Abendausgabe Nr. 547 42. Jahrgang Ausgabe B Nr. 271 Bezugsbedingungen und Anzeigenpreffe find in der Morgenausgabe angegeben Rebattion: Sw. 68, Lindenstraße 3 Ferafprecher: Dönhoff 292-297 Tel.- Adresse: Sozialdemokrat Berlin 10 Pfennig Donnerstag 19. November 1925 Vorwärts= Berliner Volksblatt Berlag und Anzeigenabteilung: Geschäftszeit 9-5 Uhr Berleger: Borwärts- Berlag GmbH. Berlin SW. 68, Lindenstraße 3 Jerafprecher: Dönhoff 292-297 Zentralorgan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands Das Unterhaus für Locarno. Ueberwältigende Mehrheit- Nur 13 Gegenstimmen Condon, 19. November.( Elgener Drahtbericht.) Bei der Schlußabftimmung des Unterhauses über den Vertrag von Locarno ftimmten lediglich 13 Abgeordnete, darunter 12 der Arbeiterpartei, gegen die Ratifizierung. Das bestätigt die Auffassung, daß sich in den letzten Wochen in England froh ziemlich lärmender Kritit eine Einheitsfront für den Pakt durchgesetzt hat. Die Verabschiedung des Paktes beweist aber noch weiter, worauf in den Kreisen der Arbeiterpartei mit besonderem Nachdrud hingewiefen wird, daß in sämtlichen Parteien ausgesprochene Sfimmung dafür vorhanden ist, die durch Locarno gefchaffene günstige Almosphäre zur Einleitung einer allgemeinen Entwaffnungsaftion des Böllerbundes auszunuzen. Macdonald für den Vertrag- Labours Friedensprogramm London, 19. November.( Eigener Drahtbericht.) Nach Chamberlain ergriff für die Arbeiterpartei Macdonald das Wort: Für ihn sei die psychologische Umwandlung, die sich mit dem Vertrag von Locarno in der geistigen Berfassung Europas vollzogen habe, viel bedeutungsvoller als der Palt selbit. Deutschland im Völkerbund sei wertvoller als 20 Paffe von Locarno. Macdonald umriß dann das Friedensprogramm der Arbeiterpartei, das 4 Punkte umfaßt: Allgemeine Abrüstung, geistige Wandlung. der über alles das, was in den letzten Jahren in dieser Welt sich ereignete, nicht unterrichtet gewesen wäre, wenn ein solcher zufällig in die Versammlung gefommen wäre, niemals erraten hätte, daß die Bersammelten die Vertreter von Nationen waren, die noch vor so furzer Zeit in bittere Fehde verwidelt waren. Er würde sie viel mehr für Geschäftsleute gehalten haben, für Teilhaber einer Firma, unter denen Meinungsverschiedenheiten Firma, unter denen Meinungsverschiedenheiten ficherlich ernste Meinungsverschiedenheiten über die gegenwärtige oder fünftige Politif entstanden waren, die aber entschloffen waren, diese Meinungsverschiedenheiten zu überwinden, so daß ihre Teilhaberschaft aufrechterhalten werden fönnte. freundschaftlichen Bemühens hat die Konferenz getagt, und sie hat In einem solchen Geiste allseitigen guten Willens, Vertrauens und freundschaftlichen Bemühens hat die Konferenz getagt, und sie hat sich mit dem Gefühle getrennt, daß das Erreichte in der Tat einen der Welt bedeutet. Und doch ist sie nur ein erster Auftakt und ein Wendepunkt in der Geschichte Europas und vielleicht Omen für den neuen internationalen Geist und für die Beziehungen gewesen, die reifen und sich im Laufe der Jahre entwickeln werden. Locarno fördert die Abrüftung. In dem Antrag der Opposition, so fuhr Chamberlain fort, ist teine Rritit enthalten, an dem, was die Konferenz getan hat, sondern nur an dem, was sie nicht getan hat, und allgemeine Anerkennung des obligatorischen Schiedsgerichts daran, daß ihr Werk unvollkommen ist, weil unter den vorgelegten verfahrens zwischen den Völkern, Abbau der Botschafterkonferenz, energischer Schuh der Minderheiten in allen Ländern durch den Bölle.bund. Auf seiner Europareise habe er den Eindruck gewonnen, daß die Rassen- und Minderheitenfrage viel eher Anlaß werden kann zu einem neuen Krieg als westeuropäische Probleme. Die nächste Kriegsurfache liege der Donau unendlich viel näher, als dem Rhein. Bon der französischen Regierung verlangte er eine freund schaftliche Revision aller jener Bestimmungen von Versailles, die sich in der Pragis als undurchführbar oder bedenklich erwiesen hätten. Lloyd George erflärte in seiner Rede, der Vertrag von Locarno jei jezt möglich geworden, weil Deutschland zum Eintritt in den Völkerbund bereit gewesen sei. Im Jahre 1922 habe der deutsche Kanzler angesichts der ungerechten Entscheidung über Oberschlesien den Eintritt Deutschlands abgelehnt. Besonders Scharf rechnete Lloyd George mit dem Frankreich des Nationalen Blods ab. Wenn er als Ministerpräsident zur Mäßigung geraten habe, hätte Frankreich stets darauf hingewiesen, daß es sich an dem deutschen Goldfeld, dem Ruhrgebiet, auf eigene Kosten merde reichlich schadlos halten fönnen, falls England fich den französischen Zwangsmaßnahmen nicht anschließe. Jetzt feien in Frankreich alle Parteien, davon überzeugt, daß die Hoffnungen auf das Ruhrgebiet ein trügerischer Wahn gewesen seien. Chamberlains Rede. Sein Dank an die Arbeiterregierung. London, 19. November.( BTB.) In seiner Unterhausrebe über den Bertrag von Locarno erklärte Chamberlain: Ich war hinsichtlich der Umstände, unter denen ich berufen wurde, die Frage der Befriedung zu behandeln, und hinsichtlich der Männer, mit denen ich in ihrer Eigenschaft als Vertreter ihrer Länder zusam.nenzuarbeiten hatte, fehr vom Glüd begünstigt. Es bedeutete viel für die jeßige britische Regierung und besonders für den Außenminister, daß die Reparationsfrage aus dem Gebiete der Streitfragen entfernt war, bevor wir berufen wurden, die internationale Lage zu behandeln. Ich wünsche von neuem, dem Werte meiner Borgänger meinen schuldigen Dank zu zollen und anzuerkennen, daß, wenn sie in der ihnen zugewiesenen Zeit die Arbeit nicht soweit fortführen fonnten, wie wir sie heute gebracht haben, wir doch denselben Zwed und dasselbe Ziel verfolgen. Wenn wir dies auch nicht immer mit denselben Mitteln tun, so find wir doch beseelt von derselben Absicht, tie teine Parteiabsicht ist, sondern eine Absicht, die allen Teilen der öffentlichen Meinung in diesem Lande gemeinsam ist. Wenn ich sagen kann, daß ich vom Glück begünstigt war, so denke ich dabei an die Vorarbeiten, die die frühere britische Regierung geleiftet hat und an die Kollegen, mit britische Regierung geleistet hat und an die Kollegen, mit denen ich die Ehre hatte, in Locarno zu arbeiten. Locarno eine Konferenz von Geschäftsteilhabern. In Locarno ist man zusammengekommen, nicht um Bedin gungen zu beraten, die im voraus von den westlichen Nationen vorbereitet waren, um sie den Vertretern Deutschlands zur Annahme zu unterbreiten, sondern um über ein Dokument zu beraten, an dem Juristen Deutschlands mit den anderen Juristen zusammen gearbeitet hatten. Dies war das einzige Dokument, das der Konferenz vorlag. Und es war eine 3usammenkunft von Bertretern freier Nationen, die durch gemeinsamen Willensentschluß zustandegekommen war, und zwar auf dem Fuße vollkomme ner Bleichberechtigung, zur Beratung und, wenn möglich zur Beseitigung ihrer Meinungsverschiedenheiten. Ich möchte noch einmal fagen, daß, wenn irgendein Bewohner einer anderen Welt, Dokumenten sich feins befindet, das die allgemeine Abrüstung behandelt. Dieser Einwand ist richtig. Aber Locarno ist nicht der Ort dafür gewesen, und die dort verfainmelten Delegierten sind nicht zuständig gewesen, um von fich aus ein Schema der allgemeinen Abrüstung aufzustellen. Was sie getan haben, hat darin bestanden, eine neue Gewißheit des Friedens und der Sicherheit für einige Nationen zu bringen, welche sich am meisten bedroht und unsicher fühlten. Bei diesem Vorgehen hat sich die Konferenz von der Ueberzeugung leiten laffen, daß sie damit die Möglichkeit einer wirksamen Behandlung der Abrüstungsfrage be. schleunige und für das Werk der Völkerbundversammlung und des Bölkerbundrats eine neue Stütze schaffe. Ich erinnere das Haus daran, daß der Böllerbundrat im Verfolg einer entsprechenden Entschließung in wenigen Wochen selbst diese Frage erörtern, und daß ein besonderes Ratskomitee noch vor der nächsten Rats. tagung zusammentreten wird, um den Weg für die wirksame Be handlung der Abrüstungsfrage vorzubereiten. Eine Behandlung dieser Frage in Locarno ist auch deswegen nicht möglich gewesen, weil Nationen, die in Locarno nicht ver. treten waren, zugegen sein müssen, wenn die Frage wirksam behandelt werden soll. In Locarno ist nicht nur nichts geschehen, was die Abrüftung erschweren tann, sondern es ist im Gegenteil viel dafür getan worden, um sie zu erleichtern. Die Gesamt wirkung des Werkes von Locarno muß sich darin zeigen, daß die Abrüftungsfrage ein Probelm von größerer und unmittelbarer praftischer Durchführbarteit wird, und daß Rat und Bersamming des Bölkerbundes darin unterstützt werden, daß die Abrüftungsfrage zu einem erfolgreichen Abschluß gebracht wird. E8 steht Sowjetrußland frei, fich dem Völkerbunde an zuschließen. Wenn ferner der von der Opposition eingebrachte Antrag besagt, daß der Vertrag von Locarno von positiven Schritten für den Anschluß Rußlands an den Bölkerbund gefolgt fein follte, so will ich mich mit dem Hinweis begnügen, daß dieser Einwand in Wirklichkeit keinen Bezug hat auf den Antrag, der dem Unterhaus vorliegt. Aber da er nun einmal auf der Tagesder dem Unterhaus vorliegt. Aber da er nun einmal auf der Tages ordnung figuriert, so will ich dazu einige wenige Worte sagen: Es ist der Wunsch der englischen Regierung, wie es der Wunsch einer jeden Regierung sein muß, die dem Bölkerbund angehört, daß der Völkerbund möglichst umfassend und universell wird. Aber die Zulaffung Rußlands hängt in erster Linie von der Haltung der russischen Regierung ab. Es ist nicht Sache des Bölferbundes, als Billender in ein oder das andere Quartier zu gehen. Der Wille, sich dem Bunde anzuschließen, muß bei der in Frage tommenden Regierung ein spontaner sein. Ist aber bei der russischen schließen? So weit ich unterrichtet bin- und meine legte InforRegierung irgendein Wille vorhanden, sich dem Völkerbunde anzumation habe ich aus den Berichten über die Aeußerungen Tschit scherins in den allerlegten Tagen liegt die Sache so, daß die russische Regierung nicht vorbereitet ist, sich dem Bölkerbunde unter irgendwelchen Bedingungen anzuschließen. Sie betrachte den Bund als Vereinigung von Nationen, von denen jebe auf einem System gegründet sei, das mit den Ansichten der Sowjet regierung über das, was die Belt eigent lich fein follte, unvereinbar sei, und mache eine fundamentale Einwendung gegen den Anschluß an einen Bötter bund geltend, dessen Mitglieder auf einer solchen Gesellschaftsver. faffung beruhen. Wenn das die Ansicht der Sowjetregierung ift, so tann wirklich niemand die englische Regierung beschuldigen, daß sie das Hindernis für den Anschluß Rußlands an den Bölkerbund bildet. Macdonald begrüßt die # 91. Es waren zwei Fragen, die uns im Berlauf der Konferenz eine beträchliche Schwierigkeit boten. Die eine war die Frage des Eintritts Deutschlands in den Böllerbund an sich, die andere betraf die Beziehungen, die durch die Friedensverträge zwischen Frankreich und Polen geschaffen waren, und die Rückwirkung dieser Beziehungen auf die neuen Berträge, um deren Abschluß wir uns bemühten. Die Delegierten, die den vorgeschlagenen Brief paraphierten und tamit befundeten, daß sie ihn auch so unterzeichnen wollen, hatten das Gefühl, daß in der Erklärung( über Art. 16. Die Red.) nichts gefagt wird, was über das hinausgeht, was die Bölkerbundsverfammlung in verschiedenen Entschließungen erklärte, und was sich nicht mit dem allgemeinen Sinn der Dokumente, die wir auszulegen hatten, deckt. Kein Staat tann in den Völkerbund eintreten, ohne die gleichen Rechte und die gleichen Pflichten jedes anderen Mitgliedstaates zu übernehmen. Trotzdem fann niemand annehmen, daß der Völkerbundsraf von irgendeinem Staat Dienste verlangen würde, die er physisch nicht zu leisten in der Lage wäre. Demnach ist also nichts gesagt worden, was in irgendeiner Weise der Autorität oder der Stellung des Böllerbundes Abbruch tut. Trotzdem ist aber eine Auslegung der Pflichten der Völkerbundsmitglieder gegeben worden, die, wie ich glaube, für jedermann annehmbar ist.( Siehe 3. Seite.) Heute deutscher Kabinettsrat. Um 5 Uhr nachmittags findet ein Kabinettsrat statt, in dem der formelle Beschluß über Cocarno und über die Einbringung der Gefehentwürfe gefaßt werden wird. Auch bei diesem Kabinellsrat wird Hindenburg den Vorsitz führen, schon um den Gerüchten entgegenzutreten, als ob zwischen ihm und den Kabinelfsmitgliedern irgendwelche Meinungsverschiedenheiten bestünden. Ueber die beiden Gefehentwürfe, über die der Kabinettsrat heute nachmittag beschließen wird, erfahren wir: Der eine fordert in aller Kürze die Juftimmung des Reichstags zu der Unterzeichnung der Cocarno- Berträge und zur Uebernahme der daraus sich ergeben. Form um die Zustimmung des Reichstages zur Anmeldung in den den Verpflichtungen. Der zweite Entwurf sucht ebenfalls in furzer Bölferbund nach. Beide Entwürfe find nicht verfassungsändernd. Redaktionsschluß noch an. Die Konferenz der Ministerpräsidenten der Länder dauert bei Redaktionsschluß noch an. Wilhelm Mussolini! Der Diftator zerschmettert die ganze Welt. Der geiftestrante Diktator Italiens hat durch einen rednerischen Lobsuchtsanfall, den er gestern bei der Eröffnung der Rammer erlitt, die Welt zwar nicht in Schrecken versetzt, wohl aber sie auf eine Gefahrenquelle aufmerksam gemacht, die mit allem Ernst betrachtet werden muß. Derselbe Herr Mussolini, den die Eitelfeit nach Locarno trieb, um dort für Italien als Garant des europäischen Friedens aufzutreten, hat jeßt, ein paar Wochen später, eine Kriegsrede gehalten, wie sie seit den Glanzzeiten Wilhelms II. in Europa nicht mehr gehört worden ist. 3 mei Millionen Männer stehen sprungbereit und warten auf mein Wort." Leichtfertiger hat auch der letzte deutsche Kaiser nicht in Worten mit dem Frieden gespielt, prahlerischer hat auch er sich nicht aus gesprochen. Gerade wir Deutsche, die wir für unsere Schwäche Lehrgeld haben bezahlen müssen, wir, die wir einer uneinem rednerischen Großmaul gegenüber ein so entsetzliches zureichenden Verfassung und dem ungebändigten rednerischen Toben eines Mannes unsere weltpolitische Isolierung und unsere Niederlage im Kriege zu danken haben, gerade wir tönnen solche Worte nicht lesen, ohne dabei die blutigen Geunsere Niederlage im Kriege zu danken haben, gerade wir spenster einer nahen Vergangenheit aus dem Grab steigen zu sehen. Die Rede Muffolinis läßt sich nicht politisch, sondern nur pathologisch erklären. So wie Mussolini spricht ein Staatsmann, der sich seiner Verantwortung bewußt ist, entweder überhaupt nicht, oder doch höchstens nur am Tage vor der Kriegserklärung. So spricht ein Staatsmann, der sich seiner wältigende Gründe hat, um den letzten Entschluß, den Appell Berantwortung bewußt ist, nicht, wenn er nicht hundert überan die Gewalt zu rechtfertigen. Welche Gründe aber hat Muffolini? Wer tut Italien etwas zuleide? Rein Mensch in Europa dentt baran! Das italienische Bolt wird zwar von vielen bedauert, daß es solche Zustände wie die gegenwärtigen über sich ergehen lassen muß, aber von feinem gehaßt. Niemand denkt daran, Italien einen Fußbreit feines Bodens zu nehmen, niemand denkt daran, die Stellung Italiens als selbständige Nation und europäische Großmacht anzutaften. Es sind also nicht die Interessen Italiens, für die Mussolini spricht, es ist nur die But über die Kritik am italienischen Faschismus und an der geheiligten Berson des Diktators selbst. Der Faschismus hat durch rohe Gewalttätigkeit seine politischen Gegner in Italien felbft mundtot gemacht. Um Neuestes aus Italien. mit mehrfachen Entschuldigungen zurückgenommen hat. so mehr ist es die Pflicht aller freiheitlich Gesinnten außerhalb| sondern lediglich auch in meiner Eigenschaft als verantwortlicher| mente, die selbst Herr Leutheußer in öffentlicher Bandtagsgung Italiens, die Sache der Unterdrückten gegen die Unterdrücker Leiter der italienischen Regierung eine nachdrückliche Warnung, zu führen. Das geschieht wieder nicht mit Mitteln der Gewalt, die überall gehört werden soll, aussprechen. fondern durch das geschriebene und gesprochene Wort. Dieses Wort der moralischen Verurteilung dringt jezt am vernehmlichsten und für Italien am empfindlichsten aus Frankreich über die Alpen hinüber. Daher wird die Rede Mussolinis in erster Linie als eine Drohung gegen Frankreich aufzufassen sein. Bielleicht gibt es in Deutschland da und dort politische Spekulanten, die glauben, daß in jedem sich möglicherweise anbahnenden Konflikt unsere Stellung bei dem Gegner Frankreichs sein müsse. Ihnen sei gesagt, daß eine solche Auffassung nicht nur gegen den Geist des Vertrags von Locarno, sondern auch gegen die wirklichen Interessen Deutschlands verstoßen würde. Es wäre überaus turzsichtig, sich auf die Seite eines tobsüchtigen Gewaltherrschers zu stellen, den alles, was in Italien gesund und zukunftsreich ist, als seinen Feind betrachtet und verachtet. Das befreite Italien wird dereinst mit seinen Gefühlen bei denen stehen, die in schwerster Zeit zu ihm gestanden haben. Jene Franzosen, die den Gegnern des Faschismus ihre moralische Unterstügung zuteil werden lassen, sind die Wegbereiter der künftigen italienisch- französischen Freundschaft. Wer aber aus Gründen, die er für diplo matisch" hält, vor dem Diktator friecht, der wird sich in Italien diefelbe Berachtung verdienen, die jenen selber trifft. Soviel fei jenen gesagt, die immer nur furzsichtig die vermeintlichen nächsten Interessen des eigenen Landes sehen. Die Anhänger der deutschen Sozialdemokratie bedürfen einer solchen Belehrung nicht. Sie finden sich mit den italienischen Sozialisten und Demokraten im Rampf gegen den Faschismus zusammen, weil dieser Kampf ihre eigene Sache ist. Mussolinis Versuch, den Faschismus zu inter nationalisieren, muß der sozialistischen Internationale das Bewußtsein ihrer eigenen stärksten Zusammengehörigkeit Stählen. Die Staatsmänner Europas aber, denen die Sorge um den Frieden zur Aufgabe gemacht ist, mögen gemein= ſam sorgfältig den Zustand überlegen, der sich daraus ergibt, daß ein Verrückter als Herrscher eines großen Landes ungehemmt seine rednerische Brandfacel schwenken darf. Es gilt, nach Locarno erst recht, den Frieden zu befestigen und den Anfängen des Krieges zu wehren! Ueber die Rede Mussolinis bei der gestrigen Rammereröffnung gibt Agenzia Stefani" einen Bericht aus, aus dem her vorgeht, daß sich der Diktator zunächst mit den inneren Zuständen Italiens befaßte, wobei er den Faschismus verherrlichte und seine Gegner als archäologisches Material" verhöhnte. Er erklärte sodann, sich an die ganze Welt wenden zu wollen, die sich jetzt um einen italienischen Gedanken"(!) in zwei Lager teile. Ueberall habe der Faschismus Anhänger, seine Grundfäße fämen allen Kulturstaaten zugute. Dann fährt Mussolini fort: In einigen diefer Staaten gibt es politische Gruppen, die den unsinnigen Gedanken hegen, um das faschistische Italien eine Art moralischen Stacheldraht zu ziehen. Es gibt jenseits der Grenze Leute, denen es noch nicht gelungen ist, die ganze Berworrenheit und Niedrigkeit, die ihnen die habsburgische Herrschaft eingepflanzt hatte, loszuwerden und die sich deshalb erlauben, in ihren Parlamenten unfere Staatsordnung und unfer prächtiges Bolt zu schmähen.( Lebhafter Beifall.). Aber alle sollen es wissen und alle im In- und Auslande wissen es, daß noch nie eine Staatsordnung durch den Drud des Auslandes gestürzt worden ist( Sehr gut!), und daß alle Italiener, wenn sie vom Auslande bedraht gut!), und daß alle Italiener, wenn sie vom Auslande bedraht merden, wie ein Mann aufstehen.( Sehr lebhafter, anhaltender Beifall unter Beteiligung der Oppofition und der Tribüs nen. Rufe: Es lebe der Duce,) Die demokratischen Blätter M on do" und„ Risorgimento" stellen ihr Erscheinen ein. An Stelle des„ Mondo" gibt das faschistische Mittagsblatt„ Tevere" eine Abendausgabe heraus. Nach Unterdrückung der deutschen presse in Südtirol hat der Ministerrat befchloffen, dort ein von Italienern geleitetes faschistisches Blatt in deutscher Sprache herauszugeben. Heraus mit der Wahrheit! Der thüringische Justizskandal muß geklärt werden. Aus Thüringen wird uns geschrieben: Die Erklärungen" des Herrn Leutheußer im Landtage Don Thüringen zum Justizskandal waren nichts anderes als ein Herumreden um den eigentlichen Kern der Sache. Der Herr Justizminister hat es ängstlich vermieden, durch eine offizielle Regierungserklärung, wie sie die Geschäftsordnung für wichtige An gelegenheiten vorsieht, eine besondere Aussprache über den Justizstandal herbeizuführen. Obwohl er selbst unbegrenzte Redefreiheit zu seinen Darlegungen hatte und auch in Anspruch nahm, um schließlich nur Gleichgiltigkeiten zu erzählen und durch Mätzchen Dom eigentlichen Gegenstande abzulenten, fand er es durchaus in der Ordnung, daß die Hauptantläger im Justizstandal mit ihrem Borbringen. in das Protrustesbett einer Siebenminuten. Redezeit innerhalb der allgemeinen Aussprache über den Etat eingespannt wurden. Herr Leutheußer hatte es in der Hand, in öffentlicher Landtagssigung in Rede und Gegenrede den Justizskandal flären zu laffen. Er reagierte aber nicht auf sozialistische Zwischenrufe, das in jener Situation einzige Mittel, die sozialistische Auffassung zu vertreten. Unter wieherndem Beifall der Rechtsparteien glaubte er, alle Beschwerden des Oberstaatsanwalts Dr. Frieders und die noch schwereren Borwürfe der Sozialdemokraten damit abtun zu können, daß er das erschütternd wichtige Geheimnis enthüllte, der Sozi von Brandenstein fei Rechtsbeistand von Frieders. Dabei hat Frieders als Hauptvertreter einen Rechtsanwalt stramm deutsch nationaler Gesinnung und der deutschnationale Kol lege Leutheußers, Finanzminister v. Klüchner geniert fich gar nicht, mit einem sozialdemokratischen Anwalt als seinem Bertreter in Fürstenprozessen zu paradieren. Das alles fann die Sozialdemokratische Partei selbstverständlich in feiner Weise irremachen. Kneifen Regierung und Ordnungsmehrheit vor der öffentlichen Behandlung des Justizskandals, so bleibt das einer nicht ohnmächtigen Opposition verfassungsmäßige Mittel, Regierung und Ordnungsmehrheit zu zwingen, Farbe zu bekennen. Dieses Mittel ist ein Ausschuß zur Unteruchung des Justizskandals. War der erste Unterfuchungsausschuß in Thüringen notwendig, um die wahren Absichten und Zwecke der Maßnahmen des Finanzministers v. Klüchner bei der Entlassung Loebs nachzuprüfen, der zweite Untersuchungsausschuß, um die Sattler- Polizei zu beleuchten, so wird der dritte Untersuchungsausschuß sich nicht etwa der Symmetrie wegen nur auf die Gesetzlichkeit und Lauterkeit der Maßnahmen des Justiz minifters beziehen. Er wird vielmehr die einzige Gelegenheit bieten, den gesamten Romplex von Fragen, der sich um die Behandlung der großen politischen Prozesse gegen die Genossen Hermann und Loeb gelagert hat, zu untersuchen. Bekanntlich bedarf die Einsetzung eines Untersuchungsausschusses und die Einberufung einer besonderen Sigung zu seiner Wahl der Unterſtügung von einem Drittel der gesetzmäßigen Zahl der Abgeordneten. Soll also der Ausschuß zur Untersuchung des Juftizstandals Tatsache werden, so müssen noch andere Abgeordnete als die 17 Sozialdemokraten ihre Unterschrift zur Verfügung stellen, damit die von der Berfassung vorgeschriebene Zahl von 24 Abgeordneten erreicht wird. Die sozialdemokratische Fraktion hat sich deshalb an andere oppofitionelle Frattionen des Landtags gewandt. Von ihnen hängt es nunmehr ab, ob bald und restlos Klarheit über den Justiz standal herbeigeführt werden kann. Die Krise in Polen. Der Sejmpräsident Rataj erbittet Bedenkzeit. Warschau, 19. November.( Eigener Drahtbericht.) Nachdem Außenminister Strzynski auf die Regierungsneubildung verzichtet hatte, hat der Präsident der Republik die Neubildung des Kabinetts Bedenfzeit erbeten. Der ihm erteilte Auftrag geht dahin, ein Bedem Seimmarschall Rataj übertragen. Rataj hat sich zwei Stunden möglicherweise nicht beteiligen wird. amtentabinett zustande zu bringen, an dem er sich selbst Polens gefährliche Finanzlage. Die polnische Regierungsfrise ist durch die bedrohliche finanzielle Lage Bolens verursacht worden. Die neue polnische Goldwährung, der 3loty, hat nunmehr zum zweitenmal einen Aber dieser selbe Finanzminister rührte sich auf die deutlichen schweren nad s erlitten, der sowohl durch die passive HandelsFragen des Abg. Dr. Kies gar nicht! Und bei der wuchtigen bilanz wie auch durch das andauernde mangelnde Gleichgewicht im Rede des Genossen Dr. Kieß, für die ihm Leutheußer und die polnischen Budget hervorgerufen worden ist. Das in französischer Ordnungsbundmehrheit ganze sieben Minuten ließen, war Herr Sprache in Warschau erscheinende Tageblatt Messager Polonais" v. Klüchtner schon bei den einleitenden Worten hinausgegangen bringt am 17. November genaue Zahlenangaben über den Stand und Leutheußer überhaupt nicht anwesend Als kein Sozialdemo- des polnischen Budgets für die ersten neun Monate des Jahres 1925. trat mehr reden durfte, war Herr Leutheußer politisch tapfer genug, Daraus geht hervor, daß in den ersten Dreiviertel des Jahres 1925 sich aus der Rede des Genoffen Dr. Rieß einiges herausfischend, noch nur 68 Proz. statt 75 Broz. an Einnahmen aufgebracht fränfter Engelsunschuld vorzuführen. einmal den nationalliberal überzeugten Brustton grundlos geworden, dagegen sind schon 88 Proz. statt 75 Broz an Ausgaben entstanden. Der Ordnungsbundmehrheit erschien das Bertuschen und Berbeden bes Stanbals ihrem Wesen so naturgemäß, daß tischen Partei in Aussicht gestellten Interpellation über den Justiz fie im Aeltestenausschuß die Beratung einer von der Sozialdemokra standal mit dem bequemen Hinweis auf die im November 1925 dringend notwendige Beratung des Haushaltsplans für 1925 hinwies. zugegeben, daß sie fein Interesse an schleuniger Klarstellung der Regierung und Ordnungsmehrheit haben damit unbestritten schweren Vorwürfe gegen die Sauberfeit und Unbeeinflußbarkeit der Justiz vor dem Forum der Deffentlichkeit haben. Aus Nebenerscheinungen der letzten Tage ertennt man aber, wie sehr die Sozialdemokratie in ein Wespennest gestochen hat; die OrdMorgen fönnten zwei mirionen junge Leute meinem Rufe nungspresse in Gera und Erfurt greift den Sprecher der Partei Folge leisten. zum Justizskandal, den Genoffen Dr. Rieß, in noch nicht da( Beifall, Stimmen: Das ganze Land!) Ich will nicht brohen(!), gewesen widerlicher Weise an und verwendet dabei allein ArguRostand:„ Der junge Aar". Leffing- Theater. " Cyrano von Bergerac" und" Chantecler", d. h. das melodiöse Tierspiel, das durch den Hühnerhof die fleine Heldenwelt der Men schen symbolisiert, stammen von Edmond Rostand. Der selige Mann, der als würdiger Akademiker zum Ewigkeitsparnas heimging, hat auch jenes weltbekannte Religionsspiel gedichtet, das während der Pariser Weltausstellung von 1900 der wundervollen Komödiantin Sarah Bernhardt Gelegenheit gab, als tröstende Samariterin die härtesten Finanziers aller fünf Erdtalle wenigstens für einige Stun den in gütige Urchriften zu verwandeln. Napoleon als Familienvater und Liebhaber in Madame fans Gêne" und des entthronten Korsen unglücklicher Sohn als lyrischer aber erfolglofer Brätendent auf die blindgewordene Raifertrone, das wurden die Lieblingsfiguren des Pariser Boulevardtheaters. Sie sind es heute nicht mehr. Auch drüben hat man die Luft an der Parade etwas eingebüßt. Doch immerhin sind sich die Statistiker der Reißer- Dramatit darüber flar, daß zwischen„ Charleys Tante"," Alt- Heidelberg" und" Aiglon" cine gewisse Stilverwandtschaft besteht, die übrigens jedem Bombardement bedentlicher Kritiker durch fabelhafte Rassenerfolge troẞt. Ob nach„ Allt- Heidelberg", das einstmals die Pleite des Deutschen Theaters verhinderte, das Lessing- Theater richtig spekuliert, muß abgewartet werden. Klabund, der die Nachdichtung besorgte, mollte großes Schauspiel machen und löste fast immer in Prosa auf, was im Französischen lieblich flingt. Bers und Reim, die einstmals das aufgedonnerte Pathos verbargen, sind nun meist abgeschafft, und es entlarot sich von selber mancher Unsinn und vielerlei Leere. Berthold Viertel, der Regisseur, hat allerdings mit einer wirtlich ingeniösen Tüchtigkeit dafür gesorgt, daß ganze schundige Bartien, versüßte und verlogene Aufmachung der Weltgeschichte und ähnliche Plattheiten glänzend mastiert wurden. Anfänglich glaubte man, das Ganze follte als expressionistische Groteste aufgepulvert werden. Die Personen, die solchen Stilunfall befürchten ließen, wurden aber in den Hintergrund getrieben. Schließlich spielte man sich auf ein sehr handfestes und derbes Theater ein. Die Tränendrüsen, das Soldatenbedürfnis und der Byzantinismus aller Barkettund Olympbewohner wurden mit Wollust gefißelt. So blieb ber äußere Erfolg, en ein vielfach gezogener und gesenkter Borhand andeutete, nicht aus. Geschichtliche Wahrheit ist, daß Napoleons Sohn, von seines österreichischen Großvaters Gnaden ein Herzog von Reichstadt, dem Habsburger- Haß gegen Bonaparte, der Reaktion Metternichs und der Schwindsucht erlag. Er verdiente den Namen des jungen Adlers, den ihm die unheilbaren Anbeter des torsischen Riesen schenkten, faum. Er und feine Mutter vergaßen schnell. Am Ende hat Fanny Elßner, die entzückende Tänzerin, dem schwindsüchtigen Adlersprossen das legte lebensfähige Mark und die auf Kaiserspiel erpichte Helbenluft geraubt. Auf dem Theater muß diese Heldenluft wegen der Kuliffenspannung das wichtigfte sein. Die Intrige spinnt fich zwischen den Spigeln, den alten Greadieren und dem flapprigen Kaiser Franz. Ach ja, ein allmächtiger Kaiser, dem das Herz bricht, und ein Jüngling in entzüdender Uniform, der immer wieder auf dem Wege zur Unsterblichkeit stolpert, und ein Haudegen, der sich für das tragische Bürschlein in Stücke hauen läßt, und ein aalglatter, taltherziger Höfling und ein entzückendes Mädel in Leutnantshofen und Trommelwirbel und die Marseillaise schimpfe nicht auf die Kolportage! Jeber ordentliche Reißer im Theater macht besoffen. verdammt, man befoffen zu machen. Lothar müthel spielt den süßen tragischen Es gelingt dem Regisseur fast immer, Partett und Olymp Jungen. Napoleons Sohn, von der Sarah einstmals in prallen Hosen gespielt, wirkt durch Müthel beinahe männlicher, nicht wie ein Mannweibchen, sondern wie ein etwas aufgeweichtes Wannlein. Brugte geht von tem Schauspieler aus, eine Hübschheit, die zu der Rolle gehört. Dann wieder reicht seine Stimme vom Distant bis zuin Trompetcrstoß. Ostar homolta ist der Grenadier, der sich sterben will. Der junge Schauspieler vom Schlage der Wegner und für. Bonaparte zerhacen ließ und nun auch für den jungen Adler Steinrud rerfagt auch vor den Humoren nicht. Nur mußte er schädlich fit Es geht nicht an, daß ein Schauspieler in witticherr genauer red, nen, wieviel Gläser Schnaps seinen Knochen gut der Rausch auf die Bühne tortelt. find Es geht nicht an, daß ein Schauspieler in wirt achen Mar Hochdorf. Ludwig Hardt- Abend. Am Mittwoch sprach Ludwig Hardt im Bechsteinsaal für die Volksbühne. Der Rezitator, dessen Ausdrucksfähigkeit immer wieder überrascht, las Prosa von Peter Altenberg, Robert Waljer, Franz Kafta und Rainer Marie Rilke. Die Mufit der Sprache, das Einfühlen in Sprechrhythmus und die feine Witterung für die wig Hardt zu eigen. Dieser Reichtum läßt ihn zu einem Schöpfer tiefften Geheimnisse der Worte und ihre Gestaltung, sie sind Ludwerden, der nicht nur nachfühlend, sondern aufs neue schaffend, die Welt seiner Vortragsfunst erstehen läßt. Der Klang feiner Gebilde wandelt ihn mit und macht ihn, der den Rezitator über den Schauspieler stellen möchte, oft durch Betonung von Mimit und Bewegung doch zum Darsteller. Das Programm Ludwigs Hardts war zu philosophisch zusammengestellt. Man hätte ihn lieber Heinrich Heine und Dehmel für die Volksbühne vortragen hören, denn so wäre er ihrem Wesenskreis nähergekommen. Auch ließ der Bechsteinsaal in den hintersten Reihen die feinen leisen Nuancierungen nicht verstehen. Unvergeßlich bleibt, wie Hardt Peter Altenbergs Abendspaziergang" und die Landpartie" sprach, wie er Robert Walfers Büchners Flucht" dahinstürmen ließ, um sich dann in den tiefsinnigen Dichter Franz Kafka zu verfenten. Die Erzählung„ Vor dem Gesez" war erschütternd wiedergegeben.„ Ein Bericht für eine Akademie", der Bericht eines Affen über sein: Menschwerbung, war Anklage, Hohn, Verachtung, Tierschmerz und Menschenpein Den Dichter Rainer Marie Rilfe ließ er auch in seinen feinsinnigen und sprachmusikalischen Gedichten lebendig werden. Die Forderung einer Einschränkung der Heeresausgaben, die bekanntlich die Lösung der polnischen Krise so sehr erschwert, we'l gesetzt wird, wird verständlich, wenn man erfährt, daß von den ihr auf Seiten der Berufsoffiziere so heftiger Widerstand entgegen1438 Millionen, die in den ersten neun Monaten des laufenden Jahres ausgegeben wurden, nicht weniger als 506 Millionen auf das also rund 36 Pro 3. seiner Ausgaben auf den Unterhalt seiner Kento der Heeresverwaltung gehen. Der polnische Staat verwendet Armee. Es wäre geradezu eine standalöse Sinnlosigkeit, wenn er nicht aus den Verträgen von Locarno Konsequenzen nach dieser Richtung hin ziehen würde. land hat dem Außenminister Chamberlain für Locarno den Adel anChamberlain will nicht geadelt werden. Der König von Englediglich den Namen seines Baters tragen. geboten. Chamberlain hat ihn abgelehnt, er wolle auch fernerhin Stürmischer Beifall dankte dem Künstler, und so gab er seinen Hörern noch als Weggabe u. a. Dehmels Erntelied mit, das in Dies Er. jedem Wort plastisch und unheimlich lebendig wurde. leben ließ einem um so mehr bedauern, daß Hardt nicht in der Auswahl seines Programms sich der Volksbühne angepaẞt hatte. mal für die Dichtungen Heinrich Heines, Walt Withmans und die Es wäre sehr zu begrüßen, wenn der Rundfunk Ludwig Hardt einmoderne soziale Lyrit verpflichten würde. Es ist bezeichnend für überfüllt war, wie überhaupt die Kunst der Rezitation eine immer unsere Zeit, daß in einer Stadt wie Berlin der Bechsteinsaal nicht fleiner werdende Gemeinde zu finden scheint. Hier muß eben der Prophet zum Berge gehen, dann wird die Gewalt seines gesproche nen Wortes sich hunderttausendfach auswirken. B. Sch. Ausgrabungen in Goslar. Die Stadt Goslau läßt augenblic lich durch den Leiter ihrer Sammlungen, Prof. Dr. Wiederhold, Ausgrabungen vornehmen, die ein außerordentliches Interesse erregen. Die Stadt entstand wahrscheinlich aus einer faufmändenen Siedlung der Bergherren des Rammelsberges, dem fogen. nischen Siedlung, dem Markt, und einer uralten, längst verschtounriß freigelegt; fie geht in ihrem ältesten Teile vielleicht in das Bergdorf. Die Kirche dieses Bergdorfes ist in ihrem ganzen Grund neunte Jahrhundert zurüd und in ihren Um- und Anbauten spiegelt sich wunderbar das Auf und Ab dieser vielleicht ersten industriellen Siedlung Deutschlands. Denn der Rammelsberg war jahrhundertelang die Machtgrundlage des deutschen Königtums und der hinter ihm stehenden adligen Bergherrengesellschaft, bis diese dann mit den neuen aus dem Handel kommenden Elementen sich zu der bürgerlichen Gesellschaft zusammenschloß. Die baugeschichtlichen Ergebnisse sind noch nicht abzusehen. Die Suche nach dem Dorf felbst, der Ansiedlung auch der Bergbarbeiter, wird fortgesetzt. Eier mit drei Dottern. Das Ackerbauministerium im Staate Maine der Bereinigten Staaten ließ in neuerer Zeit Nachforschungen Hierüber das Borkommen von Eiern mit drei Dottern anstellen. Eiern von 3000 Hühnern fanden sich in sechs Jahren nur drei dreibei ergab sich, daß solche Eier außerordentlich selten sind. Unter den dottrige Eier, während Eier mit zwei Dottern schon häufiger waren. Die mehrbottrigen Eier, bei denen jeder Dotter mit einer eigenen Haut umgeben, also vollständig ausgebildet ist, find fast immer solche, die von den Hühnern als erste Eier gelegt werden. Jm IV. Konzert der Bolfsbühne( Sonntag 1,12 Uhr im Theater am Bülowplat) spielt Artur Schnabel Brahms' Bariationen und Fuge über ein Thema von Händel, die Sonate F- Moll und Schuberts Sonate G- Dur. Borträge, Ueber Tod und Jenseits im Glauben der Bolter spricht Dozent Dr. Wenzel, Sonnabend, 8 Uhr abends, Doros theenstr, 12. Dr. Erich Drach spricht auf Veranlassung der Literarischen Bereinigung des Berliner Lehrervereins am 21. Rob., 8 Uhr, Schinkelplat 6, Dichtungen von C. F. Meyer und Gottfried Keller. Eintritt 1 Mart. Drei Mill onen Ausländer in Frankreich. Auf eine Anfrage des Abgeordneten Lambert teilt der franzöfifche Innenminister mit: 1. Die Zahl 2. in den letzten zehn Jahren betrugen die Zahlen: 1. Januar 1914: 1732868 der am 1. Januar 1925 in Frankreich wohnhaften Ausländer betrug 2845 214, 1921: 1667711, 1922: 1833482, 1923: 2090768, 1924: 2574952. Das Enöe öes Zollkrieges mit Spanken. ' Nach dem Inkrafttreten des provisorischen Handelsabkommens zwischen Deutschland und Spanien, das wir bereits heut« morgen mitteilen konnten, setzt die spanische Regierung ihre gegen Deutschland getroffenen Zollkriegsmahnahmen außer Kraft. Nähere Einzelheiten über den Inhalt des Abkommens und über die deutschen Zugeständnisse sind noch nicht bekannt. Auf deutscher Seite waren bekanntlich die in Aussicht genommenen Kampfmaßnahmen nicht in Geltung getreten. Chamberlains Locarno-Reöe. (Fortsetzung von der ersten Seite.) Tie Entspannung im Osten. Nach meiner Slnsicht, so fuhr Chamberlain fort, wäre das Werk von Locarno nur halb getan gewesen, wenn es nicht auch eine Entspannung im Hinblick auf die Ost grenze Deutschlands gezeitigt und dazu beigetragen hätte, den Frieden in jenem Teile der Welt sicher zu gestalten. Die jüngsten Ereignisse haben alle Engländer lehren müssen, daß, wenn irgendwo ein Krieg ausbrach, niemand sagen konnte, wo der Brand aufgehakten werden könne. Man kann in England gegenüber den Aussichten auf Frieden in irgendeinem Teile und am wenigsten in dem Teile Europas gleich- gültig bleiben, dem England fo nahe liegt. Darüber hinaus hat England neue Derpfichtungen auf sich genommen. Als England sich dem Völkerbund anschloß, wurde es in größerem oder geringerem Maße Teil- nehmer an jedem Konflikt, der ausbrach, und es war deshalb doppelt im englischen Interesse ge- legen, daß die Kriegsgefahr soweit wie möglich in jedem Teile der Welt und vor allem in jedem Teil« Europa», in dem eine Kriegsgefahr be» stehen konnte, beseitigt wurde. Di« zwischen Deutschland und Polen bzw. zwischen Deutschland und der Tschechoslowakei paraphierten Verträge konnten natürlich nicht genau das gleich« darstellen wie jene Verträge, die zwischen den Westmächten paraphiert worden sind. Großbritannien war nicht gewillt, irgendeine neue Verpflichtung in jenem Teil des kontinent, einzugehen. England ist jedoch darüber erfreut, daß durch ihre freie Vereinbarung und den guten Willen, den die Ver- treter der Oststaaten zur Erörterung ihres besonderen Problems mitbrachten, die Sicherheit der Ost grenzen Deutschlands und seiner Nachbarstaaten in Locarno in keiner Weise geschwächt, sondern gefördert wurden, und daß die Kriegsgefahr auch dort in viel größere Ferne gerückt wurde, ebenso wie dies für den Westen des Kontinents der Fall ist. Krieg nicht unmöglich— aber unendlich erschwert. Ich sage nicht, daß diese Verträge, wenn sie ratifiziert werden, den Krieg unmöglich machen. Das kann durch kein von Menschen geschaffenes Werk erreicht werden. Aber ich sage, daß sie den Ausbruch eine» Krieges unendlich viel schwerer machen und daß sie es viel weniger hoffen lassen, daß ein Krieg wegen irgendeinem dunklen und zweifelhaften Zwischenfall oder Anspruch ausbrechen sollte. Wenn erst all diese Abmachungen In Wirksamkeit getreten sind, so glaube ich, daß es für jeden einzelnen der Unterzeickner des Vertragswerts schwer sein wird, einen Krieg gegen irgendeinen der anderen unterzeichnenden Staaten zu unter- nehmen, ohne sich dabei selbst in klarer weise vor der ganzen zivilisierten well ins Anrecht zu sehen und damit das Odium für dieses Anrecht auf sich zu nehmen. Die Hälfte der Konflikte entstehen unmittelbar au» gering- fügigen Zwischenfällen, die nicht wert sind, daß das Leben auch nur eines einzigen Soldaten geopfert werde, wenngleich Ehre oder Stolz oder Nationalgefühl zweier Länder davon berührt werden und keiner von beiden Staaten die Möglichkeit zum Nachgeben fühlt. Ich kann nicht glauben, daß solche Zwischenfälle einen Krieg zwischen den Parteien entstehen lassen können. „Kein(vedanke an Isolierung Rustlands.- London, w. November.(WTB.) Macdonald nahm in der Debatte Bezug auf eine Rede Ormsby Gores. Sie habe Behaup- tungen veranlaßt» daß Deutschland in ein Bündnis gegen Rußland hineingebracht worden sei, und er glaube, die Regie- rung sollte die heutige Gelegenheit ergreisen, um die erwähnte Be- hauptung als irrig zu erweisen. Chamberlain unterbrach und fragte, welches die Bemerkung sei, deren Dementierung Macdonald von ihm verlange. Macdonald erwiderte: Ist es die Ansicht der Regierung, daß Locarno ins Werk gesetzt wurde, um die w e st- liche Zivilisation gegen Rußland zu vereinigen? Chamberlain antwortete: Nein! Das ist nicht der Fall. (Beifall auf feiten der Regierungspartei.) Chamberlain wieder- holte: Es ist nicht der Fall, und ich habe dauernd jeden Gedan- ken der Verfolgung einer solchen Politik zurückgewiesen.(Bei- fall auf selten der Regierungspartei.) Macdonald fragte hierauf, ob man in Locarno beabsichtigte, Deutschland von irgendeiner Zusammenarbeit mitRußland loszureißen und es in die Gruppe der Völker- bundstaaten hineinzuziehen, um einen Block europäischer Nationen gegen Rußland zusammenzubringen. Chamberlain erwiderte nachdrücklichst: Jleini Cs ist nicht der Fall!(Beifall aus selten der Rs- gierungspartei.) Macdonald sagte, er sei sehr froh, dies zu hören, und fuhr fort, er Hab« bei seinem Aufenthalt in Deutsch- l a n d In Unterredungen erklärt, daß er nicht glaube, das irgend- etwas Derartiges beabsichtigt sei und er habe diese erste Gelegenheit im Parlament ergriffen,»m eine solche Erklärung von feiten der Regierung zu erhalten. Macdonald fuhr fort, dies sei das erstemal, daß man eine Aeußerung von der Regierung über das Ver- hältnis zu Sowjetrußland erhalten habe. Es sei äußerst befriedigend, daß, soweit der Pakt von Locarno in Betracht komme, darin kein Gedanke an eine weitere Ijolierung Rußlands enthalten sei, sondern daß gemäß der von Chamberlain gegebenen Erklärung alles getan werden solle, was vernünftigerweise erwartet werden könne, um die Tür des Völkerbundes für den russischen Staat osfen zu halten, sobald es sich entschlösse, einzutreten. herriots Genugtuung. Paris, 19. November.(MTB.) In der Rede, die Kammerpräst- dent H e r r i o t dem erweiterten Vorstand der radikalen Partei hielt, behandelte er auch die allgemeine politische Lage. Er erklärte, das Reparation» Problem fei fast ganz aus der Welt ge- schafft worden. herriot erinnerte alsdann an die Angrisfe. denen er im Augen- blick der Ruhrräumung ausgeseht gewesen sei. was würde man sagen, wenn ich e» wäre, der Köln räumte? welche Freude für mich, wenn Ich es wäre, seststellen zu können, daß man jetzt Dentschlaud» Eintritt in den Völkerbund annimmtl welche Freude, feststellen zu können, daß man meine ehemals ge- führte Sprache billig», als ich erklärte, nachdem man auf den Feldern gekämpft hat. muß mau in der Heimat den Friedea schließen! Vis Kousun?- Generalversammlung. Fiasko der Kommunisten. Die Konsumgenossenschaft Berlin und Um- g e g e n d hielt, wie bereits kurz mitgeteilt, am Dienstag abend ihre diesjährige Generalversammlung in Haberlands Festsälen ab. Die Wahlen hatten bekanntlich der Majorität 418Delegierten- sitze, der konimunistischen Opposition 124 Sitze gebracht. So war ei» gedeihliches Arbeiten der Versammlung und eine sachliche Er- ledigung der zur Debatte stehenden Fragen von vornherein gesichert. Nachdem Genosse P. L a n g e zum Vorsitzenden der Generaloersamm- lung gewählt worden war, schlug Genosse G ü t t l e r den Delegierten im Namen des Aufsichtsrats gewisse Aenderungen des Statuts vor, über die nach kurzer Diskussion(es sprachen Heinrich und König von der Opposition, die, wie üblich, gegen die Vergewaltigung der Kom- munisten protestierten) getrennt und geheim abgestimmt wurde. Es handelt sich um Abänderung mehrerer Paragraphen des Statuts. Aufsichtsratsmitglieder sollen von jetzt an Stimmrecht in den Ver- sammlungen erhalten, die Grundzahl für die Delegiertenwahlen auf drei erhöht werden(von 200 also auf 250 pro Delegierter), sowie die Delegiertenwahl nicht mehr auf ein, sondern auf drei Jahre Dauer durchgeführt werden. Die Vorschläge des Aufsichtsrats wurden gegen geringe Minoritäten angenommen. Die Versamm- lung bestätigte den Ausschluß von Schober und Krön- t h a l e r mit 309 gegen 146 Stimmen. Dann gab das Mitglied des Verwaltungsvorstandes der Genossenschaft, Hille, den Bericht über das abgelaufene Tätigkeitsjahr. Fünf neue Abgabestellen der Genossenschaft wurden im Berichtsjahr eingerichtet, 60512 Zentner Kartoffeln, 10 bis 15 Proz. unter den Preisen des Berliner Kleinhandels, zur Verteilung gebracht. Der Umsatz von Butter ist von 672 709 Pfund auf 1554 033 Pfund gestiegen, der Schmalz- und Margarineoerbrauch dagegen zurückgegangen. 92 379 Schock Eier wurden von der Genossenschaft umgesetzt. An Brennmaterialien wurden abgegeben: 131 185 Zentner Briketts 217 Zentner Braunkohlen 1 115 Zentner Steintohlea 2159 Zentner Kots 1 216 Raummeter Holz im Gesamtbetrage von 204 555,85 M. Di« Fleischabgabestellen brachten einen Umsatz von 730 375 M. Die Genossenschaft hat im Geschäftsjahr einen Mehloerbrauch von über 1114 Millionen Kilo gehabt. Der Umsatz in der Kaffeerösterei betrug 1 229 170 M. Der Fuhrpark ist stark vervollkommnet worden. Die Genossenschaft ver- fügt im Augenblick über 39La st automobile zum Lebensmittel- und Warentransport. Es sind Autos von einer bis 5 Tonnen Auf- nahmefähigkeit. Genosse Karl Michaelis erstattet« den Bericht des Aufsichts- rats. Dem Vorstand wurde Entlastung erteilt und die Bilanz ge- nehmigt. Die Neuwahl de» Aufsichtsrat» ergab, wie bereits gemeldet, 6 Sitze für die Liste„Aufbau", und einen Sitz sür die kommunistische Opposition. Dies trotz der krampfhaften Bemühungen des Herrn Heinrich, die Versammlung mit seinen wichtigtuerischen Lamentationen in Atem zu halten. Von der Liste„Aufbau" wurden gewählt: G ü tt l e r, Lektor: L o d a h l, Hausfrau: Wisch, Eisen- bahnbeamter; B u ch h o l z, Angestellter: B ö r ck e l, Gewertschasts- angestellter: P a r l o w. Arbeiter. Gin sozlalüemokratifiber Antrag. Die sozialdemokratische Fraktion beschloß vor- gestern, folgenden Dringlichkeitsantrag einzubringen: „Die Stadtverordnetenversammlung möge beschließen, die in Berlin vorhandenen Arbeitsnachweise in einen solchen Zu- stand zu versetzen, daß sich die Arbeitslosen ohne Gefahr für ihre Gesundheit dort aufhalten können. Dringend notwendig ist, daß in den Arbeitsnachweisen gute Lüftung, Heizung und Rein- l i ch k e i t geschaffen werden. Ferner ist zu empfehlen, daß man in den größeren Arbeitsnachweisen Erfrischungshallen einrichtet." Voraussichtlich wird die Stadtverordnetenversammlung, wenn sie an die Arbeit herangeht, ein« ganze Reih« von Anträgen aller Fraktionen vorsinden. Auch die sozialdemokratische Fraktion de- reitet noch die verschiedensten Anträge vor, die für die schweren Schäden der wirtschaftlichen Entwicklung Abhilfe schaffen sollen. » Die sozialdemokratische Stadtverordnetenfraklio» hat zu Schriftsührern die Genossen Theodor Fischer und Richard K r I l l e gewählt. Alle Zusendungen gehen an den Genosse K r i l l e, den Leiter des KommunalenSekretariats, Berlin SW. 68, Lindenstraße 3._ Tie Schweizer Anleihe für die Elektrizitütswerke. Das Nachrichtenamt der Stadt Berlin teilt mit: Die bekannte Schweizer Anleihe der Berliner Städtischen Clektrizltäts- werte A.-G.(Bewag) über dreißig Millionen Schweizer Frank ist nunmehr perfekt geworden, nachdem den Bedingungen der deutschen Behörden auch in Ansehung von Lieferungsverpflichtungen nachgekommen ist. Die B e d i n g u n g e n der Anleihe sind, wie schon früher bekanntgegeben: siebenprozentige Verzinsung, Emission 95 Proz., Laukzeit 15 Jahre, kündbar seitens des Schuldners nach 5 Jahren. Die Emission wird Ende dieser Woche an den Schweizer und holländischen Bankplätzen erfolgen. Erleichterunst des Kirchenaustritts. Der Austritt aus der Kirche oerlangt oft stundenlanges Warten auf dem Amtsgericht, und da die Geschäftszeit der Gerichts- schreibereien für diese Angelegenheit meist in der Zeit von 10 bis 1 Uhr angesetzt ist, geht manchmal mehr ol» ein halber Tag verloren, was für Angestellte und Arbeiter von empfindlichem finanziellen Schaden und Unannehmlichkeiten dem Arbeitgeber gegenüber be- gleitet ist. Die Freireligiöse Gemeinde Groß-Berlin hat nun eine Einrichtung getroffen, die diesem Uebeistand abHilst und für alle zugänglich macht, die ihren Austritt au» der Religion»- gemeinschast vollziehen wollen. Jeden Dienstag abend von 6 bis 1-8 Uhr kann der Austritt aus der Kirche beim Notar, Berlin C„ Spandauer Brücke 10 II(direkt am Bahnhof Börse), vollzogen werden. Die Kosten betragen zwei Mark pro Person. Ein amtliches Legitimationspapier ist mitzubringen. Ein Vorstandsmitgllcd der Freireligiösen Ge- meinde ist an den betreffenden Abenden anwesend. Ein Verkehrsjubiläum. Am 19. November sind es 20 Jahre her, feit der f a h r p l a n- mäßige Autob u»verkehr in Berlin mit zwei Daimler-Omni- bussen eröffnet wurde, auf der Linie 4, die damals vom Halleschen Tor zur Llesenstraße, Ecke Chausseestraße, führte. Die Einweihung stand unter einem günstigen Vorzeichen: gleich am ersten Wagen wurde beim Verlassen des Betriebshoses eine große Scheibe einge- schlagen, so daß es segcnbringende Scherben gab. Die beiden Auto- busse wurden zwischen die vorhandenen Pferdeomnibusse der Linie 4 eingeschoben. Sie erfreuten sich von Anfang an großer Beliebtheit bei den Berlinern, die in den ersten Tagen in Scharen zu den End- Haltestellen pilgerten, um die damals noch ganz neuen Verkehrsmittel zw bewundern und, soweit noch Platz zu finden war, zu benutzen. Der Verkehr hat sich dann bis zum Jahre 1913 schnell gesteigert. Der Krieg brachte fast seine völlige Zerstörung, da noch und nach alle kriegsbrauchbarcn Omnibusse von der Heeresleitung eingezogen wurden und da für die übrigen kein Betriebsstoff zu� Dcrsützung gestellt werden konnte. Schließlich liefen nur zwei Wagen, wieder auf der Linie 4, deren Betrieb zu reinen Versuchs- und gewisser- maßen zu Traditionszwecken von der Militärbehörde geduldet wurde. Der Krieg hat die Aboag viel schwerer getrojsen als die beiden anderen großen Berliner Derkchrsunternehrmmgen, deren Fahrzeuge durch ihre Gebundenheit an den Schienenweg vor Zugriffen der Militärverwaltung geschützt waren. So gestaltete sich denn auch der Wiederaufbau des Omnibusbetriebes nach dem K r lege äußerst schwierig, zumal da die Inflationszeit mit ihren ständig unzulänglichen Tarisen statt eines Erstarkens nur neue große Verluste brachte. Erst vom Ende der Inflationszeit an ist eine frische Entwicklung möglich gewesen. Der Verkehr wird im laufenden Jahre mit rund 75 Millionen beförderten Personen die Leistung des Jahres 1913 um rund 12 Millionen beförderte Personen übersteigen. Das wirtschaftliche Aufblühen hat auch die Möglichkeit zu kräftiger Förderung der technischen Entwicklung geschassen. Die neuestsn Wogen entsprechen dem modernsten Stande der Technik und ver- tragen durchaus einen Vergleich mit den neuesten englischen und amerikanischen Wagentypen. Es sind N i e d e r s a h r g e st e l l e. bei denen der Wagenfußboden etwa 30 Zentimeter tiefer liegt als bei den stüheren Wagen. Die Karosserien sind sämtlich als Doppeldecker gebaut. Aus den Linien, wo die Eisenbahnbrücken und sonstigen Durchfahrten es erlauben, werden in großem Umfange überdachte Doppeldeckwagen verwandt und noch weiter eingesteltt werden. Gräfliche öllanz. Ein Epilog zum Potsdamer Bothmer-Prozeß. Ueber dem Problem der vielgewandten„Klaugräfin" ist der Vorhang gefallen. Die Unterhaltung der Potsdamer Tanzstunden» Zirkel beginnt sich anderen Dingen zuzuwenden. Dieser Bagatellen- prozeß einer wurmstichigen Dame offenbart das verlogenste und verächtlichste an bürgerlicher Kstschromantik, was je erlebt wurde, und das ist immerhin als ein Nutzen zu buchen. Jene Frau, die der versammelten Justiz den tollsten Schwindel präsentierte, war durch- aus nicht so psychologisch verzwickt, wie es eine gewisse Presse ihrem Publikum weismachen wollte, sondern eine nicht unintelligeMe Person mtt viel Schmierenpose und einer Portion Gemeinhett— wollte sie doch den verzweiselten Stangen für drei gräfliche Schnäpse und 80 M. zu einem Meineid mit bekanntem Zuchthausresuttat kaufen. Der Mann dieser lebenskühnen Angeklagten, der Graf v. Bothmer, kokettiert« ein wenig mit seiner„Ritterlichkeit", und sprach das fatale Wort von der„Dame unseres Standes, an die man einen ganz anderen Maßstab anlegen müsse". Aus diesen Maßstäben der Potsdamer Standesbürger soll der Teufel schlau werden. Uns deucht nur, wenn Frau Meyer oder der Herr Schulze, beide aus der Linienstraße, ein wenig räubern, so redet irgendein Pflichtverteidiger seine unumgänglichen 10 Minuten und nach 1 Stund« Paragraphenarbeit hat die Frau Meyer ihren mehr oder wenig erheblichen Knast gerichtlich bestätigt. Hier ging das anders. Ganz Potsdam fieberte 14 Tage in gräflicher Prozeßerregung, der Zuschauerraum des Gerichts wurde von den gutsituierten Damen förmlich gestürmt. Schupoketten mußten ausgeboten werden, um die kochende adlig« Volksseele davon abzuhalten, die Intimitäten der lebenshungrigen Gräfin aus berufenem Beobachtermunde zu erfahren. Prozeß- Publikum, die Angeklagte und ihre Schmockpresse,— sie waren alle einander wert. Als diese Komödiantin am Sonnabend das Schluß- wort erhielt, spielte sie ihren stärksten Trumpf:„Ich bin unschuldig. Und wenn ich vor tausend Richtern stände... Das Kind, das ich unter dem Herzen trage, soll unbefleckt... Es geht um die Ehre meiner Kinder..." Nun ist sie aber schuldig. Der Wert dieses Pathos und seiner Tränen ist daran zu ermessen. In anderer Formulierung: Ich bin schuldig, aber.., wäre das sehr stark und menschlich schön gewesen. Nach Ablehnung des Hastcnllassungs- antrage» sagte sie:„Den morgigen Tag erlebe ich nicht mehr." Sie hat ihn erlebt. Bilanz? Ein Diebstahlsprozeßchen nach Schema F, nur daß die Delinquentin ein gezacktes Monogramm ihr eigen nanme. War das eine Affäre von Belang? Es war eine sehr grundlose Aus- regung, dies Potsdamer Spektakelstück. Aber der Rummel war doch sehr bezeichnend. Und das ist auch ein Resultat. Die Berliner Zionistische Bereinigung veranstaltete am Dienstag abend im Herrenhaus eine Kundgebung, in der der Vorsitzende des ZBfD., Kurt Blumenseld, einen programmatischen Vortrag über den Zionismus hielt. Der Redner ging aus die schweren Damaskuskonflikte, dos Mossulproblem und vor allem auf die poli- tische Situation in Palästina ein, die durch die Ernennung des Feld- Marschalls Plumer an Stelle Sir Samuels eine gewisse Veränderung erfayren hat. Natürlich sieht Blumenfeld Geschichte von seinem spezifisch zionistischen Standpunkt aus. Dessen muß man sich von vornherein bewußt sein._ md den Zünqsoz'alisten angesetzten PartrLae Uber Rußland deginnen heute, Donnerstag abend 8 Uhr det Lehmann. l>ail»r»Wilhelm»Str*9 31.< 11«.»bt Lichienberq. Heute Donnerstag,<'/, Uhr, der Morr, Reue Bahnhvfkraße: Funk ionärsittung...... Zungiozialiiten. Gruppe Lankwitz. Seute Donnerstag, abends 8 Uhr, bei Lehmann, llaiser.Wilhelni.&r 29 31: Beoinn dorArdeitsgeine nschaft Uber Eowset-Rußland. Neukölln«Indersreuadc und Arbeiterlugend Heute fDonnerstng) abend,?>/, Uhr: Besprechung wegen der Weihnachlsseter tu der Baracke, Ganghoferstr. S. Gewerkschaftsbewegung Der Konflikt bei der Straßenbahn. Einmüfige Kundgebung gegen die Verschleppungspolifit. Eine überfüllte Bersanimlung der Straßenbahner nahm am Dienstag im Gewerkschaftshaus Stellung zu dem Verschleppungsmanover der Direktion. Hiller vom Deutschen Berkehrsbund ging zunächst noch einmal auf das ablehnende Verhalten der Direktion ein, während der Bertragsdauer eine Zulage zu gewähren. Auch als der Tarif am 31. Oktober ablief, hatte es die Direktion mit Berhandlungen nicht effig. Als es dann endlich zu Berhandlungen fam, verstand fie es meisterhaft, die Berhandlungen immer wieder zu vertagen. Sie wollte erft die Schiedssprüche bei der Hochbahn und Aboag abwarten, um bann vielleicht dadurch, daß sie ihren Angestellten einen Pfennig mehr gab, zu zeigen, wie fozialdenkend" sie sei. Die Organisationen hatten dieses Versteckspielen aber fatt und riefen den Schlichtungsausschuß an, der seine Entscheidung am Freitag fällen wird. Warum fonnte sich die Direktion der Straßenbahn solch ein Spiel mit ihren Angestellten erlauben? Weil sie mußte, daß die Organisation der Straßenbahner noch Lücken aufweist. Ebenso be. Schämend ist es aber auch für die Straßenbahndirektion, ihre Angestellten so hundsmiserabel zu entlohnen. Sie hat im letzten Jahre über 30 millionen Mart zum Ausbau ihres Betriebes verwendet und ihren Wagenpart geradezu er staunlich vermehrt und verbessert. Sie ist von allen Berliner Ber kehrsunternehmungen der rentabel ste. was schon dadurch bewiesen wird, daß sie im letzten Monat 72 millionen Menschen befördert hat. Wenn man bedenkt, daß diefe 25 Pro3. über dem Vortriegs stand liegende Zahl trok zahlenmäßig verminderten Wagenmaterials und weniger Unge stellten als in Borfriegszeiten erreicht wurde, ist der erzielte Profit handgreiflich. Die Ura bstimmung, die nach dem Ber handlungsergebnis von dem Schlichtungsausschuß vorgenommen werden soll, wird ja zeigen, wie es mit der Langmut der Straßen bahner bestellt ist. Nach den Ausführungen Hillers ergriff Ortmann als Bevollmächtigter des Verkehrsbundes das Wort und ermahnte in bringenden Worten, zum geschlossenen Zusammenstehen in der Organisation. In einer einstimmig angenommenen Entschließung heißt es insbesondere: Es ist den Versammelten unverftändlich, wie die Direktion, die von jedem Arbeitnehmer die allergrößte Pünktlichkeit und Gewissen haftigkeit fordert, die Lohnforderungen des Personals, die eine dring fiche Rotwendigkeit find, in einer für fie geradezu beschämenden Weise behandeln kann. Diese Langmut ist sonst bei den fleinsten Bersehen der Bedientesten nicht üblich. Die Versammelten haben dieses Spiel mit ihren wesentlichsten Lebensinteressen gründlich satt Sie erklären mit aller Deutlichkeit, daß sie die sofortige und schnellste Regelung ihrer Lohnverhältnisse einmütig fordern und alle ergriffenen und noch zu ergreifenden groedmäßigen Maßnahmen der Organisation vorbehaltlos billigen. Die Versammelten geloben, alle noch fern stehenden Straßen bahner, der für sie zuständigen freigewerkschaftlichen Organisation, dem DVB. und dem Deutschen Metallarbeiterverband zuzuführen, Deutscher Metallarbeiter- Verband Achtung! tung! Kaufen Verwaltungsmitglieder! Am Freitag, den 20. November 1925: Sie! Sigung der mittieren Ortsverwaltung. Die Ortsverwaltung. Teppiche, TischAuf Teilzahlung! u. Diwandecken Herren- BurschenGarderobe! Kleine Anzahlung! * Bequeme Abzahlung! CAMNITZER SchönhauserAllee 82,1 am Hochbahnhof Nordring. Ueber Nachford jung und alt, Gardinen nur bei uns im Spezialgesehäft Sie werden kulant, aufs beste außerordentlic billig bedient. un Enorme Auswahl erstkl. Fabrikate Ohne Aufschlag ief. wir die Ware ob flein oder groß. sofort hei Anzahvon der fo läftigen Läuseplage und unangenehmen und sicher wirkenden Radikal- Mittels ung auf bequeme Ratenzahlung. befreit nach Gebrauch meines schnell Sächsisch. Gardinen,, Ja- So" Läusetod. 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Die Organisationsvorstände des Einheitsverbandes der Eisen bahner, des Deutschen Verkehrsbundes, des Gemeinde und Staatsarbeiterverbandes und der Reichsgewerk. schaft der Kommunalbeamten, Drts- und Bezirksleitungen, haben in einer gemeinsamen Konferenz am 11. November in Frantfurt a. M. beschlossen, für ihre Organisationsbereiche ein Schuß- und Truzbündnis zu bilden. Der engere Zusammenschluß dieser vier Berbände ist infolge der Konzentration der Arbeitgeberverbände zur Notwendigkeit geworden. Er stüßt sich auf Be schlüsse, die von den Verbandstagen der vier Verbände einheitlich gefaßt wurden. Der Pflicht- und Aufgabenkreis der zu solidarischem Handeln sich zusammenschließenden Verbände wird in einem Kar tellvertrag festgelegt. Die Richtlinien hierfür sollen in einer engeren Kommission, in der die vier Verbände ihre Vertretung haben, in diesen Tagen endgültig bearbeitet und bestimmt werden. Nach Erledigung dieser technischen Beratungen werden gemeinsame Bertrauensmännerversammlungen der vier Organisationen Gelegen. heit zur Information und Aussprache erhalten. Die Arbeitgeberperbände dieser vier Gruppen mögen daraus entnehmen, daß die beteiligten Arbeit ergruppen, der Schwere der Wirtschaftskämpfe sich anpassend, diejenigen Maß nahmen treffen, die im Interesse der in den vier beteiligten Organifationen vereinigten Mitglieder getroffen werden mußten. An den Arbeitern und Arbeiterinnen der nunmehr fich enger zusammenschließenden Berufe wird es liegen, den Organisationen durch 3uführung aller bisher nichtorganisierten Berufsangehörigen stärkste Einflußnahme auf alle Angelegenheiten des sozialen und wirtschaftlichen Lebens zu verschaffen. Kommunistische Gewerkschaftsweisheit. Bei den Lebensmittel- und Getränkearbeitern. In der Generalversammlung der Lebensmittel- und Getränke schäftsbericht vom dritten Bierteljahr. arbeiter am Sonntag im Gewerkschaftshaus gab ho da pp den GeIn diesem Vierteljahr wurden insgesamt vier Lohnbewe. gungen geführt, und zwar in den Brauereien, den Mühlen, in der Sprits und der Likörindustrie. Während es in der Sprit- und der Litörindustrie zu Arbeitseinstellungen tam, wurden die Bewegungen in den beiden anderen Industrien durch Schlich tungsverfahren beigelegt. Einen Erfolg brachten alle Bewe gungen. Eine Lehre müßten die Mitglieder aber endlich annehmen; fie dürfen nicht Forderungen stellen von 33% bis beinahe 50 Broz. Lohnerhöhung, an deren Durchsetzung fie selbst nicht glauben. Damit solle nicht etwa gesagt sein, daß alle diese Forderungen unbegründet feien; sie seien aber nicht durchführbar. Troß der zahlreichen Lohnbewegungen fei die Zahlstelle Berlin dem Beschluß des Verbandstages auf Erhöhung der Beiträge bisher noch nicht nachgekommen. um die Organisation aber als Kampforganisation noch weiter auszubauen, müßten die Beiträge ab 1. Dezember erhöht werden. Die schwierige Wirtschaftslage macht es jedem einzelnen schwer, das Notwendige an guten Möbeln anzuschaffen oder zu ergänzen und erfordert ein Entgegenkommen für Zirka 100 Arbeiter. Gegr. 1876. den Käufer. Handle es sich um Schlaf-, Speise-, Herrenzimmer, Schränke, Bettstellen, Küchen, Ich habe Polstermöbel und Einzelmöbel jeder Art usw. usw. Verständnis für die herrschende Geldnot, biete meiner Kundschaft als alte reelle Firma nur gutes Fabrikat zu billigen Preisen und Kredit, um den Kauf zu erleichtern. Besichtigung ohne Kaufzwang erbeten. Geschäftszeit 8-7 Uhr. Hodapp erläuterte sodann den gedrudt vorliegenden Kaffen bericht für das dritte Vierteljahr. Neu aufnahmen sind insgesamt 506 zu verzeichnen. Die Einnahmen der Lofaltasse ü rsteigen die Ausgaben um 4737,27 M. Das Bermögen der Lokalkasje betrug am Schlusse des dritten Bierteljahrs 18 004,98 m. gegenüber 13 267,71 m. am Schlusse des vorigen Vierteljahrs. In der ausgedehnten Diskussion wurde leider sehr wenig zum Bericht Hodapps gesprochen. Hauptthema der vornehmlich fommu nistischen Diskussionsredner waren die Beitragserhöhung angestellten. Dieselben Leute, die uferlose Lohnforderungen und die angeblichen Ministergehälter der Verbands. aufstellen, treten den Berbandsangestellten mit Argumenten gegen über, die sie sich pon den Scharfmachern im Unternehmerlager geliehen haben. Wie Angestellte, die von Nahrungssorgen ge peitscht sind, den Unternehmern gegenüber mit Entschiedenheit die Forderungen der Arbeiter zu verfechten in der Lage sind, bleibt das Geheimnis dieser sonderbaren Strategen. daß die wiedereingeführten Zuschläge der Lokalfasse zur Erwerbs. Nach dem Schlußwort Hodapps wurde ein Antrag angenommen, losenunterstützung schon ab 15. November und mit einem höheren Sage als dem vorgeschlagenen in Kraft treten. Wegen der vorgeárittenen Zeit wurde sodann die Generalversammlung vertagt, so daß die Punkte„ Bericht vom Gewerkschaftskongreß und vom Verbandstag" un erledigt blieben. Die Hauptsache für die„ Oppo fition", die Berreißung der Bonzen, hatte die sachliche Arbeit verDer Achtstundentag marschiert! ( 3.) Zwei Fragen, die für die Lage der Arbeiterschaft im internationalen Maßstab von höchster Bedeutung sind, wurden bei der jüngsten Tagung der Exekutive der Sozialistischen Arbeiter- Internationale diskutiert: die Fortschritte der Bewegung für die internationale Sicherung des Achtstundentages und die Wanderungs. probleme. Die Vertreter der verschiedenen Länder erstatteten Bericht über den Stand der Arbeitszeitgefeggebung in ihren Ländern. Es wurde festgestellt, doß, wenn auch der Achtstundentag in vielen Ländern besteht, diese wichtigste Errungenschaft der Ar. beiterklasse doch so lange nicht gesichert ist, als nicht eine internationale Garantie die Arbeiter aller Länder davor schüßt, daß der Achtstundentag in irgendeinem Lande durchbrochen merden kann. Daher ist die Ratifitation der Konvention von Washington auch dort notwendig, wo der Achtstundentag durch Landesgesetz oder gewerkschaftliche Vereinbarungen besteht und wo fie daher, neben der elfah günstigeren Landesgesetzgebung den Charakter einer internalit nalen Garantie des Minimums annimmt. Mit großer Freude wurde die Mitteilung der belgischen Ver treter begrüßt, daß die belgische Regierung, an der die belgische Arbeiterpartei beteiligt ist, sofort beim Zusammentritt der Kammer einen Entwurf zur bedingungslosen Ratifi= zierung der Konvention von Washington vorlegen wird. Es wurde beschlossen, durch verstärkte Aktion der sozialistischen Parteien und Gewerkschaften in den einzelnen Ländern den in Belgien erzielten Erfolg zum Ausgangspunkt weiterer Fortschritte zu machen. Berantwortlich für Bolitik: Ern Reuter: Wirtschaft: Artur Saternus; Gewerkschaftsbewegung: Friedr. Ekkorn; Feuilleton: R. S. Döscher; Lotales und Sonstiges: Frig Karstädt: Anzeigen: Th. Glode; fämtlich in Berlin. Berlag: Borwärts- Berlag G. m. b. S.. Berlin. Druck: Borwärts- Buchdruderei und Bericasanstalt Baul Ginger u. Co.. Berlin GB 68. Lindenstrake 3. Bruno H. Bürgel AM 14. NOVEMBER 50 JAHRE ALT We'tall und Wet efühl Der Einfluß der Sternenwelt auf das Kulturleben der Menschhell Mit vielen Abbildungen. Jn Leinen M. 6.50 Aus fernen Welten The vollstümliche Himmelstunde. Mit zahlreichen, 3. T. farbigen Abbildungen. 73. Taufend. Jn Halbleinen M. 8.Dom A beiter zum Aste nomen Die Lebensgeschichte eines Arbelt ro. Mt einem Bi duis Bruno D. Bürgel 63. Tausend. 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