Abendausgabe Nr. 534+ 42. Jahrgang Ausgabe B Nr. 265 Bezugsbedingungen und Anzeigenpreife Find in ber Morgenausgabe angegeben Rebattion: S. 68, Lindenstraße 3 gerafprecher: Dönho 292-29% Tel.- breffe: Sozialdemokrat Berlin 10 Pfennig 11. November 1925 Vorwärts= Berliner Volksblatt Berlag und Anzeigenabteilung: Geschäftszeit 9-5 Uhr Berleger: Vorwärts- Berlag GmbH. Berlin S. 68, Lindenstraße 3 Ferusprecher: Dönhoff 282-29% Zentralorgan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands Deutschnationales Durcheinander. Jasager.- Neinsager. Ja- und Neinsager. BTB. veröffentlicht folgende Rundgebung: Die Stellung der Deutschnationalen Boltspartei zu den Berhandlungen der Reichsregierung wegen des Vertrages Don Locarno veranlaßt die Unterzeichneten zu folgender Er. flärung: Wir sehen in dem Bestreben der deutschen Reichsregierung den Bersuch, das Zusammenwirten Deutschlands mit den anderen europäischen Mächten auf der Grundlage der Gleichberechtigung ficherzustellen. Gegenüber der Politit, die Poincaré gegen Deutschland ge. trieben hat, den fortwährenden Santtionsdrohungen, dem Einmarsch im Ruhrgebiet und der Bedrückung des Rheinlandes ist es von grundlegender Bedeutung, wenn die innere Entwicklung in Deutsch land, namentlich aber die Freiheit und die Unabhängig feit des Rheinlandes, vor willkürlichen Angriffen sicher. gestellt wird. Diesen leitenden Gesichtspunkt der Reichsregierung sollten alle Parteien ohne Unterschied ihrer innerpolitischen Einstellung vertreten. Wir müssen den zerrüteten Wohlstand Deutsch lands wieder aufbauen in einer Aera dauernden Friedens. Wir Lönnen uns nicht vom Ausland abschließen, sondern wir müssen namentlich die deutsche Wirtschaft im Berein mit dem Ausland wieder zu Kräften bringen, um dem deutschen Bolt Arbeitsgelegenheit, den vermögenslos gewordenen deutschen Erwerbs. schichten die Eristenz und die Wiedererringung ihrer früheren Stellung zu ermöglichen. Wir erachten es mit der Reichsregierung als selbstverständlich, daß ein wirflich dauernder Frie denszustand sich auswirken muß in friedlichen Verhältnissen im Rheinland und in einer Wenderung des dortigen Regimes, in einem Aufhören jener Zustände, die den Begriff der persönlichen Freiheit im Rheinland illusorisch gemacht haben. Die Reichsregierung hat eine Entscheidung der Parteien bis zur Stunde nicht gefordert. Sie hat felbst darauf hingewiesen, daß sie diese Entscheidung erst treffen fönne, wenn sie in der Lage sei, die Rüdwirtungen auf das Rheinland zu überblicken. Gegenüber diefer Klarstellung ist es uns unverständlich, daß die Dealfonationale Bolfspartei, ehe der gesamte Tatbestand überhaupt zur Beurteilung reif ist, gegen Locarno Stellung genommen hat und aus dem Kabinett ausgeschieden ist. Dieses Ausscheiden einer großen Bartei, hinter der viele Millionen deutscher Wähler stehen, ift angetan, uns außenpolitisch schwer zu schädigen und innerpolitisch eine Bewegung anzubahnen, die nicht im Sinne staats erhaltender Parteien liegen kann. Wir brauchen gegenüber den schweren Verhältniffen, unter denen die gesamte Wirtschaft leidet, eine starte bürgerliche Re gierung. Wir haben das Zustandekommen dieser Regierung begrüßt. Wir haben ihre bisherige Arbeit mit Zustimmung verfolgt. Wir hofften dauernd tonsolidierte Berhältnisse auf dieser Grundlage in Reich und in Preußen schaffen zu fönnen. Durch die Schwächung der Regierung ist ihre außenpolitische Situation gefährdet, die innerpolitische Situation aber in eine Richtung getrieben, bie von teinem tonfervativ dentenden Mann gebilligt werden kann. Wir halten uns daher für verpflichtet, vor der deutschen Deffentlichkeit zu er flären, daß es die Pflicht aller staatserhaltenden Kräfte in Deutschland ist, die Regierung bei ihrem schweren Wert zu unterstüßen, und wir fordern alle unabhängigen Bersönlichkeiten auf, unbeschadet ihrer Zugehörig feit zur Deutschnationalen Voltspartei, dies zu tun und nicht an die Stelle der Führung des Reiches durch Persönlichkeiten Mehrheitsbeschlüffe vor Parteiinstanzen zu stellen. Wir halten uns vor dem Baterland für verpflichtet, diese unsere Anschauung durch unsere Unterschrift zu befunden. Berlin, den 10. November 1925. ㄓ S $ Dr. G. Aufschläger, Hamburg, Berner von Aldensleben Berlin, Graf Klaus Bismard Barzin, Freiherr von Cramm. Brüggen Hannover, Graf Ernst Eidstedt Hohenholz, Fürst zu Fürstenberg Donaueschingen, Graf Gekler Schoff schütz, Graf Wilhelm Geßler, Karl Haniel Düsseldorf, Borfizender des Aufsichtsrats der Gute- Hoffnung- Hütte, Christian Kraft, Fürst zu Hohenlohe, von Erffert Garlig, Graf M. Lehn borff. Frenl, S. v. Radowiz- klein- Ingersheim, Hugo Frei herr von Reisch a ch, Wirtl. Geh. Rat, Berlin, Rommerzienrat Dr. Paul Reusch, Generaldirektor der Gute- Hoffnungs- Hütte, Rudolf Graf Spreti Berlin, Raban von Tiele Wintler= Lebbin, Wirfl. Geh. Rat von Balentini. Hameln, C. WenzelTeutschenthal, Graf Lubbert von Westphalen Berlin, v. 3izewig Weedern. M Unter den Unterzeichnern befindet sich tein Mitglied ber deutschnationalen Reichstagsfraktion, überhaupt fein Mann, der im politischen Leben der letzten Jahre eine nach außen fichtbare Rolle gespielt hat, defto pohlreicher find aber unter ihnen Leute, die der Deutschnationalen Partei als Gelbgeber wichtig sein dürften. Es find fonservative. Es find fonfernative Granden und fapitalistische Wirtschaftsführer, die in der Rechtsregierung eine Vertreterin ihrer sogenannten ,, Belange" erblicken und die mit der Sprengung der Rechtstoalition ihre Felle davonschwimmen fehen. Auf das aufgeregte Klein bürgertum, von dessen Stimmungen sich die Deutschnationale Bartei leiten läßt, fehen sie mit Berachtung herab. Welche praktischen Wirkungen ihr Aufruf haben wird, läßt sich nicht übersehen. Für die innere Zersehung der Rechten ist er ein neuer Beweis. * Auf der Rechten gehen, wie man fieht, jehr verschiedene Strömungen durcheinander. Die eine will die Annahme von Lo. carno jezt, eine zweite will sie überhaupt nicht, eine dritte möchte durch Hinausziehung der Verhandlungen über die Rückwirkungen" Zeit gewinnen. Diese dritte Strömung ist die gefährlichste. " Bu ihrem Sprachrohr macht sich neuerdings die agrarische " Deutsche Tageszeitung". Sie ſieht in ihrem ahnenden Geist voraus, daß die Rückwirkungen" viel zu spärlich sein würden, um die Annahme des Vertrags zu rechtfertigen, daß man aber trotzdem das Bolt in eine Art von Rauschstimmung" verſetzen werde, um die Annahme zu erreichen. setzen werde, um die Annahme zu erreichen. Dann fährt fie fort: Auch wir sind der Ansicht, daß die Dingefchon zu weit gediehen sind, als daß ein einfaches Berwerfen bes Bertrages aus inner und außenpolitischen Gründen praktisch überhaupt noch möglich ist. Wohl aber besteht nicht nur die Möglichkeit, sondern auch die Pflicht der Regierung, für den Fall, daß Rückwirkungen großen Stils aus bleiben, von dieser neuen, von den Alliierten selbst geschaffenen Bafis aus wieder in Berhandlungen einzutreten und die Unterzeichnung tonſequent von den Voraussetzungen abhängig zu machen, die fchon in Locarno genannt und von der Gegenseite afzeptiert worden sind. Leider weiß bisher niemand genau ,,, was von der Gegenfeite afzeptiert worden ist". Neben dem schriftlichen Vertrag besteht eine mündliche Abrede, die verschiedenen Auslegungen zugänglich sein dürfte. Unterzeichnet Deutschland nicht mit der Begründung, daß die Gegenseite ihr Wort nicht gehalten habe, so wird fofort ein Streit darüber entstehen, was ver sprochen war und was nicht, und in diesem Streit könnte dann das ganze Wert leicht untergehen. " Es ist aber ganz falsch, den Bertrag selbst als ein Passivum anzusehen und diesem das Aktivum der Rückwirkungen" ent gegenzustellen. Der Vertrag ist selber auch für Deutschland ein Aftivum, weil er den europäischen Frieden sichert und den Anfang einer Entwicklung darstellt, die im Interesse Deutschlands zu erstreben ist. " Verbrecher am Reich! Bon Alwin Saenger- München. November; auch in Bayern. Aber den öden Tag grüßt eine beffere Zukunft: Auferstehung des angestammten Herrscherhauses. Angestammt; natürlich, so wie der letzte bayerische Ludwig Elsaß anstammen wollte, wie der Erbfeind dem teutschen Wittelsbachergeschlechte anno 1803 Franken, Würzburg und Bamberg, das Bistum Augsburg, das Gebiet bei Kempten( Schwaben), Freising, Teile der Bistümer Eichstätt und Bassau usw. anstammte. Angestammt, so wie der eble Karl Theodor ein neues Königreich Burgund in den öfterreichischen Niederlanden im Tauschweg gegen die ange= stammten Provinzen Niederbayern und Oberpfalz neu anstammen wollte! Wie herrlich bewährte sich doch diese angeftammte Treue in dem Erben, der heute von dem Osterglauben an cin Rupertus Refurerit" geplagt ist. Die Rückfahrt zu seinem Bolte ging ruhmvoll via Belgien. Fast wie der angestammte Wilhelm. Die Prominenten der Bayerischen Volkspartei schrieben, daß der Mann für alle Zeiten als König unmöglich fei. Der General, der heute Rupprecht von Wittelsbach zum Wort und Verfassungsbruch verleiten will und selbstverständlich von der Republik meiter seine Bension bezahlt erhält, war 1918 noch nicht als Königsschüßer tätig. Bielleicht hatte er seine Baffe verloren. Heute aber rumoren Mut und Treue in den Maßkrügen der bayerischen Staatstunst. Es ist natürlich alles erlogen; fein Mensch denkt an einen mittelsbachischen Hausputsch. Die Logit spricht zwar dafür; denn so dumm sind selbst diese ronalistischen Größen nicht, zu glauben, daß mit der Beit das Bedürfnis der Bölker nach föniglichem Lächeln wachsen würde. Für die Königstreuen gilt wahrlich, daß jede unbenügte Minute ihre herr lichen Aussichten für immer mindert. Endlich einmal wieder ein waschechtes, fönigliches Hosianna zu fingen, muß ihnen Lebensbedürfnis sein. Und der Drang, einmal zu handeln, ist das natürliche Produkt der fönigstreuen Agitation der legten Jahre. Die Freunde und Sturmfolonnen des goitgesandten Herrn Hitler wurden auch so lange mit den Theaterfünften der Demagogie bearbeitet, bis eines Tages einfach schon um der drohenden Balastrevolution willen mit der Refreiung der deutschen Seele praktisch angefangen werden mußte. Das Anhochen der verfassungswidrigen Majestät“, das Baradieren und das Feiern. das Präparieren für den entscheidenden Tag dauert im weißblauen Lager nun auch schon bald so lange, daß die in den Bünden gepflegte Anwartschaft auf das endliche Wiedersichtbarmerden eines Latoien und einer goldenen Karosse erfüllt werden muß, da sonst schließfeiner mehr etwas von diesen Herrlichkeiten der Welt sehen mill. Von der Regierung ist zu verlangen, daß sie ohne Rüdsicht auf die tattischen Bequemlichkeiten der Deutschnationalen bas tut, was Deutschland nüßlich ist. Dann aber muß sie den gefährlichen Ratschlägen der Deutschen Tages zeitung" ihr Ohr verschließen. Herr Luther hält heute abend auf dem Banfett des Bereins Berliner Kaufleute und In dustrieller eine Rede über Locarno. Hoffentlich wird man aus ihr deutlich genug erfahren, wie er zu diesen Dingen steht. Inzwischen hat die Hauptgeschäftsstelle der Deutschnatio nalen Partei ein Flugblatt herausgegeben, das im Gegenlich saß zur„ Deutschen Tageszeitung" den Bertrag ganz ohne Rücksicht auf die Rüdwirtungen" für unannehmbar erflärt und in der Manier gröbster demagogischer Lügen gegen ihn rische Staatsregierung schuldbeladen vor dem Bolt. Die ReWie im November 1923, so steht auch diesmal die baneankämpft. Wird darin u. a. fogar auch behauptet, daß die gierung eines Freistaates hat die Intrigen der Königs Entente auf Grund des Vertrags von Locarno die Ausfreuen genau so geduldet und die Monarchisten durch die lieferung Hindenburgs als Kriegsverbrecher ver- Duldung frech gemacht, mie sie die nationalfozialistische Belangen könne. Die Nationalliberale Korrespondenz", das wegung von 1921 bis 1923 groß merden ließ. Piemals hat offizielle Organ der Volkspartei, wendet sich aus diesem Anlaß fich diese Regierung eines republikanischen Freistaates auf mit einem Offenen Brief an den deutschnatio ihre Pflicht besonnen, ein einziges Mal zur rechten Reit nalen Parteivorsigenden D. Windler, worin warnend auf die Gefahr zu weisen, die angesichts der polifie das Flugblatt als ein gewiffenloses Machwert" bezeichnet tischen Charakterschwäche eines großen Teils der Bevölkerung und erklärt: füdlich der Donau aus der in zahlreichen Organisationen nlanmäßig betriebenen Agitation für Rupprecht von Wittelsbach eines Tages entstehen mußte. Bedeutet doch dieses Flugblatt den Rüdfall in eine Agi tationsmethode, die- falls sie die Billigung der deutschnationalen Parteileitung fände nur imftande wäre, die letzte Brüde und den lehten Steg zu zerschlagen, der die Deutschnationale Bolkspartei mit dem Denken und Fühlen der an beren bürgerlichen Parteien noch irgendwie ver binden könnte. Die Nationalliberale Korrespondenz" fordert von der deutschnationalen Parteileitung eine flare Antwort darüber, ob sie dieses Flugblatt deckt. Wir erwarten, daß sie das tut. Dann werden die Wähler wenigstens erfahren, daß die deutschnationalen Minister acht Monate lang eine Politit mit vertreten haben, die zur Auslieferung unseres Hindenburg" führt! Hindenburg in Stuttgart. Stuttgart, 11. November.( Eigener Drahtbericht.) Reichspräfi tent 5) in denburg ist heute Bormittag um 9 Uhr in Stuttgart eingetroffen. Am Bahnhof empfingen ihn die württembergische Re gierung und die Spißen der Behörden und der Reichswehr. Auf dem Bahnhofsvorplay schritt der Reichspräsident die Front der Ehrentompagnie ab und nahm deren Borbeimarsch entgegen. Darauf fuhr er zum neuen Schloß. Auf dem Wege bildeten Schulen und Vereine Spalier. Die Teilnahme der Bevölkerung war nur gering. Bon begeisterten Rundgebungen fann feine Rede sein. Bei der Beflaggung überwiegen die Farben schwarz rotgold durchaus, daneben sieht man zahlreiche Fahnen in den Landes. und städtischen Farben. Um 11 Uhr fand ein Empfang Hindenburgs im Rathaus statt, um 1 Uhr wird ein Frühstüd im Staatsministerium veranstaltet, bei dem die einzigen offiziellen Reden gewechselt werden. Fes berichtet, baß mehrere Reisende aus dem Lager Abd el Krims Friedensfühler Abd el Krims. Der„ Matin"-Berichterstatter in Fes berichtet, daß mehrere Reisende aus dem Lager Abd el Strims eingetroffen feien; man erwarte weitere Besuche. Diese Leute Diese Leute Bermittler. Alles in allem zeigten diese Schritte, daß Abb el Strim hätten feinen amtlichen Auftrag. Sie feien nicht abgesandte, fondern ben Frieden wünsche. gestern und vorgestern geht wieder in den politifchen Caffen Wozu denn auch? Die gleiche verlogene Unfähigkeit wie hausieren. Die erite Mitteilung vom Kann- Butsch lief ein; Herr General möhl unterschrieb die Proklamation des Rabinetts, die mir gegen das Verbrechen in Berlin verfaßten. In der Nachtsikung des banerischen Kabinetts vom 13. auf den 14. Mä 1920 erklärte der verfassungstreue General. bei ben Truppen sei ein Umschmung zu verzeichnen und er habe fich in der Stimmung des Militärs geirrt. Heute fungiert Herr Möhl als Quartiermacher für Herrn von Wittelsbach. 1921 lächelten die Minister der Ordnungszelle, 1922 lachten fie, 1923 warfen sie mit, sozialdemokratischen Verdächtigungen und Lügen" um sich, wenn man Rweifel in die Kenntnisse der Regierungsgewalt und die behauptete politische Ruhe im Freistaat fekte. Heute muß der damalige Herr Innenminifter feine Erfahrung in der Ordnungszelle in einem Buch über das Geheimbundwesen niederlegen. " im März 1923 bei München Felddienstübungen veranstalteten, Als einige Rehntausende der nationalistischen Kohorten Schnatterte die banerische Staatsgans, der Staatsanzeiger": an einen Butsch dächten nur die Berliner Juden. Der um begabtesten einer, Dr. v. Knilling, fchimpfte im September 1923 grob über die Esel, die von Umftura sprächen. Etwas später wurde er mit dem banerischen Rolizeiminifter als Gefangener aus dem Bürgerbräutelfer geführt. Nicht einmal in der Falle selbst hatten diefe urbanerischen Staatsmänner gemerkt, was vor sich geht. Das war affer dings auch etwas schwerer, als auf das Reich zu schimpfen. Wieder einmal ist es unter dem Protettorate der für Bayern verantwortlichen Bayerischen Volkspartei und feines Ministeriums so weit gekommen, daß man in Deutschland fo und der Welt über das Staatswesen spricht, das die Lächerhaben scheint. Leugnen tönnen fie; aber selbst der Regens lichkeit als Sinnbild seiner politischen Tugenden erforen zu burger Anzeiger", ein Organ des Ministerpräsidenten, schreibt: .©oft es Leute gibt, die aus der monarchistischen Grond- stimmung eines grohen Teiles des bayerischen Volkes die verech- ligung sür einen monarchistischen Aktivismu» ableiten. der in den ZeitverhSllnissen nicht begründet ist, das mag wohl sein." Da ist doch das Leugnen selbst für diesen Augenblick lächerlich. Es bleibt bei der Tatsache, daß man in den frei staatlichen Amtsstuben einen Ge- w al ta k t des Herrn von Wittelsbach ernstlich zur Diskussion stellte; soweit ist es wieder einmal. Was gilt einem Rupprecht Deutschland? Wer im Sommer 1917 den Mut aufbrachte, in der tiefsten Not einer gemein- samen Schicksalsstunde für eine Lockerung des Reichsgefüges, für eine Umwandlung des Bundesstaates in einen Staaten- bund einzutreten, der kennt in seiner Seele kein deutsches Dasein, sondern nur die kleine, erbärmliche Welt einer könig- lich-napoleonischen Puppenstube. Adolf Hitler konnte wenigstens noch damit rechnen, daß Kahr und Lossow ihr Wort halten und die Verzweiflung der Inflationszeit ihm zu einem kurzen Dasein verhelfen würden. Bei den Königs- treibern von heute kann man nur fragen, gibt es wirklich solche Dumme und Verbrecher? Aber in einem Lande, in welchem man als der große Führer gefeiert wird, wenn man im Dezember 1918 dem Hochverrat das Wort redet und dann mit der Entente wegen einer Separation verhandelt, in einem Lande, in dem Fasching und Staatskunst identisch sind, ist alles möglich. Macht den Putsch! Wir bitten euch darum. So ganz zufällig ist ja schließlich die Fürstengewerkschaft im November 1918 nicht in die Brüche gegangen, und schließlich steht der deutsche Eckpfeiler nicht zwischen Ingolstadt und Dachau. Gegen den Hochverrat des Prinzen wird doch vielleicht noch eine Nation erstehen, die endlich aufräumt mit diesem elenden, treulosen bayerischen Partiku- larismus! „Se. Kgl. Hoheit/ Mit prinzlicher Vertretung und Ordensverleihung. Wie Rupprecht Wittelsbach im Freistaat Bayern seinen Staats st reich durch sonstige Streiche vorbe- reitet, dafür legt der Bericht Zeugnis ab, den ein Winkel» blättchen aus Waldmünchen in der Oberpfalz über einen „Heimattag" des„Bayerischen Heimat- und Känigsbundes" bringt. Ganz wie in der guten alten Zeit, wo der Sere- nissimus Krähwinkel durch seinen Besuch beglückte, so geht's im Jahre 1925 in der Republik Bayern zu. Man lese diese herrlichen Darstellungen: Samstag abend traf trotz des Vorabends vom Markttag unser Lokalba hnzügle fahrplanmäßig ein und brachte den hohen Gast, den Vertreter Sr. kgl. Hoheit de» Kronprinzen Rupprecht. den seht wie auch früher allgemein beliebten Prinzen Alfons mit. Der hohe Herr wurde am Bahnhof empfangen und in fein Absteigequartier„Gasthof zur Post* geleitet. Mit dem Abendzuge kam auch noch der Patenverein Bayerischer Heimat- und Königsbund Amberg... und sonstige Gäste... Nachdem Se. kgl. Hoheit in der Turnhalle eingctrofsen war, sprach Fräulein Meta heindl einen schönen Prolog. Sonntags morgens weckten Böller- schösse und der Weckruf der Musik die Bewohner unseres Städtchens. Per Bahn, mit Lastauto und zu Fuß trafen die auswärtigen Der- eine und Gäste ein. Um 19 Uhr gruppierte sich der Kirchenzug, an dem sämtliche Waldmünchener und viele auswärtige Bereine teil- nahmen.. Se. kgl. Hoheit Prinz Alfons in Begleitung seines Adju- tonten und Frhr. v. Berchem war unter den Zugsteilnehmern. Die Weihe der prächtigen Fahne nahm Herr Stadtpfarrer Lehner vor, der auch in einer Ansprache die Bedeutung der Fahne würdigte. Mittags fand ein Diner in der Turnhalle statt, über welche» sich Seine kgl. Hoheit sowohl was die Schmückung der Tafel als auch die Zusammenstellung der Speisenkarle und besonder» die gebotenen kulinarischen Genüsse anbetras. äußerst anerkennend au»- sprach. Nachmittags 2 Uhr war Festzug durch die Stadt, an welchem «.Iphigenie in Mulis/ Erstaufführung in der Städtischen Oper. Dem Beifall nach, der donnerte, knallte, klappte, toste, müßte die Ausführung der Gluck schen„Iphigenie* eine Meister- leistung der Städtischen Oper gewesen sein. Doch das zu be- haupten wäre inkorrekt. Zwar gab es einzelne vollendete Leistungen und eine ganze Reihe mindestens sehr guter: ober die große einheitliche Linie fehlte. Bruno Walter, der das Werk mit feinem Verständnis und großem Können leitete(einzig in de? Ouvertüre hätte ich mir eine größere Auffassung denken können), hat diese Einheit musikalisch wohl zu schaffen vermocht. Aber die Oper ist doch schließlich auch ein Bühnenwerk. Regie und Aus- stattung aber blieben hinter dem zurück, was man von der Städtischen Oper fordern darf, was vor allem auch die Künstler dieses Abends fordern dursten. Was entstanden wäre, wenn sie weniger Bühnen- kultur besessen hätten, ist nicht abzusehen. Doch die„Auffassung* des Achilles, den Carl Martin O c h m a n in einer sehr glän- zenden Rüstung prachtvoll als„Held* spielte, ließ es ungefähr ahnen. Wann werden einmal die fahrigen Bewegungen, das Armewerfen und Blickeschleudern, von der Bühne der Städtischen Oper endgültig verschwinden? Gewiß ist nicht jeder befähigte Sänger immer ein ebenso begabter Darsteller; ober dafür kann die Regie wenigstens sorgen, daß auch die schauspielerischen Leistungen nie unter eine gewisse Grenze heruntergehen. Zudem befriedigte Herr Ochman gesanglich durchaus nicht in dem?Jiaßc, daß er damit für seine ganz roben Verstöße als Darsteller entschuldigt wäre. Sein Tenor, der in er ersten Hälfte des Abends matt und unfrei klang, hellte sich gegen den Schluß hin allerdings auf und reihte sich den Leistungen der übrigen� Sänger würdig bei. Aber trotzdem wäre eine Korrektur seines Spiels sehr zu seinen Gunsten gewesen. Die Glanzleistungen des Abends waren die Klytemnestra der O l s z e w s k a, Dr. Cmil Schippers Agamemnon und die Iphigenie der Delia Reinhard. Die wundervoll große und biegsame Stimme der Olszewska bot einen ganz ungetrübten Genuß: und wenn Delia Reinhard es manchmal schwer hatte, sich diesem Organ gegenüber stimmlich zu behaupten, so unterstützte die Inner- lichkeit ihres Spiels ihren weichen Sopran, der der rührenden Ge- stalt der Iphigenie so gut anstand. Schippers mächtiger Bariton gab seinem Agamemnon ebenfalls das richtig« Format. Den Kolchos sang Anton B a u m a n n. Arlas Dcsider Z a d o r, beide durchaus in dem musikalischen Siil des Abends, der die edlen. schlichten Linien der Gluckjchen Musik schön und eindrucksvoll— mau darf nicht vergessen, daß es immerhin ein Experiment war, dem Publikum der Gegenwart dieses Werk vorzusetzen, und daß das Experiment gelungen ist— zur Geltung brachte. Der Ausstattung sei noch ein Wort gewidmet: gewiß, sie hätte> schlechter sein können: mehr aber der Anerkennung kann man ihr nicht zubilligen. Man hatte es sich sehr bequem gemacht: die Bühne in ihrer ganzen höhe rot umhängt in Andeutung des Zeltes, das jedesmal, wenn es nötig war. wie ein Theateroorhang geöffnet wurde: dann ein paar Farbflecken herein: blau. gelb, einen dunklen Stuhl, violette Stufen. Das alles war noch das Beste. Daß Iphigenies Opferaltar ein marmorgestrichener Schornstein war, paßte weniger: am allerwenigsten aber die— unbestritten sehr schicken—. Se. kgl. Hoheit wieder teilnahm. Um 3.50 Uhr reiste Se. kgl. Hoheit Prinz Alfons wieder ab. Se. kgl. Hoheit Prinz Alfons zog den Kapellmeister in ein längeres Gespräch und sprach ihm die beste Anerkennung aus. Der Geschäftsleiter der Kreisleitung, Herr Ge- bauer, nahm während des Llbends durch Uebergabe der hoch- zeitsmedaille König Ludwigs III. an verdiente Mitglieder der Ortsgruppe Waldmünchsn des Bayerischen Heimat, und Königs- bundes die Ehrung derselben vor. Die ganze Veranstaltung nahm, wie schon gesagt, einen glänzenden Verlaus. Se. kgl. hoheil Prinz Alfons hat sich sehr anerkennend ausgesprochen und es ist nicht aus- geschlossen, daß nächst� Jahr Se. Sgl. Hoheit Kronprinz Rupprecht selbst unserem Städtchen und dem Bayerischen Heimat- und Königs- bund einen Besuch abstatten wird. Nicht wahr, das ist für ein republikanisches Zeitalter allerhand. Wenn Ludwig Thoma noch lebte, würde er über die Knechtseligkeit seiner bayerischen Landsleute sicher die blutigsten Scherze reißen. Aber nicht Ludwig Thoma, der Dichter der„Lokalbahn", sondern Nupprecht Wittelsbach lebt. Wenn das jemand vergessen sollte, der wird rechtzeitig an seine Nochexistenz erinnert. Damit nämlich die Waldmünchener Oberpfälzer nicht den herrlichen Eindruck von„Se. Kgl. Hoheit", dem Prinzen Alfons, aus dem Gedächtnis verlieren, erhalten sie, das heißt der Stadtbaumeister, also republi- kanifcher Beamter Schimpf, als Vorsitzender besagten „Heimat- und Königskindes" das folgende Schreiben: Hof- und Vermögensverwaltung � S. K. h. des Kronprinzen von Bayem-: Tab i nett. München. 29. Oktober 1925. Sehr geehrter Herr Schimpf! S. S. S. der Kronprinz hat mit F r« u d« und aufrichtiger Befriedigung den Bericht S. K. h. des Prinzen Alfons über den gelungenen Verlauf des Heimattages am 24. und 25. Oktober erhalten und läßt Ihnen allen für alle treue Anhänglichkeit wärmsten sdanten. Al» äußeres Zeichen Allerhöchst Seiner An- erkennung Ihrer verdienstvollen Arbeit in der gefährdeten Böhmer- wold-Grenzmark läßt Seine Königliche hoheil das mitfolgende Bild mit eigenhändiger Unterschrift für ihr Vcreinslokal übersenden. Zw allerhöchsten Austrage Graf Soden. Die Herrschaften tun ganz so. als ob sie schon wieder zu Hause wären. Rupprecht hat vergessen, daß er einst vor der Liebe des Volkes in die spanische Gesandtschaft in Brüssel flüchtete, während sein hohenzollernscher Berufskollege gleich ganz über die Grenze ging. Rupprecht hat auch vergessen, daß die bayerischen Patrioten seinen Vater und seine Mutter auf der Landstraße ließen und ihnen in höchster Not Gastsreund- schaft verweigerten, weil sie die Liebe des bayerischen Volkes fürchteten... Dafür bereiten sie jetzt durch pflegsame Behandlung der Knechtsseelengesinnung die Zeit vor, in der sie„die Staats- gewalt übernehmen" könnten. Will der Obsrreichsanwalt, der einen remitierenden Schauspieler wegen Hochverrats anklagte, die offen betriebene hochverräterische Propaganda der Wittels- bacher tolerieren? Oder ist er der Meinung, daß in Bayern seine Macht zu Ende sei? Dann soll er es doch offen sagen und nicht noch den Schein der Objektivität aufrechtzuerhalten suchen. Hoffmanns Erzählungen. MLachen. 11. November.(WTB.) Die Korrespondenz Hoffmann nieldet amtlich folgendes:„Mit Rücksicht auf die in letzter Zeit durch die Presse gegangenen Miueilungeii über einen beabsichtigten monarchistischen Putsch in Bayern wird amtlich festgestellt: t Richtig ist, daß Graf von Soden vor etwa drei Wochen gelegentlich eines Besuches beim Herrn Ministerpräsidenten diesem Kenntnis gegeben hat von der Zusammenfassung der monarchisch ge- sinnten Organisationen in den Verein„Bayerntreue* sowie von den Zielen dieses Vereins. 2. Unrichtig ist, daß dabei General von Moehl sich in Begleitung des Grafen von Soden befand: General von Moehl ist seit Monaten nicht beim Ministerpräsidenten gewesen. 3. U n r i ch t i g ist, daß gelegentlich dieses Besuches Graf Pull-overs der Thessalier. Alles zusammen wirkte wie die Aus- stattung zu einem Kostümfest„im alten Griechenland*: dazu hätte ich mir auch die Tänzerinnen mit den sorbigen Federmusfen, die sich zu Boas verlängern ließen und wohl Girlanden andeuten sollten, gefallen lassen. Für die Städtische Oper bin ich eigentlich anspruchsvoller._ Tes. Die verpönte Gefängnisstrafe. Die Richtung der Strafrechtspfleg«, die vor allem die Besserung des Verbrechers im Auge Hot, sieht in der Gefängnisstrafe ein recht bedenkliches Mittel. Auch bei uns werden jetzt immer häufiger bei den Strasurteilen Bewährungsfristen gegeben, während deren dem Verletzer des Gesetzes die Möglichkeit geboten wird, feine Besserung zu beweisen, bevor die eigentliche Strafe in Kraft tritt. In England macht man von dieser bedingten Begnadigung noch häufiger Gebrauch und hat damit gute Erfolge gehabt.„Es ist seit langem ollen Kriminalisten bekannt, daß die Gefängnisstrafe nur allzuoft ein vollständiger Mißgriff ist,* schreibt der englische Strafrechtslehrer A. h. M. Brice.„Immer wieder hat sich das Gefängnis nur als»in erfolgreicher Rekrulenanwerber für die Ver- brecherklasse erwiesen. Gewiß hat man in letzter Zeit große An- strengungen gemacht, um die Verhältnisse des Gcfängnislebens besser und menschlicher zu gestalten, und diese Bemühungen sind nicht ohne Erfolg gewesen: aber die Tatsache bleibt bestehen, daß das Gefängnis dem Einzelnen mehr Unheil als Segen zufügt, und nicht der geringste der schiechten Einflüsse ist der, daß ein Aufenthalt im Gefängnis dem Uebeltäter die Furcht vor dem Gefängnis nimmt. die vorher ein so starkes Abschreckungsmittel war. Sodann aber wirkt das bös« Beispiel der anderen Insassen, die z. T. aus den Reihen der alten Verbrecher kommen, onsteckend, und nicht nur der Anfänger im Berbrechen, sonder» auch der rückfällige Uebeltäter wird in fernem verbrecherischen hange bestärkt. Deshalb ist der Borfitzcnde des Londoner Obergerichts, Sir Robert Wallace, in immer größerem Umfang zu der Bewilligung von Bewährungs- flisten übergegangen und Hai damit gute Erfahrungen gemacht. Er hatte lürzlich pegen 300 Personen auf seiner Liste, und er ist verschiedentlich so kühn gewesen, auch alten, vielfach besttaftea Ver- brechern Bewäbrunosfristen zuzubilligen. Di« Resultate sind ganz außerordentlich günstig und zeigen, in wieviele» Fällen es möglich ist. da: Gefängnis zu vermeiden und eine» Menschen durch Gnade aus den Weg des Rechts zurückzubringen. Leider solgen die Provinzgerichte nicht diesem Beispiel der Londoner Gerichtshöfe, und es werden hier noch zu viele Gefängnis- strafen verhängt. Durch das neue Strasrechtsgesetz, das in diesem Winter verabschiedet werden soll, wird der Bewährung ein noch größerer Spielraum«ingeräumt. Das ganze Land wird in„Be- Währungsbezirke* eingeteilt, und in jedem dieser Bezirke sind mehrere Beamte tätig, um diejenigen zu beobachten, denen Straf- aussetzung zugestanden ist. Weibliche Beamte beschästigen sich mit den weiblichen Verbrechern und besondere Persönlichkeiten mit den jugendlichen. Wen» auch durch diese Fürsorge den Behörden große Kosten entstehen, so ist diese Form der Strafpslege doch noch viel billiger als das Gefängnissystem, ganz abgesehen von dem Gewinn, der d«r Allgemeinheit erwachst, wenn der Verbrecher wieder zum nützlichen Mitglied der Gesellschaft wird.* von Soden an den Herrn Ministerpräsidenten die Frage gerichtet hat, wie die Regierung sich verhalten werde, wenn Kronprinz R u p p- recht in naher Zeit sich veranlaßt sehe, die Gewalt zu übernchinen 4. Unrichtig ist, was teils ofsen, teils versteckt behauptet wurde, daß gelegentlich dieses Besuches überhaupt davon die Rede gewesen ist, daß die Wiederaufrichtung der baye- rischen Monarchie eventuell im Wege eines Putsche? oder einer anderen Gewalttat erfolgen soll. Es wurde vielmehr mitgeteilt, daß auch der neue Berein ein illegales Vorgehen durchaus ablehne,"_ Geßler erklärt weiter. Reichswehrminister Dr. Geßler hat der„Boss. Ztg." in bezug auf die bayerische Hochverratsaffäre folgende neue Erklärung zu- gehen lassen: 1. Die Vorgänge, über die Herr Emil Ludwig Eohn in der Reichsbannerocrsammlung vom 9. d. M. berichtet hat, sind mir völlig unbekannt. Die Behauptung über irgendeine Beteiligung von mir ist eine unwahre, unsinnige und nicdertrach- t i g e Verdächtigung. 2. Ich habe Ihrem Berichterstatter lediglich diese Information gegeben unter Bezugnahme aus Mitteilungen, die ich in der Presse- konferenz habe machen lassen. Dieser brachte dann die Sprache auf andere Mitteilungen, die Ihre Zeitung aus dem Bureau des Herrn Oberbürgermeisters von Nürnberg erholten habe. Ich Hobe es abgelehnt, dazu irgendwelche Stellung zu nehmen. Demgegenüber sind meine angeblichen Erklärungen eigene For- mulierungen Ihres Berichterstatters, zu denen er eine Stellung- nähme von mir erbat. Da sie außer jedem Zusammenhang mit den Behauptungen des Herrn Emil Ludwig Cohn stehen, habe ich es ausdrücklich abgelehnt, darauf einzugehen." Der Dolchftoßprozeß vor öem Enüe. Ein Gehilfe des Oberreichsanwalts als Zeuge. In der Fortsetzung der Beweisausnahme im Koßmann-Prozeß wurde am Mittwoch als weiterer Zeuge Senalspräsideni Seeber vom Obersten Landesgericht vernommen und zwar darüber, ob während des Krieges in steigendem Maße Landesverrat oerübt wurde, wobei vor allem als Täter Angehörige der Linkssozioldemo- kratie beteiligt waren. Das erste Flugblatt, das zur Einleitung eines Strafverfahrens unmittelbar vor dem Reichsgericht gcsührt hat, war ein Produkt, das im Zusammenhang mit einer Konferenz sozialistischer Frauen in Bern erschien. Diese Konferenz war zu Ostern 1913, und ihre Vorsitzende war Klara Zetkin. Es wurde eine Resolution ge- saßt, die wahrscheinlich von Klara Zetkin entworfen war. Außerdem wurde ein Monisest entworfen, daß die Ideen jener Resolution wiedergben sollte. Das Flugblatt ist alsbald in einer Schweizer Zeitung veröffentlicht worden, und wurde später auch in Deutschland in einem gewissen Umfange verbreitet. Aus Grund dessen wurde ein Verfahren gegen Klara Zetkin und eine Reihe anderer Personen eingeleitet. Zur Verhandlung kam die Sache wegen Erkrankung der Zetkin erst 1917. Die meisten AngeNagten wurden aber srei- gesprochen. Die ersten Flugblätter bedenklicher Art sind 1910 aus- getaucht. Im Frühjahr 1916 sind, und zwar sichersich in Berlin, kleine Zettel hergestellt worden, in denen vom Eroberungskrieg gesprochen, auf die zahlreichen Kriegsopfer hingewicsen, der Friede verlangt und gesagt wurde, es handele sich um keinen Verteidigungskrieg, sondern um kapitalistische Imercssen, das Doik wolle den frieden, müsse sich selbst Helsen usw. Das Bestreben der Lintsradikalen ist immer gewesen, gewisse Ereignisse für ihre Zwecke auszubeuten und sich an die große Masse zu wenden. Dazu war besonders geeignet das Strasversahren gegen Liebknecht, der 1916 als Landwehrmann eingezogen wurde und Ende April und am 1. Mai 1916 bei der M o i f e i e r e i n F l u g b l a t t verbreitet hat, das zu einer Demonstration aufforderte. Deswegen, und weil er rief:„Nieder mit dem Krieg, nieder mit der Regierung", wurde er vom Kommandanturgericht zu 21� Jahren Zuchthaus wegen Landesverrat verurteilt. Diese Verurteilung war sür die Anhänger Liebknechts, die Spartakusgruppe, Anlaß, die Masse in Bewegung zu setzen und womöglich Streik in Rüstungsbetricben zu veranlassen. Es wnrde ein? Reihe von Flugblättern hergestellt und zum Teil in sehr großem Maße verbreitet. Infolge der Verbreitung eines solchen Flugblattes ist auch gestreikt worden, aber der Streik hat damals keine Ausdehnung angenommen, so daß die Kriegsmacht hätte geschädigt werden können. „Frauen hinler Gillern.* Nach einem Roman im„Lokal- Anzeiger* zimmerte EugenKlugeein Schauspiel in sechs Bildern zurecht, das den Ausklang der Haremsherrlichkeit schildert. Schauer- lich schön. Eunuchen, Sultan und Sultona, englische Erzieherin, geraubte englische Generalsfrau, wilde orientalische Lust— und dazu hört man von unterirdischen tiefen Kellern im Palast des letzten Sultans Mehmed VI. Der„Lokal-Anzeiger* und sein dramatisierter Roman sind einander wert. Immerhin, wer sich erheitern kann, wenn rührselige Tränen der anderen fließen, denn die Leserinnen des Romans geben sich hier ein Stelldichein, wer die berückend« Pracht des Orients auf sich wirken lassen will,— der kleine Moritz würde sie noch stilechter hinstellen—, der gehe insTheaterinderLützow- st r a ß e. Der einzige Gewinn war die Bauchlänzenn h a r w e y, die dem Sultan vortanzte, der auf seinem Stuhle saß wie ein pensio- nierter Opapa. Die anderweitig verlobte Haremsfrau Fatima brauchte sich wirklich nicht zu beunruhigen, ste wäre nicht noch einmal als Blume gepflückt worden. B. Sch. Rüpeleien völkischer Studenten in Wien. In Anwesenheit des österreichischen Bundespräsidenten fand die feierliche Inauguration des neuen Rektors der Wiener Universität Dr. Karl Luick statt. In einem Bericht über das abgelaufene Studienjahr verwies der Pro- rektor Dr. Hans Sperl auf die vom Prosessoren-Kollegium gemeinsam mit der Studentenschaft veranstaltete Anschlußkundgebung an das Deutsche Reich. Vor der Inauguration kam es in der Aula zu einem Zusammenstoß zwischen den liberalen farbentragenden Stu- denten, deren Chargierte im Festsaal Aufstellung nehmen wollten, und den Völkischen und katholischen Studenten, die dies zu verhindern versuchten. Die liberale Verbindung verließ schließlich die Universität, woraus der neue Rektor auch die übrigen farbentragenden Studenten- gruppen zum Verlassen des Festsaales veranlaßt«. Volksbühne. Friedrich Kahßler spielt als Gast der Volks- bübnc die Titelrolle in der U r a u s t ü h r u n g von Lunatschorkl!� „Der befreite Don Ouichot». Das Werl ist in I. Gop's Uebcr- tragunz aus dem Russischen bei der Volksbühnen Verlags- und Vertriebs- G. rn. d. H.. Berlin, erschienen. Koyhler— Sortner— Com sprechen am 13. d. M.. 8 Ubr abends, in der Bbilbarmonie zum ersten Male Reden bekannter Politiler wie Kercnski, Lenin, Mussolini und Bismarck. Ein Vortrag wird die Reden einleiten und erläutern. Ueder.Kunst Im Zelloller der Technik und de» Sport»* beginnt Dr. Zldols Bcbne eine Votliagsreihe mit Lichtbildern am 111., Georgen« strahl 30/31, 8— g>/, Uhr abends. vroelkonzerle im Dom DaS nächste Orgelkonzert von Prof. Waller Fischer findet am 12, 8 Ubr. im Dom statt. Es wirken mit: Geich- Tlorch, Gesang: Richard Fehle, Violine und Felix Robert Mendelssohn, Cello. Programm zu 60 Pf. berechtigt zum Eintritt. Verbreitung der Elicheiwkurzschrist In den deutschen Schulen. Aus Grund einer Rundsrage über den 5tu> zschiistuntmicht in den böheicn Schulen Deutschlands gibt die„Deuilchc Ttenographeiizeiluiig* einen Bericht über den jetzigen Stand der Verbreitung der neuen Emheilskurzschiist. Danach find an 1280. höheren Schulen Deulschlands 55 481 Schüler m CinheitSkurzschrift, 3801 in Stolze- Schrey, 768 in GabcISberger. 110 in andern Systemen im vergangenen Jahr unterrichtet worden. Fit Württemberg und Bayern, eben- so in Sachsen wird fast auSjchlichlich noch dem Einheitssystem unterrichtet. Fn Preuhen erlernen 8778 Schüler die EinheitSftenographie, 3528 Stolze- Schrey, 409(Babelsberger, 110 andere Systeme. Neuerdings ist auch M Oeslerreich die Einheitsturzschrist amtlich vorgeschrieben worden. Das Linkskartell wieder einig. 1ltimatum an Painlevé. Paris, 11. November.( EP.) Nach der Sitzung der Kartelldelegierten, die um Mitternacht zu Ende ging, begab sich Malon als Bevollmächtigter zu Painlevé, mit dem er bis um 2 Uhr morgens verhandelte. Allgemein wird angenommen, daß Maloy beauftragt war, Painlevé eine Art Ultimatum zu überreichen und ihn aufzufordern, einen Finanzplan auszuarbeiten, der mit der Kartellpolitit in Uebereinstimmung steht. Paris, 11. November.( TU.) Das Kartell hat in dreistündiger Nachtfizung, die erst früh 1 Uhr zu Ende war, beschlossen, Painlevé ein legtes Mal eine Umarbeitung der Finanzpläne nahezulegen, und zwar dergestalt, daß sowohl die Radikalsozialisten wie auch die Sozialisten den Plänen zustimmen fönnen. Es heißt in den Morgen blättern, daß Loucheur mit der Ausarbeitung der Abänderungsvorschläge beschäftigt ist, zu denen Painlevé heute nachmittag nach Anhörung der Finanzkommission wird Stellung nehmen müssen. Die Wiederherstellung der Einigkeit im Kartell, das durch die Stellungnahme der Sozialisten gestern nachmittag ge spalten schien, ist ein Ereignis von großer Tragweite. Der Bericht, der über die Sigung der Kartellvertreter herausgegeben wurde, befagt: Die Delegierten des Kartells haben angesichts der Schwierig feiten, die während der letzten Tage und besonders im Laufe des gestrigen Tages in der Frage der Finanzpläne hervorgetreten sind, einen Schiedsspruch herbeigeführt, der zur Wiederherstellung der Disziplin der Vertreter des Kartells innerhalb der Finanzkommiſſion geführt hat. Das erzielte Uebereinkommen wurde ein stimmig angenommen. Ein Mitglied hat durchblicken lassen, daß die Finanzkommission wegen der ernsten Lage ein letztes Mal entgegenkommen will. Heute nachmittag wird sich zeigen, wie weit das erhoffte Kompromiß zwischen Painlevé und der Finanztommiffion möglich ist. Die Entwaffnungsantwort fertig. Abgang heute. die Entwaffnungsnote der Botschaftertonferenz fertiggestellt; Wie die Telegraphen- Union erfährt, ist die deutsche Antwort auf fie wird voraussichtlich noch heute nach Paris abgehen. Eine Veröffentlichung des schriftlichen Verhandlungsmaterials über die Entwaffnungsangelegenheit soll nicht vor Abschluß der Verhandlungen erfolgen. Labour für Locarno. Der Weg zur Abrüftung offen. Condon, 11. November.( WEB.) Der Arbeiterführer Snowden führte in einer Ansprache aus: Das Locarno- Abkommen ist mit Befriedigung aufgenommen worden, weil das Land der Anficht ist, daß es ein Schrift vorwärts zur Aufrechterhaltung des Friedens bedeutet. Wenn durch das Cocarno- Abkommen die Sicherheit der Nationen Westeuropas herbeigeführt ist, so steht der Weg zur Abrüstung wie zur allgemeinen Annahme des Schiedsverfahrens als der einzigen Methode der Regelung internationaler Steifigkeiten offen. „ Lichtscheue" Sprache. Oft tauchen Redensarten auf, die Allgemeingut werden, um ebenso rasch zu verschwinden. Die besten unter ihnen, die Beliebtheit erlangen und sich für länger, mitunter ſelbſt dauernd einbürgern, sind, entsprechend den Gesezen jeglicher Sprachbildung, niemals Kunstprodukte oder Erfindungen eines einzelnen; fie stammen viel mehr aus der Werkstatt des Volfslebens, und zwar aus dessen tief stem und am meisten verborgenen Treiben. Neben der Gauner. sprache, mit der man sich oft genug beschäftigt hat, besteht eine alb- und Kundenweltsprache von echt und gut Ber. Linerischer Färbung.. Sie ist geboren in Kellerineipen, greift über Asyl und Krankenanstalten in das weitere Boltswesen über und wird zuletzt eigentlicher Volksbesitz bilderreichen, anschaulichen Worte wirklich etwas zu sagen und zu und wird zuletzt eigentlicher Volksbesitz schon deshalb, weil ihre verdeutlichen haben. 1 Gehen wir also in irgendein Rieß( meist ist es nach einem Bahnhof benannt.) Im Keller sizen Raaben und die Benner, feine Gannoven im eigentlichen Sinne, sondern jugendliche Arbeitslose, früher Kunden genannt, die es aufgegeben haben, sich nach Arbeit umzusehen denn es riecht sauer, für so wenig wird sich schon irgendwie ermöglichen laffen man geht eben Geld die Woche über arbeiten zu müssen. Das Abkochen( Essen) man geht eben ( Geld), dann geht man anschaffen oder adern und besorgt wadeln, man wadelt ab( betteln). Hat man teine Marie sich auf diese Art des außergesellschaftlichen Arbeitens Platten und Kohlen( d. h. ebenfalls Geld). Vor den Bullen( der Polizei) muß man sich in acht nehmen, ebenso vor den Achtern ( den Spigeln), die einen gern verlampen, und wenn man fängnis) nicht mehr fern. Lampen hat( gesucht wird), dann ist auch der Knast( das Ge Berladen ausgeht, wenn man einen Stubben hereinlegt und Den bekommt man, wenn man auf ihn aufs Kreuz schmeißt. Weniger gefährlich ist das Be latschern( Ueberreden auf gute Art), man muß aber, wenn man einen machen will, recht vorsichtig sein, daß man nicht vermacht wird, denn dies ist gleichbedeutend mit Berhautwerden. Ebenso muß man schauen, daß einem die Tour nicht ver. ( Rameraden). masseft wird; am besten ist es, man hat einen guten Pauker So schlimm das alles flingt, so bös die Welt der Keller zu sein scheint, hier sind doch noch nicht die eigentlichen Verbrecher, die etwas wegstoßen oder abbrüden und flißen und fürmen, wenn dicke Luft ist es sind die Anfänger, die, tot und ausgemist et, gern trampeln, d. h. einen, der mehr Marie hat, übers Ohr hauen und auf seine Roften papen( sich gütlich tun) auf die Schnelle( auf die Füße), auf die Reffe( wobei Tour zu ergänzen ist). Es genügt aber, um ein ernstes soziales Bild erkennen zu laffen. Darüber hilft auch das Anschauliche und Witzige nicht hin. weg erst die Erziehung zur Arbeit, so diese auch genügend vor. handen ist, kann rettend eingreifen, und dann mag man sich auch an der Urwüchsigkeit von Berliner Sprachbildungen freuen. Ein gesundheitbedrohender Unfug. Unterhausdebatte nächsten Mittwoch. London, 11. November.( WTB.) Der Parlamentsberichterstatter des„ Dail Telegraph" berichtet, es sei bereits vereinbart worden, daß die Unterhaussigung am nächsten Mittwoch voll tommen der Debatte über den Sicherheitspatt von Locarno gewidmet sein soll. Es verlautet, daß teine formelle Ent- machtlos. Der althergebrachte Unfug, die Umgebung der fchließung eingebracht werden wird, sondern daß das Unterhaus diese Frage anläßlich eines Bertagungsantrages erörtern wird. Baldwin, Chamberlain, Macdonald und Lloyd George werden sich an der Debatte beteiligen. Locarno- Geist in Frankreich. Ein Zirkular des neuen Unterrichtsministers. Der 11. November wird als Tag des Waffenstillstandes in ganz Frankreich gefeiert, auch in den Schulen wird der Kämpfer und Gefallenen des Weltkrieges gedacht. Der neue Unterrichtsminister Jean Delbos, ein noch junger radikal- sozialistischer Abgeordne ter, hat nun an alle Lehrer ein Rundschreiben erlassen, in dem er darum ersucht, daß bei den diesjährigen Ansprachen die Bemühungen Frankreichs zur Bermeidung neuer Kriege hervorgehoben werden. Insbesondere sollen ,, die in London und Genf gemachten Fortschritte, der Abschluß der Locarno Verträge und der erfreuliche und prompte Erfolg der jüngsten Initiative des Völkerbundes" dabei erwähnt werden. Sodann heißt es in dem Rundschreiben: Dank diesen Bemühungen organisiert sich Europa schon jetzt in wirksamer Weise; überhaupt wird sich allmählich die ganze Welt auf juristische und sittliche Grundsätze einstellen, deren Wert von den edelsten Borkämpfern der Menschheit in allen Zeiten verkündet wurde: Die internationale Solidarität, die Achtung vor den Berträgen, das Berbot der Gewaltanwendung und die obligatorische Schiedsgerichtsbarkeit. Der Völterbund verförpert diese Ziele und gewährleistet die schwer erzielten Ergebnisse; man fann nicht nachdrücklich genug feine Rolle hervorheben." Wenn die heranwachsende französische Generation in diesem Geiſte beeinflußt wird, so ist das jedenfalls besser, als wenn sie nur, wie bisher, mit nationalistischen Phrasen gefüttert wird. Auch in Deutschland täte ein solcher Schulunterricht not. Die Reichsverfassung schreibt sogar ausdrücklich vor, daß die Jugend ,, im Geiste der Völkerversöhnung" erzogen werde. Kann man aber von deutschnationalen und nationalliberalen Oberlehrern dergleichen erwarten? Und ist von den Kultusministern der Bürgerblod regierungen Bayerns, Thüringens, Mecklenburgs usw. jemals ein Rundschreiben zu erhoffen, das nur einen Hauch von dem Geiste atmen würde, der das Zirkular des französischen Ministers Delbos befeelt? Der tschecheslowakische Wahlsonntag. 29 Parteien! Das ganze Gebiet der tschechoslowatischen Republik ist für die Wahlen zum Abgeordnetenhause am 15. d. Mts. in 22 und für die Wahlen in den Senat in 12 Wahlkreise aufgeteilt. In den 22 Wahlkreisen für das Abgeordnetenhaus, in denen 300 Abgeordnete zu wählen find, fandidieren 3578 Kandidaten von insgesamt 29 politischen Parteien. In den 12 Wahlkreisen für den Senat, der 150 Mitglieder hat, haben 24 Parteien 1540 Kandidaten aufgestellt. Die fünf Koalitionsparteien und die Kommunisten fandidieren zu beiden Wahlen in fämtlichen Wahlkreisen. Von den deutschen Parteien fandidiert der Bund der Landwirte für das Abgeordnetenhaus in 18 und für den Senat in 11 Wahlkreisen, die deutsche Sozialde. mofratie in 16 bzm. 8 Kreifen. Die jüdische Partei hat Kandidaten für 20 bzw. 4 Wahlkreise aufgestellt. Die Unabhängigen Kommunisten tandidieren nur für das Abgeordnetenhaus und zwar in 8 Wahltreifen Die hygienischen Zustände find in den Laubentolonien nicht immer so, wie man es für diese Erholungsstätten, der Minderbemittelten wünschen muß. Leider fehlt es auch hier nicht an Leuten, die ohne Rücksicht auf ihre Mitmenschen ihren( mit Berlaub, zu nisten besteht, wird solchem Mangel an Gemeinschaftsgeist scharf ent fagen) Dred umherwerfen. Bo eine straffe Organisation der Kolo gegengetreten und bald Abhilfe geschaffen. Aber gegen Belästigungen dieser Art, die von außen fommen, sind die Laubenkolonisten ziemlich Laubenfolonien und die zu ihnen führenden Wege als wilde Abladestätten für allerlei Unrat zu benugen, ist schwer auszurotten. Die Zustände, die da manch mal einreißen, werden durch eine uns aus einer Laubenkolonie zugegangene Schilderung beleuchtet. In der Laubentolonie Tiefland", die nahe der Landsberger Allee hinter der Eisenbahnbrüde liegt, hat sich eine Versammlung der Laubenkolonisten mit der Frage beschäftigen müssen, wie dem Uebel abzuhelfen fei. Eine die Kolonie durchschneidende fünftige Straße, die noch nicht reguliert ist, wird ordnungs- und vor allem auch vernunftwidrig zur Schuttabladestätte gemacht. Auch Tierkadaver werden hier als„ Spielzeug". Die Kolonisten haben von Zeit zu Zeit die Fleisch hingeworfen und dienen dann, wie die Schilderung sagt, den Kindern vernichtungsanstalt anrufen müssen, damit die Kadaver abgeholt wurden. Einmal war darunter sogar ein totes Fohlen von an= sehnlicher Größe. Auch die Leiche eines neugeborenen Kindes wurde einmal von Kindern gefunden, die spielend in der Erde„ buddelten". Die von dem Fund benachrichtigte Kriminalpolizei hatte Gelegenheit, fich die Gegend anzusehen. Aber geändert wurde nichts. Das Bezirksamt Prenzlauer Berg ist gleichfalls von den Zuständen unterrichtet worden, ohne daß Besserung erreicht wurde. Die uns zugeUnratsstätte die neue Großmarkthalle liegt. Wird da nicht bald für gangene Beschwerde hebt hervor, daß wenige Minuten von dieser Abhilfe gesorgt werden? Großfeuer auf einem Holzplak. Heute morgen gegen 5 Uhr wurde die Berliner Feuerwehr nach der Trakehner Str. 3 alarmiert, wo auf dem Holz play der Firma Stepputat u. Schwabe ein großer Schuppen, in dem Fournierhölzer lagerten, in Brand geB- Rohren gegen den Brandherd vorrückten. Bereits nach einstünraten war. Drei Löschzüge waren schnell zur Stelle, die mit drei digem Wassergeben war die Hauptgefahr beseitigt. Die Aufräumungsarbeiten erstreckten sich jedoch noch bis in die achte Morgen stunde hinein. Wir erfahren hierzu noch folgendes: Gegen 3 Uhr morgens will ein Besizer, der in unmittelbarer Nähe des Platzes seine Wohnung hat, auf dem Holzplatz verdächtige Geräusche gehört und einige Männer über den Plaz haben laufen sehen. Er will auch auf die Fliehenden einige Schüsse abgegeben haben. Darauf begab er sich wieder zur Ruhe. Um 5 Uhr wurde Rauchwolken und Flammen aufstiegen. Sie alarmierten sofort die von vorübergehenden Passanten bemerkt, daß von dem Holzplatz Feuerwehr, die dann den Brand bekämpfte. Der Brandherd konnte glücklicherweise auf den einen großen Schuppen beschränkt werden. Der Schaden ist durch Versicherung gedeckt. Der Zille- Film bei den Arbeitenden. Der Zille- Film ,, Die Berrufenen", der in einem eleganten Rino des Berliner Westens seine Uraufführung erlebte, seltsam tontrastierend zu dem glänzenden Auf und Ab der anliegenden Straßen, hat mun in die Kinos der ganzen Stadt seinen Einzug gehalten. Selten verdiente aber wohl ein Film es so, einem möglichst breiten Bublifum vorgeführt zu werden, wie diese Folge von Elendsbildern aus dem Leben der Aermsten der Armen. Und wem die Abrundung zum Rinodrama verflachend erscheint, der darf nicht vergessen, daß gerade der Absturz des Mannes aus den bürgerlichen Kreisen Zahllosen erst das Gefühl erweckt: das bist du; und daß der versöhnliche, nicht recht wahrhaftig scheinende Ausgang eine an fich belangloje Ronzession an den Geschmack des Durchschnitts- Kinobesuchers darstellt. Darüber hinaus hat der Film die Bedeutung eines Evangeliums! Das alles find Menschen wie du, Menschen die wirklich leben, unter diesen Verhältnissen leben; Kinder werden hier groß, in Wohnungen", die so naß sind, daß junge Kazen darin frepieren; und wenn es an Brot fehlt, so findet sich doch auch für sie hier und da ein Schluck Schnaps. Alle, die sich den Film freiwillig nicht " anfehen, sollte man fast zwingen, hinzugehen. Vielleicht sputte dann etwas davon manchmal durch ihre Träume und breitete einen kleinen Schimmer von Nächstenliebe über ihr Handeln am Tage. Jedenfalls ist es überaus dankenswert, wenn jetzt auch das Bezirksamt Städtischen Jugendbühne eine Woche lang vorführt. Der Lichtenberg sich des Films angenommen hat und ihn in der hoffen. Und das ist gewiß: wer den Film sah, wird fünftig rascher rege Besuch am ersten Tage läßt auch für die folgenden Abende gutes im Berstehen und langsamer im Verurteilen der„ Berrufenen" sein. Dem Film voran geht ein Lichtbildervortrag Bille als Mensch und Künstler", in dem Stadtinspettor Griepe es verstand, aus dem Wert des Künstlers geschickt das Verständnis für seine Absichten, und damit auch für die Absichten des Films zu erschließen. Aufklärung des Raubmordes in Stralsund. Die Täter verhaftet und dreifacher Tat geständig. Wie wir seinerzeit berichteten, wurde am 13. Juli d. J. in Stralfund ein betagtes Fräulein Kaiser in der Wohnung des Postassistenten Fiedler in der Seestraße ermordet und beraubt aufgefunden. Fiedler und Frau waren verreist und hatten Fräulein Kaiser, einer Verwandten, ihre Wohnung in Obhut gegeben. Geraubt waren besonders 5 Alben mit wertvollen Briefmarten, eine Sammlung, die in Philatelistenkreisen Stralsunds Beit tot in der Wohnung gelegen haben mußte. Die Raubmörder sehr bekannt war. Es ergab sich, daß die Ermordete schon längere waren spurlos verschwunden. Nunmehr ist es dem Beamtenstab des Kriminaloberinspektors Gennat gelungen, die Bluttat vollständig aufzuklären und die beiden Täter hinter Schloß und Riegel zu bringen. Es sind Familien, ein 20 Jahre alter früherer Landwirtseleve Kurt bisher unbestrafte junge Männer aus besseren Raschte und ein 22jähriger Kaufmann Friedrich Böttger. Sie haben ein umfassendes Geständnis abgelegt. Raschte und Böttger lernten sich im März dieses Jahres fennen, als beide für ein hiesiges Hutgeschäft die Provinz bereisten. Sie hatten wenig Erfolg, gaben die Tätigkeit um Himmelfahrt auf, verließen Berlin und zogen ohne Beschäftigung im Lande umher. Wochenlang lagen fie auf der Landstraße und begingen auch fleinere Dieb Stähle. Fast immer waren sie ohne Geld. So kamen sie beide nach Stralsund, wo Raschtes Eltern wohnten. Er traute sich aber nicht hin, weil er ihnen vorgespiegelt hatte, daß er eine gute faufmännische Stellung habe. Eine Zeitlang nächtigten sie in der Nähe Stralsunds in einem Heuschober. Dann hausten sie in einem Lager, das sie sich auf der Schwedenschanze" zurechtgemacht hatten. So tamen fie immer mehr herunter. Da entfann sich Raschte des Bostassistenten Fiedler und seiner Briefmarkensammlung, besprach die Sache mit Böttger. Dieser mußte dann die Dertlichkeit deren man sich wohl durch einen Einbruch bemächtigen fönne. Er und die Gelegenheit ausfundschaften. Eines Abends flingelten fie Fiedlers Wohnung. Fräulein Kaiser öffnete, und von ihr erfuhren sie nun, daß Fiedler und Frau erst am 20. Juli zurückkehren würden. Gleich am nächsten Morgen beschlossen sie darauf, die alte Dame unschädlich" zu machen und die Briefmarkensammlung zu rauben. Als Fräulein Kaiser auf Klingeln öffnete, warf ihr Böttger sofort Pfeffer ins Gesicht. Der Wurf ging jedoch fehl. Jeht drangen beide in die Wohnung ein, padten die Dame an der Kehle und steckten ihr ein Taschentuch in den Hals. Nachdem sie so wehrlos gemacht war, schnürten beide ihr Hände und Füße zusammen und legten fie im Schlafzimmer auf ihr Bett. Jetzt durchsuchten sie die Räume. In einer Kommode fanden sie eine Kaffette mit 60 Mart, die sie einsteckten, im Herrenzimmer im Bücherschrank die 5 Alben. Damit hatten sie ihr Ziel erreicht. Als sie die Wohnung verlassen wollten, fiel es Rajchte ein, daß das Taschentuch das Taschentuch aus dem Hals und steckte ihr ein Handtuch hinein. fein Monogramm trug. Er ging also zurüd, zog der Ueberfallenen Wie er behauptet, war das Fräulein noch am Leben. an Bunächst fuhren die beiden nach Stettin und von dort nach Berlin, wo sie die Briefmarkenalben ihres Inhalts beraubten, die Alben im Ofen eines Hotelzimmers verbrannten und die Marten für 500 Mart vertauften. Das Geld war natürlich bald alle. So fannen sie auf neue Pläne. Böttger erinnerte sich eines Verlegers von Fachschriften, bei dem er einmal beschäftigt gewesen war. Er selbst durfte sich dort nicht sehen lassen. Deshalb mußte Raschte den hier geplanten Raub ausführen. Er erbeutete dabei 250 Mart. Auch die hielten nicht lange vor. Der nächste Plan galt einem Steinfegmeister in der Heidestraße, den Böttger ebenfalls fannte. Er scheiterte jedoch an dem Widerstand des überfallenen Meisters. Die beiden Räuber mußten fliehen, entfamen zunächst und trennten sich. Nach einiger Zeit wurde Böttger auf dem Bahnhof obachtungen stellten fest, daß er vorgestern endlich nach Berlin Charlottenburg ergriffen, Raschke war verschwunden. Ständige Bezurüdgetehrt war. Jetzt wurde auch er ermittelt und festUeberfälle zu. genommen. In eingehenden Verhören gaben endlich beide die drei Stadtverordneter Dr. Kirchener verstorben. Heute vormittag ist plötzlich der bekannte deutschnationale Stadtverordnete, der frühere Obermedizinalrat Dr. Kirchner an einem Schlaganfall im 72. Lebensjahre gestorben. Kirch als solcher an den Arbeiten der Stadtverordnetenversammlung einen ner war Borsitzender des Städtischen Haushaltsausschusses und nahm sehr lebhaften Anteil. Er gehörte zu den älteren und in vielen Fragen gemäßigteren Führern der deutschnationasen Stadtverordnetenfraftion. Kirchner war in die neue Stadtverordnetenversammlung in Schöneberg gewählt worden, wo die Deutschnationalen eine ihrer stärksten Organisationen haben. An seine Stelle rückt der deutschnationale Arbeiter" Johannes Köbberling ein. Zu dem Boofsunglück auf dem Tegeler See. Dem Reichswasserschutz ist es bisher nicht gelungen, die Leiche des bei dem Unglüd ums Leben gekommenen Studenten der Hochschule für Leibesübungen Heinrich Weber zu bergen. Auch gestern waren wieder den ganzen Tag zwei Boote mit Suchleinen in Tätigkeit. Man nimmt an, daß die Zeiche in der Nähe des Borsig. dammes, der zurzeit aufgeschüttet wird, angespült ist; das vorhandene Geröll aber erschwert die Sucharbeiten ungemein. Es ist aber auch die Möglichkeit vorhanden, daß der Tote schon von Reiche wohl kaum ans Tageslicht. Schutt und Geröll vollständig bedeckt ist; in diejem Falle täme die Millionendiebstahl im Museum in Sofia. Im Ethnographischen Museum in Sofia wurde ein frecher Einbruch verübt. Die Einbrecher erbeuteten zahlreiche Wertgegenstände, darunter eine fost bare Sammlung von Goldmünzen und eine goldene Statuette Alexander des Großen, die aus dem vierten Jahrhundert vor Chrifti Geburt stammt. Der Gesamtwert der gestohlenen Gegenstände wird auf etwa zwei Millionen Mart geschäßt. Die Polizei hat über 35 Personen, darunter mehrere Angestellte des Museums, verhaftet. In den Schwere Grubenkatastrophe in Sowjetrußland. Naphthagruben von Croznij hat ein Explosionsbrand 7 Arbeiter getötet und 14 schwer verlegt. Groß- Berliner Parteinachrichten. Alle 11. Kreis Schöneberg- Friedenau. Donnerstag, 12 November, abends 8 Uhr, bei Rosenthal, Schöneberg. Eberstr. 66, Gigung der Arbeiterwohlfahrt. Abteilungen müssen vertreten sein. 14. Abt. Achtung! Der Sahlabend findet heute abend nicht bei Höhnke, sondern bei Bant, Lorgingstr. 20, statt. 132 Abt., Blantenburg. Achtung! Die Mitgliederversammlung findet nicht heute abend, sondern erft morgen Donnerstag, den 12. November, abends 7 Uhr, bei Slug ftatt. Gewerkschaftsbewegung Die Stellenlosigkeit der Angestellten. Borläufige Ergebnisse einer amtlichen Erhebung. Mit Rücksicht auf die katastrophalen Berhältnisse auf dem Arbeitsmarkt der Angestellten hat der Haushaltausschuß des Reichstags beschlossen, daß die Regierung eine Erhebung über die Zahl der stellenlosen Angestellten vornehmen soll. Diese Er hebung wurde am 16. Juli dieses Jahres durchgeführt und ihre ersten Ergebnisse sind im„ Reichsarbeitsblatt" vom 2. November der Deffent. lichkeit zugänglich gemacht. Danach wurden am 16. Juli 1925 53 966 männliche und 13 019 weibliche, zusammen 66 985 stellenlofe Angestellte gezählt. Die Beteiligung an der Zählung war freiwillig. Außerdem find die Borbedingungen für eine solche Statistit recht schwierig. Es wird beshalb vom Reichsarbeitsministerium angenommen, daß die wirt. liche Zahl der stellenlosen Angestellten ungefähr um ein Fünftel höher ist als die hier ermittelte Zahl. Alle Angestellten, die am 16. Juni eine, wenn auch noch so turze Aushilfs. stelle inne hatten, wurden nicht als stellenlos gezählt. In Berlin wurden 8500 männliche und 3200 weibliche stellen lose Angestellte ermittelt. Fast ein Viertel aller stellenlosen Angestellten waren zwischen 20 und 25 Jahre alt. Besonders groß war auch der Anteil der zwischen 40 und 50 Jahre alten Angestellten an der Zahl der Stellenlosen. Von den männlichen stellenlosen Angestellten waren ungefähr 30 Proz über 40 Sahre alt. Mehr als die Hälfte der am 16. Juli stellenlosen Angestellten war damals bereits seit über sechs Monaten cußer Stellung. Groß war auch die Zahl der seit dem Früh jahr 1925 entlaffenen Angestellten. Cire Prüfung der Andrangziffern der Angestellten bei den Cire Prüfung der Andrangziffern der Angestellten bet den öffentlichen Arbisnachweisen läßt erkennen, daß die Zustände vom Juli dieses Jahres eve heute noch ziemlich unverändert weiterbestehen. Es muß die Aufgabe des in wenigen Wochen wieder zusammentretenden Reichstags fein, aus der von ihm angeregten Untersuchung nun die Konsequenzen zu ziehen und Maßnahmen zu fördern, die den stellenlosen Angestellten Arbeit und Berbienst geben können. Die Schäden der Zollpolitik für die Konfektion. Die Arbeiter sollen die Zeche zahlen. In einer Berfummlung der in der Berliner Herren, Knaben. und Burschentonfettion Beschäftigten am Dienstag in den Musiker. fälen berichtete Bloog vom Deutschen Bekleidungsarbeiterverband über das Ergebnis der Reichstarifverhandlungen. Er unterzog zunächst die Berhältnisse in der gesamten Konfettion einer eingehenden Kritit. Daß sich die Zustände in der lebten 3eit so wesentlich verschlechtert haben, ist hauptsächlich auf die Birtungen der Bollpolitit zurückzuführen. Hätte die meiterverarbeitende Industrie sich gegen die Bollwünsche der Rohftoffindustrie ebenso hartnäckig geftemmt, wie sie es gegen jede Lohn. forderung der Arbeiter zu tun gewohnt ist, wäre es ganz bestimmt möglich gewesen, für Zertifwaren bedeutend niedrigere 3ollfäge als die jetzigen zu erreichen. Diese Unterlassungsfünde führte dazu, daß die Bekleidungsstüde start perteuert wurden und der Export sowohl wie der Abfah im Inlande, zumal bei der schwachen Rauftraft der Bevölkerung zurüdgegangen ist. Nun, da das Kind in den Brunnen gefallen ist, jammert die a ch presse über die schädlichen Auswirtungen der 3ölle. Um den Schaben wieder wettzumachen, treiben jetzt die Unternehmer ber Konfettion in der Lohnfrage reinste Ronjunttur politit. Das zeigte sich besonders deutlich bei den letzten Lohn verhandlungen. Es war eine Erhöhung des Stücklohnes um 12% Broz. gefordert und des Zeitlohnes um 18 Proz. Die Unternehmer lehnten jebe Lohnerhöhung runbmeg ab und stellten sogar in Aussicht, für einzelne Gruppen eine Herabjegung der Bezahlung vorzunehmen. Go wollen fie& B. den Heim arbeiterzuschlag von 12% Broz. auf 10 Broz. berab. gelebt haben und eine für die Arbeiter nachteilige Berande rung der Serien vornehmen. Zur Begründung ihrer Forde rungen verwiesen die Unternehmer auf die schlechte Geschäftslage und die zunehmende Sahl der Konturse. Sie vergessen dabei ganz, daß die Zahl der Konturfe von 1913 bis 1924 in feinem Berhältnis fleht zu der Bahl der jährlichen Borkriegstonturse. Durch die vielen Nachkriegs und Inflationsgründungen ist eine der artige Uebersehung in der Konfettion vorhanden, daß Konturje geradezu unvermeidlich sind. Da jebe der im Wirtschaftsförper zuviel vorhandenen Firmen verdienen will, ber Barenumfat aber mur ungefähr 75 Prog. der Bortriegszeit beträgt, ist eine Ber. teuerung der Waren die zwingende Folge solcher unnatür lichen Wirtschaftspolitik. Die Arbeiterschaft erkennt den Reini gungsvorgang im deutschen Wirtschaftsleben als notwendig an und kann sich dennoch nicht davon abhalten lassen, erforderliche Lohnerhöhungen geltend zu machen. Leider muß auf die Durchsehung der gestellten Forderungen in dieser Saison verzichtet werden, ba leider die organisatorischen Bor auslegungen teilweise fehlen. Die Zeit bis zur Frühjahrssaison muß ausgenügt werden, um die vielen der Organisation noch Fernstehenden zu gewinnen. Auch die Arbeiter, die da glauben, durch ihre Zugehörigkeit zum Berband der fogenannten„ Opposition Berge versehen und ihre Lebenshaltung verbeffern zu fönnen, müffen endlich einsehen, daß durch die unselige 3ersplitterung nichts erreicht werden kann. Wenn im Frühjahr eine mejentliche Lohnaufbefferung erreicht werden soll, müssen alle in der Konfektion Beschäftigten dafür Sorge tragen, daß die maßgebende Organisation, der Deutsche Bekleidungsarbeiterverband, wieder gefestigt und schlagkräftig dasteht. Berliner ElektrikerGenossenschaft Soeben erschienen: Richard Müller angescht, dem Verb. sozialer Baubetriebe Der Bürgerkrieg Berlin N24, Elsässer Str. 86-88 Fernsprecher: Norden 1198 Filiale Westen, Wilmersdorf Landhausstr. 4- Tel. Pfalzburg 9831 Herstellung elektr. Lidht-, Kraftund Signalanlagen Verkauf aller elektrischer Bedarfsartikel 4. in Deutschland Geburtswehen der Republik Karton. M. 4, Halbleinen M. 5,40 Zu beziehen durch Ausführung sämtl. Reparaturen Phöbus- Verlag Preiswerte, gediegene Arbeit. HAND Berliner Töpferhütte G. m. b. H. Eckert& Malzahn Alexandrinenstr. 1 Dönhoff 9317 HUNDE Katzen, Papageien und alle angeschlossen dem Verband so- Haustiere werden behandelt. zialer Baubetriebe Berlin SO.26, Waldemarstr.14 Fernsprecher: Amt Moritzplatz 9314 Ausführung sämtlicher Töpferarbeiten. Neue Oefen und Reparaturen in guter und preiswerter Ausführung. Kostenlose heiztechnische Beratung. Tierärztliche Poliklinik Chausseestraße 93 neben Kriegervereinshaus Sprechstunden: 11-1 u. 4-6 Uhr Damen- und BackfischMäntel gibt Fabrikationsgeschäft zu Jerusalemer Str. 48, v. H Tr. links Berliner lk- Trio wirklichen Engrospreisen ab. Neukölln, Lahnstr.74/ 751 | In der legen Disfuffion, in der ein Anhänger der Opposition" mit seinen Redereien wenig Antlang fand, fanden die Ausführungen des Referenten vollste Unterstügung. Die Versammelten stimmten darin überein, die Bewegung bis zum Frühjahr auszusehen und dann, wenn das Organisationsverhältnis ein besseres ift, mit allen gewertschaftlichen Mitteln für eine Berbefferung ihrer Lohnverhältnisse einzutreten. Staatsbetriebe follen Musterbetriebe sein. Unter dieser Ueberschrift bringt die Rote Fahne in ihrer lebten Sonntagsausgabe eine Arbeiterforrespondenz, die sich mit der Entlohnung der Karteneinnehmer und Garderobenfrauen in den Staatstheatern in Berlin befaßt. Die Frauen befämen für einen Abend 80 Pf. bis 1,35 m., bei einer Arbeitszeit von 6% Uhr abends bis 11% Uhr nachts. Dem Verbande der Gemeinde. und Staatsarbeiter wird dann die Schuld dafür zugeschoben. Im Verbandsorgan des Verbandes der Staats- und Gemeindearbeiter heißt es immer wieder, Gemeinde- und Staatsbetriebe sollen Musterbetriebe sein!" Wo bleibt nun die Muster. entlohnung in den Staatstheatern? Ober sind diese hierbei nicht gemeint? Alfo meil der Berband die programmatische Forderung er. hoben hat: Staats- und Gemeindebetriebe sollen Musterbetriebe sein, wird er beschuldigt, daß dieses Programm noch nicht dur geführt sei. Es wird die Frage aufgeworfen: Wann gedenkt der Verband sich mit diesem unerhörten Zu stand ernstlich zu befassen?" Die Karteneinnehmer und Garderobenfrauen der Staatstheater werden von dem bestehenden Tarifvertrag nicht erfaßt, bebingt erstens durch die Kürze der Beschäftigungsdauer und zweitens da. durch, daß es sich vorwiegend um Personen handelt, welche diese Tätigkeit nebenberuflich ausüben. Abgesehen davon hat der Berband der Gemeinde und Staatsarbeiter wiederholt mit der General troffen. Erst in den legten Jahren ist ihm dies von den Beteiligten Trinkgeldunwesen burch entsprechende Anschläge zu be felbft unmöglich gemacht worden. Als nämlich versucht wurde, das fämpfen, um dadurch eine höhere Bezahlung zu erwirken, waren es die Beschäftigten selbst, die dagegen protestierten und ber Generalverwaltung erflärten, daß fie mit ihrer Bezahlung zu frieden seien. Die weitere Frage der Roten Fahne": Wie lange gedenten die Karteneinnehmer und Garderoben frauen noch in dieser Hinsicht mit sich Schindluder treiben zu laffen?" mag fie fich von den Beteiligten beantworten laffen. Sie sollte jedoch den Versuch unterlassen, mit den Gewerkschaftsorganisationen Schindluder zu treiben. Zum Kampf in der Chemie. Am 5. November tagte die Generalversammlung der Farbwerte in 2evertusen. Geheimrat Dr. Duisberg sprach über den werdenden Anilintrust und über die Aussichten auf wirtschaft lichem Gebiet. Dabei sagte er unter anderem, die deutsche chemische Industrie habe einen Berluft von 50 Broz. des Exportes zu verzeichnen, aber dafür sei auf anderen Gebieten ein erheblicher 3 uma chs eingetreten. Die anorganische Produt tion sei größer denn je, sie sei auf das Doppelte gefteigert. Auf pharmazeutischem Gebiete habe die gute Entwicklung angehalten. Der Absatz an Stidstoff fei 50 Broz. größer, als feither Chilifalpeter eingeführt wurde. Aus der Inflationszeit sind noch billige Lagerbestände vorhanden. Dr. Duisberg hofft wieder auf Dividende wie im Vorjahr. Die Attionäre tönnen das Vertrauen haben, daß ihre Interessen wie bisher gewahrt würden. In der Fusion jei es notwendig, die Arbeitsfreudigteit bis zum einzelnen Arbeiter zu erhalten. Also alles steht günstig. Und weshalb verweigert man der Arbetterschaft die notwendigste Lohnzulage und wirft fie auf die Straße? Um die Arbeitsfreudigteit zu erhalten? Der Brauereiarbeiterstreit in Breslau. Breslau, 11. November.( Eigener Drahtbericht.) Der Streit in den Breslauer Großbrauereien umfaßt zurzeit rund 1000 r. beiter. Die Behauptung der Arbeitgeber, daß es sich um einen Tarifbruch handele, ist nach der Darstellung der beteiligten Arbeit nehmerorganisationen nicht haltbar. Der Verein städtischer Brauereien hat eine tarifmäßige Lohnerhöhung ab. gelehnt, weil angeblich eine Berbilligung der Lebenshaltungsfoften eingetreten sei. Die Technische Rothilfe wurde vom Regierungspräsidenten eingesetzt, obwohl die Arbeitnehmerorgani fotionen zu Berhandlungen über die Rotstandsarbeiten bereit waren, Arbeiter und Boltssuchule in Merito. ( JGB.) Der in Juarez abgehaltene sechste Rongreß des meri. tanischen Gewertschaftsbundes( CROM.) faßte seinerzeit den Beschluß, einen nationalen Rongreß von Boltsschul. Es sind nun Schritte unternommen lehrern einzuberufen. worben, um diesen Beschluß zu verwirklichen, indem das Zentralfomitee des CROM. zunächst unter den angeschlossenen Organi. fationen eine Erhebung über den Grad der Schulbildung unter den Verbandsmitgliedern eingeleitet hat. Man beabsichtigt, nicht nur die megifanischen, sondern auch die Bolksschullehrer Zentral- und Südamerifas zu der geplanten Ronferenz einzuladen, die sich nicht nur mit Erziehungsproblemen, sondern auch mit den wirtschaftlichen Interessen der Lehrer befassen wird. Bund der technischen Angestellten und Beamten, Ortsverwaltung Berlin. Gemeinsame Mitgliederversammlung der Fachgruppen Baugewerbe, Architekten und Steinmeztechniker morgen Donnerstag, abends 7 Uhr, im Bofal„ gur alten Geheimrats- Kneipe", Berlin GM, Jerufalemer Ste 8( nahe Dönhoffplay). Gewerkschaft Deutscher Bollslehrer, Berlin. Funktionär- Ronferenz des ADB morgen Donnerstag, abend 8 Uhr, Mittelsaal Brauerei Pfefferberg, Schönhaufer Allee 176. Wirtschaft Bud und Betriebsprüfungen für Steuerzwede. Der Reichs< minister der Finanzen hat am 9. November 1925 eine Verord nung zur Durchführung von Buch und Betriebs. prüfungen erlassen, in der u. a. folgendes bestimmt wird: Buch und Betriebsprüfungen fönnen im Steuerermittelungs. perfahren, im Steuerstrafverfahren oder in Ausübung der Steueraufsicht bei Steuerpflichtigen, die nach den Steuergesetzen Bücher zu führen oder Aufzeichnungen zu machen haben, zum 3wede einer Nach prüfung von Berhältnissen angeordnet werden, die für die Besteuerung oder für ein Steuerstrafverfahren von Bedeutung fein tönnen, Besonders gilt dies für Großbetriebe ( das sind Gewerbebetriebe, die mehr als 50 Personen einschließlich des Inhabers beschäftigen, ferner ohne Rücksicht auf die Zahl der beschäftigten Berfonen alle sonstigen Betriebe, die nach Umfang und wirtschaftlicher Bedeutung als wichtig anzusehen find). Großbetriebe werden im Rahmen der fortlaufenden Durchprüfung Don Betrieben mindestens alle drei Jahre einmal einer ordentlichen Buch- und Betriebsprüfung durch entsprechend vor gebildete Beamte, Angestellte oder Sachverständige der Reichsfinanzverwaltung unterworfen; neben den ordentlichen Buch- und Betriebsprüfungen tönnen außerordentliche Prüfungen vorgenommen werden, wenn ein besonderer Anlaß dazu vor liegt, insbesondere, wenn sich Bedenten gegen die Richtigkeit von Angaben eines Steuerpflichtigen oder gegen die Ordnungsmäßig feit der Buchführung ergeben haben. Die ordentlichen Buch- und Betriebsprüfungen sollen ein vollständiges Bild von der gesamten Betriebsführung ergeben; sie haben daher jeweils den Zeitraum bis zu der zulegt erfolgten Prüfung zu umfaffen. Die Welternte an Rohrzuder war 1924/25 eine außer Steigender Zuderverbrauch und steigende Zuderproduktion, Großhandelspreise zeigten daher eine rüdgängige Bewegung, die ordentliche gute, besonders in dem Hauptzuderland Ruba. Die jedoch nicht besonders start war, da eine unerwartet große Nach frage nach 3uder entwickelt wurde, sowohl von Amerita, als auch von Indien, Japan und China und unter europäischen Staaten ganz besonders von Rußland, außerdem von Italien, Spanien und England. Der Weltverbrauch an Zuder hat sich 1924/25 um un gefähr 12 Proz. vergrößert, während die Zuckererzeugung um mehr als 16 Proz. zugenommen hat, und zwar stellte im Gegensatz zur Borkriegszeit die Rohr zuderproduktion den größten Teil fast 3 mei Drittel des Beltbedarfs, Deutschland jedoch war vom ausländischen Rohrzucker unabhängig, trotzdem in den der Grnte von 1924 folgenden Monaten September bis Januar ein Mehrverbrauch von 55 Pro3. gegenüber dem Borjahre in Er scheinung trat. Zur Lage der Braunkohlenindustrie. In der Generalversamm lung der Braunfohlen und Brifettindustrie A.-G.( Bubiag) äußerte fich Generaldirektor Dr. Karl Büren über die Aussichten wie folgt: Daß bei der jegigen Jahreszeit die Britettwerte der Gesellschaft einen normalen Absatz hätten und voll beschäftigt seien, sei nicht besonders hervorzuheben. Die Gesellschaft habe im Brikettabsatz der Laufig einen schwierigen Sommer hinter fich, was daraus zu erklären sei, daß Händler und Konsum tein Geld gehabt hätten, um Einfäufe vorzunehmen. Es sei noch nicht dagewesen, daß die Gesellschaft in den Monaten April, Mai und Juni fich habe einen Vorrat von 700 000 Tonnen, einer Monatsproduttion, hinlegen müssen. Im Juli habe infolge der Tatsache, daß im Auguſt die Binterpreise zur Anrechnung kommen, ein regerer Absag eingefegt. der jetzt noch anhalte. Trogdem sei es nicht möglich gewesen, die auf Borrat hergestellten Brifetts unterzubringen. Sehr ungünstig sei der Abfah in Rohtohle, der faft bedeutungslos wäre. In ben Raffeler Werfen feien die Umsätze befriedigend, auch in Roh tohle, weil hier die Hauptabnehmerin von Rohfohle, die Raliindustrie liege, bie gut beschäftigt sei. Es sei angesichts dieser Geschäftslage auch für das laufende Geschäftsjahr ein günstiges Ergebnis zu er warten. Die Bilanz schließt mit einem Reingewinn von 2178 731 M., ous dem eine 10prozentige Dividende für 18 400 000 Stammattien und eine 7prozentige Dividende für die mit 50 Broz. eingezahlten 320 000 m. Borzugsaftien zur Berteilung gelangt. Es ist interessant, daß bei dieser zum Friedländer- Konzern gehörenden Gesellschaft die Arbeitnehmer teine Stelle im Aufsichts. rat besetzt haben. Nach Auskunft der Verwaltung liegt dies daran, daß die Arbeitnehmer feine Wahl vorgenommen haben. Es wäre sehr interessant, diese Interesselosigkeit oder sollte es etwas anderes sein auf ihre Gründe zu untersuchen. Der Wirtschaftsverkehr Frankreichs mit seinen Kolonien. Der französische Kolonialbesig, der in einzelnen Teilen jetzt so start umftritten ist, hat zwar für das Mutterland bei weitem nicht dieselbe wirtschaftliche Bedeutung, wie etwa die englischen Kolonien, ist aber trotzdem fowohl als Lieferant von Kolonialprodukten, wie auch als Ablaßgebiet für Produkte des Mutterlandes wichtig. 1924 waren, wie im franzöfifchen Economiste" ausgeführt wird, an der Ge. amteinfuhr nach Frankreich im Werte von 40 Milliarden Frant die französischen Kolonien mit 4 Milliarden Frant be. teiligt. Bon der französischen Warenausfuhr, die fich auf 41,5 Milli arden Frant belief, gingen 5,3 milliarden in die Kolonien. Damit meist der Anteil der französischen Kolonien an den Importen in das Mutterland von 1922 bis 1924 eine geringe Steigerung von 9,6 Broz. auf 10,1 Broz. auf; während der Anteil an den Exporten Don 14,6 Proz. auf 12,7 Broz. zurüdging. Das wirtschaftlich bei weitem wichtigste Kolonialland Frankreichs ist Algerien, auf das zwei Fünftel der folonialen Importe und fast die Hälfte der folonialen Exporte Frankreichs entfallen. Berantwortlich für Bolitik: Gen Reuter: Wirtschaft: Artur Gaternus; Gewerkschaftsbewegung: Friedr. estorn: Feuilleton: R. S. Döscher; Lofales und Sonstiges: Frisk Ratstädt; Anzeigen: Th. Glode; sämtlich in Berlin. Berlag: Borwärts- Berlag G. m. b. S., Berlin. Drud: Borwärts- Buchdruderel und Berlaasanstalt Baul Singer u. Co.. Berlin SW 68. Lindenstrake 3. Bären- Stiefel Garderobe haltbarster Qualitätsstiefel für Strasse und Sport nur bei Spittel H. Bähr, markt 1 Fritz Ranuar Neukölln, Reuterstraße 53 billige Bezugsquelle für Leib- Wäsche LatsWäschestoffe jeder Arti Sealplüschmäntel nur erstkl. Qualitäten auf Damassé voz 95.- Ek an Voll- u. Biberetteplüschmäntel von 75.- Mk. an Außerd.: Biberetteplüsch-, Slinks- u. Lammfelljacken In allen Sachen große Auswahl. 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