Nr. 552 42. Jahrg. Ausgabe A nr. 282 Bezugspreis: Bentlich 70 Bfennig, monattia & Reichsmart voraus zahlbar. Unter Rreusband für Deutschland, Danzig Scar unb Memelgebiet, Defterreich. Litauen. Zuremburg 4,50 Reichsmart, für das übrige Rusland 5,50 Reichsmart pro Monat. Der Borwärts mit ber Sonntags beilage Bolt und Reit mit„ Sieb. fung und Kleingarten sowie der Beilage Unterhaltung und Wissen und Frauenbeilage Frauenftimme erfcheint wochentäglich aweimal Sonntags und Montags einmal. Telegramm- Adresse: Sozialbemokrat Berlin Sonntagsansgabe Vorwärts Berliner Volksblatt 15 Pfennig Anzeigenpreise: Die einfaltise Nonpareille. arile 80 Pfennig. Reklamezeile S- Reidsmart. Ricine Anzeigen bas fettgedrudte Wort 25 Bfennis ( aulaifia awei fettgebrudte Borte), jebes weitere Wort 12 Bfennig. Stellengesuche bas erfte Wort 15 Bfennig, fedes weitere Wort 10 Bfennig. Worte über 15 Buch ftaben zählen für zwei Borie Arbeitsmarkt Reile 60 Pfennig. Familienanzeigen für Abonnenten Beile 40 Bfennia. Anzeigen für die nächste Summer müffen bis 4% Uhr nachmittags im Sauptgeschäft. Berlin SW 68, Linden. Arake 3, abgegeben werden. Geöffnet von 8% Uhr frith bis 5 Uhr nacm. Zentralorgan der Sozialdemokratifchen Partei Deutschlands Redaktion und Verlag: Berlin SW. 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Dönhoff 292-297. Sonntag, den 22. November 1925 Der Endkampf um Locarno. Zustimmung des Reichsrats mit 46 gegen 4 Stimmen bei 3 Enthaltungen. Der Reichsrat hielt am Sonnabend mittag unter Borsiz des Etaatssetretärs 3 weigert eine öffentliche Bollfigung ab, auf beren Tagesordnung die Locarno Borlage stand. Die Vorlage war am Vormittag von den Ausschüssen des Reichsrats eingehend beraten worden. Auf ein Referat wurde verzichtet. Bor der Abstimmung erklärte der Bertreter von Braunschweig: Die braunschweigische Regierung stimmt dem Gesezentwurf zu, bringt aber dabei zum Ausdruck, daß sie die von der Entente bezüglich der sogenannten Rüdwirtungen des Sicherheitspattes bislang getroffenen Maßnahmen einmal wegen ihrer Unbestimmtheit, sodann aber vor allem wegen des völligen Fehlens einer Zusicherung hinsichtlich der Abkürzung der Befagungsfrist für nicht ausreichend hält und daß sie ihre Zustimmung nur in der Erwartung gibt, daß entsprechend den Ausführungen der Vertreter der Reichsregierung in der Besprechung der Ministerpräsidenten der Länder am 19. ds. Mts. in allernächster Zeit weitere Maßnahmen der En tente foigen werden. Im besonderen muß erwartet werden, daß die nach Annahme des Dawes- Plans und Annahme des Sicherheitspatis jeder Grundlage entbehrende Besetzung deutschen Gebietes baldigst aufgegeben wird. Es wird anzustreben sein, daß in letzterer Beziehung noch vor dem Eintritt Deutschlands in den Bölkerbund bestimmte Erklärungen erfolgen. Der Vertreter von Thüringen ertiärte: Meine Regierung stimmt der Borlage zu, obwohl sie nicht die volle Erfüllung der davon erwarteten Rüdwirfungen bringt. Wenn sie trotzdem ihre Zustimmung gibt, fo geschieht das im Bertrauen auf die Ertlärung ber Reichsregierung, daß der Bertrag von Locarno eine Aner tennung des Bersailler Dittats nicht bedeutet und in der Erwartung, daß der Vertrag nur den ersten Schritt bedeutet auf dem Wege der Beseitigung des Versailler Diftates und der Wiederherstellung der Freiheit und Gleichberechtigung des deutschen Volkes. Die Thürin. gische Regierung ftimmt ferner dem Eintritt Deutschlands in den Bölkerbund zu, in der Erwartung, daß im Wege der Berhandlungen eine für Deutschland einwandfreie Auslegung des Artikels 16 fich ergeben wird, und in der Erwartung, baß nunmehr eine völlige Gleichstellung und Gleichberechtigung Deutschlands mit den anderen Großstaaten eintreten wird und ausbrücklich die Schuldlüge zurückgewiesen wird. Der Vertreter von Mecklenburg- Schwerin erflärte furz: Namens meiner Regierung habe ich zu erflären, daß sie nicht in der Lage ist, der Vorlage zuzustimmen. Die Abstimmung über die beiden Artikel der Borlage war getrennt. Angenommen wurde demnächst Artikel 1 Ermächtigung zur Unterzeichnung mit 56 gegen 4 Stimmen. Dagegen stimmten der Bertreter von Ostpreußen, der Bertreter von Bommern und der Bertreter von Niederschlesien sowie Mecklen burg- Schwerin. Der Stimme enthielten sich der Vertreter von Hessen- Raffau und Württemberg. Dann wurde angenommen Artifel 2 Eintritt in den Böllerbund mit 43 gegen 14 Stimmen. Dagegen stimmten Ostpreußen, Bommern, Niederfchlesien, Bayern und Medienburg- Schwerin. Der Stimme enthielten sich Württemberg und Hessen- Nassau. Ein Antrag Bayerns zu Artikel 2 über den Zeitpunkt des Eintritts in den Bölterbund beschließt der Reichstag" fand nicht die nötige Unterstützung. In der Gefamfabstimmung wurde die ganze Borlage mit 46 gegen 4 Stimmen bei 3 Stimmenenthaltu ngen angenommen. Dagegen ftimmten Ostpreußen, Pommern, der Gründe für diese Rücktrittsabfichten sich mit Herrn Frenten in Berbindung zu feßen. Der Frattionsvorsigende Fehrenbach wurde beauftragt, mit Herrn Frenfen Rücksprache zu nehmen Erledigung im Reichstag bis Sonnabend. Wie wir schon meldeten, hat der Aeltestenrat beschlossen, die allgemeine Debatte über das Cocarno- Gefeh am Mittwoch in erster Lefung zu Ende zu führen. Wie wir weiter hören, soll die zweite und dritte Lesung der Vorlage in der Zeit vom Donnerstag bis zum Sonnabend erfolgen, fo daß die deutsche Delegation am Sonnabend abend nach London abreisen tönnte. Die Gesetzesvorlage. Der Entwurf des Gefeßes über die Berträge von Locarno und den Eintritt Deutschlands in den Völkerbund hat folgenden Wortlaut: Der Reichstag hat das folgende Gesez beschlossen, das mit Zuftimmung des Reichsrates hiermit verkündet wird: Artikel I. Den Berträgen, die dem am 16. Oftober 1925 in Locarno unter. zeichneten Schlußprotokoll beigefügt sind und am 1. Dezember 1925 in London unterzeichnet werden sollen, nämlich 1. dem Bertrag zwischen Deutschland, Belgien, Frankreich, Großbritannien und Italien, 2. dem Schiedsabkommen zwischen Deutschland und Belgien, 3. dem Schiedsabkommen zwischen Deutschland und Frank reich, 4. dem Schiebsvertrag zwischen Deutschland und Polen, 5. dem Schiedsvertrag zwischen Deutschland und der Tschecho. flomatei, wird zugestimmt. Artikel II. Die Reichsregierung wird ermächtigt, die zum Eintritt Deutschlands in den Völkerbund erforderlichen Schritte zu tun. Artikel III. Vorwärts- Verlag G.m.b. H., Berlin SW. 68, Lindenstr.3 Bottichettente: Berlin 37 536 Bankfonts: Bank der Arbeiter, Angestellten und Beamten, Ballstr. 65; Diskonto- Gesellschaft, Depofitentaffe Lindenstr. 3. Sachliche Politik. Für den Frieden für den Fortschritt im Innern gegen den Rechtskurs. Die fozialdemokratische Reichstagsfraktion hat beschlossen, dem Gesezentwurf der Regierung über die Unterzeichnung des Vertrags von Locarno und die Ermächtigung zum Eintritt in den Bölkerbund zuzustimmen. Die tommende Woche wird die Entscheidung des Deutschen Reichstags über Locarno bringen. Diese Entscheidung ist nicht mehr zweifelhaft. Der Deutsche Reichstag wird mit großer Mehrheit der Regierung Bölkerbund erteilen. die Ermächitgung zur Unterzeichnung und zum Eintritt in den Die sozialdemokratische Reichstagsfraktion wird für Locarno und den Bölkerbund stimmen. Die deutschTage in Kraft. Dieses Gesetz tritt mit dem auf die Berfündigung folgenden nationale Reichstagsfraktion wird dagegen stimmen. Erklärungen für Locarno. BTB. veröffentlicht eine Erklärung für Locarno, in der es heißt: Die Unterzeichneten, die in verschiedenen parteipolitischen Lagern und zum großen Teile außerhalb jeder parteipolitischen Tätigkeit stehen, halten es für ihre Pflicht gegenüber dem deutschen Bolte, zu erklären, daß fie die Unterzeichnung des Ber trages von Locarno als notwendig erachten. Gewiß stehen dem ernste Hemmungen in der Auffassung vieler guten Deutschen entgegen, aber diese Hemmungen müssen überwunden werden. Die wirtschaftlichen Verhältnisse in Deutschland und in der Welt verlang.n zu ihrem Wiederaufbau eine ruhige und stetige Entwicklung. Wir sehen, wenn die Bereinbarungen von Locarno abgelehnt werden, feinen geeigneten Weg, um eine solche Entwicklung anzubahnen. Die Erklärung ist von über 500 Persönlichkeiten unterzeichnet, die zum größten Teil der Wirtschaft angehören. Zu den Unterzeichnern gehören: Arnhold( Dresden), Freiherr u. Berenberg- Goßler( Hamburg), Bosch( Ludwigshafen), Robert Bosch( Stuttgart), Crone- Münzebrod, m. d. R.( Berlin), Deutsch ( Berlin) Duisberg( Leverkusen), Arthur von Gwinner( Berlin), Reichsminister a. D. Hamm( Berlin), Hagen( Köln a Rh.), Ten Hompel( Münster), Peter Klöckner( Duisburg), Rozenberg ( Frankfurt a. M.), Lammers, M. d. R.( Berlin), Karl Melchior ( Hamburg), Franz v. Mendelssohn( Berlin), Millington- Hermann ( Berlin), Rudolf Petersen( Hamburg), C. R. Boensgen( Düsseldorf), Geh.-K. Pschorr( München), Geh.-R. Ravené( Berlin), Beh.-R. Rießer( Berlin), Hermann Röchling( Böltlingen- Saar), Geh.-R. Sorge( Berlin), Heinrich Witthöft( Hamburg). Die Unterzeichnung für den Kintopp. London, 21. November.( EP.) Das Foreign Office wird außer. ordentlich starke elettrische Lampen in dem Saale anbringen lajsen, in dem der Patt von Locarno unterzeichnet werden wird, um die finomatographische Aufnahme des geschichtlich denkwürdigen Borganges zu ermöglichen. Rücktritt des Justizministers Dr. Frenken. Der Sozialdemokratische Preffedienst meldet: Am Sonnabend abend hatte der Fraktionsvorsitzende der Zenfrumspartei Fehrenbach eine längere Besprechung mit dem Reichsjuftizminifter Dr. Frenten, von dessen Rücktrittsabfichten fchon vor einigen Tagen die Rede war. Allerdings ließ er verfichern, daß sein Rücktritt feineswegs mit feinem hohen Alter oder mit seinem Gesundheitszustand zusammenhänge, wie das teilwelle behauptet worden war. Die Unterredung Frentens mit Fehrenbach hatte, wie wir aus parlamentarischen Kreisen erfahren, zur Folge, daß Reichsjuizminifter Dr. Frenten nicht erst den Gesamtrücktritt des Rumpfkabinetts Cuther abwartet, sondern bereits am Sonnabend abend an den Reichskanzler ein Schreiben gerichtet hat, in dem er um feine fofortige Entlaffung ersucht. Damit scheinen die Gerüchte sich zu bewahrheiten, daß Herr Frenken dem Kabinett nicht mehr angehören will, wenn das Vertragswert von Locarno vom Reichstag verabschiedet und vom Reichskanzler und Reichsaußenminiffer in London unterzeichnet wird. Amtlich wird gemeldet: in Genehmigung seines Entlaffungsgefuches von Der Herr Reichspräsident hat den Reichsminister Dr. Frenten feinen Aemtern als Reichsjuftizminiffer und Reichsminiffer für die besetzten Gebiete entbunden. Fürstenabfindung und Anleiheablösung. Demokratischer Antrag im Landtag. Im Landtag ist ein Urantrag der demokratischen Fraktion eingegangen, der die Staatsregierung ersucht, die Reichsregierung zu veranlassen, unverzüglich ein Reichsgesetz einzubringen, nach dem die Abfindung der ehemaligen Fürsten häuser durch Landesgefeß zu regeln ist, mit der Maßgabe, daß der in Reichsmart festzustellende Abfindungswert nicht in höhe orem Prozent fab zu erstatten ist, als den Befizern von Staats. anleihen nach dem Anleihe ablösungsgeset gewährt wird. Zum Moffulfonflift hat der Haager Schiedsgerichtshof festgestellt. daß der Völler bundrat endgültig zu entscheiden und dabei die mesopotamisch( englisch)-türkische Grenze festzusetzen hat. Die Entscheidung muß einstimmig beschlossen werden. Die sozialdemokratische Reichstagsfraktion will den Frieden, für Deutschland und für Europa. Die deutschnationale Reichstagsfraktion will nicht den Frieden, sondern will inner politische Geschäfte machen. Die sozialdemokratische Reichstagsfraktion setzt die Politik des Friedens fort, die den klassischen Traditionen des Sozia lismus entspricht. Die deutschnationale Reichstagsfaftion hat monatelang Beteiligung an der Politik des Friedens geheuchelt, um die Heuchelei auszumünzen in gelöwerte Vorteile für die Bevölkerungsschichten, die sie tragen. Für die sozialdemokratische Reichstagsfraktion ist der Friede Selbstzwed; denn die Idee des Friedens ist untrennbar ver. fnüpft mit der Ideee des Sozialismus. Für die deutschnationale Reichstagsfraktion ist die Idee des Friedens nur Mittel einer Politik gewesen, deren Zweck die Stärkung des reaktionären Einflusses, der Abbau der Republik, die Bereicherung und Brivilegierung der Klassen ist, die im Kaiserreich herrschten. Nach dem Grundsay:" Der Zweck heiligt die Mittel" haben die Deutschnationalen sich gestellt, als ob sie die Fort sehung der von den Regierungen der Weimarer Koalition eingeleiteten Friedenspolitit billigten. Die Heuchelei der Wendung zur Friedenspolitik war das Mittel. Der Zweck, den sie damit erreicht haben, war: Rückkehr Deutschlands zur Schußzollpolitit, Umformung des Steuersystems unter dem Gesichtspunkt der Massenbelastung, Hemmung der sozialpolitischen Gesetzgebung. Nachdem die Heuchelei ihren 3wed erfüllt hat, lassen die Deutschnationalen die Maske fallen. Sie wenden sich gegen den Frieden. Sie versuchen jedoch, diese Wendung gegen den Frieden zu verbergen hinter einem wortreichen Streit um die Fragen der Verantwortlichkeiten, um Einzel vorgänge aus der Entwicklung der Politik, die zum Vertrag von Locarno geführt hat. Die großen grundsäglichen Fragen der Außenpolitik sollen verschwinden hinter dem Hin und Her und den parlamentarisch- taktischen Fragen einer Politik, für die alles zum Objekt eines parlamentarischen Geschäftes wird selbst der Wille zum Frieden. * wortungslosigkeit und der Heuchelei treibt die sozialdemoGegenüber der deutschnationalen Politik der Berantfratische Reichstagsfraktion mit ihrer Zustimmung zum Ber trag von Locarno und zum Eintritt Deutschlands in den Bölkerbund beste grundsahfeste sozialistische Politif. Sie handelt im Augenblic einer großen geschichtlichen Entscheidung in Uebereinstimmung mit den Grundfäßen, die die großen Sozialisten aller Länder für ihre Stellungnahme gegenüber den großen internationalen Fragen befolgt haben. Sie handelt nach der großen Regel, die Jaurès in einer Rede in der französischen Rammer am 23. Januar 1903 für die sozialistische Außenpolitik aufgestellt hat: ,, Meine Herren! Bei dem gegenwärtigen Stande der Welt fann der Krieg keine Lösung bilden; wir würden die, die wir der Gewalt entreißen wollen, bis in die Ewigkeit hinein neuer Gewalt aussehen. Nein, die einzige Lösung, die Lösung, die uns der Fortschritt der Welt verspricht, das ist die Sicherung des allgemeinen Friedens und die Ausbreitung der Demotratie... Ein Traum, rufen Sie mir zu? Ja, meine Herren, aber bei dem heutigen Stand der Dinge in der Welt die einzig mögliche positive und realistische Lösung... Wir sind wahrhaftig teine Träumer, wir jagen feinen himā. rischen Hoffnungen nach: wir sind die großen Realpolitiker der Gerechtigkeit und des Rechtes. Ja, Sie fragen manchmal in der äußeren Politik: Was ist denn Ihre Lösung? Wie wenn ein einzelner Mensch, eine einzelne Partei, eine einzelne Nation in Ihrer Hand die ganze erhoffte soziale Revolution oder die ganze friedensfreudige Menschheit am Schnürchen hielte! Die Zufuntf, meine Herren, liegt nicht in den Partelrezepten; die Butunft liegt nicht in einem Glücksrade, das man nur zu drehen braucht; die Zukunft bildet sich langjam heraus, wenn man einen festen Standpunkt und eine Methode hat. Was wir Ihnen vor. schlagen, ist dieses: Alle Ereignisse unter dem Gesichtsmintel des Friedens zu überwachen, alle Ihre Handlungen leiten zu laffen von dem methodischen Gedanken an den Frieden! Das ist es, was wir Ihnen sagen, das ist es, was wir wollen, das ist die große Regel der auswärtigen Politit, nicht nur der sozialistischen, sondern auch der republilanischen." Dieser große Grundsaz von Jaurès in flassischer Prägung verkündet liegt den Beschlüssen der Sozialistischen Zirbeiter- Internationale über das Friedensprogramm der curopäischen Sozialisten und über den Vertrag von Locarno zugrunde. Er war der Leitstern der Politif der deutschen Sozialdemokraten in den schwersten Jahren der deutschen Republik. Er ist die feste Grundlage, auf der ihr Beschluß steht, Dem Bertrage von Locarno und dem Eintritt Deutschlands in den Völkerbund im Deutschen Reichstag ihre Zustimmung zu geben. Dieser Beschluß ist getragen von höchstem Berantwortungsbewußtsein gegenüber dem eigenen Bolte wie gegenüber der Sache des europäischen Friedens und der europäischen Demo? ratie. Er ist mehr als die flare ideelle Ausprägung der fozialistischen Stellungnahme gegenüber dem großen geschicht lichen Geschehen der Wendung zum Frieden. Er ist Real politif im besten Sinne des Wortes. Er bedeutet die realpolitische Sicherung des Fortschritts zum Frieden, den der Bertrag von Locarno und der Eintritt Deutschlands in den Völkerbund bedeuten. Konnte die sozialdemokratische Reichstagsfraktion die Sache des Friedens statt zum Ziel zum Mittel ihrer Politik machen? Die Frage stellen, heißt sie verneinen. Die fozialdemo Pratische Reichstagsfraktion durfte sich nicht einzig und allein an der augenblicklichen parlamentarischen Konstellation orien tieren, sie durfte über ihren innerpolitischen Zwecksetzungen nicht ihre großen außenpolitischen Zweckfehungen, durfte nicht die Sache des europäischen Friedens aus den Augen verlieren. Ihr" Ja" im Reichstag unterstreicht die geschichtliche Tatsache, daß der Vertrag von Locarno und der Eintritt Deutsch lands in den Völkerbund eine wichtige Etappe auf dem Wege zum Frieden darstellen, auf dem die Sozialdemokratische Partei richtungweisend und führend vorangeht. Ske Nach der Annahme des Vertrages von Locarno wirb die Regierung Lutherzurüdtreten. Der Reichs fanzler hat es als nächste Aufgabe bezeichnet, eine Regierung zu bilden, die auch innerlich zu dem neuen Vertragswert steht. In dieser Formulierung liegt die Abfage an die deutschnationale Politik des„ Als ob", die die Sache des Friedens zum Mittel eines innerpolitischen und wirtschaftspolitischen Handelsgeschäftes zu ihren Gunsten gemacht hat. Es liegt darin Kritik an dieser Politik und Enttäuschung über diese Bolitit. Aber mehr noch: Herrn Luther vielleicht nicht bewußt, liegt darin eine große Forderung für die innere deutsche Politik der nächsten Zukunft. Das Rechnen mit parlamentarischen Rombinationen und Konstellationen ist unnük, solange es von der praktischen Stellungnahme zu diesen brennendsten inneren Problemen losgelöst betrieben wird. Für die Sozialdemokratie handelt es sich bei ihren Entscheidungen über die innerpolitischen Probleme, die nach der Entscheidung über Locarno auf der Tagesordnung stehen, nicht um die formale Frage des innerhalb oder außerhalb der Regierung und der rechnerischen Zusammensetzung der neuen Regierung, sondern um die Verwirklichung wirtschaftlicher, sozialer, politischer Fortschritte. Die Parteien, die heute, fei es auf diese, fei es auf jene Regierungsfombination schwören und dabei die Sozialdemokratie in ihre Rechnungen einbeziehen, täten beffer, zunächst Klarheit über ihre Stellung zu diesen Problemen zu schaffen. Darin liegt die grundsätzliche Stellung der Sozialdemofratie zu den inneren Problemen. Sie wird um fie fämpfen. Ihr" Ja" für Locarno und den Völkerbund sichert Boraus fegungen des Friedens und der Verständigung der Völker in der äußeren Politit ihr Ringen um die Befreiung vom Rechtsturs und um die Abwendung seiner verderblichen Folgen wird zu den äußeren die inneren Voraussetzungen fügen. Deutschnationale Obstruktion. lären Berbänden anschließen wollten. Borch, der damals Beiter des Landeskriminalamts war, nahm eine Anzahl verdächtiger Studenten fest, und ließ an ihnen eine Lelbesvifitation vornehmen, wobel unzweifelhafte Beweise für den in Bayern beabfichtigten Hoch- und Landesverrat gefunden wurden. Aus der Un menge der vorläufig Festgenommenen, über 100 an der Zahl be haupteten zwei Studenten, daß Worch, als sie auf seine Frage nach dem Charakter der bei ihnen befindlichen Papiere feine Auskunft geben wollten, mit einem Gummifnüppel im Geficht her umgefuchtelt und dabei geäußert habe:„ Wir werden das Bürschchen schon zum Reben bringen." Diese beiden Aussagen stehen den Ausfagen von Dier an den Vernehmungen beteiligten Polizeibeamten gegenüber. Trotz der peinlich gewahrten Dbjeftivität des Gerichts und der Anklagebehörde machte sich bei der Bewertung der Zeugenaussagen ein verhängnisvoller Rechtsirrtum geltend, der das schon genannte Urteil zur Folge hatte. Für die Deffentlichkeit viel wichtiger und intereffanter ist die Borgeschichte dieses Prozesses. Am 12. Dezember 1923 richtete der damalige militärische Befehlshaber in Thüringen General Hasse an das thüringische Staatsministerrium ein Echreiten, in dem Worch der schwersten Amtsverbrechen beschuldigt wurde. Auf Grund dieses Schreibens verlor Worch fein Amt und nach den Landtagswahlen im Februar 1924 fetzte die Regierung Worch in den Wartestand. Inzwischen lief das Ver fahren gegen Worch wegen der Nötigung und Bedrohung der Stu denten in Brobstzella. Mehrfache Anfragen Worchs an die Anklagebehörde in Rudolstadt waren ergebnisios verlaufen, bis endlich am 15. November 1924 der Erste Staatsanwalt in Rudolstadt an Worch schrieb, die Atten seines Prozesses be= Am Neben dem Mißtrauensantrag, den die Deutschnationalen gegen dieselben Minister einzubringen beabfichtigen, mit denen ihre Vertreter bisher den Gang nach Locarno vorbereitet haben, gedenten sie noch einen Ob ft ruftionsantrag auf Aussehung der Ber- fänden sich seit dem 18. Februar 1924 im thüringischen Ministerium ründung des Gesetzes zu stellen. Ein solcher Antrag muß nationale und Bölkische rechnen dabei auf die Hilfe der von einem Drittel des Reichstags gestellt werden. Deutsch kommunisten. Würde dieses Drittel von den drei Parteien gestellt werden, so könnten Reichstag und Reichsrat das Gesetz für dringlich erklären. Anderenfalls würde das In frafttreten des Gesetzes automatisch um zwei Monate hinausgeschoben und der Reichspräsident hätte dann die Möglichkeit, entweder das Gesetz zu verkünden oder den Bolts entscheib herbeizuführen. Die Taktik der Deutschnationalen läuft alfo darauf hinaus, die ganze Verantwortung für das Scheitern des Gefezes dem Reichspräsidenten zuzufchieben, den sie selbst als Retter" gewählt haben und von dessen Zustimmung zu dem Wert von Locarno sie überzeugt sind. Wenn der Reichs präsident verfassungsmäßig handelt, so wird er die deutsch nationalen Kulissenschieber enttäuschen müssen, wie er seiner zeit die Sparer und Rentnerorganisationen enttäuschte, die ihn bringend ersuchten, das deutschnationale Aufwertungsgefeß nicht ohne Bolfsabftimmung an verkünden. Wenn Hindenburg die Inkraftsetzung des Gefeßes, das zweifellos im Reichstag mit großer Mehrheit angenommen wird, trok des deutschnationalen Widerspruchs verfassungsmäßig verfügt, so steht zu befürchten, daß er von seinen eigenen Wählern mit den Borwürfen bedroht wird, die feinen Borgänger Ebert schließlich ins Grab halfen! des Innern. Er, der Staatsanwalt, habe in seinem letzten Bericht mitgeteilt, daß er beabsichtige, das Verfahren einzustellen. A m 22. Mai 1925, nachdem die Aften inzwischen 1 Jahr beim Minifterium des Innern und beim Justizminister gelegen hatten, teilte derfelbe Staatsanwalt, der im November 1925 das Verfahren einstellen wollte mit, daß er gegen Worch Unklage erhoben hatte. Hier liegt das Treiben buntler Mächte zugrunde, die auch im Loeb- Prozeß eine Rolle gespielt haben. Wenn auch der verhängnis. volle Rechtsirrtum des Gerichts in der Berufungsinstanz eine Korrektur erfahren dürfte, so müssen doch die Vorgänge in der Borgeschichte dieses Prozesses durchaus geflärt und beleuchtet werden. Der von der sozialdemokratischen Landtagsfraktion in Thüringen geforderte Untersuchungsausschuß zur Prüfung der Vorgänge im Prozeß Loeb wird sich auch dieses Prozesses annehmen und dabei festzustellen versuchen, wer innerhalb oder außerhalb der thürin gischen Regierung folange gewühlt hat, bis aus Duzenden von Fällen, in denen gegen Borch Beschuldigungen erhoben wurden, ein einziger herausgefunden wurde, der zu einer Berurteilung von Borch führen könnte. Die deutschnationalen Reiniger. 88000 Mt. Unterschlagungen beim Sächsischen Volksopfer Dresden. 21. November.( WTB.) Zu den Unterschla gungen beim Sächsischen Boltsopfer teilt die Nachrichtenstelle der sächsischen Staatskanzlei mit: Aus dem Berichte, den das Arbeits- und Wohlfahrtsministerium von der Leitung des Sächsischen Boltsopfers über die Eingänge und Verwendungen der Mittel des Bolotsopfers eingefordert hatte, geht hervor, daß die unter. fchlagene Summe beim Sächsischen Boltsopfer sich auf 88656 mart beläuft. Bon nicht bestimmungsgemäßen BuEine Regierung, die auch innerlich zu dem neuen Bertragswert steht, muß nicht mur erfüllt sein von der Idee des Friedens, sondern auch von der Idee der Demokratie mit all ihren sozialen Konsequenzen. Das Vertragswert soll Deutsch land dem Frieden entgegenführen, und damit den Weg zur wirtschaftlichen Konsolidierung frei machen. Die Erreichung dieses Ziels erfordert nicht nur die entschiedene Absage an die deutschnationalen Methoden der Heuchelei in den außenpolitischen Fragen, sondern eine nicht minder entschiedene Ab⭑ Soll das so weitergehen? tehr von dem Kurs, den die Regierung Luther bisher unter Neuer Justizskandal in Thüringen. deirfehnationalem Einfluß in der Innenpolitik, der Wirtschaftspolift, der Sozialpolitik verfolgt hat. Bejahung der republiJena, 21. November.( Eigener Drahtbericht.) Die Geschichte kanisch- demokratischen Kräfte im Bolte, Wendung der Handels- der thüringischen Rechtsprechung ist seit Freitag um eine Unbegreif- wendungen durch die Geschäftsführung ist bisher nur die Gewährung politit unter dem Gesichtspunkt der Exportförderung und des lichkeit reicher. Das Schöffengericht in Rudolstadt ver Abbaues der Zollschranken mit dem großen Ziel der Vorbeurteilte am Freitag den Regierungsrat im Warteftand und Stadt reitung eines europäischen Zollvereins, Ausbau der Sozialpolitik unter dem Gesichtspunkt des rationellen Wirtschaftens mit der Arbeitstraft, dem größten Reichtum Deutschlands, und der Stärkung der Massentauftraft das müssen die Rich tungspunkte für eine Regierung fein, die wahrhaft innerlich zu dem neuen Vertragswert steht. Die Lebenden und die Toten. I. Laß Dich nicht von der Angst der Einsamkeit zerstören Und rufe die Erinnerung, die schmerzliche, nicht allzu fehr. Die halb dem Leben, halb den Toten angehören, Tragen die Tage und ihr hartes Fordern schwer. Ich weiß, mie füß es ist, das ganz verfunfene Gedenken An Tage, die ein lieber, längst verhalter Schrift durchklang. Das mehmutsbange Sichverlieren, sich erneut Verschenken, An einen Unvergessenen, deffen Herz zersprang. Ich weiß, wie weh es tut, wie es das Herz zerreißt, Wenn Uhrengang und Straßenweckruf mahnen An das Gebot, das Leben, Pflicht zum Leben heißt. Die Toten ruh'n. Du aber, heißes Herz, darfst noch nicht ruh'n! Noch frenzen Tag und Nacht und Sterne Deine Bahnen, Noch mußt Du leben, einsam leben und ein Werk für alle fun. II. Steig nicht zu fief ins Schattenreich, die leiderlöften Toten Rufen Dich laut in einer Zeit, die Leid und Armut ist. Du lebft nach harten, unerbittlich ehernen Geboten, Und schlafen darf nur, wer das ewige Wachsein nicht vergißt. Wachsein! Bach war die Mutter für Dich Nächte, Tage, lange Ch fie die Hände faltete, von aller Unruh frei.[ Stunden, Wach war der Bater, Bruder, Sohn für Dich, als seine Wunden 3m Krieg ausbluteten bei seinem letzten Schmerzensschrei. Die Toten grüßen Dich, wenn Du dem Leben, hingeriffen und Mit heißer Seele dienst, wenn Du Dein Leben Tentflammt, Allein dem Leben opferit, das die Tatenlosigkeit verdammt. Bollende Du, was Deine Toten nicht vollbracht, Und diesem Totendienste gänzlich hingegeben gemeindevorsteher Hermann Worch aus Langewiefen wegen Mißbrauchs der Amtsgewalt zu einer 3 uchthausstrafe von 13 ahr und zur Tragung der Koften. Dem Prozeß liegen zugrunde die Vorgänge an ber thüringischen Grenze im November 1923. In Probstzella war der Uebergang ber thüringischen Studenten, die sich den in Bayern befindlichen irregue Und ist auch unfrer Hand die Frucht noch nicht gegeben, Dann stürmt, Lebendige, auch über uns zur schöneren Erfüllung Wir Toten grüßen: Heil Euch! Euer ist das Leben![ hin! Hans Gathmann. Robert Seidel- dem dem 75jährigen. Durch meine Lieber beben Möcht ich der Schwachen Mut Und schüren zu helfen Flammen Die dunkle Freiheitsglut. Der Junge, der fo fang, feiert am 23. November in greifer Jugendfrische feinen 75. Geburtstag. Und er überrascht uns gebefreudig, wie Jugend nun einmal ist, an der Schwelle des vierten Bierteljahrhunderts mit der Erstausgabe seiner gesammelten Gedichte, die socben im Diez- Berlag erscheint. Eine rechte und echte Geburtstagsüberraschung. Wenn wir Robert Geibels in ben legten Jahren heißer tulturpolitischer Rämpfe gebachten, dann sahen wir ihn als ben unermüdlichen Wegbereiter einer fozialistischen Kultur in seinem Schweizer Heimatland, fahen wir ihn als ben Pionier einer neuen Erziehung, als den Bater der Arbeitsschule", ben vor drei Jahren auf der Reichs Schulfonferenz in Berlin Anerkennung und Zustimmung, Zweifel und Ablehnung umbrandeten. Hatten wir den Dichter Robert Seidel, den Sänger des Menschenrechts und der Menschenfreiheit vergessen? Lang ift's her, felt feine Lieber Aus Kampfgewühl und Einfamfeit", feit feine Lichtglauben und Zukunftssonnen" erschienen. Bergriffen bald und nicht mehr erhältlich. Aber hundert und mehr dieser Lieder schwangen sich vom Buch auf die Lippen der Millionen, die in Stunden der Feier wie in Stunden des Rampfes nach dem Ausdruck des Gleichtlangs ihrer Stimmung suchten hundert und mehr dieser Lieber wurden vertont und in ihrer volkstümlichen Form und Weise Gemeingut der Arbeiterklasse. Und was fönnte man Schöneres zum Ruhme des Dichters sagen als dies: daß das Bolk feinen Seibel" singt, ohne ihn zu nennen! Einmal aber, an Ehrentagen wie es der 75. Geburtstag ist, darf wohl auch einmal die erson vor ihrem Wert in den Vordergrund treten. Einmal dürfen wir heute des Dichters gebenfen, deffen Gesamtschaffen nun in einem stattlichen roten Bande vor uns Kämpffi Du Dich noch durch manche Qual und manche Nacht. liegt. Und wenn wir dem Dichter an der Hand dieses Bandes burch III. Caß Dich nicht von der Angst der Einsamkeit zerstören Und rufe die Erinnerung, die schmerzliche, nicht allzu sehr. Dein Bolf lebt, und es soll Dein Atmen Deinem Bolt gehören. Dein Bolf ift arm, und feine Tage gehen unruhvoll und schwer. Wir, Söhne jener, die wir nun beweinen, Sind Erben ihrer Hoffnung, ihrer Zuversicht. Die Sonne, ohne die sie farben, foll uns scheinen: Dienst am Lebendigen ist unfre überkommene Pflicht. Die Stimmen, die nun schweigen, reden und verkünden Aus unserm Munde einer neuen Menschheit Anbeginn, Wenn wir uns mit dem Leben feierlich verbünden. " die drei Berioden" feiner Schöpfungen folgen, die er anscheinend felbft abgrenzte: Dom Jüngling über den Mann bis zum Greis fo erleben wir jedenfalls dies eine Wunder der Wunder, daß dem jungen Kämpfer und Feuertopf ein gütiges Schidsal und eine eigene Kraft die Gabe ewiger Jugend verliehen. Denn der an der Schwelle des Alters bas Brot ber Ideale" schrieb, der in das Duntel der ewigen Nacht hineingrübelt, das ist in Wahrheit noch ganz derselbe, der Pfeile und Feuerbrände aus Kampfgewühl und Einfamfeit" hinausschleuderte: ein unerschrodener und unermüdlicher Kämpfer für Recht und Freiheit, für Erkenntnis und Wahrheit. Und nun wissen wir es: um dieser inneren Geschlossenheit seines Wesens willen, um dieses Charakters, dieser Tattraft willen wurde aus dem schlichten Tuchmachergesellen der Arbeiterführer und Bortämpfer Robert Seidel. Sein dichterisches Schaffen offenbart Ur Sprung und Weg feines Schicksals. eines Betrages von 700 St. an den Hochschulring deutscher Art festgestellt. Da etwaige Zuwendungen an politisch einge ft ellie Berbände ben Zwecken des Boltsopfers wider sprechen und auch von der Leitung nicht genehmigt waren, so find auch solche Zuwendungen als Unterschlagungen zu betrachten. Das Arbeits- und Wohlfahrtsministerium hat deshalb den Untersuchungs. richter beim Landgericht Dresden ersucht, seine Nachforschungen auch auf etwaige Zuwendungen an politische Verbände zu erstrecken. Darum banten wir es dem Diez- Berlag, daß er uns gerade jetzt diefes sein Lebenswert in einer Gesamtausgabe permittelt. Darum möchten wir die gesammelten Gedichte" in die Hand eines jeden legen, dem einmal das Herz warm wurde in festlicher Stunde beim Klange Seidelscher Verse. Medizinstudium an den Universitäten Münfter und Köln. Bie der Amtliche Preußische Preffedienft mitteilt, ist an der Universität in Münster i. 23. cine medizinische Fatultät gegründet, und es sind Einrichtungen getroffen worden, wonach das bisher nur bis zur ärztlichen und zahnärztlichen Borprüfung vorgesehene Studium jetzt bis zur ärztlichen oder zahnärztlichen Prüung durchgeführt werden kann. In der Medizinischen Fakultät der Universität in Köln a. Rh. ist das medizinische Studium bis zur ärztlichen Vorprüfung neu eingerichtet worden. Da für die weiteren Studien bereits entsprechende Einrichtungen an diefer Universität bestehen, fann das medizinische Studium jett auch dort vollständig lehrplanmäßig betrieben werben. Aus dem dunkelsten Erdfeil. Bis zu welch blasphemischen Formen der Frömmigteits- ,, Betrieb im Lande des Affenprozesses getrieben wird, bezeugt die Nachricht, daß die letzte Errungenschaft in diefer Richtung Marathontämpfe der Bibellefer" find. Diese Seuche begann in einer fleineren Stadt des ameritanischen Westens und wurde propagiert als ein Gegengewicht gegen die vielen Marathonwettbewerbe im Tanzen. Neuerdings fand in Boston eine diefer Konfurrenzen statt, ble von 50 Mitgliedern der Kirche der Adventisten gewonnen wurde. Diese Bibellesemannschaft brachte es fertig, ohne Unterbrechung im Chor 52 Stunden, 18 Minuten und 27 Sefunden ein Buch der Bibel hinter dem anderen zu lesen. Sie hoffen, auch das hohe" Endziel noch zu erreichen, nämlich die ganze Bibel in einem Sig zu lesen, wofür man unter Bugrundelegung der bisherigen Leistungen" etwa 72 Stunden rechnen zu müssen glaubt, worin dann allerdings die, Bibel vom ersten Verse der Genefis bis zum letzten der Offenbarung begriffen ist. Selbstverständlich machen fich Stimmen geltend, die sich gegen folche gedankenlofe Religionstafterung wenden, trotzdem bleibt es underſtändlich, daß derartige Borgänge überhaupt möglich werden. -Sowjetruhland im Herbft 1925 Neber diefes Thema fpricht an ber Deutschen Hochschule für Politit, Schintelblag 6( am Berberichen Markt), am 23, abends 8 118r, im großen Söriaal Dr. Adolf Grabomstt. Gr wird dabei Eirdrüde einer Studiem eise durch Groß- Rußland, Unaine, Krim und Kaukasus wiedergeben, von der er forben zurückgefehrt ist. Eintrittstarten à 50 Bf. beint Sefretariat der Hochschule, Berlin W. 56, Schintelplay 6. Friedrich Moeft lieft im Saal der Reicherten oihule für bramattice unit, Fasanenfir. 88, am 23., abenbe 7%, Uhr: No bellen der Gegenwart"( Diegenschmidt, Paul Ernst, Ger- Trud, Kelabund u. a.) Mag Deri balt am 25., abends 8 11hr. in der Aula Georgenstraße 30 einen öffentlichen Vortrag über„ Die 3utunft der Menschheit". Friedel Hinge veranstaltet am 28., abends 8 Uhr, im Meistersaal einen Conrad Ferdinand Meyer Abend. $ Der Draforienverein führt unter Leitung von Joh. Stehmann Sonntag 8 Uhr in der Garnisontirche Berdis Requiem auf. �flue dem königlichen Sapern. Gründung einer monarchistischen Tageszeitmig. München, 21. November.(Eigener Drahtbericht.) Die atti- vistischen Monarchisten Bayerns, die unter der Firma.Bund der Vayerntreue* oder»Rupprecht-Krels� bekannt sind, suchen den Verlust des.Miesbacher Anzeiger»�, der bekanntlich seit dem 15. November offen in das Lager der gemäsiigten Monarchisten der Bayerischen Volkspartei abgeschwenkt ist, durch Schaffung einer eigenen Tageszeitung auszugleichen. Zu diesem Zweck haben sie das ominöse.Bayerische Vaterland� er» warben, das seit einigen Iahren von der �katholischen Verlags» gesellschaft' Veduka unter Führung Dr. Heims und des General- sekretärs des Christlichen Bauernoereins Dr. Schlittenbauer aus- gehalten worden ist. Das Blatt, das bisher nur in Halbformat erschien und mit seiner Auflageziffer von 800, darunter 600 Abow nenten, ein schuldenreiches Dasein fristete, soll zu einer großen Tageszeitung ausgebaut werden. Offizieller Käufer ist der E i s n e r» Mörder Graf Area, der mangels eigenen Kapitals selbst- verständlich nur das Firmenschild für die aktiven Monarchisten dar» stellt. Ein« besondere Rolle bei der neuen offiziellen monarchistischen Zeitung spielt auch der Freiherr von Arettn, ein Haupt» macher des.Heimat- und Königsbunde»', und bezeichnenderweise auch der Chefredakteur der.Süddeutschen Monatshefte" des Herrn C o ß m a n n. Kommunisten vom Hochschulbesuch ausgeschlossen. München, 21. November.(Eigener Drahtbericht.) Das bayerische Kultusministerium hat einen neuen reaktionären Streich geliefert, der wohl ohne Beispiel in der Geschichte der deutschen Unwersttäten dasteht. Einem Studenten, der in Berlin und Frank» furt Mitglied der dort bestehenden kommunistischen Stu- deuten gruppe gewesen ist, wurde auf sein Ansuchen um Immatrikulation an der Münchener Universität vom hiesigen Syn» dlkus am Sonnabend eröffnet, daß seinem Ansuchen nicht ent- sprachen werde und daß er überhaupt vom Besuch jeder bayerischen Hochschule ausgeschlossen sei. Als Bs- gründung wurde genannt, daß er Mitglied einer Partei sei. die in ihren Sahungen den Umsturz des Staate» als Progrommpunkt ent- halt«. Der betreffend« Student ist preußischer Staats» angehörlger;«in« strafbare Handlung irgendwelcher Art hat er nie begangen, wie denn auch ein Ihm vor wenigen Tagen aus» gestelltes polizeiliches Führungszeugnis den vollständig einwand» freien Lebenslauf bestätigt. Studium der Nuhrkohlenkrise. Englische Arbeitervertreter im Ruhrgebiet. Geilenkirchen, 21. November.(Eigener Drahtbiricht.) Eine Kommission von englischen Bergbauoertretern und zwar von Bergbauingenieuren und Vertretern der Gewerkschaften ist im Ruhrgebiet eingetroffen. Die Kommission steht unter der Leitung des ehemaligen Zivillord» der Admiralität Frank Hod» ges, dem Sekretär der Bergarbeiter-Internationale. Ueber den Zweck des Besuches der Kommission erklärt« Frank Hodge«, daß die zurzeit im Ruhrgebiet weilenden Vertreter de» englischen Bergbaues die allgemeinen Bedingungen der Ruhrkohlenprodut» tion, und zwar die technischen Voraussetzungen sowie die Lohn. und Arbeiteverhältnisse zu studieren beabsichtigen. Die Kommission werde ihre Eindrücke der von der britischen Regierung ernannten Kohlenkommission vorlegen. Hodge» leg» besonderen Wert darauf, an Ort und Stelle mit den Vertretern des Bergarbeiter- Verbandes seine Eindrücke durchzusprechen. Die Anregung zu dieser Reise ins Ruhrgebiet ist bei der letzten Sitzung der Exekutive des Bergarbeiter-Internationale in Paris gegeben worden. Hodge» will durch seine Informationsreise ins Ruhrgebiet die Angaben der Unternehmervertreter in der Regierungstommission über die Bedingungen de» deutschen Bergbaues nachprüfen, um somit die Argumente der Arbeitnehmerdelegierten in der Kohlenkommission zu bekräftigen. Am Dienstag nachmittag wird in Bochum ein» Be- sprechung Hodges mit den Vertretern de» Bergarbester-Lerbandes stattfinden._ Rüftungseinkalt. Frankreich baut weniger U-Boote. Englische und amerikanische Journalisten haben bei dem Marineminister Frankreichs. Borell, überraschende Ansichten und Pläne über die Beschrantum} des U-Boot-Baues sestgestellt. Zur Beurteilung seiner Erklärungen Ist es notwendig, sich die international« Rechtslage klarzumachen. Es gibt bisher keine vertragliche Begrenzung des U-Boot- Baues. Die Washingtoner Konferenz von 1922 halt« nur Ab- machungen der großen Seemächte über Schlachtschiffe, Schlachtkreuzer und Flugzeugmutterschiffe zustande gebracht. Der Bau kleiner Kreuzer und U-Boote blieb völlig frei, und man hielt es noch vor«inigen Monaten für einigermaßen unwahrscheinlich, daß«ine Verständigung hierüber sich je würde erzielen lassen. Um so bedeutsamer ist nun, daß der französische Marine- minister erklärt, die französische Regierung werde die Gin- schränkung des eigenen U-Boot-Bauprogramms vor- schlagen. Das auf ein Jahr berechnete Bauprogramm von 1923 wird auf 18 Monate verteilt werden. Das gleiche wird mit dem Bauprogramm von 1926 geschehen. Das bedeutet eine Berminderung des Programms um ein Drittel. Frankreich wird nicht auf internationale Abmachun- gen warten, sondern aus eigenem Entschluß diesen Abbau der U-Boote beginnen. Diese Erkläruna des französischen Ma- rineministers ist begrüßenswert. Sie zeigt, daß das, was wir als die Auswirkungen des Vertrages von Locarno bezeichnet haben, bereits früher in Gang kommt, als selbst Optimisten zu hassen wagten. Diejenigen freilich, die als wirkliche Leistungen nur die Leistungen der gepanzerten Faust ansehen, werden einiger- maßen entsetzt sein, daß selbst Marine- und Kriegsminister nicht mebr den Mut zum Militarismus haben. Borell schloß feine Ausführungen über die Unterseebotte damit, daß er sie be- dauernd als ein Mittel der Zerstörung bezeichn-�e. was übrigens für alle dem Kriege dienenden technischen Mittel gelte.(!!) Immerhin sei es sicher, daß vom wissenschaftlichen Standpunkte aus die Unterseeboote von Interesse bleiben. Von diesem Standpunkte dürfe man sie nicht völlig streichen. Dieser selbe Geist des Defaitismus, wi« es die Ratio- nalisten aller Länder nennen würden, hat auch die englischen, amerikanischen und japanischen Fachleute ergriffen. Sie haben zuerst sich mit der Einschränkung der Schlachtschiffe einver- standen erklären müssen: ihre Zustimmung dazu baben sie vor ihrem Gewissen mit dem Gedanken gerechtsertigt. Schlacht- schiffe seien gegenüber U-Booten nutzlos. Nun kommen ihnen mit einem Mal« Bedenken über die technische Zweckmäßigkeit der Unterseeboote selbst. Das ist die Form, in der der Soldat der Jkranfhctt de? Pazifismus" erllegt. Bestimmte Waffen» gattungen erscheinen»nicht mehr zweckmäßig". Es bröckeln damit die Kräfte ob, die den stärksten Wider» band gegen eine Abrüstung leisten: das sind die Militärs elbst. deren natürlichem Berufsinteresse die Aufrüstung ent- pricht._ �us anderen Jaschiftenländern. Der Habsburger als Oberfaschist. Der.Erzherzog" A l b r« ch t laust und säuft als Offizier in Ungarn herum, ließ sich dieser Tage bei einem Fest der.Erwachen- den' von einem Bischof anwinseln und antwortete mit einer Lobrede auf den Faschismus, der unbedingt nachzumachen sei. Di« .Legltlmisten", die den Knaben Otto aus Madeira als.Erbkönig" ansehen, sind wütend, daß der Albrecht Wahlkönig werden will. Genosie P r o.p p e r begründete Im Parlament mutig einen Antrag auf Volksbefragung über die Staatsform. Am gleichen Tag vev» urteilte ihn dos Obergericht rechtskräftig zu drei Monaten Gefängnis wegen eines Artikels. Wilhelm Liebknecht i« Ungarn verurteilt! Unser Budapester Bruderblatt, die.Repszaoa", berichtet über einen Vorfall, der chowkieristisch für den Kulturstand de» ungarischen Polizeistaates ist. Die Buchhandlung der.Repszaoa" erhielt vor kurzem eine Vorladung, adressiert an»Herrn Wilhelm Liebknecht", in welcher der genannte Herr aufgefordert wird, am 10. September 1925 vor Gericht zu erscheinen. Er wird angeklagt wegen einer Schrift, die vor 50 Jahren von ihm versaßt -wurde und seit zirka 15 Jahren ins Ungarische übersetzt, in der be- treffenden Buchhandlung zu erhalten war. Der Titel des Buche» lautet:.Wissen Ist Macht und Macht i st Wissen". Lieb- knecbt wurde also 25 Jahre noch seinem Tod« wegen Auflehnung. Gefährdung der bestehenden Ordnung, Hochverrat ufw verklagt, und zwar wegen Herausgabe einer Broschüre, die in Deutschland nickt einmal unter dem Sozialistengesetz verboten war. In Ungarn ist eben alles möglich! Es kgm aber noch schöner. Nachdem die Vorladung dem Ange- klagten Liebknecht nicht ausgebändigt werden konnte, kam da» Gericki in Verlegenheit. Was. der Schurke ist gestorben? Nun, dann Ist 1a olles in Ordnung. Ein Rechtsanwalt wurde von Amt» wegen als sein Bcrteidioer aufgestellt, und die Verhandlung wurde— abgehalten. natürlich unter Ausschluß der Oeffentltchkeit. Das Urteil wurde gebeim verkündet, und niemand weiß, was in der dunklen Sih'ina geschehen ist. Man weiß nickt, ob Liebkneckts Geist »»-schsenen ist oder ob nur sein Name verurteilt wurde. Und das Urteil ist gekallen. R'�ier, Akademiker des zwnnstasten Iah?» hundert», haben einen Mann verniiellt, der längst Staub Ist und h»sten ehemalige Richter wahrscheinlich auch schon gestorben sind. Mmt muß sich fragen: sind diese Vertreter eines..Kulturstaates" ver- rückt oder nur dumm? Die Antwort ist uns gleickaüttig, es wird mahl beides Zutreffen: das Trauria» ist nur, dab diele gerechten D°-ner des Staates auch über gesunde, lebendige Menschen Urteile fällen. �n?eber In Rumänien«merwüniiAt. Bukarest. 21. None-mW."TP.) Der vichter Barbusse Ist seit einigen Tagen in Rumänien, um sich über die Lage der dortigen Minderheit en. insbesondere der Ukrainer und Bestanabier, sowie über den Prozeß von Tatar Bunar zu unterrichten. Im Parlament wurde eine Intrrpellation eingebracht, daß ein solcher Aufenthalt nickt zulässig sei. Außenminister Dura erklärte, die Regierung habe dem Dichter ausnahmeweise die Erlaubnis erteilt, werde aber In Zustinft nichtmehrgestatten. baß die �lusländer sich um die Lage der Minderheiten in Rumänien kümmern, denn die Minderheitensch utzoerträge be- schränkten die Souvrränitäk der Rachfotgestaaten. Verbrennung eines Aournalitten in Bulgarien. Die fürchtertlchen Massenmorde der bulgarischen Faschisten haben wir leider nur zum geringste» Teil verzeichnen können. Dazu gehörte-auch das verschwinden des Journalisten Josef Herbst, ehemaligen Mitarbeiters der Wiener„Reuen Freien Presie" und im Krieg« Pressechef der bulgarischen Regierung. Jetzt erfährt man, daß der Unglückliche in der Zentralheizungsanlage de» Sofioter Gefängnisies verbrannt worden Ist... � die französische Inflation. Sie geht unaufhaltsam weiter. Parts, 21. November.(Eigener Drahtbericht.) Die gewunden« Antwort P a i n l« v e s aus die Anfrag« de« Genossen Läon Blum wegen der Eindämmung der Inflation hat zu dem Gerücht Anlaß gegeben, daß die Regierung bereits einen Gesetzentwurf vorbereitet habe, der die Zustimmung des Parlaments zu einer neuen Dergröße- rung de» Notenumlaufs um ä Milliarden fordert. Die Börse hat darauf m'» einer neuen scharfen Hausse für die auslän- d I s ch e n Devisen reagiert, die das Pfund auf 124. den Dollar auf 25,60 Franken emporschnellen lieh. Das Finanzministerium hat daraushin ein Dementi erlassen, in dem es heißt, daß die Regierung die Bant nicht über die in dem setzt beratenen Gesetzentwurs vor- gesehenen 1,5 Milliarden hinaus in Anspruch nehmen werde. Diese» Dementi geht sedoch, ähnlich wie die Kammersitzung Dalnleobz, um den Kern der Sache henim. Durch die neue Inanspruch. nahm« der Bank von Frankreich durch den Staat wird deren letzt« Rotenreseroe aufgezehrt, so daß für da» Kredltbedürfnls der Privatwirtschaft nichts mehr übrig bleibt. Der Kreditbedars wird aber nicht nur durch den nahen Ultimo gesteigert, der ein« stark« Geldknapvhelt mit sich zu bringen pflegt, es kommt weiter dazu, daß Handel und Industrie durch die vorgeschlagene Zwangs- konsolidierung der Schatzwechsel und anderer kurzfristiger Verbindlichkeiten des Staate» gezwungen werden, dies« Effekten, in denen sie ihre verfügbaren Gelder vorübergehend angelgt haben, an der Bank diskontieren zu lassen. Dieser doppelten In- anspnichnahme kann aber nach dem Urteil aller Fachleute die Bank von Frankreich im Rahmen Ihres gegenwärtigen Notenkontingent» unmöglich gerecht werden. Die Regierungspresse demüht sich vergebens, der unvermeidlichen neuen Vermehrung' derUmlaufmittelden inflationistischen Charakter abzusprechen mit der Begründung, daß hier Notwendigkeiten der Wirtschaft und de» Verkehrs maßgebend seien, nickt aber das Kreditbedürsni» de« Staate». Da» allein entscheidende Kriterium Ist aber, daß mit jeder neu in Umlauf gesetzten Note künstliche Kaufkraft geschaffen wird. die automatisch eine Verteuerung der Lebenshaltung und ein weitere» Sinken der Währung zur Folge haben muß. Veräußerung des Tabnkmonopols? Part», 21. November.(WTV.) Eonde brecht») hat einen Antrag eingebracht, die Reoierung möge einen Gesetzentwurs unter. breiten, der die zeitweilige Ver au ßeruna desTabakmono- pol» bezweckt, um in kurzer Zest die Mittel zu beschaffen, die Schatzbons zurückzuzahlen und einen Teil der Schuld zu amortl- stiren. 0 Die Kammer setzt die Flnanzberatung heute Sonntag sort. Die ügypstsche Beweaung. 150 Mitglieder de» schon seit Monaten ausgelösten ägyptischen Parlaments baden sich zu Kairo im Coniinentalhotel trotz RcgieriingSberdot versammelt und siaablul zum Ktinmerpräsideoten aewäblt.„Zciabhil erklärte. et siebe a!S Verteidiger vor der Verfassung. Die Zusammenkunft verliei ohne irgendwelche Zwischenkälle. Die Opposirion erläßt ein Kamvkmanifest. Da« Parlament ist militärisch abgesperrt, keiner der Aufgelösten darf hinein. die der Sefatzung. Verschiebung, aber nicht Verminderung. Zu den Rückwirkungen des Locarno-Dertrage» gehört dt« wesentliche Verminderung der Besatzungstruppen. Auf nichts wartet man im Rheinlande mehr als auf die Erfüllung dieser Zusage. Um so größer Ist die Verwunderung, daß in einzelnen Orten eine bedeutende Vermehrung der Be- satzungstruppen angekündigt worden ist. So wurde die Stadtverwaltung von Geilenkirchen von der Meldung über- rascht, daß drei weitere Bataillone belgischer Truppen dorthin oerlegt werden sollen. Der Zentrumsführer Guerard brachte diese Tatsachen in der heutigen Sitzung des Aus- schusses der besetzten Gebiete zur Sprache. Leider zeigte sich de? Vertreter des Ministers nicht unterrichtet. Der Ausschuß fordert einmütig, daß die Reichsregicrung baldigst eine Klärung über die Truppenverhältnisse im besetzten Gebiete herbeiführe. Nun werden Franzosen obdachlos— Pariser Klagen. pari» 21. November.(TU.).Echo de Parte" weist an leitender Stelle darauf hin, daß durch dl« beschleunigte Räumung Köln? mehrere hundert Familien französtscher Ofsizier« und Unteroffiziere obdachlos würden, da die französischen Quartiere in Wiesbaden für die englisch« Besatzung freigemacht werden müssen. Das französische Kriegsminlsterium habe bisher noch keinerlei Maßnahmen zur Unterbringung dieser Familien ergriffen, ob- wohl st« bereits in den allernächsten Tagen den Befehl zur Rückkehr nach Frankreich erhalten würden. Es handele sich um dt« Familien der Offiziere und Unteroffiziere, die nach Marokko und Syrien berufen worden seien und Ihre Angehörigen im Rheinlande zurück- gelassen hätten. Das.Echo de Paris" schreibt, daß solch« Dinge gerZ>pezu unerhört seien. Die Befriedung' Spriens. französisch-englische Znsammenarbeit. Die englische Presse brachte über die Beschießung von Damaskus ausführlich und zum Teil außerordentlich alar- mietende Nachrichten. Man spürte aus ihren Berichten und Ausführungen, wie sehr es England bedatiert, die Franzosen nach Syrien hereingelassen zu haben. Die Machtpolitiker aller Länder sahen schon«inen französisch-englifchen Konflikt über Syrien heraufziehen. Zum mindesten erwarteten sie. England werden im Völkerbunde einen Vorstoß gegen das französische Mandat unternehmen. In Frankreich selbst hatten nach den militärischen Mißerfolgen bereits zahlreiche Stimmen sich über eine Aufgabe des Mandates geäußert. Der Außenminister Briand jedoch stellte alsbald im Kammeraus- schuß für auswärtige Angelegenheiten fest, daß Frankreich nicht daran denke, au» Syrien herauszugehen und da» Mandat aufzugeben. Dar abberufene Sarrail hat inzwischen persönlich in Paris berichtet. Es werden Verstärkungen abgesandt und Frank- reich fühlt sich setzt wieder als Herr der Lage. Der Nachfolger Sarrails im Oberkommando, General Dupert, hat soeben nach Eintreffen neuer Verstärkungen— man spricht von 19 009 Mann— auf telegraphisch« Anfrage erklärt, er beherrsche die Lage völlig und erachte die Absendung weiterer Verstärkungen für überflüssig. Eine Darstellung de» französischen Kriegs- Ministeriums bezeichnet die Lage als zufriedenstellend. Haoas- Meldungen und muh englische Nachrichten bestätigten gestern diese Auffassung. Die Festtgung der französischen Stellung in Syrien-be» förderte die französisch-englische Berständigung. Frankreich (als Inhaber des Mandatlondes Syrien) und England(als Inhaber des Mandates Palästina) sind Grenznachbarn. Zwischen den Militärs beider Nationen besteht ja nicht nur im Rheinland, sondern überall in der Welt eine Gereiztheit. Unter der Hand haben die englischen Militärs offenbar alles unterlassen und nichts getan, um den französischen Truppen den Kampf gegen die Drusen zu erleichtern. Um so mehr empfand de Jouvenel, Sarrail» Nachfolger als Oberkommissar, das Be- dürfnis, gegen die.Politik" der englischen Militärs die Soli- darität der europäischen Mandatsmächte anzurufen. Er fuhr am Mittwoch nach London, um sich mit dem englischen Kolonial- minister über eine Zusammenarbeit zu verständigen. Am Sonnabend wieder nach Paris zurückgekehrt, erklärte er Presse- Vertretern: Chamberlain und der Staatssekretär für die Ko- lonlen Amery seien von der Notwendigkeit einer engen Zusammenarbeit Frankreichs und Groß- britanniens bei der Lösung der' syrischen Frage überzeugt. Worin diese Zusammenarbeit bestehen soll, hat er im einzelnen nicht ausgeführt. Zunächst handelt es sich darum, dem Gegen- einanderarbeiten der Militärs ein Ende zu machen. Was an gemeinschaftlichen Unternehmungen darüber hinaus geplant ist, steht noch dahin. Nach den neuesten Meldungen sind be- teils englische Flieger gegen die Aufftändischen eingesetzt worden. Solidarisch gegenüber den Drusen vorzugehen, statt sich über die Manoatsvenvaltung zu entzweien, liegt auch durch- aus im machtpolitischen Interesse der beiden beteiligten Groß- mächte. Im nördlichen, an die Türkei angrenzenden Teil des Mandatslandes Syrien scheinen die Drusen den Kampf noch nicht aufgeben zu wollen. Sultan Altrash ist offenbar bestrebt, sich für die Verhandlungen mit de Jouvenel über ein« größere Selbständigkeit eine günstige Basis zu schaffen. Die amerikanischen Berichte besagen, daß die Drusen noch auf längere Zeit Widerstand leisten können. Die christliche Frei- willigenarmee im Libanon sei vollständig geschlagen. An- gesichts dieser Lage wagt es de Jouvenel nicht zu sagen, er werde den französischen Machtstandpunkt mit Gewalt durch- setzen. Cr hat der Presse wieder erklärt, er sei bereit. Ab- ordnungen der Drusen zu empfangen und ihre Wünsche für die Verwaltungsreform anzuhören. Er begibt sich am Man» tag von Marseille aus über Aegypten nach Syrien. Gleichzeitig wird die Rechtslage der Mandatsgebiete wirksam. Ein Führer der drusischen Aufstandsbewegung war auf dem Wege nach Genf, um„auf dem Forum des Völkerbundes" die Ansprüche der Drusen aus Freiheit und Selbstbestimmung zu vertreten. Vstichtgemäß hat das Generalsekretariat darauf hinweisen müssen, daß es keinen „internationalen Status" habe, daß et weder einen Staat, noch eine Regierung vertrete. Seine Beschwerden könnten nur der Mandatskommission vorgelegt werden.... So wenig wie im inneren Staatsleben, gibt es im Bölkerleben Gerichtshöfe, wo über ursprüngliche Menschen» und Bürgerrechte entschieden wird. Auch die unter der Ober- aufsicht des Völkerbundes stehenden Dölkerschaften der Man» datslander haben noch einen weiten Weg vor sich, bis ihnen ihre Selbstbestimmung und Selb st Verwaltung gewährleistet wird. Für die unterdrückten Kolonialoölker durch friedliche Mittel Freiheit und Gleichberechtigung zu schaffen, wäre die Kulwroufgabe Deutschlands in der Man- datsverwaltung der Völkergemeinschaft. An die Arbeiter, Angestellten und Beamten Berlins! Die organifierte Arbeiterschaft hat schon frühzeitig erkannt, daß fle fich nicht mur in Gewerkschaften zur Verbesserung ihrer Lohn- und Arbeitsbedingungen zusammenschließen muß, sondern auch als Berbraucher, aus der Erkenntnis, daß die zweckmäßigste Vermendung ihres Arbeitsertrages ebenso wichtig für den Haushalt jebes Arbeitnehmers ist, als die Erhöhung von Lohn und Gehalt. Berbraucherorganisationen der Arbeitnehmer sind die Konsumgenossenschaften, die sich in den letzten Jahrzehnten zu machtvollen Organisationen entwickelt und nicht nur in der Warenverteilung, sondern auch in der Warenerzeugung durch Errichtung von Eigenbetrieben Großes geleistet haben. Das größte deutsche Unternehmen dieser Art ist die vor 26 Jahren gegründete Konsumgenossenschaft Berlin und Umgegend, die heute über 2000 Arbeiter und Angestellte zu den mit den Gewerkschaften vereinbarten Lohn- und Arbeitsbedingungen beschäftigt und auch in der Frage der Sonntagsruhe und des 7- Uhr- Laden fchluffes vorangegangen ist. Aus dem erzielten Umsage tonnte sie in diesem Jahre 548 842,50 Mart an die Mitglieder auf ihre Barenentnahme als Erübrigung zurückvergüten, die ohne auf ihre Barenentnahme als Erübrigung zurückvergüten, die ohne die genossenschaftliche Organisation völlig in die Taschen des tapitalistischen Handels geflossen und dadurch wieder zur Bekämpfung der aufstrebenden Lohn- und Gehaltsempfänger benutzt worden wären. Es liegt daher im ureigensten Interesse jedes Arbeitnehmers, Mitglied der Konsumgenoffenschaft au werben und das begonnene Wert durch tatkräftige Mitarbeit meiter auszubauen. Das ist gerade in der heutigen Zeit um so notwendiger, wo die ohnehin schon bedrückte Lage der Lohn- und Gehaltsempfänger noch weiter verschlechtert wird durch eine wuche rische 3ollgefeßgebung, verbunden mit der künstlichen Hoch haltung der Preise durch Kartelle und Syndikate Allgemeine deutsche Postgewerkschaft. Am Donnerstag, den 19. November hielt die Allgemeine Deutsche Bostgewerkschaft, Mitgliedschaft im Deutschen Verkehrsbund, Bezirksverwaltung Berlin, die erste gemeinsame mit gliederversammlung in den Sophiensälen ab. Nach einem Referat des Kollegen Vallenthin über die geplante Ber= sorgungstasse der Reichspostverwaltung und den Stand der Gehalts- und Lohnbewegungen wurde folgende Entschließung einstimmig angenommen. Die Reichsbeamten( Postbeamten der unteren und mittleren Befoldungsgruppen) und Reichsarbeiter erheben nach dem Referat des Kollegen Vallenthin- Berlin von der Allgemeinen Deutschen Bost gemertschaft, Mitgliedschaft im Deutschen Verkehrsbund, gegen die bisher betriebene Gehalts- und Lohnpolitik der Reichsregierung und der Reichsministerien, insbesondere des Reichsfinanzministeriums, den scharfsten Protest Die in Berlin in den Sophiensälen versammelten Mitglieder der Allgemeinen Deutschen Poſtgewerkschaft, Mitgliedschaft im Deutschen Berkehrsbund, Bostbeamte und Reichsarbeiter, fordern die freien Beamten, Angestellten. und Reichsarbeiter NOT FORTSETZUNG meiner WOHLFEILEN NOVEMBERTAGE GROSSER Das segensreiche Wirten der Konsumgenossenschaft ist wiederholt von den Gewerkschaftstongressen anerkannt worden. Der lezte Rongreß in Breslau hat das gleiche getan und erneut alle Gewerkschafter aufgefordert, in die örtlichen Konjum genoffenschaften einzutreten. Aber, und wir sagen das mit allem Ernst: die Mitgliedschaft allein genügt nicht. Ber Mitglied ist oder es wird, übernimmt sogleich auch die Pflicht, alle Gegenstände des täglichen Bedarfs nur aus der Genossenschaft zu entnehmen. Nicht zuletzt haben die Genossenschafter die Pflicht. auch ihre Frauen über die Bedeutung der genossenschaftlichen Verbraucherorganisation aufzuflären. Die Frauen sind es, die mit dem Einkommen der Familie wirtschaften müssen und für den Einkauf des Bedarfs der Familie zu sorgen haben. Wenn die gemeingefährliche Macht der Erzeuger- und Händlerfartelle und-fynditate gebrochen werden soll, dann müssen sich die Berbraucher restlos zusammenschließen und nur ihre eigenen Unternehmen unterstützen. Arbeiter, Angestellte, Beamte, die Ihr die Masse der Berbraucher stellt, Ihr dient Euch selbst, Euren Familien und den Interessen Eurer Klasse, wenn Ihr die Genossenschaftsbewegung unterstützt und an ihrem weiteren Ausbau mit arbeitet. Darum hinein in die Konsumgenossenschaft Berlin und Umgegend! Allgemeiner Deutscher Gewerkschaftsbund, Ortsausschuß Berlin gez: Sabath. Algemeiner freler Angestelltenbund, Ortskartell Berlin gez: Flatau gez: Reichelt. Allgemeiner Deutscher Beamtenbund, Ortsausschuß Berlin gez: Rörber. gez.: Weidemann organisationen auf, umgehend in eine neue Gehalts und Lohnbewegung einzutreten. = Die Bersammelten beauftragen die Reichsleitung der ADP., dafür einzutreten, daß beim Zusammentritt des Reichs tags die im Juli vom Reichstag abgelehnte Erhöhung der Gehälter der Beamten der Besoldungsgruppen I bis VII durch erneute Beschlußfassung des Reichstags in annehmbarer Hohe den wirtschaftlichen Verhältnissen entsprechend bewilligt bzw. durch geführt wird. Sie fordern von den Organisationen gemeinsame Gehalts- und Cohnverhandlungen.* Rechtsanwälte und Arbeitsgerichtsgesehentwurf. Benoffe Rörpel, vom Bureau des Bundesvorstandes des ADGB., schreibt uns: Die Berichtigung des Genossen Rechtsanwalt Saenger( München) in Nr. 550 des Borwärts" wendet fich gegen eine Notiz in der Gewerkschafts- Zeitung" vom 7. Nobember 1925. Diese Notiz stammt von mir und ich halte sie in vollem Umfang aufrecht. Niemals ist dem Genossen Saenger das vorgeworfen worden, mas er nun berichtigen will. Genosse Saenger hat ble heiligtelt bes Rechts" gegenüber den Beftre bungen der Arbeitnehmer aller Richtungen verteidigt. Benoffe Saenger will die Zulassung der Rechtsanwälte vor den Arbeitsgerichten. Niemand wird behaupten wollen, Genoffe Saenger habe die Abschaffung der sozialen Geseze gefordert und feiner fann das aus der Notiz herauslesen. Genosse Saenger braucht auch gar nicht für die Zulassung der Arbeitersekretäre vor den Arbeitsgerichten einzutreten. Diese Forderung wäre eine Selbstverständlichkeit, wenn nicht alle Rechtsanwälte versuchen würden, sie durch die Bertretung ihrer Berufsinteressen zu erschüttern. Die Arbeitnehmer aller Richtungen lehnen die Zulassung der Rechtsanwälte ab, Genosse Saenger und andere parteigenössische Rechtsanwälte fämpfen, Seite an Seite liegt der fachliche Gegensatz und dieser besteht nach wie vor. mit bürgerlichen Richtern und Rechtsanwälten, dagegen an. Hierin Daher wenden sich die Gewerkschaften mit aller Energie gegen alle, die diese Grundlage der Arbeiterrechte beseitigen wollen, also auch nach wie vor gegen den Genossen Saenger. Ein Fünfzigjähriger. Der 1. Vorsitzende des Deutschen Landarbeiterver. bandes, der Genoffe Georg Schmidt, vollendet heute set 50. Lebensjahr. Genosse Schmidt ist aus der Gärtnerbewegung hervorgegangen und war in den Jahren 1905 bis 1909 Zentralvorsitzender des Verbandes der Gärtner. Seit der Gründung des Deutschen Landarbeiterverbandes, seit dem 1. Juli 1909, ist Georg Schmidt dessen Vorsitzender. Außerdem ist er der Sekretär der Internationalen Landarbeiter Föderation. Die Parteigenoffen in Pommern wählten den Genossen Schmidt 1920 in den Reichstag. Seiner fachkundigen Mitarbeit ist es zu danken, daß außer der üblichen Not der Landwirtschaft" seitdem auch die Nöte der Landarbeiter im Parlament zur Sprache tommen. Mit den Landarbeitern wünschen wir Georg Schmidt, daß es ihm noch recht viele Jahre vergönnt sein möge, die Interessen des ländlichen Proletariats zu verfechten Gibt es fein Recht gegen Menschenschinder? Dem Berband der Fabritarbeiter Deutschlands, Zahlstelle GroßBerlin, war die Mitteilung zugegangen, daß bei der Firma Olde u. Ruehs. Reinickendorf, Hauptstraße 3, Rohlenan zünderfabrit, jugendliche Arbeiter und Arbeiterinnen bis in die tiefe Nacht hinein beschäftigt werden. Am Freitag, den 20. November 1925, a bends 10% Uhr begab sich ein Beauftragter des Verbandes in Begleitung von Mitgliedern des Ortsaus schusses für Jugendpflege und zwei Schupo- Beamten nach dem Betrieb, der verschlossen vorgefunden wurde. Nachdem sich die Polizei Eingang verschafft hatte, wurde festgestellt, daß noch vier Leute im Betriebe arbeiteten, darunter 3 weijugendliche Arbeiterinnen im Alter von 16 Jahren, die bereits von 7 Uhr morgensan beschäftigt waren und die auf Befragen bestätigten, daß häufig nicht nur ältere Arbeiter, sondern auch jugend. liche Arbeitskräfte von 7 Uhr morgens bis 12 Uhr nachts beschäftigt werden. Wir fragen: ,, Gibt es tein Recht gegen diese schamlose Ausben tung? Waren der Gewerbe- Inspektion diese Zustände bekannt? Ift der Betrieb schon einmal nachts inspiziert worden?" Gewerkschaftliches fiehe auch 3. Beilage. Berantwortlich für Bolitik: Craft Reuter; Wirtschaft: Artur Saternus; Gewerkschaftsbewegung: Friebr. Eklorn; Feuilleton: R.$. Döscher; Lobales und Sonstiges: Frik Karstadt; Anzeigen: Th. Glode; fämtlich in Berlin. Berlag: Borwärts- Berlag G. m. b. S., Berlin. Drud: Borwäris- Buchdruckerei und Berlagsanftalt Baul Singer u. Co., Berlin S. 68, Lindenstraße 3. Sierau 3 Beilagen, Aus der Film- Welt ,,, Unterhaltung und Biffen" unb Jugend- Borwärts". Trikotwaren, Strümpfe, Strickwaren Damen- Hemden weiß, feingerippt, 100 em 1.65 Herren- Beinkleider malfarbig, mit Damen- Hemdhosen1.75 Herren- Hemden Baumwolle.gerippt.in Damen- Trikot- Wäsche Vorzügliche kunstseidene Qualitäten. zweite Wahl Kunst Schlüpfer 1.90 3.90 Prinzefirocke3.35 5.75 Kunstseide.. Hemden oder Hemdhosen, Kunstoeide.... 3.75 Damenwäsche Taghemd mit At 1.65 Beinkleid Hohl1.65 Garnitur- Taghemdu. Beinkl. m. Stick- Amat 5.00 Nachthemd mit Stickerei Ansatz....... 3.50 Hemdhose. Hohla. 3.50 Untertaille mit Ansatz 1.65 Herrenwäsche Farbiges Oberhemd gestz. Perkal m. 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Regenschirm Halbseide mit Futteral 6.35 Aktenmappe Rindleder schwarz oder braun, mit 4.65 Griff, Schiene u 2Schlöss." * Lampenschirm Drahtgestelle Durchmesser 40 cm. 1.35 Für Teepuppen und 0.60 Kuchengestelle Morgenrock Flauschstoff, m. aparter Stickerei 9.75 Morgenrock vorzüglicher Flauschstoff mit wollener Decke..... Morgenrock Cord14.50 Samt, elegante Form 29.00 Seidener Morgenrock gesteppt, auf Seiden 69.00 futter.. Kleiderstoffe Flauschflanelle für Morgenröcke und Matinees Mtr. 1.45 Reinwoll. Tuch- Foulé in aparten Karos ca. 100 cm....... Mr. 3.50 Reinwoll. Gabardine schwere Zwirnqualität 4.90 Mtr. solide Farb., 130 cm, Eolienne Wolle mit Seide, große Farbenauswahl. 4.75 100 cm...****** Seidenstoffe Reinseid. Taft kariert in M. 6.80 modernen Farben, ca. 90 cm. Satin Riche glänzende 4.80 Kunstseide, ca.90 cm, Mtr. * Japon für Lampenschirme, ca. 90 cm.. Mtr. 3.90 Sealplüsch für Jacken und Mäntel ca. 100 cm...... Mtr. 16.80 Nr. 552 42.Jahrgang 1. Beilage des Vorwärts Die Gräber reden... Sonntag, 22. November 1925 Bor dem Tode sind alle Menschen gleich. wie so viele moralische Gemeinplätze ist auch dieser zu gleicher Zeit richtig und falsch. Von den irdischen Schäzen, die der Tote besessen, tann er feinen Gebrauch mehr machen, aber seine Vermögenslage, seine Stellung zumeilen auch seiné Beliebtheit prägen sich in der Art aus, mie Die sterbliche Hülle aufbewahrt wird. Jeder Gang auf einen Friedhoft lehrt uns die Ungleichheit der Menschen im Tode. Nur wenige groß denkende Naturen haben bei Lebzeiten die Einfachheit ihrer Bestattung angeordnet und sind bestrebt gewesen, falls ihre Bermögenslage es gestattete, ihr Andenten auf andere Weise zu sichern. Totensonntag. Der eine Tag in dem ruhelosen Leben der Großstadt, an dem die Gedanken einer Millionenbevölkerung sich mit denen beschäftigen, die einſt unter uns geweilt haben. Nicht immer sind es die prunkvollen Stätten, die Marmorerbbegräbnisse oder die mit Kunstwerten geschmückten und mit tünstlerischem Gitter eingefaßten Ruhepläße, die den meisten Schmud aufweisen: die Erben weilen vielleicht im fonnigen Süden oder sie glauben mit der Errichtung des Denfmals ihre Liebesschuld beglichen zu haben... Dort, wo die Reihengräber find, spielen fich die Szenen der Rührung ab: Frauen, die um den früh verstorbenen Gatten trauern und zu dem Schmerz noch die ganze Last des Kampfes um das tägliche Brot zu tragen haben Kinder, die den Heimgang beider Eltern beklagen, junge Leute, denen die Braut entrissen wurde fie alle führt aufrichtige Liebe an den Ort der letzten Ruhe. Da das Totenfest im November begangen wird, stimmt auch die Natur zu dem melancholischen Bilde, das der Kirchhof mit den meist dunkel gefleideten, alles Lärmen vermeidenden Gruppen von Besuchern bietet. Zwischen den Gräbern hat sich das vom Winde umhergewirbelte fahle Laub angehäuft, so daß der Tritt des Näherkommenden lautlos ist; die blatilojen Zweige der Büsche und Bäume schaukeln sich leicht im schwachen Winde, und die immergrünen Gewächse, die Thujahecken, der Tarus, die Tannen, der Efeu vor allem, der fast alle Hügel dedt, geben in ihrer Gesamtheit auch ein ernftes, feierliches Bild. Bis zum Dunkel werden flutet der Menschenstrom auf und ab... von den Gräbern JONZER Ruhestätten von Auer, Hugo Haase, Liebknecht( Vater). der eigenen Angehörigen geht es wohl zu den neuen Hügeln, an denen es ja nie fehlt, und auch zu den Grabstätten bekannter Berfonen, Bolitiker, Gelehrter, Künstler usw. Wenn das Wetter einigermaßen gelinde ist, fann man wohl fagen, daß der Friedhofsbesuch Dimen| fionen annimmt, die auch an die Berkehrsanstalten große Anforderungen stellen. bei regnerischem Wetter, das oft schon in Schneefall umschlug, muß so mancher Leidende, so manches alte Mütterchen aus Rücksicht auf das eigene Befinden auf diesen Beweis der Liebe verzichten. Berliner Friedhöfe. Nicht weniger als 85.Friedhöfe gibt es in Berlin, mit einer Gesamtfläche von 460 Heftar. Viele der alten Gemeinden haben zwei Kirchhöfe, den einen noch am Rande jenes Berlins, wie es sich in den Jahren nach 1870 entwidelte, wo Schöneberg, Hasenheide, Neukölln, Gesundbrunnen die äußerste Peripherie bedeuteten, und den zweiten, aus der Neuzeit stammenden, dort, wo das Weichbild der Stadt sich in dem Ackerland verliert, das noch den Gürtel zwischen den städtischen und den ländlichen Bestandteilen von Groß- Berlin höfe in Lichtenberg- Friedrichsfelde und in Stahnsdorf, ebenso aber bildet. Von Bedeutung sind die beiden großen städtischen Fried. auch die Urnenhallen in den Krematorien, die einen großen Teil der Aschenurnen aufnehmen. Nicht alle Urnen, da diese jezt auch viel fach auf den Kirchhöfen beigefeßt werden. Auf den alten Begräbnisplägen findet sich oft eine Gräberstraße, in der sich Erbbegräbnis an Erbbegräbnis reiht zum Teil als mausoleumartige Baumerte, in deren Innern die Särge frei umherstehen, jo daß jeder Vorbei. gehende sie betrachten kann, zumeist aber nur als dekorativ gehaltene Wand, deren Inschrift alles Nähere über die Zusammengehörigkeit der hier Bestatteten verkündet. Einer der bekanntesten dieser Art ist der Matthäikirchhof am Bahnhof Großgörfchenstraße, jetzt mitten Dom Leben umgeben, das in Gestalt unzählicher Eisenbahnzüge an seiner einen Seite dahinraft. Die geneigte Lage des Terrains gibt dem Friedhof einen besonderen perspettivischen Reiz. In den auf steigenden Reihen ist hier vor allem der monumentale Bug heimisch; lückenlos dehnt sich die steinerne Grabmalfette aus. Daß es dabei an mancher Disharmonie nicht fehlt, ist selbstverständlich. Die Erben der großen oder reichen Männer, die hier schlummern, sind wohl nur von eigenen Wünschen, nicht von der Rücksicht auf das Ganze bei der Wahl ihrer Entwürfe geleitet gewesen. Daß aber auch auf einem solchen Kirchhof eine schlichte Größe und Würde ohne Brunt erreicht werden kann, lehrt ein Rechted gleichmäßig angelegter und bepflanzter Gräber, die sterblichen Reste der Schwestern eines Berliner Krankenhauses bergend Krankenhauses bergend hier ist das Wort wirklich zur Wahrheit geworden, daß die Dame aus vornehmem Kreise und die aus ein fachem Hause im Tode ntit dem gleichen Maße gemessen wird. Und dieses Wort von dem Gleichsein im Tode finden wir auch in den Hunderten und Tausenden von Gräbern auf unseren großen und fleinen Friedhöfen bestätigt, die weiter nichts als den Namen des Verstorbenen und die Daten tragen. Es sind dies die Gräber der wahren Kinder aus dem Bolte, deren Andenten nur im Kreise der Angehörigen weiterleben wird. Seine Berühmtheiten nur Männer und Frauen, die ihre Pflicht getan haben, die oft Heroisches ge leistet haben, das aber kein Heldenbuch verzeichnet vielfach frühe Opfer des harten Lebens, das die schwachen Elemente unbarmherzig zerstampfte, und die Mängel der Hygiene, die Kraftlosigkeit der Er. nährung von Jugend auf durch einen frühen Tod besiegelte. Heißt es dort bei den Brunfgräbern: Wenn die Steine reden. so hört man hier aus der Gleichförmigkeit und Bescheidenheit der Be stattung den Ruf von Millionen Dahingegangener heraus: Opfer einer fapitalistischen Weltordnung sind wir alle, untergegangen zur einer Zeit, da das Leben uns noch lebenswert schien. Wenden wir gar einen Blick auf die bescheidenen Kreuze, die den Selbstinörderfriedhof bei Schildhorn schmücken, so werden wir die hier Ruhenden nicht schmähen, sondern ihnen die Liebe schenken, die auch der irrende Mensch noch verdient. Die Beichen der Liebe fehlen denn auch diesen Toten nicht, die so melancholisch in Waldesdunkel ge, bettet find. Der neue Friedhof- Charakter. Durch die Ausgestaltung der Berkehrsmittel ist es möglich gemesen, die neuen Kirchhöfe weit hinauszulegen und ihnen einen Umfang zu geben, der ihre Anlage als Part geradezu heraus. forderte. In ihnen reiht sich nicht in der gangen Breite und Länge Grab an Grab, sondern jede Terraingeftaltung gibt den Anlaß, abgefonderete Begräbnisflächen zu schaffen. Bon den Straßen, die ein solches Riesenterrain durchziehen, gehen wieder Fußwege ab, die zu einzelnen Quartieren oder zu zerstreut liegenden Gräbern führen. So ist das Schematische immer nur auf eine fleine Fläche beschränkt, während das Ganze durch Bäume und Büsche, dura Rasenpläge und Terrassen einen wohltuend freundlichen Charakter erhält. Wo wirklich fünstlerischer Schmud des Grabes geplant wird, ist die Wirkung sicher vor dem vielleicht geiftlofen, in seiner Maffigkeit aber die ganze Umgebung beherrschenden Nachbar monument. Ein gutes Beispiel moderner großzügiger Friedhofs anlage ist der ffädtische Begräbnisplak in Lichtenberg- Friedrichsfelde, mohl an 120 Morgen groß, unseren Genossen aufs beite bekannt durch die erhebenden Totenfeiern, die Führern wie Singer, Liebknecht dem Vater, Auer, Legien u. a. bereitet worden find. Auch die Revolutionsopfer Karl Liebknecht und Ros Luxemburg haben in dem neuesten Teil der Begräbnisanlage ihre Ruhestätte gefunden. Auf Kirchhöfen, wo mit dem Raum gerechnet werden muß, hat man durch gärtnerische Mittel die Einförmigkeit des Ceichenfeldes" zu bannen gewußt. Zunächst ist es ficher ein Vorteil für das Aussehen sowohl wie für die Bepflanzung und spätere Pflege, daß die Gräber nicht mit einem Hügel aufgeführt. Die heutige Romanforffehung finden unsere Lefer auf der ersten Seife in der zweiten Beilage. sondern möglichst flach gehalten werden. Umfäumt man mun ein nicht zu großes Quartier mit einer mäßig hohen Thujahede, legt die Gräber zu beiden Seiten eines Ganges an und trennt jede Ruhestätte von der anderen durch eine immergrüne Einfassung, so hat man an jeder Stelle ein ruhig wirkendes Bild, das zu ver schönern nur leichter Mühe bedarf. Das Einpflanzen von Rosen und Stauden bietet teine Schwierigkeit in dem flachen Boden; beliebt ist jezt das als Erfah für Efeu sich bewährende Immergrün. Noch einer praktischen Neuerung sei gedacht man nimmt für die Anbringung des Blumenschmudes fpiz auslaufende Tonvajen, die man in den Boden hineinstedt. Von den in romanischen Ländern gebräuchlichen Kränzen aus Berlen, sowie Kränzen aus bronziertem Blech hat sich unser Kirchhofschmud im allgemeinen freigehalten bei Verwendung von fünstlichen Blumen vermeide man unschön wirkende Farben. LEGIEN 1190 Die Gräber von Legien und Singer in Friedrichsfelde. Totensonntag das Sterben in der Natur vereint sich mit der Erinnerung an die Heimgegangenen zu einem Eindruc tiefer Wehmut. Generationen sind dahingesunken und immer neues Leben schafft die Zeit. In den Lüften über unseren Häuptern hören wir die Stimmen der Toten wohl uns, wenn wir von ihnen rühmen können, daß sie für Recht und Freiheit gestritten und gelebt haben. Allenthalben liegen unfere Opfer in deutschen Landen und wei: darüber hinaus die Berliner Barrikadentämpfer von 1848 im Friedrichshain die standrechtlich erschossenen Freiheitsfämpfer von 1849 auf dem Rastatter alten Kirchhof die Millionen bahingemordeter Soldaten und durch Hunger zermürbter Frauen und Kinder in der ganzen Welt. RRP Opfer der Arbeit. Mehrere schwere Unfälle bei der Arbeit ereigneten sich im Laufe des geftrigen Tages. In der Lüneburger Straße 1 stürzte der Arbeiter Wilhelm Nieguth aus der Faldensteinstr. 45 aus beträchtlicher Höhe vom Gerüft hinab und zog sich einen Schädelbruch und schwere Beinverlegungen zu. Der Berunglückte wurde in beden! lichem Zustande in das Moabiter Krankenhaus übergeführt. Ein weiterer fchwerer Unfall trug sich in der Barnimstr. 13 zu. Hier stürzte der 16jährige Arbeiter Teltowsti aus der Friedrichsfelder Straße 29 aus dem dritten Stockwert in den Fahrstuhlcha cht hinab. T. blieb mit schweren inneren und äußeren Ber schacht legungen bewußtlos liegen. Durch einen Wagen des städtischen Rettungsamtes murde er fofort in das Krankenhaus Am Friedrichs hain übergeführt. Ein entfeßlicher Fahrstuhlunfall mit tödlichem 2lusgang ereignete sich in einem Warenhaus. Der 18 Jahre alte Monteur Bruno Schwarz aus der Kaiser- Wilhelm- Straße 30 in Adlershof war von der Firma in Wittenau, den Osis- Werfen, mit dem Ausbeffern des Fahrstuhlschachtes beauftragt worden. Aus noch ungeklärter Ursache jezte sich der Fahrstuhl in Bewegung, so daß der Unglückliche mit dem Kopf zwischen Fahrstuhl und Wand geriet. Schwarz wurde auf der Stelle getötet. Die Leiche wurde nach dem Schauhaus übergeführt. In Tempelhof in der Schöneberger Straße 11/15 stürzte der 37 Jahre alte Maurer Emil Hain aus der Kaiser- Friedrich- Straße 143 in Neukölln aus beträchtlicher Höhe Dom Gerüft und zog sich eine komplizierte Wirbelsäulenverlegung zu. Auch hier forgte bas städtische Rettungsamt für die fofortige Ueberführung in das Schöneberger St. Norbert- Krankenhaus Frühkapitalismus." Im abendlichen Hochbahnzug nach dem Westen, im Abteil zweiter Klasse, wo die bessere" Menschheit für 5 Pfennige Zuschlag ,, weicher" stehen darf als in der dritten, steht eingeteilt im dicksten Menschenknäuel ein 12jähriges Gymnafiäftlein. Drei Viertel seiner Borderfront sind verdeckt von einer riesigen Börsenzeitung, in der er mit gespannter Aufmerksamkeit die Kursberichte studiert, ab und zu unter den größten technischen Schwierigkeiten Anstriche und Randbemerkungen dazu machend. Ist es Theater, Pose, entsprungen jugendlichem Geltungsstreben? Es scheint nicht so. Die verwunderten Blicke der Umstehenden ignorierend, wendet das angehende Finanzgenie feine Blicke nicht vom Papier, scheint das Drängeln, Stoßen und Schieben ringsherum gar nicht zu bemerken. Er ist ganz gespannte Sachlichkeit. Das runde, blühende Kindergesicht hat einen Ausdruck von altflugem Ernst. Wenn man will, fann man sich das Zuhause dieses Jungen leicht vorstellen. Der Vater ist sicher Börsianer, der sich zäh und mit ausgiebigem Gebrauch beider Ellen bogen heraufgearbeitet hat. Nun geht der Junge zwar aufs Gymnasium, aber durchdrungen von der Gewißheit, daß man ,, mit Schillern, Joethen und so'n Quatsch nicht durch's Leben tommt". Während seine Altergenossen findlich tollen und spielen, studiert er Kursberichte, wenn sie schwärmen, wandern, dichten, die erste und schönste Liebe erleben, macht er die ersten, flug berechneten Spetulationsversuche. Himmelhochjauchzend" und zu Tode betrübt" heißen in seiner Sprache schlicht: Hausse und Baisse. Und wenn er als Mann genug Geld zusammengeschachert hat, daß er sich's leisten kann, auch mal sentimental zu werden, dann seufzt er, mit trüb unflorten Blid hinterm massiv goldenen Klemmer der holden Jugendzeit" nach, der Jugendzeit, die er nie besessen. Das alte Lied. Krankheit Gefängnis. Leichtfinn-Not- Krankheit Der Student Julius B. aus Odessa war von seinem Bater nach Karlsruhe geschickt worden, um hier in Deutschland zu studieren. Der leichtsinnige junge Mensch verliebte sich aber recht bald in ein Mädchen, das sein Interesse mehr in Anspruch nahm als die Unirersität. Als Karlsruhe den jungen Bärchen nicht mehr genügte, fam Berlin an die Reihe, die Wechsel des Vaters blieben aus, die Not fehrte ein, und W. beging seine ersten strafbaren Handlungen. Jest stand er wieder auf der Antlagebant des Schöffen. gerichts Berlin- Mitte, das gegen ihn wegen schwerer Urkundenfälschung und Betruges verhandeln mußte. Als sich zu der selbstverschuldeten Not die schwere Erkrankung an einem Lungenleiden gesellte, ging es mit M. schnell bergab. Hilfsbereite Hände scheinen eben für solche Leute auch leider heute dann nicht mehr vorhanden zu fein, wenn das Gericht einmal sein Schuldig gesprochen hat. Der Angeklagte hatte während der Berbüßung feiner zweiten Strafe wegen feiner zerrütteten Gesundheit einen Urlaub erhalten. Mit wenigen Pfennigen aus dem Gefängnis entlassen, erhielt er von feiner Wohlfahrtseinrichtung Unterstützung, dem Lungenkranken wollte niemand Arbeit geben, fogar das Asyl für Obdachlose verweigerte ihm wegen der Gefähr dung der Gesundheit der übrigen Insassen die Aufnahme. Nun zog der Bedauernswerte mit dem Gnadengeschent der Freiheit hungernd und frierend durch die Straßen und nächtigte in Wartesälen und im Freien. Als auch die letzte Hoffnung, noch irgendwo Arbeit und Unterkunft zu erhalten, fehlschlug, da erinnerte sich der Angeklagte einer legten gefälschten Liste, die er noch von feinen früheren Betrügereien übrigbehalten hatte. Schnell waren einige fingierte Namen und Beträge eingetragen, das alte Lied be gann von neuem. Als Beauftragter einer öffentlichen Sammelstelle fuchte er Beträge für die aus Rußland vertriebenen Juden einzufassieren. Dem ehemaligen Studenten, der abgerissen und zerlumpt, mehr ein franker, hilfloser Bettler war, wurden an mancher Lür Beträge von 1 bis 3 M. gezeichnet und ausgehändigt. Aber schneller, wie jede einst so heiß erwartete Hilfe, tam das Berhängnis.. wurde angehalten und verhaftet. Obwohl die Hauptverhandlung gegen den Angeklagten seine ganze hilflose Lage in allen Punkten bestätigte, wollte der Herr Staatsanwalt nichts mehr von Milde wiffen. Sein Strafantrag lautete auf 2 Jahre Zuchthaus. Dafür, daß das Schöffengericht doch noch etwas milder war, ihn noch ein letztes Mal vor dem Buchthaus, bewahren wollte, war der Angeklagte dankbar, er nahm die gegen ihn erkannte Strafe pon 2 Jahren Gefängnis sofort an. Nun wäre dieser lungenfrante Mensch wieder für längere Zeit der furchtbarsten Sorge um Unterkunft, Essen und Trinten enthoben, wenigstens aber für solange, bis die Strafbehörden wegen feines leidenden Zustandes wieder mit ihm Mitleid haben und ihm auf furze Zeit die Freiheit schenken, die dann wieder der Anfang des alten Liedes sein wird! Reichsbahn gegen Rota- Werke. Direktor März dauernd schwer belastet. Die Zeugenvernehmungen nahmen am Sonnabend ihren Fort gang. Allgemein wurden die Rotawerte, ebenso Direttor März schwer belastet. Direktor März verteidigte sich sehr vorsichtig und verstand es, peinliche Situationen abzubiegen. Während das Motio zu den Riesenbetrügereien der Rota", deren Direktoren es in furzer Zeit zu Billen, zahlreichen Grundstücken und Automobilen gebracht haben, wohl zu erkennen ist, bleibt aber immer noch unverständlich, aus welchen Gründen heraus die Angeflugten Kaiser, Kutut und Rau, die feinerlei Vermögensvor teile haben, gehandelt haben sollen. Auf der einen Seite stehen also die Meister und der Bahnüberwachungsbeamte, alle nicht besonders gut gestellt, und auf der anderen Seite der schnell reich gewordene Direktor, der sich zwei bekannte Verteidiger zu leisten vermag. Es kommt auch dauernd zu Zusammenstößen zwischen den Verteidigern des Angeklagten März und Zeugen, die beharrlich bei ihren Aussagen bleiben und März schwer belasten. So sagte der Zeuge Riesner aus, daß März angeordnet hatte, daß ein reparierter Wagen, der auf der Schiebes bühne neu beschädigt wurde, und dessen erneute Reparaturkosten die ,, Rota" hätte tragen müssen, nochmals der Bahn in Rechnung gestellt wurde. Bei den Vernehmungen des Zeugen Regierungsbaurat Liepe und des leberwachungsbeamten der Bahn, Julius Brieger fam es wiederholt zu Zusammenstößen. Wurde März irgendwie belastet, bezeichnete er die Aussage als unwahr. Demnach müßten alle bisher vernommenen Zeugen, etwa 12 bis 14 an der Zahl, die Unwahrheit gejagt haben. Der Zeuge Kaltulator Graaf, der noch heute bei den Rota- Werken angestellt ist, weicht in feiner Aussage sehr von seiner früheren Dars tellung ab. Sehr interessant waren noch die Ausführungen des Zeugen Walter, der Werkmeister bei den Rota- Werten war. Er sagt aus, daß durch das unrationelle Arbeiten des Rota Werkes tausende von Stunden der Bahn zu Unrecht in Rechnung gestellt wurden und daß weiterhin fingierte Passierscheine ausgestellt wurden, um bei etwaiger Kontrolle der Reichsbahn die Zahl der an einer Stelle beschäftigten Arbeiter dort tätig waren zu begründen. Zu einer sensationellen Unterbrechung fam es, als ein Zeuge plöglich berichtete, daß die Entlastungszeugen des Direttors März, die draußen auf dem Flur noch auf ihre Bernehmung warteten, Iau fend durch einen Melder" von dem Verlauf der Verhandlung in Kenntnis gefegt werden. Es wurde det Name R.-A. Liebert genannt, der aber vor dem Vorſizenden abstreitet, derartiges getan zu haben. Andere Zeugen behaupten aber, daß im Zivilprozeß die Rota" ähnlich vorgegangen sei und damals alle Zeugen, die noch vernommen werden sollten, zu ihren Gunsten auf der Laufenden" hielt. Sonderbar und nahezu unver- die aber niemals Rimbach erscheint bas Berhaften bes Schöffengerichts Webbing, baleb umb beffen Umgebung statt. Die Pfeffertüchler, Pfeffer März trop der großen Berbuntelungsgefahr nicht sofort in Haft fegte. Die Berhandlung wurde auf Montag vertagt. Mietzins und Achtstundentag. In zwei öffentlichen Versammlungen im Verwaltungsbezirk 4, die von dem Mieterbund einberufen waren, sprach Genosse Ernst Ruben über den augenblicklichen Stand der Frage des Mietzinses. Er wies auf die neuesten Veröffentlichungen über die Wohnungsstatistit in Stettin hin, die, wie vorausgesehen, ergeben hat, daß zwischen der Tubertulofeertranfung und der steht, und daß vor allem die Auffassung, es bestehe in Deutschland Wohnungsdichtigkeit ein enger 3usammenhang beeine Art Wohnungslurus, falsch ist. Die Wohnungsstatistik ergibt eine starke Verminderung der großen Wohnungen und eine starke Vermehrung der fleinen Wohnungen. Dann streifte der Referent die neue Denkschrift des Verbandes der Holzhändler und 71 anderer Wirtschaftsverbände über die Notwendigkeit des sofortigen Abbaus der Zwangswirtschaft zur Belebung des Baumarktes und wies an Hand reichen Materials die unwahr. heit der ganzen Gedankengänae dieser Denkschrift nach. Von besonderem Wert war aber die Erörterung des engen zu ſammenhangs der Lohnfrage und der Arbeitszeitfrage mit der Höhe des Mietzinses. Der Effener Synditus Dr. Raab hat das Verdienst, in dem neuen Wohnungsarchiv unbewußt die Bläne der Industrie enthüllt zu haben. Wohnungsbau sete höhere Mieten voraus. Diese bedingt Herabsetzung des Lohns, d. h. desjenigen Teils des Lohnes, der zur Ernährung und Kleidung dient, oder Berlängerung der Arbeitszeir Auf den engen 3usammenhang Mieterbewischen Gemertschaftspolitit und wegung muß mit allem Nachdrud hingewiesen werden. Die Wohnungszwangswirtschaft ist tein Zufallsprodukt, sondern in den wirtschaftlichen Verhältnissen auf dem Wohnungsmartt begründet, wie sie sich schon vor dem Kriege bemerkbar gemacht haben. Krieg und Nachkriegszeit haben lediglich diese Verhältnisse verschärft. Des halb berührt der Kampf um die Erhaltung des Mieterschutzes so ftarte Grundlagen der Wohnungswirtschaft, daß alle Versuche des Abbaus zum Scheitern verurteilt sind. Vor allem ist der neue Gelegentwurf zu betämpfen, foweit er die Erfan wohnungen beseitigen will und soweit er schon bei Nichtzahlung eines Mietzinses Räumung androht. Schon der kommende Winter mit dem gewaltigen Anschwellen der Arbeitslosigkeit wird in diesem Abbau der 3wangswirtschaft als Utopie und nackte Intereffenpolitit allen erfennbar machen. Reicher Beifall der meist aus Arbeitern der engen Wohnviertel des Prenzlauer Bergs bestehenden Zuhörerschaft lohnte dem Referenten. Der Berliner Weihnachtsmarkt. Berlin findet in der Hauptsache in der Warschauer Der diesjährige Beihnachtsmarkt für den früheren Stadtfreis Straße( von der Revaler Straße bis zur Frankfurter Allee) und in der Petersburger Straße fomie auf dem Artona Das Rundfunkprogramm. Sonntag, den 22. November. 9 Uhr vorm.: Morgenfeier. 1. Ludwig v. Beethoven: Adagio cantabile aus der Sonate pathétique( Lisa Haupt- Heckenbach. Violine; Bruno Kohlmetz, Cello: Paul Schmidt. Harmonium). 2. Johannes Brahms: Auf dem Kirchhof( Elisabeth SchmidtHohenberg, Sopran). 3. Franz Schubert: Gebet( Lisa HauptHeckenbach). 4. Bibelrezitation( Bibelsprecher Joh. Schulzke). 5. Ansprache des Herrn Pfarrer Siems. 6. Camillo Schumann: Larghetto( Bruno Kohlmetz). 7. Johannes Brahms: Arie aus dem berg. Lisa Haupt- Heckenbach. Bruno Kohlmetz. Paul Schmidt und Requiem: Ihr habt nun Traurigkeit"( Elisabeth Schmidt- Hohendas Doppelquartett des Kirchenchores der Dankeskirche). 11.30 Uhr vorm.: Geistliches Konzert. 1. J. S. Bach Choralfantasie:„ Herz lichst tut mich verlangen" Dr. Artur Böhme, Harmonium). 2. J. S. Bach: Adagio aus dem E- Dur- Konzert( Professor Rabert Zeiler, Violine: am Harmonium Dr. Artur Böhme). 3. a) G da Palestrina ( 1524-1594): O bone Jesu. b) Orl. di Lasso( um 1550): Miserere Tod( Soloquartett der Berliner Domsänger: Georg Funk, Willi mei. c) J. S. Bach( 1685-1750): Bist du bei mir. d) Komm, süßer Ludwig. Paul Köhler, Richard Paulentz). 4. A. Böhme: Aus der Toten klage":" Weinet nicht über die Toten( Dr. Artur Böhme. 5. Spohr: Adagio( Professor Robert Zeiler). 6. a) L. Hellwig ( 1773-1838): Requiem aeternam dona eis. b) Fr. Schubert( 1797 bis 1828): Litanei, c) Fr. Liszt( 1810-1886): Ueber allen Gipfeln ist Ruh', d) A. Becker( 1834-1899): Die arme Seele( Soloquartett der Berliner Domsänger). 2.45 Uhr nachm.: Schachfunk( E. Nebermann). 3.30 Uhr nachm.: Funkheinzelmann_bei den Lotosblumen, von Hans Bodenstedt. Erzählt vom Funkheinzelmann. 4.30 Uhr nachm.: Peterchen. von Han Ryner. Gesprochen von Charlotte Hagenbruch. 5-6 Uhr nachm.: Nachmittagskonzert der Berliner Funkkapelle. Leitung: Konzertmeister Ferdy Kauffman. 7 Uhr abends: Dr. Hugo Greßmann: Totenklage und Trauerbräuche. 8 Uhr abends: Alfred Kerr: Einführende Worte zu dem Sendespiel, Hanneles Himmelfahrt". 8.30 Uhr abends: Sendespiele. Abteilung Schauspiel. Leitung: Alfred Braun. Spielzeit 1925/26. 6. Veranstaltung. Das Drama der letzten 30 Jahre. 3. Abend.( Gerhart Hauptmann). Hanneles Himmelfahrt", Traumdichtung in zwei Teilen. Hannele: Elisabeth Bergner; Gottwald, Lehrer: Alfred Braun; Schwester Martha. Diakonissin: Johanna Hofer; Dr. Wachler: Albert Florath: Tulpe, Hedwig, Pieschke, Hanke, Armenhäusler; Seidel, Waldarbeiter; Berger, Amtsvorsteher: Schmidt, Amtsdiener; Maurer Mattern, der Vater; die Mutter; ein Engel. Anschließend: Bekanntgabe der neuesten Tagesnachrichten. Zeitansage, Wetterdienst, Sportnachrichten. Theater- und Filmdienst. Königswusterhausen, Sonntag, den 22. November. 11.30-12.50 Uhr nachm.: Konzert Mitwirkende: Bums Graef, Steglitz, Cello; Welika Sawoff und Hildegard Müller- Steglitz, am Rezitation und Gesang: Dr. Kölle. Violine: Erwin MüllerFlügel. 1. Goethe: Grenzen der Menschheit. 2. a) J. S. Bach: Arie, b) P. Nardini: Adagio contabile. 3. F. Schubert: a) Der du von dem Himmel bist, b) Im Abendrot. 4. L. v. Beethoven: Andante cantabile a. d. op. 97 B- Dur. 5. a) G. F. Händel: Larghetto a. d. D- Dur- Sonate, b) D. Popper: Ballade. 6. a C. F. Meyer: Säerspruch, b) Goethe: Wenn man den König. c) F. Hölderlin: Hyperions Schicksalslied. 7. Mendelssohn- Bartholdy: a) Herr Gott Abrahams aus Elias", b) Ich danke dir a. Paulus", e) Gott sei mir gnädig aus Paulus". 8. a) F. Schubert: Andante un poco mosso aus op. 99 B- Dur, b) L. v. Beethoven: Adagio aus op. 11 B- Dur. 2 Uhr mittags: Esperanto. Montag, den 23. November. 8 Außer dem üblichen Tagesprogramm: 4.30 Uhr nachm.: Novellen. Ritter Gluek, von E. T. A. Hoffmann, gesprochen von Charlotte Rosenbaum- Schwarz. 5 Uhr nachm.: Konzert. 605 Uhr abends: Einführung zu der Oper Die Regimentstochter" am 24. November. 6.40 Uhr abends: Zehn Minuten für die Frau, 7 Uhr abends: Leo Hirsch: Die tragische Anekdote". 7.25 Uhr abends: Hans- Bredow- Schule( Bildungskurse). Abteilung Sprachunterricht. Französisch( Prof. Colson). 8 Uhr abends: S. O. S. Rettung eines Schiffes aus Seenot". Ein Hörspiel von Cornelis Bronsgeest, Alfred Braun, Walter Bransen. Werbeveranstaltung. 8.30 Uhr abends: Musikalischer Vortrag. 1. Beethoven: Duo für Violine und Cello. 2. Vieuxtemps- Servais: Duo für Violine und Cello( Konzertmeister Ferdy Kauffman, Violine, und Konzertmeister Julius Berger, Cello). 9 Uhr abends: Heiterer Abend. 1. a) Leopoldi und Eugen: Serenade, b) Karl Halser: Oft denk' ich an dich. c) Franz Ries: Am Rhein beim Wein( Willi Weiß, Tenor: am Flügel: Miezi Perry). 2. a) Der Rattenfänger, b) Kaltes Blut, c) Wiegenlied an eine Mutter( Worte und Musik von Friedrich Holländer), d) Volkslied( Worte von Uhland, Musik von Friedr. Holländer)( Blandine Ebinger; am Flügel: Friedrich Holländer). 3. a) Bela Zerkowitz: Herbst, du kamst ins Land. b) Hermann Krome: Das war in Heidelberg in Weiß). 4. a) Das Groschenlied. b) Drei Wünsche. c) Wenn ich blauer Sommernacht, c) Oskar Strauß: Die Musik kommt( Willi mal tot bin( Worte und Musik von Friedr. Holländer)( Blandine Ebinger). Anschließend: Dritte Bekanntgabe der neuesten Tagesnachrichten. Zeitansage, Wetterdienst, Sportdachrichten, Theaterund Filmdienst. fuchenhändler, Berkäufer von Obst, Nüssen, Weihnachtsbäumen, Spielzeugen und dergleichen können auch außerhalb der Marktbezirke mit Genehmigung der zuständigen Polizeiämter BerkaufsDer Marft vorrichtungen auf geeigneten Plätzen aufstellen. beginnt am 11. Dezember und dauert bis zum 27. Dezember einschließlich. Am 28. Dezember, morgens 8 lh müssen sämtliche Buden und Verkaufsvorrichtungen von den Straßen und Plätzen fortgeschafft sein. Das Armenbegräbnis. Es ist den letzten Jahren beffer geworden. Alljährlich werden viele Tausende unserer Volksgenossen auf Rosten der Stadt beerdigt, die nach einem arbeitsreichen Leben einsam und in bitterer Not ihre letzten Jahre und Tage beschließen. Allen diesen Aermsten der Armen seien am heutigen Totenfonntag die folgenden Zeilen zum Gedächtnis gewidmet. So einsam und verlassen wie diese Einwohner Berlins im Leben waren, so dürftig, ja fast völlig vietätlos, erfolgte auch ihre Be erdigung auf Kosten der Stadt bis vor etwa Jahresfrist. Die Reichshauptstadt gewährte in früheren Jahren ihren Armen eine Armenbeerdigung im wahrsten Sinne des Wortes. Der Sarg hatte auf die Bezeichnung Sarg eigentlich gar feinen Anspruch; er sah einer schwarz angestrichenen Riste sehr ähnlich und führte als Armenfarg" allgemein die Bezeichnung Nasenquetscher". Die Leichen dieser Aermsten der Armen wurden zunächst„ gesammelt" und dann mit einem großen Transportwagen, zumeist noch in mehreren Etagen übereinander gestellt, nach einem Friedhof gebracht. abteilungen. Kein Baum, fein Strauch, feine Blume schmückte ein solches Gräberfeld. Dort erfolgte die Beerdigung in Massengräbern und ArmenIn der so geschilderten Art erfolgte die„ Armenbeerdigung" vom Jahre 1880 bis Anfang des Jahres 1912 auf dem Zentralfriedhof in Friedrichsfelde, von 1912 bis zum 1. Oftober 1924 auf dem " Friedhof der Zentrale Buch", auch Anstaltsfriedhof Buch" genannt. Dann endlich wurde eine pietätvollere Bestat tungsform für die Armen der Reichshauptstadt durchgeführt. dem sogenannten Einäscherungssarg, ist 55 Zentimeter hoch, stabil Zur Verwendung gelangt jetzt ein wirklicher Sarg. Er gleicht gebaut, mit einer Holzfehle, einem mattschwarzen Anstrich, einer geschmackvollen Dekoration versehen und hat auch die allgemein übliche Innenausstattung. Auch ein Sterbefissen, eine Sterbedecke und ein Sterbehemd werden nunmehr von der Stadt geliefert. Dieser neue Sarg wirkt einfach, aber durchaus würdig. Die Liefe rung der Särge erfolgt nicht mehr durch eine Privatfirma, fondern durch vier städtische Sargmagazine, von denen sich je eins in Lichtenberg, Möllendorfstraße 14, in Niederschöneweide, Grünauer Straße 2, in Neukölln, Anzengruberstraße 23 und in wie es früher hieß, Armenleichen", erfolgt auch nicht mehr auf Reinickendorf, Graf- Rödern- Allee 95 befindet. Die Beerdigung der, einem Friedhof, und auch nicht mehr in Massengräbern und auf besonderen Armengrabfeldern, sondern je nach der Lage der Wohnung des Verstorbenen auf dem Friedhof an der Humboldtstraße in Reinickendorf oder auf dem Friedhof am Mariendorfer Weg in Tempelhof oder auf dem zum Verwaltungsbezirk Lichtenberg gehörenden Friedhof Marzahn. Die beiden erstgenannten Friedhöfe find bequem mit der Straßenbahn, der leztgenannten vom Schlesischen Bahnhof( Wriezener Bahnsteig) unter Benutzung der Bahn BerlinLichtenberg- Werneuchen zu erreichen. Die Verhandlungen mit der Eisenbahnverwaltung haben dazu geführt, daß die Friedhofsbesucher nur die Hälfte des üblichen Bahntarifes, zurzeit also mur 35 Pf. für die Fahrt nach Marzahn und zurück zu zahlen haben. Der erforder. liche Ausweis wird von der Friedhofsverwaltung ausgestellt. Im Gegensatz zu früher erfolgt die Beerdigung jezt auch gemeinsam mit den Leichen, deren Angehörige in der Lage waren, die Kosten der Beerdigung selbst zu tragen. Die Grabstellen erhalten ebenfalls den allgemein üblichen Rasenhügel und können nunmehr genau so gepflegt und geschmückt werden, wie jede andere Grabstelle. Kein Friedhofbesucher weiß heute, ob der neben seinem Angehörigen Ruhende auf Kosten der Stadt beerdigt worden ist oder nicht. Auch die Anordnung eines Armen in bezug auf die Verbrennung feiner Leiche wird jetzt berücksichtigt. Die Beisetzung der Asche erfolgt fich in einer besonderen Urnenstelle beigesetzt. Zum Zwecke der nicht in einem Urnenmassengrab, sondern es wird jede Asche für Ueberführung der Leichen nach einem Friedhof oder Krematorium hat die Stadt drei Leichentransportautomobile durch den Stadtfuhrpart beschaffen lassen, der jetzt auch die Ueberführung der auf Kosten der Stadt zu bestattenden Leichen vornimmt. Die Durchführung dieser sozialen Maßnahmen hat endlich einen der Stadt Berlin unwürdigen Zustand beseitigt und alle diejenigen Friedhofsbesucher, die durch traurige wirtschaftliche Verhältnisse gezwungen waren, ihre Familienangehörigen durch die Stadt zur letzten Ruhe betten zu laffen, werden sich am heutigen Totensonntag auf dem Friedhof nicht mehr als geduldete Menschen fühlen, denen schon vom Schicksal das Zeichen der Armut sichtbar aufgeprägt ist, sondern als gleichwertige Bürger unserer Stadt. Straßenbahnzusammenstoß am Spittelmarkt. Gegen 10 Uhr abends fuhr gestern am Spittelmarkt ein Straßenbahnwagen der Linie 74 in einen Wagen der Linie 69 hinein. Fünf Personen wurden dabei leicht verlegt. Ueber die Ursache des Zusammenstoßes verlautet nichts Genaues, doch soll eine faliche Weichenstellung den Zusammenstoß verursacht haben. Die Unterschleife bei der Stationskaffe Alexanderplah. Die zweitägige Verhandlung wegen der umfangreichen Unterschlagungen bei der Eisenbahnstationskasse Alexanderplay ergab, daß bort eigenartige Zustände geherrscht haben müssen, die nur dadurch zu erklären sind, daß der Eisenbahnoberinfpettor beteiligt gewesen sein muß. Schreib selbst an den Beruntreuungen Die mit. ver. Nicht nur, daß von zwei Beamten aus dem Trefor ein Sad mit 60 000 Rentenmart gestohlen worden war, um die von ihnen perübten Unterschleife bei der zu erwartenden Revision zu decken, fondern es hatten auch die sämtlichen sechs Angeklagten aus der Kasse wiederholt Beträge entnommen. Außerdem aber hatte auch ein umfangreiches Darlehensgeschäft stattgefunden. schiedenen angeklagten Kassenbeamten haben an bekannte und teil weise auch an fremde Personen, die ihnen durch Vermittlung zu. geführt wurden, Geldbeträge gegen vielfach ungedeckte Schecks ausgegeben. Die Beträge wurden zu einem Teil später in entmerteter Papiermark zurüdgezahlt, Der Oberfassen. vorsteher Schliep und der Eisenbahnassistent mannske, die die ander geteilt, nachdem von dem Anteil des Schliep etwa 60 000 m. gestohlen hatten, hatten sich den Betrag unterein 5000 m. abgezogen worden waren, um damit eine von ihm ver. übte Unterschlagung zu decken. Der Staatsanwaltschaftsrat Kyser beantragte gegen Mannste und Schliep wegen Die stahls und Amtsunterschlagung je ein Jahr neun Monate Gefängnis. Gegen die anderen vier Beamten Gefängnis von drei bis neun Monaten. Auch soll bei sämtlichen sechs Eisenbahnbeamten die Fähigkeit zur Bekleidung öffentlicher Aemter auf drei Jahre abgesprochen werden. Gegen die Helfer wurden Strafen von vier Monaten bis vier Monate zwei Wochen Gefängnis beantragt. Nach dem Antrage des Staatsanwaltschaftsrats Kyser begannen die Verteidiger mit ihren unübertroffen mit dem schwarzen Kopf fürdie Kopfvälche 1Derlangen Sie die neue Doppelpackung. Preis 35 Pf Schlußausführungen. Die Berhandlung wurbe fchießlich auf Montag pertagt, und es wird erst am Montag nachmittag bas Urteil vom Schöffengericht Mitte verkündet werden. , Beschränkung der Geburtenzahl als Kulturproblem". Im Bund für Mutterschutz und Sexualreform" sprach fürzlich in der Wilhelmstraße 48 Dr. med. Julian Marcuse über die Beschränkung der Geburtenzahl als Kulturproblem" Er gab nach seiner fulturgeschichtlichen Einleitung einen Ueberblick über die Bevölkerungsbewegung der letzten Jahre. Schon vor dem Krieg hatten in Deutschland die Eheschließungen und in noch höherem Maße die Geburtenziffer abgenommen, eine Tatsache, die für nahezu sämtliche Kulturstaaten zutraf. Er wies das Ursachenverhältnis zwischen dem Rückgang der Fruchtbarkeit auf der einen Seite und den ökonomischen Struktur verschiebungen und der zunehmenden Kultur auf der anderen Seite nach. Bewußte 3eugungsunluft Frauenarbeit 3 Emanzipation der Frau schaffe eine veränderte Serualsphäre. Ferner wies er auf die sozialpathalogischen Urfachen, wie Geschlechtsfrankheiten, Tuberkulose, Alkoholismus hin, Die die Sterblichkeit und vor allem die der Kinder als Ausjäte phänomen beeinflußt. Von ihrer Bekämpfung und einer Nachwuchs fultur hängt der für die Erhaltung des Volkes erforderliche Geburtenüberschuß ab. Der Redner kam dann im letzten Teil seiner Ausführungen auf die planmäßige Geburtenbeschrän fung zu sprechen und setzte sich mit den Interessentengruppen und Inftitutionen auseinander, die aus bevölkerungspolitischen oder religiössittlichen Motiven sich gegen die Geburtenbeschränkung menden. Er mies thre falschen Schlußfolgerungen zurüd und trat für eine reftlose Wiederherstellung des ursprünglichen Entmurfs des Gesetzes zur Bekämpfung der Geschlechtsfrankheiten wie für die soziale Indikationsstellung innerhalb der Abtreibungs bestimmungen ein. Dies sind die groben Umrisse des Vortrags, der sich auf tatsächliches Material stützte und in geistreicher Weise Gründe und Gegengründe gegenüberstellte und die Geburten einschränkung als Kulturproblem beleuchtete. In der Diskussion wurde auf die außerordentliche Wichtigkeit der Empfängnisverhütung hingewiesen, um so im Bornherein eine Abtreibung zu vermeiden. Der Vortrag fand hauptsächlich vor Aerzten statt. Es wäre sehr zu wünschen, wenn Dr. Marcuse vor der Arbeiterschaft, vielleicht für die Arbeiterwohlfahrt, einen Bortrag über dieses Thema hielte, um so Tausenden in dieser Frage Aufklärung und Wiffen zu geben. Noch einmal die Basdorfer Siedler. Bitte... Ein ftrahlender Novembertag. Rurfürstendamm. Man denkt nicht an den Winter, man denkt an den Frühling, an die Riviera, an Blumen. stößt sich an, entschuldigt sich nicht. Der Tag und der Dalles Die Menschen hasten vorüber. Man treibt alles. Talmieleganz, verschlafene Gefichter, teilnahmslose Blicke. Eine Frau tommt mir entgegen. Sie sieht nicht sonderlich aus. Nur ihre Augen haben etwas Vorwurfsvolles. Nur Hunde sehen einen so an, wenn sie nicht wissen, wofür sie geschlagen werden. Die Frau betrachtet mich forschend. Sie sieht alle Menschen an. Tun wir das nicht alle? Plöglich dringt ein Wort zu mir. 3ft es für mich, ist es für andere gesprochen? Ich wende mich. ,, Etwas für ein Stückchen Brot, bitte... Das hören wir alle oft, so oft, daß es verklingt, ehe es uns erreicht. Aber es war etwas Eigenes dabei. Das Bitte" war so auffordernd, es war vieles darin. Das Bitte hieß: Jch hungere, ich will nicht darben, marum laßt ihr das zu." Betroffen gab ich ihr etwas. Selbstver ständlich, mit furzem Dant nahm sie es. Bitte". Wer gibt? " 1 Die Belfehung des verstorbenen Gen. Dr. Weyl findet am Mittwoch, den 25. November, nachmittags 3 Uhr, im Krema torium Gerichtstraße statt. Ueberfchrift genannte Termin ist natürlich ein Sqpfehler. Der im geftrigen Abendblatt in der Der gestoppte Schulbau in Kaulsdorf. Wie wir am 13. b. M. mitteilten, hatte der Magistrat den Schulhausneubau in Rauls. dorf Süd, nachdem die Mittel vom Bezirksamt Lichtenberg bewilligt worden waren, inhibiert. Nunmehr teilt das Nachrichten amt der Stadt Berlin mit, daß der Magistrat in seiner lekten Sigung der Errichtung einer Volksschule in jenem Ortsteil des Be girts Lichtenberg zugestimmt hat und daher mit der Ausarbeitung des Bauprojekts nunmehr begonnen werden tann. woch, den 25 November, im Beisein der Behörden und der Die Eröffnung der Eisbahn im Sportpalaft findet am Mittführenden Sportsleute statt. Am Donnerstag abend wird zum erften Male das sportlich- choreographische Gemälde auf dem Eis Die Laune der Favoriten von Billy Rath und Billiam Starfiol in Szene gehen. Die musikalische Einrichtung stammt von Kapellmeister Julius Einödshofer, der auch ständig mit seinem Drchester im Sportpalast tonzertieren wird. Ein Riesenwels im Berfiner Aquarium. Das 1,80 Meter lange und 75 Pfund schwere Tier wurde vor einigen Tagen von Zehdenider Fischern in der Oberhavel mit einem Zugnet gefangen. Mit einem Fischermotorboot nach Berlin gebracht, bewohnt es jetzt mit fünf fleineren, etwa 4 meter großen Bettern aus dem Blogensee das große Becken Nr. 4 der Süßwasserabteilung. Beraubung faft sämtlicher Brieftäften. In letter Sett find allnächtlich fajt fämtliche Brieftäften Groß Berlins ihres Inhalts beraubt worden. Die Oberpostdirektion hat jetzt eine Belohnung von 200 m. ausgefeßt, und das Kommando der Schutz polizei hat die Straßenaufsichtsbeamten erneut zu größter Aufmert. famkeit angemiesen. wenn e zur Ueberfahrt ble britte Schifferlaffe Benutzt haben, niat mehr erforderlich ist, fich ber für Einwanderer bisher vorgeschriebenen Untersuchung zu unterziehen. nachmittags 3%, ühr, in der Bhilharmonie 2. Tangberantaltung Bezirksbildungsausschuß Groß- Berlin. Sonntag, den 6. Dezember 3m Orient. Breis der Einzelfarte 1,20 M. für die lezten drei Beranstaltungen können noch Abonnements zum Preise von 3 Mt. ausge geben werden. Freitag, ten 25. Dezember, nachmittags 3 Uhr im Staatlichen Schillertheater Der Glüdspilz". Schwant in drei Atten. Preis pro Karte 1,20 mt. Sonnabend, den 26. Dezember, vormitiags 11 lbr im Großen Schauspielhaus Proletarische Feierstunde Träume der Mietstungen können noch Abonnements zum Preise von 3,20 Mt. abgegeben faserne". Breis der Einzelfarte 1,20 Mt. Für die letzten vier Veranstal werden. Karten für alle Veranstaltungen find in den bekannten Vers taufsstellen zu haben. Mädchenmord in Hamburg. Vor einigen Tagen wurde in der. Sentgrube einer Trainieranstalt in Groß- Borstel die Leiche eines etwa 20 Jahre alten Mädchens namens Loges gefunden. Das Mädchen wies am Halle verschiedene Messerstiche auf. Die Ermittlungen der Kriminalpolizei führten zur Feststellung und Festnahme des Mörders. Der Täter ist ein in Schleswig geborener Bädergeselle namens Herwede, der nebenbei als Tanzordner fungierte und sich da mit Barnewiz anreden ließ. Unter diesem Namen lernte er auch das Mädchen tennen. An einem Abend hatte er das Mädchen abgeholt, und beide waren nach Groß- Borstel gefahren, wo Herwege, der Alkohol bei fich geführt haben will, mit dem Mädchen spazieren ging. In dem Wäldchen will er dann mit einem Messer dem Mädchen versehentlich einen Halsstich versetzt haben. Das Mädchen schrie angeblich um Hilfe, worauf er in seiner Angst weiter zugestochen habe. Als er fah, daß das Mädchen tot war, zog er die Leiche in die Grube hinunter. Die Ermordete galt als ein völlig unbescholtenes Mädchen. Einheitliche Berkehrsregelung im ganzen Reich. Runderlag des preußischen Ministers des Innern, des Ministers Wie der Amtliche Preußische Bressedienst einem gemeinsamen für Handel und Gewerbe und des Ministers für Landwirtschaft, Iungen zwischen Reich und Ländern über die Fest. Domänen und Forsten entnimmt, schweben zurzeit Berhand. segung einheitlicher Richtlinien für die Regelung des Fuhrwerts, Radfahr, Reit- und Fußgängerverkehrs sowie bes Treibens und Führens von Tieren, die voraussichtlich in nächster Beit zum Abschluß gelangen werden. Die staatlichen Bolizeibehörden werden daher ersucht, bis zur Bekanntgabe dieser Grundzüge von einer Aenderung der zurzeit hierüber bestehenden Verordnungen oder von einer Neuregelung abzusehen. Die reichseinheitliche Berte sregelung ist in der Tat zurzeit aufs innigste zu wünschen. Bombenwurf gegen einen englischen Kriegsfilm. Am Freitag früh um 7 Uhr wurde ein Rinematographentheater in Dublin in Irland, in dem der englische Kriegsfilm pern" vorgeführt wird, durch eine Bombe Dollständig zerstört. 3mei Bolizisten wurden, als sie den Anschlag verhindern wollten, erschossen, ein dritter ernstlich verwundet. Das Kinematographentheater war schon früher einmal von bewaffneten Republikanern überfallen worden. Bei dieser Gelegenheit wurde der Kriegsfilm geraubt. Der Eigentümer hatte jedoch einen neuen Film erhalten. Auf unseren Artikel Eine verhinderte Landauftion" in der geftrigen Morgennummer schreibt uns der Gemeinnüßige Grund befizer und Kolonisten Berein Basdorf, daß die Bersteigerung des Basdorfer Siedlungsgeländes feineswegs deshalb vertagt worden ist, weil die Richter Ausschreitungen der Siedler befürchteten, es stimme auch nicht, daß die Siedler mit GummiInüppeln erschienen wären. Im Einverständnis mit den Siedlern und mit der Basdorfer Bodengesellschaft hätte der Hauptgläubiger Bluth eine Vertagung beantragt, hauptsächlich deshalb, weil sich für das dreimal überschuldete Gelände fein Käufer fand. Da die Eine neue Poftanfolinie. Seit Montag, den 16. b. M. fährt in Bostauto ab Bahnhof Dranienburg über Borgsdorf, Binnow nach Bertagung auf unbestimmte Zeit geschah, so hoffen die Siedler, in der Zwischenzeit zur neuen Versteigerung Aufklärungs. dieser Linie erfolgte, damit die Arbeiterichaft der HennigeDie Einstellung attionen über diese Angelegenheit einzuleiten, zunächst einmal bei lich durch den Staatsanwalt oder Untersuchungsrichter. Alle diese erreichen fann. Das Auto fährt morgens 5.27 Uhr ab Bahnhof Köln, Dr. Schulte, zur gegenwärtigen wirtschaftlichen Notlage den Gläubigern selbst, dann durch den Konkursverwalter und schließdorfer Industrien ihre Arbeitsstelle beffer und schneller Aftionen find bereits eingeleitet worden. Die Siedler wollen diesen Dingen auf den Grund gehen, besonders da die Bodengesellschaft Nachzahlungen von 500 bis 1000 m. pro Morgen in Aussicht gestellt hat, während der Morgen nur 300 m. Steuerwert hat. Der Männer- Gefjang- Berein ,, Cledertafel"„ Berlin- Weft Mitgl. b. D.K.6.8., veranstaltet am 22. November, abends 7 Uhr, im Bürgersaal bes neuen Schöneberger Rathauses ein Herbstfonzert unter Mitwirkung des Dablle- Trio. Oranienburg und ist um 6 Uhr in Belten. 6.06 lbr fährt der Bug von dort nach Hennigsdorf. Die Rüdfahrt erfolgt ab Bahnhof Welten 4.40 Uhr nachmittage. Der Preis der Wochenkarte beträgt für die Hin und Rüdfahrt 3,50 M. An Sonn- und Feier tagen berlehrt biefe Linie nicht. Erleichterungen für gelegenffiche Besuche meritas. Die amerikanischen Einwanderungsbehörden geben bekannt, daß es für Perionen, die Amerila nur zeitweilig befuchen, auch A.WERTHEIM Leipziger Straße Königstraße Rosenthaler Straße Moritzplatz 1926 tein Kölner Karneval? Nachdem Kardinal- Erzbischof von und gegen den Karneval in einem Erlaß Stellung genommen bat, läßt auch das Presbyterium der Kölner evangelischen Gemeinde einen Aufruf an die Gemeindemitglieder ergehen, der von einer Beteiligung am Karneval abmahnt. Briefkasten der Redaktion. Gdnienie R. R. 40. Benden Sie fich an bas Bolizeibureau bes letter Bobnikes 3hres Brubers. Dort erhalten Sie nähere Auskunft! DiestlXyitzn Die neue deutsche Handarbeit Vorführung und Verkauf in allen 4 Geschäften Leicht ausführbare Bändchen- und Litzenarbeit, besonders geeignet für Decken, Kissen, Stores Sw., in einigen Minuten zu erlernen Besonders günstige Angebote Korsette Hüfthalter Drell, weiß und farbig, mit 175 Gummi.... 1 Paar Halter Hüfthalter Drell, welß u. farb., m. Stickerel 290 rostirele Einlag, 1 Paar Halt Hürthalter Safindrell, weiß und farbig 325 Gummi, 1 Paar Halter Hüfthalter aus guten lacquardstoffen mit Gummi, 1 Paar Halter 375 Korsett moderne halbhohe Form. Drell 425 1 Paar Halter mit 2 Paar Strumpfhaltergürtel mar 190 Büstenhalter aus gutem Haltern Wäschestoff 65 PL. Büstenhalter Trikot, weiß u. rosa 95- PL Vorderverschluß Handarbeiten vorgezeichnet Richelleu, vorgez. Taschentücher Batist, Madera a. 35 PL Topfanfasser Molton, mit farbigem 38 PL. 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November 1425 Streftmann, tzilferölng, Mussolim'. Stresemann droht mit dem Völkerbund. Präsident eSbe eröffnete die gestrige?i e ich» t a g» s t tz u n g um i Uhr SO Minuten und teilte mit. dost der Reichsminister des Innern die Verhaftung der kommunistischen Reichstagsabgeordneten Heckert. hörnte, Körnen, Remmele und Sloecker wegen Hochverrats beantragt habe. lLebhafte Pfuirufe bei den Kommunisten.) Der Antrag wird dem Gefchäftsordnungsausfchuh überwiesen. Die erste Beratung des Handels- und Echiffahrtsvertrages mit Italien wird darauf fortgefetzt. Zunächst nimmt Allhenmillister Dr. Stresemann das Wort. Cr erklärt: Wie ich aus den Berichten der Presie ersehen habe, find in der gestrigen Sitzung des Reichstags bei der Beratung des deutfch.italienifchen Handeisoertrages scharfe und beleidigende Angriffe gegen die italienische Regierung und den italienischen Ministerpräsidenten erhoben worden. Ich bedaure. dah die Gelegenheit der Beratung über ein« Frage wirtschaftlicher Verständigung zwischen beiden Löndern dazu benutzt worden ist, um Fragen auszuwerfen, die in dem Gegenlotz der Welt- und Staatsonschouung ihre Begründung finden. Es ist meine selbstverständliche Pilicht, gegen diese Angriffe, namentlich gegen die Form, in der sie erfolgt sind, hier Einspruch zu erheben. (Lebhaste Zurufe bei den Völkischen. Abgeordneter Graes« wird wegen einer beleidigenden Bemerkung zur Ordnung gerufen. Ebenso wie wir in Deutschland un» dagegen verwahren würden, daß innerdeutsch« VerhäUnisi« zum Gegenstand der Erörterungen in ausländischen Parlamenten gemacht werden, so scheint tt mir auch nicht angebracht, die» unsererseits tun. Soweit in den Reden ver- schieden«: Abgeordneter Fragen erörtert worden find, die sich auf die Erfüllung der von anderen Staaten übernommenen internationalen Veroflichtungen gegenüber Ihren Minderheiten beziehen, so dürste dies» Frage bei einem er entuellen Eintritt Deutsch» land» In den Völkerbund die Möglichteil aktueller Er- örterung geben, und Sie können überzeugt sein, daß die Reichs- regierung sich der moralischen Pflichten durchaus bewußt ist, die ihr aus dem kulturellen Zusammenhang der deutschen Stämme In der Welt erwachsen, ver Vertrag, den Sie hier beraten, ist zustande gekommen In einem oertrauensoollen Zusammenwirten der Unter- Händler beider Länder, und ich würde bitten, diese Zusommenatbeit nicht durch Erörterung innerpolitischer Italienischer Verhältnisse von unserer Seite au» störend zu beeinslusien.(Beifall.) Abg. Gras Revenllo«(oölk.) hält gute Beziehungen zu Italien für durchaus wünschenswert. Bisher sei aber davon leider noch nicht viel zu merken. Bor allem erheben wir schärfsten Ein- sp r u ch gegen die Behandlung unserer deutschen Landsleute in Polen. In der ganzen süddeutschen Bevölkerung herrscht eine ungeheure Erbitterung wegen der Behandlung der Deutschen in E ü d t i r o l durch die Italiener. Man oergißt viel zu sehr, daß Italien infolge seines Vertragsbruches durchaus nicht besondere Rücksicht oerdient. Ueberdies werden in Italien noch jetzt gif i st Artikel gegen Deutschland veröffentlicht. Da» ,u>eim or»..Geist von ßocomo* nicht gerade zu entsprechen. Die ,5dea nationale* bezeichnet ein Koloniolmandat an Deutschland al» unmöglich. Im übrigen haben die italienischen Kolonialgrausamkeiten so Weltruf erlangt. Abg. Sloecker(Komm.) verurteilt die itallentlch« Politik gegenüber den Deutschen In S ü d l I r o l. Er spricht sich scharf gegen den Sin- tritt Deutschland» in den Völkerbund au». Den Handelsvertrag mit Italien lehnt der Redner ab. Der Redner wendet sich dann gegen die italienische s a s ch I st l s ch« Diktatur, die sich fest Jahren gegen die italienisch« Arbeiterschaft richte. Der Abwehrkampf gegen diese faschistisch« Diktatur müsse organisiert werden. Di« beiden Vortagen werden dem Auswärtige» und dem handelspolitischen Ausschuß überwiesen. Da» vorläufige Zollabkommen mit der Schweiz und da« lieber. emkommen mit Oesterreich zur Regelung einzelner Zollsrogen werden ohne Aussprach« dem Auswärtigen und dem handelspolitischen Ausschuß überwiesen. E» folgt die erste Lesung des Gesetzentwurfs über die wever« vorläufige Regelung des Haushalts für 1925. Danach wird der Notetat bis zur gesetzlichen Feststellung des Haus- haltsplanes verlängert. Abg. Sloecker(Komm.) polemisiert gegen die Notgesetzgebung. Wir sind jetzt glücklich so weit, daß uns die Verlängerung des Not- etats sozusagen bis aus den Eanktnimmerleinstag vorgeschlagen wird! Wir lehnen den Notelat ab. Abg. Dr. koch(Dem.)- Die vorlag« mutet an»i« ein schlechter Witz Wie konnte man aus den Gedanken kommen, daß der Reichstag sein höchstes Recht, das Budgetrecht. einfach preisgeben würde?.Wir behalten uns zur zweiten Lesung einen Abänderungsantrag vor. Abg. Dr Hertz(Soz.) begründet einen sozio ldemo. k ra t i s ch e n Antrag, wonach der Notetat nur bi» zum 31. Dezember verlängert werden solle. Es sei dringend usorder» lich, die Finanzoerhäitnisse des Reichs endlich in Ordnung zu bringen. die Regierung müsse verpflichte! werden, im Dezember«inen md- nungsgemäßen Etat vorzulegen. Staatssekretär de» Rcichsslnanzministerium» Dr. Fischen vi« Regierung beabsichtigt nicht, die Recht« de» Hause» zu beschrönken. Di« Regierung hat sich bemüht, die Beratung de» Haushalts zu Ende zu bringen: es ist aus Gründen, für die die Regierung nicht kann, nicht möglich gewesen. Der Notetat läuft am 30. November ab, und wir müsien die Möglichkeit haben, dt« Geschäft« de» Reiches weiterzuführen. Wir haben die unbestimmte Frist vor» geschlagen, um möglichst da« hau» zur Verabschiedung de« Etat» zu veranlosien. Wenn der Reichstag im Dezember die Etats- beratung beenden kann, kann der Regierung der 31. Dezember nur recht sein, aber«» bestehen Zweifel, ob da» möglich sein wird. Ich möchte deshalb anregen, den 31. Ianuorzu bestimmen. Präsident töbe schlägt vor, daß bis zur dritten Lesung unter den Parteien eine Verständigung über den Termin erfolgt. Nach einer kurzen Erwiderung des Abg. Koch(Dem.) nimmt die große Mehrheit den Abänderungsantrag an. Die dritte Lesung der Borlage wird an einem späteren Tage statt- finden. Damit Ist die Tagesordnung erledigt. Nächste Sitzung: Montag, den 23. November, vormittag» 11 Uhr: Erste Lesung der Verträge von Locarno. Schluß 2H Uhr. • Die Reichstagssrattion der Deutschen Volkspartei trat gestern vormittag zusammen, um sich mit der Dorberatung der am Sonntag stattfindenden Zentraloorstandssltzung der Partei zu beschäftigen. Di« Reichstagssrattion der ttza y e r I s ch e n voltsportei beschäftigte sich am Eonnabend nachmittag In mehrstündiger Sitzung mit der durch die Locarno-Lorlage geschossenen politischen Lage, ge- langte ist dieser Sitzung aber n o ch n i ch t zu einer endgültigen Beschlußfassang über die Stellungnahme zum Locorno-Gesetz. Die Z e n tru m s.s r a k t io n hielt unerwartet am Sonnabend nachmittag ein« Fraktionssitzung ad, die sich auf Grund der Presse- Meldungen Über die R ü ckt r l t t s a b s i ch t e n de» Minister» F r« n k e n, der bekanntlich als Vertrauensmann der Frottton in il« Regierung Luther eingetreten ist. dazu entschloß, zur Aufklärung der Gründe für dies« Rücktrittsabsichten mit Herrn Frenken In ver- btndung zu seetzen. Der Fraktionsvorsitzende Fehrenbach wurde beauftragt, mit Herrn Frenken Rücksprache zu nehmen. die hanöhabung der Aufwertung in preoßea. Der Recht sausschuß de» Landtage» erledigt« am Eonnabend ein« Reihe von Anträgen über die Bearbeitung von Auswertung»- fachen durch Annahme einer Entschließung, in der die Regierung ersucht wird, durcd Rundversügungbei den Oderlandesgerichten anzuregen, daß in erster Linie altere Richter mit der Be- arbeilung von Auswertungssachon betraut werden. Ferner wurde ein Entschließungsantrag Falk(Dem.) angenommen, richterlich« Geschäft« durch Durchführung der Auswertungsgesetze soweit als möglich aus die Rechtspjieger zu übertragen. Die Not an Nhein und Ruhr. Tozialde«otratische Anträge vom Ausschuh einstimmig angenommen. Der Reichstagsausschuß für die besetzten Gebiete be- handelte am Sonnabend zunächst die Verteilung der Pauschbeträge zur Abgeltung von Ruhrkampsschäden der Städte und Gemeinden sowie die Frage der Erhöhung der verteilten Wohnungsbeihiisen mit Rücksicht aus die inzwischen eingetretene Verteuerung. hierzu beantragten die Sozialdemokraten, daß m-» Rücksicht aus die schlechte wirtschaftliche Loge des besetzten Gebie»«? der Zuschuß zu Notftandcarbeiten au» den Mitteln der produktiven Erwerbslosensürsorg« so gestaltet werden soll, daß der Pflicht- an teil der Gemeinden Im besetzten Geb!« aus h ö cy st e n s ein Zehntel festgesetzt wird. Ist eine Gemeinde in besonders schwieriger finanzieller Lage, so soll von der Ausbringung gemeind- licher Mittel als Boraussetzung für die Reichszuschusse überhaupt abgesehen werden. Weiter beantragten die Sozialdemokraten, daß entsprechend den hitssmaßnahmen im Anschluß an den R u h r k a m p s für Industrie, Handel und Gewerb« im besetzten Gebiet auch Maßnahmen für die Arbeiter und Angestellten, die am Ruhrkamps beteiligt waren und durch Arbeitslosigkeit geschädigt wurden, durch- geführt würden. Zu vielem Zwecke sollen die vom Arbeits- Ministerium«rlasienen Richttinien über Auwendungen an Arbeit- nehmer im besetzten Gebiet so umgestaltet werden, daß als Boraus- setzung für die Entschädigung allein die Arbeitslosigkeit in unmittel- barem Anschluß an den Ruhrkamps maßgebend ist. Außerdem sollen die Unterstutzungsmaßnahmen auch aus dt« Ledigen ausgedehnt werden. In der Abstimmung wurden die sozialdemokratischen Anträge einstimmig angenommen.- Ein kommu- n i st I s ch» r Antrag betr. Verdoppelung der Erwerbslosenunter- stützung wurde dem Sozialpolitischen Ausschuß des Reichstag» zur weitereu vehandtung überwiesen. Zu einer vom Zentrum be- antragten Erhöhung der Wohnungsbeihiisen wurde von Regierungs- feite geltend gemacht, daß sich die Auswirkung der bisher bereit- gestellten Wohnungsbeihiisen vor dem L April 1926 nicht in aus- > eichendem Maße übersehen last«, insbesondere in der Hinsicht, ob st« zureichend oder nicht genügend zureichend seien. Insoigedessm wurde der Zentrumsantrag zunächst zurückgezogen unter der vor- aussetzung, daß die amtlichen Erhebungen, inwieweit den Gemeinden über die Wohnungsbeihilse hinaus Mehrkosten entstanden sind, nach- drücklich sortgesetzt werden. Hieraus oerlagt» sich der Ausschuß- Ein Schritt öer rhetnisth-westfälischen Städte. Esten. 21. November.(Eigener Drohtbericht.) Gelegentlich einer von der Etädtevereinigung im rhelnlsch-west- täuschen Indu st ri«gebiet einberufenen Versammlung, an der die meisten teilenden Persönlichkeiten d« Stadt- und Landlreise dieses Gebiete» sowie deren Wohtsahrts- und Finanzdezernenten teilnahmen, wurde auch zu der einer gewissen Gruppe von Erwerbs- losen zugebilligten sogenannten Ruhrentschädipuna Stellung ge- nommen. Der Esten« Oberbürgermeister als Geschäftsführer der Vereinigung wurde beauftragt, bei der Reichs- und Staats- regierung dringende Vorstellungen zu erheben, die dahin zielen sollen, für die Verteilung dieser R u h r e n t schädlgong ondexe Richtlinien herauszugeben, als die bisherigen. da man übereinstimmend der Meinung wäre, daß bei d« Durchführung der setzt geltenden RichiUnien nur ein klein« Bruchteil der von d« Regierung zur Verfügung gestellten Mittel an die hilss- bedürftigen unterzubringen Ist und mit der ganzen Aktion Infolge- besten da» Gegenteil von dem erreicht wirtz, was««eicht werden tollt«, nämlich daß nur noch mehr Unzufriedenhest In den Reihen der für die Unterstützung In Frag« kommenden Personen«regt wird. flje neuseeländischen Phrlomenlswahlen ergaben unbedingten Lieg der bisherigen von Premierminister Eoate« geleiteten Regie- rung. Dt» Regierungspartei erhielt 65 Sitze, die Arbeiterpartei 13 und dt» Nottonolfstenvartei 12. Zum ersten Male wurde eine Frau In» Parlament gewählt. 231 Die Passion. Roman von Clara viebig. Jetzt wurße es herbstlich. Olga fürchtete sich bereits vor dem Wmter: schon ein paarmal hotte sich Eva erkästet. Sie saß mit dem Kind In Konditoreien herum, aber bei der Taste Äasfee oder Schokolabe konnte man doch nicht ewig sitzen bleiben. Vormittags waren die Museen offen— da war es schon geheizt— nachmittags ging sie mit Eva ins Panoptikum oder sonstwohin, nur um untergebracht zu sein. Aber es lief alles zu sehr ins Geld, wenn sie jetzt auch gut verdiente. Und die Abende, die langen Abende, wo verbrachte sie die mit dem Kind? Ein paarmal schon war sie auf Konzert und Theater hereingefallen. Aber es war nichts für ihre kleine Eva, die bekam sowieso schon zuviel vom Leben zu sehen. Und begriff alles viel zu gut. Heute war ein trostloser Sonntag. Es regnete und regnete immer wieder von neuem Eva fröstelte:.Ach, laß uns doch lieber wieder nach Hause gehen! Ich bin auch müde. Da ist es noch bester bei der Tante. Da sitzen wir doch wenigstens trocken." Aber gerade heute hatte Olga das Gefühl: sie find froh, wenn sie Eva los sind und wenn du dich nicht alle acht Tage bei ihnen sehen läßt..Hast du noch Immer kein« Wohnung?" hatte Stefan sie gefragt. Und die Schwägerin, die ihrem Mann zulächelte, hatte anschließend bemerkt:.Es hat zu Oktober ja so viele Wohnungen gegeben. Und die Hälfte steht jetzt noch leer. Man muß eben nur finden wollen, die Augen ordentlich aufmachen."..._. Bis jetzt hatte Olga noch kerne Wohnung gefunden. Sie hatte aber auch noch nicht ernstlich gesucht. Eine eigene Wohnung— o. wie schön!— es war ihr Traum feit langem, aber dann war Euchen ja so ganz allein darin, denn sie tonnte vor abends spät nicht nach Hause kommen. .Nein, wir gehen nicht zur Tante." sagte sie als das Kind sie zupfte. Eva war heute so weinerlich. O Gott, sie würde doch nicht etwa wieder krank werden? Wenn sie sich nur nicht schon erkältet hatte!. � � Mit einem Gefühl tiefster Verstimmung spannte Olga ihren Schirm auf und zog das Kind näher an sich. Es pladderte. Vor ihr her ging auch eine mit aufgespanntem Schirm, aber ging langsamer, schien auf jemand zu warten. Sie hob das Kind so hoch, daß man bis weit hinauf den leuchtend rotseidenen Unterrock sah und dünnseidene Strümps«. die in Stiefelchen mit stelze na rtigen Absätzen steckten. Sehr auffallend. Herren drehten sich um. War das eine Dome oder war das kein« Dame?.Keine," entschied Olga, und sah sich auch noch einmal um, trotz ihrer Verstimmung. So was am hellichten SonMag! Ein paar sehr schön« dunkle Augen blitzten Olga an, aber dann wurde der dreiste Blick plötzlich mild in einem freudigen Schreck, die Rotseidene streckte beide Arme aus, so daß der aufgespannte Schirm ihr entfiel und der Wind ihn auf dem Trottoir dahinkollerte. »Olga! Ollychen! Fräulein Wilkowskl—?!" Wer hatte denn immer so gesagt: Olly, Ollychen?! Aus einmal war die kleine muffige Hinterstube da und das B�tt dem ihren gegenüber an der Wand, und der kinderlockige Kopf auf dem Kisten, und das Stöhnen, das letzte Llechzen: .Ollychen, Ollychen, oerlaß mich nicht." War sie das wirklich? Mein Gott, wie sah die setzt aus! Noch stand Olga zweifelnd, da fiel ihr die andere auch schon um den Hals. Und nun saßen sie im Zimmer von Fräulew Helene, vormals Lenchen genannt. Olga hatte ein« Verlegenheit zu überwinden gehabt: was die jetzt war, das sah sie sofort, würde die ihr nun etwas vorlügen, vertuschen wollen, Aber das siel Fräulein Helene gar nicht ein, darift war sie noch immer das alte Lenchen, zutraulich, redselig, und ein bißchen dumm. Und sie freute sich so ehrlich, ihre liebe Olly wieder- zusehen. Diese ungeschminkte Freude rührte Olga. Heute an diesem trostlosen verregneten Tag war die wie Sonne. Sie konnte es nicht ändern, sie fühlte, daß auf einmal chre ver- stinunung schwand. .'n reizendes Kind." sagte Helene, ganz wie damals da» Lenchen. Sie kniete vor Eva, die sie ins Sofa gesetzt hatte, zog ihr die nassen Schuhe und Strümpfe aus und rieb ihr die kalten Füßchen.„So, nu zieh mal meine Pantöffelchen an. So, nu wirste schön warm. So, nu kocht Tante'nen guten Kaffee und läßt dir feinen Kuchen'rumholen von Kranzler!" Sie rannte, freudig erregt, hinaus. Nicht lange dauerte es und ein älteres Weibsbild, das sich vorstellte:„Ich bin die Wirtin von Fräulein," erschien mit einem Tablett, auf dem ein Berg von Kuchen sich türmte. Olga hatte Zeit gehabt, sich im Zimmer umzusehen. Es war genau wie andere möblierte Zimmer auch sind. Nur das Bett war wirklich elegant, ein großes Himmelbett mit rosa- atlasner Steppdecke, mit Stickereikisten und weißen Mull- vorhängen, die durch roje Schleifen geziert waren..Da» ist aber mal schön," bewunderte Eva. Ei« rutschte vom Sofa herunter, sie wollt« die rosa Herrlichkeil au» der Näh« besehen, aber rasch und streng sagte Olga:.Bleib sitzen." Jetzt erst kam ihr eigentlich zum Bewußtsein, wie merk- würdig das alles war, und daß es hier wohl nicht ganz der richtige Ort für sie und das Kind war. Aber wenn man so einsam ist, so ohne Zuflucht herumrennt in der verregneten Stadt, dann war es einem wohl nicht m verdenken, wenn man sich hier doch behaglich fühlte. Und Lenchen war so lieb, so herzlich! Immer wieder umarmte Fräulein Helene Ihre Olga und drückte dem Kind viele Küsie aus..Nee, die Eva. die klein« Eva! Wie die Zeit vergeht! Wenn ich an damals denke, da war sie noch so klein, und jetzt richtig groß! In'n paar Jahren ist sie ganz groß und wir"— sie stieß mitten in ihrem Lachen einen Seufzer aus—,.wir gehen vielleicht ein." .Wieso denn?" Das Fräulein seufzte noch einmal:„Das Leben strengt an. Und dann der verpfluchte Radau hier! Ich kenn welche, die wohnen Alvensleben-, Steinmetzstraße und darum, da ist es stiller als hier in der Frtedrichstadt, aber sonst— 1" Sie warf verächtlich die Lippen auf. Olga war erstaunt, wie vepblüht Lenchen schon war. Di« war doch noch nicht dreißig? .Achtundzwanzig," sagte Lenchen..Aber nu erzähl du mall" Und Olga erzählte. Sie erzählte vom Tod der Lehmann. von Ihren Erfahrungen bei den Wilkowskis, von Evas schwacher Gesundheit, von dem eigenen mühseligen Werde- gang—.nee, daß du so dumm bist," unterbrach Fraulein Helene—, aber sie hörte nicht dara-us, unter Tränen erzählte sie weiter, vom Vater, der, ohne daß sie ihn noch einmal gesehen hatte, gestorben, von ihrer Vereinsamung, von ibrem steten Gefühl der Verlassenheit, von ihrer Sehnsucht, ein Zuhause$u haben, ein Heim für sich, ein wirkliches Zuhause für Eva, m dem d'e nicht nur geduldet war. Und die andere hörte ihr liebevoll zu, auch ihr rannen die Tränen: was war das für ein armseliges, was für ein Seplagtes Leben! Nein, so mochte sie doch nicht leben, nein, as hielte sie nicht ausl Da war es am Ende doch noch bester, sich anders durch die Welt zu schlagen.„Ollychen, erinnerst du dich noch an dem Katzke, den faulen Kopp?" Olga erwiderte darauf nichts. Sie mochte auch gar nicht fragen, nichts Näheres wissen: warum sollte sie sich die Stunde verstören, diese Stunde, die so behaglich war? (Fortsetzung folgt.) für die nächste Zukunft stehen noch viel einschneidenbere gefeh Bodenreform/ Sozialdemokratie e Regelungen bevor. Allmählich wird es auch dem einZum 30. Bundestage der Deutschen Bodenreform. ( 22. bis 24 November 1925 in Berlin.) Bon Otto Albrecht Heute steht die deutsche Sozialdemokratie zur Frage der Bodenreform und zu dem Bunde Deutscher Bodenreformer wesentlich anders, als es in der Borkriegszeit der Fall war. Es hat eine Zeit gegeben, in der Sozialdemokraten, die sich zugleich auch als Bodenreformer bekannten, oder die gar Mit glied des Bundes der Bodenreformer geworden waren, von ihren Parteigenoffen als nicht ganz parteiecht angesehen und behandelt wurden. In jener Zeit galt in unseren Kreisen das facher Denkenden far, daß dem Boden der Charafter einer Handelsware ganz abgestreift werden muß. Bei der einge tretenen großen Boltsarmut ist es im übrigen nicht länger mehr zu ertragen, daß an wenige Bodeneigentümer arbeits lose Eintommen in Gestalt der Bodenrente abgeführt werden. Allerdings wird es noch vieler und schwerer Rämpfe bedürfen, bevor die bodenreformerischen Ziele sich voll er reichen lassen. Sie können ja weder durch die Reichsgesetzgebung allein noch durch ergänzende Ländergefeße voll erfüllt werden. Es wird vielmehr einer ganzen Reihe gefeß besondere Beschäftigen mit der Frage der Bodenrente Freie Gewerkschafts- Jugend. noch als etwas, das von der großen sozialen Gesamtfrage nur ab- und in die Irre leitet. Die Frage des Bodenzinses, der Bodenrente murde als ein Begriff behandelt, der einfach in den Begriffen des Kapitalzinses und des Mehr. mértes unterging. Man fah es als zwecklose Sisyphusarbeit an, der Bodenrente besonders entgegenzutreten und dazu besondere Bodenreformen anzustreben. Was in den besonderen Bodenreformbestrebungen richtig sein mochte, so meinte man, würde durch die allgemeinen Parteibestrebungen viel besser vertreten; das übrige aber sei bürgerlicher Firle fanz und beruhe auf einer Berkennung der ökonomisch wirtenden Gefeße im fapitalistischen System. Was die angeblich bürgerlichen Bodenreformer als Reform erstrebten, das werde dem Proletariat und der Gesellschaft einmal so ganz nebenher in den Schoß fallen, wenn die anderen Früchte reifen und und wenn das Proletariat vermöge seiner Zahl und seiner Erkenntnis dahin gekommen sei, sich in den Besitz der politischen Macht zu setzen. Es ist seither aber anders gekommen. Die politische Macht war unvorhergesehen und ganz plötzlich in die Hände der Sozialdemokratie übergegangen, als durch den verlorenen Krieg der alte Obrigkeitsstaat zusammengebrochen war. Es stellte sich aber heraus, daß in dieser Zeit mit dieser Macht mirtschaftlich recht wenig angefangen werden konnte, denn die nationale Wirtschaft war, mit zusammengebrochen. Und der Kapitalismus mar innerlich noch so start, das Proletariat noch so wenig vorbereitet, daß seine Kraft und Macht gerade dazu ausreichte, an die Stelle des ehemaligen Obrigkeitsftaates einen republikanisch- demokratischen Staat zu sehen und diesen gegen die Mächte und Kräfte der Reaktion zu be haupten. Auf dem Gebiete des Bodenrechts hätte piel. leicht trotzdem etwas grundsäglich Neues geschaffen werden tönnen. Wenn auch dieses zunächst unterblieb, weil die große Masse des Proletariats die Bedeutung des Bodenrechts noch nicht erfaßt hatte und deshalb die mögliche Aenderung nicht ungetüm gefordert hat. Die Vertreter der politisch- proletarischen Macht waren mit anderen Angelegenheiten dermaßen belastet und überlastet, daß sie aus eigenem Entschluß nicht dazu famen, dje Bodenrechtsfrage in ihrer Tiefe aufzu rollen. So blieb es den vordem als politisch nicht ganz ernstgenommenen Bodenreformern vorbehalten, auch in der neuen Reichsverfassung mit dem Artifel 155 die Grundlagen herzustellen, auf melchen nunmehr 3oll um 3011 und Schritt um Schritt das neue Bodenrecht ausgebildet werden muß. Die Bodenreformer wiederum lernten durch die Vorgänge in der Nationalversammlung und je länger um so mehr erkennen, daß sie für ihre Bestrebungen die beste und verläßlichste Stüße in der Sozialdemokratie haben. Bodenreformer und Sozialdemokraten haben sich also bei der Gestaltung und Inhaltgebung der Weimarer Berfassung in jenem Punkte gefunden, ohne sich zu suchen. Das ist nun aber felbstverständlich ganz und gar nicht gleichbedeutend mit einem Jneinanderaufgehen. Sehr weit davon entfernt! Die Bodenreformer sind nach wie vor ein eigener Bund geblieben, der sich aus Führerpersönlichkeiten und Anhängern aller möglichen Richtungen des öffentlichen Lebens zusammen jetzt. Gegenüber der früheren Zeit sind in dem Bunde heute neben den anderen aber auch anerkannte sozialdemokratische Führer mitführend und mitbestimmend tätig. Die Sozialdemokratie wiederum hat ihre frühere Ablehnung aufgegeben und macht jetzt selbst Bodenreform, dabei nicht einmal mehr die früher so sehr verpönte Bezeichnung vermeidend. So ift zum Beispiel am 1. Oftober d. J. im preußischen Landtage ein Antrag der Sozialdemokraten angenommen worden, nach welchem die preußische Regierung aufgefordert wird, dahin zu wirken, daß im Reichstage jener von Damaschtes Erman- v. Laer herrührende Gesezentwurf über eine bestimmte Bodenreform vorgelegt wird, durch den die Gemeinden ver pflichtet werden sollen, Bodenporratswirtschaft zu treiben. Das ist ein Borgang umb eine Wandlung von nicht unbeachtlicher Bedeutung. Gewisse Bodenrechtsfragen haben schon feit mehreren Jahren in die Gesetzgebung des Reichs und der Länder hineingespielt( Reichsfiedlungsgesetz, Reichsheimstätten gefeß, Kleingarten- und Kleinpachtordnung, allgemeiner Bachtschuß, Umlegungs-, Meliorations, Urbarmachungsgesetze), und Morgen, Montag abend 71, Uhr, im Jugendheim des Metallarbeiter- Berbandshauses, Linienstraße 83/85, Portal I, 2 Treppen: Zusammenfunft aller weiblichen jugendlichen Mitglieder der Gewerkschaften. Bortrag:„ Der Haushalt- eine Not der Frau." Referentin: Genoffin Dr. Hanna Colm. Wir erwarten pünktliches Erscheinen und recht rege Beteiligung. Die Mädchen- Kommiffion der Freien Gewerkschafts- Jugend. geberischer und verwaltungsbehördlicher Maßnahmen bedürfen, um zu einem neuzeitlichen sozialen Bodenrecht zu ge langen. Der Antrag Müller( Franfen) im Reichstage zum Beispiel enthält schon Material für mindestens einem halben, vielleicht einem ganzen Dugend von bodenreformerischen Reichsgesehen, und in den Ländern sind bodenpolitische Einzelfragen von weitgehender Bedeutung aufgerollt. Mancherlei Umstände sprechen dafür, daß den Wünschen der Bodenrenten nuznießer, das Bodenproblem doch endlich ruhen zu lassen", nicht entsprochen werden tamm, daß wir vielmehr erst noch in den Anfängen einer Umwandlung stehen, wenn das erfüllt werden soll, was Artikel 155, in Verbindung mit 152 und 153 der Reichsverfassung dem deutschen Bolte ver heißt nämlich: Eigentum verpflichtet Sein Gebrauch foll zugleich Dienst fein für das gemeine Beste" „ Die Verteilung und Nugung des Bodens wird von Staats megen in einer Weise überwacht, die Mißbrauch verhütet und dem Ziele zustrebt, jedem Deutschen eine gesunde Wohnung und allen deutschen Familien, besonders den finderreichen, eine ihren Bedürfnissen entsprechende Wohn- oder Wirtschafts. heimstätte zu sichern. Kriegsteilnehmer find bei dem zu schaffenden Heimstättenrecht besonders zu berücksichtigen. Grundbesig, dessen Erwerb zur Befriedigung des Bobmungsbedürfnisses, zur Förderung der Siedlung und Urbarmachung oder zur Hebung der Landwirtschaft nötig ist, tann enteignet werden. Die Familiènfideikommisse sind aufzulösen. Die Bearbeitung und Aus nugung des Bodens ist eine Pflicht des Grundbesizers gegenüber der Gemeinschaft. Die Wertsteigerung des Bodens, die ohne eine Arbeits- oder Kapitalaufwendung auf das Grundstüc entsteht, ist für die Gesamtheit nut bar zu machen. Alle Bodenschäße und alle wirtschaftlich mutbaren Raturfräfte ftehen unter Aufsicht des Staates. Private Regale finb im Bege der Gesetzgebung auf den Staat zu überführen." Diese Sätze der Weimarer Berfaffung enthalten eine folche Fülle von gesetzgeberischen Aufgaben, daß sich daran noch viele der fähigsten Köpfe werden erproben müssen, um sie in fozialem Sinne zum allgemeinen Besten einer zeitgemäßen Löfung entgegenzuführen. Wenn es nach gewissen Auch- Bodenreformern gehen würde, die sich in den Verbänden der Grundbesizer. Dereine, im Reichslandbund und in diesen vermandten Organisationen Rampfgemeinschaften eingerichtet, die wiederum bei den politischen Rechtsparteien ihre parlamentarischen Stüßen und Berfechter haben, dann würde noch heute bei erstbester Gelegenheit der diesen Kreisen in tiefster Seele verhaßte Bodenreform- Paragraph" der Weimarer Berfassung wieder beseitigt werden. Die Sozialdemokratie aber wird auf dem Posten bleiben und machen, daß dieses Grundrecht des deutschen Voltes un. an gefa ft et bleibt. Sie wird auch sorgen, daß im Reich, in den Ländern, in den Gemeinden durch die Gesetzgebung und durch die Verwaltung die soziale Bodenreform Dorwärts getrieben wird. Die soziale, die nationale und die sittliche Erneuerung des deutschen Volkes ist in allerhöchstem Maße davon abhängig, in welchem Rechtsverhältnis das Bolt zu seiner Erbscholle steht. Die ganze nationale und bevölkerungspolitische Zukunft Deutschlands hängt auf das allerengste mit dem Bodenrecht zusammen. Bodenreform und Sozialdemokratie haben also ein großes Stück gemeinsamen Weges vor sich. Aus der Partei. Ostar Johansen, der im Borfland unserer dänischen Brüber partei das Rajienreferat feit vielen Jahren innehatte, ift im alter von 59 Jahren einem Herzschlag erlegen. Der verstorbene Genosse unserer Rachbarpartei hat sich in der Inflationszeit sehr star! in der dänischen Bruderhilfe für die deutsche Arbeiterpartei" betätigt und war vielen deutschen Genoffen bekannt, die sein rascher Lob betrüben wird. unserer Bruderpartel, wird im Thereftenschlöffel" untergebracht, das Die Arbeiterhochschule in Wien, errichtet und geleitet von die Gemeinde Wien ihr verpachtet. Das in Nußdorf, am Abhang des Rahlenberges, stehende Schlößchen ist 1716 erbaut, doch trägt ein Steinbalten des Eingangstores eine Inschrift von 1428. Das schöne Haus hat tünstlerische Wandgemälde und Defen sowie einen großen Garten mit vielen Rosenstöden und feltenen Pflanzen. Die neugegründete Proletarische Partei Japans bat fio in Diala ihr Parteistatut gegeben. Danach lönnen sowohl einzelne Berfonen als auch proletarische Organisationen Mitglieder der Bartei werden. Der Eintritt einer Organisation muß allerdings im Zentralaussouß mit Zweidrittelmehrheit gebilligt werden. Das höchste beschließende Drgan der Partei ist der Barteitag. Er wählt einen Zentralausschuß von 80 Mitgliedern, der das oberste Grefutivorgan der Partei darstellt. Die Bartei wird mit den Gewertschaften und den Bauern bünden enge Beziehungen auf rechterhalten. Parteinachrichten Sinfendungen für diese Stabril fland Berlin 68. 68, Sindenftrabe& für Groß- Berlin Nets bes Begirisjefretariat, 2. Sel 3 Exp. sets, ja siten, Bezirksvorstand. erweiterten Borstandes im Konferenzzimmer der Dorwärts". Mittwoch, den 25. november, abends the, Sigung des Redaffion, Lindenstraße 3. 5. Areis Friebrichshain. Moutog, ben 25. Stovember, T be, then bre Obleute der Rommunalen Rommiffion, Arbeiterwohlfahrt und der fdruktommiffion bei Rofin, Gabener Str. 19. Sagesordnung: Buffellung der Bürgerbeputierten. & Kreis Kreuzberg. Montog, ben 23, Stovember 7 Uhr, bei Meim, Urban ftr. 29, Areisvorstandsfitung. Bidytige Tagesorbaung. 7. Kreis Charlottenburg. Montag, den 23. November, pünktlich be, ime Rimmer 1 bes Rathaufes erweiterte Borstandsfigung.-Montog bet 23. November, 7½ Uhr, Einführungsabend der fozialistischen Arbetter fugend. Schulaula Bestaloaai ft. 40. Eintritt frei. &. Areis Spanban. Montag, den 23. November, 7 Uhr, im Bereinsbes Balme, Nitterstraße, Mitgliederversammlung. Referent: Emil Barth. Thema: Die Arbeiterbewegung unb ibre Rulturaufgaben". Gäße Bunen eingeführt werden. 10. Kreis Rehlendorf. Mittwoch, ben 25. November, 7% Uhr, Mitglieber perfammlung bei Rielai, Rehlendorf, Botsdamer Str. 25. Referent: Emil Barth. Thema: Die Arbeiterbewegung und ihre Kulturaufgaben". Göte Lönnen eingeführt werden. 11. Areis Schöneberg- Friebenan. Die für Montag angefekte Streisvorhande figung findet fpäter ftatt. Tog wird noch bekanntgegeben. 13. Kreis Tempelhof. Die Genoffen und Genoffinnen besichtigen am Montag den 23. November, das Rinderheim in Mariendorf. Treffpunkt: Raufbaus Tempelhof und Tivoli vormittags pünktlich 12 Uhr. Rege Beteiligung erwünscht. 14. Areis Renkölln. Sigung ber neuen Stadt- und Bezirksverordnetenfraftion am Montag, den 23. November, 7 Uhr, im Rathaus, 1. Etage. Diens tag, den 24. November, 7 Uhr, Sigung der Ordnerableute und Stell vertreter bei Schröder, Steinmenftr. 52. 17. Rreis Lichtenberg. Abteilungen 114-120. Die Genoffinnen und Genoffen merben erfucht, die Namen und Adreffen der arbeitslosen Genoffen sowie bie Rahl der Rinder dieser Genossen bis spätestens den 1. Dezember beim Genoffen Richter, Borhagener Str. 62( Borwärtsspedition), anzugeben. Dienstag, den 24. November, 7% Uhr, bei Afbrecht, Borhagener Straße, Ede Neue Bahnhofstraße, Sigung der Fraktion der sozialdemokratischen Elternbeiräte. Alle Elternbeiräte und Erfatleute müssen unbedingt epfcheinen. Die fozialdemokratischen Lehrer find eingelaben. Ausgabe Do Material TH Berbeaus cha ber Sufiabeamten. Sigung am Donnerstag, ben 26. Rovember, 7 Uhr, im Graphischen Bereinsbaus, Meganbrinenftraße 44( unterer Saal). Bortrag des Sandrichters Gen. Dr. Seelig. fohn: Der Kampf um eine zeitgemäße Rechtspflege und Juftisverwal tung. Alle intereffierten Barteigenoffen, auch Nichtbeamte, find willtommen. Der Vorstaub. J. A.: Ruben. E 73. Abt. Schmargendorf. Die Einladungsaettel ann Republikanischen Abend am Mittwoch, den 25. November, im Bittoriagarten in Wilhelmsaue find Don Bahn abzuholen und zu verteilen. Morgen, Montag, den 23. november: 3. 6. 7 Uhr bei Krüger, Engelufer 30, Sigung der Romunalen Rom mission. Alle ehrenamtlich tätigen Genoffinnen und Genossen müssen un bedingt erscheinen. 6. Abt. 7 Uhr bei Dabrohlam, Swinemünder Str. 11, wichtige Funktionär. fizung 24. bt. 7 Uhr bei Schleif, Bins Ede Chriftburger Straße Funktionärßigung, 32. Abt. Die Funktionärsihung fällt aus. Die Bezirksführer rechnen bein Genoffen Winkelmann in der Wohnung Memeler Str. 51 ab. 2. Abt. Achtung, Bezirksführer! Abrechnungsabend bei Söhlke, Bergmann ftraße 69. 45. bt. 7 Uhr bei Bensti, Ratibor- Ede Wiener Straße, Funktionär fikung. Tagesordnung: Die aufünftige Bolifir im Berwaltungsbezirk Kreuz berg. 2. Abrechnungen der Bezirksführer. a) Weihnachtsbescherung. b) Beiträge. 3. Verschiedenes. Sämtliche Funktionäre müssen bestimmt erfcheinen. 88. Abt. Marienborf. Pünktlich 8 Uhr bei Niendorf, Chauffeeftr. 19, wichtige Funktionärligung. Dienstag, den 24. november: 27. 6. 7 Uhr bei Bogdanowik, Sonnenburger Str. 1, wichtige Sthung ber Funktionäre mit den Bezirksverordneten und Bürgerdeputierten. Die Bezirksführer müssen ihre Blaubilder bestimmt mitbingen. 30. bt. 7 Uhr bei Bohft, Enchener Ede Stargarder Straße, wichtige Funk tionärfizuna. Alle funktionäre müffen erfcheinen. 83, Abt. Tempelhof. Abschlagszahlung der Unterfaffierer fowie. Abrechnung der noch ausstehenden Gammellisten pünktlich 6 Uhr beim Rassierer Bille, Raiferin- Augusta- Str. 11. 91. 96. Reutöllu. 8 Uhr bei Misdyte, Münchener Str. 28, Borstandsfitung. Die größte Weihnachtsfreude: Das gute Lustig- Bett Fertige Betten gran- rot Inlett m. grauen Federn Oberbett. 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The Gestati Klub, Wilhelmftz. 48, Britgliederversammlung. Daran anfaliekend Bes trag des Gen. Prof. Dr. Grotjahn: Attuelle Fragen bec Bevölkerungs politi Jungfosialisten. Gesamtveranstaltung für alle Gruppen am Mon tag, den 23. November, 7½ Uhr, im Preußischen Landtag, Bring Albrecht- Str. 5, Bortrag über: Locarno, eine neue Etappe in der Weltpolitit". Referent: Genosse Alexander Stein. Die Gruppen müssen vollzählig erscheinen. Jungfozialisten. Gruppe Lichtenberg: Rur Gesamtveranstaltung trifft fich bie Gruppe pünktlich 7 Uhr am Bahnhof Stralau Rummelsburg, Eingang Sonntagstraße. Der Gruppenabend am Dienstag fällt aus. Werbebezirk Weften: Die Genossinnen und Genoffen der Gruppen Charlottenburg, Friedenau, Tiergarten, Schöneberg und Wilmersdorf treffen sich pünktlich 7 Uhr im Jugendheim Charlottenburg, Rosinenstr. 4. Bortragsabend: Die Konsequenzen ber Außenpolitit". Gruppe Charlottenburg: 7 Uhr gemeinsame Veranstaltung mit den mestlichen Gruppen. Die Arbeiterjugend ist eingeladen. Bortrag. Aussprache. Frauenveranstaltungen am Montag, 7% Uhr: 2. Kreis Tiergarten. Bei Lausch, Bredowftr. 34, Rreisfrauenabend. Grufbe und heitere Rezitationen. Vortragender: Robert Reller. 5. Abt. Jm Rofenthaler Sof, Rofenthaler Str. 11/12, Bortrag ber Genoffin Erna Büsing über: Der Islam in der neuen Türbei". & Abt. 8 Uhr bei Dobrohlam, Gminemünder Str. 11, Bortung:„ Broletarische Erziehung". Referent: Franz Sauch. 18. Abt. Bei Müller, Uferstr. 12, Frauenabend. Gelefen with ans: Die Frau und der Sozialismus"( Bebel). 25. Abt. Bei Käftner, Elbinger Str. 24, Bortrag: Die Suituribee im Sozialismus". Referentin: Minna Todenhagen. 27. Abt. Bei Bogdanomis, Sonnenburger Str. 1 Segitationen umb Bieber Aur Laute. Bortvagender: Seinz Barthel. 35. Abt. Bei Beter, Schreinerstr. 36, Bortrag: Erna Rraufe. 37. Abt. Bei Gerafch, Eberinstr. 11, Borttag: der Rommune". Referent: Otto ehfelau. Die Mitarbeit ber Frost in 88. Abt. Bei Bartusch, Friedenstr. 88, Vortrag: Die Aufgaben der Fran in ber Rommune". Referent: Selene Schmih. 89. Abt. Bortrag: Religion und Sozialismus". Referent: Gen. Schwarz 42. Abt. Bei Söhlfe, Bergmannstr. 69. Bortrag: Bie erhält sich die foon gefund?" Referent: Dr. Wygodzinski. 7. Abt. Bei Lehmann, Musbauer Str. 1. Bertrag: Erziehungsfragen. ferent: Liesbeth Riedger, 54. Abt. Charlottenburg. Bet Caspar, Gueridefe. 1 Borttag: Geflechtstrankheiten und deren Bekämpfung. Referent: Dr. Jaffé. 74. Abt. Rehlendorf. Bei Schnorre, Rehlendorf- Mitte, Botsdamer Str. 8, Bortrag: Bas ift und was will der Sozialismus?" Ref.: Dr. Senriquis. 82. bt. Steglig. Bei Thiel, Ring- Ede Albrechtstraße. Bortrag: Der Mann als Berdiener". Referent: Clara Bohm- Schuch. 108. Abt. Röpenid. Sm Stadttheater Frauenabend. 140. bt. Borfigwalbe. 7 Uhr bei Boitschadh. Graft. 1 Bordog: Stede jugendgefes. Referent: Stadtrat Secht. Frauenveranstaltungen am Dienstag, 7% Uhr: & Kreis Tiergarten. Kreisausschuß für Arbeiterwohlfahrt und Bildungs ausschuß: im Bezirksamt Klopftodite. 24, Rimmer 4. Rurfusabend. Um 6% Uhr Sigung der Funktionärinnen für Arbeiterwohlfahrt ebenda. 2. Reis Retainer. Sm others, Reinidenbort- DR. Sempitraße, mer 53. Function drinnenfonferenz. Agitation, Arbeitermoblaart ab Rinderschus. Sebe Abteilung muk reriveten fein. 20. Abt. Bei Säferich, Schwedenstr. 11a, 2öns- Abend. Referent: Seins Barthel. 94. Abt. Reuföllu. Bei Günther. Schillerpromenade 11, Boring ber Ge noffin Erna Areffe. Jugendveranstaltungen. Schulungstage für Bibliothekare, Berbebezirks- und Abteilungsleiter: Sonntag, den 22 November, vormittags 10 Uhr, im Jugendheim Bindenstr. 3. Thema: Sozialistische Literatur und Büchermesen". Referenten find die Ge noffen Wer. Stein und Baslamiat. Heute, Sonntag, den 22. November: Moabit: Schnitzeljagd durch den Grunewald. Treffpunkt 8 Uhr Ufa Stromstraße. Steglik II: Bormittags 11 Uhr bis nachmittags 3 Uhr: Besuch der Arbeiterwohlfahrt- Ausstellung. Reichenberger Biertel: Wanderung Wüns Lichtenbeg- Mitte: Abends borf Rehfee. Treffpunkt 7 Uhr Görliger Bahnhof. 7 Uhr Funktionärversammlung Jugendheim Barbaue 10. Werbebezirk Brenzlauer Berg I: Sonntag, ben 22. November, 8 Uhr, Tieft Genoffe Mar Barthel aus eigenen Werfen. Werbebezirk Dftbahn: Jugendheim Varkaue 10, abenbs 8 Uhr, Tatengedenkstunde.- Abteilungsveranstaltungen fallen aus. Morgen, Montag, den 23. November, abends 7½ Uhr: Der Jugendchor übt abends 7% Uhr im Jugendheim Lindenstr. 3. Nordring: Borwärts- Spedition Greifenhagener Straße. Bortrag: Ent ftehung der Erde" 1. Teil Westen: Achtung, Gruppenabend, Schöneberg. Sauptstr. 15, Rheinlandzimmer. Mittwoch im Rinderhort Dennewigstraße. Charlottenburg: Einführungsabend file fabulentiaffene Jugend in ber 18. und 14. Gemeindeschule, Bestalozzifte. 40, Aula, Eintritt, frei. Realbationen, Steigen, Festspiel, 2ieder aur Saute ufm. Bildungskurse: Werbebeşir! Brenzlauer Berg I: Montag, ben 21. Stovember, 1. bend m Jugendheim Danziger Str. 63. Thema: Einführung in bie Staatslebne". Referent: Gen. Foang Lepinsti. Berbebezirt Rentälu: Mittwoch, ben 25, Stovember, 1 bend im Jugend beim Canner Straße. Thema: Geschichte ber Arbeiterbewegung. Referent: Gen. Ermin Marquardt. Die Borstenbetonferens inbet umstäubchalber cell am Sonnabend, bes 1. Dezember, Rati Wetter für Berfin und Umgebung. Reift bewölft, nur ganz berilbergehend etwas aufbeiternd, mild, leine erheblichen Riederichläge. Für Deutschland. Nördlich des Mains allgemein sehr mild, Erwärmung allmablto, fich auch nach Süden fortpflanzeno; nur in Mitteldeutschland nennenswerte Niederschläge Arbeitersport. Fußball am 22. november. Seute finden folgende Spiele fatt: Begiet Rorben. Abteilung A: Abler 08 gegen Selvetia in Bantom, Andreas- Hofer- Blah. Belten gegen Arbeiter- Sports Verein in Belten, Böhowftraße. Brig gegen Bernau in Brig bei Eberswalde. Wader 20 gegen Arbeiter- Turn- Berein Pantom auf dem Egerzierplag in der Schönhauser Allee. Teutonia gegen Ahler 12 in ber Christianiaftraße. bteilung B: Fichte- Nord gegen Ficyte- Gesundbrunnen in Reinidendorf, Ge meindesportplag. Bantom 08 gegen Union in Bantom, Maximilianstraße. Borwärts gegen Nauen in Hennigsdorf, Rathenaustraße. Spandau 25 gegen Boruffiq im Stadion Satenfelde. Sertha gegen Minerva in Steinfurth. Ab. teilung C: Birkenwerder gegen Sportverein 22 in Birkenwerder. Hansa gegen Amateure in Hohen neuendorf. Briefelang gegen Spandau 03 in Briefelang. an der Bahn. Staaten gegen Wader 24 in Staaten. Wittenau gegen Einigkeit in Wittenau an der Nordbahn. Siemensstadt gegen Tegel 24 in Siemensftadt, Egerzierplag. Pflichtfpiele: Birkenwerder 2 gegen Eintracht Mariau. Regin gegen Tegel 24 in Regin. Joachimsthal gegen Bernau 3. Sowjet gegen, Alemannia 3. Rnrik 1 gegen Alemannia 2.- Bezirk Often. Abteilung A: Adlershof gegen Frisch- Frei in Adlershof, Bismardstraße. AltOlfenide gegen Verein für Bewegungsspiele in Alt- Glienice. Riesberg. Oberfpree gegen Reuthen in der Buhlheibe. Treptower Ballspielflub gegen Fichte Südost in Treptow, Blänterwald. Abteilung B: Berliner Sport- Verein 16 gegen Tasmania in Friedrichsfelde, Gemeindefpielplag. Weißensee gegen Ber liner Sport- Berein 22 in Weißenfee, Rennbahn. Bormärts 20 gegen Branden burg 24 in Sohenschönhausen, Sommerstraße. Abteilung C: Lichtenberg III gegen Romet in Friedrichsfelde, Kartellplak. Tasdorf gegen Astania in Tas. borf. Britannia gegen Germania in Lichtenberg, Wagnerplak. Pflicht. fpiele: Weißenfee 2 gegen Müncheberg. Wbler- Mahlsdorf gegen Sertha 2. Oberfpree 2' gegen Genzig 1. Johannisthaler Ballspielflub gegen Merkur, Brandenburg 02 gegen Neuenhagen. Strabou gegen Hertha- Lichtenberg. Ga bowa gegen Concordia. Sparta gegen Lustig- fidel. Adlershof 3 gegen Schweife fterne. Bezirk Südwest. Abteilung A: Woltersdorf gegen Ludenwalde I in Woltersdorf bei Luckenwalde. Berolina gegen Kreuzberg auf dem Tempelhofer feld. Schöneberg gegen Neukölln auf dem Dominicusplat in Schöneberg. Stonlik gegen Brandenburg in Stegliz, Gemeindeplag. Abteilung B: Rolzen. burger Sport- Berein gegen Wader- Lankwik in Rolzenburg. Ludenwalde II gegen Wilmersdorf in Budenwalde. Rüftig- Borwärts gegen Charlottenburg in Neukölln, Genzallee. Abteilung C: Budenmalbe III gegen Trebbin in Luden malde. Teltow gegen Neuköllner Ballspielflub in Teltom. Ludenwalde V gegen Mariendorfer Sportklub in Eudenwalde. Frankenfelde 1 gegen Marien dorfer Sportflub& Beginn der Spiele nachmittags 2 Uhr. Borher 2. un 8. Mannschaften, Bormittags Jugend- und Schülerspiele auf allen Blägen. Citralan gegen Serba- Sichtenberg. Um Gonnion finbet auf dem Sportplas in der Goklerstraße obiges Epiel fatt. Beibe Manufchaften haben in dieser Serbe noch Beinen Bunttoerluft erlitten. Wenn dieses Spiel auch nur ein Freundschaftsfpiel ift, fo lann der Ausgang boch dazu dienen, als Maßstab ber Spielfarbe bez beiben Gruppen au gelten. Beginn des Spiels nachmittags 2 Uhr. Mufitaufträge fbergibt man nur dem Nachweis bes Deutsch. Musikerverbandes, Berlin 027, Andreasstr. 21( Sönigstadt 4310, 4048). Geschäftszeit 9 bis 5, Sonntags 10 bis 2 Uhr. Auf Wunsch Vertreterbefuch DIE GUTE MASSARY ZIGARETTE DELFT MASSARY MASSARY Delft Delft 3. NAMEN LISTE. Den 500mark- Schein Deft erhielten weiterhin folgende Damen und herrer Herbert Juttke, Bleibtreustr. 41. Wolfgang Naff, Hasen helde 94. Gertrud Spittel, Alte Jakobstr. 18/19. Betty Astor. Passauer Str 36. Eugen Moll, Holzmarktstr. 37. Franz Hoppe, Oberschöneweide, Wilhelmstr. 19. Hellmut Stahlheuer. Lutpoidstr 12. Alfred Gehre, Stralsunder Str. 10. Alfred Pesch, Gürtelstr. 9. Wilh. dem Ohmer, Primus- Palast. Dr. Heins Podewasch, Südende, Lichterfelder Str. 26 Margarete Schulze, Friedrichsfelder Str. 23. Richard Velon,&. Zt. Berlin. Hans Philipsohn, Danziger Str. 74. Paul Albert, Berliner Allee 244. Max Reiche, Weißenburger Str. 51. Wally Hirsch, Lauenburger Str. 18. Otto Wilke, Wörther Str. 12. Hans Treiber; Insterburger Str 8. Rud. Loewenstein, Meinekestr. 11. Franz Grauert, Langhansstr. 29. Gerhart Ems, Witzlebenstr. 26. Paul Gossow, Fürstenstr 21. Ilse Voelkel, Schönhauser Allee 112 Fritz Krüger, z. Zt. Berlin. Hermann Bock Neukölln, Bendastr. 3: Heinz Blischke, Prinzenstr. 47. Otto Maßen, Kaiser- Friedrich- Str. 180. Helene Stahn, Gleimstr. 8. Günther Pohlmann, Augsburger Str. 54. Emil Justitz, Prinzregentenstr. 10. Otto Basche, Residenzstr. 46. Willi Rowall, Muskauer Str. 14. Bebe Rouget, Lutherstr. 2. Franz Regelin, Hauptstr. 34. Hans Sohr, z.Zt. Berlin. Max Pallenberg, Berlin. Ernst Beyer, Tegel, Brunowstr. 5. Wilhelm Muth, Charlottenburg, Klarenbachstr. 11. Ella Neumann, Kalckreuthstr. 53. Paul Cramer, Theater im Admiralspalast. Karl Skerna, Tegel, Hauptstr. 3. Albert Wolff, Dahlmannstr. Emmy Lucas, Plan- Ufer 11. E. Hartung, Charlottenburg, Fredericiastr. 14) 15. Hermann Wessel, Fürstenstr. 20. Friedrich Wolff. Mainzer Str. 5. Erich Müller, Belle- Alliance- Str.95. Martin Kamp, Steinmetzstr. 106. Lorentz Baetz, Gossowstr. 11. Georg Wolf, Charlottenburg, Wallstr. 51 Dr. Kurt Mühsam, Kurfürstendamm 201.( Der Betrag wurde der Wohlfahrtskasse des Reichsverbandes der Deutschen Presse über wiesen) Max Birnbaum, Heiligegeiststr. 17/18. Reiche, Neukölln, Bergstr. 160. Fern Andra, Berlin, Central- Hotel. Willi Kabeid, Immanuel kirchstr. 13. Helene Hübele, Perleberger Str 13. Siegfried Kiwi, Christburger Str. 1. Eva Giersch. Wexstr. 2 E. Schäfer, Belle- Alliance- Platz I. Kurt Prenzel, Berlin, Central- Hotel. Richard Knospe, Fennstr. 50. Fritz Hertwig, Holzmarktstr. 8. W. Feldmann, Berliner Str. 12. Paul Nickh, Lichterfelde, Drakestr. 52. Annia Sõneksen, Suarezstr. 26. Georg Sählbrandt, Gärtnerstr. 32. P. Ring, Kirchstr. 10a. Walther Bohm, Post Fichtenau. Erich Patzlasch, Moritzstr. 7. Ernst Schneider, Charlottenburg, Goethestr. 78. Dr. Tony Hoffmann, Landshuter Str. 34. Schneider Duncker's, Roland von Berlin, Friedrichstr. Hugo Merkel, Marienburger Str. 32. Fritz Kraft, Oberwallstr. 22. Hubert Röhr, Siegfriedstr. 5. S. Stierand, Görlitzer Str 37. Arthur Schlosinski, Rodenbergstr. 5. Karl Wilpert,&. Z. Berlin. Gustav Müller, Wolliner Str. 25. Bruno Winz, Friedrichstr, 226. Frieda Lehmann, Landsberg a. W.( z.Z. Berlin). Karl Saß, Gerichtstr. 36. Rudolf Lock, Baumschulenweg, Scheiblerstr. 7. Willy Kopp, Wilhelmstr. 6. Camilla Spira, Coblenzer Str. 2. Wilhelm Fischer, Gleditschstr. 43. Paul Meister, Thaerstr. 6. Liesbeth Hentze Prinzenstr. 6. Max Hansen, Brandenburgische Str. 25. Willy Hagen, Neukölln, Bergstr. 148. Willy Geyer, Neukölln, Bergstr. 15. Max Kastirr Oranienstr. 58a. Baronin Asta v. Roepert Rhena, Lutherstr. 34. Siegfried Arno, Metropol- Theater. Fritz Grünheid, Kaiser- Allee 136. Max Behnke, Monumentenstr. 36. Willi Schaeffers, Nelson- Theater, Kurfürstendamm 217. Walter Schubert, Steglitz, Bergstr. Max Reinhard, Brandenburgische Str. 20. Artur Guttmann, Berlin, Metropol- Theater. Kurt de Planque, Elbinger Str. 31. Paul Kattan, Waidmannslust. Adolf Heinau, Bismarckstr. 91. Gärtner, Blücherstr. 19. Paul Siegert, Neue Ansbacher Str. 19. Karl Thomassek, Mühlenstr. S. Werner Mangelsdorf, Köpenicker Str. 11a. Hermann Dobler, Reinickendorfer Str. 66. O. Fischer, Heckmann- Ufer 4. Arthur Kaleck, Keithstr. 13. Gustav Lux, Katharinenstr. 2. H. Fischer, Braunsberger Str. 56. Toni Angelè, Barnimstr. 2 P. Meyer, Kirchstr. 17. H. Gregurke, Reichenberger Str. 1. Julius Gutschmidt, Bergstr. 13. Richard Kohl, Melanchthonstr. 16. Paul Ast, Neustädtische Kirchstr. 15. P. Piotrowski, Romintener Str. 48. Egon Taltow, Badstr. 86. Willi Leuschner, Residenzstr. 84. Bruno Levy, Carmen- Sylva- Str. 129. Kurt Jansch, Baumschulenweg, Cecilienstr. 2. C. Bolander, Mariendorf, Bergstr. 12. Golze, Goethestr. 1. Carl Beyer, Elbinger Str. 13. Alexandra Gräh, Am Karlsbad 5. Paul Willig, Augsburger Str. 11 Fritz Schneider, Alexanderstr. 28. Claire Rommer, Clausewitzstr. 3. Victor Meyer, Kaiserin- Augusta- Allee 46. Heinz Soschen, Schillerstraße 58. Karl Schulz, Weißensee, Lehderstroße 30. Louis Böhme, Siemensstraße 36. E. Pathé, Am Karlsbad 5. Erich König, Eosanderstraße 4. Carl Gérard, Lichtenberg, Röderstraße 55. Georg Kersten, Schaperstraße 15. Warnick, Neukölln, Hobrechtstraße 41. Walter Stein, Goethestraße 31. Kurt Carus, Grüner Weg 15. Leny Adler, Kaiserplatz 17. Lempe, KaiserWilhelm- Straße 46. M. Becker, Lynarstraße 11. W. Goldmann, Triftstraße 61. Ernst Dehne, Kleine Frankfurter Straße 23/24. Emil Müller, Prinzenstraße 89. Willi Werner, Wartenburgstraße 12. Otto Wehrle, Müllerstraße 68. B. Voigt, Lynarstraße 5. PAIS Delft MASSARY 疗 EDEL WIE DER NAME Dank Euch, Freunde der Massary Delft, die Ihr froh das Gute fördern heift! 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Heizkissen mit Zuleitung, 18 cm 1650 20 em 1750 mit Steinguteinlage 875 1250 Zinkzobermit Holzbod 900 1150 1550 ca. 20x30 cm... 1000 ca. 25x85 em 1200 Wringmaschinen.... 1950 2350 Elektr. Oefen mit Zuleitung 1350 mit Zuleitung, ca. 1 Liter Kocher Measing rernickelt, Gasplätten- Garnituren 1250 vernickelt, Is Ausrührung... 950 Wärmflaschen heathrung 265 285 Kohlenplätten 425 550 Leibwärmer..... 90P. 110 Hängelichtbrenner Spiritusplätten..... 725 950 1050 Briketträger Hola......... 1% Eiserne Oefen Nickelwaren Tortenplattens, ra. Rand 225245285 Nachttischlampen........ 550 675 hem Fase, innen vergoldet 75,85P Tischlampen m.grüner Glocke 775 Eierbecher 25,30P Schalenbeleuchtungen elektz Teeglashaltermit Glas45,55,95P get 1050 Cm 1175 marmorie 1550 Teemaschinen Messing vernickelt..... 55011751250 Herrenzimmerkronen Krümelschaufeln 8 flammig, Messing..... Speisezimmerkronen 2854255.30 ca. 60- em- Seidenschirm...... Waschtöpfe is Deckel und Sieb...... 375 425 475 Eashestecke vera, Paar 55P1110 Schmortöpfe suck 1 1501 Wirtschaftswagen besonders pretwert... Bürstenwaren 195 05 Likörbecher auf ho Kasserollen............. 75PL Essbestecke Alpaks.... Paar 190 Maschinentöpfe.......... 95PL Esslöffel Alpaka....... Stack 65P. Wasserkessel. 275 300 325 Kaffeelöffel Alpaka, Stack 35P Milchkannen 1Ltr.1451% L. 1" Rosshaarbesen 195 265 Bohnerbesen.... 575 9.50 1150 Tortenheber.95P.15 Garnituren 2 tollig, Schöpf- und Schrubber........... 40, 50Pz Ledertücher...... 65PL 110 145 mit Bürste... Handfeger.......... 1 1 Teppichkehrmasch.10501200 Kinder- Bestecke stellig 95P. Behaumlöffel.... 110 HERMANN TIETZ Wichtig für alle Abnehmer von elektrischem Strom im Bezirk Wedding. In den nachstehend aufgeführten Straßenzügen sind unsere Anlagen nachmittags zwischen und 7 Uhr voll be lastet Die zum Anschlu weiterer Anlagen notwendigen Erweiterungsbauten werden erst in einigen Wochen fertig gestellt, weil diese Arbeiten im vergangenen Sommer eine mehrmonatise Verzögerung erfuhren, deren Abwendung nicht in unserer Macht lag. Um vollständige Unter brechung der Stromlieferung infolge Ueberiastung zu ver meiden, empfehlen wir dringend jeden nicht unbedingt notwendigen Verbrauch in diesen Stunden zu unterlassen, Insbesondere bitten wir, die Außenbeleuchtung und überhaupt Reklamebeleuchtung jeder Art an allen Tagen auber Sonnabend und Sonntag während der vorgenannten Stunden nicht in Gebrauch zu nehmen. Ein Volksurteil über den Deutschen Herold Juni 1924-56 000 Mitglieder ca.35cm mit Seidenschirm............ CA 40 cm ********** 4759 5500 Kohlenkasten 25 35 425 Ofenvorsetzer 15 2 2 Ofenschirme 6" 8" 9" Kohlenlöffel 28, 40PL 678 Plötzlich und unerwartet verstarb am Freitag, den 90 November, abends 9 Uhr, unser treuer Genosse und Kampfgefährte Dr. Hermann Weyl im Alter von 59 Jahren. Durch seinen Tod verlieren wir einen unserer Besten, der sein ganzes Leben in vorbildlicher Hingabe der Sache des Proletariats widmete. Im Landtag und in der Stadt- und Bezirksverordnetenversammlung arbeitete er mit nimmermüdem Eifer. Sein besonderes Interesse galt der Verbesserung des öffentlichen Gesundheitswesena, dessen Mißstände er während seiner Tätigkeit als Arzt ganz besonders kennen lernte. Sein Andenken wird in uns allen stets lebendig bleiben Die Bezirksverordneten- Fraktion Berlin- Mitte Der Vorstand des L. Kreises, Berlin- Mitte Die Bestattung erfolgt Mittwoch, den 25. November, nachm.& Uhr, im Krematorium Gerichtstraße. 108/1 BEWAG Berliner Städtische Elektrizitätswerke Akt.- Ges. Es handelt sich hierbei um folgende Straßenzüge: Ackerstr. 28-142, Adolfstr. 7-27, Anklamer Str. 1-49, 53-60, Antonstr. ganz, Arkonapl. 5-8, Badstr. ganz, Bastianstr. 1-25, Bellermannstr. 1-19, 79-100, Bergstraße 20-28, 30-64, Bernauer Straße 1-50. 66-121 und zwischen Berg- und Gartenstr., Blesenthaler Str. 10-24, Bornemannstr. 1-7, Böttgerstr. 1-15, 21-24, Brunnenstr. 19-1060, 109-173, Burgsdorfstr. 1-14. Buttmannstr. ganz, Chausseestr 22-95, 99-113, Christianiastr. 7-15, 120-127, Cleverstr. v. Euler bis Grünthaler Str, Colberger Str. ganz, Cösliner Str. 1-18, Demminer Str. 1-13, 22-38, Drontheimer Str. 1-27, Elisabeth- Kirch- Str. 4-18, Eulerstr. 1-2, 10-25, Exerzierstr, 1-11, 14-27, Fehrbelliner Str. 22-57, Feldstraße 1-13, Fennstr. ganz, Fürstenbergstr. 5-15, Gartenplatz 1-7, 6artenstr. 22-82. 85-93, Gericht straße 1-36, 39-86, Gleimstr. 3-6, 8-9, 62-71, Gott schedstr. 1-21, 33-42, Grannseestr. 1-10, Graunstraße 1-33, 38-48, Grenzstr. 5-7, 9-21, Griebenawstraße ganz, Grünthaler Str. 1-33, 34-75, 78, 91, Hennigsdorfer Str. 1-13, Heringsdorfer Str., Hermsdorfer Str. 4-12, Hochstädter Str., 23, Hochstr. 1-46, Neue Hochstr. ganz, Hussitenstr. 1-24, 34-45, 52-62, 74-79, Jasmunder Str. ganz, Invalidenstr. 1-85. 112-164. Juficher Str., Westseite, Kesselstr. 1-23. 29-42, Kielen Str. 20-24, Koloniestr. 1-13, 144-152, Kremmener Str. 7-16, Liebenwalder Str. 4-34. 43-46, 59-60, Liesenstr. 1-6, 9-20, Lindower Str. ganz, Lortzingstr. ganz, Luxemburger Str. 29-35, Lynarstraße 1-9, 35-87, Malplaquetstr. 1-4, 13-18, 85-41, Martin- Opitz- Str. 1-6, 18-24, Maxstr. 10, 15-28. Müllerstraße 1-26 a, 28-34, 144-152, 153-185, NazarethKircb- Str. 36-40, Am Nordhafen 1-8, Orthstr. 1-10, Pankstr. 1-52, 56-94, Pasewalker Str. ganz, Pflugstr. ganz, Plantagenstr. 1-19, 38-44. Prinzenallee 1-21. 22-28, Prinz- Eugen- Str. 1-29, Pattbusser Str. 1-5. 9-57, Ramlerstr. 1-38. Ravenéstr. 1-10, Reinickendorter Str. 1-54, 71-73, 74-122, Rheinsberger Str. ganz, Rügener Str. ganz, Ruheplatz 1-5, 12-18. Ruppiner Str. 1-23, 25-82, 40, 47-49, Scharnhorststr.2-33, Schererstr. ganz, Scheringstr. 1-12, Schönholzer Str. 1-4, 12-22, Schönstedtstr., Eoke Orthstr., Schulstr. 1-60, 91-124, Schulzendorfer Str. ganz, Sohwartzkopffstraße 1-10, 12-20, Schwedenstr. 1-98, 11-19, Schwedter Str. 222-242, Sellerstr. 1-16, 81-35, Soldiner Str. 1-15, 26-28, 106-107, Spanhelmstr. 7-19, Sparrstr. 1-13, Stettiner Str. ganz, Stralsunder Str. 1-45, 65-69, Straße 2a bis Schulgebäude, Strelitzer Str. 1-18. 23-74, Swinemünder Str. 1-94, 96-114, 116-129, Triftstr. 1-8, Thurneysserstr. 2-7, Uferstr. ganz. Usedomstr. ganz, Utrechter Str. 14-20, Veteranenstr. ganz, Vinetaplatz 1-9, Voitastr. ganz, Wattstr. ganz, Weddingstr. 2-9, Wiesenstr. ganz, Wildenowstr 1-8. 12-16, 20-28, Wöhlertstr. ganz, Wolgaster Str. 8-9, Wolliner Str. 1-14, 17-71, Wriezener Str. 7-19, 32-88, Zinnowitzer Str. ganz, Zions- Kirch- Str. 1-1 45-54, Zions- Kirchpl. ganz Dezember 1924-150000 Mitglieder September 1925 über 300 000 Mitglieder Die Leistungen unseres Vereins Wir zahlten im Jahre 1925 für unsere Mitglieder in 9 Monaten 1 Million 64000 Mark Im Januar 69 000 Mark bis Ende März 265 000 Mark bis Ende Mal 582 000 Mark bis Ende Jull 812000 Mark bis Ende September 1 Million 64 000 Mark Wir bieten unseren Mitgliedern gegen niedrigste vierteljährliche Beiträge von 1 Mark an: Bestattung oder Bargeld, Aussteuer, Ausbildung, Altersversorgung. Verlangen Sie kostenlose Auskunft oder unverbindlichen Vertreterbesuch. Deutscher Begräbnis- und Lebens- Versicherungsverein a. G. Deutscher Herold Bisher Deutscher Begräbnis- Versicherungsverein Berlin NW. 7, Mittelstraße 60. Geschäftsstellen in allen Stadtteilen, Tüchtige Mitarbeiter, auch nebenberuflich, gesucht. Freitag abend entschlief plötzlich unser lieber Mann und Vater Dr. Hermann Weyl im 60. Lebensjahre. Berlin, den 21. November 1925. Lothringer Str 42. Klara Weyl. Gerda Weyl. Kondolenzbesuche dankend verbeten. Die Einäscherung findet am Mitt woch, den 25. November 1925, um 8 Uhr nachmittags, im Krematorium Gericht straße statt. Allen Berwandten, Freunden und Betannten bie traurige Nachricht, daß unfere liebe Mutter, Schwiegermutter, Großmutter, Schwefter und Tante Marie Jacobey am Freitag, ben 20. November, früh 4 Uhr, nach langem, fchmerem Leiden verstorben ift Dies zeigen tiefbetrübt an Die trauernden Hinterbliebenen. Einäscher. Mittwoch, den 25. b R., 4 Uhr, im Krematorium Gerichtfir. Am 18 November entschlter fanf nach langem Leiden mein inn'g geliebter Mann, unsez herzensguter Bater, Schwiegervater, Bruber und Dntel, ber Tischler Reinhold Conrad 1441b im 58 Lebensjahre 3m Ramen der Hinterbliebenen Anna Conrad, geb. Smuda und Kinder. Die Cinäfcherung findet am Mitt woch, ben 25. Rovbr., nachm. 5 Uhr, im Krematorium Gerichtftr 87/88 ftatt Trauerfpenden teber Art terezt preiswert Paul Golletz, Dormals Robert Mayer, Mariannenstr.3 Amt Morigpl. 108 05 Abbruchbrennholz wegen( hneller Raumung fofort billig abzugeben. Anton Galasch& Co. Charlottenburg, Sommeringstr. 30 tellenangebote finden im Vorwärts beste Beachtung Am 19 Nov, nach mutags 8 Uhr entfchlief nach schwerem Krantenlager mein lieber Mann, Bater, Schwieger und Großvater, der Steinbruder Otto Kurth im nollenbeten 56. Lebensjahre. Um ftilles Beileid bittet . Anna Kurth geb. Conrad und Kinder Einäfcherung 26 Stov., nahm 5 Uhr, im Krematorium Baumschulenweg. Verband d. Lithograp en, Steindrucker und verwandten Berufe Todesanzeige Am 19. November veritarb unser Mitglied, ber Steinbruder Otto Kurth im Alter von 56 Jahren an Blutarmut. Chre feinem Anbenten! Die Einäscherung finbet Donners tag, ben 26. 9ovember, nachm. 5 Uhr, im Kremator. Baumschulenweg ftatt. Ne. 552 ♦ 42. Jahrgang 3. Seilage ües vorwärts Sonntag, 22. November 1425 Die Entwicklung öes Welthandels. Weltmirtsdjnftliche Umschau« Auf d«r kürzlich stattgefundenen internationalen Tagung der Handelskammern sprach deren Vorsitzender Dr. Walter Leas, Präsi- dem der Westminsterbank in London, über die Politik der gegen- seitigen Abschließung im iMernotionalen Warenverkehr, die zwar den Nachbarn zu schädigen, dem betreffenden Lande selbst aber einen noch viel größeren Schaden zuzufügen pflege.(!s scheine, als ob E ü r o p a sich entschlofjpn habe, wirtschaftlichen Selb st- in o r d zu begehen,— sagte W. Leas. Di« kürzlich erschienen« Untersuchung de» Völkerbund«» über den WeUhandel im Jahre 1924 gibt lehrreich« Jllustratlonen zu diesen Behauptungen. Der'Zvelkhandel im Zahre 1924 Der Welthandel im Jahre 1924 war zwar erheblich größer als ein Jahr zuvor, trotzdem hat der Gesamtumfang desselben den Vorkriegsstand immer noch nicht erreicht. In Geld ausgedrückt war der Welthandel zwar um 59 Proz. höher als vor dem Krieg, mindestens um so viel sind aber die Preise gegenwärtig höher, so daß der Welthandel des Jahres 1924 noch um 5 Proz. hinter dem der Vorkriegszeit zurückblieb. Die Verteilung des Welt- Handels auf die einzelnen Länder zeigt jedoch, daß Europa gegen. über den anderen Wellteilen stark zurückgedrängt worden ist. Vor dem Kriege entfielen 66 Proz. des Welthandels aus Europa, 1924 dagegen nur noch 56,6 Proz. Noch größer ist aber der Rückgang, wenn man die Ausfuhr betrachtet. Der Anteil der europäischen Ausfuhr betrug 1924 51 Proz. des Welthandels gegenüber 62>i Pro�. vor dem Krieg. Dabei ist auffallend, daß Englands Anteil am Welthandel nicht zurückging, ja im Gegenteil sich erhöht hat. Das jedoch allerdings nur deshalb, weil seine Wareneinfuhr gegen- über dem Vorkriegsstand erheblich gestiegen ist: dagegen zeigte die englische Ausfuhrquote eine, wenn auch nicht sehr erhebliche Ab- nähme. Der Rückgang im Welthandel betraf am meisten die zentral- und o st europäischen Länder, deren Anteil am Welthandel von 21,44 aus 14,37 Proz. sank. Auch hier ist der Rück- gang der Ausfuhr erheblich größer als der der Einfuhr. Aber auch für die anderen europäischen Länder ergibt sich ein Rückgang des Welthandels von 29,27 Proz. 1913 auf 25,82 Proz. des gesamten Welthandels. Die aubereuropSlschea Erdteile im Dellhandel. Auf Kosten Europas erhöhte sich der Anteil der üi igen Erdteile am Welthandel. Die Vereinigten Staaten und Konada waren 1924 mit 19,10 Proz. am Welthandel beteiligt. gegenüber 14 Proz. vor dem Krieg, Asien mit 19 Proz. gegenüber 7� Proz. Australiens Anteil stieg von 2,54 aus 3,29 Proz, der Afrikas von 2,14 aus 2,26 Proz. In diesen Erdteilen gab es eilie Anzahl von Ländern, die den Wert ihrer Ausfuhr zu ver- vielfachen oermochten. So stieg die Ausfuhr Kanada» von 432 Millionen Dollar 1913 auf 1979 Millionen 1924, die Japan» von 315 auf 728 Millionen, die Ausfuhr Chinas von 294 auf 625, die von Euba von 164 auf 434 Millionen Dollar. Der Export von Mexiko stieg von 154 auf 354, der von Neufeeland von 192 auf 227 Millionen. Die Ausfuhr der Vereinigten Staaten betrug 1913 2 448, 1924 dagegen 4 498 Millionen Dollar. Die Verschiebung des Außenhandels vom„Atlantischen* zum Stillen Ozean ist unverkennbar. Die am AtlaMijchen Ozean gelegenen Länder vermochten ihren Welthandel um 18 Proz, die pazifischen Länder um 92 Proz. zu steigern. Bei Berücksichtigung einer durch- schnittlich fünfprozentigen Erhöhung der Warenpreise zeigt sich dem- nach für die.atlantischen* Länder«in erheblicher Rückgang, für die pazifischen ein« große Steigerung. Die größten Gewinne im Welthandel haben dt« Ver» einigten Staaten, Japan und Kanada zu verzeichnen. Der amtliche Mengenindex der kanadischen Ausfuhr betrug 1924 trotz der schlechten Ernte 161, d. h. die Ausfuhrmengen waren um 61 Proz höher als vor dem Krieg, die weitaus größte Steigerung unter sämtlichen Ländern der Welt. Auf den Kops der Bevölkerung ge- rechnet blieb immer noch die Ausfuhr von Neuseeland an der Spitze. Auffallend ist der Umstand, daß der Handel zwischen Amerika u n d A s i e n sich außerordentlich stark entwickelt hat. Die Vereinigten Staaten und Kanada aus der einen, Japan, China und Australien aus der anderen Seite, haben ihren gegenseitigen Handelsverkehr gewaltig gesteigert. So entfällt z. B. aus der Gesamtausfuhr der Vereinigten Staaten der doppelte Prozentsatz aus die Ausfuhr nach Asien als vor dem Krieg und aus Kanada der dreifache. Süd- o f r i k a s Anteil am Welthandel zeigt einen Rückgang gegenüber dem Vorkriegsstand, was auf die Entwertung des Goldes, der Haupt- Ausfuhrware Südafrikas zurückzuführen ist. -Jenlschlands Anteil am Wetthandel. Dem Bericht des Völkerbundes zufolge betrug Deutschland» Anteil am Welthandel 1924 7,2 gegenüber 13,2 vor dem Kriege. Infolge der Stabilisierung der Währung und der damit verbundenen Wirtschaftskrise siel die Menge der deutschen Aussuhr gegenüber dem Vorjahr um 19 Proz, dagegen waren die erzielten Goldpreise selbstverständlich viel höher als 1923. Trotz des erheblichen Rüa- ganges seiner Ausfuhr sank Deutschland von der dritten nur aus die vierte Stelle. Setzt man den Außenhandel Deutschlands 1913 mit 199, so betrug dieser 1924 für die Einfuhr 63, für die Aussuhr 51, d. h. kaum mehr als die Hälfte. Die zentral- und osteuro- päifchen Länder sind am Welthandel mit ein Drittel, oder, wenn man Rußland nicht einrechnet, mit ein Fünftel weniger beteiligt als vor dem Krieg. Europäische Länder mit steigendem Ansfnhranteil. Trotz de, allgemeinen Rückgange» de» europäischen Außen- Handel» gibt es einige europäische Länder, deren Anteil an der Well- ausfuhr 1924 größer war als vor dem Kriege. Dazu gehören Frankreich(mit einer Steigerung von 7,3 auf 8,6 Proz.), Spanien(von 1,12 auf 1,48 Proz), Schweden(von 1,29 auf 1,33), Dänemark(von 0,24 auf 1,31) und Griechenland (von 9,13 auf 9,25 Proz). Setzt man den Vortriegsaußenhandel mit 199, so wurde dieser erreicht auch noch in Finnland und Nor- wegen, sowohl was die Einfuhr, wie was die Ausfuhr anbelangt. England führte zwar erheblich mehr ein als vor dem Krieg, feine Ausfuhr blieb jedoch erheblich unter dem Borkriegsstand. Der Alchen Handel de» Jahres 1325. lieber die Entwicklung de» Welthandel» im lausenden Jahr und in den letzten Monaten orientteren folgende Angaben: Die aktiven Handelsbilanzen von Frankreich und der Tschechoslowakei werden im laufenden Iahe noch er- heblich größer sein als vor dem Kriege, was vor allem auf die Steigerung der Ausfuhr dieser Länder zurückzuführen ist. Der Ein- fuhrüberschuß der deutschen Handelsbilanz wird dagegen, b» deutend größer fein als 1924. Englands Handelsbilanz gestattete sich in den echen acht Monaten ungünstig und zeigte eine Steigerung des Einfuhrüberschusses gegenüber 1924 um beinahe 18 Proz. Die Oktoberziffern sind dagegen viel günstiger, eine Besserung, die durch oerminderte Einfuhr und etwas gesteigert« Aussuhr hervorgerufen ist. Die jüngst erfolgt« Verbesserung der holländischen Han- d e l s b i l a n z ist ein günstiges Zeichen, da dies« nicht durch Abnahme der Einfuhr, sondern durch Zunahme der Ausfuhr erreicht wurde. Die stark passive Handelsbilanz Italien« zeigte im Herbst infolge der guten Getreideernte eine erhebüche Besserung. Au» demselben Grund«, weit mehr aber noch infolge der Einfuhrverbote, oerbesserte sich die polnische Handelsbilanz welch« im Monat September sogar einen Ausfuhrüberschuß von 36 Millionen Zlotq er- reichte. Gebessert hat sich ferner die u n g a r i s ch e Handelsbilanz in- folge der Getreideausfuhr. Die österreichische Handel»- b i l a n z zeigt einen geringeren Einfuhrüberschuß gegenüber de» Vorjahr, was aber nicht auf«ine Berbesserung der Wirtschaftslage, sondern auf die Unmöglichkeit der Einfuhr und die Notwendigkeit der Ausfuhr zu Schleuderpreisen infolge der Wirtschaftsnot zurückzu- führen ist. Unter den überseeischen Ländern ist die außerordentlich große Berbesserung der japanischen Handelsbilanz zu verzeichnen, wo da» Defizit gegenüber dem Borjahr beinah« auf die Hälfte redu- ziert werden koxinte. . Diese Tatfachen zeugen zwar vielleicht von einer Zunahm« de» Ausfuhrhandel». Wenn man aber bedenkt, daß die Leistungsfähigkeit der meisten Industriezweige heute viel größer ist al» vor dem Kriege, so ist da, bisher erreichte Ausmaß des Außenhandels keineswegs befriedigend. Wenn z L. Polen die Berbesserung seiner Handelsbllanz nur durch Einführung strenger Einfuhroerbote zu erzielen vermocht«, fo wird domst nicht nur dem Ausland Schoden zugefügt, sondern letzten Ende, auch der polnischen Wirtschaft selbst. Polen muß auf diese Weis« trotz der Armut seiner Bevölkerung zum teuersten Land werden. In England wurde vor kurzem da, Verbot der Kapitals- anlage im Ausland aufgehobep. Man erwartet von dieser Aufhebung einen Aufschwung des Ausfuhrhandels, weil mit den ausländischen Anleihen bekanntlich die Erhöhung der Ausfuhr einherzugehen pflegt. Ein schweres Hindernis für die Entfallung des Außenhandels sind heute die Hochschutzzollmauern, die die meisten Länder umgeben. Der Abbau der Zollmauern, der unbedingt anzustreben ist. kann jedoch die Lösung de» Problems des Welthandel» allein noch nicht bringen. Notwendig ist die Umstellung der Produktion der einzelnen Länder in der Weise, daß die Pro- dukte der einen die der anderen besser ergänzen können al» die» heut« der Fall. ist. damit die in der Kriegs- und Nachkriegszeit gestörte internationale Arbeitsteilung wieder hergestellt werde. Es ist die große Aufgabe für die von dem Franzosen Loucheur an- geregte und vom Völkerbund in Aussicht genommene europäische Wirtschaftskon serenz, sich mit diesem für ganz Europa so wichtigen Wirtschaftsproblem zu befassen und sie einer Lösung näherzubringen. A. H. Zur Anleihe ües kalispnöikats. Auf unsere Kritik der Anleihe des K a l i s y n d l k a t» e» hatten wir vom Aufsichtsrat des deutschen Kalisyndikats«ine Eni- gegnung, die wir um ihres öffentlichen Interesses willen ab- drucken, obwohl sich das Syndikot vor der Abfassung unseres Artikels geweigert hat, irgend welche zweckdienlichen Auskünfte über das Anleiheprojett zu erteilen. Das Kalisyndttat schreibt jetzt: 1. Ein Vorvertrag zwischen dem Kalisynditat und der Firma I. Henry Schroeder u. Co. in London besteht nicht. Die „Rhoinisch-Wcstiälische Zeitung* hat offenbar infolge einer Indis- krction einen Vertragsentwurf erhalten und dessen Hauptbestandteile publiziert. Der Entwurf t r i f f t n i ch t m e h r z u. da er inzwischen Gegenstand dauernder weiterer Verhandlung gewesen ist. 2..Der Anle'heoertrog ist nicht mit der Firma I. Henry Schroeder u. Co. in London allein, sondern außerdem mit einer Reihe von Banken abzuschließen, welche ihren Sitz in New sstork, Amsterdam und Zürich haben. Ein Ausgabeturs, also auch der von Ihnen angegebene von 93, ist bisher nicht vereinbart. 3. Ihre Angabe, es sollten rund 399 Millionen in der Kali- industpse neu angelegt werden, ist total unrichtig und wird am Schlüsse des ersten Zlbsatzcs Ihres Artikels selbst durch die Mit- teilung widerlegt, daß aus dem Erlöse alle früheren hypothe- karilchenBelastungenzu tilgen sind, also auch Auswertung». und Bgnkenhypotheken. 4. Es ist uns völlig unersindlich, woraus Ihre Schätzung sich er- gibt, daß das gesamte in der Koliindustrie i n v e st i e r t e Kapital 259 Millionen Mark beträgt. Die Abschätzung zur Dawes- Abgabe, bei welcher Bergwerksanlagen mit höchstens 29 Proz., chemische Anlagen niedriger(um'beide handelt es sich bei der Kali- tnduslrie) zu oeranlagen sind, beträgt für die Kalilndustrie 1 3 6 M i l- lionen Mark. Bei Zugrundelegung dieser Schätzung hat die Regierung also das in der Kaliindustrie angelegte Kapital über dreimal so hoch geschä-tzt, wie Sie. Ein nominelle» Anlage- kapttal der deutschen Kaliindustri« gibt es, nicht. Die Mehrzahl der Werke besteht au« Gewerkschaften, die überhaupt kein Nominal. kapital haben. 5. Der Zinsendienst, den Sie entgegen Ihrer eigenen Angabe, wonach Zinsen und Amortisationen 8,19 Proz. von 299 Mit- lionen ausmachen, fälschlich mit 29 Millionen Mark beziffern(wir hatten die Nebenkosten für Hypothekeneintragungen usw. mitgerechnet. Red.), ist zu mindern um die außerordentlich viel höheren Zinsen der Verbindlichkeiten, welche die Kaliindustrie aus der Anleihe von 2si9 Millionen abdeckt. Es ist also keine Rede davon, daß die Zinsen allein aus der Steigerung des Absatzes und der Senkung der Le- triebskosten herauszuwirtschaften wären. Wir rechnen allerdings mit einerSteigerungdesAbsatzes, allein schon durch die propagandistische Wirkung einer derartigen Anleihe, die eine In- vestierung von Kapital aus der ganzen Well in die deutsch« Kali- industrie bedeutet. 6. Sämtlich« Anleiheverhandlungen sind in volleb Kenntnis der Reichsregierung und der Reichsbank geführt. Um gleich beim letzten Punkt zu beginnen: Wir können natür- lich nicht nachprüfen, inwieweit Retchsregierung und Reichsbank über den Abschluß unterrichtet sind, stellen jedoch fest daß die näch st beteiligt« Behörde, nämlich der Reichskalirat, keinerlei amtliche Kenntnis von den Anleihever- trag erhalten hat, ehe die Presse den Vertragsentwurf oeröffent- lichte. Die ersten beiden Punkte der vorstehenden Mitteilung sind eine Richtigstellung, die wir nicht zu beanstanden hoben. Der dritte Punkt enthält bereits eine Unrichtigkeit. Denn in dem Vertrags- entwurs war ausdrücklich vorgesehen, daß die Anleihe zur Er- Weiterung der Anlagen und zur Abdeckung von anderen Schulden bestimmt sei. Interessant ist der vierte Punkt der Erwiderung. Unsere Schätzung de« Anleihekapitals der Kaliindustrie, die von jedem nach- geprüft werden kann, beruht aus der«insachsten und kaufmännisch oerläßttchsten Grundlage, nämlich aus der Umrechnung de» Aktienkapital» der mtt Aktien arbeitenden Kaliwerke unter Heranziehung der Beteiligungsquote auf die gesamt« Industrie. Legt man zum Beispiel die Deutschen Kaliwerke zugrunde mit einem Aktienkapital von 14,4 Millionen Mark und eine Beteiligungsquote von—/»«», so würde entsprechend der gesamte Anlagewert der Kali» didustrie mit rund 197 Millionen Mark einzuschätzen sein. In gleicher Weise erhall man, wenn man vom Aktienkapital des Westerregeln-Konzerns ausgeht, für die gesamt« Kaliindustrie einen Wert von 242,5 Millionen Mark. Wir haben absichtlich die höher« Ziffer zugrunde gelegt. Wenn diese dennoch nur ein Drittel der. jenigen, die das Kalisyndikat für ihre Dawes-Belastung angibt, ist, so ist es nicht unser« Schuld, wenn die Kaliindustri« ihr verantwort- liches Aktienkapital zu niedrig festsetzt. Man scheint jedenfalls im Kalisyndikat wie auch in anderen Zweigen der Industrie die.doppelte* Luchführung bei der Bewertung der eigenen Anlagen, ja nachdem ob diese zu propagan- distischen, zu steuerlichen oder zu aktienrechtlichen Zwecken erfolgt» praktisch tüchtig auszuüben. Di« Kaliindustri« darf sich nicht dar- über beschweren, daß die Oeffentlichkeit bei solchen Anlässen ihre eigenen Maßstäbe sucht, besonders wenn das Deutsche Kali- syndikat selbst sich auf den Standpunkt stellt, daß sie der Oefsentlich- kell keinerlei Auskünfte über eine so gcwallige Transattion zu geben oerpflichtet ist und sogar auf unsere Anfrag« rund heran» erklären ließ, da» Reich ginge die Anleihe gar nicht» an. MU irgendwelchem Verantwortungsgefühl Akgenüber der Allgemeinheit haben jedenfalls derarttge Auskünfte der Press»- stelle de» Kalisynditats nicht» mehr zu tun. Daraus mag Herr Kempner fein« eigenen Schlüsse ziehen. �nhaltevüer Rückgang See Sefthästigung. Der Arbettsmarkt Berlin» und auch anderer Kreis« ist auch während der letzten Woche im Zeichen wetteren Abstiegs. Der Rückgang der Leschäfttgungsverhältnisse fast aller Berufs» grnppen hält in Berlin an. Besonders wirken sich auf dem all» gemeinen Arbeitsmarkt die ungünstigen Verhältnisse der Metall» industrie aus, die erfahrungsgemäß den Berliner Arbeitsmartt mit entscheidend beeinslußt. Betriebseinschräntungen und Einführung von Kurzarbeit dauern noch immer an. Auch die E l e t t r p industrie, in der der Abstieg bisher noch nicht in so hohem Grad« in Erscheinung trat, hat größer« Entlassungen, hauptsächlich weiblicher Arbeitskräfte, infolge Auftragsmangel vornehmen müssen. Auch die Lage in der Holz- und Konfektionsindustrie verschlechtert sich ständig. Das Baugewerbe ist nur noch vereinzett gut beschäftigt. Die Handel»- well verspricht sich vom Weihnachtsgeschäft keinen entsprechenden Erfolg. Die hierfür fabrizierenden Industrien entlassen bereit» Ar» beUskräfte. Der gering« Beschäftigungsgrad in der Edelmetall- iudustrie deutet darauf hin, daß die mangelnde Kaufkraft auf Immer weiter« Schichten übergreift. Auf dem Etellenmarkt für Angestellt« ist noch bemerkenswert, daß in letzter Zeit auch Kräfte de» Exportgeschäftes zur Entlassung kamen bzw. gekündigt worden sind, was auf weitere abnehmende Exportmöglichkeiten schließen läßt. Die Zahl der Arbeitsuchenden ist insgesamt wiederum um rund 9999 gestiegen. Bon den rund 83 999 gemeldeten Arbeitsuchenden entfallen etwa 65 999 auf Facharbeiter und Angestellte. E» waren S3258 Personen bei den»rbeitvMch. »eisen eingetragen, gegen 74114 der Vorwoche. Darunter be- fanden sich 56 291(59 311) männlich« und 26 967(23 893) weipche Personen. Unterstützung bezogen 27 552(23 633) männliche und 7197(5718) weibliche, insgesamt 34 659(29 351) Personen, davon bei Rotstondsarbeiten befchäfttgt 1459(1466). Die Lage der Ufa. Unsere kürzlich« Kritik der Ufa wird durch ein« Veröfsent- lichung der Ufa-Derwaltung über die Lage des Unternehmens ge» rechtferttgt und bestätigt. Di« Geschästslag« ist charakterisiert durch die Ankündigung einer Dividende von 6 Proz. und die gleichzeitige Aufnahme eine» 15-Millionen-Kredits bei der Universal Picwres Corporation New Park, dem größten amerika- nischen Konkurrent/» in der Filmproduktion. Daraus allein rechtfertigt sich schon die Vermutung, daß die Ufa sich finanziell fest- gefahren hat und die Dividende nur verteilt, um ihr Ansehen und ihren Kredit nicht zu gefährden. Daß e» ein amerikanisches Konkur- renzunternehmen ist, das den Kredit gewährt, läßt auch, entgegen der Behauptung der Ufa-Derwaltung, erwarten, daß das amerika- nische Filmkapital auf die Ufa weitreichenden Einfluß nehmen wird. Jedenfalls ist klar, daß die Rückzahlung der Bankkredite(mit nur 11,5 Will, angegeben), die die Ufa bis 31. Mai nächsten Jahres abwickeln wollte, nicht aus den Ueberschüssen, sondern aus der Anleihe erfolgen wird. Di« für den 31. Mai 1925 gegebenen Bilanzziffern unterstreichen die Notwendigkeit der finanziellen Konsolidie- rung. Den 19,7 Mill. Gläubigern stehen nur 19,4 Mill. Schuld- ner gegenüber, unter denen sich unsere» Wissens noch ein großer Posten Vorratsaktien befindet. Die fertigen Filme sind mit 14,9 Mill. (gegen 1,9 Mill. im Borjahr), die halbfertigen Filme mit 7,8(gegen 4,4 Mill.) bewertet. 5,5 Mill. der fertigen Filme laufen noch nicht; sie heute schon voll al» Aktiven zu buchen, ist gefährlich, da sie ihre Spielbarkeit nicht übersehen läßt. Jedenfalls scheint die Bilanz alle Reserven zu erschöpfen, um zu der erwähnten Dividende auch in der Bilanz zu kommen. Auflösung von stillen Reserven liegt ossen- bar auch bei den Grundstücken und Gebäuden(8,6 gegen 4,8 Mill.) und bei den Einrichtungen der Filmterrains und Theater vor(3,9 gegen 1,9 Mill.). Di« Verwaltung führt aus, daß das letzte Jahr die stärkst« Entwicklung seit der Gründung gebracht habe und heute 129 Tochtergesellschaften(134 Theater mtt 118999 Sitzplätzen) vorhanden seien. Der Reingewinn von 3,97 Mill. wird fast voll für die Dividend« beansprucht. Um den großen Optimismus zu rechtfertigen, den die Ufa-Verwattung in ihrem Kommunique äußert, sind jedenfalls noch die allergrößten Anstrengungen nötig. Deutsche Werke.(BerNu-Wilmersdars.) Wie uns von gut in» formierter Seite mitgeteilt wird, ist die bekanntlich im Februar de» schlössen« Dezentralisation soweit vorgeschritten, daß die Umwandlung der für den Weiterbetrieb In Betracht kommenden Werke in selbständige Gesellschaften schon seit einiger Zeit statt- gefunden hat. Damit hat sich die Deutsche Werke A.- G., in deren Eigentum sich heute die Aktien der neuen Gesellschaft Lwz oder zum erheblichen Teil.befinden, tatsächlich in eine Holding- Gesellschaft umgewandelt, wen» sich auch in ihrem Eigentum noch erhebliche weiter« Werke befinden, die in Grundstücken und zur- zeit nicht in Betrieb befindlichen Fabrikanlagen stecken. Eigene Pro- duktionsstätten besitzt dementsprechend die Deutsche Werke A.-G. nicht mehr. Die Agfa zum AnMnlrust. Die von uns schon behandelt« Bildung de» Anilintrust» nahm gestern insofern ihren praktischen Fortgang, als die außerordentliche Generalversammlung der Aktien- gesellfchaft für Anilinfabrikation in Treptow(Agfa) die Fusion mit der Badischen Anilin- und Sodafabrik in Ludwigshafen beschloß. Erwähnenswert ist nur, daß in der Berfammlung kein Wort über den Umfang der nach der Fusion zu erwartenden Entlassungen von Angestellten gesagt wurde. Gewerkschaftsbewegung ( Gemertfchaftliches fiehe auch 4. Seite Hauptblatt.) Baukontrolleure aus den Reihen der Arbeiter. Innehaltung der Bauarbeiterschutzbestimmungen. In einer sozialdemokratischen Kleinen Anfrage wurden die, insbesondere in Groß- Berlin, in der letzten Zeit in erschreckender Weise sich mehrenden Bauunfälle zur Sprache gebracht, und das Staatsministerium wurde gefragt, was es zu tun gedente, um diesen unhaltbaren Zuständen abzuhelfen. Insbeson bere, ob es bereit sei, für eine beffere behorbliche Ueber. wachung der Bauten Sorge zu tragen und dem Landtagsbeschlusse entsprechend den Gemeinden und Kreisen alsbald die An= tellung von Rontrolleuren aus Bauarbeiter treifen zur Pflicht zu machen. Wie der Amtliche Preußische Breffedienst mitteilt, beantwortet der Minister für Boltswohlfahrt die Anfrage wie folgt: Die Zunahme der Bauunfälle hat auch die Staatsregierung veranlaßt, die Frage zu prüfen, ob die bestehenden Vor Schriften ausreichen, um die Bauarbeiter, soweit es überhaupt möglich ist gegen Berufsgefahren zu schüßen. Die aus Anlaß jedes mir betanntgewordenen Einzelfalles angestellten eingehenden Ermitt Lungen haben jedoch nicht erkennen lassen, daß die Unfälle auf ungenügende Schußvorfhriften zurückgeführt werden können. Im all gemeinen hat sich auch gezeigt, daß die Innehaltung der Schuhbestimmungen, namentlich in den Gebieten des Hochbaues, von den Baupolizeibehörden ausreichend überwacht wird. Wenn sich in einzelnen Fällen herausgestellt hat, daß die örtliche Ueberwachung der Bauten nicht genügte, fo find die erforderlichen Anordnungen getroffen worden, um in Zukunft eine ausreichende Ueberwachung ficherzustellen. Um Schlusse seiner Antwort teilte der Minister mit, daß er gleichzeitig durch einen Erlaß die nachgeordneten Behörden noch mals ausdrücklich auf die Notwendigkeit hingewiesen hat, die Innehaltung der Bauarbeiterschußbestimmungen genau zu übermachen. Der Minister hat ferner gleichzeitig in diesem Erlaß die Einstellung von Bautontrolleuren aus Arbeiterfreifen erneut angeregt. Dabei betont er jedoch, daß ihm die Möglichkeit, den Gemeinden die Anstellung von Ar beiterfontrolleuren zur Pflicht zu machen, gefeßlich nicht gegeben ist. Die Vorstrafe. Das Kapp- Putich- Milieu als Milderungsgrund. Während des Kapp- Butsches ließ ein damals 20 Jahre alter Mechanifer L. durch seinen Bruder ein Fahrrad, das er von einem Erhardt- Gardisten für 100 m. getauft haben wollte, zum Verkauf ausbieten. Bei dieser Gelegenheit wurde festgestellt, daß es sich um ein gestohlenes Fahrrad handelte. 2. wurde angeklagt und megen Hehlerei zu acht Tagen Gefängnis verurteilt. Das Gericht billigte ihm aber eine Bewährungsfrist von zwei Jahren zu. Die Frist verstrich, ohne daß fich 2. etwas hatte zuschulden tommen laffen. In dem Glauben, mun gelte er wieder als unbestraffer Mann, erwähnte er seine Verurteilung nicht, als er im Juni 1925 bei der Berliner Feuerwehr eingestellt wurde. Aber der Magistrat og amtliche Erfundigungen über das Vorleben des 2. ein, entdeckte feine Bestrafung und fündigte ihm seine Stellung. Der Angestelltenrat flagte für L. auf Rücknahme der Kündigung beim Gewerbegericht, welches dem Klageantrage gemäß gegen den Magistrat entschied. Die vom Vorfizenden Magistratsrat Schulz vertündete Urteilsbegründung fagt: Das Gericht fann nicht annehmen, daß der Kläger durch Ber. fchweigen feiner Borstrafe ben Magistrat absichtlich belogen hat. Er war vielmehr des guten Glaubens, daß er als un bestraft gettel weil er ja die Strafe nicht verbüßen brauchte. Was die Bor ftrafe felbft betrifft, so ift zu berücksichtigen, daß das Bergehen des Klägers in der Zeit des Kapp- Butsches stattfand, wo eine allgemeine Unordnung herrschte und alles drunter und drüber ging. Deshalb fann der vorliegende Einzelfall nicht als ausreichend angesehen wer. ben, um daraus zu schließen, daß dem Kläger wesentliche, für einen Feuerwehrmann notwendige Eigenschaften fehlen. Im allgemeinen aber ist zu bemerken: In die Feuerwehr, die ja in Ausübung ihrer Tätigkeit überall Zutritt hat, gehören Personen, die Eigentumsver. gehen begangen haben, nicht hinein. Im vorliegenden Falle hat das Gericht Milde walten lassen, weil sich der Fall in einer Zeit ab. spielte, mo alles auf dem Kopf stand und dem Einzelnen eine Entgleifung leicht paffieren fonnte. Wenn diefe Verhältnisse nicht zu gunsten des Klägers sprächen, dann wäre das Urteil anders ausge fallen. Die Haftpflicht des Buchdruckmaschinenmeisters. 5338 M. Schadenersatz fordert die Buchdruckereifirma Elsner, von zwei Maschinenmeistern, die, der eine als Drucker, der andere als Führer, eine Rotationsmaschine bedienten, die infolge des Ber fchens eines Hilfsarbeiters zu Schaden gekommen ist. Bunächst verlangte die Firma durch eine Klage beim Gewerbe gericht von den beiden Maschinenmeistern den Erfaz der ReparaturTeppiche M.Lammfromm & Dogel mur 127 Sotsdamer- Str. Berlín Die Leipziger Straße fosten der Maschinen im Betrage von 338 m. Die weitere For derung von 5000 m. als Schadenersaz für die Herabminderung des Bertes der fast neuen, nun reparierten Maschine, ist in Aussicht gestellt. Der Sachverhalt, welcher den Anlaß der Klage bildet, ist der: An der einen Seite der Maschine sette einer der Beklagten, an der anderen Seite ein Hilfsarbeiter die Druckplatten ein. Auf die Frage des zweiten Beklagten, der als Maschinenführer fungierte, ob alles fertig fei, antwortete der Druder( der erste Beklagte) mit Ja. Dar auf wurde die Maschine in Gang gesetzt. Sie ging entzwei, weil, wie fich nachher herausstellte, der Hilfsarbeiter die Platten falsch eingelegt hatte. Er wurde sofort entlassen, während die beiden Drucker für den Schaden verantwortlich gemacht werden. Die Firma ftüßt sich auf einen Bassus des Tarifvertrages, welcher fagt: Sämtliche Arbeiter an der Druckmaschine unterstehen dem Drucker. Er haftet für fachgemäße Ausführung der ihm übertragenen Aufträge. Wenn auch Hilfsarbeiter beim Einjeßen der Platten herangezogen werden fönnen, so habe sagt die Firma der Druder sich zu überzeugen, ob der Hilfsarbeiter seine Arbeit richtig ausgeführt habe. Das hätten die Betlagten im vorliegenden Falle nicht getan, deshalb seien fie für den Schaden haftbar. 44 bruderverbandes, wandten dagegen ein: Nach dem Hilfsarbeitertarif Die Beklagten, vertreten durch einen Angesteliten des Buchfönnten die Hilfsarbeiter mit dem Einseßen von Putten beschäftigt werden. Das werde auch von der Geschäftsleitung verlangt un fönne deshalb dem Druder nur für seine eigene Arbei. n'cht aber für die des Hilfsarbeiters verantwortlich machen, würde der Drucker ouch noch die Arbeit des Hilfsarbeiters fontrollieren, dann ginge damit soviel 3eit verloren, daß die Maschine nicht zu der von her Geschäftsleitung verlangten Beit in Bang gesezt werden fönnte. 338 m. zu zahlen. Die Urteilsbegründung sagt: Nach dem Tarif Das Gericht verurteilte die Beklagten, an die Firma ift es nicht zweifelhaft, daß die Beklagten für fachgemäße Ausführung der Arbeit, demnach auch für die von den ihnen unterstellten Hilfsarbeitern gemachten Fehler, verantwortlich seien. Nach dem Tarif fann der Drucker die Arbeiten jelbst ausführen oder sie den Hilfsarbeitern überlassen. Wenn er diesem fein Vertrauen schenkt, dann muß er die Arbeit selbst machen. Die Aufsicht der Beklagten über die Arbeiten war nicht beschränkt, also find sie verantwortlich und müssen den entstandenen Schaden erfeßen. Die Konsequenz dieses Urteils muß selbstverständlich eine Aenderung des Tarifs( ein." Es ist unsinnig, einen Ar beiter haftbar zu machen für einen Schaden, den ein anderer be gangen hat. Haftbar gemacht fann der Arbeiter nur dann werden, wenn ihm sowohl die Zeit, die zur Ausführung der Arbeit erforderlich ist, sowie die Bezahlung die Möglichkeit geben, die notwendige Kontrolle auszuüben und für den Schaden aufzukommen. Beide Borauslegungen fehlen jedoch gegenwärtig. Sozialpolitische Studienreise nach England. Mitte Oftober begab sich eine deutsche Kommission, be stehend aus Bertretern der Regierung, Gewerkschaften und der Arbeitgeber nach England, um dort an Ort und Stelle die Ein. richtungen der Arbeitsnachweise und der Arbeits. lofenpersicherung zu studieren und praktische Anregungen für die geplante deutsche Arbeitslofenderfide. rung zu erhalten. Als Vertreter des AfA Bundes nahm der Leiter der Sozialpolitischen Abteilung des Deutschen Wert, meister Berbandes, Dr. Croner, an der Reise teil. Der Rommission gewährte die englische Regierung jede. gewünschte Unter ftüßung. Die Kommission erftredte ihre Untersuchungen bis nach Shottland, von größeren Städten wurden neben London Birmingham, Leeds, Glasgow, Liverpool und Cardiff besucht. Bu Ehnen der Kommission veranstalteten der englische Arbeitsminister und der deutsche Botschafter einen Empfang. Der Bertreter des AfA. Bundes, Dr. Croner, hielt sich auf der Rückreise noch mehrere Tage in Brüffel auf, um dort die belgische Arbeitslosenver. icherung und Arbeitsnachweisorganisation einer eingehenden Untersuchung zu unterziehen. Das italienische Streifverbot. Aus den Berichten der italienischen Bresse über den Gesetzentwurf zur juristischen( d. h. faschistischen) Regelung des follettiven Arbeitsverhältnisses bringt WIB. einen Auszug. Borausfegung für die juristische Anerkennung der Gewerkschaften soll sein, daß fie außer der Interessenvertretung auch die Unterstügung ber Schulen und Erziehungsfunktionen übernehmen. Was darunter zu verstehen ist, geht aus dieser Angabe nicht hervor. Sofern ein Schiedsgericht ein Urteil gefällt hat, sind Streit und Aussperrung verboten. Arbeitnehmer, die gegen ein solches Urteil durch Arbeitseinstellung eintreten, jollen mit ein bis drei Monate Haft, die Rädelsführer" nicht unter einem Jahr und mit Geldbuße von 2000 bis 5000 Lire bestraft werden. Aussperrenden Arbeitgebern werden in diesem Falle Strafen von drei bis 12 Monaten angedroht und Geldstrafen von 10 000 bis 100 000 Lire. werden mit Strafen von ein bis fechs Monaten und mit Angestellte öffentlicher Betriebe, die streiten, Amtsenthebung bis zu fechs Monaten Dauer bedroht, die Rädelsführer mit haft von einem halben Jahr bis zu zwei Jahren. Der Form halber werden auch die Arbeitgeber öffentlicher Betriebe bei Aussperrung mit Haft Don fechs bis zwölf Monaten und mit Geldstrafen von 5000 bis 100 000 Lire bedroht. Der die persönliche Sicherheit aller Nichtfaschisten aufhebende Faschismus zeigt sich besonders empfindlich gegen die Bedrohung der persönlichen Sicherheit, die sich aus einem Streif ergibt. Die Strafen dürfen dann nicht unter einem Jahr betragen, nicht unter drei Jahren, wenn dadurch der Tod einer oder ist Ihnen zu teuer? In meiner Wohlfeilen Abteilung Krausenstraße finden Sie: Hemdentuch Renforcé Kreton. Makkofuch 60 cm ... 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Die Arbeitgeber und Arbeitnehmer, welche die Entschei bungen eines Schiedsgerichts durchzuführen sich weigern, werden mit ein Monat bis ein Jahr Haft und Geldstrafen von 100 bis 5000 Lire bestraft. Die Leitungen juristisch anerkannter Bereinigungen, welche bei solchen Entscheidungen die Durchführung rerweigern, werden mit sechs Monaten bis zu zwei Jahren Hast und Geldstrafen von 2000 bis 10 000 Lire außer Amtsenthebung belegt." Sucht dieser Entwurf auch das Gesicht zu wahren, so besteht allem aber will man in Mussolinien der troz Faschismus wieder doch nach allem fein Zweifel darüber, daß er sich in Wirklichkeit gegen die nichtfaschistischen Arbeiter richtet. Bor auflebenden Gewerkschaftsbewegung endgültig den Garaus ma..en. Dieser Bersuch kommt ungefähr darauf hinaus, die Krankheite dadurch beseitigen zu wollen, daß man die Ausübung des Aerzteberufs verbietet. Der Zentralverband der Hofel-, Restaurant- und Café- Ungestellten teilt uns mit, daß es trop langwierigen Verhandlungen berzulegen. Das Botal bleibt daber nach wie vor gesperrt. nit gelungen ist, die bestehenden Differenzen in dem Vereinsbaus Königsbant", Inb. Bommer, Gr. Frankfurter Str. 117, Die Differenzen in dem Böhmischen Braubaus, Inb. Ernst tebina, find beigelegt. Die Sperre wird hiermit auf. gehoben. Buchbruder, Heute, Sonntag, vormittag 9½ Uhr, finden folgenbe Fraktionsfigungen ftait: Bezirk 2 bei Jaferich, Schweden str. 11; Beairt 3 bei Klug, Danziger Str. 71; Bezirk 4 bei Seipke, Kronprinzenstr. 47. Wir erwarten vollzähliges Erscheinen. Ein Fehlen wäre angesichts her am 30. November stattfindenden Wahlen in den Bezirten eine unentschuldbare Bflichtverfäumnis, Der Fraktionsvorstand. Bezirksamt Friedrichshain. Am Dienstag den 24. November, nach mittags 4 Uhr, an bekannter Stelle wichtige Ronferenz offer im Bezirks amt tätigen SVD.- Funtionäre. Der Fraktionsvorstand. Adtung, SPD.- Holzarbeiter! Morgen, Montag, abend 7½ Uhr im Gewerkschaftshaus, Engelufer 24/25( Großer Gaal), Versammlung aller SPD.- Genossen. Wichtige Tagesordnung! Rahlreichen Befuch erwartet Der Werbeausschuh. Achtung, Siemens- Werke! Morgen. Montag, nachmittag 4 Uhr bei Lange, Siemensstadt, Nonnenbamm- Allee 86, wichtige Bersammlung der SPD.- Genoffen. Bollzähligen Besuch erwartet Der Fraktionsvorstand. Achtung, SPD.- Betriebsvertrauensleute! Der Kämpfer Rt. 18 ist fertiggestellt und kann im Bureau, Sindenftr. 3, 2. Sof, 2 r., in Empfang genommen werden. Besonders die Bertreter ber Alein- und Mittelbetriebe werden erfudt, rechtzeitia abzuholen. Parteiausweis ist mitzubringen, Bezirksverband Berlin der SPD., Betriebssekretariat. SPD.- Metallarbeiter des 20. Bezirks. Fraktionssikung am Dienstag, den 24. November, nachm. 5 Uhr, im Rotal von Knapp, Grünthaler Str. 6. In Frage lommen die Betriebe von Reiniden Dorf- Dit, Rofenthal, Buchholz, Seinersdorf, Gesundbrunnen. Mitgliedsbuch legitimiert, Musikinstrumentenarbeiter. Die Gigung ber Branchenkommiffion morgen, Montag, fällt aus. Die Mitglieder der Rommission treffen sich am Dienstag, den 24. November, eine halbe Stunde vor Beginn der Branchentommiffion im Bersammlungslokal bes Orpheums, Gräfeftr. 47/48. Tapezieree, Am Mittwoch den 25. November, 7 Uhr, im Goal 1 bes Gewerffaftshaufes Versammlung. Vortrag und Branchenangelegenheiten. Taubstumme Sattler, Tapezierer und Portefeuiller. Wichtige Bersammlung aller Rollegen am Donnerstag, den 26. November, 7% Uhr, im Gaal 2 Des Gewerkschaftshauses. SPD. Sattler, Tapezierer und Vortefeuiller. Donnerstag, ben 26. Novem ber, 7 Uhr, im Graphischen Vereinshaus, Alexandrinenstr. 44. Bersammlung aller SPD.- Kollegen. Alle auf dem Boden der Amsterdamer Internationale ftehenden Kollegen sind ebenfalls eingeladen. Wichtige Tagesordnung und Bortrag. SCHUTZ- MARKE DE THOMPSON'S SEIFF SCHUTZ- MAR D& Thompsons Seifenpulver Teppich DEUTSCHE TEPPICHE INNENDEKORATIONEN MÖBELSTOFFE ORIENTTEPPICHE LAUFERSTOFFE GARDINEN bis 40% Preiserma Bigung spart Arbeit Zeit und Geld! Räumungs Ausverkauf nurhoch Tage 6 LO wegen Umbau ursch NUR Berlin C2, Spandauer Str. 32 Vorträge, Vereine und Versammlungen. Deutscher Metallarbeiter- Verband Reichsbanner Schwarz- Rot- Gold". 19 Gefäftsstelle: Berlin S 14. Sebaftianfte. 37/38 Hof 2 Tr Friedrichshain. Jugendabteilung Mo., b. 23 ,, 7 Uhr Jugend1 Dienstag, 24. Novbr., nachmittags 5 Uhr, in Ewalds Bereinshaus", Staliger Straße 126 Versammlung lehrlinge. Tagesordnung: 1. Bortrag: Jugend und Organisation" Ref: Kollege Hollwig. Aussprache über Branchenangelegen heiten. 3. Verschiedenes. 2 beim Tilfiter Straße. Bortrag Rameras Rowad Areuzberg. Mo., d. 23., 7% Uhr, Kreisvollversammlung im Odd- fellow- Logenhaus, alte aller Schleifer- und GalvaniseurJakobstr. 128. Bortrag Ortsftatutenberatung. Ditgliedstarte vorzeigen. Türkontrolle Abt. 5. Tiergarten. Mo., b. 23., 7% Uhr, Ram. Arminius bei Gottschalt, Swingliste. 7. Bollversammlung. Di., d. 24., 7% Uhr, Kam. Stephan bei Krüger, Butlik str. 10, Rollversammlung. i., b. 25., 8 Uhr, Uebungsabend, auch für Baffine, Schleswiger Ufer. Neukölln- Brig. 4. 8ug Gonntag, d. 22., nachmittags 1½ Uhr, Antreten in Bannerkleidung Bris, Chauffeeftr. 66, aur Totengebentfeier Gemeindefriedhof. Mi., d. 25., 72 Uhr. 1. Turnabend der Jungmannschaft im Lyzeum, Berliner Straße. Die Kame raben der Altmannfchaft werden aufgefordert, fich ebenfalls hieran au be teiligen. Wilmersdorf. Mi., d. 25., 7% Uhr, Antreten Bittoriagarten, Wilhelmsaue, zum Republikanischen Abend. Erscheinen Pflicht. Fahnen mitbringen. Nächste Bollversammlung des Areifes am 3. Dezember, 8 Uhr, in ben Johann- Georg- Sälen, Salenfec. fammlung müßt Ihr alle erscheinen. Jugendkollegen! 8n dieser BerEs laden freundlicht ein Die Branchenleitung. Die Jugendkommission. Diensfag. 24. Hovbr., nachmittags 5 Uhr, im Saal 3 des Gemertfchaftshauses, Engelufer 24/25: Freibenker- Bollshochschule. Dienstag, ben 24. Stovember, 7% Uhr, Branchenversammlung Astanisches Gymnasium, Sallesche Str. 24( am Anhalter Bahnhof). der Metall-, Revolverdreher und Dr. P. Krische: Der gegenwärtige Stand der naturwissenschaftlichen Ent midlungslehre. gm Rahmen der Sumboldt- Sochschule beginnt Mittwoch abend 8 Uhr in der Aula Dorotheen str. 12 ein Rurfus mit Lichtbildern und Demonftrationen: Bie erhalte ich Rörper und Geist gefund?" Es behandeln: Brof. Dr. 3. S. Schulk Sygiene des Nervensystems", Dr. Westmann Sngiene ber Fortpflanzung", Brof. Dr. Adam Sngiene des Auges". Dr. Haustein Bolts Sngiene". -dreherinnen. Erwerbslosenfürsorge- Gefegentwurf. Ref.: Tagesordnung: 1 Bortag: Der Kollege Bista. 2 Distuffion. 3. Branchenangelegenheiten. 4. Berschiedenes. und piinitlich zu erscheinen Die Kollegen werden ersucht. zahlreich Die Ber sammlung wird pünktlich eröffnet. Die Arbeitsgemeinschaft entschiedener Republikaner hält am Mittwoch, ben ftraße, ihren 7. Republibanifden Abend ab. Referat: Herr Dr. Ebstein über Wahlrechtsreform. Entschiedene Republitaner aller Barteien und Bünde willkommen. 25. Rovember, 8 Uhr, im Restaurant Simbura, Charlotten. Ede Rimmer. Achtung! Feilenarbeiter Achtung! Mittwoch, den 25. November, nachmittags 5 Uhr, im Zimmer 28 bes Verbandshauses, Linienste. 83/85: Gesellschaft für Segualreform. Mittwoch, den 25. November, 8 Uhr, in ber über das Eheproblem( Vortrag Hübner). Eintritt für Gäfte 50 Bf., für Mitglieder 25 Pf. Schulaula Friedrichstr. 126, nahe Bahnhof Friedrichstraße, Distusfionsabend Branchenversammlung Das Erscheinen aller Berufskollegen ist bringend erforderlich. Berliner Sti- Club 1911. Die nächsten Gt- Trodenturfe beginnen am Uebungstage Gonntags vormittags ebenda. Mittwoch, den 25. November, 7½ Uhr, im Zuifengumnafium, Surmftr. 87. Achtung! Gold- u. Silberschmiede! Mittwoch, den 25. November, nachmittags 4 Uhr, im Dresdener Garten", Dresdener Straße 45: Berein der Freibenker für Feuerbestattung, 20. Bezirk Reinidendorf. Deffentlicher Lichtbildervortrag: Die Entstehungsgeschichte des Menschen", Ortsgruppen ftatt: Montag, den 28. Rovember, in Reinidendorf- Oft bei RamLow. Schönhola 14. Dienstag, ben 24. November, in Tegel im Lobal Tustulum. Mittwoch, den 25. November, in Sermsborf im Lotal Bellevue. Donnerstag, ben 26. November, in Rosenthal im Lotal Schneiber, Sauptstraße. Freitag, ben 27. November, in Reinidendorf- Best, Sartmanns Brauerei, Scharnweber ftraße. Referent: Gen. Fr. Sachtleben, findet an folgenden Tagen in ben einzelnen Branchenversammlung Geschäftliche Mitteilungen. Das schönste und befte Weihnachtsgeschen! ift eine gut gearbeitete Stepp oder Daunendede. 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Unseren Gefangenen in der Stabtoogtei wollen wir für unsere Weihnachtsfeier einen Christbaum schmüden und vor allem den armen Frauen und ben armen Rindern der Gefangenen eine Weihnachtsfpende übermitteln. Das Clend und die Rot und das Ringen um die nadte Existenz bet den verlaffenen Familien ist oft geradezu furchtbar und in tieffter Geele erschütternd. Fast täglich müssen wir es erleben, wie solche arme Menschen in bitterer Not hilfeflehend an unsere Pforten pochen, so daß wir uns zu dieser unserer Weihnachts bitte innerlich verpflichtet fühlen. Ihre gütige Mithilfe wird dazu dienen, daß auch in den Hütten der Aermsten zu Weihnachten die Freude Einkehr halte. Wir bitten höflichst um Lebensmittel, Aleidungsstüde, Wäsche und Gelbgaben. Auch gediegene Bücher für unsere ftart benngte Gefangenenbücherei find willkommen. Auf Wunsch werden die Gaben bei den gütigen Spendern abgeholt. Gaben nimmt jederzeit entgegen: Die Direttion der Anstalt und der Anftaltspfarrer&. Anodt, Berlin C. 25, Dirdienste. 15, Stabtoogtel. Geldgaben tönnen auch überwiesen werben auf das Postichedtouto der Anftalts? affe. Stabtoogtei", Berlin C. 25, Nr. 14321, Boftfchedamt Berlin NW. 7. Herzlichen Dant schon jetzt! Pfarrer Anobt Berlin C. 25, Dircksenste. 15 Bettfedern Adolf Pohl Dresdener Straße 15 Fabrikgebäud Armband- u. Taschenuhren Passende Geschenke zu enorm billigen Preisen. Silberne Armbanduhren, Schweizer- Werk. Goldene 14 kar. Goldene 14 kar. " 99 11.90 M. Schweizer- Werk. 38,50 M. Anker- Schweizer- Werk 35,00 M. Silberne und goldene Herren- Taschenuhren in großer Auswahl und jeder Preislage. burger Tor H. Wiese, Artilleriestr. 30 Nahe OranienTeppiche Strick Westen verkauft Fabrik direkt an Private. Billig, solide. 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Ein Ausweis wird denselben noch zu geftelt. 54/13 Berlin- Bantow, den 28. Oftober 1925. Wasserterstr. 32. Der Borstand. C. Gültig, Borsitzender Entfettungskur von Apotheker Max Wagner( D. R. P.) ist von positivem Erfolg. Besonders gegen unreine Säfte, Blutdruck, Arterienverkalkung M. 3. Zu haben in Apotheken und Drogerien, evtl. Bezugsquellennachweis durch General depot Willy Frost, Berlin- Pankow, Schonensche Str. 24 kauft man pur richtig im Spezialhans! Teppich- Spezialhaus über 40 Jahre Berlin S, nor Oranienstr. 158 Solidität und Farbenpracht Spezialität: Deutsche Luxus- Teppiche orient- Teppichen gleichwertig. Unsere Auswahl und Preise werden Sie überraschen!! Le Emil efèvre G.m. h. H. Rantor bedarf G LUERGENS Alexanderplatzl kaufen sie gut und preiswert im Photo- Spezialhaus Haller, Kottbuser Damm 98 Trauringe Marke Ribo" 99 ( ges. geschützt) bürgt für Feingehalt und Gewicht Deutschlands reichhaltigste Auswahl! Fugenlos aus einem Stück gearbeitet, inkl. Fasson u. Luxussteuer. 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November 7H25 Äus öer Die Zilme öer Woche. ,variet6/ lUfa-Palasl am Zoo.) Graue Oeds eines Zuchthauses. Die Insassen kreisen im chofe herum. Da wird die Nummer 28 aufgerufen und ins Zimmer des Richters geführt. Er fall entlassen werden. Frau und Kind er- warten Ihn, der Richter redet ihm zu, endlich sin Geständnis abzu- legen, was er die ganzen zehn Jahre hindurch abgelehnt hat. Und nun rollt sich das Leben eines Artisten ab, der in Blutschuld ver- strickt war und jetzt abgebüßt hat. In Hamburg setzt die Handlung «in. Auf dem Jahrmarkt, wo Boß ein elendes Zeu unterhält und die charakteristisch geprägten See- und Hafenleute mit billigen Nummern amüsiert. Sein Familienleben lernen wir in seinem Wagen kennen, seine Frau, von Maly D« l s ch a s t sehr naturgetreu dargestellt, einst auch eine Artistin, aber durch die Mühen des Lebens des Jugendreizes beraubt, nur noch eine Hausfrau. Und sein herziges Kind, an dem der Bater mit allen Fasern hängt. Boß (Emil Jannings), der Kraftvolle, spielt hier die Rolle des Gefessellen. Durch einen Unfall ist er aus seiner Bahn geschleudert. Auch er war einst große Nummer und muß sich nun mühsam durchfretten. Da wirft ihm der Zufall ein berückend schönes Mädchen voll exotischen Reizes(Lia de Pulli) in den Weg. Zunächst widersteht er den Lockungen, aber nach den wiederholten Enlläuschungen in seiner Bude und in seiner Familie folgt er dem inneren Rufe: er will mit dem Mädchen eine neue Laufbahn beginnen, wieder emporsteigen zu früherem Glänze. Das nächste Bild, ein Berliner Rummelplatz in der Nähe des Wintergartens. Ein Barietäagent entdeckt Boß und macht ihn mit dem berühmten Artinelli bekannt, der einen neuen Partner sucht. Die drei machen Sensation, die Wunder des Varietes werden vor unseren Augen lebendig, vor allem ihr Luftakt, der in seiner Waghalsigkeit das Publikum schaudern macht. Artinelli ver» liebt sich in das schöne Mädchen, macht sie dem in seiner Verliebtheit blinden Boß abspenstig. Sie betrügen den Gutmütigen, bis ihm im Artistencafä die Augen aufgehen. Jetzt setzt das Werk der Rache ein, Boß erwartet den Artinelli nachts in dessen Zimmer. Zunächst spiell dieser mit ihm, bis er den furchtbaren Ernst begreift und vor dem mordenden Blick des im tiefsten Getroffenen zusammenbricht. Er wird zu einem Duell mit Messern gezwungen, porin er unter- liegt(glücklicherweise werden wir mit den Details verschont): Boß wankt wie im Traume ins Zimmer seiner Geliebten, wäscht sich das Blut ab und geht davon, um sich auf der Polizei zu stellen. Dies ist der Jnhall des Films, den E. 2L D u p o n t nach einem bereits öfter benutzten Roman Felix Holländer» im Manuskript und Regie geschaffen hat. Eine einfache Geschichte, die aber durch Ge- staltung voller Menschlichkeit zu tiefer Tragik emporgeführt ist und uns ein Schicksal wirklich miterleben läßt. Die Einfachheit der Handlung gestattet die intime Durchführung lebenswahrer Eharak- tere und gim Gelegenheiten, aus dem gegebenen Milieu des Darietäs ein unendlich reiches, all« Seiten dieses Lebenskreises entwickelndes Bild zu entwerfen. Der Hamburger Jahrmarkt wie der Berliner Rummel, vor ollem aber der.Wintergarten' und daneben ein großes Fest am Wannsee mit einem phantastischen Feuerwerk, bieten in flimmernden Bildern ein«� nicht abreißende Augenschau. Die ganze Well des Varietes wird von ihren Tiefen bis zur Höhe lebendig. Immer ist Schicksalsentwicklung und Milieudarstellung aufs glück. lichste miteinander verbunden. Nur manchmal hat man das Gefühl. daß der Regisseur(z. B. bei der liebevollen Ausmalung des Vater. und Liebesglücke» seines Helden) allzulange verweilt. Die psycho. logischen Moment« oben auf dem Trapez, wo Boß schwindelnd über- legt, ob er die beiden Ungetreuen nicht abstürzen lassen soll, oder wo er Auge in Auge mit Artinelli diesen mit Todesangst foltert, sind mit bewundernswerter Kunst festgehallen. Dupont hat einen deutschen Film geschaffen, der sowohl in der psychologisch-vertieften Handlung wie in der reinen bildmäßigen Durchführung seinesgleichen sucht und sich und uns damit den größten Erfolg der Saison bereitet. Eine schmiegsame Photographie, die auf alle seine Intentionen ein- ging(Karl Freund), war die Voraussetzung dazu. Emil Jan- ninas hat«inen Menschen geschaffen, der uns mit seinen Freuden und Leiden aufs innigste packt, der mit seiner kraftvollen Figur und dem bewegten Mienenspiel das Urbild dieses einfachen, gutmütigen Menschen zu sein scheint, der aus Urinstinkten heraus handelt. Lia de P u t t i gibt ein gleißendes Bild verlockender Sinnlichkeit: sie fasziniert wie eine exotische Blume und lockt hemmungslos in ihren Bann. Artinelli wird von dem Engländer Marwick Ward �it der kühlen Reserviertheit eines echten Artisten vollendet dargestellt Der Sanze Film ist ein Meisterstück ernster Arbelt. zu dem auch die Artisten das Ihre redlich beigesteuert haben. Er bedeutet einen Triumph des deutschen Lichtbildes, der sich zweifellos nicht nur auf das Inland beschränken wird.» Die Vorführung im Ufa-Palast geht im größten Stile vor sich. Ernö Rappe umkleidete die Handlung mit emer musikalischen Um. rahmung, die die große Stimmung schuf. Voran ging eine Bühnen- schau, dre Im tollen Taumel alle Varietearten in blendender Auf» machung vorbeirauschen ließ und damit sinngemäß auf das Kommende vorbereitete._ D. freies Üvlf/ Am Bußtag war das Große Schauspielhaus bis auf den letzten Platz von einer Menge gefüllt, die Martin Berger, den Verfasser und Regisseur des Films.Freies Volk', als einen der ihren kennt und schätzt. Martin Berger ging bei der Anlog« dieses Films von dem Gesichtspunkt aus:.Der Film ist ein politischer Machtfaktor allerersten Ranges.' Cr wollte all den Tendenz-Mili- tärfilmen durch den Film der Republik ein Gegengewicht schaffen. Von der Idee bis zur Ausführung ist immer ein langer Weg, hies- mal ist durch Schwierigkeiten mannigfacher Art der Weg noch künst- lich verlängert worden. Hinzukommt, daß bei Beraer sich ein Ueberquellen von Ideen bemerkbar macht, bei einem fast ängstlich gewissenhaften Mitteilen- und Werbenwollen auf jeden'Fall. Im allgemeinen will das Filmpublikum aber nur unterhalten sein. Selbst wenn es nüt dem Vorsatz, sich belehren zu lassen, sich einen Film ansieht, möchte es sogar in diesem Falle die Entspannung nicht entbehren. Daher sind die Szenen zy kurz, die Bildsolgen, die nebeneinander herlaufende Handlungen illustrieren, zu schnell, sie formen sich nicht zum haftenden Eindruck. Neue Gedanken- f länge, die gegebenenfalls beim Zuschauer«ine Verarbeitung er- ordern, werden zu hastig unterbrochen. Das Manuskript, ein« große Mosaikarbeit, schildert, wie die Gewerkschaftsinternational« dem Gaskrieg ein Ende macht. Ferner erzähst es, wie die Großen der Industrie und der Landwirtschaft aus Kosten des Volkes zu ihren Profiten kommen. Es läßt auch eine beträchtliche Anzahl von Schmarotzern nicht unerwähnt, die in der Schikanierung gedrückter Existenzen ihre Triumphe feiern. Rein persönlich versöhnend wirkt die Tochter des Adeligen, die mit dem Dorfschullehrer ihre Wege steht. Man hat das Bewußtsein, dieses Paar geht in den neuen Tag. Die Filmtexte sind wiederHoll von großer Wirkung. Das ist, mögen die Texte noch so gut und treffend sein, nicht echt fllmisch. Und es muß und wird Berger künftig gelingen, alle eine Gedanken hauptsächlich durch Bilder auszudrücken. Auch reden eine Darsteller diesmal zu viel. Mimik, die das Wort ersetzt, ist Filmschauspielkunst, die Worte gehören der Sprechbühne. Durck das richtige Erfassen: „Ich will ein Ensemble und keine Stars', scfjuf er lehr gute Typen. Und alle Darsteller gaben sich redlichste Müh«. Aufgeführt seien nur Albert Florath als Generaldirektor von Becker. Mathias Wieman als charakterstarker Lehrer Röneburg und Rudolf Essel klar und sympathisch als Vorsitzender des Gewerkschaftsbundes. Die Massen- szenen sind vorzüglich gelungert: Nun gebe man Derger die Möglichkeit. in Ruhe seine zukünftigen Aufgaben zu lösen, damit er durch die bedachtsame Ausarbeitung einer großen Idee zu einer imponierenden Geschlossenheit seiner Filme kommt. Ein Wort gebührt noch dem Architekten Dietrich, der es verstand, In die Dorstandschaft(Katen und Herrenhaus) einen ganz eigenartigen Zauber zu legen.«. K. ,dle neue Großmacht/ In SS Berliner Filmtheatern läuft zurzett der eindrucksvolle Film von der Frankfurter Internationalen Ar- beiter- Olympiade. Was in der allen Mainstadt Hundert- taufenden zum Erlebnis wurde, ist in packenden Bildern derart fest- gehalten, daß auch der zeitlich von den Ereignissen getrennte Zu- schauer begeistert wird. Man sieht die in die Bahnhofshalle rollen- den Züge, die Teilnehmer aus den verschiedensten Ländern bringen, gewahrt die erwartungsfrohen Vorbereitungen der Bewohner und sieht die mit Liebe angebrachten, daher so freudig stimmenden Au»- schmückungen. Kleine Episoden sind belustigend und das ganze Drum und Dran illustrierend in netten Bildausschnitten festgehallen. Imponierend wirkt der Festzua. Eine ungeheure Meng« wälzt sich heran, umrahmt von einer Zuschauerschaft, die fest wie«in« Mauer steht und gleich einer lebenbigen Architektur an jedem Gebäude- vorsprung klebt. Dann kommt dos Leben und Treiben im Stadion selbst. Seine Geschichte ist filmisch gut erzählt, sieht man doch, wie aus einem öden Schießplatz ein Tummelplatz für selbstbewußte Menschen wurde. Sie entrinnen den Fabriken, um durch den Sport der körperschädigenden Arbeit entaegenzuwirken. Die Kraft ist das einzig« Kapital des körperlich Arbeitenden, er muß es erhalten. Darum schufen die Arbeitersportler aus sich heraus ihre gewaltigen Organisationen, die fern vom bloßen Ehrgeizsport ihre eigenen Wege gehen. Der Regisseur Wilhelm Prag er erfaßte die tulturhkstorische Bedeutung dieser Bewegung. Diesmal braucht« er nicht Wege zu Kraft und Schönheit zu suchen, diesmal brauchte er nur die Kraft und die Schönheit, die in allen Leistungen und in jeder einzelnen Sportart liegt, zu photographieren. Geschickt und nie langweilig wirkend, ist die Zeitlupe eingeschaltet. Sie ermögllcht nicht nur die Bewegungsstudie im allgemeinen, sie erschließt auch die Vergleichs- Möglichkeiten bei der verschiedenen Technik. Jede besonder« Leistung ist durch sie. in alle Einzelheiten zerlegt, für alle Sportnachkommen festgehallen Ferner unterließ man es dankenswerterweis« nicht, sportlich Ptißlunaene», jedoch technisch Interessantes zu übermitteln. Folglich bieten sich dem Fachmann ungeahnt« Anregungen. Doch auch der Laie kommt voll auf sein« Kosten, und namentlich das Systemturnen wird manchen zum Nachdenken anregen. Man fleht überhaupt bei den einzelnen Gruppen viel nationale Eigenart in bczug auf rhythmische Uebungen usw., die sich zum Ausbau anderer Systeme eignet. So kommt es zur Förderung des einzelnen durch diese friedlichen internationalen Wettkämpfe. Die Schlußszenen des Films zeigen internationale Massenfreiübungen, die so recht den mitreißenden Schwung übermitteln, der von der Arbeltersportler- Olympiade ausging.»_ e-b. .Hilfe, ich bin Millionär/ Die„Alh ambro' am KUrfürftendamm hat uns mit diesem Film eine recht vergnügte Stunde bereitet und zugleich um die Erfahrung bereichert, daß es auch in Frankreich eine kennenswerte Filmkunst gibt. Der Gedanke des Werkes ist nicht neu. Aber die Art, in der hier ein armer Eisenbahnarbeiter auf Zeit durch die Laune des bekannten sagenhaften amerikanischen Milliardär» selbst zum Krösus gemacht wird und an den sogenannten Sorgen der Reichen seine gute Laune verliert, bis er schließlich in sein äußerlich kümmerliches, innerlich glückliches Menschenlos zurückfindet, ist so humorig, kurzweilig und mit gallischer Grazie gestaltet, daß alle sozialen Bedenken gegen die allzu bequeme Tendenz der Handlung zurücktreten. � Abgesehen auch von den sehr schönen Aufnahmen von Paris, Nizza und der ganzen azurnen Küste bietet der Film in der ausgezeichneten Darstellung der Familie Galupin, mit dem wunder- vollen Nikolai K o l i n an der Spitze, eindrucksvolle Bilder aus dem Familienleben eines Pariser Arbeiters. Wenn die Gören sich auf dem Hofe ihres Hinterhauses herumbalgen oder der allerliebste Jüngste in der Garderobe der Großen Oper abgegeben wird, oder Vater Galupin in der Theaterloge während der„Walküre' einen Settpfropfen knallen läßt, hat man das Gefühl, als ob Zille hier ausgezeichnet ins Französische übersetzt worden wäre. Man freut sich der Kraft und gesunden Güte auch des französischen Proletariats. Man genießt auch die Tragikomik, die darin liegt, daß der arme Wagenschmierer, der durchaus Riesensummen oerbringen muß, um seine Wette und damit eine fette Rente zu gewinnen, auf all« Weise immer noch Geld dazu bekommt..., selbst an der Spielbank in Monte Carlo. Weil alle Emzelheiten und die Blitzhaftigkeit von Handlung und Photographie so amüsant sind, wollen wir darüber hinwegsehen, daß der Milliardär in Wirklichkeit dem armen Mann« und uns gar nicht bewiesen hat, daß Geld unglücklich macht... Schen wir auch nachsichtig darüber hinweg, daß der Film in seiner Art— der unwahrscheinlichsten, aber billigsten— ausgleichend« soziale Gerechtigkeit schafft, indem er eine Ehe zwischen Galupins Tochter und dem aisständigen Milliardär herbeiführt... Jeder Mensch von Geist und Güte muß diese ProletarierfamUie Galupin mit ihrer Biederkeit und Genügsamkeit liebgewinne�. f. b.c. Seilage öes vorwärts .Pat unü patacho» als Mäller/ (piccadilly.) Es scheint sich in den Berliner Uraufführungstheatern so etwas wie ein« Pat- und Patachon-Strähne entwickeln zu wollen. Gleichsam: wer auf gut« Laune im Publikum hält, der führt eben einen der lustigen Filme mit diesen beiden, wirtlich und wahrhaftig vergnüg- lichen modischen Komikern vor. Der Humor der äußerlich so schreiend unähnlichen Paare ist ganz durchleuchtet von einer Herzcnssonnigkeit, von einem unbekümmerten, fast ein wenig gemächlichen, spitzbübischen Vagantenlächeln. Es gibt da immer Situationen, die ganz toll sind, und über die man sich schief biegt vor Lochen— und doch ist an dem fast behäbigen Spiel der Pat und Patachon nichts Tolles, nichts Verstiegen-Unmögliches. Ihr Humor ist gleichsam europäisch: im Tempo, in den Voraussetzungen, in den Auswirtungen. Sie bieten gar keine Dergleichsmöglichkeiten mit den oerrückten, sich über- jagenden Grotesken der amerikanischen Filmserien. Dieser ameri- kanisch« Filmwitz, raffiniert ausgeputzter Irrsinn— der verträgt die Serie: well er eben mit hundert Einfällen den Zuschauer überfällt und so eine Ermüdung gar nicht erst aufkommen läßt. Damit ist nicht gesagt, daß dieser amerikanische Groteskspaß Wert besitzt: mir: er ist tragfähigerl Und darum vertrüge man auf die Dauer kölne Pat- und Patachonserie. Beweis dafür das neuest« dieser betulich helleren Spiele:„Pat »nd Patachon al» Müller', das man in dem schönen neuen Uraufsührungstheater Piccadilly sah. Eine wirklich lustige Ge- schichte von Windmühlen und./der Liebe Mahlsteinen', wie der ge- schwollen« Untertitel überflüssig pathetisch erklärt. Um die Frech- dachsigkellen der beiden Äagabundenspieler wurde ein« ganz un- wichtig«, viel zu Krell gequetschte Liebes-, Brandstiftungs- und In- triganteligefchicht« gruppiert, die beinahe das reine Vergnügen an dem Spiel der beiden wundervollen Komiker trüben könnte, weil st« ihnen die Möglichkeit nimmt, so und so viele Szenen lang im Hintergrund zu bleiben. Der Regisseur Lau L a u r i tz« r hatte nicht viel zu tun: er brachte die Drumrumgeschichte anstandig in Bilder und ließ die köstlichen Pat und Patachon sich selbst spielen. Allerdings erfreut« er noch durch etliche ganz entzückende Landschafts. bilder.— Zwei amerikanische Groteskfilme, die bewährte. Vorbilder nicht ohne eigen« Note kopieren, wurden gleich dem lustigen Haupt- film herzlich belacht._ m. ,Gräfia Mariza/ (ILX. Kurfürslendamm.) Natürlich gefällt e« den Leuten, wenn sie auf der Leinewand einen Film zu sehen kriegen, der unzweifelhaft erkennen läßt, daß er einer oielgespielten Operelle seiner Entstehung verdankt. Natür- lich gefällt es. wenn bekannte Situationen sich einer bekannton Musik fügen, nur in einer sehr freien Behandlung der Partitur. Was damtt aber für den Film an und für sich erreicht wird, ist herzlich wenig. Di« Arbell der Umwandlung ist bei der Kalmanfchen Operette verhältnismäßig einfach. Max G l a h hat sich ihr unterzogen und mit Geschick und gutem Verständnis für neue Bilder km bekannten Rohmen gesorgt. Cr hätte ruhig etwas weller gehen können und. nicht zum Schaden für die Sache, sich mehr von dem Operettenhaften(im üblen Sinn« des Wortes)' lösen sollen. Selbstverständlich war die Besetzung, wie wir da» bei Star- sachen mit Aussicht auf Publikumsersolg gewohnt sind, m-nlstm� Rollen«ine erstklassige. Fritz Spiro, Harry Lieotke, Robert Garrison, Wilhelm D i e a« l m o n n. der kleine B e r i s ch. Wd.. Henry Bender taten mit Humor, was man von ihnen verlangte Etwas unzureichend war als die Bertreterin der Titelrolle Virian Gibson. Die Dame war für das ungarische Vorbild doch ein bißchen zu verhalten._ K. schatten öer Weltstadt.' (Tauenhien-palast.) Vor 21 Jahren, also im Urzustand der Filindramen-Produktion, verfilmte man Dreysus auf der Teufelsinsel. Jetzt ist man bei Madame Steinheil angelangt. Ist das eine Entwicklung? Der verfllmt» Vreyfus ist einem als Jahrmarktsbuden-Herrlichkeit in cr- schröcklicher Erinnerung geblieben.„Der Schatten der Weltstadt' wird, was Ausführung und Manuskript anbelangt, einen Schatten auf dt« deutsch« Filmproduktion werfen. Wir haben kaum ein In- teresse für die Frau, die von ihrem Manne gezwungen wird, mit ihrer Schönheit seine Karriere zu erkaufen, zumal der ganze Bor- wand(den Minister trifft der Schlag, als er mit ihr eine Liebes- stunde abhalten will, seine erkaltenden Finger kann man nicht aus ihren Haaren lösen) ein« zu peinlich genaue Illustration dos Falles Steinhell Ist. Die Filmheldin gerät dann in den Verdacht, ihren Mann ermordet zu haben. Es kommt eine hochnotpeinliche Gerichts- Verhandlung für den Zuschauer, weil er Ellen Richter mit gleich- bleibendem Gesichtsausdruck immer und immer wieder in Groß- ausnahmen sehen muß. Schließlich wird sie freigesprochen. Sie jagt durch alle Apachenkneipen, obwohl dieses Thema sehr ab- geklappert ist, um den Mörder ihres Gatten zu suchen. Endlich findet sie Ihn und da ist es— der Mann, den sie lieht. Es handelt sich also um die vollendete Räubervistole. Willi Wols(Regisseur) und Ellen Richter wurden bislang anders beschäftigt, sie müssen auch in Zukunft wieder anders beschäftigt werden. Beim deutschen Film be- dauert man Reinfälle nämlich nicht nur, sondern nimmt sie sogar übel. Garrison rettete durch eine famose Type viel. ,X>O0 Mirakesüer Wölfe/ lMozartsaal.) Dieser große historische Film, der eine Episode aus der franzö- fischen Geschichte des IS. Jahrhunderts darstellt und durch eine Liebesafsäre auch für die Gemütsbedürsnisse schmackhaft macht. scheint in Frankreich die Rolle eines repräsentativen Nationalfilms zu spielen. Er ist in Paris mit. allen Ehren einer ossiziellen Begebenheit herausgebracht worden. Bei uns fällt natürlich das ipe- zislsch Französische, Nat-onalpäkriotische fort. Immerhin ist der Rest interessant genug, wenn auch das ganze Genre bei uns schon etwas überlebt ist. Die Haupt- und Staatsaktion der kriegerischen Ausein- andersetzung zwischen Ludwig XI. und dem aufsässigen Herzog von Burguno zeitigt große Schlachten und Lelagerungsszenen, Berschwö- rungen und diplomatische Kniffe. Eine ungeheure Mass« Menschen Hilfe!- ich bin Millionär! Der neue Deuli�schlager mit NICOLAUS KOLIN« Rußlands größtem Komiker Der grofjc Erfolg in der Alhambra Kurfürstendamm nb aufgeboten, ganze Rettergefchwaber in fchweren Riftungen ftürmen über das Feld. In einer belagerten Stadt greifen auch die Frauen in den Kampf ein, die Mauern werden erstürmt von den Burgundischen, aber die Stadt wird von den Königlichen entfett. Der Fuchs( der König) triumphiert über den Herzog( den Leopard). Glücklicherweise ist in die Kämpfe der Großen eine Liebeshandlung eingeflochten. Johanna Fouquet, das Patenkind des Königs, bleibt durch alle Gefahren hindurch Liebsten, einem des Seras, treu the hein it wishen beibert Eagern geteilt, fie verliert ihren Vater, rettet aber den König und verteidigt zum Schluß eine zweite Jeane d'Arc die belagerte Stadt. Sie wird von ihrem Geliebten verwundet, aber in aller Not und Bedrängnis findet fich doch zum Schluß das Paar. Das Miratel", nach dem der Film benannt ist, spielt sich in einer winterlichen Landschaft ab, Johanna flieht vor ihren Verfolgern, ein Rudel Wölfe umstellt fie, aber, Wunder, fie tun ihr nichts, fie schüßen sie vielmehr und vernichten ihre Verfolger bis auf einen. Diese Begebenheit, die filmisch natür lich die größten Reize bietet, mag sich in einer legendenhaften Darstellung sehr schön ausnehmen, in der nüchternen Wirklichkeit der photographierten Szene bleibt sie sehr unwahrscheinlich. Selbst in einer Republik scheint man aber die patriotische Legende nicht entbehren zu wollen. Der Film bietet außerordentlich viel Stimmungs. mäßiges. Ein Teil spielt sich in einer winterlichen Schneelandschaft ab. Glanzvoll ist das Hofgepränge mit allem antiquarischen Fleiß, die kostbare Kostümierung veranschaulicht, turzum es ist das histoUfa- Palast am Zoo Tel- Bost Nell, 6, 1997, 1 Kurfürstendamm Vorverkauf tiglich 12-2 Ubr Tagentzienpalast Vorverkauf täglich 12-2 Uhr. Nollendorfplatz Theater, Lichtspiele usw. Volksbühne Dir. A. Hellmer 8 Uhr Judith Morgen Uhr: Der Kaufmann von Venedig Lessing- Th. Tägl. 7% Uhr Der junge Aar von Rostand- Klabund Regie: Viertel Staats- Theater Kleines Th. Opernhaus Täglich 8 Uhr 7% U Rheingold Die Alarmglocke Opernhaus am Königsplatz Lustsp.v.Hennequin u.Coolus 7: Der fliegende Holländer. Schauspielhaus 8 Uhr.: Peer Gynt Schiller Theater Werbezirk, Ander Albers, E. Burg Trianon- Th. 8 Uhr 8 Uhr: Jungfrau Hochzeitstage von Orleans von Geraldy Städtische Oper Charlottenburg Berliner Theater 6 Uhr: 8 Uhr: Gastspiel d. Dtsch. Parsifal Volkstheaters Wien Antonia AbonnementsTurnus IV Lusisp.v M Lengyel Sári Fedák, TressDentsches Theater er, Lackner, Thiele, 7 Uhr: Der Kreidekreis von Klabund Kupfer. Ehmann, Förster, Breuer, Engel, Dr. Szilágyi 8 U. Theater 1. d. Lützowst.112 Ecke Flottwellstr. Frauen hinter Gutern Kammerspiele Volksack mit Gesang& Tanz 8 Uhr: onnt nachm. 6U: Schneewittchen Sechs Personen Vorzeig. bedeutend Suchen einen Autor ermäßigte Preise! von Pirandello Rose- Theater Regie: M. Reinhardt Die Ehre Die Komödie Kurfürstendamm 207 8 Unr Gesellschaft v. John Galsworthy Regie: M. Reinhardt Herrnfeld Bülowstr 6 Täglich 8 U Uhr: SCALA 8 Uhr Internat. Varieté Heute im Intimen Theat. 2 Vorstellungen Stall Levy mit 3.30 zu ermäßigt. Turfkomödie v. Anton Herrnfeld Preisen das volle Programm riche Detall mit einem ungeheuren Aufment naturgetren gefchtbert Erfreulicherweise ist die Belegung erfttiaffig: dieser Rönig mit den getniffenen Lippen ist wirklich ein Fuchs, viel fympathischer ist der forsche, draufgängerische Herzog von Burgund, ein ganzer Rerl. Yvonne Sergni ist ein reizendes Bürgermädchen, die sich in der Mirakelszene zur Höhe der Legende erhebt, aber in den Kampfabenteuern notgedrungen versagt. Die Franzosen lieben die Tönungen der Photographie, die nach unserem Geschmad nur störend sind. Es bleibt ein Berbienſt ber Ufa, uns mit viejem Film bekannt gemacht zu haben, der in Frankreich eine ähnliche Bedeutung hat, wie bei uns der Nibelungen- Film. D. Die Zwillingsschwestern." ( Marmorhaus.) Ludwig Fulbas bekannte Romödie Die Zwillingsschwestern" ist von Hanns kräly für den Film bearbeitet worden. Sidney Frantiin hat die Regie geführt. Den vereinten Kräften ist es gelungen, ein unterhaltliches, fröhliches Filmspiel zu schaffen. Es find nicht nur die Pointen von Fulda ausgenügt, die Filmleute haben aus Eigenem nette Einfälle hinzugefügt und die wijzige Handlung filmisch aufgepulvert. Die Idee, zwei einander täuschend ähnliche Schwestern für einander einzusehen und dadurch allerlei Ueberraschungen und Charakterenthüllungen zu erzielen, ist ja uralt und in jedem Genre der erzählenden und dramatischen Kunst weidlich aus. SPIELPLAN genügt. unferem Falle es ble etwas pießertid gewordens Ehefrau, mit der sich der Mann herumzuzanten beginnt, die mit der Schwester, einer weltläufigen und wie es scheint auf dem Gebiet der Liebesabenteuer erfahrenen Tänzerin, verwechselt wird. In Wirklichkeit macht der in die Schwägerin rasend verliebte Ehemann die Kur seiner eigenen Frau und muß auf dem Höhepunkt der Handlung, als er die vorgebliche Schwägerin entführt hat und unglücklicherweise mit ihr in dasselbe Hotel geraten ist, in dem er hochzeitsreise angetreten halle, fich tavon überzeugen, daß seine Cheirrung und ebenso die noch rechtzeitig eingetretene Reue sich an die falsche Adresse gewendet bat. Er ist eben feiner Frau nie untreu geworden. Diese hat es nur von der Schwester gelernt, den Mann mit anderen Mitteln aufs neue an sich zu fesseln. Die Doppelrolle spiel Constanze Talmadge so überzeugend, daß man glaubt, zwei verschiedene Personen vor sich zu haben. Die Regie nußt die technischen Möglichkeiten des Films aufs äußerste aus, um diesen Einbrud zu erzielen. Die Darstellerin sezt alle Fröhlichkeit und Schelmerei ins Spiel und entfaltet ihre natürlichen Verführungs fünfte so geschickt, daß man trog der vielen Großaufnahmen ihrer nie überdrüffig wird. Den Ehemann gibt Ronald Colman mit fehr viel Diskretion. Die Aufnahmen sind vorzüglich, und an obli gaten Filmreizen ist mancherlei aufgeboten, so eine große Tanznummer und eine Reminiszenz aus dem Leben der Tänzerin, ein fleines Abenteuer an einem Baltanhofe. Wir haben ein hübsches Filmluftspiel mehr. Der Ell- Janning Die Uraufführungen der Ufa in der nächsten Woche VARIETE mit Lya de Putti Regie: E. A Dupont Wochentage& 7& Seantags 7, 8 Uhr Vorverkauf ab 11 Uhr ununterbrochen Der Terra- Film Mozartsaal: Die rote Lilie mit Ramon Novarro Gräfin Mariza Nollendorfplatz: Der Mann ohne Gewissen Regle: Hans" Steinhe Manuskript: Max GlaB. Hauptrollen: Harry Liedtke, Vivian Gibson, Colette Brettel Weebent. 7.9, Sonnbd. 5, 7, 9 U. Sonntags 7, 9 Uhr. Schatten der Weltstadt mit Ellen Richter Regie: Dr. Will Wolff Weebent, 7, 9 Uhr, Sennabeads, 5, 7, 9 Uhr, Sonntage 7, 9 Ukr Das Paradies Europas m. Charles Willy Kaiser, Dora Bergner, Otto Gebühr usw. Weobentage 5, 7, 9 Uhr Sonntags 7, 9 Uhr Kammerlichtspiele: Kammerlicht spiele Vorverkauf tagilch 12-2 Uhr Im Strudel desVerkehrs Regie: Lee Peukert Die Wander des blauen Goles Täglich 5, 7, Uhr Sonntags 7, Uhr 1000: 1= Priedricks Harold Lloyd Das große Programm Tiglich& 7.9 Uhr Sonatage 7, Uhr Das Geheimnis der alten Mamsell Mozartzeal Vorverkauf täglich 13-3 Uhe Welmbergsweg Das Mirakel der Wölfe Uhr Wochentags 7, Sonnabends 5 7, 9 Uhr Sonntags 7, 9 Uhr 1000: 1= Harold Lloyd Wochentags 7, 8 Uhr Sonnabends 5, 7, 9 Uhr Sonntaga 7, 9 Uhr Ueberall: Ufa- Wochenschau 1. Ouvertüre zur Oper.Der schwarze Domine" v. Abart 1 Ufa- Wochenschau & Auf der Bühne: „ Die nächtliche Straße" Banenbild sum Film dargestellt v. Pts& Hardy den zwel Mlowskis and don Ufa- Ballett&& SCHATTEN DER WELTSTADT In der Hauptrolle: Ellen Richter Regie: Dr. Willi Wolff Manuskript: Dr. Will Wolft und Robert Liebminn Wochentags: 7 und 9 Uhr Sonnabends: 5, 7. 9 Uhr Sonntags: ab 6 Uhr Ververk, ohne Autschlag täglich mittags 12- U Fernsprecher: Hansa 4883 Uta Theater Turmstrasse ( Turms rasse, Ecke Stroms rassel Verkehrsverbindunge Direkt vor dem Theater halten die StrassenbahnHnian: 11, 12, 13, 14, 19, 21, 44, 45, 56, 118 119 Autobuslinien 11, 28. Stadtbahn. Bahnhof Bellevan & Reichshallen-Theater Abands 8 Uhr Sonntag nachm, 3 Uhr Stettiner Sänger Hea:, Der Bubikopf WINTERTEN Burleske von Meysel November- Sensationen! Nachm.halbe Preise, voiles Abendprogr. Dönhoff- Brett'l: auf allen Gebieten der Das beliebte Berliner Familien- Varieté internationalen Varieté- Kunst An den Tanztagen Tanz. Ballmus. d. ges Falkner- Orchesters Sonnt. nachm. 31 Uhr- halbe Preise Rauchen gestattet Turmstraße Ververkaul tiglish 13- Ubr Ebalgeteck orvent Schatten der Weltstadt mit Efice Rickter Regie: Dr. Will Well Auf der Bikees Die nächtliche Straße Elne zone zum Film mit Pia and Hardy 2 Miowskis und dem Ufa- Ballett a. Q Wochentags 7, 9 Uhr Sonnabends 5, 7, 9 U Sonntag ab Uhr. Schatten der Weltstadt mit Ellen Richter Regie: Dr. Will Well Auf der Bühne Pregolia 19glish 19-2 Uhr Die berühmte Verwendungskönetlerin Blem and Bism. Alexander platz Vorverkauf tiglab 12-2 Uks Wochentage 7, Ukr Sonnabende&, 7, 9 Uhr Sonntags ab 6 Uhr Der Terra- Film Gräfin Mariza Regie: Hans Steinhol M: Max Gla Wechemags 7, Uhr Sennabds. 5, 7,0 Uhr Senatage 7, 9 Uhr Der große Erfolg! ORAFIN Mariza bie weltbekannte Operette von Emmerich Rálmán von der Zerre verfilmt Manuskript: Mag Glaß Regie: Hans Steinhoff Harry Liedtke, Colette Brettel, Wilh. Diegelmann, Robert Garrison, Bivian Gibson, Emil Denfe, grig Spira, Ernst Berebes, Hedwig v. Winterstein. Terra Film Ziglia: 7 and 9 Uhr Ufa Theater Kurfürstendamm und Alexanderplatz Trabrennen Mariendorf Sonntag, 22. Hov., vorm. 11 Uhr 8 Rennen. U. a. Hindenburg- Pokal Preis: 10000 Mark 45 off r. Residenz- Th 8 Uhr Circes Heirat Trude Hesterberg Oskar Sabo Engers, Mattoni Thalia- Th. 8 Uhr: Annemarie Lette Neumann Josefine Dora Baselt Theater in der Kommandantenst Zum 371. Male 8 Uhr: Anneliese Von Dessau Deutsches Künstl.- Theater Tägl. 348 Uhr: Gastspiel Fritzi Massary: Die Teresina Th.a. Kurfürstendamm 8 Uhr Wenn ich wollte...! Th.a. Schiffbanerdamm Tägi ch 8 Unr: Die jüdische Witwe Lustspielhaus 8 Uhr: Potasch& Perlmutter 11. Teil Potasch& Perlmutter b. Film Wallner- Theater Tägi 8 Uhr: Fäden Casino Theater Täglich 8 Uhr Kur noch wenige Aufführun Die Fraa im gefährlichen Alter und des bunten Programms Circus Busch Sonntag Elite- Sänger Treat.. 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Dom Flusse kam ein Krachen, wie bei einem Eisgang, Der Stationskommandant ließ meinen Wagen den Leichenstapeln näher- bringen. Der Sekretär gab wieder eine Mobilmachung der Fuhr. werke bekannt. Ein Rotarmist trat ein. Er war mächtig, mit Fäusten wie aus Eisen gegossen.> .Da ist irgendein Kerl zu dir gekommen. Soll ich ihn rem- lassen, was?' Ein kleiner Mann im Ziegekihalbvelz, der nach cheu roch, ver- beugte sich vor mir tief nach Altgläubigenart. .„Meinen Namen zu hören, hat es Ihnen wohl noch nicht be- stebt,' sprach er halbstngend, als wollte er die Wörter in Reih und Glied stellen,„Unternehmer Gluschkin. Früher, unter dem alten Regime, baute ich Schulen und jetzt Hot man mich laut der allge- meinen Arbeitspflicht airsgehoben. S'ist auch sehr peipstch: zu denken, daß ich soundsoviel Menschen zur Aufklärung verholfen habe und jetzt— solch eine Dankbarkeit! Der Unternehmer setzt« sich mit dem Rücken zum Fenster, sein Bart taute allmählich ab und wurde fuchsig. Es roch noch schSrser noch Heu. „Sie wollen den Fluß verunreinigen, habe ich gehört. Anstatt Pest kann dann Cholera ausbrechen. Haben Sie schon mal gehört, daß man Menschen im Fluß beerdigt? Es sind wohl auch lauter Christen. In einem Grabe wird man beerdigt. Und wenn es einer nicht versteht, so braucht er eben nicht zu morden.' Das Krachen am Flusse wurde immer stärker. „Wollen die da etwa den ganzen Fluß sprengen?' dachte ich ärgerlich. „In ivelcher Angelegenheit sind Sie«igentstch gekommen?' „Ohne Not besuchen wir Militärp misiar. Einen guten Gedanken habe ich. „Ohne Not besuchen wir jsiilitärpersonen nicht, Herr Kam it. Einen guten Gedanken habe ich.' „Sie möchten wohl einen Auftrag erhallen?' Gluschkin lächelte eigentümlich, als lächelte er mit dem Haar: „Aufträge werden heutzutage nicht mehr vergeben. Alle wollen jetzt aus eigener Kraft emporstreben. Doch wenn Sie fix sind und es auf Ihre Berantworwng nehmen, können wir auch ohne jegliche Grausamkeit begraben.' „Was braucht man dazu?' A Der Unternehmer löste seinen Gurt, ging zur" Schwell«, reinigte sorgfältig seine Stiefel und nahm die Mütze ab. Sein Haar«nt> puppte sich plötzlich als rot, lustig und geträufelt. Beinahe hätte ich jetzt sein„Ha.nlächeln" begriffen. „Mit Umlagen hat man mich zu Tode gequält, Bürger-Genosie, das ganze Vieh nahmen sie mir weg, zwei Kühe, Pferde hatte ich auch für eigenen Bedarf, an Schafen acht Stück...' „Schreiben Sie eine Meldung an das Kreisernährungsamt,' sprach ich zum Sekretär,„sofort herausgeben...' „Mehl nahmen sie mir auch fort. Und wie kann ich ohne Mehl denken, wo ich vielleicht all« zwei Wochen einmal einen guten Ein- fall habe. Zwei Wochen muß ich vorher mich satt csien. Denken kann ich nur mit vollem Bauch."- „Zwei Säcke Mehl, ein Kübel Buller..>. „Ganz richtig... 2luch sind die Kleider abgetragen. Don den kleinen Kindern rede ich gar nicht, die können auch bei nacktem Leib auf dem Oien sitzen, Mein Haar war zu der Zeit in wüste Mähnen ausgewachsen. meine Brille war geplatzt. Ich.fror an den Händen und trug kochssale Chausfeurhandschuhe. M«w ganzes Aussehen war recht unheimlich.'...'.'' Ich schnallte die Pistolentasche ab und fragte den Unternehmer: „Weißt du auch, daß ich unbeschränkte Dollmacht besitze?" Der.Unternehmer schwitzte plötzlich hefllg und durch dos rote Haar sah man. wie eine bläuliche Mattigkeit von seinem Hals emporstieg. „Du weißt es? Run also, wenn du mir nicht in drei Worten und innerhalb von drei Minuten erklärst, worum'es sich handelt, laste ich dich sofort hier, am Trittbrett meines Wagens, erschießen, entkleiden und zu den übrigen Achttausend werfen! Der Anblick seiner lustigen Locken und seines neuen Halbpelzes tat einem direkt leid., „Eine Grube ist hier', mehr mit dem Halbpelz als mit dem Mund sprach Gluschkin,„ein Dreisponn kann hineinfahren.,r. Dort, liegt der best�Sand für Ziegelsteine... In diese Grube also... Jetzt liegt dort Schnee, aber wenn man ihn hinausschafft...' Und wirklich. Der Schnee war zwar dicht und schwer wie Eis, doch mühelos zogen kleine Tajgo-Pferdchen die klirrenden Klumpen hinaus. Nach und nach entblößten sich die gelben. Ränder der Grube, je tiefer, desto dunkler wurde der Lehm und endlich riß die Erde ihren finsteren Grabeerachcn auf.'» Leicht huschte der Unternehmer Gluschkin hin und her, pflaum- weich war seine Rede und feingemustert waren die Gedanken. „Diese hier haben wohl auch für einen schönen Traum gekämpft. Ein festeres Heim sollte man ihnen bauen, Meister-Kommissar!' „Bau nur, Gluschkin". sprach ich.„bau nur." * lind als die drei Stockwerk tiefe Grube breit genug war, als der in ihr liegende Schnee nicht wie Eis, sondern wie Flocken er- schien,— da wurde aus der Korrektionsanstalt die eingesperrte „Bourgeoisie' herbeigeholl, und mit Leichen beladen« Wagen zogen in langer Kette von der Station. Die Bourgoj/ie, die man bei un« damals die„Dohlen' nannte. nielleicht, weil man sie so einfach, als seien es nur Dohlen, um- brachte, vielleicht auch wegen ihres' sinnlosen Geschnatters— diese Bourgeoisie stand am Grabenrande, packte die Leichen— der eine bei den Armen, der andere bei den Beillen, und warf sie hinunter. Es war noch kalt. Die Leichen klirrten wie Metall oder trockenes Holz Die Erde war auch wie au» Metall, und von diesem gegen- leitigen Aufeinanderprallen sprangen den Leichen Finger, Füße, leichte Kinderköpse ob.., � � Es mute schon, und in der Steppe zeigten sich durch den Schnee einzelne Gräschen. Und gräschenfein erschien die Wärme aus den Wangen. Zu drei'Vierteln wurde die Grube mit Leichen gefüllt, oben- drauf kam mit Schnee vermischter Lehin und Sand. Aus zwei schwarzen Balken bastelte man ein Kreuz zusammen.— Ich reist« ab.,. m Drei Wochen später kam auf meinen Namen in Orsk ein Tele- gramin von der Krcst-Exetutive an:„Geborsten, kommen Sie dringend.')... m - Und schon wieder bin ich in diesem Stadtchen, wo dl« Menschen uuoerständjq und plump sind, als seien sie aus Stückchen ge- kMde,?. Sie hotten mich nicht bestellt, weil sie selbst nicht» unter- nehmen konnten, sondern weil alle« sinnlos war und weil die Sinn- lvsigkelt furchtsam ist...........' tJ.-u....." Das Grab war mit Sand und Schnee zugeschüttet gewesen, halb um halb. Im Frühling sanken die Leichen, dann schwollen sie auf. die Erde barst, und pestileuzartige Fäulnis umhüllte die Stadt. Mher als auf hundert Kkaster an das Grab heranzufahren, war eine Sache der Unmöglichkeit. Das Kreuz war heruntergerutscht, und grauer, citriger Brei quoll aus dem Spall hervor. Wieder holt« nmn die. Bourgeoisie hqrbci. den Mund mit.einem Nossen Lappen verstopft. Auf Handkarren über ein Brettergerüst Musiolmi unö„ER". * Herr Mussolini klimmt Se« Seeg hinan Und stimmt Sie fürchterlichsten Reden aa: »Zum Sprung bereit stehu zwei Mtllloaeu Männer Und warten ln Gehorsam auf mein wort!' wir sind ln solchen Schwätzereleu Kenner» sta ihren Zolgen schleppend fort und fort. „Zwanzig Rrmeekorps laß' ich auf der Strecke! Zerschmettert wird, wer stch entgegenstellt!" Zum Schluß zleht für„SGZNVolk" das Schwert solch Reck» Und hat zum Zeind die ganze weite Welt. Noch klettert Mussolini. Unser Kämpe Ist abgestürzt und brach sich strm und Sein. sta einem Stranch hängt jammervoll die Plempe. Und was, Senlt», wird dela End» fein! fuhr sie den Lehm zum Spall(Pferde weigerte« sich, z« fahre») und oerstopft« ihn.., Und als er einigermaßen geschlossen war. fuhr ein mit Ziegel- steinen schwerbeladenes Lastauto über da» Grab. Und wie da» erst« Eis unter dem ersten Fußgänger— so bebt« die Erde. Wieder warf man Lehm hinzu, und dos Lastauto lief solange hin und her, bis es wie auf fester Erde stehen konnte. Dann stellte man wieder das ichworze Balkenkreuz in den Hügel hinein. Unternehmer Gluschkin trieb fein« vom Kreisernährungsamt zurückgegebenen Kühe in die Steppe zur Weide hinaus, ich ging nach Orsk, die Bourgeoisie in» Gefängnis, und in der Steppe bliof «in schwarzer, eingebauter Pfosten stehen. Bald fällt der Pfosten hinunter. Ei» Geier setzt stch auf ihn nieder. Dann— auf faulem Holz ein orangegelber Schmetterling, den man bei un»„Totenwächter' nennt. Und die Abendwolken werden wie jetzt sein und trocken fein, wie der Staub auf den Flügeln de« Schmettemng». Und einst, noch taufend Jahren,«ird irgendein jungen Ar- chöologe und Dichter den Hügel ausgrasen. Etwas verstehen wird er nicht. die Zurcht vor dem Tode. Von Otto Meier. Unser aller Leben hat ein feste«, unverrückbare« Ziel: den Tod. allen Er ist das Schicksal, das uns allen vorausbestimmt ist, dem niemand sich zu entzieh-? vermag. Wir werden geboren um zu sterben. Zwischen den Polen Wieg« und Gnab spielt stch ab. was wir„das leben" nennen. Jene» Leben, das wir unbewußt an unfer Emp- finden, an unsere Persönlichkeit knüpfen und da» doch lang« vor uns war und nach uns sein wird: ein Teilchen nur der geheimnisvollen Urtraft, der Mutter Natur. Unser Sterben Ist nicht da« End«. E» ist im ewigen Kr.-ßilouf des unerschöpflichen Kräftespiel« der Natur die Auflösung der Form, der natürliche Uebergong, ja, die Borau»« sctzung zu neuem Leben und als solche ein Teil de» Leben» selbst. Es ist da» Schwinden de? Bewußtseins, dos an die komplizierte Form und Berbindung der Stoffe gebunden ist. Deshalb ist da« Sterben die natürliche Äeußerung de« Lebens. Deshalb ist es m ullen Irrungen und Wirrungen das Einzige, was uns gewiß ist. Deshalb darf es, als das Unvermeidliche, uns nicht als Uebel erscheinen, sondern als die Äeußerung der Unsterblichkert des Kreislaufs und der Höherentwicklung. So sollte es wenigstens sein. Und doch ist mit dem Gedanken an den Tod scheinbar unaus- löslich, die Borstellung von etwa» Schrecklichem, unaussprechlich Grauenhaftem verbunden. Fast olle Religionsshsteme hoben vorsucht, die Angst und die Furcht vor ihm durch den Hinweis auf«in Weiter- leben, auf ein Jenseits, auf eine A u f« r st« h u n g zu überwinden. Die Liebe zu den Toten, die Pietät ihren Ruhestätten gegenüber ist den Völkern aller Zeiten eigen gewesen. Aber es hat keinen Sinn, die Augen zu verschließen: das Dogma der zweitausendjährigen christ- lichen Kirche von der Auserstehung hat es nicht verhindern können, daß heute noch«ine an L i e b los i g k« i t g r e nz« nd« Toten- scheu bei den meisten Menschen vorhanden ist. Seinen sprechenden . Ausdruck findet-das Grauen vor dem Tod« in dessen„nllherge- brachtem",«Melalterlichem, mönchischen, Geiste entstammenden Symbol: dasgrinsendeTotengerippc mit der Sense. Diese Borstellung vom Tode ist unsorer Generation durch das Beharrungsvermögen jahrhundertealler Tradition in Fleisch und Blut übergegang»n. Di« Ausklärung unseres Zettalters der Wissenschaft und modernen Technik hat es noch nicht vermocht, hier Wandel zu «schaffen. Nach einen, Worte G o t t h o l d Ephraim L« s f.i« g s .st es zwar»ein Beweis für die wahre, fitt die richtig' verstandene wahr« Religion, wenn sie un» überall auf da» Schöne zurückbringt.' Aber er hat dies« Feststellung in ausdrücklichem Gegensatz zur christ- lichen Religion in seiner bekannten Streitschrift.„Wie die Allen den Tod gebildet'(1769) getroffen. Und mit der ihm eigenen Klarheit und Schärfe hat er in derselben Schrift formuliert, wie überhaupt der Tod und die Begrifft de» Schreckens und Grausen» zusammen kommen konnten: „Gleichwohl ist es gewiß, daß diejenige Religion, welch« dem Menschen zuerst entdeckte, daß auch der natürliche Tod die Frucht iiiüz der Sold der Sünde sei, die Schrecken des Todes unendlich ver- mehren mußte. Es hat Wellweise gegeben, welche das Leben für eine Strafe hisllen: aber den Tod für«ine Strafe zu halten, das konnte ohne Offenbarung schlechterdings in keine» Menschen Ge- danken kommen, der nur seine Bernunst brauchte. Bon dieser Seite wäre es alfo zwar vermutlich unser« Religion, welche dos heiter« B i l d d e s T o d« s aus den Grenzen der Kunst verdrunaen hätte!" Ist es ein Wunder, wenn die Menschen zwangsläustg mtt der Idee der zu erwartenden Strafe des Tode» auch die Furcht vqr dem Schrecklichem, das durch avltlichen Richterspruäh über st« verhängt wurde, verbanden? So donnert« am 22. März l8S9 im Abge- ordnetenhause der Abg. Pastor Schall mtt folgender Begründung gegen die Feuerbestattung: „Dann aber widerspricht unserer Ausfossung nach die Leichenoer- brennung durchaus dem christlichen Denken und Fühlen. Nach christ- licher Denkweise, die stch stützt auf die heilige Schrift, ist der Tod. dos Grob, die Verwesung die Straf« der Sünde, welche die Menschen in Adam und Eva, ihren Stammeltern, im Paradiese be- gangen haben.„Sobald du davon essen wirst, wirst du des Todes sterben.' So lautet das Gebot de» Herrn, und der Tot folgt« die Strafe nach dem Richterspruch« Gottes. Darin aber, in dem Charakter des Todes, der Trennung von Leib und Seele als Strafe der Sünde, darin liegt der Stachel, den der Tod und da» Grab für uns Menschen überhaupt haben, und gegen den sich unser« menschliche Natur aufbäumen möchte. Aber— der Strafe sich unterwerfen, dem Richterspruche Gottes sich beugen, das ist christlich. Und das ist es, was die Leichenverbrennung will, dem Grabe und der Verwesung entgehen, dem Richterspruch Gottes stch entziehen." Eine Straf« muß notwendigerweise etwa» übles sein. Wenn es anders wäre, hätte sie ihren Zweck verfehlt. Durch die Stiamati- fierung des Todes als schrecklich« Strafe nach göttlichem Richterspruch hat die christliche Religion jene lähmende Todesangst vor dem grinsenden Gerippe hervorgerufen, die bei den meisten Gläubigen auch nicht durch die sehr problematiich« Hoffnung aus die einstige Auserstehung und die etwaigen Freuden des Paradieses überwunden wird. Es ist nicht immer so gewesen. Hessing smach bereits von einem „heiteren Bilde des Todes. Es ist sein Verdienst, in seiner schon er- wähnten Streitschrift nachgewiesen zu haben, daß die alten Griechen und Römer weit«nsfemt davon waren, dem Tod« ein höhliches abschreckendes Bild zu verleihen. Es entspricht ganz der religiösen Anschauungsweise der Alten und ibren Borstellung«» vom Tode, daß sie ihn als Sinnbild des Genius varstellien. der sich in der Gestalt eines schönen Jünglings auf die umgestürzte, ver- löschende Fackel stützt. Wie grandios symbolisierten s«« die Unsterblichkeit im Schmetterling, in der Derwandtung der Raupe ttber den Schlaf m der Puvpe zum geflügetten Esten, länd wie mit hauchzarter Poest.' Übergossen erscheint uns heute dt« griechisch« Allegorie von den Parzen, die den Lebensfaden spinnen und zerschneiden. Für die Atten hatte Thanatos, der Genius de» Todes, nichts Abschreckendes. Sie hielten ihn für den Bruder des Schlaf«», H y p n o». Sie hatten de» verschiedensten Uebeln Altäre errichtet, um sie fern zu halten. Dem Tode wurd« kein Altar gebaut: man hielt ihn für natürlich, für Unabweisbar, für die B e- dingung de» Lebens. Nichts kann die völlige Vorurteils- losigkeit der Alten dem Tode gegenüber besser illustrieren, als ein beften Griechenland zu heben gitiges Gefes, bas mit dem| Bau eines Hauses auch gleichzeitig die Anlegung eines Begräbnis plates forderte. Wenn uns heute diese Bestimmung schon vom fani tären Standpunkte aus als unzweckmäßig erscheint, so beweist sie uns doch, daß die Alten die uns heute eigene Furcht vor dem Gerippe" nicht fannten. Das Zeitalter des Flugzeuges und der drahtlosen Telegraphie, das noch voll stedt von Mystizismus, Gespensterglauben und lächer licher Todesfurcht, hat wahrlich feine. Ursache, von oben herab auf die vorchriftlichen Heiden" der antiten Kulturen herabzublicken. Die Todesfurcht unserer Generation hat eine verblüffende Aehn lichkeit mit den schreckenerregenden Vorstellungen, die sich z. B. die Giruster vom Tode machten. Leichentämpfe mit schwarzen Genien, die die Verstorbenen mit Hämmern erschlugen, beschäftigten ihre Phantasie und beunruhigten fie. Ringen nicht noch heute die meisten unserer Zeitgenossen mit der quälenden Furcht vor dem Ende", mit dem zweifelnden Was dann?" Die christliche Offentrung hat das Erlöschen des Lebens zu einer uns verdammenden Strafe gemacht; sie hat das heitere Bild des Todes", wie es die Alten fannten, verwischt. Machen wir dem alten Aberglauben von den Schrecken des Todes ein Ende! Alte Vorurteile murzeln freilich tief. Sie sind nur zu bekämpfen mit der Erkenntnis, daß es eine Unsterblichkeit, ja, im höchsten Sinne eine Auferstehung gibt, die allerbings nichts gemein hat mit den starren Dogmen religiöser Glaubens fagungen, sondern die ihre Voraussetzung findet im Kreislauf des Lebens, im ewigen Bergehen und Werden, im Schoße der Allmutter Natur. Und so sei an den Schluß diefer Betrachtung noch eine Be mertung gestellt, die sich in einem Artikel des Stuttgarter Beobachter vom Jahre 1899 findet: „ Das Grab ist der eigentliche Stachel des Todes, das eisige im Todesgedanken. Es ist Zeit, daß auch das Grab dahin geworfen merde, mo Hölle und Teufel sind und alle anderen Schreden, mit benen Dummheit und Fanatismus von jeher das Sterben umkleidet haben. Meine Herren Sterblichen, erleichtern wir uns doch das Sterben!" Japanischer Friedhof. Bon Richard Huelsenbed. Es flopfte an unserer Zimmertür im Imperial- hotel in Tofio. Der Bon machte eine tiefe Berbeugung. Herr, die Riffchas ftehen Dor der Tür." Von den Bücklingen der Diener begleitet, stiegen mir in die Meinen schwankenden Menschenwägelchen und drehten uns forg. fältig in die Decken, die die Kulis uns entgegenhielten. Es war falt in Lokio, in der Nacht hatte es geschneit und mun lag es wie dider Zuckerguß in den Straßen. Wir bedauerten die Kulis, weil sie mit nadten Füßen durch den Schnee laufen mußten. Aber sie lächelten vergnügt und schienen feinerlei Empfindung für das Unangenehme ihrer Lage zu haben. Tofio ist eine moderne Stadt. An den Straßeneden regeln die Polizisten den Verkehr wie bei uns, nur daß niemals Lärm oder 3ant entsteht. Die Japaner haben ein bewundernswertes Gefühl für Ordnung und Disziplin. Wir kommen an der Mauer des taiserlichen Balastes vorbei. Die Mauer ist so hoch, daß man nichts von dem sehen kann, was hinter ihr liegt. Dort irgendwo muß der Sohn der Sonnengöttin jeine Residenz haben. An manchen Stellen find große Steinblöde aus der Mauer gebrochen und in den Graben gefallen, der die Mauer umzieht. Das find Reste des großen Erdbebens. OO Kredithaus ANDERS" am Bahnhof Wedding Reinickendorfer Straße 16 Größtes Haus direkt& Nettelbeakplatz Auf Teilzahlung Anzüge Herren- Paletos DamenGarderobe schick und modern Kostüme Jumper- Kleider- Mantel Knaben-, Mädchen, Konfirmanden- Garderobe usw. Prima Qual. Solide Prelse. Größte Auswahl Niedrigste Anzahlung Riesen- Möbel- Auswahl Polsterwaren, elg. Fabrikat 1- bis 2- Zimmer- Einrichtungen Spezialität: Mod. Küchen Korbmöbeln Auswahl In Erleichterte Zahlungsbedingungen! Kredithaus ,, ANDERS" Reinickendorfer Straße 16 Pank- und Gerichtstraßen- Ecke Besichtigung ohne Kaufzwang erbeten Mitglied des Reichsverbandes des kreditgebenden Einzelhandels. und Westen, Gegr. 1891. tepp: u. Daunen- Decken am preiswertesten, bestes Fabrikat. Fabrit Bernhard Strohmandel, Berlin Wallstr. 72( Untergrundbahn Inselbrüde). Filiale: Spittelmarit, Ede Senbelfte, itolsburger Blah 2, Ede Trautenauftr. Jlufte. Breistatalog gratis. Reparat jed. Art. Distares rasme 47. Bre Jeff tommen wir burch Straßenzüge, me nur noch bie unbo mente der Häuser stehengeblieben find. Nur hier und da find neue Lattenhäuschen an Stelle der alten Steinhäuser entstanden. Bor einer Tür steht eine Frau mit einem Kind, das hinter ihrem Rüden aus einer fadartigen Ermeiterung ihres Rimonos hervorfieht. Zahlreiche Kinder spielen auf der Straße. Sie sehen in ihren fleinen Rimonos mit ihren pechschwarzen Haaren pußig aus. Die Mädchen spielen mit Puppen wie bei uns. Die Knaben jagen sich und balgen sich. Ein Zug von streifenden Arbeitern marschiert vorbei. Dem Bug voran werden rote Fahnen getragen. Auf langen Papierbogen steht in der seltsam verschnörkelten Schrift des Landes, was man will und weshalb man protestiert. Es wird einsamer auf der Straße, wir tommen langsam aus der Stadt heraus. Hier und da steht eine Konifere. Die Bäume werden zahlreicher, bald ist es ein ganzes Gehölz. Ein kleiner Nadelholzwald erhebt sich vor uns auf einem sanft emporsteigenden Hügel. Ein See liegt davor, ein winzig fleiner See- fo winzig und zierlich wie alles in diesem seltsamen Lande ist. Inmitten des Sees liegt auf einer noch viel fleineren Insel ein Lattenhäuschen mit einem geschwungenen Dach. Eine ganz schmale Landzunge ver. bindet die Insel und das Haus mit dem Ufer. Auf dem Hügel innerhalb des Koniferenwaldes liegt der japanische Friedhof. Eine Unzahl von mannsgroßen Steinblöden erregt unsere Aufmertjamfeit. Das sind die Grabsteine, die die Grabstellen der einzelnen Toten bezeichnen. Anfangs schien es, als wäre hier fein Mensch, aber bald zeigt es sich, daß sich unter den Bäumen eine Menge von Frauen und Männern bewegt. Jedenfalls ist es nicht zu merken, daß sie von Trauer erfüllt sind. Es fällt uns auf, daß sie in bester Stimmung zu sein scheinen. Als wir uns ftaunend und neugierig zwischen den Grabsteinen bewegen, tritt einer der Japaner auf uns zu und redet uns in beftem Englisch an Stimmung der Menschen an dieser Stelle der Trauer mundern. Er lächelt, als wir ihm sagen, daß wir uns über die fröhliche Dem gläubigen Buddhisten ist der Friedhof fein Ort der Niedergeschlagenheit. Hier findet er seine Vorfahren und die Mitglieder feiner Familie, die vor ihm das Glück gehabt haben, in das Nirwana, den buddhistischen Himmel, einzugehen." Wir fragten den freundlichen Begleiter nach der Bedeutung ber Steine. Auf diesen Steinen steht der Todestag des Berstorbenen und der Name, den ihm die Priester gegeben haben. Hier sehen Sie, metue Herren, diese Schriftzeichen bedeuten: Liebling des unendlichen Atems und der ewigen Musit. Dies hier, was Sie hier sehen, ist das Bild des Jisu, einer buddhistischen Gottheit. Sie trägt in der linten Hand den Ball der Weisheit, in der rechten einen Stab mit Ringen, deren Zahl Ihnen sagt, wieviel Tote unter dem Steine ruben. Wir drückten unser Erstaunen über die fremden Gebräuche ans, Wir wollten unserem Führer für feine Mühe banten, aber er lehnte jeden Dant ab und blieb dicht auf unseren Fersen. Die Begleitung wurde uns langsam lästig, mir wagten aber nicht, den Mann durch eine Bemerkung zu verlegen. Auf einem fleinen Plaz vor uns saß eine Schar von Japane rinnen zwischen hohen Grabsteinen. Sie lachten und zwitscherten mie die Vögelchen. Sie putten sich und schminkten sich. Wir wandten uns dem Ausgang zu. Von weitem sahen wir unsere Rifschas. Die Kulis hatten fich mitten auf dem Weg in den Schmuß gesezt und warteten in Ruhe, bis wir wieder erscheinen mürden. Unser Begleiter machte mit uns fehrt und hielt sich ganz in unserer Nähe. E Eftein Cigaretten E Ecksteinst dick 9 Trund ohne wegen der Steuererhöhung jetzt 4 in Qualität ungeändert würzig und mild. 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Unsere Kulis zogen an und bald maren mir wieder unter der Voltsmenge der großen Straßen von Tokio. Briefwechsel Tolstois mit einem fiebenjährigen Kinde. Tolstoi führte einen eigenartigen Briefwechsel mit einem siebenjährigen Mädchen, der nach russischen Quellen rein philosophischer Natur war. Die fiebenjährige Sonja Rubinstein schrieb an Tolstoi und bat um Beantwortung einiger fie interessierender Fragen. Liebes Großväterchen, ich habe angefangen, nach Deinem Alphabetbuch lesen und schreiben zu lernen. Habe soviel von Dir gehört und bitte daher, fage mir doch, gibt's einen Gott oder nicht? Darf man am Sonnabend schreiben? usm." Bald darauf erhielt das Kind folgende Antwort: Gott ist nicht im Himmel, sondern in jedem Menschen. Gott das ist das, was dem Menschen und jedem Geschöpf das Leben gibt. Wir erkennen Gott durch die Liebe. Durch die Liebe vereinigt sich der Gott in mir mit dem Gott in einem anderen. Daher ist Gottes Gebot ganz einfach: Liebe Gott und den Nachsten, dann hast Du das höchste Glück auf Erden. Ich schicke Dir ein Gebet, hindert. Das Gebet lautet: Ich weiß nicht und kann auch nicht lies es oft und enthalte Dich alles dessen, was die Menschenliebe wissen, ob die, die ich liebe, und die, die mich lieben, morgen noch leben oder gestorben sein werden. Ich weiß nicht, ob ich gefund oder trant, fatt oder hungrig, geachtet oder verachtet sein werde. Ich weiß aber, daß das, was sein wird, nach dem Willen dessen sein wird, der in der ganzen Welt und in meiner Seele lebendig ist. Und alles, was nach seinem Willen ist, ist gut. Und daher brauche ich gar nicht daran zu denten, was mit mir oder anderen morgen sein wird. Ich brauche nur eins: Immer mit dem zu sein, durch den die Welt existiert und den ich durch die Liebe erkenne. Darum aber soll ich alle Menschen lieben, nicht nur in Gedanken, indem ich nichts Böses Don ihnen denke, auch nicht in Worten, indem ich sie nicht verurteile, sondern in Taten, indem ich ihnen das tue, was ich selbst wünsche. Das will ich nie vergessen und danach mit allen Kräften streben. Ob diese Antwort, die Tolstoi einem fiebenjährigen Mädchen auf seine harmlose Frage gegeben hat, dem geistigen und seelischen Fassungsvermögen eines Kindes entspricht, wollen mir nicht entscheiden. ein Blufftillung. Fließt im Anschluß an eine Verlegung aus der Wunde das buntle Blut langsam heraus, so tommt es aus einer Bene. Meist gelingt es schon durch einen Druckverband die Blutung zum Stehen zu bringen, andernfalls muß man unterhalb der Berlegung abbinden. Strömt das Blut dagegen hellrot im Strahl heraus, so ist eine Arterie vom Herzen fortführendes Blutgefäßverlegt; auch hier hilft oft. einfach ein Druckverband, besonders wenn das verletzte Glied ange hoben wird. Sonst muß man oberhalb der Wunde fest ab. schnüren. Eine derartige Abbindung darf aber höchstens ein paar Stunden liegen bleiben, da sonst schwere Ernährungsstörungen in dem abgeschnürten Glied auftreten. Wenn eine Krampfader am Bein plagt, so muß der Betreffende sofort hingelegt werden und das Bein erhoben werden; gewöhnlich steht dann die Blututng fofort HIRT TIGER HILF MIRVON WILHELM VOLZ 160 Seiten Gzlw. 5Ein köstliches Buch! Der beste Kenner Sumatras laßt uns das wundervolle und geheimnisreiche Raunen und Weben des Urwaldes in drei Novellen miterleben... Die Schilderungen des tropi schen Urwaldes sind von packender Großartigkeit." ( Petermanns geogr. Mitteilungen) FERDINAND HIRT, BRESLAU Königsplatz 1. HIR MöbelReklameangebote erstklassiger Fabrikate. HIRT Auf Wunsch Teilzahlung ohne Preisaufschlag " " 1 Kompl. Schlafzimmer M. 450.- 550.- 600.- usw. 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