Nr. 537 42. Jahrg. Ausgabe A nr. 274 Bezugsvreis: 25hentlich 70 Bfennig monaftid 3, Reichsmar voraus zahlbar. Unter Arenaband für Deutfchland, Danzig. Saaz und Memelgebiet. Defterreich. Litauen, Luremburg 4.50 Reichsmart, für bas übrige Ausland 5,50 Reichsmart prs Monat Dez Borwärts' mit ber Sonntage beilage Bolt und Reit mit Siebe lung und Aleingarten fomie bez Beilage Unterhaltung und Billen und Frauenbeilage Frauenftimme erfcheint wochentäglich aweimal Sonntags und Montags einmal Telegramm- Abrene: .Gozialbemotrat Berlin Morgenausgabe Vorwärts Berliner Volksblatt 10 Pfennig Anzeigenpreise: Die einfaltige Nonpareille seile 30 Bfennig. Reflamezeile 5.- Reichsmart. Kleine Anzeigen bas fettgebrudte Wort 25 Biennis ( auläffia zwei fettgedruckte Borie), jebes weitere Wort 12 Bfennig. Stellengefuche bas erfte Wort 15 Bfennig, fedes weitere Wort 10 Bfennig. Worte über 15 Bud ftaben zählen file awei Borie Arbeitsmarkt Reile 60 Bfeinig. Familienanzeigen für Abonnenten Seile 40 Pfennig. Anzeigen file bie nächste Summer müffen bis 4 Uhr nachmittags im Sauptgeschäft, Berlin SW 68. Linden. Arake 3, abgegeben werden. Geöffnet von 8% Uhr früh bis 5 Uhr nacm. Zentralorgan der Sozialdemokratifchen Partei Deutschlands Redaktion und Verlag: Berlin SW. 68, Lindenstraße 3. Fernsprecher: Dönhoff 292-297. Freitag, den 13. November 1925 Vorwärts- Verlag G.m. b. H., Berlin SW. 68, Lindenstr.3 Boltichedfonts: Berlin 37 536 Banffonts: Bank der Arbeiter, Angestellten unb Beamten, Bellftr. 65; Distants- Gesellschaft, Depofitentaffe Lindenstr. 3. Mussolini amnestiert seine Mordgesellen. Der Hauptzweck des Attentatsschwindels erfüllt. Die Telegraphen- Union meldet aus München: Wie das hiesige italienische Generaltonjulat in Ergänzung unserer geftrigen Meldung über den Freispruch in der Mordsache Matteotti mitteilt, hat zwar der Prozeß selbst noch nicht flattgefunden. Das Gericht werde jedoch in dem Berfahren gegen Roffi, Filipelli und Marinelli wegen Freiheitsberaubung, das sich noch in dem Borstadium befinde, erkennen, daß dieses Bergehen unter die Amnestie fällt. Rossi und Filipelli find nämlich die beiden Hauptbeteiligten an der Ermordung Matteottis, die, um fich zu retten, Denkschriften verfaßt haben, in denen sie sich ausdrücklich darauf beriefen, daß Mussolini in eigener Perfon der Anstifter des Mordes gewefen fei. Deshalb mußten fie amnestiert werden, sonst wäre Mussolinis Mordschuld vor Bericht enthüllt worden. Es entwickelt fich also alles programmäßig, genau fo, wie wir es bei der ersten Kunde des„ Komplotts" erklärt hatten: Mussolini brauchte dieses Attentat", um in der tünstlichen Stimmung, die biefe Kunde in Italien erzeugen würde, feinen gefährlichen Komplicen den Laufpaß zu geben. " Filipellis und Roffis Anklagen gegen Musolini. Jezt ist der Augenblid gekommen, die Dentschrift Filipellis und den offenen Brief Rossi's mieder ans Licht zu bringen. Die Denkschrift Filipellis lautet in ihren wesentlichen Teilen wie folgt: Argwöhnisch geworden fragte ich nach dem, was geschehen sei und er antwortete mir, daß er auf Grund genauer Befehle von Rossi und Marinelli gehandelt hätte, die formell von Mussolini autorisiert waren( in der Handschrift unterstrichen, wie alles Nachstehende gesperrt gedruckt). bat ich Quilici, während der Nacht das Auto in seiner Garage zu behalten. Dumini bat mich zu schweigen, alles würde am nächsten Tag in Ordnung gebracht werden. Da ich über die Nachricht vom Berschwinden des Abgeordneten Matteotti beunruhigt war, suchte ich troßdem am nächsten Tage, Mittwoch, fojort nach Rossi.( Was den Abg. Matteotti betrifft, ließ ich durch meine Reporter die bis dahin bekannte Lesart verbreiten: Entführung in einem grauen Auto Fiat, weil ich noch nicht annahm, daß die Sache von Dumini ausgeführt worden wäre und weil ich aus Loyalität gegen die Regierung erst die eventuellen Führer benachrichtigen wollte.) " Zerstörung der katholischen Vereine in der Birnaza, die Muffo lini bei dem Abgeeordneten Maggi bestellt hat und dann so freund. lich war, mir in die Schuhe zu schieben. Ich füge hinzu, das Fascioni( der Privatsekretär Musolinis) Tag für Tag und die lokalen Fasci bie Namen der Spender für die Sammlungen zu der Unita", der talia liberia" usw. zu senden hatte, damit gunsten des„ Boce Republicana", des Avanti", der Giustizia", die Unterzeichner mit Rizinusöl und Stochieben traf fiert wurden. Ich beziehe mich weiter auf die Absendung nach Frankrreich von Dumini, Bolpi, Butato, mit gefäschten Päffen, die der General De Bono geliefert hatte, mit Geld von Finzi, das in Gegenwart des Abgeordneten Bastianini ausgezahlt wurde; die Reise hatte den 3wed, den in Frankreich getöteten Faschisten Geri zu rächen. Der Ueberfall auf Forni( dissidenten Faschisten) hat folgenden Ursprung: Eines Nachmittags wurde ich durch Mussolini telephonisch dringend in den Balazzo Chigi gerufen und fand den Bräsidenten in einem Zustand wahnsinnigster But und Aufregung megen Fornis Rede in Miella.... Er brüllte mir mehrmals zu, hätte und daß es ihm immer zufiele, den Alarm zu geben. Auf daß der Faschismus gar teinen Instinkt der Selbstverteidigung einmal rief er aus: 2ber was tut Dumini?" Und dann erging er fich in einigen Unftätigteiten. die zu feinem täg lichen Wortschaß gehören. Bei einer anderen Gelegenheit, als von einer neuen Rede Misuris die Rede ist( es war das nach dem ersten Attentat auf diesen Abge ordneten) sagte Mussolini:„ Diesmal muß man den halunten aber " | wirklich umbringen, worauf De Bono bemerfte mit gefälligem Lächeln: Darüber wollen wir uns aber erst ins Cinder. nehmen sehen. Wenn wir ihn umbringen, dann besser vor als nach der Rede, so ersparen wir uns den Schaden der Spekulation der Gegner. In unserer ersten Ausgabe nach den ersten Nachrichten über das aufgedeckte Komplott" am 6. d. M. schrieben wir: Für uns besteht bis zur Erbringung des Gegenbeweises zwischen dem„ Attentatsplan" der Zaniboni und Cappello und dem drohenden Matteotti- Prozeß ein offenfundiger 3 usammenhang. Daß Mussolini ermordet werden sollte, ist im höchften Grabe zweifelhaft, daß er ein Mörder ist, steht außer 3weifel!" Dabei bleibt es! Erweiterung der Diktaturbefugniffe. 18. november einberufen worden. In der ersten Sigung wird die Rom, 12. november.( WIB.) Die Rammer ist zum Maßnahmen gegen die Auswanderer und einen über die BefugRegierung mehrere Gefehentwürfe einbringen, darunter einen über nille und den Mahlbereich des Chefs der Regierung. Dem Senal wird ein Gefehentwurf über eine forporative Reform des Senats zugehen. Geist und Ergebnis. Rückwirkungen und Auswirkungen von Locarno. Die Erörterung der Konferenz und des Bertrages von Locarno hat sich im Ausland vor allem um den„ Geist", die Sehr in Sorge, aber unfähig, eine feste Entscheidung zu treffen," Gesinnung", um die nunmehr einzuschlagende Richtung der europäischen Politik gedreht. In Deutschland stehen mehr die Rückwirkungen", die unmittelbaren praktischen Ergebnisse im Vordergrund der Debatte. Das liegt& T. daran, daß Deutschland ein unmittelbares Interesse" baran hat, seine und namentlich des Rheinlandes Lage erleichtert zu sehen, während für die andere Seite zunächst einmal der Wandel der Gesinnung und der Ausdruck, den sie in Kundgebungen europäischer Gemeinschaftspolitik findet, die Hauptsache und das Neue find. Dieser Unterschied der Einstellung zum Friedenswert von Locarno ist feine Kluft, die, wie die deutsch nationale Bresse es gern haben möchte, Deutschland von den anderen Mächten abgrundtief trennt; sondern sie ist eine natürliche Berschiedenheit, die sich im Laufe der Zeit abschwächt. Nach den bitteren Erfahrungen Deutschlands mit der Machtpolitit der Nachkriegszeit muß Europa" Deutsch lambs beredytigte Ungeduld begreifen und es begreift sie auch. Aber auch in Deutschland wird man den Wert der freund lichen Wort e, die auf der anderen Seite gesprochen werden, um so mehr zu schäzen wissen, je mehr man sich daran er innert, daß der Geist von London, der die Räumung des Ruhrgebietes und die Beendigung der Sanktionspolitik zur Rüdwirtung hatte fein zweites Versailles", sondern eine Bendi.ng zum Besseren gewesen ist, die ein starkes Bertrauen auf den Geist von Locarno rechtfertigt. Am Mittwoch morgen, während ich Rossi suchte, fuchte er mich bringeno, un mir zu sagen: 1. daß Dumini gemeldet hatte, er hätte sich des von mir in gutem Glauben geborgten Autos bedient; 2. daß die Sache ernst war; 3. daß der Präfident Muffolini alles wußte; 4. daß er( offi) und Marinelli Befehle erteilt hätten, im Einvernehmen mit Mussolini; 5. daß man um jeden Preis die Sache vertuschen mußte, sonst würde fogar Muffolini auffliegen. Diese Erklärungen Roffis enthoben mich einer formelen Anzeige Trozdem hielt ich es für zweckmäßig, an demselben Tage( Mittwoch) De Bono, Finzi, Marinelli und andere zu benachrichtigen. Von Finzi und von den anderen erfuhr ich: Matteotti mar; -" 1. daß das Opfer von Duminis Anschlag der Abgeordnete 2. daß der Befehl, ihn zu beseitigen, von der Tscheta der Die Rüdwirkungen von Locarno sind schon vor der Ron faschistischen Partei ausgegangen war, deren materieller Anführer Dumini und andere Leute waren, die auch wegen dieser ihrer letzten ferenz von den Deutschnationalen in den Bordergrund gezogen fpezifischen Berrichtung Muffolini felbft bekannt waren: worden. Auch die deutschen Delegierten von Locarno legten 8. Sa fie im Laufe des Mittwoch mit Mussolini besprochen auf die Rückwirkungen des Vertrages vielleicht mehr Wert als hatten; auf diesen selbst. Damit hofften sie, die Deutschnationalen bei 4. daß Muffollat die Baplere und den Paß des Abg. Matteotti der Stange und ihrer Regierung die Grundlage zu erhalten. als Bewels felner Beseitigung erhalten hatte; Waren doch die Herren Realpolitiker von der Rechten mit 5. daß man Ruhe behalten müsse, denn alles würde in die beträchtlichen Illusionen über das politisch Mögliche an die Reihe kommen. 6. Flehte er mich an, zu vermeiden, daß das tragische Auto, das Konferenz herangegangen. Erst stellten sie ein Dugend unIch mit dem üblichen edelmäßigen Glauben geliefert hatte, entdeckt verzichtbarer Forderungen als Boraussetzungen für die Teilwürde. Eine Staatsangelegenheit, das Regime in Gefahr, wieder- nahme an der Konferenz auf. Schließlich wurden daraus holte man mir. Muffolini riskiere die Regierung und den Kopf." Bedingungen für den Abschluß des Vertrages und endlich In dem Offenen Brief Cesare Rossis, des dama- mußten sie sich mit unverbindlichen Zusagen begnügen. Aber ligen Pressechefs der italienischen Regierung, heißt es: auch Frankreich war zuerst mit der festen Abficht zur Alles, was geschehen ist, ist entweder auf direkten Willen des Konferenz gekommen, sich auf feinerlei Distuffion über RüdHeerführers( Muffolinis) oder mit feiner Billigung oder unter feiner wirkungen einzulassen; quch Frankreich hat feinen Standpunkt Mitschald geschehen. Ich beziehe mich hier auf die Mißband. aufgeben müssen. So ist die erste und unmittelbarste Rüd lung Amendolas( früheren Ministers unter Nitti, der übrigens wirkung von Locarno eben die gewesen, daß die Debatte por furzem ein zweites Mal überfallen und schwer verletzt wurde. über die Rüdwirtungen in Gang gekommen Red. d. Borwärts".), die ohne mein Wissen von Mussolini ift. angeordnet wurde und die De Bono von Candelera( einem Offizier der römischen Milig) ausführen ließ, auf den Ueberfall auf Muri( diffidenten faschistischen Abgeordneten), ben De Balbo auf Anregung Muffotinis organisiert hat; auf den Aufdhlag auf Forul, den Muffolini sehr aufgeregt dirett bel mir bestellt hat und ban ich in Gimpernehmen mit Diunta organifieste.... auf bie Man beklagt sich auf der deutschen Rechten über das bis jest geringe Ausmaß praktischer Ergebnisse. Dabei ist zu bebenten, baß es sich in gewiffem Sinne nicht um Rüdmir tungen, sondern um Borleistungen handelt. Der Bertrag von Locarno ist bis jagt meber rechtsträftig noch unterzeichnet. Die Deutschnationalen follten die Letzten fein, fich zu beklagen, wenn die Rüdwirtungen bis jetzt nicht größer ausgefallen find. Mit ihrem Ausscheiden aus der Regierung haben sie einen Dolchstoß in die deutsche Friedensfront unternommen; sie haben die Berhandlungsfähigkeit der Regierung geschwächt: die Vertragspartner fömmen naturgemäß einer deutschen Regierung um so weniger vertrauend entgegenkommen, je wilder die nationale Opposition sich gebärdet und je mehr sie die Vertragsunterzeichnung gefährdet. Immerhin ist das Bertrauen des Auslandes darauf, daß die gesunde Bernunft und die Friedensbereitschaft des deutschen Volkes die Halbund- Halb- Politik der Deutschnationalen zunichte macht, groß genug, um zu prattischen Ergebnissen noch vor Unterzeichnung zu fommen. Bolen hat auf das ihm zustehende Recht der Ausweifung deutscher Optanten verzichtet; es ist stolz darauf, dieses Berzichten auf ein bisher zäh festgehaltenes Vertragsrecht ohne Gegenleistungen vollzogen zu haben. Die Alliierten" haben sich mit der Wiedereinsehung des deutschen Reichstommissars in den vorigen Stand bereit erffärt; die Entwaffnungsfrage wird zweifellos im Geifte gegenseitiger Berständigung behandelt und bereinigt; die Verlegung der englischen Truppen aus der Kölner 3one wird tatsächlich vorbereitet, die Räumung selbst beginnt aller Voraussicht nach am 1. Dezember. Auch sind die Hoffmungen auf eine beträchtliche Verminde rung der Truppenzahl berechtigt. Für den nächsten Dienstag ist der amtliche Schritt der ausmärtigen Regierungen zu erwarten, der Deutschland die Gesamtheit der Rüdwirtungen mitteilt. Das alles geschieht vor der Unterzeichnung in London und bedeutet, daß die Alliierten" ihren früheren Standpunkt verlassen und praftische Ergebnisse nicht erst als Rückwirkung nach der Unter aeichnung, sondern als Rüdwirtung schon nach der Paraphierung eintreten lassen. Das Zeter- und Mordiogeschrei der deutschnationalen Bresse soll nur die Verlegenheit darüber perbergen, daß die von der Sozialdemokratie getragene deutsche Friedenspolitit Ergebnisse hat, die ihr so peinlich, wie Deutsch land nützlich sind. Dabei ist es gänzlich abmegig, nur die Rückwirkungen" im eigentlichen Sinne zu sehen. Locarno ist so wenig für Deutschland wie für die anderen Mächte ein Ende. Es ist ein Anfang. So haben Staatsmänner der anderen Seite immer wieder versichert. Mit Erleichterung des Befagungsregimes ist das praktische Ergebnis für Deutschland feineswegs erschöpft. Freilich darf man nicht, wie die Renipolitiker der Rechten das zu fordern lieben, erwarten, daß Deutschland weitere Erleichterungen, daß ihm seine Gleichberechtigung wie Geschenke in den Schoß fallen. Hierfür gilt es zu fämpfen, eine unermüdliche attivistische Friedenspolitik um die Ueberwindung von Bersailles noch weiter zu treiben. Die natio nalen Forderungen, die die Patenipatrioten fo iaut als die ihren aufgestellt hatten, find Farberungen des ganzen deutschen Volkes: die Verminderung der alliier- ten Truppenzahl im Rheinlande oder die oertrcgsmägig mögliche Abkürzung der Besatzungsfristen, auf die der„Vorwärts" zuerst hinwies, um von der nationalen Presse stillschweigend abgeschrieben zu werden, und die all- gemeine europäische Abrü st u n g, die der Sozialis- mus längst fordert«, ehe die Deutschnationalen merkten, daß er das Ziel des nationalen Pazifismus ist, der Politik der deutschen Sozialdemokratie. Hierüber zu ringen und zu kämpfen gilt es vor allem nach der Unterzeichnung. Denn mit der Londoner Konfernez ist der Vertrag von Locarno noch nicht rechtskräftig: erst muß er von sechs oder sieben europäischen Parlamenten beraten, angenommen und ratifiziert werden. Je größer die Mehrheit ist, mit der der deutsche Reichstag den Vertrag von Locarno zum verbindlichen Gesetz erhebt, je mehr die deutschnationale Opposition gegen die Politik des deutschen Voltes zusammenbricht, um so eher ist zu erwarten, daß sich ein Teil dieser Auswirkungen zur Ratifizierung des Vertrags von Locarno vollzieht. Es ist eben für Deutschland die letzte und tieffte Aus- Wirkung des Vertrags von Locarno, daß er uns neue Mittel gibt, den Vertrag von Versailles zu überwinden. Locarno nimmt den Alliierten die Auslegung des Vertrages aus der Hand. Statt der.Alliierten"' entscheiden in Zukunft un- parteiische Instanzen über Recht und Unrecht. Durch die Zauberkraft des neuen Völkerrechts wird Deutschland eine Stuft der Gleichberechtigung höher gehoben. Roch und für lange Jahre noch sind die Alliierten zwar machtpolitisch stärker als Deutschland; ihr« Ansteen und Floften übersteigen den deutschen Rüstungsstand um das Zehn-, um das Zwanzig- fache. Aber der Vertrag von Locarno mindert diese Macht. Der Vertrag beschränkt die Rechte der Alliierten. Sie dürfen das Schwert nicht mehr in die Wagschale der Politik werfen. Es wird entwertet. Die Gewalt' verliert ihre Uebermacht. Machtfragen werden Rechtsfragen. Sollte es zutreffen. daß die Alliierten vertraglich verpflichtet sind, eine Truppen- zahl im Westen zu halten, die die deutschen Garnisvnszahlen nicht überschreitet, so kann hierüber in Zukunft ein Gerichts- Hof entscheiden. Das wäre von weittragender polftischer Be- deutung. Und wenn es sich handelt um die Abkürzung der Besatzungsfristen, die der Verfailler Vertrag für den Fall vor- sieht, daß Deutschland ftine Verpflichtungen erfüllt, dann kann Deutschland, falls es Widerstand findet, ebenfalls ein« un- parteiische Feststellung ftiner Vertragserfüllung erreichen. So wie die Reparationskommission abgebaut wurde, so wird die Macht der Botschafterkonferenz eingeengt. An ihre Stelle tritt der International« Gerichtshof. Große Teile des deutschen Volkes vermögen den Vertrag von Locarno nur unter rein deutschen Gesichtspunkten, vom Standpunkt des Vorteil», zu würdigen. Der Sozialdemo- kratie sind auch die internationalen und die ideellen Folgen gegenwärtig. Bleibt die hellsehend« Vernunft gegen den blinden Unverstand siegreich, wird Deutschland seinen Sitz im Rate der Völker sehr bald einnehmen. Damit werden die letzten Schranken beseitigt, die Deutschland von der Mitwirkung am Wiederaufbau Europas und der Welt fernhalten. Wie die soziale Demokratie im inneren Staatsleben olle Kräfte entbindet, so öffnet der Vertrag von Locarno, im Geiste inter- nationaler sozialer Demokratie abaeschlosftn, Deutschland den Weg. in der Gemeinschaft der Völker sich zu bewähren. Reichstag am 20. November. veginn der Locartto-Tebatte am 23. November. Der Aeltestenrat de« Reichstags hat gestern nach- mittag beschlossen, den Reichstag zu F r e i! a g. d e n 20. d. M., nachmittags 1 Uhr. einzuberufen. Am Freitag und Eonnabend werden der i t a l i e n I s ch e und russische Handelsvertrag in erster Lesung beraten werden. Am Montag, den 2 3. November, beginnt di« Beratung über den Locarno- Vertrag. Die Frage, ob für diesen Vertrag«in« Zweidrittelmehrheit erforderlich sei oder nicht, ist von öegegnung in Sapreuth. Don Joses Maria Frank. Kart Heimster«. der berühmte zeitgenösstsch« Dichter, raste im D-Zug durch die fröstelnd« Novemberlandschaft. Aus seinen De» danken an Prag, wo man sein neues Stück aufführen, an Warschau, wo man seinen Roman übersetzen wollte, an das Dutzend Austräge für Essays. Gedichte, Skizzen, Novellen, die er unterwegs noch erledigen mußte, fuhr er jäh auf. als der Zug bremste, langsam anhielt und die behaglich näselnde Stimme eines Bahnhofoorfteh-r» erklang:.Nach Bayreuth um— siei— gen!' Impulsiv sprang er auf. Warum sollte er nicht auch diesem Rufe folgen? Prag und War- schau liefen nicht fort. Und Heimstern fuhr nach Bayreuth. Zwei Stunden später saß er in einem Gasthau, vor der und langweilte sich noch mehr ol« vorher. E» war«ine Enttäuschung gewesen, wie immer. Heimstern saß vor der dritten Flasche Rot- spon— Bier zu trinken, hatte er nicht über» Herz bringen können—; das Einglas blinzelte blasiert; wie bläulicher Nebel legte es sich um den Dichter— er schloß die Augen und nickte gelangweilt ein. Merkwürdig l Er hatte den komischen Gast drüben am Tisch« wohl übersehen: ein pralles Biedermeiergesicht, in dem es von Zeit zu Zell aufleuchtete, darüber«ine hohe Stirn, dahinter lang« Locken, die in einen widerspenstigen Nocken fielen: der ganz« Mensch in unmöglicher Kleidung, in einem blauen oorväterlichen Rock, in Kniehosen und Schnallenschuhen. Vor ihm stand ein großer Krug Kulmbacher Bier: daneben lag ein« Perlmutterschnupftabakdos« mit aufgemaltem Vergißmeinnicht: dich dabei stand ein Wasserglas mit bunten Astern— zwischen allem lag ein« schwarze Kladde auf. geschlagen: die weißen Blätter waren zierlich eng beschrieben. Heimstern schüttelt« den Kopf— wie diessr komisch« Kauz nur jetzt den Krug hob, als wäre er ein Edelpokal. wie er jetzt trank, als sei «s Nektar, wie er jetzt in di« Schnupftabaksdose hineinkicherte und beide geblähte Nasenlöcher kitzelt«, wie er jetzt an den Astern roch und mit den funkelnden Aeugelchen sie streichelte, wie er an dem Federhalter knabberte, mll den Fäusten auf den Tisch schlug, sich auf die Stirn tippte, jetzt sogar aufsprang und rief: �a! Ich werde dieses Satzungetüm überwältigen! 0, ich werde es streicheln, glätten, liebkosen, küssen, kleiden, bemalen, bis es lächell wie das Fichtel» gebirge im Mai und mein«.Station", di«.Jobelperiode" dieses Romans, der nie ankommen will, mit einem Rosenkranz schließt, in dem noch die Dornenstücke duftenl Immer Ruhe, wir werden schon zu Ende kommenl Ein Roman muß ein« Reis« sein durch »inen ewigen Sommerl Und wie soll man da aushören! Hol Jetzt habe ich den Satz, die Stimmung, den Akkord, dt« Sentenz, den Schluß der Postille— oder soll es wieder ein neuer Anfang sein? Gleichgüllig. er wird hingeschrieben, weil er zu hübsch ist, ihn nicht zu schreiben!" Da stand Heimstern auf. trat näher, verbeugte sich und fragte: .VA verzeihen 61«, wohl«in Kollege?" Der komisch« Kauz kicherte keiner Selle im Aeltestenrat angeschnitten worden, da zurzell noch das sachverständig« juristische Gutachten darüber erwartet wird. Die Regierung wird dem Reichstag zur Beschlußfassung zwei ganz kurze Gesetzentwürfe vorlegen: 1. Der Reichstag stimmt den in der Anlage beigefügten Verträgen zu. 2. Der Reichstag ermächtigt die Regierung zum Beitritt in den Völkerbund. Ein Gpfer üer Höchste Standesherren— Locarnisten? Die„Kreuzzeitung" fällt aus der Rolle. Sie ver- öffentlicht eine Zuschrift des Kreisvereins Potsdam der deutschnationalen Dolkspartei gegen die Unterzeichner der deutschnationalen Kundgebung für Locarno. Die Unterzeichner .rhalten darin ein Kolleg über konservative Gesinnung. Erstes Kapitel:„Die Deutschnationalen bringen innerpolitisch nur Opfer". Damit bleibt die„Kreuzzeitung" noch sie selbst. Ra- türlich: Schutzzölle und Steuervorzüge sind deutschnationale Opfer. Zweites Beispiel: .Man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, daß die— de- stimmten Wirtschaftskreisen entstammenden— Urheber der Kundgebung" zur Unterzeichnung Trögerbe rühmterund klang- voller Namen gesucht und gesunden haben. Die ver- kennung des Fundamentalgesetzes, daß die Wirtschaft der Politik folgt und letzten Ende» Machtfrage ist, zeigt, daß den Unterzeich- nern konservative und deutschnationale Besin- nung weltenfern liegt. Es tut uns weh, unter ihnen auch einen Enkel des Schöp- fers des deutschen Reiches zu finden. Bei einer ganzen Anzahl anderer kann man bedauern, daß sie die gewohnte Arena de» Sports, auf der sie sich bewährt haben, mit der ihnen fern liegenden politischen Arena vertauschten. Denkend« Politiker werden die.Kundgebung" nicht ohne Kopf- schütteln au» der Hand legen können. Die Geschichte wird über Locanw und L o c a r n i st e n ihr hartes aber verdientes Urteil sprechen." Aber, aber! Wie kann ein konservatives Organ so weg- werfend von höchsten Standesherren reden! Die„Locarnisten" beschimpfen und ihnen konservative und deutschnationale Ge- sinnung absprechen, und ihnen obendrein noch ihren P f e r» dever stand zum Vorwurf machen. Das gerade war doch bisher der Vorzug und das Vorrecht jener Kreise, für deren Exklusivität di«.Kreuzzeitung" wirkte, daß sie den Pferde- verstand besaßen. Man gibt sich nicht ungestraft mit parlamentarischer Politik ab— wie hätte das der.�kreuzzeitung" sonst passieren können. So aus der Rolle zu fallen! Ja, ja. auch die„Kreuz- zeitung" ist zum bedauernswerten Opfer der demokratischen Verrohung der Zeiten geworden! Ermäßigung üer Lohnsteuer. Ab 1. Januar 1926.— Ein Erfolg der Sozialdemokratie. In den Steu erkämpfen der letzten Monat« kämpften die bürgerlichen Parteien für hie Ermäßigung der Besitzsteuern, die Sozialdemokratie für di« Milderung der Lohn» st euer. Sie sollt« vor allen Dingen durch die Erhöhung der steuerfreien Grenze auf 100 fDL- monatlich herbeigeführt werden. Ader selbst diese» bescheiden« Verlangen scheitert« an de« Wider- stand der Reichsregierung, der von den Regierungsparteien gestützt wurde. Vor allem war«» da» Zentrum, das damit feine eigen« Forderung nach sozialer LastenverteUung im Stiche lleß. Diese starke Anspannung der Lohnsteuer ist ein« der wichtigsten Ursachen für die günstig« Entwicklung der Reichsfinanzen. Im ersten Halbjahr des Rechnungsjahres 1925 erbracht« sie: April 125, Mai 137, Juni 131, Juli 119, August 115, September 120, ins- gesamt also 717 Millionen Mark. Gegenüber dem Boranschlag ist das«in Mehrertrag von 117 Millionen Mark. Da di« Neuregelung der Lohnsteuer, die am 1. Oktober in Kraft getreten ist, im allgemeinen keine Senkung der Steuerleistung bedeutet, so ist auch in den nächsten Monaten mit einem dauernden von der Seite und sagte: Leon Paul ist mein Namel Sie ver- zeihen, wenn ich Sie gestört habe. Ich schreib« nämlich jeden Tag hier mein« zehn Seiten m die Kladde." Heimstern faßt« sich an di« Stirn: Leon Paul! Siel— sind doch längst tot!"— La. ja, tot! Di« Menschen haben heute keine Zeit mehr, ich weiß! Meine Romane stehen heut« ganz oben in den Bücherreihen, wo kein« Leiter mehr hinlangtl Die Leute wissen nicht mehr, wie man mit Worten lächeln urib die Welt vekgessen kann! E» ist doch so schän, wie das Wort, wenn man es langsam schreibt, schnörkelt, malt, mit ihm au» dem Hundertsten ins Tausendste kommt. Kapriolen schießt, wie etwa in meinen«Verschiedenen prophetischen Gedanken, welch« teils ich. teils hundert andere wahrscheinlich 1807 am 31. Dezember haben werden", oder im.Glück, auf dem linken Ohr taub zu sein". oder in meiner.Ruhigen Darlegung der Gründe, warum di« jungen Leute jetzt mit Recht von dem Aller die Ehrfurcht erwarten. welch« sonst selber dieses von ihnen fordert". Wie, Sie kennen dies« meine Schriften nicht? Das ist schade! Sie beruhigen, und Sie scheinen mir— wie sagt man doch heute?— nervös! Ich werd« morgen eine neue Postill« beginnen:.Erwägungen, wieso junge Hunde. Kinder. Schnupftabak. �Blumen. Kullnbacher Bier und Geduld der best« Teil der Menschhell sind!" Und st» Ihnen dedi- zieren, vorausgesetzt, daß ich mich auf dieser Erwägungsreise nicht verirre. Di« Hauptsache ist. dabei glücklicher zu werden, mein jung» Freund. Es gibt drei Wege, glücklicher, nicht glücklich zu werden: der erste Weg, der in di« Höhe geht: so well über das Gewölke des Lebens hinauszudringen, daß man die ganz« äußer« Well mit ihren Wolfsgruben. Beinhäusern und GewllterablellSrn von wellem unter seinen Füßen nur wie ein eingeschrumpftes Kindergärtchen sieht. Der zweit«: gerade herabzufallen ins Gärtchen und da sich so heimisch in eine Furch« einzunisten, daß, wenn man aus seinem warmen Lerchennest heraussieht, man ebenfalls keine Wolfsgruben. Beinhäuser und Stangen, sondern nur Aehren erblickt, deren jede für den Restoogel ein Baum und«in Sonnen- und Regenschirm ist. Der drille endlich, den ich für den schwersten und klügsten Halle, ist der, mll den beiden zu wechseln!— Lesen Sie» tn meiner Vorrede zum.Fixlein", und— oersuchen Sie'» einmal, mein junger Freund!" Damit schlug er zum Abschied dem Berwirrten auf die Schuller, nahm seine Lampe. Schnupftabaksdose, Blumenglas und ging. Da fuhr Heimstern empor. Der Wirt hatte ihm auf die Schulter geklopft:«Herr, in einer halben Stunde geht Ihr Zug. Sie haben geschlafen und— wies scheint— geträumt. Hoffentlich gut!" Helmstern zwinkert« in die Stube; er war der einzige Gast. Ueber dem Sofa hing ein Bild von Jean Paul. Heimstern be- trachtete es. Da erzählte ihm der Wirt, daß Jean Paul hier in der Stube gedichtet habe. Heimstern durchzuckte es: Richtig! Der 11. November stand vor der Tür. Jean Pauls Todestag. Zwei Stunden später rast« Karl Heiinstern im D-Zug« durch di« Nacht und klapperte auf jener Reiseschreibmaschine eine Novelle. die morgen abgesandt werden mußt« und nicht länger al» drei Spall« sei» durste. Mehrertrag der Lohnsteuer von etwa 25 Millionen monatlich zq rechnen. Damit sind clle Voraussagen der Sozialdemokratie über den dauernd steigenden Ertrag der Lohnsteuer in Erfüllung gegangen und ihre Haltung zur Steuerreform glänzend gerechtfertigt. Heute besteht nicht der geringste Zweifel mehr, daß die B e r e ch- nungen des Reichsfinanzministeriums über den Ausfall an Lohnsteuer bei Erfüllung der sozialdemokratischen Forderung falsch waren. Da dos von den Sozialdemokraten damals bereits nochgewiesen wurde, so ist es nur dem mangelnden guten Willen der Rcchtsregierung und der Regierungsparteien zu verdanken, daß eine so berechtigte Forderung unerfüllt blieb. Daß man den Lohn- und Gehallsempfängern gegenüber da- mols ein schweres Unrecht beging, kam in dem Versprechen zum Ausdruck, die Lohnsteuer zu ermäßigen, wenn ihr Ertrag in sechs aufeinanderfolgenden Monaten die Summe von 600 Millionen Mark übersteigt. Di« Sozialdemokratie wollte, daß diese sechs Monate den Zellraum vom 1. April bis 30. September 1925 umfassen, da dadurch die Ermäßigung der Lohnsteuer baldigst hätte vorgenommen werden müssen. Das lehnte man ob und bestimmte die Zeit vom 1. Oktober 1925 bis zum 31. März 1 9 2 ö als die Grundlage, das bedeutete, daß frühestens am 1. April nächsten Jahres eine Senkung der Lohnsteuer zu er- folgen Hab«. Die steigend« Erregung der Lohn- und Gehaltsempfänger über die unsoziale Verteilung der Steuerlasten hat die Regierung ge- zwungen, ihr« damaligen Absichten zu ändern. In den nächsten Togen wird dem Reichsrat«in Gesetzentwurf zugehen, der eine Erhöhung der steuerfreien Einkommens- grenze auf 100 M. monatlich(21 M. wöchentlich) ab 1. Januar 1926 vorsieht. Auch das Reichsfinonzministerium. das noch vor kurzem diese Forderung als.agitatorisch" bekämpfte, scheint nun einzusehen, daß ein Zustand unhaltbar ist, der die schwächsten Kreise auf das stärkste belastet. Die Sozialdemokratie kann diese Wandlung als die Frucht ihrer Arbeit ansehen. Ohne die unermüdliche sozialdemokratische Kritik an der deutschen Steuergesetzgebung würden auch heute noch nicht die bescheidenen Versuche zur Milderung des Steuerunrechts eingeleitet, zu denen sich jetzt die Regierung und die Rechtsparteien gezwungen sehen._ Neues Militärrecht. Beseitigung der freien Richterwahl der Soldaten. Im Rechtsousschuß des Reichstags wurde am Donnerstag bei der Beratung des Gesetzentwurf» über Militärgerichte und mllitörgerichtliche Verfahren die freie Richter- w a h l der Soldaten, wie sie durch eine Verordnung der Volksbeouf. tragten vom ä. Dezember 1918 verfügt worden war. beseitigt. Jene Verordnung destimmte, daß die Militärgerichte anstatt der Offiziererichter mit Militärpersonen zu ersetzen sind, die von den Vertrauensleuten der Soldaten gewählt werden und der DienststeU lung der Angeklagten entsprechen. Im neuen Gesetz soll die Zu- sammensetzung der Gerichte so geregcll werden, daß sich unter de» Beisitzern st« t»« i n O f s> z i« r befindet, während die übrigen Bei- sitzer grundsätzlich der gleichen Rangklasse wie der Angeklagte ange- hören sollen. Genosse Rosens-ld wandte sich gegen die Beseiti- gung des durch die Revolution errungenen Wahlrechts der Soldaten. Bezeichnend sei, daß die Soldaten niemals Offiziere zu Richtern wählen. Auch Genosse Landsberg wies daraus hin, daß sich aus der jetzigen Ordnung keine Mißstände ergeben hätten. Dennoch wurde wll 11 gegen 8 Stimmen der Sozialdemokraten und Kommunfftcn die Zusammensetzung der Kriegsgerichte und Oberkriegsgerichte im Sinne des Gesetzentwurfes angenommen. Für das mUitärgerichtlich« Verfahren ist im Gesetzentwurf di« Ausschließung der Berufung gegen Urteile der Kriegs. gerichte bei Uebertretungen sowie die Möglichkeit der Verwerfung einer offensichllich unbegründeten Revision entsprechend der Emmia- ger-Derordnung durch Beschluß des Reichsgerichts vorgesehen. Ge- nasse Rosenseld bezeichnete diese Ausdehnung der Emminger-Derord. nung als bedenklich und beantragte die Streichung dieser Bestim- mungen. Unter Ablehnung des sozialdemokratischen Antrags wurde jedoch auch hier mll 11 gegen 8 Stimmen die Vorlag« angenommen. Ordensabeuleuer. Man weiß, daß der erste Ravoleon dem größten Deutschen seiner Zell. Goethe, den fünfftrahligen. weiß emaillierten Stern mit dem roten Bande der Ehrenlegion verliehen hat. Es wird den Dichterfürsten in der Gruft zu Weimar nicht allzu tief bekümmert haben, daß er nach Beginn des Wsllkrieges mit allen anderen deutschen Inhabern dieses Ordens aus der Liste der Ordens- ritter gestrichen wurde. Schmerzlicher empfand das Ordenskapitel den Verlust, als es nach Wiederkehr ruhiger Zetten die also verödeten Listen der Ordensritter durchsah. Und so ist denn— diesmal ganz ohne Ausbietung de» sonst unerläßlichen— Goethe durch einen heim- lichen Federstrich ouss Neue zum Ritter der Ehrenlegion ernannt worden. Wir nehmen lächelnd davon Kenntnis, denn Gott sei Dank haben wir bisher nichts davon bemerkt, daß das Spiel der Ordens« männer dem Dichterfürsten auch nur einen Zoll seiner Größe hat nehmen oder wieder hinzufügen können, während wir e» sehr wohl verstehen, daß es«in immerhin schätzenswertes Gefühl sei» mag, sich Ordensbruder eines Goethe nennen zu dürfen. Zu welcher Sprache redete die Schlange im Paradies? Die merkwürdige Frage, in welcher Sprache die Schlange im Paradies Eva zu dem verhängnisvollen Apselbiß zuredete, dürft« bei einer Verhandlung vor der holländischen Kirchensynode erörtert werden, die letzt die holländischen Blätter beschäftigt. Es Handell sich da um ein« Art„Schlangenprozeß", der mll dem amerikanischen„Asfenprozeh" Aehnlichkeit hat. Ein cawinistischer Geistlicher Dr. Vangeellerkrn hat sich nämlich im Haag vor der Kirchenbehörde wegen einer Pre- digt zu verantworten, in der er die Sprachföhigkeiten der Paradies« schlang« in Zweifel gezogen hatte. Man hat es ihm in kirchlichen Kressen sehr übel genommen, daß er bei einer Besprechung der Ge- schichte von Adam und Eva von der redenden Schlange nichts wissen wollte, und will aus diesem Grunde seine Absetzung erwirken. Die holländischen Blätter sind darauf gespannt, welche Sprach« wohl von der Synode als diejenige angegeben werden wird, in der die�chlange ihr« verführerischen Anerbiemngen machte, und man schwankt zwischen Hebräisch und Syrisch, hall es aber auch nickst für ganz un- möglich, daß schließlich das gute Holländisch des den Holländern ge- laufigen Bibellextes als maßgebend anerkannt wird. Märtyrer der Wissenschaft aus der Bühae. Von dem in Deutsch- land besonders durch sein Drama„Berg Eioind und sein Weib" be- kannten verstorbenen isländischen Dichter Johann Sigurjonsiou brachte da» Kopenhagener Lntim« Theater" ein Drama in vier Akten„Dr. Rung" zur Erstaufführung Der Dichter zeigt darin den idealen Mann der Wissenschaft, der nicht nur Liebe und Leben, lon- der» auch dos Leben seiner Geliebten der wissenschaftlichen Arbeit opfert. Diese Arbeit lockt ihn nicht aus selbstischen Gründen, wie Ruhm und Ehre, auch nicht aus Freude am Experiment, sondern aus Menschenliebe. Er sucht ein Mittel zur Bekämpfung der Tuber- tulose und impft sich selbst mit dem tödlichen Bazillus, ebenso wie seine Geliebte, di« mit ihm an der Krankheit zugrunde geht. Die Handlung klingt aus in der Lehre, daß auch die Wissenschaft Ihre Märtyrer kennt.'_ Nei« eiierawr Nobelpreis. Die Ichwedilche Akademie beschloß, den diesjährigen NodclvreiS für LUcratur nicht zu verleihen. Zm«roße» Schao'pieldov, geht.Funiheinzelmann« Welbnacktsmarlt' ein moderne« RmidsrnikmSrchen, verfaßt und Insten er! von Srit Sharell, am Sonnabend, nachmiitogt 3'/, Uhr, erstmalig t» Szen«. Sarmat-Enöe im �anötag. Einstellung des Personalabbaus. Geld für die Geistlichkeit. Barmat-Schlutzdebatte. Der Preußische Landtag beschäftigte sich gestern zunächst mit der ersten Beratung des Entwurfs eines Gesetzes über die Einstellung des Personalabbaus» der für Preußen die Folgerungen aus dem Reichsgesetz zieht. 2Ibg. Cbersbach(Dnat.) begrüßt den Entwurf und betont, der Personalabbau habe nur Enttäuschungen gebracht. Der Redner be- gründet dann eine Reihe von Aenderungsonträgen, die unter anderem den Beamten der Staatsschuldenverwaltung und den weiblichen Beamten im allgemeinen zugute kommen. Be- züglich der Letzteren müsse in Preußen eine gerechtere Lösung gefunden werden als im Reiche. Abg. Müller-channooer(So*.), der den Entwurf gleichfad» be- grüßt, wünscht, daß ein neues Dienstbeamtengesetz noch dem Reichsgesetz schleunigst kommen möge. Auch dieser Redner ist der Meinung, daß die Rechte der weiblichen Beamten zu wenig ge- schützt sind. Abg. Baumhofs(Ztr.) tritt für den Entwurf ein, wünscht aber Streichung der Bestimmung, wonach die Schulaufsicht«. behörde zu entscheiden hat, ob eine bestehende mittlere oder nicht staatliche höhere Lehranstalt aufzuheben oder umzuwandeln ist. Abg. Mener-Yerford(D. Dp.) wünscht insbesondere Räch. Prüfung derjenigen Bestimmungen, die sich auf die Beamten be« ziehen, die sich als Pensionär« noch verheiraten. Abg. Kasper(Komm.) wendet sich gegen den Entwurf, der an- statt die abgebauten Beamten einfach wieder einzustellen, kautschut- artige Bestimmungen bringe, die sich nach allen Seiten auslegen ließen. Abg. Herrmann-Breslau(Dem.) betont, daß die Bezüge der Familie eines früh verstorbenen Beamten nicht ausreichend sestge. setzt seien und daß wenigstens das Existenzminimum gesichert werden müsse. Dann wird der Entwurf dem Beamtenausschuß über. wiesen, und es folgt die dritte Beratung des Entwurfs einer Reu» regelung der pfarrerbefolüung. Abg. König(Soz.) lehnt unter Berufung auf die von ihm in der Zweiten Lesung vorgebrachten Bedenken die Borloq« ab. Finanzmini st er Höpker-Aschoff verweist auf die fehlende Deckung, die mit einer ordentlichen Finanzwirt. schaft unvereinbar sei, und auch der Berfassung widerspreche und bittet, den Bedenken der Staatsregierung Rechnung zu tragen. Er wendet sich gegen die Festsetmnq erhöhter Leistungen und die Be» stimmung, daß dt« Kirche Vorschüsse in ua»«gr»n,ter t)»h» »erlangen könne. Der Landtag müsse in erster Linie das Staats« Interesse berücksichtigen. Abg. Dr. Köhler(Dnat.) betont, baß setne Partei der Regte i»»g gerrügend weit errtgegengetormnen sei. so daß sie der Borwurf nicht treffen könne, das Staatsinteressen vernachlässigt werden. Es hon- del« sich ja auch nur um einen oorläufigen Beschluß. Abg. Dr. Llnneboru(Ztr.) trat für den Ausschußkompromiß- antrag ein. Abg. Meyer�erford(D. Bp.) hebt hervor, daß es sich gar nicht um eine Erhöhung der Pfarrergehälter, sondern nur um die S t ch e r st e l l u n g der jetzigen Bezüge handelt. An der Möglich- lest der Vorschüsse für die Kirch« müsse festge- halten werden. Abg. Schwenk(Kamm.) findet in dem Entwurf begründet, daß der Staat zwar für die Beamten kein Geld, desto«ehe«der für die Pfarrer habe. Abg. Grau(Dem.) erklärt� daß sein« Partei ihre Bedenken in einem Antrage zum Ausdruck gebracht hat, um dessen Annahme er bittet. Die Demokraten wünschen aber, daß die Kirchen die Möglich- keit der Erfüllung ihrer Ausgaben erhalten. Die Abstimmung über die Beschlüsse zweiter Lesung und die dazu gestellten Aenderungsanträge wird am Freitag statt- finden. Dos Haus wandet sich darauf der Weiterberatung des De» richtes des Sarmat-fiussthustes zu, die der Beratung des Etats der Seehandlung vorausgc�,.. Abg. Rufchke(Dem.) bezeichnet es als charakteristisch« schcinung bei den Deutschnationalen, daß sie in den Aus- schüssen und im engeren Kreise durchaus schlicht auf- treten und mitarbeiten, aber nachher, in der großen Oessentlichkeit Schre„w l l d e n Männer* die Hauptrolle spielen lassen. Das habe h in der Außenpolitik, bei Locarnp. gezeigt und auch in den usführungen des Abg. Wiedemann über den Barmat-Aus- schuß. Die Staatsbant lallte sich einen Kaufmann zulegen, wie es betspielsweise die Thüringer Staatsbank mit Herrn L o e b getan hat. der dann allerdings als Jude weggehetzt worden ist. Barmat selbst habe eine schädliche Tätigkeit entfaltet und nicht nur die Oessentlichkeit. fondern auch seine eigene Partei getauscht. Es sei von der Rechten demagogisch gewesen, den Barmat- .voll zu einer Hetze gegen hie Sozialdemokratie und sogar gegen den Reichspräsidenten Ebert auszuschlachten und damit die Wahltosten bei der Reichsprästdentenwahl zu bestreiten. �adendorsf(Wirt. Bereinigung) bezeichnet den bevor- stehenden Prozeß Barmat-Staatsbank als ein Schandmal für den Freistaat Preußen. Abg. wiegershaus(Dölk.) nennt den Barmat-Ausschuh eine Komödie, über die die gesamte Äudenschaft gelacht hat. Abg. Dr. kaufhold(Dnat.) erklärt: Wenn wir nicht Herrn Professor Leidig als unparteiischen Dorsitzenden im Barmat- Ausschuß gehabt hätten, säße ein Tell von den Sozialdemokraten schon im Zuchthause.(Große Bewegung.) Herr Bauer. Herr Richter, Herr Heilmaim. Das Zentrum sollte sich doch endlich überlegen, ob einer setner Führer sich noch immer als dickster Freund vor Barmat stellen soll. Der Strafprozeß würde es an den Tag bringen, wie es mit Herrn Richter und Herrn Heilmann bestellt ist. Abg. kultner(Soz.) meint, wer die S2 Sitzungen des Barmat- Ausschusses mitgemacht hat, müsse sich über den Mit wundern, mit dem läng st widerlegte Sachen im Plenum immer wieder vorgebracht würden. Die Rechte scheine gegen jeden Sozialdemokraten, der einen Eid schwört, einfach den Vor- «urf des Meineides zu erheben. Als Heilmann sich für die Kreditangelegenheit interessierte, habe jeder Mensch glauben müssen. daß die Kredite von der Staatsbank sachgemäß geprüft und nur bei genügender Deckung genehmigt würden. Heilmann tönne nicht darunter leiden, wenn die strengen Borschriften von det Seehandlung nicht innegehalten worden seien. Vizepräsident»arnich erNärt, er habe au, den Dariegunoen des Abg. Kaufbold nicht die positive Behauptung de» Meineides herauslesen können: deshalb habe er auch nicht ein- gegriffen.(Protestrufe b. d. Soz.) Abg. Barkel»(Komm.) lehn« für seine Partei die Beschlüsse de« Barmat-Ausschusses ab. Die Arbeiterschaft werde Rechenschaft ver- langen von den Sozialdemokraten über die Art, wie diese Partei proletarische Interessen vertrete. Damit ist die Besprechung des Berichts des Barmat-Ausschusses beendet und es folgt die Aussprache über den Haushalt der Seehandlung. Dabei weist Berichterstatter Abg. Dr. Leidig (D. Dp.) darauf hin, daß der Verlust aus der Barmat-Angeleaenheit sich von 17 ans 20 Millionen erhöht habe. Es ergebe, sich daher bei der Staatsbank kein Geschästsgewinn. Trotzdem Habs sich der Haupt- ausschuß, da sich die Verluste nur aus einen bestimmten Geschösts- komplex beschränkten, mit der Dertellung einer Tantieme für 1024 einverstanden erklärt.— Abg. waenkig(Soz.) behauptet, haß die Staatsbankfrage eine Syste-afrage sei. Abg. v. Waldhauseu(Dnat.) meint. b«i den Berlustn»» der Staatsbank habe das bureaukratische Rcssortfystem und die mangelnd« Zusammenarbeit große Schuld. Um öLS Uhr wird die Weiterberatung auf Freitag 12 Uhr oertagt. Außerdem: Haushalt des Finanzministernun», Abstimmungen. Die putstbisten-Slamaye. Vor bayerischen Landtags- Interpellationen. München, 12. November.(Eigener Drahtbericht.) Die bayerische Regierung gibt sich der Hoffnung hin, daß mit dem teils l ü ck e n- haften, teils direkt falschen Dementi des Minister- präsidentenDr. Held die Akten über den versuchten Hochverrat der„B a y e r n t r e u e n" im wesentlichen geschlossen wären. Das ist selbstverständlich eine bei den gegebenen Umständen unverständliche Selbsttäuschung, denn der größte Teil des bayerischen Volkes, der sich der staatspolitischen und wirtschaftlichen Gefahren eines Monarchisten- putsche? durchaus bewußt ist, verlangt mit aller Entschiedenheit eine restlose Aufklärung der Restourationspläne um so mehr, als von niemand bestritten wird und bestritten werden kann, daß Rupprecht als Kronprätendent in allerer st er Linie die Hände mit imSpiel der„Bayerntreuen* hatte. Selbst die Wittelsbach-Treu« der„Augsburger Postzeitung* findet die Haltung des Kronprinzen außerordentlich bedenklich. Sie ist der Auffassung, daß es nur eines einzigen Wortes aus seinem Munde bedurft hätte, um den Treibereien der unverantwortlichen Aktivisten ein Ende zu machen. Dabei ist daran zu erinnern, daß Rupprecht früher dem Ministerpräsidenten einmal erklärt hat. die Königskrone niemals aus der Hand von Putschisten entgegen- nehmen zu wollen. Die Aufklärung über seine Gesinnungsänderung wird er nicht nur der ihm gesinnungsverwandten Regierung zu geben haben, sondern diese Regierung wird im Landtag öffentlich Rede und Antwort stehen müssen über den von chr selbst mitaufgedeckten Putschplan. Es ist damit zu rechnen, daß Gelegenheit hierzu sofort nach Zusammentritt des Landtags am 1. Dezember geschaffen wird. In der erforderlichen I n t e r» p ell a t i on wird u. a. auch die Frage eine Rolle spielen, warum der Ministerpräsident in dem Dementi erklärte, daß der G r a f von Soden bei seinem Besuch nichts von der Uebernahme der Staats- gewalt durch den Kronprinzen sagte, während Dr. Held bei dem Empfang der Rechtspresse am 9. November vertraulich mitteilte. daß die Unterredung zwischen chm und Soden sich tatsächlich um diesen Hauptpunkt drehte. Die bayerischen Monarchisten sind ob der fehlgeschlagenen Aktion außerordentlich deprimiert. Das„Bayerische Vaterland* stellt darüber folgendes Gejammer an:„Das Ansehen der bayerischen Monarchisten hat einen ungeheuren Schaden erlitten. Man hält uns für pure Narren. An der„Bayerntreue* hostet der Vorwurf des P u t s ch e s.... In der Bayerischen Volkspartei hat durch all diese Geschichten die Sache des Königs viel Boden verloren. Das sind betrüblich« Ding«, aber sie müssen gesagt werden.* Gegen Schieles Schulentwurf. Tie Leipziger NniAerfitSt gegen die GchnlrenMnn. Leipzig, 12. November.(Eigener Dr«htbertcht) Der akabemifcke Senat der Universiiät Leipzig hat jetzt ebenfall» zu dem Reichs» schulgesetzentwurs Stellung genommen. Er lehnt eine Wiedereinführung der sogenannten geistlichen Schulaufsicht auch in der Form einer kirchlichen Veaussichngung d«S Religionsunterrichts. sowie jede Sniastung des CbarakierS der Tolkeschul« als einer Siaalseinrichtung und der Lehrer als Claaikbeomter nachdrücklich ab. Er fordert, daß unbeschadet der Recht« der De- kenntnisschule als einer mit den anderen Schularbeiten gleich» berechtigten Siaateichule die Gemeinschalteichule feine Deeinträch- tstiung eiiährt. besonder« dort, wo sie sich bereits eingebürgert und bewährt hat._"' Noch nicht genug Klassensustiz! Adlige Betrüger solle» straffrei sei». Selten hat ein Verfahren so tief in sittliche Derkommeicheit und ästige Derlumpung gewisser Adelskreise hineingeleuchtet wie der Prozeß gegen die Direktoren der Landespsandbriesanstolt. Mit einer Skrupellosigkeit. die einem gewiegten Hochstapler alle Ehre machen würde, haben die v. Carlowitz,».Etzdorfs und v. Sarstedt die Millionenkredfte der Landespfandbriefanstall. also össentliche Gelder, die sich aus den Spargroschen des Volkes zusammenjetzen. bczu mißbraucht, um in Saus und Braus zu leben und«ine Spe» kulation noch der anderen zu machen. Aus dem Prozeßverlaus ging hervor, daß sich das Konsortium der strafrechtlichen Tragweite seiner Handlungen durchaus bewußt war. Rur mit Mühe gelang es, das Lügengewebe, das diese Träger alter Adelsnamen um ihre gewissenlose Luderwirtschast zu breiten versuchten, zu durchbrechen. Es zeigte sich aber auch, daß die L ü d e r s und R« h r i n g. die aus dem alten kaiserlichen Beamtenmaterial stammten, nicht nur mit beispielloser Lelchtfertigkeit, sondern auch bewußt betrügerisch gehandelt haben. Die Direktoren und dos Adels- konsortium waren sich durchaus bewußt, daß sie kriminell strafbare Handlungen begangen hatten, für die im allgemeinen strenge Ge- fängnisstrafen zu erwarten find. Die Herren haben milde Richter gefunden. Richter, die Plötz- (ich entdeckten, daß sie weniger die Pflicht hätten, nach dem Gesetzes- Paragraphen abzuurteilen, als„bessernd* zu wirken. Es wurde eine klein« Mohrenwäsche vorgenommen und die Adligen nebst ihren bürgerliche« Freunden in zarter Rücksichtnahme vor der Bekanntschast mit dem Gefängnis, soweit es irgend zulässig war, bewahrt. Die Gefängnisstrafen wurden in Geldstrafen umgewandelt, und wo das nicht ging, wurde— B e g n a d i- gung m Aussicht gestellt. Di« v. Etzdorfs, v. Carlowitz und o. Sarstedt, die die Hunderttausend« der Landespfandbriefanstall in betrügerischer Weise für ihre Dirnen, Autos und Luxusreisen ver- geudeten. werden Geldstrafen bis zu 30 000 M. aufzubringen haben. Tie Kosten für das Verfahren trägt zum Tell die Staatslasje. Ein gutes Geschäft! Ein Geschäft, da, sicherlich„bessernd* auf die Sipp- schast des Adelskonsortiums wirken wird. Die«puren dieser moralischen„Besserung* machen sich schon jetzt bemerkbar. Die Earlowitz, Etzdorfs und Sarstedt haben die Stirn. Berufung gegen das Urteil einzulegen, dos noch dem Aus- spruch des Gerichts vorfchenden weniger strafen als„bessern* sollt«! Und die„Deutsche Tageszeitung*, das Blatt der verlrachten Land- bünde, läßt einen Entrüstungsartilel gegen die Prozeßleitung los, weil sie den drei Adligen den guten Glauben abgesprochen hat. Sie ist plötzlich ganz Feuer und Flamm« für diese v-rlommenen Sprossen aller Adclsfamilie« und nennt sie zw«»mit«tnem beträchtlichen Leichtsinn begabt*, aber„völlig unerfahren In Geschäften*. Und da«. obwohl sich im Prozeßoerlauf herausgestellt hat, daß v. Etzdorfs von denen, die mll ihm zu tun hatten, als sehr gewiegter Geschäftsmann bezeichnet wurde, bei dem es nur bedauerlich sei, daß er nicht auch die entsprechenden moralischen Qualitäten besitze. Das. obwohl sich die Herren zum Teil schon vor ihrer Verbindung mit der Lmrdespsandbriefanstall mit Häus erspekulationen beschäftigten. Wenn die Deutsche Tageszeitung* nach all dem Schmutz, den der Prozeß zutage gefördert hat. sich noch schützend vor da» Adels- konsortium stellen zu müssen glaubt, so ist dos ein« Selbsteinjchätzung. der man kein Wort hinzuzufügen braucht. Ihr Klagelied über dos ungenügende Verständnis des Gerichts für ihre Schützlinge läßt sich in die Formel zusammenfassen:„Roch nicht genug Klosfenjustiz!* Das ist der einzige Dorwurf. den sie gegen das Gericht im Fall Etzdorff, Carlowitz. Sarstedt allenfalls erheben könnte. Das Auftreten der„Deutschen Tageszellung* zeigt, was man den Gerichten heute alles zumuten zu können glaubt. Die Republikfeier in Wien. Genosse Hörsing spricht für Grohdentschland. Wien, 12. November.(Eigener Drohtbencht.) Am gestrigen Bor- abend des Staatsseiertages hallen Militärkapellen die Stadt mit klingendem Spiel durchzogen und dann Platzkonzert« gegeben. Heute vormillog versammelten sich trotz strömenden Regens einig« tausend Mitglieder des Republikanischen Schutzbundes zur Republik- f e i« r. Als Vertreter des Reichsbanners Schwarz-Rot-Gald war der Bundesvorsitzende Genosse Hör sing erschienen. In seiner An- sprach« gab er det Hoffnung Ausdruck, daß der Tag kommen werd«, an dem die deutsche und die deutschösterreichische Republik zur einigen Deutschen Republik sich vereinigen werden. Die Festrede hiev der Obmann des Republikanischen Schutzbundes Abg. Genosse Iulipe Deutsch. Er sprach den Wunsch aus, daß Deutschösterreich und Deutschland bald miteinander vereinigt werden. In allen Stadt- bezirken marschierte vornnttog- die Arbeiterschaft mit Fahnen und Musik zu Versammlungen aus. Alle Schulen veronstalleten Feiern. Di« Geschäfte und Kasseehäuser waren au, Anlaß des republika. nischen Staatsfeiertags geschlossen, viele Gebäude waren be- flaggt, darunter olle städtischen Häuser. Donnillags fanden auch in den Kasernen Feiern der Garnisonen statt. Abgeordnet« oller Bar- teien sprachen über die Bedeutung der Republik. Bundespräsident H a i n i s ch. gedachte des Tages in einer Radioanspro che an das Volk. Nachmittags war«in großer festlicher Empfang bei dem Bundespräsidenten, an dem alle diplomatischen Vertreter sowie zahl- reiche Abgeordnet« aller Parteien teilnahmen. Der Abend bringt künstlerisch« Feiern unserer Partei und die festliche Beleuchtung de» Rathauses. Nngarifthe Richtermilüe. Ei» belohnter Arbeiter-Tpaltpilz. Die ungarische Sozialdemokrall« ist im Wiederaufstieg. Je mehr über die Schandtaten de« Horthy-Regiments bekannt wird, desto mehr schließen sich die anständigen Menschen der Sozialdemokrall« an, und je schlechter die Wirtschaftslage wird, desto mehr erwachen die Prole- tarler aus ihrer Stumpfheit. Um diesen Wiederaufstieg zu hindern, versucht man durch zahllose Aufreizungsprozesse unser« Parteipresse zu ersticken. Es hagev Freiheit»- und Geldstrafen auf sie, dazu kommen die hohen Prozeßkosten des verlierenden. Und auf die Anklage folgt die Verurteilung totsicher.„Unabhängige* Richter wissen, was sich gehört! Da war aber dieser Tage jener Vagi wegen Aufreizung an- geklagt, der die„Unabhängige sozialistisch« Partei* gegründet hat, well ihm die alle Sozialdemokratie nicht mehr radikal genug war. Obwohl ein Geheimpolizist bekundete, daß Vagi zum Aufstand aus- gefordert habe. Wo sonst die Aussage eines Polizisten all« Entlastung zu Boden schlägt, wurde Vagi freigesprochen. Das Horthy- Gericht glaubt« dem Angeklagten!! Es war schon vorher aufgefallen, daß die Polizei merkwürdig milde gegen Vagi war. Run soll die Vagi-Partei auch noch das Zugmittel gewesen sein, das den ehemaligen Vallskommissar Rakost nach Ungarn gelockt hat. Der Freispruch erscheint vielen als der Dank an Vagi. «etraimilderung für Beniczty. Di« Königliche Curie*'als höchste Instanz setzte das Urtell gegen den ehemaligen Minister des Innern B e n i c z k y von drei Iahren Gefängnis auf 1 Jahr und S Monate und eine Geldstraf« von 12 Millionen Kronen herab. Als Rebenstraf« wurde zweijähriger Amtsverlust ausgesprochen. Gleichzeittg wurde ge- stattet, daß der Verurteilte während seiner Gefangenschaft von der Gefangenenarbeit enthoben werde und sich aus eigenem bekäsllg«. In die Strafe wird die Untersuchungshast von vier Monaten und zehn Tagen eingerechnei. » Man erinnert sich wähl, daß Beniczty»erurteill wurde, weil« öffentlich nachgewiesen hat, daß Horthy selbst die Ermordung unserer Genossen Somvgyi und Bacso veranlaßt hat. pariser Krisenbericht. Noch keine Einigung. Paris. 12. November.(Eigener Drahtbericht.) Di« pnlitssch« Krise dauert fort. Don restloser Annahme des in der Delegierten- Versammlung der Linksgruppen in der Nacht zum Mittwoch auf. gestellten Minimalprogramms durch die Regierung ist«tnftwsllen nicht die Rede. Paiillevö hat auch nicht, was am Mittwoch ange? kündigt wurde, der Finanzkommission einen völlig neuen Gesetz- «ntwurf unterbrettet, er bat lediglich die eingebracht« Borlage nach den Beschlüssen der Fi> ommlssion geändert. Den Forderungen des Kartells ist darin....oweit Rechnung getragen, als aus die Maßnahmen inflationistischer Natur verzichtet wird. Wenn auch der Gesetzentwurf in ferner neuen Form den Forderungen der Linken entgegenkommt, so ist von da bi« zur volligen Reali- sterung des Mmimalprogromms noch immer ein recht beträchtlicher Weg. Trotzdem bot man in der Linken die Hoffnung noch nicht aufgegeben, die Regierung auf dem Wege der Konzessionen noch wester treiben zu können und so schließlicy doch noch zu einer Ver- ständigung gelangen zu können. Wie weit solch« Hoffnungen berech- tigt sind, darüber werden wohl erst die nächste» Tage entscheiden. Don wenig günstiger Borbedeutung ist es jedenfalls, daß innerhalb der bürgerlichen Gruppen Tes Kartells schon wiederum Tendenzen zu einem neuen Umfall bemerkbar sind. Fruase» Rnchfolger Woroschlless erwäbnt in seinem Antritt»- beseht an die russisch« Armee die zu Friinie» Tod eingelaufene" Beileidstelegramme, darunter einS vom General v. Seeckt. Die nordamerlkanifch-ikaficaischen Verhandlungen haben einem Schuldenoerzinsungs- und-tilgungsob kommen geführt. Gewerkschaftsbewegung Gewerkschaftliche Werbearbeit. Zur Gewinnung der Arbeiterinnen. Das Internationale Gewerkschaftliche Arbeite rinnenfomitee wendet sich in einem Aufruf an die organisierte Arbeiterschaft der ganzen Welt mit dem dringenden Ersuchen, mehr als bisher dafür zu wirken, daß die erwerbstätigen Frauen der gewertschaftlichen Organisation zugeführt werden. Es wird in dem Aufruf insbesondere auf die Schäden hingewiesen, die nicht nur die erwerbstätigen Frauen, sondern der Arbeiterschaft überhaupt dadurch ermachsen, daß die überwiegend unorganisierten Arbeiterinnen erheb lich schlechter als die Arbeiter entlohnt werden. Die Ursachen des Fernbleibens der Frauen von der gewerkschaft lichen Organisation find bekannt. Die wesentliche Ursache ist, daß man allgemein, besonders aber in der Familie annimmt, daß die Erwerbstätigkeit der Frauen nur eine vorübergehende sei. Es heißt dann weiter in dem Aufruf: Für die mangelhafte Organisation der weiblichen Arbeitnehmer find die männlichen Arbeitnehmer mit verantwortlich, und sie sind mit daran schuld, wenn die weiblichen Arbeitnehmer der erfolgreichen Gewerkschaftsarbeit im Wege stehen. Die weiblichen Arbeitnehmer find allerdings schwerer als die männlichen Arbeiter für die gewerkschaftliche Organisation zu gewinnen; sie sind aber, wie die Erfahrungen in allen Industrieländern zeigen, immer hin zu gewinnen. Ueberall existiert bereits ein Kern überzeugter weiblicher Gewerkschaftsmitglieder. Diese Tatsache berechtigt zur Annahme, daß auch die übrigen weiblichen Arbeitnehmer für die Gewerkschaften zu gewinnen find, wenn sich alle verfügbaren Kräfte in der Gewerkschaftsbewegung der Gewinnung der weiblichen Arbeitsträfte zuwenden. Roch entsprechen in feinem Bande die Arbeitsbedingungen der Frauen dem Werte und der Bedeutung ihrer Arbeit, noch sind die weiblichen Arbeitnehmer unbewußt und oftmals gegen ihren Willen 2ohnbrüder! Diese Verhältnisse werden sich ändern, wenn die meiblichen Arbeitnehmer mehr als bisher in der Gewerkschaftsbewegung tätig sind. Auf zur Werbearbeit, zur Gewinnung der weiblichen Arbeit nehmer für diese Idee! Auf zum Kampf für beffere Lebensbedingungen für die gesamte Arbeitnehmerschaft! Helène Burniaur- Belgien, Henriette Crone- Dänemart, Mary Quaile- England, Jeanne Chevenard- Frankreich, Gertrud Hanna- Deutschland. Eine Kundgebung der Eisenbahner. Einheitliche Kampffront. In der vom Einheitsverband der Eisenbahner am Mittwoch abend nach dem Lehrervereinshaus einberufenen überfüllten Ber. fammlung der Berliner Eisenbahner sprach Genoffe Smental Wien, Borsitzender des österreichischen Eisenbahnerverbandes und Bizepräsident der österreichischen Bundesbahnen, über die Lohn- und Arbeitsverhältnisse der österreichischen Eisenbahner. In seinem mit echt öfterreichischem Humor gewürzten Bortrag mies er nach, daß es in Desterreid; gelungen ist, mit Hilfe der einheit lichen Organisation die Verhältnisse bei den Bundesbahnen so zu gestalten, wie es im weitestgehenden Interesse der Eisenbahnbediensteten liegt. Gewiß habe man in Defterreich, das unter den Birkungen des verlorenen Krieges bedeutend schwerer zu leiden hat als Deutschland, den Eisenbahnerr nicht das Himmelreich auf Erden bringen fönnen. Aber soviel müffe fchon gesagt werden, daß fich die Gewerkschaften in Desterreich einen größeren Einfluß auf die Berwaltung erzwungen haben als in Deutschland. Die öfterreichischen Gewerkschaften waren und seien fich stets bewußt, daß sie von heute auf morgen die soziale Frage nicht lösen tönnen. Sie hätten aber erreicht, daß die Besoldungs- und Arbeitsfragen fo geregelt worden sind, wie es die ökonomischen Verhältnisse Defter reichs eben zulassen. Das Vorbildlichste gegenüber den deutschen Berhältnissen sei, daß die Verwaltungen der österreichischen Bundesbahnen zu jeder, auch der geringsten Maßnahme, die Zuffimmung der Befriebsvertretung bedarf. Auf Grund dieses unbeschränkten Mitbestimmungsrechts feien der Berfonalabbau, die Besoldungsordnung und viele andere Dinge fo geregelt worden, daß den Eisenbahnern fein Schaden, wie gerade in Deutschland, erwachsen ist. Smental richtete zum Schluß an die deutschen Eisenbahner den Mahnruf, den Gedanken der Einheitsorganisation in die meitesten Streife der Eisenbahner zu tragen, damit es ihnen endlich möglich wird, ihre geradezu schändlichen Lohn- und Arbeitsverhält nisse von Grund auf umzugestalten. Nach dem beifällig aufgenommenen Vortrag ging der Bezirks leiter Genoile Dressel auf die deutschen und besonders die Ber liner Verhältnisse ein. Ueberall regen sich die Eisenbahner und fordern eine Aufbefferung ihrer Bezüge und eine Aenderung ihrer Arbeitsbedingungen. Die vielen im Berliner Bezirt aufgestellten Forderungen sind auf eine Linie gebracht und der Reichsbahndirektion Berlin am Sonnabend voriger Woche übermittelt worden. Die Berliner Eisenbahner fordern eine Cohnerhöhung um 15 Pf., Rüdfehr zum Achtffundentag, Berminderung der Cohngruppen von 8 auf 5. Der Borwurf der Reichsbahn muß entschieden zurückgewiesen werden, daß die Gewerkschaften ihre Mitglieder zu Lohnforderungen aufreizen". Die allerorts abgehaltenen Versammlungen sowie die vielen Anträge und Entschließungen zeigen deutlich genug, daß die Reichsbahn selbst der Aufrührer ist, weil sie ihre Beamten nicht menschenwürdig entlohnt und Arbeiter und beschäftigt. Nach einer ausgedehnten Diskussion wurde folgende Ent schließung einstimmig angenommen: " Die vom Einheitsverband der Eisenbahner Deutschlands einbe rufene überfüllte Versammlung der Berliner Eisenbahner erhebt volles Anschauungsmaterial enthalten, ist bereits das fünfte Heft erschienen. In der Berliner Stadtverordnetenversammlung wirfte Dupont von 1896 bis 1901 und dann wieder von 1906 bis 1914. Er schied damals aus, weil er feinen Wohnsiz nach Karlshorst Derlegte. Zum 1. Januar 1924 hat der Deutsche Holzarbeiterverband den damals Achtundsechzigjährigen in den Ruhestand versetzt. Aber Paul Dupont fann nicht leben, ohne zu arbeiten. Er erscheint nach wie vor täglich an seinem gewohnten Arbeitsplatz und entfaltet eine nugbringende Tätigkeit im Interesse der Arbeiterjchaft. Seinen siebzigsten Geburtstag fann Paul Dupont heute in feltener förperlicher und geistiger Frische begehen. Die Arbeit erhält ihn jung und der föstliche Humor, den er sich bewahrt hat, macht ihn seinen engeren Freunden zum besonders liebenswerten. Kameraden. Paul Dupont erfreut sich nicht nur in Berlin, sondern auch im ganzen Reich und darüber hinaus eines großen Kreiser von Freunden und Berehrern. Sie alle vereinigen Achtung, Metallarbeiter! in dem Bunſche, daß dem Geburtstagstinde noch ein recht Die Wahltörperverfammlungen zu besuchen ist Gure plight! Die Kommunisten biefen alles auf, um wieder Einfluß zu gewinnen und die Ortsverwaltung zum Objekt ihrer Parteipolitik zu machen. Diefer Versuch muß zurückgewiesen werden! Dem DMB. die gewerkschaftlichen Aufgaben! Forf mit der Parolenpolitit Mostaus sich langer und heiterer Lebensabend beschieben sein möge. Ein österreichisches Arbeiterversicherungsgeseh. Die österreichische Regierung hat im Nationalrat den Entwurf eines Arbeiterversicherungsgesezes eingebracht, der die Kranten. versicherung, Unfall und Arbeitslosenversiche. rung der Arbeiter einführt. Bersicherungspflichtig und versichert foll nach diesem Entwurf für den Fall der Krankheit, der Arbeitslosigkeit und der Invalidität, des Alters und des Todes sowie für die Folgen eines Arbeitsunfalles jeder sein, der auf Grund eines Arbeits-, Dienst- oder Lehrverhältnisses beschäftigt ist. Für die Angestellten besteht bereits ein eigenes Versiche rungsgeseß. In der nächsten Zeit soll noch die Versicherung der Land- und Forstarbeiter sowie die Altersversicherung der selbständig Erwerbstätigen gesondert geregelt werden. In einem eingehenden Exposé über die eingebrachten Arbeiterversicherungen erklärt der christlichsoziale Minister Dr Resch, die Regierung set sich dessen vollkommen bewußt, daß die Wirtschaft in der Gegenwart die Belastungen, die ihr aus diesem Gesez erwachsen, nicht zu tragen vermöge", und daß an die praktische Einführung der Arbeiterversicherung erst bei einer Besserung der Wirtschaftsfich die Belastung für die Arbeitgeber von 69 auf 122, die der Arbeitnehmer von 101 auf 107 Millionen Schilling erhöhen. flammenden Broteft gegen die Gehalts- und Lohnpolitit der Reichsbahngefellschaft. Die durch den andauernden Bersonal abbau bewirkte Ausbeutung der Beamten und Arbeiter hat zu schweren Schädigungen von Leben und Gesundheit der Bediensteten geführt. Der Versuch der Reichsbahngesellschaft, die Schuld an den sich häufenden Eisen bahnumfällen dem Personal zuzuschreiben, wird zurüdgewiesen. Die von der Verwaltuna beliebte Personalpolitik muß in allernächster Zeit zu schweren Erschütterungen des Be triebes führen. Die Versammelten geloben, alles daran zu feßen, um denselben Einfluß auf ihre Lohn- und Gehaltsbedingungen zu erlangen, wie die österreichischen Berufskollegen. Um dieses Ziel zu erreichen, ist der restlose Zusammenschluß aller Belage zu denken sei. Durch die Neureg- lung der Bersicherung würde amten und Arbeiter in einer einheitlichen Organisation awinaende Notwendigkeit. Die von der Bezirksleitung Berlin des Einheitsverbandes der Reichsbchndirektion unterbreiteten Forderungen finden die Billigung der Bersammbing. Darüber hinaus fordert die Versammlung von den Hauptvorständen der makgehenden Eisenbahnerorganisationen fofortice Fühlungnahme zweds Herbeiführung einer gemeinsamen Kampffront aller Reichs bahnbeamten und Arbeiter. Ferner ist in Berlin mit den übrigen Berkehrsarbeitern die Verbindung sofort aufzu. nehmen. um die eingeleitete Bewegung auf breitere Grundlage zu stellen. Den abseits stehenden Berufskollegen rufen die Bersammelten zu: Wacht auf, ehe es zu spät ist!" Paul Dupont, der Siebzigjährige. Gewerkschaftliche Einigung in Jugoslawien. Im Oftober tagte in Belgrad ein gewerkschaftlicher Eini. gungstongreß, der zur Berschmelzung der beiben bisher vorhandenen gewerkschaftlichen Landeszentralen führte. Dem Kongreß waren während vier Monaten Berhandlungen vorangegangen, deren Grundlagen die Anertennung des 3GB. und der von diesem vertretenen gewerkschaftlichen Grundsätze waren. Der Kongreß wurde von 108 Delegierten besucht und nahm einstimmig die von einem fiébengliedrigen Borbereitungskomitee vorgeschlagenen Resolutionen und Sagungen an. Der neugebildeten Landeszentrale fönnen nur gewerkschaftliche Organisationen angehören, die vollkommen felbständig und von allen politischen Parteien unabhängig find. Jegliche Propa gierung von Parteitendenzen sowie Bestrebungen, die darauf gerichtet find, die gemertschaftliche Organisation den Interessen irgendeiner politischen Partei nugbar zu machen, haben den Ausschluß aus der Landeszentrale zur Folge. Paul Dupont, der langjährige Borsigende des Bildhauer. verbandes, der insbesondere viclen alten Genossen in Berlin ein fieber Freund ist, ist ein Berliner Kind Hier ist er am 13. Novem ber 1955 geberen und hat hier den größten Teil feines Lebens ver bracht. Als außergewöhnlich lüchtiger Arbeiter in seinem Bildhauerberuf genoß er in seinem Arbeitsverhältnis größere Freiheit, In den Sagungen ist ausdrücklich vorgesehen, daß die die es ihm gestattete, sich lebhaft für die politische und gewerfschaft Landeszentrale dem JGB. angehört und die angeschloffenen Berufss liche Arbeiterbewegung zu interessieren. Gleich nach Beendigung perbände ben reip. internationalen Berufsfekretariaten angeschlossen feiner Lehrzeit im Jahre 1874 war er dem damals lofalen, Verein fein müffen. Mit der vollzogenen Einigung gewinnt die bisher dem der Berliner Bildhauer beigetreten. Er wirkte hier leb- GB. angeschlofferte Landeszentrale nur etwa 3000 bis 4000 Mithaft für die Schaffung einer 3eniralorganisation, die glieder, doch ist zu hoffen, daß die Einstellung der bisherigen gegen1881 mit dem Sig in Stuttgart gegründet wurde. Bei der Sitz seitigen Fehden in Jugoslawien einen Aufschwung der Ge. verlegung noch Berlin wurde Dupont zum besoldeten Verwertihaftsbewegung zur Folge haben wird. bandsvorsitzenden Ber und Redakteur des bandsorgans gewählt. Am 1. Januar 1889 trat er dieses Amt an, das er mehr als 30 Jahre verwaltete, nämlich bis zu dem am 1. Oftober 1919 erfolgten Uebertritt des Bildhauerverbandes zum Deutschen Holzarbeiterverband. Seither ist Dupont im Holzarbeiterverband tätig, denn nach wie vor ist die Wahrnehmung der besonderen Interessen der Bild. hauer sein hauptsächlichstes Arbeitsfeld. Nicht nur auf sozialpolitischem Gebiet, mit hervorragendem Eifer widmet er sich der funstgewerblichen Förderung seiner Berufsgenossen. Von den in zwangloser Folge erscheinenden Heften„ Die Bild bauerei", bie Dupont bearbeitet und die ein anerkannt wertDer Name der neuen Organisation lautet: Ujedinjeni Radnicki Sindikalni Savez Jugoslavije( Bereinigter Gewerkschaftsbund Jugoslawiens). Achtung, Bauarbelter! Die Differengen bei der Firma Holz mann auf der Baustelle Reinidendorf, Holländerstraße, find bei. gelegt. Die Aussperrung ist aufgehoben. Deuticher Baugewerfsbund, Baugewerffchaft Berlin. Verein der Afford Steinträger Groß- Berlins. Berantwortlich für Bolitit: Ernt Renter: Wirtschaft: Artur Saternus; Gewerkschaftsbewegung: Friebe. Cklorn; Feuilleton: R. S. Döscher; Lokales und Sonstiges: Fris Rarstäbt; Anzeigen: Th. Glode; fämtlich in Berlin. Berlag: Borwärts.Berlag G. m. b. 5. Berlin. Drud: Borwärts.Buchdruderet und Berlagsanstalt Paul Singer u. Co. Berlin SM 68 Lindenstraße 3. Hierzu 2 Beilagen und Unterhaltung und Biffen. A.WERTHEIM Billige Lebensmittel Leipziger Straße 600 Moritzplatz Kochäpfe! Pld. 10 PL Schöner v. Boskoop 18 Pt. Reinetten Landsberger, Pfund 18 PL Tiroler EdelrotPid. 22 Pt. Bananen. Pfund 55 Pf. Ananas.... Pfund 95 Pt. Königstraße Rosenthaler Straße Frisches Fleisci. Rindersuppenfleisch Pfund 75Pf. Rinderkamm u. Brust .. Pfund 80 Pf. Schmorfleisch mit Knochen..... Pfund 1 M Kalbskamm und Brust Pfund 75 Pf. Kalbskeule u. Rücken ganz und 90Pf. Hammelvorderfleisch. Recken 80 PL Schweinebauch Rücken und Blait, 120 Schweineschinken Pfund 125 ... Pfund 125 ...... Pfund 75 Pt. Liesen Gehackles Fleisch gefelit, P.d. Prund mit Bellage, Pfund la Suppenfleisch gefroren. Pfand 60 PL. Konserven Dose 1/1 Kohlrabi mit Ora 62PL Jg. Schoten mitteltein SOPL Jg. Schoten sehr fein 210 Bruch- Spargel. Köpte 185 Bruch- Spargel unn 2 M Stg.- Spargel stark 355 Stg.- Spargelsehrs: ark 375 Roto Rüben 4 P.und- Dose 135 70 P. Kürbis rheinischer 75 Pt. Pflaumen mit Stein 70 Pt. • 120 Preiselbeeren Dose 10 Phund- Elmer 435 Ananas Hewet t. Scheib. 225 Johannisbeer- Gelee 5 Ptd.Elmer 270 Konfitüren 1 Pfd.Olas 60 Pt. Orangen, 1 Pid.- Glas 60 Pl. Orangen, Johannisbeer Pasumen, 2 Pid.- Eimer 110 Kirsch u. Himbeer 2 Plund- Eimer 150 Oelsardinen Dos. 90 Pl. Klubdos. 52 PL o. Knochen Rindfleisch 2P.d.- Dos. 125 • Weiß- n WirsingRot- kohl( Holl) Piund Pf. Mohrrüben gewasch Pfund 5 Pf. ... Pfund 6PI. Zwiebeln Sellerie Pfund 10 Pl. 18 PI. Blumenkohl Kopf v. 20 Dauermaronen Pid. 30 PL gut koch. Pfund • Pt. Linsen 20PL Tafelreis Pfund 22 Pt. Schnitt- Nudeln Ptd. 28 Pl. Bosn.Pflaumen Pid. 42P. Freitag u. Sonnabend, soweit Vorrat. Heringe Pid. Rotbarse oh. Kopt, Pfd. 22 Pt. Kabeljau g.Fisch., Pid. 25 Pt. Schellfische..Pld 28 P Hechte lebende, Plund 105 Spieg.- Karpfen lebend grüne 95 pt. Schellfische geräuchert, Plund Plund 125 38 PL Bücklinge feine, Pid. 45 Pf. Flundern geräuchert 68 PL Flundern mittel, Plund 45 PL Seelachs i.Sticken, Pid 55 Pl. Lachs in Stücken, Pid. 220 195 Riesen, Pid. Bismarckkranz • Stück 50 Mandelkranz Stück 50 Pt. Brezeln.. Stück 50 PL Streußelkuchen gefüllt, Stack 50 PL Gem. Backobst Pid. 52 Pr. Apfelstrude! Stuck 50 PL Frisch Leicht verderbliche Artikel können nicht zugesandt werden Käse u. Fette Rotwurst Pfund 120 Landleberwurst Pid.[ 20 Gefüllt. Schinken Pid. 150 Jagdwurst... Pfund 150 Leberwurst feine, Plund[ 75 Braunschweiger Pid. 175 Salamiwurst Holst., Pfd. 195 Zervelatwurst Holst. 195 Mag. u.fetter Speck 170 Deutsche Ware, Plund Schinkenspeck Pfd. 2 M Nußschinken Plund 210 Tauben große, St. 98 PL. Suppenhähne Plund 120 Brat- u. Suppenhühn. Junge, Pfund 155 Junge Mastenten Pfd. 160 Junge Gänse Pia 125 135 Kaninchen gestreift und ausgewerfen, Pid. 95 PL gebrannter Kaffee Sorten. Pfund von 260 bis 460 Spezial- Mischung mit 20 Prz. Bohnenkaffee, Pfund 76 Pf. mit 40 Prz. 140 Spielwaren- Ausstellung in allen 4 Geschäften Allg. Stangen- Limburger Ptd. 85rf. Dänischer Gouda- Käse Pfand 85 Pl. Tilsiter Käse... Pfund 85 Pf. vollfett 110 Holländer Käse Schweizer Käse dänlicher, Piund 130 Speise- Margarine Ausgelassener Talg Kokosfett finn Pid. .. Pfand 115 bayr. 145 165 P.d. Pland 58 PL Pfand 62 Pt. ... 1 Pfund- Ta'el 68Pf. Tafelbutter gewogen.... Pfund 220 Dänische Butter igewogen, Plund 240 Wein Preise für 41 Rasche einschließt. Stener ohne Glas 1921 Ganderskeimer 1923 Hainfelder Borg liebl. rhein. Rotor. 2 M 1917 Fleury, Burgund. 210 Tarragona rot, sua 125 1918 Chât, Courtillac milder Plaizwan 90 PL 1928 Dürkh. Schloßgrt. 1922 Piesporter FalkenRiesl. Stadt Durkheim 160 Wachstom gehalt- 180 berg spritziger Mosel 180 1921Niersteiner gehalt 1922 Kirchheimer voil roter Tischwein Castillo 1922St.Justin Ripalda IM milder span. Rotwein 150 Contea: d'Oro Chianti Rotwein Isc Bordeaux 250 Ruster Gold süßer Stärkungswein, Tokaler. 150 Malaga goldfarben 165 Portwein feiner, alter 2 M A.W.Spezial Cuvée gut. Ta elseki, Flascheng Jamaika- Rum- Verschn. 4M 40 VoL Prozent 320 Nr. 537 ♦ 42.�ahrgaag 7. Heilage ües vorwärts Freitag,?z. November 1H25 Der Fluch 6icfcr Zeit. Der Mftgasdunst von fünf Jahren Krieg, die durch ihn herbei- geführte Lockerung aller Gesetze, der wilde Taumel in der sürchter- lichen Jnflationsepoche, dieser Zwang eine» kalten, herz- und sinn- l»sen Verdienbetriebes— das alles ist der Fluch dieser Zeit. Heber- oll gärt es, gewiß. Aber noch Ist es schwer, ein ganzer.Mensch' zu werden, sich frei zu fühlen und glücklich zu sein. Seht in die Gerichtssäle, wenn ihr die Opfer dieser Zeit erkennen wollt! Nur wenige von denen, die auf der Anklagebank Platz nehmen müssen, sind tetsächlich.Verbrechernaturen', Bcdroher der Gesell- schaft und Feinde der Menschlichkeit. Zwei Einzelbilder aus einer Gerichtssitzung: zwei Bilder und doch nur eins, eben das Bild dieser Zeit: Auf der Anklagebank sitzt ein junger Bursche, 21 Jahr« ist er alt, seine.Leistung' dafür schon verhältnismäßig bedeutend: Diebstahl, Unterschlagung, Urkundenfälschung. 1. war ein kleiner Angestellter mit kleinem Gehalt. Beklagenswertes Los von Hundert- toulenden, auch von solchen, die wie der Angeklagte.höher hinaus' wollen. Aber die Veiständlichkeit und Gemeinsamkeit des Wunsches berechtigen nich'. Geld zu„verlieren' und sich außerdem Beträge von insgesamt 2700 M. Höhe bei der Kasie der eigenen Finna mit auf rasfinierte Weise selbst angefertigten Belegen abzuheben: die notwendige Gegenzeichnung mit einem Signum der Geschästeleitung wird auch gleich von dem 21jähriaen Herrn Großkaufmann per- sönlich vorgenommen Allein auf solche schwere Urkundenfälschung steht Zuchthaus. Trotzdem lautet das Urteil nur auf neun Mo- natc Gefängnis. Abgesehen davon, daß die Kassiererin die d-e Geldbeträge in sehr fahrlässiger Weise zur Auszahlung brachte, fällt die Jugend des Burschen strafmildernd ins Gewicht. Gar nicht soll deshalb bestraft werden, nur nach den Grundsätzen der Jugendfürsorge erzogen werden. Der Zwang der Freiheitsent- ziehung ist diesmal allerdings das Richtige, denn für bloße Jugend- Dummheit war das Bergehen zu rafsiniert inszeniert. Verfuhrer freilich war diese Zeit, die den Dandy schätzt und den Kleinen oer« achtet,— Da wollen die Kleinen schnell groß werden und wenn es ihnen endlich auf ehrliche oder unehrliche Weife gelungen ist, dann denken sie, das Glück muß ihnen immer bleiben: Herr H. wüßte ein Lied davon zu singen, wenn ihm das Singen und das Frohsein nicht schon längst oergangen wäre. Ein grausamer Bauchschuß in rasender Schlacht schuf eine Ruine aus Fleisch und Knochen. Mar- phlum kettet die letzten Rest« eines einst blühenden, aussichts- vollen Lebens organisch ineinander. H. hatte sein Studium auf- geben müssen, er wurde Kaufmann. Offenbar auch hier nicht un- intelligent, hatte er Glück, verdiente er viel am Export, häufte ein kleines Kapital und erwarb sich einen guten Namen. Bis der Moloch Jnflaiion nach alle» Schätzen gierte. H., nicht warenarm, aber plötzlich geldknapp, kam in große finanzielle Verlegenheit. Es waren Rechnungen zu bezahlen, große Rechnungen, hier eine. da eine. H. fing an zu borgen, aber er war natürlich nicht in der Lage, feine Schuld zurückzuzahlen. Um feine Glä biger über fein« DerrnSgenslage zu täuschen, weist er primitiv selbstangefertigte. kelb st unter stempelte und selb st unterschrieben« Briefe vom Finanzamt Börse vor. Rot macht zum De- trüger. Und da ist es nun ein ganz wundervolles, fast feierliches Erlebnis, wie die Gläubiger, biedere, wackere Leute aus dem Volke, für den Angeklagten eimreten: jeder ist überzeugt, daß er zahlen wird, wenn er zahlen kann: jeder weih, daß sein Morphinis« mus, sein Kriegsleiden und sein Berufspcch mit an allem schuld ist: keiner bereut, dem Hungernden, der auch Frau und Kind ernähren soll, in Stunden der Not geholfen zu haben. Lange, lange beraten Richter und Schöffen. Ihr Spruch: 6 Monate Gefängnis— Bewährungsfrist. Alles atmet erleichtert auf, froh ist der Verteidiger, glücklich der Angeklagte. Eine neue Eristenz gibt ihm Gelegenheit, feine Schuld zu ordnen. Er wird die Gelegenheit, nicht nur aus Angst vor dem Zwang der Gitter- ftäbe, bestimmt ergreifen. Denn er ist wirklich kein schlechter Mensch, sondern ein Opfer dieser Zeit, die ihn mit der Qual einer Kriegs-wunde, mit Morphium und Jnflationstücke krallte, fesselte, hielt. Und.schuldig' werden sieh. Diesmal wußten es die Richter: es war dl« Zeit. Wüßten sie es doch immer und überall! Sonderzuss Anhalt- Berlin. Am Sonnabend, den 14. November, verkehrt ein biMper Sonder. zug vierter Klaffe von Dessau ab 4 Uhr nachmittags nach Berlin, Potsdamer Dahnhof, an 7,06 Uhr abends, der am Sonn» tag 8,0S Uhr abends zurückfährt und 1v,3S Uhr nachts wieder in Desia» eintrifft. Für Bitterfeld, Käthen, Zerbst und Koswig bestehen für Hin- und Rückfahrt planmäßige Anschlußzüge, zu denen die ermäßigten Sonderzugkarten Gü'tigkeil haben. In Berlin ist für Uebernachtung, Besichtigungen, Führungen, gemeinsames Mittag, eisen usw. vorgesorgt, wofür bei Entnahme der Fahrkarte billige Zusatzkarten gelöst werden können Der Fahrkartenverkaus erfolgt auf den Einsteigestationen, über die wie über die Fahr- und Zusatz- kartenpreise sowie die näheren Bedingungen die Aushänge auf den Bahnhöfen Ausschluß geben. Schnee in Serlin. Nach dem Temperaturabfall in den letzten Tagen ist es gestern abend auch in Berlin zu einem Schneefall gekommen Auch für den heutigen-Tag ist nach der allgemeinen Wetterlage mit weiteren Schneefällen zu rechnen. Nachrichten aus den übrigen Teilen Deutschlands lasten erkennen, daß dort der Winter sich bereits recht energisch angekündigt hat. « Breflati, 12. November.(WTB) In ganz Schlesien sind bei Kältegraden heute ununterbrochen große Schneefälle nieder- gegangen, die den Schneesport in den schlesis-ben Gebirgen ermög- lichen. Bad Remerz meldet— 3 Grad und 30 Zentimeter Schnee, Salzbrunn 0 Grad und 25 Zentimeter Schnee, Flensburg— 2 Grad und feit 11 Uhr vormitmgs ununterbrochen Schneefall, Schreiberhau — 2 Grad und 15 Zentimeter Schnee, Krummhübel— 3 Grad und 15 Zentimeter Schnee. U eb er a l l schneit es stark weiter. Dresden, 12. November.(WTB.) Nachdem die Temperatur in der vergangenen Nacht unter den Gefrierpunkt gesunken war, trat beute in Dresden und Umgebung Schneefall ein, der auch in den Abendstunden bei 0 Grad noch anhielt. Aus dem Erzgebirge werden 4 Grad Kälte gemeldet. Reichsbahn nnb Rota-Verte. Ein vetrugsprozeh. Bor der 4. Strafkammer des Landgericht» III fand gestern die Berufungsverhandlung in dem Betrugsprozeß der Reichsbahn gegen die Rota-Werke statt. Für die Verhandlungen sind mehrer« Tage vorgesehen. Auf der Anklagebank sitzen die Angeklagten Direktor März, Werkmeister Kaiser, Obermeister Kukuk und der Eisenbahningenieur Rau. Von den Angeklagten und auch vom Staatsanwalt war gegen das Urteil des Schöffen- gerichts Wedding Berufung«ingelegt worden. Wegen nmiangreickier Betrügereien die zuungunsten der Reichs- bahn gingen, die um Millionen geschädigt wurde, war der Haupt- angeklagte. Direktor März, zu 2'- Jahren Gefängnis und die anderen Angeklagten wegen Beihilfe zu Gefängnisstrafen von 4 bis 10 Monaten verurteilt worden. Dem Prozeß geht kurz folgen- der Tatbestand voraus. Die Ratawerke hatten mit der Reilbsbahn einen 6jährigen Vertrag geschlossen, wonach das Werk die Repara- wren von beschädigten Güterwaggons, Kesseln und Lokomotiven und später auch von Personenwagen zu übernehmen hatte. Während zuerst kein« Höchstgrenze für Lohnstunden, die zur Reparatur eines Waggons nötig waren, festgesetzt wurde, wurde der Vertrag dahin» gehend ergänzt, daß auf 1 Waggon nicht mehr als 500 Arbeits- stunden geschrieben werden dürfen. Mehrere Jahre arbeiteten Auf- trag gebe? und Werk gut miteinander, bis die Reichsbahn den Der- trag kündigte, mit der Begründung, daß sie sich durch Mehranschreiben fingierter Lohnstunden betrogen fühlte. Infolge der Kündigung des Vertrages führten die Rotawerke einen Zivilprozeß gegen die Reichs- bahn und erzwangen durch einstweilige Verfügung, die Weiter- führung de» Vertrages, vi« Verhandlung, auf der von Direktor März der Nachweis erbracht, und durch beeidete Zeugenaussagen Kaiser» und Kukuks bekräftigt wurde, ergab, daß kein« fingierten Stunden angeschrieben worden waren. Di« Reichsbahn kam ober auch dahinter, daß von den Rotawerten über hundert Waggons der Bahn als repariert in Rechnung gestellt worden waren, die niemals das Werk gesehen haben. Dies« sogenannten„Luftwaggons', haupffächlich belgisch« Beute- wagen, rückten die große Betrugsafsaire in ein wesentlich anderes Licht. Kaiser hatte bei der ersten Verhandlung eine eidesstattliche Versicherung abgegeben, daß kein« fingierten Stunden umgesetzt worden sind. Bor einigen Tagen jedoch erschien er vor Gericht und bezichtigte sich selbst des Falscheides und wollt« die Wahrheit dahin- gehend gestehen, daß doch fingierte Stunden eingetragen worden seien. Dieses Faffcheides wegen wurde er am Dienstag vom Schwur- gericht zu 6 Monaten Gefängnis mit mildernden Umständen, der Selbstbezichtigung wegen, verurteilt. Zum Beginn der gestrigen Verhandlung erfolgte zuerst eine kurze Vernehmung der Angeklagten. März, Kaiser und Kukuk hatten sich aus kleinen Anfängen zu ihren Stellungen emporgearbeitet. ebenso der Cisenbahningenieur Rau, der als Ueberwachungsbeamter der Reichsbahn bei den Rotawsrken seinen Dienst tat. Als Zeuge und Sachverständiger der Reichsbahn war der Sachverständige Schubert mit einem umfangreichen Aktemnaterial, das eine kleine Registratur für sich bildete, anwesend. Ausführlich wurde zunächst nur Rau vernommen. Er schilderte seine Kontrolltätigkest bei den Rotawerken. Eebenso schleierhaft wie die fingierten Lohnstunden sind ihm nach seiner Aussage die Luftwaggons. Es besteht die Möglichkeit, daß er das Opfer des Vertrauens, das er in die ihm unterstellten Kontrollbeamten gesetzt hat, geworden ist. Immerhin hat er, wie die Verhandlung ergab in leichtsinniger Weise die fort- gesetzten Riesenbetrügereien übersehen, auf die er bestimmt hätte stoßen müssen. Auch die Lohnstunden sind von ihm nicht geprüf: worden, so daß die Möglichkest bestand, unproduktive Arbeiten ein- zuschmuggeln. Jedenfalls müssen Beamte der Rotawerke im Ein- vernehmen mit den Eisenbahnbeamten, die Unterlagen gefälscht haben. Rau beteuerte wiederholt, daß er dabei sein« Hand nicht im Spiele hatte, daß er also unschuldig sei. Kurz vor Schluß der Verhandlung stellte der Angeklagte Kaiser noch die Behauptung auf, daß der Mitangeklagte Direktor März an Eisenbahnbeamte geldliche Zuwendungen gemacht habe, was dieser aber bestreitet. Dü! heutige Verhandlung wird wahrscheinlich mehr Klarheit in diese dunkle Betrugsaffaire bringen, in der auch die anderen Angeklagten einem eingehenden Verhör unterzogen werden. Die Setrugsmanö'oer der kpv. (Eine verdiente Ohrfeige. Die Kommunistisch« Partei im Bezirksoerband Brandenburg hat dem Bezirksverband der SPD. Brandenburg eine Listenver- bindung zur Sammlung der Rssfftimmen für die Provinziallandtags- wohl angeboten. Die KPD. hat Ihren Brief, bevor überhaupt die Möglichkeit der Antwort bestand, der„Roten Fahne', Ausgabe B, vom Dienstag, den 10. November zum Abdruck gebracht. Der KPD. wurde daraufhin von unseren Genossen folgende Antwort erteW: Wir bestätigen den Eingang Ihres Schreibens vom 7. d. M. betreffend Listenverbindung zur Sammlung der Reststimmen für die Provinziallandtagswahl und gestatten uns hierzu folgende Be- merkungen: Die Sozialdemokratische Partei muß es grundsätzlicki ablehnen, zu Briefen Stellung zu nehmen oder Antwort darauf zu geben, wenn diese Briefe durch Abdruck in den Zeitungen der Oefsent- lichkeit übergeben werden, bevor der Adressat die Möglichkeit der Antwort gehabt hat. Durch den Abdruck des Briefes der Bezirks- leitung Brandenburg der KPD. an den Bezirksverband Brandenburg der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands ist offensichtlich fest- Siestellt, daß der Zweck des Briefes ein rein propagandistischer fem oll. Hinzu kommt, daß wir in der Lage sind, Ihnen mitteilen zu können, daß der Korninunilt Ziaja in einer Sitzung in Gleiwitz folgendes erklärt hat, das oen Charakter Ihres an uns gerichteten Briefes deullich zeigt: .Der erste und stärkste Gegner der KPD. in fedem Wahltampf« ist die Sozialdemokratische Partei. Aber die KPD. muß die SPD. in Derwirrung bringen. Jeder sozialdemokratische Arbeiter muß vor der Wahl im Sinne der KPD. beeinflußt werden. Die SPD. muß in ein« Zwickmühle kommen. Dazu ist nötig, daß die KPD. ihr eine Listenoerbindung vorschlägt. Der Vorschlag für die Listen- Verbindung wird nur eine Aormsache. ein taktischer Zug. ein De- trugsmaoöver sein. Di« Bezirksleitung der KPD. weiß ganz genau, daß die SPD. die Listenverbindung ablehnen wird. Der Vorschlag ist ja auch nicht ernst gemeiai. er ist lediglich ein geschickter Wahltrick der KPD., der dann aber auch ordentlich ausgenutzt werden muß. Wenn von der SPD. die s'lbstverständliche ablehnende Antwort eingeht oder veröffenllicht wird, muß die KPD. in hundert öffeM- lichen und Betriebsversammlungen sagen: Run seht den wahren Charakter der Sozialdemokratie. Wir Kommunisten wollten jede Zersplitterung der Arbeiterstimmen vermeiden und mit der SPD. eine Listenoerbindung vereinbaren. Aber wo» machen die sozial- demokratischen Führer? Sie verraten von neuem das Proletariat. indem sie es grundsätzlich ablehnen, mit uns, den wirtlichen Ar- Die Passion. Roman von Clara Diebig. Frau Lehmann fiel förmlich aus den Kleidern früher war sie dicklich gewesen, jetzt war sie von der Sorge gequält: wenn ich mal nichts mehr zu tun kriege, dann muß ich ver- hungern. Sie sagte das wohl auch zu Olga und stöhnte und schimpfte so auf die Undankbarkeit und Schlechtigkeit der Menschen, daß der ganz bang« wurde. Mit der alten Frau war es wirklich traurig. Uno traurig war das Leben ohne Sonne für die kleine Eva— aber wo sollte Olga hin mit dem Kind? Sie war jetzt avanciert im Atelier, erst hatte sie nur Röcke genäht, jetzt war sie Zuarbeiterin für Taillen und bekam dreißig Mark die Woche. Wenn sie aber auch noch mehr bekommen würde, es reichte doch noch immer nicht für«in« bessere Unterkunft. In bangen Gedanken faß Olga tief über ihr« Arbeit gebeugt. Und diese Gedanken fraßen sich ein in ihre Stirn und gruben Linien um ihre Mundwinkel. Die zwei Jahre Verlin waren nicht spurlos an ihr vorübergegangen, aber sie war noch immer hübsch genug, um die Blicke des einen oder anderen auf sich zu lenken. Doch sie merkte das gar nicht. Sie sah keinen an. ihr ganzes Sinnen war darauf gerichtet. so viel wie möglich zu verdienen. Sie wollte das Kind menschenwürdiger tmterbringen. und sie hatte den Ehrgeiz. dcm Dater. dem Bruder, der Schwägerin zu zeigen:„Seht. so weit bin ich jetzt, zu schämen braucht ihr euch meiner mcht mehr!* An den Dater hatte sie nicht mehr geschrieben. Stefan hatte ihr gesagt:„Laß das man. ich weiß Bescheid, noch ist es ganz umsonst. Ich werde erst mal hinfahren und bei dem Alten sondieren.* Aber bis jetzt war er noch immer nicht bingefahren. Ob der Vater noch immer so bose war? Wenn sie das Geld gehabt hätte, so wäre sie zu ihm gefahren. Sie hatte oft das Gefühl, er denkt doch sehr an dich, er liebt dich «och immer. Ach, wie traurig mochte es dem alten einsamen Mann zumute fein! Run sie selber ein Kind liebte, wußte sie ganz genau, wie es in ihm aussehen mochte. Gerade in der letzten Zeit, da sie bei der Lehmann manchen Tag das Kind schlecht versorgt wiederfand,— die Frau hatte es nicht gereinigt, auch vergessen, ihm die Milch warm zu machen. stiegen sehnsüchtig« Wünsche in ihr auf. Wenn sie ihre kleine Eva hinbrächte, deren Fingerchen anklopfen ließ« an der ihr selber verschlossenen Tür?! Sie mußte jetzt so viel, so sehr viel an ihren Vater denken. Ein so frommer Mann. und. war es möglich, ein so harter Mann?! Wie reimte sich das zu- sammen, Kirchengehen und dann Nicht-verzeihen-tönnen? Herb lächelte sie. und«ine Erbitterung setzte sich fest in Ihr gegen das, was sie Religion nannte. Rein, es fiel ihr gar nicht ein. in die Kirche zu laufen, zur Messe zu gehen oder zur Beichte. Das erschien ihr jetzt als unnötiges Getue. Da blieb sie Sonntags lieber ein bißchen länger liegen und schlief sich endlich einmal aus und brachte dann nachher das Kmd an die Luft. Ihr Glauben an einen barmherzigen Gott war zu stark erschüttert, und nichts belebte den mehr. Die Lust der großen aufgeklärten Stadt atmete sie ein und die Nüchternheit der Arbeitsstube, wo alle Konfessionen neben» einander saßen— aber Konfessionen, die selber von sich nichts wußten— diese tägliche graue Lust, in die kein Glockenklang drang, und vor allem nichts vom Dust des katholischen Ritus umgab sie. Wenn ihre Gedanken zurückirrten in jene Zeit, in oer sie allabendlich ihre Hände gefaltet hatte, lächelte sie bitter: das nützt« ja olles nichts, Gebete waren Wünsche, die sich nie erfüllen. Statt die Hände zu fallen, mußte man sich mit ihnen wehren: sie schob all« weichen Retzungen von sich. Und doch wurde sie weich, als an dem nächsten Sonntag, an dem sie zu Wilkonsstis kam, der Bruder ihr einen Brief zeigte, den er in dieser Woche vom Dater erhalten hatte. Darin fragte der Bater zum erstenmal wieder nach der Tochter: „Wie geht es Olga? Es wäre mir lieb, wenn Du mir bald ausführlich schriebest, was Du über sie weißt. Ich denke jetzt manchmal, ich bin doch zu hart gegen sie gewesen: in meinen Gedanken war icb es ja nie, aber ich hätte ihr antworten sollen.* Olga liefen die Tränen übers Gesicht.„Ach, der Bater,* schluchzte sie. Und mit einem Mal stand er vor ihr mit seinem kleinen fastigen Gesicht, mit dem dünnen grauen Haar, mit dem etwas gebeugten Rücken, und den Augen, die schon recht müde und eingesunken waren. Ach, wenn sie doch hin zu ihm könnte! Sie beschloß, ihm aber jetzt gleich zu schreiben. Und doch wurde sogleich nichts daraus. Der Alltag kam wieder und das gehetzte Aufjagen am Morgen und das er- schöpfte Hinsinken am Abend. Und dann das Schlimmste: die Lehmann wollte auf einmal die kleine Eva nicht mehr bei sich behalten. „Ich kann das nich mehr,* behauptete sie.„Ich bin zu müde, um Kinder zu warten.*___________. „Aber meine Eva ist doch so artig, die macht doch gar keine Mühe!* Olga hatte in Gedanken das Kind fo oft von hier weggewünscht, nun sie aber den Platz verlieren sollte, packte sie die Angst. Sie hatte auch ja noch nichts Besseres, und «o fand sie das auch? Sie faßte die Hände der Alten:„Ach, Frau Lehmann, tun Sie mir das nicht an! Ich will ja gerne mehr geben, soviel ich irgend kann— alles, was ich verdiene. Behalten Sie doch die Eva!* „Ich denke nicht dran." Die Alle versteifte sich eigen- sinnig.„Ich bin zu müde, um Kinder zu warten. Ich bin überhaupt zu müde. Der verfluchte Kerl von'nem Polizeier schielt immer nach mir. Ich ziehe weg.* „Dann können wir ja mitziehen, das ist doch kein Grund.* „Nee, nee.* Die Lehmann schüttelte den Kopf und sieh [ich auf nichts weiter mehr ein. Sie räsonierte nur unoer- tändlich in sich hinein. Olga ging mit schweren Gedanken zu ihrer Arbeit; über der vergaß sie sich ein wenig. Sie hatte an eine? großen Tollette zu tun für eine Dame, die ihr reizend und liebenswert vorkam. Als die Dame anprobierte, hatte die Direktrice die Arbeiterin rufen lassen, damit diese selber sah, wie das sitzen mußte: schlank und prall überall, kein Fältchen werfen auf der schönen Büste.„Das ist längst nicht akkurat genug." tadelte das Fräulein,„Sehen Sie mal, an der rechten Seite spannt sich die Seide viel zu sehr. Was haben Sie denn gemacht? Warum messen Sie denn nicht besser? Beide Sellen müssen doch egal fein.* Der Ton war sehr unfreundstch, die Direktrice spielte sich auf. Olga bekam einen roten Kopf. Sie wußte, sie war sorgfälttg gewesen, aber sie sagte nichts, sie bückte sich, um Stecknadeln aufzuheben. Da sagte die Dame mit einem so liebenswürdigen Lächeln, daß Olga ihr Beleidigt- fein vollkommen vergaß:„Da dürfen Sie dem Fräulein keine Vorwürfe machen, Fräulein Helbling, es ist meine Schuld. Meine rechte Hüfte ist bedeutend stärker als die linke. Das kommt vom Kindertragen. Ich habe meine kleine Lilly so viel herumgeschleppt. Das Fräulein hier hat ihre Sache tadel- los gemacht.* Und ein so freundstcher Blick traf die Arbeiterin, daß sie ihn wie Sonnenschein empfand. Olga dachte an diesen Blick, an dieses Lächeln der schönen Frau bei der mühsamen Arbeit. Sie gab sich ganz besondere Mühe und arbeitete mit Anspannung, mit einer Hingabe an die Arbeit, wie sie diese nicht immer in gleicher Weise aufbrachte. Sie war abgelenkt. (Fortsetzung folgt.) beitervertretern( 1), zusammenzugehen. Wenn diese gute Gelegen. Tegen- DUTO Die heit, diesen guten Wahltrid propagandistisch auszuschlachten, richtig verstanden wird, dann wird die KPD. einen riesigen Stimmenzu was haben. Denn wenn man auch die verbissenen und verbohrten Sozialdemokraten nicht für die KPD. gewinnen tönne, so sei doch flar, daß unter dem schwankenden Stimmvich noch viele Tausende von Stimmen für die KPD. zu gewinnen feien." Die obigen Darlegungen beweisen, daß Ihr Angebot absolut unehrlich ist. Einbrecherpech. Die verräterischen Fingerabdrüde. Der Berhandlungsraum des Schöffengerichts Berlin- Mitte war faft zu flein, um die Zahl der Angeklagten zu faffen, die alle in einen der größten Einbrüche der letzten Zeit verwickelt waren. Nicht weniger als 13 Personen, darunter 4 Frauen, mußten fich megen gemeinschaftlichen schmeren Diebstahls, wegen Begünstigung und wegen Hehlerei verantworten. Die Kühnheit und die Unverfrorenheit der Täter hatte damals großes Aufsehen erregt, waren boch schon für ungefähr 10000 Mart Silberwaren in dem bekannten Geschäft L. Posen w., Unter den Linden, im Hause des Hotels Bristol, zusammengepact. Nur ein arges Mißgeschic, das den Einbrechern im letzten Augenblick zuftteß, war baran Schuld, daß nur ein geringer Teil der Beute in Sicherheit gebracht werben fonnte. Die drei Haupttäter, Wiese, misit und Füchter, find der Polizei schon lange als schwere Jungs" befannt, hier hatten sie ihr Meisterstüd gemacht. Wiese und Füchter stellten eines Tages bei einem ihrer Batrouillengänge" fest, daß die Wand, die das Blumen geschäft Rothe Don dem Silberwarengeschäft 2. Posen Ww. trennte, doch eigentlich recht dünn wäre. Sie zu durchbrechen und so von einem Laden in den anderen zu gelangen, fonnte für solche Spezialisten", wie sie es waren, teine allzu große Mühe machen. Als es beiden gerade recht schlecht ging, traten fie dem Gedanken sofort näher, durch einen verwegenen Einbruch ihre finanzielle Lage bedeutend zu verbessern. Weitere Feststellungen ergaben, daß das Schloß der Eingangstür zum Blumenladen durch aus nicht allerneuester Ronftruftion war, Abbrud und Nachschlüffel maren bald hergestellt. Jegt wurde in der Person des misit noch ein besonders schlanker Mensch gewonnen, der bazu ausersehen war, durch den Durchbruch vom Blumengeschäft zum Silbergeschäft hin durchzuschlüpfen. Alles gelang überraschend gut und schnell. Die fühnen Ein- und Durchbrecher statteten der Firma Rothe ihren ungebetenen Besuch ab, durchbrachen die dünne Wand und Misir zwängte sich durch das entstandene Loch in die Räume der Firma Bofen. Hier traf er sorgfältige Auswahl unter den vielen filbernen ift Zuxust plisa Die Semmel ist Luxus! Ein Schildbürgerstreich der Breslauer Bädermeister. Ein interessantes Beispiel vom Kampf um den Preisabbau wird aus Breslau berichtet: Die dortige Bäderzwangsinnung hatte den Preis für eine Semmel im Bertaufsgewicht van 70 Gramm auf 5 Pf. festgesetzt. Der Inhaber einer dortigen Wiener Dampf bäderei und Konditorei aber verkaufte dieselbe Semmel in seinen Läden zum Preise von 4 Pf. Daraufhin drohte ihn die Bäckerinnung zu bontottieren. Eine Anzahl von Bädermeistern wollte einen Kampffonds Sammeln und vor die Türen seiner Läden Straßenhändler vorfahren lassen, die auf Kosten der Innung Semmel für die Hälfte des Preises verkaufen, um dem betreffenden Bädermeister seine Eristenz unmöglich zu machen. Besonders interessant für die Deffentlichkeit sind die Gründe, mit denen Obermeister Loge, der zugleich Stadtrat in Breslau ist, den Ausbrecher zu veranlassen suchte, seine Preise benen der Innung anzupassen. Einige dieser Gründe seien im nachstehenden furz festgehalten: 1. Die Innung geht bezüglich der Gemmelpreise von dem Standpunkt aus, daß Semmel ein Lupusgebäd ist, das nur für bie bemittelte Bevölkerung in Frage tommt; der Arbeiter tann Brot essen, das im Preise zeitgemäß billig ist. 2. Bei Einführung der 4- Pf.- Semmel müßten die Bäcker mehr Bente einstellen und dadurch mehr arbeiten, was sie durchaus nicht mollten. 3. Die Bäder müßten durch den 5- Pf. Preis für die Semmel neue Reserven schaffen. Konditorzeitung" in ihrer Nr. 44 einen Beschluß des Bezirksvereins Im Anschluß daran brachte die Schlesische Bäder und Konditorzeitung" in ihrer Nr. 44 einen Beschluß des Bezirksvereins Strehlener Tor in Breslau, der sich dahin ausspricht, daß es immer noch besser sei, ein paar Gemmeln weniger zu baden und den 5- B- Breis hochzuhalten als die Preisunterbietung mit bem 4-3- Bertauf. Auch von der Sammlung eines Kampffonds ift darin die Rebe. Dieses Beispiel beweist nur zu deutlich, auf welche Weise auch heute noch ein Teil der Innungen preisverteuernd wirft und Don welchen Motiven sie dabei ausgehen. Wie verlautet. hat sich die Bäderinnung Breslau infolge der Konkurrenz dieses Außenseiters, der über eine Reihe von Läden verfügt, inzwischen genötigt gesehen, ihre Breise für Semmel auf 4 Bf. herabzusehen. Wie mir hören, werden sich im übrigen die zuständigen Behörden des Näheren mit bem Borgang befassen. Sturm auf dem Atlantischen Ozean. In Hoboten lief der Lloyddampfer Bremen", vom Sturm start beschädigt, ein. Von den Passagieren waren sechs schwer verlegt. Tabletts, Galen und 3igarettenetuis. Sämtliche Parteinachrichten Sinfendungen für diefe Rubrik find Berlin 68. 68, Sinbenftraße 3. für Groß- Berlin flets an bas Beatrislefretariat. 2. Sof, 3 Erev. rechts, au richten ausgesuchten" Gegenstände reichte M. durch die Deffnung feinen Rumpanen herüber, die sie gut und ordentlich einpadten. Es war mittlerweile langsam Tag geworden, die Beute sehr reichhaltig, bie fühnen Eindringlinge fonnten fich also befriedigt auf den Rüdweg machen. Da, wie sie die Tür des Blumenladens mit dem felbft angefertigten Schlüffel wieder öffnen wollen, brach dieser im Schloßfhnellstens dem Rommunalen Gefcetariat fchriftlich oder telephonisch( Donab fie waren gefangen! Kurzes Ueberlegen. Es blieb nur ein usmeg! Durch das Loch zurüd in bas Silberwarengeschäft und pon fort mit Gewalt heraus. Wiese, der nebenbei ein fleiner Rise" ist, fonnte erst nach Ausbau der Deffnung in den anderen Baben tommen, schaffte es aber schließlich doch mit Hilfe seiner Ge fährten. Und nun brachten es die Bermegenen fertig, am hellen Morgen mit Bateten beladen im Hause des Hotels Bristol aus dem Silberwarengeschäft ungehindert ins Freie und in Sicherheit zu gelangen. Einen großen Teil der Beute mußten fie natürlich schweren Herzens zurüdlaffen. Das follte ihnen zum Berhängnis merden. Außer misit hatten alle als moderne Einbrecher mit Handschuhen gearbeitet, von ihm aber fand die Polizei Fingerabbrüde an den zurückgelassenen Beutestücken und tam so auf die Spur der anderen guten Bekannten". In der Berhandlung waren sie geftändig, Misit wurde aber plöglich von Krämpfen befallen, die so heftig waren, daß das Berfahren gegen ihn abgetrennt werden mußte. Unter den wegen der Hehlerei ber Silberwaren Angeklagten gab es viel Widerspruch und es mag tahingestellt bleiben, ob nicht mancher von ihnen wirtlich im guten Glauben gehandelt hat. So wurden denn auch drei der Ange flagten freigesprochen, die anderen erhielten Geldstrafen von 500 bis zu 50 m. herab, zu Gefängnisstrafen von 8 und 3 Mo naten wurden dann noch zwei von ihnen verurteilt. Auch mit den Haupttätern verfuhr das Gericht nicht allzu streng, megen gemeinschaftlichen schweren Diebstahls murde Otto Wiese zu 1 Jahr und 5 Monaten 3uchthaus, Füchter zu 2 Jahren Gefängnis verurteilt. Ein Fischdampfer geftrandet. Reyfjavil, 11. November.( BTB.) Der Fischdampferans Don Frizebue" aus Geestemünde ist außerhalb Staftafell gestrandet. Die gesamte Befagung fonnte gerettet werben. Eisenbahnunglück in Amerika. New York, 12. November.( WIB.) In der Nähe von Blains. borough( New Jersey) fuhr ein Personenzug der Pennsyl Danischen Eisenbahngesellschaft infolge dichten Nebels auf einen anderen Bersonenzug auf. Soweit fich bis jetzt feststellen läßt, murden drei Personen getötet und etwa 25 verlegt. Die beiden letzten Wagen bes vorderen Zuges wurden ineinandergeschoben und die schlafenden Baffagiere unter den Trümmern begraben. zu ihrer Befreiung wurden die Eisenteile der Wagen mit Azetylen gebläse durchgebrannt. Achtung, Bezirksverordnetenfraffionen der SPD.! Die Abreffen der neu oder wiedergewählten Fraktionsvorkenden find boff 5086) mitzuteilen. 13. reis Tempelhof, Mariendorf, Marienfelbe, Sidhtenrabe. Am Sonnabenb, ben 14. Rovember, nachmittags 3 Uhr, Führung der SBD.- Frattion durch bie stäbtische Gärtnerei und den städtischen Friebbof. Breffpunkt nach mittags 8 Uhr vor dem Friedhof Germaniafinage. Heute, Freitag, den 13. november: 38. L. Berbe abenb Rarten aum Sichtbilbernortrag abholen. Die Besize 161 unb 189a, b, e bei Döring: bie anberen Beginie bei Miller, Friedrichsberger Str. 6, s. 2 r. Abt. 124a Mahlsborf- Sib. Sonnabenb, ben 14. November, abends Uhr, im Sobal von Diet. Uhlandstr. 18, Revolutionsgebentfeier. Feft tebe: Genoffe Adolf Sirsch. Mufit und Gefangporträge. Eintritt frei. Bezirksgruppe Berlin ber Arbeitsgemeinschaft fogialdemokratischez Behrer und Lehrerinnen Deutschlands. Sonnabend, ben 14. Rovember, 6 Uhr, im Gigungsfaal ber Bezirksverordneten Kreuzberg. Dordtr. 11, Bortrag bes Oberflubienbirektors Genoffen Dr. Rarfen über Die ruffischen Schulen". Rad dem Beschluß vom 27. August 1925 muß fich jeder durch das Mit gliebsbuch legitimieren. 13. bt. Sonntag, den 15. November, Besichtigung der Ronfumanlagen in Lichtenberg. Treffpunkt pünktlich vormittags 9 Uhr Bhf. Butligstraße. * Jungfozialisten. Gruppe Mitte: Seute, Freitag, 8 Uhr, In der Style Gips ftraße 23a, politifche Aussprache. Beitung Reinhold Otto. Gruppe Ren Tölln II: 8 Uhr Ausfprache über Gruppenangelegenheiten im Jugendheim Rogat frake 11/12 Achtung! Arbeitsausschukkigung heute, Freitag, pünktlich nach mittags 5% Uhr, im Distutiersimmer bes Jugendheims Linbenftr. 3, 2. Sof, 3 Steppen Husweis: Mitgliedsbuch. Elternbeiräte. Gonnabend, ben 14. Stonember, im Bezirksamt, Dordite. 11, berichtet Gensile Rarfen über seine Rußlandreife und bas ruffifche Schulwefen. Ausschuß der Abteilungs- Mietervertreter. Sente, Freitag abenb 7% hr bel Dobroblam, Swinemünder Str. 11, wichtige Gigung. Sterbetafel der Groß- Berliner Partei- Organisation 93, bt. Neuron. Unfer Abteilungstaffierer, Genoffe Sans Frente, ift verstorben. Einäfcherung am Sonnabend, den 14. Rovember, nachmittags 12% Uhr, im Krematorium Baumschulenweg. Vorträge, Vereine und Verfammlungen. Reichsbanner Schwarz- Rot- Gold". Gefa& ttstelle: Berlin G. 14. Sebaftianfte. 57/38. Sot 3 St. Friebrichshain: Sonntag, ben 15., vorm. 9 Uhr, Petersburger, de föneweibe, Johannisthal: Sonntag, pen 16., nadm. 12% Uhr, Antreten Warschauer Straße, sur Besichtigung ber RG. Ober, Niebez Bauptportal hf. Rieberfchöneweibe- Johannisthar. Abfahrt 12.43 Uhr nach Bilbau. Sennigsborf: Sonntag, ben 15., vorm, 8 Uhr, Antreten Bereins. beim Wolter aum Propagandaumaug nach Betten. Pflichtveranstaltung. Mahnen br som Rafino. Auswärtige Kameraben benuken ben Aug 12.43 1hr das mitbringen. Bilban: Sonntag, ben 15., Eotengebentfeier. Abmarsch nadm. Rieberichöneweibe. Ueber 900 000 Rundfunkteilnehmer in Deutschland. Am 1. No vember find im ganzen Deutschen Reich 918 600 angemeldete Rundfuntteilnehmer gezählt worden; am 1. Oftober waren es 872 700, jo baß man eine Zunahme um fast 41 000 Teilnehmer verzeichnen darf. Das entspricht einem täglichen Suwachs Don etwa 1300 Zeilnehmern im Ottober. Mach diefem bedeutenden Anstieg ist zu rechnen, baß der deutsche Runder, 37. Stiftungsfeft im Sotel ,, Deutscher Sof", Sudauer Str. 15. Sandsleute funt zu Weihnachten das Feft seines millionsten Teilnehmers feiern fann. Ferntabel Frankfurt a. M.- Bajel. Zur Erleichterung und Bejchleunigung bes Fernsprechpertehrs zwischen Nord- und SüdDeutschland und darüber hinaus mit der Schweiz und Italien legt die Reichstelegraphenverwaltung zwischen Frankfurt und Bafel ein neues 98 paariges Rabel, das auf der Leil ftrede Frankfurt- Karlsruhe schon seit längerer 3eit mit vorzug lichen Ergebniffen in Betrieb ist. Auf der Anschlußftrede taris. ruhe- Basel sind noch die Verstärkerämter in Bau. Im Bedarfs falle fann bas tabel auch für den Telegraphenverfehr verwendet merben. Absturz italienischer Militärflugzeuge. 3wei italienische Militär. flugzeuge, die von einem Fluge aus Nordeuropa zurüctehrten, wurden beim Ueberfliegen der Alpen am Splügenpaß von einem Schneesturm überrascht. Bei der Notlandung wurden beibe Flugzeuge 3erichmettert. Drei anfassen wurden schwer und zwei leicht verlegt. Ein englisches U- Boot vermißt. Die englische Admiralität gibt bekannt, daß das Unterseeboot M 1, bas an einer Gefechtsübung teil. nahm, vermißt wird. Es wurde zuletzt 15 Meilen füdlich seines Auslaufhafens in Devonshire beobachtet, als es im Begriff war, zu tauchen; feitdem ist es nicht mehr gesichtet worden. Es werden alle Anstrengungen gemacht, um den Verbleib des Fahrzeuges ausfindig zu machen und mit ihm in Berbindung zu treten. ube, Ronditorei Dobrin, Sadefcher Martt, Uebungsabenb. Deutscher Esperanto- Bunb, Ortsgruppe Berlin. Feeltag, den 18. November, Gäfts will tommen. Berein bez Schleswig- Holsteiner( gegr. 1888). Gonnabend, ben 14. Nopem Gäste willtommen. Allgemeiner Erfinber- Schukverbanb, c. B., Six Berlin. Bortragsabend am Sonnabend, ben 14. November, 8 Uhr, in Cwalds Bereinshaus in Berlin, Staliker Str. 126( am Rottbuffer Tor). Schriftsteller Otto Wiesner foridht über Batentgefehe und Datentverwertung". Neue Mitglieber werden aufgenommen. Fortschrittliche Berkehrstechuit, e. B. Borttag des Ing. Liebig über 27 Das Rundfunkprogramm. Freitag, den 13. November. Außer dem üblichen Tagesprogramm: 4.30-6 Uhr nachm.: Nachmittagskonzert der Berliner Funk kapelle. Leitung: Konzertmeister Ferdy Kauffman. 6.40 Uhr abends: Zehn Minuten für die Frau. 7 Uhr abends: HansBredow- Schule( Bildungskurse). Abteilung Gartenbau. Gartenbandirektor Meermann: Der Gemüsegarten. Teil. 7.25 Uhr Krankenhäuser". 7.50 Uhr abends: Hans- Bredow- Schule( Bildungsabends: Professor Dr. Hoffmann: Die Bedeutung der Berliner kurse), Abteilung Musikwissenschaft. Geh. Reg.- Rat Prof. Dr. Max Friedländer: Das deutsche Volkslied. 4. Vortrag. 8.30 Uhr abends: Orchesterkonzert. Unter Mitwirkung von Prof. Leonid Kreutzer, Klavier, und Sabine Meyen, Sopran. Dirigent: Bruno Seidler- Winkler. I. Teil. Einleitende Worte: Rudolf Kastner, Brahms: D- Moll- Konzert( Leonid Kreutzer, Flügel). Il. Teil. 1. Schubert: Ouvertüre zu, Rosamunde". 2. a) Mozart: Da schlägt die Abschiedsstunde, Arie aus der Oper Der Schauspiel direktor", b) Donizetti: Arie der Norina aus der komischen Oper Don Pasquale( Sabine Meyen). 3. Liszt: Rhapsodie Nr. 2. Berliner Funkkapelle. Anschließend: Dritte Bekanntgabe der neuesten Tagesnachrichten, Zeitansage, Wetterdienst, Sportnachrichten Theater- und Filmdienst. | Binchotechnische Prüfung von Kraftfahrzeugführern" am Donnerstag, den 19. Novemberg, 8 Uhr, Rollendorf- Rafino, kleiftftr. 41. Eintritt für jeder mann frei. Berliner Arbeiter- Schech- Klub, Mitgl. b. DAG. An Mannschaftskämpfen tommen Sonntag, ben 15. November, folgende Treffen zum Austrag: Jn der A- Gruppe: Westen- Gesundbrunnen bei Grimm, Reue Rulm, Cde KaiserFriedrich- Straße: Nordwest- Webbing II in ben Arminiushallen, Bremer Straße 72: Charlottenburg- Lichtenberg bei Gottschalt, Bismardstr. 57. Sn der Giben- Gudweit bei Sadbarth, Mustauer Str. 10: Norben- Weißenfee bei D- Gruppe: Charlottenburg- Gesundbrunnen bei Gottfalt, Bismardftr. 57; Rath, Tegeler Str. 23: Schillerpark- Friedrichshain bei Rofenow, Transpaler nachmittags 3 Uhr, einen Werbetag im Spiellobal von Kell, Neukölln, BannierStraße 6. bt. Reukölln II veranstaltet am Sonntag, ben 15. November, ftraße 40, wozu Gäste herzlichft eingeladen find. Schachfreunde Johannis thal: Gonntag, ben 15. November, vormittags 10 Uhr, int Restaurant Botha, 3ohannisthal, Stubenrauchftt. 12, Wettkampf, Bilkturnier, Gäfteturnier, Einführungsoortrag über Entstehung und Bedeutung des Schachspiels für bie cbeiterschaft". Gäfte und Intereffenten find freundlichst eingeladen. Bund religiöser Sozialisien. Am 14. und 15. November findet im Saal 12 des Preußischen Landtages die 3. Sauptversammlung statt. Sonnabend, Beginn 3½ Uhr: Geschäftsbericht, Pressebericht, Sagungsänderungen, BorftandsBeginn 9% Uhr: Proletarische Feierftunde. Rebner Brof. Karl Schmidt- Berlin. Die Stellung des B. t. 6. ur Kirche, Referent Prof. Dr. Sie. BiechowskiBerlin. Die religiöfen Sozialisten zum Problem der Wirtschaft, Referent Göring- Berlin. Die religiöfe fozialistische Bewegung im Rufammenhang mit ber geistigen Kultur der Gegenwart, Referent Brof. Ecfert- Merseburg. Alkohol und Tabat, Ref. San.- Mat Dr. Juliusburger- Berlin. mahl: ab 7 Uhr Begrüßungsabend der Ortsgruppe Berlin ebenda. Sonntag, Arbeitersport. Sonntag, den 15, November. 1. bt.: 14. Nov.; Seiterer Abend der 2. übt. Arbeiter- Radfahrer- Bunb Solibarität", Detsgruppe Berlin. Touren file Im Gewerkschaftshaus; 15. Nov., 6 Uhr: Gemütliches Beifammensein bei Arndt, Bauhener Str. 10; 18. Slov., Buking: Saveltour. Start 9 Uhr. Abends Lichte bildervortrag, Friesenfte. 13. 2. bt.: 14. Rov., abends 7½ Uhr: Seiterer Abend im Gemertidatishaus, Engelufer 25, Großer Gaal: 15. Ron., nachmittags 3 Uhr: Marienfelde. Start Dieffenbadyftr. 36: 18. Nov., Bußtag, vormittags Sidtbilbervortrag, Friefenftr. 13. 8. bt.: Streifzüge burdy den Often, End10 Ubr: Streifzüge burch den Grunewald; abends 6 Uhr Abteilungsfikung und ziel Sitschgarten( Reller). Start 1% Uhr: 18. Nov., Bußtag, 5 Uhr: Abteilungs fisung: um 8 Uhr Fidelitas. Start Saufiger Blah. 5. Abt.: 1 Uhr Raulstorf Süd( Sanssouci); 18. Nov., Buktaa, 10 Uhr: Brenden. Start Landsberger tea. 7. bt.: 1 Uhr am Start Rolonieitt. 146. 8. abt.: 15. Nov.: JohannisBlag. 6. Abt.: 1 Uhr Bittenau( Eberhardt); 18. Nov., Bugtag: Gaujugendthat( Beta). Start 1 Uhr. 18. Nov., Buktaa, 12% hr, Gemerfidaftshaus: Gaujugendtag: abends 81 Uhr Abteilungsfigung. Neuwahl. Start Waldenfer ftraße 19. 9. Abt.: 15. Nov., 121 Uhr: Bohnsdorf: 18. Nov., Buking, 1 Uhr: Streifallge durch den Grunewald, Endziel Rehlendorf, Karlstr. 12. Start Schultraße 114. Ortsgruppe Reuföln: 1 Uhr am Start bei Fleiß. Saale, Ede Canner Straße. Touristenverein. ,, Die Naturfreunde", Ortsgruppe Berlin( Rentrale Wien). Sonntag, den 15. November, im Mitersheim Danziger Str. 62( Baradenfuſe), Bichtbildervortong: Cine Wanderung durch die Mart Brandenburg".( Musik, Gefang, Rezitation.) Beginn 7 Uhr. Cintritt 50 Bf. Dienstag, ben 17. Sto vember, Schulaula Elkholz, Ede Ballasstraße, Bortvag: Rörperkultur". Be ginn 7% Uhr. Naturfreunde- Ausstellung vom 15. bis 22. Rovember im Schulmufeum, Gbaschreiberftr. 54. Geöffnet wochentags von 6-9 Uhr abends, Sonntags und Buktag von 11-8 Uhr nachmittags: Geologie der Mart, Botanit, Aus der Bewegung, Bhotos, Wandern, Süttenbau, Raditultur, Bücher. Eintritt frei. Abt. Charlottenburg: Freitag, den 18. November, 8 Uhr abends, im Seim Saefelerftr. 16b( eftend), Lichtbilbervortrag über Thüringen und ber Rennftieg". Kellerjammlung. Sonntag, den 15. November, Wanberung: Roffen- Speerenberg. bf. 7.18 Uhr Botsb. Ringbbf., Vapeſtraße 7.27 Uhr. Gäste miltommen. Abt. Treptow: Beute abend 8 Uhr im Sugendheim Treptow, Elfenste. 3, Bortrag des Genoffen Abolf Lau über Die Stonembertebolution". Gästa willfommen. Ortsgruppe Berlin: Sonntag, ben 15. Rovember, Motinwanderung nach Roffen. Anf. 7.25 Uhr Botsb. Ringbhf. Montag, den 16. November, abends 8 Uhr, im Jugendheim des Oftens, Große Frankfurter Str. 16, 8immer 5, Uebungen im Bromölbrud. Freie Turnerschaft Rentöln- Brig. Frauen- Musterflaffe: Begen Umbru unferer Salle findet ber nächste Turnabend in der Halle ber Mädchenmittel. fchule, Donaustraße, Montag, den 16. November, 8 Uhr, ftatt, 10. Kreis, Schwimmerfparte. Die für Sonnabenb, ben 14. Rovember, angefekte Schwimmwarte- Behrfhunde muk umständehalber ausfallen und findet beftimmt am Sonnabend, ben 28., unb Gonntag, den 29. November, ftatt. Den Bereinen geht noch nähere Nachricht zu Gonnabend, den 14. November, Gigung der Technischen Rommiffion im Lotal von Edöneich, Berlin- Treptow, Soffmannstr. 17. Rorbgruppe bes 4. Bezirks( Arbeiter- Turn- und Sportbunb). Sonntag, ben 15. November, Werbefeft für ben neuen, non der Deutschen Turnerfchaft übergetretenen Gruppenverein in Glafom bei Mahlom. Programme: 3-4 Uhr Sandballspiel, ab 4 be Saalootführungen. Alle Gruppenvereine werden unt Unteritilgung erfucht. Fahrgelegenheit mit ber Roffenter Bahn ab Botsdamer Ringbahnhof oder Bapeftraße 1% br. Bezirk( Arbeiter- Sun and Sportbund). Wegen der Berlegung des Rreistages auf den 6. Desember findet bas Gerätemetturnen 8 Tage später ftatt. Meldungen bis 6. Dezember an M. Reilinger, Schöneberg. Cbersftr. 30. Arbeiter Sportkastell Charlottenburg. Sonnabend, ben 14. Sovember, abends 8 Uht, Kartellfhung in der Barade Rofinenftraße. Befpredung; die Propaganda au dem Film ,, Die neue Großmacht". Es ift notwendig, daß die Borstände mit erscheinen. Der Sportklub Roter Stern" ist besonders eingelaben. Das Arbeiter- Sportkarten Ablershof veranstaltet am 20. November im Lobal von Wölfftein feinen diesjährigen Winterwerbeabenb. Wir erfuchen bie Brudervereine fowie die Arbeiterschaft um rege Unterfügung. Anfang 71 Uhr. Athletik- Sport- Club, e. B., Berlin. Sodeyabteilung Bu der am Sonnt bag, den 22. November, nachmittags 5 Uhr, bei Ritichte, Biftoriogarten in Treptow, ftattfindenben Gründungsfeier der Sockenabteilung des ASC. Laben wir alle Brudervereine heralichst ein. Segel- Club Fraternitas". Am 18. November Herrenpartie nach MelchowSchwärzefliek- Eberswalde. Treffpunkt 74 Uhr früh Bhf. Gesundbrunnen ( Fahrkartenschalter). Um rene Beteiligung wird gebeten. Gäfte willfommen. Bereinswettstreit im Gewichtsheben. Der GC. Berolina veranstaltet ant Freitag, den 13. November, in feiner Turnhalle Neukölln, Thomasitraße, feinen diesjährigen Bereinswettstreit im Gewichtsheben. Beginn 8 Uhr. Sport. Rennen zu Mariendorf am Donnerstag, den 12. November. 1. Rennen. 1. Duift quaft( M. Lemzer), 2. Sbbing I( G. Jauß), 3. Belwin( E. Treubers). Toto: 25: 10. Plat: 18, 59, 70: 10. Ferner liefen: Donar, Edelsteins Sobn, Landmesser, Eitelfried, Weinbrand, Franlet, Cilento, Konstanz, Hildburg, Karta, Ropele. 2. Rennen. 1. Mixer( Ch. Mills), 2. Roninsabler( B. Lautenberger), 3. Benus( E. Treuberz). Toto: 11:10. Blat: 12, 21, 51: 10. Ferner liefen: Stuba, Echwarzwaldmädel, Barmaid, Bessie, Langemann, Doris, Good Boy, Barillia D., Elie B., Lodung. 3. Stennen. 1. Tell( Bubrmefter), 2. Karneval( 3. Mis), 3. Aberglaube( Dedert). Zoto: 116: 10. Blas: 20, 13, 24: 10. Ferner liefen: Heimann, Lilac, Michelangelo, Stapellmeifter. 4. Rennett. 1. Fiametta( Ch. Mills), 2. Delta( R. Großmann), 3. Karl Alegander( F. Schmidt). Toto: 41: 10. Plat: 18, 20, 21: 10. Ferner liefen: Filmbiva, Dreise Anvil, Razbach, My Darling, Fistus, Billh I, Marne, Coriolanus, Gadiac Arworth, With A., Angriff, Indianer, Jeffries jun., Franzisto. 5. Nennett. 1. Edith Worthy( B. Hedert), 2. Brogreb( F. Schulz), 3. Alice Root( Ch. Mills). Tots: 27: 10. Plat: 15, 27: 10. Ferner lief: Trotteur, 6. Stenen. 1. Starlata( Ch. Mins), 2. Johannistäfer( Großmann), liefen: Elfchen, Frechheit, Berdun, Simpler. 3. Alpenfer( M. Ringius). Kots: 18:10. Blag: 14, 21, 84: 10. Ferner 7. texnen. 1. Fenelon( E. Elias), 2. Handfeft( üdert), 3. Ihm beil fonne, Kronpring I. Baron Sregantle, Bainsca, Blaumeije, Broschüre, ( Rösler). Toto: 69: 10. Blag: 23, 28, 120: 10. Ferner liefen: HöhenCoriolanus, Flora Bingen, Budmill I, Seideroje B., Lump, Linslo, Weinminge, First, Scideprinz I, Erzellenz, Jeffries jun. 8. ennen. 1. Mantua( Stnopnadel jun.), 2. Sellina( G. Jang), 8. Terraria( E. Treubers). Toto: 24: 10. Plat: 12, 16, 15: 10. Ferner liefen: Stronsbeere, Ditmart, Sonntagspring, Prinzeß Biftoria B., Mocuna, Mantua St., Morgenlust, Friedrichsdor, Drientale, Kreuzritter, Draga Watts, Abbell, Cirano, Kletterioje, Crispa. Geschäftliche Mitteilungen. Friebrich Raybler, bee Lebensfünfter. Stach bem Gufolge bes gille- ims Die Berrufenen( Der fünfte Stand)" erscheint als nächster National Film Ein Lebenstünstler" nach dem Drama Don Richard Boß( dem Autor vont Awet Menfchen). Friedrich Rankler bietet in der Stolle eines Grandfeigneurs und Lebenstiinftlers feffelnde Charakterstudien mit Erno Morena als Gegent ( pielerin. Olaf Flors und Grete Mosheim, Friba Richard, Paul Bildt. Robert Garrison Bernotändigen die Belegung. Der film läuft aurzeit im BTL., Potsdamer Straße, mit großem Erfolg. Alle Magenleidenden tennen bas unangenehme, bebrüdende, aufgetriebene Gefühl nach dem Effen. Sie fennen auch die schlaflosen Nächte und das allge meine Unbehagen, welches so schwächt und niederdrüdt! Und doch weiß nicht jedermann, daß es in Biserirte Magnesia" ein schnell und sicher wirkendes Heilmittel gibt, obwohl sie einen Beltruf hat! Biferirte Magnesia" wirtt fast sofort; fie neutralisiert die schädliche, fchmerzerregende Säure. Sie ist zudem unschädlich und wird nicht zur Gewohnheit. 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Dieser Prozeß und die Vorgänge, die in zwei Generaloersammlungen der Hochbahn zu diesem Prozeß führten, haben das lebhafteste Interesse der Oessentlichseit hervor- gerufen. Daneben ging aber ein« Zeitlang eine ander« städtische Aktion, die sich auf den Ankauf der Hochbahn durch die Stadt bezog, vor etwa 14 Tagen hat ein« gemischte Deputation des Magistrats und der Stadtverordnetenversammlung die Ausübung des Ankaufsrechts abgelehnt. Nur die Kommunisten stimmten damals für die Ausübung des Ankaufsrechts. Die Grunde, die die städtische Devutation zu ihrem Beschluß veranlaßten, sind in der Oeffentlichkeit wenig bekannt geworden. Maßgebend für die Ent- scheidung war die Aussichtslosigkeit, auf Grund der Bestimmungen des Konzessionsoertrogs zwischen Stadt und Hochbahn zu einem wirtschaftlich erträglichen Preis die Bahn er- werben zu können. Es ist in der Tat ein unerhörter Skandal, wie di« frühere rathaus-freisinnige Berliner Verwal- tung ihre Verträge zwischen der Stadt und den großen Privat- gesellschasten abgeschlossen hat. Grundlegend ist der Vertrag vom 25. Iuni/18. Juli 18S5. Danach ist die Stadt berechtigt. 30 Jahre nach der staatlichen Genehmigung, erstmalig 1027 und dann in Ab- ständen vonzehn zu zehn Iahren die Hochbahn anzu- kaufen. Die Absicht zum Erwerb muh jedesmal zwei voll« Jahre vor dem Erwerbstermin erklärt werden. Ein Rücktritt ist nicht zu- lästig. Die Stadt hätte also jetzt zum 5. November ihre Absicht erklären müsten, am 5. November 1927 die Hochbahn zu kaufen. Äe am 5. November 1925 abgegeben« Erklärung wäre rechtever- biirdlich gewesen, die Stadt hätte nicht mehr die Möglichkeit gehabt, bei einer eventuellen Verschlechterung ihrer Finanzen von dem Ankauf zurückzutreten. Der Crmerbspreis ist der 25fache Betrag des durchschnittlichen Einkommens der letzten fünf Jahre. Unter Einkommen werden nach dem Vertrage verstanden die Ueberschüste, die als Aktienzinsen oder Dividenden verteilt werden, unter Hinzurechnung der zur Tilgung der Schulden od« des Grundkapitals«rr Verbesserung od« Ge- schöftsführung, sowie zur Bildung von Enwuerungs- und Reservefonds verwendcten Beträge. Das ergibt selbstverständlich«ine ganz ungeheure Kapitalsumme. Selbst wenn man an- nimmt, daß die Multiplizierung des im Vertrage als jährliches Einkommen bezeichneten Betrages mit 25 geändert würde, weil diese Multiplizierung mit 25 aus einer Zeit stammt, wo man mit einer vierprozentigen Kapitalvcrzinsung rechnete, also 25 mal 4 gleich dem Grundkapital war, selbst dann ergäbe sich immer noch eine unerhört hohe Summe. Im günstigsten»jalle könnte die Stadt bei Anrufung eines Schiedsgerichts damit rechnen, daß nicht der Multiplikator 25, sondern vielleicht ein Multiplikator zwi- schen 10 und 15 angewandt würde. Auch dann würde noch »ine sehr hohe Summe zur Bezahlung ausgewandt werden müssen. Diese Summe müßte die Stadt selbstverständlich aus dem Anleihe- wegc ausnehmen und zu den heutigen hohen Zinssätzen mU etwa 9 bis 10 Proz. verzinsen und amortisieren. Dabei ließen sich natürlich die jetzigen Tarif« der Untergrundbahn nicht halten. Eine Ilebernabme der Hochbahn unter diesen Bedingungen liefe daraus hinaus, daß die gegenwärtigen Aktionäre aus Kosten der Allgemeinheit ein unverhofftes Geschenk erhielten und daß die Benutzer der Hochbahn diese» Geschenk mit hohen Tarifen zu be- zahlen hätten. Für di« Ausübung des Opttonsrecht» auf Grund dieses skandalösen Beitrags hätte man nur stimmen können, wenn man zu den deutschen Gerichten das Zutrauen haben könnte, daß sie eine auf die veränderten Aeitverhältnists zugeschnittene Aus- lcgung des Vertrags zulassen würden. Daran ist bei dem Tharakter unserer Justiz gar nicht zu denken. Ucbrigens steht der Vertrag noch ausdrücklich vor, daß die vorhandenen Reservefonds der Stadt nicht ausgehändigt werden. Der Vertrag ist offenbar abstchllich so abgefaßt, daß aus Grund dieser Fassung ein Erwerb der Dahn durch die Stadt überhaupt nicht in Betracht kommt. Trotzdem wird die Hochbahn gezwungen sein, auf die Dauer irgendein« Verständigung mit der Stadt zu suchen. In den letzten Iahren ist der städtische Anteil am Schnellbahnnetz durch die energische Förderung des Baues der Rord-Südbahn ganz er- beblich gesteigert worden" Die Hochbahn ist zwar zurzeit Betriebs- fühmin dies« Nord-Südbahn. Dieser Bertrag läuft aber im Jahre 1932. also in einer verhältnismäßig kurzen Zeit ab und wird bestimmt nicht erneuert werden. Bis dahin wird aber die Stadt außerdem die AEG-Schnellbahn fertiggestellt haben, während di« Hochbahn kaum in der Lage lein dürfte, ihr Netz zu erweitern. Im Besitz dies« beiden wichtigen Schnell- bohnlircien, gestutzt auf di« Konkurrenz der städtischen Straßen- bahn und auf die Totsack», daß im Jahre 1929 der ominöse Konturrenzbeseitigung, vertrag zwischen Straßen- bahn und Untergrundbahn abläuft, hat die Stadl soviel Trümpfe in der Hand, daß sie die Hochbahn zur UnveniabililÄ verurteilen kann Das ist der Grund, weswegen die Hochbahn selber daran interessiert sein dürft«, bevor ein« solch» Entwicklung eintritt, ohne Kamps eine Verständigung mit der Stadt aus dem Wege herbeizuführen, daß ans ollen Schnellbahnen«ine Gesellschaft mit städtischer Majorität gebildet wird. Eine solche Lo- sung würde sür die gesamte Verkehrsentwicklung auch deswegen von großem vorteil sein, weil die Vereinigung des Schnellbahn- netze» in einer Gcielljchast>m Aisammengehen mit der Stmßen- bahn und eventuell auch mit der smdtfwihn eine F.nanzkrast chosttz die den schwierigsten Ausgaben gewachsen ein durfte. Em so�es Unternehmen hätte selbstverständlich Kred.t und konnte d.e Er- schließung neuer Verkehrswege mit ganz anderer Energie übernehmen, als das die zurzeit auseina�rgehenden und widerstrebenden Gesellschaften können. Wabrscheinlich werden schon in den nächsten Monaten Delhandlungserflelmisse oorliegen. die uns dem Ziele der S ch a f f u n g« i n e r«. n he i tl ch-n Berliner Verkehrsgesellschaft wesentlich naher anngen. bureau der Stadt Berlin, provisorisches Bureau: DeffauerStr. 1, bis zum 21. November näher« ausführlich« Mitteilungen zu machen. Ein Seitrag zur Vohnungsnot. Normung und Typung als Ausweg. In dem Verein für Bauingenieurwesen hielt Bourat L ü b b e r t über di« Frage der»Normung und Typung im Hochbau" einen Dortrag, dessen Gedankengänge sich wie solgt zusammensassen lassen: Während man unter»Normung" die Vereinheitlichung von Einzel- bauteilen, di« Vereinheitlichung der Werkstoffangabe, der Abnahm« und Prüfungsbestimmungen der Prüfungsmethode, der Liescrungs- bedingungen. der Bauleistungen und der Sicherheitsvorrichtungen versteht, wird bei der Typung ein bis ins einzelne durchkonstruierter Entwurf in die Werkstatt gegeben und dort serienweise hergestellt. Nach Ansicht Lübberts ist bei uns die Hochbauwirtschast sehr rückständig. Die Fortschritte, die gemacht sind, beziehen sich im wesentlichen auf den Warenhaus- und Hotelbau. Dagegen ist der Wohnbau schon nach ästhetischem Gesichtspunkte stark rückständig, insoseni, als sich hier ein Individualismus in den Bauformen aus- tobt, der sehr wesentlich zur Berichandelung des Straßen- und Stadtbtldes beiträgt. Hier ließe sich durch die Normung«in sehr wesentlicher Fortschritt infolge der Vereinheitlichung der Form er- zielen. Die Normung muß darauf ausgehen, die Werkstattarbeit zu vermehren und die Montagearbeit, die Arbeit auf der Baustelle, zu vermindern und damit die Bauzeit zu verkürzen: es muß mög- lich sein, die Bauzeit auf ein V>erteijahr herabzudrücken. Das stellt auch nach der Rentabilitätsseite insosern einen Fortschritt dar, als das Kapital, das bei der bisherigen Bauzeit von einem Jahr ein- mal umgeschlagen werden konnte, bei einer Bauzeit von einem Vierteljahr viermal im Jahre umgeschlagen werden kann. Was das bedeutet, ergibt sich daraus, daß wir bei einer B«< völkerung von 60 Millionen, wenn man 5 Personen aus eine Wohnung rechnet, einen Wohnungsbedorf von 12 Mil- l i o n« n haben. Rechnet man die Benutzungsmöglichkeit eines Hauses auf ungefähr 80 Jahr«,[o ergibt sich ein Wohnungsbedorf von jährlich 150000 Wobnunaen allein für die Erneuerung der alten Häuser. Run haben wir feit 1870 einen Bevölkerungszuwachs von durchschnittlich 10 pro Mille. Für diesen Bevölkerungszuwach» ist eine Wohnungsmeng« von 120 000 pro Jahr erforderlich: im ganzen hat Deutschland einen Wohnungsbedarf, mit der Erneuerung der alten Lauten, von jährlich 270 000 Wohnungen. Die Normung beginnt sich immer mehr durchzusetzen, besonder» bei den Preußischen Wohnungsbau-Fürsorgegesellschasten. di« auf diesem Wege«ine Malsenproduktion von Wohnungen erstreben. Es ist völlig verkehrt, anzunehmen, daß sich Normung nicht mit Kunst vertrage. Man kann auch Häusern, die nach der Normung aus- geführt sind, einen individuellen Anstrich geben. Durch die Nor- mung tritt im Baugewerbe immer mehr die Maschinenarbeit in den Vordergrund und es ist irrig zu glauben, daß dadurch der Handwerker verdrängt werde. Er wird nur gezwungen, sich Ma> fchinsn anzuschaffen und rentabler zu arbeiten: aus dem Handwerke- meister wird ein Baustofshändler und Monteur. Die Häuser müssen viel schneller als es bisher geschehen ist, erneuert werden, damit wir in der Lage sind, uns den Fortschritten der Wohnungswcise anzupassen. Die Ersparnisse, die wir dadurch haben, daß wir schneller und weniger massiv bauen, bringen mehr al» die Kosten heraus, die die schnellere Erneuerung des Hauses erfordert. Wie rückständig unsere Baustosfwirtschaft ist. das geht doch am beut- lichften daraus hervor, daß die Engländer die Fünfzimmer. wohnung für das Normale halten, während bei uns die Zweizimmerwohnung 52 Prozent sämtlicher Wohnungen ausmacht, in Berlin sogar 80 Prozent, und trotzdem ist der Anteil der Miete an den Ausgaben ein viel höherer als in England. Hier kann mit Hilfe der Normung und Typung viel gebessert werden. das ig Da, xremdenverkehrsbureau der v°rNn? stlr nächste Jahr ein« wohlorganis ie rt« W, feit für alle grrßen Veranstaltungen De�chlan�«wb�mder« Berlin?, einleiten, di- geeignet sind, eine stark« A"?>ehungskraft au? die Fremden auszuüben. Als Veranstaltungen in diesem S.nn« gelten: Festspiel«, Messen. Kongresse. großer Verbände. Ausstellungen. p° r» l. ch e Wettbewerb«, groß« Konzert« usw. All« DeHörden. L-ibävd- und Organiiationen, di» derartige V-ranlialtungen für da» nächste Jahr»omreiten, werden gebeten, dem Fremdenverkehrs- Ausammentritt der Stadtverordnetenversammlung. Am nächsten Donnerstag, den IS. November, wird di« Ber- lmer Stadtverordnetenversammlung zu ihrer ersten Tagung unter der Leitung ihres Alterspräsidenten, des Demokraten Bamberg, zusammentreten. Diese Sitzung, die nur der Einführung und Der- pslichtung der Stadtverordneten, die bei ollen Mitgliedern der neuen Stadtverordnetenversammlung, auch bei den früheren Stadt- verordneten, vorgenommen wird. Es sollen Bestrebungen Im Gange sein, unmittelbar an die Einführung bereits die Wahl des Präsidiums, der Ausschüsie, Deputationen, Magistrotemitglieder usw. anzuschließen. Es ist aber noch fraglich, ob diese löblichen Bestrebungen, die vor allen Dingen von dem Bedürfnis des Ma» gistrats nach möglichst baldiger Wiederaufnahme der Arbeiten der Stadtverordnetenversammlung diktiert sind, Erfolg haben werden. Di« erst« Prob« auf die neue Parteiton- fi e l l a t i o n im Rathau» wird die Wahl des Präsidiums ein. In den letzten Jahren war die Vorsteherwahl politisch außer- ordentlich umstritten, weil sich die übrigen Parteien der parlamen- tarischen Auffassung der Sozialdemokratie nicht anschließen wollten, wonach die Wahl de» Präsidiums nach dem Stärkeverhältnis der Parteien zu erfolgen habe. Es bedurfte erst der K a t a st r o p h e des Herrn Dr. Caspari bei seiner zweiten Wiederwahl, um den Demokraten und dem Zeickrum di« Unmöglichkeit der dauern- den Vergewaltigung der Sozialdemokratie llarzumacken. Diesmal scheint unter dem Eindruck des Wahlergebnisse» bei den bürger- lichen Parteien di« Stimmung in Ermangelung einer Mehrheit sehr viel ftiedlicher zu sein. Offenbar haben alle bürgerlichen Parteien in der Sache bereit» kapituliert und sich mit der Wieder- wohl des j-tzigen Vorstehers, des Genossen Haß, abgesunden. Nach dem SwrkeverhäUnis der Parteien würden die drei Stell- Vertreter der Reihe nach von den Deutschnationolen, den Kom- munisten und den Demokraten zu stellen sein. Offenbar wollen aber die Kommunisten aus diese selbstverständliche Lösung nicht eingehen Sie scheinen so etwas wie ein proletarisches� Prä- sidium im Aug« zu haben, wobei all« Stellen nur van Sozial- demokraten und Kommunisten besetzt würden. Ein solche« Vor- gehen mag zwar den kommunistischen Strategen äußerst heldenhaft erscheinen. Es wäre aber vom Standpunkt der Arbeiterinteresien aus die denkbar größte Torheit, so zu prozedieren. Di« Sozialdemokratie hat immer grundsätzlich den Standpunkt vertreten, daß an der Leitung«ine» Parlamentes alle Parteien ihrer Stärke«ntsvrechend z» beteiligen sind, sie ohrfeigte sich selbst, wenn sie diesen Standvunkt ausgäbe und sie würde außerdem der Ar- beiterschaft moralisch schwer schaden. Bei der nächsten Gelegenheit könnte und würde natürlich der Spieß umgedreht werden und die Bürgerblbckler brauchten sich dann nur auf das ihnen gegebene Beispiel zu berufen. Sehr eifrig wird in bürgerlichen Kreisen über die künftig« Parteienkonstellation im Rathause orakelt. Paul Michaelis berechnet im»Perliner Tageblatt" haarklein, daß die groß« Koalition über«ine ausreichend« Majorität verfügen wurde. Es ist merkwürdig, wie toalitionsfreudig auf ei n.m a l gewiss« Leute geworden sind. In der alten Stadtver- ordnetenoersammlung wurde die Lag« dadurch gekemtzeichnet, daß der Führer der Volkspartei, Herr v. E y n e r n, ein« geradezu erstaunliche Geschicklichkeit an den Tag legte, alles, aber auch alles, auseinonderzumanövrieren. Die Führung der demokratischen Fraktion oerinied es aufs sorgfältigste, sich mit einem Sozioldemo- traten auch nur gesprächsweise sehen zu lasten, um ja nicht in den bösen Verdacht der Sozialistenfreundlichkeit zu kommen. Alle Parteigruppen auf der bürgerlichen Seite liefen dauernd ausein- ander und operierten ein« gegen die andere. Mit der Sozialdemo- tratie zu rechnen waren st« alle dank der Taktik der sozioldemo- kratischen Fraktion gezwungen. Aber keine einzig« der bürger- lichen Gruppen dachte daran, dem ständigen Durcheinander im Rathaus durch ein vernünitiges Zusammengehen ein Ende zu machen. Jetzt sind die Herrschaften alle miteinander sehr kleinlaut geworben und plötzlich kommen ihnen auch, etwas reichlich spät, uns will scheinen zu spät, vernünftige Gedanken. Die politisch« Entwicklung im Rathaus hätte sehr vorteilhaft beeinflußt werden können, wenn die Demokraten ihren lächerlichen Stolz gegen di« Sozialisten schon früher aufgegeben hätten. Jetzt mit dem Vor- schlag der großen Koalition zu kommen, ist wirklich etwas naiv. Man wird in der neuen Stadtverordnetenversammlung erst einmal abwarten müsten, ob die überraschende Zuneigung zur Sozial- demotratie, die links von den Kommunisten und rechts von den sogenannten Mittelparteien auf einmal an den Tag gelegt wird, eine dauernde ist. und ob hinter ihr der wirklich« ernste Will« zu positiver Arbeit im Interesse der All- gemeinheit steht. Da» wird sich erst zeigen müssen und erst im Lauf« der Entwicklung werden wir sehen, wie und ob überhaupt eine ständige arbeits- und leistungsfähige Mehrheit im Rathaus gebildet werden kann._ Aufwertung der städtischen Anleihen. Der ObcrprästdeM der Provinz Brandenburg und von Berlin, Dr. Maier, hat zum Treuhänder für die Wahrung der Interessen der Gläubiger, soweit Anleihen der Stadt Berlin, der früher selb- ständigen Vorortgememden und de» Zweckoerbatches in Frag« kommen, den Oberregierungsrat Dr. Ähren dt» beim Oberpräst- dium Eharlottenburg bestellt. Nach den Bestimmungen des Aufwer. tungsgesetze« kann sowohl der Treuhänder im Interesse der An- leihegläubiger, wie auch die Stadt Berlin als Schuldnerin bis zum 15. November beim Oberpräsidenten als der zuständigen Stell« einen Antrag einreichen, wonach die Anleiheschulden der Stadt Berlin im Rohmen der gesetzlichen Bestimmungen über da» Mindest« maß hinaus aufgewertet werden sollen. Es kann der An- trag gestellt werden, daß die T i l g u n g s f r i st auf 20 Jahne herab- gesetzt und der Ablösungsprozentsatz aus 25 Prozent des Galdbstrages bei den Nachkriegsanleihen, des?tommalbetraaes bei den Vorkriegsanleihen heraufgesetzt wird. Der Treuhänder hat von diesem seinem Recht« Gebrauch gemacht. Der Magistrat dagegen Hot beschlossen, keinen Antrag auf Erhöhung der städtischen Anleiheverpflichtung zu stellen. Damit hat sich auch die Finanz- und Steuerdeputation in ihrer gestrigen Sitzung beschäftigt. Bereits vor mehreren Monaten kam bei einer Aussprache über dies« Fragen die allgemeine lieber- zeugung bei allen Stadtverordneten zum Ausdruck, daß die Stadt Berlin auf eine gleichmäßige Lösung des Anleihejatzes und der übrigen mit der Aufweitung zusammenhängenden Fragen für alle preußischen Städte drängen müsse. Jedenfalls wollte bei der, wie allgemein bekannt ist. prekrären Entwicklung der städtischen Finanzen kein Stadtverordneter das Risiko übernehmen, für ein« stärkere Belastung Berlins einzutreten. Auch in der gestrigen Sitzung der Finanz- und Steuerdeputation zeigte sich die gleiche Stimmung. Nicht einmal die Deutschnationolen, diese angeblichen Vorkämpfer der Aufwertung, stellten«inen Antrag auf Erhöhung des Berliner Aufwertungssatzes. Im Reichstag hat zwar Herr Dr. Steiniger phantastische Reden über die angebliche Leistungefähigkeit Berlins gehalten, im engeren Kreis«. in der Finanz- und Steuerdetzutation. denken aber auch die Deutsch- nationalen j)ar nicht daran, ihren großen Worten Taten folgen zu lassen. Im übrigen sind nach unserer Information die Verhandlungen im preußischen Innenministerium soweit gediehen, daß tu kurzer Zeit mit oer Aerösscntlichung der Ausführungsbestimmungen ge- rechnet werden kann. Es wird dabei höchstwahrscheinlich eine ein» h-itliche Regelung der Auswertung für die Anleihen aller Städt« vorgesehen sein. Für die Sportassen ist bereits durch ein« Verfügung des Innenminister» der Aufwertungssatz generell auf 12>i Prozent festgesetzt worden. Zu einem Schulbau kein Geld? In Kaulsdorf-Süd, das zum Verwaltungsbezirk Lichten» berg gehört, herrscht Erregung wegen der Sistierung See von der Bezirksversammlung Lichtenberg und der Stadtverordnetenver- sammlung Berlin beschlossenen Schulhausneubauee. Nach lang- jährigen Kämpjen um eine Schule in diesem von jedem Verkehr abgeschnittenen Ortsteil war in den Etat die Bausumme von 260 000 M. eingesetzt worden, und die Bevölkerung atmete auf. War doch endlich die Verwirklichung des Wunsches, eine Schule zu erhalten, nunmehr in greisbare Nähe gerückt. Jetzt geht der Einwohnerschaft die Mitteilung vom Magistrat zu., daß der Bau infolge Sparsamkeit ji stiert sei und alle Arbeiten in dieser Sache eingestellt werden. Wer die Derhältniss« hier kennt, wird zugeben müsten, daß die aus dem Mangel einer Schule sich ergebenden Zustände ein Skandal und einer so großen Stadt- gemeinde wie Berlin ganz unwürdig sind. In den abgelegenen kleinen Orten Hmterpommern» sind die �chulrerhälmiste nicht schlechter. Hier in Kaulsdorf-Süd müsten die Kinder fast ein« ganze Stunde über Land auf den größtenteils nicht regulierten Wegen bei jeder Witterung zu Fuß gehen, im Sommer in Sonnenbrand oder Regen, im Winter in Schnee und Kälte, was den meisten Kindern, besonders den schwächeren, sehr schwer fällt oder ganz unmöglich ist. Daß die Gesundheit darunter leidet, ist selbstver- ständlich. In einer in Kauledors-Süd von der SPD. einbe- rufenen Prot« st Versammlung gegen dies« Maßnahme des Magistrats kam die Entrüstung der den Saal füllenden Ein- wahnerschoft tröstig zum Ausdruck. Es wurde«in« Kommission gewählt, die beim Magistrat vorstellig werden und dahin wirken soll, daß der Bau zur Ausführung kommt. Falls da» etwa wirklich nicht geschieht, droht die Elternschaft mit dem Schul- streik. Ein« scharf« Resolution wurde gefaßt und dem Magistrat übersandt. Di« Einwohnerschaft wird nicht eher ruhen, als bis ihre Wünsche in der Schulsroge erfüllt sind. Es liegt beim Magistrat, die Aufregung zu beseitigen. »«»er sür?erN» und Umg-grvd. Wechielitde vewillune. mit etwa» sttmu bei leichtem Frost— weiter(üt Deutsch lard. Lm Ölten vielfach Schnee, im Nordwesten noch bciter. Ueberall Nachlsrost, auch am Tag» Temperatur nur oereinzelt üder Null. „Ein LeEenskänstler" Nach dam Röman von Richard Vosa. »n jeder Ä. UttfeaaHule» Jugendveranstaltungen. hteilungsleiter, gebt die Monaisprogramme für Desember ab! son 5-7 Uhr brechnung. Seute Schulungstage für Funktionäre: Sonnabend, den 14. November, abends 6½ Uhr, Schriftführer; Sonntag, ben 15. November, vormittags 9-1 Uhr, Raffierer und Reviforen, im Jugendheim Lindenstr. 3. Heute, Freitag, den 13. November, abends 712 Uhr: Moabit I: Schule Giemensftr. 20, Bortrag: Entstehung der Schrift". Moabit II: Gemeindeschule am Stephansplat. Borttag: Was ist Sozialis " Webbing- Rezb: Sebigenbeine Schönfiebte. L. Bortzeg Ballewin fchaft".-Rordoft 1: Jugendheim Neue Röntgitt. 21, Foridung fritas. Mordoft II: Jugendheim Danziger Str. 62, Bortrag: Bauerntrieg". Rofen thaler Vorstadt: Landsgemeindehaus, Sophienste. 21, Bortrag: Sosialisten. gefeg", I. Weißensee: Jugendheim Roeldeftr. 157, Bortrag: Das Befen der proletarischen Jugend". Often( Betersburger Biertel): Jugendheim Eberin ftraße 12, Bortrag: Sermann Löns". Barschauer Biertel: Jugendheim Tilfiter Str. 4, Gerhart- Hauptmann- Abend. Suboft( Röpenider Biertel): Jugendheim Mariannenufer la, Borttag: Die Entstehung der SAS." Chat lottenburg: Jugendheim Rofinenitr. 4, Vortrag: Geschichte der deutschen Gewerkschaften". Salenfee: Schule Joachim- Friedrich- Str. 35/36, Bortrag: Boltshygiene". Echöneberg I Bortrag: Bursche und Mädel in der | 695.- Beth: Sugenbbelm Chouffeeft. 7, 2tenezon- ben, Nexon 1: Sugandheim Bergftr. 29, Ausfprache: ,, Bub und Mädel".- Reuton U: Jugende beim Nogatite. 53, Bostrag: Alt- Berliner Sumor. Ablershof: Sugend. heim Bismarditt. 12, Dichterabend. Köpenid: Jugendheim Grünauer Sir, 5, Bortrag: Einführung in die sozialistische Gedankenwelt". Treptow: Jugendheim Elfenftr. 3, Bortrag: Eltern, fchütt eure Rinder vor den Gefahren der Großstadt! Tegel: Jugendheim Bahnhofftr. 15, Bortrag: Jugendbewegung Jugendverbände". Bildungskurse: Berbebezirk Bankow: Schule Niederschönhausen, Blankenburger Str. 6970. Das Duizend MEY's Kragen mit feinem Wäschestoff kostet nur M. 1.90 bis 2.60 je nach Form BERLIN und ist ebenso vornehm und in den gleichen eleganten Formen zu haben wie Leinenwäsche.- Ungemein praktisch und hygienisch. Keine Wasch- und Plättkosten In allen Weiten lieferbar. MEY& EDLICH DRESDEN- A. LEIPZIG HAMBURG Potsdamer Str. 1 Neumarkt 20-22 Hermannstr. 18 Scheffelstr. 2a Theater, Lichtspiele usw. Volksbühne Dir. A. fielimer 8 Uhr: SU. Lessing- Th. Judith Morgen 8 Uhr: Gier unter Umen Gerda Müller Der Kaufmann Wegener, Rewalt von Venedig Staats- Theater Opernhaus 8 U. Mad. Butterfly Opernhaus am Königsplatz 7: Lust. 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Die Nachkriegszeit hat in der ganzen Welt die Bollmauer gewaltig erhöhen lassen. Jede Bresche in diese Mauer ist für die wirtschaftliche Befriedung der Welt von der größtent Bedeutung. Für Deutschland sind Handelsverträge besonders wichtig, weil die lüdenlose Schutzzollpolitik der Rechtsparteien den Abschluß von Handelsverträgen erschwert. Nur das Höchstmaß des internationalen Warenaustauschs verbürgt auch die bestmögliche Produktionssteigerung in den einzelnen Länder. In dieser Richtung ist der fürzlich abgeschlossene italienische Handelsvertrag ein bedeutsamer Schritt. Wir haben gestern die Einfuhrbereicherung gekennzeichnet, die Deutschland durch den Abbau der deutschen Zollmauern gegenüber italienischen Produkten erfährt. Heute wollen wir die Bresche betrachten, die der Vertrag in die italienischen Zollmauern gelegt hat und durch die die deutsche Industrie jene Ausfuhrförderung erfahren soll, die die Erweiterung des italienischen Absatzes in Deutsch land durch die Erweiterung des deutschen Absatzes in Italien fompenfiert. Die Ausfuhrsteigerung, besonders von höchst verebelten Produkten, ist für die deutsche Volkswirtschaft lebenswichtig, weil Deutschland ein hochentwickelter Industriestaat ist. Sie ist für die deutsche Arbeiterschaft doppelt wichtig, weil die starke Uebersetzung der deutschen Industrie um so schwerer in Unterbeschäftigung, Arbeitslosigkeit sich auswirken muß, je niedriger die Lebenshaltung ist und je geringer die Exportmöglichkeiten sind. So mirkt die gesunde Steigerung des Exports auf die Lebenshaltung und den Beschäftigungsgrad der arbeitenden Massen und dieser auf die Steigerung der Konkurrenzfähigkeit und des Absages im Ausland zurück. 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Bei den für die Solinger Industrie wichtigen Messerwaren ist der Abschlag sogar nicht unbeträchlich größer. Bei einer großen Anzahl von Waren, die in den Wir geben im folgenden einige Beispiele, die zeigen sollen, wie obigen Beispielen nicht berücksichtigt sind, wie Bett- und Tischwäsche, vielfältig die deutsche Industrie von den Zollermäßigungen des Spezialstählen, Blechen aus Eisen oder Stahl- u. a. erfolgt die Zollitalienischen Handelsvertrages profitieren tann und wie groß die Abermäßigung durch die Senfung der Lire- oder Prozentzuschläge, die schläge sind, die für die Einfuhr deutscher Waren gegenüber dem auf die entsprechenden Grundpositionen erhoben werden. So ist bei italienischen Zolltarifgesetz vom 9. Juni 1921 eintreten. Dabei ist Bett- und Tischwäsche der 20prozentige auf einen 10prozentigen, bei zu beachten, daß die meist begünstigungsklausel der deut- genähten Seidenwaren der 75prozentige auf einen 50prozentigen Zuschen Industrie zugleich auch alle jene Einfuhrvorteile sichert, die schlag ermäßigt. Bei Sonderstählen und bei Blechen aus Eisen oder bereits anderen Staaten zugestanden worden sind oder noch zuge- Stahl schwankt die Senkung dieser Buschläge zwischen 25 und 50 Broz. standen werden. Den italienischen Bugeständnissen für die Einfuhr deutscher Säße des ital. Bolltarifes Vertragssäge Waren in Italien stehen natürlich die deutschen Zugeständnisse für die in Goldlire Einfuhr italienischer Waren in Deutschland gegenüber. Ueber die Bedeutung solcher gegenseitigen Zugeständnisse darf man sich nicht täuschen. Im internationalen Handelsverkehr gibt es weder Geschente, noch können die Vertragspartner darauf ausgehen, wie es die Art naiver Unternehmer ist, den anderen möglichst gründlich übers Ohr zu hauen. Den Erfolg im internationalen Handel kann p. kg nur die Steigerung der Produktionsintensität und die wachsende Verbilligung der Produkte bei gleichzeitiger Berbesserung der Qualität bringen. Erst dann kommt eine internationale Arbeitsteilung zustande, die für alle Völker zugleich den höchsten Ertrag und die höchste Leistungsfähigkeit der nationalen Wirtschaft fichert. neue Wachstuch aus Baumwolle. 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In einem öffentlichen Vortrags- und Diskussionsabend, den die Vereinigung für Attienrecht am Dienstag abend veranstaltete, fam die große voltswirtschaftliche Bedeutung der Frage der Schutz- und Vorratsaktien deutlich zur Geltung. Daß der Kapitalismus eine zunehmende Bergesellschaftung der Produktionsverhältnisse( nicht schon Sozialisierung der Produktion) mit sich bringt, die sich auch in der sogenannten„ Demokratie" des Aftienbesiges und des Aktienrechts äußert, war schon eine Erkenntnis von Karl Mary. Daß der Hochkapitalismus aber, gefördert von der Inflation, durch die vielstimmigen Schutz- und durch die Borratsaktien nicht nur diese Demokratie beseitigt, sondern auch die Kapitalzufuhr und das kapitalistische System von Grund aus ge= fährdet, für diese Feststellung der Bereinigung für Aktienrecht muß man dankbar sein. Die bürgerlichen Fachleute bestätigen damit das furchtbare Ausmaß der 3errüttung, in die das Wirtschaftsführertum Deutschlands ihr eigenes Wirtschaftssystem gebracht hat. Das Ausmaß der Entrechtung der Aktionäre überfteigt allerdings jedes erwartete Maß. Nicht weniger als 80 bis 85 Pro 3. aller an der Berliner Börse notierten Gesellschaften waren 1924 mit vielstimmigen Schuzattien versehen, gegen über rund 20 Proz. noch im Jahre 1922. In einzelnen Fällen gewähren 1/750, 1/2264, 1/7732 des Aktienkapitals bereits annähernd die Hälfte aller Stimmen. Dabei soll in feinem einzigen Falle nachweisbar fein, daß eine Ueberfremdungsgefahr vorgelegen hat, gegen die angeblich die Stimmrechtsaftien geschaffen worden sind. Mit Hilfe der mehrstimmigen Vorzugsaktien, denen noch eine Rente garantiert ist, bleibt den Stammattionären bei der heutigen Lage der Industrie nur noch eine Beteiligung am Verlust. Auch der Schleier darüber wurde vorsichtig gelüftet, weshalb der Widerstand gegen die Beseitigung der Mehrſtimmrechts- und Borratsattien so hartnäckig ist. In ihrem Besiß seien nämlich in den meisten Fällen die Großbanken, die auf die in den mehrstimmigen Aktien liegende gewaltige Herrschaft( abgesehen von der sicheren Zinsrente) um feinen Preis verzichten wollten. Der Einfluß der Großbanken( die natürlich jede Diskussion in der Deffentlichkeit wie das Feuer scheuten) beeinflusse auch weitgehend die Stellungnahme der Regierungen und selbst der Zulassungsstellen der Börsen. Jeder, der in dieser Sache gegen die Großbanken auftrete, müsse dafür sorgen, daß ja sein Name den Großbanken nicht bekannt werde. Für die Beseitigung der Mißbräuche seien die Richtlinien der Zulassungsstellen vom Geptember dieses Jahres absolut unzulänglich. Es gebe feinen anderen Weg. als das strikte Berbot der Mehrstimmrechtsund der Borratsaktien( das von uns schon längst gefordert wurde. Red. d.„ B."), wenn die in- und ausländische Kapitalzufuhr für die Industrie auf die Dauer nicht unmöglich gemacht werden sollte. Für Unternehmungen von öffentlichem Interesse, wo die Ueberfremdung eine ernsthafte Gefahr wäre, wären Ausnahmen mit staatlicher Kontrolle zureichend. Frankreich, Italien, Holland, die Schweiz und andere Länder hätten die Beseitigung der Schuzattien entweder schon vollzogen, oder vorbereitet. Nicht ohne Reiz war der Hinweis eines Diskussionsredners, daß die Vereinigung für Aftienrecht, so begründet ihr Vorgehen sein möge, an der politischen Seite des Hochkapitalismus sorgloser vorübergehe, als an seinen Auswirkungen für die Aktionäre. KATOT KAJOT Den sauer verdienten Groschen müssen Sie richtig anlegen, daher lesen Sie nicht nur diese Preise, sondern lassen Sie sich auch ohne Kaufzwang die Ware vorlegen! * Winter- Ulster, II reihig 7 4 38 54 40. helle u. dunkle Farben, M. 89-39.00 marengo und schwarE * Winter- Paletots, I u. 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Die durch schnittliche Wochenarbeitszeit dürfte im Berichtsmonat um eine weitere Stunde abgenommen haben. Da der Rückgang der Beschäftigung bei den Gießereien am stärksten war, ist, von hier aus mit dem Produktionsprozeß fortschreitend, in den nächsten Monaten eine weitere Verschlechterung der Lage des gesamten Maschinenbaues zu erwarten, wobei allerdings auch der in vielen Zweigen der Maschinenindustrie faisonmäßig bedingte Rückgang in den Wintermonaten zu berüdfichtigen ist. Eine besonders empfindliche Abnahme der Bestellungen ver zeichneten im Oktober der 3ertleinerungs- und Aufbereitungsmaschinenbau sowie die mit der Herstellung von Baumaschinen beschäftigten Werke. Der Apparatebau leidet auch unter den gegenwärtigen Schwierigkeiten seines Hauptcbnehmers, der chemischen Industrie. Die geringe Nachfrage nach Stahl und Walzwerkseinrichtungen machte Betriebseinschränkungen nötig, oder ließ solche für die nächsten Monate in Aussicht nehmen. Die bedrängte Lage des Lokomotivbaues fonnte durch Auslandsaufträge nicht gebessert werden. Die Tertil maschinenindustrie zpg noch vielfach Nutzen von dem lebhaften Geschäftsgang in Teilen der deutschen Textilindustrie, insbesondere der Seidenweberei. Lebhaft begrüßt murde in der deutschen Maschinenindustrie der gerade noch am Monatsende zustande gekommene Abschluß des deutsch- italienischen Handelsvertrages, der der Maschinenindustrie einige Zollherabjegungen und die für ihre langfristigen Geschäfte besonders wertvolle Sicherheit gebracht hat, so daß von ihm eine Belebung der Ausfuhr er hofft werden kann. Der inzwischen ausgebrochene 3011trieg mit Spanien wird leider in entgegengesetter Richtung wirken. Der überhandnehmende geschäftliche Rüdgang in der Maschinenindustrie ist nichts anderes als eine Teilerscheinung der allgemeinen deutschen Wirtschaftskrise, die in zunehmendem Maße auch auf dieses Gebiet übergreift. Die verhängnisvolle Berrüttung unseres gesamten Produktionsapparates durch Weltkrieg, Friedensdiftat und Inflation hätte mit dem Fallen des Inflationsschleiers und dem Wiederanschluß an die Weltwährung Furch die Stabilisierung schon im November 1923 sich auswirken und bereits da mals zu der unvermeidlichen schweren Geſundungstrise führen müssen. Dieser Zeitpunkt wurde jedoch zunächst dadurch hinausgeschoben, daß sich bis April 1924 durch die Kreditpolitik der Reichsbank unser Geldumlauf vervielfachte. Als sich dann angesichts der drohenden Inflationsgefahr die Reichsbank zu einer scharfen Strediteinschränkung entschloß, wäre wiederum der Ausbruch der Krise unvermeidlich gewesen, wenn nicht seit der Annahme des Dames Planes August 1924 der immer mehr anschwellende Strom der Auslandskredite eingesetzt hätte. Nachdem aber jetzt in den legten Monaten der Zufluß von Auslandskrediten einen Höhe puntt erreicht zu haben scheint, beginnt nunmehr die Krise um so fchärfer in die Erscheinung zu treten, als es sich bei den Auslandsanleihen zumeist um turzfristige Darlehen handelt, die jeht ihrem Heimfall entgegengehen. Gegenüber den Anzeichen, die diefe Krise als besonders schwer tennzeichnen, muß mit Nachdruck betont werden, daß es sich um einen Reinigungs- und Gefundungsvorgang handelt, von dessen Endergebnis die Wiederherstellung unserer Wettbewerbsfähigkeit abhängt. Auch Die wirtschaftliche Wiedergenesung darf indessen nicht durch staatliche Eingriffe gestört und gehindert werden. Vielmehr muß von der Wirtschaftspolitik des Staates verlangt werden, daß sie alles in ihren Kräften Stehende tut, um die schwersten Schäden zu Reichsregierung zwar außenpolitisch unter zäher Ueberwindung mildern und die heilenden Wirkungen zu unterstützen. Hier hat die großer Schwierigkeiten den Grund zu einer gefunden Weiterentwidelung gelegt, gleichzeitig aber nicht nur handelspolitisch, sondern vor allem auch ſteuerpolitisch schwere Fehler begangen, die die Wirtschaft in ihrer heutigen Lage doppelt bitter empfindet. Der Bericht schließt mit einer durch ihren Mangel an pofitiven Borschlägen recht unfruchtbaren Polemik gegen die Finanz politif des Reiches und der Gemeinden. gegen die Aufnahme von Auslandsanleihen durch die Gemeinden wendet sich der Verband. Diese Stellungnahme ist um so mertwürdiger, als es dem Verband Deutscher. Maschinenbauanstalten ein leichtes ist, festzustellen, ein wie großer Teil der Maschinenaufträge der letzten Zeit ausschließlich aus den Händen jener Gemeinden fam, die ihre durch Krieg und Inflation ver. aiteten und unzulänglichen Werksanlagen erneuern und ausdehnen mußfen. Die Maschinenindustrie sägt einen Aft, auf dem sie fit, felbst ab, wenn sie den Gemeinden eine gesunde Ausdehnung ihrer Produktionsanlagen versagen. mill; und darauf läuft es im legten Ende hinaus, wenn man den Gemeinden die notwendigen Steuern und die notwendigen Anlagekredite entziehen möchte. Im ganzen ist jedoch der Bericht ein neuer Beweis für die schweren Folgen der durch eine falsche Lohn, Preis und 3ollpolitit der Unternehmer herauf. beschworenen Wirtschaftskrise, die in ihrer größten Schärfe zunächst die Arbeiterschaft drückt; denn diese ist es, die unter den Betriebsstillegungen und Einschränkungen auf das schwerste zu leiden hat. Eine neue Reichsgetreidestelle als Subventionsbank? In landwirtschaftlichen Kreisen wird gegenwärtig sehr lebhaft der Gedanke erörtert, ob es nicht zweckmäßig sei, an Stelle der im Abbau befind lichen Reichsgetreidestelle ein neues Institut ins Leben zu rufen, dem neben der Regulierung der Getreidepreise im Inlande noch gewisse andere Aufgaben im Interesse der Landwirtschaft zu übertragen wären. Man denkt, wie die„ Konjunktur- Korrespondenz" zuverlässig erfährt, hierbei hauptsächlich an ähnliche französische Einrichtungen. bei denen der Landwirt gegen Ablieferung von Getreide in den unter staatlicher Aufsicht stehenden Silos ziemlich weitgehende Kredite erhält. In der Befürwortung dieser Pläne sind sich anscheinend alle größeren deutschen landwirtschaftlichen Organisationen einig. Auch im Reichsernährungsministe rium stehen maßgebende Persönlichkeiten diesen Plänen wohlrium stehen maßgebende Persönlichkeiten diesen Plänen wohl. wollend gegenüber. In landwirtschaftlichen Kreisen, in denen man bekanntlich früher sehr scharfe Kritik an der Reichsgetreideftelle übte, ist durch die starken Verluste, die infolge der heftigen Preis: schwankungen in der letzten Zeit eintraten, die Meinung bestärkt worden, daß eine gewisse Regulierung der Getreidepreise notwendig sei. Man sieht auch der Entwicklung am Futtermittelmarkte für die ersten Monate des fommenden Jahres mit großer Sorge entgegen. Ein gewisser Widerstand gegen die erwähnten Pläne macht sich aller. dings in den Kreisen der Mühlen und des Getreidehandels bemerkbar. Die Gesamtvorräte der Reichsgetreidestelle belaufen sich zurzeit noch auf etwa 80 000 Tonnen. Aftien gegen Bantschulden. Die Methode, Bantschulden durch Fergabe von Attien abzulösen, scheint neuerdings wieder ein mal größeren Umfang anzunehmen. Die optischen Werte vorm. C. P. Goerg A.-G. beschlossen in der gestrigen Generalversammlung, ihr Aftienfapital um 1,4 millionen Mart auf 8,4 Millionen Mart zu erhöhen. Die neuen Aktien werden nicht den Aktionären zum Bezuge angeboten, sondern den an die Bantengruppe der Gesellschaft, die sie zu Pari übernimmt und dienen, wie erwähnt, zur Abdedung von Bankschulden. Gleichzeitig wurde der Intereffen. gemeinschaftsvertrag mit der bekannten photographischen Firma fäufer zu einer späteren Fusion Ueber den Geschäftsgang wurden Jca Dresden genehmigt, der Vertrag ist wahrscheinlich nur der Vorfeine wesentlichen Mitteilungen gemacht. = Wiederherstellung des internationalen Sprengstofftrufts. Der Weltkrieg verhinderte, daß die internationalen Sprengstofffonzerne gegenseitig durch eine Interessengemeinschaft verbunden blieben. Die feit 1915( mit Rückwirkung bis zum Kriegsausbruch) gelöften Verbindungen werden jedoch heute, nachdem die Verhältnisse der deutschen Firmen sich geflärt haben und die internationale Wirtfchaftskrise eine neue Berbindung nahelegt, wieder hergestellt und gleichzeitig erweitert. Die in letzter Zeit geführten Verhandlungen der amerikanischen Dupont Gesellschaft, der Deutschen Dynazwischen der englischen Nobel Dynamit- Gesellschaft, mit Aktiengesellschaft in Hamburg und der Köln Rottweil A. G. in Berlin sind nunmehr zum Abschluß gelangt. Das Abkommen sieht ein enges technisches Zusammenarbeiten, insbe sondere beim Austausch von Patenten und Erfahrungen auf den alten und inzwischen auf beiden Seiten neu aufgenommenen Gebieten vor ( insbesondere Kunstseide). Im Zusammenhang damit werden die Dynamit- Aktiengesellschaft Hamburg und die Pulver; und Kunstfeidenfabrik Köln- Rottweil ihr Attienkapital je um 7% Millionen Mark erhöhen.( Dynamit- A.- G. Hamburg hat ein Goldkapital vont 30 Millionen, Köln- Rottweil ein solches von 29,17 Millionen. Die beiden Gesellschaften erhöhen ihr Attientopital also um etwa ein Viertel.) Die Kapitalerhöhung der beiden deutschen Gesellschaften erfolgt nicht aus dem deutschen, sondern aus dem englisch= amerikanischen Kapitalmartt. Die entsprechenden Aktien Trusts nahestehenden Konsortium übernommen. werden von einem mit den ausländischen Mitgliedern des neuen Eine Auslandsanleihe der Stadt Frankfurt a. M. Die Stadt Frankfurt a. M. hat nunmehr die Genehmigung zur Aufnahme einer Anleihe von vier millionen Dollar in Amerika als erste Rate erhalten. Der Antrag war auf Erteilung einer Genehmigung für eine Anleihe von sieben bis acht Millionen Dollar gestellt worden. Die große Auslandsanleihe des Kalifyndifats. Der Aufsichtsrat des deutschen Kalisynditats ermächtigte einstimmig den Vorstand zur Aufnahme einer zum Handel im Ausland bestimmten Anleihe Don 40 Millionen Dollar und 2 Millionen Pfund Sterling als erste Serie eines zulässigen Betrages von 75 millionen Dollar. Die Anleihe soll mit 7 Brozent verzinslich und innerhalb 25 Jahren durch jährlichen Rückauf zum Börsenpreis oder Auslofung zu 102% Proz. tilgbar sein, vorbehaltlich gewiffer früherer Kündigungsberechtigungen. Sie soll durch Bürgschaft der Kalimerfe in Höhe ihres Anteils an der Anleihe, ferner durch Sicherungs hypothet in Höhe der Bürgschaft und durch monatliche Reservierung absag nach Amerika und Großbritannien, eventuell auch nach ander Erfordernisse des Zinsen und Tilgungsdienstes aus dem Kali deren Auslandsgebieten gesichert werden. Der Ausgabeturs unterliegt noch der Vereinbarung bis zum Tage des öffentlichen Angebots der Schuldverschreibung an den ausländischen Börsen. Mufitaufträge KAISER'S KAFFEE IST DER BESTE at man nom übergibt man nur dem Nachweis bes Deutsch. Mufiterverbandes, Berlin 027, Andreasftr. 21( Sönigftadt 4310, 4048). Geschäftszeit 9 bis 5, Sonntags 10 bis 2 Uhr. Auf Wunsch Vertreterbefuch Marke Kaffeekanne Kaiser's Sonderangebot: KAISER'S KAFFEE 175 Pfa ket! 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Alte Schönhauserstr. 30 Charlottenburg Berlinerstr. 115 Dankelmannstr. 58 Grolmannstr. 14 Holtzendorffstr. 4 Kaiser- Friedrichstr. 55 Kleiststr. 19 Knobelsdorffstr. 3 Suarezstr. 15 Tauroggenerstr. 12 Uhlandstr. 32 Wilmersdorfer Str. 71 SP Spandau Breite Str. 49 126 148 Hamburger Str. 35 Jägerstr. 1 Neuendorfer Str. 5 Potsdamer Str. 1a Schönwalder Str. 88 Berlin- Lichtenberg Boxhagener Str. 68 Frankfurter Allee 60 Frankfurter Allee 101 Frankfurter Allee 224 Wilhelmstr. 10 Berlin- Wilmersdorf Berliner Str. 131 Nürnberger Str. 33/34 Olivaerplatz 2 Wexstr. 28 KAISER'S KAFFEE GESCHÄFT Neukölln Bergstr. 140 Hermannstr. 40 Hermannstr. 119 Kaiser- Friedrichstr. 242 than thira Berlin- Stegiltz Rheinstr. 42 Schloßstr. 85 Berlin- Schöneberg Kolonnenstr. 66 Tempelhoferstr. 21 Berlin- Oberschöneweide Edisonstr. 58 Wilhelminenhofstr. 41 Berlin- Adlershof, Bismarckstr. 25 Baumschulenweg, Baumschulenstr.19-20 Britz, Chausseestr. 47 Friedrichsfelde, Berliner Str. 40. Hermsdorf, Bahnhofstr. 17 Hohenschönhausen, Berliner Str. 113 Lichterfelde- W, Hindenburgdamm 54-55 Mariendorf, Chausseestr. 34 Pankow, Schönholzer Str. 1 Reinickendorf, Residenzstr. 107 Rosenthal, Hauptstr. 10 Südende, Steglitzer Str. 25 Schmargendorf, Breite Str. 22 a. Tegel, Berliner Str. 4 Tempelhof, Berliner Str. 55 Weißensee, Berliner Allee 242 Weitere Filialen in Cöpenick, Sch'oẞsir, 1 Friedrichshagen b Benin, Friedrichstr. 86 Nowawes, Friedrichstr. 20 Potsdam, Brandenburger Str. 20 Nauener Str. 38 5rettag 13. November 1925 Unterhaltung unö IVtssen Sellage öes vorwärts Sie unbarmherzige Zahl. November 18. Wald om Compiegne. liier und da das Schuh- loch eines schweren Treffers, ein paar Bäume zerschellt, zersplittert, der Boden zerwühlt wie im Kamps. Hier und da ein Soldaten- käppi. eine verlorene Waffe. Nebel, Dunst, schwere, feuchte Witte- rung. Wie ein Geruch von Tod und Kampf, wie Wuchten furcht- baren, unabwendbaren Schicksals lastet es über dem Wald, raunt es von Baum zu Baum. Auf dem Schienenstrang durch den Wald der Extrazug des Marschalls Foch. Der Oberbefehls- aber der Heere der Well, der Amerikaner, der Engländer, der ranzosen, der Belgier, der Italiener, der Portugiesen empfängt die deutsche Waffen st ill st andskommission. Erz- berger, der Deutsche, hofft noch den Schein wahren zu können — vielleicht ist er selbst sich noch gar nicht bewußt, daß es hier kapitulieren heißt. Er erklärt, daß er gekommen sei, um über einen Waffenstillstand zu verhandeln. Mit brüsker Handbewegung bricht ihn Foch ab. Nichts von Adel, nichts von Feldherrngröße an sich, wie ein schlechter Unteroffizier herrscht er ihn an. höhnisch und protzig:„Sie wollen die Bedingungen wisien, zu denen das deutsche Heer Waffenstillstand haben kann— da sind sie.' Nichts von Verhandeln, er.kennt nur zwei Dinge. Entweder nehmen die Deutschen an. oder die-tvchlacht geht weiter. Das war Compiegne. Compiegne, wo die 14 Punkte des amerikanischen Präsidenten, wo die idealismustriefenden Reden Lloyd Georges und Wilsons zum ersten Male von der Siegerfaust beiseite geschoben wurden, bis sie in Versailles endgüllig eingesargt wurden in jener Traktat, der sich Dersailler Friedensvertrag nennt. Erzberger nahm an» weil er annehmen mußte. Es gab keinen Ausweg. Niemand in yanz Deutschland halle eine Wendung des Kriegsglücks auch nur in mallen Andeutungen zeichnen können. Foch hatte recht. Er konnte marschieren lassen. Es hätte ihn ja „nur' soundsoviel Tote täglich, soundsoviel mehr verwüstete bel- und— bald auch— lothringische und elsässische ftet. Was Merten ihn die Toten, so lange neue Leute aus Amerika, Kanada, aus den schwarzen Rekrutendepöts Frankreichs. Was schierten ihn die elsässischen und lothringischen Dörfer, die am 14. November von seinen Geschützen in Grund geschossen werden sollten, sie waren ihm nur brennende Siegessanale für seinen Einzug in Berlin. Denn daß der einmal kommen mußte, war bestimmt. Ob es schon im Januar 1919 würde, oder im Mär� oder erst im April— sein Pläne waren fertig. Er halle Zeit. Er wußte, daß Amerika bis Juli 1919 ihm fünf Millionen Truppen liefern wurden, daß das amerikanische Bau- Programm für schwere» Kriegsmaterial bis in das Jahr 1920 hinein lief. Und Erzberger wußte— ebenso gut wie alle deutschen Generäle. auch die, die sich vor der Verantwortung drückten und Ausflüchte machten, wenn sie zur Aeußerung aufgefordert wurden—, daß Deutschland geschlagen war. Das Kriegsglück ist mit den stärksten Bataillonen. Die, Zahl ist entscheidend im Krieg. Und die Zahlen im November 1918 waren unbarmherzig, unbarmherzig gegen Deutschlands Kriegs- Aussichten. Während die Alliierten 9K Frontdivisionen an der Westfront hatten, konnte Deutschland nur noch mit 58 unvollständigen. ausgehungerten, durch langen kämpfenden Rückzug zer- mürbten Divisionen rechnen. Der französische General Manguin rechnete alle Divisionen zusammen und stellte fest, daß an allen Fronten' 205 alliierte Divisionen, von denen 103 in Reserve lagen,- vorhanden waren. Ahs dem Papier halle Deutschland allerdings auch noch 184 Divisionen, aber nur 17 von ihnen logen in Reserve. Und wahrend Foch 26 französische und 34 amerikanische Divisionen um Metz konzentrieren konnte, um Mitte November mit einem gewaltigen Aufgebot von Stoßtruppen, Tanks, schwerer Artillerie und Fliegern in Lothringen einzubrechen Schlüssel der deutschen Rheinstellung, einzuj gern in Lothringen einzubrechen und Metz, den südlichen der deutschen Rheinstellung, einzuschließen und zu erobern, mußte Deutschland Kräfte abschieben nach Tirol, wo die Italiener freien Einmarsch hatten, nach dem Böhmerwald und dem Riesen- gebirg«, um Deutschlands Grenzen gegen die Tschechen zu schützen, nach Osten, wo die Polen ihren Aufstand vorbereiteten. Unbarmherzig sind die Zahlen, welche man auch herausnimmt ous dem Gewimmel der Statistik. Amerikanische Berechnung zählte im November 1918 6 427 000 Mann alliierte Soldaten gegen 3 562 000 deutsche. Detitschland soll in jenen Novembertagen rund 3000 Flugzeuge an der Front gehabt haben. Frankreich besaß 3900, England 2100, Italien 600 und Amerika 860 Kampsflugzeuoe. Rund 2000 alliierten Tanks hatte Deutschland an 200 entgegenzusetzen. Unbarmherzig sind die Zahlen. Wahnsinn wäre weiterkämpfen gewesen. Deutschland war besiegt. Ob es noch mehr Tote opferte oder nicht, konnte am Resullat des Schlachtens nichts ändern. Oder meiM man, ein in Berlin diktierter Frieden wäre mllder und vernünftiger gewesen als jener in Versailles? Diejenigen in Deutschland, die noch heute vom Dolchstoß faseln, deren Gesinnungs- genossen Erzberger ermordeten, können auch nicht ein Moment aufzeigen, das eine Wendung des Krieges nach dem November 1918 andeutet. Foch war ein guter Rechner, ein kühler Rechner. Er war seiner Sache gewiß, als er am 31. Oktober im Kriegsrat im Trianon gegen- über den alliierten Staatsmännern ausführte: Wir können, so lange der Feind es wünscht, diese Schlacht von 400 Kilometer fortsetzen, der Stand unserer Armeen erlaubt es uns. Die französischen und britischen Heere sind gewiß mit- genommen, aber sie können fortsetzen. Die amerikanische Armee ist frisch und empfängt jeden Tag Reserven. Die Moral der Truppen ist ausgezeichnet. Unsere Soldaten sind von ihrer Ueberlegenheit über den Feind überzeugt....>so steht der Krieg, beendet im Orient, für uns günstig im Okzident. Wir können ihn, wenn der Feind es wünscht, bis zu seinem völligen Zusammenbruch fortsetzen. Will jemand behaupten. Deutschland hatte ein IMeresse an dieser Fortsetzung bis zum völligen Zusammenbruch? Sollte ein solcher Deutscher existieren, so mag er sich bewußt sein, daß er sich in völliger Uebereinstimmung befindet mit dem englischen General Maurice, dem Franzosen Manguin und all jenen vielen amerika- nischen Freiwilligen, die wütend darüber waren, daß sie nicht als Sieger in Berlin einziehen durften. Mit dem Wiederaufbau und dem Wohl des deutschen Volkes dagegen hälle solcher Deutscher keine Uebereinstimmung. Compiegne war«in bitterer Tag, aber«in leerer Tag, er war nur die formelle Anerkennung bestehender, un- barmherziger, unabwendbarer Tatsachen... unbarmherziger Zahlen. Unsere Erbsihast. Don 2öh. von Kunowski. Das long befürchtete, oft besprochene, nie für möglich gehaltene Ereignis war eingetreten!— unsere liebe Tante Appolonia hatte im Alter von neunzig Iahren in Dahlenwarsleben das Zeitliche gesegnet! Ruhe sanft, war unser Wunsch, und wir strichen den 11. August sowie ihren Namen van der Liste unserer Festtags- gratulationcn, wobei wir berechneten, daß wir also nuinnchr vierzig Pfennige Porto sowie einige schön bemalte Karten im Jahr« sparen würden.—« Geerbt hätten wir von Tante Appolonia doch nichts, das war uns ganz klar, denn dazu hotte« wir in einew gewissen Selbster- Das zersthosiene Damaskus. unö macht zum Dank ihre Söhne mit öen Errungenschaften öer Neuzeit bekannt. Haltungstrieb eine zu hohe Mauer zwischen uns und der Dahlen- warslebener Tante aufgerichtet. Außerdem war auch eigentlich nicht viel zu erben, und wir verzichteten großzügig, als hundertste Be- werber das Rennen um die alten Möbel mitzumachen. „Hans,' sagt da eines Tages meine Frau zu mir,„sieh mal, hier schreibt uns Frau Schenck, du weißt, die Freundin von Tante Appolonia, sie hätte uns im Auftrage der teuren Entschlafenen etwas zu übermitteln. Was mag das sein?' Ich weiß nicht, bei dieser Nachricht überkam mich so eilt ungemütliches Gefühl, eine Vorahnung kommender Dinge. Mutig aber bot ich meine Dichterstirn dem Verhängnis, zog meine neuen Schuhe an und trat begleitet von tausend Ermahnungen und Vermutungen meiner Hella schon am nächsten Tage den Weg zu Frau Schenck an. Ich klingele, Frau Schenck öffnet selbst, ich trete mit ihr in den Salon, auf dem Gesicht jenen würdigen Ausdruck, der mir für der- artig heikle Missionen vorgeschrieben erscheint. „Also, mein lieber junger Freund,' sagt die würdige Mallone, indem sie den völlig unbegründeten Versuch macht, einige Tränen mit ihrem Taschentuch aufzusaugen,„unsere gute Appolonia hat mir in ihrer Güte von ihrem irdischen Hab und Gut das Hauptsächlichste überlassen. An ein Ding aber knüpfte sie in ihrem letzten Willen noch eine besondere Bedingung, zwar sollte ich auch dieses erben. Sie aber sollen der Nacherbe sein. Es ist diese Kaffeemaschine. Wie sie doch an alles dachte, die Gute.' Bei diesen Worten präseMierte sie mir so eine Art Kaffeemaschine, die ich wohl schon mal irgendwann in Dahlenwarsleben gesehen habe. „Eigentlich wollte ich sie ja selbst benutzen,' fährt offenherzig Frau Schenck fort,„aber ich komme nicht so gut damit zurecht, trotz- dem sie schon in der Reparatur war.' Gerührt stammelte ich einige Dankesworte, bat um einen Bogen Papier, oerpackte die unförmige Maschine und empfahl nüch mit dem innigen Wunsche, nie wieder etwas mit dieser aufopferungsfreudigen Wittib zu tun haben zu müssen. Meine Frau war hingerissen.„Fabelhaft die Maschine, sieht noch wie neu aus, was meinst du, was für einen anregenden Mokka ich dir hiermit vorsetzen werde.' lauteten ihre Begeisterungsrufe. War Ich selbst auch mehr als skeptisch, so sah das Ding immerhin ganz dekorativ aus, und ich sah schon im Geist behaglich gedeckten Kaffee- tisch, gemütliches Flackern des Lämpchens. hörte das Brodeln des Wassers, roch den aromatischen Duft. Am selben Tage noch wurde die Prob« gemacht. Es ging alles fabelhaft, das Lämpchen flackerte, das Wasser brodelle, neckisch plätscherte der Kaffee in die Kanne. Gekostet aber war er kalt und dünner als dünn, trotzdem Hella das Doppelte unseres gewöhnlichen Kaffeequantums hineingetan. „Laß nur. dazu gehört Uebung, ich werde es schon lernen,' sagte meine Frau, während ich nicht ganz so überzeugt an Frau Schencks vergebliche Versuche dachte. Beim nächsten Male wurde der Kaffee nicht besser, dafür flog aber der Pfropfen des Kessels mit einem furchtbaren Dampfstrahl an die Decke. Meine Frau versuchte es mit Filtricrpopicr, diesmal blieb der Pfropfen, der Kassee aber erhielt durch zahllose Löschpapierfussel keinen besseren Geschmack. Kurz, es war nichts mit dem Prachtstück. Neulich nun kommt Vetter Poul zum Kaffee. Meine Frau de- rettet den Tisch, in der Mille steht— die Kaffeemaschine..Nanu. du willst,' frage ich stirnrunzelnd,„laß doch,' sagt sie,„er versteht doch nichts vom Kuffee und das sieht doch so nett aus." Also gut, Paul kommt, wir sitzen um den Tisch, Hella zündet das Lämpchen an, da— eine Feuersäule steigt auf, gleitet vom Apparat kreisförmig auf die Decke, die selbstgearbeitete Spitzendecke, es ist wirklich nett anzusehen. Mit einer Wasserkaraffe lösche ich den Brand. Die Spitzendecke aber war hinüber und.....— und von dem Nach- mittag will ich schweigen.— Abends sitzt meine Frau vor dem Torso der Spitzendecke. Höhnisch blinkt von der Kredenz her die Kaffeemaschine. Da denke ich der guten Frau Schenck.„Weißt du, Schatz," sage ich,„deine Freundin Helga heiratet doch demnächst."„Ja," sagt meine Frau. „wir sind doch eingeladen."„Na schön, hast du denn schon an das Hochzettsgefchenk gedacht?" „Ja, ich dachte, vielleicht eine hübsche....." „Wie wäre es denn nun— läßt sich die Maschine da nicht vielleicht so herrichten, daß...—" Einen Augenblick stutzt Hella.„Aber natürlich geht das, fein, das wird ein großartiges Geschenk, sieht so teuer und dekorativ aus." Ich schmunzele nur— und denke an meine Nachcrben.— •_____ Neues vom Asthma. Das Asthma ist eine vielfach rätselhaste Elscheinung, über die man erst in neuester Zeit eine gewisse Aus« klärung erhalten hat. Vielfach ist für den Asthmatiker der Ort seines augenblicklichen Ausenthaltes ausschlaggebend. So bekam z. B. der große Ar�t van Helmont, der selbst Asthmatiker war, jedesmal in Brüssel qinen Anfall von Atemnot. Andere Patienten sind an gewissen Orten völlig anfallssrei, und nur in einer bestimmten Stadt werden sie von ihrem Leiden befallen. Selbst ein Ort in nächster Nähe, z. B. ein bestimmtes Haus, kann für den Asthmatiker ein schlechteres oder besseres Klima bieten, und damit ist bewiesen, daß die üblichen klimatischen Faktoren, wie Luftdruck, Sonnenschein- dauer usw., bei den Asthma-Anfällen keine Rolle spielen können, denn diese sind ja an ganz nahegelegenen Orten dieselben. Wie Medizinalrat Grimm in der Leipziger„Illustrierten Zeitung" aus- führt, hat man neuerdings den Zusammenhang zwischen gewissen Verunreinigungen der Luft und dem Asthma erforscht. Vom Heu- fieber oder Heuasthma weiß man schon lange, daß diese Krankheit durch die Heusamen verursacht wird, die vom Wind viele Meilen weit verweht werden. Doch gibt es auch andere derartige Asthma- Erreger. In Italien wurde als Ursache einer Afthma-Epidemie feucht gelagerter Weizen gesuirden, und in Holland waren die Er- reger im Getreide, Mehl oder Blumenzwiebeln, die feucht waren und lange gelagert hatten. Ein dritter Erreger ist ein ziemlich häufiger Schimmelpilz, der außer Feuchtigkeit auch Wärme braucht und des- wegen besonders oft in Füllungen von Matratzen und Kissen ge- funden wird, die durch die Körperwärme der Schlafenden erwärmt sind! er entsteht aber auch im Gefieder der Hühner und im Stallmist. Beseitigt man diesen Pilz durch Desinfektion, so müssen auch die auf ihn: beruhenden Anfälle aufhören, und daraus erklärt sich wohl die hin und wieder gemachte Beobachtung, daß bei Asthmatikern die Anfälle nach Ausnahme in ein Krankenhaus sofort aufhören, während sie nach der Entlassung wiederkehren. Im Krankenhaus werden nämlich die Betten vorschriftsmäßig desinfiziert. Es ist anzunehmen, daß es auch noch andere Lebewesen gibt, die Asthma erzeugen. Vielleicht sind sie olle auf erhebliche Feuchtigkeit angewiesen, und dadurch wäre es verständlich, daß man schon früher einen Zu- sammenhang zwischen Feuchtigkett und Asthma oermutete. Billige Wurstwaren Schweinskopf& Gelee Pid. 75Pt. Jagdwurst..... Pfand 140 Hausm.- Rotwurst Pfund 100 Hausm.- Leberwurst Pfund 110 Berl. Mettwurstefund 110 ' ff. Leberwurst Pfand 150 Mettw. n. Braunsch. Art, Pfd. 160 Teewurst........ Pfund 180 Holst. Zervelatu. Salamipid. 195 Fleischpaste 26. amerikanische... Dose Obst u. Gemüse Weisskohl...... 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Unser langjähriger Abteilungstassierer, der Genosse Hans Franke ist am Dienstagabend von seinem langen, schweren Leiden erlöst worden. Gein vorbildliches Wirken in Partei und Gewerkschaft macht es den Barteigenossen zur Pflicht, ihm die legte 102/19 Ehre zu erweisen. Die Einäicherung findet am Sonnabend, nachmittags 12% Uhr, im Krematorium Baumschulenweg statt. Allen Freunden und Bekannten hiermit die traurige Nachricht, daß meine liebe Frau und herzensgute Mutter Elisabeth Géßler am 11 November, nachmittags 5 Uhr, 1409b plöglich verschieden ist Karl Geßler Erich Geßler und Braut. Einäscherung am Sonnabend, den 14. November, abends 72 Uhr, im Krematorium Baumschulenweg. Am 11. d M. verichted plöglich am Herzschlag der Revolverdreher Adolf Steinicke. Die Einäscherung findet am 14. d. M.. nachmittags 5 Uhr, im Krematorium Baumschulenweg statt. Die trauernden Hinterbliebenen. 1410b neue bosn. Pfd. 36PL H 283 Frisches Fleisch Mengenabgabe vorbehalten Ochsenschmorfleisch..... Pfund 120 Pa. Ochsenrouladen...... Pfund 120 Frisches Suppenfleisch Pfund 70P. Ralbskamm........ ................ Pfund 78PL Kalbsrücken..... Pfund 82P Kalbskeulen...... Pfund 95Pf. Hammelvorderfleisch... Pfand 80PL Hammelrücken... Pfand 88Pf. Schweinekamm 130 Kasslerkamm 128 28 Schweineschinken 125 und Schuft..... Pfund Kasslerschuft.Kn. Pfd. Piund Spitzbein.... Pfund Schweineköpfe 65 Schweineköpfe 52. Prima Elsbeine 78PL mit Fattbacke, Pfd. Gefrierfleisch Pfd. Pa. Ochsensuppenfleisch Pa. 58P Pa. Ochsenschmorfleisch 90PL. Pa. Rinderbacken Gehacktes.. Pfd. ........ Pfund Pfund 52 75 PL. Leichtverderbliche Artikel sind vom Versand ausgeschlossen Räucherwaren u.Fische Fettbücklinge Pland 42Pt. Schellfisch ger. Ptd. 38Pf. Rotbars ger.... Pfund 50Pf. Seelachs ger... Pfand 50Pt. Gr.Flandern Ahlbeck., Ptd. 55Pt. Schellfisch grosse Ptd. 22Pt. Goldbars o. K. Pfand 20Pf. Kabliau o. K., i.g. Pfd. 38Pt. Seelachs o.K., L.g. Pfd. 35Pf. Käse Camembert Sennerin, Schil. 31Pt. 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November 1925, nachmittags 12%, Uhr, im Krematorium Baumschulenweg, Kiefholzstr., statt. Zahlreiche Beteiligung erwartet Um die Ortsverwaltung. Gestern früh verschied unser lieber Sohn und Bruder, der Wertmeister Paul Schaker Beerdigung: Sonnabend, 14. Nov. 22 Uhr, Neuer Jocobilirchhof, Hermannstr. Emma Schaker u. Kinder. Plötzlich wurde uns unser langjähriger Mitarbeiter, der Tischlermeister Herr Otto Hennig aus seinem unermüdlichen Schaffen heraus durch den Tod entrissen. Der Verstorbene hat den Vorbesitzern unseres Unternehmens und uns selbst seit 30 Jahren in vorbildlicher Treue und Hingabe an seine Arbeit gedient und sich durch seine Pflichttreue unsere größte Wertschätzung erworben. Das Andenken dieses vortrefflichen Mannes werden wir stets in Enren halten. Berlin, den 11. November 1925. Aschingers Aktien- Gesellschaft Der Damenfuß spricht zum Herrenfuß: Warum verfolgen Sie mich? 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