Ar. 55042. Jabrg. Ausgabe A nr. 281 Bezugspreis: öchentlich 70 Bfennig, monatli 8, Reichsmart voraus zahlbar. Unter Rreuzband für Deutschland, Danzig. Saar und Memelgebiet, Lefterreich. Litauen, Luremburg 4,50 Reichsmart, für das übrige Ausland 5,50 Reichsmart pro Monat. Der„ Borwärts mit der Sonntags beilage Boll und Reit mit„ Gied. luna und Aleingarten fowie ber Beilage Unterhaltung und Billen und Frauenbeilage Frauenftimme exfcheint wochentäalich aweimal, Sonntags und Montags einmal Telegramm- Abreffe: .Sozialbemokrat Berlin Morgenausgabe Vorwärts Berliner Volksblatt 10 Pfennig Anzeigenpreise: Die einfpaltige Nonpareille. seile 80 Pfennig. Reflamezeile 5 Reichsmart. ,, Kleine Anzeigen bas fettgedruckte Wort 25 Pfennig ( zuläffia awei fettgedruckte Worte). febes weitere Wort 12 Pfennig. Stellengesuche das erfte Wort 15 Pfennig, tedes meitere Wort 10 Pfennig. Worte über 15 Buch. staben zählen für awei Worte. Arbeitsmarkt Reile 60 Pfennig. 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Denn Feigheit war politif des Reiches, die wir an anderer Stelle wiedergeben, feit jeher eine seiner vornehmsten Eigenschaften. Englische Blätter wandte sich Genosse Hilferding unter allgemeiner Spannung berichten, daß im Hinblick auf die Möglichkeit seiner Londoner Reise und lebhaftem Beifall eines großen Teils des Reichstags zahlreiche italienische Geheimpolizisten bereits in London ein gegen das faschistische Gewaltregiment in getroffen sind, daß ein ganzes Hotelstockwert für ihn gemietet werden Italien. Er führte aus: sollte, was nicht gelang, und daß er infolgedessen in der italienischen Botschaft absteigen würde, deffen Bersonal einem strengen Berhör bereits unterzogen worden sei. Er werde sich für seine Fahrten Der Vertrag trägt dieselbe Unterschrift, die auch als fünfte unter dem Vertrag von Locarno steht, den Namen Muffolini. ( Rufe links: Bfui!) Man hat joviel von dem Geist von Locarno gesprochen. Ich glaube, daß die Rede, die Herr Mussolini vor einigen Tagen im italienischen Parlament gehalten hat, durchaus im Widerspruch zu diesem Geist von Locarno steht und die Unterschrift, die er da im Namen Italiens gezeichnet hat, vollständig entwertet. Ich glaube, daß auch der ganze Handelsvertrag durch diese Unter schrift an Bedeutung verliert, denn man fann nicht das gesamte öffentliche Recht eines Landes und eines Boltes vernichten, ohne daß diese Bernichtung auf die privaten Verhältnisse und auf die wirt haftliche Entwicklung zurückgreift. In Italien ist das ge amte öffentliche Recht vernichtet. Es gibt feine öffentliche Rechtssicherheit mehr. Bersammlungsfreiheit eriftiert nicht. Nicht nur die Breßfreiheit ist vernichtet, auch die Presse selbst wird mit allen möglichen finanziellen und unmittelbar physischen Maßnahmen unterdrüdt. Es gibt ein Barlament, bas Stefen Namen verdient. Die Abgeordneten dürfen nicht reben, sie dürfen feine Zwischenrufe machen, ohne fürchten zu müffen, erschlagen zu werben. Es gibt überhaupt feine öffentliche Regung mehr in diesem unglüdlichen Bolt, zu beffen vor. nehmsten Regierungsmaßnahmen der Meuchel. mord gehört Uns Deutschen wird das Mitgefühl für das italienische Bolf besonders lebendig. Wir wissen, mie wir zu bezahlen hatten, weil wir nicht rechtzeitig verstanden haben, un Jälarenwahn entgegenzutreten. Besonders arg leiden in Italien unsere Brüder in Südtirol, die man vernichtet hat, denen man die Sprache raubt, denen man jebe öffentliche Meinungsäußerung unmöglich macht, alles entgegen den feierlichen Bersprechungen, die die italienische Regierung beim Abschluß des Friedensvertrages abgegeben hat, entgegen der italienischen Tradition, nach der die Rechte her Minderheiten, auch die nationalen Rechte des deutschen Voltes dort unten gewahrt werden. Diefer Kampf eines Regierungssystems gegen das eigene Bolf muß auf die Wirtschaft zurüdwirten. Deshalb erheben auch wir hier den Proteft, den unser Freund Bandervelde in Locarno fa glücklich erhoben hat, den Protest, daß hier unter der harten Notwendigkeit ein Vertrag mit einer Regierung abgeschloffen werden muß, deren hauptsächliche Sorge die Unterdrüdung der Freiheit jedes, selbst des eigenen Bolles iff. Wir proteffieren und sagen den Italienern, daß wir nicht mit ihrer Regierung, fondern mit ihnen selbst diesen Vertrag fchließen. Wir hoffen, daß es nicht, wie dieser Bertrag, fünf Jahre dauern wird, bis die Italiener ihre Freiheit wiederhaben werden, bis sie wieder ihre Würde als Nation zurüderobert haben werden.( Lebhafter Beifall bei den Soz.) Der Protest der Sozialdemokratie gegen den Terror der Gewalt wird in der ganzen Welt Beachtung finden. Die Unterbrüdung der Deutschen in Südtirol, die poliftändige Beseitigung ber Breffefreiheit und die Aufhebung jeder Rechtsgarantien durch den Bathologen Mussolini muß zu einer moralischen Isolierung dieses Gewaltregimes führen, die die Heilung und Rückkehr zu freiheitlichen Grundsägen ermöglicht. Die 2rbeiterbewegung ganze internationale fteht in diesem Kampfe in vorderster Reihe. Ueber sie mirb Mussolini nicht triumphieren. Labour- Boykott gegen Mussolini. Am Falls er nach London kommen sollte. Condon, 20. November.( Elgener Drahlbericht.) tommenden Donnerstag wird der Vorstand der Arbeiterpartei mit Vertretern der Gewertihaften über Maßnahmen zum Bonfoff Mussolinis für den Fall feiner Reise nach Condon beraten. Muffolini hatte bereits feinen Entschluß, zur Ratifizierung der Berträge von Locarno persönlich in London zu erscheinen, Briand mitgeteilt. Bald danach hieß es jedoch, er werde Rom nicht verlassen tönnen, weil die Kammer zu einer wichtigen Tagung ein berufen sei. Es gibt nun zwei Bersionen: Die eine besagt, die plötzliche Einberufung der Kammer sei nur ein Vorwand, um nicht nach London zu fahren, nach der anderen ist die vorzeitige Ein herufung eben deshalb erfolgt, um dem„ Duce" die Möglichkeit zu geben, nach Durchpeitschung seiner Dittaturgefege rechtzeitig nach London abreifen zu tönnen. Diese widerspruchsvollen Melbungen erflären fich daraus, daß uffolini offenbar felb# nigt meiß, was er will durch London eines gepanzerten Autos bedienen usw. Inzwischen dürften bie unferer englischen Genossen ihn eines Befferen belehrt haben. Die Bontottvorbereitungen englische Lokomotivführergewertschaft hat bereits beschlossen, seinen Zug nicht zu bedienen. Uns dünft, daß er auch auf franzöfifchen Schienen nicht vorwärtskommen würde. Bielleicht benutzt er vor fichtshalber ein italienisches Kriegsschiff bis London. Noch wahrscheinlicher ist es aber, daß er überhaupt darauf verzichten mird, nach London zu reisen. Das wäre zwar nach seiner schriftlichen 3ufage an Briand eine schwere Blamage, andererseits wird es dem moralischen Wert der Locarno- Berträge nur nüßen, wenn die Unterschrift dieses Menschen darunter fehlt. Vorwärts- Verlag G. m. b. H., Berlin GW. 68, Lindenste.3 Boftfchedfonts: Berlin 37 536 Bankkonto: Bank ber Arbeiter, Angestellten und Beamten, Wallstr. 65; Diskonte- Gesellschaft, Depofitentaffe Lindenstr. 3. Für Locarno und Völkerbund! Beschluß der sozialdemokratischen Reichstagsfraktion. Die sozialdemokratische Reichstagsfraktion faßte am Freitag abend zur politischen Lage folgenden Beschluß: Die Reichsregierung verlangt zugleich mit der Entfcheidung über die Locarno- Verträge vom Reichstag die Ent scheidung über den Eintritt Deutschlands in den Bölkerbund. Die Sozialdemokratie wird entsprechend ihrer früheren Forde rung für den Eintritt Deutschlands in den Völkerbund stimmen. Sie wird, um dieses Ziel zu erreichen, auch den Locarno Berträgen, deren sachlicher Inhalt auf der Linie der sozialistischen AußenPolitik liegt und für die die Regierung in der gleichen Vorlage Zustimmung verlangt, zu st i m men. Sie ist dabei in Uebereinstimming mit dem Londoner Beschluß der Sozialistischen Arbeiter- Internationale vom 5. November 1925." Die Entscheidung der Reichstagsfraktion erfolgte übereinstimmend mit einem Beschluß, den der Fraktionsvorstand am gestrigen Vormittag gefaßt hatte. Den Ausschlag gab dabei die Erwägung, daß sich die Dinge anders entwidelt hatten, als vorauszusehen war. Als die deutsche Delegation aus Locarno zurüdgefehrt war, nahm man allgemein an, die Regierung werde sich zunächst nur vom Reichstag die Zuftimmung zu ihrer bisherigen außenpolitischen Haltung holen, dann werde sie in London unterzeichnen, und schließlich im Dezember die endgültige Bestätigung, die Ratifizierung der unterzeichneten Berträge beim Reichstag nachsuchen. Die Stathofozialdemokratische Fraktion hätte dann die Möglichkeit gehabt, zunächst ihre grundsäglich bejahende Stellung zu den Berträgen von Locarno darzulegen, danach aber durch Vermeigerung der Ratifizierung die Auflösung des Reichstags zu erzwingen. Nene Gewalttaten im Parlament. Rom, 21. November( EB) Einige Abgeordnete der fischen Ballspartei wollten gemäß ihrem Fraktionsbeschluß heute in die Rammer zurüdfehren. In den Wandelgängen des Monte Cittorio wurde ihnen aber von Farinacci und anderen faschisti fchen Abgeordneten abgeraten, den Saal zu betreten. Dabei fam es zu einem scharfen Wortwechsel, in dessen Berlauf nach der Abendblätter der Meldungen fatholische Abgeordnete Guarienti, ein früherer Questor der Kanimer, eine Ohrfeige erhielt. Die Kommunisten dagegen fonnten ohne jeden Zwischenfall in die Rammer zurückkehren. Die Freimaurer unterdrückt. Der Genat hat heute die gefeßlichen Maßnahmen gegen die Geheimbünde( Freimaurer) mit 208 gegen 6 Stimmen bei 21 Stimmenthaltungen angenommen. Faschistische Fahkereien. Aus Rom wird gemeldet: Die Arbeiter und fubalternen Beamten der Abgeordnetenkammer haben den Befehl erhalten, den Kammerpräsidenten und den Ministerpräsidenten mit dem bei den Faschisten üblichen Gruß zu begrüßen, d. h. fie müssen stramm stehen und sie mit der ausgeftreten bis zum Kopf erhobenen flachen Hand grüßen, mie dies schon seit langer Zeit unter den Faschisten üblich ist. Die Abgeordneten und Senatoren dagegen brauchen nur durch Strammstehen gegrüßt zu werden. Verschiebung der Paktunterzeichnung? Jufolge eines Todesfalls in der englischen Dynaftie. Die Mutter des britischen Rönigs, Eduards VII. Witme Alegandra, ist am gestrigen Freitag gestorben. Sollte neben der Hoftrauer auch eine 14tägige Landestrauer angeordnet werden, so wäre es möglich, daß die für den 1. Dezember vereinbarte Unter zeichmung der Locarno Berträge um einige Tage verschoben wird. Es heißt jedoch, daß die Unterzeichnung am 1. Dezember vorgenommen wird und nur die geplanten Festlichkeiten unterbleiben. Neue Krise in Frankreich. Die Zustimmung der Sozialisten zur Finanzvorlage aweifelhaft. Nun liegt dem Reichstag aber ein Entwurf vor, der die Verträge von Locarno bestätigt und der Regierung die Ermächtigung erteilt, den Eintritt Deutschlands in den Völkerbund vorzubereiten. Gegen den Eintritt in ben Bölferbund fonnte die sozialdemokratische Fraktion nicht stimmen, ohne ihre Haltung im Inland und ganz besonders im Ausland den verhängnisvollsten Miß deutungen auszusehen. Für den Eintritt Deutschlands in den Bölkerbund hat die Sozialdemokratie unablässig gewirft. Den Eintritt Deutschlands in den Böllerbund hat die Sozialistische Arbeiterinternationale aufs entschiedenste gefordert. Deutschlands Eintritt in den Bölker bund ist nach der Auffassung der englischen Arbeiterpartei wichtiger als die ganzen Berträge von Locarno. Vor allem deshalb hat die Arbeiterpartei trotz ihres grundsäglichen Festhaltens am Genfer Protokoll für die Verträge gestimmt, weil sie mit dem Eintritt Deutschlands in den Bölkerbund untrennbar verbunden sind. Die Konferenz der Sozialistischen Arbeiterinternationale in London am 5. November hatte den 3wed, nach Möglichkeit einen gemeinsamen Aufmarsch der sozialisti fchen Parlamentsfrattionen in allen beteiligten Ländern zu erzielen. Die Arbeiterpartei ist dann mit gutem Beispiel vorangegangen und hat für die Berträge gestimmt, obwohl ihre Zustimmung den augenblicklichen Erfolg der von ihr aufs heftigste bekämpften fonservativen Regierung vermehrte. Die sozialistischen Fraktionen Frankreichs, Belgiens, Bolens, der Tschechoslowakei werden für Locarno und für den Eintritt Deutschlands in den Völkerbund stimmen. Und da sich nun die sozialdemokratische Fraktion des Deutschen Reichstags entschlossen hat, gleichfalls dafür zu stimmen und tattische Pläne von mehr innerpolitischer Bedeutung hinter die Er fordernisse der internationalen fozialistischen Einheit zurückzustellen, ist die Front lückenlos geschlossen. Der Entschluß der fozialdemokratischen Fraktion wurde Paris, 20. November.( Eigener Drahtbericht.) Bet der General durch die Erklärung der Regierung erleichtert, daß sie nach der debatte über die Finanzvorlage fam es am Freitag bei der Rede des Unterzeichnung in London ihre Demission geben merde. Die sozialistischen Abgeordneten Leon Blum zu einem Zwischens Sorge, daß die Deutschnationalen alsbald wieder in die Refall, der die Annahme der Regierungsvorlage abermals in gierung zurückkehren könnten, erweist sich als gegenstandslos Frage stellt. Leon Blum stellte der von der Regierung beabsichtigten oder wird doch erheblich gemilbert, wenn selbst Herr Luther Lösung die sozialistische Auffassung gegenüber und erklärte, daß erklärt, hinfort fei eine Regierung notwendig, die auch inner unsere Fraktion sich zur Annahme des Gefeßentwurfes vor allem lich zu den zu unterzeichnenden Berträgen stehe. Dabei bleibt deshalb bereit gefunden habe, weil darin die Inflation auf den freilich die Gefahr bestehen, daß die Colfsportel und der rechte augenblicklichen Notenumlauf im Betrage von 1,5 milliarden beFlügel des Zentrums die wirtschaftspolitischen Geschäfte der schränkt bleibe und die Regierung erklärt habe, daß diese Höchst Deutschnationalen weiterführen fönnten, wenn diese auch nicht grenze nicht überschritten werde. Painlevé bestritt furz, daß in der Regierung sind. Aber diese Gefahr läßt sich auch durch die Regierung eine solche Erklärung abgegeben habe. Sie sei Reichstagswahlen nicht beseitigen. außer stande, Berpflichtungen zu übernehmen, deren Erfüllung nicht ausschließlich von ihr abhänge. Daraufhin erklärte Leon Blum, daß dann die Voraussetzung, unter denen die sozialistische Frattion ihre Zuftimmung gegeben habe, nicht mehr vorhan. den sei und er tönne nicht sagen, ob die Fraktion in der zweiten Lesung für die Borlage stimmen werde. Natürlich löfte die Ertlås rung Blums große Erregung aus. Die Sigung wurde sofort unterbrochen. Sowohl die sozialistische Fraktion wie die Kabinetts mitglieder traten zusammen, um die neugeschaffene Lage zu er örtern. Die Sozialdemokratische Partei gibt sich feinem Zweifel darüber hin, daß auf diesem Gebiet, dem wirtschaftspolitischen, die letzten Entscheidungen fallen. Hier ist auch der Kampf am allerschwersten, aber die Erfahrungen der letzten Jahre geben uns das Recht, opimistisch zu sein. Zunächst hat die Sozialdemokratische Partei ihre Forderungen auf der faffungsrechtlichem Gebiet gegen eine Welt von Feinden durchgesetzt. Sie ist jetzt im Begriffe, auf außen. politischem Gebiet zu erreichen, was sie seit Jahren und Jahrzehnten erstrebt hat. Sie hat die Genugtung erlebt, daß die gehäffigste, ftrupelloseste Gegnerin der sozialdemokratischen| Noch mehr wäre es deutsche Art, wenn von dem Generalfeldmarschall| gericht( gl. Tafel") die Todesstrafe aufgehoben, Marffo Außenpolitit, die Deutschnationale Partei, als Regierungspartei gezwungen war, an der Erfüllung sozialdemokratischer außenpolitischer Forderungen mitzuarbeiten. Ist aber die demokratische Republik und ist der Kurs des Friedens gesichert, dann ist das Feld frei für die entscheidenden Kämpfe auf wirt schaftspolitischem Gebiet, und mögen sie auch hart und lang werden, wir zweifeln nicht daran, daß auch sie zum Siege führen. Boraussetzung dafür ist, daß die ganze Energie der Bewegung auf die großen Ziele gerichtet bleibt. Taktische Situationen entstehen und verschwinden, und je nachdem, wie sie sich ändern, muß auch die taktische Haltung der Partei einer Menderung unterliegen. Das ist immer so gewesen und wird immer so bleiben. Bleiben muß aber auch die grundsäz lich flare Linie der sozialdemokratischen Politik. Sie wird gewahrt, wenn unsere Reichstagsfraktion jetzt für das stimmt, wofür fie immer aus tiefster Ueberzeugung eingetreten ist: für die Berständigung mit Frantreich, für friedensichernde Schiedsverträge, für den Eintritt in den Bölterbund. Wir stehen nicht an zu erflären: wir hätten es mit Bedauern gesehen, wenn diese grundsäglich flare Haltung auch nur vorübergehend zu tatti ſchen 3 mesen hätte verbunkelt werden müssen. Der Beschluß, den der Fraktionsvorstand und die Fraktion gestern gefaßt haben, führt uns von tattischen Nebenpfaden auf die flare grundfäßliche Linie unserer Politik zurüd. Es bleibt die Aufgabe, den Einfluß der politischen und mirtschaftlichen Reaktion zurückzudrängen und entschei dende Kämpfe mit ihr vorzubereiten, die nicht lange auf fich warten lassen werden. der Kampf aufgenommen würde gegen diesen Vertrag der Unehre von der Anklage des Bombenattentats im Elisabethstädter Kafino und Versflavung. Sollte allerdings der Reichspräsident die Locarno- fowie des Attentats auf die Redakteure Karl Rassay und Andor Politif für richtig ansehen, dann muß jeder deutsche Mann, der noch Millos freigesprochen. Hingegen wurde er in der Angelegen nicht schwarzrotgelb verseucht ist und sich allein dem Gott Mammon heit des Bombenattentatsverfuches gegen die französische G& verschrieben hat, sein haupt verhüllen, dann ist die Reichstörung und anderer Verbrechen zu jechs Jahren Zuchthaus sandtschaft, wegen versuchten Mordanschlags, öffentlicher Ruhepräsidentschaft des Generalfeldmarschalls eine Gefahr für den und einer Million Kronen Geldstrafe sowie zu zehn Jahren Amisnationalen willen geworden... Wehe den Männern, die perluft verurteilt. Ein Jahr und elf Monate waren als durch die das Bolt dahin bringen. Einst wird sie der Fluch dessehend Untersuchungshaft verbüßt abgerechnet. gewordenen Boltes treffen!" Es ist getränkter Ehrgeiz und verletzte Eitelkeit, Haß gegen Hindenburg, die aus diesen Tiraden Ludendorffs sprechen. Vom politischen Kinderverstand gar nicht zu reden der ist am besten charakterisiert dadurch, daß die Völkischen der anderen Fakultät von Ludendorff in einer Münchener Bersammlung als von dem polnischen Ochsen" sprachen. Schon in der vorhergehenden Nummer richtete der Bölkische Kurier" scharfe Angriffe gegen Hindenburg: „ Als er damals den Eid auf die Verfassung schwor, da nahmen ichon viele an, daß er troß feiner monarchischen Gesinnung seinen Eid sehr ernst nehmen würde, und auf diese Tatsache hatten seine heimlichen Gegner gerechnet. Hindenburg, dieser präch tige, alte Soldat, so fagten sie, tann doch feinen Meineid schwören! und nun war die erste Probe, die Probe mit Meißner, auch bereits gelungen. Schritt für Schritt ging es weiter. Die zweite große Enttäuschung, die das deutsche Volk an Hindenburg erlebte, war feine Stellung in der Aufwertungsfrage. Er unterschrieb dieses Enteignungsgefeß, diese planmäßige Berstörung von Treu und Glauben. Nicht genug damit. Bei dieser Gelegenheit ließ er auch mit aller wünschenswerten Deutlichkeit er. Den Standpunkt der sozialdemokratischen Reichstagsfraktion in Politit des verantwortlichen Reichsfabinetts unterstütze. Das war flären, daß er nicht gewillt sei, Politif zu machen, sondern die der fommenden Debatte wird der Genoffe Otto Wels vertreten. also die grundsähliche Festlegung auf den Stresemannfchen ErUebrigens foll nach den neuesten Dispositionen der Reichsfüllungsfurs. Als Hindenburg den Besuch bei Ludendorff tanzler Montag 11 Uhr seine Erklärung abgeben und nach ab fa gte und die Absage in so schwächlicher Weise öffentlich be mittags um 3 Uhr der Auswärtige Ausschuß zusammen gründete, da war es vor aller Welt klar, daß Hindenburg fich dem treten, worauf die Debatte erst am Dienstag beginnen würde. Berderben nicht entgegenstemmen fonnte und es auch nicht wollte. Die endgültige Entscheidung darüber wird jedoch erst der Und seine Stellung zu Locarno? Ein deutschnationaler LandAeltestenausschuß treffen, der heute mittag zusammentritt. tagspräsident verbreitete unwidersprochen durch die Presse die Nach politit von Locarno die einzig richtige fel. Ebenso wurde das harte richt, Hindenburg habe sich von Luther überzeugen laffen, daß die Urteil Hindenburgs über die deutschnationale Politik lediglich der Form, nicht aber dem Inhalt nach dementiert. Deutschnationales Mißtrauen gegen Luther. Kampf gegen Locarno mit allen Mitteln. Die Pressestelle der deutsch nationalen Reichstags. frattion teilt mit: Die deutschnationale Reichstagsfraktion trat Freitag nachmittag 4 Uhr zu einer Sigung zusammen. Es wurden alle Möglichkeiten der gegenwärtigen Lage eingehend erörtert. Be. schlüsse wurden nicht gefaßt. Die Frattion ift sich aber völlig einig Darüber, alle parlamentarischen Mittel, auch das von Mißtrauenspoten anzuwenden, um die Vorlage von Locarno zu Fall zu bringen. Ludendorff gegen Hindenburg. Er spricht seinen Fluch über ihn. Im Böllischen Sturier" äußert sich am Freitag Luben dorff in längeren Ausführungen zum Vertragswert von Locarno. Die dabei zum Ausdrud tommende schwere Diffamie rung des Bertrages ist angesichts der politischen Bedeutungsslosigkeit des Generals vollkommen belanglos. Intereffanter ift bagegen, in welch scharfer Weife er in diefem 3ufammenhang sich über den Reichspräsidenten Hindenburg ausspricht, Den er u. a. für eine Gefahr für den nationalen Willen erflärt: Ich habe bereinst mit dem Generalfeldmarschall von Hinben burg Ehren und Ruhm geteilt und, ich darf es ausfprechen, seinen Ruhm erhöht. Heute trampft sich mein deutsches Herz zusammen, wenn ich sehe, wie der Generalfeldmarschall im Begriffe ist, seinen Ruhm zu opfern, und er ist geopfert, wenn sein Name unter dem Dokument der Schande und Unehre steht. Lieber die Stellung preisgeben als Ruhm und Ehren und die eigene große Bergangenheit. Das ist deutsche Art. Bußtage. Konzertumschau von Kurt Singer. Immer wieder drängt es uns, dem Unbekannten und den un bekannten jungen Künstlern nachzugehen. Immer wieder müssen wir uns den Genuß an Darstellungen versagen, deren Stilsicherheit und künstlerische Gestaltung uns davor bewahren, fritisch werden zu müssen. Wer möchte nicht immer wieder die 8. Sinfonie Brud ners in der vollendeten Wiedergabe durch Furtwängler er. leben? Aber dieser Dirigiermeister verstellt uns den Weg des Ge nuffes ein wenig durch ein zu langes Programm. Wer Brudners 8. Sinfonie auf dem Programm hat, braucht feine Ouvertüre und braucht teinen Soliften. Genußreich wäre es auch, mehr als ein paar Töne aus der Riesenstimme des Nordländers Helge Lindberg zu erhaschen, der sich bei Schubert und bei Russen als ein Meister der Atemtechnik und des ausdrucksvollen Vortrages bewährt; erfreulich auch, die Kehlfertigkeit eines Slezat wieder nachzuprüfen, All das will nur für einen Moment gelingen. Statt beffen Gänge zum Unvollendeten, Bußtage, Tage der Unzufriedenheit. Wofür büßen wir? Wahrscheinlich dafür, daß es eine Institution wie den Musiffritifer überhaupt gibt. Wer Einmal aber in der Woche war Festtag. Und zwar, als Sieg fried Ochs, feit 1917 zum ersten Male wieder, das Requiem von Berlioz aufführte. Es gibt Menschen, die Erschütterungen, welche zweifellos von diesem Wert ausgehen, als Erfolge einer außerordent lichen Technik und Bravour tennzeichnen wollen. Nun soll zu gegeben werden, daß die Gesamteinstellung Berlioz zu einer Toten meffe nicht die eines frommgläubigen Menschen gewesen ist. Dafür war dieser Mann zu intelligent und dachte zu viel nach. Wenn aber ein Meister imftande ist, selbst mit den gewagtesten und firchlicher Tradition widersprechenden Mitteln eine Stimmung des Aufgerüttelt seins, des feelischen und förperlichen Irritierens, der Aufwühlung aller Geister zu schaffen, wie hier, so ist die Reaktion auf diesen Angriff dennoch die große innere Erlebnisipur, die uns das Urgewaltige bes legten Gerichts in seinen furiofen Borstellungen ganz im Bewußt fein läßt. Alles was irdisch und eitel und menschlich ist, gleitet für ein paar Stunden von uns ab, alles Nichtige wird ertötet. hat in einem opus 5 jemals folches zuwege gebracht? In der Aufführung durch Siegfried Ochs war jede höchste Erwartung erfüllt. Die pielgeplagten Bläserorchester und die bis zur letzten Anspannung ihrer Kräfte bemühten Männerchöre sollen wegen der Disziplin ihrer Leiftung und der Sauberkeit ihes Spiels refp. Singens besonders belobt sein. Wenn diese Männerstimmen durch das Fegefeuer des Riefenblechapparates hindurch einmal zu hören sind, und andere Male flanglich verschwinden, jo ist auch diese Notlage, die nur durch einen Männerchor von 500 Stimmen überbrückt würde, noch schön. Wie durch einen Nebel hindurch flingt das Tuba mirum aus Himmelsregionen her. Die A- cappella- Chöre waren mustergültig studiert. Ochs selbst ist seinem ganzen Temperament nach für dieses Wert der Hize und des Borwärtsdrängens, des Hindämmerns und zartesten Ausdrucks, also des immerfort abgestuften Ausdrucs, der tongeniale Meifter. Es gibt teinen, der neben ihm die Dramatik diefer Messe jo zur Geltung brächte. Könnte man die Aufführung statt in der Bhilharmonie in das Baseler Münster verlegen, und Pönnte man es erreichen, daß sich an dem herrlichen Tenorsolo nicht Insofern ist die Wahl Hindenburgs zum größten Triumph der Erfüllungspolitiker und zu einer geradezu fatastrophalen Miederlage für die nationale Oppofition geworden. Hindenburg wird von mun an ftets gegen die Deutschnationalen ausgespielt werden. Ihr Belastungszeuge ist zum Entlastungszeugen geworden." Wehe aber unserm Bolte, das an einem der letzten Männer Irre werden muß, auf die es noch fein Bertrauen fehle." 99 Den Bölkischen graut vor dem Retter". Man darf an nehmen, daß dieser Angriff gegen Hindenburg nicht eine bloße Redaktionsarbeit des Bölkischen Kurier" ist. Das ist Ludendorffs Geschoß! Ludendorff stattet auf diesem Wege seinen Dant dafür ab, daß Hindenburg als Reichspräsident es vorgezogen hat, den Burtschiften und Hochverräter Ludendorff in Bayern nicht aufzusuchen. * Die anderen Faschistenländer. Milde für Waffenmörder in Horthy- Ungarn. Bor Jahr und Tag explodierte im liberalen. Elisabethstädter Club in Budapest bei einem Feit eine Bombe. Behn Menschen wurden durch tüdischen Mord aus froher Stimmung in grauen haften Tod gestürzt, andere schmerer Krankheit und dauerndem Stechtum überliefert. Nach längerer Zeit wurde zwei bekannten Erwachender Madjar", also zwei Völlischen, Marffy und Ma. rosin, die Täterschaft nachgewiesen. Marffy wurde zum Lode verurteilt, Marosin und einige weitere mittäter erhielten Freiheitsstrafen. Die Berurteilten hatten es sehr gut und ließen öfter ihre Freunde wissen, daß fie feine Sorge um ihre verurteilten Bor. fämpfer zu haben brauchten. Und richtig, jezt hat das Oberlandes an zwei Tagen gleich zwei namhafte Chöre blamieren, so wäre ein in der Form und im Inhalt abwegiges Wert eines bizarrgenialen Mannes unter der Leitung von Ochs in sich zur letzten Bollendung gediehen. Mit solcher Aufführung ist zwar die Aufführung des Samson" von Händel weder inhaltlich noch nach der Art der Darstellung zu vergleichen. Das Streben nach stilvoller Biebergabe ist aber dem Dirigenten Heinz Unger, der aus ganz anderen Quellen fein musikalisches Herz nährt, hoch anzurechnen. Schon die Bearbeitungsfrage fann einen Kapellmeister nervös machen. Eine Aufführung von über drei Stunden ist aber in jedem Fall zu revidieren. Der fleine Cäcilien- Chor sang die nicht schweren Ensembles fauber, im ersten Teil ziemlich monoton, und auch die Solisten( bis auf die herrliche Lotte Leonard) wußten mit ihren Arien nicht viel anzu fangen. Es ist entschieden leichter, als Tenor auf der Bühne seinen Mann zu stehen, oder mit Liedern von Mahler berühmt zu werden, als dem herberen Stil der formell geschlosseneren Arien Händels gerecht zu werden. begabter, herzhafter Mufifer, daß man wünschen muß, feine weitere Der junge Geiger Edmund Bartos ist ein so frischer, Ausbildung besten Lehrhänden anvertraut zu sehen. Der SevcikSchüler hat eine verkrampfte Bogentechnit, der Lon ist nicht aus gejungen, nicht voll, am Frosch sogar traßend, und mit der Größe des Tones scheint auch die Größe der Auffassung zu leiden. Bartos ist noch in einer Krise der Entwicklung, die zum Guten oder zum Bösen ausschlagen fann. Hat er das Glüd, bei einem Flesch um zulernen, so ist er ein gemachter Mann. Emil Telmanŋi ver teidigt mit bestem Gelingen seinen Ruf als ernster, an der Spitze der Birtuosen stehender Geiger. Geord Rüdert hat ein paar schöne helle Töne in seiner Kehle, die ihn zum Tenor prädestinieren. Er flebt im übrigen noch sehr an den Noten und Texten, fämpft auch mit muskulären Spannungen, die zu überwinden bleiben, auch wird in der Anstrengung die Stimme heifer. Auch er ist noch zu früh auf dem Konzertpodium erschienen, so daß vorläufig das Interesse an dem Begleiter Mar Saal größer war. Jeanette Schwarz hat fchon ein großes Bublifum, das wahrscheinlich auf Konto gefell. schaftlicher Beziehungen ihrer Lehrerin Lola Beth gesezt werden muß. Die Stimme ist noch nicht fertig, die junge Sängerin übernimmt fich an Kraft und Ausdrud, sie sucht durch unschöne Armbewegungen den Vortrag temperamentvoller zu steigern. Das hat sie nicht nötig; ihr Sopran ist hübsch genug, um durch sich selbst zu wirfen, und wenn die Tiefe gefräftigt wird, werden Monotonien und Risse des gesanglichen Vortrags bald überwunden sein. Sie hatte einen außer ordentlichen Erfolg. Bei der November- Gruppe wird immer wieder der Bersuch gemacht, für neue Musik zu interessieren. Diesmal waren es Brager Romponisten, für die sich das Novat Frant.Quartett ein fezte. Bratsche und Cello scheinen hier Bedeutenderes zu sagen zu haben als die Geigen. Ein Streichquartett von Martinu soll in der Freiheit und Fröhlichkeit seiner Weisen sehr gefallen haben. Das Streichquartett von Armann, der ein Schüler von Novat ist, läßt meder ein ausgeprägtes Gefühl für Form erkennen, noch für Sinn lichkeit der Streichinstrumente. Möglich, daß ein Abglanz heimat licher Klänge in das Wert einvermoben ist, das Unorganische und Krampfige des Quartetts bleibt trotz einzelner auffallenden Klang. neuigkeiten dennoch bestehen. Budapester Blätter erinnern an die Worte des Verteidigers Dr. Ulain, des Führers der Erwachenden", der am ersten Berhandlungstage den Staatsanwalt mit den Worten ansprach: Herr Staats anwalt, Sie wissen hoffentlich schon von dem Urteil?" Ulain:„ Sie wissen hoffentlich schon, daß der Freispruch be. Als der Staatsanwalt fragte, was er damit meine, erflärie reits beschlossen ist? Sie werden doch nicht überrascht werden durch das Urteil?" Nun ist, wenn auch nicht der Freispruch, wohl aber die Wendung tatsächlich eingetreten, Marffy und Marossy, die beiden Hauptschuldigen, dürften trotz der verhängten Kerferstrafe in einigen Wochen freige. laffen werden. Zum tschechoslowakischen Wahlausfall. Man wird die Minderheitenfrage lösen müffen! Aus Prag wird uns geschrieben: Die neue Regierungsmehrheit wird noch brüchiger sein beftehen, aber sie werden die Wählermehrheit nicht mehr hinter sich als die alte. Statt aus fünf tschechischen Parteien wird sie aus sechs haben. Eine dauerhafte Regierung wird dadurch nahezu zur Unmöglichkeit. Somit wird nach diesem Wahlausfall der tschechoslowakische Staat erst recht nicht um eine Lösung seines großen innerpolitischen Problems herumfommen: der Umwandlung sta a t. des Nationalstaates in einen Nationalitätenfchiebungen eingetreten. Gegenüber den Gemeindewahlen von 1923 Innerhab der tschechischen Regierungsparteien sind große Bérhaben die tschechoslowakischen Sozialdemokraten in Böhmen, Mähren und Schlesien zwar erfreuliche Fortschritte erzielt. Gegen die ersten Barlamentswahlen im April 1920 er leidet die Partei starten Mandatsverluft, ihre Abgeordnetenzahl Partei ber Nationaldemokraten( Kramarsch) hunderttausenbe geht von 56 auf 28 zurück; in erster Linie ist das auf die Spal. fung zurückzuführen. Erfreulich ist, daß die chauvinistische Stimmen verloren hat. Eine ziemliche Stärkung hat die tschechisch- katholische Boltspartei erfahren. Im ganzen ist innerhalb der Regierungsparteien ein deutlicher Bug nach rechts fichtbar geworden. Unter den deutschen Parteien ist die stärkste bürgerliche Partei der Bund der Landwirte. Er hatte knapp vor den Wahlen allen deutschen Parteien eine Einheitsliste vorgeschlagen. Der Bund wußte sehr wohl, daß die deutsche Sozialdemokratie aus prinzipiellen Gründen darauf nicht eingehen fonnte. Gerade deshalb hoffte er, damit einen Schlag gegen die Sozialdemokratie führen zu können. Aber schließlich zogen sämtliche deutichen Parteien gesondert in den Wahlkampf, und statt der Einheitslifte gab es im deutsch- bürgerlichen Lager eine große Kaybalgerei. 21s einzige deutsche Partei ging die Sozialdemokratie mit einem flar umrissenen Brogramm in den Wahlkampf. Ihre Forderung gipfelte in der Autonomie der deutschen Gebiete, um auf diese Weise eine nationale Verständigung des tschechischen und deutschen Bolles zu erzielen. Die sieben Jahre nationalistisch überspannter tschechischer Regierungspolitik haben viele deutsche Arbeiter aus Protest gegen die nationale Unterdrückung in das Lager der Nationalisten und Kommunisten getrieben. Im Vergleich zu den Gemeindewahlen 1923 fann die deutsche Sozialdemokratie einen starten Fortfchritt verzeichnen in Brag selbst hat sie nahezu breimal soviel Stimmen als 1923. Bie die tschechischen und flomatischen Klerifalen haben auch die deutschen Chriftlichsozialen eine Stärtung erfahren, desgleichen der Bandbund. Der zweifelhafteste Gewinn ist der der national ungetrennt aufgetretenen Kommunisten. Ihr Sieg on Stin men und Mandaten wird ausschließlich nur zur Folge haben, daß auch in der Tschechoslowakei mittelbar durch ihr Wirken die Reattion in den Sattel gehoben wird. Gegen Darwin, Jazz und Lippenffifte. Der fleine Ort Oltewah im Staate Tennessee ist dieser Tage moralisch" gesäubert morden. Die Fundamentalisten haben nicht nur bei den Buchhändlern, sondern felbst in den Privatwohnungen alle Bücher beschlagnahmt, die sich mit der Evolutionstheorie beschäftigen, ferner alle Romane, alle Jazzmusif, alle Grammophonplatten außer solchen, die religiöse Lieder enthielten. Der Eifer dieser Berteidiger des Glaubens ging fogar soweit, daß sie in die Schlafzimmer der jungen Mädchen ein brangen, um fich der Reispuderbehälter, der Lippenstifte und sonstiger Schönheitsmittel zu bemächtigen, turz, all der Gegenstände, die der Moral Abbruch zu tun geeignet erscheinen. Am Nachmittag murde dann die Beute dieser Razzia mit großem Bomp verbrannt. Gorki über feinen Eintritt in die Literatur. Der schon seit längerer Zeit in Sorrento in Italien lebende Marim Gorfi hat sich Schritte im Reich der Dichtkunst geäußert. Dieser Brief, den die dieser Tage in einem Brief an einen alten Freund über seine ersten Mostauer Blätter veröffentlichen, ist an 21erander Kalushny jährigen Berufstätigteit dieses Mannes hat Gorki das erwähnte gerichtet, einen ehemaligen Politiker und Mitglied der Volksfreiheits. partei, der heute in Tiflis lebt. Anläßlich einer Feier der dreißigSchreiben an ihn gerichtet, in welchem er ihn an ihre langjährige Freundschaft erinnert und mit ganz besonderer Dankbarkeit dessen gedenkt, daß Kalushny der erste gewesen sei, der in dem damals Beschtow( bekanntlich Gorkis bürgerlicher Name) das nach Beganz unbekannten armen und verwahrloften Wanderburschen tätigung drängende dichterische Talent erkannte. Die wohlwollenben und verständnisvollen Ratschläge des damals schon gereiften und ihm fchreiben seiner Erlebnisse und Einfälle ermutigt. Sie sind der an Bildung weit überlegenen Ralushny hätten ihn zum Niedererste gewesen", schreibt Gorfi, der mich zwang, mich felbft ernst zu nehmen. Ihrer Anregung verdanke ich es, daß ich nun schon seit dreißig Jahren der russischen Kunst in Ehren diene." Stefan Jeromsfl, der bekannte polnische Romanschriftsteller, if im Alter Obdachlosen." bon etwa 60 Jahren gestorben. Sein verbreitetstes Bert find„ Die in der Herbstausstellung der Akademie der Künfte die Werte folgender Saatsanfäufe in der Utademie- Austellung. Das Kultusminifterium hat Stunftler für ben Preußischen Staat angelauit: Karl Hagemeifter, Dito S. Engel, Schmidt- Rottluff, August Kraus, Artur Degner, Rudolf Großmann, Ernst Fritsch, Wilhelm Kohlhoff, B. Merling, Bilbelm Defterle, Frig Heins. heimer, Wilhelm Lategabn, Ernst Oppler, Julius Jacob, Mag Neumann, Otto Beftermann, Carl Sturzkopf, Ludwig Rath. Gine große Anzahl an Berlen von Ulrich Hübner, Mar Bechstein, Barlach, Blontfe, Dettmann, erworben worden. Die Ausstellung wird noch bis Ende November geöffnet Domscheit, Jaedel, Robricht und anderen Künstlern ist von Privatpersonen bleiben und ist auch an den Sonniagen und am Bugtag von 10 bis 5 Uhr augänglich. Ranbestheater für die Inszenierung der im Februar, März und Lee Dahl, der bekannte Berliner Bühnenbildner, ist vom Dit deutsche t April geplanten Aufführungen von Armut und Der eingebildete Strante verpflichtet worden. Die Ausstellung„ Das deutsche Buch" im Haufe Merkur, Rochftr. 6/7, lann nicht verlängert werden. Der legte Sonntag ist also der 22. November. 7, Ubr, ftatt. Brof. Hahn spricht über das Thema:" Was lehrt uns die Der 2. öffentliche Vortrag der Akademie findet beute Unter den Linden 38, Radioaktivität über die Geschichte der Erde?" Karten zu 2 M. beim Pförtner. Dr. Hermann Weyl. Ganz plötzlich und uns allen unerwartet erhalten wir die Runde, daß der Genosse Dr. Hermann Weŋi am Freitag abend um 9 Uhr im Alter von 59 Jahren verstorben ist. Seit einigen Tagen lag er an einem Bronchialfatarrh danieder. Sein Gesundheitszustand war durch eine Herzmustel I ähmung geschwächt und durch einen plötzlichen Anfall ist er unvermutet dahingerafft. Genoffe Dr. Weŋl gehört zu den alten Kämpfern der Sozialdemokratie, zu der er sich bekannt hat, seitdem er politisch tätig war. Seit 1892 arbeitete er in Berlin als praktischer Arzt, 1902 wurde er durch das Bertrauen der Parteigenoffen in die Berliner Stadtverordnetenversammlung gewählt, wo er fehr bald, namentlich auf seinem Spezialgebiet der sozialen Hygiene, Ansehen und Einfluß gewann. Durch seine unermüdliche Arbeit hat er unendlich viel dazu beigetragen, das Berliner Gesundheitswesen zu fördern. Die Berliner Arbeiterbewegung wird niemals vergeffen, was er in unermüdlicher jahrzehntelanger Hingabe für fie geleistet hat. Nach dem Kriege wurde er 1919 Mit glied der Verfassunggebenden Preußischen Landesversamm fung und später des Preußischen Landtags. In der Ber liner Stadtverordnetenversammlung gehörte Genoffe Weyl zu den markantesten und geachtelften Erscheinungen. Als Redner fand er bei seiner scharfen Dialektik und SchlagFertigkeit stets das Ohr des ganzen Hauses. Er war eine ausgesprochene Kämpfernatur und als solcher ein scharfer Fechter im Kampfe gegen unsere bürgerlichen Gegner. Durch feinen plöhlichen Tod verliert namentlich die Berliner Stadtverordnetenfraffion einen ihrer Besten. Im Breußischen Landtag hat Genoffe Benl in den letzten Jahren feine großen Kenntnisse auf dem Gebiet der sozialen Hygiene mit steigendem Erfolge für die Arbeiterbewegung verwenden fönnen. Er war der ständige Sprecher der Fraktion bei allen wichtigen Fragen des Wohlfahrtsministeriums; als be Landesgesundheitsrat trok des Widerspruchs eng: Stirniger Gegner berufen. Die Sozialdemokratische Partei wird das Andenken diefes mutigen Borkämpfers der Arbeiter bewegung immer in Ehren halten. fonderer Sachfenner wurde er vom Wohlfahrtsminister in den In den Preußischen Landtag rüdt an Stelle des verstorbenen Genossen Weyl die Genoffin Helene Schmit ein. Für die Berliner Etadtverordnetenversammlung tritt im Wahlkreis BerlinMitte, wo der Genosse Went als Listen führer der Partei gewählt war, der Genosse Dr. Weinberg ein. Da Genosse Wein berg bereits auf der Stadtliste gewählt ist, so rückt hier der Genosse Roga( Karlshorst) nach. Großagrarische Interessenpolitik. Ter Landbund fordert ein Getreidemonopol. Der Reichsbund und sein Minister Graf Ranig sind feit einiger Zeit wieder einmal an der Arbeit, eine neue Stüßungsattion für die Landwirtschaft ausfindig zu machen. Man will entsprechend. einem Vorschlag des Landbündlers v. Wangenheim eine Art von Getreidemono pol errichten. Eine Art denn ein richtiges, auch für bie Sozialisten durchaus bisfutables und von unseren öfterreichischen Genoffen empfohlenes Monopol, das die Breise für Getreide nach den Bedürfnissen der eigenen Birt fchaft, der Erzeuger und der Berbraucher regulieren müßte, findet natürlich vor den Augen der deutschen Großagrarier Sie wollen die vollkommene Freiheit der feine Gnade. Ausfuhr wenn die Weltmarktpreise höher find. Sie wollen dagegen mehr als die Weltmarktpreise, wenn diese niedriger find. Nun ist es ein beluftigender Anblid, zu sehen, wie die teutonischen Großagrarier sich an die Rockschöße der internationalen ,, jüdischen" Spetulanten hängen, wenn hohe Weltmartipreise winfen, aber sich auf ihre urdeutschen Selb ständigkeitsgefühle befinnen, wenn die Auslandspreise nicht Lohnen. Aber ernsthaft: es handelt sich um ein neues, durchaus ernst zu nehmendes Projekt, das bereits seit Wochen in Re gierungsfreifen erwogen und in allernächster Zeit dem Reichs fabinett zur Beschlußfassung unterbreitet wird. Die Reich s getreibestelle, die sich in Liquidation befindet und nach den Abbau der fleinen Beamten einer ganzen Reihe von Direftoren und Profuristen ein hochherrschaftliches Liquidations dasein bietet, soll unter ihrem oder einem neuen Namen Trägerin des Monopols merden, Getreide auftaufen und ver werten und den Markt stüzen. Nun mag man über die Notlage der Landwirtschaft denten wie man mill: herbeige führt wurden die mißlichen Verhältnisse durch die Intereffenpolitik der Großagrarier. Man brauchte heute nach der Reichsgetreidestelle nicht zu rufen, wenn diese nicht auf Be treiben derselben Großagrarier abgebaut worden wäre, die fie heute nicht entbehren zu fönnen glauben. Der erfolgreiche Berfuch der Reichsgetreidestelle, durch Angebot von Getreide den deutschen Martt vor den fpetulativen Ausschreitungen des Weltmarktes zu schüßen, gab den letzten Anstoß dazu. Die Agrarier wollten von einem Busammengehen mit Ber brauchern nichts wissen, solange ihnen der Weltmarkt mehr versprach. Jest verlangen sie den Schuß gegen den Weltmarit auf Roften der Verbraucher und der deutschen Steuerzahler. Und sie vollenden damit die Kette der finnlosen Experimente. die schon bisher die Landwirtschaft und zu allererst die fleine Landwirtschaft auf das schwerste geschädigt haben. Die Großagrarier waren für die Inflation, so lange sie ihnen etwas einbrachte. Als die Rentenbanf fam, heimsten sie den Löwenanteil der durch sie geschaffenen Kredite ein. Die Schulden, die sie dabei machten, maren der beste Borwand für die neue Schutzzollpolitik und für die Gründung der Rentenbankfrebitanstalt. Alles ging nach ihrem Wunsch - und trotzdem ftehen sie mit ihren Klagen da, wo sie am Anfang gestanden haben. Die wirklich notleidenden Klein bauern haben von den Rentenbanffrebiten nichts oder nicht viel zu sehen bekommen. Sie gehören daher heute zu den Gegnern des neuen Projektes, ebenso wie der Getreidehandel und das wühlengewerbe. Mit Recht befürchten die mittleren und fleineren Grundbefizer, daß sie von dem geplanten Mo nopol feinen Borteil, sondern nur Nachteile besonders bei fteigenden Futtermittelpreisen au erwarten haben. Die Arbeiterschaft hat jedenfalls alles Interesse daran, einer fünftlichen und hemmungslosen Steigerung der Getreidepreise entgegenzuwirken; es ist gewiß richtig, daß die Roggenpreise zeitweilig in den letzten Wochen abnorm tief standen. Mit neuer Bumpwirtschaft des Reiches denn darauf läuft legten Endes der neue Blan des Landbundes hinaus fann der Getreide bauenden Landwirtschaft nicht| scheidende Initiative auf englischer Seite. Damit ist natürlic geholfen werden. Dazu bedarf es einer plan vollen Wirtschaftspolitit, die nicht ausschließlich in der Breissteigerung für Getreide, sondern auch in der Senfung der landwirtschaftlichen Produktionstoften ihren sichtbaren und wirksamen Ausdrud finden muß. Uebrigens sind die Getreidepreise bereits in der letzten Zeit wieder gestiegen, und es würde sich zum mindesten empfehlen, den weiteren Verlauf dieser Entwicklung abzuwarten, anstatt übereilte Maßnahmen zu treffen. In keinem Falle tann geduldet werden, daß vielleicht gar ohne Befragung des Parlaments neue, auf Stügung der Großagrarier hinauslaufende Projekte zur Ausführung gelangen, deren volkswirtschaftliche Tragweite nur in den Bureaus der interessierten Großlandwirte einwandfrei feststeht. Die Ideale des Giesche- Adels. Lieber amerikanisches Geld als deutsche Politik. Breslau, 20, November.( Eigener Drahtbericht.) Die Bloß ftellung der adligen Teilnehmer des Giefche.Ronzerns durch die sozialdemokratische Bresse zwingt jetzt die deutschnationalen Blätter, die bisher gegenüber der zweifelhaften Verschiebung des wichtigsten deutschen 3intbergbaubefizes an amerikanische Monopo listen zurückhielten, die Verteidigung der deutschnatio. nalen Industriejunter aufzunehmen. In der Schleft. schen 3eitung" tommt am Freitag zum erstenmal ein Anteil eigner der Giesche- Gesellschaft, Baron Rollas, Major a. D., zu Wort, der im Namen der Mehrheit der Gewerten den Vertrag mit den Amerikanern in Schuß zu nehmen, sucht. Harriman hätte den polnischen Besitz gekauft, während Preußen nur den deutschen, tie Scharlei- Grube, wollte. Der polnische Besitz aber sei in seinem Wert der weit zweifelhaftere geworden. Die Ursachen dafür stellt der Baron allerdings etwas einseitig dar, indem er auf den Handelsfrieg zwischen Bolen und der deutschen Rechtsregierung überhaupt nicht eingeht, der vor allem den Absatz der Giesche- Produkte aus Dftoberschlesien vollständig in Frage stellte. Rollas muß aber zubefig zur Auswertung auf Jahrzehnte über. laffen wurde und er vermag ebensowenig eine Erweiterung des amerikanischen Zinkmonopols zu leugnen. So sucht er sich mit der Behauptung zu helfen, der preußische Staat hätte als Befizer der Gieschefchen Zinfbergwerke das ausländische Zinkmonopol auch nicht zu durchbrechen vermocht, da er aus Finanzgründen wahr scheinlich die ausländischen Zinkpreise der Londoner Börse doch nicht unterboten hätte. geben, baß ben Amerikanern auch der deutsche 3int. Irgendeine Beweisführung für diese Berdächtigung der Preis politik der preußischen Bergbauverwaltung dermag der Anwalt der Giescheschen Interessen allerdings nicht anzuführen. Rechtlich hält er den Vertrag mit Harriman für haltbar(?), weil nur die besondere polnische Giesche- Gesellschaft davon berührt set, nicht aber die unter deutschem Recht stehende Breslauer Firma. Auch diefe Beweis führung wird noch einer juristischen Nachprüfung bebürfen, da ja die Breslauer Firma sämtliche Anteile der polnischen Gesellschaft befaß.. Die letzten Gründe, an die Baron Rollas im Namen der junter lichen Giesche- Besizer appellierte, zeigen den frassen Egois. mus der adligen Rugenbefizer ganz besonders deutlich. Er beha ptet nämlich, es liege auch im preußischen Staatsinteresse, die alten Familien zu stügen, die Jahr hundertelang ben preußischen Königen gedient hätten und nun durch eine Entwertung ihrer Anteile am Giesche- Besiz wirifaftlich ruiniert würden. Abgesehen davon, daß die Großgrundbefizer, um bie es fich dabei fast burchweg handelt, noch nicht am Hunger fuche nagen, dürfte diefe Gleichlegung non pre Bischen Staats. intereffen mit abligen Familienintereffen die Gefichts. punkte der Firma Giesche bei ihren voltswirtschaftlich so schäblichen Transaktionen nur noch mehr fompromittiert haben. Schluß des Dolchstoßprozesses. Urteilsverkündung am 9. Dezember. München, 20. November.( Eigener Drahtbericht.) Der Dolchstoß prozeß ist am Freitag, dem 24. Berhandlungstage, nach fünfwöchiger Dauer, mit den dreistündigen Ausführungen des Beflagten Genossen Gruber geschlossen morden. Gruber betonte u. a., Coßmann habe in seinem Schlußwort nichts barüber verlauten laffen, daß er der sozialdemokratischen Partei und ihren Führern den größten Schimpf angetan hat, den man einer politischen Partei antun tann, indem er sie des Berrats am eigenen Land und am eigenen Wort beschuldigt habe. Wenn die Münchener Post" in der Abwehr dieser verleumderischen Anwürfe mit träftigen Sieben um sich gehauen habe, so braucht sich Coßmann darüber nicht zu wundern. Die Dolchstoßhefte hatten feinen anderen 3wed, als den Rechtsparteien für den Wahltampf Material gegen die Sozialdemokratie zu liefern. Der ganze Brozeß habe wie ein reinigendes Gewitter gemirti. Ber nach ihm noch von einem Doldstoß rebe, sei ein gemiffenloser Chrabschneider. Er schloß sich dem Antrage feines Berteidi gers auf Freisprechung an, weil der Wahrheitsbeweis erbracht fei, und nahm auch den Schutz des§ 193 in Anspruch. Sollten dem Gericht einige Ausbrüde zu weitgehend erscheinen, so tönnte höchstens eine Berurteilung zu einer zmeistelligen Gelb tönnte höchstens eine Berurteilung zu einer zweistelligen Gelb strafe erfolgen unter Ueberbürbung des größten Teils der Kosten auf den Privatkläger. Das Urteil wird am 9. Dezember, vormittigs 10 Uhr ver. fündet. Um das Washingtoner Abkommen. Der Kampf um die Rat fizierung. Es hat für die viel umstrittene Ratifizierung des afbingtoner Abkommens über ben Achtstundentag noch niemals einen günstigeren psychologischen Augenblid gegeben als die Zeit der Unterzeichnung der Locarno Berträge. Wenn nicht alles trügt, wird die am Freitag im Reichstag einge brachte fozialdemokratische Interpellation zur Ratifizierung des Acht. stundentagabkommens endlich den entscheidenben Anstoß zur Berständigung der führenden Industrieländer Europas in dieser Frage bringen; denn eine der wichtigsten Aufgaben für die am Locarno- Werf beteiligten Regierungen besteht in der Ausgestaltung und Auswertung der großen fozialpolitischen Rüdwirtungen. Ohne eine großzügige und sozial weitherzige Um- unb Fortbildung ber internationalen Sozialpolit wird das ist auch die in den freien Gewerkschaften herrschende Auffassung der Friedenspaft von Locarno niemals von Dauer fein. Die Bausteine für das neue Europa find ba: der Mörtel für die Bausteine, für ihre Bindung und fefte Busammen fügung liegt in der Gestaltung einer vorbildlichen europäischen So. zialpolitit. Der erste Schritt hierzu muß die Ratifizierung des Acht. stundentages sein. Nach der Berner Ronferenz, beren Arbeit bekanntlich in London fortgeführt werden soll, liegt die eigentliche und entnicht gesagt, daß die tommende Reichsregierung nach den Methoden der Luther- Regierung nur auf den Anstoß von außen warten foll auch fie muß einsehen lernen, daß die Ratifizierung des Washingtoner Abkommens, die Sicherstellung des Achtstundentages der erste Schritt zu einem fozialpolitisch neu orientierten Europa sein muß. In der Kraft und in der Entschloffenheit, mit der die europäischen Regierungen die fozialpoltischen Rüdwirtungen zur Geltung bringen, liegt für die Arbeiterklasse der Prüfstein für die Bedeutung des Werkes von Locarno. Die neue polnische Regierung. Große Koalition. Warschau, 20. November.( Eigener Drahtbericht.) Die neue Regierung hat zu Mitgliedern folgende Bersönlichkeiten: Präsidium und Aeußeres: Gtrzynski. Inneres: Radzkiewicz( wie bisher; Beamter) Deffentliche Arbeiten: Abg. Moraczewsti( Soz.) Arbeit: Abg. 3iemienti( Soz.) Finanzen: Abg. 3diechowski( Nat.- Dem.) Handel: Abg. Ofiedi( Großbauernp. Piast) Justiz: Abg. Piechoci( Chr. Dem.) Unterricht: Abg. Stanislaus Grabffi( Nat. Dem., Bruder des zurückgetretenen Ministerpräsidenten) Militär: General Majewski Landwirtschaft: Abg. Kiernik( Piast) Eisenbahn: Abg. Chondzynski( Nat. Arb.). Diese Ministerliste bestätigt die bereits heute vormittag gemeldete Tatsache, daß das neue Rabinett so ziemlich alle Barteien mit Ausnahme der äußersten Rechten, der Kommunisten und der nationalen Minderheiten umfaßt. Ob die linke Bauernpartei Wyzwolenie fich an dem Kabinett beteiligen wird, steht noch nicht fest; in bejahendem Falle würde der Abg. Radwan das Ministerium für die Agrarreform übernehmen. Etatsberatungen im Landtag. In der gestrigen Landtagssigung scheitert zunächst die fommunistische Forderung, die Vereinbarungen von Locarno jo fort zur Besprechung zu stellen, da Widerspruch erhoben wird. Ein entschädigung an die Arbeiter im Ruhrrevier wird der Ausweiterer Antrag derfelben Fraktion über die Auszahlung der Ruhrschußberatung überwiesen. Der Landtag überwies hierauf einen Urantrag Riedel( Dem.), die vom Landtag zum Zwecke der Fürsorge für Oberschlesien bereits getätigten Beschlüsse beschleunigt durchzuführen, dem Oste ausschuß und stellte sodann weitere Berichte des Ostausschusses über die Rotstände in den öfflichen Grenzgebieten zur Beratung. Krediten auch die polnischen Minderheiten berücksichtigt würden und Abg. Baczewski( Bole) fordert, daß bei der Gewährung von daß in den Schulen die Kinder Unterricht in ihrer Muttersprache erhielten. Abg. Dr. Hamburger( Soz.) weist darauf hin, daß der Schuy der Minderheiten in Deutschland auch von günstigem Einfluß sein werde für deutsche Minderheiten außerhalb der deutschen Grenzen. Auch der sozialdemokratische Antrag auf Befferung der Schulverhältnisse enthalte nicht etwa eine Spitze gegen die Minder heiten. Abg. Graf v. Garnier( Dnat.) wendet sich gegen die Ausführungen des Abg. Baczewski und meist auf die Bergewaltigungen der deutschen Minderheiten durch die Bolen hin. Abg. Zawadzki( 3): Dem Vorbringen des polnischen Redners fel entgegenzuhalten, daß bei der Gewährung von Krediten polnische Banten nicht daran bädten, Deutsche zu unterstügen. Deutsche Schulen in Oberschlesien hatten unter den Polen unfäglich gelitten. Es gehöre geradezu Drelftigkeit bazu, wenn ein Antrag Baczewski porläge, die Hinterbliebenen ter polnischen Insurgenten, die die Deutschen auf das graufamfte terroristert hätten, zu unterſtügen. Deutschen auf das graufamfte terroristert hätten, zu unterſtügen. Abg. Pischte( D. Bp.) hebt gleichfalls hervor, daß die Beschlüsse des Oftausschusses nicht etwa fich gegen die Minderheiten richteten; fie fämen der Allgemeinheit zugute. Die Maßnahmen zur Abhilfe der Kreditnot sollten besonders den armen Berdrängten helfen, die man gegen alles Recht von der Scholle vertrieben habe. Breußen fönne mit der Behandlung der polnischen Minderheiten vor aller Welt beftehen. Abg. Jendroich( Komm.) führt die Motlace in ben Ostgebieten auf die jahrzehntelange tapitalistische Ausbeu tung zurüd. nismäßig reibungslose Arbeit des Ditausschusses hervor, bei der Abg. Herrmann- Breslau( Dem.) hebt die lachliche und verhält parteipolitische Gegenfäge zurückgetreten feien. Die Polen fämpften mit der Waffe der Gewalt, Preußen und Deutschland mit der Waffe der Kultur. Abg. Baczewifi( Role) hält daran fest, daß die Beschlüsse des Oftausschuffes fich als Bet ämpfungsmaßnahme der pol. nischen Minderheiten auswirten würden. Abg. Graf von Garnier( Dnat.) protestiert erregt gegen diese Ausführungen. Locarno werde on seiner Partei auch gerade grenzen verschleiert oder unverschleiert anzuerfennen. Deshalb abgelehnt, weil sie es ablehne, die deutschen Ost grenzen verschleiert oder unverschleiert anzuerkennen. Abg. Zawadzki( 3.) spricht dem Abg. Baczewski das Recht ab, als Vertreter des deutschen oder preußischen Boltes zu sprechen. Nach meiteren Ausführungen des 2ba. Bischte( D. Bp.). ber auf die große deutsche Kulturarbeit in den Dftoebieten und die volnil Gewaltpolitik gegen das Deutschtum verweift, merben die Beschlüsse des Dftausschusses zur Hebung der Rot auf den Gebieten des Kredit, Berfehrs- und Schulwesens in den öftlichen Grenzgebieten pom Landtag bestätigt. Das Haus erledigt hierauf eine Reihe von Ausgabetiteln aus dem Haushalt des Sandelsminifteriums, des Minifteriums des Innern, der landwirtschaftlichen Berwaltung und des Minifteriums für Bolts wohlfahrt. Bum Haushalt des Ministeriums für Handel und Gewerbe befürwortet Abg. Frant Hanna( Soz.) lehhaft die Mehrbewilligung von 50 000 m., um die Bildung von Fachausschüssen bam. die Arbeit der bestehenden Fachausschüsse zur Durchführung des Heim. arbeiterlohnneleges zu ermöglichen. Bum Landwirtschaftshaushalt heht der Referent Abreordneter Dr. Wiemer( D. Bp.) hervor. daß der Ausschußantras fünf Millionen Mart zur Förderung landwirtschaftlicher Ansiedlung von Optanten neu in den Haushalt einzusetzen, die Zuftimmung ber Regierung gefunden hat. Zum Boltswohlfahrtshaushalt tritt Abg. Frau Ege( Soz.) für den Antrag fämtlicher Parteien( mit Ausnahme der Kommu niften) ein, das Staatsministerium zu erfuchen, in den Haushalts plan für 1926 die Mittel für Wohlfahrtspflege erheblich zu erhöhen. Die Abstimmungen werden am 2. Dezember vorgenommen werden. Die Beratung des Haushalts der offaemeinen Finanzverwaltung wird abgefeßt und auf Dienstag, den 1. 3zember, vertagt. Schluß nach 2 Uhr. Die Zusammeniehung der fichechoslowakischen Regierung. Bie der Vertreter der Telegraphen- Union von gut unterrichteter Selte erfährt, werden die ichechischen Agrarier in der fünftigen tichechi Ichen Regierung vier Minister haben, bie tschechischen Nationalfozia listen brei, die Sozialdemokraten bret und die Rierifolen ebenfall brei. Das Finanzministerium verlangen die Agrarier für sich, ehe so wie das Präsidium des Abgeordnetenhauses. Gewerkschaftsbewegung baß er die Arbeiterschaft einiger Räume in andere Räume 1, Derteilt hat. Aehnliche Fälle fönnten eine ganze Anzahl an geführt werden, so daß anzunehmen ist, daß nach längerer Dauer bes Rampfes fich dieser lediglich zwischen den Gewerkschaften und einer Anzahl Großbetriebe unseres Bezirkes unter Führung des neu entstandenen Farbentrusts abspielen wird, dem ja die höchfter, Griesheimer, Offenbacher und einige andere Werke mehr angehören. Zur Lohnbewegung der Berliner Straßenbahner. Der Kampf in der chemischen Industrie geht weiter. Die Tariftommission der in der chemischen Industric vertretenen Gewerkschaften nahm fürzlich zu dem von dem Vertreter des Arbeitsministers gefällten Schiedsspruch Stellung und hat einstimmig beschlossen, diesen Schiedsspruch abzu. lehnen und den Kampf weiterzuführen. Die Ablehnung erfolgte Bevor der Schlichtungsausschuß in die für gestern, Freitag, zunächst schon aus dem Grunde, daß die Zulage von zwei Pfennigen pro Stunde als vollständig unzureichend anberaumten Verhandlungen über die Lobndifferenz bei der Straßenbahn eintrat, fam es zwischen den Parteien zu einer Berbezeichnet werden muß. Bollständig un annehmbar ist aber für die Gewerkschaften ständigung über den bereits in der geftrigen Abendausgabe furz der Spruch dadurch geworden, daß er bis zum 31. mai 1926 mitgeteilten Bergleichsvorschlag. Die allgemeine Zulage Geltung haben soll. In den übrigen Bezirten der chemischen fon drei Pfennige betragen. Die über zwei Jahre im Betriebe Industrie, die wie befannt bis zu lieben Pfennigen Lohnstehenden Betriebshandwerker, Edhaffner und Fahrer follen außer aulage befamen, läuft der längste Termin bis Mitte März, so bem eine weitere Zulage, der neu einzuführenden Lohnftaffel daß in allen diesen Bezirken die Möglichkeit besteht. zu n. fang nächsten Jahres eine Reufeftfegung der entsprechend, von 3 to ei Pfennigen erhalten, so daß die Zulage Röhne vorzunehmen. Da burch bie Haltung der Arbeit für fie fünf fennige betragen würde. geber des Frankfurter Bezirks, ber bisher mit an der Die Straßenbabner werden zu diesem Vorschlage Stellung Spitze der tariflichen Lohnfäße stand, auf die achte Stelle nehmen und sich über dessen Annahme oder Ablehnung schlüssig heruntergebrudt wurde, fann sehr wohl der Fall eintreten, werden. daß die Lohnsäge im Frantfurter Bezirt, wo un mungen zum Teil ohne Einvernehmen mit den Betriebsvertretungen eine Seilfahrtordnung durchführten, die eine Aenderung der bisherigen Arbeitsordnung bedeuten Da die Bestimmungen der tarifvertraglich vereinbarten Arbeitsordnung durch die Anordnung der revierweisen Seilfahrt verletzt würden, erhoben die Organisationspertreter der Bergarbeiter gegenüber ben 3echenbesigern den Vorwurf, ben geltenden Bertrag verlegt zu haben. Diese Vertragsverlegung wird zu einem Vertragsbruch durch den 3echenverband, weil diefer nicht nur ein Borgehen gegen die einzelnen Werkbefizer abgelehnt, sondern auch, wie die Berhandlungen bewiesen, deren Vorgehen gebilligt habe. Die Unternehmer Umänderung der Seilfahrtordnung nichts sei als eine reine versuchen ihre Maßnahme mit dem Hinweis zu begründen, daß die Berwaltungsmaßnahme", die ohne Zustimmung der Betriebsvertretung durchgeführt werden könnte. Da die Zechenverbandsvertreter auf ihrem Standpunkt verharrten, blieben die Berhandlungen ergebnislos. Die Arbeitervertreter miesen darauf hin, daß in dieser Frage eine Einigung nicht erzielt werden fann, weil die Unternehmer immer wieder das Bestreben zeigen, einseitig unter vollständiger Beiseiteschiebung des Arbeiter einflusses ihren Willen in den Betrieben durchzuegen Trotzdem die Unternehmer mit allen Mitteln versuchen, die Arbeitervertreter zu veranlassen, den erhobenen Vorwurf des Bertragsbruches zurüdzunehmen, fonnten fie feinen Beweis dafür thebelprochen bie höchften Lebenshaltungskosten be. Erfolgreicher Abschluß des Streiks der Kupferschmiede. erbringen, daß dieser Vorwurf zu Unrecht erhoben wurde. auf die unterfte Stufe heruntergebrüdt würden. Ganz unverständlich erscheint es, mie das Arbeitsministerium zur Festlegung eines solchen Termins gekommen ift. Die Arbeitgeber wünschten wohl eine Festlegung des jezigen Lohnes bis zum 31. März 1926, gaben dazu aber die Er tlärung ab, daß sie bereit seien, in dieser Beziehung mit sich verhandeln zu lassen Trogdem wird ganz wider Er marten ein solcher Termin festgelegt. ber. abgesehen von der Lohn höhe, es den Gemertschaften ganz unmöglich macht, den Schiedsspruch anzunehmen. Der Kampf geht also weiter, und wenn die ungeheuren Schäden der Wirtschaft unseres Bezirkes durch die Weiterführung des Rampfes nun noch verschärft werden, so tragen die Gewerkschaften daran feinerlei Schuld. Mit einigermaßen gutem Millen wäre es ben Arbeitgebern möglich gewesen, den berechtigten Wünschen der Arbeiterschaft jo weit entgegen zu tommen, daß eine Verständigung möglich war. Von den Vertretern bes Arbeitgeberverbandes wurde aber gar kein Zweifel darüber gelassen, daß es sich für bie Arbeitgeber in diesem Kampfe nicht um eine mehr oder weniger höhere Lohnfestlegung handelte, fondern „ daß grundfählich damit aufgeräumt werden müsse, baß nach jedem Tarifablauf eine Lohnerhöhung erfolge". Mit anderen Worten: für die Arbeitgeber handelt es sich in diesem Kompfe um die reine Macht. frage. Dieser brutalen macht probe des startften api tals in Deutschland gegenüber ist nach Auffassung der Vertreter der Arbeiterschaft, die den Berhandlungen beigewohnt haben, das Arbeitsministerium nicht start genug und wohl auch nicht willens, den wirtschaftlich Schwächeren den Schutz des Reiches angedeihen zu laffen. Ja, der Vertreter des Arbeitsministers ging fogar soweit, daß er erflärte, baß er sich der Argumentation der Arbeitgeber an fchließen müffe, nur bie Art und Weise, wie die Arbeitgeber bie Lohnforderung der Arbeiter abgelehnt hätten, fand feine Billigung nicht, und es ermedt den Einbrud, daß die Zulage von amet fennigen dem Arbeitgeberverband dadurch verfüßt werden foll, baß die Bertragsbauer weit über die Er martung der Arbeitgeber hinaus festgelegt wurde. Mit der Dauer des Rampfes fteigt die Erbitterung in den Kreisen ber Arbeiterschaft, und tagtäglich werden die Gemertschaften beftürmt, mit der bisherigen Lonalen Haltung in bezug auf Motstandsarbeiten usw. Schluß zu machen und auch auf andere Weise den Rampf in noch verschärfterer Form aufzunehmen. Auf der anderen Seite ziehen sich eine große Anzahl Mittel und Kleinbetriebe von diesem Kampfe zurüd. In Worms ist die an gedrohte Aussperrung und teilweise erfolgte Kündigung überhaupt nicht wirksam geworden. Ebenso haben bie Raffeler hemischen abriten thre Kündigungen zurüd gezogen. Auch die Wachs fabriten in Fulda forderten die schon ausgesperrte Arbeiterschaft auf. die Arbeit wieder aufzunehmen. Auch in anderen Betrieben fanden Berhand. fungen zwischen der Arbeiterschaft und den Betriebsinhabern ftatt, die teilweise schon zu dem Ergebnis geführt haben, daß die Betriebe wieder geöffnet wurden; zum Teil werden diese Berhandlungen noch weiter geführt. Sehr interessant ist, daß der Betrieb R. Engelhardt, rpharmazeutische Fabrit, an der der Syndikus des Arbeitgeberverbandes start be. teiligt ist, die Aussperrung dadurch umgangen hat, Ein im Einverständnis beider Parteien zusammengetretenes Schiedsgericht, unter Borsiz des Herrn Oberregierungsrat Dr. Gra bein, hat gestern nachmittag durch einen für beide Teile ver. bindlichen Schiedsspruch eine Lohnzulage in Höhe Don 7 f. für den Kupferschmied über 23 Jahr festgelegt. Diese neue Lohnregelung oilt bis Ende Februar 1996. Streit und Aussperrung werden mit Wirkung ab tommenden Montag aufgehoben. Makregelungen aus Anlaß des Streifs dürfen nicht vorgenommen werden und gelten Streits und Aussperrung nicht als Unterbrechung des Arbeitsverhältnisses. 91 Das künftige Arbeitsgerichtsgeseh. Genosse Rechtsanwalt Saenger in München schreibt uns: In einem Teil der Bresse findet sich ein Bericht über eine Rund. gebung der deutschen Rechtsanwälte, die am 30. D tober über das fünftige Arbeitsgerichtsgesetz in Berlin stattfand, die den Tatsachen nicht entspricht. Es wird in einigen Berichten be. hauptet, die anwesenden sozialdemokratischen Rechts. anmälte hätten durch mich noch ausdrücklich die Ansicht" der anderen Rechtsanwälte und Teilnehmer vertreten lassen; diese An ficht sei aber dahin gegangen, daß man die sozialen Geseze alle abschaffen müsse, der Reichsjustizminister müsse zurücktreten, da er das Recht nicht den Laien ausliefern dürfe, die Gewerkschaften hätten fein Recht zu ihren Forderungen usw. Diese Behauptungen find pollfommen und nach jeder Richtung hin unrichtig. Richtig ist lediglich diese Tatsache: Ich habe bei der Kundgebung der Rechtsanwälte am 30. Oftober 1925 auf Einladung meiner Berufsorganisation lediglich zu der Frage gesprochen, ob Anwälte im neuen Prozeßrecht der Arbeitsgerichte grundsätzlich in der ersten Instanz auszuschließen seien. Auf Grund meiner Rechts- und Sachlimde bin ich zu der Ueberzenquno gefommen. daß der grund. tägliche Ausschluß der Anwälte nicht unter allen Umständen im Interesse des Rechtes und der Arbeiter liegt. Ich habe eine Reihe von Gründen rein fachlicher Art für meine Auffassung angeführt. zugleich bin ich dafür eingetreten, daß entgegen dem bisherigen und dem geplanten Zustand fünftig auch die Arbeiterfekretäre in den höheren Inflanzen vor den Arbeitsgerichten zugelaffen werden follen. Ich war der erste Redner; sofort nach meinen Ausführungen habe ich mich entfernt um nach München zurückzufahren. Was nach mir gesprochen wurde, weiß ich überhaupt nicht. Ich habe also lediglich in einer Berufsorganisation eine Auffassung vertreten, die von hervorragenden sozialistischen Kennern des Arbeitsrechtes geteilt mird. Im übrigen habe ich am 3. November meine Stellungnahme zu dem Entwurf eines Arbeitsgerichtsgefeges im Gewerkschafts. berein zu München unter allgemeiner 3 ustimmung der Gewerkschaften dargelegt. Arbeitszeitdifferenzen im Ruhrbergbau. Bertragsbruch der Unternehmer. Die„ Wirtschaftsführer" am Werk. Dortmund, 20. November.( Eigener Drahtbericht.) Die Bede Maßen" fündigt angeblich wegen Abfazmangels die Still. legung ihres Gesamtbetriebes zum 1. Januar 1926 an. 2400 Arbeiter und Angestellte gelangen hierdurch zur Entlaffung. Düsseldorf, 20. November.( WTV.) Die Phönig G. für Bergbau- und Hüttenbetrieb fiebt fic infolge Abfazmangels geuötigt, ab morgen, Sonnabend, ihren Betrieb in Oberbilt und Bierenfeld vorläufig einzustellen. Durch die Stilleoung werden etwa 2500 rbeiter betroffen. . Uus Effen berichtet WIB. außer der von uns bereits angefündigten Entlassung von 500 Arbeitern und 25 Angestellten der Schachtanlage Alma, daß die Gewerkschaft Emscher Lippe in Datteln 200 Arbeitnehmer des Grubenbetriebes und 80 des Tagesbetriebes entlassen wird. Frank Hodges im Ruhrgebiet. Bochum, 20. November.( Eigener Drahtbericht) Frant Hodges, der Sekretär der Bergarbeiterinternatio nale, befindet sich gegenwärtig auf einer Reise durch das Ruhrgebiet, um periönliche Eindrücke über die Lage der deutichen Kohlenwirtschaft zu gewinnen. Hodges wird am Montag in Bochum erwartet. Schiedsspruch für die Angestellten der Nordwestlichen. Dortmund, 20. November.( WIB.) In dem Gehalts- und Lohnstreit der Angestellten der Eisen und Stohlindustrie der nordwestlichen Gruppe wurde heute unter dem Vorsiz eines Stellvertreters des Schlichters für den Bezirt Westfalen folgender Schiedsspruch gefällt: 1. Der Rahmentarif vom 23. April 1924 wird auch über den 31. Dezember 1925 hinaus verlängert. Er kann mit der in demselben vorgesehenen Frist gekündigt werden. 2. Die Einfommensregelung vom 16. Februar 1924 wird mit Birtung ab 1. Nopember 1925 wieder in Kraft gesetzt mit der Maßgabe, daß sich von diesem Zeitpunkt ab die Tarif. fähe, welche ab Oftober 1924 Gültigkeit haben, um 11 Proz erhöhen. Die Erflärungsfrist läuft bis zum 27. November 1925. Deutscher Berkehrsbund. Sente sen 1 bis hr Urwahl zum erweiterten Bundesvorstand in ben belannten Bokalen. Es ist Pflicht der Mitglieber, Ech an der Bahl zu be teinen. Mit Rüdücht auf die Urwahl bleiben heute bie Bureauräume mis Ausnahme der Auskunftsabteilung ab 1 Uhr gefdloffen. Achtung, SPD.- Betriebsvertrauensleute. Der Rämpfer" Str. 18 ist fertiggestellt unb fann im Bureau, Binbentz. 3, 2. Sof, 2 r., in Empfang genommen werden. Besonders bie Bertreter bez Klein- und Mittelbetriebe werden ersucht, rechtzeitig abzuholen. Parteiausweis ist mitzubringen. Bezirksverband Berlin der SPD., Betriebsfckzetariat. 2 Uhr im Restaurant Wildgrube furze wichtige Besprechung aller SPD.Genoffen. Entgegennahme von Material. Der Fraitiousvo ftand. Bochum, 20. November.( Eigener Drahtbericht.) Der Berg, arbeiterverband teilt mit: Im Ruhrbergbau schweben gegenwärtig Achtung, Berner Marienfelbe! Beute. Sonnabens, nachmittag Differenzen in der Auffassung der Unternehmer und Bergarbeiter verbände über die Durchführung der Seilfahrtord. nung auf den einzelnen Schachtanlagen. Es fanden deshalb am 20. Nopember in Essen Verhandlungen zwischen dem Zechenverband und den Bergarbeiterorganisationen statt. Der Bergarbeiter verband als Beteiligter am Tarifvertrag erhob Protest gegen das Vorgehen der einzelnen erfsverwaltungen, die im Laufe der letzten Zeit entgegen den klaren Vertragsbestim Billiger Freitag und bei Sonnabend Damenkonfektion Unterrock aus Trikot, gute Qualität, mit hohem 3.95 plissierten Satin- Volant Morgenrock mollige . 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Frisur, Kugelgelenk, ca.63 cm gr. 495 Berantwortlich für Politik: Eruft Renter: Wirtschaft: Artur Saternus; Gewerkschaftsbewegung: iebr. Ekkorn; Feuilleton: R.$. Döscher: 2otales und Sonstiges: Frin Rarftädt; Anzeigen: Th. Glode; fämtlich in Berlin. Berlag: Borwärts- Berlag 6. m. b. S., Berlin. Drud: Borwärts- Budbruderet und Berlagsanstalt Baul Ginger u. Co., Berlin E. 68. Sindenstraße 3. Sierzu 2 Beilagen und Unterhaltung und Wissen". Jandorf Ullstein- Schnittmuster in allen Geschäften Strumpfwaren Damen- Strümpfe prima Seidenfler, Doppelsohle, Hochferse, breiter 125 Doppelrand, feineLaufmasch. Damen- Strümpfe prima reine Wolle, farbls. 245 andersfarbige Längsstreifen wwwwwwwwmn Handschuhe for Damen, reine Wolle, farbig mit ge musterter Flauschmanschette Schuhwaren Pantottel for Damen, mit Linoleumsohle Laschenschuhe für Damen, kamelhaarart . 125 0.95 Stoff, mit Filz- u. Ledersohle 2.35 Umschlagschuhe für Damen, komelhaarart. 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November 1925 / .t;tmn bcs„Borwärts" hat sich küi�lüh im»leid« »?ner Bettlerin eine Stund« an einer benorirugten Bertehiseck« Berlins auiaehalle». Ei« schildert Im foloenden ihr« Beadachtunsen. Wie kam es doch?— Es gab doch eine Zeit, in der wir Berliner den«traßenbcttler kaum kannten. Es gab Hausbettler, gewiß, es gab den derühmten„armen Reisenden", und es war auch damals oft besser, sich nicht gar zu genau nach seiner Prosession zu er- kundigen— mancher„Ehausseegrabentapezierer" nahm schon vor dem Kriege Winterquartier in der Großstadt, schlief in der„Palme", wenu er Glück hatte, auch in der„Wiescnburg" und ging Tag für Tag.Klinken putzen". Ging treppauf, treppab, betete an jeder Tür seinen Spruch und flog, wenn die ersten Mauersegler über die Sieinschiuchien der Großstadt schössen, wieder ins Land hinaus, weil Mutter Landstraße ihn rief. „Data!s tvcgl' Jetzt ist es anders geworden. Im Zentrum, im Westen, auch in den Arbeiterbezirken stehen an den Zäunen, den Brücken, vor den Eingängen der Warenhäuser Bettler und Bettlerinnen, Alte und Junge, Männer, Frauen— Invalide und Gesund«, ein Heer. Ilnd allgemach hat sich bei uns der Stand de» prosejHom'llen V rtllers gebildet, mit dem„festen Standplatz", dem bestimmten „Dessin". Da sieht vor dem Rathaus die Arau mit den Kindern: es ist nicht immer dieselbe Frau, es sind auch nicht immer dieselben Kinder. Aber es ist immer dasselbe Dessin. Immer ist.Dater weg"...„wir wollen jerade in» Obdach", oder„wir fahren morsen nach Hause, heute schlafen wir auf'n Bahnhof".— Und eines Tages wollte ich die Wahrheit wissen. Wieder er- zählte die Frau,„sie wollte nun man raus ins Obdach".— Geduldig stand ich in der Türnische des Geschäftshauses: nach einer Stunde endlich setzte sie sich in Bewegung. Bei der Klosterstrabe gab zs- es einen steinen Aufenthalt. An einem Wagen wurden schnell ein Paar Rostbratwürste gekauft. Der vierjährige Steppke und das Kind im Tuch, das ich kaum ein Jahr alt geschätzt hatte, halsen mit gutem Appetit. Dann aber ging es ses war ÄS) nicht nach dem Asyl. Es ging durch die dunklen Straßen hinter dem Alexander- platz. Der dralle Junge, der mir so treuherzig versichert hatte: „Vater is wech!"— ichien den Weg gut zu kennen. Unterwegs sprach die Frau noch schnell in einem Delikatcßladen vor und erhielt auch da ihren Tribut. Wer sollte ihn ihr verweigern! Sie glich einer Zeichnung von Käthe Eollwih... nur die Kinder sahen so derb, so drall und gut genährt aus, wie ich mir alle Berliner Prole- tarierkinder wünschte.— In der Frankfurter Straße ging es in ein billiges Speifehaus. Und hier wandelte sich nicht nur das „Tragekind" in ein Laufkindchen von 1% bis 2 Iahren, hier wandelte sich auch da» Wesen der Frau. Sie kaufte ein gutes warmes Abendessen: zwei Portionen, bei denen die Kinder tapfer mit- hielten. Vergnügt und gemütlich saß sie unter den Stammgästen, auf ihren„Ollen schimpfend, der„nich zu Hause bleiben wolle, nich nach Hause käme und et nie j»t jenuch haben kenne, bloß bei Aschingers esien wolle". Die Kinder tummelten sich vergnügt zwischen den anderen Gästen: das Abendbrot verschlang bald soviel, wie«ine Arbeiterfamilie für die tägliche Kost in den Etat stellen darf.— Eine Stunde später stand die Frau mit den Kindern wieder aus ihrem allen Platz: noch war die Zeit des Gefchäftsschlusies mit- zunehmen. Wieder war sie ein Bild des Jammers, wieder erzählte der kleine Dengcl treuherzig:„Vater is wech!" Die Frau hielt reiche Ernte, dos hatte ich gesehen, sie lebte bester, als der Durchschnitt der.Berliner Arbeiterfamilien heute leben kann. Das Geschäft mußte'einträglich sein: wie einträglich, das wollte ich versuchen. Denn die Behauptung der Polizei,"daß aeschickte Bettler e» zu einer laaesclnnahme von Z0 Mark und be- sonders tüchtige, die sich die besten Plätze reserviert haben, bis zu 50 Mark bringen, war mir bisher unglaublich erschienen. fluf„Krbekt' an Ser Straßenecke. Am nächsten Tage stand ich in der Mittagsstunde vor dem Kaufhaus der großen Welt: mein eigenes Kind hatte ich in eme alte Decke geschlagen. Freilich— ich kann für die Maler des Elends kein Modell abgeben, bin kräftig und gesund, und«nein acht Monate alter Junge ist ein Prachtexemplar von einem gesunden Säugling... ob auch ich„Geschäfte machen" würde?— 3ch Handelle mit Sicher- Heilsnadeln. Aber schon das erste Geld, das mir ein aller Herr gab, wurde mir als freie Gabe gegeben, und nur wenige Men- schen nahmen meine Ware. Merkwürdig: die meist recht refpek- tablen Bürgerfraueu gingen vorbei, sie„kauften". nicht einmal die Nadeln, die ich ihnen nicht teurer als das große Kmifhaus offerierte. Nur drei Frauen gaben mir: eine Säuglingsschwester, die mit einem hochfeudalen Kinderwagen an mir vorüberfuhr, eine junge Müller, die mir ihre Kindchen schickt«, und eine junge Bureauangestellte. Eine Dame ober, Typ„Wohltätigkeitshyäne", gab mir einen Sack voll Ermahnungen, erkundigte sich nach meiner Adresse und wies mich strengstens darauf hin, daß ich unbedingt mit meinem Kind zur nicht die Händlerin, sondern die böswillige Bettlerin, und darum mußte auch der Junge, der ein von der ganzen Säuglingsklinü angestauntes Musterexemplar ist, unbedingt ein armes, vernachlässigtes Kind sein. Was ich auch sagte— sie war doch die„ge- büldete Dame", sie mußte das besser wissen!— Das sah sie freilich nicht, daß die Windel, die den Kopf d«s Kindes vor der Berührung mit dem rauhen Mantelstoff schützen sollte, verrutscht war: auch die anderen Damen sahen nicht, wie ich mich vergeblich bemühte, sie wieder zu ordnen. Die alte Bettlerin, die den Stand neben mir hatte, sah es aber. Und das alte krumme Mütterchen, dem iäi doch ein böser und übler Konkurrent war, kam mühsam am Stock heran, schob die Windel zurecht und sagte zu dem pausbackigen Kindel:„Ja, ja. das sind schlechte Zellen, du kleiner Mann!"— Die Damen sahen nicht».... Von den Männern gaben mir viele: Bureauangestellle, sehr gut gekleidete Herren, olle und junge. Drei- viertel Stunde hielt ich meinen Posten. Dann bewölkte sich der Himmel, und um die Gesundheit meines Kindes nicht zu gefährden. muhte ich mein Experiment abbrechen. Zn einem benachbarten Hausflur machte ich Kasse: Ich hatte l.SS Mark eingenommen. Dos war mehr, als ich in derselben Zeit arbeitend normalerweise hätte verdienen können! * Nachdenklich fuhr ich nach Hause. Wie merkwürdig: Während die Frauen, oft sittlich entrüstet, vorübergegangen waren, hatten mir die Männer, Männer aller Allersklassen aller Stände, die wohl größere Lebenserfahrung hatten als die Kundinnen des Kaufhauses, gegeben. Ihnen schien es durchaus plausibel, daß eine kräftige Frau heute in die Lage kommen kann, zu verstecktem Bettel ihre Zuflucht nehmen zu müssen. Sie kennen den Arbeitsmarkt und die wiri- schafiliche Lage. Die Arbeit kann heute oft nicht Mutier und Kind ernähren, auch die Arbeit des Baters kann es oft nicht: denn er muß ja die Arbeit erst finden! Und auf dem Boden dieser Einsicht ist es für Schmarotzer leicht, sich anzusiedeln. Wenn sich die Hände lange genug vergebens nach Arbeit ausgestreckt haben, öffnen sie sich zum Betteln. Und der Proletarier, der, langsam zermürbt und zerstoßen, im Lumpenproletariat gelandet ist, lernt eine neue Weisheit: Je schlechter die Arbeit ihren Mann ernährt, desto besser ernährt ihn der Bettel. Denn die Wohltätigkeit ist ein Reflex des bösen Gewissens der bürgerlichen Gesellschaft! So sind die Berufsbettler zwar Schmarotzer, aber sie können eben, wie alle tierischen und pflanzlichen Schmarotzer, nur auf einem Wirte gedeihen, der selbst nicht mehr gesund und widerstandsfähig ist. Wäre heute für jede willige Arbellshand auch Arbeit da— kein blanker Pfennig wäre in meine Bettlerhand gefallen! Alle Predigten, alle Verordnungen werden fruchtlos bleiben: wohl ist zumeist das Lumpenproletariat der Nutz- nießsr des ergiebigen Bettels: aber dieses Lumpenproletariat ist selbst ein Zersetzungsprodukt der bürgerlichen Gesellschaft, und die Grenze, die Arbeiterklasse und Lumpenproletariat trennt, ich weich und nachgiebig. Ei» Tag auS dem Lebe« der Feuerwehr. Daß die Berliner Feuerwehr jeden Tag soundso oft alarmiert wird, ist bekannt. Aber ee handelt sich keineswegs mir um„große Sachen", sondern recht oft nur um kleiner« unbedeutendere Angc- legenhellen, rechte Bagatellen, die keine große Löschtäiiqkeit erfordern. Aber auch bei Unglücksfällen und Verkehrshinder- niffen ist die Feuerwehr schnell und hilfespendcnd zur Stelle Glücklicherweise haben die Dachstuhlbrönde in der letzten Zell seh: nachgelassen. Dennoch kommen die Mannschaften kaum zur Rube. weil alle Augenblicke die Alarmglocke ertönt. So wurde beispiels- weise am Frellag«in Löschzug nach der Koppenstraß« 6 gerufen, wo Wäsche in einer B ad est übe in Brand geraten war. In der Wallstraße 37 brannten in einem größeren Trockenraum P a p i e r v o r r ä t e: In der Schönwalder Straße 81 kochteTeer überund geriet in Brand. Das Feuer wurde schnell gelöscht. Ein Möbellager brannte in der Lothrinosr Straße 11. Auch hier wurde größerer Schaden durch das schnelle Eingreifen der Feuer wehr verhindert. Dann kommt ein etwas seltener Fall. Eine leib- baftige, dickbauchige Litfaßsäule war in der. Kantstraße in Eharlottenburg in Brand geraten, der minutenlang eine wohlige Hitze entströmte. Kinder haben sie vermuttich angezündet. 22� Die Passion. Roman von Clara Bieblg. Nun umsing der Lärm der Alexanderstraße sie wieder. „Na, biste auch wieder da." sagte die Tante.„Endlich," sagte vergnügt grinsend Vetter Albert. Aber sonst freute sich keiner. Sie standen alle im Zeichen von Ulberts Konfirmation. Niemand hatte Sinn für etwas anderes. Es wurde zum Schneider gerannt, ein paar Oberhemden gekauft, steifer Hut, Schlips, schwarze Elacilz. Und Frau Wilkowski erklärte, Gretchen müßte unbedingt, wenn der Bruder den schönen schwarzen Anzug kriegte, als die Aelteste auch ein neues Kleid bekommen. Da Olga sich weigerte, es zu nähen— zum erstenmal sich weigerte—, wurde ein sehr hübsches fertig gekauft! Man lud zwanzig Personen zur Konfirmation ein. Es war wie bei einer Hochzeit. Mürbeplätzchen wurden gebacken und Napfkuchen, verschiedene Torten bestellt, und Wilkowski stöhnte über das Geld, das Frau Ella in ver- schiedenen Geschäften und in der Markthalle verausgabte. Er selber schaffte Wein an und Zigarren. Als der feine schwarze Anzug abgeliefert wurde, und der Sohn des Hauses probeweise in die ersten langen Hosen fv.hr, war er so glückselig und stolz, nun ein Herr zu sein, daß er grölend im Zimmer auf und ab rannte und dann gleich dreimal hintereinander einen Purzelbaum schoß. Eva stand still mit offenem Mund: daß man sich so laut freuen konnte! Sie guckte schief hinter ihrer Brille, das Köpfchen auf die eine Schulter geneigt, sie war ganz erstaunt. Aber sie freute sich auch, die Mutter hatte ihr ein großes Osterei geschenkt, darauf waren hübsche Bilder, mid wenn man es aufmachte, lauter Bonbons. Biel mehr freute sie noch die Schulmappe. Wenn das Osterfest vorbei war, dann durfte sie in die Schule gehen. O, wie schön würde das sein! 8. Der Lehrer sagte:„Wilkowski. sag' mal auf!" „Steh auf. steh auf!" Das Mädchen neben Eoa puffte sie, da stand sie auf in ihrer hintersten Bank. „Warum hörst du denn nicht, wenn ich sage: aufsagen? Paß doch auf!" Die ganze Masse der Gcmeindeschule kicherte. „Sag' mal. hast du noch nicht ausgeschlafen? Oder glaubst du, dir fliegen die gebratenen Tauben in den Mund?" Wieder kicherte die Klasse. Nun schon dreister. Und so ging es manchmal.„Ich glaube, du hörst nicht gut," sagte ärgerlich der Lehrer, der abgemüdet war, ver» ärgert, und dem vom jahrelangen immerwährenden Sprechen der Hals angegriffen war.„Ich kann nicht noch lauter schreien. Setz dich mal hier in die vorderste Bank!" Und da saß nun Eva zwischen den Faulen, den Dummen und denen, die dicht vor dem Lehrer sitzen mußten, well sie sonst nicht aufpaßten. Olga empfand es wie eine Herab- Würdigung: ihre kleine Eva war doch so fleißig und eine so ortige Schülerin— warum kränkte man das Kind denn nun so? Denn es kränkte sich, daß es in der vordersten Dank sitzen mußte. Eva war ehrgeizig. Sie ging nun schon beinahe zwei Jahre zur Schule, aber noch nie hatte sie einen Tadel im Betragen bekommen. Andere Tadel freilich, aber das kam nur daher, weil sie so häufig hatte fehlen müssen. Sie suchte das Versäumte nachzuholen. Abends, wenn Irma schon schlief, saß sie noch allein in der Küche bei dem kleinen Lämpchen und lernte. Aber das Küchenlämpchen brannte so trübe, sie konnte dabei nicht gut lesen, alles verschwamm ihr vor den Augen: und drinnen im Zimmer, wo es schön hell war, mu- sizierte Gretchen. und der Jüngling, den sie kennengelernt hatte in ihrer Tanzstunde, war da. Und da störte Eva. „Ich weiß nicht, was mit der Eva ist," sagte Frau Ella zu ihrem Mann. Sie sieht nich und hört nich. Ich kann mich wirklich über sie ärgern. Sag' ich- lauf mal geschwind, bring mir den Klosettschlüssel, bringt sie mir den Speise- kammerschlüssel— Schlüssel hat sie gerade noch gehört. Weil sie nich aufpaßt, weil sie absolut nich aufpaßt. Sie ist auch sonst nich zu gebrauchen: immer quiemt sie. Bald geschwollene Drüsen, bald Kopfschmerzen, bald Ohrenschmerzen, Gott weiß was. Albert beklagt sich ja gar nich, aber Grete und Irma be- klagen sich, sie wirft sich in der Nacht so unruhig und stöhnt oft ganz laut. Sie selber weiß nilcht davon, aber sie stört die anderen. Das geht nich. Deine Schwester sagt ja immer, sie möchte sich'ne Wohnung nehmen, nn soll sie doch. Ich wer's ihr nich sagen, sonst denkt sie, ich will die Eoa lossein— davon is ja keine Rede— aber du kannst ihr's sagen. Komm mir nur nich damit, daß du's ihr nich gerne sagst. Die eigene Famiste geht vor." Das fand auch Stekan Wilkowski. Aber gerade weil seine Frau jetzt seine Schwester so über hatte, und auch Olga sich nicht mehr all dessen erinnerte, was er für sie getan hatte, fühlte er sich genötigt, unparteiisch, gerecht und großmütig zu bleiben. Doch er war glücklich, als die Schwester ihm zuvorkam. „Ich werde mir eine Wohnung nehmen," sagte Olga zu Stefan. Sie fragte ihn jetzt längst nicht mehr bei allem um Rat. Seit des Baters Tod nicht mehr: der Riß. der dazumal gekommen war, den man zuerst noch nicht gesehen, war bretter und breiter geworden. Und ain breitesten durch die eben erwachsene Tochter: Gretchen wollte sich gern ver- heiraten, da war es ihr peinlich, wenn eine Tante zum Vor- schein kam, die keinen Mann hatte, aber ein Kind. Was fiel dem jungen Ding ein, eine so spöttische Miene aufzusetzen, wenn sie ihre Eoa zum Ausgehen niedlich machte? Olga kam jetzt Sonntags das Kind nur abholen. sie selber blieb nicht mehr bei den Verwandten. Lieber sich den ganzen Tag mit ihm in der S'adt herumtreiben, ohne rechten Aufenthaltsort, ohne Gemütlichkeit, als sich so über- lästig füblen. Wenn sie nur irgendeinen anderen Anschluß gehabt hätte! Aber sie hotten keinen. Von den Fräuleins aus dem Geschäft hatte jede ihren Liebhaber und wenn sie auch freundlich mit ibnen stand und gewiß keine etwas dagegen gehabt bätte. wäre sie hie und da einmal mit aus- gegangen, das Geiühl: du bist zuviel, kam ihr auch da. Zu- viel, noch dazu mit dem Kind an der Hand. So strich sie mit ihrer Eva umber, bis ihr die Füße weh taten, oder das Kind nicht mehr weiter konnte. Wenn dos Wetter sich freundlich zeigte, dann war es nicht so schlimm, dann saßen sie lange, lange im Tiergarten, oder fuhren binaus in den Grunewald: das war ja auch gesund für Eva. S'e lagerten sich unter den Kriefern. Der warme Odem der duftenden Bäume strich über das Stadtkind hin und färbte seine bleichen Bäckchen ein wenig rot. Eva war dann restlos glücklich: den Kopf in den Schoß der Mutter gelegt, sang sie leise immer dieselben Worte: „Es ist so schön, es ist so schön," bis ihr die Brille herunterfiel, die Lider sanken, sie traumselig für lange schlief. Aber Olga war nicht so glücklich. Run hatte sie ihre kleine Eva für sich, ganz für sich, und doch wollte kein warmes Freudeempfinden in ihre Seele kommen. Sie fühlte sich ver- einfamter denn je: da gingen sie, die glücklichen Menschen, ohne auch nur Augen für andere zu haben, gingen im Besitz ihrer Häuslichkeit, ihrer Familie, und gingen zu zweien. Die meisten gingen zu zweien. Arm in Arm oder Hand in Hand dicht nebeneinander. O, diese zu zweien, die sich so übergenug waren in ihrer Liebe! Nach solchen Sonntagen im Grünen fing Olga die Woche nicht gut an. Dann waren ibre Augen am Montag dunkler umrandet und ibre Wangen fahler, als die der anderen im Atelier, die die Nacht nicht viel zur Ruhe gekommen waren. (Fortsetzung folgt.) Aus der Zwingliftraße wurde eine Gasvergiftung gemelbet. Sauerstoffapparate riefen hier die Berunglückten ins Leben zurüd. Dies ist aber nur ein Teil aus dem gestrigen Tätigkeitsbericht der Feuerwehr. Stil des Warenhauses. Das moderne Leben drängt auf Konzentration. Diese Konzen tration ist notwendig, denn sie regelt das Einzelschicksal und nimmt ihm das Aufreibende und Wurzellose. Nehmen wir ein Beispiel. Das Warenhaus, das große Stapellager aller möglichen Spezialartikel, frißt den Kleinverkäufer, sozusagen den Mann der einseitig vertieften faufmännischen Bildung auf. Hier sammelt sich die Masse, die Scharen der Käufer, vom Fluidum dieser großzügigen, suggestiven Maschinerie ergriffen, strömen zum Warenkorso. Wir haben das Warenhaus als Ausdruck des gesteigerten modernen Geschäftslebens. Mit ihm sich fritisch auseinanderzu fegen, scheint Beit zu sein, da es nicht mehr Experiment und Entwicklung, sondern Entschiedenes ist. Eine Frage: Warum findet sich fein Architekt von Wuchs, der das Problem des modernen Warenhauses großzügig und mit schöpferischer Initiative in Angriff nimmt? Wir haben da einiges; aber es gilt doch, feine fleinen ästhetischen Inselchen in die Wüste der Unkultur hinzufstellen, sondern einen Allgemeinzustand herbeizuführen. Da ist in Berlin ein befanntes Warenhaus. Es ist ein Bau, der mit Käufern und Angestellten eine respettable Stadt beherbergt. Von seinen verschiedenen Eingängen ist der am meisten benugte aber von einer lächernen Eingängen ist der am meisten benutzte aber von einer lächerlichen Kleinheit. Was fehlt weiterhin? Die Bequemlichkeit, in die oberen Stockwerke aufzuflimmen. Da rennst du hierhin, dort hin, wirst von Entgegendrängenden aus der Bahn geschleudert, landeft irgendwo und gelangst nach Minuten an den einzigen, mehr oder weniger schmalen Aufgang. Ein Architekt, der Stilgefühl mit technischer Vitalität zu verbinden weiß, würde vier, fünf breite Aufstiegstreppen und drei Fahrstuhlwindungen anlegen. In dem schon erwähnten Warenhaus fann man folgendes erleben:" Bitte, wo ist der Fahrstuhl?"" Geradeaus, dann links herum." In der Tat, man findet dort drei Fahrstühle. 3wei sind jedoch außer Betrieb, ciner geht. Resultat: die Hälfte der Martenden bleibt zurüd. Die logische Folge der Treppen- und Fahrstuhlsparsamkeit ist die Anhäufung der begehrtesten Waren im Barterre. Unten entwickelt sich ein Ueberverkehr, der in jeder Beziehung, für Angestellte und Käufer benachteiligend wirkt( von den gesteigerten Chancen der Taschendiebe abgesehen), oben herrscht eine Leere, die im uner. freulichen Gegensatz zu der Ueberhigung im Parterre steht. Wer sich die Zeit zu Feststellungen nimmt, bemerkt mit Er. ftaunen, daß es in Berlin fein eigentliches Barenhaus gibt, das seine Gäste durch eine Halle empfangsfroh geleiten läßt. Du drängst in das Haus hinein und stolperst fast über den ersten Warentisch, der sich dir wie eine Barre entgegenstemmt. Das ist genau so, als ob man von dem Außenflur einer Wohnung direkt ins EBzimmer hineinfällt. Bei einigen guten Spezialtaufhäusern ist das erfreu. lich anders: Durch einen fich weitenden Vorraum wird man er. wartungsvoll an die Waren herangeleitet. Daß die Ventilation in den großen Warenhäusern fast überall unzureichend ist, daß hier tygienisch sehr bedenkliche Zustände zu ernsthafter Debatte stehen, ist etwas, was sich ganz selbstverständlich in diese Forderung des Barenhauses eingliedert. Daß man im Interesse des Käufers und des Verkäufers in Zukunft immer mehr natürliches Licht in die Barenhäuser wird hineinbringen müssen, ist ebenso selbstverständ lich. Die Ausnugung des Raumes ist in manchen Warenhäusern bis zum äußersten gediehen. Man mag den Gedanken an eine irgendwie auskommende Banit nicht zu Ende denken. Bas hier mangelt, ist eine Defonomisierung des Bertaufsapparates. Das Warenhaus ist zu einer Einrichtung geworden, die aus unserer alltäglichen Betriebsamleit nicht mehr wegzuradieren ift, weil sie einen Ausdruck unserer Zeit darstellt. In einem ist das Spezialgeschäft der Warenfabrik über. In der Detonomie des Berfaufs. Hier hat der Hebel eines feinsinnigen Organisators einzu fetzen. Ein Prozeß mit 16 Angeklagten. Die Unterschlagungen bei der Stationsfajfe Alexanderplat. Ein Maffenprozeß begann vor dem Schöffengericht mitte unter Borfiz von Amtsgerichtsrat Neumann, deffen Gegenstand die umfangreichen Unterschlagungen bei der Eisenbahn. stationstafse Alexanderplat bilden. Die 16 Ange. flagten zerfallen in zwei Gruppen. Die eine davon bilden die jedhs angeflagten Eisenbahnbeamten, und zwar der Eisenbahnafsistent Rarl Manzte, der Oberfaffenvorsteher Alfons Echiep, der Eisenbahnoberinspektor Karl Schreib, der Eisenbahn. betriebsassistent Richard Rohde und der Eisenbahnbetriebsaffiftent Heinrich Raguje. Die zweite Gruppe besteht aus einer Reihe Perfonen, die der Hehlerei beschuldigt werden. Es sind darunter ein Installateur, eine Zweigstellenleiterin, mehrere Tischlermeister, ein Gutsbefizer, dessen Ehefrau, eine Kajfiererin und ein Kaufmann. Die Unterschlagungen, die bei der Stationskaffe begangen worden sind, reichen in die Jahre 1923 und 1924 zurück. Die größte Unter19 at 124 of Betrag von 60 000 art. Am 3. Juli 1924 wurde diese Summe nachmittags aus dem Trefor der Stationskaffe gestohlen. Der Berdacht richtete fich bald auf den Obertassenvorsteher Schliep und auf Manzte. Zunächst waren die Ermittlungen nach den Tätern ergebnislos gewesen. Der Verdacht gegen die beiden Angeklagten verstärkte fich aber deratt, daß die Beschuldigten schließlich ein Geständnis ablegten. Sie roaren zu der Tat gekommen, weil sie auch in die Riefenunter midelt gewesen waren. Damals hatten sie zur Deckung der Unterfchlagungen einen größeren Betrag aus ihrer Stationstaffe entnommen. Da sie eine Revision befürchteten, verfielen sie auf ben Trid, ben Sad mit den 60 000 Rentenmart verschwinden zu lassen. Die übrigen angeklagten Eisenbahnbeamten sollen ebenfalls aus der Kaffe miederholt Beträge entnommen haben. Die entwendeten 60 000 Mark wurden zum Teil ausgeliehen, und deshalb sollen fich die anderen Mitangeklagten der Hehlerei schuldig gemacht haben. Die Berhandlungen werden zwei Tage dauern. Richthofens Bestattung. Bestern nachmittag 2 Uhr fand die Totenfeier für den Kampfflieger Manfred v. Richthofen in der Gnadentirche in der InvalidenStraße statt. Ein startes Schupoaufgebot hielt seit 12 Uhr die Nord feite der Invalidenstraße vom Museum für Naturkunde bis zur Scharnhorststraße für den öffentlichen Verkehr gesperrt. Nur Inhaber von Karten zur Trauerfeier durften passieren. Die Kirche war bereits um 1 Uhr überfüllt. Am Altar stand der Garg, umgeben pon Blumen und Kränzen. Reichswehrsoldaten und Couleur studenten hielten die Ehrenwache. Viele der Teilnehmer trugen Uniformen, die man faum noch fennt. Besonders auffällig war auch die ungewöhnlich große Beteiligung der völkischen Baterländischen Verbände. Kurz vor Beginn der Feier wurden die alten Berliner Regimentsfahnen in die Kirche gebracht und um den Sarg aufgestellt. Um 2 Uhr erschien Reichspräsident Hindenburg, der einen Kranz am Sarge niederlegte. Auch der Reichskanzler Dr. Luther und der Reichswehrminister Dr. Geßler waren anwesend, Polizeipräsident Grezesinsti und Bizepräsident Dr. Friedens burg und für die Stadt Berlin Oberbürgermeister Böß sowie die Stadträte Schüning, Esders und Wege. Bährend der Trauerfeier führten Reichswehrsoldaten vor der Kirche Parademarsch auf. Nach einer turzen Trauerrede wurde der Sarg nach dem Alten Gemeindefriedhof getragen. Die Scharnhorststraße, durch die der Zug ging, Steigende Preise- steigende Not. Neue Erhöhung der Fleischpreise. Das Reichsernährungsministerium will abwarten! Seit einigen Tagen macht sich in den Fleischerläden Berlins Schweinefleisch wie auch Rind- und Kalbfleisch notiert seit Anfang ein neues Anziehender Fleischpreise bemerkbar; sowohl der vorigen Woche wieder mertlich höher. Die Preissteigerungen betragen je nach der Lage der Geschäfte 20 bis 30 Pf. pro Pfund. Die Ursache dieser Berteuerungen sind nach den Mitteilungen einer Ladenfleischerorganisation auf die Befestigung der Breise für lebendes Bieh zurückzuführen, die besonders bei Schweinefleisch in Betracht tommen und hier 15 Pf. pro Pfund Lebendgewicht be. tragen soll. Von dieser Stelle wird weiter betont, daß die Auftriebe besonders für Schweinefleisch in der letzten Woche sehr gering gewesen seien, und daß auch der Bußtag dazu beigetragen habe, daß versucht die Organisation der Ladenschlächter die nicht genügend Material auf den Markt gekommen sei. Im übrigen Tatsache einer allgemeinen Berteuerung des Fleisches, die zweifellos versucht die Organisation der Ladenfchlächter die eingetreten ist, ab& ule ugnen. Im Reichsernährungsministerium hat man, mie mir erfahren, der Aufwärtsbewegung der Fleischpreise ebenfalls bereits Beachtung geschentt, jedoch will man dort vor weiteren Maßnahmen erst noch den heutigen Sonnabendmarkt abwarten, von dem man hofft, daß auf ihm wieder eine sinkende Tendenz der Fleischpreise zutage treten werde. Man glaubt dort nämlich, daß es sich nur um eine vorübergehende Breisschwankung handele, wie sie durch die leicht veränderliche Marktlage die für die Regulierung der Breise verantwortlich find, wieder ein. bedingt sei. Es wäre zu hoffen, wenn sich auch die übrigen Stellen, mal mit der Preisbildung im Ladenfleischergewerbe befassen würden. Der unsichtbare Preisabbau. Das bescheidene Ernährungsministerium. Nach Informationen aus dem Reichsernährungsminifterium ist man dort der Ansicht, daß der Hauptmeg bei der sogenannten Preis fenfungsaktion darin bestehen müsse, bie freie Ronkurrenz wiederherzustellen, alle Bindungen in Form von Kartellen und Syndikaten, deren Berechtigung für die Zeit der Kriegs- und Inflationswirtschaft durchaus nicht beftritten werden folle, zu beseitigen. Die Kommunen fönnten nach Ansicht des Reichsernährungs. minifteriums für die Preissenkung viel mehr tun, als es bisher ge schehen ist. Es beständen zwar gegen die Einrichtung von Ein- und Bertaufsstellen der Kommunen bei diesen gewisse Bedenken, denen eine Berechtigung nicht abzusprechen sei, aber im Ausland hätten sich die städtischen Berkaufsstellen als Breisregulierungsfattor sehr bewährt.( Someit wir unterrichtet sind, steht die Stadt Berlin der Einrichtung eigener Berlaufsstellen für Lebensmittel nach den Er fahrungen, die sie damit gemacht hat, mit einer gewiffen Berechtigung sehr steptisch gegenüber. D. Red.) Dagegen läßt sich ein anderer Weg sehr empfehlen. In London werden von städtischen Beauftragten die Preise in den verschiedensten Lebensmittelgeschäften festgestellt und die Namen der Lebensmittelgeschäfte, in denen die billigsten Breise festgestellt wurden, und die festgestellten Preise öffentlich befanntgegeben; das bedeutet selbstverständlich eine sehr große foften lose Reflame für die Geschäfte, und es besteht infolgedessen in London ein gewiffer Eifer unter den Geschäften, fo billig zu per taufen, wie es nur die Berhältnisse gestatten. Es sei zumindest erwägungswert, ob auch in deutschen Städten nicht dieser Weg gewählt werden könnte. Einen Haupteinfluß auf die Kontrolle der Preise hat ja die Reichsregierung durch die Preisprüfungsstellen, bie, um vielfachen Irrtümern entgegenzutreten, bekanntlich staatliche Organe find, in blieb für den Bertehr gesperrt. Nachdem der Geistliche die Leiche brei Salven über das Grab. Um drei Uhr war die Trauerfeierlich eingefegnet hatte, wurde sie in die Erde gesenkt. Dann frachten brei Salven über das Grab. Um drei Uhr war die Trauerfeierlich teit vorüber. Die Deutsche Zeitung hatte eine Anordnung des preu. Bischen Ministers für Handel und Gewerbe, nach der zur Bermeidung einer Störung der Beiseßung des Freiherrn von Richthofen das Ueberfliegen des Friedhofs unter 500 Meter Höhe verboten worden ift, bemängelt. Sie glaubt den Preußischen Handelsminister desmegen angreifen zu müssen und erblidt bas Motiv zu der Berordnung in dem Bestreben zum Schuß der Republit". Wie der Amtliche Preußische Breffebienft aufflärend dazu mitteilt, war diese Berordnung des Handelsministers auf ausdrücklichen Wunsch des eigentlichen Beranstalters ber Feier, nämlich des Reichswehrministeriums und ebenso des Reichsverkehrsministeriums er laffen worden ist, da ein bis zwei Dußend Flieger in sehr niedrigen Höhen durch ihr Motorengeräusch die Feier unangenehm gestört hätten. Flugzeugunglück in Staaten. Flugzeugführer Hans Friedrich o. Knobelsdorf aus der Giseler. Auf einem Platzflug in Staaten, zu welchem der 23 Jahre alte ftraße 23 in Wilmersdorf am Freitag nachmittag um 2.40 gestartet war, stürzte das Flugzeug D 297 der Flugsportschule in einer Höhe von 300 Metern beim Nehmen einer scharfen Lintsturve ab und fiel auf eine zum Flugplaz gehörende Scheune. Dabei ging die Maschine in Trümmer, und der vordere Teil stürzte weiter zu Boben. Der Führer wurde aus seinem Sit geschleudert und blieb in der Nähe feines Apparates tot liegen. Berlin z. B. find sie dem Polizeipräsidium angegliedert. Sehr wesentlich bei der Preisfrage ist die Macht der Konsumenten. Be dauerlicherweise wird sie am wenigsten ausgenutzt. Das Publikum fann sich immer noch nicht von der Inflationsgewohnheit freimachen, bei dem Verbraucher immer noch der Wahn, daß gut und teuer daß die Ware die Hauptsache, der Preis Nebensache ist. Es besteht identisch find. Dafür ein ganz charakteristisches Beispiel: Eine Wursthandlung zeichnete zwei Bosten Wurst derfelben Qualität mit verschiedenen Preisen aus, und während die mit dem teuren Preis ausgezeichnete in furzer Beit ausverkauft war, war die billigere, obwohl sie von gleicher Qualität war, nicht abzusehen. Es ist er. forderlich, daß das Publikum sich der Preis und Qualitätsfrage fritischer gegenüberstellt Nun gibt es ja nur in sehr unbedeutenden 3weigen der Lebensmittelindustrie Synditate, in der Konserven industrie urd, vielleicht kann man das so bezeichnen, auch in der 3uderindustrie. In der Zuderindustrie liegen die Dinge beeng miteinander zusammengeschlossen haben, doch spielt da weniger fanntlich so, daß die Rohzuckerfabriken und Raffinerien sich fehr die Preisfrage als bie Frage der Rübenversorgung eine Rolle. Da gegen stehen diefen Gruppen die fogenannten Weiß- Buckerfabriken, b. h. die Fabriken, die in einem Produktionsprozeß den Zucker hera ftellen, als scharfe Konfurrenten gegenüber, so daß von dieser Seite teine Gefahren für die Preisbildung drohen. Im Reichsernährungsministerium ift man der Ansicht, daß die Breissenfungsaktion schon Erfolge gezeitigt habe, das zeugt für die Bescheidenheit des Ministeriums. Gewisse Breissenfungen Dummheit oder Klugheit? Man schreibt uns: In der jezigen Zeit der sogenannten Preisabbaualtion" hat jebe Klasse von Gewerbetreibenden das Bedürfnis, vor der Deffentlichtelt ihre Preispolitit zu rechtfertigen. Neuerdings wird nämlich die Behauptung verbreitet, daß die große Maffe der Arbeiter gegen die Preispolitit piel weniger einzu. menden habe und viel weniger nach dem Kodi rufe, als die sogenannten Beffergestellten. Ist das nun eine Dummheit oder ist das eine Klugheit? Bunächst einmal ist es ein Irrtum, anzunehmen, daß die Arbeiterklasse mit der augenblicklichen Preis- und Wirt Sie weiß ganz genau, daß die gegenwärtigen Breise eine Folge der fchaftspolitik einverstanden ist. Gerade das Gegenteil ist der Fall. allgemeinen Wirtschafts- und Steuerpolitit der Regierung sind. Sie meiß ganz genau, daß der Weg vom Produzenten bis zum Kon fumenten ein viel zu langer ist und viel zu viel 3mischen. tufen durchläuft, und daß infolge diefer vielen Zwischenstufen selbstverständlich eine sehr hohe Spanne zwischen Erzeuger und Ronsumentenpreisen entstehen muß. Sie weiß auf der anderen Seite, daß dieje Spannen bei fleinen Umsätzen viel größer sind und sein müssen als bei größeren Umfäßen, weil ja auch der Kleinhändler leben muß und weil der Kleinhändler, wenn er menig umfegt, an dem einzelnen Stüd mehr verdienen muß. Der Arbeiter weiß ferner, daß von einzelnen Gewerbetreibenden und von einzelnen laffen der Gewerbetreibenden diese Situation in ungebührlicher Weise ausgenugt wird und daß höhere Preisaufschläge auf die Waren gelegt werden, als durch die Verhältnisse geboten erscheint. Aber weil er das alles weiß, ruft er nicht nach dem Kadi, sondern versucht dieses ganze System durch entsprechende politische und wirtschaftliche Forde. rungen zu ändern. Und deshalb ist es flugheit, nicht Dumm heit, wenn der Arbeiter nicht den einzelnen Gewerbetreibenden für bas. wofür er gar nicht verantwortlich ist, zur Rechenschaft ziehen will Diese Dinge fann man eben nur fachlich, nicht persönlich erörtern. dentre neig hier ein Unglücksfall, Selbstmord oder Verbrechen vorliegt, wire hoffentlich bald ermittelt werden. Die Polizei hat zur Aufklärung des Falles zurzeit in der näheren Umgebung von Potsdam Streif züge mit Hunden unternommen. Fort mit den gleitenden Preisen. Die Städtische hochbaubeputation teilt mit: Der Magistrat hat beschlossen, daß jämtliche Bauarbeiten wie auch fämtliche Seistungen und Lieferungen, die im Auftrage der Stadt Berlin einschl. aller städtischen Gesellschaften bergeben werden, bon jest ab nur noch au Festpreisen, nicht mehr zu Gleitpreifen vergeben werden dürfen. Geflügel und Kaninchenausstellung. Im Konzerthaus Linder in Berlin Bantom findet vom 20. bis zum 22. November einschließlich die große Geflügel. und Kanichenausstellung des Kleintierzuchtverbandes Groß Berlin- Nord" statt, die sicher das Interesse nicht mur aller Züchter, sondern auch zahlloser Laubenfolonisten und Gartenlandbefizer erwecken wird. Denn es wird nicht viele geben, die nicht wenigstens den Wunsch hätten, auf ihrem müse versieht, sich auch eine Kleintierzucht anzulegen, um jo mit verGrundstück, das den Haushalt bereits so trefflich mit Obst und Ge hältnismäßig geringen Rosten für eine weitere Bereicherung des Küchenzettels zu sorgen. Darüber hinaus hat, wie die Ausstellung zeigt, ber Kaninchenhalter noch weiteren Rußen: prächtige Belatiere gibt es, und die Rauchwaren, aus ihrem Fell gewonnen, fönnen ohne Scheu mit edlem,„ edytem" Belzwert in Kon furrenz treten. Andere Tiere werden dann wieder hauptsächlich des Fleisches wegen gezüchtet, und man ist erstaunt, Riefentiere von etwa dreiviertel Metern Länge und vierzehn Pfund Gewicht zu be= gegnen. Alle namhaften Sorten findet man in der Ausstellung. Unglücksfall, Selbstmord oder Verbrechen? Potsdamer Kriminalpolizei in hohem Maße. Bor ein Eine geheimnisvolle Angelegenheit beschäftigt zurzeit die paar Tagen nahmen in einem dortigen besseren Hotel ein Herr und Dame Wohnung, die sich im Fremdenbuch als Kaufmann Willy Stolz und Ehefrau aus Eisenach eintrugen. Das fehr elegant auftretende Baar hat sich vor drei Tagen aus dem Hotel ent fernt und ist bisher nicht zurückgekehrt. Die Sache ist um so unerschiedensten Farbenschlägen die Wyandottes, die fleißigen Leger, zu tlärlicher als das Paar drei gute Bebertoffer mit Wäsche, Kleiber und Toilettengegenständen von erheblichem Wert zurückgelaffen hat. und Toilettengegenständen von erheblichem Wert zurüdgelaffen hat. Auch wurden bei dem Mann gelegentlich größere Geldbeträge be mertt, so daß nicht anzunehmen ist, daß das Paar das Hotel verlaffen hat, weil es bie minimalen Roften nicht bezahlen fonnte. Db Das Rundfunkprogramm. Sonnabend, den 21. November. Außer dem üblichen Tagesprogramm: 9 interesse des Beschauers. Unaufhörlich laffen Bergische Kräher ihr Neben den Kaninchen beanspruchen die Hühner das HauptKiferiti" erfchallen, Hamburger Silberlad und schmude Italiener spreizen fich stolz in ihrer Farbenpracht; durch ihre üppige Beinbefiederung fallen die Faverolles auf, und zahlreich find in ben verfchen, alle in so ftattlichen Eremplaren, daß einem das Herz im Zelbe lacht. Auch an Gänsen, Enten und Buten fehlt es auf der Ausstellung nicht, auf der natürlich auch ber Taubenzüchter Gestalten des Mönchen und an den ftolzen Pfauentauben, die ihren auf seine Kosten tommt. So erfreut man fich u. a. an den eleganten gefpreizten Schweif unabläffig fofett wie einen Fächer auf und ab bewegen. Natürlich zeigt die Ausstellung auch Brieftauben, oft von überraschender Schönheit. Der Beschauer, der an all diesen Käfigen vorbeiwandelt, ist er. staunt über die Fülle erlesener Tiere, die von der Liebe und bemeffenen Freiftunden ihren Kleintieren widmen. Boltswirtschaft Sorgfalt ihrer 3üchter Zeugnis ablegen, die ihre tnapp and Ha, welche Luft, Schupo an feiu!" 4.30-6 Uhr abends: Nachmittagskonzert der Berliner Funkkapelle. Leitung: Konzertmeister Ferdy Kauffman. 645 Uhr abends: Hans- Bredow- Schule( Bildungskurse). Abteilung Sprachliche Berte werben fo gefchaffen, die nicht zu unterschätzen find. Nur unterricht. Esperanto( Direktor Julius Glück). Neuer Anfänger die dem Berband angeschlossenen Züchter erzielen bereits im Jahre kursus. 7.15 Uhr abends: Dr. Viktor Engelhardt Weltanschauung etwa eine Million Pfund Kaninchenfleisch und sieben Millionen and Technik. 7.45 Uhr abends: Dr. Georg Zehden: Wie der Hühnereier! Patient seinen Arzt behandelt. 8.30 Uhr abends: Konzert. 1. Beethoven: Sonate G- Dur( Josef Wolfsthal, Violine; Georg Széll, Klavier). 2. Schubert: a) Pause( Müller); b) Das Fischer mädchen( Heine), c) Der greise Kopf( Müller), d) Der Lindenbaum( Artur Fleischer von der Berliner Staatsoper, Bariton: am Flügel: Bruno Seidler- Winkler). 3. Mozart: Sonato B- Dur( Josef Wolfsthal und Georg Széll). 4. Brahms: a) Auf dem Kirchhof ( Lilienoron), b) Minnelied( Hölty), c) Wehe, so willst du mich wieder( Platen), d) Die Mainacht( Holty)( Artur Fleischer; am ( Josef Wolfsthal und Georg Széll). Anschließend: Dritte BeFlügel: Bruno Seidler- Winkler). 5. Beethoven: Sonate A- Dur kanntgabe der neuesten Tagesnachrichten, Zeitansage. Wetterdienst, Sportnachrichten, Theater- und Filmdienst. 10.30-12 Uhr aben ds: Tanzmusik. Aud Zu unserem in Nr 525 mit dieser Ueberschrift veröffentlichten inspettion Wilmersdorf erhalten wir aus dem Bolizei Bericht über Klagen von Schupobeamten der Polizei präsidium die Mitteilung, daß die Ermittlungen teinen Anlaß gegeben haben, gegen die von uns genannten Polizeioffiziere Erwiderung fei hier das Wesentliche wiedergegeben: einzuschreiten. Aus den Einzelheiten der uns zugegangenen Rahmen Ihrer Dienstporschriften überhaupt night Bolizeimajor Dähne hat die Aeußerung„ Sie haben im zu benten!" gegenüber einem Beamten getan, ber eine vor geschriebene wichtige Meldung nicht sofort weitergegeben hatte und fich damit entschuldigte, daß er die Sache nicht für fo wichtig gehalten habe. Polizeihauptmann Steinhausen hat jeinen Beamten, als sie einmal in ihrer Wohnstube Budenzauber", also allerhand Unfug, machten, wobei sie auch mit einem Eisenteil eines Fahrrades warfen, gesagt, sie seien doch alt genug und sollten sich nicht wie dumme Jungens" betragen." Lag der Fall so, so war Kritik wohl berechtigt. Der Bolizeioffizier follte aber beachten, daß seine Untergebenen seine Worte ohne Widerspruch hinnehmen müssen. Das sollte ihn zur Vorsicht in der Wahl seiner Ausbrüde mahnen. Die Zuſchrift fagt weiter, Steinhausen habe nicht gefagt, daß die Beköstigung im Schügengraben noch bedeutend schlechter" gewesen sei. Die Beschaffenheit des Essens sei nur in den drei Tagen eines Herdumbaues minder gut gewesen. Klagen über das Effen feien nie laut geworden. Bei der Beerdigung des Hatenkreuzlers Dölle in Stegliß, wo Stöcke im Leichenzuge nur vereinzelt getragen wurden, habe Steinhausen nicht die verantwortliche Leitung gehabt. Am Stadtverordnetenwahl= tag haben nicht Dähne und Steinhausen die Festnahme der Kommunisten veranlaßt, was im Vorwärts" auch gar nicht behauptet worden ist. Steinhausens Mahnung, das Geficht dem Feinde" zuzuwenden, foll nicht am Wahltage auf der Straße, sondern an einem der nächsten Tage im Unterricht vorgebracht worden sein. " Nachflänge zum Bothmer- Prozeß. Regierungsrat Graf v. Both mer, der Gatte der verurteilten Gräfin, ist bekanntlich von Potsdam nach Westfalen verfegt worden. Diese Veriezung, eine rein formelle Sache, um dem Grafen Gelegenheit zu geben, sein Abschiedsgesuch einzureichen. Er hat das auch bereits getan und nach den vielen unliebfamen Dingen, die diefer Prozeß hervorgebracht bat, dürfte es sehr schnell bestätigt werden. Bolizeihauptmann Heffter ist seines iegnizer Postens enthoben worden und gegen den Hausbiener Otto Stangen Anklage wegen Abgabe einer falschen eidesstattlichen Versicherung erhoben. Als geuge in diesem Prozeß wird Gräfin Elinor v. Bothmer, ihre Nichte und Rittmeister Graf Adolf v. Bothmer geladen. Autofahrkurse mit Todeserfolg. hübsches Ballett im magischen Lichte phosphoreszierender Farben. Man tönnte sich mit der ganzen Angelegenheit als Schauobjekt mehr befreunden, wenn die endlosen Beilagen eine Marter für Darsteller und Zuschauer gestrichen würden und das Ganze als das segeln würde, wofür es eigentlich bestimmt ist, als eine ab= wechslungsreicher Pantomime. Durch Starkstrom getötet. Ein tödlicher Unfall ereignete sich am Freitag nachmittag gegen 5 Uhr in den Städtischen Elektrizitäte: werfen in der Boffener Str. 9. Der Monteur Erich Art aus der Schlüterstraße in Charlottenburg tam aus bisher noch ungeflärter Ursache der Starkstromleitung zu nabe und wurde schwer verlegt. Berunglüďte. Bereits auf dem Wege zum Krankenhaus am Urban verstarb der Das Rettungsamt der Stadt Berlin macht darauf aufmerksam, daß im Intereffe schnellerer Abfertigung telephonische Bestellungen von Krantenwagen oder von ärztlicher Hilfe an das Rettungsamt nicht über der Magistrat Berlin, sondern unter dem Anruf: Ant Norden, Rettungsamt" an letzteres zu richten find. Ein Feuerbestattungsfilm ist jetzt auch von dem Bolts. Feuerbestattungsverein herausgebracht worden, um für die Feuerbestattug zu werben. Wir sahen den Film in einer für die Mitgliedschaft Berlin im Distritt 6 veranstalteten Gedächtnis. Auf der Mannheimer Rheinbrücke wollte er durch marotta. nische Soldaten überfallen und ausgeplündert worden fein, wobei ihm nach seiner Behauptung über eine halbe Million Goldmart, die er in bar in einem Roffer bei sich getragen habe, geraubt worden sei Er stellte Schadensersazansprüche an das Reich. Das Ministerium für die besetzten Gebiete tam aber auf feine Schliche. An diesen Betrugsversuch reihten sich noch Wechselfälschung, meineid, Beamtenbeleidigung usw. Das Gericht verurteilte Quirbach wegen schwerer Urfundenfälschung, Betrugsversuchs zum Nachteil des Reichs, einfachen Bankrotts und schmerer Beleidigung zu 4 Jahren Buchthaus und Aba erkennung der bürgerlichen Ehrenrechte für 5 Jahre. Reichsbankrat Silpmann erhielt wegen Untreue im Amt 3 Jahre Gefäng nis und der Brennereibefizer Michael Meyer wegen Meineids ein Jahr Zuchthaus. Untergang einer megifanischen Hafenstadt, Nach Meldungen aus dem meritanischen Staate Guerrero- ist die Hafenstadt Zihua tanejo durch eine 35 Fuß hohe Meeresflutwelle, die vermutlich durch ein Seebeben im Stillen Ozean hervorgerufen war, zerstört worden. Ueber den Berlust an Menschenleben liegen Nach richten noch nicht vor. Parteinachrichten Sinfendungen für diese Rubrik find Berlin B. C. Sinbenftraße 3. für Groß- Berlin ftets an das Bezirfstefretariat, 2. Sof. 2 Trev. rechts. an richten Bigtige Befprechung des engeren unb erweiterten Bezirksvorstandes bet beaizte in Groß- Berlin am Montag, den 23. Rovember, 7 Uhr, im RonferenzKreismieterobleute unb ber im Wohnungswesen tätigen Genoffen der 20 Stadt. aimmer der Borwärts" Rebattion, Lindenstr. 3, 4. Sof, 4 Twp. Tagesfeier, die ben im letzten Jahr verstorbenen Vereinsmitgliebern galt. Der Film gibt einen lehrreichen Einblick über die Bestattungsarten verschiedener Zeitalter und verschiedener Bölfer und über die Geschichte der Feuerbestattung in der Neuzeit. Schon 1878 murde in Gotha das erste Krematorium erbaut, aber erst 1911 tam für Preußen das Gejez über die Feuerbestattung, und 1912 erhielt Berlin sein erstes Krematorium. Der Film zeigt uns im bewegten Bild auch die Arbeit des 1913 gegründeten Bolks- Feuerbestattungsebnung: 1. Belde Bohnungspolitit with son ber Stadt Berlin erwartet? vereins, feine Sargfabritation, den Leichentransport, die Bestat tungsfeierlichkeit und den Betrieb des Berbrennungsofens. Die Gedächtnisrede hielt der Redner des Vereins. Im musikalischen Teil wirften die Instrumentalfünstler des Bereins und fein Gesangs. quartett mit. Totengedächtnisfeiern am Tofenfonntag, 22. Jovember. Der Reichs. Bund der Kriegsbeschädigten, Kriegsteilnehmer und Sriegerbinterbliebenen veranstaltet, um das Andenten der im Weltkriege gefallenen Kameraden zu ehren, vormittags 10 lbr im Orphum, Hafenbeide 32/38, eine Totenjeter unter Mitwirtung erster Strajte. Sie besteht aus Gedächtnisrede, Gesängen eines Arbeiter( Besangbereins und Stezitationen, gesprochen von Gertrub Eyjolbt und Martin Wolfgang vom Staatstheater. Der Berein der Fretbenfer für euerbestattung& V., Gau Berlin, hält nachmittags 8 Uhr im Stonzertsaal Orpheum( Happold), Hafenheide, eine Totengeedächtnisfeter ab. Mitwirkung nambafter Künstler. Gedächtnisrede: Gen. Crispien. Karten sind bei den Funktionären und an der Staffe erhältlich. Staatlichen Hochschule für Mufit Charlottenburg, Fasanenstr. 1, Eingang Hardenbergstraße, und war unter gütiger Mitwirtung des Gesangvereins Charlottenburger Riedettafel und des Drgelvirtuofen 8. G. Rohrbach und bes Ulrich Klein- Duinettes. Die Gedächtnisrede hält Pfarrer Dr. Piechowsti Die vernunftlose Autoraserei ihrer Berantwortung nicht be. wußter Straßenfreibeuter fordert täglich erneute Opfer. Ein be sonders trasfer Fall von Autoterror ereignete fich am Mittwoch am Spreeweg. Hier wurde das Kindermädchen Käthe Simons von einem im Zickzackturs daherkommenden und den Bürgersteig überfahrenden Auto erfaßt und so schrecklich zugerichtet, daß es turze Zeit nach dem Unglücksfall verstarb. enter diefes im Geschwindtempo fahrenden Wagens soll die Frau des Schlächtermeisters Buchwald, Schillstraße 10, gefeuerbestattungsberein abends 7%, Uhr, im Konzertsaal der mesen sein, die ihre Fahrübungen unter schwerer Gefährdung ihrer Mitmenschen veranstaltet. Eine schleunige polizeiliche Feststellung wird hoffentlich Aufklärung bringen und den Staatsanwalt zum Einschreiten veranlassen. Romantik im Zirkus. Im Zirtus Buch wird nach Herzenslust Pantomime gespielt. Leider nicht mehr die gute alte 3irfuspantomime, sondern eine sehr redfelige Zwischengattung, nicht Fisch, nicht Fleisch, nicht Theater, nicht Zirkus. Aber immerhin gibt sie sich im selbst gestellten be scheidenen Rahmen Mühe, spanische Effekte mit Leben und Be wegung zu erfüllen. Nachdem im Laufe des Jahres die preußische Geschichte mit fämtlichen getrönten Häuptern durch die Manege ge tanzt ist, wird diesmal der felige Graf von Monte Chrifto bemüht, so ziemlich der meistgelesenste Romantiterschmarren der Weltliteratur. Die füdliche französische Küste, Felfen, blaues Meer, das gibt Gelegenheit zu bunten Bildern. Wenn auch das Meer nicht füdlich blau ist, sondern als Spreewaffer höchst trübselig in der Manege spiegelt. Aber sonst geht's ganz munter her. Die ver folgte Rechtschaffenheit, der Monte- Christo- Graf, muß schon einiges erdulden, bevor er zu feinem Schab und zu seiner Insel tommt wie es Dumas schon so beweglich schildert aus der Zirfustuppel in einen Sad genäht als Leiche in die Manege geworfen.( Lies: Zirtustuppel Felsen, Manege das brandende Meer). Aber er ist es ja nicht selbst, der diesen schrecklichen Sturz ausführt, sondern es ist der Weltmeisterspringer robo e B, der einst pom Turm des Berliner Spartassengebäudes in die Spree sprang. Kurz, alles endet gut, feinem passiert was und zum Schluß gibt es ein Bolts. Folgende fozialistische Geiftliche fprechen am Totenfonntag: Bfarrer Bleier in Charlottenburg um 6 Uhr abends in der Trinitatistirche Starl- August- Play und um 8 1hr abends in Lichtenberg in der Aula des Gäcilien- Kyzeums, Rathausstraße; Pfarrer Schmidt in SO. um 10 Uhr borm. in der Thomaskirche, Mariannenplas; Pfarrer Lic. Dr. Piechowiti um 7%, Uhr abends im Konzertsaal der Staailichen Hochschule für Mufit, Fasanenstraße 1, in einer Zotengebächtnisfeier des Bolts- Feuerbestattungs. vereins; Bjarrer Dorom in Reinidendorf West in der Segenstirche, auguste- Bittoria- Allee um 10 Uhr vorm.; in derselben Stirche beranſtaltet Pfarrer Dorom abends um 6 Uhr eine besondere Feier mit mufifalischer und liturgischer Umrahmung unter dem Titel: Tod und Verklärung bei Blato, Dante und Niessche. Riefenbetrug an der Reichsbank. Mit schweren Strafen geahndet. 2. Stellungnahme zum Bauvorhaben der Mieterverbände. 3. Berschiebenes. Mieterausschuß der SPD. 7. Rreis Charlottenburg unb Spanbau. Juristische Sprechstunde findet heute, Sonnabend, nachmittag son 5-6 Uhr im Jugendheim Charlottenburg, Rofinenftr. 4, statt. 43. Heute, Sonnabend, den 21. november: t. Großes Serbstvergnügen bei Raabe, Fichteftr. 29. Anfang 6% Uhr. Um rege Beteiligung wird gebeten. 48. bt, Jm Radrennbahn- Reftaurant Treptow Familienfeier. Gesangsvor träge, Regitationen, Tanz. Gäste find herzlich willkommen. 48. Abt. Vergnügen im Alexandriner, Alerandrinenftr. 37. Rartenverlauf_an der Abendkasse barf nicht stattfinden. Alle Genoffinnen und Genoffen milffen sich beteiligen. Gäfte find willkommen. 80. unb 81. Abt. Schöneberg- Friebenan. 8 Uhr Runflabend im Bürgerfaal des Friedenauer Rathaules. Auserlesenes Programm, u. a. Maria Schipfmann und Räthe Bürschel( Lieder zur Laute). Karten zum Preise von 75 Bf. find nod) an der Abendtaffe erhältlich. 84. Abt. Lankwik. Alle Genoffinnen und Genoffen, die Karten zum Blumen feft in Lehmanns eftfälen, Raifer- Wilhelm- Str. 29/31, in Rommiffion haben, redinen abends 7 Uhr im Festlokal ab. Ratten find heute nur noch beim Genoffen Selmuth Lampte, Lantwis, Charlottenstr. 50, zu haben. Abendtaffe findet nicht statt. 45. 6. Die Genoffinnen und Genoffen werben gebeten, am Totenfonntag bie Beranstaltung der Freien Turner", Mäbchenabteilung, im Gewert fchaftshaus zu befuchen. 141. Abt. Rofenthal. Die Genoffinnen und Genoffen beteiligen fi gefchloffen an der Wahlperfammlung in Schildom am Sonntag, den 22. November. Abmarsch nachmittags 1½ Uhr vom Ritchplak in Rofenthal( Wilhelmsruh). * Jungsozialisten. Gruppe Mitte: Morgen, Sonntag, 7 Uhr, im ehemaligen Landsgemeindehaus, Sophienftr. 23, foaialer Märdenabend. Gäste willkommen. Gruppe Pankom: Seute, Sonnabenb, pünktlich 7 Uhr, Beginn unserer Arbeitsgemeinschaft: Das fommunistische Manifeft". Teilnehmen dann jeder Parteigenoffe und-genoffin fowie die ältere Arbeiterjugend. Anmeldung beim Leiter. Sonntag, den 22. November, 7% Uhr, bei der Genoffin Marmed Biterarischer Abenb. Näheres am Sonnabend. Gruppe Tiergarten: Bir beteiligen uns am Montag, den 23. Rovember, alle an der Gesamtveranstaltung Der Jungsozialistischen Bereinigung. Deutjder Arbelter Sängerbund, Gan Berlin. 12. Bezirk: Sangesbrilber. bie an ber Totengebentfeier bes Reichsbanners auf dem Friedhofe in Baum fchulenweg( Rrematorium) teilnehmen wollen, treffen fich Sonntag nachmittag 2 Uhr vor dem Krematorium aur Mitwirtung. Schulungstag für Bibliothekare, Werbebesirts unb Abteilungsleiter: Sonntag. ben 22. Rovember, vormittags 10 Uhr, im Jugendheim Lindenstr. 3. Thema: Sozialistische Literatur und Bilderwefen". Referenten sind die Genoffen Alex. Stein und Waslamial. und seine Biderfacher geräuschvoll entlarvt. Einmal wird er fogar, an der Sieg angeklagt, der mit Hilfe des Reidsbankrats Silp: Hat eine Frau das Recht, Bubitopf 3n tragen? 10 90 06 6% Pumps, moderne Pabform, auch für die Straße geeignet mytwa billign 90 8° Besonders schöner Spangenschuh mit L. XV- Abs. für Straße und Gesellschaft Köln, 20. November.( Eigener Drahtbericht.) Vor dem Schwurgericht Neuwied war der Kaufmann Quirbach aus Beßdorf mann, des früheren Leiters der Reichsbantnebenstelle in Betzdorf, es verstanden hatte, sich unter Vorspiegelung falscher Tatsachen einen Reichsbanffrebit von etwa einer halben million zu erschwindeln, obwohl die von ihm gestellten Sicherheiten faum den fünften Teil dieser Summe ausmachten. 2ts bie groß angelegten Spefulationen Quirbachs zu Berluft führten, tam er auf die Idee, einen großen Raub überfall vorzutäuschen. 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November, 8 Uhr, Tieft Genoise Mar Barthel aus eigenen Werken. Theater, Lichtspiele usw. annomeno Volksbühne Dir. A. Hellmer 8 Uhr Der Kaufmann Lessing- Th. Uhr Großes Schauspielhaus Bildungskurse: Berbebeziz! Prenzlaner Berg I: Montag, den 23. November, 1. Then im Jugendheim Danziger Str. 63. Thema: Einführung in die Staatslehre". Referent: Gen. Franz Lepinsti. Werbebezirk Neukölln: Mittwoch, den 25. November, 1. Abend im Jugendheim Canner Straße. Thema: Geschichte der Arbeiterbewegung". Referent: Gen. Erwin Marquardt. Vorträge, Vereine und Verfammlungen. Reichsbanner Schwarz- Rot- Gold". Gefäftsftelle: Berlin G. 14. Sebaftianftr. 87/38. Sef 3 Ez. Firebrichshain. Sonntag, d. 22., nadm. 1 Uhr, Frankfurter Anee Ede Niederbarnimstraße. Autofahrt zur Totengebentfeier. Fahr geld 50 Bf. Adlershof. Sonntag, b. 22., nachm. 1,20 Uhr, Bhf. Adlershof. Fahrt nach Baumschulenweg zur Totengedentfcier. Berband der Hausarztvereine, Bezirk Neukölln. Montag, den 8. November, 7 Uhr, im Restaurant Wolf, Kirchhofftt. 41, Versammlung. Frl. Dr. Grunwald spricht über: Frauenfrankheiten. Entstehung und Berhüttung". Gäfte haben Zutritt. Verein der Gleimiger. Montag, den 23. November, 8 Uhr, im Wilhelms. hof", Anhaltstr. 12, Berfammlung der Gleiwiger. Gründung des in Aussicht genommenen Vereins der Gleimiger. Reichsbund der Kriegsbeschädigten, Kriegsteilnehmer unb Kriegerhinterbliebenen. Am Sonntag, den 22. November, vormittags 10 Uhr, im Orpheum, Sasenheide 32/38, Totenfeier. Mitwirkende: Gertrud Ensoldt, Martin Wolfgang ( Staatstheater Berlin), Neuköllner Sängerchor und Musikchor Freischüt". 84 Komische Fürs von Venedig Der junge Mar Dich Morgen Judith von Rostand- Klabund Regie: Viertel Staats- Theater Kleines Th. Opernhaus Täglich 8 Uhr 7: Ligeunerbaron Die Alarmglocke Opernhaus Lastsp.v.Hennequin a.Coolas am Königsplatz Werbezirk. Ander 7 Uhr: Mignon Schauspielhaus Albers, E. Burg 8 Uhr: Faust. I. Trianon- Th. Schiller Theater 8 Uhr: Alt Berliner Possen- Abend Städtische Oper Charlottenburg 6 Uhr: 8 Uhr Hochzeitstage von Geraldy Täglich 8, Uhr: HALLER Parsifal REVUE Dentsches Theater 72 Uhr: Der Theater im Admiralspalast ..ACHTUNG! Kreidekreis VELLE von Klabund 505!" 11. Rang von 2 Mk. Kammerspiele Parkett von 4 Mk. 8 Uhr. Logen von 8 Mark Hinder- Revue Man kann Heite 3 Uhr: nie wissen Alle Puppen tanzen von Shaw Die Komödie Kurfürstendamm 207 8 Unr Gesellschaft v. John Galsworthy Regie: M. Reinhardt Kleine Preise: 0.50, 1., 1.50 etc Central. Theater 8 Uhr Trieschübel Residenz- Th. 8 Uhr: Circes Heirat Hesterberg Sabo Engers. Mattoni Berliner Theater Heute 31,( KI. Pr 8 Uhr: Gastspiel d. Dtsch. Volkstheaters Wien Antonia CHARELL- REVUE 300 Mitwirkende Rang M. B.Parkett M. 6.2ter Rang M 1.50 Loge M 7.3ter Rang 75 Pi. WALHALLA Weinbergsweg, am Rosenthaler Platz Heute und folgende Tage: Große Ringkampf- Konkurrenz Internat. 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Schiffbauerdamm Täglich 8 Uhr: Die jüdische Witwe Lustspielhaus 8 Uhr Potasch& Perlmutter II. Teil Patasch& Parlmutter b. Film Wallner- Theater Tägi Uhr: Fäden Burleske von Meysel errnfeld Nach m.halbe Preise, volles Abendprogr. Dönhoff- Brett'i Das beliebte Berliner Familien- Varieté Bülowstr 6 Täglich 80. im Intimen Theat. An den Tanztagen Tanz. Rallimus d.ves Falkner- Orchesters Stall Levy mit Y Neues Theater am o Turfkomödie 18 U. Theater 1. d. v Anton Herrnfeld Lützowst.112 OO Ecke Flottwellstr. Metropol- Theater Frauen hinter Gittern Täglich 8 10 Uhr Volksstück mit Gesang u. Tanz Olly- Polly Sonnt nachm 6U: Täglich 8 Uhr: Der Weiterfolg: Schneewittchen NO NO NANETTE Vorzeig. bedeutend Operette von Kollo ermäßigte Preise! Erna Nitter Curt Bois Parke'tpl.v. 2-12 M Th. a. 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Die Vormachtstellung der Privatwirtschaft war nicht nur eine politische, fie tam auch in der wirtschaftlichen Ueberlegenheit der privaten Wirtschaft vor der öffentlichen Wirtschaft zum Ausdruc. Seit der Stabilisierung der Währung haben sich die Verhältnisse gründlich gewandelt. Inzwischen hat die öffentliche Wirt schaft einen bemerkenswerten Aufschwung genommen. Die dem Reich, den Ländern und den Gemeinden gehörenden großen Unternehmungen auf dem Gebiet der Elektrizitätsversorgung, der Gaswirtschaft, des Verkehrswesens, die fast alle in Gesellschaftsform betrieben werden, haben zum Teil anerkennenswerte Leistungen zustande gebracht. Noch fehlt es an einer gründlichen, systematischen Untersuchung über den Umfang und die Art der öffentlichen Wirt schaft. Immerhin läßt sich heute schon sagen, daß ihr Umfang viel größer ist, als gewöhnlich angenommen wird. Sie ist gewachsen, ohne daß eine planmäßige und systematische Förderung der Regierung hinter dieser Entwicklung stand. Sie ist gewachsen aus ihrer eigenen inneren Wirtschaftstraft heraus und nimmt heute eine Stellung ein, die auf die Dauer auch die Gegner zur Anerkennung zwingen wird. Der Kampf der privaten gegen die öffentlichen Unternehmungen. im geringsten die notwendige Rücksicht auf die gesamt volts wirtschaftlichen Bedürfnisse Deutschlands zu nehmen. Der Fall Giesche ist feineswegs vereinzelt. Er zeigt, daß, wenn überhaupt eine Kontrolle notwendig ist, dann diese Kontrolle in erster Linie jede Schranke eingerissen, die Privatwirtschaft kann tun und lassen über die Privatwirtschaft notwendig wäre. Hier aber wird was sie will. Jede privatwirtschaftliche Maßnahme ist ohne weiteres fanttioniert. Die Folge dieser Politik ist, daß auf den wichtigsten Gebieten der deutschen Wirtschaft die notwendige Fortentwidlung gestört und gehemmt wird. Dieser Kampf gegen die öffentliche Wirtschaft ist nur ein Teil eines planmäßig betriebenen Feldzugs. Die Heße der strie geht so welt, daß planmäßig jede finanzielle Selbstverwaltung Industrie- und Handelskammern und des Reichsverbandes der Induder Gemeinden erdroffelt wird. Die Industrie- und Handelskammern gehen jetzt schon mit dem Plan um, die Steuererhebung der Gemeinden so sehr unter ihre Kontrolle zu stellen, daß, wenn möglich, überhaupt die Verabschiedung eines städtischen Etats ohne ihre Zustimmung unmöglich gemacht werden soll. Im preußischen Handels. ministerium sind bereits Erwägungen nach dieser Richtung hin im Bange. Um so heftiger ist der Rampf, den die Privatindustrie gegen diese Entwicklung führt. Als einer der schärfften Exponenten der privatwirtschaftlichen Gegnerschaft gegen die öffentlichen Wirtschaftsbetriebe des Reiches muß der Reichsbantpräsident Dr. Schacht bezeichnet werden. In einer amtlichen Mitteilung über das Ergebnis der legten Ameritareise des Reichsbantpräsidenten wird mit befonderer Betonung unterstrichen, daß die deutsche Regierung und die Deutsche Reichsbant gegen eine zu weitgehende Borgwirtlichen Deutsche Reichsbant gegen eine zu weitgehende Borgwirt schaft von Staaten und Gemeinden" seien. Anleihen der öffentlichen Körperschaften dürften nur für produttive Zwecke aufgenommen werden, ihre Begebung müsse deswegen von der Genehmigungsstelle der Reichsregierung aufs schärffte tontrolliert werden. Eine solche Kontrolle sei aber für die Anleihen der Industrie und Landwirtschaft nicht notwendig, da diese Anleihen unmittelbar dazu beitrügen, die Produktivität Deutschlands zu er höhen." Es ist kaum möglich, einseitiger und unrichtiger über die deutsche Auslandsanleihe- Politit zu urteilen. Bei den Gemeinden wird die Befriedigung des Anleihebedürfnisses tünstlich auf ein solches Maß zurüdgedrängt, daß nicht einmal die notwendigsten Dinge davon erledigt werden fönnen. Dabei find die Unterneh. mungen der Gemeinden, für deren Ausbau Anleihen in Betracht tommen, ausnahmslos ! wichtige und unentbehrliche Hilfsfaktoren der Gesamtwirtschaft. Die Vorgänge in der Privatindustrie beweisen aber, daß die pripaten Unternehmungen Auslandsanleihen aufnehmen, ohne auch nur 300- Millionen- Anleihe der Kaliindustrie. Was ist mit der öffentlichen Kontrolle? Die Rheinisch- Westfälische Zeitung" bringt eine genaue Inhaltsangabe des Borvertrags, der zwischen dem Kalisyndikat und dem englischen Banthaus J. Henry Schröder- London über die große Kalianleihe vereinbart worden ist. Danach werden zunächst 40 Millionen Dollar und 2 Millionen Pfund Sterling, später weitere 25 Millionen Dollar, zusammen rund 300 millionen M. in der Raliindustrie neu angelegt. Rontrahent für die Anleihe ist das Syndikat. Die Verteilung des Kredits erfolgt nach der Absatzbeteiligung. Für den Zinsendienst bürgt das Kalisyndikat. Den Gläubigern werden die Einnahmen aus dem Auslandsabsatz verpfändet. Als Sicherheit werden an erster Stelle( hinter den Industrieobligationen des Dawes- Plans) Hypotheken eingetragen. Der Ausgabeturs ist 93 Proz., die vermittelnden Banten erhalten 5 Broz. Provision, der Zinssak beträgt 7 Proz. Berzinsung und Tilgung( 25 Jahre) stellen sich auf 8,19 Proz. Aus dem Erlös ( 88 Proz. des Nominalbetrags) müssen innerhalb 8 Monaten alle früheren hypothefarischen Belastungen getilgt werden( also auch Aufwertungs- und Banffredithypotheken). Soweit der Bertragsinhalt. Nach unseren Informationen ist an feiner Richtigkeit nicht zu zweifeln. Die ungeheure Bedeutung des Bertrages ist klar. Das in der Kaliindustrie insgesamt investierte Kapital wird auf 250 millionen geschätzt. Die Anleihe übersteigt also den gesamten nominellen Wert der deutschen Kaliindustrie. Vor zehn Wochen, als gerüchtweise von einer 200- Millionen- Anleihe zum erstenmal verlautete, wurde die Notwendigkeit einer Anleihe kategorisch dementiert, indem auf den gegen das Vorjahr fast verdoppelten und die Vorkriegshöhe übersteigenden Absah hingewiesen wurde. Bei vorläufig 200 mil lionen verlangt der 3insen- und Tilgungsdienst jährlich ( einschließlich der übrigen Kosten) rund 20 Millionen M. Das find für 13 bis 14 Millionen Tonnenumfaß im Werte von schäzungs weise 200 Millionen M. 10 Prog. Um 10 Broz des Umfages muß also entweder billiger gewirtschaftet werden oder müssen die Preise erhöht werden. Sie aus der Steigerung des Absatzes und der Senfung der Betriebskosten allein zu erwirtschaften, dafür besteht feinerlei Garantie. Durch die riesige Ronzentration der lezten Jahre, die zwei Dritteln der Kapitalbefizer der Schächte trotz des Protestes der Arbeiterschaft eine Rente beläßt, obwohl das Kapital tot ist, sind die noch arbeitenden Werke mit zusätzlichen Gewinnansprüchen vorbelastet. So besteht auf Jahre hinaus die Möglichkeit, daß die Umstellung der Kaliindustrie, die bis. her auf dem Rüden der Arbeiterschaft durchgeführt wurde, nun auf Rosten der Preise erfolgen wird. Damit werden aufs schwerste öffentliche Interessen betroffen. Die Kalibemirtschaftung ist eine öffentlich recht liche Angelegenheit. Durch das Kaliwirtschaftsgesetz von 1919 steht die Preisfestsehung in der Kaliindustrie Reichs organen zu. Für diese Preisfestsetzung nimmt die Anleihe, wenn sie sich als unwirtschaftlich erweisen sollte, dem Reich jede Wir fabrizieren gute Herren- und Knabenkleidung und schalten dadurch jeden verteuernden Zwischenhandel aus, deshalb am leistungsfähigsten und am billigsten. S.Hoffmann, Charlottenburg, Wilmersdorfer Straße 12. Die Stellung der Gemeinden. Diese Auseinadersetzungen werden in den Gemeinde. parlamenten in der nächsten Zeit eine größere Rolle spielen. Bei der Eröffnungssigung der neugewählten Berliner Stadt verordnetenversammlung hat der Berliner Oberbürgermeister auf diese Dinge deutlich hingewiesen. Bedauerlicherweise ist der Deutsche Städtetag dieser Entwicklung gegenüber bisher beinahe volltommen un tätig gewesen. Die Unternehmerverbände verstehen es sehr gut, durch ihre Syndici jede einzelne Gefeßesvorlage schon im Stadium des Referentenentwurfes in ihrem Sinne zu beein flussen. Der Städtetag legt eine Bassivität an den Tag, die dahin führt, daß die Gemeinden und die vertretenen Interessen der öffent lichen Wirtschaft heute fast überhaupt nicht mehr berücksichtigt werden. Bei dem Kampf, den jede Stadt um die Genehmigung einer Anleihe im Reichsfinanzministerium führen muß, wird in einer beschämenden, dem Geist der Selbstverwaltung ins Gesicht schlagenden Weise die Wirtschaft der Großstädte bis in die lächerlichsten Kleinigkeiten hinein unter die Lupe genommen. Es wird die höchste Zeit, daß der rein privatwirtschaftlichen Tendenz in den maßgebenden Instanzen endlich ein Paroli geboten wird. Es geht unter feinen Umständen an, daß jede selbständige Leistung der Ge= meinden entweder selbständig unterbunden oder von dem Gutdünken der industriellen Organisationen abhängig gemacht wird. Die öffentliche Wirtschaft ist genau so gut ein Teil der Gesamtwirtschaft wie die private, und ihre dauernde Benachteiligung muß zu einem schweren Schaden für die Gesamtheit ausschlagen. Schon zu einem schweren Schaden für tie Gesamtheit ausschlagen. Schon in den nächsten Wochen wird jedenfalls in der Berliner Stadt. verordnetenversammlung die Deffentlichkeit auf die fatastrophale Kurzsichtigkeit der Politik des Rechtsfurses hingewiesen werden, denn nur durch energische Abwehr kann die einseitige Borherrschaft privatwirtschaftlicher Gesichtspunkte verhindert werden. Möglichkeit der freien Entscheidung. Weil die Zinfen und Tilgungsfoften bezahlt werden müssen, ist die Preispolitik des Reiches von vornherein feftgelegt. Die Organe des Reiches hätten daher unter allen Umständen sowohl an der Prüfung wie an dem Abschluß der Anleihe mitzuwirken gehabt. Tatsache ist, daß weder das Reichswirtschaftsministerium noch der Reichstalirat sich mit der Anleihe befaßt haben. Obwohl das Kalisyndikat nur als reichsgefegliche Einrichtung treditwürdig genug ist, für die Anleihe eine Gesamtbürgschaft zu übernehmen, vertreten seine Herren die Auffassung, daß die Anleihe das Reich nichts angeht. Die Kalifürsten sezen also dem Reich und der Allge meinheit den Stuhl vor die Türe. Die Reichsregierung und die gefeßlichen Organe der Kalibewirtschaftung haben nicht nur das Recht, sie haben die Pflicht, die Voraussetzungen der An leihe zu prüfen und an ihrem Abschluß mitzuwirten. Daran vermag auch die juristische Spitfindigkeit der Kalifürsten, die durch die Ausnügung formeller Lücken des Raliwirtschaftsgefeßes die öffentliche Kontrolle auszuschalten gesucht haben, nichts zu ändern. Das vertruftete tägliche Brot. Unter dem Titel„ Das vertruftete tägliche Brot gib uns heute bringt das Philadelphia Tageblatt" folgende intereffante Einzelheiten über den fürzlich durch einen neuen und legten Zusammenschluß komplettierten" amerikanischen Riesen- Brottruft und feine Grundlagen: Troß aller Truft- Sprengungen", troß aller Anti- Trust- Gefeße, trog aller feierlichen Moralpauten der Herren Coolidge und Hoover und aller Gerichtsaftionen der Bundes- Handelskommission gerät die amerikanische Industrie fast von Tag zu Tag mehr unter die Kontrolle" monopolistischer Riesenkorporationen. Den Mitteilungen von dem Nickel Plate Merger" dem Zusammenschluß der letzten, bis der Bildung des mit anderthalb Milliarden Dollar tapitalisierten her ,, unabhängigen" Bahnlinien im Often und Mittelwesten und Weichkohlentrusts folgt nun die Verwirklichung des Planes eines von der atlantischen zur pazifistischen Küste grei fenden Brottrustes, der mit 400 000 000 Dollar finanziert ist und in 157 Fabriten insgesamt 5% Millionen Laib Brot pro Tag produzieren wird. " Diese Gründung des New Yorker Multimillionärs Bard front eine mehr als 30jährige Ronzentrationsbewegung in der amerikanischen Brotfabrikation. Der Brottruft vereinigt die Ward Bating Company", die Continental Bafing Corporation" bende Kraft in der Entwicklung der nach ihm benannten Korporation, und die General Baking Company". Ward selber war die trei wie auch der„ Continental", und nun hat er beide älteren Großfirmen mit ihrer stäfften Konkurrenz, der" General", zu der gigantischen neuen Gesellschaft verschmolzen, die den Namen der General Bating Company" angenommen hat und, wenn nicht theoretisch, so doch tatsächlich den amerikanischen Backwarenmarti be herrschen und dem amerikanischen Volke den Preis für sein täg liches Brot diftieren wird. bädereien in zusammen 14 Städten des Landes und erzielte Die alte Ward- Firma betrieb nicht mehr als 18 Groß im Jahre 1923 einen Reingewinn von 2800 000 Dollar, 1924 einen solchen von 4 300 000 Dollar, im laufenden Jahre dürfte ihr Profit, wie angefündigt wird, auf 5 500 000 Dollar steigen. Die Conti nental" arbeitet mit 104 Brotfabriken in 82 Städten der Vereinigten Staaten und Kanadas ,,, machte" im vergangenen Jahre 4 000 000 Dollar und schäßt ihren Verdienst" im Jahre 1925 auf 7 000 000 Dollar. Die" General" ist aber das weitaus stärkste Glied der neugebackenen Dreieinigkeit. Der amerikanische Brottrust beginnt seine Laufbahn mit 200 000 000 Dollar Dermäſſerten Attien. Das heißt, um dieſe Kleinig teit bleiben die greifbaren Bestände hinter der Kapitalausstattung Sonnabend, 21. November 1925 des neuen Unternehmens( 400 000 000 Dollar) zurück. Das bedeutet natürlich nichts anderes, als daß der Brotpreis in naher Zukunft genügend gesteigert werden wird, um nicht nur für das wirklich inDeftierte Kapital, sondern auch für das hineingeschüttete Wasser" hübsche Profitchen abzuwerfen". " des JGB. dazu, den Kampf gegen den Brottrust bereits aufDie amerikanische Arbeiterschaft hat, so schreibt die Korrespondenz genommen. Besonders aktiv zeigen sich dabei die organisierten Bäckerarbeiter, die bestrebt sind, die Arbeitskräfte der Betriebe des eglicher Organisation und tut alles, um irgendwelchen Zusehr schwierig. Denn der Brottrust ist ein geschworener Feind Trusts zu organisieren. Diese Aufgabe erweist sich allerdings als fammenschluß unmöglich zu machen. Ferner sehen sich die Arbeiter ber Fabriken des Brotterusts zum größten Teil aus ungelernten und sehr schlecht bezahlten Arbeitskräften zusammen, die leicht ersetzt werden fönnen und deshalb den Unternehmern und ihren Sflaventreibern ausgeliefert find. Gleichzeitig fann gesagt werden, daß diese schlechten Löhne, die technischen Berbesserungen in den Betrieben und beträchtlich vermindern, feineswegs etwa den Brotpreisen zugute die Einführung der neuesten Maschinen, die die Zahl der Arbeiter minne. tommen. Im Gegenteil, diese steigen und mit ihnen die Geordentlichen Kongreß neuerdings wieder energisch für die„ U nion= Der Amerikanische Gewerkschaftsbund, der sich auf dem letzten Label, d. h. die auf allen Gütern und waren anzubringende gewerkschaftliche Kontrollmarte einsetzte, fordert auch in diesem Falle alle Arbeiter auf, nur mit der Union- Label versehene Bäckereiwaren zu kaufen. Er hält dies, abgesehen von der Organis fation der Arbeiter, für die sicherste und wirksamste Methode zur Bekämpfung des Brottrusts. Fleischerverband, Attiengesellschaft( 5) a flag), die sich in der Haupt Zur Frage der Fleischversorgung. Die Handelsgesellschaft fache mit der Einfuhr von Fleisch und mit der Versorgung der Ladenschlächter mit Gefrierfleisch beschäftigt, an der infolgedessen Verbände des Ladenfleischergewerbes beteiligt sind, hielt am Donnerstag ihre Generalversammlung ab, der sie ihren Abschluß für das Geschäftsjahr 1924 vorlegte. Gleichzeitig benußte die Berwaltung die Gelegenheit, um über die gegenwärtige und zukünftige Fleischpersorgung Deutschlands Aufschlüsse zu geben. Die Berwaltung vertritt die Ansicht, daß durch die Bölle die Einfuhr für die Einfuht von Corned beef unmöglich fein. Das Kontingent gewisse Fleischarten gedrosselt ist. Zum Beispiel wird für Gefrierfleisch ist im wesentlichen den Einfuhrfirmen zugeteilt worden, die das in der Weise ausnußen, daß sie qualitativ nicht hochwertiges Gefrierfleisch zur Einfuhr bringen. Die Haflag hat bisher ihre Abnehmer in ausreichender Weise versorgen tönnen, doch dürfte ihr Kontingent in den nächsten Tagen ausverkauft sein, ebenso das Kontingent der Rhein- Haflag, einer Tochtergesellschaft des Unternehmens, die wieder in Betrieb gefeßt worden ist. Die Einfuhr von Fleisch hat unter dem Druck der Zölle eine Schlachtungen im Inlande gestiegen, so daß eine schlechtere BerVerminderung erfahren, auf der anderen Seite sind aber die forgung nicht eingetreten ist. Es sei anzunehmen, daß von außen teine Chance für billige Preise gegeben ist, und wenn augenblicklich von der Westseite billigere Partien angeboten werden, so liege dies daran, daß man sich dort ohne Rücksicht auf die Kontingentierung eingedeckt hat und infolgedessen diese Borräte loszuschlagen fucht. Der Haflag ist es gelungen, im laufenden Geschäftsjahr Verluste, die Wahrscheinlichkeit nach mit einem positiven Ergebnis, auf feinen fie vorher gehabt hat, auszugleichen, so daß das Jahr 1925 aller Fall mit einem Berlufte beendigt werden wird. Bamag- Meguin A.-G. Für die Berlin- Anhaltische Maschinenfabrit A.-G. hat sich infolge der schweren Kohlenkrise die Fusion mit der Meguin A.-G. in Oberbuzbach vorläufig als ein Fehlschlag erwiesen. Das nach modernsten Gesichtspunkten ( auch hinsichtlich der Ausbeutung billigerer Arbeitsträfte) während der Inflationszeit erbaute Butzbacher Wert, das ausschließlich auf die Belieferung des Steinkohlenbergbaus mit Aufbereitungs- und Verwertungsanlagen eingerichtet war, mußte zum größten Teil stillgelegt werden. Die Buzzbacher Verluste, die sehr beträchtlich gewesen sein müssen, haben die Gewinne der Betriebe in Berlin, Dessau, Köln- Bayenthal und die Gewinne aus den Beteiligungen nach dem Geschäftsbericht bis auf 30309 m. aufgezehrt. Sonst hinterlassen Geschäftsbericht und Bilanz von der Lage des Konzerns einen guten Eindruck. Abgesehen von Buzzbach ist offenbar sehr gut verdient worden. Der Gaswerksbau für öffentliche BeIndustrie, insbesondere die Spezialgebiete der Abhigeverwertung triebe und die Industrie, die gute Konjunktur der chemischen des Wasserfaches und gewisser chemischer Sonderzweige, brachten reichlich Beschäftigung und Gewinne. Das Auslandsgeschäft ist erheblich erweitert worden. Interessant ist eine Aus. wirtung der internationalen Schußzollmauern. Um die Zollverteuerung zu umgehen, mußten ganze Konstruktionen mit ausländischem Material und ausländischen Kräften von auss ländischen Firmen hergestellt werden. Eine tollere Auswirkung des Schutzzollunfinns, der auf diese Weise auf Kosten Deutschlands dem Ausland die Arbeitslosigkeit verringert und Profite fünftlich in den Schoß wirft, läßt sich taum denken. Die Abschreibungen mit 1,05 millionen( bei 2 Millionen Zugängen) find reichlich; auf Maschinen und Fabrikeinrichtungen betrugen fie fast 20 Broz. Die Berschuldung ist gering Die Gläubiger( einschließlich Anzahlungen) sind von 9,41 auf 13,3 Millionen gestiegen. Durch Forderungen und Vorräte, die zusammen von 11,7 auf 14,5 Millionen gestiegen sind, sind sie reichlich überdeckt. Mit Bankschulden scheint die Verwaltung vorsichtig gewesen zu sein. Eine Dividende wird nicht verteilt. Die leberwindung der Bergbautrise, für die immerhin schon gewisse Anzeichen sprechen, wird auch das BuzzVerwaltung rechnet auch offenbar damit. bacher Wert wieder zu einer Quelle des Profits werden lassen. Die Hirte nahestehenden Unternehmungen Union und Juhag Fufion der Union und der Juhag. Die beide dem Bankhaus ( Industrie- und Handels- 2.- G.) befchloffen in ihren Generalversammlungen die Fusion der Juhag mit der Union. Juhag war bisher Besizerin der Handelsstätte Belle Alliance in der dem Erlös Bankgeschäfte, während die Union GrundLindenstraße und betrieb nach dem Verkauf dieser Handelsstätte mit ftüdshandel und Bautätigkeit betreibt. Nach den Mitverfäufe mit Gewinn vorgenommen und hat auch in der Bauteilungen in der Generalversammlung ist die Union im laufenden Geschäftsjahr sehr gut beschäftigt. Sie hat verschiedene Grundstücksabteilung und im Fabritationsbetriebe reichliche Beschäftigung. Durch die Fusion fließen ihr erhebliche Barmittel zu, die sie in dieser geldtnappen Zeit sicherlich gut wird verwenden können. Erneuerung eines Zementfynditats. Nach schwierigen Berhandlungen ist nun der neue Vertrag für den Norddeutschen 3ementverband G. m. b. 5. auf zehn Jahre vom 1. Januar 1926 bis Ende Dezember 1935 abgeschlossen worden. Komet Freilauf" gehört in jedes Fahrrad! Unverwüftlich im Gebrauch! 22013 Zusammentritt des Reichstags. Hilferding über den deutsch- italienischen Handelsvertrag. Die Sigung des Reichstags wird um 1 Uhr 20 Minuten| führe, und dabei den Reichstag ausschalte. Dagegen müsse der eröffnet. Haus und Tribünen find start besetzt. Die Bläße der seit schärfste Protest erhoben werden.( Sehr richtig! bei den Soz.) der Vertagung gestorbenen drei sozialdemokratischen Ab. Hilferding wies dann im einzelnen nach, daß von einer beson geordneten find bekränzt. Bräsident Löbe widmet den dahin- ders erfolgreichen Handels peolitit der Regierung nicht ge geschiedenen Abgg. Bausch( 3.), Peter Spahn( 3.), Helling sprochen werden könne, das zeige fich deutlich bei einem Bergleich ( Soz.), Frau Bartels( Soz.) und Lauffötter( Soz.) warm empfundene mit anderen Ländern. So habe England seinen Anteil am Außen Nachrufe, in denen er der besonderen Verdienste der Gestorbenen handel der Welt von 1913 bis 1924 von 17 auf 19 Broz. steigern um den Reichstag und die Allgemeinheit gedenkt. Auch dem Abg. fönnen, dagegen sei der deutsche Anteil von 13 auf 6,7 Proz. gePreuß, dem Schöpfer der Weimarer Verfassung, widmet Läbe ein funken. Es müsse also alles geschehen, um die Exportmöglichkeiten schlichtes Gedenkwort. Zum Zeichen der Trauer haben sich die Ab- der deutschen Industrie zu steigern. Wie die Regierung aber die Handelspolitik betreibe, das habe sich bei Spanien gezeigt, wo Deutschland eine schwere Niederlage erlitten habe.( Sehr wahr! bei den S03.) Und offenbar haben die Verhältnisse mit Spanien auf die Verhandlungen mit Italien zurückgewirkt. geordneten von den Plägen erhoben. Gegen die geschäftliche Behandlung des Gesezentwurfs über die Beschäftigung von Kindern in der Filmindustrie in der legten Sommerfigung des Reichstags haben die Vertretungen einiger Länder Einspruch erhoben.( hört, hört!) Auf Vorschlag des Präsidenten wird der Einspruch dem Geschäftsordnungsausschuß überwiesen. Es erregt große Heiterfeit, daß sich unter den Abgeordneten, die um Urlaub nachgesucht haben, auch der frühere Minister Schiele befindet. Bor Eintritt in die Tagesordnung beantragt Abg. Hoch( S03.) den sozialdemokratischen Antrag auf Erhöhung der Erwerbslosenunterstützung und Berlängerung der Unterstützungsdauer sofort auf die Tages: ordnung zu setzen und ohne Beratung den zuständigen Aus= schüssen zu überweisen. Das Haus stimmt diesem Antrag zu. Die vorliegenden Anträge auf Gewährung von Beihilfen an die Beamten und einer Erhöhung ihrer Bezüge werden ohne Aussprache dem Ausschuß überwiesen. Von der sozialdemokratischen Fraktion liegt folgender Antrag vor: 1. die Reichsregierung zu ermächtigen, den 3uschlag zu den Grundgehältern der Reichsbeamten(§ 9 des Gesetzes über die weitere vorläufige Regelung des Reichshaushalts für das Rechnungsjahr 1925 vom 31. Juli 1925) vom 1. Ottober 1925 ab für die Reichsbeamten, die die Bezüge der Besoldungs gruppen I bis VI erhalten, von 12% auf 30 Pro3. und für die Reichsbeamten, die die Bezüge der Besoldungsgruppen VII bis IX erhalten, von 10 auf 20 Broz. zu erhöhen; 2. die Reichsregierung zu ersuchen, dem Reichstag sofort den Entwurf eines Gesetzes zur entsprechenden Aenderung des Gefeges über die weitere vorläufige Regelung für das Rechnungsjahr 1925 vorzulegen. Es folgt die erste Beratung des Gesetzentwurfs über den AbSchluß eines Handelsabkommens zwischen Deutschland und Italien. Reichsaußenminister Stresemann führt aus, daß die Regierung großen Wert auf die schnelle Verabschiedung dieser Vorlage lege. Es habe sich in diesem Falle gezeigt, daß der 3olltarif ein brauchbares Instrument zu Handelsvertragsverhandlungen sei. Es jei gelungen, auweitgehende Forderungen Italiens abzuwehren, auf der anderen Seite 3ugeständnisse für wichtige deutsche Industrien zu erreichen. Beide Länder haben sich die weitest gehende Meistbegünstigung zugestanden. Die neue Regelung foll Don langer Dauer sein, man habe erreicht, daß Deutschland als gleichberechtigter Vertragsgegner auftreten tönne. Abg. Dr. Hilferding( Soz.) erhebt Einspruch dagegen, daß dieser Bertrag icht nur im ganzen angenommen oder abgelehnt werden solle. Es sei eine Beein trächtigung der parlamentarischen Rechte, wenn dem Reichstage nicht die Möglichkeit gegeben werde, rechtzeitig Abänderungen vornehmen zu können. Man habe in der letzten Zeit Entgegen dem flaren Willen des Reichstages hat die Regierung in ganz illoyaler Art den Vertrag mit Spanien vier Wochen nach der Ratifikation gefündigt. Wir haben hierbei nicht nur eine wirtschaftliche, sondern eine schwere politische Niederlage erlitten, das Bertrauen des Auslandes zur deutschen Regierung ist durch die Teilnahme der Deutschnationalen schwer erschüttert worden.( Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Während der Dauer des Handelsabkommens mit Spanien hat fich die Ausfuhr von Fertigerzeugnissen dahin ständig gesteigert. Man hat aber schließlich partitularistische Interessen den Allgemeininteressen geopfert. Der Wert des ganzen deutschen Weinbaues beträgt 80 Millionen Mart im Jahre, soviel hat allein die Steigerung der Ausfuhr deutscher Fertigerzeugniffe betragen ( hört, hört!). Nur die demagogischen Rüdfichten einer einzelnen Partei auf die Winzer, denen in qnderer Weise geholfen werden kann, haben durch die Kündigung des Handelsvertrags mit Spanien zu einer schweren Schädigung der deutschen Wirtschaft geführt.( Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Der Redner weist dann an bemerkenswerten Tatsachen nach, daß auch vom Standpunkt der Landwirtschaft aus gesehen dem Weinbau mit fünftlichen und kostspieligen Maßnahmen nicht geholfen werden könne. Aber mur aus wahldemagogischem Interesse haben die Deutschnationalen die Kündigung des Bertrags mit Spanien be trieben und damit wie der ganzen Wirtschaft, so insbesondere der Landwirtschaft schweren Schaden zugefügt. Die Regierung hat aus Angst vor der deutschnationalen Demagogie eine schwere Niederlage erlitten, fie muß in den neuen Verhandlungen mit Spanien viel größere Sugeständnisse als früher machen.( Sehr richtig!) Wie fich diese ungünstige handelspolitische Stellung Deutsch lands gegenüber Italien ausgewirtt hat, zeigt Hilferding an einzelnen Bofitionen des Vertrages. Deutschland hat auch hier Deutschland hat auch hier weitgehende Zugeständnisse machen müssen, im Gegensatz zu dem Außenminister müsse man zu dem Schluß fommen, daß Deutschland Dabei sehr ungünstig abschneide. Auch hier habe man nicht sachliche Arbeit geleistet, sondern auf die demagogischen Be. dürfnisse der Rechtsparteien Rüdsicht genommen.( Sehr richtig! bei den Soz.) Es sind Italien Zollherabsehungen zugestanden worden, ohne daß man gleichwertige Zugeständnisse für uns erreicht hat, und das war eine Folge davon, daß man auf die Wünsche bestimmter Interessenten weitgehende Rücksicht nehmen wollte. Die ganze Handelspolitit der Regierung stand bisher, so müsse zusammenfassend gesagt werden, nicht im Zeichen einer 3dee, fondern im Banne der deutschnationalen Demagogie.( Sehr richtig! bei den Soz.) Genosse Hilferding schloß mit einem leidenschaftlichen Protest gegen die Gewaltmethoden der faschistischen Regierung Mussolinis, der von dem ganzen Hause im höchsten Grade beachtet wurde und bei der Mehrheit stürmischen Beifall auslöfte. dem deutsch- italienischen Handelsvertrag zustimmen werde Die Bedeutung des deutschen Weinbaues fönne nicht nur zahlen mäßig abgeschäßt werden, es steckten auch große ideelle und volksfulturelle Berte darin. Die Vorwürfe Hilferdings gegen die Regle. rung wegen der Entstehung des deutsch- spanischen Zollfonflikts seien zu hart gewesen, aber in der Beurteilung des Ausgangs diefer Angelegenheit tönne man ihm zustimmen. Während Abg. Dr. Schneider- Dresden( D. Bp.) ebenso mie Stresemann in dem deutsch- italienischen Vertrag den Beweis dafür sehen will, daß die Befürchtungen gegen die Bolltarifnovelle sich nicht bestätigt hätten, ist Abg. Meyer- Berlin( Dem.) der Meinung, daß sich bei den Verhandlungen gezeigt habe, wie bedenklic der Zolltarif wirte. Die auf allen Gebieten durchgesetzte Senfung der autonomen 3ölle für viele Produkte seien Meistbegünstigung in dem vorliegenden Handelsvertrag und die zu begrüßen. Ein bitteres Gefühl bleibe bestehen, daß man einen Vertrag mit einer Regierung abschließen müsse, die das deutsche Bolf in Südtirol unterdrüde. Die weitere Aussprache über den Handelsvertrag wird hierauf auf Sonnabend vertagt. Bur ersten Beratung fommt nunmehr ein Gesezentwurf über die Entlastung des Reichsgerichts. Danach soll die Verordnung, nach der die Revision nicht auf eine Berletzung der Vorschriften über die Ausübung des richterlichen Fragerechts und die Beweiswürdigung geftügt werden kann, bis zum 31. Dezember d. J. verlängert werden. Der Entwurf wird ohne Aussprache dem Rechtsausschuß überwiesen, ebenso ein Gesezentwurf gegen Schund- und Schmugschriften. mit der Tagesordnung: Fortsetzung der Aussprache über den Um 44 Uhr vertagt sich das Haus auf Sonnabend 1 Uhr deutsch- italienischen Handelsvertrag sowie 3011abtommen mit Desterreich und der Schweiz. Sport. Was geht im Radsport vor? In dieser Bom Deutschen Rennfahrer Berband wird uns ge schrieben: Als vor Jabrésfrist mit Hilfe der Sportpresse die damals schwebenden Differenzen mit dem Verband deutscher Radrennbahnen( VDR.) beigelegt waren, glaubten wir mit der Schaffung des Schlichtungsausschusses und des Obersten Schiedsgerichts eine Instanz geschaffen zu haben, die dem deutschen Berufsradrennsport der Gesundung zuführen und fünftig alle Differenzen mit dem BDR aus der Welt schaffen würde. Hoffnung find wir arg enttäuscht worden. Der Bechsel der Personen im Borstand des Berbandes deutscher Radrennbahnen hat für unseren BerBechsel bedauerlicherweise wieder einmal durch Meinungsverschiedenheiten band feine günstige Wirkung ausgelöst, vielmehr baben fich nach diesem Konfliktsstoffe zwischen den beiden Berbänden angehäuft, die unserer Anficht nach nur geregelt werden können durch eine unparteiische über beide Ver bände ftehende Drganisation, die in gewiffem Sinne aufsichtführende Be hörde fein muß. Denn was nüßt ein Schlichtungsausschuk, wenn es nicht au einer Einberufung desselben fommt, oder wenn der BDR. von diesem gefaßte Beschlüsse als null und nichtig erklärt? Bir fordern baber bie fofortige Bildung einer folgen aufsichtführenden Drganisation, die naturgemäß beweglich und ständig sein muß. wir sind der Ansicht, daß nur eine solche Oberfte Radsport behörde ben deutschen Berufsradrenniport der so notwendigen Ge fundung zuführen kann, da felbft bei bestem willen beider Verbände ftets Meinungsverschiedenheiten entstehen werden, die aus der Natur der Konstruktion beider Verbände geboren find und die fich nur beseitigen lassen, wenn über den Parteien eine Macht steht, die zielbewußt eine völlige Reorganisation des gesamten Radrennsports anstrebt und energisch durchführt". Soweit die Zuſchrift des DNB. Die darin geforderte Schaffung einer Obersten Sportbehörde muß man im Intereffe des Berufsradrennsports nur begrüßen. Es geht wirklich nicht länger an, daß der BDR. zugleich den Richter im Radsport stellt, zumal diefes verant wortungsreiche Amt nicht immer in einwandfreier Weise vom BDN. ausgeübt wurde. Die fürzlich stattgefundene Besprechung zwischen Vertretern des Rennfahrer- Berbandes und der Breffe hat jedenfalls ergeben, daß im BDR. Kräfte am Werte find, den Unternehmerstandpunkt grob zur Ausführung zu bringen. Soweit darf es aber, wenn wir den Radsport vor weiteren Erschütterungen bewahren wollen, niat tommen! Die Rennfahrer bieten die Hand. Der VDN. hat die Pflicht, fie zu ergreifen! Wetter für Berlin und Umgebung. Barmer, meist bewölft mit etwas Regen. Für Deutschland. In Südwestdeutschland noch ziemlich heiter, überhaupt wahrnehmen müffen, daß die Regierung wichtige handels- mangelhafte Unterrichtung des Reichstags durch die Regierung. sonst überall bevöitt und strid, weise etwas Regen, allenthalben Erwärmung. politische Maßnahmen auf dem Verordnungswege durchKopfschuppen vergeben sicher, ohne wieber zu lommen, wenn Sie Ihre Haare regelmäßig mit Lavaren waschen. Abg. Dr. Lejeune- Jung( Dnat.) protestiert gleichfalls gegen die Der handelspolitische Ausschuß werde noch eine gründliche Prüfung der Vertragsbestimmungen vornehmen müssen, besonders werde die Frage zu klären sein, welche Maßnahmen getroffen feien, um Deutschland gegen Balutadumping anderer Länder zu schützen. Abg. Cammers( 3.) erklärt, daß die Zentrumsfrattion Tabletten Nonbinst in allen Apothefen u. 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Mein Freund sprach von Skythen, den einstigen Bewohnern dieser Steppen, von schweren, ehernen Steigbügeln und Gebissen ihrer Sättel und der einfältigen Kunst ihrer Grabhügel. Er erzählte noch, wie in Kertsch bei klarem Wetter Säulenreihen einer verschlungenen griechischen Stadt durch dos Meer zum Borschein treten, wie dieses bisweilen mit schwarzem, vermodertem Korn gefüllt« Amphoren gegen das Ufer schleudert. Di« Sonne ging unter. Die Erde wurde finster und glich selbst schwarzem vermoderten Korn. Was an herbstlichen Berücken übrig blieb, schmeckt« noch Moder. Da fiel mir ein anderer Grabhügel ein, der einst vor meinen Augen und durch mich entstand. Im Winter 19l9 passiert« ich die Station Tatarka. Ich lag im Typhus und träumte:„Äoltfchak ist nicht erschossen, ist zurückgekehrt, und wieder fahren ungeheure Trupvenzüge nach Orsk, und wieder handeln wie einst Chinesen mit Seide. In heihe, grüne Seide sind meine Füße eingehüllt: mein« Nägel sind hart wie Nierenstein, und trotzdem bin ich außerstande, die Seide zu zerreißen. In Orsk, wo ich matt und hungrig den Wagen verlieh, versagten meine Beine. Das hinderte die Provinzial-Sowjet-Exekuttv« nicht, meine Kandidatur auf einen Posten als Leiter der Lußerfchulabteilung in dem Bolksaufklärungsamt aufzustellen. Ich hatte Shakespeare stets gern gehabt und damals, nach überstanden em Typhus, war er mir noch lieber, wer weiß, ob nicht durck seinen dreihundertjährigen Siegeszug. Roch meiner Ernennung zum Leiter schrieb ich die ganze Nacht hindurch einen Dortrag und wollte nicht mal schlafen. Ich bemühte mich, zu beweisen, daß die künstlerische Bildung der Massen von oben an, das heißt, von Shakespeare anzufangen sei. Draußen stand das Thermometer auf 49 Grad Kälte, die Wasser- leitung war eingefroren, und abgemagerte, mit Holz beladen« Bauernpferdchen sanken in den Schneehaufen. Das Stadtbild stand im Zeichen von Typhus und Kälte. Die Schauspieler fürchteten sich vor der Tscheka, denn alle hatten sie an den patriotischen Aufführungen von Kolfichok teilgenommen. Auf meinem Kopf wuchs kein Haar nach dem Typhus— nur fflaum. Ich hatte geschwollene Augen und ein mageres Mongolen- Kärtchen. Die Schauspieler sahen mich nicht an und willigten rasch ein, Shakespeare zu spielen. Daraufhin requiriert« ich die gesamte Seide, Samt und Papp«— und zehn Tage später spielten all« Theater. Dolkshäuser und Klubs Shakespeare. In Halbpelz, Wickelgamaschen und Soldatenschuhen ging ich von einem Schauspielhaus ins andere, und überall trafen mich die meinem Herzen, ach so lieben, festlich redenden und festlich gekleideten Helden des großen Engländer». Aus Moskau kamen inzwischen Anweisungen, und bald sah die Provinzial-Exekutio« ein, daß Shakespeare nicht vorschriftsmäßig fei und daß es auch Zeit sei. einen revolutionären Spielplan einzu- führen. Doch erwies es sich bei näherer Betrachtung, daß ich die ganzen Stoff«, Farben und Pappe für Shakespeare ausgegeben hatte, sodaß für einen revolutionären Spielplan weder Stoff noch Kleider übrig geblieben waren. Bei dieser Getegenheit kam es zu Tage, daß ich bis jetzt nicht Mitglied der RKP.(Russische Kommunistische Partei) bin und auch sonst keine Spur von Perstand besitze. Meine Freunde von der Exekutive waren sehr erstaunt, doch mich in die Partei einschreiben zu lassen, schlugen sie aus Zartgefühl nicht vor. Ich(wahrscheinlich in meiner Rekonvaleszentenfreud«) konnte auch nicht begreifen, was mir die Partei nütz«, wo ich so gute Freunde habe. Trotzdem hieß man mich die Sachen der Abteilung einem anderen übergeben. Mir war es um so lieber, als ich Shakespeare nicht weiter aufführen durste. „Geh jetzt zur Zeitung und schreib,' wurde mir in der Exekutive gesagt. „Und wenn ich e» nicht mag?' „Dann fahr« ale Instrukteur in die Provinz.' Damit war ich einverstanden. Schon am nächsten Tage bestellte man mich nach der Provin,zial-Exekutive. „Es ist bekannt geworden,' wurde mir erklärt,„daß auf der Station Tatarka, zweihundert Werst von hier, achttausend Leichen aufgestapelt sind. Um keine Provinzknoten zu verstopfen, wurden sie dorthin aus der Gegend von Rikolajewsk und Orsk gebracht. Die Packhäuser der Station sind überfüllt, die Leichen liegen auf den Gleisen. Der Frühling ist nicht mehr weit und sie müssen innerhalb von drei Wochen begraben werden, denn sonst tritt Verwesung ein, die mit Pest und allen möglichen Seuchen droht.' Der Sekretär hatte ein« exakte, telegraphenmäßig« Stimm«. Er trug hohe Filzstiefel und einen Militärmantel mit gestopftem Stiegen. Am saubersten war an ihm der Revolver. „Was hat die Provinzial-Exekutive vorzuschlagen?' fragte ich. „Die Provinzial-Exekutive gibt Ihnen, Genosse Iwanow, unbe- schränkte Vollmacht über den Tatarkakreis, drei Sprengpioniere, Dynamit, einen Schriftführer, eine Typistin. Außerdem erhalten Sie einen Extrawagen auf der Eisenbahn.' „Und wenn die Verwesung«ntritt?' „Nichts zu machen, Genosse.' „Bei solcher Angelegenheit war« Alkohol sehr angebracht.' Jetzt leierte der Sekretär mit inniger Tenorstimme:„Wenn nicht zuviel, so geht es noch. Quatsch nur nicht zuviel. Fahre nur hin, was zum Teufel sträubst du dich? Bist ja Schriftsteller, das mußt du gesehen haben.' „Sage ich denn etwas dagegen? antwortet« ich. Der Posten hatte eine Hasenpelzmütze an. eine sehr weiße und sehr neue. Er schien außerordentlich vergnügt zu sein. Als ich ihm nähertrat, sprach er von etwas ganz anderem, mir so verständlichem. „Das Rauchen ist nur vor Pulvermagazinen verboten und hier ist ja Fleisch, das fliegt nicht in die Luft." Dabei zeigte er auf seine Murmanpfeife.„.„ Und die Leichen lagen in Stapeln. Alle zwei Kloster waren große Pfosten in die Erde geschlagen, dazwischen befanden sich die Leichen. Man hatte sie hierher auf offenen Eisenbahnwagen gebracht. Mehrere von ihnen waren eingefroren und von einem schimmeligen Häutchen wie Kuchenteig bedeckt. Es wird oft von toten Augen geschrieben, doch scheint es mir, sind die Arm« vor allem am peinlichsten anzusehen, vielleicht, weit .Wir werden die Millionen national denkender Massen zusammentrommeln, auf dah sie-- wir sie sonst angekleidet sehen, und hier waren sie alle nackt, mit aschfahlem Schimmer auf den spitz hervorragenden Knochen. Mich überkommt jetzt stets ein befreiendes Freudegefühl, wenn ich vom Fleische befreite Knochen sehe. Dort lagen die Leichen ungleichmäßig gekrümmt, mit dem Rücken zu den Pfosten. Als ich zu meinem Wagen ging, lief ein fuchsähnlicher Hund vorbei und verschwand hinter dem Schnee. In dem Maule hielt er einen Unterschenkel mit bis auf die Knochen ausgefressener, durch- frorener Wade. Im Wagen bemächtigte sich meiner für einen Augenblick eine weiche, eisige Uebelkeit. Die Typistin schrieb schon einen Befehl über Fuhrwerkaus- Hebung, und die Frühlingssonne schien auf die Tasten der Schreib- Maschine. So kam es, daß drei Tage später die Station von blauen Kufen der Bauernschlitten umzingelt wurde. Ausseher liefen zu meinem Wagen.„Wohin zu fahren?' schrien sie. Doch weder ich noch die Kreisexekutive wußten, wohin die Leichen zu bringen waren. Die Pioniere hatten zwar versucht, eine Grube mit Dynamit zu sprengen. Der Poden, Lehm und Sand- schichten, aalle sich aber, glitt wie Schlamm und ging nur in die Breite auseinander. Von den sämtlichen Viertausend der Stadtbevölkerung hatten sich nur dreihundert arbeitsfähige Menschen mit Schaufeln zu- sammengefunden. Graben?— Graben konnten sie nicht. Das Grab sollte mächtig werden, der Lehmboden war aber in diesem Jahr unheimlich durchfroren und zwischen den Lehmschichten lag fast warmer, wie auf Säcke geschütteter Sand. Die Bauern warteten drei Tage und fuhren schweigsam auseinander, denn alle kannten sie schon den Vorschlag des Vorsitzenden der Kreisexekutive Medwedjew. die Leichen unter die Dörfer zu verteilen. Er war ein gebückter Eisenbahnarbeiter mit steifem Mund und haßte grimmig die Landbevölkerung:„An Koltschaks Seite haben sie gekämpft, an seiner Seite sollen sie auch in die Erde wandern durch die Hände eigener Anverwandten.' Der Kreis war fünfhundert Werst breit und die Leichen überall hinzubringen, hatten die Bauern keine Zeit. Und so blieb ich wieder in meinem Wagen allein, weitere Be- fehle zu verfassen. Mittags, als die Sonne am stärksten schien, schwärzten sich die Leichengesichter. Der Feuerwehrmann aus dem Wachtturm schlug zwölf und Schildwachen schössen vor lauter Wut mtr nichts dir nichts auf vorbeilaufende Hunde. An einem solchen Mittag, wo mir schien, die ganze Station rieche nach Perwesung, und die seltenen Züge huschen besonders rasch vorbei— versammelte ich die Pioniere. Wir kamen zum Be- schluß, das Eis auf dem Tatarkaflutz zu sprengen und die Leichen daninter zu werfen. Der Fluh zog über die Tajga(Sibirischer Wald) und Dörfer standen an ihm so gut wie gar keine. Die Pioniere griffen freudig nach Zündschnüren und Dynamit. Kleine Pferdchen mit dicken Hufen sausten, als ob sie purzeln müßten, berg- abwärts. Und selbst die Lokotnotivsignale, schien es mir, heulten nicht mehr so heiser._(Schluß folgt.) Der tzof öer Königin Luise. Der soeben erschienenen Schrift Dr. Grablsoffs „Dos walire«esickt der Kohen, oller n" lBerloo Guslov Biemsen. Berlin) mit Eenehmiauna des Berlages entnommen. Es muß festgestellt werden, daß an, preußischen Hefe nie, weder vorher noch nachher, so glänzende Feste geseicn worden sind, wie zur Zeit der höchst vergnügungssüchtigen Königin Luise, die selbst das böse Wort von dem„Schlaraffenleben" geprägt hatte. Im Ver- ein mit ihrem phantastischen Bruder Karl war sie unermüdlich, die -- in gewaltiger Demonstration ihren starken willen gegen da« lasche Versöhnungswerk von Oocarno ausdrücken.' Feste möglichst vielgestaltig und glänzend zu arrangieren. Roch 1799 schreibt in trüber Vorahnung die Gräfin Voh:„Man denkt an nichts als an die Redoute— Gott weiß, wie das alles gehen wird: ! gebe der Himmel, daß die Reihe nicht an uns kommt.' Lassen wir über die Zustände gm Hofe der Königin Luise Zeitgenossen selber sprechen. Ueber die damalige Demoralisation berichtet der bekannte Kriegsrat von Cölln:„Die Nation ist schon sehr verdorben. Der Hof ging in allem, was nur Luxus, Verschwendung, Liederlichkeit und Hintansetzung aller Sittlichkeit genannt werden konnte, voran. Die Hauptstadt stimmte mit ein. Die Provinzen folgten nach. Man konnte Berlin das große Bordell des preußischen Staates nennen, worin das unnatürliche Laster der Sodomie täglich übler wurde. Die Weiber sind so verdorben, daß selbst vornehme, adlige Damen sich zu Kupplerinnen herabwürdigen, junge Weiber und Mädchen von Stande an sich ziehen, um sie zu verfuhren, wobei sie die Kunst verstehen, leichte Ansteckungen zu kurieren, für Schwangerschaften aber künstliche Präservative verkaufen. Manche Zirkel von aus- schweifenden Weibern vereinigen sich wohl und mieten ein möbliertes Omartier in Kompanie, wohin sie ihre Liebhaber bestellen und ohne Zwang Bacchanale und Orgien feiern, die selbst den Regenten von Frankreich unbekannt und neu gewesen wären. Du findest oft in den Hurenhäusern noch wahre Vestalinnen gegen manche vornehme Berliner Dame, die in pudlico als Tonangeberin figuriert. Es gibt vornehme Weiber in Berlin, die sich nicht schämen, im Schauspiel- haus auf der Hurenbank zu sitzen, sich hier Galane zu verschaffen und mit ihnen nach Hause zu gehen. Der Offiziersstand, der schon früher ganz dem Müßiggang ergeben, den Wissenschaften entfremdet war, hat es am weitesten unter allen in der Gcnußferttgkeit ge- bracht. Sie treten alles mit Füßen, diese privilegierten Stören- friede, was sonst heilig genannt wurde: Religion, eheliche Treue, alle Tugenden der Häuslichkeit. Ihre Weiber selbst sind unter ihnen Gemeingut geworden, die sie verkaufen und vertauschen und sich wechselweise verführen. Das bis zu tieffter Niedrigkeit gesunkene zweite Geschlecht läuft in der Residenz sowie in den Provinzstädten nur diesen jungen Müßiggängern nach, bei denen sie kräftige Be-- sriedigung ihrer Geilheit erwarten, sehr oft ober nur erschlaffte Muskeln finden." Friedrich Wilhelm hat damals, als er den Thron bestieg, eine Fülle von Plänen im Innern getragen, die, zur Reife gelangt, vielleicht den völligen Zusammenbruch seines Staates verhindert hätten. Aber Wohlmeinen ist nicht Energie, und zögernde Halb- heit tötet den Entschluß. Die Ereignisse in der Welt gingen ihren Gang, Preußen lag nach dem schmählichen Zusammenbruch der" Armee bei Jena und Auerstedt zertrümmert am Poden. Ganz er- bärmlich ist die Haltung Friedrich Wilhelms in diesen für Preußen schwärzesten Tagen. Auf der berühmten Flucht nach Meine! ver- anstaltete der König in Osterode eine große— Clchjagd! Die Berichte der russischen und englischen Diplomaten, die in Graudenz und Osterode um Friedrich Wilhelm waren, find voll von immer neuen Klagen über seine Gleichgültigkeit, seine Apathie, seine Neigung für die Beschäftigung mit.„Futilitäten"(Nichtigkeiten), seine Scheu vor großen und raschen Entschließungen.„Er hat, scheint es, noch zehn Königreiche zu verlieren,' schreibt Benkendorff,„er verdient kein besseres Los.' Nock härter urteilt die Oberhosmeisterin, sie schreibt am 39. Oktober:„Die Unentschlossenhe't des Herxn. feine Laune, seine Verblendung für seine Umgebung sind unser Unalück!" Und des Königs Schwager, der Prinz von Oranien, schreibt einiae Monate sväter über ihn:„Das schlimmste ist, daß der größte Feind des Königs, die Hauptursache seiner Unglücksfälle, und ein aroßes Hindernis für ein? glückliche Wendung der Dinge— Seine Majestät selber ist.' Wieder in der schwersten Zeit des Landes ein völliges Versagen seines Herrn: der letzte Hohenzoller hat das Beispiel seiner Ahnen nur allzu gut nachzuahmen gewußt. Gewaltige Preissenkung in Damen- Konfektion! eping naito MI Rea 3 Serien Wollplüschmäntel Biberett- Imitation, auch Frauengrößen Berie III Serie II Serie I 5900 4900 3900 3 Serien Seidenplüschmäntel Jugendliche und Frauenformen Serie III Serie II 9800 6900 Serie I4900 Samtkleider Nachmittag- und Abendfarben.... 39.75, 28.75, 1675 Morgen- Röcke aus molligem Welline ... 9.75, 5.95, 495 Kasaks moderne Schotten 495 a Inspidda Jugendi. 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