Abendausgabe Nr. 544 42. Jahrgang Ausgabe B Nr. 270 Bezugsbedingungen und Anzeigenpreise find in der Morgenausgabe angegeben Redaftion: Sm. 68, Lindenstraße 3 Fernfprecher: Dönhoff 292-297 Tel.- Abrcife: Sozialdemokrat Berlin mi blo 7514 Vorwärts 1960 Berliner Volksblaft 10 Pfennig Dienstag 17. November 1925 Berlag und Anzeigenabteilung: Geschäftszeit 9-5 Uhr Derleger: Bormärts- Verlag GmbH. Berlin S. 63, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Dönhoff 292-297 Zentralorgan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands Das Kabinett für Locarno. Ausarbeitung der Vorlage an den Reichstag. Das Reichsminifterium hat heute unter Borsitz des Reichsfpäten Abendstunden fortgesetzten Beratungen über die präsidenten d.2 gejern vorming begonnenen und in den außenpolitische Lage abgeschloffen. Der Reidsminister des Auswärtigen wurde beauftragt, die erforderliche Vorlage an die gesetzgebenden Körperfchaften auszuarbeiten. Die Beschlußfaffung über die Vorlage wird nach der für Donnerstag einberufenen Konferenz der Staats- und Ministerpräsidenten der Länder erfolgen. Jute Die Rückwirkungen- ein Anfang. ,, Die Vorbedingungen für Locarno nicht erfüllt". Aber bis Februar fremde Truppen in Köln."„ Locarno- Dämmerung bei den Mittelparteien." Und das ist alles." So hämmert die nationale Reichshauptstadtpresse mit fetten Schlagzeilen das ,, Nein" der Deutschnationalen in die Hirne der Leser. Locarno muß unter allen Umständen entwertet werden. Je toller die Rechte Entwertungsschmindel treibt, um so toller schlägt sie sich selber ins Gesicht. Man mag die Rückwirkungen hoa) oder gering anschlagen, die die Bo schofterfonferenz am Sonnabend und Montag beschloß. Hätten fie eine Spur von Selbstachtung, so dürften gerade die Deutsch nationalen nicht Locarno entwerten. Denn für das Maß der Rüdwirkungen sind die Deutschnationalen perant wortlich. Sie mögen aus ihrer nationalistischen Ideologie heraus mehr vom Reichsfabinett gefordert, mehr von Locarno perlangt haben. Sie hatten sich mit dem abgefunden, was der Kanzler, was der Außenminister ihres Kabinettes in Locarno paraphierten. Sie haben die Pattpolitik vom Februar dieses Jahres an getragen. Sie find schuldig. fie allein. an dem, was sie jekt als uncenügend ablehnen. Se Schärfer fie es verwerfen, um so mehr spotten sie ihrer selbst. wir haben gestern festgestellt, was die Rückwirtungen wert sind. Sie sind nur ein Anfang. Ein Kilometerstein auf dem Wege zum befriedeten Europa. Noch ist Deutschland von fremden Truppen nicht frei. Noch ist es nicht Mitglied im Rat der Völker. Noch besteht ein ungeheuerlicher Rüstungsabstand zwischen Deutschland und seinen Nachbarstaaten. Das find die Auswirkungen von Locarno; im fie gilt es zu Pämpfen. Der Vertrag von Locarno gewährt Deutschland den Eintritt auf den Kampfplatz. Er gibt ihm die Waffen des Rechts in die Hand, mit den Maffen des Geiftes für die internationale Böltergemeinschaft, für eine freie und gleich berechtigte deutsche Demokratie zu kämpfen. Die tschechischen Wahlen. Deutschland hebt die neuen Waffen vom Boden auf, um in seinen Rücken. Sie schieden aus dem Kabinett aus und sich zu rüsten. Einen Dolchstoß führen die Deutschnationalen schwächten die Verhandlungsfähigkeit der Regierung. Sie erschütterten das Vertrauen in das Wort, das die deutschen Delegierten in Locarno abgaben. Sie erschütterten die Frieednsfront von Locarno. Sie sind schuldig des Mordversuchs gegen den Frieden. Der Vertrag von Locarno ist noch nicht unterzeichnet. Noch liegt er den Barlamenten nicht vor. Noch ist er nicht ratifiziert. Noch ist er nicht rechtskräftig. Aber schon hat er tiefgehende Rückwirkungen. Schon ist der Abzug von Rehntausenden von Soldaten befohlen. Schon erhalten Tausende von deutschen Familien ihre Heimstätte, Tausende ihre Freiheit wieder. Schon ist die Räumung Kölns gesichert. Schon fallen die Besatzungsschifanen. Schon erfüllt sich, was heute vor einem Monat dem Heidelberger Parteitag noch ein fernes, erstrebenswertes Ziel erschien. Schon beginnt in Europa die Front der Allierten zu zerfallen. Deutschland kehrt wieder zurück in die Gemeinschaft der Völker. Der Weg öffnet sich, um um die Abkürzung und Aufhebung der Befatung zu kämpfen. Und schon scheiden sich die Geifter. " Der Befreiungsfriede, das ist unser Kampfziel. 3ur Revision durch Erfüllung" hat Wirth vor Jahren formuliert. Ueberwindung ron Versailles, nicht durch das Schwert, sondern durch den Geift. So hat die Sozialdemofratie gefochten. So ist sie sich selbst treu geblieben. Den Schutt von der Brandstätte Europas hinwegzuräumen, das war die mühsame und harte Arbeit dieser Nachkriegsjahre. Der Schutt ist hinweg geräumt. Der Boden ist freigemacht. Jetzt follen die Fundamente des neuen Hauses gelegt werden. Die Grundmauern für die Bereinigten Staaten von Europa au legen, bas i bie aufgabe rationale der zu ist der kommenden die Aufgabe der kommenden Etunde. Es gilt, das neue Bölter zu errichten. Es sollten alle an diesem Werk mit schaffen. Aber noch muß in hartem Kampf das Werk verteidigt werden, verteidigt gegen den blindwütigen nationalfommunistischen Haufen. Noch ist der wahre Friede nicht gesichert. Der Geist von Locarno herrscht noch nicht. Er beginnt zu herrschen. Er herrscht erst, wenn die alliierten Besatzungen gänzlich abgezogen sind. Er ist erst dann völlig überwunden, wenn Deutschland im Rat der Völker mitwirft. Aber der Geist des Friedens ist auf dem Marsche. Wer wagt es, sich ihm zu widersetzen? Die polnische Krise. Eindrücke aus Amerika. Bon Paul Löbe. Daß Amerita Europa aus seiner Rolle als ökonomischer und technischer Pionier der Welt unaufhaltsam verdrängt, und daß einer fapitalistischen Hochkultur von riesenbestimmenden Eindrücke, von denen der Sozialiſt nicht loshaften Ausmaßen feine irgendwie wirksame politische Arbeiterbewegung gegenübersteht das sind die beiden ersten kommt, der einen flüchtigen Blick in die große fremde Welt wirft. in -Ueberall treten ihm die Zeugen eines unerschöpflich scheinenden Rohstoffreichtums entgegen. Hier reißt ungezügelte Baulust in fünf bis sechs Tagen einen würden, um in ebenso vielen Monaten Eisengerüste und Häuferkomplex nieder, den wir noch ein Jahrhundert pflegen Betondeden 30, 40 Stodwerke dem Himmel entgegen zu türmen. Dort schlägt er aus elastischem Stahlgestänge eine Riesenbrücke haushoch und filometerweit über seine Ströme und legt sechs, acht Doppelgleise von Eisenbahnschienen nabeneinander, um die Verkehrszentren zu verbinden. Hier schüttet Chicago die Seenftreden vor seinem Angesicht zu, holt förmlich mit starken Armen den Grund des Michigan herauf an die Sonne, er baut meilenweite Straßen hinein, baut Barts, Museen, Stationen, Wohnviertel ins neugewonnene Land, Wohnviertel, deren Baupläne schon entworfen, deren Bauplätze schon verkauft sind auf Strecken hinaus, die erst drei ununterbrochener Achtstundenschicht Tag und Jahre später aus dem See herportauchen merden. Dort frein Nacht die Ford- ser fe' thre zutomobue wie seujajcaens schwärme übers Land, alle vier Minuten einen Wagen, zwei millionen vom Juni 1924 bis zum Mai 1925. Auf einer Aussichtsbahn kann der Laie die Montage dieser Autos betrachten bis zu dem Augenblic, wo sich der Chauffeur auf seinen Sik vom Auflegen des ersten Achsengestänges auf die Laufkrane Schwingt und mit dem Wagen losfährt, das Ganze in 30 Minuten! Hier wieder versorgt ein Versandhaus neun Gebrauchsartikeln von der Nadel und Feile bis zum DamenMillionen auf einzelnen Farmen wohnende Kunden mit allen hut und Klavier. Güterzüge mit 65 Wagen im täglichen Durchschnitt und 900 Automobile rollen täglich mit 76 000 Kisten und Bafeten aus dem Parterre dieses Etablissements hinaus nach Ohio, nach Lusiana, nach Teras, denn 120 Postdiesen Fabrikbetrieb, damit sie an Ort und Stelle einen Tell beamte entfendet die staatliche Postverwaltung in der Sortierung besorgen. Jede Bestellung, noch so groß, noch so verschieden, muß 24 Stunden nach ihrem Eingang erledigt so verschieden, muß 24 Stunden nach ihrem Eingang erledigt sein, 24 Stunden, nachdem eine Maschine, die in der Minute prozeß eröffnet. Und neben der Farm draußen im Lande, neben den wie gläsern geteerten Straßen, liegt ins Feld gestülpt das abgenutzte Auto, dessen einzelne Teile zu retten der Mühe so wenig lohnt, wie das Wiederabliefern der MilchBrooklyn's Haushaltung abgibt. Warihan, 17. November.( WTB.) Der Präsident der Repu. flaschen, die der Ausfahrer der Molkerei Tag um Tag in blit hat den Grafen Strzynski mit der Neubildung der RegieDie Niederlage der tschechischen Koalitionsparteien. Prag. 17. November.( WTB.) Die bei den Wahlen für das Ab.rung betraut. geordnetenhaus auf dem Gebiete der Republik abgegebenen Stimmen verteilen sich auf die einzelnen kandidierenden Parteien folgendermaßen: Stimmen 1. Republikanische Agrar- und Kleine Landwirte- Partei 971 389 2. Rommunistische Bartei 3. Tschechoslowakische Bolkspartei 4. Tschechoslowakische Sozialdemokraten 5. Tschechoslowakische Sozialisten. 6. Bund der Landwirte und der Ungarisch- Nationalen 7. Slowakische Volkspartei( Hlinka) 8. Deutsche Sozialdemokratische Arbeiterpartei 9. Deutsche christlich- foziale Volkspartei. 10. Gemerbepartei 11. Nationaldemokraten 12. Deutsche Nationalpartei 13. Deutsche Nationalsozialistische Arbeiterpartei.. . • 931 769 689 970 631 113 609 096 566 911 474 017 411 774 • 313 906 287 889 284 233 • 240 893 167 312 Prag, 17. November.( Bom Vertreter des BTB.) Angesichts der im Wahlausfall zum Ausdrud kommenden Nieder lage der bisherigen tschechischen Roalitionspoli tit ist die Stimmung der Koalitionspresse äußerst gedrückt. Eine Vereinigung der tschechischen Klerikalen mit den slowakischen flerifalen Autonomisten würde die Katholiten zur stärksten Partei der Tschechoslowakei machen, wobei noch die katholischen Stimmen ber übrigen Nationalitäten nicht mit eingerechnet sind. Damit erfährt insbesondere die bisherige Batitanpolitit Beneichs eine elementare Ablehnung. Die nationaldemokratische Bresse sieht im Wahlausfall eine Gefährdung der Konjol dierung des Staates. Die Aufforderung der Kommunisten als verstärkter Arbeiterpartei zur Bildung einer sozialistischen Einheitsfront findet bisher bei den übrigen sozialistischen Parteien tein Echo. Die tommende tschechische Roa li tion, welche aus den tschechischen Agrariern, den tsche chischen Nationalsozialisten, den tschechischen So. zialdemokraten den tschechischen Nationaldemokra ten, den tschechischen Kleritalen und den tschechischen Ge. werblern bestehen soll, wird höchstens über eine Mehrheit von 6 Stimmen verfügen. Sie wird deshalb gezwungen sein, ihre Tattit entweder gegenüber den slowakischtleritalen Autonomisten eder gegenüber der deutschen Opposition zu mäßigen. mit der Bildung des Rabinetts beauftragte Graf Alexander Warschau, 17. November.( WTB.) Aus Erklärungen, die der Strzynski Preffevertretern gegenüber abgab, geht hervor, daß er die Absicht hat, eine auf eine breite Roalition geftügte Regie. rung von Parlamentariern zu bilden und bei vollem Gelingen seiner Miffion sogar unter Umständen auf den Vorsiz im Rabinett zu verzichten. Er betrachte die Regierungsbildung, wie er sich ausdrückte, als diplomatische Mission nach innen. Er hoffe, noch im Laufe des heutigen Nachmittags bzw. Abends flar zu sehen, ob sich eine Regierung in der von ihm gedachten Form verwirklichen laffen werde oder nicht. Locarno im Unterhaus. Englische Parlamentssession. London, 17. November.( Eigener Drahtbericht.) Das englische Barlament ist am Montag zu einer furzen Tagung zufammenge. treten. Die Arbeiterpartei unternahm gleich in der ersten Sigung des Unterhauses durch Ramsay Macdonald einen Vorstoß gegen die Regierung. Sie forderte noch vor Weihnachten Aussprachen über verschiedene innen- und außenpolitische Probleme, wie die Arbeitslofigteit, die Wohnungsnot, die Mossulfrage usw. Baldwin forderte jedoch ausschließlich Beratung der Gesetzentwürfe der Regierung und stellte die Vertrauensfrage. Mit 278 gegen 121 Stimmen wurde der Regierung das verlangte Vertrauen ausgesprochen. Im Oberhaus hatte die Regierung anfünden lassen, daß am Mittwoch nächster Boche eine große Aussprache über die Berträge von Locarno stattfinden soll. Die Nürnberger Polizei verbot ein von der Sozialdemo. fratischen Bartel veröffentlichtes Versammlungsplakat, das den Titel trug:" Der beabsichtigte Hoverrat der Köniosmacher". dem gleichen Schicksal verfielen die Worte Republitaner, seid wachsam!" Dagegen werden die Heßplakate der National sozialisten in jedem Umfang und jeder Aufmachung von der Nürnberger Polizeidirektion geduldet. Der neue Gouverneur des Memellandes dürfte Dr. Bilius werden, der litanider Koniul im preußischen Memel gewefen ist. Die litauische Regierung verfchleppt in memelstatutwidriger Weise die Einberufung des neugewählten Landtage. Sie erklärt aber alle Meldungen, daß fie ibn auflöien wolle, für falich. Jbre Methode gebt vielmehr dahin, daß die Memeler ihren Landtag und ho feinen Landtag haben. Wenn sich der Böllerbund das gefallen j Amerita als ganzes genommen scheint mit seinen Rohstoffen zu wüsten. Noch sieht es so aus, als seien Aber wir fahren meilenweit durch Strecken, die noch keine Hand sie unerschöpflich. Das Land ist vergeben, heißt es seit Jahren. berührt zu haben scheint, die jedenfalls jetzt unbebaut liegen. Gar nicht zu reden von den Sümpfen New Jerseys, Birginias, von dem steinigen Boden Ontarios. Und doch sind wir noch hier im Osten. Drüben im Westen, wo das Land fruchtbarer, das Klima günstiger, der Boden noch reicher ist, dort wächst Das neue Amerifa empor so sagen uns die Männer im nahen Westen, in Chicago, die auch etwas geringschäßig auf die europäisch beeinflußte Ostküste, auf New York, Boston, Baltis more bliden. An der Naturnotwendigteit, an der Zwangsläufigkeit, an der Bernünftigkeit dieser Entwicklung scheint niemand einen Zweifel zu hegen. Technit, Organisation, Höchstleistung, Massenerfolg regieren alles. In hochtapitalistischer Gliede rung, an der auch Fords Gewinnbeteiligung, auch Swifts Altersversorgung nichts ändern. Gewiß lebt der arbeitende Broletarier in Amerita beffer als in Europa, auch wo nicht 65 Proz. der Arbeiter und Angestellten ein eigenes Auto befizen, wie bei Ford, auch wo nicht 40 Broz. der Proletarier im eigenen Häuschen wohnen, wie in Philadelphia( in Hamilton sollen es 65 Proz. sein), tann sich die große Masse viel besser nähren und fleiden als bei uns. Ohne Frucht und Fleisch beginnt kaum ein Bes schäftigter fein Tagewert. Aber darüber hinaus? Wenn er neben dem Notwendigen, das reichlich ist, Grammophon, Radio und Rinobesuch hat, sind seine Ansprüche fürs Leben gedeckt. Alles übrige gehört dem Manager, dem Unternehmer, dem Truſtherren, dem Bantmagnaten. Unten im Erdgeschoß führt der unheimlich stämmige Schlächter in jeder Minute zwei bis dreimal den tödlichen Stich gegen das Schwein und wird von seinem Blute überströmt zehn Millionen solcher Tiere wurden 1924 in Chicago angetrieben, oben im 15. Stoc thront der Betriebsmonarch, ein Gentleman mit vornehmen Umgangsformen und wohlgepflegten Händen und schöpft seine Millionen aus dem graufigen Tagwert derer da unten, um die sich ein Personal von 50 000 Röpfen fammelt. Und das Ganze ist mit jener merkwürdigen Frömmig feit übergossen, die auf jeden Nachttisch der 2200 Fremdenzimmer im Welthotel eine Bibel legt, die jede Barlamentsfihung mit einem Gebet eröffnet, für die es aber wie ein Symbol wirft, menn vier Geschäftshäuser von 200 Meter Höhe mlttefbln auf das eingeschlossene Klrchiürmleln von 70 Meter herabblicken, dos einst vor Jahrzehnten die Häuser ringsum weit überschaute. Weit schwächer aber wie die Behauptung der übrigens sehr rührigen Kirchengemeinden in diesem Getriebe des Mammons ist das Gegengewicht, das die Arbeiter- bewegung der Allmacht des Kapitals gibt, wobei ich nur von der politischen sprechen will und das Urteil über die ge» werkschaftliche den deutschen Verbandsgenossen überlasse, die gleichzeitig mit uns die Vereinigten Staaten besuchten. Krieg und Kommunistenzwist haben hier die An- sänge der politischen Arbeiterbewegung wieder zerschlagen. Ein Beispiel: Einst besaßen die Sozialisten sieben von den zweiundvierzig Gemeinderatssißen der Millionenstadt New Dork. Seit dem Bruderkrieg ist kein einziger mehr erhalten und auch die Kommunisten haben keinen einngen gewinnen können! So ähnlich ist das Bild überall. Die Versammlungen, die wir in New Bork, Chicago, Philadelphia abhielten, waren nach unseren Begriffen schwach besucht. Ein deutsches sozialistisches Tageblatt weist nur Milwaukee auf, daneben führen ein paar Wochenblätter ihren mühsamen Kampf gegen die Riesenzeitungen, deren Umfang an Sonntagen so an- schwillt, das ein Zeitungshändler schwerlich mehr als zehn Exemplare zu tragen vermag. Die Wahlversammlungen unserer amerikanischen Genossen, an denen wir teilnahmen, und eine Festveranstaltung für den nun fast 7vjährigen So- zialisten Eugen Debs, dem feine Kiegsgegnerschaft ein Urteil von zehn Iahren Zuchthaus eintrug, von welchen er drei Jahre abgebüßt hatte, beweisen uns, daß der Stand dieser Bewegung nicht erheblich besser ist. als der der deutschen „Branche'. Wober diese Schwäche. Der rührige Teil der deutschen und englischen Arbeiterschaft scheint seine Hoffnung noch dar- auf zu setzen, sein Lebensziel im individuellen Streben zu erreichen und bat deshalb kein Interesse an dem Kampf als Klasse. Das Schicksal einer Anzahl von einzelnen, denen der Sprung hoch hinauf gelang— es bedarf dazu nicht vornehmer Geburt, keiner Ahnen, keiner Protektion, keiner Examen, keines ererbten Gi,»es— der Erkolg dieser einzelnen berauscht die große Masse. Berauscht den Bau- Handwerker, der oben im luftigen Eisengebälk des 30. Stock- wertes di« nlübsn�-n Nie�n>m Otin-'r mniängt und hpfp�icit und dafür feine 70 bis 8V Dollar Wochenlohn in Empfang nimmt. Auf der anderen Seite aber strömen immer neue Scharen noch nicht organisationsfähiger Schichten in die Industricarbeiterschaft hinein. Zuletzt, seit dem Krieg, der Neger, den wir nicht nur im Schlachthause von Swift, sondern auch am Kranen und an der Drehbank bei Ford sehen konnten. Vorher der Chinese, der Grieche und andere Balkanwölker, der Italiener, die Ostjuden, wobei die letzteren noch am meisten den Wert der Gewerkschaft und der eigenen Presse erkannt zu , haben scheinen. Aber schon tagte zur Zeit, als wir Chicago verließen, der erste Negerkongreß mit gewerkschaftlicher > und politischer Tagesordnung. Die Mission Europas geht an Amerika über, verschiebt sich immer weiter nach dem Westen. Die sozialen Kräfte, die noch schlummern, werden sich vielleicht eines Tages so eruptiv entwickeln, wie heute seine Wirtschaftskraft. In vier Tagen reißen sie ein Haus ein, in vier Monaten steht das neue an seinenr Platze. Vielleicht ein Symbol! so dachten wir, als in der Ferne das herrliche Stadtbild von New Pork ent- schwand, einen Eindruck, nur kein Urteil. Für ein U r t e i l war der Blick zu kurz, den wir in fünf Wochen auf das Wunderland der Technik geworfen. Zn Freiheit gesetzt. Der verantwortliche Redakteur des demo- kratischcn„Beobachter" in Alzey, Pfund, der wegen Abdruck eines Artikels über die Abrüstung von einem französischen Kriegsgericht im besetzten Gebiet zu zwei Monaten Gefängnis verurteilt wurde, ist nach Berbüßung von drei Wochen Haft auf seine Eingabe hin en t l o s s e n worden. Oo die Strafe i» der Bcrufungsinstanz be- stätigt oder nur aufgeschoben wurde, ist nicht bekannt. Der Lehrer. Von K n u l p. Letzthin mußte ich an ihn denken. An den einen..- Junge Arbeiter saßen in einer Schulklasse beisammen. Das Gaslicht brannte gelb und warm im Raum. Die Wände waren grau, die Decke kalkweiß, Bänke und Tische schwarz, und es roch nach dem geölten Holzboden. Rechts in einer Eck« standen— wie Orgelpfeifen— die Heizungsröhren, und links oben an der Decke war eine gemalte Windrose zu sehen. Auf dem Pult, am Tisch, saß der Lehrer. Einen goldenen Zwicker auf der Rase. Er rief einen jungen Arbeiter an. Der erhob sich fast erschreckt und gestand, daß er den kleinen Vortrag, den er über ein gewisses Thema halten sollte, nicht ausgearbeitet hätte. Er könne also nichts sogen. Blaß und müde stand der junge Mensch in der Stille, die ihn pein- lich umgab. „Run— schon gut— ich verstehe— setzen Sie sich!"— Ernst und ruhig. Daneben ein bißchen lächelnd. Verstehend— oergebend. Der.junge Mensch setzte sich, war erlöst und versöhnt und beugte sich über sein Bucy. Und da mußte ich an meine Schulzeit denken. An die eine Klasse. An den einen Lehrer. „Bluthund," nannten ihn die Schüler. Er schlug unbarmherzig. In der einen Stunde ging es. Do erzählte er mit kalter Freundlichkeit. Aber— die nächste Stunde! Da mußten wir das Erzählte wiedergeben—„gelernt" haben. Und wehe dem, der es nicht konnte. Wer nichts„gelernt" hatte, sollte sich zum Beginn der Stunde melden. Freiwillig. Dann bekam er nur„drei" über den Hosenboden gezogen.„Drei"— drei sausende, pfeifende, klatschende Hiebe, die rote Streifen und wühlende Schmerzen zurück- ließen. Mit zusammengebissenen Zähnen ertrug man sie. Oder auch nicht. Wenn nicht— dann brach ein berstendes Heulen aus dem jungen, geschlagenen Körper heraus. Unstillbar... Und wege denen, die sich nicht„freiwillig" gemeldet hatten: die da dachten, hindurch zu schlüpsen. Manchem gelang es. Die meisten wurden ertappt, standen auf mit angstgeweiteten Augen, traten zitternd vor— zum Pult hin. Da stand er, der„Bluthund" die Hände reibend, die Manschetten abstreifend.... Den goldenen Zwicker setzte er von der Nase und griff zum Stock. „Bück' dich:" Es pfiff, sauste, klatschte... Dreimal. Viermal. Fünfmal. Die Geschlagenen bäumten sich, stürzten in ihr Weinen wie in einen Abgrund..., Ich wurde einmal ohnmächtig. Eine unheimliche Stille lastete im Raum. Nur das krampfhafte Aufschluchzen der Gepeinigten war zu hören.... In sich geduckt, in sich verkrochen saßen alle da. Angst in der Brust. Angst—— und--— Wut! die N6umungsnote. Tie Fristen der Räumung. Nach Abschluß des gestrigen Kabinettsrates ist die nach- stehende Note der Botschafterkonferenz über die Räumung der Rheinlandzone und über die Ent- waffnungsfrage eingetroffen: Paris, IS. November 1323 Herr Volfchaster! Die Botschasterkonferenz hat von den letzten Vorschlägen Kennt- nis genommen, welche die deutsche Regierung ihr hinsichtlich der in Liste 4 der deutschen Note vom 23. o. M. aufgezählten Fragen gemacht hat: sie hat gleichfalls Kenntnis genommen von dem Er- gebnis der Besprechungen, die hierüber zwischen den alliierten Sach» oerständigen und den Vertretern der deutschen Regierung stattge- funden haben. Sie hat so mit Befriedigung feststellen können, daß diese Besprechungen es ermöglicht haben, zu einer B e r e i n b o- rung über die noch offenen Punkte zu gelangen. Es bleibt lediglich übrig, die Durchführung de? hinsichtlich der List« 1 bis 3 der deutschen Note vom 23. v. llll.*) übernommenen Verpslichtun- gen sowie die Durchführung der Verpflichtungen au» der obengenann- ten Vereinbarung hinsichlich der Liste 4 zu bestätigen. Unter diesen Umständen und ohne abzuwarten, daß diese Durchführung ganz be- endet ist, haben die in der Botschasterkonferenz vertretenen alliier- ten Regierungen in Anwendung des Artikels 423 Ziffer 1 des Der- trags von Versailles beschlosien, entsprechend ihrer Note vom 4. Juni dieses Jahres zur Räumung der ersten rheinischen vesahungszone, der sog. Kölner Zone, zu schreiten. Die zur Räumung erforderlichen Maßnahmen werden mit möglichster Schnelligkeit durchgeführt werden, um die Räumung im Laufe des Monats Januar beenden zu können. Sollte infolg« von zu ernsten technischen Schwierigkeiten dl« Räumung trotzdem nicht bis zum 31. Januar vollständig durchgeführt werden können, lo werden alle Maßnahmen getroffen werden, damit zu diesem Zeitpunkt der größte Teil der Truppen und Dienststellen die Kölner Zone verlassen hat und die Zahl der dann noch zurückzuziehenden Einhegen lo beschränkt wie möglich Ist: für diesen Fall ist der 20. Februar als der Zeitpunkt vorgesehen, an dem die Räumung beendet sein wird. Indem sie so den Beginn der Räumung mit der Unterzeichnung der Verträge von Locarno zusammenfallen läßt. bekundet die Botschasterkonferenz das Vertrauen der in ihr vcr- tretenen Regierungen, daß diese Unterzeichnung eine neue Periode in ihren Beziehungen zu Deutschland einleiten wird. Sie hat die feste Hoffnung, daß die deutsche Regie- rung ihr Möglichstes zur Verwirklichung des jetzt oereinbarten Pro- gramms tun wird. In dieser Beziehung wird die deutsch« Regie- rung die vollste Unterstützung der Kontrollkommission finden, der es obliegt, die Durchführung des jetzt vereinbarten Programms wie auch die Regelung derjenigen in den Listen 1 bis 3 ausgezählten Fragen, zu deren Nachprüfung sie noch nicht in der Lage war, zu verfolgen und zu bestätigen. Die Kommission, deren Starke schon jetzt erheblich vermindert werden kann, wird vollständig zurückgezogen werden, sobald sie die von ihr somit noch zu erfüllende Aufgabe hat in die Wege leiten können. Genehmigen Sie, Herr Botschafter, die Versicherung meiner ausgezeichnetsten Hochachtung. gez. A. Briand. *) Unter Vorbehalt der Punkte 20 und 21 der Liste Z. Zu der Anmerkung unter der vorstehenden Note, die sich auf die Punkte 20 und 21 der Liste 3 bezieht, ist zu bemerken. daß es sich hierbei um den Gesetzentwurf über die Ein- und Ausfuhr von Kriegsgerät und um den Gesetzentwurf über den Waffenbesitz handelt. Ueber diese beiden Punkte sind seit längerer Zeit mit der Botschafterkonferenz Erörterungen auf Grund deutscher Vorschläge im Gange, die auf dem Ergebnis der Genfer Waffenhandelskonferenz beruhen. „Bluthund" sagte einer einmal leise. Der Lehrer hatte e» nicht gehört. Aber wir. „Bluthund" sagten wir alle, Als„Bluthund" ging der Lehrer durch die Schule. Einmal stand es mit großen Buchstaben an der Tafel. Weiß wie die Schrift wurde der. dem es galt. Durch eine strenge Unter- suchung wollte man den Täter finden. Man fand ihn aber nicht.— Als„Bluthund" geht dieser eine Lehrer noch heut« durch meine Erinnerung. Nicht alle waren so wie er. Aber er war einer von denen, die uns die Schulzeit zur Hölle gemacht haben. Er hatte uns wund geschlagen. Den Körper— die junge Seele— das zaghafte Herz. Niemand hat uns geholfen! Die Wunden brennen noch! Ich weiß nicht, ob der„Bluthund" noch lebt. Beim Ausbruch des Krieges wurde er sofort eingezogen. Und was haben ihn die Schüler gewünscht— wo» haben wir ihn zum„Abschied" gewünscht? Daß— er— fallen— möge! Ich weiß nicht, ob sich der Fluch der Jungen erfüllt hat. Aber ich weiß dieses: ein System muß fallen! Ein System, in dem die Schreie der Gequälten ungehört oerhallen.... der Altmeister üer hungerküvstler. Die letzten von verschiedenen Hungerkünstlern aufgestellten neuen Rekorde frischen die Erinnerung an jenen Armand Succi auf, der als überhaupt erster Hungerkünstler in den 80er Jahren des vorigen Jahrhunderts in den Kreisen des Publikums und der Aerzte ungeheures Aufsehen erregt und das artistische Spezialfach der be- rufsmäßigen Hungerleider sozusagen entdeckt und zur Anerkennung gebracht hat. Eine Mitarbeiterin des„Ouotidien" hat den alten Herrn, den man längst tot wähnte, nach mühseligem Suchen in einem Laubengelände eines Pariser Vorort» entdeckt und dort inter- viewt. Sie iond Succi, der hier friedlich seinen Kohl baute, in einer armseligen Laube, die er sich mit eigenen Händen errichtet hat. Succi zeigte sich dankbar, daß man sich seiner noch erinnerte und begann sofort, sich lebhaft über die Konkurrenz zu beklagen. „Man macht mir heute unlauteren Wettbewerb," sagte er,„es sieht so aus, als wenn heute jedermann von dem Ehrgeiz geplagt werde, sich als 5)ungerkünstler hervorzutun. Man will mir meinen Ruhm stehlen. Ich bin der erste, der sich als Hungerkünstler einen Namen gemacht und olle Rekorde nach dieser Richtung gebrochen hat, und ich bin, wenn man will, jederzeit bereit, wieder zu beginnen. Das wissen meine Konkurrenten auch sehr gut. Glauben Sie aber, daß einer von ihnen je gewagt hat, sich mir zu stellen? Nein, man will mich absichtlich unterdrücken und hat deshalb auch das Gerücht verbreitet, daß ich tot bin. Aber noch lebt der echte Succi, und darüber werden Sie meine Papiere am besten insor- mieren. Wir Künstler— ja, ich sage Künstler, denn jeder, der sich dem Publikum in der Oesfentlichkeit vorstellt, ist doch ein solcher—, also wir Künstler geben leider das Geld ebenso leicht au«, wie wir es verdienen. Als ich im Jahre 1636 in der Pariser Olympia als Mon olet Tie badischen Justizbehörden und der Fall Hau. Die badischen Justizbehörden verrennen sich im Fall Hau immer mehr. Sie wollen Hau für seine Veröffentlichungen mit sieben Monaten Zuchthaus sozusagen auf administrativem Wege bestrafen, gleichzeitig aber ziehen sie Gelder aus dem Ertrag seiner Veröffentlichungen ein. Die badische Iusti-kasse hat aus dem Ertrag des Hauschen Zuchthausbuches 282 Mark und 62 Pfennig für Strafvollzugskosten pfänden lassen. Entweder sind die Veröffentlichungen Haus strafwürdig — dann handelt die Iustizkafse so, als ob sie aus dem Ertrag eines Einbruchs Strafvollzugskosten für den Einbrecher pfänden ließe: oder die Pfändung beweist, daß die Iustizkafse den Erwerb Haus als redlichen Erwerb ansieht— dann wird der Haftbefehl gegen Hau noch unverständlicher. Sollen rachsüchtige Bureautraten mit solchen Streichen weiter Ansehen und Würde der Justiz diskreditieren? Es wird Zeit, daß die badischen Justizbehörden den Rückzug antreten. 5anöarbeiterelenö. Die Unterbringung Obdachloser. Unter dem Titel„Die polizeiliche Unterbringung Obdachloser" ging kürzlich«in Runderlaß des Preußischen Innen- und Wohlsahrtsministertum» durch die Presse, dessen wort- getreue Anwendung aus dem Lande zu furchtbaren Härten für die sogenannten Obdachlosen führt. In den Landorten sind nur sehr wenige Mietwohnungen vor- handen, deren Ersasiung und Zuweisung an Mieter, zu welchen ja auch obdachlos werdende frühere Inhaber von Werkwohnungen zu rechnen sind, aus Grund der gesetzlichen Bestimmungen zur Behebung des Wohnungsmangels nur sehr schwer möglich ist, ganz abgesehen da- von, daß in den meisten Kreisen die Wohnungsämter schon mit Rück- sicht auf den übergroßen Einfluß der Großgrundbe- s i tz e r aus die Kreisverwaltung die Beschlagnahme leerstehender Wohnungen Unterlasten. Diese Tatsache bringt die aus dem Arbeits- Verhältnis entlassenen und vom Geruht zur Räumung der Werkwoh- nung verurteilten Landarbeiter in größte Not. Sie sollen sich noch dem Wortlaut der Verfügung selbst eine Wohnung suchen. Das ist in den meisten Fällen nicht möglich, weil innerhalb des Arbeitsoertrogsjahres eine andere Dienststelle mit Wohnung nicht zu erlangen ist und möbliert« Zimmer, Asyle, Arbeitshäuser und Herbergen auf dem Lande nicht zur Verfügung stehen. Mithin ist nach dem Wortlaut de» Runderlasses auf leerstehende Baracken oder sonstige Räume, auch„wenn sie sonst zum dauernden Aufenthalt für Menschen nicht bestimmt sind, zurückzugreifen", das heißt also, obdachlose Exmittierte können in Ställen, Scheunen usw. vor- läufig uMergebracht werden oder, wie es weiter heißt, etwa in den-. Dachgeschoß der geräumten Wohnung. Der Runderlaß ist infolge gleichartiger Oberverwaltung?- gerlchtsentscheldungen, denen sich auch das Ministerium zu fügen hat, ergangen. Wenn die Oberoerwaltungsgerichte solche weltfremden Entscheidungen auf Grund der bestehenden Gesetze fällen, wird es Aufgabe der gesetzgebenden Körpcrschaf- ten sein müssen, Aar« Bestimmungen zu erlassen, welche die sich in der Praxis ergebenden Härten gegenüber Obdachlosen verhindern. Bis das geschehen ist, muß vom Wohlfahrtsminister oerlangt werden. sofort eine Anordnung an die Wohnungsämter zu erlassen, die ver- fügt, daß alle Werkwohnungen auf dem Lande, die eine längere Zelt freistehen, unbedingt beschlagnahmt werden, um im Bedarfsfalle für obdachlos werdende Arbeiter auf dem Lande hinreichende Wohnräume zur Verfügung zu haben. Daß auf diese Weise wenigstens eine geringe Abhilfe geschaffen werden kann, geht schon daraus hervor, daß in nur fünf Kreisen der Provinz Ostpreußen 7S Werkwohnungen, zum Teil schon seit Jahren, leer- stehen. Hungerkünstler austrat, hatte ich damit ein kleine« Vermögen ge- wannen, jo an die 80 000 Frank. Aber wie gewonnen, jo zerronnen. Die Boheme und. na, Ei« können es sich ja denken!" Auf die Frage seiner Besucherin, ob ihm das freiwillige Fasten schwer gefallen sei, aMwortete Succi:„Durchaus nicht! Man merkt überhaupt nichts. Alles, was die„anderen" darüber orakeln, ist Unsinn und Renommisterei. Natürlich kommt es einen die ersten Tage schwer an, aber man gewöhnt sich rasch daran, und schließlich wird es direkt«in Vergnügen. Schrecklich ist nur der Zustand nach- her. Man kann sich nicht mehr recht ans E sen gewöhnen. Man ist eben aus der Usbung gekommen. Ich kann auch heute noch nicht mehr als eine Mahlzeit einnehmen und auch diese nur widerwillig. An den Feiertagen wird die Sache besonders unangenehm. Man muß an solchen doch des Anftands wegen und um bei den anderen nicht Anstoß zu erregen, etwas bester essen. Aber es kommt mir immer teuer zu stehen. Nach Feiertagen bin ich stets krank und bedars einer gewissen Zeit, um mich von der Völlerei zu erholen." Zm Ivunderland de» ewigen Eise». Im Uraniatheater laust augenblicklich ein Film„Im Wunderland des ewigen Eises", der als Gegenstück zum Scotifilm„Das große, weiße Schweigen" bezeichnet werden kann. Di« Aufnahmen machte Kapitän Kleinschmidt bei einer Jagbrcise in die Gebiet« des nördlichen Eismeeres um Alaska. in der Nähe der Beringstrahe. Sind in den südlichen Polargegenden hauptsächlich weit ausgedehnte Eisflächen und Kuppengebirge, so ist hier, im nördlichen Amerika, die Notur von einer grotesken zerrissen- heit, die Gletscher sind größer, ihr« Bildungen gigantischer, das Felsengebirge erreicht hier nickt mehr die Höhe wie in den Per- einigten Staaten oder wie in Südamerika, aber die Berge sind zcr- tlüsteter. Und doch ist dem Europäer diese Landschaft vertrauter als die trostlose Monotonie der weiten Eiswüsten in den Regionen um den Südpol. Neben diesen zum Teil ausgezeichneten Naturaufnahmen zeigt der Film interessante Bilder von Walfischjagden. Sehr ein- gehend wird eine Jagd mit der Harpune geschildert und die Zer- legung eines 3000 Zentner schweren Tieres. Daneben sieht man Jagden der Eingeborenen mit dem Gabelspieß auf Fische, ein ähn- licher Lorgong, wie ihn der Nanukfilm vor einiger Zeit brachte. Im Grunde zeigen die Bewohner von Alaska dieselben Lebensgcwohn- heilen wie die Eskimos. Daran schließen sich Aufnahmen aus der Vogelwelt. Puffinis, zur Gattung der Pinguine gehörend, sitzen in langen Reihen auf den Eisbergen und machen dieselben komischen Figuren wie ihre Vettern aus dem südlichen Polarmeer und scheuen sich nicht vor den Menschen. Sicherlich ist der Film„Im Wunder- land des ewigen Eises" ein interessanter Kullursilm, der den Ver- gleich mit dem Nanukfilm aushalten kann. ,et. vte Ankerfev-Ausflklluiia in der Preußischen StaatSbibliotbek iit am Bußtag gesch lassen. Schluß der Ausstellung am 23. November ISIS. 3,n gtofzen Schauipielbause gelangen am Pub- und?etlagc die beiden lvilme„Die Leuchte Asien»- und„Indische Spiele' um 7 Uhr und um S Uhr abend» zur«ufiübrung. „yeterchen» TRcndsahrt" gelangt am Mittwoch fBusitag», den 18.. und Sonnlaa. 22. d. M., nachmittag» V,4 Uhr, im Theater de» Westen» zur Aujsübrung. ver cichtbildervortrag über CovU dorinfh, gehalten von Prostssor Dr- Georg Sie-, mann, findet am Bußtag, abend» 8 Uhr, m der verlmer Tezcssioa- Sursürstendamm 232, statt. • Duell Stegerwald- Wirth. thi Wirths Abrechnung mit dem Rechtskurs. F. Kl. Kaffel, 17. November.( Eigener Drahtbericht.) Die Fortsetzung der Debatte in der heutigen Sigung des Zentrumsparteitages wurde eingeleitet durch Ansprachen von Vertretern aus Danzig und dem Saargebiet, die die innere Berbundenheit der abgetrennten Bevölkerungsteile mit dem deutschen Mutterlande und mit ihrer Mutterpartei betonten. Rechtsanwalt Hemy- Bonn spricht für die Wiederherstellung der Einheit der Fraktion und Partei. Sodann kommt zu Wort der Antipode Births, Stegerwald. Stegerwald behauptet, daß im vorigen Winter das Rentrum im Reichstag eine so schwere Lage vorgefunden habe, wie seit 1873 niemals vorher. Es sei nicht wahr, daß ein engeres Verhältnis zu der Rechten entstanden sei. Eine Aschenbrödel- Stellung habe das Zentrum nicht eingenommen. Man brauche nur daran zu denken, was die Deutschnationalen ihren Wählern versprochen haben und damit zu vergleichen, was herausgekommen fei. Allerdings sei seine Ueberzeugung, daß die Steuergesetze sehr viel unsozialer geworden wären, wenn sie von der großen Koalition gemacht worden wären, denn es habe sich wieder heraus gestellt, daß mit der Boltspartei und mit den Demokraten keine fozialen Steuern gemacht werden fönnten. Auch bas 301lgejeb fei von einem aristotratifchen Entwurf durch die Mitwirkung des Zentrums zu einem demokratischen(!) Gefet geworden. Stegerwald bestreitet, daß er zu Rechtstreifen intime Beziehungen habe. Aber Wirth habe zu Linksfreifen sehr nahe Beziehungen, so daß der Verdacht der Angriffe auf ihn daraus wohl zu ertlären sei, wenn er auch nicht annehme, daß Birth dahinter stehe. In Bezug auf die allgemeine Politit behauptete Stegerwald, Stresemann hätte sein erstes Memorandum ficher in der Faffung abgeschickt, wenn Wirth Reichstanzler gewesen wäre.( 3uruf! Dann wäre er erschossen worden!) Im übrigen sei er mit Birth einer Meinung, daß Locarno angenommen werden müsse. Die Völkerbundspolitik müsse ergänzt werden durch eine Art europäischen Zweckverbandes. Das Problem sei das, daß das deutsche Volt deutsch und gleichzeitig europäisch denken lernen muß. Selbstverständlich bin ich mit Wirth darin einig, daß aus Locarno auch innerpolitische Konsequenzen gezogen werden Die Kräfte, die hinter Locarno stehen, müssen in den nächsten Jahren auch die Politik von Locarno durchführen. Zur Frage der Republik erklärte Stegerwald, er stehe auf dem Standpuntt der Toleranz, aber er habe schon als preußischer Minister präsident erklärt, daß jeder gewaltsame Angriff auf die Staatsform mit allen Machtmitteln niedergeschla. gen werden müsse. Den Austritt Wirths habe er bedauert, weil Wirth zu den wenigen politischen Intelligenzen ge höre und es müsse ein ganz engstirniger Mensch sein, der eine solche Intelligenz von sich abstoße.( Lebhafter Beifall.) müffen. Unmittelbar nach Stegerwald nimmt Dr. Wirth zur Antwort das Wort. Seine Rede entwickelt sich zu einer großen Antlage der von Stegerwald repräsentierten Bolitit der Fraktion. Er bezeichnet ausdrücklich Stegerwald als den eigentlichen Führer der Politit, mährend Marg nur als Vorsitzender gelte. Marg habe gestern, in der Bersammlung so radikal gesprochen, daß er, Wirth, nahezu darüber erschrocken sei. Aber was nüze es, wenn der offizielle Führer der Partei vor den Massen derart sich zur Republik belenne. während in Birklichkeit in der Parteifraktion und Organisation eine gegenteilige Haltung eingenommen wird. So z. B. habe Warr mit großer Begeisterung und Entschiedenheit für das Reichsbanner Schwarz- Rot- Gold gesprochen, ftärter als er es je getan habe. Aber Die Organisationen im Lande nehmen eine ganz andere Stellung ein, so daß der unsinnige Zustand eintrete, daß zwar den Führern erlaubt ist, für das Reichsbanner zu mirfen, ben Mitgliedern aber vermehrt wird, ihm beizutreten. In bezug auf die Innenpolitik stellte er Stegerwald vor die Frage, warum er nicht die Deutschnationalen gezwungen habe, die Linie innezuhalten, die er als Redner vertreten habe. In Wirklichkeit habe Stegerwald doch geglaubt, daß die Außenpolitik mit den Deutschnationalen zu machen möglich sei.( Stegerwald: Durchaus nicht') Wenn Sie das nicht geglaubt haben, dann verstehe ich Ste überhaupt nicht mehr, so daß ich geneigt bin, meine Rede abzubrechen. Daß Sie eine Politik treiben wollen, ohne überzeugt zu fein, daß die Deutschnationalen sie mitmachen wollen, ist mir unverständlich. Ueber die Stellung Stegerwalds zur Koalition erinnert Wirth daran, daß nach Stegerwalds eigenem Bekenntnis er sich nach der Revolution ausdrücklich gegen ein Zusammenwirken mit der Sozialdemokratie erklärt habe, reil er die Kräfte der Revolution sich erst ausdehnen und auswirken laffen wollte, in der Annahme, daß danach die politische Gesundung des deutschen Volkes früher eintreten würde. Gegenüber der Rechten habe Stegerwald diese Saltung nicht ein genommen. Er habe sie sich nicht auswirken lassen, sondern habe durch die Koalition mit ihr die Berantwortung abgestoßen. Im 3en trum gibt es sehr fluge Herren, die bei Steuergejegen fehr gern mit rechts stimmen und dadurch den Gefeßen die soziale Spize abbrechen. Herr Herold z. B. hat, alt und flug, sich immer die Freihei zu sichern gewußt, mit beiden Seiten zu arbeiten. Bei einzelnen in unseren Kreisen ist die Sehnsucht nach rechts dial größer als die politische Klugheit. Warum wirft man mir vor, daß ich Beziehungen nach links unterhalte, während Partei. freunde ihre Beziehungen nach rechts weiter pflegen? Dr. Birth polemisiert dann gegen einige der Partei angehörende hochfeudale Herren, die gegen republikanische Zentrumsmitglieder selbst mit Beschimpfungen vorgehen. Er sagt:" Diese Herren find von einem Hochmut, der in feiner Weise zu der frehen ist, da sie doch auf dieselbe Weise zur Welt gefommen find, wie jeder andere Erdenbürger. Ich will niemand aus der Zentrumspartei hinausdrängen, aber als entschiedener christlicher Republikaner will ich nicht vor den Massen dastehen als hinterhältiger Heuchler. Ich fann es in meinem Innern nicht ertragen, daß ich nach außen hin eine andere Politik verteidige, als die von mir innerlich gebilligte."( Lebhafter Beifall.) Nach Wirth nahm sofort der Vorsitzende Marg das Wort, um angeblich einige der Wirthschen Bemerkungen, die Aufsehen gemacht hatten, zu berichtigen, tatsächlich aber um gegen Wirth zu polemifteren. Marg führte aus: In der Fraktion müsse man sich der Mehrheit fügen, man müsse auch Widerspruch ertragen und man fönne sich nicht nur auf seinen eigenen Kopf verlassen. In bezug auf die Außenpolitit sei man jedoch mit Birth ganz einig und es sei nur sehr bedauerlich, daß Dr. Wirth an den vorbereitenden Besprechungen des Parteitages nicht teil genommen habe, denn sonst hätte er sich davon schon überzeugen fönnen. Herrliche Zeiten! " " fanft gleitend abgefeßt. Der 5,35 meter betragende Höhenunterfchied zwischen dem Parterre und dem ersten Stod wird in 26 Sefunden überwunden. Die Treppe ist immer fahrbereit, ständig in Betrieb und mit allen erdenklichen Sicherheitsvorrichtungen ausgerüftet. Nebel über Berlin. Lichtorgien elektrischer Strahlen aus den Riesenschaufenstern der Warenhäuser blenden faft schmerzhaft das Auge, ergießen sich Abend für Abend auf die hastende, schiebende, stoßende, vorübertreibende Menge. Für Sefunden bleibt das Auge an den üppigen Auslagen, den Leinenbergen, Atlasschuhen, Kostümen, Belzen und hauchzarten Schleiern hängen, dann geht es weiter in dem Rhythmus: den verfehrsbelebten Straßen Berlins schnell vorwärtszukommen. Es war nicht einfach, heute in den frühen Morgenstunden in Hab fein Geld, hab fein Geld... Und dennoch fünden grelle Dichte Nebelschwaden lagen über der Erde und die märchenhaften Plakatstreifen von allen Fenstern:„ Ausnahmewoche, bedeutend weißen Wolfen hatten sich selbst in die Straßen zwischen die Mauern herabgesetzte Breise!" Das nächste Kaufhaus bietet seine verlockenden der Häuserzeilen hineingedrängt. Erst gegen 9 Uhr, nachdem der Schäße mit der Ankündigung dar: Werbewoche, alle Preise sind allerdichtefte Fußgängerverkehr bereits dem regelmäßigen Vorbedeutend herabgesetzt!", das übernächste veranstaltet gerade jetzt mittagtreiben gewichen war, wurde es den Verkehrspolizisten eineine Warenschau", ein anderes eine Propagandawoche", einfacher, den Trubel zu regeln. Froh waren hierüber vor allem aud weiteres eine„ Extrawoche", und wieder ein anderes läßt dem die Straßenbahnführer und die Chauffeure, denn der Kampf gegen ,, billigen Donnerstag" den billigen Freitag", und diesem wiederum die weißgraue unheimliche Naturmacht war für sie durchaus nicht den billigen Sonnabend" in menschenfreundlicher Großzügigkeit ohne Gefahr. Sieht man davon ab, daß auf dem Potsdamer Borortbahnhof die Lokomotive eines folgen. Macht man acht Tage später den gleichen Weg, so hat sich tommenden Bersonenzuges heftig auf einen Prellblod auf. Raufhaus mit der Werbewoche" eine Warenschau", das mit der fein weiterer Zwischenfall in der Spalte Nebel" der Berliner Unfall an dem herzerfreuenden Bild eigentlich nur geändert, daß jetzt das gefahren ist, was aber nur Materialschaden verursachte, fo ist Ausnahmewoche" eine„ Propagandawoche" feiert, während in dem chronit zu verzeichnen. Die Meteorologen wollen wissen, daß das mit der Extrawoche zurzeit die billigen Montage, Dienstage ufw. nebelige Wetter zunächst noch eine Weile anhalten wird, daß aber steigen. Ja, so ein Abendbummel reiht eine Rette wundervoller, bei völliger Aufheiterung mit starker Abnahme der Temperatur und einzigartiger Gelegenheiten aneinander, nur leider mit großer Kälte, besonders in den Nächten, zu rechnen ist. Eine uns fehlt ja nur eins, eine ganze Kleinigkeit: daß nämlich die Nachricht, die gewiß nicht Freude bei den Aermiten der Armen, Herren Arbeitgeber für uns freundlichst auch Ausnahme und zur Beschaffung von Heizmaterial fehlt, auslösen wird. denen in viel größerem Maße, als allgemein bekannt ist, das Geld Propagandawochen veranstalten möchten, und wir am Wochenende zur Beschaffung von Heizmaterial fehlt, auslösen wird. die Hälfte bezahlen fönnen, bie die Herren Warenhausinhaber troß oder Monatsersten für all die töstlichen, halbgeschenkten" Dinge aller bewunderswerten Humanität sich doch noch nicht haben entschließen fönnen, mitzuverschenten. Elend! Bon Gefängnis zu Gefängnis. versäumter! Der Arbeiter Rudolf G. hätte seine Schritte nicht nach Berlin Lenten sollen, um sich hier Arbeit zu suchen. Dem Elend, dem er in der Provinz aus dem Wege gehen wollte, ist er hier in die Arme gelaufen. Körperliche Leiden und geistige Minderwertigkeit stempelten ihn zu jenen Armen und Verzweifelten, für die auf der Welt tein Platz zu sein scheint, es wäre denn der in Gefängnissen und Zucht häusern. Zum Betteln und Stehlen trieb ihn die Not, langsam reihte fich Borstrafe an Borstrafe. G., der hungernd durch die Straßen zog und um Almosen ansprach, fam eines Tages in den Gemüseteller eines 67jährigen alten Fräuleins. Auf seine Bitte um eine Unterſtügung wies die Frau mit der Hand auf die nebenliegende Stube, in der fich ihr 19 Jahre alter effe befand, der arbeitslos war. Sie sagte dabei, daß sie diesen schon zu unterstüßen habe, will bann aber trotzdem in ihre unter der Schürze befindliche Geldtasche gefaßt haben, um dem Angetlagten wenigstens 5 Pfennige zu geben. Worte und Bewegung mußte G. wohl falsch aufgefaßt haben, er fühlte sich wieder einmal abgewiesen und stürzte sich auf das alte Fräulein und würgte es an der Kehle. Sie hatte aber noch soviel Kraft, um Hilfe zu schreien und dadurch den jungen Neffen herbeizurufen. G. wurde bann sofort verhaftet. Nun war die entscheidende Frage, war der Angeklagte durch die vermeintliche Abweisung so in But geraten, daß er nur eine Art Rache ausüben wollte, oder hat er wirklich geglaubt, daß sich ein Raubüberfall auf diese arme Frau lohne? Bu beweisen war es nicht, aber das Gericht nahm das letztere an. Es war aber milder als der Staatsanwalt, der die Tat durch eine Gefägnisstrafe von 1 Jahr und 6 Monaten gefühnt missen wollte. Daß der Gefängnisarzt den Angetlagten als einen bedauerns werten Menschen schilderte, der megen seines leidenden Bustandes Ichmer Arbeit finde, geistig minderwertig und von allzu leichter Er. regbarkeit sei, das rettete G. vor einer hohen Strafe. Er wurde zu die Untersuchungshaft als verbüßt. 6 Monaten Gefängnis perurteilt, 1 Monat gilt burch Der neunte Tag Bothmer- Prozek. Potsdamer„ gute Gesellschaft" war wieder in Massen im Gerichts Es wurde, wie wir voraussagten, der neunte Lag. Die faal. Auf dem Beweistisch lag alles schon wohlverpadt. Das Potsdamer Kristall, die Brüden aus Persien. Über man wird alles noch einmal zu Anfang des Jahres 1926 auspaden, denn der Staatsanwalt scheint noch sehr viel zu wissen. Die Angeklagte Gräfin v. Both mer spricht eifrig mit ihren Berteidigern über die Anklagebant hinweg. Dann fährt Justizrat Josephsohn in seinem Plädoyer, das gestern schon nicht weniger als 4 Stunden gedauert hat, fort. Noch einmal wird alles wiederholt und durch den Verhandlungsraum zieht fichtlich eine gewisse Er. müdung. Da hört man Justizrat Josephjohn nur wieder di Worte sprechen: Ich will nicht behaupten, daß die Angeklagte eine Heldin der Wahrheit ist, aber und ich will nicht behaupten, daß die Gräfin ufw." Den ganzen Vormittag spricht er noch, und hinter der Kulisse ziehen sich die Schlingen immer fester zu, heute noch unbekannt, übermorgen aber vielleicht schon um belanne Namen. Da holt der Potsdamer Berteidiger zum letzten Schlage aus. Die Gräfin war ja gar nicht Mitglied der Potsdamer Gesellschaft", fie war ja eine Außenseiterin. Ein Schmunzeln gent da über die Gesichter der Frauen der Gesellschaft, auf deren Parkett diese Außenseiterin noch im letzten Winter getanzt und die heute mit orgnetten in weißbehandschuhten Händen ihr Urteil erwarten, die ersten Stein auf ste? Ich beantrage, daß die Angeflagte vor die fich mit devotem Handfuß im Gerichtssaal begrüßen. Wer wirft den Schranke tritt und eine deutsche Schriftprobe abgibt," hört man plök lich Justizrat Josephjohn jagen. Der Erste Staatsanwalt Ger. lach fordert die 2lblehnung dieses Antrages. Das Gericht zieht sich zurück, lehnt den Antrag auch ab und der Berteidiger tritt in feine sechste Plädoyerstunde. aus. Fabrikbrand in Blankenburg. Am Dienstag mittag brach ein Großfeuer aus noch nicht ermittelter Ursache in Blantenburg a. d. Stettiner Bahn Es brannte die große Leder fabrit von Botthoff u. Kanser. Als die Feuerwehr erschien, war der Brand so aus. gedehnt, daß die Ortswehren von Blantenburg, Rarom usw. machtlos waren. Es wurde deshalb. die Berliner Feuerwehr benachrichtigt. Oberbranddirettor Gemp erschien persönlich auf der Brandstelle und mit ihm fünf Losch züge der Berliner Feuerwehr. Es wurde stundenlang Wasser gegeben, bis es gelang, die Macht der Flammen zu brechen. Der erhebliche Schaden an Maschinen, Bor lich nicht zu Schaden gekommen. räten usw. soll durch Versicherung gedeckt sein. Personen find angebDie erste Fahrtreppe in Berlin. Was seit Jahren auf der Untergrundbahn in Paris und London morgen ist im Barenhaus Tietz in der Leipziger Straße eine in Betrieb ist, ist endlich in Berlin auch möglich geworden: Heute Fahrtreppe der öffentlichen Benutzung übergeben worden. Für ängstliche Gemüter sei gleich vorweg bemertt, daß der Apparat die harmloseste Sache von der Welt ist. In allen Erdteilen, sogar in Japan, find 578 folcher Treppen in Benußung, die bei Tieß ist die erste in Berlin. Die Treppenstufen find zusammenklappbar tonstruiert. Im Parterre gleitet ein etwa meterlanges flaches Stüd der Treppe auf dem Erdboden dahin. Ganz allmählich, ohne daß der förderte schwebt langfam, auf der Stufe stehend, in den ersten Stod. Passant etwas merkt, formiert sich Stufe um Stufe und der BeEin mitgehendes Geländer erleichtert das Festhalten. Oben ange tommen, verflachen sich die Stufen wieder zur Ebene, man wird Berlins erster Wolkenkrazer. aus Bossen Auf dem Grundstück der Berliner Straße 42/43 in Charlottenburg ist die, Arbeit am Bau des ersten Berliner Hochbaucs begonnen worden. 3wölf Stod werte follen sich auf dem Fun bament erheben. Ein Theatersaal mit Raum für 1200 Personen, in dem neben Kammerschauspielen auch musikalische Darbietungen Deranstaltet werden sollen, Ausstellungs- und Bureauräume sollen in diefem Bau Plaz finden. Dieser Bau wird nicht von einem Unter. nehmen der Schwerindustrie oder des auf die Bedürfnisse der materiellen Existenz gerichteten Gewerbes, auch nicht von einer Bank unternommen, sondern von einer Organisation, deren Zmed Neugestaltung der deutschen Bildung ist. Der Boltsverband der Bücher freunde ift Bauherr des ersten Berliner Hochhauses. Das kleine Miets stocwert in der Ranteftr., in der die Leitung des Berbandes an der Ausarbeitung ihrer Ideen mit einem fleinen Stab von Mitarbeitern schuf, war bald zu klein geworden. Ein zweites, sin drittes Stockwerk mußte dazu gemietet werden, um die Arbeit, die sich aus der Bahl der Hunderttausenden von Mitgliedern ergab, be paltigen zu können. Unternehmens aus den führenden Kreisen des deutschen Wirtschafts bis endlich die Leitung mit Hilfe von Freunde und Förderern des lebens sich in Berlin- Charlottenburg, Berliner Straße 42/43, ein eigenes Bureauhaus errichtete und diesem alsbald auch ein eigenes zweites jür den technischen Betrieb angliederte. Nun war inzwischen ameites jür den technischen Betrieb angliederte. Nun war ingischen auch die Zeit gekommen, da der Grundstein zum endabschließenden großen Bauwerfe werden konnte. dem ersten Wolfenfrager in Berlin gelegt " Neuer Siedlerprotest in Mahlsdorf. Die Gemeinnüßige Baugefellihaft MahIsborf hatte am Sonntag gemeinsam mit den Siedlervereinigungen gebung richtete sich auch diesmal hauptsächlich gegen die Echwierig Ostberlins wieder eine Brotestversammlung einberufen. Die Kundfeiten, die immer wieder den Siedlern von Behörden und Ge meinden in den Weg gelegt werden. Gerade die Mahle dorfer Siedler werden in diefer Beziebung vom Unglüd verfolgt. Erhöhung der Pflastertoften, Unterbindung der Bautätigkeit, Verwerfung von be reite genehmigten Bauvorschlägen find an der Tagesordnung Es fiebt io aus, als ob Behörden und Gemeinden abfichtlich den Siedlern Swierigkeiten bereiten. In der Zeit der allgemein berridenten Wohnungsnot bedeuten die Siedler eine Entlastung der Gemeinden, und eine fluge Wohnungsbaupolitit sollte den Siedler unterstüßen. Allerdings macht die Behörde in Aufrufen für den Siedlergedanken Propaganda, in Wirklichkeit dagegen tun sie nichts, um den Siedlern bas Bauen zu erleichtern. Jelamitische Trauerkundgebung. Leitung des Prof. Kampfmener vom Orientalischen Seminar Die Berliner Gemeinde der Moslems veranstaltete unter eine ernste Totenfeier für ihre in Maroffo und Syrien getöteten Brüder und Schwestern. Die schweren Worte des Storans, dessen Rhythmen flingen wie vom Pferd herab in die Steppe gerufen, die der Syrier Haschmi unter Tränen verías, rüttelten mächtig die Teilnahme der Zuhörer auf. Die Religionen, deren Dogmatit weniger verzwidt mie die christlich- firchliche, haben eine unerhörte ethische Kraft. Aus ihr strömten die Worte, die Redner aus Perfien, Indien, Aegypten und Syrien den Gefallenen nachriefen. Damastus ist zum Schlachtfeld geworden. 16 000 Opfer hat das letzte Bombardement gefordert, Lempel und Heimstätten, die alten Bibliotheken und Kunstfammlungen sind zerstört. Aber gegen den Geist des Islams seien Waffen machtlos. Eine Resolution fordert zum Bontott ausländischer Geschäfte und zur Zusammen charung der Gläubigen zu einem Weltkongreß und heiligem Kriege auf. Durch eine Reihe von Sakfehlern ist der in der heutigen Morgenausgabe veröffentlichte Artikel 75 Jahre Haupttele graphenamt" entstellt worden. Die wesentlichsten dieser Fehler mögen im folgenden berichtigt werden. In dem Abschnitt„ Das Amt hin 1963 erfolgt fei. Hier muß es natürlich 1863 heißen. In in der Französischen Straße ist zu lesen, daß die Verlegung dortbem 1878 in Betrieb genommenen Apparatesaal follen 36 großmächtige Typenbrud maschinen gearbeitet haben. Die telegraphentechnische Terminologie fennt nur bescheidene Typendrudapparate. Der Plaz, vertebr" foll in diesem Amt von Jahr zu Jahr gewachsen sein. Tatsächlich wurde im Manuskript berichtet, daß del Play, bedarf" gestiegen sei In dem Abschnitt Im neuen Heim" full 1870 die Telegraphenlinie London Wien gebaut worden fein. In der Tat wurde in diesem Jahre die berühmte Linie Lon don- Indien vollendet, die dann 1909 bis Currachee verlängert wurde. Sonntagsrückfahrkarten gelten am Bußtag. Für Bußtags. ausflügler fei darauf hingewiesen, daß auch an diesem Tage die Sonntagsrüdfahrtarten Gültigkeit haben. Das Verzeichnis der in Berlin aufliegenden Sonntagerüdfahrkarten mit ihren Preisen befindet sich im Taschenfahrplan für den Berliner Stadt, Ringund Vorortverkehr. Sprechchor für proletarische Feierstunden. Die Karten zum Film lönnen am Mittwoch nicht ausgegeben werden. Donnerstag abend 28 Uhr: Uebungsstunde. Kinder fommen um 6 Uhr. Um 6 Uhr: Sigung des Sprechchor- Ausschusses. Lonriftenverein der Naturfreunde, Abteilung Brenzlauer Berg. Bußtag, 11 Uhr vormittags im Schulmuseum, Stallschreiberstr. 54, Führung durch die Naturfreunde- Ausstellung. Donnerstag, abends 8 Uhr, literarischer Abend in der Schule Danziger Straße. Referent: Genosse er linger Groß- Berliner Parteinachrichten. 3. Kreis Bebbi g. Heute Dienstag, den 17. November, abends 7 Uhr, in den Pha.usfälen. Müllerstr. 142, Kreis mitg.iederversammlung Bor trag des Gen. Dr. Kurt Löwenftein über: Der Reichsschulgefeßentwurf Alle Genofsinnen und Genossen müssen unbedingt anwesend fein. 102. Abt Baumschulenweg. Heute Dienstag, den 17. November, von 6-7 Uhr, äußerst wichtige pandzettelverbreitung vom Lofal Hak, Baumschulenfte aus Alle Genoffen müssen sich unbedingt baran beteiligen, Gewerkschaftsbewegung Verbindlichkeitserklärung in der Metallindustrie. Für die Transport- und Hilfsarbeiter. Der am 30. Oktober vor dem Schlichtungsausschuß gefällte Schiedsspruch für die Transport- und Hilfsarbeiter und-arbeiterinnen in der Berliner Metallindustrie ist, nachdem die Arbeiter den Schiedsspruch angenommen, die Unternehmer ihn abgelehnt hatten, vom Schlichter für verbindlich erklärt worden. maßen: Der Wortlauf über die Verbindlichkeitserklärung lautet folgenderIn dem Lohnstreit der Hilfsarbeiter- und-arbeiterinnen in der Berliner Metallindustrie wird der Schiedsspruch, den das zwischen dem Verband Berliner Metallindustrieller einerseits und dem Metallfartell, vertreten durch den Deutschen Metallarbeiterverband, andererseits vereinbarte Schiedsgericht in seiner Sitzung am 30. Oftober 1925 gefällt hat, gemäß Artikel 1,§ 6 der Schlichtungsverordnung vom 30. Oftober 1923 für verbindlich erklärt. Diese Entscheidung ist gemäß§ 25, Abfah 4 der zweiten Berordnung zur Ausführung der Verordnung über das Schlichtungsmesen vom 29. Dezember 1923 endgültig. Wiffell * Der Schiedsspruch hat die Löhne um 2 bis 3 Pfennig erhöht. Diese Erhöhung ist gewiß geringfügig, insbesondere menn man die Lohnhöhe berücksichtigt: 66 und 64 Pfennig nach dem Schiedsspruch für Transport- bzw. Hilfsarbeiter. Aber man darf auch nicht verkennen, daß diese Löhne dem Organisationsverhältnis entsprechen. Diese Binsenwahrheit ist den Metallarbeitern, besonders aber den Hilfsarbeitern der Metallindustrie oft genug gesagt worden. Sie müßten sie endlich begriffen haben. Sie müssen aber jetzt begreifen, daß sie bei der nächst en Lohn regelung nur dann besser abschneiden werden, wenn sie jest schon die notwendigen Konsequenzen ziehen. Wir stehen jetzt mitten in der Krise. Da tut der Schutz durch die Organisation doppelt not. Die Organisation fann aber nur schützen, wer von ihr geschützt fein will. Nach der Krise kommt wieder die gute Konjunktur. Wenn die Arbeiterschaft der Metallindustrie die kommende Konjunktur aus nugen will, muß sie schon jetzt sich darauf vorbereiten. Die erste unerläßliche Borbedingung ist der Beitritt zur Gewerf. schaft. Also Arbeiter und Arbeiterinnen der Metallindustrie: Hin ein in die Organisation! findende Baubube if au flein, um alle auf bem Bau befchäftigten Arbeiter zugleich darin aufzunehmen. Als Erfaz dafür ist mitten auf der Amrumer Str. noch ein besonderer Unterfunftsraum für Zimmerer, der etwa eine Länge von 2,50 Meter, Tiefe 2,20 Meter und Höhe von etwa 1,90 meter hat. Beide Untertunftsräume sind nicht entsprechend der bestehenden Polizeiver. ordnung in dieser Frage hergestellt; denn die Unterkunftsräume sind nur mit Brettern verschalt, die zum Teil einen Abstand aufweisen, wo man' bequem einen Finger hineinsteden fann. won einem a IIfeitig dicht umschlossenen Raum tann also feine Rede sein. Wir empfehlen der Berliner Baupolizei und der Berliner In nung besonders die Bude in der Amrumer Str. zu photographieren und eine genaue Skizze davon aufzunehmen und diesen Unterkunftsraum als Modell auf der nächsten Baufachausstellung auszustellen, um zu zeigen, was der Innungsausschuß, der von allen Kulturen beleckt sein will, den Berliner Bauarbeitern zumutet. Die Parole bleibt: Gegen die Gewerkschaften. Bom Verband der Lebensmittel- und Getränkearbeiter, Ortsverein Berlin, wird uns geschrieben: In einer Zusammenkunft am Freitag der Vorsitzenden der in den Brauereien in Frage kommenden Arbeiterräte wurde Stellung zu einem in Nr. 260 der Roten Fahne" erschienenen Artikel mit der Ueberschrift„ Das Alkoholfapital verhindert eine Abstinentenveranftaltung" genommen. Die in diesem Artifel gemachten Ausführungen find im wesentlichen dieselben, die in einem verteilten Flugblatt vor dem Etablissement des Gaalbaues Friedrichshain von den Gut. templern zum Ausdrud gebracht wurden. " Ohne den Inhalt des Flugblattes zu prüfen, übernimmt es die Rote Fahne", die unglaublichsten Behauptungen für wahr in die Welt hinauszuftreuen. Unter an derem wird auch in der Roten Fahne" die Behauptung verbreitet, daß die Brauereiarbeiter sich dazu hergegeben hätten, für 20 Bier marten und 4 Ertraüberstundenlöhne die Versammlung durch Radau zu stören bzw. den Saal zu demolieren. Wir stehen nicht an, zu erflären, daß eine größere Gemeinheit, wie sie den Biauereiarbeitern hier angedichtet wird, wohl faum über Arbeiter verbreitet werden konnte. Wir fordern die" Rote Fahne" Gewährsmänner auftreten zu lassen, die eidesstattlich versichern und auch die Schreiber des Flugblattes der Guttempler auf, ihre fönnen, daß die organisierte Arbeiterschaft sich zu derartigen Taten gebrauchen läßt. Die leichtfertig übernommene Berleumdung be meist, daß in der KPD. nach wie vor die Parole bleibt: Gegen die Gewerkschaften! Als selbstverständlich nehmen wir das Recht für uns in Anfpruch, in solchen Veranstaltungen unsere Meinung zum Ausdruc Augenblick die Bersammlung ohne unser Wissen illusorisch gemacht zu bringen. Aus diesem Grunde bedauern wir es, daß im letzten wurde. Aber das eine sei hier nochmals gesagt: Als Werkzeug des Alkoholfapitals, wie es die„ Rote Fahne" und das Flugblatt be lehaupten, läßt sich die Arbeiterschaft der Brauereien nicht geWo bleibt der Bauarbeiterschuh? Bom Zentralverband der Zimmerer wird uns folgendes mit brauchen. geteilt: Bekanntlich besteht in Berlin eine Polizeiverordnung, die sogar im lezten Tarifvertrag für das Baugewerbe als Anhang an den Tarif gegeben ist. In§ 2, 3iffer 1, dieser Polizei: verordnung ist festgelegt, daß die Unterkunftsräume bei ungünstiger Witterung( wie sie in den jezigen Tagen besonders vorhanden ist) allseitig dicht umschlossen sein müssen. Wie demgegenüber heute Unterkunftsräume für Bauarbeiter auf vielen Bauten vorhanden sind, soll hier nur ein Fall der Deffentlichkeit übergeben werden. Die Firma H. Streubel, Berlin, Spener Str. 21, Inhaber dieser Firma ist Herr Architekt G. Geſtrich, zugleich Borsigender der Berliner Innung, führt gegenwärtig einen Neubau Berlin N., Amrumer Str. Ede Brüsseler Str. auf. Die auf dem Hof sich beDer Schiedsspruch in der chemischen Industrie abgelehnt. schaft der chemischen Industrie Südwestdeutschlands hat durch ihre Hannover, 17. November.( Eigener Drahtbericht.) Die Arbeiter. Bertretung den am 13. November gefällten Schiedsspruch abgelehnt. Das war zu erwarten. Bedingte Natifikation in Lettland. ( JAB.) Die formelle Ratifizierung des Washingtoner Abtommens über die Beschränkung der Arbeitszeit auf 8 Stunden täglich und 48 Stunden wöchentlich seitens der lettischen Regierung wurde am 15. Auguft vom Generalsekretär des Bölferbundes eingetragen. Die Ratifizierung durch die lettische Regierung ist eine bedingte. Der Art. 3 des Gesetzes, auf Grund dessen das Abkommen ratifiziert mird, steht vor, daß das Abkommen in Bettland in Rraft trit, sobald die nach Art. 393 3iffer 5 und 6 des Friedensvertrags brei bedeutendsten Industriestaaten die Ratifikation dieses Uebereinkommens dem Generalsekretär des Bölkerbundes mitgeteilt haben". „ Die Arbeit." Zeitschrift für Gewerkschaftspolitik und Wirk schaftskunde. Heft 11, November 1925, Berlin. Verlagsgesellschaft des ADGB. Preis 1 M. Das 11. Heft der Arbeit" bringt einen eingehenden Aufsatz von Lothar Erdmann über Bewert schaften und Sozialismus", in dem der Verfasser vers cht, die Ursachen der Krise des Sozialismus in ihren wesentlichen Zügen aufzuzeigen. Heinrich Schliestedt untersucht in seinem Aussag: " Die seelennahe Organisationsform" das gewerkschaftliche Organi jations problem unter dem Gesichtspunkt, daß die Arbeitssolidarität die Berufssolidarität mehr und mehr verdrängt. Bruno Raueder behandelt ,, Die Bedeutung der Rationalisierung. Clemens Nörpel prüft die Frage, ob es erforderlich ist, daß die Gewerkschaften die Rechtsfähigteit erwerben, während Dr. Franz Neumann dem aktuellen Problem des 3 wangstarifs eine gründliche Untersuchung widmet. Benno Weingarg gibt einen Ausschnitt aus der Geschichte der englischen Arbeiterbewegung in der Zeit des Frühfapitalismus. Dr. Berantwortlich für Politik: Ernst Reuter: Birtschaft: Artur Gaternus; Gewerkschaftsbewegung: Friebr. Ekkorn; Feuilleton: K. S. Döscher; Lokales und Sonstiges: Frig Rarftädt; Anzeigen: Th. Glode; fämtlich in Berlin. Berlag: Borwärts- Berlag G. m. b. S., Berlin. Drud: Borwärts- Buchdruderel Lindenstrake und Berlaasanstalt Baul Singer u Co. Glocken- Mantel 29 Berlin SW 68 Damen- Konfektion бло sid aus eigener Fabrik jetzt auch auf Teilzahlung Unser glänzend bewährtes O. W.- System: 1/3 Anzahl, weitere Raten nach Vereinbarung Prüfen Sie unsere in 7 Schaufenstern ausgestellten Waren und machen auch Sie, wie viele Tausende, von dieser GeLegenheit Gebrauch. 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