Nr. 566 42. Jahrg. Ausgabe A nr. 289 Bezugspreis: Böchentlich 70 Bfennig, monatlid 1 8. Reichsmart voraus zahlbar. Unter Rreuzband für Deutschland, Danzig. Saar- und Memelgebiet, Desterreich, Litauen, Luremburg 4.50 Reichsmart, für das übrige Ausland 5,50 Reichsmart pro Monat. Der„ Borwärts mit ber Gonntags beilage Bolt und Reit mit„ Gieb. fung und Kleingarten sowie der Beilage Unterhaltung und Wissen und Frauenbeilage Frauenftimme ericeint mochentäglich sweimal, Sonntags und Montags. einmal. Telegramm- Abreffe: .Gozialdemokrat Berlin Morgenausgabe Vorwärts Berliner Volksblatt 10 Pfennig Anzeigenpreise: Die einfaltige Sonpareille Beile 80 Bfennig. Reflamezeile 5. Reichsmart. Kleine Anzeigen bas fettgebrudte Wort 25 Bfennig ( zulässia amei fetigebrudte Borte). jebes weitere Wort 12 Bfennig. Stellengefuche bas erfie Wort 15 Pfennig, jedes weitere Wort 10 Bfennig. Worte über 15 Buchfraben* ählen für zwei Worte. Arbeitsmarkt Reile 60 Bfennig. Familienanzeigen für Abonnenten Beile 40 Bfennia. Anzeigen für die nächste Nummer milffen bis 4½ Uhr nachmittags im Hauptgeschäft. Berlin SW 68, Linden. Arake 3, abaegeben werden. Geöffnet von 8 Uhr früh bis 5 Uhr nachm. Zentralorgan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands Redaktion und Verlag: Berlin SW. 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Dönhoff 292–297. Dienstag, den 1. Dezember 1925 Die Fürsten plündern das Land. Der Kampf um die Hohenzollern- ,, Abfindung". Der Amtliche Preußische Pressedienst teilt mit: Die Arbeiten im preußischen Finanzministerium an dem Ber. gleich der Staatsregierung mit dem ehemaligen Königs. hause sind abgeschlossen. Angesichts der Tatsache, daß phantastische Ziffern über diefen Bergleich im Umlauf sind und weiter angesichts der für den Dienstag zu erwartenden Reichstagsbebatte, seien hier die wichtigsten zahlenmäßigen Angaben des Vergleichs gegeben. Nach dem Bergleich soll erhalten der Staat: Die Kronenfchlösser mit dem historischen Mobiliar und den Gärten, die Kunstwerke in den Berliner Museen und die Schadgalerie in München, die kroninsignien, die Verfügung über das hohenzollern Museum, die Haus. bibliothel und das Hausarchiv nach Maßgabe befenderer Bestimmungen, die Theater mit dem Theater fundus, 111 000 Morgen Land und Forst, die Hausgrundstücke in Berlin und Botsdam mit einigen Ausnahmen, ferner die Kronfidei. tommißrente. Das vormalige Königshaus foll erhalten: Einzelne Schlösser( das Palais Raiser Wilhelm I. und bas Niederländische Palais, Bellevue und Babels. berg), einzelne Hausgrundstücke, das Gebrauchsmobiliar und den Samilienschmud, den restlichen Lanb. und Forstbesig ( rund 290 000 Morgen) und 30 Millionen RM. Die 30 Millionen entsprechen etwa dem Werte des dem Staate zufallenden Grundbefizes( Güter, Forsten und Nuzgrundstücke). Das preußische Finanzministerium hat sich, nachdem die Richtlinien vom Staatsminifterium gebilligt waren, zu diesem Bergleich entschließen müffen, weil das Reich bisher den Ländern eine Ermächtigung, die Vermögensauseinandersehung unter Ausschluß des Rechtsweges gefehlich zu regeln, nicht gegeben hat, und weil andererseits angelichts des bisherigen Verlaufes der Prozeßführung die Entscheidung über die Auseinandersehung den ordentlichen Gerichten nicht überlassen bleiben konnte. Auf der heutigen Tagesordnung des Reichstages steht u. a. der Antrag der Demokratischen Partei zur Debatte, der von Reichs wegen die Länder ermächtigen soll, die Abfindung der ehemaligen Fürsten unter Ausschluß des Rechtsweges durch Landesgeseh zu regeln. Einmal hat bereits der Reichstag einen dem Sinne nach ähnlichen Antrag der sozialdemokratischen Fraktion abge. lehnt. Trotzdem wird heute in weiten Kreisen die Ausficht des neu eingebrachten Antrages günstiger beurteilt, weil die Entwicklung der Abfindungsstreitigkeiten zwischen den ein zelnen Ländern und unseren früheren Landesvätern schließlich selbst die milligen loŋalen und ergebenen deutschen Spießbürger in Aufregung verfezt hat. Die Prozeffe der thüringischen Fürsten zum Beispiel, die bei den deutschen Gerichten um so mehr Recht bekommen haben, je unverschämter ihre Forderungen an den Steuersädel ihrer ehemaligen Untertanen geworden sind, drohen das Land einer finanziellen Belastung auszusetzen, der es niemals gewachsen sein wird. Die jahrelangen Verhandlungen der preußischen Regierung mit den Hohenzollern haben gezeigt, daß die Hohenzollern mit ihrem Appetit hinter den übrigen deutschen Landesvätern feineswegs zurüd stehen. " Vorwärts- Verlag G.m.b.H., Berlin SW. 68, Lindenstr.3 Bostichedtonto: Berlin 37 536 Banffonto: Bank der Arbeiter, Angestellten und Beamten, Wallstr. 65; Diskonto- Gesellschaft, Depofitentaffe Lindenstr. 3. Der deutsch- russische Vertrag. Wille zur Verständigung. Der Reichstag wird sich heute mit dem deutsch- russischen Handelsvertrag beschäftigen. Bei dieser Beratung handelt Die Sozialdemokratie hat stets auf dem Standes sich in gewissem Sinne um ein Nachspiel zur Locarno- Depunkt gestanden, daß die Abfindung der ehemaligen Fürsten batte. Die Verhandlungen über den deutsch- russischen Ver teine Frage des Privatrechts, sondern eine politische trag, der den Rapallo- Vertrag vom Jahre 1922 ausbauen Frage sei, die nur auf gesetzlichem Wege gelöst werden foll, begannen im Juni 1923. Jm Frühjahr 1924 wurden mar Bisher hat sie ihren Standpunkt nicht durchsetzen in der russischen Handelsvertretung. Im November 1924 fönne. Bisher hat sie ihren Standpunkt nicht durchsetzen lie unterbrochen; die Ursache der Zwischenfall fönnen, weil namentlich das Zentrum sich zu einer solchen wurden die Verhandlungen wieder aufgenommen. Als die Konsequenz nicht hat entschließen fönnen. Inzwischen haben deutsche Delegation im Herbst dieses Jahres sich anschickte, wurden die Verhandlungen wieder aufgenommen. Als die aber die Dinge einen Berlauf genommen, daß das konsequente Berharren auf einer rein privatrechtlich prozessualen nach Locarno zu gehen, und die russische Diplomatie die Be Auseinandersetzung zu geradezu grotesten Ron forgnis äußerte, daß Deutschland fich vollständig von Rußfequenzen führen müßte. Man kann sich nichts Auf- Tempo formell fertiggestellt. Die deutsche amtliche Mitteilung land abwenden wolle, wurde das Bertragswert im raschesten reizenderes denken als eine 100 prozentige Auf über die vorläufige Unterzeichnung des deutsch- russischen Ber mertung sowieso schon im höchsten Grade vermögender Nichtstuer, angesichts einer ungeheuren Berarmung aller trages bezeichnete den Abschluß als Ausdruck des Willens Schichten des Voltes, einer schweren Wirtschaftskrise und einer Deutschlands, sich freundschaftlich zu verständigen und gemeinunerträglichen Steuerlast, über die gerade die sam dem Wiederaufbau beider Länder zu dienen. Die amtbürgerlichen Kreife am meisten zu jammern pflegen. Das liche deutsche Politik benutzte den Vertragsabschluß, um RußResultat der von den bürgerlichen Barteien propagierten lend zu versichern, daß sie nicht eine Bolitit eines KriegsRechtsauffaffung liegt vor. Es ist derartig, daß niemand bündnisses des Westens gegen Rußland anstrebe, sondern eine es wagen fann, eine solche Abfindung der Fürsten heute vor Politik der europäischen Gesamtverständigung. dem Bolte zu vertreten. Der Reichstag wird gar nicht umhin wesentlich von den Handelsverträgen, die Deutschland in der Der deutsch- russische Handelsvertrag unterscheidet sich fönnen, feine bisherige Auffassung zu revidieren und dem letzten Zeit mit anderen Ländern abgeschlossen hat. Bei demokratischen Antrag auf ein Ermächtigungsgesetz zuzu diesen Berträgen handelt es sich um die Regelung und Erstimmen. Eine andere Haltung würde eine solche Empörung hervorrufen, daß die Parteien, die die Verantwortung für eine leichterung von Handelsbeziehungen zwischen Ländern mit gleicher Wirtschaftsstruktur, mit freiem Binnenhandel und folch unerhörte Bereicherung der Landesfürsten und der gleicher Wirtschaftsstruktur, mit freiem Binnenhandel und Außenhandel. Der deutsch- russische Handelsvertrag soll die Hohenzollern auf sich zu nehmen wagten, für ihre Haltung Beziehungen, zwischen Ländern regeln, deren Wirtschaftsschmerzubüßen hätten. Für die Sozialdemokratie wäre jedenfalls auch in Breußen eine Auslieferung von Vermögens. ftruttur start von einander verschieden ist. Das russische objekten, die nach heutigem Geldwert aller mindest mit ist nur in geringem Umfang freigegeben, und ob Deutsche Wirtschaftssystem ist ftaatskapitalistisch. Der Binnenhandel 100 millionen Goldmart einzuschäßen wären, unerträglich. Der Reichstag hat die Möglichkeit, eine solche in im ruffischen Binnenhandel Chancen haben, ist zweifelhaft. Der Außenhandel liegt in der Hand von Regierungsorganen. der Geschichte noch nicht dagewesene Aus plünderung in der Braris erfolgt der russische Außenhandel- Einfuhr des Boltsvermögens zugunsten weniger Familien zu verhindern. Das Bolt erwartet von ihm, daß er von dieser und Ausfuhr durch die Handelsvertretungen. Der deutschs russische Vertrag, der das russische Außenhandelsmonopol Möglichkeit Gebrauch macht. unberührt läßt, erhielt durch diese Berschiedenheit in der Wirtschaftsstruktur seine befondere Note. Hilfsaktion für Erwerbslose. Sozialdemokratischer Antrag im Reichstag. Die fozialdemokratische Fraktion hat zugunsten der älteren arbeitslosen Angestellten und Arbeiter in einem foeben im Reichstag eingebrachten Antrag von der Reichsregierung die Einleitung einer Hilfsaktion auf folgender Grundlage gefordert: ,, Alle über 40 Jahre alten Arbeiter und in der A.-B. verficherten Angestellten, die länger als ein halbes Jahr ohne Er werbslosenunterſtüßung geblieben find, erhalten aus Reichsmitteln zunächst eine einmalige hilfe im Betrage von 100 Reichsmart zuzüglich 25 Reichsmart für iede unterhaltungspflichtige Berfon. Die Auszahlung erfolgt bis spätestens 15. De zember 1925. Außerdem hat die sozialdemokratische Frattion zur Ausdehnung der Erwerbslosenfürsorge auf die bisher von ihr nicht erfaßte An. gestelltenschaft einen Gesezentwurf zur Abänderung der Berordnung über Erwerbslosenfürsorge vom 16. Februar 1924 eingebracht. Danach foll der§ 4 Abfag 1 mie folgt lauten: Bisher haben bei allen Beratungen sowohl im Preußischen Landtag wie in den übrigen Landesparlamenten die bürgerlichen Parteien faft geschloffen auf dem Standpunkt gestanden, daß die Auseinandersehung mit den früheren Landesfürsten eine Angelegenheit des Privatrechts sei, und daß bas sogenannte Privatvermögen" unseren verdienten Landesvätern nicht vorenthalten werden dürfe. Die ,, Heiligfeit des Privateigentums" war der Deckmantel, unter dem die standalöse und aufreizende Vermögensabfindung in den einzelnen Ländern vor sich ging. Das Reichsgericht hat fich nicht gescheut, in einzelnen Fällen( z. B. Koburg- Gotha) die entschädigungslose Enteignung, die von einer sozialistischen Regierung befchloffen war, als rechtsungültig umzustoßen und dadurch den organisierten Raubzug der früheren Botentaten auf den Steuerfädel zu ermutigen. Außer den vormals regierenden Landesvätern gibt es zu allem Ueberfluß auch noch eine stattliche Schar ehemals ,, mediatifierter und depofsidierter" Landesfürsten, aus den bis zum Reichsdeputations hauptschluß vom Jahre 1803 souperänen Fürstenhäusern(!), sowie die von Bismard abgesetzten Fürsten. Diese Herrschaften haben so etwas wie einen gewertschaftlichen Berband zur Wahrnehmung ihrer wirtschaftlichen Belange. Sie fordern in Preußen die 100prozentige Aufwertung ihrer ihnen Dom früheren preußischen Staat bei der Aufhebung ihrer Selbund forstwirtschaftlich tätige Arbeiter. ftändigkeit zugesicherten ft andesgemäßen Rente". Die Summen, um die es sich insgesamt für die Steuerzahler im ganzen Reich handelt, gehen nicht in die Hunderte von Millionen, nein, sie überschreiten sicher den Betrag einer milliarde, menn man die Vermögensobjekte aller Landes fürsten zusammenzähl Die Erwerbslosemunterstützung wird Erwerbslofen nicht ge währt, die in den letzten 12 Monaten vor Eintritt ihrer Unter ftügungsbedürftigkeit weniger als drei Monate hindurch eine Befchäftigung ausgeübt haben, in der fie gegen Krankheit pflichtverfichert waren oder gewesen wären, wenn nicht ihr Einkommen die in§ 165a der Reichsversicherungsverordnung vorgesehene Jahres. arbeitsverdienstgrenze überstiegen hätte." Der§ 18, der bisher lautete: Die Unterstüßung darf einem Erwerbslosen innerhalb von 12 Monaten höchstens für die Dauer von insgesamt 26 Wochen gewährt werden", erhält folgende Faffung: Die Unterstützung ist dem Erwerbslosen für die Dauer der Arbeitslosigkeit zu gewähren." Im§ 34 lautet Abfag 1 nach der Aenderung folgendermaßen: ,, Beitragspflichtig sind die Arbeitnehmer, die auf Grund der Reichsversicherungsordnung oder des Reichstnappschaftsgesetzes für den Fall der Krankheit pflichtversichert sind, sowie diejenigen Angestellten, die auf Grund des Angestelltenversicherungsgefeßes pflichtversichert find oder wären, wenn sie nicht auf Grund der $ 89 bis 11 des Angestelltenversicherungsgesetzes befreit wären, und thre Arbeitgeber." In einem weiteren Gefeßentwurf fordert die Reichstagsfrattion bie Streichung der Artikel II und III der 5. Ausführungsverordnung des Reichsarbeitsministeriums vom 14. Februar 1924 zur Verordnung über die Erwerbslosenfürsorge, d. h. die Ausdehnung der Erwerbslosenfürsorge auf Hausangestellte sowie auf landwirtschaftlich Die fichechische Regierungstrife. Der mit der Regierungs. bildung betraute Ministerpräsident Dr. Svebla( tidech. gr.) hat feinen Auftrag dem Bräsidenten Maiaryt zurüdgegeben wahr. feinlich infolge neuer Forberungen ber Ieritalen, beren Führer P. Sramet die Kabinettsbildung versuchen wird. 1 Als eigentlichen Handelsvertrag fann man ihn schlecht bezeichnen. Er steht auf der Grenze zwischen einem politischen Vertrag und einem Wirtschaftsvertrag. Seine Hauptbedeutung liegt darin, daß er an die Stelle der allgemein gehaltenen Abreden des Rapallo- Bertrages bindende ftristische Formulierungen fekt. Der bestehende Rechtszustand wird flargestellt, ebenso die Rechtstellung der deutschen und russischen Staatsangehörigen. Die einzelnen Abkommen bezeich nen bereits diesen Charakter. Der Wirtschaftsvertrag sett fich zusammen aus dem Niederlassungsabkommen, dem Wirtschafts-, Eisenbahn, Seeschiffahrts- und Steuerablommen und dem Ablommen über Handelsschiedsgerichte und gewerblichen Rechtsschuh. Dazu treten ein Konfularvertrag und ein Abkommen über Rechtshilfe in Rivilrechtssachen. Neben der gegenseitigen Zusage der allgemeinen Meist begünstigung enthält der Vertrag eine Besserstellung der Rechtsstellung der deutschen Staatsangehörigen im allgemeinen, wie insbesondere der deutschen Wirtschaftsorgane, namentlich eine größere Sicherung für Bersonen und Eigen. tum. Ebenso werden die rechtlichen Verhältnisse auf dem Gebiete der Einreise nach den deutschen Wünschen verbessert, die Frage des Erbrechts im Sinne des internationalen Handelsrechts geregelt. Die Zugeständnisse, die Deutschland erhält, liegen also in erster Linie auf rechtlichem, meniger auf wirtschaftlichem Gebiete. Die deutschen Raufleute fönnen leichter als bisher nach Rußland reifen, um sich ins Bild zu sehen, fie erhalten Klar heit über ihre rechtliche Stellung. Der Vertrag gibt den deutschen Wirtschaftstreifen die rechtlichen Voraussetzungen für den wirtschaftlichen Verkehr mit Rußland. Er ist ein Ausdrud der Tatsache, daß es sich zwischen Deutschland und Rußland zunächst um das Problem handelt, wieder miteinander in Berkehr zu fommen. Gegenüber den Borfriegsverhältnissen ist der deutschruffifche Barenaustausch noch minimal. Die Einfuhr Deutschlands aus Rußland betrug im Jahre 1913 1424 Millionen Goldmart. im Jahre 1924 126 Millionen Goldmart. Die Ausfuhr Deutschlands nach Rußland betrug 1913 800 Millionen Goldmart, im Jahre 1924 89 Millionen Goldmart. Der Artikel I des eigentlichen Wirtschaftsabkommens besagt daher: „ Die vertragschließenden Teile werden bestrebt sein, die wechselfeitigen Handelsbeziehungen auf jede Weise zu fördern, die möglichste Stabilität des Warenverkehrs zu erzielen und den Anteil belber Länder an der gegenseitigen Ein- und Ausfuhr nach Maßgabe bes Fortschritts des wirtschaftlichen Wiederaufbaues auf das Vorfriegsmaß zu bringen, wobei fie fich vom wirtschaftlichen Gefichtspunti Leiten lassen werden." So enthält auch dieser Bertrag abgefchant rom Sar Riarstellung der Rechtslage mitischaftlich nur notmeubige Borausfegungen und Bersprechungen auf die Zukunft. Der gute Wille, miteinander in regare Handelsbeziehungen als bisher zu kommen, ist auf beiden Seiten vorhanden. Als ein Ausdruck des guten Willens ist dieser Vertrag deshalb auch vor allem zu werten. Rußland leidet Wirtschaft- lich unter der Schwierigkeit, mit Europa wieder in Wirt- schaftsverkehr zu kommen, und Europa leidet am Ausfall Rußlands. Ebensowenig wie die europäischen Staaten außer Rußland sich wirtschaftlich gegeneinander absperren können. ohne in die schwersten Krisen geworfen zu werden, ebenso- wenig kann Rußland sich von Europa absperren. Es�muß mit Europa in wirtschaftliche Beziehungen kommen. Die Pflege geregelter wirtschaftlicher Beziehungen aber setzt fried- liche politische Beziehungen voraus. Rußland, das gute wirt- schaftliche Beziehungen zu Europa braucht, wird sich der poli- tischen Verständigung nicht entziehen können. vielseitig! Trei Seele« wohnen» ach, in meiner Brust... Es gibt nichts, was ein deutschnationales Gemüt nicht fertig brächte. Die Debatten der letzten Wochen über Locarno, insbesondere die Haltung der deutschnationalen Minister und die Taktik der deutschnationalen Fraktion haben gezeigt, wie vielseitig unsere Deutschnationalen nun einmal sind. Den Vogel an Melseiligkeit aber hat de? württembergische Staats- Präsident und deutschnationale Reichstagsabgeordnete Bazille abgeschossen. Ihm blieb es vorbehalten, Hergt» Schiele und Westarp noch weit zu übertreffen. Erst im Sommer forderte Herr BazNe in amtlicher Eigenschaft den Widerruf der Kriegsschuldlüge und eine„traft- volle Politik" der Reichsregierung. Fünf Monate später offenbart er sich als Mampianer reinster Sorte. Im württen- bergischen Kabinett stimmte Bazille für Locarno, während er als Abgeordneter in der Reichstagsfraktion sich gegen den Vertrag äußerte. Von ähnlicher Vielseitigkeit hat sich auch Herr Schiele der deutschen Oeffenllichkeit vorgestellt. Bazille aber ging noch weiter! Er stimmte einmal mit I a und dann mit Nein, um schließlich in einer Person auch die dritte parlamentarische Möglichkeit der Stimmenthaltung anzuordnen, indem er den württembergischen Vertreter in Berlin beauftragte, bei der Abstimmung über den Vertrag im Reichsrat nicht mitzustimmen. Dieses Kunststück, in einer Person und bei einer An- gelegenhcit alle d r e i parlamentarischen Abstimmungsmöglich- leiten anzuwenden, ist Herrn Bazille bisher nicht gut be- kommen. Er hat sich erlaubt, die Snmmenihaltung für den württembergischen Vertreter im Rcichsrat anzuordnen, ob- wohl er und die beiden Zentrumsminister sich in dem württembergischen Kabinett gegen den deutschnationalen Finanzminister für den Vertrag aussprachen. Es ist zu begrüßen, daß die sozialdemokratische Fraktion des württembergischen Landtags bereits Gelegenheit genommen hat, die Regierung in einer Großen Anfrage nach den Grün- den für die Stimmenthaltung Württembergs im Relchsrat zu fragen. Welche Auskunft auch Herr Bazille geben mag, es steht schon heute fest, daß in seiner Brust nicht zwei, sondern drei Seelen leben. Die baüistbe Regierungserklärung. Eine deutschnationale Provokation im Landtag. Karlsruhe. 30. November.(Eigener Drahtbericht.) Im ba- dischen Landtag hat am Montag abend Staatspräsident Trunk für die Koalition von Zentrum und Sozialdemokratie die Regierungserklärung abgegeben. Wie bisher wird im Regierungsprogramm vorangestellt die Sicherung der badischen Republik gegen alle Angriffe von rechts oder links: weiterhin An- hänglichkeit und Treue zum Reich und soziale Hilfeleistung für die bedrängten Schichten der Bevölkerung. Das gilt zunächst für die Erwerbslosen, für die die Regierung sofort einen Zuschuß von 5000 Mark zur Aufbesserung der Reichsunterstützung bereit- zustellen beabsichtigt. Ein Zuschuß in der gleichen Höhe ist für die III»[■■■Ulli I>»»»» Unterstützungsempfänger ans den Kreisen der Klein- rentner und Kriegsoerletzten vorgesehen. Für die Bau- Handwerker wird Beschäftigung geschaffen durch die Ausfüh- rung eines staatlichen Wohnungsbauprogramms, nach welchem in etwa 20 Städten und Gemeinden Bodens mit einem Aufwand von über 3 Millionen Beamtcnwohnungen erstellt werden sollen. Auch sonst soll der Wohnungsnot größte Aufmerksamkeit zuteil werden. Auf den Gebieten der S ch u l e, der I u st i z und der Wirtschaft will die neue Regierung in fortschrittlichem Sinne tätig sein. Für den Ausbau der badischen Landstraßen sind 8 Millionen vorgesehen, wodurch auch dar Arbeitslosig- t e i t begegnet werden kann. Um die drei Kraftwerke am Oberrhein ausbauen zu können, wird mit der Schweiz eine Aktiengesellschaft gebildet. An dem badischen Anteil betelligt sich die Reichsbahn, um so die erste Vorbedingung für die Elektrifi- zierung der Reichsbahnlinien in Baden zu schaffen. Mit der Besprechung der Regierungserklärung ist die Erörte- rung einer deutschnationalen Interpellation wegen des Berbots, bei dem Hindenburg-Besuch in Karlsruhe schwarzweißrot zu flaggen oerfmnden. Die provozierende Begründung durch den deutschnationalen Major a.D. Dr. Schmidthenner versetzte das Haus in große Erregung. Genosse Remmele als Innen- mmister wies den neugebackenen Abgeordneten in sein« Schranken. Für die Regierungskoalition billigten der Zentrumsabgeordnete Dufner und Genosse Rückert die Regierungserklärung. Dufner erklärte es als das Berdienst der Sozialdemokratie, daß in den letzten sieben Iahren Baden vor politischen Katastrophen bewahrt geblieben ist._ flus großer Zeit. Patriotismus und Börsenspekulation. Das»Berliner Tageblatt" veröffentlicht einige Urkunden aus dem Versailler Hauptquartier vom Jahre 1871. Diese Urkunden beweisen, ein wie großes Verständnis man in der Welt der Hof- Marschälle und Generaladjutanten für die spekulative Ausnutzung der damaligen großen Ereignisse hatte. Im Januar 1871 wurden die Friedensverhandlungen durch einen Besuch Jules Favres in Versailles eingeleitet. Amtlich erging die Weisung, die Absichten Jules Favres geheimzuhalten. Der H o s m a r s ch a l l aber und der Generaladjutant hatten nicht« Eiligeres zu tun, als ihren Bankiers in Berlin zu telegraphieren, daß sie ihnen Spekulationspapierekaufen möchten, da sie mit wachsen- den Friedensaussichten ein Hochschnellen der Kurse erwarteten. Die deutschen Soldaten opferten ihr Leben auf den Schlacht- feldern Frankreichs. Die Hofmarschälle und Generaladjutonten nutzten ihre Erfolge zu spekulativen Börsengeschäften aus. Auch ein Beitrag zum Kapitel: Politik und Geschäft. fluch Sie andern kommen! Kirche und Unternehmer in Brannschweig. Brauoschweig, 30. November.(Eigener Drahtbericht.) Seitdem der Herzog von Braunschweig von der Landesregierung und der bürgerlichen Mehrheit im Landtag das große Geschenk von über 53000 Morgen Land mit Schlössern, Do» mänen usw. erhalten und in Besitz genommen hat, ist auch der evangelischen Kirche der Appetit gekommen. Sie und zwei ein- zelne Gei st liche haben insgesamt vier Prozesse gegen den Staat Braunschweig angestrengt. Die beiden Geistlichen oerlangen. daß der Staat die in den letzten Iahren entstandenen Unterschiede zwischen den Einkommen der Pfarren und den Gehältern der Geist- lichen aufgewertet nachzahlt. Die bürgerliche Press« gibt zu, daß die Ansprüche der beiden streitbaren Gottesmänner nur der Austakt zu einem Prozeß der gesamten Kirche um die Pfarrer- besoldung durch den Staat sein solle. Ferner stellt die Kirche aus gerichtlichem Wege noch den Anspruch an den Staat, für die Jahre 1923/24 und für die Zukunft jährliche Zuschüsse zum Emeri- tierungsfonds zu zahlen. Dies« unverschämten Forde- rungen erhebt die Kirche, obwohl sie nach den Angaben der Regie- rung mindestens 22000 Morgen eigenes Land besitzt und in der Lage ist. 17 Proz. der Einkommensteuer al» Landeskirchen. steuer zu erheben. Die bürgerliche Presse gesteht, daß die Ansprüche, die in den eingeleiteten Prozessen erhoben werden, jährlich über eine Million Goldmark neuer Ausgaben verursachen würden. Auch im Braunschweiger Unternehmertum scheint man es für angebracht zu halten, die politische Reaktionsperiod« zum Raubzug gegen das Braunschweiger Volk zu benutzen. Die größte Firma Braunschweigs, die der»MJAG" angeschlossene Mühlcnbauanstolt Amme, Giesecke und Konnegen, hat bei der Landesregierung die Forderung über 6 000 000 Mark Entschädigung für»Schädigung durch Sozialisierungsversuchc" erhoben. Nach längeren Verhandlungen ist sie auf eine Gesamtsumme von 245 000 Mark herabgegangen, wozu noch Kosten des Anwalts der Klägerin in Höhe von 45 000 Mark kommen. Die Landesregierung hat diesem Der- gleich zugestimmt, und die bürgerliche Landtogsmehrheit wird zweifellos auch dazu Ja sagen. Die sogenannte Sozialisierung bestand darin, daß die rein sozialistische Regierung im Januar 1019 die Akkordarbeit verbot.(I). Die Belegschaft der Firma hatte das von der Regierung stürmisch verlangt. Hätte die Regierung es damals abgelehnt, so wäre es zweifellos zu einem langen Wirt- schaftskampf gekommen, der durch die Abschaffung der Akkordarbeit verhindert worden ist. Die Industriellen Braunschweigs stellten deshalb schon an die frühere Regierung Entschädigungsansprüche. zogen später aber ihre Forderungen als aussichtslos zurück. Es unterliegt also keinem Ziveifel, daß das jetzige Vorgehen der Firma Amme Giesecke und Konnegen sich aus den veränderten politischen M a ch t v e r h ä l t n i se n im Lande ergibt und auch die übrigen Industriellen bestimmte Ansprüche stellen werden, sobald der Staat einmal nachgegeben hat. So fallen w trauter Gemeinschaft Monarchisten, Kirche und Kapital über das kleine Ländchen her, um es völlig dem finan- ziellen Ruin entgegegenzuführen. Allerdings trägt dieser unverschämte Raubzug sehr zur Aufklärung der im Dezember 1024 hereingefallenen Wähler und zum Sturze der schwarz- weißroten Herrschast bei. Ein amtliches ffanüelsblatt. Uebernahme der„Industrie- und Handclszeitung" durch die Reichsnachrichtenstelleu. Die„Industrie- und Handelszeitung" geht am 1. Dezember 1025 in den Besitz des Verwaltungsrates der Zweigstellen des Auswärtigen Amtes für Außenhandel und der Reichsnachrichtenstellen über. An der Erscheinungsweise wird nichts geändert werden. Die Industrie- und Handelszeitung" wird in völliger Unabhängigkeit den allgemeinen Interessen der Wirtschaft vor allem der Außenhondelsfärderung dienen. Durch die geschaffene enge Verbindung an die der Förderung des Außen- Handels dienenden amtlichen und halbamtlichen Organisationen ist die „Industrie, und Handelszeitung" in der Lage, in weit stärkerem Maß« als bisher das für die deutsche Wirtschast geschäftlich äußerst wichtige Nachrichtenmaterial auszuwerten. Ein unmöglicher Entwurf. Ter Gesetzentwurf für die Reichsgetreidestclle. Dem Reichswirtschaftsrat und Reichsrat ist nunmehr der»Eni- warf eines Gesetzes zur Sicherung der Getreide- bewegung im Wirtschafte ja hr 1926/2 6" zugegangen. Der Entwurf umfaßt nur sechs Paragraphen. Die Reichsregierung wird ermächtigt, zur Sicherung einer geordneten Getreidebewegung im Wirtschaftsjahr 1925/26 Brotgetreide zu erwerben und zu ver- werten. Der Bestand an lagerndem Getreide soll 200 000 Tonnen nicht übersteigen. Die Reichsgetreidestelle untersteht in ihren geschäft- lichen Maßnahmen der Anweisung des Rerchsmintsteriums für Ernährung und Landwirtschast. Die Zlufhebung der Liquidation der Reichsgetreidestelle wird nochmals ausdrücklich angeordnet. Die Durchführung der künftigen Liquidation(d. h. nach Ablauf des Wirt- schaftsiahres 1025/26) wird geregell durch das Gesetz über die Auf- lösung der Kriegsgesellschaften vom 15. Juli 1921. Der Reichsmlnister der Finanzen wird ermächtigt, Stammanteiie der Reichsgetreidestclle aus Mitteln, die ihm aus dein Vermögen der Reichsgetreidestelle zur fördert und befreit. Und weiter: Menschen, die z.B. richtig singen. pflegen auch beim Sprechen und Gehen richtig zu atmen, weshalb man Lungenschwachen häufig Gesangsunterricht als Heilmittel emp- fiehlt. Größer noch ist der Einfluß der Musik auf das menschliche Seelenleben, und sicher ist das, was für den Schöpfer, den Inier- Preten und den Hörer gill, bei aller musikantischen Leistung das Wertvollste: seelische Gebrechen werden gemindert, Trübungen des Gemüts verscheucht, zumindest bekämpft. Wenn auch dem Me- lancholischcn hier Fallstricke gelegt werden, sodaß es auch möglich ist, daß seine Neigung zum Wellschmerz und zur Daseinsvernei- nung bestärkt werden, so ist letzten Endes die Reaktion im All- gemejnen doch eine positive, d. h eine irgendwie erhebende. Man weis das und macht sich's auch praktisch zunutze: Schon heute steht bei den Bellen der Kranken der Radio-Apparat. Wer gegen seine eigene Nervosität einen Kampf zu führen gezwungen ist. kennt gleichfalls die suggestive Kraft der Musik und auch der modulations- fähigen menschlichen Stimme. Unschätzbar ist ferner der Segen auf die Gemeinschaft, die sie zu befeuern und deren Geist sie zu veredeln, zu beschwingen vermag. Und auch zu erheben, zu stärken, reich zu beschenke», trotz oder vielleicht gerade wegen dieser Zell äußerer materieller Not. unter der soviele leiden müssen.... Wäre e» den Hörern möglich. Im Radio Beifall zu spenden, Dr. Singer halle ihn sicher in vollem Maße gehabt. Ergo. Kindervorstellung im Thealer In der Slosterstraße. Zu den traditionellen Weihnachtsmärchen, die alljährlich im Dezember in Nach- mlllagsvorstellungen über die Berliner Theoterbühnen gehen, gesellt sich dann und wann ein neues Weihnachtsstück, meist Durchschnitts- war«, von gutmcinenden Erwachsenen für Kinder zusammengeschrie- den. Auch„Der L ü g e n p e te r". den das Theater in der Klosterstraße herausbringt, gehört dazu. Die Fabel Ist nicht einmal ungeschickt erdacht: Lügenpeter, der sich die seltsamsten Dinge ersinnt und sie für Wahrheit aucgibt, muß schtteßlich seine Lügen wirklich als Wahrheiten durchleben, gerät als Anwärter auf den Kalifenthron in Gefahr, ums Leben zu kommen und ist schließlich froh, wieder der Bauernjunge Peter sein zu dürfen. Aber weder Franziska Becker, die das Märchen geschrieben hat, noch die Darsteller wissen, wie Bauernkinder sprechen. Außerdem wird das Verständnis dadurch erschwert, daß für die Zuschauer eigentlich die Kenntnis der biblischen Weihnachtsgeschichte notwendig ist. Die Kinder, die stcki eingefunden hatten, fragten allerdings nicht viel nach logischen Zusammenhängen, sondern belachten und beklatschten die Situationskomik, an der es in der Aufführung, die mit primt- tiven Mitteln oft recht günstig« Wirkungen erzielte, nicht fehlle.— z. Heinrich Cctfrfi Hell au» leinen Dichtungen w Reinickendorf in der Aula der 1. tSemelndeichuIe am Mittwoch, de» g. Dezember, obendS S Uhr. Die Karte kostet 50 Pf. Line Venn» von<5 MV Zohren.?ei den vorgeschichtlichen Atjz- giabunecn zu Ilnter-Willernih in Mähren, die in diesem Herbll stattfanden und bei denen zablreickie wuhlioe ftundc. darunter die Skelette von süns Mammuten-utagc traten, lind auch einige weibliche Statueticn ge- tunden worden, etwa fünf Zoll doch, die aus gebranntem Ton geformt wurden. Die Skutvluren, die jetzt im Brürner Mirleum Aulstelluna finden. find die ältesten bekannten Tarstellungen dieier Art und in dieiem Materiol imd vielleicht die ältelteu Skuiptmen der Well überbaupt. Slebnliche Statuetten, die in Frankreich gesunden wurden, bestehen au» Mammut« Sijenbeia oder Speckstein. Schrei öer Möblierten. Bon A l i q u I s. Ich bin nur ein möblierter Herr. Run, das wäre noch gar nicht so furchtbar schlimm, wenn man dadurch nicht immer gleich das ganze Dasein als möbliert empfände. Bett, Tisch, Stühle, Schreibtisch,> Lampe, Bilder, Blumen, das alles zusammen ergibt zwar so etwas wie eine„Umwelt", aber doch eben nur ein« Um- welt auf Pump, eine Umwell auf begrenzte Zeit. Selbst dieses stete Nichtzuhausesein, diese ewige Heimatlosigkeit, läßt sich schließlich auch noch ertragen. Leute mit fester, eigener Wohnung sollen, hörte ich, auch nicht immer glücklich sein, und was du nicht besitzt, das kann dir nicht gestohlen werden— also von der rein realen Seite aus betrachtet, kann man sich mit dem möbllerten Dasein zur Rot abfinden. Doch auch nur mit dem möblierten Dosein„an sich". E» muß unter allen Umständen eine Verbindung geben zwischen den Möblierten und den— nein, nicht etwa mit den ganz Unmöblierten, die gehören sowieso zu uns— also zwischen uns und den Möbel- Inhabern und den Wohnungsbesitzern. Wenn dies« Verbindung nicht da sst, bekommt man das möblierte Minderwertigkeitsgefühl entsetzlich schnell, und man kommt sich dann vor. wie in Mecklen- bürg oder Pommern oder Bayern ein uneheliches Kind sich vor- kommen mag: ungewollt, überflüssig, geduldet. Solche Gefühle sind nickst schön, da» können Sie mir seit mehr als Jahresfrist Möbliertem ruhig glauben. Gibt es also die„Verbindung", die Geste, die uns Möblierte wissen läßt, daß wir moralisch gleichberechtigt sind, gibt es hier eine Möglichkeit, die Demokratie der Herzen zu manifestieren? Denn wir Möblierten des Nachts nach Hause kommen und das Zimmer ist in genau demselben Zustand, in dem wir es am Morgen verlassen haben, wir könnten allesamt weinen. Schrieb aber jemand eine Postkarte oder gar einen Brief, gleichgüllig, ob der Inhall herzlich oder banal ist, brachte, Hurra, der Geldbrief- träger für einen zweihundert Zeilen langen Artikel über den Der- brauch von Hundefleisch 10 Mark Honorar von einer Zeitung in Zeitz(Sie wissen gar nicht mal genau, wo da» liegt? Ich weiß es auch nur so ungefähr), legte der freundliche Herr von nebenan «inen Prospekt Ins Zimmer, oder stellte gar das hübsche Fräulein von untendrunter bei Broesickes eine Tasse Kaffee hinein, liegt auch nur est, Zettel da:„Eine Dame hat angerufen. Ich habe den Nomen nicht verstände»». Sie möchten morgen nachmittag um 5 Uhr bei Iostq warten. Minna!", wobei man nun nicht weiß, ob Iosty w der Kaiserallee oder am Potsdamer Platz gemeint sst, ja, war auch nur der Ofensetzer da und hat ein bißchen Schweinerei gemacht— findet man nur irgend etwas verändert, steht man, daß ein Mensch an uns Möblierte gedacht hat, dann fühlen wir uns nicht mehr einsam, dann sst es nicht mehr bitter nur ein Möblierter zu sein, dann ist die.Verbindung" da. -- Aber was ich noch sagen wollte, vielleicht kennen Sie auch einen Möblierten? Schreiben Sie ihm mal eine Karte, schicken Sie ihm vielleicht mal ein paar Blumen, tun Sie es. selbst wenn Sie gar keine„besondere" Beranlassung dazu haben. Ich glaube sogar, die jetzt so erschreckend hohe Selbstmordkuroe— Sie lasen davon in der Zeitung— würde sinken, wenn so etwas Mode werden würde. Run, es hat keinen Sinn, gleich tragisch zu werden. Schließlich wird Ihnen, wie Ich Sie kenne, das Bewußtsein genügen, die Summe menschllchen Glückes vermehren zu können. Also vergessen Sie nicht, daß es ein Glück der Möblierten gibt! Zum Fall Schillings. Im Preußischen Landtag fand am Man- tagnachmitag im Fall o. Schillings die Besprechung stall, zu der Kullusminister Becker Angehörige der einzelnen Landtagssraktionen eingeladen halle. Von den Sozialdemokraten nahmen teil die Abgg. Meier- Berlin, König und Frau Dr. Weg- s ch« i d e r, von den Deutschnattonalen die Abgg. Weißermel, Koch- Berlin und Baecker, von der Deutschen Dolkspartei Dr. Boelitz. Buch- Horn und Dr. Steffens, vom Zentrum Dr. Heß, von den Demo- traten Frau Dr. Claußner und Hoff. Die Besprechung war rein informatorischen Charakters. Der Minister legt« eingehend seinen Standpunkt in der Angelegenheit dar. Außerdem sprach u. a. der Vertreter des Preußischen Finanzministeriums. Der Inhall der Besprechung wurde als vertraulich erklärt. Die einzelnen Fraktions- Vertreter werden nunmehr ihren Fraktionen Bericht erstatten. Es bleibt abzuwarten, ob diele vielleicht durch Einbringung von Inter- pellationen eine weitere Initiative ergreifen. Vielleicht kann auch im Rahmen der dritten Beratung des Haushalles, die am 0. De- zeinber beginnen soll, die Angelegenheit noch zu einer allgemeinen Aussprache führen. Irgendwelche Beschlüsse wurden nicht gefaßt: das konnte auch angesichts des Charakters, den die Besprechung trug, nicht geschehen.— Herr v. Schillings wendet sich an die Oeffenllichkeit mit einer längeren Erklärung, der wir folgendes entnehmen: Man hat mich wissen lassen, daß man geneigt sei, den übereilten Schritt meiner fristlosen Entlassung, die als un- hallbar erkannt worden ist, zurückzunehmen unter Umständen, die für mich ehrenvoll sein sollen. Ich muß ein solches Kompromiß ablehnen und aus vollständige Klärung aller Vorwürfe und aller mll diesen Vorwürfen und Anklagen zusammenhängenden persön- lichen und sachlichen Fragen dringen. Die Verdächtigungen sollen nicht oertuscht, sondern geklärt und zurückgenommen werden." Musik als Heilmlilel. Dr. Kurt Singer, der nicht nur den Lesern des„Vorwärts" bekannte Musikkritiker, sprach gestern abend im Rundfunk über den„Segen der Musik". Zu- sammengefaßt besagten die gedankenreichen Ausführungen: Der Körper sst ein ständig wachendes und wirkendes Instrument des Musikers, er ist Vermittler des Seelischen, und wir ahnen dies nicht nur. sondern sehen ihn auch in dieser Funktion. Sicher gibt der musikantische Beruf dem Menschen zufolge der Anpassungs- fähigkell des Körper» Zuwachs an Kraft. Sicherhell und Körper- gefübl. Das gill auch für den nur Hörenden, denn stumme me- chanisch« Arbeit lähmt die Kräfte, indes mufikalisch-illustrierte sie Serfügung gestellt werden, zu erwerben. Das Gesetz tritt am Tage der Acrtündung in Kraft. Aus der Begründung ist hervorzuheben, daß die zur Beschaffung der 200 000 Tonnen notwendigen Mittel aus dem Vermögen der Reichsgetreidestelle entnommen werden sollen. Zu diesem Zwecke und zum Ankauf von Stammanteilen werden aus dem Vermögen der Reichsgetreidesielle 35 Millionen Mark zur Verfügung gestellt, wovon l?F Millionen Mark auf den Erwerb von Stammanteilen entfallen. Das darüber hinaus vorhairdene Betriebskapital der Reichsgetreide- stelle beträgt 65 Millionen Mark. In dieser Form, die nur der Jnteressentenpolitik dient, ist der Einwurf � für die Sozialdemokratie unannehmbar. Die öeutscbe Delegation in London. c 0 n d 0 n. 30. November.(DTV.) Die deutschen Delegierten wurden bei ihrer Ankunft auf dem Victoria- Bahnhof von dem deutschen Botschafter Dr. Slhamer und dem englischen vokschaster in Berlin Lord d'Abernon. von Ehambeclain, Sir William Tyrrell sowie Mitgliedern des diplomatischen Korps empfangen. Reichskanzler Dr. Sucher und Reichsaußenminister Dr. Strese- mann wurden von Chamberlain aufs herzlichste bewillkommnet. Ehamberlain ging dann zu dem wagen der belgischen Delegierten und begrüßte sie ebenfalls. Alle Delegierten wurden von der Menge lebhaft begrüßt. Gemeinsame Reise mit den Belgier«. Gleichzeitig mit den Deutschen trafen die Belgier in London ein, die mit ihnen gemeinsam seit Ostende gereist waren. pariser Lob für Hindenburg. Auch Luther und Stresemann finden Beifall. Baris. 30. November.(Eigener Drahtbericht.) Die ö f f e n t- liche Meinung in Frankreich, deren Interesse in den beiden letzten Wochen ausschließlich auf die innerpolttische Krise und ihre Lösung konzentriert war, beginnt sich neuerdings wieder den seit geraumer Zell völlig vernachlässigten Fragen der auswärtigen Polittk zuzuwenden. Die Unterzeichnung der Verträge von Locarno insbesondere findet in der Pariser Presse am Montag eingehende Kommentare, die mit Ausnahme derjenigen der nationalistischen Organe auf einen sehr optimistischen Ton gestimmt sind. So sagt die.Information": Der neue Präsident der deutschen Republik habe eine vorbildliche Loyalität nicht nur gegenüber der Verfassung der Republik, sondern auch gegenüber dem Ausland an den Tag gelegt. Der Reichskanzler ober, der seine Regierung aus die Mehrheit der Rechten gestützt habe, kündige heute seine Demission an mit der Begründung, daß nur eine auf eine ausgesprochen locarnistische Mehrhett gestützte Regierung die Verträge zur Anwendung bringen und daraus alle für Deutschland möglichen Vorteile ziehen könne. Vor einem Jahre sei Deutschland in einer Politik der Isolierung und der Revanche befangen gewesen, heute habe es sich zu einer Politik, wenn nicht des Pazifismus, so doch der von real- politischen Erwägungen geleiteten Zusammenarbeit mtt den anderen Völkern entschlossen, die in kurzem ihre Krönung durch den Eintritt Deutschlands in den Völkerbund erfahren werde. Besondere Anerkennung zollt das Blatt dem Mute, mtt dem Luther und Stresemann im Reichstage ausdrücklich erklärt hätten, daß die Verträge von Locarno den Vertrag von Versailles in vollem Umfange bestehen ließen. Deutschland, das der Auffassung sei, mtt der Unterzeichnung der Verträge ein Opfer zu bringen, sehe in der Räumung von Köln nur erst einen Beginn der ihm ge- schuldeten Kompensation. Wenn es in den Völkerbund eintrete, so sei es dabei zweifellos von der Hoffnung geleitet, seinen Einfluß im Rate der europäischen Völker wiederzugewinnen, was als durchaus berechtigt angesehen werden müsse, und einen Teil seiner früheren Kolonien in der Form von Mandaten zurückzuerhatten, eine Forderung, die die Alliierten um einer Entspannung willen zu er- füllen ein gewisses Interesse hätten. Darüber hinaus werde Deutsch- land versuchen, auf dem Wege Über den Artikel 19 des Völkerbund- Paktes eine Rektifikatton seiner Grenzen bzw. die Revision der Friedensverträge durchzusetzen. So begreiflich das Mißtrauen gegen einen Versuch dieser Art auch sei, so könne man doch Deutschland andererseits nicht verwehren, von den allen Mitgliedern des Völker- bundes zustehenden Rechten Gebrauch zu machen. Loucheur für Kapitalabgabe. Vom Kabinett einstimmig gutgeheisten. Paris. 30. November.(Eigener Drahtbericht.) Der Ministerrat hat am Montag den Text der Regierungserklärung, mtt er das Kabinett Briand sich am Mittwoch nachmittag dem Parka- ient präsentieren wird, einstimmig gutgeheißen. Von besonderem Interesse in dieser Hinsicht ist eine von dem neuen Finanzminister L 0 u ch e u r bei dem Verlassen des Elysees gegebene Mitteilung, in der er erklärt, daß seine Auffassung des finanziellen Problems sich in keiner Weife geändert habe und er an der Meinung festhalle, die er darüber in seiner letzten Rede in der Kammer vertreten habe. Loucheur hat sich darauf, wie bereits ge- nldet, mit großer Entschiedenheit sowohl gegen die Erhöhung des Notenumlaufs wie gegen die von Caillaux empfohlene Schaffung mer gemeinsamen Höchstgrenze für den Papiergeldumlauf und die Rationalverteidigungsborids, die zu einer versteckten Inflation hätten führen müssen, ausgesprochen. An Stelle der von Painleve vor- geschlagenen Zwangskonsolidierung der kurzfristigen Schuld hat er deren Tilgung innerhalb sieben Iahren aus den Einnahmen einer außerordentlichen Abgabe in Höhe von jährlich 5 Milliarde« vorgeschlagen. Die zur völligen Sanierung der Sttuation er- forderliche Erhöhung der gegenwärtigen Staatseinnahmen hat Loucheur auf 8 Milliarden beziffert, von denen 3 Milliarden dem Ausgleich des Budgets dienen sollen. Unter den von Loucheur vor- geschlagenen Sanierungsmaßnahmen befand sich auch die Herab- setzung des Zinsfußes der staatlichen Renten und konsolidierten An- leihen von 6 auf 4 Proz. Die Regierungskrise in �ollanü. Tie Sozialdemokratie grundsätzlich zur Koalition bereit. Amsterdam. 30. November.(Eigener Drahtbericht.) Die hol- ländische Regierungskrise hat bisher eine Lösung noch nicht er- fahren. Es scheint jedoch, daß der demokratische Flügel in der römisch-kacholischen Partei mchr und mehr Einfluß gewinnt und bereit ist. eine demokratische Regierung bilden zu Helsen. Die Sozialdemokrattsche Partei hat sich bereits eingehend mtt der Beteiligung an einer demokratischen Regierung befaßt. Die grundsätzliche Frage, ob sie auch la-in Kabine« mit bürgerlichen Miuislern eintrete« soll, wurde bejahend beantworkel. Ausschlaggebend für diese Beteiligung ist das Programm der Regierung. Inzwischen wurde ein Vorentwurf für ein Arbeitsprogramm zum Zweck der Unterhandlungen mit den anderen Parteien fertiggestellt. Die provinzialwahlen. Niederlage der Reaktion. Der charakteristische Zug der Provinziallandtags- und Kreistagswahlen in Preußen ist die allgemein erwartete außerordentlich geringe Wahlbeteiligung. Je nach den örtlichen Verhältnissen hat sie außerordentlich ge« schwankt, in.ganzen Landstrichen ist sie kaum über 25 bis 30 Proz. hinausgegangen, an anderen Orten hat sie im Höchst- fall 50 bis 60 Proz. betragen. Bei der Natur dieser Wahlen gehen die Gesamtergebnisse spärlicher ein und infolgedessen ist ein endgültig abschließendes Urteil noch nicht möglich. Man wird sich auch hüten müssen, sich an die Gesamtabstimmung zu hellten und wird vielmehr da, wo eine stärkere Wahl- betciligung die Fehlerquelle des Zufalls etwas mehr aus- scheidet, die kritische Sonde anlegen müssen. Im Durchschnitt zeigt sich eine Entwicklung, die der Entwicklung bei den Berliner Stadtoerordnetenwahlen nicht unähnlich ist. Unter der allge- meinen Wahlmüdigkeit haben sämtliche Parteien im Ver- gleich zu den preußischen Landtagswahlen erhebliche Stimmver« luste. Diese Stimmverluste sind weitausam stärk st enbei denRechtsparteien, bei den Deutschnationalen und der Volkspartei, die zusammen mit einer Reche anderer bürger- licher Splitterorganisationen(Völkische, Wirtschaftspartei usw.) fast überall gemeinsam einen R e ch t s b l 0 ck gebildet haben. Die in einem Teil der Berliner Abendpresse gegebene Dar- stellung, daß die Sozialdemokraten auf Kosten der Kommunisten verloren hätten, läßt sich bei einer genauen Durchprüfung der bisher vorliegenden Teilresultate i n keiner Weise aufrechterhalten. Im Gegenteil, die Sozialdemokratie ist diejenige Partei, die bei dem allein zulässigen Vergleich mit den Wahlen vom 7. Dezember wahr- scheinUch a m besten abgeschnitten hat. Nirgends ist es den Kommunisten gelungen, das prozentuale Verhältnis der Stimmabgabe zu ihren Gunsten zu verschieben, trotzdem gerade bei einer schwachen Wahlbeteiligung eine Partei wie die kom- munistische, die viel weniger aus„Treibholz" als auf relativ fest erfaßte Kreis« der Bevölkerung angewiesen ist, die beste Position gehabt hätte. Von politischer Bedeutung ist das Wahlergebnis insofern, als es wiederum eine eindeutigeAbfagederpreußi- schen Wählerschaft an die Ambitionen der Deutschnationalen auf R e g i e ru n g s b e t e i l i- g u n g in Preußen bedeutet. Die mehrfachen Versuche der mit den Kommunisten zusammengehenden Rechtsparteien auf Sturz der preußischen Regierung sind schließlich daran ge- scheitert, daß die Kommunisten ihre allzu willige Ge- f 0 l g s ch a f t den Deutschnotionalen aufkünden mußten, weil die Fortführung dieser Polittk für sie eine parteipolittsche Katastrophe bedeutet hätte. Wenn es ihnen bei den jetzigen Wahlen gelungen ist. ihre relative Stärke zu halten, so ist das nicht zum wenigsten auf ihre Rechtsschwenkung zu riickzu führen. Darüber hinaus aber zeigen die jetzigen Wahlen eine deutlich« Schwächung derKerntruppen der Reaktion, die nach dem vorliegenden Wahlergebnis nicht mehr darauf rechnen könnten, in gleicher Stärke in den Preußischen Landtag wieder einzuziehen, wenn ihre Ob- struktionstaktik die Regierung zur Auflösung des Landtags zwingen würde. Das ist, von allen Einzelheiten abgesehen, das wichtigste politische Ergebnis der Wahl am Sonntag. Darüber hinaus zeigen die starken lokalen Ver» fchiedenheiten sowohl der Wahlbeteiligung wie auch des Wahlausfalls deutlich, welch entscheidende Rolle bei allen Wahlkämpfen der Stärke und Geschlossenheit und Schlagfähig- keit der Parteiorganisation zukommt. Der Vergleich einzelner Wahlergebnisse ist in dieser Beziehung außervrdent- lich lehrreich. Er kann und wird dazu führen, daß die Partei- organisationen im Lande die Gelegenheit benutzen, eine ernst- hafte Nachprüfung ihrer Leistungsfähigkeit vorzunehmen. Niemand ist heute in der Lage zu sagen, welchen Lauf die politische Entwicklung im Reiche nehmen wird. Der Versuch der Rechtsparteien, auch nach dem Bankrott der Rechtsregierung auf die Entscheidungen der neuzubilden- den Reichsregierung gewissermaßen hintenherum doch wieder Einfluß gewinnen nnd diesen Einfluß namentlich auf wirtschastspolittschem und finanziellem Gebiet zu betättgen, muß zu schweren Auseinanderseßunaen über den innerpoltti- schen Kurs des Reiches führen. Die Stärke der Arbeiterbews- gung in diesen Auseinandersetzungen hängt s e b r w e s e n t» l i ch davon ab, wie der Ausgang bei einer eventuellen Reichs- tagsauflösung bei Freund und Feind beurteilt wird. Die Demokratie legt die Entscheidung über die einzuschlagenden Wege der Polittk in die Hand der Volksmassen und legt uns deswegen die Verpflichtung auf, unermüdlich daran zu ar- betten, daß unser politischer Wille und unsere Zielsetzung bei den kommenden Kämpfen ein nachhaltiges Echo in den Volksmassen findet. Die Sozialdemokratie hat auch bei diesen Wahlen ihre innere Stärke durchaus bewiesen, alles hängt davon ab, ob es uns gelingt, die unseren Organi- sattonen innewobnende Kraft inverstärktemMaße auch bei Wahlergebnissen zum Ausdruck zu bringen. Gesamterflebnijse. Ostpreußen. Sozialdemotralen.... 169 SIS 207 311 Kommunisten...... 47 437 80 421 Preußenblock...»».311 891 479465 Demokraten...... 24 541 40 241 Zentrum....... 47 487 79 847 Deutichvöltiftbe 28 650, Wirtschafispartei 28 607, Aufwertung und Aufbau 16 920.„.., voranSsicküliäze Verteilnug der Sitze: Sozialdemokratische Partei z?. Preußenblock 40. Zentrum 6. Deulschdemokratisck'e Partei 3, Kommunistiiche Partei 6. Aufwertung und Aufbau 2. Deutsche Wirtichaft4partei(ostpreußislber Bauernbund) 4, Deutsch- völkische Freiheitsbewegung 4. übrige Parteien keinen Sitz. Brandenburg. Stimmen Mandate Sozialdemokraten......-.. 296 0S9 32 Deutsche Volk-partei......... 57 911 6 Deutschnotionale Volkspartei...... 260 883 28 Deutschvölkische Freiheitspartei..... 21 847 3 Rationalliberoler Wahlverband..... 8525 1 Mirtfchastspartei.......... 47 586 Bürgerliche Partei Krassen...... Gemelndewohlfahrtsblock Riedsrbornim.. 232— Wahloore'nigung Stadt und Land.... 48 406 Wirtsctiaftsblock Osihaoelland...... 9 046 Deutsche Demokratische Partei..... 52 647 4 KPD..............-"4 987 9 Zentrum 19 315 2 Grenzmark Posen-Westpreuße». Sozialdemokraten 17827, Zentrum 34052, Deutschnationole Volksparlei 44016, Deutsche Volkspartei 7933, Deutschvöttische Freiheitsbewegung 6772, Nationale Vereinigung Bomft 2472, Völkische Vereinigung 3719, Demokraten 1833, Kommunisten 3344, Mittelstandsliste 743, Polnisch-katholische Volkspartei 4351, Wirt- schaftliche Vereinigung 718. Bon 30 Sitzen erhalten das Zentrum S. die Sozialdemokraten 5. die Bereinigten Rechtsparteien, die in der Liste»Hin den- bürg'(h verbunden waren, zusammen 16. Pommern. Sozialdemokraten.... 153 190 222113 Kommunisten...... 28 695 52 653 Deutschnationale..... 289 829 442 864 Volkspartei....... 34 802 58 304 Demolraten...... 18054 34074 Wirtschaitspartei..... 31 792 22 041 AufwertungSvartei 26 204, Parteilose 24 753, Wirtschaft- politische Liste 640. Die Mandotsverteilung ist folgende: Deutsch- nationale 37, SPD. 29, DVP. 6, Demokraten 2, Kommunisten 4, WirtschaftSparrei 4, Auswertungspartei 3. Wirischaftspolilische Liste 1. Gegenüber den ReichStagswahlen vom 7. Dezember hat die Sozialdemokratie ihren Slimmenavteil erhöht von 24,7 auf 26,1 Prozent. Abgenommen haben Demotraten und Zernrum von 4,7 auf 8,2, Kommunisten von 6,8 aus 6,1 Proz., Bolkspartei von 6.5 auf 6,9 Proz. Oberschlesien. Provinzial- ReichStagSwohi Wahlen 7. Dez. 1924 Sozialdemokraten.... 34 155 36 529 Kommunisten...... 33 712 36 092 Rechtsparteien..... 84 680 141411 Zentrum....... 195 854 221 545 Demolraten...... 9 248 12 084 Wirtschastspartei..... 9 635 8 098 Polen........ 29 228 42 051 Sparer........ 4 105— Kleinbauern...... 4 448— Provinz Sachsen. Sitze .... 34 .... 17 Sozialdemokraten.... Kommunisten...... Demokraten...... Zentrum....... Bereinigung sachlicher Arbeit Völkischer Block..... Sparer und Rentner... 5 5 46 3 3 Sozialdemokrat«« Kommunisten.. Hannover. 314 193 88 450 Deutschnat. u Dtsche. Volksp. 248 526 Deutsche Voltspartei(2 Kreise) 14 801 Deutichbannoveraner... 6 868 Hausbesitz....... 71717 Zentrum 97 578 Demokraten...... 36 171 Völlische........ 6 551 Stimmenzahl 373 322 193 016 59 447 48 859 608 434 28 923 27 500 486 552 65 801 267 157 Dnat 200 770 D.Bp. 467 927 zus. 544 135 14272! 73 47 U 58 762 Deutschsoziale 17 232, Sparerbund 21 884, Handwerk 30140. Das Ergebnis der. Provinziaklandtaoswahlen drückt sich in der folgenden Verteilung der Sitze aus: Sozialdemokraten 37 Sitze, Kommunisten 6. Deutsch- Hannoversche Partei 0, Deutsche Volks- parte! 1. Zentrum 11, Deutschnationole Volksvartei 2. Deutsche De- mokrotische Partei 4, Beermann 1. Deutsch-Soziale 2, Völkische 1, Fürbringer 1, Hausbesitz 8, Reuhaus-Oste 1, Sparerbund 2, Han- noverfche Provinziallandtagsliste 31, Wirtschoftsliste 4 Sitze. Zu- fammen: 112 Sitze. Die evangelifch-foziale Liste Grafschaft R-ii- heim, Kreis Osterholz, Kreis Wtttmund erhiell kein Mandat. Schleswig-Holstein. Sozialdemokraten.... 145 927 224 962 Kommunisten...... 82 676 61 048 Rechtsblock....... 142 098 850 739 Demokraten...... 24 824 66 322 Eigenheimpartei 6252, Einigkeit 6920, Handwerk 6470, Klein« und Mittelbauern 18 951, Landwirtscb. 56 473, Wirtschaflep. 11 234. Die Sitze verteilen sich: SPD. 19, Wiederausban 19. Demo- kraten 3, Kommunisten 4. Eigenheim l. Einigkeit 1. Handwerk 1, Klein- und Mittelbauern 2. Landwirtschaft 7. Wirtschastspartei 1. Hessen-Nassa« Sozialdemokraten.... 299 575 Kommunisten...... 41 800 Rechtsblock....... 144 807 Zentrum....... 120 83t Demokraten...... 36 294 Westfalen Sozialdemokraten.... 331 380 Kommunisten...... 185 664 Deutschnationale..».« 156 511 Deutsche Voltsparte»... 169 682 Zentrum....... 610 649 Demokraten...... 89 725 366 253 63 689 895 193 197 755 96 545 512 036 221 366 308 583 240 767 755 718 105 761 Unabhängige 5 889, Polen 11625, Gesiumingsgemeinsch-. 14 492, Chriitlich-Soziale 16 006, Deutschvölkische 6 685. Landwirt- schaft 10 673, Sparerbund 12 940, Wirtschafisporiei 80 896. Sonstige 3 542. Der neue Provinziallandtag der Provinz Westfalen wird aus 138(bisher 134) Abgeordneten bestehen. Die Mandate verteilen sich auf die einzelnen Parteien wie folgt(die eingeklammerten Zahlen ergeben die Mandatszahlen der Wahlen von 1920): Zentrum 49 (50), Sozioldemokroken 32(31), Deutsche Bolkspartei 16(17), Deutsch- nationale 15(12), Kommunisten 13(10), Demokraten 4(6), Polen 1(2), Ehristlich-Soziale(ev.) 1(0), Christlich-Soziale(kath.) 2(0), Landwirtschaftspartei 1(0), Sparerbund 1(0), Wirtschaftspartei des Mittelstandes 3(0). Die Unabhängigen, welche bisher 6 Sitz- Innehatten, sind bei der Verteilung der Mandate leer ausgegangen. Rheinprovinz. Sozialdemokraten 251999. Zentrum 767000, Demokraten 38000, Kommunisten 192000, Deutschnationale Bolkspartei 178000, Deutsche Volkspartei 168000. Wirtschastspartei 55000, Deutfchdölkische 12000, Ebristlich-Goziale Partei 16000, Bauern« und Winzerpartei 21000, Sparer- und Aufwertungspartei2S0v0, Polen 4000, UnabhängigeSOO». Zum griechisch-bulgariichen konflil» schreibt uns die griechische Gesandtichast. daß die BölterbundSkommiision ihre Entscheidung erst Anfang Dezember dem Böllerbundsrat unterbreilen wird und vorher keine Erklärungen abgegeben hat, also auch die Nachrrcht von der Verurteilung Griechenlands übereilt sei. Gewerkschaftsbewegung Eine Kulturschande. Arbeiter von Unternehmern zum Siechtum verdammt. Die Statistik über die gesundheitlichen Verhältnisse der Glas. arbeiter enthält alljährlich ein betrübendes Bild des Elends. Eine eindringliche Sprache reden die Zahlen über die Tuberkuloseverbreitung, über Lungen-, Magen, Herz- und Nierentrantheiten. Aerztliche Autoritäten stehen nicht an, auf die Gefahren hinzuweisen, die für die Gesundheit und das Leben der Glasarbeiter bestehen und all diese Krankheiten als Berufsfrantheiten erflären. Professor Dr. Kuhn vom Hygienischen Institut in Dresden bezeichnet Gelenf- und Mustelrheumatismus als eine wahre Beißel im Glasmacherberuf. Der Zentralverband der Glasarbeiter und Arbeiterinnen Deutschlands betrachtet es von jeher als seine wichtigste Aufgabe, seinen Berufskollegen gesundheitlich bessere Ar beitsbedingungen zu verschaffen, tommt aber dabei nur recht langsam vorwärts da er in diesen Bestrebungen auf den Widerstand der Unternehmer und deren Fachverbände stößt, die bestrebt sind, ihre Betriebe ausschließlich unter dem Gefichtspunkt materieller höchftausbeute bei geringfter Aufwendung für die Arbeitskraft zu führen. Die größte Gefahr für die Gefundheit der Glasmacher liegt in ihrer Bläsertätigkeit. Wer die Glasmacherarbeit, die Anfertigung von Fensterglas, Großglas, Hohlglas und Flaschen fennt, wer auch nur einmal Gelegenheit hatte, den Arbeitsvorgang zu beachten, wird sich der Einsicht nicht verschließen, daß es sich um eine der schwersten Berufsarbeiten handelt. Bei 1400 bis 1600 Grad Hige im Ofen leisten die Arbeiter jahraus jahrein am offenen Arbeitsloch und in nächster Rähe desselben ihre ebenso tunstvolle wie schwere Arbeit, nicht Handarbeit im landläufigen Sinne, sondern schwere törperliche Arbeit, Geiftesarbeit und Arbeit der inneren Organe, Mund, Lunge, Herz, Magen usw., die alle beim Aufblasen der Glasgegenstände beansprucht werden. Bei dem Fensterglasmacher beträgt das Gewicht für jedes Stüd er. forderlichen Glasmaffe mit der Glasmacherpfeife girta 20 Rilogramm und mehr. Die am Ende der Glasmacherpfeife aufgenommene flüffige Glasmasse geht innerhalb des Arbeitsvorganges von Hand zu Hand, vom Lehrling zum Gehilfen und von diesem zum Glas macher, die der an der Glasmacherpfeife haftenden flüssigen Glass maffe in fortlaufenden, genau abgewogenen Griffen und Bewegun. gen durch Drehen die erforderliche Form geben, indem sie gleichzeitig durch ein am Oberteil der Pfeife befindliches eisernes Mundstüd unter Aufwendung großer Lungenfraft durch Blasen, in weiterer Fortsetzung des Arbeitsprozeffes einen zylinderartigen Hohlkörper von 1 bis 2 Meter Länge und 4 Meter Durchmesser herstellen. In jeden solcher Hohlkörper müssen ungefähr 200 Liter Luft eingeblasen werden. Die Stärke des Glafes muß nach Borschrift einwandfrei gearbeitet sein und darf auch sonstige Fehler nicht auf meisen. Das Werkzeug, die sogenannte Glasmacherpfeife, manbert also von Mund zu Mund, je nach Betriebsart und Einrichtung tommt es vor, daß 10 Arbeiter abwechselnd dieselbe Pfeife zum Aufblasen des Glafes in den Mund nehmen. Eine fertlaufende Desinfizierung der Blasmacherpfeife ist bei der Arbeit undurchführbar und ausgeschlossen. Daß unter solchen Umständen die Uebertragung von Krankheiten unvermeidbar und der Gesundheitszustand der Arbeiter dieser ständigen Gefahr ausgesetzt ist, geht aus den Gutachten ärztlicher Autoritäten mit aller Deutlichkeit hervor. In einer Glashütte bei Magdeburg wurden fünf Glasblöser bei der Aus übung ihres Berufs nacheinander bei der Benutzung der Glas macherpfeife mit Syphilis infiziert. Der unglückliche Zufall, der sich vor ungefähr zwei Jahren abspielte, wollte es, daß der als erster die Glasmacherpfeife benutzende Glasbläser schwer syphilitisch frant war. Das Arbeitsstück war so groß, das fünf bis sechs Glasbläser hintereinander in die Glasmacherpfeife blasen mußten. Bei sämtlichen fünf Personen wurde Syphilisinfektion im Munde festgestellt. Die gleichen Gefahren bestehen in der Uebertragung bei Zubertulose. Der Fortschritt der Technit hat auch auf diesem Ge biete fich gezeigt und es ermöglicht, daß die Gefahren für das Leben und die Gesundheit der Glasarbeiter beseitigt werden tönnen, soweit es sich insbesondere um die Uebertragung der Krantheitsfeime durch das Mundblajen handelt. Wenn die Unternehmer der Glasindustrie fich endlich dazu bereit finden würden, der foge nannten pneumafischen Glasmacherpfeife Eingang in thre Betriebe zu verschaffen, welche die ganze Mundblasarbeit durch| Reichsbahn hat seine guten Gründe. Denn bas, was die Reichs einen Blasprozeß mit komprimierter Luft ausschaltet und vorbild lich funktioniert, dann wäre die Gefundheitsgefährdung der Arbeiter, die in der Bläsertätigkeit besteht, beseitigt. Leider muß aber gesagt werden, daß es bei den Unternehmern, mit ganz wenigen Ausnahmen( Firma A. Georg Hirsch in Arnsdorf und Glashütte in Copig), an Bereit willigkeit fehlt, den so notwendigen Gesundheitsschutz ihren Arbeitern zu gewähren. In unverständlicher Weise wird leider diese hervorragende Erfindung von den Unternehmern ja botiert, trotzdem die sogenannten zwei Tafelglasfabriken in jeder botiert, trotzdem die sogenannten zwei Tafelglasfabriken in jeder Beziehung gute Erfahrungen mit der Einführung der pneumatischen Glasmacherpfeife gemacht haben. Da die Gesundheit der Menschen das höchste Gut eines Boltes ist, haben auch die gefeßgebenden Körperschaften und Behörden die Pflicht, darauf zu achten, daß mit der Gesundheit der Arbeiter nicht Raubbau getrieben wird. Die Glasarbeiter erheben ihre Stimme für den Schuh ihrer Gesundheit und ihres Lebens. Die Glasindustriellen seien gemahnt, ihre Pflicht auf diesem Gebiete zu erfüllen. Die Urabstimmung der Straßenbahner. Der Bergleichsvorschlag angenommen. vorliegt, läßt sich nach den bisherigen Ergebnissen der Urabstimmung Obwohl das vollständige Abstimmungsergebnis noch nicht bereits feststellen, daß die Straßenbahner den von ihren Funktio nären abgelehnten Vergleichsvorschlag nicht verworfen haben. Stimmberechtigt waren 13 002 Straßenbahner, von denen 5234 für Ablehnung stimmten und 3038 für Annahme. Nicht abgestimmt haben 3995 Straßenbahner, darunter auch die infolge Erkrankung verhinderten Straßenbahner. Von einem Depot mit 735 Stimmberechtigten steht das Ergebnis noch aus. Selbst wenn diese Stimmen sämtlich gegen das Verhandlungsergebnis abgegeben würden, reichten sie doch nicht cus, um deffen Ablehnung herbeizuführen, wozu einfache Mehrheit erforderlich war. Der Bergleichsvorschlag, der nunmehr als angenommen gilt, fieht eine allgemeine Lohnzulage von drei Pfennigen vor, für die über zwei Jahre im Betriebe tätigen Schaffner, Fahrer und Betriebs. handwerker eine Staffelungszulage von weiteren zwei Pfennigen. Diese Regelung gilt bis Ende März 1926. Die abgelehnte Verbindlichkeit für das Bankgewerbe. Der Reichsarbeitsminister hat die von den Banfangestellten beantragte Verbindlichkeitserklärung des Schiedsspruchs für das Bankgewerbe vom 3. November d. J. abgelehnt. Die Stellungnahme des Reichsarbeitsministeriums ist völlig unbegreiflich. Seit April teine Aufbesserung der befannt lich überaus schlechten Bezüge der Banfangestellten; dazu die feitserklärung. 54 Stundenwoche und nun die Ablehnung der Berbindlich Wieder einmal hat das Reichsarbeits. ministerium gezeigt, daß es auf das Unternehmer tum sehr viel Rücksicht nimmt und nur wenig Verständnis nehmer hat. Was sollen da die schönen Worte zu Meißingerschen für die Schwierigkeiten und die Notlage der Arbeit Attennotizen und dergleichen, wenn die Taten des Ministeriums eine ganz andere Sprache sprechen? Will man die Bankangestellten erst so weit mürbe machen, daß sie die 54- Stundenwoche schlucken und ihnen dann vielleicht ab Januar 5 Rroz. zubilligen? Bei dem so überaus verständnisvollen gegenseitigen Einvernehmen zwischen dem Reichsarbeitsministerium und den Bankleitungen, wie es sich soeben gezeigt hat, wäre es nur allzu verständlich, wenn die Bank angestellten für eine Verlängerung des Manteltarifs nichts mehr übrig haben und die reichstarifliche Regelung überhaupt in Frage übrig haben und die reichstarifliche Regelung überhaupt in Frage gestellt wird. bahngesellschaft mit ihrem Beamtenabbau treibt, ist ein o auf jede vernünftige ölonomische Gestaltung des Reichsbahnbetriebes. Man baut dort nicht ab, wo wie bei den höheren Beamten viel zu viel Arbeitskräfte aufeinanderfigen und sich bei der Arebit behindern, sondern nur unten bei den Kleinen. Handelt es sich um höhere Beamte, bann versagt die Energie der Reichsbahnverwaltung. So find& B. bei der Reichsbahnverwaltung Stuttgart 60 Beamte der Gruppe XI zuviel vorhanden. Die Direktion hat diese überflüssigen Beamten der Reichsbahngesellschaft zur Verfügung gestellt. Was aber tut Berlin? Es ertlärt salomonisch, für diese Ueberflüffigen teine anderweitige Verwendung zu haben, und legt die Hände in den Schoß. Die überflüssigen Beamten werden nicht ent laffen; man läßt sie einfach Dienst nach Gruppe X machen, die Beamten der Gruppe X Dienst nach Gruppe IX, solche der Gruppe IX Dienst nach Gruppe VIII ufw, Unten aber werden dann Beamte in das Arbeiterver hältnis übergeführt und den legten beißen die Hunde- die Arbeiter müssen dran glauben, bei ihnen fetzen die Entlassungen ein. So gehen die Entlassungen bei der Reichsbahn unter Schonung der oberen Beamtenschaft und zum Nachteil der Arbeiterschaft vor sich. Ueberall versteht es die Oberbeamtenschaft, durch Verschiebungen im Dienst ihre Posten zu behalten und die Entlassungen nach unten sich auswirten zu laffen. Der Reichstag muß bei der nächsten Beratung des Verkehrs. etats diese geradezu unglaublichen, ebenso bequemen wie finnlosen Abbaumethoden der Reichsbahngesellschaft einmal gründlich beleuchten und den Hauptverwaltungsrat, mag er auch noch so selbstherrlich auf seine Unabhängigkeit vom Reichstag pochen, mingen, mit diesem System des Klassen- und Kastengeistes und der Unvernunft zu brechen. Achtung, Bauarbeiter! Mit Rücksicht auf die eingetretenen Witterungs- und Licht berhältnisse ist es unbedingte Pflicht eines jeden Maurers, Zimmerere, Baubilfs- und Tiefbauarbeitere mit dafür einzutreten, daß die bisher bestandene Winterarbeitszeit eingehalten wird. zember, tritt die 7 stündige Arbeitszeit in Kraft und zwar Mit Beginn der neuen Lohnwoche am Mittwoch, den 2. DeAnfang 8 Uhr. Frühstüd 9-9 Uhr, Mittag 12-12 Uhr, und Feierabend 4 Uhr. Kollegen, Kameraben! Tentt en bas Heer der Arbeitslofen, denkt an die erhöhte Unfallaefahr durch Dunkelbeit, Schnee und Frost. Es muß im eigenen Interesse aller Bauarbeiter die berkürzte Arbeitszeit eingehalten werden. Deutscher Baugewertebund, Baugewerkicaft Perlin. Zentralverband der gimmerer, Bahlstelle Berlin u. Umgegend. Fachgruppe der Studarbeifer. Die Differenzen bei der Bauftelle Saalbau Schweizergarten find beigelegt. Deutscher Bau gewerksbund. A.-G., Berlin, Wallstr. 65, tst täglich mit Ausnahme von Sonnabend Die Spartaffe der Bank der Arbeiter, Angestellten und Beamten von 9-3 Uhr und 5-7 Uhr, Sonnabends von 9-1 Uhr geöffnet 8ba.- Funktionäre ber Metallindustrie. Beute, Dienstag, abend 7 hr in Saverlands Festfälen, Reue Friedrich Ede Rochstraße, Funktionärversamm Tung aller unter den BBMJ.- Tarif fallenden Betriebe. Bann erbalten die Angestellten die Nachzahlung auf Grund des Schiedsspruches vom 23. Mai 1925?" Verbandsangelegenheiten und Verschiedenes. Die Mitglieder aller Sektionsleitungen treffen fich bereits um 6 Uhr im gleichen Bersammlungs der Wichtigkeit der Beranstaltung wird bestimmt pünktliches Erscheinen aller lokal zur Wahl der Fachgruppenleitung und Ortsverwaltungsmitglieder. Bel Funktionäre erwartet. AFA- Mitglieder ber Gelbfchrankfabriken und Bauschloffereien. Mittwoch. den 2. Dezember, nachmittags pünktlich 5% Uhr, in Saverlands Feftfälen, Neue Friedrich Ede Nochitrake, AfA- Mitglieder- Berfammlung. Stellung Der Borstand des Allgemeinen Verbandes der Bantangestellten wird zu der durch die Ablehnung des Schiedsspruchs geschaffenen Situation am Donnerstag Stellungnahme zum Schiebsspruch aur Regelung der Gehälter ab 1. November 1925. nehmen. Berfchiedenes. Die unterzeichneten Berbände erwarten beftimmtes Erscheinen. Bund der technischen Angestellten und Beamten. Deutscher Bertmeister- Ber band. Rentralverband der Angestellten. erflärung abgelehnt. Auch für das Versicherungsgewerbe wurde die VerbindlichkeitsDie Abbaumethoden der Reichsbahn. Die Absicht der Reichsbahn, nochmals einen gewaltigen Beamtenabbau vorzunehmen, hat nicht nur bei dem Eisen bahnpersonal selbst, sondern auch im Parlament und in der Presse Brotest und Entrüstung hervorgerufen. Der Widerstand der Protest und Entrüstung hervorgerufen. Der Widerstand der Deffentlichkeit gegen die merkwürdigen Sanierungsmethoden der GROSSER Achtung, Rimmerer! Arbeitslosenverfammlung am Mittwoch, ben 2. De zember, nadm. 12½ Uhr, im Rofenthaler Sof, Rofenthaler Str. 11/12. Alle arbeitslosen Rameraben werden etfucht, au erfdeinen. Rentralverband der Rimmerer, Rahlstelle Berlin und Umgegend. Berantwortlich für Politik: Ern Reuter: Birtschaft: Artur Saternus; Gewerkschaftsbewegung: Friebr. Eslora: Feuilleton: R. S. Döscher; totales und Sonstiges: Frig Karstädt; Anzeigen: Th. Glode; fämtlich in Berlin. Berlag: Borwärts- Berlag G. m. b. S., Berlin. Drud: Borwärts- Buchbruceret und Berlaasanstalt Baul Singer u. Co. Berlin GB 68 Lindenstrake 3. Sieran 2 Beilagen unb Unterhaltung und Biffen. Mengenabgabe vorbehalten Damen- Wäsche baumwoll Flanell, Damen- Beinkleider farbig, Presenform 225 baumwollenem Damen- Unterröcke Flanell, farbig... 250 VERKAUF Damen- Bekleidung Wintermäntel aus guten schweren Stoffen Trikotagen Schlüpfer 650 13" 16" 22" Beinkleider barchent, Knie- oder Friesenform 35 Elegante Mäntel aus Velours de laine 59° 98 für gut, Damen- Hemden perbarchent, Passenform aus gutem weissen Ko- 390 Nachtjacken Damen entwels Köperbarch, 390 und Umlegekragen Nachthemden für Damen, aus gutem weissen Aermeln und Umlegekragen, in guter Ausführung. Köperbarchent, mit langen 875 fesche ****** Morgenröcke Bindeform... aus gut. Flauschstoff, 550 Morgenröcke aus gutem warmen sticktem. ig. Schal u. Aermelausotstoff, mit be- 350 Strümpfe Kunstseide, schwarz und Prima Seldenfor oder 150 Damen- Strümpfe Mako Damen- Strümpfe farbig, mit Naht... 145 Damen- Strümpfe Tramaseide, fehlerfrei 395 Damen- Strümpfe Wolle, schwarz u farbig 29 Socken for Doppel. 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Beilage des Vorwärts Gefahren im Beruf Dienstag, 1. Dezember 1925 Baukontrollbogen ein. Bei groben Berstößen gegen die Regeln der Technit, bei Verwendung minderwertiger Baustoffe und bei erheblichen Abweichungen von der Genehmigung, schreitet der Baufontrolleur unverzüglich ein. Außerdem ergeht ein sofortiger Bericht an den Borstand des Baupolizeiamtes. Eine wichtige Aufgabe innerhalb der Baupolizei liegt dem Statistischen Amt mit feiner vielseitigen Tätigkeit ob. Es prüft die Zuverlässigkeit eines jeden Bauunternehmers, auch der sich neu etablierenden und führt umfangreiche Kartotheken darüber, dann werden neue Baus materialien, die aus dem Gedanken heraus entstehen, die Bauweise möglichst zu verbilligen, auf ihre Brauchbarkeit hin genau geprüft. Die fortschreitende Technit schafft fortwährend verbilligte, dennoch www ང Die sich von Jahr zu Jahr, vornehmlich aber in den letzten Monaten. fteigernde Bautätigkeit hat eine erschreckend große Zahl von Bauunfällen von denen ein erheblicher Tel tödlich ver. fen ist zur Folge, die die Aufmerksamkeit der Behörden und tes Bublitums auf fich lentten. Die Erforschung und Abstellung ter Unfallursachen ist nicht nur Sache der Baupolizei und der Berufsgenossenschaften. Sie liegt fo fehr im Intereffe aller Bouarbeiter, daß diese selbst zur Mitwirkung herangezogen werden müssen. Bon dieser Ermägung geht auch der Antrag der sozial. demokratischen Stadtverordnetenfraftion aus, ter die weitere Einstellung von Bautontrolleuren aus den Reihen der Bauarbeiter fordert. Arbeiterschutzleute. Die Tatsache, daß vor Eintritt des Frost es die meisten Bauunfälle passieren, ist darauf zurückzuführen, daß Bauten, die turz SOJ Die Passion. Roman von Clara Biebig. Ein Musiker, dessen Aufenthalt fast ausschließlich bie Cafés, die Tanzlokale, die Kon ertstälten waren, der mußte alles ein wenig leicht nehmen, sonst hielte er dies Lufitantenleben eben nicht aus. Olga hatte so lange teine Fröhlichkeit um sich gehabt, daß ihr seine Sorglosigkeit, seine Art, in den Tag hinein zu leben, wohl etwas ungewohntes war, aber nicht unangenehmes; im Gegenteil, etwas Er frischendes. Er wußte immer zu erzählen, was erheiterie, und wenn er mit Eva spaßte, die zmidte, oder wie ein großer Junge mit ihr herumalberie, fonnte fie nicht anders, fie mußte hell in sein helles Gelächter einfallen. Sie wurde ordentlich jung dadurch. Und dann durfte sie doch auch nie vergessen das fagte sie sich immer, wenn Bedenken in ihr aufstiegen, daß er der Retter ihres Kindes war. Wo wäre jezt ihre Eva, wenn er nicht gewesen wäre! Olga war sehr gut zu dem jungen Blechhammer; sie wusch seine Wäsche, sie stopfte seine Strümpfe, fie machte ihm die leden aus seinen Röden, und immer war Sonntags ein Blas für ihn an ihrem Tisch. Er fühlte sich ganz bei ihr zu Hause. Und was schadete es, daß die Bullmann manchmal fchief guete; fie hatte ja nach niemandem zu fragen. Wird deine Mutter denn nu heiraten?" fragte eines Montags die Nachbarin, als Eva fich ihre Suppe holte. Das Mädchen sah sie verwundert an: heiraten? ihre Mutter? Men denn?" " An vor der Fertigstellung stehen, mit allen Mitteln beendet werden. Auf die Haff, mit der die drängende Arbeit ausgeführt wird, ist sicher ein großer Teil der bedauerlichen Unfälle zurückzuführen. Fachleute behaupten, daß, solange es überhaupt Bauten gibt, fich auch Unfälle ereignet haben, und in der Folge noch weiter vorkommen werden. Als Entschuldigung für die Unfälle fann das nicht gelten. Man tann sich nicht ganz bes Eindrucks ermehren, daß von den Unternehmern nicht immer der notwendige Arbeiterschuh beobachtet wird. Die Genehmigung von Bauten erteilt die Berliner Baupolizei, die durch ihre ständigen Baukontrollen einen organifierten Arbeiterschuh übernommen hat. Bedauerlich ist allerdings, baß bei den wenigften Unfällen die Entstehungsursachen festzustellen find, da immer erst nach geraumer Zeit eine Unteichungstommission an die Unfallstelle gelangen fann. Eine außerordentlich begrüßenswerte Einrichtung zur lleberwachung von Bauten bedeuten die Arbeiterschuhleute. Ihre Zahl ist noch sehr gering und der Wunsch nach Vergrößerung dieses Schuhförpers durch Einstellung von weiteren Arbeiterschuhleuten, die gelernte und erfahrene Baucrbeiter fein müssen, tann nur nachdrücs'chst unterstübt werden. Der Dienst der Arbeiterschutzleute besteht in der Ueberwachung der Schußbestimmungen gegen Unfall und Krankheiten bei Abbrüchen, Steubauten und baulichen Aenderungen über und unter der Erde, gleichpiel ob die Arbeiten der Baugenehmigung unterliegen oder nicht. Die Schuhleute find mit den bestehenden Unfallverhütungsvorschriften, mit den Polizeiverordnungen über den Arbeiterschuh gegen Unfälle, über die Arbeiterfürforge, über die Herstellung von Baugerüffen usw. genau vertrant. Bei der Kontrolle fegt sich der Arbeiterschußmann nicht nur mit den Bauleitern oder dem Polier in Berbindung, sondern tritt mit den Bauarbeitern direkt zusammen, nimmt Beanstandungen, Mängel und Klagen entgegen und sorgt für deren sofortige Abstellung. Wird diefer Aufforderung nicht sofert nachgefommen, so wird dem Baupolizeiamt schriftliche Anzeige erstattet. Zu diesem 3med werden von den Arbeiterfchugleuten täg. fi Berichte über die von ihnen überwachten Bauten in Form von Tagebüchern geführt. Die Täfirfelt der Arbeiterfchuhlerte hat fid bisher schon als sehr fegensreich erwiefen und viele Unfälle find durch fie verhütet worden. Auf sogenannte Schwarzbauten richten fie besonderes Augenmert und genen gewiffenlose Unternehmer wird mit aller Schärfe vorgegangen. Anonyme Anzeigen, die der Bolzei manchen wichtigen Bint geben, werden nachdrücklichft perfolgt. Außer den Arbeiterschuhleuten überwachen noch Baufontrolleure| mit technischer Vorbildung die Bauausführungen. Ihre Tätigkeit besteht hauptsächlich in der lleberwachung der Bauten auf einwandfreie Beschaffenheit der Gründungsarbeiten und der technisch ein wandfreien Ausführung von Stein, Eisen und Eisenbetonstügen für hohe Belaftungen. Für den Kontrolleurtechnifer bestehen ebenfalls weitgehendste Borsche ften. Der Baufontrolleur trägt nach der Besichtigung der Baustellen seines Bezirkes das Ergebnis in einen ,, Manu, stell dich doch nich so dumm. Den jungen Menschen natürlich, der gestern wieder den ganzen lieben langen Sonntag bei euch rumgefeffen hat, den Bijelinfraßer. Na, was denn nu-1?" 3ur Bildsäule erstarrt stand die Witwe Bullmann. Eva hatte den Teller, den sie ihr hin hielt, von sich gestoßen und war mit einem feltfamen Laut war das gemeint oder gelacht? aus der Küche gerannt. Ihre Mutter heiraten, ihre liebe einzige Mutter hei raten-?! Es war Eva plöglich, als würde ihr etwas ent riffen. Etwas, deffen Besitz ihr bis dahin gar nicht zum Bewußtsein getommen war, deffen Roftbarteit sie aber jetzt, da der Verlust ihr drohte, völlig erkannte. Denn daß ihr von der Mutter, wenn die Hans Blechhanımer heiratete, ein Stid verloren ging, das empfand sie mit eifersüchtigem Schmerz, Mutter, meine, meine Mutter," meinte sie in ihr Taschen| tuch und zerriß es dann in lauter fleine Feßchen. Sie stampfte mit den Füßen: daß die Mutter heiratete, nein, das wollte sie nicht. Dann wäre es viel besser gewesen, man hätte fie ertrinten laffen! Eine But stieg auf in ihr gegen den jungen Mann, den sie vordem doch so gern gehabt hatte. ein, zu dem würde sie niemals Bapa fagen, als Bater mochte sie den nicht nein, nein, nein! Sie hämmerte mit den fchwachen Fäusten auf den Tisch, und dann weinte sie wieder aufs neue. Sie wollte Herrn Blechhammer nie mehr sehen. Als es Abend wurde, ging Eva nicht wie sonst der Mutter ein Stüd entgegen; wie ein scheues Tier vertroch fie sich in den dunkelften Winkel der dunklen Stube. Und dunkel war es in ihrer Seele. Eva war wie ausgetauscht. Nichts von der gewohnten freudigen Begrüßung war mehr da, als der junge Mann am nächsten Sonntag erschien. ,, Nanu, was ist denn los mit Evchen?" fragte er. E 鹽 aber sichere und verbesserte Materialien. Sache des Materialprüfungsamtes der Baupolizei ist es dann, ihre Verwendbarkeit zu begutachten. Was not tut. Es ist bedauerlich, daß nach dem Gesetz teine Melde pflicht für Gerüste besteht, die zum Berpuzen der Häuserfassaden verwendet werden, gleichgültig, ob es sich um Fest oder Hänge gerüfte handelt. Die Unfälle, die durch Abstürzen von Hänge rüffungen und Zusammenbrechen von Festrüstungen entstehen, haben fich flark vermehrt. In den wenigsten Fällen war es möglich, die Ursachen festzustellen. Trogdem, wie gejagt, diese Gerüste feiner Meldepflicht unterliegen, befaßt sich doch die Baupolizei mit ihrer Ueberwachung. Biele Unfälle ereignen sich beim Abriß der Gerüste. Ob hier nicht immer mit der notwendigen Borsicht zu Werke ge gangen wird, oder ob schabhaftes Rüftmaterial an den Unfällen schuld trägt, ist schwer zu sagen. Die Prüfung der Haltbarkeit und Lebensdauer der Gerüste( Leitern, Stangen und Berbindungsbretter) scheint von der Baupolizei etwas vernachlässigt zu sein; es wäre sehr angebracht, gerade dieser Angelegenheit mehr Beachtung zu schenken. Wer einmal einen Tag auf einem Bau verweilt hat, fann be Bitternd und frierend lag Eva. Zwischendurch streckte sie den Kopf unter der Decke vor, die sie sich ganz übergezogen hatte, und lauschte angestrengt nach dem Nebenzimmer hin. Aber sie erhorchie nichts. Dazu war ihr Gehör nicht scharf genug. Nur ein einziges Mal vernahm sie eiwas: ein furz herausgestoßenes Nicht doch" der Mutter, und dann sein forgloses vergnügtes Lachen. Und den hatte sie einmal so gut leiden mögen? Nein, nein! Nun war es ihr, als hätte fie ihn nie gern gehabt. Er wollte ihr ihre Mutter stehlen, ihre liebe einzige Mutter, und wenn er die gestohlen hatte, ob er die dann noch immer so wert hielt, wie man die werthalten mußte? Wenn man erst mal etwas hat, dann schäßt man es nachher lange nicht mehr so. Das frühreife Kind schüttelte den Kopf in einem Mißtrauen, das bis jetzt unbegründet war und doch ihrer Eifersucht plötzlich begründet erschien. Der wollte es bloß bequem haben, sich von der Mrtter wohl ernähren lassen. In wütender Abweh: stieß Eva mit Händen und Füßen. ,, Eva will nicht mieder aufstehen," sagte Olga befümmert. Sie will ganz liegen bleiben. Schade bei dem schönen Wetter! Ach, und heute gerade!" Sie war sehr enttäuscht, fie hatte es sich so schön gedacht, mit ihm und Eva spazieren zu gehen zu dreien! zu dreien, wie andere zu zweien, mitten in aller Welt sich ganz genug. ,, Sie hat Kopfschmerzen," sagte die Mutter und strich beforat ihre Eva die finster hineinhängende Haarlode aus der Stirn, dabei lächelte sie den jungen Mann an: wie gut von ihm, daß er das gleich bemerkte, rührend gut von ihm! Ich will zu Bett gehen," murmelte Eva und schlich aus der Stube. Draußen war heller, wunderschöner Sonntag, eine fpäte Herbstsonne, die alles vergoldete und noch einmal warm machte, ehe der Winter fam; aber Eva mochte nichts ,, Na, dann gehen wir 3mei eben allein," fagte er und sehen von der Sonne. Sie vertroch sich in ihr Bett und verfaßte fie um. Aber dann ging er doch herein zu Eva und barg die weinenden Augen in den Rissen. O, fie mußte auf feste fich für einen Augenblid auf ihren Bettrand: ,, Was ist einmal so weinen, so sehr weinen! In diesem Bett hatte der denn los, Evchen? Komm doch mit, menn mir spazieren tote Großvater vielleicht auch manchmal gemeint und sich ge- gehen. Na, steh schon auf!" Er suchte ihre Hände zu fassen, wiß auch mal gegrämt, aber sicher nie so sehr, nicht den aber sie stieß ihn so unsanft von sich, daß er drinnen sagte: hundertften Teil so sehr, wie fie es jekt tat. Sie biß die Brinzeßchen ist ungnädig." Bähne aufeinander, um nicht laut zu schreien. Der Blech hammer paßte ja gar nicht zur Mutter nein, gar nicht, er war ja noch so jung und war er wirklich so gut, wie er jegt immer tat? Würde er auch später so bleiben? Bar er zuverlässig? -w Mit einer großen Altflugheit, mit einer grausamen Schärfe, die aus der Eifersucht geboren war, zerglieberte fich bas Kind den Freier der Mutter. Denn daß er das war, das war Eva ganz flar. Sie hatte trok ihres gefenften Kopfes die Blide bemerkt, die die beiden tauschten. Olga wußte es nicht, daß ihre Augen bei seinem Eintritt aufleuchteten, Eva hatte diefes Aufleuchten bemerkt. Ja, die Mutter wollte Herrn Blechhammer heiraten, würde ihn wirklich heiraten, o wie schrecklich! tam bas nur, Eva war jonit doch eigentlich nie ungezogen? ,, Eva ist heute ungezogen." Olga war ärgerlich: wie verstörte ihr fast den hellen Tag. Es Dieser helle goldene Sonntag, den der Herbst noch schenkte in seiner gnädigsten Geberlaune, war für Eva sehr traurig. Die beiden waren gegangen und hatten sie allein gelaffen. Die Mutter hatte sich noch über sie gebeugt und ihr einen Ruß gegeben, aber zornig hatte sie sich mit dem Bettipfel die ange abgerieben, den Ruß wollte sie nicht. Und daß sie überhaupt ging, ihre Eva zurücklich, das war abscheulich! Sie weinte herzbrechend in einer ohnmächtigen schmerzlichen But. ( Fortsetzung folgt.) obachten, wie faft fäglich, wenn nicht gar mehrmals am Lage, Gerüststellen verlegt oder abgerissen werden, um an anderer Stelle wieber neu zu erstehen. Dadurch wird eine Kontrolle sehr erschwert. Was nüht es, wenn eben ein Arbeiterschuhmann Mängel beseitigen läßt, die in der nächsten Stunde an anderer Stelle erneut Anlaß zu Brotest geben. Irgendeine Fahrlässigkeit oder Unaufmertfamfeit fann bann einen Unfall herbeiführen. Hier muß der Selbsterhaltungsfrieb des Arbeiters und das Verantwortungsgefühl den Kollegen segenüber darauf hinstreben, daß die Bauleitung sofort auf Mängel aufmerksam gemacht wird. Wird über etwaige Klagen leichtsinnig hinweggegangen, steht der Weg zur Baupolizei offen, die in jedem Falle jofort einschreitet. Nicht zu vergessen sind die vielen Proteste von Sieblern, die, berechtigt oder unberechtigt, das Vorgehen der Baupolizei bei kleinen baulichen Veränderungen als Schifane auffassen. Erfährt und prüft man die Gründe hierfür, wird manches verständlicher. Mestens liegen die leicht gebauten Häuschen abgelegen an der Peripherie der Stadt, wo noch kein Wasserleitungs- und Kanali sationssystem besteht. Bei Feuergefahr fönnte dann in den wenigsten Fällen die Feuerwehr eingreffen und ebenso würde sie oft durch die fchwierigen Wegverhältnisse nicht an den Brandherd heran fönnen. Der Winter steht vor der Tür und die Bautätigkeit wird zwangs weise bis auf wenige Innenausbauten eingestellt werden. Aber gerade diese stille Beit sollte dem Ausbau der Bauarbeiterschutzbestimmungen dienen. Die Bauarbeiterorganisationen werden es an tatkräftiger Mithilfe sicher nicht fehlen lassen. Der Angeklagte als Philosoph. 2615 41 Jahre Zuchthaus. Es ist nicht die Gerichtsverhandlung selbst, die interessiert. Sie hat rein formelle Bedeutung. An dem Schicksal dieser beiden Angeklagten fann das Schöffengericht Berlin- Mitte nichts mehr ändern. Der eine, ein gewiffer Mölle, hat im ganzen 26 Jahre, fein Komplice Seller, ein ehemaliger Kraftwagen führer, hat 15 Jahre 3uchthaus vermirft. Ihre Strafzeit wird also die gleiche Dauer haben, denn über 15 Jahre Zuchthaus fann nicht erkannt werden, es sei denn lebenslänglich. Wenn Menschen über Menschen derartig harte, für das ganze Leben ausschlaggebende Strafen werhängen, dann müssen sie dazu schwer. miegende Gründe haben. Diese sind hier in Brinzip vorhanden. Beide Verurteilte find Schädlinge der arbeitsamen und ringenden Staatsbürger. Was diese sich erworben, das nehmen ihnen die Angeklagten wieder fort, wenn es jein muß, fogar mit Gemalt. Heller hat bei einem feiner Einbrüche sogar ein Menschen leben auf dem Gewissen. Heute fann man also mit ihnen faum noch Mitleid haben, denn für ihre Taten muß das Berständnis fehlen. Aber eine Frage taucht auf. Das Benchmen der beiden Angeklagten fordert dazu heraus. Auf der einen Seite Heller, das millenlose, ergebene Werkzeug Nölles, der gleichzeitig lächelnd sagt: Mit mir fönnen Sie machen, was Sie wollen, ich sterbe ja doch im Zuchthaus!" Dann wieder der andere, intelligente Nölle: Sch- bekämpfe die Gesellschaft und die Justiz als Produkt dieser Gesellschaft! Ich handle aus Ueberzeugung, nicht aus Neigung zum Berbrechen!" Bei beiden merft man die Verbitterung über ihr hoffnungslojes Schicksal. Und daher die Frage: Wie, menn mun die ersten Strafen, die über diese Leute verhängt wurden, gleich so harte waren, daß das furchtbare Leben hinter Gefängnis. und Zuchthausmauern erst das aus ihnen in a dhte, was sie jetzt sind? Diese Frage wird auch dann nicht ihre Bedeutung verlieren, wenn man das gelehrte Geschwäh Nölles als das nimmt, was es eben ist. Eine Weisheit, die er dem Stitdium im Gefängnis und im Zuchthaus verdankt, das ihm Bücher alter und neuer Philosophen mahllos in die Hände lieferte. Seine angeborene Intelligenz läßt ihn geschickt das herausfchälen, was sich als Entschuldigungstheorie für feine Taten verwenden läßt. Natürlich in zurechtgemachter Tenbenz. So zitiert Nölle neben Riebiche mit Vorliebe den amerikanischen Philosophen Brutton. Letzteren übertrumpft er noch ganz erheblich, denn er, der Angeflagte, sagt: Eigentum ift Raub und Mord." Und aus diesem Grunde fühle er sich berechtigt, den Befihenden alles fortzunehmen. Schon als Junge in der Schule habe es ihn immer geärgert, wenn die reichen Eauffäce" sich in ihren Equipagen breit machten, während andere im Staube liegen müßten. Man fönnte über die ganze Verteidigungsrede dieses Menschen, ter außerdem noch mehrere Sprachen beherrschen, die halbe Welt gesehen haben will, ohne weiteres mit einem Achselzuden hinweggehen, man fönnte sie als Phantasien eines Halbverrückten abiun, wenn nicht die Absicht, die verstimmen muß, zu deutlich wäre.. Nölle will weiter nichts, als die entsehlich lange Strafe nicht verbüßen zu brauchen. Er, der das Leben in den Strafanstalten fennt, tämpft mit zäher Energie um den§ 51, der ihn zu seinem Bunsch verhelfen soll. Er ist nicht so ergeben in sein Schicksal wie Heller, mit dem er während der Verhandlung scherzt und lacht. Und dieses Scherzen und Lachen ist ebenso wenig ehrlich, wie die ganze Rede dieses Menschen. Verzweifelt und verbittert ist das Innere dieses Körpers, der verurteilt ist, 15 lange Jahre in Bucht haushaft zu verbringen. Und diese Regung, diesen Kampf versteht man. Und wenn der Gerichtshof herauskommt, das formelle Urteil für den letzten Einbruch beide noch ein Jahr Zuchthaus verlieft, dann fommt einem das höhnische Lachen und die Gastwirtschaft ift ebenfalls geöffnet. Die Elebahn ist mit den fahrplanmäßigen mehrmals in der Stunde verkehrenden Zügen der Stadt- und Vorortbahnen sowie der Wannseebahn erreichbar. Urteil im Stellenvermiülerprozeß. Der Staatsanwalt bezeichnet die Angeflagten als Schädlinge. Der vor dem Landgericht I verhandelte Stellenvermittlerprozeß, über den wir in der vorigen Woche berichtet haben, hat nach vier früher, als in Aussicht genommen Sigurigen schon am Montag mar zu Ende geführt werden können. -Q Nach Schluß der Beweisaufnahme wurde den drei Angeflagten nobel, Semenyna und Nowat, die das Urteil des Schöffengerichtes durch Berufung angefochten hatten und in der Verhandlung vor dem Landgericht sich ohne Rechtsbeistand gegen die Antiage wehrten, nochmals das Wort zur Verteidigung gegeben. Sie behaupteten, sich keiner Schuld bewußt" zu sein, und erwarteten Freisprechung. Der Staatsanwalt sah in dem Ergebnis der Beweisaufnahme feinen Grund, das Urteil zu ändern. Er wies auf das Geschäftsgebahren der beiden Konkurrenz organisationen hin, des von einem fonzeffionierten Stellenvermittler für seinen Geschäftsbetrieb gegründeten Verbandes Große Frauen- Bersammlung am Mittwoch, den 2. Dezember, abds. 7 Uhr, in den„ Germaniajälén", Chauffeeffraße 110. Tagesordnung: Die Frau im neuen Strafrecht. Referent: Rechtsanwalt Genosse Dr. Saenger- München, M. d. R. 9 Wieder drei Handelsuntersagungen. Futterkartoffeln werden der Stadt als Speisekartoffeln verkauft. Auf Grund der Berordnung über Handelsbeschränkungen von 13. Juli 1923 hat der Polizeipräsident zwei Kartoffelgroßhändlern und einem Kartoffeltommissionär den Handel mit allen Gegenständen des täglichen Bedarfs wegen Un. zuverlässigkeit untersagt. Der eine Kartoffelgroßhändler hatte als Fabriffartoffeln für 1,35 m. je Zentner gekaufte Kartoffeln als Speisekartoffeln für 2,40 m. je 3entner weiterverkauft, der andere hatte für 1,07 m. pro Zentner eingetaufte, als Futter- und Fabrikmare bezeichnete Kartoffeln als Speisekartoffeln zum Preise vou 2,28 M. für den Zentner an das Anschaffungsamt der Stadt Berlin Der Kartoffelfommissionär hat in einer ganzen weiterverkauft. Reihe von Fällen Kartoffeln mit unverhältnismäßig hohen Auf. schlägen verkauft und von ihm beanstandete und als Fabrikware abgerechnete Kartoffeln nicht als Fabrittartoffeln weiterverkauft. Bichzählung am 1. Dezember. Auf Grund der Bekanntmachungen des Reichskanzlers vom 18. Juli 1912, 4. Dezember 1912 und 30. Januar 1917 nebst späteren Erweiterungen findet am 1. Dezember eine Viehzählung statt, die sich auf Pferde( ohne Militärpferde) Maultiere und Maul. efel, Efel, Rindvieh, Schafe, Schweine, Biegen, Kaninchen, Federvieh( Gäuse, Enten, Hühner, Trute und Perlhühner) und Bienenpölter erstreckt. Die Ergebnisse der Zählung dienen lediglich volkswirtschaftlichen Zwecken, die Angaben werden für Zwecke der Steuerperan Lagung nicht benut. Aufzunehmen ist der gesamte Viehbestand einschließlich solchen Biehs, das der Haushaltung zwar nicht gehört, aber sich bei ihr in Fütterung oder Pflege befindet. Am 1. Dezember vorübergehend abwesendes Vich ist bei der Haushaltung, zu der es gehört, mitzuzählen. Am 1. Dezember Derfauftes Bieh ist bei dem Verkäufer zu zählen. Die Zählung wird durch Polizeibeamte ausgeführt. Sollten die Angaben am 1. Dezember nicht abverlangt sein, so sind die Anzeigen von den Anzeigepflichtigen dem Statistischen Amt der Stadt Berlin, C. 25, Alexanderstr. 46/48 IV, 3immer 150, bis spätestens am 4 Dezember Wer vorsätzlich eine Anzeige nicht erstattet oder zu erstatten. wiffentlich unrichtige oder unvollständige Angaben macht, wird mit Gefängnis bis zu 6 Monaten oder mit Geldstrafe bis zu 10 000 m. bestraft; auch fann Vieh, dessen Vorhandensein verschwiegen worden ist, im lirteil für dem Staate verfallen" erklärt werden. Nationalistisches von der Autoausstellung. Die deutsche Automobilausstellung steht befanntlich unter dem Motto:„ Deutsche fauft deutsche Kraftfahrzeuge wer einen auständischen Kraftwagen fauft, macht Deutsche brotlos!" Leitung und Aussteller haben sich bisher alle Mühe gegeben, die Art ihres Deutschtums" flarzulegen. Zum ersten: Bei der Anwesenheit des Reichspräsidenten( und in der Folge auch bis zur Stunde) war feine Flagge des Deutschen Reiches zu sehen. Zweitens: Die Firma Audi verkauft einen Wagen an S. t. Hoheit den deutschen Kronprinzen". Und drittens: Das Nachmittagskonzert in der Funkhalle wird aus geführt vom Deutschen Tonfünstlerorchester in einer Uniform, die dem Inhaber des Orchesters bereits eine Anlage wegen unberechtigten Uniformtragens eingebracht hat. Er macht sonst nationalistische Radaumusit in den Kultstätten Teuts. Die Veranstalter des Aussteller genieren sich also nicht, unter obigem Motto deutsche Berufsmufiter durch Beamtenmufiter brotlos zu machen. der Vorschnitter" und des als Gegengewicht entstandenen Reichsbundes deutscher Aufseher und Vor schnitter", der ohne Konzession arbeitete, aber durch Geschäftsverbindung mit einer fonzessionierten Stellenvermittlerin sich gesichert glaubte. Den der Teilnahme beschuldigten Angeklagten Knobel und Semenyna habe die Strafbarkeit nicht zweifelhaft sein fönnen. Auch die Anklage gegen den nicht fonzeffionierten Vermittler Nował jei durch die Beweisaufnahme nicht widerlegt worden. Bei Nowak müsse man ebenso wie bei Semennna schon in den Ausfällen gegen das. Arbeitsamt Friedrichhain und gegen seinen Außenbeamten Judrian einen Beweis des Schuldbewußtseins dieser beiden Angeklagten sehen. Der Staatsanwalt bezeichnete die Angeklagten als Schäd linge im Stellenvermittlungswesen und beantragte, die Berufung zu verwerfen, so daß es bei den vom Schöffengericht festgelegten Strafen bleiben müßte. Vom Schöffengericht waren fieben Angeklagte zu Gefängnisstrafen verurteilt worden, darunter Semenyna zu drei Monaten, Knobel zu drei Monaten, Nowak zu einem Jahr drei Monaten. Nur diese drei hatten Berufung eingelegt. Die Straftammer sah als erwiesen an, daß Semeny na geschleppt hatte, aber nicht, daß er sich der Mittäterschaft oder der Beihilfe bei dem Betrug seines Auftraggebers schuldig gemacht habe. Die Schlepperei allein bebeute nur eine Uebertretung, diefe aber fei verfährt, so daß Einstellung des Verfahrens beschlossen werden müsse. Gegen Knobel, den Geschäftsführer des Reichsbundes deutscher Aufseher und Vorschnitter, sei ermiesen, daß er vermittelt habe, ohne es zu dürfen, dagegen sei Preiswucher und Betrug nicht anzunehmen. 300 Mark Strafe für die unerlaubten Ver mittelungen sei ausreichend. Nomat habe nach eigenem Geständnis ohne Erlaubnis vermittelt, Betrug aber sei bei dem vorfelde und Mündeberg beganien zu haben, meldete sich am feine Leute erhielt, nicht erwiesen, Wegen der unerlaubten Gericht erörterten Fall der Herrschaft Carolath, die trog Zahlung Bermittelungen wurde gegen Nomal auf fechs Wochen haft erkannt, die durch die Untersuchungshaft verbüßt find. Das Urteil, das diefem Prozeß feine abschredende des Stellenvefmittelungswesens teils Ueberraschung hervorrufen, Wirkung zu nehmen geeignet ist, dürfte bei Interessenten" teils ein Gefühl der Erleichterung auslösen. Das Verdienst des arbeitsamtes Friedrichshain um die Bekämpfung Landesarbeitsamtes Berlin und des Bezirks. der Auswüchse des Stellenbermittelungsmesens mird durch das Urteil nicht gemindert und hoffentlich auch nicht thr Eifer, den Kampf fortzusetzen. Hilfe für die Erwerbslosen. 10 Millionen Mark müssen bereitgestellt werden. Der Stadtverordnetenausschuß zur Vorbera tung der Anträge zur Linderung der Not der Arbeits losen und Erwerbslosen trat am Montag im Berliner Rathaus zunossen Brühl u. a. vertreten. Zu Vorsitzenden wurden die Stadtfammen. Der Magistrat war durch den Bürgermeister Scholz, Geverordneten Genosse Heitmann( SPD.) und Luscher( PD.) gewählt. Nach einer ausgedehnten Erörterung wurde beschlossen, den Magistrat zu ersuchen, unverzüglich eine Vorlage zu machen über die Bereitstellung von 10 Millionen Mart, die den Wohlfahrtssollen. Reich und Staat follen aufgefordert werden, Notstands. ämtern zur Unterstützung der Erwerbslosen usw. überwiesen werden flandsarbeiten in die Wege zu leiten. Allen Unterstützungsberechtigten arbeiten fortzusetzen, und der Magiftrat wurde ersucht, neue Notder beiden Angeklagten nicht mehr so unverständlich vor. Sie lachent ja nur, weil ihre Strafe nicht mehr größer werden fann. Die einmal aufgeworfene Frage aber wird man nicht mehr los. Warum. sollen zwei Zentner Kohlen von der Stadt geliefert werden man gleich zu hart, und haben solche Sachen wirklich irgend einen 3wed? An dem Schicksal diefer beiden wird sich nichts mehr ändern laffen. Aber auch in Zukunft werden leider noch viele diesen Weg gehen müssen und da wäre es von Bedeutung, wenn folche Zweife nicht erst aufzutauchen brauchten, die da lauten:" a ben die Berurteilten nur an der Gesellschaft gefündigt 447 ober diese auch an ihnen-!? Zustellung der Steuerkarten für 1926. Die Steuerfarten für 1926 follen allen Arbeitnehmern Berlins, die ihre Wohnung seit dem 10. Oftober d. 3. nicht gewechselt haben, Anfang Dezember zugestellt werden. Arbeitnehmer, die nach dem 10. Oftober d. I. innerhalb Groß- Berlins verzogen sind, müssen ihre Steuerfarte von dem Bezirkssteueramt abholen, in dessen Bezirf sie sich bei der Personenstandsaufnahme am 10. Oftober in die Haushaltungsliste eingetragen haben, oder bei diesem Steueramt die Uebersendung durch die Post beantragen. In solchen Anträgen ist die Wohnung am 10. Oftober und die jetzige Wohnung anzugeben, ebenso ist Rüd porto beizufügen. Den nach dem 10. Oftober aus anderen Orten Deutschlands zugezogenen Arbeitnehmern wird dringend geraten, sich die Steuerkarte von der Gemeinde nachfenden zu lassen, in deren Bezirt sie an diesen Tagen gewohnt haben. Bor drude zum Einfleben von Einkommenssteuermarten werden bei fämilichen Finanzämtern, Postanstalten und den städtischen Orts dienststellen der Außenbezirke vorrätig gehalten, falls in den betreffenden Ortsbezirten nicht gleichzeitig ein Finanzamt seinen Siz hat. Strandeisbahn Wannsee. Der Eintritt stärkeren Frostes hat die Zeitung des Städtischen Freibades Wannsee veranlaßt, auf der 3750 qm großen Fläche des Strandes eine Ruusteistabn herzustellen, die wegen ihrer Aus debnuna un böllinen Gefahrlofig feit eine hervor ragende Stätte des Schlittichubsports zu werden ceeignet ist und außerdem bei weiterem farfen roft mit der Eisfläche des Wann fees verbunden werden kann, sobald diese für den Eisiportbetrieb freigegeben fein wird. Die Garderobenräume des Freibabes werden auch den Besuchern der Eisbahn zur Verfügung stehen Ferner wurde beschlossen. den Magistrat zu ersuchen, möglichst sofort den Steuerausschuß des Magistrats zu einer Sigung einzuberufen, mittel sollten mit äußerster Beschleunigung bereitgestellt in der die eingegangenen Borschläge beraten werden sollen. Die werden, denn die Not steht nicht mehr vor der Tür, sie ist schon in den Wohnungen und jigt den verzweifelten Menschen im Naden Im übrigen sei erwähnt, daß u. a. auch Hamburg im Begriff ift, eine großzügige Notstandsattion zu unternehmen. Es wurde eine Summe genannt, die die von 10 Millionen weit übertrifft. Das Philharmonische Orcheffer veranstaltet, bielfachen Wünschen ent. prechend, heute einen Johann Strauß- Abend". Dirigentist Brofeffor Bruwer. Das Rundfunkprogramm. Dienstag, den 1. Dezember. 4 Außer dem üblichen Tagesprogramm: 4.30-6 Uhr nachm.: Der vaterländische Gedanke in der Dichtung, Vortrag und Rezitationen von Wolfgang HoffmannHarnisch. Unter Mitwirkung des Lasowski- Quartetts. 6.45 Uhr abends: Literarische Stunde. Kalender für das neue Jahr. Der deutsche Kalender Deutscher Alpenkalender Dürer- Kalender Der deutsche Genius Deutscher Werkkalender Tage der Technik Hindenburg- Jahrbuch. 7.20 Uhr abends: Hans- BredowSchule( Bildungskurse). Abteilung Sprachunterricht. Englisch( R. Herdman Pender). 8 Uhr abends: Einführung zu der Oper Die Entführung aus dem Serail am 2. Dezember. 8.30 Uhr abends: Wagner- Abend. Dirigent: Bruno Seidler- Winkler. 1. Ouvertüre zu„ Der fliegende Holländer". 2. Duett Senta und Erik: Bleib Senta" aus" Der fliegende Holländer( Dorothee Manski. Sopran, und Adolf Dimano. Tenor). 8. Ouvertüre zu Lohengrin 4. III. Akt aus Lohengrin": a) Einleitung, b) Szene 1: Brautlied:" Treulich geführt( Berliner Funkchor), c) Szene II: Brautszene:„ Das süße Lied verhallt"( Dorothee Manski und Adolf Dimano). 5. Aus Meistersinger von Nürnberg": a) Am stillen Herd. b) Preislied( Adolf Dimano). 6. Isoldes Liebestod ( Dorothee Manski). Berliner Funkorohester. Anschließend: Dritte Bekanntgabe der neuesten Tagesnachrichten. Zeitansage. Wetterdienst. Sportnachrichten, Theater und Filmdienst. 10.30 Uhr abends: Winke für Funkbastler( Manfred von Ardenne). Ein Mörder". " Mit der schweren Selbstbefchuldigung, den Mord an dem Arbeiter Arendt auf der Chauiiee zwischen Jahnsvierwache des Alexanderplates. Der Mann war niat ganz Sonntagabend ein 27 Jahre alter Dreher Paul W. auf einer Ne nitern, man behielt ihn aber in Gewahrsam und führte ihn gestern der Kriminalpolizei bor. Ernüchtert bekannte er der Mords fommission, die dieses Verbrechen bearbeitet, daß seine Selbstberg liegt, und es wurde auch bald festgestellt, daß er sich in der bezichtigung falich war. Er wußte nicht einmal, wo Münche fritischen Zeit bei einem Fußballtlub aufgehalten hatte. Schwere Schlagwetter? atastrophe im Ruhrgebiet. Bier Tofe, fünf Schwer- und acht Leichtverletzte. Am Montag nachmittag gegen 2 Uhr hat sich auf der Zeche Lothringen in Gerthe bei Bochum eine Schlagmetterexplosion ereignet, der 17 Bergleute zum Opfer gefallen sind, davon find vier tot und dreizehn verlegt. Bon den letzteren find pierschwer und acht leicht verlegt. Da alle übrigen Marken abgegeben sind, ist mit weiteren Opfern an Menschenleben nicht zu rechnen. Sämtliche Baue find zurzeit wieder befahrbar. Detonation Der Sozialdemokratische Pressedienst erfährt von einem Augenzeugen folgende Einzelheiten über die Ratastrophe: Ich war mit meinen Rameraden beim Laden beschäftigt, als plötzlich ein heftiger Knall mir die Sinne raubte und ich einige Meier forts geschleudert wurde. Als ich nach furzer Zeit wieder zur Besinnung fam, gelang es mir, in Sicherheit zu kommen. Durch die gewallige wurden einzelne Kohlenwagen bis Wasserleitung zerstört. Wir wateten über einen Meter tief in 300 meter fortgeschleudert, Schienen aufgeriffen und die Wasser. Ein großer Teil der Strecke ist zu Bruch gegangen. Die beiden Gesteinsstaubschranken haben sich wiederum als egensreich erwiesen und das Eindringen der giftigen Gase in die anderen Reviere verhindert. Die Gerüchte, daß ein Grubenbrand entstanden ist, finden keine Bestätigung. Tragödie der Wohnungsnot. Schredensjuftiz: 1 Jahr Zuchthaus für eine Verzweiflungstat. Wegen vollendeter Brandstift ng verurteilte das Schwur. gericht in Lüneburg einen Arbeiter aus Münster zu der überaus schweren Strafe von einem Jahr Zuchthaus. Der Be schuldigte bewohnte mit feiner fiebentöpfigen Familie seit fünf Jahren eine kleine Holzbude, die vor. dem als Dunkelfammer benutzt worden war und aus einem einzigen Raum bestand. Alle Bemühungen, ein anderes Unterfommen zu finden, mißlangen. Die Bude war voller Ungeziefer, das treh größter Anstrengung nicht ausgeroitet werden konnte. Den Arbeiter, der feinen Ausweg aus diesen jammervollen Zuständen jah, pacte die Verzweiflung, so daß er eines Tages Feuer anlegte. Dafür schickte ihn jetzt das Gericht auf ein Jahr ins Zuchthaus, weil er ein als Unterkunft für Menschen dienendes Gebäude angesteckt habe(§ 306. Abs. 2 SiGB.). Was müssen das für Geschworene gewesen sein, die es zuließen, daß ein Mitmensch, der sich in Not und Verzweiflung befand, so hart bestraft murde? 12 Todesurteile in Moskau wegen Unterschlagung! Nach 42tägiger Verhandlung ist der große Prozeß wegen ber Unterschlagungen im Petersburger Kriegs. hafen endlich beendet worden. Das Oberste Gericht hat nicht weniger als zwölf Todesurteile gefällt, darunter gegen den Haupts erpetitor des Kriegshafens und gegen den Gehilfen des Hafenfommandanten. 37 Angeklagte erhielten langfristige Freiheitsstrafen. Weffer für Berlin und Umgegend: Milder, meist betwölft, mit Schneefällen. For Deus land: In Beitdeutschland. Tauwetter, in Mitteldeutsche land Temperaturen um Rull schwankend, in Ostdeutschland-tags leifter, nachts strenger Frost Arbeiter Sport Winterarbeit. Die Zelt der großen Sportfefte und der Wettkämpfe ist vorbei. Die winterliche Jahreszeit verlangt eine limstellung des ganzen Sportbetriebes. Die Turnsäle werden jetzt die Sammelpunfte für die Pflege aller Arten von Leibesübungen. Red und Barren, Ringe und Leitern, Pferde und Böcke werden mehr als im Sommer in den Dienst der guten Sache gestellt, damit die Gelente nicht einrosten und für den nächsten Sommer ge= schmeidig bleiben. Nur hin und wieder treffen wir die Leicht athleten noch draußen beim Wald- und Straßenlauf. Befonderes Gewicht wird auch auf die Zimmergymnastik zu legen sein, damit das Frühjahr frische, sportgestählte Gestalten sieht. Ringer, Borer und Schmerathleten treten wieder in den Sälen an, denn auch ihre Arbeit darf nicht ruhen. Den Wassersportlern scheint die Lahmlegung ihres Sports zu drohen, wenn die Kätte aue Gewässer mit einer Cisschicht überdeckt Doch sie finden schnell ein anderes Tätigkeitsfeld, den Eislauf, der auch vielen sonst fportlich wenig interessierten Menschen Gelegenheit zur Ausarbeitung ihres Körpers gibt. Nur den Wanderern wird fein Feld ihrer altgewohnten Feierstundenarbeit gesperrt. Das Winter wandern hat von Jahr zu Jahr mehr Anhänger gefunden; eine fhöne Wanderung durch den winterlichen Wald mit Rodelfahrten von den höhen und flottem Eislauf über zugefrorene Seen wirft Bunder. Herz und Lunge finden besondere Stärkung, und auch die pielgeplagten Nerven erholen sich ein wenig. Zu diesen WinterSportarten tam neuerdings eine neue hinzu, die jedoch finanzieller Schwierigkeiten wegen immer noch der großen Masse der ArbeiterSportler verschlossen bleibt, das ist der Sfilauf. Und dennoch, der Besuch der Trodenkurse unterer Arbeiterwintersportler zeigt, daß trog Rot und Elend, trog ungünstiger Berhältnisse im Flachland auch Arbeiter und Arbeiterinnen mehr und mehr Freunde dieses schönen Sports werden. So finden alle Seiten der sportlichen Ausbildung auch im Winter notwendige Berücksichtigung. Nur eins erscheint bisher vonnöten. Die Arbeitersportler müssen sich mehr als jeht um die Verhältnisse in Staat und Rommune fümmern. Die Uebungen in den Turnsälen und auf Wintersportplätzen bringen Verpflichtungen, so daß der Sportler mit diesen Dinger vertraut sein muß Besonders ist es die Arbeit in der Kommune, du Leibesübungen und Jugendpflege umfaßt. Die Erleichterung des Sportbetriebes durch Gebühren ermäßigungen für städtische Räumlichkeiten und Fahrgelder, somie durch Benutzung ftaatlicher und fommunaler Institutionen und die Erlangung von Beihilfen gehören auch in dieses Gebiet. Der Sportler gewinnt dabei gute Einblice in Wesen und Zusammen legung der Verwaltungstörper in Staat und Gemeinde, deren Wichtigkeit ihm offenbar wird. Zum anderen steht hiermit in engstem Zusammenhang die theoretische Ausbildung. Bielleicht hat man bislang darauf zu menig Aufmerksamkeit gemendet, als hätte man den Sport bisher zu fehr als rein törper. liche Leibesübung betrieben und dabei das geistige Gebiet vernachläffigt. In den einzelnen Sparten fann den Mitgliedern die Kenntnis der besonderen Art ihrer Leibesübung nicht mehr genügen. denn überall zeigen sich Zusammenhänge mit dem übrigen gefellschaftlichen Leben. Der Turner und der Schwimmer, der Leicht- und der Schwerathlet werden die Fragen des Körperbaus und der Lebens. funktionen im menschlichen Körper in den Kreis jeiner Beobachtungen und seiner Kenntnisse ziehen müffen. Der rhythmischen Gymnastik Der rhythmischen Gymnastik beispielsweise liegt ein feines Einfühlen auf das Gefühlsleben und auf musikalische Rhythmen zugrunde. Das verlangt besondere Geistes. arbeit, genau wie beim Naturfreund und Wintersportler, der schauend durch die Fluren wandert. Darüber hinaus finden sich dann für alle noch Bedingungen zu fulturellen 3eitströmun gen. Dieser Notwendigkeit müssen die Arbeitersportler auf ihren Heimabenden und Gruppenzusammenfünften Rechnung tragen, man leistet dabei im besten Sinne Winterarbeit nicht nur für den Sport, sondern auch für den Aufstieg der menschlichen Kultur überhaupt. Arbeiterwintersport. Bie alljährlich, veranstaltet bie Arbeiter- Wintersport- Interessengemeinschaft" auch in diesem Jahre eine Wintersportfahrt in das Riefengebirge. Es soll den Berliner Arbeitersportlern Ge legenheit geboten werden, unter sachtundiger Leitung den Gebrauch der Wintersportgeräte zu erlernen, sowie unter erfahrener Führung Sportfahrten burch bas minterliche Riesengebirge zu machen. Die Wintersportfahrt erstreckt sich auf die Zeit vom 24. Dezember bis 3. Januar. Selbstverständlich können die Teilnehmer zu einem Späteren Termin als 24. Dezember nachkommen, ebenso auch die Fahrt früher abbrechen. Anmeldungen müssen bis zum 8. Dezember vorgenommen werden. Mitglieder der AWI. müssen 10 Mart, Nichtmitglieder: 12 Marf bei der Anmeldung einzahlen. Diese Einzahlung wird auf Fahrgeld, Kursgebühr usw. in Anrechnung ge= bracht. Meldungen nimmt entgegen Otto Steinide, Berlin SD., Stalizer Straße 25, und Sporthaus Fichte", Berlin SO., Köpenider Straße 108. Am 2. Dezember, abends 7% Uhr, findet im Lokal von Braffer, Michaelkirchstraße, Ede Wusterhausener Straße, eine Besprechung zwecks Organisierung des Uebungs- und Trainingsbetriebes für den Eislauf statt. Alle am Schlittschuhlauf interessierten Groß- Berliner Arbeitersportler müssen erscheinen. Der Uebungs- und Trainingsbetrieb der AWJ.. Stiobteilung ist an jedem Wochentage, an dem Schnee liegt. Treffpunkt abends 7 und 8 Uhr Bahnhof Wilhelmshagen, Ausgang Nordfeite. Abfahrt Stralau- Rummelsburg 6,15 und 7,15 Uhr. Alle Kursusteilnehmer müssen vollzählig erscheinen. Städtekampf Rathenow- Berlin. Um Totenfonntag führte der Sportklub 2urich 02 ben fälligen Städtebogtampf gegen den Sportflub Rathe. now 08" in den gutgefüllten Schinfels Festsälen". Es gelang „ Zurich 02", seinen Gegner mit 10 zu 2 Punkten abzufertigen. Ein geleitet wurde der Abend durch den Sieg Angerhöfers- Lurich über Kontorred- Siegfried. Im ersten Klubfampf stoppte KraftLurich feinen Gegner durch rechten Kinnhafen für die Zeit ab, nachdem er den Kampf sicher in der Hand hatte. Im Bantamgewicht machte Krazel- Lurich mit Rielebod unentschieden. Im Federgewicht mußte fich Runze- Lurich von seinem Gegner stoppen lassen und an Jackzentis den Bunftfieg abgeben. Im Leichtgewicht wurde der Kampf zwischen Czeita- Lurich und Schäpliz- Rathenom gestoppt, da beide zum Schluß kniffen. Der Mittelgewichtler Senflinger- Lurich punkten seinen Gegner Jeder mit linfen Graden aus. Da die Rathe nomer in vier Klassen llebergewicht brachten, jo tam das hohe Refultat zustande. Der Serienringfampf Berolina I" gegen Zurich 02"( 2. Mannschaft) zeigte eine tehr gute technische Ringweise. Beide Mannschaften find jugendliche Kämpfer, und man fann besonders den Kampf in der 85- Pfund- Klasse hervorheben, wo der technisch gute Mithfe Lurich seinen Gegner in beiden Gängen je eine Niederlage beibrachte. Das Rejultat des Serienweltkampfes um die Kreismeisterschaft der Jugend im Ringen endete mit 16: 8 Punkten für„ Zurich 02". Aufgehobene Disqualifikation. Sportklub Nüftig Borwärts 1913, Reurolu, bei Georg Simmermann, Steu ton, Stuttgarter Straße Ede Treptower Straße( Telephon Nr. 2340). Für unfere 1. und 2. fomie 3. Männermannschaften fuchen wir Spiele am 6. Dezember. 26. Dezember, 1. Januar 1926 fomie au unserem 18. Stiftungsfest und für Jugendliche auf unserem Blak schnellstens an W. Bier, Reutölln, Johanne Suß- Straße 5. Arbeiter- Sportlartell: Schöneberg- Friedenau. Dienstaa. den 1. Dezember, 8 Uhr, Delegiertensißung bei Lehmann, Frig- Reuther Straße Ede Maritraže. Fragebogen find ausgefüllt mitzubringen. 3. Bezitt, Webbing. Am Montag, den 7. Dezember, abends 7 Uhr, findet im Lebigenheim Gdönstedtstraße. 1. Stod Rimmer 122/123, eine Kartellfihung statt. 5. Beairt, Friedrichshain. Montag, den 7. Dezember, abends 7% Uhr, Borhagener Straße 114, Sarteliigung. Aeußerst wichtige Tagesordnung. Alle Bereine und Abteilungen miffen zue Sizuna ihre Anträge betr. Sportp.kbenukung im nächsten Jahr mitbringen. Athletit- Sport- Club.( Leichtathletit, Soden, Sandball, Rudern.) GB schäftsstelle: S. Rahn. Berlin NO 55, Marienburger Str. 47. Dienstag nach dem Baden Borstandssigung. Freitag, den 4. Dezember, Monatsversammlung bei Lehnigi, Mühlenstraße Ede Brommnbrüde. Sonntag, ben 6. Dezember, Waldlauf. Treffpunkt 10 Uhr bei Nitschke( auch die Kampfrichter zum 13. 12.). Freie Turnerschaft Wilmersdorf. Morgen, Mittwoch, 8 Uhr, querorbente Tiche erweiterte Borstandsfitung. Freitag. Uh, in der Turnhalle Giefeler ftraße Großes Schauturnen der L. Turnabteilung unter Mitwirkung der Bereinsmufit. Nachdem im Bereinsheim demütliches Beisammensein und Aus gabe des Materials zur Weihnachtsfeier für alle Abteilungen. Sportklub Liberias 96. Der Jiu- Jitsu- Kursus beginnt am Donnerstag, den 3. Dezember, in der Turnhalle der 15. und 16. Gemeindeschule zu Char lottenburg, Spreeftr. 29, abends 8 Uhr. Anmeldungen dortselbst. Weitere Uebungsabende jeden Dienstag und Freitag pon 8-10 Uhr. Gäste wilfommen. Bir beabsichtigen, einen Rurfus in der Jiu- Jitsu- Selbstverteidigung auch für Jungmäbchen an einem Donnerstag einzurichten. Auf ben Uebungsabenden nähere Ausfünfte.. Berliner Schwimmverein Freiheit 1907, e. B. Am Freitag, den 4. Dezember, abends 8 Uhr, bei Seidel, Schönhauser Allee 156, Mitgliederversamm lung. Aufnahme neuer Mitglieder. Uebungsstunden regelmäßig Montags, abends von 126-7 Uhr, und Donnerstag, abends von 7-9 Uhr,( referpiert) im Gtabtbad Prenzlauer Berg, Oderberger Straße. Dafelbft unter fac männischer Leitung tostenlose Ausbildung von Richtfchwimmern. Der Geschäftsführende Ausschuß des Arbeiterturn und Sportbundes beschloß nach erfolgter schriftlicher Rundfrage unter allen Bundesvorstandsmitgliedern in seiner am 19. November stattdes Geschäftsführenden Ausschusses erklärt nach der Abstimmung des gefundenen Sizung: Die am 19. November stattgefundene Sigung gesamten Bundesvorstundes unter Kenntnisnahme des Beschlusses des Bezirksvertretertages vom 15. November 1925 zu Dresden die am 20. September ausgesprochene Disqualifitation( wegen der Ruffenfußballspiele) als aufgehoben." Bei der Fassung dieses Parteinachrichten Beschlusses hat der Bundesvorstand sich leiten lassen von dem Gedanfen der Bundeseinheit und des gegenseitigen Vertrauens, das natürlich nicht herausgefordert werden darf, wie es leider durch die Dresdener Vereine in der Frage der Russenspiele geschehen war. Siegreiche Berliner Schwimmer in Hannover. Die Schwimmvereinigung ha ma" hatte fürzlich ihr 4. Hallenschwimmfest in der Badeanstalt an der Goseriede. Es starteten u. a. Mannschaften aus 11 Berlin, Berlin Neukölln, Hildes. heim, Braunschweig, Osnabrüd und Gotha. Die zweitägige Ver anstaltung nahm einen glänzenden Verlauf, zumal ein sportlich schönes Programm aufgestellt war und der Kampfrichterapparat gut funttionierte. Sonnabend, abends 8 Uhr, entließ der Starter die ersten Wettkämpfer zur Freistilstafette über 6X50 Meter. Die Reuköllner waren gleich in Front und hatten mit mehreren Metern die anderen Mannschaften zurüdgelassen. Eben fofielen die weiteren Stafetten und Einzelfämpfe an die Neuköllner mit Ausnahme des Brustschwimmens über 100 Meter. Hier landete der Bertreter Gothas einen Sieg. Aber auch die Mitglieder der Frauenabteilungen von Welle" tamen zu einigen Erfolgen. Den Absoluß des ersten Tages bildete ein Wasserballspiel) a wa" Neukölln. Anfangs lagen letztere gut in Führung, mußten sich alsdann dem Bruderverein nach reichlich scharfem Spiel beugen. 9: 8 war das Resultat. Am Sonntag wurde die Männerlagenstafette über 4x100 Meter gestartet. Auch hier und in folgenden Wettkämpfen waren die Neuföllner und Berliner erfolgreich. Das Männerspringen helte sich der Vertreter von Hama". Das zweite Wasserballspiel, das die Neuköllner am Schluß der gut besuchten Veranstaltung noch auszutragen hatten, diesmal gegen Linden, endete wieder für die Hannoveraner mit einem Torergebnis von 5: 4. Ergebnisse: Sonnabend: Männerfeciffuftafette 6x50 meter: 1. Neutölln 3,21: 2. Sama 3,37. Männerb nsfwimmen 100 Meter: 1. SeinemannGotha 1,29,2; 2. Ebert- Sama 1,31. Frauen lagenftaffel 3x50 Meter: 1. Osnabrid 2,23; 2. Belle- Berlin 2,30.. Männerbrufiftafette 6 × 50 Meter: 1, NeuEöln 4,07: 2. Sinben 4.10. Frauenbrustschwimmen 100 Meter: 1. Meutrup Osnabrüd 1.41,2; 2. Rnode- 2inden 155. Männerfreiftit 200 meter: 1. Götte. Neukölln 2,41: 2. Some- Reutölin 2,50. Sonntag: Männerlagenitaffel 4x100 Refer: 1. Reutölln 5,35; 2. Sama 5,45. Männerfreiftil 100 Meter: 1. Götfe- Reulön 1,10; 2. Some- Neukölln 1,11%: 3. Frohn- Reutöln 1,11% Männerspringen: 1. Rurs- Sama 62% Buntie: 2. Rrabel- Reutölln 55% BEI. Frauenspringen: 1. Ende- Belle, Berlin, 25 Bit.; 2. Kronenburger- Linden 24% Bit. Männerrädenschwimmen 100 meter: 1. Götte- Reutölln 1,24; 2. Geh ride- Linden 1,29. Edwellstaffel 50, 100, 150, 100, 50 Meter 1. Reutölln 5,49; 2. Rombin. Sama- Linben 6,20. Männe: brufschmimmen 200 Meter: 1. Moebus Neuföün 3,23; 2. Staat- Braunschweig 3,36. Franenrüdenfawimmen 100 Meter: 1. Mentrup- Osnabrüd 139; 2. Anode- Sinden 1,50. Männerbruststafette 6 × 100 Meter: 1. Neukölln 9,21; 2. Linden 9,39. Einsendungen für diese Rubrik find Berlin B. 68. Lindenstraße 3. für Groß- Berlin ftets an Das Bezirksjekretariat, 2. Sof, 2 Trep. rechts. zu richten. 1. Kreis Mitte. Mittwoch, den 2. Dezember, 7 Uhr, Sigung der new gewählten Stadt und Bezirksverordneten bei Dobrohlam, Swinemünder Straße 11. 6. Areis. Arbeitermohlfahrt: Seute, Dienstag, 8 Uhr, bei Wolf, Gräfefft. 26, wichtige Besprechung. 7. Reis Charlottenburg. Freie Schulgemeinde: Donnerstag, den 3. De zember, 7% Uhr, im Schiller- Realanmnafium, Schillerstr. 26, Erdgeschoß zur rechten Sand, Ober- Tertia. Vortragsabend: Bie gelangen wir zu einer weltlichen Schule?" Referent: Schulleiter Genoffe D. Briebe. Der Borbereitungsunterricht für die kommende Sugendweihe der Groß- Berliner Arbeiterschaft( im Schillertheater) findet jeden Montag und Freitag im Jugendheim Rosinenstr. 4, vorn 1 Trp., non 4-6 Uhr fiatt. Er vers pflichtet aur einmaligen Teilnahme:. Montags oder Freitags. 18. Kreis Beißensee. Bildungsausschuk: Einlaßtarten für die Bartel veranstaltungen Internationale Boltstänge und Bolfslieder und für die Broletarische Feierstunde Träume der Mietsfaserne" am zweiten Weihnachtsfeiertage im Großen Schauspielhaus à 1.20. find beim Obmana des Bildungsausschusses. Genossen Heinl, Gäblerstr. 7, zu habent. 19. Kreis Pantam. Mittwoch, den 2. Dezember, 7½ Uhr, im Türkischen Relt. Breite Str. 14. Kreismitgliederversammlung. Wichtige Tagesordnung. Heute, Dienstag, den 1. Dezember: 24. bt. 7% Uhr Elternverfammlung in der Aula Christburger Str. 14 Thema: Das Reichsschuldefek". Referent: Lehrer Fliga. Gleichzeitig findet dort eine Bücherausstellung flatt. 58. Abt. Charlottenburg. 7 Uhr bei der Genoffin, Schenkalomstn, Meineke Straße 25, Gartenhaus part., Funktionärsikung. 131. Abt. Ricberschönhausen. Seute feiert unfer Genofie Matschke feitt 25 jähriges Varteijubiläum. Bir gratulieren ihm herzlichft. Morgen, Mittwoch, den 2. Dezember: 9. bt. 7% Uhr beim Genoffen Herrichen, Wilsnader Str. 40, vorn 4 Tron Borstandssitung. 33. Abt. 7 Uhr bei Lofat, Benmeste. 8. Funktionärsigung. 40. 16t. 8 Uhr bei Reufner, Sagelberger Str. 20a, funttionärfisung. All noch im Umlauf befindlichen Gammellisten zur Stadtverordnetenwahl müssen bis zum Mittwoch bestimmt abgerechnet, werden. 48. Aut. " Kommunale Rommission: Bersammlung bei Rohts. Brandenburg ftraße 22, 7 Uhr, Vortrag: Aufgaben der Jugendwohlfahrt". Referent Genosse Westphal. Alle in den Wohlfahrtskommissionen tätigen Bor fteher, Bfleger und Pflegerinnen miljjen erimeinen. 80.81, bt. Cöneberg- Wichenau. 8 Uhr bei labe, bandierni. 60/61, Gozialistisches Geminar. Thema: Die französische Revolution". Nefa Genoffe Erwin Marquardt. 82. Abt. Sieglin. 7% Uhr bei Thiel. Ring Ede Abrechtstraße, wichtige Borffands kung. 84. bt: antwik 8 Uhr bei Lehmann, Raifer- Wilhelm- Str. 29/31, Fund tionärkung. 94. bt. Reulölln. 8 Uhr Funktionärkigung. Um 7 Uhr bereits Gigung des Abteilungsvorstandes bei Schröder Steinmesitr. 52. Erscheinen fit t bebingt erforderlich. 10. Abt. Rieberschöneweibe. 7½ Uhr bei Thiele, Berliner Str. 38, Borstands fizung. Die Frauen der Weihnachtskommiffion müssen an biefem Sage abrechnen und das Nähere besprechen. 107. ht. Alt- Glienice. 7 Uhr im Jugendheim in allenberg Borstandsfkung 134. Abt. Buch. 8 Uhr an bekannter Stelle Borstandsshung. Jungfozialisten. Gruppe gichtenberg: Seute, Dienstag, 8 Uhr, im Jugend heim Baibaue wichtige Mitgliederversammlung. Gruppe Sident: Heute Dienstag, 8 Uhr, in der Juristischen Sprechstunde, Lindenfr. 3, Bortrag Meine Schmelzer Reife". Referentin: Räte Reidhardt. Gäste, befonders Jugendgenoffen, willkommen. Republiffeier der österreichischen Arbeitersportler. Anfäßlich des Jahrestages der Gründung der österreichischen Republik im November d. 3. traten auch diesmal wieder die österreichischen Arbeiterturner an die Deffentlichkeit. In zwei Massenveranstaltungen zeigten die Turner im Großen Sofiensaal in Wien ihr Können. man konnte sehen, daß in allen Gruppen nicht die Spitzenleistungen Arbeitsgemeinfo ait der Kinderfreunde. 2. Kreis Tiergarten: Am Sonntag, den einzelner, sondern die Durchschnittsleistung der Masse gefördert wird. Besonderes Interesse fand die Musterturnstunde der Turnerinnen. Die ganze Veranstaltung zeigte, daß auch in Defterreich die Turnvereine zu einem unentbehrlichen Glied der Arbeiterbewegung geworden sind. Der Arbeiterbund für Sport und Körperfultur" in Desterreich veranstaltet vom 4. bis. 11. Juli 1926 in Wien ein internationales Arbeiterturn- und Sportfest Der Wiener städtische Finanzausschußz hat beschlossen, für diese Arbeiterolympiade eine Subvention Don 20 000 Schilling zu bewilligen. Fußballrefultate vom 29. November. Der überaus alatte Boben machte eine volle Entfaltung der Mannschaften faft unmöglich. Knappe Resultate und einige Ueberraschungen waren deshalb vorauszuschen. Und doch tommen die Niederlagen einiger Spizenvereine sehr überraschend. So mußte fidh Tegel 24 von Wittenau mit 2: 1 geschlagen belennen. Sanfa- Hohenneuendorf tonnte den Spikenreiter" Arminia fogar mit 4: 2 fchlagen. Rorbista fonnte gegen Arbeiter- Sportverein 24 nur einen Inappen 2: 1- Sieg erringen. Erft in ben lekien Minuten fiel bas ficgbringende Tor. Union- Bantom mußte an Borwärts- Henigsdorf mit 2: 3 Buntte und Sieg abtreten. Siemensstadt fchidte Staaten mit 6: 2 acschlagen nach Saus. Teutonia 09 tonnte auch gegen Abler 08 feine Bosition in der Tabelle nicht verbeffern. Mit 4: 2 blicb Adler fiegreich. Einen aufgeregten Rampf lieferten fich Minerva- Borfigwalde und Bantom 08. Mit dem Resultat 3: 3 endete der Rampf. 3m Often ging es um die Filhrung der Gruppe A. Adlershof und Stralau waren die Gegner und konnte Stralau durch die Ausdauer und den Siegeswillen der Mannschaft mit 2: 1 die Oberhand be halten. Berein für Bewegungsfpiele holte fich von Reu'hen mit 4: 2 bie Buntie. Sparta mußte fich gegen Lichtenberg I mit dem hohen Resultat von 3: 6 beugen. Nur Inapp fonnte Oberfpree gegen Frisch- Frei mit 2: 1 gewinnen. Die größte Ueberraschung des Tages Teiftete fich Wilmersdorf gegen Rolzenburger Sportverein. Mit 6: 0 blieb Ralzenburg Sieger. Ludens walbe I bolte fich von Berolina mit 5: 2 bie beiten Buntte. Fußballring unterlag gegen Neuköllner Ballspielflub mit 1: 7. Wader- Lantmiß und Rüftig- Borwärts trennten fich beim Stande 1: 2. Arbeiter- Sport- Kartell Groß- Berlin. Mittwoch, den 2. Dezember, 7 Uhr, Schulaula Steinftr. 31/34. Bortrag des Genoffen Robel über Wertiport vereine und Arbeitersport". Referat des Genoffen Mendelsohn: Jugend und Abeitersportbewegung". Freie Turn- und Sportvereinigung 94, Rowenes, 1. Abt. Am Mittwoch, den 2. Dezember, Bersammlung bei Siemie, Wallstraße. Touristenverein Die Naturf eunde". Rentralftelle Wien, Abt. Wedding. Dienstag, den 1. Dezember, im Heim Lütticher Straße 48: Naturwissenschaft liches. Sonntag, den 6. Desember: Potsdam Lienewißfee. Treff 7 Uhr Lehrter Stadtbahnhof. Gäste willkommen. Nehmen Sie Biomalz 18. Dezember, vormittags 10 Uhr, findet in der Goethe- Bühne, Alofter firefie, eine Märchenveranstaltung mit 2.chtbilbern statt. Die Karte feited 20 Pf. Bestellungen füle Karten werden bis Dienstag, den 1. Dezember im Rimmer 6 des S'äbiifd en Jugendheims, Eingang Wiclef. Ede Bremer Straße, von 5-7 Uhr abends entgegengenommen. 82. bt. Steglig: Seute. Dienstag, den 1. Dezember, nachmittags von 4-6 Uhr, im Jugend heim Albrechtstr. 45. Sterbetafel der Groß- Berliner Partei- Organisation 27. Abt. Am Freitag, den 27. Sovember, perstarb unser Eenoffe Seinrid Knappe, Rhinomer Str. 10. Beerdigung am Dienstag, den 1. Dezember, nach mittags 3 Uht, auf dem Friedhof der Domgemeinde. Müllerstr. 72/74. Jugendveranstaltungen. Gymnastiffurfus: Heute im Jugendheim, 2inbenstr. 3, ab abenhs 8 Uhr. Achtung, Jugendgenoffen und Jugendgenoñinnen! Ab Sonntag, den 6. Dezember, abends 7 Uhr, fpricht der Geztoffe R. Abramowitfch über: Das neue Rußlanh" in ber Schulaula Mittenwalder Str. 36. Unkostenbeitrag 20 Bf. Mitgliedsbud legitimiert. Arbeitslofa frei. Abteilungs- Mitgliederversammlungen heute 7% Uhr: Gesundbrunnen: Schule Gotenburger Str. 2. Bedding- Norb: Schuls Mierstr. 48. Rotboft I: Jugendheim Neue Königftr. 21. Rozboft II: Jugendheim Danziger Str. 64. Senefelder Bieztel: Schule Eberswalder Str. 10. 2 sterfelte: Jugendheim Albrechtfir, 14a. Gicalis I: Jugendheim Albrechtstr. 47. Reukölln V: Jugendheim Schier feftr. 44. Reinid abo f Oft: Jugendheim Geebad", Residenzir. 46. Bur holz: Lotal non Roffad Hauptstr. 76. Bantom: Jugendheim Breite Str. 32. Spontan: Jugend. heim Lindenufer 1, Rimmer 5. * Prenzlauer Borstadt: Schule Danziger Str. 23. Vortrag: Bon der Bost Eutsche zur elektrifden Schnellbahn". Echöneberg I: Jugendheim Rubens Ede Hauptstraße. Vortrag: Bub und Mädel". Schöneberg II: Jugendheim Sauptstr. 15. Bortrag: Weimarer Verfassung". Werbebezirk Tiergarten: Jugendheim Gartenschule. weide, Berliner Str. 31. Bildungskurse: Schule Siemensstr. 20. Werbebezirk Spandans Werbebezirk Oberforce: Jugendheim Niebersdöne wenn Sie Jure Gefundheit und ein gutes, blibendes Aussehen erhalten wollen. Ihre Biomalz fräftigt und erfrischt den ganzen Körper ungemein. 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Abt. 12 Barfammlung bei Lehmann, Mustauer Str. 1. Borttag iber Berfaffung. Jungmannschaft nimmt teil. Mi., b. 2.. 7 Uhr, Refto sbrechnung von Winterfest bei Bichöfer, Großbeeren Ede Bartenburgfraße. On., b. 8., 6½ Uhr. Besichtigung der Ausstellungen im Gesundheitshaus Rreuzberg, Am Urban. Für Mitalieber und Angehörige 10 Bf. 8 Uhr Babeabenh im Stabtbab Bärweldstraße. Bernan. r., b. 4., 8 Uhr, bei Modish Mikal- Berf. Gruppenführer laben ein. Reutölln- Brik. Jung annfchaft Mi., h. 2., 7.45 Uhr, Eurnabend Enzeum Berliner Straße. GUP Reichshund her griegshefchäbigten, Rriegsteilnehmer und Ariegerhinder liebenen, Bea. Webbing 3. Mitgliederversammlung Mittwoch. ben 2. De Jember, 8 Uhr, Chauffeeftr.. 64. Tazenhofer. Reidsbunb fibischer Frontfolbaten, Drisgruvve Berlin. Bezirk Moabit: Bonnerstag, den 3. Dezember, 8 Uhr, Restaurant Spreeterraffen, Kirchstr. 13. Bortrag Ministerialect Dr. Frik Cohn: Jüdische Staatsmänner und Boliter". Gäfte willkommen. Beats Nerb: Sonnabend, den 5. Dezember, Sophien- Säle, Sophienftr. 17/18. intervergnilgen. Alfred Beierle und andere amhafte Rünftler haben ihre Mitwirkung augefagt. Rarien im Borverkauf Auraftr. 20, Simmer 10: Nerden 8903. Bierbefun- Bereinigung über ganz Deutschland( E. 8.). Sigung am Mitt koch, ben 2. Desember, 8 Uhr, Molenborf- Rafino, Aleiitite. 4. Gäfte willommen. Arbeiterverein für Biochemie und 2chensreform i. B. B. Bezirk Hallesches Donnerstag, den 3. Dezember. 7% Uhr, Mitgliederversammlung im slal von Maak. Bergmannstr. 97. Gen. Dr. Liitmis spricht über Ge hlechtsleiden". Gäfie willlommen. Beleuchtungs körper aller Art, nach sechs monatlicher Miete Thr Eigentum. PRaddatz& Co W66.Leipzigerstr. 122-123. Die gefunde Wohnung. Der 3. Bertran in ber Reihe Wohnung, Lebens führung und Gesundheit beginnt am Dienstag, den 1. Dezember, 8,15 Uhr pünktlich, im Gefundheitshaus, Am Urban 10/11. Dr. med. Seinrich Dehmel fpricht über Die gefundheitliche Wirkung der Wohnung auf Mensch und Bolt" und seigt eine große Zahl forgfältig ausgewählter Lichtbilder, um durch Beifpiel und Gegenbeispiel den Bortrag zu unterstügen. Bund der Ausland beutschen. Die nächste Versammlung der Abteilungen England, Frankreich, Belgien und sonstiger Länder findet am Dienstag, ben 1. Dezember, abens 8 Uhr, in Sanerlands Neftfälen, Neue Friedrich z. 85, fatt. Die Mitglieder der Abteilung Rusland verfammeln fid) am Montag, ber 7. Dezember, um 8 Uhr abends in bemfelben Lokal. Ruz Mitglieder haben Butritt. Theosophilie Gefellitaft, wein Berlin. Mittwoch, den 3. Dezember, abends 71 Uhr, in ben Gefellschaftsräumen Wilhelmftr. 120, Studienabend. Der Tempel des Lebens." Mit Distufion. Eintritt fret. Bumboldt- Bodschule. Ueber Sngiene der Fortpflanzung" hält Dr. med. Bestmann in der Aula Dorotheenftr. 13 Mittwoch abend 8 Uhr einen Sicht bilbervortrag, Arbeiter- Rabis- Rlub G. B., Grusse Schöneberg. Donnerstag, ben 3. De sember, 8 Uhr. fehr wichtige Berfammluna aller italieber bel Botrak, Sebanstr. 53. Alle Funfreunde von Tempelhof und Bilmersdorf find ein. geladen sweds Grinbung ihrer Orisa. Gäste wemmen. Denticher Moniftenbunb. Um 3. Dezember, abends 8 Uhr, fpricht in unferez Gefchäftsstelle. Wilhelmfte. 48, Trp.. Dr. phil. et med. D. Beraberg über Seliaion und Geiftestrenfheit". Berliner Terein sur Förderung ber Siliteit. Freitag, ben 4. Desember, abenbs 7% Uhr, im Wohlfahrtsministerium Leipziger Str. 3, Rimmer 105. Das Serualleben im modernen Rusland." Stef.: Dr. med. Georg Lamen Stein. Gäfte willkommen. Die Ortsgruppe Berlin bes Bundes ber Saarvereine veranstaltet am 4. Dezember, abends 8 Uhr, in ben Spidernfälen, Spichernftr. 3. einen Saar- 3dnll"-Abend unter dem Motto: ,, Das Saarland, has mir lieben!" Sport. Die Berufsringer im Walhallatheater. Der Franzose 2a. arteffe tonnte am Sonnabend ben riesigen Reger Anglis nach 29 Minuten durch Armzug am Boden besiegen. Der stämmige Cestinowitsch legte den 2ltmeister Strenge erft nach 52 minuten durch Ueberwurf auf die Schultern. Das mit Spannung ermartete Treffen Schwarz gegen Staman brachte bis zur Polizeiftunde tein Resultat. Beide werden sich am Schlußtag noch einmal auf der Matte begegnen. Am vorlegten Tag, Sonntag. hatte sich die Ringsportgemeinde sehr zahlreich eingefunden. In der Fort BERLIN 000 SCHWEIZER MUSIKHAUS liefert Quali ä'smusik diskret aut Teilzahlma Riesenlager in Musikplatten erster Marken Eigene Reparatur- Werkstätten Babstr. 27, Brurnenfira e 25 Grünauer frahe 5, in dendorfe. Sir 117, qönbaujer Ace 130 BetlaufstellenWeißer fee, Berfiner Ale 24 201 mere ar, Balner Gr. 135 Se trole Michaeltire ftr. 19 3a. rilgroäube ASSE fegung des Kampfes Schwarz gegen testinswitch wurde son beiden wieder sehr vorsichtig gerungen. Nach schönem Kampf fonnte der Münchener einen Ueberwurf des Letten abfangen und diesen damit auf die Schultern drücken. Gesamtzeit eine Stunde und 32 Minuten. Das Treffen Strenge gegen Lasartesse wurde menen einer Schulterprellung des letteren vorzeitig abgebrochen. Der uile Romanoff tonnie in feinem Kampf gegen kawan zeltmelle bie Kampfführung innehalten, mußte aber doch nach 24 Minuten durch Doppel- Nelson auf die Matte. Geschäftliche Mitteilungen. Die Berliner Städtische Gaswerte Att.- Gef. seigt auf der Automobi Gusstellung gemeinfam mit der Gasbetriebsgefeldhaft A- G. Die Fortschritte bez pielseitigen Anwendung des Gafes beim Automobilbau und bei ber Boz nahme von Reparaturen, 3n ber Salle 2( Galerie) find Defen zum Reine lodien, b. h. Aum Säubern von Automobilteilen, auchlöiöfen füz Maffen barflötung file meitgehende Ausnutung der Abgafe. Seiglufteraeuaniffe mit Aniakvorrichtungen und vieles andere au fchen. Die einwandfreie Arbeit aller biefez Apparate und Borrichtungen micb burch Rengnifie des Material prüfungsamtes Berlin- Dablem bestätigt. Die ecfamte Ausstellung der beiden Gefellschaften aciat, baß es heute faum noch einen Rweig in der Automobile inbuftrle gibt, bem nicht mefentliche Borteile burd bie richtige Anwendung Don Gas und Gasapparaten ermachfen. Ausverkauf von DamenStrümpfen wagen Auflösung der Abtlg 50% Ermässigung! Verkauf nur Leipzigerstr. 31-32 Bette Bud& Lachmann A.G. Der Gipfel der Billigkeit 1st Singers großer Weihnachts- Verkauf Troiz enorm billiger Preise erhält Vorzeiger dieses Inserats beim Einkauf von 5.- Mark an ein prachtvolles Welhnachtsgeschenk Kleiderstoffe neue Master.. ... Meter 55 PL Was Grausschlac Sportfiancil habeche Streifen für Blusen und Homden. Metor 68 PL Aparic Strellcn tur Blusen und Kleider....... Moter 85 PL Schoten mit Seldene akies, doppeltbreit........ Meter 1.45 Frolic große Musterauswahl and einfarbig, 100 cm breit.. Meter 95 Pt. Reluwollene Popeline neueste Farben, doppeltbreit Meter 2.25 Retnwollene Scotch reveste Stellangen.... 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Wir haben die Ursachen aufgedeckt. Wir haben daraus die Konsequenzen gezogen, daß man den Winzern die Möglichkeit geben soll, anderswo unter günstigeren Bedingungen Landwirtschaft zu treiben. Der Reichslandbund will das nicht. Darum bekämpft er die sozialdemokratische Politit. Die Folgen seiner Politit aber werden von seiner Gefolgschaft nicht gesehen. Wo sind denn die Winzer, die früher einmal auf den heutigen Wüfteneien" an der Ahr, am Main, am Neckar, am Rhein, an der Tauber usw. Weinbau trieben? Sie sind Industriearbeiter geworden. Dorthin, in das Industrieproletariat, will der Reichslandbund die Winzer treiben, das ist das Schicksal, das er für die Winzer erreichen wird. Dem wollen wir uns widersehen, wir wollen dem deutschen Bolte seine bäuerliche Grundlage nicht zerstören lassen. Viele Weinbauer können als Winzer heute oder in Rürze nicht mehr existieren; aber als Bauer im deutschen Osten tann er für sich, für seine Familie und für die deutsche Volkswirtschaft wertvolle und lohnende Arbeit leisten. Bir glauben, daß eine solche Konsolidierungspolitit möglich ist, und wir glauben insbesondere, daß es ein ganz besonderes Berdienst der offiziellen Bertretungen der deutschen Landwirtschaft sein würde, wenn sie unter diesem Gesichtspunkte statt unter dem der unfruchtbaren Schuzzollibeologie bie Beinbaufrage betrachteten und an ihrer Lösung mitarbeiteten." Mit diesen Worten schloß der Artikel, der dem Reichslandbund so unbequem ist und aus dem er nur herausgerissene Bitate in seinem Bundesorgan abzu bruden wagt. Wir stellen fest, daß der Reichslandbund wenigstens für sich eine ernsthafte Mitarbeit an der Rettung der deutschen Winzer vor dem Absinten ins Industrie. proletariat- und natürlich würden ihnen hier zuerst nur die Möglichkeiten des ungelernten Gelegenheitsarbeiters offenstehen ablehnt. Daß er diese engherzige Bertretung weniger Großgrundbesigerinteressen des deutschen Oftens denen mehrerer hunderttausend notleidender Bauern voranstallt, nimmt nicht wunder, die verlogene Empörung des Bundesorgans zeigt aber immerhin soviel, daß ihm der Vorschlag für die erfteren so gefährlich erscheint, daß er es nicht magen fann, feinen Mitgliedern offen mitzuteilen, worum es eigentlich geht. Anläßlich der Preisgabe, des deutschen Exports nach Spanien| Bein, jejt nichts. Dies ist in der Tat der Gang einer Ent= burch die Handelsvertragspolitik der Regierung hat der Borwärts" ( Nr. 531 vom 10. November) in einem grundsäglichen Artikel barzustellen versucht, welches die 2 age des deutschen Wein bau es sei und wo die Ursachen der gegenwärtigen Weinbau trise liegen. Es sei furz der Gedankengang noch einmal zusammengefaßt. Der Beinbau ist in Deutschland nicht heimisch, sondern wurde um das Jahr 800 n. Chr. von Burgund nach Deutschland verpflanzt. Seit Jahrhunderten ist die deutsche Weinbaufläche im Rüd gang begriffen, und vor allem im letzten Jahrzehnt vor dem Kriege, also, in der Zeit der Herrschaft der Großagrarier, fam es zu einer außerordentlichen 3uspigung dieser absteigenden Entwicklung. Die Inflationszeit bedeutete auch für den Weinbau eine scheinbare Hochkonjunktur, und die Weinbaufläche dehnte sich um 6000 Heftar eus. Die Stabilisierung führte sofort zu einer schweren Weinbautrije. Es läßt sich nicht nachweisen, daß diese Krise durch die niedrigen 3011fäße des deutsch- spanischen Handelsvertrages auch nur verschärft wurde. Bielmehr benutzte die Deutschnationale Boltspartei und der mit ihr verbundene Reichslandbund die Gelegenheit zu einer ebenso großzügigen mie unsachlichen Agitation unter den Winzern, denen verschwiegen wurde, daß der deutsche Beinbau nur soweit erhalten werden fann, als er wirtlichen Qualitätswein an den Markt zu bringen vermag. Tatsächlich beruht noch heute der größte Teil des deutschen Weinbaues auf der Erzeugung von billigen Ronfumweinen, die der Geschmacksrichtung der deutschen Konsumenten immer weniger entsprechen. Barador gesprochen: der deutsche Wein wird mehr und mehr zum„ Grüne berger der Weltmeinproduktion. Aus diesen Gedankengängen heraus, die sich auf ein sorgfältiges Studium der einschlägigen Literatur gründen, famen wir zu der Forderung, denjenigen Teil des deutschen Weinbaues, der nicht in der Lage ist, Qua litätsweine zu produzieren, zu liquidieren, und erhoben die Forderung, den Winzern Entschädigungen für ihren hoch verschuldeten und ständig sich entwertenden Besiz anzubieten und ihnen gleichzeitig auf Grund der Siedlungsgesetzgebung Sieblungsland, besonders im deutschen Often, zur Verfügung zu stellen. Diese Folgerung, die wir aus einer fachlichen Untersuchung der Lage des deutschen Weinbaues zu ziehen uns genötigt sahen, werden nun jetzt vom Reichslandbund als landwirtschaftsfeind lich hingestellt. In Bahrheit liegt es genau umgefehrt. Der Reichslandbund wagt nicht einzugestehen, daß seine ganze Weinbaupolitit auf unfachlicher Demagogie beruht. Er wagt nicht, den Binzern zu sagen, daß die Bollpolitik ihnen nicht helfen fann. Er enthält ihnen die inzwischen nicht nur von uns, sondern auch von anderen Organen der öffentlichen Meinung und der Wirtschaftswissenschaft vertretene Auffassung der wirklichen Lage des deutschen Beinbaues vor, um sie weiter an eine unfruchtbare Bolitik zu binden. Bor allem aber versucht er, ihnen den Wert des von uns gemachten Borschlages zu verbergen. Der Reichslandbund selbst schreibt: Ander Ahr. am Main, am Rhein, am nedar, an der Tauber usw. wuchs einst Rückgang der Reichsindexziffer. Die Reidsindegiffer für die Lebenshaltungskosten ( Ernährung, Bohnung. Heizung, Beleuchtung, Bekleidung und ionstiger Bedarf") ist nach den Feststellungen des Statistischen Reichsamts für den Durchschnitt des Monats November mit 141,4 gegenüber dem Bormonat 143 5 um 1.5 Broz zurüd gegangen. Der Rüdgang ist auf das weitere Nachgeben der meisten Lebens. mi telpreiie in der ersten Monatshälfte, in der besonders Fleisch, Kartoffeln und Gemüse, ferner Zucker und Brot billiger geworden waren, zurüdzuführen. Die Unfitte des Zugabewesens. Das Schiedsgericht für unlauteren Bettbewerb der Industrie und Handelskammer Bonn hat im Berein mit diefer zum Zugabewesen im Einzelhandel wie folgt Stellung genommen: Es ist mit Bedauern festzustellen, daß in weiten Kreifen des Einzelhandels die Unfitte des Zugabemefens immer mehr um sich gegriffen hat und eine Form und einen Umfang angenommen hat, die geeignet sind, das 3utrauen der Berbraucherschaft zu einer ordnungsmäßigen Raltulation zu erschüttern und das Ansehen des Kaufmannes zu schmälern. Nach den bestehenden Bestimmungen des Gefeßes gegen ben unlauteren Wettbemerb und den dazu ergangenen gerichtlichen Entscheidungen verstoßen die Auswüchse des Zugabewesens bann gegen die Bettbewerbsvorschriften, wenn sie den guten kaufmänni schen Sitten widersprechen und, was häufig der Fall ist, durch Wenn noch mehr Weinberge müft geworden sind, wenn die Winzer Proletarier geworden sind, wird der Reichslandbund die Bertretung ihrer Interessen der Sozialdemokratie über. lassen. Solange fie aber noch Bauern sind, betrachtet er es als seine Aufgabe, fie an unfruchtbare Arbeit zu fesseln und sie daran zu verhindern, in der Landwirtschaft dort ihre Arbeit anzuwenden, wo sie es mit größerem Erfolg tun können, als in den unrentablen und daher dem Untergang geweihten Teilen des unrentablen und daher dem Untergang geweihten Teilen des deutschen Weinbaues. öffentliche Bekanntmachungen u. bgl. den Anschein eines besonders günftigen und preismerten Angebots erweden, während tatsächlich die Zugaben in die Bertaufspreise einfaltuliert werden und auch einfaltuliert merden müssen; in diesem Falle fann, wenn es sich um unwahre und zur Irreführung geeignete Angaben handelt, auf eine Gefängnisstrafe bis zu einem Jahr und auf Geldstrafe bis zu 5000 Reichsmart, oder auf eine biefer Strafen erfannt werden. Aber auch in den Fällen, wo das Zugabewesen nicht als unlauter im Sinne des Gesezes angesehen wird, muß die Beleiti gung dieser Unfitte angestrebt werden. Da die Bemühungen durch Selbsthilfe bisher versagt haben, so hat sich auch der Einzelhandelsausschuß des Deutschen Industrie und Handelstags mit der Angelegenheit befaßt und eine Ausgestaltung des Gesetzes gegen den unlauteren Wettbewerb gefordert. Wenn die Schärfe des heutigen Wettbewerbs dazu ge führt hat, so sollte jeder ordentliche Geschäftsmann doch einsehen, daß jede Geschäftswerbung ihre Grenzen haben soll in ben geje lichen Bestimmungen, im guten Geschmack und vor allem innerhalb der guten kaufmännischen Sitte, wonach die Wahrheit an erster Stelle stehen soll. Sede 3ugabe und dergleichen bedeutet aber eine unwahrheit, der Käufer foll glauben, daß er die Ware zubekommt"; in Wahrheit bezahlt er fie im Barenpreis mit, er bezahlt also mehr für die benötigte Ware als er rhne Zugabe" zu zahlen brauchte. Immer schärfer und deutlicher wird von sachverständiger Seite bestätigt, was die konsumvereine seit Jahrzehnten, trotz des Widerspruches weiter Einzelhandelstreife, behauptet haben. Die Berbraucher fönnen daraus nur lernen. Dienstag, 1. Dezember 1925 Fehlgeschlagene Spekulationen in der Mühlenindustrie Bor einiger Zeit ging die Nachricht durch die Presse, daß der Düsseldorfer Großfaufmann Hugo Meyer, eine der bedeu tendsten Persönlichkeiten des deutschen Getreidehandels, spurlos verschwunden sei. Da die finanzielle Seite der Don Meŋer geleiteten Unternehmungen sich in bester Ordnung befand, murde schon da. mals mit großem Nachdrud behauptet, daß mißglüdte Spekula fonnten. Man nahm vielmehr an, daß Meyer durch lieberarbei tionen den Bermißten nicht zu diesem Schritte veranlaßt haben tung die Herrschaft über seine Nerven verloren hatte. Meyer war Mühlenindustrie unter einen Hut zu bringen oder, fauf damals damit beschäftigt, die größten Werte der westdeutschen männisch gesprochen, zu einem Konzern zusammenzuschließen. In diesem Zusammenhang gewinnt eine Nachricht doppeltes Intere effe, der zufolge die Mehrheit der Rheinischen MühlenAttiengesellschaft von der Getreidetommission in Düsseldorffo firmierte die Dachgesellschaft der Meyerschen Unter nehmungen abgestoßen worden sei. Man tann daraus schließen, daß sich in der Tat bei den Zusammenschlußbestrebungen der westdeutschen Mühlen ganz besondere Schwierigteiten ergeben haben, die nicht zu überwinden waren. Fraglos ist diese Situation auch auf das außerordentlich schlechte Mehlgeschäft zurückzuführen, das große Unternehmungen der Mühlenindustrie zu vielen Feierschichten zwingt. Bom Standpunkt des Konsumenten aus betrachtet, braucht man dem Mißlingen weiterer Zusammenschlußbestrebungen gerade in der Mühlenindustrie feine Träne nachzuweinen. Sind doch gerade in Berlin jezt fast sämtliche Großmühlen zu einem Konzern zusammengeschweißt. Und wenn diese Bewegung sich fortsetzen follte, so fönnte eines schönen Tages ein privates Mehlmonopo weniger letzten Endes von den Großbanken abhängiger Mühlentonzerne gegenüberstehen ein Zustand, der den Brotpreis Gine gewisse Konkurrenz scheint heute noch am Mehlmarkt unent gänzlich der Willkür weniger Großfapitalisten ausliefern würde. behrlich zu sein. Bom Standpunkt der Produktion aus hat der Fehlschlag der Konzernspekulation allerdings den Nachteil, daß bie notwendige Rationalisierung in dem start über. fepten deutschen Mühlengewerbe für einen Kreis von Unternehmungen weiter verzögert wird. Auto in Not. Der rührige Deutsche Automobilhändler- Bera band hat bei Gelegenheit der Großen Automobil- Ausstellung seine Mitglieder und eine Anzahl von interessierten Gästen versammelt, fahrzeugen zu sprechen. Es handelt sich dabei eigentlich um zwei um über die Fragen der Finanzierung des Berlaufs von Kraft besondere Probleme, nämlich einerseits um die Finanzierung bes Geschäfts zwischen Fabrik und Händler, und andererseits um die Finanzierung des Kaufes seitens des Abnehmers. Hier hat sich in Amerita das Abzahlungsgeschäft derart eingebürgert, daß annähernd 90 Proz. aller Automobilverfäufe fich im Bege des Abzahlungsgeschäfts vollziehen; mehr als die Hälfte der Käufer gehört dort dem gehobenen Arbeiterstand und dem Pleinen Mittelstand an. Es ist ohne weiteres einleuchtend, daß die Uebertragung der amerikanischen Verfahren nach Europa und insbesondere nach Deutschland nicht ohne weiteres möglich ist, das zur Kreditierung der Abzahlungsgeschäfte notwendig ist, feb It weil hier sowohl die Maffentauftraft, als auch das Kapital, Alles, was in Deutschland also getan werben fann, ist vom Stand puntt der Automobilhändler aus die Gewöhnung des Publikums an das Verfahren des vorläufig mit großem Mißtrauen betrachteten Abzahlungsgeschäfts und die Ausbildung rechtlicher Schutzmaßnahmen für weite Bartelen des Handelsgeschäfts. Die drei Vorträge, die der Deutsche Automobilhändler- Berband erkennen, am gestrigen Tage veranstaltete, ließen diese Aufgaben auch flar Schwierigkeiten den erschienenen Mitgliedern nicht ganz: fie ver Freilich genügte der Hinweis auf die vorhandenen langten ufflärung darüber zu erhalten, wie sie fich praktisch Kredite für den Einkauf und zur Finanzierung des Abzahlungsgeſchäftsbeschaffen könnten. Die Angaben, die darüber teils in ben Borträgen, teils in der anschließenden Disfuffion gemacht wurden, zeichneten sich nicht durch große Klarheit aus. Die drei bisher vorhandenen deutschen Gesellschaften, deren Aufgabe die Finanzierung von Automobilfreditgeschäften ist, sollen nach diesen Angaben für Zinsen, Bersicherungsgebühren, Handelsnugen usw. Säge berechnen, welche einem 3insfag von 35 bis 80 Broz. an Jahreszinsen entsprechen! Die beiden ausländischen Gesellschaften, die in Deutschland ihre Sätigtet bar, follen dagegen mur mit 14 bis 17 Broz. jährliche Zinsen arbeiten diese Angaben blieben nicht unwidersprochen. Insbesondere hob ein Bertreter der Firma Opel hervor, daß das Abzahlungsgeschäft feiner Firma fich je nach der Zeitdauer des Zahlungseinganges auf 6% bis etwa 20 Proz. jährlicher Zinsen stelle. Bei den ganz verschiedenen Ansichten über Versicherung und Risiko ist freilich ein genauer Bergleich zwischen den einzelnen Bedingungen un möglich, und wir sind noch sehr weit von dem amerikanischen Ideal entfernt, wo die Annoncen in den Zeitungen gar nicht mehr die Gesamtpreisfumme eines Automobils, sondern nur die Wochenraten für die 2bzahlungen angeben und wo das Fordsche System des Fünf- Dollar Autos triumphiert. Billiger Weihnachtsverkauf! aus Plausch- und Gräfenstoffen in verschiedenen .55.-, 45.Herrenulster Farben, je nach Qualität.... 36.Herrenulster rengo Cheviot, Diagonal. und Fantasie 60.stoffen, je nach Qualität..80, 75.-, 65.-. mit Winterpaletots Samtkragen, ein- und zweireihige Form 45.Hock- Paletotsarengo u. schwarz Cheviot, je nach Qualität. 75, 27. je nach Art 100,-, 80.-, 70,-. 60.-, 55.Ulster 143 100-90unge Herren, moderne Formen und Farben.. Ledersportjoppen Herrenhosen Für Damen 95.Hür Herren VOB 72. an Von 4.25 in verschiedenen Streileamustern. 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Du Tagaus, tagein, Sommer und Winter ist ihm der frische kalte Wasserstrahl ein Genuß. Er braucht nicht erst zu warten, bis sein Wasser angewärmt ist. Er geht aber auch mit gesundem Appetit und wohlgelaunt an seinen Frühstückstisch. Die lange Tagesarbeit empfindet er wie Spielerei, sie bereitet ihm Vergnügen. 2 Prisen Dr. Schröder's- Aufbausalz haben diese wunderbar belebende Wirkung. Wird Dir nun klar, warum Du ihm gegenüber stets im Nachteil bist und was Dir fehlt? Es ist unverständlich, weshalb Du ,, Dr. Schröder's- Aufbausalz" immer noch nicht gebrauchst; die Ausgabe von 1 Pfennig die Prise sollte Dich wohl davon nicht abhalten! Fordere aber ausdrücklich„ Dr. Schröder's- Aufbausalz" denn nur dieses enthält die 12 lebenswichtigen Mineralien. Täglich 2x1 Prise Dr.Schröder'sAufbausalz Es schafft....: gesundes alkalireiches Blut. Es behebt. Es kräftigt 1 ganzes Leben Jugend! .: Müdigkeit, Abspannung. Unlust, Depression. ..: Es erneuert. Nerven. 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Tel Dönhoft 39 dienstag 1, dezember 1925 Unterhaltung unö A�issen Vellage öes vorwärts Die Leiter. von Max Dorfu. Dies ist der Marktplatz. Und dies fft die alte Kirche. Und hier ist der Dachdeckermeister Fridolin Schnarrenloch. Meister Fridolin hat acht Gesellen, vier junge und vier alte Gesellen. Die alten Gesellen arbeiten aus.Neubau". Die jungen Gesellen arbeiten auf .Reparatur". Reparatur am alten Ktrchendach. Und nun kommt die Hauptsach«: Die Leiterl Eine herrliche prächtige Leiter— dreißig Meter hoch ist die Leiter, das waren dir einstmals lustig« Fichtenböume. ha! im Jungwald die schlanksten und kühnsten, die tankten dir mit der Sturmbraut, daß es nur so ein« Freude war Ja! Die Leiter! Die Leiter! Angelehnt an die Kirche steht die Leiter. Sie reicht der Kirche bis aufs Dach hinauf. Und droben hämmern und pfeifen die vier Junggesellen, die lustigen Dachdecker. Meister Fridolin hat'n tüchtigen Frühschoppen gemacht, er ist gut gelaunt— und da es nun zwölfmal in zitterigen Schlägen vom schiefen Kirchturm schlägt: Da ruft Meister Fridolin Schnarrenloch:„Burschen! Ei Dunnerkell, so kommt doch'runner, 's is Middag." Und Meister Fridolin will„einen spendieren",(ich sagte schon, daß er vom Frühschoppen her gut gelaunt ist). Und so wandert Meister Fridolin nun mit seinen vier Junggesellen in den .Bunten Ochsen". Die Gesellen werden chr Mittagbrot speisen— und Meister Fridolin läßt'n Rund« Bier auffahren.(Bielleicht werden's auch zwei.) Aber die Leiter? Die schöne lange hohe Leiter? Ja, die steht immer noch angelehnt ans Kirchendach. Hier kommen drei Schulbuben. Der Moxl. der Fritzel und der Hannes. Der Hannes sagt:„Ei Gewitter! die Leiter." Und der Fritzl sagt:.Nix wie'nusf!" Und dann sitzen die drei Buben schon oben am Kirchendach— und Maxl meint:„Wie ist die Welt so fein." Fritzl:.Du kannst die Welt ufs'n Kopp spucke." Maxl:.Runner, da kimmt der Rektor." Und wie der Blitz sind die Jungens unten— ein Rutsch— rutsch! rutsch! rutsch! Und fort in'n Galopp. Der Herr Rektor aber hatte die Buben wohl gesehen— ihnen nachrufen?.Nein," denkt der alte Schulmeister—.Die Weisheit ist schweigsam." Und nun bleibt der Herr Rektor vor der Leiter stehen— er schüttelt ernst den Kopf:.Dieser Leichtsinn, wie kann man denn auch nur diese Leiter so ganz ohne Aufsicht stehen lassen. die Buben klettern da hinauf— und sie schauen schließlich weUer wie unser eines— hinterher klagt man denn wohl über Respekt- losigkeit und mangelhaftes Betragen: gegenüber der Schulbehörd«. Die Jugend gehört unten hin— und nicht hinauf aufs weit- blickende Dach" Der Herr Rektor ging, er nahm'ne kräftige Prise. Die Leiter steht einsam. Nicht lange. Hier sind die Schul- mädels, die Erna und die Frieda. Und wie die Eichkatz!— sind die Mädchen auf der Leiter droben, die lustigen Backfische von dreizehneinhalb Jahren. Da aber— klopft es von innen her am Fenster des Pfarrhauses, und der Herr Pfarrer streckt seinen kahlen Schädel zum Fenster'naus:.Mädchen! geht doch da her- unter, die Leute können euch ja da alles von unten besehen." Jung-Erna�uber lacht zurück:„Och. Herr Pfarrer,'s is man halb s? wild, mir ham so zu— e Hose» an,'s i» Herbst." Klirrend schlug das Fenster zu.«ine leicht« Llutwelle flog über das gelbe Tapeten- antlitz de» Herrn Pfarrer» hinweg— und durch seine Gedanken huschten zwei kichernde nackt« Mädchen. Wieder steht die Leiter einsam. Nicht lange, hier kommt der Herr Junglehrer, de? mit der langen Mähne, der Dichterling. Er bleibt vor der Leiter stehen, er nimmt sein Blei, klopft mit dein Blei auf die Leiter— dann klopft er mit dem gleichen Blei vor sein Hirn— und dann schrieb er dies in sein Tagebuch:.Am Dach« wohnt die Freiheit/ der Tod liegt längst im Grab—./ O, Schimmel. Schimmel, springe/ mein Pegasus: trapp-trapp!" Und ein glückliche» Lächeln sonnte über dem Antlitz des Dichterling». Der Wind aber warf dem.Poeten"'ne Handvoll gelber Blätter an den Kopf. Die Leiter. Alleine steht sie da. Einsam. Aber hier kommt er, da» gelehrteste Haus der Stadt, der alt« Professor Linkelbüx. Und auch Herr Profesior Kinkelbüx bleibt vor der Leiter stehen. Er weiß selber mcht warum? Aber unterm Arme des Herrn Profesior» wird es lebendig, unterm Arme trägt der Herr Professor 'n Pack Bücher von der Bibliothek. Und der Geist der Bücher schreit:„Laßt uns frei, laßt uns zur Höhe, tut uns nicht wieder in das muffige Gefängnis eurer Regole und Kartotheken, frei sei der Geist!" Aber der Herr Profesior kniss mit dem Arm« den Lüchern die Stimm« ab. Und er hinkt« in seine.Studierftube". Die Leiter. Und hier kommt'n Hund. Er schnuppert an der Leiter herum— Heil'ne Wursthaut, vom Frühstück her— schwapp! die Wursthaut fft weg— und Herr Hund dankt mit'» Spritzer gegen die unterste Sprosse der Leiter. Die sind die Schlimmsten r- du tust ihnen Gutes— und hinterher besudeln sie dich! Di« Leiter. Miau und mioh! Hier ist Springebein, der Kater. Und der Kater is schon droben, die Leiter'ruft auf» Dach, in'ne Dachluke'nein, über'n Kirchenboden hin,'n paar Sprünge ab- wärts— und dann fraß Kater Springebein, am Lltarschrein de» Herrn Pfarrers.heilige Hostien" uff. Hinterher bekam Kater Springebein dann Leibschmerzen. Die Leiter,'s i» bald ein Uhr. Gleich werden die Dachdecker wieder da sein. Da saß plötzlich'n weißer Schein droben uff der Leiter, das war der„Liebe Göll". Die Sonne war n bißchen durch die Wolken hindurchgekommen. Und'n Sprosse tiefer saß unter dem lieben Gott der Windnarr— der Windnarr spielt« auf 'ner silbernen Flöte. Drei blaue Tauben girrten zur Flöte den Laß:.Gukurru!" Gukurru!" Die Leiter. Der.Liebe Gott" is wieder futsch. Hier kommt der Hinkepinke, der Deubel. das lange Ende seines Süffelschwanzes hat er sich um den Hals geschlungen, und mit gelben Zähnen kaut er am stintenden Haarquast. Der Deubel grinst. Di« Leiter! Und mit'ner kleinen goldenen Säg«— sägte der Deubel von unten her d« dritte Leitersprosse auf beiden Seiten hindurch— ober nicht ganz, die Sprosse stand noch— wie gesund! Die Sägespäne blies der Wind weg. Di« Leiter! Hollderi und holldera. Hier kommen drei dick« Spießer- her von der morgendlichen Geburtstagsfeier, die geschah im -Äasmo". Und die drei Spießer stehen vor der Leiter. Siejrnd dick wie Fässer, und im Antlitz rot wie Rotspon.„Ich wette sagte der Dickst- der drei Dicken—.ich«ette! daß ich do oben �euffkrabbele." Abgemacht— und Herr Daubenspeck klettert schon — eins— zwei— drei— perdautz! Herr Daubenspcck lag unten— der Teufel hatte ihm ein Bein gestellt, oder bessernder Teufel hatte bem Herr« Daubenjpeck n« Sprosse durchgejagt. Herr Daubenspeck hatte sich den linken Fuß gebrochen. Und Dachdecker- meister Fridolin Schnarrenloch bekam von der Kirchenbehörde nie- mals wieder einen Auftrag— denn es war ein„Gottes-sträflicher- Leichtsinn" gewesen, in der Mittagsstunde eine dreißig Meter hohe Letter unbewacht am Gotteshause stehen zu lassen, eine direlte Auf- forderung zu Kletterpartien. Denn— und hier liegt der Hase im Pfeffer— Daubenspeck war.Borste oder von der Kirchenbchörde". Nach hmöenburgs Unterjchrist. »was seifst du und schrubbst du. o Junker, den Maust Uod säuberst die Hände, so gut du e» kannst?" Da seufzt er:.Ich tu' es nie wieder im Leben! wie oft Hab' dem Retter die haud ich gegeben. wir hofften, deu Allen, w i r seiften ihn ein. Doch er unterschrieb, und nun— wasch' ich mich rein!" Dies ist die Geschichte von der Leiter. Droben am Kirchdache aber sitzen die vier jungen Dachdeckorgesellen. sie hämmern, sie pfeifen und sie singen. Und der Wind pseist mit den Jungburschen um die Wette. Heisa, das Leben! Muf Elsbärenjagö. von Fridtjof Raufen.") Endlich erblickten wir den Bären in ungefähr 1SlX> Meier Abstand. Er hatte uns beretts entdeckt, denn er erhob sich aus die Hinterbein« und streckte den Hals, um besser zu sehen. Dann ging er auf einen hohen Block und setzte sich auf sein Hinterteil: es war ihm deutlich anzusehen, daß er sich seinen.Operationsplan" zurechtlegte. Wir benutzten die Zwischenzeit, um in Deckung einige schwierige Stellen zu passieren. Ich war über ein paar kleinere Schollen weiter vorwärts gekommen und flieg aus einen Eishaufen, von wo ich den Bären beobachtete, während ich auf oen Kapitän wartete. Dann aber bückte ich mich, um dem Kapitän, als er zu mir herauskletterte, das Gewehr abzunehmen. Unterdessen war der Bär verschwunden. Wir gingen zu einem größeren Eishaufen, den wir für einen geeigneten Warteplotz hielten. Ms wir uns dem Kamm näherten, hielten wir die Gewehre für olle Fälle schußbereit. Oben angelangt, schauten und schauten wir— nirgends«m Bär zu sehen, obwohl das Eis ziemlich eben war. Er mußte ganz in der Nähe sein, entweder im Wasser oder hinter irgendeinem t)aufen, um an uns heranzuschleichen: wir legten uns also hin und warteten. Der Sicherheit halber ließen wir die Hähne an den Gewehren gespannt: er tonnte uns ja überraschen, ehe wir dessen gewahr wurden. Da sahen wir, wie das Wasser in einer Wake, kaum fünfzig Meter von uns entfernt, sich leicht kräuselte, dann kam ein dunkler Fleck zum Vorschein, der sich langsam auf uns zu bewegte. Da» mußte die Bärenschnauze sein. Wir blieben ganz ruhig liegen: der Vorgang war zu spannend. als daß wir ihn unterbrechen wollten, ehe es unbedingt notwendig wurde. Die Schnauze bewegte sich in wechselnder Richtung langsam auf uns zu. Dann und wann kamen die Augen aus dem Wasser heraus. Der Bär suchte eine Stelle, wo er vor unseren Blicken verborgen aufs Eis gelangen konnte. Nur ein paarmal hob er sich ein wenig höher aus dem Wasser, um das Eis zu überblicken: er suchte offenbar nach dem besten Weg, um zu uns zu gelangen. Endlich verschwand er unter dem Rand der Eisscholle, die uns am nächsten lag. Eine Weile später vauchte die Stirn, nur bis zu den Augen, vorsichtig über dem Rand auf. Er wollt« wohl sehen, wie er weiterkommen konnte. So verhielt er sich einige Zeit unbeweglich: ich konnte beob- achten, wie die kleinen schwarzen Augen nach ollen Seiten aus- spähten und hin und wieder lüsterne Blicke nach uns warfen. Doch der Eindruck, den er bekam, war sicher nicht günstig: langsam verschwand die Stirn wieder unter dem Eis, und von neuem sah man die Schnauze durch das Wasser schwimmen. Hier bewegte sie sich langsam eine Weile hin und her, während die Augen wie vorher von Zeit zu Zeit an die Wasseroberfläche heraufkamen. Endlich verschwand das Tier hinter einem Eishaufen und blieb längere Zeit fort. Wir begannen uns umzusehen: er konnte ja untergetaucbt sein. Da ober erschienen Stirn und Augen gemächlich über oem Rand« des Hausens. Der Bär war offenbor dahinter auf das Eis gekrochen. Nachdem er uns, die wir flach auf unserem Eishaufen lagen, einige Zeit genau betrachtet hatte, verfchwand die Stirn wieder unter dem Eisrand. ") Ein Buch von Fridtjof Nansen darf stets aqf gute Aufnahme rechnen. Der große Forscher beschert uns soeben ein prächtiges, reich illustriertes Werk, das unter dem Tttel„Unter Robben und Eisbären. Meine ersten Erlebnisse im Eismeer", geb. lk M., bei Drockhaus erscheint. Dies wiederholte sich mehrere Male in langen Zwischenräumen. Cr bedachte sich sehr genau. Aber wir hatten ebenfaoiei Zeit, und die Vorstellung mar unterhaltend Wir hatten beschlosfen, so lange wie nur möglich zu warten, obwohl der Kapitän sich heftig über die kalten Eisumfchläge unter seinem Vauch beklagte, und auch Ballong jammerte, weil er keinen Tabak mehr bei sich hatte. Der Bär wußte wahrscheinlich nicht, wie er sich am besten an uns heranschleichen sollte: denn es gab keine Eisstücke, hinter denen er hätte Deckung nehmen können. Endlich hatte er einen Entschluß gefaßt. Nachdem der Kopf lange Zeit verschwunden gewesen war, kam das Tier in feiner vollen Gestalt zum Vorschein. Dabei össneie es mit fürchterlichem Gähnen den Rachen und warf die Zunge fast bis an die Augen hinauf. „Ah, guten Morgen, guten Morgen. Alter!" kam es ganz laut von Ballong. Wir konnten nicht anders, wir mußten lachen, baten ihn jedoch, still zu fein. Hind und her kreuzend, schlenderte der Bär jetzt longsam auf uns zu, offensichtlich vollkommen gleichgültig: er sah auch nicht zu uns hin. So oft er einen Gchlag machte, blieb er stehen, gähnte, warf einen Blick in unsere Richtung und schlenderte weiter von Scholle zu Scholle, prüfte jedoch die Eiskante vorsichtig mit der Tatze, ehe er hinüberging. Ab und zu windete er wenig zu uns herüber: dann aber tat er ebenso gleichgültig wie zuvor und schien sich nur mit dem Eis zu beschäftigen, über das er dahinfchritt. Er nahm die Sache mit vollkommener Ruhe. Sank eine Eisscholle unter ihm weg, machte er nur einen Schritt auf die nächste Scholle hinüber, immer im gleichen faulen Tempo. Beim letzten Schlag, ehe er uns erreichte, lag am Rand« einer Scholle ein großer Eisbrocken im Weg. Der Klumpen war so schwer, daß ein Mann ihn kaum hätte wegwälzen können, und außerdem war genügend Platz, außen kerumzugehen. Der Bär jedoch versetzte ihm nur einen Stoß mit der Oberseite seiner einen Dordertatze und rollte ihn ins Wasser, während er ruhig zur nächsten Scholle hinüberstieg. Es war keine Spur von Anstrengung zu sehen: dies ließ eine unheimliche Kraft ahnen. Ballong konnte nicht an sich halten: „Nein, nein, schau einer diesen Gauner an!" klang es ganz laut. Jetzt aber hält er direkt auf uns zu und ist nicht weiter als zehn Schritt entfernt. Ich soll den ersten Schutz haben. Während das Tier sich auf die Hinterbeine duckt, um zum Sprung anzusetzen, ziele ich mitten auf seine Brust und drücke ab. Er brüllt, beißt wie gewöhnlich nach der Wunde, taumelt zurück, springt jedoch wieder auf und läuft davon. Der Kapitän schickt ihm eine Kugel ins Hinterkeil noch, um ihn zum Stehen zu bringen. Wiederum steckt meine Patrone im Lauf fest, und erst mtt ziemlicher Mühe kann ich sie herausbringen und eine neue einschieben. Wir sind beide schußbereit: doch der Bär fft jetzt im Wasser. Während er an der nächsten Scholle aus dem Wasser geht, wendet er uns den Rücken zu. Beide Schüsse krachen, die Kugeln fahren zwischen den Schulterblättern hinein, und das Tier fällt ins Wasser zurück, arbeitet sich jedoch wieder aus die Scholle hinauf. Eine' Kugel des Kapitäns bringt ihn zum Halten, er fällt noch einmal zurück. Nach einigen Zuckungen ist es vorüber. Es war ein ungewöhnlich großer und schöner Bär. Obwohl wir drei recht kräftige Männer waren und die Kante der Scholle niedrig war und in gleichmäßiger Schräge ins Wasser abfiel, hatten wir Mühe, ihn herauszubekommen. Wir legten ihm Ballongs Zug- stert in einer Schlinge um den Hals, er zeigte jedoch eine merkwürdige Neigung abzugletten. Ein paar Schlingen rund um die Schnauze machten dem ein Ende, und endlich wurde das Tier herausgezogen. Ist öas Klatsthen bürgerlich! Von Knulp. Neulich sprach ein proletarischer Dichter seine Dichtungen vor einer jungen Gemeinde und die wurde gepackt von dem Erlebnis, das der Dichter durch seinen Mund vermittelte. Was den Ein- druck de» Großen, Unerhörten noch vertiefte, war, daß der Sprecher ein körperlich leidender Mersch war, über dessen physischem Leiden sich aber sieghaft das Maß der geistigen Persönlichkeit erhob. Die Zuhörer standen im Bann dieses Menschen. Als er die letzten Worte gesprochen hatte, eine kurze Pause den schweigenden Ausklang bildete, begannen viele zu klatschen Da erhob sich ein longmöhniger junger Mensch, legte die Hände an den Murd und brüllte durch den Saal:„Klatschen i st bürgerlich!" Jäh verstummte der Applaus, und der Dank, der dem Dichter in diesem Augenblick sichtbar dargebracht werden sollte, zersplitterte. Dos. was sich spontan erhoben hatte, war zerschellt an einem rohen Ruf. Dieser Ruf... er ist roh... ist schon oft bei proletarischen Veranstaltungen zu hören gewesen. Ist er berechtigt? Man soll das untersuchen. Ist da»— Weinen um etwas bürgerlich? Ist das— Lachen über etwas bürgerlich? Niemand wird das als„bürgerlich' bezeichnen. Warum also das Klatschen? Hat man wirklich noch nicht gesehen, wie da» Kind, das einzige naive Geschöpf, in di« Hände klatscht, wenn es über etwas er, freut ist. Was am Applaus zu bekämpfen ist, ist das: daß er oft da ein- fetzt, wo er nicht angebracht ist— wo er eine feine, zarte, innig« Stimmung zerstört. Da senke sich lieber der Lorhang beim Ende des Spiels und jeder gehe still erfreut nach Haufe. Wenn dennoch geklatscht wird, so zeugt es von wirklicher Un- bildung oder einem groben Gemüt— mit Bürgerlichkeit hat das nichts zu tun. Die Taktlosen, di« Ungeschliffenen finden wlr leider!— noch in allen Lagern Aber weiter: ich denke an dos schöne und tiefe Erlebnis der letzten Tanzmatinee in der Balksbühne. Draußen lag die Welt kalt und weiß beschneit— drinnen im Hause, vor uns auf der Bühne, fanden edelste Gedanken und Gefühle ihre edle Sichtbar- machung in Zeit und Raum. Di« Herzen von ollen(das Theater war überfüllt) waren erhoben. Es war die Feierstunde der Sozia- listen. Edler, höher, reiner und gewaltiger al» das, was zur gleiche« Zeit in den Kirchen der Stadt vor sich ging. Die Herzen waren wie Schiffe, dl» vollbeladen in die Unendlichkeit hinaussegelten. Und-- die große, beglückt«, dankbar« Masse zerbarst In einem nicht enden wollenden Applaus. Ein Sturzregen des Dankes ergoß sich donnernd zu den Künstlern hinab. Junge Menschen drängten sich an die Bühne, ekstatisch wie Besessene, bebend am Körper, und klatschten in die Hände, weil sie durch nicht« anderes den erlösen- den Ausdruck für dos Erlebnis, das in ihnen war, finden konnten. Es war. als wären sie selbst im Tanze. Die Seele war aufge- wühlt, der Körper erbebte mitgerissen vom Erlebnis, und weil nicht alle damit beginnen konnten, selbst einen Tanz aufzuführen, be- wegten sse Arme und Hände und-- klotf cht« n I Und es hatte sich nicht um di» Verehrung der einzelnen gs» handelt, es war di« sichtbare Verkündigung der lebenden Gemein- schaft. Alle taten, was dem Menschen unbedingt zu»igen ist(was wir am besten Menschen, dem Kinde, immer wieder erleben): die Gewalt der inneren Mächte wurde durch da» Körperliche sichtbar, der ganze freudige Mensch äußert« sich. So schnell tan n s I ch k e i n Herz ausschütten, wie es klatschend« Hände für das Herz symbolisch tun! Klatscht nicht, wenn»ine zarte Stimmung in Gefahr ist! Wenn sie aber stark ist. dann laßt den Donner Eurer Hände zu Ruf und Gesang werden.... Klatschen ist mcht bürgerlich, es fft Befreiung! Billige Dezember- Preise Konfektion Damen- Mäntel aus molligem Stoff, recht fesche Tessons, viele moderne Farben Damen- Mäntel aus Mouliné- Flausch oder andere Stoffarten, gut ver975 Strumpfwaren... 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