Abendausgabe Nr. 536 42. Jahrgang Ausgabe B Nr. 266 Bezugsbebingungen und Anzeigenpreife find in der Morgenausgabe angegeben Redattion: SW. 68, Cindenftrage 3 Fernfprecher: Dönhoff 292-28% Tel.- Abreffe: Sozialdemofraf Berlin Vorwärts Berliner Volksblatt 10 Pfennig Donnerstag 12. November 1925 Berlag und Anzeigenabteilung: Geschäftszeit 9-5 Uhr Berleger: Vorwärts- Berlag GmbH. Berlin S. 68. Lindenstraße 3 Fernsprecher: Dönhoff 292-237 Zentralorgan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands Räumungsbeginn: 1. Dezember. Die letzten Hindernisse beseitigt. Paris, 12. november.( WIB.) Die geffern vom Boffchafter| ein Mindest ma" beschränken. Was die Reorganisation des v. Hoesch überreichte deutsche Rotein der Entwaffnungsfrage soll, wie Petit Parifien" wissen will, gestern nachmittag durch den Generalsekretär im Außenminifterium, Philippe Berthelot, und den Generalsekretär der Bolschaftertonferenz eingehend geprüft und im Laufe des Nachmittags einzeln den in der Botschaftertonferenz vertretenen Mächten übermittelt worden sein. Das Blatt will wissen, die in der deutschen Note enthaltenen Vorschläge über die Befugnisse des Generals v. Seedt und die Effektivbestände der Schuhpolizei würden noch einige Einwände hervorrufen, auf alle Fälle fel aber anerkannt, daß die deutsche Antwort das ernste Bestreben zeige, die letzten Hindernisse in der Entwaffnungsfrage zu beseitigen. Nach dem„ Avenir" versichert man, daß die deutsche Antwort es nunmehr geftatte, schon am 1. Dezember die ersten Räumungsarbeiten in der Kölner Zone vorzunehmen. London, 12. November. Reuter erfährt, daß gewisse Erleichte rungen des Rheinlandregimes vereinbart worden sind, und daß die balbige Bekanntgabe einer Mitteilung über diesen Gegenstand in Berlin oder Paris erwartet wird. Was die Abrüstung Deutschlands anbetrifft, so tann, wie Reuter weiter berichtet, erwartet werden, daß Deutschland informiert werden wird, daß bezüglich seiner Zusicherungen hinsichtlich der noch zu erledigenden anderen Fragen Befriedigung herrscht. Es wird die Auffassung ausgesprochen, daß, wenn alles gut geht, der Beginn der Räumung Kölns im Laufe des Monats Dezember er. -martet werden kann. Am Montag Sigung der Botschafterkonferenz. Paris, 12. November.( TU.) Die Antwort der deutschen Regierung auf die Note der Botschafterkonferenz in der Entwaffnungsfrage wird heute den allierten Botschaftern übermittelt werden. Die Botschafterkonferenz tritt am kommenden Montag zur Prüfung der Schriftstüde zusammen. Journal" erklärt, die Alliierten wollten ihre Forderungen auf Das sozialistische Sanierungsprogramm. Durchgreifende Maßnahmen. Paris, 12. November.( Eigener Drahtbericht.) Das Programm, auf das sich die Sozialisten in der Nacht vom Mittwoch zum Donnerstag geeinigt haben und nach dem Painlevé die Regierungsvorlage ändern will, umfaßt nach dem„ Quotidien" folgende Punkte: 1. Verzicht auf alle Maßnahmen inflationistischer Natur, 2. Ausgabe von 1,5 milliarden neuen Roten, die als Ersatz für die im Laufe der letzten Jahre zu Berlust gegangenen oder der Zerstörung anheim gefallenen Reten gelten sollen( dieser Betrag soll der Regierung zur Einlösung der demnächst fällig werdenden Berbindlichkeiten zur Verfügung gestellt werden), 3. eine teilweise Einlösung der Bons mit fünf und sechsjähriger Laufzeit auf dem Wege eines Vergleichs, der es dem Staate ermöglichen soll, die monatlichen Rückzahlungen auf den Höchstbetrag von 320 Millionen Franken zu erhöhen, 4. die Schaffung von Gewinnanteilen von jämt lichen Industrie- und Handels unternehmungen zugunsten der Amortisationstasse, die dieser einen Anspruch von 15 Broz. des Betriebsgewinns bzw. von 15 Pro3. des Betriebsvermögens im Falle der Liquidation des Unternehmens einräumen, 5. die Eintragung einer hypothet zugunsten des Staates für alle gebauten und ungebauten Grundstüde in Höhe des noch zu bestimmenden Vermögenswertes, 6. Vereinheitlichung der Rechte für die Schaffung eines neuen vierprozentigen wertbeständigen Papieres. Plötzliche Regierungskrise in Holland. deutschen Oberkommandos, d. h. Befugniffe des Generals von Seedt, anbelange, fo werde es den Alliierten genügen, wenn Präsident der deutschen Republik sich in einem Dettet entschließe das nicht veröffentlicht zu werden brauche. Die Geheimbünde fönnten weiter fortbestehen, aber unter der Borausfehung, daß von jeder militärischen Ausbildung abgesehen werde. Bezüglich der Sicherheitspolizei werde nur zur Bedingung gemacht, daß sie nach den Vorbildern der ausländischen Polizeifruppen ausgebildet werde. Hindenburg gegen die Deutschnationalen. Der Ochse im Porzellanladen. Die B. 3." läßt sich aus Stuttgart berichten: Bei dem gestrigen Besuche des Reichspräsidenten in Stuttgart sprach sich dieser bei dem Abendempfang im Schloffe einem prominen ten Mitglied der Demokratischen Partei gegenüber über die Politik der Deutschnationalen aus. Da versichert man einem erst," so ertlärte er wörtlich, daß man das Bertrauen der ganzen Partei genieße, und eines Tages steht man durch die Beschlüsse dieser Bartei allein da und sieht seine Stellung gefährdet" Der Reichspräsident gebrauchte im Anschluß daran über diese Politik das Bild des Ohsen im Porzellanladen. Herr v. Hindenburg steht tatsächlich allein da. Denn als die deutschnationale Parteileitung auf den Knopf drückte, verschwanden die drei deutsch nationalen Minister geräuschlos in der Bersentung. Eben erst hatten sie ihr lautes Ja" gesprochen, jetzt lesen sie in der Kreuz- Zeitung die Erklärung des Grafen West arp, daß ihr Ja eigentlich ein Nein gewesen sei und schweigen dazu! Es wäre nur zu begreiflich, wenn sich der Reichspräsident über diese Erfahrun gen, die er jetzt im hohen Alter auf dem ihm ungewohnten Boden der Politif machen muß, etwas gereizt zeigte. wurde auch Major Penalosa und General Soua in Saft genommen. Neue Berhaftungen stehen sowohl in der Proving wie auch in Madrid bevor. Braunschweiger Justizwirtschaft. Der Fall Stoetel ein politischer Skandal. # Wir haben unsere Leser über den ungeheuerlichen Prozeß unterrichtet, den die Braunschweiger Stahlhelm Justiz gegen den von der früheren Landesregierung berufenen Landesschulrat Stoebel veranlaßt hat. Jeder, der aus dem Prozeßbericht die Anflagen" entnehmen konnte, die gegen den Schulrat erhoben wurden, muß sich erstaunt fragen, ob die Emmingersche Justizreform" lediglich deshalb ,, aus Ersparnisgründen durchgepeitscht wurde, damit überflüssige und kostspielige Prozesse, wie der gegen Loeb und der gegen Stoe gel eingeleitet werden fönnen. Ist schon die Anflage aufgebaut auf kleinlichste Spizelberichte, auf leberwachung der Telephongespräche des Landesschulrats und auf ähnliche schwerwiegende Beweis mittel, so ist das Verhalten des prozeßführenden Richters und feines juristischen Beisigers von einem so offenfundigen, sagen wir vorsichtig: Mangel an Berstehenwollen, daß schon dadurch das ganze Berfahren gekennzeichnet wird. Die Verteidigung hat gegen dieses Verhalten durch Niederlegung der Verteidigung und durch Berlaffen des Sigungssaales protestiert. Sie hat dadurch zunächst einen Angriff auf die Würde des An waltstandes abwehren wollen, aber gleichzeitig auch gegen die Art der Behandlung der Angeklagten vor aller Welt Protest erhoben. Zu den Verteidigern gehört neben den beiden Braunschweiger Anwälten Philipps und Eller Um die vatikanische Gesandtschaft. auch der bekannte juristische Schriftsteller Rechtsanwalt Haag, 12. November.( WTB.) In der Sizung der 3 welten Dr. Erich End aus Berlin. Dieser machte das Gericht Rammer wurde ein Antrag, der sich gegen die Beibehaltungnahme der Anwaltsaften im Gesez feinerlei Stüße Kammer wurde ein Antrag, der sich gegen die Beibehaltung besonders darauf aufmerksam, daß die verfügte Weg der niederländischen Gesandtschaft beim ausspricht, angenommen. Daraufhin haben der Arbeitsminister, finde, besonders wenn es sich nur um die Einleitung eines der Kriegsminister, der Kolonialminister und der Minister für öffentDisziplinarverfahrens handle. liche Arbeiten und Wasserbauten ihre Demiffion eingereicht. Gleich nach Beendigung der Kammerjigung fanden verschiedene Fraktionsberatungen über die neu entstandene Lage statt. Fraktionsberatungen über die neu entstandene Lage statt. Eine Klärung dürfte vielleicht in dem für gestern abend anberaumten außerordentlichen Ministerrat erfolgt sein. Der Antrag auf Abschaffung der niederländischen Gesandtschaft beim Heiligen Stuhl war von dem evangelischen Reform. parteiler ersten eingebracht worden. Dieser Antrag wurde mit 52 gegen 42 Stimmen angenommen; dagegen stimmten die Antirevolutionäre und die Römisch- katholischen. Niedergang des Direktoriums? Gärung in der spanischen Armee. Paris, 12. November.( TU.) Der Temps macht neue Angaben über die Militärrevolte gegen das spanische Direktorium. Es scheint danach, daß die Bewegung großen Umfang angenommen hat, da auch in legter Stunde wieder zahlreiche Ber haftungen vorgenommen wurden. Außer den schon verhafteten Offizieren, unter denen sich Oberfte und Generäle befinden, Stahlhelm- Regierung in Braunschweig nicht. Es hat beDerartige Einwände imponieren jedoch dem Gericht der feiner drei Anwälte ohne Verteidiger dasteht, bestellt ihm schlossen basta! Da der Angeklagte nach dem Beggang das Gericht einen Offizialverteidiger in der Person des Rechtsanwalts Dr. Heiser in Braunschweig. Es ist gewiß Dr. Bhilipps ist, dem die Aften beschlagnahmt wurden nur ein Zufall, daß dieser Anwalt der frühere Sozius des eröffnen will. Es war dem Gericht auch sicher ganz unbeund gegen den der Staatsanwalt ein Disziplinarverfahren tannt, daß dieser Dr. Heiser mit seinem früheren Bureaufollegen Differenzen gehabt und Prozeß geführt hat. Es ist sicher nur ein Bufall, daß gerade dieser Dr. Heifer zum Nachfolger des Dr. Philipps als Verteidiger von Amts wegen ausgesucht wurde! Aber ein merkwürdiger Zufall bleibt es doch...! Ein sozialistischer Minister in Südafrika. Der Premierminister von Südafrika hat in sein Rabinett als 11. Mitglied einen extremistischen Sozialisten aufgenommen. Er hofft, dadurch der liberalen Bolitit mehr Nachdruck zu verschaffen. Es besteht jedoch die Gefahr, daß die tonservative Partei sich nunmehr fester zusammenschließen wird. | Die Gewerkschaften Amerikas. Von Kurt Heinig. Chicago, Ende Oktober Die Gewerkschaftsbewegung ist auch in den Vereinigte Staaten von Nordamerika teine Konstruktion, sondern ein den inneren Lebensbedingungen dieses Bandes erwachsenes Gebilde. Aendern fich jene, so bleibt Die Gewerkschaftsbewegung davon nicht unberührt, auch wenn sie es wollte. Es darf bei einer Betrachtung der amerikanischen Gewerkschaftsbewegung dieser Zusammenhang gerade jetzt nicht außer acht gelaffen werden, da der Weltkrieg und feine Folgen das ökonomische Geficht der Bereinigten Staaten nicht unerheblich verändert haben. Kennzeichen der Widerspiegelung jener Umbildungen sind in der amerikanischen Arbeiterbewegung sichtbar. Nur darf nicht der Fehler gemacht werden, sie pro- europäisch auszudeuten. Amerika ist ein Kontinent für sich, feine Eigenart muß begriffen werden, sonst ist Verständnis für das Wesen der amerikanischen Gewerkschaften nicht möglich. Aber auch bei voller Berücksichtigung aller erwähnten Momente bleibt die große Gefahr des Mißverständnisses bestehen. Sie erwächst daraus, daß sich hier bei den Gewerkschaften der Vereinigten Staaten die Begriffe und Bereichnungen, die in der europäischen und im besonderen in der deutschen Gewerkschaftsbewegung herausgebildet worden sind, fast sämtlich wiederfinden, daß sie aber in ihrem lebenbigen Wesen etwas ganz anderes bedeuten als in unserer Eigenart. Das gilt sowohl für Begriffe der organisationstechnischen Apparatur wie für die Bezeichnung der Formen der praktischen Gewerkschaftsarbeit. Es handelt sich also nicht nur um äußerliche Verschiedenheiten, sondern um einen anderen Wesensinhalt, und damit um eine andere Psychologie. Selbstverständlich fämpfen auch hier die Gewerkschaften wie jede Arbeiterbewegung in der Welt um furze Arbeitszeit. Für eine ganze Anzahl von Berufen ist man dabei schon unter 48 Stunden wöchentlich gekommen; bis zu 40 Stunden! Und ebenso selbstverständlich ist der Rampf um ausreichenden Lohn. Beiter ist auch hier die Neigung zum Realfompromiß den wir in Deutschland Tarifvertrag nennen aus den Verhältnissen erwachsen. Und nicht zuletzt wehrt man sich auch hier dagegen, politisches Instrument zu werden. Aber schon in sozialgefeglichen Fragen, im besonderen auf arbeitsrechtlichem Gebiet, sind die amerikanischen Gewerkschaften gezwungen, andere Wege zu gehen als wir bei uns in Deutschland, im weiteren Sinne in Europa, zu gehen gewöhnt sind. Die Legislative, die ausübende Gesetzgebung liegt in den Vereinigten Staaten vor allem bei den einzelnen Bundesstaaten. Darüber hinaus ist die Einstellung des Amerikaners zum Staat, der bei uns der Hauptträger aller Sozialaktion Gesetzgeber und Verwalter sehr wesentlich unterschieden von der unsrigen. Das ökonomische Motiv der Berschiedenheit zur europäischen Arbeiterbewegung liegt darin, daß die ameritanische Gewerkschaftsbewegung bisher ihre Macht und Gestalt aus der Beherrschung des Arbeitsmarttes entwickelte, im Gegensatz zur europäischen Gewerkschaftsbewegung, die Kraft und Bewegung aus der Erwedung des Arbeiterstandes, des Proletariats- wie wir in unserer Terminologie sagen zu schöpfen weiß. Die Tatsachen beweisen, daß auf beiden Wegen die Entwicklung zur sozialen Macht möglich ist. Aus dieser im öfonomischen Grunde verschiedenen Befensart kam es in den Vereinigten Staaten zu den für Unorganisierte verschlossenen Betrieben- gewissermaßen tariflich an die Gewerkschaft gebundenen Unternehmen die als Gegenwirkung die sogenannten offenen Betriebe erzeugten, Betriebe, die teine organisierten Arbeiter beschäftigen, zum mindesten Don der Organisationszugehörigkeit ihrer Arbeiter feine Notiz nehmen. Die Fordbetriebe mit ihren Rehntausenden von Arbeitern gehören heute noch zu dieser Kategorie. Im weiteren Berfolg der bisherigen Entwidlung der genannte Il nion Label herausgebildet, die Stempe amerikanischen Gewerkschaftsbewegung hat sich das sofo lung ber in gemertfchaftstreuen Betrieben hergestellten Produfte. Das ist die folgerichtige der Produktion auf den Markt, und damit auf den Arbeiter Steigerung des amerikanischen Gewerkschaftsgedankens, von dagegen zur Genossenschaftsbewegung.) Es existieren zurzeit als Ronfumenten übertragen.( Wir in Deutschland tommen für über 50 Berufe Unionmarten und stempel, damit wird vom Konsumenten aus die Gewerkschaftsbewegung unterstützt. schäftigungssicherung heraus ist auch mit zu er Aus der uns eigenartig anmutenden Ideologie der Be. auf Mitgliederwerbung, als auf Sicherung des Standards flären, daß manche Gewerkschaften ihr Hauptgewicht weniger der Unionbetriebe( gewerkschaftsbeherrschten Betriebe) legen. Aus den gleichen Gedankengängen heraus sind auch bei vielen Gewerkschaften die Eintrittsgelder sehr hoch. Das liegt mit daran, daß die Karenzzeiten der Versicherungseinrichtungen der Berbände häufig furz sind. Zum anderen ist aber der Unterschied zwischen Unionlohn im geschlossenen shop- und freien Lohn- in den unorganisierten Betrieben - so beträchtlich, daß das hohe Eintrittsgeld gewissermaßen als Nachzahlung der von den schon länger Organifierten geleisteten Opfer und Kämpfe aufgefaßt wird. Teilzahlung der Eintrittsgelder erfolgt nicht selten. Die Organisationsform der amerikanischen Gewerkschaften wird nur richtig verstanden, wenn die mit der Geschichte des Landes untrennbar verknüpfte Entwicklung der Brüderschaften, des Organisationsgedankens über haupt, zugleich mitbetrachtet wird. Der Bruder Gewerf ſchaftler iſt nicht nur nehmendes, sondern auch dienendes Unsere deutschen Gewerkschaftsgenossen würden sich sehr wundern, wenn ihnen für unerlaubte Ueberstunden, für nicht genehmigte Sonntagsarbeit und für manches andere von ihrer Organisation wo möglich hohe Geldstrafen auferlegt würden, gegen die ihnen zwar ein Berufungsrecht gegeben ist, die aber, wenn die höhere Instanz dagegen entscheidet, unerbittlich eingetrieben werden, bei sonst unweigerlich erfolgendem Verlust der Mitgliedschaft, und damit praktisch dem Verlust des Unionlohnes, des gewerkschaftlich im geschlossenen Betrieb gesicherten Lohnes! Am deutlichsten wird der Unterschied des Wesensinhaltes des amerikanischen und der deutschen Gewerkschaftsbewegung bei manchen Grenzstreitigteiten sichtbar. Sie zeigen zugleich, wie gegenfäßlicher Art der gleiche Begriff in zwei Ländern sein kann. Bei uns in Deutschland wird mitunter darum gestritten, welcher Organisation sich der einzelne Mann oder der einzelne Berufszweig anzuschließen hat. Hier in Amerika entstehen Grenzstreitigkeiten auch aus der Frage, welchem Berufe, und damit welcher Gewerkschaft eine bestimmte berufsartlich strittige Arbeit zuzubilligen ist. Man streitet sich dann um die Arbeit und nicht um den Mann, der ja, wenn er nicht organisiert ist, sowieso die Arbeit, ganz gleich welcher Gewerkschaft sie zuerkannt wird, nicht belom men darf. Die Federation of Labor etwa unser Allgemeiner Deutscher Gewerkschaftsbund- berichtet, daß sie Herbst 1925 in den angeschlossenen Organisationen rund 2 900 000 Mitglieder zählte. Neben der Federation stehen nicht ganz kleine Berufsgruppen, die ebenfalls zur ameritanischen Arbeiterbewegung gezählt werden, einmal in der Bekleidungsindustrie und dann im Eisenbahnbetrieb; es handelt sich dabei um zum Teil recht gefestigte Organisationen. Während der jüngst vergangenen zehn Jahre entwickelte fich der Mitgliederstand der Federation of Labor ohne die erwähnten außenstehenden Organisationen folgt: 1946 000 Mitglieder 2073.000 1915 1916 1917 2371 000 1918 2 726 000 1919 3 260 000 1920 4 078 000 1921 3 906 000 1922 3 195 000 1923 2 926 000 1924 1925 2 865 000 2.878 000 Man nimmt an, daß jetzt, nach der Kriegstonjunktur und nach der Krise von 1921, der normale Boden der Gemertschaftsbewegung wieder erreicht sei. Bei einer einfachen Umrechnung auf die Bevölkerung in den Vereinigten Staaten 120 Millionen, in Deutschland deren 65 zeigt sich unser Organisationsstand als güns figer, was auch richtig bleibt, wenn man verschiedene für Amerifa notwendige Abstriche macht( faum Angestellten und wenig Beamtenbewegung, weil hier Angestellter und Beamter etwas anderes ist als in Deutschland, anderes Verhältnis zwischen Industrie und Landwirtschaft, anderes durchschnitt liches Lebensalter usw.). Wenn man aber berücksichtigt, daß auch heute noch die Vereinigten Staaten Einwandererland find, aus vielen Nationen zusammengefeßt, jeder einzelne noch, zum mindesten im Unterbewußtsein, mit Romantik und Illufion des Lollarglücks im Herzen dann kann man der amerikanischen Gewerkschaftsbewegung in ihrem Umfang die Hochachtung nicht versagen. Wie steht es nun mit dem Geist, von dem die ameritanische Gewerkschaftsbewegung getragen ist? Aus Otto Kösters Nachlaß. Eben als die ungewöhnlich vielgestaltige Begabung Otto Köfters auf Bahnen gelangt war, in deren Rahmen sie der lähmenden Sorge um das tägliche Brot enthoben ihren Reichtum zu voller Blüte hätte entfalten fönnen, raffte ihn der Tod dahin. Nur wenige Monate nach langem aufreibendem Eristenztampf war ihm ein seiner Art gemäßer und gesicherter Wirkungsfreis beschieden. Als der" Borwärts" im vorigen Jahre fich um einen täglichen Rarifaturenbeitrag erweiterte, berief man ihn, der bereits durch ein Spottbild Die deutsche Jungfrau vor dem Porträt des Kron prinzen" die eigenartige satirisch- humoristische Schlagkraft feiner Stizzierungsfunft erwiesen hatte, zur Leitung dieses Teiles. Die da von ihm selber beigesteuerten Karikaturen sprühten von heiter ausgelaffener Laune, trugen das Gepräge einer von jeder Schablone freien Eigenwüchsigteit. Unvergeßlich steht mir noch immer das Bildchen vor Augen, das die drollige Verzweiflung der vereinigten Borwärts"-Karikaturisten darstellt, als ein so dankbares Objekt des Spottes, wie Hergt, mit feierlichem 3ylinder angetan, ihnen sein Scheiden aus der deutschnationalen Führerschaft anzeigt. Die bissige Satire verbindet sich mit liebenswürdigster Selbstironie. Aber so viele Borwärts"-Leser er ergögt hat, so wenig war sein Name, war der Mensch, der diesen Namen trug, in den weiteren Kreisen der Bartei bekannt. Er war in anderen Kreisen aufgewachsen. Sohn eines hochgefteliten preußisch- fonjervativen Juristen, hatte des Vaters Willen ihn zu gleicher Laufbahn auserschen. Nicht durch die Umgebung, durch unmittelbare Berührung mit der Partei als durch einen tief in seinem Wesen wurzelnden Hang zu imbestochener Selbstverständigung, der ihn gleichzeitig von dem vorgeschriebenen Studium der Juristerei mehr und mehr ins Fahrwasser philosophischer Studien drängte, ist er zu sozialistischen Ueberzeugungen gekommen. Männer mie der Neutantianer Cohen und Natorp, die gewissen Zusammenhängen zwischen der Kantischen Ethik uno den Idealen des Sozialis mus nachspürten, wurden Wegweiser feiner eigenen Entwicklung. Er, der als Zeichner so launig scherzen fonnte, den es in den verschiedensten Formen zur Kunst und zur Literatur trieb, der, um die volle Freiheit individueller Selbstbetätigung und Fortentwickelung zu gewinnen, sich ohne Furcht vor Not und Elend von der vorge schriebenen Laufbahn und dem väterlichen Hause löste, war so in feiner Auffaffung des Sozialismus von vornherein ein ausgesproche ner Idealist. Entgegen allem Lamieren nach den jeweiligen Umständen, verlangte er eine feste Verankerung des Baueiverhaltens in allgemeinen als wahr und recht erkannten Brinzipien und hielt von diesem Standpunkt, ob nun mit Recht oder Unrecht, die Bewilli gung der Kriegstredite durch die Mehrheitssozialisten für eine Art von Abfall und Berrat. Ich persönlich bin ihm nur einmal bei einem kleinen Feft des „ Vorwärts" begegnet. Sein Gespräch fam gleich auf allgemeines und ließ erkennen, mit wieviel Ernst und Hingabe der wißige Kari taturist sich in die systematischen kantischen Gedankengänge eingelebt. Ich gewann den Eindrud eines Menschen von ungebrochener Volltraft. Keine Spur verriet etwas von dem organischen Leiden, das ihn in wenigen Wochen niederstrecken sollte. Seine philofophische Studie über Rant und Marg, von der er Hier fällt zuerst auf, daß in der amerikanischen Gewerf: schaftsbewegung Sozialdemokraten, Sozialisten in unserem Sinne, nicht allzuviele zu finden sind. Die Federation steht auf dem Standpunkte der Non- PartijanPolitif, das heißt, fie will für die Arbeiterinteressen wirten, ohne selbst Bartei zu ergreifen, sie unterſtützt im Bedarfsfall sowohl Republikaner mie Demofraten. So wurden 1924 insgesamt sieben republikanische und acht demofratische gewerkschaftsfreundliche Senatoren durchgesetzt. Unter die Lafollette- Bewegung Entwicklung einer dritten Partei, der die Gewerkschaftler sich angliedern scheint fürs erste ein Schlußstrich gesezt zu sein. Außer von der sozialdemokratischen Bewegung, die im Staate Wisconsin mit Milwautee Hauptsitz ersteht, fann im allgemeinen in den Vereinigten Staaten von einer beachtlichen sozialistischen Bewegung taum gesprochen werden. Um es kurz zu sagen: Die Berständigung mit den Gewerkschaften ist mangelhaft, es fehlt wohl aber auch manchmal das Verständnis und der Wille zur Verständigung. Preissturz bemirfte. Im übrigen ist bekannt, daß gerade das Reichs ernährungsministerium sich an der Preissenfungsattion fast gar nicht beteiligt, sondern durch ihr starres Beharren auf den Agrarzöllen ihr sogar direkt entgegengewirkt hat. Der In der für indu strielle Rohstoffe hingegen ist im Durchschnitt des Monats Oktober nicht einmal um den Betrag der Umsatzsteuerermäßigung gesunken, also um 0,5 Proz., sondern um ein Geringes weniger, nämlich 0,4 Proz. Auch der geringe Rückgang des Lebenshaltungsinder ist viel mehr auf die Bewegung des Weltgetreidemarktes als auf andere Momente zurückzuführen, ganz abgesehen davon, daß auf den übrigen Gebieten des Warenmarktes die anhaltende Wirtschaftskrise stärfer preisfentend wirkt als irgendwelche behördlichen Maßnahmen. Das festzustellen, ist notmendig, um den Erfolg der Preissenfungsaftion richtig zu fennzeichnen. Dabei soll durchaus zugegeben werden, daß das Vorgehen der Reichs- und insbesondere der Staatsbehörden sowie des Berliner Polizeipräsidenten Genossen Grzesinski durchaus nach der Richtung Anerkennung verdient, daß es den Uebergriffen der Kartelle und der unnötigen Erhöhung der Händler- und Berarbeitergewinne entgegenzuwirfen versucht. Biel Staat läßt sich also mit dem Erfolg der Preissenfungsattion nicht machen, und man muß auf das entschiedenste dagegen Einspruch erheben, den Plan einer Preissenfung als Borwand zur verhinderung von Lohnerhöhungen zu benutzen. Ein ernsthafter Preisabbau ist nur möglich bei einer schärferen Einschaltung der Konkurrenz des Auslandes. Wir brauchen eben den Abbau der Zölle. Der Abschluß des deutsch- italienischen Handels. pertrages ift auf einzelnen Gebieten ein kleiner Ansaz dazu, och schußpolitit aber und Preisfentung sind miteinander auf die Dauer nicht zu vereinbaren. Auf diesem Gebiet ist die Reichsregierung sicherlich sehr intonsequent verfahren und insofern ist sie für alle frisenhaften Zustände verantwortlich, die sich in Auswirkung der Schutzzollpolitit beim Absatz von Industriewaren und bei Verschlechterung des Arbeitsmarktes nur deutlich genug zeigen. Diese Verantwortung läßt sich auch mit den beredtesten Werten und mit einer Ueberschätzung der PreisabbauIm besonderen in der New- Yorfer Arbeiterbewegung fucht man jetzt, nach dem organisatorischen Zusammenbruch der Kommunisten, etwa eine unabhängig- sozialdemokratische Politik zu gestalten. Das entfremdet aber eher noch mehr als daß es zusammenführt. Dazu kommt, daß die kommunistische Bewegung unter den jüdischen Bekleidungsarbeitern aufgeflammt ist. Die Sorge um die davon betroffenen Organisationen verstärkt bei den Gewerkschaften die völlige Ablehnung alles dessen, was als sozialistisch verstanden wird oder sich doch so gebärdet. Man unterliegt wohl auch etwas der offiziell- amerikanischen Angst vor dem Bolsche mismus( wie er ausgemalt wird). So ergibt sich das Resultat, daß man wünscht, es möchte in der amerikanischen Gewerk schaftsbewegung geistig der unseren verwandter aussehen als es tatsächlich der Fall ist. Aber daß dies nicht der Fall ist, auch das ist kein Zufall! Die Vereinigten Staaten find jung, sie sind erst drei Generationen alt. Infolge des Krieges ist Amerita eigentlich zum ersten Male in eine gewisse wirtschaft- attion nicht hinwegdiskutieren. liche Sättigung, eine Art Uebergründung gekommen, weltwirtfchaftliche Probleme, die früher, ganz gleich in welcher Form fie famen, abgelehnt wurden, sind zu brennenden Tagesfragen geworden. Wohl niemals ist so deutlich gewesen, daß auch in Amerika die Welt im wesentlichen verteilt ist. Daraus muß die Kraft erwachsen, die zur geistigen Frontbildung der amerikanischen Arbeiterbewegung führt. Der Finanzausgleich. Die Ausführungsgesetze vom Reichsrat gebilligt. Der Staatsrat lehnte in seiner heutigen Sigung den pom Ausschuß vorgelegten Einspruch gegen das Ausführungsgesetz zum Finanzausgleich, das gestern vom Landtag in dritter Lesung angenommen wurde, einstimmig a b. Das Gesetz wird also wahrscheinlich noch vor Weihnachten verabschiedet werden und zum 1. April in Kraft treten. Luther und Preisabbau. Der Erfolg der Preissenkungsaktion. In seiner Rede vor dem Berein deutscher Kaufleute und Indufirieller hat der Reichskanzler Dr. But her auch Ausführungen über den Breisabbau gemacht, die festgehalten zu werden verdienen, weil sie die einseitige Einstellung der Reichsregierung. zu diesem Problem wieder einmal vor aller Deffentlichkeit zeigen. Luther rühmte sich, daß die bisherige Preisabbauaktion die Preise zum Stillstand, ja fogar zum Weichen gebracht hätte. Er hat offenbar die Inderziffern, auf die er sich beruft, nur sehr oberflächlich gelesen; denn sonst hätte er festgestellt, daß der Großhandelsindeg bereits im September und auch später im Oftober fast ausschließlich bereits im September und auch später im Oftober fast ausschließlich deshalb gesunken ist, weil die Großhandelspreise der am Weltmarkt gehandelten Nahrungsmittel in der fraglichen Zeitmartt gehandelten Nahrungsmittel in der fraglichen Zett panne zurückgegangen find. Dr. Luther wird doch nicht behaupten wollen, daß die Preisabbauaktion der Reichsregierung die Preisabbauaktion der Reichsregierung die günstige Ernte am Belt martt herbeigeführt hat, die den Weltmartt mir damals erzählte, ist nun nach seinem Tode herausgekommen. Unter dem Titel 3ur Kritit des historischen Materialismus", als Broschüre in der von Destreich herausgegebenen Sammlung„ Entschiedene Schulreform". Ein Dokument, in dem sich; der aufrechte und hohe Sinn des seltenen Mannes, der weitgespannte Umkreis seiner Weltanschauung eindru fengu toderspiegelt. Er steht in seiner Grundauffassung den Genoffen Karl Borländer und Mar Adler nahe, die fantische Gedanken im Sozialismus wiederfinden wollen, und meint, duich ein Zurüfgehen auf Kants Idee des fategorifchen Imperativs und deffen Freiheitslehre eine allerallgemeinste in fich wiederspruchslose philosophische Fundamentierung des Sozialismus geben zu können. Mir scheint ein solcher Weg nicht gangbar. Indes auch, wer die fantischen Konstruktionen im Gegensatz zu Köfter nicht für überzeugend hält und darum eine solche Untermauerung des Sozialismus von vornherein als dogmatisch ablehnt, wird aus der Art von Köfters Ringen um Selbstverständigung fruchtbare Anregungen für sich selber schöpfen. Man spürt in allem einen Geist, dem reine unbestochene Erkenntnis Herzenssache war. Conrad Schmidt. denn Bortragsabend Klaus Mann. Klaus Mann hat das zweifelhafte Glück, der schreibende Sohn eines dichtenden Vaters zu sein. Mag auch dem Anfänger der berühmte Name zum Vorteil dienen, da er die Neugier eines meiten Publikums reizt in der Folge wird er es um so schwerer haben, sich zu behaupten. Wird es Klaus Mann gelingen? Niemand vermag es heute bereits zu entscheiden. Wir hörten ihn in der Gutenberg- Buchhandlung aus eigenen Werfen lesen: Borwort und Schluß des Romans „ Der fromme Tanz", zwei Novellen. Aus allem gewann man ben rührenden Eindruck der fühlenden Jugend der Gegenwart, die dunkel das Geheimnis des Lebens ahnt und daran glaubt wie tönnte sie anders ihre Eristenz ertragen? und die ihm doch nirgends so nahe kommt, daß er auch nur Umriffe für sie gewänne. Doch für wen hat es die? Bleibt uns allen nicht schließlich die offene Frage, deren Antwort bisweilen ein Dichter in seinen Träumen findet, ohne daß auch er sie in den Alltag hinüberretten fann? Aber Klaus Mann ist heut noch kein Dichter, nur ein Mensch; für einen Jungen ist das vielleicht mehr. Als Oberton feines Wesens und Schaffens schwingt die große Liebe zu dem unendlichen Mosait, das uns Leben" heißt. Und da er es nicht übersehen kann, be trachtet er jedes einzelne Teilchen in dem Bewußtsein, daß Leben ein großes Unteilbares ist, das auch in jeder Einzelheit das Ganze bleibt. Darüber hinaus aber sehnt er sich nach Zusammenballung, nach Relationen, die er noch nicht findet, sondern konstruiert. So fehlt feinen Werken noch die Einheit, ein Mangel, der fühlbarer dadurch wird, daß Klaus Mann den Leser- oder Hörer nicht mit dem Surrogat des Wortes betrügen tann. Denn wenn noch nicht. Aber vielleicht freut man sich in fünftigen Werten, dem er auch um die Schönheit der Sprache weiß, ihre Kraft fennt er Dichter Klaus Mann zu begegnen, wie es uns diesmal gern genügte, die Bekanntschaft des Menschen zu machen. Tes auch Minuten, die zu Millionen werden. Wie seinerzeit gemeldet murde, wird in London demnächst ein neues Untergrundbahnnetz geschaffen werden, das ausschließlich dem Frachtverkehr dienen foll Rach den nunmehr endgültig feststehenden Plänen wird die Anlage Faschistenlügen der Hugenberg- Presse. ,, Kein Verständnis für Südtirol." Der Hugenberg- ,, Tag" bringt einen telegraphischen Bericht seines römischen Korrespondenten, der unter Berufung auf Aeuße rungen eines Baron Sardi dagegen Anflage erhebt, daß der Kongreß der Interparlamentarischen Union in Washington nichts für das Schicksal des deutschen Südtirols übrig gehabt habe. In dem Telegramm heißt es: „ Der Südtiroler Abgeordnete Linzl hatte, wie Sardi dem Bertreter des" Popolo Roma" erzählte, den Antrag eingebracht, daß auch Italien der Kontrolle der Großmächte für den Schuh der Minderheiten unterstellt werde. Barzilai und Sardi wandten sich scharf dagegen mit der Begründung, daß es in Italien tein Minderheitenpro. blem gäbe, daß die Deutschen Südtirols in absolut beruhigenden Bedingungen leben und ihnen das Gesetz den Geist jener Generosität und Legalität garantiere, der feit Jahrhunderten Italien leitet und bei jeder Gelegenheit die erhabenste aller Sicherheiten bilde. Der Kongreß habe dies zu stimmend angehört, seine Sympathie und Bewunderung für Italien ausgedrückt und die Vorschläge des Abdiese Sorte Pazifismus, den das Zeid deutscher Mindergeordneten Tinzl nicht der geringsten Beachtung gewürdigt. Und heiten völlig talt läßt, wird von der deutschen Lintspreise schweifwedelnd verherrlicht." Wir sind nun der Sache nachgegangen und haben folgendes in Erfahrung gebracht: Die Reden der Italiener Barzilai und Sardi in Washington wurden nicht zustimmend und mit Bewunderung an gehört, sondern löften allgemeinen Widerspruch aus. Daß ein Antrag Tinzls nicht angenommen wurde, liegt daran, daß ein solcher von ihm leider gar nicht eingebracht wurde. Die Behandlung des Minderheitenproblems wurde, im Einverständnis mit den linksstehenden deutschen Delegierten, faft ausschließlich den rechtsstehenden deutschen und auslandsdeutschen Abgeordneten überlassen; für die Reichsdeutschen sprach der Volksparteiler den Riesenbetrag von 650 Millionen Mart verschlingen. Trotzdem erwartet man, daß sie sich privat und voltswirtschaftlich sehr gut bezahlt machen wird. Man hat berechnet, daß, selbst wenn es nur gelingen sollte, den Güterverkehr zwischen den Stationen Euston und Waterloo um zehn Minuten zu beschleunigen, dies eine Ersparnis von mindestens 2 Millionen Mar! jährlich für den Handel und die Industrie der britischen Reichshauptstadt bedeuten würde. Eine eben. solche Beschleunigung des Personenverkehrs würde sogar eine jährliche Ersparnis an Arbeitszeit im Wert von 80 Millionen Mark ergeben. Sprichwörter. Der Lehrer behandelte die Sprichwörter und fragte die Klasse nach Beispielen. Die Klaffe schwieg. Mergerlich schalt der Lehrer, weil niemand eine Antwort auf seine Fragen wußte. Da hob das kleinste Knäblein auf der vordersten Bank sein Fingerchen hoch. ,, Also, Peter, du weißt ein Sprichwort?" Ja, Herr Lehrer. Ein Narr fann mehr fragen, als zehn Weise beantworten fönnen." Entrüstet sagte der Lehrer: Weißt du fein anderes Sprich wort als das, dummer Junge?" ,, Gewiß, Herr Lehrer. Wem der Schuh paßt, der zieht ihn an." Da war das Maß voll, und der Lehrer lief zum Direktor, damit dieser den frechen Bengel zur Rede ftellen solle. Zu zweien betraten sie wieder die Klasse. " " ,, Nu jag doch mal, Peter, weißt du denn feine besseren Sprichwörter?" Gewiß, Herr Direktor," fagt Peter. Ein Unglüd tommt felten allein." ( Aus Het Weekblad", den Haag.) Cudwig Hardt wird auf Einladung der Boltsbühne E. V. am Mittwoch, dem 18., im Bechstein- Saal erstmalig in Berlin Moderne Prosa" lesen. Einlaßtarten M. Die Ausstellung Wohnung und Haustat wird am 14., mittags 12 Uhr im Gesundheitsbaus Kreuzberg. Am Urban 10/11, eröffnet. Gie enthält ausgewählte Erzeugnisse des Handwerks( Möbel, Beberrien, Glas, Steramit, Holz. Metall usw.), die als Gewinne der vom Deutschen Roten Kreuz und der Arbeitsgemeinschaft für Deutsche Handwertstultur ( Borfitender Reichskunstwait Dr. Rebslob) zu veranstaltenden Wohltätigkeits. Lotterie in Aussicht genommen sind. In Verbindung biermit wird die Ausstellung Die gesunde Wohnung" eröffnet, die das Bezirksamt Kreuzberg veranstaltet, und die Hinweise zur Verbesserung unserer Wohnungen in hygienischer Hinsicht enthalten wird. Eliabeth Bergner wird mit Rezitationen eine gefire de Bilbelms von Scholz umrahmen, die der Dichter zur Feier der bundertfünfzigsten Wiederkehr des Tages von Goethes Anfunft in Weimar halten wird. Die Feier, mit der die Ortsgruppe Berlin der Goethe- Gesellschaft ibre diesjährigen Veranstaltungen einleitet, findet am Sonntag, dem 15., 11%, Uhr, im Deutschen Theater ftatt.- Karten bei Bote& Bod, Bertheim, Invalidendant und an der Kasse des Deutschen Theaters. Herrmann Effigs Tragödie, Maria Heimfuung wurde vom Renaissance Theater erworben. Die Uraufführung findet unter der Regie von Theodor Lagger noch vor Weihnachten statt. Der Papst im Radio. Wie die Sabio- llmichau mitteilt, ift im tommenden Jahre eine Friedensrede bes Babftes im Radio zu erwarten. Ax alle foll der Titel sein. Mögen alle es hören! Mittelmann. Im übrigen wurde der Bericht des Schweizers| Usteri, der sich durchweg auf dem Standpunkt der deutschen 1 Minderheiten stellte, ebenso wie sein Schlußwort vom Interparlamentarischen Kongreß allgemein gebilligt. Es ergibt sich also folgendes Bild: in einem Faschistenblatt lügt ein faschistischer Baron das Blaue vom Himmel herunter; der Hugenberg- Korrespondent übernimmt seine Lügen fritiflos und fnüpft an ihre telegraphische Wiedergabe ge= meine Verdächtigungen der deutschen Linksparteien! Und wer ist dieser Hugenberg- Korrespondent? Derselbe Herr Eberlein, der erst vor wenigen Tagen an dieser Stelle ange prangert wurde, weil er in einem Leitartikel des Lokal- Anzeigers" das faschistische Regime in friecherischer Weise angehimmelt hatte! Nach ihm wäre es den Bewohnern Italiens noch nicht so gut ge gangen wie unter Mussolini. Von den Deutschen Südtirols hatte Herr Eberlein dabei nachweislich vergessen zu sprechen. Der Hugenberg- Tag" versieht aber diesen telegraphischen Er. guß seines Faschisten- Eberlein mit der Ueberschrift: Kein Ber ständnis für Südtirol"!! Schluß der Beweisaufnahme. Der Coßmannprozeß vor dem Abschluß. München, 12. November.( VDZ.) mung der Armee wieder zu heben, die Weltlage Deutsch: lands sei nicht mehr herzustellen, man müsse auf den Frieden hinarbeiten. In dem Dokument befindet sich zu diesen Auslassungen eine Randbemerkung des Kriegsministers: Was ist damit gewonnen?" R.-A. Graf Pestalozza gab dann im Namen Professor Coßmanns die Erklärung ab, daß diefer entsprechend der Aufmaterial schriftlich mitgeteilt habe. Er habe den Gerichtsbeschluß forderung des Gerichtes diefem das noch weiter anzubietende Beweise erhalten, daß nur noch die beiden gestrigen Zeugen vernominen werden sollten. R.-A. Dr. Hirschberg sprach ebenfalls das Bedauern darüber aus, daß weitere Bernehmungen nicht mehr stattfinden tönnten. Er hätte noch sieben Frontfoldaten als Zeugen angegeben; er ertenne aber an, daß auch diese Gerichtsverhandlung einmal aufIn der Donnerstag- Sigung übergab zunächst Rechtsanwalt Graf Pestalozza dem Gericht und der Gegenpartei eine Darlegung der Entstehung der Dolch stoßhefte. Danach ist die Ein leitung des ersten Heftes, und sind die zusammen. fassenden Schlußworte der beiden hefte von Professor Comann verfaßt. Außerdem ist Coßmann Berfasser derjenigen behandeln. Bei anderen Artikeln ist er teilweise Mitarbeiter. Artikel, welche bisher unveröffentlichtes Afenmaterial Zu der gestern aufgeworfenen Frage, wieviele Verurteilungen wegen Landesverrats während des Krieges erfolgten, legte Graf Pestalozza eine amtliche Zusammenstellung vor. Hiernach wurden vom 1. August 1914 bis 31. Juli 1917 131 Personen wegen einfachen Landesverrats verurteilt; vom 1. August 1917 bis 31. Dez. 1917 erfolgten 66 Berurteilungen; in den letzten fünf Monaten des Jahres 1917 ist die Zahl der Verurteilungen außerordentlich gehören müsse. stiegen. Weiter übergab er dem Gericht einen großen Band mit Flugblättern und Agitationsmaterial, wozu er be merkte, daß in dieser umfangreichen Sammlung nur eine fbeine Rom, 12. November.( EP.) Sämtliche Ausgaben der römi- Menge jenes Materials zusammengestellt sei. Es handelt sich um schen Oppositionsblätter wurden gestern beschlagnahmt. Propagandamaterial, das aus dem In- und Auslande stammt. R.-A. Dr. Hirschberg verlas dann eine Reihe von Stellen aus verschiedenen während des Krieges erschienenen Druckschriften, worin in der Hauptsache Kriegsziele behandelt und annexio. nistische Forderungen aufgestellt werden. Zaniboni- Wirkungen. Neue Polizeieingriffe. Nervöse Spannung in Italien. London, 12. November.( WTB.) Unter der Ueberschrift„ Die Spannung in Italien veröffentlichen die Times" auf der Hauptsette eine Mitteilung, in der es heißt: Nach in London eingetroffenen zuverlässigen privaten Informationen hat die augenblickliche strenge Anwendung der 3 ensur in Italien im Lande einen Zustand nervöser Spannung erzeugt. Eine gewisse Gärung ist sogar in faschistischen Kreisen bemerkbar, und man befürchtet, daß eine lange Fortdauer des augenblicklichen Suftands der akuten Spannung unerwünschte Ergebnisse haben kann. Scialoja lehnt die Offizialverteidigung Zanibonis ab. Rom, 12. November.( EP.) Wie die„ Tribuna" berichtet, hat ber Untersuchungsrichter, der die Untersuchung wegen des Attentats auf Mussolini leitet, den Senator Scialoja, der Vorsitzender der Advokatenkammer ist, für die Offizialver teidigung von 3aniboni ernannt, doch soll Scialoja mit Rüdsicht auf seine häufigen Auslandsreifen als Regierungsvertreter abgelehnt haben. Matteottis Mörder nicht freigelaffen. Rom, 12. November.( WTB.) Die Blättermeldungen von einer Haftentlassung der der Ermordung Matteottis Angeklagten Rossi, Filipelli und Marinelli treffen, wie die„ Agenzia Stefani" melden, nicht zu. Bis jetzt fei teine Haftentlassung erfolgt. $ Abbau des Kommunismus. Wiedereinführung des Erbrechts in Sowjet Rußland. mostan, 12. November.( WIB.) Das Präsidium des Allraffischen 3entral- Egeftutiotomitees verfügte die Abänderung verschiedener Bestimmungen des 3ivil. gefehbuches, durch die ein Teil der bisherigen Beschränfungen des Erbschaftsrechts aufgehoben werden Unter diese Abänderung fällt insbesondere die Aufhebung des Artikels, der die Höhe des zulässigen Erbschaftsbetrages auf 10 000 Rubel beschränkt. Nach der neuen Faffung des Gefeßes fällt eine Erbschaft nur dann an den Staat, wenn ein Teftament nicht vorliegt oder gefehliche Erben nicht vorhanden find. Der schöne Straßenbahnwagen. Es gab eine Zeit, in der die Straßenbahnwagen Berlins von oben bis unten mit Reklamen bedeckt waren. Große Schilder auf dem Dach verkündeten, daß eine bestimmte Hautcreme die beste sei oder daß man die Fußpflege nicht vernachlässigen dürfe. Ein Straßenbahnwagen fah damals aus wie der Inseratenteil einer Zeitung. Gleichgültig wie der Wagen wirkte, Hauptfache blieb, daß die Reklamen Geld einbrachten. Schließlich befann man fich aber darauf, daß ein Straßenbahnwagen auch ohne Reflame gut aussehen müsse, man entfernte die Reflame, ging aber in seinem Schönheitsdurst sofort zu weit. Man fand nämlich auch, daß die Seitenschilder, auf denen die wichtigsten Punkte, die der Bagen berührt, verzeichnet waren, das harmonische Aus. Jeben der neuen schönen Bagen stören fönnten. Schönheit, Schönheit über alles! Als Ersatz brachte man hinter einem der Fenster ein großes Pappschild an, auf dem die genaue Fahrtrichtung verzeichnet wurde. Die Schrift der Pappschilder ist schwer zu lesen, besonders vom Bürgersteig aus. Die Orientierung ist erschwert. Schließlich kann niemand verlangen, daß man alle Straßenbahnlinien auswendig weiß, und für einen Fremden bleibt es besonders schwer, sich zurechtzufinden, da er überhaupt nicht weiß, wo das Schild hängt, und wenn er es endlich gefunden hat, ist die Straßenbahn bestimmt im Abfahren begriffen. Berlin, das augenblicklich die größten Anstrengungen unternimmt, Fremde an sich zu ziehen, sollte nicht unnötigerweise dieser nützlichen Menschengattung das Fahren mit der Straßenbahn erschweren. Das Ganze ist ein überflüssiges Experi ment, wie das frühere, die lateinische Schrift durch sogenannte deutsche zu ersetzen. Schönheit ist sehr nett, sie darf sich aber nicht als Berkehrserschwerung erweisen. Im übrigen hat zum Beispiel die Stadt Dresden den Nachweis erbracht, doß ein Straßen bahnwagen ganz von Reflame eingehüllt sein und doch einen ästhetisch vollkommen befriedigenden Eindrud machen kann. Boten des Winters. • Der Frühwinter hat über Nacht eingesetzt. Nach dem regne rifchen Wetter der vergangenen Tage machen sich die ersten Nacht. fröste bemerkbar, die auch das sonnige Wetter des Tages faum erheblich zurücktreibt. Die schweren Nöte des Winters find damit in greifbare Nähe gerüdt. Wärmehallen und ftuben müffen geöffnet werden, damit die vielen Arbeitslosen, die sich in ihrer hoffnungslosen wirtschaftlichen Situation den Lurus des Heizens nicht leisten fönnen, wenigstens tagsüber halbwegs erträglich existieren tönnen. Nicht minder wichtig ist die Versorgung der unbe mittelten Bevölkerung mit Heizmaterial. Diese Bersor. gung auf breitester Basis und mit aller Energie durchzuführen, ist eine der vornehmsten und dringlichsten Aufgaben. Dabei gilt es, die Entwicklung auf dem Kohlenpreismartt sehr aufmerksam zu verfolgen. Der Straßenbahngesellschaft wird soviel Einficht gewünscht, daß sie ihre sämtlichen modernen und unmodernen Aussichtswagen schnell und gründlich heizen läßt, wie es der Deffentlichkeit schon vor Wochen versprochen worden ist. Aussichts. wagen sind es nämlich deshalb, weil man zurzeit in ihnen die schönste Aussicht auf Erkältung, Heiserfeit, Schnupfen, Grippe und Lungen entzündung hat. Jedenfalls jei schon jetzt mit aller Deutlichkeit ge= fagt: Jene, die die soziale Krise grundlos verschärfen, versündigen ich aufs schwerste am deutschen Bolte. Im übrigen eine fleine Frage: Das Bärmeproblem ist vielleicht in diesem Jahre befonders Es sind das u. a. Werbeschreiben der Baterlandsparkei, dann die fogenannte Profefforeneingabe vom 20. Juni 1915, worin n. a. die Verbesserung der deutschen Westgrenze von Belfort bis zur flandrijchen Küfte verlangt, ein Teil der franzöfifchen Küste gefordert wird, Borschläge über die Höhe der Kriegsentschädigung gemacht werden, dann die Forderung aufgestellt wird, daß Belgien politisch, militärisch und wirtschaftlich fest in deutscher Hand bleiben müffe. Weitere Forderungen beziehen sich auf die Wegnahme von Siedlungsland in Rußland, auf die Erweiterung des deutschen Kolonialreichs in Afrika usw. Der Berteidiger wies ferner darauf hin, daß auch die Süd deutschen Monatshefte" in einer Reihe ihrer Ausgaben für Annegionen eingetreten find, insbesondere in dem Hefte Kriegsziele" vom Dezember 1915 und in dem Heft Flandrische des bayerischen Militärbevollmächtigten im Großen Hauptquartier, Küfte". Weiter verlas Dr. Hirschberg Stellen aus einem Dokument einem Schriftstück, das an den bayerischen Kriegs minister gerichtet war. Es heißt in dem Schriftstück, es müsse etwas geschehen, um von der Heimat aus den Geist und die Stim bringlich. Bekanntlich ist ein Körper, dem die notwendige Menge Fett zugeführt wird, weitaus widerstandsfähiger gegen die Kälte als ein unterernährter. Für die radikale Entziehung der notwendigen Fette aus dem Millionenkörper des deutschen Volkes haben unsere großagrarischen Zollräuber mehr als gewissenhaft Sorge getragen. Sie haben uns allerdings eingeheizt. Aber so gründlich in einem anderen üblen Sinne, daß wir aus dem Frieren nicht mehr heraus. tommen. In der letzten Nacht fant das Thermometer in Berlin stellen. Seen und Leiche mit einer Eisdece überzogen, und auf den Straßen meise auf fünf Grad unter Rull. An vielen Stellen waren und Chausseen hatte sich Glatteis gebildet. Bie aus München gemeldet wird, hat der mertliche Temperaturrüdgang der legten Tage über das banerische Oberland und die Hauptstadt Bayerns, München, eine leichte Schneedede gelegt. Die Stralsunder Raubmörder. Merkwürdige Erfahrungen der Hutreisenden. Die Mörder des Fräulein Kaiser in Stralfund, der frühere Landwirtschaftseleve Raschte und der Kaufmann Böttger, wurden gestern von Kriminaloberinfpeftor Gennat noch einmal ein. gehend verhört. Es find junge Männer, die die höhere Schule besucht haben. Trotz aller Bemühungen der Eltern waren sie zu einer regelmäßigen ständigen Beschäftigung nicht zu bewegen. für ein Berliner Hutgeschäft. Dieses Hutgeschäft scheint Eigenartige Erfahrungen machten fie als Landreisende fich in der Tat höchst mert würdiger Geschäftsprattiten bedient zu haben und es wäre doch recht notwendig, auch diesen Dingen einmal nachzugehen. Es wäre immerhin möglich gewesen, daß die jungen Leute, wenn die Gepflogenheiten des Hutgeschäfts reell gewesen wären, durch ihre Reisenden tätigteit soviel verdient hätten, daß sie sich damit leidlich über Wasser gehalten. Sie mußten nämlich bei den Bauern alte Hüte auftaufen, für die neue geliefert wurden. Der Verkäufer gab seinen alten Hut und mußte auf den neuen 3 Mart anzahlen. Den Hüte waren so schlecht, daß die Reisenden in Orten, neuen erhielt er dann gegen Nachnahme von 6 Mart. Die neuen in denen vorher schon Bertreter der Firma diese Geschäfte gemacht hatten, von den Bauern wiederholt Prügelbetamen. Nachdem Raschte und Böttger diese Vertretung von Pyrit aus auf gekündigt hatten, wanderten sie zu Fuß durch Pommern und Medienburg. Wenn sie gar fein Geld hatten, so schliefen fie in Heuschobern oder auch auf Gütern, auf denen sie meistens auch zu essen befamen. Hatten sie etwas Geld, so fehrten sie in Gastwirtschaften ein, be zahlten Zeche und Logis, stahlen aber, wenn sich die Gelegenheit bot, dem Wirt wieder das Geld aus der Kasse und verschwanden damit. Ueber den weiteren Verlauf ihres unsteten Wanderlebens, das dann in dem entseglichen Verbrechen endete, ist bereits be richtet worden. Politische Neutralität im Deutschen Gastwirtsverband. " Das Wort Neutralität flingt so harmlos, jo aufrichtig. Man will feine Politi? betreiben; natürlich hat man seine politischen Ueberzeugungen, aber man will sie feinem aufdrängen, besonders wenn man in einer Organisation ist, die außerpolitische 3wede verfolgt. Auch der Deutsche Gastwirtsverband gefällt sich in dieser Bose. Er vertritt nur die Interessen der Gastwirte, Politif geht ihn nichts an. Anders allerdings verhält sich die Sache, wenn man seine Beitung liest, oder einen Blick in das Gasthaus" wirft, der illustrierten Wochenbeilage des Amtsblattes des Deutschen Gastwirtsverbandes. Das Titelbild in Nr. 45 ist für die ganze Gesinnungsrichtung dieser Herren bezeichnend. Unterfchrieben ist es:„ Der 7. November 1918". Schreckliche Zustände sieht man dort. Ein wüster Matrosenhaufen mit leidenschaftlich erregten Gesichtern und gezückten Rachefäusten nebst Revolvern und roten fahne ihm einen Revolver und dem männermordenden Ernst eines Detektivdarstellers im Film entgegenhält. Hier echtes, deutsches Heldentum mit Theatergeste, dort entfesselte Massengelüfte. Daß ein anderer Offizier außerdem noch als toter Mann vor der Kriegsfahne liegt, erhöht nur die Stimmung. Und die Unterschrift dazu ist von einer geradezu klassischen, politischen Neutralität“.„ Die deutsche Flotte war im Oftober 1918 zu einem großen, aussichtsvollen Schlage gegen die englische Flotte versammelt. Durch die Berhehung der Befagung wurde das Auslaufen der Flotte kurz vor dem folgenschweren Waffenstillstand verhindert." Die Herausgeber dieser teils illustrierten, teils terlichen Angelegenheit, die Herren Frig von Lindenau und Ulrich von Uechiriz, aus dem Berlag der Otto Eisner A.-G., Berlin S. 42, entwickeln dabei die politischen Kennt niffe eines Schulbabys und zeigen sich als recht talentierte Hafen treuzfnaben. Der Gastwirtsverband sollte sich doch aber, wenn er | Der Borsigende bat, die Debatte zu schließen. Der Beklagte Gruber erflärte noch, in der Beweise aufnahme seien Lüden, die noch ausgefüllt werden müßten, es scheine ihm, daß die Arbeiterfrage in diesen Verhandlungen nicht in der Weise erörtert worden ist, die vielleicht jetzt noch von einiger Bedeutung wäre. Der Vorsitzende verlas hierauf die Ergebnisse des vierten Unterausschusses des Parlamentarischen Untersuchungsausschusses vom 26. Mai 1925 über die Untersuchung betr. die Ursachen des Zusammenbruchs von 1918. Mit besonderer Betonung hob der Vorsitzende die Schlußnote diefes Berichts hervor, wonach der Untersuchungsausschuß in bezug auf die von ihm behandelten Fragen feine Feftftellung getroffen habe, welche es rechtfertige, nach irgend einer Seite zu einem Schuldurteil zu gelangen. Professor Coßmann machte darauf aufmerksam, daß die Arbeiten des Untersuchungsausschusses über die Dolcstoßfrage noch fortgesetzt würden. R.-A. Hirschberg bestätigte, daß bereits in der nächsten Zeit der Untersuchungsausschuß diese Frage in Angriff nehmen werde. Das in diesem Prozeß zutage geförderte Material werde für die Untersuchungen des Barlamentarischen Untersuchungsausschusses einen wichtigen Beitrag liefern. Die Beweis aufnahme wird geschlossen. Fortsetzung der Der Borsitzende teilte hierauf folgenden Berichtsbeschluß mit: Verhandlung am Montag, den 16. November 1925, vormittags 9 Uhr. Am Montag vormittag beginnen demnach die Plaidoyers. tatsächlich politische Neutralität wahren will, die Herausgeber seiner illustrierten Wochenbeilage besser ansehen. Was aber sagen die Hunderttausende Konsumenten, von denen doch die Gastwirte leben, zu diesem hegerischen Unfug? Johannes Franke verstorben. Einen herben Berlust erlitt die Neuköllner Parteiorganisation burch den Tod des am 10. November verstorbenen Genossen Johannes Frante von der 93. Abteilung. Frante war einer der älteren Genoffen, die stets für die Dienste der Partei zu haben waren. 1892, trat er dem Metallarbeiterverband bei. Sein unermüdlicher Bereits 1898 tam Frante zur Partei. Borher, schon Fleiß, seine Treue zum Proletariat brachte ihn in die wichtigsten Funktionen. Von Beruf Schraubendreher, war er zuletzt bis zum Eintritt feiner Krankheit im Landarbeitsamt Berlin tätig. Sein Wunsch, feinen 60. Geburtstag im Kreise seiner Genoffen fröhlich zu feiern, ging leider nicht mehr in Erfüllung. Schwere Krantheit 3mang ihn, das Krantenhaus aufzusuchen, wo ihn nun der Lod ereilte. Sein treuer Fleiß mahnt zur Nacheiferung. Die Ein äscherung findet statt am 14. November, 12% Uhr mittags, im Krematorium Baumschulenweg, Kiefholzstraße. Preisrückgang und Preissteigerung. Nach einer Zusammenstellung der Kolonialwarenmoche" ist im Großhandel der Preis von zehn Lebensmitteln im Oftober um 1,7 Broz. zurückgegangen, während im Kleinhandel eine Ergebnis: Steigerung der Spannen im Kleinhandel trotz Tätigkeit Preissenkung nicht eingetreten ist. Dort find Butter und Eier im Breise gestiegen, Schmalz und Zucker find billiger. Also der Regierung und feine Berbilligung der Haushaltungskosten. Die Preisrückgänge des Großhandels find sicherlich eine Folge des Geld inangels, der ihn zwingt, Waren um jeden Preis abzustoßen und eine Folge des Mobilmachens der öffentlichen Meinung, die im wesentlichen auf seiten der Konsumenten steht, dieser Druck muß weiter anhalten, um auch beim Kleinhandel Preismilderungen zu erreichen. mehr zu erzielen wird jedoch erst bei Veränderung des Kurses unserer Steuer- und Wirtschaftspolitit möglich sein. Polizei und Landbevölkerung. In der soeben beendeten Breußischen Polizeiwoche fand Beachtung ein Vortrag des Landjägermeisters Eigenbrodt ( Baffum, Bez. Bremen) über Landjägerei und ihre friminalpolizeilichen Aufgaben". Die 3usammenarbeit der Polizei mit der Landbevölkerung gestalte fich wesentlich ich mieriger als man allgemein annehme. Schwerfälligkeit, Scheu, vor dem Gericht und Angst vor Rache seien die hauptsäch lichsten Widerstände, mit denen der Landjäger im Ermittlungsver fahren ständig zu kämpfen habe, und nur durch erprobte Unparteilichkeit, Unbestechlichkeit und große Berschwiegenheit fönne es ihm allmählich gelingen, das Vertrauen der ländlichen Bevölkerung n geminnen. Dieses Bertrauen sei die Generalvoraussetzung für ein erfolgreiches Wirken und nüze häufig mehr als die besten Fachfenntnisse. Die Agentenfrage fomme auf dem Lande nicht in dem Maße in Betracht wie in der Stadt. Der Referent forderte zum Schluß einen größeren Ausbau der Kriminalpolizei innerhalb der Landjägerei fowie beffere Ausrüstung der Landjägerei mit modernen technischen Hilfsmitteln. Der Kindergarten in Treptow, Wildenbruchstr. 53/54, wird jett morgens bereits um 7 Uhr geöffnet. Vielen arbeitenden Müttern ist damit Gelegenheit gegeben, ihre Kinder vor Beginn der Arbeit in Dbhut zu bringen. Konsumgenoffenfchaif, 84, 88. und 89. Berkaufsstelle. Donnerstag, 12. b. Mis., finden im Stadttheater, großer Saal, zwei Filmborführungen des Films Unser Konsum" statt. Nachmittags 4 Uhr für Kinder, Eintritt 15 Bl., abends 8 Uhr für Erwatsene, Eintritt 30 Pf. Ein schwerer Unfall ereignete sich gestern vormittag auf dem Bahnhof Jadidendorf der Strede Stettin- Rüstrin. Beim Abladen stürzte ein Beichendreied herab und begrub vier Arbeiter unter sich. Der 43 Jahre alte Bahnunterhaltungsarbeiter Albert Kante war jo fort tot, ein Arbeiter Schulz wurde schwer ver legt in das Krankenhaus Königsberg( Neumart) gebracht. Die beiden anderen Arbeiter tamen mit leichteren Verlegungen davon. Wegen Ermordung feiner Ehefrau wurde der 33 Jahre alte Mufiter Karl Pohl aus Freckleben zum Tode verurteilt. Der Angeklagte war beschuldigt, in der Nacht vom 23. zum 24. Ot teber seine Ehefrau im Bett durch einen Schuß aus einer Mauserpistole getötet zu haben. Pohl, der einen Selbstmord seiner Frau vorzutäuschen versucht hatte, leugnete bis zum Schlüsse der Verhandlung. Gewerkschaftsbewegung An alle Arbeiterinnen der Welt! Das am 3. und 4. November in Amsterdam verfammelte Jnternationale Gewerkschaftliche Arbeiterinnenkomitee, lenkt die Aufmerkfamkeit der Arbeiterinnen aller Länder auf die traurige Lage, die fchlechten Arbeitsbedingungen und Löhne der Arbeiterinnen in Industrie, Handel und Candwirtschaft. Da sich die Arbeitsbedingungen der Männer im gleichen Make verbesserten, als sie von ihren gewertschaftlichen Machtmitteln Gebrauch machten, wendet sich das Komitee an die arbeitenden Frauen aller Berufe und Länder mit der Aufforderung zum Anschluß an ihre beruflichen Organisationen und damit zur Stärkung ihrer gewerkschaftlichen Macht. Das Komitee gibt der Hoffnung Ausdrud, daß die gemeinsame Affion des im 3nfernationalen Gewerkschaftsbund vereinigten Proletariats der Arbeiterklasse nicht nur eine beffere und menschlichere Eristenz sichern, sondern die Menschheit einem allgemeinen und dauernden Frieden entgegenführen wird. Internationales gewerkschaftliches Arbeiterinnenkomitee: Helène Burniang( Belgien), Henriette Crone( Dänemark), Mary Quaile( England), Jeanne Chevenard( Frankreich), Gertrud Hanna ( Deutschland). Urabstimmung bei der Hochbahn und der Aboag. Die Ablehnung der Schiedssprüche empfohlen. Die Funktionäre der Hochbahn und der Aboag nahmen gestern abend zu den am gleichen Tage gefällten Schiedssprüchen Stellung. Knobel vom Verkehrsbund berichtete über die Berhandlungen und Jemand, ben fie für ungeeignet halte, zu entlaffen, ohne ihm eine Entschädigung zu zahlen. Der Vertreter der Firma Bolle erhielt die Antwort durch das Urteil des Gerichts, welches dahin geht, daß die Firma die Klägerin weiter zu beschäftigen oder sie mit 217 M. zu entschädigen hat, denn die Entlassung sei eine unbillige Härte. Daß die Klägerin Arbeiten habe liegen lassen, fönne ihr nicht zum Borwurf gemacht werden, da ihr unstreitig die Aufarbeitung eines durch monatelanges Fehlen eines anderen Angestellten liegen gebliebenen Penfums zugefallen war. schrieben: Niedrigere Löhne und höhere Preise. In der Glasindustrie. Zu dem Kampf in der Weißglasindustrie wird uns von der Bahlstelle Dublau des Zentralverbandes der Glasarbeiter ge Durch viele Berichte der Glasindustriellen der Niederlaufik find mir gezwungen, eine Richtigstellung in der Lohn- und Arbeitszeit frage wie folgt zu geben: Die technischen Einrichtungen vor dem Kriege waren auf ben meisten Hütten in der Niederlaufig nicht soweit vorgeschritten, wie nach dem Kriege. Zum Beispiel ist es sehr selten vorgekommen, daß die Arbeitszeit am heißen Ofen 9-9% bzw. 10 Stunden betrug, da Größe und Inhalt der Hafen vor dem Kriege nicht in dem Berhältnis waren, wie zur jezigen Zeit. Auch der Schmelzprozeß war nicht der wie heute. Es war fast nie möglich, diese Arbeitszeit aus. zunuzen. Die Produktion war daher bedeutend geringer, als heute bei der verkürzten Arbeitszeit. An Hand unserer Tarife vor dem Kriege ist zu ersehen, daß ein Glasmacher vor dem Kriege einen Mindestverdienst von wöchentlich 70 m. hatte. Es produzierte eine Werkstelle an einem Ofen mit zwei Kompanisten, einen Kürbelmacher und einen eingab den genauen Inhalt der Schiedssprüche bekannt. Der Schieds- träger 900 Stück 1- Liter- Wedgläser Edelweiß 100 Millimeter täglich. Für 100 Stück wurden 3,25 m. gezahlt. Pro Woche wurden gefertigt 5400 1- Liter- Wedgläser Edelweiß 100 Millimeter a 100 Stüd 3,25 m. gleich 175,50 m. pro Woche. Hiervon gingen ab: 16 M. für den Kürbelmacher, 12 M. für den Einträger, 2 M. für Wert zeug, 5 M. für Sozialversicherung. Es blieben 140,50 m. oder für je einen Kompanisten 70,25 m. wöchentlich. spruch für dei Hochbahn besagt im wesentlichen folgendes: Das technische Berfonal erhält ab 1. November eine Zulage Don 3 Pfennig. Dieselbe Zulage erhält das Berkehrs personal in allen Gruppen, umgerechnet nach dem in der Befoldungsordnung festgesetzten Schlüssel. Außerdem erhalten Zug begleiter, Blockwärter und Straßenbahnschaffner nach 12 Dienstjahren 3 M. Zulage monatlich, die nach je weiteren 2 Jahren um 3 M. bis höchftens 6 M. steigt. Zugabfertiger, Bahnhofsschaffner erhalten nach 12 Dienstjahren 2 M. monatlich, steigend nach je 2 weiteren Dienstjahren um 2 m. bis zu höchstens 4 M. Dieser Schiedsspruch gilt vom 1. November bis 31. März 1926. In derselben Werfstelle vor Ausbruch des jetzigen Wirtschaftsfampfes wurden für eine Wochenleistung von 5400 1- Liter- Wedgläser Edelweiß 100 Millimeter insgesamt nur 134,40 m. gezahlt, macher 20,91 m., auf den Einträger 14,79 M. Die Lohnforderung wovon auf jeden Kompanisten 46,85 m. entfielen, auf den Kürbel. eines Glasmachers bei gleicher Arbeitsleistung, Arbeitszeit und Pro buftion wie vor dem Kriege müßte jest zirka 58 Pro3. höher fein, um den normalen Friedenslohn zu erreichen. Unverständlich ist es daher, wenn die Unternehmer behaupten, der Betrieb tönne nicht eriſtieren, trotzdem die fertiggestellte Ware 3irfa 100 Proz. teurer, der Lohn der Glasmacher aber 35,7 Proz. unter dem Fiedenslohn steht. Die Unternehmer befommen es fogar fertig, zu behaupten, daß die Löhne 50 bis 60 Broz. höher find als vor dem Kriege, was aber durch die vorbezeichneten Aufstellungen widerlegt ist. In der Diskussion betonten alle Rebner die völlige nzu fänglichkeit dieser Zulagen. Die Lohnerhöhung steht in feinem Berhältnis zu der Teuerung, und die Löhne blieben hinter denen zurück, die in der übrigen Industrie, im Handel und Berkehr gezahlt werden. Wenn man z. B. den Löhnen der Berliner Hochbahn die der Hamburger gegenüberstellt, so ergibt sich folgendes: In Hamburg erhalten die Zugführer einen Anjangslohn von 189. und einen Endlohn von 214 m. Selbstverständlich sind die Betriebsausgaben" größer als vor Die Berliner Zugführer würden mit der Zulage im Anfang dem Kriege, nämlich wenn es die Unternehmer fertig bekommen, 181 M., im Endlohn 200 m. erhalten. Die Hamburger 3ug befämtliche Brivatausgaben, luxuriöse Billenbauten, Autoankäufe usw. gleiter, Blockwärter und Straßenbahnschaffner erhalten im An- auf Kosten des Betriebes zu verrechnen. Hieraus ist aber zu er fangslohn 182 m., im Endlohn 207 m. Die Berliner Zugbegleiter sehen, was für einen großen Gewinn jeder Betrieb innerhalb eines würden mit der Zulage im Anfang 170 m., im Endlohn 179 m, er. Jahres abwirft, um diese großen Untoften" zu tragen. Früher halten. Bahnsteigschaffner bekommen in Hamburg 182 bis mußte jeder Unternehmer jahrelang iparen, um sich eine 199 m., in Berlin würden sie mit der Zulage 149 bzw. 162 m. Billa zu bauen; heute verlangen die Unternehmer, daß dieseln erhalten. Ebenso würde für das Verkehrspersonal die Zulage nicht fosten" innerhalb eines Jahres von dem Betriebe herausgewirtschaftet polle 3 Pfennig betragen, da die Zulage mie für das technische Ber jonal auf eine monatliche Arbeitszeit von 208 Stunden beregnet ist, das Berkehrspersonal im Monat aber 230 Arbeitsstunden zu leisten hat. Die Funktionäre beschlossen, die Belegschaften durch eine Urabftimmung über Annahme oder Ablehnung des Schiedsspruches entscheiden zu lassen. Sie wird im Betrieb der Hochbahn am Mon= tag und Dienstag nächster Woche vorgenommen, in der Aboag am Dienstag. Die Funktionäre empfahlen jedoch den Belegschaften, den Schiedsspruch abzulehnen. Im Hinblick auf die unzureichende Lohnerhöhung und die angeführten Bergleiche ist damit zu rechnen, daß die Belegschaften die Auffassung der Funktionäre teilen und den Spruch ablehnen werden. Bolle gegen§ 84 des BRG. Einen prinzipiellen Kampf gegen den die Willfür des Unternehmers bei Entlassungen einschränkenden§ 84 des Betriebsräte gefeges führte die Meierei Bolle vor dem Kaufmannsgericht. Bei der genannten Firma war seit Oftober 1924 eine onto ristin als Hilfstraft eines Bureauleiters beschäftigt. Dieser schied aus seiner Stellung, die dann zeitweilig unbesetzt blieb. Während dieser Zeit hatte die Kontoristin mandhe sonst nicht zu ihren Obliegenheiten gehörende Arbeiten selbständig auszuführen, auch blieb natürlich, da sie jezt die einzige Arbeitskraft im Bureau war, ein Teil der laufenden Arbeiten liegen. Dann trat ein neuer Bureauleiter ein. Nach dessen Meinung war die Kontoristin, die über ein Jahr ihren Posten zur Zufriedenheit der Firma ausgefüllt hatte, den an sie gestellten Anforderungen nicht gewachsen. Sie wurde gefündigt und ihre Stellung mit einer anderen Dame besetzt. Die Kontoristin, die ihre Entlaffung als unbillige Härte ansah, tlagte beim Kaufmannsgericht. Hier wurde Beweis darüber erhoben, ob die Klägerin in der Lat nicht mehr geeignet sei, die bisher von ihr befleidete Stelle auszufüllen. Die Beweis auf nahme fiel zugunsten der Klägerin aus. werden. Würden die Unternehmer ihren Glasmachern nur einigermaßen den Friedenslohn zahlen, würde sich jeder Gewerbetreibende auch beffer stehen. Denn die Arbeiterschaft wäre dadurch in der Lage, sich einigermaßen etwas besseres Effen sowie Kleidung zu gönnen. Auch der Unternehmer würde noch gut durchfommen, wenn er aud mal nur die Hälfte des jeßigen Gewinnes einsteden würde. Die Aussperrung in der Steyrer Waffenfabrik. Mitte November läuft das Lohnabkommen ab, das der oft er reichische Metallarbeiterverband mit den Unter nehmern abgeschlossen hat. Die Direktion suchte einen Anlaß, um die ihr zu stark gewordene Organisation zu treffen, und fie fand ihn. Die Angestellten forderten die Anerkennung eines Zufagübereinfommens zum Tarifvertrag, das alle österreichischen Industrieunter nehmungen anerkannt hatten, mur die Steyrer Werte nicht. Die Direktion erhöhte die Einzelgehälter eines Teils der Angestellten; um in die Angestelltenschaft einen Keil zu treiben. Mehr als 500 Angestellte demonstrierten gegen die ausgesprochene Absicht, den Kollektivvertrag der Angestellten zu sprengen. Nur einige wenige Angestellte hielten sich von dieser Demonstration fern. Diesen Leifetretern wurde von sechs Arbeitern Vorhaltungen gemacht, worauf die Direktion 28 Vertrauensmänner der Arbeiter hinauswarf. Nur einem einzigen dieser sechs Arbeiter fonnte ein Vorwurf gemacht werden, da er die Hemdärmel zurückgestreift und er einen der Direktionsknechte bedroht hatte. Troz der Aufklärung der Angelegenheit bestand die Direktion auf der Entlassung der 28 Arbeiter. Die Organisation wehrte sich natürlich gegen diefen Willfüraft. Im Verlauf der Auseinander fegungen ließen sich einige Arbeiter dazu hinreißen, dem Bersonalvertreter einige Schläge zu versehen, worauf die gesamte Arbeiter fchaft ausgesperrt wurde. Die Aus perrung in dieser größten österreichischen Automobilfabrit währt nun schon sechs Wochen. Es find bereits 400 bis 500 Arbeiter mit ihren Familien nach Brasilien aus= gewandert, weitere wollen folgen. Die 200 Kinder der Ausgesperrten werden vom Berein Freie Schulkinderfreunde mit Mittagessen unterstützt. Der Vorsitzende des Gerichts machte dem Vertreter der Firma Bolle einen Bergleichsvorschlag, den der Bertreter der Eine Einigung fonnte bei den lekten Verhandlungen des Firma aber zurüdwies, indem er betonte, er wolle grund Bundesministers Dr. Rasch noch nicht erzielt werden. Rüdfäßlich festgestellt fehen, ob das Gericht oder der Arbeitsichtslos sucht die Direktion der Werte die Organisation der geber zu entscheiden habe, ob ein Arbeitnehmer für seine Stellung Arbeiter zu( prengen. Es wird ihr nicht gelingen und geeignet sei oder nicht, und ob die Firma nicht das Recht habe, wenn sie den gesamten Betrieb aufs Spiel setzt. Berichtigung. Bunit 3 ber Tagesordnung ber in ber heutigen Morgenausgabe besBorwärts" figung lautet: ( 1. Beilage) bekanntgemachten AusschußAus der Partei. Der Fall Nelson. Wir erhalten folgende Zuschrift: In Nr. 521 Ihrer Zeitung vom 4. November 1925 haben Sie den Beschluß des Parteivorstandes der SPD. über den ,, Nelsonbund" abgedruckt. Es heißt dort, daß es sich um eine Prüfung der gegen den Internationalen Jugendbund( Nelsonbund) erhobenen Einwendungen" handelte. Der Jugendbund betrachte die Partei„ ledig. lich als Agitationsfeld für seine besonderen Ziele und Auffassungen, die nach§2 der gedruckt verbreiteten Statuten des Internationalen Jugendbundes( Nelsonbund) die Gründung einer Bartei der Bernunft der Jugend aller Länder ist". 1. Eine Einwendung gegen den§ 2 in diesem Sinne erledigt fich von selbst, da dieser§ 2 längst aufgehoben ist, was dem Parteivorstand bereits im Juni d. J. mündlich und schriftlich mitgeteilt worden ist. Außerdem ist bei der mündlichen Berhandlung am 2. November dem Parteivorstand die neue Sagung mit dem aus drücklichen Hinweis überreicht worden, daß die unmittelbare politische Wirksamkeit des Jugendbundes mit dem Eintritt aller Mitglieder des Internationalen Jugendbundes in die SPD. eingestellt wurde, und daß der Plan der Gründung einer eigenen Partei be reits vor Jahren aufgegeben worden ist. 2. Der Grund, weswegen ich die Versammlung vorzeitig verlaffen habe, ist in dem Bericht nicht zutreffend angegeben. Ich habe die Bersammlung erst dann verlassen, als meine Wahrheitsliebe von dem Borstandsmitglied Dittmann dahingehend angezweifelt murde, daß ich überhaupt der USPD. angehört habe. Ich habe mich vorher auf mehrere Anfragen von Dittmann hin bereit er. flärt, den Nachweis dafür zu erbringen, daß ich der USPD. an gehört habe. Trotzdem erklärte Dittmann:„ Ich glaube das nicht." Ich verließ auch auf diese Antwort hin nicht die Bersammlung, fondern tat dies erst dann, als der Vorsigende Wels auf meine Frage, ob er mich gegen eine solche Behandlung in Schuh nehmen wolle, widrigenfalls ich den Saal verlaffen müßte, erklärte:„ Ich will Sie Leonard Nelson. nicht halten." Dazu erklärt der Parteivorstand, dem wir die Zuschrift unterbreiteten, das folgende: Der Parteivorstand war gezwungen, fich ein möglichst flares Bild über Ziele und Bestrebungen des Nelsonbundes sowie über die gegen diefen erhobenen Vorwürfe zu schaffen. Lediglich dazu wurde das angeblich außer Kraft gesetzte Statut, das die Bildung einer Partei der Vernunft der Jugend aller Länder" im§ 2 vorsieht, mit herangezogen. Für die Beschlußfaffung diente dem Parteivorstand neben seinen Informationen das neue Statut, das nach der Erklärung Nelsons auf Grund der gegenwärtigen Auseinanderfegungen neu formuliert ist. Damit fällt der Hinweis, der Parteivorstand habe sich bei seiner Beschlußfaffung auf nicht mehr bestehende Sagungen bezogen, in sich zusammen. Die Darstellung des Parteivorstandes über das Berlaffen der Sigung durch Nelson und seine Anhänger ist durchaus objektiv. Der Vorfigende Wels hat es nicht abgelehnt, irgendeinen Berhandlungsteilnehmer in Schuß zu nehmen, er hat erflärt, daß man erst mitten in der Aussprache stände, er förme Nelson nicht halten, wenn er geben wollte, machte aber darauf aufmerksam, daß noch drei Angehörige des Nelsonbundes als Redner eingezeichnet wären, obwohl sie nicht alle geladen waren. Sie würden unverfürzt zum Borte fommen und fönnten jede Richtigstellung vorbringen, die sie für angebracht hielten. Trogdem verließen Nelson und insbesondere seine Freunde in ziemlich ungezogener Weise den Sigungsfaal. Die Mitglieder bes Barteivorstandes hatten den Eindruck, daß die anwesenden Nelsonbündler die für sie offensichtlich ungünstig verlaufene Sigung mit Absicht unter möglichstem Etlat abbrechen wollten. Wirtschaft Der Zinssatz der preußischen Schahzwechsel ermäßigt. Befannt. lich gibt der preußische Staat Schabwechsel ab, um seine Kaffenführung zu erleichtern. Die Seehandlung, die diese Wechsel verfauft, hat nach dem„ Berliner Tageblatt" nun beobachtet, daß die faufenden Großbanken die Schahzwechsel nicht als längerfristige Anlage benutzen, sondern kurzfristige Binsgeschäfte damit machen, weil bei einem flüssigen Geldmart die Re disfontierung der gekauften Schatzwechsel bei der Seehandlung immer noch eine günstige Berzinsung gewährleistet. Um die Banken davon abzuhalten, für ihre Gelddispofitionen sich rifitolos auf die Seehandlung zu stüzen, hat die Seehandlung den 3insfag, den sie beim Verkauf der Schatzwechsel anrechnet, um 4 Proz. auf 7½ herabgesetzt. Die Weitergabe an andere Banfen soll zu 7%, an Private zu 7 Proz. erfolgen. Die Hadfruchternte. Das Statistische Reichsamt berichtet über den Stand der Hadfruchternte: Abgesehen von einigen nazfalten Tagen zu Mitte Oktober, an denen in manchen Gegenden bereits Schneefälle und Nachtfröfte vorkamen, war die Witterung im vergangenen Monat für die Feldarbeiten durchweg günstig. Die Erträge entsprechen der Menge nach im allgemeinen den Erwartungen; bei Kartoffeln wird aber mancherorts über starte Fäulnis geklagt. Kartelltag des Reichsverbandes der Deutschen 3nduftrie. Der Reichsverband der Deutschen Industrie veranstaltet am 27. November in Berlin einen Kartelltag; aus der Reihe der Referate seien hervorgehoben: Prof. Bershofen, Kartelle und Gemeinwohl, Dr. R. Jay, Rechtsfragen der Kartellverordnung, Dr. Riepert, Kartelle und Genossenschaften. Der Reichsverband der Deutschen Industrie hält es angesichts des neuumfämpften Rartellproblems für notwendig, in aller Deffentlichfeit die Grundlagen des Kartellwesens zu erörtern. Berantwortlich für Politik: Ernst Reuter: Wirtschaft: Artne Caternus; Sewerkschaftsbewegung: Friedr. Estorn; feuilleton: K. S. Difcher; Lotales und Sonstiges: Friz Karstädt; Anzeigen: Th. Glocke; sämtlich in Berlin. Berlag: Borwärts- Berlag G. m. b. S.. Berlin. Drud: Borwärts- Buchdruderei und Berlaasanftalt Baul Ginger u. Co.. Berlin GB. 68. Lindenstrake 8. Gardinen Fritz Ranur Fahrräder und Nähmaschinen Marken- Zigaretten Wahl des Kaffenvorstandes. Sonderangebote Die Wahlhandlung findet bon 8-9 Uhr statt." Ortstranfenfasse [ 1404b Gelegenh.- Käufe in Resten für das Maurergewerbe zu Berlin. Stores, Bettdecken Der Borstand, Hermann Krüger, Borfigenber. Richard Freund, Schriftführer. 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