Nr. 539 42. Jahrg. Ausgabe A nr. 275 Bezugsvrets: Böchentlich 70 Blennia. monafid 8,- Reichsmart voraus zahlbar. Unter Rreusband für Deutschland, Danzia. Saar- unb Memelgebiet, Vefterreich. Litauen. Luremburg 4.50 Reichsmart. Für das übrige Ausland 5,50 Reichsmart pro Monat. Der Borwärts mit der Sonntags beilage Boll und Reit mit„ Sieb. Luna und Aleingarten fowie der Beilage Unterhaltung und Bisfen und Frauenbeilage Frauenftimme erfcheint wochentäglich aweimal Sonntags und Montags einmal Telegramm- Abreffe: .Sozialdemokrat Berlin Morgenausgabe 111 Vorwärts Berliner Volksblatt ( 10 Pfennig Anzeigenvreise: Die einfaltige Nonpareille teile 80 Pfennig. Rellamezeile 5.- Reichsmart. Kleine Anzeigen bas fettgedrudte Bort 25 Biennia ( zuläffia amei fettgedruckte Worte). jebes weitere Wort 12 Bfennig. Stellengesuche bas erite Wort 15 Bfennig, tedes weitere Wort 10 Bfennig. Worte über 15 Buch ftaben zählen für amei Worie. Arbeitsmarkt Reile 60 Pfennig. 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H., Berlin SW. 68, Lindenstr.3 Boffschedfonto: Berlin 37 536 Bankkonto: Bank der Arbeiter, Angeftelten und Beamten, Wallstr. 65; Diskonto- Gesellschaft, Depofitentafe Bindenstr. 3. der Der Weg des Zentrums. Zum Kaffeler Parteitag. Für die nächsten Entscheidungen des Reichstags, und darüber hinaus für die ganze fünftige Gestaltung der deutschen Politik, hat der Parteitag des Zentrums, Bedeutung. Solange im Kräfteverhältnis der Parteien keine am Sonntag in Kassel beginnt, außerordentliche entscheidende Aenderung eintritt, bleibt das Zentrum die 1. Herr Dr. Luppe erkennt ausdrücklich an, daß die Darstellung Das Berhalten des Reichswehrministers gegenüber den Partei, ohne die feine Regierung gebildet werden und gegen des Herrn Emil Ludwig, ich hätte mit Beauftragten des Kron- unverkennbaren monarchistischen Tendenzen, die Reichswehr die fich feine Regierung im Amte halten tann. Damit ist ihm prinzen Rupprecht von Bayern verhandelt und ihnen für den Fall zu antirepublikanischen Propagandazwecken zu mißbrauchen, eine große Macht zugefallen, aber eine ebenso große Bereines Butsches die Neutralität der Reichswehr versprochen, unwahr pricht nicht gerade dafür, daß er nicht achselzudend Neutra- antwortung auf die Schultern gelegt. Ideologisch ist die Zentrumspartei eine Gegnerin der tft. Damit ist festgestellt, daß die von Herrn Emil Ludwig gegen lität gegenüber einem monarchistischen Butsch in Bayern mich erhobene Beschuldigung, ich hätte irgendwie attiv an bayerischen Sigt von Armin Affäre. Das Charakterbild Geß gegenfäge im Geifte des Christentums ist ihr Ziel. Heute haben Wir erinnern an fein Berhalten in der Ausgleichung der Klaffenmuß fie an ihrem eigenen Leibe erfahren, daß der Klassenfampf eine lebendige, bitter notwendige Tatsache ist, die durch feinerlei Ideologie beschworen und aus der Welt geschafft werden kann. Die fozialen Gegenfäge, die fie im ganzen Bolf ausföhnen und zur Bolfsgemeinschaft" zuzusammenführen möchte, gären und zerren in ihrem Innern und werden für ihre eigene Partei gemeinschaft zur ständigen Gefahr. Es nügt eben niemals, die Dinge so zu fehen, wie man sie gerne haben möchte, statt so wie sie sind. Monarchistenputschversuchen mitgewirft, entweder von Herrn Emil Ludwig erfunden ist oder aber auf einem Mißverständnis feiner Unterhaltung mit Herrn Dr. Luppe beruht. 2. Im übrigen reproduziert Herr Dr. Luppe ein Privat gespräch aus dem vorigen Jahre, das ich bei einem persönlichen Besuch mit ihm unter vier Augen hatte. Da ich darüber feiner Let Aufschreibungen befize, ist es mir nicht möglich, meine Aeußerungen wörtlich zu wiederholen. Ich kann nur darauf hinweisen, daß seit dem Zusammenbruch, entsprechend meiner ganzen Auffaffung mein ganzes öffentliches Birten lediglich dem Gedanken ber Reichseinheit gegolten hat, und daß ich öffentlich und privat überall die Auffaffung vertreten, habe, daß die Aufwerfung der monarchistischen Frage in Bayern meiner Ueberzeugung nach das Ende des Reiches und jedenfalls eine ich mere schmere Schädigung Banerns bebeuten würde und daß fie deshalb mit allen Mitteln verhindert werden müßte. Ich nehme In biefer Sache genau denselben Standpunkt ein, wie alle reichs treuen Bayern, gleichgültig ob die Republik oder die Monarchie ihr deal ift. Was meine angebliche Bemerkung über das Verhalten der Reichswehr im Falle eines monarchistischen Putsches enlangt, so ift es ganz ausgeschloffen, daß ich mich so geäußert habe, wie es Herr Dr. Luppe darstellt. Da somit einstweilen Aeußerung gegen Aeußerung über den Inhalt eines zeugenlosen Privat gespräches steht, glaube ich der restlosen Aufklärung der Angelegenheit, auf die die Deffentlichkeit nunmehr ein Recht hat, am besten zu dienen, wenn ich meinen Parteifreund, Herrn Reichstags abgeordneten ha a s, bitte, die möglichen Feststellungen zu treffen. Bis dahin werde ich mich weiterer Veröffentlichungen enthalten. Dr. Geßler. Der Nürnberger Oberbürgermeister Dr. Luppe hat über den Inhalt dieses Gespräches äußerst präzise Behauptungen aufgestellt, ferner die Behauptung, daß er sofort über das Gespräch schriftlich nach Berlin berichtet habe. Die Möglich feit, Feststellungen zu treffen, besteht also. Uns scheint, daß die demokratische Reichstags= frattion das größte Interesse daran hat, die Divergenz zwischen der Aeußerung von Geler und der Aeußerung Die Arbeitslosigkeit. g $ lers ist in der neuesten Geschichte der Republik zum mindesten schmantend gemorden. Finden die Angaben von Dr. Zuppe Bestätigung, so ist Geßler selbstverständlich erledigt. Gelingt es nicht, den Widerspruch zwifchen Aeußerung und Aeußerung aufzuflären, so wird Geßler als Reichswehrminister durch das Miß trauen der Republikaner in einer unmöglichen Position sein. Der Monarchistenkrach in Bayern. Der ,, Miesbacher" enthüllt. München, 13. November.( Eigener Drahtbericht.) Schon vor einigen Monaten wußte die volfische Presse von einem politischen Redaktionswechsel im Miesbacher Anzeiger" zu melden; Herr tempile, der rabiate Mittelsbacher Monarchist, Breußenhaffer und Habsburgerfreund, sollte verschwinden. Diese damals von Stempfle felbft dementierte Meldung erhält jetzt ihre Bestätigung. Der Berlag des Miesbacher Anzeiger" hat das Bertragsverhältnis mit Stempflegelöst, der schon in den nächsten Tagen den seit brei Jahren innegehabten Posten aufgeben wird. Die politische Führung des Blattes übernimmt ein publizistisch unbekannter Herr Glaser. Bemerkenswert ist, daß die Freitagnummer des Miesbacher Anzeiger" mit einer bisher noch nie dagewefenen Schärfe Stellung gegen den Ministerpräsidenten Dr. Held nimmt. In einer besonderen Erflärung wird dem Ministerpräsidenten in sechs Bunften nachzuweisen versucht, daß er gegenüber den Monarchisten eine hinterhältige Doppelrolle gespielt habe. Der interessantefte Bunkt ist der vierte. Er lautet:„ Es ist richtig, daß der amtliche bayerische Preffeapparat zwar der Deffentlichkeit mitteilt, daß Graf Soden bei Herrn Held war, daß er aber verschweigt, daß Herr Held ebenso bei Herrn Soben im Leuchtenberg Balais ( Balais von Rupprecht) war. Weiter behauptet das Blatt, der bayerische Ministerpräsident habe während feines Aufenthalts in Berlin em 10. November Reichshilfe erbeten für den Fall, daß in Bayern die Monarchie ausgerufen wird. Jedenfalls ist jetzt zwischen Held und den rechtsradikalen Attie visten ein ausgesprochen feindseliges Verhältnis festzustellen. Heute richtet sich die ganze But der bayerischen Monarchisten gegen Held. Der Zusammenbruch des alten Obrigkeitsstaats und der Aufstieg Deutschlands aus dem Trümmerfall des Krieges zur Republik hatten der Sache der arbeitenden Bolts. maffen einen Impuls gegeben, der bis in das Zentrum hinein fortwirfte. Das Zentrim wurde republikanisch demokratisch, und für soziale Forderungen der Arbeiter empfänglicher als zuvor. Nach außen vertrat es, da es im Kampf gegen Bismards Gewaltpolitif groß geworden war, die Politik der Berständigung. Es fonnte in der Weimarer Koalition führend werben: über die Richtung tonnte es ja für längere Zeit mit der Sozialdemokratie einig sein; das Tempo zu bestimmen, lag in seiner Hand. Aber das Wiederaufleben der großbürgerlichen und großagrarischen Macht, das durch die verhängnisvollen Fehler der Kommunisten und nationalistischen Demagogie herbeigeführt wurde, ging auch der Kommunisten und durch die Anziehungskraft der am Zentrum nicht fpurlos vorüber. Taktisch änderte sich die Lage insofern, als die Weimarer Roalition burch bröcke lungen nach rechts und links die Mehrheit im Steichstag verlor. Bugleich aber gewannen auch diejenigen Elemente im Zentrum, denen der demokratische Kurs ihrer Bartei höchstens vorübergehend erträglich erschien, und die sich durch. ihre Klaffenintereffen, bewußt oder unbewußt, noch nach der großbürgerlichen und großagrarischen Seite hingezogen fühlten, Einfluß und Selbstbewußtsein. Nicht wenig fam ihnen dabei der Umstand zu Hilfe, daß gemiffen christlichen Gewerkschaftsführern die Ber größerung der Distanz zwischen ihren Organisationen und den freien Gewerkschaften wichtiger zu fein fchien als die Herftellung einer gemeinsamen Arbeiterfront. Alle diese Umstände wirften zusammen, um im Reiche die Ulrich. Er dankte den Hessen, die unter der Besagung Rechtsregierung möglich zu machen, die sich mit Hilfe schwer gelitten haben für ihre Treue, und führte dann aus: des Zentrums zehn Monate long am Ruder hielt. Den Weg, Um 22 Prozent in einer Woche gestiegen. " Wir wollen hoffen, daß die schlimmsten Zeiten nunmehr über- den das Zentrum während dieser Zeit genommen hat, fennIn der Zeit vom 15. bis 31. Oftober 1925 ist die Zahl der Haupt- standen sind, und daß die in Locarno angebahnten Berzeichnen am besten zwei Reben, die Herr Fehrenbach in ruferflüßungsempfänger in der Erwerbslofenfürsorge von handlungen u. a. dazu führen mögen, dem besetzten Gebiet und wichtigen parlamentarischen Situationen gehalten hat. Als 299 000 auf 364 000, dh. um rund 22 Prozent gestiegen. in ihm auch Heffen Befreiung von den schlimmsten Herr Luther sein Amt als Reichstanzler antret, begrüßte ihn 3m einzelnen hat fich die Zahl der männlichen Hauptunterstützungs-& aften zu verschaffen und die zum Leben notwendige Be- Herr Fehrenbach mit einer Erffärung, die auf den Ton des empfänger von 274 000 auf 333 000, die der weiblichen Hauptunter- wegungsmöglichkeit wiederzugeben." wachsamen Abwartens gestellt wer, und die ihm nur dadurch ffügungsempfänger von 25 000 auf 31 000 erhöht. Die Zahl der das Weiterleben ermöglichte, da sie ihm das Mißtrauen nicht Zuschlagsempfänger( unterstützungsberechtigten Angehörigen von Hauptunterstüßungsempfängern) ist von 359 000 auf 439 000 gePartei strikt ab. Als aber dann im Hochsommer dieses Jahres direkt aussprach. Jede foalitionsmäßige Berbundenheit mit den Rechtsparteien lehnte Herr Fehrenbach namens seiner filegen. Hindenburg für Locarno. Eine bedentfame Rede in Darmstadt. Die Deutschnationalen bemühen sich, der Deffentlichkeit die Stellung des Reichspräsidenten Don Hindenburg zu den Verträgen von Locarno vorzuenthalten. Noch gestern 3 abend schrieb die Deutsche Zeitung": Wenn die Deutschnationalen die Entscheidung über wollen, dann ist es jetzt an der Zeit, daß sie ihre Haltung Locarno vertrauensvoll dem Reichspräsidenten überlassen revidieren und sich mit Hindenburg für 2ocarno erklären. Montag Entscheidung über Köln. Die Botschafterkonferenz einberufen. Baris, 13. november.( WTB.) Wie Havas mitteilt, wird die Botschafterfonferenz am Montag nachmittag um ihr zufammentreten, um über die Räumung der Kölner 3one zu entscheiden. Paris, 13. November.( BTB.) Kriegsminister Daladier hat heute vormittag den Befehlshaber der französischen Befehungs armee im Rheinland, General Guillaumat, empfangen. ,, Bon allen Seiten wird versucht, auf den Herrn Reichs. präsidenten entweder für oder gegen Locarno e in gumirten. Man vergißt dabei, daß der Herr Generalfeldmarschall von Hinden. burg sich seine Stellungnahme vorbehalten und fich flugermaßen noch in feiner Weise für oder gegen die eine Neue Angriffe auf Damaskus. oder die andere Lösung festgelegt hat. Und da meine ich, fönnen und müssen wir es diesem prächtigen Manne, der nicht nur einmal Französische Verteidigungsmaßnahmen. unser teueres Baterland gerettet hat, sondern auch noch das Opfer Paris, 13. November.( WTB.) Nach der Liberté sollen brachte, die Ruhe feines Lebensabends für Volk und Baterland her. Telegramme aus Beirut eingegangen fein, daß gestern bedeutende zugeben, vertrauensvoll überlaffen, wie er die Gefranzösische Verstärkungen mit leichter Artillerie und Tants schide Deutschlands lenten wird." gelandet worden seien. Nördlich von Damastus hatten 1500 Aufständische in der Nacht etnen heftigen Angriff unternommen, fie feien aber nach einem zweistündigen Kampf zurüd. geworfen worden. In Damastus selbst würden die Vorbereitungen für eine Berteidigung der Stadt auf das eifrigfte be für eine Berteidigung der Stadt auf das eifrigfte betrieben. Geftern morgen aber hielt der Reichspräsident in Darmstadt, das er auf seiner Durchreise durch Süddeutschland aufsuchte, eine bedeutsame Rede über Locarno. Er antwortete auf die Begrüßungsrede des Staatspräsidenten die 3ollvorlage im Reichstag durchgepeitscht wurde, da mar es Herr Fehrenbach, der namens der Rechtstoalition die schnöde Behandlung zu rechtfertigen versuchte, die der Oppofition bei dieser Gelegenheit widerfuhr. Jene Borgänge waren es, die Herrn Dr. Wirth zu seinem Austritt aus der Fraktion, nicht der Bartei, Bersonifikation des demokratischen und sozialen Zentrumsdes Zentrums unmittelbaren Anlaß gaben. Dr. Birth ist die furfes. Der Weg, den er genommen hat, von der faft unbestrittenen Führung der Partei bis zur gänglichen Staltftellung fennzeichnet wiederum den Weg, den das Zentrum in ben legten Jahren genommen hat. Nun tritt in Kassel der Parteitag zusammen, der die fünftige Linie des Zentrums bestimmen und zum Fall Wirth" Stellung nehmen soll. Diese Stellungnahme wird ihm nicht ganz leicht sein wobei die Regiefünfte der Bentrumsleitung nicht unterschäßt und die Tatsache nicht vergessen werden soll, daß der Austritt der Deutschnatienalen aus der Regierung die Lage erheblich erleichtert hat. -O Diese Erleichterung bedeutet aber nur einen taktischen Gewinn für die Leitung, feinen politischen Gewinn. Denn sie gibt die Möglichkeit, Fragen, die gestern noch bren nend maren, als nicht aftuell hinzustellen, die Gegensäge zu verwischen, statt sie reinsich auszutragen, Zukünftiges im Dunkel zu halten, statt es in klares Licht zu stellen. Was ist das Zentrum, und was will das Zentrum? An einer klaren Slntwort auf diese Frage sind nicht die Anhänger des Zentrums allein lebhaft inter- essiert, auch wir sind es. D e n n d i e p o l i t i s che n B e- trachtungen und Handlungen der Sozial- demokratischen Partei sind von dem Ge- danken beherrscht, daß der Zerfall der Nechtskoalition nur eine vorübergehende Erscheinung ist und daß die Deutschnation a- len aus der Regierung nur herausgegangen sind, um alsbald wieder in sie zurückzu- kehren. Dieser Gedanke beruht aber wieder auf der Vor- aussetzung, daß das Zentrum bereit ist, den Schritt zu wieder- holen, den es mit der Unterstützung der Regierung Luther getan hat. Die Sozialdemokratie hat niemals der Illusion gehuldigt, man könne Klassengegensätze„versöhnen", ohne sie aufzuheben. Sie ist die Partei der Ausgebeuteten und sozial Unterdrückten, und sie ist sich wohl ihrer Gegensätzlichkeit zu den Kreisen bewußt, die an der Aufrechterhaltung des bestehenden Zu- standes der sozialen Ungerechtigkeit interessiert sind. Sie kann l'nd will nicht den Vorwurf auf sich laden, sie hätte durch ihre Taktik die Rückkehr fener zur Regierung begünstigt, deren Politik vom Haß gegen die Demokratie und vom brutalen Herreninstinkt diktiert ist. Das Mißtrauen in der Sozialdemokratischen Partei ist groß und, wie jeder objektiv Urteilende zugeben wird, berechtigt. Ein unklarer Ausgang des Kasseler Parteitags kann es nicht beschwichtigen. Mag ein solcher Ausgang auch dem augenblicklichen Interesse der Zentrümsführung dienen, dem Volksganzen dient er gewiß nicht, und, auf längere Zeit gesehen, auch nicht den Interessen der Zentrums partei selbst. Kann diese Partei nicht beweisen, daß eine„Volks- gemeinschaft" unter den Sternen des sozialen und demo- kratischcn Gedankens möglich ist, ist der Geist der christsichen Solidarität in ihren besitzenden Schichten nicht stark genug, um zu begreifen, daß die sozial Unterdrückten die For- d e r n d e n, die anderen aber die Gewährenden sein müssen, dann bricht mit der ideologischen Grundlage der Zentrums- parte? schließlich auch die Partei selbst zusammen. Der soziale und der demokratische Gedanke werden damit nicht verloren sein, in der Sozialdemokratischen Partei haben sie ihren starken Hort: ihr Sieg ist auf die Dauer nicht auf- zuhalten. Der Kasseler Parteitag entscheidet indes- nicht nur über die Zukunft d»» Zentrums, sondern auch kn hohem Mahe über die nächsten Schicksake des deutschen VKlkes.� Von ihm erwarten wir die Antwort aus die Frage, ob die Mleder- Herstellung des deutschnationalen Ein» flusfes auf die deutsche Regier ungsvolitik möglich ist oder nicht, von ihm hangt das ab. Möge er sich klar darüber aussprechen! * Am Sonntag tritt in Kassel der Reichsparteiansschuß des Zentrums zusammen, um die Tagesordnung des Parteitages einer Dorbesprechung zu unterziehen und auch den.Fall Wirth" zu erörtern. In dieser. Sitzung werden auch verschiedene Konnnls- sionen für besondere Ausgaben gewählt werden. Es handelt sich , dabei um die Finanzlage der Zechrumsparlei. um die Erweiterung der Organisation und die Ausdehnung' der Aufklärungsarbeiten Der Reichsparteitag selbst nimmt am Montag seinen An- fang und soll bis Dienstag dauern. Cr bringt zunächst einen Vor- trog des Reichskanzlers a. D. Marx über.Das Wesen und die Aufgaben der deutschen Zentrumspartei in der deutschen Politik". ' Den Bericht der Reichstagsfraktion erstattet Reichskanzler a. D. Fehrenbach.' Außerdem stehen noch die Neuwahl des Reichs- parteioorstandes und Anträge auf der Tagesordnung. Heute bereits treten die Windthorstbünde zusammen. Gesunde und schöne Wohnung. Im Südosten Berlins, im Gesundheitshaus Kreuz- b e r g, Am Urban lv, Untergrundbahn Hasenheide, wird heute eine Ausstellung erösfnet werden, die eigentlich jeden Menschen, zumindest jede Familie in Berlin, angeht, weil sie ihnen zeigt, auf wie einfache und billige Weise man zu einer schönen und hygienischen Wohnung kommen kann. Eine Wohnung aber, die dem Menschen nicht not- dürftige und schmugige Unterkunft, sondern ein gemütliches und be- hagliches Heim gibt: das ist der Urgrund und die Voraussetzung alles irdischen Glücks, oller körperlichen und seelischen Gesundheit. Man soll die Ausstellung schon deshalb besuchen, well man hier wahrhast gute, praktische, schöne Sachen für den täglichen Gebrauch erwerben kann; entweder durch Kauf oder durch eventuellen Gewinn auf ein Lotterielos zu 1 Mark. Es gibt nicht viele Geschäfte, eigentlich jsibt es gor kein?, in dem man diese einwandfrei« Qualität praktischer Geräte und Möbel zugleich erstehen kann. Die Schau veranstaltet das Bezirksamt Kreuzberg mst der Arbeitsgemeinschaft für deutsche Hand» werkskultur(vom Reichskunj'twart gegründet) und dem Roten Kreuz zusammen. Das eigentliche Material lieferte im wesent» lich-n die Arbeitsgemeinschaft: der Zweck ist ein sozialhygienischer. aus der Aufklärungsarbeit entsprungen, die das Gesundheitshaus unter Leitung van Bürgermeister Dr. Tahle leistet. Mag der Apparat, in derlei Worten mühsam auseinandergesetzt, umständlich erscheinen: die Wirkung seiner Tätigkeit ist von ver- bluffender und durchschlagender Einfachheit. Die Tatsachen der Aus- stellunz reden eine so deutliche Sprache, daß teine mündliche Auf- klärungsarbeit dagegen auskommen könnte. Da ist Stube und Küche des Berliner Proletariers in ungeschminkter Wahrheit aufgebaut: zerrissen und verschmutzt und verwahrlost das Ganze, die herab- hängenden Tapeten'et-en scheinen von Wanzen zu wimmeln, Sofa- Überzug, Tisch und Kommod« starren von Schmutz und Trostlosig- kest, und diese Wohnung von abschreckender Scheußlichkeit an Möbel- sonnen und Verwahrlosung ist nicht etwa eine übel theatralische Mache, wie naive Gemüter denken könnten, sondern direkt aus der wirklichen Wirklichkeit hierher transportiert. Ihr gegenüber aber find die nämlichen Räume mit den nämlichen Möbeln so ausgestattet. daß sie einladend und anheimelnd wirken: und da» ohne«Pen Aufwand: die scheußlichen und überflüssigen Zierat- sind abgesägt, die Tapeten entfernt und Wände wie Möbel mit gutgestimmten Farben überstrichen. An alle» Stücken sind Teile in dem alten häßsichen Zustand, belassen morden, daß jeder sich davon überzeugen kann: hier handelt es sich nicht um einen Hokuspokus, sondern um eine ganz simple und kurzweilige Arbeitsleistung, die sich jedermann mit ein wenig Arbeitsgerät und zwei bis drei Farbentöpfen und ein wenig Geschmack selber leisten kann. Sogar die geringen Unkosten find dabei errechnet und abzulesen. Für die aber, die sich den Lurus einer neuen Wohnungseinrich- nmq leisten können oder müssen, haben die Architekten Ernst Müller und Bruno Taut je eins Zweizimmerwohnung mit Küche eingerichtet, die Schönheit, Brauchbarkeit und Billigkeit ver- estst. Leider sind heute Materialien und Arbeit so teuer geworden, daß eine billig» Küche immer noch 300 bis 400 Mark, das schön« Dr. Wirth trifft erst am Sonntagabend in Kassel ein. Er wird also nicht an der Sitzung des Parteiausschusses, sondern erst am Parteitag selbst teilnehmen, dessen Sitzungen übrigens nach Absicht der Leitung unter Ausschluß der Presse und des Publi. kums stallsinden sollen. Dagegen besteht eine starke Opposition, die für die Herstellung der Oesfenllichkcit wirkt. Der Salkenbieger über Locarno. Tirpitz für Opposition. In der„Deutschen Tageszeitung" meldet sich der Dal- kenbieger zum Wort. Er stellt Leitsatze über den Vertrag von Locarno auf, die er mit dem Hinweis empfiehlt, daß sie„das Ergebnis längerer Erwägungen feien, die auf einer nicht unerheblichen politischen Erfahrung beruhen". Tirpitz gehörte bei der Erledigung der Dawes-Gesetze im vergangenen Jahre im Reichstag zu den Jasagern. Wenn er- jetzt öffentlich für die Ablehnung der Locarnö-Verträge eintritt, so bedeutet das eine nicht unerhebliche Verstärkung der Rein- sager-Front bei den Deutschnationalen. Seine Haltung ver- stärkt den Eindruck, daß die Deutschnationalen sich dauernd von der Verantwortung drücken und zur Politik der na- tionalistischen Phrase übergehen wollen, die ihnen im Parteiinteresie dankbarer zu sein scheint. Was Tirpitz sachlich gegen die Verträge vorzubringen hat, ist trotz seines Hinweises auf seine„nicht unerhebsichm Erfahrungen" ab- solut bedeutungslos. Höchstens ist es interessant zu sehen, wie Tirpitz in seinem Hinweis auf Rußland bolsche- w i st i s ch e r al s die Bolschewisten ist. Auch er sieht einen„Kreuzzug" des westlichen Europas gegen. den an- greifenden Bolschewismus voraus und möchte sich an einem solchen Kreuzzug nicht beteiligen. Dieses Argument werden die Bolschewisten selber Tirpitz und seinen Freunden bald genug nehmen. Im übrigen zeigt Tirpitz nur, daß er und feine Leute den Weg der deutschen Außenvositik, der über die Annabm« der Dawes-Gesetze nach Locarno und darüber hinaus zum Völkerbund bis zu«wer neuen europäischen Politik führt, nicht verstehen und nicht verstehen wollen. Er bescheinigt nur von neuem dadurch den Deutschnationalen seine gänzlich« U n- f ä h i g k e i t zur Leitung der deutschen Politik. Prozeß Stoelzel vertagt. LandeSfchulrat Stoelzel schwer erkrankt.— Die Folge« der Justizheye. F. Fl. Drannschwelg, 13. November.(Eigener Drahtbericht.) Am Treppenaufgang zum Strafkammersaal im Draunschwelger Justizgebäude steht dieser drohende Satz: „Wehe, wer des Rechts und der Sitte göttliche Ordnung frech entweibt. Ueber des Frevlers irrendem Schritte schwebt das Schwert der Gerechtigkeit." Mit dem Schauer vor den Rachegöttinnen, deren furchtbares Watten hier angekündigt wird, steigt man die Steintreppe zur Stätte des Gerichts enipor.„Wehe, wer des Rechts und der Sitte göttsiche Ordnung frech entweiht". Das soll in unserem Fall der Landesschul. rat Stoelzel getan haben, deshalb bedroht ihn das Schwert der Gerechtigkeit. Freilich, dieses gewattige Schwert soll in diesem Prozeß auf Fleckchen- stoßen, die mit bloßlun. Aug» kaum, erkennbar sind. Der Landesschulrat ist Sozialdemokrat, das ist in den Augen der gegenwärtigen Stahlhettnregierung Braunschweigs schon ein todwürdiges Berbrechen.. Man hat ihn auch, sobald es ging, zur Disposition gestellt. Und dann fing man an, Material gegen ihn zu suchen. Denn schließlich will man doch einen Landesschulrat nicht dauernd mit Gehalt oderWartegeld laufen lassen. Nun hat man entdeckt, daß er in der Zeit vom Oktober 1921 big Ende 1324 dreimal von seinem Diensttelephon zu angeblich privaten Zwecken Gebrauch ge» Wohnzimmer aus poliertem Kirschholz fourniert 2000 Mark kosten. Zwischen diesen Extremen bewegen sich die Preise: wer sie nicht erschwingen kann, wird sich nach der Methode der Selbsthilfe mit Säge und Farbentopf einrichten müssen. Aber diese kleinen Woh- nungen stellen das Anmutigste und Wohligste dar, das man mit unserer notwendig gewordenen spartanischen Einfachheit erdenken kann. Nicht Verzierung wirkt, sondern schöne», gediegen bebandettes Material und klargestinimte Farben an den großen Flächen von Möbeln und Wänden. Insbesondere Taut hat Meisterstücke von geschmackvoller Farbigkeit gebracht, mit der wir heute ja die schönsten Wirkungen erzielen können, unendlich erfreulich in ihrer Kühnheit der Kombination, wo er z. B. eine schwarze Decke über hellfarbige Wände setzt oder Braun, Grün und Hellgelb zum Dreiklang eint, in dem Möbel und Zimmerwänd« eine unlösliche Einheit bilden. Dazu stellt dann die Arbeitsgemeinschaft für Deutsche Handwerks- kullur eine Ausstellung von Hausrat zusammen, die das Best« und Würdigste unseres heutigen Kunstgewerbes bietet. Man will nicht Namen der Hersteller und Manufakturen genannt wissen. So möge e« genügen, auf die Vollkommenheit und schlichte Schönheit dieser Kleingeräte hinzuweisen, deren Sinn in der Vereinigung von Brauch. barteit und aller Verwertung de» Materials liegt. Holzteller, Flecht- törbchen, Zinnschüsseln, Glasgefäße, Messinggeräte. Bauerntöpfe- reien sind in köstlichen Exemplaren mannigfach und begehrenswert dort zu haben. Vor allem aber fei auf die unübertrefflich schöne Farbigkeit und Form der Kunsttöpfereien hingewiesen, die aus Elber. selb und dem Bauhaus stammen, und auf die rein weißen Porzellane au» Berlin. Sehr zu begrüßen ist. daß die Schau den weitesten Kreisen zu- gänglich gemacht wird. Nickst nur durch Führungen, sondern auch durch Parosselausstellungen, die demnächst bei Wertheim und vor allem im Gewerkschafts hau» eröffnet werden sollen. Denn dieser praktisch« Anschamingsunterricht kann gar nicht weit genug verbreitet worden. Er sollte für jeden Menschen vom 12. Lebens- jähre ab obligatorisch werden. Dr. P a u l F. S ch m i d t. Ein Kampf ums eichk. Heute feiert der Astronom und Schrift« steller Bruno H. Bürgel seinen 50. Geburtstag. Scheinbar unlöslich geschlagen in die Fesseln erschöpfender, sed« geistig« vitali- tät ertötender Fabrikarbeit, packte den noch nicht zwanzigjährigen Proletarier eines lichten Sonnnersonntapsmorgens auf dem Heim- weg noch durchzeckter Nacht die Sehnsucht nach Reinheit und schöpferischem Dasein. Bon diesem Augenblick an steigt trotz tausend- jacher Widerstände das Leben dieses Mannes in steiler Kurve auf- «ärts. Reinster Idealismus Schill-rscher Prägung ist die Trieb- kraft in diesem Kampf ums Licht. Cs ist schwer zu ermessen, welche Ströme von Segen und Lebenskraft von dem Werden und Wirken Bürgels ausgegangen sind und noch ausgehen können. Schon nähern sich mehrer« seiner Bücher, die teils wertvolle dichterisch« Gestaltungen philosophischen Welterlebens find, teils in leicht faßlicher Form die Friichis wissenschaftlicher Arbeit bergen, dem ersten H>'ndestsai'>ond. Erschienen find sein sämtlichen Werke„Aus fernen Welten"(von Ernst Haeck-l als„die beste volkstümliche Himmelskunde" bezeichnet), Stern von Afrika" und„Gespenster". AntstnlliWrtWche Vlchtmigen Nest Eerkrnd Ehsoldt heut«, nach mittags S Uhr, im Lessing-Museum, Brüder str. 13, vor. EinKitt frei ? macht hat. Diese drei Gespräche würden heut« zusammen 45 Pf. ! kosten. Aber die angeblich vorschriftswidrige Verwendung des Dienst- telephons enthält nach Anklageschrift und Eröffnungsbcschluß die „Absicht, sich rechtswidrige Vermögensvorteile zu verschaffen". Weiter soll Stoelzel regelwidrig sich in der Zeit sich überstürzender Markentwertung eine Dienstreise mit einem Auf- schlag von 300 Proz. haben entschädigen lassen, dadurch hat er den Staat angeblich 35 500 000 000 M.(58 Milliarden, 500 Millionen M.) geschädigt. Furchtbare Summe! Aber nach heutigem Geld- wert sind dos nur 5,8 Pf.I Ganz ähnlich sind die Vorwürfe. die ihm sonst noch gemacht werden. Es ist ein Skandal sondergleichen, daß diese Anklage erhoben wurde und daß das Sericht dazu noch das Verfahren eröffnete. Das Schwert der Gerechtigkeit bedroht hier einen Mann, augenscheinlich deswegen, weil er die göttliche S t a h l h e l m o r d- n u n g in Braunschweig durch Zugehörigkeit zur Sozialdemokratie entweiht hat. Die Hetze gegen ihn hat seine Nerven schon seit Monaten mitgenommen. Der Streich des Gerichts, der am Mittwoch die Verteidiger brüskierte und sie zur gemeinsamen Niederlegung ihrer Mandate veranlaßt«, hat das letzte getan, um ihn krank zu machen. Stoelzel lst schwer erkranft, so daß die für heule nachmittag mit etnem Osfizlalverleidiger angesetzte Verhandlung wegen Ver- Handlungsunfähigkeit des Angeklagten aus unbestimmte Zeit vertagt werden mußte. Inzwischen können Stoatsonwall und Gericht weiter darüber nach- sinnen, ob nicht noch einige Telephongespräche mehr geführt worden sind, um die„Absicht, sich rechtswidrige Bermögensvorteile zu ver- schaffen", einigermaßen glaubhaft erscheinen zu lassen. Der Fall Stoelzel-ist ein neuer Fall Loeb. Man will einen sozial- demokratischen Beamten als Betrüger und Dieb hinstellen, um so die Reaktion in bengalischem Lichte als Reiniger Deutschlands zu zeigen. Deswegen darf dieser Prozeß trotz seiner Vertagung gerade in republikanischen Kreisen.nicht vergessen werden. Untersuchungen im thüringischen Lanütag. Tie Polizeiinahnahmen der„Ordnungs"regierung. Deimar, 13. November.(Eigener Drahtbericht.) Vor etwa einem halben Jahre hat der Landtag Thüringens einen Unter- suchungsausschuß eingesetzt, der verschiedene bedenkliche Polizeimaßnahmen der Regierung prüfen sollte. Bis jetzt ist dieser Ausschuß überhaupt nicht zur Arbeit gekommen, da ihm dir Regierung eine Tätigkeit nach jeder Richtung nahezu unmöglich macht. Jetzt versucht sie, ihm auch das Leweismaterial vor- zuenthaltsn. Am Freitag ließ die Regierung erklären, sie lehne es a b, die Polizeiakten der Stadt Gotha zur Untersuchung der Vorfälle bei dem Begräbnis des fruher-n Volksbeauftragten Schauder heranzuziehen, da durch eine öffentliche Besprechung des Aktenmaterials Nachtelle zum Schaden des Reiches und der Länder entstehen könnten. Der sozialdemokratisch« Vorschlag, den Mit- destgliedern des Ausschusses Schweigepflicht aufzuerlegen, wurde von der Regierung ebenfalls abgelehnt mit der Begründung, man könnte nicht damit rechnen, daß in einem Ausschuß, in dem Kommunisten süßen, die Schweigepflicht gewahrt werde. Infolgedessen kam es zu scharfen Auseinandersetzungen mit den Kommunisten, wobei die Sitzung des Ausschusses ausflog. Der Rechtsblock in Hannover. Tie Provinziallaudtagsliste der Reaktion. Hannover, 13. November(Telunion.) DieVereinigleHannoverich« ProvinziailandtagSliste umfaßt jetzt folgende Parteien und verbände: Deutsch-Hannoversche Partei. Deutschnationale VollSpaitei, Tenlsch« Bolkjpartei, Deulschvöikische Freiheitcparte«, Hannoveislber Landbund, die wirischakilichen und gewerblichen OrganUatione» der Pro vinz. Bezirkslandbiind Hannover, die Vaterländischen verbände, Deut'chnalionalerArbeiterbund. Deulscher Frauenbund und Arbeiter- ring der Dentichen VollSpartei. Die Vereinigung erläßt einen gemeinsamen Wahlanfruf. Gold au» Wasser. Aus Quecksilber soll Gold gewonnen, sa ge- radezu gemacht werden tönen, indem sich Quecksilber unter dem Em- fluß der Elektrizität in Gold verwandctt. Allerdings ist man in wissenschaftlichen Kreisen nicht ganz einig darüber, von sehr be° achtenswerten Forschern wird die Meinung vertreten, daß das Gold schon vor den Versuchen sich als Beimengung in dem Quecksilber befand, und daß beim Arbeiten mit völlig reinem Quecksilber keine Spur von Gold gewonnen wird. Anders verhält es sich mit der Goldgewinnung aus Wasser. Allerdings behauptet niemand, daß das Wasser sich in Gold verwandelt, wohl ober, daß im Wasser Goldteilchen schweben, und daß es darauf ankommt, diese» Gold durch Irgendwelche physikalischen oder chemischen Methoden abge- sondert zu erhatten. Daß im Meereswasser Gold enthalten ist, Ist seit langem bekannt— hat doch ein phantasiebegabter Schriftsteller aus der Goldgewinnung aus dem Meere einen Umsturz aller wirt- schaftlichen Berhättnisse ausgebaut. Wissenschaftliche Untersuchungen über den Goldgehalt des Meereswassers hat jüngst der berühmte Darsteller des Luststickstofss, Professor Haber im Berein mit Dr. Jaenicke angestellt und im Zusammenhang damit auch das Flußwasser des Rheins auf seinen Goldaeholl untersucht. Die an verschiedenen Stellen em- nommensn Wasserproben zeigten einen sehr ungleichmäßigen Gold- gehatt, der bis auf ein hundertiertausendstel Milligramm im Liter. also ein Hundertstel Milligramm im Kubikmeter stieg. Als Mittel- wert aus den von den beiden Forschern angestellten Versuchen er- gibt sich nur etwa der dritte Tell dieses Wertes. Immerhin schätzen sie die Goldmenge, die der Rhein alljährlich ins Meer führt, auf rund 200 Kilogramm. Auch Silber konnten sie im Wasser des Rheins nachweisen, und zwar in etwa doppelt so großer Meng« als Gold. Für eine technische Gewinnung von Gold und Silber haben diese wissenschaftlichen Methoden und Forschungen, zunächst wenigstens und für absehbare Zeit, nicht die geringste Bedeutung. Der materielle Gewinn, der aus wisienschastlichen Untersuchungen vielleicht zu ziehen wäre, ist ja aber auch etwas, woran zu denken dem echten Forscher ganz fern liegt. Bt. Zn der verlker Sezckssvn spricht Prot. Eecrg Siernremt om Bußtnq (18, November), abend« 8 llbr,«um Kedächtni« von Lovi« Forint b. Ter Borliag wird von etwa 50(Zum Teil wrbiecn) Lichtbildern beeleitet werden, garten sind nur in der Berliner Sezession, Kulfürftendav'Nl-23-2. erhältlich. Zavenlsch« ZandallZiize, Vasanalplele vnb(Bametotimufik. Arckchließ-nb an d e javaniich.indonefilS e AnSsseNung. die vom 15. bi« 30 November im ktUNilgewerkebe.liS stiietmenn u. Weber veranfialtet imrd. finden om l»., tg., 20.»nd 2l. ini Küiiftlrrba»«. Billeonefir. Z. Zlufiücrimoen der be- rllbmten ZLojongspiel» lSä aildnchiele) siait. Ziiifiride», werden Lugmal Tandaklänze gezeipt und zwar mit Begleitunz echter Gamrlanmu.stt. Friedrich»ad Lacle 7Nann'-elm weiden in einer Feie, stund« Im IuzendalbeiiSlieii«.Hipe- Zonnioa voimiliag tlss, Ndr im Büreer« aal de» Berliner Ratbalise« Märchen und andere« lesen,«arten ,u 1 M. bei Sertbcim nnd am Saaleingang. Ver tlersidetz«?elitl« Da gehen auch die Künstler auf die Straße und versuchen, an da» Publikum heranzukommen. Zur Weihnachtszeit kann man in jedem Jahr auch in Berlin beobachten, wie Künstler ihre mehr oder minder gelungenen Arbeiten— Oelgsmälde, Graphiken— auf offener Straße feilbieten. In London gibt es Künstler, die auf den Pflaster- steinen mit Buntstiften vor den Augen des Publikums Gemälde hin- zaubern, um so die Gebefreudigkeit der durch die Straßen hastenden Menge zu erregen. Der Künstler aus der Straße ist eine Anklag« gegen die Kultur der heutigen Zeit. Und nicht nur die materielle Not allein verbittert dem Künstler das Dosein. Auch die Teilnahms- losigkeit seiner Mitmenschen, die so selten sein Wollen verstehen, lasten schwer aus ihm und tragen mit bei zu seinem N edergang. Und doch sollte des Künstlers eigentliche Aufgabe sein, die Menschheit zu höheren Zielen zu führen. I standen, wollte er nicht immer wieder davon gesprochen haben. Olga hatte wirklich Pech, so was zu erleben ist keine Kleinig- keit! Sie tat ihm leid, und ihre Sorg« wo das Kind nun einigermaßen annehmbar unterbringen, verstand er. Sa leicht fand sich nichts, und so rasch erst recht nicht. Er war es. der seiner Frau zu einer günstigen Stunde den Vorschlag machte, die kleine Eva dazubehalten. Wo Drei« waren, tonnte ja auch noch das Vierte fein, man würde von dem kleinen Ding überhaupt nicht viel merken. „Sie muß aber bezahlen,* sagte die Frau. Selbstverständlich wollte Olga das: sie war so überrascht über den Vorschlag, so glückselig über den Ausweg aus ihrer Bedrängnis, daß sie dem Bruder um den Hals fiel. Sie hätte der Schwägerin gern einen Kuß gegeben, aber so etwas war zwischen ihnen nicht Mode. So küßte sie ihr in über- wallender Dankbarkeit die Hand.— Nun sah Olga ihre Kleine die ganze Woche über nicht. Sie selber hatte eine Sd)lafstelle nicht weit vom Geschäft, be- scheiden genug, aber zusammen mit der Vension für Eva kam es sie doch bedeutend hoher als bei der Lehmann. Da es jetzt Herbst wurde und beim Wechsel der Jahreszeit viel im Ge- schäft zu tun war. war sie glücklich, täglich Heberstunden machen zu können: es wurde oft Elf, bis sie in ihre Schlaf- stelle kam. Ein anstrengendes Leben. Aber sie verdiente gut. Und es machte sie selig, wenn sie zum Sonntag ihrer Eva etwas Neues mitbringen konnte, meist etwas zum An- ziehen: ein kleines Mädchen putzt man ja so gern. Die kleine Eva bekam ein weißes Kleidchen, ein himmelblaues Kleidchen. eine Kapotte von Seide, innen gefüttert, mit einem Kränzchen aus Rosenknosven. Schuhchen aus hellem Leder, wie sie nur ganz feine Kinder tragen. „Sie�hängt alles an den Staat,* sagte tadelnd die Schwä- Serin. Aber da Olga pünktlich das Kostgeld zahlte und stets ereit war, obgleich sie schon die ganze Woche nähte, am Sonntag auch noch ein bißchen zu nähen, erhob Frau Wik- kowski keine Einsprache. Sie bemühte sich sogar, es Olga nachzutun: es war wie eine Rivalität zwischen den beiden Müttern. Wenn Eva ein hellblaues Kleidchen hatte, mußt« Irma auch eines haben, dem Kind kam es doch viel eher zu. Und vor allem Gretchen, die nun schon bald ein Backfisch wurde und diesen Winter vielleicht Tanzstunde bekam, mußte niedlich gekleidet gehen. Olga fand immer so viel zu nähen bei der Schwägerin, daß sie vom Sonntag oft müder wurde als vom Werktag.(Fortsetzung folgt.) Der Potsdamer Prozeß. Die Kriminalpolizei faat aus. Im Bothmer- Prozeß wurde im Laufe des Nachmittags sehr eingehend Frau Bogt, die Tochter des bestohlenen Präfioenten, ver nommen. Sie hat die ganze Krantenwäsche ihrer Mutter sorgfältig nach dem Tode aufbewahrt und mit einem Bettel versehen, auf dem fie geschrieben hatte: Für Tante Marie bestimmt." Im August war alles gestohlen. Sie befundete, daß ihr Vater schon längst den Berdacht gegen die Gräfin geäußert habe. Dann wurde Kriminaloberkommissar Steinhauer ver nommen. Er schilderte, wie man die gestohlenen Sachen in Berlin aufgetrieben habe und wie alle Käufer die Gräfin als diejenige wiedererkannt hätten, die die Sachen verkauft habe. Die Anklage hat behauptet, so führte der Zeuge aus, daß der Regierungsrat v. Bothmer sich erschießen wollte, meil seine Frau wie ein Bild von der Polizei gehegt worden sei. Herr Landgerichtsdirektor," meinte der Oberkommissar mit lauter Stimme, das stimmt ja gar nicht. Denn als der Graf den Selbstmordverfuch verübte, war die Gräfin noch gar nicht beobachtet worden. Die Gräfin habe ihm gegen über bestritten, daß sie die Wohnung des Präsidenten während seiner Abwesenheit betreten habe. Es wurde ihr jedoch das Gegenteil nach gewiefen. 9000 m. Schulden find allein in Potsdam bei kleinen Leuten festgestellt, die angebliche Rettungsaktion der Gräfin an einem Rinde ist bis zum heutigen Tage nicht zu ermitteln gewesen. Auch wer die Rettungsmedaille mit Diplom überbracht, tann nicht festgestellt werden. Die Geschichte der Tapferfeit schwebt vollständig im dunkeln. Hier erhob sich der erste Staatsanwalt Gerlach, er hielt ein Batet in seiner Hand und erklärte:„ Ein Major aus Berlin fendet dieses hier, es ist eine Base, die er von der Gräfin geschenkt erhalten hat" und siehe da, gestohlen aus dem Haufe des Präsidenten.( Große Bewegung im Gerichtssaal.) Bor f.( zur Angeklagten): Beit genug haben Sie ja gehabt, von diesem Geschent hier etwas zu erwähnen." Jetzt fommt der Höhepunkt des Prozesses! Kriminalobersekretär Better Bots dam hat die Hausfuchungen ausgeführt. Der Präfident beschuldigte zuerst amet einwandfreie Familien in seinem Hause. Nichts wurde gefunden. Bei der Durchsuchung der Wohnung der Gräfin rief der Präsident, als die Aufwärterin Frau Bandura im Zimmer stand: Frau Bandura, was geht Sie das hier alles an? Gehen Sie man raus aus dem Zimmer." Der Bolizeibeamte machte dem Präsidenten aber klar, daß er feine Befugniffe habe, der Frau Bandura den Aufenthalt zu verbieten. Bei dieser Haussuchung erschien Graf Adolf von Bothmer, ein Schwager der Angeflagten, und dieser meinte: Ich habe die fefte Ueberzeu gung, daß die Gräfin gestohlen hat, wir halten sie in der Familie alle für eine Lügnerin und Schwindlerin." Zwei Tage vor der Hauptverhandlung hat sich der Kriminalbeamte den Tatort, die Wohnung des Präsidenten, angesehen. Da sagte der Bräsident Ried zu ihm:„ Na, jetzt bin ich der Ueberzeugung, daß die Gräfin es war, die hat mich ja seit drei Jahren be. stohlen. Die Gräfin ist immer von hinten heraufgekommen und menn ich sie da getroffen, wollte sie angeblich immer etwas holen. Sie hat sich blaue Augen da gestoßen im Dunkeln."( Große Be megung im Zuhörerraum.) Das war der Schlußafford der gestrigen Berhandlung. Nun ist wohl in zwei Tagen das Urteil zu erwarten. Denn nach diesen präzisen Aussagen der Potsdamer Kriminalbeamten wird für die Angeklagte nicht mehr viel zu retten sein. Morgen werden die Geistlichen und vielleicht schon der Schreibsachverständige zu Wort fommen. Man hört im Gerichtssaal die Nachricht, daß Graf Bothmer nach Münster in Westfalen versetzt sein soll. " Die Stimme, des Gewissens. Ein verhängnisvoller Irrtum, der den Tod eines 20jähri gen Mädchens herbeigeführt, und beinahe einen unschul bigen ins Gefängnis gebracht hätte, führte den Arbeiter Paul M. vor das Schöffengericht Pankow, wo er sich wegen fahrfäffiger Tötung zu verantworten hatte. Der Anklage lag folgender Sachverhalt zugrunde: Am 23. November v. J. hörte Müller und sein Stiefsohn Otto T. auf dem Hof in den Abendstunden ver. dächtige Geräusche. In der Annahme, daß es Einbrecher sein fönnten, nahmen beide Männer Revolver mit. Als fie nach 10 Minuten noch nicht zurückgekehrt waren, ging Frau M. mit einer jungen Verwandten, Else M., ebenfalls hinaus, um nach den beiden Männern Ausschau zu halten. Kaum hatten sie aber den Hof betreten, da trachte ein Schuß und das junge Mädchen brach durch eine Rugel in den Kopf getroffen sofort tot zusammen. Otto I. wurde darauf unter dem dringenden Verdacht, den Tod in fahrlässiger Weise herbeigeführt zu haben, unter Antlage gestellt. Bor Gericht gab er auch zu, geschoffen zu haben, beteuerte aber, den Schuß nicht in der Richtung, wo die Getroffene gestanden habe, ab. gegeben zu haben. Troh seiner mehrmaligen Unschuldsbeteuerungen wurde er zu 9 Monaten und 2 Wochen Gefängnis perurteilt. Nachdem das Urteil verkündet worden war, gab es eine Ueberraschung, die große Bewegung auslöfte. Der Stief vater des Berurteilten, der Arbeiter Paul M., der als Zeuge geladen war, stand nämlich auf und erklärte, der wahre Schuldige zu sein, da ihn sein Gewissen nicht in Ruhe gelaffen habe und er es nicht über das Herz bringen fönne, daß ein Unschuldiger für eine Tat bestraft werde, die er selbst, wenn auch unabsichtlich, begangen habe. Infolge diefes Geständnisses wurde Otto T. in der nächsten Instanz freigesprochen, während M. sich nunmehr vor Gericht zu verantworten hatte. Der Angeklagte wiederholte auch hier sein Geständnis und bat um eine milde Bestrafung. Diese wurde ihm mit Rücksicht auf sein offenes Geständnis, durch das er einen Ün. Miguel Zabletten in affen Apothefen n. Drogerien Mt. 1.bei Husten, Heiserkeit, Katarrh fchuldigen gerettet habe, auch zugebilligt. Das Urteil lautet auf| geraten waren. Es wurde aus einem Rohr Waffer gegeben und 8 Monate Gefängnis mit3jährigem Strafauffchub nach etwa einstündiger Tätigkeit war die Hauptgefahr beseitigt. und Aussicht auf fünftige Begnadigung. Die Entstehungsursache bei beiden Bränden ist noch nicht festgesteйt. Stadtinspektor Bsdok. Einer, der andere ins Zuchthaus bringen wollte. In der Beleidigungsaffäre gegen den Stadtinspektor Bsbot, der seinerzeit unter den Beamten der Stadtgemeinde Berlin die auf sehenerregende Mitteilung verbreitet haben soll, Bürger meister Schneider und Bureaudirettor Walpurger hätten einen meineid geleistet, und er fönne sie binnen acht Tagen ins Zuchthaus bringen, stand jetzt vor der Straf fammer des Landgerichts I unter Borsiz von Landgerichtsrat Böttcher die Berufungsverhandlung an. Die Angelegenheit beschäftigte das Gericht in zwei vollen Gigungstagen. Der Angeflagte versuchte durch den früheren Stadtrat R.- 2. Brumby und R. A. Rod stroh mit einem zahlreichen 3eugenaufgebot den Wahrheitsbeweis anzutreten, und zwar über die frühere Duzfreundschaft zwischen Bürgermeister Schneider und seinem Bureaudirektor und den gesellschaftlich näheren Verkehr der beiden, was diese unter Eid abgeftritten hatten. Die Rechtsanwälte Dr. Siegfried Weinberg, Dr. Bindar und Bergmann, bie die auch persönlich erschienenen Rebenfläger vertreten, wandten fich mit Entschiedenheit gegen diese Anschuldigungen. Es kam im Laufe der Verhandlung zu recht ftürmischen Auftritten. R.-A. Brumby, der von russischen Zuständen in der Stadtver waltung sprach, erhielt vom Gericht eine Berwarnung, wobei der Borfißende andeutete, daß ein Berfahren gegen ihn veranlaßt werben würde. Intereffant war auch die Bernehmung des Borfizenden der Bezirksversammlung Mitte, R.-A. Kunz, der zugeben mußte, die meineidsanzeige, die Bsbot gegen Bürgermeister Schneider erstattet hatte, in seinem Bureau felbft aufge. fett zu haben. Staatsanwaltschaftsrat Dr. Herrmann hielt den Wahrheitsbeweis für mißlungen und beantragte die Berwerfung. Nach längerer Beratung fam die Straftammer zu folgendem Urteil: Der Wahrheitsbeweis sei dem Angeklagten voll ständig mißlungen und die Rebentläger hätten fich in völlig ein. mandfreier Weise verhalten. Die Beleidigungen bes Ange flagten feien ein Ausfluß einer schwer zu beurteilen. den rachsüchtigen Gefinnuna. Nur die Tatsache, daß die bevorstehende Novelle zum Strafgefeß von furzfristigen Freiheitsftrafen abfehen wird, hat das Gericht veranlaßt, den Angeklagten vor einer Gefänaisstrafe zu bewahren, die er an fich verwirkt hätte. Stadtinspektor Bsdof wurde zu 900 Mart Geldstrafe verurteilt. Ein rätselhaftee Todesfall. Mit der Aufklärung eines rätfelhaften Todesfalles beschäftigt fich die Kriminalpolizei. Im Erdgeschoß des Gartenhauses Ryff häuser str. 40 fand gestern früh um 8 Uhr die Wohnungsinhaberin ihren Untermieter, den 40 Jahre alten Fensterpuzer Paul Road, in feinem Rimmer tot auf. Die Frau schlug sofort Lärm, und die Kriminalpolizei wurde benachrichtigt. Noad lag quer über seinem Bett. Im Zimmer wurde noch ein leichter Gas geruch wahr genommen, und men vermutet daher, daß Noad am Donnerstag abend, als er nach Haufe tam, vergeffen hat, den Gashahn zu schließen. Die Wirtin, die in später Abendstunde den Haupthahn geschloffen und ihn in fehr früher Morgenstunde wieder geöffnet hat, tonnte nicht wiffen, daß Noads Lampe nicht gesichert war. Aller Wahrscheinlichkeit nach ist der Mann einem Unglüdsfall zum Opfer gefallen. Die vorläufige ärztliche Besichtigung fonnte eine genaue Todesursache noch nicht feststellen. Erst die Obduktion wird völlige Klarheit schaffen. Die Leiche wurde beschlagnahmt. Zwei gefährliche Brände. Gestern vormittag fam in einem Lagerfeller in der Kostr. 9 furz vor 11 Uhr ein größerer Stellerbrond zum Ausbruch, wo viele Riften und Holzwolle lagerten. Die Feuerwehr ging mit einem Rohr größeren und einem Nohr fleineren Kalibers gegen das Feuer vor. Do war es fehr schwierig, gegen den eigentlichen Brandherb beranzukommen, da der Wafferftrahl gegen bie vorgelagerten Riften sprigte und auf das Feuer wenig Einwirtung fand. Die Feuerwehrleute hatten unter der großen Hiße und Dualmenttoidlung febr zu leiben und zwei Feuerwehrleute Wodrich und ang ries ertranften an Rauchbergiftung, so daß fie in ihre Wohnung gebracht werden mußten. Nach längerem Waffergeben gelang es dann, den Brand auf seinen Herd zu beschränken. Die ufräumungsarbeiten zogen fich bis in die Nachmittagsstunden hinein. Ein anderer Brand wurde am Naomittag gegen 5%, Uhr ge alarmiert, wo in einer Tischlerei Späne und Holzabfälle in Brand meldet. Die Feuerwehr wurde nach der Memeler Str. 40 Das Rundfunkprogramm. Sonnabend, den 14. November. Außer dem üblichen Tagesprogramm: diti 3.45 Uhr nachm.: Onkel Doktor als Märchenerzähler: Der wilde Hans"( erzählt von Dr. med. E. Mosbacher). 480-6 Uhr Konzertmeister Ferdy Kauffman. 645 Uhr abends: Hans- Bredow. nachm.: Nachmittagskonzert der Berliner Funkkapelle. Leitung: Schule( Bildungskurse). Abteilung Sprachunterricht. Esperanto ( Direktor Julius Glück). 7.15 Uhr abends: Ministerialrat Dr. Berger: Die Arbeitslosenversicherung". 7.45 Uhr abends: Joao De Moraes Palmeiro:„ Das Volk Portugals".( Einleitende Worte spricht der Konsul Portugals, Herr Paul Friedländer). 8.30 Uhr abends: Jean Paul( Gedenkfeier zum 100. Todestag des Dichters). Einleitende Worte: Hermann Kasack. Aus Jean Pauls Werken spricht Wilhelm Dieterle. 9.15 Uhr abends: Heiteres Wochenende. Anschließend: Dritte Bekanntgabe der neuesten Tagesnachund Filmdienst 10.30-12 Uhr abends: Tanzmusik. Sammlungen durch Jugendliche verboten! Die neuerdings in zunehmendem Maße beoabacitete Verwendung jugendlicher Sammler und Sammlerinnen bei öffentlichen Straßenund Haussammlungen gibt in mehifacher Beziehung zu Bedenken Anlaß. Der preußische Minister für Bollewohlfahrt bat daher durch einen Erlaß angeordnet, daß als Sammler feine Kinder werden dürfen. und feine Jugendlichen unter 18 Jahren verwendet Der Fall Hau. Wieder ins Zuchthaus hinein? Die badischen Justizbehörden haben gegen den im Jahre 1906 zum Tode verurteilten, sodann zu lebenslänglichem Buchthaus begnadigten und im Frühjahr dieses Jahres freigelaffenen Rechts. anwalt Dr. Karl Hau einen neuen Haftbefehl erlassen. Wie hierzu vom badischen Juftizministerium mitgeteilt wird, fei Hau frühzeitiger als ursprünglich vorgelebens entlassen worden auf Grund eines von ihm erwirkten Strafurlaubs ,, auf ohlverhalten". Dieser Strafurlaub sei jetzt wegen des Berhaltens des Hau aufgehoben worden. Hau werbe bemnach eine Reffstrafe von sieben Monaten Zuchthaus verbüßen müffen. Die Maßnahme der badischen Justizbehörden erscheint als ein Aft fleinlicher Rache. Hau schildert am Schluß seines Zuchthausbuches, daß er sich bei der Entlassung verpflichtet habe, keine ſenfationellen Bücher über seinen Fall zu veröffentlichen. Die Beröffentlichungen von Hau über seine Erlebnisse im Zuchthaus und seinen Prozeß, die ein Plädoyer für ihn darstellen, scheinen das Mißfallen der Behörden erregt zu haben. Man will ihn nun für diese Beröffentlichungen mit fieben Monaten Zuchthaus bestrafen. Der Kampf um die Zugspitzenbahn. Ein Beleidigungsprozeß in München. München, 13. November.( Eigener Drahtbericht.) Wegen der staatlichen Genehmigung zur Errichtung der 3 gspiz- Standbahn von Garmisch- Partenkirchen aus spielte seit einigen Wochen vor dem Amtsgericht München ein Beleidigungsprozeß. Ingenieur Baller stedt, der sich aus geschäftlichen Gründen von Anfang an um das Projekt Cathrein bemühte, an der Geldbeschaffung verdienen wollte, zulegt aber infolge Zerwürfnis mit dem Ingenieur Cathrein leer ausging, bat in einer öffentlichen Bersammlung des Bayernbundes, deffen Borsitzender er ist, den bayerischen Handelsminister van Meinel aufs schwerste beschimpft und verleumdet, indem er dem Minister Ehrenwortbruch, üge und Amtsmißbrauch normarf. Die Beweisaufnahme ergab die völlige Haltlosigkeit der gegen den Minister erhobenen Vorwürfe, so daß der Staatsanwalt 5 Monate Gefängnis für den Angeklagten Ballerstedt be antragte. Das Gericht entsprach diesem Antrage. Außerdem sprach es dem Minister die Befugnis zu, das Urteil durch die amtliche Bayerische Pressestelle in fämtlichen Zeitungen Bayerns zu veröffentlichen. Vom Bau des Mittellandkanals. Nach einer Bauzeit von 3½ Jahren ist der als Notstandsarbeit begonnene zweite Abstieg des Mittellandfanals zur Beser bei minden( Südabstieg) dem Berkehr übergeben. worden. Der zweite Abstieg besteht aus einer schon früher angelegten Schleuse von rund 6 meter Gefälle, die den Zugang vom Kanal zu dem auf etwa halber Höhe zwischen Kanalspiegel und Weser liegenden Industriehafen der Stadt Minden ver mittelt, einem rund 800 Meter langen Verbindungskanal zwischen Industriehafen und Weser, sowie einer Schleuse von rund 5,5 meter Gefälle am unteren Ende des Berbindungstanals. Die Nußlänge der neuen Schleuse beträgt 85 Meter, ihre Weite 12,5 meter, so daß auch die breitesten Weserdampfer den Industriehafen erreichen können. Durch zwei offene Sparbeden wird der Wasserverbrauch der neuen Schleufe auf ungefähr die Hälfte verringert. Ein längerer Probebetrieb hat die Betriebsfähig feit der Anlage ergeben. Doppelmord in Treptow an der Rega. Als das Ehepaar 2üd in seiner Wohnung erschossen aufgefunden. BorIn der Nacht zum Freitag wurde in Treptow q. b. Rega übergehende Bassanten hörten Schüsse und Hilferufe. fie mit polizeilicher Hilfe in die Wohnung eindrangen, fanden sie den Bostschaffner Lüd mit einem Schuß durch den Kopf tot im Bimmer liegen. Anscheinend ist dieser Schuß durch das Fenster abgegeben worden. Erst dann muß der Mörder in die Wohnung eingestiegen sein und auch die Ehefrau durch zmei Schüffe in den Kopf getötet haben. Die beiden vier und zwei Jahre alten Rinber des Ehepaares hatten den Mörder zwar gesehen und trugen auch Blutspuren; der Mörder hat sie aber wohl nicht weiter beachtet. Bon dem Täter fehlt bisher jebe Spur. M. SCHULMEISTER MSchulmeister or Tur Hochbahnstation Kottbuser Tor Mollige Winter- Mäntel Mk. 49. 54.-, 60.-, 70.-, 80.-, 100.Mollige Jünglings- Mäntel Mk. 29.-, 34.-, 38.-, 41.-, 50.-, 60.richten, Zeitansage. Wetterdienst, Sportnachrichten, Theater Sportpelze v. 150.-, Gehpelze v.225.GARBATY Deine KONIGIN V. SABA GOLD- SABA GARBATY JACOBY BOY GARBATY de KÖNIGIN V. SABA SABA GOLD SABA weiter nur 4 Pfg. GARBATY Die englische U- Boot- Katastrophe. 68 Mann erfrunten. Conbon, 13. November.( Eigener Drahtbericht). Von dem feit Donnerstag bermißten englischen Unterfeeboot MI ist bieber noch Freireligiöse Gemeinde. Sonntag sormittag 10 Uhr, Dappelallee 15, Borteag bes Serrn& Simmel: Das beutsche Lieb, Schumann und Jensen( mit Gefangseinlagen). Gäste willkommen. feine Spur gefunden worden. Das Boot ist aus dem Safen Parteinachrichten von Portsmouth ausgelaufen, um an einer Uebung mit Bafferflugzeugen teilzunehmen. Am frühen Morgen des Donnerstags herrichte im anal eine schwere See, berbunden mit einem starten Ostwind. An der Stelle, wo das Boot gulegt gefehen wurde, ist die See über 40 Fuß tief. Die Bejagung be trug 68 Personen. Katastrophe bei einem Schleusenbau. Fürstenberg a b. D., 13. Rovember.( EU). Gestern nachmittag ftürate plöglich eine etwa zwölf Meter Hobe, frisch geschüttete Eisenbetonwand am Schleuienneubau ein. Die babet bes Tchäftigten Arbeiter und Beamten wurben in die Tiefe gerisien. Der Arbeiter Matufchte aus dem nahegelegenen Schönfließ wurde bericüttet. Zrozdem die Aufräumungsarbeiten sofort in Angriff genommen wurden, fonnte die Leiche bis zum Abend noch nicht geborgen werden. Die anderen an der Verschalung und beim Betonichütten Beschäftigten sind mit leichten Verlegungen davon gekommen. Der Grund bes Unglüde ist noch nicht festgestellt. Schiffszusammenstoß im Danziger Hafen. Sinfendungen für diese Stubrif find Berlin B. 68. Sinbenftrage 3. für Groß- Berlin frets an bas Bezirkssekretariat 2. Sof, 2 Trev. rechts, au richten 3. Recis Webbing. Arbeitsgemeinschaft der Rinberfreunde, Gruppe Sumboldt. hain: Am Sonntag, den 15. November, nachmittags 4 Uhr, Rasperle= theater in ber Schule Butbuffer Str. 3. Abt. 124a Mahlsborf- Gib. 8 Uhr im Sofal von Diek, Uhlandstr. 18, Revolutionsgebentfeier. feftrede Genoffe Adolf Sirsch. Mufit und Gesangsoorträge. Eintritt fret. Morgen, Sonntag, den 15. november: 24. Abt. Gruppen I, Is und II: Treffpunkt zur Besichtigung der Ronfum genoffenfchaft vor der Berkaufsstelle Binsftraße felth 8 Uhr. Gruppe III vor der Berkaufsstelle Naugarber Straße früh 8 Uhr. Nachalgler fahren birekt nach Lichtenberg. Frauen mitbringen. 68. Abt. Salenfee. Um 61 Uhr veranstaltet unfere Sugendabteilung in ber 2./3. Bolksschule, Joachim- Friedrich- Str. 35/36, eine Jugendfeier. Die Genoffinnen und Genoffen müffen fich restlos beteiligen. Jungfozialisten, Gruppe Schöneberg: Bormittags 11 Uhr vorsammeln fidh bie Genoffinnen und Genossen an ber Rubens, Ede Sauptstraße, aut Cin weihung des neuen Jugendheints. Sterbetafel der Groß- Berliner Partei- Organisation 91. Abt. Neukölln. Unsere Genoffin Clifabeth GetIer ist einem Krematorium Baumschulenweg. Jm Danziger Hafen wurde ber dänische Dampfer„ Maerist bon einem pointsden Zorpeboboot gerammt. Das Unglüd ereignete fich dadurch, daß zwei Torpedoboote mit beträchterafchlage erlegen. Cinäicherung heute, Connabend, abends 7 Uhr, im licher Geschwindigkeit in den Hafen eintiefen, so daß der ausfahrende dänische Dampfer nicht mehr rechtzeitig ausweichen fonnte. Das eine der beiden polnischen Torpedoboote rammte dabei den Dampfer und rib fi felbft das ganze Borfchiff auf. Auch der Dampfer tourbe erheblich beicädigt. Der Unfall ist auf das unvorsichtige Manöverieren der polnischen Boote zurüdauführen. Menschenleben find nicht au bellagen, doch ist der Materialschaden erheblich. Explosion der größten dänischen Oelmühle. Aarhus, 13. November.( Eigener Drahtbericht.) In der größten Delmühle Dänemarts bat am Freitag, wahrscheinlich infolge Selbstentzündung von Bohnenmehl, eine schwere Explosion stattgefunden. Die Mühle wurde aus. einandergeriffen. 8wei Arbeiter find getötet worden, neun ihmerberlegt. Der Schaben beträgt ungefähr eine Million Kronen. Unfall eines Windkraftfchiffes. Das berbefferte Windkraftschiff des Ingenieurs Struczyna stieß, als es feine Fahrt auf dem Bafferwege von Mühlheim( Ruhr) über Hamburg nach Berlin an treten wollte, auf der Ruhr unweit des rheinisch- westfälifchen 128./130. Abt. Pankow. Am Dienstag, ben 10. November, verfbarb pIBRich unfer Genosse Stadtamtmann Klingberg. Beerdigung, heute, Sonnholzer Seibe, aus. abend, nachmittag 2½ Uhr von der Rapelle des 8. Tantower Friedhofs, Schön. Rege Beteiligung wird erwartet. 3 Jugendveranstaltungen. Schulungstage für Funktionäre: Gonnabend, ben 14. Stovember, abends Raffierer und Revisoren, in Jugendheim Lindenstr. 3. 6½ Uhr, Schriftführer: Sonntag, den 15. November, vormittags 9-1 Uhr, Morgen, Sonntag, den 15. November: Rotbosten I: Fahrt nach dem Krämer. Treffpunkt 7 Uhr Alexanderplat. Reblenborf: Schnikeljagd. Treffpunkt 2 Uhr Seibe, Ede Botsbamer Straße. Bera Treffpunt 48 Uhr Bh. Charlottenburg. Nachalaler 9 Uhr Frank Charlottenburg: Besichtigung des Ronfumgenoffenschaftsbetriebes in Sichtenfurter Allee. Brik: Besuch der Arbeitermohlfahrtsausstellung in Charlotten burg, Fraunhoferite. 12. Treffpunkt 410 Uhr Rathaus. Ab 6 Uhr abends in bas Beim im Rathaus geöffnet. Berbebezir! Kreuzberg: 7% Uhr im Jugendheim Lindenste. 8. Luftiger Abend. Bafferwertes infolge der reißenben Strömung gegen einen Vorträge, Vereine und Versammlungen. abmontierten Bagger und fant. Die Befagung fonnte fich retten; einer der Mitfahrenden, ein Ingenieur namens Mobal, erlitt schwere Beinquetschungen. Der Erfinder, der mit der Flettner- Rotor- Gesellschaft ein Abkommen getroffen hatte wollte in Berlin weitere Bersuche mit seinem neuen Wind. traftmotorboot anstellen. Brieftasten der Redaktion. -U W. St., Nedermaube. Der ausgefchiedene Gefellschafter baftet mure filz bie Sayulben, die aur Reit feiner Mitalledfchaft bestanden. Die fpäter en frandenen Berbindlichkeiten der Gesellschaft gehen ihn nichts ant.- R. 9.7. Erheben Sie Rlage beim orbentlichen Gericht( Amtsgericht). C. 8. 28. 1. 3a. 2. Rentralwohnungsamt im Stabthaus, Klosterstraße. Sprechstunden: Dienstags, Mittwochs und Freitags von 8-12 1.- 2. R., Nowames. Das Aufwertungsgefeh findet teine Anwendung. Trondem tönnen Sie aber Aufmertung nach den allgemeinen Borschriften fordern, wenn es fich um eine wirtschaftlich ungenügende Rahlung handelt. Rönnen Sie fich mit dem Schuld ner nicht verständigen, fo bleibt nur der Alagemeg übrig. Abonnent Char lottenburg. Seber Finber fann von dem Empfangsberechtigten einen Finder John verlangen. Derfelbe beträgt bis zu 300 m. bes Wertes der Sache 5 Bros. und vom Mehrwert 1 Broz. Den Finderlohn tönnen Sie einflagen. G. R. 32. 1. Es tommt nur individuelle Aufwertung in Frage. Falls eine Berständigung nicht möglich, muk Alage beim ordentlichen Gericht erhoben werden. 2. 100 Papiermart 4,82 Goldmart. A. B. 12. Uns ist Räheres über diefe Firma nicht bekannt. 99 Reichsbanner Schwarz- Rot- Gold". Gef&& ftstelle: Berlin S. 14. Sebaftianfte. 87/38, Sof 2 Tz. Mittet Co., b. 14., Tekte bredinung der Karten zum Serbstver Stephan Sonntag, ben 15., vormittags 8 Uhr, Butlipbrüde zum Ausmarsch. anilgen bei Ramlow in Schönhol Tiergarten: Rameradschaft Die anderen Kameradschaften können fich anschließen. Rehlendorf: Sonnabend, den 14., abenbs Punkt 6 Uhr, Treffen bei Schnorre aur Beteiligung an ber Fahrt zum Saalfest in Röpenid. Ablershof: Go., b. 14., abends 8 Uhr, Ratsteller, Familientoänschen. Sonntag, ben 15., nadm. 1% Uhr, Antreten Balb-, Ede Bismarditzake. Marsch mit Tambourrtorps Röpenid zum Bhf. Adlershof nach Bildau. Röntgental: Sonntag, den 15., nadm. 1 Uhr, Antreten am Bhf. summ Bropagandaumaug. Mufit ist mitzubringen. Bunb religiöser Gosialisten. Anläßlich der ant 14, umb 15. Rovember b. 3. fm Breußischen Sandtag stattfindenden Sauptversammlung veranstaltet ber Bund religiöser Sozialisten am Montag, den 16. November, abends 7% Uhr, in Berlin brei öffentliche Rundgebungen mit dem Thema Braucht die Arbeiter. fchaft bie religiösen Sozialisten?" Redner die Genoffen Pfarrer Edert- Meers bura. Dr. Dich- Karlsruhe, Pfarrer fuchs- Eisenach, Bfarver Dooft- Wechselburg, Bfarrer Rüfel- Altenburg und die Berliner Pfarrer Bleier und Frande. Die Berfammlungen finden in Moabit in der Aula ber 82. Gemeindeschule, Turm ftraße 75, Aufgang C; in Neukölln in der Aula des Bnzeums, Berliner Straße 9-10; im Südosten in der Aula des Leibniz- Gymnafiums, Mariannenplak 27-28, ftatt. Gäfte willfommen. Deutscher Reichsverband zur Bekämpfung ber Impfung, Bezirk Groß- Berlin. Montag, ben 16. November, abends 8 Uhr, in Saverlands Festfälen, Neue Friedrichstr. 35, Eingang Rochstraße( Bhf. Börfe). Impfgegnerversammlung. Referat des Herrn Dr. med. Steintel. Aussprache. Gefellschaft für Erbfunde zu Berlin. Fachtung Blonbag, den 16. Novem ber, abends 7 Uhr, im Saufe der Gesellschaft für Erbtunde, S. 48, Wilhelmftraße 23, Bortrag des Herrn Dr. A. Herrmann- Berlin: Neue Forschungen über bas homerische Griechenland und die Jerfahrt des Odnffeus"( mit Licht. bilbern). Architekten und Ingenieurverein au Berlin, 3. 66, Wilhelmftr. 92/98. Mon. tag, den 16. November, abends 7% Uhr, im Grinen Saal des Meisterhauses, Röthener Str. 38, Lichtbildervortrag des Herrn Prof. Dr.- Ing. NaumannBraunschweig ilber Der Stadt und Landstraßenbau in den Bereinigten Staaten". Gäste sind willkommen. " Desterreichisch- Deutscher Bolfsbund. Montag, den 16. Nonember, abends 8 Uhr, im Ingenieurhaus, Friedrich- Ebert- Str. 27, öffentlicher Lichtbildervor. toag mit 74 prachtvollen Lichtbildern( Wien und die Alpenländer). Redner Dr. Richard Mischler. Eintritt 1 M. Deutscher Bund für Mutterschuh. Dr. med. Julian Marcuse- München fpricht am 17. Sovember, abends 8 Uhr, Wilhelmftr. 48, über Beschränkung der Geburtenzahl als Rulturproblem". Nach dem Bortrag Diskussion. Gäste will. tommen. Berliner Gesellschaft für öffentliche Gefundheitspflege, e. B. Sizung am Dienstag, den 17, November, abends 7% Uhr, im Sygienischen Institut der Universität, Dorotheenstr. 28a. 1. Serr Dr. F. Goldmann, wissenschaftliches Mitglied im Hauptgesundheitsamt: Notwendige Erweiterungen der Kranten. filrforge" 2. Die Aussprache wird vereinigt mit der über den Vortrag des Herrn Ministerialbirettors Prof. Dr. Gottstein: Die Verpflegungssäge in den öffentlichen Rrantenhäusern".( 21. April 1925.) Gäste willkommen. Bereinigung für Kunstpflege. Freitag, den 20. November, 8 Uhr, in der Aula des Luisen- Gymnasiums in Mocbit, Turmftr. 87, nahe dem Kriminalgericht, Bichtbildervortrag pon Sermann Roch Cine Wanderung durch Thüringen". 150 farbige Bilber. Mitwirkung: Opernfängerin Else Herfort und Ronzertpianistin Otti Schulz- Savelet. Gäfte willkommen, Der Ruchtverein beutscher Schäferhunde, e. B., Sik Berlin, hält feine lekten biesjährigen öffentlichen Polizeihundvorführungen am Sonntag, ben 15. Novem ber, vormittags 10 Uhr, in Charlottenburg auf dem Blaze der Bismard, Ede Arumme Straße, nabe bem Deutschen Opernhaufe, ob. Sport. Die Berufsringer im Walhallatheater. Am Mittwoch hatte sich das Publikum jehr zahlreich eingefunden. Den Höhepunkt des Programms bildete das Treffen Winter- Wien und Bartfowiat, Deutschpole, zwei technisch hervorragende Ringer. In sehr schneller Folge wechselten Stand- und Bodenkampf, der völlig ausgleichend war, als Barttowiat durch einen plöglichen Armzug den Wiener nach 31 Minuten festlegte. Der Revanchetampf Pietro Scholz gegen Debin endete nach 29 Minuten abermals mit dem Sieg von Scholz burch doppelten Armfallgriff. Strenge legte den großen Frenten nach 18 Minuten mit einem mächtigen lleberstürzer auf die Matte. Lassartesse erledigte Bierholz bereits nach 11 Minuten durch Untergriff von vorn. Kyriloff erlag dem Rumänen Angulescu nach 13 Minuten durch Hüftenschwung. Kyriloff- Rußland, Schauzu- Glazz und MoknyBolen sind mit je vier Niederlagen aus dem Wettbewerb aus gefchieden. Die Rämpfe am Donnerstag wurden durch zwei ungleiche Paare eingeleitet. Kochfeder hatte gegen Schneider nicht viel zu bestellen und fam schon nach vier Minuten durch Untergriff von hinten mit Madenhebel auf die Schultern. Noch nach zwei Minuten durch Ausheber am Boden auf die Schultern. schneller war es mit 3ilch geschehen, Schwarz legte ihn bereits Recht flott rangen Möbus und Buchheim. Ersterer setzte Buchheim eine sehr gute Berteidigung entgegen und erlag erst nach 22 Minu ten durch Kopfzug. Lestinowitsch legte Bietro Scholz nach felten schönem Rampf durch einen Spezialgriff, Uebergriff nach hinten in 32 Minuten fest. Einen sehr schweren Sieg errang Winter Wien in dem sehr abmeslungsreichen Kampf nach 17% Minuten über Schäfter durch Untergriff von hinten. Durch Eintritt der Polizeistunde mußten sich Strenge und Kawan ohne Resultat trennen. Wetter für Berlin und Umgegend. Meift bemöllt, Temperatur mehr bei Null, feine erheblichen Niederschläge. Wetter für Deutschland. We berall bemölft, nur noch vereinzelte leichte Niederschläge, weitverbreitete Rachtfröfte. Temperaturen wenig über Null. Komet Freilauf gehört in jedes Fahrrad! Unverwüftlich im Gebrauch Gewinn- Auszug 2. Klaffe 26. Preußisch- Süddeutsche Klaffen- Lofferte 1. Ziehungstag 13. November 1925 Auf jede gezogene Nummer find atvei glei bobe Ge winne gefallen, und zwar fe einer auf die Zofe gleicher Nummer in den beiden Abteilungen 1 und 2 Ohne Gewähr bespilos Nachdruck verboten In der Vormiffagsziehung wurden Gewinne über 90 Mk. gezogen 2 Gewinne au 2000 Mart 227974 2 Gewinne zu 1000 Mart 53725 8 Gewinne zu 800 Mart 119165 145336 184678 221738 8 Gewinne zu 500 Mart 170245 202922 249610 292928 78 Gewinne au 300 Watt 23825 24474 37890 40759 46620 52523 59253 59661 60112 64806 79190 79694 92835 97501 113044 120324 131956 145467 146546 160726 166152 187449 188407 194298 196177 202106 215870 222648 224860 227083 236379 238752 248225 256435 264852 282649 283239 288155 295882 234 Gewinne su 180 Mart 937 2164 3349 4521 5060 5620 12158 14178 16574 19192 21852 23111 24448 25808 26207 31053 32408 33141 38027 42891 46760 47156 47927 52995 58228 62513 63327 69634 70141 71792 78750 82026 82848 88115 91362 93196 95633 100363 100889 101964 114050 115627 117929 119109 126731 130037 131228 132469 139485 142009 145125 147073 148539 151671 152739 153208 159958 160927 161795 163744 164786 167380 168396 170663 172799 173086 174759 175412 178972 179188 180779 184277 185363 187681 191659 194923 194998 197106 197897 201122 202782 204575 205054 209638 210646 211446 212323 215594 217819 218044 219266 223053 223453 223514 226123 226682 227068 227204 228192 228510 231156 240599 244200 249075 253134 254616 274164 274960 275625 276959 279755 281477 281993 284561 292648 295143 299232 In der Nachmittagsziehung wurden Gewinne über 90 Mk. gezogen 2 Gewinne au 5000 Mart 272066 4 Gewinne zu 3000 Mart 95188 187072 2 Gewinne zu 2000 Mart 5134 4 Gewinne zu 1000 Mart 35961 230043 2 Gewinne zu 800 Mar 276084 16 Gewinne zu 500 Mart 27906 32118 37294 92662 147123 158817 224806 240380 62 Gewinne au 300 Mar 12633 16892 27268 31849 33534 39619 45109 51671 54390 58043 86863 97363 108957 110897 117989 123773 124621 129387 134916 134938 181275 182164 187992 190102 190307 217035 217149 223418 238295 282179 288826 194 Gewinne ju 180 Mart 2118 3706 9909 12080 16926 18136 20292 20529 22032 22832 24330 25349 27411 38048 39692 49979 52135 54638 53111 56434 62655 62787 74600 77586 81833 83269 89309 92964 98402 99112 101287 102850 104398 106615 106923 107429 111748 114397 114603 118318 122536 123940 131384 132947 141985 145695 146933 148383 151744 152108 153444 154262 157809 160223 167314 173608 182453 182501 186927 190725 192564 194150 203455 204135 205294 210170 211866 212199 218147 221591 223642 225676 228561 229483 233101 234202 234896 235572 237259 239035 239188 241222 243170 256076 257240 261718 261987 272116 272707 273327 274886 276743 280377 288627 289395 295689 298437 nehmt Apotheker Schuh's Magenkranke! 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Nach den Feststellungen der Landesarbeitsämter ging die Nach Werden. Beide sind Zeugen der großen Bewegung. Aber auch in frage nach Arbeitsträften im Oftober im ganzen Spezialindustrien wird die Konzentrationsbewegung durch Unter- zurück. Die unter dem Einfluß der Jahreszeit wie unter dem beschäftigung und Rapitalnot mächtig gefördert. Zwei sehr fenn- Drud der allgemeinen Wirtschaftslage vor sich gehende Berschlechte zeichnende Beispiele werden jetzt aus der Geldschrank und der rung vollzog sich aber nur langsam, weil der Arbeitsmarkt der LandTransportanlagenindustrie gemeldet. Die Banzer- wirtschaft und der Außenberufe in den ersten drei Oktoberwochen sich verhältnismäßig günstig gestaltete. Die Zahl der unterſtüßten Er werbslosen im Reich ist in der ersten Oftoberhälfte von 266 062 auf 297 628 Hauptunterstützungsempfänger gestiegen. berichteten über ihre Beschäftigung im Oktober und machten gleich 3739 Unternehmungen mit 1,6 Mill. Arbeitern und Angestellten zeitig vergleichbare Angaben für den Bormonat. Danach ist die Zahl der Beschäftigten in den berichtenden Betrieben vom 15. September bis zum 15. Oftober um fast 1 Broz. vermindert worden. Die Arbeitskräfte in Betrieben mit guter Beschäftigung vermindert sich von 26 Pro3. auf 24 Pro3., während der Anteil der Betriebe mit schlechtem Geschäftsgang von 36 Proz. auf 39 Proz. anwuchs. A.-G. Berlin und die Bode- Geldschrankfabrit Hannover haben einen Interessengmeinschaftsvertrag abgeschlossen. Danach wird die gesamte Produktion der Berliner Panzer- 2.- G. nach Hannover verlegt und die Produktion der beiden Gesellschaften in Hannover vereinigt. Die Bode- Geldschrankfabrik A.-G. ändert ihre Firma in Bode- Panzer- Geldschrankfabriken A.-G. Nur die bisherigen Berkaufsstätten der Geldschrankabteilung der Panzer- 2.- G. in Berlin und ihre Inlands- und Exportorganisation werden weitergeführt, ebenso die nicht mit der Geldschrankfabrikation beschäftigten übrigen Betriebe der Panzer- A.- G. Beabsichtigt ist, den Zusammenschluß auch auf andere Firmen der Geldschrankindustrie auszudehnen. Ebenso haben zwei führende Gesellschaften der Transportanlagenindustrie eine Interessengemeinschaft geschlossen; die Adolf Bleichert u. Co. Leipzig und die Allgemeine Transportanlagen G. m. b. H. Leipzig. Die erstere spezialisiert sich in der Zukunft auf den bisher gemeinsam betriebenen Bau von Drahtseilbahnen, Kabelkranen und Elektrofarren, während die Allgemeine Transportanlagen G. m. b. 5. Elektrohängebahnen, Abraumförderbrücken und Elektroflaschenzüge zur Spezialität macht. Wie das Beispiel der Panzer- 2.- G. zeigt, bei der die Berliner Geldschrankfabrikation stillgelegt wird, wird auch diese Konzen trationsbewegung zunächst für die Arbeiterschaft an vielen Stellen eine Belastung bringen. Trozdem wird sie sich dagegen nicht zur Wehr sehen, einmal weil sie gegen die dem Kapitalismus innewohnende Konzentrationstendenz an sich machtlos ist, zum anderen aber, weil diese auf die Dauer auch für die gesamte Boltswirtschaft von Vorteil sein kann. Das ist dann der Fall, wenn mit der beabsichtigten Zusammenfassung der Betriebe eine Sentung der Kosten und der Preise bei gleichen oder fteigenden Löhnen erzielt wird. Die Stärfung des Reallohnes, die so stattfindet, wird sich früher oder später in vermehrtem Absatz anderer Industrien geltend machen und so auf die Dauer die Grund lage der gesamten deutschen Produktion verbessern. Gegen foziale Willkürakte, die bei dieser Zusammenlegung befürchtet werden können, und gegen die wachsende Macht der konzentrierten Unternehmungen muß die Arbeiterschaft sich durch Stärkung ihrer wirt. schaftlichen und politischen Organisationen zu schützen suchen. Für den wirtschaftlichen Zusammenschluß Europas. In der Industrie- und Handelskammer hielt die Bezirksgruppe Berlin des Zentralverbandes des deutschen Großhandels ihre Mitgliederversammlung ab. Aus diesem Anlaß hielt der Geschäftsführer Reichstagsabgeordneter Reinath einen Bor trag über die allgemeine handelspolitische Lage. Er wiederholte das bekannte Argument zur Begründung der Zollvorlage, daß angesichts der Tatsache, daß auch die anderen Staaten Europas sich mit hohen 3ollmauern umgeben hätten, das Deutsche Reich allein nicht in der Lage wäre, eine freihändlerische Handelspolitik zu betreiben. Der Handelsvertrag mit Rußland habe dem deutschen Handel überhaupt nichts gebracht und der Handelsvertrag mit Italien wenig. Es sei notwendig, aus Europa ein einheitliches Wirtschaftsgebiet zu machen. Mit der Frage Paneuropa, der politischen Zusammenfassung Europas, habe der wirtschaftliche Zusammenschluß sehr wenig zu tun. Es fei unbedingt erforderlich, daß vernünftige Handelsver= träge zustande kommen, das sei der erste Schritt des europäischen Wirtschaftszusammenschlusses, der zweite Schritt sei die Einräumung von gegenseitigen Vorzugszöllen und als letzte Etappe müsse dann die vollkommene Zollunion folgen. Man müsse die Gegen fräfte gegen die 3ollschuttendenzen der europäischen Staaten lebendig machen, sonst gerate die europäische Wirtschaft in eine hoffnungslose Verschuldung zu Amerika. Europa müsse ein einheitliches Weltwirtschaftsgebilde werden. Arbeitsmarkt und Wirtschaftslage. In seinem Wirtschaftsbericht für den Monat Oftober schreibt das Reichsarbeitsblatt": Weder die Hoffnungen auf eine Befferung der wirtschaftlichen Lage noch die Befürchtungen, daß die allgemeinen wirtschaftlichen Schwierigkeiten mit der vorrückenden Jahreszeit zu einer wesentlichen Verschlechterung des Arbeitsmarktes führen würden, haben sich im Oftober erfüllt. Die Lage im Ruhrkohlenbergbau blieb unverändert. In der Metall- und Maschinenindustrie hat sich die rückläufige Bewegung nicht in dem Maße wie im September fortgesetzt. Andererseits hat sich auch der Absatz im Spinn- und Webstoffgewerbe nicht so weiter gesteigert Die Stockung der russischen Getreideausfuhr. Die Fragen der Ein- und Ausfuhr stehen im heutigen Rußland im Bordergrunde des Interesses. Die gute diesjährige Ernte gab der Regierung die Möglichkeit, das Ausfuhrprogramm hauptfächlich auf der Getreideausfuhr aufzubauen. Es wurden für das Wirtschaftsjahr 1925/26( das am 1. Oftober begann) mehr als 600 Millionen Bud( 9,6 millionen Tonnen) Getreide zur Ausfuhr vorgesehen. Infolgedessen sollte der Wert der Ausfuhr in dem 750 Millionen Rubel( nach Borkriegspreisen berechnet) erreichen. Die laufenden Wirtschaftsjahr um 178 Proz. zunehmen und die Höhe von Einfuhr sollte um 83 Broz. erhöht und auf die Summe von 518 Millionen Rubel gebracht werden. Das neue Wirtschaftsjahr hatte aber faum begonnen, als alle Berechnungen über den Haufen geworfen wurden. Fast in allen Ländern der Welt ist die diesjährige Ernte gut ausgefallen. Der Getreideerport ist zurzeit nur lohnend für Getreideforten von hoher Qualität und auch das nur unter der Bebingung, daß die Beschaffungspreise und Spesen die Normen nicht überschreiten, die in den Haupterportländern, den Vereinigten Staaten, Kanada und Argentinien Geltung haben. Die Getreideausfuhr aus Somjetrußland liegt jedoch in den Händen des Staates, dessen schwerfälliger Außenhandelsapparat das alleinige Monopol des Außenhandels besigt und mit ungeheuren Spesen arbeitet. Im verflossenen Jahre beliefen sich die Ausgaben für Verwaltungs- und Handelspersonal, Transport, Berladung, Kommiffions- und sonstige Spesen auf 0,71 Rubel pro Bud ( 1 Bud= 16 Kilogramm, 1 Rubel= 2,16 M.). In diesem Jahre Deutschlands Hackfruchternte 2760.5 9.808.9 1924 und 1925 1924 1925 md Anbaufläche In 1000 ha 334.11 403.4 732.4 717.9 363 400 421.9 雪 Ernte In 1000 dz 99 058. 62.9966 216 2 228 497.5 Z Sonnabend, 14. November 1925 hat man, um den Erport aufrecht zu erhalten, die Spesen geſenti aber nur auf 0,68 Rubel pro Bud! Das bedeutet, daß die Spesen bei der Getreideausfuhr 58 Proz. des Berkaufs. preises betragen, während sie in der Borkriegszeit 30 Broz. nicht überſtiegen, Die Getreidebeschaffungsorgane der Sowjetregierung haben ihren ganzen Ausfuhrplan darauf aufgebaut, daß der Getreidepreis innerhalb des Landes infolge der reichlichen Ernte und des staatlichen Handelsmonopols niedrig sein würde. Die Wirklichkeit machte aber diesen Berechnungen ein schnelles Ende. Der russische Bauer hat aus den Erfahrungen des lezten Jahres gelernt. Er beeilt fich nicht, das Getreide zu verkaufen, da er die Beobachtung gemacht hat, daß der Getreidepreis am Ende des Birt schaftsjahres eine bedeutende Steigerung erfährt.( Im vorigen Jahr ftieg der Getreidepreis auf das Dreifache.) Er ist aber vor allem zu der Erkenntnis gelangt, daß es für ihn unvorteilhaft ist, das hoch sind. Getreide billig zu verkaufen, wenn die Preise der Industrieprodukte ers bie russische Handels- und Industriezeitung" vom 3. Ottober " Selbst ein Preis von 1,8 Rubel für das Bud Weizen"- schreibt scheint dem Bauern als unvorteilhaft, da er für ein Bud Weizen nur 1 Arschin Kattun erhält, während er dafür in der Vortriegszeit 7 bis 8 Arschin erhielt. Auf dem inneren Markte hat sich jetzt ein fester Getreidebefchaffungspreis von 1,5 Rubel für das Bud Weizen und 0,9 Rubel für das Bud Roggen festgesetzt. Die Getreideausfuhr hat sich infolgedessen als unrentabel erwiesen. nachdem sie allen ihren Ankaufsorganen den Befehl erteilte, mit allen Die Sowjetregierung hat zeitweilig die Ausfuhr eingeschränkt, Mitteln die Getreidepreise herabzudrücken. Die Ausfuhr ist infolgedessen unmöglich geworden. Sie mußte eingestellt werden, was wiederum zur Folge hatte, daß der Einfuhrplan bedeutend eingeschränkt werden mußte. Der Hunger nach Industrieprodukten, der zu einem beträchlichen Einschränkung der Einfuhr noch mehr zunehmen. Teil die hohen Warenpreise in Rußland bestimmt, wird infolge der Großhandelspreise. Auch bei dem neuesten Großhandelsinder des Statistischen Reichsamts zeigt sich wieder die von uns bereits geschilderte auffallende Tatsache, daß die Preise der Lebens. industriellen Roh- und Halbstoffe. Das ist um so mittel wesentlich stärker zurüdgehen als diejenigen der bemerkenswerter, als die Nahrungsmittelpreise des Großhandels sich den Preisabbaumaßnahmen" der Regierung fast völlig entziehen, meil fie vom Weltmarkt her bestimmt werden. Bei den Industriestoffen hingegen ist der Preisabschlag außerordentlich gering, obwohl die Regierung so viel von Preisabbau redet und obwohl die Industriekrise sich doch allmählich auch in finkenden Preisen bemerkbar machen müßte. Die auf den Stichtag des 11. November berechnete Großhandels.Inderziffer des Statistischen Reichsamts ist gegenüber dem Stande vom 4. November( 120,7) um 0,7 v. 5. Agrarerzeugnisse von 113,8 auf 112,8 oder um 0,9 v. H., auf 119,9 zurüdgegangen. Von den Hauptgruppen haben die die Industrie stoffe von 133,7 auf 133,1 oder um 0,4 v. 5. nachgegeben. Abfahschwierigkeiten der Blech verarbeitenden Industrie. Die Lage der Blech verarbeitenden Industrie hat sich im Oftober gegenüber den Vormonaten ganz wesentlich verschlechtert. Der Auftragseingang, der in früheren Zeiten in den Herbstmonaten besonders lebhaft war, war so gering, daß die Werke große Schwierigkeiten haben, weiterhin eine. rationelle Fabritation aufrechtzuerhalten. Auch erhebliche Preisnachlässe vermochten größere Aufträge den Werfen nicht zuzuführen. Die Kapitalfnappheit und Kreditschwierigkeiten des Handels zwangen diesen zur Zurückhaltung um so mehr, als eine Abnahme der Kaufkraft der Konsumenten unverkennbar war. Das Auslandsgeschäft tonnte für die fehlende Nachfrage im Inlande einen Ersatz nicht bringen. Die Anfragen gingen auch hier spärlich ein, und die schwebenden Geschäfte wurden von der ausländischen Konkurrenz, besonders von Frankreich und Belgien, infolge deren Balutaverhältnisse start umstritten. Unter dem Druck, Beschäftigung für ihre Werke zu schaffen, unterboten sich die deutschen Fabrikanten nicht selten gegenseitig. Der Zahlungseingang wurde immer schleppender, die Barzahlung ist fast vollständig durch die Wechsel. zahlung abgelöst worden. Da die Rohstofflieferanten vielfach) nur gegen fofortige Kasse oder gegen furzes Ziel liefern, andererfeits die Distontierung von Rundenwechseln steigende Schwierigteiten verursacht, macht sich die herrschende Kapitalknappheit für die Blech verarbeitenden Industrien in ganz besonders empfindlichem Maße fühlbar. Anträge, Moratorien zu gewähren, und solche auf Erlangung der Geschäftsaufsicht mußten unter diesen Verhältnissen in größerer Zahl gestellt werden. Betriebseinschränkun gen wurden durchgehend vorgenommen und mit weiteren größeren Arbeiterentlassungen und Betriebsstillegungen muß in der nächsten Zeit gerechnet werden. folg nehmen Sie Arterienverkalkung! Mit bestem ErApotheker Schuh's Cordol Wirkt herzstärkend, appetitanregend und blutreinigend. Fl. M. 3,-. Zu einer Kur sind 6-8 Flaschen erforderlich. Fordern Sie Apotheker Schuh's Präparate in den Apotheken, wo nicht zu haben, weisen C. Schmittner, Wilmersdorf, Babelsbergsr Str. 2, Tel. Pfalzburg 4074 u. 3896, Kar- Zucker- Runkel- Kar- Zucker- Runkel- Bezugsquellen nach. Hersteller: Apotheker Schuh, Köln, Moselstr. 52. toffeln rüben toffeln rüben Man verlange den Ratgeber für Kranke. 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Februar zur Welt kam und nach ihm gegenwärtiger Professor der Geschichte von sich,— und zwar in dem Monate, wo mit ihm noch die gelbe und grau« Bachstelze, das Rotkehlchen, der Kranich, der Rohrammer und mehrere Schnepfen und Sumpfvögel anlangten, nämlich im März:— und zwar an dem Monattage, wo. falls man Blüten auf feine Wieg« zu streuen hatte, gerode dazu das Scharbock- oder Löffelkraut und die Zitterpappel in Blüte traten, desgleichen der Ackerährenpreis oder Hühnerbißdarm, nämlich am 21. März:— und zwar in der frühesten frischesten Tagzeit, nämlich am Morgen um eineinhalb Uhr: was ober olles krönt, war, daß der Anfang seines Lebens zugleich der des damaligen Lenzes war." • So beginnt Johannes Paul Friedrich Richter fein« Selbstbio- graphie, die, in das Gewand einer akademischen Vorlesung gekleidet, leider nur bis zur Feier des Abendmahles, dem„Bürgerwerden in Gottes-Stadt", reicht, also nur seine Kindheit und erste Jugendzeit umfaßt. Er wurde in Wunsiedel im Fichtelgebirg« als Sohn des Pfarrers und Organisten Johann Christian Christoph Richter in ach recht ärmlichen Verhöltnissen geboren, die sich nur unwesentlich bester- ten, als der Dater 176ö nach Joditz berufen wurde. Paul, wie der Knabe gerufen wurde, erhielt kurz« Zeit in der Dorfschule Unter- richt, dann, nachdem ein„longer Bauernsohn" den Kleinen einmal etwas unsanft gestoßen hatte, übernahm der besorgte Vater selbst die Erziehung und Bildung seiner Kinder. Freilich beschränkte sich dieser Unterricht aus das Auswendiglernen de» Katechismus, lateinischer Wörter und„Longens Grammatik". Das war nun nicht viel und so suchten die„lerndurstigen Wurzeln" bald neuen Stoff. Der Knabe baute sich Uhren, malt«, erfand neue Buchstaben und ganze Alpha» bete, griff sich seltsame Melodie» und Akkorde auf dem alten oer- stimmten Klavier, Hessen„Stimmeister das Wetter war", zusammen, träumte mit Wolken, Blumen und Wind in der Beschaulichkeit des weltfernen Dorfes und des idyllischen Pfarrhofes sich ein« abfonder- liche Philosophie zurecht: liebte— aus der Entfernung— ein Dorfmädchen mit blatternarbigem Gesicht, dem er, wenn sie des Abends ihre Weidekühe am Pfarrhofe vorbei nach Haufe trieb, von der Mauer herab Zuckermandeln schenkte: versuchte sich auch, in späteren Jahren, als zünftiger Pastor, als er eines Tage einer allen gicht- brüchigen Frau einen Krankenbesuch mochte und ihr dabei Verse aus dem Gesangbuch vorlas— allerdings kam er nicht well, da ihm bald die hellen Tränen über das Gesicht rannen und er vor Schluchzen nicht weiterreden konnte, indessen die Alle kalt blieb und ungerührt. An den Wintertagen spann sich Paul in die sturmumbrauste Pfarrei, verwob die Häuslichkett und die frühe Dämmerung mit den schönsten und anmutigsten Gebilden seiner Phantasie und lebte wie ein„häus» liche« Schollier. das sich recht behaglich in die engsten Windungen des Gehäuses zurückschiebt und verliebt". Vom Jahre 1767 erhielt der Knabe in Schwarzenbach— wohin der Vater inzwischen versetzt worden war— in der öffentlichen Schule Unterricht. Zugleich„legte er sich lesend auf die schöne Ltte- ratur der Deutschen"—, soweit sie in Schwarzenbach vorhanden und zu erlangen war. In körperliche Verzückung versetzte ihn die Lektüre des„Robinson Crusoe": nun suchte und fand er ähnliche Bücher, nahm sie begeistert in sich auf, ja, schrieb sich sogar große Stellen daraus ab und legte so den Grund zu seiner einzigartigen, später zu einer richtigen Bibliothek erweiterten.Zettelsammlung", aus der der Dichter dann den Stoff zu seinen häufigen Exkursen, Einschiebseln und AnHöngen beim Schreiben seiner Werke zog. Der Unterricht entfallet« sich nun zur Erlangung der Reife für das Gymnasium: eins zweite Lieb« oerwirrte für kurze Zeit die phantastifch-romantifchen Kreise des begabten Knaben. Eine Liebe wieder zu einem blatter- narbigen Mädchen, Katharina Bärin, die„ganz oben" in der Schule saß. An ihrem Munde kam er zum erstenmal in den„Himmel des ersten Kustes", es war, sagt der Dichter in seiner Biographie,„eine Einzigperle von Minute, die nie da war, nie wiederkam:«ine ganze sehnsüchtige Vergangenheit und ein Zukunftstraum war in einem Augenblick zusammen eingepreßt: und im Finstern hinter den ge- schlossenen Augen entfaltete sich das Feuerwerk des Lebens für einen Blick und war dahin." * Die nächsten Lebensstationen Jean Pauls sind trübe und ver- hangen. Während der Gymnasialzeit in Hof stirbt der Vater, das Universitätsstudium muß der Jüngling, obwohl er sich äußerste Be- schränkung auferlegt, bald verlassen. Zwar erscheinen 178? die „Grönländischen Prvzeste" ohne Verfaisernamen, doch der Erfolg ist gleich Null. Freunde besorgen dem Dichter Hauslehrerstellen und Verleger für feine nun in rascher Folge erscheinenden Werke: ein erstes größeres Honorar fällt ihm zu, der Freundes- und, was be- stimmend für fein Dichten und fein Leben wurde und charakteristisch für die Zeit war, der Freundinnentreis erweitert sich, die Verehrung für ihn geht in hoben Wogen und nimmt oft die sonder- barsten, nicht eines leisen tragikomischen Zuges entbehrenden Formen an. Weimar, Leipzig und Berlin sind die Schauplätze seines Lebens. In Berlin verheiratet er sich mit Korolin« Mayer, nachdem er den heißesten Bitten anderer, das Verhältnis durch die Ehe zu legali- sieren, Widerstand und Kühle entgegengeletzt hat. Mit den großen Geistern seiner Zeit tritt er teils in freundschaftliche(Herder. Wie- land und andere), teils in kühl-höfliche(Goethe, Schiller) Beziehun- gen: er erhäll den Titel.Legationsrat" und vom Fürst-Primas von Dalberg ein Iahresgehalt. 1804 siedell der Dichter, nachdem er einige Jahr« in Meiningen gelebt, nach Boyreuth über, verlebt in Stille und Beschaulichkeit und in fleißigem Schaffen die Jahre, nur kurz« Reisen unterbrechen die Idylle, auf denen er überall die größte Ver- ehrung genießt und enthusiastisch gefeiert wird. Doch in diesen reichen künstlerischen Erfolg fällt der Wermuttropfen des Familienlebens� das Verhältnis zu feiner Frau war in den späteren Jahren der Ehe nicht das beste sein Sohn Max starb ihm als blühender Jünollng, die Freunde schieden durch Tod von Ihm, dazu sein eigenes Leiden, abnehmende Körperkraft und Sehkraft seines Auges—: so kam ihm am 14. November 1826 der Tod als Erlöser. Der vielumschwärmt, und-bewunderte Dichter schloß seine großen klaren blauen Augen, ein„Stern ging unter", wie Ludwig Börne später sagte, den erst späte Enkel freudig willkonunen heißen werden.-- • Ich habe nicht ohne Absicht die Jugendzett Jean Pauls ausführ- lich geschildert: ist sie doch charakteristisch und außerordentlich ein- ibißreich, gleichsam der Schlüssel, zu seinem Schassen als Dichter! Dieser.Laus- und Winkelfinn", der dem Knabe» höchst« Seligkeit war, er ist dem Mann« treu geblieben bis ins Alter. Dos„geistige Nestmachen", die Liebe für das Kleine, Unscheinbare, Häuslich-Ge- mütliche, Beschauliche, Idyllische, für Berschrobenes und Absonder- liches ist ein charakteristischer Wesenszug des Dichters, ja, ist geradezu das A und O seines Dichtens. Von der„satirischen Essigfabrik", den „Grönländischen Prozessen" und den„Papieren des Teusels" sowie von einigen kleinen halbpolitischen Schriften abgesehen, ist sich der Dichter immer gleich geblieben: ein K i n d. Ein träumendes, am bunten Flittertram der tausend Dinge und Begebenhetten der Well sich erfreuendes Kind. Die Poesie des offenen Kaminfeuers, da» Helldunkel der flackernden Flammen auf den Dingen und den Ant- M litt Sdeill d. Min in MA» ja figei roelfi. — mit dem Elend in de« SchützengrSben mußte man sich eben abfinden— schließlich ist der Krieg kein vergnügen— — die deutschen Soldale« waren nicht so genügsam wie— andere. litzen der Menschen, die„mondbeglänzte Zaubernacht", das Er- schauern des naiven Herzens vor der Einmaligkell alles Geschehens, das Pendeln zwischen zwei Extremen des Gefühls—: sie sind die Imponderabilien seiner Muse. Obzwar nun freilich die Ge- stallen seiner Dichtungen mit wenig Jrdischkeit beschwert erscheinen, entbehren sie doch nicht der warmen Sonne schlichter herztiefer Menschlichkeit, ein zarter goldiger Schimmer verklärt sie: der Humor, jene große, sellene, befreiend« Kunst, jenes Ueber-vem-Hexensabbath- des-Lebens-Stehen und dennoch Mitten-drin-Stehen. Aus der geisti- gen und räumlichen Enge seiner Gestalten wächst auch ihre Komik, es sind arme Schlucker, mit einem Höchstmaß von Selbstgenügen, Feigheit, Verschrobenheit und bizarrer Phantasie begabt, halb fisch-, halb sleischgeworden« Stimmungen und Gefühle, voller Herzens- Unschuld und Innigkeit, ideal und romantisch, doch auch dem Spott und Hohn nicht fern— und einer leisen Satire. Es ist da» Herzliche und Wehmütige, das Unschuldsvoll« und Sehnsüchtige, die Mischung sanguinischen Temperamems mit romantischer Ueberspanntheit, was Jean Paul zuzeiten seine ungeheure Be- liebheit und seine— grenzenlose Verachtung eingetragen hat. Beides — so dünkt es mich— ist wohl ungerechtfertigt. Zwar findet man in seinen Büchern vor„geistigem Zierrat" schwer die wirklichen Oasen reinsten Dichtertum», gekünstelte, gesuchte Stellen, Belanglostgkellen, ja Banalitäten und Geschmacklosigkellen häufen sich, das Unkraut der Exkurs« und Einschiebsel— die Ergebnisse seiner Zcttelsammlung— verhindern jeden geraden Durchblick, über der Fabel des Vorwurfs schwebt die verdunkelnd« Wolke künstlerischen Nicht-Maß-Hallen- Könnens, die Form ist willkürlich und entspricht keineswegs klarem logischen Aufbau, ach, und wie vieles andere noch. Aber: neben den Schlacken schimmern die goldenen Berge echtester, reinster Mensch- lichkeit, der Narr dieses närrischen Daseins schwingt seine unwider- stehliche Schellenkappe in den Händen, es sprüht von Geist und treffenden Zitaten, und dazwischen blühen die mild und schön in die Ewigkeit leuchtenden Blumen einzigartiger Dichtung, überstrahll von einem liebenden, reichen, beseeligten Herzen--- diesen Jean Paul, Freund«, der freilich nicht so leicht zu finden ist, wollen wir feiern, den Dichter des Wuz, Fixlein und Si eb e n k äs. des Bult und Walt und S ch m ä l z l e, um nur einige Gestalten zu nennen, den Humoristen und Dichter--! • Jean Pauls ausgewählte Werke sind in drei Bänden, die dos Wichtigste seines Schaffens, z. T. in Auswahl enthalten, nach der alten Hendelausgabe im Otto-Hendel-Derlag, Berlin, erschienen. — Ernst Härtung schilderte se-n Leben und Wesen in„Jean Paul. Ein Lebensroman in Briefen von, an und über ihn. (Verlag Wilhelm Langewiesche-Brandt. Ebenhausen.) Diese sehr instruktive Briesouswahl gibt zugleich ein sehr lebendiges Kullurbild der ganzen Zell.- /lus Jean Pauls Werken. Das gelobte Land des Menschengeschlechts. Es kommt einmal ein goldenes Zeitaller, das jeder Weife und Tugendhafte schon jetzo genießet und wo die Menschen es leichter haben, gut zu leben, weil sie es leichter haben, überhaupt zu leben— wo einzelne, aber nicht Völker sündigen—, wo die Menschen nicht mehr Freude(denn diesen Honig ziehen sie aus jeder Blume und Blattlaus), sondern mehr Tugend haben, wo das Volk am Denken und der Denker am Arbeiten') Anteil nimmt, damll er sich die Heloten erspare, wo man den kriegerischen und juristischen Mord verdammt und nur zuweilen mit dem Pfluge Kanonenkugeln aus- ackert... Wenn diese Zeit da ist: so stockt beim Uebergewicht des Guten die Moschin« nicht mehr durch Reibungen. Wenn sie da ist: so liegt nickt notwendig in der menschlichen Natur, daß sie wieder ausarte und wieder Gewitter aufziehe(denn bisher lag das Edle bloß im fliehenden Kampfe mit dem übermächtigen Schlimmen), so wie es, nach Forster auch auf der heißen St. Heleneninsel kein Gewitter gibt. Wenn diese Festzeit kommt, dann sind unsere Kindeskinder nicht mehr. Wir stehen jetzo am Abend und sehen nach unserem dunllen Tag die Sonne durchglühend untergehen und uns den helleren strllen Sabbattag der Menschheit hinter der letzten Wolke oer- sprechen: aber unsere Nachkommenschaft geht noch durch eine Nacht voll Wind und durch einen Nebel voll Gift, bis endlich über eine glücklichere Erde ein ewiger Morgenwind voll Blütengeister, vor der Sonne ziehend, alle Wolken verdrängend, an Menschen ohne Seufzer weht. Die Astronomie verspricht der Erde eine ewige Frühling-Tag- und Nachtgleiche") und die Geschichte verspricht ihr eine höhere: vielleicht fallen beide ewigen Frühlinge ineinander. Wir Niedergesenkten, da der Mensch unter den Menschen ver- schwindet, müssen uns vor der Menschheit erheben. Wenn ich an die Griechen denke, so sehe ich, daß unsere Hoffnungen schneller gehen als das Schicksal. Wie man mit Lichtern nachts über die Alpen von Eis reiset, um nicht vor den Abgründen und vor dem langen Weg zu erschrecken, so legt das Schicksal Nacht um uns und reicht uns nur Fackeln für den nächsten Weg, damit wir uns nicht betrüben über die Klüfte der Zukunft und über die Entfer- nung des Ziels. Es gab Jahrhunderte, wo die Menschen mit ver- bundenen Augen geführt wurden von einem Gefängnis ins andere: es gab andere Jahrhunderte, wo die Gespenster die ganze Nacht polterten und umstürzten und am Morgen war nichts verrückt: es kann keine anderen Jahrhunderte geben als solche, wo Einzelwesen sterben, wenn Völker steigen, wo Völker zerfallen, wenn das Menschengeschlecht steigt.(Geschrieben im Jahre 1792.) Mus Sörnes Denkrede auf?ean Paul. Vorgetragen im Museum zu Frankfurt, am 2. Dezember 1825. Jean Paul munterte die blöden Herzen auf: er zuerst wagte, das jedem Deutschen so grause Wort Ich auszusprechen, und wenn die Freiheit nicht darin besteht, daß man ohne Gesetze lebe, sondern daß jeder sein eigener Gesetzgeber sei, so war«s Jean Paul, der für unsere Enkel die Saat der deutschen Freiheit ausgestreut. Die Trostbedürftigen zu trösten- und als befruchtender Himmel dürstende Seelen zu erquicken— dazu allein ward der Dichter nicht gesendet. Er soll auch der Richter der Menschheit sein, und Blitz und Sturm, die eine Erde voll Dunst und Moder reinigen. Jean Paul war ein Donnergott, wenn er zürnte, eine blutige Geißel, wenn er strafte: wenn er verhöhnte, hatte er einen guten Zahn. Wer seinen Spott zu fürchten hatte, mochte ihn fliehen: ihn zu verlachen, wenn er ihm begegnete, war keiner frech genug. Die Bewunderung preist, die Liebe ist stumm. Nicht preisen wollen wir Jean Paul, wir wollen ihn beweinen! Der lüsterne Gast vergißt über dem Mahle den Wirt, der herzlose Kunstfreund den Künstter über dem Werte. Zwar wird als Dankbarer gelobt, wer von der genossenen Wohltat erzählt: aber der Dankbarste sst, der die Wohllat vergißt, sich nur des Wohlläters zu erinnern. So wollen wir des seligen Geistes liebend gedenken, nicht der Arbeiten und Werke, womit er unsere Bewunderung oerdient. Und wollten wir anders, wir vermöchten es nicht. Man tonn Jean Pauls Werke zählen, nicht sie schätzen. Die Schätze, die er hinter- lassen, sind nicht all« gemünztes Gold, das man nur einzurollen braucht. Wir finden Barren von Gold und Silber, Kleinodien. nackte Edelsteine, Schaumünzen, die der Gewürzkrümer als Be- Zahlung abweist: aufgespeicherte, ungemahlene Brotfrucht, und Aecker genug, woraus noch die spätesten Enkel ernten werde,». Solcher Reichtum hat manches Urteil arm gemacht. Fülle hat man Ueberladung gescholten, Freigebigkeit als Verschwendung! Weil er so viel Gold besaß, als andere Zinn, hat man als Prunksucht getadelt, daß er täglich aus goldenen Gefäßen aß und trank. Hat ober Jean Paul doch hierin gefehlt, wer hat seinen Irrtum ver- schuldet? Wenn große Reichtümer durch viele Geschlechter einer Familie herab erben, dann führt die Gewohnheit zur Mäßigkeit des Genusses: die Fülle wird geordnet: alles an schickliche Orte gestellt und um jeden Glanz der Vorhang des Geschmacks gezogen. Der Arme aber, den das Glück überrascht, dem es di« nackten Wände zauberschnell mit hohen Pfeilerspiegeln bedeckt, dem der Gott des Weins plötzlich die leeren Fässer füllt— der taumelt von Gemach zu Gemach, der berauscht sich im Becher der Freude, teilt unbesonnen mit vollen Händen aus, und blendet, weil er ist geblendet. Ein solcher Emporkömmling war Jean Paul: er hatte von seinem Volk« nicht geerbt. Der Himmel schenkte ihm seine Gunst: das Glück stürzt« gut gelaunt sein Füllhorn um. und überschüttete ihn mit Blumen und Früchten: die Erde gab ihm ihre verborgene» Schätze. Er sah und zeigte sie gerne! Doch was der Neid der Mittebenden belächell, darüber lachen froh die Erben. Gold bleibt Gold, auch in der Erzstufe. nur von wenigen erkannt, und die Fassung der Edelstein« erhöht ihren Preis, nicht ihren Wert. So war Jean Paul!— Fragt ihr: wo er geboren, wo er gelebt, wo seine Asche ruhe? Vom Himmel ist er gekommen, aui der Erde hat er gewohnt, unser Herz ist sein Grab. Wollt ihr hören von den Tagen seiner Kindheit, von den Träumen seiner Jugend. von seinen männlichen Jahren? Fragt den Knaben Gustav:, fragt den Jüngling Albans und den wackern Schopp«. Sucht ihr seine Hoffnungen? Im Campanertale findet ihr sie. Kein Held, kein Dichter hat von seinem Leben so treue Kunde aufgezeichnet, als Jean Paul es getan. Der Geist ist entschwunden, das Wort ist geblieben! Er ist zurückgekehrt in feine Heimat; und in welchem Himmel� er auch wandere, auf welchem Sterne er auch wohne, er wird in seiner Verklärung seine traute Erde nicht vergessen, nicht seine lieben Menschen, die mit ihm gespiett und geweint, und geliebt und geduldet, wie er. ') Der Millionär setzt Bettler, der Gelehrte Heloten voraus, die höhere Bildung der einzelnen wird mit der Verwilderung der Menge erkaust. ") Denn»ach vierhunderttausend Jahren steht die Erdachse wie Jupiter jetzt senkrecht auf ihrer Bahn. ist der Eindruck unseres Gewaltig! heutigen Sonderangebotes in Damen- Konfektion Mantel aus Serie 2, schwerer Flausch, Kragen u Stulpen, mit Slings 1350 besetzt Als Zeichen unserer Serie 1 Serie 2 Mäntel aus schwarzem Winterflausch sowie in Fantasiestoffen Mäntel aus Mouliné sowie aus Flausch mit Slings u. Plüschbesätzen Leistungsfähigkeit Serie 3 Serie 4| Serie 5 Mäntel aus Affenhaut sow.schwerem Flausch, Melange Mäntela.reinw.RipsVelouri.viel.Farb.m. Falten od. 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