Abendausgabe Nr. 563 42. Jahrgang Ausgabe B Nr. 279 Bezugsbedingungen und Anzeigenpreife Find in ber Morgenausgabe angegeben Rebattion: Sm. 68, Lindenstraße 3 Fernfprecher: Dönhoff 292-20% Tel.- Adresse: Sozialdemokrat Beelin 10 Pfennig Sonnabend 28. November 1925 Vorwärts= Berliner Volksblatt Beriag und Anzeigenabteilung: Geschäftszeit 9-5 Uhr Berleger: Borwärts- Berlag Gmb Berlin S. 68. Lindenstraße 3 Fernsprecher: Dönhoff 282-297 Zentralorgan der Sozialdemokratifchen Partei Deutschlands Hindenburg unterzeichnet. Locarno- Gesetz im Reichsrat mit 49 gegen 15 Stimmen angenommen. Bor der Unterzeichnung durch den Reichspräsidenten beschloß| neue Krieg, und nach dem Krieg der Frieden. Wer also für men, von dem Gesehentwurf über die Zustimmung zu den Locarno- ist, der will nur den Frieden. Nach dieser unwiderstehlichen der Reichsrat in öffentlicher Bolligung mit 49 gegen 15 Stim- den Frieden ist, der ist für den Krieg, und wer für den Krieg Berträgen und den Eintritt Deutschlands in den Böllerbund Kenntnis fommunistischen Logit hat Klara Bettin, bie zum zu nehmen, ohne Einspruch zu erheben. Gegen diesen Beschluß Kriegs bündnis aufrief, eine Friedensrede gehalten, und ftimmten Ostpreußen, Brandenburg, Pommern, Niederschlesien, Breitscheid, der für die Verständigung Sprach, eine Bayern und Medlenburg- Schwerin. Kriegsrebe. Und es gibt noch Leute, die sich so frech anlügen lassen! Der Reichspräsident wird das Gefeh noch heute unterzeichnen. Die Rechte nach der Niederlage. Eine Blütenlese von Beschimpfung. Die Rechtspresse reagiert auf die Niederlage der Locarnos Opposition nicht einheitlich. Deutsche Tageszeitung" und Kreuz 3eitung" nehmen die Niederlage sehr ruhig auf- man fühlt, wie erleichtert die Herren sind, daß der Locarno- Bertrag unter Dach und Fach ist. Die Presse jedoch, deren vornehmster 3wed ist, an die Instinkte bes Spießbürgers zu appellieren, ergeht sich in Variationen von Beschimpfungen. Voran die Hugenberg- Presse. Der Lotal Anzeiger" schreibt: Bas gestern noch Anfündigung war, ist heute schon Tatsache: der Reichstag hat mit dem legten Restchen unserer politi fchen Bewegungsfreiheit auch auf Jahre hinaus, auf mindestens neun Jahre, die 3utunft unserer Brüder am Rhein und an der Saar dem Erfüllungstaumel auf geopfert." Das sind die Tone, wie sie in den Zeiten der Mordheze gegen die Politit der Berständigung beliebt waren. Der Tag" schändet ein Märchen von Andersen, um die Regierung als Betrüger zu bezeichnen in einer Form, die er juristisch für unfaßbar hält: Aber die Geschichte vom Locarnofleide, ist in anderer Hinsicht noch märchenhafter als das Märchen. Bei Andersen spannen allein die Betrüger und sorgten dafür, daß teiner aus des Kaisers Hofstaat ihnen helfe, daß feiner hinter ihre Schliche fäme. Beim Locarno Bertrag aber hielten sich die Betrüger im Hintergrunde und ließen des Reiches Außen. minifter fpinnen. Das hatte selber Andersen nicht voraus gesehen. Denn der deutsche Außenminister glaubte an die Sache, wenn er aus den imaginären Fäden von Hoffnungen und Vertrauen das Paragraphenwert knüpfte und alle Fäden zog, die es erst ermöglichten, daß auch die anderen Klugen und Weisen im Lande das Luftgebilde als greifbares Ergebnis ansahen. So fann Dr. Strefes mann wohl sagen, daß, abgesehen von der Idee, Luft überhaupt zu einem Vertrage spinnen zu fönnen, für die London und Paris ver antwortlich zeichnen, das Locarnofleid sein Wert sei." Auch eine Form der Heßze! Die Absicht, zu beschimpfen, ift offenfundig, die Feigheit vor der Verantwortung aber auch! Diese Helden, die so tapfer von hinten herum verleumben, können es gar nicht erwarten, daß andere wieder auf den Schlachtfeldern Helden sein werden. Man lieft im ,, Tag": Und es wird doch trotz allem einst der Tag tommen, mo Europa in Flammen steht und wo in diesen Flammen das Papier von Locarno samt den Namen feiner Unterzeichner verfohlt." Die Deutsche Tageszeitung" bemüht sich, den fleinen Ilmfall der Deutschnationalen bei der Abstimmung über den Ausfegungsantrag zu verteidigen: „ Ehe wir sterben müssen." Aufrecht, aber vorsichtig. In der„ Deutschen Zeitung" feiert Otto v. Schilling den nächsten Weltkrieg mit folgenden tiefempfundenen Worten: den nächsten Weltkrieg mit folgenden tiefempfundenen Borten: Der Aufrechten einzige Hoffnung flammert sich nur noch Dimüz von Locarno noch die Stunde kommen, wo Deutschlands an den Tag von Sedan. Möge auch einmal auf unser zweites entweihte Fahnen wieder stolz in den Lüften wehen und mir jubeln den Herzens fingen fönnen: D Deutschland hoch in Ehren". Ehe wir sterben müssen. Daraus geht unwiderleglich hervor, daß wir das mit einem Weltkrieg min einmal unvermeidlich verbundene große Sterben auch das nächstemal zu überleben fest entschloffen sind. Hindenburg, ein verlöschender Funken. Die Lehren einer Wahl. Bon Josef Hofbauer Teplitz. Das für den Sozialismus nicht sehr erfreuliche Ergebnis der Parlamentswahl in der Tschechoslowakei gibt der Sozialmanche eindringliche Lehre. Fragt sich nur, ob die tschechische demokratie dieses Staates, vor allem der tschechischen Partei, ausganges geneigt und imftande ist, diese Lehren zu würdigen. manche eindringliche Lehre. Fragt sich nur, ob die tschechische Sozialdemokratie unter dem unmittelbaren Eindruck des WahlDie Wahlen haben mit einer Niederlage des So= zialismus geendet. Denn wenn es auch den deutschen Sozialdemokraten unter schwersten Mühen gelungen ist, die Stimmenzahl seit den Gemeindewahlen von 1923 etwas zu erhöhen, so muß doch zugegeben werden, daß sie nicht imstande war, über den Kreis ihrer treuen Anhängerschaft hin auszubringen. Der Wählerzuwachs tam fast ausschließlich den bürgerlichen Parteien zugute. In manchen Gebieten, so im fefter einzunisten. Eine Wahl, bei der nur der Befihstand der deutschen Westböhmen, vermochten sich auch die Kommunisten Bartei behauptet werden kann, fann aber nicht befriedigen, muß fast als Niederlage gewertet werden. Bon allen abgegebenen deutschen Stimmen entfielen 24 Proz. auf die Sozialdemokraten, die tschechische Gozialdemokratie aber betam nur 12% Broz. der tschechischen Stimmen. Die tommunistische Partei aber ist sehr start gewachsen. Sie wird mit ihren 41 Mandaten die zweitstärkste Fraktion des Abgeordnetenhauses sein. Sie ist im Verhältnis zur Bevölkerungszahl zweifellos die stärkste kommunistische Partei Europas, abgesehen natürlich von Rußland, wo andere Parteien nicht bestehen dürfen. Wie ist dieses Bahlergebnis zu erklären? Gewiß, die Stimmenzahlen von 1920 waren nicht zu halten. Damals haben, noch unter dem Eindruck des Kriegserlebens und des Zusammenbruches der bürgerlichen Politit, Behntausende sozialdemokratisch gestimmt, die feine innere Beziehung zum Sozialismus hatten. Damals gab es noch feine Kommunistenpartei; aber sie hätte, wenn nicht die alltschechische Roalitionspolitik seine Wegbereiterin geworden In der„ Medlenburgischen Barte" erinnert Bulle daran, daß der Reichspräfident in seinem Eibe gelobt, Schaden vom Reiche zu menden. Dazu deklamiert er: Schaden von ihm menden! Locarno, Todesstreich gegen Deutschlands Haupt. Reichspräsident, bie Stunde ist da Und wenn auch der Funken verlischt?" Hindenburg ein Mann, der seinen Eid nicht hält! Hindenburg, wäre, nicht so start werden können. ein verlöschender Funken! Aber noch strahlt uns ulles Licht! Rückwirkungsdebatte in London. Einigung über die Truppenverminderung notwendig. London, 28. November.( Ep.) Der diplomatische Bericht. erstatter des„ Daily Telegraph" ist in der Lage, mitteilen zu fönnen, daß außer Mussolini alle Minifter, die in Locarno waren, nach London kommen würden. Die tschechischen Sozialdemokraten mußten in der Koalition, um sie erhalten zu fönnen, mancher undemofratischen und mancher unsozialistischen Maßnahme zustimment. Schweren Herzens wohl zumeist, aber doch. Und wenn sie auch manchen sozialpolitischen Erfolg erzielten im Denten der Arbeiter mogen bie Sozialversicherung und das Arbeiterurlaubsgesek meniger schwer als das Terrorgeseh, als das Gesetz zum Schuße der Republik, die völlig unbedroht ist, als die Verschlechterung des Preßgefeßzes, die Einführung der Getreidezölle und die willkürliche Handhabung des altabbau haben wahrscheinlich auch tausende Staatsbeamte vernicht im Denken der Arbeiter allein! Lohn- und Beamien österreichischen Vereins- und Bersammlungsgesetzes. Und anlaßt, fommunistisch zu wählen, und jene Intellektuellen, die mit der Verzerrung der Demokratie durch das Biestafel, daß die Deutschen Wert darauf legen, die Rüdwirtungen Die deutsche Delegation wird die stärkste sein, woraus zu schließen des Locarno- Bertrages in London eingehend zu befprechen. Jus befondere handle es sich um das Rheinlandregime, die Einschränkung der deutschen Luftschiffahrt, den Eintritt Deutschlands in den Bölker- System( Bjet= 5; der Fünfer- Ausschuß der Koalition war das bund und die Abrüftungsfrage. Da die letzte Botschaftertonferenz teine Einigung über die herabfehung der Befaßungsstätte erzielen konnte, hätten auch die franzöfifchen und belgischen Delegierten ein Intereffe an einer Konferenz mit den englischen Staatsmännern. Reichswehr und politische Vereine. Ein Mißerfolg des Boltsentscheids aber wäre nicht nur eine Riederlage der Gegner von Locarno, sondern zugleich eine Niederlage des Reichspräsidenten, dessen Mandat ja unmittelbar vom Bolle ftamint, an das er vergeblich appelliert hätte. Der Beg des Antrags auf Ausfegung der Berkündung des Locarno Gesetzes führte also nicht zu seinem Fall, sondern er führte dirett in den Sumpf. Dem Reichspräsidenten aber würde mit einem solchen Beschlusse eine Berantwortung zuge. schoben, die ihn nach dem bekannten vulgären Ausbruck in die Dredlinie ftellte. ohne daß ihm die Reichsverfassung ein taugliches Mittel an die Hand gäbe, in Fällen wie dem vorliegenden einen bedentlichen Reichstagsbeschluß wirksam zu verhindern." Sie wollten alfo den Reichspräsidenten nicht noch mehr Schwarz- Rot- Golb in die Dredlinie stellen, als sie es schon getan haben. Die Tatsache aber, daß Hindenburg aus innerer Ueberzeu gung für Locarno ist, verschweigen fie immer noch fein gung für Locarno ist, verschweigen fie immer noch fein fäuberlich. Die Bundesgenossen der Rechten, die Kommunisten, führen in der Roten Fahne" merkwürdige Tänze auf. Es heißt dort: Im Reichstag ftimmten die Bertreter des tapitalistischen Systems, bie Führer des Großtapitals und der Schwer industrie, die Unternehmer Syndizi und die sozial demokratischen Unternehmerlataien für den LocarnoBatt. Jenseits aller Massenbewegungen, jenseits der Interessen des Proletariats, entschieden die Soldlinge des bürgerlichen Barla. mentarismus für den nächsten imperialistischen Krieg." Natürlich: die Sozialdemokraten find Unternehmer lafaten, und die Bundesbrüder der Kommunisten gegen Locarno, die Deutsch nationalen und die Böltifchen, find alles tapitalfeindliche traffen bewußte role tarier, mit Herrn Hugenberg an der Spige! Außer bem: es ist doch ganz logisch: nach dem Frieden kommt der Die Methoden der alten kaiserlichen Armee. Das Reichswehrminifterium hat nun, entsprechend seiner An fündigung, die Liste der Vereine befannt gegeben, die nach §§ 36 und 37 des Behrgefeßes als politische erachtet werden und bei deren Beranstaltungen somit Bestandteile der Reichswehr nicht mitwirken dürfen. Die Liste enthält tatsächlich die be tannten rechtsradifalen Organisationen, wie den National verband Deutfder Offiziere", ben Allbeutschen Berband"," Stahlhelm, Biting", Jungbo", er wolf" ufo., auch den Reichsbürgerrat". die Bts mard iugend", ein politisches Kolleg, Berlin W., Mog. Straße 22", die Reichsflagge, Bayern und Reich die Bereinigten Baterländischen Berbände, die verschiedenen Münchener Frontbünde ufm. Aber auch entschieden republikanische Organisationen, die lediglich für die Aufrechterhaltung und Verteidigung der deutschen Reichsverfassung eintreten, wie das Reichsbanner Schwarz Rot Gold" und den Deut. schen Republitanischen Reichsbund" findet man auf dieser Berbotslifte. Ganz unglaublich aber wird es erscheinen, ist aber doch wahr, daß die freie Gemertschaft Deutscher Musikerverband und sämtliche der Zentralfommission für Arbeitersport und ferperpflege angefchloffenen Organisationen bis zum Ar betterfamariterbund, bem Arbeiterschach bund und dem Touristenverein Naturfreunde in diese Lifte aufgenommen find. Auch der Reichsbunb ber Kriegs beschädigten ist unter den folcher Art verbotenen Organifationen. Die einzelnen Berbote gehen bis cuf das Jahr 1921 zurüd. Bas das Berbot des Deutschen Mufiterverbandes angeht, fo wird es wohl auf den Kampf dieser freien Musifergewerkschaft gegen bie oft als unlauter bezeichnete Rokurrenz von Militärtapellen gegen Sivilmufifer zurückzuführen sein. Die Arbeiter- Turn- und Sport verbände aller Art werden durch dieses Verbot ausschließlich auf 3iviltapellen angewiesen andere dürften sie ohnehin nicht heran, siehen. Aber merkwürdig ist es doch, daß sich das Heer der Republik menigstens in diefer Beziehung zur Arbeiterbewegung genau so zu stellen scheint wie die faiserliche Armee von anno dazumal! eigentliche Parlament. D. Red). unzufrieden waren, strömten der neuen tschechischen Arbeiterpartei" zu, die zwar kein Mandat gewann, aber doch gegen 100 000 Stimmen. Die deutsche Sozialdemokratie hat die Politik der tschechischen Genossen mitgebüßt. Beitgehende Tschechisierung, Berdrängung Behntausender deutscher Beamter und Arbeiter von ihrem Arbeitsplatz, Sperrung von faft 4000 deutschen Schulllaffen unter Regierungen, in denen chechische Sozialdemokraten faßen daß hat viele beutfche Arbeiter in das Lager der Nationalisten und der fich sehr national gebärdenden Christlichsozialen getrieben. Die Partei der Tschechischen Sozialisten", der auch der Außenminister Dr. Benesch angehört, hat sich in ihrem Wahlaufrufe mit ihren Tschechifierungserfolgen gebriüftet. Sie rühmte sich dessen, daß es ihr gelungen sei, besonders im Eisenbahnwesen den deutschen Einfluß zu verdrängen, 10 000 tschechische Beamte und Arbeiter im deutschen Sprachgebiet anzustellen und für sie Wohnungen au bauen. Und diese Politik wird eifrig fortgefeßt. Eben jetzt wird be fannt, daß im Eisenbahndirektionsbezirk Olmütz wieder 1600 Angestellte abgebaut werden sollen unter ihnen 1300. Deutsch e! Jeder dieser Abgebauten wird zum Agitator für die nationalistischen Parteien. Der Nationalismus fann ihnen freilich nicht helfen, aber es gewährt ihnen gewissermaßen feelische Befriedigung, fich für ihr Unglück zu rächen durch den Anschluß an eine ihnen besonders radikal erscheinende Bartei, durch den Anschluß entweder an die Hafenfreuzler oder an die Kommunisten, oder doch wenigstens durch die Stimmenabgabe für fie. an ähler toalitionsfeindlich, Gegnerin dieser Die Wahlen haben gezeigt, daß die Mehrheit der Koalition ift. 3 185 000 Wähler haben für die Koalition gestimmt, 3 474 139 gegen fie. Aber die Roalition, wird boch eine Mehrheit haben! Sie bekommt ungefähr zehn Manbate durch die Zuteilung der Stimmen der durchgefallenen Oppofitionsparteien die großen Parteien. Zehn Mandate aus geraubten Stimmen! Die Koalition hat gewußt, warum sie in letzter Stunde das Wah gesetz reformierte"! Und weil das noch nicht langt, so wird man die bisher oppofitionelle tichechische Gewerbepartei in die Koalition mit einbeziehen. Denn die allnationale Koalition muß dem Staate erhalten werden. Und die tschechischen Sozialdemokraten werden, wie ein Beschluß ihrer Parteiegefutive zeigt, wieder mit babei fein. Inzwischen verfloß die Zeit und alles drängte auf| duftionsbetriebe die Wirtschaft zum Stillstand. Jede Sozialisierung Bildung einer Regierung hin. Als die Zentrumsvertreter Dom Kasseler Parteitag zurückkehrten, wurden die Berhand lungen wieder aufgenommen; die Volksparteiler hatten inzwischen wegen des Verbots, beim Hindenburg- Besuch in Karlsruhe schwarzweißrote Fahnen zu führen, die Regierungsparteien maßlos und tölpelhaft angegriffen, so daß das Bentrum gleichfalls Bedenken trug, mit dieser Partei in eine Regierungsfoalition zu gehen. Die Weimarer Koalition schien also wieder zu marschieren! Aber wenn sie wieber, um des technischen Charakters des Staates willen, in die Koalition gehen, in eine Koalition, in der sie mit ihren 29 Mandaten fast einflußlos sein wer den, in der die Macht der Agrarier und der Klerifalen fie er drücken wird, dann gefährden sie damit die nächste Zukunft des demokratischen Sozialismus in der Tschechoslowakei. Natürlich nicht seine Zukunft überhaupt, aber seine nächste Entwicklung. Daß fie von 1 600 000 Stimmen, die fie 1920 befamen, rund eine Million Stimmen verloren haben, zum großen Teile an die Kommunisten, die nichts mehr auf den tschechischen Charakter des Da faßten die De motrat en am vorigen Sonntag einen Staates geben, die nicht mehr auf seiner Integrität beharren, Beschluß, in dem sie erklärten, daß bei dem derzeitigen Stand sondern das Recht der Selbstbestimmung der Minderheits der Dinge eine Fortsetzung der Verhandlungen über die Erpölfer bis zur Loslösung propagieren das muß ihnen doch neuerung der bisherigen Koalition zwedlos fei. Nach ihrer fagen, daß die Mehrheit des tschechischen Proletariats von( der Demokraten) Meinung hätte ihnen das Rentum, falls der ihrer bisherigen Roalitonspolitif nichts wissen will. Daß auch demokratische Kultusminister in der neuen Regierung beibedie deutsche Sozialdemokratie sich nicht fortzuentwickeln verhalten werden solle, unwürdige Zumutungen gestellt! mag, daß sie sich nur knapp zu behaupten vermochte, daß im deutschen Bolt die Kommunisten und vor allem die Hafen freuzler und die Klerikalen anwuchsen das muß ihnen zeigen, daß ihre Koalitionspolitit, daß die Politik der all notionalen Koalition, die den wirtschaftlichen Kräfteverhält niffen auch im tschechischen Bolke so sehr widerspricht, zu einer Gefahr für den gesamten demokratischen Sozialismus in der Tschechoslowakei geworden ist. -Es ist sehr viel einzuwenden gegen die allnationale Koalition und ihre Politik. Aber selbst wenn nur wenig gegen fie zu sagen wäre. eine proletarische Partei fann nicht ungestraft eine Politik machen, die dem so deutlich befundeten Willen der Mehrheit des Proletariats widerspricht. Tut sie es doch, dann muß sie es in Zukunft noch schwerer büßen. Und mit der tschechoslowakischen Sozialdemokratie werden auch jene sozialdemokratischen Parteien der Tschechoslowakei ge troffen, die gegen die Politik, gegen die fich der Unwille fo großer proletarischer Massen wendet, von allem Anfange an gefämpft haben. Die tschechischen Sozialdemokraten werden vermutlich für diese Feststellungen und Warnungen ihrer deutschen Genossen nicht viel Beachtung übrig haben. Sie sind immer noch des Glaubens, im Interesse der tschechischen Arbeiter und des Sozialismus zu handeln. Sie werden also wieder an einer allnationalen Koalition teilnehmen. Aber es soll schon jetzt vor der sozialistischen Welt auf die ungeheure Berant wortung verwiesen werden, die sie damit auf fich laden. Berantwortlich sind sie nicht allein für das Geschid ihrer Partei. In ihren Händen liegt auch die Ber antwortung für das Geschid der anderen fozialistischen Parteien in diesem Staate, für das Schicksal des Sozialismus in der Tschechoslowatei. Die neue Regierung in Baden. Koalition des Zentrums und der Sozialdemokratie. Aus Ba den wird uns geschrieben: Da in feinem der Länder seit 1918 nur einmal vorübergehend im Reiche eine Regierungstoalition zwischen dem 3entrum und der Sozialdemokratie bestanden hat, dürfte es auch außerhalb Badens intereffieren, wie diese Koalition zustande gekommen ist. Die badische Sozialdemokratie fann mit gutem Gewissen diefe Koalition vor der Partei und vor der politischen Deffentlichkeit verant worten. Nachdem die Landtagswahl vom 25. Ottober für die bis her bestandene Weimarer Roalition eine Mehrheit von 50 Mandaten bei 72 Sigen ergeben hatte, war das parteitaktische Ziel der Sozialdemokratie, die alte Roalition ( Zentrum, Sozialdemokratie und Demokratie) wiederherzu stellen. Das Zentrum wollte aber die große Koalition, da die Deutsche Bolkspartei ein Mandat mehr als die Demokraten( 6) erhalten hatte. Eine Landeskonferenz der Sozialdemokratie lehnte mit Zweidrittel- Mehrheit ein Zusammengehen mit der Bolkspartei und damit die große Koalition ab. Volksbühne. Lunatichariti:„ Der befreite Don Quichotte". Lunaticharsti, der russische Volkskommissar für Wissen schaft und schöne Künfte, muß bei seinen fanatischsten Parteigönnern als ein Romantifer, wenn nicht gar als ein Reaktionär des Gefühls gelten. Denn als Dichter begibt er sich vollkommen in eine Bergangenheit zurüd, die feinen Landsleuten schon verwerflich scheint. Er pflegt nämlich jenes fomplizierte Gedankendrama, das fehr tief in die einzelnen Seelen hineinsteigt. Der Dichter schlägt sich mit seiner eigenen Bersönlichkeit und mit dem schwierigen Charakter feiner dramatischen Personen herum. Dabei ist es gar nicht bequem, die Linie zu finden, auf der Lunaticharifi seine Ideen zusammen rethen möchte. In seinem russischen Vaterlande ist heute dieses tomplizierte Theater nicht beliebt. Die Reformatoren des Dramas und seiner szenischen Verwirklichung lehnen das Theater als morú lifche Anstalt ab. Lunaticharsti hält also fest an dem altmodischen Theater. Die Worte, die er sucht, werden spißig ausgegrübelt oder auch träumerisch hingesagt. Ales das spricht dafür, daß Lunatscharfti zu einer Klasse von Dichtern gehört, die noch der Inspiration vertrauen und sich nicht allein auf die Agitation verlassen. So möchte man glauben, daß der politische Bolkskommissar Lunaticharsti ein anderer ist als der Dichter. Bor seinen deutschen Hörern, die in der Bhilharmonie zusammenströmen, verteidigt der politische Bolts. kommissar den absoluten Run auf die Schwärmerideen der Ber: gangenheit. Der Mensch, der Gelehrte, und der Künstler endlich haben sich artig und gehorsam dem Marxismus zu überliefern, mie er fomietistisch ausgelegt und unterlegt wird. Der isolierten Ber fönlichkeit, die sich genial verschwenden möchte, wird ein Maulforb angedroht. Aber Lunaticharfti beweist durch sein eigenes Wert, Er hat ein Recht dazu. Sein Sinnspiel vom„ Befreiten Don Quichotte" ist wirklich ein sinnreiches und reifes Berf. Der Dichter will wohl die Ereigniffe, die ihn unmittelbar ergriffen und bestimmt auch ungeheuer erregten, in die Ewigkeitsgeschichte einbauen, aber er tut es beinahe tendenzlos. Er ist der objektivste Betrachter dessen, was gewesen war. Bernimmt man, daß seine hr fritischen Landsleute ihn auspfiffen, als sein Don- Quichotte Drama über die Moskauer Bretter ging, dann wundert man sich faum. Lunatscharfti sieht in Don Quichotte den Menschen der underlöschlichen Güte, den großen Einfältigen der Bibel, der alles zum Besten wenden möchte nach dem brennenden Trieb seines Herzens. Dieser besondere Bille lohnt sich nun bei Don Quichotte fo, baß der in Güte überschmengliche Held stets gestraft, stets verPanst und als unnüz oder gemeingefährlich zum Teufel gejagt wird. Don Quichotte tönnte der alte Tolstoi sein. Lunatscharffi hat in der Sd- neiz als verbannter Revolutionär diesen Ideen gehuldigt. Go vergißt er nicht. So bricht er nicht fanatisch mit diesem Dogma der Aufopferung, das sehr feindselia im Gegensatz zu dem anariffs. lustigen Staatsdogma seiner politischen Freunde steht. Selbst der Träger der revolutionären Gewalt, der das Gewesene zerfchmettert, legt seinen Kopf voll Sehnsucht an die Bruft des weichen Philan tropen, damit er deffen Segen empfängt. Es mischen sich die Er. eigniffe diefes Stüdes aus Aftuellem und Phantastischem zusammen. daß er für sich selber den Maulforb ablehnt Die Regierungsbildung fonnte- vier Wochen nach der Wahl nicht noch länger verschoben werden; es galt jest, zu handeln! Rentrum und Sozialdemokratie beschlossen, unter allen Umständen nunmehr eine Regierung zu bilden, um den vielen Kritifen zu begegnen und dem Lande nicht das Schauspiel einer schleichenden politischen Krise zu geben. Man besetzte das Kultusministerium nicht endgültig, sondern übertrug die Wahrung seiner Geschäfte dem sozialistischen Innenminister Remmele, um den Demokraten jederzeit eine Rückkehr zur Weimarer Koalition zu ermöglichen. Die zwei anderen Ministerien, das der Finanzen und der Justiz, verwalten wie bisher die Herren Dr. Köhler und Trunt als Angehörige des Zentrums. Trunt hat man zugleich zum Staatspräsidenten( welcher in Baden alljährlich wechselt) be stimmt. Damit im Kabinett eine Partei die andere nicht majorisieren fann, hat die Sozialdemokratie einen weiteren Staatsrat in dem Genossen Maier Heidelberg erhalten, so daß in der badischen Regierung die Genoffen Remmele ( Minister), Marum und Maier( Staatsräte) neben brei Zentrumsvertretern sitzen. Das ist die schwarzrote Koalition, wie man sie scherzhaft in Baden nennt! Sie hat bei 72 Abgeordneten eine feste Mehrheit, da das Zentrum über 28, die Sozialdemokratie über 16 Size verfügt. T Man erhofft von ihr, besonders im Hinblick auf die auch in Baden herrschende starke Arbeitslosigkeit, qute foziale Arbeit und den Schutz der Republik! In diesem Reichen wird und muß die neue Regierung tätig sein. Beim Beginn der nächsten Woche entwickelt sie im Landtag ihr Programm. Renner über Sozialisierung. Vortrag bei den sozialdemokratischen Studenten. Im Saale der ,, Hochschule für Politif" hielt Staatskanzler a. D. Genoffe Dr. Karl Renner Wien Freitag abend einen Vortrag über„ aren probuftion und Sozialisierung". An der Hand der österreichischen Erfahrungen gab der Redner die Gründe, warum diese Sozialisierungsversuche scheitern mußten. Ver. einzelte Kriegsindustrien, die stillgelegt waren, wurden zur Soziali. fierung bestimmt, ohne daß für die Umstellung die erforderlichen Kapitalien und ohne daß für die neue Produktion irgend ein Absatz gesichert oder nur auffindbar war. Es wurde offenbar, daß die Sozialisierung nicht bei einzelnen zusammenhanglosen Produktionsstätten begonnen werden tann. Die fapitalistische Produktion ist Warenproduktion. Ohne Regelung des Marktes, d. i. des 3irkulationsprozeffes, find fozialisierte Betriebe inmitten der tapitaliftischen Wirtschaftsweise unhaltbar. Der Vortragende entwidelte nun die Gesetze der Zirkulation und der Mehrwertverteilung auf fapitalistischer Basis. Die Grundfunktion des Kapitals ift die des 3irkulators der Waren und des Affumulators der aufgehäuften Mehrwerte. Diese Funktionen müssen auch in einer fozia liftischen Gesellschaftsordnung erfüllt werden, freilich nicht im Dienste des Privattapitals, sondern im Dienste der Gesell schaft. Indem man die Bedeutung des Zirkulationsprozesses über fah, brachte man z. B. in Rußland durch die Sozialisierung der ProDas Spanien, in dem alles stürzt, ist das heutige Rußland. Die Dynastie, die gestürzt wird, ist die russische Dynastie. Die Todes qual der enthronten Herrscher und die Leidenschaft der Rotgardisten, die den Kalender der neuen Sowjetordnung anreißen, ohne daß eine Welt besonders durch Lob oder Tadel ausgezeichnet wird. Lunatscharski ist sehr gerecht. Er zeigt sogar die Blutschrecken der roten Revolution, Räubergefahr und Mörderluft. Das Staatsprogramm, das sich aus seiner Dichtung herauslesen läßt, ist durch aus im Einklang mit harmonischer Gesittung. Nicht einmal die Revolution wird übermäßig gefeiert. Don Quichotte, der ein wenig das Spiegelbild des Dichters ist, weil der Kopf des Dichters fich bemüht, nach allen Seiten hin zu verstehen und zu versöhnen, wirkt als liebenswürdigste Gestalt. Die einzelnen Bilder des Dramas zeigen Erfindungskraft, Poesie und Humor. Ja, der Humor, den Sancho Panja, Don Quichottes treuer Gefährte, verbreitet, gehört zum Besten der Dichtung. Durch diesen Humor schützt sich der Dichter dagegen, daß ihm ein unvorsichtiger Fanatismus aus dem Herzen in die Feder rinnt. Man hat diefes Schauspiel im Theater am Bülowplag mit großer Liebe beschenkt. 3ft Friedrich Kayler auch nicht lichen Schmerze, ist Friedrich Kayßler auch eher ein Apostel und der nervöse Don Quichotte, der zusammenzucht vor jedem mensch Prediger als ein Ritter von der traurigen Gestalt, so erfüllt er doch feine Don- Quichotte- Rolle mit viel gewinnender Pathetik. Entzückend einfältig wirfte Bittor Schwannete als Knappe Don Quichottes. Die schlichte Ungelenfigkeit und die ungelente Treue be herrschten jede Bewegung dieses Schauspielers, der über viel Ge chicklichkeiten und Tugenden verfügt. Die Künstler waren offenbar sehr froh, mit Hingabe diesem belehrenden und gleichzeitig unterhaltenden Stücke dienen zu können. Herr Granach und Herr Reuß bezeugten diesen Willen durch eine außerordentliche Diszipliniertheit. Die Schauspieler versuchten gar nicht, ihre scharfe Bersönlichkeit hervorzudrängen. Berloren und tief verbunden hielten fie zu ihrer Truppe. Fris Holl, ber Regiffeur, durfte zu frieden sein. Mar Hochdorf. Protestversammlung des Opernpersonals. Nach Schluß der Vorstellungen in den staatlichen Overnhäusern fand gestern abend um 11 Uhr in der Singakademie eine Protestkundgebung des gesamten fünstlerischen und technischen Bersonals der staatlichen Oper gegen die fristlose Entlassung des Inten banten v. Schillings statt. Dr. Paul Hensel verlas die Rechtfertigungsschrift, die der Kultusminister am Nachmittag der Berliner Presse zugestellt hatte, und suchte sie Punkt für Bunft zu widerlegen. Schillings befände fich seit einiger Zeit im Kampf mit gewissen Elementen, die unter dem Deckmantel der Anonymität bemüht seien, den Einfluß und die Etellung des Intendanten zu untergraben. Wer diese Elemente feien, wiffe jeder, der mit der Staatsoper vertraut sei. Kein einziger der angeführten Gründe rechtfertige den rigorosen Schritt des Mi nifteriums. Die beiden Hauptpunkte, die Dr. Becker gegen Schillings ins Feld führte, nämlich die holländische Gastspielreise und den Vertrag, den der Intendant angeblich mit Barbara Kemp geschlossen habe, zeugten eher gegen das Kultusministerium als gegen den Intendanten. Der Bertrag mit der Kemp sei von Geheimrat Winter | muß daher ausgehen von der Zirkulation. Der Gildensozialist Cole sagt:„ Den Kapitalismus zerstören ist einfach, ihn ersetzen ist schwer". Jede Sozialisierung in großem Maßstab muß also ausgehen von der Neuordnung der Zirkulation und Akkumulation, muß also beginnen bei Handelskapital und Bankwesen. Innerhalb der kapitalistischen Gesellschaft sind auch die Ansätze vorhanden, die wir zu benutzen haben. Auf fapitalistischer Basis arbeiten Kartell, Trust und Konzern vor; fie find zunächst auf den Staat zu überführen. Noch bedeutsamere Vorarbeit leisten aber die Genossenschaften. Die Konsumgenossenschaften insbesondere gehen von der Zirkulation aus und greifen durch die Eigenproduktion hinüber auf das Gebiet der Produktion. Sie allein ersetzen die Warenprobuftion für den Markt durch die Bedarfsdeckung für den Konsum. Ein großer Teil unserer Wirtschaft kann durch die Genossenschaften sozialisiert werden. Es find also zwei Träger der Sozialifierung gegeben: einerseits der Staat, die Gemeinden und die öffentlichen Körperschaften, andererseits die Be nossenschaften. Eine vernünftige Arbeitsteilung zwischen beiden ist anzustreben. Auf jeden Fall aber braucht das Proletariat, um alle Hemmungen zu überwinden vorerst die politische macht. Es muß den Staat beherrschen, um zu sozialisieren. Die tapitalistische Herrschaft über den Staat macht jeden Versuch im einzelnen zu einem vergeblichen Experiment. Die zweite Bedingung ist, daß die Bolkswirtschaft einen solchen Grad der Reife befizt, daß sie die Voraussetzungen der Sozialisierung bietet: der Sozialismus fann nur der Erbe des Kapitalismus sein, nicht aber sein Ronfursmasseverwalter. Die Arbeiterklasse muß sich mit ökono mischer Ertenntnis erfüllen, um zu dem Werke reif zu sein, in der Stunde, wo sie die politische Macht erobert hat. Eine lebhafte Diskussion schloß sich an den Vortrag. Die gut besuchte Versammlung nahm Vortrag und Diskussion mit lebhaftestem Intereffe auf. Der Dolchstoß- General. Ein Mann mit sozialem Herzen" sucht Stellung. In unserem Stuttgarter Parteiblatt, der Schwäbischen Tags macht", nimmt Genosse Wilhelm Reil einen General Teich mann unter die Lupe, der auch zu den Verehrern der Dolchstoß lüge gehört. Diesen Teichmann traf Keil eines Tages in der Eisenbahn. Ueber die Unterhaltung, die beide führten, gibt Genosse Reil diesen reizvollen Bericht: M M General v. Teichmann nahm gemeinsam mit einem jungen Herrn in der einen Hälfte des Abteils Play, während ich mich in die andere Hälfte setzte und meine Zeitung zu lesen begann. Nachdem Teichmann mich erblickt hatte, sprach er mit lauter, im ganzen Abteil vernehmbarer Stimme zu seinem Begleiter über den Böltischen Beobachter" und vom Völkischen Kurier", wo man den Dolch stoßprozeß verfolgen und sehen fonne, wie es „ die roten Hunde" getrieben hätten. Darauf sprach ich den General an und bedeutete ihm, wenn er mit diesen Bemerfungen etwa auf mich ziele, so fönnte ich ihm sagen, wo die Hunde zu finden seien. Mutig schrie er zurüd: Was geht Sie mein Gespräch an usw. Und nun ging's erst recht los, wie auf dem Fischmarkt. Das seien die Menschen, die den Eid der Treue geleistet hätten und meineidig geworden feien usw. Ich ermahnte ihn nun, nicht so unvorsichtig zu sein, sonst müßte ich ihn daran erinnern, wie er nach der Revolution bei mir, als dem Führer der Sozialdemokraten, um eine Stelle gebettelt habe. In etwas gedämpftem Tone erwiderte er, das jei nicht wahr, da müsse eine Berwechslung" vorliegen. Jetzt antwortete ich ihm, daß er die Tatsache noch wegzuleugnen suche." H Dieser General v. Teichmann hatte nämlich seinerzeit nach dem Zusammenbruch der Militärmonarchie sein republitanisches Herz entbedt und den Abgeordneten Keil, der von der verfaffunggebenden Landesversammlung zu ihrem Präsidenten gewählt worden war, in seinem Dienstzimmer besucht, um ihm mitzuteilen, daß er ganz auf dem Boden der neuen staatlichen Verhältniffe stehe. Er sei schon immer ein sozial" gesinnter Diensch gewesen und wäre sehr gern bereit, ein Amt zu übernehmen, in dem er feine fozialen Anschauungen bekräftigen fönne... " | unterzeichnet worden und das holländische Gastspiel habe sich in denfelben Formen vollzogen wie das nordische, gegen das fein Mensch etwas einwandte. Merkwürdig sei, daß Geheimrat Winter den Intendanten gebeten habe, ihn nach Holland begleiten zu dürfen, und daß das Ministerium diesen Etat strich, worauf Geheimrat Winter programmäßig frant wurde. Auch der Vorwurf der schlechten Geschäftsführung breche in sich zusammen, wenn man in Rechnung sehe, daß der Zuschuß, den vor dem Kriege beide königlichen Theater erhielten, 1 Million betrug und der heutige 2 Millionen nicht übersteige. Man dürfe dabei außerdem nicht vergessen, daß es fich früher nur um zwei Theater handelte, von denen das Schauspielhaus seinen Etat ausbalanzierte, und daß heute vier Theater vorhanden seien und das Schauspiel augenblicklich ein Drittel der Summe als Zuschuß gebrauche. Wo hier eine schlechte Geschäftsführung bei der Oper vorliege, fönne fein Einsichtiger erkennen. Schillings habe besonders in den schwierigen Zeiten der Inflation und Deflation be wiesen, daß er sehr wohl fähig ist, ein Unternehmen wie die Oper vor dem Untergang zu bewahren, und Minister Boelig, der Vorgänger Beckers, habe öfters dem Intendanten seinen wärmsten Dant für seine fünstlerischen und geschäftlichen Bemühungen ausgesprochen. Barum also heute der Sturm gegen Schillings? Die abfolute Knebelung des Künstlers durch ein in bureaukratischen Formen verfalftes Ministerium sei der wahre Grund für den Sturz des Intendanten, darüber täuschten auch die schönsten Worte nicht hinweg. Bemerkenswert sei es auch, daß an dem Tage, da Dr. Becker den Intendanten fristlos entließ, der deutsche Außenminister Dr. Stresemann ein großes Bankett zu Ehren Schillings veranstaltet habe. Nachdem der Borsigende des Betriebsrats der Oper gesprochen und der Borsigende der Bühnengenossenschaft Wallauer, der darauf hingewiesen hatte, daß der Fall Schillings einen unerhörten, in der Theatergeschichte einzig daftehenden Fall eines Eingriffs der pedantifchen Bureaukratie in das Schaffen eines hochbegabten Künstlers bedeute, nahm die Versammlung eine Entschließung an, in der sie schärfsten Protest gegen die entwürdigenden Formen der Entlassung Schillings erhob, eine Rückgängigmachung verlangte und dem Intendanten ihr volles Bertrauen aussprach. Zur Schillingsfrise. Der Kultusminister hat den Run ft. Ausschuß des Landtags für Montag zu einer Besprechung des Falles Schillings eingeladen. Die Genossenschaft der deutschen Bühnenangehörigen, der Schußverband der Schriftsteller, der GoetheBund, der Verband konzertierender Künstler planen eine gemein. fame Protestaktion gegen das Vorgehen des Kultusministe riums. Ein Bertreter der Telegraphen- Union hatte Gelegenheit, mit dem zurückgetretenen Intendanten der Staatstheater, Professor Jeßner, ausführlich über seinen Rücktritt zu sprechen. Intendant Jeßner erklärte unumwunden, daß er seinen Rücktritt als eine Frage des Tattes und des Gefühls auffaffe, weil die Form, in der das Kultusministerium den Generalintendanten der Staatsoper entlassen habe, eine solche Handlung des in unmittelbarer Nachbarschaft arbeitenden Staatstheaterintendanten notwendig gemacht habe. Ge wiß," so erklärte Prof. Jeßner, ich bestreite nicht, daß ich in vielen Dingen nicht derselben Auffassung wie Herr v. Schillings war und daß es viele fachlich begreifliche Differenzen zwischen dem Kultus. Briands Ministerliste heute fertig. Kabinettsbildung am Vormittag voraussichtlich vollendet. Paris, 28. November.( Eigener Drahtbericht.) Was das definitive Zustandekommen des Kabinetts Briands im Laufe des Freitagabend verhindert hat, war vor allem die Schwierigkeit, einen Finanzminister zu finden, dessen Programm auf die Zuftimmung der gesamten Linken rechnen konnte. Briand hat lange Zeit zwischen der Zuteilung dieses Portefeuilles an Berenger, den Berichterstatter der Finanzfommiffion des Senats, Raoul Peret und Coucheur geschwankt, ehe er den letzteren betraute. Auch die Zuteilung des Ministeriums des Jnnern scheint auf unerwartete Schwierigkeiten gestoßen zu fein. Dieses war zunächst Daniel Bincent angeboten worden, wurde aber dann Daladier zugestanden. der seinen Einfriff in das neue Kabinett davon abhängig machte. Briand, der seine Besprechungen bis Mitternacht fortgefeht und vor allem längere Zeit mit Coucheur über das fünffige Finanzprogramm beraten hat, hofft im Laufe des Vormittags das Kabinett endgültig zustande zu bringen und es um 11 Uhr dem Präsidenten der Republik vorstellen zu können. Da Briand sich am Montag zur Unterzeichnung des Vertrages von Locarno nach London begibt, wird er sich und sein Ministerium faum vor Donnerstag den beiden Häusern des Parlaments vorftellen fönnen. Die Militärs im Rheinland. Sabotage der Abmachungen? Aus dem rheinischen besetzten Gebiet werden immer noch Schi fanen der Besagungsbehörden gemeldet. Es ist nicht von der Hand zu weisen, daß ein Teil dieser Meldungen den Tat sachen entspricht, während zweifellos u. a. auch von gewiffer Stelle fyftematisch Falschmeldungen der Deffentlichkeit übergeben werden. So trifft es nicht zu, daß z. B. auch in Koblenz 100 neue Quartiere angefordert worden sind, und es ist falsch, für die besetzt bleibenden Zonen ganz allgemein von neuen Belastungen durch Truppenverlegungen zu sprechen. Wir wehren uns gegen diese falschen Behauptungen, weil wir es auf der anderen Seite als Pflicht empfinden, gegen tatsächliche Bedrückungen entschieden zu protestieren. Ein solcher Protest scheint uns gegenüber einer Havas- Melbung angebracht, die am Freitag von Mainz aus verbreitet wurde und in der von den„ notwendig gewordenen Umgruppierun gen" gesprochen wird. Es heißt in der Meldung u. a., daß die Befegungsstreitkräfte in Zutunft aus drei Armeetorps und sechs Divisionen bestehen sollen. Es mag zutreffen, daß, wie Havas ausdrücklich betont, diese Umgruppierung der Truppen die Lasten der Bejagung nicht vermehrt, sondern im Gegenteil in gewissem Maße die Truppenstärte vermindert. Diese taum bemerkenswerte Verminderung entspricht unseres Wissens aber nicht einmal der Zahl an Truppen, die bis spätestens Mitte Februar aus der Kölner Zone entfernt werden sollen. Was ist dem Deutschen Reich mit einer Be= freiung Kölns gedient, wenn die durch die Bejagung hervor gerufenen Lasten insgesamt aber faum verringert werden? Unsere Forderung nach Freiheit für die besetzten Gebiete hat doch neben dem moralischen und politischen schließlich auch einen finan. ziellen Hintergrund. Jedenfalls entspricht die von Havas gemeldete Umgruppierung nicht dem ,, Geist von Locarno", wie er von Briand aufgefaßt wird. Es ist dringend erforderlich, daß die neue französische Regierung, an deren Spize Briand steht, ihren Militärsendlich das Handwerk legt und dort eingreift, wo ihren Bestrebungen, alle Maßnahmen mit dem Bertrag von Locarno in Einklang zu bringen, Widerstand entgegengesett wird. Das erfordert ihr eigenes Interesse und die Völkerverständigung. Polen und Locarno. Der Auswärtige Ausschuß des polnischen Parlaments hat den Locarnovertrag mit 19 gegen 5 Stimmen an genommen. Zum Kriegsminister ist General Lucian Beli gowski ernannt worden. Dieser hat einst auf eigene Faust Wilna beietzt, das Litauen zugesprochen war, aber dann von Polen annektiert wurde. ministerium und Herrn v. Schillings geben fonnte. Bogegen ich mich aber mit aller Schärfe wenden muß, ist die Tatsache, daß das ftultus ministerium auf Grund einer einfachen Aeußerlichkeit Herrn v. Schillings fristlos entläßt, statt sich mit ihm als dem verantwortlichen geistigen Leiter der Staatsoper in angemessener Form auseinander zu sehen. Selbst wenn Minister Becker der Auffassung war, daß eine fachliche Zusammenarbeit zwischen dem Ministerium und Herrn von Schillings nicht möglich sei, so hätte für die Trennung ein Weg gewählt werden müssen, der der bisherigen Stellung des Herrn von Schillings und der grundsäßlichen Stellung des Generalintendanten der Staatsoper gegenüber dem Ministerium entspricht. Es war nicht angängig, die Entlassungsform mit der Tatsache zu begründen, daß Herr v. Schillings an einer Besprechung nicht teilgenommen habe, die fich um Gegenstände drehte, mit deren praktischer Abwickelung der bisherige Generalintendant nach dem vorhergegangenen Schriftmechsel bestimmt nichts mehr zu tun hatte." Auf die Frage nach seinen Plänen antwortete Intendant Jeßner: Sie können sich denken, daß ich mich mit dieser Frage überhaupt noch nicht beschäftigt habe. Die Beweggründe meines Entschlusses und die vorliegenden Tatsachen haben mich so voll in Anspruch genommen, daß ich meine eigene Zukunft demgegenüber noch gar nicht habe überdenten fönnen. Bisher ging es mir nur darum: Es ist notwendig, zu zeigen, daß ein Berfahren, wie es dem Ministerium beliebte, unmöglich ist. Danach habe ich gehandelt. Alles Weitere muß sich erst finden." ranten." Erstaufführungen der Woche. Dienst. Kleines Theater: Figu Mitw. Städtische Dper: Hoffmanns Erzählungen." 26. am Rollendoriplag: Die grüne Flöte." Donnerst Staatstheater: Romeo und Julia." Rammerspiele: „ Namper." Freit. Trianon Th.: Kleine Sllavin." Sonnt. Lessing b.( 1,12 Uhr): Geburt der Jugend." t B Urania- Borträge. Theater. Connt.( T: Sobann Strauß, der Balzertönig." Mont.( 9): Die wunderstadt New Yord." - Mont.( 5, 7), Dienst.( 5, 7), Mittm.( 5), Donnerst. u. Freit.( 5, 7), Sonnt. ( 5, 9):„ Sibirien, das Land der 8utunit. Dienst.( 9), Sonnab.( 5, 9): Bon Meer zu meer. Mittw. bis Tonnab.( 9): Durch die Eismüste der Estimolander. Mittw.( 7), Freit., Connab.( 8): Die neuesten Entbedungen Funde im önigs grabbes Tout- and- mon."- Hörsaal. Sonnt( 6): Zibuanacu." Mont.( 8): Ernährung und Genuß." Dienst.( 7): Portugal feit dem welttrieg."- Dienst., Don neret.( 8), Freit.( 6), Sonnt.( 8): 3m Wunderland des emigen Eifes." Mittw.( 7): Goethes Farbenlehre. Mont.( 7): Die menschliche Hand und ihre Rätsel Boltsbühne E. V. Am Dienstag, den 1. Dezember, abends 8 Uhr, lieft Armin. Wegner im Ritteriaal der Oper am Königsplat aus feinen Berten vor. Einlaßkarten zum Preise von 60 Pf. noch am Saaleingang. Prof. Peler Behrens bat in Wien eine Ausstellung von Arbeiten der dort von ihm geleiteten Meisterschule für Architeffur eingerichtet. Er plant nun, diese Ausstellung auch nach Berlin zu bringen und durch städteban liche Darstellungen zu ergänzen. Brof. Behrens wird über dieses Projekt Mittwoch, den 2. Dezember, abends 6 Uhr, im Rahmen des Desterreichisch Deutschen Volksbundes im Reichstagsgebäude sprechen. Die Theaterfaffe Wertheim gibt für die Winterspielzeit 1925/26 ein mehrere Theater umfassendes Theater Abonnement heraus, das bei Berbilligung des Theater befuchs Freizügigkeit hinsichtlich ber Benubung bietet. Dieles Abonnement ist an allen Filialen der Theater laffe Bertheim ohne Sondergebühr erhältlich. „ Mein System." Der dänische Gymnastiker J. P. Müller, auf den das schöne deutsche Wort„ müllern" zurückgeht, sprach fürzlich im Stonzertsaal der Staatlichen Hochschule für Musik über„ Mein System". An genehm berührte die fühle Sachlichkeit, die Müller trotz aller Begeisterung für die Unfehlbarkeit seines Systems bewahrte. Allerdings hatte er das beste Propagandamittel zur Stelle: seinen fa ft sechzigjährigen Körper, dessen Schönheit und Rüftigkeit ihm icher mancher Bierzigjährige neidete, der in seinem dicen Anzug fröftelnd in dem recht fühlen Konzertsaal saß, während Müller auf dem Podium stand, nur mit einer Badehose bekleidet, als wäre es das schönste Hochsommerwetter. Man fann natürlich darüber disfutieren, ob Müllers System das beste ist, ob nicht andere es noch vervollkommnet und vereinfacht haben, eins ist aber beachtenswert: Müller legt das Hauptgewicht auf Gesundheit, in der richtigen Erkenntnis, daß ein gesunder Körper immer auch schön ist, während gegenwärtig indessen sehr viele geneigt find, von gymnastischen Uebungen in erster Linie zu verlangen, daß fie zur Schönheit des Körpers führen. Das mag vielen als Wortspielerei erscheinen, da doch jedes gut durchgearbeitete Gymnastiksystem schließlich beides verleiht. Aber man darf nicht vergessen, daß ja Gymnastit nach dem Aufstehen oder vor dem Schlafengehen heute mit Recht zahllosen Menschen zwar so selbstverständlich ist wie Waschen und Zähne puzen, daß es aber immer nur einige Minuten find, die den meisten dazu zur Verfügung stehen. Da ist es immerhin wichtig, daß die nappe Zeit auch möglichst zweckmäßig angewandt wird, damit der Körper sich schnell so weit fräftigt, um alle Uebungen auszuführen, ohne dabei Zeichen von Ermüdung zu empfinden. Denn sonst wird die zuerst mit großem Eifer begonnene gymnastische Arbeit sehr bald vernachlässigt werden, und unforrett ausgeführte Uebungen find hier oft weit schädlicher als völliges Unterlassen. Für Müllers System ist es wesentlich, daß es durch pier Grade führt, die sich an Schwierigkeit jedesmal steigern, deren erster aber so einfach ist, daß auch jeder Schwächliche nach den vorgeschriebenen 15 bzw. 5 Minuten feine Ermattung empfinden wird. Sehr geschickt ist die Trennung zwischen der eigentlichen Gymnastik und den Frottierübungen, wie Müller fie nennt; vielleicht wäre für diese letzteren das Wort„ Massage" verständlicher. Müller schiebt burch die darauffolgende Maffage gleichzeitig die Körperoberfläche zwischen beide Gruppen die Abwaschung oder Dusche ein, so daß wieder gründlich durchblutet und erwärmt wird. Zu wünschen wäre es gewesen, daß Müller, der sein" System" natürlich auch in Praxis vorführte, stärker noch die Notwendigkeit der Entspannung aller Muskeln, die nicht gerade arbeiten, betont hätte. 3war wies er im Beginn seines Vortrages darauf hin, doch wäre es während der einzelnen Uebungen auch notwendig gewesen, da Anfänger gerade hierin die meiſten und schädlichsten Fehler begehen. und sicherlich werden viele Anfänger werden, die diefem Bortrage beiwohnten! Folgenschwerer nächtlicher Zusammenstoß. Alles um eines Hundes willen. nacht gegen 1 Uhr vor dem Hause Holsteinische Straße 3 Einen schweren Zusammenstoß gab es in der vergangenen in Wilmersdorf. Der Hausbewohner Willy Piel hatte seinen Hund auf die Straße geführt, und das Tier fläffte drei vorüber. gehende Männer an. Darüber tam es, als Biel den Hund auf einen seiner Gegner heßte, zu einem Wortwechsel und zu einer Schlägerei. Einer von den Männern zog eine Pistole und perlegte Biel durch einen Brustschuß so schwer, daß er zusammenbrach. Das herbeigerufene lleberfallkommando brachte ihn nach dem Krantenhaus in der Achenbachstraße, wo er bald seinen Ber legungen erlag. Die Polizei des 155. Reviers ermittelte seine brei Begner, darunter einen Schneider Kurt Haupt aus Wilmersdorf, der bei der Schlägerei eine schwere Schädelverlegung davongetragen hat, in feiner Wohnung. Zur weiteren Klärung des bedauernswerten Vorfalles werden noch Zeugen gesucht; sie werden gebeten, sich auf dem 155. Revier in der Aschaffenburger Straße 24 zu melden. Die Tempelhofer Kaffenräuber vor Gericht. Unter großem Andrang des Publifums begann heute früh im Echwurgerichtssaal die Berhandlung des Großen Schöffengerichts Tempelhof gegen die Geldschrankfnaderbande, die am 25. September den fühnen Raffeneinbruch in die Tresorräume des Bezirksamtes Tempelhof verübt hat, wobei ihr eine Beute von 310 000 Mart in die Hände fiel. Auf der Anklagebank hat eine Gesellschaft der verwegenften Geldschrankknacker Platz genommen. Die Angeklagten machen äußerlich durchaus den Eindruck Gentlemeneinbrechern. Den Borsiz in der Verhandlung führt Landgerichtsdirettor Sachs, während die Anklage von Staatsanwalt schaftsrat Dr. Reiner vertreten wird. Die Bernehmung der Angeklagten gewährte dann auch sehr interessante Einblide in das Leben und Treiben dieser gefährlichen Gilde. Die Angeklagten Bruno Schulz, Erich Nelle, Peter Pawlad und Willi Fechner find sämtlich schon schwer vorbestraft, namentlich Ba wlad, das Haupt der Bande, der etliche Jahre Zuchthaus hinter sich hat. Dazu tommen als Mitangeklagte der Baupolizeiaffiftent Mar Blankenburg, der den Tipp für das" Ding" gegeben hat. Er ist zusammen mit dem Kellner Bernhard Hahn, dem Diener Pawlads, wegen Beihilfe angeklagt, Blankenburg außerdem wegen Hehlerei. Schließ lich find noch mitangeklagt die Eltern des Schulz. Das jüngste Mit glied der Bande, Schulz, hat, obwohl er erst im 23. Lebensjahre steht, das längste Strafregister. Schon am 28. Auguft sollte der Einbruch geschehen, scheiterte aber, da die Vorbereitungen nicht ausreichend waren. Man beschloß daher, den nächsten Geldtransport zuziehen. Als dann Blankenburg meldete, daß am 25. September abzuwarten und inzwischen noch genauere Erfundigungen einder neue Geldtransport eintreffen würde, wurde die Ausführung der Tat von neuem beschloffen. 210 000 mart fonnten befanntlich durch die Ermittlungen der Polizei wieder gefunden werden. wo die fehlenden 100 000 mart geblieben sind, hat sich bisher nicht aufklären laffen. Werbetage für die Zeppelin- Spende. Das Komitee der 3eppelin Edener Spende ver breitet folgenden Aufruf: " Berliner! Ihr habt gejubelt und euch stolz gefühlt, als ihr vor einem Jahre das filberweiße Riesenschiff über den Dächern und Türmen der Millionenstadt dahingleiten saht. Unvergeßlich prägte fich euch damals der große Augenblic ein, als das glückhafte Schiff" tam, um Abschied zu nehmen, ehe es seine Kolumbusfahrt über das Weltmeer antrat. In unübersehbaren Scharen seid ihr noch vor wenigen Tagen zur Neuen Autohalle am Kaiserdamm geeilt, um Dr. Edener zu feiern, der mit seiner Tat deutschem Wesen, deutscher Art und deutscher Arbeit neue Weltgeltung verschafft hat. Begeistert habt ihr euch zu dem Manne bekannt, der ein stolzes Erbe erhalten und vollenden will. Berliner! Jegt ist es an euch! Andere Städte haben bereits mit ihrem Opfer den tatkräftigen Willen gezeigt, das deutsche Nationaleigentum, die Friedrichshafener Werft, por dem Untergang zu retten. Wollt ihr, die Bewohner der Reichshauptstadt, zurückstehen? Nein, ihr wollt es nicht! Und darum richtet der Ortsausschuß an die Berliner Bevölkerung den Aufruf: Laßi Dr. Edener nicht im Stich! Laßt die am 29. und 30. November und 1. Dezember stattfindenden Werbetage feines Sachverwalters Dr. Edener werden! Denkt daran, daß es ein freudiges Bekenntnis zum Werk des Grafen Zeppelin und heute gilt! Bemeist durch eure Opferwilligkeit und Gebefreude, daß die Hauptstadt des Reiches den unerschütterlichen Willen zum Siege hat." Ichriften: ptſtadt des ss Den Der Aufruf trägt u, a. für den Ortsausschuß folgende UnterOberbürgermeister Böß, Ehrenvorsigender; Bartels, Präsident des Landtags; Bier, Professor Dr., Rettor der Deutschen Hochschule für Leibesübungen; Ludwig Fulda, Dr., Vorsitzender des Verbandes Deutscher Bühnenschriftsteller; Brunow, Bürgermeister, Bezirk Treptom; Löbe, Reichstagspäfident; Miließ, Bürgermeister, Bezirk Friedrichshain; Pfannkuch, Bürgermeister, Bezirk Weißensee; Bompedy, Prof., Rektor der Universität Berlin; Rießer, Bizepräsident des Reichstags; Schneider, Bürgermeister, Bezirk Mitte; Scholz, Bürgermeister, Bezirk Neukölln; Wallauer, Präsident der Genossenschaft Deutscher Bühnenangehöriger. Völkische Rüpelbilanz. Im Spektakelmachen sind unsere Hakenkreuzler bekanntlich unübertroffen Meister. Wo es Radau zu machen gilt, wo unreife Bengels mit blutrünstigen Biedern lärmend und johlend in den Westbezirken harmlose Bassanten anfallen, fann man mit 10: 1 sicher sein, daß es völkischer Mob war. Welche Arbeit diese Lümmels der Polizei machen, beweist eine lehrreiche Statistik des Schutzpolizeikommandos Berlin über die Zahl der Alarmierungen der einzelnen Polizeikommandos. Hier dominiert der Westen durch eine auffallend große Zahl von Alarmierungen. Mindestens 90 Broz. dieser Alarme fallen wohl dem Rowdietum der völkischen Knüppelgarden zur Last. Wer das widerliche Treiben dieser unmündigen Berhezten genauer beobachtet hat, wundert sich nicht darüber, daß der Westen zum Unruhe- Zentrum Berlins geworden ist. Innerhalb einer Frist von 8 Wochen, und zwar vom 16. September bis 16. November, sind die Ueberfallfominandos 1020mal alarmiert worden, davon 80mal aus Leichtsinn oder Unfug, unerlaubt. Den Reford im Alarmieren stellt das Kommando Tiergarten, das mit 178 Krafeelereignissen an der Spize marschiert. Wilmersdorf verzeichnet 92, Charlottenburg 137, Kreuzberg 85, Friedrichshain 148, Nord 84, Schöneberg 66, Spandau 47, Weißensee 42, Neukölln 35, Steglik 26, Zehlendorf 16, Lichtenberg 23, Linden 22, Tempelhof 19 Alarmfälle. Propaganda- Umzug des Reichsbanners. Der Kreisverein Kreuzberg des Reichsbanners Schwarz- Rot- Gold zug in den Straßen feines Bezirks. Von der Fontane- Bromenade veranstaltete in den gestrigen Abendstunden einen Propaganda- um= aus bewegte sich der stattliche Zug unter Führung der Kameradschaftskapelle zunächst durch den südwestlichen Stadtteil, wo er lebhaft begrüßt wurde. Dann ging er am Vorwärtshause vorbei. Als der Zug die südöstlichen Straßen passierte, tam es in der Man teuffelstraße zu einem 3 wischenfall. Rote Frontkämpfer belästigten die Marschierenden und im Verlauf des entstandenen Bortwechsels ging einer der„ Klassenkämpfer" dazu über, einen Reichsbannermann tätlich anzugreifen. Die Reichsbannerleute übergingen einfach diese Provokation und feiten ihren Umzug fort. Erst in den späten Abendstunden löfte sich der Zug auf. F Die Arbeitsgemeinschaft für Forstschuh und Naturkunde E. V., Berlin- Friedrichshagen, veranstaltet am Sonntag, den 29. d. M., eine vogelkundliche Wanderung am Südufer des Müggelsees. Führung Prof. Steinbacher. Treffpunkt 10 Uhr vormittags, an der Fähre Friedrichshagen. Ferngläser mitbringen! Gäste willkommen. Jugendbuchausstellung. Das Bezirksamt Streuzberg veranstaltet am Sonn tag, den 29. Nov., in der Zeit von 9 Uhr vormittags bis 6 Uhr nachnt., eine Jugendbuchausstellung im Jugendheim, Belle Alliance- Blaz1, II. Stod. Willi M. 2inte wird aus Werten von Andersen, Grimm u. a lesen. Eintritt frei. In der Treptow- S'ernwarte läuft am Sonnabend, 28. Nob., abends 8 Uhr, und Sonntag, 29. Nov., um 4, 6 u. 8 Uhr, der Film Wunder der Schöpfung. Drei schwere Bergunfälle. Auf der 3 e che Prinzregent gerieten zwei. Bergleute unter hereinbrechende Gesteinsmassen, und wurden getötet. Auf der Beche Graf Schwerin wurden drei Bergleute verschüttet. Bon ihnen wurden zwei als Tote geborgen, der dritte hat schwere Berlegungen erlitten. Auf der 3e Constantin der Große wurden drei Bergleute verschüttet. Es ist bis jetzt noch nicht gelungen, fie zu bergen. Sie sind aller Wahrscheinlichkeit nach tot. Vorträge, Vereine und Versammlungen. Locarno angenommen and was nun? lautet das Thema einer öffent lichen Rundgebung, die das Deutsche Friedenstarte II unter Mitwirkung der Referenten Dr. Hans Grundei, Dr. Robert Ruczynski, Antonie B fülff, M. d.., und Heinrich Ströbel, M. b. M., am Mittwoch, den 2. Dezember, abends 8 Uhr, im Blenarfaal des ehemaligen Herrenhauses, Leipziger Straße, abhält. Den Vorsik führt ber foeben aus Amerika aurückgekehrte Borfizende des Kartells Dr. 2. Quidde, Jugendveranstaltungen. Heute, Sonnabend, den 28. november: Werbebezirk Often: Alle Jugendgenossen treffen sich zum Umzug heute um 5% Uhr am Rüftriner Plak( Normaluhr). Fahnen mit bringen. Abt. Gesundbrunnen: Elternabend um 7 Uhr in der Schule Gothen burger Str. 2. Rezitationen, Gesang, Boltstänze, Sans- Sachs- Spiel. Wilmersdorf: Nachtwanderung Schorfheide. Treffpunkt 8 Uhr Rathaus. Theater der Woche. Kammerspiele: 30.#rilhlingserwachen, 1., 2. Sechs Bersonen fuchen einen Vom 29. November bis 7. Dezember 1925. Voltsbühne: Don Quichotte. Deutsches Theater: Der Kreidekreis. Autor. Ab 3. Ramper. Die Komödie: Gesellschaft. Leffing- Theater: Der junge Mar. Theater in der Königgräger Straße: Burück zu Methusalem, 29. bis 6. III., IV., V, Seil; 7. I., II. Teil. Städt. Oper Charlottenburg: 29. Carmen, 30, Iphigenia in Aulis. 1. Die Fledermaus. 2., 4. Hoffmanns Erzählungen. 3. Tristan und Isolde. 5. Margarete. 6. Tosca. 7. Rheinnold.- Operahans: 29. Götterdämmerung. 30. Fidelio. 1. Der ferne Klang. 2. Balestrina. 3. Rigoletto. 4. Symphoniekonzert. 5. Der Rosenkavalier. 6. Die Afrikanerin. 7. Die Fledermaus. Kroll- Oper: 29. Mignon. 30. Tosca. 1. Madame Butterfln. 2. Barbier v. Gevilla. Klein- Jdas Blumen. 3. Caval Ieria Rusticana. Bajazzi. 4. Giovanni Schicht. Jofephslegende. 5. har und Rimmermann. 6. Der Evangelimann. 7. Die Zauberflöte. Schauspielhaus: 29. und 4. Beer Gynt. 30. Nathan der Weise. 1. Sannibal. 2. Napoleon. 3.( Neu einstudiert) zum 1. Male sowie 5. und 6. Romeo und Julia. 7. Die Journalisten. Schiller- Theater: 29., 30., 3., 5., 6. Rapitän Braßbounds Be tehrung. 1. Minna von Barnhelm. 2. Liebelei; vorher Weihnachtseinläufe. 4. und 7. Jugend. Großes Schauspielhaus: Fitr Dich. Theater des Bettens: Der Orlow. Renaissance- Theater: Die Pfarrhauskomödie. Die Tribüne: Deutsches Künstler- Theater: Die Teresina. Seinrich IV. Ropf oder Schrift. Reues Theater am Roo: Olly Bolln. Bis 3. Hochzeitstage. Ab 4. Kleine Glavin. Residenz- Theater: Circes Heirat. Rentral- Theater: Trieschübel.- Theater in der Kommandantenstraße: Komische Oper: Bon A bis R. Luftspielhaus: Anneliefe von Defian. Botasch und Berlmutter. Metropol Theater: No No Nanette. Theater am Schiffbauerdamm: Die jüdische Witwe. Thalia- Theater: Annemarie. Theater am Rollendorfplak: Der lehte Ruß. Theater am Kurfürstendamm: Kleines Theater: Bis 30. Die Alarmglode. Ab 1. Figuranten. Wallner Theater: Fäden. Rose- Theater: Der Glödner von Notre Dame, Rafino- Theater: Bis 4. Die Frau im gefährlichen Alter. Ab 5. Der Meisterboger. Serrnfeld Theater: Stall Leon mit. Schloßpart- Theater Stenlik: Der Raub der Sabinerinnen. Theater in der Lükomstraße: Barisiana- Bor ſtellungen. Theater im Admiralspalast: Achtung, Welle 505! Wintergarten und Scala: Internationales Barieté. Nachmittagsvorstellungen. Bolfsbühne: 29. Fiesto. 6. Judith. Deutsches Theater: 6. Die heilige Johanna. Leffing- Theater: 29. Der Biberpela. Opernhaus: 4. Symphoniekonzert. Kroll- Oper: 29. und 6. tegen. Komödienhaus: Trianon- Theater: Nathan der Weise.- Gdjauspielhaus: 29., 5., 6. Zwergnase. Schiller- Theater: untheinzelmanns Weihnachtsmart. 29., 5., 6. Rumpelstilachen.- Großes Schauspielhaus: 29., 6. Fitr Dich. 2., 5. Theater des Westens: 29. Der Trompeter von Gädingen. 1. Beterchens Mondfahrt. 5., 6. Wie Peterchen die Wunderblume fand. Komödienhaus: 29., 6. Wie es Euch gefällt. Residenz Theater: 29., 2., 5., 6. Schneewittchen." Rentral- Theater: 29., 6. Bunburn. Rotkäppchen. Theater in der Kommandantenstraße: 29., 6. Anneliefe von Dessau. 2., 5. Thalia- Theater: 29., 6. Annemarie. 2., 5. Sänsel und Gretel. Nose- Theater: 5. Der Froschkönig und der eiferne Heinrich. 6. Der Glöckner von Noire Danie. Schloßpark- Theater Steglih: 5., 6. Schneewittchen. Theater in der Bühowstraße: 29., 2. Frau Solle. Theater im Admiralspalast: 29., 6. Achtung, Welle 505! 2., 5. Alle Buppen tanzen. Metropol- Theater: 29.. 6. Ihre Soheit die Tänzerin. Gewerkschaftsbewegung Keine Einigung im Bankgewerbe. Die Bankleitungen wollen sie nicht. Bei den Berhandlungen über die Berbindlichkeitserklärung des Gehaltsschiedsspruches vom 3. November wurde dem Reichsverband ber Bankleitungen bekanntlich der Vorschlag gemacht, fich durch eine bevollmächtigte Rommission an erneuten freien Beratungen zu beteiligen, die fich außer der Gehaltsfrage zugleich auf die Berlängerung des mit Jahresschluß ablaufenden Manteltarifs erftreden sollten. Die Bantleitungen haben diesen Borschlag abgelehnt. Der Reichsarbeitsminister hat nunmehr über den Antrag zu entscheiden, den Gehaltsschiedsspruch, der eine Gehaltserhöhung von 5 Broz. vorfieht, für allgemein per bindlich zu erklären. Da der Reichsverband der Bankleitungen das linheil der bindlichkeitserklärung fommen sieht, fordert er die era bfegung der Börsenumfassteuer. zahlungsgefchäfte und dergleichen. Das Ansehen der Betriebsräte wird dadurch untergraben. Die Betriebsräte, die als Pioniere der Arbeiterbewegung auf einem wichtigen Boften stehen, dürfen sich zu folcher Betätigung nicht mißbrauchen lassen. giraunterfügung zu Weihnachten gezahlt werden tann. Zum Schluß hielt Kollege 3ippel einen Bortrag über„ Die Pflichten der Arbeiter in gemeinnüzigen Betrieben". Den Betriebsräten fällt aber auch die Aufgabe zu, den Be legschaften die Wichtigkeit ihres Daseins flarzumachen. Bei vielen Belegschaften ist mittlerweile eine Gleichgültigkeit gegenüber tann. In vielen Betrieben haben die Betriebsleiter auf die den Betriebsräten eingerissen, die zu den schwersten Folgen führen Belegschaft mehr Einfluß als die Betriebsräte. Die Betriebsräte müffen auf halbem Wege ftraucheln, wenn die Belegichaft nicht hinter ihnen steht und ihnen auf den leiseften in gegengebracht werben, so daß ihnen nichts unbekannt bleibt, was sich folgt. Es muß den Betriebsräten das vollste Bertrauen entim Betriebe abspielt. Nur dann werben sie die Interessen der Beforgeſtelle legschaft in jedem Falle wahrnehmen tönnen, wenn ihre Tätigteit Don den Arbeitern des Betriebes anerkannt wird. Das J Unsozialer und unlogischer Formalismus. Bei Siemens Soudert beschädigter R. Bor etwa zwei Jahren hielt die zuständige arbeitete ein Schwer. feine Erwerbsbeschränkung auf 40 Broz herab. Damit galt S. Stelle eine Befferung seines Leidens für vorliegend und setzte deshalb rechtlich nicht mehr als Schwerbeschädigter und unter. ftand nicht mehr bem Schuß im Arbeitsverhältnis, den das Gesetz den Schwerbeschädigten gewährt. Bor furzem hat die Firma dem forgestelle durfte. Dann ist aber K. auf seinen Antrag von der Haupt R. gefündigt, was sie ja derzeit ohne Zustimmung der Hauptfür. Schwerbeschäbigter anerkannt worden. Dieser Beschluß fürsorgeftelle hinsichtlich seines Arbeitsverhältniffes wieder als des Schwerbeschädigtengesetzes stand, nicht entlassen werden würde. ist ergangen, ehe die Kündigungsfrist abgelaufen war. Man hätte nun erwarten müssen, daß K., der ja nun wieder unter dem Schutz Aber die Firma entließ ihr dennoch, und als K. deshalb das Ge Werbegericht anrief, vertrat die Firma die Anficht, daß der 3eit. punft der Kündigung, wo R. nicht als Schwerbeschädigter geschüßt war, maßgebend und die Entlassung unanfechtbar sei. Dieser Auffassung trat auch das Gericht( Rammer 9, Borfigender Magistratsrat Sporrnik) bei und erfannte auf Aba weisung Der Klage. Berhaupt teine Betriebsvertretung besteht. Die Arbeiter Schlimmste ist aber, daß es noch Betriebe gibt, in denen über dieser Betriebe find sich nicht einmal bewußt, daß fie fo zu Schadlingen der Arbeiterbewegung werden. Sie haben sich aller Redte begeben, was fich bei ber jezigen schweren Wirtschafts. Prife hitter rächt. Sie haben teinen Anspruch darauf, bei Sittlegungen, Enilaffungen, Betriebseinschränkungen u. bgl. Einspruch zu erheben, fie stehen völlig recht Ios da Diefer Zustand muß schnellstens beseitigt werben. Die 450 000 Betriebsräte, die es jest in Deutschland gibt, vermögen in dieser Hinsicht eine ungeheure Aufklärungsarbeit zu leisten, wenn Somit hat also fleinlicher Formalismus über soziales Empfinden fie fich ihrer hohen Aufgabe bewußt sind. Sie müssen den Ge- und gefunde Logif triumphiert. Daß es dem sozialen Empfinden danten in die Reihen der Arbeiter tragen, daß es nicht eher mög- widerspricht, wenn jemand, der jahrelang als Kriegs. lich ist, die politische Demokratie zu erringen, bevor nicht die wirt beschädigter beschäftigt wurde, ohne Umstände entlaffen wird, fchaftliche Demokratie durchgesetzt ist. Wenn alle Arift felbstverständlich. Aber das Urteil ist auch mit der Logit und beiter diefe Erfenntnis in fich aufnehmen, brauchen fie nicht flein, bem gefunden Rechtsempfinden nicht in Einflang zu bringen. laut zu werden. Durch ein inniges Busammenwirten der Beleg. Bei der Entlaffung des Klägers war doch die Rechtslage ohne Zweifel fchaften mit den Betriebsräten und den Gewertschaften tönnen fie fo, daß er ohne Zustimmung der Hauptfürsorgestelle nicht gefündigt, fich einen Stükpuntt schaffen, von dem aus sie dem Ansturm der geschweige denn entlassen werden fonnte, denn er stand ja zu diesem Unternehmer und kommenden Rämpfen ruhig igegensehen Beitpunft unter dem Schuß des Schwerbeschädigtengefezes. Deshalb hätte die unter anderen Verhältnissen ausgesprochene Ründi. gung als unwirtsam ertlärt werben müssen. Der Ortsausschuß des ADB. Der Ortsausschuß Berlin des Algemeinen Deutschen Beamten bundes hielt am Donnerstag seine 2. ordentliche Vertreterversamm. lung für dieses Jahr ab. Zum Borsigenden des Ortsausschuffes murde Rorber von der Allgemeinen Deutschen Post gewertihaft, Rörber von der Allgemeinen Deutschen Postgewertihaft, Mitglied des Deutschen Berkehrsbundes, und zum Stellvertreter des 1. Borfizenden Weidmann vom Einheitsverband ge wählt. Stollege Steffelbauer wurde als Geschäftsführer beftätigt. Die Vertreterversammlung beauftragte den Vorstand, weiterhin Schritte zur Erringung ber längst notwendigen An. paffung der Beamtengehälter an die Teuerung durchzuführen, da die not in ben unteren und mittleren Beamtenfreifen zu ganz bedenklichen Zuständen führen muß. Belegschaft und Betriebsrat. In der Mitgliederversammlung des Berbandes der Litho. graphen und Steinbruder am Mittwoch im Gewerf. fchaftshaus hielt Genosse Landa einen Vortrag über Das Ber hältnis der Belegidaft zum Betriebsrat" Landa fchilderte zunächst bie Entstehung des Betriebsrätemefens pon den Angestellten und Arbeiterausschüssen der Workriegszeit an über die Arbeiter und Soldatenräte bis zur Schaffung des Betriebsräte gefeßes. Das Betriebsrätegefeb fel ein estes Kind der Revolution. Damit fei ein neuer Gebante ber Arbeiterbewegung zum Ausbruck gefommen, aus der Grfenntnis heraus, daß man mit Hilfe der Bar teien, Gewerkschaften und Konsumvereine allein die Wirtschaft in der von der Arbeiterschaft erstrebten Gemeinwirtschaft nicht meistern fönne. Die Betriebsräte haben daher die Aufgabe, auf Grund des Betriebsrätegefehes sich den nötigen Einfluß auf die Betriebsleitung bzw. die Produktion zu sichern. Sie müssen verfuchen, in die Geheimnisse der Wirtschaftsführung einzubringen und sich die erforder fichen Kenntnisse anzueignen, um eine wirkliche Produktionsfontrolle ausüben zu können. Der Unternehmer ist verpflichtet, dem Betriebsrat feinen Bierteljahresbericht sowie die Betriebsbilanz vor. zulegen und fie ihm zu erläutern. Wenn die Unternehmer bei Schaffung des Gefeges gegen diefe Bestimmung besonders Sturm liefen, sich jetzt aber damit abgefunden haben, fo deshalb, weil die meisten Betriebsräte von diesem Rechte feinen Gebrauch machen. Ein weiterer llebelstand ist der, daß sich viele Betriebsräte mit Dingen befaffen, die nicht in ihren Aufgabenfreis gehören und sie pon ihrem eigentlichen Wege abbrängen. Anstatt sich nur mit rein betriebstechnischen unb mirtschaftspolttijden Fragen zu beschäftigen, haben sie pollauf zu tun mit dem Bere trieb von Theaterfarten, Reflame und Intasso für AbBerliner ElektrikerGenossenschaft Berliner angeschl, dem Verb, sozialer Banbetriebe Berlin N24, Elsässer Str.86-88 Fernsprecher: Norden 1198 Filiale Westen, Wilmersdorf Landhausstr. 4- Tel Pfalzburg 9831 Herstellung elektr. Licht-, Kraftund Signalanlagen Verkauf aller elektrischer Bedarfsartikel Ausführung sämtl. Reparaturen Preiswerte, gediegene Arbeit 19 BeicuchungskörperZentrale Elektribensing პი Gustad Densing • fönnen. Aus der Chirurgiebranche. In der Branchenversammlung der Chirurgie am Donnerstag im Metallarbeiterverbandshaus berichtete der Branchenleiter Neudeder über die Lage in dieser Industriegruppe. Auch hier macht fich die Wirtschaftsfrise bedenklich bemerkbar, wenn auch noch nicht in dem Maße, wie in anderen Industrien. Während fonft im Winter ein flotter Geschäftsgang einfegte, find jetzt in vielen Betrieben Betriebseinschränkungen, Entlassungen und Kurzarbeit durchgeführt worden. Troßbem finden sich in einigen noch gut beschäftigten Betrieben Arbeiter, die Ueberstunden machen und damit ihren arbeitslosen Kollegen die Arbeitsmög lichteit nehmen. Ueberhaupt muß der teilweise auftauchenden Teil nahmslosigkeit einzelner Kollegen gegen die Organisation und auch ihrer Mitkollegen entschieden begegnet werden. Es ist falsch, an gesichts der Wirtschaftstrife, den Kopf in den Sand zu fteden. Die Arbeiter müffen ihre noch abseits stehenden Kollegen auf die wahren Ursachen dieser Strife aufmerksam machen und in ihnen das Zufammengehörigkeitsgefühl machrufen. Die Bintermonate müssen zur Werbung neuer mittampfer genugt werden, damit bie Organisation bei den Rämpfen, die nach diefer Krise unabwend bar find, fchlagfräftiger als bisher dasteht. Daß die organisatorische Serſplitterung als nuglos ertannt wird, beweist der bevorstehende lebertritt des Internationalen Einheitsverbandes in der orthopädischen Gruppe zur Mutterorganisation, dem Deutschen Metallarbeiterverband. Reudeder ermahnte meiter die Branchenange. hörigen, die vom Verband herausgegebenen Arbeitslosenmarten zu fleben, damit diesen Kollegen, deren Schidjal im nächsten Jahre vielleicht auch das ber jetzt in Arbeit Stehenden sein tann, eine Um die Arbeitszeit im Braunkohlenbergbau. Köln, 28. November.( Eigener Drahtbericht.) Der Bergar beiterverband hat die im Schiedsspruch des rheinischen Brauntohlengewerbes vom 27. Februar 1923 festgesetzte Arbeitszeit. regelung zum 31. Dezember gekündigt und Verhandlungen für die erste Hälfte des Monats Dezember beantragt. Günstige Wirkungen des englischen Funkerstreites. London, 28. November.( TU.) Der Streit der englischen Funter macht sich bereits unangenehm bemerkbar. Bier Schiffe mußten beute ihre Abfahrt verschieben. Während die Funter auf See thre Bosten nicht verlassen, legen sie an Land sofort die Arbeit nieder und fehren nicht mehr auf die Schiffe zurüd. Unter dem Eindrud des Funterstreits beschäftigt sich die Regierung mit dem Blan, das gesamte englische Funkwesen zu ver. ftaatlichen. Davon würde auch der englische Rundfunk betroffen werden. In der Hannoverschen Maschinenban- Affiengesellschaft, vormals Egestorff( Hanomag) find verschiedene Abteilungen in den Streit getreten. Das Wert mit rund 4000 Arbeitern wurde deshalb gefchloffen Berantwortlich für Bolitik: Craft Reuter: Birtschaft: Artur Sateruus; Gewerkschaftsbewegung: Friebe. Eklorn; Feuilleton: A. S. Difcher; Lotales und Sonstiges: Frik Karstäbt; Anzeigen: Th. Glode; sämtlich in Berlin. Berlag: Borwärts- Berlag G. m. b. S., Berlin. Drud: Borwärts- Buchdruderet und Berlaasanstalt Baul Singer u. Co.. Berlin E. 68. Lindenstraße 3. Wir beraten Sie kostenlos Vertrauen Sie das geistige Wohl Ihrer Kinder keinen Quads albern an! 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