Nr. 556 42. Jahrg. Ausgabe A nr. 284 Bezugspreis: Bentlich 70 Blennie, monafid 8,- Reichsmart voraus zahlbar. Unter Arenaband für Deutschland, Danzia. Saar- unb Memelgebiet, Defterreich. Bitauen, Luxemburg 4,50 Reichsmart, file bas übrige Ausland 5,50 Reichsmart pro Monat --Der„ Borwärts mit der Sonntags beilage Bolt und geit mit„ Gieb Lung und Rleingarten fowie bez Beilage Unterhaltung und Biffen unb Frauenbeilage Frauenitimme eticheint wochentäalich ameimal Sonntags und Montags einmal Telegramm- Abreffe: .Sozialbemotrat Berlin Morgenausgabe Vorwärts Berliner Volksblatt 10 Pfennig Anzeigenvreise: Die einfaltige Nonpareille. zeile 80 Pfennig. Reflamezeile 5. Reichsmart. Aleine Anzeigex* bas fettgedrudte Wort 25 Bfennig ( auläffia awei fetigebrudte Worte). febes weitere Bort 12 Biennis. Stellengefuche bas erfte Mort 15 Bfennia, tebes weitere ori 10 Pfennig. Worte über 15 Buchhaben zählen file swei Worie Arbeitsmarkt Seile 60 Pfennig. Familienanzeigen Hir Abonnenten Beile 40 Bfennia. Anzeigen für die nächte Summer müffen bis 4½ Uhr nachmittags im Sauptgeschäft. Berlin SB 68, Lindenftrake 3, abaegeben werden. Geöffnet Don 8% Uhr früh bis 5 Uhr nadji. Zentralorgan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands Redaktion und Verlag: Berlin SW. 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Dönhoff 292–297. Mittwoch, den 25. November 1925 Die Ministerkrise in Frankreich. Die Sozialdemokraten zur Regierungsübernahme bereit. Paris, 24. November.( Eigener Drahtbericht.) Die foziafiftische Fraktion und der Parteivorstand befaßten sich am Dienstag nachmittag in einer gemeinsamen Sigung mit der Innerpolitischen Lage. Die beiden Strömungen innerhalb der Partei fanden ihren Mederschlag in zwei Anfragen. Der eine, der Compère- Morel zum Autor hat, fordert die Webernahme der Regierung durch die Sozialisten felbst und die Bildung des Kabinetts unter dem Borfig eines Sozialisten mit Beteiligung der anderen Gruppen des Cinfstartells. Der andere Antrag, der vor allem von Mistral vertreten wurde, verlangt im Gegensatz dazu den Eintritt der Sozialisten in ein von den bürgerlichen Partelen gebildetes Kabinett der ausgefprochenen Linfen. Strieges und der öffentlichen Arbeiten, und daß die Fraktion sich selbst die Auswahl ihrer Mitglieder vorbehalten müsse, die sie in das Rabinett zu entfenden gedente. An diesen Tendenz mel. Dungen ist ebensowenig ein wahres Wort, wie an der Behaup tung, daß lediglich an diesen Forderungen die von Briand in Aussicht genommene Regierungsbildung gescheitert sei. Paris, 24. November.( Eigener Drahtbericht) Die foziafifthe Kammerfraktion hat am Dienstag abend gegen 9 Uhr eine von Compère- Morel eingebrachte Entschließung zur innenpolitischen Cage einstimmig angenommen. Es heißt darin, daß die Fraktion nach wie vor volles Bertrauen zu den von ihr vorgefchlagenen finanziellen Cöfungen habe. Sie fel überzeugt, daß ihr Finanzplan, mit der notwendigen Energle durchgeführt, geeignet fel, die finanzielle Reffung des Landes ficherzustellen, von der lehten Eudes in Zukunft die Griffenz des republifanifchen Regimes felbft abhänge. Die Fraffion erkläre fich deshalb bereit, die Durch führung der von ihr vorgeschlagenen Cöfung sicherzustellen, indem fe entschloffen ist, die Bildung der Regierung zu übernehmen, ohne Rücksicht auf die geringe Zahl ihrer Bertreter im Parlament. Die Frattion werde vor feinem Rifiko zucüdfchreden. Sie fal bereit, die Macht zu übernehmen in Zusammenarbeit mit denjenigen demokratischen Parteien, die sie selbst unter der Bedingung unterstützt habe, daß diejenigen Cöfungen und Handlangen, die allein in der Lage seien, das Land zu retten, sichergestellt würden. Taktischer Zug oder ernfter Vorschlag? Paris, 24. November, 11 Uhr abends.( Eigener Drahibericht.) Die Einstimmigkeit, mit ber ber Beschluß der sozialistischen Fraktion gefaßt wurde, erflärt sich daraus, daß er im Sinne des Iint en Flügels mehr als ein faftifcher Zug ohne praktische Folgen gedacht ist, während die Anhänger ber Regierungsbeteiligung ihn durchaus eruff nehmen und behandelt wiffen wollen. In den Bandelgängen der Kammer erregte die Bekanntgabe biefer Entfchließung lebhaftes Aufsehen, mobel allerdings bie meisten bürgerlichen Abgeordneten darin mehr einen Bersuch erblickten, durch einen kühnen Gegenstoß die Beteiligung an der Regierung ein neues Maf zu vermeiden. Andere halten es indeffen nicht für ausgeschlossen, daß der Präsident Doumergue, falls fich feine fonfügen Bemühungen um das Zustandekommen eines kabinetts als sergeblich erwelfen sollten, von dem Borschlag der Sozialisten tatsächlich Gebrauch macht und den Genossen Léon Blum mit der Kabinettsbildung beauftragt. In diesem Fall dürfte es sich allerdings nur um ein Experiment non furzer Dauer handeln, da es nicht recht einzusehen ist, moher eine vorwiegend von Sozla liften zusammengesetzte und beeinflußte Regierung eine Mehrheit im Senat belommen follte. Selbst in der Kammer wäre nach ben jüngsten Erfahrungen faum eine Mehrheit für die Finanzpläne der Sozialisten zu erlangen, deren Kernstüd eine rüdsichtsInle Rapitalsabgabe ift. Zur Klarstellung des sozialistischen Beschlusses fei noch hervor. gehoben, daß er nicht eine rein sozialistische Minder. heitsregierung, fondern die Webernahme des minister. präsidentenpostens und weiterer wichtiger Aemter durch Gozialisten, aber auch bie eranziehung entschieden fints. gerichteter Persönlichkeiten aus dem Lager der Radikalen und Sozialiftisch- Republikaner vorsicht. Briand gescheitert. Der Präsident der Republik hat unmittelbar nach der btehnung Briands den Präsidenten der Finanzfommiffion des Senats Paul Doumer zu sich berufen und ihn mit der Bildung des neuen kabinetts betraut. Doumer hat sich eine Bedentzeit von 24 Stunden ausgebeten. Als er das Elysee verließ, erklärte er, daß er, falls ihm die Bildung des Kabinetts gelingen werde, zugleich mit dem Boften des Ministerpräsidenten das Amt des Finanzmini fters übernehmen und auf Briands Mitarbeit an der Spitze des Außenministeriums zählen werde. Doumer, der in der vergangenen Woche erst zum Präsidenten der Finanzkommission des Senats gewählt worden ist, gehört nicht dem Lintstartell an. Er ist Mitglied der Gruppe der„ linion Republicaine" des Senats, die den gemäßigten Republikanern der Kammer entspricht, und der u. a. Poincaré und Barthou angehören. Ueber die politische Einstellung eines von Doumer gebildeten Kabinetts fann also taum ein 3weifel bestehen. Doumer wird versuchen, eine Koalition zustandezubringen, die vom rechten Flügel der Radikalen bis zu den Barteien des Nationalen Blocks reichen würde. Die Boraussetzung dafür würde allerdings eine Spaltung im Lager ber Rabitalen und Radicalsozialen sein, von denen in diesem Falle wahrschein lich ber größere Teil unter der Führung Herriots zusammen mit den Sozialisten in die Opposition gehen würde. Unter den Bolififern, die am Dienstag nachmittag von dem Bräsidenten der Republit empfangen worden sind, befand sich auch Poincaré. Das führte zu dem falschen Gerücht, baß Poincaré für das Finanzministerium in Aussicht genommen sei. In den Abendstunden verlautete, daß die Bemühungen Doumers um die Bildung eines Rabinetts infolge des Widerstandes der Herriot- Partei nach furzer Zeit bereits gescheitert wären. Eine fon frete Meldung liegt jedoch darüber bisher noch nicht vor. Sozialdemokratische Anträge. Berbefferung der Lohnsteuer.- Amnestie für Dienst. vergehen. Die Sozialdemokratische Reichstagsfraktion hat einen Antrag zur Lohnsteuer eingereicht, daß ein Einkommen bis 100 m. monatlich Dom Steuerabzug frei bleibt, und zwar 65 Reichsmart als feuer freier Lohnbetrag und je 17,50 mt. für Werbungstoften bzw. Son. berleistungen. Außerdem sollen die Familienermäßigungen folgendermaßen erhöht werden: Für die Ehefrau auf 20 mt., für das erste und zweite Kind auf je 30 Mt., für das dritte und vierte Kind auf je 40 m., für bas fünfte und jedes folgende Kind auf je 50 m. monatlich. Mit diesem Vorschlage ift zugleich die Befeiti gung des Systems der prozentualen Ermäßigungen ver bunden, so daß fünftig die Familienermäßigungen für alle Einfommen gleich hoch wären. Außerdem frant die Fraktion die Regierung um Auskunft, wann die vom Reichstag geforderte und von der Reichsregierung zugefagte Borlegung des Entwurfs eines Gesetzes über Amnefti erung von Dienstvergeben zu erwarten fet. Vorwärts- Verlag G.m.b. H., Berlin SW. 68, Lindenstr.3 Boftichedfonts: Berlin 37 536- Banffonts: Bent ber Arbeiter, Angestellten und Beamten, Ballfir. 65; Diskonts- Gesellschaft, Depofitentaffe Lindenstr. 3. Das Protokoll. Aus der konservativen Verschwörersitzung. Die Rechtspresse schwankt noch, ob sie das Protokoll der Sigung des weiteren Borstands der fonservativen Partei, trug, als gefälscht" oder als gestohlen" bezeichnen soll. aus dem Genosse Bels gestern einige marfante Stellen vortrug, als gefälscht" oder als gestohlen" bezeichnen soll. Rechten gefährlich: denn wenn das Protokoll gefälscht" ist, Dieses Schwanken ist für die Wahrheitsfreunde auf der dann ist es nicht gestohlen", und wenn es gestohlen" ift, bann ist es eben nicht gefälscht". In Wirklichkeit ist es weder das eine noch das andere. Graf Bestarp selbst hat den Inhalt dieses Geheimprotofolls als ,, ausgefochten Unsinn" bezeichnet. Der Reichstag hat dieser Bezeichnung mit heiterem Beifall zugestimmt. Es fteht allerdings sehr viel ausgefochter Unfinn" darin, aber es wäre eine ganz ungerechte Kränkung des„ geschäftsführenden Vorstandsmitglieds", Herrn Brauer, des Ber faffers und Unterzeichners dieses Protokolls, wenn man für diesen Unsinn ihn verantwortlich machen wollte. Er konnte eben nur schreiben, was wirklich gesprochen wurde. Zur Geschichte der Rechtskoalition liefert das Brotokoll wertvolle Beiträge. Also am 26. Mai d. I. war Graf Bestarp noch der Meinung, die Fraktion, deren Borsigender er ist, und die er doch genau fennen muß, werde in ihrer großen Mehrheit-70 bis 80 gegen 30 bis 40 Stimmen den Sicherheitspaft im Reichstag annehmen. Sein Fraktionsfollege Everling glaubte damals fogar, 104 Deutschnationale würden das tun und nur sechs in Oppofition bleiben. Daß ein Sicherheitspalt ohne das, was die Deutschnationalen den Berzicht auf deutsches Land und deutsches Boll" nennen, unmöglich war, fonnte ihnen schon damals nicht verborgen fein. Dennoch waren sie damals in ihrer überwältigenden Mehrheit zur Annahme bereit. Es ergibt sich daraus, was von ihrem verlogenen Geschrei gegen das Wert von Locarno zu halten ist. Graf eftarp, der Fraktionsführer selbst, mar aller dings schon damals nach seiner eigenen Behauptung innerlich entschloffen, den Baft abzulehnen. Das sagte er vertraulich, aber als der aufrechte deutsche Mann, der er ist, jagte er es sonst nicht. Ja, wie inzwischen befannt wurde, noch in jener Oftoberfihung der deutschnationalen Bartelleitung, die das Unannehmbar" aussprach und damit den Rücktritt der deutschnationalen Minister erzmang, wollte er eine flare Befchlußfaffung verhindern. Obwohl er, wie gesagt, schon im Mai feinen tonfervativen Spezialfreunden erflärt hatte, eine Buftimmung zum Sicherheitsvertrag fei nach seiner Meinung unmöglich. Graf Westarp hat demnach treulich nach der Marime gearbeitet, die der Chefredakteur der treuzzeitung", Herr Foerti, öffentlich verkündet hat. Er hat die Bolitit als ein Geschäft betrieben mit dem Ziel, die Gegenseite zu übervorteilen. Ein Händler, tein Held! Die tonfervative Partei, deren Borfigender Graf Bestarp war, bis er, an die Spitze der deutschnationalen Reichstagsfrattion berufen, das Ami an den Grafen Seidlig San brecati abgab, lebt unter dem schüßenben Dach der Deutschnationalen, aber sie fühlt sich unter ihm nicht mohi Davon gibt jede Seite des Brotokolls Zeugnis. Besonders beklagt man sich über die magnetische Kraft, die die deutschnationale arteifaffe ausübt, den Konservativen bleibt da nichts übrig. Dieses Gefühl, in der deutschnationalen Familie mir die Rolle des armen Bermanbten zu spielen, drängt nach anderweitigent Anschluß. So verfündet Graf Seiblih, der sich von Herrn ulle zuvor politisch hatte befruchten faffen: Der Gedanfe eines 3 usammengebens mit den wolfischen ist jebenfalls nicht von der Hand zu weifen. Erzellenz D. Reuter bringt freilich von einer Reise durch Süddeutschland schmerzliche Einbrüde heim. Er als Konfer vativer fönne es nicht verantworten, auf Hitlers Seite zu Bessere Hilfe für Erwerbslose! Annahme eines sozialdemokratischen Antrags. Im Reichstagsausschuß für soziale Angelegenheiten stand am Montag der sozialdemokratische Antrag auf Erhö. hung der Erwerbslofenunterstübung und Berlan gerung der Unterstützung der Kurzarbeiter zur Bestehen, da dieser nur margiftische Interessen ver ratung. Das 3entrum erflärte fich grundfäßlich mit dem sozial bemokratischen Antrag einverstanden. Auch die Bertreter der De motraten, der Deutsch nationalen und der Deutschen Boltspartei äußerten sich zustimmenb. Die Kommunisten der werbslosenunterstügung. Am Freitag Locarno- Abstimmung. 9 trete". Doch Herr Brauer verneint dies und versichert, daß sich die norddeutsche Gruppe der Nationalisten von Hitler losgejagt habe. Eine nicht geringe Rolle spielt in den Debatten bas BerParis, 24. November.( Eigener Drahibericht.) Briand ist mit feinem Auftrag gescheitert. Er hat seine Besprechungen mit Boli titern ben ganzen Bormittag des Dienstag über fortgesetzt und u. a. auch mit Leon Blum und Paul Boncour längere Zeit über den Eintritt der Sozialisten in das von ihm zu bildende Kabllangten aus Agitationsbedürfnis sofortige Berdoppelung der Erhältnis zu Hindenburg. Graf Westarp führte dazu aus: nett beraten. Um 3 Uhr nachmittags begab er sich ins Elysee, um Den ihm erteilten Auftrag zur Kabinettsbildung in die Hände des Präsidenten der Republif zurüdzugeben. In einer der Bresse gegebenen Erflärung begründet Briand feine Ablehnung damit, daß es ihm nicht gelungen fei, alle feine politischen Freunde zur Mitarbeit im neuen Minifterium um fich zu vereinen. Geine Apficht, ein Rabinett zu bilden, in dem alle Gruppen der Linten Don Leon Blum über Hertiot bis zum Zentrum vertreten sein sollten, fei daran gescheitert, daß die Sozialisten ihm ihre Mitarbeit ver weigert hätten. Es fonnte nicht eine Minute zweifelhaft sein, daß für die französischen Genossen eine Mitarbeit mit den gemäßigten Republikanern der Mitte, deren ganze Politit weit mehr nach rechts als nach links neigt, ernstlich nicht in Frage kommen würde. An den rechtsstehenden Blättern wird nun behauptet, daß Beon Blum und Baul Bencour für eine Beteiligung der Sozialisten an einem Ministerium eine Reihe unerfüllbarer Forderungen gestellt hätten, fo die Bedingung, daß die fozialistische Fraktion die michtigsten Ministerien erhalte, barunter bas der Finanzen, des Innern, des Ich habe seinerzelt die Jarres- Ranbibatur mitgemacht. Mit der Kandidatur Geßler zog uns das Zentrum aus tattischen Gründen folange hin, daß iá) Windler bazu drängte, Schluß zu machen, was dann auch ungefähr zwei Tage vor dem festgelegten Termin gefah. Jarres ist Deutsche Bottepartei, hat sich in seinen Reden ganz gut uns gegenüber benommen. Daß der Reichsblock im ersten Wahlgang nicht burchtam, mar vorauszusehen und so war es ganz gut, daß Hindenburg erst im groeiten Bahigang aufgestellt wurde. Ich war in dieser Zelt frant und all die Gerüchte in den Der Beitungen, ich wäre gegen blese Kandidatur, find unwahr. Ausgang der Bahl war für mich allerdings ein überraschender Erfolg: Ich haite nicht daran gezweifelt, daß der Feldmarschall durchfäme, hatte aber auf meniger Stimmen( etwa 100 000) für ihn Der Weltestenrat des Reichstags setzte am Dienstag den Arbeitsplan des Blemims bis zum Ende der nächsten Woche feft. Aim Mittwoch wird die Blenarsijung um 3 Uhr beginnen und ausschließlich fleinere Borlagen behandeln. Bormittags soll sich der Auswärtige Ausschuß nochmals mit den Rüdwirtungen befaffen. Am Donnerstag findet dann die zweite und am Freitag die dritte Lesung der Locarno- Borlage statt. Die namentliche Abstimmung dürfte spätestens für abends 8 Uhr zu erwarten fein. Am Sonnabend wird der russische Handelsvertrag beraten werden, und am Montag foll das Plenum mit der dritten Beratung des Reichshaushalts beginnen. Es ist geplant, die Haushaltsgerechnet. Ueber den jezigen Zustand midte ich folgendes fagen: beratung bis zur Weihnachtspause abzuschließen. Bom Freitag der kommenden Woche bis zu dem nächstfolgenden Dienstag werden feine Bienartigungen ftattfinden. Ich habe von vornherein angenommen, baß hindenburg in gewissen Dingen fehr vorsichtig und zuradhattenb fein würde. Id erinnere baran, daß während des Krieges jeder Bersuch, ihn gegen $ Sethmann Hollweg oder gegen die Reichsregie zumachen bereit ist. Freilich ist die Mehrzahl der volkspartei hindert habe. Anders ftünde es mit der Frage des Eintritts ung einzunehmen, an feiner absolut forretten lichen Blätter nicht minder gern bereit, anderen die ,, pater- Deutschlands in den Bölterbund, die in feinem notwendigen Zu Auffassung der Instanzen und seiner Befugländische Gesinnung" abzusprechen. Aber da der blödeste aller jammenhang mit den Locarno- Berträgen ftehe. Da die bayerische tiffe fcheiterte. Ebenso prüft er jetzt genau, wie weit er Vorwürfe jeht auch gegen Stresemann, Scholz und die volks- Regierung im jezigen Völkerbund ein Instrument der Siegerstaaten uständig ist und er wird schwer zu bewegen sein, feinen persönlichen parteilichen Sturmgesellen erhoben wird, da ist das selbstver- ur Niederhaltung Deutschlands sehe, so sei sie für eine Berzögerung dieses Eintritts. Einfluß einzusehen. Das ist die eine Hemmung in der Frage, ob er ständlich ganz etwas anderes... ms Freude machen wird. Zweitens steht er sehr star? auf dem Standpunkt„ Seid einig, einig, einig!" und er wird ich darum nicht an den Kämpfen gegen die Sozialdemo❘ ratie beteiligen. Wir haben auch schon gewisse Enttäuschungen erlebt, z. B. fein Tusspruch in der Funkrede, daß kein Krieg den Deutschen elfen fönne- es fehlte der Satz in der jeßigen Zeit"! Das Bild der Bereidigung war auch nicht herzerfreuend, jindenburg über den Farben Schwarz Rot Gold! Löbe röffnete die Sigung und stond daher in nicht allzu weiter Entfer. tung von Hindenburg. Die gegnerische Breffe behauptet ja auch, aß Hindenburgs Eid auf die Berfassung eine Stärtung der jerzen war man nicht bei der Sache, weil man eben das janze jejige System verwirft. epublitanischen Berfaffung sei. Dit ungeteilters Herr Everling, der eine stärkere Betonung des nonarchistischen Standpunktes" in der Kreuzzeitung" wünscht, richt später in herzbrechende Klagen darüber aus, daß man jindenburg der Republit geopfert hat". eutung der Wahl Hindenburgs für die monarchische Frhr. v. Malzahn- Gülz hat Sorgen wegen der BeFrage: Hindenburg ist zweifellos nicht im Bege, aber wird das Boll, wenn die Zeiten unter Hinden nurg besser werden sollten, nicht sagen:„ Es geht ganz jut mit der Republit!" Dann würde der monarchische Bedanke doch durch die Wahl Hindenburgs gelitten haben." Bestarp Graf Best arp bestätigt diese Gefahr. Daher muß die Berbearbeit für die Monarchie jest beson ers start betrieben werden." Um den ganzen Reiz diefer Debatte zu ergründen, muß nan immer im Auge behalten, daß die Herren, die sich so mit inander streng vertraulich unterhielten, Mitglieder der danaligen größten Regierungspartei" gewesen sind. Als solche mb als brave Patrioten betrachteten sie die Möglichkeit, daß s dem Bolte besser gehen fönnte, als eine Gefahr Ind der Vorsitzende der deutschnationalen Reichstagsfraktion erlangt stärkeres Betreiben der Berbearbeit gegen ie Republit, der die deutschnationalen Minister ein paar Nonate zuvor den Eid geleistet hatten. " Ausgefochter Unsinn!" sagt Graf Westarp. Man tönnte benso gut sagen: Ausgefochte Niedertracht!" Stresemann hat mit langen Ausführungen in seiner noch amtlichen Eigenschaft als Außenminister in die Debatte eingegriffen. Es war seine Pflicht, von der amtlichen Stelle die deutsche amiliche Auslegung des Vertragswertes darzustellen, nachdem durch Westarp die demagogisch nichtamtliche vorgetragen worden war. Aber auch während der völkerrechtlichen Berteidigungsrede Stresemanns hatte man das Gefühl, daß hier mehr der Boltsparteiler gegen den deutschnatio nalen Ronkurrenten spricht als der Minister für auswärtige Angelegenheiten. Der Führer der deutsch nationalen Graftion begründete hierauf eingehend die ablehnende Haltung seiner Partei mit den gleichen Argumenten, wie feine Freunde im Reich. Stresemann sei in der ganzen Sache von England auf das Glatteis geführt worden. Die Berträge seien nichts anderes als eine freiwillige Anerkennung des Berjailler Bertrages durch Deutschland. Die Haltung der bayerischen Regierung jei eine halbheit und insofern eine Infonsequenz, als fich Locarno unter dem Eintritt in den Bölkerbund als eine politische Einigung darstelle. Der Ministerpräsident hätte im übrigen schon mit Rüdficht auf die Sujammenfegung der banerischen Koalition auch für die Locarno- Berträge fich der Stimme enthalten müssen. Ueber die pöltischen Anträge wird erst am Mittwoch entschieden. nationale, Böttiſche und Kommunisten lehnen bas Bertrags. Ein völkischer Mörder freigesprochen. " Die Aussichten des Pattwertes scheinen, nachdem Bertreter aller Parteien sich geäußert haben, tlar zu sein. Deutschmert ab. Sie unterstreichen diese Haltung durch einen Luft. stoß gegen die Regierung Luther, die ohnehin ihren Rücktritt unmittelbar nach der Vertragsunterzeichnung angekündigt hat. Die Wirtschaftspartel, als Bertreterin des notleidenden Mittelstandes", schlägt sich unter Führung des Hohenzollernfreundes Bredt auf die Seite der DeutschnatioEintritt in den Bölferbund noch ein besonderes Gesetz gemacht nalen. Sie will den Antrag unterstützen, wonach über den werden soll. Das ist natürlich nur eine Verschleppung und Erschwerung einer an fich notwendigen und gerade durch Locarno unabweisbar gewordenen Handlung. Aber trok diefes mittelständlerischen Zuwachses wird die deutschnational- völkisch- kommunistische Front in der minder heit bleiben. Nach den Erklärungen des Grafen Lerchenfeld wird auch die Fraktion der Bayerischen Bolkspartei für den Batt und für den Eintritt in den Bölferbund stimmen, so daß mit einer großen Mehrheit der für die Entwicklung Europas und vor allem unseres eigenen Landes so bedeutungsvolle Niewieder Krieg Bertrag genehmigt werden dürfte. Die zweite und dritte Lesung, denen das Gesetz noch unter. worfen ist, werden diese Tatsache nicht erschüttern, sondern unterstreichen. Bayern und Locarno- Vertrag. Die Haltung der bayerischen Regierung. München, 24. Movember.( Eigener Drahtbericht.) Eine deutsch national inspirierte Rorrespondenz verbreitete am Dienstag die Nach Bon der Schaffung einer Geschichte der Konservativen richt, daß zwischen der Reichstagsfraktion der Bayeri. Bartei war in jener Sigung viel die Rede. Herr Dr. Boven- schen Boltspartel und dem Ministerpräsidenten Dr. Held chen soll sie schreiben. Inzwischen hat, wie man sieht, Herr schwere Differenzen bestehen. Sie behauptet u. a., daß Dr. Held Brauer, der Berfaffer des Protokolls, zur Geschichte der falls sich die Reichstagsfraktion der Bayerischen Volkspartel an einer Conservativen und der Deutsch nationalen Partei zubildenden sogenannten Locarno Roalition im Reich beinen ganz hübschen Beitrag geliefert. teiligen würde, er als banerischer Ministerpräsident aurüdtreten würde. An diesen Behauptungen ist nach Mitteilung von maß gebender Seite fein wahres Wort Zwischen dem Führer der Reichstagsfraktion und Dr. Held herrsche volle Uebereinstimmung. vor allem auch über die Frage der möglichen Auswirkung der AnDer Kampf um den Frieden. Reichstagsdebatte über den Locarno- Vertrag. Nach den Reden von Weis und Westarp im Reichsnahme der Bocarno- Berträge hinsichtlich der Innenpolitik. age schien das Interesse an dem Schicksal der Locarno- Ber räge bereits erschöpft. Während Genosse Wels für die Bartei es Friedens und der Zukunft die Zustimmung ausfprach, atte Bestarp als Mann des Emig- Beftrigen nur unendlich iele Worte, um das Nein zu umfleiben. Unter den nachfolgenden Rednern erschöpfte vor allem der Bolfsparteiler Scholz fich in polemischen Wendungen gegen en großen deutschnationalen Bruder, um dessen Liebe man so rünftig geworben hatte, und der nun alle Annäherungen fo leblos von sich stößt Bitter und enttäuscht mendet sich der iedere Scholz gegen die deutschnationale Breffe, die ihn und sinesgleichen schon ebenso als Landesverräter" zu bezeichnen eginnt, wie einft nur die Sozialdemokraten, die auf jeden fall aber jedermann die nationale Gesinnung" abspricht, der icht die gerade fällige deutschnational- fonfervative Politit mitSo leben fie. Von Hans Hadmad. Nur mit Schaubern benft man an die Jahrhunderte zurüd. iegenden Zeiten, die sich nicht zuletzt dadurch auszeichneten, daß die efrönten Häupter einen geradezu unglaublichen Lurus trieben. Selbst die erbärmlichsten und bedeutungslosesten Bertreter der ahlreichen deutschen Fürftenfippe glaubten durch Berschwendung, Brunk und Prafferet ihre edle Herkunft dokumentieren zu müssen. Bährend der leibeigene Bauer init feiner Familie fich wie das Bich bfchinden mußie, während man ihm die turiosesten und brüdendsten Steuern auferlegte, bauten die abligen und mächtigen Herren stolze Burgen und Schlösser, statteten diese in verschwenderischster Weife us und verlebten darin mit Troß und Geschmeiß frohe Tage. Wie erheben fühlt sich unsere heutige Zeit über solche barba ischen Zustände! Bie stolz sind die Klopffechter der tapitalistischen Befellschaftsordnung darauf, daß so etwas heute bach nicht mehr nöglich fci. Rürzlich wußten die bürgerlichen Zettungen unter der Rubri? Interessantes aus aller Welt" oder„ Bermischtes" zu berichten, daß m Budapester Nationalfajino bei einem Kartenspiel zwischen unga ischen Aristokraten der junge Baron Gerliczn auf einen Siz pier Milliarden ungarische Kronen verloren habe. Nach deutschem Gelde atte der junge Baron" bei einem Spiel also nahezu 250 000 Gold. narf verloren. Robet, wie Aristokraten nun einmal find, gab man sem jungen Baron Gelegenheit zu einer Renandhepartie. Darüber vird berichtet:„ Die Bank enthielt bel Beginn des Spieles nur 10 Millionen ungarische Kronen, die Beträge wuchsen aber rasch an, päter fam es zu Bartien um 100 Millionen, und zum Schluß etug der Einsatz bereits eme Milliarde. Am Morgen des fünften Spieltages war die Partie zu Ende. Baron Gerliczy hatte 30 Milliarden etwa 2 Millionen Goldmart verloren, löste dann, im feine Kartenfchuld zu bezahlen, seinen Wiener und Budapester Haushalt auf und verfaufte zwei Großgrundbefize. Mit dem Rest eines Vermögens zog er nach England, um dort ein neues Leben zu beginnen." Ach, wie ist doch die Zeitung so interessant: der junge Baron serfiert beim Kartenspiel mal eben 2 Millionen Goldmart, vertloppt ifs„ Ehrenmann" ein paar Riefenwerte, um seine Spielschulden zu sezahlen und zieht nach England, um dort ein neues Leben zu beginnen". Für die bürgerliche Presse ist damit dieser Fall erledigt. Benn so ein erbärmlich bezahlter Handlungsgehilfe einmal mit ver Bortotasse von einigen hundert Mark durchbrennt, so ist er ein Schurke, der das Eingelo werden verdient. Wenn sonst irgendein rmer Teufel aus Not oder in einer plötzlichen Störung seines noralischen Bewußtjeins fich nur um ein geringes am Eigentum ines anderen vergeht, dann ist das selbstverständlich eine verab cheuenswerte Untat. Aber wenn der junge Herr Baron" München, 24. November.( Eigener Drahtbericht.) Im Zwischen. ausschuß des bayerischen Landtags, der parlamentarischen Rörperschaft während der Landtagsferien, fand am Dienstag eine verspätete Beratung verschiedener Döllischer Anträge statt, die von ber banerischen Regierung eine ablehnende Stellungnahme zu den Sacarno- Berträgen fordern. Ministerpräsident held begründete in einer längeren Rebe die Stellungnahme der banerischen Regierung im Reichsrat und er örterte bei dieser Gelegenheit das gesamte Broblem der deutschen Außenpolitit der letzten Jahre. Er billigte bie Haltung ber Reidsregierung in der Frage des Sicherheitspattes und be tonte bie absolute Unmöglichkeit, jetzt noch die Unterschrift unter die Cocarno- Berträge zu vermeigern. Das würde für Deutschlands Bolitik und Wirtschaft von unabsehbaren Folgen begleitet sein, da die ganze Weft Deutschland beschuldigen würde, daß es die unbedingt notwendige Befriedung Europos ohne zwingende Gründe ver2. Millionen Mart Spielschulden macht und diese mit riesigen Ber. mögenswerten bezahlt, für die er fein Lebtag noch nicht einen einzigen Finger gerührt hat, dann ist das eine vornehme aristokratische Ange. legenhett. So leben also in einer Zeit des europäischen Maffenelends, mo ganze Bölfer um ihr Dasein ringen, wo Millionen von Broletariern buchstäblich um Brot und Nahrung tämpfen, die Herren Aristofraten! Sie leben in einer besonderen Welt, in der es teine Jrren ärzte gibt, die einen jungen Baron" mit 2 Millionen Mart Spiel. schulden entmündigen und flugs ins Tollhaus sperren; fie leben in der fapitalistischen Welt, in der es feine Staatsgemalt gibt, die einen gewiffenlosen Berschwender enteignet und sein Braffergut zum Nugen der Allgemeinheit verwendet. mittelalterlichen Borläufern nach! Die Barbarei des modernen Rapitalismus steht in nichts ihren Männergesangverein Namentos". Chormeister Emil Thielo hat mit emfigem Fleiß und andauernder Energie dafür gesorgt, daß der stattliche Chor Namenlos" in der Sängerwelt einen burdhaus flangvollen Namen hat. Das Material ist gut, und es ist vor allem eine Freude, einmal wieder frischen, unverbindlichen Tenorstimmen zu begegnen. Thielo ist offenbar fein Freund von der alten, etwas ziert, manches fönnte man sich etwas vertiefter denken, aber taum übertriebenen Nuancierung. Ehrlich und gerade wird bei ihm nuufi wesentlich anders. Der fräftige männliche Grundcharakter der Dar bietungen und die sorgfältige Aufteilung auch bel anspruchsvollen Chören. z. B. bei dem überraschend gut gebauten Chor einer Komponistin, Grete Diege, brachten den Sängern und ihrem Dirigenten bei dem dichtgedrängten Zuhörerkreis des großen Saales im Friedrichshain lebhaften und herzlichen Beifall. begrüßen ist es auch, daß einem so schwierigen und verfeinerien Kunstzweig wie dem Streichquartett auch hier eine gaftliche Tür geöffnet wird. Quartetts verdient die allerbeste Förderung. Wenn die tempeDas Mitwirten des Bezkow Schubert ramentvolle geborene Führerin noch etwas von ihren Primadonnenlaunen abgibt und namentlich die zwei Unterstimmen bei Figurationen und selbständigen thematischen Führungen etwas mehr tonliche und rhythmische Selbständigkeit erlangt haben, so ist es das beste H. M. Frauenquartett, was wir seit langen Jahren gehabt haben. Sehr zu Die altaltische Statue. Auf eine fleine Anfrage im Breußischen Landtag über den Ankauf der altgriechischen Statue und die Beteili gung Preußens an diesem Erwerb erteilt der Breußise Minister für Bissenschaft, Kunst und- Bolfsbildung nachstehende Antwort: „ Die für die Antikenabteilung der biefigen staatlichen Museen erworbene Statue toftet 1 000 000 RM. Nachdem 800 000 R. burch private Stiftungen und Beiträge von seiten des Reichs, der Provinzen und der Stadt Berlin zufammengebracht worden waren, hat die Staatsregierung besondere Mittel in Höhe von 100 000 RM. zur Verfügung gestellt; der verbleibende Rest bis zum Höchstbetrage von 100 000 m. wird aus den etatsmäßigen Mitteln der Kunstmuseen in Berlin bestritten. Nach dem Guts achten affer maßgebenden und der amtlich zuständigen Sachverstän. digen ist die Statue e cht. Das Staatsministerium felbft fann hier für unmittelbar teine Berantwortung übernehmen." [ Wieder eine Blüte mecklenburgischer Justiz. Bor dem Schwurgericht in Ro stod hatte sich ein Angehöris ger des Frontbanns zu verantworten, der im September das Mitglied des Reichsbanners Wolfer bei einem Zusammenstoß zwischen Hafenkreuzlern und Reichsbannerleuten durch einen Revolverschuß getötet hatte. den Streit mit den betrunkenen Frontbannhelden lediglich schlichtend Durch Zeugenaussagen wurde festgestellt, daß der Erschoffene in eingreifen wollte. Außerdem ergab die Beweisaufnahme, daß die mitglieder des Reichsbanners feinerlei Baffen, nicht einmal Stöde bei sich hatten. Obwohl der Hafenfreuzfer augenscheinlich dem Herzen des Staatsanwalts recht nahestand, mußte dieser doch auch bei zubilligung mildernder Umstände wegen Totdiefer doch auch bei zubilligung mildernder Umstände wegen Totschlags eine Strafe von 1 Jahr 6 Monaten Gefängnis beantragen. Schlags eine Strafe von 1 Jahr 6 Monaten Gefängnis beantragen. Das medlenburgische Gericht aber brachte es fertig, den Angeklagten freizusprechen. Der Getötete ist ja nur ein Reichsbannermann und Republi. taner, der Mörder aber ist ein völkischer Frontbannmann. Dieser Gegensatz erklärt wie in Berlin- man bente an ben Tod des Reichs. bannerfameraden Schulz fo auch in Rostoc vieles, wenn nicht alles! Hamburg, 24. November.( Eigener Drahtbericht.) Am 18. NoDember wurde bei Hamburg in einer Senfgrube die Leiche der feit dem 14. Oftober vermißten Kontoristin Sofie Loges aufgefunden und festgestellt, daß ihr Tod durch mehrere Messerstiche im Halse herbeigeführt worden war. Der Hamburger Kriminalpolizei gelang es, den Täter in der Person des Bädergesellen Otto Herwede zu ermitteln und festzunehmen. Er ist als Rohling befamut. Im Jahre 1923 fand 3. B. in einem preußischen Borort eine in Hamburg verbotene Fahnenweihe des Stahlhelm statt. Später zogen Mitglieder des„ Stahlhelm in geschlossenen Kolonnen ab und fielen auf dem Rüdwege mit Gummitnüppeln über Republikaner her. Dabei murden u. a. auch ein Schmerfriegsbeschädigter und zwei fünfund sechzigjährige Leute so schmer verfeßt, daß sie blutüber ftrömt ins Krankenhaus geschafft werden mußten. Bei dem Schwerfriegsbeschädigten wurde u. a. ein Armbruch durch Schlag mit einem Totschläger festgestellt. Als Haupttäter wurde damals der iegt als Mörder festgenommene Herwede ermittelt. Eine Anzeige gegen ihn blieb erfolglos. Der Oberstaatsan. walt stellte das Berfahren ein, weil hermede gegenüber dem wehrlosen Kriegsbeschädigten in straffofer Rotmehr gehandelt hätte.as Ju der Täglichen Rundschau wird behauptet, es muffe mit der demmächftigen Einberufung des Stadtschulrais Bauljen in das Unterrichtsministerium gerechnet werden. Hierdurch werde die rein parteipolitische Einstellung des Ministers wieder einmal be leuchtet. Demgegenüber stellt die Unterrichtsverwaltung durch den Amtlichen Preußischen Bressedienst fest, daß die Absicht einer Einberufung Bauffens nicht bestanden hat und auch nicht besteht. Arbererseits würde die Unterrichtsverwaltung es mit Genug. tuung begrüßen, wenn ein Mann mit den pädagogischen Fähigkeiten Baulsens nicht dauernd unbeschäftigt bliebe. Moderne Tutanchamons. Die ungeheuren Rostbarkeiten, die im Grabe Tutanchamons gefunden worden sind, stehen freilich in der Geschichte einzigartig da. Aber es gibt auch heute noch Leute, bie ihn wenigftens in bescheidenem Maße nachahmen. In Amerifa hat der Begräbnislugus eine erstaunliche Höhe erreicht, und der Bräsident der amerikanischen Beerdigungsunternehmungen, Frederik M. Batterson, schäyte türzlich den Wert der Juwelen, die in den Bereinigten Staaten alljährlich ins Grab mitgegeben werden, auf 80 millionen Mart. Die stets machsende Berschwendungs fucht bei den amerikanischen Begräbnissen schreibt man dem Einfluß der Iren zu, die noch der uralten Sitte huldigen, den Toten in feiner beften Kleidung und mit möglichst viel Wertsachen ins Grab zu legen. Die Sarge, die mau verwendet, find häufig aus orndiertem Silber, bismeilen fogar aus Gold. Der Grabräuberei, der so viele ägyptische Königsgräber zur Beute gefallen find, fucht man durch Stahlgewölbe, burch Granitmaufaleen und durch alle möglichen Sicherheitsvorrichtungen norzubeugen. In anderen Ländern ift ia die Sitte der Grabbeigaben im Absterben begriffen. Wie ber Sefre tär der britischen Begräbnisgesellschaften Hurry mitteilt, beläuft sich der Wert der in England mitbegrabenen Juwelen auf höchftens 20 000 Mart im Jahr; selbst der Trauring wird meift nicht ins Grat mitgegeben, und felten fommt es vor, baß eine Frau nach ihrer legimiligen Bestimmung mit Schmudfachen begraben wird. Nur auf dem Lande gibt man gelegentlich noch einen Trinkbecher mit ins Grab und bei Kindern die ersten Schuhe. Ein Ceffing- Jimmer in Wolfenbüffel. Zur Erinnerung an Leffings Tätigkeit als Bibliothekar wurde in der braunschweigischen Landesbibliothek in Wolfenbüttel ein Leffing 3immer eingerichtet, Dörfchen Salzdahlum ausgestattet ist und eine ständige Ausstellung das mit Möbeln aus dem alten braunschweigischen Schloffe in dem von Bildern von Leffings Zeitgenoffen, eine Sammlung der Erftausgaben feiner Werte, Handschriften und besonders schöne Briefe enthält. Auch die wenig befante Totenmaste ift dort ausgestellt, Georg de Marées, wie aus Lessings Briefen hervorgeht, im August ferner das erst vor kurzem angefaufte einzige verbürgte Originalbildnis von Leffings Gattin Eva, das der Münchener Bildnismaler 1770 geschaffen hat. Das Berliner Thealer, das mit dem Ablauf des jezigen Gafspiels fret wird, ist an den Komponisten Walter Bromme verpachtet worden. Er wird dort seine Oberetten aufführen. Die Boltsbühne hatte sich auch um das Theater beworben. hurt einstudieren, bessen leichte flüssige Dialoge sich ganz besonders für Das englische Theater deutscher Schauspieler will Delar Bildes Bun Studienzwede eignen. Eine wertvolle funftgeschichtliche Entdefung. Ein im Städtischen Museum Bermann Bog als ein hervorragendes Wert des heute fo bodgeſchästen au Erfurt untergebrachter, bisher wenig beachteter Altarflügel urbe von Dalers Hans Baldung Grien erfannt. Das Bild stellt die Erschaffung der Menichen und Tiere dar und dürfte etwa um 1530 entstanden sein. 10 000 arbeiteto'e Merzle in der Sowjetunion. Raut Angaben bes, Erud find zurzeit in der Sowjetunion 10 000 erste ohne Beschäftigung, davon Kergie, darunter 1100 Epesialisten, angefordert worden. Die meisten ar bie Mehrzahl tanen. Am Laufe von achn Monaten b.& find nur 1936 beitslosen Aerzte find junge Mediziner, die im Jahre 1923 und 1924 ihr Diplom erhalten haben Der Hohenzollernfkandal. 30 Millionen Barabfindung 300 000 Morgen Land als Ausgleich? Ueber die Abfindung der Hohenzollern verbreitet der ,, Reichsdienst der deutschen Preffe" folgende Meldung: Wie wir erfahren, soll die Zustimmung des ehemaligen Kaisers zu dem Entwurf eines Bermögensausgleichs zwischen Preußen und dem Hause Hohenzollern schon erteilt sein. Dagegen dürfte noch die Zustimmung der preußischen Staatsregierung ausstehen, der dann noch die parlamentarische Erledigung folgen müßte. In der Frage der Barabfindung soll der Entwurf eine bedeutend niedrigere Siffer als die bisher genannten enthalten; man fommt der Wahrheit wohl am nächsten, wenn man die immerhin recht bedeutende Summe von 30 millionen annimmt. Diese 3iffer ergibt fich als Gesamtbarabfindung, wenn man den Bedarf der rund 40 Mitglieder des Hauses Hohenzollern entsprechend den heutigen Kapitalerträgen zugrunde legt. Dieser jährliche Bedarf wird auf rund 1 bis 1½ Millionen geschäßt. Er setzt sich zusammen aus den Zuschüssen für die verschiedenen Mitglieder der Dynastie und aus Investitionen für Bewirtschaftung. Es ist zum Teil schon bekannt, daß mit Ausnahme der geringen Zahl von Kunstwerten in den im hohenzollernschen Besitz verbleibenden Schlössern sämtliche Kunstfchaze in das Eigentum des Staates übergehen würden, insbesondere auch alle von preußischen Königen den Museen überlassenen Werke. Aus der Materie der bisherigen Unterhandlungen ist auch zu ersehen, daß im wesentlichen von den rund 80 Schlössern, Jagdschlössern und Billen vermutlich dem früheren Königshaus die Burg Hohenzollern, Die Güter Rominten und Kadinen, in Berlin das Riederländische Palais, das Palais des alten Kaisers, das Schloß Bellevue und rund 300000 Morgen Land verbleiben würden, wenn der oben genannte Entwurf im wesentlichen unverändert bleibt. Das gleiche gift von den heutigen Wohnfißen der in Deutschland lebenden Prinzen einschließlich von Dels. Diese privaten Angaben bedürfen noch der Bestätigung. Da gegen wird uns von gut unterrichteter Seite mitgeteilt, daß materielle Einzelheiten heute noch nicht als feststehend betrachtet werden fönnen, daß aber die Berhandlungen soweit vorgeschritten feien, daß mit einem vorläufigen Abschluß Mitte der nächsten Woche gerechnet werden fann. Dann erst wird das preußische Staatsministe. rium, der Staatsrat und schließlich der Landtag entscheiden. " Daß Wilhelm von Doorn mit diesem Ausgleich" zufrieden ist, läßt sich vorstellen. Die ausländische Presse spottet schon heute über die Gutmütigkeit eines Boltes, das einem davongelaufenen Monarchen, der sein Bolf zuerst in die tiefste Not brachte und dann ſizen ließ, zum reichsten Manne Europas macht. Leider wird das Bolt diesen berechtigten Spott über sich ergehen lassen müssen, wenn der Reichstag fich nicht dazu aufschwingt, dem Unfug durch Reichsgefeß ein Ende zu machen. Fürftenabfindung in Thüringen. Die thüringischen Landespäter haben felt leber. nahme der politischen Macht durch die Ordnungsregierung eine Flut von Prozessen gegen den Freistaat Thüringen losgelassen, die falls das Reich nicht durch ein Reichsgefeß über Fürsten abfindungen eingreift den Bankrott des thüringischen Staates unvermeidlich machen. Unser Jenaer Barteiorgan stellt über die schwebenden und in Aussicht stehenden Fürstenprozesse 1. a. folgendes feft: $ # Gotha: Der Herzog hat seinen Brozeß durch die bekannte Entscheidung des Reichsgerichts gewonnen Millionen sind dem Bolfsvermögen entriffen und nahezu untragbare Lasten dem Frei ftaat Thüringen aufgehalft. Schwarzburg Sonders. hausen: Vor dem Oberlandesgericht in Naumburg ist in der zwetten Instanz ein Prozeß anhängig. Strettobjekt: das gesamte staatliche Rammergut mit 21 großen Domänen, mehreren Schlössern und 20 000 Heftar Wald. Der Vertrag vom Movember 1918 ist als„ gegen die guten Sitten verstoßend" vom Sandgericht Erfurt für ungültig erflärt worden. Schwarzburg Rudol stadi: Auch hier flagt die Fürstin auf ungültigkeitserklärung" des Staatsvertrages non 1918. Etreitabjeft: 12 große merivolle Domänen und 1700 Hettar Bald. Sachsen Altenburg: Der Herzog will ebenfalls den Abfindungsvertrag" vom Jahre 1919 anfechten und feine Ansprüche vor Gericht geltend machen. Sachsen Meiningen: Der ehemalige Landespater follte sich im ersten Schreck mit 10 Millionen als Abfindung begnügen. Jetzt tommt er mit„ Aufwertungsansprüchen" und verlangt einen Aufmertungsjah von 100 Prog. Sachsen. Beimar: Die Jahresrente van 3000 Baptermart wurde von einem Schiedsgericht auf 100 000 Goldmart erhöht, trogdem die Landesmutter" 75 Ritter: güter in Ostdeutschland besiẞt. Die Galerie der thüringischen Fürstenprozeffe ergibt also fein besonders erhebendes Bild dynastischen Edelmuts und allzu großen Mitleids mit dem ausgepowerten Bolf. Erst ein Reichsgefeß dürfte dem Unfug der thüringischen Fürftenprozesse endlich ein Ende machen! Ehrung Damaschkes. Durch die Tagung der Bodenreformer. Der Bund der deutschen Bodenreformer hielt am Montag in der Aula der Technischen Hochschule zu Charlottenburg unter Borfiz des Gründers des Bundes Adolf Damaschte seine 30. Haupt verfammlung ab. In seiner Eröffnungsrede bezeldmete Damaschte als die Aufgabe des Bundes deutscher Bodenreformer, in stiller und unscheinbarer Arbeit das deutsche Bolt wurzelfeft zu machen im beutschen Boden. Unter großem Beifall wurde die aus Anlaß des 60. Geburtstages erfolgte Ernennung Dr. Damaschtes zum Ehrendoktor der Theologie der Universität Gießen befannigegeben. In dem Geschäftsbericht, den Dr. Damaschte selbst erstattete, hob er rühmend die wertvolle Bodenreformarbeit des an baltischen Staates hervor, ber es als erster in der ganzen Belt fertig gebracht habe, gefaggeberisch die Bestimmung aufzu nehmen: Bei der Besteuerung wird der gemeine Wert zu grunde gelegt. Bauwerke auf und unter der Erde werden nicht befteuert." Regierungspräsident Genoffe Krüger Lüneburg hielt einen Bortrag„ Der Entwurf eines preußischen Städtebaugesetzes". Seine Ausführungen gipfelten in folgenden Leitfäßen: 1. Die Gemeinden, welche Flächenauftellungspläne aufgestellt haben, follen ein gefeßliches Bartaufsrecht erhalten auf alle Grundstücke, die innerhalb der Wohngebiete liegen, oder die nach dem Flächenaufteilungsplan für Berkehrsflächen und Grundflächen bestimmt find. 2. Sie sollen ferner ein Enteignungs. recht haben für solche Grundstüde, deren Benutzung erforderlich ift zum Bau von Mittel- und Kleinwohnungen fowle für das für folche Wohnungen nötige Gartenland und zur Anlage von industri. ellen Unternehmungen, sofern Grundstücke durch einen Flächenauf teilungsplan zu Industrieflächen bestimmt find. 3. Bei der Ausübung des Vorlaufs- und Enteignungsrechtes soll sich der Berfaufs bzw. der Enteignungspreis richten nach dem Betrage, der für das enteignete Grundstüd bei der letzten Einschäßung auf Grund des Reichsbewertungsgeleges vom 10. Auguft 1925 feftgestellt worden ist. 4. Gemeinden, welche Flächenaufteilungspläne aufgestellt haben, müssen verpflichtet werden, ein Biertel des für Mittel- und Kleinwohnungen bestimmten unbebauten Wohngebietes zu Heim stättengebieten zu erflären. Prof. Dr. Boldt Göttingen sprach über„ Die Bemerkung des Grundbesizes im Reichsbewertungsgeset". Der Zweck des Reichs. bewertungsgeleges, die Bewertung des Grundbefizes durch hierfür geschaffene Reichsbehörden, unter Mitwirkung von fachkundigen Landes- und Gemeindebeamten einheitlich zu regeln, sei als er heblicher Fortschritt zu begrüßen. Schwere Bedenken hat der Referent gegen eine Bewertung nach dem Ertragsmert. Dringend erforderlich sei eine einheitliche Bewertung der Grundstücke nach dem gemeinen Wert in den eingemeindeten Vororten großer Städte und in Induſtriebezirken. Der durch Ilmwandlung von Aderland in Bauland entstehende hohe Grundstücks zuwachs werde viel zweckmäßiger durch eine rechtsfräftige 3umachssteuer erfaßt als durch eine scharfe Besteuerung nach dem gemeinen Wert. | fáhriften auf diesem Gebiete auf Dienstentlaffung neben der anderen Strafe erkannt werden soll. Dabei lag das Bedenten vor, daß eine solche Bestimmung im bürgerlichen Strafrecht fehlt. Um dieses Bedenken zu beseitigen, ist von der Sozialdemokratischen Fraktion im Reichstage der Antrag eingebracht worden, dem Strafgesetzbuch für das Deutsche Reich folgenden neuen§ 210a einzufügen: In den Fällen einer Berurteilung auf Grund der§§ 201, 202, 203, 206, 207, 208, 210 StGB. ist für alle im öffentlichen Dienst stehenden Personen auf Dienstentlaffung bzw. auf fristlose Lösung des bestehenden Vertragsverhältnisses zu erkennen." Selbstverwaltung des Memellandes. Der Beginn verfassungsmäßiger Zustände. Am Montag wurde der Memeler Landtag eröffnet. Damit hat eine neue Periode begonnen. Das Memelland murde seit feiner Abtrennung von Deutschland von oben her, erst durch einen französischen Kommissar, dann von einem litauischen Gouverneur autokratisch regiert. Das Dittat des Bersailler Ber= trages fannte fein Selbst bestimmungsrecht; ohne die Bewohner zu fragen, wurden Deutsche aus dem Reichsverbande getrennt. Sechs Jahre lang wurde auch ihnen demokratisches Selbstverwaltungsrecht nicht gewährt. Jezt er halten sie endlich wenigstens einen Teil ihrer Staatsbürgerrechte zurück. In der Nachmittagssigung fprach Oberregierungsrat Dr. S oppe Dresden über„ Mietzinsfteuer und reine Grundrentensteuer". Der anhaltische Landtagsabgeordnete Baume der behandelte die Tren nung von Bau- und Bodenwerten in Anhalt. Die anhaltische Grund. steuer nach dem gemeinen Wert mit ihrer reinlichen Scheidung von Boden- und Bauwert entspreche durchaus den Anforderungen fozialer Gerechtigkeit. Seine Ausführungen gipfelten in bem Wunsche, daß die anderen deutschen Freistaaten Anhalt nachgebiet, auch in Zukunft tein Parlamentarismus. folgen mögen. Regierungskrise in Thüringen? Bölkisches Mißtrauensvotum wegen Locarno. Belmar, 24. November.( TU.) Bie verlautet, wird der Führer der Thüringer Nationaltozialisten Dr. Dinter im Landtage namens feiner Fraktion einen Mißtrauensantrag gegen die Regierung einbringen, weil sie im Reichsret der 2ocarno Borlage zugestimmt habe. Das bedeutet, fofern die gefamte völlische Fraktion im Thüringer Landtag in dieser Frage hinter Dr. Dinter fiebt, voraussichtlich den Sturz der Thüringer Regierung, da sie ohne die Völlischen im Landtage feine Mehrheit hat. Ostelbischer Steuerfkandal. Steuersabotage der Großgrundbefizer. Frau Landtagsabg. Gen. Destreicher schreibt uns: Der Landkreis Insterburg ist im Provinzialwahlkampf der Schauplatz erbitterter Kämpfe, die mit allen Miteln der Verleumdung gegen den sozialdemokratischen Landrat geführt werden. Im in diesem Kampf durch Vereinigung besonders start zu sein, haben fich die Rechtspartelen zusammengeschlossen zu einer Liste der Hindenburgwähler. Der Spizenkandidat dieser Liste, der Gutsbesitzer Wagner Stagutschen, ein reiner Batriot" und treudeutscher Mann", der Mitglied des Steuerausschusses ist, es also wiffen muß, führte in einer Rede, die er im Kreislandwirtschafts. verband hielt, aus, daß Befizer unter 60 Morgen im Kreise Inster. burg steuerfrei feien, auch über 60 Morgen würden sie von der Eintommensteuer befreit, wenu fie durch ihre Buchführung nachweifen könnten, daß fie tein Einkommen gehabt haben. Die ostpreußischen Agrarier find Meister der Buchführung, wenn es sich um Steuerbrüderei handelt, fie waren das ja von jeher, und so find im Kreise Insterburg. immer nach Wagners Aus führungen, von den Befihern über 400 Morgen 80 Prozent, Befizera über 1000 Morgen 90 Prozent von der Einkommenftener befreit! Befizer, die in Automobilen die Straßen unsicher machen, die Reisen ins Ausland mit der Familie unternehmen, die herrlich und in Freuden leben, find von der Cin tommensteuer befreit, während dem armen Gehalt und Lohn empfänger non seinem fouer verdienten Geld die Steuer ab. gezogen wird, Bie ist es möglich, daß die Beamten der Finanz. amter diesen Unfug dulden, daß die Buchführungen nicht durch landwirtschaftlich vereidigte Sachverständige nachgeprüft werden. Denn, was hier durch die Indiskretion eines Mitgliedes des Steuer. ausschusses an die Deffentlichkeit kommt, ist Gepflogenheit nicht nur im Kreise Insterburg, sondern in fast allen landwirtschaftlichen Gegenden Um das Maß voll zu machen, soll der Präsident der Landwirtschaftskammer, Besizer von 5000 Morgen Land, auch zu den Nofleidenden gehören, die feine Einkommensteuer zahlen. Herr Dr. Brandes ist Präsident der gleichen Landwirtschaftskammer, die, als durch Schiedsspruch vom 6. November 1924 und beffen Ber. bindlichkeitserklärung die geringen Bandarbeiterlohne um ein weniges erhöht wurden, dagegen protestierte, daß die staatlichen Schlichtungsinstanzen auf die Gestaltung der Ar beiterlöhne einwirken! Das wirksamste Mittel gegen diese groß agrarische Steuerfabotage wäre eine öffentliche Auslegung der Einkommensteuerliften. Bielleicht würden dann auch die Finanz beamten merfen, welches Spiel getrieben wird. Die deutschnationalen„ Reiniger". Aus Halle wird uns geschrieben: In Mitteldeutschland ist wieder eine Säule der Reaktion geborsten. Es handelt sich um einen Fabrit befizer Jänide aus der Halleschen Vorortgemeinde Büschdorf. Jänide war zum ehrenamtlichen Gemeindevorsteher ge wählt worden. Eine Revision der Gemeindefinanzen durch den Kreis führte bald zu der Feststellung eines erheblichen Defi. zits. Auch als die unter deutschnationalem Einfluß stehende Gemeindeverwaltung furzerhand Boranschläge über hohe Summen als tatsächliche Ausgaben verbuchte, änderte sich an dem Tatbestand nichts. Man versuchte zunächst, die Manipulationen des Herrn Jänicke durch einige Pressenotizen zu vertuschen. Der Ruf des beutschnationalen Gemeindevorstehers wurde dadurch feineswegs ge. beffert, zumal bekannt wurde, daß sich ber uneigennügige Fabrikant für seine Tätigkeit, für die fein Borgänger 1200 Mart betam, 6000 Mart Entschädigung hatte bewilligen lassen. Ein Teil der Ge. meinbegelder ist außerdem noch für den etwas dunklen Ge. häftsbetrieb der Janide G. m. b. 5. verwandt wor. den, so daß sich die Hallesche Staatsanwaltschaft veranlaßt sah, diese Größe der deutschnationalen Kommunalverwaltung vor die Alter native der Berhaftung oder der Beschaffung einer er. heblichen Sicherheit zu stellen. 0 Gegen den Duellunfug. Ein sozialdemokratischer Antrag. Bei der Beratung über das Militärftrafgesetz im Rechtsausschuß des Reichstags find Strafbestimmungen gegen das Duell unwesen der Soldaten hineingebracht morden. Die schwerwiegendfte Be ſtimmung ist die, daß in den Fällen eines Verstoßes gegen die Vor Aber im Memelland besteht, ebensowenig wie im SaarDer Landtag hat keinen Einfluß auf die Regierungsbildung. Der Gouverneur des Memellandes wird von der litauischen Regierung ernannt. Diese ernennt seinerseits den Präsidenten des Landesdirektoriums. Dieses wählt sich hinwiederum die Mitglieder des Direttoriums selbst aus. So ist verfassungsmäßig dafür gesorgt, daß die Regierung" des Memellandes den Wünschen der litauischen Zentralregierung entspricht. Die einzige parlamentarische Sicherung für die Memelländer liegt in dem Recht des Landtages, dem Landesdirektorium das Bertrauen zu entziehen; das Direktorium muß dann zurüdtreten. Anderfeits fönnen Gouverneur und Direktorium den Landtag auflösen. Es ist für die politische Hochfpannung des Memel landes charakteristisch, daß die Memelländer die Einberufung des ersten Landtages nicht schon vierzehn Tage nach der Wahl, sondern erst vierzehn Tage nach der endgültigen Fest. stellung des Wahlergebnisses als einen Verfassungsbruch auffaßten. Oder sie zogen daraus den Schluß, der neue litauische Gouverneur, der bisher politisch wenig hervorgetretene Zilius, wolle den neugewählten Landtag noch vor seinem Zusammentritt auflösen. Der Wahlsleg der deutschen Einheitsliste mit ihren 27 Abgeordneten denen nur zwei Litauer gegenüber stehen veranlaßte fürzlich amtliche litauische Stellen, darauf hinzuweisen, daß es sich um feine deutsche Einheits-, sondern um eine deutsch- litauische Einheitsliste handele; auf dieser Liste feien auch Litauer gewählt worden. Hieran ist richtig, daß Angehörige der litauischen Sprachgemeinschaft sich zu ben feien auch Litauer gewählt worden. Hieran ist richtig, daß Angehörige der litauischen Sprachgemeinschaft sich zu den deutschen Parteien zählen. Hoffentlich zieht die litauische Regierung und der litauische Gouverneur aus dem Ergebnis der Wahlen die Lehre, die Versuche, das Memelland zu litauifieren, aufzugeben. Die Memelländer haben oft, und auch diesmal wieder ihren LoyaBersuche, das Memelland zu litauisieren, aufzugeben. Je größer bie politischen Freihenten des Memellandes find, um fo weniger wird Litauen für den Bestand seines Staates fürchten haben. Umklammerung in Syrien. Aber nicht der Drufen, sondern der Franzosen. Paris, 24. November.( TB.) Der Sonderberichterstatter des " Temps" schreibt, daß die französische Levantearmee feit 48 Stunden unter starter umflammerungsbedrohung durch die Drusen stände. 500 bis 600 Mann unter Führung von Said el Atrasch, dem Bruder des Sultans Atrasch, feien vom Dichebel Drus pare gedrungen bis Hermen, etwa 60 Kilometer füdöstlich von Beirut. Es fei ihnen gelungen, die Drusenbewohner des Bezirks zum aufstand zu veranlassen, wodurch ihre Streitfräfte auf mehr als 2000 ann angewachsen felen. Die in Rachaja eingeschlossenen französischen Streitkräfte selen sehr gering. Wöchentlich zweimal habe die Bejagung nach Norben hin Berbindung gehabt. Diese set aber feit fünf Tagen völlig abgeschnitten. General Gamelin habe gestern den Bersuch gemacht, die eingeschloffene französische Truppe zu ent feßen, da die Befagung durch Brieftauben habe wissen lassen, daß Munition fehle. Heute, am 24. November, sei ein Flugzeug zurüd gefehrt, dessen Führer mitteilen fonnte, baß die eingeschloffene Truppe Berbindung mit der von Osten vorrüdenden französischen Truppe bekommen habe. Aus dieser Nachricht schließe man, daß Radhaja baldigst von der drusischen Belagerung befreit sein werde. Wie im Kriege gelogen wurde. Eine Debatte im Unterhaus. London, 24. November.( WTB.) Im Unterhaus fragte Ab. geordneter Kenworthy den Kriegsminister, wie das Gerücht über die beutsche Leichenverwertungsfabrit mährend des Krieges entstanden sei und bis zu welchem Grade es damals vom Kriegs. amt akzeptiert wurde. Kriegsminister Worthington Evans gab eine Uebersicht über die Angelegenheit und erwähnte dabei, daß auch ein deutsches Wörterbuch und deutsche anatomische Bücher damals als Beleg angeführt wurden, daß das Wort Kadaver" auch menschliche Leichen bebeute. Er fuhr fort: Auf das damals vorliegende Material hin schien das Kriegsamt feinen Grund zu sehen, die Mitteilung für unwahr zu halten. glaube nicht, daß irgendwelchem öffentlichen Interesse durch auf eine weitere Anfrage Kenworthys fagte der Kriegsminifter, er neue Anfragen über diese Geschichte gebient werbe. Kenworthy fragte, ob ber Kriegsminister es nicht für wünschenswert erachte, im Hinblick auf Locarno ufw. jetzt zuzugeben, daß die Ge. schichte unwahr fei. Worthington Evans antwortete, er habe fich nur mit der Information befaßt, die damals dem Kriegsamt bas Material bekräftigte, anbere natürlich das Aussehen vorlag. Die Tatsache, daß seitdem nichts bekannt geworden set, was der Sache. Der Barmat- Untersuchungsausschuß des Reichstags vertagie fich am Sonnabend nach einer lurzen geidäftlichen Sigung. Der Borsigende Reichstagsabg. Saenger( So.) teilte bei dieser Ge legenheit mit, daß damit zu rechnen ist, daß die Oberstaatsanwaltschaft sich über die Einreichung oder Nichteinreichung einer Anllageschrift um Weihnachten herum fchlüffig geworden sein werde. @bebla Die hechliche Regierungsbildung. Der bisherige Ministerpräfident behla batte mit den Führern der sechs tschechischen Barteien Unterredungen über die Regierungsbildung. bleibt im Amte, ebenso der größte Teil der bisherigen Minister. Menderungen find geplant für das Finanzministerium, für das der frühere Minister English in Aussicht genommen ist. Gewerkschaftsbewegung Der Dauerkonflikt bei der Reichsbahn. Endlich ein Schlichter bestellt! Das Reichsarbeitsministerium hat den Staatssekretär a. D. Dr Rublin, der auch das leßte Schlichtungsverfahren für die Reichs bahn leitete, zum Schlichter für die verschiedenen Lohnstreitigkeiten in einer Reihe von Reichsbahndirektionsbezirfen er. nannt. Ein Termin für ben Beginn der Verhandlungen im Arbeits. minifterium, die die einzelnen Schlichtungsverfahren zufammen. faffend, erledigen sollen, ist noch nicht bekannt. Die vertragschließen. den Organisationen der Eisenbahner merden nunmehr bei dem Reichsarbeitsminifterium dafür eintreten, daß die zentralen Ber handlungen nicht nur die Eisenbahndirektionsbezirke umfaffen, in melchen Schlichtungsverfahren notwendig sind, sondern auch die übrigen Bezirke, da eine Neuregelung der Löhne für sämtliche Eisenbahnarbeiter dringend notwendig ist. Es mare gut, wenn die neuen Berhandlungen rasch durchgeführt mürden. Seit einigen Tagen hat die Beunruhigung des Eisenbahnpersonals, besonders in Mitteldeutschland, angesichts der Ungewiß heit über die Einleitung zentraler Berhandlungen bedenklich zugenommen. Nachdem die Hauptverwaltung der Reichsbahn nicht einmal ben legten Schiedsspruch durchgeführt hat, der eine allgemeine Lohnerhöhung unter Berufung auf den Preisabbau ablehnte, ist es nur zu begreiflich, daß die Empörung ber unterbezahlten Eisen bahner mächst. Wie die Gewerbeaufsicht arbeitet. Bom Deutschen Berkehrsbund wird uns geschrieben: Die Firma Lenmann, Bremen führt beim Erweiterungsban bes Blauer 3ble Ranals Naßbaggerarbeiten aus und hat entgegen der tariflichen und gefeßlichen Bestimmungen eine 12ftündige Arbeitszeit eingeführt. Daneben wird noch die Leistung von Ueberffunden verlangt. Mit einer Eingabe vom 12. September. ersuchten wir das Ge merbeaufsichtsamt, Magdeburg II, bie Firma Benmann zur Einhal: tung der Bestimmungen über die Arbeitszeit zu veranlassen. Auf unsere wiederholten Anfragen ist uns folgende Antwort zugegangen: Der Gewerberat Dagdeburg, den 13. 11. 25. Gewerbeaufsichtsamt, Magdeburg II Tränsberg 43/45. für die Kreise Bangleben, Wolmirstedt und Neuhaldensleben, Jerichow I u. II und Stadttreis Burg. Igb. Nr. 3238/25. den Deutschen Berkehrsbund, agdeburg, Stephansbrüde 38. Auf Ihr Schreiben nom 11. Movember 1925 betr. die Firma H. Leymann, Baustelle Benthin, teile ich Ihnen ergebenft mit, daß die Angelegenheit von hier aus verfolgt worden aber noch nicht zum Abschluß gebracht worden ist. Ich werde Ihnen zur gegebenen Beit Mitteilung über den Ausgang der Angelegenheit machen. 3. B. gez. Meger. Rach zwei Monaten teilt uns das Semerbeaufsichtsamt mit, daß es bie Angelegenheit verfolgt. Die Berfolgung wird wohl folange bauern, bis der Maßbaggereibetrieb durch den Winter zur Einstellung fommt und die Arbeiter entlassen werden. Dann hat der Unterneh mer und evtl. auch der Gewerbeaufsichtsrat fein Ziel erreicht. Die Firma Lenmann braucht teine Kürzung der Arbeitszeit vorzunehmen und der Gewerbeaufsichtsrat wird feststellen, daß die Verordnung über die Arbeitszeit eingehalten wird, do nicht länger, als wie in ber Berordnung doorgefehen, gearbeitet wird. Es werden nur einige Urbeiter bei der Instandsegung der Geräte beschäftigt. Die in dieser Form geübte Aufsicht über die Einhaltung der Arbeitszeitverordnung bedeutet eine Unterstügung ber Unternehmer, bie die Arbeitszeitbestimmung durchbrechen. Dringend erforderlich ift, daß die oorgelegte Behörde hier eingreift, um das Gewerbeauf fightsamt Magdeburg II an feine Pflichten zu erinnern. Aus dem Zager der Arbeitgeberverbände. Die christlichen Gewerkschaften sind befanntlich einer Erneuerung ber früheren Arbeitsgemeinschaft mit den Spizenorganisationen der Arbeitgeberverbände nicht abgeneigt. Wohl eben deshalb beschäftigt fich„ Der Deutsche" besonders mit der Wirtschaft in der Bereinigung ber deutschen Arbeitgeberverbände. Der Geschäftsführer der Arbeit geberverbände, Dr. Langler, befaßte fich fürzlich im Drgan ber Unternehmer mit den verschiedenen Feststellungen des Deutschen" über die Zustände in der Arbeitgeberorganisation und ba er biefe Feststellungen nicht entfräften fonnte, griff er wie dies in solchen Bällen zu geschehen pflegt zu dem Auskunftsmittel einer Klage zu dem Auskunftsmittel einer Klage über den Ton und farberte fachliche Politik". Der Deutsche erwiderte hierauf: So fehr es uns an fich gleichgültig sein fann, mie es im Mr. beitgeberlager aussieht, ob dort ein mirres Durcheinanber non per onligen Bestrebungen und persönlichen Gegenfäßen besteht, oder trauliche Harmonie der Geifter, so fehr ist uns aber doch auch daran gelegen, auf Arbeitgeberseite ein fozialpolitisches Gebilde zu haben, das wenigstens einigermaßen noch die Hoffnung auf das endliche Zustandekommen einer mirtlichen Arbeitsgemeinschaft offen läßt. Augenblicklich aber befinden fich die Arbeitgeber durchaus nicht in der gefftigen Berfassung und Einstellung, die zu solcher Hoffnung irgendwie nur berechtigen tönnte. Wenn man affo im Arbeitgeberfager, mie es den Anschein hat, refigniert müde geworden ist ob der Zustände, die sich bort herausgebildet haben, unb menn man dort nicht die Kraft und den Billen aufbringt, um der Zukunft wegen einmal eine gründliche Durchprüfung der bisher angewandten Grundsäge und Methoden verzunehmen, sondern die Dinge ihren Gang gehen läßt, in der Selbsttäuschung, es wird schon alles wieder gut merden, so müssen eben die Dinge von anderer Seite weitergetrieben werden. Hätte Dr. Tänzler von fich aus fachliche Politif" treiben mellen, wäre nur nötig gewesen zu sagen:„ Die Ausführungen, die " Der Deutsche und andere Gewerkschaftsorgane in ben legten Wochen in bezug auf die Politik und Bersönlichkeiten der Bereinigung gemacht haben, find nicht wahr." Er hätte bann auf den Kern der Dinge eingehen und sagen .nüffen: Es ist nicht wahr, daß an iffenfchaftier nicht bloß die üblichen Honorare für literarische Mitarbeit, sondern besondere finanzielle Zuwendungen bis in die lezten Tage hinein gegeben worden sind. Es ist nicht wahr, daß Gelber unter sozialpolitischem Ded. mantel als Darlehen für dunkle politische Zwede gegeben worden find. Beziehungen zu angeblich sozialistisch und arbeti. Es ist nicht wahr, daß die Bereinigung bireft oder indireft enge nehmerfeindlich eingestellten Berlegern hatten und haben. Es ist nicht wahr, daß Iaufende von Aufflärungs. fchriften" von der Bereinigung unter neutralem Ded. mantel ix Arbeitnehmertreife hineingeschmuggelt hineingeschmuggelt worden find. Es ist nicht wahr, daß die Berfaffer folcher Schriften, die nach Gesinnung und Herkunft im Arbeitnehmerlager stehen, nichts da.. von gewußt haben sollten, mie diese Arbeiten ihren Weg gemacht haben. Bor allem aber ist es unmahr, daß solche Arbeiten von der Bereinigung vor der Drudlegung ohne Wissen der Berfasser unter Benjur genommen worden sind. Es ist nicht wahr, das es ber deutschen Industrie gut geht, denn fie hat nicht beinahe ¼ million allein für eine Ar. beitszeitpropaganda im letzten Jahre der Bereinigung zur Berfügung gestellt. für sämtliche Fragen des Einigungs und Salichtungswefens und der übrigen Verwaltungsgebiete des Arbeiterrechts. Trogdem fann man nicht warten, bis diefe Lösung gefunden sein wird, und so muß man deshalb einstweilen mit der Angliederung der Arbeitsgerichte an die staatliche orbentliche Gerichtsbarkeit vorliebnehmen. Was die 3uständigkeit der Arbeitsgerichte anbelangt, so ist die Ausdehnung der Arbeitsgerichtsbarkeit auf alle Schichten des Arbeitnehmertums ohne Rücksicht auf eine gemiſſe Höhe des Lohneintommens ein Fortschritt gegenüber den heute bestehenden Gewerbeund Kaufmannsgerichten. Auf der anderen Seite enthält aber der Entwurf eine Anzahl unbegründeter Einschränkungen der Zuständigkeit der Arbeitsgerichte. So werden ausgenommen Streitiafeiten, beren Gegenstand die Erfindung eines Arbeitnehmers bildet, bes weiteren gewisse Ansprüche aus Arbeitskämpfen, soweit diese Ansprüche nicht auf die Berlegung von Larifverträgen, fondern auf unerlaubte Handlungen im Sinne des Bürgerlichen Ge fetzbuches geftüg: werden somie auch arbeitsrechtliche Strafe faden. 3. B. bie Berlegung von Arbeiterschutzvorschriften usw. Es ist sehr unrichtig, diese Angelegenheiten der Entscheidung des Einzelrichters zu überlassen, während doch die Beifizer der Arbeits gerichte aus Arbeitgeber und Arbeitnehmerfreifen zu ihrer Be urteilung im besonderen Maße berufen wären. ob bie Rechtsanwälte zu den Arbeitsgerichten zugelassen werden Ohne hier auf bie Meinungsverschiedenheit darüber einzugehen, follen oder nicht, sei festgestellt, baß die Frage für die gewertschaftlich organisierte Arbeitnehmerschaft zunächst erledigt ist. Sie hat mit aller Deutlichfelt befundet, daß fie biefe 3ulaffung nicht will Karl Schabel Karl Sabel, der langjährige Angestellte und Mitbegründer des Berbandes der Gemeinde und Staatearbeiter, ist nach langem Beiben am 24. november verstorben. Mit Karl Schabel ist ein Gewerffchaftler der alten Sule verichieden. Als Stanalarbeiter gründete er Anfang der neunziger Jahre den Verein der Berliner Kanalarbeiter, der sich am 1. Juni 1897 der neue gegründelen Drganisation des Verbandes der Gemeindes und Es ist nicht wahr, daß innerhalb der Bereinigung über die Propaganbatätigteit ganz erhebliche Meinungsfeines Eintritts bis zu feinem Tode in der vordersten Linie der Staatsarbeiter anschloß. Der Verstorbene stand vom ersten Tage verschiedenheiten bestehen. Gemeindearbeiterbewegung. Oft von Maßregelungen bedrobt, bat Shabel feine ganze raft in den Dienst der Arbeiterbewegung ge ftellt. Bie in der Gewerkschaftsbewegung stand der Verstorbene auch feinen Mann in der Partei, der er mehr als 26 Jahre an gehörte. In der Geschichte der Berliner Gemeindearbeiterbewegung wird der Name Karl Schabel unvergessen bleiben. Alles bas und noch mehr hätte Dr. Tänzler oder noch beffer fchon vor ihm Herr v. Borsig fagen müssen. Darüber hinaus hätten sofort die Breffedementis folgen müffen." Die in diefer vom Deutschen" formulierten Berichtigung Stedenden Behauptungen find zwar nicht mehr ganz neu. Immer hin ist ihre Zusammenstellung in dieser Form beachtenswert. Dr. Tönzler wird samt Herrn v. Borsig eine solche Berichtigung" unterfaffen, weil die Lifte dieser Behauptungen schwerlich entfräftet werden kann. Zur Aerztewahl im Oberversicherungsamt. Aus den Kreisen der Beisiger des Oberversicherungsamtes Berlin wird uns geschrieben: In den nächsten Tagen werden bie Aerzte für bas Ober. perficherungsamt gewählt, die die Untersuchung und Begut achtung ber Unfallverlegten bezüglich des Grades ihrer Erwerbs. beschränkung vorzunehmen haben. Die Wahl der Aerzte wird von ben Beisigern der versicherten Arbeitnehmer und van den Beisigern der Arbeitgebervertreter der Berufs. genossenschaften gewählt. Man wird sich wahrscheinlich für bie Bahl ber Aerzte wieder die neuen Beisiger aussuchen. Da scheint es notwendig, daß die Arbeitnehmerbeifißer sich die Herren Herzte einmal genauer ansehen. Wer von den Beisigern ist nicht schon des Grades der Erwerbsbeschränkung bei der Art der Untersuchung der Begutachtung und Abschäzung nicht von Empörung er faßt worden, wenn er bie tamen mie Dr. Wagner, Prof. ner hört. Diefen Herren fönnen und dürfen wir Arbeitnehmer. Dr. Neuhaus, Dr. Hamann, Dr. Romberg und Dr. Kempbeifizer unsere Stimmen nicht geben. Gegen beren iederwahl erheben mir den schärften Brotest. Bir wählen diese Herren nicht. Aufbau und Zuständigkeit der Arbeitsgerichte. Der Zweipfennig- Schiedsspruch verbindlich. In dem Lohnstreit in der Chemischen Industrie der Probing Seffen- Raslan und des Freistaates Seffen fanden gestern im Reichs. arbeitsministerium nochmals Einigungsverbandlungen statt, die jedoch nicht zu einem Erfolge führten. Der Reichsarbeitsminister bat alsdann ben Schiebeipruch der Schlichtungslammer bom 18. November 1925, der bekanntlich von beiden Barteien abgelehnt worden war, für rechtsverbindlich erklärt. Der Spruch vom 13. November erhöht den SvizenstundenJohn bes Betriebsarbeiters über 21 Jabre un 2 Bf. Es ist be greiflich, wenn diefer ffandalsie Echiedsipruch feine Rube in die Betriebe der Sektion II und VII der demischen Industrie bringen wird. Angesichts der Gesundheit und Leben zerstörenden Arbeit in den Gifthütten, in denen Tag für Tag immer neue Experimente, bei denen das Leben der Arbeiter rüdicatelos aufs Epiel gefett wird, vorgenommen werden, ist ein folch' unbefriedigender Ausgang des Lohntonflitis unerträglich. Abbruch des Kampfes in der bayerischen Chemic. München, 24. November.( Eigener Drahtbericht.) Der Schieds. fpruch der Bayerischen Schlichtungsfammer in der chemischen Induftrie Bayerns wurde von beiden Teilen angenommen. Die feit vier Wochen aufrechterhaltenen Aussperrungen und Streifs wurden danach fofort beendet. Die Lohnverhältnisse erfahren zunächst keine Menderung. Beigelegter Tegtilarbeiterstreit. im Kölner Wirtschaftsbezirt andauernde Textilarbeiterfireif fonnie Köln, 24. Rovember.( Eigener Drahtbericht.) Der seit Woden endlich beigelegt werden. Die Löhne werden um 1, 2 und 3 f. für die Stunde erhöht. Maßregelungen finden nicht statt. Die Arbeit ist bereits wieder aufgenommen worden. Achtung, Zimmerer! Seute abend 7 Uhr im Stofenthaler Sof. Mofenthaler Sirake 11-12, Bertrauensmännerverfammlung für bas Hoch, Belon- und fprechen, forat baher bafür, bak ale Arbeitstellen refties vertreten find. Sentralverband der Rimmerez, Rahlstelle Berlin und Umgegend. Sattler, Sepesierer und Bertefenifernerbenb. Tapezierez: Heute abens Brandenangelegenheiten, 7 Uhr Serfammlung im Saal 1 bas Gemetilchaftshauses. Bortrag und Die Pflege bes republitanischen Staatsgeistes und die Klärung ber neuen Rechtsanschauungen und Rechtsformen hat sich eine jüngst gegründete Zeitschrift Die Justis", herausgegeben von Wilhelm roner, zur Aufgabe gemacht. Die erste, fehr wertvolle unb in haltsreide Nummer bringt unter anderem die Besprechung des Entwurfes über die Arbeitsgerichte vou Professor Dr. Hugo Sinz heimer, in welcher der bekannte Verfaffer feiner Meinung über Aufbau und Zuständigkeit der Arbeitsgerichte im neuen Entwurf Ausbruck gibt Profeffor Einzheimer hält es für richtig, daß beim Aufbau der fünftigen Arbeitsgerichte die Justiz beteiligt Siefbaugemperbe. Berbanbalameraden! Meukerit midige fragen find a be mird, trop des sehr berechtigten Mißtrauens, das heute in breiten Kreifen gegen den herrschenden Geist des durchschnittlichen Richter. tums besteht. Er meint aber, daß eine Ausschaltung der Juftz von den Strömen des neuen Geistes eine weitere Formalisierung der Rechtspflege und die Förderung sozial und politisch rüdständiger Gesinnung bei den Gerichten zur Folge haben würde, während bei ständiger Berührung mit Arbeitsangelegenheiten fich fein Richter bem neuen Lebensgeist auf die Dauer entziehen tönne. Bei der überragenden Wichtigkeit der Rolle des Borsigenden, der beim und Berlagsanftalt Paul Ginaer u. Co., Berlin S. 68. Lindenstraße 3. Arbeitsgericht fünftighin ein Richter fein soll, ist aber auf die Ausbildung der Arbeitsrichter bas größte Gewicht zu legen, wozu ein gründliches Studium des Arbeiterrechtes auf den Universitäten und bie Reform der Ausbildung der Referendare unerläßliche Borbe bingungen find. Brofessor Einzheimer bedauert, daß es nicht mög fich war, eine einheitliche Arbeitsbehörde zu schaffen Verantwortlich für Bolitit: Craft Reuter: Siztfchaft: Artur Salernus; Gewerlichaftsbewegung: tiebr. Catorn; Feuilleton:.. Dejcher; totales unb Conftiges: Fri Rettabt: Anzeigen: Th. Glode; familia in Berlin Berlag: Bormärts- Berlag G. m. 5. S., Berlin. Drud: Borwärts- Budbruderei Sierau 2 Beilagen and Unterhaltung und Billen". Muhtaufträge Schlaflosigkeit ist ein quälendes Leiden! übergibt man nur dem Nachweis des Deutih. Musikerperbandes, Berlin O 27, Andreasftr. 21( Stonigftabt 4310, 4018). Gefchäftszeit 9 bis 5, Sonntags 10 bis 2 11bz. Auf Wunsch Vertreterbefuch Kaffee Hag macht keine Schlaflosigkeit! Hausfrau fagt u.Küchenchef: Kaffee Hag Probierstube Berlin, Kurfür rstendamm 26a: لم Rahma- buttergleich ff Krampfadergeschwüren Frost- und Brandwunden Hautausschlägen Haweran- Wundkur und anderen schwer hellenden Wunden sollten Sie in Ihrem eigensten Interesse nur noch die bewährte beatzen. Herr R. Sch. in B. schreibt uns Ihre Haweran- Wundkur" ist entschieden von erstaunlicher Feilkraft, die offene Stellen waren bereits nach& Stunden zu Die ,, Hawaran- Wundkur hat schon vielen geholfen, sie wird auch Ihnen helfen. Koch& Becker CommZR. 1000 Ges. Berlin 30. 3 Skalitzerstr. 100 Prets einer, Originaipackung nur M. 2.60 in allen Apotheken. Bestimint in Berlin: idler- Apotheke, Reinickendorfer Str. 1. 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Wenn an den fachlichen Arbeiten des Bundes Deutscher Bodenreformer eine Reihe führender Sozialdemokraten teilgenommen haben, so zeugt allein diese Teilnahme schon von dem Interesse, dessen sich die Bodenreformbestrebungen in sozialistischen Kreisen erfreuen. Auf der diesjährigen Tagung der Bodenreformer wurden denn auch die Taten eines sozialistischen Ministeriums, des anhaltischen, besonders rühmend hervorgehoben, meil es zum ersten mal durch die Grundwertsteuer, bei der die Be steuerung des Grundbesizes nach dem gemeinen Bert statt findet, bodenreformerische Ideen verwirklicht haben. Anregungen nahm jeder Teilnehmer von der Tagung mit nach Hause, und es fommt nun auf die Energie an, die Gedanken, die hier gegeben worden sind, in die Tat umzusetzen. Sozialistische Anträge im Stadtparlament. Straßenverschandelung an der Görlitzer Bahn? Bom Görlizer Bahnhof führt zu den Gasanstaltsgrundstüden in der Gitschiner Straße immer noch das alte Kohlen gleis, das seit Jahrzehnten von der Straßenbahn mitbenutzt wird, Die Aufrechterhaltung dieses Verkehrs, der von den Bewohnern der aber auch noch zur Nachtzeit von Kohlenzügen benutzt werden darf. Umgebung des Görlizer Bahnhofes seit langem als schlimmes Uebel empfunden worden ist, ist nach Ansicht der Reichsbahnverwaltung möglich, wenn ein Streifen der Görlizer Straße zu dem Gelände der Görlizer Bahn hinzugenommen wird. Das brächte aber nicht eine erhebliche Verschmälerung der Görliger Straßenbäume, deren Reihe sich an den Bahngeländen hinStraße, sondern auch die Bernichtung, der alten zieht und den häßlichen Anblick des Bahngeländes für die Bewohner schandlung, für die es, leider auch im Magistrat, nicht an Befür der Nachbarschaft einigermaßen verdeckt. Gegen die drohende Berwortern gefehlt hat, wendet sich der folgende von mehreren Stadtverordnetenfraktionen, auch von der sozialdemokratischen unterzeich nete Dringlichkeitsantrag: nur " Die Stadtverordnetenversammlung wolle beschließen: Der Magistrat wird ersucht, die Verpachtung von Straßengelände an die Straßenbahnbetriebs- G. m. b. H. in der Görlitzer Straße behufs Erweiterung der Anschlußgeleise des Görlitzer Güterbahnhofes zu unterlassen." Mehr Baukontrolleure aus der Arbeiterklaffe. Die sozialdemokratische Stadtverordneten frattion hat ferner folgenden Dringlighteitsantrag eingereicht, der schon der alten Stadtverordnetenversammlung vorlag, aber von ihr nicht mehr erledigt werden konnte:„ Die Stadtverord netenversammlung beschließt, den Magistrat zu ersuchen, neben den zwei amtierenden B autontrolleuren weitere Kontrol beitnehmerorganisationen anzustellen." leure aus ben Kreisen der baugewerblichen ArDie fachlichen Tagungen der Bodenreformer begannen mit einem Referat des Lüneburger Regierungspräsidenten Krüger über den Entwurf eines deutschen Städtebaugesezes, das den Gemeinden das Recht gibt, jogenannte Flächenaufteilungspläne aufzustellen. In diesen Flächenaufteilungsplänen muß genau bezeichnet jein, welche Teile für Grünzwede, für Acker und Gartenbau, für Industrieviertel, für Verkehrsflächen vorgesehen sind. Eine andere Benutzung der betreffenden Flächen ist unzulässig, die Gemeinden sollen für Verkehrsund Erholungszwecke das Enteignungsrecht erhalten. Der Entwurf fei zu begrüßen, doch müssen an ihn noch folgende For derungen gestellt werden: Einmal ist die Aufnahme eines Vortaufsrechts der Gemeinden notwendig für alle GrundStücke, die innerhalb der Wohngebiete liegen, ferner ein Ent eignungsrecht für Grundstücke, die zum Bau von Mittelund Kleinwohnungen, für das erforderliche Gartenland und für die Anlage von industriellen Unternehmungen gebraucht werden. Dem Enteignungspreis soll die letzte Einschäßung Dom 10. August 1925 zugrunde gelegt werden. Und die Gemeinden, für die Flächenverteilungspläne aufgestellt werden, müssen verpflichtet werden, ein Viertel des für Mittel- und Kleinwohnungen bestimmten unbebauten Gebietes zu Heimstätten gebieten zu erklären. In seinem Vortrag über die Bewertung Bes Grundbesizes im Reichsbewertungsgesetz übte Prof. Dr. Boldt aus Göttingen sehr scharfe Kritik an diesem Gesez, vor allen Dingen daran, daß im wesentlichen der Eriragswert, nicht der gemeine Bert der Bewertung zugrunde gelegt werde. Im übrigen sei dieses Gefeß, weil es einheitliche Grundsäge für die Bewertung von Grundstücken aufstelle, sehr zu begrüßen. Oberregierungsrat Hoppe Dresden fordert, daß die Auswertungsfteuer durch eine Steuer vom reinen Bodenwert zu erfegen sei. Genoffe Beus und der bodenreformerische Abgeordnete a stor Baumeder aus Leopoldshall schilderten die Erfahrungen, die sie bisher mit der Grundwertsteuer nach dem gemeinen Wert gemacht haben. In dieser Steuer wird das Bauwert auf dem Grundstüd nicht mitgewertet. Das hat zur Folge, zumal die Steuer gestaffelt ist, daß die fieineren Beſizer meit meniger belastet sind als die großen. Trotzdem ist die Belastung in Anhalt niedriger als in Preußen, weil Es ist das Verdienst unserer Genossen, mit dieser Steuer die Gewerbesteuer für Landwirte in Wegfall gedie Elternfchaft in Bewegung gebracht und da tommen ist; aber man wird es verstehen, daß der Landbund durch die Angelegenheit gefördert zu haben. gegen die Steuer, weil sie ja von links fam, in allerheftigster einem Flugblatt, das unsere Genossen an die Einwohner von Kauls. Weise vorging. Sollte, fo erklärte Peus, Anhalt durch das Reichsdorf- Süd und Umgebung richteten, wird dieser Tatbestand festgebewertungsgefez gezwungen werden, eine Grundwertsteuer nach stellt. Das Flugblatt berichtet über die Schritte, die von einer in der Protestversammlung der Eltern gewählten Delegation dem Ertragswert vorzunehmen, so wird durch die beibehaltene Progression teine Minderbelastung des großen Besizes zugunsten gehörten auch die sozialdemokratischen Bezirksverordneten Genoffe des fleinen Befizzes eintreten. Justizrat Lierz Düsseldorf Stäming und Genoffe Richter getan worden sind. Stadtrat behandelte das Gebiet ber hypothefatreform unb Boden Benecke und Oberschulrat Nydahl gaben im Auftrage des Oberreform. Er führt die Steigerung der Bodenpreise zum welent- bürgermeisters Böß der Delegation von vornherein die Berichte lichen Teil darauf zurück, daß bei der Beleihung Boden und Baulichkeiten nicht getrennt werden. Er fordert Trennung von Boden und Gebäuden für die Besteuerung, Beleihung der Gebäude in Form der Tilgungshypothefen, Beleihung der Grundstücke in der Form der Tilgungsgrundschuld unter Ausschluß persönlicher Haftung und Verschuldungsgrenze für Grundstücke bei Bierfünftel des felbft eingeschäßten Steuermertes. Ueber Optanten und Ostlandsiedlung sprach der Landtagsabgeordnete Pieschte. Er erklärte, daß in den dünnbevölkerten Grenzgebieten der vorherrschende Großbesiz den Boden vorzugsweise mit slawischen Arbeitern bearbeite. Hierin liege eine stetig wachsende Gefahr, nur ein Wall von Bauern fiedlungen könne uns auf die Dauer den Besitz des Bodens sichern. In den Begrüßungsreden und in der Aussprache fand immer mieder der Gedanke Ausdrud, daß mit dem Boden nicht gewuchert werden solle und daß durch die Gesetzgebung Kautelen geschaffen werden müßten, die diesen Wucher verhinderten. Das Eigentum am Boden sei dem Eigentümer von der Allgemeinheit anvertraut worden, und der Eigentümer habe diefes Eigentum deswegen auch im Interesse der Allgemeinheit zu betreuen Reiche 25] Die Passion. Roman von Clara Biebig. O je, so spät schon?! Ihr Essen-was würde die Frau, bei der sie sich meiden sollte, sagen? So rasch sie tonnte lief Eva nach Haus. Ihr Herz klopfte, ihr Atem feuchte, fie fonnte es gar nicht vertragen, so schnell zu laufen. Aber sie tam doch schon zu spät. Mittwoch, 25. November 1925 Erinnerungen an Köhn und Klante. Die Vereinigung deutscher Turffreunde". Wetten ist, wenn es zur Leidenschaft wird, eine sehr kostspielige Angelegenheit. Wie weit das blinde Bertrauen solcher wettluftigen Leute ging, das zeigten seinerzeit die Zusammenbrüche der großen Wettkonzerne Köhn und Klante, die viele um ihre letzten ersparten Pfennige brachten. Aber auch nach diesen Ereignissen sich sofort wieder des lebhaftesten Zuspruchs. Das Schöffenwar man noch nicht flug geworden. Aehnliche Gründungen erfreuten gericht Berlin Mitte hatte sich nun jetzt noch mit einem folchen Unternehmen zu beschäftigen, das bis in diefe Zeit zurückreichte. Der Kaufmann Ostar De., Vater eines bekannten Jockeis, der Kontrolleur St und ein Karl P. hatten sich wegen fortgesezten Betruges, gewerbsmäßigen Glückspiels und Bergehens gegen das Wettgefes zu verantworten. 44 Bereinigung deutscher Turffreunde" gegeben. Ein Ihrer Gründung hatten die Angeklagten den schönen Namen reichen" Unternehmens war, ist inzwischen verstorben, und wurde Bruder des B., der ebenfalls noch Mitbegründer dieses segensjetzt selbstverständlich als der Hauptschuldige bezeichnet. Man war damals recht schlau und vorsichtig zu Werke gegangen. Die Statuten tündeten nur die Absicht, das Interesse am Rennsport zu heben, die Mitglieder in[ portlichen AnInformationen beruhendes, durch große Kapigelegenheiten zu beraten und schließlich ein auf gute talien gestüttes, gemeinschaftliches Betten zu pflegen. Die Leitung war einem Geschäftsführer übertragen, der wieder durch eine Reihe allerdings nur se I b ft ernannter Borstandsmitglieder fontrolliert und beraten wurde. Zum Ueberfluß stand diesen dann noch ein„ Fachausschuß zur Seite. Der Jahres beitrag betrug 100 Mart und jedes Mitglied war ferner dazu verpflichtet, Anteilscheine in gleicher Höhe zu erwerben. Durch Rundschreiben warb man nicht nur, sondern erhielt auch bald eine große Zahl allzu Williger. Da einigen der Mitglieder tatsächlich in zwei bis drei Fällen die anteilmäßige Gewinnfumme ausgezahlt worden war, tonnte sich niemand die plögliche polizeiliche Schließung der Geschäftsräume erflären. Die weiteren Er mittelungen ergaben aber bald das damals so befannte Bild der Geschäftsführung solcher Unternehmen. Der Fachausschuß" wurde mie befragt, der Geschäftsführer verfügte einfach nach seinem Ermessen Der Streit um die im Vorwärts" vor 14 Tagen gerügte über die eingegangenen Gelder. Außerdem schloß er, was damals Siftierung des Schulhausbaues in Kaulsdorf- Süd soll noch verboten war, bei Buchmachern Wetten ab. In ganz furzer die notwendige Lösung finden. Der Magistrat hat, wie wir bereits Beit entstand ein großes Defizit. St., der Hamburger Ver treter war, schrieb voller Verzweiflung an die Berliner Geschäftsmeldeten, dem Plan der Errichtung einer Boltsschule in Raulsdorf- Süd zugestimmt, so daß die Ausführung des stelle: Wenn ihr fo metter wirtschaftet, schlagen Baues in absehbarer Zeit zu erwarten ist. Durch diesen ver mich die Leute tot!" Der Kaufmann De., der durch seinen nünftigen Entschluß ist es der Elternschaft erspart worden, zu dem Sohn die besten Informationen erhielt, trat von selbst aus dem 3wangsmittel eines Soulstreifs greifen zu müssen, der schon ange- Fachausschuß aus, da sich eben niemand um ihn fümmerte. Endlich fündigt war. griff dann die Staatsanwaltschaft ein. Jest wollte feiner mehr der Schuldige gewesen sein, entweder vermochten sich die Angeklagten auf nichts mehr zu besinnen oder doch wenigstens nur darauf, daß der nun verstorbene Walter P. entschieden der Hauptmacher des ganzen Unternehmens gewesen sei. Da bestimmte Summen in den Sagungen nicht versprochen waren, ließ sich ein beabsichtigter Betrug auch nicht nachweisen. Die ehemaligen Gründer der„ Bereinigung deutscher Turffreunde" hatten entschieden mehr Glüd als ihre einstigen Mitglieder, fie famen recht billig davon". Wegen gewerbsmäßigen Glüdsspiels und Bergehens Kari B. 250 Mart, De und Gt 100 mart Geldstrafe. gegen das Wetfgesetz erhielten: Der Schulhausbau in Kaulsdorf- Süd. In zu ihr rung, daß die städtische Schulverwaltung das Bedürfnis einer Schule für den Ortsteil vollständig anerkennt und dafür eintritt. Auch sei die Ursache jenes Beschluffes, die Ausführung des Schulbaues zu fiftieren, nicht bei der Schulverwaltung zu fuchen. An demfelben Tage, an dem die Delegation diese Unterredung hatte, fand auch die Magistratsfizgung statt, und es fam dann zu dem die Errichtung der Schule genehmigenden Beschluß. Mit dieser Lösung ist aber, so führt das Flugblatt weiter aus, noch keineswegs die ganze Frage der Schulbauten für die östlichen Bezirke Groß- Berlins gelöst. Der jetzt gesicherte Schulhausbau sei nur ein Anfang und es gelte, für die weitere Ausgestaltung und Besserung der Schulverhältnisse in den Außenbezirfen zu fämpfen. Bei diesem Kampf werde die Sozialdemokratische Bartel stets in der vordersten Linie stehen. Der ernsten Angelegenheit fehlt es auch nicht an einer erheiternden Beigabe. Die Morgenpost hat ihren gläubigen Lesern erzählt, der fezige Beschluß des Magiftrots sei ein„ Erfolo einer" Morgenpost" Beröffentlichung". Die Mahmung" der Morgenpost" habe gewirft, sagt das Blatt Was sagen die Bewohner von Kaulsdorf. Süd und Umgebung zu dieser drolligen Brahlerei? Ach, es war doch gar nicht schön für ihre fleine Goa, daß die so sehr viel allein sein mußte. Olga war froh, als fie nun wieder zur Schule ging. So war fie doch wenigstens in den Bormitagsstunden gut untergebracht. Vielleicht auch, daß sie eine Freundin fand, Mädchen ihres Alters, mit denen fie spielen fonnte. Aber Eva fand keinen Anschluß, durch bas viele Alleinsein war sie scheu. Und wenn sie ihre Scheu auch einmal überwunden hatte. dann war sie doch keine Spiels gefährtin, die man suchte. Sie war zu sehr gewöhnt, immer felber zu bestimmen. Jest wollte sie das fun, jetzt gerade das, und eigensinnig hielt fie an ihrem Willen fest. Die Mutter hatte sie sehr verwöhnt, es war natürlich; wenn die abends müde nach Hauſe tam, sollte sie dann dem armen abends müde nach Hause tam, sollte sie dann dem armen Kind, das den ganzen Tag einzig auf sich angewiesen war, nicht gern alles zu Willen tun, was sie nur irgend fonnte? Und Eva war fränflich, fonnte sich so aufregen, daß sie zitterte. Das machte Olga oft Sorge: mo hatte das Kind nur die schlechten Nerven her? Sie selber, trotz all dem Traurigen, was sie erlebt, trotz aller Arbeit und der beständigen Hetzerei der großen Stadt, hatte immer noch die Nerven der KleinIch hole sie heut nachmittag." Eva vertraute ihr Geftadt behalten. Ach, wenn sie doch einen ruhigen Hafen für heimnis Frau Bullmann. ihre kleine Eva hätte, in dem sie geborgen war! Frau Bullmann, die Nachbarin, mar ungehalten:„ Du mußt pünktlich um Eins da sein, sonst friegste en ander Mal gar nichts. Wo haste dir denn so lange aufgehalten?" ,, Blumen gepflückt." Evas Augen leuchteten noch in der Erinnerung. Nanu Blumen? Jezt schonst?" Biele, viele, in allen Farben!" Frau Bullmann war eine große Blumenfreundin, an ihrem Fenster vegetierten ein schwindsüchtiger Gummibaum und eine mottenfräßige Zimmerlinde. Man vorsichtig." ermahnte die. Sieh auch mal zu an'n Luisenden mal, da haben se immer besonders scheene Bumen in Töppen. Aber, daß de dir ja nich bei erwischen tabi!" Jezt am Nachmittag gab es viele Spaziergänger im Tiergarten. Die vorderen Wege waren sehr belebt, aber Eva mied sie, verlor fich tiefer hinein in den Bark, pürschte sich immer näher an ihre Bank. Ihr Fuß ging so leicht, ihren Tritt hörte man nicht. Jetzt, jetzt hatte sie gleich ihre Blumen da fuhr sie zurüd: ach, da fazen wohl welche auf ihrer ant? Undeutlich vernahm sie dort im Gebüsch zwei Stimmen. Auf das Fortgehen des Paares sehnsüchtig wartend, stand Eva still, verborgen hinterm Buschwerf. Sie wartete un geduldig: Wenn ihre Blumen nun welfen? Endlich wagte fie es, vorfichtig die Zweige auseinanderzubiegen. Das Baar dachte gar nicht daran, sobald von der Bank im Berborgenen aufzustehen. Es ahnte ja feinen Laufcher. Es fühlte sich hier so mohl geborgen, wie zwischen den Wänden einer eigenen Stube. Es war hier jo ficher. fo völlig ficher, daß es anderes nicht fah, nichts fah, was es störte. Aber das Rind sah. Es gab Stunden, in denen die Sorge der Mutter über das gewöhnliche Maß hinauswuchs und sich erweiterte ins Uebertriebene. Olga steigerte sich noch immer mehr. Wenn fie nun eines Tages nicht mehr wäre, wer würde dann Eva so mit Liebe umgeben, so der Reizbaren alles aus dem Bege säumen? Niemand, niemand. Das tat außer einer Mutter nur ein Bater. Aber ach, Eva hatte ja teinen Bater! und zum erstenmal fühlte Olga einen Groll in sich aufsteigen gegen Manfred Berndorff, der sich seinen Bffichten so schnöde entzogen hatte. Wo war er? Er sollte frant ſein, hatte Stefan damals erzählt, als er von des Vaters Be erdigung zurüdiam. Krant--?! Aber er fonnte doch tänast wieder gefund fein. Wenn sie nun einmal nicht im stande wäre, für Eva zu sorgen, ob er, der Bater, sich ihrer dann wohl annehmen würde? In einer Nacht, in der Olga, fo müde sie auch war, nicht schlafen konnte, weil Eva sich beständig unruhig warf, fam ihr der Gedanke, an feine Mutter zu schreiben. Frau Berndorff lebte ja noch in der alten Heimat, die wußte natürlich auch, mo ihr Sohn mor. Ob fie feiner Mutter einmal alles entdeckte? Ein wahnsinniger Gedanke! Sie Derwarf ihn sofort, als die Helle tam und ein freundlicher | m " Elite" der Nation. Unter dieser Ueberschrift haben wir am Freitag das unglaubliche Benehmen dreier Couleurstudenten auf der Friedrichftraße einem Ehepaar und später auch den Polizeibeamten gegenüber geschildert. Die Borwärts"-Notiz hat Wunder gewirft: Bald nach ihrer Beröffentlichung erschienen die drei Exponenten des Hochschulringes deutscher(!) Art" bei dem Beleidigten und baten inständig unter allen möglichen Entschuldigungsgründen und Beteuerungen für die Zukunft um 3urudziehung des Strafantrags. Was ihnen schließlich gewährt wurde, nadjdem sie eine Erklärung unterschreiben mußten, mit det fie in ihren Kreisen faum renommieren dürften. Wenn diese Erklärung nicht nur aus der Angst vor den Folgen ihres Benehmens, sondern auch einer ehrlichen Einsicht in die Erbärmlichkeit ihrer antisemitischen Straßenrüpeleien entsprungen ist, dann mag man sich mit diesem Entgegentommen des Angepöbelten entsprechend dem Bibelspruch abfinden: Es gibt im Himmel mehr Freude über einen reuigen Sünder als über tausend Gerechte Manche werden indessen an der Aufrichtig Morgen ihr ins Zimmer schaute. Ena war wohl und behauptete, gut geschlafen zu haben. Aber mit Evas Ohren war es doch nicht recht in Ordnung. Auch hier in der neuen Schule saß sie in der vordersten Bank. Sie war zudem nicht so groß, daß sie die Lehrerin sehen fonnte, wenn sie einen Blah mehr nach hinten gehabt hätte. Hier im Westen der Stadt hatte sie eine Lehrerin, das mar auch ein Borteil; Fräulein Mefaß hatte ein mütterliches Herz, fie fümmerte sich um die Kleine, die abseits stand, wenn die Klaffengenofsinnen sich in munterem Ringelreihen und bei den Freiübungen tummelten. Eva sollte nicht wild sein, nicht rennen, nicht springen, feine Turnstunden mitnehmen. Der Schularzt, dem das Fräulein das bleiche, stille Kind präsentierte, glaubte einen Herzklappendefekt konstatieren zu tönnen. Aber dabei fonnte man ja alt werden. Es drückte Eva, daß sie nicht so laufen durfte wie die anderen. Sie hätte allen voran rennen mögen, so schnell, daß alle weit zurückblieben. Sie flagte zu Hause: ,, warum darf ich denn nicht mitspielen und nicht mitwettlaufen? Ach, Mutter, fag es doch Fräulein Mefaß. Sie foll nicht immer fagen: Eva Wilkowski, fritt du jetzt aus der Reihe. Ich will aber!" Sie weinte herzhrechend. Olga hätte am liebsten mitgemeint: ihr Kind, ihre fleine Eva mit dem Herzen nicht ganz in Ordnung? Auch das noch! Aber Frau Bullmann beruhigte sie sehr: das kam alles von der Entwicklung. Eva tam nun in die Jahre, da würde sich noch dies und das einstellen und wieder verschwinden. Die würde noch genug rennen fönnen in ihrem Leben. Sie strich der Kleinen über's Haar:„ Na, was will sie' mal werden?" Schnelläuferin!" sagte Eva rasch. Da lachte die Buffmann und die Mutter lachte auch. Aber Eva lachte nicht mit. Sie blieb ganz ernsthaft. ,, Eine meiner besten Schülerinnen," sagte Fräulein Mefak zu Olga. Schade nur, daß sie so oft fehlen muß. Sind Sie nicht auch vielleicht zu ängstlich zu Eva? Ich würde fie härter anfaffen. Ich habe es beobachtet; sie neigt dazu, sich in etwas hineinzufteigern. Wenn Sie ihr einmal sagen würden: so schlecht befindest du dich nicht, du kannst ruhig zur Schule gehen- ob das nicht gut tun würde?" Olga sah das frische resolute Fräulein Mefaß traurig an: nein, die tannie Eva doch nicht. Ihre Eva mar freilich fehr empfindlich, aber die Leiden, über die fie flagte, bildete fie fich nicht ein. ( Fortfegung folgt.) felt biefer Rene zweifeln und darin nur ein flaffisches Belchen vol tischen Heldenmuts erblicken. Wie dem auch sei: der Fall bemeist, daß, wenn sich die Bevölkerung gegen das Treiben solcher Leute fräftig zur Mehr jetzt und die Hilfe der republikanischen Presse in Anspruch nimmt, sie auch mit den größten Maulhelden deutscher" Art schnell fertig werden wird. Die Dezembermiete unverändert. Wie der Amtliche Preußische Preffedienst mitteilt, friff in der gefehlichen Miete für Dezember teine enderung ein. Es bleibt demnach bei den Novembersägen in Höhe von 82 bezw. 78 Proz. Stromstörungen im Westen Berlins. Die Ueberlastung der städtischen Werte. Der Besten Berlins sowie die Genreinde Wittenau find am Dienstagnachmittag von einer sehr unangenehmen, mehrere Stunden dauernden Stromstörung betroffen worden. Die Ursache der sehr ausgedehnten Störung war verhältnis. mäßig geringfügig. Bei der Metallwarenfabrit M. Löwenberg Söhne in Borsigwalde wurde nachmitatgs gegen 44 Uhr ein Delschalter defekt, und die Kurzschlüsse machten sich in dem teilweise noch im Bau begriffenen Umspannwert Bittenau der Berliner Städtischen Elektrizitätswerte in unangenehmster Weise bemerkbar. Es trat sofort eine Ueberlastung ein, da nicht nur das Bittenauer Ortsnetz für längere Zeit ftromlos wurde, sondern weil die an das Umspannwert angeschlossenen Kabel, die einen Teil des Westens von Berlin mit Licht und Kraft ver. forgen, ebenfalls ausgeschaltet wurden. Das lebel wurde noch dadurch vergrößert, daß der Unfall in der Metallwarenfabrit bei Beginn der Duntelheit erfolgte, zu einer fritischen Zeit, in der von den Elektrizitätsmerten stets dadurch Spitzenbelastung verlangt wird, daß in allen Geschäften, Privathaushaltungen usw. in ganz furzer Beit die Lampen eingeschaltet werden. Nachdem in dem Wittenauer Werf die Zuleitungstabel nach Berlin ausgefallen waren, fonnten die auf den Unterstationen 3offener Straße usw. stehenden Dynamos den richtigen Bedarf nicht sofort decken. Erst nach und nach mar es dann möglich, die einzelnen Straßenzüge durch Notschaltun. gen wieder mit Strom zu versorgen. Auch die nach dem Kraftwerk Oberspree führenden Kabel waren durch den Unfall in Bitte nau in Mitleidenschaft gezogen, so daß es in den Städtischen Elettrizitätswerken längerer Zeit bedurfte, bis alle Schwierigkeiten Die Hauptursache der Stromstörungen in lezter Zeit ist darin zu suchen, daß die Berliner Städtischen Elektrizitätswerte gegenwärtig weit über das Maß ihrer Kräfte hinaus belastet sind. Neue Verbraucher, namentlich größere industrielle Betriebe, fönnen vorläufig Anschlüsse an das Ortsnek überhaupt nicht erhalten. Eine grundlegende Besserung ist erst dann zu erhoffen, wenn das neue Großtraftwert an der Ober. spree vollendet sein wird. mieder behoben waren. Musikalische Abendfeier. Das Arbeiterfulturfartell Groß- Berlin veranstaltete am Sonnabendabend im Gewerkschaftshaus, Engelufer, feine erste diesjährige musikalische Abendfeier. Die Borführungen zeigten unbedingt hohes, tünstlerisches Niveau, die A- cappella- Chöre flangen Der Bellinzonaprozeß vertagt. Auf unbestimmte Zeit... Der zweite Berhandlungstag im Eisenbahnerprozeß begann mit einer recht sensationellen Wendung, indem der Brozeß ent sprechend dem Antrag der Verteidigung auf unbestimmte Beit pertagt wurde, um, wie es den Anschein hat, ihn über. haupt in der Berjentung verschwinden zu lassen. Schon während des Lokalaugenscheines an der Unglücksstelle fonnte man gewiffe Berhandlungen zwischen den verschiedenen Anwälten der Berteidigung und der Bivilparteien einerseits sowie der Staatsanwaltschaft und des Gerichtshofes anderseits beobachten, die zur Bertagung führten. Die Sigung begann gestern um zehneinhalb Uhr vormittags und wurde mit dem Antrag der Berteidigung auf Berschiebung des Prozesses und der Rüdverweisung der Aften zur Bervollständigung an die Staatsanwaltschaft eingeleitet. Advokat Mono begründete namens der Berteidigung feinen Antrag auf Berschiebung damit, daß sich im Laufe des Lofalaugenfcheines wesentliche Irrtümer im Bericht ber Bundesbahnen herausgestellt haben, daß ferner die beiden Entlastungsgutachten erft vor zwei Tagen in die Hände der Berteidigung gelangt feien und daß endlich ein neues Belaftungsgutachten des Direttors& eib. brand von den Deutschen Reichseifenbahnen erft gestern eingereicht wurde. Schließlich habe sich das Gutachten der beiden Sachverständigen der Antlage als eine einfache Kopie der Berichte der Generalbirektion der schweizerischen Bundesbahnen an das Ant Eisenbahndepartement und den Bundesrat herausgestellt. gefichts diefer Angaben schloß sich die Staatsanwaltschaft dem An trag der Verteidigung auf Berschiebung des Prozesses an, behielt sich aber ausdrücklich jede Bewegungsfreiheit vor, sei es in der Richtung, die Anlage auf Grund eines neuen Altenstudiums fallen zu laffen, oder sie auf weitere Berfonen auszubehnen. Der Bertreter der Zivilparteien hatte gleichfalls nichts gegen eine Berschiebuna bes Brozesses einzuwenden unter der Voraussetzung, daß den Zivilparteien bas Recht, sich als solche zu fonftituieren, nicht bestritten merbe. Dieses Recht wurde nämlich von der Verteidigung in der erften Sigung abgelehnt. Das Gericht beschloß schließlich im Sinne dieses Antrages den Brozeß zu verschieben und die Aften zur meiteren Prüfung an die Staatsanwaltschaft zurüdzuweisen. Auf Grund geraten. Der 15 000 Tonnen große amerikanische Dampfer„ Glebeland geriet in der Elbe bei Brunshaupten im Nebel auf Grund. 17 Schlepper verfuchten bergebli, ibn abaufchleppen. Erst nachdem ein großer Teil der Labung an Leichter abgegeben war, fonnte der Dampfer to ieber flott werden und feine Reise nach Hamburg feftfetzen. 3m Streif um den Kommunismus. Jm Eisenbahn auge zwischen Brest- Litomst und Baranowitschi entstand zwischen Reifen den ein Streit über den Kommunismus, in deffen Berlauf ein Bole namens Sa0abwiliesti in einem But anfall eine Frau Abramowitsch aus dem fahrenden 8uge schleuderte. Der Zäter ist verhaftet worden. prachtvoll eraft und bewiesen eine außerordentlich sorgfältige Parteinachrichten Schulung und Durchfeilung. Vor allem störten hier nicht Schwan fungen in der Tongebung und im Tempo, sonst der mundeste Punkt bei Chorvorführungen, immer wieder fann sonst festgestellt werden, daß das Tempo gehezt oder verschleppt wird. Dr. Ernst 3 ander zeigte fich als Dirigent von ausgeprägtem Gefühl für Rhythmus, Tonschattierung und Steigerung. Gleich der erste Chor ,, Bach auf!" aus dem dritten Att der Meistersinger von Nürnberg" bewies diese Eigenschaften des Dirigenten. Es folgten die tepublifanische Hymne" und ein Gottfried Kellersches Abendlieb in der etwas tonrentionellen Bertonung von Martin Grabert. Ausgezeichnet gelang die Wiedergabe des alten Rathgeberschen Liedes Bon der edlen Mufit" aus dem Jahre 1690, das Dr. Zander neu bearbeitet hatte. Gerade hier überraschte das leichte, graziose und schwingende Tempo. Den größten Beifall fand das Volkslied Lieb Heimatland abe!" in der Bearbeitung für gemischten Chor von Arnold Mendelssohn. Als Solist war Georg Kniestadt, Renzertmeister an der Staats oper, verpflichtet worden. Er spielte das Violinkonzert D- Dur von Mozart, Beethovens G- Dur Romanze, eine Mazurfa von Wieniaw jfi und Bariationen über ein Thema von Corelli von Tartini- Kreisler, Kniestädts Borzüge liegen nicht im rein Artistischen, das allein die Bariationen von Tartini- Kreisler verlangen, jein Strich wird hier zu schmer trotz einwandfreier Beherrschung der Technit, es fehlt ihm das Spielerische, Tänzerische. Dagegen gelangen ihm ausgezeichnet Die Beethoven- Romanze und der zweite Saß der Mozart- Sonate, das andante cantabile, hier fingt seine Geige, hier gibt er Ausbrud. Es ist schade, daß das ausgezeichnete Rongert nicht stärkeren Befuch aufweisen fonnte. ,, Rettung eines Schiffes aus Seenot. Wieder brachte der Berliner Rundfunt ein Hörspiel. Die Autoren Cornelius Bronsgeest, Alfred Braun und Balter Bransen bemühten sich die Rettung eines Schiffes aus Seenot akustisch dar zustellen. Aber es ist besser geredet als gerettet worden. Besser wurde bisher in zahllosen Artikeln theoretisiert als prattiziert. Das ist nicht gerade erfreulich, nachdem sich leider von Woche zu Woche deutlicher herausstellt, daß Gramahtis atustischer Funtroman Die Katastrophe" zu sein scheint, was der Titel zweideutig befürchten läßt: eine Ratastrophe. Dem gestrigen Hörspiel lag eine an fich originelle Idee zugrunde: Ausfahrt eines Schiffes, Abschiedswehmut, Geburtstagsfeier an Bord, Maschinenlauf, Kommandojchall, plötzliches Auftauchen von Notsignalen, ein Schiff ist in Not, Hilfeleistung, Rettung Gefährdeter, Heimkehr. Es boten sich somit herrliche Mög lichkeiten, genutzt wurde faum eine abgesehen höchstens von der schönen Windmaschine. Gewiß: auch Wind gehört zum schiffbrüchigen Milieu, aber wenn man nur Wind machen will, dann hätten die Hörer des Rundfunks durch gute Aufführung von Wortdramen nicht schon so verwöhnt werden sollen.. Genoffe Dr. Karl Renner spricht am Freitag, den 27. November, abends 8 1hr, im Großen Hörsaal der Hochschule für Politit( Alte Bauakademie, Shinfelplay 6) auf Veranlassung der Vereinigung fozialdemokratischer Studenten Berlins über Warenprodut tion und Sozialisierung". Gäste willfommen. M Billige Fischtage! Durd große Fänge gehen die Fischpreise Herunter. Es fommen am Mittwoch, Donnerstag und Freitag, bom 25. bis 27. November, zum Verkauf: Bebende Blogen pro Bfb. 55 Pf., Goldbars pro Bid. 80 f., Dori pro Bfd. 25 Pf. und Rabliau oder Seelachs pro Pfd. 35 f. im ganzen Fisch( im Anschnitt etwas teurer). Die Berkaufsstellen find durch Plakate fenntlich gemacht und befinden sich in den Ladengeschäften, in den Markthallen und auf den Wochenmärkten. Im Auftrage des Volksbildungsamts( kulturgemeinde) Brenzlauer Berg, pricht heute abend 7½ Uhr, in der Aule der Königstädtischen Oberreal schule, Bastenerstr. 44/46, der Leiter der Stadtbibliothet, Prof. Dr. Frit. über den Aufbau des Berliner Städtischen Büchereimefens. Der Vortrag wird unterstützt durch Vorlesungen und Vorführung von Schattenbilbern. Der Eintritt ist fret. Ein Lustmord an der böhmischen Grenze. Kartenlegerin Franziska Semidt in Barnsdorf( Eichechoilowalei) einen Lustmord durch Erdrosselung mit einem Scheuertud). Bei der Flucht durchs Fenster verwechselte er Schuhe und tragen. Gr dürfte über die Reichsgrenze entkommen sein. Ein ehemaliger Aftermieter beging an der 50jährigen lebigen Was Krasomehn ist? Die wirklich schöne Frau weiß es. Ob sie es gerade Dir verrät, das wage ich zu bezweifeln. Sinfendungen für diese Rubrik find Berlin B. 68, Lindenstraße 3. für Groß- Berlin ftete an bas Bezirksjefretariat. 2. Sot, 2 Trep. rechts, a richten Bezirksvorstand. Heute abend 6 Uhr Sigung des erweiterten Bezirtsvorstandes im Konferenzzimmer der Vorwärts"-Redaktion, Cindenfte. 3. Pünktlich erscheinen. Der engere Bezirksvorstand trifft sich eine halbe Stunde früher. 2. Areis Tiergarten. Donnerstag, ben 26. Stovember, abends 7 ht, bei Krüger, Butliaftr. 10, erweiterte Rreisvorstandsfikung. 7. Atreis Charlottenburg. Donnerstag, den 26. Rovember, abends 8 Uhr, Bersammlung der parteigenöfifchen Beamten der Bezittsämter bei Reimer, Wilmersdorfer Str. 21. Tagesordnung: Organisation des Bertrauens. Ieute. Werbeausschuß der Rommunalbeamten. 14. Rreis Reufölla. Am Mittwoch, den 25. November, abends 7 Uhr, im Jdeal- Kafino, Weichfelftr. 8, Funktionärinnentonferens. Arbeiterwohl fabet: Freitag, ben 27. November, abends 71 Uhr, im Sbeal- Rasino, Beichfelftr. 8, Gigung fämtlicher Bohlfahrtspfleger und pflegerinnen Bortrag des Genoffen Stadfrat Schneider. Erscheinen ift Bidyt. 17. Rreis Lichtenberg. Der Sturfus über das Barteiprogramm fält in diefer Woche aus.- Nächfter Rurfustag und Ort werben noch im Borwärts bekanntgegeben. " 18. Areis Weißenfee. Bildungsausfauk: Donnerstag, den 26. November, abends 7% Uhr, bei Gallas, Lehderstraße, Ede Berliner Alee, Sigung der Sportlartellbelegierten. Bortrag: Das Reichs- Jugendwohlfahrtspeles". Referentin Genoffin Dr. Sellinger. Wir erwarten vollzähliges Erscheinen. 20. Atreis Reinickendorf. Die Elternbeiräte bet meltlichen Schulen veran ftalten am Donnerstag, den 26. November, abends 7 Uhr, im Realgymna fium Reinidendorf- Oft, Berner Straße, einen Lichtbilbervortrag als Berbeveranstaltung ameds Errichtung eines Montellorie- Rinderhauses. Awet Mitglieber bet Montessori- Gesellschaft werden an Sand von Licht bilbern das Beben und Treiben in den Montefiori- Rinderhäusern schilbern. Alle Eltern, befonders diejenigen von Rindern von sechs Jahren, find foeundlichst eingeladen. Eintritt fret. Heute, Mittwoch, den 25. November: 6. t. 7 Uhr Rahlabend in den bekannten Bofalen. Die Genoffen treffen fich aur Teilnahme an der Einäfcherung des verstorbenen Genoffen Dr. Berman Bent nachmittags pilnftlich 2 Uhr bei Dobrohlaw, Gwine minder Str. 11. 11. Abt. Die Mitgliederverfammlung fällt aus. 20. Abt. 7% Uhr Mitgliederversammlung bei Benbe, Rolonieftr. 147. Sages orbnung: Die 1. Internationale". Referent Genoffe Josef Graft. Die funktionäre milffen bereits um 7 Uhr pünktlich ebenda anwesend fein. 21. bt. Bot bet Abteilungsversammlung holen die Funktionäre die Starten fire bie Weihnachtsfeier vom Genoffen Kroll ab. 38. bt. Die Mitgliederversammlung fällt in biefem Monat aus. Die De Airtsfithter Tenben umgehend Liften mit Ramen und Abreffen aller Ge noffinnen und Gettoffen dem Abteilungsleiter ein. Ferner fehlen noch Rinderliften. 54. Abt. Charlottenburg. 5. Gruppe: 8 Uhr Rablabenb bei Bühnemann, Selmholzite. 39, 61. Abt. Spanbau- Reuftabt. 74 Uhr Mitgliederversammlung im Sohenzollern " Rafino, Württembergftzake. Bortrag: Pan- Europa. Referent Dr. Alfred Rorach. 71. bt. Bilmezadost. Seute, Mittwoch, abend 8 Ube beteiligen fi alle Genoffingen und Genoffen am Republikanischen Abend im Bittoria- Garten, Wilhelmsaue. 74. Abt, Reblenbort. Seute abenb 8 he bei midten, Botsbamer Str. 5, Rreisversammlung. Bortrag des Genoffen Emil Barth. Wir erwarten vollzähliges Erscheinen. Genoffe Karl Solttamp feiert am 25. Rovember feinen 70. Geburtstag. Das Rundfunkprogramm. Mittwoch, den 25. November. Außer dem üblichen Tagesprogramm: Morgen, Donnerstag, den 26. november: 85. Mat. Tempelhof. 7% Uhr Mitgliederversammlung bei Stuhlmann, Derf ftraße 50. Borttage Sowjetrußland". Referent Dr. Rarfen. 86. Abt. Mariendorf. 7½ Uhr in der Schlaula Rönigstraße, Bottrag: De politische Lage und Locarno". Referent Stadtrat Hermes. Die Bezirks führer laden zu der Berfammlung ein. 109. Abt. Friedrichshagen. 7 Uhr im Lofal Otto, Ritchftt. 28, Bortzog: Bie fchmüde ich mein Seim?" Sterbetafel der Groß- Berliner Partei- Organisation 115, Abt. Lichtenberg. Unser Genoffe Billi Solfchewski, Gürtelftr. 6, ift von feinem langjährigen Leiden durch Freitob erlöst. Einäfcherung am Donnerstag, den 26. November, nadymittags 4½ Uhr, im Rrematorium Bauny faulenweg. Bir erwarten vege Beteiligung. 123. Abt. Raulsborf. Unfer Genoffe Rarl Bollar ift verstorben. Beerbi gung am Donnerstag, den 26. November, nachmittags 3 Uhr, auf dem Friede hof in Raulsdorf. Wir bitten um zahlreiche Beteiligung. Jugendveranstaltungen Abrechnung der Spedition. Heute, Mittwoch, den 25. November, abends 7½ Uhr: Webbing: Schule Ruheplah, Ede Antonftraße, Bortrag: Gozialismus und Lebensreform". Selmbolkplak: Schule Eberswalder Str. 10, Rimmer 11, Arbeiter Dichter" Baltenplag: Jugendheim Rigaer Str. 102, Mitglieber verfammlung. Frankfurter Biertel: Jugendheim Rigaer Str. 102, Bortrag: ,, Entstehung einer Zeituna". Euisenstadt: Gaule Stallschreiberstr. 54. Bor. trag: Bürgerliche Jugendbewegung". Weflen: Rinderhort Dennewikftt. 23, Tempelhof: Cing. Gift. part., Bortrag: Wie und was foll man lefen?" Wann uzeum Germaniaftr. 4-6, Borttag:„ Der Heidelberger Barieitag". fee: Schule Charlottenfraße, Bottrag:„ Was trennt uns von bet Kg.?" Rieberschöneweibe: Schule Berliner Str. 31, Bortrag: Erziehungsarbeit". Raulsbort: Schule Abolfftt. 25, Borttag Ausländische Jugendbewegung Bidhtenberg- Mitte: Jugendheim Doffeftr. 22, Borirag: Das tommende Seichs. fdulgefek und die arbeitende Jugend". Bildungsfurje: Werbebesir! Reutöln: Jugendheim Canner Straße. Thema: Gefchichte bet Borwärts- Spedition, Greifenhagener Arbeiterbewegung". Redner Genoffe Erwin Marquardt. 1. Abend. Werbebegirl Brenzlauer Berg II: Straße 22. Vorträge, Vereine und Verfammlungen Reichsbanner Schwarz- Rot- Gold". Gefäfteftelie: Berlin G 14. Sebaftianfte. 37/38 Sof 2 St. Bebbing: Roch nicht umgetauschte Mitgliedstarten find an bie Gruppen- und Untergruppenführer abzugeben. Einlahlarten aum Gesellschaftsabend der Sportabtellung file Co., b. 28., im Ariftallpalait, Gellerftr. 9, bei Ramerab Müller, Uferstr. 12, au haben. Kreuzberg: Go ,, b. 28., Winterfest, verbunden mit Fahnennagelung in der Bockbraueret, Ridicinftr. 2. Feftrebe Ramerab Polizeioberft Schilkinger. Rarten& 75 B. in. Sana und Steuer bei allen Funktionären und an der Abendtaffe. Beginn 7 Uhr. Schoneberg Friedenau: Jungmannschaft der Rüge Beften, Infel, Rollendorf, Rathaus, Mi., b. 25., abends 8-10 Uhr Jugendheim Hauptte. 15, Oftmartaimmer. Fr., D. 27., abends 8-10 Uhr Rüge Rubens und Friedenau Jugendheim Schule Offenbacher Straße, Bühnenzimmer. Steglit mit Sameradichaften: Do., b. 26., Beteiliauna an ber republikanischen Werbefund. gebung Dahlem. Treffpunkt 7 Uhr Düppelplak. Turnen fällt aus. willkommen. Ablershof: Do., d. 26., abends 8 Uhr. Matsfeller, Mital.- Berf. Röpenid: Co., d. 28., abends 6 Uhr, Antreten Bhf. Röpenid ohne Tam bourtorps und Fahnen zur Fahrt nach Ertner. Rameraden zur Fahnennage Jung Areuzberg treffen fid) aur gleichen Reit an derfelben Stelle. gidhten berg unb Untergruppen: Turnen fällt in biefer Woche aus. Damen Deutscher Monistenbund. Am 26. November, abends 8 Uhr, fpricht in unferer Gefchäftsstelle. Wilhelmstr. 48, 3 Et.. Dr. R. Schwellenbach über Religion und Geschlechtsmoval". Verband Boltsgefundheit. Ortsverein Berlin. Donnerstag, ben 26. Novem bet, abends 8 Uhr, Schitle Siflandit. 9-11( Nähe Sannowigbrüde). Genoffe Baul Richter spricht über Grundlagen der Biochemi.". Freie Aussprache. Gäste willfommen. Aus Anlaß des 12jährigen Bestehens findet am Sonntag, bey 29. November, in der Schulaula Lange Str. 31, nahe Salef. Bhf., ein Bunter Abenb statt. Brogramim: Mufit, Gefang, Realtation, Anforache, Aufführung. Einlah 6 Uhr. Beginn 6½ Uhr. Eintritt 75 Vf. Gäfte herz lich eingeladen. Arbeiter- Nabio- Klub, Grusve Schöneberg. Donnerstag, den 26. November, 148 Uhr, Berfammlung aller Mitglieder und werttätigen Radiofreunde bei Pottak, Gedanftr. 53. Vortrag über Bochfrequenzberitärter". Gäfe will tommen. Bereinigung für Schul- und Erziehungsfragen, Berlin- Trentom. Freitag. ben 27, November, abends 8 Uhr im Reichenfaal der 6. Treptower Ge meindefdule, Bidenbruchftr. 53, Tr., fpricht Jugendamtsleiterin Frau D. b. Deden fiber ,, Die Jugend in der sozialen Arbeit". Eintritt fret. Sport. Ringerwettstreit im Walhalla- Theater. Weltmeister Welmura Sieger im Mittelgewicht. Am Montag fand der Schlußfampf der Mittelgewichte statt. Der deutsche Meister Kunst und der Weltmeister Beinura maren die legten Gegner. Beide waren sich völlig ebenbürtig, aber die größere Ringerfahrenheit sollte auch hier den Sieg davontragen. Stunft faßte einen Untergriff zu tief, das nugte Beinura blizschnell aus und riß feinen Gegner auf die Schultern. Ringzeit 43 Minuten. Erster Breisträger wurde bamit Beinura mit 9 Siegen, den zweiten Blag belegte unser Meister Kunst mit 6 Siegen und 1 Niederlage. Bartkowiat belegte mit 6 Stegen und 2 Niederlagen den britten Play. Bon mun an füllen nur die Schwergewichte das Programm aus. Hans Schwarz und Strenge trafen sich als alte Rivalen wieder auf der Matte. Dieser schöne Kampf erinnerte an die Blütezeit des Ringtampfs. Nach 45 Minuten glitt Strenge an den Körper von Schwarz ab, diefer riß Strenge durch Ausreißer von der Seite auf die Schultern. Pietro Scholz erlag dem Ruffen Ro. manoff nach 33 Minuten durch Armfallgriff. Raman und Lasarteffe rangen bis zur Polizeistunde ohne Resultat. Rennen zu Strausberg am Dienstag, den 24. november. 1. Rennen. 1. Karrara( H.Scholz), 2. Oddrun( Malchen), 3. Märchen zauberin( Mate). Toto: 64: 10. Blab: 19, 14, 15: 10. Ferner liefen: Anarchist II, Attade II, Quelinymphe, George, Caracas, Madi, Bliz. 2. Rennen. 1. Depression( Müschen), 2. Alegro( Dertel), 3. Harma ( Ebler). Zoto: 64: 10. Plat: 32, 83, 108: 10. Ferner liefen: Erdfertel, Hilarius, Kornblume, Sturm, Maas, Atlantic, Spaniola, Barfuß, Blümlisalp, Fuchsie, Beleda. 3. Rennen. 1. Lily S.(. Beer), 2. Mamtals( Bauser), 3. Songe d'Or( H. Scholz). Zoto: 53: 10. Blas: 13, 12, 13: 10. Ferner liefen: Goldstern, La Mamora, Melitta, Fegefeuer. 4. Rennen. 1. Trumpf( Derfel), 2. Angriff( Dippelt), 3. Mäufeturm ( B. Wolff). Toto: 46: 10. Plat: 21, 17: 10. Ferner Itejen: Bajuware, Blastopas 5. Nennen. 1. Baltazar( E. Eidhorn). Rüftung, gef.( R. Ebler), Nasvibr, gef.( Dertel). Toto: 22:10. Drei liefen. 6. Rennen. 1. Dioscur( Derte!), 2. Benus IV( R. Derfchug), 3. Porta Bestfalica( Bismark). Toto: 44: 10. Blab: 23, 68, 81: 10. Serner liefen: Fechterin, Rig me quid, Ganymed, Le Challenge, Juanita LII, Efto, Belladone. Wetter für Berlin und Umgegend. Bechselnde, meist stärkere Bewöllung, einzelne leichte Regen oder Schneefalle. Weitere Abfühlung; nachts Frost. Für Deutschland. Meift bebedt, einzelne Regen- oder Schneefalle, tagsüber Zemperatur um Null; nachts mäßiger Froft. 3.30 Uhr nachm.: Jugendbühne( Unterhaltungsstunde). Krauskopf und Blondhärchen", von Therese Rösing, vorgetragen von Elisabeth v. Elka. 4.30-6 Uhr nachm.: Nachmittagskonzert der Berliner Funkkapelle. Leitung: Konzertmeister Ferdy Kauffman. 645 Uhr abends: Dr. med. Fritz Streblow: Hygiene der Heizung. 4. Vortrag. Luftheizung, Dampfheizung. 7.15 Uhr abends: Wirkl. Admiralitätsrat Prof. Dr. Kohlschütter:" Die Erforschung der Arktis mit dem Luftschiff. 7.45 Uhr abends: Hans- Bredow- Schule ( Hochschulkurse). Abteilung Rechtswissenschaft. Geheimer Oberregierungsrat Dr, Ludwig Laß: Einführung in die soziale Gesetzgebung. 3. Vortrag. 8.30 Uhr abends: Kammermusik von Haydn Bis Schönberg. 4. Abend. Havemann- Quartett: Professor Gustav Havemann- Quartett: Professor Gustav Hat ein Mädchen mit langem Haar oder Havemann, 1. Violine; Georg Kniestädt. 2. Violine; Hans Mahlke, Viole; Adolf Steiner, Cello. Mitwirkende: Rad Schmidt, Klavier; mit Bubitopf Alfred Richter, Klarinette. 1. Mozart( 1756-1791): Divertimento, mit Bubitopf beffere Heiratsaussichten? Trio für Violine, Bratsche und Cello, Allegro Adagio Wer uns diese Frage auf einer Boftfarte mit höchstens 25 Worten Menuetto: Allegretto Allegro. 2. Beethoven( 1770-1827): beantwortet, erhält ein Driginalpalet Elida Haarpflege fodafret Sonate F- Dur op. 24, Allegro Adagio molto expressito Scherzo: Allegro molto Rondo: Allegro ma non troppo( Georg Kniestädt und Rudolf Schmidt). 3. Mozart: Quintett für Klari nette und Streichquartett, Allegretto Larghetto Menuetto Thema con Variazioni: Allegretto. Anschließend: Dritte Bekanntgabe der neuesten Tagesnachrichten, Zeitansage, Wetterdienst, Sportnachrichten, Theater- und Filmdienst. ( das Lugusihampoon für 30 Pfennig) und ein Stüd Glida- dealfeife au 20 Gramm. Auch Antworten von Herren find uns febr willlommen, da die Verwendung von Elida- Haarpflege auch für Herren eine Wohltat und ein Gebot der Borsicht ist. Barfümerie Elida A.-G., Leipzig, Abtlg. B3. Nr. sss» 42. Iahryaag 2» Mittwoch. 25. November??2S Erste Lesung von Locarno beendet. Wg. Aehrenbach führte im weiteren Verlauf der gestrigen Reichstagsützung aus: Die Aufhebung des Delegierten- s y st e m s. das in scharfem Gegensatz zu dem Artikel 5 des Rhein- londabkommens stand, wird von uns als die Wiederherstellung des vertraglichen Zuftandes gewsrtet. Leider ist damit die im ange- zogenen Artikel gewährleistete volle Freiheit der deutschen Verwaltung nicht erreicht worden. Besonders bedauerlich ist die Fortdauer der drückenden Einschränkung der Pressefreiheit und der Zensur über Theater, Konzerte, Vorlesungen usw., überhaupt der gesamten Kultur- bestrebungen. Das gleiche gilt für die fortdauernde Beschränkung des Versammlungsrechts in Garnisonstädten. Das Bedauerliche an der neuen Verordnung 308 ist chre Dehnbarkeit. Wir wollen hoffen, daß die Handhabung der Verordnung anders ausfallen wird, wie ihr Buchstabe und daß fich daraus von selbst eine Revision ergibt. In ruhiger und verantwortungsvoller Abwägung der Derbesse- rungen und Mängel kommen wir aber trotzdem zu dem Ergebnis, daß die V o rt e i l e des Werkes von Locarno für Deutschland sowohl wie für Gesamteuropa so erheblich sind, daß man die Beseiti- gung der Mängel füglich der Zukunft überlassen kann. Die Annahme der Verträge von Locarno ist verbunden mit dem Entschluß zum Ein tritt' in den Völkerbund. Wir sind bereit, dem Völkerbünde unsere Mitwirkung zu leihen. Dabei können wir selbstverständlich unsere eigenen Lebens- Notwendigkeiten nicht außer acht lasten. Wir können das um so weniger, als der eigentliche Zweck des Völkerbundes, die allgemeine Abrüstung bisher nicht erfüllt ist und alle Nachbarstaaten um uns herum in Waffen starren, während wir, die wir mitten zwischen ihnen Legen, keinerlei Kriegsrüstung besitzen. Wir erwarten, daß eine friedliche Gemeinschaftsarbeit der Nationen auch den wirtschaftlichen Wiederaufbau Europa« und der Erhaltung der Kultur des Abendlandes dienen wird. Die Verträge von Locarno in dieser Richtung wirksam zu machen, ist ein« heilige Pflicht aller Notionen. An uns soll es nicht fehlen. Mehr ober noch als Deutschland können und müsten die größeren und mächtigeren Staaten das Ihrige tun.(Beifall im Zentrum.) �lbg. de. Scholz(D. vp.j: Das Problem der deutschen Außenpolitik ist nicht, als Gleich- berechttgter mit Gleichberechtigten internationale Verträge abzu- schließen, sondern das Problem ist. diese Gleichberechtigung im Rat« der Völker In zäher Arbeit erst wieder zu erringen.(Sehr wahr!) Die einzige Frag«, die deshalb gegenüber diesem Vertragswerk vor- liegt, ist, ob es die Lebensnotwendigkeiten Deutschlands verletzt. Die Frage, ob eins fühlbare Besserung gegenüber dem bisherigen Zustand durch die vorliegenden Verträge erreicht wird oder nicht und, ob die sogenannten Rückwirkungen dieser Verträge ebensalls eine fühlbare Erleichterung bedeuten, ist nach unserer ehrlichen Auffastung zu bejahen.(Lebhafte Zu- stimrnung bei der D. Vp.) Dabei möchte ich im Namen meiner Fraktion ein« Reih« von Feststellungen machen, die insbesondere nötig erscheinen nach den Ausführungen des Vertreters der Deutschnationalen. Zunächst handelt es sich um die Srlegsfchuldfrage. Wir erwarten von der Reichsregierung eine Erfüllung chrer feierlichen Zusage, daß beim eventuellen Eintritt Deutschlands in den Völkerbund erneut diese Feststellung wollzogen wird. Nach unserer Auffastung steht im Westpatt nichts von einem Der« zicht auf deutsches Land: es wird nur auf gewaltsame Maßnahmen verzichtet. Artikel 6 bedeutet nach unserer Ansicht nicht die freiwillige Anerkennung des Friedensvertrages von Versailles. Was unseren Eintrstt in den Völkerbund betrifft, so bin ich niemals sein begeisterter Anhänger gewesen. Es wird auch jedem Deutschen recht schwer gemacht, es zu sein, aber in der gegenwärtigen Lage— das betone ich besonders auch denen gegenüber, welch« darauf hinweisen, daß wir vor ein oder zwei Jahren zum Eintritt nicht bereit waren—, erscheinen uns die Vorteile des Beitritts so groß, daß uns zurzeit ein« Ab- lehnung nicht angebracht vorkommen will. Die Vor- aussetzung allerdings dafür muh die sein, daß die Gleichgewichtsloge in Europa, an der wir sin vitales Interest« haben, nicht gestört wird und daß der Beitritt Deutschlands zum Völkerbünde Deutschland nicht Verwicklungen mit anderen Staaten aussetzt. Deshalb stellen auch wir als die einzig mögliche Auslegung der Artikel 16 und 17 der völkecbundssatzung fest, daß Deutschland allein und ausschließlich darüber zu befiudeu hat. ob und inwieweit es den Verpflichtungen aus Artikel 16 nach- kommen will, und wir stellen serner sest, daß darunter auch das vurchmarschrecht und die wirtschasllichen Mahnahmen fallen. Bei dieser Auslegung und unter Bezugnahme auf die Protokolle von Locarno scheint uns jede Gefahr beseitigt, daß etwa mit dem Eintritt m den Völkerbund Deutschland kriegerische Verwicklungen mit anderen Staaten aufgezwungen werden können.(Zustimmung.) Ich würde auch aar keine Bedenken tragen anzunehmen, daß Deutsch- land auch nach seinem Eintritt durchaus in der Lag« ist. mit außerhalb des Völkerbundes stehenden Staaten, z.B. mit Rußland Neutralitötsverträge abzuschließen.(Sehr richtig bei der D. Vp.) Eine der grundlegenden Fragen, die auch in Locarno immer wieder in den Vordergrund getreten ist, ist die Frage der allgemeinen Weltentwaffnung. Wer es für möglich hält, ein reiches und starkes Volk auf unabsehbare Zeit zwangsweise entwaffnet zu hallen, während die ehemaligen Gegner dieses Volkes bis an die Zähne bewaffnet bleiben, der gibt sich gefährlichen Illu- sionen hin. Rur eine gleichzeitige allgemeine Abrüstung macht die Lösung dieses Problems möglich. Diese Sätze sind nicht von mir. sondern sie sind ein Zitat aus den Darlegungen des belgischen Ministers Vanderoelde. dem wir uns unbedingt anschließen... � Die Zustimmung zum Vertragsw-rf wird speziell meiner « Fraktion wesentlich dadurch erleichtert, daß die Forderungen der Deutschen Volksportei. die sie in ihren Richtlinien für die Außen- polittk vom 2. Juli erhoben hat. in allen wesentlichen Punkten im Bertrage erfüllt sind.(Sehr richtig! bei der D. Vp.) Aner- kennend stelle ich fest, daß die Ausführungen des Grafen Westarp außerordentlich ruhig und verstandig waren. aber es wäre mir sehr lieb gewesen, wenn das ganze Verhallen der Deutschnationalen Fraktion von Anfang an so verständig gewesen wäre wie diese Rede.(Sehr gut! und Heiterkeit bei der 25. Vp.) Von der Anzahl der kategorischen Imperative, die setzt aus den Plakaten in den Straßenbahnen zu finden sind, möchte ich zwei der Deutschnotionalen Fraktion ins Stammbuch schreiben: 1.„springe nicht ab während der Fahrt!" 2.„Nimm Rücksicht auf Ander« 1*(Große Heiterkeit.) Diese beiden Plakate sollte die Deutschnationale Partei in ihre» Frakttonszünmern aus- Neun Parteivertreter und Stresemauu. hängen.(Heiterkeit.) Einen anderen Punkt fasten meine Freunde und ich sehr ernsthost auf. Wir verbitten es uns — dos kann ich nicht nur im Namen meiner Fraktion, sondern wohl auch weiterer Kreise des Reichstages sagen—, daß ein großer Teil zum mindesten der deulschnationalen presse denjenigen, die sich wahrlich aus nicht leichtem herzen, aber ans gesunden realpolitischen Erwägungen sür Locarno entscheiden, die vaterländische Gesinnung abspricht.(Lebhafte Zustimmung bei de? D. Vp.. Rufe: Unerhört!) Wir dürfen nach unserer ganzen bis- hcrigen Haltung in Anspruch nehmen, mindestens ebenso national zu fühlen, wie die Deutschnattonale Fraktion.(Sehr wahr! bei der Deutschen Volkspartei.) Abg. Thälmann(Komm.): Wäre Locarno«in wirklicher Friedensvertrag, so würdzn die Kommunisten ihm s r e u- dig zustimmen. So ober würden durch ihn hunderte von Millionen Arbeiter unterdrückt und vergewallig. Was Rosa Luxem- bürg im letzten Kriegssahr geschrieben, treffe auch auf Locarno zu. Der Westpakt sei ein Frieden mit beschränkter Haftung unter englischer Garantie. Der englische Imperialismus habe es jederzett in der Hand, über Europa die Welle des Krieges loszulasten. Die deutschen Kommu- nisten würden olles tun, um einen neuen Versuch der A n g l i e d e- rung Elsoß-Lothringens an Deutschland zu verhindern. Zu ernem Oftpakt sei Stresemann dagegen nicht bereit gewesen. Der Völkerbund sei ein Mittet zur Kriegführung egen Sowjetrußland. Die demokratische Presse schreibe in ganz offen über Kriegsmoßnahmen gegen Rußland.(!)(Hört, hört! b. d. Komm.) Der Redner weist die Behauptung des„Vor- wärts" als Lüge zurück, die Sowjetunion beabsichtige, auch in den Völkerbund einzutreten. Sowietrußland, das den Frieden wolle, lehne den Eintritt in den Völkerbund unter englischer Führung ab. Mg. Koch-Weser(Dem.): Die Deutschnationalen haben, ehe sie zur Regierung kamen, uns versprochen, einen anderen Weg zu zeigen, aber sie haben auch in der Regierung die Verantwortlichen nur aufgehollen. aber keine neuen Wege gewiesen.(Zustimmung links und in der Mitte.) Wie kann aber die Rechte die Geschicklichkeit der deut- schen Delegation anzweifeln, wo sie Männer wie Luther ein Jahr long in den Himmel gehoben hat! Man soll nicht immer die eigenen Unterhändler für Trottel erklären, die der Gegner ober für boshafte Teufel. Ohne Vertrauen zu den selbstgewählten Führern ist keine Demokratie möglich. Wenn Luther erklärt, daß in Artikel 16 keine Gefahr liegt, so beschwören die die Gefahr herauf, die im Deutschen Reichstag dem 3n- und Auslände das Gegenteil versichern. Wegen des Rheinlandes ist manches erreicht, es bleibt noch viel zu hoffen. Die nächste Anstrengung muß der Aufhebung der Besetzung im Rheinlande gellen, weiter der V e r- frühung der Abstimmung an der Saar, endlich dem Anschluß Oe st erreich s. Wenn Mussolini sich dagegen wehrt, ist das um so beschämender. als Ztolien seine Befreiung deutscher Sympathie und preußischer wafsenhilse mit zu verdanken hat.(Beifall.) Im Völkerbund werden wir kein bequemes Mitglied sein dürfen, sondern sür diese Gedanken kämpfen müssen. Wir werden weller sür den Schutz der deutschen Minderheiten im Aus- lande kämpfen müssen. Der Völkerbund muß ein Minderheitsrecht schaffen. Voraussetzung ist allerdings die Gewährung kultu- reller Autonomie durch uns an die fremden Volkssplitter, die noch in Deutschland wohnen. Wir werden endlich im Völker. bund für die unterdrückten Nationen einzutreten haben, anstatt in der Welt Rußland diese Aufgabe zu überlassen. Das letzte Ziel bleibt die Annäherung Europas.(Beifall.) Europa ist ver- llren, wenn es sich nicht zusammenfindet. Es wird sich vereinigen oder der Balkan der Welt werden. Das gill auch auf wirtschaftlichem Gebiete.(Beifall.) Nicht auf dem Wege der Verhandlungen mll Dutzenden von Ländern über Tausende von Zollpo�itio- n e n läßt sie sich erzielen, sondern nur durch ein« europaische Zollunion. Die Anregung Loucheurs wegen einer Weltwirtschaftskonferenz sollten wir nach Kräften unterstützen. Die Regierung Hot außenpolitisch einen Schritt vorwärts gemacht, innenpolitisch ein Fiasko«rlllten.(Zustimmung.) Jetzt gill es, über olle Gegensätze hinweg diejenigen zusammenzufassen, für die Locarno kein Notbehelf und keine Episode, sondern ein ziel- bewußtes Vorwärtsstreben ist. Gegensätze von Arbellgebern und Arbeitnehmern, Schutzzöllnern und Freihändlern, Klerikalen und Liberalen müssen dagegen verblassen. Locarno ist sür sich allein nichts, Locarno ist aber, wenn es getragen und fortgesetzt wird von einer einmütigen und zielbewußten Politik, alles.(Lebh. Beifall bei den Dem.) Reichsaußemniaister dr. Stresemaou: Abg. Dr. Koch sprach davon, daß«in Volk schließlich in der Außenpolitik zu seinen Führern Vertrauen Huben muß. Danach müßte man dach auch Vertrauen zu jemand haben, der die Welt- Vorgänge zu beobachten verpflichtet ist, wenn er aus dieser Beob- achtung heraus zu der Ueberzeugung gekonunen ist, es war u n b e- dingle Zeit für ein deutsches Eingreifen, wenn nicht ein Eingreifen von anderer Stelle aus erfolgen sollte.(Sehr richtig!) Ich darf dabei hinweisen auf die Präambel zu dem Vertrag von Locarno, in der ausdrücklich Bezug genommen ist auf jenen Artikel des Versailler Vertrages, der uns" zwang, alles anzuerkennen, was die Alliierten etwa tun würden, um an Stelle der aufgehobenen belgischen Neutralität neue Verträge zu setzen. Ich darf ferner daraus hinweisen, daß in Frankreich, als Locarno zu Ende war, zum Ausdruck gebracht wurde: Hätten die Deutschen sich in die Opposition begeben, dann hätten sich die alliierten Rationen unter sich geeinigt. Wenn man unter diesem Gesichtspunkt das Bestreben betrachtet, diese «inseitig gegen uns gerichtet« Politik in ein Gegenseitigkeitsabkommen umzuwandeln, so wird man dos Erreichte viel objektiver beurteilen, als es vielfach heute geschieht, wo ich oft die Empfindung habe, als wenn man nicht Vergangenes und Gegenwärtiges vergleichend abwägt, sondern bloß die Frage stellt: Was ist an Unerträglichem noch übrig geblieben? Das ist unzweifelhaft unendlich viel und die Abtragung dieses Unerträglichen, das noch übrig bleibt, wird die Aufgabe der Zukunftspolitik des ganzen deutschen Volkes noch auf lange Jahre hinaus sein.— Ich darf dann auf die Einwendungen eingehen, die heute der Abg. Graf W e st a r p in seinen durchaus auf fachlichem Boden stehenden Ausführungen zu dem gemacht hat, was er als Grundlage des gesamten Vertrages ansah, nämlich zu der Frage der Sicherung der Grenzen im UZesten. Wenn ich ihn recht verstanden habe, sagt er, er erkenne durchaus die deutsche Auslegung an. ober er wies daraui hin, die Auslegung der anderen sei«ine ander«. Der Herr Reichskanzler sagte gestern, ihm sei von solchen anderen Auslegungen von autorllatioer oeite nichts bekannt. Dem gegenüber erwähnte der Abg. Graf Westarp zwei dieser anderen Aeußerungen. Einmal erwähnte er das Foreign Office, welches im Gegensatz zur deutschen Aus- legung stehe, die die Artikel 1 und 2 in Verbindung bringe und erkläre, daß der Artikel 1 nur im Zusammenhang mit Artikel 2 zu oerstehen sei. Dem steht aber die Auslegung des Foreign Office durchaus nicht entgegen. Graf Westarp verweist weller auch auf eine Frag«. welche Lloyd George, der frühere Ministerpräsident, an den Außenminister gerichtet hat und in der er ein Abweichen von dem Clemenccau-Brief zur Sprache brachte, das nach seiner Meinung vorläge, indem die Völkerbundsatzung das Aufwerjeu von Grenzfragen als möglich hinstelle. In seiner Erwiderung hat der englische Außenmini st er gesogt, daß gar keine Rede davon sei, daß die bezügliche Bestimmung der Völkerbundsatzung durch den Vertrag von Locarno ausgeschlossen sei: die Revisionsmöglichkeit der Grenzen sei durchaus hier wie dort vorgesehen. Im Rahmen des Völkerbundes besteht der Artikel 19. Wir haben in unserer Note ausdrücklich uns auf den Satz bezogen, daß die Rlöglichkeit nicht ausgeschlossen werden soll, die bestehenden Grenzen im Wege friedlicher Verständigung zu ändern. Das besagt Artikel 19. Es liegen Zweifel über die praktische Auswir- k u n g dieses Artikels vor, ober daß er vom moralischen Stand- punkt die Möglichkeit der Revision der Grenzen klarstellt, ist ohne Zweifel. Die Frage danach ist mir von dem Generalsekretär de» Völkerbundes Herrn Edward Drummond seinerseits bejaht worden. Graf Werstarp bezog sich auf die Ausführungen des belgischen Ministers Vanderoelde: ich hätte gewünscht, daß er auch anders Aeußerungen dieser Rede, die ziemlich lang war, zitiert hätte, weil diese die Bedenken gegenüber dem Westpakt und gegenüber dem, was Graf Westarp aus der Präambel fürchtet, beseitigen konnten. In einem Vergleich des Sicherheitspakte» im Westen mit den Schiedsverträgen im Osten sagt Herr Dander» velde. man müsse sich über eins klar sein und es sei nicht möglich, die Augen davor zu verschließen, daß e» eine große Differenz zwischen dem Westpakl und den östlichen Schiedsverträgeu gäbe, wenn es auch übertrieben sei, davon zu sprechen, daß es im Osten Grenzen zweiter Klasse gebe(der Minister zittert die Aeußerung Vanderveldes im franzäsiichen Text: ihm wird unter großer Heiter- keit zugerufen:„tres bicn!� Weiter ist daran Kritik geübt worden, daß im Artikel 6 davon gesprochen werde, daß die B e st i m m u n- gen des Vertrages von Versailles unberührt bleiben. Ich erinnere daran, daß der Reichskanzler gestern bereit» erklärt hat, daß diese Bestimmung sich in einer ganzen Reihe von Verträgen befindet, die wir bis zuletzt abgeschlossen haben, ohne daß bisher der Heranziehung dieser Bestimmung die Bedeutung beigelegt worden wäre, die ihr jetzt beigelegt wird. Roch am 17. August 1925 ist ohne Vorbehalt ein Vertrag mit der Maßgabe unterzeichnet worden, daß an dem Vertrag vou Versailles nichts geändert werde. Eine ähnliche Erklärung ist bei dem Abkommen vonBarce- l o n a abgegeben worden, und wir haben sie zuletzt abgegeben a m 1 7. I u n i 19 2 5 bei dem Abkommen über den Waffenhandel. Sie sehen, es zieht sich durch die ganzen Verträge Deutschlands diese Klausel hin. Es ist vollkommen klar, daß damit lediglich das ein« zum Ausdruck gebracht ist, daß die Rechte und Verpflichtungen be- stehen bleiben, die die vertragschließenden Mächte sich zugestanden haben, daß es aber in keiner Weise ausdrückt, daß der- jenige, der diese Klausel anerkennt, damll noch einmal er- klärt, daß er den Vertrag nunmehr freiwillig auf sich nimmt, und auch moralische Einwendungen dagegen als nicht bestehend aner- kennt. Die weitgehende Bedeutung, die jetzt dem Artikel 6 gegeben wird, und die Skepsis, mit der die Erklärungen der Regierungen ausgeuommen werden, erscheinen mir deshalb verfehlt, zumal dieser Einspruch dann hätte erhoben werden müssen gegen die Rote vom 20. Juli, denn da heißt es:--„Die alliierten Regierungen betonen in ihrer Rote vom 16. Juni, daß die Regelung der Sicherhellsfrage keine Aenderung des Friedensvertrages mll sich bringen würde. Der Abschluß eines Sicherheitspaktes bedeutet keine Aenderung der bestehenden Verträge. Die deutsche Regierung betrachtet aber nicht die Möglichkeit für ausgeschlossen, bestehende Verträge durch friedliche Verständigung den verändenen Berhällnissen anzupassen, und sie darf daraus hinweisen, daß auch die Satzungen des Völkerbundes eine solch« Möglichkeit mit sich bringen." Wenn wir also selbst in unserer Note erklären, daß der Abschluß eines Sicherheitspaktes keine Aenderung der bestehenden Verträge bedeutet, dann können wir doch nicht. wenn diese selbe Bemerkung sich später wiederfindet, sie als einen gegen Deutschland gerichteten Schlag ansehen, der uns irgendeine freiwillige, feierliche Anerkennung auferlegen will! Dr. Stresemann wendet sich dann den Ausführungen über den Osten zu. Westarp hat hingewiesen auf die starke Trübung unseres Verhältnisses zu Rußland, die sich aus dem Artikel 16 ergeben könnt«. Der deutschnationale Rcichstagsabgeordnete Professor H o e tz s ch hat in der Zeitschrift„Der Arbeitgeber" einen Artikel über die Außen- polllik der zweiten Oktoberhälfte veröffentlicht, in dem er sagt: Die polllische Bedeutung des Wirtschaftsvertrages mit Rußland beruht darauf, daß er genau in dem entscheidenden Momente ge- schlössen wurde, als der Abschluß des Vertrages von Locarno bevor. stand. Rußland hat daraufhin alle Veranlosiung, das so oft hysterisch geäußerte Mißtrauen gegen Deutschland aufzugeben.(Hört! hört!) Glauben Sie, wir würden den deutsch-rvssischen Handelsverkrag, der ganz große Ovfer Deutschlands an Rußland In sich schließt. vor Locarno abgeschloffen haben, wenn wir im Schlepplau von England anllrussische Politik machen wollten? Es ist mich gesprochen worden von einer angeblichen Denkschrift über das gemeinsame Vorgehen gegen� Rußland. Dom englischen Außenminister und von sranzösilchcr Seite ist dos mir gegenüber als Lüge verzeichnet worden. Es geht nicht, daß jede deutsche Regierung bis zum Ueberdruß erklärt: Wir wünschen mit Rußland im Frieden zu leben, sondern es müßte auch Rußland seinerseits erklären, daß es den europäischen Frieden nicht stören will.(Zurufe bei den Komm.) Im übrigen sollte man zunächst einmal abwarten, ob die Feststellun- gen des deutschen Reichskanzlers über den Artikel 16 irgendeinen Widerspruch bei denen ergeben, die es angeht. Solange diese selbst aber keinen Zweifel äußern, kann ich nicht fortgesetzt neu« Er- klärungen verlangen. Um nicht moralisch diffamiert dazustehen, haben wir von vornherein unsere Stellung zum Artikel 16 scharf umgrenzt.(Zuruf: Haben wir das Recht der Neutra- l i t ä t?) Wenn wir es so auffassen, daß wir unserersests uns nicht beteiligen an kriegerischen Maßnahmen gegen einen anderen Staat, dann haben wir es. Etwas anderes ist es aber, wenn wir vor die Frage gestellt sind, ob wir einen bestimmten Staat als Angreifer bezeichnen. Aber selbst, wenn wir feststellen, daß eiuc andere Wacht der Angreifer ist. sind wir nicht vcrpslichtel. militärisch mitzumachen. einen Durchmarsch zu dulden oder uns an wirtschaftlichen Maßnahmen zu bekeiligen. Wir können durchaus loyal« Mitglieder des Völkerbundes fern, ohne daß wir solche Verpflichtungen hätten. Dann hingewiesen worden auf die Kontumaziaturteile in Belgien und Frankreich. Die belgische Regierung sowohl wie die französische haben erflärt, daß ihnen eine Fortsetzung dieser Verfahren nicht er. münscht sei. Wir haben allen Wert darauf gelegt, die belgischen und französischen Außenminister für unsere Auffassung zu gewinnen. Nach dem Verhalten der belgischen und französischen Regierung in dieser Frage haben wir feinen Grund zu unangebrach. tem Mißtrauen. Es ist ferner gesagt worden, wir würden auch die Räumung von Köln mit neuen großen Ron. zeffionen bezahlen müffen, mit der zweiten und britten 3one würde es uns ebenso gehen, nur durch solche abermaligen großen Ronzessionen würden wir erreichen, was unser Recht ist. Hier ist mir beim Grafen Westarp ein großer Widerspruch aufgestoßen. Als es sich darum handelte, ob die englische Ga rantie wirksam werden würde, meinte er, das wäre schließlich eine Machtfrage; als es sich aber um die Räumung Rölns handelte, sagte er, wir hätten einen flaren Rechts. anspruch. Hier liegt der Widerspruch. In all den schweren fieben Jahren seit 1918 hatten wir Rechtsansprüche, die find nicht berüdfichtigt worden, denn sonst ständen wir heute anders da; auch diesen Boden haben wir im Laufe dieser sieben Jahre noch verloren und man war von der anderen Seite über das uns zustehende Recht hinweggegangen. Wenn nun nach allen diesen kämpfen mit der Macht der anderen und bei unserer eigenen Machtlosigkeit jetzt mit der Räumung der Kölner Zone begonnen wird, die nicht mehr im ungewiffen steht, dann ist es doch ein Beweis dafür, daß die Macht anfängt, fich mit uns auf einen anderen Standpunkt zu stellen, als in diesen sieben Jahren vorher. Glauben Sie, daß gegenüber dem Diftat von damals ein Rein der deutschen Regierung die Verhältnisse gebessert hätte? Jetzt sind wir boch zu einem Rompromis gekommen. Jegt sind diese Dinge in voller Gleichberechtigung beider Kontrahenten geregelt. Es ist dann das Telegramm des Reichskabinetts nach Locarno in die Debatte gezogen worden. Die erfolgten Beröffentlichungen geben nicht den Wortlaut wieder; das Telegramm reproduzierte eine Meinungsäußerung, worin es hieß, die Paraphierung durch den Kanzler und den Außenminister bände Deutschland mehr als die anderen Staaten, wo bloß der Außenminister paraphiere. Es wurde zur Erwägung gegeben, ob nicht anders verfahren werden fönnte. Man fonnte darüber ver schiedener Meinung sein, ob auch Deutschland sich bei der Paraphiebarüber haben 21 ußenminifter vertreten ließ. Die Ansichten darüber haben geschwankt; es hat eine Zeit gegeben, wo dagegen der heftigste Protest erhoben wurde, daß nur der deutsche Außenminister unterschreibe( lebhafte andauernde 3u stimmung links), das sei ganz untragbar. Es ist von mir angeregt und im Prinzip zugestanden worden, daß mehrere Minister nach Locarno gingen. Als dann der Reichstanzler erklärte, es set ihm phyfisch und psychisch unmöglich, allein die Berantwortung zu übernehmen, da hieß es wieder, nein, jeßt müsse der Außen. minister allein hingehen.( Große Heiterfeit.) Es wäre uns als Hinterhältigkeit ausgelegt worden, wenn die beiden deutschen Delegierten, nachdem sie während der ganzen Konferenz zufammengewirkt haben, fich dann am Tage der Baraphierung plötzlich geteilt hätten. Im übrigen habe ich bei den Berhandlungen der anderen Barla. mente in den anderen Ländern nicht gefunden, daß sie sich durch die Unterzeichnung ihrer Außenminister weniger gebunden gefühlt hätten. Nachdem einmal diese Konferenz stattfand, mußte fie auch zu einem Abschluß führen, oder das Ganze war überhaupt gefährdet. Der Abg. Koch hat die Frage gestellt, wie sich die deutsche Regierung zu der von Loucheur angestrebten Weltwirt Iafistonferenz stellen würde. Wir würden uns selbstver ständlich an einer solchen Konferenz gern beteiligen. Bir haben alle den Krieg bezahlen müffen mit einer Armut der Böller und mit einem Ausfall von Menschentraft Benn deshalb in den verschiedensten Rationen die bee des Bus fammenwirtens auftaucht, so ist das ein selbstverständlicher Gebante, der sich aus der ganzen Situation ergibt, die beispielsweise bei uns die Wirtschaft ohne ausreichende rebitficherung vor den Abgrund stellt. Wenn man fragt, mas denn nun eigentlich der ,, Geist von Locarno" bedeutet, von dem so viel gesprochen wird, der auch deshalb so start, zum Teil ungerecht, fritifiert wird, weil man Rüdwirtungen von ihm schon erwartet, che der Vertrag über haupt angenommen ist, so ist es wohl vor allem der Gedante der Notwendigkeit eines gemeinschaftlichen Busammenwirtens, der Gebante, daß ein Zusammenwirken Deutschlands mit den übrigen Mächten nicht nur eine deutsche Frage, fondern eine europäische und eine Weltfrage ift. Dazu ist notwendig die Grundlage eines dauernden riepens Bir glauben, dadurch wieder eine neue Etappe er. reicht zu haben und allmählich zur Sicherung des Friedens, zur Wiedergewinnung deutscher Souveränität und damit zur Wieber gewinnung dessen als Grundlage gekommen zu sein, worauf sich Später wieder einmal die deutsche Lebensmöglichkeit aufbauen fann. ( Lebb fter Beifall bei den Regierungsparteien und 3ischen bei der Opposition.) Abg. Dr. Bredt( Wirtsch. Partei) zählt als Borausiekun gen für die Zustimmung der Rechtspartelen zur Beteiligung an der Batttonferenz die Räumung der Kölner Zone und die herab. fegung der Räumungsfristen für die anderen 3onen auf. Die Voraussetzungen feien nicht erfüllt worden. Die Räumung der Kölner Zone sei nur erreicht worden durch Zugeständnisse in der Entwaffnungsfrage. Seine Bartei lehne ben Gedanken der Befriedung Europas nicht ab, aber sie halte den Eintritt Deutschlands in den Bölterbund im Augen blid nicht für zweckmäßig. Die Wirtschaftspartel werde beaufragen, über den Eintritt in den Bölferbund gesondert abzustimmen. Sollte diefer Antrag abgelehnt werden, so werde die Partei auch gegen den Bertrag von Cocarno stimmen. Abg. Graf Cerchenfeld( Bayer. Bp.) wünscht, daß durch die deutsche Außenpolitit das Unrecht von Versailles wieder von uns genommen werde. Die Vereinbarungen von Locarno feien geeignet, diefes Ziel zu erreichen. Wir würden wieder isoliert werden, woll ten wir Locarno befelttigen. Grundfäßlich sind wir der Ansicht, daß nunmehr bie 3eit gefommen ist, wo auch Deutschland dem Bolterbund angehören fann. lehnen den Bertrag ab. Die Abgg. Graf zu Reventlow( Bölf.) und Straffer( N.- S03.) Bräfident Löbe ruft den Abg. Straßer zur Ordnung, weil er die Regierung und die Sozialdemokratische Partei als Landes verräter bezeichnet hatte. Auch Abg. Graßmann( Soz.) wird zur Ordnung gerufen, weil er Straßer bei seinen beleidigenden Aeußerungen unverschämter Bursche" zugerufen hatte. überwiesen. Die Locarno Borlage wird dann dem Auswärtigen Ausschuß Gegen 49 Uhr vertagt sich das Haus auf Mittwoch, 3 Uhr nachmittags: Kleine Borlagen; Rest der zweiten Etatberatung. Arbeitersport. Touristenverein ,, Die Naturfreunde"( Rentrale Wien), Ortsgruppe Berlin. Mittwoch, den 25. November, 28 Uhr, Monatsversammlung in ber Schule Weinmeisterftr. 16-17. Lichtbilbervortrag des Genossen Dr. A. Lewin: Die Seide". Gäste willfommen. Briefkasten der Redaktion. F. 6., Tempelhof. Jugendamt Tempelhof. Ein Jahr„ Deutsche Reichsbahngesellschaft". Ter Wiederaufbau Rentabilität Der Krieg hatte, wie alles andere, auch die Reichseisenbahnen wirtschaftlich vollständig zerrüttet. Ihre Rentabilität war gebrochen. Die Inflation tat ein übriges, um aus einem ehemaligen Ueberschuß betriebe ein mit erheblichem Defizit arbeitendes Unternehmen zu machen. Allein schon die Umstellung auf Goldmark änderte die Sache. Die Goldmarfrechnung vom 15. November 1923 bis 31. März 1924 ergab bereits einen Ueberschuß von 8 Millionen 0,65 Proz. der Einnahme. Inzwischen war durch Ber. Mart= ordnung vom 12. Februar 1924 das Unternehmen Deutsche Reichsbahn" geschaffen. Das Rechnungsjahr dieses Unternehmens lief vom 1. April 1924 bis 30. September 1924 und ergab einen Ueberschuß von 317 Ilionen Mart 16,22 Pro3. der Einnahmen. Die Rentabilität hatte sich wieder eingestellt. Reichsbahn und Reparationen. Am 11. Oftober 1924 ging entsprechend dem Dawes Blan das Betriebsrecht der Reichsbahnen auf die Deutsche Reichsbahn gesellschaft" über. Das Rechnungsjahr begann der Einfachheit halber bereits am 1. Ottober 1924. Von diesem Tage an muß die deutsche Reichsbahn Reparationen leisten. Diese betragen im ersten Jahre ( Oftober 1924 bis September 1925) 200 millionen, im zweiten Jahre 595 Millionen, im dritten Jahre 550 Millionen und alsdann laufend jedes weitere Jahr 660 Millionen Mart. Die Leistung dieser Summent war in Halbjahresraten vorgesehen. Die Reichsbahn. gesellschoft hat nun ihr Geschäftsjahr nicht jeweils vom 1. Oftober bis 30. September laufen, fondern vom 1. Januar eines Jahres bis 31. Dezember. Das erfte Geschäftsiahr der Deutschen Reichs bahnaefellschaft läuft daher über 15 Monate, und zwar vom 1. Oftober 1924 bis 31. Dezember 1925. Danach betragen die Reparationsleistungen der Reichsbahn in diesem Geschäftsjahr 200 Millionen zuzüglich der erften vier Monatsraten des zweiten Reparationsjahres" 198 Millionen insgesamt 398 Millionen Mart. Die Betriebslage. Da nun die Eisenbahnen ein nicht unwesentlicher Bestandteli der Bolkswirtschaft find, hat das Geschäftsaebaren der Deutschen Wie steht das UnterReichsbahngefelhaft amenintereſſe. nehmen betrieblich und finanziell, und welche Schlüffe laffen sich daraus auf den Stand der deutschen Volkswirtschaft im allgemeinen ziehen? разобла in Bild von der heutigen Betriebstage gibt der Bergleich mit den Zahlen des Jahres 1913( ohne Elsaß- Lothringen): Rollendes Material 1913 1925 Betriebs Tänge km 55 872 53 215 wagen 62 247 65 884 Lokomo Perfonen Gilter tipen wagen 28 104 655 189 28 042 693 683 *) Oftober 1924 bis April 1925. **) Oftober 1924 bis August 1925. Betrieb ergebnis in min Beförderte Beförderte Berfonen Gliter To. 1 685,9 448,0 995,1*) 332,0**) Aus der Aufstellung geht hervor, daß der Beftand an rollendem material, trog Waffenftilstandsabgabe, ben Stand von 1913 nicht nur erreicht, sondern überholt hat. Die Industrie hatte also teine Ursache, sich über Auftragsmangel feitens der Reichsbahn zu beschweren. Mit diesen Betriebsmitteln find während der ersten sechs Monate des Geschäftsjahres der Deutschen Reichsbahngesellschaft allein 995,1 millionen Personen befördert worden. Stellt man in Rechnung, daß die noch fehlenden Monate Mal bis September infolge schönen Wetters, der Ferien und sonstiger Beranstaltungen eine meitere Zunahme des Bersonenverfehrs brachten, so fann mit einer Berdoppelung des Bersonen verfehrs im Ablauf der ersten zwölf Monate der Reichsbahn gesellschaft gegenüber 1913 gerechnet werden. Die finanzielle Aus wirtung für die Gesellschaft läßt obine Schlußfolgerung absolut zu. Der durch sinnlosen Abbau auf ein Mindestmaß zusammengebrüdte Bersonalförper mußte diese gewaltige Betriebsleistung vollbringen. das heutige Reichsgebiet abgestellt, auf 420 Millionen Tonnen. In Die im Jahre 1913 anfallende Gütermenge belief sich, auf der Beit Dom 1. Oftober 1924 bis 31. August 1925, also in elf Monaten, sind bei der Reichsbahn 331,98 Millionen Tonnen Gut perfrachtet und befördert worden. Das ergibt einen monatlichen Durchschnittsanfall an Frachtgut von 30,18 Millionen Tonnen oder für das Jahr 1925 362,16 millionen Tonnen. Demnach beträgt die Betriebsleistung der Reichsbahn im Güterverkehr 86,2 Pro3. ber Friedensleistung. Hierbei müßte die erfahrungsmäßige Steigerung des Herbftverkehrs im September außer Anjag gelassen werden, da bie abschließenden Zahlen noch nicht vorliegen. Da die Betriebseinnahmen aus dem Güterverfehr in den Monaten Mai bis Auguft im Durchschnitt 56 Broz. der Gesamteinnahmen betrugen, im September jedoch auf 62 Broz. der Gesamteinnahmen ftlegen, jo fann mit einer Gesamtleiſtung von 87,5 Broz. im Güterverkehr gerechnet werden. Die Behauptung der deutschen In. Bustrie, sie habe nur erst 70 Broz ihrer Friedens. Teistung erreicht, erscheint hierdurch in etwas eigenartigem Lichte Für ein internationales Kohlensyndikat. Und die Löhne? Die Finanzlage der Reichsbahn. Dieser Betriebsleiftung entspricht das finanzielle Er. gebnis. Bei seiner Beurteilung muß die Steigerung der Gütertarife um rund 40 Broz. und der Personentarife um rund 44 Proz. berücksichtigt werden. Die Einnahmen der Gesellschaft betrugen in der Zeit Dom 1. Oftober 1924 bis 30. Juni 1925 3 194 651 000 mart. Davon entfielen auf den Berionenverkehr. Güterberlebr don Sonstige Einnahmen • 950 580 000 M. 2 022 990 000" 221 081 000 Insgesamt: 3 194 651 000. Dieser Einnahme ftanden an Ausgaben 2866 286 000 m. gegenüber. Für die Zeit vom 1. Ottober 1924 bis 30. Juni 1925 stand bemnach ein Betriebsüberfchuß von 328 365 000 m. zu Buch. Dus lezte Bierteljahr, also Juli/ September 1925, ergab nun an Einnahmen 1237 023 000 m., an Ausgaben 019 811 000 m., so daß ein Betriebsüberschuß von 217 212 000 m. verbleibt. Der gesamte Betriebsüberschuß für das erste Jahr der Deutschen Reichsbahngesellschaft beziffert sich mithin auf 545 577 000 m. Bon dieser Summe als" Bruttoüberschuß" find noch folgende Bosten in Abzug zu bringen: 1. 200 000 000 m. Reparationsleiftung für die Zeit vom 1. Sep 49 920 000 m. Reparationsleistung für die Zeit vom 1. Se tember 1924 bis 31. August 1925. tember 1925 bis 30. September 1925. 2. 3. 4. 88 633 480 m. zweiprozentige gesetzliche Rücklage für die. famteinnahme vom 1. Oftober 1924 bis 30. September 1925. 2 100 000 m. 3insendienst vom 1. Juli 1925 bis 30. Sep. tember 1925. 340 653 480 02. insgesamt. Der Reinertrag" präsentiert fich also der Deffentlichkeit mit der stattlichen Summe von 204 923 520 m. Richts fann sowohl den industriell tapitalistischen Reichsbahnunternehmens beffer und treffender tennzeichnen als als auch gewinnbringenden Charakter des Deutschen diese Zahl. Freilich steht der Gesellschaft die Gesamtfumme von rund 205 Millionen Marf nicht mehr voll zur Verfügung. Um 6 Broz. Distont zu erlangen, hat fie ohne es zu müssen bereits im Auguft fowohl die oben schon eingefeßte Septemberrate der Reparationsleistung wie auch die Oftoberrate an den Agenten für Reparationsleistungen abgeführt. Der Zinsgewinn, ben sie damit erzielt, ist geringer als wenn sie den Betrag vorübergehend in Wechseln angelegt hatte! Im September ist die Novemberzahlung vorgeleistet, jo daß nach diesen Vorauszahlungen der der Reichsbahngefellschaft zur augenblidlichen Berfügung stehende Ueberschußbetrag nod 105 198 520 m. beträgt. Die Cohnpolitik der Reichsbahngesellschaft. Bon diefer Summe find rund 80 Millionen Mark zurüd. gestellt, während die restlichen 25 Millionen Mart, anstatt zu ben bringend notwendigen Bohn- und Gehaltserhöhungen verwendet zu werden, zum Anlauf verschiedener tienpalete benutt wurden. Damit foll nicht gefagt sein, daß lediglich befagte 25 Millionen Mart zu den volkswirtschaftlich so dringend notwendigen Lohnaufbefferungen benugt werden tönnten Nein, auch ein großer Teil der zurüdgestellten Summe von 80 Millionen Mart wäre dazu nicht zu schade. Im Gegenteil! Die Tatsache, daß bei einem Ge famtpersonalstand von 730 873 Röpfen eine Aufbefferung der Bezüge um rur 5 Bf. pro Stunde die Summe von girta 7½ Millionen Mart pro Monat bedingt, läßt die Behauptung der Hauptverwaltung der Deutschen Reichsbahngesellschaft, fie lönne bie fo dringend er forderliche Lohnerhöhung nicht zahlen, im richtigen Lichte erscheinen. Wir stellen also fest, die Deutsche Reichsbahngesellschaft schließt 204 923 520 Mart ab. ihr erstes Reparationsjahr mit einem Ueberfuß DON Die Industriellen werden mun Angesichts dieser Erfolgswirtfchaft" fofort nach Tarifermäßigungen schreien, weil sie sonst angeblich nicht die Preise senten tönnen. Gegenüber solchen Abfenfungsversuchen fragen wir: Benn es wahr ist, daß bei einer Tarifermäßigung die Preise entsprechend finfen, warum ist dann nach bem 18. Oftober 1924, als die Güter- und Tiertarije um 25,5 Broz gelentt wurden, der Lebenshaltungs. in der von 137,1 am 5. November 1924 auf 143,5 im Ottober 1925 gestiegen? Jedenfalls fehlen bisher dafür die Beweise, daß eine Tariffentung sich in der allgemeinen Preisgestaltung aus mirtt. Bis diese Beweise erbracht sind, fehlt den Industriellen jedes wirtschaftliche und moralische Recht zu ihrer Forderung. Auf der anderen Seite ist die Forderung der Eisenbahner nach ausfömmlicher Bezahlung durchaus berechtigt und durchführbar. Hans I a hn. Bege zu leiten, und damit die ersten Schritte zur Berwirklichung des Gebantens einer internationalen Kohlenverständigung unternehmen. deutscher Schiffsmeriten, der sich in einer Sigung mit der Gegen die Vertruffung der Werften wendet sich der Verein Lage der Werstindustrie beschäftigte. Die Majorität der Bersammlung erflärte fich für eine natürliche Auslese der lebensfähigen Betriebe. In einer Entschließung heißt es u. a.: Eine Bertruftung, wie sie in der chemischen oder in der Halbfabritate erzeugenden Eisenindustrie möglich ist, würde den technischen Fortschritt des deutschen Schiffsbaues und feine Wettbewerbsfähigkeit auf dem die notwendige Verminderung auf die den Bedürfnissen entsprechende Weltmartt gefährden.(?!) Die Werften find der Anficht, daß 3ahl zweckmäßig burch natürliche Auslese erfolgt. Ein willfürliches Herausgreifen einzelner Betriebe zwecks Unterstügung burch das Reich, die Länder oder Gemeinden ist daher fähigkeit herbeigführt wird und unrentable Betriebe durch solche abzulehnen, da hierdurch eine Verschleierung der wahren Leistungs Maßnahmen für den Erhalt gefunder Werften zur Gefährdung tionale, und der ehemalige Oberkommissar der britischen Regierung Frant Hodges, der Gefretär der Bergarbeiter- Interna für das Bergbauwejen in Großbritannien Sir Richard Redmayne, Deutschen Bergarbeiterverbandes Baldheder und Marimöller in bie juhren am Dienstag in Begleitung von den Vorstandsmitgliedern des Grube Biftoria Matthias" ein, wo sie unter Führung pon Ber. tretern der Zechenleitung die Betriebsanlagen besichtigten. Am Nachmandie sich gegen eine Bertruftung in der Werftindustrie und mittag fand im Hauptverwaltungsgebäude des Bergarbeiterverbandes eine Besprechung zwischen Hodges und Bertretern des Borstandes des Bergarbeiterverbandes statt, wobei sich der Sekretär der Berg arbeiter Internationale über die Lohn- und Arbeitszeitverhältnisse Der deutschen Bergarbeiter eingehend unterrichtete. bienst verbreitete sich Frant Hodges in längeren Ausführungen In einer Unterredung mit dem Bertreter des S03. Bresse über die Internationale Kohlenkrise. Als eine der wichtigsten Aufgaben seiner Reise ins Ruhrgebiet bezeichnete er die Untersuchung über die Möglichkeiten zur Bildung eines europäischen Kohlen. zur Regelung der europäischen Kohlenproduktions-, Abjak- und syndikats, das sich als unumgänglich notwendige Organisation Breisverhältnisse erweise. Ohne das in feber Hinsicht hervorragend organisierte Kohlensyndikat, erklärte Hodges, befände sich der deutsche Kohlenbergbau bei der jetzigen internationalen Ablaßnot in einem haotischen Zustand. Eine derartige Organisation tue dem englischen Bergbau not. Ihr Zustandekommen sei die Boraus europäischen Kohlenverständigung, nach deren Zustandekommen setzung einer deutsch englischen und darüberhinaus einer zu erstreben wären. Ein solches Syndikat nur sei in der Lage, entsprechende Vereinbarungen mit der amerikanischen Kohlenindustrie die für die ganze Kohlenindustrie äußerst wichtige, vielleicht jogar ausschlaggebende Preisfrage zu regeln. Ich bin überzeugt fchloß Hodges die Unterredung, daß diese Erkenntnis bereits in Deutschland, England, Frankreich und Belgien durchgedrungen ist. Ohne eine internationale Kohlenverständigung gehen wir chaotischen Zu ständen im Bergbau entgegen, deren Auswirkungen auch auf die übrigen Industrien fatastrophal sein müssen. Nach meiner Rüdfehr nach London werde ich in der ersten Sizung der englischen Kohlentommission über meine Eindrücke im Ruhrgebiet berichten, meine Auffaffung über das deutsche Kohlensynditat darlegen und die Re gierung ersuchen, die Bildung eines britischen Kohlensynditats in die werden. Unilintruft und Arbeiterschaft. Anläßlich der außerordentlichen rich Bayer u. Co. in Leverkusen wurde der FusionsverGeneralversammlung der Farbenfabrit vorm. Friedftimmig genehmigt. Geheimrat Duisberg bemertte, daß voraus trag mit der Badischen Anilin- und Sodafabrik in Ludwigshafen einweitergeführt werde, da die Knappheit der Lager die Prosichtlich der Abbau von Beamten und Arbeitern nicht duftion angeregt habe und schon neue Einstellungen gestattet habe. Die Bertaufsorganisationen der bisherigen acht Firmen feien auf fünf Bertaufsgemeinschaften zurüdgeführt. Für die Aufnahme neuer Produkte sei die Interessengemeinschaft im wesentlichen auf die Tätigkeit der eigenen Laboratorien angewiesen, die fich bisher bewährt habe und die weiterhin zu Optimismus berechtige. Anhalterbe Probuftionseinschränkung der Schwerindustrie Die Robitablgemeinschaft beschloß. an der bisherigen Einfchtanfung der Rohitahlerzeugung in Höhe von 85 Proz. auch im Dezember feftzuhalten. Mittwoch 25. November 1925 Unterhaltung unö Bälft&tffiMBIXm öeklage ües vorwärts Meister Immelmanns Tochter. Don Theodor Thomas. Wenn wir mit dem kleinen Dachdeckerhandwagen den steilen Berg Hinaufsuhren, hing uns immer die Zunge lang zum Halse hinaus. Meister Immelmann wohnt« ganz oben auf dem Hügel, so daß die Leute wie Karrengäule schwitzten, wenn sie glücklich den Handwagen oben hatten. Dann tat sich der große Torbogen auf, und die Schwitzenden mußten nochmals einen kleinen Huppel über- winden, denn der Torweg war auch auf ansteigendem Boden ange- legt. Rechts und links waren noch dazu Ziegel und Schiefer auf- gestapelt, so daß die Leute Acht geben mußten, wenn die Fuhre ein wenig ungleich geladen war, daß nicht ein Stapel davon umfiel. War aber die Ladung glücklich den Hausgang hindurch, stand der Karren im Hof, dann öffnete sich bestimmt im ersten Stock das Fenster. Eine weibliche Stimme ries: »Ist Ferdinand mitgekommen?" Ebenso regelmäßig sagte dann einer von denen, die sich den Schweiß abwischten: „Er kommt bald nach, er ist schon unterwegs." Dieses Fragen noch dem Ferdinand dauerte nun schon elf Jahre, immer bekam die Fragende die gleiche Antwort. Sie zog sich jedesmal mst dem Bemerken zurück: »Ach, dann wird er wohl heute kommen, da bin ich froh." Niemand von den Dachdeckern und Hilfsarbeitern kümmerte sich weiter um dies weibliche Wesen da oben. Sie luden chren Kram ab, rechneten im Bureau ihren Lohn noch, wuschen sich und gingen heim. Für Droni Immelmann interessierte sich keiner von ihnen, denn sie war... *** Ihre Geschichte will ich jetzt erzählen. Droni Immelmann ist einmal ein bildhübsches Mädchen gewesen. Mit ihren dicken schwarzen Zöpfen und dem Mund, der so drollig plaudern konnte, ihren blitz- blanken Augen und den Mäusezähnchcn verdrehte sie allen Dach- deckern den Kops. Biel« blieben länger, als der Alte es verdiente, nur um der Droni halber; sie war zu nett. Im Hause hantierte das Mädel umher wie eine Heilig«, fo still und ruhig. Aber, wenn es Feierabend war, wenn die Gesellen im Hof saßen und die Maul. troinmel bliesen oder die Handharmonika spielten, taute sie auf. da kam sie herab. Wir tanzten mst vroni. daß sie oft, wenn sie so durch drei, vier Hände gegangen war, erschöpft nach Luft schnappte. Keiner tonnt« sich rühmen, daß sie ihn bevorzugte. Als ihr einmal drr Anton Werm— Deutschlands kleinster Dachdecker— übermütig während des Tanzens«inen Kuß geben wollte, da haute sie ihm der- n.aßen eine Ohrfeige hin, daß er mst seinem Allerwertesten in den Kalt flog upd seine fremdgeschriebenen schwarzen Mosberghosen wie Maurerbuxen auesahen. Ei« kam dann wochenlang nicht mehr herunter, bis Anton— Hallo der Wold ist grün— wieder seinen Fremdenzettel hatte. Aber die Liebe zog auch in ihr sung« Herz. Die Meisterstochter verguckte sich In Ferdinand Adelmann. Ob es der Mann war? Ob sein« Toll«, sein« schöne Stimme? Wer weiß es! Hübsch war Ferdinand nicht, aber er tonnte putzige Dinger machen, mst den Ohren wackeln, mit den Augen verkehrt gucken, auf den Händen quer über den Hof laufen, gut turnen und singen. Da» zog Droni wohl an, besonders fein brillantes Tanzen. Kurz und gut, sie verliebt« sich in ihn, der aste Immelmann tobte, die Meisterin war ganz aus den, Häuschen. Aber die beiden liehen nicht voneinander Als sich dann herausstellte, daß Ferdinand von zu Haufe aus gar nicht so schlecht gestellt war, sondern einmal an die siebentausend Mark erben sollt«, da verrauschte nach und noch der Zorn; sie machten gute Miene, Droni war überglücklich, Fer- dtnand stand fast immer Kopf vor Ausregung. Zu Hiinmrlfahrt wurde die Hochzest festgesetzt. Alles freute sich über die beiden jungen L«ute, die ein liebliches Bild abgaben, wenn sie zusammen tm Hof saßen und er sang: Ferdinand, wie schön bist du In den neuen Hosen, Deine Droni lacht dir zu, Slch— wie schön bist du." Meister Immelmann hatte in der Zeit, wo die beiden ihrer Ehe zumarschierten, gerade ein Herrenhaus im Gutshof neuzudecken. Ein Mordsdach, mindestens sechzehn Meter hoch und ganz steil. Dies« Arbeit wurde an dem Tage vor der Hochzeit fertig; Ferdinand, der mst Meister Immelmann zusammen noch die Schne-fänge einzog, zerdrückt« Schiefer ausbesserte und solche Kleinigkeiten erledigte, konnte diese Arbeit al» die letzte betrachten, bevor er Droni heim- führte. Don diesem Gutshof aus, so war es abgemacht, gingen sie heim, dann sollte Polterabend und schließlich die Bereinigung mit dem obligaten Kirchensegen sein. C» war nachmittags— in der dritten Stunde— Ferdinand wollte gerade einen Bock losbinden, um ihn dem zulünstigen Schwiegervater auf den Boden zu reichen. Er halte die Dachleiter hinter einen Schncefang liegen, sie aber sonst nicht befestigt. Da brach das Schneefangeisen am Winkel glatt ab, die Leiter sauste hinunter, Ferdinand mit ihr. Ehe der entsetzt» Immel- mann die Treppen hinabkani, war der Dnchdeckergeselle schon tot. De« Meisters Entsetzen war nicht zu beschreiben. Hier der Tote, de? ln wenigen Stunden sein Schwiegersohn werden sollte, zu Hause Droni, die sich schon als Braut festlich schmückte, ihn in Stunden«rwartere. Während die Maurer den Leichnam beiseite trugen, lief Immel- mann querfeldein der Stadt zu. Wie sollte er dies« erschütternd« Nachricht zu Liaule anbringen? Die gedankenlos wandert« er heim- wärts. Aber er ging nicht in seine Wohnung, sondern immer wieder ttn weiten Bogen daran vorbei. Ja— er. der selten zum Schnaps griff, trank heute abend immer wieder. Er war wie auseinander- gerissen. Je länger er zögerte, um so schwerer wurde es ihm. So kam die siebente' Stunde heran, er wag!- immer noch nicht heim- zugehen. Dieses Zögern aber wurde zu einem weiteren Verhängnis. Gleich nach Sechs erschien nämlich in der Wohnung Immel- mann« ein Polizeibevmter. Die Behörde war von der Guts- Verwaltung telephonisch verständigt worden. Der Beamte sollte nun Feststellungen machen. Der Polizist war einer von denen, die die Weisheit nicht zum Dienstgebrauch oerwenden. Wie es bei Mutter und Tochter wirkte, al» er srag!�: .Wohnte hier der Dachdecker Ferdinand Adelmann. der. wo heut« totgestürzt Ist?" kann sich jeder den'rn. Aroni brach mit einem gellenden Aufschrei zusammen, die Mutter war fassungslos wie cm Kind, der Schutzmann, der nun wohl begriff, was er hier angestellt Katts, trug Droni ouss Bett,� holte Hilfe herbei, dann ging er fort. Während sich des Meisters Frau erHoll«, sich wenigstens auf den Beinen hallen konnte, log die Tochter da wie tot. Als tn der neuten Stund« Bater Immelmann kam, traf er zwei Kranke. Mfinöung. ,SelbftverstänüUch veräen MIN Sie Kunstschätze Sieses Museums zugesprochen!' ,siber sie sind ü�ch von den Groschen öes Voltes erworben-/ ,Gewiß, dazu bedurste es doch immerhin MOTCR Genehmigung.' lieber ein halbes Jahr zerrten die Aerzte an Vroni herum. Der Körper kam wieder zu sich, der Geist blieb für immer getrübt, sie war vor Schreck wahnsinnig geworden. Do sie aber gutmütig blieb. behielten sie die Ellern zu Hause. Sie nimmt fast gar keine Notiz von der Umgebung. Nur wenn der Handwagen polternd durch den Torweg ratterte, trat sie ans Fenster: .Ist Ferdinand mitgekommen?" .„Nein, er kommt aber bald nach, er Ist schon unterwegs." „Ach. da wird er wohl heute kommen, da bin ich froh..." Dann wartete sie wieder, still und ergeben, wunschlos, bis sie wieder«inen Wagen hört«. Sie wußte nicht, daß es schon elf Jahre waren, seit ihr Liebster unter dem Rasen ruhte. Dachdeckerschicksal... wie härte ich mich ab! Bon Dr. Mosbach« r. „Der vorsichtige Mensch baut vor— ich härte mich ab", sagte der verweichlichte Grohstädtv. der gerade von einem tüchtigen Schnupfcnsieber genesen war— und begann sich demgemäß, turz nach dem Abklingen der Erkrankuna. des Morgens unter die eiskalie Dusche zu stellen— mit dem Erfolg, daß er nach einigen Tagen noch wesentlich ernstere Erkältungskrankheit bekam. Also hier war die!« brüsk« Form der Abhärtung völlig verfehlt, ja geradezu im höchsten Grade schädlich. Abhärtung bedeutet Gewöhnung, und zwar die Gewöhnung der Haut an Kältereize. Bei einem tadellos arbeitenden, an Luft uich Wasser gewöhnten Organismus, wie ihn z. D. vielfach Land- bewohner und Sportbejlisjene besitze», ziehen sich aus eine Abküh- lung hin die Haut- und Blutgefäße an der betrosfenen Körpcrstelle prompt zusammen; die Haut wird blaß und blutleer, um sich nach kürzester Zeit wieder zu röten, die Blutgefäße der Haut erweitern sich, die Llulsulle steigert sich in diesem Bezirk, und ein angenehmes Wärmegesühi stellt sich ein. Der ganze Vorgang ist eine Abwehrmaßnohm« des Körpers. In der erste» Phase— Zusnmmenziehung der Blutgesäße— sucht sich der Organismus zunächst vor einer schädlichen Erhöhung der Wärmeabgabe zu schügen; gleichzeitig jedoch ändert sich hier oder auch reslektorisch an entfernt liegenden Körpcrsiellen die Berteilung und Zusammensesiing des Blutes; und damit werden auch die natürlichen Abwehrkräfte gegen etwa vorhandene Keankheitsteime (Bakterien) daselbst vermindert. Also z. B. wenn die Füße kalt werden, so bilden sich die Blutoerhältnisse in der Nasenfchleimhaut um. und, wenn nicht umgehend für Abhilfe gesorgt wird, erlangen die stets in der Nase anwesenden Spallpilz« die Oberhand und ein heftiger Schnupfen bricht aus. Darum werden auch baldmöglichst in der zweiten Phase— Erweiterung der Gesäße. Rötung der Haut — größere Dlutmenaen zum Einströmen in die gefährdeten Stellen gebracht, um durch Vermehrung der Adwehrträste ein Wuchern der Krankheitserreger schleunigst zu unterbinden. So bei einer einwand- frei arbettenden Haut.._.. Anders liegen die Dinge jedoch bei verweichlichten Menschen, bei schwächlichen und blutarmen Personen, die fast stets an lallen Hon- den und Füßen leiden. Bei derartigen Individuen kommt zwar die Zusammenziehung der Besähe, Biaßwarden der Haut und damit der Verminderung der Schutzkröfto sehr schnell, häufig schon bei dem geringsten Zuglüstchen, zustande; jedoch das Einströmen des Blutes, das Einsetzen der verstärkten Schutzmaßnahmen, läßt lang« auf sich warten oder bleibt gar völlig aus, sodaß dann hier die Bakterien ungestört«ine mehr oder minder hestiae Entzündung hervorrufen können. So erklärt man sich das Zustandekommen der Erkältungskrankheiten bei mangelnder Abhärtung. Das Prinzip der Abwehr beruht nun auf dem„Training" der Haut und ihrer Blutgefäße, auf Gewöhnung an Kältereize. Selbst der unverweichlichte Mensch muß seine Haut dauernd üben; d. h. er wird durch lalle Abwaschungen, durch kalte Duschen, Freibäder, Luftbäder im Freien und, salls dies nicht möglich ist. im Zimmer bei offenem Fenster die Haut in voller Abwehrbcreitschast hallen. Um aber bei diesen Maßnahmen ein» übermäßig« Abkühlung zu vermeiden, wird er nach den kallen Abwaschungen und Bädern oder während des Lustbades gymnastische Uebungen vornehmen und die Haut frottieren; alles Maßnahmen, die das schnelle Einströmen des Blutes fördern. Mit Unterkleidung wird er sparsam umgehen und den warmen Mantel nur an wirklich kalten Tagen anlegen. Nachts ist das Fenster des ungeheizten Schlafzimmers offen zu lassen, ohne daß die schützend« Bettdicke allzu dick ist. Alle diese Prozeduren sind jedoch in vollem Umfang« nur bei� kräftigen, an Lust und Kaltwasser gewöhnten Personen ohne Schäden durch- zufuhren. Anders müsien verweichlichte und schwächliche Menschen oder Personen, die gerade' von einer Erkrankung genesen sind, vorgehen. Hier ist nur ganz langsame Steigerung der Abhärtnngsmaßnahmen erlaubt. Sehr empfindliche Individuen beginnen mit warmen Bä- dern und anschließenden lauwannen Duschen oder Abwaschungen. Allmählich erniedrigt man die Temperaturen: des vorausgehende Bad' ganz fortfallen. An die kühlen Abwaschungen. bei denen die Haut kräftig massiert werden soll, haben sich gym- nastisch« Uebungen anzujchließcn. Sofern jedoch hierbei nicht binnen kurzem Röte und Erwärmung der Haut eintreten und das anfänglich"stets vorhandene Unbehagen nicht weicht, erhöh« man unbedingt sofort die Temperatur des Wassers und versuche nach elniacr Zeit wieder damit vorsichtig herabzugehen. Aehnlich liegen die Dinge beim Luftbad mit unbekleidetem Körper. Mit Freiluft- bädern beginne man überhaupt nur in der warmen Jahreszeit, und auch für Zimmerlustbäder empfiehlt es sich, bis zum Spät- frühlinq zu warten. Allerdings soll man die Kinder auch im Herbst und Winter des Abends vor dem Zubettgehen etwa tz Minuten lang nackt im durchwärmten— nichl überheizten— Zimmer herumtollen lasten, damit sie diese ihnen lieb geworden« und nützliche Gewöhn- hell während der wärmeren Monats, dann jedoch bei ofsenem Fenster, beibehalten können. Schließlich vermag jeder an sich durch Selbstbeobachtung am ehesten festzustellen, wie well er mit den Abhartunasmaßnahmen gehen kann. Nochmals: unter keinen Umständen darf die Rötung und Erwärmung der Haut ausbleihen; fehlt sie, dannzerhöhe man eben die Temperatur des Wassers und gehe langfgm vorwärts. Auch dann wird der Erfolg nicht ausbleiben, soiern nur die?lb- Härtungskur regelmäßig und mit richtiger Energie durchgeführt wird. Kleiderstoff- Reste Meter von 85... an Kleiderstoffe Moderne Schotten- 195 Reinw. Popeline Reinw. Cheviot in vielen Farben, Meter für Mädchen- Kleider, marine.... 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