Nr. 148. Erscheint täglich außer Montag«. Preis pränumerando: Viertel- jährlich s,3o Marl, monatlich 1,10 Ml,, wöchentlich 28 Pfg. frei tn'S Haus. Einzelne Nunimer 8 Pfg. Tonntags- Nummer mit tliustr. Sonntags-Beilage„Neue Welt" 10 Pfg. Post-Abonnement: S.ZOMl. proQuartal. Unter Kreuzband: Teutschland u. Oesterreich- Ungarn 2 Ml., für das übrige Ausland sMk.pr.Monal. Eingetr. in der Post-geitung«- Preisliste für 189- unter Nr. 7128. IS. Jahrg. JnfertionS-Debühr beträgt für die fünfgespaltene Petilzetle oder deren Manm 40 Pfg., für Vereins- und Versammtungs- Anzeigen 20 Pfg. Inserate sür die nächste Nuinmer müssen bis 4 Uhr Nachmittags in der Erpeditto» abgegeben werde». Tie Exped.iio» ist an Wochen- tage» b.s 7 Uhr Abend«, an Sonn- und Festlagen bis 9 Uhr Vor- inittaz« geöffnet. Lernsprecher: Amt 1, Jtv. 1508. Selegromm-Adresst! „zoiialdemostrat Kcril»!' Verliner Volksblatt. Zentralorgan der sozialdemokratischen Partei Deutschlands. Ziedliktton: LV. 19, Aeutb-Straße 2. SFpedition: 8U. 13, ZZeuty»Strntze 3. Eine Reise ins Innnngsiand. „Reisen sie oder reisen sie nichl?" so zählen die Jnnungs- fanaliker gespannt an ihren Knöpfen ab. Die Enlsendnng einiger Herren des Reichsamtes des Innern und des preußischen Handelsministeriums nach Oesterreich zum Zweck des Studiums der dortigen Handwerksorganisation*) hat nämlich keineswegs die Billigung der„Allg. Handw.-Zlg." gefunden, weil man darin den Be- weis dafür zu erblicken glaubt, daß„die wirklichen Zwecke dieser Maß- nahmen den Wünschen der Handwerker entgegengesetzt seien". Inzwischen ist die Absendung der Regierungskommissare that- sächlich sistirt worden— ob infolge der Gereiztheit, die in mittel- parteilichen Organen unverhüllt zum Ausdruck kommt, oder ob man erst die Resultate der vertraulichen Konferenz deutscher Jnnungs- verbände, die am 29. und 3». Juli stattfinden soll, abwarten will, ist genau nicht zu ermitteln, man aber wohl mit Recht vcrmuthe, daß die hochgehenden Wogen in Handwerkerkreisen, die durch die Versagung der Audienz beim Kaiser keineswegs beruhigt worden sind, nicht ohne Einfluß auf die Entschließungen der Regierungen geblieben find. Wer sich daran erinnert, daß auf Sandwerkertagen offen der Regierung gedroht wurde, die ehrsamen andwerksmeister würden in hellen Halfen zur Sozialdemokratie übergehen, wenn man nicht ihre Organisationsvorschläge akzeptire und wer da weiß, daß die verzweifelte Situation, in der sich das Hand- werk thatsächlich befindet, eine derartige Gewallaktion der Hand- werksnieister sehr wohl auslösen könne, für den kann eS gar nicht zweifelhaft sein, daß die Regierung alles mögliche aufbielen wird, um die Handiverkerkreise nicht noch mehr zu reizen und aufzubringen, als sie es schon sind. Die oe deutschen Innungen haben in der That sehr triftige Gründe,«ine Studienreise in das Mnsterland der Innungen zu verhindern, denn wenigstens instinktiv ahnen sie es, wenn sie es auch nicht aus der reichen national-ökonomischen Literatur wissen, daß ihre Bestrebungen, die sich auf Zwangsinnung und Befähigungsnachweis richten, nicht gewinnen können, wenn sie aus der bengalischen Beleuchluug der Phrase herausgerückt und vor das Licht der Thalsachen gestellt werden. Wir selbst sind aber ebenfalls nicht der Ansicht, daß>die Studienreise einen nennenswerlhen Zweck hat. Abgesehen von den paar tausend Mark Kosten, die das Reich vielleicht noch zu tragen im stände ist. erscheint die geplante Studienreise schon um deswillen überflüssig, weil die Erfahrungen, die auf einer solchen Studienreise gesammelt werden können, viel leichter, be- qnemer... und vielleicht auch den Thalsachen entsprechender erlangt werden können, wenn sich die Kommissare gelegentlich einmal in die Bibliothek des Handelsministeriums verfügen und das dort angehäufte literarische Material in Augenschein nehmen. An dem Schlußurtheil über die Berechtigung von Zwangs- innungen und Befähigungsnachweis kann sicher die geplante Reise nichts mehr ändern, denn sie dürfte kaum im stände sein, noch neues und beweiskräftigeres Material zusammenzutragen, als es in der einschlägigen Literatur bereits vorhanden ist. Schon 1853, als die Gewerbefreiheit in Preußen noch mit einem Schein von Berechtigung bekämpft werden konnte, weil die große Industrie noch in ihren Kinder. schuhen steckte, führte in der„Deutschen Vierteljahres- schrift" ein Anonymus die Forderung des Besähigungs- Nachweises nicht auf das Bestreben zurück, das Publikum vor *) Vergl.„Vorwärts" Nr. 131 vom 8. Juni 1893. Feuillekoir. lNachdruit virbotin. j Kerlwer Märztage. Eine geschichtliche Erzählung von Michel Deutsch. 49 Und dennoch, man mußte ihm nachgeben, wollte man nicht aus einem brauchbaren Kumpan sich einen bitterbösen Feind machen. Immer rascher fchienen die Dinge einer Entscheidung zuzudrängen. Aus Wien war die Nachricht von dem Sturze Metternich's gekommen, dieses gewaltigen Schirmhcrrn der heiligen Allianz, unter deren Druck die Völker dreiunddreißig Jahre lang gestöhnt hatten. Wenn das in Wien gefchah— worauf mußte man sich dann in Berlin gesaßt machen? Verflogen war plötzlich alle Hoffnung auf den großen deutschen Fürstenkongreß, der eine zeitlang geplant worden war, und der den gelreuen Unterlhanen die Segnungen der Freiheit tropscnweise, in homöopathischer Verdünnung, darreichen sollte. Man war jetzt im lieben Vaterlande auf sich selbst angewiefen und mußte zu- sehen, wie man im eigenen Hause niit den Geistern, die man gerufen hatte, fertig wurde. Und so ward denn der große Sprung ins Dunkle beschlossen: ein beschriebenes Blatt Papier, eine Verfassung, sollte„zwifchen den Herrgott im Himmel und das preußische Land" treten. Kaum ein Jahr vorher hatte der König, von seinem Gottcsgnadenthum tiesinnerlich durchdrungen, aufs feier- lichste versichert, daß er„nun und. nimmermehr an stelle der alten heiligen Treue Idiescs Blatt Papier setzen lassen werde." Und nun schien dieses selbe Blatt Papier das letzte verzweifelte Mittel, um die Sache desselben Königs vor dem Zorne eines tief verletzten Volkes zu retten. So hatte denn der gute Bär sie glücklich ertanzt, seine Preß-, Rauch- und Betsreiheit, und Heller Jubel herrschte Schädigung durch unbefähigte Handwerker zu schützen, sondern nur auf die Versuche, eine unbequeme Konkurrenz zu beseitigen. Die Verhältnisse liegen heute noch kein Haar anders, nur daß das Streben der Zunftbrüder noch weit grotesker erscheint, wenn sie Schutz vor Pfuschern verlangen, wo nicht die Pfuscher, sondern die große Industrie ihnen den Boden streitig macht. Sehr treffend führt deshalb Mayer") aus, daß die Einführung des BesähigungSnachweiscs im Grunde eine Rückkehr zu den alten Zuufteiurichtungen bedeute, welche von der thatsächlichen wirthschastlichen Entwickelung über- holt ist.„Da die Prüfungen in die Hände der Innungen oder solcher Konmrissionen, welche von den Gewerbetreibenden selbst gewählt werden, also von Konkurrenten gelegt werden sollen, so besteht die Gefahr, daß alle Mißbränche des Zunftwesens sich wieder einschleichen....."„Mit der Einführung des Be- fähigungs- Nachweises wird eine genaue Abgrenzung der einzelnen Gewerbe von einander erforderlich. Tie unvermeidliche Folge davon ist die Entstehung zahlreicher Kompelenzstreitigkeilc» unter denselben, wie solche namentlich in Oesterreich hervor- getreten sind." In der That ist nichts geeigneter die reaktionäre Forderung der„Mittelparteiler" ad absurdum zu führen, als gerade die praktischen Erfahrungen in Oesterreich. Die Schlosser und Uhr- mach er liegen sich gegenseitig in den Haaren in der Frage des — Ausziehens einer Uhr. Hat der Schlosser, der eine Thurmuhr aufzog, einen Eingriff in die gewerblichen Rechte des Uhrmachers gethan? Also fragte die Bezirkshauplmannschast Kronneuburg, woselbst ein Schlosser sich angemaßt hatte, die Thurmuhr aufzuziehen. Die Handels- und Gewcrbckammer giebt ihr Gutachten in verneinendem Sinne ab.— Ist ein Gemischt- waarenvcrschleißer berechtigt Gummisauger zu verkaufen? Die Gcwerbebebörde sagt ja! Darf der Zuckerbäcker Spritzlüllen und blecherne Düten verkaufen, oder ist das vielleicht ein separates handwerksmäßiges Gewerbe? Antwort: Jawohl! Das gehört in die Sphäre des Spengler-(Klempner-) Gewerbes und bedarf also eines Befähigungnachweises.„Da wollte sich, wie die„Magdrb. Ztg." berichtet, eine ganz neue ge- werbliche Genossenschaft konstituiren, welche die„Montirung, Reparatur und Ausfertigung von Apparaten sür Kellerwirth- fchaft" als Beschäftigung angab. Dagegen erhoben Monteure, Schlosser und einige andere Gewerbe, welche solche Tinge er- zeugen, Einspruch, und die Behörde entschied auch,„daß es nicht angehe, eine ganz unbestimmbare Anzahl von Gewerben durch die Wahl einer Kollektivbezeichnung in einer Gcwerbeanmeldung zu- sammenzufassen." Ferner wurde entschieden, daß Maurer keine Thon- und Kachelöfen aufstellen dürfen(denn nur Hafner dürfen dies!), daß der Schlosser keine Telephonapparate repariren darf(das muß er hübsch dem Monteur überlassen), und daß der Graveur, wenn Monogramme aus Buchbeschlage kommen sollen, dem Goldschmied nicht ins Handwerk pfuschen dürfe!" Außer einem verbohrten Jnnnngsmeister dürfte es wohl nie- wanden geben, der behauptet, daß durch derartige kindische Streitig- leiten das Handwerk gehoben und dem Fabrikbetriebe konkurrenzfähig gemacht werden könnte. Das gerade Gegentheil findet statt und zu der kläglichen Einseitigkeil in den manuellen Fertigkeiten, wodurch die Waaren selbst natürlich ungeheuer vcrtheuert werden, tritt noch die wirthschaftliche Schädigung derjenigen, die von einem Gewerbe zum anderen übergehen wollen, um sich dort eine *) Der Befähigungsnachweis in Oesterreich. Leipzig. Dnncker u. Humblot. 1895. in seinem Lager. Aus eigenem Antrieb, ohne Revolution hatte der König diese köstlichen Dinge gewährt. Am 17. bereits waQ das gedruckte Wort freigegeben worden, und am Morgen des 18. erschien das Patent, das die„be- schleunigte Einberufung des Vereinigten Landtags" an- ordnete— jenes Landtags, welcher die„Regeneration Teutschlands", das Werk der Wiedergeburt, in die Hand nehmen sollte. Auch die Minister und Zeichendeuter der alten Aera sollten abdanken und durch neue ersetzt werden. Und ganz persönlich hatte der König einer Deputation der Stadt Köln, die den Abfall der Rhcinlande in drohende Llussicht gestellt hatte, noch versichert, er werde „sich selbst an die Spitze der Bewegung Deutschlands stellen und im Innern die nöthigen Freiheiten gewähren". Wie jauchzten sie alle, die besonnenen Männer der Partei Ohrwurm, als diese schönen Versprechungen an ihr Ohr klangen und ihnen die Gewißheit wurde, daß sie nun wieder ihre Revenüen und Renten, ihre Dividenden und Gehälter in Ruhe und Frieden genießen und dazu noch ihrer frisch erkämpften Freiheiten sich erfreuen sollten— ohne Angst und Zittern vor den unheimlichen Gestalten mit den abgezehrten, ausgehungerten Gesichtern, die da in den letzten Tagen zu Tausenden und Zehntausendcn in den Straßen der bürgerlichen Viertel aufgetaucht waren. „Ans Opportunitälsrücksichten" hatten sie in ihrer un- widerruflich letzten Adresse, die am Sonnabend Mittag dem König durch eine Riesendeputation von mehreren tausend Stabträgern überreicht werden sollte, jenen kitzligen Punkt weggelassen, der die„Berücksichtigung der arbeitenden Klassen" verlangt hatte. Konnten sich schließ- lich diese„arbeilenden Klaffen" nicht auch genügen lassen an der herrlichen Preßfreiheit, die man sür sie erkämpft hatte? Nun dursten sie ja ihren Hunger beschreiben und besingen, so viel sie wollten— was verlangten sie weiter? Und so schien denn kein Schatten das Glück dieser ehrenwerthen„Freiheitshelden" zu trüben, und in Heller sicherere Eristenz zu schaffen. Zu welchen Mitteln in einem solchen Falle gegriffen wird, dafür bringt Stieda") ein klassisches Beispiel herbei, das man ausführlich reproduziren muß, um die Lächerlichkeit, die Beschränktheit und Rückständigkeit der zünst- lerischen Forderungen in ihrer ganzen Glorie zu zeigen.„Der Stanspigliensabrikaiit Tinlner betrieb eine Buchdruckerei unter der Konzession Popper. Tintner veranßte darauf Popper, die Druckerei auf den bei ihm beschäftigten Gehilfen Neckermann zu übertragen. Die Firma heißt also nunmehr Neckermann, und Tintner wird, damit er den Befähigungsnachweis erbringen kann, in seinem eigenen Geschäst, das jetzt auf einen anderen Namen lautet, Lehrling. Neckermann, der eigentlich der Arbeiter ist, bildet mithin gleichzeitig seinen Brotherrn, der der Gewerks- inhaber ist, als Lehrling aus, oder vielmehr er bildet ihn nicht aus, sondern giebt ihm nach einiger Zeit das erforderliche Zeugniß, daß er das Gewerbe erlernt hat."— In anderen Fällen„meldet der Gewerbeinhaber ein„Fabrikgeschäft" an und beschäftigt ursprünglich 20 Arbeiter und läßt dann nach und nach ihre Zahl ans 5—6 einschmelzen." Aber der Befähigungsnachweis ist trotz solcher Absurditäten gerettet! Daß die Schwierigkeit infolge des Befähigungsnachweises von einem Handwerke zum anderen überzugehen den Handwerker» alles eher als einen goldenen Boden schafft, das zeigt Stieda drastisch an der Wiener Perlmutterindustrie. Als eine Krisis ausbrach, wurden 3—4000 Arbeiter in anderen Industriezweigen untergebracht, was nach heutigem Gesetz nicht niehr möglich wäre. Um das Prinzip zu retten, opfern vielmehr die Fanatiker des Zunftwesens in aller Seelenruhe tausende von Arbeiter und Handwerker-Existeuzen! Die große Industrie hat spontan alle beengenden Feffcln der Zunftorganisation gesprengt, und das war einer der dedeut» samsten kulturellen Fortschritte, die die kapitalistische Produklions- weise gezeitigt halte, denn nur durch die große Industrie wurde es möglich, die kulturellen Errungenschaften auch der breiten Masse des Volkes zugänglich zu machen. Das Lehrerniveau wird sofort wieder herabgeschraubt, wenn dem Gewerbe zu gunsten der konkurrenzunfähigen Handwerker auch nur die ge- ringstcn Fesseln angelegt werden. Durch den Besähigungs- Nachweis, durch Zwangsorganisationen soll geradezu dein un- rationellsten, unwirthschafllickstcn, in Unproduklivität stagnirenden Zwergbetriebe Vorschub geleistet werden. Wenn man Tapezirern und Sattlern weigert— wie es nach Stieda die Handels- kamniern in Budweis und Eger gethan haben— die Eisen- und Holzbestandlheile ihrer Arbeit unter Zuhilfenahme von Schmiede- und Wagnergehilfen herstellen zu lassen—, wenn ein Eisen- Händler vom Vergolder belangt wird, weil er die vergoldeten Grabkreuze nicht von ihm hatte zurecht machen lassen,— wenn Sattler und Tapeziere sich gegen» seitig die Polsterungsarbeiten an Möbeln und Tivans streitig machen,— wenn es für Handschuhmacher und Schneider erst einer ministeriellen Entscheidung bedarf, daß sie beide berechtigt sein,„Hosen mit welch' immer Rath" anzufertigen,— wenn es ') Stieda, Der Befähigungsnachweis; in Schmoller's Jahrbuch für Gesetzgebung ec. 1895, Heft I und II, auch separat erschienen bei Duncker u. Humblot. Der gründliche Kenner des Handwerkes bringt hier ein ungemein reiches, kritisch gesichtetes Material herbei, um das Utopische der Handwerker- Forderungen in seiner ganzen Nacktheit zu enthüllen. Wonne umarmten sie sich auf offener Straße, weinten Freudenthränen, verabredeten Festessen, Illuminationen und andere herrliche Sachen. Tie Demonstration der Stabträger, ivelche dem König alle jene Zugeständnisse abtrotzen sollte, die er nun von selbst gewährt hatte, war vollkommen zwecklos geworden. Da aber die tauscnde und abertansende von ehrenwerthen Bürgern, die man anfgcboten hatte, doch einmal nach dem Schloßplatze unterwegs waren, so sollte es eine Demonstration des Dankes werden, den ein treu ergebenes Volk seinem gnädigen König und Herrn darbrachte. Zwar waren da ein paar Kleinigkeiten, über die man sich noch nicht recht klar geworden: wie würde es zum Bei- spiel mit der verlangten Bürgerbewaffnnng und mit der Zurückziehung des Militärs gehalten werden? Aber ein paar ganz besonders Besonnene, mit denen der König selbst gesprochen hatte, wußten die Bedenklichen zu beschwichtigen, indem sie erklärten, daß auch für diese Forderungen„die günstigsten Anzeichen baldiger Gewährung vorhanden seien- So war denn alles wunderbar schön und rechtzeitig erledigt — so rechtzeitig, daß, wie eine ehrcnwerthe Krämerseele in einer Bürgerversammlung hervorhob, für den in der nächsten Woche auf dem Schloßplatz st a t t« findenden Jahrmarkte keine Störungen zu befürchten wäre n." Es war der Siegestag der Bourgeoisie, dieser stille Freitag, der den vorausgegangenen Tagen des Sturmes gefolgt war. Er gehörte ihr voll und unbestritten, samntt dem Sonnabend Vormittag, der die ersten Konzessionen des Königs gebracht hatte. Das Volk von Berlin, das schlichte Volk im Arbeitskittel, nahm nicht theil an diesem Freuden- taumel des Bürgerthnms. Die hübschen, glitzernden„Frei- heilen", welche die Bourgeoisie im Munde führte, konnten seinen natürlichen Instinkt nicht irreführen. Es wollte vor allem Genugthuung für das Unrecht, das ihm widerfahren. Es forderte nichts als sein Recht— das angeborene Recht, zweifelhaft wird, ob ein Weißgerber durch das Putzen einer Leder- Hose eineUebcrschreituug seiner Gewerbebefugnisse sich zuschulden kommen läßt— so bringt die Abgrenzung der Gewerbe- befugnisse für den Handwerker selbst die unleidlichsten Zustände hervor, die nicht mehr blos lächerlich sind, die die Tragödie des Handwerkcrelendes zur bilterstcn Satire werden lassen. Ter Rettnngsgürtel, mit dem sich der Handwerker aus der Misere seines gegenwärtigen Elendes heraus retten wollte, wird zum Bleiklotz, das ihn unwiderstehlich in die Tiefe zieht. Die Verlangsamung in der Herstellung bringt eine Vertheuerung der Maaren mit sich als Extrazuschlag zu den hoben Preisen, die ohnehin durch den handwerksmäßigen Betrieb be dingt werden, das aber bedeutet nichts anderes als eine Einschränkung der Produktion bis auf die unterste Grenze hinab, eine Grenze, die sich progressiv nach unten noch weiter verschiebt. Aber das ist ja alles längst bekannt, und wir sagen unseren Lesern gewiß uichrs Neues damit, aber die Handwerker wollen das inuner noch drei- bis viermal bescheinigt erhalten, ehe sie daran glauben. Wenn die Reise in das Jnnungsland das reiche Material noch häufen könnte, dann würde sie wenigstens den einen Zweck erreicht haben, endgiltig die„Erwägungen" in den Kreisen der Regierung zur Hebung des Handwerks aufhören zu lassen, um den Herren Zeit zu gewähren, sich mit aktuelleren und brennenderen sozialen Fragen zu beschäftigen. Volikifthe lUelicrl'icktk. Berlin, 27. Juni. Einen Sieg des öffentlichen Gerichtsverfahrens nannte vorgestern Herr Schönstedt den Prozeß Mellage. Solche Siegender Ocsfentlichkeit sind sehr selten in Preußen, wo die ständige Praxis herrscht, daß die Autorität der Behörden voni Reichskanzler bis zmn letzten Aktenhefter ans einer Polizeibehörde unter asten Umständen gewahrt werden sost, wo jede Rüge, jede Kritik einer Behörde mit der Anklage gegen den Kritiker nnd gegen sänimtliche dem Kritiker zur Seite stehende Zeugen beantwortet wird. Bor einiger Zeit berichtete die„Berg- und Hüttenarbeiter-Ztg." über eine Bergarbeiterversanimlung in Bankan, in der „ein langer Gendarm den Vorsitzenden des Verbandes deutscher Bergleute, Ludw. Schröder, zu Boden geworfen und, nachdem er sich halb erhoben habe, abermals nieder- gestoßen haben solle. Das Bergarbeiterblatt und auch unser verantwortlicher Redakteur wurden wegen dieses Berichts unter Anklage gestellr. In Essen begann am 11. d.M. der Prozeß gegen den verantwortlichen Redakteur der„Berg- nnd Hütten- arbeiter- Zeitung". Der Gendarm, der Schröder aus der Versammlung hinausgewiesen haben soll, bestritt die Richtigkeit der gegen ihn gerichteten Beschuldigungen Der überwachende Polizeikommissär erklärte, daß er den Vorgang hätte sehen können, aber nichts von dem, was in dem inkriminirten Artikel stand, gesehen habe. Die Zeugen Schröder, Joh. Meier nnd Graf bekundeten unter Eid, daß Schröder der Auf- forderung, den Saal zu verlosten, sofort nachgekommen sei. Der Geudarin folgte ihm ans dem Fuße. Schröder ver- langte aber an der Kasse sein Entree zurück. Ehe er noch eine Antwort bekommen konnte, ergriff ihn der Gendarm mit dem Worte„Raus!"(!) im Nacken und warf ihn nieder; er fiel und als er sich halb erhoben hatte, stieß ihn der Gendarm zun« zweiten Mal ineder. Ter Staatsanwalt hielt den in die Sache verwickelten Gendarmen Müntcr für durchaus glaubwürdig und be antragte, Schröder, Meier und Graf„wegen dringenden Verdachts des Meineids" zu verhaften. Ter Gerichtshof lehnte die Verhaftung ab. Heute meldet uns eine Depesche aus Dortmund: Meier, Schröder und Graf wurden heute in Esten unter dem Verdachte des Meineids auf Antrag der Staats anwaltschaft verhaftet. Damit dürfte die Ehre des Gendarmen Munter aufs gründlichste rehabilitirt sein.— Der Bnndesrnth stimmte in seiner heutigen Sitzung dem Entwürfe einer Verordnung wegen Abänderung der Verordnung vom 2ö. Mai IL94 über Erhebung eines Zollzuschlages für Maaren aus Spanien und den spanischen Kolonien zu, ebenso der Vorlage, betreffend die Einrichtung einer Secqnarantäne für ausländisches Vieh. Ten Ausschußnnträgen über die Vor- lagen vom IS. und 24. Juni d. I., betreffend den Ent- wurf der Bestimmungen zur Ausführung des Gesetzes vom 16. Juni 18SS wegen Abänderung des Branntweinsteuer- Gesetzes wurde zugestimmt. Das Gesetz, betreffend die Be- ijrafung deS Sklavcnraubcs und des Sklavenhandels wurde in zu sein, zu leben, zu athmen, das man ihm schnöde mit Füßen getreten. Nicht in gedankenloser, blinder Leidenschaft wollte es dieses Recht sich erstreiten, sondern mit klaren Sinnen, Kraft gegen Kraft, wie der Kämpfer in der Arena, der den halben Sieg dran giebt, wenn er sich hinreißen läßt vom Ungestüm der Empfindungen. Und die Leidenschaft des Volkes verrauchte, und seine Blicke schärften, seine Muskeln spannten sich in jenen sechs- nnddrcißig Stunden. Entrüstung, Ingrimm, Schmerz setzten sich in schweigende, abwartende, ausgestapelte Kraft um. So schlecht kannten die Gegner dieses preußische Volk, das da seit Jahrhunderten neben ihnen herlebte, daß sie nicht einmal wußten, wie wenig ehrlose Feigheit mit seinem Charakter vereinbar war. Immer noch glaubten fie es mit dem störrischen Esel zu thun zu haben, dem sie das Ausschlagen schon austreiben würden. Jrrthum und Täuschung war die Signatur dieser Tage: ein jeder suchte sich selbst nnd die andern zu belügen, so gut er konnte. Nur das Volk in seinem unverdorbenen, unmittelbaren Empfinden täuschte sich nicht und log nicht. Einmal zum Bewußtsein gelangt, ließ es sich die mit seinem Blut erkaufte Wahrheit nicht mehr entreißen— die Wahrheit, daß es aus sich selbst stand inmitlen eines Klassen- staates, in dem ein jeder nur seine eigenen, durch die Klassen- slellung bedingten Interessen verfolgte. Es wußte jetzt, daß es weder von dem feudalen Adel des Schwertes noch von dem modernen Adel des Kapitals, weder vom Junker noch vom Bourgeois auch nur das geringste zu erwarten halte. Noch lebte dieses Wissen erst als eine Art dunkler Ahnung in seiner Brust, aber diese Ahnung war doch bereits der Keim des befreienden Ge- dankens. Und dieses Volk hatte den Muth, scharf und nnzwei- dentig die Folgerungen zu ziehen, die sich ihm aus der neuen Edkenntniß ergaben. Nichts erwartend und ans alles ge- faßt, pilgerte es um die Mittagsstunde des achtzehnten hin nach dem Schloßplatz, um als stummer Zeuge dem Triumphe beizuwohnen, den die Bourgeoisie über die Partei der Feu- dalen errungen zn haben meinte. Schweigend hörte es den Jubel der jauchzenden Stab- der vom Reichstage beschlossenen Fastung angenommen und die dazu gehörige Resolution dem Reichskanzler überwiesen. Dem Entwurf eines Gesetzes, betreffend die Abänderung des Gesetzes über die Einführung einer einheitlichen Zeilbestimmung, wurde die Zustimmung ertheilt.— Bei der LandtagSersatztvahl in dem S. Wahlbezirke deI Regierungsbezirks Breslau(Frankenstein- Münstcrberg) wurde nach amtlicher Feststellung Pfarrer Langer in Bärwalde(Kreis Münsterberg(Zentrum) mit sämmtlichen abgegebenen 21S Stimmen gewählt.— Ter Eiuflust der Staatsanttrnltschaft in der preußischen Justiz wird in einem bemerkenswerthen Artikel in den„Preußischen Jahrbüchern" besprochen. Wir heben zunächst folgende Sätze hervor: „Indem nämlich Staalsanwälte in den Straf- senaten der höheren Gerichte(Oberlandesgerichte und Reichsgericht) sitzen und dort einen b e st i m ni e n d e n Einfluß auch auf die Landgerichte üben, wird hier die stZaatsanwaltliche Auffassung der Recht- sprechung von selbst gekräftigt. Natürlich finden die früheren Staatsanwälte auch einzelne' Richter vor, die dem Geiste der staatsanwaltlichen Auffassung zuneigen und mit ihnen an einen» Strange ziehen. Diese werden gekräftigt und die An- Hänger freierer Ausfassungen geschwächt. Zunächst geschieht dies dadurch, daß Entscheidungen, die in letzterem Sinne ergehen, aus Anfechtung der Staatsanwaltschaft in höherer Instanz ab- geändert werden; später dringt der Geist der höheren Instanz von vornherein in die zu treffenden Entscheidungen ein." „Das K a m m e r g e r i ch t ist für ganz Preußen der höchste Gerichtshof für Laudesstrasrccht(im Gegensatz zum Reichs-Stras- recht); als solcher entscheidet es für den ganzen Staat an stelle der provinziellen Obcr-Landesgerichle. In den übrigen Strafsachen ist es zwar nur das höchste Provinzialgcricht für Brandenburg und ins- besondere das endgiltige Beschwerdegericht, gleichwie die übrigen Ober-Landesgerichte für ihre Provinz. Seine Bedeutung ist aber auch hier eine erheblich größere als die der übrigen Ober- Landesgerichte, weil zu seinem Bezirk die Stadt Berlin, der Mittelpunkt des geistigen, wie des geschäftlichen Lebens des ganzen Reiches, gehört. Der Strafsenat des Kamniergerichts besteht aus einem Senatepräsidenten und fünf Kammergerichtsräthen; an jeder einzelnen Sitzung nehmen der Präsident und vier Räthe theil. Unter den sechs Mitgliedern, die der Senat demnach ini ganzen zählt, sind aber— wir legen die Geschäflsvertheilung für 18SS zu gründe— nur zwei, welche nicht früher Staats- anwälte waren; die übrigen vier(unüer ihnen der Präsident) waren 12, 16, 21 und 29 Jahre ihres Lebens Staatsanwälte gewesen. Und unter diesen vier ist es wiederum nur einer, der überhaupt vor Uebertragnng seines jetzigen Amtes Richter war; alle übrigen waren vorher ihr Lebelang nur Staatsanwälte gewesen. Tie Stelle des Senats- Präsidenten ist erst vor etwa drei Jahren vakant geworden nnd die Justizverwallung hat für gut befunden, das Amt des höchsten preußischen S t r a f r i ch t e r s mit einem Manne zu besetzen, der 21 Jahre lang Staats- a n w a l t und niemals Richter war... Im Justizpalast in Moabit pfeifen es die Spatzen von den Dächern, daß der Staatsanwalt gegen Beschlüsse, welche die Erhebung von Anktagen zurückweisen, nur Beschwerde an das Kanuuergericht einzulegen braucht(was er regelmäßig thut), um ohne weiteres die Ab- änderung des Beschlusses zu erlangen. Bei den Berliner Gerichts- kollegien sind wiederholte Versuche zu eingehender Prüfung der An- klagen gemacht worden. Sie haben zum theil zu gründlich motivirten Beschlüssen über Ablehnung einzelner Anklagen geführt. Aber die Beschwerde» des Staatsanwalts hierüber haben immer (oder wenigstens so gut wie immer) nur ein und dasselbe Er- gebniß gehabt: der Strafsenat des Kammergerichts hat die Ein- leituug des Verfahrens beschloffen nnd zwar regelmäßig ganz nach Formular, weil der Angeklagte hinreichend ver- dächtig erscheine, ohne auch nur den Grünten der Vor- instanz eine sachliche Widerlegung zu theil werden zu lasten. Unter diesen Umständen ist es menschlich erklärlich, wenn die Strafkammern es aufgegeben haben, einen unfruchtbaren Kampf weiter zu kämpfen, und wenn deshalb der jetzige Zustand der ist, daß die Gerichte sich ihres Eutscheidungs- rechtes über die Anklage einfach begeben haben: über die Frage. ob jemand in Anklagezustand zu versetzen ist. entscheidet that- sächlich der Staatsanwalt. Dieser Zustand ist— für Berlin- wesentlich mit auf die Zusammensetzung des Strafsenats des Kammergerichts zurückzuführen.— Ter Scharfsinn unserer Gerichte wird in dem schon zitirtcn anonymen Aufsatze der Preußischen Jahrbücher an einer Reihe von Beispielen illustrirt. Wir geben hieraus die folgenden Sätze wieder: „Was soll man zu einem Urthelle sagen, wonach Sachen, welche jemand einem Bettler geschenkt hat, als durch strafbare Handlung(nämlich das Betteln) erlangt gellen und wonach der- jenige, welcher sie dem Bettler mit Kennlniß des Ursprungs ab- kaust, als Hehler bestraft wird? was zu einem Urtheil, Inhalts träger, die in Leibrock nnd Binde zu Tausenden den Schloß- platz anfüllten und mit begeistertem Hurrahgeschrei die Luft erzittern machten. Schweigend ließ es sich die Extrablätter und Plakate vorlesen, in denen die Aufhebung der Preß- zensur und die schleunige Einberufung des Landtages pro- klamirt wurde. Schweigend sah es den König auf den Balkon hinaustreten und mit dem Taschen- tuche wehen—„sichtlich bewegt", wie der Chronist sagt, „die eine Hand aufs Herz legend und die andere zum Hinuncl erhebend." Und als nach dieser rührseligen Szene der greise Minister von Savigny, der größte Rechtslchrcr seiner Zeit, sich unter das schweigende Volk mischte und ihm klar zu machen suchte, daß der König noch viel mehr bewilligt habe, als man eigentlich von ihm verlangt hätte, da sprach ein schlichter Arbeiter, ein staatsniännisches, unbekannt gebliebenes Genie in der Blosse das welthistorische Wort ans:„Das verstehst Tu nicht, Alter— man hat nichts bewilligt!" Man hatte nichts bewilligt— das war die innerste Ueber- zeugung dieses schweigenden, auf alles gefaßten Volkes. In seinem natürlichen Gefühl für Wirklichkeit und Wahrheit hatte es die Situation in ihrem innersten Kern erfaßt. Man hatte dem Volke eine Hand voll vergoldeter Nüsse geschenkt, aber diese Nüsse waren taub, alle mit einander. (Fortsetzung folgt.) KuH nni) BijstnM. Die Errichtung einer Arbeitcrbühne wird von unseren Parteigenossen in Wien geplant. Jüngst fand die Konstitmrnng eines Theatervereins zum Zwecke der Gründung einer Volks- bühne statt. Der Saal war mit Arbeitern und Arbeiterinnen ge- füllt. Ter Abgeordnete Pernerstorfer hielt eine zündende Rede, in der er besonders betonte, daß die Kunst für das Volk und nicht für die Bourgeoisie allein da wäre. Am Schlüsse seiner Ausführungen wies er auf die Bedeutung Richard Wagner's hin und empfahl dessen epochemachenden Schriften:„Das Kunst- werk der Zukunft"(Feuerbach gewidmet).„Kunst und Revolution", deren sozialdemokratische Tendenz auch Bebel in seinem Buch, „Die Frau und der Sozialismus", bervorhebt. Ob wohl die schneidige Wiener Polizei auch in der„Arbeiter- bühne" etwas Staalsgesährliches wittern wird? dessen ein Beamter, der auZ Gefälligkeit jemandem aus seiner Kasse zwanzig Mark wechselt, wegen Unterschlagung der sortgegeber.en Münzen mit Gefängniß nicht unter 3 Monaten zu bestrafen ist? was vor allem zu jener Reihe von Urtheilen, welche den Begr. ff der Kuppelei in einer im Volle unerhörten Art ausdehnt? Tis Frau aus dem Volke, welche ein Auge zudrückt, wenn der Bräutigam ihrer Tochter einen Tag vor der Hochzeit in ihrem Hause nächtigt, wird danach als Verkupplerin der Tochter ins Zuchthaus geschickt. Die Entscheidungen des Reichsgerichts über den äolus ovsntualis und den Versuch am untauglichen Objekt und mit untauglichen Mitteln find der Schrecken aller derjenigen-Juristen, denen Einfachheit und Ungekünsteltheit als ein Haupterforderniß der Slrafrecht- sprechung erscheint. Der äolus eventualis, wonach auch derjenige strafbar ist, welcher einen bestimmten Erfolg gar nicht beabsichtigt, sondern nur als möglich gedacht und„eventuell" gebilligt hat, treibt in der Praxis die sonderbarsten Blüthcn: ein Gericht hat den Drucker einer strafbarenSchrift verurtheilt, obwohl er weder Manuskript noch Satz gelesen hatte, indem es„feststellte", der Angeklagte habe von vornherein sich gedacht, auch wenn die Schrift etwas Strafbares enthalten sollte, wolle er sie dennoch drucken; deshalb habeer den„äolus eventualis" gehabt." Zäsarenwahnfintt. Von seiner Krankheit geheilt, fühlte der Herr von Neunkirchen das Bedürfniß, wieder einmal die entrechteten Arbeiter im Königreiche Stumm mit einer Anrede zu beglücken. Er sagte unter anderem: „Diese Tendenz, Euch zn einem vierten Stande zu degradiren, ist geradezu eine Beleidigung des gesammten Arbeilerstandes. Tie Arbeiterschaft steht heute jeder anderen Kategorie von Staatsbürgern gesetzlich völlig gleich nnd niemals werde ich zugeben, daß der Arbeiter ans einem anderen Stoffe bestehe oder weniger Werth habe, als ein Komm erzienrath oder ein Minister. Daß es unter den Arbeitern vielfach Roth und Elend giebt, wird niemand weniger bestreiten, als ich, der täglich bemüht ist, dasselbe zu mildern, wo es in Eurer Mitte anjtritt. Ich glaube mit gutem Gewissen sagen zu können, daß ich keinem meiner Berufsgenossen in den Wohlfahrtsciu- r i ch t u n g e n nachstehe, jedenfalls nickt in dem Bestreben, nach bestem Wissen und Gewissen für Euer materielles und geistiges Wohl zu sorgen und das p r a k t i s ch e C h r i st e n t h u in zu bethäligcn, wofür ich mich vor Gott verantwortlich fühle. Auf diese Weise hoffe ich weit über meine eigenen Lebenstage hinaus dafür zu sorgen, daß Ihr für die Lockungen der Sozial- demokraten und anderer falschen Propheten (der Redner hatte im Eingang seiner Rede vor der Geistlich- keit gewarnt, die sozialpolitisch thätig zu sein beflissen ist) un- empfänglich bleibt— das ist die beste Wohlfahrtseinrichtung, welche ich Euch gewähren und hinterlassen kann." König Stumm redet mit dem Selbstgefühl, wie es asiatischen Despoten von ihren Hofschranzen anerzogen wird. Wie immer kommt es ihm auch in dieser Rede weit weniger auf Thatsachen, als aus die Wahrung und Festigung seiner Stellung als Großunternehmer an. Wenn Herr von Stumm sagt, daß man die Tendenz habe, die Arbeiter zum vierten Stande zu degradiren, so ist dies falsch; eine solche Tendenz liegt nicht vor, dagegen die Thatsache, daß die Arbeiter ökonomisch, sozial und rechtlich tiefer stehen wie Adel (1.„Stand"), Geistlichkeit(2.„Stand") und Bourgeoisie (3.„Stand"). Herrn v. Stumm's und der anderen „Arbeiterpatriarchen" heißem Bemühen ist eS gelungen, auch noch einen fünften„Stand", den der nicht blas ökonomisch, sondern auch politisch von den Unternehmern ganz abhängigen Arbeiter zu schaffen. Diese Tendenz existirt bei den Stumm, Krupp, Heyl und den anderen Förderern der zu Sklavenketten werdenden Wohlfahrts- cinrichtungen. Wenn der König von Neunkirchen in seinem Größenwahn sich einbildet, daß es seinen Praktiken ge- lingen wird,„seine" Arbeiter auch noch ferner, ja auf weitere Generationen hinaus von der sozialen Einsicht nnd damit von der Sozialdemokratie ferne zu halten, so irrt er auch hier. Auch die Arbeiter des Saarreviers werden durch die wirthschaftliche Entwicklung lernen, daß es blos zwei Klassen giebt, die der Ausbeuter und die der Aus- gedeuteten, und daß die letzteren fest unter dem Banner der Sozialdemokratie zusammenstehen müssen, wenn die Lage der Arbeiterklasse zu eiuer menschenwürdigen gestaltet werden soll.— Keine„tiefste Entrüstung" mehr, so meint die„Kölnische Volkszeituvg", werde heute in Regierungskreisen angesichts der letzten Sieden des Fürsten Bismarck eine Abstimmung wie diejenige vom 23. März hervorrufen. Im Gegentheil könne man jetzt in Rcgieruvgskreisen manchmal anerkeniienswerlhc Worte hören über die politische Kaltblütigkeit, welche sich bei jener Abstimmung in betreff der Gebnrtstags-Gratulalion kund- gegeben habe.— Von dcu KZ Todesnrtheilen des Przemysler Militärgerichtes gegen die Unteroffiziere und Soldaten, welche ihren Wachtmeister ermordeten, haben wir schon be- richtet. Ueber die Vorgeschichte des Mordes wird der „Voss. Ztg." aus Budapest depeschirt: Es liegt ein Alt von Soldateiischinderei empörendster Art vor. Ter Pfarrer und der Kaplan der Gemeinde Rzezsow sagen beispielsweise als Augenzeugen aus, daß der ermordete Wacht- meister die Soldaten in tiefem Schnee auf Händen und Füßen herumkriechen ließ und sie dabei milden Sporen bearbeitete wie die Pserde. Gewiß ist auch, daß die Offiziere sich um diesen in einem entlegenen Orte vorgeschobenen Posten nicht kümmerten, was ihrerseits eine grobe Verletzung der Pflicht der erforderlichen Fürsorge bedeutet. Endlich verlangt die Presse aus diesem Anlasse energisch eine Reform der Mililärjustiz. Die Blätter greifen die Delegationen an, daß sie, abgesehen von dem Rzezsower Fall, nicht Maßregeln gegen die Soldatenschinderci und eine Reform der Mililärjustiz forderten und stellen ernste Auseinandersetzungen im Abgeordnetenhause in Aussicht.— Einen jedenMenschen niuß es aufs tiefste empören.daß am Ende des 19. Jahrhunderts solch blutige Urthcile gesprochen werden können. Wie ein amerikanisches Duell muthel es uns' an, daß das Laos über Leben und Tod so vieler Men- schen entscheiden soll. Es ist ein Hohn auf jedes Sitten- gesetz! Wenn 1ö Mann am Leben bleiben können, dann müssen doch 10, die nicht mehr und nicht weniger wie jene verbrochen haben, den grausigen Sprung aus dem Leben machen. Es ist ein Urtheil, nicht von Schlechtigkeit und Menschlichkeit diklirt, sondern von Willkür und blasser Furcht. Die Bcsorgniß, im Fall der Milde die Disziplin nicht mehr aufrecht erhalten zu können, hat dieses verbrecherische Urlheil geboren.--------------- 26 Mann haben sich zu solch verzweifeltem Schritte vereinigt. Himmelschreiende Dinge müssen da vorgegangen sein und die Leute hätten aufs nnldeste beitrtheilt werden müssen. Man denke sich in die Lage derer, die ihre Kameraden erschießen mußten. Ist dies nicht ein Beweis bkchfter TiZzlpNn, daß sie es gethan haben, daß sie ihr Aittleid, ihre Menschlichkeit unterdrückend dem grausigen Zwange der Tisziplin gehorchend auf ihre Brüder und Kameraden schössen? Dielleicht waren jene 16 Helfershelfer an der Blutthat auch dabei und befleckten mit neuem Mord ihr Gewissen.— Nationaler und internationaler Arbeiterschutz in der Schweiz. Bei Berathung der nationalräthlichen Beschlüsse be- treffend die„Arbeiterfragen" im Ständeralh, der schließlich dem Nationalrath zustimmte, erklärte Bundesrath Deucher, daß der Bundesrath mit diesen Beschlüssen vollständig ein- verstanden sei. Aber er könne bezüglich der internationalen Regelung des Arbeiterschutzes nicht gut von sich aus den Anstoß zur Wiederaufnahme von Verhandlungen geben, da dies der seinerzeit die Anregung gebenden Macht, dem Deutschen Reiche, zustehe, wo gegenwärtig die Sache vorzubringen inopportun sei. Bezüglich des Fabrikgesetzes sei von einer Re- vision abzurathen, wohl aber eine weitherzige Interpretation des- selben zu empfehlen. Es wird also aus der ganzen mehrjährigen Aktion kaum etwas Positives für die Arbeilerschasl heraus- kommen.— Znr englischen Ministerkrise. Aus London wird depeschirt: Parlamentarische Kreise glauben, daß das Kabinet Salisbury große Schwierigkeiten zu überwinden haben werde. Die liberale Mehrheit ist entschlossen, die von dem neuen Ministerium geforderten provisorischen Zwölftel nicht zu ge- währen. Infolge dessen müßte Salisbury seine Demission ein- reichen.— Eavallotti erklärt in einem Schreiben im„Ton Chisciotte", er werde die durch seine Veröffentlichung gegen Criepi in Red« gestellte Angelegenheit vor die Gerichte bringen. Der Korrespondent der neapolitanischen„Roma" hat mit Rudini eine Unterredung gehabt und denselben um seine Ansicht über Cavallolli's Anklageschrift befragt. Rudini's Antwort hat dahin gelautet, daß ein derart kompromittirter Mann wie Crispi nur in Italien ander Spitze der Regierung bleiben könne.— Tie Chinesen sind schlauer wie die Russen. Sie haben auf die Vermittelung Rußlands bei der Anleihe verzichtet und wollen eine weit größere selbst aufnehmen. Darüber schallt das Wehgeschrei der russischen Finanzkreise auch ans unserer kapita- listischen Presse heraus.— Verrlkttnenksbevichke. Abgeordnetenhans. 81. Sitzung vom 27. Juni 189Z, 11 Uhr. Am Ministertische: Miqiiel, v. Köller und Kom- missarien. Der Abg. Landgerichtsrath Hartmann theilt in einem Schreiben mit, daß sein Mandat für den Wahlkreis Luckau- Lübben durch seine Ernennung zum Landgerichtsdirektor am Land- gericht I in Berlin erloschen ,st. Das Haus erklärt zunächst die Mandate derAbgg. Metz er zu Selhausen, Kissing und v. B a u m b a ch für gütig und tritt dann in die zweite Berathung des Gesetzentwurss über die V e r p f l e g u n g s st a t i o n e n ein. Nach§ 1 der Kommissionsbeschlüffe sollen an geeigneten, in angemessener Entfernung von einander liegenden Orten nach Bedürfniß Verpflegungsttationen eingerichtet werden. Die Vor- schriften über die Einrichtung und Verwaltung u. s. w. sollen nach Z 8 vom Provinzialrath nach Anhörung des Provinzial» ausschusses bezw. der Landesausschüsse erlassen werden. Nach 8 3 der Regierungsvorlage soll die Hälfte der Kosten von den Kreisen, die andere Hälfte von den Provinzen getragen werden. Tie Kommission hat dagegen beschlossen, den Kreisen nur ein Drittel. den Provinzen und dem Staate je ein weiteres Drittel der Kosten aufzulegen. Abg. v. Zedlitz(fk.) beantragt, in§ 1 nicht auf den 8 8 zu verweisen, sondern auf§ 2. in welchem nach Antrag des Abg. v. Zedlitz der Inhalt des§ 8 in veränderter Fassung mit auf- genommen werden soll. Abg. v. Zedlitz(fk.): Die Entscheidung über den 8 1 hängt für einen großen Theil des Hauses von der Gestallung einiger späteren Bestimmungen des Gesetzes ab, namentlich von der Frage, ob die Einrichtung eine kommunale in dem Sinne sein soll, daß die Provinz neben ihrem Kostenantheil auch über die Zahl und Einrichtung der Verpflegungsstalioncn mitbestimmen soll, und noch vielmehr von der Frage, ob ein StaatSzuschuß gewährt «erden soll oder nicht. Daher bitte ich die Regierung zunächst um eine Erklärung, ob aus einen Staatszuschuß zu rechnen ist oder nicht.(Beifall rechts.) Finanzministcr Miqnel: Die Stellung der Regierung zu dem Staatszuschuß in 8 3 kann allerdings für viele Mitglieder präjudiziell sein; ich kann Sie nur bitten, den 8 3 in der Kommissionsfassung abzulehnen und in der Fassung der Regierungsvorlage wieder her- zustellen.(Bewegung.) Ich kann namens der Regierung ans- sprechen, daß im anderen Falle das Zustandekommen des Gesetzes gefährdet sein würde.(Bewegung.) Zunächst scheint es rein finanziell bedenklich, wenn der Staat wieder eine Belastung von schätzungsweise 7— 800 0/z aus Staatsmitteln, das andere Drittel von dem Provinzialrerbande zu ersetzen ist. Ter Stadt Berlin soll seitens des Staates der erwachsenen Kosten ersetzt werden. Die Abg. v. H u e n e(Z.) und v. T s ch o p p e(fk.) bean- tragen, die zuletzt erwähnten Bestimmungen ganz zu streichen und den Provinzialverband zu verpflichten, den Kreisen der Kosten zu ersetzen. Abg. Human,,(Z.) erklärt sich gegen den Antrag Hnene und für de» Staalszuschuß im Prinzip. Abg. v. Woyna(fk.): Es handelt sich bei diesem Gesetz nicht um eine Ergänzung der bestehenden sozialen Gesetzgebung, sondern um ein Novum, um eine Aufgabe, die nicht den Ge- meinden, sondern dem Staat obliegen. Abg. vou Kardorff(fk): Ich bin ein sehr entschiedener Gegner solcher Verpflegungs- Stationen, namentlich, wen» sie obligatorisch eingerichtet werden follen. Sie komme» höchstens den westlichen Provinzen zu gute, wahrend der Osten für seine Arbeiter bis zum 20. Lebensjahre auskommt und schließlich auch dann für sie sorgen muß, wenn sie nach dem Westen eingewandert sind und in die Heimathsprovinz zurück- geschoben werden.(Beifall rechts.) Minister Miqnel macht darauf aufmerksam, daß diese Gründe ihn gegen de» Staatszuschuß eingenommen hätten. Abg. Gerlich(sk.) erblickt in dieser ganzen Vorlage einen sehr bedenklichen Schritt zum Kommunismus. Nach seiueu persönlichen Erfahrungen würden die Leute geradezu systematisch dazu erzogen, daß sie glauben, der Staat müsse für sie sorgen und sie brauchten nicht niehr zu arbeiten.(Zustinimung rechts.) Ethische Gesichlspunkre sprecbeu nicht für sondern gegen das Gesetz. Es würde durch dasselbe nur die Arbeitsunlust und der Leichtsinn großgezogen werden. Jetzt schon ist der Kontrakt- bruch an der'Tagesordnung. Ter Geselle geht zu seliikm Meister und sagt, Meester, Ihr Kaffee is mich zu süß, und dann geht er(Heiterkeit). Ich würde auch dann gegen das Gesetz stimmen, wenn der Staat einen Zuschuß geben wollte. Es wäre viel besser und billiger, den Leuten, welche wo anders Arbeit suchen wollen, ein Billel zu kaufen, statt ihnen noch außerdem Frühstück und Mittag zu geben. Ich habe in meinem Kreis« auch drei Jahre einer VenpflegungSstation vor- gestanden. Schließlich wurde aber dem Faß der Boden ausge- schlagen, als ich ein« Beschwerde erhielt, unterschrieben von 6 Bummlern, darüber, daß sie an einem Sonntag Abend nicht ein warmes Abendbrot erhalten hätten. (Große Heiterkeit.) Das ist nicht zum Lachen, sondern furcht« bartraurig. Solchen Dingen will ich nicht Vorschub leisten. (Lebhafter Beifall rechts.) Die Anträge Huene-Tschoppe werden abgelehnt und 8 3 in der Kommissionsfassung angenommen. Nach 8 3 sind Betrunkene, Landstreicher und des LandstreichcnZ verdächtige von der Ausnahme in eine Verpflegungsstation aus- geschloffen, u. a. auch solche, die nicht nachweisen können, daß sie innerhalb der letzten vier Monate wenigstens zeitweise in Arbeit gestanden haben; ferner soll, wer wegen Betruges, begangen zum Zweck der Aufnahme in eine Verpflegungsstation, oder wer wiederholt auf grund des 8 13 dieses Gesetzes bestraft ist, während sechs Monate seit der Verbüßung der letzten Strafe von der Aufnahme ausgeschlossen sein. Abg. Barthold(fk.) beantragt, statt„vier Monate" zu sagen:„vier Wochen", um ein schärferes Mittel gegen den Kontraktbruch zu geben. Abg. Kirsch(Z.) beantragt, den 8 3 gänzlich zu streichen. da es nicht richtig sei, einen Theil der Ausschließungsgründe gesetzlich zu bestimmen, einen anderen Theil aber den Verivaltungs- Vorschriften zu überlassen. Für den Fall der Ablehnung dieses Antrages beantragt er hinter das Wort„Betruges" die Worte „oder Urkundenfälschung" und hinter das Wort„wiederholt" die Worte„in de» letzten drei Jahren" einzuschieben. Geheimrath vou Trott zu Solz bittet die Fassung des 8 9 unverändert zu lassen. Die ausgeführten Kategorien müßten unter allen Umständen gesetzlich ausgefchlossen sein. Der Begriff des„Landstreichens" müsse gesetzlich bestimmt werden. Der Antrag B a r t h o l d wird abgelehnt; von den An- trägen Kirsch wird nur die Einfügung der Worte„oder Urkundenfälschung" angenommen. In dieser Fassung wird 8 3 angenommen. Nach 8 13 sollen mit Haft bestraft werden: I. wer zum Zweck der Aufnahme in eine Verpflegungsstation der über die Aufnahme befindenden Stelle falsche Angaben macht oder Umstände, die ihn von der Aufnahme in eine Station ausschließen, verschweigt; 2. wer sich aus Arbeitsscheu weigert, die ihm in der Station zugewiesene seinen Kräften angemessene Arbeit zu verrichten. Abg. Kirsch beantragt in dem Satz 1 die Worte von„oder Umstände" bis zum Schluß zu streichen. Abg. v. Tschoppe beantragt aus dem Satz sud 2 die Worte „aus Arbeitsscheu" zu streichen. Nachdem die Antragsteller ihre Anträge befürwortet und der Regierungskommissar von Trott zu Solz beide bekämpft hatte, wird der Paragraph mit den von den beiden Abgeordneten beantragten Aenderungen angenommen, ebenso der Rest der Vorlage. Schluß nach 3Vs Uhr. Nächste Sitzung Freitag 11 Uhr. Kleinere Vorlagen. Gesetzentwurf bezw. Antrag Jürgensen be- treffend die Aushebung der Zurückzahlung der Grenzsteuer- Entschädigung. Prirkeinalftrilftten. Ngrarkommission. Die drei Abtheilungen der Kommission traten gestern am 27. Juni im Reichstags-Gebäude zusammen, um über die von den Einzelabtheilungen entworfenen Programm- Vorschläge zu berathen, und sich über eine gemeinsame Fassung zu einigen. Alle Mitglieder waren anwesend, mit Ausnahme V o l l m a r' s, der durch Krankheit, und G e ck' s, der durch einen Gerichtstermin verhindert ist. Die Verhandlungen dauerten von 9—1, und von 3—7 Uhr; sie werden voraussichtlich heute, den 28. Juni, zu Ende gebracht werden. Den Borsitz hat Liebknecht, das Schriftsühreramt H u g. Lübecker Biirgerschaftswahlen. Bei der Wahl am Dienstag erhielten unsere Kandidaten ILO— 207, die Gegner 403 bis 616 Stimmen. Bei der Gemeinderaths- Wahl in Geesthacht, einem hamburgischen Dorfe, wurden drei Parteigenossin mit einer be- trächtlichen Mehrheil gewählt. Wir haben nun in der Vertretung dieser Gemeinde fünf Sitze. Bei den Gewerbegerichtswahlen in Potsdam, die nach Berufsgruppen vorgenommen werden, wurden 15 Kan- didaten unserer Partei und 10 Hirsch- Dunckerianer zu Arbeiter- Vertretern gewählt. Von 760 Wählern stimmten 643 ab, davon 376 für uns, 272 für die Hirsch- Dunckerianer. An der Wahl der Unternehmervertreter halte sich unsere Partei nicht betheiligr. Von der Agitation. In H o h e n st e i n- E r n st t h a l i. S. sprach am Sonntag Reicheiags- Abgeordneter Auer in einer Versammlung, zu der die Wähler aus dem 13. Rcichstags-Wahl- kreise von weit und breit herbeigekommen waren, unter großem Beifall über das Thema„Der Siegeszug der Sozialdemokratie." Am Montag sprach derselbe Redner in G e s a u im Lokal des Genossen W. Stolle über die Ergebnisse der letzten Reichstags- session. Mecklenbnrgisches. Aus dem Dorfe Silz wird der „Mecklenburgischen Volkszeitung" berichtet, daß einem Maurer- lehrling, der seine Lehrzeit beendet hatte, von den Jnnungs- meistern erklärt wurde, er könne nicht als Geselle ausgenommen werde», weil er Mitglied des Arbciter-Bildungsvereins zu Silz sei. Bei dieser Gelegenheit wurde dem Lehrling ein Brief vor- gelesen, worin der"Schulze von Silz den Jnnungsmeistern diese Mittheilung gemacht und hinzugefügt halte, der Lehrling habe aus einem Balle„rothe Schlipse und Schleifen" getragen. Dem Schulzen von Silz gebührt sonach jedenfalls ein Posten, wo er für seine schönen staatsmännischen Fähigkeiten einen größere» Wirkungskreis hat, als in dem mecklenburgischen Dorfe. Vielleicht nimmt sich Herr v. Koller des neu entdeckten Talents an. Auch die Silzer Jnnungsmeister verdienen eine Auf- munterung. Eine eigrnthiimliche Pnrteigeschichte, wird dem Chemnitzer „Beobachter" aus Lichtenstein-Callenberg geschrieben, bat unser Nackbarort Bernsdorf. In den fünfziger Jahren nahm dort die Bewegung einen kräftige» Anlauf, hielt aber plötzlich wie erschrocken inne, und hat seitdem auch keinen Laut wieder von sich gegeben, trotz vieler Versuche, eine Organisation zu schaffen. Man wird unwillkürlich an das Sprichwort erinnert: Scklechte Beispiele verderben gute Sitten, den» eine Aengstlichkeit hat sich herausgebildet, die unbegreiflich ist. Die Leute wagen z. B. nicht einmal ein Maifestblatt zu kaufen, aus Furcht, es könnte jemand sehen und sie könnten aus dein Bergwerk entlassen werden. Seil die Wirkerei darniederliegt. gebt der jüngere Theil der Einwohner in den Kohlenschacht, und seitdem hat die Angst immer größere Kreise ergriffen. In diesem Ort sucht jeder seine Meinung zu verbergen, auch die in der Haus- industrie Beschäftigten. Das geht soweit, daß die meisten es nicht einmal wagen, in eine Volksverfammlung zukommen. Mau wählt dort noch leidlich volksthümlich, aber matt. Die Sozialdemokratie Norwegens hielt kürzlich in S k i e n ihren 9. Kongreß ab. Es waren 40 Vertreter von Fach- und sonstigen Arbeitervereinen erschienen. Einen Hauptpunkt der Debatte bildete das Schicksal der Zeitung„Sozialdemokraten", deren Wochenausgabe mit Verlust arbeitet. Aus St. Paulo in Brasilien wird uns mitgetheilt, daß der dort seit einigen Jahren bestehende allgemeine Arbeiter- verein, dem im Jahre 1833 durch die Revolution jede öffcnt- liche Wirksamkeit unmöglich gemacht war, jetzt, seit etwas Rube ist, feine Thätrgkeit wieder ansgeommen hat. Er hält regcl- Jiuifjige Versammlungen ab, die mit Vorträgen, Vorlesungen und Diskussionen ausgefüllt werden. Am 16. März veranstaltete er eine Märzfeier, die gut besucht war. Der Parteigenosse A. U h l e hielt unter großem Beifall die Festrede. Wegen des Wismarckrummcls veranstaltete der Verein eine Versammlung, in der die Bismarckseier als eine gegen das arbeitende Volk gerichtete Demonstration gekennzeichnet wurde. Als der Oberlehrer der deutschen Schule in St. Paulo vor den Schulkindern eine Lob rede auf Bismarck geHallen und die Kinder ein Hoch auf diesen Mann halte ausbringen lassen, wurde in der hier erscheinenden „Germania" ein Prolest gegen solchen Mißbrauch der Schule cr> lassen und auch im Schulvorstand selbst fand das Vorgehen des Lehrers scharfen Tadel, so daß für die Zukunft der in Rede stehenden Ungehvrigkeit vorgebeugt sein dürste. Die Maifeier wurde in St. Paulo wie von den Arbeitern des ronianischen Sprachstammes so selbstverständlich auch von den deutschen Arbeitern abgehalten. Die Romanen gaben ein gut redigirtes Flugblatt „Der 1. Mai" in portugiesischer und italienischer Sprache heraus. Die Deutschen hielten am 1. Mai vormittags eine Versammlung ab und am Nachmittag unternahmen sie einen Ausflug in die Umgebung. Alles verlies bestens. Auch in S a n t o s wurde der I. Mai gefeiert. Bemerkt sei, daß sowohl in Santos wie in Et. Paulo deutsche, portugiesische und italienische Zei- tungen der Maifeier Festartikel widmeten und daß in vielen Werkstätten und Fabriken die Arbeit ruhte. Die Nachricht, daß der deutsche Reichstag die Umsturzvorlage abgelehnt habe, wurde in St. Paulo von allen freiheitlich ge- sinnten Deutschen und auch von den übrigen, deutsch sprechenden Bewohnern mit der größten Genugthuung aufgenommen.„Sollte es zur Reichstagsauslösung kommen"— schreibt man uns wärt- lich—„so werden auch wir unser Möglichstes thun, um unsere im Kampfe stehenden Genossen im alten Vaterlande nach besten Kräften zu unterstützen. Für heute gratuliren wir Euch zu all den Erfolgen, die bis jetzt errungen wurden, und rufen Euch ein fröhliches Vorwärts! zu." Polizeiliches, Gerichtliches ec. — Die ungarische Parteileitung und zwar die Parteigenossen Josef Dietz, B. Schreier, F. Kittel, A. Pfeifer, A. Poor, K. Teßürß, D. Bokanyi, A. Rüdy, E. Kaaß, B. Feld- mann, P. Stark, F. Foitlin, S. Elzholz, E. Egger wurden vom Geschworenengericht in Budapest wegen der Ausgabe des Flug- blatts über den Hod-Mezö-Vasarhelyer Sozialistenprozeß zu je 6 Monaten Staatsgefängniß verurtheilt. In dem Flugblatt soll „aufgereizt" worden sein. Soziale Iteberlitlzt. Arbeitszettel. In dem gestern veröffentlichten Form ul ar muß es unter 4. heißen;„Eutlassungs- und Verlassungsgründe", nicht, wie irrthümlich gesetzt wurde:„Verfassungsgründe". Die Gründe, weshalb die Arbeit verlassen wurde, sind mit diesem allerdings nicht gerade glücklichen Ausdruck gemeint. Ncber die Verwendung schulpflichtiger Kinder zum K e g e l a u f s e tz e n hat jüngst der Regierungspräsident von Minden i. W. eine Verfügung erlassen, wonach schulpflichtige Mädchen überhaupt nicht und Knaben nur nach dem vollendeten zwölften Lebensjahr und auch dann nur bis 10 Uhr abends zum Kegelaufsetzen verwendet werden dürfen. Das Verabreichen von geistigen Getränken an die Knaben ist verboten. Verantwortlich für Zuwiderhandlungen, die mit Geldstrafe bis 60 M. oder ent- sprechender Haft bedroht werden, sind die Veranstalter des Kegelspiels. Nach unserer Ansicht sollte die Verwendung von Kindern aus den Kegelbahnen überhaupt verboten werden, schon wegen der staub-, tabak- und bierdunsterfüllten Luft, die in den meisten dieser Vergnügungsstätten herrscht, und die für Kinder wegen deren weniger widerstandsfähigen Lungen noch von größcrem Nachtheil sein muß als für Erwachsene. Außerdem ist die Bc< zahlung und Beköstigung der kegelaussetzenden Kleinen, sosern man ihnen überhaupt zu essen und zu trinken giebt, durchweg so erbärmlich, daß man ein großer Freund vom Kegelspiel sein muß, um unter solchen Umständen an diesem Spiel Geschmack zu finden. Sozialpolitisch sehr kurzsichtig ist— zart ausgedrückt— die Verwaltung des Postamts I in F r a n k f u r t a. M., wenn sie, wie geschehen, von einer Firma verlangt, diese solle die Begleitadressen zn den an sie adressirten Packelen auch an Sonn- und Feiertagen von der Post abholen lassen. Der Sonntag ist ein Ruhetag, sogar ein gesetzlicher, was man jetzt eigentlich auch in Stephan's Reich allenthalben wissen könnte, nachdem das Deutsche Reich darüber eine Menge Bestimmungen erlassen hat. Zum Kapitel Schulkinder- Misthandlungc». Ein Leipziger Lehrer, der nach der„Leipziger Volkszeitung" auf diesem Gebiete schon ein„alter Bekannter" ist, hat einen Knaben derart gezüchtigt, daß der Arzt Dr. med. H. Reiter die Be- scheinigung ausstellte,„daß die.... Striemen nichts anderes sind, als der Effekt einer mit brutaler Gewalt ausgeführten Ohrfeige." Ju der elsässischen Stadt Colmar hat der Armenrath eine Untersuchung der Wohnungen in den Arbeiter- vierteln vorgenommen, die sich auf 411 Häuser und 1331 Woh- nungen erstreckte. Wie der„Straßburger Post" geschrieben wird, stellte sich bei der Untersuchung heraus, daß die Wohnungen zum großen Theil diesen Namen nicht verdienen; es sind öde, schmutzige Gelasse ohne Luft und Licht und der Miethpreis ist verhältniß- mäßig viel zu hoch. Im Jahre 1891 ließ der Armenrath zwölf Arbeiterwohnungcn herstellen, die angeblich allen Anforderungen entsprechen und sich trotzdem angemessen verzinsen. Nach diesem praktischen Erfolge beabsichtigte der Armenrath, weitere Bauten auszuführen, fand aber beim stadtralhe nicht das erwartete Ent- gegenkommen. Der Bau guter Acbeiterwohnungen müßte natürlich die Räuberhöhlen werthlos machen, wo jetzt die Arbeiter wohl oder übel Hausen müssen. Das englische HanbelSamt beschäftigte sich dieser Tage mit der Frage der Einfuhr von Maaren, die in a u s l ä n d i s ch e» Gefängnissen hergestellt werden. Die britischen Bürsten- arbeiter hatten sich bekanntlich beklagt, daß sie durch die Einfuhr solcher Maaren stark geschädigt'würden, lieber die VerHand- lungen des Handelsamts wird nun der„Frankfurter Zeitung" berichtet,„daß die Frage ungebührlich aufgebauscht worden ist. Herr Bradley von der Ltar BnisLinaking Company, die 300 Knaben und Mädchen in ihrem Betriebe beschäftigt, stellte fest, daß die Beschäfligungslosigkeit vieler Bürsten- arbeiter sehr wenig nnt der fremden Konkurrenz, um so viel mehr aber mit der Einführung der Maschinenarbeit in der Bürsteniudnstrie zn thun habe. Diese Feststellung ist um so wichtiger, als sie von einem Interessenten gemacht ist, für den der Ausschluß fremder Gefängnißarbeit von großem Werthe wäre. Ter Gedanke, letzterer den Wettbewerb auf dem englischen Markte unmöglich zu machen, hat im Handelsamt auch keinen Anklang gefunden. Lord Farrer bezeichnete ihn sogar als„selbst- mörderische Narrheit" und führte aus, daß der englische Konsu- ment durch den Gebrauch billiger fremder Waaren in die Lage komme, seinen Bedarf an inländischen Produkten zu steigern und damit deren Erzeugung zn vermehre». Lord Farrer würde nur dann der Ausschließung fremder Gefängnißarbeit vom englischen Markt zustimmen, wenn auch der Vertrieb der in englischen Sirasanstalten hergestellten Waaren verboten würde. Doch hat sich die Regierung nur dazu verstanden, die Mattenfabrikation, die ehedem die hervorragendste Gefängnißindustrie in England war, zu unterdrücken, verwendet aber die Gefangenen nun zu anderen Arbeiten, meist für die Staatsverwaltung. Gegen eine derartige Verwendung der Sträflinge haben seltsamerweise die trade- unifcns nichts einzuwenden, obwohl dadurch den freien Arbeitern di- gleiche Konkurrenz gemacht wird, wie ehedem, denn die Re- gierung müßte ja andernfalls ihren Bedarf von den mit freien Arbeitern schaffenden Industrien beziehen. Das wichtigste aber ist, daß noch kein Mittel vorgeschlagen wurde, das den Ausschluß fremder Gefängnißarbeit sicher ermöglichte, ohne die Meist begünstigungs-Klausel zu verletzen." Was der Herr Bradley sagt, dessen Gesellschaft bezeichnender weise 300 Knaben und Mädchen, also jedenfalls nur sehr wenig erwachsene Arbeiter beschäftigt, beweist wenig oder uichts, denn die Maschinenarbeit ist in der Bürftenfabrikalion längst eingeführt gewesen. Auch was Lord Farrer anführt, der englische Kousu- ment werde durch den Gebrauch billiger fremder Waaren in die Lage gebracht, seinen Bedarf an inländischen Produkten zu steigern, ist nicht der Weisheit letzter Schluß, denn wenn der Arbeiter keine Beschäftigung hat, so kann er überhaupt uichts kaufen, ge- schweige daß er seine Bedürfnisse vermehren könnte. Freilich giebt es kein Mittel, zu verhüten, daß die freien Arbeiter durch die Gefängnißarbeit geschädigt werden. Mag die Form der Ge- fängnißarbeit wechseln, irgend einen Nachtheil haben die freien Arbeiter immer. Aber der Schaden ließe sich auf ein Minimum reduziren, wenn die Gesetzgeber vorschrieben, daß Gefängniß- strafen nur für wirklich gemeingefährliche Thaten, wo es sich um einen zweifellos nolhwendigen Schutz der Gesellschaft vor dem Thäter handelt, ausgesprochen werden können. GenrerKl'rhKftlWrest Der Porzcllanarbeiter-Streik in Altwasser scheint sich zu einem Streik der schlesischcn Porzellauarbeiter auszudehnen, was ja natürlich wäre, da dem Fabrikanten Tielsch in Alt- wasser bei der Anfertigung seiner Waaren andere schlesische Fabrikanten Hilfe leisten. In Königszell haben die Porzellanarbeirer bereits die Arbeit eingestellt. Die der anderen Orte werden wahrscheinlich zum größten Theil diesem Beispiel folgen. In Graz streiken 600 Tischler wegen Verweigerung des Neunstundentages. Die Gewerbebehörde sucht eine Verständigung herbeizuführen. Ter Schweizerische GewerkschaftS-Bund hat feit Neu- jähr 1694 für Streiks 83 000Frs., sür Maßregelungen 3000 Frs. ausgegeben. Dazu kommen noch 26 300 Frs. freiwillige Beiträge. Mit den Ausgaben des Uhrenarbeiter-Verbaudes wurden ins- gesammt 135 000 Frs. für die sozialen Kämpfe aufgewendet. Vereinsgescv-Blüthc. Am 1. Mai tagte in den Keller'schen Festsälen, Koppensir. 29, eine Maurer- und Putzerversammlung, welche sich mit gewerkschaftlichen Angelegenheiten beschäftigte. Gegen Mittag wurde die Versammlung geschlossen, es blieben jedoch noch in dem Räume gegen 50 Personen zurück, unter diesen der Maurer Johann Möller. Aufgefordert, zur Feier des ersten Mai mit seinem Quartett, dessen Dirigent er ist, einige Lieder anzustimmen, ließ er die lustigen Musikanten antreten und durch die Räume ertönte sodann der Gesang des Arbeiter- Vaterlandsliedes und des Völker-Frühlingsliedes. sVon dem Gesang war jedoch die Polizei nicht erbaut und Möller er- hielt einen Strafbesehl in Höhe von 20 klingenden Mark, weil er ohne polizeiliche Geychmigung eine Versammlung ver- anstaltet habe, in welcher öffentliche Angelegenheiten erörtert werden sollten. Von dem Zahlen der 20 klingenden Mark wollte Möller trotz seiner musikalischen Neigungen nichts wissen, er er- hob gegen den Strafbefehl Widerspruch und sein Verlheidiger, Rechtsanwalt Freudenthal, führte aus, die Versammlung könne nicht von dem Gesichtspunkte des 8 l des Strafgesetzes aus beurt heilt werden, sondern höchstens von dem der bekannten Worte: Wo man singt, da laß Dich ruhig nieder, Böse Menschen haben keine Lieder. Man hätte es also hier im Falle mit guten Menschen zu thun. Wenn auch ein solcher gegen das Vereinsgesetz sündigen könne, so könne man doch vorliegenden Falles von einer Erörterung öffentlicher Angelegenheiten nicht sprechen. Singen sei nicht er- örtern. Beim Gesang ging selbst bei guten Sängern der Text verloren, und nur was der Text offenbare dessen Inhalt könne für den Begriff der Erörterung von Ve- dcutung sein. Im übrigen sei der unter Musik gesetzte Völker- srühling oder das Arbeiter- Äaterlandslied zwar nicht eine An- gelegenheit rein privater Natur, bei beiden handele es sich über- Haupt nicht um A n g e l e g e n h e i l e n, demnach auch nicht um öffentliche Angelegenheiten. Die Freisprechting sei somit geboten. Auf diese erkannte auch das Schöffengericht. Wichtige Entscheidung für Vereine! Bei dem großen Brande, welcher im August v. I. in den Kellerräumlichkeiten von Keller's Festsälen ausbrach, wurden zahlreiche Mobilien von Vereinen, die daselbst ihre Sitzungen abhielten, theils durch Feuer- theils durch Wasserschäden vernichtet. Der Verein deutscher Kaufleute Hierselbst strengte deshalb einen Zivilprozeß auf Schaden- ersah an, weil das Vereinsbücherspind mit Büchern im Werthe von 500 M. gänzlich zerstört und dasselbe nicht ver- sichert war. Mit dieser Klage ist nun der Verein abgewiesen worden, indem das Gericht annahm, daß es Sache des Vereins ivar, sür die Versicherung Sorge zu tragen, weil diese Korpo- ratio» ständig ihre Sitzungen und Festlichkeiten in den genannten Räumen abhielt, während der Besitzer des Etablissements nur sür den Fall haften würde. wenn der Verein nur zur Zeit des Unglücksfalles die Räume benutzt hätte. Tie Herrlichkeit unseres VereinsgesetzeS. Wegen Ueber- tretuug des tz 15 des preußischen Vereinsgesetzes verhandelte gestern die zweite Strafkammer des Landgerichts II als Bernfungs- instanz gegen den Tischler K ö s l e r, den Metallarbeiter Klein- s ch m i d t und den Hausdiener B u t r y. Der erwähnte Para- graph schreibt vor, daß die Theilnehmer einer Versammlung sofort den Saal zn räumen haben, wenn eine polizeiliche Auf- lösung derselben erfolgt. Dies geschah bei einer Ver- sammlung, die am 25. Februar dieses Jahres in einem Lokale in Schöncberg abgehalten wurde. Genosse Zubeil hatte einen Vortrag gehalten. Als die Zeit der Polizeistunde herangekommen war, löste der überwachende Beamte die Versammlung auf. Der Angeklagte Köster brachte darauf noch ein Hoch aus die Sozialdemokratie aus, in welches u. a. auch die beiden Mitangeklagten einstimmten. Tie drei Ge- nannten waren deshalb vom Schöffengericht der Uebertretung des vorbezeichneten Paragraphen sür schuldig befunden und zu je 15 M. verurlheilt worden. Die Strafkammer hob dies Urlheil insoweit auf, als nur der Angeklagte Köster sür überführt erachtet wurde. In betreff der beiden Mitangeklagten folgte der Gerichtshof den Ausführungen der Vertheidigung, daß dieselben die Hochrufe aus- gestoßen hatten, während sie sich in Beivegung befanden, um den Saal zn verlassen. Für Ordnung, Ncligion und Sitte. Ter Zweikampf, welcher als eine Folge des Hosskandals zwischen dem Vetter des Zeremonienmeisters v. Kotze, Rittmeister a. D. Dietrich v. Kotze einerseits und dem Freiherrn v. Schräder andererseits stattfand, beschäftigte gestern die erste Strafkammer des Land- gerichts II. Wie erinnerlich sein wird, soll Freiherr».Schräder den Zeremonicnmeister v. Kotze in enge Verbindung zu den anonymen Briefen skandalösen Inhalts gebracht und an den königlichen Hansminister Freiherrn v. Wedel-Pieedorf einen Brief gerichtet haben, der schwere Beschuldigungen gegen Herrn v. Kotze enthielt. Der vorgenannte Verwandte des letzteren ließ daraus den Freiherrn v. Schräder durch den Chefredakteur der„Kreuz- Zeitung", den edlen Freiherrn v. Hammerstein, als Kartellträger sordern. Tie Forderung lautete auf gezogene Pistolen mit drei- maligem Kugelwechsel und 15 Schritt Entfernung. Am 21. Januar d. I. in früher Morgenstunde fand die Prügelei im Grunewald statt. Keiner der Duellanten wurde verwundet. Die Helden hatten sich nun gestern wegen Zweikampfes mit lödtlichen Waffen zu verantworten. Den Vorsitz führte Land- richter v. Naugsdorf, die Anklagebehörde vertrat Assessor Meyer, die Vertheidigung führte Rechtsanwalt Lobe. Bei Feststellung der Personalien der Angeklagten wurde erwähnt, daß der Angeschuldigte v. Schräder einmal wegen Beleidigung mit einer Geldstrafe von 200 M. vorbestraft ist. Derselbe erklärte, daß dies infolge eines Streites geschehen sei, den er in seiner früheren Eigenschaft als Ritlerguisbesitzer mit einem Amtsvorsteher gehabt habe. Der Vorsitzende erörterte sodann, daß der Kugelwechsel ohne Visir und Stecher stattgefunden hatte, daß als Sekundanten des Angeklagten v. Kotze der Freiherr v. Hammerstein und der Ober-Präsidialrath Freiherr v. Branden- stein fungirt hatten, die Sekundanten des Herrn v. Schräder seien nicht genannt.(Hosmarschall der Kaiserrn Friedrich, Frei- Herr v. Reischach, und Kammerherr v. Blumeutbal. Das Amt des Unparteiischen hatte Graf v. Tschirsky- Renard ausgeübt. Die Angeschuldigten gaben den Sach- verhalt zu und erklärten auf das Anheimstellen des Vorsitzenden, daß sie keine Veranlassung hätten, sich über die Ursache des Duells auszulassen. Der Staatsanwalt beantragte das zulässig n i e d r i g st e Strafmaß, je drei Monate Festung. Der Vertheidiger verzichtete aufs Wort. Der Gerichts- Hof erkannte nach dem Antrage des Staatsanwalls. Es liege keine Veranlassung vor, über daZ gesetzlich niedrigste Strafmaß hinauszugehen. Die ganze Verhandlung nahm eine Viertelstunde in An- spruch. Man vergleiche mit diesen milden Beurtheilnngen einer rohen Raufszcne die harten Strafen, welche gegen sozialdemokratische Redakteure ausgesprochen werden, die ihre politische Ueberzeuguug in einer den Staatsanwälten mißfälligen Form bekunden. Nur so weiter mit dem Kampf für Ordnung, Religion und Sitte! Der Kaufmann Carl Göhring auö Rixdorf, welcher, wie wir berichteten, kürzlich in Gemeinschaft mit seiner Frau wegen zahlreicher, namentlich gegen Arbeiterinnen verübter Be- trügcreien zu einer erheblichen Freiheitsstrafe verurtheilt wurde, hatte sich in der letzten Sitzung des Rixborfer Schöffengerichts wiederum wegen Unterschlagung zu verantworten. Der Ge- schädigte ist der Mechaniker Georg Rehfeld in Berlin. Das Urthcil lautete auf eine Woche Gefängniß. Tie Sonntagsarbeit bei der Firma K. F. Witte unterlag gestern der Prüfung der Kammer VII beim Land- gericht. In der Vorinstanz ist der Inhaber der Firma ver- urtheilt, weil er geduldet hatte, daß an einem Sonntag Vor- mitlaL in seinem Betriebe gearbeitet wurde. Gegen das ver- urtheilende Erkenntniß wurde Berufung mit der Motivirung eingelegt, daß die Arbeit im Frachtgeschäft(das unter das Verkehrs gewerbe gerechnet wird) vor sich gegangen sei, die Spedition bilde nur einen Theil des Betriebes. Der Zeuge, der die Uebertretungen der Sonntagsruhe seinerzeit zur' Anzeige gebracht hatte, betonte, daß der Schwerpunkt im Geschäft der Angeklagten wohl mehr auf der Spedition als auf dem Fuhr- geschäft liege; der Betrieb der Firma Witte habe einen voll- kommen kaufmännischen Charakter, sie betreibe vorwiegend Bank- Kommissions-Jnkassogeschäste. Es seien die Komtoristen bei der Arbeit betroffen worden, die nach dem herrschenden Begriff zum Handelsgewerbe gehören.— Der Gerichtshof konnte sich nicht über die Frage schlüssig werden, ob der Angeklagte als Unter- nehmer im Verkehrsgewerbe oder im Handelsgewerbe anzusehen sei. Es wurde beschlossen, nach dieser Richtung hin noch weitere Erhebungen anzustellen, im weiteren soll das Ermittelungs- verfahren auf die Personen ausgedehnt werden, welche an dem fraglichen Sonntage beschäftigt waren, die Akten sollen zu diesem Zweck der Slaalsanwaltschast eingehändigt werden. Ein unnatürlicher Vater wurde gestern der zweiten Straf- kammer des Landgerichts I in der Person des Schankwirths Michael Bartuczus vorgeführt. Wie auZ der Unheils- verlündigung hervorging, hatte der Angeklagte mit seinem eigenen siebenjährigen Töchlerchen unzüchtige Handlungen schlimmster Art vorgenommen. Das Gericht verurtheilte ihn zu einer G e« fängnißstrafe von zwei Jahren. DetrelMen. (Privat-Telegramm des„VortvürtS".) Lübeck, 27. Juni, 10 Uhr 20 Minuten. Heute Abend starb Fried r. Meyer, Verleger des„Lübecker Volksboten". Wolff's Telegraphen-Bnreau. Rom, Donnerstag 27. Juni. Deputirtenkammer. Jmbriani und Demicolo bringen zwei Anfragen über den Prozeß Giolilti ein. Darauf wird die Sitzung ohne Zwischenfall geschlossen. London, Donnerstag 27. Juni. Oberhaus. Lord Salis- bury führte aus, er beabsichtige nicht, eine Erklärung über die Politik des neuen Kabinets abzugeben, da die Zeit hierfür noch nichl gekommen sei. Die Regierung habe augenblicklich nur eine Politik, nämlich sobald als möglich das Parlament aufzulösen. Er hoffe, daß die Zluflösung am 3. oder 9. Juli statt- finden werde. Tie Regierung werde alles, was sie könne, lhun, um die Entscheidung der Wähler zu beschleunigen, die allein die Linie der zu befolgenden Politik vorzeiäinen könnte. Lord Roscbery erklärte, er wäre überrascht, daß die Regierung ihre Politik von der Auslösung abhängig machen wollte; die vorige Regierung sei bereit gewesen, ihre Politik dem Urtheile des Landes zu unterwerfen, die gegenwärtige Regierung biete aber nur ein leeres Blatt als ihre Politik. Redner bat dann um Aufklärung, warum Lord Salisbury den bisherigen Kriegsminister Campbell Bannerman Dienstag habe auffordern lassen, die Siegel keines Amtes aus- zuhäudigen, was ein ungewöhnliches Versahren wäre. Lord Salisbnry erwiderte, die Opposition müßte warten, bis die Regierung gebildet wäre, ehe eine Erklärung de- züglich der Politik abgegeben werden könnte. Be- züglich des Kriegsministers habe er geglaubt, es sei im Juter- esse der wichtigen Obliegenheiten des Kriegsmiuisteriums wünschenswerth, daß dort kein Interregnum eintrete, vielmehr dieser Posten sofort besetzt werde. Er wäre in rein freund- schastlicher Verbindung mit Campbell Bannerman geblieben, als er ihn durch seinen Privatsekretär fragen ließ, ob es ihm genebu» wäre, ihm die königlichen Amtssiegel eher auszuhändigen, und ob er, wenn er wünsche, die Reise nach Windsor zu ver- meiden, dieselben durch den Privatsekrelär überbringen lassen wolle. Eine Beleidigung Campbell Bannermaus sei nicht be- absichtigt gewesen, uichts hätte seiner Ansicht ferner gelegen, als gegen Campbell Bannerman unhöflich zu sein. Lord Rosebery erklärte sich durch die Antwort Lord Salisbury's sür befriedigt. Das Haus vertagte sich sodann aus morgen. (Depeschcu-Rnrean Herold.) Rom, 27. Juni. Mehrere Blätter veröffentlichen die Notiz. die Königin sei bei ihrer gestrigen Spazierfahrt von der Volks- menge mit den Rufen:„Hoch die Königin, hoch Margberita! Nieder mit dem König, nieder mit Crispi!" begrüßt worden. Rom, 27. Juni. Mehrere Blätter veröffentlichen eine Er- klärung, in welcher Cavallolti mitlheilt, daß er seine Anklagen gegen Crispi, nachdem die Kammermehrheit dieselbe» zurückgewiesen habe, in begründeter Form vor dem Staatsanwalt wiederholen werde. Sollte das Gericht diese Anklage nicht annebmen, so er. warte er, daß man gegen ihn die Anklage wegen Verleumdung eines Staatsbeamten erheben werde. Warschan, 27. Juni. In der letzten Zeit sind hier wieder zahlreiche Verhaftungen vorgenommen worden. Die Verhasteten, unter denen sich auch ein 80jähriger Buchhändler besinder, ge- hören allen Gesellschastsklassen a». Die Polizei glaubt einer geheimen Verbindung auf der Spur zu sein. Verantwortlicher Redakteur: I. Dierl(Emil Roland) in Berlin. Druck und Verlag von Max Bading in Berlin, SV'., Beuthstraße 2. Hierzu«ine Veilage. Beilage zum„Vorwärts" Berliner Volksblatt. Ur. 14S. Freitag, de» 28. Im» 1893. 12. Jahrg. Voinlttnnnles. Stadtverordneten- Versammlung. Oeffentliche Sitzung vom Donnerstag, den 27. Juni 189S, nachmittags 5 Uhr. Die Petition des Andreasplatz- Bezirksvereins um An- bringung von Schildern an den Häusern, in denen Schiedsmänner, Waisenräthe und Armenkoinmissions-Vorsteher wohnen, beantragt der Petitionsansschuß, dem Magistrat mit dem Ersuchen zu über- weisen, zu erwägen, ob die betr. Adreßschilder nicht in den öffent- lichen städtischen Gebäuden angebracht werden könnten oder ob dein künftigen Pächter des Anschlagswesens nicht die Ver- pflichtung aufzuerlegen sei, die bezüglichen Angaben ans den Anschlagsäulen zu machen. Es wird demgemäß beschlossen. Tie Vorlage betr. die Erweiterung der Haupt- Feri er wache in der Lindenstraße gelangt ohne Debatte zur Zinnahme. An den Asylverein für Obdachlose, der sein bisher in der Büschingstr. 4 befindliches Männerasyl aufgeben muß, soll ein Theil des städtischen Grundstücks, Wiesenstr. SS/SS für 241 965 M. zur Errichtung einer neuen Anstalt käuflich überlassen werden. � Stadtv. D i e r s ch: Bei dem Verkauf städtischer Grundstücke darf es nicht nur daranf ankommen, daß ein gutes Geschäft gemacht wird, sondern es müsse» auch die Nebenumstände mit in betracht gezogen werden. Durch die Errichtung eines Asyls an der betr. Stelle würde die Weiterenlwickelung eines mühsam aufblühenden Stadttheils unterbunden, die dort be- findlichen Gymnasien, Gemeindeschnlen, Fabriken zc. durch diese neue Nachbarschaft in höchst unangenehme Beziehungen und Be- rührungen gebracht werden, der schöne Humboldlhaui zu einem Schlnpfwinkel für die Obdachlosen herabsinken. Der Friede wird in der Bevölkerung durch Asylisten gestört, der Humboldt- Hain ruinirt werden.(Widerspruch und Lachen.) Ueberlegen Sie sich die Sache recht sehr und lehnen Sie die Vorlage ab! Stadtv. Singer: Der Vorredner muß doch die Verhält- Nisse und die Menschen nicht kennen, sonst wäre er zu solchen fast grotesken Aeußerungen nicht gelangt. Ich bitte Sie um An- nähme des Magistratsaulrags. Der Asylverein steht vor Ihnen nicht als Petent; er glaubt sogar auf grund seiner 25 jährigen Erfahrung ein Anrecht auf Berücksichtigung durch die städtischen Behörden zu haben und zwar nicht blos wegen seiner hnmanen Thätigkeit, sondern auch wegen der Hundert- tausende und Millionen, die er der Stadt in diesen 25 Jahre» erspart hat. Wir glaubten sogar hoffen zu dürfen, daß uns die Stadt ein Grundstück kostenlos geben würde; das ist nicht beliebt worden, wir haben uns darin gefügt und wollen nun das qu. Grundstück für einen von allen Seilen für angemessen erachteten Preis erwerben. Sind den» nun die Aus- flüsse der Thätigkeit des Asylvereins so schlimme, daß ein solches Asyl nicht in die Nähe eines bewohnten Stadttheils gelegt wer- den kann? Ganz dieselben Einwände wie heute hörten wir, als über das städtische Obdach beralhen wurde, jedes- mal dieselbe Politik: Ich bitt' Dich, heiliger Florian, verschon' mein Haus, zünd' andre an! Aber so geht dak nicht; ein solches Institut muß Unterkommen finden, und nur ganz nebenher bemerke ich, daß, wenn die Ver- sammluna den Antrag ablehnt, sie den Standpunkt der Stadt verschlechtert, weil diese sich dann jedes Einflusses auf die Aus- wähl des Ortes begiebt, und es ist sehr die Frage, ob die Herren nicht sehr bereuen werden. der heutigen Vorlage nicht zugestimmt zu haben, wenn der Verein später ein Grundstück kauft, wo es ihm paßt. Roth und Elend machen keinen ästhetischen Eindruck; aber deswegen, weil die Leute schlecht gekleidet und schlecht genährt sind, dürfen Sie doch nicht ihnen das Unter- kommen verweigern. Ueber die unangenehme Nachbarschaft muß Die Rücksicht auf das größere humane Interesse, welches die Stadt zu wahren hat, uns hinwegtragen. Bisher ist das Asyl in der Büschingstraße. Unmittelbar dabei ist der Friedrichshain, haben Sie elwaS davon gehört, daß durch die Asylisten dort Störunge» verursacht wurden? Wir haben mit Mühe und Roth dort die Zufriedenheit der Umwohner erreicht, wir werden sie in der Wtesenstraße noch in höherem Grade erreichen, weil wir eine große Empfangshalle anlegen wollen, die die Leute unmittelbar von der Straße wegnimmt. Auch in der Nähe der Büschingstraße sind Schulen und andere Anstalten; von einer Störung des Friedens der Schulkinder hat man nichts wahrgenommen. In einer Zeit, wo die Gegensätze so kraß wie heute auftreten, darf man nicht Vorwürfe auf eine Klasse der Bevölkerung häufen, wenn man sie nicht klipp und klar beweisen kann.(Zwischenrufe.) Ja wohl, das Publikum des Asyls benimmt sich durchaus anständig und giebt keine Ver- anlassnng zu der Bezeichnung„Strolche, lichtscheues Gesindel" u. s. w., wie sie der ehrenwerlhe Grundbesitzerverein des Weddiug in seiner Eingabe gebraucht. Da spricht man immer von Versöhnung der Klassengegensätze und will nicht einmal die Hand dazu bieten, fie zu mildern! Die aus lokalen Verhältnissen hergeleiteten Gründe können nicht durch- schlagend sein. Unsere Thätigkeit soll den Leuten nicht blos Obdach, sondern auch Arbeit verschaffe», deshalb brauchen wir ein Grundstück, welches nicht ganz außerhalb der Stadt hart an der Peripherie liegt, und gerade die, die den ganz un- berechtigten Verdacht hegeu, Arbeitslose sind Arbeitsscheue, müssen uns dazu behilflich sein. Wir gehen heute in die Ferien; lassen Sie es eine Ihrer letzten Arbeilen sein, ein Werk der Menschen- liebe zu fördern und das neue Osyl ein Jahr früher seinen Zwecken zu überweisen. Stadtv. P i tz m a n n: Ich kann Herrn Singer nicht darin folgen, wenn er die Asylisten als so reinlich und anständig schildert. Nur ein kleiner Bruchtheil ist ohne Schuld so weil gekommen. Ter Asylist, der vergebens nach Arbeit gesucht hat, muß den Hnmboldthain aussuchen und wird das Publikum dort belästigen. Mit großer Mühe haben wir es in dem Sladttheil zu einer Fortbildungsschule für Mädchen gebracht; auch diese ist durch das Asyl bedroht. Der Magistrat hat andere geeignetere Terrains, aber die will er eben durch das Asyl nicht un- produktiv machen. Ich habe niemals Hausagrarierbeslrebungen unterstützt, aber ich muß den Hausbesitzern recht geben, wenn sie behaupten, durch das Asyl in ihrem Besitz heruntergedrückt zu werden. Tie Gegend wird nur zu bald durch das Asyl bezeichnet werden. Heute schon finden sich im Hnmboldthain die Insassen der Herberge zur Heimath an der Müllerstraße ein; im Gefolge dieser Leute ist Leichtsinn. Trunksucht, Ver- zweiflung. Wie werden diese Mißstände sich steigern, wenn erst das Asyl auch noch dort ist! Lehnen Sie die Vorlage ab! Stadt. Leo: Die Gegner des Asyls haben wahrlich nichts gelernt und nichts vergessen! Alle diese Argumente haben wir bei jeder Asyldebatte gehört. Die Asyle sind keine Sammel- Plätze für Schufte. Geradezu rührend ist die Dankbarkeit. Ord- nung und Pflichterfüllung, die man in den Asylisten während ihres Aufenthalts im Asyl wahrnehmen kann. Wird das Asyl nicht angelegt, so werden die Obdachlosen Tag und Nacht im Humboldthaiii lagern und ihn ruiniren. Stadtv. S p i n o l a: Die Herren Leo und Singer gehören zum Vorstände des Asylvereins; ihnen kann man ihren Siand- punkt nicht verdenken. Ich gebe aber den Gründen der beiden anderen Kollegen den Vorzug. Das neue Asyl soll in den Norden verlegt werden; dort aber befindet sich schon das städtische Obdach. Wie"die Krankenhäuser sollten auch die Asyle über die ganze Stadt verlheilt werden. Stadtv. L a d e w i g tritt für die Vorlage ein. Müsse man der segensreichen Thätigkeit des Asylvereins Anerkennung zollen, so könne man ihm nicht bei dieser Gelegenheit hindernd in den Weg treten. Stadtv. V i r ch o w: Ich habe den Asylverein mit ge- gründet und gehöre ebenfalls zu seinen Vorstandsmitgliedern. Wir haben mit der Anlegung der Asyle eine zivilisatorische Mission erfüllt, wir haben zahlreiche Existenzen gerettet und der Stadt thatsächlich groben Nutzen gebracht. Die Verbrecher und Strolche scheuen das Asyl, sie ziehen andere Orte vor, von denen aus sie ihre Raubzüge unternehmen. In den Asylen ist diese Art Konspiration nicht zu Hause. Unsere grundbesitzenden Mitbürger haben doch in der That zu- weilen sehr spießbürgerliche Ansichten. Irgendwo müssen diese Unglücklichen doch untergebracht werden. Wir hatten mit recht höhere Rücksicht von der Stadt erwartet. Ganz beliebig hohe Preise können wir auch nicht zahlen. Wir haben seinerzeit mitten in der Stadt an der neuen Wilhelmstraße mit dem Asyl angefangen, und auch diese Gegend ist von Gottes Zorn nicht getroffen worden, wenn er auch über sie wie heute über die Wiesenstraße heraufbeschworen wurde. Stadtv. Gerstenberg beantragt Ausschußberathung, wenn auch dadurch die Angelegenheit um ein paar Monate, vielleicht um ein Jahr verschoben würde. Man müsse genau untersuchen, was mit dem Rest des Grundstücks zu geschehen habe. Stadtrath B o r ch a r d t: Diese Prüfung ist bereits angestellt und hat ergeben, daß Schwierigkeiten irgend welcher Art für die Verwerthung nicht bestehen. Nachdem noch Stadtv. H o r w i tz die Vorlage zur sofortigen Annahme empfohlen, wird der Antrag auf Ausschußberathung abgelehnt und die Vorlage in namentlicher Abstimmung mit 80 gegen 22 Stimmen angenommen. Die Stadtvv. Ullstein und Genossen haben folgenden Antrag gestellt: Den Magistrat zu ersuchen, ihr die schon am 8. No- vember v. I. in Aussicht gestellte Vorlage betr. die R e f o r m der Gewerbesteuer mit thunlichster Beschleunigung zu- gehen zu lassen, damit die Reform möglichst am 1. April 1896 in kraft treten kann. Nach kurzer Begründung des Antrags durch den Stadtv. U l l st e i n erklärt Stadtkämmerer M a a ß, daß es einer besonderen Anregung beim Magistrat nicht bedürfe. Die Sache werde so gefördert, daß kein Anlaß vorliege, zu bezweifeln, daß die Reform zum 1. April 1896 in kraft treten kann. Der Antrag wird darauf mit großer Mehrheit angenommen. Zur Kenntnißnahme theilt der Magistrat die von ihm an den Kultusminister gerichtete Vorstellung wegen Befreiung der Dissidentenkinder vom Li eligions unter- r i ch t in den Gemeindeschulen mit. Stadtv. Dr. Rüge heantragt dazu eine Resolution, wonach die Versamnilung ihre rückhaltlose Zustimmung ausspricht zu dem Protest, den der Magistrat gegen den verfassungswidrigen Ge- wissenszwang erhoben hat, wie ihn die Entscheidungen der Be- Hörden gegen die Eltern der betr. Kinder involviren. Redner hält für nothwendig, eine solche ausdrückliche Erklärung seitens der Versammlung hierbei noch abzugeben. Er bemängelt, daß in der Vorstellung des Magistrats von Religionslosen die Rede sei; man könne nicht ohne weiteres die Dissidenten und Freireligiösen als Religionslose bezeichnen. Stadtv. Vogtherr: Ich schließe mich der Anerkennung an, daß der Magistrat, wenn auch spät, den freilich erst vor neun Monaten gefaßten Beschluß der Versammlung aus- geführt hat. Auffällig ist allerdings, daß die von der Schul- deputatio» und vom Magistrat beschlossene Vorstellung der Zeit nach zusammenfällt mit dem jüngst besprochenen Ereigniß betreffs der jüdischen Lehrerinnen. Vielleicht hatte der Magistrat die Empfindung, dabei auch für die Dissidenten ein übriges thun zu solle». Allerdings wird in der Vorstellung an wichtiger Stelle von Dissidenten als von Religionslosen gesprochen. Ich halte es für eine altfränkische Auffassung, alle diejenigen, die sich mit Wunderglauben und dergleichen nicht befassen, einfach als religionslos zu bezeichnen, während zweifellos auch dem hart- gesotteusten Atheisten sein Atheismus schließlich seine Religion sein kann. In der Vorstellung ist mehrmals— vielleicht ist es ei» Druckfehler— statt vom Artikel 12, der die Freiheil des Bekenntnisses gewährleistet, von Artikel 11 der Verfassung die Siede, der die Freiheit der Auswanderung gewährleistet, und ick will nicht hoffen, daß mit dieser Verwechslung ein zarter Hinweis auf die Dissidenten verbunden sein soll.(Heiter- keit.) Ich wünsche, daß die Eingabe Erfolg hat, und wenn nicht, daß der Magistrat, der ja die Bürgerschaft hinter sich hat, sich in seiner Konsequenz und Hartnäckigkeit nicht beirren läßt. Stadtv. Meyer ll.: In der Schuldeputation selbst wurde von einem der Superintendenten dem Beschlüsse zugestimmt mit der Begründung, daß die Anwesenheit dieser Kinder beim Religiousunterrickt unvortheilhaft auf die übrigen zurückwirke. Ich hoffe, daß dieses Argument sich auch beim Minister Eingang verschaffen wird. Auf eine Anregung des Stadtv. Schwalbe wird die Re- solution dahin gefaßt, daß die Versammlung ihre rückhaltlose Zu- stimmung zu dem Vorgehen des Magistrats in dieser Angelegen- heit ausspricht. In dieser Form wird die Resolution fast einstimmig angenommen. In der vorigen Sitzung ist die Vorlage wegen Asphaltirung der Voßstraße abgelehnt worden. Ter Magistrat hat sie der Versanunlung von neuem unterbreitet.< wird vom Stadt. R a st der Antrag gestellt, die Vorlage unter der ausdrücklichen Bedingung zu genehmigen, daß der Preis pro Quadratmeter nicht auf 14, sondern auf 13 M. festgesetzt wird. An diesen Antrag knüpft sich eine sehr lebhafte Debatte, in welcher das Verhalten der Baudeputation und des Stadtbauraths tobrecht nicht gerade schmeichelhaft beurtheilt wird. Der »trag wird fast von allen Rednern befürwortet und schließlich beinabe einstimmig angenommen. Schluß 8 Uhr._ Lolrciles. Arbeitslose fiud Arbeitsscheue k So etwa lautete das brutale Geschrei, mit dem der Nimmersatte Grundbesiyer-Vercin gegen den Plan des Asylvereins für Obdachlose, in der Wiesen- slraße 55—59 ein neues Asyl zu errichten, ins Feld rückte. Und es fanden sich selbst für die unverschämte Forderung der Grund- besitzer, dem Asylverein kein städtisches Terrain zu verkaufen, Versechter in der Berliner Stadtverordneten-Versammlung. Der„Schützenkönig" Diersch, der seinerzeit kleine 40000 M. für die Kinderei des Schützenfestes von der Stadt erbettelt hatte, trat als erster Kämpe in die Arena für die Forderung der Grundbesitzer. Genosse Singer ließ ihm die gebührende Abfuhr zu theil werden und erntete Beifall auch außerhalb des Kreises unserer Genossen. Wiewohl noch einmal die S p i n o l a' s und P i tz m a n n'.s mit ebenso wenig Kenntniß wie Gefühl gegen die Aermsten der durch unsere herrliche Gesellschaftsordnung obdachlos Geivordenen sich wendeten, siegte bei der Mehrzahl der Versammlung doch das Schamgefühl über ihre Grundbesitzerzuneigung. Mit 80 gegen 22 Stimmen wurde der Magistratsantrag auf Verkauf des Grundstücks Wiesenstr. 55/59 an den Asylverein für Obdachlose angenommen und so kür einige hundert nächtlich Obdachlose ein neues Heim ermöglicht, in dem sie wenigstens ohne Be- lästigung durch Behörden ihre müden Glieder ausruhen können. Und wiewohl nichts spezifisch Sozialistisches in dem humanen Werk zu entdecken war, hat es 22 Stadtverordnete gegeben, die dagegen stimmten, und drei, die dagegen sprachen! Merken wir's uns! Neber eine Fahrt im„Viehwagen" wird uns geschrieben' Das große sozialdemokratische Volksfest ist vorüber, und wir eilen dem Friedrichshagener Bahnhof zu, von wo aus uns die„Eiser- bahn", wie der selige Reuter das große Verkehrsmittel der Neu- zeit nannte, nach dem dumpfen Berlin zurückbringen soll. Müde von dem ungewohnten 18 stündigen Ausenthalt„im Freien", erregt es in uns freudige Genugthuung, daß der Andrang kein zu großer ist und daß auch der Zug schon einfährt. Aber ungetrübter Freude soll nun einmal der Sterbliche nicht theilhaft werden: vor uns stehen Wagen an Wagen, jene berüchtigten Klapperkasten, die der Volksmund heute noch in Würdigung ihrer früheren Bestimmung als Viehwagen bezeichnet. Ein„eingestellter" Zug. Was thun— einsteigen oder nicht? Soll man solange warten, bis der nächste fahrplanmäßige Zug kommt, viel- leicht schon gefüllt? Ach was, in einer halben Stynde, so sagt ja der Fahrplan, ist man auf dem Schlesischen Bahnhof. Also; eingestiegen. Wenigstens einen Sitzplatz ergattert, das ist schön. Doch die Freude dauert nicht lange. Kaum hat sich das Un- gethüm aus Holz und Eisen in Bewegung gesetzt, da geht auch schon das mark- und hirnerschütternde Stuckern los, welches die Benutzung solcher„Viehwagen" zu einer Marter macht, die um so schrecklicher ist, als die mehr gedachten wie vorhandenen Lehnen der famosen, ziemlich roh zusammengehauenen Bänke dem Rücken keine» gleichmäßigen Halt bieten und die ganze Konstruktion der Bänke so ist, als hätten Besteller und 21«»- fertiger eigens in ihnen die Unbequemlichkeit vergegen- ständlichen wollen. Karambolagen der Reisenden sind unter diesen Umständen etwas Selbstverständliches. Gar nicht lange, und man ist„wie zerschlagen". Mein Gegenüber, der„Hunds- müde" ist, macht den Versuch, ein wenig zu„nicken". Er lehnt sich zurück an den Querbalken, Lehne genannt, der das Sitzbrett in zwei Hälften theilt und so gewissermaßen zwei Bänke daraus macht. Da setzt es einen besonders kräftigen Ruck, und— bums!— fährt ihn der Hut vom Kopfe. Tie auf der anderen Seite der„Lehne" sitzende Dame hatte just das gleiche Verlangen, und beider Köpfe— dem Rucke folgend, nicht dem eigenen Triebe — hatten sich in einer Weise berührt, von der man gerade nickt sagen kann, sie sei zärtlich gewesen. Die halbe Stunde ist längst um, in der ich glaubte nach Berlin zu kommen, und wir sind noch nicht mal in Sadowa. Mehrsach hat der Zug längere Zeit gehalten, der Aufenthalt, indem für„vier Pferde oder 20 Mann" dermaleinst bestimmt gewesenen Wagen wird immer qualvoller. Keiner weiß niehr,„wie er sitzen soll". Verwünschungen aller Art ertönen über die„verdammte Bummelei und Stuckerei". Um 1 Uhr 15 Minuten sind wir endlich auf dem ersehnten Schlesischen Bahnhof, wo wir„ganz kreuzlahm" aussteigen. Eine und dreiviertel Stunden hatte die Fahrt in dem Marterkasten gedauert.(105 Minuten, sonst 30 Minuten.) Der ganzen übrigen Einrichtung entspricht auch die Beleuchtung des ge- rühmten Wagens. Mehrere der dazu verwandten Lichtfunzeln verlöschten während der Fahrt; die eine derselben ließ dabei einen wahren Sprühregen flüssigen Stearins auf die in der Nähe Sitzenden herabsause», was der Kleidung derselben auch nicht zum Vortheil gereickte. Es drängt sich einem die Frage auf, ob sich denn wirtlich nicht eine schnellere Beförderung auch an Festtagen ermöglichen lassen sollte, ohne daß die Sicherheit darunter leidet. Als sicher ist doch anzunehmen, daß es mit einigem guten Willen geht. Aber sieht man auch davon ab, so kann nicht scharf genug getadelt werden, daß am Ende des 19. Jahrhunderts einer großen Masse von Staatsbürgern die Beförderung in Wagen zu- gemulhet wird, die jedem neuzeitlichen Anspruch auf Komfort und Bequemlichkeit Hohn sprechen und eher einer Folterkammer gleichen als Wagen dritter Klasse, wofür sie ausgegeben werden. Vor- nehmlich diejenigen haben unter den heutigen Mißständen zu leiden, welche sich einmal in frischer Luft ergötzen wollen, nachdem fie die ganze Woche geknufft und sich geschunden haben, und die am anderen Tage wieder früh auf den Beinen sein und tüchtig arbeiten müssen. Daß hier schleunigst Remedur geschaffen wird, kann die„große Masse" verlangen, ohne daß das moderne Staatswesen auch nur einen Tag früher als nothwendig seinem Schicksal verfiele. Die SoiintngSrnh« in den Bade-Anstalten ist bekannt- lich durch das Gesetz schon derart beschränkt, daß selbst bei einer gewissenhaften und buchstäblichen Erfüllung der bezüglichen Vor- schriften kaum von nennenswerthen Vortheilen für die Arbeiter die Rede sein kann. Die betreffende Verordnung vom 21. März d.J. besagt, daß, wenn die Sonntagsarbeiten in Bade-Anstalten länger als drei Stunden dauern, die Arbeiter ent- weder an jedem dritten Sonntag für volle 36 Stunden oder an jedem zweiten Sonntag mindestens in der Zeit von 6 Uhr morgens bis 6 Uhr abends oder in jeder Woche während der zweiten Hälfte eines Arbeitstages und zwar spätestens von 1 Uhr nachmittags ab von jeder Arbeit freizu- lassen sind. Selbst diese sanfte Bestimmung, die doch wahr» lich das menschenmöglichste zum Schutz der Unternehmer enthält, findet aber bei vielen Besitzern von Badeanstalten nicht die ge- ringste Beachtung. Im Admiralsgartenbad, in dessen Filialen, sowie in so ziemlich allen sonstigen Badeanstalten, die sich im Privat- besitz befinden, ist überhaupt kaum ein Arbeiter vorhanden, der jemals einen freien Sonntag hätte, geschweige denn, daß an ihm die Bestimmungen Erfüllung fänden, welche in bezug auf die Sonntagsruhe im Gewerbebetriebe am 21. März d. I. vom hiesigen Polizeipräsidium erlassen worden sind. Diese Arbeiter- schutz-Verordnungen sind für die Unternehmer einfach Luft, und nur wenigen fällt es in der Praxis ein, sich nach ihnen zu richten. Was sagt die Polizeibehörde zu diesen Zuständen, die Polizei, die sofort mit Strafbesehlen und sonstigen scharfen Maß- nahmen bei der Hand ist. wenn ein Arbeiterverein auch nur den kleinsten Fehltritt auf dem spiegelglatten Boden unseres viel- berühmten Vereins- und Versammlungsgesetzes begeht? Sind ihr die in den Bade-Anstalten herrschenden skandalösen Arbeits- Verhältnisse total unbekannt? Wir können von einer Behörde, die Kräfte genug zur Verfügung hat, um selbst die harm- loseste Versammlung eines harmlosen Arbeitervereins durch zwei Beamte überwachen zu lassen, im Ernste nicht annehmen, daß ihr die von uns geschilderte Art der Sonntagsruhe verborgen geblieben ist. Hören wir bald von einer entsprechenden gewerbe- polizeilichen Uebcrwnchung der Badeanstalten? Wird den Be- fitzern derselben, welche die behördlichen Bestimmungen srech mißachten, einmal scharf auf die Finger geklopft werden? Welchen Schädigungen an Leben und Gesundheit die Berliner Feuerwehr in Ausübung ihres gefahrvollen Berufe? und schweren Dienstes ausgesetzt ist, wird recht ersichtlich durch den Jahresbericht der Berliner Feuerwehr für das Jahr 189495. Das Exelutivpersonal der Wehr umfahte am Ende des Berichts jahres 1 Branddirektor, 6 Brandinspektoren, 8 Brandmeister, 7 Feldwebel, 8 Obermaschinisten, 83 Oberfeuerinänner, 323 Feuer- Männer und 3SK Spritzenmänner, zu welchem Personal noch hinzukommen 13 Bnreaubeamte, 31 Telcgraphenbeamte, 1 Tele- graphen- Ingenieur und 3 Obertelegraphisten. Die Wehr wird vervollständigt durch 2 Aerzte, 1 Thicrarzt und 1 Turnlehrep welche in dienstlichem Vertragsverhältnisse zur Feuerwehr stehen Die dem Berichte beigefügte Gedenktafel für die bei der Ausübung des Berufes ums Leben gekommenen bezw. infolge der bei Ausübung des Berufs erlittenen Verletzungen verstorbenen Offiziere und Mannschaften weist 1 Brandmeister, 2 Ober feuermänner, 6 Feuermänner und 3 Spritzcnmänner ans. Nach dem Krankenrapport sind im Berichtsjahre 475 Mann schaften behandelt worden. Die Zahl der Behandlung� tage betrug 20 716(für jeden Kranken durchschnittlich 43 Tage)- Von den Patienten wurden im Dienst verletzt 67; aus Nachweis- bar dienstlicher Veranlassung erkrankten 138. In Berlin wurde die Feuerwehr 1613 mal alarmirt, außerdem wurden 4936 Feuer ohne Alarmirnng gemeldet. Ueber die Weichbildgrenze hinaus wurde die Feuerwehr 43 mal gerufen. Neben ihrer eigentlichen Berufsthätigkeit wird die Feuerwehr bekanntlich auch für viele andere Zwecke in Anspruch genommen, weshalb sie bezeichnend auch„Mädchen für alles" genannt wird. So hatte die Wehr noch einzugreifen bei fünf Wasserrohrbrüchen, zwei Gasrohr- brächen, in zwei Fällen bei Einsturz von Baulichkeiten, einmal zur Beseitigung von Hindernissen in den Straßen, zweimal hatte sie gefährdete Personen und 40 mal gefährdete Thiere aus Nothlage zu befreien. In zehn Fällen handelte es sich um Wassergesahr, in 115 Fällen um Samariterhilfe, zwölfmal um Explosionen und dreimal um besondere Veranlassungen. Nicht uninteressant ist ist auch die Ucbersicht über die Ursachen der Brande, bei denen eine Alarmirung der Feuerwehr erfolgte. Es wurden verursacht 12 Brände durch vorsätzliche Brandstiftung, 6 durch fahrlässige Brandstiftung, 144 durch fehlerhafte und schadhafte Bau-, Heiz- und Beleuchtungsanlagen, 492 durch Unvorsichtigkeit im Umgang mit Feuer und Licht, 28 durch Spielen von Kindern mit Zünd- hölzern ec., 99 durch Ausbewahren von brennbaren Stoffen in der Nähe von Heizanlagen, 23 durch Explosionen, 28 durch Selbstentzündung, 3 durch Flugfeuer, 60 durch Rußentzündung. Bei 436 Bränden konnte die Entstehnngsursache nicht ermittelt werden. Und trotz der schweren und gefahrvollen Berussthätig- keit werden die Mannschaften der Feuerwehr nach behördlichem Zugeständnisse so unauskömmlich besoldet, daß ihnen der vielfach deklagte Nebenerwerb, wodurch sie den Arbeitern Konkurrenz machen, nicht entzogen werden kann! Tic»ach Holtenau und Kiel kommandirt gewesenen Schutz l e u t e sind während ihres dortigen Aufenthalts pekuniär gerade nicht auf Rosen gebettet gewesen. In Holtenau waren die Schutz männer in zwei Baracken untergebracht, die vorher polnischen Kanalarbeitern zum Aufenthalte gedient haben. Die 8 Lieutenants wohnten in einer anderen, Polizeihanptmann Haccins, der das Kommando befehligte, in einer eigenen vierten Baracke. In den Baracken erhielten die Sicherheilsbeamten als Frühstücks delikateste Kaffee und Semmeln und später Mittagbrot. Für die übrige Verpflegung hatten sie selber zu sorgen. Wer die Himmel- schreienden Klagen vernimmt über die horrenden Preise, welche während der Festtage für alles und jedes von den f biederen Kieler Bürgern gefordert wurden, der wird die Baarsumme von drei Mark, mit denen täglich jeder Schutzmann beglückt wurde, außerordentlich gering nennen müssen, wenn sich nicht die patrio tische Phantasie des polizeitreuen Philisters dazu aufschwingt, in den zehn Mark Vorschuß, die jeder dieser Leute in Berlin vor der Abreise erhielt, eine besondere Noblesse zu erblicken. Aller dings scheinen die paar hundert Beamten, welche zum Schutz der vielen Patrioten x. nach Kiel geschickt wurden, dort nicht gerade sehr von Nöthen gewesen zu sein; zum mindesten wird be- richtet, daß von ibnen trotz der furchtbaren Menschenanhäufung nicht eine einzige Sistirung vorgenommen wurde. Und das will bei dem bekannten Eiffr der Berliner Polizei schon viel sagen. Zu der Verhaftung der beide» bulgarische» Studenten Ncinoff und Ivan off, die in der Nacht zum 1. Juni in der von ihnen bei dem Schneidermeister Malsch, Linienstraße 59 innegehabten Wohnung erfolgte, erfahren wir einige Einzelheiten, die nicht ohne Interesse sind. Die Verhaftung der beiden Studenten erfolgte auf Betreiben des Schneidermeisters Malsch und zwar wegen Majestätsbeleidigung, deren sie sich in seinem Beisein schuldig gemacht haben sollen. Wie uns nun versichert wird, soll der Zeitpunkt, wo dies angeblich geschehen, schon längere Zeit zurückdatiren und Malsch soll von seiner Wissen- schast erst Gebrauch gemacht und der Behörde Anzeige erstaltet haben, nachdem infolge nebensächlicher Gründe die beiden Studenten ihm die Wohnung aufgekündigt hatten. Die Untersuchung in dieser Angelegenheit wird noch immer fortgeführt. Wie es heißt, sollen der Behörde nicht weniger als 18 russische und bulgarische Studenten, die in Berlin domiziliren, als„verdächtig" bekannt sein. In welcher Beziehung dieselben„verdächtig" erscheinen, darüber hüllt sich unser Gewährsmann, welcher in derlei Dinge» sonst immer gut unterrichtet ist, vorläufig noch in beredtes Schweigen! Jedenfalls scheint das Denunziationsfieber wieder einmal stark zu grassiren! Vor dem Ankauf gekochter Krebse bei Strafleuhiindlern warnt, wie alljährlich bei dem Eintritt der heißen Jahreszeit, auch jetzt wieder das Polizeipräsidium durch folgende Bekannt- machung: Durch den Genuß in Zersetzung begriffener gekochter Krebse sind mehrfach Personen, zum theil lebensgefährlich er- krankt. Dies wird hierdurch mit dem Bemerken zur öffentlichen Kenntniß gebracht, daß bei gekochten Krebsen, Krabben und anderen Krustenthiercn nach längerem Stehen, und zwar bereits vor dem Austreten eines Fäulnißgeruches, gesundheitsschädliche Stoffe sich entwickeln können, zumal wenn die Thiere erst nach erfolgtem Absterben gekocht worden sind. Ucbrigens pflegt bei derartigen Krebsen die Schwanzflosse nicht unter den gekrümmten Hinterleib gezogen zu sein. Das Publikum wird daher vor dem Ankauf gekochter Krebse wie sonstiger Krustenthiere bei un- bekannten Personen, zum Beispiel herumziehenden Händlern, dringend gewarnt. Von Beamten der politische» Polizei ist wieder einmal ohne ersichtlichen Grund ein Zeitungshändler von der Friedrich- straße zur Polizeiwache befördert worden. Er hatte Druckschriften über den„sanften Bruder Heinrich" verkauft, die der hohen Obrigkeit zn so energischem Einschreiten Veranlassung gaben. Da jedoch bei näherer Revision die sanften Heinriche der-höheren Behörde weder Anstoß zur Be- fchlagnahme noch zur Einkerkerung ihres Verbreiters boten, wurde der vermeintliche Verbrecher der Freiheit wieder- gegeben. Daß solche plötzliche Verhaftungen auch ohne Umfiurzgesetz in unserem herrlichen Vaterlande nicht selten, weiß jeder; aber mancher erfährt nie den Geund der polizeilichen Sistirung.— So weiß unser Genosse Fritz Krüger, trotz feiner Be> sch werdeschrift an das Ministerium des Innern, heute noch nicht, weshalb er vor nunmehr bald Jahresfrist plötzlich vom Mittagstisch, aus dem Kreise feiner Familie nach dem Alexanderplntz gebracht wurde. Zu der Schiffskatastrophe auf der Oberspree wird uns berichtet: Am Mittwoch sind fünf Leichen, und zwar fast genau an der Unfallstelle auf dem Grunde der Spree gesunden worden. Die Tobten lagen ziemlich dicht beieinander, so daß es den An- schein hat, als habe bei dem Schiffsuntergang ein entsetzlicher Kampf unter, den Ertrinkenden stattgefunden. Den schönsten und schnellsten Tod hat die kleine Frieda Klinke gefunden; das Kind war auf dem Schooße der Mutter eingeschlafen und ist schlum- mernd ertrunken. Tarauf deutet die Laae der Kleinen, die mit etwas seitlich geneigtem Kopf, an den Körper gezogenen Beinen im Wasser gefunden wurde. Nun fehlen noch zwei Leichen, und zwar diejenigen der Frau Klinke und des Frl. Kowalski. Die Untersuchung wird von dem königl. Amtsgericht in Köpenick geführt, und eine von dort entsandte Gerichtskommission weilte vorgestern tagsüber an der Unfallstelle; Vernehmungen finden jedoch auch auf der Berliner Polizei statt. Während der Anwesenheit der Gerichtspersonen an der Unfallstelle wurde fest- gestellt, daß der Dampfer„Max" mit einem Schutzdach ver- sehen war, welches für die Verunglückten verhängnißvoll wurde, da beim Kentern des Dampfers die Passagiere unter das Schutz- dach geriethen und so nicht loszukommen vermochten. Es ist ferner festgestellt worden, daß das Schutzdach am Montag durch einen Schleppdampfer heruntergerissen wurde, von welchem auch die im Kiel des„Max" aufgefundene fremde Schiffsschraube her- rührte; das Schutzdach ist gestern übrigens gleichfalls gefunden worden. Die Unglücks- und Leichenfundstelle ist durch zwei Fähnchen markirt; die Dampfer müssen die Spree an dieser Stelle gestoppt passiven, die Strecke zwischen den Fähnchen darf nicht befahren werden. Ei» neuer BootSnufall, dem aber glücklicherweise kein Menschenleben zum Opfer gefallen ist, wird uns vom Mittwoch von der Oberspree gemeldet. An diesem Tage liehen sich fünf junge Leute, Berliner Ausflügler, in Nieder- Schönweide ein Ruderboot, mit welchem sie nach dem jenseitigen, zwischen Tabberl's Waldschlößchen und Wilhelminenhof belegenen Ufer fuhren. Hier verließen drei der Insassen das Fahrzeug; die beiden zurückbleibenden brachten den Nachen in schaukelnde Be- wegung, das Boot schlug um und die Leichtfertigen stürzten in die Finthen. Glücklicherweise konnten die dem Ertrinken Nahen vom Ufer aus gerettet werden. Auf schwarze Pocke« werden gegenwärtig zwei Personen untersucht, die am Mittwoch, abends um 9Vs Uhr, zur Beobachtung mit einem Krankenwagen in die Koch'schen Baracken gebracht worden sind. Es handelt sich um die Wittwe eines Arztes, Frau R. und deren Sohn, einem Kandidaten der Medizin. Der Arzt, der beide bis zur Einlieferung in das Krankenhaus behandelt hat, ist der Ansicht, daß die schwarzen Pocken vorliege» können, und bat daher vorsichtshalber die Krankenhausbehandlung angeordnet. Die Erkrankung rührt vielleicht von einer An- steckung her, die sich der junge Mediziner bei der Theilnahme an der Behandlung der Frau Casali und deren Nichte zugezogen hatte. Eine empörende Rohheit verübte gestern der Delikatessen Händler Jbold in der Friedrichstr. 13 an einer seiner Verkäufe- rinnen. Aus irgend einem unbedeutenden Grunde war er mit der Dame in Wortwechsel gerathen, der zur Kündigung führte. Als die Verkäuferin fragte, ob sie sofort das Haus verlassen sollte, oder ob sie noch die Kündigungsfrist innehalten müßte, packte der Händler sie beim Arm, zerriß ihr das Kleid und prügelte auf sie mit geballten Fäusten los. Es versteht sich, daß die mißhandelte Dame gegen den Delikatesseuhändler Strafantrag stellen wird. Eine Strasiendiebi» hat am Dienstag Vormittag gegen 11 Uhr mit Erfolg in der Friedrichstadt gearbeitet. Die etwa 40 Jahre alte Tiebin treibt sich auf der Straße umher, um Kinder aufzulauern, die von ihren Eltern mit Geld ausgeschickt werden. So hatte am Dienstag die Kellnerfrau Rahm aus der Charlottenstr. 87 ihr 8Vsjähnges Töchtcrchen Ella mit 9 M. weggeschickt, die sie für gelieferte Milch einem Molkereibcsitzer in der Besselstr. 4 überbringen sollte. Dem Kinde, das die 9 M. in der Hand trug, schloß sich auf der Straße die kleine Emilie des Kaufmanns Kuntze aus der Charlottenstr. 84 an. Die beiden Kinder gingen durch die Kochstraße und blieben hier und da vor einem Schaufenster stehen. Es dauerte nicht lange, so hatten sie die Aufmerksamkeit einer Frau erregt, die sich ihnen mit den Worten näherte:„Na, Kinder, kennt ihr mich denn nicht? Ich stricke doch für Vater die Strümpfe." Dabei zeigte sie einen Strickstrumpf, an dem sie arbeitete. Als die Kinder ihr Vertrauen schenkten, nahm sie der kleinen Nahin bald das Geld ab und hieß sie mit in ihre Wohnung in der Wilhelmstraße gehen, wo sie eine Puppe er- halten solle. An der Ecke der Wilhelm- und Kochstraße schickte die Frau beide Kinder über de» Hos zwei Treppen hoch, indem sie vorgab, daß sie vorne hinaufgehe und die Wohnung offnen werde. Die Kinder warteten über eine Viertelstunde. Als sie dann auf die Straße zurückkehrten, war die Diebin natürlich verschwunden. Arbeitemsiko auf Baute». Beim Abriß des alten Reinickendorfer Chausseehäuscs(im Dorf Reinickendorf) hat sich am Donnerstag Vormittag kurz nach halb 10 Uhr ein erschüttern- der Unglücksfall ereignet. Dort waren mehrere Arbeiter mit der Freilegung des Fundaments beschäftigt, als plötzlich das Mauer- werk in einer Höhe von anderthalb Metern, einen halben Meter stark und ca. zweieinhalb Meter lang an der östlichen Seite am Schnittpunkte des Rosenthaler und Echönholzer Weges um- stürzte und den 21jährigen Bauarbeiter Herm. Schöppe, Berlin, Koloniestr. 25 bei Towe wohnhaft, unter sich begrub. Der Offizier eiuer zufällig in der Nähe befindlichen Abtheilnng Soldaten vom 4. Garde- Regiment befehligte sofort seine Mannschaften zur Rettung des Verunglückten, der auch nach längeren Bemühungen unter dem Mauerwerk hervorgezogen wurde. Der Aermste war bewußtlos; er wurde zu Herrn Dr. Berliner gefahren. Der Arzt konstalirte schivere innerliche und äußerliche lebensgefährliche Verletzungen und ordnete die schleunigste Ueberführung des Verunglückten nach dem Berliner Lazaruskrankenhause an. Der Zustand des Schöppe, der einen Bruch der Wirbelsäule, Quetschung und Doppelbruch des rechten Armes, Beckenbruch und schwere innerliche Verletzungen erlitten hat, ist hoffnungslos. Schöppe ist die einzige Stütze einer hochbetagten Mutter, die durch einen Hansirhnndel mit Scheuerrohr und Matte kümmerlich ihr Dasein fristet. Kleine Spielsachen können in den Händen von Kindern leicht gefährlich werden. So verschluckte am Mittwoch Nach- mittag der siebenjährige Sohn Walter des Bierverlegcrs Müller aus der Philippstraße eine sogenannte Vogelpfeife, ein kleines Instrument, auf dem man Vogelslimmen nachahmt, und gerieth in die Gefahr, zu ersticken. Ter Kleine mußte von seinem Vater 'chleunigst in ein Krankenhaus gebracht werden. Hier gelang es noch, de» gefährlichen Gegenstand mit einer Zange zu fassen und herauszuziehen. Die Leiche eines unbekannten eiwa 40jährigen Mannes wurde am Mittwoch Abend gegen 10 Uhr vor dem Stralauer Thore in der Spree gefunden und gelandet. WitternugSiibersicht vom 27. Juni 1895. Wetter-Prognose für Freitag, 28. Jnui 1895. Ziemlich warmes, vielfach heileres, zeilweise wolkiges Wetter mit etwas Regen und schwachen südwestlichen Winden. Berliner Wetter bureau, Polizeibericht. Am 26. d. M. morgens wurde auf dem Neubau der katholischen Garnisonkirche in der Hasenhaide der Bauwächter erhängt vorgefunden.— Vormittags wurde in der Spree, bei der Oberbaumbrücke, die Leiche eines seit einigen Tagen vermißten Mannes angeschwemmt.— Auf dem Ernnd- stücke Brandenburgstr. 34 fiel nachmittags ein Maurer beim Auf- stelles eines Gerüstes aus dem zweiten Stock auf das Schutzdach im ersten Stock herab und erlitt außer einer Verletzung am Kopfe eine Gehirnerschütterung.— Im Laufe des Tages fanden fünf unbedeutende Feuer statt. VerlammUmaen. Tie Freie Bereinigung der Graveure und Ziseleure hielt am 18. Juni eine Versammlung ab, in der Genosse Manfred Wittich in einem interessanten recht beifällig auf- genommenen Vortrag über die Banernkämpfe der Stedinger, Dittmarschen und Schweizer sprach. Von einer Diskussion wurde allseitig Abstand genommen und den Mitgliedern sodann die Anträge zur Generalversammlung mitgetheilt, die am 2. Juli stattfindet. Die Mitglieder werden ersucht, für den Besuch dieser Versammlung recht fleißig zu agiliren. Ter Verband aller in der Metallindustrie beschäftigten Arbeiter hatte am 19. Juni eine Bezirkcversammlung für' den Norden einherufen, in der Herr Waldeck Ma nasse in einem interessante» Vortrag über das Thema:„Krieg und Frieden" sprach. Tie Diskussion bewegte sich im Sinne des Referats; sodann wurden am Schluß der Versammlung einige interne Verbands- Angelegenheiten geregelt. Kä«dl«r und Händlerinn»» See»»« und Ztmoegeud. Groß- öffnit- liche Versammlung am Freitag, den es. Junt, abends Uhr, ün Lokals des Herrn Nölllg, Neue Friedrichstr.«4. Tagesordnung: Wie find die bestche, den Mißstände in der Zentral- Marllhalle(EngroS) zu beseitigen. Referent Kollege R. Saß. Arhriter-Kildniigstchntr. Freitag, Abends von Tss—»!( Uhr: Leklnre. 8);— lOjj Uhr: Nord-Schule, Müllerstraße 179 a: Geschichte(neuene). Südost- Schule, Waldcmarslr. 14: Teutsch(Lileratnr.) Bei allen Unter- rlchlsfächern werden neue Thetlnehmer, Tamen und Herren, jeder Zeit auf- genommen. Arbeiter» Kängerbund Kerl,»« ,>»d zlmgegend. Vorsitzender Ad. Neumann, Pasewalterstrabs 3.— Alle Aenderungen im Vereins» lalender sind zu richten an Fried. Kortum, Manteuffelstr. 49, v. S Tr. Lrritag. UcbungSstunde Abends 9— Ii Ubr. Ausr.abmevo» Mitgliedern. T o l le g ia, Adalberlstr. 21 bei Noll.— Katser'scher Männerchor, Schönhauser Allee 2», bei Kelle.— Arbeiter-Gesangverein Nord, Kastanten- Allee u, bei Buguflin.— Buch binder-Männercbor. Holzmarlrnr. 3, bei Deler.— Gesangrer. Maigloekchen I.Lindowerftr. 20 b. Sachs.— Gemüthlichteit, Acne Friedrichftraße Nr. 44, bei Nöllig. Deutsche Ltcderlafel. Blumenstratze 33, bei Wtedemann.— Thpoaraphia, Gesangverein Berliner Buchdrucker und Schrtstgteßer, ltohn's Restaurant(großer Saal). Bcuthstr. 2».— Gesangverein Lorb-er,wetg. Swinemünderftraße 3» bei Hübner.— Gesangverein Rhein gold, Gollnowflr. 40 bei Miezel.— Gclai gvercin M e I 0 d i a, Riidorf, Berpftr. 142 bei Schimkäse.— I r i k- Raunrmstraße 86 bei Fritz Zubeil.— Brandenburger Männer« Gesa ngveret» in Brandenburg a. H., Mengeris Bollsgarlen, Bergstraße.— Gesangverein Freya II(gemischler Chor), Rirdors. Hermannstr. 140, bei Tanicl Böttcher.— Freie Liedertafel. Er. Franlsurteistr. 74 bei Breuer.— Nord wacht, Chausseestr 72 bei Meißner. FreteSänger, Schmargendorf, Warnemünderftraße bei M. Schulte.— Arbeiler- Gesangverein Sängerl reis(Weißensee). Weißenburger- straße und Eedanstraßen-lkels bei Brennerl.— Loreley, Grün- Ihalerstraße 4 bei Hämmcrling.— L»stig e S ä n ge r. Potsdam, Bran- dendurger Kommunikation 16 bei Glaser.— Bteber'scher Männer- ch or, Rosenihalersir. 87 bei Wernau.— Geselligkeit, Hennigsdorf. Böhmert'S EanhauS.— O r a n t e, Weißensec, Königschaussee 4> bei Frense.— J ohanni, RüderSdorserslr. 48, Sclellschaslshaus Ostend.— Tängerverein Sorgensret, Admiralstr. I8c, Märtischer Hof.— San g e»fr eun v, Tragonerstr. 82 bei Kamlowsly.— Gesangverein Wacht aus I, Worther- straße>9 bei Schmidt.— Gelangverein S tral a u c r Liedertafel, Nummelsburg, Hanplstr. 88 bei Vowinkel.— Gesangveret» Treu und E i n i g r c i I, Rlxdorf, Prln, Handjerystr-iße Nr. 88 bei Reden.— Gesangverein Frohsinn, Rummelsburg, Göthesiraße, Gllc Kantsiraße, bei Merlers.— Gesangverein der Metallarbeiter(Oft), Blumenstr. 4«. — Morgenrolh 2. Charlottenburg, Bismarckstr. 74 bei Krause.— E in- t r a eb r 3,(Iberswalde, Elsenbahnstr. 77 bei Tibal.— Rosenthaler B 0 r st a d t. B-rnauerftr. 47.— H i lari ta«, Hochstraße 32a bei Wille.— Froh-Hossnung(Berlin W.), Grunewaldstraße uo bei Keßner.— Brüderschaft. Alle Jatobstr. 87-88 bei Lamprecht.— FrethettZ- a rocken, Wörlherstraße bei Buchhol,.— Rosalia. Blumenstr. 4» bei Tomatschcck.— S p r e n e, Rosenthalerstr- tz? bei Julius Werna». Hund der nrlclligru Arbeitervereine Hertin»»nd illngegrnd. Alle Zuschriften sind zu senden an P. ffl ent, Adalberlstr.»d. Freitag: Slaittub Kairo, Abends s Ubr bei Flick, Simeonstr. 23.— Mustlvercen Hoffnung, Große granlsurlerstr. 133 bei Gold. «csnug-, Turn-»nd geseUise H-rein«. Freitag. Ouartettverein W e dd in g, Abends ozj Uhr, bei Schäfer, Reue Hochstraße 49.— Gesang- verein H t l a r i a, Freitag, Abends 8j( Uhr, Sitzung Blumenstr. 46 bei Tcmoschcck.— ZilherNub„A l r> e n g r u ß"(Dir. A. Wollewttz), bei C. Gomoll. Waldcmarslr.»8, abendS 9 Uhr.— Prival-Thealerverein Grescendo, 9 Uhr, bei Schulz, Puibuserslr. 38.— Bergnügungsverein Thusnelda, Frellag, abend« 8* Uhr, bei Zubeil, Lindenstraße id.— Mufttverein Ho ssnung(Ost) Freilags Abends von 9— l, Uhr. Uebungssiunde Große Franffurlerstr.>33 bei Gold.— Tambourverein Frei-weg, Freitag, Ucdungsstunde bei W. Raddatz, Klsafserstr. tl... Berliner Turngenvssen schast. Die erste Mannerabtheilung turnt Freilag und Dienstag Abend von 8�-10* Uhr m der Turnhalle des Lessing-Snmnasiums Pankstr. 9—10.— Turnverein Gesundbrunnen die t. Männcr-Abtheilung turnt heule Abend von 8)j—>02 Uhr in der Turn- halle des Leising-Gtzmnastums, Panlstr. 9-10.— Kraft- u n d A r- i N- n- llub Berolina jeden Tienftog und Freitag UedungSstunde bei Erüßner. Waldemarstr. 42.— Turnverein F l ch t-(Mllglted des Arvetter-Turnerbunde« Tcullchland».) Die zwetle Wänner-Ablhellung rurnt jeden Dienstag und itreilag Abends von 8—1° Uhr in der Slalitzerstr. 88/8°.— Krafl-Turnverein H ossnu na übr jeden Fretlaa Abend von 9— u Uhr bei Schuhmacher, Pücklersir. 49.— Ziiherklub Waldrose, Abends 9 Uhr, Manieussel- straße 86, Parlerre-Restaurant.— Weretn Grüne Tanne, Abends 9 Uhr, bei Kaiser, MarknSstraße 8.—«ergnüguichSverein Im Brand, Sitzung jeden Freilag Abend 9 Uhr bei Feind, Wetnstr. II.— Gesangverein der Bauanschläger Berlins. Jeden Freilag, abends 9 Uhr bei I. Wernau, Rosenthalerstr. 87.— Zilberklub„Alp eng ruß"(Dirigent A. Woltewltz.) 9 Uhr bei S. Gomoll, Waldemarstr. 38. E la l Nu b Schnitt, Abends 9 Uhr. bei Dritlelwitz, Fallensteinstr. 7. — Tanzlehrer-Verein Solibarl tät, im Restaur. Grauer, Oranienstr. m. UiiKlioh Convrrvalloii&l Cliil> SliaUi'spenrc. Meeting every Friday at 9 p. m. nt Leherns Restaurant, Königetr. 62. Lecturer Mr. J. Bloch. Guests are welcome. Club l'nelc»am. 9 o'doclc p. m. Munzstr. 17. Washington'» brthday celebration. Guests welcome. Eingelaufene Druckschriften. »er Soilaldemolirni. Zenlral-Wochcnvlall der sozialdemokralisch-n Partei Deuischlands(Expeditlon in Berlin SW., Beulhslrabe 3). Jnhall der Nr. 26: Wochenschau.— Wahlnachllänge au» Italien II. — Tie polittsche und gewerlschaslliche Bewegung in der Nteder-Lausttz.— Tie Chinesen als Arbeiler.— Bauernhochschulen.— Parteinachrichten. Zur Bcachlung.— Tie Arboilerln im Kampf ums Dasein.— Die kapltalisttsche» Produltivgenossenschaflen alS Regeler der Produkllon.— Arbeilerorganisalionen.— Wie man uns behandelt.— Tvdlenlist«.— Lilerarisches. Vevttlisrhkes. Auch eine Ordnnngsstiitze. Aus Bukarest wird berichtet: Großes Aufsehen erregt in Galatz die Verhaftung des zum spanischen Konsul ernannten, von der Regierung jedoch noch nicht bestätigten Großhändlers Brenning, welcher als Vertreter der Pariser Firma Georgi mit der Stadtgemeinde von Galatz einen Vertrag wegen Einführung der elektrischen Beleuchtuiig abgeschlossen hatte. Hierbei hat er sich großer Bestechung schuldig gemacht. Infolge dieser Angelegenheit ist der Galatzer Bezirks- präfelt zurückgetreten. Eisenbahnverbindung zwischen Rußland und Persien. Wie Petersburger Blätter melden, liegt der russischen Regierung ein Projekt betreffend die Verbindung Rußlands mit Persien vermittelst Eisenbahn vor. Die Linie würde von Baku über Nascht nach Tabris gehen.— VviefftaNen dvv Dedsktton. Ab. 199. Die Bestimmungen über Erlernung des Heb- ammcnbcrufs können Sie in ver Sprechstunde cinselzen.— V. 1. 7. Wenden Sie sich an die Sparkassen- Verwaltung; es kommt ans die juristische Form deS Vereins an.— C. W. 25. Zn un- gunsten des Angeklagten kann Wiederaufnahme des Straf- Verfahrens stattfinden, wenn Urkundenfälschung, Meineid oder Rechtsbeugung die Freisprechung veranlaßt hatte»nd wegen dieser Verdrecheu eine Verurtheilnng erfolgt ist, ferner dann, wenn der Freigesprochene ein glaubwürdiges Geständniß der Slraslhat abgelegt Hai. Fiir denJiitialt der Inserate über- nimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung Theater. Freitag, den 28. Juni. Dentschr» Theater. Briend Fritz. (Freund Fritz.) Kcrlincr Theater. ZtlsSawö Sans- Gröns. Ueneo Theater. Tata-Toto. Kchillrr-Theater. Zopf und Schwert. Alrrandervlah- Theater. Ver- botene Liebe. Zlntional- Theater. Im Irren- Hause. Theater Zknter dr»r Linden. Miß Helyelt. Apollo-Theater. Ein Abenteuer im Harem. Friede.- Wilhrlmltädtischer park. Ausverkauft!!! Nini Diva. iiier-Theater. (Wallner- Theater.) Freitag; Zopf und Schwert. Sonnabend: Dir Hochzeitsreise.— Flattersncht. Sonntag, nachmrtt. 3 Uhr: Ultimo Abends 8 Uhr: Zopf nud Schwert �tional-Itiestel'. Große Frankfnrterstraße 132. Direktion: Kax Samst. Im Irrenhause. Sensations-Schauspiel mit Melodramen in 5 Akten und 8 Bildern von H. B. Regie: Max Samst. I. Bild: Zwei Hallunken. 2. Bild: Ein tiefes Geheimniß. Z.Bild: Der Rächer. 4. Bild: Die Geheimnisse des Irren- Hauses. S. Bild: Ein Verräther. 6. Bild: Der Plan des Teufels. 7. Bild: Die Tochter des Verbrechers. 8. Bild: Der Giftmord. Morgen: Dieselbe Vorstellung. Nationaltheater- Garten i Großes Konzert u. Spezialitäten-Vorstellung. Alle 5 Barrisons. Ein Modell. Fernand's Ehekontrakt. Kassenöffnung 5 Uhr. Anfang 6 Uhr. Entree 20 Pf. Reservirter Platz 40 Pf. Allgemeine Ausstellung für Sport, Spiel und Turnen. Berlin, Altes ReichstagsgebSude, Lcipzigerstraßc 4. Freitag, den 28. Juni, ge- öffnet von 10 Uhr vormittags bis 10 Uhr abends. Eintritt 50 Pf. mit interessantem Führerbuch. Kinder 25 Pf. Abends 8 Uhr: Vortrag des Herrn Major a. D. Schönbeck: „Aphorismen über die Hygiene des Reitens". Neu! Abtheilnng für Er» findnngsschnh! yolksganten (ehem. Weimann's Volksgarten) Grfnndbrnnnen. Kadstr. 56. Direktion: Maz Samst. Freitag, 28, Juni, sowie täglich: Gr. Konzert und Theater- Vorstellung, Spezialitäten I. Ranges. Auftreten des Berk. Original-Komikers VVilhelm Fröbel und Franz Becke. Chansonetten, Soubretten, Liedersänger, Luftgymnastik:c. Täglich: Familien-Ball, Kaffenöffnung S Uhr.— Anfang des Konzerts 6 Uhr.— Entree 20 Pfg. kasse-xartouts haben Giltigkeil. Mittwoch, den 8. Juli: Gr. Kinder- Freudenfest. Gebe den prachtvollen Weimann'schen Volksgarten an Vereine wochentags unentgeltlich ab. Victom-jBranerei Liitzowjlraße 111—118 Täglich außer Sonnabends Garten resp. Saal: Soiree der altbeliebten Stettiner nger (Meysel, W® Pietro, Britton, Steidi, Krone, Röhl und Schräder.) Anfang 8 Uhr. Entree 50 Pf. Vorverkauf 40 Pf. und Familienbill ets für 3 Personen gillig 1 M. (stehe Plakate). Eroße» Huinor-programm. II N S N I S Anstalt für volksthümliche Naturkunde. Am Landes Ausstellungspark (Lehrter Bahnhof). Geöffnet von 3— 10 Uhr. Täglich Torstellung im vissens ehalt- liehen Theater. Näheres die Anschlagzettel. Friedrich-Wühelnistälitisclier Concert-Park 25/26 CHausieestraßs 25/26. Ansverkanftes Garten-Etablissement; noch nicht dagewesen; bei uns aber Thatsache, daher machen wir keine Reklame. Lachkrämpf«! Sombenerfolg! Berlin amüsirt sich. Parodistische Burleske. Nini Diva die Sünde, die pikante Französin. Der Ber- liner Liebling Blum, ferner 34 Nummern. Entree 30 Pf. W. Noack's Sommer-Theater, Krunnenstr. 16. Täglich: Gonoert, Theater- n. Spezialitäten-Vorstellung. Die goldene Insel. Ausstatlungs-Operette v. Anton Arno. Jeden Sonntag. Montag, Dienstag und Donnerstag Im Saale: Grosser Ball. Kautmann's Varste. Eönigstr, Kolonnaden. Letzte Woche. Humoristischer Abend der Neumann- Bliemchen's Lchziger Tkilger. Nenmaun, V/ilh. Wolif, I Horvdth, Gipner, Lemke,| Feldow und Ledermann. Ans. 8 Uhr. Entree 30 Pf. Der Floht (La Puce.) Posse von Wilh. Wolff. Stürmischer Beifall. F" Et is fnui piepen! Reichshallen. Im prachtvollen Garten (bei ungünstiger Witterung im Saal) Täglich: Smimstisdie Soiree MAMfldeutacben Quartett' WÜl II>1. Couplet-Sänger Anfang 8 Uhr. Entree 30 Pf. Reservirter Platz 50 Pf. Sonntags: Anfang 7 Uhr. �DttsllllsteHeimlh. �nach� Mariaberg. kaeeage-raiioptleuiii. Täglich: Rettung aus seoei'zgesadi' durch die Feliemehr Basiüu's?AiiGptjKuw. Uns LsrenUeib. Hin HiuZ durch die Butt! BesMc weibliche Eitelkeit. EBysium 2665S* Landsberger Allee|tr. 40. Großer Garten u.Säle für Vereine und Privatfestlichkeiten. Sonntag: 60111� 11110 M- Aktien-Brauerei Friedrichshain (Königsthor). Heute Freitag: Grosses Militär- Frei-Konzert. Programm un e n t g e l t l i ch. Dsvaiftvif Ed- Wiersings ÄalXllUriRe8tanranl' karten 01* und Ball-Salon. Zknefebeckstr. 77. Hermannstr. 87. Jede« Sonntag im Garten: Gr. SpezilllitStell-Vorßelliiiij;. Em neu renovirten Saale von 4 Uhr ab: iroster öffentlicher Ball. 2 verdeckte Kegelbahnen. Kaffeeküche stets geöffnet. Meine Lokalitäten stehen den Vereinen zu Versammlungen, Festlichkeiten und bei Leichenzügen zur Verfügung. Neues Club-Haus 72. Kommandantenstrasse 72. Jeden Sonntag: WEF" BALL. Empf. meine 4 Säle zu Festlichkeiten u. Versammlungen gratis. H. Eberl. Mslpinden. ta';,»! sowie Milchgeschäfts-Utensilien. Jordan, Kleine Markusstr. S8. Sie geht los, hie Bahezeit! Yolks-Badeanstalt Rixdorf, Canner Chanssee. Der Unterzeichnete empfiehlt den ge- ehrten Einwohnern von Rixdorf und Umgegend seine renovirte Badeanstalt für Herren und Damen mit Schwimm» bassin. Man kann billig abonniren, auch werden Schwimmschüler auge- nommen. Schöner Aufenthalt im schattigen Garten. Vier Kegelbahnen, Schießbude, Kraftmesser und Schaukel stehen zur Verfügung. Jeden Sonntag im Garten: Große Spezialitäten- und Theater-Vorstellung von renommirten Künstlern. Im Saale: Großer Kall."VE Auch können Familien Kaffee kochen. Mein Lokal steht den geehrten Innungen sowie den Vereinen unent- geltlich zur Verfügung. 25601- Hochachtungsvoll A. Stolzenburg. Rohtavak. Grösste Auswahl! Billigste Preise B Lager in Formen, Bockfagona. U Heinrich Franck, |tr. 185, Krnnnenstraffe|lr. 185. Ueue freie Uolkshichne. Sonntag, den SO. Juni, von 8 Uhr früh ab im UHiiiggvIsvkIoss-k'rieckrivksksgvn: Großes humoristisches Wald- und Wasser Fest mit reichhaltigem Vergnügungs-Programm, u. a.: Ruder-Rogatta(Damen-Rennen), Wasserpossen(Schiller's Taucher, Eine Stunde in Mariaberg. Huldigung an Aegir), Wettsokwrimmen, Tauchen. Preiskegeln, Spiele, Tanx, Konzert der Zivil- Berussmusiker, Oliorgesänge von 150 Mitgliedern des Arbeiter-Säugerbundes u. a. mehr. Killet« ä 80 Pf. in allen Zahlstellen und in Friedrichshagen bei Kante Hoffmaun und bei Wartmann(Friedrichstraße und am Bahnhose). Kinder frei.— Fahrgelegenheit von 7—11 Uhr ab I a n n o w i tz- Brücke per„Stern"-Dampfer A 30 Pf.(Kinder die Hälfte), ab Schlesischer Bahnhof Exlra-Züge. BiV Näheres durch Säulen-Plakate. 68/8___ Der Dorltand. Ostbalm- RUdersdorferstr. 71. Am Kflstriner Platz. Theater- und Spezialitäten- Vorstellung. Regie: R. Hintsche. Karten Toneert von der 24 Mann starken Hauskapelle unter Leitung des Musikdirektors W. Carlono. Kaffeeküche 3 bi» 5 Uhr.— Entree 30 Uf. Nolksbelnstigunge» jeder Art. 4 Kegelbahnen znr VerfLgnng. Gute Ziere, ausgezeichnete Küche zu soliden preisen. Milchgesch. 200 M. verk. Sorauer- strahe 22, 1846b Schweizer Gerten Am KSnigsthor. Am Friedrichshain. Täglich: Theater. EM 30 Pfg. Spezialitäten. Ball. Tolksbelnstigungen aller Art. FtSr die Wochentage Ist das Etablissement mit Vorstellung und Tanz an Vereine zu vergeben. | Ausstellung Italien in Berlin. Station Zoologischer Garten. Morgen Sonnabend, den 29. Juni 1895: Lexinn äer xmsen italienischen Original-Fest-Auffülirnngen: 1. Ein DolMssest M itottm im Jahre 1848. Großer historifcher Festzug mit Wnsik. Pantomime«nd Tan? nach den Entwürfen von Hr. Ludwig Abels in Szene gesetzt von den königlichen Tänzern Frankels»nd Victor Forte, ausgeführt von 200 Perlonr» in stilvollen Griginaikostiimen. Beginn 10 Uhr abends. Schauplatz die gesummte Ausstellung. Um 11 Uhr: KV' Große Fackelpolonaife. Ball in der Festhalle, wobei 2 Orchester konzertiren. Schluss 2 Uhr nachts. Entree I M. Heute Freitag: Großes Fest- Programm. Entree 50 Pf. �pee-Huvet üampischilfiahrts■ Gesellschait„Stern" Zu dem am Sonntag, den 30. Juni, in Friedrichshagen stattfindenden Waldfest fahren unsere Dampfer ab Cafi Alsen(Sachse's Wellen« bad) von des morgens 7 Uhr bis vormittags II Uhr.— Rückfahrt ab diiggelschloss HVa Uhr abends der erste Dampfer. KW" Fahrpreis pro Person 30 Ps. Kinder 15 Ps. Bin- und Rückfahrtscheine werden nicht ausgegeben. 2796L* Die Direktion. Waldfest in Friedriclisliagen. Bei der gelegentlich des Waldfestes des vierten Wahlkreises veranstalteten Küchrr- Urrloofung hat ein jedes mit der Ziffer 1 endigende Loos gewonnen.-- 231/13 Die noch nicht abgeholten Gewinne können von 9 Uhr früh bis 9 Uhr abends beim Genossen Klaweitter, SO., Sorauerftr. 14, 3 Tr. gegen Uorfeignttg de» Loose» i» Empfang genommen werden. Das Romitee. Orts-Krankenkasse der Drechslep. Außerordentliche General• Versammlung silmtUer Vertreter am Dienstag, den 2, Juli, abends 8 Uhr, Oranienhallen, Oranieustraße 51, Tagesord n ung: Der Erlaß des Herrn Oberpräsidenten und Statutenänderung. Z 13, letzter Absatz des Statuts. 1852o Der Vorstand. Lerliner Spar- und Bauverein (Eingetragene Genossenschaft mit beschränkter Hastpflicht). Kilanz am 31. Dezember 1804. A c 1 1 v a i 1. Grund- und Boden- Konto 1..... 2. Bau-Konto 1... 3. Grund» und Boden- Konto 2..... 4. Bau-Konto 2... 5. Jnventar-Konto.. 6. 5kautions>Ko»to... 7. Bank-Guthaben... 8. Cassa-Bestanv... Mf. 57 787 162 157 56 292 92 549 588 150 13 457 867 383 850 Pf. 50 61 50 93 48 69 Ol 72 Passivas 1. Geschäftsguthabenkonto Bestand am 31. De- zember 1393.... Zugang im Jahre 1894 Rückzahlungen im Jahre 1894....... 2. Spareinlagen-Konto. 3. Reservefonds-Konto. 4. Hypotheken-Konto 1. 5. Hypotheken-Konto 2. 6. Moabiter Terrain-Gesellschaft..... 7. Kreditoren-Konto.. 8. Reingewinn.... Mk. 29 637 18 227 47 365 202 47 663 12 832 386 165 600 155 000 1000 5 1 364 383 850 Pf. 90 55 45 30 15 30 27 72 Gewinnuertheilung. 3 pCt. Dividende auf Ge- Mk. Pf. schäfts- Guthaben am 31. Dezember 1893.. 889 14 Dem Reservefonds gutzu- schreiben..... 475 13 Mk. 1364 27 Mitglirderzaht. Am 1. Januar 1894.... 874 Eingetreten im Laufe des Jahres 1894...... 454 am 1097 1328 Am 31. Dezember 1894 schieden aus infolge von Tod, Verzug und Aufkündigung.... 231 Bestand an Mitgliedern 1. Januar 1895.... Die Haftsumme sämmt- licher Mitglieder betrug am Schlüsse des Geschäfts- jahres 1893.... Mk. Dieselbe hat sich vermehrt im Jahre 1894 um. Mk._ Gesammt- Haftsumme am Schluß des Geschäftsjahres 1894....... Mk. 337 200 1847b Der Vorstand: L. Schmidt. E. Roscher. H. Freese. 262 200 75 000 Bitte lese» Sie! an Jedem Genosse», der seinen Bedarf Cöiiiiiier-Piiletlits, Röcke», Iaqnet», Hosen, Wetten, Hüten, Stiefeln jc., ferner Ketten, Wäsche, Waschkessel, Koffer, Schirme billig und gut kaufen will, empfehle mein reichhaltiges Lager in alt u. nr«. Am Ufercgien, Schneidermeister und Parthiewaaren- Händler, 1Z7 Skalitzerstraße III. Krstrllnngrn nach Maas? werden gut nud billig ausgeführt. Bitte sehr, recht genau auf Namen und Hansnumiuer zu achten. Arkitsnjtze Freie Volksbühne. Donnerstag, den 4. Jnli, abends SVa Uhr: Zchres-Geileral-Bersammlung in Fiebig's Salon, Gr. Frankfnrterstraße S8. Tages-Ordnung: 1. Vermaltungs- und Kassenbericht(Stand des Prozesses). 2. Neuwahl des Vorstandes, des Ausschusses, der Revisoren, der Obmänner der Ordner. 3. Verschiedenes. Die Mitglieder werden dringend ersucht, in dieser wichtigen Versamm hing zu erscheinen. UBP"" Mitgliedskarte legitimirt."WS jstp- In der letzten General-Versammlung wurde beschlossen, daß wahrend ZUT" der Monate, in denen Vorstellungen nicht stattfinden, der Mitglieds- äW Beitrag aus 20 Pf. ermäßigt werden soll. Die Mitglieder, die ihren ZM- Beitrag noch.nicht geleistet haben, werden gebeten, dieser Pflicht nachzu- kommen. Die Inhaber der Zahlstellen sind jederzeit bereit, die Bei- träge entgegenzunehmen. Im Lnufe des Monats Juli findet ein Sommerfest statt. Den Vorstand der Freien Volksbühne. 301/19_ I. A.: Jnlins Türk, 0., Vlumenstraße 21. Deutscher Holzarbeiter-Verband. Zahlstelle Berlin. Montag, den I. InU, abends SVa Uhr, im Lokale Königshof, Knlowstraße' Ur. 37: Bezirks- VersamiiilUg fir kn Westen M SMejten. Tages-Ordnung: 1. Vortrag des Herrn kiodrlsok über:„Das Werkzeug als Kultur- träger." 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. 212/12_ Die Grtoverwaltnng. Fachverein der Mnsiliinstrunienten-Arbeiter. Am Sonnabeud, de» ÄS. Juni, abends 8'/a Uhr, in den „Oranienhallen", Oranienftr. 51, 1. Et.:_ M Oeneral» Versammlung« � Tages-Ordnung: 1. Wahl des Vorstandes. 2. Wahl der Arbeitsvermittlungskommission 3. Verschiedenes. Die Billets zum Sommerfest am 13. Jnli in der„Neuen Welt", Haseuhäide, sowie die Bibliothek-Kataloge gelangen daselbst zur Ausgabe. Die Mitglieder, welche länger als statutengemäß gestattet, mit ihren Beiträgen im tltiickstande sind, mögen sich umgehend an den Kassirer, Kollegen K o l I i n, Heimstraße 13, wenden. Mitgliedsbuch legitimirt. Zahlreiches Erscheinen zu dieser Versammlung wünscht 205/11 De«* Vorstand. Stellmacher Serlws! Sonntag, den 30. Juni, vormittags 9'/- Uhr, im Lokale Königsbank, Gr. Frankfurterstr. 117: OeffenkUdlo Verfamnelung. Tages-Ordnung: 1. Vortrag des Herrn Dr. med. We>> über:„Berufskrankheiten in unserem Gewerbe". 2. Diskusston. 3. Neuwahl der Agitations- Kommission 4. Werkstattangelegcnheiten. Zu dieser Versammlung sind die Kollegen aus den Wagenfabriken von Dittmann, Kühlstein und Neuß eingeladen. Wegen der Wichtigkeit der Tages. ordnung bittet um zahlreiches und pünktliches Erscheinen 215/9 Die Agitationskommission. Wie Uminiglmg der Dm-Anschlilger Derlins und Umgegend. Sonntag, 30. Juni, vorm. 10'/a Uhr, bei Herrn Röllig, Ueno Frirdrichstr. 44:_ Versammlung. Tages-Ordnung: 90/5 1. Gewerbegerichtliches. 2. Vereinsangelegenheiten. 3. Aufnahme neuer Mitglieder. Die Mitglieder werden auf§ 9 unserer Statuten aufmerksam gemacht. Dsr Vorstand. Achtung! MMtl. Achtung! Sonntag, den 30. Juni, vormitt. 10 Uhr, beim Gen. Henke(Renz' Salon), Naunynstr. 27: KiUlknitchlNlkN des ZciitralnrbliM itachcher Mauer Filiale II. Tages-Ordnung: 1. Vortrag des Genossen Faber. 2. Stellungnahme zum Stiftungsfest. 19Ij20 Der Vorstand. Deutscher Retallurbeiter-Verbaud. Uerwaltnng Kerlin Gk. Sonnabend, den l20. Juni, abends 8V2 Uhr, bei Rieft, Weber ltra he 17: ffW Mitglieder-Nerfammimtg."WZ Tages-Ordnung: I.Vortrag. 2. Diskussion. 3. Aufnahme neuer Mitglieder. 4. Verbands- angelegenheiten und Verschiedenes. 49/11 Die Kollegen werden ersucht, zahlreich und pünktlich zu erscheinen. Gäste willkommen. Die Grtsverwaltung. Moabit! GeffeM. Mßg für Min«! Nemn. Freitag, 23. Juni, abends 8i/s Uhr, in der Kronrnbranerei, All-Moabit 47/43. Vrl Mine,-» prakt. Naturheilkundige. Leiterin der .Tlj. Mläsilci IvllUb Charlottenburger Natur-Heilanstalt, über tiersisiden und Wassersucht(spec. Herzentzündung, Herzklappen- 27951, fehler, Herzerweiterung, Herzverseltung, nervöses Herzklopfen.) Eiitstehnng und Heilung durch die Naturheilkunde."ÄNZ Dsr Vorstaud des Vereins für arzneilose Heilweise. LTmcf! 7 ö Ii tu a2 M. Vollst, schmerzl. Zahnziehen IM. Plomben 1,50M. Rep. l\.UIlSU./idillärso{.Theilz. ZahnarztWolf, L6lpzigerstr.22. Spr. 8-7ühr. C. Frennd's Inselgarten fÄÄ'IÄv'S Lokal zu Sommerausflügen. Dampfer- Frühstücks-Haltestelle. Bei Kremsern wird Brückenzurückgang vergütet auf 1*8 Olh Hanekels Ablage. Wald, Wasser und dicht an der Station gelegen, empfiehlt sich zu Aus- flögen-c. Kaffekücho. Gate Speisen und Getränke. Ansspananng. Unserm Gastwirlh Wilh. Kupsh zu seinem 27. Wiegenfeste ein donnerndes Hoch! Verein der Schwindsnchts- brtider, Alexanderstr. 26. 1857b Todes-Anzkige. n Den Mitgliedern der Arbeiter- Bildungsschule zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Zuschneider Kuwslskü nebst Mutter und Schwester am 23. d. M. bei dem Dampferunglück aus der Oberspree ertrunken ist. Er war eines unserer eifrigsten und uneigennützigsten Mitglieder, stets bereit, der gemeinsamen Sache zu dienen. In diesem Sinne wirkte er auch an seinem Todestage noch bis zum Abend am Gelingen des Volks- festes mit, nicht ahnend, daß seinem Kämpfen und Streben so schnell ein Ziel gesetzt werden sollte. 63/17 Alle, die ihn kannten, bedauern innig sein tragisches Schicksal. Ein ehrendes Andenken ist ihm sicher. Drr Dorstand der Arbritrr-Kitdu»gssch«le. Spezialität: Bruchbandagen aller Art (eignes Fabrikat), sowie sämmtliche Artikel zur Krankenpflege empfiehlt Um Reiche, Seydelstr. 15 am Spittelmarkt, Lieferant s.Orls- u. Hilss-Krankenkassen läglich, auch Sonntags vormittags von 7 bis 9 Uhr: Verkilltf m gekoßtenl Rind- u. Schweinefleiscli k 30—40 Pf. per Pfd. RDckontott k 45 Pf. per Pfd. Vervalwog äer Kochanstalt Central-Viehhof. ophastoff- in Uips, Damast, CrSpe. - ,ta~" c Dhäntaste, Gobeli» und Pliisch spottbillig! SST Droben franko! Anfnftjfe in Emil Lefevre, eÄft, -- 158. Ganverein Berliner Bildhauer. iSr VerFsmmlung"WD nm Dienstag, 2. Juli, abends präzise 9 Uhr, Annenstr. 16. Tages-Ordnung: 1. Nochmalige Wahl des Verwalters, daumstände halber der Kollege Prahm das Amt nicht antreten kann, gleichzeitig wird der Antrag Härtung, den Beschluß der Versammlung vom 13. d. Mts., die Neben- beschäjtigung des Verwalters betreffend, aufzuheben, erledigt werden. 2. Angelegenheiten der Steinbildhauer. Zur Beachtung! Kollegen, welche länger denn 6 Wochen Beiträge schulden, haben während des Wahlakts keinen Zutritt. Mitgliedsbuch legitimirt. Die Kollegen der Steinbranche sind gebeten, recht zahlreich zu erscheinen. 73/12 Ber Vorstand. Adlershof n. Umgegend. Sonnabend, den 29. Inni, abends 8 Uhr, im Lokale des Herrn Wöllstein, Bismarckstraße 36—37: sllsn Arbeiter und Arbeiterinnen. Tagesordnung: I. Vortrag über:„Gesetz und Necht". Referent: Genosse A. Hoffmann(früher in Zeitz). 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. JjV"' Zur Deckung der Unkosten 10 Pf. Eutree. 70/11 Das Erscheinen aller Arbeiter und Arbeilerinnen in dieser Versammlung erwartet Der Dertrauenomann: 0. Schüler, Tresckowstr 30. Schweizer Garten. Am Königsthor. Am Friedrichshain. Sonnabend, den 6. Juli 1805: Grosses Simmerfest des Turoverelns„Rollte", unter Mitwirkung des Gesangvereins„preis>.isdsrtafsi". Grosses Garten Concert, Theater und Spezialitäten-Vorstellnug. Auftreten des gesammten vom 1. Juli ab gänzlich neu engagirten Hünsiler-Hersonals. Für Belustigungen jeder Art für groß und klein ist gesorgt. Im Saale: Großer Sommernachts Kall.?£? Erdbeer-Bowle Pfirsich-Bowle frisch, ausgezeichnet k Flasche 60 Vf. inkl., 10 Fl. Mk. 5,50. Johanuisbrrrwei», herb, Fl. 60 Pf. Drsertwei«, süß, Fl. 73 Pf. Stachelbecrwc»», ganz vorzüglich, Flasche M. 1,—. Echt Stonsdorstr Mör. k Str. I SO, 5 Ltr. 5,50, 10 Ltr. 10,—, 50 Ltr. 471/a, 100 Ltr. 90,- Echtrn alte» Uordhänser Ltrfl. Mk.1,10, 5 Liter a Mk. 0,90. Kerliner Getreide- Kiimmet Ltrfl. Mi. 1,10, 5 Liter ä Mk. 0,90. 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