Nr. 546 42. Jahrg. Ausgabe A nr. 279 Bezugspreis: Bentlid 70 Bfennig, monati - Reichsmart voraus sahlbar. Unter Rreusband für Deutschland, Danzig, Soar und Memelgebiet. Defterreich, Litauen. Zuremburg 4,50 Reichsmart, für das übrige Ausland 5,50 Reichsmart pro Monat. Der Bormärts mit der Sonntage beilage Boll und Reit mit Sieb lung und Kleingarten sowie bez Beilage Unterhaltung und Biffen unb Frauenbeilage Frauenftimme ericheint wochentäglich ameimal Sonntags unb Mentogs einmal. Telegramm- Abreffet Cozialbemotrat Berlin Morgenausgabe Vorwärts Berliner Volksblatt 10 Pfennig Anzeigenpreise: Die einfpaltige Ronpareille. seile 80 Pfennig. Reklamezeile 5,- Reichsmart... Aleine Anzeigen bas fettgebrudte Wort 25 Pfennig ( auläffia awei fettgedrudte Borte). jebes weitere Wort 12 Bfennig. Stellengefuche das erite Wort 15 Bfennig, tebes weitere Wort 10 Pfennig. Worte über 15 Buch fraben zählen für zwei Worie. Arbeitsmarkt Reile 60 Pfennig. Familienanzeigen für Abonnenten Beile 40 Bfennia. Anzeigen für bie nächste Summer müffen bis 4½ Uhr nachmittags im Sauptgeschäft, Berlin SB 68, Linden trake 3, abgegeben werden. Geöffnet Don 8 Uhr früb bis 5 Uhr nachm. Zentralorgan der Sozialdemokratifchen Partei Deutschlands Redaktion und Verlag: Berlin SW. 68, Lindenstraße 3 Donnerstag, den 19. November 1925 Fernsprecher: Dönhoff 292-297. Die Erleichterungen im Westen. Versammlungsfreiheit Deutsche Gerichtsbarkeit Keine Ueberprüfung Nur noch 20 Ordonnanzen. deutscher Gesetze Koblenz, 18. November.( BTB.) Die Interalliierte Rheinlandtommission teilt folgendes mit: Die Interalllierte Rheinlandtommission hat befchloffen, bezüglich hrer Berordnungen und Anweisungen die Erleichterungen eintreten zu laffen, die sich mit dem Bersailler Bertrag, dem Rheinlanbabkommen und den Erfordernissen der Besatzung im Rahmen ber allgemeinen Entscheidungen der alliierten Regierungen vereinbaren laffen. 1. Der Reichsfommiffar. Die Alliierten haben ihre Zustimmung zur Ernennung eines neuen Reichstommiffars gegeben. Die Interafftierte Rheinland tommiffion ist bereit, fofort mit ihm in Berbindung zu treten. 2. Bejahungsflärte Imgruppierung und Festlegung der allierten Streitkräfte in ben Belegungszonen. Die Stärken in den Bejahungstruppen werden fühlbar herabgefeht. Dadurch wirb die Rüdgabe eines Teils der öffentlichen Gebäude, der Wohnungen bzw. Grundstücke, deren Ueberlaffung zum Gebrauch der Truppen und der Besagungsbehörden notwendig war, an die Behörden und die Bevölkerung ermöglicht werden. 3. Delegierte der Juferallilerten Rheinlandtommiffion. Das Delegiertenfyftem wird mit Wirtung vom 1. Dezember an aufgehoben. 4 Revision der Berordnungen L Gefehgebung und Berordnungsgewalt a) Deutsche Beleggebung: Eine die Anwendung der deutschen Gefeße und Verordnungen aufschiebende Prüfung findet nicht mehr statt. Die Interalliierte Rheinlandkommission behält sich Lediglich das Recht vor, gemäß dem Rheinlandabtom men solche Legte, die den Rotwendigteiten der Unter haltung, der Sicherheit und den Bedürfnissen der Armeen zu widerlaufen, ben Berhältnissen anzupaffen oder außer Kraft zu sehen. b) Deutsche Bermaltungen: Die Kategorien der Beamten, deren Ernennung der Interalliierten Rheinlandkommission angezeigt werden muh, werden auf einige Hauptkategorien beschränkt. Swischen den Deutschen und ben Allierten wird zur Prüfung beBmischen den Deutschen und den Alliierten wird zur Prüfung befonderer Fälle ein Güteverfahren eingeführt. Die Bedingungen für fonderer Fälle ein Güteverfahren eingeführt. Die Bedingungen für bie Abjegung der Beamten merben Einschränkungen erfahren und mit Garantien versehen. II. Gerichtsbarkeit. a) Gewiffe in den Berordnungen vorgesehene Strafen merden herabgesett b) Maßnahmen sollen getroffen werden, um gewiffe Straffachen, die bisher von den Militärbehörden entschieden wurden, grundfählich der deutschen Gerichtsbarkeit zu übertragen. b) Verkehr. Die Regelung des Verkehrs wird noch eine gewiffe Erleichterung erfahren, insbesondere hinsichtlich der Personalausweise und der Niederlaffung in den besetzten Gebieten. Beiter werden Erleichterungen eintreten hinsichtlich der Berfolgungen und Bestrafungen leichter Bergehen. Vorwärts- Verlag G.m.b.H., Berlin GW. 68, Lindenstr.3 Bolichedfonto: Berlin 37 536 Bankkonto: Bank ber Arbeiter, Angestellten und Beamten, Wallstr. 65; Diskonto- Gesellschaft, Depofitentaffe Lindenste. 3. Das Rote Haus. Zum Zusammentritt der Stadtverordnetenversammlung. Heute werden im Berliner Roten Hause die neugewählten Stadtverordneten in ihr Amt eingeführt. Eine Woche darauf wird sich die Versammlung tonstituieren, die Wahl des Präsidiums vornehmen, ihre Ständigen Ausschüsse und Deputationen wählen. Die Neuwahl hat fo erhebliche Berschiebungen in den Parteiverhältnissen mit fich gebracht, daß in Berlin wie im Reiche die Deffentlichkeit mit großem Interesse die ersten Schritte der neuen Stadtverordnetenversammlung verfolgen wird. 1921 stand die Wahl c) Die bisher von den Delegierten sanktionierten Vollmachten hat es in den letzten vier Jahren nicht verstanden, eine einim Zeichen des Bürgerblods. Dieser Bürgerblod werden aufgehoben. Es wird eine neue Regelung geschaffenheitliche geschlossene Politit im Rathause durchzuführen, die auf der Grundlage eines Güte perfahrens. Das Recht der beabsichtigte Ausschaltung der Sozialdemokratie stellte fich Strafverfolgung steht ausschließlich folgenden Behörden zu: der sehr bald als unmöglich heraus. Jetzt ist die bürgerliche 3nteralliierten Rheinlandtommission und den Mehrheit beseitigt, und nach der Versicherung der tommandierenden Generalen der Armeen. Die Roten Fahne" wird eine sozialdemokratisch- tomBerwaltungsmaßnahmen felbft werden nur von der Interalliierten munistische Mehrheit der tommenden Entwicklung Rheinlandtommiffion ergriffen, und zwar erft, nachdem fie vor ihren Stempel aufbrüden. einen gerichtlichen Ausschuß gebracht morden sind, dem ein deutsches Mitglied angehört. Wer das versichert und für die Arbeitsfähigkeit einer solchen Mehrheit eintreten will, muß sich darüber im d) Bersammlungen: Die bisher von den Delegierten ausgeübten Klaren sein, welche Aufgaben die neue StadtverordnetenverBerbotsbefugnisse werden aufgehoben. fammlung zu lösen hat und welche Möglichkeiten zur Lösung geschaffen werden können. Die Politit der Ge meinden oder richtiger gesagt, die Entwicklung der KommunalJahren in der Deffentlichkeit mit einer Heftigkeit umstritten wirtschaft im weitesten Sinne des Wortes ist in den letzten Das Recht, Versammlungen zu verbieten, ift der Interallierten Rheinlandtommiffion vorbehalten. Die vorherige Anmeldung von politischen Bersammlungen wird auf die Garnisonstädte beschränkt. e bis m enthalten Mitteilungen über Freiheit des Flaggens, Aufhebung der Preisanfchlagspflicht, Freiheit der Filme, grundfäßliche Erlaubnis für Radioapparate, Flugwesen a) Streit und Aussperrungen: Das Eingreifen der Befahungsbehörde wird auf die Notwendigkeit der Bedürfnisse uns der Sicherheit der Besagungsarmeen beschräntt 111 o) Poftzenfur: Wird aufgehoben. Die vorstehenden Abänderungen werben im einzelnen Gegen ftand einer Gesamtperordnung sein, die noch veröffentlicht werden wird. Im Hinblick auf die frühere Aufhebung und die gegenwärtige Revision ihrer Berordnungen beabsichtigt die Interallierte Rhein landkommission eine Kodifizierung und eine Klarstellung der noch in Kraft bleibenden Bestimmungen vorzunehmen. Diese Modifizierung wird die Zahl der Berordnungen beträchtlich herabsehen und sie auf etwa 20 zurückführen. V. Amneffie Die Alliierten Behörden haben die Absicht, die Amnestie. und Gnadenmaßnahmen zu treffen, welche durch die Umftände und die erwartete gegenseitige Befriedung gerechtfertigt sind. morden, die man früher nicht fennt hat. Der manc der Reparationszahlungen, der Niedergang der Wirtschaft infolge des verlorenen Strieges und der nationspoir der maßgebenden Wirtschaftstreife hat die für die öffentliche Wirt schaft zur Verfügung stehende Finanzbede wesentlich perengert. Die Steuerhoheit des Reiches hat die frühere finanzielle Selbständigkeit der Gemeinden, menn auch nicht ganz beseitigt, so doch start eingeschränkt. Mehr aber als alle diefe Fattoren, deren 3mang sich niemand in der Ge meindearbeit entziehen fann, hat in den letzten Jahren eine immer stärker werdende Kampagne der sogenann ten Wirtschaft gegen die Gemeinden eingesetzt. Wie töricht und turzsichtig dieser Standpunkt ift, wiffen einfichtige Wirtschaftsführer sehr genau. Aber unter dem Drud großer Verbände werden die ganze Industrie und mit ihr die maßgebenden Kreise in allen bürgerlichen Barteien von der figen 3dee beherrscht, daß mindestens die Groß städte eine wirtschaft der Lurusausgaben betrieben, und daß ihnen noch viel mehr als bisher die Kandare angelegt werden müsse. Bezeichnend für diese Einstellung waren die Aeuße rungen des Reichsbantpräsidenten Dr. Schacht bei seiner Abreise aus Amerika. Er sprach davon, daß man sich gegen Die Borgwirtschaft der Gemeinden" wenden müsse, während Durch alle oben angeführten Maßnahmen geben die an der rechtigt feien, weil sie der Produktion zugute fämen". langfristige Kredite für die Privatwirtschaft beBelegung teilnehmenden Mächte und die sie vertretende Interallierte Das ist, was die Privatwirtschaft anlangt, ein durch die TatRheinlandtommiffion ihrem Wunsche, Ausdrud, in den Rheinlanden fachen feineswegs immer gerechtfertigter Optimismus, eine sehr liberale Bolitit anzuwenden. Sie vertrauen auf was aber die Städte anlangt, eine tatastrophale Berden Geift der Mitarbeit der deutschen Behörden tennung der ungeheuren Wirtschafts- und und der Bevölkerung und auf deren guten Willen, die Aufgaben probuftionsfördernden Bedeutung ber Befagungsbehörden hinsichtlich der öffentlichen Ordnung, der modernen, zielbewußten und energischen Eicherheit und der Bedürfnisse der Armee zu erleichtern. Sie hoffen Kommunalverwaltung. Der Kampf um die Selbst2) Die Lieferung gewiffer periodischer oder statistischer Be- feft, daß die Unterstügung, die sie von deutscher Seite verwaltung der Städte, um die Sicherung ihres berechtigten richte mirb eingeschränkt( Anmeifung Nr. 2). erwarten, ihnen nicht versagt werden wird. Anspruches auf finanzielle Leistungsfähigkeit ist in Wirklichfeit ein Rampf um die Förderung der wichtigsten Teile unseres wichtigsten Hilfsfaktoren der Gesamtwirtschaft. Wenn in einem Industriezentrum wie Berlin augenblicklich ununter brochen Störungen der elektrischen Licht und Kraftversorgung eintreten, weil die städtischen Werke überlastet sind, und ihnen für den notwendigen Ausbau die Mittel fehlen, so gehen die Schäden für die gesamte Wirtschaft in die Millionen. Sie sind viel größer als die Lasten, die eventuell aufgebracht werden müßten, um diefe Betriebe rechtzeitig zur Leistungsfähigkeit auszubauen. Der Berliner Oberbürger meifter Böß weist in einem Artikel im„ Tag" mit Recht darauf hin, daß Berlin sich heute schon von Ausgaben fernhalten muß, deren Verwirklichung von höchfter Bedeutung für das Wirtschaftswesen ist und deren Unterlaffung der Wirtschaft vom ökonomischen Prinzip aus gesehen schwere Opfer toften wird". Er betont mit Recht, daß man in Amerita und England Berechnungen anstellt, wieviel Arbeitsstunden der Wirtschaft durch unzweckmäßige Organisie rung des öffentlichen Verkehrs und Bauwesens verlorengehen". c) Die Bestimmungen, die für gewiffe Bersonen, welche den Befagungsbehörben Dienste geleistet haben, einseitig Entscheidungen. Der allierten Behörden vorsehen, werden auf gehoben werden. Das gütliche oder Schiebsverfahren wird dafür ins Auge gefaßt. III. Polizeiwefen. Ende des deutsch- Spanischen Zollkriegs. Handelsprovisorium für sechs Monate. Madrid, 18. November.( TU) Heute wurde in Madrid ein Modus vivendi von der deutschen und der spanischen Handelsbelegafion unterzeichnet. Mit der Unterzeichnung wird der deutschfpanische Zolltrieg fofort eingestellt. Das Proviforium gilt für sechs Monate. Die Verhandlungen über einen endgültigen Handelsvertrag werden sofort aufgenommen werden. Für die Dauer des Proviforiums wird die Tabelle II der 3olltarifnovelle eingeführt. Der Gesetzentwurf über Locarno. Zur Vorlage an die Länderminister bereit. Wie die Telegraphen- Union erfährt, ift die vom Reichsaußen. minister zu bearbeitende Borlage, die die Zustimmung der gefeßgebenden Rörperschaften zu dem Locarno Bertrag fowie zu dem Eintritt Deutschlands in den Böltet bund enthält, im Laufe des Mittwochs soweit gediehen, daß fie der am Donnerstag vormittag stattfindenden Ronferenz mit den Ministerpräsidenten der Länder fertig vor. liegen wird. Nach der Stellungnahme der Ministerpräsidenten wird das Reichsfabinett erneut zufammentreten, um endgültig über bie Borlage zu beschließen. i Skrzynskis Regierungsbildung gescheitert. Die Armee das Hindernis. Warschau, 18. November.( TU) Am Mittwochnachmittag begab sich Strzynffi zum Staatspräsidenten und teilte ihm mit, daß er fich gezwungen sehe, den Auftrag zur Bildung des Kabineits er fich gezwungen sehe, den Auftrag zur Bildung des Kabinetts surudzugeben. Wie verlautet, scheiterte seine Miffion an der Neubefehung des riegsminifteriums. Die Rechtsparteien verlangten durch aus, den General Siftorffi zu behalten, während die Linksparteien davon nichts wiffen wollten. Alle Versuche Strzynskis, die Partelen zu verföhnen, find mißlungen. Man glaubt nun, daß der Präsident ein Beamten mint fterium bilden wird. Die Rüdfriffsabfichten Lord d'Abernons. Die Rücktritts absichten Lord d'Abernons werden in englischen Blättern bestätigt. Abbau der spanischen Diffafur? General Brimo de Rivera hat erklärt, es sei beffer, vor Wiederherstellung des parlamentarischen Systems eine große Nationalversammlung einzuberufen, der ein besonderer Borschlag wegen der zufünftigen Berfaffung unterbreitet werden würde, und bie entweder die früheren Rammern wiederherstellen oder eine neue Berfaffung ausarbeiten jolle, welche mehr mit den Erfordernissen der neuen Zeit in Einklang stehe. Der sowjetrufflsche Referent für den Often. Im Zusammenhang öfflichen Angelegenheiten im Boltstommiffariat für das Aeußere dem mit der Abreise Karadjans nach Ostasien wurde die Leitung der Mitglied des Kollegiums des Bolkskommiffariats für das Aeußere Araloff übertragen. einer Wirtschaftslebens überhaupt. Die Gemeinden find heute die meinden steden sehr viele Motive. Die Wirtschaft glaubt Hinter dieser Kampagne der Wirtschaft gegen die Genach dem Gesetz des geringsten Widerstandes durch ihren Einfluß in den Barlamenten die Gemeinden zügeln und so fparen zu fönnen; fie ist von einer primitiven und bewegung erfüllt, deren Aufstieg ihr in der Seele naiven Angst vor dem steigenden Einfluß der Arbeiterverhaßt ist. Sie wittert überall die Gefahr einer au nehmenden Sozialisierung und schädigt legten Endes dunh Ihre von turzfichtigem Egoismus diffierten Haltung nicht nur die gesamte Wirtschaftsentwicklung, die Arbeiterschaft, sondern auch sich selber. Es ist kein Zweifel, daß nach der Niederlage des Bürgerblofs die Hetze gegen Berlin verschärft werden wird, und daß in den Parlamenten die bürgerlichen Barteien viel mehr als bisher eifersüchtig über die Entwicklung der Reichshauptstadt wachen werden. In Vorahnung der kommenden Niederlage schrieb in der Täglichen Rundschau" bei Beginn des Wahlkampfes ein Anonymus, offenbar der volksparteiliche Führer v. Eynern, über die ,, ftaatspolitische Bedeutung der Berliner Wahlen". Zwischen jeder Zeile spürte man die Sehnsucht nach Aufhebung der städtischen Selbstverwaltung Berlins, flang die fast unverhüllte Drohung mit der stärke ren Macht im Reichs- und Landesparlament. In dieser Einstellung des Bürgertums und feiner maß gebenden Kreise liegt die schwerste Gefahr für Berlins Entwicklung und damit für die Arbeiterschaft. Denn in diesem größten Zentrum der deutschen Industrie ist die Arbeiterschaft am allermeisten daran interessiert, daß durch eine planmäßige Wirtschaftsförderung ihr Ber dienst und Arbeit gesichert wird. Ihr fällt des halb die schwere Aufgabe zu, in einer Zeit starter Wirtschaftsfrisis und schwerer finanzieller Not der Gemeinde sich durch fein Geschrei davon abhalten zu laffen, der Gemeinde zu gefunden Finanzen, zu Leiftungsfähigkeit und Arbeitsmöglichkeit zu verhelfen. Die Sozialdemokratie hat durch die Arbeit ihrer Fraktion in den letzten vier Jahren bereits bewiesen, daß sie dieser Aufgabe gewachsen ist. Die Kommu nisten haben in den letzten vier Jahren diese Notwendig feiten immer verkannt und niemals positiv mitgearbeitet. Ob sie jetzt, wo sie demonstrativ einen Kurswechsel anfündigen, dieser Aufgabe gewachsen sein werden, müssen sie erst zeigen. Wahrscheinlich werden sie ihren Befähigungs nachweis auf die ihnen eigene Art und Weise erbringen. Es ist nicht schwer vorauszusehen, daß das Polsekretariat der KPD. mindestens hundert Anträge der neuen tommu nistischen Fraktion in diesen Tagen überweisen wird. Bielleicht sind es auch nur fünfzig! Sicher aber werden die Kommunisten mit sehr vielen Forderungen und Vorschlägen an die Stadtverordnetenversammlung und an die Sozialdemofratie herantreten. Die Rezepte, nach denen dabei gearbeitet wird, sind nach den bisherigen Beobachtungen ziemlich einfach. Man lehnt die der Gemeinde nach den gesetzlichen Bestimmungen zustehenden Steuern als unsozial ab. Man verlangt für eine ganze Reihe erstrebensmerter Riele Geldausgaben, deren Höhe um so weniger eine Rolle spielen, als man sich bisher nie dafür interessiert hat, wie Geldmittel für die Stadt zu beschaffen sind. Wenn die Bilanz der nicht bewilligten Steuern und der stürmisch geforderten Ausgaben dann selbstverständlich ein in die Millionen gehendes Minus ergibt, dann wird man wahrscheinlich als Lösung eine De monstration des revolutionären Proletariats" vor schlagen, und vielleicht finden sich selbst unter den Kommunisten noch Naivgläubige, die annehmen, daß damit die sozial demokratisch- kommunistische Mehrheit alles getan hat, was ihr zu tun möglich ist. Das alte Klischee. A Gewiffenlose Hehe als nationale Oppofition". Die Deutschnationalen ergehen sich munter auf den altgewohnten Pfaden der verantwortungslosen Opposition. Die alten Klischees aus der Zeit ihrer gewiffenlosesten Heze gegen die Außenpolitik der Republik sind wieder hervorgeholt worden und werden fleißig angewandt. Niemand außer den Deutschnationalen hat ,, Verständnis für die Ehre und Würde der Nation". Dies feine Gefühl für„ Ehre und Würde der Nation" läßt die Deutschnationalen die große Mehrheit des Boltes als Locarnisten beschimpfen, die verantwortliche Antikriegsmuseum. Man tann Bilder und Statuten sehen von Tutanchamon und der attischen Göttin bis zu den Nachexpressionisten. Man tennt ein Berfehrs, ein Post-, ein Völkermuseum und noch viele andere. Man tennt auch ein Kriegsmuseum, das sogenannte Zeughaus, in das die Schüler geführt werden, um das Zeug zu sehen, das berühmte oder berüchtigte Feldherrn der Heimat mitgebracht haben. Während des Krieges gab es dann noch eine Straßenschau, die je nach der Stufe des Siegesrausches als Straßenfriegs- oder Antifriegsmuseum wirfte: die vor dem Schloß aufgebauten feindlichen Geschütze und die zerschossenen Soldaten, die um„ den Dant des Baterlandes" zu ernten auf dem Potsdamer Plaz ihre Armstümpfe und Holzbeine und blinden Augen zeigten. Seit ein paar Wochen gibt es aber in Berlin ein ständiges Antikriegsmuseum, das Ernst Friedrich in der Parochial straße 29 eingerichtet hat. Dort sieht man etwa Lebensmittelfarten jeder Art und daneben Menütarten aus dem Großen Hauptquartier. Ober eine Bage, deren eine Schale ein Bajonett, die andere zum Gleichgewicht unendlich viel friedliche Stahlwaren Bohrer, Schraubenzieher, Nägel, Scheren enthält. Dann ,, Kleine Ursachen- große Wirkungen: Soldaten spiele, Kinderuniformen, Bleisoldaten und hunderte Bilder von der Front. Massengräber, zerfetzte Menschen und Tiere, zusammenge nähte Krüppel. Befehle und Berordnungen der Heeresleitungen und ausländische Karrikaturen der Hohenzollern und ihrer Auldeutschen. Und darüber, über allem die Visionen von Käthe Kollwig Der Krieg". Aber mitten zwischen den Sachen und Aufnahmen die BilderFührung der Bofitit aber als Berrat. Richts anderes will es befagen, wenn die Deutsche Reitung" schreibt: „ Wenn es nach der für Donnerstag in Aussicht genommenen Besprechung mit den Ministerpräsidenten der Länder zur end. gültigen Annahme des Vertrages von Locarno und zum Abfinden mit den Rückwirkungen durch das Reichs tabinett tommt, so find Bolt und Reich nicht für ein Linsengericht verkauft, sondern gewissenlos preisgegeben worden. Der Name des Herrn Dr. Stresemann wird bei den tommen den Geschlechtern einen Klang haben, den näher zu bezeichnen das Gesez zum Schuß der Republit verbietet." So sind die Deutschnationalen! Beschimpfen und hetzen wollen sie nach dem alten Klischee aber feige find fie auch, und deshalb schimpfen sie nicht offen und ehrlich, sondern von hinten herum. Das gibt der Heze einen besonders wider wärtigen Anstrich. Die Deutsche Zeitung" versteht ih aber auch auf Taschenspielerfunststücke zur höheren Ehre ihrer nationalen Opposition. Die Tatsache, daß die Deutschnationalen, geführt von Graf Westarp und im Rabinett vertreten von den Herren Schiele, Schlieben und Neuhaus die Ver antwortung für die Einleitung und Durchführung der Bolitik von Locarno mit übernommen haben, läßt sich nicht bestreiten. Die Nationalliberale Korrespondenz" hat ihnen das bei Gelegenheit der Besprechung eines Plakats der Ber liner Deutschnationalen zum Ueberfluß noch einmal befcheiniot: Recht anvorsichtig ist allerdings die Behauptung, daß Locarno ein drittes Bersailles sei. Der Dawes Blan foll wohl das zweite Bersailles sein. Diesem haben die Deutschnationalen aber zu 50 Prozent zugestimmt und dem dritten gar zu 100 Prozent! - 100 Prozent! Denn die Deutsch nationiale Boltspartei hat ja dem deutschen Juli- Memorandum zugestimmt, in dem es heißt, daß der Abschluß eines. Sicherheitspattes, wie er in den deutschen Anregungen ffizziert ist, feine Aenderung ber bestehenden Berträge, also auch nicht des Bertrages von Bersailles bedeutet, und es sich deshalb erübrige, in dieser Hinsicht besondere Feststel lungen zu treffen. Die Verträge von Locarno entsprechen also den Forderungen des Juli- Memorandums." Da sich daran nichts drehen und nichts deuteln läßt, ist die Deutsche 3eitung" auf den Dreh verfallen, die Dinge so zu deuten, als sei in Locarno eine voll. ständig nene Bolitit begonnen worden. Sie fchreibt:" „ Niemals hätte die pflicht- und ehrliebende nationale Oppo fition eine Politik decken können, die in Locarno begonnen und in den Tagen seitdem durchgeführt worden ist. Wer heute im deutschen und in den anderen Parteien noch nicht versteht, noch nicht verstehen mill, daß die DNVP. bereits vor nahezu vier Wochen aus der Regierung austreten mußte, dem fehlt jegliches Verständnis für Ehre und würde der Nation." Mit diesem Dreh sollen die Herren West ar p, Schiele, Schlieben und Neuhaus gedeckt werden. Aber was ist's mit Hindenburg? Denn Hindenburg billigt die Außenpolitit der Regierung auch nach Locarno. Er fann es nicht verstehen, daß die Deutschnationalen aus der Regierung ausgetreten sind und hat dem Ausdruck verliehen. Es fehlt ihm nach der Deutschen Zeitung" alfo ebenfalls an ..jeglichem Verständnis für Ehre und Würde der Nation". Das Klischee der nationalistischen Heze ist dasselbe wie einst, nur die Personen, gegen die sie sich wendet, haben sich geändert. Einst waren es Erzberger, Rathenau und Wirth jetzt sind es Stresemann und hinden burg. 1 Zur Warschauer Offiziersdemonftrafion. Kriegsminister General Sitorsti hat den General Dresser, den Führer der Offiziers demonstration, strafperlegt. Eine Wiederkehr Sikorskis in die neue Regierung gilt übrigens für ausgeschlossen. Stimmrecht der Frauen in den Gemeinden in Italien. Der italienische Senat hat der Einführung des Frauenstimmrechts in den Gemeinden nach längerer Auseinandersetzung zugestimmt. Bodhisattva aus der zweiten Hälfte des 6. Jahrhunderts, zmet mächtige Tempelwächter aus den Höhlen von Lung- men( 8. Jahr hundert) und zwei Buddhaköpfe, unter denen das folossale Haupt der früheren Sammlung Golubeff in erster Linie zu nennen ist, gehören durch diese auf längere Zeit gewährte Leihgabe auf dem Gebiete der der Welt des Buddhismus an. Die oftasiatische Kunſtabteilung ist chinesischen Plastik zur bedeutendsten Sammlung in Europa geworden. Die Werte sind im Erdgeschoß des Museums Prinz- Albrecht- Straße 7 in dem Saale der Dorbuddhistischen Kunst und den gegenüberliegenden beiden buddhistischen Räumen ausgestellt. eine Jugendarbeitskreise Hilfe". Das find Jungen und Mädel, Schüler und Lehrlinge, die sich aus allen möglichen politischen und religiösen Gruppen zusammengefunden haben, um denen, die Not leiden den Alten und Kindern zu helfen. Das tun sie Gonn tags und am Feierabend, nach Schule und Lehrzeit. Sie ziehen mit Liedern und Lauten in die Wärmehallen, in denen Obdachlose langweilig zusammenboden Sie befreunden sich mit den Greisen und Greifinnen, die an den Straßeneden betteln. Besuchen fie in ihren Wohnlöchern, sehen dort nach dem Rechten die Jungen bringen Holz von den Sonntagsfahrten, die Mädchen puzen auf sie versuchen ihnen durch Bermittlung bei Behörden Unterstützungen und Kaffee in ihre Schulen und Rester", und fingen und tanzen zu verschaffen. Sie laden fie zu- irgendwo erbetteltem Ruchen ihnen was vor. Sie holen die Kinder von der Straße und den Rummelplägen, spielen, lernen und basteln mit ihnen und Sonntags geht's auf Fahrt. Zu ihrer Arbeit brauchen die Jugendarbeits. freise Hilfe materielle Unterſtügung. Denn sie selbst Schüler, junge Arbeiter, Studenten, taufmännische Lehrlinge haben nur wenig Geld. Um etwas zu bekommen, hatten sie am Sonntag im Berliner Rathaus Friedrich Rayßler, Lucie Mannheim und Hans Matinee veranstaltet, und Baer hatten ein Märchenprogramm zusammengestellt. Und da faßen durcheinander Berliner Vortragspublikum, an hundert Gäste der Hilfe" alte Leute aus dem Obdach, aus Wärmehallen, aus Altersheimen ein paar behördliche Gönner aus dem Polizeipräsidium und dem Jugendamt und die Jungen und Mädel. Und alle hörten mit Andacht zu, wie Lucie Mannheim vom tapferen Binnsoldaten erzählte. So mögen Kinder erzählen, freudig überrascht von den luftigen Erlebnissen des Helden. Friedrich Wertvolle Leihgaben für die staatlichen Museen. Freiherr schlicht wie der Großvater, mit einem feinen flugen Lächeln bei den Kangler las Märchen von Grimm und Andersen und Leffing, Eduard v. d. Hendt hat der Abteilung für ostasiatische Kunst an den staatlichen Museen zehn chinesische Stulpturen ersten Spizen und der Moral der Geschichten. Hans Baer spielt da= Ranges als Leihgabe überlassen, die die geringen Bestände der Abwischen und begeisterte die Herren und Damen, die Jungen und teilung auf diesem Gebiete besonders erfreulich ergänzen. Eine Mädel und die alten Leutchen mit Liszt und Chopin. Reliefplatte von dem Grabe eines Ehepaares Tai aus dem Jahre 114 n. Chr. ist von besonderer Bedeutung als die älteste bisher befannte chinesische Stulptur mit gesicherter Datierung. Ebenfalls dem Totenfult dienen ein prachtvoller überlebensgroßer Steinwidder des 7. Jahrhunderts und ein viel. leicht noch grandioserer Tiger aus Marmor, der dem 12. bis 13. Jahrhundert angehören mag, beides Wachtfiguren von einer " Geiſterſtraße", wie sie zu den Gräbern der Großen führen. Die übrigen fieben Werte, zwei Botivstelen mit reichem Figurenschmud und langen Inschriften aus den Jahren 520 und 557, ein lieblicher reihe von Otto Dir. Und am Ende, oben von einer Wand ein deutsches Seitengewehr, an dem ein französischer Stahlhelm hängt. Der Stahlhelm ein Blumentopf, in dem ein Farn frisch wächst ,, Und neues Leben blüht aus den Ruinen". Gewe. Damit alle, die die Matinee nicht besuchen fonnten, noch mehr Silfe" elf Tage vor Weihnachten zu jedem fommen, der Hörer hat, von der helfenden Jugend erfahren, werden die Jugendarbeitskreise zu hören! Die Funkstunde hat ihnen nämlich einen Nachmittag zur Verfügung gestellt, an dem Gertrud Ensoldt und Genia Gufzalewicz von der Staatsoper mitwirfen werden. Gewe. Ludwig- Finch- Abend. Konzertsaal der Staatlichen Musikhochschule). Auch wenn man es nicht wüßte, daß der faum mittelgroße Mann mit der schwarzen Künstlerfrawatte ein Schwabe ist man würde ihm seine Heimaterde ansehen. Nirgendwo Chemberlain über Locarno. „ Sicherheit Englands und des Festlandes London, 18. November.( WTB.) Chamberlain wurde warm be grüßt, als er sich erhob, um seinen bereits gemeldeten Antrag eing bringen, in dem die Zustimmung des Hauses zur Ratifizierung des Bertrages von Locarno gefordert wird. Wenn ich fagen tann, daß ich vom Glück begünstigt war, so dente ich dabei an die Vorarbeiten, die die frühere britisce Regierung geleistet hat und an die Kollegen, mit denen ich die Ehre hatte, in Locarno zu arbeiten. Vor dieser Konferenz war ich mit Bertretern des Deut. ichen Reiches noch nicht zusammengefommen. In Locarno fam ich sehr bald in die Lage, mich davon zu überzeugen, daß die deutschen Bertreter gefommen waren, befeelt von dem aufrichtigen Wunsche nach Frieden und Bersöhnung, der auch die westlichen Nationen erfüllt, und dem ebenso aufrichtigen Wunsche nach einer Busammenarbeit mit uns, um ein für die Wohlfahrt aller in Locarno vertretenen Böller bedeutsames Ziel zu erreichen.( Beifall.) Ich kann von besonderem Glüd auch sprechen, wenn ich den Charakter des großen Franzosen in Betracht ziehe, der in Locarno sein Land vertrat, denn Briand ist ein Mann von befenderem Mut, von hervorragender Klarheit des Blicks und von außerordentlichem Freimut des Dentens. Ich glaube, ich sage nicht zuviel, wenn ich erfläre, daß der Erfolg der Konferenz von Locarno wesentlich zurückzuführen ist auf den Charakter der Bertreter Deutschlands und Frankreichs während der Zusammenfunft. Die Bertreter Belgiens fchloffen sich der friedlichen Absicht des Vertreters Frankreichs an. Der Vertreter Italiens nahm genau die gleiche Haltung ein wie der Vertreter der englischen Regierung und trug mit uns zur Beilegung der Schwierigkeiten, zur Beseitigung der Furcht und des Argwohns bei, den ohne die Hilfe unserer beiden Länder zu entfernen den un. mittelbar betroffenen Parteien niemals möglich ge. wesen wäre. So wertvoll auch die Abkommen bereits an sich find, so ist doch noch wertvoller der Geist, der fie erzeugte, und der sich bereits in den internationalen Beziehungen auswirkt. Wir sehen Locarno nicht an als ein Ende der Arbeit der Be friedigung und Versöhnung, sondern als ihren Beginn.( Beifall.) Der Vertrag einer gegenseitigen Garantie ift gegen nie mand gerichtet, da die Berpflichtungen aller allen gegen über einander gleich sind, während die Abkommen als Ganzes dem Geist der Bölkerbundsfagung entsprechen. Was die Frage der Berpflichtungen, die Gro britannien übernommen hat, betrifft, jo gibt es feinen Fall, sofortige Aktion zu unternehmen, außer in Berfolg der Völkerbundin dem die Anforderung an Großbritannien herantreten tönnte, eine jahung und der Aktion des Böllerbundes. In dem Fall, daß nun eine Aktion von seifen einer der Parteien unternommen wird, wodurch diese damit ihren Verpflichtungen zuwiderhandelt, und damit die Gefahr so unmittelbar nahe rückt, daß man selbst die wenigen Tage, die für die Zusammenberufung des Böllerbundrats notwendig find, nicht abwarten tann, in diesem Falle steht der jeweiligen britischen Regierung der eigenmächtige Entscheid zu, und 3war als einziger Richter, ob ein Fall unmittelbarer Gefahr entftanden ist. In genau derfelben Lage wie die britische Regierung ist auch die italienische Regierung als gemeinsamer Garant, denen es also zusteht, darüber zu entscheiden, ob die Lage ihre Garantie in Täfigkeit zu sehen zwingt. Ich zweifle nicht daran, daß in der Praxis beide Garanten fofort ihre Meinungen austauschen werden, und glaube auch, daß es sehr wahrscheinlich ist, daß die garantierten Mächte bestrebt sein werden, die Ansichten der Garanten zu fennen, bevor fie irgendeine Aftion unternehmen werden. Trotzdem find die Garanten unabhängig und die britische Regierung fann deshalb felbft darüber beschließen, soweit fie in Betracht kommt, ob die Lage eines eigenmächtigen Entscheids entftanden ist. Chamberlain gab meiter seinem Bedauern Ausdrud, daß es unmöglich gewesen sei, persönlich mit den Dominions und Indien vor den Berhandlungen in Locarno Beratungen | anders wächst diese Sorte Menschen, so gütig und seltsam wirklich teitsfremd, fast zeitlos, äußerlich wie innerlich. Der Verfasser des Rosendoktor" denn das wird er einem großen Bublifum immer wohl bleiben - hat viele Freunde. Glauben an alles Gute und Liebe feiner Seele. Und in einer guten Stunde wird gar mancher sie gern und ein bißchen weiche Träumerei flingt aus seinen Werfen, aus burchblättern; aber eine gute Stunde muß es fein, ein milder Sommerabend oder ein warmer Herbstnachmittag. Nicht folche Zeit, wo man das Leben tantet und edt, wo wir schreien möchten vor Schmerz oder an uns schlagen in dumpfer Mut. Und in den Alltag der Großstadt paßt Ludwig Findh nun schon gar nicht. Denn er ist fein Mensch, aus Fabrikschloten und Not und Kampf empor gewachsen; und ein besonntes Kleinstadt- Idyll, so ein Spizwegmilieu, über dem eigentlich immer eine Art Feiertagsstimmung ruht hat das mit uns Gegenwärtigen zu schaffen? Macht Ludwig Findh gar Weltgeschichte, so fühlen wir mit einem leisen, verstehenden Lächeln, daß da vorn auf dem Bodium ein Mensch der alten Generation figt, der es gut mit uns meint und uns doch nichts geben tann. Aber an einem schönen Frühsommertag, wenn die Rosen duften und uns das Schicksal eine schöne leere Feierstunde zumirft, da werden wir uns neu entdecken. was Zes. Pflege unserer populären Instrumente Gitarre, 3ither, Laute und fiche Renner der musikalischen Verhältnisse meiß schon längst, daß die Konzert der vereinigten Finfefchen Mandolinenchore. Der wirtals die Art Klaviergeflimper, wie sie sich allmählich in weiten Mandoline viel wichtiger ist zur Bebauung eines gefunden Bodens Schichten als Hausmusik herausgebildet hat. Die Vorträge der Finteschen Mandolinen chore( etwas über 100 Mandolinen, ein Dugend Gitarren, zwei Dutzend Mandolas, zwei bis dret Violinen, eine Harfe und sechs Kontrabasse) murden deshalb mit Recht nicht nur durch guten Besuch, sondern auch durch reichlichen Beifall belohnt. In der weitgehenden Nuancierung einer fünfileInrischen Bersinken ist die Mandoline in solchen Massen besonders rischen Melodik vom tauschesten Aufschwung bis zum feinsten start. Da fie nun einer um so fräftigeren harmonischen und Contrapunktischen Stüße bedarf und die angedeutete Orchestration etwas zu dürftig war, so fehlte an dem vollen musikalischen Aufbau natürlich mancherlei, was sich auch im Berzerren und Verdehnen der straffen Linie fundgab. Trozdem hatte der tüchtige Dirigent Wilhelm Tannhäuser und Ouvertüren und Phantasien von Adam und Flotow infe selbst mit Standardwerfen wie dem Einzugsmarsch aus dem cinen vollen Erfolg, der durch die leichteren Schlager selbstverständH. M. lich noch zehnmal unterstrichen wurde. Museumsführungen. Sonntag, den 22. 10 Uhr vorm., finden amtliche Führungen im Alten Museum( Bildwerte römischer Kaiserzeit) Dr. Neugebauer und im Railer Friedrich Museum( Altchrinlich- bbzantinische Stunft) Dr. Bolbach statt. Bulaßfarten au je 50 31. find vor Beginn der Führungen am Eingang der genannten Museen in beschränkter Anzahl erhältlich. Akademische Hochschule für Mut. Am 24., nachm. 4 br, findet das Preispiel um die von den Firmen Grotrian- Steir weg und Julius Blüthner geftifteten Flügel im Theateriaal der Hochschule für Musik, Charlottenburg, Programms gestattet. Fasanenitr. 1, statt. Der Zutritt zum Preisspiel ist gegen Entnahme eines abzuhalten. Die Regierung wird vorschlagen, daß diese Frage doch noch voll erörtert wird, wenn die nächste Reichstonfe. renz, deren Zusammentreten sich, wie die Regierung hofft, nicht mehr allzulange verzögern wird, tagt, denn eine persönliche Fühlungnahme in diesen Fragen ist von wesentlicher Bedeutung. In Locarno ist es unmöglich gewesen, über die Ab. rüstung zu beraten, aber die Konferenz hat einen neuen Geist in die Arbeit der Völkerbundversammlung und des Völkerbundrates gebracht, die jetzt im Begriffe sind, über die Abrüstung zu berat. schlagen. Er gab seinem Bedauern Ausdrud, daß die Opposition b. änderungsanträge angefündigt habe, wies jedoch darauf hin, daß teiner dieser Anträge das Locarno- Abkommen tritifiere oder die von der Regierung empfohlene Annahme der durch den Vertrag von Locarno auferlegten beschränkten Verpflichtungen betämpfe. Belchherzigfelt hinter einem rauben Aeußeren verbergen. Booth wirti wie ein alter, netter Bapa, mit dem es angenehm zu ver handeln ist. Und nach Booth( prechen Inder, Japaner, Berser und andere erotische Heilsarmeefoldaten. Der Inder entwidelt ein ungemein lebhaftes Temperament, während der Japaner sich auch Blasorchester geistliche Lieder nach Marschmelodien, ein Frauender kleinsten Geste enthält. Und dazwischen spielt das ausgezeichnete und Mädchenchor singt hübsch klingende Lieder mit Lautenbegleitung und andere Damen und Herren sammeln Beträge ein. Der Zirkus Busch ist gut besucht, jedenfalls besser als zum„ Grafen von Monte Christo", und da niemand Mitglied der Heilsarmee werden kann, es sei denn, daß er Buße getan hat, so tann man wohl sagen, daß in diesem Fall Boothtag und Bußtag eins waren. ** Reichsbahn gegen Rotawerke. und Amor" zu überweisen. Das Bezirksamt wird das Kunstwert auf dem Rathausplat bzw. Schillerpromenade in Oberschöneweide aufstellen. Furchtbare Schiffsfatastrophe in Amer. 300 Pasagiere und Mannschaft verungleft? m Der mit etwa 200 Passagieren auf der Fahrt nach Jacksonville beEine unheilverfündende Nachricht fommt aus New Bort: griffene& üst en dampfer„ Cenape" geriet vor der Einfahrt in die Delaware- Mündung in Brand. Von Augenzeugen, die sich an der Hilfeleiflung beteiligten, wird berichtet, daß die Flammen von Atlantic City aus sichtbar waren. Das Schiff fuhr in rasender Fahrt nach Lewes( Delaware) und anferte dort. Man nimmt an, daß alle Passagiere gerettet wurden. Der Dampfer wurde ein Raub der Flammen. Die letzten Nachrichten, die wir nachstehend verein Unglüd von furchtbaren Ausmaßen schließen. Chamberlain schloß: Inzwischen müssen wir, die wir dem des Landgerichts III gibt zunächst der Zeuge 4. Straffammer zeichnen, lauten jedoch bei weitem beunruhigender und lassen auf Leben nahestehen, wir, die wir uns nicht von den Ereignissen absondern können, wir, bei denen die Sicherheit und der Frieden vnserer Küsten, wie die Sicherheit unseres Boltes mit dem Frieden und der Sicherheit des Festlandes, vor allem feinem westlichen Teil verknüpft ist, unsere Entscheidung fällen und wir ersuchen deshalb das Haus, die Ratifizierung von Locarno zu billigen, im Glauben, daß wir durch diesen Vertrag jede Gefahr von unserem eigenen Lande und von Europa abwenden, daß wir den Frieden schützen und daß wir die Grundlage der Verföhnung und Freundschaft mit denen, die noch vor wenigen Jahren unsere Feinde waren, legen.( Cebhafter Beifall.) Das neue Prager Parlament. Mandatsverteilung im Abgeordnetenhaus. Prag, 18. November.( TU.) Das Abgeordnetenhaus wird sich nach Vollendung der zweiten Stimmendurchrechnung wie folgt zusammensetzen: Tschechische Agrarier Kommunisten. Tschechische Volkspartei Tichechische Sozialdemokratie. 45 bisher 42 42 31 29 Tschechische Notionalsozialisten 28 Bund der Landwirte 24 Slowakische Volkspartei 23 Deutsche Sozialdemokraten 18 Tschechische Nationaldemokraten 13 22 Tichechische Gewerbepartei 13 6 Deutsche Christlich- Sozialen 12 9 Deutsche Nationalpartei 10 10 6 5 4 4 . 1 1 Deutsche Nationalsozialisten Ungarische Christlich- Soziale Polnischer Verband Landwirtschaftliche Ruthenen Die Koalitionsparteien einschließlich der tschechischen Gewerbeparteien dürften also 159 Mandate erhalten, während die gesamte Opposition über 141 verfügt. Die Regierungsparteien erhielten im ganzen 3 185 801 Stimmen gegen 4 024 284 im Jahre 1920. Die Oppositionsparteien erhielten 3 920 487 Stimmen gegenüber 2 175 722 Stimmen. Der alte Prozentsatz der Regierungsparteien bekig alfo 64,9 Prozent, während sie jetzt mur mehr 44,83 Prozenten Die Oppositionsparteien hatten im alten Hause 35,9 Prog, web fie war im neuen Haufe 55,17 Proz. einnehmen werden. Nachher... z Wir hätten also wieder einmal gebüßt. Endgültig? Das wird sich nachher herausstellen. Es bleibt uns allerdings noch bis us sicht auf mancherlei Unangenehmes. Dieser Winter mib bungetrübtes Bergnügen sein. Für die diversen Sümmerne merden gerade die eifrigsten Bußgänger von gestern Sorge zu tragen wissen. Immerhin war am Mittwoch alles vorschriftsmäßig stillgelegt. Nur die Leute mit dem tragischen Unterton durften sich Honorare ver. dienen. Wirtschaften, die choralähnliche Musikplatten ihr eigen nannten, wurden, unter Mufit gesetzt. Im übrigen tagten in den Abendstunden geschlossene Vereine" in auffällig großer Zahl. Der Heiterfeit des Programms waren im internen Kreise feine Grenzen gesetzt. In näherer und weiterer Entfernung von Berlin altoholifierten sich die Herrengesellschaften, um die Bitternis des Tages herunterzuspülen. Das Berliner Stadtinnere war mit Familienpublifum belegt, wie faum an den lebensgefährlichsten Weihnachtseinkaufsonntagen. Man promenierte mit Kind und Kinderwagen, begutachtete die Schaufensterauslagen, debattierte ein bißchen und hätte gern ein wenig Konzert gehört. Als wohlerzogene Staatsbürger und in seelischer Kenntnis der bußtäglichen Gachlage öffneten sie jedoch nur gähnend den Mund und sagten ein wenig verärgert: Wie langweilig." Das war es. Allerdings nur für uns, nicht für die anderen, die es sich leisten konnten, das tägliche Amüsierprogramın herunterzuarbeiten. Daher Bußtag! Gräfin von Bothmer legt Berufung ein. Gegen 1 Uhr nachts wurde nach Beendigung des Prozesses die zu einem Jahr Gefängnis verurteilte Gräfin v. Bothmer in einem von ihr selbst gemieteten Auto vom Landgericht in das Gerichtsgefängnis in der Lindenstroße in Potsdam eingeliefert. Bor dem Gefängnis war Schupo postiert, die das zahlreiche Publikum sofort zerstreute. Im Gefängnis war vor der Einlieferung die Nachricht eingetroffen, daß die Gräfin in der Nacht Selbstmord verüben wolle. Sofort wurden aus ihrer Zelle sämtliche Gläser, einige Weinflaschen und Bestecke herausgeholt. Als die Gräfin in die Belle trat, fragte sie, wohin ihre Sachen gekommen seien. Sie war ungemein aufgeregt und tonnte nur mit Mühe beruhigt wer den. Am Mittwoch hat sie ihr. Gleichgewicht vollständig wieder gefunden und zu morgen het sie ihren Potsdamer Berteidiger bestellt, da sie gegen das Urteil Berufung einlegen will. llebrigens mar in dem Urteil eine Haftentlassung abgelehnt worden, so daß die Gräfin im Gefängnis bleibt. General Booth spricht. Ein netter, alter Herr steht auf der Bühne des Zirkus Busch, ein General spricht zu seinen Soldaten über das Missionswert der Heilsarmee. Der Oberkommandierende Booth redet englisch, und neben ihm steht ein jüngerer Herr mit scharfem Profil, der im Konversationston und mit eleganten Gesten die Rede sofort ins Deutsche übersetzt; er begleitet seine Worte mit einem liebenswürdi gen Lächeln, während Booth sich durch einen herzhaften und leise verärgerten Ton auszeichnet. Der Chef der Heilsarmee wirkt ungefähr wie ein alter Kaufmann der Londoner City, der Klemmer figt ihm schief auf der Nase, und er spricht über das Missionswert in einem Ton, als ob er den Geschäftsbericht irgendeines Eisenfonzerns verlieft. Es fehlt vollkommen die edle Rührung, das Bathos, ohne die gewisse Deutsche nicht auszukommen vermeinen. Bei Booth ist eben auch die japan she und indische Mission eine absolute Selbstverständlichkeit. Hin und wieder schwingt er sich jogar zu einem Wiz auf. Man tennt diese Art alter Herren; fie bleiben ftehende Figuren in amerikanischen Filmen, in Romanen und Luft spielen; es sind die bekannten fnurrigen Bäter, die ihre Güte und Die Zeugen belaften Direktor März. Zu Beginn des 4. Berhandlungstages vor der des Landgerichts III gibt zunächst der Zeuge und Sachverständige der Reichsbahn Schubert noch einige Aufschlüsse über die Ermittlungen in bezug auf die Luftstunden und Luftwagen", die den Rotawerfen zur Last gelegt werden. Die Unterlagen, sogenannte Beschädigungsberichte, die zur Rechnungsauf. machung benötigt wurden und von dem Ueberwachungsbeamten Rau geprüft werden sollten, müssen ihm oft in raffinierter Weiße untergeschoben worden sein. bei der Berladung von Altmaterialien getäuscht Rau fagt dann auch aus, daß er vom Wert wiederholt worden sei. So sind z. B. wertvollere Wagenachsen auf mindermertigen Schrott geworfen worden, was aber noch rechtzeitig entdeckt werden fonnte. Es wird dann der Zeuge Oppermann ver nommen, der Direttor März schwer belastet, indem er erklärte, daß für unproduktive Arbeiten wie Böckebau, Werkzeuganfertigung usw. der Lohn in Rechnung gestellt wurde. Der Staatsanwalt tommt dann auf die„ Blinden" zu sprechen. Der Zeuge beſtätigt, daß„ Blinde", oder sogenannte fingierte Lohnstunden, geführt worden seien. Rutut und Kaiser richten gleichfalls gegen Diret tor März schwere Beschuldigungen, und sagen aus, daß März selbst die Obermeister und Kolonnenführer darauf hingewiesen habe blinde" Leute zu führen. Als nächster Zeuge tritt der Ober meister Shimanowski auf, der mehrere Jahre bei der Rota" tätig mar. Er hatte einen Teil des Güterwaggonbaues unter sich. Auch dieser Beuge schilderte, wie die Blinden", die nach her der Bahn in Rechnung gestellt wurden, bei den einzelnen Ko lonnen untergebracht worden sind, die überhaupt nichts mit dem Waggonbau zu tun hatten. Direktor März will von alle dem nichts wissen und streitet ab, jemals davon Kenntnis gehabt zu haben. Der erste Staatsanwalt sieht sich schließlich gezwungen, März an die Wahrheit zu ermahnen. Einen etwas dramatischen Verlauf nimmt die Verhandlung, als Kaiser erregt, fast meinend erklärt, auf März zeigend: Da steht der wahre Schuldige, der uns alle ins Unglück gebracht hat. Er ist der Urheber der Betrügereien." Der Borsigende ermahnt Kaiser zur Sachlichkeit und fährt in der Verhandlung fort. März stellt dann noch einige Behauptungen auf, die sich als unwahr erwiesen. Der reits drei Mitangetlagte und drei Zeugen aus. Stand der Berhandlung ist demnach so, daß gegen März besagen, die ihn schwer belasten. Die weiteren Vernehmungen am Donnerstag werden die Affäre vielleicht endgültig flären. Die Hauptverhandlung gegen Freiherrn von Lükow. Leiter des Landeserziehungsheims in 3ossen, Der Strafprozeß gegen Freiherrn v. Lützow, den ciner höheren Privatschule, gegen den nunmehr Anklage erhoben worden ist, wird der größte Serualprozeß werden, der je in Deutschland stattgefunden hat. Es werden mehr als 550 3eugen und dazu ein ganzes Heer von Sachverständigen auftreten. Freiherr v. Lügow, der nach der Auffassung der Anklage. behörde als Prügelpädagoge zu bewerten ist, wird be schuldigt, während seiner Tätigkeit in dem Landeserziehungsheim in offen ebenso wie in seiner früheren Stellung als Leiter einer gleichen Schule in Buckow sich in 70 Fällen an seinen Schülern vergangen zu haben, und zwar wird er der Vornahme unzüchtiger Handlungen und der Körperverlegung beschuldigt. Wegen des großen Umfanges der Berhandlung wird das Erweiterte Schöffengericht in Lichterfelde nach Moabit übersiedeln und Landgerichtsrat eulßner, der Borsigende des Schöffengerichts, wird die Verhandlungen im Schwurgerichtssaal führen. Zu den von Staatsanwaltsrat Burczet geladenen annähernd 400 Zeugen der Anklage haben die Verteidiger v. Lühows, die Rechtsanwälte Reihe von Eltern der betroffenen Schüler haben sich durch RechtsDr. Frey und Dr. Balentin, noch weitere 175 3eugen geladen. Eine anwalt Dr. Gollnid als Nebenfläger dem Strafverfahren angeschlossen. Ein 75 Jahre alter Sittlichkeitsverbrecher. Vor dem erweiterten Schöffengericht Lichtenberg hatte sich der pensionierte Eisenbahnschaffner Karl Linke Friedrichsfelde wegen Sittlichkeitsverbrechens in drei Fällen zu verantworten. Der Angeklagte, der bereits im 75. Lebensjahr steht, verstand es, fleine, zehn bis zwölfjährige Mädchen in seine Wohnung zu loden und Süßigkeiten erreichte er, daß die Kinder oft wiederfamen und ihren Eltern nichts erzählten. Der bis dahin unbestrafte Angeklagte räumte feine Berfehlungen ein. Mit Rücksicht auf sein vorgeschrittenes Alter rerurteilte ihn das Gericht zu 7 Monaten Gefängnis bei einer drei jährigen Bewährungsfrist. fich dort an ihnen zu vergehen. Durch Hergabe von Geld und Billige Seefische. Es lommen am Donnerstag, den 19., und Freitag, den 20. November, zum Verkauf und zwar frischer Goldbarich pro Pfund 30 Pf. und frisch eintreffender Ditieedorich pro macht und befinden sich in den Ladengeschäften, in den Markthallen Pfund 25 Pi. Die Verfaufsstellen find durch Blafate fenntlich geund auf den Wochenmärften. Die Leiche des Kampffliegers Freiherrn v. Richthofen ist aus Frankreich nach Deutschland zur Beiseßung in der Heimat übergeführt worden und in der vergangenen Nacht in Berlin eingetroffen. Die Ueberführung war Anlaß zu Erinnerungs- und Trauerfeiern in Kehl, Appenmeier, Heidelberg, Frankfurt a. M. und anderen Städten. In Frankfurt a. M. beteiligten sich auch das Reichsbanner Schwarz- Rot- Gold, der Republikanische Reichsbund und der Jüdische, Frontkämpferbund an den Feiern. Venus und Amor in Oberschöneweide. Der Magistrat Berlin beabsichtigt, dem Bezirksamt Treptow eine Bronzesfulptur Venus Das Rundfunkprogramm. Donnerstag, den 19. November. 4.30-6 Uhr nachm.: Nachmittagsunterhaltung. 6.40Uhr abends: Hans- Bredow- Schule( Bildungskurse). Abteilung Technik. Prof. Dr. Reck: Die technischen Rohstoffquellen". II. Teil. 7.05 Uhr abends: Fritz Croner: Die Entwicklung des Arbeitsrechtes im führung zu der Oper Tannhäuser" am 20. November. 8.30 Uhr Deutschen Reich bis zum Jahre 1914 7.30 Uhr abends: Einabends: Der Roman als Funkspiel. 2. Fortsetzung. Die Katastrophe. Originalroman für die Funkstunde" von H. J. Gramatzki ( als Funkspiel bearbeitet). 9 Uhr abends: Sendespiele. Abteilung Schauspiel. Leitung: Alfred Braun. Das deutsche Lustspiel bis Lessing. II. Abend. Zwei Fastnachtsspiele aus dem Folz, in der Bearbeitung von Max Bauer. Anschließend: Dritte 15. Jahrhundert vor Hans Sachs, von Hans Rosenblüt und Hans Bekanntgabe der neuesten Tagesnachrichten. Zeitansage. Wetterdienst. Sportnachrichten, Theater- und Filmdienst. 10.30-12 Uhr abends: Tanzmusik. leiftung für das in der Nähe der Delaware- Mündung in Brand New York, 18. November.( Kabeldienst der TU.) Die zur Hilfs geratene amerikanische Passagierschiff„ Lenape" ausgesandten Schiffe erreichten gegen 2 Uhr morgens den mit dem Untergang schwer fämpfenden Dampfer. Infolge des schweren Stur sehen und untätig bleiben, während das Feuer sich mit mes mußten sie jedoch von einer Rettungsaktion ab. rajender Schnelligkeit ausbreitete. Der Brand hatte sich schon fast fion erfolgte. Das Schiff barst auseinander und fing sofort an auf den ganzen Dampfer ausgebreitet, als eine heftige Explo zu finden. Die Passagiere und Mannschaften des Dampfers mußten trop des Sturmes über Bord springen. Darauf begannen die Hilfs schiffe sofort mit der Rettungsaktion und suchen gegenwärtig noch die ganze Umgegend ab. Es besteht jedoch wenig Hoffnung, und es ist mit dem Berlust. einer großen Anzahl von Bassa. gieren und Mannschaften zu rechnen. Die Schiffahrtslinie, der der Dampfer gehört, muß einen Funtspruch ausgeben, in dem es heißt, daß höchster Menschenverlust befürchtet wird. Das untergegangene Schiff, das nur zwei Meilen von der Küste entfernt fant, tonnte erst gegen Mitternacht furz vor dem Unters gang die Verbindung mit den Radiostationen erreichen. New York, 18. November.( Kabeldienst der TU.) Amtliche Be richte erklären, daß bei der Brandkatastrophe des Bassagierschiffes Lenape" die meisten Passagiere gerettet worden sind. Todesfälle sind nur sehr vereinzelt zu verzeichnen, doch gibt es eine große Anzahl von Schwerverlegten. Gegen Morgen hat der Sturm nachgelassen, so daß die Bergungsboote ihre Tätigkeit beginnen und zahlreiche mit den Wellen ringenden Passagiere aus den Fluten retten konnten. Der große Poftdiebstahl, der in der Nacht zum 30. Oftober zwischen der Abfertigung des Berliner D- 3uges und des ihm fol. genden Eilgüterzuges im Badraum der Bahnpost in Rathenow berübt wurde, ist immer noch nicht aufgeklärt. Der Ausbelfez Junge, der unter dem dringenden Verdacht, seine fand im Spiel gehabt zu haben, vorläufig festgenommen wurde, ist wieder aut freien Fuß gesezt worden, weil ihm eine Beteiligung nicht nachzuweisen ist. Eine andere Epur ist noch nicht ge. funden Der Gesamtwert der entwendeten Gold- und Silberiachen und Wertpapiere beträgt etwa 100 000 Mart. Jm internationalen Schachturnier in Mostau waren Laster. Romanowski Sieger Laster, Bogatyrtschol- Bogoljubow remis, Subarew- Reti remis, Iljin- Spielmann Sieger Iljin, Torre- Marschall Sieger Torre, Spielmann- Rabinowitsch remis, Gothilf- Grünfeld remis, Subarew- Werlinsfi Sieger Subarem, Loemenfisch Duschotmirsti Sieger Loewenfisch, Romanowski- Grünfeld Sieger Romanowski, Laster- Grünfeld unentschieden. Gewerkschaftsbewegung Die Schwerbeschädigten bei der Reichsbahn. Die von der Reichsbahnverwaltung ausgeschütteten„ et. und der unteren Beamtengruppen herausgeholt werden. Auch in stungszulagen" sollen aus den Knochen der Eisenbahnarbeiter den Beamtenkreisen, denen das foziale Empfinden und die Moral vorsteher und Amtsvorstände, wünscht man den Tag herbei der immer noch höher steht als die Autoritätsduselei engstirniger Dienft. Befreiung von diesem unmoralischen Ausbeutungssystem. schädigten Lohnempfänger, soweit sie dem Reichsversorgungs. Der neueste Vorstoß richtet sich gegen die schwerbe. die Kürzung des bisherigen Lohnes damit, daß die in und Unfallgesetz unterstehen. Die Reichsbahndirektion begründet dem Arbeitsfach bisher zur vollsten Zufriedenheit ausgeführten Arbeiten nicht mehr als Volleistung betrachtet werden tönnten. Auf anderen Dienſtſtellen geht man geschickter vor, indem man diese Echwerbeschädigten von ihrer bisherigen Dienststelle zu einer anderen niedriger eingestuften Dienststelle periegt, unter gleichzeitiger Rückversezung des seit 13 Jahren innegehabten Dienstpostens in einen niedriger bewerteten. Alle insprüche dieser mit schweren Bein- oder Armschäden Be hafteten( cheiterien an der Halsstarrigkeit verschiedener Dienst. und Amtsvorstände. Wissen diese Herren, weiß z. B. der Eisen bahnobersekretär Schmidt vom Betriebsamt 7 und der Dienst stellenleiter von Neukölln- Treptow gar nicht, daß sie geger bie gefeßlichen u und tariflichen Bestimmunger handeln? Wie kommt man dazu, das Einkommen der Schwer. beschädigten zu fürzen? Eine ganze Anzahl der Herren, die darau besonders bedacht sind, auf der Reichsbahn beschäftigt zu werden fönnen manchem Schwerbeschädigten nicht das Wasser reichen, trot ihrer Strozenden Gesundheit. Muß zu dem rücksichtslosen unt widerfinnigen Personalabbau, der schlechten Entlohnung, dem 10 beschädigten, die ihre Gesundheit auf dem Altar des Vaterlandes bis 14- Stundendienst und der rigorosen Behandlung der Schwer geopfert haben, nun auch noch eine besondere Lohndrückerei fommen! So weit dürfte die Plusmacherei bei der Reichsbahn- Gesellschaft und die Jagd nach den Leistungszulagen denn aber nich gehen! Es wird leider versucht, und deshalb haben die Schwer. beschädigten allen Anlaß, sich nicht nur im Reichsbund dei Kriegsbeschädigten zusammenzuschließen, sondern auch in ihrer zu ständigen Organisation, dem Einheitsverband der Eisen bahner Deutschlands. war. Fortschritte im Verkehrsbund. Für Notstandsarbeiten und praktische Arbeit. In der Generalversammlung des Deutschen Verkehrsbundes nn Montag im Gewerkschaftshaus gab Ortmann den Geschäfts- un Raffenbericht für das dritte Vierteljahr. Es war wiederum ein Bierteljahr, das reich an Bewegunge geführt in 5586 Betrieben mit 38 590 Beschäftigten. Die durch dies Es wurden 94 Angriffsbewegungen ohne Streifs Bewegungen erreichte Lohnerhöhung beträgt 119 802 M. oder runi 3 M. pro Kopf in der Woche. Durch die 7 Streits mit 2203 Be fchäftigten in 270 Betrieben wurde eine Lohnerhöhung von 11 004 m oder 5 M. pro Kopf für die Woche erreicht. Die Lohnbewegunger waren äußerst schwierige, da sich die Unternehmer jeder Lohe erhöhung hartnäckig widersezten. Neu aufgenommen wurden insgesamt 4461 Mitglieter Aus anderen Organisationen übergetreten sind 192 Mitglieber. Di Agitationstätigkeit fann als gut bezeichnet werden, es muß aber weitergearbeitet werden. Der Arbeitsnachweisbericht spiegelt fast dasselbe Bild wieder wie der des zweiten Vierteljahrs 16 896 Stellungssuchenden standen 13 294 gemeldete Stellen gegen über. Befeht wurden 6442 Stellen für fest und 5932 zur Aushilfe Einnahmen und Ausgaben balancierten mit 368 394,36 Mart. Das Lokaltassenvermögen hat fich von 8172,16 2. am Schluffe des zweiten Bierteljahres vermehrt auf 22 268,61 2. Das bei ist zu bemerken, daß die der Haupttasse im vorigen Bierteljahr geschuldeten 10 000 m. zurüdgezahlt werden fonnten. In seinen weiteren Ausführungen über organisatorische Fragen weist Ortmann u. a. darauf hin, daß der Gedante unter den Mitgliedern noch mehr verbreitet werden müsse, bei Streits die Not standsarbeiten selbst auszuführen. Es müsse dadurch verhindert werden, daß die technische Nothilfe eingelegt wird. Ortmann ging dann weiter auf das Schlichtungswesen und die Maßnahmen der Regierungsstellen zur Linderung des immer größer werdenden Arbeitslosenelends ein Nach einer ausgedehnten, sehr fachlichen Aussprache gelangten folgende zwei Anträge der erweiterten Ortsverwaltung zur Annahme. Die Generalversammlung beschließt, ben Ortsausschuß des ADBB. aufzufordern, in Ansehung der täglich steigenden Erwerbs lofenziffer ungefäumt Berhandlungen mit den städtischen Körper. schaften und der preußischen Landesregierung nachzujuchen, damit die große Notlage der Arbeitslosen durch beschleunigte Rot. standsarbeiten mit angemessener Bezahlung Schnelle Linderung erfährt." " Die Generalversammlung des Deutschen Berkehrsbundes, Be girtsverwaltung Groß- Berlin, stellt mit Genugtuung fest, daß die Stadtverordnetenwahlen vom 25. Oftober 1925 eine aus Sozial demokraten und Kommunisten bestehende Mehrheit gebracht haben. Die Generalversammlung ist sich bewußt, daß diese Mehrheit prattische proletarische Arbeit verrichten tann, B LLE menn innerhalb und außerhalb des Stadtparlaments die notwendige| begründet mit der Rücksicht auf die schwierige wirtschaftliche Lage Einheitlichkeit im Handeln erzielt wird und der organisatorische der Betriebe und mit der Tatsache, daß die durch die Aussperrung Zusammenschluß aller Arbeitnehmer vorhanden ist. Sie fordert aufs schwerste geschädigten Arbeitnehmerinteressen die sofortige deshalb alle unorganisierten Arbeiter, Angestellten und Beamten Deffnung der Betriebe notwendig machen. Die Erflärungsfrist für beiderlei Geschlechts auf, sich unverzüglich den freien Gewerkschaften beide Parteien läuft bis zum 23. November. anzuschließen. Husemann über die Amerikareise. New Yort, 18. November.( WTB.) Bei der Abreise der deutschen Gewertschaftsführer, die heute auf dem Dampfer Bremen erfolgte, erklärte Reichtagsabgeordneter Huse mann, der Vorsitzende des Verbandes der Bergarbeiter Deutsch und Behörden eine weit günstigere Stimmung für Deutsch lands: Wir fanden bei den amerikanischen Arbeitern, Unternehmern land bor, als mir nach den uns drüben gewordenen Berichten erwarten fonnten, Man fam uns in jeder Weise entgegen und wir fahen Interessantes in Hülle und Fülle. Schiedsspruch für die chemische Industrie Bayerns. München, 18. Rovember.( Eigener Drahtbericht.) Da die Ber suche des Landesschlichters zur Beilegung der Streitigkeiten in der chemischen Industrie Bayerns 5500 Arbeiter sind aus gesperrt, 4500 stehen im Streit und 3500 noch in Arbeit feinen Erfolg hatten, fällte am Mittwoch die vom Landesschlichter einberufene Schlichtungsfammer einen Schiebsiprud bestimmt, daß von einer Lohnerhöhung bis auf weiteres abzusehen ist, Streif und Aussperrung fofort aufzuheben sind und Maßregelungen nicht stattfinden. Dieses Rompromiß wird Er Die Krise in Bayern. München, 18. Rovember.( Eigener Drahtbericht.) Im Sozialminifterium fand dieser Tage eine Konferenz der bayerischen Ge werbeaufsichtsbeamten statt, wobei ein recht trübes Bild von der augenblicklichen Wirtschaftslage Bayerns gegeben wurde. und jeder britte Wechsel fönne nicht eingelöst werden. Die Zahl 80 Broz aller Wechsel gingen gegenwärtig in Bayern zu Protest, der Betriebseinstellungen und Einschränkungen sei während der ganzen Nachfriegszeit noch nie so groß gewesen wie augenblidlich. In München allein hätten 60 Betriebe Ein ftellung oder Einschränkung beantragt; 15 fleinere Betriebe seien bereits gefchloffen Bufab- Mitglieder der Metallinduftrie! Mitgliederversammlung morgen Freitag, abends 7 Uhr, im Großen Saal der Haverlands Festsale, Neue Friedrichstraße 85. Berantwortlich für Bofiti: Craft Renter; Wirtschaft: Artur Saternus; Gewerchaftsbewegung: Friedr. Corn; feuilleton: R. 5. Dölder; Lotales und Berlag: Borwärts- Berlag 6. m. b. S., Berlin. Drud: Borwärts- Buchdruderet Confines: Fris Rarftabt; Anzeigen: Th. Glode; fämtlich in Berlin. unb Berlagsen ftalt Baul Singer u. Co., Berlin SB. 68, Lindenstraße 3. & Ah! Jetzt wieder die gute Bell Margarine CLOCK GOR Theater, Lichtspiele usw. Volksbühne Dir. A. Hellmer 8 Uhr Wer weint um Juckenack? Morgen 8 Uhr Judith Lessing- Th. Täglich 8 Uhr Der junge Aar on Rostand- Klabund Regie. Vierrel Großes Schauspielhans Residenz- Th. Für Dich 8/4 Stats- Theater Kleines Th. CHARELL- REVUE Opernhaus Täglich 8 Uhr TU: Cosi fan tutte Die Alarmglocke Opernhaus am Königsplatz 7 Uhr Zauberflöte Schauspielhaus 8: Die große Katha cina Weihnachtsgeschenke Lustsp.v.Hennequin u.Coolus Werbezirk, Ander Albers, E. Burg Trianon- Th. Uhr Schiller Theater Hochzeitstage 8 Uhr: Doppelselbstmord 300 Mitwirkende Parkett M. 6Rang M Ster Rang M 180 Loge M 3ter Rang 75 PL Bonntag nach m. 8 Uhr 8 Uhr: Circes Heirat Hesterberg Sabo Engers. Mattoni Sbd, 31, U( KI. Pr) Scaneewittchen Thalia- Th. 8 Uhr. Annemarie Lotte Neumann Dora, Baselt Sbd. 8( KL Pr.) Aschenbrödel Theater in der Kommandantenst 8 Uhr: anverkürzt zu ermäs. Preisen Anneliese Hochzeitstage Grcus Busche von Geraldy Städtische Oper Herrnfeld Charlottenburg 7%, Uhr: Der Waffenschmied Abonnements Turnus IV Deutsches Theater 71 Uhr: Der Kreidekreis von Klabund im Intimen Theat. Bülowstr 6 Täglich 8 Stall Levy mit Turfkomödie v. Anton tierrufeld 8 U. Theater L. d. Lützowst.112 Fragen hinter Gittern sonnt nachm. 4 U: Schneewittchen Vorzeig auch Stgs. nachm. v. 25 Pf an abends v. 50 Pig an Deutsches Kammerspiele Kansul.- Theater a Uhr: Tägi. 48 Uhr: Gastspiel Man kann Fritzi Massary: nie wissen Die Teresina von Shaw Die Komödie Kurfürstendamm 207 8 Unr Th. a. Kurfürstendamm 8 Uhr: Wenn ich wollte...! Th.a. Schiffbauerdamm Tägi ch 8 Unr: Die judische Witwe Gesellschaft Lustspielhaus 8 Uhr: John Galsworthy Potasch& Perlmutter Regie: M. Reinhardt 11. Teil Potasch& Perlmatter h. Film Berliner Theater Wallner- Theater 8 Uhr: Volkstheaters Wien Tägi 8 Unr: Gastspiel d. Disch. Fäden Antonia Lustspiel in 3 Aktv.M. Lengyel Barnowsky- Bühnen Sari Fedak, Otto Theater in der Tressler, H.Lackner Königgrätz.sir. Margarete Kupfer, Heute bis Mont.8: Ria Thiele, Emmy Förster, K.Ehmann, Zurück zu Methusalem 1. Abend Slegir Breuer.Franz Stg 8 U.( KI Pr.) Fatreniarang Dr. Radolf Beer Neues am Theater 0 Täglich 81 Uhr. 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