Abendausgabe Sr. 553 42. Jahrgang Ausgabe B Nr. 274 Bezugsbedingungen und Anzeigenpreise Find in der Morgenausgabe angegeben Redaktion: S. 68, Lindenstraße 3 Serafprecher: Dönhoff 292-297 Tel.- Adreffe: Sozialdemokrat Berlin Vorwärts Berliner Dolksblatt 10 Pfennig Montag 23. November 1925 Beriag und Anzeigenabteilung: Geschäftszeit 9-5 Uhr Berleger: Borwärts- Berlag GmbH. Berlin S. 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Dönhoff 292-297 Zentralorgan der Sozialdemokratifchen Partei Deutschlands Luther vor dem Reichstag. Begründung des Vertragswerks von Locarno. Der Weg zum wirklichen. Frieden.- Absage an die Deutschnationalen. Die heutige Reichstagssigung, die für 11 Uhr angesezt war, begann mit einer starten Berspätung. Man unterhielt sich inzwischen in den Wandelgängen über den geftrigen Beschluß der Deutschen Volkspartei und seine Bedeutung. Während die einen in ihm ein Bekenntnis zur großen Koalition erblicken wollen, weisen die anderen darauf hin, daß eine Regierung, die innerlich zu Locarno stehe, wohl auch gebildet werden könne, ohne daß alle Parteien, die innerlich zu Locarno stehen, in ihr vertreten sind. Endlich, nach 12 Uhr, schwingt Präsident Löbe die Glocke. Seine Mitteilung vom Rücktritt des Reichsjustiz ministers Frenken wird ohne Bewegung aufgenommen, dagegen ruft die Mitteilung, daß auch Herr Bazille, der württembergische Staatspräsident, wie Herr Schiele, der Erminister des Innern, plöglich„ trant geworden" sind und um Urlaub bitten, Seiterfeit und Zwischenrufe hervor. Diese Heiterfeit entsprang der beruhigenden Gewißheit, daß die beiden Herren sehr schnell sich wieder gesund fühlen werden, wenn erst die Abstimmung über Locarno vorüber ist. Der Reichskanzler hält sich, wie gewöhnlich, an ein Manuffript, das feine eigene geistige Urheberschaft verrät. Wohl= überlegt, handfest und schwunglos ist ein Sag an den anderen gereiht. So erhebt sich der Beifall der Mitte und der Widerspruch rechts nur selten über ein sanftes Gemurmel. Manchmal träht ein Ruf von ganz links dazwischen. Der Reichskanzler schließt genau eine Stunde, nachdem er begonnen hat. Nüchtern und fachlich. Der Beifall hält sich in mäßigen Grenzen. Bei den Bölkischen werden ein paar Bischlaute hörbar. Dann teilt der Präsident mit, daß die Kommunisten einen Mißtrauensantrag eingebracht haben. Da die Regierung sowieso ihren Rücktritt angekündigt hat, wird diese Mitteilung mit Heiterfeit aufgenommen. Um 12,40 Uhr ist die Sigung zu Ende. Um 3 Uhr tritt der Auswärtige Ausschuß zusammen. Morgen um 10 Uhr geht die Debatte meiter; erster Redner wird Genosse Wels fein. Ihm folgt We starp für die Deutschnationalen. Schon lange vor Beginn der auf 11 1hr angefeßten Sitzung, die die Erklärung des Reichskanzlers Dr. Luther bringen foll, find alle Tribünen außerordentlich stark bejezt. In den Diplomaten Togen ſizen zahlreich die Vertreter der auswärtigen Staaten. Am Ministertisch haben Reichskanzler Luther, Stresemann, Brauns, Kanig, Geßler Plaz genommen. Als Präsident Lobe um 11,35 Uhr die Sigung mit einiger Berspätung eröffnet, find auch die Abgeordneten vollzählig zur Stelle. Einziger Punkt der Tagesordnung ist die erste Beratung des Entwurfs eines Gesezes über die Borträge von Locarno und den Eintritt in den Bölterbund. Das Wort nimmt zugleich Reichskanzler Dr. Luther: Durch das Abschiedsgesuch der deutsch nationalen Reichsminister fah ich mich am 25. Oftober vor die Frage gestellt, ob ich als Reichskanzler ebenfalls zurücktreten sollte. Eine Bejahung dieser Frage würde eine wesentliche Beeinträchtigung der wichtigen Verhandlungen über die Räumung der Kölner Zone und über die alsbald zu erwartenden Rüdwirkungen der Abmachungen von Locarno bedeutet haben. Die übrigen Mitglieder des Reichskabinetts waren mit mir der Ueber zeugung, daß es um des deutschen Boltes willen notwendig sei, dies Berhandlungen mit allem Nachdruck weiterzuführen und daß es dazu bis zur Entscheidung über den Vertrag von Locarno durch die gefeßgebenden Körperschaften des Berbleibens der Reichs regierung im Amt bedürfe. Der Herr Reichspräsident hat sich dieser Auffassung angeschlossen. Es ist alsbald der Deffentlichkeit bekannt gegeben worden, daß das Kabinett seine Aufgabe darin sähe, den Gesamttatbestand über Locarno bis zur Entscheidungsreife innerhalb der in Locarno vereinbarten Frist zu entwickeln. Daraus ergibt sich die Folgerung, die ich in llebereinstimmung mit den übrigen Mitgliedern der Reichsregierung ausspreche, daß nach Erledigung des Vertrags von Locarno die Reichsregierung dem Herrn Reichspräsidenten ihr Rücktrittsgesuch zu überreichen hat, um eine Neubildung des Kabinetts zu ermöglichen. Was den Zeitpunkt für die Ausführung dieses Entschlusses im Falle einer Annahme der Vorlage über den Vertrag non Locarno anbetrifft, so bin ich zwar der Ueberzeugung, daß auch die Ausführung des Vertrages non Locarno durch ein Kabinett zu erfolgen hat, dessen Zusammensehung die pofitive Ein stellung zum Bertragswerk- gewährleistet. Andererseits scheint nir die unmittelbare Aufgabe des jeßigen Stabinetts durch unter zeichnung des Vertrages abgeschloffen zu sein. Das Reichsfabinett wird also, falls die Borausjegungen für die Unterzeichnung am 1. Dezember gegeben sind, nach der Rückkehr der Bevollmäch tigten aus London feine Aemter in die Hände des Herrn Reichspräsidenten legen. Steht das gegenwärtige Reichsfabinett in Erfüllung eines genau begrenzten 3wedes vor dem Reichstag, so wird es meine Aufgabe sein, den fachlichen Inhalt des Bertragswertes von Locarno in feinen Hauptzügen darzulegen, ein schließlich der bis jetzt erzielten Rüdwirtungen und der die Räumung der Rölner Sone betreffenden Angelegenheiten. Dieser non mir immer so genannte Gesamttatbestand liegt jetzt zur verant wortlichen Entscheidung über Ja oder Nein vor dem Reichstag. Je| Deshalb das dringende Verlangen, alsbald eine Wirklichkeit von verwirrter das Bild der öffentlichen Meinung über das Bertrags- Rückwirkungen zu erleben.( Zustimmung in der Mitte.) mert und seine allgemeinen politischen Zusammenhänge geworden ist, desto notwendiger ist es, den Blick ganz fest auf den Tatbestand In der Darstellung will ich mit den Fragen beginnen, die dem deutschen Bolte in seiner Gesamtheit am deutlichsten vor Augen stehen. Das sind zu richten. Die Rüdwirkungen, zumal in ihrer Bedeutung für die rheinische Bevöiterung. Diese Rückwirkungen stellen im Verhältnis zum Vertragswert felbft in feiner Weise Gegenleistungen oder gar ein Handelsgeschäft dar. Die rheinische Bevölkerung hat es von sich aus in echt vaterländischem Geifte mit Nachdrud abgelehnt, daß irgendwelche Borteile, die fie gewinnen tönnte, mit politischen Gesamtnachteilen Deutschlands erkauft werden sollten.( Bravo! in der Mitte.) Biel mehr kann die Entscheidung über das Vertragswert von Locarno nur aus ihm selbst, nur aus der Bewertung seiner allgemeinen politischen Bedeutung erfolgen. Der Sinn dieses Vertragswertes fann fein anderer sein als der, neue und beffere Grundlagen für die friedliche Weiterentwidlung aller Länder Europas zu schaffen. Ist dem aber so, so muß sich diese Rücktritt des Kabinetts Painlevé Nationaler Blod, Kommunisten und Loucheur- Gruppe stürzen die Regierung. konfolidierung der Schahanweisungen für die Dauer von 25 Jahren Paris, 22. November.( TU) Nachdem der Artikel, der die von 1. Januar an vorsieht, Sonntag nachmittag in der Kammer Präsidenten der Republit, um ihm die Gesamtdemiffion des Kamit 273 gegen 249 abgelehnt worden war, begab fich Painlevé zum binetts zu überreichen. Die Demiffion wurde angenommen. In polifischen Kreisen nimmt man mit Bestimmtheit an, daß der kommende Ministerpräsident Briand sein wird. Als Finanzminister wird Doumer genannt. Die Kammer hat sich auf Dienstag verlagt. ( Weitere Meldungen siehe dritte Seite.) neue Entwicklungsrichtung auch bei all den Deutschland auferlegten Beschränkungen auswirken, die mit einem wahren Friedenszustand unvereinbar sind, die den friedlichen Wiederaufbau hemmen und die dadurch auch, was für die anderen Staaten von besonderer Wichtigkeit ist, Deutschlands Fähigkeiten zur Erfüllung der Reparationsleistungen beeinträchtigen. ( Sehr wahr! in der Mitte.) Gerade in dieser Stunde, wo die deutsche Reichsregierung sich mit feſter Entschlossenheit zu dem großen Friedenswerk von Locarno befennt, muß ausgesprochen werden, daß auch vom Standpunkt unserer Bertragsgegner durch den Abschluß dieses Friedenswerks die Befezung deutschen Landes ihre innere Begründung verliert. Deutschland ist nicht nur in jeder Beziehung bereit, sondern hat durch den tatsächlichen Gang der Ereignisse bewiesen, daß es an die Erfüllung der Reparationsverpflichtungen gemäß dem Londoner Abkommen alle seine Kräfte setzt. Diese Abmachungen haben obendrein besondere Einrichtungen und Organe vorgesehen, denen die Mitwirkung bei der Einführung der übernommenen Reparationsverpflichtungen obliegt. Wenn nun noch das Vertragswert von Locarno abgeschloffen wind, so ist damit die insbesondere von Frankreich stets geforderte Regelung der Sicherheitsfrage ebenfalls erfolgt. Angesichts diefes doppelten Tatbestandes fühlt das deutsche Bolt mit doppelter Schwere, wie schwer die bloße Tatsache der Bejehung als fortgesette feelische Bedrückung und als Ausdrud des Mißtrauens empfunden werden muß. Das deutsche Bolt rechnet darauf, daß gerade auch das franzöfifche Bolt, das ftets von tiefem nationalem Gefühl beseelt war und beseelt ist, in der jekt beginnenden Entwicklung dieser selbstverständlichen deutschen Einstellung Rechnung trägt. Da aber das deutsche Volt heute noch nicht zu sehen vermag, wann sich seine Hoffnung auf eine Beendigung der Besetzung verwirklichen wird, so follten sich ausländische Stimmen nicht über den Mangel an Freudigkeit beflagen, der sich vielfach auch bei denen zeigt, die bereit sind, dem Vertragswert von Locarno ihre volle Zustimmung ( lebh. Beifall in der Mitte) zu geben. Wer einen so mühsamen und dornenvollen Weg des Wiederaufstiegs zurüdzulegen hat, wie das deutsche Bolt, wird auf den einzelnen Stufen auch dann die Jubelstimmung nicht aufbringen, wenn die Stufe an sich einen unverkennbaren Schritt nach oben darstellt. Wenn in den anderen beteiligten Ländern vielfach eine freudige 3ustimmung zum Abschluß von Locarno fund geworden ist, so ist dies vom deutschen Interesse aus nur begrüßens wert, weil ein wirklicher Fortschritt auf dem Wege des Friedens nur dann erzielt werden fann, wenn alle beteiligten Länder von den Abmachungen Nugen haben. Deshalb fann aus der warmen Zustimmung in den anderen Ländern auch in feiner Weise abgeleitet werden, daß Deutschland nicht auch etwa wesentliche Borteile aus dem Abschluß hätte. Aber das deutsche Volf ist durch die bitteren Erfahrungen der lehten Jahre mit einem folchen Argwohn gegen vertragsmäßige Borgänge und grundfähliche Verheißungen erfüllt, daß es erst dann geneigt ist, zu glauben und zu vertrauen, wenn es Tatsachen fie So ist es verständlich, daß es einem großen Teile des deutschen Volles schwer wird. das Bertragswert von Locarno rein als folches zu würdigen und daß sie ihm mit gefühlsmäßigen Hemmun gen gegenübertreten, die in dem Fortbestehen der Befegung und den sich hieraus ergebenden Bedrückungen ihre Ursache haben. Unabhängig von der Frage der Rückwirkungen ist und bleibt für das deutsche Bolk die Räumung der Kölner Zone. Seit dem 10. Januar besteht nach der stets festgehaltenen deutschen Auffassung ein Rechtsanspruch auf Räumung der Kölner Zone. Auch abgesehen von diesem Rechtsanspruch hat das deutsche Bolk nie begreifen können, daß man wegen eines an der Gesamtabrüstung gemessen unerheblichen Reftes der Abrüstung ein volles Drittel der Befatzung aufrechterhalten hat.( Sehr wahr! in der Mitte.) Die Räumung der Kölner Zone ist in bestimmter Weise und zu bestimmten Terminen nunmehr beschlossen. Diese Termine sind unabhängig von der Erledigung der Entwaffnungsforderungen festgesetzt. Gleichzeitig ist aber auch für die Entwaffnungsforderungen eine grundsägliche Uebereinstimmung erzielt. bracht. Alles einzelne über Die Erörterungen über die Luftfahrnote sind in Gang ge die Entwaffnung im übrigen ist aus dem dem Hohen Hause vorliegenden Weißbuch zu entnehmen.( Burufe rechts und bei den Komm.) Fragen über diese werden bereits heute nachmittag im Auswärtigen Ausschuß beantwortet werden können. Was nun die Rüdwirtungen selbst anbetrifft, so ist auch ihr mission bekannt. Ich möchte an dieser Stelle nochmals aussprechen, daß derzeitiges Ausmaß durch das Weißbuch und durch die dem Hohen Hause besonders zugegangene Ordonnanz 308 der Rheinlandkom die beiden Locarnoer Delegierten das volle Vertrauen gewonnen haben, daß die Außenminister der anderen Länder sich mit allem Nachdruck für möglichst weitgehende alsbaldige praffische Rüdwirkungen des Abschlusses einsehen wollten und eingesetzt haben. will man zur richtigen Bürdigung deffen kommen, was tatsächlich inzwischen an Rückwirkungen in Erscheinung getreten ist, so ist man an derjenigen Wende des Weges angekommen, wo die Wünsche und berechtigten Gefühle ihre realpolitische Nachprüfung an Hand der internationalen Gesamtlage erfahren müssen. Auf dem schwierigen Bege des deutschen Wiederaufstiegs tann uns richtiger Führer nur eine durchaus nüchterne Betrachtung der Dinge sein. Es ist gerade die schwere Aufgabe der politisch Berantwort lichen, sich nicht von gefühlsmäßigen Einstellungen hinreißen zu lassen, sondern umgekehrt, ohne den festen Willen zur Erreichung des Bieles zu lähmen, unserem Volke den Maßstab der harten Wirklichkeit nahezubringen. Besonders aber darf die eigene Entscheidung der verantwortlichen Organe nur von solcher realpolitischen Betrachtungsweise bestimmt werden. Der praktische Weg unseres Bolkes nach oben wird nur stufenweise vor sich gehen. Ein Rückblick auf das, was in den letzten Jahren geschehen ist, fann uns freilich mit dem stärkenden Bewußtsein erfüllen, daß dieser Beg trotz aller Not in seiner Hauptrichtung nach oben führt.( Widerspruch rechts.) Ja, meine Herren, dieser Glauben an das deutsche Bolk und seine Entwicklung habe ich.( Lebhafter Beifall in der Mitte.) Selbstverständlich ist auch bei den bisher vorliegenden Rückwirfungen noch eine nie ermüdende Ergänzungsarbeit durch die Organe der deutschen Regierung zu leisten. Dabei will ich aber offen die Ueberzeugung der deutschen Regierung aussprechen, daß die bereits ausgesprochenen oder getroffenen Maßnahmen in ihrer Gesamtheit wesentliche Erleichterungen in den besetzten Gebieten bedeuten, und daß sie zum Teil auch von grundsäglicher Tragweite sind. Das gilt in erster Linie von der restlosen Abschaffung des Dele giertensystems. Natürlich wird außerordentlich viel darauf anfommen, wie weit und wie schnell die Zahl der fremden Truppen vermindert und welche Rücksicht dabei auf die vorhandenen Unterbringungsmöglichkeiten genommen wird. Bei dieser wie bei allen anderen Fragen liegt sicherlich sehr viel Entscheidendes in der Ausführung. Der neue deutsche Rheinland- Kommissar wird nach dieser Richtung eine besonders große und verantwortliche, aber für die gesamte Zukunftsentwicklung vielleicht entscheidungsvolle Arbeit zu leiſten haben. Die Grundlage dazu wird ihm die feste deutsche Einstellung im Sinne des Vertragswertes von Locarno bieten. Ich gebe der bestimmten Hoffnung und Erwartung Ausdruck, baß auch alle Organe der Bejagungsmächte gemäß dem bestimmt befundeten Willen ihrer Außenminister mithelfen werden, der rheinis schen Bevölkerung und dem gesamten deutschen Bolf die verbleibende Laft nach allen Möglichkeiten zu erleichtern. Die deutsche Regierung erblickt somit in dem Geschehenen und in Ausführung Begriffenen einen Beweis dafür, daß die Rüdwirtungen sich vollziehen Nie aber ist der Rückwirkungsgedanke so verstanden worden, als follte oder tönnte das danze Maß der Rückwirtungen sofort in Erscheinung treten. Vielmehr muß dieser Gedanke weiter getragen werden durch seine eigene innere Logit, Locarno ist eben, wie der britische Außenminister wiederholt ausgesprochen hat, und wie auch mir nicht oft genug wiederholen können, fein Ende, sondern ein Anfang.( Widerspruch und Zustimmung.) Wenn ich nunmehr zu der Schilderung des Vertragswertes von Locarno selbst übergehe, so stelle ich an die Spize der Betrachtung die Frage des Eintritts in den Völkerbund, von deren Bejahung nach der Locarnoer Abmachung die Inkraftfehung des gefamten Vertrages abhängt. Mit dieser Frage verbinden sich sehr ernste Sorgen, die sich auf die Gesamteinstellung Deutschlands in der internationalen Politit beziehen. Aber auch gefühlsmäßig bemegt die Frage des Völkerbundes das deutsche Volt besonders ties. Hier laufen zwei Strömungen im deutschen Bolke gegeneinander an: die eine sicht gerade im Eintritt in den Völkerbund die Berwirklichung einer neuen Lebensgrundlage für das Bölferleben Europas und damit auch einen feften Ausgangspunkt für die Bieder gewinnung der Deutschland gebührenden Stellung; die andere Strömung ist davon beherrscht, daß der Völkerbund nach seiner Gründung zunächst nichts anderes zu sein schien, als ein Instrument zur Fortsetzung der gegen Deutschland gerichteten Politit von Ver. failles.( Zustimmung der Dnat. und der Komm.) Num handelt es sich aber nicht nur darum, in diesem Widerstreit der Auf faffungen die nüchterne Linie des deutschen Interesses festzuhalten, sondern es handelt sich um die ganz entscheidende Frage, ob und wie fich Deutschlands gesamte weltpolitische Lage durch den Eintritt in den Bölkerbund verändern könnte. Dabei steht im Kernpunkt die Sorge, ob Deutschland etwa durch diesen Eintritt eine Bestorientie rung im Sinne einer Abwendung vom Often vollziehen würde. Ich stehe nicht an, zu erklären, daß ich eine solche Option zwischen West und Oft in Deutschlands geographischer Lage für einfach uit möglich halte. Nach dieser Richtung find die Erklärungen des britischen Außenministers, daß dem Bölkerbund und der Politit der Bölkerbundstaaten jede aggressive Absicht gegen Rußland fernläge, besonders bedeutungsvoll. Daneben aber muß Deutschland von sich aus das Seine tun, um sich denjenigen Schuß gegen etwaige zufünftige politische Gefahren zu sichern, der in Deutschlands geographischer Lage unerläßlich ist. Hier stehen wir vor der großen Frage des Art. 16 der Völkerbundsfahzung. gierung wird auch bei unserem Eintritt in den 351ferbund festgehalten werden. Sind somit die Borausseßungen erfüllt, unter denen Deutschland seine grundsätzliche Geneigtheit zum Eintritt in den Völkerbund durch die Note vom September 1924 zu erkennen gegeben hat, so ist der tatsächliche Eintritt Deutschlands in den Bölferbund nur ein Boranschreiten auf der bisher gegebenen und übrigens auch in der von mir abgegebenen Regierungserklärung vom 19. Januar d. 3. festgehaltenen Linie. Gleichwohl möchte ich nicht unausgesprochen laffen, daß nach meiner Ueberzeugung die inneren Gründe für den Eintrittsbeschluß in der Zwischenzeit an Gewicht zugenommen haben. Denn ich vermag das Berhandlungsergebnis pon Locarno, auf das ich des Näheren noch zu tommen habe, nicht anders zu verstehen, als daß es einen wirklichen Fortschritt im Sinne der Stärkung der Friedensträfte in Europa darstellt. Nun unterliegt es gar feinem Zweifel, daß Deutschland eine große innere Kraft überhaupt nur auf den Bahnen des Friedens zu entwideln vermag. Deutschland wird also in dem mzustande, in dem es sich nach dem unglüdlichen Ausgange des Weltkrieges befindet, fein natürliches Gewicht im Völkerbund für alle Fragen, die dem deutschen Staat und die das deutsche Volt innerhalb und außerhalb der Staatsgrenzen bewegen, je mehr zur Geltung bringen, je stärker die Kräfte des Friedens, in deren Anwendung Deutschland ein Gleicher unter Gleichen ist, zur Auswirkung tommen.( Lebh. Beifall in der Mitte und links.) Es ist für mich ein unverständlicher Kleinmut anzunehmen, daß Deutschland, wenn es jetzt Mitglied des Bölferbundes und Bölkerbundsrates ist, dadurch nicht die Mög lichkeit gewinnt, deutsche Interessen kräftiger zu fördern. Das Maß diefer Möglichkeiten wird nicht zuletzt von Deutschlands entfchloffener Weiferarbeit auf det in Locarno beschrittenen Bahn abhängen. Auch die Investigationsfrage, für deren Lösung in dem von Deutschland allein annehmbaren Sinne in den Aussprachen in Locarno eine weitgehende Klärung erfolgt ist, wird in ihrer praftischen Handhabung und Weiterentwicklung sehr wesentlich davon abhängen, daß Deutschland den Siz im Bölkerbundsrat inne hat. Zu den in Locarno mit allem Nachdruck gestellten Fragen gehört die allgemeine Abrüstung. Es ist ganz selbstverständlich, daß Deutschlands Friedenskraft erst dann voll zur Geltung fommen fann, wenn auch auf dem Abrüftungsgebiet die Ungleichheit beseitigt ist. So viele Erörterungen bisher über den Artikel 16 innerhalb und außerhalb des Böfkerbundes auch stattgefunden haben, so unterliegt es doch nach der Bölkerbundsfazung und der Entschließung der Bollversammlung feinem Zweifel, daß gegen den Willen feines Landes, also auch nicht gegen den Willen Deutschlands, jemals eine für das betr. Cand bindende Entscheidung darüber getroffen werden tann, ob in einem gegebenen Falle die Vorausjegungen für die Anwendung des Artikels 16 und gegen welchen Staat als Friedensbrecher jie vorliegen. Die Möglichkeit, daß wir uns in der einen oder anderen Form an einem Erefutionsverfahren gegen einen Staat beteiligen müßten, den wir selbst gar nicht als Friedensbrecher, d. h. als Angreifer, ansehen, ist also von vornherein ausgeschaltet.( 3uruf rechts: Und das Duramarschrecht?) Die Frage eines Durchmarsches wird in keiner Weije anders behandelt als eine andere Eretutions maßnahme.( 3ustimmung in der Mitte. Gegenrufe rechts und bei den kommunisten.) Somit taucht die Frage unserer Teilnahme an einer Bundesexekution überhaupt erst dann auf, wenn auch wir selbst die Frage, mer bei diesem bewaffneten Staatenstreit zurzeit den Angriff eröffnet hat, für geflärt erachtet. Selbst wenn nun aber die Angriffsfrage von uns zugunsten des einen oder anderen Staates bejaht wird, so ist teine Instanz gegeben, die etwa gegen unsere eigene Auffassung mit bindender Wirkung für uns darüber zu entfchreitender Abrüstung ist in den Berhandlungen und im SchlußScheiden hätte, welche fonkreten Einzelmaßnahmen deutscherseits zu treffen waren. Es entsteht auch auf feinen Fall das Recht eines anderen Bundesmitgliedes, uns in irgend einer Form gegen unferen Willen zu einer Egelutionsmaßnahme, z. B. zur Duldung des Durchmarschrechtes, zu zwingen. Diese Aufassung findet einen sehr deutlichen Ausdruck z. B. auch in dem bekannten Bericht über das Genfer Protokoll, in dem es u. a. heißt: Jeder Staat entscheidet über die Art, wie er seinen Verpflichtungen nachkommen wird, nicht aber darüber, ob diese Berpflichtungen bestehen, d. h. jeder Staat behält die Entscheidung über das, was er tun mird, nicht aber über das, was er tun foll Dieser hier angeführte Sazz bestätigt die Richtigkeit der foeben geschilderten juristischen Auffassung; auf der anderen Seite betont er ben selbstverständlichen Grundsaß, daß dieses freie Er meffen der einzelnen Staaten mit dem allgemeinen Grundjag loyaler Erfüllung der Bundespflichten im Einklang stehen muß. Und das ist gerade der Punkt, an dem die Erwägungen einfeßten und ein fegen mußten, die zu unseren Bedenken gegen den Artikel 16 geführt haben. Es ist für Deutschland felbstverständlich, daß es dem Bölkerbund nur in aufrechter Bundesgesinnung und ohne versteckten Vorbehalt beitreten kann. Er fann aber andererseits nicht außer Betracht lassen, daß der praf: tischen Betätigung seiner Bundesgesinnung gerade bei einer etwaigen Anwendung des Artikels 16 in vielen Fällen besondere Schranken gezogen sein werden. Das ist die Folge feiner völligen Entwaffnung, deren Bedeutung und Gefahren durch Deutschlands zentrale geographische Lage noch außerordentlich verstärkt werden. Aus diesem Grunde fam es darauf an, noch vor dem Eintritt in den Bölferbund sicherzustellen, daß Deutschland sich nicht in Berfolg der durch seine besondere Lage gegebenen Umstände dem Bormurf eines illoyalen Verhaltens und damit der Gefahr einer moralischen Isolierung ausjegt. Dieses Ziel wird durch die in Locarno vereinbarte Erklärung zum Art. 16 erreicht. Denn diese Erklärung stellt fest, daß Deutschland zur Beteiligung nur insoweit verpflichtet ist, als dies mit seiner militärische und geographische Lage verträglich ist. Diese Erklärung bezieht sich hinsichtlich der Berpflichtung Deutschlands sowohl auf die wirtschaftlichen wie auf die militärischen Hilfsmaß. nahmen, wie auch auf die Duldung des Durchmarsches. Die Erklärung erfenní somit ausdrücklich an, daß Deutschland berechtigt ist, bei der pflichtmäßigen Prüfung der Frage, ob und inwieweit es fich an einzuleitenden Eretutiomaßnahmen beteiligen will, den besonderen Maßstab anzulegen, den ihm seine besondere Lage Dorfchreibt. Das ist an fich für Deutschland fein Ausnahmerecht, sondern nur eine Anwendung der Grundsäge, die von den Organen des Bölferbundes allgemein für die Durchführung des Artikels 16 anerkannt worden sind. Daß aber diese Erklärung Deutschland gegenüber besonders abgegeben worden ist, trägt der besonderen Tragweite Rechnung, die sich für Deutschland aus seiner geographischen und militärischen Lage ergibt. Bei diesem ganzen von mir dargelegten Sachverhalt stehe ich nicht an zu erklären, daß nach der jetzt geflärten Auslegung des Art. 16 sich aus ihm teine Gefahren für Deutschland ergeben. Eine wirkliche Gleichheit der Lage zwischen entwaffneten und waffen starrenden Mächten ist nicht denkbar. Die bestehende ungeheuerliche Ingleichheit des Rüftungszustandes schließt sogar die unmittelbare Gefahr ein, daß immer wieder die Waffenkraft der bewaffneten Mächte zum Borstoß in den an Waffen leeren Raum der abgerüsteten Staaten drängt. Gerade darum muß Deutschland alles der allgemeinen Ab. daranjeßen, den Gedanken rüftung, wie er im Versailler Vertrage festgelegt ist, jederzeit wachzuhalten und vorwärts zutreiben. Die grundfühliche Zustimmung der Vertragsgegner von Locarno zu fortprotokoll ausgesprochen. Auch der britische Außenminister hat die Bedeutung der Abrüstungsfrage in seiner legten Barlaments rede vom 18. November wiederum starf betont. Eine weitere Wirffamfeit Deutschlands in der Richtung der Abrüstung ist prattisch nurim Bölterbund denkbar. Man braucht die Aussichten in dieser Richtung nicht zu überschähen, aber es darf auch nicht vergeffen werden, daß der Gedante der allgemeinen Abrüftung zurzeit nicht mehr ein bloßes Jdeal oder eine bloße Utopie ift. Der Gebante bietet vielmehr einen durchaus praktischen Bestandteil der Politit der Kabinette, einen Bestandteil, der um so bedeutender ist, als er von sehr realen Interessen getragen wird. Die Reichsregierung erblickt somit im Eintritt in den Bölterbund in feiner Weise eine Schwächung der deutschen politischen Lage, fondern umgefehrt die Gewinnung einer neuen Blattform, auf der es möglich sein wird, in angeftrengter und mühsamer Arbeit die Interessen des Deutschen Reiches und des deutschen Bolkes zu fördern. Die Frage des Eintritts Deutschlands in den Bölkerbund bekommt jedoch ihre ganz bestimmte Note erst durch die Berbin dung mit dem Sicherheitspattund den Schiedsver= trägen. Denn Sicherheitspatt und Schiedsverträge stellen einen erheblichen Schritt zur Bedung und Stärkung gerade jener Kräfte des Friedens dar, die Deutschlands Stellung innerhalb und außerhalb des Bölferbundes zu festigen geeignet sind. Bevor ich nun den Hauptinhalt des Vertrages von Locarno selbst schildere, muß ich in einem furzen Wort auf die bisher vielfach geübte Art der Kritik eingehen. Die Bemühungen der Reichsregierung, auch die breite Deffentlichkeit über Inhalt und Sinn der Bertragsterte aufzuklären, find vielfach durchfreuzt worden durch Versuche, Auslegungszweifel in die Erörterung zu werfen, die die von Regierungsseite gegebene Darstellung als zweifelhaft, als einseitige oder sogar gefünftelte Aus. legung hinstellen. Man hat Widersprüche zwischen dieser Auslegung und angeblichen autoritativen Auslassungen von anderer, insbesonderer ausländischer Seite feststellen zu fönnen geglaubt. Berallgemeinernde Bemerkungen, die das Bertragswert in eine ganz unrichtige Perfpeftive rückten, habei dabei manch mal eine erhebliche Rolle gespielt. Ich muß demgegenüber feftftellen, daß mir, obwohl ich die Aeußerungen des Auslandes über die Locarnoverträge mit größter Sorgfalt verfolgt habe, darunter bisher keine Aeußerung von irgendwie autoritativer Bedeutung bekanntgeworden ist, die mit unserer eigenen Darstellung in wirklichem fachlichen Widerspruch stände. ( Lärmende Zurufe rechts. Gegenrufe in der Mitte und links.) Der Reichstanzler fagt auf einen Zuruf: Nein, das heißt nur, fich von dem geraden Weg nicht ablenten zu lassen durch Erörterungen, die mit dem Vertragstegt gar nichts zu tun haben. Ich will auch an dieser Stelle den Inhalt des Vertragswertes noch einmal in seinen wesentlichsten Teilen wiedergeben, wobei ich mich nur auf den Wortlaut der Verträge selbst zu stüßen brauche. Das Kernstud des Vertragswertes bildet der West patt zwischen Deutschland, Belgien, Frankreich, England und Italien. Er ist bestimmt, unsere Grenzen im Westen zu befrieden. Dies bedeutet auf deutscher Seite den Schuh der Rheinlande, und zwar nicht nur gegen eine Berlegung der Grenze als solcher durch eine friegerische Handlung, sondern auch gegen Gefahren, die ohne unmittelbare Grenzverlegung im Wege des See- und Luftangriffs auf deutsches Gebiet fich ergeben fönnten. Die eigene Berpflichtung Deutschlands und Frankreichs sowie Deutsch lands und Belgiens, nicht mit Angriffsfrieg oder anderen aggressiven Semaltaften gegeneinander vorzugehen, wird durch England und Italien, und zwar durch jeden dieser Staaten, besonders garantiert. Entschließt sich Frankreich oder Belgien, gegen Deutschland, oder entschließt sich umgekehrt Deutschland, gegen Frankreich oder Belgien zum Angriffstrieg oder zu einer Invasion, so müfen England und Italien dem angegriffenen Lande mit ihren Machtmitteln zu Hilfe tommen. In flagranten Fällen, wo sich die Angriffsabficht in der militärischen Ueberschreitung der Grenze oder in der Eröffnung von Feindseligkeiten auswirkte, Wenn somit durch die Verhandlungen in Locarno für Deutschland hinsichtlich des Art. 16 die Grundlagen geschaffen sind, um in den Bölferbund eintreten zu können, so waren doch auch in Beziehung zum Bölkerbund selbst, und zwar nach Auffassung der Reichsregierung vor dem Eintritt eine Reihe weiterer Fragen zu flären und Zweifel auszuräumen. Ich erwähne nach dieser Richtung, daß das im Hohen Hause häufiger besprochene beutsche Böiter bunds Memorandum Dom September 1924 nach seinem ganzen Inhalt aufrechterhalten worden ist. Aus dem Schriftwechsel, der sich an diese Völkerbundsmemorandum anges schlossen hat, und aus den Erklärungen in Locarno ergibt sich, daß Deutschland des Sizes im Völkerbundsrat und einer entsprechenden Vertretung in der Bölferbundsverwaltung sicher ist. Wegen der Kolonialfrage ist das Recht Deutschlands auf Kolonialmandate ausdrüdlich anerkannt worden. Wir erwarten, daß diesem seinen Anspruch auch praktisch Rechnung getragen wird. Was endlich die Frage einer Anerkennung moralischer Belastungen, insbesondere die Kriegsschulbfrage, betrifft, so hat die deutsche Regierung vor Beginn der Berhandlungen in Locarno gegenüber den Verhandlungsgegnern ihre Auffassung in der Kriegsschuldfrage, insbesondere auch wie sie durch die Erklärung der Regierung Marg vom 16. August 1924 festgelegt worden ist, förmlich zur Kenntnis gebracht und hat ihr Festhalten an ihrer Auffaffung auch bei den Berhandlungen in Locarno ausgesprochen. Dieser Standpunkt der deutschen Re- werfen, haben die Garanten dem angegriffenen Lande ihren Beistand fofort und ohne weiteres zu gewähren. In anderen Fällen ist zunächst die Entscheidung des Bölkerbundsrats herbeizuführen. An die Stelle der somit im Besten unterbundenen friegerischen Maßnahmen tritt ein Schiedsgerichtsverfahren für Rechtsstreitigkeiten und eine Schlichtungsverfahren für Intereffentonflitte. Das Schiedsgerichtsverfahren ist so aufgebaut, baß die streitenden Parteien sich dem Richterspruch endgültig unter Bei der Bürdigung dieser Bestimmungen erhebt sich sofort bie Frage, in welchem Berhältnis der Weffpaff zum Versailler Bertrag steht. Es war, wie fich schon aus der deutschen Note vom 20. Juli ergibt, nicht das deutsche Verhandlungsziel, durch den Sicherheitspakt den Versailler Vertrag als solchen zu ändern. Dementsprechend heißt es im Artikel 6 des Westpattes, daß dieser die Rechte und Pflichte unberührt läßt, die sich für die am Westpakt beteiligten Staaten aus dem Vertrage von Versailles ergeben. ( Schluß im Morgenblatt.) Volkspartei gegen die Deutschnationalen. Entschließung des Zentralvorstandes. Der Zentralvorstand der Deutschen Bolkspartei nahm am Sonntag bei außerordentlich starker Beteiligung im Reichstag Stellung zum Vertrag von Locarno und zur innerpolitischen Lage im Reiche, wobei Dr. Stresemann ein einleitendes Referat hielt. In der anschließenden Aussprache befürworteten alle Redner, insbesondere auch die Vertreter der besetzten Gebiete, die Annahme der Verträge von Locarno. Die Flucht der Deutschnationalen aus der Verantwortung und aus der Zusammenarbeit mit der Boltspartei fand scharfe Berurteilung. Die Tagung endete mit der einstimmigen Annahme einer Entschließung, in der zunächst der Ueberzeugung Ausdruck gegeben wird, daß es notwendig fei, in Europa einen dauernden Friedenszustand zu schaffen. Gleichzeitig spricht die Partei ihre Ueberzeugung dahin aus, daß die großen Auswirkungen des Vertrages sich erst zeigen fönnen, wenn er in Kraft getreten ist; das Inkrafttreten des Vertrages sei daher erst der Anfang der zu erwartenden Entwicklung. Die Entschließung betont, daß das Werk von Locarno alle Möglichfeiten friedlicher Aenderung der bestehenden Verträge offent läßt. Daher erklärt der Zentralvorstand vor dem deutschen Volke, daß er einmütig für das Wert von Locarno eintrete und die Fortsetzung der damit angebahnten Politik fordere, weil nur von dieser Politik die Freiheit der besetzten Gebiete, die Wiederherstellung der Souveränität und die Möglichkeit der innerpolitischen Entwicklung Deutschlands als Großmacht erwartet werden könne. 3ur inner politischen Lage heißt es dann in der Entschließung wörtlich:„ Die Politik von Locarno ist von einer bürgerlichen Regierung geführt worden. Diese bürgerliche Regierung war das Ergebnis jahrelanger Bestrebungen der Deutschen Bolkspartei, die bis zur Selbstentäußerung dafür gefämpft hat, den Deutschnationalen die Mitwirtung an verantwortlicher Stelle der Reichsregierung zu sichern. Dieses Zusammenhalten des deutschen Bürgertums ist durch das Borgehen der Deutschnatio. nalen Volkspartei zersprengt. Damit sind Gefahren für unsere innerpoltische und innerwirtschaftliche Entwidlung entstanden. In der kritischsten Stunde der deutschen Entwicklung scheute die Deutschnationale Belfspartei die Politik der Berantwortung, um die bequeme Oppositionsstellung wieder einzunehmen. Die deutschnationale Partei allein trifft die Ber antwortung für die Folgen, die sich daraus ergeben. Entwicklung der Verhältnisse im Reiche bedingt nach Abschluß des Bertrages von Locarno, daß die Reichsregierung nur aus Persönlichfeiten und Bertretern von Parteien bestehen kann, die gewillt find, die Außenpolifif im Geifte des Wertes von Locarno weiterzuführen. nur dadurch ist die Sicherheit gegeben, daß die Erfolge dieser Politik tatsächlich erreicht werden können. Die Deutsche Volkspartei wird fich ihrerseits auch in Zukunft in der Frage ihrer Stellung im Reich und in den Bundesstaaten nur von dem Gefühl verantwortlicher Mitarbeit leiten lassen. Die Aga geht in Konkurs. Die Das Ergebnis der Gläubigerversammlung. Die Aktiengesellschaft für Automobilbau BerlinLichtenberg( Aga) ist nun doch gezwungen, Konfurs anzumelden. Jedenfalls hat das der Gläubigerbeirat beschlossen, der am Sonnabend bis spät in die Nacht hinein tagte und der infolge der Stockung des Absatzes und des unveränderten Schuldenbestandes des Unternehmens im Konkursverfahren den einzig möglichen Ausweg aus der Krise der Aga sieht. Wahrscheinlich werden sich an den Zusammenbruch der Aga noch schwere Auseinandersegungen der Glaubiger des Unternehmens mit den Banten anschließen. Der Aga maren nämlich bei der Auseinandersetzung des Dr. Edmund Stinnes mit feiner Familie noch erhebliche Kredite zugesagt worden, die man Später dem Unternehmen verweigerte. Da nach der Ansicht vieler Fachleute das Unternehmen durchaus rentabel arbeitet und nur in der Kreditverweigerung der Banken der Anlaß zu dem Konkurs gesehen wird, will man die verantwortlichen Bantunternehmungen für den entstandenen Schaden haftbar machen. Ob das gelingen wird, muß dahingestellt bleiben. Die Banken werden fich wohl noch zu den Forderungen der Gläubiger äußern. Für die Belegschaft spielt diese vermögensrechtliche Angelegenheit insofern eine Rolle, als von ihrem Ausgang die Zukunft und die Beschäftigungsmöglichkeit des Unternehmens in hohem Grade abhängt. Es ist zwar beabsichtigt, auch nach der Konkursanmeldung den Betrieb aufrecht zu erhalten. Mit welchem Erfolg das geschehen wird, das hängt wesentlich davon ab, ob einc rasche Bereinigung der Geschäftsverhältnisse der Aga stattfindet. Schon seit der Reise Dr. Edmund Stinnes' nach Amerika soll eine Stockung des Absages bei dem Unternehmen eingetreten fein, die man darauf zurückführt, daß manche Interessenten ihre Käufe zurückgestellt haben, weil diese glaubten, aus der Konkurs masse billiger kaufen zu können. Im Interesse der Belegschaft iſt daher zu fordern, daß das Kontursverfahren, das nur eine Vermögensauseinandersetzung der Kapitalisten untereinander darstellt, fo rasch als möglich seinen Abschluß findet, damit der Betrieb nicht mehr als nötig darunter leidet. In der Aufrechterhaltung des Betriebes aber liegt das volkswirtschaftliche Interesse und das der Arbeiterschaft. Wie MTB. meldet, hat das zuständige Amtsgericht heute vormittag die Geschäftsaufsicht der Aga aufgehoben und das Kontursverfahren eröffnet. Die erste Gläubigerver sammlung findet am 18. Dezember 1925 statt. Kontursforderungen sind bis zum 15. Januar 1926 anzumelden. Der Kahn- Konzern unter Geschäftsaufsicht. Der Richard Kahn Konzern, zu dem u. a. die Stod Motorpflug, die Stock- Motorradwerke, die Allgemeine Werzeugmaschinengesellschaft, die Deutschen Niles- Werke und die Riebe- Werke sowie eine Reihe auswärtiger Betriebe gehören, hat jezt Antrag auf Geschäftsaufsicht gestellt, der mit Mangel an Betriebsmitteln begründet wird. Diese Wendung bei dem noch jungen Konzern ift um fo auffälliger, als erft fürzlich eine Regelung wegen feiner Schulden erfolgt ist, wobei insbesondere die Schulden an die Berliner Pfandbriefbant in einer befriedigenden Weise geordnet wurden. Trogdem stößt dieser in der Inflation emporgekommene Konzern auf neue Betriebsschwierigkeiten, die mit der allgemeines 2bsazkrise und der Kreditnot in Zusammenhang stehen. Unter dem Schuß der Geschäftsaufsicht soll eine grundlegende Sanierung des Konzerns angestrebt werden. Nach dem Sturz Painlevés. # Die Sozialisten am Scheidewege. Paris, 23. November.( Eigener Drahtbericht.) Den äußeren Anstoß zu dem Sturze des Ministeriums Painlevé hat die Ableh nung der in Artikel 5 der Finanzvorlage vorgesehenen 3wangs tonsolidierung( 3wangsmäßige Verlängerung) der kurz fristigen Anleihen gegeben. Gegen sie haben mit den Par teien der Rechten und der Mitte etwa 30 bis 40 Abgeordnete des Kartells der Linten sowie die Kommunisten gestimmt. Gerade in dieser Frage war die Stellung des Ministeriums Painlevé außerordentlich schwierig geworden. Painlevé selbst hatte diese von den Sozialisten und einem großen Teil der bürgerlichen Linten geforderte Maßnahme noch in der vergangenen Woche scharf bekämpft. Erst die kategorische Ablehnung der von der Regierung in ihrem ersten Entwurf geplanten neuen Inanspruch nahme der Bant von Frankreich, d. h. in diesem Falle der Noten presse, zur Beschaffung der Mittel für die in den nächsten Wochen und Monaten fällig werdenden kurzfristigen Berbindlichkeiten des Staates hatte ihn gezwungen, sich mit der Hinausschiebung der Rückzahlungen abzufinden. Nach Artikel 6 sollte dies in der Weise geschehen, daß zunächst ein bis 1. Januar 1928 dauerndes Moratorium eintrat, und daß danach die Zurückzahlung der zum größten Teil meiner Laufzeit von 3-6 Jahren ausgegebenen Werte auf einen Seitraum von 25 Jahren verteilt werden sollte. Der Widerstand, den Painlevé selbst anfangs gegen diese Bestimmungen leistete, hatte es der Rechten verhältnismäßig leicht gemacht, Painlevé mit seinen eigenen Waffen zu bekämpfen; Abg. Bokanowski, der den Angriff der Reaktion führte, fonnte sich darauf beschränken, all die Argumente ins Treffen zu führen, die Bainlevé selbst vor kaum einer Woche in der Finanztommission geltend gemacht hatte. * Die Regierung Painlevé ist nicht durch die Sozialisten gestürzt worden, wie es ein Berliner Montagsblatt behauptet, sondern ausschließlich durch die Rechte, diesmal jedoch verstärkt einerseits, wie üblich, durch die Kommunisten, andererseits ddurch die Louche ur- Gruppe. Die Haltung von Loucheur, dessen 30 bis 40 Anhänger das Bünglein an der Wage bilden, war seit einigen Tagen schon überaus zweideutig. Es war ihm anzumerken, daß er mit allerlei Manövern den Sturz Painlevés betrieb. Die Notwendigkeit einer schnellen Lösung der neuen Krise liegt auf der Hand. Gerade jetzt befindet sich die französische Währung in einer überaus unsicheren Lage, und jeder weitere Tag der Unsicherheit kann auf diesem Gebiete fatastrophale Folgen haben. Zugleich find aber die Schwierigkeiten dieser Lösung größer denn je. Eine Regierung der Mitte, die sich sowohl auf die Radifalen wie auf die Elemente des Nationalen Blods stützen würde, würde dem flaren Willen der Mehrheit des franzöfischen Volkes widersprechen; sie würde den endgültigen Bruch sischen Volkes widersprechen; sie würde den endgültigen Bruch des Kartells der Linken zur Folge haben. Bis jetzt hat der weitaus größte Teil der Radikalen unter Führung Herriots einer Regierung der Mitte oder, wie der parlamentarische Ausdrud drüben lautet, eine Regierung der Konzentration" entschieden Widerstand geleistet. Aber diese Regierung der Mitte, die in Wirklichkeit mit der Rückkehr des Nationalen Blocks an die Macht gleich bedeutend wäre, ist nicht aufzuhalten, solange die Sozia listen es ablehnen, in eine Kartellregierung einzutreten. Bisher waren die Anhänger der Koalitionspolitik in der So zialistischen Partei in der Minderheit. Es ist aber klar, daß, je länger die sozialistische Fraktion mit ihren 100 Mandaten eine formelle Bindung an die Regierung durch Eintritt in das Kabinett ablehnt, desto schwieriger wird es den Radikalen sein, den Lockrufen des Nationalen Blods Widerstand zu leisten. Lehnen die Sozialisten den Eintritt in die Regierung auch in der jeßigen, politisch und wirtschaftlich gleichermaßen gefährlichen Situation ab, dann zwingen sie die fartellfreudigen Radikalen und Sozialistisch- Republikaner, An lehnung nach rechts zu suchen. Andererseits muß man es begreifen, daß, wenn unsere französischen Genossen wenig Neigung verspüren, in eine Re gierung einzutreten, und mochte ihre Zusammensetzung noch so vertrauenserweckend sein: abgesehen von den prinzipiellen Gründen sind es auch schwerwiegende taktische Bedenken, die gegen die Koalition sprechen. Sollen die Sozialisten sich mit dem Odium der Wirtschaftsnot und der Teuerung belasten, falls auch ihre Regierungsmaßnahmen infolge der Obstruktion der Kapitalisten nicht vermochten, den weiteren Frankensturz aufzuhalten? Sollen sie die Verantwortung für das mit übernehmen, was in Maroffo und Syrien geschieht, und schließlich: wäre eine ausgesprochene Linksregierung gegenüber dem reaktionären Senat überhaupt lebensfähig, bzw. hätten die Radikalen den Mut, gegebenenfalls den Kampf gegen einen widerspenstigen Senat aufzunehmen und, zu allen anderen Sorgen, noch einen Verfassungstrieg auszufechten? Das alles sind außerordentlich heifle Fragen. Und wenn trotzdem in der geftrigen Sigung des Linksfabinetts Männer mie Blum, Renaudel, Auriol und andere sich für die Regierungsbeteiligung ihrer Partei ansgesprochen haben, so ent. springt das nicht zuletzt der Sorge, daß eine andere Politik das französische Bolt dem sich auch dort in letzter Zeit im Schatten des Inflationsgespenstes regenden Faschismus in die Arme treiben fönnte. Die Frage der Regierungsbeteiligung der Sozialisten Paris, 23. November.( Eigener Drahtbericht.) Eine Sigung der Kammerfrattion des Lintstartells, an der jedoch nur die Sozialisten, die Raditaljozialen und die republikanischen Sozialisten teilnahmen, hat am Sonntag nach reiflicher Aussprache über die geschaffene Lage um Mitternacht eine Entschließung ange. nommen, in der die drei Gruppen erklären, daß sie ihr Vertrauen nur einer Regierung schenken, die entschlossen ist, eine Politik zu führen, die dem Willen des franzöfifchen Boltes entspricht, die mit der in dem gegenwärtigen Augenblick notwendigen Stärke die republikanische Verfassung verteidigt und mit Energie die Sanierung der Finanzen anstrebt. Diese EntDiese Ent fchließung soll der Radikalen Linfen unterbreitet werden. Eine furze Fraktionssihung der sozialistischen Gruppe am Sonntag abend hat vor allem der abermals atut gewordenen Frage der Beteiligung an der Regierung gegolfen. Für den Eintritt in ein Kartellfabinett trafen ein Paul Boncour, Renaudel, Auriol, Mistral, Weill und in seiner Eigenschaft als Mitglied des Parteivorstandes Grumbach. Die bekannten Gegner der Befeiligung an der Regierung Paul Faure, Compère Morel und Lebas hatten der Sigung nicht beigewohnt, so daß die Gegenseite nicht zum Worte fam. Eine angenommene Entschließung fordert die Vertreter der Fraktion auf, an allen Beratungen des Kartells feilzunehmen, und versichert, alles zu tun, um die von den Geldmächten und den faschiffifchen Umtrieben bedrohte Republik zu retten. Dem Gedächtnis der Toten. Der Verein der Freidenfer für Feuer. bestattung hat seine Mitglieder und Freunde im großen Saal im Orpheum" in der Hasenheide versammelt. Der Saal ist stimmungsvoll und würdig ausgeschmückt. Die riesige Bühne prangt im satten Grün des Lorbeers. Durch die hohen Fenster slutet das matte Herbstlicht eines traurigen Rebeltages. Draußen fällt müdes Laub von den Bäumen, es fündet vom ewigen Schicksal des Werdens und Sterbens. Und auch im dichtgefüllten Saal liegt eine große Schwere. Cello und Harmonium, von Künstlern des Bachs und Schumanns ein, Heinrich Bitte vom StaatsHopf- Trios gespielt, leiten feierlich mit zauberstarten Klängen theater spricht mit wundersamer Eindringlichkeit Goethe, Storm und Geibel; Herr Ernest i von der früheren Voltsoper ergreift mit Schuberts Ueber allen Wipfeln ist Ruh". Hunderte lauschen dem großen Wort und dem großen Lied, denken an den Sinn der Stunde, an den sie hier gemahnt werden. Lassen sich packen von der furzen, gehaltvollen Ansprache des Genossen Stelling: Unser Gedenten gilt in erster Linie denen, die für den Aufstieg der Menschheit gewirkt haben. Gruß und Dank den Bahnbrechern einer besseren Zeit und den Kämpfern für die Freiheit! Ferner auch erinnern wir uns der Opfer des von gewissenlosen Verbrechern Inszenierten Massenmords von 1914 bis 1918; wir gedenken ihrer mit dem aus tiefsten Herzen kommenden Gelöbnis, die Bahn freizu machen für Verständigung und Versöhnung der Völker. Mit Abscheu wenden wir uns von den Trägern der finsteren reaktionären Gewalten, die die gefallenen Söhne des deutschen Boltes noch im Tode schmähen, indem sie ihnen Denkmäler errichten, deren Inschriften nur von Haß und Rachsucht zeugen. Der Geist unserer Zukunft, die von uns den Kampf fürs Gute, den Marsch nach Toten ruft zur Weihe durchs Leben; er zeigt uns den Weg der vorwärts verlangt. Wir wollen wirken für eine Gesellschaftsordnung, in der wahrer Friede, wahre Freiheit und wahre Kultur herrschen. Denten wir an unsere Pflicht! Dies will ein Tag der rechten Einfehr sein, denn aus den Gräbern fommt das große Hoffen.... Kein lauter Beifall verlärmt den Nachhall in stiller Minute. Da ist mancher, der Familiennahe oder Genossen der Tagsarbeit und der Gesinnungsgemeinsamkeit beklagt. Beicher, reicher Harfentlang, von Meisterhand dem Instrument entlockt, hält die Weihe. Dann wieder Rezitation, Gesang, Cellospiel, Harmoniumflang. Mozart und Händel! Bis uns falte Dunkelnacht umfängt. Reich beschenkt und in Gedanken, spüren wir faum ihren rauhen Atem. 9 Der Bolts Feuerbestattungsverein" veranstaltete gestern mittag in den Alhambra- Lichtspielen, Ede Müller- und Seetraße, eine Totengebächtnisfeier, verbunden mit einer Vorführung des wissenschaftlichen Films Memento mori", den der Feuerbestattungsverein vor einiger Zeit aufgenommen hatte. Der erfte Teil brachte eine Uebersicht über das Bestattungswesen von den Aegyptern bis zur Gegenwart; die folgenden Teile zeigten die Entwicklung des Bolts- Feuerbestattungsvereins und die Vorgänge bei der Leichenverbrennung im modernen Krematorium. Gesangliche und rezitatorische Vorträge umrahmten die Filmvorführung. Gut flang der Chor des Feuerbestattungsvereins, auch der Solovortrag des Schumannschen Liedes„ Du bist die Ruh zeigte fünstlerischen Ausdrud. Am Abend veranstaltete der Boltsfeuerbestattungs. verein eine Erinnerungsfeier an die Toten in bem Konzertsaal der Staatlichen Hochschule für Mufit. Die Gedächtnisrede hielt Dr. Biechowski; stimmungsvolle Mufitvorträge umrahmten Bu einer schlichten und würdigen Gedenffeier hatten sich am Familientragödie eines Börsenmaklers. Wegen Geschäftsschwierigkeiten mit Frau und Kind in den Tod. Eine furchtbare Familientragödie spielte sich in der Nacht zum Sonntag in dem Hause Schellingstr. 10 ab. Hier wurde in seiner Wohnung der 32 Jahre alte Kaufmann und Börsenmakler Friz Falkenstein mit seiner 28jährigen Ehefrau Elisabeth und seinem 2 Jahre alten Söhnchen erschossen aufgefunden. Wir erfahren dazu folgende Einzelheiten: Die bei Falfenstein beschäftigte Hausangestellte war am Sonnabend gegen 11 Uhr nach Hause gefommen. Ausnahmsweise halte ihre Herrschaft fie am Nachmittag fortgeschickt und ihr 3. M. zum Besuch eines Kinos geschenkt. Als das Mädchen um 11 Uhr heimfehrte, fand es in seinem Zimmer einen Brief von Frau Faltenftein. Berwundert öffnete es ihn und fand barin 40 m. und ein Armband. In dem Schreiben teilte Frau F. dem Mädchen mit, daß sie und ihr Mann aus dem Leben scheiden und auch ihr Söhnchen mitnehmen wollten. Sie seien den wirt Ichaftlichen Schwierigkeiten nicht mehr gewachsen. Das Geldgeschent solle es dem Mädchen ermöglichen, fich in Ruhe eine neue Stellung zu suchen. In Anerkennung ihrer treuen Dienste und ihrer Freundlichkeit gegen das Kind vermache sie ihm das Arm band. Weiter bat fie das Mädchen, die Polizei sowie eine befannte Dame zu benachrichtigen. Diese sollte es übernehmen, der Mutter der Frau F. den Tod der Tochter, des Schwiegersohns und des Entellindes mitzuteilen, aber nicht vor dem folgenden Morgen. Das Herrn F. tot auf seinem Bett liegen. Der fleine Knabe lag Mädchen lief entsetzt durch die Wohnung und fand im Schlafzimmer mit einer Schußwunde im Kopf ebenfalls tot in seinem Bettchen. Frau F. lag im Nebenzimmer auf einem Ruhebett. Sie gab noch schwache Lebenszeichen von sich. Das Mädchen alarmierte die Polizei, die sofort für die Ueberführung der Frau F. in das Elisabeth- Kranfenhaus Gorge trug. Dort liegt fie mit so schweren Berlegungen danieder, daß wenig Aussicht besteht, fie am Leben zu erhalten. Aus zahlreichen hinterlassenen Briefen an Leben zu erhalten. Aus zahlreichen hinterlassenen Briefen an eihäftsfreunde und Verwandte geht hervor, daß Rind und schoß dann auf sich selbst. Falkensteins Geschäfte, bie Falkenstein sich zuerst erschossen hat. Danach tötete Frau F. ihr früher sehr gut gingen, hatten in letzter Zeit eine Stockung erfahren. Als das Ehepaar feinen Ausweg mehr fah, beschloß es, seinem Leben ein Ende zu machen. Beileid zum Tode Dr. Weyls. Anläßlich des Hinscheidens des Genossen Dr. Beyl find der Familie des Verstorbenen eine Unzahl von Beileidsbriefen und Telegrammen von Vertretern der Regierung, des Magistrats sowie Einzelpersönlicheiten zugegangen. Ihr Beileid haben u. a. ausgebrüdt: Genosse Reichstagspräsident Löbe, der Verband der Gemeinde- und Staatsarbeiter, Bürgermeister So13, Magistrat der Stadt Berlin gez. Böß, Bamberg, Oberpräsident Dr. Mener. Barteivorstand der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands, Luise Ebert, Minister Hirtfiefer im Namen des Wohlfahrtsministeriums, Kultusminister a. D. Dr. Boelig und viele andere. Der Magistrat schrieb folgendes: Sehr verehrte gnädige Frau! mit tiefer Trauer hören wir von dem Hinscheiden Ihres Gatten. Nehmen Sie namens des Magistrats und der Stadtverordnetenversammlung von Berlin den Ausdrud tiefsten Mitgefühls und herzlichster Anteilnahme entgegen. Jahrzehntelange Arbeit Ihres Gatten in der städtischen Ver. waltung und seine besondere Fürsorge, die er namentlich der groß städtischen Gesundheitspflege und der allgemeinen Wohlfahrt widmete, sichert ihm in der Stadt Berlin ein ehrendes Andenken. In aufrichtigem Mitempfinden." Das Wohlfahrtsminist c. rium, gez. Sirifiefer, schrieb u. a.: Die großen Berdienste des Verstorbenen um die Volksgesundheit sichern ihm ein dauerndes ehrendes Andenken." Die Einäscherung findet, wie bereits mitgeteilt, am Mitt woch, den 25. November, nachmittags 3 Uhr, im Krematorium Gerichtstraße statt. Sommtag die Kameraden des Kreisvereins Kreuzberg des Reichsbanners Schwarz- Rot- Gold am Grabe des erschoenen Reichsbannermannes Erich Schulz versammelt. Am Grabe selbst hatte schon in den frühen Morgenstunden eine Ehren wache Aufstellung genommen. Genoffe Pfarrer Bleier hielt die Gedächtnisrede. Er war ein aufrechter Kämpfer, dessen Tod uns nur die Kraft gibt, weiterzufämpfen, auf daß in dem Lande, wo die Reichsfarben als politisches Abzeichen betrachtet werden, endlich die wahre Freiheit eintehren möge. Kamerad Bet nared grüßte Rot- Gold den toten Soldat der Republik, der im Kampfe für die im Namen des Kreisvereins Kreuzberg des Reichbanners SchwarzFreiheit sein Leben opferte. Dann einige turze Kommandos: die Reichsbannerleute nehmen im Borbeimarsch grüßend Abschied von der Ruhestätte ihres Kameraden. arbeitete Zum Gedenken der im Krieg gefallenen und verstorbenen Kame= raden hatte am Sonntag der Reichsbund der Kriegsbeschädigten, Kriegsteilnehmer und Striegerhinterbliebenen im Orpheum" in der Hasenheide eine Feier veranstaltet, die einen zahlreichen Besuch aufwies. Auf der Bühne standen die umflorten, in den Farben der Republif gehaltenen Banner der einzelnen Orts. gruppen. Der Trauermarsch aus der 3. Sinfonie( Eroica) von Beethoven leitet die Feier ein. Der von Hermann Scherchen beSängerchor( Mitgl. d. ASB.), folgt. Dann rezitierten Gertrud Trauermarsch, vorgetragen Dom Rentöllner Ensoldt und Martin Wolfgang vom Staatstheater. In der darauffolgenden Gedenkrede fand Gauleiter Kamerad Baul Mende zu Herzen gehende Worte für die in fremder Erde ruhenden Kämpfer des Krieges: Nie wieder Krieg! Nie wieder bämmerung" und der wuchtige Truggesang Tord Folefon", vor. Massenmord! Der Trauermarsch aus Wagners Götter: getragen vom„ Gesangverein 1919, beschloß die Gedenkstunde. Hanneles Himmelfahrt. " funks Hauptmanns Hannele". So war die funkische Weihe des In Hunderttausend Ohren trug die Welle des Berliner RundTotensonntags mehr Feier als Theater. Raum hätte etwas Besseres gefunden werden können. Der moderne Gerhart Hauptmann ist uns stets sehr nah. Alfred Kerr versuchte das in seiner hübschen Einführungsrede zu erflären. Diefer Hauptmann, der das Hannele" jah, fühlte und dichtete, ist uns nah; ihn lieben mir. Und preisen das Radio in der Hoffnung, daß Hanneles Schrei nach reiner Menschlichkeit die Bedeutung der künstlerischen Formgebung überdrang. Soll das Senbespiel, sagte Kerr, seine Sendung erfüllen bemeint nicht den Sammerzustand der Erde, bessert ihn! Die Künstler gaben sich große Mühe und erreichten sehr Schönes. An der Spige Florath als Mattern: schnapsgepact, haßwild, tiernah. Hannele war Edith Witt; sie hatte das große Leid, sie ließ uns frieren. Alfred Braun, ber den Lehrer Gottwald sprach, war sehr start am Anfang, ermüdet gegen den Schluß, vortrefflich aber als Regiffeur: die Sorgfamkeit der Stimmabtönung war diesmal ganz besonders spürbar. Der Berliner Sender hatte wieder einen großen Tag, wir fühlten ein Erlebnis. Die Barbeißigsten horchten wie die Kinder, fahen die dumpfe schlesische Bauernstube, spürten den Haß und das Leid zwischen fleinen Menschen und engen Mauern, ahnten aber auch das überirdische Große, das ein Kinderherz hier offenbarte. Licht in der Winternacht des Totensonntags und der Armeleutemelt! Gegen den Kunstterror der Juftiz. Eine Proteftfundgebung im Lehrervereinshaus. Die Bereinigung fintsgerichteter Verleger" hatte am Sonntag vormittag zu einer Brotesttundgebung gegen die Justizwillkür in das Lehrervereinshaus am Alexanderplaß gerufen. Eine start linksraditale Note der Berjaminlung war unverkennbar, wenn auch die meisten Redner fich bemühten, ihr Thema fachlich zu behandeln. Eine Angelegenheit für sich war die geschmacklos aufdringliche Bropagandaschriftenreklame der KPD.- Barteibureaus in der Borhalle. Erheblich aus dem Rahmen fiel auch Herr Milli Münzenberg, der, wie üblich, unter völligem Berkennen der Situation, ausgesprochen fommunistisch plädierte und bei Erwähnung Sowjetrußlands minutenlange Sturmszenen der Anarchisten hervorrief. Wenn Herr Münzenberg im Zusammenhang mit Rußland für die Freiheit alles Geistigen spricht, so ist das immerhin von einiger Infonsequenz. Es sprachen u. a. Rechtsanwalt Wolf, Regisseur Emil Lind, Erich MühLind wandte sich in fam, Justizrat Fraenki und Ernst Loller. seinen dialektisch sehr eindrucksvollen Darlegungen gegen ben Kunstterror einer geistlofen Bureautratie, die die Belt am liebsten zu einer Sammlung von telephonierenden Höhlenbewohnern" machen möchte. Das Berbrechen gegen das teimende geistige Leben sei eine Bergewaltigung ber wertvollsten Kräfte des beutschen Boltes. Gegen biefe Taftit der Entfeelung mit größter Energie Front zu machen, ift die Pflicht aller Ehrlichen und Schaffenden. Ernst Toller machte von einem neuen llebergriff der kunstpolitisierenden Justiz Mitteilung. Ihm sollte in Weimar bie ( Lebhafte zurufe.) Troßdem hat Toller den Hintemann" gelesen. Borlesung des intemann" verwehrt werden. Die zahlreich anwesenden Kriminalbeamten enthielten sich jeder Störung. Eine Resolution, die gegen die General offen= five der deutschen Justiz wider alles Lintsgerich= tete protestierte und auch des wegen einiger Rezitationen zu 15 Monaten verurteilten Schauspielers einer Gefängnisstrafe von Rolf Gärtner gedachte( wann endlich kommt in dieser unglaublichen Affäre die gebieterisch notwendige Amnestie?!), wurde angenommen. Nächtlicher Ueberfall jugendlicher Rowdies. Zu schweren Ausschreitungen fam es in der Nacht zum Sonntag vor einer Gastwirtschaft in der Köllnischen Allee. Gegen 12% Uhr hatte der Wirt etwa 10 junge Leute aus seinem Lofal entfernt, weil sie sich ungebührlich betrugen. Um 1 Uhr schloß er sein Geschäft. Die Hinausgeworfenen hatten die Zwischenzeit dazu benutzt, um sich bei Gleichgesinnten, etwa 20 Mann, BerStärkung zu einem Rachezug gegen den Wirt zu holen. Sie zogen vor das Lokal und forderten Einlaß. Als ihnen dieser verweigert wurde, versuchten sie, mit Gewalt einzudringen und zertrümmerten den Rolladen. Durch eine beschädigte Stelle schoß einer von ihnen in das Lokal hinein. Ein Schuß traf ben am Billard stehenden Etraßenbahnfchaffner Paul Uhr aus der Schadomerstrake 46 in die Brust. Uhr brach fofort zusammen. Der Birt alarmierte das Ueberfallfommando. ergriff die ganze Rotte eiligst die Flucht. Personen, die unmittelbar an dem lleberfal beteiligt waren, fonnten leider nicht mehr feftgenommen verden. Der verletzte Schaffner wurde nach dem Kronkenhaus in Budow gebracht, wo er mit einem Lungensteckschuß schwer darnieder liegt. Als die Beamten anrückten, 3m 57. Lebensjahre ist gestern Sonntagabend in seinem Wohnort Raulsdorf unser Genosse, der Buchdruckereifaftor in der Borwärtsbuchdruderei, Karl Bollat, plöglich aus dem Leben geschieden. Ein Herzschlag fegte diesem Kämpen ein Ziel. Schon in seinen jungen Jahren schloß er sich der Arbeiterbewegung an und mar bis zu seinem Tode ein tätiges Mitglied. Auch in der Verteidigung der Republit hat er seinen Mann immer gestanden. Als Mitglied des Reichsbanners Schwarz- Rot- Gold stand er mitten im Rampf. Nun hat ein Herzschlag seinem Leben ein Ziel gesezt. Wir merden seiner immer in Ehren gedenten. Der Tag der Beisetzung wird noch bekanntgegeben. Gewerkschaftsbewegung Kundgebung für Jugendschuh. Störung durch kommunistische Flegelei. Zum Abschluß seiner Jugend- Werbewoche hatte der Ortsausschuß Berlin des Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbundes zum gestrigen Sonntag eine würdige künstlerisch umrahmte Kundgebung in der Stadthalle veranstaltet. Mitwirkende waren das Streichorchester des Deutschen Mufiterverbandes unter Leitung des Kapellmeisters Willy Kappelt und der Gemischte Chor Groß- Berlin, Dirigent Sascha Horenstein. Als Sprecher waren die Genossen Prof. Hans Baluschet, Peter Graßmann vom Vorstande des ADGB., Gustav Sabath, Vorsitzender des Ortsausschusses des ADGB., Minister Severing und Minister a. D. Rudolf 23iffell, vergesehen. Den Kommunisten hatten es offenbar schon die Namen der Redner angetan, insbesondere aber der Name unseres Genossen Severing. Daß die Drahtzieher dieser festlichen gewerkschaftlichen Rundgebung für den Jugendschuh in ihrer Weise recht teilnahmsvoll" gegenüberstanden, zeigte sich schon am Eingang der Stadthalle, wo ein Trupp nicht mit Einlaßtarten versehener jugendlicher Kommunisten Spalier bildete, nachdem die Schupo sich ihrem Drange entgegengestemmt hatte, sich ohne Einlaßtarte Zutritt zu verschaffen. Selbstverständlich waren auch die jugendlichen Mitglieder der unter kommunistischer Leitung stehenden Gewerkschaften in entsprechender Anzahl eingeladen und wie fich zum Schlusse recht deutlich zeigte - ziemlich stark vertreten. Abgesehen von etlichen unangebrachten provozierenden Zwischenrufen nahm die Feier zunächst einen ruhigen eindrucksvollen Berlauf. Genosse Sabath ermahnte nach herzlicher Begrüßung die Jugend, sich mit der Gewerkschaftsgeschichte vertraut zu machen, damit sie die Bedeutung der Gewerkschaften erkennen und sie zu dem notwendigen Kultur- und Machtfaktor ausbauen helfen. Nur dann werden die Jungen zielklare Kämpfer der Zukunft werden, wenn sie sich ein reiches Wissen aneignen. Die Zukunft braucht Kämpfer mit einem ftarten Wissen, Wollen und Können. Die Jungen gehören mit den Alten zusammen, damit sie reif werden, das ihnen dereinst anzuvertrauende Erbe im Sinne der Alten weiterzuführen. Genosse Wissell gab hierauf einen Rückblick auf die Anfänge des Maschinenzeitalters und die damit einsetzende Ausbeutung der Kinderarbeit. Durch die Maschine wurde dem Menschen die Freude an der Arbeit, das große Geschenk, das nur den Menschen gegeben ist, genommen und vergällt. Die Maschine ging über die Menschheit hinweg wie eine Dampfwalze, alle Kultur und alles Menschentum zermalmend. Es ist eine Errungenschaft der Gewerkschaften, daß die Kinder vor der Profitgier des Kapitalismus geschützt und der Gedanke des Schutzes der Arbeitskraft, vorab des Schutzes der Kinder und der Jugendlichen verwirklicht wurde. Die Regierungen mußten schon deshalb gegen die rücksichtslose Ausbeutung der Jugend einschreiten, da der Rekrutennachwuchs für das Heer gefährdet war. Wenn man heute sieht, wie die Unternehmer gegen die Jugendschutz bestimmungen Sturm laufen, wird man lebhaft an die Zustände von vor 100 Jahren erinnert. Um diese Anschläge des Unternehmertums, die sich in letzter Zeit mehren, zurückzuweisen, müssen die Jugend. lichen die Abwehrfront der freien Gewerkschaften stärken helfen. Nun machte Genosse Knoll vom Vorstand des ADGB. in Vertretung des Genoffen Graßmann den Jugendlichen klar, daß alle bisherigen gewerkschaftlichen Bestrebungen im Interesse des Jugendschuzes lagen und fernerhin liegen werden. Sei es die Erringung besserer Entlohnung, fürzerer Arbeitszeit oder anderer Verbesserungen, all das, was die Gewerkschaften erreichen, ist prat tifcher Jugendschuh. Es ist aber lange noch nicht alles erreicht. Wenn auch meist die tarifliche Regelung der Arbeitsbedin gungen der Jugendlichen durchgeführt ist, so klafft doch eine große Lücke in der zeitgemäßen Regelung des Lehrlingswesens. Auch dieses Ziel wird erreicht werden, wenn die Jugend geschloffen in den Gewerkschaften für dieses Ziel an der Seite der Alten mittämpft. Nachdem noch einmal Gesang und Mufit in den Bann weihe vollen Erlebens zwang, ergriff Professor Hans Baluschet das Wort. Er betonte, daß die Kunst nicht ein Vorrecht der besitzenden Klasse sei, sondern Gemeingut des ganzen Volkes fei. Die Gewert. schaften müssen das Sammelbecken der Jugend werden, in denen durch planmäßige Schulung ihr Verständnis für die Kunst geweckt und gefördert wird. Die schaffenden Künstler sind gern bereit, sich in den Dienst dieser edlen Sache zu stellen. Das hohe Ziel der Gewertschaften verlangt Charakterbildung, die durch nichts besser als die Kunst erreicht werden kann. Jugendschuh und Kulturpolitik lassen sich nicht voneinander trennen, das haben auch die Gewertschaften erfannt. Ihr Klassenkampf ist zugleich Kulturfampf. Der Jugend höchstes Ziel muß es sein, zu Mitkämpfern für diese Ideen zu werden. Als nun Genoffe Severing das Wort ergriffen hatte, ent stand wie auf Kommando ein großer Tumult. Severing hatte faum einige Worte gesprochen, als er durch lärmende Zwischenrufe unterbrochen wurde. Einer der lautesten Zwischenrufer wurde aufgeDeutsches Theater 712 Uhr: Der Kreidekreis von Klabund 1077 WIND ORTEN 8 November- Sensationen! auf allen Gebieten der Kammerspiele internationalen Varieté- Kunst 8 Uhr: Sechs Personen Sonnt. nachm. 312 Uhr halbe Preise Rauchen gestattet suchen einen Autor Reichshallen- Theater von Pirandello Regie: M. Reinhardt Die Komödie Kurfürstendamm 207 8 Unr Gesellschaft v. john Galsworthy Regie: M. Reinhardt Städtische Oper Charlottenburg Heute 8 Uhr: Tiefland Abonnements TurnUS I Abands 8 Uhr Sonntag nadim. 3 Uhr Sicitimer Sänger Neu:, Der Bublkopf' Burleske von Meysel Nachm.halbe Preise, volles Abendprogr. Dönhoff- Brett'i: Das beliebte Berliner Familien- Varieté An den Tanztagen Tanz. Ballmus. d. gas. Falkner- Ordiesters Elite- Sänger Kottbuser Str. 6- Tel. Mpl. 16077. Täglich 8 Uhr u. Sonntag nachm. 3 Uhr( zu halben Freisen): Klubfreunde musik.Auftk: Der alte Borischullehrer, Lebensbild Zum Schluß:?? Jugendsünde?? sowie der unvergleichliche Solotell fordert, die Halle zu verfaffen. Als Antwort betam der Auffordernde I fofort Schläge ins Gesicht. Die Ordner fuchten den Ruheftörer zu entfernen, worauf Pfeifensignale ertönten und Gejohle laut wurde, um Severing am Sprechen zu verhindern. Ueber Bänke und Stühle, hinweg stürzten die Jungstürmer" und versuchten eine regelrechte Brügelei zu inszenieren. Schließlich kam die Polizei dazwischen und machte dem kommunistischen Spektakel ein Ende. Infolge dieser bedauerlichen Vorgänge war es leider nicht möglich, das Programm der Feier, das noch einige künstlerische Darbietungen vorfah, zu Ende zu führen. Genosse Sabath schloß die Veranstaltung mit einigen furzen Worten, in denen er hervorhob, daß mun wohl jeder ermessen tönne, wo die wirklichen Feinde der gewerkschaftlichen Einheitsfront zu suchen find. Das beschämende kommunistische Zwischenspiel fonnte den guten Eindruck, den die Veranstaltung auf alle die Teilnehmer gemacht hat, denen der Jugenschuh und die Kulturarbeit der Gemerkschaften im allgemeinen, eine ernste und heilige Sache ist, nicht verwischen. So bedauerlich auch der Ausgang, so war der Verlauf der in der Hauptsache ungestörten Beranstaltung für die alten und die jungen Gewerkschafter dennoch erhebend. * Die Rote Fahne" versieht ihren Siegesbericht mit der für sie bezeichnenden niederträchtigen Ueberschrift: Severing proDo iert eine gemertschaftliche Jugendversamm lung." Nach der lügnerischen Behauptung, daß auf den Zwischenruf eines Jugendlichen der Jugendsekretär des DMB. den Zwischenrufer durch Fauftschläge ins Geficht angegriffen habe, weiß sie zur Beträftigung ihrer Ueberschrift nur zu sagen, daß durch den von ihren Anhängern provozierten Tumult die Kundgebung unterbrochen wurde, so daß Severing nicht sprechen tonnte. Das war offenbar der 3wed der Uebung und die KPD. mag sich des„ Erfolges" freuen, der Gewerkschaftsjugend die Freude haben. Die Drachensaat der 3 wietracht, die die KPD. auch hier an dieser einzigartigen Rundgebung für den Jugendschutz getrübt zu ausstreute, wird ihr zum Berhängnis werden. Dr. Meißzinger und die Beamten. mit Sem zweiten Borsigenben des alten Betriebsrates zu fpredjen. Von dem Vertreter der Firma und dem als Zeugen vernommenen Meister wurde der Hergang so dargestellt, als ob Sch., von dessen Bahl man bei der Entlassung noch nichts gewußt habe, ohne jede Befugnis seinen Arbeitsplatz verlassen und sich in der Vorhalle aufgehalten habe, wo er nichts zu suchen hatte. Dann wurde aber festgestellt, daß durch die besagte Borhalle der fürzeste Weg zum zweiten Vorsitzenden des Betriebsrats führt. Aber diesen Weg zu benugen ist nicht gestattet, Sch. hätte, um zum Betriebs ratsvorsitzenden zu gelangen, den vorgeschriebenen dreimal lo weiten Weg nehmen müssen. Schließlich mußte auf Befragen der Meister selbst zugeben, er habe gesehen, daß Sch. mit dem zweiten Borjizenden des Betriebsrats sprach. Damit war also die Behaup tung, Sch. habe sich unbefugt von seinem Arbeitsplatz entfernt, hinfällig geworden. Als nach diesem Ergebnis der Beweis aufnahme eine Berurteilung der Firma mit Sicherheit zu erwarten war, erklärte sich ihr Vertreter, der in ähnlichen Fällen immer auf eine grundfähliche Entscheidung zu dringen pflegt, zu einem Vergleich bereit, wonach die Firma dem Kläger 300 m. zahlt Die Unternehmer lassen sich die Beseitigung mißliebiger Be triebsräte, offenbar als„ abschreckendes Beispiel", etwas tosten wenn es nicht fostenlos geht. Sie habens ja dazu! Sigarettenindustrie! Am Mittwoch, den 25. November, nachmittags 5 Uhr, imt Rofenthaler Hof, Rosenthaler Str. 11/12, Sigung fämtlicher Betriebsräte und Ber trauenspersonen. Kartellvorstand und Beirat/ Stunde früher. Der Kartellvorstand. Groß- Berliner Parteinachrichten. 3. Streis Webbing: Bezirksverordnetenfrattion: Heute Montag abend pünktlich 7 Uhr Fraktionsfigung im Sigungefaal, Ledigenheim. 6. Kreis Kreuzberg: abends pünktlich 7 Uhr bei Reim, Urbanftr. 29, erweiterte Kreisvorstandssigung. Wichtige Tagesordnung. Jungfozialisten. Die Gruppen Charlottenburg, Friedenau, Tiergarten, Schöneberg, beteiligen fich heute abend an der Gesamtveranstaltung im Breuß Bilmersdorf Die Werbebezirksveranstaltung findet heute nicht. Landtag. Brinz- Albrecht- Str. 5. statt. Anfang abends 72 Uhr. Vorträge, Vereine und Versammlungen. Reichsbanner Schwarz- Rof- Gold". Gefiäftsstelle: Berlin G. 14, Gebaftianfit. 37/38, Sof 2 St. Kreisverein Treptow( Spielmannszug). Di., b. 24., 6.45 Uhr, Antreten bei Räthel, Niederschöneweide, Brüdenstraße, für alle Spielleute mit Instrumenten. Abfahrt 7,11 Uhr nach Eichwalde. Fahrgeld Der Herausgeber der Bet p"( Beamten- Korrespondenz) hat den durch seine Attennotiz bekannten Arbeitgeberverbandssekretär über die Frage interwiewt, wie sich die Wirtschaft" angesichts wird vergütet. der gegenwärtigen Verhältnisse die weitere wirtschaftliche Entwic lung dente, weiter aber, ob ,, die Wirtschaft" sich nicht veranlaßt sehe, im Interesse der Wiederbelebung des inneren Marktes ihren bis. herigen ablehnenden Standpunkt gegen Gehaltserhöhungen zu revidieren. Das Ergebnis dieser Befragung teilte die ,, Beko" in folgenden Säßen mit: Herr Dr. Mesfinger erklärte uns hierauf, daß feitens der Wirtschaft auf die Regierung feinerlei Drud ausgeübt werde, um Gehaltsaufbesserungen für die Beamten zu verhindern. Die Arbeitgeberschaft verschließe sich heute der Notwendigkeit einer solchen, insbesondere für die großen Massen der unteren und mittleren Beamten, nicht, zumal fein Mensch bestreiten könne, daß seit der Dentschrift der Arbeitgeberverbände eine mindestens 8 bis 10prozentige Teuerung eingetreten sei.“ Die Berliner Börsen- Zeitung" brachte am Sonnabend in ihrer Wochenbeilage für Beamte die Ausführungen der„ Beto" und spricht ihre Berwunderung darüber aus, daß in dieser Nachricht nur von der unteren und mittleren Beamtenschaft gesprochen werde. Auch in der höheren Beamtenschaft herrsche teilweise recht bittere Not. Ob man denn wirklich glaube die höhere Beamtenschaft über. gehen zu können? meint das Blatt Bir fönnen uns nicht denten daß Herr rücksichtigung des Leistungsprinzips auf ihre Fahnen geschrieben Dr. Meisinger, als Vertreter der Arbeitgeberverbände, die stets Behaben, sich derart einseitig für die Aufbefferung der Gehälter der unteren und mittleren Beamten ausgesprochen hat." Die höhere Beamtenschaft müsse fordern, daß eine prozentuale Aufbesserung aller Gehälter erfolge. Was uns, die wir die Wünsche der höheren Beamten für weniger dringlich erachten als die der unteren und mittleren Beamten, an dieser Erklärung des Arbeitgeberverbandsvertreters am meisten interessiert, ist das Zugeständnis, daß die in der Vereinigung deutscher Arbeitgeberverbände vertretene Arbeitgeberschaft heute der Notwendigkeit einer Besserstellung der großen Massen der unteren deutscher Arbeitgebervertände vertretene Arbeitgeberschaft sich heute der Notwendigkeit einer Befferstellung der großen Massen der unteren und mittleren Beamten nicht mehr verschließt. Daraus ergibt sich auch nicht mehr gegen Lohnerhöhungen wenden will. Ein Betriebsratsmitglied bei Siemens- Schuckert entlassen. Im Fräserwert der Firma Siemens- Schuckert wurde am 15. Oktober der Arbeiter Sch., der dem Wahlvorstand für die Betriebsratswahl angehörte, in den Betriebsrat gewählt und am Nachmittag desselben Tages, als die Wahl bereits durch Aushang bekannt gemacht war, sofort entlassen. Als Entlassungsgrund murde angegeben, Sch. habe am 14. und 15. Oftober, ohne den Meister zu fragen, auf furze Zeit seinen Arbeitsplag verlassen. Sch. flagte beim Gewerbegericht auf Fortzahlung seines Lohnes, da er als Mitglied des Betriebsrates nicht ohne dessen Zustimmung entlassen werden durfte. In der Beweisaufnahme stellte sich her. aus, daß Sch. den Meister nicht um Erlaubnis fragen fonnte, weil derselbe zur Zeit nicht anwesend war, daß er aber dem Rorarbeiter von seinem Fortgehen Mitteilung gemacht am 15. in seiner Eigenschaft als Betriebsratsmitglied baite, um am 14. in feiner Eigenſchaft a is a hip or stand und Großes Schauspielhaus 3/4 Für Dich CHAPELLEVUE 300 Mitwirkende Parkett M. 6.- Rang M. 8.2ter Rang M 1.50. Loge M. 7.3ter Rang 75 Pi. Sonntag nachm. 3 Uhr unverkürzt zu ermäßigten Preison Gardinen Iniss Sonderangebote Gelegenh.- Käufe in Resten Stores, Bettdecken Madras- und Künstlergardinen. Spezial- Gardinenwerkstatt Heukölln, Bergstr.67 am Ringbahnhoi. Frische, junge Fett1,10 Gänse 1,20 in nur erstkl. Qualit. Wegner, Berlin 50., Mariannenstr. 34. Tapeten 25 Pf. 30 Pf. 35 Pl. Riefenauswahl in allen Breislagen herrliche Muster Tapeten für Puppenstuben- Linoleum u. Fußmatten Tapeten- Magazin Humboldt Brunnenstraße 112, Ecke Voltastraße nur 1. Etage, kein Laden. ( Ringfrei, daher fonkurrenzlos billig.) Borzeiger erhält 5% Rabatt. und Frumsppreffon Berr Dr. med. S. in 2. hat mit Obermeyer's Medizinal Serba- eife eralelt. Ber St.-65, 80% verstärkt bei unreinem Teint prachtige Erfolge mt. 1- Bur Nachbehandlung ist Herba Greme befonbers zu empfehlen, Zu haben in allen Apothefen, Drogerien und Parfümerien Berliner ElektrikerGenossenschaft Sport. Rennen zu Mariendorf am Sonntag, den 22. November. 1. Rennen. 1. Kurfürst( Lichtenfeld), 2 Ingrid Halle, 3. Karta. Zoto: 519 10. Blag: 81, 15, 16:10. Ferner liefen: Ropele, Constanz, Die Lette, Gitelfried, Edelsteins Sohn, Ellen, Weinbrand, Franlet, Lujtschiffer, Sphing I. 2. Rennen. 1. Barones Lybia( J. Mills), 2. Frechheit, 3. Margot I, Blat: 27, 13, 21: 10. Ferner liejen: Copal, Precious oto: 90: 10. 3. Rennen. Batts, lud, Altgold, Angriff, Handfeft. Allene, Baffenmädel, Francisco. 1. Lilac( Ch. Mills), 2. Cuba, 3. The Kitty. Toto: 20:10. Blat: 14, 17, 15: 10. Ferner liefen: My Darling, Königsadler Attorie, pfilanti, Bessie, Staybach, Barmaid, Importeur, Indianer, Paula Bingen, Linslo, Corona Mc. Kinney. 4. Rennen. 1. Mary H.( Saug jr.), 2. Florentiner, 3. Native Forbes. 5. Rennen. 1. Flora Bingen( G. Lautenberg), 2. Sybill, 3. Manfred. Toto: 169: 10. Plat: 34, 43, 19: 10. Ferner liefen: Baron Klatawah, Alpenser, Peter Harvester, Jeffries jr., Cotta, Verdun, Pontresina, Wasserfall, Kammerfänger, Dompfaff I. Toto: 13:10. Blag: 11, 13: 10. Ferner liefen: Doris, Buchdruder. 6. Rennen. 1. Abteilung: 1. Zlona B.( F. Adler), 2. Kerrigan fr., 3. Wainsca. Toto: 39: 10. laz: 20, 16, 36: 10. Ferner liefen: Nobelle I, D' Capt. Leerberg, Lenz I, Friedrich Ner. Beinminze, Erst. Wolfers, 2. Abteilung: 1. Aftorie( G. Herfurth), 2. Unbeil, 3. Tors Chelsealand. Divisionär, Altmart, Coriolanus, Broschüre, Odessa, Matador ICrassus. rero. Zoto: 71: 10. Platz: 26, 28, 26: 10. Ferner liefen: Maitönigin, 7. Rennen. 1. Edith Worthy( B. Hedert), 2. Fels, 3. Brogieß. Toto: 150: 10. Blat: 22, 25, 23: 10. Ferner liefen: Lord Ellerslic, Stittyschor, Stella Harf, Feuerwehr. Jay Lee. 8. Rennen. 1. Inge I( A. Rogowski), 2. Konsul, 3. Burmida. Toto: 183: 10 Blaz: 25, 22, 23: 10. Ferner liefen: Duantität, Armenier, Sylvia Stout, Schwarzwaldmädel, farwelle, Venus, Alexander H., Stletterrose, Stüraffier, Mocuna, Hettie, Hellina, Sinostern, Morgentau, Hoffnung II, Gladiator I, Barillia D., Alarich, Kapitäin Halle, Celata, Lange mann, Dcean Girl. Berantwortlich für Politit: Ernst Reuter; Wirtschaft: Artur Saternus; Gewerkschaftsbewegung: Friedr. Eglorn: Feuilleton: K. S. Döscher; Lokales und Sonstiges: Frik Karstädt; Anzeigen: Th. Glode; fämtlich in Berlin. Berlag: Borwärts- Verlag G. m. b. S., Berlin. Drud: Borwärts- Buchdruckeret und Verlagsanstalt Baul Singer u. Co., Berlin SW. 68, Lindenstraße 3. Emser Wasser( Kränchen). Nur echt mit dieses EMS Pastillen Quellsalz Schupmarke gegen Kafarrhe, Grippe, Sodbrennen usw. Emsolith, das Beste für die Zähne. gute S. Wir fabrizieren Herren- und Knabenkleidung und schalten dadurch feden verteuernden Zwischenhandel aus, deshalb am leistungsfähigsten und am billigsten. Hoffmann, Charlottenburg, Wilmersurfer Straße 12. LJUERGENS das Haus Bekleidungsstücke. Wäsche usw Monatsgarderobe, Lothringerstraße 56, Bon ALEXANDER PLATZ eine Treppe, Rofenthalerplag. Millionären, Aerzten, Anwälten furze Reit getragene Ravaliergarderobe. fabelhaft billige Breife. Anzüge, Taillenmäntel, Baletots, Frad, Smoking, Gehrodanzüge, Sofen, elegante Sport Gehpelze. Rein Raufzwang. Beitester Weg lohnend. Bitte genau Haus nummer 56 beachten. Bettfedern Adolf Pohl Dresdener Straße 15 Fabrikgebäude Verkäufe . Getragene Herrengarberobe, tabellos erhalten, Gelegenheitsfäufe in Belg waren, große Auswahl, billige Breife. Steine Lombardware. Leibhaus Spiegel, Chauffeestraße 7. Möbel Patentmatrahen, Huflegematragen, Metallbetten, Chaiselongues. Balter, Stargarderstraße achtzehn. Enlleideschränte 110.-, enalische Bett stellen 48.-, Blüschfofas, Einzelmöbel. Rahlungserleichterung. Stein, nur An flamerstraße 20. Musikinstrumente Bianss preiswert. Klaviermacher Lint. Brunnenftraže 85. Ein Piano oder Flügel faufen Sie angescht, dem Verb. sozialer Baubetriebe Berlin N24, Elsässer Str.86-88 Fernsnredher: Norden 1198 Filiale Westen, Wilmersdorf Landhausstr. 4 Tel. Pfalzburg 9831 Reumann- Rähmaschinen für Sausge äukerft preiswert und folid bei bequemer Herstellung elektr. Licht-, Kraft- brauch und Gewerbe. Teilzahlung. Re Bahlungsweise in der Fabrikniederlage paratur- Werkstatt fülr alle Snfteme der größten Pianofabrik Europas Ge und Signalanlagen Verkauf aller Emil Salbarth G. m. b. S. Kriedrich brüder Zimmermann. Potsdamerfir. 27. elektrischer Bedarfsartikel. Ausführung sämtl. Reparaturen Preiswerte, gediegene Arbeit 1222 ⚫ftzake 55a. Merkur 6268. Reikzeuge( Richter Bräzision), Sicher heits- Goldfüllfederhalter. Bureaubedarfs • baus Lindner, Neukölln, Raifer Friedrich- Straße 36/37. Kaufgesuche Fahrräber tauft Linienstraße 19