Ur. 145. Erscheint täglich außer Montag». Preis pränumerando: Vierlel- jährlich 3,30 Marl, nwnatlich i.io Ml., wöchentlich 28 Pfg. frei tn's Haus. Einzelne Nummer 5 Pfg. Sonntag«-Nummer mit illuslr. Sonntags-Beilage„Neue Well" to Pfg. Post-Abonnement: 3,3oMl. proQuartal. Unter Kreuzband: Deutschland u. Oesterreich- Ungar» 2 Ml., siir das übrige Ausland oMk.pr.Monat. Eingetr. t» der Post-geitungs- Preisliste für 139° unter Nr. 712». 12. Jahrg. llnsertions-Gebühr beträgt für die sünfgespaltene PeUtzeile oder deren Raum 40 Pfg., für Vereins- und Vcrsammlungs- Anzeigen 20 Pfg. Inserate für die nächste Nummer müssen bis 4 Uhr Nachmittags in der Erpedttio» abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochen- tagen bis? Uhr Abends, an Sonn- und Festiagen bis o Uhr Vormittags geöffnet. Lernfprecher: Amt l, Ur. töt>8. T-Icgromm-Adresse: „f oiialötmoluiit Kerii»!' Verllner VolKsblalt. Zentralorgan der sozialdemokratischen Partei Deutschlands. Redaktion: LV.lg. Aeuth-Straße 2. ßrpeditlott: 8V. 19, ZZeutß-Straße 3. AbUMkMNtS-EiUlllilMg. Mit dem 1. Juli eröffnen wir ein neues Abonne- ment auf den ..Vov»vÄrks" mit der illnstrirten Sonntags-Beilage „Die Nene Welt". Tie Weltlage ist so bewegt, daß sie mehr und mehr das Juteresse jedes denkenden Menschen in Anspruch nehmen muß. Die Umsturzvorlage ist zwar gefallen, allein der Umsturz von oben wird eifrigst sortgesetzt. Nanientlich richten die Anstrengungen der reaktionären Parteien sich gegen das allgemeine Wahlrecht. Das deutsche Volk, die deutsche Arbeiterklasse soll p o l i t i s ch entrechtet werden. Und der Kampf um das allge- meine Wahlrecht, um die Rechte des Volkes muß vor allem in der Presse geführt werden. Tie Presse i st die m ä ch t i g st e W a f s e des Volkes— und diese Waffe zu stärken, ist Pflicht des Volkes. Wir fordern die Genossen auf, nach Kräften für die Verbreitung des„Vorwärts" thätig zu sein. Nach Beendigung der„Berliner Märztage" werden wir eine in Südamerika spielende Original- Erzählung, die ebenso spannend als belehrend ist, ver- öffentlichen, und dann niit dem in der Gegenwart spielenden Roman:„D e r V e r r ü ck t e" beginnen, welcher die Vernichtung eines hoffnungsvollen Menschenlebens durch kirchlichen Fanatismus darstellt und ähnliche Zu- stände beleuchtet, wie sie jüngst durch eineil sensationellen Prozeß aufgedeckt worden sind. Für Berlin nehmen sämnitliche Zeitungsspeditenre, so- wie unsere Expedition, Benthstr. S, Bestellungen entgegen zum monatlichen Preise von 1 Mark 10 Pfennige frei ins Hans. Für außerhalb nehmen sämmtliche Postanstalten Abonne- ments zum Preise von M. für die Monate Jnli— September entgegen.(Eingetragen in die Post-Zeitungslistc für 18S5 unter Nummer 7128.) Redaktion und Expedition des„Vorwärts". Lseuilleko». lNachdnM verboten. I Berliner Marztage. Eine geschichtliche Erzählung von Michel Deutsch. 4L „Bravo, Ephraim, bravissimo!" rief Herr von Tumidaiski ganz begeistert, indem er den Lederhändlcr gemüthlich an sich zog.„Wenn solche Männer sind in Berlin, dann ist mir um Brüderchen Withold nicht bange." Vrnno und Hans schüttelten dem über das ganze Gesicht strahlenden Ephraim die Hand. „Das war ganz trefflich, was Sie da eben sagten," meinte der Buchdrucker.„Ganze Menschen— das ist's, ivas ivir sein sollten und sein wollen, alle mit cinalider. Ganz sein— das ist das natürliche Ziel, die erhabene Aufgabe des Menschen. Und niemand soll es wagen, uns au der Erfüllung dieser Aufgabe zu hindern." Noch lange saßen sie beisammen, in erregtem Gespräche Gespräche die so gewaltsam und unvermittelt emvfangenen Eindrücke des Tages verarbeitend. Auch Vater Wernickcs, des schuldlosen Opfers der blutigen Metzelei, gedachten sie niit warniem Mitgefühl. Herr Kasimir übergab Härtung eine größere Geldstimme, mit der Bitte, sie dem' braven Meister, dessen mißliche Verhältnisse keinem der An- wesenden ein Geheimniß geblieben waren, zu übergeben. Hans weigerte sich, die Gabe anzunehmen, da er selbst sich für verpflichtet hielt, die Sorge für die Familie seiner Braut zu tragen. Da schlug sich Bruno Volkmuth ins Mittel und führte ans, daß es der Bürgerschaft eine Ehren- pflicht sein nmfse, für die Verwundeten des Volkes Sorge zu tragen. Der Gedanke fand so allgemeinen Beifall, daß Ephraim Fisch sich erbot, schon am nächsten Morgen die Sammlung einer Ehrengabe für Vater Mathias in die Sand zu nehmen. Als ersten Beitrag nahm Ephraim die pende des freigebigen Polen entgegen. Die englische MinisterKrists. London, 22. Juni 18Ö5. Gestern hat die Regierung eine Niederlage im Parlament erlitten, die sie in die Lage versetzt hat, darüber berathen zn müssen, ob sie überhaupt auch nur eine Woche noch mit Anstand im Amt bleiben kann. Wenn diese Zeilen den Lesern des„Vor- wärts" zu Gesicht kommen, wird ihnen auch schon durch den Telegraphen bekannt gegeben sein, zu welcher Maßregel sich das Kabinet entschlossen hat. Spätestens Montag wird eine ossizielle Erklärung darüber erwartet. Bezeichnenderweise ist die verhängnisvolle Abstimmung nicht mit bezug auf irgend eine jener Streitsragen gefallen, die die beiden um die Herrschast ringenden Parteien gegen- sätzlich zu behandeln lieben, sondern im Hinblick auf eine An- gelegenheit, mit bezug auf die sie im Prinzip so einig sind wie noch nie zuvor. Nicht über Homerule, die Entstaatlichung der Kirche in Wales, das Lokal-Vcto oder dergleichen stolpert das Ministerium, sondern über die Militärsrage; nicht ihre mangelnde Liebe für die Kirchenpatronate ist ihr fatal geworden, sondern ihre angeblich mangelnde Fürsorge sür die nöthige Masse von Gewehr- Patronen. Und das kam so. Bei Eröffnung der gestrigen Sitzung theilte der Kricgsministcr dem Hause mit, daß der derzeitige Oberbefehlshaber der Armee, der Herzog von Cambridge, dem- nächst seine Stelle niederlegen werde. Da schon seit einiger Zeit von verschiedenen Seiten auf den Rück- tritt des ziemlich allen Knaben hingearbeitet worden ist, die Agitation bisher aber immer ohne Erfolg geblieben war, erregte die Mittheilung leine geringe Sensation, und viele Mitglieder verließen unter dem Eindruck derselben das Hans, statt den weiteren Debatten— der Berathung des Etats der Militärverwaltung— zu folgen. Niemand glaubte, daß noch eine Frage von Bedeutung zur Abstimmung kommen werde. Da brachte ein Tory die Rede auf die Munitionsvorräthe und behauptete, erfahren zu haben, daß bei weitem nicht genug Patronen vorhanden seien, um in einem plötzlichen Kriegsfall die ganze waffenfähige Mannschaft genügend auszurüsten. Der Kriegsminister behauptete unter Berufung auf die verantivort- lichen Militärs, daß in diesem Punkt alles zum besten bestellt sei, wollte aber mit Rücksicht auf gewisse gute Freunde im Ausland keine Zahlen geben, worauf der betreffende Tory die Reduktion des Gehalts um Ivo Pfund Sterling(die übliche Form eines Mißtrauensvotums) beantragte, um den Minister zn Ziffern- mäßiger Auskunft zu uölhigcn. Herr Campbell-Banner- mann machte nun etwas nähere Angaben dahin, daß der Bestand an Patronen von Jahr zu Jahr zugenommen und die Prodnktionsgeschwiudigkeit sich bedeutend gesteigert habe, erklärte aber: mehr vor aller Ocffcntlichkeit aus- zusagen, sei nie Gebranch gewesen und er werde von dieser Praxis nicht abweichen. Nun wurde die Opposition immer patriotischer, sah auf's neue England in Gefahr, und als es zur Abstimmung kam, stimmten 132 Abgeordnete für und nur 125 gegen die beantragte Gehaltsreduktion, worauf der Minister sofort Ucbergang zur Tagesordnung beantragte und nach Annahme derselben das Haus verließ. Gestern Abend und heute Mittag fand Ministerrath statt, aber bis zur Stunde ist noch „Und nun gute Nacht sür heute", sagte er beim Abschied, nachdem er seine Gäste, so gut es anging, unter- gebracht hatte.„Wenn die Herren Soldaten so weiter- arbeiten, werden sie uns bald alle unter einen Hute bringen." Der nächste Morgen rief von neuem Kummer und Un- ruhe in Meister Wcrnickc's Hauswesen hervor. Der Arzt fand den Verwundeten im Fieber, die 5?opfivnnde erwies sich gefährlicher, als es anfangs geschienen hatte. In tiefster Bcsorgniß wachten Lotte und Tora an dem Krankenbett des Vaters. Den Vorschlag des Arztes, Vater Mathias nach der Charitce zu bringen, wiesen sie mit Entschiedenheit zurück: starb er, so sollte er zum wenigsten in ihren Arnien sterben. Tie Knude, daß ein Invalide von 1813, ein Ritter des eisernen Kreuzes bei dem gestrigen Ucbcrfall schwer ver- ivundet ivordcu sei, hatte sich rasch bis iveit über das Viertel hinaus verbreitet. Vater Wernicke's Nanie ging von Mund zu Munde, Neugierige und Theilnehmende kamen herbei, um näheres über den Fall zu hören. Tie beiden Mädchen hatten alle Mühe, die sür den Kranken so nothivcndige Ruhe zu wahren. Ephraim Fisch hatte in seinem Laden ein förmliches Auskunftsbnreau für die Nachfragenden errichtet; die Ehrengabe für Meister Mathias wuchs zu einer ansehn- lichen Sumnie. Sogar der Herr Polizei-Präsident, der von dem„bedauerlichen Zufall" unterrichtet worden war, hatte sich nach dem Verwundeten erkundigen lassen, und die Auszahlung von zwei Dukaten aus seiner Privat- Schatulle an die Angehörigen desselben veranlaßt. Als jedoch der Armcnvorstehcr Plüddcmann niit dieseni Ehren- gescheut des Herrn v. Minutoli in der Wohnung des Schneidermeisters erschien, wurde er durch den zufällig an- wesendeil Grams in so verblüffender Weise empfangen, daß er Hals über Lkopf die Treppe hinabeilte, ohne seine Dukaten an den Mann gebracht zu haben. „Das fehlte grade noch!" meinte der trotzige Bäcker- meister zu dem vor innerer Genugthuung lächelnden Schnick, nichts Zuverlässiges darüber bekannt, zu welchem Schritt sich das Ministerium entschieden hat. Es stehen ihm zwei oder eigentlich drei Wege offen. Es kann die Abstimmung als eine definitive Niederlage akzeptiren und in diesem Fall entweder selbst das Haus auslösen oder zurücktreten und den alliirteu Unionisten das Feld überlassen, die dann natürlich auch als- bald würden auslösen müssen. Oder aber es kann eineWiedercrwägung des Votums beantragen, die dann ohne jeden Zweifel zur Annullirung der Gehaltsreduktion führen würde, denn die Ab- stimmung rvar ganz offenbar das Resultat einer ge- schickt eingeleiteten Ueberrumpeluug— ein„snabeb vote", wie der Ausdruck lautet. Aber die Regierung hat in den letzten Tagen bei sehr wichtigen Abstimmungen ihre Majorität bis auf fünf sich zerkrümeln sehen, und in einem Falle— in der Frage des E r o m w e l l- D e n k m a l s— nur durch Zurückziehung ihres Antrages sich vor einer eklatanten Niederlage gerettet. Hier waren es die Jrländer gewesen, die sie zu dem blamablen Schritt zwange». Zweiundeinhalbes Jahr- hundert haben nicht hingereicht, den glühenden Haß der Jrländer gegen den„Massenschlächter von Drogheda" zu mildern und einer objektiveren Beurtheilung Cromwell's bei ihnen Raun: zu schaffen. Parnelliten und Anliparnelliten bekämpften den Vor- schlag, Cromwell's Andenken den Tribut zu gewähren, auf den sei» Genius Anspruch habe, mit gleicher Heftigkeil und gleich gehässigen Ausdrücken über Cromwell, trotzdem ausdrücklich erklärt worden, daß das Denkmal selbstverständlich keine Billi- gung der einzelnen Akte des Protektors bedeuten solle. Durch diese unversöhnliche Haltung, die zum theil durch das Konkurrenz- verhältniß der Parnelliten und Anliparnelliten diktirt worden sein mag, haben die Iren nicht nur dem Ministerium und im besonderen Lord Rosebery, von dem der Gedanke ausging, eine moralische Niederlage bereitet, sondern auch den protestantischen sie auch mit ihrer Erbitterung,. losigkeit der Iren sehr zurückgehalten haben, so klingt dieselbe m ihren Erklärungen in den Tagesblättern deutlich genug durch, und man kann sage», daß kaum ein Ereigniß der letzten Zeil die Sache der Homerule so kompromittirt hat, wie die Debatte über das Cromwell-Dcnkmal. Bcilänffg habe» zur gleichen Zeit, wo sie im Haus an Cromwell ihr Müthchen kühlten, die Jrländer in der Fabrik- gesctz-Kommission, um die Klöster vor der Fabrikaufstcht zu bewahre», den Konservativen geholfen, die Unterstellung der Waschanstalten unter das Fabrikgesctz zu Fall zu bringen. Es ist seildeni ein Kompromiß im Werke, aber zunächst hat dresc engherzige Behandlung einer Frage des Arbeiterwohls viel böses Blut gemacht. Es sind aber gerade die Jrländer, die am entschiedensten verlangen, daß die Regierung nicht auslösen, noch resigniren, sondern weiter fortregieren soll. Es wäre Verrath an ihnen, aufzulösen, bevor die für diese Session zugesagte Landbill durch- gebracht sei. Ans demselben Ton pfeifen die Vertreter von Wales, von denen sich einige in der letzten Zeit sonst auch nicht sehr taktfest gezeigt. Es ist das Pech der liberalen Partei, von der Gnade von allerhand kleinere» oder größerenlGruppe» abhängig zn sein, die nur solange mit ihr gehe», als sie ihre Rechnmig dabei finden. „erst lassen sie ihm ein Loch in'n.Kopf schlagen, und dann wolleil sie's mit'nem goldnen Deckel zudecken!" „Und was sür'n lnnipiger Deckel noch dazu!" meinte der Geselle, in dessen sanfter Schwärmerseele seit dem gestrigen Tage ein fanatischer Tyrannenhasser erwacht schien. „Da kann nian seh'n, wie hoch sie unsereinen taxiren!" Noch niemals in seinem Leben war diesem schlichten Manne, der da bcivußtlos auf seiner dürftigen Lagerstatt ruhte, so viel Aufmerksamkeit erwiesen worden. Selbst die Bewohnerinnen des einstnialigcn Plüddemann'schen Hauses, die sonst vom Verkehr niit der sogenannten anständigen Welt ausgeschlossen waren, ließen es sich nicht nehmen, den Verwundeten der Petristraße zu ehren. Sie schickten ein paar Flaschen Wein und eine Torte und mit dank- barer Rührung nahm Lotte das Geschenk entgegen. Es hatte erst jenes blutigen Säbelhiebes bedurft, damit der Mensch dem Menschen, der Bruder dem Bruder näher rücke. Noch einmal hatte die Polizei, die in jenen Tagen alle nur erdenklichen Anstrengungen machte, um mit ihren kleinen Hausmittelchen den tosenden Ozean des entfesselten Volkszorucs zu beschwichtigen, sich in dem Hause des Herrn Armenvorstehers eingefunden. Frau Muckenich hatte den Polen, der sie so unsanft in Herrn Plüddc- mann's Arme geschleudert hatte, denunzirt, und da man in ihm jenen Flüchtling auS der„Silbernen Ente" vermuthete, der das Königsschloß'hatte in die Luft sprengen wollen, so ivar eine Haussuchung bei Meister Wernicke, bei Fritze Grams und dem Lederhändler angeordnet worden. Aber die Sendboten des Herrn von Minutoli, der die Polen ganz besonders auf dem Strich hatte, mußten unverrichteter Sache abziehen. Sie hatten überdies in diesen schrecklichen Tagen so viel Last und Arbeit, daß sie sich selbst um so gcfähr- lichc Menschen, wie Herr Kasimir, nicht weiter bekümmern konnten. Mit grollender Miene sah Frau Muckenich die Gendarnien das Hinterhaus ohne den Gesuchten verlassen. Sie hatte diesem Eindringling, der sie vor Herrn Gotthvld's Augen so schiver beleidigt hatte, finstere Rache geschworen und sah sich um diese Rache Für di» Parteiführer ist das e!»e sehr unerquickliche Situation, und wan könnte es ihnen nicht verdenken, wenn sie die Gelegenheit beim Schöpfe faßten und sich aus einer Situation herauszögen, in der sie Lorbeeren ja doch nicht mehr sammeln können. Daß die Liberalen bei der nächsten Wahl geschlagen werden, steht fest, und es ist nicht das größte Mal- heur, das ihnen passiren kann. Und wenn die letzten Nachwahlen_ auch nur mit gewisse» Einschränkungen als Anzeichen für den Gang der allgemeinen Wahl dienen können, so zeigen sie doch soviel, daß je länger diese hinaus- geschoben wird, die Niederlage der Liberalen nur um so größer sein wird. Darum war es auch wieder der Herr Chambcrlain, der bei der eingangs erwähnten Abstimmung die Rolle des Antreibers spielte und am lautesten ansjubelte, als das Resultat bekannt wurde. In seinem Interesse stiegt es, daß die Tories nicht zu stark zurückkommen. Sie könnten sonst Neigung ver- spüren, ans seinen und seiner Freunde Rath verzichten zn wollen. Man sieht, was für kleinliche, engherzige Rücksichten die Politik dieser großen Politiker bestimme». Solche erhabene Er- wägungen waren es ja auch, welche die Masse der Tories und der liveralen Unionistcn veranlaßten, gegen das Cromwell- Denkmal zu stimmen, und nicht etiva, wie man vielleicht meinen möchte, dessen Eigenschaft als„Könijjsniörder". Darauf haben sie sich nicht einmal zum Borivand für ihre Abstimmung berufen. Für welche der obigen Alternativen sich das Ministerium entscheiden wird, läßt sich vor der Hand nur vcrmnthen. Für jede sollen Anhänger in dessen Reihen vorhanden sein. Viel hängt davon ab, ob Herr Campbell-Bannermann steh dazu be- wegen läßt, bei einer Nachlassung des formell gegen ihn gerichteten Mißlrauenevotums wieder ins Amt einzutreten. Er- klärt er, dies absolut nicht thun zu wollen, so soll es zum Rücktritt rcsp. zur Auflösung kommen. Andernfalls wurde natürlich die Regierung von dem jetzigen Parlament das verlangte Ver- traucnsvotlim bekommen. vielleicht mit größerer Mehrheit als die, über welche sie in den letzten Tagen durchschnittlich verfügte. Solche Zwischenfälle wirken zunächst oft wie Kitt. Aber nur auf eine Weile, dann treiben die divcrgirenden Elemente doch wieder auseinander. So oder so wird die Auflösung doch wohl früher erfolgen als bisher geglaubt wurde. Leider läßt stch nicht sagen, daß unsere Genossen dann mit günstigen Aussichten in den Wahlkampf gehen werden. Es sind kauni eine Handvoll Wahlkreise, bei denen sie bei dem jetzigen Wahlsystem auf den Sieg rechnen können. Jetzt haben von der sozialistischen Kandidatur zunächst nur die Tories den Vortheil. Es ist daher kaum anzunehme», daß, wenn diese ans Ruder kommen, sie an demselben irgend elwas wesentliches ändern werden. Und so lange die Arbeiter nicht ernsthast dafür die Hand rühren, kann man�es den Tories auch gar nicht übel nehmen. Aus London liegen zur Ministerkrisis heute folgende Depeschen vor: London, 23. Juni. Gleich nach der Rückkehr Lord Rose- bery's von Windsor haben die Minister eine Besprechung ab- gehalten, welche eine halbe Stunde dauerte. Es verlautet, heute Abend werde keine offizielle Erklärung erfolgen, Lord Salisbnry werde sich aber nach Windsor begeben, jedoch werde er den Auf- trag, das Kabinet zu bilde», nur unter der Bedingung annehmen, daß das Parlament aufgelöst werde und daß das jetzige Kabinet die Annahme von zwei provisorischen Bndgetzwölfteln durchdringe. In betreff der Mitglieder des neuen Ministeriums verlautet noch nichts, zwischen Nnionisten und Konservativen herrscht aber Uebereinstimmung. Windsor, 23. Juni. Der Premierminister Rosebery hat seine Entlassung eingereicht. Wie verlautet, hat die Königin Lord Salisbnry berufen. London, 23. Juni. Ter gestrige Minisierrath dauerte bis 8 Uhr abends. Die Presse erhielt keinerlei Mittheilungen über denselben. Lord Rosebery hatte später eine Audienz bei der Königin. Die bedeutendsten Männer des Parlaments haben der Regierung das Vertrauen entzogen. Wie verlautet, will die Re- gierung vom Unterhause verlangen, daß das Gehalt des Kriegs- Ministers wieder vervollständigt werde. London, Montag 24. Juni, 12 Uhr mittags. Wie amtlich mitgetheilt wird, begiebt sich Lord Salisbnry heute Nachmittag 2 Uhr nach Schloß Windsor. Derselbe wird inzwischen mit dem Herzog von Devonshire, Balfour und Chamberlain Berathungen pflegen und danach die Kabinetsbildung übernehmen, worauf die Auflösung des Parlaments erfolgen soll. London, Montag 24. Juni, Stachmittag. Es scheint sicher, daß Lord Salisbury die Kabinetsbildung übernimmt; er kon- .ferirt heute Vormittag mit den. konservativen und unionistischen Führern und begiebt sich sodann nach Windsor. Die Morgenblättcr sprechen sich übereinstimmend dafür aus, daß das neue ikabinet ans Konservativen und Unionisten zn- sammengesktzt werde. Ten„Times" zufolge dürfte der Herzog von Devonshire Minister des Auswärtigen, Hicks-Beach Schatz- kanzler, Chamberlain Kriegsminister und Goschen Marineminifter iverden.— schnöde betrogen. Wenn»venigstens der hartherzige Plüdde- mann damals, als sie ihm an die Brust flog, die Arme schützend um sie geschlungen hätte,— aber nein, er hatte sie zurückgestoßen wie eine Fremde, sie, die ihn doch mit der ganzen Glut ihres keuschen Wittwenherzens liebte!... Es hatte sich ganz zufällig gefügt, daß Herr Kasimir von den Hütern des Gesetzes in seinem Versteck nicht aufgefunden worden war. Am Dienstag Mittag, als er gerade mit einer ihm von Grams geliehenen Bäckcrjacke und Bäcker- schürze angethan, den beiden Wernicke'schen Damen seine Aufwartung machte, war Bertha Jachnick, die Rothhaarige aus dem Leckner'schen Handschnhgeschäft, bei Wernicke's erschienen, um im Auftrage des Chefs über Dora's Ans- bleiben Erkundigungen einzuziehen. Sie erzählte, daß Herr Lcckner Dora's wegen sehr unruhig gewesen sei. Sie habe bereits beim Lieutenant von Pilgram nachgefragt, dort aber von einem Soldaten, der für den Lieutenant in der Apotheke Bleiwasser holte, nur so viel erfahren, daß der Lieutenant ganz schrecklich zerschunden aussehe und zu Bett liege. „Wat is denn ecnklich zwischen Eich vorjcfallen?" fragte Bertha mit bedeutungsvollem Augenzwinkern, während sie all deni Stück Torte knabberte, das ihr Lotte Wernicke vorgesetzt hatte. „Gar nichts ist vorgefallen", versetzte Dora lachend— „ich gehe einfach nicht mehr in ein Geschäft, in dem mir solche Aufträge gegeben werden." „Hast eigentlich recht, Dorchen," meinte Bertha nach kurzem Besinnen. Und dann, als ob sie einen plötzlichen Entschluß faßte, fügte sie hinzu:„Ick jeh' ooch nich mehr hin, die paar Kreeten kann ick mer wo anders leichter ver- dienen. Mein Vader hat's längst jesagt, det er'n Schuft is, der janze Lcckner. Gestern Abend bringen se'ne arme Frau rin int Haus, die von'n Soldaten war jestochcn worden und über und über blutete. Un wat macht der Kerl? Schmeißt er se nich wieder uf de Straße raus, niitsamst de Leite, die sie rinjebracht hatten? Nee, lieber Dienstinagd werden, als bei so'n Kerl Mamsell spielen l" Herr Kasiniir, der in seinem mehligen Bäckerkostüm bei den Mädchen in der Küche saß, hatte mit sichtlichem Interesse dir junge Boigtländerin gemustert, die so wackere Worte sprach, während gleichzeitig ihre hübschen blauen Augen mit ästhetischem Wohlgesalten auf den Zuckerguß- stgnren der Torte hafteten.(Fortsetzung folgt.) Crispi und Cauallotti. Cavallotti veröffentlicht seine Anklage gegen Erispi gleichzeitig in Rom im„Don Chisciotte" und in Mailand im „Secolo". Er erbringt den Nachweis, daß der Mann, welcher 1Sö4 einen Ehevertrag fälschte, daraufhin zwei weitere Ehen ein- ging und später in Sachen der Banca Romana eine falsche Aus- sage vor Gericht machte und behufs Verthcidigung der Bank sich sogar von Tanlongo bestechen ließ, daß ein solcher Staatsmann noihwendigerweis« die Polmk als ein einträgliches Geschäft betrachte. Jin erste» Theile wird das merkwürdige Eheleben des italienischen Vorkämpfers für Religio», Ordnung und Sitte sowie die intimen Beziehungen des ehemaligen Revolutionärs zu der von ihm bekämpften bourbonischen Regierung und seine Ver- Mittlerrolle beim Aemterkaufe geschildert. Im zweiten Theile werden Crispi's Beziehungen zu den Leitern der Vanca Nomana geschildert, es wird dann nachge- wiesen, daß er zn deren Gunsten einen Meineid geschworen habe und sich von der Banca Romana habe bestechen lassen. Im dritten Theile werden seine Beziehungen zu dem von den fran- zösischcn Gerichten wegen der hervorragenden Betheiligung an der Panama- Affäre verfolgten Cornelius Herz dargestellt und der durch Erispi vermittelte Ordenskauf dieses würdigen Genossen der italienischen Edelsten der Nation festgenagelt. Gegen Crispi's Behauptung, daß General Menabrea die Ans- zeichunng an Herz befürworler hätte, wird Menabrea's Bericht ins Treffen geführt, welcher ungefähr mit den Worten schloß, daß er, da es sich um eine» Mann bandelt, dessen Erwerbsquellen proble- malische wären, um eine» Mann, der heute, um gemeine Schulden zn zahle», seine Möbel verkauft und morgen über Millioue» verfügt, daß er nicht den Mulh habe, einen solchen Mann für eine so Hohe Auszeichnung vorzuschlagen. Cavallotti will übrigens in der von ihm sestgestellten Thatsache, daß Erispi für Reinach nie einen Prozeß gejührt und in der Note, in welcher Reinach unter anderen an Herz infolge seiner Erpressung ausgezahlten Summen die Auszahlung von tzOflOo Franks an Erispi einzeichnet, den indirekten Beweis erblicken, daß Erispi von Neinach um keiner andern Sache als um der Dekoration willen die ge- nannte Summe erhalten haben konnte. Neinach'S Note trägt die Ueberschrift„Lommes remises par moi ä Herz par suite de son chantage"(Ueber von mir an Herz infolge seiner Revolvererpressung übergebenen Summen) und enthält Zahlungs- Postillen im Werthe von elf Millionen. Die auf Erispi bezüg- liche Anmerkung lautet:„le 24 Mars 1891" und zwischen Klammern:„Erispi 50 000 Franks". Im März 1891 war Marchese di Rudini seit drei Monaten schon Crispi's Nachfolger, und die Frage erscheint daher nicht unberechtigt, wie Reinach an Erispi 50 000 Franks für eine Auszeichnung zu einer Zeit ausgezahlt haben könne, in welcher die diesbezüglichen Verhandlungen sich längst zerschlagen hatten. Ohne indessen ans diesen Umstand Gewicht zu legen, führt Cavallotti einen Brief Freycinet's an, worin Crispi's Behauptung, daß er die Auszeichnung sür Herz gewünscht habe, sür falsch erklärt wird. Cavallotti erzählt weiter, daß Erispi eines Tages— die Daten sind näher nicht festgestellt— den Minister des königliche» Hauses, Urbanino Rattazzi, rufen ließ und ihm kurzweg sagte, daß, da der Ordenskauzler in der Sache Herz so große Schwierig- ketten mache, 00 000 Franks alles gut machen können. Bei diesen Worten zog Erispi aus einer Schatulle einen auf diese Summe lautenden Check hervor. Die Szene, welche sich hierbei entspann, will Cavallotti in der Lage sein, mit photographischer Genauigkeit wiederzugeben. Rattazzi sprang von seinem Stuhle aus und rief:„Mein Herr, ich bitte, lassen Sie derlei Dinge liegen. Was würden die Franzosen von uns sagen, wenn unsere Ritterkreuze um fremdes Geld zu haben wären?" Erregten Tones erwiderte Erispi:„Wollen Sie mir etwa eine Unter- Weisung geben?"—„Keine Unterweisung," entgegnete Rattazzi, „doch sage ich Ihnen, daß auf diese Weise die Würde des Königs, der italienischen Regierung und des Landes selbst auss Spiel gesetzt werden, und ich bitte Sie darum dringend, auch im Namen des Königs. mir die Abschrift der Auszeichnungsverordnung zurückzuerstatten."— „Nein!" rief Erispi,„das nicht, weder heute noch irgend jemals."--- Nattazzi's Worte würden, wenn sie wirklich ge- sprachen wurden, sich mit der Erklärung Rudini's vor dem Siebener-Ausschusse vollständig decke». Tie Erklärung lautet: „Rattazzi kam nochmals zu mir und berichtete, daß Erispi aus der Auszeichnung bestand und für dieselbe zu gunsten des Mauritiusspitals 60 000 Fr. hinterlegen wolle. Ich antwortete, daß Se. Majestät wohl daran that, die Abschrist der Auszeichnungs- Verordnung zurückzufordern. In der Folge aber erfuhr ich, daß der König die Verordnung zurückgezogen hatte." Im vierten Theile der umfangreichen Anklageschrift wird Crispi's Verhalten in den stzilianischen Wirren dargelegt. Hierbei wird Erispi nicht blas als grausamer Politiker, sondern auch als treuloser Freund vorgeführt. Die für Erispi begeisterten Blätter in Italien und in Berlin halten natürlich all' diese Anklagen für bedeutungslos. Wir Uon der Uordostsee-Kana!-Feier. Aus Kiel wird uns vom 23. Juni geschrieben: Dem„Vorwärts" wird nunmehr auch von seinen größten Gegnern darin beigestimmt werden müssen, als er behauptete, die die Schifffahrt sehr beeinträchtigenden Rutschungen am Nord- oflsce-Kanal würden wohl noch recht häusig eintreten. Wenn diese nun auch bei jedem neuen Kanal eintreten, n»d ihre Ur- fache in dem Festsacken des Erdreichs haben, so sind beim Nord- ostsee-Kanal leider andere Jaktoren maßgebend, die gleich beim Bau hätten vermieden werden können. Lange vor der Er- öffnung des Kanals erregten schon bei den praktischen Scelenten die sehr hohen Böschungen, besonders in der Gegend von Grüuenthal, berechtigtes Aussehen und Zweifel an der tallbarkeit derselben machten sich immer mehr merkbar. etzt«mr, nachdem der Kanal am 20. Juni von einer größeren Anzahl von Schiffen befahren, haben sich die aehegten Befürchtungen bewahrheitet, Rutschungen sind in großer Zahl besonders in der Grünenlhnler Gegend vorgekommen, so daß zu deren Beseitigung Bagger Monate lang arbeite» müssen. Und da man serner die Böschungen verkleinern oder terrassenartig an- legen wird, so werden von neuem Millionen erforderlich sein, die, obwohl sie viele» Arbeitern Lohn und Brot verschaffen, dennoch nicht erforderlich sein würden, wen» das Bauwerk richtig von vornherein angelegt worden wäre. Ferner wird man nicht umhin können, an einigen Stellen, im Gegensatz zu den Ab- tragungen der Böschungen, die Ufer zu erhöhen, da von den große» mit starke» Maschinen versehenen Dampfern ein Wellen- schlag erzeugt wird, der das Wasser über die Ufer treten läßt. Millyn ist noch viel Arbeit erforderlich, bevor man sagen kann, der Nordosisce-Kanal ist in allen seinen Theilen fertig! Herr v. Köller hat während der Festtage mit den ver- sammelten Jonrnalifle» viel gelicbäugelt. In einer Rede auf dem internationalen Pressefest stellte er sich als alter Bekannter vor, und haspelte sonst noch einige Phrasen herunter, die von den Tintenkulis mit Heiterkeit und Beifall aufgenommen wurden. ?lls würdigster Mann, einen Gegentoast ans den Herrn„Kollegen" von der„Berliner Korrespondenz" auszubringen, suhlte sich Peter Schwichow, Redakteur der Kieler„Nord-Ostsee-Zeitung" berufen, der Minister soll darob wenig Neider gefunden haben. � Wie nun einmal patriotische Feste ohne Volksdemonstrationen nicht vorübergehen können, so mußte denn auch am Sonn- abend Abend dem Kaiser ein Fackelzug von der Bürgerschaft dargebracht werden. In der richtigen Voraussetzung, daß die Betheiligung eine nicht allzu starke werden könnte, wandte man sich mit den bekannten Mitteln an di« Arbeiter der kaiserlichen. unsittliche Sozialdemokraten sind natürlich ganz anderer Meinung. Erispi kann nun die Debatte über die Aktenstücke kaum noch auf lange vertagen. Schweigt er weiter und zwingt er die Kammer zum Schweigen, so ist sein Urlheil gesprochen. Die Debatte über Cavallotti's Broschüre zu hintertreiben, dürfte selbst in dem an Korruption gewohnlen Italien unmöglich sein. Kommt es zn der Debatte, so wird Erispi siegen oder die politische Moral. Es handelt sich aber nicht blos um Erispi, es handelt sich wohl bald um mehr, nämlich auch um die Person des Königs Umberto und damit auch um die Institution der Monarchie in Italien. Dies beiveist die folgende Depesche aus Rom: In der Audienz, welche die Minister heute behufs Unter- Zeichnung von Dekreten hatten, umarmte, wie die„Riforuia" meldet, der König den Ministerpräsidenten Erispi. Voliktfiyo Ttevevllckik. Berlin, 24. Juni. Heute vor einem Jahre— am 24. Juni 1S94— wurde der Präsident der französischen Republik, C a r n o t, von einem in religiös-anarchistischen Wahnsinn verfallenen Epileptiker ermordet. Diese Handlung, die durch das freventliche Treiben den Demagogen des Rothen Gespenstes: den A n d r i e u x und Konsorten, veranlaßt war, wurde in Frankreich, Italien und Deutschland von der intet» nationalen Reaktion zu einer Generalhatz gegen die Arbeiterbewegung und zu einem Attentat auf die spärlichen Rechte des Volkes benutzt. Am energischesten trieb man es in Deutschland, wo auch nicht der Schatten einer anarchistischen Gefahr bestand— dank der trefflichen Organisation und guten Schule der Sozial- demokratie. Der Umswrzspektakel wurde in Szene gesetzt — das Volk sollte in Angst gejagt, und dem geängstigten Volke eine reaktionäre Reichstags-Majorität abgeschwindelt werden. Der erste Versuch ist mißlungen— das deutsche Volk erinnerte sich des infamen Spiels von 1878 und war auf der Hut, sodaß an eine Auflösung des Reichstags nicht zu denken war. Die Umsturzvorlage ist gefallen — der Feldzug der Reaktion hat mit Schimpf und Schande geendet. Aber ein neuer Feldzng wird vorbereitet. Die Umsturz- männer wühlen fort. Und ein Blick auf das, was in den letzten zwei Monaten geschehen ist, zeigt uns, daß diese Gesellschaft vor keinem Unrecht, vor keiner Ehrlosigkeit, vor keinem Verbrechen zurückschreckt. Er zeigt aber auch, daß sie ohnmächtig i st, w e n n d a s V o l k s i ch n i ch t verwirren, nicht ins Bockshorn sich jagen läßt. Also ruhig Blut! Und auf alles gefaßt sein!— Die Einladung zum Juternationale« Arbeiter- kongreh giebt der„Ethischen Kultur" Anlaß zu einem warmgeschriebcnen Artikel, der die kulturelle Bedeutung der kosmopolitischen Arbeiterbewegung klar legt und unter Hin- weis auf die belehrende Propaganda der Sozialisten mit folgenden Worten schließt: Die interuationaleii Agitatoren sind unsere besten Vater« landsvertheidiger, indem sie durch ihre Mitarbeit an der Menschwerdung der ausländischen Arbeiter dazu beitragen, daß unsere eigenen Volksgenossen nicht durch fremde Invasion aus jenen niedersten Zustand der Lebenshaltung herabgcdrückt werden, aus dem Verbrecherthum, AlkoholiSmus und gewaltsame Empörung geboren werden. So werden denn alle echten Vaterlandsfreünde die An- beranmung jenes internationalen Kongresses freudig begrüßen. Denn die Delegirten ziehen dorthin, um sür Vaterlandslose wieder ein Vaterland zu schaffen und um der nationalen Einpor- entmickclniig durch völkerverbindende Verabredung und Organi- sation ihre ungestörte Entfaltung zu sichern. Die auf dem ganzen Kontinente mit Umsturzvorlagen be- drohte Arbeiterbewegung zeigt sich hier als Trägerin und Förderin jener allersehnten internationalen Friedensordnung, in welcher der edle Welt- eifer der nationalen Begabungen er st wahr hast lebendig und fruchtbar werden wird. Sehr richtig. Das s o z i a l i st i s ch e Proletariat ist überhaupt der Träger der Kultur; uud die Macher der deutschen Umsturz- vorläge haben dies ausdrücklich anerkannt, indem sie der ganzen Wissenschaft und Kunst den Krieg erklärten, um der Sozialdemokratie beikommen zu können.— Wersten, welche denn auch in einer Stärke von 2000 Mann sich betheiliglen. Wenn aber der Herr Oberbürgermeister Fuß glaubte, dem Kaiser in einer Ansprache sagen zu dürfen, die Kieler Bürgerschaft habe sich veranlaßt gesehen, ans reinem patriotischen Gefühl den Fackelzug zu veranstalten, und ihn zum Sprecher auserkoren, so befand er sich in einem großen Jrrthum. Erstens waren freiwillige Theilnehmer im Zuge in sehr kleiner Zahl vorhanden und daß die aus Liebe um das tägliche Brot gezwungenen Werftarbeiter mit patriotischen Gefühlen mitgegangen sind, glaubt der Herr wahrlich selber nicht. Arbeiter, die sozialdemokratisch wählen und bei dem koimnuiialeii Mitbestiiinnungsrecht entrechtet sind, wählen sich zum Sprecher keiueu Oberbürgermeister, der an der Wahlrechtsentziehung von 5000 Bürgern zu den Kommimalwahlen mit schuld hat. n Glücklicherweise sind im allgemeinen recht wenig Unglücks- fälle vorgekominen. Auf dem Festplatze in Holtenau entstand am Freitag ein so starkes Gedränge, daß einem Berliner Schutzmann mehrere Rippen eingedrückt wurden. Zu dem bereits telegraphisch erwähnten Schiffsunglück sei noch folgendes hinzugefügt. Vor dem großen Festsaal in Holtenau neben der Kanalmündimg war von Werstarbeitern ein unterseeisches Feuerwerk angelegt, welches eine Krone und den NawenSziig des Kaisers darstellen sollte. Zu diesem Zweck hatte man ein Phosphorpräparat in Bleiröhren ge- stillt, und diese dem Zweck entsprechend unter Wasser gestellt. Links und rechts von der Krone waren zwei große Feuersoiitänen, wie überhaupt daS ganze einem aus dem Wasser brennenden weißen Feuer glich und keineswegs schön aussah. Als eine der erwähnten Fontänen nicht funktionirte. nähert sich derselben ein Marine- boot mit 7 Mann. Im selben Augenblick muß nun wohl die elektrische Zündung funktionirt haben, denn das Brot mit den darin befindlichen Menschen brannte lichterloh. Obwohl die brennen- den Matrosen über Bord sprangen und Hilfe in reichcm Maße sofort zur Stelle war, konnten doch nur K Mann gerettet werden, die alle mehr oder minder schwere Brandwunden erlitten haben. Bei der Rückfahrt durch den Kanal ist gestern der große Bremer Schleppdampfer„Trave" bei Brusbüttel infolge der Rutschungen festgefahren. Sein Loskommen dürfte mit Schwierig» keilen verknüpft gewesen sein. Inzwischen haben den Hafen mehrere Schiff« verlassen, der Handelsverkehr tritt in seine alten Rechte und viele, zur frei- willigen Muße gezwungen gewesene Arbeiter finde» wieder Be- schästigung. Diese Woche gilt dem Segelsport, an welchem Jachten aus Deutschland, Dänemark, England. Italien und Amerika theil- nehmen. Da für die Leser des„Vorwärts" dieser Sport der Protzen kein Interesse hat, so glaube ick> hiermit meinen B«r!d.l über die Kanalfeier schließen zu dürfen. Tie Feste sind verraucht, den Kieler Hafen haben die Gäste und Gaffer, die zufriedenen Minister und die de- geisterten Berichterstatter verlassen. Für alle hat die All- tagsarbeit begonnen. Der preußische Landtag hat heute schon wieder eine Sitzung abgehalten, das Staatsministcrium war versammelt und auch der Bundesrath halte sich zusammengefunden. Doch in der Politik herrscht noch Fcrienstimmung. Die Zeitungen leben noch von den Nach- klängen der Feste, die Staatssekretäre und Minister denken an ihre Urlaubsrcisen, möchten sie möglichst lange dauern! Das deutsche Volk würde es tragen, wenn der Urlaub kein Ende nähme.— Itcber das Reichsgericht scheibt der„Berk. Lokal-Anz.": Lord Salisbury hat vor einigen Jahren im Oberhause gc- sagt„Eine gewisse Umgestaltung dieses Hauses würde nützlich sein, weil wir alle zu sehr einer Meinung sind." Dieser Grund- satz ist auch auf das Reichsgericht anzuwenden. Alle Mitglieder sind zweifellos charaktervoll und auf den Schutz des Rechts und tie Erfüllung der Gesetze bedacht. Aber unsere Minister und Kanzler sind immer aus einer und derselbe» Partei entnommen worden, und daher sind die Mitglieder des Reichs- gerichts ebenfalls aus der Partei entnommen worden, streng konservative und kirchlich positive Männer. Ihnen genügt nicht, daß das Preßgesetz vom 7. Mai 1574 bei Preß- vergehen eine Skala von Straswürdigen in fünf ktategorien auf- stellt(Thäter— Redakteur— Verleger— Drucker— Verbreiter), sondern sie haben auch den Setzer, den Metteur, den Maschinen- meister, den Korrektor der Wohlthaten am Plvtzensee theilhaftig zu machen gesucht. Das Falzmädchen, bisher verschont, schwebt in tausend Aengsten, und die Austragesrauen können von der Theilnahme an der Verbreitung kaum losgesprochen werden. Solche„Verbesserung" der Gesetze liegt nicht im Berufe des Richters. Das Parlament hat sich mit dieser wichtigen Frage zu wenig beschäftigt.— Zur Würdigung des„Heros deS Jahrhunderts" bringt Sigl's„Vaterland" folgendes bei: Soeben erschien der vierte Band der Tagebücher Theodor v. Bernhardis, dessen Beziehungen zum Berliner Hof während der Konfliktszcit bekannt sind. Wir lesen da aus dem Jahre lLLI: „Zu den Merkwürdigkeiten des Tages gehört dann auch, daß B i si» a rck- Sch ön h au s e n, der schon zum Gesandte» in England ernannt war, durchgesetzt hat, daß man ihn nach Paris sendet. Die Politik, die er im Sinn hat, ist bekannt; ein prenßisch-französischesBündniß— Abtretung des linken Rhein ufers a n Frankreich— Ver- n i ch tnng O esterr e i ch s— Vergrößerung Preußens im Innern Deutschland s." Wir wollen anfügen, was König Leopold von Belgien über den Nationalverein schreibt: „Es sollte fest und scharf ausgesprochen werden, daß der Nationalverein jeden Deutschen, der schlecht genug sein würde, Abreißungen vom Vaterland zu proponiren, als einen Verrät her auf alle Weise verfolgen werde. Leider könnte ich Deutsche nennen, die dergleichen vorgeschlagen haben, nnter anderen Herrn v. Bi s m a r ck- S ch ö n h a u s e n." Genügen diese zwei Urtheile, um den„deutschen" Sinn Bismarch's oder seine Wandlungsfähigkeit zu dokumentiren?— Internationale Verhandlungen über die Zucker- Prämie«. In den nächste» Tagen werden in Wien Delegirte der deutschen Reichsregierung eintreffen, um mit den Vertretern der österreichischen Regierung Vorbesprechungen über eine inter- nationale Regelung der Zuckerprämien zu pflegen. Die öfter- reichische Regierung hat sich bereits vor einiger Zeit an die deutsche Regierung gewendet, um eine Verständigung anzubahnen, aus grund derer ein internationales llebereinkoinmen in der Frage der Zuckcrprämien erzielt werden soll. Das nächste Ziel einer solchen Vereinbarung ist eine vorläufige Festlegung der Zuckerprämicn in ihrer gegenwärtigen Höhe; mit der Zeit solle bann eine Ermäßigung der Prämien eintreten. Im deutschen Reichstage wurde bekanntlich vor einigen Wochen ein Nolhzesetz angenommen, welches die Zuckerprämien in ihrer gegenwärtigen Höhe bis zum 31. Juli 1897 ausrechthält; außerdem wtzrde der Bundcsrath ermächtigt, die Prämien dauernd oder vorübergehend ganz nußer kraft zu setzen, wenn andere Staaten die Prämien ermäßigen oder beseitigen. Oesterreich und Deutschland sind demnach darin einig, daß die Zuckerprämie» in keinem Falle über das gegenwärtige Ausmaß erhöht, sondern vielmehr sukzessive beseitigt werden sollen. Es kommt nun darauf an, Ttzeskev. Deutsches Theater. Sonntag, 23. Juni. Erstes Gastspiel der Nederlandisch Tooneelvereeniging aus Amsterdam(Direktor Crispijn) unter Mitwirkung der Herren Alex Faaßen und van Zuylen aus Rotterdam.„?l n n e- M i e". Holländisches Sittenbild in drei Aufzügen und einem Vorspiel von Rosier Faassen. Während wir von der englischen und französischen Literatur stets beeinflußt waren, und Russen und Skandinavier in den letzten Jahrzehnten von maßgebendem Einflüsse für die deutsche Dramatik und Romanliteratur waren, blieb die Literatur des uns dem Stanime und der Sprache nach am meisten verwandten Volkes, die holländische, in Deutschländ fast ganz unbekannt. Mit doppeltem Interesse sahen wir daher dem Experimente einer holländischen Cchauspielertruppe entgegen, in Berlin holländische Dramen in der Muttersprache vorzuführen. Ein für den warmen Sommer- abend auffallend zahlreiches Publikum fand sich niit freundlicher Sympathie hierzu im Deutschen Thealer zusammen und folgte mit großem Interesse, an Beifall nicht kargend, der Vorstellung. Es war nicht das übliche blasirte Berliner Premierenpubliknm, zusammen- gefunden hatten sich neben zahlreichen in Berlin wohnenden Holländern die naiven, einpsänglichcu Zuschauer, die sich lnidlich freuen konnten, wenn sie einige Worte der fremden Sprache, die sich aus einem Dialekte unserer Muttersprache entwickelt hatte, verstehen konnten. Mit lebhaftem Interesse wurden die naturwahren Dekorationen, die holländische Landschaft, die Wirthsstube, die Wohugemächer, die Trachten, Tänze und Sitte» betrachtet. Und all dies fand Beifall, wenn auch das Stück selbst, wäre es verstanden worden, als mittel« mäßig und trivial, von den zahlreichen Unwahrscheinlichleite» abgesehen, kaum Beifall gesunden hätte und am allerwenigsten ivr dem Publikum des Deutschen Theaters. Zu Großnnitters Zeiten, als die Stücke unserer klassischen Periode von rührseligen Komödien verdrängt wurden, da wäre für Anne-Mie auch auf einer deutschen Bühne Platz gewesen. Nun sind wir doch diesen Werken entwachsen. Weit mehr aber als das uns vorgeführte Stück verdienten die schauspielerischen Leistungen einem aus- ländischen Publikum vorgeführt zu werden. War die Handlung zwar nicht Kunst, sondern erkünstelt, so war das Spiel durch Kunst geadelte Natur. Sicher traten die Darsteller auf, niemals hatte man das Gefühl, daß sie Scheu vor dem ihnen ganz fremden Publikum haben. Die hervorragendste Leistung war die des als Gast mitwirkenden Willem von Zuylen, der leider dadurch den Eindruck störte, daß er einen höchstens 2Sjährigcn Mann darstellen sollte, aber das Alter von 40'Jahren schon überschritten haben dürfte. Abgesehen von de» Leistungen in der Schlußszene ist auch Alex Faassen sehr lobend zu erwähnen. Von den Schauspielern sind noch zu erwähnen Louis von Westerhoven. Jan Schuif,� der Jntriguant, wurde von Hermann Schwab etwas zu gekünstelt dargestellt. Weniger na- türlich als die Männer, aber doch zur Anerkennung heraus- fordernd, spielten die Damen Wilhelmina von der Horst und WUHelmiua Kley. Am rühmendsten ist aber die ausgezeichnete Regie des Direktors Chrispyn hervorzuheben.-n. ob e5 gelingen wird, den dritten für den Zuckerexport maß- gebenden Staat, Frankreich, zu einem gleichen Vorgehen zu bestimmen. Bei dem großen Einfluß der österreichischen und deutschen Zuckerbarone bei ihren Regierungen versprechen ivir uns nicht viel Erfolg von diesen Konferenzen.— Die Jnnungsfreunde solle» angeblich auf Anregung des Handelsminislers am 29. und 30. Juli in Verlin eine vertrau- liche Konferenz abhalten. Dieselbe dürfte mit der aufgeschobenen Informationsreise nach Oesterreich zusammenhängen.— Im Zeichen des Hundssterns. Das Brausepulver, das wir vor 3 Tagen dem„Reichsbote" verabreichten, war nicht genügend; im Redaktionsstübchen war gestern aber- mals Rumor und folgende Worte ließen sich vernehmen: Der„Vorwärts" sucht unsere Bemerkungen über die Selbst- sirangulalion, welche die Sozialdemokratie init ihren Znkunfts- staatsidecn vollziehen muß, wie mit vielem andere», was sie ihren leichtgläubigen Anhängern als Wurst an die Stange gehängt hat, mit einigen billige» Scherzen und dem Hinweise auf die bekannte Reichstagsdebatte darüber abzuthun. Daß damals Liebknecht schon so gethan hat, als ginge ihm diese Fata Morgana nichts an und wäre nur eine Art Bourgeoiserfindung, gemacht, um die trefflichen Sozialisten zu verleumden, das wissen wir hinlänglich. aber damals stand Liebknecht gerade schon im vollsten Zeiche» der„Mauserung", mochte der rothe Hahn auch die zukunsistaat« liche» Federn mehr ausgerupft erhalten, als freiwillig abschütteln. Was der„Vorwärts" also eigentlich beweisen will, ist unklar. Mehr Brausepulver! Tie Zukunstsstaatsdebatte noch einmal lesen, aber mit Sinn und Verstand! Und auch den Leipziger Hochverrathsprozeß, der schon vor 23 Jahren die „Mauserung" beleuchtete.— Tic Petrolcnnigescllschaft hat durch die willkürliche Steigerung des Petroieumpreiscs fabelhaste Summe» aus den Taschen des Volkes gelockt, aber den auf ihrem Lagerhose in Stettin beschäftigten Böttchern die verlangte Lohnerhöhung von 3 M. pro Woche zu bewilligen, dazu war die reiche Ge- scllschaft zu arm. Die Böttcher legten deshalb die Arbeit nieder. 18 von ihnen sollen dabei andere Arbeiter durch Drohungen zum Streik bestimmt habe», lheils sich gegen diese Beleidigungen und Thätlichkeiten zu schulden haben kommen lassen. Fünf- zehn wurden deshalb zu Strafen von ein bis sechs Monaten(!) vcrurtheilt, wobei das Landgericht über die Anträge des Staatsanwalts noch hinausgegangen ist. Nur drei wurden freigesprochen. Bemerkeuswerth ist»och die Mittheiluug des„Volksboten", daß die Streikbrecher, die als Belastungszeugen austraten, keinen guten Eindruck machten. Der Hauptzeuge iloschicke sei während des Feldzuges 1870 bereits zum Tode v e r u r t h e i l t gewesen, ferner wegen Diebstahls vorbestraft. Den Angeklagten dagegen wurde von dem auf dem Petroleum- Hofe angestellten Böttchermeister ein gutes Zeugniß ausgestellt, während die Streikbrecher die Arbeit nicht verrichten konnte» und wieder entlassen werden mußten.— Tcntschc Floltenstation in Südamerika. Die„Jndcp- endence belge" will in Erfahrung gebracht haben, daß das Deutsche Reich an der Küste von Venezuela zur Errichtung einer Flottenstalion eine Insel erworben habe. Eine Bestätigung dieser Nachricht, die in den Vereinigten Staaten wohl kaum freundlich aufgenommen werden würde, liegt nicht vor.— Die ilidircktcn Steuer» bildeten die Tagesordnung der Freitag- und Sonnabendsihnng der wür tt e m b e rg is ch en Abgeordnetenkammer und riefen eine sehr lebhafte und interessante Debatte hervor. Der Berichterstatter bemerkt gleich einleitend, daß die Frage des U m g e l d s nicht hier, sondern erst bei Berathung der Steuerreform behandelt werden soll, worauf ein Antrag:„die Regierung möge wieder einen Gesetzentwurf wegen Besteuerung des Kunfiiveins einbringen", nach kurzer De- batte einstimmig a n g e n o m m e n wurde. Bei der Berathung der M a l z st e u e r giebt der Finanzminister die Erklärung ab, daß die Regierung jetzt, wenn f i e nicht die Grundlagen des Staatswesens erschüttern wolle, auf die indirekten Steuern nicht verzichte» könne, da zur Zeit die direkten Steuern abgeändert werden. Um wieder einmal das Kleingewerbe zu ködern, stritte» sich Nationallibcrale, Volks- parleiler und Zentrum um die Palme des Sieges, jede Partei hatte ei» warmes Herz für die kleinen und mittlere» Bierbrauer, gegenüber der Konkurrenz der Aktiengesellschaften und wurde schließlich der Gesetzentwurf mit 69 Stimmen gegen die Stimmen der beiden Sozialdemokraten a n g e n o m m e». Ein Antrag, die Verwendung von Surrogaten bei der Bierbereilung zu ver- bieten, wird der volkswirthschaftlichen Kommission überwiesen.— Eine Mcnschenhckatombe im Friede» bringt der Mili- t a r i s in u s jetzt in Oesterreich. Man wird sich erinnern, daß vor kurzem eine Abthcilung Husaren gegen einen Wachtmeister, der die Leute systematisch matlrälirt hatte, meuterten und daß derselbe in dem Tumult getödtet wurde. Daß die Leute schwer gereizt waren, wurde sofort zugegeben. Jetzt kommt der Schlußalt der Tragödie. Ein Telegeanim der„Vossischen Ztg." meldet: Lemberg, 24. Juni. Die hiesigen polnischen Blätter .melden: Das Przcmysler Militärgericht vcrurtheilte von 26 Husaren, die ihren Wachtmeister bei Rzeszow übersielen und ermordeten, drei Unteroffiziere, sowie zehn durchs Loos bestimmte Mann zum Tode, die übrigen zu l e b e n s l ä n g l i ch e m K e r k e r. Die zum Tode Verurtheilten wurden in Przemysl erschossen. Und das nennt sich Zivilisation und„Jahrhundert der Humanität"!— Tie Durchführung und die Vorbereitungen der kirchenpolitische» Gesetze stoßen in vielen Landestheilen U n g a r n s auf offenen Widerstand, besonders in den Komitaten Preßburg, Neutra und Turocz, weshalb die Regierung die Verstärkung der Gendarmerie verfügte. Zum Herbst sollen auch die Gariiisonen vermehrt und verstärkt werden. Demnach scheint die katholische Geistlichkeit recht energisch im„Hetzen, Aufreizen u. f. w." zu sei».— Nationalitätskolker i» Frankreich. Der Minister des Innern hat angeordnet, daß alle Dienstmänner und Kellner, die auf französischen Bahnhöfe» beschäftigt werden, Franzosen sein müssen, und daß iusolge' dessen die Fremden durch Einheimische zu ersetzen sind. Selbst wenn es sich darum Handel» sollte, von der Arbeiterschaft Frankreichs ausländische Lohndrücker fernzuhalten, wäre die Anordnung nicht zu billigen, wenn aucb zu begreifen. Aber bei dem Charakler der fran- zösischen Bourgeoisrepublik kann dieser Grund nicht in Frage konlmen. Man wird die Anordnung aus Furcht vor aus- ländischer Spionage erlaffen haben oder auch nur aus blödem Haß gegen die Fremden. Man sieht, wieder sind es Arbeiter, die auf'dcm Allar des Nationalitätenprinzips geopfert werden. Grund genug für jeden Arbeiter, sich bewußt zu werden, daß der Internationalismus für ihn auch praktisch von höchstem Wcrthe ist.— Tic Unparteilichkeit wird immer mehr ein leerer Wahn. Es giebt keine unparteiischen Präsidenten der Parlamente. Daß aber auch der Schein nicht mehr gewahrt wird, ist ein Fort- chritl. Neu ist jedoch, daß ein Kammerpräsident, wie das am Sonnabend in Madrid der Fall war, einen Ab- dneten zum Duell fordert. Derselbe Abgeordnete, Corzano, die Ernennung der Richter durch den Justizminister kritisirte, wurde auch von diesem, dem Schützer und Wahrer des Rechts, gefordert. Die Depeschen aus Madrid lassen es unklar, ob der würdige Jnstizminister nicht auch den Kammerpräsidenten ge- fordert hat.— Dragotnauow, der Führer der kleinrussischen revolutionären Bewegung, ist am 2v. d. M. in Sophia im Alter von 64 Jahren gestorben. Im Jahre 1876, als in Rußland ruthenische Bücher überhaupt verboten wurden, wurde Dragomanow, der bis dahin Professor an der Kiewer Universität war. abgesetzt, verließ giuß- land und hielt sich durch einige Zeit in Galizien aus. Durch sein Talent und seine Energie gelang es ihm, die radikalen Elemente zu organistren, und er hat der Partei jenes national- agrarkommuuistisches Gepräge gegeben, das bis jetzt noch die radikale ruthenische Partei in Galizien kennzeichnet. Die Thäligkeit Dragomanow's in Galizien hatte zunächst eine, ganze Reihe von Strafprozessen im Gefolge, durch welche die galizifche Schlachta die bäuerliche Bewegung im Lande er- drücken wollte; natürlich war der Liebe Müh' umsonst. In Genf gründete Dragomanow im Jahre 1877 die Revue .Uromaäs."(„Die Gemeinde") und veröffentlichte eine Reihe von Schriften über die ruthenische Bewegung. Seit dem Jahre 1888 war Dragomanow Professor der Geschichte in Sophia und galt bis an sein Ende als Chef des ulrainischen Radikalismus.— Ter russische Polizeischerz, dessen wir in der Nummer 139 erwähnten, ist nur die ziveite Auflage eines älteren Scherzes. Die Polizei hat wenig Erfindungsgabe. Schon unterm 19. März er. hat die Schweizer Presse die Ente von Jaholkowsky's Petersburger Verurthei- l u» g auf Lebenszeit gebracht.— Am 23. April erscheint darauf- hin der(natürlich nur zu lebenslänglicher(Spitzel')Zwaugs- arbeit Verurlheilte) abermals gemüthlich in Zürich.— In hechtgrauem Ueberzieher, hechtgrauem Hut und mit dem un- vermeidlichen Handkofferchen schritt er einher. In Gesellschaft des bekannten österreichisch-russischen Studenten der dritten Ab- theilung von St. Petersburg, und wieder mit dem alten Vollbart das grau-speckige Antlitz umrahmt, zog er in den Schweizer Maien, der ihn freilich nach sehr kurzem Verweilen plötzlich nach der alten Stätte seiner Thätigkeit in Belgien trieb.— Ilm 16. Juni wurden zwei im Lütticher Prozeß freigekommene zweideutige Figurante» in Antwerpen von unseren Genossen beobachtet. Am 13. Juni ging durch die belgische Presse die Notiz von„einem Attentat in Am st erd a m" und von befreundeten Belgiern erfahren wir nun nuterm 20. Juni, daß der„Bomben- Baron" Jaholkowsky in Antwerpen aufgetaucht i st.— Er wurde genau erkannt von jemandem seiner früher intimsten Umgebung. Der„Polizei- scherz" hatte also den alten Zweck, dem Bombenagcnten� der russischen Regierung die Flanke zu decken.— Wie lange noch?— In NZacedouie» scheint sich ein Aufstand gegen die türkische Herrschaft vorzubereiten. In Sophia ausgegebene Extrablätter melden, daß in den Bezirken Egri-Palanka. Schtip und Kotschan(Macedonien) sich die Bevölkerung gegen die türkische Herrschast erhoben habe. Es fanden bereits blutige Kämpfe mit türkischen Truppen statt. Ein Aufstand in Bul- garien ist nicht zu befürchten. Wie ein Belgrader Blatt nieldet, sollen sich 1266 ver« kleidete bulgarische Soldaten in Macedonien eingeschlichen haben, um dort bei einem etwaigen Aufstande mit in Aktion zu treten. Die Nachricht ruft hier große Sensation hervor. Die„Prawo", das Organ des macedonischen Komitees, hatte am Sonnabend von einem Zusammenstoß zwischen mace- donische» Ausständischen und türkischen Truppen berichtet. Dem türkischen Kommissar Nebil Bey ist, wie verlautet, ein Telegranun zugegangen, welches von einem Zusammenstoß zwischen türkischen Trnppen und einer Räuberbande berichtet, ohne jedoch in irgend einer Weise den revolutionären Charakter zu bestätigen, welchen die„Prawo" dem Zusammenstoß beigelegt hatte. Die nächsten Tage werden zeigen, ob die Sache so harmlos ist, wie sie von den türkischen Beamten dargestellt wird. Falls dies nicht der Fall ist, könnten die Unruhen, die auf Sympathien Bulgariens und Rußlands rechnen könne», für den Weltfrieden bedenklich werden.— In Madagaskar scheinen die vom Telegraphen gemeldeten Erfolge der Wirklichkeit recht wenig zu entsprechen. Erweisen sich doch trotz der großen Truppensendungen noch starke Nach- schnbe nöthig.— ViU'lmtreukslrevirhke. Abgeordnetenhaus. 73. Sitzung v o in 24. Juni 13gö, 12 Uhr. Am Ministertische: M i q u e l. Das Andenken des verstorbenen Abg. L i n ck e ehrt das Haus in der üblichen Weise. Auf der Tagesordnung stehen zunächst die ersten Beralhungen der Gesetzentwürfe betreffend den weitere» Erwerb von Eisen« bahnen für den Staat und betreffend den Uebergang der Bahn- strecke Zittau-Nilrisch in das Eigenthum des sächsischen Staates, sowie des darauf bezüglichen Nachtrags-Etats. Die Vorlagen werden nach längerer Debatte sämmtlich der Budgetkommission überwiesen. Das Haus erledigt darauf in erster und zweiter Berathung den Gesetzentwurf betreffend die Aushebung des Abschnitts I dcs Anhangs zu der revidirten Apotheker-Ordnnng vom II. Oktober 1801 und in zweiter Berathung den Gesetzentwurf betreffend die E r b s ch a f t s st e u e r. Schluß gegen 1 Uhr. Nächste Sitzung Dienstag 11 Uhr. (Interpellation betreffend den Prozeß Mellage, Gesetz betreffend die Schweinesenchen.) VattkeinnUlvirkike». Die Agrarkommissio» tritt in ihrer Gesammtheit, wie wir gegenüber anderen Miltheilungen erklären können, am 27. Juni in Berlin zusammen. Als Neichstagskandidat für den Wahlkreis Gießen- .G r ü n b e r g- N i d d a wurde von der Kreiskanferenz in Grün- berg der Parteigenosse S ch ei d e ma n n ausgestellt, nachdem der frühere 5tandidat, Genosse Orbig, aus triftigen Gründen pri- vater Natur die Kandidatur niedergelegt hatte und trotz drin- gender Bitten nicht zu bewegen war, sie wieder anzunehmen. Die Konferenz war von den Orten Gießen, Hcuchelheim, Nidda, Steinberg und Wiescck beschickt. Lübecker Bürgerschaftswahle». Beim zweiten Wahl- gange, am Freitag, wo es sich nni das Jakobi-Quartier und um die Vorstadt St. Gertrud bandelte, erhielten unsere 5kandidaten ISI— 163 Stimmen, die Gegner 322—407. Von 860 Wahl- berechtigten hatten 699, ca. 70 pCt., ihr Stimmrecht ausgeübt. Auch in diesem Wahlbezirke, schreibt der„Volksbvte", zeigte es sich, daß wir einen festen Stamm von Wählern haben, auf den wir rechnen können. AnS der Parteipreffe. In einer Besprechung der Ver« Handlungen dcs württembergischen Landtags sagt die„Schwäb. Tagwacht": Während man in früherer Zeit mit größter Ge- flissenheit bemüht war, in Beziehung auf die Sozialdemokratie das Prinzip des Jgnorireus nach Möglichkeit durchzuführen, läßt sich neuerdings eine Wandlung zum Besseren nicht verkennen. Nicht allein, daß nian vielfach einen ziemlichen Werth darauf legt, die Anschauungen der Partei hinsichtlich dieser oder jener beabsichtigten Steuerung kennen zu lehnen, mau scheut sich auch nicht mehr, su'« in besonderen Fällen auf das Urtheil der Sozickl- demokratie oder dasjenige einzelner bekannter Parteigenossen zu berufen. Ju Gieße» soll der sozialdemokratische Stadtverordnete O r b i g, der die ungenügende Einrichtung der An- und Aus- kleidehalle am Freibade gerügt hatte, weshalb von dcin Kollegium der Umbau der Halle beschlossen worden ist, aus den Wunfch des Ober-BiKgttMtisters dem städtischen Bauamt bei dem Umbau mit seinem Rath zur Seite stehe». Nach allem scheint sich Gießen etiler recht vernünftigen Gemeindeverwaltung zu erfreuen. 3(i, ch ein Diener der„Religion der Liebe". Ter reformirte Pfarrer D. Z a h n in Stuttgart kann es in der heutigen Zeit der Sozialistenbekämpfnng noch weit bringen. Nachdem er früher einmal, wie die„Schwäbische Tagwacht" berichtet, über eine sozialdemokratische Versammlung im Hangleiter'schen Zirkus gesagt hat:„Wenn ich König wäre, schickte ich eine Kompagnie Soldaten und ließe den Zirkus räumen und zuletzt den Singer aufhängen," hat er am 4. Juni auf der„Frühjahrs-Brüder- und Prediger- Konferenz" seinen geweihten Mund aufgethan, uin folgende, beinahe ebenso duftige Redeblume zum besten zu geben: „Er kenne in der 400 jährigen Geschichte des Evangelischen Württembergs keinen schmachvolleren Tag, als die Stunde, wo ein„hergelaufener" Schreiner, ein gottloser Mensch, ein Sozialdemokrat, in der Kammer der Abgeordneten ein Vertrauensvotum der evangelisch- theologischen Fakultät in Tübingen ausstellte, weil diese mit ihrer Wissenschaft sich nicht unter das Gebot Gottes beuge. Er nehme an, daß Prälat v. Ege durch diese Aenßerung ganz besonders schmerzlich berührt worden sei." Der Prälat v. E g e that ihm aber nicht den Gefallen, sondern ließ ihm vielmehr eine kräftige Züchtigung in folgender Erwiderung angedeihen:„Es sei selbstverständlich, daß es jedem Christen weh thue, wenn dem Unglauben Weihranch gestreut werde. Aber andererseits habe Zahn gar kein Recht, sich!in dieser Weise über eine gelegentliche Aeußerung in der Kammer zu entrüsten. Er protestire gegen das, was Zahn über den Abgeordneten Kloß gesagt habe. Kloß sei kein hergelaufener Mensch. Wenn er ei» Schreiner ist, so sei das keine Schande. Die Kammerdebatten gehörten überhaupt nicht hierher. Auch sei die Kammer nicht der Ort, wo man religiöse Fragen behandeln könne, weshalb sich auch die Prälaten nicht veranlaßt fühlten, auf alle derartigen Aeußerungen zu antworten oder zu protestiren." Die Antwort des Prälaten machte, wie es in dem Bericht des„Kirchlichen Anzeigers" weiter heißt, einen„außerordentlich günstigen Eindruck." Bei den„Brüdern und Predigern" hat der Herr Pfarrer Zahn also kein Glück gehabt. Aber es giebt an« dere, einflußreichere Kreise in Deutschland, die einen solchen Mann zu schätzen wissen. Und diese sind gemeint, wenn wir sagten, der Pfarrer Zahn könne es heutzutage noch weit bringen. Eiuen weitere» bedeutungsvollen Sieg haben unsere böhmischen Parteigenossen bei den Delegirtemvahlen der Bezirks- Krankenkasse in N i m b u r g errungen. Es wurden nicht weniger als 35 sozialdemokratische Kandidaten gewählt. Nuf der dritten steiermärktschen Parteikonferenz, die kürzlich in Graz abgehalten wurde, waren 17 Orte durch 22 Delegirte vertreten. Zur Wahlrechtsbewegung faßte man eine Resolution, wonach die Konferenztheilnehmer mit allen zu Gebote stehenden Mitteln dafür zu sorgen haben, daß die Wahl- rechtsfrage in einer der Macht und dem Rechtsgefühle des ar- beitenden Volkes entsprechenden Weife gelöst wird. Der Beschluß der zweiten Konferenz, betreffend die Betheiligung an den Wahlen bei den Unfallversicherungs« und Krankenkassen wurde erneuert. Ferner soll dahin gestrebt werden, die Leitung der Konsum- vereine in die Hände zu bekommen. Neue Vereine sollen jedoch nur dort gebildet werden, wo das Parteiinteresse das verlangt. Das Organ der Sozialdemokratie Steiermarks, der in Graz er- scheinende„Arbeiterwille", ivird gegenwärtig in einer Auflage von 2900 Exemplaren hergestellt. Anch im„freien" Amerika versteht man sich auf Wahlkreis-Geometrie. In New- Jork war der 5. Legis- latur-Wahlkreis(Assembly- Distrikt), der zum größten Theil von jüdischen Arbeitern bewohnt ist, bei der letzten Wahl unser „Banner-Distrikt", indem wir dort über doppelt so viel Stimme» erhielten, als in dem nächstgünstigsten. Nun plant man— da durch ein kürzlich erlassenes Gesetz eine Neueintheilung der Wahl- kreise vorzunehmen ist— diesen Kreis derart mit Stücken der an der„Waterkant" liegenden zu verbinden(wo die meisten irischen Hasenarbeiter:c. wohnen), daß die Sozialisten so viel wie möglich„zerstreut" werde». Die Rechnnng würde freilich ein Loch haben, wenn die jüdischen Arbeiter, die bei jener Wahl noch zu Dreivierteln für die kapitalistischen Parteien stimmten, bei der nächsten Wahl im umgekehrten Verhällniß ihre Stimmen ab- geben würden. Polizeiliches, Gerichtliches tt. — Am 24. Dezeinber hatten in Harburg Parteigenosse» im Raulf'schen Lokale eine Kinderbescheeruug abgehalten. Das sollte eine Versammlung gewesen sein, die sich mit öffent- lichen Angelegenheiten beschäftigte und deshalb hätte angemeldet werden müssen. Weil dies nicht geschehen, zog man die Partei- genossen Müller, Dörpe, Martens, Kauffinann, H i r s ch f e l d und Thiel wegen angeblicher Verletzung des Vereinsgesetzes vor Gericht. Das Schöffengericht fand keine Schuld an ihnen. Die Staatsanwaltschaft hat sich bei dem frei« sprechenden Erkenntniß aber nicht beruhigt. Die Geschichte geht also weiter. Da sage noch einer, daß wir in keinem christlichen Staate lebten! — Daß ein Beamter wegen der Beschwerde eines Sozial- demokraten derb gerüffelt wird, kommt in Sachsen nicht alle Tage vor. Die„sächsische Höflichkeit" bringt so etwas schwer fertig. Aber keine Regel ohne Ausnahme. Die Amtshauptmann- schaft von Dresden-Neustadt hat die löbliche Gepflogenheit, daß sie den Einberufern einer Versammlung eine halbe Stunde Frist giebt bis zur Eröffnung und dies auf den Älnmeldebescheinigungen gleich bemerkt. In Pieschen bei Dresden wurde nun eine Ver- sammlung, die auf Uhr einberufen war, 10 Minuten nach �9 Uhr wegen zu später Eröffnung von dem überwachenden Beamten, dem Registrator Groß, aufgelöst, trotzdem anch in diesem Falle die erwähnte Frist gewährt und dies auf der An- metdebescheinigung bemerkt war und trotzdem der Einberuser Beier den Beamten darauf aufmerksam gemacht hatte. Beier's Beschwerde ist nun von der Amtshauptinaunschaft„für durchaus begründet" befunden worden. Die Behörde nnterziehtl in ihrem Entscheid das Verfahren des Registrators einer nichts weniger als schmeichelhaften Kritik und sagt zum Schluß, man erwartet, „daß ähnliche auffällige Verstöße bei Ueberwachung von Ver- sammlungen nicht wieder vorkommen werden". � Das Nürnberger Schwurgericht vcrnriheilte den Redakteur Georg Gärtner von der„Fränlischen Tagespost" wegen groben Unfugs zu 50 M. Geldstrafe. Der grobe Unfug soll in einem Artikel über den Fuchsmühler Prozeß stecken. Von der Anklage, durch die Veröffentlichung eines Brieses ans Amerika eine Religionsschmähung begangen zu haben, wurde Gärtner freigesprochen. Aus Lörrach in Baden wird gemeldet, daß eine Ver- sammlung, wo Frau Wilhelmi einen Vortrag gehalten hatte, aufgelöst wurde, als in der Diskussion der Parteigenosse S chau r ausführte, bei der Militärbehörde treibe man es so weit, daß man dem Sohn den Besuch der Wirthschaft seines Vaters ver- biete, weil dieser Sozialist sei. Der Vorsitzende der Versamm- lung, der die auseinander gehenden Versammlungsbesucher zur Ruhe aufgefordert hatte, wurde aus Befehl des überwachenden Amtmanns wegen dieser Ansprache verhaftet. Nach allem läßt die Lörracher Polizei an Schneidigkeit gegen unsere Partei nichts zu wünschen übrig. Sozinle lleberstchk. Eine Steigerung der Schuhwaarenpreise wurde auf der jüngst in Hannover abgehaltenen Hauptversammlung des Ver- dandes der deutschen Schuh- und Schäftesabrikanten in Aussicht gestellt. Die Ursache soll i» der andaueniden Steigerung der Lederpreise liegen, die wieder darin beruhe, daß es an Häuten mangele und daß die vorhandenen Vorräthe von den Mitgliedern eines amerikanischen Ledcrringes aufgekauft worden seien. Unter diesen Umständen wäre die Kündigung des argentinischen Handelsvertrages, wofür in Teutschland die Agrarier agitiren, um so verhängnißvoller, denn Argentinien ist ein Hauptexport •land für Häute. Der Verbandstag handelte daher auch im all- gemeinen Interesse, als er die erstrebte Kündigung des Handels- Vertrages mit Argentinien in einer energisch gehaltenen Resolution verwarf. Tie Redensart„Geh zum Teufel!", vom Unternehmer einem Arbeiter gegenüber gebraucht, ist nach dem Gewerbe- gericht in Frankfurt a. M. nicht als rechtsverbindliche so fortige Entlassung aufzufassen. Es wies ans diesem Grunde einen Pferdewärter, der einer solchen Aeußerung wegen bei der ffirma Gebr. Heß Söhne sofort den Dienst verlassen hatte, mit einer Enlschädigungsklage ab. Danach scheint sich in Frankfnrt der Arbeiter die erwähnte Grobheit ruhig gefallen lassen zu müssen. Glaubt das Gewerbegericht, daß die Zlrbciterschaft ein geringeres Ehrgefühl habe, als die Angehörigen der übrigen Be- völkerungsklassen? „Wegen nachlässigen Kircheubesiichs entlassen", schrieb der Mühlenbesitzer Schlemer in 3l u bei Aibling in Bayern einem Müllergesellen ins Zeugniß. Daß die Beachtung der Gewerbe- Ordnung, die solche Zusätze verbietet, auch zu einem frommen Lebensivandel gehört, weil geschrieben steht: Seid unterthan der Obrigkeit zc., scheint weder der fromme Mühlenbesitzer noch der Bürgermeister zu wissen, der das gesetzwidrige Zeugniß unter- stempelte. Die Stadt Leipzig hatte nach dem vorläufigen Ergebniß der Bernsszählung am 14. Juni ohne den Gutsbezirk Klein- zschocher 335 247, mit diesem 385 281 Einwohner. Die am 14. Juni vorübergehend auswärts gewesenen Personen sind dabei nicht eingerechnet. lieber«inen«enen Kniff der Zechen haben sich im O b e r b e r g a in t Dortmund die Bergleute zu be- klagen. Die Ausführung größerer Gesteinsarbeiten zc. wird nämlich jetzt vielfach im ganzen an Unternehmer vergeben, die den Hauptverdienst für sich selbst herauszuschlagen suchen und den Arbeitern nur knappen Lohn geben. Diese Unternehmer beschäftigen zum theil ein ganzes Heer von Arbeitern, eine einzige Firma allein gegen 1000 Mann. Die Zechen haben es dabei bequemer als sonst; sie brauchen sich um den Fortgang der Arbeiten nicht zu bekümmern, das ist Sache des Unternehmers. Die Abschaffung dieses Zwischen-Unternehmer- thums wird demnächst eine Hauptforderung der Bergleute bilden. Bei den österreichische» llnfall-Versichcruligsaiistalten kommen, wie ein dortiges Zlrbeiterblatt berichtet, ans 1 Gulden ausgezahlter Rente über 50 Kreuzer Verivaltungskosten. Trotz des kostspieligen Verwaltungsapparats müssen die Acrunglückten mitunter jahrelang warten, ehe sie die ihnen gebührende Rente bekommen. Man sieht hieran wieder, wie unzweckmäßig und theuer der heutige Staat wirthschaftet. GewerKfickialttiSle?. Nachdem die Sonntagsruhe für die Gehilfen und Lehr- linge im B a r bi e r g e w e r b e gesetzlich eingeführt ist, haben sich die Meister, wie in ganz Berlin, so anch im Osten Berlins zur gemeinsamen Regelung über den Schluß der Geschäfte in mehreren, vor einiger Zeit abgehaltenen Versammlungen ver- einigt und sind dahin schlüssig geworden, an Sonn- und Feier- tagen mit Eintritt der Sonntagsruhe ihrer Arbeiter um 2 Uhr mittags, ihre Geschäfte zu schließen, um dadurch zu verhindern, daß alten, nicht mehr arbeitsfähigen Berufsgenossen, Wittwen verstorbener Kollegen, welche nur auf die Arbeit ihrer Leute an- gewiesen sind, die Existenz nicht erschwert resp. das Geschäft ruinirt werden kann. Zur Befolgung dieses Beschlusses haben sich alle damals in der Versammlung anwesenden Meister durch Ehren- wart und Unterschrist verpflichtet. Am 12. Juni cr. hat wiederum eine Versammlung stattgefunden, in welcher von der seinerzeit gewählten Kommission berichtet wurde, daß niedrere Geschäfts- Inhaber, trotz ihres Versprechens und alles gütlichen Zuredens seitens der Kommission, ihre Geschäfte zur festgesetzten Zeit nicht schließen und ihre Geschäftskonkurrenten auf diele Weise in un- lauterer Art zu schädigen suchen. Zur Bekämplung dieser un- solidarischen Handlungsweise sollen nunmehr die Namen und Wohnungen der sich nicht anschließenden Berusskollegen festgestellt und im„Vorwärts" wie anch anderen Blättern bekannt gegeben werden. Wir bitten das im Aimoncentheil aufgegebene Inserat zu beachten. Die Kommission. Da Herr Braucrcibcsiher E. Lehmann sein gegebenes Wort zu wiederholten Malen gebrochen und in der letzten Ver- Handlung mit der unterzeichneten Kommission erklärt hat, eher dem Verein der Berliner Bairischbier-Brauereien beizutreten, als den von den organisirten Brauerei-Arbeitern errichteten Arbeits- Nachweis zu benützen und die Statuten desselben anzuerkennen, so erklärt die Kommission als Vertreterin der organisirttn Brauerei-Arbeiter, Herrn E. Lehmann und seinen Branereibetrieb so lange zu ignoriren, bis eine den Wünschen der Kommission entsprechende Antwort von feiten des Herrn Branereibesitzer E. Lehmann vorliegt. Die Agitations-5kommission der Brauerei- Arbeiter Berlins und der Umgegend. Tie Lithographen, Steiudrucker und Verufsgenosse» werden darauf aufmerksam gemacht, daß die Lithographen bei der Firma A. M o l l i n g i n H a n n o v e r sich in Differenzen wegen Einführung der Akkordarbeit befinden. Es wird gebeten, den Zuzug fern zu halten. Die erste Generalversammlung dcö Verbandes der deutschen Buchdrucker nahm auf ihrem fünften und letzten Berhandlungstage die von der Kommission vorgeschlagenen Ab- änderungen derzBestimniungen über die Unterstntzungen an. Im wesentlichen gehen die Abänderungen dahin, daß bei den Unter- stützungen der reisenden Kollegen der Abzug von 5 Pf. in Wegsall zu kommen hat, ferner wird gefordert, daß die Verbandsmitglieder, welche mindestens Iva Wochenbeiträge entrichtet haben,«kam Orte Unterstützung im Falle von Arbeitslosigkeit erhalten, sollen, und zwar in folgender Weise: die Mitglieder erhalten bis zur Dauer von zehn Wochen(7» Tage) bei mindestens 100wöchentlicheul Beitrag, bis zu 20 Wochen bei 150 Wochen Beitrag, bis 40 Wochen bei mindestens 750 in Arbeit geleisteten Wochenbeiträgen Unterstützung, die pro Tag 1 M. beträgt. Bei vorübergehender Arbeitslosigkeit(Krankheit) erhalten die Mitglieder nach Ent- richtung von mindestens 13 Wochenbeiträgen auf die Dauer von 13 Wochen, von 26 Wochenbeiträgen auf 26, von 52 Bei- trägen auf die Dauer von 52 Wochen Unterstützung von täglich 1,40 M. Dauernd Arbeitsunfähige, die dem Verbände sünf Jahre angehört und während dieser Zeit mindestens 200 Wochenbeiträge geleistet haben, erhalten im Falle dauernder Erwerbslosigkeit eine tägliche Unterstützung von 1 M. Das Sterbegeld ist wie bisher auf 100 M. festgesetzt. Der neue Unter- stützungsmodus tritt am 1. Oktober dieses Jahres in kraft. Die Neu-Ernennung des Vorstandes ergab die einstimmige Wiederwahl von E. D ö b l i n als Vorsitzenden, Zl. Beyer als Hauptvcrwalter und G. E i s l e r als Kasstrer. Sitz des Verbandes bleibt Berlin, Ort der nächsten ordentlichen Ge- neralversammlung im Jahre 1893 ist Mainz. Dann wurde zur Besprechung der zur Tariffrage gestellten Anträge geschritten. Arendsee- Berlin begründet die von Berlin beantragte Ab- schaffmig des Berechnetls in uachdtücklich« Weise und empfiehlt sok« gende Resolution zur Zlnnahme:„Die Generalversammlung des Verbandes der deutschen Buchdrucker erklärt sich prinzipiell für Beseitigung der Akkordarbeit und giebt es dem Vorstande anheim. alle dahinzielenden Bestrebnnge» ein- zelner Personale thatkräftig zu uiiterstützen.— Schmitz- Leipzig erklärt sich gegen die Einführung des gewissen Geldes unter den gegenwärtigen Verhältnissen. Durch solche Palliativ- mittelchen wäre die Arbeitslosigkeit nicht zu beseitigen, nur die Prinzipale würden einen Vortheil dadurch haben. Das Arbeitslosen- Heer könne nur durch Verkürzung der Arbeitszeit vermindert werden. Döbl i n-Berlin erklärt sich im Namen des Vorstandes nach Lage der angenblicklichen Verhältnisse gegen die Einführung des gewissen Geldes, weil die Prinzipale das gewisse Geld lediglich zum Herabdrücken der Löhne benutzen würden. Der Borstand könne aber seine Hand nicht dazu bieten, die augenblickliche Lage der Mitglieder zu verschlechtern. Sämmtliche Vortheile und die wenigen persönlichen Freiheiten, die beim Berechnen noch vor- Händen, gingen durch Einführung des gewissen Geldes den Ge- Hilfen gänzlich verloren. Der Vorstand enipfiehlt daher folgende Resolution zur Slnnahme:„In der Einführung des gewissen Geldes vermag die Generalversammlung eine Förderung der Ge- Hilfeninteressen erst dann zu erblicken, wenn die für diesen Ent- lohnungsmodus nothwendigen Voraussetzungen vorhanden sind. Bei der jetzt üblichen Gepflogenheit, das gewisse Geld immer mehr aus das übliche Minimum herabzudrücken, bei möglichst hohe» Leistungen, würde diese Entlohnungsweise zur Zeit nur die Herabsinkung des Lohnes wie die Beschränkung der persönlichen Freiheit herbeiführen." Während H e i s m a n n- Flensburg, Langen» mayer- Breslau, W e n d s ch e und S t e i n b r ü ck- Dresden sich für die Vorstandsresolution aussprechen, bringen Betten» worth- Bielefeld und Domino- Frankfurt a. M. der Arendsee'schen Resolution Sympathie entgegen. G i e s e ck e-Berlin empfiehlt beide Resolutionen abzulehnen. Kein einziger wäre gegen die Einführung des gewissen Geldes, wenn auch nur ein Vortheil dabei für die Gehilfen herauskommen würde. Das gewisse Geld, wie es heute eingeführt wird, habe den Charakter des Preisdrückens, denn gerade die vortheil- haftesten Arbeiten würden ins gewisse Geld gegeben. Die älteren Kollegen, die bei der jetzt bestehenden Berechnungs- weise noch zu ihrem Gelde kämen, würden sehr geschädigt, am Ende durch jüngere Kräfte ersetzt und der Jnvalidenkasse zugeführt werden. Knie- Stuttgart: Wir haben die Unterbringung der Konditionslosen auf unsere Fahne geschrieben. Aber durch Abschassen des Berechnens käme man nicht dahin, sondern nur die Verkürzung der Arbeitszeit führe zum Ziele. Bei den Buch- druckern sei der Ausspruch„Akkordarbeit— Mordarbeit" nicht zutreffend. Man würde den Prinzipalen eine Handhabe geben, das Minimum zu zahlen, denn es werde wohl niemand glauben, daß die Unternehmer den Durchschnittslohn zahlen würden. Der Parteitag in Frankfurt a. M. hätte die Regelung dieser An- gelegenheit besser den betreffenden Gewerkschaften überlassen sollen. Nachdem sich noch einige Redner für die Vorstands- resolution ausgesprochen hatten, wurde diese mit allen gegen vier Stimmen angenommen und die Arendsee'sche verworfen. Hieraus wurde zu den Prinzipalsgründungen (Schaffung von Unterstützungskassen für die Gehilfen) Stellung genommen. Diese Kassen haben den Zweck, die Gehilsen zu zer- spliltern; die Prinzipale wollen sich damit einen Stamm heranbilden, der zu allen ihren Handlungen zu haben ist. Ein Bettelbrief nach dem anderen wird in die Welt gesetzt, ja amerikanische Auktionen veranstaltet, um diese Kassen lebens- fähig zu machen. Es wurde folgender Beschluß gefaßt:„Der Verband der deutschen Buchdrucker hält nach wie vor die Ein- richtung von Unterstütziingskassen durch den Deutschen Buchdrucker- (Prinzipals-)Verein für verwerflich und empfiehlt den Mitgliedern, diesen Kassen nicht freiwillig anzugehören. Ter Zentral- vorstand wird beauftragt, mit den Gauvorständen in dieser Angelegenheit eventuell weitere Maßnahmen zu treffen." Zum letzten Punkte der Tagesordnung lag ein Zlntrag Leipzig vor, wonach die in kleinereu Druckorten arbeitenden Kollegen auch gegen Zahlung eines geringeren Beitrages zur Mitglied- schast zugelassen werden sollten, sofern sie auf gewisse vom Vorstande zu gewährende Benefizien verzichten. Dieser 3lnlrag wurde abgelehnt.„Ob und unter welchen Bedingungen den im vierten Lehrjahre stehenden Lehrlingen der Zutritt zum Verbände möglich gemacht werden kann", sollte auf Antrag des Gaues Württemberg die Generalversammlung in Er- wägung ziehen. Der Vorstand empfahl aus taktischen Gründen davon abzusehen. Nicht nur die Unternehmer, sondern auch die Behörden, die bestrebt sind, die Vereinsgesetze zu un- gunsten der Arbeiter umzuändern, würden uns Schwierigkeiten bereiten. Der Gau Württemberg zog hierauf den Antrag zurück. lieber den Antrag, die Errichtung einer Wittwen- und Waisenkasse zu beschließen, wurde zur Tagesordnung übergegangen; man wolle einerseits dieBeiträge nicht erhöhen, andererseits gehöre dieser Unter- stütznngszweig nicht in die Gewerkschaft. Nach Erledigung einiger Anfragen und Beschwerden wurde hierauf die erste Generalversammlung des Verbandes deutscher Buchdrucker mil einem kräftigen Hoch aus den Verband geschlossen. Die Schuhmacher Karlsbads in Böhmen haben nun, wie in Aussicht stand, die Arbeit niedergelegt, da die Meister ihre Forderungen nicht bewilligten. Zuzug ist aufs strengste zu ver- meiden. Das ganze Personal der Baumwoll-Meberei vv» M.Zweig in R ö ch I i tz bei Neichenberg in Böhmen hat die Arbeil ein- gestellt, weil die Webstücke seit langer Zeit 10 Meter und darüber länger waren, als bezahlt wurde. Der Direktor ivollte weder daS Ilebermaß abschaffen noch es bezahlen. Die Zahl der Streikenden beträgt 400. In den Ziegeleien Steiermarks fordern die?Irbeiter Lohnerhöhung. Wahrscheinlich wollen die Ziegeleibesitzer keinen Kreuzer bewilligen, denn Herold's Bureau meldet, daß der all- gemeine Streik auszubrechen drohe. Französischer Grubeuarbeitcr-Streik. Ueber den vielen Arbeitseinstellungen, die in letzterer Zeit in Frankreich ausgebrochen sind, zieht der Streik der Grubenarbeiter von Champagnac(Depart. Cantal) die besondere Aufmerksamkeit auf sich. Obwohl die Streikenden, deren Zahl ca. 500 beträgt, sich ganz ruhig verhalten, haben die Behörden es für gut befunden, nebst einer Unzahl von Gendarmen auch noch Militär nach Champagnac zu entsenden, was natürlich keine» anderen Zweck hat, als die Streikenden einzuschüchtern. Und doch, wenn da jemand verdient hätte, ein- geschüchtert zu werden, so wäre es die Direktion der Gruben- gesellschast selbst, die nicht nur den Streik, der nun schon fünf Wochen währt, geradezu provozirt hat, sondern auch den im Einklang mit dem Gesetze vom 27. Dezember 1892 gestellten An- trag, die Streikangelegenheit vor einem Schiedsgericht zum Ans- trag zu bringen, zurückgewiesen hat. Um nun der Grubengesell- schaft und den ihr gefälligen Behörden gegenüber nicht ganz wehrlos dazustehen, haben sich die Streikenden an die sozialistisch» Kamniergruppe um Schutz gewendet. die denn auch gleich den Genossen Walter, den sozialistischen Abgeordneten von St. Denis, dahin delegirt hat. Hoffentlich gelingt es ihm, dm Streik zu einem raschen und glücklichen Ende zu führen. Vezrelihen. Wolff'S Telegraphen-Bnrea». Hamburg, 24. Juni. Bei Neumühlen kenterte infolge eines heftigen Windstoßes ein mit 5 Personen besetztes Segelboot. Zwei Personen ertranken, die übrigen drei wurden gerettet. Verantwortlicher Redakteur: I. Dierl(Emil Roland) in Berlin. Druck und Verlag von Max Vadiug in Berlin, SW., Beuthstraße 2. Hierzu eine Beilage. Beilage zum„Vorwärts" Berliner Volksblatt. Ur. 143. Dienstag, den 33. Juni 1893. 13. Jahrg. Die Maifest-Zeitnng anf der AndiagedanK. Die Maifest-Zeitung vo»l 1. Mai 1895 ,var belamitlich am 27. April 1893 durch die Staatsaumaltschaft vorläufig wegen dringender Gefahr, daß durch sie der öffentliche Friede gefährdet sei, beschlagnahmt. Die Beschlagnahme wurde vom Amtsrichter bestätigt, von der 5. Strafkammer auf Beschwerde hin aber frei gegeben, weil die Artikel der Zeitung nicht geeignet seien, ver- schiedene Klassen der Bevölkerung gegen einander zu Gewalt- thäligkeitc» aufzureizen(8 130 Straf-Gesetchuch) und dem- nnd) nrcht strafbar seien. Trotzdem erhob die Staatsanwaltschaft Anklage gegen den verantwortlichen Redakteur der Maifest- Zeitung, Genossen Theodor Glocke, und beschloß auch die Brauscwctter-Kainmer des Landgerichts, die Eröffnung des Haupt- Verfahrens, da Glocke hinreichend verdächtig sei, in dem Z 130 des Str.-G.-B. hineingeglitten zu sein. Der'Thätcr wurde der ersten Strafkammer des Landgerichts I zur Abnrtheilnng über- wiesen. Bor dieser stand gestern die Hauptverhandlung an. Diese endete mit einer glänzenden Frei- sprechung des Maifest-Zeitungs-Jnknlpaten. Ten Vorsitz in der Verhandlung führte Landgerichtsrath D i e tz, die Staatsanwaltschaft war durch Staatsanwalt O p p e r m a n n vertreten. Dem Angeklagte» stand Rechtsanwall Heine mann als Vertheidiger zur Seite. Zu Beginn der Verhandlung beantragte die Staatsanwaltschaft den Ausschluß der Oeffent- lichkeit, da durch Verlesung der den öffentlichen Frieden gefähr- dendcn Artikel und durch die an dieselben sich anschließenden Er- örterungen wiederum der öffentliche Friede gefährdet werden könnte. Ter Vertheidiger widersprach diesem Antrage. Das Gericht beschloß, den Antrag des Staatsanwalts vorläufig abzu- lehnen, da jedenfalls vorab Bedenken gegen eine öffentliche Ver- Handlung nicht vorlägen. Der Angeklagte Glocke gab zu, verantwortlicher Redakteur der Maifest- Zeitung zu sein, auch deren Inhalt gekannt zu haben. Die vor der Beschlag- nähme erfolgte Verbreitung sei ohne sein Wissen und gegen seinen Willen erfolgt. Die Zeitung habe am 27. April (dem Sonnabend vor dem 1. Mai) verbreitet werden sollen. Die Verbreitung sei durch die Beschlagnahme gehindert. Nach Auf- Hebung der Beschlagnahme sei die Verbreitung allerdings in vielen taufenden von Exemplaren erfolgt. Nichtig sei es, daß inchrere Ballen— deren Anzahl und Bestimmungsort der Land- gcrichtsrath A m e l u n g aus den Akte» den polizeilichen Mit- theilungcn entsprechend vorlas— nach auswärts, z. B. nach Ham- bürg, Frankfurt a. M., Köln, Dresden, Stettin, Hannover, Königsberg, München, Elberfeld, bereits vor dem 27. April ver- sendet seien. Durchweg sei aber die Weisung, nicht vor deni 27. April zu verbreiten, durch den Leiter der Buchhandlung „Vorwärts", ertheilt. Zwecks Beweisaufnahme wurde als- dann der gesammte Inhalt der Maifest- Zeitung verlesen und die in demselben enthaltenen Abbildungen den bei der Gerichtsverhandlung Betheiligten vorgelegt. Angeklagter wurde daraus ausmerksam gemacht, daß das Mittclbild doch eine Barrikade darstelle, deren Steine von Arbeitern gegen Vertreter der herrschenden Klasse» geschleudert werden. Glocke bestritt die Richtigkeit und Berechtigung solcher Auf- fassung. Eine Barrikade befindet sich aus dem Bilde nicht. Die vermeintlichen Steine seien doch sämmtlich mit Aufschristen wie „Fabrikordnung",„Belagerungszustand", Umsturzgcsctz", Klassen- ««setze",„schwarze Listen", versehen. Mit ihnen in gleicher Höhe befinde sich ein„Traklätchen und Vertröstungen" betiteltes Bild. Zllle diese„Steine" sollten den Schutzivall dar- stellen, mit dem die herrschende Klasse sich umgebe. Das Prole- tariat sei allerdings dabei, diese„Steine" aus dem Wege zu räumen. Das heiße doch aber offenbar, daß das Proletariat sich gegen bestimmte ihre Rechte beeinträchtigende Institutionen richte. Das sei ein gesetzlich erlaubter Kampf. Irrig sei auch die Annahme, ein Barrikadenkampf werde dargestellt, da ja alle Arbeiter mit„Waffen" dargestellt seien. Das seien offenbar keine „Waffen", sondern die verschiedenen Handwcrkszeuge der ver- schiedenartigen Arbeiter. Zu diesem Handwerkszeug gehöre natürlich auch die Axt, die Sense, der Hannner u. f. w. Gerade daraus, daß keine Kanonen und Flinten aus feiten der angeblichen Barrikadenkämpser sich vorfinden, sei deutlich zu schließen, daß hier lediglich symbolisch der geistige Kampf gegen Umsturzvorlagen, Klassengesetze, schwarze Listen, Belagerungszustand u. s. w., und die Nolhwendigkeit dargestellt werde, daß dieser Kampf einheitlich vom gesauimten Proletariat geführt werde. Ferner wurde als besonders be- lastend das Bild aus Seite 8 angesührt. Die Anklage nimmt an, hier werde sinnbildlich dargestellt, wie die alle Gesellschasts- ordnung gewaltsam in die Lust gesprengt werde. Glocke legte dem gegenüber dar. daß das Bild aus Seite 8 lediglich «in Witzbild sei, dessen Spitze sich gegen Herrn v. Stumm richte. Dieser versuche nach dem Bilde, die Ventile der sozialen Frage, die als in einem Kessel gebannt dargestellt würden, zu verlöthen und bringe den Kessel dadurch zum platzen. Er selbst fliege in die Luft, mit ihm kommen bei dieser Explosion die anderen Vertreter der bürgerlichen Parteien zu schade», während die Vertreter des Proletariats, z. B. Bebel, Liebknecht, Grillen- berger als vergnügt über diesen von Stunim, nicht von ihnen angerichteten Ausgang der Sache dargestellt seien. Die Artikel, die aus der Maifest- Nummer zur Verlesung gebracht wurden, seien offenbar nur auf geistigen gemeinschaftliche» Kampf gerichtet. In der weiteren Beweisaufnahme wurden die Genossen Thiedicke, Hcmpel und König als Zeugen vernommen König gab zu, von Hempel eine Maisest-Nnmnier am 20. April erworben zu haben. Thiedicke und Hempel bekundeten, die bei ihnen beschlagnahmten Zeitungen weder von Glocke noch von der Buchhandlung„Vorwärts" erhalten zu haben. Darüber, von wem sie die Nummern empfangen hatten, lehnten sie ab auszusagen. Ihr Recht, die Aussage nach dieser Richtung abzulehnen, wurde all- seilig anerkannt und deshalb ihre Vereidigung nicht vorgenommen. Ter Staatsanwalt Oppermann hielt es für zweifellos, daß§ 130 Str.- G.- B. verletzt sei. In Rücksicht müsse gezogen werden, daß die Maifest-Zeitung der Feier des I. Mai habe dienen sollen, einer Feier, die als eine offizielle Demonstration gegen die bestehende Gesellschaftsordnung gestempelt sei. Dem- gemäß habe auch die Mnifest- Nummer gegen die bestehende Gesellschaftsordnung demonstriren sollen. Die habe die Sozial- demokratie und deren auf de» Kampf gegen die bestehende Orb- innig und auf deren Umsturz und ihre Vernichtung gerichteten fiele fördern und diese Massen zur Mitwirkung an diesem ampf entflammen sollen. Wort und Bild der Maisest-Nummer hätten diesen Zweck und stellten es so dar, als ob der eine Theil der Bevölkerung, die Besitzlosen, darben und arbeiten, während die Besitzenden nicht arbeiten aber schwelgen und die Arbeiter unterdrücken. Zum gewaltsamen Kampf spornen Wort und Bild der Zeitung an. Das ergebe der Rückblick auf die Revolutionen, der Inhalt der Bilder, das„Gespräch auf dem Torfe" u. s. w. Zur Einheit wurde aufgefordert; der Friede werde gefährdet, und zwar, wiewohl es hieraus nicht ankomme, in naher Zukunft. Er beantrage die Verurtheilung, und zwar zu vier Monaten Gefängniß. Rechtsanwalt H e i n e»i a n n beantragt die Freisprechung. Die Entscheidung der 5. Strafkammer spreche in rechtlich und thatsächlich zutreffender Weise aus, daß die Maifcst-Numnier nicht gegen s 130 St.-G.-B. verstoße. Man dürfe in die Artikel nicht Hineininterpretiren, was nicht darinnen steht. Des Staatsanwalts Deduktion laufe darauf hinaus, eine Vertretung sozialistischer Ideen und Ziele sei stets strafbar. Das ist aber sicher nach Aufhebung des Sozialistengesetzes un- zutreffend. Die Anpreisung der sozialistischen Gesellschaftsord- uung ist erlaubt. Von ihr ist zu scheide», was der Staatsanwalt unterlasse, die Aufforderung zu Gewaltthätigkeiten. Solche allein wäre strafbar ist, aber, wie der Vertheidiger eingehend an dem Te�t und den Bildern der Zeitung darlegt, nicht in der Maisest- Zeitung enthalten. TaS Blatt war beschlagnahmt, ist dann freigegeben und infolgedessen inassenhaft verkauft. Wo ist dadurch zu Gewalt angereizt? Wie könne dem Angeklagten zugcmulhel werden, eine bessere Rcchtskenntniß zu besitzen als die 3. Straskainmer? Dem Rechtsbewußtsein deS Volks und der durch den erwähnten Beschluß bethätigten Rcchtsauffassung würde einer Verurtheilung ins Gesicht schlagen. Nach einer Zieplik des Staatsanwalts wies Glocke nochmals darauf hin, wie irrlhümlich die Auffassungen des Staatsanwalts seien, der 1. Mai gelte der Verkürzung der Arbeitszeit und dem Weltfrieden, lind durch eine Demonstration zu gunsten des Weltsriedens solle zu Gewalt- thätigkeiten angereizt werden? Das Gericht verkündete nach längerer Berathung das Urtheil dahin, daß der Angeklagte freizu sprachen und die Kosten der Staatskasse aufzuerlegen seien. Die Thatbestandsmerkmale des§ 130 Str.-G.-B. sind nicht erwiesen; auch ist es nicht erwiesen, daß in der Maifest-Zeitung zu Gewaltthätigkeiten augereizt wird. Das Hauptbild stellt keinen Barrikadenkampf, sondern eine Schutz wehr dar, die von der jetzigen Gesellschaft gegen die Sozialdemokratie aufgeworfen ist. Bon den Arbeiter» wird nicht mit Gewalt gegen Personen vorgegangen, sondern die Ar- bciter wollen dies Bollwerk wegräume». Das Schlußbild auf Seite 4 bildet nach Ansicht des Gerichts lediglich eine Nach- ahmung des Herrn v. S t u m in; es ist nicht auf Anreizuug zu Gewaltthätigkeiten der Besitzenden gegen die Besitzlosen gerichtet. Was den Worttcxt der Festzeitung anlangt, so ist in demselben nur von g e i st i g c m K a m p f, nicht von physischem Kampf gesprochen. Soweit von physischem Kanipf gesprochen wird, ist nur zum Ausdruck gebracht, daß, wenn von der jetzt herrschenden Gesellschaft mit Gewalt vorgegangen werden würde, diese Gewalt mit Gewalt erwidert werden würde. Fehlt es demnach an dem That- bestandsmerkmal des Z 180 des St.-G.-B., so mußte Angeklagter freigesprochen und mußten die Kosten der Staatskasse auferlegt werden.— Ob die Staatsanwaltschaft gegen dies gerechte Ur« theil Revision einlegen wird? A ch t R i ch t e r haben bislang die Straffreiheit des Inhalts der Maifest-Zeitung testirt— ein Staatsanwalt hat trotzdem das Recht, die Entscheidung des Reichsgerichts anzurufen, ob die Preßfreiheit noch mehr be- schnitten werden darf, als es nach Ansicht der acht Richter das Gesetz gestattet. Lolrnles. DnS sozialdemokratische Volksfest, welches am letzten Sonntag auf dem Terrain beim Müggelschlößchen(Friedrichs- Hagen) stattfand, hatte wieder einmal Zehntausende erholungs- und erheitcrungsbedürftiger Proletarier und Proletarierinnen nach jenem, vom Müggel bespülten Fleckchen Erde hinausgelockt, das durch die großen Veranstaltungen der letzten Jahre gewisser- maßen zu einem historischen Festplatz für die Berliner Arbeiter- schaft geworden ist. Die Helden deS Tages waren diesmal die braven Alexianer. Kaum im Müggelschlößchen angelangt, wurde man bereits an die frommen Christen erinnert, die sich dem Metier ergeben haben, in Ausübung ihrer Mildthätigkeit Ver nünftige wahnsinnig zu machen. Kolporteure boten„Neue Verse, gehauen und gestochen vom sausten Bruder Heinrich" aus, die großen Absatz fanden. Allüberall auf dem weiten Plan tönte einem der Name„Bruder Heinrich" entgegen, aus jeder Menschen gruppe, jedem schattenspendcndcu Gebüsch heraus, hinter jedem Baum hervor, von dem spolllustigen Publikum in alle mög- lichen und unmöglichen Beziehungen gebracht zu den kleinen Ereignissen, die sich bei großen Festen in den engereu Kreisen der Theilnehmcr vollziehe». In einer Gallerie lebender Bilder, die den für das darin Gebotene nicht gerade zutreffenden Namen Byzanz trug, war ebenfalls Bruder Heinrich zu finden; in drastischer Weise wurde hier vergegenständlicht, w i e brüdcr- lieh in Mariaberg trotz aller Demüthigung vor der gebenedcictcn Maria und ihrem Sohne die lebendig Todlen„behandelt" wurden. Speziell dies Bild fand großen Beifall. Wer musikalisch war, konnte sich einen Wonneschauer bei Aegir holen, der in Gegen- wart von Nix und Neck der„allerscheeiisten Mnsika" eines etwas verstimmten Instruments fragwürdiger Gattung lauschte. Daun war u. a. noch zu sehen, wie der schöne Traum des berühniten Ministers Köller von der gesetzlichen und polizeilichen Knebelung der Wissenschast, Kunst, wie von jedem freien politischen Leben mit einem sidelen Leichcnbegängniß abschließt: Tie Umsturzkarre wird von Gröber in den Dreck geschoben, wobei seine bedeutende Exzellenz v. Köller Borspanndienste leistet. Vokal- und Jnstrunientalkonzcrt, Wetlrudern und die sonstigen Programm- mäßigen Veranstaltungen sorgten für weitere Unterhaltung. Das vom schönsten Wetter begiiüstigte Fest verlies in bester Har- monie. Die Gcfangeueu-Nnfseher in Plöüensee scheinen in letzter Zeit über ihre wahrlich nicht allzu rosige Lage ein wenig nach- gedacht zu haben. Wir schließen dies wenigstens aus dem Um- stände, daß, wie die„Verl. Morgen-Ztg." berichtet, ein anonymes Schreiben an die vorgesetzte Behörde gelangt ist, in dem um Verkürzung der Arbeitszeit ic. gebeten wurde. Die vorgesetzte Behörde ist in der Weise den Aufsehern entgegen gekommen, daß sie durch den Direktor der Strafanstalt sich von jedem einzelnen Ausseher auf einem Fragebogen über folgende drei Punkte Be- scheid geben ließ: 1. ob er mit dem in dem Briefe ausgesprochenen Wunsche einverstanden sei, 2. ob er zu denen gehöre, in deren Namen der Brief geschrieben sei und 3. ob er mit den gegen- wältigen Dienstverhältnissen zufrieden sei. Es versteht sich, daß die armen Aufseher, die bei kärglichem Gehalt eine Dienstzeit von täglich 13 Stunden und nur etwa alle 14 Tage einen freien Tag haben, diese an sie gerichteten Fragen in einer, der Unabhängigkeit ihrer Stellung angemesjeuen, die Direktion hochbesriedigendeiw Weise beantwortet haben. Als Wunder was für ein Ereignifl wird der Fall be- richtet, daß eine Ikirche, und dazu noch eine sehr kleine, einmal so voll war, daß einige der Besucher bei der gewaltigen Hitze ohnmächtig wurden und hinausgetragen werden niußten. Es handelt sich um ein„Gorteshaus" in der Philippstraße, in dem dies Malheur am vorgestrigen Sonntag passirt ist. Man kann aus die Bedeutung und das Ansehen schließen, welches die evangelische Kirche im Publikum genießt, wenn ein solcher Fall von Reportern als ein Ereigniß in reklamehafter Weitschweifigkeit in die Welt hinausposaunt wird. Der preußische Zopf. An den Unterrichtsminister hatte der Vorstand des Vereins„Frauenwohl" eine Eingabe gerichtet wegen Zulassung der Lehrerinnen zu den für ihre Wissenschaft- liche Prüfung in betracht kommenden Universitäts-Vorlesungen. Der Minister Dr. Bosse hat nun daraus erwidert, daß er Be- denken trage, wegen genereller Zulassung jener Damen Bersügung zu treffen, er werde sich vorbehalten, soweit besondere Umstände sich nicht ergeben, durch Verfügung im Einzelfalle entgegen zu kommen. Rechte, die selbst in Rußland den Frauen zu Gebots stehen, werden ihnen im lieblichen Preußen konsequent verweigert. Im Staate der Intelligenz hat nur die Proletarierin das„Recht", den Arbeitslohn des Industriearbeiters durch ihre Konkurrenz immer tiefer herabzudrücken. Damit hören ihre Rechte auch auf. Professor Tietje», der zweite ordentliche Professor der Astronomie an der hiesigen Universität und Direktor des astronomischen Rcchcninstituts der Sternwarte, ist � hier am 21. Juni gestorben. Tietjen war 1834 zu Wcsterstcdt im Großh. Oldenburg geboren und lehrte seit 1860 in Berlin. Eine furchtbare Katastrophe wird aus Treptow ge- meldet: Am Sonntag gegen Mitternacht ü b e r r a n n t e auf der O b e r s p r e e bei Berlin der Dampfer„K y f f h ä u s e r" von der„Neuen Oberspree-Dampsschifsfahrts-Gesellschast" ein kleines M o r o r d o o t. Der Inhaber des Bootes und ein Kind sind gerettet; die übrigen sieben Insassen er- tranken. So berichtet das Wolff'sche Depeschenbureau. Nach einer Lokalkorrespondcnz sind sogar acht Menschen ertrunken, aber der Dampfer„Kyfshäuser" soll nicht Schuld an dem Un- glück sein. Die Korrespondenz schreibt: Der Maschinist Klinke aus der Neanderstraße hatte sich vor einem Vierteljahr ein Motorboot angeschafft, daS ihm die Quelle eines Nebenerwerbes sein sollte. Mit dem Boot machte er am Sonntag einen Ausflug nach Tabbert's Waldschlößchen an der Oberspree. Der Ausflug nahm für die Betheiligten, Familienangehörige und Verwandte Klinke's, ein trauriges Ende. Als der Dampfer„Kyfshäuser" der neuen Oberspree- Danipfergesellschaft Tismer u. Komp. in Nieder- Schönweide, der eine größere Gesellschaft an Bord hatte, auf der Rückkehr in die Nähe des EierhänSchenS gekommen war, sah der Schiffs- jührer vor sich einen dunklen Gegenstand auf dem Wasser treiben, an dem sich zwei Personen festgeklammert hatten. Bei näherer Untersuchung stellte sich heraus, daß die beiden Schiffbrüchige waren, die einzigen Ueberlebendcn einer Katastrophe, die sich kurz vorher abgespielt hatte. Der Führer des„Kyfshäuser" nahm die Geretteten an Bord und brachie sie nach Berlin. Es waren der Eigenthümer des Motorbootes, Maschinist Klinke und der achtjährige Sohn eines Schwagers von ihm. � Klinke hat bei der Katastrophe seine 22jährige Frau, sein Neffe beide Eltern ver- loren. Wie das Unglück sich zugetragen hat, ist noch nicht auf- geklärt. Die Mannschasten und die Fahrgäste des„Kyffhäuser" vermögen darüber keine Auskunft zu geben. Der Führer dieses Dampfers hat sich heute Vormittag nach Berlin begeben, um der Schifffahrtspolizei seine Wahrnehmungen mitzutheilen. Diese hat daraufhin die Untersuchung eingeleitet. Herr Klinke ist von dem Unglück so mitgenommen, daß er vorläufig näheres noch nicht anzugebe» vermag. Nur soviel scheint festzu- stehen, daß das Motorboot von einem großen Dampfer überrannt wurde, der sich mit ihm in derselben Fahrtrichtung(Köpenick- Berlin) befand. Der Dampfer hat sich aber um das Unheil, das er anrichtete, nicht weiter gekümmert. Er ist in voller Fahrt, wie er aus das Boot auflief, einfach weilergefahren. Wie der Dampfer heißt und wem er gehört, hat sich daher noch nicht fest- stellen lassen. Die Spree- Havel- Dampsschrfffahrtsgesellschaft „Stern", die als Eigenthümerin des Unglücksdampfers vermuthet wurde, versichert, daß von ihren Schiffen keins bei den: Unglück betheiligt sei. n Ein Augenzeuge berichtet über das Unglück wie folgt: �ch befand mich auf einem Vergnügungsdampfer, der von Grünau nach Berlin fuhr. Unweit Treptow auf der Spree sahen wir aus dem Wasser eine mächtige Feuergarbe aussprühen. Jeder- mann dachte dabei sogleich an einen Unfall und eine wahnsinnige Bestürzung befiel alle Passagiere. Ein uns begegnender Dampfer halte ein mit elf Personen besetztes Motorboot überrannt. Ans dem Wasser trieben Schirme, Stöcke, Hüte und Mäntel umher. Nur zwei Personen konnten gerettet werden, der Besitzer des BootcL und ein neunjähriger Knabe. Weiter angestellte Rettungs- versuche blieben erfolglos. Die beiden Geretteten, den Besitzer des Bootes und einen neunjährigen Knaben, nahm unser Dampfer mit nach Berlin. Der Knabe hat bei der Katastrophe beide Eltern verloren, der Besitzer des Bootes seine Frau und Kinder. Stach einer uns zugehenden Mittheilung sind unter den Er- trunkenen einige wackere Parteigenossen, sowie eine Ge- nossin. Es befand sich ans dem Boot auf der Rückfahrt vom Parteisest unter anderem der Zimmermann Gustav Hinz aus der Friedrichsfeldcrslraße 43 mit seiner Frau, deren Bruder und einem Kinde. Letzteres konnte gerettet werden, wo- gegen die Erwachsenen leider den Tod in den Wellen gefunden haben. Frau Hinz hat für die P a r t e i s p e d i t i o n des vierten Reichstags-Wahlkreises den„Vorwärts" in der Fruchtstraße und Mühlenstraße ausgetragen; die meisten der m dieser Gegend wohnenden Parteigenossen werden die Verunglückte daher kennen. Auch der mit ertrunkene Bruder der Frau Hinz, Schone m a n n mit Namen, war ein wackerer Mitkämpfer in den Reihen unserer Partei. Er dürfte den älteren Genossen aus einer Affäre erinnerlich seilt, die sich in der Zeit des Schandgesetzes abspielte. Als 1887 Singer in den Reichstag gewählt worden war, zog eine größere Anzahl Parteigenossen in den Grunewald hinaus, um, niemandem zu Leide, ihr S i e g e s f e st zu feiern. Doch die Vertreter der Ordnung wollten es anders. In erklecklicher Anzahl kamen sie hervor mit guten Wehr und Waffen, um gegen die Genossen sowohl als gegen einige— Schneemänner vorzugehen, die nach allen Regeln der Kunst errichtet, mit einer rothen Fahne in der Hand ein jedenfalls recht slaatsgesährlichcs Dasein sristeten. Unser Genosse Schonemann war durch die bekannte Art des Vorgehens der Gendarmen der- art in Erregung gerathen, daß er seine Kleider ausriß und auf seine offene Brust deutend, an dem mit geladenem Revolver vor ihm stehenden Ordnungshüter die Worte richtete: Schieß' z u, Du—. Eine Wolff'sche Depesche bringt zu der traurigen Affäre folgende Richligstellung: Der Unfall aus der Obcrspree ist, wie uns mitgelheilt wird, nicht durch einen Dampfer der„Obcrspree- Dampfschifffahrtgcsellschast Tismer& Co." verursacht worden. Man nimmt vielmehr an, daß das Unglück durch eine Kessel- explosion auf dem Motorboote selbst herbeigeführt worden ist. Zu dem Dainpserunglück wird weiter gemeldet, daß das gesunkene Fahrzeug— ein kleiner Dampfer— am Montag Nachmittag bereits gehoben worden ist. Ein Kommando Pioniere ist dazu verwandt worden. Gleichzeitig ist bei der Nach- forschung nach de» ertrunkenen Personen die Leiche einer älteren Frau aufgefischt worden. Der Heizer August Klinke, der den Bergungsarbeiten beiwohnte. war bis zum Spätnachmittage nicht zurückgekehrt, so daß eine Schilderung des Vorganges von ihm nicht zu verlangen war. Wie er anderen Personen mitgelheilt hat, ist an seinem Dampfer, der nur 3 bis 0 Personen fassen soll, eine Schaluppe angehängt gewesen. Zwei Dampfer sollen neben einander hergefahren sein; Klinke wollte dem einen ausweichen und wurde von dem anderen überrannt. Einen beträchtlichen Neinfall bedeutet die Vorstellung, welche der neugegründete Verein„Berliner Volksoper" am Sonntag im Nalional-Theater veranstaltete. Wir wollen, da das künstlerische Fiasko offen zu Tage liegt, nicht weiter darüber rechte», ob»nd inwieweit der neue Verein nnf die Mitglieder der gekollerten„Freien Volksbühne" spckulirte, aber wer von denselben etwa den„Troubadour" sah und hörte, der wird wahrscheinlich an dieser ersten Gabe vollauf genug gehabt haben. Ist es schon an sich ein von vornherein verfehltes Unterfange», mit abgeleierter Sahne vom Schlage dieser trivialen Oper das Voll„bilden" zu wollen, wo der Bourgeoisie die herrlichen Schöpfungen Wagncr's, sowie die ganze neue und die wirklich klassische Mnsikrichtung zu Gebote stehen, so muh die Art, wie der alte Verdi am Sonntag mißhandelt wurde, ent- schieden verurthcilt werden. Kann die„Volksoper" nichts besseres als eine solche, in jeder Beziehung mißlungene Troubadour-Vor- stellnng bieten, so möge sie sich getrost begraben lassen— der Kunst und dem Volke zum Heile. Die Ferien der hiesige« Gemeindeschnle« und Privat« Elementarschulen sind für die zweite Halste dieses Jahres wie folgt festgesetzt worden: Sommerserien: Freitag, den S. Juli nach Schluß der Lektionen. Beginn des Unterrichts: Montag, den ö. August. Michaelisfcrien: Schluß des Sommerhalbjahres: Sonnabend, den 28. September. Beginn des Winterhalbjahres: Donnerstag, den 10. Oktober. Weihnackit-ferien. Schluß: Sonn- abend den 21. Dezember. Beginn des Unterrichts: Montag, den 8. Januar 1396. Auf einen Mord soll, nach den Angaben eines Bericht- crstatters, der Fund eines Franenskeletts schließen lassen, der bei den Planirungsarbciten der Pelersbnrgerstraße und des anliegen- den Terrains am Sonnabend Abend gemacht wurde. Auf Ver- anlassung des 66. Polizeireviers, welches die Knochentheile am Sonntag nach dem Leichenschauhause schaffen ließ, sind die weiteren Zlusschachtungsarbeiten an der'Ausgrabungsstelle inhibirt; die- selben können erst, nachdem die Staatsanwaltschaft die Fundstelle besichtigt, wieder aufgenommen werden. Richard Engel, der berüchtigte Einbrecher ist, wie der „L.-A." meldet, in Hamburg seinem Transporteur, der ihn aus dem dortigen Gefängniß zur hiesigen Schwnrgerichts-Verhandlung bringen sollte, entflohen. Der Verbrecher war gefesselt. Ein Berliner ist am Freitag von der Zng-Spitze ab- gestürzt. Nach einem Telegramm aus Partenkirchen ist der Verunglückte, der sofort todt blieb, der städtische Beamte Simon aus der Wörtherstraße 2. Der gleichzeitig abgestürzte Führer Koser befindet sich auf dem Wege der Besserung." Durch den Mistgriff eines ArztcS hat ein Provinziale, der vor einigen Tagen in einer bekannten hiesigen Augenklinik Aufnahme fand, bei einer Einspritzung sein Augenlicht verloren. Der Unglückliche, welcher ans Czarnikau gebürtig ist, konsultirte wegen eines Augenleidens einen dort wohnenden praktischen Arzt, welcher ihm ein Angenwasser verordnete, das mittels einer kleinen Spritze den kranken Thcilen zugeführt werden sollte. Um nun seinen Patienten in der Handhabung der Spritze zu unter- tvcifen, wollte der Arzt die erste Einspritzung selbst bewirken. Hierbei verwechselte er aber das Angenwasser mit einem daneben stehenden Fläschchen Karbolsäure und spritzte dem Unglücklichen die ätzende Flüssigkeit in beide Augen, so daß derselbe angen- blicklich erblindete. Da die sofort angewandten Gegenmittel ihre Wirkung versagten, hat sich der Bedaucrnswerthe nach hier begeben, doch erscheint es nach Ausspruch der Aerzte sehr frag- lich, ob er jemals wieder sein volles Sehvermögen erhalten wird. Todtgefahre» wurde am Sonnabend Abend gegen 7 Uhr die fünfjährige Stieftochter Margarethe Brenneisen des Arndt- straße 26 wohnenden Briefträgers Bacher. Das Kind wurde in dem Augenblick, als es von der Willibald Alexisstraße nach dem Chamissoplatz lief, von dem Fuhrwerk des in der Liebenwalder- straße wohnenden Biersahrers Hermann Wolfs zu Boden ge> rissen. Die Räder gingen der Kleinen über den Kopf, so daß der Schädel zertrümmert wurde; der Tod trat auf der Stelle ein. Verschwundener Dalmatiner. Einer der Handelsleute aus Dalmatien, die in jüngster Zeit auf den belebtesten Straßen Berlins und in den Restaurants, in denen sie Hausiren, durch ihre malerische Nationaltracht auffallen, ist seit dem Freitag ver- schwnnde». Es handelt sich nur den 35 Jahre alten Mate Samija, der in dem Gasthof„zunl goldenen Engel" in der Koppenstraße Wohnung genommen hatte. Er hatte morgens den Gasthof verlassen und ist bis jetzt noch nicht zurückgekehrt. Vom Dache stürzte am Montag Mittag ein Dachdecker, welcher auf dem Schmied Kersten'scheu Grundstück in Zehlendorf beschäftigt war. Der Arbeiter verlor bei seiner Arbeiter das Gleichgewicht und siel von der höchsten Stelle des dreistöckigen Gebäudes herab, blieb zunächst in den Drähte» des Telephonnetzcs hängen, von wo er Kopf über zur Erde stürzte. Der Fall war so unglücklich, daß der Aermste nach einigen Minuten seinen Geist aufgab. Die beklagcnswerthe Frau des Verstorbenen, die mit ihren Kindern in Berlin lebt, wurde sofort von dem Unfall in Kenntniß gesetzt. Die Leiche ruht vor- läufig in der Leichenhalle des Zehlendorfer Kirchhofes. Witternngöübersicht vom 24. Juni 181)5. der Lothringerstraße in selbstmörderischer Absicht den Hals und wurde schwer verletzt in ein Krankenhaus überführt.— Abends erschoß sich ein Schuhmachergeselle in seiner Wohnung in der Parochialstraße.— In der Nacht entspann sich vor einem Schanklokal in der Dunckerstraße eine Schlägerei, weil der Wirth einigen Arbeitern den Eintritt verwehrte. Dabei wurden sechs Personen durch Messerstiche, zum theil schwer, verletzt.— Eben- falls in der Nacht gericth in der Swinemünderstraße ein Töpfer mit Zuhältern in Streit und wurde derartig bedrängt, daß er in der Nothwehr das Taschenmesser zog und einem der Angreiser in den Arm stieß.— Am 23. d. M. tödteten sich drei Männer. Einer erschoß sich in seiner Wohnung, in der Brücken-Allee; der zweite wurde iu seiner Wohnung, in der Kirchstraße, erhängt vorgefunden; der dritte vergiftete sich in seiner Wohnung, in der Dennewitzstraße. Außerdem machte ein Handlungsgehilfe im Flur eines Hauses in der Linienstraße den Versuch, sich zu ver- giften.— Am 22. und 23. d. M. fanden acht kleine Feuer statt. Gevi�lks�erkung� Eines gemeingefährlichen Bcrtranensbrnchcs hat sich der Krankenwärter Oskar I ä s ch k e schuldig gemacht, der gestern unter der Anklage des Betruges vor dem hiesigen Schöffengericht stand. Der Angeklagte war Krankenwärter in der hiesigen Charitee. Zu seinen Obliegenheiten gehörte es, einen der Aerzte auf seinen Gängen durch den Krankensaal zu begleiten und bei jedem Kranken die ärztlichen Anordnungen bezüglich der Diät in einer Tabelle zu notiren. Auf grund der letzteren wurden die den Kranken zugemessenen Diätrationcn herausgegeben. Ter An- geklagte hat nun eingestandenermaßen das in ihn gesetzte Ver- trauen arg mißbraucht. Er hat die ärztlicherseits er- gangenen Anordnungen unbefugt und in betrügerischer Weise derart abgeändert, daß er, wenn beispielsweise einem Kranken 1 Liter Milch verordnet war, in die Tabelle Vi Liter Milch und l/4 Liter Vier eintrug. Er hat auf diese Weise ver- standen, einen kleinen Bierhandel in der Charitee zu etabliren und er verkaufte das Bier an die Kranken noch zu einem höheren Preise, als es thatsächlich angerechnet wurde. Glücklicheriveisc konnte er diesen Vcrtrauensbruch nur kurze Zeit durchführen, denn ein Zufall führte zu seiner Entdeckung. Staatsanwalt Kanzow machte auf das gemeingefährliche der Handlung� weise des Angeklagten aitfinerksam, der ohne Wissen des Arztes den Patienten Gelränke gereicht habe, die diesen verhängnißvoll werden könnten. Der Antrag des Staatsanwalts lautete auf drei Monate Gefängniß. das Urlheil aus zwei Monate Gefängniß. Tie niiteltviirfige Stellung des deutschen Beamten charakterisirt folgender Gerichlsfall: Der Staalsbcainte A. war wegen Beleidigung seines Vorgesetzten von der Strafkammer ver- urlheilt worden, die den Einwand des Zlngeklagtcn, daß er bei seinen Aeußerungen sich in Wahrnehmung berechtigter Interessen befunden, verworfen halte. Auf die von dem Angeklagten ein- gelegte Revision verwies das Lieichegericht nach Mittheilung der „Jurist. Wochenschr." die Sache zur nochmaligen Verhandlung in die Vorinstanz, indem es ausführte: Unhaltbar sei die Ans- fasiung des Vorderrichters, daß für den Angeklagten ein be- rechligtes Interesse deshalb nicht vorgelegen, weil es für einen Untergebenen ein Recht, auf de» Vorhalt eines Vorgesetzten wegen Pflichtwidrigkeit im Dienst mit gleichen Vorhaltungen zu antworten, nicht gebe. Vom Standpunkte der Disziplin inner- halb des Beamtenthnms könne zwar dieser Satz als zutreffend bezeichnet werden. Indessen stehe vorliegend nicht die Hand- habung der Disziplin, sondern die Anwendung des allgemeine» Strafgesetzes in Frage,»nd dieses verleihe einer beleidigenden Aeußernng Sirassreiheit, sofern sie zur Wahrnehmung berechtigter Interessen gemacht worden, ohne für bestimmte Personenklassen Ausnahmen von dieser Regel zu statuiren. Der Schutz dieser Bestimmung gebühre deshalb grundsätzlich auch dem nutergebenen Beamten seinem Vorgesetzten gegenüber. Wetter-Prognose für Dienstag, 25. Juni 181)5. Ziemlich kühles, zeitweise heiteres, vielfach wolkiges Wetter Mit geringen Regensällen und frischen nordwestlichen Winden. Berliner Wette rbureau. Polizeibericht. Am 22. d. M. wurde gegen Mittag in der Dragonerstraße ein dreijähriger Knabe durch einen Geschäftswagen überfahren und so schwer verletzt, daß er bald darauf starb.— Gegen Abend wurde in der Willibald-Zllexisstraße ein fünfjähriges Mädchen durch einen Flaschenbierivagen überfahren und auf der Stelle getödtet.— Ein Portier durchschnitt sich vor einem Hause Verfs»tt»»tlu»tgen; Die SpeditiouS-, Lastfuhrwerk- und Mehlkutscher hielten am Sonntag Nachmittag eine öffentliche Versammlung ab, um eine Aufbesserung der jammervollen Zustände in ihrem Beruf anzustreben. Zu diesem Zwecke referirte Genosse Jahn über „Die Nothwendigkeit der Verkürzung der Fahrzeit", indem er auf die bereits bestandenen Kämpfe der Kutscher iu früheren Jahren, sowie in anderen Ländern hinwies, dieZwohlthuendeu Folgen der Verkürzung der Arbeitszeit in körperlicher, geistiger, sittlicher und besonders für die Kutscher auch öffentlicher Beziehung erläuterte. Denn viele Unglücksfälle im öffentlichen Verkehr seien nur auf die große Ueberanstrengung der Kutscher zurückzusühren, namentlich das Einschlafen der Kutscher auf dem Bock, wodurch schon eine große Anzahl Unglücksfälle herbeigeführt worden sind. Diese Thatsachen wurden auch von mehreren Rednern in der Diskussion nicht nur bestätigt, sondern auch eine Arbeits- bezw. Fahrzeit von 16—18 Stunden täglich sestgestellt; der Kutscher sei schlimmer daran, als„seine" Pferde, die er nach reinigen und füttern müsse. Von einer gc- setzlichen Sonntagsruhe sei so gut wie gar keine Rede, so daß manchem Kutscher vielfach nur 2—3 Stunden verbleiben. Eine Resolution, ivelche den Ausführungen des Referenten zustimnite und zum Anschluß an die Organisation aufforderte, wurde ein- stimmig angenommen. In nächster Zeit werden weitere Ver- sammlungen für die Kutscher in oben genannten Gewerben statt- finden, um die in so traurigen Verhältnissen lebenden Berufs- genossen aufzurütteln und zum Anschluß an die Organisation zu bewegen. Für die in der Getreidcbrauche beschäftigten Arbeiter fand am 22. d. eine öffentliche Agilationsversammlung statt, die unter reger Betheiligung bei Hensel in der Jnvalidenstraße tagte. In einem anschaulichen Vortrage über den„Kampf ums Dasein" führte Genosse A. Hoffmann den Nachweis der Nothwendig- keil einer starken gewerkschaftlichen Organisation, welche Beweis- führung unterstützt wurde durch die in der lebhaft geführten Diskussion zu tage tretenden Mißstände in der Branche. Besonders wurde Klage geführt über gänzliche Außerachtlassung des Tarifs und die immer mehr um sich greisende Entlohnung pro Tag mit 3 Mark, über den Mangel an Schutzvorrichtungen an den im Gebrauche befindlichen Maschinen, über vielfache Umgehung der Bestimmungen der Sonnlagsrube zc. Tie Versammlung bekundete ihren Willen, zur Verbesserung der Verhältnisse bei- zutragen, durch einstimmige Annahme einer giesolution, die sich für eine» allseitigen Anschluß au die bestehende Organisation der Getreideträger und Speicherci-Arbeiter ausspricht. Vevmikikzkes. Ans Hamburg wird über eine Schiffskollision be- richtet: Der englische Dampfer„Thornaby" hat Sonnabend Abend 73/i Uhr bei Oevelgönne, als er einem Passagierdampfer aus- weichen wollte, die dortige Brücke arg beschädigt, woraus er festsaß. Menschenleben sind nicht zu beklagen. In Hamburg sind am Sonntag durch einen Windstoß auf der Unterelbe zahlreiche Segelboote umgestürzt worden. Soweit bekannt ist, sind acht Personen umgekommen. Ein Landrath gegen den Zopf. Der Landrath des Kamminer Kreises, Senfft von Pilsach, hat nachstehende Be- kanntmachung erlassen: „Den Absendern amtlicher Schreiben an niich empfehle ich als kürzeste und sicherste Adresse die Aufschrist„An den köuig- lichen Landrath in Kammin, Pommern". Der Znsatz„Hoch- wohlgeboren" ist zwecklos. Die Hinzufügung meines Namens ist nicht nur zwecklos, sondern ziveckwidrig, weil persönlich adressirte Sendungen häusig nicht auf dem Landrathsamt, sondern in meiner Wohnung abgegeben werden. In Fallen meiner Ab- Wesenheit bleiben sie dann bis zu meiner Rückkehr uneröffnet. Den Absendern sind daraus nicht selten Nachtheile erwachsen. In den Adressen vertraulicher Schreiben ist mein Name ebenfalls entbehrlich, der Vermerk„eigenhändig" dagegen unentbehrlich; auch wenn der Name genannt ist. Gleichzeitig empfehle ich dringend, in den Schreiben die sogenannten Curialien— ergebenst, gehorsamst, gefällig, geneigtest u. s. w.— zu vermeiden. Durch die Fortlassnng vereinfacht der Absender sich selbst das Schreiben nnd mir das Lesen." Wird die zur Servilität und Hundedemuth erzogene preußische Philisterseele sich diesem gutgemeinten Wink zu fügen wagen oder wird sie nach wie vor„in allergehorsamster Ergeben- heit ehrsurchtsvoll ersterben"? Während eines heftige» Gewitters wurde in Budapest am Sonntag ein Arbeiter namens Schwarzenberg, während er sich rasiren ließ, vom Blitz getroffen und sofort getödtet. Der Barbier wurde schwer verwundet. Iu Budapest erschoß am Sonntag der ehemalige Polizei- agent Joseph Servoesi seine Geliebte, Anna Andol und dann sich selbst. Ter Papst und Zola. Eine komische Mittheilung erhält die„Frankfurter Zeitung" aus Rom. Danach will Se. Heiligkeit Leo XIII. dem großen Franzosen Vergebung seiner schriftstelle- rischen Sünden angedeihen lassen, wenn Zola seine Jrrthümer eingesteht und alles das verdammt, was in seinen Schriften die Religion und die Dezenz verletzt. Ter Papst ist wirklich ein edler Mensch. Erdbeben in Griechenland. In Platanos, Provinz Lepanto, wurden am Sonnabend wiederholte starke Erd- erschütterungen verspürt. Mehrere Häuser sind beschädigt. Opfer an Menschenleben sind nicht zu beklagen. Ans Petersburg wird berichtet. In der Stadt Wischnij- Wolotschok im Gouvernement Twer ist eine neue große Feuers- brunst ausgebrochen, über hundert Häuser sind davon ergriffen, auch ist ein Verlust an Menschenleben zu beklage». In Washington wurden zwölf Personen wegen professioneller erwcrbsmäßiger Brandstiftung verhastet. Dieselben sind be- schuldigt, 75 Feuersbrünste mit I Million Materialschaden an- gelegt zu haben. Die Brandstifter sind theils Polizeibeamte, theils Versicherungsagenten. SpvechzsKAl. Tie NedalNon sieNl die As»utzu»a des EprechsaalZ, loweUder Raum dafür abzugeben ist, dem Publikum zur Besprechung von Angelegenheilen allgemeinen JuleresseS zur Bersügung: sie wahrl stch aber gleichzeitig dagegen, mit dein Inhalt deffelben idcntifizirt zu werden.. Erklärung. Am 5. Mai d. I. wurde von dem Vorstande der Freien Vereinigung der Krankenkassen mit freier Arztwahl dem>„Vorwärts" ein Flugblatt beigelegt, welches das vom 7. April d. I. vom Vorstande des Vereins Berliner Kassenärzte verbreitete, in zahlreichen Punkten unwahre Mittheilungen«nt» haltende Flugblatt des letzteren beantwortete. Wie treffend der Inhalt unserer Antwort gewesen ist, geht am besten daraus hervor, daß jene Herren nicht im stände ge- wesen sind, auch nur einen Punkt dieser Ausführungen zu wider- legen und sie daher vollständig sich in Schweigen gehüllt haben. Bald darauf hat sich eine Anzahl uns völlig unbekannter Personen zusammengethan, nn> am 19. Mai d. I. iin„Vorwärts" und anderen Berliner Zeitungen ein Flngblalt als Beilage erscheinen zu lassen, ivelches sich zwar herausnimmt, als Antwort auf unsere Ausführungen gelten zu wollen, aber nicht einmal den Versuch enthält, uns sachlich zu widerlegen oder zu erividern. Im übrigen wimmelt jenes neueste Flugblatt von Beleidigungen gegen Kassenvorstände und einzelne Personen, die gewiß in der ihnen geeignet erscheinenden Weise ihre Rechtfertigung suchen werden. Niemand aber, der einen sachlichen Kampf allein für berechtigt erachtet, kann es uns verdenken, wenn wir es weder der Mühe werlh erachten, Be- schimpfungen und nicht greifbare Verdächtigungen anders zu beantworten, als daß wir dergleichen mit Schweigen niedriger hänge». Wenn die Gegner unserer Bestrebungen, statt sich hinter völlig unerfahrenen und unbekannten Leuten zu verstecken, eine offene sachliche Aussprache nicht scheuen, so werden sie uns bereit finden, ihnen in öffentlichen Nrbeiterversammlungen Rede zu stehen. Einer weiteren Erklärung bedarf es der denkenden Arbeiterschaft Berlins gegenüber aus das Flugblatt vom 19. Mai d. I. sicherlich nicht. Im Auftrage der Vorstände der zur Freien Vereini- gung gehörenden Krankenkassen mit freier Arztwahl. R. A ß m a n n, Ackerstr. 53. A. D ä h n e. Demminerstr. 66. E. R o s m u s, Andreasstr. 21. C. P o h l e, Badstr. 45/43. H. Rautenhaus, Moritzstr. 23. DviefKakken vev Nevalikion. Wir bilen bei jeder Anfrage eine Chiffre(Zwei Buchslaben ober eine Zahl) anzugebe», uuier der die Aniworr ertheilt werden soll. Montag, Dien st ag, Donner st ag und Freitag wird von 7 bis 8 Uhr abends Auskunft und Rath in Rechtsangelegenheiten ertheilt. G. 14. Unverständlich. A. B. B. F. III ist leider nicht zu helfen. Er hat keinen Anspruch gegen die Gemeinde, sondern höchstens gegen die Mutter. Er hätte nicht nöthig gehabt, das Kind zu unterstützen, sondern hätte es der Mutter oder der Behörde übergeben können. 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Tata-Toto. öchiller-Theater. Die Hochzeitsreise. Flattersucht. Aleranderptah- Theater. Die Räuber. Zlational-Theater. Natalie. Theater Unter de« Linde«. Miß Helyett. Apollo- Theater. Ein Abenteuer im Harem. Frirdr.- Wilhelmftädtischer park. Großer Utk-Abend. Berlin amii- sirt sich. 8eIiiIIer-IIiester. svkallnen» l'Kesten.l Dicnllag: Die Hochzeitsreise. Flattrrsncht. Kiiitwoch: Die Uenvrrmühlten Tin Diener zweier Herren. Donnerstag: Die Hochzeitsreise Flattcrsucht. Freitag: Zopf und Schwert. Sonnabend: Die Hochzeitsreise.— Flattersucht. National-Theater. Grobe Frankfurterstraße 132. WchtWigkeils-VorMW. Gastspiel der Frau Clara Meyer, Ehrenmitglied der königl. Schauspiele, niit besonderer Genehmigung Sr. Ex- zcllenz des General-Intendanten Grasen von Hochberg und Dr. Eugen Zabel Schauspiel in 4 Akten von I m a n Turgenjew. Nach dem Russischen für die deutsche Bühne bearbeitet von Dr. Eugen Zabel. Regie: Fr. Schäfer Natalie Petrowna: Frau Clara M ey er a. G. Morgen: Im Jrrenhause. kkstivnsltkesten» Gs,-ten i Großes Konzert u. Spczialitäten-Vorstellung Alle 5 Barrisons. Ein Modell. Fernand's Ehekontrakt. Kassenösfnung 5 Uhr. Anfang C Uhr. Entree 20 Pf. Reservirter Platz 40 Pf fnLlii'iek-�ilkelmztslitisvlies Lvnckl't-fal'lc 2S/26 Chausseestraße 25/26. AusverkauNes Garten-Etablisse- rnent; noch nicht dagewesen; bei uns aber Thatsache, daher machen wir keine Reklame. Lachkrämpf«: Kouibritrrfolg: Leiiin aiÄirt sicli. Parodistische Burleske. Niui Viva die Sünde, die pikante Französin. Der Ber- liner Liebling Blum,"9(1 ferner 34 Nummern. Gnte-ss SV Pf. ReichshalSen. Im prachtvollen Garten (bei ungünstiger Witterung im Saal) Täglich: Huvlorißijlhe Coiree yiiüsteit- Bvt U n. lloulilet-zsiigei' Anlang L vhr. Rntres 30 Pf. Reservirter Platz 50 Pf. Sonntags: Anfang 7 Uhr. �.'IersllilsteScmilh. �nach�Mariaberst.' Vietoria-örauerki Fiitzowstrasze 111—112 Täglich außer Sonnabends Garten reep. Saal: Soiree der altbeliebte« ngep (Nleysel, Piotro, Britton, Steidl, Krone, Röhl und Schräder.) An saug 8 Uhr. Entree 50 Pf. Vorverkauf 40 Pf. und Familieu- billets für 3 Personen giltig 1 M. (siehe Plakate). Erohes Humor-Drogramin. TS I» S N« S Anstalt iiir volksthümliehe liatnrkunde. Km Landes-Aussteilungspark (Lehrter Bahnhof). Geöffnet von 5—10 Uhr. Täglich Vorstellung im wissenschaftlichen Theater. Näheres die Anschlagzettel. Passage- Panspticinn. Täglich: Rettung aus Feuersgefahr durch die FelienlieHr lZaswn's?AU0NMum. M Bärenweib. Ein Flug durch die Luft Bestrafte weibliche Eitelkeit. Allgemeine Ans Stellung für Sport, Spiel und Tarnen. Berlin, Altes Reichstagsgebäude,] Leipzigerstraße 4. Dienstag, den 25. Juni, geöffnet[von 10 Uhr vormitt. bis 10 Uhr abends. Biniriit 50 Pf. mit interessantem Führerbuch. Rinder 25 Pf. Neu! Abtheilung für Erfindungsschutz 1 VoßKsiSZlrflSN (ehem. Weimann's Volkagarten) Gesnudbrunuru. Kadstr. 50, Direktion: Max Samst. Täglich: Gr. 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Freunden, Bekannten und Genossen die traurige Nachricht, daß mein Vater, der Putzer 17SSb August Düntohen, Tresckowstr. 43, am 22. Juni, nachmittags 7 Uhr, gestorben ist. Die Beerdigung findet Mittwoch, de» 26. Juni, Nachmittags 6 Uhr, von der Leichenhalle des Zions- Kirchhofes, Weißensee aus statt. Um stilles Beileid bitten Die Hinterblicbcneu. Hermann Schulz, Marirer. Nachruf. 1739b Am 20. Juni verschied nach langen schweren Leiden der Tischler Gustav Fröhlich. Durch seine 17jährige Thätigkert in meiner Fabrik hat sich derselbe meine vollste Achtung erworben und werde ich ihm ein ehrendes Andenken stets bewahren. Alboi-t Rosenbaum, Inhaber der Lampenfabrik Moritz Klee. Danksagung. Allen Freunden und Bekannten, ins- besondere den Meistern und Arbeitern der Elektrizitätswerke Ackerstraße, für die zahlreiche Bethciligung und reichen Kranzspenden bei der Beerdigung meines lieben Mannes sage ich hiermit meinen besten Dank. Iö08b Ulittwe Panbowski. Für Danksagung. 1800b die viele» Beweise herzlicher Theiluahme, sowie für die reichen Blnmenspeuden bei der Beerdigung meines geliebten Bräutigams, unseres guten Bruders, Neffen und Schwagers Albent Henze sagen wir alle» Freunden und Genosse», besonders dem Gesangverein„Freya", dem Ver- ein der Filzschuharbeiter und ins- besondere Herrn Manasse für die trost- reichen Worte am Grabe unseres im- vergeßlichen Entschlafenen unseren tief- gefühlten Dank. Berlin, den 24. Juni 1895. Die trauerudcu Hinterbliebenen. im»«! Alle» denen, die meinem guten Mann, unserm lieben Vater, die letzte Ehre erwiesen haben, sagen wir unser» herz- lichsten Dank. 1822b Wwe. Reiß nebst Kindern. Krtiilzbiitticrei tt. BltiiiteOlg. Robert ifteyer, Nr 2. Mariannenstraße Nr. 2. NB. Um häufigen Jrrthum zu ver- meiden, bitte ich meine Freunde und Genossen, genau auf meine Adresse zu achten._ Blumeuhandlung P. Abromeit, tUiicherstrake 69, Berlin SW. 5547L' Kränze, Bouquets, Topfgewächse, Gcirlandou u. s. w. 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Sozialdemokratischer Mahlverein fnr den 6. Kerl. Reichstags-Wahlkreis. Dienstag, den 25. Juni 1895, abends 8'/» Uhr: Versammlung im Saale des Herrn Keklifc, Bergstraße Nr. 12. Tages-Ordnung: Vortrag des Genossen H. Schulz über: Deutsche Zustände zur Zeit der französischen lllevolution. Vereinsangelegenheiten. Fragckasten. 303�19 ! Töpfer. Achtung! Gr. öffentliche Versammlung stitttmilicher Tögsf er ttnii BeriWn. Berliils inti) Mg. am Donnerstag, 27. Juni, abends 6 Uhr, im Lokale Eönigshank, Große Frankfurterstraße 117. Tages-Ordnung: Die Lage des Streiks und Regelung der'Unter- ftütznugsfrage. Kollege» I Da es für jeden von Interesse sein muß zu wissen, welche Beschlüsse gefaßt werden, so ist es Pflicht eines jeden einzelnen, in dieser Versammlung zu erscheinen. 245/10 Die Kommission. Kirdorf! Achtullg! Marteigenoffen und-Genossmuen! Grosse öffentl. Versammlung bei Wirsing, Knesebeckstr. 113, am Mittwoch, den 26. Juni, abends Bv* Uhr. Tages-Ordnung: 1. Welche Ausgaben erwachsen den Arbeitern und Arbeiterinnen im Kampfe um bessere Lohn- und Arbeitsbedingungen? Referentin: Frau Kähler- Hamburg. 2. Diskussion. 3. Abrechnung von der Maifeier. 54/13 Die Urrtranenspepso«. Erdbeer-Bowle Pfirsich-Bowle frisch, ausgezeichnet k Flasche 60 Df. inkl.. 10 Fl. Mk. 5,50. Johannisbrerwrin, herb, Fl. 60 Pf. Drsertwei«, süß, Fl. 75 Pf.s Hfachelbeevwei», ganz vorzüglich, Flasche M. 1»—. Echt Stonsdorstr Mör. ä Sit. 1,30, 5 Ltr. 5,50, 10 Ltr. 10,—, 50 Ltr. 47Vs, 100 Ltr. 90,-. «chtrn Nltr» Dordlfäule»- Ltrfl. Mk.1,10. 5 Liter k Mk. 0,90. Kerliner Krtreidr- Kümmel Ltrfl. Mk. 1,10. 5 Liter ü Mk. 0,90. Himbeer», Kirsch-, Johannlst-eerl'aft. vorzüglich, Ltrfl. 1.50. Medizin. Ungarwein, beste Qualität, k Literflasche Mk. 3,10. Empfehlen und senden einzelne Flaschen frei Haus Verlin. Lugen Kemnann& Co., ii; KrlSÄ6»i: _ Oranieustr. 8, Genthinerstr. 39. Potsdam, Waisenstr. 37. Aussteilung Italien in Berlin. Station Zcologiscber Garten. 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Verwaltung Ciiarlottenburg Mittwoch, den 26. Juni 1895, abends öVs Uhr, im Lokal des Herrn Xraus», Bismarckstraße 74: NitKlieäervei'sammIunK. Tages-Ordnung: I. Festsetzung der Vergütigung der Ortsbeamten. 2. Wahl der Ortsverwaltung. 3. Verschiedene Kassenangelegenheiten. Um zahlreichen Besuch ersucht 234/20- Di- Grtsv-rwaUung. Orts-Krankenkasse der Lebneider, Lebneiderinnen und verwandten Gewerbe zu Berlin. Da die Vertretung der Orts-Kranken lasse der Schneider, Schneiderinnen und verwandten Gewerbe zu Berlin der in dem Erlasse vom 14. März d. I. — O. P. 3470— getroffenen An ordnung keine Folge gegeben hat, ändere ich hiermit gemäß Z 33 Abs. 3 des Krankenversicherungs-Gesetzes die Zs13 und 16 des vorstehenden Statuts von Amts wegen mit rechtsverbind- licher Wirkung vom 24. Juni d. I. dahin ab, daß die Kraukenunterstiitzung von 26 Wochen auf 16 Wochen herabgesetzt wird. Potsdam, den 11. Juni 1895. Der Oberpräsident, Staatsministcr v. Achenbach. O. P. 8120. Vorstehende Verfügung bringen wir hiermit den Betheiligten zur Kenntniß- nähme. 1799b Berlin, 24. Juni 1695. Der Vorstand. I. M a t h i s, Vorsitzender. E. Schröter, Schriftführer. ManntmiM Im Auftrage der Versammlung selbst- ständiger Barbiere des Ostens, welche am 12. d. M. tagte, bringen wir dem geehrten Publikum hiermit zur gütigen Kenntnißnahme, daß die Barbiere: Herr Ebel, Mllhlenstr. 59,[27808* „ Kriemmling, Pallisadenstr. 87, „ Treffehn, Krautstr. 28, §erren Gebr. Hohaus, Krautstr. 9, err Köseling, Langestr. 36, „ Bergmann, Zorndorferftr. 2, einen» Versammlungsbeschluß entgegen, trotz gegebenem Ehrenivort und Unter- fchrift, ihr Geschäft an Sonn« und Feiertagen um 2 Uhr nachmittags zu schließen, nicht nachkoinmen, sondern ihre Kollegen durch längeres Aushallen ihrer Geschäfte zu schädigen suchen. Die Kommission: LS. rrsysr, Münchebergerstr. 3. Franz Jablonski, Königsbergerstr. 80. Schenk, Fürstenwalderstr. 5. H. Schneider, Breslauerstr. 22. 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Hierzu ladet alle Freunde und Gönner ein 229/14 Das Komitee. > W«»äK», A je Karol Weil's � Seifenextraci-w» macht die Wäsche blendend weiss! Spart Euch Geld! Spart Euch Arbeit! •D, Schont Euch die Wäsche! Käuflich überall. Knr acht in granen Packctcn! Scliatzmai-ke Waschfass, DM" Nur für Damen. Nach beendeter Saison»Verden(ein»elu) verkauft: Jackets, sonst 15—20, jetzt 4—8, Kragen, Capes, Saniniet, Seide, Stoff sonst 15—30, jetzt 2—15, lliegeilinäntel 5—15, Kinderinäntel, Kinderjackels von 2 M. an im Eltgros- grschäft Landobergerbr. 59, eine Treppe._ 50/9* Kier Ueriag Max Koch, Matthieiistr. 17 (ziv. Brandenburg- u. Alexandrinenslr.) einpfiehlt sich de» Genossen zur Lieferung ä in m t l i ch e r Biere sür Werksiätren soivie den Hausbedarf. B. Günzel, Lchriugerßr. 33. stZiKstisch» Aüh«? Lassalle, Marx in Cigarrenspitzen, Pfelfcn, Nadeln, Blochen, Knöpfen. Büsten, Bildern u. dgl. sowie jede Drechslerivaare u. Repar.(Man verl. Preiskourant.) Lager von Rathenower Brillen und Pincenez. 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Mittwoch, den 26. Juni, abends SVa Uhr, findet Herrinannstraße 45, Viktoria-Säle, ein großer öffentlicher Vortrag des Magnetopathen Herrn Reinhold Gerling über Umsturz in der Medizin oder die Schulmedizin vor dem Gericht der Oeffentlichkeit statt, wozu die Herren Aerzte und die Krankenkassen-Vorstände ganz besonders eingeladen sind. Um recht zahl- reichen Besuch ersucht der Vorstand der magnetischen Gesellschaft zu Rixdorf. I. A.: Ad. Richter, 1796b Berlinerstr. 87. sür Brautleute: Im Möbelspeicher Nene Königstr. 59, vorn I., sollen über 100 Wirthschaftseinrichtungen, kurze Zeit verliehen gewesene u. neue Möbel spottbillig verkauft werde». Ganze Einrichtungen 100, 150, 200— 1000 M. Theilzahlung gestattet. Beamten ohne Anzahlung. 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