Abendausgabe Nr. 57342. Jahrgang Ausgabe B Nr. 284 Bezugsbedingungen und Anzeigenpreife find in ber Morgenausgabe angegeben Redattion: SW. 68, Lindenstraße 3 Ferafprecher: Dönhoff 292-297 Tel.- Adresse: Sozialdemokrat Berlin Vorwärts Berliner Volksblatt 10 Pfennig Freitag 4. Dezember 1925 Beriag und Anzeigenabteilung: Gefchäftszeit 9-5 Uhr Berleger: Vorwärts- Berlag GmbH. Berlin S. 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Donhoff 292-297 Zentralorgan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands Erwerbslosenaktion in Dänemark. Ein Erfolg der sozialistischen Regierung. Kopenhagen, 3. Dezember.( Eigener Drahtbericht.) Endlich, auf Bewilligung von fünf Millionen zur Jnangriffnahme geplanter nach sechs Wochen schwerer Berhandlungen, nach einer heftigen Deichbauten, Eisenbahn- und Boft arbeiten im Reichs. Preffetampagne und nach vielen Aenderungen hat die dänische tag eingebracht. Weiter steht ein Regierungsentwurf zur UnterRegierung ihren Borschlag, durch Zuschuß an Kommunen stügung von notleidenden Industrien bevor. Die Konservativen, als und Private Arbeit für das Arbeitslosenheer zu Partei der Industriellen, verlangten ursprünglich einen 3 ollschutz schaffen, zur Annahme in beiden Rammern gebracht. für solche Industriezweige, da aber die Sozialdemokratie verlauten Es war ihr gelungen, dem Vorschlag eine solche Form zu geben, ließ, daß ein 3oll für sie nicht in Frage kommen fönnte, haben daß Radikale, Sozialdemokraten und Konservative für ihn stimmten, sich die Konservativen bereit erklärt, auch„ sachlich mitzuarbeiten", während die Bauernpartei, Venstre, bis zulegt an ihrem menn die Regierung ein System staatlicher Unterstügung der In. Standpunkt festhielt, Gelder für außerordentliche Arbeiten nur zu duftrie in der Deflationsperiode vorschlägt. Vor allem wird die bewilligen, wenn die Arbeiter einen Lohn abschlag zubilligten. sozialistische Regierung eine Kontrolle des Unternehmer. Ilm die tonservative Unterstützung zu erhalten, ohne die bas Gefeß gewinns und der Preise für solche Industriezweige verlangen, in der ersten Kammer nicht angenommen worden wäre, nahm die die auf Staatsunterstützung Anspruch erheben. Davon wollen die Sozialdemokratie eine Reihe von Verschlechterungen Ronservativen natürlich nichts wissen. in Kauf. Sie fand sich, der Not gehorchend, z. B. damit ab, daß statt der ursprünglich angesezten 14 Millionen nur neun für diesen Zwed ausgeworfen wurden. Beachtenswert auch außerhalb der Grenzen Dänemarts ist, daß in dem endgültigen Gefeß eine Bestimmung aufgenommen wurde, nach der Kommunen und Private Staatszuschuß nur zu solchen Arbeiten erhalten fönnen, bei denen fie fich verpflichten, in Dänemart hergestelltes Material zu benutzen. Mit diesen neun Millionen ist natürlich die Arbeitslosig feit in Dänemark, die nunmehr 51 139 Mann umfaßt( dazu kommen ungefähr 20 000 Mann, die statistisch nicht erfaßt werden), nicht be. feitigt. Die sozialistische Regierung ist entschlossen, auch von Staats wegen alle nur möglichen Arbeiten in An griffzunehmen. Der Berfehrsminister hat schon einen Antrag Rückkehr der deutschen Delegation. Heute in Berlin eingetroffen. Die deutsche Delegation, die in London den Locarno- Bertrag unterzeichnete, ist heute mittag 12 Uhr 30 Minuten mit Sonderzug am Lehrter Bahnhof in Berlin wieder eingetroffen. Zur Be grüßung der Delegierten hatten sich zahlreiche Bertreter des Auswärtigen Amtes und der ausländischen Botschaften in Berlin eingefunden. Die Vermögenssteuer gefährdet. Ansturm des Unternehmertums. Der Anftarem des Großbefizes gegen feine Steuerleistungen hat ein neues Ziel gefunden. Mit allen Kräften wird darauf hinge arbeitet, die Bermögenssteuer zu beseitigen. Erst fürzlich hat der leitende Geschäftsführer des Reichsverbandes der deut schen Industrie, Geheimrat Kast 1, auf einer Frankfurter Tagung die vollständige Beseitigung der Vermögenssteuer gefordert, da fie die Kapitalbildung erschwere. Praktisch ist die Vermögenssteuer bereits bedeutungslos geworden. Ihr Ertrag ist im Reichshaushalt für das Jahr 1925 auf 500 millionen festgesetzt. Einge. gangen find bis zum 31. Oktober aber nur 88 millionen Und da die Borauszahlung, die im November fällig ist, nicht geleistet wird, so ist jetzt auch nicht mit erheblicheren Nachzahlungen zu rechnen. Nun hat inzwischen der allgemeine Vorstoß von zwei Seiten Unterſtügung erhalten. Obwohl die Abgabe der Bermögenssteuer. erklärung vom 15. November auf den 15. Dezember verschoben worden ist, sind jetzt die Spizenverbände der unter nehmer beim Reichsfinanzministerium vorstellig geworden. Sie verlangen, daß die Abgabe der Vermögenssteuererklärung abermals hinausgeschoben wird und die Steuerkurse für die Aftien nie. briger festgelegt werden. Was dieser Vorschlag in Wirklichkeit beabsichtigt, zeigt ein Antrag des demokratischen Abgeordneten Dr. Fischer Röln. Er fordert die Reichsregierung auf, fofort eine Gesegesvorlage einzubringen, burch die von einer besonderen Bermögenssteuerveranlagung für das Jahr 1924 abgesehen wird. Die Beranlagung soll für die Jahre 1924 und 1925 gemeinsam er. folgen und zwar nach dem Stichtag vom 31. Dezember 1925. Für die Bornahme einer gemeinsamen Steuererklärung für die beiden Jahre 1924 und 1925 sprechen gewiß manche praftischen Er mägungen. Aber der Sinn dieser Vorstöße ist weniger die Bereinfachung der Veranlagung als die Ermäßigung der Steuer. Summe. Die Bermögenssteuer ist dem Großbesig unangenehm. Seine Absicht ist, die gegenwärtigen Teilschwierigkeiten der Wirt schaft zu benutzen, um den gefunden Gedanken der Heranziehung der Bermögen zu den Staatslasten zu beseitigen. Es ist zu fürchten, daß das Reichsfinanzminifterium wie schon so oft, so auch diesmal dem Drängen der Unternehmer nachgibt. Ein solches Berhalten fönnte um so weniger gebilligt werden, als die Steuerlaften ohnedies bereits in der Hauptsache von ben Maffen des Boltes getragen werden und die ungeheuer an fchwellende Not erhöhte Mittel des Reichs beansprucht. Weitergang der Finanzberatung. Die Senatskommiffion zieht alle Anträge zurück. Paris, 4. Dezember.( Eigener Drahtbericht.) Rammer und Senat haben die Beiterberatung des Finanzgefeßes auf Freitag. nachmittag vertagt, nachdem die Finanzfommiffion des Senats, deren Sigung fich non 2 Uhr nochmittags bis gegen 9 Uhr abends hinzog, bie ursprünglichen Dispositionen über den Haufen gemerfen hat Wer seinen Willen durchsetzen wird, hängt schließlich davon ab, wem zuerst der Atem ausgeht, der Regierung oder den Industrieherren, von denen in der Tat vielen das Messer an der Rehle steht. Abseits wird bei diesem Kampf wieder die Benstre als Bauernpartei stehen. Das dänische Bauerntum, daß in den Jahren seit dem Kriege unheimlich verdient hat, und seinen Arbeiterbedarf noch mit Leichtigkeit deden tann, dessen England. export von der Deflation nicht so sehr wie der der Industrie bedroht ist, spielt eine weit reattionärere Rolle wie die geldhungrige und absagleidende Industrie, die mehr oder weniger auf Staatshilfe in der einen oder anderen Form angewiesen ist. Daher die eigentümliche parlamentarische Konstellation des Augenblids, die die nationalliberalen Bauern rechts von der fon. fervativen Industrie stellt! Die Finanzfommission hatte die Borlage zunächst in zahlreichen Bunften abgeändert, auf die Erklärung Briands aber, daß das Kabinett zurüɗtreten werde, wenn der Senat den Gefeßentwurf nicht in der von der Kammer verabschiedeten Form annehmen würde, sämtliche Abänderungsanträge zurüdge gogen und die Borlage in ber ursprünglichen Form mit 18 gegen 3 Stimmen angenommen. Das irische Gespenst gebannt. Das Abkommen zwischen Irland und Ulfter. London, 4. Dezember.( EP.) Gestern abend ist im Parlamentsgebäude zwischen der englischen und den beiden irischen Regierungen ein blommen unterzeichnet worden, bas, soweit sich voraus lehen läßt, die irischen Schwierigkeiten endgültig regelt. Die bisherigen Grenzen zwischen Ulster und dem Freis staat bleiben bestehen. Sollten Verhandlungen notwendig werden, so ist das Sache der Beteiligten. Die englische Regierung fcheidet als britte Partei in dieser Angelegenheit aus. Gewissermaßen als Entschädigung für seinen Berzicht in der Grenzfrage wird der irische Freistaat von allen finan. ziellen Verpflichtungen befreit, tie von ihm bisher auf Grund seines Anteils an den englischen Kriegsschulden erhoben wurden. Sozialisten gehen mit der Abrüstung voran. Dänemarks Rüftungsausgaben fünftig nur ein Drittel. Kopenhagen, 4. Dezember.( Eigener Drahtbericht.) Der sozia listische Verteidigungsminister Rasmussen brachte im Folkething den Abrüstungsvorschlag ein, auf den sich die bürgerlichen Radifalen und die Sozialisten geeinigt haben. Der Borschlag sieht die Abrüstung Dänemarks bis auf einen Grenzschuh vor, mie ihn Deutschland in seiner Reichswehr und Reichsmarine hat Die militärischen Ausgaben finten dadurch von 46 auf 17,5 millionen Kronen. Der Minister bezeichnete die Veröffentlichung dieses Borschlages einen Tag nach ber Unterzeichnung der Locarnoverträge als ein Entgegenkommen gegenüber der nationalliberalen Bauernpartei, die erflärt hatte, über eine Herabsetzung des dänischen Heeres mit sich reben zu laffen, wenn Locarno mirtlich unterzeichnet würde. Er führte über den Einfluß ber Locarnover. träge auf die Weltlage aus: Es ist eine Besensverschiedenheit zwischen den 2ocarnoverträgen und den früher geschlossenen Bündnissen. Früher bezeichneten folche Bündnisse einen be waffneten Frieden. Heute sagt man nicht mehr: Laßt uns rüsten, um den Frieden zu bewahren, sondern man ruft: Laßt uns abrüsten! Der Minister erklärte schließlich, daß die beiden Linkspartelen bereit seien, auf Wunsch der Rechtsparteien über die Abrüftung eine Boltsabftimmung durchzuführen ober, wenn die erste Rammer es wünsche, auch eine Neuwahl des Follethings vorzunehmen. Bekler roll wiederkommen. Der Reichswehrminifter Dr. Gegler läßt die Mitteilung, daß er bei ber Reubildung des Kabinetts endgültig auszuscheiden wünsche, dementieren. Der neue Geschäftsführer des Städtetags. Der preußische Ministerialdirettor im Innenministerium Dr. Bublert wurde vom Borstand des Deutschen Städtetages zum leitenben Geschäftsführer gewählt. Bekhwechsel des Reuterbureaus. Das Reuternachrichtenbureau ift in den gemeinsamen Besitz der Breffeassociation und bes Reuter. Trust übergegangen. Schramet, der Führer der tschechischen fatholischen Boltspariet, gab dem Präsidenten den Auftrag zur Rabinettsbildung zurük. Imperium des Wahnsinns. della Sera". Das Gesetz gegen die Emigranten.- Ende des ,, Corriere Lugano, 2. Dezember. In der Kammer hat der Abgeordnete Gray das Gesetz gegen die Emigrierten den ersten Ring zur Gefeßgebung des italienischen Kaiserreichs" genannt. Bisher verband man mit dem Begriff des Imperiums" den der Ausdehnung des eigenen Machtbereichs, der Gewinnung neuer Bürger; heute genügt die Aus stoßung der Bürger, um imperialistischen Gelüften genug zu tun. Eine gewisse moralische Genügsamkeit verförpert der Abgeordnete Gray übrigens Schon in seiner Person; er wurde nämlich von einem Ehrengericht als nichtsatisfattionsfähig bezeichnet, weil er von dem Unternehmerverband seiner Provinz( Novara) 500 Lire im Monat für seine parlamentarische Tätigkeit zu ihren Gunsten betam. Ein wesentliches Merkmal des neuen Gesezes, das mit 278 gegen 20 Stimmen( die der Giolittianer und der Kommu nisten) angenommen wurde, besteht darin, daß es eine Rechtsstrafe verhängt: 1. unter Umgehung der ordentlichen Gerichte, 2. für eine im Sinne des Strafgesetzbuches nicht strafbare Handlung. Die Strafe felbft ist auch neu und den anderen europäischen Gesetzgebungen unbekannt: Berlust des Bürgerrechts, Beschlagnahmung und Einziehung der Güter. Die Umgehung der ordentlichen Gerichte bedeutet natürlich Einbuße der Rechtsgarantien. Das Schicksal eines jeden Bürgers, ohne Garantie der Deffentlichkeit des Verfahrens und ohne Berufungsinftanz, hängt von einer von den Ministern des Auswärtigen und des Innern ernannten Kom mission von Mitgliedern des Richterstandes und hohen Beamten ab. Die Strafe wird verhängt, ohne daß die sie auslösende Handlung ein Berbrechen oder ein Bergehen zu sein braucht. Und dies, troßdem bis heute noch der§ 1 des italienischen Strafgesetzbuches in Kraft ist, der lautet: Niemand kann für eine Tat bestraft werden, die nicht ausbrücklich vom Gesetz als Verbrechen vorgesehen ist; gegen niemand tönnen Strafen angewendet werden, die das Gesetz nicht festsetzt." Wie bei allen faschistischen ,, Gefeßen" werden wesentliche Dinge, so vor allem die Prozedur- Beweismaterial, Zeugenverhör usw. den Ausführungsbestimmungen überlassen. Ueber den Geist, in dem man das Gesetz handhaben wird, gibt der Kommiffionsbericht der Rammer einigen Aufschluß: ,, Es sind zwei Kategorien schlechter Bürger, die die von dem Gefeßesentwurf eingeführte Kommission richten soll: die erfte besteht aus benjenigen, die, nachdem sie provisorisch ins Aus land gegangen sind, nicht wieder nach Italien zurückkehrten und nun unser Land verleumden in Zeitungen und Zeitschriften, die in italie nischer Sprache geschrieben sind und die sie gratis unter den italie. nischen Auswanderern verbreiten. Hierher gehören weiter die Mitarbeiter an fremben 3eitungen, die dort ihre Aufgabe niedriger Berleumbung gegen Italien erfüllen, ebenso jene, die auf Grund dunkler Protettion, und geheimnisvoller Begünstigungen außerhalb der Grenzen einen tendenziösen Nachrichten. dienst organisieren, mit dem sie im geeigneten Moment einspringen, wenn über die Baluta oder über Warenaustausch verhandelt wird. Mit ben improvifierten Führern revolutionärer Legionen beschäf tigen wir uns abfichtlich nicht. Italien oft ins Ausland begeben, um den Vorsiz bei Versammlungen zu führen, an Zusammenfünften auswärtiger politischer Organi fationen teilzunehmen, Vorträge zu halten, bei denen sogar ihr hinterliftiger Barteihaß sich das Mäntelchen der Wissenfchaft umhängt!" Wie man sieht: die Beute ist reich. Wer in Italien lebt, fann für jede der Kategorien und Unterkategorien Personen finden, auf die sie gemünzt sind. In der Kammerdiskussion wurde ein Zufaz Soleri angenommen, nach dem die Alenderung der Staatsbürgerschaft eines Gatten die des andern und der Kinder nicht berührt. Auch wurde der Kommissionsvorfchlag angenommen, außer der Einziehung des Ver. mögens feine Beschlagnahmung zur teilweisen Berwenbung für die Kinder und den Ehegatten vorzusehen. Rein Blatt bringt ben endgültigen Wortlaut des neuen Ge fetzes. Das heutige Publikum darf nicht mehr so anspruchs. voll fein. Es soll Gott danken, wenn man sein Bermögen nicht einzieht. An demselben Tage, an dem die Rammer die Handhabe geboten hat, um den Nichtfaschisten das Bürgerrecht abzuprechen, hat der Faschismus auch einen anderen Ausstoßungsprozeß zu Ende geführt: die Beseitigung des„ Corriere della Gera". Denn der Redaktionswechsel bedeutet tatsächlich die Beseitigung dieses Weltblattes. Was unter seinem Namen weiter lebt, ist eine o ffiztöse Mißgeburt, ohne Charakter, ohne Würde, ohne Tradition, etwas Widerwär tiges und Berächtliches, wie all die Blätter, deren Gepflogenheit, sich dem Meistbietenden zu ergeben, fie dem Faschismus in die Arme geführt hat, nachdem sie gestern demokratisch waren und morgen bereit wären, tlerital oder kommunistisch zu sein. Das alte rechtschaffene rechtsliberale Blatt, das die Gebrüder Albertint fett 1900 geleitet haben, existiert sett dem 29. November nicht mehr. In einem Bierteljahrhundert ist es Luigi Albertini unter Der Mitarbeit seines Bruders gelungen, ein technisch must e rgültiges Blatt zu schaffen, das tatsächlich in der ganzen Welt Lefer hotte. Es war ein Blatt mit anständigen journai liftischen Gepflogenheiten. Daß es fein Sachwalter prole blemen, die die italienischen moralischen, fulturellen und wirtschaft lichen Interessen betreffen. Sie ist dort, wo der Brenner sich als Bollwert des Gartens von Europa erhebt. des Tourismus, Konferenzen, Veröffentlichungen und unseres Ber: tes an der Seite der Tätigkeit der Regierung. Der deutschen Wacht des Baterlandes" entspricht die Wacht am Brenner! Italiener! | nisation in dieser Zeit der Not Arbeitergroschen für dieser 3med aufs Spiel sezen wird, wenn sie nicht die sichere Ueberzeugung hat, mit ihrem Vorschlag bei der Boltsabstimmung auch wirklich durchzudringen. Um diesen Erfolg zu sichern, muß der Wortlaut des vorzuschlagenden Gesetzentwurfs forgfältig überlegt werden. Der Gedanke liegt nahe, daß ein Vorschlag, der den ehemaligen Fürsten etwas läßt, mehr Aussicht hat, angenommen zu werden, als einer, der ihnen alles nimmt. Würde aber der Vorschlag einer entschädi gungslosen Enteignung, gegen den sich alle bürgerlichen Parteien menden würden, abgelehnt werden, was wäre dann Die Folge? Die Fürsten würden alles bekommen, was sie berlangen, und die Arbeiterorganisationen mären um sehr große Summen ärmer! Der Fall zeigt, wie weit die KPD. noch davon entfernt ist, es mit der praftischen Arbeit" ernst zu nehmen. Ihr Brief ist Parolenschusterei übelster Art,„ Entlarvungsmanöver" und meiter nichts! tarischer Interessen mar, machen wir dem Organ der nord-| italienischen Großindustrie wahrlich nicht zum Bormurf. Die fozialistische Bewegung hatte im ,, Corriere della Sera" einen rechtschaffenen Gegner. Als dann der Faschismus nicht nur die sozialistische Partei, sondern die ganze Arbeiter= Die Oberetsch ist noch immer Verschwörungshöhle bewegung niedertrampelte, sich nicht nur gegen gegen uns, und jenseits der Grenze entwickelt man einen heim den Aufstieg der Massen stemmte, sondern auch gegen alle tüdischen, peinlich vorbereiteten und mit teutonischer Be geschichtlichen Borbedingungen des Liberalismus, als er den harrlichkeit ausgedachten Plan. In den Kanzleien Europas Kampf der Klassen durch die Diktatur einer Clique bemerkt man die Fühlfäden der pangermanistischen irredentistischen erstiden wollte, da hat sich der„ Corriere della Sera" auf die Organisation, start an Mitteln, auf militärischer Basis, ausgestattet Traditionen des liberalen Bürgertums besonnen und hat diese mit 3eitungen, die uns täglich verleumden und unter die Bevölke hoch gehalten. Als bürgerlich- liberales Blatt hat es seinerung der Oberetsch das mächtigste Gift der Antiitalienität ausstreuen. Pflicht und Schuldigkeit getan. Vor dem aus dem journa= Feder gegen Feder, Wert gegen Wort, Gegengifte mit Hilfe listischen Kampf ausscheidenden Kollegen zieht der rechts fchaffene internationale Journalismus aller Parteien den Hut. Das Blatt bleibt den Inhabern des größten Aktienpakets, den Baummollfönigen Crespi. Albertini hatte einen Bertrag, der erst 1930 ablief; seine Stelle als Chefredakteur war unfündbar. Aber der Vertrag war nicht regelrecht registriert. So blieb ihm nur das Bortaufs recht, ein platonisches Recht, für dessen Geltungmachung ihm das Geld fehlte. Dem Scheidenden folgt der Finanzrebatteur Senator Einaudi und der Leiter der römischen Redaktion, Emanuel. Der Corriere" hatte zuviele Leser, er machte dem Blatt des Ministerpräsidenten Man fönnte achselzuckend einwenden, dies sei nichts als eine zu schwere Konkurrenz. Die wird er in der Folge nicht das Privatvergnügen eines faschistischen Hanswurstes. Dem mehr machen. ist aber nicht so. Denn die Platate ffanden unter behörd Am Schluß seines Abschiedsmortes sagt der Se- li chem Schuh, und zmei junge Schweizer, die eines von nator Albertint: ihnen abzureißen versuchten, wurden verhaftet. Italien ist heute sicherlich in erster Linie ein Beobachtungsgebiet für den Irrenarzt. Aber auch der Politiker, der verantwort liche Staatsmann muß bedenten, daß es nicht ungefährlich ist, wenn in einem großen Lande systematisch der rrfinn ge predigt und jede Stimme der Beratungt unterdrückt wird. Fürstenabfindung und Entlarvungsmanöver Rafowiti seinen Londoner Boften verließ, um den Bariser „ Am Ende tam dann jene letzte Schlacht, im Namen derselben Idealität, derselben liberalen Grundsäge, die mir immer Führer waren, in der inneren und in der auswärtigen Bolitif wie in der Wirtschaft, weil ich überzeugt bin, daß alle Freiheiten unter einander solidarisch sind. Und jetzt kostet mich diese Schlacht das größte Opfer, die Aufgabe des„ Carriere", den ich in 25 Jahren, im Berein mit meinem Bruder und anderen tüchtigen Mitarbeitern zu Ansehen und Erfolg bringen fonnte. Diefem unermeßlichen Opfer gehe ich mit verbittertem Herzen aber mit erhobenem Haupt entgegen. Ich verliere etwas, was mir unendlich lieb war, aber ich behalte einen geistigen Besitz, der mir noch lieber ist und mahre meine Würde und mein Gewissen." Bas will ein Mann mit so veralteten Ideen im faschistischen Stalien, das nur die nadte Gewalt und den Terror der Schwarzhemden fennt? Die Wacht am Brenner. Faschistenheze gegen Deutschland. Ueber die faschistischen Versuche, Deutschland gegen Frankreich zu heben, ist hier wiederholt berichtet worden. Ganz flar scheinen sich aber die faschistischen Maulhelden und Säbelraßler allerdings noch nicht darüber zu sein, ob sie mit Deutsch fand siegreich Frankreich schlagen, oder ob sie nicht sie können es ja beide zugleich schlagen sollen. So wurden in Mailand an einem schönen Novembertag Blafate angeheftet, von denen ein Eremplar uns vorliegt und deren hauptsäch licher Tert in möglichst wortgetreuer Uebersetzung folgender maßen lautet: Die Wacht am Brenner. Nationale Bewegung, geleitet von F. T. Marinetti 44 Coro Roma, Mailand, Telephon 86-187. Italiener! Die geschichtliche Periode, einzig in den Jahrhunderten durch den gemaltigen Zusammenstoß der Interessen und folglich der Baf fen, die vor einem Jahrzehnt begonnen hat, wird ihren 3ntius sehr fpät beschließen. Bachen mit dem Blide des Buchses, zuschlagen, bevor die Gefahr sich als schwer erweist, und in jebem Augen blid zur Berteidigung und zum Angriffe bereit sein, im höchsten Intereffe unseres Bolles, das ist die Pflicht, wie es das Recht ist! Und wir haben die Grenze auserwählt für unsere vielgestaltige Tätigkeit an Propaganda, an Studium und an Lösung von Pro Ramper" von Max Mohr. In den Kammerspielen sprach gestern ein Dichter zu uns: Mar Mohr, dessen Improvisationen im Juni" noch in befter Er. innerung find. Das Schauspiel Ramper", in der Broving schon seit langem aufgeführt, ist nicht tünstlerische Bollendung, gibt uns aber in dieser Zeit fümmerlichen dramatischen Schaffens den Glauben an das Theater wieder. Die Handlung des Dramas ist mirflichkeitsfern, phantastisch, ein wenig konstruiert und daher nicht ganz über. zeugend. Aber Mar Mohr haucht seinen Worten Leben ein, gestattet seine abenteuerlichen Figuren zu wirklichen Menschen, öffnet das Herz des Zuschauers und macht ihn nachdenklich. Er hält sich fern von literatenhaft beseffener Bertrampftheit, so phantastisch ouch das ganze Spiel anmutet. Ramper" ist ein Nordpolfahrer, der zwanzig Jahre lang fein Menschenantlig mehr gesehen hat. Er wird non Walfischfängern aufgegriffen, und da er die menschliche Sprache verloren hat und stumpf geworden ist, wird er von einem Artisten paar allabendlich als Sensationsnummer vorgeführt. Ein Arzt will ras halb Tier gewordene Geschöpf wieder zum Menschen machen und fauft es dem Artisten ab. Aber Ramper meiß ihm für das Gelingen feines Bertes feinen Dant. Die Sehnsucht nach der Bermachfenheit mit der Natur, der Abscheu vor der Berlogenheit der Zivilisation schwelen weiter in Ramper. Die Frau des Arztes, die cine tiefe Neigung zu dem eigenartigen Befen gefaßt hat, flieht mit ihm aus ihres Gatten Institut, wird aber durch ihre Kräntlich feit selbst ein Hemmschuh für die sehnsüchtigen Pläne Rampers. Als fie fich ihm opfern will, erwachen plötzlich in seiner steinern gewordenen Seele die menschlichen Triebe von neuem. Er versöhnt sich mit der Welt. Die nackte Darstellung des Handlungsinhalts tann tein rechtes Bild von Mohrs Schauspiel geben. In jedem Wort merkt man des Dichters Bühneninstinkt, den fremdartigen Reiz eines fühlen Ver. standes und eines warmen Herzen. Vielleicht könnte man mag Mohr als einen deutschen Pirandello bezeichnen, als einen Dichter, der abfurde Einfälle hat, aber sie im Gegensatz zu dem Italiener mit einem Schuß Sentimentalität versieht, dessen Phantasie von seinem Gemüt zugleich beschwingt und gelähmt wird. Die aufgefrischte Bekanntschaft mit diesem Dichter war nicht der einzige Gewinn des geftrigen Abends. Baul Hendels batte mit feine Regie ganze Arbeit geleistet. Paul Wegener tonnte bie Straft seiner fünstlerischen Persönlichkeit leuchten lassen. Die Worte werden in seinem Munde zur Gestalt, die Bewegungen zu bildhaftem Erlebnis. Er erschüttert in den Szenen, wo er ein hilfloser Gefange. ner feiner Krankheit ist, und lähmt da, wo seine übemenschliche Kraft die Fesseln zu sprengen droht, durch ein Furchtgefühl, bas beängstigend von der Bühne zum Zuschauer dringt. Franzista Rinz hatte die Schwere Rolle der Arzifrau, die allmählich in Rampers Bann gerät. Sie spielte sich erst allmählich frei, aber dann ging eine Herzens. Bei der Wiederfeier des Bittorio Veneto brechen wir in den Ruf aus, der ein Hymnus an die Gefallenen und ein Appell an das ganze Bolk ist: Gebt unserer Initiative eure Unterstützung. Der Feind ist auf der anderen Seite des Brenner, er hat seine Zelte aber auch auf Das Generalsekretariat. vaterländischem Boden. Eine kommunistische Aktion. 1 Ein bürgerliches Blatt meldete kürzlich, daß man in sozialdemokratischen Kreisen den Plan erörtere, die Frage der Fürstenabfindung einer Bolts abstimmung zu unterbreiten. Es war kein Zufall, daß diese Meldung in einem bürgerlichen Sensationsblatt stand und nicht in der sozialdemokratischen Presse. Denn eine solche Attion fordert reif liche Erwägung und über sie Lärm zu schlagen, solange man fich über sie nicht vollständig im Klaren ist, ist tattisch falsch. Nun hat die KPD. den Gedanken in ihrer Art und zu ihrem 3wed aufgegriffen. Sie veröffentlicht in der Roten Fahne" einen Brief, den sie an den sozialdemokratischen Barteivorstand, die zentralen Gewerkschaftsvorstände sowie an die Leitung des Reichsbanners und des Roten Frontkämpferbundes gerichtet hat. Darin wird vorgeschlagen, die ent schädigungslose Enteignung zum Gegenstand einer Bolfsabftimmung zu machen. Der Vorschlag ist nicht ernst gemeint. Denn die KPD.. Bentrale weiß, daß der sozialdemokratische Parteivorstand Briefe, die zugleich mit ihrer Absendung veröffentlicht werden, nicht beantwortet. Räme es der KPD.- Zentrale mirt lich auf eine fachliche Aussprache an, so hätte sie ihren Brief nicht veröffentlicht. Unter„ Sichel und Hammer". Bolschewistische Festgelage. Die Rote Fahne" findet es ganz selbstverständlich, daß die Sowjetregierung ,, anläßlich des Todes der Tante des alten 3aren", wie sie sich selbst ausdrüdt, ein überaus forrettes Beileidstelegramm nach London abgesandt hat. Solche„ diplomatischen Formalitäten" brauche sie nicht zu registrieren. Wir freuen uns, daß die fommunistische Breffe über die HandLungen der russischen Staatsmänner und Diplomaten so realpolitisch urteilt. Wir würden uns noch mehr freuen, menn fie in Butunft gleichgeartete Handlungen sozialistischer Minister und Diplomaten ebenso fachlich bewerten würde. Indessen fällt nicht alles, was die diplomatischen Vertreter der Sowjetregierung im Auslande tun, in das Gebiet der unbedingt noimendigen biplomatischen Formalitäten. Als der Botschafter Botschafterposten zu übernehmen, da veranstaltete er für 500 Gäste aus jenen lintsgerichteten Kreisen der englischen Arbeiterbewegung, die bei der Roten Fahne" so gut angeschrieben sind, ein Ab. nistischen Presse suchen wird. Die Times" dagegen war in der Schiedseffen, dessen Speisekarte man vergebens in der fommuLage, das Menu dieses Bolschewistenbanketts abzudruden. Für unsere Leser wollen wir versuchen, die nach bürgerlich- internationalem Gebrauch französisch aufgezählten Speisennamen ins Deutsche zu übertragen: MENU. CHAUD: Consommé à la Princesse( Prinzessinnensuppe) Homard au Gratin( Pannierten Hummer) Sauterne( Weißer Bordeaux) Croquettes de Volaille( Geflügel- Brisolettes) Bouchées de Ris de Veau( Kalbfleischpastete) Claret( Französ. Rotwein) Champagne.( Champagner) Port.( Portwein) FROID: Paupiettes de Soles Nantua( Flunderschnitten) Appétissant Suédoise( Schwedische Brötchen) Cotelettes de Volaille Jeanette( Geflügelschnitzel) Mousse glacée à la Hongroise(?? ungarisch. Art) Timbales de Faisan Lucullus( Fasanenpastete) Sandwiches variés( Belegte Brötchen) Canapés de Foie G as( Gänseleberschnitten) Brandy.( Engl. Branntwein) Peti's Pins à la Béchamel( Brötch n.Bécham.- Art) Pue à la Reine(?? nach Königin Art) whisky.( Whisky) Chartreuse d'Abricots( Aprikosenspeise) Bavarois au Chocolat( Schokoladens else) Meringues à la Chantilly( Sa nenbaiser) Macédoine de Fruits( Früchte- Kompoti) Palmiers(??) Glace( Eis) Auch sonst wird sie ihren 3med nicht erreichen. Denn einen Arbeiter, der so dumm ist, zu glauben, die Sozialbemo Vodka.( Russisch. Branntwein) Foie Gras en Croute( Gänseleber- Pastete) traten mollten den Fürsten ihr zusammengeraubtes Ber mögen" erhalten, gibt es nicht. Der Unterschied ist mur der, daß die Sozialdemokraten überlegen, wie man ernstlich den Fürften ein möglichst großes Stüd dieses Vermögens zu gunsten der Allgemeinheit abjagen tann, während es den Rommunisten vielmehr auf ein sehr plumpes und ungeschicktes Manöver gegen die Sozialdemokratie anzukommen scheint. Das Boltsbegehren nach Art. 73 der Verfassung ist ein außerordentlich fompliziertes Unternehmen und foftet denen, die es in die Wege leiten, sehr große Summen. Bir glauben nicht, daß eine ihrer Berantwortung bewußte Orgawärme von ihr aus, wie wir sie nur ganz felten erleben. Man follte die Künstlerin mehr und in dankbareren Rollen beschäftigen. Auch Anni Memes überraschte in der Rolle eines lieben Dummchens durch ihre Natürlichkeit und anmutige Frische. Sie ist eine eigenwillige Schauspielerin, deren Ausbrud weit ab von dem üblichen Schema liegt. Der Beifall war außerordentlich herzlich. Ernst Degner. , Romeo und Julia" im Staatstheater. | Wir nehmen an, daß die Gäste in ihrem eigenen Intereffe aus diesem reichlichen Menu lediglich eine Auswahl getroffen haben. Damit aber fein 3meifel an dem Charakter des Festessens auf. fomme, trug die Speisekarte genau so wie die Sturmfahnen des Roten Frontkämpferbundes die Wappen des Sowjetstaates: Sichel und Hammer! merden und geheime, einem selbst noch nicht befannte Saiten zum Schwingen bringen. Hermann Stehr ist ein Mystiker von mittelalterlicher Kraft und Gemütstiefe, fein Ringen mit den legten Problemen ist ein Ringen mit Gott. Ihm baut er aus Menschenfeelen himmelstrebende gothische Dome, auf deren Dächern Spul gestalten, Fragen und Dämone hausen. Kein Wunder, daß seine Gemeinde aus Suchenden aller Lager besteht, die Gott, das heißt ben legten Sinn, im Menschen selbst suchen. Dem Dichter murde für seine Vorlesung herzlicher Beifallsdant zuteil, ebenso Georg Engel, der warm die einleitenden Worte über den mehr als sechzigjährigen Dichter sprach. • Herr Jürgen Fehling bemüht fich, neben der füßen Liebes. Der Dichter entstammt einer verarmten Handwerferfamilie, die ihn zum Lehrer merden ließ. In die strafmeise" Einsamkeit des tragödie noch die Rebentragödie der Montecchis und Capulettis mit dramatischem Leben auszustatten. Da müffen die Freunde der beiden Blazer Gebirges wurde er als Dorfschullehrer gesandt, um feine feindlichen Häuser irgendwie furios ausstaffiert sein. Der Bater elementare Kraft in der Einsamkeit zu brechen und ihn fo nach dem bes einen Geschlechts soll ein würdiger Greis fein, der Vater Juliens allgemeinen Schema einzuordnen. Doch gerade die Einsamkeit er. ein Biedermann, der sich bei seinen häuslichen Festen beinahe einen schloß ihm die Quellen feiner starten aufrührerischen Kraft, die ihn Baden antrintt, und geschieht es, daß Julie nicht gleich auf die Hoch- immer tiefer in alle feelischen Zusammenhänge dringen ließ und zeitspläne diefes fröhlichen Herrn Baters eingeht, dann tobt der ihn so auch den Alltag mit wundervollem Glänzen übergoß. Realis. vernehme Herr beinahe wie ein sogenannter gemeiner Mann. Der mus, gepaart mit tosmischem Erfaffen und grüblerischer Tiefe, wirft Regisseur will also das romantische Spiel ins bürgerliche hinunter- in ihm. In feinen Hauptwerten„ Der Heiligenhof" und" Peter ziehen. Das Hausdrama fall stehen neben dem unsterblichen Herzens. Brindeifener" vermittelt er uns so eine Welt, beren Gestalten in brama. Ein Zuviel der Kleinmalerei fällt auf, besonders auch des. ihrem Tun und Laffen wir fiebernd, mitleidend und mitjubelnd erfast vollkommen versagt. Ein Schauspieler von Begabung wird über. wegen, weil der Romeo dieser Aufführung, Herr Erwin Faber, leben. Die psychologische Betrachtung, vor allem die der Mysterien der Bubertätsjahre, zieht immer wieder in seinen Bann. B. Sch. lastet, der Schauspieler selbst überheizt sich und sein Talent von An Zum Schneegipfel Afrikas. In ben Ulfa- Lichtspielen fang an, der Regisseur redet ihm ein, daß gleich am Anfang des Tauenkien Balast wurde gestern zum ersten Male ein Film Studes aus der Träumerei die Rajerei zu ermachen hat, furg, ganz vorgeführt, den die Kulturabteilung der Ufa im ehemaligen Deutschoben auf der Leiter der Leidenschaft und ber brennenden Worte soll Ostafrika hat aufnehmen lassen. Mit Zustimmung der englischen dieser Romeo gleich stehen. Man könnte sich gefallen lassen, daß der Regierung fonnten zum ersten Male wieder Deutsche die deutsche Künstler, der ihn spielt, zunächst wie ein fröhlicher, pausbädiger Rolonie betreten und unter Führung des Buren Andries E. Pienar dann müßte das Herz dieses Romeo troz aller Kindlichkeit wild eine Expedition quer durch die Kolonie unternehmen, die zum Ziel den höchsten Berg Afritas, ben Schneegipfel des Kilimandscharo halte. aufflammen und das Liebesmenschlein so zusammenbrechen in Der Regiffeur C. H. Boese hat es unter Mitwirtung feines Ope rührender Unbeholfenheit und Trübsal. Solchen Eindruck des Naipen rateurs R. Dennert verstanden, einen höchft interessanten Reise. macht Herr Jaber jedoch nicht, und seine Mittel verjagen. Daß bericht davon herzustellen. Bir machen Besuche in der Hafenstadt Julia in Augenblicken der Sanftheit und der Hingabe schwächer ist Tanger, wir besichtigten Stätten, die an die deutsche Zeit und an als in den Momenten der überströmenden Erregung, das sei feftden Krieg erinnern, dann geht es mit dem Zuge landeinwärts. Die gestellt. Man glaubte, daß diese Julia, Fräulcin Mannheim, Rarawane wird zusammengestellt, die mun monatelang durch den sonst ein heiteres Temperament, fonft mehr idyllischen Rollen geoftafrikanischen Urwald, durch die Steppen umb Wüsten und die wachsen und fast immer bei dem Bersuch nach der lauten Tragit fruchtbaren Gefilde am Fuße des Kilimandscharo wandert. Spannende unterlegen, dem höchsten Kampfe der Julia nicht gewachsen fein Szenen aus den Erlebnissen der Karawane, mundervolle Bilder aus mürde. Gerade das Gegenteil trat ein. Fräulein Mannheim war der Landschaft und vor allem aus dem überreichen Tierleben, das in den Szenen der Weichheit beinahe zu meich. Sie wuchs aber in Scharen Antilopen, Gnus, Zebras, Affen, aber auch Nashörner durchaus erfreulich zur Herbhett empor. M. H. und Flußpferde vor die Kamera bringt, folgen einander. Schließe lich wird mit wenigen Schwarzen, die den Strapazen noch ge Hermann- Stehr- Abend. Für den Berband Deutscher Erwachsen sind, der Berg bestiegen, die legten tausend Meter machen zähler las am Donnerstag abend im Herrenhause ber Schlesische besondere Schwierigteiten, weil die Luft zu dünn und sauerstoffDichter Hermann Stehr feine erschütternde Novelle Die arm wird. Aber der Gipfel wird boch bezwungen; ein paar Bilder Wie der Dichter Tod und Leben sieht, wie in den vergletscherten Krater sind der Lohn. Dann geht die Reise Großmutter". das gehört mit zu dem Schönsten und Tiefften deutschen Masai, diefem viehzuchttreibenden, besonders tapferen und schön. er in die dunkelften Geheimnisse des Seelenlebens einbringt, rüdwärts, zuvor aber wird noch einmal Etappe gemacht bei den Erzählerkunst. Die Menschen und ihre Landschaft, fie find fo gewachsenen Stamm. Ihre Sitten illuftriert der Film. Eine auf plastisch und greifbar hingestellt, ihr Erleben und ihre Kämpfe um regende Löwenjagd, die die Tiere bis einige Meter vor die Kamera ben Sinn des Seins so meisterhaft dargestellt, baß fie miterlebt brachte, macht den Beschluß. D. Stillegungsaktion der Maschinenindustrie. Tas Rationalisierungsprogramm des Vereins Deutscher Maschinenbananstalten. 19 Heute vormittag hielt der Verein Deutscher Maschinenbauanstal ten seine ordentliche Mitgliederversammlung ab, in der er feine Forderungen zur leberwindung der Wirtschaftstrije scharf zum Ausdrud brachte. Es fehlte nicht an Seitenhieben auf die Mirtschaftspolitik der Regierung Luther Schlieben und an eindringlichen Mahnrufen an die Rechtsparteien, doch ihrer Geld. und Auftraggeber aus der Industrie beim Abschluß der Handelsver: träge und der Steuerpolitit eingebenf zu sein. Im ganzen jedoch war in dem Wirtschaftsprogramm zu sehr die Forderung nach der Einschränkung des Broduktionsapparates betont. Man kann deshalb das Wirtschaftsprogramm des BDMA gerabezu als eine Stillegungsaltion bezeichnen. Anerkannt werden muß jedoch, daß die Einschränkung der Betriebe nicht als Selbstzmed, sondern als Mittel zum 3med der Rationalisierung ber Wirtschaft und zur Erreichung niedrigerer Produktionsfoften gefordert wurde. Bleifoldaten der Republik. Troy Jungdo, Stahlhelm und Fronthann führen die Bleifeldaten in den großen Spielwaren- Abteilungen der Warenhäuser ein zurüd. gezogenes Dasein. Es fehlen die dekorativen Paraden oder die aufregenden Schlachtendarstellungen in den Schaufenstern, an deren Glasscheiben sich die kleinen Jungen die Nase platt brüden. Nur auf einem unscheinbaren Tisch sind die letzten Reste des Bleijoldaten: heeres untergebracht, umgeben von Löwen mit knoüroten Schnauzen und treuen Kinderaugen, von Dampflokomotiven und Anterfteinbaufästen oder von dem prachtvollen Holzbau eines babylonischen Tem pels. Im Hintergrunde träumen ein paar gichtbrüchige Burgen ven den Zeiten, da sie ein vielbegehrtes Weihnachtsgeschenk waren. In einem Rasten übt sich ein fleines, fridericianisches Heer an einer gefahroollen Attade auf die Desterreicher, blaue Dragoner und schwarze Husaren galoppieren und ein fleines Garderegiment aus zehn Mann versuchi sich am Parademarsch. Aber neben einem Ritterheer sind ein paar Kästen Reichswehr aufgestellt. Sie verfügt sogar über einen Fahnenträger. Aber was ist das? Er trägt kein dekoratives Hakenkreuz, nein, seine Fahne zeigt die Farbe der Repu Diese Auffassung fam besonders flar in dem Referat des Geblit und auch eine Reichswehrreiterei hat schwarzrotgoldene schäftsführers des Vereins, Direktor Karl Lange, zum Ausdrud, Fähnchen an ihren Lanzen. Also selbst die Bleisoldaten sind der nach einer Begrüßungsansprache des Vorsitzenden, und nach Republikaner geworden. Aber die kleinen Jungen zeigen heute furzen Ausführungen des Ministerialbireftors Shaffer, des Ber- menig Interesse für die Bleisoldatenpracht, ihnen sind Republikaner treters der Reichs- und der preußischen Regierung, das Haupt- und Kaiserliche gleichgültig. Was sollen sie mit Soldaten? Sie um referat erstattete. Er fennzeichnete die gegenwärtige Krise als Gedrängen die elektrische Eisenbahn, den Leipziger Bahnhof im Ankersundungskrise, wandte sich gegen die Steuerpolitik der Reichs- steinbau, und die Eisenkonstruktionen von Verkehrstürmen bilden regierung, erklärte jedoch, daß die Maschinenindustrie infolge der ihren Sehnsuchtstraum. Das technische Wunder lodt, nicht das Spiel Automobilisierung des Berkehrs und der Mechanisierung der Land mit Seldaten. Sind diese Kinder nicht im Grunde vernünftiger als wirtschaft noch verhältnismäßig die besten Aussichten habe. In viele unserer erwachsenen Zeitgenossen? außerordentlich interessanter Weise tennzeichnete er nun die geradezu maẞlose Berfchmendung, die heute in der Maschinenindustrie herrscht. Diese ist so führte er aus start überfest. Wir haben in Deutschland etwa 100 Drehbank fabriken, mährend Amerika mit der Hälfte austommt. Da der amerikanische Innenmarkt fünfmal fo faufträftig ist wie der unsrige, so dürften wir eigentlich nur ein Fünftel der dortigen Zahl haben; wenn wir unseren relativ größeren Export noch berücksichtigen, vielleicht 15 bis 20. Wir haben 60 Waggonfabrifen gegen 40 vor dem Kriege, obgleich die Reichsbahn fast feine Aufträge gibt. Diese Uebersetzung muß durch vernünftige Selbstbeschränkung beseitigt werden, wenn sie nicht zum Ruin der gesamten Industrie führen foll. Auch billige Preise können den Ruin nicht vermeiden helfen, wenn diefer Leerlauf nicht beseitigt wird. Auch in der Borrats haltung wird zuviel verbraucht. Das Ausland hält bei 3 Proz. Binfen Borräte für 8 bis 14 Tage, wir dagegen bei dem vierfachen Zinssatz Bestände für Monate. Ueberzählige Betriebe find rücksichtslos still zulegen, abzubuchen und gegebenenfalls abzubrechen. Ein stillgelegter Betrieb von Rheinmetall hätte zur bloßen Unterhaltung jährlich eine halbe Million verschlungen und wurde deshalb abgebrochen. Ueber die Art, wie bisher in der Maschineninduftrie die Ratio nalisierung verfolgt wurde, gab der Redner auch einige Beispiele. Wegen der Mannigfaltigkeit der Betriebe seien völlige Fusionen nur selten möglich. Dagegen sind schon jetzt etwa 600 Maschinenfabriken, d. h. ein Fünftel der gesamten Maschinenindustrie, zu 150 Intereffengemeinschaften zusammengeschlossen. In der Indu strie der Papierverarbeitungsmaschinen ließen sich auf dieser Grundlage durch Spezialisierung 23 Proz. an Löhnen sparen, und zwar ohne Herabsegung der Löhne. Eine Drudmaschinenfabrit, die 26 Maschinenarten nach 119 Modellen baute, stellt heute nur noch eine einzige Type in vier Größen her und steigerte dadurch die Arbeits. leistung bis zu 14 Proz. Bei der technischen Vervollfommnung müsse erstklassige Qualitätsarbeit geleistet werden. Die Arbeiterschaft mird gut tun, diese Beispiele der Betriebsverbesserung sich zu merten. Dr. Lange erflärte ausdrücklich: Die Konfumkraft der großen Maffen müffe gehoben werden durch systematische Rationalisierung der Betriebe, die den Kostenanfell am Produkt herunterdrückt, ohne den Reallohn zu fenfen. Der Rebner wandte sich dann sehr scharf gegen die Steuer, politif Schliebens, die feine intsregierung hätte wagen dürfen. Dieses Kabinett habe wirtschaftsfeindlicher als irgendein Kabinett der Bergangenheit regiert. Lange verlangte u. a. eine vernünftige Handelsver tragspolitik und wandte sich gegen die deutschnationale Agi tation für die Winzer, die bei einem Bert ihrer Jahresproduktion von 80 Millionen mehr als 100 Millionen Mart Unterstützung befommen haben. Auch der italienische Handelsvertrag habe durch die rücksichtslose Interessenpolitik der Landwirtschaftsvertreter gelitten, denen Tomatenpüree und Aepfel wichtiger er. schienen als die Ausführung der deutschen Fertigindustrie. Je lüden. lofer unser Zolltarif, desto lückenhafter unsere Handelsverträge." In schroffer Form verlangte der Industriesyndikus, daß Parteien, denen die Maschinenindustrie ihre Stimmzettel und ihre Wahlunterstügung gibt, nicht hinterher gegen die Interessen des Maschinenbaues handeln. Eine Warnung der Industrie an die Landwirtschaft. Jm Bertaufe der Diskussion, während der auch Ministerial direktor Poffe das Wort ergriff, trat auch der Generalfachverstän. dige der deutschen Industrie bei den Handelsvertragsverhandlungen Direktor Hans Krämer auf den Blan und erklärte unter großem Beifall der Industrie, daß die bisherigen Methoden der Handelsvertragspolitik nicht weitergingen. Er vermies darauf, daß die Deutschnationalen versucht haben, durch Festlegung von Mindestzöllen auf Wein den Abschluß eines neuen Bertrags mit Spanien zu ver hindern und daß dieser Antrag lediglich durch den Widerstand der Lintsparteien zu Fall gebracht worden ist. Wenn man in Berlin dauernd den Abschluß von Handelsverträgen beeinflussen molle, jo verzichte man auf eine Handelspolitif. Er verlangte vom Reichsernährungsministerium endlich einmal eine Statistik über den deutschen Weinbau. Die Versuche der Landwirt. schaft, sich selbst bei unwichtigen Waren des Pflanzenbaues befondere Borteile zu sichern, wies Krämer damit zurüd, baß er fagte: Die Landwirtschaft treibt ein gefährliches Spiel Niemand hat in den letzten Jahren stärfer zu ihr gehalten als die deutsche Industrie. Es wird um unsere Sympathien aber geschehen fein, menn einzelne fleine Gruppen auf Stoffen der ganzen Wirtschaft Vorteile fordern und Handelsverträge unmöglich machen." Er ver. langt volle Unterhandlungsfreiheit für die Delegation. Angesichts der Regierungsfrise find biefe Klagen der verarbeiten den Industrie bezeichnend für die Mißstimmung, die in den indu striellen Kreisen über das Verhalten der Deutschnationalen herrscht. Faschistische Deutschenverfolgung. Sämtliche deutschen Richter in Südtirol haben die Aufforderungen erhalten, einen Ort in Allt Stalten als Amtsfiz zu wählen. Sie werden zwangsweise in rein italienisches Gebiet verlegt und in Tirol durch italienische Richter erfeßt. Mussolini sorgt für sich und die Seinen. Eine neue Gesetzespor Lage, die im Senat vorliegt, erhöht die Bezüge und Gehälter der Minister und Unterstaatssekretäre, die bisher auf Grund des Gesezes von 1859 gezahlt werden. Ein Minister sol 80 000 ftatt bisher 37 310 und ein Unterstaatsjefretär 40 000 2ire erhalten. Verkehrszustände..! Nach der Sperrung der Schloßbrüde in Charlottenburg. In Charlottenburg ist die Schloßbrüde für den Fußgänger verfehr gesperrt worden. Ganz plöglich, sozusagen über Nacht. Das heißt, sie ist auch am Tage gesperrt, weil sie ihre alte Berbin dung mit dem Lande zu lösen droht und dafür eine neue, unermünschte mit dem Wasser anstrebt. Der Betriebsleitung der Straßenbahn hat man die Benutzungssperre menige Stunden vor Betriebsschluß angezeigt, es wurde teine 3eit für irgendwelche not maßnahmen gelassen. Nun ergibt sich für die Linien 64, 55 und 3 folgende interessante Umlenkung: Bom Knie ab fahren die Wagen die Bismarckstraße bis zur Wilmersdorfer Straße hinauf, durch diese Straße bis zur Berliner Straße und diese hinab bis wieber zum Knie, um dann über Marchstraße und Goßfomsfybrüde endlich in der Kaiferin- Augufta- Allee eine Berbin dungsstraße zum Bahnhof Jungfernheide und nach Siemensstadt zu finden. Wer also etwa am Untergrundbahnhof Knie in die 64 einsteigt und nach Siemensstadt will( das sollen morgens einige Tausend Eiemens- Arbeiter fein), befindet sich, in umgekehrter Richtung fah rend, nach etwa 12 bis 15 Minuten toie deram Rnie. Es fehlt nämlich eine Gleisverbindung zwischen Harden. berg. und Marstraße, und das Bezirksamt Charlottenburg erlaubt nicht die Anlage von Notgleisen Bei der jetzigen frischen Witterung ist eine solche Fahrt natürlich ein ganz besonderes Bergnügen! Die in Betracht kommenden amtlichen Stellen haben sich hoffentlich durch eine Probefahrt von den Annehmlichkeiten dieser neuesten Strede unseres großstädtischen Schnellverfehrsneges über. zeugt. Die Berufsfahrgäste aber machen folgenden Vorschlag in aller geziemenden Bescheidenheit, denn sie wissen, daß sie nichts zu sagen haben: Am Knie werden in einer schnell zu errichtenden Martehalle die Fahrgäste gesammelt, die Wagen fahren leer die genannte Schleife. Beim Wiedererscheinen am Knie erfolgt dann Die Berladung. Inzwischen läuft in der Wartehalle der Film:„ Die Ausgeftaltung des Berliner Verkehrs oder wie schlage ich meine Beit tot?" Mer im Bereich des Bostats 1 in Charlottenburg spät abends noch einen Brief in den Brieffaften geben will, benuse ja nicht etma den Raften am Post amt in der Berliner Straße. Der wird nam. lich bas legtemal um 9 Uhr geleert. Der nächste Nacht brieffaften, Letzte Leerung 12 Uhr, befindet sich am Wilhelmsplay. Bon wegen der Bequemlichkeit!!! Taschendiebe in den Warenhäusern. Infolge der falten Tage haben jetzt die Herren Langfinger das Felb ihrer Tätigkeit von den Straßenbahnen nach ben Waren häusern verlegt. häusern verlegt. Obwohl die Kriminalpolizei wachsam ist und täglich auch die Warenhäuser beobachtet und auch die Diebesfontrollen in den Häusern felbft scharf aufpassen, gelingt es ben Spizbuben dennoch, fast täglich Beute zu machen und mit dieser ungehindert zu entkommen. Mit einem neuen Trid arbeitete gestern ein Taschendieb in einem Barenhaus der Leipziger Straße. Die Frau eines Fabrikbefizers aus Drantenburg hatte das Barenhaus besucht, um Weihnachtseinfäufe zu machen. Handtasche gelegt hatte, nicht gestohlen werde, widelte fie bas Um sicher zu gehen, daß ihr das Geld, 250 m., das sie in ihre lederne Trageband der Tasche nochmals um den Arm. Bei einer Bäscheauslage blieb sie stehen. 21sbald waren eine Dame und ein Herr hinter ihr, die fich auch Wäsche ansahen. Als sich die u schauer entfernt hatten, wollte die Frau aus ihrer Tasche einen Gegenstand herausnehmen, doch sie hatte mur noch das Lederband um den Arm. Die Tasche hatte man ihr glatt abgeschnitten. Die Diebe waren unentdeckt entkommen. Der Reichskunstwart über das Handwerk. Beiten Kreifen wird jetzt durch die Ausstellung Wohnung und Hausrat" im Gesundheitshaus Am Urban der Vorteil schöner, praftischer und vor allem auch hygienischer Wohnungsein richtung für das menschliche Wohlbefinden bargelegt. Es ist ein guter Gedante, diese Aufklärungsarbeit durch Beranstaltung von Borträgen zu erweitern. So war man gestern abend ins Herrenhaus eingeladen worden, wo Reichstunstwart Dr. Rebslob über die Stellung des Handwerks im Zeitalter der Technisierung Sprach. Der Redner firierte in treffenden Formulierungen die Aschenbrödel. Stellung, in die Handwerksarbeit und Handwerkskunst in den letzten Jahrzehnten gedrängt wurden. Selbstverständlich, meint der Red ner, läßt sich die Herrschaft der Maschine nicht verdrängen, aber es ist zu verlangen, daß, soweit Hausrat hergestellt wird, nur handgemäße, d. h. nur ursprüngliche, natürliche, handlich mirkende Gegenstände produziert werden. Weiterhin verlangt der ästhetische Sinn des Menschen, daß die Ausschmüdung, Bemalung usw. niemals schablonenmäßig bestimmt, sondern handwerklich ausgemustert wird, wie eben das Handwert bei jedem Entwurf und bei jeder Ausführung Grundlage der Arbeit bleiben muß. Zum Schluß des Abends gab es eine lange Reihe schöner Lichtbilder zu sehen. Sie zeigten Einzelmöbel, Einzelgegenstände, schließlich auch ganze Bimmereinrichtungen, alles von befannten Architekten entworfen und burch Bewährung in der Braris längst empfohlen. Immer wieber zeigte sich, wie das wirklich Einfache und Schöne auch stets zweckmäßig ist. Man ging mit dem Wunsch nach Hause, daß die Bropaganda für alle diese Dinge teils trotz und teils wegen dieser wirtschaftlich so bösen Zeit auf guten Boden fallen möge. Grammophone statt Seide. Die in Rowawes an der Rutbe gelegenen großen Seiden. fpinnereien der Firma Michels& Co., Berlin, sind an die Electrola G. m. b. H. verlauft worden. Die Electrola ist eine Totergesellschaft der englischen Grammophon Geſellſchaft. In der früheren Seideniobuil werten fortan challplatten und Grammophone hergestellt. Der Rowanseer Fabrikbau der Firma Michels war feinerzeit nach feiner Erbauung burd den Baufünfiler Beter Behrens als die schöne Fabrit" befannt geworden; sie übertrug das modern architektonische Echönheitsemrfinden endlich auch in der glüdlichsten Weise auf den bis dahin arg vernachlässigten Fabrikbau. Bon der Untergrundbahn überfahren. = Heute früh in den ersten Morgenstunden trug fich auf dem Nordsüdbahnhof Friedrichstraße Mohrenstraße ein aufregender Unfall zu. Der 61jährige Kaufmann Georg Ruibat aus Charlottenburg, Wilmersdorfer Str. 130, tam in Begleitung feines Sohnes auf den Bahnsteig und stürzte plöhlich auf die Schienen. Bevor er noch gerettet werden konnte, wurde er von dem einfahrenden Zuge érfaßt und überfahren. Die fofort herbeigerufene Feuerwehr fonnte nur noch die Leiche nach cinstündiger Tätigkeit bergen. Freitod eines Liebespaares auf den Schienen. In der Nacht zum Dienstag hat sich auf der Eisenbahnstrede Berden- Kettwig buchstäblich zerftüdelt. Gründe für die Tat find nicht bekannt. ein Liebespaar vor einen gug geworfen. Beide Perionen wurden J Juffizraf von Gordon gestorben. Der Berteidiger in vielen großen Prozessen, Justizrat p. Gordon, ift, hochbetagt, gestorben. Er vertrat seinerzeit den Kläger Moltke im Harden Prozeß und mar auch der Rechtsbeistand Erzbergers in bem Be leidigungsprozeß gegen Helfferich. v. Gordon war ein stets fachlicher, scharfsinniger Berteidiger. Er gehörte ber Demokratischen Partei an. scharfsinniger Berteidiger. Er gehörte ber Demokratischen Partei an. Bolt und Zeit", unsere illustrierte Wochenschrift, liegt der heutigen Bostauflage bei. Bom Selbsthilfebund der Körperbehinderten", der Krüppein die Möglichkeit zu Arbeit und Berdienst schafft, wird auch in diesem Jahre wieder in Berlin eine Weihnachtsmesse tunstge= merblicher Gegenstände veranstaltet. Sie ist in seiner Ge schäftsstelle( Berlin SW., Urbanstraße 184) untergebracht und bietet nur von Krüppeln angefertigte Gegenstände, die dort sogleich getauft werden können. Die Ausstellung sollte von allen beachtet werden, die den Krüppeln in ihren Bemühungen, willensstart sich als schaffende Mitglieder des Bolfsganzen zu hehaupten, beistehen wollen. Mit der Ausstellung ist eine Verlosung verbunden, bei der 1000 Lose zu 1 m. ausgegeben werden und der Hauptgewinn 100 m. mert ist. Die ersten Weihnachtsbäume find in Berlin cingetroffen. Es find ausgesucht schöne Bäume, die aber auch hoch im Preiſe find. Für hohe Edeltannen wurden 20 und 30 m. verlangt. Wenn es den Händlern nicht möglich fein wird, entsprechend der geringen auftraft der Bevölkerung niedrige Preise anzusetzen, werden ihnen viele Bäume unverkauft bleiben. Gegen die Schundliteratur jetzt besonders um die Weihnachtszeit, in der ja Bücher besonders rege gekauft werden, der Stampf ein. Auch das Bezirksamt Wilmersdorf veranstaltet im Zeichensaal der Volksschule 5 in der Koblenzer Straße eine Ausstellung guter Jugendschriften, deren Grenzen allerdings sehr weit gezogen find. Unter geschichtlichen und biographischen Werken findet man trop regen Suchens nichts Republikanisches, dafür u. a. einen stattlichen Band„ Königin Luise", in deffen Vorwort allerlei von der unvergessenen Königin" geredet wird, Schilderungen der deutschen Ritterorden im Stil des preußischen Geschichtsunterrichts, und einen Abreißkalender, der sein Bejwort deutsch" damit dokumentiert, daß das Titelblatt nedisches Schwarz- Weiß- Rot schmückt. Trogdem foll nicht verkannt werden, daß an Bilderbüchern, billigen Jugendschriften, Bastelbüchern und auch an umfangreicheren Unterhaltungswerten auch manches wirklich Gute gezeigt wird. Klara und Gerda Weyl bitten uns, mitzuteilen, daß sie all den vielen ihren Dant aussprechen, die durch Wort und Geleit Dr. Hermann Weyl zum letzten Male ehrten und feinen Angehörigen in fo herzlicher Form ihre Mittrauer fundtaten. Bogoljuboff Sieger im Schachturnier zu Mostau. Capa blanca fiegte gegen Sämisch, Marshall fiegte gegen Rubinstein, Bogoljubom fiegte gegen Gothilf, Iartatomer Grünfeld remis. Laster fiegte über Suba rem, 2ömenfisch stegte über Jates, Rabinowitsch fiegte über Duchotmirsti, Bogatyrtfchof Reti ab gebrochen, Torre- Genewffi abgebrochen, SpielmannRomanomiti abgebrochen. Zurnierresultate ein= schließlich ber: 18. Runde: Bogoljuboff 14%, Lasfer 12%, Capablanca 112, Marshall 10%, Torre 10, Romanowiti 9½, Reti 9½, Grünfeld 9, Iartafower 9, Bogainrtschot 8%, Rabinowitsch Rubinstein 8%, Genewiti 8, Merlinsti 8, Löwenfisch 7, Spilmann 6%, Gothilf 6, Sates 5½, Duchotmirsti 5½, Sämisa 5, Subareff 4, Torre, Bogatyrischof, Genewfti, Reti Spielmann, Romanowiti haben je eine Hängepartie. Alle Spieler mit Ausnahme von Capablanca, Reti, Gothilf waren je einen Tag spielfrei. Eine Spriffchieberaffäre. Eine auffehenerregende Sprit. schiebungsaffäre hat sich in Tilsit ereignet. Auf dem dortigen Bahnhof find 30000 Liter Transitsprit, die für das Memelgebiet bestimmt maren, nach Insterburg verschoben worden. Am Mittwoch abend wurden auf Anordnung des Landesfinanzamts Rönigsberg einige Personen, darunter einige 3011affiftenten und die Spediteure Gebrüder Rubatth festgenommen. Der eine 3ollassistent, Nolde, hat sich seiner Berhaftung durch Selbstmord entzogen. Einstellung der Binnenschiffahrt in Nordwestdeutschland. Frost und Schneemassen hemmen den gesamten Berfehr. Ems und Leda führen startes Treibeis. Die Binnenschiffahrt ist völlig eingestellt, die Eeeschiffahrt sehr erschwert, für Segler nur mit Schlepperhilfe möglich. 3mei von Emden mit Erz nach Dortmund bestimmte Leichter sind schußfuchend in Leer eingelaufen. Wirbelsturmfatastrophe in Amerifa. An der Küste pon Bir= Stadt Rortfolt zum Zeil zerstört wurde. ginia herrschte ein heftiger Wirbelsturm, durch den bie Sturmverwüftungen auf Java. Durch einen Wirbelwind find in Rali penge. Bezir! Roedoe, 167 Häuser zerstört und 250 beschäbigt worden. 41 Personen murben ver legt und eine getötet. Selbstmord der Witwe des leftischen Ministers Meierowics. Am Donnerstag erichoß fic in Riga Frau Chriftine Meierow: cz, Außenministers. Der Grund zu dieser Tat dürfte in dem Bankeroit die Gattin des vor einigen Monaten tödlich verunglüdten litauischen der Firma Christine Badmann zu suchen sein, dessen Hauptaktionärin Frau Meierowiez war. Gefangenenauffland in einem hinterindifchen Gefängnis. Im Gefängnis von Phapun meuterten die Gefangenen und griffen Fünf Gefangene und vier Bärter bie Bärter an. wurden getötet, 20 Gefangene und 4 Bärter verwundet. Groß- Berliner Parteinachrichten. 6. Kreis Kreuzberg. Achtung! Mietersbleute! Heute, Freitag, den 4. Desember abenbs 7 Uhr, bei Reim, Urbanstr. 29: Sigung. Tagesordnung: Bericht vom Areisvorstand. Berantwortlich für Bolitik: Graf Renter; Wirtschaft: Aztur Saternus: Gemerfichaftsbewegung: 3. Steiner: Feuilleton: R. 8. Dscher; Lotales und Sonstiges: Fri Raritäbt; Anseiger: Th. Glode: fämtlich in Berlin. Berlag: Borwärts- Berlag, G. m. b. S., Berlin, Druck: Borwärts- Budbruderet und Berlagsanstalt Baul Singer u Co. Berlin S. 68, Cindenftraße 8. $ feigs 1 Bellene. Für kollage Schuhwaren Kinder- Hausschuhe 31-35 27-30 20-26 Kamelhaarart, Filz- u. Ledersohle 245195165 Kinder- Schnallenstiefel 31-35 27-30 Kameihaarart, feste Kappe. Leder- 34 spitze, Filz- und Ledersohle Damen- Bekleidung guter musterten Winterstoffen..... Hemdblusen Baumw. Mäntel aus guten. geMüntel 340290 Kamelhaar Herren Damen Laschenschuheart, in verschied. Farben, Filz- u. Ledersohle 450 390 Schnallenstiefel Kamelhaar- Herren Damen 590 490 lart, Filz- n. Ledersohle, Absatzfleck, teste Kappe Damen- Lackspangenschuhe mod. 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Diese Stellung ist der Angelpunkt der Einheitsbewegung", und wenn die Kommunisten noch die leiseste Hoffnung hatten, daß die von den Engländern beanspruchte Autonomie des Handelns, die ihnen durch die Statuten des JGB. verbürgt ist, die englischen Kameraden zur Disziplinlosigkeit verleiten fönnte, so haben sie sich getäuscht. In der am Schluß der Sizung vom Generalrat abgegebenen ErMärung wird in bestimmtester Form die Loyalität und Solt. darität der englischen Gewerkschaften gegenüber dem JGB. zum Ausdrud gebracht. Das übrige find taftische Fragen, über die letzten Endes die Mehrheit des Ausschusses entscheiden muß und in der zurzeit tagenden Sizung in Amsterdam entscheiden wird. Machher wird es sich zeigen, ob die Engländer auf ihrem Plan be harren und im Glauben, daß die russischen Gewerkschaften bestrebt sind, sich von der kommunistischen Bevormundung zu befreien, auf der von ihnen verlangten bedingungslosen Konferenz weitere Er. fahrungen sammeln wollen. Daß ihre Absichten nicht weiter gehen, geht daraus hervor, daß sie in London ausdrücklich erklärt haben, daß sie weder an die Aufrichtung einer neuen Internationale, die die Kommunisten immer und immer wieder in den Bordergrund schieben, noch an die Einberufung einer Weltion. ferenz denten. Die auf der Konferenz vom Generalrat zum Schluß abgegebene Erklärung hat folgenden Wortlaut: 1. Die Konferenz begrüßt den in der Sigung stattgehabten freien und offenen Meinungsaustausch und gibt der ernsten Hoff Kung Ausdruck, daß damit alle Mißverständnisse über die Motive und Absichten des Generalrates bezüglich des Borschlages auf Ein berufung einer bedingungslosen Konferenz aus dem Wege ge räumt sind. 2. Der Generalrat des Britischen Gewerkschaftsbundes men det fich gegen jeden Versuch, seine Aftion so darzustellen, als ob fie gegen den JGB. gerichtet sei. Er versichert den JGB. feines ausschließlichen Wunsches, die internationale Gemertschaftsbewegung zu stärfen und zu feftigen. russischen Gewerkschaften eine Entschließung, die mit den russischen Gewerkschaften hart ins Gericht geht. Da tein deutsches Bolschewiſtenblatt den Mut aufbrachte und aufbringt, diese Entschließung zu ver öffentlichen, füllten wir diese Lüde aus. Darauf veröffentlichte die Rote Fahne" nicht die Entschließung, sondern einen langen Artikel eines Redakteurs des Trud", der den„ Borwärts" wegen diefer Beröffentlichung heftig angreift. Unsere Antwort ist unseren Lesern noch in Erinnerung. Die„ Rote Fahne" bemüht sich nun, zu retten, was zu retten ist. Sie schreibt u. a.: menil do Freitag, 4. Dezember 1925 ,, Drum hüte deine Zunge wohl!" In der Transformatorenfabrit der MEG. betraten zwei Wächter ( tie Firma bezeichnet sie als Sicherheitsbeamte) das Kessel haus. Da fanden sie einen Heizer am Tische fizend, den Kopf auf den Arm gelegt, hielten ihn für schlafend und stellten ihn deshalb zur Rede. Der Heizer verwahrte fich dagegen, sein Kollege, der hinzufam, ergriff Partei für ihn und nun tam es zwischen den beiden Heizern und den beiden Bächtern zu einem Wortwechsel, der natürlich nicht im Salonton geführt wurde und dessen Heftigkeit sich noch dadunch steigerte, daß einer der Wächter dem hinzu gefommenen Heizer im Tone eines Borgesetzten zurief, er solle hier feine politischen Reden halten. Das bezog sich darauf, daß dieser Heizer turz vorher mit einem dritten Kollegen über Konsumvereins. angelegenheiten gesprochen und der Wächter dies Gespräch belauscht hatte. Die beiderseitigen Auseinandersegungen endeten schließlich damit, daß der Heizer einem der Wächter zurief:„ Wenn du meinen Kollegen meldest, bann schlage ich dir die Knochen entzwei und trete dir vor den Bauch, daß die Därme herauskommen. Der Heizer wurde entlassen. Beim Gewerbegericht focht er feine Entlassung als unbillige Härte an. Das Gericht wies die Klage ab mit der Begründung: Der Sicherheitsbeamte habe sich zwar ungehörig benommen, namentlich darin, daß er fich für die angeblich politischen Reden der Heizer interessierte, aber der Kläger fei unparlamentarisch geworden, indem er sagte, er werde dem Därme heraustreten. Das sei eine Bedrohung mit einer groben Sicherheitsbeamten die Knochen entzwei schlagen und ihm die Tätlichkeit. Durch dieses Verhalten des Klägers fei die Entlassung begründet; sie könne also nicht als unbillige Härte angesehen werden. Die Arbeitslosenfrage vor dem österreichischen Nationalrat Wien, 4. Dezember.( WTB.) Der Nationalrat hat gestern nach furzer Debatte die Verlängerung der wesentlichen Bestimmungen Arbeitslosenunterstügungsgesetzes bis 30. Juni 1926 beschlossen mit der Maßgabe, daß beim Anwachsen der Zahl der Arbeitslosen über den Jahresdurchschnitt von 130 000 Arbeitslosen hinaus der Mehraufwand über den jezt von der Regierung geleisteten Jahresbeitrag von rund 12 Millionen Schilling ausschließlich aus Bei trägen der Arbeiter, Unternehmer und Gemeinden gedeckt werde. Wir fragen demgegenüber: Forderte nicht Oudegeeft in der anmaßendsten Form wiederhalt von den russischen Gemerffchaften, daß sie ihr Verhältnis zu der russischen Kommunistischen Bartei und zur RGI. ändern, daß sie ihre organisatorischen Methoden nach dem Wunsche der Sozialdemokraten und Menschewifi umge stalten müssen, wenn sie in die Amsterdamer Internationale aufgenommen werden sollen? Ift nicht die ganze Tätigkeit der SPD., der zweiten Internationale und der rechten Amsterdamer Führer in bezug auf Rußland ein unausgefeßter„ Eingriff in die russische Arbeiterbewegung"? Geht nicht der Eingriff der Kautsky und Genossen sogar so weit, daß sie ihre fonterrevolutionären Agenten und Gesinnungsgenossen in Rußland auffordern, mit den russischen Weißgardisten und Baristen zusammen einen bewaffneten Aufstand gegen die russische Arbeiterbewegung zu inszenieren? In diesen gehäuften Lügen offenbart sich in aller Schamlosigkeit die Methode der bolschemistischen Drahtzieher und ihrer Angestellten, um die Spaltung der internationalen Gewerkschaftsbewegung auf. rechtzuerhalten und wenn möglich zu vertiefen. Der bolichemistische Bachulte, der diese Lügen schrieb, weiß natürlich ganz genau, baß weder Kautsky noch sonst ein Mitglied der westeuropäischen Arbeiter. parteien jemals zu einem Zusammengehen mit den russischen Weißgardisten und zu einem bewaffneten Aufstand aufgefordert hat. Er weiß natürlich ebenso genau, daß die Zweite Internationale fich immer mit Entschiedenheit gegen jebes wie immer geartetes Ein- bes greifen in die russischen Verhältnisse gewandt hat. Er weiß auch, daß weder Dudegeeft noch der IGB. jemals als Bedingung zur Aufnahme in den JGB. irgendeine Aenderung der Einstellung der russischen Gewerkschaften zur tommunistischen Partei gefordert haben. Die einzige und selbstverständliche Forderung ist, daß eine Drganisation, die dem JGB. angehört, nicht zugleich einer gegne risch en Internationale sei es die ,, rote", die christliche oder eine angehören kann. Würde es denn die fommunistische Inter nationale dulden, daß eine der ihr angeschlossenen Parteien auch der fozialistischen Internationale angehört? Um diesen einfachen flaren Tatbestand zu verwischen, dazu werden unbeschadet ihrer inneren Taftit andere F die dümmsten und frechsten Lügen verbreitet. Bir aber wiederholen, daß die russischen Gewerkschaften und Methode uns herzlich willkommen sein werden, fo. E bald sie die rote Gewerkschaftsinternationale verlassen haben Gebt Arbeit den Arbeitslosen! Forderungen der arbeitslosen Zimmeret. In der vom Zentralverband der Zimmerer am 2. Dezember Achtung! SPD.- Metallarbeiter 20. Bezirk! Am Montag, den 7. Dezember, abends 6 Uhr, bei Knapp, Grünthaler Straße 6: Bersammlung aller GPD-Genossen der Betriebe des 20 Bezirks. In Frage kommen die Betriebe Gesundbrunnen, Reinickendorf- Oft, Rosen thal, Buchholz, Bankow und Heinersdorf. Jeder Betrieb muß veriteten fein. Der Fraktionsvorstand. Großer Weihnachtsverkauf von Herren- und Knabenbekleidung zu ermäßigten Preisen indet statt bei im Rosenthaler Hof abgehaltenen Arbeitslosenversammlung wurden S. Hoffmann, Charlottenburg, Wilmersdorfer Straße 12. nach einem Referat und eingehender Diskussion folgende Forderungen aufgestellt: 1. Sofortige Inangriffnahme ven Notstandsarbeiten bel tariflicher Bezahlung. Abschaffung jeder Pflichtarbeit 3. Der Generalrat des Britischen Gewertschaftsbundes aner. fennt die Schwierigkeiten der Lage, ist jedoch der Ansicht, daß diese am besten durch die Einberufung einer Konferenz beseitigt werden können, bei der von beiden Seiten feine Borbedingungen aufgestellt werden, und zwar unter der ausdrücklichen Voraus. fegung, daß fich eine solche Konferenz ftritte auf die Bertreter des JGB. und des Allrussischen Gewertschaftsbahn). rates beschränkt. Bolschewistische Methoden. efim Unsere Bemerkungen zur Einheitsfront find den Bonzen der APD. unangenehm. Sie haben für Moskau in Deutschland soge nannte Gemertschaftspolitit zu machen und find deshalb darauf bedacht, den 3wist zwischen den russischen und deutschen Gemert schaften aufrecht zu erhalten, um ihre eigene Notwendigkeit damit zu beweisen. Deshalb wird das Blaue vom Himmel herunter geschwindelt, um den ruffifchen Gewerkschaften einzureden, die deutschen, die internationalen Gewerkschaftsführer wollten nichts wissen von der Aufnahme der russischen Gewerkschaften in den JGB. Bekanntlich ist das Gegenteil richtig: die bolichemistischen Draht zieher haben die sogenannte rote Gewerkschaftsinternationale aufgezogen, um den JGB. zu befämpfen und den Beitritt der russischen Gewerkschaften zu verhindern. An diesem Ziele halten fie nach wie por fest. Die von Mostau in den verschiedenen Ländern unterhaltenen Angestellten müssen natürlich diese Politik verfechten. Bir erinnern nochmals an die Tatsachen: Der Zentralrat der tommunistischen Partei Rußlands veröffentlicht im Zentralorgan der 2. Keine Entlassungen am Bau der Untergrundbahn( Nordfüd3. Sofortige und verschärfte Maßnahmen zur ftärteren Arbeits aufnahme an der AEG.- Schnellbahn( Gesundbrunnen- Neukölln) so wie des Tunnels am Potsdamer Bahnhof. 4. Berschärfte Inangriffnahme des Wohnungsbaus in eigener Regie. Facharbeitermangel ist nicht vorhanden. Während des Jahres 1925 standen allein auf dem Nachweis Gormannstraße im Durchschnitt täglich mehr als 300 arbeitslose Zimmerer zur Ber fügung. 5. Erhöhte Unterstügung an alle Unterstügungsempfänger sowie erhöhte Unterstügung an alle Erwerbslofen vom Tage der Er werbslosigkeit bis zur Beendigung derselben. 6. Berlangen die arbeitslosen Zimmerer vom ADGB., Drtsaus. Schuß Berlin, sowie vem Borstand des ADGB., mit aller Kraft fich schnellstens bei den Reichs- und Staatsbehörden zur Beschaffung von Bauarbeiten einzuseßen. 200 millionen Steuerüberschuß sind vorhanden. Von dieser Summe muß ein nennenswerter Betrag fo fort für den Wohnungsbau flüssig gemacht werden. Paletots und Ulster fertig und nach Maß in allen Formen und Farben in anerkannt guter Verarbeitung und Qualitäten empfiehlt preiswert J. 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