Nr. 558 42. Jahrg. Ausgabe A nr. 285 Bezugsvreis: BBdhentlich 70 Bfennia. monatli 8, Reichsmart voraus zahlbar. Unter Kreuzband für Deutschland, Danzia. Saaz und Memelaebiet, Defterreich. Sitauen. Lucemburs 4.50 Reichsmart. für bas übrige Ausland 5,50 Reichsmart pro Monat. Der Borwärts mit der Gonntags beilage Boll und Reit" mit„ Gied. Iuna und Aleingarten fowie der Beilage Unterhaltung und Biffen und Frauenbeilage Frauenftimme erfcheint wochentäglich ameimal, Sonntags und Montags einmal Telegramm- Abrene: Sozialbemokrat Berlin Morgenausgabe Vorwärts Berliner Volksblatt 10 Pfennig Anzeigenvreise: Die einfaltige Nonpareilleaeile SO Biennia. Reflamezetle 5.- Reichsmart. Aleine Anzeigen bas fettgedrudte Wort 25 Bfennis ( auläffia zwei fettaedrudte Worte). iedes weitere Wort 12 Bfennig. Stellengesuche das erste Wort 15 Pfennig, tebes weitere Wort 10 Bfennig. Worte über 15 Buch. staben aählen für zwei Borte Arbeitsmarkt Reile 60 Pfennig. Familienanzeigen für Abonnenten Reile 40 Pfennia. 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Genosse Post. fetretär Kugler eröffnete die Versammlung und erwähnte in seiner Ansprache, daß die Berliner Plakatanschlagsgesellschaft unter Berufung auf eine uralte polizeiliche Vorschrift es abgelehnt habe, die Bildplakate der Sozialen Arbeitsgemeinschaft, die die Deffentlichkeit fiber den Stand der Beamtenbesoldung aufffären sollten, an ihren Säulen anzubringen. Als erster Referent sprach Genosse Postschaffner Schmidt, Stettin, der in flarer und eindringlicher Weise die Not der Beamten schilderte und einen Appell an die Reichsregierung und den Reichstag richtete. Nach ihm sprach Genosse Bolizeiwachtmeister Albi nus, der die Ausführungen des ersten Redners ergänzte. Als dieser Referent auf die Abfindungen für die ehemaligen Fürffen zu fprechen fam, erhob sich ein Sturm in der Bersammlung. Er sowie auch die nachfolgenden Referenten Glüd, Chemnitz, Lemte, Berlin, Baldeder, Karlsruhe, und Haberland, Berlin, appellierten an ReichsregierBung und Bolksvertretung. Die Bersammlung nahm sodann eine Entschließung einstimmig Die Preise der zum Lebensunterhalt notwendigsten Waren sind an, m.der es heißt: Ein neues Kabinett Herriot. Toumers Versuche gescheitert. Paris, 25. November.( Elgener Drahtbericht.) Der um die Kabinett bildung erfudte Senator Doumer hat am Mittwoch abend um 6 Uhr dem Präsidenten der Republik mitgeteilt, daß er nicht in der Lage sei, eine Regierung zu bilden. Er begründete das u. a. damit, daß die Radikalfozialen abgelehnt haben, fich feinem Finanzprogramm anzuschließen. Der Präsident der Republik hat den Kammerpräsidenten Herriot ersucht, ein kabinett zu bilden. Herriot hat das Angebot angenommen. Kartellparteien und Sozialisten. Paris, 25. November.( Eigener Drahtbericht.) Die allen anceren Parteien völlig überraschend gekommenen Beschlüsse, die gestern die sozialistische Frattion über die Frage der Beteiligung an der Regierung gefaßt hat, haben eine völlig neue Situation geschaffen. Sie haben nicht nur die Versuche Doumers von heute vormittag, nach seinen vergeblichen Bemühungen, ein erweitertes Kabinett der Linken zu bilden, ein ausgesprochen nach rechts erweitertes Konzentrationsministerium auf die Beine zu bringen, durchkreuzt, sondern auch im Lager der bürgerlichen Linfen, wo man sich zu einem Teil bereits mit dem Gedanken einer Koalition ohne oder gegen die Sozialisten obgefunden hatte, die Anhänger eines neuen Kartellfabinetts wieder the Oberhand gewinnen laffen. Allerdings war es zunächst weniger der Gedanke eines jozialistischen Ministeriums mit bürgerlicher Be teiligung als umgekehrt der einer Regierung der Linken, in der die verschiedenen Kartellparteien nach ihrer Stärke vertreten sein müßten. Ueber die Sigung, in der die radikalfoziale Fraktion über die sozialistischen Vorschläge beraten hat, liegt folgender Bericht vor: gestiegen. Der Winter steht unmittelbar bevor. Die Berfchul. bung der Beamten der unteren Besoldungsgruppen ist unge heuerlich. Ihre Not ist bis zur Unerträglichkeit gewachsen. Korruption und Bestechlichkeit, Veruntreuung usw. sind die unausbleiblichen Folgen. Mit einer solchen von wirtBeamtenschaft kann eine Gesundung des Bolksganzen nicht herbei schaftlichen Sorgen zermürbten und zur Verzweiflung getriebenen geführt werden. Soll diese furchtbare Gefahr der Zersegung des Beamtenförpers noch verhindert werden, dann muß schnellstens etwas geschehen, um die Beamten der unteren Besoldungsgruppen von der Verzweif lung über die wirtschaftlichen Sorgen zu befreien. Nur eine schnelle und durchgreifende, den bestehenden wirtschaftlichen Berhält niffen Rechnung tragende Besoldungsaufbesserung fann noch wirt. same Hilfe bringen." etnem Zum Schluß erteilte der Borsitzende dem Abg. Torgler( ABD) das Wort zu einer Mitteilung. Im Rahmen diefer Mitteilung ver= fuidhte Torgler eine fommunistische Agitationsrede zu halten, was aber vom Vorsitzenden verhindert wurde. Dies war das Signal zu von einer bestimmten Gruppe angezettelten Tumult, der schließlich damit endete, daß nach der ersten Bersammlung eine zweite wilde Bersammlung stattfand, auf der sich der deutschvölkische Abgeordnete Straßer und der tommunistische Abgeordnete Reugebauer ause tobten. Zum Schluß fah man, wie ein deutschvölkischer und ein fommunistischer Redner unter allgemeinem Hallo gleichzeitig auf die Bersammlung einschrien. bürgerlicher Beteiligung dente und den Eintritt bürgerlicher Lints politiker in das Kabinett von der striften Annahme des sozia listischen Regierungsprogramms abhängig machen müsse. Ueber die Eventualität der sozialistischen Beteiligung an einem von den bürgerlichen Kartellgruppen gebildeten Ministes rium habe die Fratiion noch nicht Beschluß gefaßt. Sarraut erklärte darauf, daß die Radikalen und die Radikalsozialistische Partei ftaft dessen ein Kabinett wünschen, gebildet aus den Führern jämt licher Kartellgruppen, da ein rein sozialistisch orientiertes Ministe Auflösung der Kammer zur Folge haben müsse, was die radikale rium nicht auf eine Mehrheit zu rechnen habe und dessen Sturz die und die radikal- sozialistische Fraktion unter feinen Umständen wünsche. Von radikal- fozialistischer Seite wurde weiterhin geltend gemacht, daß die bürgerlichen Gruppen des Kartells sich das sozialistische Finanzprogramm feineswegs in seiner Gesamtheit zu eigen machen könnten, dagegen wohl die Möglichkeit bestehe, einzelne Vorschläge zu übernehmen und sie mit dem radikalsozialistischen Programm in einem Kompromiß zu vereinigen. Beschlüsse wurden nicht gefaßt, da die anwesenden Vertreter der radikalen Linken nicht dazu bevollmächtigt waren. Die Sigung wurde auf heute abend vertagt. Die radikale Linke, der rechte Flügel des Kartells, hat heute nachmittag ihre Delegierten beauftragt, mit den Sozialisten Fühlung zu nehmen und festzustellen, ob sie bereit seien, sich an einem Ministerium zu beteiligen, in dem sie die Mehrheit der Ministerstellen haben würde. Nach dem„ Intransigent" sollen etwa 30-40 Radikal- Sozia listen, die mit der Haltung der Fraft on gegenüber den sozialistischen Vorschlägen nicht einverstanden seien, sich heute nachmittag in einer Sonderbesprechung die Möglichkeit eines An schlusses an eine Koalition der Mitte ins Auge gefaßt haben. D'e Beratung des Linkskartells am Abend hat zur Einsegung cines aus Bertretern sämtlicher vier Kartellparteien zusammen gefeßten Ausschusses geführt, der die Richtlinien für ein ge meinsames Programm zur Lösung der Finanzschwierigkeiten cufftellen soll. Weiterer Frankensturz. Während einige Mitglieder der Fraktion betonten, daß es Sache der radikalsozialistischen Frattion sei, die Regierung zu übernehmen, und sie sich höchstens die Mitarbeit der Sozialisten durch Verständigung über ein gewisses Brogramm sichern könne, betonte die Mehrzahl der Redner, darunter vor allem Malon, Milhaud und Carraut, daß man im Interesse der Erhaltung des Kar tells den Vorschlag der Sozialisten nicht rundweg abgierung gebildet werden sollte. lehnen dürfe. Eine Resolution wurde nicht gefaßt, aber als Richtlinien für die Haltung der Fraktion fann die Rede Sarrauts betrachtet werden. Dieser führte aus, daß nach dem Beschluß der Sozialisten die Radikalsezialen alles tun müßten, um die Zusammenarbeit ber Linksparteien zu ermöglichen. Sie müßten sich also mit den Sozialisten über die Konstitution eines großen Kariell ministeriums bas die Führer der verschiedenen Linksparteien Dereinige, verständiaen. In der an die Sgung der radikalsozialistischen Graftion sich anhließenden Delegierten verjammlung des Kartells gab es zunächst eine lebhafte Kontroverfe zwischen Sarraut und Léon Blum über die Bedeutung der gestern von den Sozialisten gefaßten Resolution: Léon Blum interpretierte dahin, daß fie absolut mörtlich zu nehmen sei und teinerlei Hintergedanken enthalte, b. h. daß die sozialistische Fraftion zunächst nur an ein * nter sozialistischer Führung stehendes Kabinett mit Condon, 25. November.( TU.) An der Börse ist heute der französische Franten auf 129,12 für 1 Bfund gefallen. Man erwartet weiteren Rursrüdgang, selbst wenn bald eine neue ReWer unterzeichnet Locarno? Außenminister oder Botschafter? Vorwärts- Verlag G. m. b. H., Berlin SW. 68, Lindenstr.3 Bostichedtonto: Berlin 37 536 Banfionto: Bank der Arbeiter, Angestellten und Beamten, Wallstr. 65; Diskonto- Gesellschaft, Depofitenkaffe Lindenstr. 3. Wahlkampf in Preußen. Sonntag: Provinziallandtags- und Kreistagswahlen. Am tommenden Sonntag finden in ganz Preußen mit Ausnahme Groß- Berlins, das als besondere Provinz gilt, Wahlen zu den Provinziallandia gen und Kreis. tagen statt. Trotzdem das Interesse der weitesten Deffentpolitischen Auseinandersehungen, von dem Kampf um die lichkeit zurzeit in Deutschland vollkommen von den außenNeugestaltung der Regierung nach der Unterzeichnung dieser Locarno- Berträge und dem bevorstehenden Kampf um die Verträge in Anspruch genommen ist, da die Bedeutung dieser Wahlen doch nicht unterschätzt werden. Die Zusammensetzung der Provinziallandtage und Kreistage entscheidet über die Handhabung und Ausgestaltung aller Selbstverwaltungseinrichtungen in den Provinzen, Regierungsbezirken und Kreisen Breußens. Außerdem wählen die Provinziallandtage die Vertreter der Provinzen zum preu fammensetzung erhält dadurch eine weit über ihre örtliche BeBifchen Staatsrat wie zum Reichsrat. Ihre Zu ftimmung hinausgehende politische Bedeutung. Auf dem Wege einmal gelungen, Entscheidungen im Reichsrat in ihrem über die Provinzialvertreter ist es der Reaktion mehr als Sinne zu beeinflussen, da die preußischen Stimmen im Reichsrat porläufig immer noch nicht geschlossen abgegeben werden. Die Provinzialvertreter haben im Gegensatz zu den gebundenen Stimmen der Regierung das Recht der selbständibeeinflußt in stärkerem Maße als gewöhnlich angenommen gen Stimmabgabe. Die Zusammensetzung des Staatsrats. wird den Gang der preußischen Landesgesetzgebung. Die Entscheidung, die am Sonntag bei diesen Wahlen in allen preußischen Landesteilen gefällt wird, trägt also einen starten politischen Charakter. Bei der Art des Listenwahlsystems, das die früher zum Reichstag üblichen Nach wahlen in den einzelnen Reichstagswahlen ausschließt, würden die preußischen Wahlen am Sonntag sowieso starte politische Bedeutung haben, weil man in ihnen ein Stimmungsbarometer für die Entwicklung der politischen Auffaffungen in der Bevölkerung erblicken wird. Allerdings wird man nach den bisherigen Beobachtungen im Wahlkampf mit einer geringen WahlStadtverordnetenwahlen, bei den Wahlen zum badischen beteiligung rechnen müssen. Schon bei den Berliner Landtag, und den hessischen Kreis- und Kommunalwahlen hat sich eine Wahlbeteiligung ergeben, die von höchstens 60 Broz. auf 40 Broz., gelegentlich sogar noch darunter, ging. Das Intereffe der Bevölkerung fonzentriert sich nun einmal stärker auf die großen politischen Auseinandersetzungen, auf die Wahlen zum Reichstag, zum Reichspräsidenten usw. Biel leicht trägt auch die allzu große Säufigkeit von Wahlen einen Teil zu der bedauerlichen Wahlmüdigkeit bei, die feineswegs im Interesse der Demokratie liegt, und man follte infolgedessen dem Gedanken näher treten, ob nicht generell für diese Wahlen zweiten Ranges eine 3usammenlegung oder ein fester Termin im Lauf der Zeit eingeführt werden fönnte. Die Wahlfront ist fast überall diefelbe. Die Sozialdemokratie geht selbständig in den Wahlkampf, fie führt ihn nach rechts gegen die bürgerlichen Parteien, in erster Linie gegen die Rechtstoalition. Sie führt ihn na ch links gegen die Kommunisten, die jetzt verstärkt versuchen, auch in die fommunalen Selbstverwaltungsförper einzubringen. Sie haben wohl überall auf Anweisung ihrer Zentrale das bei der Berliner Stadtverordnetenwahl zum ersten Mal erprobte Angebot auf Listenverbindung wiederholt, ohne daß sie dabei auf Gegenliebe gestoßen wären. Jeder weiß, was von ihren Angeboten und von ihrem Liebeswerben zu halten ist, jeder weiß, wie ehrlich ihre Versicherung ist, daß diese neue Taftit ihnen nur den Kampf gegen die Sozialdemokratie erleichtern soll. Auf der rechten Seite marschieren fast ausnahmslos all die unzähligen Splitter der bürgerlichen Rechten unter den verschiedensten Flaggen in Form eines Rechtsblods oder eines Bürgerblods gemeinsam in den Kampf. Die, Stimme des Blutes" war und ist bei den Volksparteilern und bei den Deutschnationalen start genug, um bei der Verteidigung innerpolitischer Bofitionen alle sonstigen Differenzen, felbft über die Schicksalsfragen unserer Außenpolitif, vergessen zu machen. Es gibt teine Provinz, in der nicht in irgend einer Form ein Rechtsblock oder ein Bürgerbiod aufmarschiert wäre. Die sogenannten Mittelparteien sind in den meifen Fällen der Verfuchung auf Anfchluß an einen solchen Bürgerblod nicht unterlegen. Dem Rentrum mird bas dadurch wesentlich erleichtert, daß es feine Hauptposition in den beiden Brovinzen Rheinland und Westfalen hat, wo es in der Lage ist, als selbstftändige Bartei diesen Wahlkampf zu bestehen. In der Diasrora hat das Zentrum fehr häufiq darauf verzichtet, felbftParis, 25. November.( Eigener Drahtbericht.) Den Signatarmächten des Vertrages van Locarno hatte bie englische Regierung mitgeteilt, fie sei durch den Tod der Königin Alexandra gezwungen, alle aus Anlaß der Unterzeichnung geplanten Festlichkeiten abzusagen und stelle daher den Außenministern anheim, sich bei der unter zeichnung der Berträge durch ihre Botschafter in London vertreten zu lassen. Der Temps" will wissen, daß Briand, unbe fümmert darum, daß nach den am Quai d'Orsay vorliegenden Infor. mationen Stresemann bereits auf die Londoner Reise der dichtet habe, feine ursprüngliche Abficht, sich nach London zu beständig aufzutreten und überläßt stellenweise wohl seinen geben, beibehalten werbe, um persönlich zu unterzeichnen. Den Locarno- Berfrägen einmütig zugestimmt hat das britische Oberhaus in einfacher Abstimmung( Handaufheben). Anhängern die Entscheidung, für welche Gruppierung fie ftimmen wollen. Die Demokraten haben sich häufig mit dem Zentrum und anderen fleinen Gruppen zusammengeschlossen und machen den Versuch, als Mittelpartet sich durch zujeten. Zu einem Teile trägt an diefer Entwicklung sicher auch die Abneigung der Rechtsparteien gegen die Demokraten schuld, die als Abtrünnige von der gemeinsamen Sache betrachtet werden. In die nach dieser Wahl beginnenden Sizungsperiode der fommunalen Selbstverwaltungskörper fällt außerdem aller Boraussetzung nach der Kampf um die vom preußischen Minister des Innern, Genossen Severing, angekündigte preu= Bische Berwaltungsreform. Bei der Natur diefer Materie wird die Entscheidung über diese, seit vielen Jahren längst ausgereifte Frage von der Zusammensetzung der Brovinzialland- und Kreistage, im einzelnen sehr beeinflußt merden, enthält sie doch u. a. die Forderung nach einer mesent lichen Berringerung der Zahl der jetzt eima 250 preußischen Kreise, die Forderung nach einer Aufhebung der Regierungspräsidien und Regierungsbezirke fw., Fragen, die selbstverständlich von der Haltung der Nächftbeteiligten, also in diesem Falle der betreffenden Selbst. verwaltungskörper, nicht unbeeinflußt bleiben können. " " Um das Reichsgetreidemonopol. Heute entscheidende Beratungen. Bekanntlich propagiert der Reichslandbund seit einiger Beit die Schaffung einer Art von Getreidemonopol, zu dessen Träger die in Liquidation befindliche Reichs= getreide stelle ausersehen ist. Heute, Donnerstag, finden im Reichsernährungsministerium Beratungen über die Reichsgetreidestelle statt, denen deshalb entscheidende Bedeutung beizumeffen ist, weil nun zum erstenmal auch die Gegner des Projektes, insbesondere die Spitzenverbände des Getreidehandels und des Mühlengewerbes Gelegenheit zu einer Stellungnahme erhalten. den Blan zum Ausdruck gebracht und besonders darauf hinWir haben schon früher unsere schweren Bedenken gegen gewiesen, daß die Schaffung eines Monopols lediglich zu gunsten der großagrarischen Erzeuger und mit Mitteln des Reiches, alfo der Steuerzahler den schärfften Wider stand der Arbeiterklasse und ihrer parlamentarischen Bertretung finden wird: Tatsächlich handelt es sich um einen und damit in die gesamte wirtschaft. lind diefer Eingriff soll nicht einmal auf furze Zeit befristet, sondern von Dauer sein. Wenn nun Reichskanzler Luther gegenüber ben Forderungen der Beamtenschaft auf eine Sicherstellung ihrer Lebenshaltung erklärt hat, daß seine llebergangsregierung nicht innenpolitische Handlungen vornehmen könne, beren mindestens in gleichem Maße für die Schaffung eines Getreide finanzieller Ausgang sich nicht übersehen lasse, so gilt das monopols, das der Reichskasse und den Berbrauchern auf die Dauer schwere Opfer zugunsten des Grokgrundbesiges auferlegt. Damit sollte eigentlich die Angelegenheit für das gegen wärtige Kabinett erledigt sein. Die Regierung wird fich jedenfalls nicht darüber wundern dürfen, daß auch die Beamten nicht schweigen, wenn ihren Forderungen eine andere Behandlung zuteil wird als denen der Großagrarier befizes, erhielten Zengnink 3 Jahre Buchthaus, Brannhs und Mah je 2 Jahre Zuchthaus. Den Verurteilten werden 14 bis 16 Monate der Untersuchungshaft angerechnet. Die neue badische Regierung. Köhler, Trunt, Remmele.- Vorläufig fein Demokrat. Karlsruhe, 25. November.( Eig. Drahtber.) Am Donnerstag nachmittag tritt der Badische Landtag zur Wahl einer neuen Regierung zusammen. Die Berhandlungen über die Bildung des neuen Kabinetts find abgeschlossen. Sie führten von dem Plan zur Bildung einer großen Koalition zurüd zu einem Kabinett auf der Weimarer Basis und endeten dann mit einem Ausschluß der Demodemokratische Fraktion selbst zu verdanken. Er ist zurückzuführen auf trafen aus der neuen Regierung. Diesen Ausschluß hat sich die demokratische Fraktion selbst zu verdanken. Er ist zurückzuführen auf persönliche Intrigen des bisherigen Staatspräsidenten Hellpach, auf deffen Ministertätigkeit nur noch feine eigenen Freunde, nicht aber Zentrum und Sozialdemokraten Wert legten. Um fich felbft zu retten, erstrebte Sellpah noch in mokraten teinen anderen Mann präsentieren wollten als Hellpach, mußten sie auf eine Beteiligung an der Regierung verzichten. Das neue kabinett wird bestehen aus den bisherigen Zen9 trumsministern Köhler und Trunt sowie dem Genoffen Rem mele als Innenminister. Er übernimmt vorübergehend auch das freiwerdende Kultusminifterium, so daß den Demokraten jederzeit Regierungsgemeinschaft zurückzukehren. Auch ohne die Demo Gelegenheit gegeben ist, ihre finnlose Tattit aufzugeben und in die traten besitzt die aus Zentrum und Sozialdemokraten bestehende Regierung im badischen Landtag eine feste Mehrheit. Sie verfügt von insgesamt 76 Sitzen allein über 44. Das Besatzungsregime. Gegenwirkungen gegen die Rückwirkungen. einandersetzungen ausgefüllt woorden und die eigentlich fomDer Wahlkampf ist fast überall mit politischen Aus außerordentlich schweren Eingriff in den Getreidemarft den legten Tagen die große Koalition. Da die Demunalen Selbstverwaltungsfragen treten in den Wahlver: fammlungen faft regelmäßig in den Hintergrund. Das Voi? hat das feaensreiche Wirken der Rechtsregierung feit einem Jahre mehr als genug zu spüren bekommen. Mit brutaler Deutlichkeit haben die Deutschnationalen zu verstehen gegeben, daß sie in die Regierung nur eingetreten sind. um ihre innerpolitischen und wirtschaftlichen Belange" zu sichern. Sie haben, was sie brauchten. Zölle und dem Besiz günstige Steuern in die Scheuern bringen fönnen. Die schwere Wirtschaftskrise ist die Quittung dieser fachverständigen" großfapitalistisen und großagrarischen Bolitit. Die Niederlage Deutschlands bei den Handels vertragsverhandlungen mit Spanien und Italien zeigen, wie aut die Wirtschaft" beraten war, als sie aus Angst vor der Arbeiterbewegung sich den Deutschnationalen bei der Regebung der wirtschaftlichen Gejezgebung nerfchrieb. Die Wirtschaft Als die Regierung Herriot im vorigen Jahre die Macht überhat ihren Lohn dahin, leider sind die Massen des Ein rektifizierter Staatsanwalt. nahm und versuchte, den von ihr innerpolitisch verkündeten Rolfes die Leidtragenden der aus dem furzsichtigen Geift der Verständigung auch außenpolitisch zur Geltung zu Freilaffung des Reichsbannerführers Dahm. Egoismus der Besitzenden tittierten Bolitik der Rechtsbringen, mußte sie zunächst eine ganze Reihe von Widerständen Bodum, 25. November.( Eigener Drahtbericht.) Der am regierung. Die Wahlen am fommenden Sonntag müssen und 3. November auf Anweisung der Bochumer Staatsanwalt im Ruhrgebiet und Rheinland fizenden Vollzugsorgane Frankreichs überwinden. Die in den französischen Botschaften und insbesondere werden eine deutliche Absage an die Deutschnatioichaft verhaftete Reichsbannerführer Dahm von nalen werden. waren noch von dem Geift Poincarés befeelt und erst als Bochum ist nach drei Wochen Untersuchungshaft wieder auf Herriot einen großen Teil davon durch Vertreter seiner politischen freien Fuß gefeht worden. Die Freilaffung verfügte das Ober- inschauung ersetzte, wirkte sich der Wille des französischen Kabinetts landesgericht in Hamm auf Grund einer Haftbeschwerde des Berzur friedlichen Verständigung aus. teidigers. Dahm war wegen angeblichen Hochperrats" mit drei anderen Miffetätern zusammen, die schon vor ihm wieder entlaffen wurden, verhaftet worden. Dem tüchtigen Staatsanwalt bleibt die Genugtuung. den Reichsbannermann wenigstens für drei Wochen unschädlich gemacht zu haben. Aber im Justizministerium sollte man sich endlich darum fümmern, was die Staatsanwälte tun! In diesem Kampf steht die Sozialdemokratie wie immer in der vordersten Reihe. Sie fämpft auch hier fon= fequent, zäh und unermüdlich darum, dok die arbeitenden Massen einen steigenden Einfluß in der Politik und in der Berwaltung des Landes neminnen. Ge fämpft dafür mit den pofitiven Barolen des Aufbaus und der Fortentwid lung der Selbstverwaltung zu einem tragfähigen Unterbau eines demokratischen Reaimes im ganzen Reiche. Die Reniiionäre haben im Breußischen Landtag ihre Hoffnungen auf den Sturz der Regierung Braun längst aufgegeben. Die Bahlen am Sonntag werden ihnen zeigen müssen, daß sic je länger desto mehr sich von ihrem in der schlimmsten Reit der Inflation zum Greifen nahen Ziele entfernen. Die Bellen der Reaktion find abgeebbt, die Sozialdemo tratie ist im Vormarsch, sie wird das auch am Sonntag beweisen. = In einem Kunderlag des Ministers des Junern werden die Behörden der allgemeinen und der inneren Verwaltung angewiesen, für die bevorstehenden Brovinziellent togswahlen am 29, November d. J. den unterstellten Beamten. Angestellten und Arbeitern, die sich um einen Sih im Provinziallandtag bewerben, den für die Borbereitung ihrer Wahl erforderlichen Urlaub zu er teilen, soweit es die dienstlichen Interessen gestatten. Der Erlaz macht die Kommunalbehörden auf diese Weisung mit dem Ersuchen aufmerksam, hinsichtlich der im Kommunaldienst beschäf. tigten Beamten, Angestellten und Arbeiter nach demselben Grundsatz zu verfahren. Mors stupebit. Konzertumschau von Kurt Singer. Das Bekenntnis zum Leben schließt die Ehrfurcht vor dem Tode in sich. Wenn wir ein Jahr lang am Leben vorbeihaften, so daß uns das wahre Erleben faum mit einem Atemzug streift, wenn Stunde für Stunde fich uns verdichten zum Ertrag von Monaten und Jahren, so stellt sich plöglich erinnerungsschwer ein Tag des Gedentens gegen unsere Gedanken von der Lebendigkeit. Ein Tag, der unseren Blick für die Toten reif macht, schafft den Ausgleich zwischen täglichem Sterben im raschen Lebensschritt und ewigem Leben im Zustand des Todes. Die Pflicht zum Dasein verdeckt cie mangelhafte Schönheit des Daseins. Einen Augenblid steht Belt und Gedante einheitlich still. Leben und Tod find verschiebene schöpferischen Wert des Sterbens an der Blume, an der Frucht. Stufen ein und derselben Griſtenz. Die Natur lehrt uns den Das Individuum ist ein Nichts, die Gattung ist wenig, die Erfüllung eines Einzelschicksals ist viel, der fortzeugende Geist, der die Not wendigkeit des Körpers begründet, ist alles. Totensonntag. Mors stupebit et natura. Welt und Tod erstarren. Wir stehen stumm vor der Größe flingender Erlebnisse. Meffe, Requiem, Barsifal, Freudenchor wo hält der Wanderer still? In welchem wahrhaft großen Werk offenbart sich nicht das Todgeweihte, das im Eterben erst geheiligte Leben? Eine unirdische Freude, eine Luft nicht von dieser Welt ruft Beethoven in seiner IX. Sinfonie cuf. Sie stimmt uns feierlich, nicht froh. Wir lachen nicht, wir straffen uns. Wir glauben nicht einmal, mir zweifeln. Was eine Stunde lang folche Mufit in uns freimacht, verscheucht tein Jubel. chor. Der Kampf bleibt und die stille Resignation. Aber auch die Feier, die uns fein Gott so rein beschert. Auferstanden unter dem begnadeten Stab Klemperers. Tönt nicht da neben der Strahlenden Höhe einer Johanna Klemperer der innige Ton einer Olga Eisner, lang und schmerzlich vermißt? Raag Brod mann, der reife Meister, beweist seine Rönnerschaft in der H.Moll- Messe von Bach, die Georg Schumann würdig leitet. Diese Werke letzter Erfülltheit wenden sich an die Gesamtheit der Menschen und ihr Gesamtgefühl. Auch der Parsifal" tut es, menn Reuß mit ruhiger Sicherheit und gar nicht mehr schleppend die Leidesszenen eines Amfortas von der menschlichen Inbrunst des herrlichen Schipper begleitet. Hier endet die Sehnsucht geplagter Kreatur in Erlösung durch Mitleid. Vom Persönlichen meg strebt ein reines Gefühl in das Herz der Welt zu bringen. Das Requiem von Verdi, dem der vornehme, aufstrebende Stehmann zur Wirkung hilft, geht von eigenen Schmerzempfin dungen aus und läßt ein persönliches Erlebnis dort fühliam werden, wo Schmerz lebt und bohrt. Der Friede winkt auch hier, menn die Erschütterung verflungen. Und mitten in die Liturgie hinein, per moben mit en priesterlichen Gebräuchen, läst Pius alt eine ' minutios. ausgearbeitete E- Moll- Messe von Bruckner, das Ideal Balestrinensischer Reinheit vor uns aufflingen. Erhebende, weißeste, großartigste Chormusit seit Bach. Katholisch? Ja: aber die UnterStimme des Dogmatischen wird stumm vor dem ftrahlenden Weiß dieses Mufitmunders. Totensonntag: Leben und Sterben find still " Völkische Waffenlager in Ostpreußen. Königsberg, 25. November.( Eigener Drahtbericht.) Der Aufmerksamkeit der Königsberger Polizei ist es gelungen, dieser Tage ein zweites Baffenlager zu entdecken. In Wormbitt bei Königsberg fonnte sie fünf Maschinengewehre, darunter nier leichte, 200 3nfanteriegewehre Mobell 08 und einige Risten Handgranaten beschlagnahmemn. Die Die Waffen gehörten den Baierländischen Berbänden". Gie lagerten in dem Speicher des Möbeltransporteurs Bruno Hein. Wie die Voltszeitung" meldet, wurde der Lagerraum von der Polizei versiegelt, ohne daß die Waffen abtransportiert worden sind. Zuchthaus für heimlichen Waffenbesih. st Leipzig, 25. November.( Eigener Drahtbericht.) Im oft preußischen kommunistenprozeß wurde am Mittwoch nach sechstägiger Verhandlung folgendes Urteil gefällt: Wegen Bergebens nach§ 7 des Republifid uzgeiches, Berheimlichung bon Baffenlagern und unbefugten Waffen Inzwischen hat die Welt Locarno erlebt und es bleibt kein 3meifel darüber, daß sowohl Briand wie Chamberlain den dort zum Ideal erhobenen Geist zu pflegen bereit sind. Ihre Anweisun gen über die Rückwirkungen haben das am besten gezeigt. Aber wie damals, als Herriot an das Ruder gelangte, gibt es noch alliierte Vollzugsorgane in den besetzten Gebieten, die Geg ner einer Verständigung sind und deshalb die Anweisungen ihrer Regierung zu sabotieren versuchen, hauptsächlich franzö fische Militars. Auf sie dürften in erster Linie die immer noch aus dem besetzten Gebiet einlaufenden Beschwerden über bie Behandlung der Bevölkerung, neue Quartierlasten usw. zurückzuführen sein. Wir sind überzeugt, daß alle gegen die Bevölkerung gerichteten Maßnahmen neue en Datums ohne Kenntnis ber verant mortlichen 3entralbehörden getroffen werden. Dieser Zustand wird aber erst sein Ende finden, wenn auch Briand, der wahrscheinlich dem neuen französischen Kabinetf angehören wird, versucht, sich durchzusehen, indem er dort eingreift und Abhilfe schafft, wo seinen Anordnungen nicht einwandfrei Folge geleistet wird. In solchen Fällen muß schnell gehandelt werden, wenn nicht der Eindruck entstehen soll, daß er an seine Berständigungspolitiť felbst nicht glaubt, denn je de Maßnahme in den besetzten Gebieten fällt fchließlich auf die alliierten Regierung zurüď. Die Bertretung Chinas in Berlin wird von einer Gesandtschaft zur Botschaft erhoben und mit General Huang fu besetzt. geworden. Mors stupebit. Beethoven, Bach, Wagner, Brudner:| junttion eine vollkommene, so daß die beiden Blaheten plötzlich Das Wunder ist größer, als das der Geburt und des Sterbens. Doch gleitet der Blick zurück. Die Erde hat uns wieder. Sie pact uns mit teuflischen Krallen, wenn Clemens Schmal stich romantisch präludiert und mufiziert in einer sinfonischen Suite von feltsamen Ausmaßen, vulgären Tonschweigereien, banalen Inhalten. Wo blieb der Geschmack dieses vorzüglichen Liedertomponisten? Eine Bagner- Litanei und ein Husarenritt und eine Goldschnittfyrit vergeffenster, gottverlaffener Jahrzehnte. Welch ein Barsifallissement! Die Löns- Lieder von Baul Gra ener sind von solcher Anmut und edlen Wärme, die Lieber Georg Wolfsohns von solcher freund lichen Singbarkeit, daß sie selbst durch die enge Kehle der Jutta Blau nicht ganz zerdrückt werden können. Das junge Fräulein hat Material, aber sie jollte es besser pflegen lassen. Ernst Roters wird mit großem Trara als der kommende oder feiende Mann des Orchesters angepriesen. Der sehr fluge Musiker Pfohl nennt den dreißigjährigen Komponisten einen„ Eigenen". Das ist wohl ein geschichte Hand, ein Sinn für Koloriftit, eine Begabung für mufi Irrtum.( Das ist, Pfohl, ein Irrtum.) Rühmenswert ist eine sehr fantische Stimmungsmalerei. Das zeigt sich in der Legende, wie in den Orchesterliedern. Selbständiger ist ein früheres Opus für Klavier und Orchester. Die Breite der Darstellung, das wiederholte thema tische Einhämmern, das Beleuchten von allen Seiten aber scheint nicht berechtigt, nicht begründet durch Schwere, Tiefe, Eigenheit der Gedanken. Von Strauß und Mahler hat sich dieser begabte Eflettiter noch sehr wenia fortgeroaat. Hoffentlich wächst ihm mit dem Chr. geiz und dem Mut zur Selbständigkeit auch die Kraft und die Fülle der Einfälle. Strapinity ist ein Mann für sich, ein Pro gramm eigener Art. Zwischen der musikalischen Intelligenz Berlins und dem Russentum hat er leichtes Spiel, großen Erfolg, feinen Widerspruch. Selbst dann nicht, wenn er in einem Lied( Tilimbum") Mussorgsky plagiiert, wenn er der Geschichte vom Soldaten" durch, fuitenartige Bearbeitung das Fleisch nimmt und die Knochen läßt, wenn er in trei Soli für Klarinette misioe Spielerei oder Fopperet für ernste Kunst ausgibt. Erdennah: er wirkt als Persönlichkeit in der Straffheit und Möglichkeit des fünstlerischen Ausdrucks, der Unbe fümmertheit einer fesselnden Linie, der rhythmischen Bolyphonic. Man nerzeiht ihm vieles, meil er vieles schenkt. Die Sopranistin Rita Ritten mit ihrem Vierteltonsinoen und Tremolieren aber fchenfen wir ibm ganz, verzeihen wir ihm gar nicht. Dagegen freicht fich der junge Ruffe oder Italiener Banarottt in unser Gedächtnis. Das wäre schlecht, mollte es nicht noch mit einem Wort Werner Wolfis geschmeidine und eindringliche Orchesterführung( bei Roters) sowie die geschmacknall, reifen Vorträge des Bugbaum und Reichel Quartetts erwähnen. „ Die große Sternenstunde." Der 26. November bringt eine für Sterngläubiae höht erfreuliche Stunde. Jupiter und Bemus treten in Konjunttion. Seit dem 7 November, ma noch 20 Grab fie trennten, find sie sich nun auf einen Abstand von nur noch 2 Grab 38 Minuten näher gerüdt und bieten so ein Bild von feltener Schönheit. Es fehlt nur sehr wenig daran und die beiden ftrahlendsten Gestirne unferes Blanetensnstems würden die gleiche Bosition einnehmen, durch die fie angeblich vor 1925 Jahren die Hirten nach Bethlehem geführt haben. Denn damals jo nimmt man an und hat man auch mit ziemlich hohem Wahrscheinlichkeitswert errechnet war ihre Kon vielleicht nach einer Reihe) von Nächten mit bedecktem Himmel als ein neues Gestirn von nie gesehener Helligkeit am Himmel standen. Für uns ist dies Himmelsschauspiel am Abend des 26. November furz nach Sonnenuntergang am besten zu beobachten. Man entdeckt die funfeinde Venus und den in fahlem Glanze strahlenden Jupiter leicht am füdwestlichen Himmel. Schon mit einem gewöhn lichen Feldstecher fann man vier Jupitermonde, mit einem kleinen Fernrohr weitere Einzelheiten und die in der gegenwärtigen Konstellation dem fast vollen Mond entsprechende Gestalt der Venus erkennen. Nurmis Selbstblographie. Nurmi, das große Laufgenie und der noch größere Schweiger, der niemals zu überreden war, über sich selbst zu sprechen, hat nunmehr mit Hilfe des Privatdozenten an faßt und im Drud erscheinen lassen, die ganz auf Nurmi zurück. der Helsingforfer Universität, Raila, eine Art Selbstbiographie versondern auch auf dem Gebiete des Sports ungewöhnliche Leistungen zuführen ist, wenn auch Kaila das Buch verfaßt hat. Man kann aus dem Buch erkennen, daß nicht nur auf dem geistigen Gebiete, Gaben erzielt werden. Schon im Alter von 9 Jahren widmete Nurmi nur durch ungewöhnliche Energie und durch ungewöhnliche geistige fich dem Sport, aber nicht wie feine Kameraben, nur zum Zeit vertreib, sondern mit dem ganzen Ernst, den sonst nur Erwachsene lief mehrere Male in der Woche Wege von 10 Kilometer und mehr. haben. Schon damals begann er mit einem richtigen Training und Welche Energie ihn leitete, geht daraus hervor, daß er bereits mit Nurmi stammt aus einer armen Familie und war, da sein Vater 12 Jahren den Fleischgenuß aufgab, da er ihn für schädlich hielt. früh gestorben war, gewissermaßen der Ernährer seiner Angehörigen. Er gewann schon frühzeitig fleine Breise. Im Jahre 1913 trat er zielvolle Ausbildung feines Körpers vornehmen, denn hier hatte er in den Athletenverein Abo ein. Hier erst fonnte er die wahrhaft erst den richtigen Training- Meister zur Verfügung, der es ihm ei möglichte, feinen Körper fo elastisch zu machen, wie es die Natur feines Drganismus zuliek. Er verzichtete ganz auf alle anreizenden Gifte, wie Kaffee, Tee, Alkohol usw., um sein Herz nicht unnütz zu größter Rörperausbildung verbunden war. die Grundlage dafür erregen. So hatte er durch eine intensive Geiftesarbeit, die mit noch heute läßt er nicht einen Tag ohne sein Training vorübergeschaffen, daß er tatsächlich der schnellste Mann der Welt wurde. gehen. Die längfle Hängebrüde. An der längsten Hängebrüde, die es auf der Erde gibt, wird gegenwärtig gearbeitet, und sie soll int nächsten Jahre eingeweiht werden. Diese Brücke, die eine Gesamtlänge von 686,8 meter hot, überspannt den Delaware zwischen Bhiladelphia und Camden. Die Brüde wird nur von zwei Kabeln getragen, deren jedes aus 18 066 gainanisierten Drahtliken besteht. und 76,2 Zentimeter Durchmesser hat. Die größte Bucfeftinteit dieser Stabel, die. 6770 Tonnen wiesen, beläuft sich auf 15 177 Kilogramm pro Quadratmeter. Die Brüde wird im ganzen 37 Millionen Dollar toften. Torfråge. Der für Donnerstag in der Vortragsreihe der Leifinn- Bo fchule angelegte Vortrag von Dr. Baulechner über 6 a to( im Berners Siemens Gymnasium) muß auf Donnerstag, den 10. Dezember, verlegt verden. Zur wirtschastsnot. Sozialdemokratische Anträge im Votkswirtschastlicheu Ausschuft. Der Volkswirtschaftliche Ausschuß des Reichstages beschäftigte sich am Mittwoch mit der immer schwieriger werdenden Lage auf dem Arbeitsmarkt. Di« verschiedenen Parteien hatten An- träge eingebracht, die durchweg die Erwerbslosensürsorge betrafen. Nicht uninteressant ist, daß auch die Deutschnationalen mit einem Antrag oertreten waren, in dem sie die Nekämpfung der Arbeitslosigkeit durch vermehrte Aufträge durch die Reichsbahngesell- schaft und Post vorschlugen. Im Lande wird man daran denken, daß gerade die Deutschnationalen durch die Z o l l v o r l a g e zu den gegenwärtigen Komplikationen auf dem Arbeftsmarkt beigetragen haben. Die Sozialdemokratie beantragte, größere Mittel für die Beschaffung von Arbeitsgelegenheft und für alle zweckmäßigen Maßnahmen der produktiven Erwerbslosenfürsorge zur Verfügung zu stellen. Außerdem forderte sie, daß alle Aemter im Reich, in den Ländern und Gemeinden auf diesem Gebiete unbedingt aufs engste zusammenarbeften. Die Kommuni st en verlangten, daß in Zukunft keine Ge- nehmigung zu Betriebsstillegungen mehr erteilt wird, während sich die Demokraten dafür einsetzten, daß gesunde Betrieb«, die über genügend Aufträge verfügen, aber an Kapitalmangel leiden, durch Kredite aus der produktiven Erwerbslosenfürsorge unterstützt werden. Der Vertreter des Zentrums mackfte darauf aufmerksam, daß die zunehmende Arbeitslosigkeit schließlich auf den allzuhohen Zinsfuß zurückzuführen sei. Genosse Simon- Schwaben, der Vorsitzende des Ausschusses, erklärte dazu, daß in einer der nächsten Sitzungen des Volkswirt- schafllichen Ausschusses Vertreter der Reichsbank und des Reichswirt- schaftsministeriums erscheinen würden, das Problem der Herab- setzung des allgemeinen Zinsfußes, die er für durchaus notwendig und erforderlich bezeichnete, zu beraten. * Der Reichstagsausschuß für Handelsverträge nahm am Mittwoch gegen die Stimmen der Kommunisten den deutsch- italienischen Handelsvertrag an. Die Deutschnationale Fraktion konnte sich nicht schlüssig werden und erklärte, sich ihre Stellungnahme bis zur Entscheidung der Gelomtlraktion vorbehalten zu müssen. Das Locarnogefetz nicht verfassunysänüernö Beratungen im Auswärtigen Ausschuft. Der Auswärtige AuSs-bußdeS Reichstag« beschäftigte sich am Mittwoch in eingehender Aussprache mit der Frage, ob kaS Locarnogeiey als ein verfassungsänderndes, einer Zweidrittel- mebrbeit zu feiner Annahme im Reichstag bedürfe oder nicht. Von Seiten der ReichSregierung wurden in Ergänzung zu ibrem au«- führlichen Gutachten, das bekanntlich den verfaffungS- ändernden Charakter de» Locarnogefetze» verneint. noch umfangreiche Darlegungen staatsrechtlicher Natur vorgetragen. wobei auch Reichskanzler Dr. Luther das Wort nahm. Beschlüsse wurden vom Ausschuß nicht gefaßt. Die bayerische Locarno-Vebotte. Völkische Hefte gegen Stresemanu.— Ter Bsrsiftende bezeichnet den völkischen Redner als Psychopathen. Alümhen. 25 November(Eig. Drohtb.) Di« überflüssige Lo- carno-Debatte im Bayerischen Landtag ist auch am Mittwoch noch nicht zu Ende gekommen. Bezeichnend war, daß vor allem die Völkischen beider Schattierungen, die in ihrer Agitation das Par- lament als Schwatzbude diskreditieren, ihrem Redefluß Stunde um Stund« freien Lauf ließen. Der Fraktionsführer der National- sozialiften, Dr. B u t t m a n n, leistete sich ein« ungewöhnlich dreiste Beschimpfung des Außenministers Stresemann, den er«inen niederträchtigen Verräter. Schädling und Ver- b r e ch« r nannte, da er bewußt und systematisch das deutsche Volt an seine Gegner verschachert habe. Stresemann Hab« für dies« Be- tätigung von seiner Frau die Direktiven im Auftrage der jü» dischev. Finanzinternationale erhalten und diese Direktiven bewußt als Scherge der jüdischen Finanzwelt befolgt. Als sich einig« Ausschußmitglieder über dies« gemeinen Be- schimpsungon eines Reichsministers aufhielten, erklärt« der Bor» sitzend«, ein Mitglied der"Bayerischen Voltspartei, daß er solch lächerliche Anschuldigungen ein es Psychopakhea gar nicht ernst nehmen könne. fltis üem»Grönungslanöe". Berufungsverhandlung in der Klage Loeb gegen Thüringen. Zena. 25. Novemher.(Eigener Drahtbericht.) Vor dem Zivil- senat des Oberlandesgerichls in Jena fand am Mittwoch die Berufung»Verhandlung in dem Zivllvrozeß statt, die der ehemalige«taatsbonkpräsident Lpeo wegen seiner un- gexechtsertigten Cnt'ossung oegen das Land Thüringen angestrengt hat. Das Landgericht in Weimar hat in der ersten Instanz die Klag« Loebs abgewiesen und der Widerklage des Landes Thüringen iusoweft stattgegeben, als es sich um die Feststellung Handell«, daß Loeb an das Land Thüringen keine Ansprüche mehr habe. Die von Loeb gegen das erstmslcmzliche Urteft eingelegte Be- rufung gründete sich hauptsächlich auf den Umstand, daß das Land- aericht in Weimar unter Verstoß gegen die Vorschriften der Zivilprozeßordnung die von der thüringischen Regierung eingeholten privaten Gutachten der Herren Schulze-Robst und Bastian, in denen di« bekannten, aber sowohl durch die Verhandlun- gen des parlamentarischen Untersuchungsschusse» des Landtages von Thüringen als auch durch die von der Staateanwallscbast in Weimar eingeleiteten und dann eingestellten strafrechllichen Untersuchungen läng st widerlegten Beschuldigungen gegen Loeb und seine Amtsführung entHallen waren, zur Grundloge seine? Urteils gemacht hatte. Das geschah, obgleich ihr gesamter Inhalt vom Kläger ausdrücklich bestritten war und diese Gutachten dem Landgericht nicht einmal vorgelegen haben. Der Vertreter des Klägers machte in der Berhandlung vor dem Zivilsenat pellend, daß das Urteil des Landgerichts auf mehreren groben Verstößen des zivilprozessualen Verfahrens beruht. daß dies Urteil in leinen Entscheidungsgründen als außerordentlich unzulänglich anzuseben und das Ergebnis, wie es in der Urteilsformel zum Ausdruck gekommen sei, dazu noch falsch sei. Di« Vertreter der thüringischen Regierung be- anfragten die Abweisung der Berufung und die Aufhebung des erst- instanzlichen Urteils insoweit, als es dem beklagten Land Thüringen «in Viertel der Prozeßkosten aufgebürdet Hab«. Der Zurückweisung setzte sie, osienbar in Anerkenmma d«r großen Mängel des Land- gerubtsurtefts. keinen ernsthaften Widerstand entgegen. Nach längerer Verhandlung setzt« der Senat die Veriün- dun» des Urteils aus Mittwoch, den 2- Dezember, fest. Wenn auch der Zivilsenat des Oberlandesgericht» in Lena eigentlich nur«in« rein jurislisä e Entscheidung— ob Zurückweisung an die Vorinstanz an» prozessualen Gründen oder nicht— zu kretten hat, so entbehrt dieler Prozeß im gegenwärtigen Stadium doch nicht des aktuellen politischem Interesse». Die thüringische Regserung hat durch ihr« Widerklage den Streitwert diese« Prozesses a u s 400 000 Mark hinaufgeschraubt, um Loeb die Wellersührung des Prozesses unmöglich zu machen. Sie will das erstinstanzliche Urteil, das dem Antrag ihrer Widerklage entsprach, unter allen Umständen aufrechterhalten wissen, obwohl sich die Eni» scheidung der Zivilkammer des Weimarer Landgerichts aus Be> hauptungen und behauptete Tatsachen stützte, die heute längst wider- legt sind. Nämlich alle von völkischer Seite erhobenen und vom Finanzmini st er von Klüchtzner weitergegebenen Be- hauptungen über Unregelmäßigkeiten in der Amtsführung Loebs sind in der Urteilsbegründung des Landgerichts«nthollen. Heute sind sie längst widerlegt, und kein Mensch denkt mehr daran, die im Herbst 1924 und im Frühjahr 1925 gegen Loeb erhobenen Vor- würfe aufrechtzuerhalten. Erst unlängst hat im Haushallsousschuß des thüringischen Landtags der jetzige Präsident der Staats- dank Jost der Tätigkeit Loebs in vollem Umfange Gerechtigkeit widersahren lassen. Das rujUche Unterrichtswesen. Mitteilungen Luuatscharskis. Am Mittwoch sprach vor Pressevertretern Lunatscharski, der zur- zeft in Berlin weilt und auch die Ausiühning seines Don Quichotte in der Volksbühne ansehen wird, über das Ünterrichtswesen in der eigentlichen russischen Sowjetrepublik. Er betonte, daß man eigent- lich erst seit 1923 systematisch arbeiten könne, da bis dahin Kriege und auch Seuchen, sowie die Hungersnot alle Kräfte in Anspruch ge- nommen hatten. Wie er berichtet, war die Zahl der Volksschulen 1921 erst 58 000 mit 4 3 Millionen Schülern, 1�22 betrug sie 04 000 mit 4,7 Millionen Schülern und im letzten Berichtsjahr dürfte sich die Zahl auf 72 000 mit 6 Millionen Schülern belaufen. Ein allgemeiner Schulzwong besteht in Rußland, das die allgemeine Weyrptzicyl hat, nach nicht. Dies begründet der Minister damit, daß man noch lange nicht genug Schulen und Lehrer habe, um alle Kinder urfterrichten zu können. Doch hofft man, bis 1933 soweit zu sein, wie man glaubt, das Analphabetentum, das map weniger als zwei Drittel des ganzen Volkes betragen hat, vis oayin soweit verringert zu haben, daß dann alle Russen bis zum Aller von 35 Iahren lesen und schreiben können. Die meisten Schulen sind vierklassig, auch die sieben- und neunklassigen werden vermehrt. Für die Analphabeten waren 1924 rund 42 000 Lehrstationen mit 1,2 Millionen Schülern zwischen 18 und 35 Iahren tätig. In den Gewerkschaften und in der Armee sollen Analphabeten nicht mehr vorhanden sein. Die 19 000 Bauernlesestuben dienen gleichfalls dem Elementarunterricht für Erwachsene. Sehr traurig ist die B e- zahlung der Lehrer: sie erhalten trotz ihrer selbstlosen Ar- bell nur 35 Rubel im Monat— etwa die Hälfte des Durchschnitts- lohnes der Arbeiter und kaum das niedrigste Lohneinkommen der Lehrer vor dem Kriege! Dazu hören wir von einem glaubwürdigen Mann, der eben erst aus Rußland zurückgekommen ist, daß seivir Lehrer..gehälter" von 10 und 15 Rubel vorkommen. Für die schlechte Finanzlage Sowietrußlands ist es ein wefteres Zeichen, daß viele wissenichaftlichc Arbeiten nicht veröffentlicht wer- den können. Aber im Zeitschriftcnwesen soll das Vorkriegsniveau schon überschritten sein. Man wird gewiß«inen großen Teil dieser Drucktätigkeit aus das Konto der kommunistischen Propagaitda setzen können, für die überall Zeitungen herausgegeben werden, denen jede Konkurrenz durch das kommun'stische Monopol auf die Presse vom Leibe gehalten wird' Der Staatsoerlag wird jetzt die zum Teil vergriffenen Werke Leo Tolstois vollstanvig, jami iei»r» Briefen, in 91 Bänden herausbringen. Lunaischarski erklärte auf Befragen, man arbeite daran, die sozialistische Forderung zu verwirklichen, daß begabte Kinder nicht mebr durch die ungünstige Wirtschaftslage ihrer Eltern vom höheren Bildungsgang feniaehallen werden.— Erfüllt ist diese sozialistische Grundforderung also auch in der Sowjetrepublik noch nicht, obwohl ihre Bewunderer uno Lobpreiser sie gern als das sozialistiscki« Pa- radies hinstellen. Ziemlich deutlich sagte der Miirster, daß die irreiyeti ut» Wissens ch n f t. insbesondere auf den Gebieten der Philosophie, So- ziologie und Wirtschastslehre beschränkt wird durch den Staatsgrund- stitz, daß der Marxismus(wie sie ihn in Moskau oerstehen) eben die Wilsenschast von morgen sei und alles andere die Wissenschaft von gestern, und dadurch so ziemlich erledigt sei. Dagegen bezeichnete er die verschiedenen Nachrichten über Verbote wissenschaftlich oder schöngeistig bedeutender und allgemein anerkannter Werke durch die Sowjetregierung tefts als unwahr, teils als Uebergrisse untergeordneter Stellen, die längst w'eder durch Aufhebung gutgemacht seien. Die Sowjetregierung stellt eben auch die Schulen aller Grade in den Dienst der Propaganda für das Sowjetsystem oder, da die Be- deutung der Sowjets so stark heruntergedrückt ist, für die Herrschaft der kommunistischen Leiter. Aber scbließlich haben alle Staaten mit ausgesprochener und bewußter Herrschgewalt die Schule— um mit der Habsburgerin Maria Theresia zu sprechen— als ein Politicum betrachtet und zur Stützung chrer Herrschoi't gebraucht. Wenn der Bolschewismus dasselbe tut, so zeigt er auch damit, daß er in dieser Hinsicht, wie in anderen, eine aus ihre Selbstbehauptung wohl- bedachte Staatsgewalt ist. Höllenmaschinen und tzollenwahn. Hochverratsprozeft gegen Kommunisten. Leipzig. 25. November.(Eigener Drahtbericht.) Am Mftt- woch begann vor dem Staatsgerichtshos zum Schutze der Republik ein Hochverratsprozeß. Es haben sich wegen Re- publikschutzvergehen, Verheimlichung von Waffenlagern, Spreng. stossverbrechen und Terrorakte der Gutsverwalter Eggo Klüver aus Groß-Rhüden und der Arbcfter Hermann Ring- l« f f aus LeUer bei Hannover zu verantworten. Klüver, der unter dem Namen Berger auftrat, war nach der Anklage militärifcher LeUer der KPD. in Hannover und hat in der Pfalz von Januar bis Oktober 1924 in dem dortigen Bezirk Unterrichtsstunden über die Anwendung von Schußwaffen, Sprengkörpern usw. sowie mili- tärische Uebungen abgehalten. Aus beschlagnahmten Schriftstücken geht hervor, daß von der KPD. mehrere Attentate mit Höllenmaschinen geplant waren. Unter anderem sollte im Mal 1924 eine Eisenbahnbrücke bei Hannover in dem Moment In die Luft gesprengt werden, wo ein Sonderzug mft rechtsgerichteten Verbänden, die zu einem„Deutschen Tag* fuhren, die Streck« passierte. Der Anschlag wurde vereitelt, da infolge Regen, die Zündschnur, die zur Höllenmaschine führt«, feucht ge, worden war und die Explosion oerhindert«. In der gleichen Zeft wurde in Einbeck von KPD.-Leuten bei einer Mllitäroereins- Fahnenweihe eine Bombe geworfen. Auch in Osnabrück waren Attentate mit Höllenmaschinen geplant. Aus den bei Klüver alias Berger vorgefundenen Helegen wurde feftgesteM, daß alle Leute, di« die Anschläge verübt haben, von Klüver finanziert worden sind. Auch wurden Schrittstücke beschlagnahmt, aus denen angeblich hervorgeht, daß die KPD. im dortigen Bezirk mehrere Waffenlager, die unter den Decknamen„Zigarren*..Ligaretten*,„Tabak* usw. geführt wurden, im Besitz hatte. Bei der Verhaftung Klüvers wurde u. o.«in Bestandsverzeichnis von elektrischen Apparaten(Höllenmaschinen) vvraemnden. Dem Angeklag- ten R> n g l« s f wird zur Last gelegt, daß er mft der kommunisti, schen Jugend militärische Uebungen veranstaltet hat. Auch soll er Kenntnis gehabt haben von den verborgenen Waffenlogern der KPD. Der Angeklagte Klüver gibt an. all« bei ihm vorgefundenen Schriffftücke von einem Unbekannten erhallen'zu haben. Unter dem fallchen Namen Berger will er nicht auigetreten sein. Dies ganz« Bergehen, da» hier den Angeklagten zur Last gelegt wird, zeugt von einer irrsinnigen Revolutionsspielerei. Biel wahrscheinlicher will es aber scheinen, daß die„Täter* in Wirklichkeit Spitzel sind, deren Auftraggeber freilich im Dunkeln blieben. Kommuniftenprozeß in Lonöon. Verurteilung infolge NichtauStritts aus der KP. London, 25. November.(MTB.) Di« im Zusammenhang mit der Mitte Oktober erfolgten Durchsuchung des Londoner tommu- mstischen Hauptquartiers verhafteten Kommunisten, gegen die An- klage wegen Aufwieglung von Heer- sangehörigen erhoben worden war, wurden heute abgeurteilt. Fünf Angeklagte erhielten e i n Jahr, sieben weitere Angeklagte sechs Monate Gefängnis. Die Verurteilung erfolgte, nachdem die Angeklagten das Angebot des Richters abgelehnt hatten, sie freizulassen, wenn sie sich zum Austritt aus der Partei verpflichteten. Das sst eine sehr eigentümlich« Justiz. Entweder hat einer das Gesetz verletzt— dann ist er zu verurteften„ohne Ansehen der Per- son*— oder er ist nicht schuldig, dann kann ihn auä) nicht seine Zugehörigkeit zu einer nicht durch Gesetz verbotenen Partei straf- fällig machen. So wenigstens will es unserer Auffassung von Recht und Gericht scheinen. Englanö X Frankreich � voröerafien. Zusammengehen vereinbart. London, 25. November.(Eigener Drahtbericht.) Außenminister Chamberiain erklärte am Mittwoch im Unterhause über die Be- sprechungen mft dem neuen sranzäsischen Oberkommissar in Syrien. de I o u v e n e l, es sei ein Abkommen getrossen worden, das ein enges englisch-sranzösssches Zusammengehen in den Mandatsgebieten Syrien, Palästina, Transjordanien und Irak vorsehe. Ein« eng- lijche militärisch« Aktion gegen di« Drusen sei jedoch weder verlangt noch angeboten worden. Belagerungszustand i« Syrien. Beirut. 25. November.(MTB.) Der Oberkommissar hat wegen der in der Nähe von Damaskus umherftreifenden Banden beschlossen, den Belagerung? zu st and über Damaskus und die Sandfchaks von Damaskus und Hauran zu verhängen. Merdjeiun wird weiter von den französischen Truppen gehalten._ polnische Regierungserklärung. Rede Skrzynfkis im Sejm. Warschau, 25. November.(MTB.) Ministerpräsident und Außenminister S k r z y n s k i gab im Sejm die Programmerllärung der Regierung ab. Skrzynski wurde bei seinem Erscheinen von den Bänken der Kommunisten und der Bauernpartei mit den Rufen: Gebt die politischen Gefangenen frei! Weg mit Stanislaus Grabski! begrüßt. Der Ministerpräsident erklärte, daß das Programm der setz gen Regierung die Zusammenfassung aller großen Parteien sei, um durch sofortige Maßnahmen die gegenwärtige Wirtschaftskrise zu bekämpfen. Auch werde die Regierung es sich angelegen sein lassen, den Zloty zu halten und aus keinen Fall eine neu« Jnflatio n zu- lassen. Die Regierung habe nicht di« Absicht, am Militär- budget besonder« Ersparnisse vorzunehmen, sondern die Budgetrestriktion werde gleichmäßig auf alle Ressorts verteill werden. Bei Besprechung der Auhenpolftik unterstrich Skrzynski die guten Bez«Hungen Polens zu Frankreich, die niemals enger, besser und klarer gewesen seien als jetzt. In unserm Verhältnis zu unseren deutschen Nachbarn, sagte Skrzynski. kam eine Totsache von ungeheurer politischer Bedeutung: Locarno! Ich zweisla nicht, daß sich entsprechend der Bedeutung der dort abgeschlossenen Verträge unser Verhältnis zu Deutschland in einer weise neu gestaltet, die beiden Nachbarn Ztulzen bringen wird. In diesem Geist treten wir aufs neue in die H a n d« l s v e r- tragsverhandlungen mit der Reichsregierung ein, wobei wir wünschen, daß sie in raschem Tempo sortschrciten und bei beiderseitigem guten Willen allerschnellstens dem heutigen Zustand der Dinge ein Ende machen. Zur inneren Politik wieder- bolte der Ministerpräsident das in der polnischen Verfassung niedergelegte Versprechung, alle Bürger des polnischen Staats» auch die fremder Rationalität, gleichmäßig und l i b«- ral zu behandeln. Er schloß mft der Zi sage, das Land aus der gegenwärtigen schwierigen Lage herauszuführen. Di« Rede wurde von den Koalitionsbänken beifällig aufgenommen. In der Besprechung gaben die Regierungsparteien zustimmende Erklärungen ab. während sich die Sprecher der christlichnationalen Großgrundbesigerpartei und der radikalen Bauernpartei Wyzwolenie sowie des d e u t I ch- u k r o i n i s ch e n Klubs gegen die Regierung aussprachen. Der Sprecher der radikalen Bauernpartei forderte sofor- tige Rückkehr Pilsudstis zum Heere. Mehr Freiheit in Ungarn! Abbau der Ausnahmegesetze versprochen. Budapest. 25. November.(TU.) Im Parlament kündigte Ministerpräsident Gros L e t h l e n an, daß die Ueberreste Der Ausnahmegesetze aus der Welt geschafft werden mühten: eine neue Regierungsvorlage zur Regelung des Vereins- und Dersammlun.gs- rechts sowie ein Preßgeseg seien in Vorbereitung.(Man wird ja sehen, ob sie nicht bloß das Ausnahmerecht verewigen sollen! Red.) Wenn auch di« Freiheitsrechte nicht sofort und ohne jeden Uebergong wieder hergestellt werden könnten, wie sie in der Vorkriegszeit bestanden Hütten(diese ungarische„Freiheit* war well- berühmt! Red.), so würden die Ausnahmeversügungen doch erheblich abgebaut werden, wobei in Betracht gezogen werden müsse, daß im Ausland« ein« große Propaganda gegen Ungarn betrieben werde. Aus diesem Grund« könne auch di« Em!» grauten frage nicht vollständig liquidiert werden: doch werde die Regierun» sich sreuen. wenn einzeln« Personen heim- kehren würden: bei der Heimkehr werde ihnen größte» Entgegen- kommen bekundet werden. Ueber die Bodenreform erklärte der Ministerpräsident, daß 850 000 Katastraljoch zur Verteilung ge- langten und die Verhältniszahl des Kiemgrundbesitzes von 44 auf 55 Proz. gestiegen fei. so daß die Demokratisierung d«? ungarischen Ackerbodens fortschreite. Eine radikal« Zerschlagung des Boden. besitzes könne den' nationalen Ivterelfen nicht entsprechen, well die Umgestaltung Ungarn» zu einem Bauernland nicht das Ideal dxr gesunden Besitzverteilung sei. Jedenfalls werde ein« Gesetzesvorlage über die Reform der F i d e i- k o m m i f f e unterbreitet werden. Ver vildung»au»fchuh de» Reichstag» ber'et über den fem RsickSrat verabickiiedeten Gefeyernwurl zur Bekämpfung von Scdmutz und«dbnnd. Die Mebrbeit de» Tu«ichuile4 trat dafür ein, den Geietzeniwurs auf den Schutz der Zugendlichen abzustellen. nicht ober einen Erwachsenenschutz in weitestem Umfange zu entwickeln. Die Regierung warnte, ein« Desinitipn de« Be- griffe« Schmutz und Schund auszustellen. Der eben gewählte tschechische kommuvlstischc Abg. l» n st k. der wegen des bei kommuniftychen Ausschreftungan in Ungvar(Kar. pathen) am 1. Juni 1923 und in Karthau am 30. Juli 1025 begangenen öffentlichen Gewalttätigkeiten zu 1 IahrKerker und zum Verlust des Wahlrechts verurteilt worden war, ist nach Beftötiguno des Urteils durch den Obersten Gerichtshof verhaftet und dem Gericht eingeliefert worden. Gewerkschaftsbewegung Die Unternehmer zur Wirtschaftskrise. Nichts gelernt und nichts vergessen. forderungen und vor der Schmußkonkurrenz anderer Unternehmer.| Berlin- Mitte unter dem 16. November den Beschluß erließ, daz Denkt der Abg. Hugo etwa an eine Art Ermächtigungs. gesez, das die Regierung in die Lage versetzen würde, bestehende Tarifverträge aufzuheben? Diese Trauben dürften etwas hoch hängen. gern zu, daß Dr. Hugo feine Berlängerung der Arbeitss zeit gefordert und auch nichts gegen den Achtstundentag gesagt hat. Das ist immerhin schon etwas. Wir gestehen gern zu, daß Dr. Hugo, wenn auch etwas ver. In unserer Abendausgabe vom 20. November haben wir im schwommen und dunkel, von der notwendigen Rational Leitartikel die Ursachen der Wirtschaftstrise aufgefierung der Betriebe gesprochen hat. Wir gestehen weiter, zeigt und die Unternehmer gefragt, was sie vorschlagen oder zu tun gedenken, um diese Krise möglichst schnell einzudämmen. Bir haben nachgewiesen, daß die gegenwärtige Wirtschaftskrise eine Folge der Inflationsfünden der Unternehmer ist, eine Folge der Aus= plünderung der großen Massen des deutschen Volkes, der Anhäufung von sogenannten Sachwerten durch Industrie, Banken und Landwirtschaft und der Verminderung der Kaufkraft der Massen durch Niedrighaltung der Löhne und Gehälter. Wir haben ausgesprochen, daß diese Politik Schiffbruch gelitten hat und das, wie insbes fondere die gegenwärtige Krise zeigt, eine Abfehr von der seither betriebenen Politik stattfinden müsse. Wir waren mit unseren Erwartungen bezüglich der Antworten ber verantwortlichen Unternehmerkreise nicht übermäßig optimistisch gestimmt. Wir müssen aber schon sagen, daß die Antworten, die bisher vorliegen, eine Ratlosigkeit aufzeigen, die geradezu niederSchmetternd wirft. Zunächst nehmen wir Bezug auf einen turzen Bericht über eine Sigung des großen Ausschusses der Bereinigung der deutschen Arbeitgeberverbände, die am Montag in Berlin Aber wir sehen bislang noch nichts von einem positiven Gedanken, von einem konkreten Vorschlag, um aus der Wirtschaftsfrise herauszukommen. Auf eine Aeußerung der Industrie- und Handelszeitung" vom Dienstag einzugehen, verlohnt sich nicht. Es wird aus unserem Artitel ein gefälschtes Zitat gebracht, und es werden auch sonst Behauptungen aufgestellt, die mit der Wirklichkeit nichts zu tun haben. Aber irgendeinen konkreten Gedanken, wie die Wirtschaftskrise beseitigt werden könnte, wird man auch dort vergeblich suchen. Wir müssen also abschließend feft: stellen, daß die Unternehmer, soweit sie sich zur Wirtschaftskrise bisher geäußert haben, offenbar nichts gelernt und nichts vergessen haben. Ein kommunistischer Demonstrationsrummel. Gegen die Befriedung Europas. stattfand. In dieser Sizung erstattete der Vorsitzende v. Borsig die KPD. durch ihre Zellen zu Freitag nachmittag im Lustgarten Aus verschiedenen Betrieben erhalten wir die Mitteilung, daß ,, einen mit Beifall aufgenommenen Bericht über die Frage der Fach eine Demonstration gegen Locarno organisiert. In arbeiterausbildung". Das ist alles, was man darüber erfährt. Die den Außenbezirken soll zu diesem Zweck schon um 3 Uhr ArFrage der Facharbeiterausbildung ist zweifellos wichtig. Zur Be- beitsschluß eintreten. Zur Verstärkung der Demonstration foll hebung der Wirtschaftskrise wird selbst die Lösung dieser Frage kaum auch bei den rechtsradikalen Kreisen Anschluß gesucht etwas beitragen. Anschließend daran gab Dr. Tänzler in seinem Tätigkeitsbericht ein umfassendes Bild über die gesamten Fragen, mit denen fich die Arbeitgeberverbände in der jüngsten Bergangenheit zu be faffen hatten". Es war also eine Art Generalbericht ohne eigentliche Stellungnahme zu den Problemen. Nur zu einem Punkt hat der Syndikus der Vereinigung, soweit ein Bericht darüber vorliegt, eine eigene Meinung geäußert. Wir hatten eine Mitteilung der Beko" abgedruckt, wonach der bekannte Dr. Meisinger fich geäußert haben soll, daß die Unternehmer heute nichts mehr gegen die Erhöhung der Beamtengehälter einzuwenden hätten. Diese Mitteilung Meisingers dementiert sein Rollege Tänzler. Danach ist jede Erhöhung der Beamtengehälter für die Unternehmer nicht tragbar". So verlockend es auch erscheinen mag, auf die merkwürdige Art einzugehen, daß eine Aeußerung des einen Syndikus der Vereinigung durch den anderen Syndikus demen tiert wird, beschränten wir uns ganz einfach auf die Feststellung, daß für die Bereinigung der deutschen Arbeitgeberverbände jede Stärkung der Kauftraft der Massen, somit jede wirkliche Linderung der Wirtschaftsfrise nicht tragbar" ist. Etwas ausführlicher ist ein Vortrag des Dr. Otto Hugo in der Bollversammlung der Industrie- und Handelskammer zu Bochum, die gleichfalls am Montag stattfand. Dr. Hugo ist der erste Syndikus der Handelskammer und Abgeordneter der Deutschen Volkspartei. Er beschäftigte fich in seinem Vortrag ausschließlich mit der Wirtschaftstrife. So sagte er unter anderem: In erster Linie steht die Kapitalnot und damit die Be chaffung des Kredits. Hier fann aus dem Innern heraus nur Soweit geholfen werden, als die öffentlichen Gelder langfristig der Wirtschaft zu produktiven Zwecken gegeben werden. Die Hebung auder Kreditfähigkeit Europas und Deutschlands vermag erst den eigentlichen Wandel zu schaffen. Aber die Kredite werden nur tommen und können uns aus der Not nur helfen, wenn sie tat sächlich produktiv gemacht werden, d. h. menn sie nicht wieder aufgezehrt, sondern der tatsächlichen Wieder herstellung der Gütererzeugung dienen. Der Weg diefer Wiederherstellung der Boduktivität geht nur über die Ver. billigung der Waren. Mit Stillegungen und Kurzarbeit läßt sich die Wirtschaftskrise nicht überwinden, sondern dadurch wird sie von Tag zu Tag gefährlicher. werden wenden, wenn die KPD. sich nach den Deutschnationalen und BölWir haben felbstverständlich nicht das geringste dagegen einzu tischen eine Blamage holt. Sie fann unseretwegen allein oder mit den Stahlhelmern demonstrieren, soviel sie Luft hat. Wenn wir von der Absicht der Kommunisten Kenntnis nehmen. so geschieht das einzig zu dem Zweck, um die Anhänger der freien Gewerkschaften vor jeder direkten oder indirekten Beteiligung nachdrücklichst zu für Locarno, weil damit endlich der Anfang einer BerWir sind für Bocarno! Und zwar sind wir deshalb ständigung mit den ehemaligen Feinden Deutschlands auf der weil die Garantieverträge im Osten und Westen die Kriegs: Grundlage der Gleichberechtigung gemacht ist. Wir sind für Locarno, gefahren sehr start herabmindern, wenn nicht gänz lich ausschließen. Wir sind für Locarno, weil die Befriedung Europas die Berausjegung zur wirtschaftlichen Bereinigung, zur 3ollunion und damit zum Wiederaufbau des zerstörten Wirtschaftskörpers Europas ist. Benn die Kommunisten, die noch vor wenigen Monaten die SozialWir sind stets für diese Politik der Verständigung eingetreten. demokratie und die Amsterdamer Gewerkschaften wegen ihres Bazifismus verhöhnfen, heute plöglich behaupten, daß diese Bazi fiften begeisterte Kriegstreiber wären, so weiß jeder, daß die Kom munisten so handeln müssen, weil sie von der russischen Negierung dazu den Befehl erhalten haben. Es ist Sache der jeweiligen Bonzen der KD., von Moskau Befehle entgegenzunehmen. Die deutsche Arbeiterschaft lehnt solche Befehle ab und lehnt es vor allen Dingen ab, sich zu Demonstrationen herzugeben, mit denen sie ihre ureigensten Bestrebungen Lügen strafen würde. " Skandalöse Behandlung städtischer Angestellten. Man schreibt uns: Schon oft wurde im„ Borwärts" darüber berichtet, daß in den städtischen Kranken- und Pflegeanstalten nicht alles getan wird, um das Personal vor anstedung zu schüßen. Einschränkung des Badens, ungenügende Schußkleidung, zulange Arbeitszeit, unhygienische Wohnungen, Mangel an Bersonal und damit ueberarbeitung des beschäftigten Personals, find die Gründe, weshalb Infeftionen, andere Erkrankungen, Selbstmorde bzw. Selbstmord versuche in erschreckender Weise zunehmen. Wie man mit den Opfern dieser falschen Sparsamkeit umspringt, soll an einem Beispiel dargelegt werden. Soweit tönnte man dem Syndikus der Bochumer Handelsfammer zu stimmen. Mit welchen Mitteln aber will er die Berbilligung der Waren herbeiführen und was schlägt er vor, um die Produktivität der Betriebe zu erhöhen? Man höre und staune: Es muß unbedingt und ohne Rücksicht auf politische Vorurteile den mittleren und fleinen Unternehmern die Möglichkeit gegeben werden, mit ihrer Arbeitern und Angestellten eine Not arbeitsgemeinschaft unter- Ausschaltung des Tarifverweigert, da die Schwester für den Dienst nicht mehr zwanges dort zu schaffen, wo die Waren verbilligt werden müssen, um verfäuflich zu werden.... Denn für die zu den bisherigen Löhnen kaum noch abfagfähigen oder stillgelegten Betriebe bedeutet die schematische Herauffezung der Löhne ein weiteres Absterben der Betriebsfähigkeit und ein weiteres Anschwellen der Arbeitslosigkeit. zur Also Lohnabbau zur Hebung des Absages! Das heißt eine weitere Verminderung der Kauftraft, um bie Wirtschaftskrise zu heben. Herr Dr. Hugo, der, wie schon bemertt, auch im Reichstag sigt, fagt uns leider nicht, mit welchen Mitteln er die Tarifverträge beseitigen will. Es wird auch ihm nicht unbekannt sein, daß solche Verträge von den Unternehmern nur abgeschlossen werden, erstens weil sie nicht anders können und zweitens weil ein bestehender Vertrag auch sie schützt vor plötzlichen Lohn die Antragsgegnerin gehalten ist, der Antragstellerin bei Bermei dung einer von dem Gericht noch festzusetzenden Strafe Bettwäche und Handtücher zu liefern". Also wurde die Wäsche wieder verabfolgt. Um aber das Maß voll zu machen, entzog man der Schwester die Heizung. Würden nicht andere mitfühlende Schwestern sich ihrer Kollegin annehmen, so müßte diese frank und elend in ungeheiztem Zimmer liegen. Es ist nicht anzunehmen. daß die zuständige Stelle des Magistrats von diesen Vorgängen Kenntnis erhalten hat, denn die hier zutagetretende Brutalität fann faum von dem reaktionärsten Brivatkapitalisten überboten werden. Gemeindebetriebe aber sollen Musterbetriebe sein. Um so mehr ist wohl die Frage gestattet, was der Magistrat gegen den Waisenhausdirektor zu tun gedenkt. Dabei ist in Betracht zu ziehen, daß der hier geschilderte Fall nicht der einzigste ist. Einige andere beschäftigen zurzeit noch die Gerichte. Urabstimmung bei der Straßenbahn. Gestern abend nahmen die Funktionäre der Straßenbahn im Metallarbeiterverbandshaus Stell na zu dem Ergebnis der freien Berhandlungen mit der Straßenbahndirektion am 20. November. Nachdem Hiller vom Verkehrsbund den Gang der Verhandlungen geschildert hatte, wurde nach einer eingehenden Diskussion die Ber einbarung von den Funktionären abgelehnt. Die Bediensteten der Straßenbahn werden durch eine Urabstimmung, deren Stattfinden noch befannt gegeben wird, darüber zu entscheiden haben, ob sie die Ansicht der Funktionäre teilen und die Bereinbarung ebenfalls ablehnen. Des weiteren wurde die bereits eingereichte freigewerf. geben und ohne Widerspruch von den Funktionären gut geheißen. schaftliche Liste zur Betriebsräte wahl bekanntge Erfolgreicher Streif. Durch Verhandlungen vor der tariflichen Schiedsinstanz für das Schwerfuhrwerksgewerbe ist der Streit der Fuhrleute bei der Firma Pollat. Fubroeichäft, Dugomftr. 51, beigelegt worden. Die Firma bat fich verpflichtet, den Tarifvertrag für das Fuhrgewerbe anzuerfennen, den beteiligten Areimehmern die ihnen zustehenden und bisher vorenthaltenen Bezüge nachzu zabien und zwar 20 M. für jeden am Streit Beteili ten Die Arbeit wird beute früh wieder aufgenommen. Alle am Streit Beteiligten segen das alte Arbeitsverhältnis ungefd mälert fort. Falls die Firma durch die Betriebelage gezwungen ist, Arbeitsfiredungen vorzu nehmen, wird sie es nur unter Hinzuziehung der Betriebsvertretung tun. Als Abfindung für die Streiftage erhält jeder Damit sind die Arbeitnehmer eine Entschädigung von 5 M. rieb aufgehoben. Differenzen bei der Firma eiledigt und die Everre über den Ve Notstandsbeihilfe für fächsische Staatsbedienstete. Dresden, 25. November.( WTB.) Die Nachrichtenstelle der Staatskanzlei teilt mit: Im Hinblick auf die schwierige Wirts schaftslage haben die zuständigen Ministerien des Innein und der für alle Resorts für den Rest des Rechnungsjahres 1925 erheblich Finanzen die im Haushaltsplan vorgefchenen Unterfügungsfonds veritärtt, um im Wege von Unterstützungen und Notstandsbeibilien insbesondere den in Not geratenen Vermien der unteren Besol dungsgruppen und sonstigen Staatsbediensieten in den kommenden Wintermonaten wirl am helfen fönnen. Entipred er de Anweisungen sind den Behörden und Dienststellen bereits zugegangen. Bertagte Verhandlungen im oberschlesischen Bergban. Berlin, 25. November.( TU) Unter dem Vorsiz des Schlich ers in Oberschlesien, Oberregierungsrat Dr. Brandes, fanden ant 23. November in Gleiwiß erneute Verhandlungen fiber Löhne, Arbeitszeit und Manteltarif im oberichlesi chen Steinloblen und Die Bergarbeiterverbände haben befannilich Erzbergbau statt. gegen den Lohnichiedsspruch vom 2. September, der sich für die Reibehaltung der Säge des gegenwärtigen Tarifes entschied, Einspruch und erneut die Forderung auf eine 20 prozentige Lohnerhöbung erhoben. Darüber hinaus baben sie auch das gegenwärtige Arbeitszeitablommen zum 1. Dezember gekündigt. Die Fortießung der bisherigen ergebnie lofen Verhandlungen wird, wie der Industriefurier" berichtet, in den nächsten Tagen wieder im Revier stattfinden, nachdem die Schlichtung fammer ursprüng lich beabsichtigte, sie im Reichsarbettsministerium in Berlin weiter zu führen. Achtung, Studgruppe! Wegen rückständigen Lohnes baben die Rabigpuzer und Spanner die Arbeit auf der Baustelle Saalbau Schweizergarten eingestellt. Die Kollegen werden gewarnt, dort Arbeit anzunehmen. 目 Actung, Schmarktonff. Scheringstraße! Fraktionssikung der GND. heute 24 Uhr bei Regenberg, Gartenstraße. Alle Genoffen müffen erscheinen. Der Fraktionsvorstand. Vor längerer Zeit zog sich eine Schwester im städti schen Waisenhaus in der Alten Jakobstraße eine Infettion zu. Es war damals eine fleine Ruhrepidemie ausgebrochen; die Stationen waren flart überlegt, das Personal jedoch nicht vermehrt worden. Die Folge der Infektion war ein langes Sie di tum und schließlich Gewährung einer Unfallrente von 48,55 mart monatlich. Eine Weiterbeschäftigung wurde geeignet sei. Damit nicht genug, wurde sie aufgefordert, ihr im Waisenhaus gelegenes 3immer zu räumen. Als sie darauf aufmerksam machte, daß sie dann auf der Straße verkommen müßte, und darum bat, solange wohnen bleiben zu dürfen, bis sie eine und darum bat, solange wohnen bleiben zu dürfen, bis sie eine Die Fraktionen Amsterdam der Verbände der Nahrungsandere Unterkunft gefunden habe, wurde ihr rücksichtslos das elektrische Licht abgeschnitten. Die Schwester, die nicht etwa unentgeltlich wohnt, sondern der man den dritten Teil ihrer Unfallrente für Miete abnimmt, erwirfte am 11. November beim Amtsgericht Berlin- Mitte einen Beschluß, wonach der Antragsgegnerin verboten wird, die Antragstellerin in dem Gebrauch ihres Zimmers, insbesondere durch Entziehung des Lichtes zu hirdern oder in sonst einer Weise zu stören“. Nachdem man, der Not gehorchend, die Lichtleitung wieder hergestellt hatte, nahm man der franken Schwester die Bettwäsche fort und gab dieselbe erst wieder heraus ,, als das Amtsgericht und Genußmittelarbeiter und der Fleischer tung einberufen, in welder der Genoffe Calomon Schwarz über das Thema haben zu Sonnabend nm 7 Uhr ins Gewerkschaftshaus. Saal 1, eine Berfamm ,, Waum werben Rußlands Freiheitskämpfer ausgewiefen oder in Gefängnißen gerned tet?" fprechen wird. Berbandsbuch und Parteimitgliedsbuch der STD. oder USPD. legitimiert. Der Fraktionsvorstand. Berantwortlich für Politif: Ernft Reuter: Wirtschaft: Artur Saternus; Gewerkschaftsbewegung: Friedr. Ekkorn; Feuilleton: R. S. Döscher; Lokales und Sonstiges: Friz Karstädt: Anzeiger: Th. Glode; sämtlich in Berlin. Berlag: Borwärts- Berlag G. m b. S. Berlin. Drud: Borwärts- Buchdruderet und Berlansanstalt Baul Ginger u Co. Berlin SB 68 Birhenitraße 3 Sierzu 2 Beilagen ,,, Unterhaltung und Biffen" und Frauenstimme". SABA GARBÁTY KÖNIGIN VON SABA NACH WIE VOR SABA SABA 4 P PFENNIG JACOBY BOY SABA GARBÁTY GOLD- SABA SABA Nr. 55S ♦ 42. Jahrgang 1. Heilage öes vsrVärts Donnerstag, 26. November 7�25 „Da draußen, stets betrogen, favst die gclchüst'ge Well", da draußen brandet das Leben in wilden Wogen bis hoch hinauf zu den Zinnen und Türmen der Häuser, da hasten die Menschen, da heulen die Autos, da poltern die Wagen ihren Zielen zm In tausenderlei Gestallen ein Wille ein Wunsch, ein Karneval des Goldes, ein Totentanz, aber drinnen, hinter den Mauern der Häuser, da bildet sich Menschenschicksal, da fallen die Masken. Was draußen der Lärm der Straße übertönt, ktingi hell in die Stille der Höfe. Freude und Schmerz, Liebe und Haß. Berliner Höfe.- Finstere Schlünde der Not, stille Inseln des Friedens, rauch- geschwärzte Stätten der Arbeit, altersgraue Zeugen einer versunkenen Zeit. Berlin kennt nur, wer seine Höfe kennt, wer mit liebenden Augen in sie hineinschaut und ihr eigenes Leben versteht. ?m preletar'erviertel. Eine der endlosen Straßen des Nordens, ein Haus wie das andere, vergeblich suchen die müden Augen nach Abwechselung, Fensler reiht sich an Fenster, Laden an Laden, Bäcker, Destillen, Schlächter, Ziganengeschäile, Friseure, Eis-„Saions", Lumpenkeller, ein Kino mit brüllenden Reklamen und wieder ein Berliner Kindl, ein Schultheiß,„der grobe Ostp-euße",„der gemütliche Emil",„die sidele Lindenwirtin" und weiter in ewiger Gleichförmigkeit, bis sich in der Ferne der Dunst der Straße mit dem Qualm der Eisenbahn- züge, die wie schwarze Gespenster am Horizont dahinhuschcn, oer- bindet. Heber brüchigen, ausgetretenen Zementboden gelangt man o-f d>-n kleinen, fast quadratischen Hos. Rings ragen mit gewaltigen Mauern und tausend Augen graue Häuser gen Himmel, in einer Eck? stehen drei übervolle Müllkästen, daneben ein verwitterter Hand- wagen und ein paar alte Kisten, die Sonne bemüht sich vergeblich, den Grund dieser Stcinschlucht zu erleuchicn, in der hunderterlei Ge- räche, Gelächter, Geschrei, heulendes Keifen, kindliches Lallen, trunkenes Johlen, quarrende Grammophonmusik, die neuesten Schlager, schwermütige Volkslieder durchcinrnderwirbeln, deren stickige L4t wie mit Bleigewichten beschwert auf den matten Lungen lastet— nichts, woran das Auge sich erfreuen könnte?—'Doch! An vielen der Fenster hängt ein bunter, kleiner Garten, liebevolle Pflege uerrateno und nicht zuleszt Sehnsucht nach Licht und Luit, nach blühender Heide und raunendetn Walde, die das steinerne Meer nicht erdrücken könnt? Da wohnen nun b? Partrien eng beieinander. Draußen eilen dir Menschen gleichgüllig aneinander vorüber. Hier kennt einer den andren, hier bliT't der k'alsch wie Im k'''n'ken Darse. hier nimmt man Anteil am Geschick des Nachbarn im Gute» o.er Bösen. Geburt und Tod Wiege und Grab werden zu wichtigsten (.eignissen, ein neues Kleid, ein Krach bei Schulzens bilden den Gesp.ächsstoff von Tagen und jeder weiß von jedem, was er kocht. A.e, die da wohnen, hat ein hartes Schicksal geknetet, alle arbeiten schwer sürs tägliche Brot und hoffen kaum bis zum nächsten Tage und als ewige Mahnung zieht der schwarzblaue Rauch der Fabrik- s' lote in dicken Schwaden über das winzig kleine Stückchen Himmel. Eine ärmliche Stube, eine schmale Küche, der enge graue Hof, die Haustür als abendlicher Palaverplaß, vielleicht noch die Bank auf dem Platz mit den schwindsüchtigen Bäumen und das Kino an der i Ecke, für die AInder der Rinnstein, die Granitplatten des Bürger- steigs, von einem weisen Magistrat für..Walserzeck" und„Himmel und Hölle� geschaffen, und die herrlichen Kellergitter, unter denen unermeßliche Schätze an Sechsern und Knöpfen der Hebung durch, krummgebogene, an eine Latte gebundene Lössel harren— das ist 1 ihre Welt, das heißt eine Welt! Menschensehnsucht in engen Käfig gepfercht.— Und dann Kinder! Kinder überall, Kinder an jedem Fenster, Kinder auf der Straße. Ihnen ist das harte Pflaster ein blühendes Märchenland, ein Kinderhiinmel, daß es doch nie zur Hölh würde!! Ds» öen onü-ren... Ein vornehmes Haus in einer stillen, grünen Straße, davor ein kleiner Garten mit blühenden Rosen, gegenüber der große Park, ganz aus der Ferne tönt der larsendsältige Cänn der großen Stadl herüber, nur selten ein harter Schritt, zwei„Mädchen für alles" stehen mit Henkclkörbcn an der Ecke und plauschen. Keine Kinder, keine heulenden Autos, kein wirbelnder Staub— die Zeit scheint hier stillzustehen, an einem schmiedeeisernen Gitter langweilt sich ein strahlend blauer Briefkasten, nebenan gurren Tauben, gackern echte Italiener,..Prinz" heult sehnsüchtig„Dma" nach und rasselt traurig mit der Rickelkelie, vor vielen Fenstern liegen ieste Rolljalousien.— Ucber schwarzwciße Marmorquadrate, durch eine schwere Eichentür mit blitzenden Messinggriffen, an einer mißtrauisch blinzelnden Portierloge vorbei auf den verträumten Hof, ein kleiner Rasen- vlatz mit weißen Kacheln gesäumt, darauf ein schwermütiger Lebens- bäum, nur wenige Fenster ringsum, alle mit großen Spiegelscheiben in ernster Würde glänzend, kein übler Geruch, kein aufdringlicher Müllkasten, nur an einem Fenster ein großer Strauß Feuerlillen, und es ist so still, der Kanarienvogel im„Porticrsoutcrrain" zwitschert verschlafen, der Graupapagci im ersten' Stock kreischt zuweilen ein unverständliches Wort, halblauter Gesang eines Mädchens, der bald wieder verstummt, Geschirr klappert, irgend jemand hustet, dann wieder Stille, weither eine Autohupe, kein wilder Schrei der Sehnsucht, Haß uno Liebe, Freui e uno Schmerz wohl temperiert, vorsichtig in Watte gehüllt, daß niemand erfahre, wie es im Innern auesiebl. Jeder lebt für sieb, m"» siehi sich, man grüßt sich und schweigt sich aus— jeder hütet sein Schicksal wie ein großes Geheimais, man lebt nebeneinander, nie mitein- ander. Und dann wenig Kinder, sie ipiclen nicht„Himmel und Hölle" und„Wasscrzcck", augein nicht nach verlorenen Sechsern, ach, wie gerne möchten sie das, ihr Kinderhimmel ist voll entthronter Götter, denn für ein richiwes Kind ist eine leere Streichholzschachtel oft wundervoller als die komplizierteste Eisenbahn. Jabrikhöft. Bier Höfe hintereinander. Hnchbepockte Wagen rollen donneriid durch die Enge der Torwege, Lasten stürzen polternd zu Boden, lchweißtiicsende Männer schieben kleine Karren hin und her, wälzen riesige Ballen zu den Auszügen, schieben Wagen bciscirc, schaufeln Kohlen, Frauen, junge Mädchen mit weißen Tüchern um den Kops laufen geschäftig durcheincinder, lachen, kichern— kräftige Worte fliegen voir den Männern herüber und kehren ebenso kräftig zurück, dazwischen hupen Lastautos, fluchen Kutscher, schrillen Glocken, brausen unzählige Maschinen, stanipsen, heulen, kreischen, surren und singen ein inseenalisches Konzert, und über allem liegt schmesel- gelber Dunst, weißblauer Dampf, brauner dicker Qualm. In einer Ecke hat sich ein Leierkasten etabliert und dudelt in schmelzenden Tönen.„Nur eine Nacht sollst du mir gehören"— wer singen kann, singt mit, und die anderen erst recht— mit anzüglichem Lächeln die meisten— manche aber mit einem seltsam weltfremden Blick in den Augen, ungestillte Sehnsucht, die aus Qualm und Schmutz und Schweiß hinausfliegt ins Märchenland der Wolkenburgen, der Worte nicht achtend, allein durch die Töne fortgeführt ins Reich ewig unerfüllter Träume. Vergangenheit... Ein großes Portal mit kunstvollem Gitter, ein weiter hos mii holperlgem Pflaster, ernste graue Gebäude, spitze Giebel, von dicken Quadern umrahmte Fenster, zwischen den Steinen wächst Gras und goldgelber Löwenzahn— die Zeit ist tot!— Jahrhund-rte? Ein Nichts! Aus der Tür wr Rechten tritt ein kleiner gebeugter Mann im blauen abgeschabten Rock, bleibt sinnend mitten auf dem 5)ofe stehen, streicht mir der Hand über die hohe Stirn, als wollte er finstere Gedanken bannen, die weit in die Vergangenheit gehen. Gras wächst zwischen den Steinen und goldgelber Löwenzahn.— Viele Geschlechter gingen dahin, der bunte Wechsel menschlichen Lebens zog vorüber, ernst blicken rings die grauen Häuser. Sie sahen zu viel, um sich zu wundern. Einzichung von Nentenbankscheineu. Durch Bekanntmachung vom 24. November 1925 ruft die Deutsche Nentenbank die R e n t e n b a n k s ch e i n e zu 19 Ren- t e n m a r k— ohne Kopfbildnis— mit dem Ausfertigungsdatum 1. November 19 2 3 zur Einziehung auf. Die aufgervsenen Scheine können bei den mtentlichen Kassen noch bis 31. Dezember 1925 in Zahlung gegeben, vei den Kassen der Reichs- dank aber bis 39. April 1926 gegen andere Rentenbankschcine odek gegen gesetzliche Zahlungsmittel"umgetauscht werden. Mit Ablaus des 3 9. April 1926 werden die"ausgerufenen Rentenbank'cheine kraftlos, und es erlischt damit auch die Umtausch- und Einlösungs- Pflicht der Deutschen Rentenbank. An Stelle der durch diese Ve- kanntmach-.-ng aufgerufenen Rentenbankschcine gelangen neue Scheine zu 19 Rentenmark vom 3. Juli 1925— mit dem Kopfbildnis einer Landfrau—, wie solche sich bereits seit September 1925 in, .Verkehr befinden, zur Ausgabe. Sozlaldrmokrolische Skudenlcni Wir bitten die Genossinnen und Genosien herzlichst, unseren Mitgliedern, die zur Zeit iiiiincr noch ohne Wohnung sind. Zimmer anzulveisrn. Tie Adressen sind zu senden an: Neinefeld. Köpenick. Nabenstclnsir. S. 291 Die Passion. Roman von Clara Riebig. Als der Sommer nahte, hatte Eva Llussicht, mit in eine Ferienkolonie an die Oftsee zu kommen. Das würde ihr sehr gut tun. Olga hoffte darauf, und auch Eva hoffte. Sie hatte aus der Schulbibliothek ein Luch mit nach Haufe gebracht, darin stand eine Geschichte vom Meer. Die las sie, wenn sie a-f einer Bank im Tiergarten faß, und die Stunden verrannen ihr darüber wie Minuten. Wenn der Wind in den hohen E-chen und Rüstern des Parkes rauschte, glaubte sie, das Meer rauschen zu hören: segelte ein losgerissenes Blatt durch die Luft und sank vor ihr nieder, so schnellte sie auf: ein Fisch, ein Fisch! Jeder Kiesel war ein Stück Bernstein, jedes Schneckenhaus eine Muschel mit einer kostbaren Perle darin: und die Menschen, die da drüben jenseits des großen Rasens vorübergingen, das waren Schiffe aus fernen Welten, stolze Fregatten mit geblähten Segeln, mächtige Dampfschiffe, deren Maschinen schnaufend arbeiteten, kleine Kähne, die nach» gezogen wurden. Sie alle glitten an ihr vorbei, erschienen und vers.< wanden am Hori'vnt. Und sie selbst war das Wesen, das unten im Wasser wohnte, das auftauchte, niedertauchte und den Knaben mit sich hinabzog, der ihrem Smgen ver» traute. Ach, wenn sie nur erst in Wirklichkeit im Meerwasser baden könnte! S'e konnte es nicht erwarten. „Ich würde Eoa'n nicht mit an de Ostsee geben," sagte Frau Vullmann. Sie war eine eingefleischte Berlinerin, n'rgendwo war es besser.„Wenn's denn absolut Wasser sein muß, dann schicken se ihr doch in de Bolksbadeanstalt. Oder«n de Krumme Lanks. Da sind Badehäuschen, da kann ihr nischt passieren. Aber an de Ostse»'?.Man ja nich!" Auch Wilkowski riet ab. Er fand Eva sehr zart, jedenfalls zu zart für einen-solchen Masscnbetrieb. Der Bruder war ganz unvermutet an einem Sonntag herangekommen, als er m.'t seiner Fanulic einen Ausflug nach dem.Zoologischen gemacht hatte. Die anderen fuhren mit der Stadtbahn nach Hause, er kam hier vorbei. Das Gewisien statte ihm geschlagen: so lange sich nicht um die Schwester?n kümmern! Nun Frau Ella nicht zugegen war, war er wieder der alte, gutmütige Stefan. Olga freute sich aufrichtig: es hatte sie oftmals zum Bruder gezogen, aber ihr Siolr verbot ihr, hinzugehen: sie hatten es ihr doch zu nbscheutich gemacht, sie war niemals mehr in der Alexanderstraße gewesen. Nun bat sie:„Bleib bei uns zum Abendessen!" Sie brachte herzu, was sie nur irgend hatte, und Eva lief ins Restaurant an der Friedrich- Wilhelm-Vrücke und holte ein Seidel Münchener. Sie zeigten es ihm, daß sie sich freuten. Er fand die Wohnung ganz nett, am hellen Tag, wenn von außen mehr Licht hineinkam, mußte sie sogar sehr nett sein: besonders nett aber fand er feine Schwester als Hausfrau. Wie zierlich hatte sie alles her- gerichtet, aus Wenigem schnell ein Biel gemacht! Das war wieder die Olga, von der der Vater immer so viel des Rühmens gewußt halte. Er lachte:„Du solltest dich noch verheiraten!" Sie wurde rot:„Ich denke nicht dran." Da wurde er ernsthaft:„Aber warum denn nicht? Einer i Dummheit wegen dein ganzes Leben vertrauern? Du könntest 'neu Mann wirklich glücklich machen und selbst auch glücklich sein. Und für die Eva wäre cs sicher die glücklichste Lösung." Für Eva die glücklichste Lösung— die Worte des Bruders gingen ihr lange durch den Kopf. Ja, das wäre es vielleicht: die glücklichste Lösung. Dann hatte ihre kleine Eva den Vater, nach dem sie sich schon oft für die gesehnt hatte. Sie brauchte dann auch nicht mehr heimlich zu zittern für das eigene Leben, so bange zu sein. Außer ihren zwei Augen waren dann noch zwei Augen da. die auf das Kind schauten. Aber sie würde nur einen heiraten, der gut, aufopfernd gut zu Eva war. 10. Eva war an der Ostsee. Olga hatte sich nach längerem Zaudern dam cntscblossen. Sie war io ungewiß gewesen und hätte Eva, die Tag und Nacht quälte, dieses Mal nicht nachgegeben, wenn Fräulein Mefaß ihr nicht ernstlich zuge- redet hätte:„Lassen Sie Eva mitgehen, es wird ihr gut tun. Lasten Sie sie doch einmal ganz Kind unter Kindern sein. Das ist noch mehr wert als die Seeluft. Es gehen zwei tüchtige Helferinnen mit dem Transport. Fräulein Müller ist mir persönlich bekannt, ich werde ihr Eva besonders ans Herz legen." Olga hatte das Kind, seit es lebte, viele Jahre fremden Händen überlasten müssen, es war ihr nichts Ungewohntes, ihre kleine Ena tagelang nicht zu sehen, die gan'e Woche nicht. aber dieses Mal war es für sebr lange. Viele Wochen sollten die Kinder dort bleiben. Die Schwachen und die Bedürftigen waren ausgesucht wordm. eine gründlich? S'ärt"nq sollte ibnen zuteil werden. können ganz rnhi-z sein." halte die Lehrern gesagt: aber die Mutter war doch nicht ruhig. Eva fieberte in der letzten Nacht vor der Abreise. Die Mutter hatte ihr kalte Kompressen gemacht aus das Herz, auf die Stirn, und sie zu sich ins Bett genommen. Es war das Fieber der Erwartung, der Freude, das Eva gepackt hatte. Ans Meer, ans Meer, eine große Reife! Nie war Eva so schnell in die Kleider gekommen, nie hatte ihre Stimme so fröhlich geklungen. Olga behielt noch lange das Bild vor Augen, wie ihre Kleine sich zum Kupee- fenster hinausneigte und winkte, immerzu noch selig winkte. Das rote Kleid stand ihr niedlich, niedlich der weiße Helgo- länder, der für die See angeschafft worden war. Keines der anderen Kinder war gleich hübsch gekleidet. Und ausgerüstet war Eva wie eine richtige Reisende: mit einem Handkoffer, einem Lodencape für schlechtes Wetter, einer Thermosflasche und einer Blechbüchse mit viel zu vielen Butterbroten. Auch mit einem grünen Blecheimerchen nebst Spaten und Holz- schaufel zum Sandschippen und Burgenbauen. Olga hatte sich sehr verausgabt: nun sie allein war, würde sie sparen. Sonst kochte sie sich, wenn sie abends aus dein Geschäft kam, noch ein warmes Essen— schon Eoas wegen—, nun würde sie das selbstverständlich wegfallen lassen. Es war Sonntag, als die Kinder abreisten. Olga brauchte nicht ins Geschäft. Noch war der Zug nicht außer Sehweite, so gähnte schon um sie die Einsamkeit. Ob ste ein- mal zu den Wilkowskis ging? Der Bruder hatte sie bei seinem Besuch aufgefordert:„Komm doch auch mal," aber nein, so einsam war sie doch nicht. Ohne daß sie es sich weiter überlegt hatte, wanderte sie jetzt die Chaussecstraße hinunter und dann in die Friedrichstraße. Sie ging lang- sam: es war noch sehr früh. So zeitig durite man wohl noch nicht in die Rosmarienstraße kommen. Sa zeitig nicht— nein! Als ihr das einfiel, stieg ihr eine Röte ins Gesicht. In dem schon alten, abgebrauchten Haus, das an sich nichts Ein- ladendes hatte, stieg Olga die zwei Treppen zu Fräulein Helenes Wohnung hinan. Mit jeder Stufe wurde sie lang- samer, sie hatte ordentlich Angst: wenn ihr etwa noch jemand begegnen würde?! Aber totenstill blieb es auf den Treppen. Dies Haus war ein Geschäftshaus, und heute war Sonntag. Als sie leise klingelte, zeigte sich innen am Guckloch ein Auge; dann wurde aufgemacht, aber nur spaltbreit, die Sicherheits- kette blieb noch vorgelegt. „Ach so!" Die Wirtin, in einen schlampigen Morgenrock gehüllt, die Haare noch unfrisiert, sträbnig um den Ko�f hängend, erkannte d'e �--'«�d-n istrer M'-lle-'n t''"her: nr dt- Mir n n t">. Ja. misstn 3?. cIt Fräulein ichläst noch. Sie ist erst spät zu Hause gekommen. Ich lasse sie gerne ausschlafen, wenn sie mal Zeit hat." 'Fortsetzung folgt.) Hermann Weyls Einäscherung. Gestern nachmittag 3 Uhr fand die Einäscherung des Genoffen Hermann Weyl im Krematorium Gerichtstraße unter großer Beteiligung aus allen Kreisen der Bevölkerung statt. Die Zahl der Leidtragenden mar so groß, daß sie der Raum des Krematoriums nicht zu fassen vermochte. Man sah unter den Anwesenden Ministerpräsidenten Genossen Braun, den Berliner Bürgermeister Scholtz in Bertretung des Oberbürgermeisters Böß, Vertreter der Fraktionen, der Aerzteschaft und zahlreicher anderer Organisationen. Der Sarg lag aufgebahrt unter Bergen von Kränzen mit roten und schwarzrotgoldenen Schleifen. An den Seiten der Bahre stand das Reichsbanner als Ehrenwacht. Die Trauerrede hielt der Bruder unseres verstorbenen Genossen, Dr. Mar Weyl. ,, Was war Her= mann Weŋl? Ein Arzt, aber nicht nur ein Arzt, der die Krank heit durch eine einfache Medizin zu heilen versuchte, er war mehr, er jah die sozialen Mißstände, die die Krankheiten verurs litt bestiegen hatten. Bermutlich werden fie versuchen, im Getriebe der Großstadt unterzutauchen. Es find Burschen von etwa 18-20 Jahren. Mitteilungen nimmt Kriminaloberinspektor Gennat im 3immer 105 des Polijeipräsidiums entgegen. Stadtverordnetenfraktion. In der heutigen Sihung der Stadtverordnetenverjammlung erfolgt außer der Borsteherwahl die erste Wahl eines Siebzehnerausichuffes. Diele Wahl ist maßgebend für die Verteilung der Sitze in allen Deputationen. Jedes Mitglied der Stadtverordnetenfrattion muß pünktlich um 5 Uhr zur Sigung erscheinen. „ Deutschnationales" Stellenvermittlungsgeschäft. Beginn wir am Dienstag in der Morgenummer berichteten, wurde In dem neuen Stellenvermittlerprozeß, über dessen am Mittwoch besonders in die Vermittlungsgeschäfte des Reichs bundes deutscher Aufseher und Vorschnitter" hin eingeleuchtet. fachten, seine Wahrheits- und Menschenliebe führten ihn zum Sozialismus. Beyl war ein Kämpfer und Arbeiter von Jugend an, er fannte feine Müdigkeit, kein Ermatten, er stellte die größten Anforderungen an sich und erfüllte sie Bundes keine nennenswerte Tätigkeit ausgeübt haben, aber die Der Angeklagte Knobel mill als Geschäftsführer dieses dank seiner großen Energie. Sein mitfühlendes Herz trieb ihn zu Staatsanwaltschaft ist der Ansicht, daß er über dort vorgekommene den Armen, ihnen wollte er in jeder Beziehung ein Helfer sein, und Ungefeßlichkeiten wohl unterrichtet war. Der„ Reichsbund", der oft um den Dahingeschiedenen trauern nicht nur die Angehörigen und das Deutsche“ und„ Deutschnationale" betont hat, sollte ein engerer Freundes- und Parteikreis, sondern alle die vielen nach feinen Satzungen nur seine Mitglieder, deutsche Aufseher und Tausende, denen er im Laufe seines arbeitsvollen Lebens helfend Vcrschnitter, in Stellungen unterbringen. Durch die Beweiserhebung zur Seite stand." Darauf sprach als Vertreter der Stadtperordneten wurde aber festgestellt, daß trotz aller Betonung seines„ Deutschtums" auch nichtdeutsche unter seinen Mitgliedern waren und und der Partei Genosse Cze minsti. Wents Leben gehörte der feine Stellenvermittlung in Anspruch nahmen. Ein Zeuge, der Ruffe Arbeiterschaft, nur ihr galt sein Interesse. Alles, was er tat und ist, befundete, daß man im Bureau des„ Reichsbundes" auf seine dachte, umtreiſte dieses Zentrum. Er war seit 1902 Stadtverord- Legitimationstarte den Vermerk„ naturalisiert" gesetzt habe. neter, arbeitete im Gesundheits- und Schulausschuß und fämpfte Er behauptete, das jei nicht nur bei ihm, sondern auch bei manchem dafür, daß auch den Proletarierkindern die höhere anderen Nichtdeutschen so gemacht worden. In der Gastwirt Schulbildung zugänglich gemacht. merden sollte. Nie er: schaft des Sohnes vom Geschäftsführer Knobel hielten die mattete er in seinem Bollen, immer erkannte er, daß der Haupt- ftellungsuchenden Vorschnitter Einfehr, wie fich denken läßt. Der fattor aller förperlichen und sozialen Erkrankung die soziale erwähnte Zeuge jagte aus, Stellung habe erhalten, mer gut schmierte". Die stellungsuchenden Vorschnitter mußten, wie Ungerechtigkeit der kapitaliſtiſchen Geſellſchaftsordnung sei. üblich, die von ihnen selber zusammengesuchten Arbeiterkolonnen Als Vertreter der Landtagsfraktion führte darauf Genosse Leid mitbringen, ohne die sie auf den Gütern feine Stellung erhalten aus, daß Beyl jedes Vertrauen, das man auf ihn als genauen fonnten. Wenn sie aber zum Reichsbund" ohne Arbeiter famen, Renner sozialhygienischer Fragen feste, glänzend gerechtfertigt habe. fonnten sie sich auch dort die nötigen Kolonnen besorgen laffen, und Immer zeigte er sich in den Kämpfen um die großen sozialhygieniawar murden dann auch polnische Arbeiter nicht verschmäht. Zum schen Brobleme als Mann von größter Blidweite, der erkannte, daß wed dieser Besorgung von Arbeitern für die Border entscheidende Schlag gegen die Volksverseuchung von der schmitter schloß die treudeutsche Vorschnitterorganisation einen Hebung der sozialen Lage der breiten Bolts Vertrag mit einem Fonzeffionierten Stellenber mittler, monoch die einkommenden Vermittlergebühren zwischen chichten abhängig lei. Seine ausgedehnten Kenntnisse befähigten dem„ Reichsbund" und dem ihn deckenden Bermittler geteilt werden ihn, in der sozialhygienischen Geseknebung eine entscheidende Rolle follten. zu spielen. Als letzter sprach Dr. Mojes als Vertreter der Vereinigung sozialdemokratischer Aerzte, der Krankenkassen und anderer angegliederten Berbände. Wenl sprach immer aus, was er dachte, er tannte feine falsche Rücksichtnahme, feine Angst, er sprach aus, was andere ängstlich verschwiegen. Deshalb wurde er von vielen gehaßt, die es nicht ertragen konnten, daß man ihnen die Wahrheit sagte, und die nicht einsehen wollten, daß der Kampf um die Volksgesundheit ein politischer Kampf ist." " Die Banner fenkten sich über dem Sarge. Gedämpft spielte die Orgel das Parsifal- Vorspiel. Langsam begann der Sarg zu finken. Die Todesfahrt auf dem Eise. Neun Monate Gefängnis wegen fahrlässiger Tötung. Eine leichtsinnige Autofahrt auf den nicht freigegebenen Flächen des zugefrorenen Wannsees, die den Tod eines blühenden Menschenlebens zur Folge hatte, fand gestern vor dem Großen Schöffengericht Charlottenburg ihr gerichtliches Nachspiel. Wegen fahrläffiger Tötung mußte sich der Ingenieur auf Behr vor den Richtern verantworten. Gründlich wurde gestern auch die Tätigkeit des der Schlepperei" beschuldigten Angeklagten Semenyna erörtert, der im Dienst des fonzeffionierten Stellenvermittlers Gabriel die Arbeiter tolonner zum Teil auf der Straße zusammenge sucht haben soll, wie die Anklage ihm vorwirft. Er erhielt pro Arbeiter eine Marf, pro Arbeiterin sogar brei Mark, und einmal wurden ihm für einen Zeitraum von zwei Monaten über 1000 Goldmart ausgezahlt. Nach seiner Darstellung hätte er das Amt gehabt, die den Gutsbesitzern zugedachten Arbeiterfelonnen bei ihrer Ankunft aus der Provinz auf dem Bahnhof in Berlin in Empfang zu nehmen und bei der Weitervershidung nach Berlin in Empfang zu nehmen und bei der Weiterverschickung nach dem Abfahrtsbahnhof zu geleiten, damit sie nicht durch Schlepper der Ronkurrenzgeschäfte weggefangen wurden, und für diese Tätigkeit habe er jene hohen Beträge erhalten. Der Menschenhandel, der von solchen Vermittlern betrieben wird, wurde durch die Gerichtsverhandlung wieder in eigenartiger Weise beleuchtet. Zur Sprache tam auch einiges aus den Geschäfts praftifen des fonzeffionierten Stellenvermittlers Gabriel, der in dem früheren Prozeß verurteilt wurde, aher fich in feinem Bureau zumeilen burd) einen seiner Angestellten aus Bor Berbüßung seiner Gefängnisstrafe gestorben ist. Gabriel ließ einem anderen Zimmer telephonisch anrufen und gab sich dann dent Anschein, daß er mit einem Gutsbefizer über einen Auftrag verhandelte. Offenbar wollte er, wie der Zeuge annimmt, hiermit auf zuhörende Kunden Eindruck machen. Die Beweiserhebung, in die gestern mehrfach Dr. Goldberg nom Randesarbeitsamt Berlin und Dr. Münch vom Bezirksarbeitsamt Friedrichshain durch Fragestellung fördernd eingriffen, wird am Freitag fortgesetzt. Wie weit ist man schon von dem einfachen Trid des Engländers Bear entfernt, der für seine Seifenreklame zwei Schweine, eins schmußig, eins sauber ausstellte. Das letztere trug einen Zettel: Mit Pears Soap gewaschen! Schon wieder beschlagnahmte Verteidigerakten. In der Wohnung des Berliner Rechtsanwalts Dr. jur. Side nen Mendel in der Bülowstraße 13 fand gestern nach. mittag auf Anordnung des Untersuchungsrichters in Effen eine Haussuchung statt, bei der die Handakten des Verteidigers in einem Meineidsprozeß beschlagnahmt wurden. Rechtsanwalt Mendel hat sich sofort beim Justizministerium und dem Rechtsausichuß des preu Bischen Landtags beschwert mit der Begründung, daß die Beschlag. nahme unzulässig sei. Dem Verteidiger stehe das Recht der Zeugnisverweigerung zu, und durch die Beschlagnahme sei dieses Recht durchbrochen worden. Ueber die Vorgeschichte werden folgende Einzelheiten gemeldet: Rechtsanwalt Mendel hatte in Essen die Verteidigung einer Artistin übernommen, die unter der Anklage stand, wissentlich eine falsche eidesstattliche Versicherung abgegeben zu haben. Während der Hauptverhandlung wurden zwei Zeugen unter dem Berdacht des Meineids verhaftet. Gestern vormittag fam der Untersuchungsrichter aus Effen nach Berlin, um den Stiefvater und die Mutter der Angeflagten zu verhaften. Gleichzeitig wurden in Abwesenheit des Anwalts trotz des Straubens des BureaupersoVor einigen nais die Handaften des Rechtsanwalts beschlagnahmt. Lagen meldeten wir, daß der Staatsanwalt, der im Mordprozeß Rosen die Aften des Verteidigers beschlagnahmt hatte, einen Rüdzug antreten mußte. Der Berliner Staatsanwalt scheint seinem Breslauer Kollegen nicht nachstehen zu wollen. „ Die Regimentstochter" als Sendefpiel. Donizettis tomische Sper„ Die Regimentstochter" eignet sich wie wenig andere Bühnenwerke für die Rundfuntübertragung. Denn daß das Textbuch arm an Handlung ist und von Geschehnissen eigentlich nur er zählt wird, ist für die Bühne zwar ein Mangel, für das Sendespiel aber ein unschäzbarer Vorteil. Auch wer vom Inhalt der Oper feine Ahnung hatte, fam diesmal ficher voll auf seine Kosten, was sonst beim Sendefpiel nicht immer der Fall sein kann. Zudem erleichtert die frische, unkomplizierte Komit der Musik noch das Verständnis; und wenn Marie ihre schmelzende Romanze von Cypris Liebe beginnt und dann immer wieder zum Entsetzen der vornehmen Tante in ihre geliebten und unvergessenen Soldatenlieder gerät, so könnte sie als Tert ganz bedeutungslose Borte fingen, ohne daß man es vielleicht auch mur beachten würde, so stark spricht die liebens würdige Schalthaftigkeit der Komposition. Violetta Schadow, stimmlich gut auf das Mikrophon eingestellt, war eine Marie voll Anmut und Heiterkeit; Karl Jöten, Ludwig Fleschner und Therese Rothauer waren die ihr geziemenden Partner, die sich mit dem Rundfunkorchester Georg Szells frohem Dirigentenstab ( denn selbst ein Stock bleibt von solcher Musik nicht unberührt) fügten. Die Auseinandersehung zwischen Stadt und Hochbahn. Der Magistrat bat in der Mittwoch- Sigung beichloffen, in dem Brozeß gegen die Hochbahngefellichaft gegen das am 19. Oftober 1925 ver fündete Urteil des Landgerichts I Berlin Berufung einzulegen. nachmittags 33%, Uhr, im großen Saal der Bhilharmonie, zweite Beran Bezirksbildungsaus chuß Groß- Berlin. Conn'ag, den 6. Dezember, ftaltung Internationale Volkstanze und Boltslieder Jm Orient. Preis der Einzelfarte 1,20 m. ( 2. Weihnachtsfeiertag). Zweite Proletarische Feierstunde am 26. Dez. Träume der Mietstaserne". Preis der Einzel late 1,20 M. Für die legten vier Veranstaltungen fönnen noch Abonnements ausgegeben werden zum Preise von 3,20 m. Freitag, den 25. Dezember ( 1. Beihnachtsfeiertag) nächste Theatervorstellung im Staatlichen Schiller Der Glüdspilz", Schwant in drei Aften. Breis pro Karte ein flieglich Kleiderablage und Theaterzettel 1,20 M. Starten für alle Bere anstaltungen sind in den bekannten Verkaufsstellen zu haben. Typographia. lebungsstunde des 8. Bezirks Sonntag, 29. Rosember, Beim Totensonntagkonzert vormittags 10 Uhr, im Gewerkschaftshans. ift ein Portemonnaie mit Inhalt gefunden worden. Abzuholen bei Theater. Reinsdorf, Neulon, Hohenzollernplak 6. Schneesturm im Saargebiet. Infolge des gestern nachmittag im Saargebiet einfegenden Schneetreibens, das von starfem Sturm begleitet war, ist der Fernsprechverkehr von Saarbrüden aus nach faft allen Richtungen gestört. Besonders heftig scheint der Schneesturm im Besten gewütet zu haben, da Verbindungen nach Paris überhaupt nicht zu erhalten sind. Schwere Sturm- und Wasserschäden an der spanischen Maroffo. front. Schwere Stürme und Wolkenbrüche haben die spanischen Stellungen bei Tetuan und Ceuta überschwemmt. Mehrere Schüßengräben wurden vernichtet; einige Garnisonen befinden sich in Gefahr. Pioniertruppen versuchen weiteren Schaden zu ver hindern. Die Wassermassen haben die Straße Ceuta- Tetuan ab Der lebende Mensch im Schaufenster. Reflame um jeden Preis Was der Mensch doch alles um des lieben Geldes willen tut! das ist die Losung unserer Zeit. Man begnügt sich nicht mehr mit auffällig dekorierten Auslagen, mit geschnitten, da die Brüden fortgerissen sind. phantastisch gestalteten Blakaten, sondern stellt auch lebende Personen in das Schaufenster, die durch Hantierungen aller Art die Aufmerksamkeit der Menge auf sich ziehen müssen. Man tommt damit den Sitten des Orients nahe, wo die Handwerker ihre Arbeiten vor den Augen des faufluftigen Publikums ausführen. In Berlin waren es wohl auch zunächst Orientale, die sich im Schaufenster zeigten: Türfen, die Zigaretten drehten. Der Gedanke ist dann später von Schreibmaschinen- und Rechenmaschinenfabrikanten aufgenommen worden, aber rechter trag: Die tuinische Arbeiterbemeguna". Beifall wurde diesen Schaustellungen nicht. Die feiner fühlenden Elemente unter dem Publikum hatten mehr ein Bedauern denn Interesse für die Perfon, meist eine hübsche junge Dame, die so mit ihrer ganzen Erscheinung dem Werbezwed diente. Jezt hat man einen originellen Trid gefunden, um beim Bublifum den peinlichen beute umständehalber ausfallen. Eindruck nicht aufkommen zu lassen und doch eine lebende Person Baden befindliche Dame in starter Bertleinerung als lebend mitten zur Schau zu bringen. Durch Spiegeleinrichtungen erscheint die im Toiletten von vorn oder hinten zeigt oder ihre Finger über Reflameim Schaufenster alle ihre Bewegungen find sichtbar. Ob fie tafeln spazieren führt man hat den Eindruck, daß Gullivers das gebührend bestaunt wird. Wer weiß, wohin diese Art der Reich mit seinen Lilipufpersonen erstanden ist. Ein anmutiges Bild, Reklame noch führen mag ausbildungsfähig wird sie sein. Jugendveranstaltungen. Heute, Donnerstag, den 26. November, abends 7% Uhr: Gesundbrunnen: Schule Gothenburger Str. 2. Vortrag: Entwidlung der Arbeiterbewegung". Echönhauser Borstadt I: Schule 3bfenftr. 17, Bortrag: ,, Arbeitsschuk und Arbeitsrecht". Südwesten: Jugendheim Lindenstr. 3, Bor Behr, der die Herstellung von Automobilen betreibt, mollte am 28. Januar des vorigen Jahres den Motor eines neuen Wagens ausprobieren. In Begleitung seines jugendlichen Monteurs Duda wurden mehrere Runden auf der Anusbahn zur größten Zufriedens heit des Ingenieurs zurückgelegt. Wohl erfreut über das glänzende Ergebnis der Probefahrt beschloß Behr, die Grunewaldbahn zu verlassen, und die Sicherheit seines Wagens auch auf anderen Wegen zu erproben. Jedenfalls ging es plöglich in Richtung auf den Wannsee, von hier aus die freigegebene Strede Beelizhof- Schwanenwerder auf der spiegelglatten Fläche des Eises weiter. Behr will nun hinter fich langsam auf: Steigenden Rebel bemerkt und deswegen beschlossen haben, nicht zukehren. Von Duda selbst dazu aufgemuntert, wurde die Auto: fahrt nach der Bucht von Schildhorn zu fortgesetzt. Auch jegt soll noch alles glatt von statten gegangen sein, in froher, übermütiger Laune habe sich dann ein Student, der sich mit Schlitt. schuhen auf dem Eise tummelte, an den Wagen angehängt und sich so der fröhlichen Fahrt angeschlossen. Kurz vor Schildhorn sezte dann eine plötzliche Dämmerung ein, das Eis begann hier und da zu fnacken, an eine bestimmte Richtung war nicht mehr zu denken, bas Auto nahm unbemerkt sein Richtung auf eine offene Stelle, durch die kurz zuvor eine Zille fich mühsam den Weg gebahnt hatte. Noch im letzten Moment gelang es dem Studenten, fich vom Wagen abzustoßen und sich dadurch auf eine große Eis icholle zu retten. Das Auto und seine Insassen aber waren verloren. Hier und da hielten es noch fleinere Flächen, die pom übrigen Eise abgetrennt waren. Jede Bewegung der beiden Menschen, das geringste Stoßen des Motors mußten das völlige Berfinfen des Wagens nach sich ziehen. Behr und Duda sollen gellende, verzweifelte Hilferufe ausgestoßen haben, einer wollte den andern retten, fie mußten nicht, wie sie es anfangen sollten, fie durften sich ja nicht bewegen. Als endlich Leute, die die Rufe gehört hatten, herbeieilten, begann ein verzweifelter Kampf um das Leben der beiden. 3oll für 3oll mußten fich die Retter vorsichtig auf den schwankenden Eisschollen heranarbeiten und als sie glücklich den schon bis an den Hals untergegangenen Ingenieur herausgezogen hatten. da versant vor ihren Augen das Auto mit dem jungen Duda in den falten Fluten. Sein Tod berührte besonders tragisch, da der gefchickte junge Mann die einzige Stüße seiner alten Eltern mar. Das Gericht, unter dem Borsiz von Landgerichtsdirektor Brennhausen, machte den Ingenieur B. denn auch in vollem Umfange für feinen großen Leichtsinn verantwortlich. Es glaubte ihm nicht, daß er auch über die Anusbahn hinaus noch den Motor ausprobieren wollte, sondern hielt die anschließende Strede für eine reine Luftfahrt. Der erfahrene Ingenieur mußte fich sagen, daß die Eisdede wohl für Schlittschuh läufer ausreichend war, aber nicht für einen so fhmeren Vortrag. Bagen. Behr wurde zu neun Monaten Gefängnis verurteilt, eine beantragte Bewährungsfrist vorläufig abgelehnt. Mordversuch und Raub. Ein schweres Verbrechen, das am Montag in Liebsgen bei Suben verübt wurde, beschäftigt die Berliner Kriminalpolizei. In bie Wohnung einer 55 Jahre alten Witwe Klein, die für sich allein wohnt, verschafften sich am Montag gegen 11 Uhr vormittags 3 mei junge Männer, die sich in der Gegend herumaetrieben hatten, Zutritt. Sie fielen über die Frau her, schlugen sie nieder, ließen fie befinnungslos liegen, raubten ihr 120 Mt. und verschwanden damit. Man fand die Ueberfallene in ihrer Stube schwer verletzt in einer großen Blutla che baliegen. Die Ermittelungen der Landjägerei ergaben, daß die Räuber zu Fuß bis zur nächsten Station Drost au gegangen sind und dort einen Zug nach Ber Das Rundfunkprogramm. Donnerstag, den 26. November. Außer dem üblichen Tagesprogramm: Kipling, vorgetragen von Dr. Wilhelm Leyhausen. 5.15-6 Uhr 4.30 Uhr nachm.: Aus dem Dschungelbuch", von Rudyard Konzertmeister Ferdy Kauffman. 6.45 Uhr abends: Hans- Bredowabends: Nachmittagskonzert der Berliner Funkkapelle. Leitung: Schule( Bildungskurse). Abteilung Technik. Technische Wochenplauderei( Jng. Joachim Boehmer) 7.15 Uhr abends: Dr. Th. Tichauer:" Die internationale Arbeitslosenorganisation in Genf". „ Geschichte und Aufgaben der Organisation". Literatur. Theodor Kappstein: Deutsche Dichter und Denker 7.45 Uhr abends: Hans- Bredow- Schule( Bildungskurse). Abteilung 6. Vortrag." Hermann Hesse. 8.30 Uhr abends: Der Roman als Funkspiel. 3. Fortsetzung. Die Katastrophe". Originalroman für die Funkstunde" von H. J. Gramatzki( als Funkspiel bearbeitet). 9 Uhr abends: Frohsinn. 1. a) Schild: Ein Tag in Wien, Jux( Berliner Funkkapelle, Leitung: Konzertmeister Ferdy Kauffman). marsch, b) Lincke: Ouvertüre zu der Operette Nakiris Hochzeit 2. Harry Waldau: Berliner Bilder in Wort und Musik: a) Im Kientopp, b) Cement, e) Straßenbahn( Karl Zander. Rezitation; am Flügel: Harry Waldau). 3. Lindemann: Im schwarzen Kater. Kabarettpotpourri( Berliner Funkkapelle). 4. a) Die Hausmusik ( Worte und Musik von Harry Waldau), b) Die Musikanten( Worte Berliner Funkkapelle). 5. Fucik: Die Gardinenpredigt. Burleske von Felix Salten. Musik von Harry Waldau)( Karl Zander und ( Berliner Funkkapelle). Anschließend: Dritte Bekanntgabe der neuesten Tagesnachrichten, Zeitansage, Wetterdienst. Sportnachrichten, Theater- und Filmdienst. 10.30-12 Uhr abends: Tanzmusik. Bildungskurse: Berbebezirk Besten: Neues Rathaus, Rudolf- Wilde- Blak, Zimmer 72. Berbebezirk Dhien: Jugendheim Rigaer Str. 102. Berbebezirk Reinidendorf. Achtung, Jugendgenoffex! Der Rurfus mus Gepflegter Geschmack eine Anerkennung, die für Sorgfalt und Umsicht auf vielen Gebieten gern ausgesprochen wird. Im eigentlichen Sinne bedeutet gepflegter Geschmack eine hervorragende Auszeichnung für die praktische Hausfrau. Ohne Zweifel werden Sie in Ihrem Familienkreise oder bei Ihren Gästen solche Aufmerksamkeit für sich beanspruchen können, wenn Sie Ihren Tisch häufig mit schön angerichteten Oetker- Puddings bereichern. Große Auswahl in vielen Geschmacksarten überbrückt jede Einförmigkeit. 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Das Referat verfolgt den 3wed, grundsätzlich und im einzelnen den angeblich neuen Kurs zu begründen, den die Kommunistische Partei in der Kommunalpolitik und besonders im Berliner Rathaus jetzt einzuschlagen beabsichtigt und durch den nun endlich nach so vielen fehlgeschlagenen Versuchen die Sozialdemokratie aus dem Bertrauen der arbeitenden Massen herausmanövriert werden soll. Das Referat ist eine Umschreibung und Glossierung des Briefes, den die kommunistische Berliner Stadtverordnetenfraktion vor kurzem an unsere Genossen im Roten Hause gerichtet hat und sei hierdurch fann man selbstloser sein? allen Sozialdemokraten zur Leftüre empfohlen. Nachdem die Kraftausdrücke und Schimpfwörter, die man bisher bei jeder Gelegenheit gegen die Sozialdemokraten geschleudert hat, nicht mehr überboten merden können, nachdem alle bisherigen Versuche, uns zu entlar ven", gescheitert sind, hofft man jetzt, mit einem neuen, um ein wenig flügeren Manöver das er strebte Ziel zu erreichen. Dieses Ziel wird von Herrn Koenen wie folgt umschrieben: " Das taktische Ziel unserer Arbeit muß sein, die Führung des Berliner Proletariats zu erobern... Um den Fehler von 1923 nicht zu miederholen, müssen wir uns flar sein, daß heute alles das, was wir tun, nur darauf eingestellt ist, Agitation zu treiben und die Massen zu mobilisieren. Das gilt besonders für das Berliner Beispiel. Wir wollen uns dar über flar sein, daß die SPD. Führer Berbünde te des Kapitals find. Wir müssen aber zum Verständnis der SPD. Arbeiter eine Brücke schlagen und heute sagen mir, wir fönnen mit der Losung des Linksbloces diese Brücke schlagen." Die Losung des Linksblodes wird also aufgestellt, um den Bersuch zu macher überhaupt einmal an die sozialdemokratischen Arbeiter heranzufo: men, aber alles, was getan wird, mußur darauf eingestellt sein, Agitation zu treiben". Dieses fommunistische Ziel des propagierten Linksblods ist das traffe Gegenteil von dem Ziel, das für die Sozialdemokratie in Bergangenheit und in Zukunft für alle ihre Handlungen und Unterlassungen richtunggebend war und sein wird. Unser Ziel, unser Streben ist, die Lage der unbemittelten Klassen auf allen Gebieten mensch licher Betätigung zu erleichtern und zu verbessern. Um diesem Ziele näherzukommen, haben wir uns nicht Darauf eingestellt, nur Agitation zu treiben und die Massen zu mobilisieren", sondern wir haben im Reich, im Staat und in der Gemeinde Dutzende von Malen das Wünschenswerte hinter dem jeweils Erreichbaren zurückgestellt und damit bewußt unser engeres parteipolitisches Intereffe geschädigt. Für die Kommunisten ist bisher ausschließlich das umgekehrte Brinzip maßgebend gewefen. Herr Dorr, der bisherige Berliner tommunistische Führer, hat por einiger Zeit in einem tommunalpolitischen. Referat erklärt, mir haben ganz entschieden darauf zu verweisen, daß es heute un möglich ist, im Rahmen der heutigen Gemeien depoli. tif große Borteile für das Proletariat herauszu holen. Defto mehr müssen wir unsere gemeindepolitische Taftit und Forderungen in die Propaganda und Agitation ein stellen. Wir wissen, daß unfere grundsäglichen Forderungen zu Konflikten mit dem bürgerlichen Staat führen müssen. Aber diese Konflikte haben wir nicht nur nicht zu vermeiden, sondern zu suchen. und auszunuzen. Herr Koenen, der jezige geistige Inspirator der fommunistischen Fraftion, sagt etwas vorsichtiger das gleiche. Herr Dörr ist beseitigt. Die Sozialdemokratie wird auch Koenen überdauern. Das ganze Referat enthält nichts als den alten Faden, ummidelt mit einer etwas anderen Phraseologie. Nur am Schluß fonnte es interessant werden und Neues bringen. Aber da bricht Herr Koenen leider kurz ab. Nachdem die neue Weisheit verkündet ist, daß Etatsfragen politische Fragen find, erklärt Herr Koenen: Wir werden nicht einem Etat mit den Deutschnationalen zu. Wir stimmen, wie es die Sozialdemokraten gemacht haben. werden die Sozialdemokraten aber stets fragen, für men fie die Dedung verlangen? Verlangen fie fie für Böß, Karding und die deutschnationalen Stadträte, so lehnen wir sie ab. Wir fagen: Beseitigung dieser Magistratsmehrheit und stellen dann die Frage: Wie kann der Etat umgestaltet werden?" Herr Koenen weiß nur diese Fragen zu stellen. Die Antwort Magistrats. ist, daß diese jetzt wieder zu beseitigende mehrheit vor furzem von seinen Getreuen mit Hoch und Hurra als revolutionäre Tat herbeige.. führt ist und daß bezüglich der Umgestaltung des Etats, sobald er vorliegt, die kommunistischen Stadtverordneten von den sozial.. demokratischen Mitgliedern des Etatsausschusses die gewünschten Auskünfte erhalten werden. Der Kurs, den die Berliner Sozialdemokratie im neuen Stadtparlament fteuert, wird der gleiche bleiben, den mir seit 1884 eingehalten haben. Er hat uns aus den fleinsten Anfängen zur ausschlaggebenden Fraktion gemacht und in immer steigendem Maße uns das Vertrauen der arbeitenden Massen Berlins eingebracht. Im Interesse dieser Massen wünschen und hoffen mir, daß die kommunistische Fraktion in Zukunft ihre Agitations. bedürfnisse zurückstellen wird. Bir brauchen Unterstützung für das, mas mir als richtig erkennen und durchführen wollen. Solche Unterftügung werden wir meit lieber von lints als von rechts annehmen. Die Wähler Berlins, dieser größten Stadt der Ar beit, haben in flarer Weise am 25. Oftober ihren Willen zu ertennen gegeben. Diesem Willen muß Rechnung getragen werden. Eoll das geschehen, so haben nicht mir uns zu wandeln. Der fommunistischen Fraktion Aufgabe und Pflicht ist es, unter ihr bis. heriges Verhalten einen diden Strich zu machen und ehrlich und ohne hintergedanken den Weg Don der inhaltsleeren Agitationsphrase zum verantwortungsvollen Handeln zu gehen. Ob sie diesen Beg finden wird? Das Koenensche Referat ist fein Weg. weiser zu ihm. Agitation in, der Berufsschule. Im Hinblick auf die in kaufmännischen Berufsschulen durch Lehrpersonen betriebene Propaganda für gewisse Angestelltenverbände richtet die sozialdemokratische Stadtverord netenfrattien an der Magiftrat folgende Anfrage: 9 In einigen aufmännischen Berufsschulen ist durch Lehrpersonen eine einseitige Propaganda für Ange. stelltenverbände bestimmter Richtungen wiederholt betrieben worden, trotz der von der städtischen Schulverwaltung einer beschwerdeführenden Organisation gegebenen Zusicherung, folche Propaganda zu unterbinden. Ist der Magistrat bereit und in der Lage. Auskunft zu erteilen, warum nicht wirksamere Maßnahmen getroffen worden sind, um eine derartige ProDES RK STADT VORWARTS BEILAGE paganda unmöglich zu machen? Ist der Magistrat gewillt, folche Propaganda durch Lehrpersonen den Angestelltenverbänden aller Richtungen zu gestatten?" Wie Berlin benachteiligt ist. mie perheerend sich gerade für Berlin der gegen wärtige Berteilungsschlüssel aus mirtt. In einer Begleiteingabe bittet die Wohnungsfürsorgegesellschaft den Landtag, die notwendigen Rorrefturen an der Rotverord= nung vorzunehmen, und die Berliner Bevölkerung, die zusehends immer mehr im Wohnungselend versinkt, nicht im Stich zu laffen. Zur Neuregelung der Hauszinssteuer. Die Mittel aus der Hauszinssteuer müssen, solange die fatastro= phale Not in den Städten fortbesteht, in erster Linie zuDer Fehlbetrag an Wohnungen in Berlin beträgt gunsten der Bevölkerung verwendet werden, die die Steuer aufbei vorsichtiger Schäzung einhunderttausend Boh gebracht hat. Wieviel für die Bevölkerung Berlins von der bevornungen. Im laufenden Jahr kann die Wohnungsfürsorgegesell stehenden Entscheidung des Landtages abhängt, zeigen folgende schaft aus Hauszinssteuermitteln bestenfalls achttausend Ziffern: Bei der Wohnungsfürsorgegesellschaft werden, nachdem über Wohnungen beleihen. Damit wird gerade die Hälfte des in die. diesjährigen Mittel restlos disponiert ist, gegenwärtig bereits neue Beleihungsanträge für rund siebentausend Wohnungen be diesem Jahre entstehenden Neubedarfs für zuziehende Haushaltungen gedeckt, ohne daß der in Berlin selber entstehende Neu. arbeitet, die Joweit die Projekte den gestellten Anforderungen entsprechen erst mit Hauszinssteuermitteln des Etatsbedarf berücksichtigt ist. Diese Ziffern zeigen mit erschreckender Deut jahres 1926 zur Durchführung gelangen können. Die Gesell. lichkeit, daß die Wohnungsnot in Berlin noch nicht einmal zum Still- schaft hofft, daß auch im nächsten Jahr städtische Mittel für Zusatzstand gekommen ist, sondern ständig fortschreitet. hypotheken( Wohnungsbau für Unbemittelte) zur Verfügung ge stellt werden. Für die entsprechende Anzahl Wohnungen in diesem Jahre handelt es sich um 3300 würden damit ebenfalls Haus zinssteuermittel gebunden sein. Alles in allem ergibt sich, daß für fünftige Anträge die Aussicht, im nächsten Jahr Berücksichtigung zu finden, außerordentlich gering ist, wenn nicht im neuen Etatsjahr der Anteil an dem Hauszinssteueraufkommen für den Wohnungsbau in Berlin ganz wesentlich heraufgesetzt wird. Andernfalls würden nicht nur die Hoffnung vieler Wohnungssuchender aufs neue schwer enttäuscht werden; vielmehr würde sich auch in allgemein wirtschaftlicher Beziehung die Benachteiligung Berlins stark fühlbar Die Wiederbelebung des Baugewerbes, machen. das das Schlüffelgewerbe für das gesamte andere Gewerbe darstellt, liegt im Interesse der Gesamtbevölkerung. Es besteht kein Zweifel, daß auch für ein Vielfaches der heute zur Verfügung stehenden Mittel sich genügend Anträge finden würden. Gerade auch unter allgemeineren wirtschaftlichen Gesichtspunkten erscheint die Forderung einer stärferen Berücksichtigung Berlins bei der Verteilung des Steuerauftommens durchaus gerechtfertigt. Denn das verhältnismäßig hohe Aufkommen der Hauszinssteuer, das uns vielfach geneidet wird, stellt auf der anderen Seite eine ganz außerordentliche Vorbelastung des Berliner Gewerbes gegenüber Handel und Industrie in der Provinz dar. Trotzdem wird noch immer eine lebhafte Agitation in der Richtung betrieben, daß aus der Hauszinssteuer den Städten verhältnismäßig zu reichliche Mittel" zur Verfügung ständen und daher das Aufkommen zugunsten des platten Landes wesentlich beschnitten werden müßte. Nach der Notverordnung vom 28. März 1925, durch die die Berteilung der Hauszinssteuermittel seinerzeit neu geregelt wurde, werden schon bisher den Städten von dem Neuanteil der Hauszinssteuer lediglich belassen, während die restlichen/ an den staatlichen Ausgleichsfonds hauptsächlich zur Verteilung auf as platte Land und an bedürftige Gemeinden abzuführen sind. So hat Berlin von den einhundertelf Millionen Mark, die in diesem Jahre aus seinem Steuerauffommen für den Wohnungsbau zur Verfügung standen, nur 63,5 Millionen Mart für fich behalten fönnen, 47,5 Millionen Mark aber an den Ausgleichsfonds abgeben müssen. Interessant ist in diesem Zusammenhang die Verwendung des Ausgleichsfonds, der vom Volkswohlfahrtsministerium verwaltet wird, im Vorjahre:/ davon sind zu den verschiedensten Zweden, nämlich zur Kapitalbeteiligung und Gewährung von Betriebskapital für die Breußische Landespfandbriefanstalt und die provinziellen Wohnungsfürsorgegesellschaften, zur Gewährung von Arbeitgeberhypothefen für Staatsbeamte und Lehrer und von Sonderhypotheken für die abgebauten Staatsbeamten und zur Seß haftmachung von Flüchtlingen, und nur zu ½ unmittelbar zur Geaußerhalb Berlins währung von Hauszinssteuerhypothefen verwendet worden. Bei dem Erlaß der Notverordnung haben Staatsrat und Landtag nicht mitgewirft. Der Staatsrat hat in zwischen schon wegen der einseitigen Herauffezung des staatlichen Ausgleichsfonds im mißbilligenden Sinne Stellung genommen. In nächster Zeit wird der Landtag mit der Neuregelung der Hauszinssteuer befaßt sein. Aus diesem Anlaß. hat die Wohnungsfürforgegefellschaft Berlin m. b. H. den Mitgliedern des Hauptausschusses und des Ausschusses für Wohnungsund Heimstättenmelen des Breußischen Landtags ihren Geschäftsbericht für das Jahr 1924 überreicht, aus dem sich ergibt, KrausePianos zur Miete Ansbacher Str. 1. Fake Kurfürstenstraße Inferate im Vorworts Nach einem arbettsreichen Beben perfayted am Montag, ben 23 b. M, nachm 5 Uhr, nach turzent, schwerem Belden mein lieber Mann, unier guter Bater, Schwieger- u. Großvater, Zimmermann August Rohnke im 69. Lebensjahre. Jm Namen aller Sinterbliebenen: Frau Marie Rohnke, SO; Manteuffelftr. 71. Die Einäscherung erfolgt am Sonnfichern Erfolg! aben, ben 28 b. m, nachmittags 4½ Uhr, i. Krematorium Baumschulenweg. 1 Ein fozialdemokratischer Antrag. Die fozialdemokratische Stadtverordnetenfraftion ruft den Berliner Magistrat und die Berliner Vertreter im Deutschen Städtetag auf, sich zu wehren gegen die Ungerechtig feiten des Finanzministeriums und im besonderen gegen die ungerechte Berteilung der Hauszinssteuererträge. Sie hat folgenden An trag eingebracht: 3 ,, Unter dem Drud der von der sogenannten Wirtschaft gegen die Gemeinden betriebenen Propaganda ist bei den Beratungen über den Finanzausgleich eine starke Verschlechterung der Gemeindefinanzen erzwungen worden. Diese Verschlechte Am 24. November 1925, vormitt 4.20 Uhr, verschieb fanft nach langem schweren Leiben mein innigftgeliebter Mann, unfer lieber, guter Bater, Schwieger- und Großvater Karl Schabel int Alter von 61 Jahren. Dies zeigt tiefbetrübt an Marie Schabel geb. Henning nebst Kindern und Enkelkindern Berlin, Johannisftr. 14/15 Die Einäscherung findet Sonnabend, den 28 November, vormitt 10%, Uhr, im Krematorium Gerichtfizage ftatt. Fachleute wissen, dass das Jahr 1923 die beste Orienttabak- Ernte brachte Die Raucher wissen dies durch die Cigaretten REEMTSMA ERNTE 23 Verband der Gemeinde- u. Staatsarbeiter Filiale Groß- Berlin Aus einem arbeitsreichen und doch immer arbeitsfrohen Wirken entriß uns am 24. November der Tod unseren lieben Kollegen Karl Schabel Fast Dreijahrzehnte stand er mitten und im Vordertreffen der Bewegung der Gemeindearbeiter. Fast Zweijahrzehnte hat er als Angestellter nimmer müde in unseren Reihen gewirkt. Sein Andenken wird fortleben in der Geschichte der Berliner Gemeindearbeiter. Einäscherung am Sonnabend, den 28. November, vorm. 10%, Uhr, im Krematorium Berlin N., Gerichtstraße. Die Ortsverwaltung. Nachruf! Am 23. November verschied nach langem, schwerem Leiden unser hochverehrter Meister Herr Oskar Lahn Wir werden sein Andenken stets in Ehren halten. Die Arbeiterinnen und Arbeiter der Abt. 12 der S.S.W.- Kleinbauw. Die Einäscherung findet am Freitag, den 27. November, nachm. 41/2 Uhr, im Krematorium Gerichtstraße statt. Neuerfchienen: Abreißkalender 1926 Preis 2.- R. M. Kinderland 1926 Preis 1.25 N. M. Zu haben in allen Vorwärts- Speditionen, in der Buchhandlung J. H. W. Die Nachfolger, Lindenstr. 2 und in der Vorwärts- Buchdruckerei, Lindenstraße 3, 4. Hof, 3 Treppen im Kontor. rung wurde für Berlin durch die Ungerechtigkeiten des preußischen Finanzausgleiches erheblich gesteigert. Insbesondere bedeutet ie Verteilung der aus der Hauszinssteuer fließenden Erhägnisse eine unerträgliche Benachteiligung der Berliner Steuerahler. Die Stadtverordnetenversammlung fordert den Magistrat und ie Berliner Vertreter im Deutschen Städtetage auf, mit größter Energie gegen die in der Deffentlichkeit betriebene Heze gegen die Bemeinden aufzutreten und für eine gerechtere Berteiung der Steuermittel bei den in Betracht kommenden Regierungen und Barlamenten zu wirken, damit Berlin in die Lage persetzt wird, seinen großen wirtschaftlichen, sozialen und fulturellen Aufgaben gerecht zu werden." „ Unten durch". Berliner Verkehrsfragen. dis man einige Jahre vor dem Kriege endlich daran ging, wischen Norden und dem Süden der Stadt bessere Verbindungss wege zu schaffen, war die Erlaubnis des Erkaisers nur schwer zu rlangen. Ueber die Linden hatte er zu verfügen, ebenso über en Tiergarten. Hier wurde die Zusage Wilhelms durch die Schafjung des großen Sterns mit den Weidmannsbildern von der Straßenbahngesellschaft erkauft. Die Linden wollte er sich aber einesfalls durch die Bazillenfutschen" der Straßenbahn erschandeln lassen. Er machte also die Randglosse:„ Unten durch". Bilhelms Eitelkeit hat hier einmal dazu geholfen, daß die Berliner dem fleineren Uebel weggelommen sind. In der Tat, wenn ute bei dem starken Autoverkehr Unter den Linden, der sich noch ändig ausdehnt, die Bahnen über die Straße geleitet würden, > wären die sich daraus ergebenden Berzögerungen ganz uner räglich. Wir stehen jeht vor einer ähnlichen Lage. Das Berkehrsroblem schreit nach Lösung. All die fleinen Mittelchen, die man der letzten Zeit angewandt hat, den Verkehr zu„ regein, haben icht einmal dazu geführt, die Zahl der Unfälle zu vermindern. Diese sind im Gegenteil in den Monaten Juli, August, September anz erheblich gestiegen. Während im 2. Quartal 2816 Straßenunfälle zu verzeichnen waren, wurden im 3. Quartal eren 3034 Fälle gezählt, und 39 Tote blieben auf der Strecke. Juf diesem Gebiete scheint also die Amerikanisierung mit jchredender Schnelligfeit fortzufchreifen. De Leipziger Straße ist berlastet. An jeder Straßenkreuzung ein langer Aufenthalt. Bom leranderplag bis Potsdamer Plag fann man in erkehrsreichen Zeiten getrost eine Stunde Fahrzeit rechnen. Die Straßenbahnen, die auf dieser Strecke laufen, haben stets mit Berpätung zu rechnen, und die Angestellten haben auf den Endstationen ine 3et, einen Happen zu sich zu nehmen. Un den Haltestellen arten immer große Massen von Menschen. Durch die chronischen erspätungen tommt es dann häufig fo, daß zwei oder drei agenzüge derselben Linie hintereinander ahren, was wieder zur Folge hat, daß der erste überfüllt, ie nachlaufenden leer bleiben. Wir brauchen also einen Durch ruch van Osten nach Westen, der ja auch wie lange schon Zuge der Franzöfifchen Straße geplant ist. Er soll durch die Miiftergärten gehen und würde diese in zwei Hälften scheiden. Die legierungsbehörden wollen diese nicht opfern. Die Berhandlungen heinen also nicht weiterzugehen. Da sollte man doch den Vorchlag eines Berliner Ingenieurs ernstlich in Erwägung ziehen und ie Gärten unter tunneln. Der fönnte nicht auch, und zwar ußerdem vom Hausvogteiplag oder vom Spittel narft ab von der Untergrundbahn eine Linie durch die Fran ösische oder die Jägerstraße abgezweigt, werden? Dann ürden die Gärten in der Wilhelmstraße verfchont, Jedes Stückchen Grünfläche innerhalb der Stadt sollte, wenn irgend möglich, er alten werden. Ob die Ministergärten nicht auch wenigstens zum Teil dem Publifum geöffnet werden könnten, ob nicht wenigstens in jdmalerer Streifen für Fußgängerverfehr hergegeben werden önnte, find Fragen für sich. Bei dieser Gelegenheit fei noch auf einen Bunft hingewiesen, er nach unserer Meinung mit zur Vermehrung der Straßenunfälle beiträgt. Es ist das die noch immer mangel afte, vor allem aber unzwedmäßige Beleuchtung. Es muß nerkannt werden, die Stadt hat in verhältnismäßig furzer Zeit, ach Ueberwindung der Inflation, die Straßenbeleuchtung wesentlich erbessert. Aber selbst wenn der Friedensstand überall wieder ereicht sein sollte, so genügt sie für den heutigen Verkehr nicht mehr. Bor allem: Die fleinen einfachen Straßenlaternen müssen verschwinden. Man gehe einmal beobachtend durch ine Straße, wo diese Funzeln stehen; zwischen je 2 Bäumen, taum u sehen. Sie beleuchten nicht den Straßendamm, taum den Bürgerleig. Dafür werfen sie aber die Schatten der Bäume auf den Fahrdamm und blenden einen, sofern man ihnen entgegengeht. D'ese Lichter täuschen, irritieren, machen fonfus, den Fußgänger vie den Führer. Sie müssen Platz machen den an großen Masten ngebrachten elektrischen Lampen, deren Licht von oben, nicht itwärts, auf die Straße fällt. Noch zweckentsprechender sind die großen Bogenlampen in der Mitte der Straße, wie sie in der Leipziger Straße feit Jahren angebracht sind. Durch diese wird ene gleidhmäßige Beleuchtung erzielt Der ständig sich ftet gernde Verkehr mit seinen ungeheuren Gefahren für Fußgänger und Fahrzeuge erfordert schleunigste Reform auf diesem Gebiete. Jugendpflegearbeit im Bezirk Friedrichshain. Da eine solche Unkenntnis der Hausverwalter mit den Einric tungen der ihrer Dbhui anvernanten äuier häufiger vorkommt, io liegt es im ei enfien Juteresse der Hautbesitzer und Dieter, ihr Augenmert auf diesen Uebelstand zu richten, und dafür zu sorgen, daß in Notfällen Feuerwehr und Polizei jebe erforder lide ustunft erhalten fönnen. Der Friede ist das größte Gut. Tagung der Kriegsopfer. Im Saalbau Friedrichshain fand in diesem Monat der 7. Gautag des Gaues Berlin vom Reichs bunde der Kriegs. beschädigten, Kriegsteilnehmer und Kriegerhinterbliebenen statt. Bertreter des Hauptversorgungsamts, der Hauptfürsorge, der Schwerbeschädigtenvermittlungsstelle, der sozialdemokratischen und Zentrumsfraktion aus der Stadtverordnetenversammlung waren erschienen, um die Beschwerden und Forderungen der Kriegsopfer zu hören. Der Alt- Berliner Often. der den Bezirk Friedrichshain umfaßt, ließ in bezug auf die Jugendpflege früher viel zu wünschen übrig. Es handelt sich hier um ein ausgesprochenes Proletarierviertel, dessen Zurückseßung aus der früheren Zusammensetzung der städtischen Körperschaften sehr wohl erfärlich ist. Nach Schaffung der Einheitsgemeinde beschränkte sich die Tätigkeit der Jugendpflege in den Jahren 1922 und 1923 zunächst vor allem darauf, die Saulspeifung und die Landverschickung zu fördern Im Jahre 1923 erhielten täglich 850 bis 1300 werdende und stillende Mütter sowie Kleinkinder Quäfermittag; der Schulmittagsspeisung wurden in diesem Jahre täglich etwa 1800 Kinder teilhaftig, während tägliches Schulfrühstück wirtschaftlichen Lage im Geschäftsjahr 1924/25 führte auch zu einer an etwa 5700 Kinder ausgegeben wurde. Die leichte Besserung der verminderten Teilnahme an den Speisungen. Besonderes AugenDen Höhepunkt der Tagung bildete ein Referat des bekannten mert wurde seit 1923 auch dem Ausbau der Erholungspflege zu Schriftstellers Hellmut v. Gerlach Die Republik und gewandt. Hier ist die Verschickung in Landpflegestellen zugunsten der Friede". Er wies darauf hin, daß er nicht zu den Leuten der Heimverschi dung zurückgegangen, da die Heimver spreche, die auf der Straße herumziehen und fingen: Siegreich schidung erfolgreicher war. Im Geschäftsjahr 1924/25 wurden ver wollen wir Frankreich schlagen". Wer selbst sich, wie die Kriegsopfer, schickt( die eingeklammerten Zahlen gelten für das Jahr 1923/24): mit Frankreich schlagen mußte, der habe dazu die Lust verloren. schickt( die eingeflammerten Zahlen gelten für das Jahr 1923/24): An Hand der geschichtlichen Entwicklung wies er nach, daß die In Landpflegestellen 1122( 1330), in Heime 960( 275), zu Verwandten 2635( 2324), ins Ausland 7( 161) und Schulentlassene 261( 289). Monarchien nicht nur ihre Daseinsberechtigung verloren haben, Die Auslandsverschickung litt dabei besonders unter den außen sondern auch im wesentlichen die Ursache aller Kriege sind. Unserer rolitischen Verhältnissen. Insgesamt waren im Etatsjahr 1924 somit jungen Republik gehe es nur schlecht, weil sie Konturs. 1985 Kinder verschickt gegenüber 4379 im Jahre 1923. Der verwalter der Monarchie werden mußte. Schuld an der Not des geistigen Jugendpflege wurde die größte Aufmerksamkeit deutschen Volkes sei aber zweifellos der Bankrotteur und nicht der gewidmet. Seit Juni 1923 wird eine ständige Kontrolle des Schund- Konkursverwalter. Seine Ausführungen gipfelten in den Worten: literaturhandels im Bezirk durchgeführt. Die hierbei in Berichten Der Friede ist das größte Gut. Die Republik sichert den zusammengefaßten Feststellungen dienten im Minifterium des Frieden, laßt uns zusammen für Republik und Frieden arbeiten". Innern mit als Unterlage zur Ausarbeitung des Schundgesehent- Frieden, laßt uns zusammen für Republik und Frieden arbeiten". Zu der Versorgung der Kriegsopfer wurde folgender Beschluß wurses. Weihnachten 1923 und 1924 fanden größere Jugendliteraturgefaßt: Ausstellungen statt, die durch gute Borträge ergänzt wurden. Die Ausstellungen statt, die durch gute Vorträge ergänzt wurden. Die gefaßt: Die Bundesleitung müsse erneut die Anträge über eine Schaffung einer Kinderlefestube im Jugendheim Tilsiter bessere Rentenversorgung an die Reichsregierung stellen, damit die berechtigten Wünsche der Kriegsopfer die in der letzten Straße von privater Seite fand die lebhafteste Unterstützung des dritten Novelle so fläglich Anflang gefunden haben, in der nächsten Jugendamtes. Des weiteren wurden Vorbereitungen getroffen, um Zeit zur Durchführung gelangen. Die ungerechte Abfindung der für die Jugend des Bezirks eine gute Buchberatung, bunden mit einer ständigen Ausgestaltung guter Literatur, zu schaffen. Bersorgungsscheine ist hierbei zu berücksichtigen. Desgleichen wird die Bon März bis Juni 1924 fand ein Jugendpflege Kursus Forderung an die Reichsregierung erhoben: Die Mittel zur sozialen statt, der alle Gebiete des jugendlichen Lebens berührte. Der Zu Fürsorge hat das Reich zu stellen, nicht die Gemeinde oder die Spruch aus allen Kreisen der Jugend war gut. Eine andere Vortragsreihe wurde unter dem Titel„ Jugend und Gemeinschaft" Anfang 1925 mit gutem Erfolg durchgeführt. Den Kindern wurden auch Theatervorstellungen geboten. Im Berlaufe von zwei Jahren fanden acht Vorstellungen der Jugendvolksbühne und des Rose- Theaters für Kinder, sowie sieben Marionetten- Vorftellungen statt. An 16 belehrenden Vorträgen in der Treptow Sternwarte nahmen im Jahre 1924/25 7200 Stinder teil. Ein Kinder fest und Weihnachtsfeiern wurden im Saalbau Friedrichshain veranstaltet. Im Besitz des Jugendamtes befinden sich fechs Lichtbild und Filmapparate, sowie an 70 Lichtbildserien, die den Jugendverbänden für ihre Arbeit zur Verfügung gestellt werden fönnen. Um dieser ganzen bildenden Arbeit eine geeignete Grundlage zu geben, mußten für die Jugendlichen Räume geschaffen werden, in denen sie sich heimisch fühlen konnten. Die leider viel zu früh verstorbene Genoffin Martha Demmning sah als verantwortliche Dezernentin in der Schaffung guter Jugendheime ihr Lebenswert. Heute stehen der Jugend im Verwaltungsbezirk Friedrichshain fünf prächtige Jugendheime mit zwei Jugendheim bibliotheten zur Verfügung: eingebaute Filmapparate bieten gute Handhabe für die in den Berbänden zu leistende Bildungs arbeit. T ver= Der Sport wurde durch Ausbau des Spielplates im Friedrichs hain gefördert. Heute vereinigt er allwöchentlich 12000 Sport treibende. Ein Spielplatzverwalter sorgt ständig für die gute Instandhaltung des Plages. Das Bezirksamt fonnte im letzten Jahre mehrere glänzende Sportfeste veranstalten. Zur Beratung der Wanderlustigen wurde schon 1923 eine Wanderauskunfts stelle eingerichtet, die sich eines guten Zuspruchs erfreute. Als be fonderen Erfolg fann schließlich noch der Ausbau der gartenbau lichen Betätigung bezeichnet werden. Der Schulgarten an der Rochowstraße ist mustergültig. So wurde in einem der wichtigsten und ärmsten Bezirke Groß- Berlins durch die Tattraft bon Sozialisten überaus erfolgreiche Arbeit im Interesse der Jugend und des Volksganzen geleistet. Unterstützt die Feuerwehr! Gelegentlich einer Alarmierung der Feuerwehr zu einem vermeintlichen Dad ftublbrand stellte es sich heraus, daß der aus verwalter weder die Anzahl noch die Lage der Dadluten tannte, so daß die Feuerwehr auf dem geräum g n, zahlreiche wintlige Gänge aufweisenden Hausboden kostbare Minuten auf die Suche nach diesen Lufen verwenden mußte. Länder. Aus dem Geschäftsbericht des Gauleiters. Me nde ging hervor, daß der Reichsbund die größte Organisation der Kriegsopfer in Berlin ist und daß sie auch im legten Geschäftsjahr ganz erhebliche Arbeit für ihre Mitglieder geleistet hat. 761 Mitgleber wurden vor dem Bersorgungsgericht, 44 vor den ordentlichen Gerichten und 23 vor dem Oberversicherungsamt ver treten. 2n 3288 Kriegsbeschädigte und Kriegerhinterbliebene wurden im Bureau, das sich jetzt im eigenen Bundeshause, An der Stralauer Brüde 6, befindet, Austünfte erteilt. Mit 14 238 Boft= ausgängen wurden Anträge und Auskünfte erledigt. Aus dem Geschäftsbericht des ehrenamtlichen Gauvorsigenden Ebert ging her vor, daß trotz aller Schwierigkeiten auch auf agitatorischem Gebiet gute Arbeit geleistet wurde. Durch Versammlungen und Kundgebungen wurve nicht nur die Gesetzgebung beeinflußt, sondern auch viele Mitglieder geworben. Mit 46 Ortsgruppen innerhalb Berlins stellt heute das Gaugebilde eine festgefügte Organisation dar. Der Kaffenbericht des Gautassierers Andres ergab, daß die Organi fation finanziell gesichert ist. Einstimmig wurde dem Gauvorstand das Vertrauen ausgesprochen. Die Straßenbeleuchtung im Winter. Um die Eiderbeit in den Vororten zu erhöhen, hat der Berliner Wagistrat beichloffen, eme Verbesserung in der Straßenbeleuchtung sowohl in der Lampen- als auch in der Sterzenzahl vorzunehmen. Wenn sich auch die Mehrkosten auf einige Mill onen Mart belaufen io glau t man, den bisberigen Zustand der ungenügenden Beleuchtung nicht länger andauern lassen zu tönnen, zumal in manden Suaßen eine nahezu ägyptische insteinis herrscht, die der Verübung von Ver brechen geradezu Vorschub leistet. Leistung wucher der Staatsbibliothet. Die Breußische Staats. bibliothek Unter den Linden hat ein Wuchersystem besonderer Art für ihre Benußer. Für jedes Buch, bei dem die Leihzeit auch nur um einen Tag überschritten wird, muß der vergeßliche Benuger 50 Goldpfennige zahlen. Belche Summen da für Studen.en und andere mittellose Benuper bei einer Ueberschreitung der Leihzeit zustandekommen, fann sich jeder denken, und es mußte schon mancher arme Schluder nach der Bücherrückgabe ohne Effen bleiben, da er all sein Geld als Strafe zahlen mußte. Ein oleich unerhörter Rnd ist es, daß für die gedruckten unfrankierten Karten für eine Vormertung 5 Goldpfennige zu zahlen find. Gleich unerfreulich und zeitraubend ist die schlechte Bedienung durch das start verminderte Personal. DER GROSSE VERITAS FILM Freies Volk Der Großfilm des Proletariats Nach dem Riesenerfolge im Großen Schauspielhause hat der Film ,, FREIES VOLK" seinen SIEGESZUG durch ganz Deutschland angetreten. Neukölln( 27.- 30. Nov. 25): Kukuk- Lichtspiele, Kottbusser Damm 92 Exce'sior- Lichtspiele, Bergstraße 136-137 Berlin O( 27.- 30. Nov. 25): Konkordia- Palast, Andreasstraße 64 Berlin NO.( 4.- 10. Dez. 25): Lichtspiele am Friedrichshain, Am Friedrichs hain 16/23 Weitere Spieltermine folgen! Beachten Sie die Anschlagsäulen! Nr. 55842, Jahrgang 2. Beilage des Vorwärts Sowjetrußlands Staatshaushalt. Direkte und indirekte Steuern. Verteilung der Ausgaben. Das Bollstommiffariat für Finanzen hat den Voranschlag für| worden, während zur Aufrechterhaltung des Wohnungsfonds felbft den Staatshaushalt für das Wirtschaftsjahr 1925/26 fertiggestellt. in den jezigen Grenzen( 11,5 Quadrat Arschin pro Person statt Der Entwurf stellt zum erstenmal während der Herrschaft der Sowjet des gesundheitlichen Minimums von 16 Quadrat- Arschin) eine jähr regierung eine Zusammenfassung aller Ausgaben und Einnahmen liche Aufwendung von mehr als 600 Millionen Rubel erforderlich ist. fämtlicher zur Sowjetunion gehörenden Republiken dar. Nicht einIm neuen Etat sind die Ausgaben fast in allen Ressorts erhöht worden. Aber während die militärischen Ausgaben geschlossen sind lediglich die Etats der städtischen und ländlichen Gemeinden. Der neue Etatentwurf spiegelt nach seinem Umfange und Inhalt naturgemäß den Aufschwung der Boltswirtschaft wieder, der in Rußland auch im letzten Jahre zu verzeichnen war. Der Etat ist im letzten Jahr um 33 Proz. gestiegen und hat die enorme Höhe von 3778 Millionen Rubel( 1 Rubel= 2,16 m.) erreicht. Unter den Einnahmen im neuen Etat sind die Beträge, die aus Industrie, Handel, Forstwirtschaft und anderen nichtsteuerlichen Quellen fließen, bedeutend erhöht; ebenso haben im Ausgaben etat die Posten für verschiedene Bedürfnisse des wirtschaftlichen Aufbaues beträchtlich zugenommen. Das Defizit, das im letzten Jahre 200 Millionen Rubel betrug, wird im neuen Etat lediglich auf 120 Millionen geschäßt, die durch innere Anleihen aufgebracht werden sollen. Betrachten wir nun eingehender die einzelnen Posten des Einnahme und Ausgabenetats. Die direkten Steuern sind gegenüber dem Vorjahre um 78 Millionen Rubel herabgesett, während die indirekten Steuern um 414 Millionen Rubel erhöht worden sind. Die direkten Steuern betragen im neuen Etat bloß 33 Proz., während die indirekten Steuern 58 Proz. und die Gebühren 9 Proz. aller Steuerlichen Einnahmen betragen. Berücksichtigt man, daß die zweitgrößte direkte Steuer, die Gewerbesteuer( 201 Millionen Rubel), ihrem Charakter nach vollständig auf die Verbraucher abgewälzt wird und selbst von den offiziellen russischen Wirtschaftlern zu den indirekten Steuern gerechnet wird, so fommt man zu dem Schluß, daß die indirekten Steuern, d. h. die am wenigsten demofratischen Steuern, in Sowjetrußland etwa 70 Proz. aller steuerlichen Einnahmen bilden. Die ungeheure Steigerung der indirekten Steuern ergibt sich aus einer allgemeinen Erhöhung der Verbrauchssteuersäge, vor allen Dingen aber aus der Steuer auf Branntwein( 280 millio nen Rubel), dessen Verkauf in diesem Jahre wieder freiggeben ist. Auch in diesem Jahre sind die Einnahmen, die der Staat aus den staatlichen Gütern und Unternehmungen erwartet( 430 Millionen Rubel), fleiner als die Angaben, die für die Bedürfnisse der Industrie, der Landwirtschaft, der Elektris fizierung, des Wohnungsbaues, des Genossenschaftswesens usw. ( 480 Millionen Rubel) erforderlich sind. Das bedeutet, daß die Bevölkerung zur Aufrechterhaltung der verstaatlichten Industrie und des zum größten Teil verstaatlichten Handels höhere Steuersäge zahlen muß. Außerdem hat der Staat, um den Etal notdürftig balancieren zu können, sich genötigt gesehen, der Industrie nur 30 Broz. der Unterstügung zu bewilligen, die sie lediglich für Anlage und laufende Erneuerungsarbeiten braucht. Zu gleicher Zeit sind für den Wohnungsbau lediglich 70 Millionen Rubel bewilligt Jmmier weitere Ausbreitung der Krise. Die industrielle Absazkrise findet ihren schärfsten Ausdruck in der fortgesetzten Verschlechterung des deutschen Arbeitsmarkts. Ueber die Lage in Berlin haben wir bereits am Sonntag berichtet. Die Meldungen aus anderen Teilen des Reiches bestätigen das Bild. Danach hat sich die Arbeitsmarktlage nach den Berichten der Landesarbeitsämter in der dritten Novemberwoche weiter erheblich verschlechtert. Unter dem Drud von Witterung und Wirtschaftslage ist das Angebot an Arbeitskräften start gestiegen, die Nachfrage fast verschwunden. In allen Be rufsgruppen haben Betriebseinschränkungen und Stillegungen Kurzarbeit und Entlassungen zur Felge gehabt. Auch in der Textilindustrie sind vereinzelt Anzeichen eines Rüdganges an Beschäftigungsmöglichkeiten beobachtet worden. Besonders ungünstig hat sich die Arbeitsmarktlage in Berlin, Schleswig- Holstein, Hamburg und Bremen, im Rheinland und Westfalen, in Hessen und der Pfalz entwickelt. Auch in den Bezirfen mit einem an sich noch günstigen Beschäftigungsstand ist die Bewegung eine rückläufige( Pommern, Brandenburg, Württemberg) zum Teil in sehr starkem Maß( Dit preußen, Hannover, Prov. Sachsen). Im einzelnen wird gemeldet: Die Landwirtschaft stößt die letzten Saisonträfte ab. Im Bergbau blieb die Aufnahmefähigtet gering; verschlechtert hat sich vor allem wieder die Lage im rheinisch westfälischen Steinfohlenbergbau; auch anderwärts macht sich Rüd gang geltend. Im Braunkohlenbergbau war der Kräftebedarf sehr gering, in der Kaliindustrie( Thüringen) gestalteten sich die Ausfichten ungünstiger. Vom Erzbergbau werden weitere Entlassungen gemeldet. In der Industrie der Steine und Erden hat der Rückgang der Nachfrage nach Arbeitsfräften angehalten. Erhebliche Einschränkungen sind in der Porzellanindustrie beabsichtigt. Die Verschlechterung der Situation in der Metallindustrie hat angehalten. Einschränkungen und Entlassungen wurden aus faft allen Bezirken gemeldet. Die Arbeitsmarktverhältnisse der demischen Industrie blieben uneinheitlich. Im Spinnstoff gewerbe berichten die meisten Bezirke noch überwiegend günstig. Berschlechtert hat sich die Lage in Brandenburg, Schleswig- Holstein und im Rheinland, uneinheitlich ist sie in Schlesien. In der Papierindustrie, wie in der Papier erzeugenden Industrie, ift der Beschäftigungsgrad mehrfach zurückgegangen. Auch die Zederindustrie zeigt weiter rückläufige Bewegung, ebenso die Gummiinduſtrie. Die Verschlechterung des Arbeitsmarktes im Holzund Schnigstoffgewerbe hält an. Im Nahrungs- und Genuß mittelgewerbe war die Zuckerindustrie aufnahmefähig, doch fließ die Süßwarenindustrie überwiegend Kräfte ab. Die ich industrien meldeten uneinheitlich. Im Bekleidungsgewerbe setzte sich die Berschlechterung der Arbeitsmarktlage in allen Zweigen, besonders in der Schuhindustrie, fort. Mit wenigen Ausnahmen hat fich die Lage im Baugewerbe erheblich verschlechtert, nur für Stein. feger bietet sich noch Arbeit. Im Bervielfältigungsgewerbe und im Lerfehrsgewerbe ist die Lage wenig verändert. Konsum- Genossenschaft Berlin und Umgegend. Der erste Geschäftsbericht der Konsumgenossenschaft Berlin und Umgegend nach der Stabilisierung der Währung gibt wieder Anhaltspunkte für die Entwicklung der Umfaßtätigkeit in dieser großen Genossenschaft, nachdem vorher die Papiermark rechnung fast alle Vergleichsmöglichkeiten über den Haufen geworfen hat. In dem am 30. Juni abgelaufenen Geschäftsjahr wurden Um säge in Höhe von insgesamt 27,38 Millionen Mark erzielt, das sind 58 Proz. mehr als im Jahre 1913/14, mobei jedoch die Steigerung der Preise um mindestens 30 Pro3. zu berücksichtigen ist. Der erhöhte Umjaz verteilt sich auch auf einen größeren Mit | ( 624 Millionen Rubel) um 70 Bro 3. erhöht worden sind, sind die Ausgaben für Voltsbildung, Gesundheitswesen und Sozialversicherung( 221 Millionen Rubel) lediglich um 37 Bro3. gesteigert worden. Aeußerst charakteristisch sind folgende Zahlen: Während die militärischen Ausgaben( Armee und Flotte) 16,5 Pro 3. des Ausgabenetats bilden, betragen die Ausgaben für Volksbildung im Staatsetat lediglich 4 Proz. Hier muß freilich eingeschaltet werden, daß in den örtlichen Etats noch etwa 200 millionen Rubel für Bolksbildung verausaller Ausgaben betragen. Berücksichtigt man aber, daß in Sowjetgabt werden, und daß sämtliche Ausgaben für Kulturzwecke 10 Proz rußland alle nicht in den Händen des Staates befindlichen Lehr anstalten, Krippen, Asyle und sonstigen Kulturinstitutionen verboten find, so ergibt sich, wie verschwindend klein die Ausgaben des Staates für Kulturzwecke im Vergleich mit denen für Militär, Polizei und sonstige Verwaltungszwecke find. Die Ausgaben für die Staatspolitische Verwaltung( Ticheta), für die Kommunistische Partei und für die Kommunistische Inter nationale find im Etat nicht angeführt. Sie sind in irgendwelchem Posten des Etats verborgen, vermutlich in dem Reservefonds Berfügung gestellt worden ist. Don 125 Millionen Rubel, der dem Rat der Volkskommissare zur Donnerstag, 26. November 1925 Berbraucher das Opfer der Lodartikel und des Zugabewesens. Die Luftballonseuche" hat sogar einige hiesige, sonst als folide befannte Barenhäuser und Spezialgeschäfte infiziert. Obwohl die Säuberung des Einzelhandels von den Inflations. gründungen weiter fortschreitet, tauchen hier und da immer wieder neue Geschäftchen auf, die nach furzer Scheinblüte dahinfiechen und schließlich zu Wohnungen umgebaut werden. schütterlichen Glauben an unsere fieghafte Idee werden wir auch Im Bewußtsein unserer inneren Stärfe und in dem unerdiese üblen Begleiterscheinungen überwinden, die wirklich nicht neu sind und nur noch als legte trampfhafte Wiederbelebungsversuche gewertet werden können. Abbau der internationalen Handelsbeschränkungen. Der Wirtschaftspolitische Ausschuß des Bor. läufigen Reichswirtschaftsrates stimmte einmütig einem von der Reichsregierung zur Begutachtung vorgelegten Gefeßentwurf über den Verkehr mit Lebensmitteln und anderen Bedarfsgegen ständen( Lebensmittelgesetz) zu. Dieser Gesehentwurf soll an die Stelle des Nahrungsmittelgefeges vom 14. Mai 1879 treten und die Erfahrungen, die bei der durch mehr als vierzig Jahre ausgeübten Anwendung des Gesetzes Don 1879 gesammelt worden sind. verwerfen. foll u. a. die Kontroll befugnis, die sich allgemein auf die Es wurden Ergänzungen und Aenderungen angenommen, so Beamten der Polizei erstreckt, beschränkt werden auf die mit der Ueberwachung des Verkehrs mit Lebensmitteln und anderen Bedarfsgegenständen beauftragten Beamten der Polizei. Nur wenn Gefahr im Verzuge ist, sollen auch die Beamten der allgemeinen Polizei zu den Kontrollen befugt fein. Weiter wurde ein von der Reichsregierung dem Wirtschaftss politischen Ausschuß zur gutachtlichen Aeußerung vorgelegter Entwurf einer internationalen Bereinbarung zur Aufhebung der Ein- und Ausfuhrverbote und beschränkungen besprochen. Dieser Entwurf ist vom Wirtschaftsausschuß des Bölterbundes vorge schlagen und gründet sich auf die in Artikel 3 des internationalen förmlichkeiten vorgesehene Abmachung. Abkommens vom 3. November 1923 zur Vereinfachung der Zoll. fich die Vertragsstaaten, wegen der ernsten Hindernisse, die förmlichkeiten vorgesehene Abmachung. Hiernach verpflichten dem internationalen Handel aus den Ein- und Ausfuhrverboten und Beschränkungen erwachsen, sobald als möglich Maßnahmen zu treffen, die geeignet sind, diese Berbote und Beschränkungen auf ein Mindestmaß herabzusetzen. rung wird laut dem Voranschlag die Höhe von 12,2 Rubel erreichen Die steuerliche Belastung pro Kopf der Bevölke ( die Gesamtsumme der Steuern beträgt 1695 Millionen Rubel); diese Belastung übersteigt die Borkriegsbesteuerung, die zusammen mit der Branntweinsteuer 12 Rubel pro Kopf der Bevölkerung beträgt. Allerdings wird die Steuerlast durch die gesunkene Kaufkraft des Tscherwonez fast um die Hälfte verringert ( die Kaufkraft des Tscherwonez betrug am 1. Oftober 1925 4,65 ſtatt Der Wirtschaftspolitische Ausschuß beschloß, zur weiteren Be völkerung betrug im Jahre 1913 101 Rubel, während sie in diesem einzusetzen. der seine Beratungen unter Zuziehung von Sachver 10 Borfriegsrubel). Aber auch das Einkommen pro Kopf der Behandlung der Frage einen neungliederigen Arbeitsausschuß Jahre nur 50 Borkriegsrubel, d. h. genau die Hälfte betrug. Folglich ständigen aus den beteiligten Wirtschaftskreisen demnächst be hat sich die Steuerlaft prozentual der Vorkriegsbelastung genau ginnen wird. Die Einnahmen- und Ausgabenposten des Etats legen Zeugnis ab von der Besserung der Staatsfinanzen Sowjetrußlands. Der Etat ist aber nach wie vor auf der steuerlichen Belastung der werftätigen Bevölkerung und auf der Herabdrückung der kulturellen Aufwendungen aufgebaut. Wie in den vorhergehen den Jahren wird auch jetzt bei den Etatfragen die Meinung der Bevölkerung nicht eingeholt werden. Die Stimme der freien Kritik darf auch jetzt im Lande nicht erschallen. Das Geheimnis der Ein. treibung und Berausgabung der Volksmittel wird in Sowjetrußland sorgfältiger bewahrt als in vielen Ländern mit bürgerlichen Regierungen. Kommunistische Regierungsmethode! A. Jugom sprünglich in Aussicht genommenen Geldgebern auf Schwierigkeiten Die geplante große Städteanleihe in Amerifa ist bei den ur. gestoßen. Bie BTB. von zuverlässiger Stelle erfährt, find die Ver. handlungen, welche die Deutsche Girozentrale mit der National City. hat, abgebrochen. bant in New York wegen Aufnahme einer Auslandsanleihe geführt mehr mit einer anderen namhaften amerikanischen Bantengruppe Die deutsche Girozentrale verhanden mun und hofft, demnächst von der Aufsichtsbehörde die Genehmigung zur Aufnahme einer Gemeinschaftsanleihe für die deutschen Städte zu erhalten. Die Verhandlungen sind bereits so weit geflärt, daß Aus. ficht vorhanden ist, die Anleihe in furzer Zeit in Amerifa zu pla cieren. Attienaustausch zwischen der Stadt Düffeldorf und den rheinischwestfälischen Elektrizitätswerken. Zwischen dem Rheinisch- Bestfälischen Elektrizitätswert und der Stadtverwaltung Düsseldorf find Berhandlungen über einen Aftienaustausch nunmehr zum Abfluß gekommen. Die Stadt Düsseldorf übernimmt von dem RheinischWestfälischen Elektrizitätswert für 1 Million Mart Aftien 100 000 m. der Rheinischen Bahngesellschaft und zahlt darauf ein Aufgeld von Das Rheinisch- Westfälische Elektrizitätswert erhält von der Stadt Düsseldorf für 1 Million Mark eigene Aftien. gliederfreis als damals. 1913/14 gab es in Berlin 86.514 in der Konsumgenossenschaft organisierte Mitglieder; am Ende des letzten Geschäftsjahres waren es 154 032, d. f. 8736 weniger als im vergangenen Jahre. Entsprechend dem vergrößerten Mitgliederkreis ift gegenüber der Vorkriegszeit auch die Zahl der Warenverteilungsstellen vermehrt worden. Insbesondere sind inzwischen die Warenhäuser und die Fleischspezialläden ausgebaut worden. Berüc sichtigt man all diese Umstände, so kann troß sichtbaren Aufstiegs der Bewegung nach den Schädigungen der Inflation nicht verkannt merden, daß die Berteilungsstellen der Konsumgenossenschaft nur unzureichend ausgenugt sind. Der Geschäftsbericht begründet diese Tatsache mit der zunehmenden Kreditgewählich wird. Entsprechende Anträge sind beim Temobilnadungs. rung des Einzelhandels an seine Käufer.„ Das Ab. zahlungswesen hat wieder einen ungeahnten Umfang ange. nommen, sehr zum Schaden der Verbraucher. Wir lehnen diese Pumpwirtschaft grundfäßlich ab, weil sie den Verbraucher immer mehr ins Elend hinabzieht." insgesamt 10,9 Millionen Mart auf, darunter 2,48 Millionen Mart Die Bilanz des Unternehmens zählt Bermögenswerte von zinsbar angelegte Gelder und Außenstände und 780 659 M. Be teiligungen an genossenschaftlichen Unternehmungen, das übrige in der Hauptfache Anlagen und Vorräte. Die Geschäftsanteile der Mitglieder belaufen sich auf 718 594,12 M., die Reserven auf 1197 853 m. Unter den aufgenommenen Geldern machen die Epareinlagen mit 6,2 Millionen Mark den Hauptbestand aus. Warenschulden stehen mit 1686 172 M. zu Buch. Die Gewinn- und Verlustrechnung ergibt einen Be triebsüberschuß von ziemlich genau 6 Millionen Mart, zu dem noch. ein kleiner Betrag aus Erträgnissen der Grundstücke kommt. 275 057 m. werden für Abschreibungen verwandt. Die Betriebslaften erforderten 5,4 millionen Mark und zwar 1,7 Millionen Mart an Handlungsunfoften, 2,96 Millionen Mart an Gehältern und Löhnen und Steuern. Nach Abzug dieser Konten und sonstiger Laften vernicht weniger als 781 584 Mart an bleibt ein Reinüberschuß von 168 035,91 m. Ueber eine Reihe von Einzelheiten der geschäftlichen Entwid. lung fonnten wir bereits im Anschluß an die diesjährige General versammlung in Nr. 547 unferes Blattes berichten. Interessant find noch die Ausführungen, die der Vorstand der KGB. im Geschäftsbericht zur allgemeinen Entwidlung der Wirtschaftslage macht: den Bährungsverfall find immer noch nicht ausgeglichen. " Die Erschütterungen des ganzen Wirtschaftslebens durch Die am Ende des Vorjahres noch vorhandene leichte Besserung der Konjunktur auf dem inneren Wirtschaftsmartte schlug bald wieder in eine heftige rise um. Erst im September machten sich Beichen ciner leichten Besserung bemerkbar. Jmmer noch Jechenstillegungen Die Rheinischen Stabl stillgelegt wird, wodurch rund 500 Arbeiter und Beamte zur Ente werte teilen mit, daß die Zeche Zentrum 2/5 am 15. Dezember laffung tommen. Die Gefellichaft wird zum gleichen Zeitpunkt auf der Zeche Brasiert eine Fördereinschränkung in Höhe von 350 Tonnen täglich vornehmen, wodurch die Entlassung von 300 Mann erforder fommisiar gestellt. Auf der Zeche Arenberg derfelben Geiellid aft ioll die Förderung um 700 Tonnen arbeitstäglich eingeschränft Schachtanlagen ohne Inanspruchnahme des Demobilmochrnes werden. Man will veriudhen, die Fördereinschränkung auf den vier fommissare zu erreichen. Anstrengungen, in den Vereinigten Staaten in erhöhtem Maße Ein britischer Konfektionstrust in Amerita. Die englische Textil und Bekleidungsindustrie macht in der letzten Zeit ganz auffallende Fuß zu fassen. Erft fürzlich wurde festgestellt, daß die beiden großen amerikanischen Warenhaustrusts Wanamaker und Marshall Field u. Co. umfangreiche Boften englischer Konfettionswaren aufgetauft und auf den Markt gebracht haben. Der Konfektionär" erfährt nunmehr, durch Kabelbericht feines New Yorter Korrespondenten von einem neuen englischen Projekt, dem ganz besondere Bedeutung zukommt, weil es eine ziemlich starke Konkurrenz für New York, Brooklyn, Buffalo, Boston, Cleveland, Detroit, Chicago, die Herrenkonfettion in New York und Rochester bedeutet. In Newhaven, Saintlouis ist ein Filiallädentonzern in Gründung begriffen, der ausschließlich importierte britische Herrenmäntel sowie in Amerifa angefertigte Anzüge aus britischen Stoffen zu einer Durchschnittspreislage von 30 bis 60 Dol lar verkaufen soll. Bon der größten Kunstfeidefabrik des Kontinents. Gelegentlich einer Finanztransaktion der Snia Biscofa, der großen italienischen Gesellschaft für die Fabrikation von Kunstseide, werden Zahlen über die Entwicklung dieses Riefenunternehmens bekannt. Die Snia 1 Milliarde Lire( etwa 200 Millionen Goldlire). In drei großen Biscofa wurde 1917 gegründet. Das Kapital beträgt heute Fabriken( eine vierte ist im Bau) beschäftigt sie heute eine Beleg schaft von 20 000 Mann. Die Kunstleide produktion, bie 1920 aufgenommen wurde, betrug 1920 538 353 Kilogramm. In den vier Jahren bis 1924 wurde sie auf das Zehnfache resteigert und Derdoppelt, 1922 mit 1679 715 Rilogramm verdreifacht, 1923 mit zwar in folgendem Verhältnis: 1921 mit 918 145 Kilogramm faft verzehnfacht. Der Reingewinn betrug 1923 28,1, im Jahre 2 994 274 Rilogramm faft versechsfacht, 1924 mit 5 301 427 Kilogramm 1924 betrug er 60,07 millionen Lire. Wenn dieses Bachstum auch unter dem Schuß der Inflation erfolgte, so ist es doch ungeheuer. Ganz naturgemäß beeinflussen diese Schwanfungen die ohn Beschäftigung ausländischer 3ngenieure in Rußland. und Arbeitsverhältnisse der Gehalts- und Lohnemp. Comjeipreffe veröffentlicht längere Ausführungen über die Cia Die fünger jehr start und müssen sich auch in der Wirtschaftsstellung ausländischer Facharbeiter und Ingenieure in un führung dieser Berbrauchergruppen auswirken. Methode. ber Steuereintreibung durch die Lohnfummensteuer be- Chimugol, des Zuckertrusts, des Pedertrusts und des Donugol jolle Die raffinierte Staatswerfen und Trusts. Die Produktion z. B. des Jugostalj, des dingt ein weiteres Ginten der Konsumtraft der Arbeit sich vom nächsten Frühjahr ab um 100 Broz. fteigern. Da es aber nehmer. an Ingenieuren mangele, sei beschlossen worden, aus Deutschland und anderen westeuropäischen Staaten Ingenieure und Technifer zur Arbeit heranzuziehen. Augenscheinlich stößt eine solche Maßnahme die ruffischen Spezialisten und die Berte von der Notwendigkeit einer auf Widerspruch, denn die Blätter bemühen sich umständlich, bevorzugten und loyalen Behandlung der Ausländer zu überzeugen. Den fremden Ingenieuren sollen große materielle Bergünstigungen gewährt werden, Alle diese Erscheinungen müssen das Ergebnis einer Ber braucherorganisation ungünstig beeinflussen. Hinzu tommt noch die ihr eigenen Miltein auf den Räuferfang auszieht. Diese Herrschaften immer schärfer auftretende Schmugtonturren3, die mit den denten gar nid, t daran, dem Verbraucher zu dienen. Die größtmögliche Steigerung des eigenen Gewinns ist die Triebfeder aller ihrer Handlungen. Nur zu leicht wird der in seiner Rauftraft geschwächte Beamtendebatte im Reichstag. Annahme des Notetats. Es bestehe jetzt die Möglichkeit, materiell zu verhandeln und den Beamten praktisch zu nühen. Die Kommunisten dagegen hätten nur Agitationsanträge gestellt, von denen fie von vornherein wiffen mußten, daß fie den Beamten feinen praktischen Nutzen brächten. berg. Sauptstr. 122-123, der Genoffe Staatsbangler a. D. Dr. Karl Renner über Sozialismus und Sozialisierung". Die Genoffinnen und Genossen der Nachbarkreise sind herzlichst eingeladen. Gäfte, durch Mite glieder eingeführt, haben Rutritt. Heute, Donnerstag, den 26. November: CBD.- Metallarbeiter, 4. Bezirk. Nachmittags 4 Uhr Bersammlung bei Lojal, Benmestr. 8. Erscheinen unbedingt notwendig. Der Frattionsvorstand. Straße 62, Gruppenversammlung. Gruppe Charlottenburg: 7½ Uhr int Jugendheim Rosinenstr. 4, Vortrag: Die Junasozialistin". Referentin Elsbeth Linnede. Gruppe Friedrichshain: 7 Uhr im Jugendheim Tilter Str. 4, Bortrag: Gerrit Engelfe. Referent Walther G. OfchiYemiti. Gruppe Neulön I: 8 Uhr im Jugendheim Stogatstr. 11-12, Aussprache über das Referat Ronjunttur und Konjunkturpolitit". Refe rent Dr. Topf. Gruppe Treptow: 7 Uhr im Jugendheim Elfenftr. 3, wichtige Mitgliederversammlung. Präsident Cöbe eröffnete die gestrige Reichstagsligung um 3 Uhr 30 Minuten und teille mit, daß der Weltestenrat und der Die Beschwerde der Kommunisten über die lange Dauer der ReGeschäftsordnungsausschuß sich mit dem kommunistischen Antrag gierungsbildung rühre daher, daß sie feine Borstellung davon haben, Jungsozialisten. Gruppe Prenzlauer Berg: 7½ Uhr im Jugendheim Danziger auf Wiederzulaffung der bei den Zollfämpfen ausgeschlosse wie es dabei zugeht.( Große Heiterkeit.) Sie würden dem Bolfe nen fünf tommunistischen Abgeordneten beschäftigt einen besseren Dienst leisten, wenn sie sich dazu bereit erklärten, ein habe. Es wurde auf die lange Zeitdauer feit dem Ausschluß ver. Stück Verantwortung zu übernehmen. Es stehe jedenfalls mielen und auf die Wichtigkeit der bevorstehenden Locarno Abftim. fest, daß die Sozialdemokratische Fraktion und wie man gerechtermungen, bei denen es auf jede Stimme ankommen fönne. Nachweise sagen müsse, auch andere Fraktionen heute morgen alles getan der Geschäftsordnung ist eine Zulaffung aber nicht mög. hätten, um die Beamtenfrage ein Stüd vorwärts zu bringen. Der Notetat wird dann mit dem Antrage Guérard lich. Abweichungen von der Geschäftsordnung find jedoch zulässig, angenommen. menn niemand widerspricht. Der Präsident stellt dann feft, daß niemand Widerspruch dagegen erhebt, daß die kommuniftifchen Abgeordneten von morgen, Donnerstag, an wieder zugelaffen werden. Der Gesezentwurf aur Aenderung der Bestimmungen über die Errichtung der Deutschen Rentenbanffrebitanstalt, der mur formelle Bedeutung hat, wird ohne Aussprache angenommen. Es folgt die dritte Lefung des Noletats, ber in der zweiten Lesung bis zum 31. Dezember befristet worden ist. Abg. v. Guérard( 3.) beantragt, die Befristung bis zum 31. Januar 1926 auszudehnen. Abg, Stoeder( Komm.) fieht in diesem Antrage die Absicht der bürgerlichen Parteien, den Kuhhandel über die Regierungsneubildung bis zum Januar zu verschleppen. Abg. Fehrenbach( 3.) erflärt, die Vorlage habe mit Kuhhandel und Regierungsbildung überhaupt nichts zu tun. Man wolle den Etat im Dezember unter allen Umständen erledigen, habe aber nicht die Sicherheit, daß das der Fall sein werde. # Abg. Müller Franken( Soz.) schließt sich dieser Auffassung an, denn es werden im Dezember noch wichtige Angelegenheiten zu er ledigen sein. Abg. Neubauer( Komm.) wirft den anderen Parteien vor, fie hätten fein Intereffe für die Beamten, weil sie den kommunistischen Antrag auf sofortige Erhöhung der Beamtengehälter im Ausschuß abgelehnt hätten. . Abg. Müller Franken( S03.) weist diese Borwürfe entschieden zurüd. Bei der Notlage der Beamtenschaft sei es nicht erträglich gewesen, die Frage der besseren Besoldung noch länger hinauszu schieben. Es habe beshalb alles geschehen müssen, um eine Verständigung zwischen den Parteien herbeizuführen. Die Regierung sei darum ersucht worden, die Unterlagen für die finanzielle Auswirkung der vorliegenden Anträge beizubringen. Das foll bis zum 9. Dezember geschehen. Die Ergänzung zum Haushalt der allgemeinen Finanzverwal tung wird in zweiter Lesung angenommen Donnerstag 1 Uhr: Zweite Lesung des Locarno- Gesetzes. Schluß gegen 4 Uhr. Die Dispositionen des Reichstags. Der Aeltestenrat des Reichstags hat die Dispofition über die Geschäftslage der nächsten Tage tahin geändert, daß, nachdem am Freitag das Locarno- Gesetz in dritter Lesung erledigt sein wird, der Sonnabend dieser und Montag der nächsten Woche von Plenar. figungen freibleiben sollen. Am Dienstag nächster Woche wird der russische Handelsvertrag in erster und der italie. nische Handelspertrag in zweiter Lefung beraten werden. Am Mittwoch wird die dritte Lesung des Haushaltplans für 1925 begonnen werden, und zwar sollen diesmal die Beratungen der Einzeletats vorweggenommen und die in dritter Lesung übliche Generaldiskussion erst später vorgenommen werden. Die Beratun gen werden mit dem Etat des Reichsministeriums für Landwirtschaft und Ernährung beginnen. Am Donnerstag wird das Knapp schaftsgesetz und eventuell die Anträge über die Abfindung der Fürstenhäuser beraten werden. Ueber den Beginn der Weihnachtsferien ist noch nichts bestimmt, die Ferien werden etwa am 16. oder 20. Dezember eintreten. Parteinachrichten Einsendungen für diese Rubrik find Berlin B. 68. Lindenstraße 3. für Groß- Berlin ftets as bas Bezirkssekretartat. 2. Sot, 2 Tzes. rechts. an richten 6. Rreis Kreuzberg. Freitag. ben 27. November, abenbs 7 Uhr, bei Schweißardt, Röpenider Str. 166, Sihung bes engeren Kreisvorstandes. 11. Kreis Echöneberg- Friedenau. Abteilungsleiter: Seute Donnerstag, den 26. November, in der Spedition Sandzettel abholen zur Renner- VerfammIung. Die Bezirksführer werden gebeten, einzuladen. Sonntag, den 29. November, vormittags 11 Uhr, spricht in der Schloßbrauerei Schöne Morgen, Freitag, den 27. november: 62. Abt. Spandau- Siemensfladt. 8 Uhr bei Gundheim, Mitgliederversammluna. 101. Abt. Treptow. 7½ Uhr in der Spedition Graekstt. 50, Sikung bes Abteilungsvorstandes. Junglozialisten. Gruppe Lantwik: Pünktlid) 8 Uhr bei Lehmann. Raifer. Die Wilhelm- Str. 29-31, Forifegung des Bortrages über Rußland. Barteigenoffen find freundlichst eingeladen. Gruppe Schöneberg: Büntte lich 7 Uhr Einweihungsfeier im neuen Jugendheim, Sauptstr. 15. Vorträge, Vereine und Versammlungen. Reichsbanner Schwarz- Rot- Gold". Gefchäftsstelle: Berlin G. 14. Gebaftianftr. 37/38. Sof 2 St. Mitte: Fr., b. 27., abends 7% Uhr, Residenz- Feftfäle, Landsberger. Straße 31, Bollverf. Bortrag des Kameraden Romad: Die Reichs. verfaifung". Ohne Mitgliedstarte tein Rutritt. Sonntag, den 29., vormittags 8 Uhr, Antreten Stett. Borortbhf. mit Tambourkorps. Friedrichshain: So.. b. 28., nachmittags 5% Uhr, Antreien Romtureiplag mit Tambourkorps und Fahnen. Sonntag, den 29., vormittags 11.45. Uhr, 1., 5., 7. Geftion Antreten Memeler, Ede Billauer Straße, aum Besuch der Arbeiterwohlfahrtsausstellung. Wilmersdorf: Go., d. 28.: Rameraben nach Berge fahren abends 6.45 Uhre ab Jungfernheide mit Rug nach Nauen. Rehlendorf: Do., b. 26., abends 7 Uhr, Antreten bei Schnorve aur Teilnahme in Dahlem. Go., d. 28., Fami lienunterhaltungsabend im Lindenpart, Berliner Straße. Anfang des Tanzes 7 Uhr. Sichtenberg und Untergruppen: Do., b. 26., nachmittags 2.40 Uhr, alle bienstfreien Rameraden Bhf. Raulsdorf zur Teilnahme an der Belfekung Sonntag, den 29., vormittags 8 Uhr. Antreten sämtlicher Jungmannschaften Marktplak. Rüdtehr gegen 1 Uhr. unferes verstorbenen Rameraden Rarl Bollat. Pankow mit Untergruppen: 1 Arbeiter Rabfahrer- Bunb Colibarität. Achtung, Bundesgenoffen! Donners tag, den 26. November, 3 Uhr Schlef. Tor, Sammelstart mit Banner zur Ein äfcherung unferes Bundesgenoffen Wilhelm Sollfchemis( 3. Abt.). Arbeiter- Mandolinenflub Stern( Mital. d. DAMB.). Die Uebungsabende finden jest wieder regelmäßig jeben Freitag im alten Bereinslotal, Schulze, Embener Str. 32, Ede Siemensstraße, statt. Reue Mitglieder( Blattipieler) werden noch aufgenommen. Arbeiter- Radio- Rlub. Abt. Sichtenberg: Jeben Freitag, 8 Uhr, Bastelabend im Lotal Weid felftr. 11. Buddhistisches Saus Berlin- Frohnan. Montag, den 30. November. abends 8 Uhr, Bortrag über Buddhismus und Fragebeantwortung. Sörwillige find willkommen. Berliner Montags- Schuh- Börse. Gründungsfeier Dienstag, ben 8. Dezem ber, abends 8 Uhr, in den Gesamträumen von Haverlands Feftsälen, Reue Friedrichstr. 35( Eingang Rochstraße). UND WENN EINMAL DAS GELD NICHT REICHT, KAUFT MAN BEL FEDER FEDERLEICHT 20% R RABATT auf die geleistete Anzahlung werden dem Vorzeiger dieses Inserates in allen unseren Abteilungen bis zum 30. ds. Mon. sofort gutgeschrieben KLEIDUNG KREDIT DAMEN PELZE FÚR DAMEN HERREN AUR AUF KREDIT feder Brunnenstraße 1 Frankfurter Allee 350 Kottbuser Damm 103 Charlottenburg, Scharrenstraße 5 Durch die Gewährung der obigen 20% Rabatt fallen alle anderen Vergünstigungen fort B QE Das Kruschen- Kraft- Gefühl ٢٣٣٣ Er singt im Bade! Ja, er singt jeden Morgen in seinem Bad, denn er muss seinem Wohlbefinden Luft machen er muss singen, so gesund und so stark fühlt er sich! Die kleine tägliche Dosis Kruschen hält ihn ganz ,, fit", sein Blut, seine Leber und Nieren, seine Verdauung, alles funktioniert bei ihm ganz normal. Millionen Menschen sind immer müde und abgespannt, fühlen sich energielos, In Kaffee oder Tee nicht zu schmecken! Eine ganz kleine Messerspitze voll jeden Morgen In die erste Frühstückstasse! In Apotheken und Drogerien M. 8,00 pro Glas, für 3 Monate ausreichend. finden nachts keinen Schlaf, sind nervos und überanstrengt- ein Beweis dafür, dass ihr Stoffwechsel nicht in Ordnung ist, dass ihr Blut nicht rein und gesund ist und dass ihre Nieren und Leber nicht arbeiten, wie sie sollen. Nehmen Sie deshalb jeden Morgen in Kaffee, Tee oder warmem Wasser eine ganz kleine Dosis Kruschen, das wird Sie immer in Ordnung halten. Kruschen Salz Die tägliche kleine Dosis macht es! Beuthien& Schultz G. m. b. H., Berlin N 39, Pankstrasse 13/1 Ah! Jetzt wieder die gute Belle Margarine Unterhaltung unö Wissen Seilage des vorwärts vouuecstag 2o. November 1925 das Nachspiel. Bon Charlotte Kirsten� Ts nebelte leicht über dem See: verschwommen standen die Baumgruppen im Garten. Der Herr Generaldirektor schloß fröstelnd die großen Verandasenster und begann behaglich den heißen Tee zu schlürsen. Die Zeitung brachte wie gewöhnlich wenig Erfreuliches— er kniff den Mund ein. drückte das Monokel tiefer in die Augenfalte. Wahrhaftig!—«in ganz gehöriger Ruck nach links! Fatal, höchst fotal!>— Aus jeder Spalte nur Unangenehmes— schlechter Stand der- Papiere, Notlage der Agrarier, Lohnforderungen, Streits— widerwärtige Zustände! Wegen Arbeitslosigkeit in den Tod ge- gangen— lächerlich!. Wenn einer nur arbeiten wollte, fand er schon etwas. Tragödie der Wohnungsnot— er warf die Zeitung fort. Gottlob, die Wohnungsmisere focht ihn mchi an: er hatte sein nettes Ouatier hier draußen in Wannsee und die komfortable Winterwohnung am Kurfürstendanim, damit ließ sich leidlich' leben. Es war wohl überhaupt Zeit, daß er wieder in dir Stadt über- siedelte. Ellen rief beinahe jeden Tag an. wann er denn endlich täme, es wäre ihr so einsam in der großen Wohnung. Na. er würde- morgen hier Schluß machen— die kleine Frau fühlte sich anscheinend vernachlässigt— und von der Reise her war er ja eigentlich etwas in ihrer Schuld— obgleich— sie wird in Gastein auch schon ein bißchen geflirtet haben— also, nur keine Heinbürger- lichen Anwandlungen. Er reckte sich wohlig, blätterte gähnend in einer Sportzeit- schrift— ein« zarte Federzeichnung fiel ihm daraus entgegen. Gut, daß sie ihm die Hände kam— die mußte verschwinden.. Ellen konnte manchmal komisch sein— schließlich bekam diese belanglose Sache noch irgendein unangenehmes Nachspiel. Eigentlich ein recht nettes Motiv, diese windzerzauste Birke, ganz dünn und zerbrechlich neben dem massigen Hünengrab: eine ganze Portion Können steckte unzweifelhaft in der Sache— schade, daß sie ihr« Zeit mit Muster- zeichnen vertrödeln mußte. Nur peinlich die Widmung da in der Ecke:.Die Birk« allein hätte drum gewußt!"'. Wozu das nun—- das hätte sie. sich wirklich sparen können. Sie wurde ihm jetzt überhaupt reichlich lästig— diese ewige Schreiberei-- bereits zwei Briefe in den acht Tagen fett er abgereist war. Zu dumm, daß sie damals sein« Wannseer Adresse zufällig herausbekommen hatte! Was wollte sie denn noch? Solch« Nein« Aadebekanntschaft— na ja. e» war ja vielleicht«in bißchen weit gegongen-- aber immerhin— so etwas ist doch mit dem Ab- reisetog erledigt. Sie hott« sich ja entschieden mehr engagiert— versiebte, kleine Kröte— und immer dieses gekränkte, Vorwurfs- volle Gesicht, wenn er ihre oft recht unbequemen, läftig-ernsten Fragen mit irgendeiner kleinen frivolen Redensart abzutun ver- suchte. Er hätte ihr vielleicht doch lieber sogen sollen, daß er ver- heiratet sei, er wäre sie dann schneller los geworden.— Freilich— wenn er ihr damals reinen Wein eingeschänkt hätte— ganz so weit wäre es dann wohl nicht gekommen— es war so schon nicht ganz leicht gewesen. Uebrigens— er griff midier nach der Zeitung— richtig, morgen war der tS.— da sollte er ja an sie denken— Ihr Urlaub war dann zu Ende, und sie mußte wieder hinein in dt« Tret- mühl«. Wie resigniert sie dos damals gesagt hotte. Angenehm mußt« es ja auch nicht gerade sein, in einem Zimmer nach dem Hof hinaus, wo.den ganzen Tag über da» Licht brannte und im Neben- räum die Maschinen stampften. Muster nachzuzeichnen. Wie das ein Mensch aüchasttn tonnte, immer diese verbrauchte Lust einzuatmen, die Augen anstrengen, fortwährend gebückt sitzen, totmüde, unbe- zahlte Ueberswnden machen— und da» Jahr au». Jahr ein, und da, Gehalt auch nicht gerade erstklassig. Er schüttelte sich, steckte sich eine Zigärette an. Aber schließlich.— sie bekam doch volle 14 Tage Urlaub im Jahr, da konnte sie sich genügend erholen. So schlimm war es also schon nicht. Auch sind ja solche Leute unvergleichlich robuster. Verärgert stand er auf, nahm die Hundepettsche vom Tisch, ließ sie ein paar mal klatschend durch die Lust sausen.— machte sich zum Ausgehen fertig und pfiff der Dogge. Es war recht einsam im herbstlichen Wald, da» Sonntags- Publikum kam letzt erst nachmittags hier heraus. Mall spiegclle hos Wasser in.der Sonne, es roch feucht und moorig vom See her— der Hund schnoberte im raschelnden wellen Laub. Aus der entgegengesetzten Richtung kam jemand rasch den Weg zum See herab. Er tniss die Augen ein— Donnerwetter war da« mcht---? das hatte noch gerade gefehll!— Zum Aus- weichen war es schon zu spät— vielleicht war e» auch besser so— man kam dann endlich einmal mit dieser verflixten Geschichte zu End«.•. Er tippte grüßend an den Hut. .Schon von der Reis« zurück? Ich glaubte. Sie würden erst heut« abfahren?' Sie ließ die Hand sinken, die sie ihm entgegengestreckt hall«.— .Seit wann sagst Du denn.Sie' zu mir. Otto?' -.Aber, mein liebe» Fräulein, El« müssen doch selbst einsehen, daß wir uns nicht bis in all« Ewigkeit duzen können. Das tut man allenfalls während der netten Sommerwochen am Badestrand, aber wenn man dann wieder in die alt« Umgebung zurückkommt, ist man doch wieder der brav« Philister, der sich an solch kleines Intermezzo nicht mehr erinnern darf.' .Klei»«» Intermezzo?!—* sie brachte es mühsam hervor, ihr« blauen Augen starrten ihn leer in ungläubigem Richtverstehen an. .Aber ja, mein Fräulein, das müssen Sie doch eigentlich de- greifen. Ich glaube, ich hob« Ihnen auch keine Veranlassung gegeben, unsere kleine harmlose Badebekanntschoft für irgendetwas andere» zu hallen Man ist sich eben ein wenig gut gewesen, da wäre es doch wirklich schade, wenn man sich die Erinnerung daran durch nachträgliche—-— wie soll ich sagen— unvornehme Aufdringlichkeit trüben wollte, nicht wahr?' Sie fuhr zurück, blaß bis in die Lippen. ..Ich bin hierher gekommen, weil ich dachte— es— würde Sie fregen-— ich glaubte. Sie wären krank, da ich auf meine Brief« kein« Antwort bekam— ich ängstigt« mich— und nun——" Sie biß die Zähne zusammen, drängt« würgend die Tränen zurück. .Was habe ich Ihnen denn um Gottes willen getan, daß Sie jetzt so--- so zu mir sprechen— haben Sie mich denn nicht mehr lieb?' Er sah an ihr vorbei, dreht« die Hundepeitsche verlegen zwischen den Fingern hin und her: „Mein Kind, nur nicht so große Worte von Lieb« und der- gleichen. Glauben Sie mir, es ist wirklich bester, wenn wir un« nicht mehr begegnen, Sie könnten eventuell in ein« peinliche Situation kommen, wenn meine Frau davon erführe--" > 5■■.5.'..•. -- j- Sie drückte beide Fäuste vor den Mund, um nicht aufzuschreien, rang nach Atem--.Sie sind verheiratet?!--- Sie-- Sie Schuft!' Auf emmal umklammerte ihre Hand die Pellsche— ein dumpfer, klatschender Schlag— brennrot sprang ein Striemen quer über sein arrrgantes Gesicht-- und noch einer-- noch einer. Er schrie wütend auf— das Monokel flog in den Sand— die Peitsche daneben. Ohne sich nach ihm mnzusehcn, hastete sie den Weg zurück— totblaß, an allen Gliedern zitternd, ein harter feindlicher Zug stand um ihren Mund. Sie kam über eine kleine Vriicke— beugte sich über das Geländer— sah die gelben Blätter Im stillen Wasser schwimmen— da— jetzt hinunter— seinetwegen-- sie lachte schrill und gequält auf— dazu war ihr Leben doch zu wertvoll-- Gesindel! Der Unglückswurm. Den Lindwurm der Teurung, du wolltest ihn fange«! „Ich faß' die Sartelle, dann senk' ich die Preise:' wie tönte so lieblich dem Volte die weise. Han, Luther, dir fehlten die richtigen Waffen. Mit deinen Sollegen war'» nimmer zu schaffen! kaum denkste, du hast'en. jetzt ist er geschlagen: � Er huppt aus dem Kasten und hat— uns am Kragen! Goethe unö die Politik.'' Don Prof. Dr. Karl Vorländer. Im Gegensatz zu Schiller ist Goethe, obwohl gerade er allein von unseren vier Klassikern Jahrzehnte hindurch, offiziell oder in- offiziell, höhere Staatsämter bekleidet Hai, seinem eigensten Wesen nach unpolitifch. Zwar war er nicht ohne tieferes soziales Empsinden. Das zeigen nicht bloß Vers« wie„Wer nie sein Brot mit Tränen aß' und„Vom Rechte, das mit uns gsboren, von dem ist leider nie die Frage', sondern auch ein so tebendiger Ausdruck desselben, wie die noch, wenig bekannte Aeußerung in einem Briefe an Frau von Stein aus dem März 1773: wo er klagt, daß er mit der Arbell an seinem Humanitätsdroma, der Iphigenie, nicht recht vorwärts komme, weil ihn dabei beständig die Gedanken an— die hungernden Weber von Apolda störten. Aber ihm fehlt eigentlich doch das politische Tempe- rament. Politische Zielsetzungen und Forderungen wie Freihell, Gleichhett, Brüderlichkeit oder auch Patriotismus und Befreiungs- kämpf besitzen für ihn. den in der Hauptsache bloß Betrachtenden, kein« Schlagtrast(Gundolf). Selbst seine historischen Dramen Götz und Egmont enthalten zwar vielerlei politischen Stoff, tragen aber Im letzten Grunde doch unpolitisches Gepräge. Auch in der Geschichte ist ihm das Individuelle und Biographische wichtiger und inter- essanter al» das Politische, das er gelegentlich von einem bei chm sonst nicht häufig hervortretenden ethischen Gesichtspunkt aus als einen bloßen„Mischmasch von Irrtum und Gewall' bezeichnet. Den schlagendsten Beweis aber für diesen Mangel an eigentlich politischem Sinn, trotz seines oft zutage tretenden Interesses für soziale Wohlfahrts-Bildungsbestrebungen und dergleichen, bildet die auffällige Tatsache, daß die größten politischen Ereignisse seiner Zeit: die Französische Revolution, die Knechtung Europas durch Napoleon und die Wiederbefreiung von diesem Joch, ihn verhällnis- mäßig kall gelassen haben. Denn sein vielerwähntes Wort, daß mll dem Tage von Aalmy eine neue Epoche der Weltgeschichte anhebe, oder die blasse Anerkennung im sechsten Gesang von Hermann und Dorothea können doch nicht darüber hinwegtäuschen, daß ein so weltbewegendes Ereignis wie die Revolution ihn doch nur zu s» wenig seiner würdigen dichterischen Erzeugnissen wie„Die Auf- geregten',„Großkophta" und„Bürgergenerol' veranlaßt hat, während Männer wie Kant, Schiller, Klopstock und doch auch der ihm in der historischen Anschauung sonst weseneverwandtere Herder innerlich mächtig dadurch gepackt wurden. Im Grunde war Goethe in politischen Dingen eben eine wesentlich konservative, auf das Erhallen des Bestehenden unter langsamer Fortbildung zum Neuen gerichtete Natur. Unordnung erscheint ihm weniger erträglich als selbst Ungerecdtigkeit. Darum ersäsien ihm die große Umwälzung in Frankreich,«venso wie die deutsche Reformation des sechzehnten Jahrhunderts, wesentlich von dem Gesichtspunkt, daß sie„ruhige Bildung zurückgedrängt' hätten. ') Diese Interessante Untersuchung stammt au» dem türzkich erschienenen Buche„B o n M a ch i a v e l l i bis Lenin', das eine allgemeinverständliche, wissenschaftlich begründete Darstellung der neueren Staats, und Gssellschaftstheorien gibt. Verlag von Quelle und Meyer in Leipzig. In Leinenband 10,— Mk. Daß er trotz oder besser infolge seines echten Deutsä:ttims die wellbürgcrliche, über nationale Beschränktheiten erhabene Gesinnung mit Lessing, Schiller und Herder teilt, brauchen wir gerade bei ihm nicht weiter auszufi-hren. Merkwürdig ist, daß sein letztes Lebensjahrzehnt den sonst sich so gern an das Bestehende Anschließenden und aus die unmittelbare Wirklichkeit Gerichteten anscheinend in die Nähe der kommenden revolutionärsten Bewegung des Jahrhunderts, des Sozialismus, ge- bracht hat. Wir denken dabei natürlich an die iogenannte„Pädo- tzogische Proviiu' in Wilhelm Meisters Wanderjahren, die er erst im achtzigsten Lebensjahre vollendet hat. Bon revolutionärer Ge> sinnung kann dabei allerdings nicht im geringsten die Rede sein. Auch vom Zusammenhang mit wirtschaftstchen Grundlagen und verschiedenen sozialen Klassenschichten hören wir nichts, wenn, auch das Voraussehen eines bevorstehenden wcseittlich technischen und werk- tätigen Zeitalters von dem Scharfblick des Greises zeigt. Mag er nun durch eine natürliche Gegenrichtung wider die in fast völligem Individualismus oder im mittelalterlichen Romantizis- mus sich ergehende Zeit dazu veranlaßt worden sein oder durch den gleichzeitigen Saint-Simonismus in Frankreich allerlei Anregungen empfange» haben: es ist eine von oben, im Sinne eines modern gesinnten, ausgeklärten Absolutismus(dem Goethe überhaupt nahe steht), eingerichtete und geleitete-Utopie. Die Leitung haben, ähnlich wie in Platons und Mores Gemeinwesen, weitblickende, über Sonderwünsche und-interessen erhabene, das Ganze der sozialen Zusammenhänge überschauende Greise in der Hand. Alles, auch die ganze äußere Umgebung des„Bundes': Wohnung, Kleidung, Gerät, ja sogar Landschaft wird von oben herab bestimmt. Nur über Reli- gion und Sitte, Obrigkeit und Polizei wird einiges bemerkt. Die Hauptsache aber ist die Erziehung. Sie findet, wie auch bei. anderen Utopisten, in großen Anstaltsgebäuden für alle gemein- schaftlich stall, damit die Zöglinge von Ansang an„selbstische Ver- einzelung vermeiden'. Ganz moderne, erst in unserer Zeit allmählich zur Verwirklichung kommenden Züge sind, daß der gesamte Unter- richt aus Anschauung gegründet, auch die Sprachen lebendig-prak- tisch gelehrt, alles tote Wortwissen verworfen, auch körperliche Aus- bildung und technische Arbeit hoch bewertet wird. Jeder soll sich in einem Fache, am besten einem Handwerk ausbilden, das gebe höhere Bildung als„Halbheit im Hundertfältigen'. Später wird ihm dann die passende Stelle im Gemeinwesen zugeteilt. Rur auf das, was jemand leistet, kommt es an: alle Standesunterschiede fallen weg. Willtür und Laune werden, auch schon in der Erziehung, nicht geduldet. Von wirtschaftlicher„Sozialisierung" ist nicht die Rede, da- gegen soll die„pädagogische Provinz" sich mit der Zeit zu einem Weltbund erweitern. Aber als der Leitgedanke dieses Weltbundes wird doch lediglich Gemeinnützigkeit bezeichnet: Trachte ein jeder überall sich und anderen zu nützen(wie beim gleichzeitigen englischen Utilitarismus)! Wie man sieht, manche wertvolle Gedanken im einzelnen. Da» Ganze jedoch wirkt, noch dazu in der steifen, breiten und abstrakten Goetbischen Altersprache ausgeführt, recht schemenhaft und un- lebenoig, daher aus die Dauer— langweilig. Stammte der Text nicht von Goethe, würde man ihn bald beiseite legen, ja auch ja wird es mancher Leser tun. An eine praktische Wirkung hat der Dichter wohl selbst nicht gedacht: er läßt zum Schluß seine Ideal- aesellschaft, des nicht zu überwindenden Schlendrians der Alte? Well müde, zur weiteren Fortsetzung ihre sozialpädogogischen Ar- beit nach Amerika auswandern. Uebrigens zeigt auch ichon der Nebentitel„Die Entsagenden'(1) die resignierte und unfrischo Stirn- mung des Entwurfs. Sollten wir das sozialistische Ideal mit Goethe in inneren Zusammenhang bringen, so würden wir dazu swtt. diese» schemenhaften Produktes ein anderes, edleres Erzeugnis des Goetheschen Alters wählen, nämlich die wundervollen Verse de» sterbenden Faust: „Erösfn' ich Räume vielen Millionen, Nicht sicher zwar, doch tätig frei zu wohnen. Solch ein Gewimmel mächt' Ich sehn, Aus freiem Grund mit freiem Bolke steh».' �in neuer EröteU! Heber den Sensationsmeldungen des letzten Sommers au- dem Golf von Biscaya und anderen Phantastereien-über„Atlantis' ist da» Interesse für eine geophysikalisch« Erscheinung vernachlässigt worden, die schon seit Jahren die amerikanischen Geologen und Ties- seesorscher cnifs äußerste in Spannung hält. Seit Jahren werden im Gebiete der Hawai-Inseln und ihrer näheren Umgebung systema» tische Meerestiefmessnngen vorgenommen, bei denen sich herausstellte,. daß die gemessenen Tiefen unerklärliche» Veränderungen unterlagen.. Die Berichte der Dermesjungskommission sprechen für sich selbst. Es handelt sich bei den im folgenden aufgeführten Zahlen ausschließlich um die Inselgruppe des hawaiischen Archipels und zwar von der Insel Hawai bis Midway-Jsland. Es wurden gemessen zwischen der Kauai-Insel und der Rihoo-Jnsel 2423 Faden Tief«, bei der Kon- .rollmessung 2357 Faden, bei der jüngsten Messung dagegen nur noch 24. Zwischen Rihoa und Neckarinsel lauten die entsprechenden. Zahlen 341, 550 und 20 Faden, zwischen Neckarinsel und den fran- zösischen Fregatten-Sandbänken 1350, 1075 und 67 Faden. Insgesamt erstrecken sich die neu aufgetretenen Untiefen und Sandbänke vom 160. Grad westlicher Länge bis zum 178. Grad west- licher Länge und vom 22. bis 28. Grad nördlicher Breite. Die seis- mographischen Beobachtungen und Mesiungen haben ergeben, daß es sich hierbei nicht um lokale oder vereinzelte Erhebungen, sondern um ein zusammenhängendes Ganzes handelt. Die Bildung dieses- neuen Kontinents ist bereits seit Jahrzehmen im Gange. Seit 1883,- dem Jahre der Krakotaukotastrophe in der Sundasträße, hat die Schnelligkeit des Wachstums dieser geographischen Neubildung er» heblich zugenommen. Man glaubt auch, daß die Erdbeben von San Franziska im Jahre 1303 und von Japan 1323 in ursächlichem Zusammenhange mit den angedeuteten Veränderungen stehen. Die Tatsache, daß diese außerordentlich wichtigen Zusammenhänge und Entwicklungen erst jetzt in vollem Umfange bekannt werden, ist. daraus zurückzufikhren, daß es erst in den letzten Jahren gelungen. ist, seismographisch« Apparate zu bauen, die mcht nur aktuelle Kata- strophen, sondern auch die stetigen und gleichmäßigen Bewegungen der Erdrinde aufzeichnen. Eine außerordentlich interessante Situa» tion würde sich aus dem effektiven Auftauchen dieses neuen Gebietes ergeben, womit nach Ueberzeugung der amerikanischen Geologen schon im Laufe dieses Jahrhunderts zu rechnen ist. Damit würde ein neues politisches Streitobiekt im Peziiik geschaffen werden, un- gesähr von fi der Größe Javas mit Siedlungsmöglichkeiten für mehr als zwanzig Millionen Menschen. Eine schöne Erkenntnis. Ein' Oberkonsistorialrat Halle einem Taubstummen in christlicher Religion Unterricht gegeben und der Schluß seiner Erzählungen davon war immer:»Der junge Mensch hatte eine schöne Erkenntnis.' Einst erzählte er: ,.Da ich ihm, wegen seiner Taubheit, nichts durch Warte oeiständlich machen konnte, so wählte ich dazu eine bildliche Darstellung. Auf eins große schwarze Tafel zeichnete ich ihm die Lehren des Christentums: dadurch«chistt«r eine schöne Erkenntnis. Einst aber erging es mir ganz sonderbar mit ihm. Ich hatte ihm nach und nach die zehn Gebote und deren Uebertretung aus die Tafel gezeichnet, indem ich ihn, in der Hölle unter Flammen, zwischen zwei Teufeln, die ihn geißelten, darstellte. Er hatte diese Abbildungen lange und mit vielem Ernst betrachtet, endlich aber schien er in Zorn zu geraten. Er sprang ganz unerwartet auf mich zu, riß mir Schwamm und Kreide aus der Hand, löschte sich auf der Tafel aus und malte mich an seine. Slelle. Ja, er hatte eine schöne Erkenittnisl'(Anekdotcnsammlung 18!?.) Henko Bei hartem Wasser ist Henko, Henkel's Wasch- und Bleich- Soda unentbehrlich. Henko macht das Wasser weich wie Regenwasser, verhindert die Entstehung von Kalkflecken und spart viel Seife. 02 Deutsche Automobil- Ausstellung 26. Nov.- 6. Dezember Berlin 26. Nov.- 6. Dezember Ausstellungshallen Kaiserdamm Personenwagen, Nutwagen, Motorräder, Karosserien, Erfats, Bestand und Zubehörteile, Werkzeugmaschinen, Werkzeuge Deutsche, kauft deutsche Kraftfahrzeuge! Theater, Lichtspiele usw. 8 Uhr: Volksbühne Dir. A. Hellmer Lessing- Th. 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Reinhardt Parkettpl.v. 2-12 M Die Komödie Deutsches Kurfürstendamm 207 Künstl.- Theater 8 Uhr Tägi. 48 Uhr: Gastspiel Gesellschaft Fritz Massary: v. John Galsworthy Die Teresina Großes Schauspielhaus Düin84 Dich CHARELL- REVUE 300 Mitwirkende Rang M. 3.2ter Rang M. 1.50 Loge M. 7.Parkett M. 5.-, 3ter Rang 75 Pf. Sonntag nachm. 3 Uhr unverkürzt zu ermäßigten Preisen Komische Oper 81/4 Dir.: James Klein 81 Größte Revue der Welt Von ADIS Z bis Parkett 6.- M. Preise 2.- bis 12.- M. ( Logen 15 M.) Vorverkauf ununterbr. geöffnet Täglich 844 Uhr: Theater im Admiralspalast WALHALLA Weinbergsweg, am' Rosenthaler Platz Große Schlußkämpfe Internat. Ringer von Weltruf Anfang 8 Uhr:: Preise 1, 2, 3 M. 2 WINTE PORTEN November- Sensationen! auf allen Gebieten der internationalen Varieté- Kunst Sonnt. nachm. 3 Uhr- halbe Preise Les Rauchen gestattet Reichshallen- Theater Allabandl. 8 Uhr Sonntag nach. 3 Uhr Steffiner Sänger Neu:, Der Bubikopf' Burleske von Meysel Nachm. halbe Preise, volles Programm! 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Schiffbauerdamm Antonia Täglich 8 Uhr: Lusisp.v M Lengyel Die jüdische Witwe Sári Fedák, Tress- Lustspielhaus ler, Lackner, Thiele, Kupfer, Ehmann, Dietze, Breuer, Engel, Dr. Szilágyi Residenz- Th. 8 Uhr: Circes Heirat Trude Hesterberg Oskar Sabo Engers, Mattoni Sonnabd. u. Stg. 32 Uhr( KI. Pr.): Schneewittchen Thalia- Th. 8 Uhr: 8 Uhr: Potasch& Perlmutter II. Teil Potasch& Perlmutier b. Film Wallner- Theater Tägl. 8 Uhr: Fäden Barnowsky- Bühnen Theater in der Königgrätz.Str. 7 U zum 1. Male: Zurück zu Methusalem 2. Abend Freitag bis Montag 28 Uhr: r: Annemarie Zurück zu Methusalem Lotte Neumann Dora, Baselt Sod. 31, U.( KI. Pr.) Zum 1. Male: Hänsel u.Gretel Sonnt. 3 U.( KL.Pr.) Annemarie Theater in der Kommandantenst. 8 U. zum 375. Male Anneliese von Dessau Rotkäppchen 2. Abend Die Tribüne Tägi 8 Uhr: Heut gill jeder Pfennig den man erspart. Wer Feinkostmargarine ,, Schwan im Blauband" verwendet, spart manche Mark. Preis 50Pf.das Halbpfund in derbekannten Packung. 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