch Beamte der Lande,krIminalpoUzeistelle Königsberg unter Leitung de» PottzeiprSsidenten al» Leiter der Landestriminalpollzelstelle auf zwel großen Güter» im Bezirk Alleastein«nlergebrachte Leute unter dem verdacht« der Geheimbündelei fest- genommen warben. E» handelt stch um 29 V e r s a» e«, von denen zwei al» Führer und Organisataren iäiig waren. Di« ver- hasteten stamme« au» vonimetii, vleckleaburg. Homburg, vayern und Oberschlrsieu. Dir Verhasieten sind«ilitärähalich gekleidet. waren im Besitze von was je»«ad haben mit diesen auch Uebuugen veranstaltet. Gewehre, vlunitta» und andere» Maierlat find beschlagnahmt worden. Die Verhafteten find zur weiteren llalersnchung nach Königsberg gebracht worden. Sas �rbeitsgerichtsgesetz. Ter Entwurf deS MeichSwirtschastsratS. Der Entwurf des Arbeitsgerichtsgesetze» fand bei der Beratung im Sozialpolitischen Ausschuß des Reichswirtschaftsruats in allen Hauptfragen die schroffst« Ablehnung der Arbeit- geberabteilung. Diese forderte vor allem die restlose Eingliederung der Arbcitsgerichtsbarteit in die ordentlichen Ge- richte. Während die Arbeitnehmer zunächst sich für die Aufrecht- erhallung der Arbeitsgerichte als selbständige Sondergerichtsbarkeit einsetzte, im Kompromißweg« sich denn jedoch Pitt Abtei- lung III«inigte, wodurch für den Dorschlag de» Entwurfs«in Mehrheitsgutachten der Arbeitnehmer gewonnen wurde. Sie stimmten einstimmig dem Entwurf zu unter der Bor- aussetzung, daß durch die vorgeschlagenen Organisationen die M i t- Wirkung der Sozialbehörden nicht ausgeschallet werde und dem Laienelcment ein« erweiterte Betätigungsmöglich- kett in de« Beisitzerausschüssen der Arbettsgsricht« sowie in den neu zu schassenden paritätischen Ausschüssen bei den Landes- und dem Reichsarbeitsgericht gemährleistet sei. In dem Mehrheitsgutachten wird die Zulassung bewährter, nicht suristisch ausgebildeter Kräfte zum Amte der Vorsitzenden der Arbeitsgerichts- behörden für Ausnahmefälle gefordert. Die Zahl der Beisitzer aus Kreisen der Arbeitgeber und Arbettnehmer bei den Arbeit»- und Landesarbeitsgerichten soll aus zwei erhöht, beim Reichsarbeits- gericht sollen Senat« mit drei Laienrichtern— die vom Reichswirtschaftsrat aus den Kreisen der Arbettgeber und Arbettnehmer vor- zuschlagen sind— geschaffen werde«. Dem Lerfahre« wurde nach den Vorschlägen des Entwurfs im allgemeinen zugestimmt, dach soll die Begrenzung des Streitwertes für Berufungen von ZOO cuf'500 M. erhöht werden. Hinsichtlich der Uebergangsbestim- mungen, denen der Ausschuß im allgemeinen seine Zustimmung gab, wurde vorgeschlagen, einen Ausschuß des Reichstags für den Erlaß von Lusfahrungsbestimmunge« zuzuziehen. der Thüringer Fustizfkandal. Au» Thüringen wird uns geschrieben: Ein« der Regierung sehr nahestehende Korrespondenz verbrettet einen Aussatz über die angeblichen polttlschen Ur> fachen der„Hetze gegen die Regierung". Darin wird der Spieß ein- fach umgedreht und der Oberstaatsanwall Dr. Frieder« de- schuldigt, den ganzen Skandal verursacht zu haben, in- dem er der Opposition, nämlich der SPD., aus pollttschen Motiven Material gegen seine Regierung zur Verfügung stelle. Cr hoffe dadurch bei der nächsten Landtagswahl als Führer der Aufwertung»- kreis« mtt Hilfe der Sozialdemokratie sein Schäfchen ins trockene zu bringen. Diese Behauptungen sind ebenso dumm wie falsch. Zwischen dem Oberstaatsanwall Dr. Frieders und der Sozialdemokratie bestehen nicht die geringsten Beziehungen. Das sozialdemokratisch« Urteil über Dr. Frieder» steht sett langem fest und hat in den letzten Wochen nicht die geringst« Wandlung erfahren. Di« thüringische Regierung hat die ihr nahestehenden Blättern wissen lassen, daß fie gegen das Londesorgan der Sozial- demokratie Thüringens„Das Volk" in Lena Strafantrag gestellt habe. Wir begrüßen diesen Schritt der Regierung nur: gibt er doch die Möglichkett, den einzig dastehenden Iustizskandol vor aller Oeffentlichkett zu klären, selbst nach der Ernennung des Geheimrats Lug zum Nachfolger des Dr. Frieders. Gaperns finsnahmerecht. DerNechtsausschuß de» Reichstag» deschäftirt, stch gestern mtt den bayerischen Ausnahmeverordnungen. Hierzu lag der Antrag der 2lbgg. Müller- Franken(Soz.) und Gen. vor. Die Verordnung des Gesamtmini st eriums de« Frei- staates Bayern über einstweilige Maßnahmen zum Schutze und zur Wiederherstellung der ösfenllichen Sicherhett und Ordnung vom 14� Februar 4925 sowie die Anordnungen de» bayerischen General st aatskommissars zum Schutze der Jugend vom 46. Oktober 4923 und zur Bekämpfung der Zigeuner vom 9. Januar 4924 werden auf Grund des Artikels 48 Abs. 4 der Reichsver- sossuna aufgehoben. Der sozialdsmokraiijche Alttrag wurde von den Abgeordnete, Dr. Brau«»Franken und- L a n d s b e r g vertreten. Der ver- treter der bayerischen Regierung v. P reg er trat lebhaft dafür ein. daß zurzeit noch ein Bedürfnis zur Ausrechterbalmng der Verordnungen bestände. Auf Grund dieser Erklärung sprach sich der Adge- ordnet« Schulte namens desZentrum» dahin au», daß auch da» Zentrum gegen den Antrag stimmen müsse. Schließlich wurde der sozialdemokratisch« Antrag, zu dem der Abg. Brodaus(Dem.) noch eine Einschränkung' in bezug auf die erstgenannte Verordnung beantragt hatte, mit 14 gegen 13 Stimmen abgelehnt. Dagegen wurde einstimmig«in Antrag de» Abg. Wunderlich (Dop.) angenommen, der die schleunig« Vorlegung de» Entwurfes eines Reichsoerwaltungigesetze» forderte. Gewerkschaftsbewegung Kommt ein Verkehrsstreik? Die Verschleppungstaffif der Unternehmer. Der Konflikt in den Berliner Berkehrsbetrieben, und zwar jo. mehl bei der Straßenbahn wie auch bei der Hochbahn und der Omnibusgesellschaft verschärft sich. Schuld daran ist vor allem die Berschleppungstaftit, die sowohl von der Direktion der Straßenbahn als auch von der Hochbahn- und der Omnibusge sellschaft betrieben wird. Das Personal beginnt nachgerade die Gebuld zu verlieren, was durchaus nicht verwunderlich ist. Gestern fanden wieder ergebnislose Berhandlun gen zwischen dem Deutschen Berfehrsbund und der Direktion der Straßenbahn statt. Bieder mußten die Verhandlungen abge brochen werden. Sie sind auf Freitag vertagt worden. Heute sormittag finden vor dem Schlichtungsausschus Verhandlungen in dem Lohnstreit der Hochbahn statt. Um 2 Uhr nachmittags wird für die Omnibusgesellschaft verhandelt. Ob es da zu einer Einigung fommmt, erscheint nach der seitherigen Haltung der Diret tion fehr fraglich. Den Angestellten der Berkehrsbetriebe ist es natürlich nicht unbekannt, daß die Wirtschaftslage der Berliner Berkehrsunterneh mungen eine glänzende ift. Ganz anders sieht es aber mit den Löhnen und mit der Arbeitszeit der Berkehrsarbeiter aus. Die Geduldsprobe, auf die die Belegschaften der Berliner Berkehrsbetriebe gestellt werden, hat lange genug gedauert. Es ist höchste Zeit, daß den berechtigten Forderungen der Arbeiterschaft Rechnung getragen wird! Vor einem Streit bei Bolle. Maßnahmen zur Sicherung der Milchversorgung. Bie wir bereits berichtet haben, hat die Firma Bolle wider Treu und Glauben den legten Schiedsspruch, der die Löhne um 1 bis 3 m. pro Woche erhöhte, abgelehnt, obwohl sie sich zu seiner Annahme verpflichtet hatte, für den Fall, daß der Manteltarif zustande tame. Es ist mit Sicherheit zu erwarten, daß daher bie Belegschaft der Meierei Bolle heute abend die Niederlegung ber Arbeit beschließen und ab morgen früh durchführen wird. heblichen Teils der Berliner Bevölkerung gefährdet ist, hatte das Bolizeipräsidium sich mit dem Deutschen Verkehrsbund in Berbindung gesetzt, um die Aufrechterhaltung der Milchversorgung zu fichern. Der Deutsche Berkehrsbund hat sich bereit erflärt, die notwendigen Schritte zu unternehmen, um eine Gefährdung der Milchversorgung hintanzuhalten. Er hat sich insbesondere mit den anderen Meiereien in Verbindung gesetzt, die in ähnlicher Weise wie Bolle Burch Wagen Milch vertreiben und sie veranlaßt, für den sehr wahr. fcheinlichen Fall eines Streitbeschlusses die Teile Berlins, insbe fondere den Westen, den Bolle hauptsächlich mit Milch versorgt, zu beliefern. Zugleich fordert der Deutsche Berkehrsbund die kleinen Milchhändler auf, fich mit mehr Milch zu versorgen, um den Ausfall durch den Streif bei Bolle zu decken. Nach Ansicht des Milchamtes der Stadt Berlin dürften diese beiden Maßnahmen ausreichen, um die Milchversorgung Berlins ficherzustellen. Da durch einen Streit bei Bolle die Milchversorgung eines erVerbindlicher Schiedsspruch für den Ruhrbergbau. Geringe Erhöhung der unzureichenden Löhne. Der am 29. Oftober gefällte Schiedsspruch für den Ruhrbergbau, ber für die Bergarbeiter nur eine mäßige ohnerhöhung brachte, trozdem aber von den Bechenbefizern abgelehnt worden mar, ist jetzt vom Reichsarbeitsministerium für verbindlich erflärt worden. Nach dem Schiedsspruch werden der Zimmerhauer Schichtlohn von 6,50 auf 7 M., der Lohn für angelernte Arbeiter von 6 auf 6,40 m., der Lohn für ungelernte Arbeiter von 5,30 auf 5,60 m. erhöht. Die übrigen Tariflöhne ändern sich entsprechend. Der Lohn für Vollhauer im Gedinge follte im Durchschnitt auf jeder Schachtanlage 8,05 m. betragen. Die Randzechen dürfen die Löhne um 6 Broz. unterschreiten. Die Lohnordnung gilt unfündbar bis zum 31. März 1926. Ein gewerkschaftliches Wohnungsbauprogramm. Und ein grotestes Titelprojekt der bayerischen Regierung. München, 10. November.( Eigener Drahtbericht.) Die Ortsausschüsse Bayerns des ADGB. traten am Sonnabend und Sonntag in Regensburg zu einer Landestonferenz zusammen. Rach ausführlichen Referaten und einer regen Aussprache wurden zwei Entschließungen angenommen. In der ersten Entschließung protestiert die Konferenz aufs schärfste gegen die Behauptung der Unternehmer, daß die Löhne der Arbeiter schuld an dem schlechten Stand der deutschen Wirtschaft sind. Der zweite Protest der Ronferenz richtet sich gegen die leeren Bersprechungen, mit denen seit Jahren die ohnungslosen abgespeist werden, ohne daß etwas geschieht. Es wird deshalb die Aufstellung eines ohnungsbauprogramms gefordert, das den Bau von mindestens 1% Millionen Vollwohnungen innerhalb fünf Jahren sorsieht. Für dieses Programm, das im Zusammenwirten von Reich, Ländern und Gemeinden ausgearbeitet und durchgeführt werden muß, stellt die Entschließung Richtlinien auf. In der Aussprache wurde von 3 wost a Nürnberg mitgeteilt, daß die bayerische Regierung vor einiger Zeit bei den Kollegen habe anfragen lassen, ob sie bereit seien, einen von der Regierung neu zu schaffenden Titel( Arbeitsrat, Landesarbeitsrat und Geheimer Landesarbeitsrat) anzunehmen. In einem Schreiben haben die Ge werkschaften diesen Köderungsversuch zurückgewiesen und be tont, daß die Arbeiterschaft teinen Wert auf solche Titel lege. Die Konferenz war der gleichen Anschauung und ging, ohne ein Wort zu verlieren, über die zum 1. Januar 1926 in Bayern bevorstehende Titelverleihung(!) an Arbeiter zur Tagesordnung über. Die wirtschaftsfriedlichen Metallindustriellen. Den Arbeitern muß der Klassenkampf beigebracht werden. Mainz, 10. November.( WIB.) Die Vereinigung der Metallindustriellen hat befchloffen, nachdem der deutsche Metallarbeiterver band in Mainz und Wiesbaden ihrer Aufforderung, die Spengler und Installateurgesellen zur Wiederaufnahme der Arbeit am 9. November zu veranlassen, nicht Folge gegeben hat, sämtliche Metallarbeiter der Bezirke Mainz, Wiesbaden, Rheingau und Umgebung vom 16. November ab ausufperren. Von dieser Maßnahme werden etwa 15 000 Arbeiter betroffen. Das ist die wirtschaftsfriedliche" Politik der Unter nehmer. In Mainz und Wiesbaden streiten die Spengler, weil sie mit den Hungerlöhnen nicht auskommen fönnen. Flugs werden die Metallarbeiter im meiten Umfreise ausgesperrt unsere Wirtschaft fann ja fo etwas vertragen damit auch sie mit der Nase darauf gestoßen werden, daß die Unternehmer ihre Feinde find. Und diese Leute jammern dann über Klassenverhezung! Tagung der Postinternationale. Der Brüsseler Kongreß beichloß: Das Egetutiotomitee fann eine Delegation nach Rußland entfenden, wenn es die Zwed mäßigkeit und Notwendigkeit dazu für gegeben hält und in Rußland Verhältnisse herrschen, die der Delegation die Möglichkeit geben, nach Belieben Untersuchungen zu veranstalten. Dieser Beschluß wird in der Fahne" als zweideutig erklärt, zu gleich aber gefragt, wo feine Durchführung bleibe. In der der KPD. eigenen 21- Bunfte- Logil wird gefolgert: „ Der Deutsche Holzarbeiterverband hat sich durch seinen Borfizenden an der Amerikadelegation des ADGB. beteiligt. Er muß(!) als stärkste Organisation der Internationale vorangehen und eine Eine mirtliche Delegation nach Sowjetrußland entfenden." Internationale der Holzarbeiter tomme erst zustande, wenn auch der ruffifche Holzarbeiterverband und die revolutionären Holzarbeiterorganisationen der anderen Länder in die Union eingegliedert werden. Borauf zu erwidern ist, daß die Russen jederzeit der Internationalen Union der Holzarbeiter beitreten können, wie diese auch beschlossen hat, vorausgesetzt, sie scheiden vorher aus der sogenannten Roten Internationale aus, d. h. sie verzichten darauf, den Arbeitern in den anderen Ländern Knüppel zwischen die Beine zu werfen. Beschlüsse der Bergarbeiterinternationale. Baris, 10. November.( WTB.) Der Erefutivausschuß des Internationalen Bergarbeiterverbandes hat heute vormittag seine Beratungen fortgesezt. Er hörte zunächst den Bericht des Sekretärs des Internationalen Verbandes über die am 9. und 10. Oktober in Amsterdam abgehaltenen Sizungen, in denen der Kampf gegen die Kriegsgefahr erörtert wurde. Es wurde beschlossen, den nächsten internationalen Bergarbeitertongreß am 10. August 1926 in Kra. fau abzuhalten. Ein lebhafter Meinungsaustausch entspann fig land zu entfenben. Es find neue Schwierigkeiten wegen der Do um den Plan, Delegierte der Bergarbeiterinternationale nach Rus metscher entstanden, welche diese Delegationen begleiten sollen. Der Berband besteht auf seinem Rechte, jeine Dolmetscher selbst zu wählen. Schließlich wurde ein Schreiben der japanischen Bergarbeiter befanntgegeben, die um Aufnahme in den Internatio nalen Verband ersuchen. Vor Schluß der Beratungen wurde be. um sie zur Organisation der Verhinderung des rieges aufzufordern und die Einstellung der Feindseligkeiten in Maroffo und Syrien zu verlangen. nationale des Boft-, Telegraphen- und Telephonperjonals, um fich In Straßburg tagte türzlich der Ballzugsausschuß der Inter mit der internationalen Lage der drei Beamtengruppen zu beschäf tigen. Vertreten waren Deutschland, England, Frankreich, Belgien, Schweiz und Desterreich. Die Postinternationale umfaßt rund 500 000 Mitglieder, die ideologisch und organisatorisch erfprießlich zusammenarbeiten. Italien war nicht vertreten, weil die italienische Regierung die dortigen Postbeamten zur Bildung einer faschischlossen, an die Arbeiter aller Länder einen Aufruf zu erlassen, frischen Gewerkschaft gezwungen hat. Der nach Straßburg übermittelte Beschluß des Landeskongresses der Federazione Postale Telegrafica e Telefonica" besagt: In Anbetracht der Tatsache, daß die Bestände des Verbandes derart zurückgegangen sind, daß ehrlicherweise nicht mehr davon gesprochen werden kann, der Verband vertrete einen wesentlichen Teil des Personals, mas als unerläßliche Bedingung für die Aufrechterhaltung der Federazione Postale Telegrafica e Telefonica betrachtet werden muß; in Anbetracht ferner, daß diese Aufrechterhaltung unter folchen Berhältnissen irrigerweise als Aft des Widerstandes ausgelegt mer den tönnte, beschließt der Kongreß die Auflösung des Berbandes. Der einstimmige Kongreß, diesen schmerzlichen Att vollziehend, fendet allen P. T. T.- Bediensteten Italiens brüderlichen Gruß und formt für deren Schicksal und das Schicksal der Verwaltung die besten Wünsche." Der Bollzugsausschuß nahm darauf folgende Entschließung ein. stimmig an: Der Vollzugsausschuß der Internationale des Post-, Telegraphen und Telephonpersonals, versammelt am 31. Oftober in Straßburg, stellt mit Bedauern und Entrüstung fest, daß die fort gelegten Zwangsmaßnahmen der italienischen Regierung die Gewissens und Organisationsfreiheit der italienischen P. I I. Be diensteten antaſteten, die sich nur mehr in einer faschistischen Organisation zusammenschließen dürfen. Berbindlicher Schiedsspruch für das Baugewerbe. Köln, 10. November.( Eigener Drahtbericht). Der Schieds. spruch für das rheinische Baugewerbe, der am 4. Oktober vom rheinischen Schlichter gefällt worden war und der das Lohnablommen vom 2. und 22. Mai d. Js. aufrechterhält, ist vom Reichsarbeitsministerium für berbindlich erklärt worden. Bor schweren Kämpfen im Saargebiet. Saarbrüden, 9. November.( Tul.) Die schwere Wirtschaftsfrife im Saargebiet wird durch die Frantentwertung von Tag zu Tag bedrohlicher. Große Arbeitskämpfe stehen im ganzen Saargebiet bevor. Die Gewertschaftsgruppen haben den Arbeit gebern neue Lohnforderungen unterbreitet. Der Arbeitgeberverband der Saarindustrie hat die Lohnforderungen der Gewerkschaftsorganifationen wegen der schlechten Wirtschaftslage abgelehnt. Im Holz- und Baugewerbe will der Arbeitgeberverband zur Aus= perrung aller Arbeiter schreiten. In drei Saarbrücker Großbetrieben haben die Arbeiter die Tarife gefündigt. Achtung, Bauarbeller! Die Sperre bei der Firma Gebrüder Der Bollzugsausschuß ruft das europäische Gewissen zur Ber- rietede wird aufgehoben, da die Differenzen bei dieser urteilung einer Diftatur auf, die ein auf höchster Stulturstufe stehen Firma erledigt find. Deutscher Baugewerksbund. des Volk aller freiheitlichen Grundrechte beraubt." Die nächste Sigung des Bollzugsausschusses findet 1926 in Baris statt. Zur russischen Einheitsfrontmache. Gegen die Union der Holzarbeiter. Der Anschluß des amerikanischen Holzarbeiterverbandes an die Union der Holzarbeiter wurde in der Roten Fahne" vom letzten Sonntag glossiert. Die Amerikadelegation des DGB. sei entsandt worden, um die fonservativen amerikanischen Gewerkschaften als Gegengewicht gegen den linfsorientierten englischen Flügel in der Amsterdamer Internationale zu gewinnen. Die Rote Fahne muß allerdings zugeben, daß der Beschluß der amerikanischen Holzarbeiter zweifellos ein Fortschritt auf dem Wege zur Herstellung der internationalen Gewertschaftseinheit sei". Aber Iar now, der sich mit aller Energie für den Anschluß der amerikanischen Gewerkschaften in den JGB. einseige, leiste gegen die Einheit mit den russischen und revolutionären Gewerkschaften anderer Länder den schärfsten Widerstand. Der Kongreß der Holzarbeiter- Internationale im Juli d. I. in Brüssel habe den General sekretär des englischen Möbelarbeiterverbandes Gossip aus dem Egefuriofomitee ausgeschlossen, weil er für den russischen Holzarbeiterverband die Aufnahme gefordert habe. Achtung, Bauarbeiter! Auf der Baustelle der Firma Holzm.a 11.11 Reinickendorf, bolländer Straße, find die Steinträger wegen Differenzen von der Firma ausgesperrt. Wir ersuchen, Arbeit dort nicht anzunehmen. Deutscher Baugewerksbund, Baugewerkschaft Berlin. Berein der Atfordsteinträger Groß- Berlins. Gesperrte Gaffwirlsbetriebe! Wie der Zentralverband der Hotel, Restaurant, und Café- Angestellten mitteilt, find die folgenden Gastwirte betriebe für feine Mitglieder gesperrt: Balais des Ditens, Inh. Pfeilstifter, Waridhauer Str. 84/35. Prälaten des Oftens, Große Frankfurter Str. 16. Böhmii Brauhaus, Landsberger Allee 11. Restaurant Fr. Baarmann, Oberbaumstr. 1. Restaurant oppe, Kottbusser Damm 21. Restaurationsbetrieb und Tunnel im Walhalla beater. Weinbergsweg 21( nicht Weinbergs- Klause). Restaurant 8ur Münstlause" Jnh lid, Münzitraße. Die Sperre über Jordans Alte Bier stuben Inh. Stadfletb u. Schirmer ist aufgehoben. Die Differenzen find beigelegt. SPD.- Genoffen bes Bezirksamts Kreuzberg! Donnerstag, 7½ Uhr abends pünktlich, im Lotal Don Bieler, Dieffenbachstr. 76, Berfamni lung aller EPD.- Arbeiter, Angestellten und Beamten. Tagesordnung: 1. Bortrag des Geneffen Stadtarzt Dr. Druder über Das Gefund heitswesen der Stadt Berlin". 2. Distuffion. 3. Verschiedenes. Angehörige von Parteimitgliedern haben Zutritt. Gäste willkommen. Rahlreichen Besuch erwartet Der Fraktionsvorstand. S. A.: Mener. Zentralverband der Schuhmacher, Ortsverwaltung Berlin. Donnerstag Die Dinge haben sich natürlich erheblich anders zugetragen, als es das Bolschewistenblatt erzählt. Ueber die Reise der deutschen Gemerffchaftsdelegation haben wir schon der Roten Fahne" gedient. Gossip hat als Mitglied des Erekutivkomitees gegen bie Beschlüsse des Wiener Kongresses der Holzarbeiter- Union verstoßen, indem er mit den kommunistischen Berbänden in Rußland und Frankreich Beziehungen unterhielt. Da er erflärte, auch weiterhin mit diesen Verbänden in Berbindung zu bleiben, wurde er nicht wiedergewählt; an seiner Stelle murde ein anderer Engländer, der Delegierte des englischen Holzarbeiterverbandes oift o mcroft gewählt. Von einem Aus- und Berlaasanstalt Baul Ginger u. Co.. Berlin SB. 68. Lindenstrake 3. schluß fann also nicht die Rede sein. mitgliederversammlung im Gaal 4 bes Gemerfifchaftshauses, Engelufer 24-25. Berantwortlich für Bolitit: Ern Reuter: Wirtschaft: Artur Saternus; Gewerkschaftsbewegung: Friebr. Chkorn; Feuilleton: A. 5. Döscher; Lokales und Sonstiges: Fris Rarstäbt; Anzeigen: Th. Glode; fämtlich in Berlin. Berlag: Borwärts- Berlag G. m. b. S., Berlin. Drud: Borwärts- Buchdruckeret Sieran 2 Beilagen ,,, Unterhaltung und Wissen" und Frauenstimme". GARBÁTY KÖNIGIN V. SABA GOLD SABA GARBÁTY Deine JACOBY- BOY SABA GARBÁTY KÖNIGIN V. SABA GOLD- SABA weiter nur 4 Pfg. GARBATY 7. Beilage ües vorwärts Mittwoch, 11. November 1925 müsegärten— eine wirkliche Oase nnb ein anmutiges und ländlich anmutendes Bild, einen Uebergang zum Park einerseits und zum Grunewald andererseits, obgleich die dort errichteten Riesenbauten glücklicherweise noch nicht zu dutzendftöckigen Häuf ermonstrositäten aufgebläht sind. Auf dieser Laubenkolonie haben vor vielen Jahren Bewohner aus allen Berufskreisen sich eine Heimstätte errichtet. Hier sah man bis in die letzten Tage Schwerkriegsbeschädigte, in Ruhestand getretene ehemalige Beamte, alte Ehepaare, oh mit ihren Enkeln, jüngere Leute mit ihren Kindern, ehemalige Lehrer oder Musiker, kleine Bürger und Arbeiter ihren Kohl bauen und glücklich, die unerschwingliche Sommerreise an Ort und Stelle ersetzen zu tonnen. Aus eben diesem Terrain hat unsere volksireundliche Post« Verwaltung beschlossen, ein Verwaltungsgebäude zu errich« t e n, für das gerade ausgerechnet an dieser Stelle eine unabweis- bare Notwendigkeit gewesen sein soll. Und damit ist das Schicksal des Litzenseeparks besiegelt. Der Park nämlich liegt stellen- weile bis zu 8 Meter unter dem Straßenniveau, erhält Licht, Luftbewegung und Sonnenwärme, solange dieses Trias nicht durch Bauwerke abgeschlossen wird. Obwohl uns schon auf der Schulbank gelehrt wird, daß jede Pflanze, vom Grashalm bis zur höchstragenden Eiche, ohne Licht, Sonnenwärme und Luftbewegung nicht bestehen kann, so scheint doch in den maßgebenden Kreisen dieses Sch.lwissen nicht zu bestehen. Und somit bleibt es dabei. Die Postverwallung hat vielleicht noch nichts von Dolksgesundheit und Volkswohl gebort. Wir wollen aber die Lelesenheit der hier ausschlaggebenden Männer nicht anzweifeln, obwohl keine akademische Bildung zu diesem Schulwissen gehört, denn sonst müßten sie wissen, daß in einer Millionenstadt jeder Baum, jedes Stück Rasen dazu beiträgt, die Gefahren einer durch Rauch, Staub und Schmutz vergifteten Atmosphäre z» verbessern. Oer Potsdamer Prozeß. Zw?i Tage Ruhepause. Zu der gestrigen Nachmittagssitzuna war der Andrang wieder ungeheuer. Es wurden die beiden Nichien der Gräfin aufgerufen, die löjährige Elinor v. Pourdzinski und die 18jährige Lonni v. Pourdzinski. Erstere machte von ihrem Zeugnisver. weigerungsrecht Gebrauch, die zweite Zeugin, Lonni, plau- derte allerlei. Die angeklagte Gräfin fuhr eines Tages nach Berlin mit einem Kofier zu Jsraelski, angeblich mit Kinderwäsche für eine gräfliche Familie. Es stellte sich später heraus, daß in dem Koffer Teppiche gelegen haben. Diese Zeugin hat den Brief der angeblich sterbenden Frau im Briefkasten gefunden und sie hat auch dem Hausdiener Stangen bei seinem Besuch geöffnet. Die Zeugin führte ihn gleich in den Salon. Vors.: Ist das so üblich, daß jeder fremde Mann bei der Gräfin in den Salon geführt wird? Zeugin: Sonst ja nicht, aber der sah ja ganz gut aus. Stangen hätte dann gleich vom Polziner Diebstahl angefangen und seinen Besuch ein- oder zweimal wiederholt. Die Zeugin erzählte manches, was für die Angeklagte unbeq em werden könnte. So hat Frau v. Bothmer dieser Zeugin das Silber und kostbare Decken, olles Erbstücke, aus den Spinden genommen und einfach versetzt. Lonni war sehr erstaunt damals, ihre Sachen auf der Kriminalpolizei wiederzufinden. Gestern in der Hauptverhandlung war alles verziehen. Ihre Tante, die Angeklagte, konnte sich iür berechtigt halten, zu versetzen. Ein hochwichtiger Trauerhut mit langem Schleier, der immer im gräflichen Hause vorhanden war und im Prozeß ein wichtiges Be> weisstück gegen die Gräsin werden könnte von wegen der Beichte in der Bonijaziuskirche in Berlin, wurde von der Gräsin als ge- stöhlen gemeldet. Die Hausangestellte Emma Schulz, die so de- lastend gegen die Gräfin vormittags aussagte, bekundet dem Gericht, daß sie gleich nach der ersten Haussuchung von der Angeklagten e n t- lassen worden sei. Diese Zeugin hat die Zeitung gefunden, aus der das Wort„Präsident* a: sgeschnitten war. Zeuge Schiller- Berlin bekundet, daß die Angeklagte ihm einmal Silber und anderes angeboten habe. Schiller hatte auf der Potsdamer Kriminalpolizei sehr eingehend über dieses Silberangebot Angaben gemacht. Gestern erschien der Zeuge etwas gedächtnisschwach. Schiller hat seinerzeit einen Brief von dem Graten Adolf v. Bothmer(einem Schwager der Angeklagten) erhalten. Angeklagte v. Bothmer: Ja, ich brauchte damals Geld sür einen neuen Mantel und Kleider. Das Silber war von meiner Mutter und im übrigen war mein Dater außer Generalstabsarzt im Privatberus— Goldarbeiter. (Lochen im Saal.) Der Staatsanwalt teilte im Laufe der Vorhand- lung mit. daß ihm gemeldet worden sei, daß jemand Fräulein Lonni v. Pourdzinski mit einem Koffer zum Heiligen See habe gehen sehen, und zwar einen Tag vor dem mysteriösen Silbersund in der Nähe des Marmorpalais. Diese Aussage soll in der nächsten Der- Handlung, die am Freitag stattfindet, nachgeprüft werden. Der Stuöent und Sie Friseuse. Menschen, die vom Wege abkommen. Eigentlich haben die Beiden nichts miteinander zu tun. Sie kennen sich wahrscheinlich gar nicht. Nur ihr beider Schicksal, da? sie auf jene Wege trieb, die alle einmal früher oder später vor dem Gericht zu enden pflegen, ist sich ähnlich. Von beiden behaup- ten die medizinischen Sachverständigen, daß sie geistig nicht sür vollwertig zu erachten sind, teils schon in Nervenanstalten waren, teils dem Z 51 schon bedenklich nahe gestanden haben. Der Student der Mathematik Rudolf P. ist 24 Jahre alt. Schon als Obersetundaner kommt er mit den Gesetzen in Konflikt, S Monate Gefängnis sind die traurigen Folgen. Der leicht- sinnige junge Mann hatte viel Glück. Niemand erfuhr etwas von seiner Vorstrafe, ja, er konnte sogar vor einer Prüsungskommission das Abiturium ablegen und bestehen. Er bezieht die Universität und studiert Mathematik. Als er wieder einmal die Gewalt über sich verliert, wahrscheinlich in Gemeinschaft mit einem Kollegen, muß er nochmals eine Gefängnisstrafe, diesmal von 6 Monaten, über sich ergehen lassen. Daß alle beide Ver- fahren� später niedergeschlagen wurden, weil„berech- tisite* Zweifel an seiner geistigen Zurechnungsfähig- k e i t entstanden, ist deshalb sehr interessant, well P. trotzdem wieder die Universität mit seinem Besuche beehrte und weiter— Mathematik studierte! In diese zweite Studienzeit fallen nun seine neuesten Straftaten. Im Studentenheim hat er seine eigenen S t u d i e n g e n o s s en auf jede erdenk- l i ch e W e i f e b e st o h l e n. Als der Angeklagte entlarvt wurde und bei ihm die wertlose ften Gegen st ände vorgefunden wurden, die er sorgfältig auf dem Boden versteckt gehalten hatte, tauchten wieder jene„berechtigten Zweifel* an seinem Geisteszustand auf. Der Staatsanwalt verlangte harte Bestrafung. Das Schöffen- gericht war aber noch einmal anderer Meinung. Da die Sach- verständigen den Studenten der Mathematik für einen Psychopathen hielten, kam der Angeklagte recht milde davon, er erhielt 7 Monate Gefängnis, und da er schon 9 Monate lang in Unter- suchungshoft sitzt, gilt die Strafe als verbüßt. Die kleine schmächtige Friseuse Margarete B. hatte vor dem Schöffengericht Charlottenburg nicht ganz so viel Glück. Sie stammt von einer nervenleidenden Mutter, war selbst viel krank und längere Zeit in einer Nerven- Heilanstalt. Im Untersuchungsgefängnis soll sie sich wie ein ungezogenes Kind benommen und ständig über die kleinsten Sachen Beschwerden eingereicht haben. Der Gefängnisarzt, der die An- geklagte beobachtet hat, hält sie für hysterisch und geistig auffallend zurückgeblieben. Angeklagt ist die B. wegen mehrerer Betrügereien, durch die sie sich Garderobe und in zwei Fällen Beträge von ins- gesamt 17,50 Mark erschwindelt hat. In den geschädigten Geschäften gab sich die Angeklagte für die Nichte einer bekannten Kundin aus. die sich mehrere Kleider zur Ansicht erbat. Schickten die Inhaber einen Boten mit, so mußte dieser vor der Haustür warten, während die B. durch eine andere Tür mit den Kleidern verschwand. Die Friseuse, die sich noch längere Zeit als Gelegen hestsarbellerin betätigte, dann aber keine Stellung mehr fand, legte ein r e u m ü t i g e s(3 e st ä n d n i s ab, sie wollte in bitterster?tot gehandelt haben. Das Gericht folgte wohl dem Urteil des Smh- verständigen insoweit, als es die Angeklagte für minderwertig hält. Da sie aber schon vorbestraft sei und auch eine„verbrecherische Neigung unverkennbar vorläge*, dürfe die Strafe nicht zu gering ausfallen. Urteil: Die Angeklagte wird zu einer Gesamtstrafe -von 1 Jahr Gefängnis und zum Verlust der bürger- lichen Ehrenrechte aus die Dauer von 3 Iahren ver- urteilt, 2 Monate werden auf die Untersuchungshaft angerechnet.— War nun das Schöffengericht Berlin-Mitte gegen den Studenten zu milde oder das Schöffengericht Charlottenburg gegen die Friseuse zu hart?__ Bayern baut in Berlin ein BierhauS i Bekanntlich mag der Bayer, besonders der Südbayer und der Münchener, die Berliner nicht gut leiden. Die infame völkische Hetze, die 1922 und 1923 in München gegen Bertin getrieben wurde, vergißt sich nicht so schnell. Aber der bayerische Staat will vergessen machen, reicht über 899 Kilometer weg dem Berliner die rechte deutsche Bruderhand, und in der linken schwingt er einen echten Münchener HB.-Schoppen. Unmittelbar an der Stelle nämlich, wo die wenigen aus Bayern nach Berlin kommenden echten Bayern und die vielen aus Bayern zurückkommenden Berliner„boarischen Buam und Madeln* wieder Berliner Boden betreten, am Anhalter Bahnhof, will der bayerische Staat ein echtes Mllnchener Hafbräu erstehen laflen, und die Münchener Firma Heilmann und Littmann, die einst Theater baute, soll in Berlin das Bräu bauen. Und zwar Nr. 55? � 42.�ahrgaag Kohlrüben. Es läßt sich hundert gegen eins wetten, daß schon diese Ueber- schrift automatisch die Kriegstage herausbeschwört und den meisten ein Gefühl der Abneigung hervorruft. Das ist kein Wunder, denn für was die Kohlrübe olles herhalten mußte: Marmelode. Kaffee, Drotzusatz und was sonst, noch alles, außer dem täglichen Gemüse und Salat ohne ein bißchen Schmolz, gehört zu den traurigsten Kapiteln der Durchhaltejahre. Der Tisch der Besitzenden war besser gedeckt, hatte doch zum Beispiel der Durchhaltekaiser gleich sein ganzes Schloß zum Hamsterloger eingerichtet, doch das Volk dra' ßen und drinnen mußte sich kärglich mit Kohlrüben durchhelfen. Dabei verdient die Kohlrübe oder Wrucke, besonders die gelben Sorten, wirklich nicht den Abscheu, den sie bei den meisten erweckt, denn sie gibt gut geschmalzt ein vortreffliches Gemüse. Dach die verhaßte Erinnerung ist bei de« meisten stärker. Eher noch wissen sie die Wohlhabenden zu schützen, die sich an ihr nicht so überessen mußten. So war zu beobachten, daß in einer Kantine ausgezeichnet gekochte Kohlrüben fast überall eine Art Psychose hervorrief, die mehr oder weniger lebendig und drastisch sich in abwehrenden Worten äußerte. Diejenigen, die über die ersten Lössel hinwegkamen, aßen mit Appetit weiter, doch einige verließen nach dem ersten Lössel die Schüssel mit dem größten Widerwillen, ja, beinahe mit Brechreiz. Es ist merkwürdig, wie eindringlich hierbei in manchem die Ver- gangenheil lebendig wurde, gerade so, als ob sich im Gefühlsleben die ganzen Entbehrungen der Kriegsjahre auf die Kohlrübe konzen- rriert hätten. Ein psychologisches Moment, das einen beinahe in Versuchung bringen könnte, diktatorisch am Tage des Kriegs- beginns für die ganze Bevölkerung einen Kohlrübentag alten Musters, mit Kafjee und Marmelade aus Kohlrüben, fettlosem Kohl- rübengemüse. kurz, all dem Hungerelend der eisernen Zeit einzu- führen. Das gäbe eine Propaganda gegen den Krieg, die mehr als Worte wirken würde. Doch damit ist natürlich nicht zu rechnen, doch wenigstens in Gedanken sollte man diese Zeit einmal wieder herausbeschwören, denn die Menschhnt ist zumeist von einer Ver- geßlichkeit gegen Gewesenes, die, so glücklich sie an sich sein mag, sie doch viel zu wenig aus ihrer Geschichte lernen läßt. Der park im Schatte«. Das Schicksal einer Großsladllunge. An dem schönsten Punkte der Stadt Charlottenburg befindet sich der Lietzenpark mit See. Wer einmal in dieser auch nach der künstlerischen Seite hin überaus gelungenen Stelle Umschau gehalten hat, findet ein Panorama, wie es selbst weder Paris noch Wien innerhalb seiner Mauern aufweisen kann. Wer einmal aus einer Bank dieses Parks dos schöne Waiserbild, den glatten Spiegel, dem hohe Häuser einen unvergleichlichen Rahmen geben, gesehen, wer einmal die große Zahl der Spaziergänger, spielende Kinder und aus den vielen Bänken beschaulich sitzende Aste oder jüngere Leute be- obachtet hat, empfindet es sicherlich immer wieder, daß man hier dem Länn der Großstadt wirklich entrückt ist. Man hat dann den Eindruck, daß Menschen aller Stände und jeden Alters dieses schönen Stückchens Natvr sich erfreuen. Und dies alles soll nun dem Untergang preisgegeben werden? Diese Oase in der Großstadthäuserwüste ioll zum Verschwinden ge- bracht werden! Nicht etwa, daß eines Tages eine Anzahl Arbeiter mit Säge, Art, Schaufel und Beil aui der Bildiläche des Ließen. seeparks erscheinen, um Bäume zu fällen. Sträucher auszuroden, Bänke zu entfernen, nein, so barbarisch geht man selbst setzt nicht mehr gegen ein Stück Bolksfreude vor. Das kommt erst später noch. Die Sache wird ganz anders angefaßt. Man bringt den Lietzensee- park langsam zum Absterben und in spätestens einem Jahrzehnt kann an Stelle des Parks unter Oberleitung unserer „Postnerwaltung* zu einem zweiten solchen Gebäude, sür welches e-lsdann das Bedürfnis vorhanden sein wird, geschritten werden. Denn der Park ist bis dahin völlig abgestorben, der See ausge- trocknet und versumpft, und in den nächsten 15 oder 29 Iahren wird keiner mehr glauben, daß zwischen zwei Monstrumgebäuden einst ein schöner Erholungeplatz gewesen ist. Zwilchen Dernburg- und Herbart st raße befindet sich ein ziemlich großes Terrain Laubenkolonien. Seit etwa 19 Jahren haben dort eine Anzahl Umwohner aus einem wüsten Sandhaufen ein kleines Paradies geschaffen, aus Lauben. Blumen- und Ge- Die Passion. Roman von Clara vicbig. „Ich muß jetzt gehen," sagte cherr Katzte. strich das Mädchen über die Wange, winkte von der Tür aus noch einmal mit der Hand und ging ab. Olga hatte den Eindruck: der drückt sich. „Finden Sie ihn nett, Fräulein?" fragte Lenchen plötzlich und hörte aus zu weinen. Olga war einigermaßen in Verlegenheit.„Ich kenn« ihn ja so wenig." sagte sie ausweichend. „Ich kenne ihn auch so wenig," sagte die andere.„Hütt' ich gewußt, daß es so kommt, da hätf ich ihm was anderes gesagt, als er mich anquasselte an der Kranzlerecke. So'n Fettwanst, denkt bloß an sich!" Und dann fing sie an zu schimpfen, hemmungslos, so ohne Scheu alle Ausdrücke der Straße gebrauchend, daß Olga fassungslos zu ihr hinüber- starrte. Von jener dort war auf einmal alle Kindlichkeit abgefallen, all das, was Olga, war sie erst noch so zurück- gestoßen, immer wieder mit ihr aussöhnte: schade um dieses Mädchen! Aber in einem hatte die recht: Herr Katzke war widerlich. Sie fühlte einen Zorn gegen diesen Mann, einen Zorn, der viel, viel größer war als der, den sie auf Manfred hatte. Ach. der war doch ein anderer Mensch gewesen! Er hatte ihr zwar auch nicht beigestanden in ihrer Not. er hatte sie verlassen, feige im Stich gelösten—„feige", das sagte sie sich alle Tage vor—. aber er war hundertmal eher zu ent- schuldigen als dieser wohlgekleidete behäbige Mann, der sickzer in den Derhältnisten war. all das wenigstens, was mit Geld leichter zu machen war, auch leichter zu machen. Und der kein junger, hilfloser Mensch mehr war, so einer wie Manfred. der selber nicht aus noch ein wußte. Ach, sie sah Manfreds Gesicht plötzlich vor sich, seine ganze Jugend, seine erschrockenen Augen, sah seine Verstörtheit, hörte die Verzweiflung aus seiner Stimme:„Was sollen wir tun?!" Ach. und er hatte sie doch viel lieber gehabt, als jener Kerl dort das Ding hatte.„O Gott, was machen die Männer aus uns," murmelte sie vor sich hin und fallet« dabei khre Hände. „Fräulein, was sagten Sie? Sie haben ja�die Hände gefallet, beten Sie?" tönt« die Stimm« von drüben. „Nein." Es klang herb.„Wozu beten? Ich habe so viel gebetet: jetzt bete ich nicht mehr." „Nehmen Sie's nicht übel, ich dachte," sagte Lenchen wieder in ihrem früheren gutmütigen Ton.„Ach, Fräulein, ich fühle mir ganz scheußlich. Ach, Fräulein, ich habe Angst! Ach. Fräulein Olga, darf ich„du" zu Ihnen sagen?"— Olga Wilkowski fand im Atelier des feinen Modebasars in der Leipziger Straße— das heißt in der Nähstube— Beschäftigung. Lenchen hatte ihr noch einen Zettel für den Nayonchef geschrieben und gesagt, den solle sie da nur abgeben. So"gekritzelt diese Empfehlung auch war und so fehlerhaft die Orthographie, die Arbeitsuchende wurde vorgelasten. „Also Schneiderarbeit?" „Jawohl." „Wo haben Sie schneidern gelernt?" „In meiner Heimat." „Haben Sie Zeugnisse?" „Nein." „Sind Sie selbständig tn der Schneiderei?" „Ich verstehe alles." „Sie können bei uns eintreten als Zuarbeiterin. Zwan.zig Mark die Woche. Anfang morgens acht— eine Stund« Mittag— Schluß: abends sieben. Was darüber ist, wird als lieberstunde bezahlt." „Jawohl." Sie brachte es kaum heraus, der Schrecken verschlug ihr die Stimme: zwanzig Mark die Woche, wie sollte sie davon sich und das Kind ernähren?! Wenn sie Ueber- stunden machte, dann konnte es vielleicht glücken. Aber würden Ueberstunden zu machen fein, Und wo sollte sie das Kind lasten? Das alles schwirrte ihr durch den Kopf und betäubte sie fast, sie hörte kaum, daß der Nayonchef noch fragte:„Wird Fräulein Lenchen bald wider kommen?" Da würde der wohl noch lange warten müssen. Das arme Lenchen! Mit Schaudern dachte Olga an jene Nacht zurück, die sie mit der in unendlichen Qualen sich Windenden, in ihrer Pein sich an sie Ankrallenden in der muffigen Hinter- stube zugebracht hatte. Die Lehmann ging ab und zu, tröstete. schimpfte, war ziemlich ratlos, ging in ihr Küche, braute sich «inen Kaffee, um wach zu bleiben, setzte sich, nur einen Augen- blick wje sie meinte, auf ihre Lagerstatt und Mief, trotz des Kaffees, fest ein. Sie war alt. Ganz allein wachte Olga bei der in verzweifelter Not Vergehenden. Es grauste sie. Sah so vielleicht der Tod aus? Fast schien es ihr so. Scheu sah sie hinter sich: im bleichen Schein der Lampe bewegt« sich ihr Schatten riesengroß an der Wand, und es kam ihr vor, als sei da noch ein anderer, ein Dritter. Sie bewegte sich— der Dritte nickte. Sie beugte sich über die Ringend«— der Dritt« beugte sich auch. „Berlass mich nicht," keuchte Lenchen. „Ich verlast' dich nicht." „Ich will nicht sterben!" „Du stirbst ja nicht." „Doch, ich sterbe. Ich will ja auch gern sterben. Ich halt's nich mehr aus!" O Gott, was machen die Männer aus uns, dacht« wieder- um Olga. Zuletzt mußte man doch den Arzt holen, die Lehmann hatte eilen müssen. Der Morgen graute mit trübem, traurigem Licht. Der Doktor schwitzte, die Lehmann schwitzte, Olga zitterte, die kleine Eva wimmerte. So unruhig war die noch nie gewesen, sie bäumte sich wie in Krämpfen, sie streckt« ihre Händchen aus, als wehre sie sich vor etwas. Lenchen war still geworden, beängsttgend sttll. Auf einer Bahre war sie dann in den Wagen der Ret- tungsstelle geschafft worden. Sie war von einem Knaben entbanden woroeu, dessen Körper behaftet war wie der eines Aussätzigen, und lebend war er schon nicht mehr gewesen. Die Lehmann hob höchst überrascht und ganz außer sich beide Hände:„Rich zu glauben! Na. ich sage schon, sollte der Katzke—" weiter sprach sie ihre Befürchtung nicht aus. Sie sagte nur nach einer Weile:„Die hat ober n Pech!" Olga, noch schwach auf den Füßen, übermannt von Er- müdung und Anstrengung, sah sie an nnt ganz verglasten, stieren Augen: was meinte die Lehmann, wie wqr das zu verstehen?! Halb ohnmächtig sank sie aus ihren Bettrand. Sie hatte die Lehmann nicht verstanden und auch das nichl, was der Doktor zu der gesprochen hatte, aber es war etwas in ihr aufgedämmert, das ihre Seele wie ein düsteres Geheimnis beschattete. Sie wußte das nicht zu benennen, was sie entsetzte— war es Berbrechen, Unglück, etwas, das heran- schlich und die Menschheit anfraß wie ein giftiges Tier? Rur unklar und sich selber noch unbewußt, ahnte sie es und fürch- tete es. (Fortsetzung folgt.) soll fi« es, ffls« behauptet mtrb, nach eigenen Plänen in da» große.Europahaus" einbauen, dos der Berliner ch e i n- rich Mendelssohn, ein Vaukünstler voir eigener Prägung, an der Ecke der Anhalt- und Königgrätzer Straße erbaut. Nach allem, was man bisher über den Mendelssohn-Bau hörte und sah, besteht die Aussicht, daß dort etwas wirklich Neues, Eigenes und Kroßes entsteht. Soll nun tatsächlich erlaubt werden, daß in diesem stilistisch in sich geschlossenen Bau eine Münchener Hofbräuarchitektur sich ein- nistet? Es tut not, daß die Oeffentlichkeit darüber Klarheit bekommt. Das tägliche Amtsvergehen. Ein anonymer Brief. „Amtsunterschlagungen gehören ja jetzt leider zu den täglichen Kapiteln, über die wir hier zu verhandeln haben!" Der Vorsitzende sagt es im Laufe der Urteilsbegründung in einer Verhandlung gegen den Z o l l b e a m t« n W a l t e r H., der sich vor dem Schöffen- gericht Berlin- Mitte wegen schwerer dienstlicher Ver- fehlungen verantworten muß. H. ist über 10 Jahre in seinem Amte gewesen, war im Felde Offizier und genoß das größte Vertrauen seiner Vorgesetzten. Das ist immer so der übliche Gang. Dann kam lange Krankheit, die Not der Zeit und brachten einen Mann auf die Anklagebank, der wegen geringer Summen einen Strich durch sein Leben macht, den er nicht mehr auszulöschen vermag. H. war im Zollamt Norden be- schäftigt und beauftragt, selbständig mehrere Unterwerfungsverhand- lungen vorzunehmen. Hier soll der Angeklagte in drei Fällen Geld eingezogen haben, wozu er schon an und für sich nicht berechtigt war. Es ließ sich in der Beweisaufnahme nicht mehr mit Sicherheit fest- stellen, ob H., wie er behauptete, auch hierzu von seinen Borge- setzten ermächtigt war. Jedenfalls wurden die einkassierten Summen nicht sofort an die Zollkasse abgeführt, der Angeklagt« behielt sie für sich, da ihn gerade zu dieser Zeit Not und Krankheit in mißliche Ver- hültnisse gebracht hatten. Später wollte H. dann das Geld in ein- fachen Briefen an seine Behörde abgesandt haben. Die Briefe bliebe!, solche, die die Zollkasse nie erreichten! Aber die Staatsanwaltschaft erhielt eines Tages ein anonnmes Schreiben, in dem sich ein anderer Beamter beschuldigte, die Briefe mit dem Geld unterschlagen zu haben. Man möge keinen Verdacht auf den unschuldige?, H. lenken, er, der geheimnisvolle Briefschreiber, habe sich— in bitterer Not— dazu oerleiten lasten. Sowohl der Staats- anwalt wie das Gericht waren nun der Meinung, dieser anonyme Brief sei ein Manöver des Angeklagten gewesen, das besser unter- blieben wäre. H. wurde in drei Fällen der schweren Unter- sch l a g u n g im Amte für schuldig befunden. Sein bisher unbe- scholtenes Leben, die langjährige tadellose Führung oerschasften ihm allerdings mildernde Umstände. Es wurde auf eine Gesamtstrase oon st Monaten Gefängnis erkannt und ihm ferner die Fähigkeit, öffentlicheAemtcrzubekleiden, aufdie Dauer von 3 Jahren abgesprochen. Drei neue Tagesheime in Neukölln. Die furchtbare Wohnungsnot bringt gerade unseren Alten so- viel Widerwärtigkeiten, daß sie sich herzlich freuen, in den Winter- monatsn außerhalb ihrer Wohnung einige Stunden in Geselligkeit verbringen zu können. Es ist deshalb erfreulich zu sehen, wie immer mehr die einzelnen Stadtverwaltungen bestrebt sind, diesen Kreisen «in„Stelldichein" zu schassen. Das Bezirlsamt Neukölln hat gleich drei solcher Heime in den verschiedenen Gegenden eingerichtet, und zwar: Karlsgarten st raße im Etablissement Karlsgarten, K ne s e b« ck st r a ß e 138 bei Teich und Bertelsdorfer Straße 9. Keine düsteren„Wärmehallcn", sondern Heime im besten Sinne des Wortes sollen diese Tagesheime werden. Neben Tageszeitungen und Zeitschristen soll noch eine kleine Bibliothek est,- gerichtet werden l doch fehlt es hierzu leider noch an Mitteln. Hier können die Bürger mithelfen. So manches gute Buch liegt zu Hause unbeachtet, während es den Alten eine Freude in ihrem trüben Da- sein bieten könnte. Es soll der Versuch gemacht werden, durch Aus- gäbe von Mittagessen zu dem üblichen Preise oder auf Karten den Asten den Weg zu den Volksküchen zu ersparen. Nachmittags gibt es u n e n t g e l t l i ch K a f f e e. Die Räume sind jeden Tag, außer Sonntags von vormittags 10 bis abends 6 Uhr geöffnet. Eine große Zahl freiwilliger Helfer hat sich zur Verfügung gestellt, was die Unterhaltskosten wesentlich herabdrückt. Zur Einweihung �n6 Bezirksamt zu einer kleinen schlichten Feier nach dem Karlsgarten eingeladen. Die Besucher waren so zahlreich erschienen, daß die beiden Räume nicht ausreichten, sondern der st.roB« 6aal aenommen werden mußte. Es muß Ausgabe jeder so- zialistischcn Gemeinde sein, gerade den Aermsten der Armen ein sorgenfreies Dasein zu schaffen. Wäre es nicht möglich, auch den arbeitslosen Jugendlichen solch? Räume zur Verfügung zu stellen? Poesie und Prosa. ....-�on sieht den u.oilcttentisch in Filmen blumen- und tristall- uberladen, mit Schachteln und Schächtelchen und Flakons und Moni. kureaegenstanden reich besetzt, Naschwerk und Bücher und Brief- da. zwsiche», ein riesiges Luxusding, bestimmt in saalähnlichen Zimmern märchenhaft reichen Frauen zu dienen. Und dann erlebt man, wie die Heldin des erschütternden Dramas, nachdem sie ihre edle Seele in Unglück und Armut bewährt hat, sich viermal— einmal in Natura und dreiinal in den Spiegeln— pudern oder die Lippen malen darf, �.as ist sicher sehr schön zu sehen und— fragt nur die Stars im vollkommenen Film auch durchaus unentbehrlich. Aber was soll solche Herrlichkeit im ganz gewöhnlichen Leben, in dem es heut- Kartoffelsuppe und morgen Bouletten zu Mittag gibt? Nun. es ist damit so, wie mit den meisten Dingen in Filmen und Romanen: sie existieren schon, nur im allgemeinen in etwas prosaischerer Form. Bei Zille-Modellen zum Beispiel tut es ein Stuhl mit durchlöcher- tem Sitz, der seiner neuen Bestimmung zugeführt ist. wenn man eine Blechschüssel mit Wasser darauf stellt und eine schmierige Bürste und einen Kamm, der schon die Halste seiner Zähne eingebüßt hat, dazulegt. Es war ein hübscher Gedanke der Finna K o pp u. Joseph, auch solchen„Toilettentisch" ihrer Ausstellung einzu- reihen. Der Durchschnittsmensch wird allerdings doch wohl etwas höhere«nforderunyen tollen. Muß er auch bei den ineisien der oft sehr geschmackvollen Tisch« sich am Anblick genügen lassen, da ihre Anschaffung viel zu große Anforderungen an den Geldbeutel stellen würde»«inen Tisch sah man, den sicher manche Frau nachahmen wird. Ganz mit weißem Mull betleidet(statt des Tisches darunter genügt auch eine Kiste), mit einem weihen Spiegelchen, Kamm, Bürsten und einigen anderen Kleinigkeiten, alles gediegene, wohl- feile Dinge, ist er ebenso hübsch wie praktisch, da er für die not- wendigen Gegenstände eine saubere, handliche Anordnungsmöglichkett bietet. Die verhängnisvolle Berwechsclnng. Wegen fahrlässiger Körperverletzung war der Apotheker- «»Hilfe R. vor dem Charlottenburger Schöffengericht angeklagt. Einem Patienten waren Atropinpillen in einer Dosis von sechzigfacherStärke verabfolgt worden, so daß der be- dauernswert« Mann nach deren Genuß Wahnsinnsanfälle bekam und nach Dalldorf geschafft werden mußte. Er ist zwar aeheill worden, der Gehilse aber, der die Pillen verabreicht haben soll, mußte sich jetzt wegen fahrlässiger Körperverletzung mit dem erschwerenden Moment der Außerachtlassung der für euren Apotheker vorgeschriebenen Sorgfall vor dem Strafrichter verantworten. Der Angeklagt« bestritt, der Schuldige zu sein und behauptete, daß die Pillen von dem zweiten Provisor der Apotheke hergestellt sein müßten, während dieser wiederum die Schuld auf den Angeklagten schob. In der Beweisaufnahme gelang es dem Verteidiger, den Nachweis zu führen, daß es in den Berliner Apotheken üblich sei, daß ein Provisor das Rezept fertige und der ankere das Etikette schreibe. In diesem Falle hatte der Angeklagt« die Aufschrift be- sorgt. Das Schöffengericht konnte ein« Schuld des Angeklagten nicht einwandfrei feststellen und mußte den Angeklagten mangels De- weise» freisprechen. preksbilötillg Im haaöwerk. Gegea die ungcrechtfersigken Preisbindungen. Die Aufmerksamkeit der mittleren Preisprüfuttgs- stelle für Groß-Berlin ist jetzt auf die Preisbildungen jier verschiedenen Handwerkszwcige, wie Schneiderei, Schuh- in a ch« r e I usw. gerichtet, um hier wie in übrigen Geschästszweiaen aegen die Ueberteuerung vorzugehen. Vor allem richtet sich der Kampf der Preisprüfungsstelle gegen die ungerechtsertigten Preis- bindungen, wie sie die Innungen für verschieden« Werte- leistungen festgesetzt haben, um dadurch die Konkurrenz durch niedrige Preise auszuschalten. Zum veispiel sei daran erinnert, daß einer Berliner Schuhmacherei durch Jnnungsbeschluß verboten wurde, ihre Preis«, die unter den Richtsätzen der Innung stände», zu veröffentlichen. Die Preis- Prüfungsstelle ist nun gegen derartige preistreibend« Maßnahmen der Innungen vorgegangen und hat, wie wir hören, bei verschiedenen Handwerkszweigen, wie Schneiderei, Schuhmacherei, Schmieden usw. ein« Besserung erzielt. Auf dem Lebensmittelmarkt sind die Erhebungen der Preisprüfungsstelle zur Feststellung von Uebertnyirungen der Handelsspanne ebenfalls noch nicht abgeschlossen und in der letzten Woche besonders der Preisbewegung für Backwaren und Fisch«, wo «ine ganz besonder« Uebersetzunq der Breiespannen besteht, Aufmert- samkeit zugewandt worden. Wenn diele Erhebungen abgeschlossen sein werden, wird sich die Preisprüfftngsstell« mil der Preisbewegung auf dem Eiermarkt beschäftigen. Auch hier scheini eine sehr starke ttebersetzung der Handelsspanne vorzuliegen und außerdem die Aufblähung des verteilungsapparote» preissteigernd «ii wirken. Wenn auch der Smport von Eiern aus Ruhland nur 00 Proz. der Friedens einfuhr beträgt und man die erhöhten Fracht- kosten und Spesen in Betracht zieht, so dürft« die Preisstetgerung für Eier, die 100 bis 1Z0 Proz. des Friedenspreises beträgt, kaum ge- rechtfertigt sein.__ Zuchthaus für den Separatisteuführer Freitag. Im weiteren Verlauf der Verhandlung gegen den Separatisten- fllhrer Erich Freitag, der sich wegen eines im Rheinlande be« aangenen Totschlages zu verantworten hatte, wurde festgestellt, daß F. zu Beginn des Krieges wegen Epilepsie als 100 Prozent erwerbs« unfähig vom Militärdienst befreit wurde. Nach Beendigung des Kriege» Hatto er sich in Berlin in verschiedenen Berufen versucht, und war dann in das besetzte Gebiet gefahren, wo er durch französische Vermittlung Arbeit erhielt und sich später als hervorragendes Mit- glied der Separatisten betätigte. U. a. war er bei diesen Kompagnie- führer in Koblenz, später Fourier in Honnef. Bei dieser Beschästi- oung ging er so rigoros vor, daß er sich nicht nur den Haß der Bevölkerung, sondern auch die Unzufriedenheit seiner Anhänger«t- zog. Die Verhandlung ergab, daß der Angeklagte bei einem dieser Raubzüge aus Anlaß eines Zusammenstoßes den jungen Staffel erschossen hatte. Der Staatsanwalt beantragt« 12 Jahre Zuchthaus. Das Gericht iah in der Tot eine Folge der damaligen unruhigen Zeit. Dieser Totschlag sei eine übereilt« feige Handlung eines Menschen, dessen Selbsterhaltungstrieb ihm jede Ueberlegung geraubt hätte. Es oerurteills Freitag zu achtIahren Zuchthaus und Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte auf zehn Jahre._ Spielzeug-Ansstellungen. Draußen pfeift zwar der Wind und ist recht grimmig, aber es Ist durchaus noch nicht novemberlich kalt, und Winter und Weih- nachten liegen sogar für die Kinder noch in weiter, weiter Ferne. Aber, ob wir's nun glauben wollen oder nicht: in sieben Wochen ist's doch heran, und um' es uns deutlich zu machen, beginnen die Kauf- Häuser mit ihren ersten Spielzeugousftellungen. Bei T i« tz am Dönhoffplatz gibt es wunderhübsche Illustrationen zu dem Kindertiedchen„flanschen, Hänschen, denke dran, was aus dir noch werden kann". Eine ganze klein« Stadt ist dazu entstanden, mit einer Brauerei in der Mitte und spitzgiebligen, astertümlichen Häusern, an denen seltsame Wahrzeichen und mattglimmernd« Laternen hervorragen. Schaut man durch die Fensterscheiben, so sieht man die verschredenen Gewerb« bei ihrer Arbeit: Müller und Schneider und Schreiner und Schuster, und an einem Haus lehnt eine Leiter, die Hänschen als Schornsteinfeger heraufsteigt. Für den Erwachsenen ist's übrigens nicht ohne Reiz, daß aus der moralischen «ine unmoralische Geschichte geworden ist; das widerspenstige Hänschen, dos dem Lieds noch im Elend untergeht, wird d-esmal zum Schluß ein Radio- und Kinofachmann und feiert Weihnachten in seiner„Villa Hans". Was den Kindern entschieden einen hübschen Abschluß der Ausstellung bietet. In dem Hause Tietz am A l e x o n d e r p l a tz hat sich ein richtiger Zauberwald entfaltet. düster und geheimnisvoll, in dem oll« vertrauten Gestatten der Märchenbücher lebendig wurden, Schneewittchen, da» tapfere Schneidsrlein, die sieben Geislein, Rotkäppchen und noch viele andere. Und irgendwo im dunklen Tannengebüsch schlägt ein« Rachtigall. und klein« Kinder, die an dem riesigen Rübezahl vorbei- kommen, vor dem das Bäuerlein steht und vor Angst zittert, sangen an zu weinen, so gruslich ist's.__ Auto und Strasieubahn. Vor dem Hause Leipziger Straße 73/74, in unmittelbarer Nähe des Dönhoffplatzes, ereignete sich gestern abend kurz vor 6 Uhr ein schwerer Zusammenstoß zwischen einem Triebwagen der Linie 13 und einer Kraftdroschke. Wir erfahren hierzu folgend«»: Der Führer der Kraftdroschke wollte den Straßendamm noch vor der heran- nahenden Straßenbahn überqueren, wurde ober von dieser erfaßt und total zertrümmert. Die Insassin, die 07 Jahre alte Ehefrau Klara Reichert, aus der Markgrasenftraße 7S, erlitt schwere Schnittwunden am Kaps und an den Händen, sowie einen schweren Nervenschock. Ihre mitfahrende Enkelin und der Chauffeur blieben glücklicherweise unverletzt. Die Verunglückt« wurde zunächst nach der Rettungsstelle in der Kommandantenstroße und von dort nach dem jkrankenhaus am Urban transportiert. Durch den vor- fall trat eine größere Berkehrsstörung ein. Das Rundfunkprogramm. Mittwoch, den 11. November. Außer dem üblichen Tegesprogramm: 3.30 Uhr naebra.: Jngeudbuhne. ÜnterhaUungsabende;„Dm gläserne Häuschen", von Gertrud Lundebn. Vorgetragen von Elisabeth ▼. Elia. 4.30—6 Uhr nachm.: Nachmittagskonzert der Berliner Fnnkkapelle. Leitung: Konzertmeister Ferdy Kauflman. 6.45 Uhr abends; Einführuug zu dem Sendespiel„Der Wildschütz" am 12. November. 7.15 Uhr abends: X?r. med. Frit* Slreblow:„Hygiene der Heizung". 3. Vortrag.„Lokatheizung". 7.45 Uhr abends: Hans-Bredow-Schule(Hochsehulkursc). Abteilung Kecbtswissenschaft. Geh. Oberregierungsrat Dr. Ludwig Laß:„Einführung in die soziale Gesetzgebung". 2. Vortrag. 8 30 Uhr abends: Kammermusik von Eaydn bis Schönberg. Zweiter Abend. Unter Mitwirkung von Nora Pisling-Boas, Sopran. Mabllce-Trio: Rudolf Schmidt. Klarier; Hans Mablke. Violine: Adolf Steiner. Cello. Mitwirkende: Leonhard Kohl, Klarinette; Karl Reitz, Viola 1. Jos. Haydn(1732—1809); Klaviertrio G-Dnr. Andante— Fooo Adagio— Einale: Kondo all'Ongarese(Presto)! 2. Schubert: ai Suleika I(Goethe) b) Frühlingsglaub#(Uhland, c) Ungeduld(Müller), d) Der Jüngling an der QueUe(Dichter unbekannt), e) Lied im Grünen(Reil)(Nora Pisling-i oae: am Flügel: Rudolf Schmidt). 3, Mozart: Trio für Klarinette, Viola und Klavier, Es-Dur(Leonhard Kohl, Hans Mshlke. Rudolf Schmidt). 4. Händel: O. holder Schlag. Arie au«„Semele*. b) So wie die Taube, Arie aus„Aeis und Galathes", e) Gluck: Ah, ritorna. Arie aus.11 trionfo di Clelia"(Nora Pisling-Boas; am Flügel: Rudolf Schmidt). S. Beethoven: Klavierquaitett Es-Dur für Klavier. Violine. Viola. Cello, op. 16, Grave, A Hagre ma non troppo— Andante cantabile— Rondo: Ällegro ma non troppo. Anschließend: Dritte Bekanntgabe der neuesten Tagasnach- richten. Zeitanaag«, Wetterdienst, Sportnachrichten, Theater- und Filmdienst. Buchbinder und Bücherfreund. Im Rahmen der Ausstellung»Da« deutsche Buch" im Merkur» hanS, Kochstraße, sprach überlebter Franz W e i s e- Hamburg Lbev da« Thema»Buchbinder und Bücherfreund". Er führie ans: Nach einer Zeit, der die Äufmachnng des Buches nichts bederileto, begänno augenblicklich auch in Deulschland die Liebe zum schönen Buch zu wachten. Allerdings ständen wir heute zum Buch anders als ver» gangene Zeiten hoher Buchkultur wie daS Rokoko oder das Empire» Damals herrichte ein Stil, dem auch das Buch unterworfen war, man ordnete da« Buch in die Architektur des Zimmers ein, alle Bücher trugen denselben Einband, der sich keineswegs nach dem Inhalt richtete. Heute lucht der Buchliebhaber ein Kom» promiß herzustellen zwischen seiner Neigung und dem Inhalt des Buche?. Auch in Deutschland ist da« Niveau de? handgebundenen BucheS sehr hoch, allerdings bleibt Frankreich ein Stück voraus, wie die große Buchausstellung in Paris vor ein paar Monaten zeigte. Es ist sehr zu bedauern, daß Deutschland die Einladung nach Pari? nicht angenommen hall«._ Zwei Mörder entsprungen. Zwei sebr gefährliche Schwer» Verbrecher, die zum Tode verurleilt, aber zu lebenslänglichem Zuchthaus begnadigt wurden, find am 4. d. M., nachmittags ßVt Uhr ans dem Zuchthaus in Brandend u r g eniwichen. ein 21 Jahre aller Biireaubote Kurt G o l d b a ch und ein 27 Jahre alter Landatbeiter Josef Kopaez. BIS jetzt ist noch keine Spur von ihnen gefunden. Ver Mörder von vennewih in Plöhensee hingerichtet. Der Doppelmörder Olto Kraule wurde gestern morgen um 8 Ubr durch den Scharfrichter Gröpler aus Magdeburg auf dem kleinen Hose des Plöyenseer Ge'ängnisseS hingerichtet. DaS Todesurteil wurde mit dem Handbeil vollstreckt. Kraute, der gestern abend noch den Besuch keiner Frau erhalten hatte, ging sehr gefaßt in den Tod. 3m Rose-Thea ler feierte die alt« Posse„Auf eigenen Füßen" als„B u m m e l st u d e n t e n" ihre Auferstehung. Zu Eonradi» Musik komponierten Willy Brettschneider und Bogumil Zepler neue Lieder. Insgesamt bemühten sich vier Autoren um den Text, da darf man sich wirtlich nicht wundern, daß er oft ein wenig mäßig ausfiel. Doch, wie dem auch sei, heute schwärmt man für die bild- hafte Auflösung alles Geschehens, sei es im Film, sei es in der Revue. Auck) die Bilder der Posse, dem verschiedensten Geschmack Rechnung tragend, fanden lebhafte Anerkenming. Unzweifelhaft sprach da» Vorspiel, mit Heidelberg als Kulisse, am stärksten an. Von den Darstellern verdienen der routinierte Karl Winter, der köstlich frische Mitulsti und die dralle Charlotte Tiburtius ein besonderes Lob. Daß man Me Dame zwingt, ihr« Körpertraft zu beweisen, ist nicht noch jedermanns Geschmack. Ver Berliner Voltschor(Dirigent Dr. Ernst Zander) der« anstaltet am Donnerstag, den 12. November, im kleinen Saal der Neuen Welt. Hasenheide 108/114.«in Konzert de« �-capeilz-ChotS unter Mitwirkung von Hermann Echey(Bariton) und Michael Taube(Klovier). Der Abend ist zeitgenössischen Komponisten ge« widmet. Eintrittskarte 7S Pf. Da» SoKsMUttnosami Reinickendorf veranklaltet am 12. November, abend« 8 Uhr, in den Hube: tuS-Prachtiälen in Reltitckendorf-Oki (am Bahnhof Schönhol,) und am 13. November im Restaurant Bellevue am Bahnhof H e r m« d o rs zwei volkstümliche Kaiareltadetide, die unter der Devise.Geist, Witz. Humor" stehen. Sprechchor kür Diolelatllche Jetaffnithen. TonnetSfag. abend»>/,» Uhr, im GefanaSfaal der Sophienschule, Weinmeisterstr. 16-17. tlebungS» stunde. Für die Feierstunde am 2. WeihnachtSseirrtag wird.Großstadt- srühlinz" von Franz Rotben Gelder geübt, vi« Kinder towmen um 6 Ahr. Ver Melervereln de, Groß-Berlln er Westen» dölt am Donn«r»tag, den 12. November, abend« 8 Ubr. in den Sälen de« ,B>ttoriagarIenS- zu Berlin- Wilmersdorf. WUHelmSaue 114/116, eine große»ltentliche Mieter- Versammlung ab, in der die Referenten Herr Karl Kuhn und Herr Rechtsanwalt Dr. G o e tz e l über den Kampf gegen dte beabsichtigte Aushebung de» Mieterschutzes und über die M i e t e r sp a r b a n k und W o h n u n g S n e u b a u durch dte Mleterargantsattonen ulw. sprechen werden. Größte Gefahr ist für die Mieterschast in Verzug. Deshalb muß die Mieterschast au» eigener Kraft dte Mängel und Fehler beseitigen, deren Abstellung bisher weder der Regierung noch dem HauSbesitz gelungen ist. Genosse Pfarrer Bleier Ipricht am Donnerstag, den 12. November, abends 7V, Uhr. im Feiilaal der Oberrealschule in Steglitz, Elisenstratze(nahe AI- brechtstraße), in einer öffentlichen Bersammwvg über daS Thema: Da» Geheimnis b e s TodeS— gibt e» ein Jenseits? Musikalisch« Umrahmung. Die Steglitzer Geistlichkeit ist zu diesem Battrag extra eingeladen.— Freitag, den 13. November, abend« 7 lldr, sprichtPsarrer Bleier in Lichtenberg, Törilien-Ltzzeum, RalhauSstratze(nahe Franksurter Allee» Rlnzbahnhos), über da» Thema: Religton und Vilkersrlede. Ei« Jahr unschuldig im Zuchthaus. Koblenz, 10. November.(Mtb.) Der Arbeiter Reuer au» Mayen(Rheinland) war s. Zt. auf die eidliche Bekundung »ine» Steinbrucharbeiter» wegen schweren EinbruchSdiebskohlS zu einem Jahr Zuchthaus verurteilt worden. Nachdem er die Straf« restlo» verbüßt hatte, veranlaßt« er«in Wieder» aufnahmeverfahren. da» auch Erfolg hatte. In der erneuten Ber- Handlung vor der hiesigen Strafkammer wurde festgestellt, daß der damalige Zeuge, um sich versönlich zu entlasten, einen Meineid geschworen hatte. Reuer ist nunmehr frei» gesprochen worden._ Eisenbahnunglück in Belgien. Brüssel. 10. November.(MTB.) Der Personenzug Charleroi- Brüssel ist in der Näh« von Nivelle» entgleist. Mehrere Reisende wurden mehr oder weniger schwer verletzt. Verkehrsunfälle in Tpanien. Madrid, 10. November.(MTB.) Der Schnellzug von Varcelona ist kurz vor Madrid mit einem Güterzug zu- sammengest otzen, wobei«in Reisender getöiet wuide und vier weitere Reisende schwere Verletzungen davontrugen.— Bei einem Zusammenstoß von zwei elektrischen Straßenbahn» wagen wurden 40 Personen verletzt. Schneelawlnenunglück auf der Zngsplhe. Auf ber österreichischen Seite der Zugspitze wurden drei Arbeiter de» Zugspitzenbahn- baue» von einer Schneelawine erfaßt. Ein Mann ist tot, einer erlitt«inen Lrmbruch, der dritte ist unverletzt. ilbfeBS�WPlXAVON Wafchungen mit Pixavon regen die Kopfhaut in erstaunlicher Weife an. Die Haare werden weich und geschmeidig, die natürliche< Schönheit und Farbe des Haaies kommen voll zur Geltung „„rr,.,. Unterhaltung unö �Dissen die MMokratin. Bon M. Z e s ch e n k a. Grigari Iwanawitsch stieß zweimal auf, fuhr sich mit dem Aermel Ubers Kinn und sagte: „Sch mag keine Frauenzimmer mit chüten! Eine Frau mit einem Hute auf dem Kopte, mit Flarstriimpfen, einem Hund. che» im Arm und einem Goldzahn ist für mich«ine große Rull.— Trotzdem habe ich mich einmal in eine solche Aristokratin verliebt. Ich führte sie spazieren und auch ins Theater. Doch raor dies nichts für mich armen Kerl. Erst später erkannte ich ihre„Ideologie". Das erstemal erblickte ich sie in unserem Hause, wo Ich Prösi- dent des Hausbewohner-Komitees bin.— Da sah ich eines Tages im Hofe ein kleines Putzerl mit Florstrümpfen und einem glänzenden Goldzahn stehen.„In welcher Wohnung sind Sie zu Hause?" fragte ich sie. ,Ln Nummer sieben," antwortete sie kurz..Gut, gut, ich habe nichts dagegen!" sagte ich. Und ich muß gestehen, daß sie mir gefiel. Don da an machte ich älter Besuche bei ihr. Zuerst einmal offiziell.„Funktioniert die Wasserleitung bei Ihnen?" fragt« ich. ,jia' antwortete sie knurrig, mit ihrem glänzenden Goldzahn, in- dem sie mich mit ihren Blicken durchbohrte.„Sie sunttioniert!" Einen Monat lang ging ich täglich zu ihr. Sie gewöhnte sich langsam an mich und würdigte mich einer längeren Antwort. „Danke schön, Gregor Iwanawitsch... sie funktioniert!" Dann begannen wir gemeinsame Spaziergänge auf der Straße. Sie wollte immer von mir untergefaßt werden und ich sühlle mich unbehaglich wie ein Fisch ohne Wasser. Ich brachte dann kein Wort heraus und genierte mich schrecklich vor den anderen Leuten. Einmal sagte sie zu mir:„Warum gehen wir immer nur aus der Straße spazieren Gregor Iwanawitsch. Sie sind doch ein junger Mann in einer guten Position und könnten mich doch auch ins Theater führen.—„Mit größtem Dergnügen!" antwortete ich galant. Am nächsten Tage schickte uns die kommunistische Abteilung zwei Theaterbilletts. Eines für mich und eines für unseren Schlosser» meister Waska, welcher mir seines überließ. Ich konnte auf den Billetts nicht erkennen, wo unsere Plätze waren, und als wir ins Theater kamen, bemerkten wir, daß mein Platz unten im Parkett und Waska« oben auf der Galerie war. Äe Dame faß auf meinem Platze und ich auf Waskas. Ich kam mir da oben auf der Galerie vor wie stt einem Luftballon. Während der Pause ging ich hinunter und traf sie im Foyer, auf» und abspazierend. „Guten Abend!" sagte ich. „Guten Abend!" „Sehr interessant, nicht wahr?... Ob wohl hier die Wasser» leitung funktioniert?!" »Das weiß ich nicht!", antwortete sie, aufs Büfett zusteuernd. Wir traten zusammen an das Büfett und sie fing an. die Kuchen zu beäugeln. Ich sagte zu ihr wie ein guter solider Bourgeois: „Wenn Sie hungrig sind, können Sie einen Kuchen essen. Ich werde ihn bezahlen." „Merci," antwortete sie, packte einen Schlagsahnenkuchen und oerschlang ihn. Ich sah ihr angstvoll zu, denn ich hotte sehr wenig Geld bei mir, da» höchstens für drei Kuchen reichte. Einen Schlagsahnenkuchen hatte sie verschlungen und nahm nun den zweiten. Ich wußte nicht, was ich sagen sollte. Ich fühlte Plötz» lich«in« bürgerlich« Verlegenheit: Wie kläglich ist doch ein Kavalier mit einem leeren Portemonnaie! Ei« strahlte übers ganze Gesicht und erwartete von mir ein Kompliment. Aber ich fragte nur: „Ist es nicht Zeit, auf unsere Plötze zurückzukehren?" Sie antwortete kurz: „Rein!" Sie nahm einen dritten Kuchen. Ich sagte: „Ich glaube, daß Ihnen so viele Süßigkeiten nicht gut tun werden." Sie jedoch: .O! Ja! Ich bin daran gewöhnt." Und nahm einen vierten Kuchen. Mir stieg das Blut zu Kopf. .Gib den Kuchen augenblicklich zurück!" schrie ich. Ihr Mund blieb offen vor Schreck und man sah den Goldzahn glänzen. Ich dacht«:„Jetzt ist alles verloren!" und schrie: „Geh' zum Teufel mit deinem Kuchen!" Sie legte den Kuchen zurück. Und ich fragte den Büfettier: „Wieviel kosten die drei Kuchen, welche wir gegessen haben?" Der Büfettler aber sagte kaltblütig: „Die„vier" Kuchen, die Sie gegessen hoben, tosten..." „Wieso„vier" Kuchen?" rief ich aus,„der vierte liegt doch noch hier auf Ihrem Tablett." „Gewiß," antwortete der Büfettier,„aber Sie haben ihn doch schon angerührt und sogar hineingebissen!" „Wieso angerührt?" schrie ich.„Sie phantasieren wohl!" Aber der kaltblütige Bllsetttier wollte nichts davon hören. Einige sagten, daß der Kuchen nicht angebissen sei, die anderen behaupteten, er wäre angebissen. Und ich legte mein ganzes Geld hin. Es reichte zufällig gerade für vier Kuchen. Wozu also die ganze Aufregung?!... Ich bezahlte und sagte zu der Frau:„Bitte, essen Sie den vier- ten Kuchen auf. Er ist ja bezahlt!" Aber sie war böse und wollte ihn nicht essen. Ein Mann aus dem Publikum trat vor und sagt«: „Ich will den Kuchen essen!" Und diese Kanaille fraß ihn wirklich auf. Für mein Geld! Als wir nach Haufe kamen,' sagte sie zu mir: „Da» ist eine Schweinerei von Ihnen! Wenn Sie kein Geld in der Tasche haben, so müssen Sie zu Hause bleiben und nicht Damen in» Theater führen." „Verzeihen Sie, mein Fräulein." sagte ich,„das Geld allein macht doch nicht glucklich!" So endete mein Liebesabenteuer. Sozialismus unö Klassenherrsthast. „Der Sozialismus will nicht eine neue Klasscnberrschaft. er will nicht«ins heute herrschend« Klasle zu einer beherrschten machen— er will die Abschaffung jeder Klassenherrschait. Der Sozialismus will auch keineswegs die Menschheit in«ine Glücks-ligkeitskaserne ein- sperren und nach einem vorgelegten Plane einem jeden sein Stück Glückseligkeit zuschneiden— der Sozialismus will für das arbeitende »ol» die Mittel errringen, sich de» Ertrages ssiner Arbeit selbst zu freuen. Wenn nun diese Mittel heutzutage von einer Klasse gewalt. sam angemaßt sind, so wird natürlich das Bestreben des Sozialismus dahin gehen, dies« Mittel dem ausschließlichen Besitz der«inen Klasse zu entziehen und als unveräußerliches und unvcrpfandbare» Gemein» gut des ganzen Bolkes zu erklären, und wenn die heutigen Bour» geois oder deren Nochkommen dann mit dem Volke arbeiten werden, so werden sie auch an dem Ertrag und am Lebensgenuß ihren Anteil haben und sich glücklicher befinden als in ihrer heutigen be» »erzugten Stellung." (Aus einem Artikel G r e u l i ch s:„Christ, anifterung und Huma- nisierung der Industrie."„Tagwacht" 1873.) Im bayerischen walö. Bon Edgar Hahnewald. Es war«in« Ficht«. Sie stand auf dem Lüsen, dicht unterm Gipfel, wo noch im Juni der Schnee in gerundeten, fest gewordenen Kissen liegt. Ter Wipfel, der sich über den festen, braunen Zapfen wiegt«, sah über alle anderen Wipfel hinweg nach der kahlen Lüsen» kuppe, noch diesem merkwürdigen Trümmerhausen auv verwitterten, von gelben Flech.en beschlagenen Gronitblöcken, die nach der Sage der Teufel zusammenschleppt«, um von da aus ins Land zu„lusen". Der Wipfel schaukelte leise über dem zähen, schlanken Stamm, der die federnd« Festigkeit eines S'ahlmastcs hatte. Er winkle über die unabsehbaren Wälder hin, aus denen die blauen Rauchsäulen verborgener Holzfeuer aufstiegen. Auf einer fernen Lichtung lag d e Sonne. Dort schimmerten die verstreuten Schindeldächer eines kleinen 1 Walddorfes, wie malte Silberplättchen. Sonst war weit und breit kein Dorf, keine Men�chenspur zu sehen. Ringsum nichis als Wald, dunkler, wogender Wald. Die Fichten wiegten die Wipfel, die ge- breiteten grünen Arme wie flüsternd« Beter. » Eine» Morgens kamen drei Waldarbeiter heraufgestiegen. Ein alter und zwei jung«. Der ein« trug die Bügelsäg« über die Schuster gehängt. Das blanke, gezähnt« Sägeblatt blitzt« im Morgenlicht. Ein anderer trug die langgestielten Äext«. In dem lockeren Waldstück, wo die Fichte stand, machten sie Holt. Sie hängten die Rucksäcke und die Jacken an die Bäume. Der Jüngst« der drei fachte«in Feuer an. Die Flammen züngelten in der blauen Morgenlust. Der Rauch stieg leicht sich kräuselnd über die Wipfel hinaus. Di« beiden anderen zündeten sich halblang« Pfeifen mit weißen Porzellanköpfen an. Der Grauhaarig« zog bedachtsam ein bunies Taschentuch hervor und schneuzte sich. Es trompetet« durch di« Still«. Dann pafft« er den Tabaksrauch„vor sich hin, nahm die Säge und befühlt« mit dein Daumen di« geschränkten Zähne. Und nun ging alles ganz schnell. Der eine hieb mit der Art ein« Kerbe in den Stamm. Durch den Baum lief ein erschrecktes Zittern. Dann ziicht? di- Säg« ins Holz. Der Baum stand hoch, schlank, von Schauern überwallt. Die Säge schnitt— Plötzsich schwieg si«. Der Wipfel schwankte, blickte noch einmal im Innersten getroffen und ganz schnell über die Berg« hin. über di« Wälder. Me Wipfel, das stlbern« Dorf in der Ferne— und neigte sich. Langsam, feierlich. Rauschend, mit aus» gebretteten Armen fiel der Baum vornüber, stürzt« mit brechendem Aechzen und Topfe di« Walderde mit allen Zweigen. Und lag lang. im Sterben gestreckt. Der junge Mensch hackte ihm di« grünen Arm« ab. Die beiden mst der Säge traten unter den nächsten Baum. Wir nahmen di« Rucksäcke auf und stiegen auf die Trümmer» kuppe und blickten rundum in die weite Welt. Die älteste Wanüerschrist. Zu den modernsten Wahrzeichen der Großstadt gehört heute die Lichtreklame. Als deren jüngstes Kind wiederum darf man die Wanderjchrist ansehen, die vor nicht langer Zeit aus Amerika, dem Lande der Reklame, nach Europa kam. Wenigen Menschen aller- dings dürste bekannt fein, daß bereits im Jahre 1798 in Paris eine Erfindung gemacht wurde, die man wohl als die erste Wander- schrift bezeichnen kann. Eine Berliner Zeitung berichtete damals: ..Paris, den 18. Julius 1798. Eine neue Erfindung: der „redende Turm" oder„Teleloge"(Fernsprecher) hat folgende Ein- richtung. In einem Turm sind ringsherum große Oeffnungen, durch welche man einen mächtigen Zylinder erblickt, der von einem Pferde horizontal gedreht wird, und die Worte, die man bekanntmachen will, in kolossalischen Charakteren nach und noch an allen Oefs- nungen darstellt,»sowie eine Zeile die Runde gemacht hat, wird sie durch einen einfachen Mechanismus, der mit den Tasten eines Klaviers Aehniichkeit hat, von einem einzelnen Manne wegge- schoben und macht einer anderen Platz. Die Buchstaben sind in einer weißen Fläche, hinter der ein schwarzer Schirm steht, aus- geschnitten und können auch des Nachts durch ein in der Mitte des Turmes angebrachtes Licht sichtbar dargestellt werden. Die Absicht des Erfinders geht dahin, vielen tausend versammelten Menschen zu gleicher Zeit etwas zu wissen zu tun. Man kann sich, sagt er, von der Sache eine Dorstellimg machen, wenn man auf einem mit großer Schrift gedruckten Buche eine Karte, welche durch eine Oessni'.ng 3 bis 4 Buchstaben sehen läßt, allmählig weiterschiebt." Was aus der Erfindung geworden ist, läßt sich leider nicht mehr feststellen._ Berufliche Erkrankungen der Schristgießer. Die Hauptursachen der beruflichen Scbädigung im Schriftgiehereigewerbe bestehen im Verschlucken von Blei und Antimon: vorwiegend beim Essen mit samutzigen Fingern. Dagegen ist die Gefährdung durch giftige Gas« io"hygienisch einwandsreisa Betrieben sehr gering. Eine Reihe der austretenden Beschwerden muß aus die häufig rn Schriftgießerei. betrieben herrschenden hohen Temperaturen der überaus feuchten Luft zurückgeführt werden. Durch gründlich« Staubbekämpsiing. Dunsthauben, automatische Temperaturregulierung und persönliche Hygiene laisen sich die Gefahren der Schnstgicßerei auf ein geringes Maß herabsetzen. Biolette Augen. Die gibt es sonst natürlich nicht, die waren— eine kaum bisher beobachtete Seltenheit— bei einem vierjährigen Kinds in Wien zu sehen, das sich beim Spiel über eine Schachtel mlt übermangansaurem Kali, diesen dunkelviolettcn Kristollen, die zum Mundwasser usw. benutzt werden, hergemacht und sich davon etwas ins Auge getan hatte. Die Kristalle lösen sich leicht, auch hier in der von den Augapselbindehäuten abgesonderten Flüssigkeit und färbten die Bindehaut der Lider und des Augapfels intensiv dunkelviolett. Der hinzugerufene Arzt verordnete reickliche Spülungen mit Borwasser und Wasserstoffsupereoxyd, so daß im Lause des Taaes der größte Teil der Biolettfärbung beseitigt war. Aber noch nach drei Wochen war diese selten» Augenfärbunz nickt ganz getilgt. Rupprecht putscht! wie sorgsam Rupprecht seine Krone putzt! Ja freilich, sieben lange Vulüerjahre Lag sie im Vinkel, wurSe nicht benutzt. Nun ist bie gute, alte Dauerware von Rost zerfrelsen unö von Staub beschmutzt. Dann ist in Deutsch lanö Die Herrn Kollegen voller Seelenqua» vetrachten Rupprecht nelöisth allzumal. Steigt öer als Erster wieder auf den Thron! Ja, gegen Wittelsbach kommt ihr nicht an, Denn wenn stch's hanöelt um die Reaktion, Sapern stets voran! Preiswerte Herren Bekleidung Herren- Artikel Perkal- Sporthemd 3 mit Kragen Zephir- Oberhemd gestreift, gerütterte Faltenbrust, mit Kragen..... 90 690 Weisses Oberhemd 690 mit Pikee- Falteneinsatz und Manschetten.. 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In demselben Augenblick also, wo man Steuerermäßigungen aus fiskalischen Gründen für unmöglich erklärt, verringert man durch völlig willkürliche Sondervergünstigungen das Steuerergebnis. Und in demselben Augenblic, in dem man eine große Aftion gegen die Kartelle ankündigt und unternimmt, erleichtert man durch weitgehendes Entgegen tommen auf steuerlichem Gebiete gerade den bedenklichsten Kartellen, den Kartellen der Urproduktion, den Zusammenschluß. Für die wirtschaftspolitische Machtlage ist dies ein bezeichnendes Symptom. Gewisse Syndikate und Kartelle stehen außerhalb jeder Diskussion, sie sind vor den Angriffen der Regierung und des Kartellgerichts so sicher, daß sie die Abwehr der Kartellattion der Regierung völlig den Kartellen der Fertigindustrie also z. B. den Spinnern, der Glasindustrie und der keramischen Industrie überlassen fönnen." Der Inhalt dieser Notiz ist klar. Die Regierung stellt sich auf den Standpunkt, daß bei denjenigen Unternehmerverbänden, in denen die Einzelunternehmen ihre Berkaufsorganisation an den Verband übertragen haben, die Umsatzsteuer eine unsinnige Doppel besteuerung wird, wenn man nicht nur den Umsatz der zentralen Verkaufsorganisation mit einer Steuer belastet, sondern auch den„ Umfaz" des Einzelunternehmens mit dem Syndikat; bedeutet doch diese Streichung der Steuer nur die Aner fennung der Tatsache, daß eine solche Aenderung der Verkaufsorganisation eingetreten ist. Tatsächlich findet mit dem Verkauf des Verbandsmitgliedes an den Verband feine Eigentumsüber tragung statt, wie bei jedem anderen Verkauf. Es ist recht erfreulich, wenn jetzt auch auf feiten der Regierung erkannt wird, daß die bisherige doppelte Erhebung der Umsatzsteuer in solchen Fällen unsinnig ist. Das Prinzip jedoch, das die Regierung jetzt im Verwaltungswege gegenüber dem Salzsyndikat anerkennt, das sie nach der erwähnten Notiz auch gegenüber dem Kohlensyndikat bereit ist anzuerkennen, wurde, seitdem es eine Umsatzsteuer gibt, bei jeder Steuer- und Etatsberatung von der Sozial demokratischen Partei für die Genossenschaften der Er. zeuger und Verbraucher vertreten. Mit dem Erlaß der Umsatzsteuer für die Mitglieder des Salzsyndifats hat die Regierung das Prinzip wenigstens in einem Falle als richtig und damit die bisherige Erhebung als unsinnig anerkannt. Als die Preisabbauaktion der Reichsregierung begann, wurde von einem hohen Beamten des Reichswirtschaftsministeriums darauf hingewiesen, daß es die Aufgabe der Regierung sein müsse, die Verbraucher- und Erzeugergenossenschaften einander näherzubringen. Angeblich soll der Reichsfinanzminister bei der Verweigerung von Gehaltserhöhungen für die Be amten darauf hingewiesen haben, daß sie durch den Warenbezug von Konsumvereinen ihr Realeinkommen steigern tönnten unt follten. Der Reichstanzler hat eine Reihe von drohenden Bro testen von Einzelhandelsorganisationen bekommen, weil er sich in Erinnerung an seine fozialpolitisch eingeftellte Oberbürgermeistervergangenheit zu offen für die Förderung der Konsumvereine einge sezt hat. Dennoch hat die Regierung auch jetzt noch nicht bie Möglichkeit gefunden, auf dem gesetzgeberischen oder auf dem Verwaltungswege der Doppelbesteuerung der Erzeuger- und Verbrauchergenossenschaften bei der Umsatzsteuerhebung ein Ende zu machen. Wir würden es begrüßen, wenn das Reichsfinanzministerium der Deffentlichkeit mitteilen würde, welche Bedingungen hinsichtlich der Preisgestellung des Salzsyndikats es an den Erlaß der limfagsteuer gefnüpft hat. Außerdem aber scheint es jetzt nicht nur im Interesse der Preisabbauaktion der Regierung und in der Linie wiederholter ministerieller Erklärungen zu liegen, daß die Doppelbesteuerung der Genossenschaften endlich ihr Ende findet, sondern dies ist sogar eine Forderung steuerlicher Gerechtigkeit geworden. Was den Syndikaten der Rohstoffproduktion recht ist, ist für die Genossenschaften der landwirtschaftlichen Erzeuger und der städtischen Verbraucher nur billig. Mittwoch, 11. November 1925 Aus der Partei. Gegen den Maroffofrieg! Die Erekutive der Sozialistischen Arbeiterinternationale hat in ihrer Sigung in London die Situation in Marokko geprüft und folgenden Beschluß einstimmig gefaßt: Dabei zwingt heute die allgemeine Notlage der Landwirte gerade den Groß grundbesitz zu seiner eigenen Erhaltung, Land in größerem Umfange abzustoßen. Andererseits finden zahlreiche Landbegehrende, die in der Lage sind, eine gewisse Anzahlung zu leisten, weder die Siedlungsorganisationen noch ausreichende langfristige Mittel vor, um zu einer gesicherten Eristenz zu tommen. Die Vertreter des Reichsverbandes baten infolgedessen den Reichsarbeitsminiſter, ſeinerseits die Initiative zu ergreifen und dafür zu sorgen, daß vom Reich genügend Mittel zur beschleunigten Durchführung der Indem die Eretutive der SAJ., dem Beschluß des Kongresses Siedelung in den Etat eingestellt werden und daß auch in bezug von Marseille gemäß, neuerlich die schleunigste Beendigung des Marottafrieges fordert, protestiert sie dagegen, daß den auf die Siedlungsorganisationen neue Wege beschritten werden. Der Reichsarbeitsminister antwortete, daß er mit den Ver- Kämpfern um die Selbständigtett des Rif nicht einmal tretern des Reichsverbandes in seiner Auffassung über die Notwendig die Rechte friegführender Mächte zuerfannt werden, obwohl durch feit der landwirtschaftlichen Siedelungen und die Förderung ihrer wiederholte Verhandlungen über den Friedensschluß Abd el Krim Durchführung vollständig einig gehe und daß er auch seiner als gleichstehende Macht anerkannt wurde; protestiert sie dagegen, daß feits alles versuchen werde, um vom Reich genügend finanzielle infolgedessen nicht einmal den Ambulanzen des Roten Mittel bereitzustellen. Er wies jedoch auf einige schwer überwind- Kreuzes und des Roten Halbmonds erlaubt wird, den bare Widerstände hin, die sich der Durchführung dieses Vorsatzes Riffriegern und den französischen und spanischen Gefangenen Hilfe in den Weg stellen, besonders auf die schwer zu regelnden 3uzu bringen, und fordert daher im Namen der Menschlichkeit von der ständigteitsfragen zwischen Reich und Ländern und auf die französischen und der spanischen Regierung die Zulassung von schwierige finanzielle Lage des Reiches. Da er aber den Siedlungs- Ambulanzen des Roten Halbmonds und des Roten Kreuzes auf der Seite der Rifkämpfer.* gedanken für so außerordentlich wichtig und auch in der heutigen schwierigen Zeit für durchführbar halte, werde er möglichst schon bei den kommenden Etatberatungen darauf hinzuwirken versuchen, daß die notwendigen Mittel bereitgestellt werden. Ueber die Besprechungen der Vertreter des Reichsverbandes mit dem Reichspräsidenten gibt das Bureau des Reichspräsidenten folgenden Bericht: ,, Der Herr Reichspräsident empfing heute eine Abordnung der Bauern und fleinbäuerlichen Verbände, die von dem Hauptgeschäfts. führer des Reichsverbandes landwirtschaftlicher Klein- und Mittelbetriebe, Herrn Lübke, und dem Borstand des schlesischen Bauernbundes, Herr Hiltmann, geführt waren. Die erschienenen Vertreter legten dem Herrn Reichspräsidenten die Notlage der existenzlosen Landwirte, nachgeborenen Bauernsöhne, verdrängten Bächtern usw. dar, denen durch beschleunigte großzügige Fortführung der landwirtschaftlichen Siedelungen eine landwirtschaftliche Existenz gegeben werden muß und wiesen auf die wirtschaftliche und nationale Bedeutung dieser Aufgabe hin. Der Herr Reichspräsident betonte in feiner Erwiderung, daß er von der Bedeutung des Siedlungswertes überzeugt sei und der Notlage der gesamten bäuerlichen Schichten volles Versiändnis entgegenbringt. Ebenso hofft er, daß die mit dieser Frage befaßten Stellen im Reiche und in den Ländern, ferner die Landlieferungsverbände und die ländlichen Genossenschaften in gleicher Weise den Siedelungsaufgaben persönliches In. teresse und tatkräftige Förderung entgegenbringen.( Das ist in den von Großagrariern beherrschten Gebieten bekanntlich wenig der Fall. Red. d." B.") Andererseits macht der Herr Reichspräsident aber auch auf die schwierige finanzielle Lage des Reiches sowie der Länder aufmerksam. Der Herr Reichspräsident erklärte sich am Schluß der Aussprache bereit, dahin mitzuwirken, daß in Zusammenarbeit von Reich und Ländern und unter gerechtem Ausgleich der hier oft widerstrebenden Interessen das Werk der ländlichen Siedlung nachdrücklichst fortgesetzt wird. Folgen freier Wohnungswirtschaft. ... teure Kleinwohnungen. Dem Foreign Preß Service entnehmen wir folgende interessante Schilderung der Zustände, die sich in den Bereinigten interessante Schilderung der Zustände, die sich in den Bereinigten Staaten von Nordamerika bei Der Aufhebung der Wohnungsbewirtschaftung entwidelt hatten und die die Bestrebungen deutscher Hausbefizer, möglichst bald die Fesseln der 3wangswirtschaft abzuftreifen, mit allen ihren Konsequenzen be leuchten: Parteinachrichten Einsendungen für diese Rubrik sind Berlin S. 68. Lindenstraße 3, für Groß- Berlin ffets an das Bezirkssekretariat, 2. Sof, 2 Trev. rechts, zu richten. 4. Kreis Prenzlauer Berg. Donnerstag, den 12. November, 7 Uhr, im Bezirksamt, Danziger Str. 64, 8immer 29, Gigung des engeren Kreis. vorstandes mit den neugewählten Stadt und Bezirksverordneten( Wahlvorschlag 1-29). 7. Kreis Charlottenburg. Ortsausschuß für Arbeiterwohlfahrt: Donnerstag, den 12. November, 7% Uhr, im Rathaus, Berliner Straße, Simmer 2, Vortrag des Genossen Senriquies. Jungfozialisten, Arbeiterjugend find herzlichst eingeladen. 11. Kreis Schöneberg- Friebenau. Am 23. Dezember findet in der Schloßbrauerei eine Weihnachtsfeier statt. Gammellisten gehen den Abteilungen auf dem 8ahlabend zu. Die Abteilungen werden gebeten, recht rege zu fammeln. Meldungen von Kindern sind bei den Abteilungsleitern abAugeben. 14. Kreis Neukölln, Donnerstag, den 12. November, 8 Uhr, treffen sich die Genossen, welche sich an der Landagitation beteiligen wollen, bestimmt bei Grieger, Leffingftr. 9. Abteilungen aufmerksam machen. Sonntag, den 15. November, nachmittags 3 Uhr, findet in Selchow, Restaurant Lehmann, aus Anlaß der Provinziallandtagswahlen eine öffentliche Wählerversammlung ftatt. Alle Genossen find herzlichst zur Teilnahme eingeladen. Treffpunkt Sonntag mittag 12 Uhr zur Abfahrt nach Buckow, Saltestelle Karlsgartenstraße. Heute, Mittwoch, den 11. November: 16. bt. Die Mitgliederversammlung tann umständehalber erst am Mittwoch, ben 24. November. stattfinden. 28. bt. 7 Uhr Rahlabend in den bekannten Lokalen. 43. Abt. Rablabende in den bekannten Lokalen. 48. bt. 7 Uhr in Gliefings Festsälen, Waffertorstr. 68, Bortrag: Die politische Lage und Locarno". Referent Rechtsanwalt Dr. Kallmann. Charlottenburg. 51. t. 7% Uhr Rahlabend: 1. Gruppe bei Schellbach; 2. Gruppe bei Echeibthauer, Sophie- Charlotte- Str. 24; 3. Gruppe bei Dörre, Dandelmannftr. 18. 53. Abt. 7% Uhr Rahlabenb: 1., 2. und 3. Bezirk bei Schweitert, Erasmusstr. 2. Bovirag: ,, Die wirtschaftspolitische Lage und die Arbeiterschaft". Referent Genosse Carlinsti. 72. Abt. Wilmersdorf. Achtung! Der Zahlabend findet bei Schäfer, Augustaftraße 31, ftatt. 85. Abt. Tempelhof. 7 Uhr Sahlabend: 1. Bezirk bei Wiefe, Dorfftr. 1. Ede Manteuffelstraße: 3. und 4. Bezirk Sur Linde", Werder, Ede Fried. vich- Rariftoake; 6. Bezirk bei Lange, Ringbahnstr. 4; 7. Bezirk bei WangTid, Oberlandstraße. 100. Abt. Rudom. 7% Uhr Rablabend bei Balm, Röpenider Str. 81. 102. Abt. Baumschulenweg. 7% Uhr im Lotal Borgmann, Baumschulen, Ede Riefholzstraße, Bortvag: Die politische Lage". Referent Bürgermeister Leid. Mitgliederversammlung. Bor107. bt. Alt- Glienice. 7% Uhr Mitgliederversammlung bei Thieme. trag: Das Seidelberger Programm". Referent Genoffe Wermuth. 121. Abt. Starishorft. 8 Uhr bei Hausmann, Revolutionsfeier. Bortrag des Genossen Adolf Braun. Rezitationen, Mufit, Gesang Angehörige, Freunde bitten wir einzuladen. Nach Beendigung der Feier: Parteiangelegenheiten. 132. Abt. Blankenburg. 7% Uhr Mitgliederversammlung bei Klug. Abt. 140a Wittenau. Der Rahlabend fällt aus. ftraße 4, Aussprache über den Konflikt mit dem Nelson- Bund. Referent Dr. Druder. Gruppe Often: Beteiligung an der Arbeitsgemeinschaft der GAZ. im Jugendheim Rigaer Str. 103 am Donnerstag, den 12, NoDember, 7% Uhr. Sterbetafel der Groß- Berliner Partei- Organisation 108. Abt. Köpenid. Unser Genoffe Wilhelm Rafchte, Rudower Straße 21, ift verstorben. Beerdigung am Donnerstag, ben 12. November, nachmittags 4 Uhr, auf dem hiesigen Friedhof. Wir erwarten rege Beteiligung. Jugendveranstaltungen. Abteilungskaffierer, beute Abrechnung von 5-7 Uhr! In den Bereinigten Staaten, die fo gerne als Muster aller Freiheit von staatlichen Eingriffen in das Wirtschaftsleben angerufen Jungfozialisten. Gruppe Charlottenburg: 7% Uhr im Jugendheim, Rofinen werden, hatte die auch dort in dem ersten Nachkriegsjahre in Erscheinung getretene starte Wohnungsknappheit verschiedene Einzelstaaten veranlaßt, Mieterschußgefeße zu erlassen. Das für den Staat New Yort erlassene Notstands gesetz wird, wenn es nicht von der Staatslegislatur verlängert wird, am 15. Februar nächsten Jahres ablaufen; darüber, ob eine Berlängerung eintreten soll, ist in Albany, der Staatshauptstadt, bereits ein lebhafter Kampf entbrannt, dem die sachlichen Unterlagen zu liefern ein Komitee zusammengetreten ist, um die Erfahrungen mit der Freigabe der Wohnungswirtschaft in anderen Staaten und Distriften zu sammeln. Es ergab sich dabei, daß im Bundesdistrikt Co umfaßt, nach Freigabe der Wohnungswirtschaft auf Grund einer lombia, der im wesentlichen die Bundeshauptstadt Washington Entscheidung des Obersten Gerichtshofs, der eine Notlage auf dem Wohnungsmarkt nicht mehr für gegeben erachtete, die Mieten für Kleinwohnungen alsbald um mindestens 15 Freilich ist soviel gewiß, daß nunmehr das Reichsfinanz- bis 20 Pro3. hinausschnellten. Dabei waren bereits minifterium, wenn ihm dieser Vorschlag unterbreitet wird, auf ein feit 1917, als die Bautätigkeit zum Stillstand gelangt war, vermal von neuem entdecken wird, daß der deutsche Etat eine Ber- schiedentlich Mietssteigerungen vorgenommen worden, die eben den minderung der Steuereingänge nicht ertragen fönne. Dann erRongreß zu mieterschutzlichen Maßnahmen veranlaßt hatten; diese waren zunächst für die Zeit des Krieges gedacht gewesen, waren aber gibt sich aber ein sehr flares Entweder-Oder. Entweder Bewiederholt verlängert worden, zumal überhaupt erst 1922 wieder seitigung der finnlosen Doppelbesteuerung für alle, die von ihr eine Bautätigkeit eingesetzt hatte. Die Kosten für die neuen betroffen werden, oder Erhebung von soviel Steuern, wie ge- Häuser waren derart, daß keine Wohnungen in ihnen absetzlich möglich ist. Der Zwischenweg, den das Reichsfinanzministerium gegeben werden konnten, die sich auf weniger als nunmehr beschritten hat, kann jedenfalls in feiner Weise gerechtfertigt 20 Dollar Miete pro Raum und Monat gestellt hätten. Nach werden, sondern bedeutet nichts als Klassen politik für die Unter Freigabe der Mietpreisüberwachung stiegen im besonderen die nehmungen der industriellen Urproduktion gegen die Landwirtschaft Mieten für Kleinwohnungen, folche für Arbeiter, Anund die städtischen Verbraucher. gestellte in den Regierungs- und sonstigen Bureaus. Diese Steige- beaint Brenzlauer Berg in Spedition Greifenbagener Str. 22. rung belief sich im Durchschnitt bei Wohnungen mit einem Mietpreis bis zu 50 Dollar pro Monat auf 25 Proz., während gleichzeitig fost spielige Wohnungen mit Monatsmieten von 100 Dollar in größerer Zahl frei wurden und bald die Mietspreise für diese Klasse von Wohnungen gefenft werden mußten. Die Ursache hierfür ist naturgemäß zu suchen in dem Mangel an Interesse des Bautapitals an Kleinwohnungen, das sich bei uns seit 1914 im allgemeinen ähnlich verhalten hat, nicht immer wie das Washingtener Beispiel gezeigt hat, zu seinem eigenen Borteil, da bie Preise für größere Wohnungen sich nicht haben in der gehofften Höhe halten können. Um die landwirtschaftliche Siedlung. Bauernvertreter beim Reichspräsidenten und Reichsarbeitsminister. Der Reichsverband landwirtschaftlicher Klein und Mittelbetriebe, der stets mit aller Energie für die Förderung des landwirtschaftlichen Siedlungswesens eingetreten ist, hatte am Montag, den 9. November, Vertreter seiner Landes- und Provinzialorganisationen zum Reichspräsidenten von Hindenburg und zum Reichsarbeitsminister Dr. Brauns entfandt. Die erste Besprechung fand beim Reichsarbeitsminister statt. Die Ausführungen der Vertreter des Reichsverbandes gingen dahin, daß sowohl aus nationalen, aus bevölkerungspolitischen und wirtschaftlichen Gründen die landwirtschaftlichen Siebe lungen heute zu den wichtigsten Aufgaben von Reich und Ländern gezählt werden müssen. Das zur Durchführung der Siedelung geschaffene Reichssiedelungsgesetz hat in weitgehendem Maße die Erwartungen aller Siedlungsfreunde ent täuscht. Die auf Grund dieses Gesezes tätigen Siedlungsgesellschaften haben nicht einmal die Gewähr, die aus Polen vertriebenen Deutschen restlos anzusiedeln. Vorkehrungen für Abdedung von Renfenbant- Krediten. Befanntlich sind noch in diesem Jahre ein Drittel der von der Rentenbank begebenen I andwirtschaftlichen Kredite abzudecken. Die in Betracht kommende Summe von etwas über 600 Millionen braucht aber noch nicht in vollem Umfange dirett von der Landwirtschaft aufgebracht zu werden, da das Institut noch auf gewisse Reserven zurückgreifen fann. Go fommen die an größere Banten furzfristig ausgeliehenen 60 Millionen Mark am Fälligkeitstermin Ende November in vollem Umfange zur Einziehung. Man nimmt an, daß dem im Großverfehr der Börse flüffigen Geldmartte hieraus teinerlei Schwierigkeiten erwachsen. Heute, den 11. November, abends 71 Uhr: Wedding: Schule Ruheplake, Ede Antonftraße, Bortro ,, Bub und mäder Selmholkplak: Schale Eberswalder Str. 10, 8immer 11, Bortrag: Die deutschen Revolutionen". Baltenplay: Jugendheim Rigaer Str. 108, Bortrag: Leo Tolstoi". Frankfurter Viertel: Jugendheim Rigaer Str. 103, Bortrag: Entstehung der Religion". Friedrichshain: Jugendheim DieftelPetersburger Biertel: Jugendmenerite. 6-7, Bortrag: Reformkleidung". heim Eberinstr. 12, Vortrag: Einführung in die fozialistische Gedanken1918". Luisenstadt: Schule Stallschreiber Str. 53, Vortrag: 9. November 1918 bis 9. November 1925". Reichenberger Biertel: Jugendheint Reichenberger Straße 66, Literaturabend: Dichter der Revolution". Westen: Kinderhort, Dennewigstr. 23, Gtfl. part., Revolutionsgedenkfeier. Wannsee: Schule Charlottenstraße, Löns- Abend. Niederschöneweide: Schule Berliner Str. 31, Raulsdorf: Gdhule AdolfBortrag: Unser Ziel und der Weg zu ihm". straße 25, Bortnag: Die Staaten im Deutschen Reiche. Bichtenberg- Norb: Jugendheim Bartaue 10, Bortrag. welt". Warschauer Biertel: Jugendheim Silfiter Str. 4, Bortrag: Bildungskurse: Berbebezirk Rentolu: Jugendheim Canner Straße( 1. Abend). Werbe Vorträge, Vereine und Versammlungen. Binchologische Gesellschaft zu Berlin. Ordentliche Gigung Donnerstag, ben 12. November, abends 8 Uhr, im Institut für praktische Psychologie, Kurfürstendamm 45. Herr Privatdozent Dr. R. W. Schulte: Binchotechnik und Arbeitswiffenfchaft"( Mit Lichtbildern und Demonftrationen.) Es wird gebeten, Gäste bei Serrn Dr. Albert Moll, Kurfürstendamm 45, vorher anzumelden. befpoten het bieber haber freien Burritt, Reichsbund jüdischer Frontsoldaten, Ortsgruppe Berlin, Bezirk Norb. Donnerstag, den 12. November, abends 8 Uhr, in den Gophienfälen, Sophienftraße 17-18, Bortragsabend. Pfarrer Graue, Cuvatus Sing, Rabbiner Dr. Alexander sprechen au dem Thema Was fördert den wahren Menschheitsfrieden?" Der Reichsbund der Kriegsbeschädigten, Kriegsteilnehmer unb Krieger. hinterbliebenen, Detsgenppe Neukölln, Abt. 14, veranstaltet am Donnerstag, ben 12. November, abends 7% Uhr, im Etablissement Rarlsgarten, Rarlsgartenftraße 6-11, eine Mitgliederversammlung, verbunden mit Rahlabend. Bericht vom Gautag. Referent Ramerad Gleiß. 99 Ein Lebenskünstler" 6 Nach dem Drama von Richard Voss Der große Erfolg des B. T. L., Potsdamer Straße 38 National- Film- Wochenspielpläne an jeder 2. Litfassäule. Arterienverkalkung! die Drohung des Alters Kaffee Hag- Probierstube Berlin, Kurfürstendamm 26 a Wer lange leben will, trinkt Kaffee Hag Solopathischer Bollsgefundheitsverein Sahnemann, Berlin. BereinsTotal: Frankfurter Sof, Frankfurter Allee 313. Donnerstag, den 12. November, abends 8 Uhr, Geschloffener Studienabend über Snpnofe und die Macht der Suggeftion". Gäste als cttive und paffive Mitglieder willkommen. Bereinigung für Schmil- und Erziehungsfragen, Berlin- Treptow. Freitag, den 13. November, abends 8 Uhr, im Reichensaal der 6. Treptower Gemeindefajule, Wildenbruchstr. 53, 3 Tr. Dr. med. Eaaler: ,, Aerztliche Beurteilung der Erziehungsstrafen". Einiritt frei. Berein der Stralsunder zu Berlin. Monatsversammlung am Donnerstag, ben 12. November, 8% Uhr, im Bereinslotal, Restaurant Sonnenuhr", Am Oberbaum 3. Bortrag über Stralsunder Originale. Landsleute und Gäste ftets willkommen. Sport. Rennen zu Strausberg am Dienstag, den 10. November. 1. Rennen. 1. Bajuware( Kränzlein), 2. Bardes Bruder( Kufulies), 3. Mäuseturm( Hauser). Toto: 59: 10. Plat: 15, 12, 13: 10. Ferner liefen: Porta Westfalica, Schneeberg, Parioli, Dioscour, Zwirn, Blücher, Berta. 2. Rennen. 1. Leander( M. Jentsch), 2. Blümlisalp( Albers), 3. Sans Atout( H. Schmidt). Toto: 43: 10. Blat: 20, 18, 15: 10. Ferner liefen: Buschlin, Escoria', Najchewin, Haczar, Transuje. 3. Rennent. 1. Tod und Leben( Dertel), 2. Rüstung( K. Edler), 3. Baluta( Hr. Sanizer). Toto: 12:10. Blat: 11, 17: 10. Ferner lief: Duellnymphe. 4. Renne it. 1. Battle Cruiser( R. Torke), 2. Chin- Chin( A Torke), 3. Sedes Trumpf( D. Schmidt). Toto: 23: 10. Blat: 15, 51, 24: 10. Ferner liefen: Fauche le Ble, Pelagia, Bidouze, Gaudium, Dorns Bruder, Allegro, Sonnenschein, Allotria, Hebe, Goldstern, Bellejus. 5. Rennen. 1. Mundschent( Mens), 2. Fechlerin( H. Noval), 3. Trumpf ( Br. Müller). Zolo: 49: 10. Blaz: 18, 15, 24: 10. Ferner liefen: Karrara, Anarchist II, Eichlage( gef.), Blautopaz, Seewarte, Ganymed, Mirakel, Bliz. 6. Rennen. 1. Dbohit( D. Müller), 2. Great Gala( Thielemann), 3. Ristil( D. Schmidt). Toto: 62: 10. Blaz: 20, 23, 14: 10. Ferner liefen: Narr, Katastrophal, Prinzeß Friedel, Laokoon. 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Klosterstr. 43 8 Uhr: Gastspiel Xaver Terofal Der Ehestreik mit d. Schlierseer Bauerntheater Förster, K. Ehmann, Anneliese November- Sensationen! Th. am Kurfürstendamm Siegfr.Breuer, Franz Engel, Dr. Szilágyi Inszenierung Dr. Rudolf Bear Von Dessau Heute und Sonnauf allen Gebieten der 8 Uhr: Wenn ich wollte...! Th. a. Hollendorfplend 3, Uhr: internationalen Varieté- Kunst Th. am Schiffbauerdamm Täglich S Uhr: Der Preise! Rotkäppchen 8U. letzte Kuß Theat.i.d. Operette von Rob. Winterberg Falk, Vespermann, Hainisch, Picha, Wasa, Math, Hell. Lützowst.112 Franen hinter Gittern Stg., Mittw. u. Sbd. Mittw. nachm. 4 U: Märchenvorstellg. Max und Moritz Vorzeig. auch Stgs. Dornröschen. nachm. v. 25 Pfg an abends v. 50 Pfg an Deutsches Künstler- Theater Barnowsky- Bühnen Tägl48 Uhr: Gastspiel Theater in der Fritzi Massary: Königgrätz.str. 8 Uhr: Die Teresina Wie es euch gefällt Wallner- Theater Donnerstag 8 U. Täglich 8 Uhr: Don Juan n. Faust Fäden SCAL 8 Uhr: Internat. Sonntg. 3 U. KI.Pr. 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