Nr. 535 42. Jahrg. Ausgabe Anr. 273 Bezugspreis: Böchentlich 70 Bfennig. monatlid 8, Reichsmart voraus zahlbar. Unter Rreusband für Deutschland, Danzig. Gaat und Memelgebiet, Defterreich, Gitauen, Luxemburg 4,50 Reichsmart, für bas übrige Ausland 5,50 Reichsmart pro Monat. Der Borwärts mit ber Sonntags beilage Bol? und Reit mit„ Sieb. Tung und Aleingarten fowie der Beilage Unterhaltung und Biffen* unb Frauenbeilage Frauenftimme erfcheint wochentäglich aweimal, Sonntags und Montags einmal Telegramm- Abreffe: .Sozialbemokrat Berlin* Morgenausgabe Vorwärts Berliner Volksblatt 10 Pfennig Anzeigenpreise: Die einfpaltiae Stomparcie. scile 30 Bfennig. Reflamezeile 5. Reichsmart. Aleine Anzeigen bas fettgebrudte Wort 25 Biennia ( auläffia zwei fettgedruckte Worte). jebes weitere Bort 12 Bfennig. Stellengesuche das erfte get 15 Bfennig, fedes weitere Bort 10 Bfennig. Worte über 15 Buch ftaben zählen für awet Worie. Arbeitsmarkt Seile 60 Biennia. Familienanzeigen für Abonnenten Reile 40 Pfennia. nzeigen für die nächte Summer milen bis 4 Uhr nachmittags int Sauptgeschäft, Berlin SB 68, LindenArake 3, abaegeben werden. Geöffnet von 8½ Uhr früh bis 5 Uhr nam Zentralorgan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands Redaktion und Verlag: Berlin SW. 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Dönhoff 292-297. Donnerstag, den 12. November 1925 Luther über Locarno. Für Annahme im Reichstag ,, auf möglichst breiter Grundlage". Reichstanzler Dr. Luther hielt gestern abend im Ber ein Deutscher Kaufleute und Industrieller eine Rede, in der er zunächst den bekannten Standpunkt entwickelte, daß erst die Rückwirkungen abgemartet merden müßten, bevor eine endgültige Stellung zu Locarno möglich fei. Erst dann werde man ,, auch die innerpolitischen Entschließungen fassen werde man ,, auch die innerpolitischen Entschließungen faffen fönnen, die durch den Austritt der Deutschnatio nalen aus der Regierung erforderlich geworden sind". Jezt sei es Führerpflicht der Regierung, die Innenpolitik den großen außenpolitischen Aufgaben unterzuordnen. Dr. Luther schweifte auf die Preis abbaupolitit ab, die er in ein günstiges Licht zu stellen fuchte, und nahm dann für die politische Entwicklung seit Januar als Reichsfanzler ,, die volle Verantwortung" für sich in Anspruch. Daß Deutschland die Anregung zu Locarno gegeben habe, betrachte et als ein Zetchen der erstartenden politischen Kraft unseres Baterlandes". Weiter sagte der Reichskanzler: Ein wirklicher Friedenszustand in Europa, auf dem sich weit. ausschauende wirtschaftliche Maßnahmen aufbauen lassen, wird von Segen nicht nur für Europa, jondern für die gesamte von der Welt wirtschaft abhängige Menschheit sein. Bis zu dem Ziel, daß Deutschland den ihm gebührenden Plaz wieder einnehme, ist noch ein weiter Weg. Gleichwohl fann das deutsche Bolt zu einer inneren und äußeren Zustimmung zum Beriragswert von Locarno sicherlich nur gebracht werden, wenn es die Auswirkungen von Locarno in unmittelbarer Anschauung am Rheinland erlebt. Andernfalls wird jener tiefe Argwohn gegen alles, was politischer. Vertrag heißt, nicht überwunden werden fönnen, jener Argwohn, der feine Wurzein aus den Erfahrungen mit dem Ver trage von Bersailles und der Auslegung dieses Vertrags durch einige der Siegerstaaten des Weltfriegs gezogen hat. Der Bertrag von Locarno ffellt feinerlei Option zwischen dem Westen und dem Often dar. Eine solche Option wäre in Deutschlands geographischer, wirtschaftlicher und politischer Lage nicht nur ein Berbrechen, sondern, um ein befanntes Wort anzuwenden, schlimmer als das, eine Dummheit. Es ist teine Option gegen den Osten, wenn wir für die Herstellung eines wirklichen Friedenszustandes im Westen sorgen, und es ist sicher feine Steigerung der Gefahr europäischer Kriege, wenn das zwischen dem Westen und dem Osten in der Mitte gelegene. Deutsche Reich für ein weiteres Borwärtsdringen des Friedensgedantens überhaupt sorgt. Wohl aber und das ist der zweite Leitgedante enthält der Vertrag von Locarno eine Option des deutschen Boffes für den Frieden. Dabet verstehe ich unter Frieden nicht nur den Verzicht auf den Arieg, nicht nur eine Angelegenheit mit negativen Vorzeichen, sondern ich verstehe darunter auch den festen Entschluß, die deutsche Kultur und die deutsche Volkskraft auf den Wegen des Friedens mit allem Nachdruck zur Geltung zu bringen. Weiter bedeutet foláje Option den festen Entschluß, mit aller Kraft für die allgemeine Abrüstung einzutreten, die, und zwar im Einklang mit dem Bertrag von Versailles, als unerläßliche Ergänzung der deutschen Abrüftung anzusehen ist. Der dritte Leitgebante, den ich an diefer Stelle vertreten will, ist der, daß der Bertrag von Locarno eine Option zugunsten positiven Handelns in den großen internationalen Fragen enthält. Auf welches Ziel die Berhältnisse Europas fich überhaupt hinbewegen, fann niemand mit Bestimmtheit fagen. Daß die ungemein große technische und wirt. fchaftliche Entwicklung der Gegenwart für viele Lebensbetätigungen der Menschheit neue Berbindungen und neue Gestaltungen sucht, ist sicher. Das deutsche Bolt fühlt sich trotz der harten Schidfalsfchläge, die es getroffen haben, innerlich gesund und start genug, um das volle Schwergewicht seiner Geistes- und Arbeitskraft für die zufünftige Gestaltung der Welt einzusehen und sich selbst darin den ihm gebührenden Blah zu sichern. Die grundsägliche Richtigkeit biefer beiben legten Leitgebanten des Friedens und des Bolens aftiver Bolitik ist taum bestreitbar. Worauf es ankommt, ist die Frage, ob diese Leitgedanken in dem Bertragswert von Locarno Körper gewinnen. Indem unfere Westgrenzen dadurch befriedet werden, daß Frankreich, Belgien und Deutschland gegeneinander nicht zum Angriffstrieg oder zu anderen aggressiven Gewaltaften schreiten dürfen, schützen wir unsere offene Westflante vor militärischen lebergriffen, wie sie das Rheinland in den letzten Jahren zu er dulden gehabt hat. England und Italien müssen dem jenigen Lande, bas entgegen dem Berbot folcher Gewaltalte ange griffen wird, mit ihren Machtmitteln zu Hilfe tommen. An den Berten dieser Vereinbarung mit der Begründung Kritik zu üben, daß die englische und italienische Garantiepflicht im Ernstfalle nicht perwirklicht werden würde, halte ich für verfehlt. Auch der mächtigfle Staat wold sich fünftig nicht leichthin über felerliche Bertragspflichten einfach hinwegsehen. Auch die bloße Tatsache, daß folche Bertragspflichten überhaupt übernommen werden, ist ein Ausdruck dafür, daß es im Westen mit den Allianzen, die eine gewaltsame Niederhaltung Deutschlands be zwecken, vorbei ist. Der Politik der Dittate und Ultimaten, bie fich auf eine einseitige, von Deutschland praktisch nicht zu verhiudeinde Auslegung des Versailler Vertrages stüßte, wird der Boden entzogen. Denn alle Meinungsverschiedenheiten über die Muslegung dieses Bertrages und ebenso über die Auslegung des Rheinlandabkommens werben fünftig dem Schiedsgericht unterstellt. Was den Osten betrifft, fo entspricht es dem oft bekannten Grundsatz unserer Politit, daß für uns im Osten eine gleichartige, auf die Grenzen abgeftellie Regelung nicht möglich war. Aber auch für den Often ist eine wertvolle Grundlage für eine gedeihliche Gestaltung der Berhaltnisse geschaffen durch Schiedsverträge, wonach Rechtsstreitigkeiten durch bindendes Schiedsgerichtsurteil erledigt und politische Interessen zwifte in einem Ausgleichsverfahren ohne endgültige Bindung be handelt werden sollen. Gleichzeitig find die Bündnisse Frankreichs mit Bolen und mit der Tschecho. Ifcheco flowafei Tatsachen, die nun einmal bestehen, in Locarno auf eine neue Grundlage gestellt worden, die durch ihre Eingliederung in das System des Böllerbundes und die Abmachungen des Befipattes ohne Zweifel eine Verbesserung der bisherigen Lage darstellt. wird somit durch den Sicherheitspaft und die Schiedsverträge die Gesamtlage Deutschlands gesichert und gebeffert, fo wird damit zugleich eine festere Grundlage für Deutschlands Betätigung im ŏlterbund geschaffen. In dem Wunsche ber anderen Mächte, daß wir in den Bölterbund eintreten möchten, müssen wir ein Zeichen für die Erfenninis der fremden Regierungen begrüßen, daß eine Gefundung Europas ohne ein gleichberechtigtes Deutschland undentbar ist. Das Bertragswert von Locarno bedeutet somit, daß durch seinen Abschluß Deutschland um feines eige nen Rugen willen, aber zum Segen der Menschheit mit freiem Billen und bewußt sich positiv wieder einfest in die Ge meinfchaftsarbeit der Bölfer. Es ist bie Frage erhoben worden, ob die Zeit für solchen Entschluß Deutschlands reif ift. Das bie Beit reif ist, dafür spricht starf der Umstand, daß die Außenminister Frankreichs, Englands und Belgiens in Locarno und feither sich mit weitblidenden Ausführungen für diese Gemeinschaftsarbeit ausgesprochen und dabei die Zustimmung ihrer Länder und meitester Teile der übrigen Welt gefunden haben. Wie ich nach wie vor auf das bestimmteste erhoffe, wird das deutsche Bolt einen weiteren Beweis durch die Maßnahmen erhalten, die alsbald auf dem Gebiete der Rüdwirtungen erfolgen sollen. Nehme ich fomit an, daß die geleggebenden Körperschaften in turzer Frist vor der endgültigen Entschei dung stehen werden, so muß ich um des deutschen Volkes willen wünschen, daß die Zustimmung zum Vertrag von Locarno sich auf möglichst breiter Grundlage vollzieht. Die Rede des Reichsfanglers hat die Eigentümlichkeit, dort abzubrechen, wo sie erst anfängt interessant zu werden. Das Für und Wider von Locarno ift genug erörtert worden, wie aber Herr Luther die Annahme des Vertrags auf ,, mö glichst breiter Grundlage" erreichen will, nachdem ihn seine größte, aufs heißeste umworbene und mit allen möglichen Geschenken bedachte Regierungspartei in Stich gelaffen hat, bleibt sein Geheimnis. Soll, nachdem Locarno auf, breiter Grundlage" angenommen ist, auf einer schmä leren Grundlage die bisherige arbeiterfeindliche Politik weiter betrieben werden? Auch das bleibt Herrn Luthers Geheimnis. Und soll die Ausführung des Vertrags denen über laffen werden, die sich ihm feindlich gegenüberstellen? Das ist das dritte Geheimnis des Herrn Luther. Sonst ist an der Rede, soweit wir sehen, mur bemerkens wert, daß der Reichstanzier den Vertrag von Locarno an fich auch ohne die Rüdwirtungen" als einen Vorteil für Deutschland und die ganze Menschheit betrachtet. Rüdwirtungen" aber wird der Bertrag auch nach der Rati fizierung haben müssen, mehr noch als vor ihr. Und darum scheint es uns unmöglich, daß die deutsche Regierung fcheint es uns unmöglich, daß die deutsche Regierung wie es die Deutschynationalen gerne möchten durch einen Streit über das Tempo der Rückwirkungen. das ganze Werf zum Scheitern bringt. Das letzte Stadium. Die deutsche Antwort in Paris. Paris, 11. november.( Eigener Drahtbericht.) Der deutsche Botschafter in Paris hat am Mittwoch vormittag Briand die Antwort der deutschen Regierung auf die letzte Not: der Botschafterfonferenz überreicht. In privaten Kreisen verlautet, daß die Antwort den von der Botschafterkonferenz erhobenen Beanstandungen, die, wie feinerzeit berichtet, mehr formaler als materieller Natur waren, in rollem Umfange gerecht wird, so daß nunmehr das lehte Hindernis für den Beginn der Räumung von Köln als erledigt gelten fann. Matteottis Mörder freigelassen? Das Ende einer Tragödie. TU. meldet aus Rom, die Mörder Matteoffis, Roffi, Filipelli und Marinelli feien vom Gedicht freigesprochen und aus der Haft entlaffen. Da der Prozeß noch nicht begonnen hat, könnte es sich nur um eine Freilaffung aus der Untersuchungshaft handeln. Aber auch das wäre ein ungeheuerliches Unterfangen, das dem fafchiftlichen Gewaltregime wohl zuzufrauen ist. Bis die Nachricht, die phantaftich flänge, wenn fie nicht aus Italien flammte, von anderer Selte bestätigt wird, muß die Stellungnahme vorbehalten bleiben. Vorwärts- Verlag G.m.b.H., Berlin SW. 68, Lindenstr.3 Bofifchedients: Berlin 37 536 Bankfonto: Dank der Arbeiter, Angestellten und Beamten, Wallstr. 65; Diskonto- Gesellschaft, Depofitenlaffe Lindenstr. 3. Deutsche und Tschechen. Die Wahlkampfprobleme in der Tschechoslowakei. Bon Josef Hofbauer- Teplit- Schönau. Der tschechische Genosse Stivin hat vor einigen Tagen an diefer Stelle die Probleme, um die im tschechoslowafischen Wahlkampf gerungen wird, so dargestellt, wie er sie als Angehöriger der tschechoslowakischen Sozialdemokratie sieht, also als Angehöriger einer Bartel, die gemeinsam mit fünf anderen tschechoslowatischen Parteien die alinationale Regierungskoalition bildet. Die deutschen Sozialdemokrater in der Tschechoslowakei sehen diese Probleme natürlich anders. Auch sie haben jene Barole, die Genosse Stivin etwas wegwerfend als einfache" bezeichnet, ausgegeben, die Parole: Weg mit der Koalition!" Denn tatsächlich ist die Frage der Erhaltung oder des Siurzes dieser Koalition die Frage des gegenwärtigen Wahlkampfes. " Genoffe Stivin sagt, es fehle an Rezepten, welches Regierungssystem an die Stelle der Roalition treten soll. Aber die Frage ist falsch gestellt. Die starke Parteizersplitterung in der Tschechoslowakei zur Klassenfcheidung geselit fich die nationale Berflüftung; es gibt nicht weniger als neuundzwanzig Randidatenlisten! macht eine andere als eine Roalitionsregierung unmöglich. Die Frage, die zur Ent scheidung steht, ist also nicht: Koalition oder teine Koalition, sondern: welche Roalition. Erfordert es wirklich das Staatsinteresse, das Interesse der Republik, der Republik, daß die Tschechoslowakei von einer allhechischen Roalition regiert wird, daß Regierung und Bere waltung dem Staate das Gepräge eines tschechischslowakischen Rationalstaates geben, der die Tschechoslowakei boch nicht ift? Erfordert es das Interesse des tschechoslowakischen Broletariats, daß die herrschende Nation ihre Macht dazu benutzt, systematisch das deutsche Schulwesen zu schädigen und planmäßig deutsche Arbeiter und Angestellte von ihren Arbeitsplähen zu verdrängen? 3ft es wirklich ein Staatsintereffe oder gar ein Interesse des schechoslowakischen Broletariats, den Minderheitsvölkern und besonders einer so starten Minberheit, wie es die Deutschen sind, die nationale Autonomie zu verweigern? Die tschechischen Sozialdemokraten sind dieser Meinung, und darum auch sagi Genosse Stivin: Mit dem Beitritt irgendwelcher deutschen Partei zur Regierungsmajorität fann man heute nicht rechnen, und so bleibt noch immer als einzige Löfung eine Roalition der tschechoslowakischen Parteien, die aber ohne Teilnahme der sozialistischen Partei vorausfichtlich auch in nächster Zukunft nicht fähig sein wird, eine Majorität zu bilden. Mit dem Beitritt einer deutschen Bartei zu einer Ro alition, die ihre Aufgabe in der Aufrechterhaltung des Stasies als tschechoslowakischen Nationalstaat sieht, ist freilich nicht zu rechnen. Keine deutsche Partei fann zur Unterdrückung ihrer Nation Ja und Amen sagen. Aber es unters liegt gar feinem Zweifel, daß fofort deutsche bürgerliche Barteien zum Eintritt in die Regierung bereit wären, wenn durch Bugeständnisse in der Richtung der nationalen Autos deutsche Bürgertum in der Tschechoslowakei ist nicht nomie die Boraussetzungen dafür geschaffen würden. Das irredentistisch die Sozialbemotratie natürlich erft recht nicht. Die fogenannten„ attivistischen" Parteien- Bund der Landwirte, Christlichsoziale, Gewerbepartei mollen an der Regierung und Berwaltung des Staates teilnehmen, haben das wiederholt befundet aber feine dieser Parteien fann sich zum Anhängsel der alltschechischen Roalition machen. Brechen die Tschechen einmal mit der Fiction des Na6 tionalstaates", wenden sich die tschechischen Sozialdemokraten dem von der Internationale in Marseille neuerbings verfündeten Programm der Gewährung der nationalen Autonomie zu dann würde natürlich fo mie jeßt der Staat oon einer Roalition regiert werden müssen, aber fle märe feine unnatürliche, der sozialen und nationalen Gliederung des Staates widersprechende alltschechische Roalition mehr, denn an die Stelle der nationalen Fronten müßten dann sofort die sozialen Fronten treten. FT Die deutschen Sozialdemokraten tämpfen gegen dieses allnationale Koalitionssystem, weil es die Straffengegenfäze verhüllt, im tschechischen und im deutschen Bolt, und weil diefes Softem langfam aber unvermeiblich die Demokratie zu einer Fassade macht, hinter der sich der Absolutismus der Betta", des Fünfmännerausschusses der Koalitions partelen verbirgt. Wenn jedes, selbst das fleinste Gesetz, Dor der Einbringung im Hause bis in die legien Einzelheiten von der Koalition durchberaten und beschlossen wird, und die Koalitionsdisziplin die tschechischen Parteien zwingt, alle, auch die berechtigtften und fachlichsten Abänderungsanträge der Opposition niederzustimmen, dann wird die parlamentarische Berhandlung zu einer leeren Formalität. Dann muß aber auch die Aufforderung an die Oppofition zu fachlicher Mite arbeit anstatt bloßer Regation wie fückischer Hohn wirken. Das ertjärt aber auch die Stärte der tschechoslowa. Partei, der bie tischen Rommunistischen Agitation gegen die Demofratie leicht gemacht mird durch spricht. Die politische und moralische Handlungs. freiheit die wir uns materiell gewahrt haben, indem wir niemals über die Borbedingungen unserer Zustimmung zu den Verträgen den leifesten 3meifel ließen, ist auch durch das Ber. halten unserer Minister in feiner Weise eingeengt. den Hinweis auf die tschechoslowakische Scheindemokratie. I Bertragswertes von Locarno durch den deutschnationalen Minister Das erklärt aber auch die äußerst schwierige Stellung der deutschen Sozialdemokraten in diesem Wahlkampf. Von den Kommunisten und von den Deutschbürgerlichen werden sie angeflagt wegen der Regierungspolitik der tschechischen Sozialdemokraten. Eine Regierung, in der sozialdemokratische Minister saßen, benügt die Bodenreform zur Ueberführung des Bodens aus dem Besitz der Deutschen in die Hände von Tschechen, verdrängt die deutschen Arbeiter und Angestellten von ihren Arbeitsplägen, hat uns fast dreieinhalbtausend deutsche Schulklassen gesperrt." So flingt es den deutschen Sozialdemokraten aus dem Munde der Deutschnationalen entgegen. Trogdem schlagen sich die deutschen sozialdemofratischen Arbeiter, die ja einst die Avantgarde der öfterreichischen Sozialdemokratie bildeten, außerordentlich gut. Die Bersammlungen der deutschen Sozialdemokraten sind über füllt, die der Kommunisten im deutschen Sprachgebiet meist tläglich. Daß die Kommunisten den Kampf ausschließlich gegen die deutschen Sozialdemokraten führen, braucht kaum betont zu werden. Die deutsch nationalen Parteien versuchen, nachdem die Sozialdemokraten die Teilnahme an einer all deutschen Einheitsfront abgelehnt hatten, eine antimargistische Einheitslifte zu erzeugen. Fast war sie fertiggestellt da wurde sie durch die Mandatsgier der einzelnen Barteien zer riffen. Zwei Wochen lang tobte nun der Kampf zwischen den deutschbürgerlichen Parteien, die sich wechselseitig des Ber rates am deutschen Einheitsgedanken beschuldigten- bis fich plötzlich Agrarier, Christlichsoziale, Gewerbepartei und Nationalsozialisten zu einer„ völtischen Einheitsfront" zusammenschlossen. Die einzelnen Parteien führen zwar den Wahlkampf getrennt, aber fie mollen nach den Wahlen einen gemeinsamen Berband bilden. Außerhalb jeder solchen Kombination steht die ,, Deutsche Nationalpartei", die sich gegen den Ansturm ihrer freundlichen Feinde nur schwer wird behaupten tönnen. Wertvolle Hilfe leisten den deutschen Sozialdemokraten piele deutschösterreichische Genossen und Genossen aus Deutschland, die wahrhaft aufopferungsvoll sich in den Berfammlungen mit den Kommunisten herumschlagen. Diese Hilfe wird über die Wahlen hinausreichen, denn die Genossen aus Deutschland lernen die Rompliziertheit der politischen Berhältnisse in der Tschechoslowakei, und die ungemein Schweren Kampfbedingungen der deutschen Arbeiter in diesem Lande aus eigener Anschauung fennen, und werden nun ficher mit bazu beitragen, daß die Arbeiter Deutschlands das Schidial und die Stämpfe ihrer Klassen- und Stammes. genoffen jenseits der Grenze besser als bisher verstehen lernen. Die deutschen Genossen in der Tschechoslowakei machen auch in diesem Wahlkampfe dem Nationalismus teinerlei Zugeständnisse. Sie führen den Kampf gegen den chechischen und gegen den deutschen Nationa lismus, und fie führen diesen Kampf in der Ueberzeugung, daß an seinem Ende stehen muß die Ueberwindung des Nationalismus und die endliche Rampfgemeinschaft deutscher und tschechischer Arbeiter. Das veranlaßt uns zu folgenden Feststellungen: In der Sigung des Auswärtigen Ausschusses am 22. Oftober antwortete der Reichskanzler Dr. Luther, wie schon befannt, auf die Frage des Genossen Breitscheid, ob das ganze Kabinett hinter Stresemann stehe, mit dem Zwischenruf: Der Herr Außenminister hat auf Grund eines einstimmigen Kabinettsbeschlusses berichtet. Sozialdemokratischen Ausschußmitgliedern fiel es auf, daß diese Erklärung des Reichstanzlers die Auslegung zuließ, das Kabinett habe zwar einstimmig beschlossen, Stresemann im Ausschuß berichten zu lassen, habe sich aber nicht ein stimmig mit feinen Auffassungen solidarisiert.( Tat sächlich ist der Versuch einer solchen Auslegung auch von der deutschnationalen Preffe später gemacht worden.) Um vollständige Klarheit zu schaffen, begab sich daher noch während der Sigung ein fozialdemokratisches Mitglied des Ausschusses zum Reichsfanzler und fragte ihn, ob der Rabinettsbeschluß nur eine formale Ermächtigung zum Sprechen im Ausschuß für Stresemann, oder aber eine materielle Billigung der in Locarno erzielten Ergebnisse bedeute. Darauf antwortete der Reichstanzler wörtlich: Das Kabineff hat die in Locarno erzielten Ergebnisse einmütig gebilligt. Auf die weitere Frage, ob der Reichstanzler geftatte, daß von dieser seiner Antwort öffentlich Gebrauch gemacht werde, lautete die Antwort bejahend. Während all dieser Vorgänge mar der damals noch attive Minister Schiele im Saale anwesend. Diefer Tatbestand läßt doch nur zweierlei Erklärungen zu: Entweder der Reichstanzler hat dem sozialdemokratischen Fragesteller bewußt die Unwahrheit gesagt was mir was wir feineswegs annehmen, oder aber er war der leber 8eugung, daß die deutschnationalen mi. nister den Ergebnissen von Locarno zuge stimmt hätten. Zu dieser Ueberzeugung fann ber Reichsfanzler aber doch nur durch das tatsächliche Berhalten der deutschnationalen Minifter im Rabinett gekommen fein. Was ist also vorgegangen? Haben die Deutschnatio nalen im Kabinett ehrlich zugestimmt? Oder haben fie fich so am eideutig und unehrlich verhalten, daß Der Reichskanzler glauben konnte, fie ftimmten zu, während fie in Wirklichkeit innerlich nicht zustimmten? Eine flare Antwort auf diese Frage scheint uns im Intereffe der perfönlichen Ehre der Herren Schiele, v. Schlieben und Neuhaus unumgänglich notwendig zu sein. Schlange- Schöningen und Locarno. Er fann nicht bis drei zählen. Serr lange Edöningen, beuticnationaler Reims tagsabgeordneter, bat am Dienstag in Winden gegen den Bertrag von Rocarno gesprochen, den er als das seite Ber failles" bezeichnete. Die deutsch nationale Mitverantwertung. Eine Antwort an den Grafen Weftarb. In der Kreuzzeitung" versucht Graf Bestarp aber mals, die Mitverantwortung der Deutschnationalen an den Das zweite Verfailles? Das ist ein Rechenfehler. Das Abmachungen von Locarno zu leugnen. Er wiederholt zu zweite Versailles war boch der Dawes Blan. und Seir diefem 3med die funstvollen Auslegungen der Rabinetts Salange Schöningen hat am 29. August 1924 mit 50 Broz. beschlüsse, die aus einem einmütigen Ja eine Meinungsverfeiner Fraktion gegen den Dawes- Plan gestimmt, weil er ihn da. schiedenheit zwischen den deutschnationalen Ministern und für aniah. den übrigen Kabinettsmitgliedern zu konstruieren versuchen, und tommt damit zu folgendem Ergebnis: Bewußte Fälschung begeht, mer jetzt noch von einer for mellen oder materiellen Billigung des Vertragsabschlusses und des Novitäten. Konzertumschau von Kurf Singer. Es gab in dieser Woche neben den üblichen Programmen ein paar Erstaufführungen von besonderem Reiz. Nicht nur der Wert ber erstmalig gehörten Rompositionen machte diesen besonderen Reis aus, sondern allein schon der Name der Komponisten. Es ist doch immerhin etmas Eigenartiges und spricht für die Sehnsucht unserer Rumftler nach Abwechslung, wenn heute, 1925, erstmalig Arien von Handel oder von Mozart gesungen werden, und die Uraufführung eines Streichquartetts von Hans Bfigner lockt die neugierigen und am Fortschritt interessierten Menschen besonders dann an, wenn das hochqualifizierte Amar Quartett der Interpret ist. Aus dem Geist einer Zeit heraus, der durch das Theater starte Beziehungen zu Händel gewonnen hat, sammelte Felig Günther Rezitative und Arien aus vergessenen, durch Leichtentritts Biographie aber wieder schärfer umriffenen Opern( Berlag Bote u. Bock). Es ist ein Berdienst der hochmusikalischen Maria Basca, ein paar dieser frei bearbeiteten, in der Begleitung stilvoll gefeßten Szenen aus Alcina, Floridante, Amadige und Bartenope vorgeführt zu haben. Diese Gesänge sind durchweg einfach und dennoch tunstvoll geschrieben, fie merbinden mit einer dramatischen Ausdruckstraft eine Gefälligteit der Melodie, die von dem naivsten wie von dem anspruchsvollsten Bubli fum als Bereicherung empfunden wird. Wenn Maria Basca ein gewiffes Drüden der Stimme im Moment der Affektgeladenheit Der. meibet, gehört fie zu den besten und eindringlichsten Sängerinnen mit gesundem Ausdrucksvermögen und empfindungsreichem Vortrag. Robert Heger brachte eine Szene mit Rondo ,, Ch'io mi scordi di te" zur Erftaufführung. Der Tert scheint von Mozart mehrfach tomponiert zu sein; diese von Ciba Lau meder leicht noch fauber gefungene Arie ist eine große Konzertarie mit echt Mozartfchem Bauber, in die Orchesterarbeit ist ein Klaviersolo als Begleitung ge schickt eingefügt. Wie weit das Original, wie weit Zutat von Eduard Steinberger ist, läßt sich nicht verraten. Am Anfang des Programms ftand ein rhapsodisches Borfpiel Triumph des Lebens" Don Rudolf Beterta. Das ist ein mehr lautes als beredtes Orchesterstück, das eine hymnische Sprache sucht, aber in der dauernd gehobenen Stimmung feineswegs zu überzeugen meiß. Der Einfluß von Richard Strauß ist so start, daß man die ersten Latte aus ,, Don Juan" zu hören glaubt. Rennte man Peterka nicht von seiner ver. innerlichten Rammer- und Liedmufit, die ganz anderen Meistern nadzugehen weiß, so fönnte man fürchten, er fei dem artistischen Spiel verfallen. Robert Heger aus Wien leitete das Konzert mit einer etwas strammen Sicherheit, die den routinierten Kapellmeister verrät, aber einer Mozartschen D- Dur- Sinfonie gegenüber an Gefchmeidigkeit und Lieblichkeit manches vermiffen ließ. Das oben genannte Quartett in Cis Moll von Pfigner ge hört zu den gediegensten und gehaltvollsten Kammermusifwerfen des Baläftrina- Romponisten. Es ist außerordentlich schwer aut spielen, fomohl bezüglich der rhythmischen Knifflichkeiten, als auch bezüglich der Intonation. Pfigner hat das Wert in einer befonders fruchtbaren schöpferischen Stunde geschrieben. Die Partitur zeigt ein ebenso bewegliches wie buntes, doch durch straffe Thematit innerfich harmonisch ausgefülltes Bild, das Klangliche tritt besonders im Wenn fon ein neues Verfailles, bann bitte, bas, britte". Sollte Herr Schlange nicht bis drei zählen können, oder will er ben Mantel deutscher Liebe über den Umfall vom 29. August 1924 breiten? zweiten und im langsamen Sah nicht wie sonst auf Stoften der Fein arbeit zurüd, und ein großer Schwung geht durch das ganze Bert. Eine Arbeit, der man die Arbeit nicht anmertt, und der wieder zu begegnen eine musikalische Freude sein dürfte. Erstaufführungen find bei uns etwas Seltenes, besonders solche von Dauerwert. Daß es nicht überall so ist, daß vielmehr besonders in Süddeutschland und im Rheinland eine viel ftärfere und gefündere Propaganda für neues gemacht wird, beweist das von Rolf Cunz herausgegebene deutsche ,, musi? Jahrbuch", das neben polemischen und allgemeinen Auffägen eine Uebersicht über die Jahrestätigteit aller größeren deutschen Städte in fritischen zu fammenfaffungen bringt. Dieses bei Reißmann in Essen erschienene schmude Buch sei allen, deren Blick und Ohr über Berlin hinaus. reichen möchte, angelegentlichft empfohlen. In gewiffem Sinne ist auch die Sündflut" von Friedrich E. Roch eine Erstaufführung. Den Tert zu diesem Oratorium hat der poetisch start begabte Atademieprofeffor Koch sehr geschicht nach der Bibelvorlage geschrieben. Hätte ich zu wählen, so zöge ich allerdings das viel ältere Dratorium„ Die Tageszeiten" vor, weil der erste Teil der„ Sündflut" durch die sehr bewußte Durchführung von dunklen und hellen Gesangstontrasten etwas einförmig wirti und erst durch die finnliche Komponente der Tanzfzene inneres Leben empfängt. Das ganze Werf zeigt aber die außerordentliche Be fähigung Kochs, dramatisch bemegte Chöre zu schreiben und ein Orchester in selbständiger Faktur dazu sprechen zu laffen. Gerade im ersten Teil fallen die stimmungsgerechten Orchestermalereien ange nehm auf. Die solistischen Partien sind nicht mit derselben Selb. ständigkeit und Melodiefreude geschrieben. Stilistisch geht das Wert auf die großen Oratorien Händels zurüd, zeigt dagegen in der harmonischen Fassung mehr Hinneigung zu Richard Wagner. Die Aufführung unter Friz Rüdward mar gut, doch dynamisch nicht sehr abschattiert. Frau Helfferich Salujay imponierte durch die Sicherheit, mit der sie die in höchste Lagen hinaufreichende Bartie der Moena sang, Willi Sonnen und Gunnar Graarud hatten die gleiche innere Sicherheit und persönliche Beteiligung noch nicht gefunden. Juan Manén, ber einst berühmte spanische Geiger, gefiel fich darin, in einem Programm von adt Nummern fiebenmal fich selbst zu spielen, originaliter oder in Bearbeitungen. Die einzige Nummer, die einen anderen Komponisten zeigte, mar bie Chaconne von Bach. Aber biefe tlang in der Darstellung von Manén niat wie die uns bekannte, sondern wie eine Etude a la Bach. Selten wohl ist das Werk so von der Oberfläche her heruntergefpielt worden als von Manén. Seine technische Bravour in Chren, aber die Auf faffung ist so fleinlich, wie der silbrige Ton flein ist. Statt den Manen großer Toten zu opfern, opferte er diese Toten dem berühm ten Geiger Manén. Ein Klavierabend von Jan Smeterlin ließ aufhorchen; in den Bréludes von Chopin zeigte er eine ebenso fräftige Bianiftenhand, wie er der Geschmeidigkeit und dem Duft Chopinscher Melodie gerecht wurde. Er wirft im Spiel durchaus persönlich, ohne die Schranken diefes Ausdrucksvermögens irgendwie zu überschreiten. Baquita Hagemeyer dürfte noch am An fang einer Birtuosenlaufbahn stehen. Für Beethovens Opus 109 fehlt ihr wohl noch die Reife der Darstellung, doch ift die Technik so flüffig und die Gesamtdarstellung Jo einheitlich sorgfältig, daß mant von der jungen Spielerin Gutes erwarten darf. Stahlhelmjustiz. Prozeß Stölzel in Braunschweig. Das Gericht nimmt Niederlegung der Vers der Verteidigung die Aften. teidigung. Braunschweig, 11. November.( Eigener Drahtbericht.) Am Mitt woch fand in Braunschweig die Gerichtsverhandlung gegen den der fozialdemokratischen Partei angehörenden Landesschulrat Dr. Stölzel statt. Gen. Stölzel ist seit dem 28. Dezember 1924 Bostens enthoben. Um diese Maßnahme zu rechtfertigen und ihn als von der reaktionären Stahlhelmregierung Braunschweigs seines Beamten unmöglich zu machen, wurde versucht, ihm mit allen Mitteln den Prozeß zu machen. Die Anflage legt Dr. Stölzel zur Last, einige Schulbücher, die bei ihm zur Besprechung eingegangen waren, seinen Kindern zur Verfügung gestellt zu haben; ferner foll er einige Male mit dem Landestheater Braunschweig telephoniert haben, ohne die Gebühren dafür zu bezahlen. Dr. Stölzel fonnte nachweisen, daß er dienstlich wegen der Abhaltung von Schülervorstellungen telephoniert habe. Ebenso verhält es sich bei einem Gespräch mit einem Zahnarzt, das ihm die Anklage anzufreiden sucht. Hier hat Stölzel mit dem Bahnarzt wegen der Einrichtung einer Schulzahnpflege ver. handelt. Aus der stundenlangen Bernehmung Dr. Stölzels durch zwei Richter, die in dem Geruch stehen, besondere Sozialistenfresser zu sein, ging hervor, daß Stölzel monatelang bespielt wurde. Die Berhandlung ergab weiter, daß der Fall Stölzel" fett über acht Monaten von der Staatsanwaltschaft unter. sucht wurde und sie sich allein über vier Monate lediglich mit der Untersuchung dieser Borwürfe gegen Stölzel beschäftigte. Der Ver teidigung standen dagegen zur Borbereitung nur elf Lage zur Berfügung. Der Braunschweiger Rechtsanwalt Philipps hatte deshalb, um überhaupt eine ordnungsmäßige Verteidigung zu ermöglichen, die Gerichtsaften abschreiben und seinen Kollegen in der Verteidigung zustellen lassen. Außerdem stellte er Auszüge aus den Atten dem Angeklagten zur Verfügung. Als der Vorsitzende davon erfuhr, beschlagnahmte er die Abschriften und drohte mit der Einleitung eines Disziplinarnerfahrens gegen Philipps. Darauf legten die drei Unwälte gefchloffen die Verteidigung nieder. Das Gericht bestellte nach stundenlanger Beratung einen Offizial perteidiger und setzte die Fortführung der Verhandlung auf Freitag an. Der Offizialverteidiger foll also in 1% Tagen die Arbeit bewältigen, zu der zwei Etaatsanwälte insgesamt acht Monate 3eit gehabt haben. Die bayerischen Ableugnungsversuche. Erklärung der Frankfurter Zeitung". Frankfurt( Main), 11. November.( Eig. Drahtbericht.) Begenüber dem bagerischen Dementi hält die„ Frankfurter 3ei. tung ihre Angaben vollständig aufrecht. Sie verweist darauf, daß die meisten Puntte des Dementis fich gegen Angaben wenden, die sie gar nicht gemacht habe. Sie habe weder behauptet, daß möhl bei Dr. Held, noch Freiherr von Soden bei dem Kommandeur der Reichswehr, Areß von ressenstein, noch bei dem Kommandeur der Landespolizei, Oberst Seißer, gewesen sei. Tatsächlich habe Graf Soden den Ministerpräfi. benten besucht und General möhl hat beibe anderen Herren besucht Tatsächlich fei deft drei amtlichen Stellen mitgetellt worden, daß die wittelsbachischen Attivisten mit ihrem Thronprätendenten die Zeit für gefommen glaubten, zu handeln, und tatsächlich wurden die besuchten Herren gefragt, wie sie sich zu einem solche Handeln stellen würden. Bon einem geplanten utfch" habe die Frankfurter Zei tung" niemals geschrieben. Der 3med jener Besuche set ja eben gemelen, anzufragen, ob der Staatsstreich auf dem Wege stillschweigender Duldung durch die maßgebenden Behörden oder mit der ausdrüdlichen Kooperation friedlich und ohne gemalt. famen Butsch gemacht werden fönnte. Die Heringslawine. Die englische Heringsfischerei hat in diefer Saison ein Refordjahr zu verzeichnen, und in den beiden Hauptorten des britischen Heringsfangs, in Varmouth und Lowestoft, brachten die letzten dret Tage des Ottobers geradezu eine Heringslamine", die fich über Man sieht an diese beiden Häfen der britischen Ostküste ergoß. schreibt ein Fischereisachver diesen Tagen fieberhafter Tätigkeit," ständiger in einem Londoner Blatt, Heringe zu Haufen aufgetürmt, in Tonnen und Kissen; Heringe werden in große Behälter geschaufelt; man riecht die Heringe schon in weiter Ferne, wenn man mit der Eisenbahn ankommt, man geht über Heringe und stolpert über Heringe; in großen Massen werden fie nach dem Hafen ge bracht und auf die Schiffe verladen. Ueberall gibt es jeringe, nur nicht zum Essen, denn die Restaurants scheinen zu glauben, daß einem bei dem Anblick der Appetit vergangen ist. Ende Oftober meldete der offizielle Bericht die Berfrachtung von 100 000 Ion= nen Heringen, und es war ein titanischer Kampf, den die Menschen drei Tage und drei Nächte hindurch mit dieser HeringsLamine ausfochten. Seit den reichen Ernten von 1913 ist nichts Aehnliches mehr erlebt worden. Während der Fangzeit sind 1300 Dampf- und Motorschiffe mit 12 000 Männern an Bord tätig, um von den 25 bis 60 Kilometer entfernten Fischgründen die Beute einzuholen. Jede Nacht sind Nege in einer Länge von 3000 Kilometern über das Meer ausgespannt, damit fich die filberne Flut in ihnen fange. An der Küste erwarten 6000 Burschen die Ankunft der Fische, um sie in Tommen und Kisten zu verpacken. Da herricht überall die regste Tätigkeit, und Darmouth und Lowestoft erstrahlen im Glanz von Tausenden von Lichtern, die ihren Schein über das bunte Treiben werfen. In tiefer Zeit fennt der Fischer keine Ruhe, sondern arbeitet unermüdlich Tag und Nacht. Das Auswerfen der Neke fann zu jeder Tages- und Nachtzeit be. ginnen, je nachdem die Fische erscheinen. Eine geübte Mannschaft hebt 80 Mege mit 20 000 Tonnen Heringen in 5 bis 6 Stunden. Mehrere Stunden müssen dann mit dem Reinigen der Nege per. bracht werden, da sich viele Heringe zu feft in den Maschen ver fangen haben. Das geschieht, während das Schiff dem Hafen u dampft, und in fünf meiteren Stunden ist die Beute gelandet. Die meiften frischen und eingefalzenen Heringe werden von Lowestoft nach Hamburg verfrachtet. Da stehen lange Reihen von Lasttrafimagen hintereinander, die immer neue riefiae Riften hie ganze Macht durch zu den Dompfern hinunterbringen. 117 000 Stiften mur den in dieser Saison nerladen und in zwei Tagen verließen 6 voil. beladene Schiffe den Hafen zur Fahrt nach der Elbe." Borfräge. In der Polotecnischen Gesellschaft foricht Donnerstag, 8 Ubr. Direktor Karl Lange über Die internationale Eisenfrage" im Meifteriaal Köthener Straße 38 Galle willfommen. der Meisterschule Huban- Stuber, veranstaltet beute, Minifchronit. Edmund Pártos, ein junger unnarischer Beneffe aus abends 7, 11hr, im Meifteriaal ein Biolinkonzert. Billetts bei Bote& Bod, Leipziger. Str., Barenhaus Bertheim. Die Schweizer Kunstausstellung wird 1. 8t. im Stronbringen. balais, bas beswegen größtenteils gefchloffen fit, vorbereitet. Sie wird bas mittlere Stodiert und das Obergeschoß einnehmen. Im Untergeschos wird man die bauptwerte aus dem eigenen Befige der Nationalgalerie, bie fonft in diesem Hause zu fehen find, bereinigt finden. Schachts Amerikareise. Deutschland hat wieder eine Arbeitsgrundlage. New Bort, 11 November.( BIB.) Reichsbantpräsident Schacht gab hier eine Erklärung über den Zweck seiner Reise nach Amerika ab. Er sagte, in den Zusammenfünften, die er mit amerikanischen Banfiers gehabt habe, fet die Lage des Weltkredits be sprochen worden. Er habe Informationen über die Berhältnisse in Deutschland gegeben und sei von den amerikanischen Bantiers über tie Berhältnisse in Amerika unterrichtet worden. Die Gerüchte, baß er mit amerikanischen und englischen Bankiers Beratungen gepflogen habe, um einen die Welt umfassenden Batt zur Zentralt. fation und Kontrolle des Beltgeldmarties in New York zustande zu bringen, feien reiner Unsinn. Ueber eine Revision des Dames Blanes habe er sich in feiner Beise ge. außert. Er wünsche, seiner Anerkennung für das in Ber. bindung mit der beutschen Reichsbank verwaltung von amerikanischen Bertretern mit Barter Gilbert an der Spige geleistete Wert Aus. brud zu geben. Ihre Tätigkeit sei taftvoll und flug gewesen. Was die allgemeine Lage Deutschlands betreffe, so habe man in Deutschland mit vielen schwierigen Problemen zu rechnen, und es sei noch viel schwere Arbeit zu tun, bevor Deutschland feine frühere Wohlfahrt wiedererlangen werde. Die Deutschen hätten jest, nachdem ihre flüffigen Guthaben dahinge schwunden seien, wieder eine Arbeitsgrundlage, die vor allem in dem arbeitenden Rapital liege. Der Geldumlauf sei glücklicherweise auf gesunder Basis wiederhergestellt und eine Rüd. fehr der Inflation werde in Deutschland nicht mehr befürchtet. Die Reichsbant habe eine starte Stellung und diese liefere eine Grundlage für eine fluge Verwendung des Kredits. Bir erkennen an, jagte Schacht weiter, daß bei der Gewährung von Kredit vor. fichtig verfahren werden muß. und wir erkennen unsere Berantwor tung in dieser Hinsicht an. Aus diesem Grunde find die Deutsche Regierung und die Deutsche Reichsbant gegen eine zu weit gehende Borgwirtschaft von Staaten und Gemeinden. Anleihen von Staaten und Gemeinden follten nur für produttive und wichtigste 3wede aufgenommen werden. Für Anleihen der Industrie und Landwirtschaft ist feine Rontrolle nötig. Sie merden begünstigt, weil sie unmittelbar dazu beitragen, die Produt. tivität zu vermehren. Außer dem Mangel an flüffigen Mitteln steht Deutschland auch noch vor anderen Problemen. Zu ihnen gehört die Schwierigkeit, Dartte für die deutichen Brobutte zu finden. Wir laffen aber trotz diefer Probleme den Mut nicht finfen: Die deutsche In dustrie ist in guter Verfaffung und die Erfindungen der Wissenschaft ftcigern ihre Wirksamkeit. In Industrie und Handel macht fich deutscher Unternehmungsgeist immer noch wie vor dem Kriege geltend. Wenn wir auch Gelb verloren haben, so haben wir doch unseren Mut nicht verloren. Unsere Banten werden nach den alten gefunden Finanzgrundlägen geleitet und wir glauben, daß vielleicht die größte Sicherheit für diejenigen, die mit Deutschland Geschäfte machen, darin liegt, daß bei der Einlösung unferer tommerziellen Verpflichtungen das Bewußtsein voller Berantwortlichtelt fortbesteht. Bum Schluß erklärte Reichsbantpräsident Schacht, er habe mit feiner Reise nach Amerita teine geheimen 2bsichten ver. folgt. Er habe vielmehr seine Ansichten über die internationale Finanzlage mit amerikanischen Sachverständigen austauschen und gleichzeitig die Gelegenheit wahrnehmen wollen, den Gouverneur der Federal Reserve Bant in Nem Vort, mit der die Reichsbank in wichtigen Geschäftsbeziehungen stehe, ferner die Mitglieder des Federal Reserve Board sowie Schassefretar Melon und ben Staats fefretär Rellogg zu begrüßen. Frankreichs Staatsfinanzkrise. Auf dem Wege zum Kompromik? Paris, 11. November.( Eig. Drahib.) Die politische rise in Frankreich dauert fort. Die Besprechungen und Konferenzen, die zwischen den Gruppen des Kartells unter sich und zwischen deren Boriführern und dem Minifterium in der Nacht zum Mittwoch fortgefeht wurden, haben zwar zu einer Einigung über gewisse Brinzipien geführt. Bon da bi zu einer definitiven Berständigung über ein gemeinsames Programm scheint aber noch ein sehr weiter Beg, und deshalb dürfte der Optimismus, mit dem einzelne Organe der bürgerlichen Linten die Situation seit Mittmoch morgen beurteilen, mindestens reichlich verfrüht erscheinen. Ueber die Beschlüsse, die die Delegiertenverfammlungen der Linksgruppen in der Nacht zum Mittwoch gefaßt, und über die fontreten Ergebnisse, zu denen die mehrfachen Unterredungen geführt haben, Die in deren Namen der Borsitzende und der Berichterstatter der Finanzlommission in den späten Nachtstunden die letzte fand um 3 Uhr morgens statt mit Bainlevé hatten, liegen zwar zmei furze parteioffigiöse Rommuniqué vor. Sie gestatten aber ebensowenig einen sicheren Rückschluß auf die tatsächliche Lage wie die außerordentlich widerspruchsvollen Infor mationen, die die Blätter darüber veröffentlichen. Als ein greifbares Faltum fann einstweilen nur gebucht merben, daß die Gruppen des Rartells, die in den Beratungen des Dienstagnachmittag und-abend fein Kompromiß zu finden vermochten und mit der ausdrüdlichen Feststellung auseinandergegangen maren, daß feine Möglichkeit zum gemeinsamen Marschieren mehr bestehe, in der Nacht zu der Erkenntnis der für die gesamte Linte verhängnisvollen Folgen eines definitiven Bru. ches des Startells gelangt find, in einer neuen Beratung nicht nur gemiffe Richtlinien für die Haltung ihrer Bertreter in der Finanztommiffion festgelegt, sondern, was angesichts der Borfälle am Dienstag in der Rommission noch weit wichtiger ist, beschlossen haben, diesen& rattionszwang aufzuerlegen. Um Mittmoch nachmittag verlautet, daß man zu einem Rom. promiß zu gelangen hoffe burth den Borschlag, die Bant pon Frankreich zur Ausgabe von einer milliarde neuer Roten als Ersatz für die im Laufe der Jahre zu Berluft gegangenen aften Scheine zu ermächtigen und wenigstens einen Teil der Inhaber der Anfang Dezember einzulösenden 2,6 Milliarden Schabous zum Umtauja in Nationalverteidigungsbons bestimmen zu fönnen. Eine Entscheidung darüber ist noch nicht gefallen, da Bainlevé den ganzen Tag durch die verschiedenen zur Feier des Jahrestages des Waffen stillstandes veranstalteten Feiern in Anspruch genommen war und dic Finanzkommission deshalb ihre für Mittwoch nachmittag an gesezte Sigung auf die späten Abendstunden perlegen mußte. Der deutsch- italienische Vertrag. Ein Fortschritt in der deutschen Handelspolitik. Der deutsch- italienische Handels- und Schiffahrtsvertrag,| fpiel bei ungezwirnter Stunftleide von 100 auf 60, bei zweimal der foeben veröffentlicht wird, stellt einen ganz wesentlichen gezwirnter von 160 auf 120 Mart. Die Bertragszölle find Fortschritt in der Regelung der deutschen Handelsbezie jedoch bei Kunftfeide immer noch wesentlich höher als bie hungen mit dem Ausland dar. Bon vornherein auf fünf autonomen 3ölle der Bortriegszeit. Jahre berechnet, ist er das einzige langfristige Abfom- Dem stehen auf der anderen Seite gegenüber große Er. men, das wir nach dem Kriege mit einem großen Industrie- leichterungen des Abfazes deutscher Baren na ch staat geschlossen haben. Dadurch, daß er gleichzeitig 3oll Italien. Günstigere Bedingungen für den deutschen bindungen und 3ollermäßigungen für beide vertrag. Export sind insbesondere bei einer Reihe von Textilwaren, Schließenden Staaten bringt, ist er in demselben Maße ein für optische Waren, für Maschinen verschiedenster Art, für Mittel zur Niederlegung fremder Bollschranken, bie der deut. Leder, Papier, Uhren und Spielwaren durch eine Zollermäßi fchen Ware den Weg ins Ausland sperren, und ein Einbruch gung Italiens erzielt worden. in die Schutzzolltendenzen beider Länder. die volle Meistbegünstigung auf dem Gebiete des Der deutsch- italienische Vertrag sichert den beiden Staaten Warenverkehrs, der Schiffahrt, der Behandlung von Unternehmungen und der Rechte der Staatsangehörigen zu. Die italienische Meistbegünstigung ist für Deutschland um fo michtiger, als Italien bereits mit einer Reihe von anderen Staaten Handelsverträge mit Zollbindungen und Zollermäßi gungen abgeschlossen hat. Wenn also in dem Bertrag allein 33 Druckfeiten mit 3ollbindungen und Zollermäßigungen Italiens ausgefüllt werden, fo find das längst noch nicht alle Borteile, die der italienische Bertrag der deutschen Industrie bringt. Auch die niedrigeren Zollfäße, die Italien anderen deutsche Industrie, ebenso wie die von Deutschland den Ita Staaten zugestanden hat, gelten uneingeschränkt für die fienern zugesagten Bollermäßigungen automatisch auch ben anderen Staaten zugute fommen, mit denen wir in einem Meistbegünstigungsverhältnis stehen. Wie im spanischen Handelsvertrag, fo fpielte auch im italienischen die Frage der Beinzölle eine große Rolle. Die deutschen Unterhändler haben gegenüber Italien etwas höhere Zölle auf Wein erhalten fönnen, als es gegenüber Infrafttreten des Bertrages, das spätestens am 15. Dezember Spanien möglich war. In der Uebergangszeit aber bis zum erfolgen foll, bleiben die niedrigen Beinzölle des gekündigten spanischen Bertrags bestehen, die man den Spaniern verjagt hat. Es ist dies der Widerspruch in der deutschen Handels politik, den wir wiederholt gefennzeichnet haben. Im übrigen bringt der Bertrag für Deutschland ben 3 wang zur Herab fegung einer großen Bahl von 8ollfägen, unter denen fich auch viele Zölle auf Gebrauchswaren befinden. Die italie nische Meistbegünstigung mußte mit einer Rollermäßigung auf Kunstfelde erfauft werden, die ganz erheblich ift. Zum Bel Deutsche Zollherabfehung im italienischen Vertrag. Wir geben nachstehend eine Uebersicht über die 3ollermäßi gungen, die Deutschland im italienischen Bertrag zugestehen mußte und die auch gegenüber anderen Ländern durch die Meist begünstigungsklausel in Kraft treten: Reis unpoliert Kartoffeln, frühe Tomaten Blumenkohl Alepfel, unverpadt Apfelfinen. Federvieh Stalienischer Stäfe Olivenöl Bein, rot Jeziger Rollfat Neuer Bertragezon ( in Mark per Doppelzentner) 4.2.50 4.1.50 10.5.10.6.15.2.20. 8,25 11. 6.40. 20.20. 10.80.32.bo. weiß 80.45.( Spezialweine entsprechend höher) Teigwaren. 40.25.Robieibe, ungefärbt( 2mal gesw.) 150.Baumwollene Möbelstoffe Männerhüte aus Haarfilz Rorbflechterwaren( aus gefchälten Ruten) 100. 540.350. • • 2.10 1.80 24.12.250.175.• • 250.180.250.200Motorwagen( bis 1. 7 26). Ge wicht 5-9 Doppelzentner) bo. 9-12 Doppelzentner bo. 12-22 Doppelzentner Das ist nur eine fleine Auslese aus den zahlreichen Zoll. bindungen und Bollherabsetzungen, von denen auch Dynamomaschinen und von anderen Warengattungen besonders viele Lugus waren betroffen werden, wie sie in Italien sehr zahlreich hergeſtellt werden. Nachspiel zu Triest und Agram. Erklärungen des serbischen Außenministers. Belgrad, 11. November.( MTB.) In Erwiderung auf eine Reihe von Interpellationen, die von Abgeordneten der Opposition über den fürzlichen Angriff italienischer Manifeftanten in Triest gegen die flowenische Zeitung Edinoft" an ihn gerichtet wurden, stellte der Minister des Neußeren Nintichitsch zunächst fest, daß Ausschreitungen gleicher Art fich in mehreren Städten er eigneten und an demselben Tage gegen bie italienische Zeitung La Sera und mehrere Brivathäufer in Trieff erfolgten. Daraus era gehe hervor, baß die Angreifer es nicht besonders auf die flowenische Minderheit abgesehen hätten. Gleichzeitig hat die sozialistische Gruppe der Kammer, die am Mittwoch nachmittag eine dreistündige Frattionsfigung ab. gehalten hat, eine Reihe für die weitere Entwidlung der Situation bedeutsame Beschlüffe gefaßt. Nach einem von den Abgeordneten Blum und Auriol erstatteten Bericht über die Besprechungen der vergangenen Nacht gelangte ein stimmtg eine Resolution zur An. nahme, die erneut den Beschluß bekräftigt, alle Maßnahmen inflationistischer Natur aufs entschiedenste abzuleh. nen, die darüber hinaus aber den Fraktionsvorstand beauftragt, Painlevé wiffen zu laffen, baß er, menn bas neue Brojeft, das er am Donnerstag vormittag der Finanztommiffion unterbreiten wird, dem Minimalprogramm entsprechen werbe, bas von den Gruppen des Kartells in her Nacht zum Mittwoch festgelegt worden ift, auf die Unterstügung der gesamten sozialistischen Fraftion rechnen tänne. Angesichts dieser neuen Menderung der Situation wird in den parlamentarischen Kreisen die Lage am Mitt woch abend wesentlich günstiger beurteilt. Die russische Völkerbundswendung. Nicht nur Worte, sondern sogar Taten! Condon, 11. November( Eigener Drahtbericht.) Die Sowjetregierung hat die Einladung des Bölferbundes angenommen, an einer am 20. diefes Monats in Paris stattfindenden internationalen Schiffahrtskonferenz tellzunehmen. Die Sowjets werden nationalen Schiffahrtskonferenz fellzunehmen. Die Sowjets werden damit zum ersten Male mit dem Bölkerbunde an einem Tisch fihen Der Waffenstillstandstag. Was dürfen wir nicht vergessen? London, 11. November.( Eigener Drahtbericht.) Der Führer der englischen Arbeiterpartei Genoffe Macdonald richtet an die Labour Barty aus Anlaß der Wiederkehr des Waffenstillstandes folgende Kundgebung: Heute murmelt jeder: Bir dürfen nicht vergessen! Was dürfen wir nicht vergessen? Wie wir den Weg zum Frieden verloren haben, wie leidt unser Bolt gestorben ist und wie wir unser Rapital verschwendet haben, wie die Welt schlimmer baran war als je zunor; wie, als unfere Beute aus dem Schüßengraben zurüdtamen, die Männer des guten Billens ihre Arbeit von neuem aufnehmen mußten, mie, ais trotz aller Fehlschläge aller Mächte und Interessen die Männer, die den Krieg geschaffen haben, sich wieder in die alten Boften und vor allem in die Achtung der Deffentlichkeit einzufchleichen wußten. Wir merben es nicht vergessen. Wenn mir es vergessen follten, vergeffen wir die Lebenden, pergeffen wir die Ungeborenen. Aber wir werden es nicht vergessen. Wir werden uns baran erinnern und in dieser Erinnerung werden wir den Frieden bringen." Feiern in Amerika und England. er. Der Minister führte weiter aus: Ich habe erfahren, daß bei diesem Anlaß 26 faschistische Angreifer in Trieft festgenommen und in haft behalten wurden. Hinsichtlich der Frage des Schaben. erfages und der Maßnahmen, die geeignet finb, tünftig bie Rechte her flowenischen und froatischen Minderheit zu schüßen, gibt es teinen Rechtsgrundsa und feine völkerrechtliche Bestim mung, fraft deren ich offiziell eingreifen tönnte; denn man darf nicht vergessen, daß die Frage italienische Staatsangehörige angeht, wenn diese auch flowenischer Nationalität find. Die Ereigniffe in Triest find gewiß zu bedauern, indessen sind die Zwischenfälle, die sich am Sonntag in Agram ereigneten und ein schlechtes Licht auf unter Staatswesen erfen, ebenfalls tief zu beflagen. Die lärmenden Kundgebungen von Jugendlichen entsprechen mebe. ben Absichten noch den Bedürfnissen unferes Bolles, das, nachdem es wie faum ein anderes im letzten Kriege gelitten hat, jeder her. ausforderung abgeneigt ist und mit allen, besonders aber mit seinen Nachbarn, in Frieden und guten Beziehungen zu leben münscht. Graz, 11. November.( BTB.) Die Tagespoft" meldet aus Belgrad: Der Großgefpan von Agram, Dr. Treszec Bransti, ist wegen der legten Demonstrationen in Agram pen. toniert worden. Der jugoflamische Gesandte in Rom hat der italienischen Regierung offiziell das Bebauern über die Borgänge in Agram ausgesprochen. Grenzkämpfe im Osten. Rußland Rumänien. Mosfau, 11. november.( OD.) Borgestern ereignete sich am Dnjestr ein Sufammenstoß zwifchen russischen und rumänischen Truppen, wobei vier Rotgardisten verwundet wurden. Die rumänische Grenzwache hatte den Dnjestr überschritten und die uffische Grenzmache überfallen. Ruffische Berstärkungen ver trieben die rumänischen Soldaten, bie pier Iote und zwei Bermundete zurückließen. Polen Litauen. Warschau, 11. November.( DD.) An der polnisch- litauischen Grenze ereignete fich vorgeftern ein ernster 3wischenfall. Cine ülauische Bande überschriu die polnische Grenze und überfiel das Städtchen Seltuni. Das Magistrats und andere Amtsgebäude find pollständig de moliert(!), der Barbestand der städtischen Kasse Hilfstruppen waren erst spät abends eingetroffen, fo baß die Litauer im über die Grenze zurückziehen konnten. Eine Untersuchungs. tommission ist von Warschau dorthin abgereift. New York, 11. Robember( TU.). Die Baffenstilstandsfeiert geraubt worben. Die Beamten wurden mißhandelt. Bolnische ist heute überall in den Vereinigten Staaten burch ein 8 wei minuten ihweigen gefeiert worden. Am Grabe des un befannten Soldaten in Arlington fand eine Feier statt, an der die Regierung teilnahm. Präsident Collibge legte am Grabbenfmal einen Strang nieber. Condon, 11. November.( TU.) Der fiebente Jahrestag bes Waffenftiasiandes ist in ganz England feierlich begangen worden. Um elf Uhr fezte überall ein zwei Minuten währendes Schweigen ein. In allen Städten fanden an den Kriegerdenkmälern Gottese Die Sozialisten gegen alle Inflationsmaßnahmen. dienste und Krangniederlegungen statt. In London Paris, 11. November.( Eigener Drahtbericht.) In einer neuen beriammelten fich am Grabdenfmal in Whitehall der König, die Unterredung, die Bainlevé am Mittwoch nachmittag mit den Ber. Mitglieder des föniglichen Hauses, die Kabinettsminister, Vertreter tretern der Linksgruppen, darunter vor allem mit dem sozialistischen der Dominions, der Kolonien, der Geiftlichkeit, Armee und Flotte. Abgeordneten Bedouce hatte, hat Painlevé fich nunmehr endgültig Der König legte einen Stranz am Grabbentmal nieber. Nach dem verpflichtet, die Finanzvorlage ben von der Linten gestellten verpflichtet, die Finanzvorlage den von der Linten gestellten Schweigen hielt der Bischof von London eine furge Ansprache. Forderungen entsprechend um zugestalten und der Finanztommiffion im Laufe des Donnerstagvormittag elnen modifi Der deutsch- finnliche Schiedsvertrag. Der finnische teichstag zierten Text zu unterbreiten. Diese hat daraufhin die für Mittwoch nahm beute einstimmig den in Berlin am 14. Mära d. J. ab abend in Aussicht genommene Sigung auf Donnerstag vorgefchloffenen deutsch finnischen Schiedsgerichts- und Bergleichsmittag 11 Uhr vertagt. bertrag sowie das dazu gehörige Schlußprotololl an. Der Helteffeurat des Preußischen Landfages beriet am Mittwoch über den weiteren Beratungeplan. Die Besprechungen der Barmat Sache und der Angelegenheit der Kreditgewährungen bei der Breußischen Staatsbant follen nicht, wie ursprünglich beabsichtigt, gemeinsam stattfinden. Man will die Besprechungen trennen und hat die Geiamtredezeit für jede Fraktion auf 1 Stunden hinaufgefeßt. Bon großen Etats find noch zu er lebigen der Etat bes Finanzministeriums und der allgemeinen Finanzverwaltung. Am Donnerstag soll die dritte Beratung der Pfarrerbeioldungsgefege erfolgen. Außerdem foll das Berionalabbaugeies und die Novelle zum Breffegesen beraten werden. Die Weihnachtspause foll sich, wie ursprünglich schon beschlossen, vom 19. Dezember bis zum 11. Januar erstrecken. Primo de Rivera trat als Oberkommandierender der Marolle armee zurüd. In dem Armeebefehl erflärt er u. a.: An dem Tage, an dem der König eine normale givilregierung ernennen wird, welche auf den von dem Direktorium befolgten Grundfäßen aufgebaut ist, wird diese für die Ruhe des Landes forgen. Gewerkschaftsbewegung Schiedsspruch für Hochbahn und Aboag". Drei und fünf Pfennige Cohnerhöhung. Nach langem Verhandeln vor dem Schlichtungsausschuß wurde geftern gegen die Stimmen der Unternehmer- und Arbeiterbeifißer vom Gewerberat Körner ein Schiedspruch gefällt, der für jämtliche Angestellfen der Hochbahn eine 3ulage von drei Pfennig für die Stunde vorsieht. Im Anschluß hieran wurde auch für die Omnibusgesellschaft ein gleicher Schiedsspruch gefällt, der ebenso eine Zulage von drei Pfennig feftfeht, mit Ausnahme der Chauffeure und Handwerker der Gruppe 2, die eine Zulage von fünf Pfennig ethalten follen. Das Lohnabfommen gilt vom 1. November bis sum 31. Januar 1926. Erklärungsfrist für beide Schiedsfprüche bis 19 November. Die Entscheidung der Arbeiterschaft dürfte aller Wahricheinlichkeit nach erst dann fallen, wenn auch das Ergebnis der Verhandlungen mit der Straßenbahn vorliegt, die am Freilag zum Abschluß gelangen sollen. Oudegeeft gegen Purcell. geheime Abstimmung ergab die erforderliche Mehrheit für ben Streit. Die Ausführung dieses Beschlusses ist einer gemählten Kommission übertragen. Die Notstandsarbeiten sollen für den Fall eines Streiks von der Belegschaft selbst gemacht werden. Als Notstandsarbeit ist auch angesehen die Abfuhr der ankommenden Milch bis in den Betrieb Bolle. Jedoch nur bis die Meierei Bolle die Möglichkeit hat, ihre Milch abbestellen zu fönnen; hierzu dürften zwei Tage genügen. Die Löhne der Arbeiter. Wo die Kommunisten herrschen. Mostau, 10. November.( ADD.) Den russischen Meldungen über hohe Lohnfähe der Arbeiter in der Sowjetunion widerspricht eine neue Statistik des„ Irud". Danach erhält ein Industriearbeiter durchschnittlich 24 3arenrubel monatlich, das sind etwa 50 Rentenmarf. Ueber die Zahl der Arbeitslosen unter der russischen Arbeiterschaft sind verläßliche Angaben nicht zu erhalten. Während zum Beispiel die„ Jsweftija" noch in der vorigen Woche von 1½ Millionen Arbeitslosen sprach, glaubt die Prawda" in ihrer Ausgabe vom 5. November nur eine Zahl von einer Million ver raten zu sollen. Aber in den Städten, fügt sie hinzu, vergrößern sich die Jahresausgaben für jeden Arbeitslosen um das 3 wei. fache. Bei dieser Gelegenheit gibt sie folgende Darstellung des Anwachsens der Arbeitslosigfeit in Rußland: 1922 266 700 Arbeitslose, 1923 865 000, 1924 1 439 000. Jm April 1925 soll sich die Zahl auf 1 100 000 verringert haben. Ueber den gegen Abrechnung mit den Querfreibereien. Amsterdam, 10. November.( Eigener Drahtbericht.) In einer wärtigen Stand wird nur in ganz groben Umriffen gesprochen. Ein ähnliches Bild bieten die Angaben über die Zahl der Lohnemp. Bersanimlung der Ortsgruppe Amsterdam des niederländischenfänger. Während ein Teil der Bresse von 2½ Millionen spricht, nennen andere Blätter die Zahl von 3 Millionen oder auch 5,5 Millionen, wobei die Angestellten der Sowjet behörden mit eingerechnet werden. Dementsprechend ist die Zahl der Arbeitslosen als erschreckend groß zu bewerten. Die Auseinander. fegungen der Presse über Lohn- und Arbeitslosenfragen verraten aber trog raffinierter Aufrechnungen alles andere, als ein ruhiges irgendwie beffern tönne. An entscheidenden Stellen Schwenkt man Gewissen oder auch nur die Zuversicht, daß sich die Lohnfrage unauffällig für den weniger aufmerksamen Leser zu der Frage der Bekämpfung der Arbeitslosigkeit über, und verspricht in großen Tönen, sobald fich die allgemeinen wirtschaftlichen Verhältnisse befferien, mürde auch eine durchgreifende Siedlungspolitik begonnen und würde die Zahl der qualifizierten Arbeiter durch besondere Borbereitungsturse erheblich vergrößert werden. Metallarbeiterverbandes richtete der Sekretär des Internationalen Gewerkschaftsbundes, Genoffe Oudegeeft, heftige Angriffe gegen den von den englischen Gewerkschaften seinerzeit zum Borfizenden des Internationalen Gewerkschaftsbundes bestimmten englischen Ge mertschaftsführer Purcell. Anlaß dazu gab die Rede Purcells auf dem Kongreß der amerikanischen Gewerkschaften, in der er ohne Rüdsicht auf sein Amt im Internationalen Gewerkschaftsbund für ein Zusammengehen mit der Moskauer Inter nationale eintrat. Mit dieser Haltung habe Purcell die Be ziehungen zum Internationalen Gewertschafts. bund abgebrochen. Dubegeeft tam in feiner Rede außerdem auf die Gewerkschaftsentwicklung im allgemeinen zu sprechen. Im Jahre 1904 jeien etwa 2,5 Millionen, im Jahre 1913 bereits 7,7 millionen Arbeiter gewertschaftlich organisiert gewesen. Diese Zahl ging zwar durch den Arieg auf 6,8 Millionen zurüd, stieg. aber schon 1918 unter dem Einfluß der russischen Revolution auf 10,4 Millionen und 1919 in folge der deutschen Revolution auf 23 Millionen. Im Krisenjahr 1923 war die Mitgliederzahl allerdings wieder auf 16,3 Millionen zurüdgegangen, zumal die Mehrzahl der neuen Gewerkschaftsmitglieder heimgekehrte Frontsoldaten gewesen sind, die für die Gemertschaften teine Opfer bringen, sondern durch sie nur Borteile genießen wollten. Schließlich erinnerte Dudegeeft daran, daß die Amsterdamer Internationale im Jahre 1920 die Russen zum Anschluß an den Internationalen Gewerkschaftsbund eingelaben habe. Statt dem JGB. beizutreten, sei in Mostau die Rote Gemert schaftsinternationale aur Betämpfung der Amsterdamer ins Leben gerufen worden. In Westeuropa vertrete die Rote Internationale die Einheitsfront, während in Rußland am 1. Januar 1925 noch 89 000 Sozialrevolutionäre und Sozialdemokraten im Gefängnis schmachteten. Die Gewerkschaftsbewegung in Sowjetrußland laufe auf eine erablegung der Böhne und eine Berlängerung der Arbeitszeit hinaus. Am Schluß teilte Gen. Dudegeeft mit, daß am 1. Dezember eine Besprechung des Amsterdamer Setretariats mit den englischen Gemertschaften über den Anschluß zwischen Amsterdam und Mosfau stattfindet und am 4. und 5. Dezember der Große Ausschuß der Amsterdamer Internationale zu einer Tagung zufammentreten werde. Streikbeschluß bei Bolle. Ganz abgesehen von den Abzügen vom Arbeitslohn für tommunistische Organisationszwecke, die bis zu 25 Proz. des Lohnes erreichen, sind die Lohnempfänger gezwungen, für ihre Lebens. haltunn heute beheutend mehr aufzuwenden als vor dem Kriege. Die Arbeitslöhne haben sich in ihrem realen Wert besonders seit dem Herbst 1924 gegenüber der Vorfriegszeit erheblich vermindert. Auf keinen Fall fann von den Arbeitern sämtlicher Industriezweige gejagt werden, daß ihre Löhne den Bor friegsstand erreicht oder gar überschritten hätten. Die Löhne beDie Löhne be wegen sich zwischen 50 und 143 Broz. der Borkriegszeit und betragen im Durchschnitt nach amtlichen Angaben fnapp 78 Broz. Eine Antwort von Emonts. Genosse Emonts, Geschäftsführer des Allgemeinen Verbandes der Banfangestellten, fchreibt uns: Ausgerechnet der Roten Fahne" paßt es nicht, daß der A11. gemeine Berband der Deutschen Bantangestelltem es abgelehnt hat, sich durch ein Mitglied der Arbeiterdelegation" nach Rußland objektiv" informieren zu lassen. An und für sich habe ich nicht das geringste damit zu tun. Weil man aber schon so freundlich ist, mich persönlich zu epostrophieren, will ich, höflich wie immer, eine furze Antwort nicht schuldig bleiben. Ich hatte leider noch nicht das Bergnügen, mich on Dri und Stelle über ruffische Zustände und Verhältnisse zu informieren. Ich bin aber in der immerhin nicht alltäglichen Lage, mich mit einigen in öfonomischen Kolonien des neuen Rußland Berlin vom gewertschaftlichen Standpuntte beschäftigen zu müssen. Die Gelinnungsichnüffelei, die hier von ben Kommunisten betrieben wird, der Terrorismus gegen anders. denfende Angestellte und die manchmal mehr als seltsam anmutenden Auffassungen tommunistischer Personalchefs, der deut schen sowohl wie der aus Rußland importierten, laffen mich zur Genüge erkennen, daß die Russen hier, also erst recht anderwärts ihren Tee mit Wasser fochen. nämlich in Rußland selbst " Die Durchführung einer Kommiffion übertragen. In der gut besuchten Bollversammlung der Belegschaft der Meierei Bolle am Mittwoch abend im Mocbiter Gesellschaftshaus schilderte Nellinger vom Deutschen Verkehrsbund noch einmal eingehend die Lage bei der Firma. Die Firma behauptet, daß sie Die Firma behauptet, daß sie megen ihrer geringen Berdienstspanne zu feiner Lohnerhöhung imftande sei. Demgegenüber muß betont werden, daß die Meierei im Laufe des legten Jahres imftande war, zehn neue Ber Paufstellen in Berlin einzurichten. Dabei ist zu beachten, daß dazu bedeutende Geldmittel nötig sind, um die Ausmietung, den und dergleichen. auszuführen. Nach zuverlässigen Infor. find für den Erwerb und den Ausbau eines einzigen Gefaunes ungefähr 30 000 Mart nötig gewesen. Wenn die Firma behauptet, teine Kredite zu bekommen, muß der Ausbau des Be aus den Betriebsüberschüssen erfolgen. Die um ihnen einen ausfömmlichen Lohn zu zahlen. Sie haben sich oft registriere derartige Tatsachen vorläufig nur. genug mit einer niedrigen Lohnzulage zufrieden gegeben. Die Ich habe nicht die Absicht, in diesem Zusammenhange deutliche: zu werden. Feststellen möchte ich nur, daß die Gastfreundschaft, die Rußland den Arbeiterbelegationen" meinetwegen dankenswerter. weise gewährt, seltsam fontraftiert mit der hermetischen Abgeschloffenheit in der sich diese Wirtschaftsunternehmun gen Rußlands gegenüber dem Allgemeinen Berband der Deutschen Banfangestellten gefallen. Qiush mati triebes Arbeiter find der Meinung, daß auch für sie Geld übrig ſein muß. Arbeiter der Meierei Bolle wollen nicht den Kampf um des Kampjes willen, sondern um sich und ihre Familien nicht perelenden zu lassen. In der regen Diskussion sprachen fich alle Rebner für ben Streit aus. Die im Anschluß an die Distusfion vorgenommene Farben Für die gesamte Betriebsbelegschaft maßgebende Entschlüsse und Beschlüsse werden in Fraktionszirkeln, die hinter verschloffenen Türen tagen, gefaßt. Bon Betriebsveriamm. lungen erfährt der Gewerkschaftsfunktionär nur durch inDirette Benachrichtigung, beileibe nicht durch die Kommunisten. Arbeitskräfte werden nur in feltensten Ausnahmefällen durch den Arbeitsnachweis der Gewerkschaft bezogen. I Was ich anschließend daran kritisiere, ist die Kommunistensucht, Arbeitern durch Brozessionen nach Metta lies Mostau: pflanzen. Mit historischem Materialismus, der ja, menn man der Rotex Fahne" Glauben schenken darf, Monopolbesiz der Kommu eine neue Art religiösen Bunberglaubens den deutschen Reell und 55. Herrenulster Plausch- und Grätenstoffen in verschiedenen 45.Herrenulster aus marengo Cheviot, Diagonal- und Fantasie60.Ersatz für Maß, aus hervorragenden Velour- und Rafiné- 80.stoff. mit Ueberkaro, je nach Qualität 75-, 65stoffen, je nach Qualität. Ulster Winterpaletots je nach Qualität. 100.-, 80, 70, 60.55.Rock- Paletots arengo u. schwarz Cheviot auf gut. Satinella, 75.vorzügl. Paßform, je nach Qualiit, 100.-, 90.110.-, 100.-, 80.-, mit Samtkragen, ein- und zweireihige Form Jünglingsulster moderne Formen und Farben.... von Gestreifte Herrenhosen elegante Dessias.... von Hausjoppen für Herren vornehme Dessins Schlafröcke aus molligen Stoffen Herrenwinterjoppen Sportjoppen warm gefüttert. aus sehwerem Winterloden 27.an an 6.5 ... von 19. von 33. von 18. 20. 38 32. 20 Manchester- Sportanzüge in verschied. 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Rachdem die Arbeitgeber bekanntlich biefen Schiedsigruch abgelehnt haben, wurde daraufhin vom Bergarbeiterverband beim Reichsarbeitsministerium die Verbindliteitserflärung für diefen Schiedsspruch beantragt. Das Reiche arbeiteminifterium hat nunmehr die Berbindlichkeitserklärung des Schiedsspruchs abgelehnt Der Konflikt in der chemischen Industrie Bayerns. München, 11. November( WTB.). In dem feit etwa vier Bochen andauernden Lobnkonflikt in der bayerischen demischen Industrie ist bis jetzt eine Einigung noch nicht erzielt worden. In der Zwischenzeit hat sich die Stillegung der gefam. ten hemifden Industrie in ganz Bayern vollzogen, da auch in den Werken Ausfperrungen erfolgt find, die anfänglic noch gearbeitet haben. Wie der Arbeitgeberberband mitteilt, scheint der Konflitt aber seinem Ende entgegenzugehen. Da keinerlei Aussicht für eine gütliche Einigung mehr besteht, wird nun der Landesschlichter nochmals eine Einigung berinden, und, falls abermals feine Beilegung des Konfliftes erreicht wird, wird der Landesschlichter einen Schiedsspruch fällen, dem sich die beiden Barteien zu unterwerfen hätten. Die Kollektivverträge in Schweden. ( IGB.) Nach den Angaben des sozialistischen Amtes in Schwe ben wurden im Jahre 1924 insgesamt 775 Kollettivverträge ab gefchloffen, die entweder direkt oder durch die betreffenden Organisa fionen von 4502 Arbeitgebern mit 120 477 Arbeitern anerkannt wurden. Ende 1924 ftanden in Schweden 2214 Tarifverträge in Kraft gegen 1917 Ende 1923. Die Zahl der von den Verträgen erfaßten Arbeiter erhöhte sich im gleichen Zeitraume von 391 197 auf 413 181. Die Tendenz zur Berlängerung der Gültigteitsdauer der Berträge ist im Jahr 1924 stärker hervorgetreten. In nicht meniger als 35,6 Proz. der neuabgeschlossenen Berträge für 43 000 Arbeiter( 36 Broz.) ist die Laufzeit der Verträge auf langer als ein Jahr festgesetzt worden. 3 weijährige Berträge murden für die Bauindustrie, die Steininduftrie, die Gummiindustrie, die Zuderindustrie und die Kunstdüngerindustrie abgeschlossen. Mit wenigen Ausnahmen haben die im vergangenen Jahre abgeschlossenen Berträge Lohnerhöhungen gezeitigt, die in einigen Fällen sogar sehr bedeutend waren. So wurden z. B. in der Bauindustrie die Löhne um 15 bis 20 Proz. erhöht, in der Mühlenindustrie um 10 bis 17 Proz. Bon den im Vorjahre abgeschloffenen Berträgen enthalten 488 Berträge für 64 644 Arbeiter ober 54 Broz. der Gesamtarbeiterschaft Bestimmungen über die Gewährung eines jährlichen Urlaubs. Die übrigen 287 Berträge, in die eine derartige Bestimmung nicht aufgenommen wurde, umfaffen hauptsächlich die Arbeiter der Saisonberufe, wie Bau industrie, Steinindustrie sowie die Baldarbeiter und Flößer. Für bie Mehrzahl der Arbeiter beträgt die Urlaubsdauer eine Woche oder weniger( 4 Tage). Für annähernd 18 000 Arbeiter beträgt die Ur. laubsdauer mehr als eine Woche. Achtung, Frik Werner, Marlenfelde! Freitag nachmittag 4% Uhr im Restaurant Bildgrube, Berfammlung aller SPD.- Genaiten. Gehr wichtige Tagesordnung. Jeder muß erscheinen, Der Fraktionsvorstand. Achtung, SPD. Belleibungsarbeiter! Freitag abend 7 Uhr in ben Refibens eitfälen, Bandsberger Cir. 31, Bersammlung aller GPD.. Genoffen und Genaffinnen, Tagesordnung: Referat des Genossen Dr. Bienstod über Ruffifche Snnen- und Außenpolitit". Fraktions angelegenheiten. Rahlreiches Erscheinen erwartet Der Fraktionsvorstand. Metaltransportarbeiter! Sonnten vormities 9% Uhr in der Neuen Phil harmonie, Aöpenider Str. 96-07, wichtige Transportarbeiter- Mitgliederverfammlung für alle Groß- Berliner Metallbetriebe. Tagesordnung: Stellung nahme zu dem Lohnfchiedsfpruch und der Ablehnung durch die Arbeitgeber. Mitgliedsbuch Tegitimiert. Deutscher Berkehrsbund, Gettion V. Fabritarbeiter! torgen, Freitas, abend 6% Uhr im Gaal 4 des Gewerb fchaftshaufes, Funktionärfonferenz. Boctrag des Genoffen Sörpel über ,, Das Arbeitsgerichtsgefeu". Mitglieds und Funktionärausweis legitimiert. Berantwortlich für Bolitit: Een Reuter: Wirtschaft: Actur Caternus; Gewerkschaftsbewegung: Friebe. Eglorn; Feuilleton: A. S. Döscher; Lofales und Gonftiges: Fris Rarftabt; Anzeigen: th. Glede; fämtlich in Berlin. Berlag: Borwärts- Berlia G. m. b. S., Berlin. Drud: Bormärts- Buchdruckerei und Berlagsanftalt Baul Singez u Co. Berlin E AS Sindenstraße 3. Sierzu 2 Beilagen und Unterhaltung und Wissen". zu unseren Ab 1. Oktober 1925 verkaufen wir Engrospreisen Herren- und Damenstoffe auch an Privatkundschaft Tuchhaus Ehrig& Tiedie Akt.- Ges., Leipziger Straße 104, I. Stock( kein Laden) Geschäftszeit 9-7 Uhr. Auf Wunsch Zahlungserleichterung. billig! an 45. an Herren- Lederjacken Sportform, warm gefüttert.. von 75. 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Beilage des Vorwärts Zech Lin- lant 臺灣 DER SOHN DER* NONNE J rufe ben Arbeitern zu, daß fie die geschichtliche EntwidYung beschleunigen, wenn fie fich felbft bilden und veredeln und ben Mächten des Gedankens unter Sittlichkeit fich hingeben. ( Ferdinand Laffalle.) Am 1. Oktober d. J. blickte der Bücherfreis" auf das erste Jahr feines Bestehens zurück. Ein Jahr vollen Erfolges! Unter den praktischen Ergebnissen, die der Wille zu gesteigerter Kulturarbeit innerhalb der deutschen Arbeiterschaft in den letzten Jahren gezeitigt hat, steht der Bücherfreis" mit an erster Stelle. Die überaus günstige Entwidlung, die die Organisation in der verhältnismäßig furzen Zeit ihres Bestehens genommen hat, bemeist, daß die ihr zugrunde gelegten Gedanken den literarischen, fünstlerischen und buchwirtschaftlichen Wünschen breiter Massen Genüge getan haben. Das Programm des„ Bücherkreises" macht sich zur Aufgabe, Werke der schönen Literatur und popular. wissenschaftliche Werke, die innerhalb der Ideenwelt des werftätigen Boltes fich bewegen, in technisch erstklassigen Ausgaben zu billigfiem Preis herauszubringen. Mit der Pflege neuer Geistigkeit soll sich die Freude am Bejih des schönen Buches verbinden. Erstklassige moderne Graphifer stehen dem Bücherfreis" zur Verfügung. Die literarische Leitung liegt in Händen des Literarischen Beirats, dem Martin Andersen Nero, Hans Baluschet, Karl Hendell, Arno Holz, Baul Kampffmeyer und Friedrich Wendel angehören Namen, die der Masse vertraut sind und die für die Durchführung der großen fulturellen Jbee der Organisation bürgen. Mit jedem bisher aus gegebenen Buch hat sich die Mitgliederziffer des„ Bücherkreises" gehoben. Andersen Neros Roman Sühne" fand wegen feines enften ethischen Inhalts, von dem großen Dichter in fesselnder Handlung meisterhaft geformt, Beachtung weit über die Grenzen des " Bücherkreises" hinaus." Das Land der Sehnsucht", ein Reisebuch von Raoul Francé, das die Wunder füdlicher Länder und Meere in farbenprächtigen Schilderungen vorführt, hat nicht nur die Erwachsenen, sondern besonders auch die Jugend gefangen genommen. Marim Gorfis großer Roman Der Sohn der Nonne", der aus der Welt des russischen Kleinbürgertums Stoffe von dramatischer Bucht herausgreift, bedeutet für Deutschland ein literarisches Ereignis; der Bücherfreis" fann stolz darauf sein, dieses Wert feiner Lesern unterbreitet zu haben. Friedrich Wendels reich illustriertes Buch„ Das 19. Jahrhundert in der Kari tatur vereinigt liebenswürdige Unterhaltung mit ernster geschicht licher Betrachtung. Paul Zechs Roman Die Geschichte einer armen Johanna" behandelt das erschütternde Schidfal einer armen Näherin. Demnächst legt der„ Bücherkreis" ein mit bestem 151 Die Passion. Roman von Clara Biebig. 5. Diga Wilkowski ging nun seit vielen Monaten in die Nähstube des Modebasars. Man war zufrieden mit ihrer Arbeit, ihren geschickten Fingern vertraute die Direktice schon Feineres an; diese war auch zufrieden mit dem Benehmen der Feineres an; diese war auch zufrieden mit dem Benehmen der neu Eingestellten. Olga wäre auch zufrieden gewesen was hatte sie denn noch großes vom Leben zu verlangen?- wenn nur die Bezahlung beffer gewesen wäre. Die Sorge, wie bringst du so viel zusammen, um die Lehmann pünktlich zu bezahlen, fraß fie fast auf. Sie war bei dem Weib in Lichtenberg hängen geblieben: wo sollte sie denn auch sonst das Kind lassen? Die Lehmann versorgte es wenigstens den Tag über, gab ihm die Flasche bis abends die Mutter tam und es an die gab ihm die Flasche bis abends die Mutter tam und es an die Bruft legte. Daß die fleine Eva nicht so gedieh, wie sie hätte gedeihen sollen, war nicht die Schuld der Lehmann allein. Olga sah das vorerst nicht so, sie, die nichts weiter auf der Welt hatte, war entzückt von ihrer Kleinen, bewunderte das lodige Härchen, füßte verliebt die welken Händchen, sah mit der wehmütigen Freude, die einem Schmerz glich, in den hafelmußbraunen, langbewimperten Augen des Kindes die Augen des Einstgeliebten. Sie hatte noch immer nichts von Manfred gehört. Von dem wirst du auch nichts mehr hören," sagte Stefan. * Sei doch froh. Aber wenn ich mal Bater befuche, dann werde ich der Sache schon näher treten. Vielleicht näher, als der Pump fich denkt." Er war empört über den Menschen, im Grunde feines Herzens aber eigentlich auf die Schwester noch büfer: Das hätte der nicht passieren dürfen. Es war ja ganz anertennenswert, wie die fich durchbrachte, und daß sie niemandem zur Last fiel, aber wenn sie einmal trant werden follte oder nichts verdienen, dann hatte man sie eben doch auf dem Halfe. Und das Kind? Nun, das versprach mal ganz niedlich zu werden, es hatte so ein feines Näschen und dann die großen Augen. Aber fiel es der Olga nicht auf? Es schielte ja ein bißchen. Nein, die Mutter fah das nicht; Frau Lehmann hatte es ihr auch schon gesagt. Aber sie fah es doch nicht. Sonntags ging Olga immer zu Willowstis und brachte thre Eva mit. Dieser Gang nach der Alexanderstraße hatte etwas von einem Freudengang- sie hing an dem Bruder | od and Donnerstag, 12. November 1925 Bücherkrei U herkreis RAOUL H.FRANCE DAS LAND DER. SEHNI „ Bücherkreis- Bersammlungen: 5. Kreis: 16. November 1925 Comenius- Säle, Memeler Str. 67. 1925 Rabe, Fichteftr. 29. Technit" von Richard Boldt vor, einem Schriftsteller, der zumal jedem dringend anzuraten. Bildermaterial ausgestattetes Werf Die Arbeitswelt bereinigung gegeben werden. Der Besuch dieser Versammlungen ist allen deutschen Gewerkschaftern wohlbekannt sein dürfte. Legt der Bücherfreis" natürlich den Hauptwert auf literarische Produktion, jo hat er doch, dem Drange der Mitglieder folgend, auch der Pflege fünstlerischer Kultur sich nicht entziehen tönnen. So hat er mit der des Bücherkreises" der Bezug von Lithographien, Radierungen, Rünstlerpreffe ein Abkommen getroffen, nach dem den Mitgliedern Holzschnitten usw. erster Künstler, Blätter sorgfältigster Arbeit von den Künstlern handfigniert, gerahmt, unter Glas, zu dem verblüffen. den Vorzugspreis von 6 M. pro Bild freigestellt wird. Nur eine Mark monatlichen Beitrag 90 ohne Eintrittsgeld erhebt der Büchertreis" von seinen Mitgliedern. Alle Bierteljahre wird ein Buch herausgegeben. Der Preis bes Buches beträgt also 3 M. Bedenti man nun noch, daß dazu den besonders burch ihre technisch hervorragenden vielfarbigen WiederMitgliedern eine illustrierte Monatsfchrift gratis geliefert wird, die gaben von Gemälden alter und neuer Meister und durch ihren sorgfältig gewählten Inhalt allseitigen Beifall gefunden hat, so er gibt sich die Frage: Wie ist es möglich, fo Gutes für fo billiges Geld zu liefern? Und mit dieser Frage sind wir bei der interessantesten freifes iff ein Sieg des gemeinwirtschaftlichen Prinzips! Nur die Seite des Ganzen angelangt. Die erstaunliche Leistung des Büchergenollenschaftliche Organisation hat das Problem lösen tönnen, deffen Bewältigung der Buchprofitwirtschaft nicht möglich gewesen ist: das gute und hochwertige Buch zu Breisen herauszubringen, bie weit unter dem durch den freien Handel bestimmten Preisniveau liegen. Bei der Produktion des„ Bücherbis zu 50 Proz freises" entfällt zunächst das Rifitomoment, jenes Moment, bas bie Brofitwirtschaft zu einer außerordentlichen Berteuerung des Buches zwingt. Es entfällt ferner die Profitrate. Alle Ueberschüsse, die der Büchertreis erwirtschaftet, kommen der Verbesserung und Aus. gestaltung seiner Produktion, mit anderen Worten also den Mitgliedern, zugute. " M So stellt der Büchertreis eine Organisation dar, deren fulturelle Bedeutung für das neue Deutschland sehr hoch eingeschätzt jener Ideale bewegt, deren Verwirklichung die Masse des werkwerden darf, zumal sich auch sein Wirtschaftsprinzip in der Richtung tätigen Boltes anstrebt. Es finden in diesen Tagen in Berlin offentliche Büchertreis" Bersammlungen statt, in denen eingehende Informationen über die Zwecke und Ziele der Ver$ und freute sich auf ihn- und war doch ein Gang nach Golgatha. Denn Frau Ella war ein strenger Richter, fie tonnte mit ihren Bemerkungen ans Kreuz schlagen. Sie hatte es jezt mal wieder ohne Grund nicht gut auf die Schwägerin stehen. Als die ganz tief unten, ganz gebrochen gewesen war, war sie freundlicher zu ihr gewefen. Die hob ihr jetzt zu sehr den Kopf und daß die ihr Kind so herauspußte -wie einen Affen", sagte sie das fand sie unerhört. das fand sie unerhört. Laß sie doch." fagte der Mann.„ Das fostet ja nichts. Rappen und Spizenendchen, nur lauter abgefallene Schnippel chen, friegt sie in ihrer Schneiderstube. Es ist doch alles mögliche, was sie aus dem Bißchen macht." noch iramer sehr verliebt in den Mann, den sie sich mit ihrem Dieses Lob nahm der Frau erst recht die Laune. Sie war Boll- und Weißwarenlädchen erobert hatte, und war eiferfüchtig felbft auf die Schwester. Es waren nicht durchwegs angenehme Sonntage, die Olga mit ihrer Eva in der Alexander Straße verbrachte. Das einzig Nette war, daß die beiden jüngeren Kinder des Brudes sich so mit der kleinen Eva freuten. Sie spielten mit ihr wie mit einer Puppe. Bierlich wie eine solche war sie auch. Benn sie in die Sofaecke gefeßt wurde, da bewegungslos faß, ohne zu meinen, ohne zu lächeln, die da bewegungslos faß, ohne zu weinen, ohne zu lächeln, die großen Augen starr ins Leere gerichtet, flatschten die fleinen Wilkowskis jubelnd in die Hände:' ne Wachspuppe,' ne Wachs puppe!" 1. Dezember 6. 17. PP " 7. 19. " " 8. 23. " PR 9. PP 30. " 10. 25. " 13." 14. 7. " " D 16. 14. 99 17. D 18. DP 19. DQ 16. P 20. 1925 Schiller- Realgymnasium, Charlba., Schillerftr. 26. 1925 Bereinshaus Balme, Spandau, Ritterstr. 60. 1925 Bittoriagarten, Wilmersdorf, Wilhelmsaue 14/13. 1925 Lota! Midlen, Rehlendorf, Botsdamer Str. 25. 1925 Realgymnasium, Raiferin Augufta- Str., Tempelhof. 1925 Paffage- Feftfäle, Neukölln, Bergstr. 151. 1925 Röpenid, Stadttheater, Aleiner Gaal. 1926 Aula Mittelschule, Lichtenberg, Marktstraße. 15. Dezember 1925 Boruffia- feitfäle, Berliner Anee 211/215, Weißenfee. 1925 Türkischs Relt, Bantom, Breite Stz 14. Sanuar 1926 Schügenhaus, Reinidendorf- Dft, Berliner Str. 1/2. 5. Januar " Humboldtbad." Das größte Hallenschwimmbad der Welt. soll im nächsten Jahre das größte Hallenschwimmbad ber In Reinidendorf- Ost, in unmittelbarer Nähe des Schäferfees, Belt gebaut werden. Nach den Plänen, die der Inhaber einer benachbarten Kunsteisfabrit Rohrbed im engsten Zusammenarbelten das Hallenschwimmbad in Berbindung mit einer großen Runft. mit dem Bezirksamt Reinidendorf aufgestellt hat, foll eisbahn und anschließenden Restaurations. und Erholungsräumen betrieben werben. Die Abfallprodukte der Kunsteisfabrit, in der Hauptsache Dampf und warmes Wasser, werden für das Hallenschwimmbad nuzbar gemacht, während die Kunſteisbahn durch die vorhandenen Kältemaschinen versorgt wird. Die Rentabilitätsberechnungen stüßen sich auf die Ausnutzung der Wechselwirkung zwischen Wärme- und Kälteproduktion. Die Eisfabrit, eine der größten in Berlin, hat täglich eine so große Menge warmen Wassers zur Verfügung, daß damit das vorgesehene Schwimmbad in der Größe von 100 mal 33 metern gefüllt werden fann. Es ist vorgesehen, daß aus zehn Auslaufsstellen fortwährend frisches Waffer ins Bassin fließt in einer Menge, die einer täglichen Erneuerung des Badewassers gleichtommt. Bisher floß das warme Baffer, zum größten Teil unaus genugt, von der Fabrit aus in einen Verbindungskanal zum Tegeler See. Die Berechnungen haben ergeben, daß die Fabrit imftande ist, das warme Waffer dem Hallenbad zu einem Preise zur Verfügung zu stellen, der die Kosten der Warmwasserbereitung in den städti fchen Hallenbädern auch nicht annähernd erreicht. Abgesehen von den riesigen Ausmaßen des Hallenbades, wird es so nicht. Wenn Frau Lehmann teinen Zuspruch hatte, hätte Olga es beffer haben und solange, bis eine tam, in der Stube schlafen fönnen, aber sie mochte das Hinterzimmer nicht leiden, da war die Küche noch besser. Wo das schöne Lenchen hingekommen sein mochte? Sie hatte nie mehr etwas von der gehört. Auch die Lehmann wußte nichts von ihr; nur, daß sie nicht gestorben war, nahm sie an, denn sonst hätte man doch wohl noch Scherereien bekommen. war, eilte es fo. Wie Schafe, die der Hund voranjagt und der Wie das Leben eilte! Gerade weil es für Olga so eintönig Hirt mit der Peitsche antreibt, daß sie, sich überſtürzend, dens dunklen Tor des Stalles zurennen, waren ihre Tage. Nun das lachte und frähte, und luftig in dide Händchen patschte. war die fleine Eva schon zwei Jahre alt, sie war fein Kind, Wie follte fie auch fröhlich sein? Die Lehmann war mürbe geworden von den letzten Jahren. Zweimal war sie nicht zu ihrem Gelde gekommen. die Mädels, von denen sie gedacht hatte, sie könnten noch auf teinem Bein stehen, waren ihr einfach ausgerückt. Ein drittes Mal hatte sie Scherereien mit der Polizei gehabt und wurde feither schifaniert. Das ertrug ihr Chrgefühl nicht. Sie war es auch müde, sich für undankbare Kreaturen aufzuopfern, wie fie fagte. Sie war oft ganz verstört. Dann saß sie in ihrer Küche auf einem niedrigen Schemelchen, hielt den Kopf in beide Hände geftüßt und räfonierte halblaut vor sich hin. Gretchen interessierte sich nicht mehr für kleine Kinder; sie Immer im gleichen Tonfall. Olga hörte es oft schon morgens saß am Fensterbrett, die Arme aufgestemmt, und guďte sehn- früh, wenn fie eben die schweren Lider aufschlug, und abends füchtig hinunter auf die Straße. Aber die Mutter litt tein im Einschlafen hörte sie das eintönige Gemurmel auch noch. Hinunterlaufen:" Dazu bist du schon viel zu groß. Daß man Die fleine Eva aber hörte es den ganzen Tag. Wenn die noch mal was erlebt," sagte fie mit einem tiefen Seufzer.Mutter fort war, war da niemand, der mit ihr sprach, das Es fonnte sein, daß ihr jede Anzüglichkeit fernlag, aber sprach, was man sonst mit Kindern zu sprechen pflegt. Die Olga wechselte die Farbe, fie bereute es, hergekommen zu alte Frau zog sie an, fegte sie in ihr Stühlchen, gab ihr auch fein. Doch mo follte sie sonst hingehen? Sie hatte teine zu effen, fümmerte sich aber meiter nicht um fie. andere Zuflucht, teine andere zerstreuung. Bei Frau Lehmann erinnerte fie alles so sehr an die schrecklichste Beit ihres Lebens, daß der Gedanke, da einen ganzen Tag tatenlos herumzufigen, fie folterte. Da sah sie nur immer wieder die Kagtes, die ihre ihnen unbequem gewordenen Mädchen hinbrachten, hörte noch immer die Schreie der armen Gefolterten. Am Wochentag wurden die Erinnerungen zurückgedrängt, da hatte sie morgens höchste Eile, zur Arbeit zu fommen, und abends war fie so müde, daß sie, kaum daß sie das Kind gestillt hatte, hinfant und schlief wie eine Tote. Da schreckte fie tein Rumoren in der fleinen muffigen Hinterstube mehr auf, da lag fie in der Küche in ihrer Schlaffommode und rührte sich Das Köpfchen ein wenig auf die eine Schulter geneigt, saß die kleine Eva stumm; fie blidte immer etwas von der Seite, sie schonte das eine Auge, es lag wie eine leichte Trübung über dem Haselnußbaum, und die Pupille blieb starr. Selten, daß die Alte sie mit heraus nahm auf einen grünen Plaz, auf den die Sonne schien. Nicht, daß sie das Kind nicht hätte leiden mögen sonst hätte sie es ja nicht behalten, denn großer Berdienft war nicht dabei fie mochte auch die Mutter des Kindes leiden, es gab feine 3wistigkeiten zwischen den beiden, aber sie war eben müde und verdrossen, und wenn es unerwartet an ihre Tür pochte, erfchrat fie. ( Fortlegung folgt.) angelegt sein, daß selbst bei mmmigfavigster Lenutzungsart jede Se- fahr für die Badenden ausgeschlossen ist. Um das Wasserbnsstn läuft ein 15 Meter breiter Sandstrand, der künstlich erwärmt wird und der vollwertiger Ersatz für einen natürlichen, sonnendurch- wärmten Badestrand ist. Die Gesamtlänge des Strandes beträgt 310 Meter— wenn man die des natürlichen Strandes in Wann- s e e mit 480 Metern dagegen stellt, eine recht ansehnliche Länge. Der Strand wird zum Wasser hin schräg abfallen, die größte Tiefe im Nichtschwimmerbassin ist 1,60 Meter. Längs des Wasserbeckens läuft dann in der Mitte das Schwimmbassin, das aber auch nicht tiefer ist. Nur an einer Querseite ist das Becken auf fünf Meter vertieft: hier werden die Sprungbretter und Sprung- türme Ausstellung finden. Das Schwimmbad ist so berechnet, daß 3000 Personen gleichzeitig baden können. Eine Zuschauergalerie ist für 5000 Personen vorgesehen. Alle 16 Groh-Berliner Hallenbäder sind zusammen mit ihren Wasser. flächen nicht so groß als das geplante Hallenbad i n R e i n i ck e n d o r s. Di« Badehalle wird etwa so groß wie der Anhalter Bahnhof in Berlin sein. Neben diesem riesigen Hallenbad ist«ine Eisbahn vorgesehen, die 2600 Quadratmeter groß werden und 2000 Zuschauern Raum bieten soll. DI« maschinellen Anlagen für die Erzeugung der Eis- lauffläche sind bereits in der Eisfabrik vorhanden. Sie arbeiten mit den modernsten technischen Einrichtungen und gewährleisten nicht nur eine fehlerlose Eislauffläche, sondern auch b i l l i g st e Eintrittspreis«. Das ganze Projekt ist überhaupt darauf zugeschnitten, be- sonders dem dichtbevölkerten Norden von Berlin und den nördlichen Vororten zu dienen. Das städtische Hallenbad in der Gerichtstroß« kann längst nicht mehr die Bedürfnisse befriedigen. Aus diesem Grunde hat sich das Dezirksamt Reinickendorf der Pläne des Herrn Rohrbeck auch angeschlossen, und es ist vor kurzem zur Unterzeichnung der notwendigen Berträge gekommen. Das Unternehmen wird gs- mischt-wirtschaftlich aufgezogen: das Bezirksamt Reinickendorf besitzt zwei Drittel der Anteile, während sich da» ander« Drittel im privaten Besitz befindet. Es ist selbstverständlich, daß die Eintrittspreise auch im Hallenbad höchstens die der übrigen Schwimmbäder betragen werden. Medizinische Bäder, ein Sonnenbad auf dem Dach der Eisbahn und anschließende Parkanlagen, die den Schäfersee und die alten Eisteiche der Fabrik einschließen, werden die ganze Anlag« vervollständigen. Mit der Durchführung des Projektes wird Berlin um eine Anlage sozialhygienischer Art bereichert werden, di« in der Welt ihresgleichen sucht. Die Pläne und Modelle der An- lagen werden von Freitag dieser Woche ab in einem Schaufenster des Warenhauses Wertheim am Leipziger Platz öffentlich ausgestellt. Spritwebers Flucht. Zwei Beamte zu Gefängnis verurteilt. Einen kleinen Dorläufer der nun bald folgenden Prozefle gegen den Spritschieber Weber könnte man die gestrige Verhandlung vor dem Schöffengericht Berlin-Tempelhof nennen. Wenn auch Weber selbst in diesem verfahren nur als Zeuge auftrat, so handelte es sich in der Hauptsache doch um seine damalige Flucht ou» dem Untersuchungsgefängnis Moabit. Wegen passiver Bestechung und fahrlässiger Gesangenenbefreiung hatten sich die Gefängnisbeamten W i t t s a ck und Schulz zu verantworten. Außerdem war noch ein Ehepaar Lenz aus Breslau wegen B e g ü n st i g u n g an- geklagt. Weber erhielt im Dezember vorigen Jahres"am Untersuchung?- richter die Erlaubnis, In Gegenwart von zwei Beamten feine Ge» fchäftsräume in der Gneisenaustraße aufzusuchen. Zu feiner Be- wachung wurden die beiden Angeklagten W t t t s o ck und Schulz bestellt, die in der üblichen Weise von ihrem Vorsteher R o a ck be- lehrt wurden, auf ihren Häftling besonder» Obacht zu geben, da bei Weber Verdunkelungsgefahr vorliege. Zu ihrem Unglück ließen sich die beiden Beamten verleiten, nach den geschäftlichen Besprechungen auch noch die B i l l a des Beurlaubten in Schlachtenfee auf- zusuchen. Wittsack und Schulz taten dies wohl deshalb ohne jedes Bedenken, weil sie schon einmal mit Weber in dessen Privat- wohnimg waren und ihn ohne Zwischenfall wieder im Untersuchungs- gefängnis abgeliefert hatten. Diesmal sollte es allerdings ander» kommen. Wie beim erstenmal wurden beide von Weber zu einem Slbendessen eingeladen, bei dein e» durchaus im einfachen Rahmen, dem täglichen in der Villa üblichen Essen entsprechend, zugegangen sein soll. Nach Beendigung erhob sich Weber, um seiner Frau, die zu jener Zeit täglich ihrer Niederkunst entgegensah, noch einen De- such abzustatten und von ihr Abschied zu nehmen, von diesem Be- such kehrte Weber bekanntsich nicht zurück, sondern entwich in einem bereitgestellten Auto über Görlitz und Hirjchberg über di« österreichische Grenze. Bei dieser Flucht soll ihm das gleichfalls ange- klagte Ebepaar Lenz behilflich gewesen sein. Den beiden Beamten. die ihre Gutmütigkeit und ihr Vertrauen arg enttäuscht sahen, wurde nun von der Staatsanwaltschaft der Vorwurf' gemacht, absichtlich und in Kenntnis der vorher verabredeten Flucht ge- handelt zu haben. Die p a f f i v c B e st e ch u..n g wurde in der B e- wirtung durch die Familie Weber gesehen. Sowohl Wittsack wie Schulz bestritten jede Schuld, sie qaben lediglich zu, insofern fahr- lässig gehandelt zu haben, als sie es an der nötigen Aufsicht wäh- rend des Besuches Webers bei dessen Frau hätten fehlen lassen. vhren weiteren Ausführungen, sse feien bei Uebernahme ihres Häit- lings nur oberflächlich instruiert worden, tritt der als Zeuge ver- nommene Gefänanisvorsteher Noack entgegen. Er sowohl wie der Untersuchungsrichter hätten beide Beamte genau informiert. Im weiteren Verlauf der Berhandlung wurde das verfahren gegen dt« Eheleute Lenz abgetrennt und bis zu dem Zeitpunkt verschoben, an dem auch gegen Weber selbst ver- chandelt wird. In der Begründung seiner Anklage gegen die Ge- sängnisbeamten stellte sich der Staatsanwalt auf den Standpunkt, daß sich beide schwerer Versehlungen in ihrem Amte schuldig gemacht hätten. Auf keinen Fall durften sie an der Tafel teilnehmen, hätten auch Weber nicht einen Augenblick außer acht lassen dürfen. Die Merkmal» der passiven Bestechung und der s oh r l ä s s i g e n Gefangenenbefreiung seien somit unbedingt durch ihr leicht« sinnige» Verhakten gegeben. Sein Antrag lautete auf 6 Monate Gefängnis für jed-n Angeklagten. Nach verhältnismäßig kurzer Beratung folgt» da, Gericht im wesentlichen den Ausführungen de« Stv.tsnnwnltk, blieb aber im Strafmaß unter seinem Antrag. Witt st ockundSchulzerhieltenje3 Monate Gefängnis. Karze Freiheit. Der zijährige Landarbeiter Josef Kopacz, der, w>« wir berichteten, am 4. d. M. aus dem Zuchthau« in Brandenburg o. d. H. ausbrach, ist gestern wieder verhaftet worden, nachdem er sich gerade acht Tage seiner Freiheit erfreut hatte. Ein Beamter der Streife S I sah den Flüchtigen, den er nach dem Lichtbild erkannte, in ein Hau« der Pücklerstraße verschwinden. Von einem diesem Hause gegenüber befindlichen Geschäft aus forderte er durch den Fern- sprecher einen Beamten des Dauerdienstes zur Unterstützung an. Mit dem bald eintreffenden Kameraden beobachtete er den Haus« »tngang und hatte gerade Anstalten getroffen, die Straße zu über- schreiten und in da» Haus hineinzugehen, als der Gesuchte wieder heraustrat. Kopacz ergab sich sofort in sein Schicksal und wurde gefesselt dem Polizeipräsidium eingeliefert. Eine öffentliche Ausforderung zur Abgabe einer Vermögen«. erklärung veröffentlichen die Finanzämter im Bezirk de« Landes- finanzamtes Verlin im beuligen Inseratenteil. Leztrtsbtldvngsansschaß Srab-Verlw. Nächste TSiatervorftclluna am S-nntag, den IS. November, nachmtztagS S llbr, im Staatlichen Schiller» Theater. Zur«uffübrung gelangt anstatt.Rheinische Rebellen'.Liebelei' 5on schnitzler. Prel» pro Karte 1,20 M. elnlchlichllch Kleiderablage unb .bealerzettel.— Erste Slbendseier deS ArbeiierkiilturlartellS am Sonn- abend, den St. November, tm Saal 4 dest..SSngerbundeS) der grSßte VesangSchar tm tZ. PerwallungSvezirk, will eineu Kinderchor gründen, «n die Kinder dann in späteren Jahren geschult in di» Chöre der Er- «achsenen überzuleiten. ES werden Mädchen und Knaben im Alter van 10 Jahren aufwärts eingestellt. Die UebunaZstunde findet jeden Freitag von«— S lldr nachmittag«, in der Tchulaula. Mariendork. Nänigstr. Natt Anmeldungen täglich abend« van 6—8 Uhr. beim Gen. ffran, Schenking. Martendorf. Strelitz-Slr. 1t und Karl Derneburg, Tempelhos. Teodorftr. 6». «a'angstonzerte. DerMeinekefcheZVSnnerchork 900, Ebor- meiner P. A. Joseph, veronslaltet am kommenden Sonnlag. abd«. TL Uhr. in der staatlichen Hochschule für Musik ,in Konzert.— Am gleichen Tage singt der Schöneberger Männerchor Freundschaft tm neuen Rathaus« zu Sböneberg. Beginn 7 Uhr. Eintritt bei beiden Konzerten einschl. alle« ja 1 M. Di» Vereine find Mitglied de« DASS. Zugentgseisung Sei Werbig. Gesiern vormittag gegen VN Uhr entgleiste auf Lohnhof W« r d i g der von Kustrin nach Berlin fahrende Personenzug 302 mit zwei in der Mitte des Zuges stehenden Wagen. Sech» Ret- sende wurden verletzt und konnten ihre Reis« fortsetzen, einer erlitt ernster« Berletzungan und mußte di« Hili« eine» Arzte» in Anspruch nehmen, konnte jedoch nach Anlegung eines Nowertiandes die Raffe fortsetzen. Es handelt sich mn den Mehhrrten Heinrich Krüger aus Charlottenburg. Ferner wurden drei Eisen- bahnbeamt« leicht verlegt. Der vordere Zugteil fuhr nach Berlin weiter. Für die Reisenden de» Hinteren Zugteil» wurde ein Sonderzug gefahren._ Selbstmord eines Generaldirektors. Jtad) großen Unlerschlagungeu... Köln, 11. November.(Eigener Lrahtdericht.) In der vergangenen Woche erschoß sich der früher« langjährige vorsitzend« des Verein, der Industriellen. General- dlrektor Becker, von der Kalker Maschienensabrtk A.-G. Ueber die Ursache seines Todes zirkulierten in westdeutschen Wirtschastskreisen zahlreich« unkontrollierbare Gerüchte. Jetzt stellt sich folgender Tat» bestand heraus: Bor etwa zwei Iahren half Becker, der seit vielen Jahren Generaldirektor der Kalter Maschinenfabrik ist, seinen Söhnen bei der Gründung des Imperialwerke». das sich mit dem Bau und dem Vertrieb von Motorrädern befaßte. Becker hat sehr viel Geld in diese Gründung gesteckt. Noch ansang» guter Konjunktur hatte das Wert in der letzten Zeit mit großer Unterbilanz gearbeitet, so daß sehr bald Zahlungsschwierigkeiten eintraten. Becker hat, wie der Aufsichtsrat der Firma nunmehr in einer längeren Erklärung zu- fsibt, nach und nach erhebliche Summen au« der Kolter Moschinen- abrik dem Imperialwerk ohne Wissen des Lluisichtsrates zugeführt, um damit die Nöte dieses Werkes zu beheben. Schließlich kamen diese Unterschlagungen zu Ohren des Lorsitzenden des Aufsichtsrats Louis Hagen. Man eröffnete Becker, daß er nicht mehr länger zu halten sei und wollte ihn auf einen Bertreterposten in» Ausland schicken. Becker erklärte daraufhin seiner Fron, daß es für ihn nur noch ein« Lösung gebe und macht« ihr de» Vorschlag, gemeinsam mit ihmin den Tod zu gehen. Das lehnte die Frau ab. Darauf er- schoß sich der Generaldirektor. Anfänglich wurd« versucht, die näheren Umstände des Tode» zu verschleiern. Inzwischen sah sich der Aussichtsrat jedoch gezwungen, in seiner Erklärung zuzugeben, daß d!« runde Summa von 466 060 M. unterschlagen worden ist. Diese Unterschlagung durch den Generaldirektor Becker hat den Kurs der Aktien der Kalter Maschinenfabrik stark beeinflußt. Das bisher gesuchte Papier, das Mitte Oktober auf ungefähr 46 Proz. stand, sank ganz erheblich und wurd« in den letzten Tagen überhaupt nicht mehr nottert._ Registrierung eineS Erdbebens. Varl», 11. November. fWTV.) Nach einer Meldung der.Ehieago Tribüne' soll das von dem Seismographen ver Fordham- Universität in New Dork verzeichnete Erdbeben, über das beute früh berichtet wurde, etwa 5666 Meilen von New York entfernt stattgefunden haben._ Ein schwerer Autounfall ereignet« sich nach ein» Meldung au» Kassel auf der Landstraße zwischen Groß-Almerad« und Trüben- Hausen. Ein scheuendes Pferd sprang mit den Borderhufen auf den Kühler eines Autos, das von dem Geschäftsführer der Deutschen Petroleumoerkaufs-Gesellschaft Kassel, Ei», gelenkt wurde. Bei dem Versuch, auszuweichen, stürzt« da» Auto ein« mehrer« Meter tiefe Böschung hinunter, wobei der Wagenlenker unter dem Auto begraben wurde und tödliche Quetschungen erlitt. Der zweite Insasse, der aus dem Wagen herausgeschleudert wurd«. kam mit einem Nervenschock und leichten Verletzungen davon. Et» blollge» vorfdrama. In dem südlich von Brandenburg gelegenen Dorf« Rotscherlinde hat sich gestern nackt eine blm ge Tragödie abgespielt. Seit Jahren war bei dem dortigen Müller der frühere Kaufmann und jetzige landwinsckaftlicke Lttbeiier Johann H u j e r beickästigt. H. hatte große Zuneigung zu der einzigen 36 jährigen Tockter de« benachbatten Landwirtes Günther gefaßt. Frl. Günther fuhr gestern nach Brandenburg und traf sich dort mit einem Herrn. Abend« schlick sick Hujer in da« Hau« de« Mädchen« und erstach e« in seiner Stube. Land- jäger verfolgten den Täter, der sich selbst erschoß. Ein schwere» Expioflonsuvglück ereigne!« sick in der an der polnisch-deulschen Grenz« liegenden früheren deutschen Stadt Lissa. Dort explodierte infolge Unvorsichtigkeit mit einem Sireickbslz auf dem Wockenmarkt«ine Autoben, intank stelle. Fünf Per« s o n e n sind vollständig verbrannt, zahlreiche andere sind lebensgefährlich verletzt, Großfeuer in Augsburg. In der Nacht vom 16. zum 11. Nv- vember wurd» dte wemisw« Fabrik Pix» er durch Großieuer vollständig zerstört. All die Feuerwehr eintraf, stand da# ganze Gebäude bereit# in Kellen Flammen, die an Kork- und Pechvorräten sowie an den bedeutenden Mengen von Fertigfabri- laten reichliche Nahrung fanden. Auch sämtliche Maschinen wurden zerstört. Werlvolle Motorenanlogen kannten erhalten bleiben. Ter Schaden ist außerard/ntliäjs groß, doch meist durch Versicherung gedeckt. Eröffoang der Küsten suvkstell« Lremerhaven. Für den all- gemeinen öffentlichen Funlverkehr im Bereich der Wesermündung wird die von der Deutschen ReichSpoft und dem interessierten Schiffahrtskreise errichtete Küstensunkstelle heut« eröffnet. covdoo tm Schnee. In London ist gestern früh der erste S ch n e e gefallen. Au# Schottland wird eine außerordentlich starke Kältewelle gemeldet. Unwetter in Spanien, Heftig« Stürme werden don der cantabrischen Küste gemeldet. Bilbao, B i g o und andere Küstenorte sollen von Sturmflirten und Neberschwemmungen heimgesucht worden sein. Im Euadaramagebirg« herrscht seit gestern starke» Schneetreiben. Ein Vestechnngsprazeß gegen rnssische Blchter. Belm Obersten Bericht der okiainiichen Republik in Cbaikow begann ein Prozeß gegen untreue TerichtSbeamte. Angellagt sind u.a. a ch t BolkS- richter. ein Nn>« r s» ck u n g« r t ch t e r und drei ver- leidig er, insgesamt 95 Personen. Die Zahl der Zeugen beträgt 266. Den Angeklagten wird Bestechlichkeit zur Last gelegt. An erster Stelle steht ein Volksrichter, dem 49 Bestechungsälle vor- geworfen werden. Der Prozeß wird wahrscheinlich«inen Monat dauern. Wetter für BerNn und Umgegend: Trocken und ziemlich heiter del wenig geänderten TageStempelaluren, oder tälieien Nächien,— Z»r Vev richtend: Ueberau, trocken, i« Süden noch stark bewölkt. Zahlreiche Nachtfröste. Schnupfen entwickelt sich oft zu einem Hals« und Bronchial- katarrh. wenn man nichts dagegen tut. Macken Sie ihm ein schnelles Ende mit Form an. Die Nase bekommt sofort Luft: Anschwellung. Brennen. Kopfschmerzen und die lästige Schleimabsonderung hören auf. Forman erhalten Sie in allen Apo- theken und Drogerien. Verlangen Sie nicht„ein Mittel gegen Schnupfen", sondern verlangen Sie klar und deutlich„Forman", eine Dose für 60 Pfennig. Unterhaltung unÜ Missen � Matt vor Wahlen Im Sause Westarp. ,Nur nicht örüber reöen, Sie Parteikasse ist leer- und eine Hypothek auf unsere Gesinnung wird UNS kaum jemand geben." Sozialiftisthe Lehr- unö Wanöerjahre. Erinnerungen eines Drelundsiebzigjahrigen. Von Louis Cohn. I. Diele Wege führen zum Sozialismus. Der Weg des zum Klassenbewußtsein gekommenen Arbeiter» ist geradlinig. Aber die aus dem Bürgertum stammenden Sozialisten hoben traditionelle Hemmungen,«in Gestrüpp von Klassenoorurteilen lichten müssen, um auf dem Wege der Erkenntnis dahin zu gelangen, wohin da» Proletariat oller Länder infolge seiner sozialen Loge weit schneller und leichter gelangen konnte. Wenn ich dem Rat« freundschaftlich gesinnter Genossen«nt- spreche und erzähle, wie ich Sozialdemokrat wurde, so soll damit weder dem Gelüste, von sich reden zu inachen, oenügt werden, noch weniger aber soll mein« Persönlichkeit auf«in ihr nicht zukommendes Postament gestellt werden, denn ich stand immer in Reih und Glied der Partei, entschloß mich niemals,«in politisches Mandat au»- zuüben, sondern begnügt« mich, mit der Feder und mit den prak- tiichen Erfahrungen meines Lebens iür die Partei und die große Sache des Sozialismus zu wirken Trotzdem hoff« ich. mit meinen Erinnerungen einen Beitrag zu einem kulturgeschichtlichen Bilde geliefert zu haben. « Di« in meinem Gedächtnis haftenden Eindrücke aus der ersten Schulzeit sind wahrscheinlich bestimmend für meine weiter« Ent- Wicklung gewesen. Meine Ellern, wohlhabende israelitisch« Bürger, standen unter den geistigen Nachwirkungen der Revolution von 18l48. Religion»- und Gewissensfreiheit. Gleichberechtigung aller Staatsbürger, waren für sie Selbstverständlichkeiten trotz des Sieges der Reaktion über die Uberal-demokratische Volksbewegung. Solch« polllischen Ueberzeugungcn erfuhren im Gegenteil noch eine Stärkung durch die im liberalen Bürgertum damals vorherrschend« philo- semitisch«, die volle Emanzipation der Juden erstrebende Stimmung. Um so tiefer mußten auf mich bei meinem Schulantritt in die .Frankesch« Stiftung* in Halle a. d. S.— 1R6S— die„Hepp-Hepp*- Leußerungen meiner Mitschüler wirken. Anfangs verstand ich sie gar nicht, bald aber bemächtigte sich meiner ein Gefühl der Zurück- setzung und Isolierung. Daran änderte auch nichts der später« Entschluß meine» sreiaesinnten Voters, mich gleichzeitig am israelitischen wie an dem pietistisch angehauchten evangelischen Religionsunterricht« der Schule tellnehmen zu lassen. Wurde ich dadurch doch im Gegenteil des RückHalles beraubt, den in jungen Jahren der Glaub« an ein bestimmtes Religionsbekenntnis bietet. So trat schon in frühester Jugend die Neigung zur Kritik und der Zweifel an die Gülligkeit religiöser Dogmen zutage. Weshalb es denn auch bald keinen Eindruck auf mich machte, wenn mein« Mit- fchüler mich am Schulschlusfe mit dem Absingen von judenhetzerischen .Liedern* begleiteten. Eine» davon— e» war das beliebteste— begann: Di« Juden haben ein Schwein geschlacht', Mose» hat draus Wurst gemacht. Bildet« der Antisemitismus meiner meist aus ländlichen und klein- bürgerlichen Kreisen stammenden Mitschüler— die Söhne des libe- ralen Bürgertums hielten sich meist davon frei— den ersten Anstoß zu meiner religiösen Indifferenz, so sollte bald darauf das Gefühl für soziale Ungerechtigkeit in mir erwachen. Im Vordergebäud« unsere» Hause» befanden sich nämlich unser» Wohn- und Geschäft»- räum«, im Rückgebäude hausten die für da» elterlich« Geschäft tätigen Heimarbeiter! teilweis« Familien mit Kindern, die eng zusammengepfercht ohne genügende Licht- und Lustzusuhr ein kümmerliche» Dasein führten. Der Anblick ihrer ousgemcrgellen Gestalten und in Lumpe» gehüllten Kinder weckte in mir ein dunkle» Empfinden sozialer Gegensäge, deren Notwendigkeit ich mir nicht erklären konnte. Ich erinnere mich genau, wie ich diesen Gegen- sotz schon im Alter von 10 Jabren empfand. Al» ich bei einem Ausenthalt im Kontor hörte, wie der Buchhalter einem Lehrlinge «in« größere Summe in Goldstücken und preußischen Kassenscheinen — damals die wertbeständigst« Geldsortc— mit dem Auftrogs über- gab, diese Summ« in.wilde Scheine* bei einem Bankier umzu- wechseln, erhielt ich auf mein« n«ugl«rige Frage, warum das geschehe. die drastisch« Antwort: das versteht ein dummSr Junge wie du nicht. Ich war aber sehr neugierig, die.wilden Scheine* zu Gesicht zu bekommen: si« bestand«« au» bi« zur Unleserlichkell schmutzig«» und stinkenden Banknoten der Kleinstaaten. Meinem Vater ließ Ich keine Ruhe, mir eine Erklärung über den mir rätsel- hasten Vorgang zu geben. DI« Erklärung war sehr einfach: Bei der Umwechslung guten Geldes in minderwertiges würden 5 bis 6 Proj. verdient. Und es wäre allgemeiner Gebrauch der Arbeit- oeber, mit letzterem die während der Woche verdienten Arbeits- löhn« ouezuzohlen. Sache d«r Arbeiter war« es, dieses schlechte Geld so gut wie möglich zu verwerten Erregten solche imd ähnliche Vorkommnisse w mir unklare Begriff» von Gerechtigkeit und Ungerechtigkeit, so sollten sie bald durch die Lektüre von Büchern aus der väterlichen Bibliothek eine Festigung erfahren. Infolge meiner Frllhretfe und eine« un- ezügelten Wissensdranges, der in der Schule kein« Befriedigung er- iell, verschlang Ich wahllos während joder freien Minute olles, was n>ir� in die Hände fiel. Das Verhältnis zwischen Lehrern und Schülern der damaligen Zeit war in dem Gymnasium ein sehr un- erquickliches. Es herrschte zwischen Ihnen und un» ein Verhältnis, da, nicht treffender al, mit dem Worte Kriegszustand bezeichnet werden kann. Welchen Genuß bot mir Im Gegensatz zu diesen Schulzuständen vor allem das Lesen unserer Klasslker! Wie oft hatte ich Schillers ..Räuber*,.Kabale und Liebe* und„Don Carlos* gelesen! Später aber macht« ich mich auch an Thier» und Mignet» Gefchichic der französischen Revolution und sogar an 0. von Steins Sozialismus und Kommunisinus in Frankreich. Derstaird ich auch nur wenige» davon und mißverstand ich sehr viel, so begann doch in mtr etwa» Revolutionäres zu gären, und mein» Neigung zur Kritik und zum Zweifel an allem ueberliefsrtin wuchs sich bald bis zur Unduld- samteit au». Förderung erfuhren diese Eigenschaften durch die Hauslehrer, junge Studenten, die gegen freie Kost und Wohnung mich und meine Brüder überwachen sollten. Bei dem häufigen Unioersitätswechsel verließen sie meist nach einigen Semestern unser Haus. Dl« meisten befanden sich noch in ihrer Sturm- und Drang- Periode, wodurch ihr erzieherischer Einfluß sich gerade nicht In den von den Ellern gewünschten Dahnen bewegt«. DI« meisten waren noch von dem allen burschenschäfllichen Wartburggeiste erfüllt, und st« suchten ihre Lebensweise möglichst burschikos zu gestalten. Man kann sich heut« kaum vorstellen, welch« soziale Stellung dir Studentenschaft in einer Universitätsstadt von zirka öZ liüy Ein- wohnern wie Hall« in der Mitt, de« vorigen Jahrhundert» einnahm. DI«»schlagenden* Verbindungen waren der Einwobnerschost gegen- über von einem auf falschen Ehrbegrissen fußenden Dünkel befangen, der Im Vergleich zu dem später ousblübenden preußischen Militär- und Beamtengeist nicht zurückstand. Konflikte zwischen der Studenten- schaft und den Einwohnern waren«in« stehende Einrichtung. Dummesungenstreiche der akademischen Jugend, wie Herabreißen der Geschäftsichilder, Verdrängung der Einwohner von den Bürger- steigen. Fenstereiui'chlagen und Belästigung der Fahrgäste in den Eisenbahnzügen sithrten in einem Falle zur gänzlichen Lahmlegung des öffentlichen Verkehrs und zum Einschreiten der Garnison. Einen besonders tatkräftigen Widerstand fanden diese akademischen Bürger an der Gilde der Sockträger: das waren muskulöse und zu Gewalt- tote» geneigt« Männer, die aus den Saalekähnen die Getreldesäck« und ander« Waren ans Land schleppten. Auch die Halloren, die prtoUeglcrten Salzsieder.«in olles Zunftüberbleibsel mit eiaener Tracht, blieb an diesen Konflikten nicht unbeteiligt. Es tonnte daher nicht wunder nehmen, daß die jungen Akademiker die Einwohner- schaft von Halle mll der Signatur abstempelten, sie bestände aus .Hallensern, Halloren und Halunken*. Wort«, die mehr al». alles andere den unsozialen Geist jener Zeit kennzeichnen. Blick« ich auf meine Weilerentwicklung nach dem Schulabgang zurück, so find« ich, daß neben den Einwirkungen der Umwell an- geborener Charakter und Temperament den ursprünglichen Antrieb zur sozialistischen Weltanschauung bildeten. Sefahigung und Neigung wiesen mich auf da» Studium der MusU hin. Mein« Mutter unter- stützt« fi«— mein Vater wollte mich zum Kaufmann bestimmen, damit ich einmal das väterliche Geschäft übernähme. Für den tauf. männischen Beruf halle ich aber nichts übrig. Der Widerspruch so konträrer Tendenzen rief in der Familie eine auf die Dauer un- haltbar« Dishannonie hervor. Muller und Sohn standen gegen das Familienoberhaupt. Eine vorläufige Lösung fand dieser un- erquickliche Zustand durch den Entschluß, mich al« Volontär in ein Großhandelshaus in Frankfurt a. M.«intreten zu losten. Das geschah 1R67. Die Kriege von 1864 und 1666 hatten die Stimmung des libe- ralen Bürgertums In Preußen total verändert. Die Opposition gegen die preußisch-deutsch« Reaktion war In Begeisterung für Bismarck umgeschlagen. Da» war nur der politische Niederschlag de» wirt- schoftlichen Aufstieges de« sich zur Großbourgeoisie entwickelnden Bürgertums. In Frankfurt o. M. herrschte jedoch nach 1666 in den mittleren und unteren Schichten zunächfl ein fanatischer Preußenhaß vor. Di» sechs Hausdiener des Grohhandclshalise,— durchweg .Sachfenhäuser*— schienen einen Bund aeschlasscu zu haben, den in ihren Kreis«ingedrungenen„Preußen' möglichst bald wieder hinauszudröngen. Doch erregten die zu dlefeni Zwecke angewandten Mittel in mir Heiterkeit. Wo sie meiner ansichtig wurden, gaben sie besonders durch ihren Wortführer, den langen Hanne», merk- würdig» Sprüche von sich. Wie z. B.:»De Maanbrück(Mainbrücke) sollst überzwerg(quer) im Leib hawwe.* Oder:.verdammter Preuß', daham Host nix zu knabbere und hi« schlägst der dein Baach voll.* Diese hormlasen und naiven Ausdrücke der Bolksstimmunz vermochten jedoch nicht, mein Behagen ln dem von drei Chef« ge- leiteten Großhandelshau» z» schmälern. Diele Ehef» waren groß- zügige, beinahe„königliche Kaufleute*, die leicht viel Geld verdienten und davon Ihren Angestellten glich etwas zuwendeten. Bei der uneingeschränkten Freiheit dieser Lolontärstellung tonnt« ich mein« musikalisch« Ausbildung weiter betreiben und mich auch sonst meinen literarischen und polltischen Neigungen hingeben. Durch meinen Musiklehrer wurde ich mit der Familie de» Dichters Friedrich Staitz« und den Frankfurter Radikalen bekannt. Dadurch erhielten mein« politischen Anschauungen eine bestimmte Richtung. Die Frankfurter Pertod« nahm nach einem Jahre»in schnelle» Ende. Mein« Eltern waren noch Leipzig übergesiedelt, und ich sollt« nun meine in Frankfurt erworbenen kaufmännischen Fähigkeiten oerwerten. Es dauerte jedoch nicht lange, bi» sich die früheren Disse- renzen wiederholten. Mich drängte es hinaus in die große Welt, Hinaue au» den Fesieln einer aufgedrungenen Beruietätigkeit. Meine gute Mutter hotte volles Berständnis für da» Unhaltbare der Situation, und chr hatte ich es zu danken, daß ich zu einem ihrer Brüder»ach Italien kam, um mir dort„die Hörner abzustoßen*. Diesem Onkel, der in Florenz die Filiale eine» Pariser Hauses leitet«, strebt« ich schon lang« mit der jugendlich-romantischen Be- gelsterung zu, dl« damal» all« Well für den Helden de« Jahrzehntes, Garibaldi, hegte. War doch dieser Onkel 1660 von Haus« ausgerissen. um sich dem berühmten Zuge Garibaldis nach Sizilien anzuschließen. Meinem Derweilen bei dem radikaldemokratisck gesinnten Manne war jedoch durch mein» Ertrankung nach«Inigen Monaten ein kurze» Ziel gesetzt. So traf ich denn wiederum in Leipzig ein. und das alle Spiel zwischen nüchternen praktischen Erwägungen und meiner aus andere höhere Ziele gerichteten Natur begann von neuem. Mit dem Endresullat. daß ich bei einem Geschäftsfreunde in Liverpool als Volontär eintrat. Damit vollzog sich die eigentliche Schicksalswende in meinem Dasein, sie fesselte mich für die ganze Lebenszeit an den Sozialis- mus und dl« deutsche Sozialdemokratie. der Zlieger. von Otto Behren». Im nebelnd«« Frühlicht liegt die Welt, zaghaft beginnt«ln neuer Tag zu atmen. Lichtstrahlen der Morgensonne zerreißen gleich Flammenschwertern d«n Dunst des Nebels. Da» gelb keuch- tende Licht des jungen Tage» bricht sich ungestüm Bahn,«in Windstoß fegt über den Boden und verweht die weihgrausn Schleier. Wie ein blasser Oval wölbt sich jetzt der Himmel über dem Land. Am unfernen Wald lehnt das Schmeigen. Muntere Vögelein zwit- schern und zirpen, als wollten si« die Instrumente stimmen für die große Ouvertüre des neue» Tages. Blumenkelche erschließen sich dem werdenden Licht: es glitzert wie unzählige Diamanten. Eine Anemone, ein« Windblum«, lächelt im leichten Luftzug des Windes. Schon bald ringen blinkende Sonnenstrahlen mit Milliarden Tau. tropfen, bis es immer freier und lichter wird und die Sonne hell strahlend al» Siegerin hervortritt. Ein Brummen und Surren in der Luft, das immer stärker und heftiger wird, läßt das Frühkonzert der Vögel plötzlich verstummen. Da siehst du es auch schon mit bloßem Auge— ein Riesenvogel schwebt durch die Lüfte— ein Flugzeug. Dort oben ledoch ist es nicht immer so lieblich und friedlich wie hier unten! Seitwärts und aus allen Himmelsrichtungen kommen mitunter die Luftacwalle» der Natur mit plötzlichen, heimtückischen Böen und suchen dich aus dem Gleichgewicht zu schleudern, möchte» dich Hundert« von Metern nach oben reißen, wollen dich Tausend« nach unten ziehen—»in den Staub wieder sollst du. aus dem du wurdest— fliegender Erdenwurm*— höhnt das Element der Lust, ober der Mensch vermag es zu meistern! llnd mm sitzest du im Flugzeug, einig« hundert oder tausend Meter hoch und siehst voll Staunen und Bewunderung auf die Erde hinab, die dir, tellerrund, wie«in» plastische Landkarte erscheint. Wie köstlich ist doch die Well! Du erblickst sie im Fluge in prangender Schönheit, Kraft und Füll« oufgebaut. mll Farbe und Ton gesättigt, erquickend in all chrer Pracht und Herrlichkeit. Du lernst die Natur verstehen, du kehrst zurück z» ihr, mag dein Gemüt noch so beeinflußt von abgeklärter, anempsundener und an- gelesener Blasiertheit sein. In der Natur erkennst du erst den Schöpfer alle« dessen, da» du in erhabener G-stall erschauen darfst. Du siehst auch den grauen Alltag als ein« Gabe an. du erhältst deinen Glauben wieder, formst dein Gemüt um, indem du vieles obstrelfst. was unschön und häßlich ist: dein Inneres wird wieder den Idealen zugewendet. Ich sehe dein iranisches Lächeln: du sagst, ich sei«in Phantast? Fliege, fliege, und du wirst den Wert de» Lebens besser erfassen! Genau unter dir geht eine Bahnlini« Ein Zug fährt mll dir in gleicher Richtung. Aus dem Schornstein der Lokomtive quillt«n weißliches Rauchfähnchen: wie der Qualm einer Zigarette sieht stch's an. Das.Zügel«* macht sein« 60 Kilometer in der Stund«, doch du überholst es in wenigen Augenblicken, hast vielleicht gar den Wind Im Rücken und fliegst mll dreifacher Geschwindigkeit. Gleich vor dir glitzert der gewundene Laus eines Flusse«, wie der Körper einer Schlang« Im hellen Sonnenschein. Berge von großen Ausmaßen türmen sich auf dem Erdboden auf. Dir erscheinen sie in lächerlicher Kleinhell wie schwache Hügel. Fluß und Eisenbahn machen weit« Umwege um sie herum, Landstraßen erklimmen In zahllosen Win- düngen ihre Höhen. Dort liegt«in stilles Dörfchen im Tal wie Spielzeug aufgebaut. Die roten Ziegeldächer grüßen freundlich zu dir herauf. Der spitze Kirchturm erscheint dir wie ein warnender Finger: �Hab acht, hob acht, fliegender Mensch!* Aber Verweilen gibt es nicht. Wie Filmstreifen huscht«« blitzschnell vorüber. Die Zeit verrinnt. Ueber dir ziehen ein paar Federwölkchen behaglich ihre Bahn. Die Lust ist klar und sichtig. Du blickst hinaus und be- wunderst die Farben, mit denen die sich neigende Sonne den Himmel zu tönen beginnt: Rostgrot, gelblichweiß— blaßbläulich, wo die Schallen sind. Du schaust und beginnst zu träumen, genießt die Poesie de» Fliegens in vollen Zügen, möchtest die Arme aus- breiten vor lauter Glück imd Seligkeit. Die Natur wird dein Kamerad. Du vergißt, daß du mutterseelenallein hier oben im Weltall schwebst, abhängig von der Seele deiner Moschine, vom Motor und von den Launen der Nall-r. Da siehst du in ver Ferne den Landungsplatz. Vorsichtig nimmst du dem Motor Gas fort. Da» Donnergebrüll der Explosionen in den Zylindern wird Ich-»och und schwächer, bis es verstummt. Du aleitest mll rasender Ge» schwindigkell hinab, hörst das Pfeifen der vi« Lust durchschneidenden Gpannkabel und fühlst bald festen Boden unter den Rädern—■ die Erde hat dich wieder. Ein erhebendes, herrliches Erlednis hat dir den grauen Alltag verschönt und läßt dir das Dasein wieder lebens- warter erscheinen.______ Die»tenographiermaschine. Nach jahrzahntelangen versuchen. Schreibmaschinen für Kurzschrift zu konstruieren, soll jetzt ein Fron- zose nach dreizehnjähriger Arbeit«in« Stenographiermoschin« gebaut haben, die tatsächlich alle Anforderungen«rsülll, die man im prak- tischen Betrieb an«in« solche Maschin» stellen muß. Di« 2t lasten dieser Schreibmaschine entsprechen einer Reihe bestimmter Klang» silben. d. h. es entspricht zum Beispiel(«» handelt sich hier um »rainöstsche Sprachklänqe!) der Buchstab«« den Klangsilben er, oi, ez und et. Da» Schriftbild« m« würde also da» Wort almer(lieben) be- deuten. E» sollen mll dieser Methode in Gegenwart von Sachverstän- digen berells außerordentliche Erfolg« erziell worden sein. Wöhrend bei der gewöhnlichen Stenographie der Rekor» zurzeit 160 Wort« in der Minute betrSgt. wurden mll ber Stenographlermaschine durch- schnittlich 210 bis 231 Worte, als höchste Leistung 267 Wort« in der Minute erreicht. Angeblich ist diese Maschine bereit, in mebrerrn französischen Stenographenschulen in Betried, im allgemeinen sollen zwei Monate zur Erreichung großer Schreibgeschwindigkeit genügen. Ein besonderer Dorteil bestebt darin, daß dieses Stenogramm ein- deutig und klar genug ist, um von jeder anderen Schreibkraft in Normalschrift übertragen werden zu können. 0 Leistungsfähigkeit! Wer gute Ware" als etwas Besonderes anpreist, sagt etwas, was eigentlich ganz selbstverständlich sein sollte Leistungsfähig aber in unserem Sinne ist erst die Firma, die gute Ware zu niedri. gen und niedrigsten Preisen verkauft C& A BRENNINKMEYER Königstraße 33 Am Bahnhol Alexanderplatz Chausseestr.113 Beim Stettiner Bahnhot Oranienstraße Die neue Die neue Ecke" Mäntel Fantasieware ab 475 Mouliné ab 750 Vel. de laine ab 1900 dto. mit Pelzgarnierung ab2400 Backfisch- Mäntel Flauschstoffe ab 750 Vel de laine mit Pelzgarnierung ab 1950 Wollpl.- Jacken ab2750 Wollpl.- Mäntel ab3900 Scal- Plüsch ab4500 Gute Ware ab6900 dto. m. Pelzgara. ab9000 dto. 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Ubz, findet in Saverlands Feftfälen, Rene Friedrichstr. 35. Eingang Rochitraße. bie orbentliche Ausschuß- Sigung ftatt, umelcher hiermit eingeladen wird. egesordnung: 1. Wahl des Rechnungsausschuffes sur Brüfung der Jahresrechnung für das Gefchäftsjahr 1925 gemäß§ 91 ber Raffenfagung. KrausePianos ZUT Miete Ansbacher Str. 1, Ecke Kurfürstenstraße Elegant, fesch Zu Tanzu.Tee Neueste Linie Typisch modern well fallender Glocken die leuchtend- farbige mantel, neue Form, aus Blüte am guten Samtgutem Velours de lainem. kleid; stilvoll graziose Sonnenbrand- Opossum Glocke Moderne Farben nur. 23°° nur. 00 rückwärts Glocke", vorn Fallen. Reizvoll schickes Kleid; guter Rips; Da. masségarnit. Neue Farh. nur! 25° 27 50 vornehmer Glockenmantel aus gut. Velours de laine; Formbiesen; voller Pelz- Rollkragen www 3500 Schriftliche Bestellungen können nicht berücksichtig werden! Deffentliche Aufforderung A. 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Die Betfegung er olgte bereits.- 3hm folgte am 8. d. M der Schriftgiezer Otto Baecker im Alter von 66 Jahren an Herzfchlag. Einäscherung: zeitag nachm. 61 Uhr im Krematorium Gerichtstraße. Ehre ihrem Andenken! Das Berfonal b. Schriffgießerei W. Woellmer. B. Die hiernach zur Abgabe einer Ber6 Leih 2. a) Aktiengesellschaften, Rommandit- mögenserklärung Berpflichteten werben Wurstfabril an Sentralhalle 3800 vez gefellschaften auf Attien, Rolonial aufgefordert, die Erklärung unter Betauft Eichhorn, Wilhelmftraße 144, part. gefellfchaften, bergbautreibende rechts nukung des vorgeschriebenen Borbruds fähige Beteinigungen und nicht rechts in der Reit vom 20. November bis Möbel fähige Berggewerkschaften, Gesellschaften 15. Dezember 1925 bei ihrem auständigen mit beschränkter Haftung, Genoffen- Finanzamt einzureichen. 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Die Tätigkeit des Ausschusses ist nicht eine gutachtliche, sondern es steht ihm die unmittelbare Mitwirtung an dem Zustandekommen des Gesezes für den endgültigen Reichswirtschaftsrat fagungsgemäß zu. Das Reichswirtschaftsministerium hat den Verbraucherorganisationen so gut wie feine Bedeutung im Wirtschaftsleben beigemessen. Wie wäre es sonst möglich gewesen, dem Zentralverband deutscher Konjumpereine mur einen einzigen Vertreter zuzubilligen. In Frankreich ist ein Wirtschaftsrat neu gegründet, der 80 Mitglieder als Vertreter der verschiedensten Wirtschaftstreise um faßt; in diesem Wirtschaftsrat hat man den französischen Ronsum genossenschaften fünf Bertreter zugeteilt. Sie haben also den sech zehnten Teil der Gesamtvertreterschaft und sind so in der Lage, den privatwirtschaftlichen Forderungen die gemeinwirtschaftlichen der Verbraucher wirksam entgegenzustellen. Das ist nur möglich, wenn Berbrauchervertreter in solcher Anzahl vorhanden sind, daß sie auch für die zu bildenden Ausschüsse in Frage kommen. In einem Gremium, wie der zu bildende deutsche Reichswirtschaftsrat, ist ein Vertreter einflußlos. Aber selbst wenn der eine in allen Ausschüssen zugelassen werden fönnte, so wäre es so gut wie ausgeschlossen, daß eine Person ohne Benachteiligung seiner beruflichen Pflichten die ihm übertragene Aufgabe mit der erforderlichen Sorgfalt allein erfüllen fönnte. Die französische Konsumgenossenschaftsbewegung hat nicht an= nähernd den Umfang und die wirtschaftliche Bedeutung wie die deutsche. Würde man der deutschen den sechzehnten Teil der Abge. ordneten zubilligen, so müßten diesen acht Bertreter zugewiesen betommen; fie erhalten, wie gesagt, aber nur zwei. In der Begründung zu seinem Referentenentwurf sagt das Reichswirtschaftsministerium folgendes: Das Stärtenerhältnis der einzelnen Berufsgruppenvertretung entspricht im allgemeinen dem bisherigen Zustand. Für einige Gruppen hat sich aus den bisherigen Erfahrungen die Notwendigkeit einer ziffernmäßigen Verstärkung ergeben." Weiter heißt es in diesem Entwurf bezüglich der Ausschüsse auf Seite 9:: Boraussichtlich werden in die Abteilung II und III die. jenigen Bertreter des definitiven Reichswirtschaftsrates wieder zurückkehren, die fich an seinen Arbeiten besonders be teiligt haben." In den Hauptausschüssen des Reichswirtschaftsrates haben vom Zentralverband deutscher Konsumvereine die Herren Kaufmann, Bästlein und Hoffmann mitgewirft. Während nun bei anderen Sheffield gegen Solingen. Nach dem englischen Industrieschußgefeg tönnen die verschiedenen Industriezweige einen Schutzoll in Höhe von einem Drittel des Wertes der Einfuhrwaren beantragen, wenn sie den Nach meis unfairer Auslandston turrenz erbringen fönnen. Als solcher wird außer der Konkurrenz der Inflationsländer die Konkurrenz solcher ausländischer Industrien angesehen, die ge ringere Löhne zahlen, als die gleichen englischen, oder die längere Arbeitszeit haben. Man weiß, daß inzwischen nicht wenige englische Industriezweige den Versuch gemacht haben, diesen Dumpingzoll zu erlangen. Man weiß aber auch, daß nur verhältnis, mäßig wenige Industriezweige dabei Glück gehabt haben. Es ist zu vermuten, daß es der Sheffield Cutlery Manufacturers Association mit ihrem Antrag auf Gewährung des Dumpingzolles, der eben vor dem Sachverständigenkomitee des Board of Trade verhandelt wird, nicht besser gehen wird, als der Mehrzahl der bisherigen Antragsteller. Gegenspieler der Sheffielder Industriellen ist vor den Sachverständigen die Gruppe der Stahlwarenimporteure der Londoner Handelskammer. Die Berichte der englichen Bresse über diese kontradiktorischen Verhandlungen verfolgt man in Solingen, gegen dessen Industrie die Sheffielder geschüßt sein will, auch in Gewertschaftstreifen sehr genau und findet dabei, daß die englischen Bollinteressenten nicht selten mit falschen Angaben operieren. Bergleicht man die beiden Industrien nach ihren legten Vorfriegsverhältnissen miteinander, so ergibt sich, daß die Solinger Sndustrie die stärkere, aber auch die am meisten auf Export angewiesene ist. Die Produktion Sheffields wertete im Jahre 1913 nach den Angaben der Industriellen 1,9 millionen Pfund Sterling. Davon wurden etwa 44 Broz. exportiert. Im gleichen Jahre exportierte die Solinger Industrie für 38,3 Millionen Mark Stahlwaren, also etwa soviel, wie die Sheffielder Industrie insgesamt erzeugte. Die Produktion der Solinger Industrie für das Inland ist schwer zu schäzen. Sie wird 1913 aber faum weniger als ein Biertel und kaum mehr als ein Drittel des Exports betragen haben. Aus Deutschland gingen im Jahre 1913 4080 Doppelzentner Stahlwaren Solinger Art im Werte von 3 Millionen Mart nach England. Die entsprechende Gewichtszahl der englischen Statistik ist 3420 Doppelzentner, so daß 16 Proz. dieser deutschen Ausfuhr nach England nur Durchfuhr war; demnach sind in den englischen Verbrauch eingegangen: für 21,3 millionen Mart Sheffielder und für nur 2,5 Millionen Mart Solinger Stahlwaren. Die Sheffielder Ware wertete pro Gewichtseinheit etwas mehr als Die Einfuhr aus Solingen, was die Auffaffung bestätigt, daß Solingen nach England im wesentlichen nur die Poften geringwertiger Stahl maren lieferte, auf deren Herstellung Sheffield nicht eingerichtet war. Die Sheffielder Produktion ist der Menge nach im Sahre 1924( 62 224 Cwt.) auf fnapp mei Drittel der Menge des Jahres 1913( 99 691 Cmt.) zurüdgegangen. Gleichzeitig hat sich die Arbeiterzahl von 11 700 auf 7000 vermindert. Dem Werte nach be trug die Sheffielder Produktion im Jahre 1923 rund 18 000 und im Jahre 1924 rund 38 000 Bfund mehr als im Jahre 1913. Bon 1913 zu 1924 ist der Durchschnittswert pro Doppelzentner von 37% Pfund um 63 Broz. auf 61% Pfund gestiegen.( Dieje 63 Proz. find nicht etwa reine Teuerungszahl, sondern mit hervorgerufen durch die Neu produktion besonders hochwertiger rostfreier Stahlwaren, wodurch cuch das Mengenergebnis nicht verläßlich den Konjuntturstand be. zeichnet.) Bei Rückführung der Gegenwartswerte auf Vortriegswerte ergibt fich, daß der Inlandsabfaz der Sheffielder Industrie im Jahre 1924 um 46 Proz. hinter dem Absah des Jahres 1913 zurückblieb, dagegen der Export nur um 23 Proz. Als wesentlichste Ursache der gegenwärtigen Krife Sheffields mus also die verminderte Auf nahmefähigteit des englischen Innenmarftes er fannt werden. Der Solinger Industrie geht es in dieser Beziehung nicht Donnerstag, 12. November 1925 präsident der Provinz Brandenburg ließ vom„ Amtlichen Preußischen Pressedienst darüber folgende Erklärung verbreiten: " Die Verhandlungen über eine sachgemäße, den Börsenmarkt nicht belastende Unterbringung der aus dem Kahnschen Besitz stammenden Pfandbriefe haben zu einer dem Borschlage des Oberpräsidenten entsprechenden, vom Magistrat gebilligten Verein Berufs- und Wirtschaftsgruppen diese Bertreter in den Haupt- barung der beteiligten Großbanken und des Pfandbriefamts geausschuß zurückkehren, soll der Zentralverband deutscher Konsum die von einer Berliner Zeitung befürchtete Belastung der Steuerführt, die die Abnahme der Pfandbriefe derart sicherstellt, daß weder vereine überhaupt nur einen Vertreter erhalten. Wir müssen des- zahler unmittelbar oder mittelbar eintritt, noch eine Beeinträchtigung halb feststellen, daß auch die Begründung, auf, die Konsumberhalb feststellen, daß auch die Begründung, auf, die Konsumver oder Berührung des Börsenmarktes stattfindet. Bei dieser Gelegeneine angewandt, nicht den Tatsachen entspricht. Hätte man die eine angewandt, nicht den Tatsachen entspricht. Hätte man die heit ist festgestellt worden, daß das Kahnsche Beleihungsgeschäft Konsumvereine gleich wie die übrigen Wirtschaftsgruppen behandelt, fagungsgemäß und als Deckungsgeschäft für die Beleihung mündelso wären dem Zentralverband deutscher Konsumvereine unter Berücksicherer Wertpapiere einwandfrei ist. Ueber die Mündelsicherheit der fichtigung der gesamten Veränderung drei und der Großeinkaufs- Berliner Pfandbriefe bestehen keine Zweifel. Inzwischen hat das Gesellschaft Deutscher Konsumvereine ein Sitz zugefallen. Es wäre Pfandbriefamt seine Emissions- und Begebungspolitik der Aufnahmedies bas minbeste gewesen, was damit der Begründung des Gesetz- fähigkeit des Kapitalmarktes angepaßt, so daß für die Zukunft eine entwurfes entspräche. Man hat also die Konsumvereine bei fammenhang mit Schwierigkeiten bei Dahrlehnsnehmern nicht Beunruhigung des Marktes der Berliner Pfandbriefe im Zudem endgültigen Reichswirtschaftsrat zurüdgefeßt, während mehr zu befürchten ist." man bei der Verbrauchergruppe stets die Städtevertreter den Berhältnissen entsprechend ordnungsgemäß hinzugezogen hat. Es ist unmöglich, daß eine so große Wirtschaftsgruppe wie die der deutschen Konsumvereine im ganzen nur mit zwei Vertretern bedacht wird. Wovon der Zentralverband deutscher Konsumvereine mit 3½ Millionen Versorgungsfamilien einen, der Reichsverband deutscher Konsumvereine Düsseldorf einen bekommt. Im Borläufigen Reichswirtschaftsrat waren außer dem Zentralverband deutscher Konsumvereine mit drei Vertretern und der Deutsche Genossenschaftsverband mit einem Bertreter für die Boh nungswirtschaft vorhanden. Der neue Entwurf sieht, wie schon gesagt, einen Bertreter für den Zentralverband deutscher Konsumvereine und einen für den Reichsverband deutscher Konsum vereine vor. Das deutsche Wirtschaftsleben wird vom Rapitalismus beherrscht, Diesem wohnt die Tendenz des Gewinnstrebens inne. Ein Gegengewicht ist nur durch die von den Genossenschaften betriebene Bedarfs dedungswirtschaft möglich. Soll z. B. der Miß brauch der Rartellgemalt nicht alle fittlichen Schranken einer ordnungsgemäßen Warenversorgung über den Haufen werfen, jou nicht eine hemmungslose Preistreiberei zur völligen Berarmung und Berelendung der breiten masse führen, so muß eine weise Regierung die Bestrebungen der Berbraucherorganisationen eher fördern als hemmen. Der Produzentenftandpunkt wird im neuen Reichswirtschaftsrat ein Vielfaches der Unterstügung erfahren, die man dem Verbraucherstandpunkt angedeihen läßt. Wir möchten deshalb, wenn bei den anderen die Einsicht fehlt, noch im letzten Augenblick besonders an die der Arbeitnehmervertreter appellieren, weil deren gewerkschaftliches Streben zur Sisyphusarbeit verdammt ist, wenn ihnen jebe ertämpfte Lohnaufbesserung durch willkürliche Preis. ausschuß in letter Stunde fordern, ist nicht bittiert vom einseitigen treiberei entriffen wird. Was wir Genossenschafter vom Verfassungs. Interessenstandpunkt, sondern von der Sorge um die gesunde Entwidlung der deutschen Volkswirtschaft. Das Berliner Pfandbriefamt hat seinen Standpunkt, nicht auf Kommando der Großbanten zur Haltung des Kurses beliebige Mengen auf den Markt geworfener Pfandbriefe aufnehmen zu müssen, bloß um den Banken das Verlustrisiko beim Verkauf an private Stellen abzunehmen, aufrechterhalten. Die Großbanken können den größeren Teil ihres Pfandbriefbesizes fofort veräußern, ohne auch nur annähernd den Prozentsaz einzubüßen, den sie beint Berkauf außerhalb der Börse einbüßen müßten.( Es handelt sich dabei um die Summe von immerhin 100 bis 200 000 m.). Darüber hinaus wird durch die getroffene Bereinbarung das weitere Angebot an der Börse, das infolge der beschränkten Aufnahmefähigkeit des der Pfandbriefbefizer hätte führen müssen, vermieden. So mag Berliner Pfandbriefamts zum Kursbrud und zur Beunruhigung mäßig berücksichtigende Lösung gefunden worden wäre. der Eindruck entstehen, als ob eine das öffentliche Intereffe ameddend muß es schon sein, daß die amtliche Beröffentlichung alle Dennoch bleibt an der Sache ein sehr peinlicher Rest. Befrem tontreten Angaben darüber, wer nun eigentlich den Großbanken die Pfandbriefe abnimmt, zu welchem Kurse die Abnahme erfolgt, unterläßt. Nach unserer Kenntnis tommt weder eine staatliche, noch eine unmittelbar städtische Stelle in Frage. Noch befremblicher ist es, daß allen an den Verhandlungen beteiligten Stellen eine Schweigegebot auferlegt worden ist. Die Deffentlichkeit wird also über wichtige Streitpunkte in Unfenntnis gehalten. Die Pfandbriefgläubiger tönnen ruhiger schlafen. Das ist richtig. Den Großbanken aber ist tatsächlich der weitaus größte Teil des Rifitos abgenommen worden. Dieser Borgang ist merkwürdig und unter Umständen ein gefährlicher Präzedenzfall aus folgendem Grunde: die beteiligten Großbanten haben mit dem Kahntonzern gegen Hereinnahme der Pfandbriefe ein Kreditgeschäft gemacht, aus hören Kursverluste beim außerbörslichen Berkauf der Pfandbriefe. dem sie hohe Zinsen erhalten. Für dieses Kreditgeschäft haben sie als Unternehmer die Folgen zu tragen. Zu diesen Folgen geDaß diese Kursverluste überhaupt eintreten, ist in der Hauptsache die Folge der 3 bis 4prozentigen Bergütungen, bie fich die Großbanten felbft für den Vertrieb von Pfandbriefen gutschreiben. fenfurrens ou fun( ein Resultat, das nicht dem Einfuhrzo!! Brandbriefe einen solchen Kursabschlag tragen sollen, trifft sie also Sie hat zwar am deutschen Markt mit feiner Auslands- Wenn die Banken als Verkäufer im Eigenbesig befindlicher zu gebantt ist, der selbst nach der Berdoppelung durch das Zollgefeß selbst nur derjenige Kursabschlag, den sie sich selbst beim Bertrieb dieses Jahre nur 5 Proz. des Durchschnittswertes pro Ausfuhr der Pfandbriefe gutschreiben. Verlangen sie aber Abdoppelzentner des Jahres 1924 ausmacht und eben deshalb gut ent- nahme zum Börsen- oder einem nur wenig darunterliegenden Kurs, behrt werden könnte), aber es ist ganz zweifellos, daß die Aufnahmefähigkeit des deutschen Marktes ganz erheblich geschwächt ist. so belasten sie den Abnehmer mit dem Kursverluft. Auch die Ausfuhrmenge ist von 1913( 59 510 Doppelzentner) zu 1924 ( 52 312 Doppelzentner) zurückgegangen. Dagegen ist in der gleichen Beit in Berbindung mit der Breissteigerung( je Doppelzentner von 644 auf 922 m. also um 43 Broz.) eine Steigerung des Ausfuhr wertes von 38,3 auf 48,2 millionen Mart erfolgt. and ift von 1913 au 1924 von 4080 auf 4466 Doppelzeniner und Die Ausfuhr Solinger Stahlwaren nach Eng Ausfuhr stieg von 735 auf 953 m., also um 30 Broz.. Leider laffen von 3 auf 4,26 Millionen gestiegen. Der Durchschnittswert dieser fich die Mengenangaben der deutschen und der englischen Statistit nicht mehr vergleichen( da seit 1920 die englische Statistit in Dußenden und nicht mehr nach Gewicht anschreibt), so daß die Nettobelieferung des englischen Marktes durch die Solinger Industrie nicht zu errechnen ist. Ünverkennbare Anzeichen deuten aber darauf hin, daß der Anteil der zur Wiederausfuhr bestimmten Mengen an der Gesamtausfuhr Solingens nach England zugenommen hat. Aber selbst wenn das ganze Plus der deutschen Stahlwarenausfuhr nach England dort verblieben sein sollte, so würde es noch nicht 10 Broz der Mengen ausmachen, die Sheffield im Jahre 1924 am innerenglischen Markt nicht hat absetzen können. " Die Schutzollbemühungen Sheffields haben also gegenüber der Solinger Industrie teinen rechten Sinn. Die Beschuldigung gegen diese, sie betreibe Dumpingerport, jucht man u. a. dadurch zu beweisen", daß Preise Solinger und Sheffielder Waren verglichen wurden, die gar nicht verglichen werden fönnen, weil sie qualitativ verschieden zu bewerten sind. Als weiteren Beweis" für Tumping hat die Sheffielder Industrie die Solinger Löhne angeführt, feltsamerweise aber dabei auf den Kölner Metallarbeitertarif eremplifiziert. Ihre eigene Lohnhöhe hat sie mit 40 Broz. über diesen Kölner Löhnen angegeben. Das zeigt, daß die Sheffielder nur ein sehr mageres Argument gefunden haben, denn da die mehr zahl der eigentlichen Stahlwarenarbeiter im Solinger Bezirk als Affordarbeiter bezahlt werden und weit höhere Löhne verdienen, als die nach Tarif bezahlten Stundenlöhner, so bleibt im Durchschnitt taum ein Unterschied zwischen dem Lohnaufwand der Solinger und der Sheffielder Industrie. Auch der Hinweis der Sheffielder auf die längere Arbeitszeit in Solingen( in Sheffield 50 Stunden pro Woche) geht teils daneben. Tatsächlich sieht der bisherige Tarifa vertrag die 56stündige Arbeitswoche für die Solinger Metallindustrie vor. Aber es ist den Arbeitern gelungen, diese in den meisten Fällen abzumehren, so daß sich im Durchschnitt eine wesentlich geringere normale Arbeitszeit ergibt. Diese Tatsache hat gerade in den letzten Bochen bei den Berhandlungen über die Neuregelung der Arbeitszeit im Solinger Bezirk eine bedeutende Rolle gespielt und den Schlichter veranlaßt, auf eine Abänderung der tariflichen Festlegung der Arbeitszeit hinzuwirken. Es ist schließlich nicht zweifelhaft, daß die englischen Schußzzoll wünsche durch den Verlauf der letzten Zollverhandlungen in Deutschland gefördert worden sind. Aber man fann unmöglich den Wider sinn des Schutzzolles für Stahlwaren Solinger Art im deutschen Zolltarif, der durchschnittlich 5 Broz. des Warenwertes ausmacht, in England durch einen 33% prozentigen Zoll übertrumpfen wollen. Joh. Krezen. Großbanken und Pfandbriefmarkt. Der Konflikt zwischen mehreren Berliner Großbanken und der Berliner Pfandbriefbant, über dessen große allgemeine Be deutung wir fürzlich berichteten, hat eine überraschend schnelle und glatte Lösung gefunden. Wie man hört, durch einen gefchidien Vermittlungsvorschlag des Oberpräsidenten der Provinz Branden burg, der von beiden Barteien angenommen worden ist. Der OberNun würde keine einzige Privatbant, weil sie beim privaten Kauf um den Prozentsaß der Bergütung billiger faufen könnte, den Großbanten die Pfandbriefe abnehmen. Wenn das Arrangement dennoch einen Räufer gefunden hat, so ist durch staatliche Mithilfe den Großbanken zum mindesten ein Teil des Verlustrisikos abgenommen worden. Gleichgültig nun, mer es endgültig trägt, die Großbanten find es nicht. Damit ist ein Präzedenzfall von beträchtlicher Tragweite geschaffen. Wenn die Deffentlichkeit sich auch schon daran gewöhnt hat, daß der Staat gelegentlich der vielfachen Konzernstügungen für die Kreditgewährung der privaten Großbanten leztlich mit öffent lichen Mitteln Garantien bieten mußte, die direkte Abwälzung von Verlusten der Großbanten unter staatlicher Assistenz ist etwas Neu artiges. Die Gefahr für die Zukunft liegt darin, daß sich in ähnlicher Lage jede andere Großbank auf den Fall der Berliner Pfandbriefbant wird berufen fönnen. So erfreulich es ist, daß durch das Eingreifen öffentlicher Stellen für den Pfandbriefmarkt die erforderliche Beruhigung geschaffen ist, so scharf wird die Oeffentlichkeit weiterhin das Verhalten der Großbanten auf dem Pfandbriefmarkt beobachten müssen. Es muß verhindert werden, daß von den Großbanken die Verluste, die sie aus der einigungstrife zu tragen haben, in das Haus der Sparer geleitet merden. Maschinenfabriken des Klöckner- Konzerns. Den KlöcknerKonzern sind die Maschinenbauanstalt Humboldt Köln- Kalt und die motorenfabrit Deub( Attientapital je 12,75 mi) angegliedert, die untereinander durch Interessengemeinschaft verbunden sind. Die Motorenfabrit Deuß ihrerseits ist mit der Motorenfabrit Oberursel A.-G. durch Interessengemeinschaft verbunden. Die dret Maschinenfabriten bilben als Abnehmer und als Weiterverarbeiter ein wichtiges Glied der Klöcknerschen Konzernintereffen. Die Bilanzen der drei Maschinenfabriten, von denen die Maschinenbauanstalt Humboldt von der Bergbautrise und dem Ausfall der Reichsbahnaufträge besonders schwer betroffen war, zeigen eine günstige Auswirkung ihrer gegenfeitigen Interessenvereinigung und der Verbindung mit dem Rödner- Ronzern. Berluste sind nicht entstanden trog der besonders für Humboldt sehr schlechten Ronjunttur; die durchgeführte umstellung der Produktion wurde aus den laufenden Einnahmen bestritten. Die ausgewiefenen Rein gewinne find zwar nicht hoch( rund 1 Million) und eine Dividende wird nicht berteilt, jedoch sind die Abschreibungen normal und die Liquidität ist nicht besonders angespannt. Das ist um jo bemerkensmerter, als Humboldt und Deus sehr über die 3inslasten lagen, bie ihnen aus der furzfälligen Rohstofflieferung, den langen Produktionszeiten ihrer Maschinenproduktion und den langen Bielen er anstalt Humboldt scheint zur Inanspruchnahme von Banffredi wachsen, die die Abnehmer verlangen. Nur die Maschinenbauten genötigt gewefen zu fein. Die Um säge betrugen bei Humboldt 21,42 min. und bei Deut 26,37 min. Bei Oberursel ist die Produktion mengenmäßig um 65 Prog. gegenüber dem Borjahr erhöht. Die Belegschaft beträgt bei Humboldt 3543, bei Deutz 3038 Mann gegenüber 3632 und 3294 Mann in ber legten Vorfriegszeit. Die höheren Umfäße sind also trog niebrigerer Deut Belegschaft erzielt worden; das gilt besonders für Deut. und Oberursel sind nach wie vor start beschäftigt. Die mengenmäßige Broduktion bei Humboldt, beren Werkstätten den Berhältnissen entsprechend aufriebenstellend beschäftigt find, ist im Steigen. Der Jinanzausgleich vom Landtag verabsihieöet. Barmatdebatte.— Ei« deutschuatioualer Zwischenfall. Der Landtag nahm gestern«inen sozialdemotrati» ,cken Antrag an. wonach im Pressegesetz von 1851 die Para- graphen gestrichen werden sollen, die die politische Genehmigung sur öffentliche Anschläge, Plakate usw. vorschreiben. Es folgt die zweite Beratung des Haushalts der Preußischen Staatsbank(Seehandlung), die durch eine Besprechung des Berichts des Barmat-Unter- suchungsausschusses eingeleitet wird. Finanzminister Dr. höpkcr-Aschofs geht aus die hierzu eingebrachten großen Anfragen ein, soweit die erforderliche Rücksicht aus die schwebenden strafrechtlichen und disziplinarische» Untersuchungen dies zulassen. Abgesehen von der historischen Feststellung, daß die bedauerlichen Vorkommnisse bei der Staatsbank in die Jnslations- Periode sielen, die die Führung der Geschäfte überall erschwert habe, hätten gewisse persönliche Unzulänglichkeiten eine Rolle gespielt. Inzwischen habe die«Staatsbank für die Abstellung der Mißstände gesorgt. Das neue System werde der Wiederholung derartiger Borgänge vorbeugen. Abg. Kuttaer(Soz.): Während frühere Untersuchungsausschüsse sich streng an den Grundsatz hielten, daß das ihnen gestellte Beweisthema nicht über» schritten werden dürfe, hat der staatsbantousschuß vielfach da, wo es dos Sensationsbedürfnis mancher Leute zn erheischen schien, diesen Grundsatz durchbrochen und sich in Unter. fuchungen eingelassen, die mit dem Gegenstande nur in sehr lockerem Zusammenhang standen. Man kam vom Hundertsten ins Tausendste. (Sehr richtig! bei den Soz.) Und auch nicht olle, die sich die Toga des Aato in diesem Ausschuß umgeworfen haben, hatten dazu allzu begründeten Anlaß. Ich erinnere nur an den Vertreter der Kom- munistischen Partei im Ausschuß, Herrn S t o l d t. der weoen sinan- zieller Unregelmäßigkeiten seine Stellung als Gewerkfchaftssekretär einbüßt«, ich«rinner« nur an den Abg. Dr. K a u f h o l d von den Deutschnationalen, der, als es ihm während des Krieges schließlich doch noch gelungen war, eingezogen zu werden(Heiterkeit links), in einem ostpreußischen Barackenlager die Unteroffiziere mit Ge- tränken traktiert«, damit er am anderen Tage beim Dienst weniger scharf mitgenommen würde.(Heiterkeit bei den Soz.) Im erinnere an den deutschnationolen Abg. W i e d e m a n n. der sich ebenfalls als großer Schreier gegen die Korruption hervortat und dabei sich als Arbeiteroertreter m einer Organisation betätigt, deren finanzielle Grundlage» mehr als bedenklich sind. E» berührt eigenartig, daß die Ventschnationalen seht als Redner keinen anderen vorzuschicken haben als denselben Herrn wiede- mann, der im Untersuchungsausschuß im besten Fall die lustige Person abgegeben hat.(Sehr richtig! links.) Zu Beginn der Arbeit des Unterfuchungsausschusies erklär» ten die Hauptschreier: Wer Kredite genommen hat und damit fest- sitzt, ist ein Betrüger. Und wer mit dem Kreditnehmer zu tun hat, ist an dem Betrug mitschuldig oder teilhaftig. Gewiß kann bei irgendeiner Kreditnahme Betrug vorkommen: ich brauche nur an de» Fall des Zitzewitz. Konzerns und an de» Fall K u- t i s k e r zu erinnern. Aber es braucht nicht durchaus Betrug mit irgendeiner Kreditabnahme verbunden zu sein. Wir hatten eigentlich drei Fälle zu untersuchen: Michael, Kutisker und Barmat. Der Fall Michael ist so gut wie gor nicht und der Fall Kutisker eigeMlich nur ganz beiläufig behandelt worden. Man hat ihn meist nur herangezogen, um die Barmat- Hetze zu verschärfen. Während der deutschnationale Berichterstatter zugestanden hat, daß Kutisker mit der Sozialdevwkratie in keiner Verbindung stand, tat die deutschnationale Presse unaufhörlich so, als wüßte sie von alledem nichts und hetzte lustig weiter. Die Untersuchung über dl« Darmat-Asfäre wäre nie in ein aus- geregtes Fahrwasser geraten, wenn sie nicht in die Hände de» Herrn Kußmonn gekommen wäre., Da» einzigemal, als der Untersuchungsausschuß Gelegenheit hatte, einen wirklichen Skandal aufzudecken, nämlich den der Staatsanwaltschaft beim Landgericht I, da hat er sich dieser Ausgab« ent- zogen: es fiel ihm plötzlich ein, daß man in ein schwebendes Der- fahren nicht eingreifen solle. Merkwürdigerweise ist dann dieses schwebende Verfahren, auf Grund desien der Ausschuß sich für un- zuständig erklärte, jetzt infolge der Amnestie eingestellt worden. Dos ist das schlimmste, was Herrn Kußmann passieren tonnte. Die Amnestie bezieht sich lediglich auf politische Verbrechen. TV endet man sie aus einen Staatsanwalt an. so gesteht man damit zu. daß dieser Staatsanwalt nicht al» Behörde, sondern at» Poll- tlker gehandelt hat. Einen schlimmeren Vorwurf gegen einen Staatsanwalt kann es kaum geben.(Sehr richtig! bei den Soz.) Herr Kußmann erklärte im Ausschuß, daß er sich in seiner Unter- suchungssoch« als wirtschaftlich sachverständig gefühlt hat. weil er einen Kursus in doppelter Buchführung mitgemacht habe.(Heiter- keit.) Herr Kußmonn war nicht nur ein Staatsanwalt mit doppelter Buchführung, sondern auch mit doppeltem Boden: er arbeitete auf der einen Seite für die Behörde, auf der anderen für die Deutsch. nationale Partei und ihre Spionagebnreaus. Die Oeffentlichkeit sieht noch immer nicht richtig in dieser Sache. Es handelt sich nicht darum, ob Herr Kußmann verwerflich« politische Geschäfte gemacht hat, sondern darum, wie weit die vorgesetzten de, Serrn kußmann dessen Beziehungen gekannt, gebilligt und unterstützt haben. Dem Zustizmini- sterium gegenüber wüsten wir be'mcn. daß ganz zweifellos das Verhalten des Herrn kußmann von seinen Vorgesetzten unterstützt und gefördert wurde.(Lebhaftes Hört! hört! bei den Soz.) Di« Herren Kuß man» und Knoll haben gedroht, daß sie, wenn es zur Verhandlung kommen sollte, einmal auspacken «erden. Wir misten nicht, ob diese Drohung mit ein Grund war für die Einstellung des Verfahrens. Wir werden jedenfalls dafür sorgen, daß dies« Affäre nicht einfach begraben und vertuscht wird. Der llntersuchungsrnisschuß vergeudete eine ganz« Reihe von Eitzimgstagen mit der Vernehmung des Herrn Tannenzapf, für dessen Ctzorakterisierung der Hinweis genügt, daß sein« er- presserische Forderung von 7500 Mark seitens der Msrkur-Bank abgelehnt wurde und daß er am 8. Oktober 1925 vom Amtsgericht WedSing wegen Wuchers verurteilt wurde. Der Berichterstatter, Abg. von Waldhausen, hat die Theorie aufgestellt, wonach Barmat die Kredite der Seehandlung durch ein System von Empfehlungen erlangt hätte. Run hat aber Kutisker Kredite in derselben Höh« bekommen, wie Barmat, ja sogar noch größere und er hat dieses System von Empfehlungen nicht gehabt. Ebenso hat der Kaufmann Michael keine politischen Empfehlungen nach der Staatsbank mit- gebracht. Es ist also keinerlei Beweis geführt, daß man politisch« Empfehlungen bei der Staatsbank brauchte, um Kredit« von 14 bis 29 Millionen zu bekommen. Der ganze Fall Kutisker hat Zweifel- los kriminellen Anstrich. Die einzige Milderung für diese Gaunerei liegt darin, daß ihm die Staatsbank sein« Manipulationen sehr leicht gemacht hat. Allseitig ist anerkannt, daß der Fall Barmat durchaus anders liegt. Reichsbantpräfidenk Dr. Schach« ha« hervorgehoben, daß er bei Barmat durchaus nicht den Eindruck eine» Betrüger, chab« und ähnlich hat sich Herr Slaatsbankpräsidenl Boeder ge- äußert. 99 Ein Lebenskunstler" Nach dam Drama vor Rlckard Veaa Dof Erfolg 4em B. T. I~, Potsdamer StraBe SS -UoetaeBspielplfiaie an Jeder». Uftaaelol«. Ueber das Charakterbild Barmats ist viel gestritten worden. Abg. v. Waldhausen von den Deutschnationalen hat ihn in seinem Be- richt als«inen Mann geschildert, dem es weniger auf Gelderwerb ankam, als auf Befriedigung seines Ehrgeizes. Man tonnte im ersten Augenblick.bei den Worten Waldhausens den Eindruck haben, als ob er von dem verstorbenen Hugo Stinnes spreche. Jedenfalls ist Ehrgeiz nichts Entehrendes. Viele der Urteile über Barmat waren parteiisch gefärbt. Eins der schlimmsten Urteile war dos sogenannte Urteil der Bochumer Handelskammer, dos auf ein« anonyme Schreiberei zurückgeht, deren Urheber bis heut« noch nicht bekannt ist. Die Bochumer Handelskammer brachte es fertig, Abschriften des anonymen Brieses an 30 bis 49 Stellen zu versenden. Hinterher erklärte die Handelskammer, das sei gegen ihren Willen geschehen. Die anonyme Schimpferei war dann auch für den Kriminalkommissar Klinghammer Anlaß, deswegen eine Haussuchung bei Barmat zu veranstalten. Es handelt sich hier um Vorgänge, die unmöglich bloß Zufälligkeiten sein können. Zedensall» ist e» bezeichnend, wo» für eine Aktion ein lediglich anonyme» Schreiben unter Beamten, die dem alten System zuneigen, auslösen konnte. Es hätte einmal ein republikanisch gesinnter Beamter auf Grund eines anonymen Schreibens eine Haussuchung bei Kußmann und Caspary vornehmen soll. Wir hätten hören mögen, was das auf der Rechten für«inen Radau abgegeben hätte.(Sehr richtig links.) Alle Versuch«, dem verstorbenen Reichspräsidenten irgendeinen Makel anzuhängen, infolge irgendwelcher ungehöriger Vergünstigungen gegenüber Barmat, sind mißlungen. Tatsächlich ist nichts weiter übrig geblieben, als die Frage der Empfehlungen bei der Seehandlung. Bei der Empfehlung von Gradnauer mußte festgestellt werden, daß sie unanfechtbar war. Gradnauer hat die Empfehlung gegeben auf Grund der sächsischen Geschäft« Barmats. In Sachsen wurden dies« Geschäfte zweimal durch Ausschuste geprüst und jedesmal sind sie für korrekt erklärt worden. Der Fall des Polizeipräsidenten Richter ist auf ein Minimum zusammengeschrumpft. Der Ausschuß hat sich schließlich beim Fall Richter in die private Sphäre zurückgezogen und gerügt, daß Richter in seinem Privawerkehr nicht genügend Vorsicht gewahrt Hab«. Ich weiß nicht, ob es auf der Rechten keinen Menschen gibt, der einmal von einem persönlichen Freunde irgendeine Gefälligkeit oder ein Geschenk angenommen hätte. Das Hauptintereste des Ausschustes konzentriebte sich schließlich auf das, was man den„Fall H e i l m o n n" genannt hat. Auch hier ist selbst von den Deustchnationalen. die die schärfste Fassung befürworteten, nichts gegen heilmann festgestellt worden. Niemand hat feststellen können, daß Heilmann aus seinem Der- kehr mit Barmat irgendwelche finanzielle Vorteile gezogen hat. Wir sehen noch, welches Entsetzen gewisse Herren von den Deutschnationa- len zur Schau trugen, als sich herausstellte, daß Heilmann tatsächlich für seine Aufsichtsratsposten keine Vergütung bezogen hat. Es wurde festgestellt, daß Heilmann von vornherein überhaupt auf finanzielle Entschädigung verzichtet und sie auch da nicht genommen hat, wo sie in seine Aussichtsratsperiod« hineinfielen. Wenn das der Rechten unbegreiflich vorkommt, so zeigt das, daß bei ihr jeden- falls die finanziellen Begriff« robuster find, als auf unserer Seit«. (Sehr gut bei den Soz.) Es wurde dann Heilmann unterstellt, er säße jetzt noch in den Aufsichtsratposten von drei Barmat-Unter- nehmungen. Dabei gab es gar keinen Barmot-Konzern mehr, als diese Bchouptung aufgestellt wurde. Als nichts mehr übrig blieb, womit man Heilmann am Zeuge flicken konnte, wurde das G e- spräch Heilmanns mit dem früheren F i n a nz m i n i st e r von Richter in der Vordergrund gestellt. Das Gespräch ist nichts anderes als ein« Sondierung, ob Geneigtheit bestand, dem Barmat- Konzern damals noch weitere Kredit« zu geben. Soweit heute die Protokolle irgend etwas erkennen lasten, spricht alles dafür, daß Hellmann optima kicke gehandelt hat. Wußte Heilmann über den damaligen tatsächlichen Bestand de» Barnia»- Unternehmens wirklich Bescheid? Kein Mensch hat im Dezember die Sache so kritisch angesehen, wie sie sich dann im Januar herausstellt«. So hat zum Beispiel Herr Runge, der als Spezialist mit der Abwicklung der Barmat-Kredit« betraut war, als Zeuge vor dem Ausschuß ge- äußert, er sei noch im Dezember der Ansicht gewesen, es würde kein Geld verloren werden, wenn man Barmat in Ruh« ließe. Kein Mensch kann behaupten, daß Heilmann irgend etwas anderes wußte, als das. war damals alle annahmen, daß die Aktiva die Passiva überstiegen. Es ist natürlich etwas durchaus Verschiedenes, ob man an die Güte eines finanziellen Statuts glaubt oder an die momentane Lreditbedürstigkeit. Will man dies« beiden Sachen durcheinander werfen, dann frag« ich, wie ständen dann die Herren von der Rechten da, die sich heute eifrig darum bemühen, daß die Kredit« der Landwirtschaft prolongiert und sogar noch erhöht werden. Die Herren von der Rechten sind oisenbar optima kicke der Ansicht, daß die Landwirtschast in ihrem Kern so gesund ist, daß sie für die Kredite gut ist und man also die Kredite ruhig prolongieren und sogar noch erhöhen kann. werden die landwirtschaftlichen Kredite heute auf einmal gekündigt, dann geht die Landwirtlchast bankerott. Und die. die das Geld geliehen haben, bekommen nicht» zurück. (Sehr wahr! bei den Soz.) Ich frage: Was ist prinzipiell für ein Unterschied, ob man weih, die Landwirtschaft braucht Kredit, oder ein Konzern, der sich sonst für gut hält, sucht«inen Kredit zu be» kommen.(Zuruf bei den Deutschnationalen.) Ja. vielleicht ist ein Unterschied insofern vorhanden, al» sehr viele von den Abgeordneten der Rechten, die sich seht für die Verlängerung der Kredite an die Landwirtschaft interessieren, selber landwirtschaftlich sehr stark inter- estiert sind.(Große Unruhe bei den Deutschnationalen.) So ist unserer Auffassung noch der Versuch gescheitert, die Bor- gänge bei der Seehandlung dem neuen System in die Schuhe zu schieben. Wenn die Rechte mit Emphase erklärte, unter dem alten System sei so etwas nicht möglich gewesen, so brauchen wir ja nur an die Bezahlung der Spielschuldendes Prinzen Radzi» will in Höhe von 2 Millionen Mark durch die Seehandlung zu erinnern. Der Prinz verlor die zwei Millionen in einem Spiel mit dem Prinzen von Wales, dem späteren König Eduard VII. Da der Kaiser sich lebhaft für die Angelegenheit des Prinzen int«r- essierte, wurden binnen 24 Stunden die Spielschulden durch einen Kredit der Seehandlung gedeckt. Wir möchten einmal wissen, was die Reckjte gesagt hätte, wenn der Reichspräsident Ebert verlangt bätte, die Staatsbank solle Spielschulden eines seiner Verwandten decken.(Sehr wahr! hei den Soz.) Das ganze Geschrei über Korruption und ähnliches, das durch das neue System hervorgerufen worden sei, ist in nichts zerflossen. Es liegt, wie Herr Dr. Pinker- »eil von der Deutschen Volkspartei zugab, keinerlei Ursache vor, von einem preußischen Panama zu sprechen.(Beifall bei den Soz. Zischen rechts.) von R-gierungsfelte wird erklärt, daßimFalleKußmann noch das Landgericht sprechen müste: man könne also nicht sagen, daß die Sache durch Amnestie berests erledigt sei. Abg. wiedemann(Dnat.) betont, Kuttncr und sein« Freund, hätten das Interekie an dem Barmot-Fall durch den Prozeß gegen v. Etzdorf usw. abzulenken versucht. Dann sei die Affäre mit der Scharlachbonk aus» Tapet gebracht worden, wo der Rom« eines Herrn v. Kries genannt wurde. Die Sozialdemokraten handelten immer nach dem Grundsatz: Rur ordentlich verdächtigen, es bleibt immer etwas hängen!(Lachen links und Zuruf: Das sogen Sie!) Heilmann gehör« eigentlich auf die Anklagebank. Auf Zurufe hin nennt der Redner den demokratischen Abg. Riedel einen Hausknecht der Sozialdemokralen, unverschämten Lügner und gewerbsmäßigen Verleumder.(Große Unruhe und stürmische Unterbrechungen.) Abg. Dr. Schwering(Z.) erklärt, daß aus der Barmat- Angelegenheit nicht eine Barmat-Psychose geworden wäre, wenn man sie nicht aus rein parteipolitischen Gründen politisch aufgezogen hätte. Die wirkliche Aufklärung im Falle Easpari-Kußmann könnte noch recht ernste Dinge zutage sördern. Von der ganzen Barmat-Sache sei nichts übrig geblieben als das berühmte kleine Mäuschen. Barmat sei an dem organisatorischen Fehler des Aufbaues seiner Werke zugrunde gegangen. Es hätten doch auch die größten Unternehmen in jüngster Zeit gewaltige Stöße erfahren. Nicht festgestellt sei, daß Politiker im Falle Barmal persönliche Dorteile gehabt haben. Der Nachweis, daß das neue System korrupt ist, ist mißlungen. Zum Fall Kutisker erklärt ein Regierungsoertreter, daß die Anklageschrift jetzt fertiggestellt sei. Dabei zeigt er einen dicken Band vor, um zu demonstrieren, was da an Arbeit geleistet ist. Abg. Dr. Binkerneil(D. Dp) meint, die Barmat-Sache habe die parlamentarischen Untersuchungsausschüste diskreditiert. Darüber hinaus aber müste man fragen, wie es kam, daß in einer Wirtschaft- lich verworrenen und trostlosen Zeit ausgerechnet zwei zweifelhaften Ausländern aus öffentlichen Mitteln der Aufbau eines ausgedehnten Geschäfts in Deutschland ermöglicht wurde. Die Herren von der Staatsbank müßten mit dem Dämelsack geschlagen gewesen sein, al» sie sich mit kutisker, der als ein Schieber östlicher Provinzen erschien, in Geschäfte einließen. Barmat, dem nicht nochgewiesen ist, daß er unehrenhaft war, wäre ohne Empfehlung in Deutschland nicht möglich geworden. An die Spitze der Seehandlung mühten Männer mit richtigem Blick für die veränderten wirtschaftlichen Verhältniste. Abg. Barlels-Krefeld(Komm.) erneuert die kommunistischen Ausschußanträge, die Feststellungen des Untersuchungsausschusses abzulehnen, weil sie eine Kompromißformel darstellten, die darauf berechnet ist, schwere Versehlungen Angehöriger der regierenden Parteien in milderem Lichte erscheinen zu lassen und die Korruption zu verschleiern. Ein deutsch nationaler Abänderuntzsantrag empfiehlt den Pastus des Ausschußantrages, der sich mit dem Ver- halten des Abg. Heilmann befaßt, so zu formulieren, daß der Abg. Heilmann die ihm als Parlamentarier gezogenen Grenzen über- schritt, als er in voller Kenntnis der schwierigen Lage des Barmat- Konzerns Anfang Dezember 1924 an den Finanzminister Dr. v. Richter wegen einer erheblichen Erhöhung des Kredits der Ameximo herantrat. 3n der dann vorgenommenen Abstimmung zur Novelle zum Finanzausgleich wird die Vorlage in der Fassung der zweiten Lesung auch in dritter Lesung und in der Schlußabstimmung angenommen. unter Ablehnung der kommunistischen Aenderungs- anlräge. In persönlicher Bemerkung klärt Abij Riedel(Dem.) unter Bezugnahme auf die an ihn gerichteten beleidigenden Worte des Abo. Wiedemann den Sachverhalt dahin auf, daß er, als der Abg. Wiedemann ihn«inen„Hausknecht der Sozialdemokraten' nannte, dazwischengerufen habe:„Ich habe aber noch keine Kassenberichte gefälscht.� Er sei nunmehr, sobald er die Originale, in die er bereits Einsicht nehmen konnte, sich habe be- schaffen können, gern bereit, den Beweis für die Notwendigkeit und Berechtigung dieses Zwischenrufs zu führen, wobei eine bestimmte Verbandstagung eine Rolle spielen werde. Als Abg. wiedemann(Dnatl.) die Angriffe des Abg. Riedel als ungerechtfertigt zurückweist, erbittet Abg. Riedel(Dem.) vom Präsidenten schon jetzt die Ermächtigung, in der nächsten Woche außerhalb der Tagesordnung feine schweren Angrisse gegen den Abg. wiedemann begründen zu dürfen. Abg. wiedemann(Dnatl.) verlangt, daß der Abg. Riedel dies außerhalb des Schutzes der Immunität tue. Um 6 Uhr vertagt sich das Haus aus Donnerstag 12 Uhr: Ein- stellung des Personalabbaus, Pfarrerbesoldung, Etat der See- Handlung. e• » 23000 Amnestierte in Preußen. Im RechtSauSschuß des Preußischen Landtages teilt« ein Ver» treter de« Justizministerium« mit, daß auf Grund der letzte» Amnestie in den ersten zwei Monaten vom 21. August bis 29. Oktober 1925 nicht weniger als 22 869 Verurteilte oder Beschuldigte amnestiert seien. ES seien 66lS schwebende Verfahren niedergeschlagen und 16256 rechtskräftige Strafen erlassen worden. Bon letzteren seien 11 569 Gefängnisstrafen gewesen. 378 Festung»-, 44 Hast» und 4279 Geldstrafen. Die Amnestie habe einen viel größeren Umfang angenommen, al« man geglaubt habe. Eine Erweiterung der Amnestie, wie sie insbesondere von komm». nifstscher Seite vorgeschlagen werde, sei nicht angebracht. Der RechtSauSschuß trat dieser»uffasiung bei. zu besserer Gesundheit gibt es viele, aber nur wenige, die sich so angenehm beschreiten lassen wie der folgende;.Sie schatten wirklich spielend leicht Kindern jeden Allers ein gesundes, blühendes Aussehen oderkräftigen geistig oderkörperlich angestrengte Mitglieder Ihrer Familie in überraschend kurzer Zeit durch die häufige Bereitung von Oetker-Puddings Die großen Vorzüge liegen darin, daß Sie vor allen Dingen ein natürliches Nahrungsmittel reichen, welches aus den besten Rohstoffen in feinster Verarbeitung besteht und von Ihnen mit den guten Zutaten wie Milch, Butter, Zucker, Früchten oder Fruchtsaft angerichtet wird. 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Juli 1916 erlassen worden, in der gegen jene Dinge Stellung genommen worden ist. Die Propaganda für Streits und Massenaktionen wurde als gewissenlos bezeichnet, das Verhalten der Flugblattverfasser wurde scharf verurteilt. Auch in Artikeln von sozialdemokratischen Zeitungen wurden die Arbeiter gewarnt, fich an solchen Unter: nehmungen zu beteiügen. Das war im Jahre 1916. Als der Prozeß Liebknecht an die weiteren Instanzen ging, wurden weitere Flugblätter verbreitet. Das Werbematerial der sogenannten Spartatusgruppe erschien zuerst heftographiert, später ist man dazu übergegangen, diese Spartakusbriefe durch die Drud. schrift Spartatus" zu ersetzen. Von 1916 bis 1918 find etwa zehn bis zwölf Nummern erschienen. Diese Spartatus, Ichriften sind sehr gefährlich gewesen. Es wurde zu Maffenstreits und Hochverrat aufgefordert. Man hat diese Zeit. hriften an Bertrouensmänner geschickt, die sie an ihre Kreise wieder roeitergaben, und so find fie in immer größere Kreise der Arbeiter schaft gefommen. Gefördert wurde die Ünzufriedenheit der Arbeiter damals insbesondere durch die angekündigte Verfürzung der Brotration. Die Verfürzung hat namentlich auf die Schwer. arbeiter sehr verbitternd gewirkt. eine Bald nach Ausbruch des Krieges machte sich innerhalb der fozialistischen Jugend revolutionäre Bewegung geltend. Im Frühjahr 1916 wurde die sogenannte oppofitionelle Jugendbewegung ins Leben gerufen. Die Leitsätze, die dazu aufgestellt wurden, forderten Teilnahme der Jugend an dem Massen ftreit und Propagierung des Antimilitarismus. Auf die Jugendlichen wurde ein geradezu verheerender Einfluß ausgeübt. Die Jugendlichen haben die revolutionären Lehren für bare Münze genommen und beteiligten sich mit wahrem Eifer an der Her stellung und Verbreitung von Streifflugblättern. Anfäßlich der Maifeier von 1917 veranstaltete die Jugend einen Straßenumzug, wobei ein Aufruf rerteilt wurde, der die Jugendlichen des Jahres 1899 aufforderte, fich nicht zum Militär einziehen zu lassen. Der Januarstreit 1918 ging nicht von Spartatus allein aus, sondern die Unabhängigen haben dabei sehr erheblich mitgewirkt. Es wurde festgestellt, daß etwa am 11. Januar 1918, also noch vor dem Streif, in Düsseldorf cine Bersammlung der Vorsitzenden der Kreiswahlvereine der USB stattgefunden hat. Auf dieser Versammlung wurde besprochen, daß demnächst ein über das ganze Reich sich erstreckender Demonstrations: streit veranstaltet werden sollte. In dem Berfahren, das wegen des Münchener Streits anhängig war, insbesondere in der Rich tung gegen Kurt Eisner, hat der damalige angeschuldigte Eisner über die Borbereitung des Januarstreifs Angaben gemacht, die zum Teil mit den Angaben, die vorher von einem gewissen Bankow gemacht wurden, übereinstimmten. In einer Reihe von Städten haben sich an der Verbreitung der Flugblätter, die zum Streit aufforderten, Leute beteiligt, die in der Partei der Unab hängigen eine gemiffe führende Stellung eingenommen haben. In München war es Eisner, in Leipzig ein gewiffer Lipinski, in Solingen ein gewisser Hermann Merfel, in Nürnberg ein gewiffer Georg Lobig. Zusammenfassend möchte ich fagen: An dem Aus bruch des Januarstreifs war die Gruppe der Unabhängigen in her vorragendem Maße beteiligt, und nach dem Streit von 1918 von 1918 der Feldsoldat spricht. von den stellvertretenden Generaltommandos erlassenen Verord-| auch die Mannschaften Gedanken gemacht haben über die beson nungen abgeurteilt; auf Grund von Notizen, die bei den Verhafteten dere Verpflegung der Offiztere. gefunden wurden, steht fest, daß in Berlin ein eigenes Defer= teurheim bestand, wo Jugendliche, die sich der Wehrpflicht entzogen hatten, Unterschlupf fanden. Es bestand auch ein eigener des Militarismus" zu unterstützen. Inhaftiertenfonds, der dazu bestimmt war, die„ Opfer R.-A. Graf Pestalozza: Es ist wiederholt darauf hingewiesen worden, daß die Zahl der Fälle, in denen eine derartige wühlarbeit fonfret nachgewiesen werden konnte, eine ver hältnismäßig fleine war. Unsererseits wird demgegenüber geltend gemacht, daß diese Erscheinung in der Natur der Berhältnisse lag. 3euge: Das ist zutreffend. Es war leichter, ein Flugblatt zu verbreiten, als einen Flugblattverteiler zu erwischen. Es lag in der Natur der Dinge begründet, daß sich diese Arbeit der Flugblattverbreitung im geheimen abspielte. R.-A. Graf Pestalozza verlas darauf Stellen aus der " 60 Broschüre von Münzenberg, Die sozialistische Jugendorganisation vor und während des Krieges", aus denen hervorgeht, daß die Jugend systematisch aufgefordert wurde, an der Bekämpfung des Krieges mit allen Mitteln teilzu nehmen und die durch den Krieg geschaffenen Verhältnisse auszunutzen, um den Zusammenbruch der kapitalistisch en Gesellschaft zu beschleunigen. Der 3euge erflärt hierzu, daß die Schilderungen Münzenbergs mit seinen Erfahrungen übereinstimmen. R.-A. Graf Pestalozza verlas ferner Stellen aus der befannten Broschüre Fünf Jahre USP. in Dresden", in der besonders anschaulich die Maifeier im Jahre 1917 geschildert wird, die mit einem Gelöbnis der Versammelten schloß, den schärfsten Kampf gegen Krieg und Militarismus einzuleiten. Auch diese Angaben fonnte der Zeuge im großen und ganzen bestätigen. R.-A. Graf Pestalozz a legte dem Gericht die Liebfnecht Nummer der Jungen Garde" vor, aus deren Inhalt her vorgeht, daß sich die revolutionären Jugendführer über die Wirkung ihrer Propaganda durchaus klar waren. Es wird in einem Artikel offen zugegeben, daß es sich um einen Dolch stoß handele. Auf eine weitere Frage erklärte der Zeuge, daß die Propaganda zur Aufstellung von Arbeiterräten zum ersten Male nach dem Januarstreik in Erscheinung getreten sei. Personen während des Krieges wegen Hochverrat verurteilt worden Auf eine Frage des Bertreters der beklagten Partei, wieviele find, erklärte der Zeuge, er fenne 31 Fälle, in denen Verurtei lung wegen politischen Landesverrats erfolgt find. Einige weitere Fälle seien möglicherweise auch von anderen Stellen bearbeitet morden. R.-A. Dr. Hirschberg bemerkte hierzu, daß also während des Krieges auf je zwei Millionen Deutsche eine Berurteilung wegen verfuchten Landesverrats kam. Der Zeuge erwiderte, die Verfolgung einer Reihe von weiteren Fällen sei durch den Eintritt der Revolution unterbunden worden. Der nächste Zeuge war der Boltsschullehrer Ludwig von Rudolf aus Nürnberg. Der Borsigende richtete an den Zeugen die Frage, ob er befunden kann, daß an der Front bis zum Kriegsschluß eine politische Unterwühlung stattgefunden habe. Der Zeuge teilt zunächst mit, daß er auf Grund der Lektüre des Coßmann- Brozesses in den Zeitungen, ohne daß er Beziehungen zum R.-A. Dr. Hirschberg oder zur Sozialdemokratie habe, an Dr. Hirschberg aus freien Süden einen Brief gerichtet habe, in dem er sich als Zeuge zu Verfügung. ftellte. In diesem Brief schrieb er u. a.: er habe während seiner Dienstleistung unmittelbar an der Front nicht bemerken fönnen, daß hier planmäßig an einer Revolutionierung gearbeitet wurde. haben die Flugblätter, die zum Massenstreit aufforderten, fein Ende genommen, es sind vielmehr dann noch mehr verbreitet worden als früher. Nunmehr ging man ganz intensiv daran, auch die Leute an der Front zu beeinflussen. Es wurde auf das Beispiel der Marine hingewiesen und die deutschen Soldaten wurden als henter der Freiheit bezeichnet. Tatsache ist, daß von 1916 bis 1918 vielfach sowohl von Anhängern der Spartakusgruppe wie auch der Unabhängigen persucht wurde, einerseits Leute, die im Felde standen oder die zum Militär eingezogen werden sollten, zu beeinflussen, daß sie ihre militärische Pflicht vernachlässigten. Andererseits wurde es von Anhängern der beiden Gruppen unternommen, Streits, insbesondere auch in den Rüstungsbetrieben herbeizuführen. Das Reichsgericht hat fich damals auf den Standpunkt gestellt, daß Streit im Kriege als Landesverrat mit Zuchthaus bestraft merden müsse. Bom Reichsgericht wurde eine verhältnismäßig fleine Zahl von Personen abgeurteilt. Dagegen wurden hunderte von Leuten, die sich an der Herstellung und Verbreitung von Flugblättern beteiligten, von den ordentlichen Gerichten auf Grund derpflegung geltend machte. Zum erstenmal mögen sich damals 1922 Der Geist der Truppe sei nicht erschüttert gewesen. Es erscheine ihm unerträglich, wortlos zu erleben, wie sich die Darstellung jener Dinge immer weiter von der Wirklichkeit entferne. Der Zeuge erflärte meiter, nicht er sollte hier vor Gericht stehen, sondern der nächste beste Infanterist, da dieser nie Gabe gehabt habe, fich so auszudrücken, wie er wollte. Darum wolle er, der Zeuge es tun, er molle zeigen, wie der Krieg sich für einen darstelle, der mittendrin stand. 1915 sei noch der frische Krieg den Leuten geläufig gewesen. Im März und April 1916 habe sich schon deutlicher eine Ermattung des Truppengeistes feststellen lassen. Die Leute feien schon müder und ungeduldiger geworden, um so mehr als von dieser Zeit ab sich bereits ein Mangel in der Ver. 90 Die Stabsoffiziere hätten sich viel zu wenig um das Leben im Schützengraben gefümmert. Deshalb tonnten sie auch niemals Der Feldherr habe nur Werkzeuge gekannt und habe dabei übersehen, die wahre Stimmung der Truppen fennen. nie ein Verwundeter vor den Füßen gestorben. Wer diese Dinge daß diese Werkzeuge aus Menschen bestanden. Den Feldherren sei erlebt habe, Jahr für Jahr, der begreife, welche Wirkung sie auf die erschärfung des Kriegsdienstes in den Karparthen Soldaten ausüben mußte. Der Zeuge schilderte dann eingehend die und wo die Soldaten besonders unter der großen Kälte zu leiden pflegung die Stimmung herabgedrückt. hatten. Insbesondere habe die Verschlechterung der BerDie Behauptung des Sachverständigen Jochim, daß die Soldaten anderer Armeen erheblich genügsamer und bescheidener gewesen feien als die deutschen Soldaten habe ihm, dem Zeugen, und anderen Kriegskameraden eine helle Empörung ausgelöst. Diese Erklärung eines hohen Offiziers beweise nur, wie fremd diese Herren ihren eigenen Truppen gegenüberstanden. Die Politik habe nach seinen Erfahrungen bei der Truppe teine Rolle gespielt. Im Herbst 1916 habe er zum erstenmal bei seiner drud für die schlechte Stimmung gewesen, feineswegs aber habe der Truppe den Ausdrud Schwindel gehört. Es sei das der AusAusdruck einen politischen Hintergrund gehabt. Niemals jei ihm auch nur der Gedante aufgetaucht, daß die Truppe politisch beeinflußt wäre. Die großen Verluste seien nicht zuletzt auf die physische. Erschöpfung der Truppen zurückzuführen, womit gleich. zeitig eine Anzahl der vielen Krankheiten verbunden war. Als die belgischen Kriegsziele bekannt wurden, hätten die Soldaten den Eindruck gehabt, daß sie dafür doch nicht den Krieg führten. In diese Stimmung hinein platte das Waffenstillstandsangebot der OHC. Dieses Angebot habe den Eindruck einer Bitte um Waffenruhe hervorgerufen. Die Bekanntgabe des Notenwechsels habe diesen Eindruck verstärkt. Die Nachricht von dem Rüdtritt des Generalquartiermeisters v. Ludendorff sei für die Truppe das Eingeständnis der Niederlage gewesen. Selbst in den letzten Oktobertagen feien feine revolutionären Erscheinungen bei der Truppe beobachtet worden. Der allgemeine Eindruck war der: Der Kaiser ist weg, jetzt gegen wir heim. Allgemein sei das Gefühl vorherrschend gewesen, daß nun das Ende des Krieges da sei, nachdem die DHL. ihre Kriegsziele aufgegeben habe, trete das Kriegsziel des Volkes in seine Rechte: Abbruch, Schluß, Heimfehr! Auch auf dem Heimweg sei die Truppe noch diszipliniert gewesen, wenn auch einzelne Leute den Offizieren den Gruß verweigerten ufm. Auch als auf Befehl Hindenburgs Vertrauensleute gewählt wurden, sei das Einvernehmen zwischen Offizieren und Mannschaften immer gut gewesen. Der Rüdmarsch selbst habe trübe Bilder gezeigt. Man habe gesehen, wie die Refruten in die Autos hineinsprangen und die Offiziere verhauen haben, weil sie rücksichts. Los fuhren. Die Mißverständnisse zwischen den höheren Stäben. und den Fronttruppen wurden immer größer, je länger der Krieg dauerte. Wo ist der Feldzugssoldat in Deutschland, der den 11. November 1918, den Waffenstillstandstag, nicht als eine Erlösung empfunden hat? Es wollte wieder Winter werden, der fünfte Winter. Wir mußten, es mußte ein Ende tommien. Dieses ist allerdings anders gekommen, als wir es erwarteten, mir haben aber auch das Unerwartete hingenommen. Wir haben alle nur eines gewuht: Heimat, Friede. Alle find in die Heimat gegangen, und feiner, ob hoch oder niedrig, hat fich dem übermächtigen Zug in die Heimat entgegengeworfen. Die Geschichte hat entschieden. Wir haben nicht weiter gefämpft. Wir haben den Krieg beendet. Wir mögen diese Notwendigkeit heute bezweifeln, damals hat sie jedenfalls bestanden. Auch die ende abgefunden, weil es ihnen die Sorge abgenommen hat. Es Führer wußten nicht mehr weiter und haben sich mit dem Kriegs= mögen von der Heimat Steine in das Seer geworfen sein, den Felfen, an dem unser Heer gescheitert ist, konnten ein paar Aufrührer unjerem Heer nicht in den Weg werfen. Ich bin der Ueberzeugung. daß sich der revolutionäre Einfluß auf das Heer erst dann bemerkbar Salt' bei Verschleimung, Susten, Heiserkeit, Fays echte Sodener stets bereit. 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Ich verstehe nicht, wie die Führer die Frage des Dolch stoßes aufwerfen fönnen und nicht verspüren, wie sie sich selbst und allen Führern das Wasser dadurch abgraben. Es mag an der Niederlage schuld sein, wer immer. Das Bolt ist nicht schuld, das viereinhalb Jahre lang bis zum Weißbluten ausgehalten hat. Rechtsanwalt Graf Pestalozza bemerkte zu den Ausführungen des Zeugen, seine Partei märe jederzeit in der Lage, gleichwertige Ausführungen von Frontteilnehmern zu bringen. In der Verhandlung am Donnerstag, 9 Uhr vormittags, erfolgt zuletzt noch die Verlesung von Urfunden. Parteinachrichten Einsendungen für diese Rubrik find Berlin S. 68. Lindenstraße 3, für Groß- Berlin stets an das Bezirkssekretariat. 2. Hof, 2 Trep. rechts, au richten An die im Schuldienst stehenden Genossen! Einige Genossen, die uns von den Abteilungen genannt find, haben fich noch immer nicht bei der Arbeitsgemeinschaft fozialdemokratischer Lehrer pflichtgemäß angemeldet. Sie werden ersucht, dies fofort beim Genossen Dr. Bitte, GW. 47, Dreibundstr. 16, nachzuholen, oder zur Bersammlung am Sonnabend abend 6 Uhr, Nordstr. 11, zu erscheinen, Genoffe Rarfen spricht über die russischen Schulen. Barteimitgliedsbuch legitimiert. Arbeitsgemeinschaft fog. Lehrer u. Lehrerinnen, Bez. Groß- Berlin. * 6. Kreis Kreuzberg. Achtung, Mieterbeisiger und Mieterschöffen! Monatsversammlung heute, Donnerstag, den 12. November, 7 Uhr, im Mietcinigungsamt Kreuzberg, Urbanstr. 167. Tagesordnung: Die neuesten Borgänge auf dem Gebiete der Mietgerichtsbarkeit". Referent Genosse Ernst Ruben. Bei der Wichtigkeit der Tagesordnung darf niemand fehlen, Heute, Donnerstag, den 12. November: 74. Abt. Rehlendorf. Die Bersammlung der Deutschnationalen Boltspartei wird von uns umständehalber nicht besucht. Morgen, Freitag, den 13. november: 1. Abt. 8 Uhr bei Richiefing, Aderfic. 1, Sigung der Funktionäre und Agita tionstommiffion, Pünktlich und bestimmt erscheinen. 7. Abt. 7 Uhr in Röhlers Festfälen, Tiedstr. 24, Borteag: Referent Adolf Hoffmann, M. d. R. Gäste willkommen. Schulreaktion". 85. Abt. Tempelhof. 8 Uhr bei Niendorf, Mariendorf, Chaussee, Ede StreTiger Straße, Gigung der Arbeiterwohlfahrt. Vortrag: Aufgaben der Städtischen Wohlfahrtspflege". Referent Dr. Sellinger. Die Waisen- und Armenpfleger find gleichfalls eingeladen. Die Borsigenden von Mariendorf, Marienfelde und Lichtenrade werden gebeten, die betreffenden Genoffen einzuladen. 96. 2bt, Reutölln. 8 Uhr bei Lohann, Wipperftraße 17, Borstandssigung. Wichtige Tagesordnung. Sunasozialisten. Die Gruppenleiter teilen dem Geschäftsführer sofort thre Arbeitspläne für Dezember zur Veröffentlichung im Jugend voran" mit. Gruppe Brenzlauer Berg: Seute, Donnerstag, 8 Uhr, im Jugendheim Dansiger Str. 62, Bortrag des Genoffen Frans Lepinsti. Gruppe Neukölln I: Seute, Donnerstag, 8 Uhr, im Jugendheim Nogatstr, 10-11, Bortrag: Ron junktur und Konjunkturpolitit". Referent Dr. Topf. Gruppe Friedrichs hain: Seute, Donnerstag, 7% Uhr, im Jugendheim Tilsiter Str. 4, Bortrag: Rollfragen". Referent Otto Jacobsohn. Gruppe Charlottenburg: Heute, Donnerstag, 7% Uhr, im Jugendheim Rosinenftr. 4, zweiter Abend der Novemberarbeit: Die Jugend und ihre Aufgaben im Kampf um den Sosialismus". Gruppe Often: Heute, Donnerstag. Beteiligung an der Arbeitsgemeinfchaft der GJ. im Jugendheim Rigaer. Str. 103, abends 7 Uhr. Gruppe Schöneberg: Freitag, den 13, November, 8 Uhr, im Jugendheim Rubensstraße, Arbeitsgemeinschaftsabend: An der Wende des Reitalters". Gruppe Treptow: Seute, Donnerstag, den 12, November, 7 Uhr, im Jugendheim Elfenstr. 3, Bortrag: ,, Nopembergedanken". Referent Otto, Lamm. Gäste willkommen. Theater, Lichtspiele usw. Volksbühne Dir. A. Hellmer 8 Uhr: Lessing- Th. Der Kaufmann Bis 12.Nov. tgl.8U. von Venedig Gastsp. J. P. G. Morgen 8 Uhr: Judith Grüne Flöte Ballettpantom. von Hofmannsthal Musik yon Mozart Jugendveranstaltungen. Schulungstage für Funktionäre: Gonnabend, den 14. November, abends 6½ Uhr, Schriftführer: Sonntag, den 15. November, vormittags 9-1 Uhr, Raffierer und Revisoren, im Jugendheim Lindenstr. 3. Heute, den 12. November, abends 71 Uhr: Schönhauser Borstadt II: Schule Eberswalder Str. 10, 8immer 11, Bortrag: Deutsche Revolutionen 1848 und 1918". Südwest: Jugendheim Lindenftraße 3, Bortvag: ,, November 1918". Friedenau: Jugendheim Offenbacher Straße 5a, Revolutionsfeier" Johannisthal: Rathaus am Königsplak, Bortrag: Bas will die GAS.?" Rosenthal: Schule Schillerstraße, Aus fpradje: ,, Warum bin ich in der SAJ. und wie habe ich mich in derselben zu verhalten?" Bildungskurse: Werbebezirk Westen: Neues Rathaus, Rimmer 72, Rudolf- Wilde- Blak. Werbebezirk Often: Jugendheim Rigger Str. 103( Genosse Rauch), 1. Abend. Werbebezirk Reinidendorf: Jugendheim Tegel, Bahnhofstr. 15. Werbebezirk Ditbahn: Abends 8 Uhr im Jugendheim Doffeftr. 22, Funktionärkonferenz. Erscheinen aller Funktionäre unbedingt er. forderlich. Vorträge, Vereine und Versammlungen. Reichsbanner Schwarz- Rof- Gold". Geschäftstelle: Berlin S. 14, Sebaftianftr. 37/38. Sof 2 St. Waffersportabteilung: Fr.b. 13., abends 7½ Uhr, Mitgl.- Berf. im Klubhaus, Ohmstr. 2. Kartenausgabe zum Winterfest am 5. Dezem ber. Anschließend gemütlicher Teil mit Damen, Oranienburg: Do., d. 12., abends 8 Uhr, Berf, und Gefelliges Beisammensein im Schüßenhaus. Friedrichshain: Fr., d. 13., abends 7% Uhr, 6. Gettion Fruchtstr. 36a, Ober, Niederschöneweide, Johannisthal: Fr., d. 13., abends 8 Uhr, Monatssigung bei Räthel. Borstand und Gruppenführer um 7 Uhr. Lichtenberg unb Untergruppen: Fr., b. 13., abends 7½ Uhr, Bollverf. bei Tempel, Gudrunftr. 7. Referent Dr. Klette: Locarno". Gruppenführer laden ein. Eichwalde: Go., d. 14., abends 6% Uhr, am Bhf. aur Fahrt nach Köpennid, Pflichtveranstaltung. Gruppenführer laden ein. Webbing: Fr., b. 13., abends 8 Uhr, Radfahrersihung bei Schuchardt. Chriftianiaftr. 116. Kreuzberg: Do., d. 12., abends 8 Uhr, Badeabend des gesamten Kreises, Badeanstalt Bärwaldstraße. Go., d. 14., freiwillige Beteiligung am republikanischen Fest in Röpenick( Stadt. theater). Treffpunkt abends 6% Uhr Berlin, Köpenider Bride.- Stenlik: Abrechnung der Billetts usw. zur Bannerweihe am Donnerstaaturnabend oder Go., d. 14., bis 6 Uhr abends bei Kam. Ahronheim, Birkbuschstr. 9. Köpenid: So., b. 14., abends 6½ Uhr, Treffen Bhf. Röpenid aum Empfang der auswärtigen Festteilnehmer. Marsch mit Musik zum Festlokal, Grünau und Bohnsdorf abends 6.45 Uhr am Bhf. Grünau. Abholung der auswärtigen Feftteilnehmer mit Mufit zum Stadttheater nach Röpenid. Das Rundfunkprogramm. Donnerstag, den 12. November. Außer dem üblichen Tagesprogramm: 4.30-6 Uhr nachm.: Konzert. 6.05 Uhr abends: Direktor Julius Glück:" Esperanto, die Weltsprache". 645-7.35 Uhr abends: Hans- Bredow- Schule( Bildungskurse). 8.45 Uhr abends: Abteilung Technik. Professor Dr. Reck: Die technischen Rohstoffquellen". 7.15 Uhr abends: Abteilung Literatur. Theodor Kappstein: Deutsche Dichter und Denker". 5. Vortrag. Karl Spitteler". 8 Uhr abends: Der Roman als Funkspiel. 1. Fortsetzung. Die Katastrophe", Originalroman für die Funkstunde von H. J. Gramatzki( als Funkspiel bearbeitet). 8.30 Uhr abends: Sendespiele. Abteilung Oper. Spielzeit 1925/26. Leitung: Cornelis Bronsgeest. XII. Veranstaltung. Die komische Oper:" Der Wildschütz, Oper in drei Teilen von Albert Lortzing. Für den Rundfunk eingerichtet von Cornelis Bronsgeest. Dirigent: Selmar Meyrowitz von der Berliner Staatsoper. Personen: Graf von Eberbach: Cornelis Bronsgeest; die Gräfin, seine Gemahlin: Ines Müller; Baron Kronthal, Bruder der Gräfin: Waldemar Henke; Baronin Freimann, eine junge Witwe, Schwester des Grafen: Claire Dux; Nanette, ihr Kammermädchen: Charlotte Lindemann; Baculus, Schulmeister auf dem Gute des Grafen: Leo Schützendorf; Gretchen, seine Braut: Käte Jöken- König; Pankratius, Haushofmeister auf dem gräflichen Schlosse: Karl Platen. Dienerschaft und Jäger des Grafen, Dorfbewohner, Schuljugend. Der erste Teil spielt in einem eine Stunde vom Schloß gelegenen Dorf, der zweite und dritte Teil im Schloß selbst. Anschließend: Dritte Bekanntgabe der neuesten Tagesnachrichten, Zeitansage. Wetterdienst, Sportnachrichten, Theater- und Filmdienst. 10.30 bis 12 Uhr abends: Tanzmusik. Residenz- Th. Großes Schauspielhaus Theat. d. Westens kunstler- Theater Deutsches Metropol- Theater 8 Uhr: Circes Heirat Hesterberg. Sabo Engers. Mattoni Sonnabend 31 U. Sonntag 4 Uhr: Kleine Preise! Schneewittchen Thalia- Th. Fün Dich 8/4 Staats- Theater Annemarle CHARELLE REVU Opernhaus 72 Zigeunerbaron Opernhaus Max Reinhardt Kleines Th. Tägl. 8 Uhr Lotte Neumann Paul Heidemann Dora, Baself, Wilfan am Königsplatz Die Alarmglocked. 3( Kl. Pr): 72 Uhr: Mignon Schauspielhaus Lustsp.v.Hennequin u.Coolus 8 Uhr: Napoleon Werbezirk, Ander Schiller Theater Albers, E. Burg 8 Uhr: Weihnachts- Trianon- Th. einkäufe Liebele 8 Uhr Aschenbrödel Sonntg.nchm.31/ 2 Kleine Preise! Mein Leopold Theater in der Kommandantenst. 8 U. z. 361. Male: Städtische Oper Hochzeitstage Anneliese Charlottenburg 7 Uhr: Maskenball von Geraldy von Dessau Sbd.3 U.( KI. Pr.) Berliner Theater Rotkäppchen Stg. 31% U.( KI. Pr.) 8 Uhr: Gastspiel d. Dtsch. Anneliesev.Dessau Abonnem.- Turnus 3 Volkstheaters Wien Deutsches Theater 7% Uhr: Der Kreidekreis Antonia Lastspiel in 3 Akt v.M. Lengyel Sári Fedák, Otto Tressler, H. Lackner Täglich 8 Uhr: Margarete Koeppke HALLER Ria Thiele, Emmy Förster, K. Ehmann, REVUE Siegir.Breuer, Franz Engel, Dr. Szilágyi von Klabund inszenierung Dr. Rudolf Beer Kammerspiele. Theat. l. d. 8 Uhr: Theater im Admiralspalast Lutzowst.112.ACHTUNG! Franen Sechs Personen minier Gifiern Vorzeig auch Stgs. Suchen einen Autorachm, v. 25 Pie an von Pirandello Regie: M. Reinhardt abends v. 50 Pig, an Barnowsky- Bühnen Die Komödie Theater in der Kurfürstendamm 207 Höniggrätz.Str. 8 Unr Gesellschaft 8 Uhr: WELLE 505!" II. Rang von 2 Mk. Parkett von 4 Mk. Logen von 8 Mark Stg. nachm. 3 U. Die ganze VorDon Juan u. Fauststellung zu halben reit u. Sbd 8U. is Preisen! v. John Galsworthy Wie es euch gefällt Kinder- Revue Rege M. Reinhardt Sonntg. 3 U. Kl. Pr. SCALA 8 Uhr: Internat. Wie es euch gefällt Die Tribüne Tägl 8 Uhr: Zurück zu Methusalem Komödienhaus Tägi. 8 Uhr: Sonnabend 32 Uhr Alle Puppen tanzen Kleine Preise: 0.50, 1.-, 1.50 Central Theater Varieté Kopf oder Schrift Trieschübel 8 Uhr 300 Mitwirkende Parkett M. 5.- Rang M. 8.2ter Rang M. 1.50, Loge M. 7.Das große Operettenhaus Tägl. 8 Uhr: Tägl. 348 Uhr: Gastspiel Täglich 8 Uhr: Der Welterfolg: Arbeiter Rabio Alub Deutschlands, e. V., Sendebezirk Berlin, Petersburger Straße 39. Gruppe Wedding: Donnerstag, 12. November, 8 Uhr, Utrechter Str. 29, Vortrag über Schwingungsvorgänge". Gruppe PrenzTauer Berg: 8 Uhr Ropenhagener Str. 9, Lautsprecherabend. Gruppe Rottbusser Tor: 8 Uhr Adalbertstr. 21, ,, Der Reinarkempfänger". Gruppe Tiergarten: Freitag, 8 Uhr, Stendaler Str. 21 ,,, Detektor einst und jest". Gruppe NeutöIIn: 8 Uhr Weser-, Ede Pannierftraße, Bobal ,,, Wie baue ich mir einen Audionempfänger?" Interessierte Funkfreunde sind eingeladen. Gäste willkommen. ExInternationaler Verein für Individualpsychologie, Ortsgruppe Berlin, veranstaltet zwei Vorträge über das Thema Kind und Gemeinschaft": 1. am Donnerstag, den 12. November, spricht Dr. Frik Rünfel über ziehungsmethoden": 2. am Donnerstag, den 19. November, spricht Schriftsteller Otto Kaus über Geltungsdrang als Entwidlungsfaktor". Anschließend Beantwortung von Fragen. Ort: Aula der Elifabeth- Schule, Berlin GB., Rochftraße 61. Beginn abends 8 Uhr. Unkostenbeitrag 1 M., für Studierende und Pädagogen 50 Pf. Gäste willkommen. Verband Volksgesundheit, Ortsverein Berlin. Am Donnerstag, den 12. November, abends 8 Uhr, in der Schule Sfflandstr. 9-11( Nähe Jannowigbrücke), spricht Genoffe Dr. Ernst Saafe über Die Licht- und Strahlenbehandlung". Am Freitag, den 13. November, im Seim Goßlerstr. 61, Distufftonsabend der Jugendgruppe über ,, Die Geschichte der Jugendbewegung und unsere Stellung zu derselben". Freie Aussprache. Gäfte herzlich willkommen. Deutscher Monistenbund. Am 12. November, abends 8 Uhr, spricht in unserer Geschäftsstelle, Wilhelmstr. 48, 3 Tr., Dr. Adolf Seilborn über ,, Religion und Entwicklungslehre.( Der Affenprozeß.)" Reichsbund Deutscher Mieter, e. V. Berliner Mieterverein, e. B., Berlin B. 35, Potsdamer Str. 56. Deffentliche Versammlung am Freitag, den 13. November, abends 8 Uhr, im Reichstafino, Neue Königste. 26. Thema: Beseitigung des Mieterschutzes und unser Bauprogramm. Verein der Freibenter für Feuerbestattung. e. B., Gau Groß- Berlin und Bororte. Bezirk Schöneberg- Friedenau: Freitag, den 13. November, abends 7% Uhr, im Lokal Lindenpart, Hauptstr. 13, Mitgliederversammlung. 1. Bor trag: Reiſeerlebniffe aus Gowjetrußland". Referent Rettor Fris Schmidt, 2. Mitteilungen. 3. Berschiedenes. Ohne Mitgliedsbuch kein Zutritt. Freie Bereinigung von Sternfreunden, Berlin. Sonnabend, den 14. No. vember, abends 8 Uhr, Versammlung in der Halenseer Sütte, Ede Kronprinzendamm und Bornstedter Straße( an der Hafenfeer Brücke). 1. Bortvag: Unfere heutige Anschauung vom Weltall", von Aboron. Aussprache. 2. Aufnahme neuer Mitglieder. Gäste können durch Mitglieder eingeführt werden. Sport. Ringen im Walhalla- Theater. Die Kampfferie des Montags eröffneten Weinura- Mandschurei und Mofny Polen; der Bole war oft daran, von dem Mandschurei- Meister auf die Schul tern gelegt zu werden, nach 6 Minuten fand das Treffen sein Ende. Durch einen Untergriff von hinten fam Mofny auf beide Schultern. Barttowiat- Deutschpole, der sich in guter Form befindet, erledigte den flinten Schauzu nach 7 Minuten durch Untergriff von vorn mit Mühle. Unerklärlich lange ließ Schwarz den durch seine Mätzchen befannten Lö me stehen, erst nach 19 Minuten entledigte er sich seiner durch seinen bekannten Untergriff. Romanoff siegte mit seiner alten Technik und Routine über die rohe Kraft Jadsons; nach 20 Minuten brachte er den Australier durch Armfallgriff auf die Matte. Coburg Charlottenburg beschäftigte Ambustu Rumänien ständig, so daß dieser nicht dazu tam, die Blöße seines Gegners auszunuzen; erst nach 21 Minuten entschied er das Treffen burch Ueberwurf nach hinten zu seinen Gunsten. Die Kämpfe des Dienstags waren wieder recht spannend. Löwe Schlesien nahm fich etwas mehr zusammen, hatte aber gegen asfartesje- Frankreich nicht viel zu bestellen und mußte nach 14 Minuten seine Niederlage von diesem hinnehmen. Durch Unter griff von vorn landete er auf beide Schultern. Der erheblich schwerere Gotsch Neukölln siegte erst nach 44 Minuten über Sirt- Finnland durch Abfangen eines Ueberwurfs. WeinuraMandschurei vor dem Thüringer Opig stets überlegen und siegte ebenso nach 17 Minuten durch lebergriff von hinten mit Nadenhebel. Zur allgemeinen Ueberraschung riß der Weltmeister Schwarz den sehr schweren Rarsch- Schlesien nach 4 Minuten durch einen guten Doppel- Nelson auf die Schultern. Der Pole Motny mußte die Waffen vor dem Rumänen Angulescu schon nach 20 Minuten ftreden. it reit im Mittel- und Schwergewicht errang der Weltmeisters Bei dem in Königsberg stattgefundenen Bett Jago den Sieg über Siegfried nach 2 Stunden und 38 Minuten. Die folgenden Pläge belegten Petrowitsch, Tornow und Charutchin. WIND C RTEN Deutscher Metallarbeiter- Verband Achtung! Karofferie- u.Wagenbau! Fritzl Massary NO NO NANETTE in singefeet bes Lea Selel und Die Teresina Ed. Lichtenstein als Gast in Der Orlow Th. am Kurfürstendamm 8 Uhr: Stg. nachm. 3 U.: Ihre Hohelt die Tänzerin Kleine Preise Wenn ich wollte...! Th. 1.d. Klosterstr. 43 Th. a. Nollendorfpl. Th. Täglich 8 Uhr 5 Heute, Donnerstag, den 12. Roobe.. nachm. 5 Uhr, Verbandshauses, Linienfte. 83/85: November- Sensationen! Funktionärkonferenz. auf allen Gebieten der Das Erscheinen aller ist bringende Pflicht. 8 Uhr: Gastspiel internationalen Varieté- Kunst Achtung! Berwaltungsmitglieder! 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