Mr. 560 42. Jahrg. Ausgabe A nr. 286 Bezugspreis: Böchentlich 70 Bfennig, monaffia 8.- Reichsmar! voraus zahlbar. Unter Rreuzband für Deutschland, Danzig. Saar und Memelgebiet, Zuremburg Defterreich. Sitauen. 4,50 Reichsmart, für bas übrige Ausland 5,50 Reichsmart pro Monat. Der Bormärts mit ber Sonntags. beilage Bolt und Reit mit Gied lung und Aleingarten fomie ber Beilage Unterhaltung und Biffen und Frauenbeilage Frauenftimme erfcheint wochentäalich aweimal Sonntags und Montaas einmal Telegramm- Adresse: Sozialbemotrat Berlin Morgenausgabe Vorwärts Berliner Volksblatt 105 10 Pfennig Anzeigenvreise: $ ie einfvaltide Nonpareile eile 80 Bfennig. Reflamezeile 5 Reichsmatt. Kleine Anzeigen bas fettgebrudte Bort 25 Biennia ( autäffa amei fettgebrudte Borte), jebes weitere Wort 12 Bfennig. Stellengesuche bas erfte Worl 15 Biennia, tedes weitere Wort 10 Blennia. Borte über 15 Buch Raben zählen für awei Borie Arbeitsmartt Reile 60 Pfennig. Familienanacigen für Abonnenten Beile 40 Bfennis. Anzeigen für die nächte Summer wiffen bis 4 Uhr nachmittags im Sauptgeschäft. Berlin SB 68, Sindenrake 3, abgegeben werden. Geöffnet von 8 Uhr früb bis 5 Ube nachm. Zentralorgan der Sozialdemokratifchen Partei Deutschlands Redaktion und Verlag: Berlin SW. 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Dönhoff 292–297. Freitag, den 27. November 1925 Vorwärts- Verlag G.m. b.H., Berlin SW. 68, Lindenstr.3 Boftschedfonts: Berlin 37 536 Banffonto: Bant ber Arbeiter, Angestellten und Beamten, Ballitr. 65; Distonto- Gesellschaft, Depofitentafle Sindenftr. 3. Locarno in 2. Lesung angenommen. Eine Meisterrede Landsbergs. Jm Reichstag erfolgte gestern abend nach Beendigung der zweiten Lesung die erste Abstimmung über die LocarnoBorlage. Ueber den Artikel 1 wird auf Antrag der Deutschnationalen namentlich abgestimmt. Die Sozialdemokraten, Demokraten, das Zentrum, die Bayerische Bolkspartel, die Deutsche Volkspartei, sowie die Hannoveraner und Bayerischen Bauernbundsabgeordneten der Wirtschaftspartei ftimmen mit Ja, die Deutschnationalen, tölkischen, der andere Teil der Wirtschaftspartei und die Kommunisten stimmen mit Kein Es wurden 430 Stimmen abgegeben, davon 159 mit Rein, 271 mit Ja. Der Artikel 1 ist also angenommen. Zu Artikel 2 haben die Deutsch nationalen beantragt, den Eintritt in den Völkerbund von einem besonderen Gefeh abhängig zu machen. Auch hierüber wird auf deutschnationalen Antrag namentlich abgestimmt werden. Bor der Abstimmung gibt Abg. Celcht( Bayt. Bp.) eine EntSchließung bekannt, wonach die Reichsregierung ermächtigt werden foll, den Eintritt in den Bölferbund erst dann vorzunehmen, wenn durch weitere Tatsachen dargetan ist, daß eine Politif des Friedens und der Verständigung getrieben werde. Bei dem vorliegenden deutschnationalen Antrag würde sich die Bayerische Bolkspartei der Stimme enthalten. Ueber diese Entschließung wird erst bei der dritten Cefung abgestimmt. Bel der Abstimmung über den deutsch nationalen Anfrag wurden wiederum 430 Stimmen abgegeben. 19 Abgeordnete haben sich enthalten, 169 mit 3a, 242 mit ein geftimmt. Der Antrag ist also abgelehnt. Dasselbe Schicksal hat ein inhaltlich gleicher Antrag der Wirtschaftspartei, über den ebenfalls namentlich abgestimmt wird. Artikel 2 wird in einfacher Abstimmung angenommen, ebenso Artikel 3, wonach das Gefeh mit dem auf die Berkündung folgenden Tage in Kraft trift. Damit ist die zweite Beratung der Borlage erledigt. Der meisterhaften Rede, mit der gestern Genosse Landsberg die zweite Lesung des Locarno- Gesetzes einleitete, wird man nicht gerecht, wenn man sich darauf beschränkt, die polemische Schärfe und Feinheit zu bewundern, mit der der Redner das erledigte, was die Deutschnationalen ihre Politit zu nennen lieben. Gewiß, fein großer Erfolg im Reichstag war auf diesen Teil seiner Rede begründet. Denn die betrogenen Bundesgenossen gönnen den Deutschnationalen jede Züchtigung und wann wäre dieser Gesellschaft hinter hältiger Geschäftspolitiker die Wahrheit erbarmungsloser gefagt worden, als gestern! Wer erlebt hat, wie hilflos Graf e starp unter den Streichen des überlegenen Fechters zappelte, der wird die tiefe Genugtuung begreifen, die man Im Reichstag, nicht nur in der sozialdemokratischen Fraktion, über diese denkwürdige Szene empfand. In einem freilich schetni der Genosse Landsberg seinen Gegner noch zu optimistisch zu beurteilen: nämlich wenn er meint, diefer werde gegen den Vorwärts" Klage erheben. Graf Westarp weiß ganz genau, daß er den deutsch nationglen Parteitag angelogen hat, er wird es darum nicht wagen, diese zutreffende Behauptung des Vorwärts" vor Gericht zu bestreiten. Landsberg hat in seiner Rede das Wort geprägt, daß die Politit für uns Sozialdemokraten nicht Metter, sondern Gesinnung" ist. Und so entspringt das Stärkste feiner Rede eben auch nicht der Kunst eines Meisters des gesprochenen Wortes, sondern der Gesinnung, die er mit Millionen Gleichgesinnter teilt. Sein großer Erfolg mar darum ein Erfolg nicht nur eines Mannes, sondern der So zialdemokratischen Partei. Alus fozialdemokratischer Gesinnung und Weltanschauung hat Landsberg die Kraft seiner Argumente gefchöpft. Seine Rede war die stärffte Bejchung jener schöpferischen Entwicklung, zu der die Sozialdemokratie den Anstoß gegeben hat und von der das umfämpfte Bertragswert einen Teil darstellt. Sie hat nicht nur die Angriffe der Nationalisten mit überlegener Satire zurückgewiesen, sondern fich auch mit geheurem Ernst mit dem ruffifchen Broblem auseinandergesetzt. Bei dieser Auseinandersetzung ist von der fommunistischen Behauptung, die Berträge non Locarno seien ein gegen | Unser Verhältnis zu Rußland. endgültige Entscheidung. Sowjetrußland gerichteter Kriegspatt", nichts mehr übrig geblieben. Die Kommunisten haben in der inneren Politit ihre ursprünglichen Auffassungen vollkommen preisgeben und widerwillig anerkennen müssen, daß die Sozialdemo fraten, indem sie jede Putschtaftit, ablehnt, die Dinge rich tiger beurteilt haben als fie. Auch ihre auswärtige Bolifif ermeist sich jetzt als eine vollkommene Illusion. Oder wollen sie nach den Erklärungen, die Landsberg gestern abgegeben hat, noch immer behaupten, die Sozialdemokratie treibe Heze gegen Sowjetrußland"? Gewiß, die Sympathieertlärung Landsbergs richtet sich an die Adresse des russischen Volfes, nicht an die des bol schewistischen Regimes. Aber auch dieses hat der sozialdemotratische Redner als einen Fortschritt über das zaristische System hinaus anerkannt und, wenn man so sagen darf, als eine aus der Geschichte des russischen Bolfes begründete Notwendigkeit. Gewiß auch, unser Berhältnis zu Rußland hat eine Aenderung erfahren in dem gleichen Maße, in dem sich Rußlands Berhältnis zum europäischen Sozialismus änderte. Es gab eine Zeit, in der die Gefahr bestand, daß das, was an der großen russischen Revolution( pezifisch russisch war, als für den internationalen Sozialismus allgemein gültig be trachtet werden könnte. Es gab eine Zeit, in der man von Rußland aus mit den Mitteln der Gewalt russische Methoden auf Europa anzuwenden versuchte und in der viele Arbeiter in dem Irrwahn lebten, daß diese Methoden zu ihrer sozialen Befreiung führen könnten. Diese Zeit ist vorbei! Die grundfäßlichen Gegenfäße zwischen dem demokratischen Sozialismus Europas und dem Bolschewismus sind, so darf man annehmen, bald jedem Schulkind bekannt. Eine unmittelbare Gefahr, daß von Mosfau aus in unheilvoller Weise in die innere Entwicklung Deutschlands eingegriffen werden könnte, besteht nicht. Und fchließlich sind auch kommunistisch gesinnte Arbeiter längit nicht mehr der Einsicht unzugänglich, daß das Borbild des weiten agrarischen Rußland auf den industriellen, dichtbevöl ferten Westen nicht ohne weiteres anwendbar ist. Rußland greift jetzt nicht an, sondern es beobachtet. Wir brauchen uns nicht mehr gegen Rußland anders als durch unsere guten Gründe zu verteidigen und so beobachten aud wir. An die Stelle eines leidenschaftlichen, zu gewalt samen Sufpigungen drängenden Kampfes ist ein Zustand getreten, in dem man sich gegenseitig zu verstehen fucht. Wenn es den maßgebenden Stellen in Rußland ebenso gelingt, die besonderen Umstände unseres Kampfes zu begreifen, wie es uns gelingt, die russischen Kampfformen aus den Befonder heiten der russischen Verhältnisse und der russischen Boltsfeele herzuleiten, dann find die Anfänge einer Verständigung da, die wir nach allen Seiten hin erstreben. | Heute daß die Unterzeichnung in London am 1. Dezember nicht durch die Botschafter, sondern durch die Delegierten vorgenommen werden wird, die sich mit ihrem Stab von Staatssekretären und Juristen dorthin begeben werden. Nach einem Aufenthalt von zwei bis drei Tagen werden Luther und Stresemann zurüdfehren, um gemeinsam mit dem Gesamtkabinett zu demiffionieren. Damit erledigen sich auch die Mißtrauensanträge der Ludendorff, Westarp und Thälmann von selbst. Auch Locarno wird uns tein Baradies" bringen. Der weg ist weit. Aber auf dem richtigen Wege ist Locarno ein richtiger Schritt. Die Sozialdemokratie, die ihn durch ihre Abstimmung ermöglicht, übernimmt für ihn vor der Arbeiter schaft die Verantwortung. Sie wird auch hier recht behalten! Den Berhandlungsbericht finden die Lefer in der Beilage. An diefer Stelle bringen wir die Ausführungen unferes Barteiredners. Abg. Landsberg( Goz.): Der Staatsmann, der sich zu einer bedeutsamen pofitischen Aktion anfchickt, befindet sich in einer üblen Lage. Man sieht, was er iut, aber man weiß nicht, ob ihm der Erfolg beschieden sein mird. Bir anderen, die wir, Buschauer sind, haben in unserer Kritit die Ber pilichtung, davon auszugehen, daß den Bolifiter die Liebe zum eigenen Lande leitet. Hner bort ist es, wenn ein früherer deutsch nationaler Abgeordneter, Herr Roth, sich erfrecht, in einem Blatt dieser Tage zu schreiben, daß jeder, der bas Locarno Abkommen anerkennt, in seinen Augen als ein Bolfsperräter gelte und daß er wert sei, daß ihm Briand das Kreuz der Ehrenlegion perleihe. Angesichts des offenbaren moralischen Tiefffantes des Berfalfers diefer Beilen erfpare ich mir jedes Bort der Polemit.( Bustimmung.) Meine politisyen Freunde find bestrebt, jedem Gegner gerecht 31, werben. Wir würden es deshalb durchaus begreiflich finden, daß ein Mann, ein Deutscher aus ehrlichen Bereggründen dem Baft pon Locarno die Zustimmung versagt. Soldie Beweggründe fönnen murzeln im Gemütsieben. Sie fönnen wurzeln auf dem Boden politischer Spefulation, als etwa der: mir wissen ja nicht, was der Weltkrieg namentitch in Afien für Beränderungen hervorbringt. Halten wir in den nächsten Jahren den Blid bee ständig auf den politischen Horizont gerichtet, bleiben wir nach allen Richtungen hin fret! Ich holte derariige Erwägungen für voltig abmegig. Den Erwägungen, den Begergründen, die im Gemütsleben wurzeln, halte ich entgegen: mon lebi nicht in der Vergangenheit, sondern in der Zukunft, und den anderen, daß die Freiheit, die ihr erfirebt, fie sichern sich, und es kann dahin tommen durch die von euch an ur schlimmsten Gebundenheit und Unfreiheit werden kann. Denn die anderen machen auch ihre Gegenzüge Gie warten nicht ab, gepriesene Politik der völkischen Greibel, das wir abermals eingetreift roerden, eingefrei von einem niji za durchbrechenden Ring in einer Beriode tieffter wirtschaftlicher Not, von der wir wirklich nicht wissen, wie wir aus ihr hinaustommen sollen.( Sehr richtig! lints.) Diefer Bolitik stellen wir Sozialdemofraten eine andere geschmackvollerweise Ein solches nüchtern gesundes Verhältnis wird sich fern entgegen. Wir scheuen uns nicht emzugestehen, daß wir von der halten von dem Wahn, daß jenseits der ruffischen Grenzpfähle Stranfheit ergriffen finb, bie man gefchmad vollerweise als die Seuche das Sowjetparadies" anfange und daß die europäische Arbes Bazifismus bezeichnet. Rur muß man sich über den Begriff beiterbewegung von Moskau aus fommandiert werden könne. des Pazifismus verständigen. Ich nenne es nicht Bazismus, Auch Rußland wird seinen Vorteil davon haben, wenn es fein fondern Bassivismus, wenn etwa jemand sich einbildet, pazifistische Berhältnis zur europäischen Arbeiterbewegung auf Tatsachen 3iele baburch zu erreichen, dat er anderen geftattet, ihn beliebig zn mißhandeln. Das ist fein Pazifismus. Der Pastfismus hat zo et und nicht auf Illusionen begründen will. Biele. Er will den Krieg als Mittel der Austragung von Gegenlähen nnter den Nationen ausschalten. Er will aber auch allen Nationen im Rate der Bolter eine Stellung anweisen, die Man sagt, daß fle vor dem Gedanken an Strieg bewahrt. ein Pazifismus dieser Art illusionistisch sei, und das man auf Güte und auf Rechtschaffenheit eine Politit nicht stijen fönne. Auch wir tun das nicht. Damit wird aber auch die außenpolitische Stellung des deutschen Kommunismus unhaltbar. Diese beruht auf der Illusion, um nicht zu sagen, auf dem Schwindel, daß alle Welt Rußland ans Leben wolle, und daß die deutsche Sozialdemokratie willens set, sich dem Kapitalismus als Landsknecht gegen Rußland zu verschreiben. Wahrheit ist, daß der Kapitalismus mit Rußland nicht Krieg, sondern Geschäfte sucht, und daß sich die Sozialdemokratie an dem nicht eristierenden Komploit gegen Rußland nicht beteiligt, und daß sie es mit allen Mitteln zerreißen würde, wenn es wirklich eristierte. Es ist wirklich schade, daß nicht alle kommunistischen Arbeiter gestern Gelegenheit hatten, die Rede des Genossen Landsberg zu hören. Sie würden sonst der Aufforderung ihrer Bentrale, heute gegen den sogenannten Kriegspaft" zu bemonstrieren, nicht nachfommen oder aber bei der Behaup tung, die Sozialdemokratie mache einen Kriegspatt gegen Sowjetrußland" mit, in helles Gelächter ausbrechen. Die namentlichen Abstimmungen der zweiten Lesung haben gezeigt, daß heute wenn nicht ganz un Dorhergefchenes eintritt die endgiltige Annahme des Ge feges über Locarno und über den Eintritt in den Bölkerbund durch eine starte ehrheit gesichert ist. Es steht jest fest, Wir berufen uns auf das richtig verstandene Jnfereffe aller Menschen am Bazifismus. Die Schickfale der Bölker find unlöslich miteinander perstrict. Das Siegervolt wie das besiegte befieht aus Broduzenten und Konsu menten. Rann ein befiegtes Rolt nicht fonsumieren, so muß ein Siegerland Erwerbslosenunterstügung zu Millionen und aber Millionen zohlen. Darüber hinaus ist jedes Bolt eine Stulturform. Das Wort Mirabeaus: Der Tag, an dem ein Bolt seine Freiheit verliert, ist ein Trauerteg für die gesamte Menschheit, tft wahr.( Lebhafte Zustimmung b. d. Goz.) Wir wollen unsere Anschauuns niemandem aufzwingen. Was wir aber auf das scharffte geihein, i, deh eine große Partei dieses Hauses alle auf den Abschluß des Pattes, der eine Schidjalswende bedenten fann, abzielenden Schritte mitgemacht. und daß fie dann im lehlen Augenblid aus Farof nor der Berantwortung das Steuer aufgegeben hat( Eehr wahr b. b. 508.) Etwa so wie ein ungetreuer Lokomotivführer seine in not befind liche Maschine verläßt, um sich selbst zu retten.( Rufe b. h. Deutsch man habt die Rheinlande besezt, um Sicherheit zu erlangen; ihr| Beobachter" dem Herrn Außenminister Stresemann in „ ein Hund totgeschlagen bekommt jetzt eine wertvollere Sicherheit, die bietet euch Aussicht stellte; daß er wie nicht eine einzelne Provinz, sondern das ganze Deutschland, morden wäre. Würden Sie sich mit der Erfüllung Ihrer Zusage das ganze Deutschland mit seiner Unterschrift, zu der es steht. Ihr beeilt haben, wenn in dem besiegten Frankreich die stärkste Frattion aus der Regierungsfoalition ausgebrochen wäre und heftigste Oppohabt Vertrauen zu dieser Unterschrift, sonst hättet ihr die Berhandfungen mit uns nicht eingeleitet, und ihr dürft dieses Vertrauen fition gegen den Batt eingeleitet hätte? Im übrigen muß ich sagen, haben, wir werden treu unser verpfändetes Wort halten; dann aber daß ich Ihr Mißtrauen gegen das Halten von Versprechungen jubmacht die Rheinlande frei von einem Drud, der euch auch schadet. jeftin begreiflich finde.( Sehr gut! und Heiterfeit b. d. Soz.) Aber Auch bei euch gilt das alte römische Erfahrungswort, mit dem es gibt doch noch, um mit Herrn Steiniger aus Ihrer Fraktion zu die Römer ihren Zweifel an dem politischen Verständnis der Sol- sprechen, Männer, die ihr Wort halten. Es ist noch nicht daten, der Militärs. zum Ausdrud brachten: omnes miles insanes; lange her, daß jeder von Ihnen ausgelacht wurde, der zuversichtlich ( fehr gut! b. d. Goz.) auch eure Offiziere machen Dummheiten über hoffte, daß die Ruhrbesetzung aufhören würde. Und heute ist die Dummheiten, die über den einzelnen hinaus das ganze deutsche Bolt Ruhr geräumt, die Santtionsstädte Düsseldorf, treffen und empören. Gebf die Rheinlande frei! Jhr seid jekt Duisburg und Ruhrort sind frei. Ihrer Politik( nach gesichert durch den paft, der morgen hier angenommen werden wird. rechts) wäre ein derartig schöner Lohn niemals zugefallen. Und Aber hat Graf Bestarp in irgendeiner Phase der Berhandnur die geradlinige, ehrliche Fortsetzung der Politit, die Sie bis zur Bernichtung befämpft haben, wird Erfolge zum Nußen unseres lungen an die Möglichkeit geglaubt, schon jetzt in Locarno dem Landes haben. Auch Sie werden, wenn Sie hoffen, noch einmal martyrium der Rheinlande ein Ende zu bereiten?( Graf Westarp: Jawohl!) Dann sind Sie in höherem Maße von der Locarno: Mitglieder der deutschen Regierung zu werden, den Patt genau so anerkennen müssen, wie Herr Kapp als erste Regierungshandlung Binchose erfaßt als meine Freunde.( Heiterfeit.) Wir sind von dem Gedanken der Bölferverständigung begeistert, aber wir wissen sehr den Bersailler Bertrag anerkannt hat. wohl, daß der Baum des Mißtrauens auf den ersten Streich nicht fällt. Wir haben nichts anderes erreicht, als eine Etappe, das weitere wollen wir der Zukunft vertrauensvoll überlaffen. Der Baum der Verständigung ist noch schwach. An den Früchten, die er tragen soll und hoffentlich bald tragen wird, wird Das ist der Unterschied zwischen Ihnen und uns: nationalen: Unerhört! Sehr wahr! b. d. Soz.). Diefer Mann hat wenigstens die Entschuldigung, daß er sein Leben zu retten fucht, Gie aber laffen sich von der Rücksicht auf Ihre pommerschen Wähler Iciten. Am 2. Juli d. J. schrieb die Kreuzzeitung", daß man jeẞt teine Regierungsfrise herbeiführen dürfe, wenn Deutschland nicht aktionsunfähig machen molle.( hört, hört! lints.) Die Herren wußten also damals sehr gut, daß sie ihr Land durch den Austritt aus der Regierung attionsunfähig machen würden. Glauben Sie, daß jezt, nachdem das Wert von Locarno paraphiert ift, die Sprengung des Kabinetts Deutschland weniger aftionsunfähig macht? Nachdem die Verhandlungen, die zu Locarno führten, bis zur Paraphierung gediehen waren, wäre die automatische Folge ihres Scheiterns nicht ein Bund mit, sondern gegen Deutschland gewesen.( Lebhafte Zustimmung lints.) Graf Weſtarp hat den Geist Friedrich Wilhelms I. zitiert, um die Politik der Deutschnationalen zu rechtfertigen. Ich glaube, er hätte eher an Wilhelm 11. denten sollen, denn die deutschnationale Politi? ist von der Art dieses Mannes.( Sehr richtig! links.) Die Art, wie Sie aus der Regierung herausgegangen find, findet nur ein einziges Seitenstüd, nämlich in der Art, wie Sie in die Regierung hinein gefommen find.( Heiterkeit.) In der Art jener Berhandlungen, bei denen Graf Bestarp am 28. August vier Ministersessel als Preis für die Zustimmung von 50 deutschnationalen Abgeord neten zum Eisenbahngesetz einlauschte, um dann am nächsten Tage feinerseits dieses Eisenbahngesetz abzulehnen.( hört, hört! links.Zuruf des Grafen Westarp!) Ihre Dementis haben nur geringen. Wert, Sie deuteten an, daß Sie die Absicht haben, den Borerst zu erkennen sein, daß wir die richtige Politit gemacht haben. märts" megen Beleidigung zu verflagen, meil er Ihre Wahrheitsliebe angezweifelt hat. Tun Sie das! Dann werden Sie ja Gelegenheit haben, im Rahmen einer dramatischen Ber. handlung festzustellen, was Lüge und was Wahrheit ist. Aber einen guten Rat möchte ich Ihnen geben: Nehmen Sie sich zu dieſem Prozeß einen Verteidiger, der geschickter ist als Sie selbst.( Große Heiterfeit. Buruf rechts: Landsberg!) Nein, nicht mich! Ich weiß, daß die Herren in solchen Fällen eine schöne Vorurteilslosigkeit beweisen und sich an andere jüdische Anwälte wenden.( Erneute große Heiterkeit.) Deutschnationale und Paktpolitik. Zur Verteidigung der deutschnationalen Politit hat Graf Westarp gesagt, daß seine Fraktion das Memorandum vom 9. Februar von Anfang an nicht gebilligt habe. Es ist bedauerlich, daß wir das erst am 24. November erfahren. Denn daß die Herren trotzdem in der Regierung blieben, tonnten wir nicht als eine Abneigung gegen das Memorandum halten. Im Marz wollen die Deutschnationalen dem Reichskanzler mitgeteilt haben, daß sie Verträgen ihre Zustimmung versagen würden, die dem Inhalt des Memorandums entsprechen. Wenn Herr Schiele damals diefen Brief gekannt hätte, dann würde er wenigstens Ende Mai von dem Memorandum etwas gewußt haben. Trog des Schreibens an den Reichskanzler gingen die Verhandlungen weiter, ihre Grundlage war das Memorandum. Die deutschnatio nalen Minister blieben im Kabinett und hießen dadurch die ganze Aftion gut. Es tam die Note vom 20. Juli. Am 20. Juli hat Graf Bestarp im Reichstag gesprochen, er hat tein Sterbenswort von der Unmöglich feit des Memorandums geäußert, sondern im Gegenteil gesagt, daß seine Frattion ernst gewillt sei, alle Möglichkeiten im Intereffe des all. gemeinen Friedens Europas und im deutschen Interesse auszuschöpfen und daß sie die Gedankengänge der Note feineswegs ablehnten. Diese Bemerkungen beziehen sich auch auf die unlöslich mit der Note vom 20. Juni verbundenen Note vom 9. Februar. ( Reichsaußenminister Dr. Stresemann: Es ist in der Rebe Techsmal auf das Memorandum bezug genommen! Lebhafte Rufe: hört, hört!) Ich fann nur sagen: den Ruf nach einem Führer, der immer wieder aus den deutschnationalen Reihen ertönt, begreife ich jetzt nolltommen.( Sehr gut! und Heiterfeit.) Locarno und Rheinlandbefreiung. Graf Bestarp fagt, er jei grundsätzlich nicht gegen den Baft, und barin hat er recht. Er hat auch das vorgestern gesagt, daß er uns wenigftens die Befreiung des befeßten Gebietes ober eine mefent liche Herablegung der Besetzungszeit hätte bringen müssen. Sie scheuen die Berantwortung, um populär zu bleiben, wir aber fagen, Bovularität erwirbt der Polififer nur zu dem Zwede, um fie aufs Spiel zu sehen, wo es gilt.( Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Sozialdemokratie und Locarno- Geseh. Locarno- Vertrag und Rußland. Graf Bestarp hat gefagt, England wolle durch den Patt Deutschland in den Kreis der Mächte zum Kampfe gegen den Boische wismus einspannen. Hätte einer von uns eine ähnliche Aeußerung getan, so würden die Herren Deutschnationalen uns vermutlich Landesverrat vorgeworfen haben. Eine ähnliche Bemerkung wie Graf Bestarp hat übrigens Herr Thälmann gemacht. Solche Aeußerung, daß die Sozialdemokratie an der Spize der Bourgeoisie den Feldzug gegen Rußland mitmachen mill, follte er aber unterlaffen. Die Kommunisten stehen doch in diesem Kampfe an der Seite der Deutschnationalen, und daß das tlaffenbewußte Proletarier sind, wird doch kein Kommunist behaupten wollen.( Große Heiterkeit.) Man wird nicht annehmen fönnen, daß aus Herrn Thälmann die russische Regierung spricht, wir haben es hier offensichtlich mit einer Privatarbeit, die von ihm selbst herrührt, zu tun.( Rufe: Nein nein! Große Heiterfeit.) Eine geschichtliche Erfahrung lehrt uns, daß Staaten, die einen Angriff fürchten, davon niemals in der Oeffentlichkeit reden, dagegen sprechen Staaten, ie Angriffsabfichten haben, sehr gern davon, daß ihnen ein Angriff droht, damit sie ihren eigenen späteren Angriff in einen Berteidigungskampf umlügen fönnen. Wir wollen nicht Erfüllungspolitit treiben wie Friedrich Wilhelm III., der Napoleon für einen Krieg gegen Rußland ein Hilfskorps zur Verfügung stellte.( 3uruf ,, Weil er mußte? So?! rechts: Weil er mußte!" Heiterfeit links.) Wir haben dem Gedanken der Verständigung der Bölfer schon gedient in einer Beriode, in der die Bertretung dieses Gedankens das Leben seiner Befenner bedrohte. Wir werden diesem Gedanken jetzt, wo die Verständigung möglich zu werden beginnt, ni cht un. treu werden. Aus rein taftischen Gründen haben wir allerdings eine Zeitlang daran gedacht, die Deutsch nationale rat. tion zu zwingen, die Verhandlungen mit der Entente, die sie eingeleitet hat, fortfehen und paraphieren zu laffen. Wir glaubten, daß die Herren das Spiel vom 29. August mit einer fleinen Farbenänderung weiterführen würden, während sie damals die rote Reinkarte in der einen Hand offen zeigten und die weiße Ja farte zu 50 Proz. in der anderen zusammengeballten Hand trugen, glaubten wir, daß sie diesmal die rote Reinfarte zeigten, und die weiße Jalarte in der Hand hätten.( Heiterfeit.) Dazu waren mir uns aber zu gut, um für die Herren Deutschnationalen einzufpringen, wenn es galt, Farbe zu befennen, um den Herren, menn sie vorübergehend einmal ihre Ministerien aufgeben wollten, wieder die Tür zu den Ministerkabinetts zu öffnen. Dazu tam noch die Erinnerung an die schöne Szene, als Herr v. Frentag bland sein.( Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Loringhoven hier auf der Tribüne erst seine Feindschaft gegen den Handelsvertrag mit Giam befundete und wie er dann am Tage danach erklärte, er und seine Freunde würden doch für biefes Abkommen stimmen. Die Wiederholung solcher Szene märe eine schöne Illustration zu der alten Mahnung gemefen: Ueb immer Treu und Redlichteit!"( heiterfeit.) So wenig wir eine Auflösung des Reichstaas fcheuen( 3urufe rechts: Na, na!) verlaffen Sie sich darauf, Sie dürfen unseren Er. flärungen schon etwas mehr Glauben entgegenbringen als fich felbft, ( Seiterfeit und sehr gut! fints) wir tonnten bas eine nicht: Bir fonnten nicht hier im Hause Locarno ablehnen und dann in den Wahlkampf hinausgehen und sagen: wir sind für Locarno.( 3u. rufe rechts.) Für uns iff die Bofifit fein Metter, sondern Gefinnons, und unfere lehten Zweifel find befeffigt morden angesichts der geraden verhänanisvollen Belfrehungen, nunmehr auch noch den Einfriff in den Bölferbund hinausschieben, um den Batt von Locarno anzunehmen. banden und meinte, baß biefe Befferung nicht zulekt ben jegt aus Graf Weftarp meinte, Anfäße zu einer Befferung feien por gefchiedenen drei Herren Ministern zu banten fei.( Heiterfeit fints.) Graf Bestarp vermißt das greifbare Ergebnis der Ber. handlungen von Locarno, er vergißt aber, daß der Baft noch gar nicht angenommen ist und daß gerabe das Berhalten der Deutschnationalen bazu beigetragen bat, günftige Birtungen Meine Herren! Ich wende mich jetzt nicht an Sie, sondern an zu hindern.( Sehr richtig! links.) Stellen Sie sich doch einmal ben bie Staatsmänner der Entente. Ich sage ihnen: hr umgekehrten Fall vor, also den Fall, für den der Bölkische Auch wir fagen, daß der Paft von Cocarno für uns erheblich an Wert einbüßt, wenn nicht die Befreiung des befehten Gebietes dem endgültigen Abschlusse folgt.( Lebhafte Zustimmung linfs.) " Der Dolchstoß gegen den Intendanten.( Dabei geht feit Monaten bas Theater nachweislich gut.) Man Bis zu diesem Augenblick haben wir, seit Wochen über die Unstimmigkeiten an der Staatsoper orientiert, geschwiegen. Jetzt wäre Schweigen Sünde. Der Minister Becker ha Schillings frist. los entlassen, nachdem er ihn vor zwei Tagen vergeblich aufgefordert hat, sein Entlassungsgesuch einzureichen. Mit der vollen Würde, die einen Künstler ziemt, hat der Intendant es abgelehnt, diesem ehrenvoll entehrenden Ruf Folge zu leisten. Es ist Pflicht der Deffentlichkeit und der Berliner Musikkritit, den Willen des Mannes, der durch Jahre der Gefahr hindurch mit unerhörter opferreicher Arbeit die Staatsoper geleitet hat, zu stählen, seine Nerven zu stärken. Bublifum und öffentliche Meinung nehmen für Schillings fo energisch Partei, das Personal steht so gewappnet hinter ihm, daß es bei diesem Rampf um ein veraltetes, verrostetes bureau fratisches System dazu kommen fann, die Oper zu schließen. Wenn der als besonders flug, fonziliant, weitsichtig gerühmte Staatssetre tär Beder vor einem Jahr dem Intendanten Lobeshymnen singt, wenn das Minifterium nach dem ertragreichen Gigl- Gastspiel den. selben des besonderen Vertrauens persichert, so muß der zum Minister avancierte Herr Beder heute schon ganz umftürzende Gründe haben oder ganz falsch orientiert sein. Bielleicht wird den Intendanten eine alte Vertragsflaufel zum Fallen bringen, nach der er über Dinge, die zwischen ihm und dem Minister hängen", nichts der Deffentlichkeit bekanntgeben darf. Das hat er, doppelt gefnebelt und nervös gemacht durch Briefe, nun mit seiner Flucht in die Bresse getan. Der Herr Minister hat zu heute bie Bresse eingeladen, um ihr die Gründe der Kündigung befanntzugeben. Bis zu diesem Augen blid muß aus Gerechtigkeitsgründen Zurüdhaltung geübt werden bezüglich aller Persönlichkeiten, die mit der tünstlerischen und mirt fchaftlichen Leitung an der Staatsoper unzufrieden waren und ihren Einfluß dahin gelten machten, den Führer zu stürzen. Es wird in dieser Sizung sowohl die Kroll- Frage mie das Problem Kleiber einer Erörterung unterzogen werden müssen. Wir waren an dieser Stelle immer dafür eingetreten, daß das Kroll- Theater ber Bolts bühne reserviert bleiben sollte; wir hatten der hohen Begabung Aleibers auch unsere Hochachtung nicht versagt. In beiden Fällen hat man aber aus Prestigegründen die Dinge auch dann noch gleich mütig laufen lassen, als die Gefahren sich blutigrot am Horizont abmalten. Der Schrei nach einem prominenten Rapellmeister ist nicht verstummt, und die Möglichkeit, das Kroll- Theater wirtschaftlich auf eine andere Basis zu stellen, eventuell unter Heranziehung eines besonderen Leiters, gleichfalls nicht. Die Kompetenzen des Generalmufifdirettors gegenüber dem Intendanten sind bei ber absolutistischen Reigung Kleibers viel zu meit gezogen worden. Dagegen hatte der Intendant gebundene Hände. Gewiß muß er innerhalb eines Etats arbeiten; aber in einer Zeit des wirtschaft lichen Niedergangs tann auch von einem Gott nicht ein wirtschaft licher Aufschwung eines Lurusetabliffen.ents gefordert werden. bebente doch, was es für einen Mann von der fünstlerischen Form eines Schillings( deffen Bert doch der Mufitgeschichte angehört) bedeutet, menn er fein produttives Schaffen, ja selbst seine in befter Tradition bewährte Dirigententätigkeit so ganz zurückstellt, daß er nur noch seine Aufgabe darin fah, die Staatsoper auf höchstem nur noch seine Aufgabe darin sah, die Staatsoper auf höchstem Niveau zu halten. Einen großen Fehler hat er gemacht, nämlich fich mit allzuviel Arbeit gleichzeitig zu menig Rechte sichern zu lassen. Es macht doch sehr den Eindruc, als sollte er dem Landtag gegenüber für Dinge verantwortlich gemacht werden, für die er nicht verantwortlich ist. Sein untadeliger Charakter bürgt dafür, daß er nichts getan haben tann, mas mit seinen Pflichten follidiert. Er ist lange genug Beamter gewesen. Aber einem Mann, der nicht ganz in seinem tünstlerischen Wesen erfroren ist, muß schließlich die Galle hochsteigen, wenn er für jeden Sehnmartschein, die die Bühne erheischt, ein Ministerium um Erlaubnis fragen muß. Hoch anzurechnen ist es Schillings, baß er selbst nach dem Einsetzen der wirt fchaftlichen Krise noch versuchte und versucht, die besten Köpfe des mufitantischen Berlins für neue Kunst zu intereffieren. Wir er. innern an sein Eintreten für Straminsty, Krenet, Berg, Schrefer, Busoni. Dankbarkeit wäre am Blaze, auch wenn das legte halbe Jahr ein deutliches Stagnieren der Arbeitsleistung zeigte. Die Deffentlichkeit spricht bereits davon, daß Tietjen der aus. ermählte Nachfolger von Schillings fel. Bei einem solchen Berfuch würde das Ministerium bei dem Charakter Tietjens auf Granit beißen. Der zweite Kandidat, Paul Becker verdient sich seine ersten Theatersporen in Raffel. Dieser von uns sehr begrüßte Verfuch des Ministeriums, einen genialen Wissenschaftler in die Bragis einzu. führen, muß erst auf anderem Boden als Berlin seine Früchte zeigen. is die Situation geflärt ist, bis die chronische Berstimmung unter fämtlichen Mitgliedern beseitigt ist, bis Schillings Berfehlungen nach gewiesen sind oder seine Rehabilitierung in die Wege geleitet ist, bis dahin dürfte auch der Verband der Deutschen Intendanten, für bessen Eingreifen Jehner verantwortlich ist, den Boften bes Inten danten an der Berliner Staatsoper perren. Es geht um ein vertnöchertes Syftem, es geht um die Freiheit der Kunst, es geht um einen nicht unfehlbaren, aber willigen, vornehmen, fünstlerisch be währten Mann, es geht um das Schidsal der Berliner Staatsoper. Die Deffentlichkeit, die Presse, die Künstlerschaft wartet auf die Erflärung des Ministers. Die Juristen werden aus formalen Gründen den Intendanten verurteilen. Die Runsttritifer stehen, menn fie nicht bebrüdenbes Material anders belehrt, auf seiner Seite. Rurt Singer. Neue Kunst und Literatur in Rußland. In Ergänzung zu seinen Ausführungen, die Lunaticharfi, Bertretern der Berliner Breffe gab, sprach er in ber Gesellschaft der der Boltstommissar für Bildungswesen in der USSR. bereits den Freunde des neuen Rußlands in Deutschland" über die Boltsauftiä ' rung in Rußland unter besonderer Berücksichtigung der Entwicklung Ich trage auch gar teine Bedenken, der Welt zu sagen: menn ihr uns in einen Krieg gegen Sowjetrußland hineinzwingen wollt, so werdet ihr damit wenig Freude erleben. Heute fann ein Krieg, der unpopular ist, nicht mehr geführt werden.( Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) und fo unpopulär wie ein deutscher Krieg gegen Rußland würde faum ein anderer in DeutschWir wollen mit dem russischen Bolte in Frieden und Freundfchaft leben. Wir freuen uns, daß es in die Geschichte eintritt; benn in der Geschichte hat es ja bisher nicht gelebt, da bei despotisch beherrschten Bölkern Anekdotensammlungen die Stelle der Geschichte vertreten. Wir wissen, was diesem Bolle für eine Blüte beschieden ist infolge der Ausdehnung seines Gebietes, infolge feiner Boltszahl, infolge der hervorragenden Begabung seiner Intelligenz, und wir freuen uns im Intereffe der gesamten Menschheit der Leistungen, die das befreite Rußland für den Geist der Geschichte aufbringen wird. Das sind unsere Empfindungen Rußland gegenüber. Benn wir uns in eine Roalition gegen Rußland hineinziehen laffen- woll ten, wäre dann das Ringen des Reichstanzlers und des Außen. minifters in Locarno verständlich gewesen, durch das sie-harauf abzielten, Deutschland von der Pflicht, einen Durchmarsch zu dulden, zu befreien? Und glauben Sie, daß die anderen, menn fie einen Krieg gegen Rußland führen wollten, Deutschland diese beiben Behingungen zugeftanden hätten? Der Paft keine Verfassungsänderung. Es ist die Frage aufgetaucht, ob ber uns norliegende Gelegent. murf über den Locarno- Balt ein verfassungsanberndes Gefes ist mir persönlich wäre es erwünscht, wenn die Regierung den Bebenten der Rechten Rechnung trüge und den Reichstag auf löfte. Bir hätten dann ein flares Feld und würden dem Bolte die Entscheidung überlassen. Aber nach meiner juristischen Ueberzeugung der Kunst und Literatur. Er betonte, daß man die Boltsaufklärung als bas stärkste und einzigste Mittel ansehen muß, um den neuen Staat auf margistischer Grundlage zu gestalten. Die Dittatur der Avantgarben der Revolution foll und barf nur eine Zwischenstufe fein. Lunatscharffi zitierte den Ausspruch Lenins, daß es absurd sei zu denken, daß der Kommunismus durch irgend eine politische Partei verwirklicht werden könne; nur die breiteste Selbstherrschaft der Massen, die aber auch befähigt sein müssen, alles allein zu machen, tann dazu führen. So ist es vor allen Dingen nötig, für die Boltsbildung zu sorgen. Bielfach ist man daher der Ansicht, daß die Runst erst ein Schmud des neuen Staatsgebäudes werben fann, wenn eben bies Gebäude fertig errichtet ist. Lunaticharsti steht auf dem Standpunft, daß die Kunst, soweit sie ausschließlich dem ästhetischen Wohlgefallen dient, augenblicklich in Rußland mit Recht im Hintergrunde steht, daß fie dagegen, wo es fich um den Versuch handelt, Ausdrud für die neue Beit mittels der Runft zu finden, berechtigt und fogar notwendig ift. Der Boltsbildungsausschuß aber toleriert jebe Richtung, soweit fie fich nicht als tonterrevolutionär erweist; doch glaubt man, daß die proletarische Kunst einmal quantitativ und qualitativ die Führung übernehmen wird. Lunatscharsti gab indessen der Ueberzeugung Ausdrud, daß auch diese Kunst der Revolution erst auf dem Boden der alten Kultur erstehen fann, daß sie von den Klassischen Bertretern der Kunst vergangener Zeiten lernen muß, um Werte von bleibendem Wert zu schaffen. Lunatscharffi zeigte, wie heute noch auf allen der alten Richtung den Bertretern der neuen gegenüberstehen, wie Kunstgebieten, in der Literatur, bildenden Kunst, Musit, Bertreter fich aber überall eine Reihe von Zwischenstufen gebildet haben, die teils die alte Form mit neuem Inhalt sich zu füllen bemühen, teils auch bereits schon eine Erneuerung der Form anstreben. Die agitatorische Kunst, die fleine Kunst, mie Lunatscharffi fle nannte, war nur in den ersten Revolutionsjahren zu propagan biftischen 3meden sehr verbreitet. Vor allem bediente man sich bes Rinos, das man tatsächlich fünstlerisch umgestaltete, um auf die Maffen zu wirken. Heute hat fie bereits wesentlich geringere Bebeu Kunft. Und fann man auch nicht behaupten, daß hier bereits die tung. Das Bublifum verlangt Werte tieferen Inhalts, große" höchste Blüte erreicht ist, so find nach Lunatscharstis. Ansicht doch bereits alle Boraussetzungen und Elements dafür vorhanden, um Berfe von höchster Bedeutung zu schaffen. Tes, Ostar Jden- Zeller, der deutsche Sibirien- Forscher, ift in Berlin ver. storben. ben Beller febrte im Dezember des vorigen Rabres von seiner Forschungsreife gurid, nachbem er 11 Bahre im fernen Often verfchollen war, und wurde bei seiner Geimfehr in Deutschland außerordentlich ge feiert. Bühnerchronit. Seinrich George beginnt feine Tätigkeit am LeffingTheater Anfang Dezember in der Titelrolle von Strindbergs Sarl XII'. Regie: Gustav Hartung. amtliche Führungen im Neuen Museum( Subferstichkabinett Museumsführungen. Sonntag, den 29., 10 Uhr vormittags, finden Reue Museum( Deutsche Malerei um 1500) Dr. Bange statt. Bulagfarten zu Erwerbungen, Grünewald) Dr. Kurth und im Raifer riebrid je 50 Bf. find bor Beginn ber führungen am Eingang der genannten Museen in beschränkter Anzahl erhältlich. fann nicht die Rede davon sein, daß der Vertrag gegen die Berfaffung verstößt. In dem Artikel 45 der Reichsverfassung, der von den Gegnern als Argument herangezogen wird, steht, daß die deutsche Bolfsvertretung über Kriegserklärungen zu entscheiden hat. An dieser Befugnis wird aber durch den vorliegenden Gesezentwurf nichts geändert. Wo steht denn in der Verfassung geschrieben, daß feinerlei Hemmungen bei der Beratung einer Kriegserklärung bei den Boltsvertretern bestehen dürfen, daß die Volksvertretung immer in der Lage sein muß, über ein so wichtiges Kapitel frei von jeglichen Bedenken zu entscheiden wie etwa ein junger Leutnant? Die Voraussetzung eines Krieges werden allerdings berührt durch den uns vorliegenden Gesetzentwurf, aber nicht das Recht das Reichstags, den Krieg nur durch ein Gesetz zu erklären. Dieser Gefeßentwurf ist ebenso wenig verfassungsmäßig erflären. Dieser Gefeßentwurf ist ebensowenig verfaffungsandernd Mithilfe hier verabschiedet wurden. Der Wert des Vertrages. indian Die französische Krise. Herriot lehnt ab. Briand versucht noch einmal die Regierungsbildung. Die Frattion hatte am Dienstag ebenfalls einstimmig eine Entschließung angenommen, in der sie fich bereiterklärte, die Regierung allein oder in Gemeinschaft mit den bürgerlichen Gruppen der Linken, die sie bis dahin unterstützt hat, zu über nehmen. Diese Entschließung hatte zu mannigfachen Deutungen Anlaß gegeben. Für den Außenstehenden fonnte es zunächst zweifel. haft erscheinen, ob der Beschluß der Partei sich lediglich auf die beiden Möglichkeiten eines rein sozialistischen Ministeriums bzw. eines unter sozialistischer Führung stehenden Lintstabinetts beziehe, oder ob er darüber hinaus sich auch für die dritte Möglichkeit der sozialistischen Beteiligung an einem von bürgerlichen Linkspolitikern gebildeten Ministerium rechtfertigen ließ. Als nun Herriot am Mittwoch diese dritte Möglichkeit in den Besprechungen aufwarf, erklärten die Führer der sozialistischen Fraktion, daß sie darüber erst einen neuen Beschluß der Partei herbeiführen müßten. Inzwischen aber hatte der Parteivorstand mit 13 gegen 10 Stimmen die Entscheidung gefaßt, die eine fozialistische Beteiligung an einem Ministerium Herriot aus. drücklich ausschloß. In dem gleichen Sinne entschied. am Donnerstag mittag auch die Fraktion. Da angesichts der Un stimmigkeiten, die zwischen der sozialistischen Gruppe und den anderen Parteien des Kartells auch über das finanzielle Sanierungsprogramm ausgebrochen waren, selbst die Politit der parlamentarischen Unterstüßung ernstlich nicht mehr in Frage fommen fonnte, blieb Herriot teine andere Wahl, als den Auftrag zur Kabinettsbildung abzulehnen. Paris, 26. November.( Eigener Drahtbericht.) Die sozialiffi-| ministerium abzulehnen, läßt die Haltung, die die französische sche Fraktion hat heute nachmittag ein stim mig das Angebot Sozialistische Partei in der schweren innenpolitischen Krise, die Herriots, in ein von ihm gebildetes Cintsfabinett einzutreten, Frankreich feit Beginn dieser Woche durchmacht, in einem für abgelehnt. Eine von Léon Blum verfaßte Resolution begründet deutsche Begriffe schwer verständlichen Lichte erscheinen. diesen Beschluß damit, daß in den Finan3fragen eine Einigung mit den bürgerlichen Gruppen des Kartells nicht zu erzielen gemesen fel, da ein großer Teil der Radikalen die Fortfehung der bisherigen dilatorischen Politik für notwendig hielte und die von den Sozialisten geforderten entschiedenen Maßnahmen ablehne. Auf Grund der sozialistischen Weigerung, durch die Regierungsbeteiligung Bägen wir die Borteile und die Nachteile des Locarno- Bertrages einen Teil der politischen Berantwortung zu übernehmen, hat objektiv ab, so stellen wir fest, daß der Paft uns den Verzicht auf Herriot auf die Regierungsbildung verzichtet mit der Motieinen Krieg toftet, den wir nicht führen können und nicht führen vierung, daß angesichts der angewachsenen Differenzen über ein wollen. Daß wir ihn nicht führen tönnen, hat sogar Graf Bestarp anerkannt ohne den Zusatz in der jeßigen Zeit".( Heiterfeit.) Was Programm, finanzieller Sanierung auch die politisch- parlamentarische bringt uns aber der Vertrag? Abgesehen von der wertvollen Mit- Unterstützung durch die Sozialisten gefährdet fel und deshalb auch gliedschaft im Bölterbund, wo wir zusammen mit der ganzen die Bildung eines bürgerlichen Kartellfabinetts nicht mehr in Frage Welt für die Abrüstung wirten tönnen, wird die Kriegstommen fönne. Doumergue hat die radikalsozialistischen Poli. gefahr auf ein minimum reduziert. Der zweite Bor fifer Cazals und Sarraut ins Elysee zur Aussprache berufen. teil ist der, daß jede Streitigkeit zwischen Deutschland und Frankreich über die Auslegung der zwischen ihnen bestehenden Verträge dem schiedsgerichtlichen Berfahren unterworfen ist. Das bedeutet, daß in Zukunft Ultimaten und Diftate, die mir bisher hilflos über uns ergehen lossen mußten, megfallen. Und damit haben wir die Aussicht auf eine balbige Herstellung der völligen Freiheit der Rheinlande. Wir haben alle oft er flärt, daß. Rhein und R hr feine Reparationsprovinzen werden dürften, und damit haben ja auch Sie( nach rechts) die Zahlung der 700 Millionen an die Ruhrindustriellen erklärt. In dieser Herstellung der völligen Integrität unseres Landes erblicke ich einen der wesentlichsten Borteile des Pattes von Locarno( Sehr gut! bei den Soz.). Benn der Balt scheitert, dann haben Sie( nach rechts) nur erreicht, daß die alte Rechtlosigteit bestehen bleibt und irgend ein Regierungswechsel in Frankreich zu neuen qualvollen Drangsalierungen führt. Das sollte Ihre Presse Ihren Lesern fagen, statt ihnen zu erzählen, daß Hindenburg Deutschland an die Entente ausgeliefert hat. Sie werden verstehen, daß wir eine ge wiffe Genugtuung verspüren, daß auch Hindenburg Anhänger der Annahme des Baltes ist. Während der Reichspräsiden tenwahl haben wir so ganz andere Löne gehört Damais schrieb die„ Nationalpoft": Hindenburg tommt, jegt wird alles gut... Deutschland findet wieder Boden unter den Füßen. Wichtige Entscheidungen stehen bevor. Wir erinnern nur an den Sicherheitspakt und die demnächstige Veröffentlichung der Militärkontrollnote. Der alte Soldat Hindenburg weiß, daß die Hoffnung, durch Nachgiebigkeit den Feind milde zustimmen, vergeblich ist." Ihre Politit, meine Herren Deutschnationalen, hat sich als unfittlich und damit als unmöglich erwiesen.( Entrüstungsrufe bei den Deutschnationalen.) Wir Sozialdemokraten stimmen dem uns vorliegenden Gesetzentwürfe zu. möge seine Annahme unferem Lande und der Welt zum Segen gereichen.( Lebhafter anhaltender Beifall Bei den Saz.) Paris, 26. November.( WEB.) Nach einer dreiviertelftündigen Unterredung hat Briand das Elysee verlassen und erklärt, der Präsident der Republik habe ihn gebeten, ein Kabinett zu bilden. Angesichts der gegenwärtigen Cage habe er nicht geglaubt, dem Präfidenten der Republik feine Unterstühung versagen zu dürfen. Er werde heute vormittag wieder zum Elysee zurückkehren und über das Ergebnis seiner Bemühungen berichten. Die Haltung der Sozialisten. Paris, 26. November.( Eigener Drahtbericht.) Der am Donnerstag von der sozialistischen Fraktion einstimmig gefaßte Be schluß, den Eintritt in ein von Herriot zu bildendes Kartell bruar 1924) gilt und diese Ermäßigung nicht durch eine Benderung der für die Umwandlung der Papiermartdarlehn in Goldmart geltenden Meßzahl gemildert oder aufgehoben werden darf. Ausschlaggebend für den Antrag ist die Ermägung, daß den leinen Siedlern, die zum Teil selbst ihre Ersparnisse durch die Geldentwertung verloren haben, nicht Auswertung von mehr als 25 Broz. aufgebürdet werden darf, wenn für reiche Grundbesizer und Industrielle bei der Aufwertung von Hypotheken und Obligationen der Höchstsatz 25 Proz. beträgt. Regierungswahl in Baden. Rabinett aus Sozialdemokraten und Zentrum. Zwei Die Preise steigen weiter. Steigerung des Großhandelsindex. delsindegziffer des Statistischen Reichsamts ist gegenüber Die auf den Stichtag des 25. November berechnete Großhan dem Stande vom 17. November( 121,0) um 1,4 Broz. auf 122,7 g e stiegen. Höher lagen die Preise für Getreide, Butter, Baum wolle, Wolle, Hanf, Rohjute und Zinn. Gefunten sind die Preise für Schmalz, Fleisch, Rindshäute, Kalbsfelle, Treibriemenleder, Baumwoll und Jutegarne, sowie für einige Nichteisenmetalle. Bon den Hauptgruppen haben die Agrarerzeugnisse von 114,5 auf 117,3 oder um 2,4 Proz. angezogen, während die Industriestoffe mit 132,9( Borwoche 133,0) nahezu unverändert blieben, Wirtschaft und Exportförderung. Untersuchung der Möglichkeiten einer europäischen Zollunion. sozialdemokratische Staatsräte. Karlsruhe, 26. November.( Eigener Drahtbericht.) Der Badische Landtag wählte am Donnerstag abend die neue Regierung. Auf den bisherigen Minister des Innern Remmele entfielen als Anwärter für das gleiche Amt von 68 Stimmen 42. Remmele übernimmt gleichzeitig das Kultusministerium. Mit der gleichen Stimmenzahl wurden wiedergewählt Juftizminister Trunt Der Reichsverband der Deutigen Industrie und Finanzminister& öhler, die beide dem Zentrum angehören. hielt gestern unter dem Borsiz des Herrn Geheimrat Professor Der Justizminister wurde u. a. mit dem Amt des Staatspräsidenten Dr. S. Duisberg eine ungewöhnlich start besuchte Hauptaus betraut. Als Staatstate gingen die Sozialdemokraten Ma- schußfizung ab. Ueber bie atuten handelspolitischen Fragen berich tete der Borsigende der Handelspolitischen Kommiffion beim Reichs verband, Staatssetretär 3. D. Don Simfon Am Freitag, mittags 12 Uhr, beginnt im Reichstag bie dritte Lesung der Locarnogejeze mit einer Rede des Genossen Dr. Breit. scheid. Die Reichsregierung dürfte im Berlauf der Debatte eben falls das Wort nehmen, und zwar wird Dr. Luther eine juristische Erflärung über die Berfaffungsmäßigkeit des Gelegentwurfs über Locarno bei einfacher Abstimmung abgeben. Die Deutschnationalen bezweifeln bekanntlich tiefe Berfaffungsthäßigkeit. Auch Außenrum und maler aus der Wahl hervor. Maier war bisher nicht minister Dr. Strejemann wird wahrscheinlich nochmals bas Bort vor der Entscheidung nehmen. Ihm ift die Aufgabe gestellt, bie Kritifer abzufertigen und ihre Lügen richtigzustellen. Es steht also ein großer Tag bevor. Völkerbund und Rückwirkungen. Eine Entschließung zur Locarno Vorlage. Zur Frage des Eintritts Deutschlands in den Böllerbund im Locarnogejez haben die Fraktionen bes 3entrums, der Deut schen Bolfspartei und der Demokratischen Partet gemeinsam folgende Entschließung eingebracht: Die Reichsregierung aufzufordern, mit allen Kräften bemüht zu sein, um bis zum Eintritt Deutschlands in den Böllerbund eine dem Sinne des Vertragswerts von Locarno ent iprechende Erweiterung der sogenannten Rüdwir. fungen zu sichern. Wie Bd3. hört, werden auch die Mitglieder der Bayerischen Boltspartei dieser Entschließung zustimmen, falls ihre eigene Entschließung, die den Eintritt in den Bölkerbund von weiteren vorherigen Rüdwirtungen" abhängig machen will, abgelehnt werden sollte. Bayern für Locarno. Die Abstimmung im bayerischen Zwischenausschuß. München, 26. November.( Eigener Drahtbericht.) Der 3mischenausschuß des bayerischen Landtages beendete am Donnerstag nach fünfstündiger Debatte die Aussprache über Locarno, Ministerpräsident Held bekannte sich noch einmal, wenn auch mit einigen Borbehalten, zum Geist von Locarno. Dann wurden sämtliche Anträge der Böltischen und Kommu nisten abgelehnt. Die Anträge hatten gemeinsam zum Ziel, entweder von der Reichsregierung direkt die Nichtunterzeichnung des Locarno- Bertrages zu verlangen oder den Reichstag von der Buftimmung abzuhalten. Gefordert wurde auch die Notwendigkeit einer Zweidrittelmehrheit im Reichstag und die Hinausschiebung der Unterzeichnung, bis die Gegensäge, die in der Auslegung der Berträge zwischen Deutschland und den anderen Signatarmächten angeblich bestehen, vollkommen geflärt seien. Für die Ableb nung der Anträge stimmten die Bayerische Bolts partei, die Sozialdemokraten, die Demokraten und teilweise auch der Bayerische Bauernbund. Schritte der Siedler zur Aufwertung. Die Sozialdemokraten stellen einen Initiativantrag. Im Rahmen des Finanzausgleichsgefeges vom August dieses Jahres war auf fozialdemokratischen Antrag befchloffen worden, den im§ 29 der britten Steuernotverordnung auf 40 Broz. festgelegten Aufwertungsfag für öffentliche Baudarlehen auf 23 Proz. herabzuseßen. Den Anlaß zu dem Antrag hatte der im Aufwertungsgesetz vorgesehene Höchstsatz zu 25 Broz. für Hypotheken und andere Vermögensanlagen gegeben. Nun wenden einzelne Landesregierungen, wie z. B. die württembergische, allerlei Aniffe an, um die Ermäßigung des Aufwertungssatzes unwirffam zu machen. Die Sozialdemofratische Reichstagsfrattion hat daher ein Initiatingefet eingebracht, das unzweideutig feststellt, daß die Herablegung des Sazes von 40 auf 25 Broa. vom Tage bes Infrafttretens ber britten Steuernotverordnung( 14. Fe Staatsrat. Der Zentrumsabgeordnete Welch haupt wurde für das Amt des Staatsrates wiedergewählt. Die nicht in der Reglerung vertretenen Partelen gaben bei der Wahl weiße Stimmzettel ab. Am Montag wird die neue Regierung the Programm verlesen. Die Aussprache erfolgt anschließend. Kommunistische Fälscher. Sozialdemokratie und Beamtenbesoldung. In ihrer Ausgabe vom 26 November berichtet die Rote Fahne" über die Rede des Genossen Hermann Müller bei ter Besoldungsdebatte im Haushaltsausschuß des Reichs. tages unter anderem folgendes: Aber auch er besteht nicht auf fofortiger Beratung: der Ausschuß fönne vielleicht am 9. Dezember in die Beratung eintreten allerdings, vor Weihnachten würde dann nichts geholfen werden." Genau das Gegenteil hat Hermann Müller verlangt. Durch seinen Vorschlag, zur Prüfung der Besoldungsfrage und Finanzlage die notwendigen Unterlagen schleunigst vorzulegen, hat er 1. die Forderung des Reichstanzlers auf Bertagung der Besoldungsfrage bis nach der Regierungsumbildung zu nichte gemacht und 2. den Weg dazu geebnet, daß noch vor Weihnachten etmas Pofitives für die Beamten der unteren Gruppen geschieht. Den Zmed der Fälschung wird jeder Einsichtige sehr leicht er. fennen. Reichswehr und Politik. Eine Erklärung des Reichswehrministeriums. Zu der Mitwirtung einer Reichswehrtapelle bet der Anti Locarno- Rundgebung des Deutschen Wehrvereins in Friedenau erklärt das Reichswehrministerum, daß der Militärbehörde gegenüber ein unpolitischer Lichtbildervortrag über die Reichswehr angekündigt worden sei; menn der Redner wirklich Ausflüge ins Politische und Angriffe auf den Außenminister sich geleistet habe. so hätte die Kapelle abmarschieren müssen. Erhebungen des Wehrtreistomman bos III feien im Gange. Eine Liste der un politischen Vereine, bei denen allein Reichswehrmufit mitwirken dürfe, werde in naher Zeit herauskommen. Wir möchten anregen, in diese Liste nicht etwa nur Berliner, sondern z. B. auch Münchener Vereine aufzunehmen und sind gefpannt, ob Bayerntreue"," Bayern und Reich"," Reichsflagge", aber auch Stahlhelm"," Wermolf"." Frontbann"," Bismardjugend" und so weiter etwa nicht auf dieser Liste stehen werden. Der Erweiterungsbau für den Reichstag. Wegen ungünstiger Finanzlage zurückgestellt. Im Haushaltsausschus des Reichstags wurden die Pläne behandelt, bie einem Erweiterungsbau für den Reichstag dienen follen, worüber der Reichstagspräsident& öbe Bericht erstattete. Die ausführliche Disfuffion ergab, daß infolge der ungünstigen finanziellen Lage des Reiches aunächst die Bebauungspläne aurudgestellt werden sollen. Dagegen wird noch morgen nach Fühlungnahme der Ausschußmitglieder mit ihren Fraltionen die Frage entschieden werden, ob für eine spätere Erweiterung des Reichstagsgebäudes gegebenenfalls ihon jest Grund und Boden durch Antauf gesichert werden soll. Im allgemeinen eröffnet das erste Jahr der Handelsvertrags perhandlungen nicht die Aussicht, daß mit den Mitteln der Handelspolitit allein die Nöte der deutschen Exportindustrien beseitigt merben tönnen. Um dieses Ziel zu erreichen, wird es, wie der Rebner ausführte, abgesehen von ber erforderlichen Ent Laftung der inneren Wirtschaft selbst, notwendig sein, pofitive Maßnahmen der Erporiförderung zu ergreifen. Bas die eng lische Regierung in der Gewährung von Erporttrebiten getan hat, ist ein beachtenswertes Borgehen. Auf die Dauer muß die deutsche Handelspolitit auf einen allgmeinen Abbau der europäischen 3ollmauern hinarbeiten und in diesem Einne ist, ungeachtet der Schwierigkeiten dieses Fragenkomplexes, schon jetzt eine Untersuchung der Möglichfetten einer europäischen 3o11- Union angebracht. Das gefchäftsführende Präsidialmitglied, Geheimrat Kastl, trug die Grundzüge eines Wirtschaftsprogramms vor, welches Sonderausschusses aufgestellt worden ist und am Bortage bereits in eingehenden Beratungen eines zu diesem 3wede eingesetzten Präsidium und Vorstand des Reichsverbandes beschäftigt hatte. Das Wirtschaftsprogramm wird in Gestalt einer Dentschrift in der weiten Hälfte des Dezembers der Deffentlichkeit übergeben werden. Der Lemberger Attentatsprozeß. Der wirkliche Attentäter wiederholt sein Geständnis. Wie das Berliner Polizeipräsidium mitteilt, hat der Utrainer Olszanstyi fein Geständnis vom Oktober 1924 jeht wiederholt und noch durch folgende Angaben erweitert: Wie bereits bei jeiner ersten Bernehmung angegeben, habe er das Attentat feinerseit auf Befehl der Geheimen Ukrainischen 2111farorganisation( Utrainsta Wischtowa Organifazia) ausgeführt. Diese Organisation habe ihm, als er sich nach der Tat in Sicherheit gebracht hatte, versichert, daß fie selbst entsprechende mitteilungen an die polnischen Behörden machen würde. durch die verhindert würde, daß an seiner Stelle ein völlig uufchuldiger, nämlich der nach der Tat als angeblicher Attentäter verhaftete Student Steiger, verurteilt würde. Er habe auch später erfahren, daß in diesem Sinne alles geschehen ſel, und er habe daher bis jeht angenommen, daß dies genügen würde, um eine Verurteilung des Steiger, der mit dem Attentat nicht das mindeste zu tun habe, zu verhindern. Da aber trotzdem die Verhandlung gegen Steiger schon 6 Wochen lang durchgeführt werde, habe ihn der Oberfte Revolutionäre Rat dieser Geheimorganisation. veranlaßt, fein früheres Geständnis in allen Punkten zu ergänzen, die die Polizel etwa als wesentlich erachten würde. Abgesehen davon, daß er es nicht mit seinem Gewiffen vereinbaren fönne, einen Unschuldigen für seine Tat büßen zu laffen, leite ihn auch der Wunsch, den preußischen Behörden, die ihm bisher als politischen Flüchtling Asylrecht gewährt hätten, zu beweisen, daß es fich bei seinem damaligen Geftändnis nicht etwa um die Angaben eines Abenteurers gehandelt habe, der sich dieses Asylrecht durch falsche Bekundungen habe erschwindeln wollen. Asylrecht durch falsche Bekundungen habe erschwindeln wollen. Hauptmann Röhrbein, der Führer des Berliner Frontbanns, der vor einiger Zeit unter dem Berhadt der Geheimbündetei und des Vergehens gegen§ 175 SGB. verhaftet worden war, ist jezt auf Antrag feines Rechtsanwalts wieber auf freien Fuß gelegt worden. Das Berfahren gegen ihn und die übrigen nimmt feinen Fortgang. Gewerkschaftsbewegung Zentrales Tarifabkommen im Baugewerbe. Bis zum 31. März auf Grund der bestehenden Bedingungen. Ueber die Erneuerung eines Reichstarifvertrages für das Baugewerbe, der am 31. März 1924 abgelaufen und nicht erneuert wurde, fand am 26. November in Berlin eine einleitende Berhandlung unter den früheren Bertragsparteien ffatt. Bon beiden Seiten der Partelen wurde ausgesprochen, daß man den ernstlichen willen hat, wieder zu einem Reichstarifvertrag zu tommen. Als Dorvereinbarung und, damit während der Zeit der Berhandlungen nicht Störungen eintreten, die den Abschluß eines Reichstarifvertrages hinausziehen oder gar gefährden, haben dle Parteien folgende Bereinbarung über die Cohnfrage und über etwa während der Verhandlungszeit auftretende Streitfragen getroffen: „ Die in der Arbeitsgemeinschaft des deutschen Hoch- und Tiefbaugewerbes zusammengeschloffenen Verbände, 1. Deutscher Arbeitgeber bund für das Baugewerbe, 2. Reichsverband des deutschen Tiefbaugewerbes, fowie 3. der Beton- und Tiefbauarbeitgeberverband für Deutschland einerseits und 1. der Deutsche Baugewerksbund, 2. Zentralverband der Zimmerer, 3. Zentralverband chriftlicher Bauarbeiter, 4. Zentralverband der Maschinisten und Heizer andererseits, freffen für ihre Unterverbände folgendes, Abkommen: zum Anlaufen zu bringen, um zu dem für die Bauarbeiterschaft besonders ungünstigen Zeitpunkt die Arbeitsbedingungen zu diftieren, dann wird man die eigentliche Tragweite des Abkommens erst richtig ermessen. Alles in allem tann man also sagen, daß die Gewerkschaften der Bauarbeiter die Pläne der Sharfmacher im Unternehmerlager endgültig durchfreuzt haben. Die Arbeitslosigkeit ist nicht groß genug! Die Reichsbahngesellschaft hilft fie vergrößern. Das Wolff- Bureau verbreitet folgende Meldung: Wie wir erfahren, beträgt der Personalbestand an Beamten und Arbeitern bei der Deutschen Reichsbahngesellschaft entgegen anderen Meldungen zurzeit rund 732 000 töpfe. Es muß seitens der Deutschen Reichsbahngesellschaft im Intereffe einer wirtschaftlichen Betriebsführung erftreot werden, etwa den Friedenstopfstand wieder zu erreichen, der sich auf rund 693 000 Köpfe belief. Naturgemäß werden in der Hauptsache von dem meiteren Abbau die Bezirke betroffen, die wegen Lage der Berhältnisse den Abbau noch nicht im vollen Maße haben durchführen können." In unserer gestrigen Abendausgabe haben wir bereits über die Berhandlungen im 24. Ausschuß des Reichstages, der sich mit dem beabsichtigten Abbau bei der Reichsbahn beschäftigte, eingehend berichtet. Wenn die Hauptverwaltung der Reichsbahn mit den bisher abgeleugneten Abbauplänen nunmehr an die Deffentlichfelt tritt, fo fehlt in der erzwungenen Erklärung jede Begründung für die Rot. 1. Die innerhalb des Deutschen Reiches zurzeit bestehenden Cohn- wendig feit des Abbaues. Wir haben wiederholt Tatsachen anand Arbeitsabkommen werden bis zum 31. März 1926 ver- geführt, wo der Abbau so radital vorgenommen wurve, daß unlängert. In tariflich nicht geregelten Orten werden die zurzeit mittelbar nach dem Abbau Neueinstellungen notwendig gezahlten Löhne als tariflich anerkannt. 2. Keine Partei und waren. Andererseits hat die Reichsbahngesellschaft in erheblichem deren Unterverbände dürfen bis zu dem obigen Termin in Kampf- Maße Arbeiten, die sie bisher in eigener Regie ausführte, an bie maßnahmen wegen Cohn- und Arbeitsstreitigkeiten eintreten. Die Brivatindustrie vergeben müssen, was selbstverständlich bei bisherigen fartflichen Schlichtungsstellen haben in diesem Fall fich der Hinzurechnung des Unternehmerprofits eine. Bert uerung darSache anzunehmen und eine Entscheidung zu fällen. Wo folche ftellt. Wir haben weiter im wirtschaftlichen Teil der Morgenausgabe Schlichtungsstellen nicht bestehen, find sie zu errichten. Grundfäß- vom Mittwoch eine eingehende Darstellung der Berhältnisse bei der Grundfäh- Reichsbahn fiche Streiffragen des Reichstarifvertrages gehören nicht zur Reichsbahn gegeben, aus der u. a. hervorgeht, daß gegenüber 1913 Zuffändigkeit diefer Schlichtungsstellen. Bestehende bezirkliche Ber- der Berionenpertehr ih nahezu verdoppelt hat einbarungen bleiben dadurch unberührt. 3. Die Bertragspartelen werden gemeinsam die Allgemeinverbindlich. erklärung dieser Bereinbarung beantragen. Die weiteren Verhandlungen unter den Parteien werden am 18. und 19. Dezember fortgeführt. Diese Bereinbarung ist, wie aus dem Inhalt hervorgeht, nur eine vorläufige. Sie ist aber nichtsdestoweniger infofern von großer Bedeutung, als durch die Allgemein verbindlichkeitserklärung, die zweifellos ausgesprochen werden wird, in ganz Deutschland auf Grund des status quo im Baugewerbe geregelte Lohn- und Arbeitsverhältnisse damit eintreten. Man fann, wenn man will, dieser Vereinbarung vom Arbeiterstandpunkt aus tritisch gegenüberstehen, und zwar hauptsächlich deshalb, weil die bestehenden Lohn- und Arbeitsbedingungen um volle vier Monate verlängert werden, ohne daß irgendeine Lohnerhöhung eintritt. Die Frage der Arbeitszeit bleibt hier außer Betracht, und zwar, weil im Baugewerbe während der Wintermonate notwendig eine pertürzte Arbeitszeit herrscht, und weil, von verschwin denden Ausnahmen abgesehen, der Achtstundentag im Baugewerbe aufrechterhalten worden ist. Berücksichtigt man jedoch, daß während der Winters monate das Baugewerbe so ziemlich brachliegt und Arbeitstämpfe schon deshalb zu den Ausnahmen gehören, dann bedeutet die Berlängerung der gegenwärtig gültigen Arbeits bedingungen bis zum 31. März des nächsten Jahres gewisser maßen die Festlegung eines Zustandes, der auch sonst bestanden hätte. Wenn man meiter berücksichtigt, daß die Unternehmer im Baugewerbe im nunmehr abgelaufenen Baujahr sich mit großen Plänen trugen und insbesondere die Absicht hatten, alle bestehenden Bezirksfarife im November gen machten eine erhebliche Vermehrung der Belegschaft erforderlich, damit eine Produktionsverminderung vermieden werde. Wenn man ferner berücksichtigt, daß Neueingestellte weniger leistungsfähig find als die Eingearbeiteten oder beurlaubten Berjonen, fo ergibt sich, daß die Zahl der infolge der zahlreichen Beurlaubungen Neueinzustellenden entsprechend größer ausfallen mußte. An uns ist deshalb die Anregung gelangt, anzustreben, daß in Zukunft in Zarifpertragen oder durch das zufünftige Arbeitsgeleg der Betriebsleitung das Recht eingeräumt merde, von der im Betriebe tätigen Belegschaft so viel Ueberstunden zu verlangen, als notwendig sind, um den Ausfall an Arbeitsstunden durch die Be urlaubung wettzumachen. Soll das Streben nach einer solchen gefeßlichen Bestim mung Erfolg haben, so muß den maßgebenden Stellen Material barüber vorgelegt werden, welchen mindernden Einfluß die zahlreichen Beurlaubungen von Arbeitnehmern auf die Produktion der Betriebe haben. Wir bitten Sie deshalb, solches Material von Ihren Mitgliedsmerken zu beschaffen. Das Material muß insbeson dere Angaben darüber enthalten, wieviel Personen durchschnittlich im Monat beurlaubt maren und wieviel Neueinstellungen infolge diefer Beurlaubung vorgenommen werden mußten, um die Produktion einigermaßen auf der gleichen Höhe zu halten." nicht bie ungeteilte Meinung fämtlicher Unternehmer darstellt, ergibt Daß die in diesem Rundschreiben zum Ausdrud gebrachte Absicht fich aus der Tatsache, daß viele Werte die Urlaubszeit dazu benutzen, ihren Betrieb ruhen zu lassen und gründlich zu überholen( Reinigung der Dampfteffel, Instandsezung der Berteinrichtungen usw.) Man darf aber die in der Absicht des Gesamtverbandes Deutscher Metallindustriellen liegende Gefahr nicht unterschäzen. Es wird daher Aufgabe der Vertreter der Arbeitnehmerschaft in den Gewertschaften und im Reichstag sein, bie beabsichtigte Sabotage des Arbeiterurlaubs zu durchfreuzen. 1 Die Urabstimmung der Straßenbahner. Die Abstimmung erfolgt am Montag in den Betrieben, und zwar für das Betriebspersonal in der Zeit von früb 4%, bis nachmittags 2 Uhr, und in der Werfftatt bor Arbeitsbeginn. Konflikt bei der österreichischen Post. Wien, 26 November.( Elgener Drahtbericht.) Am Donnerstag nachmittag hat die Arbeitsgemeinschaft und der Zentralausschuß der öfterreichischen Post und Telegraphenangestellten in gemeinfamen Berhandlungen mit dem Generaldirektor des österreichischen Boft- und Telegraphenwesens das Angebot der Generaldirettion als un genügend abgelehnt. Die Regierung hat daraufhin die Bertreter der Bostangestellten für Sonnabend vormittag zu weiteren Verhandlungen zu sich geladen. Die Bertreter der An gestellten ließen die Regierung bereits wissen, daß, wenn bis Montag tein zufriedenstellendes Ergebnis erzielt ist, der Regierung ein furzfristiges Ultimatum gestellt wird, das mit dem 4. Dezember Bir gehen nicht weiter auf die zahlreichen anderen Details ein, insbesondere auf den Zustand der Streden. Wir weisen nur auf die Sinnlosigkeit des bisher betriebenen schematisen 5. baues hin, der so erfolgt ist, daß die hohe Bureaukratie, die von ihrer eigenen Unerfeßlichkeit überzeugt ist, vom grünen Tisch einen Abbau diftiert, der für die Aufrechterhaltung des Reichsbahnbetriebes verheerende Folgen hat. Ein schematischer Vergleich mit dem Perfonalbestand von 1913 ist umfo weniger zufäffig und umso unverständlicher, als bekanntlich der Betriebsstand der Reichsbahngesellschaft in feiner Weise derselbe ist, wie er 1913 war. Den Abbau aber aus gerechnet jet, in der Zeit der großen Arbeitslofig feit vorzunehmen, zu einer Zeit, mo bie Pflicht der Behörden und öffentlichen Unternehmungen ist, alles zu tun, um die Arbeitsablaufen würde. losigkeit her abzudrüden, ist nicht nur heller Wahnsinn, sondern direkt eine Herausforderung des Deutschen Reichstags fowohl, als auch der Eisenbahner selbst. Für über eine Million Notstandsarbeiten. In München... München, 26. nov.( WIB.) Der Stadtrat München hat für winternetftandsarbeiten mehr als eine Million Mart bereitgestellt. Der Urlaub foll abgearbeitet werden. So fordern es die Metallindustriellen. Einfluß der Beurlaubung der Arbeiter auf die Betriebsprobut. tion" betitelt der Gesamtverband Deutscher Metalinduftrieller ein Rundschreiben, in dem er folgendes ausführt: der Arbeiter auf die Betriebsproduktion ist, wie nicht weiter alis " Der Einfluß der Beurlaubung der Arbeitnehmer, insbesondere geführt zu werden braucht, außerordentlich groß. Als Beispiel sei mur angeführt, daß in einem Berliner Großbetriebe in der Zeit von Mai bis August 1925 durchschnittlich 1500 Personen im Monat beurlaubt waren. Diese zahlreichen BeurlaubunWiederaufnahme der Arbeit in Stehr. Wien, den 26. November.( Eigener Drahtbericht) Die Abstimmung der Arbeiterschaft der ehemaligen Waffenfabriken ih Steyr ergab 2279 für und 376 gegen die Annahme des Vergleichs, der zwischen den Gewertschaftsvertretern und der Geschäftsleitung abgeschlossen worden ist. Damit ist der Konflitt beendet. einer großen Anzahl gewerkschaftlicher Bertrauensleute erfolgt ist. Es handelt sich um einen Streit, der infolge der Maßregelung Der Kampf hat acht Bochen gebauert. Er endet mit einem vollen Erfolg für die Arbeiterschaft. Sämtliche Arbeiter erhalten einen Borschuß in der Höhe eines Lohnes von 1% Wochen, der jedoch nicht zurückgezahlt werden braucht. Der Sentraltarifvertrag der Angestellten, ben die Direktion feit zwei Jahren nicht mehr an erkannte, wird nun wieder in Kraft gelegt. Die Aussperrung gilt nicht als Unterbrechung der Dienstzeit. Eingestellt werden sämtliche Arbeiter und Angestellten, die fich feine gejezwidrige Handlungen zuschulden kommen ließen, d. h. alle bis auf wahrscheinlich zwei.. Berantwortlich für Politi: Ernt Renter: Birtfchaft: Artur Saterans: Gewerkichaftsbewegung: Friebe. Eslorn; Feuilleton:.. Discher; Lofales nud Sonstiges: Frik Karstadt; Anzeiger: Th. Glode; fämtlich in Berlin. Berlag: Borwärts- Berlaa G. m. b. 8. Berlin. Drud: Borwärts- Buchbruceret und Berlaasonftalt Toul. Einger Co.. Berlin G 68 Sinden rake 3. Sieran 2 Beilagen und Unterhaltung und Biffen". A.WERTHEIM Billige Lebensmittel Leipziger Straße Blutwurst Hal'esche, Pfund 72PL Rotwurst... Pfund| 20 Königstraße Rosenthaler Straße Rosenthaler Straße Moritzplatz Frisches Fleisch Rinderkamm u. Brust.Fund 80 PL. Schmorfleisch mit Knochen..... 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Schelb 220 Preiselbeeren er 420 Norweg. Sardinen in Oel, Dose 50 PL Portugies. Oelsardinen Dos. 90 Pt. Klubdos. 52 PL Wein Preise für Flasche inschießt. Steuer ohne Glas Apfelwein Renetten 58 PL Wechstum 1923 Hainfelder mlider Pfalzwein 90P. 1920 Dürkh. Schloßgrt.Riesl. Stadı Durkheim 160 1922 Piesporter Falkenberg spripiger Mosel 180 1921 Niersteiner 180 gehalt1922 Kirchheimer roter Tlechwein Castillo voil IM 1922 St. Justin Ripalda" milder span. Rotwein 150 1921 Gundersheimer Berg liebl. rhein. Rotw. 2M 1917 Fleury Burgund. 210 1918 Chât. Courtillac Bordeaux 250 Tarragona rot, sus 125 Ruster Gold suger Stärkungswein, Tokaler. 150 Malaga goldfarben... IES Portwein teiner alter 2 M A.W.Spezial Cuvée gut. Tefelsekt, Flascheng. 4 M Jamaika- Rum- Verschn. 40 Vol. Prozent 320 Fische Rotbarse ohne Kopf. Bratschollen Makrelen. Schellfische mittelgroß.... Grüne Heringe Piand Pland 15 Pt. Plund 18 Pt. P.und 20 Pf. Plund 24 PL Pfand 24 Pt. Kabeljau ohne Kopf, ganze Flache. Pland 23 Pf. 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Genosse Hast wieder Vorsteher.— Auch Kommunisten im Vorstände« Der Schrei nach Hilse sür Erwerbslose und Notleidende. Lke L«rlin«r Stadtverordnetenversammlung wählte gestern ihren Vorstand. Die Wohl wäre ohne viel« Um» stände erledigt worden, wenn nicht der deutschsoziale Knüppel-Kunze sich das Vergnügen gemacht hätte, durch Widerspruch gegen die vorgeschlagene Zurufswohl eine Reihe zeitraubender Zettelwahlen zu erzwingen. Wiedergewählt wurde durch Zurufwahl unser Ge- nosse Haß zum Vorsteher, durch Zettelwahl wurden zu S t e l l» Vertretern gewählt ein Deutschnationaler, ein Kom. m u n i st und ein Demotrat. Dieses Ergebnis bedeutet einen Sieg der von der Sozialdemokratie im Rathaus stets vertretenen Auffassung, die den Grundsätzen der Demokratie und des Parla- wentarismus entspricht. Jetzt sind die Fraktionen noch ihrer Stärke am Vorstand beteiligt, auch die Kommunisten, die durch ilebeinahme der Aeinter eines Vorsttzendenstellvertreters und von Beisiitzern ein Bekenntnis zurVernunft ablegen zu wollen fcheinen. Die Kommunisten des Rathauses fürchten nicht mehr, Schaden an ihrer Seele zu leiden, wenn sie mit Bürgerlichen zusammen im Vorstand sitzen. Nach Konstituierung der Dersamm-' lang wurde der größte Teil der Sitzung durch die Erörterung der Anträge auf Hilfsmaßnahmen für Erwerbslose und Notleidende in Anspruch genommen. Den Antrag der sozialdemokratischen Fraktion begründeten unsere Genossen Heit- mann und Urich in längeren Ausführungen über die Zunahme der Arbeitslosigkeit und die Notwendigkeit der Abhilfe. Sie schlugen eine Reihe von Maßnahmen vor. deren Einzelheiten unseren Lesern aus dem bereits im gestrigen Abendblatt mitge- teilten Wortlaut unsere» Antrage» bekannt sind. Schließlich wurden olle Anträge dem Erwerbslosenausschuß zur nähere» Prüfung überwiese». ,1•.d/ » Die erste ordentliche Sitzung der neuen Stadtverordneten» Versammlung wurde gestern abend gegen SM Uhr vom Altersvorsitzenden Bamberg eröffnet. Zunächst nahm der Lltersvorsitzende noch die Mitglieder A m b u r g und Dr. Witte(Soz.) und den Demokraten Hausberg durch Handschlag in Eid und Pflicht. Dann widmete er dem am 20. November verstorbenen Genossen Dr. Hermann W ey l einen von der Versammlung stehend ange- härten Nachruf, in dem er der hervorragenden Uerdieoste weyls um die sozialen und hygienischen Interessen der Bevölkerung Berlins mit Worten höchster Anerkennung gedachte. Auch der starken, ihre Ziele energisch zu verfolgen gewohnten Persönlichkeit Weyl» wurde Herr Bamberg durchaus gerecht: Freund« und Gegner hätten in dem Urtell übereingestimmt, daß er als treuer Sohn der Stadt ihr in vorbildlicher Hingabe seine Fähigkeiten und reichen Erfahrungen zur Verfügung gestellt habe.—» Hierauf ging die Versammlung sofort an ihre Souslituierung. Bei der Wohl de» Vorstehers schlug Genosse Ezeminskl den Genossen Haß vor, der einer Empfehlung wohl nicht niehr bedürfe.— Eine anderer Dorschlag wurde nicht gemacht. Auf die Frage de» Alterspräsidenten, ob gegen die Wohl durch Zuruf Widerspruch erhoben werde, meldete sich Herr Richard Kunze. Der Vorsitzende ersuchte, den Widerspruch zurückzuziehen, da der Dorge» schlagene>a doch gegen eine oder einige wenige Stimmen gewählt werden würde, und proklamiert«, da er keinen Widerspruch weiter vernahm, den Stadtverordneten haß al, gewählt. Nunmehr erklärte Herr Kunz«, er habe seinen Protest nicht zunickgezogen: wenn dgx Vorsitzende das nickt gehört habe, sei da» seine Sache. Stadtv. Merten(Dem.) stellt« dem gegenüber sest, daß Herr Kunz« zwar Widerspruch erhoben habe, aber nachher, als der Vorsitzende den Widerspruch als zurückgezogen erklärt habe, nickt dagegen aufgetreten sei. Die Versammlung trat auf die Seite des Alterspräsidenten, der nunmehr den Genossen haß ersuchte, den Vorsitz zu übernehmen. Genosie haß übernahm den Vorsitz mit folgenden Worten: In» dem ich da» Amt des Vorstehers wieder übernehme, danke ich zunächst in Ihrem Namen unserem hochverehrten Allersvorsttzenden für die Führung der Geschäfte: möge es ihm oergönnt fein, noch recht lange in unserer Mitte für das Wohl unserer Stadt und der Bürger- schaft wirken zu können.(Beifall.) Dann gilt mein Dank denen, die mich durch Zuruf gewählt haben. Die Wahl ehrt mich, aber sie verpflichtet auch: ich werde beide» zu schätzen wissen und werde bestrebt sein, die Geschäfte der Versammlung objektiv zu testen, werde bestrebt sein, jedem Mitgliede sein Amt so leicht wie möglich zu machen. Dann bitte ich um Ihre allseitige Nachsicht und Unter- stützung. Und nun lassen Sie uns in die neue Session der neuen Versammlung eintreten mit der srohn Hoffnung und Zuversicht, die Nöte unserer Mstbürger zu lindern: stellen wir uns die Aufgabe, aus der großen Einheitsgemeinde Berlin ein blühendes Gemeinde- wefen zu machen.(Beifall.) Dahl der drei vorsteh er-Slellverkreler. Als erster wird v. Delhleffsen(Dnat.) vorgeschlagen Fabian (Dnot.). Stadtv. Letz(Komm.) meint, die Versammlung sollte die Wahl nicht ohne eine Demonstration gegen die Monarchisten vor- übergehen lassen.(Lachen rechts.) Er schlug D e g n e r für diesen Posten vor. Abgegeben werden 216 Stimmzettel, davon sind 14 un- beschrieben. Don den 202 gültigen Stimmen fallen 150 auf Fabian, 46 auf Degner.(Unruhe und Rufe: Aha! bei den Kommunisten und auf der Zuhörertribüne.) Aabia» ist ge w ä h l t und nimmt an. Zum zweiten Stellvertreter wird von den Kommu- nisten Degner vorgeschlagen. Weitere Vorschläge erfolgen nicht. Der Wahl durch Zuruf wird wieder von den drei Deutschsozialen widersprochen. Degner wird gewählt mit 124 von 125 gültigen Stimmen: 89 Zettel sind unbeschrieben. Degner nimmt die Wahl an. Zum dritten Stellvertreter wählt die Versammlung den Demokraten Oskar Meyer mst 130 vo» 131 gülligen Stimmen, 79 Zettel sind weiß, 1 ungültig. Gegen die Wahl der 6 Beisitzer und 6 Stellvertreter durch Zuruf erhebt sich kein Widerspruch: die Listen der Sozialdemo- traten, Kommunisten und der vereinigten Bürgerlichen sind gewählt. Die Beisitzer der Sozialdemokraten sind Clajus und Flatau, Stell- Vertreter Frau Riedger und horfch. Damit ist der Vorstand konstituiert: die Versammlung tritt in die Erledigung ihrer Geschäfte ein. Die Wahl der 17 Mitglieder des Aelte- stenousschusfes und der 25 Mitglieder des Haushalts- a u s s ch u s s e» erfolgt ebenfalls durch Namensaufruf. Es liegen für den Haushaltsausschuß vor die Äste Czemlaski(Soz.), Goß (Komm), vethlesssen(Dnat.), Merten(Denu. Wp.. D. Vp.. Z.): verbunden sind die Listen der Sozialdemokraten und Kommunisten. Für die Wahlen der ständigen Aus- schüsi« sowie für einen Wahlprüfungsausschuß und eine Reihe von Sonderaus schüssen wurden die Vorschläge der Parteiführer bestätigt: als ordentlicher Sitzungstag wiederum der Donnerstag, 4% Uhr. bestimmt. Die Wahl zum Aelte st enausschuß ergab folgendes Resultat: Abgegeben waren 216 Stimmen: davon fielen auf die Listen Czeminski(Soz.) 69, Gäbet(Komm.) 43, Merten(Dem., Wp., Z., D. Vp.) 54, Lüdicke (Dnot.) 50. Die Verteilung der 17 Sitze auf die Parteien stellte sich wie folgt: Soz. 6. Komm. 3, Dnatl. 4, die übrigen bürgerlichen Parteien 4. Die Hundesteuervorlage überwies die Bersarmnlung diesmal einem besonderen Ausschuß. Eine lange Reihe von DrlngNchkeilsantrSgen kam zur Verlesung. Die Mehrheit von diesen stieß auf Widerspruch und schied für jetzt aus: unbeanstandet blieben nur die Anträge betr. die Verhinderung der Abtretung eines Teile» der Gör» litzer Straße an die Straßenbahn(dieser Antrag wurde sofort zum Beschluß erhoben), ein Antrag der Dnatl. betr. schleunigste Maßnahmen zum Schutz der älteren Angestellten gegen Abbau, und ein Antrag Merten betr. Vorkehrungen der Stadt für eine Gehalts- rufbesserung der Beamten im Falle einer in Reich und Staat er- folgenden Aufbesierung. Hierauf begann die Beratung der von den Kcmm. am 16. November eingebrachten Anträge betr. Bereit- stellung von INillel» für winterbeihilfe» an alle Unterflühungsempfäuger einschließlich der Erwerbslosen. Die andoren Parteien haben ähnliche Anträge eingebracht. Frau Rosenthal(Komm.) begründete unter heftigen Ausfällen gegen den säumigen Magistrat die Forderungen der Kommunisten.— Die Tribüne sekundierte der Rednerin kräftig und klatschte ihr demonstrativen Beifall. Vorsteher Haß ermahnte wiederholt die Besucher, sich ruhig zu oerhalten. Gen. hellmann führte aus, daß die Arbeitslosigkeit in letzter Zeit ganz enorm zuge- nommen habe und die Zahl der Erwerbslosen sich bedenklich der 100 000 nähere. Die Unterstützungen müßten so geregelt werden. daß die Erwerbslosen ein menschenwürdiges Dasein führen können. Schon vor Monaten habe die Partei durchgreifende Abhilfe ver- langt: es sei aber nichts geschehen. Darum bringe sie ihre Forderungen in einem Antrage(in der Nummer von gestern abend mitgeteill. Red.) wiederum zum Ausdruck: der Magistrat solle um- gehend durch eine Vorlage für alle Bedürftigen ausreichende Mittel für eine Winterbeihilfe zur Verfügung stellen, die in Naturalien oder in bar zu gewähren sind: weiter müßten auch die Ausgesteuerten berücksichtigt werden. Beim Reiche sei daraus zu drängen, daß die Unterstützungssätze erhöht werden, daß die Bedüritigkeits- klausel fällt, daß die Kurzarbeiterunter st ützung wieder eingeführt und daß bei Notstandsarbeiten t a r! f- mäßiger Lohn bezahlt wird. Diesen Mindestforderungen müsse der Magistrat unbedingt nachkommen; davon lasse sich nichts ab- handeln.(Auch dem Gen. Heitmann zollte die Tribüne Beifall: Vorsteherstelloertreter Fabian wiederholte die Warnung an die Besucher, die Verhandlungen nicht zu stören. Stadt. Richard Kunze befürwortete eine einmalige Teuerung»- zulage von 50 M.(Gelächter) an alle Unterstützungsempfänger ein- schließlich. Zwischendurch wurde auch das Ergebnis der Wahl zum Haushaltsausschuß bekannt gemacht: die Soz. haben 8. die Komm. 5 Sitze, den Dnat. fallen 6, den anderen Bürgerlichen eben- falls 6 zu. Genosse Stadtrat Brühl legte im einzelnen dar, was der Magistrat in allen den erwähnten Rücksichten bereits getan hat und was er weiter zu wn gedenkt. Die Hauptsache sei und blewe die Deschaffung von Arbeit. Die Kurzarbeiterunterstützung wieder einzuführen sei sehr wünschen,- wert, sie müsse aber von allem Ballast befreit werden, wenn sie wirksam sein solle. Im Arbeitsministerium seien heute immerhin günstige Aussichten eröffnet worden. Auch der Magistrat habe einen besonderen Unterausschuß für die Angelegenheit niedergesetzt; eine Vorlage des Magistrats wsrde tunlichst bald der Versammlung zu- gehen. Hugo Sommer(Dem.) sprach die Bereitwilligkeit seiner Fraktion aus, in einem Ausschuß an der Lösung des Problems mitzuarbeiten. Tresfert(Ztr.) wünscht« auch eine Unterstützungsaktion noch vor Weihnachten und forderte im übrigen u. a. auch die Anhörung der Christlichen Gewerkschaften und der Organisation der Heimarbeiterinnen.— Gen. Urich warf einen kurzen Rückblick auf die Geschichte der Erwerbslofenunterstützung. Im Laufe der Entwicklung sei di« gesetzliche Erwerbslosenfürsorge immer unzulänglicher ge- worden. Der Ausschuß müsse so schnell wie möglich zu der Frage der Gewährung einer Wirtschastsbeihilfe Stellung nehmen. Die Fraktion habe aber außerdem in einem weiteren Antrag oerlangt, daß auf den Arbeitsnachweisen, wo Tausende von Arbeitslosen ver- kehren müssen, für Ausenthaltsräum« gesorgt wird, wo sie ohne Gefahr für ihre Gesundheit sich aushalten können, wo sie nicht unK.. Kälte, Staub, verdorbener Luft und Schmutz zu leiden haben.— Den Erwerbslosen sei vor ollem mit Notstandsarbeiten zu Hilfe zu kommen. Der Magistrat sollte die Aufträge, die er zu ver- geben habe, sofort vergeben, und Reich und Staat müßten das gleiche tun. Die heutig« Wirtschaftskrise sei ebenfalls eine Folg« des ver- lorenen Krieges. Die Unternehmerschaft schiebe die Schuld den an- geblich zu hohen Löhnen der Arbeiter zu.(Von der Tribüne werden diese Ausführungen durch wiederholte Zurufe glossiert.) Ein Schlußantrag machte der Diskussion ein Ende. Sämtliche Anträge wurden dem Erwerbslosenausschuß überwiesen. Der Vor- steher schloß hierauf gegen MIO Uhr die Sitzung. vSlkifthe Nowöies. Gestern um M12 Uhr zog ein Trupp Hakenkreuzler die Lindenftraße entlang. Am»Vorwärts'-Gebäude schwärmte die Truppe nach dem Bürgersteig zu aus und ließ seine Wut an einer harmlosen Schaufensterscheibe der.Vorwärts�- Expedition aus, die zertrümmert wurde. Darauf verließ die Horde fluchtartig die Stätte ihrer Heldentat. 271 Die Passton. Roma» von Clara Dicbig. ,Llch ja, es ist ja heute Sonnlag/ sagte Olga, peinlich derührt. Sie mußte etwas sagen, und wenn es hier noch so dumm war.„Dann grüßen Sie—" „Goldhäseken/ ertönte plötzlich ein Ruf. Fräulein Helene kam im spitzenbesetzten Nachthemd, das aber eigentlich kein 5)emd war— es war sehr dünn und ausgeschnitten wie ein Ballkleid—. in den Korridor geschossen. Als es nicht der war, den sie zu sehen erwartete, sondem ein weibliches Wesen, prallte sie zurück, aber als sie Olga erkannte, stürzte sie sich ihr an den Hals.„Ollychen, bestes liebstes Ollychen, endlich! Ich dachte schon, du hätt'st mich ganz vergessen. Nu komm aber'rein." Sie zerrte Olga ins Zimmer. Fräulein Helene barg ihre Nacktheit, wenigstens zum Teil, wieder unter der rosa Stevpdecke und zog die Freundin zu sich auf den Bett» rand. Sie erschöpfte sich in Liebkosungen, streichelte Olga das Eesicht, die Hände:„So lange,'ne Ewigkeit habe ich ja gar nischt von dir gehört. Mein Ollychen, meine gute alte Ollyl" E» war Olga aber doch, als fühle sie bei der anderen eine kleine Enttäuschung heraus; die war ja viel zu durchsichtig. Die hatte jemanden erwartet.„Ich störe dich sicher," sagte sie, „ich will lieber gehen." „3 wo!" Fräulein Helene schüttelte den Kopf, daß die Haare, die noch nicht gebrannt waren, ihr wie Schlangen auf die nackten Schultern hingen.„Sei doch kein Frosch. Und wenn schon!" Sie fing auf einmal unbändig an zu lachen. Jbca wäre mal'n Fetz gewesen, wenn du mein Häseken hier getroffen hätt'st." Sie lachte, daß ihr die Tränen aus den Augen liefen. Olgas Gesicht mußte seltsam gewesen sein, denn das Mädchen hörte plötzlich auf zu lachen. Es wurde ganz ernst- Haft.„Ich habe nämlich'nen Bräutigam." .L>u—?!" Mehr brachte Olga nicht heraus. „Wir heiraten!" In Olga stieg es wie Lachen auf und zugleich wie Trauer. Ach, das war wieder echt Lenchen, ganz das alte dumme Lenchen von früherl Auf einmal war das kleine muffige Hinterzimmer wieder da— das rosa Himmelbett mit den Stickereikissen verschwand—, dort drüben an der Wand stand da» schmale dürftige Lager, der kinderlockige Kopf warf sich auf den Kissen, und Herr Katzk« ging au» der Tür,___, Das aufdringliche Parfüm dieses Zimmers war schwerer zu atmen als damals der Armee-Leute-Geruch der Lehmann- schen Stube. Olga benahm es die Luft— wenn die wieder hereinfiele, wieder wie bei Herrn Katzke— und dann noch tiefer sänke?! Wie war das heiß, wie drückend hier! Sie ging ans Fenster und stieß es auf: die Luft war noch morgendlich, die Rosmarienftraße noch nicht ganz voll von Großstadtluft. „Liste mir böse?" klang Lenchens Stimme vom Bette her,„oder ärgerst du dich?" „Ich ärgere mich nicht— ärgern, nein!— warum denn?" Olga kam ans Bett zurück, sie nahm das Mädchen bei beiden Händen:„Ich wünsche dir alles Gute." „Na ja, gratuliere mir man!" Fräulein Helene strich sich die wilde Mähne zurück und setzte sich lächelnd in Positur. „Gratulieren, det kannste wirklich. Er is'n reizender Mensch. Und ich"— sie lachte ein bißchen verliebt, ein bißchen ver- legen—„wenn er sagt:„hopp", denn mach ich auch hopp. Ich habe mich eben richtig in ihn verschossen. Das hatte jetzt bei Fräulein Helene alles genau noch so kindisch geklungen, wie damals bei dem jungen Lenchen. Mit e'nem ernsten Gesicht stieg Olga die Treppe wieder herunter. Sie eilte: Lenchen hatte ihr erzählt, sie wollten heute eine Landpartie zusammen machen. Kahn fahren, Mittagessen und zuletzt auf einem großen Rummelplatz„mal tüchtig rummeln". .Komm doch mit, Ollychen." hatte sie gutmütig gesagt.„Er is gar nich so. er nimmt dich gerne mit: und'nen Kavalier findest du auf alle Fälle. Da wird meiner schon für sorgen." Sie hatte wirklich herzlich gebeten. Es hätte ihr auch Freude gemacht, ihren hübschen, starken August Stepphuhn, der seines Zeichens eigentlich Rennfahrer war— beim Herumstehen auf einer Radrennbahn hatte sie ihn auch kennen gelernt—, der Freundin vorzuführen. Olga mochte diesen„Bräuttgam" nicht kennen lernen— o, wie dumm, wie sehr dumm mußte Lenchen doch sein! Die hatte geschwärmt wie eine unerfahrene Sechzehnjährige, von seiner S'ärke, seiner Schneidigkeit. Und wie er den Hut ein bißchen schief auf ein Ohr rückte, wie seine Lackstiefelellen spiegelten, wie sein Gang wiegte! Alles an ihm war reizend, entzückend. Stumm hatte sich Olga alles mit angehört: was half da noch Warnen. Die war im Netz. Schade um Lenchen. Ein liebes, herzensgutes Ding trotz allem. Aber vor dem Bräutigam grauste es Olga. Es war eine unbewußte Furcht, aber die war nun einmal da und der Widerwille auch. Nur nicht ihm begegnen! Aber unten an der Haustür stieß sie doch mit ihm zu- fammen. Das mußte er sein! Ein großer, starker Mensch, den Hut unternehmend auf ein Ohr gerückt. Der Zipfel eines rotseidenen Taschentuches guckte ihm aus der Brusttasche, eine gläserne Brillantnadel funkelte im Schlips. Lackstiefe- leiten knarrten an Olga vorüber, ein Strom starken Parfüms, den Hausgang für Momente ganz durchdunstend, blies sie widerlich an. Traurig ging sie fort. Auch hier war es nun wohl für sie zu Ende. Sie hatte das Gefühl: nun kannst du nicht mehr hergehen. Lenchen. das einzige Herz, das mit Wärme an ihr hing, mit einer sie immer wieder nährenden Liebe, war jetzt für sie verloren, mußte verloren sein. Mit diesem Kerl — nein! Sie verließ mst hastigen Schritten die Rosmarien- straße. Es war ein trauriger Sonntag für Olga. Sie versuchte alle Gedanken auf ihre Eva zu richten: nun war die schon weit fort, nun noch weiter. Als es drei Uhr schlug, sagte sie sich: nun sieht sie das Meer. Aber keine Freude stieg in ihr auf über die Freude, die das Kind jetzt empfinden würde, nur Sorge faßte sie an: war Eva auch wohl? Hatte sie die Reife gut überstanden?! Olga warf die FUckerei hin, mit der sie sich beschäftigt hatte, und eilte auf die Straße. Es war ihr schrecklich, heute so ganz allein zu sein, keinen Menschen bei sich zu haben, der zu ihr gehörte. Sie rannte durch den Tiergarten, aber was sie damals auf ihren Ausflügen in den Grunewald schon so gestört hatte— glückliche Paare, die sich selber genug waren—, das störte sie heute noch mehr. Damals hatte sie noch das Kind bei sich gehabt. Heute empfand sie es noch bitterer, ein einsames Weib zu fein. Auch Eva war einsam trotz der vielen Kinder, die jetzt um sie waren. Ihre Klasse allein hatte außer ihr noch fünf Schülerinnen geschickt. Aber das waren gerade die, die sie am wenigsten leiden mochte. Und die machten sich auch au, ihr nicht viel. Obgleich auch erholungsbedürftig, waren sie kräftiger, infolgedessen auch lustiger, ein bißchen laut, ein bißchen sehr wild. Das vertrug Eva nicht; sie hing meistens am Arm der einen Helferin, des Fräulein Müller, und wenn die sie abschüttelte, dann lag sie still im Sand oder patschte am Strand und suchte Muscheln. Sie würde ein Kästchen damit bekleben für ihre Mutter. Ein Stückchen Bernstein hatte sie auch schon gefunden, darum wurde sie sehr beneidet. „Sucht Kinder, sucht nur auch," sagte Fräulein Müller, „ihr habt doch bessere Augen als die Eva Wilkowski." (Fortsetzung folgt.). Eine, vielseitige" Stühe. Luise Neumann wieder vor Gericht. Glück im Unglüd. Gestern nachmittag fürzte der Gerüstbauer Ibert Rüftenbach aus Charlottenburg, Bahnstraße 24, auf feiner Arbeitsstelle in der Knesebedstraße 20/21 aus 2 tagen öbe auf die Straße hinab. Die entfest herbeieilenden Arbeitskollegen fanden R. wunderbarerweise völlig unversehrt vor, ber nur von dem Scored etwas benommen war. Sicherheitshalber wurde der Glücklichgestürzte" nach der Rettungsstelle am 800 gebracht, wo ihm seine unversehrtheit bestätigt werden konnte. Bom Auto überfahren und getötet. Die üble Sitte vieler Kinder hinter Fuhrwerfen herzulaufen und fich anzuhängen, hat geftern wieder ein Opfer gefordert. Der 6%, Jahre alte Schüler Georg St. aus der Mittelstraße 34 lief hinter einem Wagen ber, löfte fich los und übersah dabei ein aus entgegengesetter Richtung Frau Neumann nebst Gatte sind zwei Persönlichkeiten, die schon fommendes Auto. Das Kind geriet unter den Kraftwagen und viel von sich reden machten. Nicht alle Eheleute werden sich immer erlitt schmere innere und äußere Verlegungen. Durch einen Wagen so einig in der Berfolgung ihrer gemeinsamen Interessen", wie des städtischen Rettungsamtes wurde der Verunglüdte nach der diefe beiben. Was die Frau mit in die Ehe brachte", man frage Charité gebracht, wo bald nach der Einlieferung der Tod eintrat. nicht woher, fand den ungeteilten Beifall des Mannes. Seite an Reffung aus Seenof. Die Rettungstation Selgo Seite stahlen" sie sich durch das Leben und standen auch jetzt wieder land der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger tele Schulter an Schulter hinter den Schranken der Antlagebant des graphiert am 26. November: Von Fischfutter Edelweiß erweiterten Schöffengerichts Berlin Charlotten... 202", Rapitän Joachim Bott, gestrandet am Nordstrand, burg. Frau Neumann megen fortgefegter einfacher drei Personen gerettet durch Ratetenapparat der Station und schwerer Diebstähle. Herr Neumann wegen geHelgoland. meinschaftlichen Diebstahls im straffchärfenden Rückfalle. Unmittelbar vor ihnen, auf den Plätzen der auf freien Fuß befindlichen Angeklagten, faßen noch fünf weitere freien Fuß befindlichen Angeklagten, faßen noch fünf weitere Angetlagte, die wegen hehlerei in die Neumannschen Diebstähle mit verwidelt waren. Phantasien„ Unter den Linden". gefährlich. Frau Sch. tam mit ihren Kleidern, wahrscheinlid infolge Die Umgestaltung der verschandelten„ Repräsentations" straße. unvorsichtigkeit, dem Ofen au nabe, so daß dieie Feuer fingen. Che Silfe zur Stelle war, stand die Beduuernswerte in Flammen Der Architekt- und Ingenieurverein zu Berlin gehüllt und zog sich schwere Brandwunden am ganzen Körper zu. veranstaltete am Mittwoch abend in der Technischen Hoch- Die inzwischen aus der Oderberger Straße herbeigerufene Feuers schule einen Lichtbildervortrag, in dem Architett Werner Hegewehr schaffte die Unglüdliche nach dem Lazarusfrankenhaus, wo mann über das" Ergebnis des Wettbewerbes für die Umgestaltung Brandwunden 3. Grabes festgestellt wurden. Nachmittags der Straße Unter den Linden" sprach. Hegemann gab mit seinem verstarb Frau Sch. an den Folgen der schweren Verlegungen, unterschiedlichen Bildmaterial eine Auswahl der Fülle von Projekten, ohne das Bewußtsein wiedererlangi zu haben. teilweise sehr bizarrer und origineller, teilweise sehr dilettantischer Art, die anläßlich eines Preisausschreibens des Kunstverlags Ernst Wasmuth A.-G. eingereicht wurden. Hegemann erläuterte diese Gfizzen jeweils mit einigen fritischen Worten. Wir haben die Qualitäten der einzelnen Entwürfe schon vor einiger Zeit anläßlich ihrer Ausstellung in den Räumen des Kunstverlags begutachtend gewürdigt. Die stilistische Unmöglichkeit gewiffer Wolfentrazerentwürfe trat durch die farbige Eindringlichkeit des Lichtbildes befonders deutlich hervor. Phantastisch großzügig ist ein Vorschlag, durch riesige weiße Lichtwege in überstockten Glasbauten den Rhythmus der Weltstadtstraße zum Ausdrud zu bringen. Mit ästhetischen Spielereien ist der Sache jedoch nicht gedient, Auch die Vorschläge, die Hedwigskirche zu verschieben und die Oper zu verlängern, scheinen fast unausführbar. Architekt Gerson, befannt durch das Ham burger Hochhaus, fchlägt eine Untertellerung der Linden von der Wilhelmstraße bis zur Charlottenstraße vor, andere operieren wieder mit unmöglichen Brückentonstruktionen und Arfaden bauten. All das ist teilweise recht geiftvolle Spielerei. Die stilistische Einheitlichkeit der einzelnen Häuferblocks scheint das Rotwendige und allein mögliche. Die Regellofigkeit des Lindenchaos in eine ruhig fließende Linie zu bringen, ist die Forderung an den Archi tetten. Das fann durch eine gleichmäßige Aufstockung zur Not erreicht werden. Verpfuschte Fassaden auszuflicken wird immer gefährliches Stückwerk bleiben. In der kurzen Diskussion trat das Bestreben hervor, das immer mehr verfümmerte Lindengrün zu erhalten. Ein Herr polemisierte gegen den Magistrat und den zuständigen Ausschuß und fagte mit einigem Humor, daß früher jemand da gewesen wäre, der nein gefagt hätte, wenn es ihm nicht paßte... Das reaftionäre Hochschülerauditorium schmunzelte ver ftändnisinnig. Verschandelungspläne in Berlin- Südoft. Die Abficht, am Görlizer Bahnhof das nach der Gitfchiner Straße führende Kobleng leis beizubehalten und zu biefem 3wed den an den Bahnförper angrenzenden Teil der Görliger Straße einzuziehen und die Bäume niederzuschlagen, ist im Vorwärts schon besprochen und befämpft worden. Hierzu wird uns no gefchrieben: N In der Gitschiner Straße sind zwei Gasanstalten, die ihre Kohlen teils zu Wasser und teils mit der Eisenbahn erhalten. Die ſtädtische Anstalt ist vor etwa drei Jahren geschlossen worden, weil der Betrieb nicht mehr wirtschaftlich war. Das große Gelände ift einem Privatunternehmer bis zum Jahre 1952 gegen eine Bacht fumme non angeblich 50 000 m. verpachtet worden. Dieser Unter nehmer hat nun eine Autogarage errichtet und die übrigen Teile an andere Unternehmer weiter verpachtet. Zu diesen Anlagen führen Eisenbahnschienen, die vom Görlizer Bahnhof die Stalizer Straße entlang bis zu den Betrieben an der Gitschiner Straße führen. Nachts zwischen 2 und 3 1hr fahren hier Eisenbahnzüge mit Laften schwer beladen die Straße entlang und bringen die anliegenden Häuser zum Erzittern. Die breiteren Schienen find mit Eisenstangen ausgelegt, meil sonst die Fuhrwerke in den Gleifen fteden bleiben. Jedenfalls bieten derartige Anlagen in einer Großftadt für den Berfehr alle möglichen Hindernisse. Auch das Bolizeipräsidium hat sich in diesem Sinne bereits geäußert und wünscht eine Beseitigung der Schienenanlage. Jezt fall aber eher eine Erweiterung dieser Anlagen als eine Be feitigung erfolgen. Die Tiefbaudeputation Berlins, welche die alte Gasanstalt miffamt den Anfahrtsgleisen verpachtet hat, beabsichtigt, bas gesamte füdliche Straßengelände der Görliger Straße für den Bau eines Güterbahnhofs mit den dazugehörigen Eisenbahngleifen zur Verfügung zu stellen. Zu diesem Zwecke ist beabsichtigt, die gefamte Baumreihe an der Stalizer Straße bis zum Görliger lifer ein über 30 Jahre alter Baumbestand- dem Unternehmen zum Opfer zu bringen. Diese prächtigen Bäume, welche im Sommer Hunderten von Frauen mit Kindern eine angenehme Er holung gestatten, sollen im Interesse einiger Unternehmer geopfert werden. Vor einigen Tagen beschäftigte sich hiermit eine Rom. mission des Bezirks Kreuzberg, an welcher alle Parteien beteiligt waren. Einhellig wurde schärffter Protest gegen über dieser Berschandelung des äußersten Südostens erhoben. Aber bei diesem Protest allein darf es nicht bleiben. Die Bewohner jener Gegend, welche faft ausschließlich der arbeitenden Bevölkerung angehören, müssen sich rühren und den Stadtverordneten flar machen, daß eine weitere Abtretung von Straßenland für den Verkehr von Eisenbahnzügen, wenn auch nur zu mitternächtlicher Stunde, unter feinen Umständen erfolgen darf. Mögen die Be triebsunternehmer mit anderen Berkehrsmitteln ihre Waren be. fördern. Nimmermehr darf es zu der beabsichtigten Bernichtung alter Bäume und Berengerung der Straße fommen. Der Tod auf den Schienen. Ein Leichenfund auf dem Eisenbahngleis beschäftigt die Morbtommission der Kriminalpolizei. Gestern morgen um 7 Uhr fah der Lokomotivführer eines zuges, der von Charlottenburg nach Grunewald fuhr, eine tote Frau neben den Schienen auf dem Bahnförper liegen. Da mit der Möglichkeit eines Berbrechens gerechnet werden mußte, wurde die Mordkommission benachrichtigt. Der Gerichtsarzt stellte außer schweren Berstümmelungen einen schweren Schädelbruch, Brüche des Ober- und Untertiefers und mehrere Verlegungen an den Armen, an den Händen und im Gesicht, fest. Die Frau ist wahrscheinlich aus dem Zuge gefallen und sofort an dem Schädelbruch gestorben. Bei der Leiche wurde eine Fahr tarte 2. Klasse gefunden, die vorgestern etwa um 10 Uhr abends in Charlottenburg für die Strecke bis Wildpark gelöst worden ist. Die Person der Loten ist noch nicht festgestellt. Die Frau ift etwa 50 Jahre alt, hat dunkelblaues graumeliertes Haar, gepflegte Hände und Fingernägel und trug eine blaue Seidenbluse, eine schwarze Jade und einen schwarzen Rock, schwarze Strümpfe und schwarze Halbschuhe. Ihre fehr saubere und gute Wäsche ist mit E. J. oder E. I. gezeichnet. Sie hatte eine grüne Segeltuchtasche mit braunem Griff, in der sich Walnüsse und Aepfel und ein weißes Jabot be fanden, bei fid). Wahrscheinlich hatte die Frau das Obst in Char: lottenburg schon für den Weihnachtsbaum eingekauft. Ob ein Berbrechen vorliegt, läßt sich noch nicht bestimmt beurteilen. Einen bejonderen Anhaltspunkt dafür hat man bisher nicht gefunden. Lebendigen Leibes verbrannt. In der Wohnung ihrer Mutter, in der Schwedter Str. 34, verunglückte geftein die 20 Jahre alte Ehefrau Anna Schönfeld aus der Veteranenstr. 12 lebens | Großfeuer in 3serlohn. Durch ein Großfeuer wurden bie mit leicht brennbaren Stoffen gefüäten umfangreichen Lagerräume der Firma Peters in Jierlohn völlig eingeäschert. Der Brand batte derartig schnell um sich gegriffen, daß ein ganzer Stade teil vom Feuer bedroht wurde; indeffen gelang es der Feuerwehr, die benachbarten befondere gefährdeten Gebäude vor einem lebergreifen der Flammen zu schüßen. Stralan Ablershof Arbeitersport. Stand der Fußballspiele bis 22. November. Frisch- Fret Alt- Glenide Trepiomer B. CI. Oberipree Luftig- Fidel Beuthen Berein f. Bew. Merkur Spiele ناده unent ver wonnen fchieden loren Buntte Beşlik Osien, Abteilung A: 9 8 995440 0 0 00434445557 18: 0 18: 0 10: 8 8: 6 8: 8 7: 9 7: 9 6:12 4:12 4:12 0:14 Der Berliner Meister 24/25 Stralau" hat auch in diefem Jahre wieder bie Führung in ſeiner Gruppe im Berein mit" Ablershof"." Dee", auch mehrmaliger Gruppenmeister, steht in die em Jahr auf verlorenem Poften. Bezirk Often, Abteilung B: Heute als Stüße, morgen als Dienstmädchen, mieber ein anderes Mal als ufwartefrau, stets mit den besten Zeugnissen versehen, so zog Frau N. von Stellung zu Stellung. Nirgends hielt sie sich lange auf, sehr oft zog sie schon am nächsten Tage wieder fort, nicht, ohne pergeffen zu haben, die eigenen und viele falls gestohlene Papiere mußte fie stets unter einem anderen fremde Sachen fauber und ordentlich einzupaden. Durch ebenRamen aufzutreten, so daß die Polizei ihrer lange nicht habhaft werden fonnte. Ein übersichtliches Bild über die vielseitige Tätig teit dieser Angeflagten geminnt man erst dann, wenn man hört, daß die Anflage ihr nicht weniger als 46 Fälle vorwirft, von denen ihr in nur vier Fällen die Täterschaft nicht nachgewiesen Fichte- Südost werden konnte. Während Frau N. diese Riefenarbeit fast allein bewältigte, tam ihr Mann, in diesem Falle sicher der schwächere Teil" dieser Ehe, nur für 3 met gemeinsam verübte Dieb ft ähle in Betracht. Einfache und schwere Einbrüche wechselten in bunter Reihenfolge. Zum Opernglas, das einer Lehrerin entwende murde, tamen bald die Geldtaffelte eines Bahnarztes, die goldene Uhr und zwei große echte Berlentnöpfe eines Schauspielers an die Reihe. Silbersachen, Berserteppiche, Kleidungsstücke und Wäsche mußten die Hausfrauen diefer eintägigen" Stüße an unfreiwilligem Honorar bezahlen. Rein Wunder, wenn Frau N. bald der Schreden aller derjenigen wurde, die sich eine Hilfskraft in ihre Wohnung 8. 6. 2. 22 nehmen wollten. Durch die Enimendung von Zeugniffen, Invalidentarten und anderen Ausmeispapieren gerieten zuerst regelmäßig die wirklichen Inhaber diefer Papiere in den Berdacht der Täterschaft. Erst die Lichtbilder der Frau N. ergaben die Unschuld der zu Unrecht Beschuldigten. Im großen und ganzen mar das angeklagte Ehepaar geständig, anfängliches Leugnen in diesem oder jenem Falle wurde sehr bald durch die Zeugen widerlegt. Auch die wegen Hehlerei Mitangeflagten gaben ihre Berfehlungen unum munden zu und sicherten sich dadurch die Milde des Gerichts. Gegen sie murde nur auf Geldstrafen und geringe Gefängnis. trafen erfannt, für diese sogar noch Bewährungsfrist be milligt. Der Ehemann, Willy Reumann, der aus der Strafhaft in Görlig vorgeführt wurde, muß auf 1½ Jahr ins Zuchthaus wandern, feine tüchtige Frau Luise aber hat 3 Jahre Gefängnis zu verbüßen Außerdem wurden beiden bie bürgerlichen Ehrenrechte auf die Dauer von 3 Jahren abgefprochen. Die Schauspieler gegen James Klein. Das Präsidium der Genossenschaft Deutscher Bühnenangehöriger, der Chorfänger und Ballettverband, die Internationale ArtistenLoge und der Deutsche Verkehrsbund, Seftion I, Branche des tech nischen Bühnenpersonals, haben gestern in mehrstündiger Konferenz bei der Theaterabteilung des Berliner Polizeipräsidiums die Ergebnisse der Personalversammlung der Bühnen des Direttors James Klein mit dem Dezernenten der Theaterabteilung eingehend erörtert. Es wurden im einzelnen die vom Personal aller Kategorien gegen Direktor James Klein und dessen Geschäftsführung vorgebrachten Mitteilungen und Beschwerden zur Kenntnis bes Bolizeipräsidiums gebracht. Aus dem pon ben genannten Angestelltenorganisationen mitgeteilten Material ergibt sich, daß Direktor James Klein zurzeit als nicht zuverlässig im Sinne des § 32 der Reichsgewerbeordnung zur Führung eines Theaterbetriebes angefehen werden tann. Die genannten Bühnenangestellten- Organisationen werden daher den formellen Antrag auf Einleitung eines Ronzeffionsentziehungsverfahrens beim Polizei präsidium stellen, sofern nicht Direktor Klein unverzüglich die in leinen Betrieben hervorgetretenen starten Mißstände beseitigt, die rückständigen Gagen und Löhne bezahlt und außerdem eine Theatersicherheit leistet, die die Erfüllung der fünftigen Gagenverbindlichteiten bis zum Ablauf der Spielzeit gewährleistet. Sertha 22 Tasmania Borwärts 20 Lichtenberg II Sadowa 8. 5. B. 16 Wetgenice Brandenburg 24 Righterswalde Strausberg. 8 10 8 57654422210 08033444888 02111021000 16: 0 16: 4 13: 1 11: 7 9: 7 8: 8 6:10 5: 9 4:12 2:18 0:16 Bejir? Often, Abteilung C: Auch hier liegt ein mehrmoliger Gruppenmeister ,,, Lichtenberg II", ziemlich weit unten. 0 1 Lichtenberg III Britannia Lichtenberg I Brandenburg 02 Germania Sparta Astonia Romet Reischendorf Friedrichshagen Kasborf සප 7 9754484409 98888988969 01222445668 18: 0 14: 2 11: 5 10: 6 9: 5 9: 9 7: 9 4:12 4:14 3:15 1:17 Der vorjährige Gruppenmeister Eparta" nimmt eine faßt aussichtslose Stel lung ein. Freier Seglez- Berbanb. Der FSB. veranstaltet für feine jugendlichen Sportgeneffen eine Reihe von Borträgen über die Grundlagen des Segel Montag, den 30. November, von 8-9 Uhr im Gefangfaal des Gymnasiums [ vortes. Diefelben finden allmonatlich einmal ftatt: in diesem Monat am in der Steinftr. 81/34, Rähe Rosenthaler Straße. Bortragender ist Sportgenolic Dr. Sohom vom Seglerverein Stößenfee. Gäfte fehr militonimen. Beltere Sportsenoffen lönnen, fomeit Raum vorhanden ift, die Borträge mit anhören. Anfragen beantwortet die Gefchäftsstelle bes SB., Neukölln, Treptower Str. 12, ober der Obmann der Jugendleiter, Sportgenolie A. Sachs, Steuföln, elfterftr. 4. Norb- West- Libertas 96. Am Freitag, ben 27. November, findet in ber Turnhalle Rwingliftr. 37 der Mannschaftsbampf im Ringen in der A- Steffe amifden Libertas 96 und Nord- Weft 87 um die Kreismeisterschaft des AUND. flatt, Anfang der Kämpfe 7 Uht. Freie Turnerschaft Lichtenberg- Friedrichsfeldbe. 2. Bezirk. Turnen, Hoden. Aufnahme neuer Mitglieder icben Freitag 8 Uhr Wegeners Bereinshaus, Franf furter Allee 236. Am Sonntag, den 29. November, Bergnügen der Sodenabteilung ebenda. Anfang 6 Uht. Sportplak befindet sich in der Normannenftraße. Arbeiter- Rabfahrer- Bund Galibarität, Ortsgruppe Berlin. Gonntag, den 29. November, Bereinstour nach Rehlendorf- Mitte, Rarlfir. 12. Stert ber Abteilungen 1, 2, 3, 4, 5 und 12( Motorfahrer) 1½ Uhr an den belannten Stellen; bei schlechtem Better Bahn. Aweite Vereinstour nach Glienide an der Nordbahn. Bath. Ber Bahn bis Hermsdorf. Start der Abteilungen 6, 7, 8, 9, 10, 11: 1% Uhr an den bekannten Giellen. Touristenverein Die Naturfreunde", Rentrale Wien. Bezirk Tempelhof. Sonnabend, ben 28. November, in der Aula bes& nzeums in Marienborf, Ringstraße( 1 Minute vom Bahnhof Mariendorf), Bunter Abend. Rezita tionen, Flügel, Bioline, Tanaschule Toni Schöps. Eintritt 60 Bf. Einlak Abteilung Friedenau. Freitag, ben 27. Sovember, 7 Uhr. Beginn 7½ Uhr. Ueber die Einziehung von 10- Rentenmart- Scheinen finden unsere Leser eine Anfündigung der Rentenbank im heutigen Inferatenteil Jugendheim Offenbacher Straße Vortrag Dr. Bergmann über Gymnaſtit Das Rundfunkprogramm. Freitag, den 27. November. Außer dem üblichen Tagesprogramm: mit Uebungen. Arbeiter sportkartell 20. Bezirk. Generalversammlung am Sonntag, ben 29. November, vormittags 10 Uhr, im Raftanienwäldchen, Reinickendorf- Oft, Refidenaftraße Ede Bankower Allee( Geebad). Arbeiter Rabfahrer- Verein Grok.Berlin". Sonntag, ben 29. November, 1 Uhr, nach Rietemal bei Dräger. Start Waldemarstraße Ede Mariannenplag. Gäste willkommen, Sportliche Vereinigung Rorben 1893. Die Reihe threr Mannschafts tämpfe um die Rreismeisterschaften des AABD. fekt der Berein heute, Freitag, ben 27, November, in der Turnhalle Bank Ede Wiesenstraße abends 8 Uhr Freie Turnerschaft Wilmersdorf. Am 28. November, 8 Uhr, außerordent liche Mitgliederversammlung im Bereinsheim, Württembergifche Ede Rähringerfraße. Abt. Fußball. Sonntag, den 29. November, nadmitings 2 Uhr, auf bem Sportplak Bürttembergische Cde Rähringerftraße großes Wettspiel awischen Rolzenburger Sportverein und Bilmersdorf L Borher untere Männer und Jugendspiele. 4.30-6 Uhr nachm: Im Volkston. 6.45 Uhr abends: HansBredow- Schule.( Bildungskurse). Abteilung Gartenbau. Diplom- fort. Der gegnerische Berein ist Sportverein Aöpenid. Gartenbauinspektor Kache: Der Blumengarten. 4. Teil. 7.15 Uhr. abends: Prof. Behrend: Die Bedeutung Deutschlands im geistigen Leben der Welt". 7.45 Uhr abends: Hans- Bredow- Schule ( Bildungskurse). Abteilung Musikwissenschaft, Geh. Reg.- Rat Prof. Dr. Max Friedländer: Das deutsche Volkslied. 5. Vortrag 8.30 Uhr abends: Orchesterkonzert unter Mitwirkung von Celeste Chop- Groenevelt, Klavier; Dirigent: Dr. W. Buschkötter. 1. Rud. Kastner: Einleitende Worte. 2. Liszt: Klavierkonzert A- Dur ( Celeste Chop Groenevelt). 3. H. Berlioz: Fantastische Sinfonie ( Episode aus dem Leben eines Künstlers), I. Träume, Leiden: Largo, Allegro agitato e appassionate assai. II. Ein Ball: Walzer. Allegro non troppo. III. Szene auf dem Lande: Adagio. IV. Gang zum Richtplatz: Allegro non troppo. V. Traum in einer Sabbatnacht: Larghetto, Allegro( Berl. Funkorchester). Anschließend: Dritte Bekanntgabe der neuesten Tagesnachrichten. Zeitansage. Derlangen Sie die neue Doppelpackung. Preis 35 Pf. Wetterdienst. Sportnachrichten. Theater- und Filmdienst HAUS UND HAUSRAT GILDENHALL GM Berliner Verkaufsstelle: G. M. Scha unübertroffen mit dem schwarzen Kopf für die Kopfruäfche Speisezimmer Fiche, Büfett, Kredenz, 2- Zug- Tisch, 645. 6 Lederstühle B . Herrenzimmer 545. Elche, Bücherschrank, Schreibtisch, Tisch Schreibsessel, 2 Lederstühle. • lackiert, 2 Betten, 2 Nachttische, Schrank, 358. Schlafzimmer Waschtisch m. Spiegel, 2 Stahldraht- Matratz. Gr. Frankfurter Str. 41-42 Küche..... Nähe Alexanderplatz naturlasiert, 7 tellig Weitgehendste Zahlungserleichterung 225. an Parteinachrichten Einsendungen für diese Rubrik find Berlis B. 68. Lindenstraße 3. für Groß- Berlin flets en bas Bezirkssekretariat, 2. Hof, 2 Tres. rechts, au richten 14. Rreis Reukölln. Die gemeinfame Sihung des erweiterten Kreisvorstandes und der Frattion finbet nicht am Montag, den 30. November, sondern am Dienstag, den 1. Dezember, ftatt. Bereinigung sozialdemokratischer Studenten Berlins. Freitag, den 27. November, abends 8 Uhr, fpricht im großen Sörfoal der Hoch Ichule für Bolitit Staatskanaler a. D. Dr. Karl Renner über: Waren. produktion und Sozialisierung". Gäfte beralidh miltommen. Heute, Freitag, den 27. November: " 103. bt. Oberfäßueweibe. 8 Uhr in Smbergs Gesellschaftshaus Humoristischfatyrischer Bortrag mit Lichtbildern. Wilhelm Busch und seine Werke. Bortragenber: D. Roth. 120. Abt. Friedrichsfelbe. 8 Uhr bei Schwarz, Capriviallee, wichtige Funktio närsikung. Besondere Einladung erfolgt nicht. Morgen, Sonnabend, den 28. november: 48. t. 7% Uhr bei Reller, Fürstenstr. 1, Abrechnung der Bezirksführer. 68. Abt. Halensee. Die Genoffinnen und Genossen treffen fich 8 Uhr in den Florafälen, Bereinszimmer, Johann- Georg- Str. 19. 117. bt. Sichtenberg. 8 Uhr bei Krüger. Türrschmidtstr. 33, Gitung fämtlicher Funktionäre und der Zeitungskommission. 56. t. Charlottenburg. Montag, ben 30. November, 7 Uhr, in der Schule Bestalozziftr. 40 öffentliche Bersammlung. Bortrag:§ 218. Referent: Genoise Dr. Moses, M. d. N. And Tellzahlung liefert Elegante Herren- Moden tertig und nach Maß unter Garantie für tadellosen Sitz und Verarbeitung Maßschneiderci J. Kurzberg Oranienstr.160, I. Chausseestr. 1, Eingang Elsässer Straße. Jungfosialisten. Gruppe mitte: Die ausgefallene Arbeitsgemeinschaft Findet heute, Freitag, 8 Uhr in der Schule Gipsitt. 23a ftatt. Neukölln II: 8 Uhr im Jugendheim Rogatftr. 11/12, Diskussion über: Breis und Brofit", unter Leitung des Genoffen Dr. Wieczoret. Sterbetafel der Groß- Berliner Partei- Organisation 1. Abt, Unfer Genoffe Rarl Echabel. Johannisstr. 14/15, ift verstorben. Einäicherung am Sonnabend, den 28. November, vormittags 10% Uhr, im Krematorium Gerichtsirake. Rohlreiche Beteiligung erwartet der Borstand. Sport. Die Berufsringer im Walhalla- Theater. Der Neger Analio mußte am Dienstag eine weitere Niederlage burch 2estinowitsch hinnehmen. Nach 21 Minuten warf ihn der Lette durch Ueberwurf auf die Schultern. Romanoff legte den zermürbten Rarfch nach 24 Minuten durch Armzug auf die Matte. Der als guter Berteidigungsringer bekannte Franzose Lasarteffe machte dem Münchener Schwara viel au schaffen. Erst nach 38 Minuten konnte dieser durch Armzug als Parade auf einen Untergriff das Treffen zu feinen Gunsten entscheiden. Den ießten Rampf lieferten der Europameister Rawan und Pietro Schola. Der Brandenburger, der in quter Form ift, gestaltete den Rampf fehr spannend. Dem Europameister gelang es erst nach 34 Minuten durch Untergriff von hinten, das Treffen für sich au buchen. Einen guten Berlauf nahmen die Rämpfe. am Mittwoch abend. Schwarz und Romanoff begannen sehr porsichtia. fo daß der Kampf größtenteils im Stand ausgetragen wurde. Nach 1 Stunde 18 Minuten magte der Russe einen Aufreiker, den Schwarz gefchickt abfina und Romanoff auf die Matte drückte. Der Altmeister Strenge fonnte den Riefen Rarfch, dem am Boden jebe Berteidigungsmöglichkeit fehlt, fchon nach 23 Minuten burch Salbnelfon auf die Schultern bringen. Mit seiner Berteidigung hielt der Neger Anglio dem Wiener Raman nicht lange Stand: ein Armzug aus dem Stand brachte den Reger bereits nach 19 Minuten auf die Schultern. Der Franaofe Lafarteffe mukte von dem Betten estino. witsch durch deffen gefürchteten Ueberwurf feine Niederlage hinnehmen. Reit: 85 Minuten. Aus dem Wettbewerb find weiter ausgefchieben: ElliotSchweiz. Karfch und Pietro Schola: somit nehmen nur noch 7 Ringer an den Schlußkämpfen teil. Rennen zu Mariendorf am Donnerstag, den 26. November. 1. ennen. 1. The Kitty( H. Grube), 2. Konsul( B. Sedert), 8. Elſe 8.1( M. Ringius). Teto: 60: 10. Blat: 18, 26, 86: 10. Ferner liefen: Natter, Lybia Watts, Maitönigin I, Tudora, Drelise Anvil, Foris, Terrazzo, Coriolanus. 2. Rennen. 1. Natal( Herm. Schleusener), 2. Ingrid Halle( Hedert). 8. Mar Kufer( Sauß jr.). Toto: 23: 10. Blat: 14, 12, 36: 10. Ferner liefen: Eift, Judgemar, Eitelfried, Edelsteins Sohn, Weinbrand, Qur, Konstanz, Sir Caid. 3. Rennen. 1. Wasserfall( Ch. Mints), 2. Blaumeife( Lautenberger), 8. Sybill( F. Schulz). Toto: 48: 10. Plat: 27, 84, 19: 10. Ferner Hiefen: Natban IV, Brinzessin Etawab, Cadiac Agworthy, Wainsca, Heide rose B., Klud, Berdun, Winnie, Importeur, Della, Feuerwehr. 4. Rennen. 1. Karneval( Ch. mins), 2. Silbermöme( Doelemann), 3. Florian( Herm. Schleufener). Toto: 52: 10. Blag: 13, 12, 14: 10. Ferner liesen: Altmart, Lodung, Alpenjer, Aberglaube. 5. Rennen. 1. Edith Worthy( B. Hedert), 2. Lord Ellerslie( J. Mills), 3. Precious Watts( 2. Weiß). Toto: 43: 10. Blaz: 13, 26, 16: 10. Ferner lesen: Mary H., Trotteur, Colonel Bosworth, Kittyschor, Feuerwehr. 6. Rennen 1. Altorie( G. Herfortb), 2. Torrero( einau), 3. Höhen. fonne( v. Sotobl). Toto: 146: 10. Blat: 52, 87, 43: 10. Ferner liefen: Altgold, Erst. Wolfersom, Prinz Andud, Interessent, Handfest, Divisionär, Jimiene, Unheil, Fiametta, Harry B., Beinminze, Ballast, Duera, Erzellenz. 7. Rennen. 1. Friedrich Reg( E. Eltas), 2. Dunajec( Lautenberger), 3. Venus( E. Treuberz). Toto: 160: 10. Blag: 48, 29, 41: 10. Ferner Itefen: Parillia D., Letter Mohikaner, Crispa, Kletterrose, Mocuna, Hoffnung II, Mady Medium, Hettie, Kinostern, Terraria, Jlarmelle, Katharina, Morgentau, Sinotönigin, Belvedere, Dcean Girl, Alarich. 8. Rennen. 1. Baron Klatamab( J. Mills), 2. Soranna( F. Schmidt), 8. Margot I( Derm. Schleusener). Toto: 31: 10. Blag: 14, 15, 20: 10. Ferner liefen: Frechheit, Dompfaff I, Baffander, Flora Bingen, Allene als 2. disq., Prinz Adbell. Welterbericht für Berlin: Nad lurzer Aufheiterung Sinten der Temperatur unter Null. Wechselnde Bewölkung, zuerst etwas milder, dann neue Nieder schläge. Für Deutschland: Anfangs im Südosten noch vielsach heiter. Leichte Schneefälle. Jm Nordosten weitere Niederschläge. Jugendveranstaltungen. Die Borftänbekonferenz findet umständehalber erst am Sonnabend, ben 5. Dezember, statt. Heute, Freitag, den 27. November, abends 7% Uhr: Moabit I: Jugendheim Giemensftr. 20. Vortrag: Borfämpfer des Sosio Tismus". Moabit II: Gemeindeschule am Stephansplak. Bortrag und Ause fprache: GS. und Reichsbanner". Norbolt I: Jugendbeim Neue Königstraße 21. Bartrag: Der Aberglaube im Bolke". Morbot II: Jugendheim Danziger Str. 63. Bortrag: Der lebende Margismus"- Beikensee: Jugendheim Röldfeftr. 157. Bortrag: Jugend und Sozialismus". Olien Str.- B.: Jugendheim Goklerstr. 61. Bortrag: Proletarische Dichtungen". Warschauer Biertel: Gruppenabend fällt aus. Dafür Beteiligung an der Beranstaltung des Boltsbildungsamtes Friedrichshain im Saalbau Frichshain. Salensee: Schule Joachim- Friedrich- Str. 85. Dichter- Abend. G berg II: Städtisches Jugendheim Hauptstr. 15. Alt- Berliner Sumor. Steglis it: Jugendheim Sol steinische Str. 3. Borfrag: Religion und Sozialismus". Reutölin I: Jugendheim Bergstr. 29. Bortrag: Arbeiter Dichtung". Neukölln II: Jugendheim Nogatstr. 53. Bortrag: Lehrlingsmefen". Baumsdulenweg: Jugendheim Ernststr. 16. Bortrag: Republit und Monarchie". Köpenid: Jugendheim Grünauer Str. 3. Bortvag: Der Sozialismus im Altertum". Reinidendorf- West: Jugendheim in der Geidelstraße. Bortrag: wed und Biele der GAZ." www Abteilung Niederschönewelbe: Deffentlicher Lichtbildervortrag: Rann Arbeit Freude bringen?" Gefang. Arbeiterdichtung. Schule Berliner Str. 31. Bildungskurse: Werbebezirk Bankow: Schule Niederfchönhausen, Blankenburger Str. 69/70. * Alle an der am 20. Dezember in Werder ftattfinbenden Winterfonnenwende intereffierten Gruppen entfenden einen Bertreter Aur Borbeforedung am Sonnabend, den 28. November, 48 Uhr im Jugendheim Lindenstr. 3( fleines Rimmer). Bekanntmachung über den Aufruf und die Einziehung der Rentenbankscheine zu 10 Rentenmark ohne Kopfbildnis mit dem Ausfertigungsdatum 1. November 1923. Mit Genehmigung der Reichsregierung rufen wir hierdurch gemäß§ 21 der Durchführungsbestimmungen vom 31. Januar 1925 zum Gesetz über die Liquidierung des Umlaufs an Rentenbankscheinen( R.-G.-BL. II, S. 29) die Rentenbankscheine zu 10 Rentenmark ohne Kopfbildnis mit dem Ausfertigungsdatum 1. November 1923 zur Einziehung auf. Die aufgerufenen Scheine können bei den öffentlichen Kassen noch bis 31. Dezember 1925 in Zahlung gegeben. bei den Kassen der Reichsbank aber bis 30. April 1926 gegen andere Rentenbankscheine oder gegen gesetzliche Zahlungsmittel umgetauscht werden. Mit Ablauf des 30. April 1926 werden die aufgerufenen Rentenbankscheine kraftlos, und es erlischt damit auch die Umtausch- und Einlösungspflicht der Deutschen Rentenbank. An Stelle der durch diese Bekanntmachung aufgerufenen Rentenbankscheine gelangen neue Scheine zu 10 Rentenmark vom 3. Juli 1925 mit dem Kopfbildnis einer Landiran, wie solche sich bereits seit September 1925 im Verkehr befinden, zur Ausgabe. Berlin, 24. November 1925. Deutsche Rentenbank Lipp. Kissler Grosser Schenken Sie einen Leiser- Gutschein, Sie treffen dann steis das Richtige. Weihnachts Verkauf zu besonders ermäßigten Preisen! Praktisch schenken, heisst dem Gebot der Stunde folgen. Wir bieten Ihnen die Mög. lichkeit, Ihren Lieben für wenig Geld grosse Freude zu bereiten. Hier einige Beispiele: Kinder- Ohrenschuh Für Geschenkzwecke weisse Filzsohle, nur solange Vorrat, Grösse 19-24 95PL 195 Gummischuh für Damen mit und ohne Lasche, hoher u Inlederer Absatz, verschiedene Formen, nur solange Vorrat... 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Schiffbanerdamm Täglich 8 Uhr: Die jüdische Witwe Lustspielhaus 8 Ubr Frühlings Petasch& Perkaratter 11. Teil Erwachen Pasch& Perimniter b. Film von Wedekind Die Komödie Kurfürstendamm 207 8 Unr Gesellschaft v. John Galsworthy Wailner- Theater Tägl 8 Uhr: Fäden Resid: uz- Th. 8 Uhr: Circes Heirat Regie: M. Reinhardt Trude Hesterberg Berliner Theater 8 Uhr: Oskar Sabo Engers, Mattoni sonnabd u. Stg Gastspiel d. Dtsch. 3 Uhr( KL Pr.): Volkstheaters Wien Schneewittchen Antonia Lus sp.v M Lengyel Sári Fedák, Tress- 8 Thalia- Th. Annemarie Jer, Lackner, Thiele, Uhr: Kupfer. Ehmann, Dietze, Breuer, Lotte Neumann Dora, Raseit Engel, Dr. Szilágyi Sbd 33, U( KI. Pr) Zum 1. Male: Th. a. Hollendorfpl. Hansel u.Gretel Tärlich 8 Uhr: Der otg. 3% U.( KLP. Annemarie Theater in der letzte Kuß Kommandantenst Falk, Vespermann, Heisisch, U. zum 376. Male Pidha, Engl, Math, Hell Anneliese Herrnfeld im Intimen Theat. von Dessan sbd. 31 Kl. 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November, vorm. 9 Uhr, im Krematorium, Berlin, Gerichtstr. 37/38, statt. Von Beileidsbesuchen und Kranzspenden bitte abzusehen. Central Theater Der Orlow Rose- Theater Erna Nitter Uhr Trieschübel Plätze schon ant Curt Bois 8 Theater in der Casino- Theater Schlesinger, Straße 21, 2 Treppen. Parkettpl.v.2-12M Hilosierstraße 43 Feurig süber Stärkungswel SANTA LUCIA be Feinkosthandlungea und Apothekes Engros: J. F. Rauch Aktion- Ges., Berlin N 4 Der Dolchstoßprozeß in München Eine Ehrenrettung des deutschen Volkes Die Zerstörung einer Lüge Aufklärung über die wirklichen Ursachen der deutschenNiederlage 560 Seiten broschiert:: Preis Mk. 3, Verlag G. Birk& Co., m. b. H., München Altheimereck 19 71/20 Auf Teilzahlung liefern wir bei kleinster Anzahlung und niedrigsten Raten elegante 8 Uhr: Gastspiel Xaver Terofal Täglich 8 Uhr. Nur noch bis 4 Dez Die Frau 8 Uhr Bummelstudenten Circus Busch im gefährl. Alter Heute Fret 71/ 2U u. 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So riesenhaft der Automobilverkehr in Amerika auch ist, es wäre dennoch falsch, anzunehmen, daß hier jedermann ebenso selbstverständlich ein Motor- Car befäße wie etwa einen Regenschirm. Nehmen wir ein prattisches Beispiel. Detroit ist die wichtigste Automobilfabrikstadt der Bereinigten Staaten. Hier fißt die General- Mator Company, die eine ganze Reihe Automobilmarken in sich vereinigt hat, hier werden die Backard- Autos, die Studebaker und verschiedene andere weitver breitete amerikanische Standardmarken hergestellt, und hier fißen im besonderen die zwei toloffalen Ford- Betriebe Highland Part und River Rouge. Detroit ist eine typische Fabrikstadt, ähnlich wie Gelsenkirchen und Wanne, oder wie irgendeine der oberschlesischen Industriekommunen. Der innerstädtische Straßenbahnverkehr ist ein fommunaler Regiebetrieb( überdies in Amerita eine ganz feltene Ausnahme). Bei einer Einwohnerzahl von 1,3 Millionen Köpfen befördert dieses Unternehmen täglich durchschnittlich 1,3 Millionen Fahrgäste. Neben der innerstädtischen Straßenbahn existieren noch eine fommunale und eine private Omnibusgesellschaft und ein privates Straßenbahnunternehmen, das im besonderen den Borortverkehr pflegt, überdies auch den Nahfracht perkehr der Eisenbahn abgenommen hat. Aus diesen Tatsachen und Zahlen ist deutlich genug zu ersehen, daß neben dem Auto hier andere Verkehrsmittel auch noch reichlich Fahrgäste finden. Ebenso falsch wäre überdies auch die Annahme, daß in Amerita jedermann den Einheits- Ford führe. Die oben aufgezählten Automobilfabriken Detroits zeigten schon, daß dies nicht der Fall ist. Tatsächlich eriftieren in den Bereinigten Staaten etwa 40 verschiedene Motortypen, und wenn die unterschiedlichen Karosserien und sonstigen verschiedenen Ausstattungen gezählt werden, ist leicht die Zahl hundert erreicht. Hier ist es so, daß deutlich eine Bewegung vom einfachen Gebrauchswagen Ford und andere zum stärkeren Motor, zur eleganteren Ausstattung und zur besseren Karosserie stattfindet. Dieser Entwicklung ist auch Ford gefolgt. Er fabriziert in Detroit in einer dritten Fabrik das Lincoln- Car. Es bleibt so trog aller Einschränkungen richtig, daß hier das Auto den Straßenverkehr beherrscht und daß der Markt, wenn genügend Kauftraft vorhanden ist, sich umschichtet und aus. dehnt. Es ist öffentlich alles darauf eingestellt: Die Berkehrsregelung, die Straßen die im allgemeinen in der Güte unseren wenigen deutschen Automobilstraßen entsprechen, die überall im ganzen Lande und an allen Chausseen vorhandenen Benzolstationen, der Autobedarfsartitelverkauf und der Autohandel selbst. Seine Ursache hat dieser Tatbestand in zwei Gründen. Einmal sind die billigeren amerikanischen Wagen- zwischen 1000 und 2000 Mart nichts anderes, und wollen auch nichts anderes sein als einfaches Gebrauchsgut. Zum anderen find bei deman Deutschland gemessen-hohen Lebensstandard vieler amerikanischer Arbeiter, im besonderen der qualifizierten Facharbeiter, bei Wochenlöhnen, die bis zu 60 und mehr Dollar gehen, Autos im Preise von 250 bis 500 Dollar für breite Massen noch faufbar. Es wird auch viel auf Abzahlung getauft. Trotz allen Reflamegeschreis der Automobilfabriken haben wir in Deutschland immer noch feinen Wagen, der nichts anderes sein will als alltägliches Gebrauchsgut. Auch die sogenannten billigen deutschen Autos wollen als Sportwagen oder als elegante, luguriöse Wagen erscheinen. Mit durch Vermeidung jenes Fehlers ist es Ford möglich ge worden, seinen Runabout( Herumtreiber) für 260 Dollar auf den Markt zu bringen. Soviel foftet bei uns ein anständiges Motorrad. Das Motorrad hat sich in Amerika wenig entwickelt; man sieht es faum. Als im Frühling dieses Jahres der amerikanische Automobilmarkt überfättigt erschien, gingen sämtliche befannteren Fabriken einschließlich Ford zu einem erheblichen Preisabbau über. Sie setzten die Preise ihrer Wagen um 5 bis 20 Broz. herab. Das führte zu einer neuen Steigerung der Automobilproduktion und zum Umtausch billigerer in bessere Bagen. Die Produktion wird auch mit dadurch hochgehalten, daß der Autokauf, wie schon erwähnt, durch allgemein übliche Abzahlung außerordentlich erleichtert wird. Es gibt allerdings Amerikaner, die darin eine poltswirtschaftliche Gefahr sehen, sie liegt nach ihrer Meinung darin, daß breite Käuferschichten, durch niedrige Anzahlung und fleine Abzahlungsraten dazu verleitet, über ihre Kaufkraft hinausgehen. Bisher ist diese Gefahr aber noch nicht akut geworden. DOC Ueberdies hat Amerika auch einen ausgedehnten Auto- Alt. handel. Er spielt sich in den einfachsten Formen ab. Die zum Bertauf stehenden Wagen befinden sich auf einem offenen Plat, einfach auf der Straße, an der Bordschwelle. Diese Autos werden häufig ebenfalls auf Abzahlung verfauft. Wir fanden alte gebrauchsfertige Wagen bis zu 45 Dollar( rund 180 m.) herunter! bei uns, 3. B. fostet eine Gallone( 4,62 Liter) Betriebsstoff 16 bis In Amerika sind die Autobetriebskosten wesentlich niedriger als 17 Cents( 67 bis 71 Pf.). Das find 15 bis 16 Pf. für das Liter. Arbeiterstundenlöhne schwanken zwischen 40 Cents( Erdarbeiten Anders herumgerechnet, ergibt sich das folgende Bild: Die abseits der großen Städte) und 1,45 Dollar( qualifizierte Handwerker in den Großstädten). Für einen Stundenlohn tann man also bei den kleinen Wagen reichlich für 100 Kilometer Autobetriebsstoff taufen. Bei einem Vergleich der amerikanischen mit der deutschen Automobilindustrie ergeben sich unter Berücksichtigung der erwähnten Berhältnisse zwei Bergleichsgruppen. Die eine umfaßt Markt und Preis, die andere Herstellungstechnik und Löhne der Käufer. Richtig ist, daß Amerifa einen Riesenmarkt hat, für uns wäre ein gleich großer nur erreichbar, wenn Europa zu einer mirtschaftlichen Einheit zusamemnwachsen würde. Andererseits liegen die Umstände so, daß bei entsprechender Preisgestaltung auf dem Wege der Umbildung unseres Autos zu einfachstem Gebrauchsgut auch bei unseren derzeitigen Verhältnissen weite Räuferschichten entstehen würden. Man darf nicht vergessen, daß die normalen Ford- Typen und manche andere, im Preise erheblich unter 1000 Dollar zwischen 260 und 500 Dollar liegen. Die Mehrzahl der sonstigen Wagen liegt im Preise zwischen 1000 und 2000 Dollar. Nur die ganz hochqualifizierten gehen im Preise darüber hinaus, bis zu 4000 und 5000 Dollar. Die Mehrzahl der Amerikaner fahren ihre Bagen selbst, mur sehr reiche Leute leisten sich einen Chauffeur. Unterstützt wird diese Entwicklung dadurch, daß hier jedermann fein Auto unbeaufsichtigt am Bürgersteig stehen lassen fann. Sie find gegen billiges Geld auch zu versichern. Unsere deutsche Autoindustrie wird erst dann einen für deutsche Berhältnisse möglichen Aufschwung nehmen, wenn sie in der Typifierung ihres Produktes als Gebrauchsgut ernsthafte Fortschritte macht und mit den Preisen heruntergeht. Das hängt selbstverständlich mit der Herstellungstechnik und im weiteren mit der allgemeinen Kauftraft( Löhne!) eng zusammen. Die Typisierung der Produktion ist ebenso notwendig wie die weitestgehende Berlegung des Arbeitsprozesses. Man braucht dabei nicht immer gleich an Ford zu denken, der im vergangenen Oktober in der Busammenzählung aller Produktion 200 000 Wagen herstellte und an einem Tage die Rekordzahl von über 9000 erreichte. Ford ist ein Sonderfall. Ford ist ein vertikaler Trust; er zahlt auch feinen Leuten nicht besonders anständig. Sie verdienen im allgemeinen 6 Dollar täglich. Ebenso ist an seinem Bandsystem manches auszusetzen. Aber auch die übrigen amerikanischen Automobilfabriken stellen Wagen her, die für viele amerikanische Eintommen erreichbar sind, weil der allgemeine Lohnstandard entsprechend hoch ist. Es verdient in Deutschland die größte Beachtung, daß hier die einsichtigeren Unternehmer gegen den Lohnabbau sind, wie er auch hier ab und zu gefordert wird. Sie begründen ihren Standpunkt damit, daß nur durch die starke Konsumkraft der hohen Löhne die derzeitige Beschäftigung der amerikanischen Industrie aufrechterhalten werden kann. Und damit hat auch die hiesige Automobilindustrie für Hundert tausende Arbeit. Der deutsche Außenhandel im Oktober. Der deutsche Außenhandel weist auch im Ottober einen geringeren Einfuhrüberschuß als im Vormonat auf. Die Pasfivität der Handelsbilanz im reinen Warenverfehr erreicht im Oftober mit 228 Millionen Mart gegenüber 278 Millionen M. im Bormonat den bisher in diesem Jahre niedrig sten Stand. Einfuhr Ausfuhr Oktober Septbr. Jan/ Oft. Oftober Septbr. Jan/ Ott. 9,8 355,7 • 506,7 201,9 19 25 in millionen Mart Lebende Tiere: Lebensm.u.Getränke Robstoffe und halbfertige Waren 454,5 5416,5 155,5 149,5 1311,7 Fertige Waren 185,5 1769,4 646,3 602,4 5489,9 Rein. Warenverkehr 1074,1 1054,5 10835,4 846,4 776,5 7207,0 44,8 34.5 673,2 4,9 Gold und Silber 3,6 80,0 Busammen 1118,9 1089,0 11508,6 851,3 780,1 7237,0 12,2 109.2 1,1 0,6 12,0 402,3 8540,3 48,5 24,0 393,4 • A Freitag, 27. November 1925 Die reine Wareneinfuhr weist im Oktober gegenüber dem Bormonat eine unbedeutende Zunahme( um 20 Millionen Mark) auf. In der Zusammensehung der Einfuhr ist eine erhebliche Verschiebung eingetreten. Die Einfuhr an Lebensmitteln und Getränken ist( um 47 Millionen Mart) zurückgegangen, während die Einfuhr an Roh= stoffen und halbfertigen Waren( um 17 Millionen Mart) eine Zunahme aufweist. Die reine Warenausfuhr zeigt eine weitere beträchtliche Zunahme( um 70 Millionen Mart), an der sämtliche Warengruppen beteiligt sind. Am bedeutendsten ist die Steigerung bei Bebensmitteln und Getränken( um 20 Millionen Mark) und fertigen Waren( um 44 Millionen Mart). Die weitere Steigerung des Fertigwareneɣportes, die trotz der fette, ist das wichtigste Ergebnis des letzten Monats. Sie bedeutet verfehlten Zoll- und Handelspolitik des Kabinetts Luther sich durcheine wesentliche Verbesserung der Qualität unserer Warenaus Mart, die sich auf Baumwollgewebe( 5,9 Millionen Mart), Wollfuhr. Zwar hat auch die Einfuhr von Fertigwaren zugenommen, und zwar betrug diese Zunahme gegenüber dem Vormonat 16,5 Millionen garne, Kraftfahrzeuge und Uhren verteilten. Hingegen ist die Stel gung der Fertigwarenausfuhr mit 43,9 millionen Mart wesentlich größer. Dabei ist die Ausfuhr an Tertilfertigwaren nahezu unverändert geblieben. Dagegen weift die Ausfuhr an alzwerterzeugnissen und Eisenwaren eine Zunahme um 9,5 Millionen Mart auf. An der Steigerung sind ferner beteiligt: ( um 7,2 Millionen Mart), Wasserfahrzeuge, Maschinen( um 4,1 Mil sonstige" che mische und pharmazeutische Erzeugnisse lionen Mart), Kinderspielzeug, Musikinstrumente, Papier und Bücher, Fusion in der Ueberseeschiffahrt. Eine bedeutende Fusion ist jetzt in der Ueberseeschiffahrt zum formellen Abschluß reif geworden. Der Norddeutsche Lloyd nimmt durch Fusionsverträge folgende drei Gesellschaften auf: Die Roland- Linie A.-G.( Bremen), die Hamburg- Bremer Afrita- Linie A.-G.( Bremen) und die Dampffchiff= reederei Horn A.-G.( Lübec). Das Stammkapital dieser Gefell schaften beträgt zusammen 18,6 millionen Mart. Die Besiz überleitung erfolgt durch einen Aftienumtausch, für dessen Durchführung der Norddeutsche Lloyd eine Kapitalserhöhung von 12 Millionen Mart vornehmen muß. Das Attienkapital des Norddeutschen Lloyd wird nach Durchführung der Fusion 52 Millio nen Mart betragen. Der Brutto- Rauminhalt der Flotte wird girta 613 000 Brutto Registertonnen, davon zirka 553 183 Brutto- Registertonnen an Ueberseeschiffen, umfassen. des Lloyd aus: = Zur Begründung des Zusammenschlusses führt das Kommuniqué Die Zusammenlegung der Betriebe wird für die Ausnutzung der vorhandenen personellen und materiellen Kräfte günstigere Bedingungen schaffen, insbesondere eine rationellere Ausnußung des in einer Hand zusammengefaßten Flottenmaterials gestatten und erhebliche Ersparnisse ermöglichen. Der Norddeutsche Lloyd verfolgt im übrigen mit dem Entschluß zur Ronzentration, der ihm durch die seit Jahren befolgte Beteili gungspolitif ermöglicht wird, die Richtung, die auch anderen großen Unternehmungen durch die Entwicklung unserer wirtschaftlichen Verhältnisse und durch die Gestaltung unserer Gesetzgebung gewiesen ist. Der Lloyd wird durch diese Erweiterung dem Raumgehalt seiner Schiffe nach zum weitaus größten Schiffahrtstonzern Deutschlands. Das Aktienkapita! bleibt jedoch noch hinter dem der Hamburg- Amerita- Linie( Sapag) zurüd. Erfolg der russischen Bauernanleihe. Die Telegraphen- Agentur der Sonetunion meldet: Für die zweite Bauernanleihe wurden innerhalb von 11 Tagen 71 Millionen Tscherwonez ge zeichnet, während nach dem Plane nur mit einer Zeichnung von 20 Millionen Tscherwonez gerechnet wurde. Weitere Serien der Anleihe wurden aufgelegt. Der Volkskommissar für die Finanzen, Sokolnikoff, erklärte Pressevertretern, der Erfolg dieser Anleihe sei ein Beweis dafür, daß sich die Ersparnisse der Bevölkerung ver mehrt hätten, er eröffne erhebliche erweiterte Möglichkeiten für den Staatsfredit und feftige die Stabilität der Währung der Sowjetunion. Ihre Erkältung! Ein wirksames Heilmittel. Fast jedermann, der Ansy probiert hat, stellt die Frage, wie es tommt, daß Ansy heilt, wenn andere Mittel verjagen. Der Grund dafür liegt in feiner Zusammensetzung. Ansy enthält neben anderen Bestandteilen einen Ertraft von Teer und reinem Fichtennadelöl Diese beiden Bestandteile entwickeln Dämpfe, welche das ganze Bronchialsystem durchdringen und dabei auf die Entzündung lindernd wirfen und den Schleim lösen. Die Heilkräfte der norwegischen Fichtenwälder find ja genugsam befannt, und es sind diese heilfräftigen Dämpfe, welche Ansy in Ihr Heim bringt. Mag Shre Erfältung auch noch so hartnäckig sein, sie weicht den heilenden Fichtennadeldämpfen von Ansy bestimmt. Mit einer Flasche drei fach konzentriertem Ansy- Extrakt fönnen Sie zu Haus 14 Liter Huftenfirup zubereiten, der für eine ganze Familie ausreicht. In allen Apotheken zu haben. Generaldepot für Deutschland: C. F. Afche u. Co., Hamburg 19. MARKE SALA AMAND Was nützt ein anfangs elegant wirkender Schuh, wenn er in kurzer Zeit seine Form verliert. Mag er im ersten Augenblick durch seinen anscheinend niedrigen Preis zum Kauf verleiten, wirst Du um so mehr enttäuscht sein, wenn sich bald herausstellt, daß Material und Verarbeitung nicht erstklassig sind. Unser vornehmstes Ziel war von jeher, Qualität, schöne Form und Preiswürdigkeit zu vereinigen. Darum ist der Salamander Schuh heute ein Lebensbedürfnis geworden. Wer ihn einmal trägt, wird immer bei dieser Weltmarke bleiben. 08 08 0.08.28.00 SALAMANDER J Die Locarnodebatte im Reichstag Abschluß der zweiten Lesung. Die geftrige Reichstagssigung wurde um 1 Uhr 20 Minuten vom Präsidenten Löbe eröffnet. Auf der Tagesordnung steht die zweite Beratung des Entwurfs eines Gefeges über die Verträge von Locarno und den Eintritt Deutschlands in den Völkerbund. Nach Ausführungen des Abg. Landsberg, die wir an anderer Stelle wiedergeben, erflärt Abg. Wallraf( Dnat.), daß er auf die Ausführungen des Abgeordneten Landsberg nicht ant morten wolle( Aha!), er hebe fich das für einen etwaigen Bahlkampf auf. Daß der Borwurf, die deutschnationale Bolitik sei unjittlich, vom Präsidenten nicht gerügt worden jai, zeige, auf welchen Tiefstand der Reichstag gesunken sei. Sm übrigen habe sich der sozialdemokratische Redner mehr mit innenpolitischen als mit außenpolizischen Fragen befaßt. Als der Redner bann ausführlich die Barmungsschilder der Straßenbahnen Zum Vergleich heranzieht, wird ihm zugerufen, ob das Außenpolitit fei. Was uns als Borteil aus einer Annahme des Locarno- Bertrages geschildert wird, ist doch recht zweifelhafter Natur. Man sagt, Deutschland werde einen Sitz im Völkerbundsrat erhalten. Ein gleicher Sin foll aber auch Bolen zugebilligt werden. Von ganz besonderer Bedeutung ist die verschiedenartige Interpretation des Locarno- Bertrages. Es steht fest, daß maßgebende Staatsmänner der Alliierten ben Locarno- Bertrag als freiwillige Anerkennung des Bersailler Bertrages durch Deutschland bezeichnen. Das ist etwas anderes, als wenn in irgendeinem irt schaftsvertrag nebenher bemerft wird, daß der Bersailler Vertrag dadurch unberührt bleibt. Das Deutsche Reich darf feinen Vertrag unterzeichnen, der auch nur die Deutung zuläßt, als wäre damit ein cues Unerfenntnis des Bersailler Diftates und ein freiwilliger Merzicht auf deutsches Land ausgesprochen.( Beifall bei den Dnat.) Der Matin" berichtet, daß an die Stelle der aus dem besetzten Rheinland abberufenen Zivildelegierten militärische Delegierte treten fellen.( hört, hört!) Aehnliche für uns ungünstige Anfündigungen bringt der„ Temps". Er bestreitet, daß die Räumung der ersten one nur ein Anfang sei. Er erklärt, die Alliierten würden sich nicht einmal auf eine Unterhaltung über eine weitere Räumung einlassen.( hört, hört! bei den Dnat.) Wir glauben an unser deut iches Bolf; darum wollen wir nicht durch die Annahme des Locarnoaftes unserer Jugend die freie Bahn in eine bessere Zukunft unferes Vaterlandes versperren.( Lebhafter Beifall bei den Dnat.) Bräsident Löbe erflärt, er habe den vom Abg. Landsberg gegen die Deutschnationalen erhobenen Borwurf einer unfittlichen Politik nicht rügen fönnen, meil vor furzem der gegen eine andere Bartei erhobene gleiche Vorwurf von einem anderen Bräsidenten nicht gerügt worden sei. # Abg. Schneller( Komm.) beginnt mit der Wiederholung der Be bauptung, daß die Zustimmung zu Locarno den Interessen der Bourgeoisie diene.( Das Haus hat sich während dieser Rede fast ganz geleert, selbst bei den Kommunisten hört nur etwa ein Dupend Abgeordneter zu.) Die Deutjchnationalen menden sich rur deshalb gegen die Verträge, weil ihre Anhänger zu rebellieren begonnen haben. Sonst haben sie diese Politit, die sich gegen Ruß Iand richtet, immer mitgemacht. Das Bersailler Diftat hätten die Deutsch nationalen schon mit ihrer Zustimmung zum Dames ẞaft anerkannt. Aus den Erklärungen des englischen Außenministers fei zu entnehmen, daß bie Paftpolitik fich gegen Rußland rigte. Die Sozialdemokratie habe ihre Hal hung zu Locarno nur unter dem Einfluß von Wels und Landsberg eingenommen. Zwischen der Baraphierung des Battes von Locarno und der Reise Schachts nach Amerifa bestehe ein unmittelbarer Zusammenhang, die Bereinigten Staaten hätten auf die Sicherungs. pofitif den größten Einfluß genommen. Der Redner verliest zum Schluß seiner Rede eine längere Erklärung, die die Ablehnung des Baltes von Locarno entschuldigen soll. lage zustimmen.( Beifall bei der Wirtsch. Bgg.) Bizepräsident Rießer teilt mit. daß von den Deutschnationalen namentliche Abstimmung über die Vorlage in der zweiten Lesung und über den deutschnationalen Aenderungsantrag beantragt worden ist. Abg. Dr. Dernburg( Dem.): Die Deutschnationalen treiben heute| ähnlichen anderer Barteten stattgegeben wirb, werben wir ber Bor aine Politit, die bedenklich an die verhängnisvolle Außen politit Holsteins erinnert. Die Bedenken gegen den Bölkerbund werden am besten zerstreut werden, wenn wir erst gleichWir werden für alle nationalen berechtigte Mitglieder sind. Minderheiten die kulturelle Autonomie verlangen und diese Haltung wird ihre Früchte tragen. Die Befürchtung, daß Deutschland mit dem Eintritt in den Wölferbund eine Opposition für den Westen gegen den Often Europas vornimmt, ist durchaus unbegründet. Die Deutschnationalen treiben eine Politik der Isolie rung Deutschlands. Die Verantwortungslosigkeit, die gegenwärtig die Deutschnationalen und die Kommunisten Deutschland gegenüber zeigen, übersteigt alles Maß. Wenn der Locarno- Paft durch Deutschland zum Scheifern gebracht würde, dann wäre Deutschlands Stellung in der Welt weit ungünftiger als vorher. Dann wird die Hoffnung auf die Befreiung des Rheinlands und auf die allgemeine Abrüftung auch der anderen ganz aussichtslos bleiben. ( Beifall bei den Demokraten.) Abg. Hampe( Wirtsch. Vg.): In unserer Frattion be stehen Meinungsverschiedenheiten über den LocarnoBaft. Wenn Dr. Bredt im besonderen für die Wirtschaftspartei sprach, so spreche ich besonders für die Deutsch- hannove= Abg. Bayersdorfer( Bayer. Vp.) wünscht, daß einige besonders drückende Ordonnanzen beseitigt werden. Unerträglich sei in der Pfalz die Unterdrückung der öffentlichen Meinungsäußerung. Man müsse erwarten, daß die Rüdwirkungen von Locarno diesen Zuständen ein Ende machen. Abg. Henning( Bölt.) erklärt, seine Freunde würden dafür sorgen, daß der Locarno- Nebel zerstreut werde. Präsident Löbe ruft den Redner zur Ordnung, weil er das Auswärtige Amt beschuldigt, die Volksvertretung bewußt zu belügen. Damit schließt die Aussprache. Es folgen die an anderer Stelle wiedergegebenen Abstimmungen. Gegen 8 Uhr vertagt sich das Haus auf Freitag, 12 Uhr: Dritte Beratung der Locarno- Borlage. Aus der Partei. Arbeiter, Angestellte, Beamte! Arbeiterberein im Fabre 1871 bis auf den beutigen Tag einer der Der Film Freies Bolt hat bei der Erstaufführung vor den Funktionären einen außerordentlichen Erfolg gehabt. Die Ideen, die der Film propagiert, müssen jezt wirksam praktisch unterstützt werden. Deshalb besucht die Theater, die den Film Freies Boll aufführen! Ein Fünfundfiebzigjähriger. Genosse Hinrich Smalfeldt in Bremerhaven feiert am 28. November seinen 75. Geburtstag. Schmalfeldt ist seit seinem Beitritt zum Allgemeinen Deutschen tatkräftigsten Vorfämpfer der Arbeiterbewegung gewesen und gehört noch heute der Bremer Bürgerschaft als Vertreter unserer Partei an. Vorträge, Vereine und Versammlungen. Reichsbanner Schwarz- Rot- Gold". Gefäftstelle: Berlin S. 14, Sebaftianfte. 37/38, Sof 2 Et. Tiergarten. Go.. d. 28., Teilnahme an der Fahnennagelung vom Kreuzberg. Treffpunkt Bodbrauerei. Sonntag, b. 29., Ausmarsch: Achtet auf die Beitungsinferate und auf die Ankündigungen an den Anschlagfäulen, damit Ihr wißt, wo der Film„ Freies Moabit 8 Uhr Bhf. Bellevue., Besten 8½ Uhr Magdeburger Blak. Rüdlehz Bolt gespielt wird. Allgemeiner Deutscher Gewerkschaftsbund, Orisausschuh BerlinSabath. Allgemeiner freier Angestelltenbund, Ortskartell Berlin. & latau. Reichelt. Allgemeiner Deutscher Beamfenbund, Ortscusschuß Berlin. Körber. Weidmann. Bezirksverband Berlin der SPD.: Künstler. Arbeller- Kultur- Kartell: Sorlig. raner und für den Banerischen Bauernbund. Wir haben immer gefordert, daß die Politit der Gewalt durch die Politik des Rechts ersetzt wird. Nach den Erklärungen der Gegenseite sind wir überzeugt, daß der Vertrag als eine neue Anerkennung des Ber sailler Dittats nicht betrachtet wird. Große Enttäuschung bereitet uns die ungenügende Berwirklichung der Rückwirkungen. Die Idee des Bölferbundes ist uns grundsäßlich durchaus sympathisch. Aber wir wollen nicht jetzt, wo wir gar nicht wissen, wie die künftige Regierung aussieht, eine solche Ermächtigung geben. 99 Wir beantragen daher, dem Artikel 2 der Borlage folgende Faffung zu geben:„ Die Ermächtigung der Reichsregierung, die für den Eintritt Deutschlands in den Bölferbund erforderlichen Schriffe zu tun, wird durch besonderes Reichsgefeh geregelt." Die Vorlage. ob die Locarno- Borlage verfassungsändernd sei, berneinen wir. Wenn unserem Abänderungsantrage oder einem gegen 1 Uhr. Gruppenführer einladen. Friedrichshain. Antreten am So., b. 28., 5% Uhr, mit Tambourkorps und Fahnen Küstriner Blak( nicht Romtureiplak). Charlottenburg. Jungmannschaft Sonntag, d. 29., vormittags 9% Uhr, Stuttgarter Blak. Abmarsch nach dem Grunewald. Tempelhof. Sonntag, d. 29., Antreten zum Uebungsmarsch. Tempelhof vormittags 9,15 Uhr Tempelhof, Alarichplak. Mariendorf vormittags 9% Uhr Mariendorf, Rathaus. plak. Renton- Brik. Sonniaa, S. 29., vormittags 8 Uhr, Antreten mit Spielleuten zum Uebungsmarsch Bhf. Sermannstraße. Rückkehr mittags. Go., p. 28., freiwillige Beteiligung an der Bannernagelung von Kreuzberg, BodFriedrichshagen. Go., d. 28., 7 Uhr, brauerei, Fidicinstraße. Eintritt 75 Pf. Antreten Bhf. aur Fahrt nach Ertner- Woltersdorf. Reichsbund Deutscher Mieter e. B., Ortsverein Neukölln- Brik. Mitglieder. verfammlung Freitag, 27. Noventber, 8 Uhr, Restaurant D. Balewski, Boddin ftraße 57. Referent: Architekt D. Moft. Gäfte willkommen. Berband Boltsgefundheit, Ortsverein Berlin. Sonntaa, den 29. November, anläklich des 12jährigen Bestehens der Berliner Gruppe, Bunter Abend in der Schulaula Lange Str. 31. Beginn 6 Uhr. Alle Freunde find eingeladen. Bortrupp sozialistischer Lebensreformer im Verband Bollsgesundheit, Großer öffentlicher Vortragsabend am Sonnabend, 5. Dezember, im Berliner 1. Der Arbeiter als Spießer; Rathaus, Eingang Jüdenstraße, Saal 109. Referent: Gen. Dr. 6. Druder. 2. Revolution in der Lebensweise; Referent: Gen. H. Hauptmann. Briefkasten der Redaktion. G. M. S., Charlbg. 1. Boltsblatt Spandau, Potsdamer Str. 48. 2. Det Berein ist ausgesprochen bürgerlich. KAISER'S KAFFEE IST DER BESTE Immer wieder bei Huften, Heiserkeit und Berschleimung Fays echte Sodener Mineral- Pastillen Marke Kaffeekanne Kaiser's Sonderangebot: KAISER'S KAFFEE M 75 Pfa ket! KAISER'S KAFFEE ausgewählte Mischungen Pid. 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Alt- Moabit 112 Beusselstr. 29 Luisenstr. 43/44 Stephanstr. 42 Turmstr. 47a Wilsnacker Str. 30 C Alte Schönhauserstr. 30 Charlottenburg Berliner Str. 115 Danckelmannstr. 58 Grolmanstr. 14 Holtzendorffstr. 4 Kaiser- Friedrich- Str. 55 Kleiststr. 19 Knobelsdorffstr. 3 Suarezstr. 15 Tauroggener Str. 12 Uhlandstr. 32 Wilmersdorfer Str. 71 128 148 Spandan Breite Str. 49 Hamburger Str. 35 Jägerstr. 1 Neuendorfer Str. 5 Potsdamer Str. 1a Schönwalder Str. 88 Berlin- Lichtenberg Boxhagener Str. 68 Frankfurter Allee 60 Frankfurter Allee 101 Frankfurter Allee 224 Wilhelmstr. 10 Berlin- Wilmersdorf Berliner Str. 131 Nürnberger Str. 33/34 Olivaer Platz 2, Wexstr. 28 Neukölln Bergstr 140 Hermannstr. 40 Hermannstr, 119 Kaiser- Friedrich- Str. 242 Berlin- Steglitz Rheinstr 42, Schloßstr. 85 Berlin- Schöneberg Kolonnenstr. 66 Tempelhofer Str. 21 KAISER'S KAFFEE GESCHÄFT Berlin- Oberschöneweide Edisonstr. 58 Wilhelminenhofstr. 41 Berlin- Adlershof, Bismarckstr. 25 Baumschulenweg. Baumschulenstr. 19-20 Britz, Chausseestr. 47 Friedrichsfelde, Berliner Str. 40 Hermsdorf, Bahnhofstr. 17 Hohenschönhausen, Berliner Str. 113 Lichterfelde- W, Hindenburgdamm 54,55 Mariendorf, Chausseestr 34 Pankow, Schönholzer Str. 1 Reinickendorf, Residenzstr. 107 Rosenthal, Hauptstr. 10 Südende, Steglitzer Str. 25 Schmargendort, Breite Str. 22 a Tegel, Berliner Str. 9 Tempelhot, Berliner Str. 55 Weißensee, Berliner Allee 242 Weitere Filialen in Copenick, Schloßstr. 1 Friedrichshagen b. Berlin, Friedrichstr. 86 Nowawes, Friedrichstr. 20 Potsdam, Brandenburger Str. 20 Nauener Str. 38 Irektag 27. November 1925 Unterhaltung unö Wissen Vellage üss vorwärts ?m Ural brennt ein Dorf. Von Heinz Liepmann. Vom Ural herunter keucht ein eisiger Wind. Kahle Aeste greifen in die nüchterne Sphäre. Gestorbenes Land, gedüngt mit Blut und dennoch unfruchtbar. Braune Gräser hier und da welken im wogenden Wind. Einsame Fläche, wo der Horizont sich nach allen Seiten schwarz und finster über die gleiche Steppe neigt. Alles ist leer, und da— plötzlich— teilt sich der Horizont und macht Platz für einen, der da kommt, für einen Zweiten, für zehn, und dann quillt es über die Grenze von Himmel und Erde in die Steppe: Zwanzig, fünfzig, hundert.... Das find Menschen, Menschen wie ich und wie du. Sie aber wanken, kriechen mit müden, stumpfen Gesichtern vorwärts, vor- wärts.... Und Fjedor Jwitsch geht mitten zwischen den anderen. Die Schritte laufen unbewußt in müdem Takt. Im endlosen Schreiten, im Ebenklang der gleichen, dumpfen Bewegung versinkt vor den Wandernden die braune weite Steppe. Und sie träumen: Da ist ein Dorf in den Bergen. Kleine gelbe Häuser mit Dächern aus Stroh. Im Schlamm der Straße lärmen die Schweine und Ziegen um die Wette mit Väterchen Jnkoff, der heute wie immer betrunken ist. Aus der offenen Tür der Sakristei hört man den Popen murmeln. Und da gehen zwei, und da geht einer, und die wunderhübsche Ilonja Popoff beesucht ihr Väterchen Ladislaw, und alles ist so gemütlich und dreckig und schön— eben wie immer. Und da, eines Tages— heilige Mutter von Kichinew, was ist das? Da kommen Fremde, Reiter, Kosaken, so viele, o, so viele! Und die schreien: Wodka, und die schreien: Weiber, und reiten über den atten Jnkoff im Straßenkot hinweg. Was ist das! Was ist dos! Sie setzen sich in die Schenke, trinken all den guten Wodka und den Arasch und den Schnaps. Da kommt Väterchen Jwanofs, der Wirt:.Väterchen," sogt er zu dem Anführer der Kosaken, .Bäterchen, der Wodka kostet soviel und der Arosch soviel..." Da hat der Anführer gelacht..Hängt ihn an den Beinen aus!" hat er geschrien, und da haben ihn die Teufel wirklich an der eigenen Tür aufgehängt. Er hat die ganze Nacht geschrien— heilige Mutter von Kichinew— aber es hat sich keiner getraut, aus seinem Haus herauszukommen und den Armen zu erlösen, denn die Kosaken liefen durch das Dorf.... Da ist Väterchen Popoff, der Dorfschulze, ich werde sechs Messen für ihn lesen lassen, zu dem Anführer in die Schenke gegangen und hat ihn furchtlos gefragt, was er hier wolle, wie er hieße und hat ihm mit der Polizei gedroht. Und da lachte der Anführer, sagte, daß er Fjedor Jwitsch heiße und er wolle, daß das ganze Dorf der Teufel hole und Polizei gäbe es für ihn nicht mehr und in Petersburg sei Revolution. Und am nächsten Tag« sind sie dann in die Häuser eingefallen und wer sich ihnen entgegensetzte, den haben sie erwürgt und er- schössen: die Mädchen haben sie mit sich geschleppt und dann haben sie die Schenke angezündet, und das Feuer griff auf die anderen Dächer über, daß das ganze Dorf bald einem Meer von Feuer glich. Auf einmal stürmt Väterchen Popoff wie besessen auf Fjedor Jwitsch zu, greift ihn am Arm und schreit:.In meinem Haus, meine Tochter, rette sie! Rette siel Das schönste Mädchen im Ural, rette das Täubchen, Väterchen!..." Er umklammert die Knie des Räubers. Der stößt ihn beiseite, daß Väterchen Popoff wie ein Igel die Straße herunterrollt und dann spingt er in das brennende Haus, nach Ilonja Popoff. Das Haus kracht, Balken stürzen in sich zusammen, daß die Fun- ken in die Lust bersten, es vergehen Minuten, die gleich Jahren zählen— es kracht der letzte Balken, da— der Räuber Fjedor Jwitsch kommt— das Haus bricht zusammen, er trägt sie auf den Armen, und er sieht nur sie, lächelt: er lächett sie an. er, der Räuber. wie ein großes Kind. Ja, und dann haben sie alle um die ausgebrannten Häuser ge- standen, und die Kosaken wurden allmählich nüchtern und kleinlaut und einer nach dem anderen ist gegangen und hat sich aufs Pferd gesetzt und ist fortgeritten, fort, wer weiß wohin, irgendwohin. Nur Fjedor Jwitsch ist geblieben. Wir haben ihn nicht tot- geschlagen, denn er hat Tag und Nacht am Krankenlager von der schönen Ilonja gesessen und hat kein Auge von ihr gelassen. Dann haben wir beschlossen, westwärts zu wandern, durch die große weite Steppe von Kichinew bis in eine andere und fruchtbare Gegend, und wir sind ausgebrochen. Am dritten Tage unserer Reise, da hat der Räuber uns allen weinend die Füße geküßt und wir haben ihm erlaubt, mit uns zu wandern, da er die schöne Ilonja Popoff heiraten wollte. Gewandert, gewandert, gewandert. Laufen wir fünf Tage oder fünfzig? Ich weiß es nicht, heilige Mutter von Kichinew. hilf, hilf, hilf!.... ich weiß nichts mehr. Das ist die Geschichte des Dorfes Michailow im mittleren Ural. Einer nach dem andern ist liegen geblieben in der weiten braunen Steppe und viel später hat man ihre toten Leiber gefunden. Nur den Leib Fjedor Iwitschs und Ilonjas hat man niemals entdeckt. Die heilige Jungfrau sei ihm gnädig! Und die Hirten bei der Stadt Kichinew, die singen, wenn sie nachts um die großen, schwelenden Feuer herumliegen, die Ge- schichte noch einer alten, leisen, monotonen Melodie, und wenn sie fertig sind mit der Geschichte, dann schweigen sie. blicken scheu um sich In die schwaize Nacht, räuspern sich, und dann flüstert wohl manchmal einer dem anderen zu: die hat der Teufel geholt! /Imeise Mensch. Von LeopoldLoeste. Schlägt man ein illustriertes Blatt auf. so stößt man auf Ab- bildungen von Wolkenkratzern. Man hat dafür jetzt den Edel- namen„Hochhäuser" erfunden. In der Linienführung solcher Bauten kann zweifellos Edles liegen. Sie werden aber nicht wegen des Adels der Architektonik gebaut, sondern um Menschen regt» menterwelse darin arbeiten zu lassen. Und alle Pracht und Kühn- heit dieser Turmhäuser kann nicht darüber hinwegtäuschen, daß Zwischen ihnen und den Bauten der Ameisen und Termiten kein Unterschied des Wesens mehr besteht. Denn dieses besteht hier w>e dort in der Kasernierung von Lebewesen. Um den Begriff der Kultur für die explosionsartig um sich greifenden Fortschritt und Erfindungen zu retten, bat man das Wort vom Zeitalter der„Maschinenkullur" erfunden. Man soll aber Zivilisation und Kultur nicht verwechseln! Wir werden immer zivillsierter, während unsere Kultur auf dem Wege über Giftgas- ... und dies Stück verlangen wir Fürsten als Entschädigung� bomben und ähnlich« Gaben sich erfolgreich rückwärts konzentriert. Die an sich wunderbaren und zivilisatorisch nicht zu verachtenden Erfindungen der jüngsten Zeit haben mit Kultur so wenig zu tun, wie etwa die Schreibmaschine damit zu tun hat. Man kann mit oer Maschine sehr zivilisierte, aber keine kultivierten Briefe schreiben, wie jeder bestätigen wird, der viel mit der Maschine zu arbeiten hat. Man kann in der Hütte ein kultivierter Bettler und im Palast ein zivilisierter Banause sein. Man kann sich alle sieben Weisen Griechenlands in einer Tonne vorstellen, aber nicht einen von ihnen im Wolkenkratzerl Denn diese Gebilde, echte Kinder der„Ma- schinen-Zivilisation", sind der Tod der Kultur! Die Ameise hat ihre und ihrer Bauten Entwicklung längst voll- endet und fühlt sich wohl dabei. Der Mensch aber hat vor ihr un- glücklicherweise 1300 Kubikzentimeter Gehirn voraus, und es gibt daher keine Erfindung und keine Torheit, deren er nicht fähig wäre. Schon liest man Klagen darüber, daß andere deutsche Städte Berlin mit Hochhäusern zuvorgekommen seien, daß Berlin sich also nicht rasch genug von kultureller Lebensweise entferne. Man kann den Zeitpunkt nicht erwarten, wo die Straße Unter den Linden beiderseits von ragenden Ungetümen flankiert sein wird. Man denkt natürlich nicht an die batterienfördernde, gesundheitshemmende Ausschaltung des Sonnenlichtes, das diese Tünne sich gegenseitig und ihrer Umgebung fortnehmen werden. Und man denkt an vieles andere nicht! Die Geschichte lehrt, daß fast alle großen Kulturen sich in großen Hauptstädten konzentrierten, die immer vor dem Sturze dieser Kulturen ihren höchsten Glanz entfalteten. Das alte Griechen- land, Babylon, Aegypten, Rom, Venedig, selbst Hansastädte, liesern Beispiele. Aber diese Entwicklung, das ameisenhafte Zusammen- drängen der Bevölkerung in große Zentren, scheint nicht aufhaltbar zu sein. Heute hat beispielsweise New Park mehr Fernsprech- anschlllsse als London, Paris, Wien usw. zusammengenommen. Wenn nachmittags die Bureaus schließen, ergießen sich aus den Hochhäusern ungezählte Tausende menschlicher Ameisen in solcher Fülle auf die Straßen, daß der Verkehr für längere Zeit völlig stockt. In den Hauptstraßen schieben sich vier oder fünf Reihen von Automobilen langsam nebeneinander her usw. usw. Wem imponiert dergleichen eigentlich?! Ist das Zivilisation? Ja, Ameisen- Zivilisation! Ist das Kultur? Das genaue Gegenteil davon! Ein untrügliches Kennzeichen der Kultur ist, daß man vor ihr nicht flieht. Jeder noch nicht kullurlofe Großstädter sucht aber wenigstens Sonntags seinen Mauern zu entfliehen. Noch lebt erst die Hälfte der deutschen Bevölkerung in Städten. Aber das Verhältnis verschiebt sich immer mehr zuungunsten des Landes. Es ist ein Verhängnis. Vielleicht«ine innere Notwendig. keit, die alle Kulturen bis zu einem Gipfelpunkte führt, um sie dann absterben und neuen Wettbewerbern Platz machen zu lassen. Aber so lange große Strecken der Erde noch der Nutzbarmachung harren, ist der Bau von Turmhäusern bestimmt keine unvermeidbare Not- wendigkeit. Einzelne können nicht viel schaden, könnten sogar als architektonische Verschönerung des Stadtbildes begrüßt werden. Aber es ist mit Recht zu befürchten, daß sie sich scharenweise aufeinander- folgen und die Menschen zu amerikanisierten Ameisen, zu lebenden Automaten machen werden. Es ist vorauszusehen, daß die Schäd:- gungen, die diese Amerikanisierung im Gefolge haben müßte, durch Sport, das bißchen Siedlungswesen und Laubenkolonien nicht aus- zugleichen wäre, und daß hier ein unbeachtet gebliebenes Problem vorliegt, das man vor lauter Staunen über die rein äußerlich groß- artige Entwicklung von Turmkasernen und Kasernentürmen, also von menschlichen Ameisenhaufen, übersehen hat. Wo bleiben die führenden großen Geister, die sich dieser Rück- wärtserrtwicklung des Menschen zur Ameise entgegenstemmcn?! Holberg über die„Rechte des Frauenzimmers*. Der große dänische Lultspieldichter Ludwig Holberg, dessen Komödien in der Weltliteratur neben denen Matteres stehen, war ein echter Philosoph, der mit scharfem Verstand die Menschen und Sitten beobachtete, die ihm den Stoff für sein« genialen Werke liefern mußten. Er hat em abenleuerreiches Leben geführt und mittellos halb Europa durchwandert, bevor er in seiner Heimat als Professor festen Fuß faßte und zu hohen Ehren gelangte. Seine Lebensbeschreibung trägt ganz den Stempel dieses klaren, geist- reichen und überlegenen Kopfes, und es ist daher mit besonderem Dank zu begrüßen, daß wir jetzt eine deutsch« Neuausgabe seiner „Nachricht von meinem Leben" erhalten, die bei der Frankfurter Vcrlagsanstalt erscheint. Unter den vielen Nugen und vorausschauenden Bemerkungen des Buches findet sich auch eine Aeußerung über die Frauen, durch die der Dichter in einer Zeit, in der man noch ernsthaft darüber diskutierte,.ob die Frauenzimmer Menschen seien", fein Vorurteils- loses und fortschrittliches Urteil erweist.„Manche glauben," schreibt er,„daß ich in meinen Schriften dem weiblichen Geschlecht gar zu sehr geschmeichelt habe: wenn man aber alles, was ich zu seinem Vorteil schrieb, recht untersucht, so wird man finden, daß ich mit Recht seine Partei genommen habe. Es ist deutlich von mir ge- zeigt worden, daß die meisten Fehler, die man diesem Geschlecht bettegt, nicht von der Natur, sondern von der Erziehung berrühren, und daß man die Natur öfters mit der Erziehung verwechselt. Ich habe gezeigt, daß man auch bei den Frauenzimmern männliche Tugenden wahrnehmen würde, wenn man sie auf die gleiche Art wie die Mannspersonen schon von Jugend auf erzöge, und daß die meisten Vorzüge, die sich das männliche Geschlecht anmaßt, chm mehr durch äußerliche Ordnung als durch natürliche Rechte oerliehen worden sind. Endlich habe ich dargetan, daß man mehr aus die Fähigkeit als auf den Namen sehen muß, und daß man allein der Geburt wegen die Frauenzimmer nicht von allen Verrichtungen ausschließen sollte, zu denen Verstand und Nachdenken nötig sind. Es gibt sehr viele Beispiele von fähigen Köpfen unter ihnen, denen es nicht an Geschicklichkeit mangelt, sich in öffentlichen und in ihren eigenen Dingen mit Ruhm zu zeigen. Wenn ich dies alles sage, so schmeichele ich damit den Frauenzimmern nicht, sondern ich halte nur das männliche und das weibliche Geschlecht gleich hoch, ohne dem einen oder dem anderen einen Vorzug einzuräumen. Wenn ich merke, daß die Schwester besser schweigen kann als der Bruder, so vertraue ich ihr und nicht ihm mein Geheimnis. Wenn ich wahr- nehme, daß ein Frauenzimmer geschickter ist, dieses oder jenes aus- zurichten, als eine Mannsperson, so ziehe ich sie mit Recht vor. Man kann den nicht der Heuchelei und Schmeichelei beschuldigen, der jedem beilegt, was ihm zukommt Weit eher verdienen die den Nomen von Heuchlern, die stets sich selbst und ihr Geschlecht erheben und das weibliche Geschlecht, das sich nicht verteidigen kann, an- greisen und schmähen. Die meisten Leute fallen zwar zu der Partei, die gesiegt hat, ich aber trete viel lieber zu denen, die überwunden und' unterdrückt werden. Das erste ist das Sicherste, das andere aber das Anständigste. Darum verteidige ich die Rechte des Frauenzimmers."__ Rückgang der Säuglingssterblichkeit. Die immer mehr durch- geführte Belehrung der Mütter, das Selbststillen, der Geburtenrückgang an sich, der es den Müttern ermöglicht, sich dem einzelnen Kinde mehr zu widmen, vielleicht auch die Zunahme der Entbindun- gen in den Anstallen, sind im wesentlichen wohl die Faktoren, die einen Rückgang der Säuglingssterblichkeit bewirkten, von 19 Proz der Sterblichkeit im ersten Lebensjahr in den Iahren 1901 bis 1905 auf 13 Proz. im Jahre 1923. Immerhin ist die Säuglings- sterblichkeit in Deutschland noch höher als z. B. in England, wo sie 7 bis 10 Proz. betrug, in Frankreich, wo sie 10 Proz. und in Schweden, wo sie nur 7 Proz. ausmachte. Es muß also in Deulsch- land ermöglicht werden, durch weitere Fürsorge, durch intensivere Be- folgung ärztlicher Ratschläge und Anordnungen, diesen Stand anderer Länder mindestens auch zu erreichen Weihnachts Messe DER CHUMHO im SCHUHHOF Berlin W9, LinksTrasse 11 Charl.Wilmersdorferstr.117 Spandau, Breitestrasse 22 Herren Stiefel schwarz Rindbox, spitze u.breiteFormen, Sohle weiß genäht 7.90 Herren- Lackschuhe halbspitze Form, weiß gedoppelter Sohlenrand, elegante Ausführung. unvergleichlich billig 1290 Lack- Spangenschuhe durchbrochene u. einfache Spangen, spitze Form, amerikan. Abs., eleganter Straßenschuh Kamelhaar Umschlagschuhe für Damen www.m 790 Herren- Stiefel prima Mastbox, auf echter Zwischensoble, gedoppelt, hervorragender Strapazier stiefel f. d. Jahreszeit..M 12.⁹⁰ Einsatz- Halbschuhe für Herren, prima Boxcalf, mit grau Nubuk und braun Boxcalf- Einsatz, eleg. Form., moderner Straßenschuh. M. 13.90 Boxcalf- Halbschuhe erstklassig. 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