Str. 570 42. Jahrg. Ausgabe A nr. 291 Bezugsvreis: 288chentlich 70 Bfennig. monalid 8.- Reichsmart DoTaus zahlbar Unter Rreusband für Deutschland, Danaia. Saar und Memelaebiet, Lefterreich. Litauen. Luremburg 4.50 Reichsmart. Für das übrige Ausland 5,50 Reichsmart pro Monat. Der Borwärts mit der Sonntags beilage Bolt und Reit mit„ Sieb. fung und Kleingarten fomie bez Beilage Unterhaltung und Biffen and Frauenbeilage Frauenftimme ericheint Bochentäalich weimal Sonntags und Montags einmal. Telegramm- Abreffe: .Gosialbemetrat Berlin Morgenausgabe 10 all wi Vorwärts Berliner Volksblatt 10 Pfennig Anzeigenvretje: Die einfpaltige Nonpareille Beile 80 Pfennig. Reklamegeile 5. Reichsmart.., leine Anzeigen bas fettgedrudte Bort 25 Brennis ( auläffa awei fettaedruckte Borte). lebes weitere Bort 12 Bfennig. Stellengefuche das etite Wori 15 Pfennig. tebes weitere Wort 10 Břennia. Borte über 15 Buch ftaben zählen filr zwei Borie Arbeitsmarkt Reile 60 Pfennig. 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Der Bergleich mit den hohenzollern, der den Entlaufenen und Abgesägten noch Befißtümer von un ermeßlichem Werte und, nach allem, was fie bisher erhielten, auch noch dreißig Millionen Bargeld zuschanzen will, rüttelt die Deffentlichkeit in stärkerem Maße auf als den für den ,, Bergleich" Verantwortlichen lieb ist. Dazu kommen die gleich anmaßenden Forderungen der fleineren Fürsten" und die ebenso unverständlichen Gerichtsentscheidungen, die ihnen Recht geben, wo sie im Unrecht sind. Diese aufreizenden Tatsachen haben endlich eine Aus Iprache im Reichstag über die Gesamtheit der Fragen ermöglicht, die sonst wahrscheinlich unterblieben wäre. Anlaß bazu gab der demokratische Antrag, der durch Reichsgefeß den Ländern die Möglichkeit geben will, auf dem Gesetzgebungswege die Ansprüche der Fürsten" zu begrenzen. Ein fommunistischer Antrag, die entschädigungslose Enteignung allen Eigentums rehemals regierenden Häuser auszu Sprechen, bedeutet angesichts der parlamentarischen Mehrheitsverhältnisse lediglich eine Demonstration, der jeder Erfolg versagt bleibt. Borauf es antommt, ist, den einzelnen Ländern das Recht zu geben, die Entscheidung über das Staatsvermögen nicht, wie Bismard das ausdrüdte, vom„ Standpunkt des Kreisrichters" aus treffen zu lassen, sondern dabei die taatspolitischen Intereffen im Bordergrund zu halten. In der Begründung des demokratischen Antrags fchlug der Abg. Dietrich( Baden) harte Töne an, die durch die Ungeheuerlichkeit der Borgänge mehr als begründet waren. Er verlangte, daß endlich damit aufgehört werden muß, die Entscheidung über weltgeschichtliche Fragen den Amtsrichtern zu überlaffen. Hier stehe nicht eine Frage des Privatrechts, fondern eine politische Entscheidung vor uns. Nach dem Kommunisten Reubauer, der sich nach der Moskauer Methode nicht versagen fonnte, auch in dieser Situa tion hauptsächlich auf die Sozialdemokratie zu schimpfen, nahm für die Sozialdemokratie Genosse Scheidemann das Wort, der völlische Dunnmenjungenrufe treffsicher abwehrte und dann in einer fachlich tlaren, in ihrer Eindringlichkeit bezwingenden Rede den ungeheuren Unfug darlegie, der jetzt mit den Intereffen der Länder, besonders Breußens, getrieben wird zu gunsten einer Familienfippe, deren Rechtstitel" zumeist aus ber Zeit stammen, da der Monarch" zugleich der Inhaber her abfoluten Gewalt und der Repräsentant seines eigenen Rechts" war. Daß diefes, Recht" nun auch noch in der Republik gelien soll, deren Staatsgewalt vom Bolte ausgeht", ist ein Hohn auf die Staatsform, die das Bolt in freier Wahl fich felbft gegeben hat, als die jetzt so anspruchsvollen, Fürsten" entweder flüchteten oder doch schweigend von der politischen Bühne abtraten. Wie nicht anders zu erwarten war, stellten sich die Deutschnationalen fajütend vor die habgierigen Gefellen, die auch jeht noch angesichts der furchtbaren Not von Millionen deutscher Arbeitsfräfte lediglich an ihren eigenen Borteil denken. Nach dem Schwindel, den die Deutschnationalen an den beirogenen Sparern und Rentnern verübt haben, fann dieses Eintreten für die fürstlichen Drohnen freilich faum noch überraschen. Das Zentrum hat fich bekanntlich seit Windthorsts, des Hanoveraners, Zeiten immer für eine Partei des Rechts auch gegenüber den abgedankten oder abgefägten Fürsten bezeichnet. Es hat seinerzeit gegen Bismard Stellung genommen, ber das Eigentum der welfischen und der kurhessischen Fürsten einfach dem preußischen Staat einverleibte, ohne nach ,, Rechts" gründen lange zu fragen. Deshalb glaubt das Zentrum auch heute noch, das die Grundsäge des Privatrechts auch gegen über den Hohenzollern und den übrigen Landesvätern anzu menden seien, mit denen uns das Schicksal in so überreichem Make beschert hatte. Aber selbst der Sprecher des Zentrums, Abg. Bell, mußte erilären, es fei nachgerade ft anda. los, wie die ehemaligen Fürsten ohne jede Rücksicht auf die Not des Landes und des Boifes ihre Forderungen stellten. Schließlich beantragte Bell die Ueberweisung des Antrages an den Rechtsausschuß. Das wird wahrscheinlich heute auch beschlossen werden, nachdem die gestern abgebrochene Debatte zu Ende geführt ist. Der Reichstag trat gestern nach einer Debatte über die verschiedenen Handelsverträge, über die wir in der Beilage beichten, in die erste Beratung des von den Demokraten einge brachten Gelegentwurfes über die vermögensrechtliche Aus. einanderlegung mit ben früher regierenden Fürstenhauseru ein. Die Kommunisten beantragen dazu bie entschädigungslose Enteignuna der früheren Fürstenhäuser. Abg. Dietrich- Baden( Dem.) verlangt, daß die Länder ermächtigt| werden sollen, die vermögensrechtliche Auseinanderseßung mit den früher regierenden Fürftenhäusern, soweit fie noch nicht stattgefunden hat, durch Landesgefeß unter Ausschluß des Rechtsweges zu regeln. Wird durch ein Landesgeseh eine Ent eignung ausgesprochen, so tann die Entschädigung ebenfalls durch Landesgesetz unter Ausschluß des Rechtsweges festgelegt werden. Die Regelung dieser Frage sei durch die Vorgänge in Thüringen besonders dringlich geworden. Es werden dort jetzt Fürstenprozeffe um Waldbestände geführt, auf denen ein großer Teil der Finanz fraft des Landes beruht. Auch im Falle Breußen muß die Grundlage für eine endgültige Regulierung geschaffen werden. Man muffe fich dagegen wenden, daß die Fürsten ihre Ansprüche in zwei Teile spalten, in staatsrechtliche und privatrechtliche. Wir sind der Meinung, daß es sich hier nicht um zivilrechtliche, fondern um politische Fragen handelt.( Sehr richtig! links.) Der Redner erinnert daran, in welcher Weise im Jahre 1866 der König von Hannover durch Breußen abgefunden worden ist. Fürst Bismard habe im Herrenhause erflärt, daß der König von Hannover überhaupt nichts zu beanspruchen habe ( hört, hört, lints), daß es fich nicht um eine private, sondern um eine politische Angelegenheit handele. Es ist ganz gleich, fuhr der Redner fort, ob Krieg oder Revolution bie Ursache für solche Aus. einanderlegungen find.( Dha! rechts.) Entscheidend für diese Dinge ift nicht das Rechtsempfinden, sondern das Staatsempfinden. Die Zeit ist endlich gekommen, um diesen unhaltbaren Zuständen ein Ende zu machen. Es wäre auch eine Ungerechtigkeit, wenn man den unerhörten Ansprüchen der Hohenzollern und der Thüringer nachlommen wollte, gegenüber jenen Fürsten, die sich nach der Revolution mit bescheidenen Renten abfinden ließen. Nun sollen die, die landflüchtig wurden, und die schlauer Weise abgewartet Dingen aber davor hüten, daß nachträglich von den deutschen Gehaben, doppelt fchadlos gehalten werden. Wir sollten uns vor allen richten die Weltgeschichte gemacht wird.( Bravo lints.) Abg. Neubauer( Romm.) begründet den tommunistischen Antrag. Abg. Scheidemann( Soz.) wird von den Bölkischen mit dem blöden Buruf Berdorrte Hand" empfangen, worauf er schlagfertig antwortet: Wenn ich Sie auf die Schnauze hauen wollte, würden Sie bemerken, daß fie nicht verborrt ist."( Stürmische Heiterkeit.) Dann beginnt er seine Rede: Millionen unserer Boltsgenossen hungern und frieren, Hundert tausende haben teine richtige Bohnung, teine richtige Kleidung und tein richtiges Schuhwert. Die Zahl der Erwerbslosen hat innerhalb eines Monats um fünfzig Prozent zugenommen. Die Erwerbs. lofengiffer ist bereits jekt auf eine Million gestiegen, die Zahl der Kurzarbeiter beträgt mehrere Millionen. 459 Geschäfte sind im September, 633 im Ottober unter Geschäfts. aufsicht gegangen. 940 Banterotte waren im September, 1164 im Oftober zu verzeichnen. 5480 Personen sind im September, 6650 im Oktober nach Uebersee ausgewandert. Die Zahl der Selbstmorde beträgt in 46 Großstädten auf 100 000 eẞrsonen berechnet zurzeit im Durchschnitt 30, und das Elend ist weiter im Steigen begriffen. Dieses ausgehungerte und notleidende Bolt foll fegt für wenige Menschen zahllose Schlösser, Häuser und Großgrundbefig, viele Goldmillionen herausgeben, herausgeben an die, die die meiste Schuld am Elend haben! Die Kommunisten haben heute den agitatorischen Antrag auf Enteignung der ehemaligen Fürsten gestellt. 3u spät! Benn die von den fommunistischen Führern mißleiteten Arbeitermassen im Jahre 1918 anstatt uns zu befämpfen, mit uns die Reaktion betämpft hätten, wäre zweifellos manches anders geworden. Die bisherige Entwicklung ist allerdings unerträglich, sowohl was die Forderungen der Fürsten als auch die Gutachten der fürstlichen Berater und die Urteile der monarchistischen Gerichte anbelangt. Die Landesväter" haben leider im Jahre 1918 gar fein Berständnis dafür gehabt, wie milde man mit ihnen umsprang.( Sehr richtig bei den Eoz., Burufe von den Romm.) Die ehemaligen Fürften sind offenbar zu der Meinung gelommen, fie fönnten bes halb nun gegenüber dem Bolte um o unanständiger fein. ( Sehr richtig bei den Soz.) Es ist geradezu aufreizend, wie die Gerichte die maßlofen Forderungen der Fürffen auch noch unterfiühen. So hat bas Obero landesgericht Braunschweig im Fall des Cumberländers einen Bergleichsvorschlag gemacht, den felbft die Herzogsfamilie nicht aufgeartet war, wenn sie auch noch ungeheuerlich genug ist. Mit dem rechi erhielt. Es tam eine Einigung zustande, die wesentlich anders Fürsten von Gotha, einem englischen Herzog, bat dos Land noch vor Schaffung der Reisverfaffung eine 2bmachung getroffen, an die sich der Herzog nach Zustandekommen der Reichsverfassung nicht mehr halten wollte. Das hat der dan lige Reichsminister damalige Jarres aufs eifrigfte unterstüßt und auch das Reichsgericht schlug sich auf die Seite des Fürften, indem es außerordentlich böse Urteile und Vergleiche herbeiführte. Der Herzog erhält die ganzen Befigtümer wieder zurüd, während das Land Thüringen die seiner zeit von der Gothaer Regierung übernommenen erheblichen Lasten, insbesondere die Bersorgung der zahlreichen ehemaligen Hofbeanten, weiter zu tragen hat!( hört, hört, lints.) Durch die Fürsorge des Herrn Jarres find dem englijden Prinzen 80000 morgen Helft den Arbeitslosen! Die Regierung muß sofort handeln! Seit vielen Wochen fordern die Gewerkschaften die Erhöhung der Unterstügungssäge für Erwerbsiose. Die Regie rung weigerte sich, etwas zu tun. Ihre Attivität war erstaunlich, folange es gait, durch Steuer- und Zollpolitik den Besitz zu schüßen. Jezt tommt sie vor lauter Bedenken zu feinem Entschluß. Mit aller Deutlichkeit sei es deshalb gefagt: jede weitere Verschleppung steigert die bereits ins llebermaß gewachsenen Spannungen. Wir warnen die Kelchsregierung vor jeder weiteren Verschleppung! mit größtem Nachdrud hat die sozialdemokratische Mit größtem Nachdrud hat die sozialdemokratische Reichstagsfrattion gleich nach Zusammentritt des Reichs: tages Borschläge zur Neuregelung der Erwerbslosen fürsorge gemacht. Den eindringlichen Forderungen auf sofortige Hilfe fonnten auch die bürgerlichen Barteien nicht widersprechen. Allgemein wurde anerkannt, daß die gegenwärtigen Unterstühungsfäße ganz unzulänglich find. Dennoch befigt die Reichsregierung den erstaunlichen Mut, die notwendige Erhöhung zu verschleppen. Zunächst mußte der Erwerbslofenfürsorgeausschuß des Verwaltungsrats des Reichsamts für Arbeitsvermittlung herhalten. Die Regierungsvertreter erklärten dem sozialen Ausschuß des Reichstags, daß nach der Verordnung über die Erwerbslesenfürsorge dieser Ausschuß zuvor ange hört werden muß. Damit erreichte die Regierung die Ber. tag ung im Reichstage. Die Beratungen des Berwaltungsrats im Ausschuß für Erwerbslosenfürsorge verliefen ergebnislos. Die Einberufung war finnlos, da nach§ 10 der Verordnung über Erwerbslofenfürsorge das Benehmen mit dem Berwaltungsrat herzustellen ist, wenn der Reichsarbeitsminister Anordnungen erlassen will. Diese Absicht bestand gar nicht. Und fo tonnte auch das Benehmen mit dem Berwaltungsrat nicht her. gestellt werden. Der 3 med der Uebung war jedoch erreicht: der Reichstag hatte die Beschlußfaffung ausgelegt. Die sozialdemokratische Fraktion drängte nunmehr erneut auf Entscheidung durch den Reichstag. Wiederum wurde die Entscheidung vertagt, weil die Vertreter der Rechtsparteien erklärten, erst die Stellung ihrer Frattionen einholen zu müssen. Gestern hat nun endlich der Ausschuß des Reichstags über die Er höhung ber Unterstützungsfäße entschieden. Die sozialdemokratische Fraktion hatte eine Erhöhung um 50 roz. beantragt. In Berkennung aller parlamentarischen Möglichkeiten forderten bie Kommunist en eine Erhöhung um 100 Brez. Der Antrag war nur dazu angetan, die dringend notwendige Entscheidung durch den Reichstag zu verschleppen. Die sozialdemokratischen Abgeordneten fonnten sich an einem solchen frivolen Spiel nicht beteiligen. Wie abfeits aller Möglichkeiten diese kommunistische Forderung lag, zeigt die Tatsache, daß auch der fozialdemokratische Antrag abgelehnt wurde. Mit großer Mehrheit wurde dann, wie im Abendblattt schon fura gemeldet, der Antrag des Zentrums und der Bayerischen Bolts partei angenommen, der eine Erhöhung der Unterstützungsfähe um Unzulänglichkeit dieses Antrages mußten die Sozialdemokraten für 30 Proz. für die Hauptunterstühungsempfänger vorfieht. Bei aller ihn ftiminen, um die Regierung zu singen, das fofort gehandelt wird. Die Regterung darf mit der Neuregelung der Unterstützungssäge nicht warten, bis auch die sonst noch im sozialpolitischen Ausschuß des Reichstages zur Enid, eidung stehenden Fragen zur Ermeros losenfürsorge erledigt sind. Unaufschiebber ist die sofortige Neuregelung der Watertigungsfäge. Der Reichstag hat gesprechen; es ist Pflicht der Regierung, den Beschluß sofort auszuführen. Selbstverständlich müssen aud, die Famillenzuschläge im gleichen limfang erhöht werden. Berschleppt auch jetzt noch die Rcid; siegierung bie Erhöhung der Unterstügungsfäße, dann trägt fie allein die Berantwortung für das Clent, bas taraus en wachsen wird. Band, bfe Berggasthäuser, das Schloß Friedrichstein fowie 994 einzelne Wiesen und sonstige Grundstücke zugesprochen worden. Dazu kommen die in Jahrhunderten entstandenen berühmten und mertvollen Gothaer Kunstinstitute. $ Ein weiteres Beispiel: Der Herzog von Meiningen übereignete feinerzeit seine sämtlichen Besitztümer dem Staat gegen sine einmalige Abfindung von 10 Millionen Mark. Das Reichs gericht hat letthin auf die Klage des Herzogs entschieden, daß bie Abfindung mit hundert Prozent aufzuwerten ist.( Lebhafte Ruje links: Härt, hört!) Danach muß das Land Thüringen dem Herzog jährlich 480 000 Goldmart auszahlen.( Er. neute Rufe links: hört, hört!) In Sachsen Beimar ist die festgesetzte Jahresrente für bas Großherzoghaus von damals 300000 apiermart auf 100000 Goldmart aufgewertet worden, obgleich die Broßherzogin- Bitwe außerdem nachträglich Befizerin von etwa 75 Rittergütern geworden ist. Der Fürst von Schwarzburg- Sonberhausen hat feinerzeit durch Bertrag dem Bolfsstaat gegen eine jährliche Geld. entschädigung fein gefamtes staatliches Rammergut, zwanzig Hettar Wald und mehrere wertvolle Schlösser abgetreten. Nachträglich hat bas Reichsgericht die Anfechtungsflage dieses Fürsten als zu Recht erklärt und die Siviltammer des preußischen Landgerichts Er. furt hat das Land Thüringen in erster Instanz auch tatsächlich zur Herausgabe verurteilt, da die Vereinbarungen gegen die guten Siffen verftoßen. ( hört, hört! und Lachen links.) „ Die bürgerliche Wissenschaft weiß ganz genau, daß es unter den 17 Hohenzollernfürften von Brandenburg- Preußen, die von 1415 bis 1888 regiert haben, ganz gewiffenlose Braffer und finnlose Verschwender, genug Schwachtöpfe und Jammerlappen gegeben hat" ( Hört, hört! links.) Das hat der langjährige Chefredakteur der Deut. schen Zeitung", Mag Maurenbrecher, geschrieben.( Schallende Heiterfeit links.) Die fürstlichen Sachverständigen und monarchistischen Richter werfen mit einer juristischen Lüftelet fondergleichen alles durch einander. Bald ist der Herrscher ein König, bald ein Privatmann, bann wieder König, immer hin und her, um die flar zutage liegen ben Begriffe zu verwischen. Noch grotester ist das Spiel, das mit den Begriffen Kronvermögen, öffentliches Bermögen, Fideikommiß. vermögen, Krongut, Allodialgut, Schatullengut usw. getrieben wird. Das Ende von all dem ist aber immer das gleiche, daß die monarchistischen Richter scheffelweise das Gold den Fürsten zufchanzen auf Kosten des armen, nolleidenden Bolkes. Gegenüber den Versuchen der Begriffs ( Sehr wahr! links.) verwirrung zugunsten der Hohenzollern möchte ich nur zwei Säge fagen: nach dem allgemeinen Landrecht sind die Domänen Staats eigentum. Der Begriff, daß König und Staat dasselbe sind, daß alfo das, was dem Staat gehört, dem König gehört, ist ein voll im zwanzigsten Jahrhundert überhaupt noch auf derartige Dinge ftändig überwundener Standpuntt. Es ist lächerlich, zurüdzukommen. Ich meinerseits möchte mich auf zwei Beugen flügen: Friedrich II. und Bismard. Abg. Brebt zitiert aus bem Testament Friedrich II. den Sah, in dem er seinem Neffen das Königreich Preußen, Staatsprovinzen, Schlöffer, Festungen und Blaze, Munition, Kronjumelen ufm. überläßt. Bredt zieht daraus Schlüffe, denen ich um so weniger folgen tann, als er einen wichtigen Sah in feinem Buch vergessen hat. In dem Testa ment heißt es nämlich weiter: Ich habe die Einkünfte des Staates als die Arche des Herrn betrachtet, an die feine ge möhnliche Hand anrühren sollte. Die öffentlichen Einfünfte find niemals für meinen persönlichen Gebrauch ihrem 3wed entzogen worden. Die Ausgaben, die ich für mich gemacht habe, haben niemals zweihundert Taler jährlich überschritten. Auch läßt mir meine Verwaltung ein ruhiges Gewissen und ich fürchte nicht, der Deffentlichkeit darüber Rechenschaft zu legen." Das zeigt, daß man nicht den einen Saz zitieren und den anderen weglassen fann. gerungen des Abg. Bredt. Es ist offensichtlich, daß das Land Thüringenrettungs fos zugrunde gehen muß, menn nicht derartige Verpflich tungen von ihm weggenommen werden. Ja, Berträge wie die des Fürsten Schwarzburg- Sonderhausen mit einem Staat verstoßen gegen die guten Sitten, sagt ein hohes Gericht. Aber es verstößt wohl nicht gegen die guten Sitten, wenn ein Voit in der Weise rusgeplündert werden foll, wie es nach derartigen Gerichtsentscheldungen der Fall iff? Es verstößt wohl nicht gegen die guten Sitten, wenn man armen Teufein, die ihre legten Groschen für Ariegsanleihe hingegeben haben, das Geld bis zum letzten Pfennig weggenommen hat und gar nicht daran denkt, ihnen ernsthaft etwas wiederzugeben? Rein, die Forderungen sind teilweise so toll gewesen, daß fogar beutschnationale Abgeordnete dagegen Stellung nommen haben. Selbst dem Minister v. Richter gingen die For- Sehr gut bei den Sozialdemokraten.) Es widerlegt die Schlußfolberungen der Hohenzollern gegen den Strich. Er richtete im vorigen Schre einen großen Rotschwei an den Landtag, den der General vertreter des Hauses Hohenzollern, Herr von Berg, mit einer Gegendenffchrift beantwortete, nach der es fehr bescheiden sei, menn fich die Hohenzollern mit einer Abfindung von hundert Millionen Bobmart, einer jährlichen Rente von 14 Millionen Goldmart, einer Anzahl von Schläffern und Grundstücken und einem Landbesitz son 400 000 Morgen zufrieden gäben( Burufe von den Soz.: Unerhört!), der ihnen einen jährlichen Reinertrag von 5,7 Millionen Goldmart bringen wird.( hört, hört! links.) geDieje Summe wäre der Jahresertrag, der Insgesamt für 34 000 crwerbsunfähige Invaliden gezahlt wird. ( Erneute Rufe fints: hört, hört!) Aus diesen Borschlägen ist er freulicherweise nichts geworden. Bei dem neuen Vergleich, der jetzt abgefchiollen merben soll, merden eine ganze Reihe von Besigtümern aufgeführt, die dem Staate verbleiben sollen. Aber wie tommt man überhaupt dazu, über Befizungen, die ganz zweifelsfret Staats. eigentum find, zu verhandeln? In der diesbezüglichen Dentschrift werden dann anderthalb Spalten lang Schlösser, Wohn gebäude ufm. aufgeführt, die unbeschränktes Eigentum der Hohenzol fern bleiben Jollen. Es ift geradezu schändlich überhaupt derartige orfe lage zu machen,( Sehr richtig! bet ben Sog.) und es ist ganz perftändlich, daß bisher teine Möglichkeit ergeben hat, die Herr. Jchaften noch ganz anders abzuführen als bisher. Stun tommen aller bings eine ganze Anzahl von Sachverständigen, wie der Abg. Brebt, die verfuchen, die Ansprüche aus geschichtlichen Dar tellungen, bie um ein halbes Jahrtausend, bis in das Jahr 1411, zurüdgehen, zu rechtfertigen.( Heiterfeit bei den Soz.) Herr Bredt bemüht sich außerdem, bie angeblichen Besitztümer der Hohen zollern aus ihrer großen Sparfamfeit zu erflären. Sie feien gute Mirtschafter, fleißig, fromm, liebenswürdig, ausgezeichnete Familien. pät r, intelligent, bescheiden, fparfam".( Große Heiterfeit links.) So sa en fie alle! Sonst würden sie nicht in der Siegesallee stehen. Andere Historifer sind allerdings anderer Meinung, und ich möchte einen Herrn, der der rechten Seite nahe geftanden hat, zitieren. Der fich über Lobhudeleien im Boltsschulunterricht empört und erflärt: Russische Schneenacht. Bon Walther G. Dschilemsti Knallend, mit dem Heulen ber Wölfe vermischt, die fich am Anfang des Winters bis vor unser Dorf wagen, faufte der Sturm um unser einfames Haus. Seit einigen Tagen lag schon das Ahnen des Schnees in den Winden und in den Bauernhöfen sammelten die Mägde das Brennholz ein. Der alte Großknecht Rubin, der im ganzen Gouvernement als der prophetische Spürhund galt und auch den Herrn Tierarzt mitunter in Staunen verfekte, stopfte etwas forgfamer als es sonst üblich zu sein schien, seine Pfeife, frächste einmal wie eine Krachmandel und pfiff vielsagend: Harter Bind bringt balde Schnee und Eis auf Stadt und Halde." Und Rubin pfiff ganz recht. Denn in derselben Nacht be. gann es in den Gebirgen zu donnern, die Wölfe schossen in Rudeln um die Höfe; im Forst flogen bie Schneevögel auf. Schon am Abend war es so talt, daß einem der Atem fror. Jetzt sollte die Echneefrau tommen! Ein munderfames Beib mit duftendem Haar aus Immergrün und Reifig, drauf eine Krone aus Millionen fleiner Kristalle lag. I Im Jahre 1866 wurde außer Hannover und Hessen- Nassau auch urbefien von Breuken annettiert, wodurch ich schon im zarten Alter von einem Jahre meinen Landesvater verlor.( Hei terfeit links.) Deutsche wurden damals von Preußen vergewaltigt Man nannte das aber nicht mit dem wahren Wort, man nannte es auch nicht Reparationen, sondern die volterrechtlichen Ereignisse des Jahres 1866."( Heiterfeit links.) Der Kurfürst von Hessen war also von seinem größeren Bruder, dem König von Preußen, wie das untereinander damals fo Brauch war, verjagt worden. Aber das geschah nicht etwa aus idealistischen Gesichtspunften. Man war ganz deufschnaflonal realistisch eingestellt ( Sehr wahr! lints), wie auch jene Fürsten, die mit Napoleon zufammen gingen. Sie mußten für das, was sie machen sollten, unter ollen Umständen auch etwas friegen.( Sehr gut! links.) Der Kurfürst von Hessen, mein armer Landespater, prozessierte damals wie jezt Bilhelm II. Er ist aber bei Preußen sehr schlecht angekommen.( Heitertelt fints.) Bon diesem Brozeß, der genau so gelagert ist wie die Prozesse, die jetzt von den Fürsten gegen die verschiedenen Länder in Deutschland ge führt werden, handelt eine Dentfchrift, in der die Frage nach der rechtlichen Bedeutung des Konflittes dahin beantwortet wird, die Krone Preußen fei davon ausgegangen, daß es sich um einen Gegenstand des öffentlichen Rechtes, handelt. ( Hört, hört links.) Sie hat die anderweit rechtliche Geftaltung der rechtlichen Ber. hältnisse sowohl der hier in Rede ftehenden Gegenfäße der früheren furfürstlichen Sofgeftaltung, als auch des Hausjdhages als eine thr durch die Einverleibung des Surfürstentums Heffen gebotene und davon untrennbare völferredfliche vnd flaatliche Aufgabe betrachtet. Sie hielt und hält sich für deren Lösung in Konsequenz der nölfer rechtlichen Ereigniffe nicht nur für berechtigt, sondern auch für ver. pflichtet. Demgemäß hat sie mit der Besitzerareifung des Landes fowohl den Hausschah als namentlich auch den hier in Rede stehenden Bermögenstompleg töniglicher Verwaltung unterstellt und über deffen Berwendung und Nuhung völkerrechtlich und staatsrechtlich hinweg; als man im Laufe des Tages banach suchte, fand man die Ueberreste, zersplitterte Sparren und das wenige häusliche behör, drunten im Talgrund, unweit der Waldauer Flut. Der Tod sprang hier des Nachts vorbei. verfügt. Hier wird nicht nur in diefen Säßen, sondern auch in alle bem, was folgt, haarscharf nachgewiesen, daß fast alles, wenn nicht alles, Staatseigentum war, was der Kurfürst damals als privates Eigentum, ganz wie es jeht die Hohenzollern machen, für fich cetlamiert hat. Weiter ist die Rede von der politischen Gebundenheit jener Gegen stände im Gegensah zum reinen Privat, eigentum und von der fich aus der Staatsumwälzung des Jahres 1866 ergebenden völkerrechtlichen Zuständigkeit", ohne daß es darauf antomme, ob dem hessischen Fürstenhaus ein Eigentum daran zustand.( hört, hört linfs.) Alles das ist von der Regierung Bismards gefchrieben worden. Aber es tommt noch viel schlimmer in diesen Bismardschen Auslaffungen. Das Preußen unter Wilhelm I. und Bismard hätte auch dann, wenn feine angeführten Behauptungen falsch gewesen wären, auf alle Einwendungen der Hanno veraner und Kurhessen gepfiffen. Das wird in der Schrift mit folgenden Worten flipp und flar ausgesprochen: Die Versuche der Rläger beruhen auf der Verfennung oder Berschweigung ber un bestrittenen öffentlich- rechtlichen Beziehung des hier in Rede stehenden Bermögensfomplexes, durch welche derfelbe dem Bereich des reinen Privatvermögens entzogen und der völkerrechtlichen zuständigkeit unterworfen ist. Diese lettere war vorliegend unt so gewiffer vorhanden, weil es sich, selbst wenn die Auffassung eines landesherrlichen Eigentumes zweifelhaft gewesen sein sollte, Candes und der Landesregierung handelte, demgegenüber die babet immer doch um die Wahrung öffentlicher Anrechte eines Eigentumsfrage nur eine formelle Bedeutung hatte."( Hört, hört links.) Man erhob damals gegen den Kurfürsten wie auch gegen den König von Hannover die schwersten Vorwürfe. Man machte ihm den Borwurf, daß er nicht an fein Land, fondern ganz ausschließlich an fich denke.( hört, hört links.) ,, Ein solches Berhalten," so hieß es damals, läßt sich vom be. [ chränkten Parteistandpunkt aus begreifen. Aber man Die unheilbrin. braucht mit demselben nicht zu rechten. genben Folgen, welche fich ergeben müßten, wenn ihren An prüchen willfahrt würde, fümmern die Kläger nicht."( hört, hört fints.) Das ist doch wahrhaftig, als wäre es Satz für Gaz damals für die heutigen Berhältnisse geschrieben worden!( Sehr richtig lints.) Es zeigt wirklich, daß ein jeder, mag er stehen, wo er will, mit Rußen immer und immer wieder die Reden des Fürsten Bis heißt es weiter:„ Es ist nicht eine Frage des fistalischen Vorteiles, mard lesen kann.( Sehr richtig! bei der Deutschen Volkspartei.) De weiche zur Entscheidung steht. Es handelt sich um das höchte politische Intereffe."( Sehr richtig linis.) So handelte die Regierung der Hohenzollern unter Wilhelm I. und Bismard, dem heffischen Kurfürsten und dem König von Hannover gegenüber. Da braucht man doch wahrhaftig nicht, wie es die juristischen und literarischen Leibhusaren der Hohenzollern jegt tun, auf viele Jahr hunderte zurückzugreifen und sich auf die Sparsamkeit zu berufen. Wenn diese Leute so fparfam veranlagt find, warum verlangen sie denn jetzt diese vielen Schäße? Sie sind doch nicht nur sparsam, Jondern auch fromm gewefen. Da müssen fie doch das Bibelwort tennen:„ Du sollst teine Schäße sammeln".( Sehr gut! und Heiterfeit links.) Sparfam find fie bisher nur Im Steuernzahlen gewefen. Da haben fie auch den Standpunkt eingenommen, den sie einnahmen, als Gröner den Kaiser aufforderte, in den Schüßen. graben zu gehen: Nur nicht drängeln!( Sehr gut, lints.) Bon den Steuern der Hohenzollern seit 1918, von dem, was fie be zahlen sollen für das, was man ihnen bisher gegeben hat, und was bisher underſteuert geblieben ist, depon steht leider in der Dentschrift fein Wort. Bismard hat seinerzeit einen Reptilienfonds unterhalten, um die restauratinen Bemühungen des Surfürsten von Heffen und bes Königs von Hannover, die doch mahrhaftig nicht gefährlich waren, zu befämpfen Vergleichen wir bie Verhältnisse von tamals und heute. Was hatte der beliegte und verjagte Kurfürst von Helfen, mas hat der König von Han. nover gegen Breußen oder später gegen das Reich unternommen? Nichts! 1866: Nach Bismard in Seffen und Hannover ein pölkerrecht. fiches Ereignis, eine Staatsummälzung, eine veränderte politiste Page 1918: Eine Staatsumwälzung, eine veränderte politische Lage, ein staatsrechtliches Ereignis, gutgeheißen von der deutschen Natto. nalversammlung. 1866: Ein Rönig und ein Kurfürft über Borb, 1918 mei Dugend Landesväter nom tleinsten Duodezfürsten bis zum Kaifer. 1866: Nichts gegen Preußen und das Reich. Künfte unter der Führung der Architettur flar erfennen; dies be Zuweise er auch in seinem Unterricht an der Wiener Atademie, und dies zeigten auch die Arbeiten seiner Schüler. Darauf sprach Behrens. Eingehende Kenntnis der technischen, tonftruttiven und praktischen Dinge sei Vorausjegung für den Eintritt in die Wiener Meister. schule. Jeder muß darin restlos ficher fein. Der Lehrer fann nur ben Geist der Anstalt bestimmen, den fachlichen Ernst, den tempera Beit in Einflang steht. Die Akademie ist eine Arbeitsgemeinschaft, mentvollen Billen, damit dieser mit dem künstlerischen Willen ber jeder lernt vom anderen. An Hand der Entwürfe führte Behrens aus, daß in seiner Meisterschule nur vom Tatsächlichen ausgegangen wird. Keine verstiegenen Phantastereien, sondern Entwürfe, die verwirklicht werden können, und Entwürfe, die allein den 3med des Gebäudes betonen. Das Hauptinteresse fonzentriert sich auf technische Gebäude. Behrens bemüht sich, einen Stil zu schaffen, der die stille Bhantaftit, bas Groteste der Technit wiedergibt. Immet wieber erscheinen technische Gebäude als nur geduldet, ohne eigenen Stil, in abgeflauten Formen, und doch liegen hier Möglichkeiten zu einer Können und Wollen. Irmingard Willner debütierte vor mit dem Barieté. Und erweďte trotzdem Intereffe. Erschien fähig, zwei Jahren im Blüthnersaal. Verwechselte damals die Tanzbühne wenn auch nicht immer willens, ernsthafte Kunst zu bringen. Jetzt fahen wir sie im Klindworth- Scharwenta Saal wieder Gereift, vervollkommnet, veredelt. Tadellose Durcharbeitung und Beherrschung des Körpers in allen Teilen. Bewundernswert die Aftion der Handgelenke, der Hüfte, der Beine. Alles fommt anfcheinend mühelos, spielend. Bon einem Körpergefühl belebt und beflügelt, deffen schmiffige temperamentvolle Rhythmit den Zuschauer bannt und mitreißt. Im ersten Teil des Brogramms tanzte sie Chopin. Brachtvoll in der schwingenden Leichtigkeit der ,, Mazurta" und der zwei Ecossaises"( bei der zweiten am Schluß ein ver. unglüdter Sprung). Die Bolonaise A- Dur" in martigen Span nungen und Schwüngen, herausfordernd, angriffsluftig, triumphie. rend. Dieses alles reiner, ungetrübter, abftrafter StL Bei anderen Nummern deutliche Borliebe für pantomimische Effefte. So im Trauermarsch", der auch als Romposition zerhadt, unorganisch, ohne Steigerung. Stärfer und greller im Wiener Balzer, aus dem nicht das Tänzerische herausgeholt, sondern faft eine pantomi " " neuen Monumentalität. Nach dem Fortrag gaben Bertreter der Technischen Hochschule Charlottenburg, der Runstvereine und des Architekten- Bundes der offnung Ausdruck, daß bald die Mittel herbeigeschafft werden tönnten, um die Ausstellung in Berlin zu ermöglichen. Und fie tam, Braufend wie ein Wassersturz. Die Eisroffe fprangen wie Schwerter über bas Land, daß es noch bis in die Ställe und Katen blijte. Die Häuser zitterten und saugten sich Ställe und Saten blizte. Die Häuser fefter an die Erde; manchmal glaubte man, der Wind trüge Bogel mifche Szene gemacht wurde. Chinoiserie", Kreuzpolfa", Marsch fatholische Priester find bei Nacht und Rebel aus Tabasco geflohen, refter und Sterne dahin. Wie eine Fahne glänzte der Schnee. Stein Mensch tonnte in dieser Nacht schlafen. Die Knechte lagen fluchend vor den Fenstern, die Mädchen vor den Kruzifigen betend: Jungfrau Maria sollte helfen. Man bangte, denn bliebe der Sturm diese ganze Nacht hier, so war es für Wochen mit Birts. haus und Spinnstube vorbei Nur wenn der Schnee nicht höher als 30 Boll fiel fonnte man vielleicht übermorgen wieder im Wirtshaus Mazurka und Krakowiak tanzen. Draußen schien die Luft zu bersten, so schmer lastete der Schnee. Ich erinnerte mich auch feines Winters, in dem ich gleiches erlebt hätte. Es war, als ob sogar die Hausgeister in ihren heimlichen Berstecken zitterten und froren. Man sah feinen Himmel mehr, bie ganze Welt war eine große Schneewand, die bei jedem Herz fchlag auf und nieder schlug. Um vier Uhr wurde es etwas ruhiger. Aber man fonnte nicht mehr hinausschauen. Um fünf Uhr schlief dann alles im Hause, auch in den Ställen dampfte der Schlaf. Als ich am Morgen erwachte, aufstand und zum Haustor gehen mollte, frächzte Stubin auf der Tenne und fah ganz feltfam aus. Die Flur war wie Lächeln der heiligen Katharina, filbern, eine winterliche Blüte, schmerzlich, aber doch schön. In den rauhen Wäldern flang die Harfe des Schnees. Am Hohlweg aber, wo des Großfnechts Rubin ärmliche Hütte stehen sollte, war jetzt ein freier Blaz. Die Nacht trug fie Alles in allem; eine fehr starte, aber einseitige Begabung. Gestaltet echt und glaubhaft, oft hinreißend das, was heute in ihr liegt: bas Sonnige, Tandelnde, Flotte. Ob fie für den Ausdrud tieferen seelischen Erlebens jemals reif und fähig wird, hängt von ihrem Willen und von ihrer inneren, rein menschlichen Entwicklung ab. Die äußeren Mittel sind vor. handen. Bei Margaret Gerede, bie an berfelben Stelle einige Tage vorher tanzte, find brave, tünstlerisch vornehme Absichten nicht verkennbar. Und doch ein unerfreulicher, zeitweise direlt quälender Gesamteindrud. Gründe: bie Kompofitionen ohne Zusammenhang und organischen Aufbau, in der Beintechnik Mangel an Aplomb, die Aktion der Arme zappelnd, fchleuternd, alle Bewegungen forciert. Körperliche, aber nicht seelische Wucht, daher nichts zwingendes, I. S. nichts Pacendes, nichts Ueberzeugendes. Befer Behrens über feine Unterrichtsmethode. Bor einiger Zeit veranstaltete Prof. Peter Behrens in Wien eine Ausstellung von Arbeiten der dort von ihm geleiteten Meisterschule für Architektur an der Akademie. Die Ausstellung wurde damals von der gesamten Sachpreffe außerordentlich günftig aufgenommen, und es entstand der Plan, diese Ausstellung auch nach Berlin zu bringen und durch städtebauliche Darstellungen zu ergänzen. Gestern abend sprach nun Prof. Behrens im Desterreichisch Deutschen Bolts. bund und zeigte an Hand von Lichtbildern einige ber in Wien ausgestellten Arbeiten. Reichstunstwart Dr. Redslob führte in feiner Begrüßungsrede furz aus, daß Behrens einer der wenigen fei, die heute die Notwendigkeit des Zusammenwirkens der bildenden Heiratszwang für megitanische Priester. Im merikanischen Staate Tabasco find fünf Briefter verhaftet worden, weil sie fich geweigert hatten, ein Weib zu nehmen. Der Bischof Bascal Diaz und vierzehn um fich dem fürzlich ergangenen Defret, das die Geistlichen aller Glaubensbekenntnisse zur Heirat zwingt, nicht fügen zu müffen. Die flüchtlinge haben sich nach der Stadt merito begeben, um beim Bräsidenten Calles gegen den Beschluß der Regierung von Tabasco schärfften Protest zu erheben. Bis auf weiteres ist es in Tabasco so, baß unverheiratete Briefter öffentliche gottesdienstliche Handlungen nicht vornehmen dürfen; selbst für steinalte Herren ist die Ehefrau obligatorisch. Deutsche Bauern haben im Mittelalter bes öfteren eine ähnliche Kirchenpolitif getrieben. Als erste moderne Theaterzelfung erfcheint ab 1. Januar 1926 vier zehntägig. Die Boltsbabne, herausgegeben vom Verband ber beutschen Rollsbühnenvereine, unter der Leitung von Hans v. Zwebl. Das Platt bringt eine genaue Berichterstattung über das aus und inländische Theater und umfaßt alle Rubrifen einer altuellen Beitung vom Standpuntt der sozialen Theater politit und Kunstpflege. Barbara Kemp, die in Stonigsberg während eines Baitfpiels erkrankte und vorläufig nicht reisefähig ist, wird erst in zirta zehn Tagen wieder auftreten fönnen. Jm Leffing- Museum, Brüderftr. 18, findet Donnerstag abend 8 Uhr ein Rainer Maria Rilte Abend zum 50. Geburtstag des Dichters ftat. Einleitender Vortrag: Kurt otel Rezitationen: Nora 8epler und Weicher Ramin. Serta Faust fingt zwet Lieber bon Robert Stahn. Am Flügel: Der Komponist. Eine Breffeflelle der Deutschen Bühnengenofenfchaft. Die Genossen Breffeftelle errichtet, zu deren Reiter Rebaiteur Georg Bill- Bumi berufen schaft Deutscher Bühnenangehöriger hat im Rahmen ihrer Berwaltung eine wurde. Gleichzeitig übernimmt Herr Bill- Büwi auch die Schriftleitung bes genossenschaftlichen Organs, Der neue Beg. Nach 1918: Auch nichts gegen das Reich? Ber wagt zu behaupten: Ja? Keiner! Haben wir in dieser Zeit nicht allerlei monarchistische Unternehmungen erlebt? Kennen wir nicht die Propagandareifen der verschiedenen Kronprinzen, die Daraben, abgenommen von Fürsten aus früher regierenden Häusern, die Rede des Generals Sigt von Armin, die Unternehmungen des Kronprinzen Rupprecht von Bayern? Haben wir nichts gehört von Bersuchen zur Refonftruffion der Monarchie? Ist uns nicht betannt, daß im Königreich Bayern ich fage bas absichtlich jazt noch Formulare mit der Aufschrift, önigreich Bayern gebrudt werden? Bissen wir nicht, daß Duende von mon archistischen Organisationen bestehen, die aus ihrer Einstellung gar fein Geheimnis machen? Der einzige Trost, den wir dabei haben, ist der, daß bei allen größeren Unternehmungen immer Herr Ludendorff dabei war. Und vielleicht hatten ihn die Richter in München nur deshalb freigesprochen, weil fie fich fagten Bir dürfen ihn nicht einsperren, denn wenn irgendwo was losgeht, ist er immer dabei, und wo er dabei ist, geht die Sache totsicher schief.( helterfeit.) Wenn man fich erinnert an diese zum Teil weit zurückliegenden Dinge, an die Stellung der Staatsmänner, die von der Rechten namentlich bis auf den heutigen Tag wie Halbgötter gefeiert werden, und man zieht dann die Parallele zu den heutigen Berhältniffen, zu welchen Schlüffen muß man dann tommen? Etwa zu dem, daß man den Hohenzollern, den Wittelsbachern, den Wettinern und wie fie alle heißen mögen, all bie Güter und Gelder zurückgibt? Ich bin anderer Meinung. Trotzdem freilich bin ich nicht der Ansicht, daß wir nun etwa auch einen Fonds zur Abwehr hohenzollernscher, wittelsbachischer und sonstiger Unternehmungen gegen die Republif gründen follen, Aber ich erwarte, daß sich die Republik nicht zum Gefpött der ganzen Welt macht, sondern auf dem Poften bleibt, daß sie nicht so toricht, so verbrecherisch handelt, Millionen und Millionen, ganze Provinzen an Card denen zu geben, die nichts Befferes zu tun haben würden, als von diesen Befihtümern herunter mit ihren Goldmillionen die Unterwühlung der Republik vorzunehmen. Daran darf niemand denten. Das arme deutsche Bolt muß zahlen, zahlen und zahlen infolge des unglüdfeligen Krieges, zahlen für Reparationen an die Entente, und nun follen wir auch noch Reparationen zahlen an die, die zum größten Teil fchuld find an unferem Elend. Wer wagt, im Ernst daran zu benten?! Was bisher versäumt worden ist, muß nachgeholt werden. Der demokratische Antrag lehnt sich an einen fozial. bemotratischen Antrag vom 4. Mai 1923 an. Dieser Antrag tft damals nicht zur Berhandlung gefommen, meil der Reichstag auf gelöst worden ist. Der demokratische Antrag bietet unseres Erachtens eine durchaus brauchbare Grundlage zur Berhandlung. Er muß allerdings Zufäße befommen. Bor allen Dingen fehlt diesem Antrag eine Bestimmung über die rüdwirtende Kraft. Wir werden uns darüber, hoffe ich, verständigen können. Der fommunistische Antrag ist ja nur ganz agita. torisch aufgezogen. Parlamentarisch ist damit absolut nichts anzu fangen. Ich bedaure das, weil ich gern wünschte, daß wir in dieser Frage etwas hätten zustande bringen fönnen. Mir fällt eine Episode ein aus den Berhandlungen des Ber faffungsausschusses. Da tam ein hoher Regierungsbeamter zu mir und fuchte die Geschichte mit Beschlüffen hinauszuschieben. Er erzählte mir, wie fohwierig es fet, den Kaiser zu diesem, oder jenem zu bringen. Da habe ich ihm gefagt: Ist es denn ein folches Kunststüd, dem Kaiser beizubringen, sich zu überIcgen, zu welchen Konzessionen& B. ber Raiser Don Ruß. land jet bereit wäre. Der mar damals fchon erledigt. Er hat es nicht verstanden. Bier Wochen nach dem Bittelegramm des Herrn Ludendorff um Waffenstillstand und Freden, eine Woche por ten vollfammenen Susammenbruch gab der Kaffer jetne Su immung zu ben Berfaffungsänderungen. Wie ein Fluch laffet es auf Deutschland, daß wir alles leider ju fpif lafen, daß wir nicht haben hören wollen. 3 biffe Sie, hören Sie wenigftens jetzt! Denfen Sie in erster Linie an das hungernbe unb frie rende Bolt, an die Erwerbslosen, an die Abgebauten, an die vor dem Bankrott stehenden Geschäftsleute, tleinen Landwirte, tel. nen Bauern, an die Kriegermitmen und mailen, an die Opfer des Krieges, an die zahllosen Invaliden! Denten Sie gulegt an die. jenigen, die am unverschämteften mit ihren For. berungen find!( Sehr richtig! lints.) Das Cand ift den Fürsten nichts schuldig, die Fürften dem Lande alles!( Zustimmung lints.) Die Herausgabe der geforderten Länder und Güter, ber Millionen an die Fürsten wäre eine Herausforderung des deutschen Bolles, mie man sie fich schlimmer in dieser Situa tion gar nicht vorstellen tann. Es liegi Bündftoff genug draußen vor. Hüten wir uns, daß nicht wieder Funten hinausgehen, die großes Unheil anrichten fönnen. Stellen Sie sich auch vor, wie das Bolt aufgewühlt werden müßte bei einem Boltsentscheid. Und ist einer unter Ihnen, der zweifelhaft darüber ist, wie der Wolfsentscheid ausfallen würde, wenn man dem Bolt, von dem drei Biertel, vielleicht fünf Sechstel tatsächlich schwerste Not leiden, die Fragen vorlegte, Millionen und Milliarden an die Fürsten hinauszugeben? Ich zweifle nicht daran, wie diese Antwort ausfallen würde. Niemand von Ihnen vergesse, daß wir hier figen als erwählte Bertreter des deutschen Bolles, nicht aber als Fürstentnechte!( Lebhafter Beifall bei den Sozialdemokraten.) Abg. v. Lindeiner- Wildau( Dnat.): Die vorliegende Frage ist lediglich eine Rechtsfrage( Widerspruch links). Wir verlangen nichts weiter, als daß die Mitglieder der ehemaligen Fürstenhäuser als gleichberechtigte Staatsbürger behandelt werden. Der demokratische Staatsrechtslehrer Schüding hat am 17. Nopember 1920 in einem Gutachten erflärt, die Auseinandersetzung mit den hohen zollern dürfe nicht unter politischen Gesichtspuntten, sondern müffe auf dem Rechtsboden erfolgen. Man müsse den Hohenzollern alles geben, was ihnen gebührt( hört! hört!. rechts, Rufe bei den Demotraten: Was ihnen gebührt!"). Denselben Standpunkt haben als Boltsbeauftragte und Minister in wiederholten Entscheidungen Friedrich Ebert, Wolfgang Heine und andere Sozialdemokraten und Demokraten eingenommen.( hört! hört! rechts.) Nach diesen Entscheidungen und nach der Weimarer Berfaffung ist die Reichsgelebgebung gar nicht zuständig. " F Abg. Dr. Bell( 3.): Unliebfame Erörterungen in unserer ohne. bin nervös überhafteten Belt wären uns erspart geblieben, menn tie ehemaligen Fürstenhäufer bei Geltendmachung ihrer Ansprüche und namentlich auch bei den Abfindungsverhandlungen auf die burch die entseglichen Kriegsverluste verursachte Ber elendung und Berarmung von Land und Boll, die auf die zahllosen bitterite not leidenden Kriegsbeschädigten, Kriegs. wailen und Kriegshinterbliebenen, auf die fatastrophalen Note breitester Bolfsschichten durch Entwertung von Rriegsanleihen unb fonftige Bermögensschichten diejenige Rüdsicht allenthalben genommen hätten, die fich aus ihrer hohen Würde und Stellung als vor. nehmites Gebot ergab.( Lebhafter Beifall links und im Zentrum). Wer sich auf die beiden ersten Abfäße des Verfassungsartikels 153 beruft, der muß sich auch den letzten Abfah einprägen:„ Eigentum verpflichtet. Sein Gebrauch soll zugleich Dienst sein am gemeinen Bohl!"( Beifall) Wir beantragen Überweisung des demokratischen an Gefeßentwurfs der kommunistische scheidet für uns aus suprema lex den Rechtsausschuß. Wir wollen dort die Frage gründlich prüfen, ob der Rechtsweg wirflich ausgeschaltet werden fam. Neben dem rom Borrebner angeführten Grundfah gilt auch der: salus publica das wohl des Staatsganzen soll das hofte Gefeß sein! Das muß auch gelten für bie ehemaligen Inhaber von Fürstenthronen.( Beifall lints und im 3entrum.) Die Weiterberatung wird um 7 Uhr auf Donnerstag, 1 Uhr, Beriagt. 8.4m 2 Briands Regierungserklärung. Erfassung der erworbenen Reichtümer. Minderung der Rüstungslaften. In dem gleichen Geiste der Friedensbereitschaft hoffe die Regierung in Kürze die maroffanische und syrische Affäre zu Ende führen zu können. Paris, 2. Dezember.( Eigener Drahtbericht.) Die am Mitt| lament in seiner Gesamtheit dieser Initiative der Regierung zu. och nachmittag von Briand in der Kammer verlesene Regierunngs ftimmen werde. erflärung weist eingehend auf den ungewöhnlichen Ernst der Situation hin, der das von der Regierung unternommene Wert der Sanierung nur ermögliche, wenn sie sich auf das Vertrauen des gesamten Landes stüßen tönne. Die zwischen den Mitgliedern des neuen Kabinetts zustande gefommene Einigung über die Grundlinien eines Brogramms zur Wieder herstellung der finanziellen Situation und zur Ronfolidierung des Friedens müsse es ermöglichen, ben Rontroversen ein Ende zu machen und nunmehr zu handeln. Die Regierung glaube, der Augenblid fei gefommen, um mit Bustimmung des Parlaments bie dringlichen Maßnahmen zu er greifen, bie ein geregeltes unttionieren der öffentlichen Berwaltung und eine normale Entwicklung der wirtschaftlichen Kräfte sicherzustellen bestimmt feien. Die Regierung habe beschlossen, schon heute die Berabschiedung von Maßnahmen zu fordern, die es ermöglichen solle, auf die konsolidierung eines Teiles der öffentlichen Schuld zu verzichten. Deshalb fei die Regierung genötigt, gewisse provisorische Erleichterungen zu verlangen. Diese feien auf die unerläßlichen Bedürf. niffe beschränkt. Diefe Politik internationaler Vereinbarungen werde, indem sie Frankreich alle wünschenswerten Garantien für seine Sicherheit geben, es gestatten, die militärischen Caffen zu reduzieren und die Berabschiedung der auf diesem Gebiete van den norangegangenen Robinetten vorbereiteten Reformen zu erleichtern. Eine der Hauptforgen der neuen Regierung werde der Fort. führung der Sozialpolitif, vor allem durch Verabschiedung des Gesetzes betr. tie Sozialversicherung, gelten. Die Regierungserflärung schließt mit der Ankündigung einer Reform des Bahlrechts durch Rückkehr zum Kreiswahl. fyftem und einer Reform des Unterrichtswesens Im Anschluß an die Regierungserflärung gibt der Präsident her Stammer, Herriot, Kenninis von dem Eingang von etwa 25 Interpellationen. Briand beantragt die Zurüdstellung der Interla pellationen bis zur Berabschiedung des neuen Finanzgesezés. Das wird mit großer Mehrheit angenommen. Darüber hinaus werde die Regierung ein umfassendes Bro. gramm einbringen, nach dem alle Formen bes erworbenen Reichtums erfaßt werden sollen. Eine wirkliche Gefundung der Finanzen werde erst möglich fein auf Grund einer lonalen Berständigung mit den Gläubigerstaaten Frankreichs Deshalb beabsichtige die Regierung, die Schuldenverhand. lungen mit den Multierten fortzusehen in der Hoffnung, daß fie der besonderen Situation Frankreichs Rechnung tragen werden. Frankreich habe soeben einen Att der internationalen Solidarität vollzogen, der eine entscheidende Phase der von ihm eingeleiteten Politit zur Sicherung des Weltfriedens darstelle. ( Lebhafter Beifall des gesamten Hauses.) Der Bertrag von Lo carno fei am Dienstag in Londen unterzeichnet worden.( Neuer anhaltender Beifall.) Die Regierung zweifle nicht, daß das Par. Der Raubzug der Hohenzollern. Eine amtliche Schähung. Der Amtliche Preußische Bressedienst teilt mit: Zur Frage der Bermögensauseinandersetzung zwischen dem preußischen Staat und dem vormaligen Königshause werben in der Deffentlichkeit noch immer Ziffern verbreitet, bie der Birtlichkeit nicht entsprechen. Im preußischen Finanzministerium werden die in Betracht tommenden Werte unter allem Borbehalt Schäßungen find immer mißlich auf Grund der Dent. ihrift aus dem Jahre 1924, fonftiger Attenunterlagen fomie der Schätzung staatlicher Sachverständiger wie folgt geschätzt: Nach den Bereinbarungen mit dem pormaligen Königshause sollen zufallen - Dem Staate: Das Finanzgeses wird darauf von dem Finanzminister Loucheur begründet, und der von diesem gestellte Antrag auf sofortige Diskussion in namentlicher Abstimmung mit 415 gegen die 154 Stimmen der Kommunisten und äußersten Rechten angenommen. Die Sigung wurde darauf bis abends 9 Uhr ver. tagt, um der Finanzfommission Gelegenheit zur Borberatung des Entwurfs zu geben. Loucheur verlangt die Zustimmung zum Abschluß einer neuen Bereinbarung mit der Bank von Frankreich, durch die diese er. mächtigt wird, dem Staate einen neuen Redit von 6 M!! Itarden zur Verfügung zu stellen und ihren Notenumlauf um 7% milliarden zu erhöhen. Die neue Inflation soll gededt mer. ben burch eine Erhöhung der Einkommensteuer fowie ber Bergmertsabgabe. Die vorgeschlagenen Säge gehen von 20 bis zu 100 Broz. ber augenblicklich geltenden Tarife. ben Damit glaubte man den Fall Loeb erledigt zu haben und Mann mit. Aber das Recht hat sich auch hier durchgesetzt. In der neuen Verhandlung vor dem Landgericht in Weimar wird der Be meis darüber geführt werden fönnen. daß Loeb ein Opfer der in Thüringen jegt am Ruder befindlichen politisch reaftio. nären Billtür ist und nichts von alledem wahr ist, was sich noch in dem ersten Urteil des Weimarer Landgerichts an ehren. rührigen Borwürfen gegen Loeb befunden hat. Der Kampf um die Bodenreform. Grundfäßliche Erklärungen im Reichstagsausschuh. Am Mittwoch trat im Reimstag der Unterausschuh des Ausfchuffes für Wohnungsbau zusammen, um über Josialdemo teatise und demokratische Anträge zu beraten. Dr. Da Land- und Forstbesig im Berte von etwa 18 Millionen maichte, ber Borfigende des ständigen Beirats für das Haime Reichsmart, Nugungsgrund ftüde etma 35 millionen Reichs ftättenmesen beim Reichsarbeitsministerium, berichtete über die Entwurfs eines Bobenreform. matt, Schlöffer und Gärten etwa 47,4 Millionen RM., Borgeschichte des Rapitalien etwa 800 000 m., mobiliar der historischen geleges. Nach diesem Entwurfe foen Gemeinden mit über Schlösser etwa 75 Millionen RM., Runstwerte in den Berliner 5000 Ginmohnern gehalten sein. eine Bobennorratswirt Mafeen etwa 35 millionen RM., Schadgalerie in Münchenhaft zu treiben. Sie sollen unbebaute Grundftüde durch Bor etwa 2,5 Millionen RM., Theaterbaulichteiten ema faufsrecht ermerben tönnen, und zmar zum Selbstein 30 Millionen RM., Theaterfundus etwa 16 millionen RM, hägungswert zur Steuer. Beim Berkauf an nächste roninfignien etwa 400 000 R., zufammen etwa 686,2 mil. Familienangehörige foll jeboch tas Borkaufsrecht der Gemeinden fionen RM. Dazu kommt der Fortfall ber Rronfibeifommiß. ausgeschlossen sein. Wie groß der Wunsch der arbeitenden Schichten rente, die nach der Berordnung vom 17. Januar 1820 nach einer eigenen Scholle sei, zeige fich darin, daß allein in Berlin zirta 170000 aubentolonien egiftierten. 2,5 Millionen Taler jährlich beträgt. Demgegenüber verbleibt nach bem in Aussicht genommenen Bertrage dem vormaligen Königshause( Haupflinie): Land- und Forstbesiz im Werte von etwa 42 Millionen Reichsmart( darunter die durch Urteil des Obertribunals dem vor maligen Rönigshause rechtsfräftig zugesprochene Herrschaft Schwedt im Werte von etwa 12 millionen RM.), Nu Bungs grundstüde etwa 13 Millionen RM., Schlösser und Gärten etwa 81 Millionen RM.( darunter das Palais Raiser Wilhelms I. im Werte von etwa 17 millionen RM., Schloß und Bart Bellevue im Werte von etwa 36,4 Millionen RM., Schloß und Bart Babelsberg im Werte von etwa 17 Millionen RM.), Rapitallen etwa 900 000 RM., Hausgerät und sonstige Mobilien etwa 10 Millionen RM., Runstwerte mit Vorlaufsrecht des Staates etwa 5 Millionen RM., Familienfchmud etma 3 Millionen RM.; dazu tritt noch die Gegenleistung für den an den Staat abzutretenden Grundbesitz( Güter, Forsten und Mugungsgrundstücke) mit 30 millionen RM. Entscheidung im Zivilprozeß Loeb. Niederlage der thüringischen Regierung. Jena, 2. Dezember.( Eigener Drahtbericht.) Der Zivilfenat des Oberlandesgerichts in Jena verfündete am Mittwoch in dem 3ivil prozeß des früheren Staatsbankpräsidenten Loeb gegen das Land Thüringen folgendes Urteil: Unter Zurüdverweisung ber Anschlußberufung des Beklagten wird auf die Berufung des Klägers hin bas Urteil der Erften Ziviltammer des thüringischen Landgerichts in Weimar vom 31. März 1925 aufgehoben, soweit es die Klage abgewiesen, dem Widerklageantrag stattgegeben und dem Kläger drei Biertel ber Kosten auferlegt hatte. Die Widerklage mird auch insoweit, als das Landgericht ihr entsprochen hat, aufgehoben und die Sache zu neuer Berhandlung und Entscheidung über die Klage an das Landgericht zurückverwiesen. Die Entscheidung über die Roften des Berufungsrechtsganges bleibt dem Landgericht vor behalten, bas Urteil ist vorläufig vollstrecbar." Die in diesem Urteil vom Oberlandesgericht ausgefprochene Zurückverweisung der Klage des Genossen Loeb an das Landgericht, insbesondere aber die Abweisung der Widerklage des Landes Thü ringen bedeutet für die thüringische Regierung eine were Niederlage nicht nur prozesualer, sondern vorwiegend politischer Natur. Der Fall Loeb" dünfte der Drdnungsregierung in der durch eine maßlofe Berhebung vergifteten politischen Atmosphäre der Jahre 1924/25 schnell abgetan zu sein. Damals gefellten sich zu der blöden politischen Heze der Böltischen unglaubliche Berstöße des Landgerichts in Weimar, und zwar in dem Urteil vom 31. März 1925. Oberregierungsrat Bonfit, der früher im Reichsarbeits minifterium tätig war und jegt beim Reichslandbund ist, erflärte die Schaffung eines Bodenreformgefeßes für unnötig und bekämpfte den Borschlag, den Selbsteinschätzungswert bei einer eventuellen Ent. eignung, die er für unmoralisch" erflärte, zur Grundlage zu nehmen. Dr. David( Soz.) hielt ihm entgegen, daß durch die Inflation bas ganze Bolf in viel stärkerem Maße enteignet worden sei, als die Borlage beim Grundbesig es vorfehe. Schon in ihrem Antrag von 10. Januar b. I. habe die Sozialdemokratie gefordert, daß die Ge meinden und Gemeindeverbände bei vorhandenem Bedürfnis be fondere Teile ihres Gebietes zu Siedlungszweden frei zuhalten hätten. Innerhalb dieser Bezirke sollen sie das Recht haben, die Grundstüde, falls sie sie nicht freihändig erwerben können, zu enteignen, wobei die Entschädigung nach dem Steuer. mert zu berechnen sei. Die Sozialdemokratie werde ihren Antrag auch in den weiteren Beratungen vertreten. Dr. Damaschte erwiderte Herin Bonfit, daß der Eigentumsbegriff fließend sei. Auch die Sklavenhaltung sei ein Eigentumsrecht gewesen. Das Rapital zum Anlauf von Land tönnte aus der ertzuwachssteuer entnommen werden. Weit über eine Million Menschen brauchen Wohnungen. Die 3wangslage erfordere energische Schritte. Auf eine weitere Erwiderung des Herrn Ponfit entgegnete Dr. David, daß seine Ausführungen in traffem Widerspruch au wittlich nationalem Handeln stünden. Während Millis. nen aus elenden Keller und Hinterhauswohnungen, in denen die Zuberkulose gezüchtet werde, herauswollten, molle Herr Bonfit es els unmoralisch" hinstellen, wenn die Gemeinden notwendigen Grund und Boden zu einem erträglichen Preise erwerben, wie ihn der Besitzer selbst als Wert für Befteuerung festgesetzt habe. Tirard vor dem Abbau. Bor Personalveränderungen in der Rheinlandkommission. Wie der Reichsdienst der Deutschen Treffe hört, besteht Grund zur Annahme, daß die Besprechungen der legten Tage gewissen Veränderungen in leitenden Etellungen der RheinI and lommission den Boden geebnet haben. Es feint auch in diefem Bunkte eine nicht unbedeutende Rdwirtung fich vorzubereiten. Jedenfalls bört man davon, daß gewiffe deutice Wünsche teiner grundsäglichen ablehnung mebr begeanen. Ferner wird vermutet, daß Gerr Tirard burch eine Beriön fiableit erlegt wird, bie mehr ber Briandien Außenpolitik nahe steht, und daß fünftig bedeutende Veränderungen in der Rheinlandtommiffion nicht ohne Fühlungnahme mit deutsex Stellen erfolgen dürften. Gewerkschaftsbewegung Generalversammlung der Metallarbeiter. Wiederwahl der Verwaltungsmitglieder. Am Montag, den 30 November 1925, fand im Verbandshause der Metallarbeiter die ordentliche Generalversammlung der Ber liner Berwaltungsstelle für das 3. Quartal statt. Die Bersammlung mar fehr gut besucht, von 500 Delegierten waren 415 anwesend. Sie hatte eine ziemlich umfangreiche Tagesordnung zu erledigen. Der gebrudt vorliegende Quartalsfaffenbericht wurde vom Kaf flerer erläutert. In der darauffolgenden Diskussion wurden von einigen Kollegen Wünsche und Aufklärungen über einzelne Bofitionen verlangt. Dem Wunsche, die gedrudien Abrechnungen den Delegierten vor der Generalversammlung zuzusenden, sagte die Berwaltung zu, soweit die technischen Möglichkeiten gegeben seien. Die Generalversammlung bestätigte dann durch einmütigen Beschluß die Beitragshöhe, die durch die Erhöhung der Beiträge für die Gesamtorganisation vom 1. Januar 1926 für Berlin in Frage tommt. Der Dbmann der Revisoren beantragte darauf die Entlastung des Raffierers, die einstimmig erfolgte. Wenn es bis dahin möglich war, eine fast allgemeine Einmütigfeit zu beobachten, ging diese Harmonie sofort in die Brüche, als es zur Neuwahl des ausscheidenden Teils der engeren Berwaltung fam Turnusgemäß fchieden aus die Kollegen Urich, Tirpig, Müller, Tischmann, Holz und Gutsche. Bon den beiden Berwaltungsförperschaften wurden die ausscheidenden Kollegen für die Reubelegung mieber porge scheidenden Kollegen für die Reubelegung wieber vorge fchlagen. Als Beauftragter der fogenannten Gewerkschaftseppofition reichte der Rollege Schiebelbein eine andere Borschlagstifte ein. Ein anderer Redner der Opposition, ber Rollege Martin, tennzeichnete in einer rednerischen Engleifung bie von Schievelbein eingereichte Kandidatenlifte als die Liste der Kommunistischen Partei. Diese Aufrichtigkeit wurde Don ber Generalversammlung mit Genugtuung entgegengenommen. Der gleiche Kollege reichte dann noch einen dritten Borschlag ein, der nur zwei Namen für die ehrenamtliche Belegung enthielt. Ein anderer, der Opposition angehörender Diskussionsrebner verfuchte der Generalversammlung den Gedanken zu fuggerieren, daß es medmäßig sei, die Opposition zur praktischen Mitarbeit heranzuziehen. Die Kollegen Rauprich und Großmann von der Amfter damer Gewerkschaftsrichtung präzisierten noch einmal auf Grunt der gemachten Erfahrungen die für eine planmäßige Gewerkschaftsarbeit gegebene Notwendigkeit. Sie lehnten die von den tommu nftischen Rollegen angeregten Experimente, die nur zum Echaden der Berliner Metallarbeiter ausschlagen tönnen, ab, unter großem Beifall der Generalversammlung. Von den fommunistischen Delegierten wurde unter Be rufung auf den§ 9 des Ortsftatuts die Urabstimmung ge. ferbert, die von ber Generalversammlung mit überwältigender Mehrheit abgelehnt wurde mit der Begründung, daß die Delegierten der Generalversammlung jeweils durch Abstimmung in den einzelnen Rörperschaften gewählt werden. Nach Schluß dieser Aussprache wurden die von der Verwaltung in Dorflag gebrachten Kollegen für die Neubesetzung der engeren Orisnerwaltung mit großer Mehrheit wiedergewählt. Infolge der vorgeschrittenen Zeit wurde die Erledigung der Anträge vertagt. Zu den Wahlen bei den Buchdruckern. In Ergänzung unseres geftrigen ersten Ueberblicks laffen die nachfolgenden genauen Feststellungen erst recht deutlich erkennen, mie niederschmetternd das Wahlergebnis für die fommunistischen Eroberungs" träumer gewesen ist. Von 11 Bezirksleitern und 431 Delegierten auch nicht einen einzigen zu erobern, das belagt doch wirklich mit unzweifelhafter Deutlichkeit, daß es nun den tommunistischen Organisationsspielern der flare Menschenverstand gebieten müßte, ihre Tätigkeit bet den Buchdrudern als aussichtslos einzustellen. Der Graphische Biod, Reichsleitung" war zu Dienstag zu einer Sigung zusammengerufen. Hoffentlich zu feiner letzten, benn er tönnte nichts Befferes tun, als sich in Wohlgefallen aufzu Lösen. Bas foll denn diese tommunistische Fraktionsspieleret noch bedeuten, wenn nunmehr feststeht, daß fie im 1., 6., 7., 9. und 11. Beairt, also allein in 5 Bezirken, megen nicht ausreichender Unter Stügung und Mangel an Kandidaten überhaupt nicht an der No ALLEN ABTEILUNGEN GROSSER WEIHNACHTSBahl teilnehmen fonnten. In den Bezirken 2, 3, 5 und 8 war das Stimmenverhältnis folgendes: 2. Bez. 189: 77, 3. Bez. 210: 84, 5. Bez. 157: 87, 8. Bez. 303: 100. 3m 4. Bezirk, der ehemaligen tommunistischen Hochburg, die nach der Behauptung Walther Wolfs ihnen im Vorjahre durch eine ganz gemeine Schiebung entrissen worden sein soll, war das Stimmenverhältnis 222: 128, also ein weiterer Rückgang der KPD. gegenüber dem Vorjahre. War das etwa wieder Schiebung, Herr Fraktionsvorfigender von der KPD.? Und im 10. Bezirf, in welchem es den Kommunisten in der Borversammlung gelungen war, 47 gegen 35 unserer Anhänger aufzubringen. brachten fie diesmal zum allgemeinen Gaudium durch ihre Berbearbeit nur noch 46 Stimmen auf; fie hatten also noch einen vergrault, während sich unsere An hänger von 35 auf 105 erhöht hatten. Alle Anerkennung unseren Kollegen für ihre Wachsamkeit und ihren Bflichteifer, und besonders denen im 4. und 10. Bezirk; fie haben fommunistische Hoffnungen zu Grabe fragen helfen. Der Reichsleitung Graphischer Block" aber unser tiefempfundenes Beileid. Der Fraktionsvorstand. Schamlose Ausbeutung. Die Morgenpoft bringt in ihrer Sonntagsnummer folgendes Inferat: Adressenschreiber( in), Heimarbeit, Taufend 3 M., fofort verlangt ,, N. S. 19 289" Ulstein- Filiale, Neue Schönhauser Straße 9." Es ist notwendig, daran zu erinnern, daß die Firmen für diese Arbeit das fünf, sechsfache und mehr erhalten und daß bei angestrengter Arbeit ein Adressenschreiber allerhöchstens 4000 Adressen bie Woche zu schreiben vermag. Diesen Blutsaugern müßte endlich das Handwert gelegt werden. Der Dank für die Kriegsteilnehmer. Das Reichsfinanzministerium hat eine Berfügung heraus gegeben, monach ben Reichsarbeitern nach 25jähriger ununterbrochener Dienstzeit wieder, wie in der Borkriegszeit, eine Dienstprämie in Höhe von 100 m. gezahlt wird. In dieser Verfügung, der sich auch die reußische Staatsregierung inhaltlich angefchloffen hat, ist besonders darauf hingewiesen, daß die Rriegsbienstzeit nicht anrechnungsfähig ist, da fie nicht in einem privatrechtlichen Arbeitsverhältnis zurückgelegt ist. Nach dieser Bestimmung des Reichsfinanzministeriums erhalten alle Arbeiter, die reklamiert und nicht wehrdienst fähig waren und während des Krieges ihrer friedlichen Be fchäftigung nachgehen durften, die vier Kriegsjahre an. gerechnet, während den übrigen Reichsarbeitern die Zeit, die fie im Schüßengraben lagen, nicht angerechnet. wird. Dieses Berhalten gegen die Kriegsteilnehmer ist einfach standalös. Werden etwa den Beamten die Kriegsdienstjahre auch nicht als Dienstzeit mit angerechnet? Wir hoffen, daß diese Verfügung unverzüglich abgeändert wird. * wird. Eine Kundgebung für die Sozialisierung. In einer fürzlich abgehaltenen öffentlichen Techniterversammlung, die der Bund der technischen Angestellten und Beamten einberufen hatte, wurde gegen zwei Stimmen die folgende von Professor Dr. Hermann Melmer beantragte Entschließung angenommen: „ Die Notlage der Technifer ist die Notlage der Arbeiter. Alle Arbeiter, Angestellten und Beamten befommen ftatt ihres Arbeits ertrages nur einen Arbeitslohn, melcher den Mehrwert übrig läßt. Die Arbeiter, Angestellten und Beamten fönnen mit dem Lohn nicht ihr Erzeugnis zurücklaufen. Deshalb muß die Gütererzeugung ftoden. Erwerbslosigkeit, Kurzarbeit, Lohndrud, wo Lohnerhöhung richtig wäre, find die Folge. Die Ueberproduktion ist unter: fonfumtion. Die Uebervölkerung, scheinbar ein größerer Bedarf an Gütern, als erzeugt werden tönnen, ist eine größere Serftellung von Gütern, als getauft werden fönnen. Es gibt zu viel Güter es gibt zu viel Menschen, das ist zufammen unmöglich! Erwerbslosigkeit bei fchreiendem Bedarf an Gütern, Mangel bet ueberangebot an Gütern, ist die Folge der Trennung des arbeitenden Bolles von feinen Arbeitsmitteln. Der Privatbesiz der Produktionsmittel verursacht alles Elend der Arbeiter, Angestellten und Beamten. Ihr Wohlstand, gegründet auf Arbeit, ist nur mög lich durch den Gemeinbesig der Arbeitsmittel, durch Soziali. sierung." 5.90 Damenwäsche Tresse garniert... Rock aus englisch gemusterter Stoff, mit Knöpfen garniert. 4.90 Morgenrock aus Flauschstoff mit farbiger Blende 4.90 Taghemd mit Stickerei- Ansatz...... 1.65 Beinkleid mit Hohlsaum 1.65 RodelSchlitten Garnitur= Taghemd und Beinkleid mit Stickerei- Ansatz.... 6.75 Hemdhose mit Hohlsaum 3.50 Untertaille mit Stickerei- Ansatz..... 1.65 Hüfthalter weiß od, mode Drell, oben 1.75 2.60 An Borsicht bei Arbeitsverträgen fürs Ausland. Bom Borstand des ADG B. wird uns geschrieben: Die Firma Siemens- Schudert Bau Union ist mit der Ausführung der Bauanlagen für das Kraftwerk am Shannonfluß in Irland von der dortigen Regierung beauftragt worden. diesen Arbeiten, die in Limmerid ausgeführt werden, sind haupts fächlich inländische Arbeiter beteiligt, während aus Deutschland das technische Personal und Facharbeiter für zwei Jahre feft engagiert werden. Die Firma Siemens bietet den irischen un gelernten Arbeitern einen völlig unzureichenden Wochenlohn von 32 Schilling und verlangt 50 Stunden wöchentliche Arbeits zeit, während die von den dortigen Gewerkschaften sonst geregeite Arbeitszeit nur 44 bis 47 Stunden in der Boche beträgt. Alie Bersuche der irischen Gewerkschaftszentrale, zu einer Regelung über Lohn und Arbeitszeit zu gelangen scheiterten, weil die Siemens Schudert Bau- Union es ablehnt, die dortigen Gemertschaften als Bertragstontrahenten anzuertennen. Gie zieht es vielmehr vor, mit den Bereinen der ehemaligen Soldaten zu verhandeln. Deshalb ist von der kischen Arbeiterpartei und der Gewerkschaftszentrale der Bontott über die Baustelle in Simmerid verhängt worden. Die aus Deutschland importierten Arbeiter und Angeftellten fommen in eine außerordentlich unangenehme Lage, die bereits zu 3usammenstößen mit der eingeborenen Bevölkerung führte. Deutsche Arbeiter haben sich bereit ge funden, Schiffe mit Material aus Deutschland unter militärischem Schuß zu entladen, weil die irischen Schauerleute sich weigerten, Streitbrecherdienste zu leisten. Leider finden sich deutsche Arbeiter berett, ohne vorherige Fühlungnahme mit ihren Gewerkschaften und ohne Kenntnis der irischer Berhält niffe nach den uns vorliegenden Berträgen auf zwei Jahre fest im Auslande in Arbeit zu treten, denn die Kosten der Rückreise merden erst nach Ablauf der zwei Jahre erstattet. In Limmerid ist es ohnehin schwer, für den in Deutschland vereinbarten Lohn Benfion und Logis zu erhalten. Von den deutschen Arbeitern muß verlangt werden, daß fie nicht als Lohnbrüder und als Preisfechter für längere Arbeitszeit fich mißbrauchen lassen und damit das Ansehen der deutschen Arbeiterbewegung im Auslande schänden. Berbindlichkeit im Danziger Werftstreik. des Danzig. 2. Dezember.( BTB.) In dem Lohntarifftreit der Danziger Werft hat nunmehr der Demobilmachungskommissar bie Lerbindlichkeitserklärung bes Schiedsspruches Echlichtungsausschusses vom 16. November 1925 ausgesprochen. Es ist zu hoffen, daß diese Maßnahme den gewünschten Erfolg haben wird, den bereits seit Monaten währenden Arbeitstampf beizulegen. 75000 Arbeitslose in Wien. Wien, 2. Dezember.( Eigener Drabiberidt.) Die Zahl der unterstüßten Arbeitslofen in der Stadt Wien ist in der zweiten Novemberhälfte um rund 8000 auf 75000 Bersonen gest egen. Ende des Spinnerstreifs in Bombay. Der Textilarbeiterstreit. in Bombay ist laut Londoner Draht bericht des Konfektionär beendet, nachdem die Unternehmer fich endlich zu einer Lohnerhöhung bequemt haben. Der eigenartige monatelange Kampf der Spinner in Bomban erheischt eine be fondere Würdigung, sobald nähere Einzelheiten über seine Been. digung vorliegen. Die Spartaffe der Bank der Arbeiter, Angestellten und Beamten 2.-G., Berlin, Wallstr. 65, ist täglich mit Ausnahme von Sonnabend von 9-3 Uhr und 5-7 Uhr, Sonnabends von 9-1 Uhr geöffnet. Achtung, G.- Rabelwerk! Morgen, Freitag, nachmittag 3% Uhr bei Seidemann, Oberfdönemeide, Wilhelminenhofftr. 64. Bersammlung aller SBD. Genoffen. Schr wichtige Togesordnung. Erscheinen aller Genoffen dringend erforderlich. Der Fraktionsvorstand. Gewerkschaft Dentfchez Bollslehrer und Boltslehrerinnen, Brovinzialverband Berlin. Städte Gizung am 5. Desember, 8 Uhr, im Rathaus, Rimmer 58 oder 55. 1. Gemerffafiliajes. 2. Referat bes Genoffer Hübner: Die Tagung ber freien Schulgefelifdafien in Dortmund". Deutscher Wertmeisterverband, Bezirk 10. Die Cefdäftsstelle bleibt cam 7. Desember in den neuen Räumen Berlin B62, Kurfürstenstr. 111. 3. bis 5. Dezember des Umauges megen gefloffen. Wiedereröffnung am Berantwortlich Hir Bolitik: Craft Renter: Birtschaft: rtar Saternus; Gewerkschaftsbewegung: 3. Gleiner; Feuilleton: R. 3. Dächer; Lotales und Conftiges: Frit Karstadt: Anzeigen: Th. Giode; sämtlich in Berlin. Berlag: Borwärts.Berlas G. m. b. S.. Berlin. Drud: Borwärts.Buchbruderet unb Berlagsanstalt Boul Singer u. Co. 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Wollfries gute, schwere Qualität, 130 cm 160cm 150x300cm 35.- 6.75 Tischdecke Plüschgewebe, in persischen Mustern, 150 × 180 cm... 33.Kissengarnitur f. Korbsessel, 1 Sitz und| Lehnkissen. bunt gemustert.. 3.50 ..8.50 Madras für Obergardinen, aus Kunstacide, indanthreen, Mr. 4.85 ca.125 cm Bettvorleger Prima Velours, mit Fransen, 55X100 cm 7.60 Rodel- Garnitur fKinder, Steil, gestrickt, Reinwolle, m.Gamaschenhese, wie Abbildung, für 2 Jahre 28.50 Steigerung 2.-M. Davoser- Schlitten mit eisernen Stützen zwischen den Füßen 80 cm cm 70 4.75 5.25% 7.00 1008.00 109.00 2010.00 Riesengebirgs- Schlitten mit e se nen Stützen zwischen den Füßen, 85 cm 100 5.50 14.50 6.75 58.50 11.50 Hauswäsche Stubenhandtücher Jacquard, Halbleinen 0.95 48x100 cm Reinleinen 1.45 48x100 cm Küchenhandtücher 48x100 cm, weiß, korn ** leinen ReinGersten: 0.70 0.90 Ri 1.15 Wischtücher weiß mit roten Kanten 0.95 oder rot kariert, 60x75 cm Taschentücher( 2. Wahl), weiß Makobatist, mit farbig. Hohlsaum und modernen 1.45 bunten Kanten 3 Stück Handarbeiten bezeichnet Tischdecken auf weißem Halbleinen, rund, 110 cm 150 cm eckig, 140x170 160x200 3.45 4.95 5.95 8.90 Kissenplatte weiß Halbleinen oder 1.45 farbiger Rips mit Rückwand, 40 × 60 cm. Kissenpolster dazu passend, unit Prima 2.95 Java- Kapok Buntfarbige Satinkissen mit Prima Java- Kapok, 30x40 cm...... Kissen aus feinfarbigem Jakonnett mit Prima Java- Kapokfüllung Schlummerrolle Lange 60 cm... Kissen 50 cm, rund Strickwaren Blusenschoner für Damen, Reinwolle, weiß. 1.75 3.75 4.40 2.90 Überjäckchen für Damen, Reinwolle, 5.90 9.75 farbig gestreift. Sportweste för Damen, Reinwo'le.. Aus Krimmer- Wolle in vielen Fa ben: Sportsocken 4.90 Bettschuhe 5.90 Rodel- Garnituren 3 teilig, Weste, Schal, Mütze gestrickt, Reinwol'e, in vorzüglicher Ausführung Damen 32.50 Garnitur HerrenGarnitur 36.50 VERKAUF Nr. 57$ ♦ 42. Jahrgang 1« Heilage ües Vorwärts Vonnerstag, 3. Dezember ms Dt« Glückspieloutomaten will der Magistrot mit ein-r wesentlich höheren Steuer belegen. Warum nicht die Spiel. l l u b s? In allen Teilen Berlins, besonder» aber im Westen, sind sie Haus bei Haus zu finden. Kennzeichen: An der Haustür eine Kangel, um nachts Eingang zu gewinnen; an der Flurtür ein Schild mit geheimnisvollen Buchstaben, die einen Bereinsnamen abkürzen sollen; ein paar angemessen möblierte Wohnzimmer, deren bezeich- nendes Merkmal ein langer mit grünem Tuch beschlagener Tisch bildet, ors dem die Schlachten au-gesochten werden. Dazu noch ein Lureauzimmer für die.Direktion", ein Kassierer, ein Kellner und je nach dem Florieren ein Croupier oder auch mehrere. Bielleicht auch Schlepper auf den Straßen zum Heranholen der Spieler, die sich ohne große Formalitäten in Bereinsmstglieder verwandeln. Der Herr kluböirettor. Die Form eines Vereins, der gesellige oder sportliche Zwecke vortäuscht, wird noch immer streng gewahrt. Worum? Interesien« ten benennen den Klub doch schlechtweg nach dem Namen des Unter« nehmers. Jeder weiß, was dahinter steckt, weih auch, daß es bei- leib« nicht um seine Perion geht, wenn er feierlich in die Liste der Mitglieder eingetragen wird, als vielmehr darum, was er in seinen Taschen mitbringt. Die Direktion will gefüttert werden. Ob sie leben kann und besonders wie sie es kann, hängt allein davon ab, welche Beträge über das grüne Tuch des langen Tilches laufen. Ein bescheidenes Minimum von 5 Proz. des Betrages, um den jeweils das Spiel geht, ist die Steuer, die sie einnimmt. Und merkwürdig, daß es den vielen, die sich mtt nicht» an» derem als mit solchen Klubunternehmmrgen befassen, durchweg gut geht, viel bester jedenfalls als der Mehrzahl der Leute, die arbeiten, was sie belrelben. ist sicher keine Arbeit, kann es auch nicht sein, denn es ist nicht zuviel gesagt, daß von allen Mitgliedern dieser Unternehmergilde die sich genau kennen und mit Etsersucht bewachen, die Mehrzahl nie arbeiten gelernt, oll« ober jede ordent- liche Tätigkeit so verlernt haben, daß es ein Zurück zu ihr für sie nicht mehr gibt. Wie schön ist es doch, noch sorglosem Schlaf in den Nochmittagsstundcn mtt dem„Geschäft" zu beginnen, das im wesentlichen darin besteht, das Geld abzuschöpfen, das durch die Leidenschast der Mitmenschen ins Haus getragen wird. Die kleine Umsatzsteuer vom Kartengeld, jetzt nur noch 1 Proz. Einkommen- steuert wer kann sie nachrechnen? Kaufmännische Bücher? Unsinn! Ein kleines Bonbuch, in dem so leicht Irrtümer unterlaufen. Und wie schön lassen sich die Unkosten zusammenrechnen. In Wahrheit: «in wenig Miete für den armen Wohnungsinhaber, der schließlich für die Störung seiner Ruhe bei Tag und Nacht und für die Beschädigung seiner Möbel, für zertrampeste und beschmutzte Decken. Brandflecke usw.— Spieler sind darin rücksichtslose Borbaren— gedeckt sein will; was freilich auch noch entfällt, wenn der Unter. nehmer die«igen« Wohnung benutzt. Aber dann die Verbetosten: Einladungen. Gralisesten. gedruckte Anpreisungen, die dem Inter- estenten zuweilen dutzendweise ins Haus fliegen. Ein guter Abend bringt das schnell vervielfacht herein. Denn es ist merkwürdig: Gerade der Spieler ist kleinlich in bez: g auf das, was sein„Klub" ihm extra beschert und erspart. Ein gutes Esten, für das er nichts oder nur wenig zu zahlen hat, macht ihn gut gelaunt und ihm einen vermeintlichen Profit schätzenswert an einer Stätte, an der er un- mittelbor daraus Unsummen riskiert und große Abgaben anderer Art an den Gastgeber zu leisten hat. Berliner Klub-Spiele rtyprn. 5ür Sas Spiel ist immer Geld vorhanden l Es gibt Spieler aus Leidenschaft, aus Gewohnheit und aus Erwerbssucht und Erwerbsnot. Zuweilten oereinigen sich alle Mo- tive in einer Person. Gewerbsmäßige Spieler sind solche, bei denen die vermögensrechtlichen Grundlagen itzres Lebens von den Ergeh- nisten des Spiels abhängig sind. JnArckt sind es auch die Spiel- Unternehmer. Das Stammpublikum solcher Klubs besteht über- wiegend au? Gewerbsspielern, die zuweilen am gleichen Tage von Klub zu Klub wandern, deren gatrzes Leben nur von diesen Be- suchen ausgefüllt wird, deren ganzes Sinnen und Trachten sich nur daraus richtet, die Zufälligkeiten des Spiels zu ihrem Glück auszu- nützen. Denn es handelt sich beim Ekarlö, das sich allen Wider- ständen zum Trotz zum allgemeinen Berftandesspiel hcraufgerarbestet hat, immer noch um ein Spi«l„bei dem der Zufall eine ganz hervorragend« Rokle einnimmt, besonders für die Wetter, die das Spiel selbst nfcht beherrschen. Die Gesellschaft ist bunt, sehr bunt sogar. Merkwürdig wieviel Geld sich immer noch für diesen Zweck zusammenfind et, auch bei denen, die vielleicht am gleichen Tage die Bezahlung dringender Berbindllchtetten unter Berufung auf die allgemeine Geldknappheit abgelehnt haben. Dos SpielJapital ist eben werbendes Kapital, dos man auch deshalb niemals verleihen oder zur Linderung auch der dringendsten Not weggeben würde. Noch bunter ist das Bild ge- worden, seit den Frauen der Zutritt nicht mehr verwehrt wir» Wie sollte man auch! Seltsam nur, daß unter den Frauen, die zu meist noch leidenschaftlicher spielen als die Männer, ausnahm>l» nur solche zu finden sind, die ihr Geld sehr, sehr leicht verdii ne und kaum eine wirklich ehrbare und ernste Frau. Und am(Z r.d sind sie sich alle darüher einig, daß bei der ganzen Sache nicht herauskommt, daß fie alle nur die Gerupften sind und daß da hleibend« und sichere Erträgnis nur in die Hände des Unternehn.ee. fließt, den sie deshalb auch alle mit gleichem Haß bedenken, um ihm am nächsten Tage wieder ebenso in die Arme zu laufen. Des besonderen Schutzes sind Spieler dieser Art gewiß nicht wert. Aber schließlich ist man doch auch bestrebt, Trunksüchtigen, Morphinisten, Kokoinisten die Gelegenheit, ihrer Leidenschaft zu frönen, zu entziehen. Hier hat die Gelegenheit beinahe den Glorienschein der Konzession. Und es sollte nicht Mittel geben, all diesen Personen, die verderbliche Leidenschaften anstacheln, um sich«in arbeitsloses Wohlleben zu verschaffen, ihr Handwerk so zu erschweren und zu verleiden, daß die dabei leicht- sinnig vertanen Vermögen gespart, gesunde Kräfte notgedrungen zur Arbett zurückgeführt werden? Solange noch die Gesetzgebung 321 Die Passion. Roman von Clara vleblg. Der Bräutigam brachte sie zur Bahn..Auch Eva mar mitgekommen; sie stand stumm dabei, mit einem ganz kleinen bleichen Gesicht, als Blechhammer seine Braut vielmals küßte und sie ermahnte, recht Acht auf sie zu geben.„Es ist ein rechter Unsinn, daß du fährst— aber na!" Er riß den Hut ab, schwenkte ihn und warf ihr noch eine Kußhand zu:„Komm mir nur gesund wieder!" Olga sah aus dem Wagenfenster noch einmal zurück zu dem Mann und dem Kind, ihre Lieben beide, die nun so eng zu ihr gehörten, und dann schloß sie das Fenster und setzte sich in ihrer Ecke zurecht. Auch sie war bleich: diese Reise wurde ihr nicht leicht. So sehr sie auch noch ihr begehrt hotte, nun sie Wirklichkeit geworden war, ging sie schwer dagegen an. Wenn sie nun von Manfred hörte?! Oder wenn sie ihm gar selber begegnete?! Ihm begegnen— ach nein, lieber nicht! Es fröstelte sie, und sie drückte sich fester in ihre Ecke. Sie war sehr müde, sie hatte sich heute noch sehr abhetzen müssen?ch«erde im Zug schlafen, hoffte sie. Aber nun schlief sie doch nicht. Der Zug raste schnell dahin in nächt- liche Wetten, ihre Gedanken waren ihm noch schneller vorauf, sie waren bereits in der Heimat. Alte wohlbekannte Wege, Straßen die sie oft gegangen. Häuser, die sie oft gesehen. Glocken die sie oft gehört. Und ob die Menschen sie noch kannten» Und sie die Menschen? Sie hatten sich alle ver» ändert. Aber sie selber ja auch. Eine große Bangigkeit zog ein in ihre Brust, sie begann sich zu fürchten vor einem � OlÄttl' beTn Gärtner Zwei Kränze gekauft. C» war «och derselbe Gärtner wie früher, dicht be.m Ktrchhof, sie erkannte ihn wieder, obgleich er sehr alt geworden war. Aber er sah sie fremd an. Das war gut. sie wollte auch von nie. wanden, gekannt fein, ganz allein bleiben mit sich und den Toten, die sie zu besuchen kaim Die weit voneinander, manche Reihe von Grabern hatten die fünfzehn Jahre zwischen den Mann und die Frau gelegt. Der Mutter Grab fand Olga, das hatte sie noch tn der Erinn-rung, des Vaters Grab mußte sie sich zeigen lassen, sie hatte ss nicht finden können. Daß sie diesem Grab h'« fr fremd war. als gehörte sie gar nicht zu ihm, das schmerzte sie ttef. Es schneite. ®U stand an ihre« Daters Hügel, lange unbeweglich, hielt ihren beschneiten Kranz noch in Händen, sah auf ihn nieder und weinte so heiß, daß der Schnee schmolz, wohin diese Tränen fielen. Endlich mußte sie gehen. Sie sah noch oftmals zurück: das war wohl zum ersten- und zum letztenmal, daß sie hier gewesen war, es sei denn, daß sie vielleicht Eva einmal herbrächte. Vielleicht! Ach. Eva, Eva! Sie seufzte, und der Gedanke an ihr Kind, und an den Vater ihres Kindes trieb sie in die Stadt zurück. Es war um die Mittagsstunde, als Olga an der Woh- nungstür von Frau Malwine Berndorff die Klingel zog, sie hatte leicht erfragen können, wo die wohnte. Mehrmals schon war sie am Hause vorübergegangen, wieder umgekehrt und doch noch nicht hinaufgestiegen: ihr Hin- und Herwandern war in der todstillen Straße bereits aufgefallen, es zeigten sich Neugierige an den Fenstern. Nun hatte sie sich überwunden, den Mut. der ihr gesunken war. wieder gefunden.„Du mußt es wn. Evas, Evas wegen." flüsterte sie sich zu. Frau Berndorff war zu Hause. Die ginge überhaupt nicht mehr aus, sagte eine ältliche Person, die die Tür öffnete. Olga wußte nicht recht, war es eine Pflegeschwester oder ein Dienstmädchen: vielleicht beides. Run fand sie sich Frau Berndorff gegenüber. Wenn sie nicht gewußt hätte, das ist Frau Berndorff— schlank, fein, wenn auch ein wenig kränklich aussehend, so trug sie die Dame, die sie in ihrer Jugend einst bewunderte, in der Erinnerung—, sie hätte die nicht wieder erkannt. Dies war ja ein Häufchen Elend, das da ganz zu» sammengesunken in einem Lehnstuhl, der an den überheizten Ofen gerückt war, hockte.„O mein Gott, was hat die Zeit aus dieser hübschen Dame gemacht," dachte Olga erschrocken. „Ich bin Olga Wilkowski." sagt« sie. nähertretend. Die alte Frau fragte:„Wer?" und sah sie mit fremdem Blick an. Plötzlich aber flog eine Erinnerung über das ver» grämte Gesicht, das ganz klein geworden war und so blutlos. als sei die Haut Pergament.„Olga Wilkowski?" sagte sie mit schwacher Stimme.„Wilkowski— ach ja. war der Lehrer. draußen bei unserem Gut! Der Lehrer, bei dem mein Man- sred zuletzt in Pension war!" „Jawohl, gnädige Frau." Olga erbebte: das hätte sie nicht gedacht, daß gleich zu Anfang dieser Name fallen würde! „Ich erinnere mich Ihrer nicht." sagte die Dame.„Aber Ihren Herrn Dater kenne icb. Wie geht es ihm?" „Er ist tot, schon seit sieben Jahren tot." antwortete Olga, und es wurde ihr klar, daß vieles versunken war vor dieser alten kranken Frau.„Gnädige Frau erinnern sich meiner nicht mehr," sagte sie rasch.„Aber ich erinnere mich Ihrer sehr gut. Und auch der Zeit, in der Ihr Herr Sohn bei uns wohnte, als er hier auf Prima war." Es lohte etwas in ihr auf, es stieß ihr die Frage hervor: mit plötzlichem Entschluß, allen Mut zusammenraffeud, sagte sie:„Darf ich fragen, wie es Herrn Manfred geht?" Ueber das Gesicht der zur Greisin Gewordenen flog ein Zucken.„Ich danke," sagte sie vornehm. Es klang sehr ab- lehnend. Sie zupfte an ihrem Taschentuch, und dann wurde ihr matter Blick plötzlich argwöhnisch:„Wollen Sie etwas von ihm? Er ist nicht hier. Ich kenne Sie ja gar nicht. Warum kommen Sie her? Emma, Emma!" Sie rief ängstlich nach der Pflegerin.„Wo sind Sie? Bleiben Sie doch hier!" Die älttiche Person erschien und stellte sich hinter den Lehnstuhl. Sie wechselte einen Blick mit Olga, und dann sagte sie mit der Offenhett einer, der das Herz es nicht eingibt. rücksichtsvoll sich auszudrücken:„Frau Berndorfs ist ein bißchen komisch. Das kommt vom ewigen Jm-Stuhl-sitzen, und daß sie gar nicht mehr unter Menschen kommt. Und besonders von" dem Kummer mit dem Sohn." „Kummer?" wiederholte Olga. Kummer! Sie bekam einen Schreck. Was war geschehen mit Manfred, warum hatte die Mutter Kummer um ihn, solchen Kummer, daß der sie förmlich zerstört hatte! War er vielleicht gestorben? Fragen drängten sich ihr auf die Lippen, aber sie durfte ja nicht allzu beteiligt fragen, sich dadurch nicht verraten.„O," machte sie nur langgezogen und bedauernd. „Kummer," wiederholte auch die kranke Frau, und betupfte mit dem Taschentuch ihre einst so schönen, jetzt unter Lidfalien fast versunkenen, wie ausgeweinten Augen.„Hat er mal wieder geschrieben?" fragte sie, wie ein Kind, die Pflegerin. Diese beugte sich über sie:„Sie sollen sich nicht aufregen. sagt der Doktor. Sonst kriegen Sie wieder Ihre Herzgeschichten, Sie wissen doch. Es ist wohl besser, wenn dos Fräulein geht?" „Nein, nein! Olga Wilkowski— Wilkowski, so hieß der Lehrer, bei dem mein Manfred zuletzt in Pension war— nein, nein, sie soll nicht gehen!" Frau Berndorff richtete sich aus ihrer Zusammen- gesunkenheit auf und faßte mit ihren dünnen Händchen Olgas Hand:„Mir wollen �von der Vergangenheit sprechen. Sprechen Sie, sprechen Sie, Fräulein Wilkowski, ich höre es gern, wenn Sie von damals sprechen. Ach, Sie haben ihn auch gekannt!" iL (Fortsetzung folgt.! versagt, fann hier nur die Steuerschraube heffen und eine weit ſtrengere Ueberwachung von seiten der Finanzbehörden, die beson ders auch dem blühenden Handel mit den Beteiligungen an solchen Spielunternehmen ihre Aufmerksamkeit zuzuwenden haben wird. Den Allerärmsten. Wer einmal unter Irren Weihnachten verbringen mußte, nein, verbringen durfte, den bleibt das Erlebnis eines wirklichen Heiligen Abends tief ins. Herz geschlossen, denn nichts vermag mehr zu erschüttern als die Teilnahme an dem flüchtigen Aufleuchten weg- und rechtlos gewordener Freude und nichts so sehr zu befriedigen wie das Bewußtsein, den Aeonften unter den Armen ein Freund und Helfer gewefen zu sein. Und die Allerärmsten, das sind die beflagenswerten Irren, Opfer des eigenen Schicksals und immer noch sehr zu Unrecht Opfer der Zeitverhältnisse. Es wird gespart in Krankenhäusern, wir wissen es und wir tönnen richt dagegen auffommen. Aber wie sehr gerade an den Irren gespart wird, das wissen wir leider immer noch nicht zur Genüge, und es bedarf eines ergschlossenen Anlaufes, um unseligen und hilflosen, Baltsgenossen zur Seite zu stehen. Es ist er greifend, fieft man im Aufnahmeraum der Station 29 der Charité den unscheinbaren fleinen Bettel, den der Oberarzt, ein geachteter und geliebter Menschenfreund, für die Besucher der geschlossenen Abteilung gefchrieben und hinterlegt hat. Seift uns Aerzten, daß wir unseren armen Kranten wenigstens einmal im Jahr einen Abend der Liebe und Freude schenken können so ungefähr bittet und mahnt es aus der Zettel der Sammelliste. Aber wird man auch den maderen Merzten und damit den Kranten wirklich und richtig helfen fönnen? Sind nicht der Besucher zu wenig und die meisten der Besucher nicht selbst wieder arm? -über Berliner Straße, Knie, Marstraße, Franklinstraße, Rallerin Augufta Adee, Beuffelstraße, Turmstraße, und die geniem bo und 64 werden ab Knie geführt durch die Bismardstraße, Wilmers dorfer Straße, Scharrenstraße, Berliner Straße, Knie, Marchstraße, Franklinstraße, Kaiserin- Augusta- Allee, Tauroggener Straße. Wann heizt die Straßenbahn? Nach dem gart 8 Uhr morgens, an Freiberg 8,56 Uhr morgens. Am Rielen gebirge. In 23. Dezember 8,50 Uhr vormistas ab Görlizer Bhf., an Oberschreiberhau( 21 m.) 4,09 Uhr nachmittags, an Krummhübel( 22 m.) 4 Uhr nachmittags, an Schmiedeberg ( 19,80 m.) 3,25 1hr nachmittags. Am 26. Dezember 1,28 Uhr nach mittags ab Stadtbahnhof Friedrichstraße, on Oberschreiberhau 9,22 Uhr nachmittags, an Krummhübel 8,58 Uhr nachmittags, an Schmiedeberg 8,41 Uhr nachmittags. Um 30. Dezember 9,20 Uhr Kürzlich wurde befanntgegeben, daß bei Eintritt der vormittags ab Stadtbahnhof Friedrichstraße nach Glaz an 5,16 Uhr tälteren Jahreszeit die Straßenbahn die Wagen nachmittags für 25,40 m. Nach dem Nordharz: Am 25. De wieder heizen werde Ein großer Teil des Wagenparts zember und 31. Dezember ab Potsdamer Bahnhof 8,50 Uhr vor- follte schon mit der Heizvorrichtung versehen sein, die sogleich bei mittags über Wernigerode( 15,20 m.), 3fenburg( 15,20 m.) unb Eintritt der Kälte in Betrieb genommen werden sollte. Seit drei Bad Harzburg( 16,60 m.) bis Goslar( 16,60 m.) Nach ThuNach Thu Tagen haben wir Temperaturen bis 7 Grad Kälte, aber die ringen: Am 31. Dezember und 23. Januar ab Anhalter Bahn- Straßenbahnwagen werden noch immer nicht geheizt. hof 9.22 Uhr vormittags nach Oberhof( 21,40 M.), Friedrichsroda es so lange, ehe den Betriebsbahnhöfen die Ver ( 21 M.), Ilmenau( 21,40 M.) und Eisenach( 21,60 m.) Die Mitfügung zur Heizung der Wagen zugeht oder follen erst nahme von Schneeschuhen und Rodelschlitten ift alle Bagen mit der Heizvorrichtung versehen sein, ehe sie in Begestattet. Der Fahrkartenverkauf beginnt am 10. Dezember. trieb gesetzt wird? Bermutlich wird man dann im Frühjahr 1926 näheres ist aus den amtlichen Bekanntmachungen an den Bahn- so weit sein, daß die Heizung der Straßenbahnwagen erfolgen kann. höfen zu ersehen. Die Stadt Berlin gibt sich doch auch so große Mühe, Fremde heranzuziehen, die sich aber sicherlich nicht darum reißen werden, nach Berlin zu kommen, wenn sie hören, daß sie in eistalten Wagen der städtischen Straßenbahn fahren müssen. Karl Millhahns und Hermann Schneiders Bestattung. Bestern abend fand im Krematorium in der Gerichtstraße die Einäscherung des bei einem Automobilunglüd tödlich verunglückten Borsigenden des Bolts- Feuerbestattungs- Vereins Genoffen Karl Millhahn und des Chauffeurs Hermann Schneider statt, der eine ergreifende Trauerfeier vorausging. Halle und Emporen waren von den Leibtragenden, Berwandten, Genossen und Freunden dicht gefüllt. 3wei einfache Särge, von Kranzipenden und roten Schleifen bedeckt, standen zwischen den Kandelabern. Als Sprecher des Bereins widmete Genosse Luz den auf so tragische Weise aus dem Leben Geschiebenen einen warmen und herzlichen Nachruf. Ein Bertreter des Magistrats, der Abteilung Part- und Friedhofsverwaltung, gedachte der großen Verdienste, die sich Millhahn um das Be stattungswesen der Millionenstadt Berlin erworben hat. Weiterhin gedachte der beiden Toten ein Vertreter des Deutfchen Verkehrsbundes, Bezirksverwaltung Berlin. Millhahn und Schneider gehörten beide dieser Organisation an. Nacheinander sprachen dann noch Bertreter der Feuerbestattungsvereine sowie Kol. allen Gipfeln ist Ruh" sang der Chor und unter der Trauermelodie Ases Tod" aus Beer Gynt sentte sich der Sarg Karl Millhahns in die Tiefe. Erneut ertönte Männergesang Ein Sohn des Bolkes will ich sein und unter einer Chopinschen Trauermelodie ging auch der Sarg Schneiders in die Tiefe, seinem Vorgesetzten und treuen Berater folgend. Ich hatt' einen Rameraden..." flang es zum Schluß von der Empore. Zwei wahre Söhne bes Bolles gingen dahin. Hier ist zu all dem Jammer, der die Aerzte aus Menschenliebe am Aranfenlager erfünftelt lachen heißt, während sie alle für sich das Lachen längst verlennt und verloren haben, auch eine Stätte der Armut, der Not, der Sorge, die allein noch bewußt aus dem Untergang des allgemeinen, Gefühlslebens aufzutauchen vermag. Berlegen und Mitarbeiter Worte des Abschieds und der Trauer. lleber es sich leisten tann, der facht in einem Sanatorium und nicht m einer öffentlichen Irrenabteilung Hilfe, wiewohl diese, was Aerzte und Pflege betrifft, faum andersmo erreicht, geschweige denn über. troffen werden fann. So fehr jedoch hier fe und Liebe wachen, den Küchenzettel entwirft Meter Schmalheats, und Kriegsfoft hat noch nicht ganz aufgehört, ihre Rationen zu bemessen und sich und damit recht wenig den Kranten mit Ersatz vom Ersatz zu bes helfen. Dafür aber läuft und tabt auch noch der Krieg im Saal herum, zerschossene, vom Bahnsinn betroffene Proleten warten auf Heilung und auf die legte Sufe, die nur der Tob zu gewähren Dermag. Es ist hier ein grenzenlofer Jammer und fast befdämende Armut, Kind und Greis haufen hier zusammen, abgesperrt von der Welt, aber auch von ihren legten eheidenen Freuden. Um Spiele und Bücher, auch geefene, bitten die Aerzte- fann man es ihnen abschlagen? Eine Drohne der Großstadt. Betrügereien des Freiherrn Gerhard v. Keffler. Als eine jener Drohnen der Großstadt, die sicht von ehrlicher Arbeit leben, sondern die die unredlich erworbenen Gelder verpraffen, bezeichnete Landgerichtsdirektor Brennhausen den Angeklagten Ger hard v. Kettler, der sich wegen zahlreicher Betrügereien und sogar wegen eines Diebstahls vor dem Schöffesgericht Charlottenburg zu nerantworten hatte. Die Abkehr von der Kirche. 6000 Austriffe in einem Monat an einer Stelle. In einer so großen Stadt wie Berlin ist der Kirchenaustritt für den Arbeiter schon deswegen mit Schwierigkeiten verbunden, weil der Weg zum Amtsgericht und die Abfertigung dort so viel Zeit in Anspruch nimmt, daß immer so ziemlich ein Tagelohn bafür eingebüßt wird. Es find viele Taufende, die lediglich aus diesem Grunde ihren Kirchenaustritt bisher noch nicht vollzogen haben. Deswegen ist eine Einrichtung sehr zu begrüßen, die die Arbeitsgemeinschaft freigeistiger Verbände, Ortsgruppe Berlin, getroffen hat und durch die der Rirchenaustritt gegen eine sehr mäßige Gebühr in den Abendstunden durch einen Notar vorgenommen wird. Diese notariellen Sprech. ftunden finden jeben Dienstag und Freitag, abends von 7 bis 8 Uhr, in den Räumen des Vereins der Freidenfer für euerbestattung E. V., Berlin NO 18, Friedenstr. 60, statt. Uebrigens nimmt die Abtehr von der Kirche, besonderen aber in der evangelischen, und gerade auch für diese Kirche tatastrophale Formen an. doch von Ende September bis Ende Oktober d. I. an einer einzigen Stelle in Berlin 6000 Kirchenaustritte an gemeldet worden. Das ist die Antwort, und vermutlich auch die einzig richtige, die die empörten Maffen jenen Geistlichen, die bie Berherrlichung des Militarismus und der Monarchie von den Kanzeln herab betreiben, erteilen. Weitere Erleichterung des Kirchenaustritts. im Die Einrichtung, den Kirchenaustritt durch einen Notar zu voll ziehen, hat eine so freudige Aufnahme gefunden, daß die Freirefigiöse Gemeinde Groß- Berlin diese Möglichkeit erweitert hat. Außer an jedem Dienstag von 6 bis 48 Uhr bei Herrn Notar Goldberg, An der Spandauer Brüde 10 II( direkt an Bahnhof Börse), fann der Austritt nun auch jeden Freitag von 5 bis 17 Uhr bei Herrn Notar S. Weinberg, Klosterstr. 65/67( Untergrundbahnhof Klosterstraße) vollzogen werden. Die Kosten betragen 2 m. pro Berson. Ein a miliches Legitimationspapier ist mit. zubringen. Ein Vorstandsmitglied der Freireligiösen Gemeinde ist an den betreffenden Abenden anwesend. Die notwendigen Formalitäten sind so vorbereitet, daß die erforderliche Zeit auf das geringste Maß verkürzt wird. v. Kettler ift der Sproß einer hoangesehenen Offiziersfamilie, die sich aber längst von ihm losgesagt hat. Er wurde auf der Kadettenanstalt erzogen und es wurde ihm, da er das Fähnrichseramen nicht bestehen fonnte, durch taiferliche Gnade dennoch die Offizierslaufbahn ermöglicht Trogdem mußte er schon im Jahre 1902 als Oberleutnant aus un befannt gebliebenen Gründen den Abschied nehmen. Die Familie schickte ihn 1907 zu Berwandten nach Amerita. Den Krieg machte er als Oberleutnant wieder mit. Seit dem Jahre 1919 beschäftigte er fich mit faufmännischen Geschäften aller Art, die aber recht besentlicher Natur gewesen sein müssen, denn er fam bald mit dem Strafgesetz in Konflikt und wurde auch bereits einmal zu 1 Jahr 7 Monaten Gefängnis verurteilt. Die Strafe hat er verbüßt. Nach der Freilassung feite er feine Geschäfte" font. Dabei spielte eine große amerikanische Erbschaft, die feiner Familie zuge fallen fein sollte, und bei der er selbst einen Anteil von 10 000 Dollar immer in den nächsten Tagen ausgezahlt erhalten sollte, eine wesent liche Rolle. Geschäftsleute der verschiedensten Art wußte er anzu Schwindeln und Barentredite zu entloden. So faufte er auf Wechsel acht Pferde, die er gleich weiter verfaufte. Obwohl die Pferde von dem Verkäufer bald wieder zurückgeholt worden waren, entnahm er weitere Kredite auf die ausstehende Forderung. In ähnlicher Beise erwarb er Gemälde und Schmucksachen. Um seiner Geliebten ein Weihnachtsgeschen? zu machen, faufte er bei einem Hofjuwelier am Kurfürstendamm Jumelen. Aber auch fleine Leute, bis zum Kellner herab, beschwindelte er. Dabei wohnte er mit seiner Geliebten, die er als seine Frau ausgab, in den teuersten Hotels. Zu seinen Lebensgewohnheiten gehörte es, täglich zum Frühstück Sett, Hummer und Kaviar einzunehmen. Die erschwindelten Wertgegenstände wurden entweder fofort verkauft oder Derpfändet. Nach dem Gutachten des Gefängnisarztes ift v. Kettler ein zwar willensschwacher Mensch, der aber für feine Handlungen verantwortlich ist. Das Schöffengericht Charlottenburg verurteilte v. Kettler wegen Betruges in 17 Fällen und Diebstahls in einem Falle entsprechend dem Antrage des Staatsanwaltschaftsrat Lattegan zu einer Gesamtstrafe von 2 Jahren 6 Monaten Gefängnis und 5 Jahren Ehrverlust. Zwei Monate wurden ihm auf die Unter- sation in Genf and der Völkerband 7.45 Uhr abends: Hansfuchungshaft angerechnet. Winter- Sonderzüge von Berlin. Für die Bedienung des interfportrertebrs hat die Reichsbahndirektion Sonderzüge eingestellt, für die Rückfahr farten für zwei Monate Dauer mit 33% Pro3. Breisermäßigung ausgegeben werden. Auch für die Anfchlußstreden über die Zielstation der Sonderzüge hinaus wird die Ermäßigung gewährt. Es verfehren folgende Sonderzüge ab Berlin: Nach München: Am 19. und 30, Dezember, am 15. Januar und 11. Februar ab Anhalter Bahnhof 4,15 1hr nachmittags, an München 4,50 Uhr morgens. Sämtliche Anschlüsse sind günstig. Fahrpreis nach München und zurüd 3. Klaffe 44 m. Nach dem Schwarzwald und Württemberg: Am 23. Dezember und 24. Januar nach Heidelberg 42 M., nach Rarlsruhe 46 m., nach Freiburg 55 M. Anschlüsse nach Stuttgart( 50 m.), Freiberg ( 53 M.). Ab Anhalter Bahnhof 5,37 Uhr nachmittags, an Stutt Millionen Frouen loben als das befte Baarwaschmittel Lavaren. Cinienumfenfang der Straßenbahn. Auf Anordnung der Bolizei ist von heute 6 Uhr ab der Verfehr über Schloßbrüde in Charlottenburg im Zuge der Laurogaener Straße ge iperrt. Es finden desbalb bis auf weiteres folgende ginien umlenkungen statt: Ring 3 wird geführt ab Wilmersdorfer Straße Das Rundfunkprogramm. Donnerstag, den 3. Dezember. Außer dem üblichen Tagesprogramm: 4.30-6 Uhr nachm.: Konzert. 6.45 Uhr abends: Hans- Bredow91 Schule( Bildungskurse). Abteilung Technik. Direktor Oskar Knoop: Fortschritte deutscher Automobiltechnik". 7.15 Uhr abends: Dr. Th. Tischauer: Die internationale ArbeiterorganiBredow- Schule( Bildungskurse). Abteilung Literatur. Theodor Kappstein: Deutsche Dichter und Denker(, Wilhelm v. Scholz"). 8.30 Uhr abends: Der Roman als Funkspiel. 4. Fortsetzung. Die Katastrophe. Originalroman für die Funkstande von H. J. 9 Uhr abends: Bunter Gramatzki( als Funkspiel bearbeitet). b) Boulanger: Liebling der Frauen. Konzertwalzer, c) Boulanger: Abend. 1. a) Potpourri russischer Lieder, arrang. von Boulanger, Avant de mourir, Tangoserenade( Kapelle Boulanger). 2. a) Trunk: In meiner Heimat, b) Kálmán: Aus der Operette Gräfin Mariza": Grüß mir mein Wien, c) Kálmán: Aus der Operette Gräfin Mariza: Komm' Zigan( Franz Baumann. Tenor). 3. a) Kowalski: Pierrotlieder, b) H. May: Großmütterchens Spieluhr( Erika 7. Thellmann). 4. a) Boulanger: Ein Brief, lyrisches Stück für Violinsolo, b) Rimsky- Korsakow: Indisches Lied( Kapelle Bou O Bajadere, aus der Operette Die Bajadere"( Franz Baumann). langer). 5. a) Löb: Ich war zu Heidelberg Student, b) Kálmán: 6. a) Robert Stolz: Bei der Nacht um 10, aus der Operette Der Favorit", b) Dickens: Junge, lern' mal erst das Küssen( Eriks v. Thellmann und Franz Baumann). 7. a) Boulanger: Antwort auf den Walzer, Schön Rosmarin, b) Boulanger: Exprompt, e) Rumäni sche Polka, arrangiert von Boulanger( Kapelle Benlanger). Am Flügel: Prof. Oskar Wappenschmidt. Anschließend: Dritte Bekanntgabe der neuesten Tagesnachrichten, Zeitansage. Wetterdienst. Sportnachrichten, Theater und Filmdienst. 10.30-12 Uhr abends: Tanzmusik. Dauert 30 Opfer der Glätte an einem Tag. Jeben Tag wird eine erschreckend große Zahl von Personen gemeldet, die infolge der Glätte auf den Bürgersteigen stürzen und fich dabei mehr oder weniger erhebliche Verlegungen zuziehen. So haben sich allein gestern wieder etwa 30 Unfälle ereignet, die den Rettungsstellen zur Kenntnis gekommen find, ungerechnet die große Zahl der Berunglückten, die sich in privatärztliche Behandlung begeben hat. In den weitaus meisten Fällen fonnten glücklichermeise nur Verstauchungen oder ähnliche Kontusionen festgestellt werden. Aber auch Arm- und Knöchelbrüche sind leider zu verzeichnen, so daß für schleunigste Säuberung und Beftreuung der vereisten Bürgersteige gesorgt werden follte. Es hat fast den Anschein, als ob die Polizeibeamten den Hausbefizern gegenüber zu große Nachficht üben, die durchaus nicht am Blaze ist, da sie auf Kosten der Gesundheit der Mitmenschen geht. Darum: Säubert die Bürgersteige. Erwerbslosendemonftrationen in Neukölln. Vor dem Neuköllner Rathaus in der Berliner Straße fam es gestern nachmittag zu Demonftrationen der Erwerbslosen. Ein sichtbarer Beweis für die faft unerträgliche wirtschaftliche Not, die ungezählten Taufenden über dem Kopfe zufammenfchlägt. Gegen 4 Uhr rüdte ein Zug von eima 600 Erwerbslosen vor das Rat haus. Mehrere Ansprachen wurden gehalten, die bie not der Fa Dann milien ohne Erwerbsmöglichkeit eindringlich schilderten. begab sich eine Deputation von 4 Mann zum Magistrat, um ihm verschiedene Forderungen vorzulegen. Der Magiftrat versprach, fich nach beften Kräften für eine Besserung der Lage der Erwerbslosen einzulegen. Kurz nach 4 Uhr zogen die Demonstranten wieder ab, ohne daß es zu Zwischenfällen gekommen wäre. Stärfere Polizei. abteilungen hatten die Sicherung des Zuges übernommen. ist Der Straßenhandel in der Weihnachtszeit. Der Polizeipräsident teilt mit: In der Zeit vom 4. bis 31. Dezember b. 3. einschließlich in Bertehrsstraßen 1. Drbnung fomie auf dem texanderplaß das Aufstellen von Fahrzeugen, Behältnissen, Bertaufsvorrichtungen und Berkaufsgegenständen für den Straßen. handel nur mit vorheriger schriftlicher Genehmigung des zuständigen Bolizeireviers zulässig. Für Sonntag, den 13., und Sonntag, den 20. Dezember, ist die Ausübung des Straßenhandels einschließlich des Handels mit Beitungen und Zeitschriften von 2 bis 6 Uhr nach mittags gestattet. Für Kinder unter 14 Jahren bleibt die Ausübung des Straßenhandels verboten. Eröffnung der Eisbahn„ Einfame Pappel". " Bei Anhalten des Frostwetters wird heute, Donnerstag, den 3. Dezember, die Eisbahn Einiame Bappel", Schönhauser Allee, eröffnet. Die Eintrittspreise betragen für diler und Lehr. linge mit Ermäßigungsfarte 5 Bf. pro Perfon, für gefchloffene Selafien unter Führung eines Lebrets ebenso, für Echüler und Behrlinge obne Ermäßigungsfarte 10 Bf., für Erwadiene an ochentagen 80 f., für Schüler und Lehrlinge an Sonnund Musiktagen 20 Pf., für Erwachsene an Sonn- und Musiktagen 50 Pf. Schwarzweißrote Freudenfahne. Die Deute Beitung war am 29. November mit der Ueberschrift Fahnen halbmast!" über Locarno in den Ausruf ausgebrochen:„ Die Fahnen, die den ersten vaterländischen Reichss präsidenten schwarzweißrot entgegenrauschten, ste jenten sich heute in tiefer Enttäuschung und Trauer auf halbmaft." Wie wenig fie aber im Ernst daran denkt, ihren Worten die Tat folgen zu lassen, be weist sie ein paar Tage später, wo sie sich mit aller Kraft ihrer Bis zur Vollkommenheit steigern Sie Ihre Fertigkeit in der Herstellung selbstgebackener Torten und Kuchen, weil es Ihnen geradezu Vergnügen macht, nach Dr. Oetker's sorgfältig ausprobierten Rezepten zu backen und weil Sie dabei immer Ihres Erfolges sicher sind. Bitte versuchen Sle: Nußtorte( ungefüllt) Zutaten: Eler 1 Teelöffel Dr. Oetker's Backpuiver Backin 100 g Nußkerne 100 g Mandein 200 g Zucker 180 g Mehi Zubereitung: Die Nüsse und Mandein werden fein gerieben, mit Zucker, Eigelb und etwas Wasser schaumig gerührt. Das Eiweiß wird zu festem Schnee geschlagen und mit dem Mehl vorsichtig unter die Masse gehoben Dann jüllt man dieselbe in eine Spring: orm und bäckt diese Torte in einem nicht zu heißen Oien. Nach dem Erkalten glasiert man sie mit Vanille- Glasur und trocknet sie im Ofen ab. Vanille- Glasur: Ein Päckchen Dr. Oetker's Vanillin- Zucker wird ganz fein gerieben, mi 100 g Puderzucker und einem Eiweiß 20 Minuten dick und schaumig gerührt. In den Berliner Hausfrauen- Vereinen kommt nur Dr. Oetker's Backpulver, Backin" zur Verwendung. Verlangen Sie vollständige Rezeptbücher kostenlos in den Geschäften, wenn vergriffen umsonst und portofrei von Dr. A. Oetker, Bielefeld Sport Dalast Europas größte Hallen- Eisba Sport Dalast Potsdamer Straße 72-72a 9 Uhr Eis- Ballett Eintritt inkl. Bahnbenutzung 1.- Mark von 10 Uhr morgens bis 12 Uhr abends 9 Uhr Eis- Ballett Potsdamer Strabe 72-720 on si SITON te dust Theater Lichtfpiele iw. Federn mehrt, daß sie an dem Tage von Locarno, wie es in unserer Gloffe Trauerftimmung bei den Mittelalterlichen" geschildert war, eine schwarzweißrote Trauerfahne herausgehängt habe. Nicht fie habe die schwarzweißrote Fahne gezogen, sondern die Gesinnungsfreunde nebenan, und es sei auch teine Trauerfahne, sondern eine Freudenfahne gewesen, weil Herr Dr. Arthur Georgi, ber Inhaber Volksbühne des landwirtschaftlichen Berlages Paul Peren, fein 25jähriges Jubi läum als Inhaber dieses Berlages gefeiert habe. Man fann alfo nicht gut anders als feststellen, daß just an dem Tage von Locarno, an dem die„ Deutsche Zeitung"" Fahnen halbmast!" befohlen hat, die schwarzweißrote Fahne des ihr gefinnungsverwandten Berlages und Berlagsinhabers als Freudenfahne lustig im Binde flatterte. Moderne Porzellankunft. 8 Uhr: Der befreite Don Quichotte Morgen 8 Uhr Der befreite Don Quichotte Staats- Theater Opernhaus 7 Uhr Rigolette Opernhaus am Königsplatz 7%, Caval.er. rusticana Bajazzl Die bekannte Porzellanmanufaftur Philipp Rosenthal u. Co. veranstaltet augenblicklich in ihrem Hause Bellevuestraße 10 eine Porzellankunst- Ausstellung, eine Revue über die Arbeiten ihrer Rünft ler im Laufe eines Jahres. Auch hier in der Porzellantunst gilt wie in der Kunst überhaupt heute die Devise: Los von der bloßen Natur nachahmung, zurück zur großen Linie, zur einfachen, flaren Form". 7U Romeo u. Julia Diese Tendenz zeigen fast alle ausgestellten Arbeiten. Man ver meidet, das Porzellan zu folorieren, es soll durch seine eigene Farbe wirfen. Immer enger vollzieht sich augenblicklich die Verknüpfung Schauspielhaus Schiller Theater 8 U: Kapi än Brass bounds Bekehrung der Porzellanplastik mit der Großpleftit, und viele Plaftiter arbeiten Städtische Oper heute auch in Porzellan wie z. B. Milly Steger, die drei Figuren ausgestellt hat. Bieles erinnert daran an Kolbe oder Lehmbrud. Ausgezeichnet sind die Kleinarbeiten von Friedrich von Graeveniz. Die Ausstellung ze gte, daß die heutige Porzellanfunst den Bergleich mit vergangenen Zeiten nicht zu scheuen braucht. Charlottenburg 6 Uhr: Tristan und Isolde Abonnements Turnus li In der Städlichen Gasanstalt Tegel brach gestern ein Deutsches Theater Brand aus, der durch die vereinten Anstrengungen der Berliner, der Tegeler, der Wittenauer und der Feuerwehren aus den umliegenden Gemeinden betämpft worden ist. Der Brand brach in einem Bauschuppen aus, der sich neben dem neuerrichteten Retortenhaus befindet. 7 Uhr: Der POLA NEGRI Kreidekreis 3 von Klabund Hänsel und Gretel", das sozialfte der deutschen Märchen; Erlebnis von Not und Sorgen im Elternhaus, Flucht in den finsteren Kammerspiele MIMMER Bald, Traum von der Himmelsseligkeit und der Leiter, wo die Engel goldig auf und ab flettern. Dann die Belohnung und das Abenteuer mit dem schlaraffischen Häuschen im Wald, dann der Heren7 Uhr. Zum ersten Male greuel und die Strafe und das Indenofengeschobenwerden, die freu Ramper von Max Mohr Regie: P. Henckels dige Rückkehr und das beglüdte Elternhaus alles das zieht jetzt im Thalia Theater in der Dresdener Straße in ein farbiges Gewand gehüllt über die Bühne. Bielleicht geht es manchmal etwas zu bunt babei zu. Bielleicht hätte man einiges regietechnisches und Die Komödie tänzerisches Beimert gern entbehrt. Die flare Linie des alten Märchens wurde verwischt. Aber den Kindern, für die es doch bestimmt mar, gefiel es im Augenblid jedenfalls sind sie erst zuhause nachdenklich geworden. O „ Der Glödner von Notre- Dame", Bictor Hugos weltberühmter Roman, hat sich im Laufe der Zeit schon allerhand gefallen lassen müssen. Bor drei Jahren wurde er verfilmt, vor mehr als 50 Jahren von der Charlotte Birch Pfeiffer für die Bühne bearbeitet. Und diese Bearbeitung grub das Rose Theater aus, dessen Direttion wohl des großen Erfolges des romantischen Rätchen von Heilbronn" eingedent war. Doch die Zeit der Romantif ist vorbei, denn Krieg und Inflation haben die Menschen die absonderlichsten Schickjole erleben lassen, ohne Berücksichtigung des guten Endes. Es foll freilich nicht unerwähnt bleiben, daß die neun Bühnenbilder in angenehmer Beife herausgebracht wurden. Frizz Schulz Ge fchid verhalf zu einer geschmackvollen Ausstattung und Baul Rose verstand es als Regiffeur bei sorgfältigster Raumausnugung gut belebte Massenszenen zu stellen. Ein Gast, Robert Müller, spielte den Quasimodo mit der Freude am Dämonischen und der rührenden Hingabe eines unglücklichen Geschöpfs. Die anmutige Traute Rofe fand in der Esmaralda eine Bombenrolle. So blieb der Beifall nicht aus. Kurfürstendamm 207 8 Unr Gesellschaft v. John Galsworthy Regie M Reinhardt Lessing- Th. Tägl. 8 Uhr Der junge Aar ven Restand- Klabund Kleines Th. Tägl. 8 Uhr Die Robert Müller, piette Alarmglocke Trianon- Th. Uhr Arbeiter- Kulfur- Kartell und Bezirksbildungsausschuß Groß- Berlin. Nächste Hochzeitstage Theatervorstellung am Freitag, den 25. Dezember( 1 Weihnachtstag), nach mittags 3 Ubr, im Staalliden Schiller Theater, Charlottenburg. But Auf Jubrung gelangt:" Der Glüdspla", Echwant von Gustav Midelt. Breis bro Karte 1,20 M. 2. Broletarische Feierstunde am Sonn abend, den 26. Tezember( 2. Weihnachtstag), bormittags 11 Uhr, im Broßen aufpielbaus. Itäume der Mietsfaserne". Preis der Einzelfarte 1,20 M. Für die letten vier Beranstaltungen fönnen noch Abonnements zum Preise von 8,20 9. ausgegeben werden. Starten für alle Ver anstaltungen find in den bekannten Verkaufsstellen zu haben. Verz. dles. zahl. a. d. Abendkasse die Hälfted.Kassenpr ADMIRALS PALAST 8 Uhr täglich: HALLER REAL Achtung Welle 505 Ein Fabrikbeiter unter der Anklage der Brandstiftung. Ein Prozeß, der weit über Mitteldeutschland hinaus großes Auffehen erregen dürfte, begann am gestrigen Mittwoch vor dem Landgericht in Deffau. Unter der Anflage der vorsäglichen Brandstiftung hat sich der Inhaber einer der größten deutschen Holzfabriken Bernstein, zu verantworten. In der Nacht vom 28. zum 29. August dieses Jahres brannte die Dessauer Holzwaren. fabrit, beren Aftien sich zu 75 Broz. im Besiz des angeschuldigten Direktors Bernstein befanden, fast vollständig nieder. Das Unter nehmen beschäftigte damals 600 Arbeiter und 60 Angestellte. Die Anklage behauptet, daß Direttor Bernstein, der im Vorjahre mehrere 100 000 m. in den Betrieb hineingesteckt hatte, schon seit längerer Bett gewußt habe, daß das Unternehmen infolge ber all. gemeinen wirtschaftlichen Schwierigkeiten zusammenbrechen müfie. Er habe deshalb im Sommer 1925 einen Abschluß mit einer großen Versicherungsgesellschaft getätigt, durch den die Fabrit um 400 000 R über ihren wirklichen Wert hinaus versichert war. Für die Verhand lung felbft find 70 Seugen von der Staatsanwaltschaft geladen lung selbst find 60 Beugen von der Staatsanwaltschaft geladen mnrden. Der Angeklagte bestreitet jede Schuld. Wintergewiffer über Lübeck. Am Mittwoch gingen in bed außergewöhnlich statte Schneemafien nieder. Mittags im tolliten Soneetreiben erfolgte eine starte elettriice Entladung, ohne jedoch Schaden anzurichten. Bei dem Nordostwind stieg das Basler der Trave erheblich. Der Elb- Trabe- Kanal ist bereits berart bereift, daß die Schiffahrt für hölzerne Echiffe gesperrt werden mußte. Jugunfall bei Probfizella. Am Mittwoch nachmittag 1 Uhr fuhr ein Bersonenzug auf einen zwischen Brobstzella und Marktgöliz haltenden Güterzug 6824 auf. Der Schlußwagen des Zuges 6824 entgleifte. 12 Bersonen wurden durch Stauchungen leicht verlegt, tennten jedoch ihre Reise fortsetzen. 18 Grad Kälte in Hinterpommern. Aus dem ganzen Gebiet der Provinz Pommern liegen Meldungen über anhaltende In Hinterpommern, in Schneefalle bet startem Froft Dor Rummeisburg, wurden bereits 18 Grad unter Rull festgestellt. Im Swinemünder Hafen und im Stettiner Haff ist Eis. bildung zu verzeichnen, jedoch wird die Schiffahrt vorläufig noch nicht behindert. Briefkasten der Redaktion. C. R. 7. 1. Ebert 60 000 9, Cehalt. 60 000 M. Aufwandsentfchädigung. 2. Bindenbura 60 000 m. Gehalt, 120 000 M. Aufwandsentschädigung pro Jahr. 8. Lubendorff 22 000. Hamburg Hotel Esplanade am Stephansplatz Haus allerersten Ranges Jeder Komfort 60 BILDER IL Rang v. Parkett v. Logen v. Kinder Revuo Jeden Mittwoch n Sonnab, 3, U.: Alle Puppea tancan Kleins Pr.ise. 58 PL, 1.-, 1.50 ate. Jeden Sonntag nachm. 3 Uhr: Die ganze Vor. ateliung 20 ha ben Prelsen Deutsches Künstl.- Theater Tägi. 48 Uhr: Gastspiel Fritzi Massery: Die Teresina Th.a. Kurfürstendamm 7% Unr Gastspiel des Deutsch. Theaters Regen Th.. Schiffbauerdam 8 Uer: Das verhängnisvolle Weib Lustspielhaus 8 Uhr Potasch& Perlmutter II. Teil Petasch& Perimatier b. FUM Wallner- Theater Tägi Uht. Fäden SCALA 8 Uhr. Zentrale, Internat. Berrliche Lago Nur Frontsimmer- la Restaurant Varieté Fest- und Konferenzelle Zimmer ab 6 Mark in DAS VERBOTENE PARADIES mit Adolphe Menjou und Rod La La Rocque Nach dem Schauspiel„ Die Zarin" von Biro und Lengyel Manuskript: A Christine Johnston und Hanns Kräly Regie: ERNST LUBITSCH Der große Paramount- Film der Ufa URAUFFÜHRUNG MORGEN 7 UND UND 9 UHR UFA- PALAST AM ZOO Vorverkauf täglich ab 11 Uhr ununterbrochen Telephon. Kartenbestellungen: Nollendf.62,1397,5280,5281 Ab Sonnabend: Wochentags: JELD 5, 7, 9 Uhr Sonntags: 3,5.7.9 Uhr Pammount Pictures Letzie Vorstellungen 08 3 4.Zille. Ich rauche nur meine eigne Marke: Heinrich Zille 5. Zigarette " MALZMANN AKT. GES. Gegr. 1878 Fabriklager: Fritz Lindenbaum, SW 68. 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Dez zum ersten Male: Kottbuser Str 6- Tel Mpl 1807 Der Meisterboxer Tägi 8 Unr, anch Sonntag nachm Dantiagung Für die mir anläßlich beim Sinscheiben meines lieben unvergeßlichen Gatten. unferes guten Baters und Großvaters erwiesene Teilnahme Tage id) allen lieben Berwandten, Freunden und Bekannten, ins befonbere ben Herren Rednern, Rothe, Freibenter, Belenste, Berband der Gemeinde- und Staatsarbeiter, Dr. Mofes, M d. R, SPD, fowie den Mietern des Hauses Johannissiz. 14/15 meinen tiefgefühlten Dan 1469b Fran Marie Schabel, geb. Henning, nebst Kindern 3 Uhr( zu Balben Preisen): Deutscher Metallarbeiter- Verband! Blogensee, November 1925. Weihnachtswald latung! Berwaltungsmitglieder Herzliche Weihnachtsbitte und Försterhaus", Trabrennen Am Freitag, ben 4. Dezember, findet Die unterzeichneten Geistlichen bitten teine Sigung der mittleren Orts- eble Serzen vertrauensvoll um eine Gabe verwaltung tatt. Wir bitten, den in Gelb oder Kleidung für die von ihnen christlichen Befcheid zu beachten. betreuten Gefangenen und deren Familien Die Ortsverwaltung. Berr Rant- Emil Krause, I 31, mann Ein Weihnachts- Programm Cariendorf Strickwesten Pianos e bre interagioneri für Groß und Klein! Sonnt. nachm. 31%, Uhr halbe Preise Donnerstag, d. 3. Dezember 1973 Rauchen gestattet Ueber vormittags 11, Uhr 100 Millionen Prisen Dr. Schröder's- Aufbausalz spendeten unendlichen Segen. Die Güte von Dr. Schröder's- Aufbausalz ist sein Erfolg; bewiesen durch tausende von Dank. sehreiben und ständige Weiterempfehlung. Nicht nur einige, sondern die 12 lebenswichtigsten Salze enthält es. Daher der Name: Aufbausalz. Ein Fingerzeig in der Apotheke und Drogerie nur Dr. Schröder's- Aufbausalz zu fordern. für Sie Nur echt mit der Aufschrift Tiglich 2 × 1 Prise Dr. Schröder's Aufbausalz auf Packung oder Flasche. = 1 ganzes Leben Jugend! In Apotheken u. 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Jahrgang netblsbonis dam 2. Beilage des Vorwärts Handelsverträge im Reichstag. elsa Italien, Schweiz, Defterreich. Im Reichstag gab gestern Abg. Henning( Bölt.) vor Eintritt in die Tagesordnung eine Erklärung ab, die sich gegen den Borwurf bes Abg. Birth in der Dienstagfißung mendet, an den Händen Hennings flebe das Blut des ermordeten Rathenau. Der Artikel aus dem Jahre 1922, auf den fich Birth berufen habe, habe nichts enthalten, was als Mordhege zu betrachten sei.( Stürmische Zurufe Tinfs: Es ftand noch mehr drin!) Wenn er diesen Artikel heute noch einmal zu schreiben hätte, so würde er hinzufügen: Das Schicksal des deutschen Volkes liegt in den Händen des Juden Rathenau, wie des Nichtjuden Birth.( Abg. Künstler( S08.): Unverschämtheit!) Der Abg. Wirth habe Mordheze getrieben durch seinen Ausspruch: Der Feind steht rechts! Duzende von rechtsstehenden Männern feien infolgedessen überfallen oder ermordet worden. ( Stürmisches Gelächter und erregte Zurufe von links.) = Die Abgg. Müller Franken und Sollmann werden vom Bräsidenten zur Ordnung gerufen, der zugleich erklärt, daß der Abg. Henning zu feinen Ausführungen nur deshalb das Wort er halten habe, weil es sich nachträglich herausgestellt hätte, daß auch der Abg. Birth das parlamentarisch Buläffige überschritten habe. In der Fortsetzung der Aussprache zur zweiten Lefung des Handelsabkommens mit Italien führte Abg. Erkelenz( Dem.) aus, daß der deutschen Kleineisen Industrie schwere Schäden aus dem Vertrage erwachsen müßten. Abg. Rauch- München( BBp.) verlangt, daß der handelspolitische Ausschuß über die Handelsvertragsverhandlungen unterrichtet werde. Nach weiteren Bemerkungen des Abg. Graf Reventlow( Bölf.), der den Bertrag ablehnt, und des Abg. Freytagh- Coringhoven( Dnatl.), der vom Bölterbund feinen Schutz der deutschen Minderheiten im Auslande erwartet, nimmt das Wort Abg. Dr. Hilferding( Saz.): Gegenüber der Kritit, die von mehreren Rednern an dem deutsch- italienischen Handelsabkommen geübt worden ist, muß darauf hingewiesen werden, daß ohne Konzeffionen von unserer Seite feine Sugeständnisse von der Gegenfeite zu haben sind. Ganz entschieden müffen wir uns gegen die Entfließungen wenden, die die Handelspolitik der Regierung auf längere Zeit hinaus festlegen wollen. Wir beantragen, daß sie, soweit fie fich auf den Weinbau und die Kleineisenindustrie beziehen, dem Ausschuß zur weiteren Beratung überwiesen werden. Wir erkennen durchaus die Notlage der Weinbauern an. Daß wir für die Winzer die größten Sympathien haben, geht schon aus unserer Zustimmung zu der Hilfsaktion der Regierung hervor. Aber wir marnen vor der Annahme, daß ihnen durch Bollmaßnahmen geholfen merden könne. Den Weinbauern muß auf anderem Wege geholfen werden. Wir haben schon vor dem Kriege einen Rüdgang des deutschen Beinbaues gehabt. Nach einer vorübergehenden Zunahme der Wein bauflächen während der Inflationsperiode hat sich der Rückgang jezt wieber fortgesetzt. 1913 hatten wir eine Anbaufläche von 79 000 Heftar, sie verminderte sich im Kriege auf 68 000 Hettar, mährend der Inflation stieg fie auf 74 500 Heftar, in den letzten Jahren ist fie wieder zurückgegangen. Wir haben mit einet Standort verfchiebung im einbau zu rechnen, von der auch andere nördliche Länder, wie die Tschechoslowakei, betroffen werden. Mit der Zollpolitik können wir dagegen nichts ausrichten. Wir find aber durchaus dazu bereit, alle Maßnahmen zu unterstützen, die die Notlage des Beinbaues durch angemessene Mittel lindern können. Auf das allerschärffte müffen wir uns aber dagegen menden, daß burch falsche Maßnahmen dem Weinbau nicht geholfen, die Industrie dagegen geschädigt wird. Gegenüber dem Abg. Rerp, der dem Redner vorgeworfen habe, er habe sich falscher Rahlen bei seinen ersten Ausführungen über die Lage des Weinbaues bedient, meist Hilferding darauf hin, daß er sich auf amtliches Material gestützt habe, der Abg. Kerp. hätte zu seinen Bor würfen nicht tommen tönnen, wenn er die amtlichen Zahlen richtig angemandt hätte. Zum Schluß warnt ber Redner noch einmal bringend vor der Annahme der Entschließungen.( Beifall b. d. 603.) Abg. Dr. Lejeune- Jung( Dnat.) verlangt Maßnahmen der Regierung gegen das Balutadumping des Auslandes. Er ersucht um Auskunft über den gegenwärtigen Stand der HandelsDertragsverhandlungen mit Spanien. Die gegen märtige, vor dem Rücktritt stehende Regierung dürfe auf keinen Fall den Bertrag unterschreiben. Ministerialdirektor Dr. Ritter antwortet, die jetzige Regierung Damit schließt die Aussprache. Der Handelsvertrag wird in zweiter Beratung gegen die Kommunisten, Bölkischen und einen Teil der Deutschnationalen angenommen. Der sozialdemokratische Antrag auf leberweisung der vorliegenden Anträge und Entschließungen wird mit 177 gegen FRITZI 44 homeboladam tim nail si and gati) aid at data 19 Donnerstag, 3. Dezember 1925 Etatabstimmungen im Landtag. Die Erledigung der Barmat- Angelegenheit. 166 Stimmen angenommen. Da die Abstimmung zuerst zweifelhaft war, mußte der Hammelsprung vorgenommen werden. Es folgt die zweite Beratung des Gesezentwurfs über ein vorläufiges Handelsabkommen mit der Schweiz. Den Bericht über die Ausschußverhandlungen gibt Abgeordneter tatsächlichen Angaben des Abg. Riedel über feine( Wiedemanns) Im Landtag versuchte gestern Abg. Wiedemann( Dnatl.) die Dr. Schneider( Dnat.). Abg. Krähig( Soz.) bemängelt die für die Tertil. Fälschungen als Schagmeister eines deutschnationalen Arbeit industrie ungünstigen Sollfäße. Wenn die sozialnehmerverbandes zu dementieren. Er blieb den Beweis schuldig. demokratische Graftion trozdem dem Abkommen zustimme, jo in In der fortgesetten Finanzverwaltungsdebatte nahm darauf Abg. Goll( Dem.) die Gemeinden gegen den Vorwurf der Berschwendung in Schuß, während der Abg. Müller- Franken ( Wirtsch. Bgg.) unter dem Beifall der Rechten den meiteren Abbau der sozialen Fürsorge verlangte. Abg. v. Brehmer ( Bölf.) wendet sich gegen die Steuerpolitit des Reiches und lehnt für feine Partei den État ab, weil er sich auf die Hauszinssteuer aufbaue. Es folgen die Bezirksbildungsausschuß Groß- Berlin 2.Veranstaltung für Internationale Volkstänze u.Volkslieder am Sonntag, den 6. Dezember 1925, nachm. 33/4 Uhr im großen Saal der Philharmonie, Bernburger Straße. Orientalische Phantasien. Mitwirkende: Max Terpis( Ballettmeister), Elisabeth Grube( Prima- Ballerina). Dorothea Albu( Charaktertänzerin), Daisy Soies, Stefa Kraliewa, Harald Kreutzberg ( Solotänzer), Rudi Kölling, Walter Junk vom Staatsballett. Gesang: Moucheddin Kari- Jakub, 1.Staat. Volkssänger der Usbeken- Republik Am Flügel: Friedrich Wilckens. der Erwartung, daß bei dem endgültigen Bertrag die Bedenten der Sozialdemokratie berücksichtigt werden. In der weiteren Aussprache beschwert sich Abg. Graefe( völt.) darüber, daß die Regierung im Ausschuß ungenügende Austünfte gebe. Ausschußverhandlungen gar nicht zugegen mar. Frau Abg. Sender( Soz.) ftellt feft, daß Abg. Graefe bei den Die An= regungen, die bie Sozialbemotraten gegeben hatten, haben Herrn Graefe zu feiner heutigen Rede veranlaßt. Der Gefehentwurf wird darauf in zweiter und dritter Lejung mit der gleichen Mehrheit wie das Abkommen mit Italien angenommen. snsd Das Uebereinkommen mit der Republit Defterreich zur Rege ung einzelner Zollfragen wird in zweiter und dritter Lesung ohne Aussprache angenommen. Gefeßentwurfs betr. die Auseinandersezung mit den ehe Hierauf trat das Haus in die erste Beratung des demokratischen maligen Fürstenhäusern, über die wir im Hauptblatt be richten. Die Senkung der Lohnsteuer. Beratungen im Steuerausschuß. Auf Beranlassung der Sozialdemokratie beschäftigte sich can Mittwoch der Steuerausschuß des Reichstages mit den Anträgen zur Sentung der Lohnsteuer. Einleitend erläuterte Staatssekretär Dr. Popih den Inhalt des noch dem Reichsrat vorliegenden Gefeß entwurfs zur Sentung der Lohnsteuer. Er betonte zugleich. daß eine abschließende Stellungnahme über den Regierungsentwurf hin aus infolge der Demission der Reichsregierung schwer möglich fel. Die Anträge der Parteien gingen zum Teil sehr erheblich über die Regierungsvorlage hinaus und würden einen nicht unbedenklichen Ausfall hervorrufen. Man müsse jedoch daran festhalten, daß die Lohnsteuer im Rahmen des gegenwärtigen Steuersystems einen Ertrag von 100 Millionen Mart im Monat bringen müßte. In der Aussprache sprach Genosse Hertz zunächst seine Genug tuung über den raschen Meinungsumschwung bei der Regierung und den Regierungsparteien aus, die jetzt selbst das vorschlagen, mas fie vor drei Monaten heftig befämpften. Mit der Erhöhung der steuerfreien Grenze von 80 auf 100 Mart monatlich sei den sozialen Erfordernissen aber nicht genügend entsprochen. Die Sozialdemokratie verlange deshalb auch eine wesentliche Er. höhung der Familienermäßigungen und vor allem die Einführung des einheitlichen und einfachen Systems der gleich mäßigen festen Abzüge. Der damit verbundene Ausfall hatte sich in erträglichen Grenzen. Die folgenden Redner, die Abgg. Schneider( Dem.), Mittelmann ( D. Vp.) und Höllein( Romm.) schlossen sich im wesentlichen dem an und sprachen sich gleichfalls für die Aenderung des jeßigen Systems aus. Abg. Brüning( 3.) meinte, es sei schwer, schon jetzt auf die prozentualen Ermäßigungen zu verzichten. Die Vereinfachung der Lohnsteuer aber müsse angestrebt werden. Abg. Gerele( Dnat.) trat gleichfalls für höhere Familienermäßigungen ein. Es wurde die Einsetzung eines Unterausschusses beschlossen, der bereits am Donnerstag seine Arbeit beginnen soll, um die Neuregelung der Lohnsteuer vom 1. Januar 1926 ab zu sichern. MASSARY FRITZI MASSARY Abflimmungen über die Barmat- Angelegenheit. Da die kommunistischen Anträge abgelehnt werden, übt die tommu nistische Fraktion bei den weiteren Abstimmungen Stimmenthaltung. Angenommen werden die Vorschläge des Ausschusses, für die grundsäglich auch die Rechte stimmte. Auch der Teil des Ausschußantrages findet Annahme, der besagt, die Beweiserhebung habe nicht ergeben, daß bei Gewährung der Staatsbankkredite an die hier behandelten Konzerne im politischen Leben stehende Bersonen sich nicht birette oder indirekte Borteile verschafft haben. Der Antrag der Deutschnationalen, die Worte oder indirekte" zu streichen, wird gegen die Antragsteller, die Wirtschaftspartei und die Böttischen, abgelehnt. Namentlich wird abgestimmt über den deutschnationalen Aende rungsantrag, der sich mit der Haltung des Abg. Heilmann befaßt. Der Antrag wurde mit 205 gegen 153 Stimmen bei 33 Enthaltungen abgelehnt. Dafür stimmten bie Deutschnationalen, die Böllischen und die Wirtschaftliche Vereinigung. Die Deutsche Volkspartei war geteilt. Die Abgg. Dr. Leidig und Dr. Pinkerneil stimmten mit Nein. Annahme jand sodann die Fassung des Ausschusses, die lediglich ausspricht, daß der Abg. Heilmann sich unvorsichtig bei feiner Besprechung mit dem Finanzminister Dr. D. Richter verhalten Barmat- Konzerns bei der fachlichen Prüfung seines Gesuches aushabe und daß er von der Ueberzeugung der Kreditwürdigkeit des gegangen fei. Die übrigen Feststellungen des Ausschusses fanden darauf gleichfalls die Billigung des Plenums. Im Anschluß daran murde der Etat der Seehandlung selbst angenommen und dazu eine große Reihe von Anträgen. Annahme fand gleichfalls der Haushalt des Finanzministe riums, foweit er noch nicht erledigt mar. 03 Bei den reftlichen Abstimmungen für die zweite Beratung des die Entschließung des Hauptausschusses Annahme, im Haushaltsplan Haushalts der Handels- und Gewerbeverwaltung fand für 1926 die zur Förderung der Hausindustrie Mittel angemessen zu erhöhen. Fast einstimmige Annahme fand auch der Antrag auf Bewilligung von zwei Millionen Mart als einmalige Verstärkung des zur Förderung des Luftfahrwesens vorgesehenen Ciotsbetrages. Die Abstimmungen zum Haushalt des Innenministe= riums erbrachten die Annahme mehrerer Entschließungen des Beamtenausschusses, die sich auf Aenderungen von Amtsbezeichnungen beziehen. Beim Haushalt der Landwirtschaftlichen Verwaltung fand An nahme der Ausschußantrag, die im Etat für die Förderung der inneren Kolonisation vorgesehenen 11 Millionen auf 15 millionen zu erhöhen. Beschlossen wurde auch die Einfügung eines neuen Titels in Höhe von 5 Millionen Mark für die Förderung landwirtschaftlicher Ansiedlung von Optanten. Eine Reihe von Anträgen fand noch bei den Abstimmungen über die noch nicht erledigten Titel des Etats des Volkswohlfahrtsministeriums die Zustimmung des Plenums. So wurden erFörderung der Bestrebungen zur Fürsorge für die gefährdete und hebliche Beihilfen für die Pflege der schulentlassenen Jugend und zur verwahriofte Jugend bewilligt. Erhöht wurden auch die Zuschüsse für staatlich anerkannte Wohlfahrtsschulen und die Titelsumme zur Unterbringung unterernährter Kinder auf dem Lande. Auch der Erhöhung der Mittel für Wanderungen der Schuljugend wurde zugestimmt. Nach einer weiteren Aussprache über die Finanzverwaltung, in der auch der Finanzininister eingriff, vertagt das Haus die Weiterberatung auf Donnerstag 11 Uhr. Schluß nach 6 Uhr. Wetter für Berlin: Noch leichte Schneefälle. Aber überwiegende Bemällung. Frost noch anbaltend. Für Deutschland: Ueberall Fortdauern des Froftes. Im Besten beginnende Aufheiterung, im Diten leichte Schneejäüle. DIE UNVERGLEICHLICHE ZIGARETTE दद 49 DA M3TY SA 0212 Sinfendungen für diese Rubrik sind Berlin 68. 68, Lindenstraße 3. Die Aktien mit mehrfachem Stimmrecht. Eine Gefahr für die Kapitalversorgung der Industrie. Bährend der Inflation find bekanntlich meist mit dem Bormande, die deutschen Unternehmungen vor der Ueberfrem bung zu schüßen, vielfach sogenannte Borzugsaftien mit mehr. fachem Stimmrecht geschaffen worden. Diese Papiere gaben einem fleinen Teil von Aktionären, die obendrein nur menig oder gar fein Rapital eingezahlt hatten, die ausschließliche Bestimmung über die Leihung der Gesellschaft. Besonders aktuell ist die Gefahr der Borzugsaftien in dem Streit der Stadt Berlin mit der Hochlichen nur das Tempo der Berschlechterung ersichtlich wird. bahngesellschaft geworden. Für die Wirtschaft stellen sie insofern eine große Gefahr dar, als fie ein schweres hindernis für die Beschaffung neuen Kapitals find. Gerade in Zeiten ber Rapitalknappheit werden sich oft die Rapitalgeber meigern, Attien non Unternehmungen zu erwerben, auf die sie teinen oder nur cinen geringen Einfluß haben, weil die Bestimmung über die Geschäftsgebarung der Unternehmungen in den Händen weniger Leute oder einzelner Ronzerne ist. Aus diesem Grunde sind die Borzugsaffien neuerdings in den Kreisen der Kapitalisten start angegriffen worden. Es bestand aber fein Ueberblid darüber, wie groß die Zahl der Vorzugsaktien in der deutschen Wirtschaft ist und welchen praktischen Einfluß fie auszuüben vermögen. industrie mehren fich bie Entlaffungen. Die Lage in ber chemischen Induſtrie ist schwankend. Im rheinisch- westfälischen Steinfohlen Parteinachrichten bergbau werden weitere große Entlassungen erwartet. Ganz beson ders großen Umfang haben Stillegungen und Entlassungen im Metallgewerbe angenommen. Die Zahl der unterstützten Erwerbss Icjen im Reiche ist, wie bereits gemeldet, vom 1. bis 15. November Don 363 919 auf 471 333, d. h. um etwa 29,5 Proz. gestiegen. Am 15. November 1924 betrug diese Zahl 426 836. Anfang August dieses Jahres waren es noch nicht 200 000! Hierbei ist zu berücksichtigen, daß diese Statistik nicht die gesamte Arbeitslosigkeit, sondern nur die unterstützten Erwerbslosen umfaßt, so daß aus ihr im wesentDer Reichswirtschaftsminister hatte nun auf der Banfiertagung die Bearbeitung einer Statistit der Borzugs. und Stimmrechtsaftien in Aussicht gestellt. Das Statistische Reichsamt hat in feinen Arbeiten einen gewissen Abschluß erreicht und veröffentlicht die vorläufigen Ergebnisse in Nr. 22 von Birt schaft und Statiſtif Da zuverlässige Angaben für die Gesamtheit der nicht notierten Mert nicht erhältlich waren, beschränkt sich die Statistit auf die an der Börse notierten Attiengesellschaften, die zwar der Zahl nach nur 13,5 Proz., dem Kapital nach aber 64,5 Proz. der gesamten bis zum 30. September auf Gold umgestellten Gesellschaften ausmachen. Bon den 1595 erfaßten Gesellschaften mit einem Kapital non 11,2 Milliarden Mart hatten 860 Gesellschaften mit einem Rapital von 6,3 Milliarden Mart, d. f. dem Kapital nach 56,5 Proz., Aftien mit bevorzugtem Stimmrecht ausgegeben. Der eingezahlte Betrag für die Aftien mit bevorzugtem Stimmrecht beträgt 148 Millionen RM. oder 2,4 Broz. des gesamten Grundfapitals der Gesell. schaften. Auf diese entfallen rund 71 Millionen Stimmen von 186 Millionen, b. f. 38 Broz. Die Berteilung der Stimmen auf die Stimmrechtsaftien stellt sich wie folgt: Anteil der Stimmen der Stimmrechtsaktien unter 20 Bro. 20 bis 40 Bros. 40 TOP 50 über 50 roz aufammen Zahl der Gesellschaften 79 875 853 53 860 Bei 218 Gesellschaften entfällt auf die Stimmrechtsaftien weniger als 1 Broz. des eingezahlten Kapitals, aber mehr als 40 roz. der Stimmen. Dem Grundfapital nach machen diese 218 Gesellschaften 27 Proz. des Gesamttapitals der. jenigen Gesellschaften aus, die Stimmrechtsattien ausgegeben haben. Aus der Tatsache, daß die Stimmrechtsaftien bei geringem fapital mäßigen Anteil ein hohes Stimmrecht gewähren, ergibt sich, daß auf jede dieser Aktien ein vielfach bevorzugtes Stimmrecht entfallen muß. Das Statistische Reichsamt mird laufend die Veränderung dieser Bahlen verfolgen. Die banach fidh ergebende Entwicklung wird eine wichtige Unterlage für die Erwägung der Reichsregierung über etwa zu treffende gefeßliche Maßnahmen sein. Von der Abfahstockung zur Krise. Die, alarmierenden Meldungen vom Arbeitsmarkt und aus den verschiedenen Gewerbezweigen lassen immer deutlicher erkennen, daß die durch verfehlte Kapitaldisposition, unzulängliche Ausgeftaltung der Betriebe und fünftliche Niedrighaltung der Löhne bei hohen Breisen herbeigeführte Krise mehr und mehr zu einer allgemeinen Boltswirtschaftstrife wird. Der Zusammenbruch großer Ronzerne, der in diesem Frühjahr und Sommer zu verzeichnen war, mar zunächst auf dem Arbeitsmarkt ohne wesentliche Wirkungen geblieben. Erst seit August, seitdem die Zahl der Arbeitslosen bis zum 15. Nopember auf das Zweieinhalbfache gestiegen ist, dehnt sich die Abfaßftodung mit allen ihren Folgeerscheinungen gleichmäßig auf fast alle Gewerbezweige aus. Borherin der Zeit der Konzerndämmerung waren einzelne Teilgebiete der Induftrie, und diese aus den verschiedensten Ursachen, in den Etrubel der Geschäftsstodung gezogen worden. Heute dagegen wirft fich die Tatsache, daß unzureichende Kauftraft des Boltes einem mit Fabriken und anderen Rapitalanlagen übersättigten Wirtschaftsapparat nicht genug ablaufen fann, um ihn in Gang zu halten, mit erschredender Gleichmäßigteit in den verschiedensten Probuftionsgebieten aus, und der vollbeschäftigte Betrieb ist jetzt eine Ausnahme, nicht mehr die Regel. Alle Fehler tapitalistischer Wirtschaftsführung treten in ihrer ganzen Nacktheit in Erscheinung: ihre Opfer aber find die Arbeitsuchenden und Beschäftigungslosen, die jetzt vergeblich nach Brot und Beschäftigungsmöglichkeit fuchen. In der vierten Novemberwoche ist nach den Berichten der Landesarbeitsämter in ganz Deutschland die Nachfrage nach Arbeitskräften weiter jehr start zurückgegangen. Das Aufhören der Arbeit in den Außenberufen, Betriebsstillegungen und Einschränkungen haben die Zahl der Arbeitsuchenden überall und in ellen Berufsgruppen start vermehrt. Der Arbeitsmarkt bietet fast feine Ausgleichmöglichteiten mehr. In der Textil In der Schuhindustrie macht die Verschlechterung des Beschäftigungsgrades laut Ronjunttur- Rorrespondenz in allen Be girten bemerkenswerte Fortschritte. Die Entlassungen und Arbeits zeitverkürzungen mehren sich, besonders auch in den Groß. betrieben. Nur ganz vereinzelt ist hie Beschäftigung noch einigermaßen befriedigend. für Groß- Berlin ftets en bas Bezirksjekretariat, 2. Sof, 2 Tres. rechts, an richten. 3. Kreis Webbing. Gonnabend, ben 5. Dezember, pünktlich 7 Uhr, in Lebigenheim, 1. Stod, Funktionärfikung. 5. Kreis Friedrichshain. Freitag, den 4. Dezember, 6% Uhr, Markusftr. 49, Rimmer 29, Fraktionsfigung der Bezirksverordneten. 7. Reis Charlottenburg. Freitag, ben 4. Dezember, 7½ Uhr, Jugendheim, Gikung des Bildungsausschusses. Jede Abteilung muß vertreten fein. 11. Kreis Schöneberg- Friedenau. Donnerstag, den 3. Dezember, 8 Uhr, Rreismitgliederversammlung Schulaula Feurigstraße( neben der Feuerwache). Genoffe Emil Berth spricht über Die Rulturaufgaben der Sozialdemo tratie". Gäfte fönnen eingeführt werden. Rahlreichen Besuch, auch der Jungfozialisten und der Jugend, erwartet der Kreisvorstand. 17. Streis Lichtenberg. Freitag, den 4. Dezember, 7% Uhr, in der Bibliothe! Weichselstr. 28 Kreisfrauenabend. Bortrag über Erziehungsfragen. Heute, Donnerstag, den 3. Dezember: 17. L. Bezirksführerkarten abholen vom Genoffen Schneider, Sparrftr. 11, Gartenhaus 3 Treppen. Morgen, Freitag, den 4. Dezember: Uhr bei Krüger, Engelufer 23, Funktionärkung. Uhr bei Roch, Schillingftr. 30, Funktionärstzung. 3. t. 7 4. Abt. 7 9. Abt. 7 Uhr bei Sübner, Wilsnader Str. 34, Funktionärkigung. Icheinen aller Funktionäre erfoderlich. Er 43. bt. 7 Uhr bei Wolff, Gräfe- Ede Mullenhoffitraße, wichtige Besprechung fämtlicher in den Wohlfahrtstommiffionen der 43. Abt. tätigen Genoffinnen und Genoffen. Die Stadt- und Bezirksverordneten find verpflichtet, au dieser Besprechung teilzunehmen. 31. Abt. Charlottenburg. 7 Uhr bei Lehmann, Rönigsweg 8, Funktionär. fisung. Seit einer Reihe von Jahren standen die wichtigsten Zweige der deutschen Tertilindustrie im Zeichen einer befriedigenden und zum Teil sogar recht guten Beschäftigung. In den letzten Wochen hat aber die Krise auch hier eingesetzt. Nach den Berichten der Arbeitsnachweise für den Monat November macht sich allgemein im Spinnstoffgewerbe ein Rüdgang der Beschäftigungsmög lichteiten geltend. Recht merklich verschlechtert hat sich die Lage in Berlin, Brandenburg, Schlesien und im Freistaat Sachsen. Auch in noch überwiegend günstig beschäftigten Bezirken( Hannover, Thürin schöneberg. 77.bt. 7 Uhr bei Jürgens, Barbaroffaftr. 5a, Funktionär. gen, Westfalen, Württemberg) machen sich Anzeichen beginnenden Rüdgangs bemertbar. Günstiger liegen die Verhältnisse noch in Oberfranken, wo genügend Aufträge vorliegen und fast durchweg noch voll gearbeitet wird. Berzögerung der Kalianleihe in Amerifa. In Washington wurden wegen der Einführung der geplanten Anleihe des Deutschen Kalifynditats Beanstandungen gemacht. Diese haben Beran laffung gegeben, zunächst die Emission des weitaus größten 10 Millionen Pfund Teils der ersten Serie von fikung. 79. t. 8 Uhr pünktlich bei Grok, Gedanftr. 17, Funktionär fizung. Erscheinen aller Funktionäre ist Pflicht. 81. Abt. Frieben an, 8 Uhr bei Rlabe, Sandjernstr. 60/61, erweiterte Bor ftandsgung. Bünktliches Erscheinen Bflicht. Reukölln. 89. Abt. 7 Uhr bei Brose, Ganderstr. 10, Borftands und Funk tionärfikung. Bahlabenbleiter find bazu eingeladen. 93. t. 7 Uhr bei Ruppelt, Raiser- Friedrich- Str. 172/173, Funktionärkung. Die Bezirks führer laden hierzu ein. 95. Abt. 7% Uhr bei Bflanz, Brinz- Handjern Straße 73, Funktionärfisung. Wichtige Tagesordnung.- 96. bt. 7% Uhr bei Lohan, Bipperstr. 18/19, Funktionärkung. Sämtliche Beairle miljen vertreten fein. 97. Abt. 7 Uhr beim Genossen Rohr, Siegfriedfir. 28/29, wichtige Funktionärfikung. 108. bi. Röpenid. 8 Uhr bei Rafchle, Rubower Ede Ablershofer Straße, Borftandssikung. 114. Abt. Lidhtenberg. 7% Uhr bei Schwarzer, Gabriel- mar- Str. 17, Bore fbands- und Funktionärkung. 124a Abt. Mahlsborf- Güb. 8 Uhr bei Diek. Uhlandstraße, Funktionärkung. Jungfozialisten. Gesamtveranstaltung am Sonnabend, ben 5. Dezember, pünktlich 8 Uhr, in ber Belle- Alliance- Str. 7/10, 8. Stod, Roter Saal. Frans Rothenfelder fpricht aus feinen Werken. Sämtliche Gruppen beteiligen fich daran. T ( 200 millionen Goldmart) an den europäischen Märkten vorzunehmen. Ein fleinerer Teil dieser Serie wird für die spätere Begebung an den amerikanischen Märkten reserviert, für welche 123. bt. Raulsbarf.& Uhr bei Sübner Funktionäring nötigenfalls auch Beträge aus der zweiten Serie zur Verfügung stehen werden. Der förmliche Abschluß der entsprechend zu ver ändernden Berträge foll in den letzten Tagen dieser Woche in London und im unmittelbaren Anschluß daran die Emission erfolgen. Ueber die Gründe der amerikanischen Opposition gegen die deutsche Ralianleihe meldet Associated Preß": Es verlautet in Finanz freifen, daß die Bemühungen des deutschen Kalisyndikats einen Teil seiner internationalen 50- Millionen- Anleihe in den Bereinigten Staaten unterzubringen, die Billigung des Staatsdepartements nicht gefunden haben. Infolaedeffen wird die Anleihe, deren Bezugsscheine versuchsweise an der hiesigen Börse notiert wurden, wahrscheinlich ausschließlich in Europa auf den Markt gebracht werden. Die amerikanischen Einwände gegen eine Auflegung der Anleihe in Amerita beruhen auf der Theorie, daß die amerikanische finanzielle Unterstützung nicht solchen fremden Industrien zugute tommen soll, die der Lage der Dinge nach ein Produktionsmonopol besitzen und so imitande wären, die ihnen zufließenden Geldmittel zur Aufrechterhal. tung hoher Breise zu benutzen Dieselbe amerikanische Bolitif hat im vorigen Juli den Verkauf der 30 Millionen Saopaulo- KaffeeAnleihe am New Yorker Markt verhindert, und ebenso die Gummiproduzenten der britischen Kolonien als Geldnehmer am New Yorker in der Zuriſtiſchen Sprechstunde, Lindenstr. 3, Selferversammlung. Bortred Martt ausgeschaltet. Gruppe Zankwik: Freitag, den 4. Desember, pünktlich 8 Uhr, bei Behmann, Raifer- Wilhelm- Str. 29/31, Bortrag über Rußland. Die Parteigenoffen find freundlichst eingeladen. Gruppe Treptow: Donnerstag, den 3. Dezember, 7 Uhr, im Jugendheim Elfenite. 3 Bortrag: Juftia in der beutschen Republi?". Gruppe Brenzlauer Berg: Donnerstag, den 3. Dezember, 8 Uhr, int Sugendheim Danziger Str. 62( Baraden) Gruppenversammlung. Gruppe Banlow: Donnerstag, den 3. Dezember, 8 Uhr pünktlich, wichtiger Aussprache abend über: Snternationale Rletnarbeit". Referent: Genoffe Floerle. Jugends Gruppe Schöneberg: Heute, Donners und Varteigenoffen find eingeladen. Genppe Friedrichshain: Seute, Donnerstag, 7½ Uhr, im Jugendheim Tilfiter Str. 4 avünktlich 8 Uhr, im Jugendheim Hauptstr. 15 Bunter Abend. Gruppe Neukölln I: Bortrag: Rollfragen". Referent: Otto Jacobfen. Seute, Donnerstag 8 Uhr, im Jugendheim Rogatftr. 11/12, Bortrag Dr. Blod. Arbeitsgemeinschaft der Kinderfrennbe. Freitag, den 4. Dezember, 7 Uhr, des Genoffen Berthauer: Bom Baftein". Wer neue Spiele fennen lernen mill, fomme eine Stunde früher. Gruppe Neukölln: Die Selferfikung wird wegen ber Selferversammlung in Berlin von Freitag, den 4., auf Freitas, den 11. Dezember, verschoben. Desirlessraubsfigung bente, Donnerstag 18 Uhr. Achtung, Jugenbgenoffen und Jugendgenoffinnen! Am Sonntag, den 6. Dezember, abends 7 Uhr, fpricht der Genoffe R. Abramowitsch Stidstoffpreise und Landwirtschaft. Zu den Berichten über die im Stidstoffgeschäft feit Ottober eingetretene Berlangsamung des Absages wird aus bäuerlichen Kreisen darauf hingewiesen, Jugendveranstaltungen. daß die Landwirtschaft nicht mehr in der Lage sei, auch nur den notwendigsten Dünger zu bezahlen, nachdem fie schon dazu übergegangen ist, Steuern mit Krediten zu begleichen. Die Landwirtschaft erwartet, daß die Stidftoffpreise eine erhebliche Sentung erfahren. Sie geht dabei von der Tatsache aus, daß vom 1. Januar 1914 bis 1. Januar 1925 im Deutschen Reiche 187 deutsche über: Das neue Rukland" in der Schulaula Mittenwalder Str. 36. Batente für die Dünger. Untoftenbeitrag 20 Bf. Mitaliebsbuch legitimiert. mit den ausländischen über 200 tidstoffgewinnung und das Düngerstickstoffverfahren gesetzlich ge schüßt find. Durch Batente werde das Verfahren vereinfacht und verbilligt, insbesondere auch dahingehend, daß Arbeitskräfte erfpart werden, so daß die auf die Stidstoffgewinnung entfallenden Arbeitslöhne insgesamt wenn auch im einzelnen Steigerungen stattfinden dadurch geringer werden. Berlängerung des Norddeutschen Zementfyndikats. Der Norddeutsche Zementverband ist bis zum 31. Dezember 1935 verlängert worden. Sämtliche Werke find dem Synditatsvertrag beigetreten. Die Arbeitslose frei. Abteilungsmitgliederversammlungen heute 7% Uhr: Narben: Schule Butbuffer Str. 3.- Schönhauser Borftabt I: Schule Jbfent frake 17. Südwesten: Jugendheim Lindenstr. 3. Wriebenan: Jugendheim Offenbacher Str. 5. Johannisthal: Rathaus am Rönigsplan. Erkner: Jugendheim auf dem Rund ber Genoffenfchaft. Bortrag:„ Der deutsche Bauernkrieg". Berbebezirk Brenzlauer Berg I: Baben in der Oberberger Str. 6. Bildungskurse: Berbebegir! Beften: Neues Rathaus, Rudolf- Bilde- Blat. Simmer 72. Werbebeair! Often: Sugendheim Rigaer Str. 103. Berbebezirk Reinidendorf: Jugendheim Tegel, Bahnhofftr. 15. Geschäftliche Mitteilungen. fo Die Kinder- und Buysenwagen- Anstellung ist das Riel so mancher Mutter, ausaufuden. Bo ift biefe Ausstellung reicher und mannigfaltiger als fenders überall bekannten und alteingeführten Rinderwagenhaus Mekner, bas in GroßBerlin allein 8 fachaefchäfte unterhält. Sowohl im Stammgefchäft Andreas ftraße 23 als auch in den Filialen Brunnenstr. 95, Beuffelftr. 67, Beipziger Straße 54. Neukölln, Bergstr. 133, Spandau, Charlottenftr. 24a, unb Rieberschöneweide, Bridenstr. 9, ist jeder Sausfrau und Mutter Gelegenheit gegeben, auch andere Korbwaren, wie Rorbmöbel usw., zu besichtigen und sich über alles Wissenswerte au unterrichten. unt für ihren Liebling aum bevorstehenden Weihnachtsfeft etwas Bolens Getreideausfuhr, von der sich die schußzöllnerischen deut schen Agrarier besonders bedroht fühlen, hat troß des Zlotnfturzes nur einen verhältnismäßig geringen Umfang angenommen. bisherigen Ergebnisse des diesjährigen Getreideegports werden in polnischen Wirtschaftskreisen auf 20 000 bis 22 000 Waggons ge Berite, 3000 bis 4000 Waggons Beizen und Hafer. Nach der Menge fchäßt, darunter 12 000 Waggons Roggen, 5000 bis 6000 Baggons des aufgenommenen Getreides stehen die Abfazländer in folgender Reihenfolge: Norwegen( vorwiegend Roggen), Dänemart( Roggen, Futtergerste), Frankreich( Roggen), Belgien( Roggen, Braugerfte und Hafer; die belgischen Importeure spielen zum großen Teil die Bermittlerrolle zwischen Polen und Frankreich), Tschechoslowakei ( Roggen sowie geringere Mengen von Hafer und Gerste), Finnland ( Roggen). Etwa 2000 Waggons Weizen find nach England ver. tauft worden. Der Fortfall des deutschen Absaßmarktes durch den vollkommen unverbindlich bie ausgestellten Rinder- und Buppenwagen fomie Bollfrieg mit Deutschland, der die gesamte Getreideausfuhr beeinträchtigte, hat sich ganz besonders auf dem Gebiete des Exports von Braugerfte fühlbar gemacht. An der Berwirklichung der ursprünglich geplanten Getreideausfuhr von 100 000 Waggons wird ge zweifelt und nur die Hälfte dieser Menge als erreichbar angesehen. Die Beizenausfuhr wird als ein Geschäft betrachtet, das nur vorübergehend Nugen bringen kann, da die polnische Landwirtschaft hier teine. Ueberschußmengen erzeugt und im Frühjahr eine Rüd einfuhr zu erhöhten Preisen notwendig werden könnte. Schnee, Regen, feuchte Luft und Näffe der Straßen bringen Erkältungen mannigfader Art. bie fich bei nicht genügender Borsicht und mangelhafter Bekämpfung leicht au fchweren akuten oder chronischen Krankheiten auswachfen. Bereits den ersten Anzeichen biefes Leidens gegenüber muß beshalb die entfchloffene und energische Abwehr beginnen. Erfahrungsgemäß leisten hier die natürlichen Emfer Beilmittel. Emfer Baffer( Kränchen), Baftillen und Quell fala. Boraitaliches. Bei Suften. Seiferteit, Berfchleimuna, Afthima, Katarrhen aller Art( auch dronischer Form), Grippe, Sodbrennen usw. genießen fie feit älteften Reiten Beltruf: als wittfame Borbeugungsmittel gegen diefe Krank beiten find fie ebenso bewährt und allenthalben hochgefchänt. MAINADAL Gegr. 1887 Was bedeutet Twetok? Den Namen„ ZWETOK" haben wir unserer neuen Goldmundstückzigarette zu 5 Pfg. gegeben. Eine Erklärung über den Sinn des Wortes ZWETOK" liegt jeder Zigarettenschachtel bei. Die Zigarette ist von besonders gewählter Qualität und wird von solchen Rauchern, die ausgesprochen milden Geschmack lieben, bevorzugt werden. Probieren Sie und urteilen Sie selbst! A.S. MAIKAPAR A.G. RUSSISCHER ZIGARETTEN FABRIK, ECHT RUSSISCHER HAIKAM Gepr. 1887 Donnerstag 3. Dezember 1925 nterhaltung unö issen Settogti öes Vonvärtb Rosen im Schnee. (Nach der Melodie:.Es ist ein Ros' entspränge n".) Es klingt von roten Rosen Ein Lied in weihen Schnee. Das ballt dem heimatlosen Roch härter wort vom weh. Der hört es ohne Wut, Denn prangte Schnee in Rosen, Dann war's von rotem Blut. Es geht ein Volk in Leiden Und duldet winlerpein. Das muh die Sonne kleideu, Soll's uicht verloren sein. Und well's so viele sind. Bleibt auch de, Uermsten Klage Rur weicher hauch im wind. Das Volk soll tapfer gehen Und pressen herz vud Mund. Dann wird es Erde sehen 3m satten Llütenrund. Und das ist Vieler Schritt: wer matt von weh und wandern. Den nimmt die Liebe mit. Das Lied von roten Rosen 3st aller Rlenschheitssang. Laht Sturm und Wetter tosen Und geht beherzten Sangt So wird die böse Welt Ein wundersamer Garten, Den Liebeslust erhellt. Franz Rothenfeld« r. Eva, Rnna unö Ilse. Seine Liebesgeschichle von Max Barthel. (Schluß.) Z. Die Unterfläch«. Di« vielen Gruben im Industriegebiet haben fast alle poetische Mädchennamen. Sie heißen Alwine, Renate, Bertha. Ilse, Erica, Eva, Anna, Mathilde und Marga. Doch die Gruben sind sehr schmutzige Eoen, Renaten. Ilsen und Annen. Schmutzig für die Bergleute und die nichtssagende Stadt Senstenberg. für die Gruben- barone jedoch bringen sie guten Prosit. Die farblose Lokalzeitung der Stadt schreibt von dem»schwarzen Gold", das in großartigen Flözen unter dem Sande liegt. Der Bergbau begann in den achtziger Iahren des vergangenen Jahrhunderts. Im Stadtpart von Senstenberg steht ein schon lang« ausgestorbener Baum, eine mäßige Sumpszypress«, die damals die Brautohlenielder unter der Erde verraten haben soll. In den schwarzen Flözen findet man von jener Zyprenenart auch jetzt noch viele oertorfte Stämme. Sumpfzypresse und Mammutbaum, arm- selige Ueberreste aus fernen, märchenhaften Urzeitwäldern. Di« Lausitz, da» sagt der slawische Name, war früher Sumpfgebiet, In dem die großen Wälder langsam versanken und oerkohlten. Und heute wird die bis zu dreißig Meter dicke Sandschicht, der Boden eines ehemaligen Meere»,'mit Riesenbaggern abgetragen, um»das schwarze Gold" an den Tag zu bringen. Grube an Grube. Lichterkette an Lichterkette in jeder Nacht. Die vielgeschäftigen Bagger räumen die Sandschicht beiseite. Kleine Maschinen dampfen und schütten neu« Halden aus. Ein Sandberg am anderen,«in Sargberg am anderen. Di« Erdrind« wird ange- schürft, ausgebeutet. Klaffende Löcher, schwarze, umstaubt« Krater in triester Gegend, umheult vom Lärm der vielen Werk«, der Züge. der Maschinen, der schüttcrnden Pressen. Au» gelber Sanderde kommt dos schwarze Gold! Biel- KUometer weit sühren die dampfen- den Maschinen die kostbare Kohle nach der Bahnstrecke oder in hoch- und Seiloahnen nach den Fabriken. Tag und Nacht rottern und schwingen die Räder. Tag und Nacht rollen die Züge, donnern die Prefien. leuchten die Lichter des zwanziggleifigen Bahnhofs und die Lampen des dreißigsenstrigen Krankenhauses. Bis an die kleinen Dörfer haben sich die schwarzen Gruben herangefressen. Auf einer gelinden Hochfläche liegt da» Dorf Rauno. Bergleute wohnen dort. Ihr« Häuser gehören zum größten Teil den Srubenherrcn. Unter dem Dorf liegt Kohle, liegt das schwarze Gold. Kohle ist kostbarer als menschliche Sentimentalität, die von Heimaterde träumt. Das ganze Land des Dorfes gehört verschiedenen Werken. Ein ganzes Flurgebiet von 790 Hektar. Weg damit! Kohle, Kohl«. Kohle, das schwarze Gold! Auch die schwarze Erde unter dem gelben Sand gehört den Werken. Nun werden die sicbzehnhundert Menschen des Dorfes verpflanzt, wie man Bäum« und Sträucher verpflanzt. Sie werden in andere Dörfer eingemietet. Kohle ist wertvoller als jede Heimat. Was ist der Mensch? Ein Tier mit.,wei Händen, dos jeden Tag zwölf Stunden schuften muß. Der Kumpel, mit dem ich durch das Gebiet wanderte, arbeitete feit lb88 in der Grube. Er kennt sich also aus. Er ist natürlich „bergsertig". Bergfcrtig heißen auch die Leute, die der Berg fertig gemocht hat. Fertig für die andere Grube, die kleine, gelbe, kohlenlose. „Was willst du, sagte der alte Bergmann, als ich mich über die Derpilanwng eines ganzen Dorf-s entsetzte.»Was willst du: bier ist ein Wert, das hat vor einiger Zeit auf eigene Kosten an der Dahnstrecke«in Weichenhaus versetzen lassen, um einen schmalen Streifen Kohle an der Bahn abbauen zu können. Das Geschäft muß doch nicht so schlecht gehen, wie dte Herren bei Derhandwngen immer behm vien. �.�iger lohnt sich'» immer." sagte ich. »hobt ihr niemalz den Achtstundentag aehabt?" Bis drciundzwanzig, sagte der Alte.»Do haben wir einen Streik verloren und damit auch die alte Arbeitszeit. Da haben uns die Herren vor die Hunde aeschickt. Du siehst ja." fügte er verbittert Hinz» und zeigte nach den Gruben und ausgeworfenen Halden.„Die Leute machen aus schwarzem Dreck Gelb und Gold. Warum sollten die aus unserer Not nickt reich werden..... Ja. die Grubenbarone machen aus i-dem Dreck Geld und Gold. Daß die Wobnunoen zum großen Teil den Werken gehören. Hobe ich schon geschrieben. Aus meinen Wanderungen habe ich dort unten entsetzliche Löcher gesehen verdreckt und voller Ungeziefer, ,n denen die Bergleute Hausen. Inmitten von Koblenstanb dem Lärm der Werke und rei-losen Kulilstn der, ammervollen Landschaft stehen an weglosen Straßen steinernde Kaninchenstall«, in denen Menschen wohnen. Wimmelnde Kinder wie überall, wo arme Leute leben, der Nachwuchs, das neue Ausbeutunqsmatena. Lächerliche An. deutnngen von kleinen Gärten, in denen neben verkümmertem Gem~'sc nichts als die krankhafte Sommersehnsucht etniger Blumen gedeiht. Aber die Werke geben sich auch sozial und bauen für die ledigen Arbeiter große Baracken, lanoaestreckte Holzbauten mit � kahlen Zimmern, in denen wie in der Kaserne vier Holzpritschen uberein- ander stehen. Dann sind noch ein Tisch, ein Schrank und vier Schemel in jedem Raum. Die Wochenmiete beträgt sünsundachtzig Pfennige. So«in Zimmer bringt also jede Woche, die Unkosten abge- rechnet, von vier Leuten drei Mark Miete. Im Jahr sind das immerhin einhundertfünfzig Mark. Nun gibt es Baracken, die zwanzig Zimmer haben. Zwanzigmal hundertfünfzia sind drei- tausend! Eine Wohnbaracke mit zwanzig Zimmern bringt einem Werk jedes Jahr an Miete dreitausend Mark ein! Der Durchschnittslohn der Bergleute in diesem Revier betrögt mit ollen Zuschlägen im Durchschnitt jeden Tag fünf Mark, manch- mal auch einige Pfennige mehr. Die Arbeitszeit geht von morgens sechs Uhr bis abends sechs Uhr am Tag und die gleiche Zeit in der Nacht. Nachtschicht oder Tagschicht, der Lohn ist derselbe. Zehn und«ls Stunden werden bezahlt. Nun gibt es aber auch viele Arbester, die pausenlos tätig sein müfsen. In einer Brikettfabrik, Stoßseufzer eines Abgewerteten. .Ein Hohenzoller mühte man gewesen sein und au». gerlsten nach dem Kriege, dann brauchte man hier nicht zu frieren.. die ich besuchte, sind es in jeder Schicht dreizehn Mann, die Leute an den Pressen, an den Pumpen, an den Kesseln, an den Oesen und Maschinen. Auch sie bekommen nur elf Stunden verrechnet. Jeden Tag stiehlt das Wert den Arbeitern jcchsundzwanzig Stunden. Sechstausend Arbeitsstunden im Jahr! Rechnet den Extraprofit selbst ausl liebet das Lraunkohlengebiet müßte«in besonderer Roman geschrieben werden. Mein Bericht kann die Dinge nur streifen. Es müßte aufgedeckt werden der grandiose Betrug des Prämiensystems, der Schwindel der Werkkonsumvereine, das System der Arbeiter- bespitzelung und Arbeiterspaltung durch gelbe Wertgemeinschaflen, die beinahe bedingungslose Unterstützung des Stahlhelme und de» Wer- wolfs: der Braunkohlenroman müßte„Der Sumpf" heißen und wenn auch darin von der einen Sumpfzypresse im Stadtpart von Senften- berg die Rede wäre, st, könnte nur als nettes Aierbäumchen inmitten undurchdringlicher Schlammwälder vermerkt werden. Bon den fünfundzwanzigtausend Bergleuten sind über die Hälfte im deutschen Bergarbeiteroerband organisiert. Nach den letzten schrecklichen Jahren der Inflation festigt sich wiederum die Organi- jation. An einem Abend erlebte ich auch eine Versammlung der Ler- trauensleute aus den Gruben und Fabriken Jede Stunde für die Bewegung zähst doppelt und dreifach. Sie ist dem Schlaf und der Familie gestohlen. Da saßen sie nun, die tohlebestaubten Männer und berieten sich. Bis spät in die Nacht. In wenig Stunden würden die verfluchten Sirenen schreien. Jetzt aber ries eine andere Stimme: die des Sozialismus. Alle hörten und waren bereit. Alle nmßten: einmal wird das schwarze Gold unter der Erde nicht mehr für die hericn Quelle ewiger Prosite und für die Arbeiter Quelle ewiger Nöte sein. Alle wußten' schreit und pfeift, Sirenen, die Sehnsucht des Arbeitervolkes nach Erlösung und befreiter Erde könnt ihr nimmermehr überbrüllenl Durch eine Reihe von praktischen Experimenten führt jetzt Cout den Nachweis, daß im Widerstreit zwischen Wollen und Ein- bildungskrast immer die Einbildungskrast Sieger bleibt Er läßt z L. eine anwesende Person die Hände fest verschränken, sagt dann zu ihr:„Denken Sie jetzt: Sie wollen die Hände öffnen, aber Sie können nicht", und weist an diesem und ähnlichen Experimenten nach, daß die eingebildete Vorstellung des Nrcht-Könnens stärker war als der Wille, die Hände aufzulösen. Nachdem er durch solche Versuche den Anwesenden eine Vor- stellung von der Macht der Einbildungskraft verschafft hat, wendet sich Couä den einzelnen Krankheitsfällen zu. Da ist z. B. eine Dame eingetroffen die so gut wie nicht mehr hört. Couö spricht mit ihr, macht ihr klar, daß es Fäll« gibt, wo der Mensch(der viel- leicht früher einmal ohrenleidend war) aus der bloßen hemmungs- Vorstellung heraus, nicht mehr hören zu können, wirklich die Fähig- keit des Gehörs verloren hat. Dann ruft er ihr laut ins Ohr:„Sie hören jetzt!"— und man erlebt staunend, daß die Angesprochene immer noch hört, selbst als Coue sich drei, dann sieben Meter em- fern« von ihrem Ohr aufstellt. Ich war Zeuge, als Eouö eine Bäuerin vorgeführt wurde, die behauptete, nicht mehr die Füße brauchen zu können. Couö stellte sie vor sich auf. machte mit ihr suggestive Bewegungen und brachte sie dann soweit, daß sie ihm durch den Saal nachlies. Ich war nüt wachsendem Interesse Zeug« einer Reihe von Sitzungen in Eoues Halle in Nancy und es verging kaum«in Tag, an dem ich nicht ein Erlebnis von hellend suggestiver Einwirkung mit meinen eigenen Augen geschaut hatte. Couö verwahrt sich ausdrücklich dagegen, ein„Heilkünstler" zu sein, der alle Krankheiten zu heilen imstande sei. Er behauptet nichts weiter, als daß«in großer Prozentsatz aller Krankheiten aus seelischen Hemmungsvorstellungen beruhe und daß es sehr oft gelingt, diese Art von Erkrankungen durch positive Gegenvorstellungen zu heilen. Als Resustat seiner jahrzehntelangen Bemühungen gibt Couö eine Formel der seelischen Selbstbeeinflussung an, die vor dem Ein- schlafen und beim Erwachen litaneiähnlich ungefähr zwanzigmal zn sprechen ist und die gerade durch die rhythmische Eintönigkeit dieses Absagens ihre heilenden Wirkungen auf das Unbewußte im Menschen nicht verfehl«. Di« von Eouö bestimmte Formel lautet:„Mit jedem Tag« geht es mir in jede-' Beziehung besser und besser."— Diese Sormel und ihre nähere Umschreibung ist es auch, die Cous am chlusie einer jeden Sitzung noch einmal von seinen Zuhörern, die ihm mst geschlosienen Augen zuhören, wiederholt. Es ist mir oft begegnet, daß Menschen, denen ich von Eoues praktischer Arbeit in Nancy erzähste, mir sofort die Frage vorlegten. was denn da an dieser Tätigkeit und diesen Gedanken Emile Eoues Neues sei! Ich habe ihnen dann ungefähr so geantwortet: Di« Autosuggestion und die Formen ihrer Anwendung sind seit den ästesten Zeiten der Erde tief im Wissen der Menschheit beschlossen gewesen: jede» primitive Naturvolk übt sie heute noch in seineu Riten und seinen scheinbar sinnlosen Zauberbräucheu. Das Neue. das Besondere an Eouös geistiger und menschlicher Leistung ist seine exakte Darstellung des Konflikts zwischen Wollen und Einbildung:- krast, ist die durch ihn gewonnene Erkenntnis der absoluten Priorität der Einbildungskrast über die Macht des Willens.— Uns«:« seelische Bildung ist bisher allzu sehr auf die Formung„die Er- tüchtigung" der Kräfte des Willens gerichtet gewesen. Im Gegensatz hierzu fordert Eouö eine schon im frühen Kindesalter einsetzende verstehende Führung der besonderen schwer zu ergreifenden seeli- schen Fähigkeit der Einbildungskrast. Die besondere menschlich- Leistung von Couös Lebenswerk M feine Fähigkeit, etne Gemernde zu bilden. Coui empfängt keine privaten Patienten: seiner Persönlichkeit gelingt es, binnen weniKr Minuten die in seiner Halle wartend versammelten Patienten Zu einer seelischen Gemeinde zu vereinigen, die von einem Der- trauen, einer Gläubigkeit getragen wird. Ich möchte nicht schließen, ohne zu bemerken, daß der Zutrill zu den Sitzungen Couös auf dem Prinzip der Unentgeltlichkeit am- gebaut ist und daß kein Monat vergeht, an dem nicht auch einige Deutsch« in der reinen und menschlicheil Sphäre dieses Mannes Ihre Heilung finden. �_ Vo der Elch haust. Als letztes lebendes Denkmyl von der Urkrast des deutschen Waldes aus grauer Vorzeit lebt der Elch noch in dem ostpreußischcn Jbenhorft-Revier. da, wo sich die Mündungsarme des deutschen Memelstromes mst dem Kurischen Haff vermählen.„Majestätisch trägt dieser Riese das gewallige Haupt, das bei dem männlichen Tiere mit mächtigen vielendigsn Schaufeln gekrönt ist," schreibt Walter Kuhrk« in den„Ostdeutschen Monatsheften".„Ein krästiger Bart schmückt den Hals und gibt dem Elch ein würdiges Aue- sehen. Schwarzbraun wie die Moorerde ist sein Gewand und auf starken Hufen, die in der Jägersprache Schalen genannt werden, :> Ein Sesucb bei Emile Eouö. Don Dr. E. G ü r st« r. In einem kleinen Gortensaal im südlichen Teil der Stadt Nancy") häst Emile C o u£, dessen methodische Darstellung des Gesetzes der Autosugoestion heute in allen europäischen Ländern Eingang gesunden hat, jeden Vormittag seine Sitzungen ab. In diesen Vormittagsstunden, die der praktischen Darstellung seiner Erkenntnisse über die A u t o s u g g e st i o n gewidmet sind, läßt Eouö durch die zwingende Gewrli seiner liebenswürdigen, bezwingend einfachen Persönlichkeit alles das lebendige Wirklichkeit werden, was er oder andere in Büchern und Schriften über die Gewall suggestive: Beeinflussung ausgesagt haben. Längst bevor Eoue die kleine Halle betritt, haben sich dort seelisch und körpe-lich Leidende aus allen Ländern Europas in aroßer Anzahl versammelt. Eouö fragt die Neuonkommcnden noch dem Zweck ihres Kommens und gibt dann immer wieder eine kurze. schlagende Darstellung der Autosuggestion. Die Macht der Auto- siiggesnon. so führt er aus. beruht auf der Grundtatsache, daß in unseren Gedanken ein Wirklichkeitselement steckt, das zur Aus- Wirkung drängt.„Nicht der Wille ist der Antrieb unseres Handelns, sondern die Einbildlingskrafl." Di« Einbisdungekrost also gilt es im Sinne der gewünschten seelischen oder körperlichen Ziele zu lenken. ") Don Nancy nahm auch eigentlich die Psychoanalyse ihren Weg. indem hier Liöbault und Bernheim lehrten: bei dem letzteren war Freud kurze Zell tätig.(Die Redaktion.) ruhen die mächtigen weiß geschmückten Läuse. Wohl als einziges unter den übrigen Hirschanen zeigt das Elchkalb schon in k-ül�sser Jugend«in einfarbiges Kleid, geziert durch den Aalstrich, der jedoch mit der ersten Behaarung für immer abgelegt wird. Gar häufig ist schon das erste Geweih als«ech-?«>> n'-ws: bildet, um sich dann nach Abwurf zu jenen herrlichen Schaufeln zu entwickeln. Vergeblich wird der Naturfreund im Frühsommer trotz peinigender Mückenschwärme die Ibenhorster Forst durch- streifen: er wird trotz eifrigsten Suchens selten da? königliche Wild entdecken, das sich in dieser Zeit im Erlenbusch versteckt hält. Wenn aber im Herbst die Nebel aus den feuchten Wiesen brauen, wenn die Heidebauern an ihren offenen Lagerfeuern dort ihr karges Abendessen kochen, dann verläßt der Elch den sumpfigen Erlen- wald und furchtlos, in Rudeln zu drei und vier, überwindet er dank seiner großen Schalen das sumpfige Ufer des Flusses, um dann als geübter Schwimmer den Wiesen des anderen Users zu- zustreben. Es gibt wobl kaum ein herrlicheres Bild, als wenn dieser Riese in seiner würdigen Art aus dem Wasser steigt, den gewaltigen Leib nach dem kühlen Bade kraftvoll schüttelt und langsamen Schrittes durch den Nebel schreitet." Im September geht der Elchhirsch auf die Freite, und dann finden wilde Kämpf« zwischen den jungen Hirschen und den grimmigen ollen Gablern statt, wobei der junge Hirsch des öfteren dem unerbittlichen älteren Nebenbuhler erllegt. Auf diese Weise gehen manche Hirsche zugrunde: auch stellen ihnen im Winter hei Glatteis die Wilddieb« auf schnellen Schlittschuhen nach, um sie geräuschlos mit ihren Spießen zu ermorden und auf kleinen Schtisten fortzusckafsen. Andere Feinde dieses Wildes sind die Rachenbremle und der Milzbrand. So kam es, daß der oft- preußische Elcbbestand, der zur Zeit Kants noch die Wälder um Königsberg füllte. 1848 durch planloses Morden aus 11 Tiere zu- sammengeschrumpft war. Dank der liebevollen Pflege ost- preußischer Waidmönner ist das sestenc Wild heute wie. er auf etwa 800 Stück angewachsen und in 10 Landkreisen der Regie- rungsbezirk« Königsberg und Gumbinnen anzutreffen, wenngleich starke Hirsche freilich immer sestener werden. Sowsetrusslsche Vestimmongen über Familiennamen. Das Mos- kauer Justizkommissariat und das Kommissariat des Innern haben ein« Erklärung über die Familiennamen erlassen. Die Eintragung neugeborener Kinder aus gesetzlich registrierten Eben in die Standes- regifter erfolgt in der Weile, daß das Kind den Familiennamen des Daters erhält, wenn die Eheleute sich zur Führung eines gemein- samen Familiennamens verständigt haben. Wenn ober die Frau auch nach der Eheschließung ihren Mädchennamen weiterführt, h- erhält das Kind den Familiennamen des Vaters oder der nach Vereinbarung der Ellern. GROSSER WEIHNACHTS bumbul Für den Wintersport: Grosses Lager in: Eschenskier Marke, Hammer" aus bestem Eschenholz 18022001002350 2002450 ст 1026752029252803150 Spannvorrichtung.... 150 Huitfeld- Bindung.... 600 Skimützen blau Tuch... 375 Skimützen blanGabardine 450 Skimützen Zeltbahnstoff 250 Skisocken mentalt. Wolle, 375 Sämtliche von uns gekauften Skier werden fachmännisch in eigener Werkstatt montiert. 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