Abendausgabe Nr. 54942. Jahrgang Ausgabe B Nr. 272 Bezugsbedingungen und Anzeigenpreife Find in der Morgenausgabe angegeben Redaktion: Sw. 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Dönhoff 202-297 Tel.- Adresse: Sozialdemokrat Berlin Vorwärts Berliner Volksblatt 10 Pfennig Freitag 20. November 1925 Beriag und Anzeigenabteilung: Geschäftszeit 9-5 Uhr Berleger: Borwärts- Berlag GmbH. Berlin S. 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Dönhoff 292-29% Zentralorgan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands Luther unterzeichnet und demissioniert. Erklärungen vor den Parteiführern. Reichskanzler Dr. Luther empfing heute vormiffag die Bertreter der Parteien. Er teilte ihnen mit, daß das Kabinett nach der Unterzeichnung des Bertrages von Locarno in London dem Reichspräsidenten seine Gesamtdemiffion unterbreiten werde. Die neue Regierung müffe ſo gebildet werden, daß fie auch innerlich zu dem neuen internationalen Bertragswert stehe. Der Reichskanzler bestätigte, daß die beiden Vorschläge, die Verträge zu unterzeichnen und den Eintritt in den Böllerbund vorzubereiten, in einer einzigen Borlage vereinigt sind. Am Montag wird zunächst nur der Reichskanzler sprechen, dann wird voraussichtlich die Debaffe beginnen, an der fich auch der Reichsaußenminiffer beteiligen wird. Die ersten zwei. Bazille und Schiele für Locarno. Zu Beginn der heutigen Sigung des Reichstags teilte der Präsident mit, daß der frühere Reichsminister des Innern, Reichstagsabg. Schiele, um einen Urlaub von drei Wochen nachgesucht habe. Zugleich wird bekannt, daß der württembergische Staatspräsident Bazille, der gleichfalls dem Reichstag angehört, sich gestern in der Besprechung der Ministerpräsidenten für die Annahme des Bertrages DON Locarno ausgesprochen hat. Herr Schiele und Herr Bazille sind somit die beiden ersten deutschnationalen Abgeordneten, die sich nicht der Fraktionsdisziplin fügen und nicht gegen Locarno stimmen werden. Zusammentritt des Reichstags Nachrufe. As die Reichstagsfizung um 1 Uhr 15 Minuten vom Reichspräsidenten Löbe eröffnet wurde, war das Haus sehr start besetzt. Nur die hinteren Reihen der deutschnatio. nalen Frattion wiesen eirige üden auf. Genoffe Cobe hielt zunächst eine Rede, in der er der Mitglieder gedachte, bie feit dem Auseinandergehen des Reichstages, Mitte August, verschieden find. Sein Nachruf galt zuerst den noch im August verstorbenen Zentrumsabgeordneten, Ministerialdirektor a. D. Dr. Beusch und Peter Spahn, einem der Senioren des deutschen Parlamentaris mus. Sodann wandte sich Genosse Löbe dem Andenken der in letter Der Abbau der Militärkontrolle. Walch verläßt Berlin- Gesamtkommiffion nur noch ein Dutzend Köpfe. Der Sozialdemokratische Prefsedienst meldet: Der Vorsitzende der Interalliierten Militärkontrollkommission, General Walch, hat der deutschen Militärfommission offiziell die schriftliche Mitteilung vom Abbau der Interalliierten Entwaffnungstommiffion gemacht. Man nimmt an, daß die noch bestehenden Distriktskommiffionen eingezogen und die zurzeit aus ungefähr noch 70 Köpfen bestehende Gefamttommiffion auf 10 bis 12 Mit glieder verringert werden dürfte. Unter den Offizieren, die Berlin verlassen, befindet sich auch General Walch selbst. Die Abwicklung der Delegierten. Koblenz, 20. November.( TU.) Die Kölnische Bolkszeitung" bringt folgende Meldung: Da mit dem 1. Dezember die gesamten Delegationen im besetzten Gebiet aufgelöst werden, beabsichtigt die Rheinlandkommission bei einzelnen Delegationen Abwid. [ ungsstellen einzurichten, die die laufenden Arbeiten zu regeln haben werden. Ueber die Dauer des Bestehenbleibens dieser Abwicklungsstellen ist noch nichts bekannt. Das gesamte Attenmaterial wird später an die Rheinlandfommiffion gelangen, um etwa noch zu erledigende Arbeiten unmittelbar vornehmen zu fönnen. Das bisher auf den Delegationen beschäftigte Personal wird in die Heimat kommen. Frankreichs Finanzsanierung. Gegenvorschläge der Rechten? Paris, 20. November.( Eigener Drahtbericht.) Die General. debatte über das Finanzgesetz ist wider Erwarten auch am Donners. tag noch nicht zu Ende geführt worden. Das interessanteste moment war, daß im Namen der Rechten der Abg. Bokanowski erklärte, daß die Rechte bereit sei, Gegenvorschläge einzubringen, falls die Regierung auf die Unterstützung der Sozialisten verzichten werde. Damit hat die Rechte sich selbst entlarvt. Das neue polnische Kabinett. Roalitionsregierung unter Skrzynskis Führung. Warschau, 20. November.( Eigener Drahtbericht.) Unter dem Borfig von Minister Strzynifi ift ein koalitionsfabinett gebildet worden, an dem sämtliche Parteien teilnehmen mit Ausnahme der äußersten Rechten und der Kommuniffen. An der Spitze bes Babinetts fteht Strzyujti als Premierminister. Er bleibt • Umbildung der Regierung im Dezember. Zeit bahingegangenen Mitglieder der sozialdemokratischen Fraktion, Selling, Elise Bartels und Lauffötter, zu. Diesen Nachrufen für die verstorbenen Mitglieder des Hauses fügte Genoffe Löbe unter allgemeiner Aufmerksamkeit noch einige marm empfundene Borte für Hugo Breuß an, einen Mann, der zwar nicht dem Reichstag angehörte, und dessen Verdienste bereits on einer anderen parlamentarischen Stelle ausführlich gewürdigt morden seien, dem aber als dem Schöpfer der Weimarer Reichs. verfaffung ein Ehrenplatz in der Geschichte der Deutschen Republik gebühre. Sodann nahm das Haus geschäftliche Mitteilungen entgegen. Bei der Bekanntgabe der Urlaubsgesuche gab es ein allgemeines heiteres Hallo", als die Mitteilung erfolgte, daß sich auch Schiele unter dieefen Urlaubsbedürftigen befindet. Genosse Hoch brachte danach den nachfolgend abgedruckten Antrag der sozialdemokratischen Frattion hinsichtlich der Erhöhung der Erwerbslosenfürsorge ein, ersuchte diesen Antrag fofort auf die heutige Tagesordnung zu setzen und dem zuständigen Ausschuß ohne Debatte zu überweisen. Kommunistische Abgeordnete schlossen sich diesem Vorschlag an und wünschten seine Ausdehnung auf eigene ähnlich gerichtete Anträge. Sozialdemokratische Sozialpolitik. Anträge für den Reichstag. Die Krise. Was sagen die Unternehmer? Die Wirtschaftskrise beginnt eine gefährliche Ausdehnung zu nehmen. Nach der letzten statistischen Aufnahme hatte die Anzahl der Hauptunterstützungsempfänger in der Erwerbs lofenfürsorge in der zweiten Oktoberhälfte von 299 000 auf 364 000, alfo um 22 Proz. zugenommen. Da erfahrungsgemäß die Zahl der Erwerbslosen nahezu um das Dreifache größer ist, als die der Hauptunterstüßungsempfänger der Erwerbslosenfürsorge, kann die Zahl der tatsächlich gegen wärtig in Deutschland Erwerbslosen mit rund einer Million angenommen werden. teigen. Das hängt zunächst mit der Jahreszeit zu Diese Zahl wird in den nächsten Wochen weiter fammen, die einen Rüdgang des Beschäftigungsgrades in der Landwirtschaft und im Baugewerbe mit sich bringt. Die Arbeitslosigkeit meist aber auch alle Anzeichen einer ernst en Wirtschaftsfrife auf. Diese Wirtschaftsfrise ist eine an der fapitalistischen In der kapitalistischen Produktion gemeffen normale. Produktion sind Wirtschaftstrifen insofern eine normale Er scheinung, als die Steigerung der Produktion infolge der Profitwirtschaft nicht gleichen Schritt hält mit der Steigerung der Kaufkraft der Verbraucher. Dieses zeitweise Ueberangebot an Waren ist eine normale Erscheinung. Daß die deutsche Wirtschaftstrife teine normale Erscheinung ist, geht schon aus der Tatsache hervor, daß sie in ihrem Verlauf durchaus an Deutschland gebunden ist. Die sozialdemokratische Reichstagsfraktion hat land um sich greifenden Wirtschaftskrise, dann stößt man immer folgenden Antrag eingebracht: Der Reichstag wolle beschließen: 1. Die Unterstügungen der Ermerbslosen werden in ausreichendem Maße entsprechend der gegenwärtigen Notlage der Erwerbslosen erhöht, den Kurzarbeitern wird eine entsprechende Unterstützung gewährt und die Unterstügungsdauer so weit ver, längert, wie es gegenwärtig notwendig ist. 2. Die Reichsregierung wird aufgefordert, größere Mittel für haupt für alle zweckmäßigen Maßnahmen der produktiven Erwerbs. die Beschaffung von Arbeitsgelegenheit sowie über lofenfürsorge zur Verfügung zu stellen und dafür zu forgen, daß alle Nemter im Reich, in den Ländern und Gemeinden in diesen Angelegenheiten aufs engste zufammenarbeiten. * Die Fraktion hat weiter folgende Interpellation eingebracht: Ist die Reichsregierung bereit, dem Reichstag alsbald einen Gefeßentwurf betreffend die Ratifizierung des Washing toner blommens über den Achtstundentag vorzulegen? weiter Miniffer des Aeußeren. Das Kriegsministerium bleibt unbesetzt. Stezynffi hat die Einwilligung der Partelen wie auch die Ministerliste heute um 5 Uhr morgens dem Staatspräsidenten präfentiert. Außenpolitisch bedeutet das neue Kabinett einen Erfolg von Strzynfti und die Feftigung von Locarno, innenpolitifch hofft man von ihm wirtschaftliche und finanzielle Sanierung und innere Konfolidierung. Skrzynskis Ministerliste. Warschau, 20. November.( TU.) Graf Strzynski hat heute abend dem Bräsidenten der Republit feine Miniſterliste überreicht. Hier nach würde sich die Regierung folgendermaßen zusammenfeßen: Ministerpräsident und Außenminister: Strzynfti. Finanzminister: Der stellvertretende Minister Marlowsti( an Stelle des ausgeschiedenen Grabffi). Innenminister: Raczlemicz( bisheriger Minister). Justiz: Zichlinsti( bisheriger Minister). Untersucht man die Ursachen der gegenwärtig in Deutschwieder auf die Wirtschaftsfünden des Unternehmertums während der letzten zehn Jahre, ganz besich z. B. gegenwärtig in Frarfreich ein wesentlicher Teil der sonders aber während der Inflationszeit. Während bürgerlichen Parteien ernsthaft bemüht, die Inflation abzustoppen, haben in Deutschland die bürgerlichen Parteien unter dem Druck der sogenannten Wirtschaftskreise, d. h. der führen hen Schichten des Unternehmernums die Stabilisierung der Währung mit allen Mitteln fabotiert. bedacht, mur darauf bedacht, private Reichtümer zu sammeln, Nur auf den eigenen turzsichtigen Profit hat das Unternehmertum in Deutschland unsere Wirtschaft ruiniert. Mit Hilfe der Inflation hat man den städtischen Mittelstand und die Sparer enteignet, die Löhne der Arbeiterschaft entwertet und sie ihrer in der Sozialversicherung aufgespeicherten Spargroschen beraubt. Diese Reichtümer, soweit fie nicht durch Warenverschleuderung an das Ausland verpulvert wurden, sind in sogenannte Sachwerte angelegt worden. Die Banken haben gebaut und Filialen gegründet, die Induftrieunternehmungen haben ihre Anlagen vergrößert und wahllos aufgekauft, was mur irgend zu laufen war. Man hat diesem Auftauf den schönen Namen der bertitalen Kon zentration" beigelegt, die man durch die aufgekaufte Breffe in den höchsten Tönen verhimmeln ließ. Als die Marf verschwunden war und die Stabilisierung nicht mehr vermieden werden konnte, versuchte man die Raubbaupolitit der Inflation in die Stabilisierung hinüberzuretten. Es war ein alltäglicher Trid gewesen, während der Inflation Kredite aufzunehmen, mit diesen Krediten alle möglichen Sach werte zu faufen, und die Schulden mit entwerteter Währung zurückzuzahlen. Diese Schulbenwirtschaft wurde fortgefegt. Zu den hohen Untoften, die die vergrößerten Anlagen, bie nur zum Teil ausgenutzt werden fonnten, verursachten, tamen noch die immer brüdender werdenden hohen Bant zinsen. Auch die Aufnahme von Krediten im Auslande tonnte an der Sachlage deswegen nichts bessern, weil man sich Kultus: Stellvertretender Minister Inpuschanski( an Stelle des gegen die Notwendigkeit des Abbaues und Umbaues des aufausgeschiedenen Bruders Grabfti). Berkehrsminister: Pyschka( bisheriger Minister). Arbeitsminister: Stellvertretender Minister Rybczinsti( an Stelle des ausgeschiedenen Ministers Sofal). Kriegsminister: Stellvertretender Minister General Maiewsti ( an Stelle des ausgeschiedenen Giforsti). Kraffin lehnt ab, nach London zu reifen. Kraffin hat vorerst abgelehnt, nach London zurückzukehren, da radikale Wirtschaftskreise nach eingehenden Verhandlungen mit Kraffin ablehnten, England weitere Konzeffionen zu gewähren. Im Zusammenhang damit wer. den die ruffisch- englischen Verhandlungen in der nächsten Zukunft entgegen den Erwartungen nicht wieder aufgenommen. Ein Locarno- Telegramm Hindenburgs. Nach einem amtlichen englischen Funtspruch hot Reichspräsident von Hindenburg durch Staatssetretär Meißner an den Vorfigenden des Bantetts, bas ar Weekend der Presseklub zu Ehren der Botschafter gegeben hat, ein Telegramm gefandi, in dem er den Wunsch ausspricht, daß der neue Geist gegenseitiger Schägung und Hochachtung, wie er in Locarno geboten worden sei, zur Berständigung der Völker beitragen möge. Diefen neuen Geist zu verbreiten, sei ebenso hohe als eble Aufgabe der Pressc. Einigung bei der Straßenbahn. Allgemeine Lohnzulage. Die Cohnverhandlungen bei der Straßenbahn wurden heute zum Abschluß gebracht. Es wird allgemein eine Stundenlohnzu. lage von 3 Pf. gewährt und für die Schaffner und Fahrer, fowle für die Betriebshandwerker der bisherigen Cohnftaffel eine weitere Stufe aufgefeht. Die Regelung wird bis zum 31. März 1926 gelten. Die Erklärungsfrist läuft bis zum 26. November mittags. geblähten Wirtschaftsförpers mehrte. Das Unternehmertum widerstrebte aber nicht allein der notwendigen Umstellung der Betriebswirtschaft. Es wehrte sich auch mit Händen und Füßen insofern gegen eine Gefun dung unserer Wirtschaft, indem es alle Machtmittel in Bewegung fezte, um sich gegen die Steigerung ber Kauftraft der Arbeiterlöhne zu wehren. Gleichdeitig ging das Industrieunternehmertum ein Bündnis ein mit den Agrariern, um eine Schutzollpolitik einzu führen, ohne zu merken, daß fie damit auch den Absatz im Auslande erschweren. Heute sind es nicht allein die kleinen und großen Stinnes' der Inflation, es find alte, gut fundierte Unternehmungen, Die bontrott machen. Und zwar machen auch sie bankrott, weil fie genau so wie die Inflationsgewinnler sich an Sachwerten überfressen haben. Wenn die Masse der unteren und mittleren Beamten, der Angestellten und Arbeiter nicht in der Lage ist, die von dem bestehenden Produktions apparat herstellbaren Waren zu kaufen, wenn zur Unterhaltung der brachliegenden Wirtschaftsanlagen Schulben gemacht merden müssen, die eine schmere 3insenlast bedeuten, dann muß auch beim größten Warenhunger eine Wirtschaftstrife eintreten. Bor den Folgen der Inflationssünden des Unternehmertums ist von den Gewerkschaften und der Sozialdemokratie ebenso oft mie vergebens gewarnt worden. Man follte nun annehmen, daß die führenden Unternehmerkreise, die die Hauptschuld tragen an dieser verhängnisvollen Inflationspolitit, nunmehr sich zufammentun und einen Ausweg suchen. Wo sind die Spizenorganisationen der deutschen Unternehmer, wo ist das Wirtschaftsprogramm der Bereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände und des Reichs verbände» der deutschen Industrie? Wo ist die PoNtit, die sich bemüht, dem doch sonst durchaus reaktionären amerika- nischen Unternehmertum nachzueifern? Die amerikanischen Unternehmer haben längst begriffen, daß hohe Löhne die beste Gewähr für einen gesicherten Be- schäftigungsgrad der Industrie sind. Selbst eine so reaktionäre und scharfmacherische Unternehmerschicht wie der amerikanische Etahltrust hat freiwillig das Zweischichtensystem beseitigt und das Dreischichtensystem eingeführt. In Deutschland aber sperrt man immer noch zu Zebntausenden die Arbeiter aus, wenn sie auch noch so bescheidene Lohnforderungen stellen oder den Achtstundentag fordern. Die einzige Kundgebung der Vereinigung der deutschen Arbeitgeberverbände ist die breitspurig hingestellte Erklärung ihres Vorsitzenden, daß er persönlich das korrupte System der Syndizi deckt. Das mag ritterlich klingen, ist aber schließlich kein Programm. Die führenden Unternehmertreise haben durch ihre Scharfmacherpolitik die Arbeitsgemeinschaft gesprengt und jede Möglichkeit zerschlagen, eine Politik des Ausgleichs durchzu- führen. Sie haben in der Wirtschaft und in der Regierung ihren Scharfmacherstandpunkt durchgesetzt. Sie haben ebenso die Zoll» und Steuergesetzgebung wie» die Sozialpolitik unter ihre Diktatur gebracht. Deutschland, das mehr als jedes Land auf den Abbau der Zollschranken angewiesen ist, hat die Zollbarrieren erhöht. Das unter der kaiserlichen Zeit auf dem Gebiete der Sozialpolitik einst führende Deutsche Reich ist heute fast das rückständigste Land Europas. Was nun? Die Krise ist da. Mit Zollkriegen und Sli tischen Krisen wird sie sicherlich nicht behoben werden. o ist das Sanierungsprogramm der Unternehmer? Die Wirtschaftspolitik der deutschen Unternehmer hat Schiffbruch gelitten. Ihre Ratlo?lgkeit gegenüber diesem Bankrott beweist, daß sie nicht einmal fähig sind, aus ihm die unabänderlichen Konsequenzen zu ziehen. Wilhelm Surfte nicht sterben... Nur der„gemeine Mann" darf für das Baterland bluten! In einem deutschnationalen Blättchen, das w Berlin an Stelle der entschlafenen„Nationalpost" herausgegeben wird, finden wir an unscheinbarer Stelle eine Notiz, die wirklich wert ist, ans helle Tageslicht gezogen zu werden. Sie hat diesen Wortlaut: von dem ehemaligen Generaladjutanten des Kai- fers, Generaloberst a. D. v. P l« s s e n, läuft eine Erklärung um, in der es heißt:.Nach dem Pressebericht über den Münchener Dolchstoßprozeß hat General G r o e n e r in der Verhandlung vom 29. Ottober ausgesagt, er habe am 1. November ISIS che» Generaladjutanten" Seiner Majestät vorgeschlagen,»daß Seine Majestät unverzüglich an die Front gehen solle.... Dort solle es der Kaiser darauf ankommen lassen, ob eine Kugel ihn träfe..." Die Generaladjutanten hätten erwidert,»es ginge nicht an, den Kaiser an die Front zu bringen". Die Generaladjutanten, die damals im Allerhöchsten Hauptquartier waren, mithin nur in Frage kommen können, sind Generalleutnant von G o n t a r d, Gene- ralmajor Freiherr Marschall und ich. Generalmajor Freiherr Marschall ist tot. Für Generalleutnant v. G o n t a r d und mich stelle ich fest, daß an uns ein derartiger Vorschlag nicht gelangt ist. Aber auch wenn ein solcher Vorschlag an uns gelangt wäre, würden wir es abgelehnt haben, ihn Seiner Majestät zu unlerbreileu. Unseres Erachtens hat ein Monarch höhere Ausgaben, als im Schützengraben Tod und Verwundung zu suchen. Diese Erklärung ist nur„im Umlauf". Und es ist wohl nur ein Versehen, wenn sie irgendwo in die Spalten eines Blattes gelangte. Aber trotz dieser Bescheidenheit verdient sie des Preises und Lobes die Fülle. Denn in ihr wird in geradezu brutaler Form ausgesprochen, was das Wesen der Monarchie ausmacht. Der Monarch ist für höhere Zwecke da, als Tod oder Verwundung im Schützengraben zu suchenl Für Tod und Verwundung, für Schlamm und Dreck sind nur die Muschkoten da. nur die Männer der Arbeit vom Pfluge und Amboß, vom Kontorschemel oder vom Arbeitstisch Liebhaber öes Toöes. Bon Paul Gutmann. Der Fall des Doktor Hauck ist sicherlich einer der merkwürdigsten Kriminalfäll« der letzten Zeit. Ein Dieb von Autogrammen und wertvollen Geschichtsdokumenten verteidigt sich mtt der Behauptung, daß ihn seit seiner Pubertätszeit schon der bloße Anblick seltener Drucke und Handschriften leidenschafllich erregt habe, jedoch nicht bloß in der geistigen Sphäre, jondern hauptsächlich in der des geschlechtlichen Erlebens. Was dem Seelenarzt als Fetischismus bekannt ist, bekommt hier durch das Losgelöstsein von allen lebendigen Beziehungen in seiner an Wahnsinn grenzenden Ver. irrung etwas grotesk Lächerliches. Man kann allenfalls noch ver- stehen, daß das Halsband der Geliebten einem die Geliebt« vor- täuscht, aber daß jemand beim Anblick einer Unterschrist Wilhelms II. in erotische Verziickung gerät, ist«in Witz, der den Teufel selbst zum Urheber haben könnte. Die Natur ist in ihren Schöpfungen jeder dichterischen Phantasie überlege». Was Nietzsche von den Gelehrten geahnt hat, als er sagte: »Ew Geruch ist. oft an ihrer Weisheit, als ob sie aus dem Sumpf stamme", das stellt die Künstlerin Natur in der Gestall de« Doktor Hauck als grandioses Symbol vor unsere Augen. Wie eine Hyäne wühlt dieser Gelehrte mit dem lebensfremden Anttig in den Gräbern der Vergangenhett und erschauert vor Erregung, nicht nur wenn er ein sellenes Autogramm auffindet, sondern auch wenn in seiner Gegenwart nachts aus einer Friedhofsgrust ein Skelett bloßgelegt wird. Der Modergeruch, der aus Totengebein und aus allen Folianten aufsteigt, duftet gleichermaßen lieblich in seine Nase. Lediglich die Berwesung, wovon die Geschichte kündet, macht die Be- schäftigung mtt ihr für diesen Bücher- und Totenwurm reizvoll. Visher schien es nur«ine bildliche Uebertragung zu sein, wenn man von gewissen Gelehrten als von den Totenbeschauern der Vergangen- heit sprach. Hier Ist ein Zusammenhang enthüllt, den selbst ein Psycholog wie Nietzsche, einer der grimmigsten Verächter des unfruchtbaren Historikers, nicht vermutet hat, als er sagte:»Vor ihren Augen liegt jeder Vogel entfedert." Ja. nicht allein das, sondern der Vogel hat überhaupt erst Reiz für sie, wenn das Fleisch von seinen Knochen abgefault ist. Nicht das blühende Leben In seinen Zusammenhängen mit der Vergangenheit suchen diese zu ver- stehen, sondern der Aasgeruch des Gestorbenen, des ewig Gestrigen, ist ihnen Inhalt und Erhöhung ihres Daseins. Was Goethe seinen Stubengelehrten Wagner sagen läßt:„Wie ander, tragen uns die Geistesfreuden von Buch zu Buch.. das ist noch immer heiterster Lebensdrang im Vergleich zum Wesen jene» Liebhaber« de» Tode», de» Vektor Hauck. Er, der i» seiner pervertierten Leidenschaft»um Dieb g»«»rdeu ist. wird nunmehr al» da, Symbvl einer Geistesver- fasiung bleiben, d« nur das Gewesene, da» Verweste, s« es in der Wist-nfchaft, fei es im staeteleben, verehrungswert zu fein scheint. Die nicht begreisen kann, daß alle Seschichtskenntni», alle Selehr- des Gelehrten! Die Schwätzer. Nichtsiuer und G e» n i e ß e r. die sich„Monarchen" nennen, haben samt ihrem Troß aus Prinzen. Eenerqladjutanten, Hof- und Ober- Hofmarschällen besseres zu tun, als für das Vaterland zu sterben! S i e können hinter der Front, wenn„alles Gold der Reichsbank gehört", ruhig weiter ihre Schätze in ihren Schlössern behalten. S i e brauchten nicht der Hungerblockade zu erliegen, weil sie gleich dem übelsten Schieber ihre Vor- ratskammern bis zum Bersten gefüllt hatten und immer neu auffüllen ließen! Wilhelm von Hohenzollern, der gekrönte Schwätzer, war S höherem da, als Tod oder Verwundung zu suchen! Dieser ilhelm war deshalb wohl auch der einzige Vater in Deutschland, von desien sieben Söhnen nicht ein einziger auf dem„Felde der Ehre" fiel! Sie alle hatten ja höhere Aufgaben. Sie mußten sich sämtlich dem Vaterlande erhalten, damit sie später bei Kriegervereinsparaden dem in Ehrfurcht ersterbenden Untertanengeschmeiß als„edle Sprossen aus dem erlauchten Hohenzollernhause" vorgeführt werden könnten. In der Vaterlandsliebe läßt sich der„Monarch" und lassen sich seine„edlen Sprossen" von niemand übertreffen. Sie wissen, was sich schickt. Und da sie selber vorsichtigerweise weder den Tod noch die Verwundung im Schützengraben suchten, so können sie wenigstens jetzt bei den Gefallenen-Denkmälern als Zeugen ihrer eigenen Tapferkeit Paraden abnehmen und warten, bis ihnen die bürgerlichen Parteien im preußischen Landtag dazu noch die Milliardenwerte nachwerfen, die sie zur Fortführung ihres Drohnenlebens benötigen. Den für das Vaterland des Dreiklasiensystems„gefallenen Helden" setzt man steinerne Denkmäler. Der für das Vaterland vor dem Tod und der Verwundung rechtzeitig ausgerissenen Monarchen- und Prinzensippe schaufelt man goldene Schätze zu und schenkt ihm herrliche Schlösser! Der Generoladjutant a. D. v. Plesien hat in seiner Um- lauf-Erklärung die Situation treffend gekennzeichnet. Nur hat er den— Verzeihung!— jüdischen Dichter Heinrich Heine mangelhast nachempfunden. Der hat den Gedankengang der Monarchisten schon vor hundert Iahren in die klassischen Worte gefaßt:„Leben b l e i b e n wie das Sterben für das Vaterland ist schön!"_ Neues aus Sorkum. Blamage der Antisemiteriche. Di« deutschnotional« Press« hat sich seinerzeit sehr empört gezeigt, als die preußischen Behörden den antisemi- tischen Hetzaposteln in Borkum, die die Kurkapell« in den Dienst ihrer pöbelhaften Tätigkeit stellten, auf die Finger Nopften. E» gab die üblichen Deklamationen über da» Recht der freien Meinungsäußerung und die Gerichte, die sich natürlich bei- leibe nicht als die Lorkämpfer gewisser Klassen fühlen, taten zy- nächst das, was sie so oft zu tun pflegen, wenn Deutschnationale gegen die Repräsentanten der Republik Sturm laufen: sie nahmen gegen die preußischen Behörden Stellung. Die nochmalige Nach- Prüfung rechtfertigte dann die Maßnahmen der preußischen Be- Hörden in vollem Umfang. Damit ist aber die Angelegenheft aber noch nicht erledigt. Wie sich nämlich jetzt herausstellt, ist einer der Haupthetzer in Borkum, Pfarrer Münchmeyer, da gestrandet, wo er schon lange hätte stranden müssen: die Kirchenbehörde hat gegen ihn, wie die «Rhein-Ems-Zeitung" meldet, endlich«in D i s z i p l i n a r v« r« fahren eingeleitet. Der Grund dafür ist ein Unter- fuchungsverfahren wegen Betrugs an der Gemeinde, das die Staatsanwallschaft gegen Münchmeyer«ingelettet hat. Außer- dem schwebt gegen ihn ein Verfahren wegen Lotteriever- g e h e n s. Es ist also wieder einmal so, daß einer der anttsemittschen Haupthetzer und völkischen Granden sich als ein innerlich voll- kommen brüchiger Mensch erweist. Daß sich die Deutschnattonalen schützend vor derartig« Elemente stellen, ist nichts Neues. Ihre Phrasen von Christentum und össent- licher Reinheit stehen schon lange im Gegensatz zu ihren Handlungen. samkett nur dem einen Zweck zu dienen hat, das Verständnis der Gegenwart zu erleichtern, die Menschheit vom Staub und Moder des Gewesenen zu befreien. Der zweite Abend des Verbandes deutscher Erzähler galt dem Dichter Ludwig Fulda. Wenn es noch eines Beweises bedurft hätte, daß uns eine Well von jener bürgerlichen muffigen Gesittet- heit der achtziger Jahre trennt, so hätte dies Fulda, der zwei Stunden lang eine Novelle:»Die Hochzeitsreise nach Rom" vorlas, einwand- frei erbracht. Die Probleme, die seine Figuren bewegen, der ober- lehrerhaste Idealismus des Ehemanns, der seinem Frauchen auf den Ruinen Roms vorschwärmt, die Albernhett dieser norddeutschen Zier- pupp«, die beim Anblick des vom Vollmond bestrahlten Kolosieums Tränen über einen Weinfleck auf chrem Kleid vergießt, das sind Dinge, für die wir nur noch ein gelangweittes Kopsschüttcln aus- bringen. Banal wie der Gegensatz: bürgerliche Steifheit und in Bildung schwelgendes Künstlertum ist auch die ganze Diktton der Erzählung. Frauchen ist ein kleiner Schalk und hat natürlich ein silberhelles Lachen. Eine Künstlerin gilt als emanzipiert, well sie abends ohne Mama mtt Freunden beim Wein fitzt. Kurzum, das Tantenhafte der seligen.Gartenlaube" lächeft holdselig aus dieser altmodischen Geschichte. Ein harmlos amüsantes Gedicht, das Fulda zum Schluß noch vortrug, konnte den üblen Eindruck des Abends, der einer zum Glück vermoderten Vergangenhett gehörte, nicht ver- wischen.— n. 3n der kanadischen Wildnis.(Filmvortrag in der Urania.) Kanada? Man repetierte noch schnell, was man davon wußte: Ge- treidelond und undurchdringliche Wälder, dann Klondike mit seinen Goldgräbern und schließlich Pelzjäoer in Gegenden, in denen sich eigentlich nur noch Eskimos wohssühlen. Also mit der Wildnis war es im allgemeinen wohl richtig. Bewahre, sagte Emil D r o o n- berg, der den Film mit seinen Aussührungen begleitete: Kanada ist das kultiviertest« Land des amerikanischen Kontinents, die Ber- einigten Staaten nicht ausgenommen. Drei riesige Eisenbahnlinien durchquer«» das Land, die von keiner Eisenbahn aus der ganzen Weil übertroffen werden. Aber es gibt auch Wildnis und noch Wildnis in Kanada, vielleicht allerdings nur noch wenige Jahrzehnte. Heute findet man noch unendlich wette Wälder, die eine Fülle von jagdbaren Tieren bergen, und der Fischreichtum erinnert geradezu an die Geschichte vom Schlarafsenland: zwei riesige Lachse hängen im Verlaufe von einer Minute an der Angel. Und die Filme rollen sich ab, die uns den Lachs und Hummernsang und die zugehörigen Industrien vorführen: durch wundervolle Landschaften verfolgen wir das Elentier und die kleinen schwarzen Bären, die so erstaunlich« Kletterer sind; ein Wasserflugzeug führt uns auf den Spuren des ersten Weltumseglers Kapitän Cook nach der Vanconver-Jnsel, und wir hören, daß es die Fahrt in drei Stunden zurücklegt, zu der Cook damals vier Wochen brauchte. Droonberg folgte, was nicht genug anerkannt werden kann, mit seinem interessanten Vortrag stet» treu den laufenden Filmen: da» war nicht immer einfach, da der vor- führer über die Reihensolg« seine eigene Meinung hatte. Aber weshalb liefen die Filme mcht vorher bereits einmal Probe? Die Urania, nicht wahr, ist doch ein aroßftädtisches Jnstttut: und es ist zu bezweifeln, daß solch« neckischen Ueberraschungen als Wohltat empfunden werden. Te». «ber jene Gerichte, die der preußischen Verwaltung in den Arm stehlen, als sie nicht dulden wollte, daß unlauter« Elemente das öffenttiche Leben in Borkum terroresteren und vergiften, hoben wieder einmal gezeigt, wohin es führt, wenn man die deutsch- national-völkische Pöbeltaktik als ein Dlümlein Rühr-mich-nicht-an betrachtet. das üeutsck- spanische tzanüelsprovisorium. Ter Inhalt deS Abkommens. Das deutsch-spanische Zollabkommen, durch das der Zollkrieg zwischen Deutschland und Spanien beigelegt wurde, hat im einzelnen folgenden Inhall: Spanien gewährt auf deutsche Waren die Kolumne n seines Zolltarifes, also einen Tarif, der wesentlich unter dem Maximattarif liegt, aber immer noch über den anderen Ländern gewährten Vertragszollsätzen. Für die Einfuhr spanischer Waren nach Deutschland gill ganz allgemein der deutsch« a u t o- nom« Tarif, von dem nur einige wenige Ausnahmen bei Süd- fruchten und ähnlichen Waren gemacht werden. Es sind dies die folgenden: für T o m a t e n 2 M. bzw. 1,50 M. Zoll nach Jahres- zeit. Weintrauben 5. 7. 10 M. Zoll je nach Jahreszett und Packung, Bananen mtt Stämmen 1,50, ohne 3,50 M.(der autonome Zoll beträgt hier 30 M.). Der Zoll für Apfelsinen ist mtt 2,50 M. noch niedriger festgelegt al, im italienischen Handels- vertrag, nach dem er 3.25 M betragen sollte. Der Zoll auf s p a n i- sche Oelsa rd inen ist mit 30 M. festgesetzt. Die niedrigen Weinsätze des spanischen Handelsoertrage» werden für die Südweine nicht mehr in Kraft gesetzt: nur auf roten Lerschnittwein. der zur Veredelung deutschen Ratweines verwandt wird, ist ein ermäßigter Zoll von 20 M. zugestanden. Das Provisorium sieht vor, daß Perhandlungen über den Ab- schlug eines endgültigen Handel, oertrage, wieder auf- genommen werden sollen. Bon einer gegenseitigen Meistbegünstigung kann also in dem vorliegenden Handelsprovisorium nicht die Red« sein. Spanien hat den Vorteil, die Saison der Ausfuhr von Südfrüchten, die jetzt einsetzt, für sich ausnutzen zu können, während aus der anderen Seite Deutschland, wenn auch nur mtter Opfern gegenüber dem früheren Vertragszustand immerhin seinen Export nach Spanien in Gang halten kann. Der ganze Zustand, der jetzt erreicht ist, e n t- spricht jedoch den Handelsdedürfnissen zweier aufein- ander angewiesener Großstaaten keineswegs. Groß« Teile der deutschen Industrie bleiben immer noch im Nachteft gegenüber der Konkurrenz anderer Länder auf dem spanischen Markt. Diese Teil« der deutschen Industrie werden noch aus längere Zeit hinaus die Kosten der frivolen Kündigung des deutsch-spanischen Vertrages zu tragen haben, die seinerzeit durch die Demagogie der Deutschuatio- nalen veranlaßt wurde. Rücktritt ües MemelAirektorkums. Am Montag Landtagseröffnung. Memel. 20. November.(Eigener Drahtbericht.) Heute vor- mittag ist dos Direktorium des Memelgebiets zurückgetreten. In dem Rücktrittsgesuch des Präsidenten Borchert an den Gouver. neur des Memelgebiets Zilius heißt es u. a„ daß das Direktorium seine Pflichten als erfüllt ansieht, nachdem das Memelgebiet sich einen Landtag gewähtt hat. Am Montag wird im Stadtverordnetensitzungssaal« in Memel der Landtag feierlich eröffnet werden. Im Jahr« ISIS wurde in dem gleichen Saale die Verwaltung de« Memelgebiets in die Hände de» französischen Besatzungskommandeurs gelegt. Die ursprüngliche Absicht des Gouverneurs, das alte Standes- direktorium wieder zu bestöttgen, ist an dem entschiedenen Wider- spruch der memelländischen Einheitsfrontparteien gescheitert, so daß bis zur Stunde nicht gesagt werden kann, in welcher Weise die Re- gierungsbildung erfolgen wird. Heuze gestorben. Im Alter von 44 Jahren ist am Donnerstag der sozialistische Abgeordnete Olivier Heuze, der da» Departement Sarth« in der Kammer oertrat, gestorben. Heuze war sett 1924 Bürgermeister der Stadt Le Man». Gibt es einen zweiten Monö! Bor kurzem ging die Nachricht durch dl« Blätter, der amerika- nische Astronom Pickering habe aus Störungen im Laufe des die Erde begleitenden„großen" Mondes gesunden, daß unser Heimat- stern noch einen zwetten kleinen Mond besitze, durch den jene Ad- weichungen des großen Mondes von seiner berechneten Bahn her- vorgcbracbt würden. Man behauptete, daß dieser Kleinmond«inen Durchmesser von nur 120 Meter habe und in einem Abstand von etwa 4000 Kilometer in etwa 3 Stunden den ganzen Erdball von Westen nach Osten umkreise. Diese Mitteilung ist von den deutschen Astronomen sofort mtt großem Zweifel aufgenommen worden, und M. Valier führt nun in der Leipziger„Illustrierten Zeitung" aus, daß die Annahme eines solchen Kleinmondes ganz unmöglich sei. Es ist ausgeschlossen, daß ein Körper von nur 120 Meter Durchmesser den Lauf unseres großen Monde» so stark beeinflussen könne, daß das rechnerisch bemerkbar würde. Trotzdem ist die Möglichkett, daß unser Erdball einmal einen zwetten Mond bekommt, keineswegs ausgeschlossen. Unser Stern ist vermutlich beständig von einem ganzen Schwärm von„Klemmonden" ckingeben, wenn man die meteonäschen Blöcke und jene Eiskörper dazu rechnet, die nach der Wetteislehre von der Erdschwere«ingefangen werden. Der Meteorforscher v. Nissl fand schon vor vielen Jahren unter einige« hundert Meteorbahnen, die er berechnete, auch vier Meteore, die sich elliptisch um die Erde herumschlossen. Dalier hat am 12. Oktober 1920 in Bozen am hellen Nachmtttag im Fernrohr«inen Körper in Sichelgestatt gesehen, dcr die Erde ebenfalls nach der Berechnung in einer elliptischen Bahn umkreiste, während die meisten Meteorbahnen hyperbolisch geöffnet sind. Zweifellos könnten bei systematifchem Nachsuchen eine Meng« solcher Kleinmond« gesunden werden, um die sich die Astronomie bisher noch nicht gekümmert hat. Da» sind natürlich alles keine Himmelskörper von größeren Ausmaßen. Gäbe es wirklich einen zweiten Erdmond von größerem Um- fang, dann hätte dieser unmöglich den astronomischen Beobachtungen entgehen können. Was aber nicht ist, das kann noch werden. Wir wissen, daß einig« Kleinwandelsterne die Mars-Bahn nach Innen überschneiden. So kommt der Planetoid« Wbert der Erde bi» auf 28, Eros sogar bis auf 21 Millionen Kilometer nah«. Wenn man nun einen Asteroiden entdecken würde, der sich der Erde bis auf nur 1 bis 2 Millionen Kilometer nähert, jo wäre durchaus die Möglich- keit gegeben, daß unser Erdball sich eines solchen Körpers bemächtigt und sich so tatsächlich einen zweiten Mond zulegt. Der Mar» be- sitzt bereits zwei Monde, Phobos und Daimos» die er zweifellos auf diese Weis« sich eingesangen hat. volksbübne. Jnlolg- plötzlicher Eittankimq von Ariur Schnabel muh da« Konzerl vom iö. November, mittag« 11«/, Udr. aus den Lt. Febiuar ver legi weiden. Erlöste Karlen detzalleo wüttigieil. Am Tolensvvnlog. abend« 8 Uhr. findet im Vl0lbn«r-Saal, LStzowier"8, ein Solisten-Abend de« Verl. Sins-Orcheslert ball. Klagechöre an« dem.Saal-, Chöre au« dem»Orbheu«- und ftorellen- Quintett. Sailen von W. 1.— an in den bekann- ten Doro« tau s« stellen, ck!n weland-Sowan. von San» ltzr. B l» n t erscheint koeben n» Ver» laz Keora Müller in München em neu« Zioman»Strett mtt hur&öuttu', pic Geschichte Lei and», de« Flieg«». flbbau der V-Soote. Eine Auswirkmlg von Locarno. Plötzlich kommen aus den Hauptstädten der drei größten Marinemächte übereinstimmende Nachrichten: Maßgebende Kreise beschäftigen sich mit dem Gedanken der Einschränkung der U-Boote. In T o k i o erklärte der M a r i n e m i n i st e r Hakarabi, der Vorschlag, die Unterseeboote gänzlich abzu- schaffen, sei an sich vernünftig. Er sei allerdings nur durchzu- führen, wenn ihm alle Mächte zustimmten. Hierfür bestände noch keine Sicherheit. In Washington hat das Kongreß- Mitglied Britton, der dem Ausschuß für Marineangelegenheiten angehört, eine Resolution für den Kongreß ausgearbeitet: Der Bau von Unterseebooten solle eingeschränkt und im Laufe der Jahre überhaupt eingestellt werden. Aus den amerika- nischen Blättern ergibt sich, daß die Propaganda für die Ab- schafsung der Unterseeboote im ganze Lande mächtig an Aus- dehnung gewinnt. Ueber die Haltung des WeißenHauses wird gemeldet, die amerikanische Regierung sei bereit, mit Wohlwollen jeden Borschlag Großbritanniens oder irgendeiner anderen Macht, der auf die v o l l st ä n d i g e A b s ch a f f u n g der Unterseeboote hinausgehe, in Erwägung zu ziehen. Präsi- dent Coolidge erklärte auf Befragen, daß die Politik der Ber- einigten Staaten die Beschränkung der Seerüstungen auf Grund der Washingtoner Beschlüsse begünstige. Im L o n- d o n e r Unterhaus ging Ministerpräsident B a l d w i n auf die jüngsten Forderungen ein, die britische Regierung solle zur Abschaffung der Unterseeboote die Initiative ergreifen. Bald- win erklärte, die britische Regierung halle sich streng an die Bestimmungen des Washingtoner Abkommens: der Völker- bundsrat beschäftige sich mit der Borbereitung einer Ab- rüstungskonferenz. Am nächsten Tag« forderte Lord A s q u i th den Verzicht aller Nationen auf die Verwendung von Unterseebooten. Der stets gutinformierte„Daily Telegraph� erklärt, nach amtlichen Auffassungen lei die Bedeutung der Unterseeboote als Kriegsinstrument auf ein geringes Maß be- schränkt. Die nächste Abrüstungskonferenz werde sich mit dem U-Boot-Bau beschäftigen müsien, dort käme sicherlich die Un- geheuerlichkell zur Sprache, daß Deuffchland keine Untersee- boote besitzen dürfe, während andere Völker immer noch weiter bauen. Der Eintritt Deutschlands in den Völkerbundsrat werde «ine neu« Sachlage schaffen. Dies« politischen Debatten, bei denen nicht einmal mehr die Marinekreise grundsätzlich Widerstand leisten, sind durch einen Zufall in Gang gebracht worden. Die über den ganzen Erdkreis in zwei, drei Tagen laufende Debatte über die Zweck- Mäßigkeit der U-Boot« ist veranlaßt worden, durch den Un- glücksfall des letzten englischen U-Bootes, von dem wir aus- sührlich berichteten. Kein Ü-Boot-Unglückssall hat bisher zu derartigen Debatten geführt. Daß nun plötzlich in London, Washington und Tokio das Problem erörtert wird, zeigt wieder, wie sehr die Konferenz von Locarno die Atmosphäre geändert hat. Was gestern noch Utopie war, ist heute zu einem politischen Problem geworden und kristallisiert sich morgen zu festen Entschlüsien, zu neuen internationalen Abmachungen. Der Vertrag von Locarno ist noch nicht in allen Parlamenten angenommen. Noch ist er nicht unterzeichnet, nicht ratifiziert, noch nicht in Kraft. Schon sind die Rückwirkungen gesichert. Schon setzen die Auswirkungen ein. Locarno bedeutet einen ernsthaften Anfang. ..'''/......'•••--- Tokio, 20. November.(DTD.) Das Kabinett hat in seiner letzten Sitzung in zwangloser Form die Frage der Abschaffung der Unterseeboot« erörtert. Man steht dem Plan sympathisch gegenüber, jedoch hält man ihn solange für undurchführbar, als nicht all« Mächte der Abschaffung der Unterfeeboote zustimmen. Das Unglück auf Zeche Holland. Feststellung der Ursache. Vorimlmd. 20. November. sWTB.) Das preußische Ober- bergamt teilt mit: Die Grubensicherheitstommission Dortmund hat sich auf Grund der inzwischen zum Abschluß gebrachten Untersuchung der Bergbehörden erneut mit der Explosion auf der Schachtanlage Holland IUI am 31. Oktober 1925 in ihrer Sitzung vom 14. November 1925 beschäftigt. In Uebereinstimmung mit den Vertretern der Bergbehörden und den hinzugezogenen Sachverständigen gelangt« die Kommission zu der Auffassung» daß die Ursache des folgenschweren Unglücks in der E n t z ü n- dung von Schlagwettern zu suchen ist. Die Schlagwetter sind durch«in« Reihe vor der Explosion erfolgter Gebirgsschläge auf Flöz Dickebank freigeworden und mit dem Wetterstrom in einen Ouerschlag der achten Sohle aufwärts geführt worden. Dieser Luerschlag wurde durch eine elektrische Lokomotive mll Fahrdrahtleitung befahren. Aller Wahrscheinlichkeit nach ist das Schlagwetter durch Funken, welche in dem Fahrdraht bei Stromabnahme durch den Bügel oder die Sole auftraten, entzündet worden. Diese Funkenbildung, die auch beim Straßenbcchnbetrieb beobachtet werden kann, ist bisher nicht zu vermeiden gewesen. Eine Grubenlampe oder Schießarbeit kommt als Ursache der Entzündung nicht in Frage. Die Explosion ist eine reine Schlagwetterexplosion geblieben. Ein Uebergreifen auf den Kohlenstaub in den Strecken und Abbaubetrieben ist durch die vorhandenen Sicherungen durch Eesteinsstaubsperrungen und Gesteinsstaubstreuung wirkungsvoll verhindert worden, so daß die Explosion im wesentlichen auf ihren Herd beschränkt blieb und sonst möglich« unabsehbare Folgen ver- mieden wurden. Die Krisis der Demokratie. Vortrag von Professor Bonn. Universitätsprofesior Dr. Bonn hat über dieses Thema ein gelehrte» Buch geschrieben. Am Dienstag abend hielt er als Gast de» Demokratischen Studentenbundes darüber einen Vortrag. Die Hoffnung, durch den Staat glücklich gemacht zu werden, übersehe die Grenzen aller Regierungskunst, gleichviel welchen Systems. Nur die Völker unglücklich zu machen, feien Regierungen kein« Schranke gezogen, wie der Weltkrieg beweise. Regier"iuien und Pur» lamente taugen darüber hinaus soviel wie ihre Wähler. In den heiligsten Rechten gekränkt zu sein, wenn sie. statt zu räsonnieren, sich um den Staat kümmern sollen, kennzeichne dt« größte und in ihrer Anschauung geschlossenst« Partei, die der NichtWähler. Di« Korruption als Eigenschaft(nicht als Einzelerscheinung) des parlamentarischen System» sei eine Angelegenheit de» National- charakter« und ein ernsthaftes Problem politischer Organisation. Als solches sei es zu diskutieren und zu lösen, aber kein Argument gegen den Parlamentarismus Den Mangel der Führerauslese werfe man der Demokratie zu Unrecht vor. Di« Nachtriegsaufgaben der Staatsleut« übersteigen Menschenmaß. Ebert, staatsmännisch« Leistungen werde» erst die Geschichte richtig würdigen. Erzb erger habe Deutschland finanziell geeinigt, wa» kein deutscher Vorkriegs. staat-mann jemals hätte leisten könne«. Der Bedarf der Demokratie nach starken Persönlichkeiten sei unbegrenzt. Wenn die Demokratie aber starke Staatsleute hervorgebracht habe, sei die Regel gewesen, daß die, die nach ihnen schreien, sie abschießen. Aus allen diesen Gründen habe die Unzulänglichkeit der Demokratie ihren Grund in der Unzulänglichkeit ihrer Bürger. Di« ernstesten Probleme der Demokratie seien die Schaffung einer dauern- den aktionskräftigen Mehrheit und der dauernde Schutz der jeweiligen Minderheit. Das Dognia des Zweiparteiensystem» be- weise nichts gegen die Notwendigkeit von Koalitionsregierungen. Bei Koalitionen von Interessen- und Weltanschauungsparteien, wo letztlich höhere Preise und die Verwirklichung von Grundsätzen in ein« Gleichung gebracht werden sollen, sei der Kuhhandel unver- m eidlich. Die Erreichung des vereinbarten Programms müsse aber den Zweck und die Dauer von Koalitionsregierungen absolut be- grenzen. Das Problem des Minderheitsschutzes habe im nachrevolutionären Deutschland zwei merkwürdige Formen gezeitigt. die politische Uebermacht der Arbeiterklasse hätten Industrielle und Grundbesitzer zur Ausgleichung den paritätischen Reichs- wirtschaftsrat und die Präponderanz des Wirtschaftsführer- tums im Staat gefordert und erreicht. Nachdemdie Gefahr der Sozialiflerung fürs erst« beseitigt sei, erfahre der Reichswirtschaftsrot ein Begräbnis erster Klasse. Das Wirtschaftsführertum sei längst nach Canossa gegangen: in sehr ärmlichem Hemde, sehr barfuß, sehr frierend stehe esvorder TürdesStaatesundbettel«. Die Lösung des Mehrheits- und Minderheitsproblems könne nur sein, daß die Machtverteilung auf wirtschaftlichem Gebiet(Reich- wm und Organisationsmacht) mit der auf politischem Gebiet zum Ausgleich gebracht wird. Die großen Induftriegesellschasten Amerikas mit ihren Hundertausenden von proletarischen Aktionären gäben dafür einen Fingerzeig. Diktatoren seien kein« Lösung. Sie könnten mancherlei: niemals ober könnten sie einen gleichwertigen Nachfolger garantieren. Die verpönte weltliche Eidesformel. Merkwürdige Gcpflogeuheite« von Richter». In neuerer Zeit ist es bei verschiedenen Amtsgerichten Mode geworden, unter allen Umständen den Eid nur in religiöser Form ablegen zu lassen, ganz gleich, ob den Zeugen da» paßt oder nicht. Auch wenn ein Zeuge ausdrücklich erklärt, den Eid in der weltlichen Form leisten zu wollen, wird ihm vom vernehmenden Richter die religiös« Eidesformel vorgesprochen. Be- ruft sich der Zeuge auf seine vorher abgegebene Willenserklärung. so wird ihm vom Richter gesagt, er brauche ja die religiösen Worte der Formel nicht mitzusprechen. Der preußisch« Landtagsabgeordnete Genosi« Kuttner, der bei einer Vernehmung auf dem Amtsgericht Berlin-Tempelhof in der Disziplinarsache gegen Dr. Beinert selbst mit diesen merkwürdigen Gepflogenheiten in der Eidesabnahme in Berührung kam, fordert nun in einer Kleinen Anfrage an die preußische Staats- regierung Klarheit darüber, ob ein« Form der Vereidigung, bei der dem Zeugen ein« andere Formel vorgesprochen wird, als er nach- sprechen soll, zulässig ist. Die Staatsregierung muß dafür sorgen, daß in Zukunft diese eigenartige Form der Eidesabnahme unterbleibt. Im übrigen wird jeder wirklich religiös empfindende Mensch derartige dreist« Ein- griffe in Gewiiienssvbärcn entschieden?urückwe,sen. Wenn ober gewisse Richter in sich den Beruf des Missionar» fühlen, dann sollen sie nur für etwas mehr Gerechtigkeit gegenüber den Armen und Be- drückten sorgen. Suchet das Reich Gottes und seine Gerechtigkeit... Treue Srüöer. Ihre Montur haben sie zwar schon gewechsell, die drei noch recht jungen Brüder Roszyk. haben die heimatlichen Schmiersttefel und die solide Lodenjoppe mtt den Shimmyschuhen und der von der Stange gekauften.Eleganz" des Lorstadtkavaliers vertauscht, aber ihren Dialekt haben sie noch nicht abgelegt. In schönstem Ostpreußijch sagen sie aus— alle drei treu wie ein Mann; es rast die oft- preußische Bendett« und will ihr Opfer haben. Die drei tüchtigen Brüder fordern Sühne für ihre gekränkte Ehre, Schutz für ihr junges Leben. Einig und treu hatten sie im letzten Sommer in der fremden, großen Stadt Arbeit gesucht und— o Wunder— gefunden. Es störte sie weiter nicht, daß diese Arbeit Streikbrecher. arbeit war. Di« Berliner Arbeiter haben gegen solche.Kollegen" freilich eine merkwürdige Antipathie, und es ist nur noch merk- würdiger, daß die drei Ehrenmänner davon nie etwas gemerkt haben wollten— daß ihnen nie ihr sauberes Gewerbe vorgehallen worden sein soll. Denn das sagten sie unter ihrem Eid aus. Eines Tages aber, als sie gerade das von dem fürsorglichen Unter- nehmer zur Heimfahrt gestellte Auto verließen, hörten sie die un- zarten, anscheinend aus sie gemünzten Wort«:.Spitzbuben! Streik- brecher!" Trotzdem gingen sie mtt Lammsgeduld ihres Weges, und erst als sie nach einer Weile einen Sipomann sahen, ließen sie den heutigen Zlngeklagten Schubert feststellen. Er sollte sie auf ihrem Wege auch noch mit einer Messerattacke bedroht haben. Der Herr Schubert sieht eigentlich gar nicht so aus— er ist ein mageres, dürftiges Männchen tn gefegten Iahren. Und drei Eni- last'ungszeugen stehen ihm zur Seite, zwei Arbeiter(die an dem Streik ganz uninteressiert waren, wie übrigens auch er) und ein Geschäftsmann. Ihre Aussagen lassen die Beleidigung und Be- drohung durch den Angeklagten als Unmöglichkeit erscheinen. Freilich haben sie. im Gegensatz zu den Brüdern Roszyk, täglich gehört, daß die Streikbrecherautos mit diesen.ehrenden" Zurufen empfangen wurden: nur daß der Angeklagte auch schimpfte, haben sie nicht gehört. Di« drei Roszyks aber griffen kurzweg zu: d e r Kerl mußte es gewesen sein— wozu waren sie denn schließlich drei Brüder!— Heut« freilich passieren ihnen allerlei Widersprüche: das löst im 'Zuhörerraum innige Heiterkeit aus, und der Herr Amtsgerichtsrot verbittet sich recht energisch jede Einmischung der vox populi. Die hat im Gerichtssaal zu schweigen I Er hat überhaupt schweren Aerger— der Verteidiger bringt ihm die Zeugen gänzlich aus dem Konzept, die biederen ostpreußischen Jünglinge sind seiner Tücke eben nicht gewachsen! Der Amtsanwalt macht heroische Anstrengungen, den jugend- lichen Ehrenmännern zu ihrem Recht« zu verhelfen— vielleicht ist es trotz des fast vollständigen Alibibeweises doch gut, daß dem An- geklagten ein gewandter Anwalt zur Seite steht. Als der Herr Amtsanwalt von dem.zweifellos beweiskräftigen Eide" der Ge- drüder Roszyk ipricht, kommt man unwillkürlich auf die Idee, die Wage der Justitia gehöre doch mal Ins Eichamt... Er beantragt 50 Mark Geldstrafe.— Der Herr Amtsgerichtsrat kann sich endlich doch nicht zu einer Berurteilung entschließen. Der Angeklagt« wird auf Kosten der Staatskasse sresgesprochen. Sech» Eide, drei Arbeiter, drei recht interessierte und vielleicht mich interessante Ehrenmänner. Gesetzt den Fall, die Enilastung«- zeugen wären so verschwistert, ihre Eid« so wenig wasserdicht ge- wese«... Herr Staatsanwalt? Was am Kurfiirsteudamm erlaubt ist. Während am Baumschulenweg eine klein« Demonstra- tion von parteigenössischer Jugend, die eine Huldigung für den Genossen Crispien darstellte, von der Polizei »erboten wurde, unter der Begründung, daß sie nicht angemeldet worden sei, marschierte bezeichnenderweise ein ziemlich langer Demonstrationszug von nationalsozkalisti- s ch e n Jünglingen, die eben auf ihre Weise ihre Stellung zilin Problem Locarno kundtun müssen, den Kurfür st endamm hin- unter. Wüstes Gejohle„Hoch Hitler",„Nieder Severing", Gegröhle von„vaterländischen Liedern und provozierendes Benehmen wie» schon von weitem die Richtung des Zuges. Um auch„praktische" Politik zu treiben, wurde, so gut es eben mit 300 Mann gehen wollte. der Straßenverkehr behindert und außerdem ein fried- lich neben dem Zug« herfahrendes Auto daraufhin untersucht, ob seine Insassen etwa Juden seien. Dos Ergebnis war befriedigend. Dafür belästigte man auf der Uhlandstroße mehrer« harmlose Straßenpossanten, wobei es immerhin zu wüsten Szenen kam, bei denen bereits die Polizei einschreiten mußte. Bei dem rüpelhaften Berhalten der schwarzweißroten Knüppelgarden sind Er- eignisje von gefährlicherem Ausmaß durchaus möglich und wir ge- statten uns deshalb die A n f r a g e, ob und weshalb diese Demon- strotion etwa erlaubt gewesen ist. Geht nicht nach Serlinl Eine Warnung der wohlfahrlsstelle im Polizeipräsidium. Die W o h l f a h r t s st e l l e, die das Londesjugendamt unter der Leitung Margaret« Dittmers im Berliner Polizeipräfi- dium unterhält, wird in der letzten Zeit so stark in Anspruch ge- nommen, daß die Arbeit kaum mehr zu bewältigen ist. Der Andrang steigt noch von Tag zu Tag. namentlich, seitdem die Landarbett im wesentlichen wieder beendet ist. Jugendliche beider Geschlechter und aus verschiedenen Bolkskreisen lassen sich durch schön klingende Er- Zählungen oder auch durch vielversprechende Anzeigen immer wieder verlocken, nach Berlin zu gehen. Hier glauben sie leicht lohnende Beschäftigung zu finden, aber dos Ende ist fast immer d i e g r ö ß t e Enttäuschung. Wenn die jungen Leute, nicht nur Stromer, sondern auch Söhne und Töchter aus Handwerkerfamilien, die mit Einwilligung ihrer Eltern nach Berlin kommen, dann ihr letztes Geld ausgegeben haben, versuchen sie durch Betteln ihr Leben zu fristen oder auch durch Diebstähl« in Warenhäusern und dergleichen. Die Wohlfahrtsstelle sucht zu helfen, wo sie kann. Ihre Heimpläye aber, in denen sie die Hilflosen bis zu ihrer Rückführung in die Heimat unterbringt, 600 für männliche und 1000 für weiblich« Jugendliche, sind schon seit Wochen belegt und überfüllt. 30 bis 40 junge Burschen kommen täglich freiwillig zur Wohlsahrts- stell«, weitere 20 werden ihr, als arbeits- und wohnungslos auf- gegriffen, von der Polizei zugeführt. Mädchen kommen täglich 10 und 5. Die jungen Leute lernen sich oft im Asyl kennen, ge- raten nicht fetten gemeinsam aus Abweg« und kommen schließlich in» Gefängnis. Es kann vor der Zuwanderung nicht dringend genug gewarnt werden, denn es ist nicht nur nicht leichter als in der Provinz, sondern noch viel.schwerer in Berlin Beschäftigungzu erhalten. Auch junge Mädchen sind nur sehr schwer unterzubringen. Manche Leute in der Provinz haben von der Wohlfahrtsstelle auch eine irrig« Auffassung. So kam dieser Tag« eine Frau au, der Lausitz und verlangte Unterkunft für die Nacht, weil sie am nächsten Tage Bekannte und einen Fried- Hof besuchen wollt«. Sie hiett die Wohliahrtsslelle für«ine Art billige, Hotel und war nur mit großer Mühe von ihrer fallchen Vorstellung abzubringen._ Ungenügender pottzeijchvtz. Gefährliche Zustände ia der Gneisen au strafte. Den ungenügenden Pollzelschutz im Südwesten Berllns, be» sonders in der Belle-Alliance-, Gneisenau- und P o r ck- st r a ß e. illustriert folgender Borfall, der sich gestern abend gegen lO Uhr in dieser Gegend abspielle. An der Hallestelle der Straßenbahn Ecke Belle-Alliance- und Gneisenau st ratz« stehen ein paar Leute. Ein Schupo «räumt vor einem Kiosk, die Straße ist fast menschenleer. Drei Männer und eine Frau kommen vorsichtig die Belle-Alliance-Straße herum«? und biegen zur Snessenaustraße ein. Einer trägt in einem Lartoffeisack eine Schreibmaschine od« Registrierkasse. Sie gehen nicht auf dem breiten Trottoir, nein, sie klemmen sich an de« Häusern entlang und blicken sich jeden Augenblick oorsichlig um. Ihr Benehmen ist im höchsten Grade verdächtig. Zwei Herren be- obachten dies« geheimnisvollen Gestalten und folgen ihnen. Plötz- lich sind diese verschwunden, wie vom Erdboden verschluckt. Die Häuser liegen dunkel da. Kein Mensch ist zu sehen. Nur in einem kleinen Geschäft, das mtt Schreibmaschinen und Regi- st r i e r l a f s e n handell, brennt Licht und mehrere Leute verhandeln am Ladentisch. Bor dem Geschäft steht ein Mann und späht auf die Straße. Als er die beiden Herren entdeckt, zieht er sich vorsichtig zurück. Langsam geht der«ine Herr vor dem Geschäft auf und ab, während der andere den Schupo holt. Dem Polizeimonn scheint der Gang sehr unangenehm zu sein. Als er sich mit den beiden Herren dem Geschäft nähert, wird die Tür aufgerissen, und als der Schupo sein Sprüchlein gesagt hat, fängt der Inhaber des Geschäfts an zu lachen und schreit:.Wir sind keine Diebe und Hehler, ihr elenden Polizeispitzel." Der kleine dicke Mann hat den Siedepunkt der Erregung erreicht, scheinbar geht es um seine Existenz. Im Augen- blick hat sich das Bild der Strohe verwandelt. Plötzlich ist die Straße mit Bassermonnschen Gestallen überschwemmt. Der Schupo sieht sich hilflos um. Dem Schreibmaschinenmann schwillt der Kamm, er fühlt, daß er Oberwasser hat. Immer mehr Leute drängen hinzu. Drei Männer stehen einer Horde gegenüber. Der Schupo erkennt die Gefährlichkeit der Situation, er packt schnell die beiden Männer, die die Anzeig« erstattet hoben, in ein Auto, das sofort abfährt, während die Zurückgebliebenen unentwegt sich in Drohun- gen wie.Wir bekommen Euch doch!",.Verlaßt lieber Berlin!", .Kommt nur noch mal in diese Gegend!" ergehen. Die fragliche Schreibmaschine jedoch mit den geheimnisvollen Trägern ist in» zwischen in Sicherhett gebracht worden. Doch was soll ein Schupo in dieser Gegend? Dies« Straßen, die abends so harmlos und menschenleer dastehen, zeigen bei dem geringsten Borfall ihre Gefährlichkeit. Es aeht nicht an, daß Passan- ten, die Verdächtiges bemerkt haben, schließlich unoerrichteter Sache ziehen müssen, um nicht ein Opfer dieser Horden zu werden. Zu wünschen wäre es, wenn hier endlich für ausreichenden Schutz go- sorgt würde und wenn auch einmal in dieser Gegend die Kriminalpolizei ein« Razzia vornehmen würde. Haftbeschwerde der Gräfin Bothmer. Beim Vorsitzenden des Potsdamer Schöffengericht» ist heute die Haftbeschwerde der Gräsin v. Bothmer eingegangen. Sie stützt sich zum größten Teil aus die seelische Verfassung und den angeblich schwangeren Zustand der Angeklagten. Mit Rücksicht darauf, daß eine eventuelle Haftentlassung eine große Berdunkelungsgesahr nach sich ziehen würde, ist beschleunigte» Berufung»»«?- fahren angeordnet, so daß noch im Dezember die Berhandlung vor der großen Potsdamer Strafkammer stattfindet. Es werden nur drei Tage dafür anberaumt, da auf«inen großen Teil der Zeugen verzichtet wird. Den Vorsitz wird Landgerichtsdirektor Dr. Hell- wig fuhren._ Feuer in Heiuersdorf. Sin größeres Schadenfeuer kam gestern nacht kurz nach Z42 Uhr in der Farbenfabrik S ch m i d t u. Co., Heinersdorf, Bodenbach- st r a ß e 46, zum Ausbruch. Beim Eintreffen der freiwilligen Feuerwehren stand eine große Automobilgarag« bereit» in hellen Flammen. Weithin war der riesig« Feuerschein sichtbar, der trotz der späten Stunde noch viele Schaulustige anlockte. Die Feuerwehrleute mußten zunächst mit großer Vorsicht gegen den Brandherd vorgehen, da man nicht wußte, ob dort Benzinoorräte lagerten. Mit einem v-Rohr und 4 E-Rohren gelang e» dann nach etwa einstündiger Tätigkett, die Hauptyefahr zu beseitigen. Die Entstehungsursache ist wahr- scheinlich auf Ueberheizung eines Ofens zurückzuführen. Nach den uns gewordenen Mittellungen sind 2 Lastkraftwagen, 1 Geschäft«- auto und 1 Personenwagen den Flammen zum Opfer gefallen. Aus die Fortsührung de» Betriebe« hat der Brand keine Einwirkung. Gewerkschaftsbewegung olgendes Bortommnis: „ An die Laterne mit den Gewerkschaftsführern!" Ein offenherziger Generaldirektor. Die Holzarbeiter- Zeitung" berichtet in ihrer Nummer 47 Die Sägewerksarbeiter in Rigingen bei Würzburg hatten das Berlangen, ihren Drt in eine höhere Drtstlaffe verfeht zu sehen. Zur Entscheidung über dieses Verlangen ist die Zentralschlichtungs. tommiffion für das bayerische Sägergewerbe zuständig, die am 30. Oftober in München zu einer Sigung zusammentrat. An der Sigung nahm auch der Generalbirettor Klein von der Firma Boh wintel in Mainz teil. Die Firma befißt eine Reihe von Sägewerten, darunter auch ein solches in Rizingen. Das Verlangen der Arbeiter, durch Verseßung in eine höhere Orts flaffe ihren Lohn um ein geringes zu steigern, fand der Herr General direktor so unerhört, daß er rückhaltlos feine Meinung zu dem Fall äußerte. Die Revolutionserrungenschaften, so meinte der Herr Generaldirektor, müssen verschwinden. Der Unternehmer muß es in der Hand haben, so lange arbeiten zu laffen, wie er will, damit die Betriebe wieder rationell wirtschaften. Die Arbeiter müßten zufrieden sein mit dem Lohn, den ihnen der Unternehmer zahlt, die unzufriedenen Elemente müssen aus den Betrieben entfernt werden. Die Schuld an den unerfreulichen Zuständen tragen die Gemert Ichaftsführer, die die zufriedenen Arbeiter aufheben. Solche Leute gehören an den Laternenpfahl. Es müssen einmal einige hundert Gewerkschaftsführer an die Laternenpfähle gehängt werden, dann wird auch die Industrie nicht mehr durch die Forderungen der Arbeiter beunruhigt werden. Diese herzerfrischende Offenherzigkeit des Generaldirektors Klein brachte auch seine Kollegen in einige Berlegenheit. Der Vorsitzende der Zentralschlichtungstommission bedauerte und rügte diese Rede, und auch der Borfizende des Arbeitgeberverbandes rüdte später, im Laufe der Beratung, ganz entschieden von Herrn Klein ab. Damit war der Fall für diese Sigung erledigt." Wir halten diesen Erguß eines übereifrigen Knallprogen mehr für lächerlich als tragisch. Immerhin hat dieser Generaldirektor ausgesprochen, was manche seiner Berufsgenossen und ähnliche fatte Reaktionäre denten. Als der Herr Generaldirektor vor einem Jahr in Rizingen war, sagte er schon, die Arbeiter müßten froh sein, wenn fie um ein Stüd Brot arbeiten dürften. Man stelle sich aber einmal vor, daß ein Vertreter der Bewertschaften gesagt hätte, es müsse im Belieben der Arbeiterschaft liegen, so viel oder so menig zu arbeiten, wie es ihnen passe; die Unternehmer müßten einfach den Lohn zahlen, den die Arbeiter dafür verlangen; die scharfmacherischen Elemente im Unternehmerlager müßten entfernt werden. Welches Geschrei hätte die gesamte Unternehmerpresse angeſtimmt! Man stelle sich weiter vor, ein Arbeitervertreter hätte gefagt, es müßten erst einige hundert Unternehmer gehängt werden. Der Mann fäße längst hinter schwedischen Gardinen. Da es aber ein Unternehmer war, rührt sich fein Staatsanwalt. Wir aber find die„ Hezer"! Wucherische Ausbeutung. Wo bleibt der Staatsanwalt? Auf unsere legte Beröffentlichung über die wucherische Ausbeutung sowohl der Adressenschreiber als auch der Runden durch Adressenverleger sind uns eine Reihe Zuschriften zugegangen, bie zeigen, daß unsere Angaben noch hinter der Wirklichkeit zurüdbleiben. So erhielt wir u. a. ein Preisverzeichnis, überschrieben Berband der Adressenverleger Deutschlanbs", unterzeichnet Robert Teßmer Attiengesell. I frei festgestellt werden. Der Borfiende bemerkte, es lägen miß. schaft, aus dem hervorgeht, daß dieselbe Firma, die den Adressen schreibern für 1000 Adressen 2,75 m. zahlt, von ihren Kunden dafür 20 m. verlangt, wenn es sich um deutsche, 40 m., wenn es sich um ausländische Adressen handelt. sind die Preise noch höher. So werden 3 bzw. 6 m., je nachdem, Ist die Zahl der zu schreibenden Adressen geringer, dann ob es sich um deutsche oder ausländische Adressen handelt, bei fünf oder weniger Adressen handelt, 5 bzw. 10 m. bei 6 bis 10 Adressen, 7 bzw. 14 m. bei 11 bis 25, 9 bzw. 18 m. bei 25 bis 50, 10 bzw. 20 m. bei 51 bis 75, 11 bzw. 22 m. bei 76 bis 100 Adressen usw. verlangt. Da die Firma, wie alle Adressenverlage, natürlich die Derlangt. Da die Firma, wie alle Adressenverlage, natürlich die fleineren Bestellungen zusammenstellt, ist also der mucherische Geminn noch viel größer als bei der Durchschnittsberechnung von 1000. Nun wird mancher vielleicht annehmen, daß den Adressenverlagen hohe Unkosten erwachsen, daß sie insbesondere die Briefumschläge usw. liefern. Das ist ein Irrtum. In der uns vorliegenden Preisliste heißt es ausdrücklich: „ Die Lieferung der Adressen erfolgt zu diesen Preisen handschriftlich auf uns zu übergebenden Briefumschlägen, Karten, Streifbändern oder dergleichen, mit einem Zuschuß von 4 Proz. bzw. auf von uns zu Tagespreisen lieferbaren Umschlägen usw." Im übrigen werden bei besonderen Wünschen zuschläge zu den Breisen genommen, diese sind außerdem stets unverbind lich" und müssen im voraus ab Haus, bei Zusendung gegen Rachnahme, zuzüglich Borto und Berpadungsfpefen gezahlt werden. Als wir vor einigen Monaten diese wucherische Ausbeutung festnagelten, erhielten wir eine 3uschrift der Staatsanwalt Ichaft, mit der Aufforderung, die Namen der betreffenden Firmen mitzuteilen. Leider war es die Dresdener Staatsanwaltschaft, die diese Anfrage an uns richtete, während es sich um Berliner Firmen handelte. Wir haben diesmal, um der Berliner Staatsanwaltschaft die Arbeit zu erleichtern, die Namen der Firmen veröffentlicht. Wird sie einschreiten? Mißverständnisse. verständnisse auf beiden Seiten vor. Es müsse fest gestellt werden, ob die Entlassung des Klägers berechtigt gewesen sei. Der Vorfigende richtete dann einige nach dieser Richtung gehende Fragen an die Prozeßbeteiligten. Darauf erkannte das Gericht auf gewesen, also hätte der Kläger, wenn der Vorprozeß durchgeführt Abweisung der Klage mit der Begründung: Die Entlassung des Klägers sei durch die damaligen Betriebsverhältnisse begründet worden wäre, seinen Anspruch nicht begründen können. Deshalb tönne er auch im vorliegenden Falle keinen Anspruch auf Bezahlung der 3wischenzeit erheben. Nach der Verfündung des Urteils drückte der dem Kläger zur Seite stehende Bertreter des Metallarbeiterverbandes sein Befremden darüber aus, daß hier in legter Minute der Borprozeß wieder aufgerollt worden sei, ohne daß ihm Gelegenheit gegeben wäre, Beweismaterial zugunsten des Klägers herbeizuschaffen. Erfolgreich beendete Aussperrung. Die Aussperrung bei E. Brechler, Burstfabrik in Greifen hagen, wurde durch Berhandlungen zwischen der Verbandsleitung und der Firma erledigt. Die Firma ließ sich zu einem Tarifabschluß bewegen mit achtstündiger Arbeitszeit, Ueberstundenbezahlung mit Buschlag und den gleichen sozialen Bestimmungen wie im Tarifvertrag mit den Stettiner Wurstfabriken. Der Betriebsrat wird an erfannt, eine Arbeitsordnung wird eingeführt und Beseitigung Sonstiger Mängel ist zugesagt. Die Arbeit ist wieder aufgenommen. Zentralverband der Fleischer. Der Druck auf die Angestelltengehälter. Stuttgart, 19. November.( Eigener Drahtbericht.) Die Maschinenfabrit Blingen und die Daimler Motorengesellschaft haben von ihren Angestellten die Zustimmung zur Herabsegung. Bei Verweigerung der Zustimmung gelten die Angestellten als geder Gehälter um 15 b3 m. 12 bis 30 Proz. verlangt. i Berweigerung der Zustimmung gelten die Angestellten als ge. fündigt. Die Bauarbeiter im Saargebiet ausgesperrt. Saarbrüden, 20. November.( BTB.) Die Arbeitgeberverbände für das Baugewerbe veröffentlichen eine Erklärung, nach der sämtliche Bauarbeiter des Saargebiets von heute an ausgesperrt werden. Ein Arbeiter, der bei der AEG. in Hennigsdorf entlassen Begründet wird diese Maßnahme damit, daß die Gewerkschaften war, flagte beim Gewerbegericht wegen unbilliger Härte. Im Sühne- ohnforderungen gestellt hätten, die auf eine wesentliche Ertermin famen die Parteien überein, einen außergerichtlichen Berhöhung der gegenwärtigen Löhne abzielten und die für das Baugleich zu versuchen und, falls dieser nicht gelingen sollte, den Prozeß gewerbe nicht tragbar" feien. weiterzuführen. Es tam zwar ein Vergleich zustande, bei dem aber Mißverständnisse gab, die zu einem neuen Prozeß vor dem Gewerbegericht führten. es Der Arbeiter ist nämlich nach dem Sühnetermin des ersten Brozelfes wieder eingestellt worden und hat darauf die Klage zurüdgezogen. In der Meinung, durch eine Wiedereinstellung habe die Betriebsleitung anerkannt, seine Entlassung sei unberechtigt gewesen, forderte er unter Berufung auf§ 88 BRG. Lohn zahlung für die Zeit von der Entlassung bis zur Wiedereinstellung, wie es§ 88 vorschrieb für den Fall, daß der Unternehmer zur Weiterbeschäftigung verurteilt wird. Da dem Arbeiter die Bezahlung der Zwischenzeit verweigert wurde, klagte er feine Forderung beim Gewerbegericht ein. Der Vertreter der Firma bestritt die Zahlungspflicht, weil ja tein auf Weiterbeschäftigung lautendes Urteil ergangen, sondern die Wiedereinstellung auf Grund eines Ver= gleichs erfolgt fei unter der vom Kläger anerkannten Bedingung, daß er auf Bezahlung der Zwischenzeit verzichte. Der Kläger bestritt ganz entschieden, eine derartige Berpflichtung eingegangen zu fein. Bielmehr habe er schon bei der Besprechung über feine Biedereinstellung sowie nach derselben wiederholt bemerkt, daß er auf die Bezahlung der Zwischenzeit nicht verzichte. Welche von beiden Behauptungen zutrifft, fonnte nicht zweifelsDie Antwort der konservativen Regierung. London, 20. November.( WTB.) Im Unterhause erklärte Innenminister Johnson hids, mehrere Jahre hindurch habe unter aufeinanderfolgenden Regierungen eine Organisation zur Aufrechterhaltung der lebenswichtigen Betriebe für die Zeit nationaler Notlage bestanden. Vor furzem seien Schritte getan worden, um diese Organisation neu zu gestalten und zu vervollkommnen. Die Nation sei berechtigt, zu erfahren, was die Regierung in dieser Hinsicht tue, und in wenigen Tagen werde eine Erflärung hierüber erfolgen.( Diese Ankündigung ist offenbar die Antwort der konservativen Regierung auf das fürzlich abgeschlossene Bündnis zwischen den Organisationen der Berg- und Verkehrsarbeiter.) Danksagung. Allen Kollegen, Genossen und Freunden von nah und fern, die anläßlich meines 70. Geburtstages meiner so liebevoll gedacht haben, meinen herzlichsten Dant. Paul Dupont. Berantwortlich für Bolitit: Eruft Reuter; Wirtschaft: Artur Gaternus; Gewerkschaftsbewegung: riebr. Eztorn; Feuilleton: A. S. Döscher; Lokales und Sonstiges: Frig Ra stäbt; Anzeigen: Th. Glode; fämtuch in Berlin. Berlag: Borwärts.Berlag G. m. b. S.. Berlin. Drud: Borwärts- Buchdruckere und Berlaasanstalt Vaul Singer u Co. Berlin SB. 68. Lindenitrake 3 Siezzu 1 Beilage. Bitte- schlagen Sie uns das Fenster ein vor Begeisterung! Wir sind versichert! Bequemer ist aber der Weg durch die Tür! Wir machen Ihnen trotz des Massenandrangs vor und in unserem Laden Platz- denn auch Sie sollen Ihrem Jungen Ihrem Mädel Ihrem Mann Ihrer Frau Ihrer Tante Ihrem Onkel ein Dietz- Buch als schönstes und billigstes Weihnachtsgeschenk auf den Tisch legen können. Wir erwarten Sie heute 615 vor unserem Schaufenster. 630 haben Sie Ihr Weihnachtsgeschenk in der Tasche!!! Buchhandlung J.H. W. Dietz Nachf., Berlin, Lindenstraße 2 Nr. 549 42. Jahrgang „ Elite" der Nation. Beilage des Vorwärts Couleurstudenten als Flegel auf der Straße. Am Dienstagabend nach Schluß der Restaurants geht ein Chepaar die Friedrichstraße entlang, als plöglich die Frau- die Tochter eines befannten Gewerkschaftsführers durch Menschengewühl -durch Menschengewühl einen furzen Augenblick von ihrem Manne getrennt, von einem jungen Menschen angesprochen wird, der versucht, fie unterzufassen. Sie läuft erschrocken davon und wieder zu threm Mann, der junge Mensch sieht es, geht ihr aber dennoch nach und versucht ein zweites Mal, sie anzusprechen und anzufassen. Als sich der Ehemann das entschieden verbittet, wird er von dem Belästiger und zweien seiner Freunde, Couleurstudenten, plötzlich mit wahnwißigen antisemitischen Schimpfwörtern bombardiert und bedroht. Eine Feststellung ihrer Personalien lehnten sie, auch nach Heranziehung eines Schupobeamten, mit der Begründung ab, daß arische Studenten es nicht nötig hätten, sich wegen eines Juden zu legitimieren! Auch in Gegenwart des Beamten beschimpften sie die von ihnen tätlich beleidigte Frau als zweifelhafte Frauensperson". Da sie sich weiter hartnäckig weigerten, dem Beamten ihre Bersonalien anzugeben, mußten sie den Gang zur Wa che antreten und wiederholen während des ganzen Weges zur Wache ihre antisemitischen Unflätigkeiten. Der eine brüllt unter anderem:„ Seve rings Macht ist groß, aber ich als arischer Student werde mich ihr nicht fügen." Auf der Wache selbst lehnen fie es zunächst weiter ab, ihre Bersonalien anzugeben und erklären, fie würden nur in Gegenwart eines Hauptmanns Bälzer reden, dessen Kommen sie gebieterisch verlangten. Die wachhabenden Beamten erwidern den Lümmeln sehr fühl, daß man sie dort behalten werde, bis sie sich legitimiert haben. Unter dieser Drohung gaben sie endlich nach und so erfuhr man die Namen dieser sauberen Zeit genossen, die wir der Deffentlichkeit nicht vorenthalten wollen: find drei Studenten im Alter von 20 bis 23 Jahren, Günther Brotsch, Warschauer Str. 57, Alfred Korn, Wiener Str. 45, und Friedrich Peters, Alexanderufer 3. Zwei von ihnen trugen Couleurmügen. es Es ist selbstverständlich Strafantrag gestellt worden und das überhaupt möglich ist, ist ein trauriges Zeichen der Berwilderung der sogenannten„ besseren" akademischen Jugend. In jeder anderen westeuropäischen oder amerikanischen Stadt würden Jünglinge, die sich auch nur einen Teil dessen erlaubten, was sich diese Burschen gegenüber einer Frau und gegenüber der Staatsgewalt herausge nommen haben, sofort von der Menge dermaßen verbläut worden jein, daß ihnen die Lust zu fünftiger antisemitischer Betätigung auf offener Straße gründlich verginge, ganz abgesehen davon, daß ihnen in Amerita das freche Ansprechen einer Dame auf der Straße schwere Strafe eintragen würde. Soll es in Deutschland gestattet fein, daß sich solche Jünglinge wohl gar noch zur Elite der Nation rechnen? weitere wird sich vor Gericht ergeben. Daß aber so etwas in Berlin Der Kampf um Locarno. an den Häusern nicht gestatten. Dann baut das Bostministerium die Käften in Säulenformat ebenfalls auf den Bürgersteig. Das nedische Wurst- wider Wurst- Spiel fann beliebig lange fortgefeßt werden. Der Erfolg wird allerdings der sein, daß sich die Fußgänger in Zukunft Rästen, Kiosken hindurchwinden werben tönnen. nur noch in Schlangenrichtungen zwischen den vielen Masten, Säulen, Reichsbahn gegen Rotawerke. Wichtige Zeugenaussagen. Der 5. Berhandlungstag, der gestern vor der 4. Straftammer in dem großen Betrugsprozeß stattfand und der eigentlich mit der Urteilsverkündung schließen sollte, war noch angefüllt mit Zeugenvernehmungen. Der Prozeß, der eine ungeahnte Ausdehnung angenommen hat, wird wahrscheinlich noch 2 bis 3 Berhandlungstage in Anspruch nehmen. Allein der Freitag wird noch mit Zeugenvernehmungen vergehen. Bunächst machte 3euge Riesner, der längere Zeit bei ben Rotawerten als Raltulator tätig war, ausführliche Aussagen über die Luftwagen". Eines Tages foll Kaifer zu ihm gesagt haben, er möchte sich nach dem Güterbahnhof Tegel begeben und wahllos Nummern von dortstehenden Güterwagen notieren. Das ist mehr. mals geschehen. Der Zeuge stellte die notierten Güterwaggonnum mern zusammen und übergab sie seinem Borgesetzten Kaiser. Hier nach wurden dann Beschädigungsberichte angefertigt und in diese wurden fingierte Lohnstunden und Materialien eingetragen, die zu Lasten der Bahn gingen. Das ganze Betrugsmanöver foll angeblich darum inszeniert worden sein, um Lohnstunden, die nicht innerhalb des 500- Stunden- Bertrages fielen, auf diese Art verschleiert unterzubringen. Kaiser gibt auf die Frage des Vorfizenden die Antwort, daß er von Direktor März den Auftrag zu den Luftwagen erhalten habe, den er bann an Riesner auftragsgemäß weitergab. Es kommt dann wiederholt zu Zusam menstoßen zwischen Riesner und März und andererseits zwischen März und Kaiser, da März jede Mitwisserschaft ablehnt. Es treten dann noch weitere 6 Zeugen auf, die mehr oder weniger Beschuldi gungen gegen die Rotamerte bzw. Direktor März vorbringen. Von Bedeutung ist noch die Aussage des Zeugen, des Kalkulators Matthies, der ganz eindeutig behauptete, daß Direttor är 3 davon gewußt hat, daß der Bahn Waggons in Rech davon gewußt hat, daß der Bahn Waggons in Rech nung gestellt wurden, die niemals im Rotamert gestanden haben. Auch diese Aussage wird von Direktor März bestritten. Die Verhandlung wurde auf Freitag vertagt. Bolt und Zeit", unsere illustrierte Wochenschrift, liegt der heutigen Postauflage bei. Eine versagte Bestätigung. Das Bezirksamt Lichtenberg teilt mit, daß nach einer heute dort eingegangenen Mitteilung des Magistrats Berlin der Oberpräsident die Wahl des Stadtrats und stellvertretenden Bürgermeisters Stimming zum Vorsitzenden des Bezirksamts Lichtenberg die Bestätigung versagt habe. Beim Rangieren töflich verunglückt. Ein bedauerlicher Unfall ereignete fich gestern nacht gegen 2 Uhr auf dem Hochbahnhof Warfchauer Brüde. Beim Rangieren geriet der 41 Jahre alte Führer aus der Dossestraße 6 in Lichtenberg unter den Hoch bahnzug und erlitt so schwere Berlegungen, daß furz darauf der Tod transportiert. Freitag, 20. November 1923 Sport. Die Berufsringer im Walhalla- Theater. Am Montag mußte Strenge seine erste Niederlage du... Rawan hinnehmen; nach 1 Stunde und 2 Minuten tam er dura, das Abfangen feines Untergriffs auf die Schultern. Der stämmige Bartfowiat tonnte sich des flinten Möbus erst nach 22 Minu ten durch Untergriff von der Seite entledigen. Durch einen Unter griff tam auch Angulescu gegen Winter nach 19 Minuten auf die Matte. Der erstklassige Sachse Schneider machte Weinura die Arbeit nicht leicht, erst nach 32 Minuten tonnte dieser das Treffen für sich entscheiden. Der Lette Lestinowitsch machte mit Löwe wenig Umstände und legte den Schlefier nach 19 Minuten durch ueberwurf nach hinten. Schwarz und Anglio trennten sich nach 13 Minuten wegen Eintritt der Polizeistunde ohne Resultat. Am Dienstag stellten sich die Ringer wieder einem zahl. reichen Publikum vor. Der erste Kampf bildete das Revanchetreffen Rarsch gegen Hans Schwarz. Der große Schlesier Karsch rang nicht fehr fair gegen den ausgiebigen Gebrauch des Massierens müßte fchärfer eingeschritten werden. Schwarz erzielte den ver dienten Sieg nach 40 Minuten durch Armfallgriff auf dem Stand. Der Europameister Kawan Wien siegte nach 22 Minuten über den Rheinländer Debie trotz deffen guter Verteidigung durch Untergriff von hinten. Ein gutes interessantes Treffen lieferten Sch neider Sachsen und Winter- Wien. Der Sachse siegte unerwartet über den Meister Defterreichs nach 19 Minuten durch Armzug am Boden. Der deutsche Mittelgewichtsmeister Kunst- Elberfeld siegte über den Neuköllner Gotsch nach flottem und technisch gutem Kampf durch Untergriff von hinten nach 37 Minuten. Bartkowiat und Weinura rangen bis zur Polizeiftunde ohne Resultat. Lassartesse nahm einen unerwarteten Ausgang. Der Franzose gab Donnerstag: Die Fortsetzung des Kampfes Schwarz gegen schon nach 18 Minuten Ringbauer völlig zermürbt den Kampf auf. Der flinte Finnländer Girl fiel nach 21 Minuten dem Weltmeister einura durch Armfallgriff zum Opfer. Rawan brauchte nur 11 Minuten, um den Australier Jackson durch Schultergriff zu er überlegenen Bietro Scholz feine Niederlage hinnehmen. ledigen. Der Pole Mogul mußte nach 21 Minuten durch den Einen sehr guten Kampf boten Kunst und Schneider. Der Meister Kunst tonnte nach 24 Minuten durch doppelten Armzug am Boden ſiegen. Im letzten Treffen fonnte fich Barttowiat GokschNeukölln nach 27 Minuten durch Armzug am Boden entledigen. Großfener im Arsenal von Toulon. Paris, 20. November.( TU.) Gestern abend um 9% Uhr ist im Arsenal von Toulon ein heftiger Brand ausgebrochen, der sich mit großer Schnelligkeit ausbreitete. Alle verfügbaren Feuerwehren und Truppenabteilungen wurden zu den Löscharbeiten herangezogen. Da das Feuer durch einen Nordostwind auf die Stadt zugetrieben wird, wurde um 11,30 Uhr nachts General. räumt werden. alarm geschlagen. Einige Arbeiterviertel mußten ge. Das Moskauer Schachturnier. friedliche Regelung, sondern hoff Wahrheit teine eintrat. Die Leiche des Berunglückten wurde nach dem Schauhaufe witsch, Sieger Romanowsti; Capablanca- Bogatyritschef, Sieger In einer von unseren Genossen in Baumschulen weg veranstalteten öffentlichen Volksversammlung, die in der überfüllten Aula des Lyzeums stattfand, sprach Genosse Crispien zu dem Thema:" Die Deutschnationalen auf der Flucht vor Locarno. Der Referent behandelte einleitend die Geschichte der Friedensverträge und des Dawes- Gutachtens und führte weiter aus, daß die Deutschnationalen stets Hemmschuh einer wahrhaften Entwidlung gewefen wären. Diese Leute wollen auch in alle Fragen der inneren und äußeren Politit mit Gewalt regeln zu fönnen. Ihr Glaube an den Erfolg einer Blut- und Eisenpolitik ist deutlich aus allen Argumenten gegen Locarno er fichtlich. Leider haben wir in unserem Kampf um die Gerechtigkeit nicht die Unterstügung der Kommunisten, deren Parolen, wie ihre Tätigkeit bewies, bisher stets nur Phrasen waren. Eine proletarische Einheitsfront ist auch uns erstrebenswertes Jdeal, aber im Sinne demagogischkommunistischer Politit ist sie nicht zu verwirklichen. Bei aller Kritik sehen wir in den Verträgen von Locarno einen günstigen Anfang zur europäischen Reinigung, und das um so mehr, als wir wissen, daß uns die Möglichkeit gegeben ist, den Völkerbund zu einem wahrhaft internationalen Parlament aus. zubauen. Diese Realität wiegt hundertfach schwerer als die Furcht vor dem Gespenst eines Krieges gegen Suwjetrußland, der von uns Sozialdemokraten nicht vermutet, gegebenenfalls auch niemals unterstügt werden wird.( Stürmischer Beifall.) Eine Diskussion schloß sich nicht an. In seinem Schlußwort forderte Genosse Lempert zum Beitritt der Säumigen zur Partei und zur regen Leftüre des Borwärts" auf. Der Vortrag hat ein gutes Stüd Aufklärungs. arbeit geleistet. ,, Verkehrsregelung!" Um dem Fahrverfehr in der Leipziger Straße beim Eintritt der Dunkelheit die notwendigen Signale geben zu fönnen, sind fürzfich verschiedenfarbige Lampen angebracht worden, die an quer über die Straße gespannten Drähten hängen. Alle privaten Haus befizer haben sich ohne weiteres damit einverstanden erklärt, daß die Drähte mit den üblichen Rosetten an den Häuserfronten befestigt wurden, nur das Post ministerium an der Ede der Mauer straße weigerte sich. Nun muß ertra an dieser Stelle ein Pfahl er. richtet werden, der natürlich zur Erleichterung des Fußgängerver tehrs das feinige beitragen wird. Dem Bostministerium fonnte man feine Beigerung nicht übelnehmen; was hat schließlich auch die Bost mit dem Verkehr zu tun! Aber vielleicht finden sich nun wiederum private Hausbesizer, die der Post die Anbringung der Briefkästen Garderobe für Herren und Damen Ulster, Rockpaletots, Anzüge M. 56.- 10. bel bequemer Anzahlung Teilzahlung. Kredithaus 99 FELIX" Veteranenstraße 2 Ecke Brunnenstraße vis- à- vis Jandorf. Elegante Damen- Mäntel, Kleider usw. Gardinen Sonderangebote Gelegenh.- Käufe in Resten Stores, Bettdecken Madras- und Künstlergardinen. Spezial- Gardinenwerkstatt Henkölln, Bergstr.67 am Ringbahnho1. Mal- u. Zeichen Bedarf L- Juergens Alexanderplatz Inferieren Eine Gedenkfeier mit Niederlegung eines Kranzes am Grabe tes erschossenen Kameraden Erich Schulz veranstaltet der Kreisverein Kreuzberg des Reichs banners Schwarz- Rot. Gold auf dem neuen Garnisonfriedhof( Hasenheide) am Sonntag um ½2 Uhr. Die Ansprache hält Kamerad Pfarrer Bleier. Zur Bekämpfung der Schmuh- und Schundliteratur veranstaltet das Bolfsbildungsamt in Verbindung mit dem Bezirksjugendamt Prenzlauer Berg vom Mittwoch, den 2. bis Sonntag, den 6. Dezem ber, im großen Sizungsfaal des Bezirksamtes, Danziger Str. 64, eine Ausstellung von Büchern und Jugendschriften sowie von guten und billigen Spielsachen und selbstgefertigten Arbeiten von Kindern aus Kindergärten und-horten unseres Bezirks. Die Ausstellung ist geöffnet: Werktags von 5-9 Uhr abends; Sonntag, den 6. Dezem ber, von 2-6 Uhr nachmittags. Der Eintritt ist frei. Borwärts" vom 11. d. M. teilt uns der Arbeiterrat der Borsig Das Tegeler Bootsunglüd. Zu unserer Mitteilung im AbendWerte mit, daß sofort nach dem Unglück die Aufschüttungsarbeiten am Borsig Damm eingestellt wurden. Die Leiche des ertrunkenen Studenten Weber fann also, falls sie überhaupt in der Nähe des Borsig- Dammes zu suchen ist, nur durch schon vorhandenes Geröll festgehalten werden. Frau Else Heims, den Berlinern jetzt leider fchon mehr be fannt durch ihren Ehescheidungsprozeß mit May Reinhardt als durch ihre große Kunst, ab im Blüthnerfaal für den Verein Berliner Raufleute und Industrieller" eine Matinee. Die Gestaltungskraft der Schauspielerin ist in den leg en Jahren fichtlich und hörbar gewachsen; fie bewies es vor allem an Werfels Gedicht Ich habe eine gute Eat getan" und an englischen Balladen. Samsuns Briefe eines jungen Mädchens" aus Vittoria langweilten aber trotz ihrer Herzlichkeit ein feltfam fleinbürgerliches Bublifum, das an einer reichlich banal vorgetragenen luftigen Geschichte von Tschechow Trost und Vergnügen fand. Bielleicht tann die Boltsbühne" einmal Frau Heims gewinnen. " Paletots und Ulster fertig und nach Maß in allen Formen und Farben in anerkannt guter Verarbeitung und Qualitäten empfiehlt preiswert J. Baer Spezialhaus für Herren- Knaben- Moden Berlin N 20, Badstr. 26 Ecke Prinzen- Allee Fernspr. Moabit 2443 Mostau, 20. November. Achte Runde: Romanomsti- RabinoCapablanca; Torre- Sämisch, Sieger Torre; Loewen fisch- Tartatower remis; Rubinstein- Grünfeld, Sieger Rubir. stein; Laster- Iljin, Sieger Laster; Werlinsti- Gothilf un⚫ entschieden; Reti- Bogoljubom, Sieger Reti; Duschotmirifi-Subarem, Sieger Duschotmirsti; Marshall- Spielmann, Sieger Marshall Es folgt ein spielfreier Tag. Stand nach der achten Runde: Torre sechs, Duschotmirsti drei, Marshall fünfeinhalb, Loewenfisch zweieinhalb, Tartafower fünf, Spielmann zweieinhalb, Subarem eineinhalb, Sämisch zwei, Bogoljubom fechs, Got hilf zwei, Capablanca viereinhalb, Laster fünf, Romanowffi vierein. halb, Grünfeld eins, Yates eineinhalb, Rubinstein sechs, Rabinowitsch vier, Jljin viereinhalb, Bogatyrschot vier, Berlinsti drei, Reti drei, Gothilf, Laster, Yates, Werlinsti je eine, Grünfeld zwei unbeendete Partien, Torre, Duschotmirsti, Marshall, Loewenfisch, Laster, Romanowski, Grünfeld, Vates waren je einen Tag spielfrei. Die Eisenbahnkatastrophe von Bellinzona vor Gericht. Der 23. April 1925, dem 9 Reisende, darunter der deutsche Staatsminister Prozeß zur Feststellung der Schuld und Verantwortlichkeit bei dem großen Eisenbahnunglüd bei Bellinzona am elffer ich und 6 Bahnbedienstete zum Opfer fielen, beginnt, wie die Baseler Neuesten Nachrichten" mitteilen, endgültig am 23. November in Bellinzona. Die Verteidigung hatte eine Berschiebung auf Januar 1926 beantragt, die aber vom Staatsanwalt abgelehnt wurde. " Freireligiöse Gemeinde. Sonntag borm. 11 Uhr, Pappelallee 15. Ror trag des Herrn Dr. A. Nosenberg: Wer war Moses? Nachm. 4 Uhr Vortrag des Herrn C. Witthauer: Leben aus dem Tode. Gäste willkommen, Geschäftliche Mitteilungen. Breisabbaut. Der große Umbau und Erweiterungsbau der Geschäftsräume Bochen. 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