Nr. 37442. Jahrg. Ausgabe A nr. 293 Bezugsvrets: Bdhentlich 70 Biennia. monatio 8.- Reichsmart voraus zahlbar. Unter Kreuzband für Deutschland, Danza Saar- und Memelaebiet, Desterreich. Litauen. Luxemburg 4.50 Reidsmart. für das übrige Ausland 5.50 Reichsmart pro Monat. Der Bormärts mit der Sonntags beilage Bolt und Reit" mit Sieb luna und Aleingarten fomie dez Beilage Unterhaltung und Billen und Frauenbeilage Frauenftimme ericheint wochentäalich ameimal, Sonntaas und Montaas einmal Telegramm- Adreffe: .Sozialdemokrat Berlin Morgenausgabe Vorwärts Berliner Volksblatt 10 Pfennig Anzeigenvreife. Die ein paltige Nonpareille. Beile 80 Bfennig. Reflamezeile 5. Reichsmart. Kleine Anzeigen bas fettgebrudte Wort 25 Pfennig ( auläffia awei fettaedruckte Worte jedes weitere Wort 12 Bfennig. Stellengesuche Das erite Wort 15 Bfennia, tedes weitere Wort 10 Bfennia. Worte über 15 Buch ftaben zählen für zwei Worie Arbeitsmarkt Reile 60 Pfennig. Familienanzeigen für Abonnenten Beile 40 Pfennig. Anzeigen für bie nächste Nummer milien bis 4 Uhr nachmittags im Bauptgeschäft. Berlin SW 68. Linden. Atraße 3, abgegeben werden. Geöffnet Don 8½ Uhr frilb bis 5 Uhr nachm. Zentralorgan der Sozialdemokratifchen Partei Deutschlands Redaktion und Verlag: Berlin SW. 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Dönhoff 292–297. Sonnabend, den 5. Dezember 1925, Rücktritt des Kabinetts. Rechtsregierung ohne Deutschnationale? Das Rabinett Luther tritt heute zurüd. Es hat seinen außenpolitischen Erfolg mit dem Zerfall der Koalition bezahlen müffen, auf die es sich stüßte. Eine neue Regierung soll jezt gebildet werden, die innerlich zu Locarno steht". In ihr merden also die Deutschnationalen nicht vertreten sein wenigstens nicht sichtbar. " Wäre es den Deutschnationalen mit ihrer Feindschaft gegen Locarno ernst, so müßten sie den Locarnisten" der Mitte die Gehde ansagen. Aber sie sind nicht so. Durch die Deutsche Tageszeitung" richten sie vielmehr an die Mitte einen neuen Liebes- und Werbebrief. Sei man auch außenpolitisch getoiffermaßen verschiedener Meinung, fo fönne man doch auf dem Gebiet der Innenpolitit ganz hübsch miteinander gehen. Nachdem das Agrarierorgan die sozialdemokratischen Forderungen an die kommende Regierung als„ Wahnsinn" bezeichnet hat, fährt es fort: Auf Grund dieser Gesamtsituation ist leghin in einem bolts. parteilichen Blatt Berlins, in der Täglichen Rundschau", dle Frege aufgeworfen worden, ob die Deutschnationalen der fünftigen Regierung gegenüber grundsäglich in die Opposition gehen, oder ob sie sich zu fachlicher Mitarbeit bereitfinden würden. Es ist selbstverständlig, daß die Beantwortung dieser Frage von Der Zusammenlegung und im einzelnen von dem Kurs der Regierung abhängig ist. Aber es ist u. E. auch selbstverständtich, daß die praktische Mitarbeit der Deutschnationalen im Kabinert Luther nicht spurlos an ihnen- hoffentlich aber auch nicht an den anderen Parteien vorübergegangen ist. Wir würden es jeden falls auf das äußerste bedauern, wenn den außenpolitischen GegenKüglichkeiten eine Auswirkung auch auf innerpolitische und wirt ftliche Fragen gegeben würde, und wenn daraus eine Oppofitions Stellung sans phrase der Rechten sich ergäbe. Die wirtschaft liche Bedeutung der in ihr politisch vertretenen Gespräch mit Skrzynski. Bündnisverträge Wirtschaftsfrieg und Frieden. Bolens Ministerpräsident hatte mit einem Mitgliede unserer Rebaftion eine Unterredung. | Kreise ist viel zu groß, als daß diese ohne schweren Schaden für das Boltsganze durch eine Bolitit der Abstoßung oder des Unverständnisses von der mitwirtung an den öffentlichen Geschiden fern gehalten werden dürften oder auch nur tönnten. Es besteht kein Zweifel daran, daß solche Gedankengänge sowohl bei Herrn Luther, der ja mit der Neubildung der Re: gierung beauftragt werden soll, als auch bei der Bolkspartei lebhaftes Verständnis finden. Fertsegung des bisherigen Kurses ohne direkte Teilnahme der Deutschnationalen an der Regierung ist ihr Ziel. Diese Bestrebungen haben auf dem linten Zentrumsflügel eine starte Beunruhigung hervorgerufen. So wendet sich der Badische Beobachter" in einem Aufsatz Luther, der ewige Kanzler" scharf gegen die Wiederbeauftragung des bis herigen Kabinettsführers. Er sieht voraus, daß alles beim alten bleiben soll: Herr Luther Kanzler und die Deutschnatio. nalen im Hintergrunde; in den kritischen Tagen zwar von der Verantwortung enthoben, aber freundlichst bereit, nach Ueber windung der wirtschaftlichen schweren Wintermonate aus der bürgerlichen Minderheitsregierung" eine bürgerliche Mehrheitsregierung" zu machen! Das badische Zentrumsblatt verweist solchen Blänen gegenüber auf das Projekt einer Großen Koalition. Es übersieht aber, so will uns scheinen, daß der starte Zug nach rechts, der sich in einem Teil der Mittelparteien geltend macht, der sich in einem Teil der Mittelparteien geltend macht, gegen dieses Projekt die stärksten Bedenken machrufen muß. Wer sich innerlich mit den Deutschnationalen verbunden fühlt, dem fann man doch kein Bündnis mit den Sozialdemokraten zumuten, und die Sozialdemokraten selbst sind die legten, die zumuten, und die Sozialdemokraten selbst sind die letzten, die ihm eine solche Zumutung stellen wollten. Die Londoner Besprechungen. Keine Pariser Konferenz. Der polnische Ministerpräsident Graf Strzynffi tam gestern abend In den Londoner Besprechungen Luthers und Strefes auf der heimreise von London durch Berlin. Die Dampfermanns find, wie mitgeteilt wird, feinerlei feste Abmachungen fahrt über den Kanal hatte er gemeinsam mit der deutschen getroffen worden, sondern sie waren die Fortsetzung der r Delegation gemacht. Während diese einen deutschen Sonder beit, die sowohl in Berlin wie in den Hauptstädten der Alliierten zug zur Weiterfahrt benutzte, fuhr Strzynski mit dem Egpreß unausgefekt geleistet wird, um in den verschiedenen Fragen Baris- Warschau. und auf verschiedener Wegen die deutschen Interessen zu vertreten. Die Behauptungen Sauermeins. daß Außenminifter Dr. Strefemann demnächst nach Paris zu Berhandlungen komme, entbehren des aktuellen Charat ters. Aber selbstverständlich häit es der Außenminister feineswegs für unmöglich, daß er oder auch ein anderer deutscher Außenminister zu Besprechungen nach Paris fährt, zumal jezt, wo die Berträge von Lucarno unter zeichnet sind. " Strzynski ist Jurist und weiß ebensogut auf Deutsch fich pointiert auszubrüden, wie er es in seinem Buche Poland and peace",( Polen und der Friede) einem Kabinettsstück diplomati sher Propaganda- auf Englisch getan hat. Der polnische Ministerpräsident, der sich scherzend als in einer öhnlichen Lage wie Briand befindlich bezeichnete, drückte seine Genugtuung darüber aus, wie die Konferenz in Locarno in Lon bon fortgelegt und abgeschlossen worden sei. Sie sei bestimmt, einen Anfang zu machen. Natürlich genüge es nicht, nur Worte und Berträge zu wechseln. Man müsse auch Taten jehen. Polen babe deshalb auf die Ausübung des Rechtes der Optantenaus reifung verzichtet, das ihm nach dem Wiener Bertrage zu steht. Es sei nunmehr die Zukunftsaufgabe, ftets in dem gleichen Sinne internationale Berhandlungen zu führen. Die Bündnisverträge, die zwischen Polen und Frank reich in Locarno paraphiert und in London unterzeichnet wurden, tragen jo menig einen bedentlichen Charatter wie die Garantie Englands und Italiens in den Verträgen zwischen Deutschland, Frankreich und Belgien. Sie stellen eine Siche rung des Schiedsvertrages gegen eine Verlegung durch einen Krieg oder einen Einfall dar, in ähnlicher Art wie der Art. 2 des Rheinpattes Borkehrungen gegen eine Verlegung vorsieht. Man hat sich innerhalb der Gedanfengänge gehalten, die vor dem Zusammentritt der Konferenz von Locarno in dem englisch- französischen Roten mechsel niedergelegt und veröffentlicht worden sind. Die Bündnisverträge werden im übrigen beim Bölkerbund eingetragen und veröffentlicht werden. Polen ist bereit gewesen, den Frieden noch weitergehend zu sichern und auch im Often einen Garantiepaft abzuschließen. Angesichts des Widerstandes der deutschen öffentlichen Meinung ist es hierzu nicht, ja nicht einmal auch nur zu einer Disfuffion hierüber gekommen. In die Atmosphäre von Locarno passe der Begriff Krieg, aber auch der Begriff Wirtschaftstrieg nicht hinein. Deutschland und Bolen müssen beide im Geist von Locarno die Bereinigung der wirtschaftlichen Differenzen beginnen. Bielleicht haben die Verhandlungen zu ausschließlich in den Händen der Fachleute gelegen. Techniker aber hätten leicht die Sucht der Rollkommenheit". Es sei aber nicht notwendig, sogleich die ganze Zahl der Hunderte von Zollpofitionen durchzubercten und festzusetzen. Man fönne feine Anstrengungen auf zehn oder zwanzig der wichtigsten Positionen beschränken. Wenn ein Difinitivum nicht möglich sei, fönnte ein Proviforium die Grundlage für den Wirtschaftsfrie ben zwischen den beiden Staaten herstellen. Die polnische Delegation weile in Berlin und sei voller Bereitschaft zu verhandeln. Auch die Besprechungen über die Neugestaltung der Beftimmungen für die deutsche Luftfahrt find in London gefördert worden und die deutschen Delegierten glauben an nehmen zu dürfen, daß man auch auf diesem Gebiet einen Schritt vorwärts tommen werde. Die Abrüstungsfrage ist in einer ganzen Reihe von Privatgesprächen in London ein gehend erörtert worden. Von einer Mitte Februar in Paris abzuhaltenden Ronferenz zur Verhandlung über die Räumung der zweiten und dritten Rheinlandzone ist zwar feine Rede; es wird aber über alle diese Fragen fort bauernd verhandelt, bereits am 7. Dezember in Roblenz, dauernd verhandelt, bereits am 7. Dezember in Roblenz, nach dem Eintreffen des neuen Reichskommissars bei der Rheinlandkommission, deren legte Ordonnanz noch gar nicht alle die Fragen umfaßt, die in der letzten Note der Bot schaftertonferenz angefündigt worden sind. Reichsbannerbundestag. | Vorwärts- Verlag 6.m. b. H., Berlin SW. 68, Lindenstr.3 Bostichedkonto: Berlin 37 536 Bankkonto: Bank der Arbeiter, Angestellten und Beamten. Wallstr. 65; Diskonto- Gesellschaft, Depofitentaffe Lindenstr. 3. Industrielle unter sich. Geistige Krise in der Industrie. Hätte es noch einer Bestätigung dessen bedurft, daß die Wirtschafts- und Steuerpolitit des Reichskabinetts LutherSchlieben ein jammervolles Fiasko erlitten hat, so konnte die gestrige Tagung des Bereins Deutscher Maschinenbauanstalten als letter Beweis angesehen werden. Die Industrie rebelliert gegen das Versagen der Reichspolitik auf dem Gebiete der Handelsverträge und der Steuerfragen. Das Letztere braucht man nicht so tragisch zu nehmen. Denn daß die Unternehmer nicht gern Steuern zahlen, das brauchte nicht erst gestern wieder betont zu wer den die Deffentlichkeit weiß es feit langem. Daß aber die Handelsvertragspolitit auf heftige Kritik und Ablehnung stieß, daß sogar Direttor Krämer mit dem Rampf der In= dustrie gegen die Landwirtschaft drohte, weil diese aus parieidemagogischen Gründen das Exporiinteresse der deutschen Industrie zugunsten der Winzer und Gärtner volifommen preisgibt, das ist immerhin ein bezeichnendes Merkmal für die Krisenstimmung in der Industrie. Die wirtschaftliche Krise, die sich in fortgefekten Betriebseinschrän fungen und Stillegungen und in wachsender Zahl der Konfurse äußert, wirkt jetzt auf die Denkart der Industrieführer zurüd, meil sie ihnen mit schonungsloser Grausamkeit die eigenen Sünden und Fehler vorhält. Die Industrie war es ja, der die Inflation nicht lange genug dauern fonnte. In Krieg und Inflation aber haben sich die ungeheuren Schähe von Sachwerten und Neuanlagen in den Händen von Leuten konzentriert, die Wunder daher, daß sie hilflos und teilweise sogar hoffnungsden Besiz höher schätzten als die Produktion. Kein los jetzt dastehen, wo die Sorge um den Absah am Beltlos jetzt dastehen, wo die Sorge um den Absatz am Weltmarkt und das Bersagen der Kauffraft im Inland dazu zwingt, wirtschaftlich" im besten Sinne au arbeiten, hochwertige nicht mehr die Zeit zu dieser Umstellung; denn schon drücken Produkte zu einem niedrigen Breis herzustellen. Viele haben die Schulden, die in leichtfertiger Pumpwirtschaft eingegangen wurden, als man die Möglichkeit des Abfazes noch überschäßt hatte. Und manchem dämmert heute leise die Er tenntnis, daß alles anders sein fönnte und eigentlich fein müßte, wenn die Industrieführer sich nur rechtzeitig auf ihre Berantwortung gegenüber dem Bolksganzen und insbesondere gegenüber dem Verbraucher besonnen hätten. Erst unter dem Drud der wirtschaftlichen Not beginnt man einzusehen, daß die Produktion nichts ist, wenn ihr nicht ein Berbrauch, der zugleich 25fagmöglich feit bedeutet, gegenübersteht. Wenn der Hauptreferent des gestrigen Tages, Direktor 2 ange, meinte, zunächst die Industrie auf die ver minderte Abfagmöglichkeit zurückschneiden zu müssen, fo zeugt das von einem Mangel an Vertrauen in die eigene Leistungsfähigkeit, der eigentlich im schroffen Widerspruch zu den zahlreichen Lobgefängen auf die freie Initiative des privaten Unternehmertums steht. Richtig ist immerhin, daß ungeheure Kapitalmengen felfch angelegt find; richtig ist, daß eine Umorganisation der gesamten Industrie stattfinden muß: zu begrüßen ist es, wenn man zu begreifen beginnt, daß diefe Umorganisation nicht auf Roften des Arbeitslohnes gehen darf, sondern daß die Kauftraft der arbeitenden Bevölkerung erhalten und gesteigert werden muß. 3war waqt man das nicht ganz fo fiar auszufprechen, gleichrooh! will es schon viel fagen, daß im Gegenfah zu der Politik der Bereinigung Deutscher Arbeitgeberverbände die in der Wirtschaft stehenden verantwortlichen Unternehmer com Sohndrud nicht mehr gern fprechen. Es ist ja auch ein niinn, eine Steigerung des Abfahes erwarten zu wollen, wenn man die Quelle bes Abfages, die Kauffraft der Bevölkerung zum Berliegen bringt. Demgegenüber muß betont werden, an Rahl und Qualität der Produktionsmitte! ist die deutsche Wirtschaft nicht fchlecht ausgestattet. Das Bemühen, einen Auslandsmarkt zu finden, ist in den ersten taftenden Versuchen steden geblieben. Bon einer planmäßigen Erschließung des Inlandsmarftes fonnte aber in einer Beit, wo die Klagen der Unternehmer über hohe Steuern. hohe Löhne und hohe Sogiallaften fein Ende finden wollten, überhaupt noch nicht die Rede sein. Es ist doch mehr als ein grotester Zufall, Regierung stöhnt, die sie nach ihrem eigenen Eingeständnis felbst bezahlt hat. lind es ist andererseits nur ein lächerliches Ablenkungsmanöver, wenn der deutschnationale Industrielle und Industrielle und Abgeordnete Dr. Reichert empfahl, nun erst recht gegen die Linksparteien auch in den Gemeinden Front zu machen. Er felbft hat als Mitglied der deutschnationalen Reichstagsfraktion jene Sabotage des deutschen Erportes mitgemacht, die nach der Mitteilung des Abgeordneten Krämer durch die Haltung der Links. parteien zum deutsch- svanischen Handelsvertrag verhindert worden ist. Tatsächlich richtete sich die fchroffe Kritik an der Handelspolitik des Reichstags, die gestern non den Industriellen geübt wurde, ausschließlich gegen die Rechts. parteien, und zwar die Deutschnationalen bis zu jenen Teilen der Deutschen Bolkspartei und des Zentrums hin, die Am 20. und 21. Februar in Hamburg. Am 20. und 21. Februar 1926 findet in Hamburg der Reichsbundestag des Reichsbanners Reichsbanners Schwarz Rot. Gold und die Feier des zweijährigen Bestehens des Re- wenn die Induftrie über die Steuer- und Handelspolitit einer publikanischen Frontfoldatenbundes statt. Die Borbereitungen für die Unterbringung von etwa 150 000 Reichsbanner leuten und von Kameraben des Republikanischen Schutzbundes Deutschösterreichs werden bereits getroffen. Auf dem Programm der Bundestagung steht eine Massenversammlung der gesamten Berbände und Fahnendeputationen aus dem Reich auf einem öffentlichen Platz Hamburgs und ein Vorbeimarsch in Zugkolonne. Neben der Wahl der Bundesleitung und organisatorischen Fragen ift eine große politische Rundgebung vorgesehen, für die bekannte Sprecher des republikanischen Deutschlands gewonnen find. Ars Köln abgeridt find bis jetzt 500 Engländer mit 35 bis 45 Offizieren. Die britische Rheinflotte wird wahrscheinlich nicht in die neue englische Bejagungszone übernommen, sondern nach und nach nach England zurüdlehren. um der Winzer und Gärtner willen auf einen Ber] noch näher erläutert murde, ergab für einzelne Betriebe eine ganz| befaffen sich daher sämtlich mit der Fabrikation von Trattoren Meiner trag mit Spanien und mit anderen Ländern verzichten zu können glauben. Mit der Verminderung der arbeitenden Industrieanlagen, also mit Stillegungen und Betriebsabbrüchen ist es feines falls getan. Es fennzeichnet das Sozialgefühl der deutschen Unternehmer, wenn man in diesem Ausweg die einzige Möglichkeit der Ueberwindung der Krise sieht. Denn dieser Ausweg bedeutet Not und Elend für hundert tausende, wenn nicht Millionen von Bolfsgenossen. Beschreitet man thn mit der Konsequenz und der Rücksichtslofigkeit, die aus manchen Worten der gestrigen Redner herausklang, so tann es tatsächlich dahin kommen, daß wir, wenn nicht zwanzig, so doch nicht viel weniger Millionen Deutsche zuviel in unserem Baterlande haben. Gerade diejenigen, die sonst ihrem Nationalgefühl so gern in Worten Ausdruck geben, sollten sich doch fragen, ob der Geist der von ihnen propagierten Boltsgemeinschaft zwed mäßigerweise sich darin dokumentieren soll, daß man die Sterblichkeitsziffer oder die Auswanderungszahlen ins Ungemessene anschwellen läßt. Mit dem Geift einer Bolts wirtschaft jedenfalls hat eine solche Auffassung sehr wenig zu tun. Das haben- wenn auch in anderer Form einige Redner gestern zum Ausdrud gebracht Aber die große Menge der Industriellen weigert sich heute noch anzuerkennen, daß der Sinn der Produktion der Dienst am Berbraucher ist, ganz gleich, ob dieser Berbraucher in Deutschland, ob er in Turkestan oder in Südamerika wohnt. Diese Einstellung bedingt nämlich, daß die Industrie ihre Pflicht zur Tat macht, auf einem im Verhältnis zu den Löhnen viel niedrigeren Preisniveau den Absatz zu suchen, der ihr heute fehlt. Dem steht entgegen das Intereffe am Profit, der die Triebfeder der fapitalistischen Wirtschaft ist. In gleicher Richtung jedoch wirkt sich auch der Umstand aus, daß bie deutsche Industrie maßlos vermöbnt ist. Krieg und Inflation gaben ihr eine Monopolstellung heute steht sie im Zeichen einer erstartenben Konkurrenz. Auch der Preis schutz der Kartelle versagt; denn Unternehmungen, die fich nur auf den Preisschutz der Kartelle verlassen. sind in den legten Monaten vielfach von den hohen Rinsfäßen der Banten, von den nun einmal unvermeidbaren Steuerlasten und von der Absazkrise hinweggerafft worden. Alle Ausflüchte, alles Ablenken von den fachlichen Problemen helfen jent nicht mehr. Jegt gilt es zu handeln. Und die Zeit zum Handeln trifft bei den Industrieführern ein schwaches Geschlecht. So stellt sich der Meinungskampf der Industrie, den man gestern bei den Maschinenindustriellen und schon früher auf der Tagung der Elektroindustrie beobachten fonnte, als ein Zeichen der geistigen Krise des deutschen Unternehmertums dar. Wo diefe Krise endet, ob man rechtzeitig den Willen zum Aufbau nach der felbstverschuldeten Zerstörung finden wird, das freilich ist eine andere Frage. Die Ausgestaltung der Reichsbankkredite. In der Diskussion, die sich an das Hauptreferat der Tagung des Bereins Deutscher Maschinenbauanstalten anschloß. ergriff u. a. auch der Bizepräsident der Reichsbant, Kaufmann, das Bort. Indem er den Beschluß der Reichsbant, der auf eine Er. weiterung ber Strebitgewährung abzielt, noch näher erläuterte, teilte er mit, die Reichsbant merde von jeßt ab ohne Rücksicht auf die Kreditkontingentierung Handelswechsel anfaufen. Es fämen aber mur gute Handelswechsel in Betracht, sodaß der Kreis der Kreditnehmer, die pon der Maßnahme Borteil ziehen, zunächst noch eng begrenzt ift. Ein weiteres Referat bes Generaldirektors poppelmann über die Frage as ift von den amerikanischen Arbeitsver fahren im deutschen Maschinenbau anwendbar?" zeigte die Vorteile einer zweckmäßig angewandten Bandarbeit in beut. schen Betrieben. Der Vortrag, der mit zahlreichen Lichtbildern gewaltige Produktionssteigerung auf den Kopf der Arbeiterschaft. So wurden von einer bestimmten landwirtschaftlichen Maschine nach der Umorganisation des Betriebes 2,8 Stüd pro Kopf des Arbeiters erzeugt, wo vorher nur täglich 0,6 Stüd je Arbeiter fertig wurde. Dieses Beispiel allein zeigt, daß der Lohnanteil bei einem gutorganisierten Betrieb auf den Preis des Broduktes fast gar teinen Einfluß hat, daß der Einfluß um so geringer wird, je besser der Betrieb ist. An mangelnder Arbeit der Unternehmer liegt es also, wenn diefe über hohe Löhne klagen. Das wurde auch durch eine Rede des Inhabers der Brennabor- Werte, Dr. Carl Reichstein- Brandenburg bestätigt, der folgendes ausführte: Es hat mir an den Ausführungen der Referenten nicht gefallen, daß wir die Wirtschaft zurück drosseln sollten. Wir müssen der Bevölkerung ein hohes Existenzminimum beschaffen, indem wir den Arbeitern möglichst gute Wertzeuge in die Hand geben. Das liegt aber anuns. Auch den Marti tann man sich selber schaffen. Die Hauptsache ist, daß der Preis des Artikels der Kauffraft der Bevölkerung angepakt ist. Ford hat sein Auto so billig gemacht, daß jeber den Wagen taufen tonnte. Brennabor hat heute mit einer Erzeugung von 1500 Rinderwagen täglich, bei einem Artitel, der in den siebziger Jahren auch erst eingeführt werden mußte, die Führung in der ganzen Welt. Die Bevölkerung hätte ihn nicht kaufen können, wenn der Wagen zu teuer wäre. Bei der Maschinenindustrie ist das nicht anders. Warum ist heute die Fahrradproduktion, die zwei Millionen Räder jährlich absetzt, doppelt so groß wie vor dem Kriege? Das ist darauf zurückzuführen, daß bas Rad in Mart nicht teurer ist als vorbem Kriege, während alle andern Breise gestiegen find. Wir müffen ben Erfolg des Wirtschaftens nicht in unsere Tasche fließen laffen, sondern auch dem Käufer zuführen, damit jeder auf sich eine möglichst große Rahl von Konsumenten vereinigt. Tut jeder bas, dann werden wir auch den Konsumenten von selbst dazu erziehen, daß er Standard Artikel Massenware vorzieht, weil diese billiger ist. Diefe Rede war nicht nach dem Sinn der anwesenden In bustriellen, bie sich über die Ausführungen Reichsteins luftig machten. Rußlands Wirtschaftslage. und größerer Art( bis zum Raupenschlepper), ohne daß dafür auch brauchbare Einrichtungen bisher geschaffen wären. Be ftrebungen, geordnete Fabriken durch straffe Organisation zu schaffen, sind vorhanden. Werkbureaus, Zeitstudien, Terminüberwachung, Borfaltulation entwideln sich in ähnlicher Weise wie bei uns, da die russischen Ingenieure sehr gelehrig sind. Während in Deutschland erst die wirtschaftlichen Verhältnisse das Berschwinden aller wirtschaftlich schwachen Fabriten erzwingen werden, wird in Rußland syste. matisch jest an Hand der erstatteten Gutachten so vorgegangen, daß man statt an vier Stellen Einzel- oder Kleinfabrikation zu treiben, nunmehr an einer Stelle eine Massenfabrikation ins Leben rufen will. Deutsche Verschleppungstaktik? Rein Aufnahmegesuch Deutschlands vor dem Monat März. Paris, 4 Dezember. Der Sonderberichterstatter der Agentur Havas in Genf berichtet: Eine Anmeldung Deutschlands zum Völkerbund während der Dezembertagung des Völkerbundsrats ist nicht zu erwarten. Man darf aber feststellen, daß die deutsche Regierung zu jeder eit ihr Aufnahmegefuch an das Generalfetretariat richten fann. Wenn das Gefuch zu einem Zeitpunkt eingereicht wird, der der übernächsten Tagung des Völkerbundes im Monat März, die in Madrid stattfinden soll, nahekommt, fo würde eine außerordentliche Vollversammlung des Bölferbundes Ende März oder Anfang April zusammentreten, um über das deutsche Aufnahmegesuch zu entscheiden. Eine der Folgen dieses Verfahrens wäre, daß der Völkerbundsrat zu gleicher 3eit mit der außerordentlichen Vollverfammlung ebenfalls in Genf zufammentrefen würde. Diese offiziöse französische Meldung deckt sich ungefähr mit den Aeußerungen Stresemanns deutschen Presseberichterstattern gegenüber, die wir am Donnerstag abend veröffent licht haben. Sie fommt insofern nicht überraschend, als in Berliner politischen Kreisen es seit einigen Tagen befannt war, daß Herr Luther sich mit der Absicht trägt, die Anmeldung Deutschlands zum Bölferbund dilatorisch zu behandeln, und zwar wird diese Taftif, die Deutschland auf außenpolitischem Gebiet nicht die geringsten Vorteile, sondern mur Nachteile eintragen fann, wieber einmal durch rein inner politische Gründe bestimmt. Interessante Aufschlüsse über die Lage Rußlands gab ein fritisch gehaltenes Referat des bekannten Betriebstechnifers Profeffor Schlefinger. Der Vortragende hat Rußland bereift auf Aufforderung Es ist fein Geheimnis, sondern sogar von der französischen der russischen Regierung, die aus sachverständigem Munde ein Urteil Bresse veröffentlicht worden, daß der Reichskanzler Luther darüber zu haben wünschte, ob die Fabrikationseinrichtungen der be ursprünglich die Absicht hatte, dem am Schlusse der Reichstagsfichtigten Fabriken einmal überhaupt auf der Höhe seien, ferner ob debatte eingebrachten Antrag der Bayerischen es zweckmäßig sei, an vielen verschiedenen Stellen im Reich ungefähr Bolfspartei zuzustimmen, monach Deutschland seinen dieselben Maschinen zu fabrizieren, oder ob eine Ronzentration Eintritt in den Bölkerbund von weiteren Rüdwirtungen" ab stattzufinden habe. Der schwächste Punkt der besichtigten Fa hängig machen sollte. Nur der entschiedene Widerspruch der briten in den drei Hauptstädten des Landes, in Leningrad, Moskau Sozialdemokratie, der Demokraten und des Zentrums, die in und Charkom ist die Ausrüstungan Werkzeugmaschinen diesem Falle von Stresemann und vom Auswärtigen Amt und Werkzeugen. Die Werkzeugmaschinen sind offenbar durch unterstützt wurden, veranlaßten den Reichskanzler, diese geden langen Krieg und die darauf folgenden Revolutionsjahre voll fährliche Absicht aufzugeben. Der statt dessen angenommene ständig heruntergewirtschaftet und bedürfen dringen. Antrag der Mittelparteien, wonach die Reichsregierung bis der Erneuerung; vor allen Dingen müffen die Werkzeuginstand zum Eintritt Deutschlands in den Bölferbund um weitere setzung und Herstellungsfabriken auf die Höhe gebracht werden, da- Rückwirkungen" bemüht sein sollte, sprach nur eine mit die russische Industrie überhaupt in die Lage tommt, die gekauften Selbstverständlichkeit aus und wurde daher auch von der So neuen Wertzeugmaschinen voll auszunuzen. Bei der eigenartigen gialdemokratie unterstützt. Der Sinn dieses letzteren AnBerteilung der russischen Benölferung, etwa 120 Millionen Bauern trages mar aber auf keinen Fall. einer Ver. und 2 bis 2% millionen Industriearbeiter, ist die Stimmung der schleppungstaftif Borschub zu leisten. Das leitenden Rreile in Rußland jeber Züchtung einer Großindustrie zum geht schon daraus am deutlichsten hervor, daß die Ent Swede bes Expartes abgeneigt. Die Ruffen wollen ein felbft gefchließung der Bayerischen Bolfspartei ausdrücklich abgelehnt nügsames Reich fein, wollen sich ihre Hauptgebrauchsmaschinen, wurde. das sind Transportmittel, landwirtschaftliche Maschinen und Geräte, Strafterzeugungs- und Kraftverteilungsmaschinen und das Hauptmert zeug fchließlich felbft machen. Aber alles, wofür nur ein verhältnis mäßig geringer Gebrauch da ist, wollen fie faufen. Auf feinen Fall follen Industrien ins Leben gerufen werden, die den laufenden Bedarf übersteigen. Die brennendste Frage ist die Schaffung von landwirtschaftlichen Trattoren zum Ersatz der in feiner Weise ausreichenden Pferde und Ochsen. Die begutachteten Fabriken Wenn also die Reichsregierung dennoch Ver. fchleppungspolitik treibt, indem sie die Gelegenheit zur Ueberreichung eines Aufnahmegefuches, die die am 7. Dezember beginnende Tagung des Bölferbundsrates bietet, nicht wahrnimmt, so handelt fie entgegen dem Willen der überwiegenden Mehrheit des Reichstages. Die Gründe, von denen sich die Regierung dabei leiten läßt, sind nicht schmer zu erraten: diese dilatorische Behandlung der Bölferbundsfrage geschieht Deutschlands Volks- und Nationalfeife. Walter einen herben Trieb aur dramatischen Gebärde, die dem britten, auf bem bas Bahrtuch lag, und erft im vierten Schrein fand Bon Kasud. Bor Jahren hatte Deutschland einmal eine große Beit" und in diefer murde, wie jeber weiß, die Seife tnapp. Es gab Leute, die fagten ganz einfach nu menn schon", andere aber, und das waren die meisten, fonnten sich nicht mehr waschen. Da aber nach dem Seifenverbrauch die Kultur eines Boltes berechnet zu werden pflegt, so war es klar, daß das deutsche Bolt während seiner großen Zeit auf einer sehr niedrigen Kulturstufe stand. Sie ist goldenen Schrein. Er enthielt einen zweiten Schrein, dieser einen man den eigentlichen Sarg. Er ist aus Sandstein, der Deckel pon Granit. Man löste die Binden der Mumie und fand, daß man dem Bharao Juwelen mitgab und( wie anderen Sterblichen auch) ein Totenbuch, als Führer durch das Jenseits. Diefes Totenbuch ist mohlerhalten, daher von ungeheurem Wert. Die Königsmumie selbst war mit Gold überzogen. Eine Schahtammer ist noch nicht ausgeräumt, fie wird ohne Zweifel noch Funde von unschätzbarem Wert enthalten. Die Mumie hat man geröntgent. Woran ist dieser Bharas gestorben? Warum hatte man ihn so übereilt bestattet? Gtliche Aegyptologen meinen, diefer in Golb gepadte König fei an der Armen- Leute- Krankheit von heute, der Tuberkulose, gestorben. Andere Wissenschaftler mißtrauten sofort einem machtlüfternen Oberbefehlshaber von Anna dazumal, Herrn Haremheb. Ueber das Ergebnis der Röntgenaufnahme wird noch Stillschweigen bewahrt. Werden die Menschen von heute es überhaupt feststellen fönnen, moran er starb, dieser junge, dreitausend Jahre alte König mit den e. b. schmalen Wangen und dem bitterernsten Mund? unsere Sinne. Mit der Weichheit, die ihm eigen, perbindet hier Wert den ewig pollendeten Bauber der Nachromantit läßt. Zwei Frauen fingen auf der Bühne, die selbst ihn, den Stabmeifter, vergeffen machen welch schöneres Lob gäbe es für die uneille Burüdhaltung eines Rapellmeisters. Die Dlgewita( als Startwillig, ein Brangane) tönt Glocken aus ihrer Rehle. Charakter, ein fchicfalhaftes Weib, hochragend, monumental im Ausdrud, nur im Armewerfen etwas atademisch. Die wild brunn hat nicht die Plastik und Ruhe der Kemp. Aber ihre Sfolde ist ein gesungenes Wunder, eine Seltenheit, eine Einzigkeit musifdramatischer Gestit, eine Offenbarung stimmlicher Kultur. Nie schreit diese Stimme, nie schwankt ihre Intonation. rührend, jung, liebreich und unverdorben. Sie ist groß diese Stimme, ohne penetrant zu werden. Sie schmeichelt dem Dhr auch im höchsten Affekt. Die Wildbrunn ist ein Quell der fraulichen Regungen und ein Wildbrunnen fünstlerisch gelockerter Leiden. ihrer nächsten Umgebung auch dann fühlbar machen würde, wenn bieterin jeber Stimmung. Eine Auserforene, die den Abstand zu ein musikalischerer, persönlicherer, in der Stimm- Mustulatur freierer der größten heute lebenden Lyrifer, wurde 50. Jahre alt. Nach Riffe- Feler im Rundfunk. Rainer Maria Ritte, einer Tristan ihr Bartner wäre. Friz Berron ist in dieser Ree eine unferem Herzen, unserem Berständnis niemals Stammler, immer Kalamität. Das Liebesbuett fang ihm zwar die Wildbrunn immer Gänger, bleibt er uns jung. Eigentlich wollen wir gar nicht wissen, wieder por, wie es quellen und tönen foll, aber er faßte es nicht, daß er sich schon ein halbes Jahrhundert so frisch hält, aber wir feine Stimmbildung ist eine frampfig schlechte. Der Marte Baubegrüßen ben Anlaß, daß die Funtstunde ihn feiert, ihn, den Sel manns, der Gurneval Schippers feien lobend genannt. Man tenen, der Deffentlichkeit fchenkt. So etwas Schönes durfte ich lange rief die Wildbrunn, die noch unter Brominenten eine Promineng nicht tragen, fagte die Netherwelle, als alles vorbei war, ins Dhr. zu sein scheint. Ihr Gastspiel hat glänzend begonnen. Die Ge Dir auch? Dir auch? Dr. Bas sprach eine Einleitung vom Leben des fahr ist allerdings groß, daß unter dem Eindruck solcher Leistungen Dichters. Manchmal zu sehr ins einzelne gehend. Im Vortrag das Stammmensemble der Städtischen Oper überhaupt nicht mehr zu Worte und zu Ehren kommt. R. S. Um nun die Kultur zu heben, sollte sich das Bolt wieder mehr waschen. Aber womit? Dele und Fette für bie Seifenfabrikation waren nicht mehr vorhanden. Und nach langem Ueberlegen fand man den Retter: Den Ton. Nicht etwa den guten Ton", o nein, der war in der großen Zeit abhanden gekommen, sondern den grauen Ton aus der Grube, der selbst gewaschen werden mußte, um verschaften. Der Mensch geht mit, aber die Kehle bleibt doch Gewendbar zu sein. Dieser graue Ton murde mit Kies und Sand ver. mischt und es erstand die Tonfeife. Wer fennt sie nicht? Die erste deutsche Nationalfeife! Sie war eine Nationalfeife im wahrsten Sinne des Wortes, denn überall fonnte man auf großen Plataten lesen, daß jeder, der sich nicht mit der neuen Seife waschen würde, ein Landesverräter fei. Die Seife hatte nur einen Nachteil: Nach ihrem Gebrauch mußte ein möglichst heißes Bad genommen werden, um den Ton vom Körper wieder herunterzubringen. Ohne träftige Bürste gelang dieses aber meist nicht. Schließlich ging die große Zeit zu Ende und mit ihr die Ton. feife. Der Seifenverbrauch hat sich nun wieder gehoben, der Kultur stand somit auch, aber es mangelte immer noch zum Andenken an die große Zeit an einer richtigen Nationalfeife. Und wer hatte nicht darunter zu leiden? Aber jetzt: Hosianna, alle Sorge ist vorbei! Wir haben sie, nämlich die richtige Seife. Mit Lavendel geruch. Der Retter auf allen Gebieten gab sie uns. Beweis: 16- oder 18jährig. Inferat im Neuen Stuttgarter Tagblatt". Hindenburg- Lavendelseife D. R. G. M. hergestellt mit Genehmigung Sr. Egzellens des Herrn Generalfeldmarschalis v. hinden. burg. Hindenburg- Lavendelseife ist heute schon, nat erft furzem Bestehen, in großen Teilen Deutschlands zur Bolts und Nationalfeife geworden. Na also, jest tann sich Deutschland die Beste reinigen. unb je Helene Wildbrunn. Tristan und folde in der Städtischen Oper wie anders wirkt dies Seichen auf uns eln! Paul führt führt wieder Regie, meniger er vom Hergebrachten abdrängt, um so ein bringlicher wirft ihre Stille. Walter dirigiert souverän, das Orchester flingt bis auf eine indisponierte Oboe herrlich, und das Melos dieser vorhalterelchen Partitur drängt sich vorbehaltlos in Tuf and 2mon. Rein fachlich, nur den Tatbestand beachtend, sprach Profeffor Goerte in ber Urania über die aufge. fundenen Schäße im Grabe Tut anch Amons, Diefer König, der in Kinderjahren den Thron bestieg, regierte sechs Jahre und starb Mit ungeheurem Pomp, aber in aller Eile ist er bestattet morden. Seine Grabfammern sind nicht nur Schatz fammern in bes Wortes wahrster Bedeutung, sondern sie sind auch als Barenhäuser anzusprechen. Streitwagen und Bettgestelle, Totensträuße und Bildnisftatuen des Königs, Bruntgemänder, Truhen mit tostbarster Einlegearbeit, Trinkgefäße und der Thron Truhen mit foftbarster Einlegearbeit, Trinkgefäße und der Thron feffel, alles, alles wurde in sie hineingestellt. Es wurde aufgestapelt, man hat sich damals nicht die Zeit genommen, die Streitwagen usw. zusammenzulegen. Heute, nach breitausend Jahren ist das eine gewiß schwierige Aufgabe. Ein jeder Fund bedeutet für die Aegyptologen einen Schritt weiter in der Erfallung der ägyptifden Kultur geschichte. Der Thronseffel, mohlerhalten, ift in feiner Aus. fchmückung ein Beweis für die politisch- religiösen Kämpfe, die zur Reit Tut anch Amons ausgefochten wurden. Als sehr wichtigen Fund muß man die Handschuhe bezeichnen, da es sich bei ihnen, fage und schreibe, um Fingerhandschuhe handelt. Ein Gefäß enthält Gesichtssalbe, die in den Tausenden von Jahren ihren Wohlgeruch noch nicht eingebüßt hat. Bei der ganzen Totenausstattung ist man mit Gold und Edelsteinen verschwenderisch umgegangen. Nach Er brechung der eigentlichen Grabfammer stieß man auf einen großen etwas zu pathetisch. Aber immerhin inftruttiv. Musikalisch gratu lierten Mag Rostal( Bioline) und Sela Trau( Cello); eine wundervoll flangfame Sonate von Ravel spleften fie, bann einen Händet. Ludwig Harbi las, und wie der große Stünstler es tat, verlebendigte er den Boeten. Die Gedichte wurden zu Gebeten, ein Bruchstück aus dem Roman Malte Laurids Brigge zum höften Genuß. Die Weise von Liebe und Tod des Cornets Christoph Rilke" zu einem Erlebnis. Zu einem Erlebnis, wie es uns dieser Dichter hoffentlich noch recht oft schenken wird. Ergo. Bei der Morgen'eler für Klat und, die Sonntag 11. 1hr in der tomödie" stattfindet, wird labund eigene hiif und Balladen, Eugen Stlöpfer aus dem Roman Moreau lefen. Die helleren Ure de von Joseph Plant mit neuem Programm finden am und 6. Dezember 8 Uhr, im Schillersaal ftatt. Die zehnjährige Münchener Tänzer n Helma Bieiffer gibt im KlindworthEdawenta Soal am 8. Dezember, abends 8 lbr, einen Tanzabend. Bur Aufführung lommen Tänze nach Grieg, Johann Straus, Bocherini, Paderewifi. Berlioz it. a. Ernst Friedrich spricht am 6.. abends 7%, Uhr. im arohen Saale des at baules, Königstrake, cinefiche, russische und indianiche Märchen für artice Eltern und deren erwachsene Kinder( außerdem Lich bilder). 3wel berühmte Schrift eller fdmer erfrantt. Am Befinden des polnischen chiststellers Reymont ift eine leichte Befferung eingetreten, doch erklären die Aerzte seinen Buftand noch immer für sehr ernit. Der Ge fundheitszustand von Rudyard Kipling, der an einer Lungenentzündung ertranft it, bat fich etwas gebeffert, doch ist die Gefahr eines tödlichen Ausganges noch nicht geschwunden. offenfundig mit Rüdsicht nicht nur auf die Bayes rische Boltspartei, sondern auch auf die Deutschnationalen. Herr Luther wird zwar heute demissionieren und mit ihm Dr. Stresemann, aber beide Herren rechnen bestimmt mit ihrer Wiederbetrauung und mit der Neubildung einer zunächst losen, aber bald wieder festen Roalition des Bürgerblods. Um nun die Deutschnationalen und die bayerischen Boltsparteiler nicht zu verstimmen, soll ihnen diese Rongeffion einer Berschiebung des Wölfer bundseintritts Deutschlands gemacht werden. Die Arbeitslosen in Not. Mangelhafte Fürsorge.- Erschwerung des Unterstützungsbezuges. Nach dem letzten Bericht des Landesarbeitsamts Berlin maren| schaftskrise dieser Prozentsatz erreicht wäre, so ergibt sich, daß die in der Woche von 16. bis 21. November rund 92 000 Erwerbslofe Erwerbslosen einer Industriegruppe allein, und menn dort die Arstatistisch erfaßt, welche Sahl in den letzten Tagen weit über beitslosigkeit noch so verheerend ist, niemals diese gerade für sie 100000 geftiegen sein dürfte. Bei verschiedenen Berliner Be notwendige Berlängerung der Unterstügungsdauer erreichen. Menn Das bedeutet, daß wieder einmal mi dzirtsämtern, besonders der reinen Arbeiterviertel, find die ein Angehöriger folcher Industriegruppe 26 Wochen erwerbslos ist, tige deutsche außenpolitije Intereffen aus täglichen Neuanmeldungen fo greß, daß fie an einem erlischt die Unterstügung ungeachtet dessen, daß für ihn noch gar fleinlichen innerpolitischen Erwägungen Tage gar nicht erledigt werden können, so daß erst feine Aussicht auf Arbeitsbeschäftigung besteht. heraus der Reaktion zuliebe geopfertwerben Berwaltungshilfskräfte angefordert werden müssen, um die riesen- Des weiteren ist der jolle! hafte Arbeit zu bewältigen. Demokratischer Parteitag. Die Frage der Großen Koalition. Der Fall Gehler. Die Demokratische Bartei trat gestern in Breslau zu threm Parteitag zusammen. Der Eröffnungsfizung ging eine ver. trauliche Aussprache voraus, auf der der Parteivorsitzende Koch einen lleberblick über die demokratische Politik gab. Die„ Bol. 3tg." berichtet über die Aussprache: Die gesamte innerpolitische Situation, bie fich aus der Annahme der Locarno- Berträge ergeben hat, wurde von ihm( och) eingehend beleuchtet. Die Frage, die dabei besonders ausführlich behandelt wurde, war die der Großen Roalition, die von der Demokratischen Partei und ihrer Reichstagsfraktion mit allen Kräften angestrebt wird. Die ausführlichen Dar. legungen des Parteivorsigenden fanden die Billigung des Parteiausschusses. In der anschließenden Aussprache wurden die schwebenden Fragen der demokratischen Bolitik eingehend beleuchtet und babei auch die Probleme angeschnitten, die, wie die Bedenten gegen den Reichswehrminifier Dr. Geßler, eine gewiffe Unruhe in der Partei hervorgerufen haben. Die Aussprache ergab in allen großen Fragen volle Einigkeit und geiat erneut das Bertrauen der Partei zu den von der Parteileitung beschrittenen Wegen der demokratischen Politik im Reich und in Breußen, Auf der Eröffnungsflgung hielt Professor Dr. Hellpach bas Hauptreferat, in dem er von dem Wesen des Staates ausging. Auch der Volksstatt werbe niemals ohne Gewalt auskommen, aber die Gewalt dürfe nur da in Anwendung fommen, wo es die Aufrechterhaltung der Ordnung unbedingt erfordert. Die germanischen Staaten der Erde seien heute Demokratien, am augenscheinlichsten trete das demokratische Prinzip in England in Erscheinung. Bayern und das Reich. Ein Beispiel für das Ausmaß der Arbeitslosigkeit bietet das Bezirksamt Bedding, das in der Woche vom 23. bis 28. Na Dember allein 14 250 Erwerbslose in seinem Bezirk hatte. Bei dem Arbeitsuchende eingetragen, die anderen wurden zu ihren Fach Arbeitsnachweis des Bezirks waren in der angeführten Woche 3809 arbeitsnachweisen überwiesen. Von diesen 3809 Arbeitsuchenden 12 Arbeitsuchende entfielen. murben in der Woche 315 vermittelt, so daß auf eine Stelle Nun ist diese vom Landesarbeitsamt ermittelte statistische Zahl nicht etwa als die Gesamtzahl der wirklich Erwerbslosen anzufehen. Diese ist weit höher. Viele Arbeitslose melden sich bei ben Arbeitsnachweisen überhaupt nicht, weil sie hoffen, durch Zeitungsannoncen oder Umfrage bei den Firmen leichter Arbeit zu be. tommen. Das schlimmste aber ist, daß noch nicht einmal ble Hälfte berer, die bel ben Arbeitsnachweisen eingetragen find, Unterstützung beziehen, d. h. unterstüßungs berechtigt find. Beim Bezirksamt Webbing erhielten von den 14 250 Erwerbslofen nur 6936 Unterfügung, die anderen nicht. Warum find nun so viele nicht unterstügungsberechtigt? Die Antwort darauf gibt die Verordnung über Erwerbs. Tofenfürsorge vom 16. Februar 1924, die bie Bezugs oder nichtbezugsberechtigung regelt. In dieser Verordnung wird u a. bestimmt, daß nur der unterstützungsberechtigt ist, der während der letzten 12 Monate vor dem Eintritt der Erwerbslosigkeit eine mindestens dreimonatige versicherungspflichtige Tätigkeit auf weisen fann. Da bies bet vielen Antragstellern nicht zutrifft, scheidet hier schon ein erheblicher Teil aus. Ganz unhaltbar ist insbesondere die sogenannte Bedürftigkeitsklausel, Höchstsatz der Unterstützung auf 19,50 m. wöchentlich festgelegt, was dem Unterstügungssag eines Erwerbslosen mit Frau und 4 Kindern entspricht. Hat der Erwerbs. Lose mehr als 4 Kinder, so erhält er ebenfalls nicht mehr als 19,50 m. stützung ist die Arbeitswilligkeit" des Antragstellers. Hat Eine andere Boraussetzung für die Gemährung der Unterjemand seine Arbeit freiwillig aufgegeben, z. B. wegen Akkerdstreitigkeiten oder dergleichen, bekommt er erst nach 4 Wochen Rarenzzeit und nach Prüfung der Bedürftigkeit bie Unterstützung. Das ist nur eine furze Auslese aus den bestehenden Vorschriften. Die meisten Mißstände ergeben sich aus der längst überholten Verordnung vom 16. Februar 1924, für deren Beseitigung mohl allein schon die Tatsache spricht, daß sie die Gewährung pon Unterstügung formell nur dann vorsieht, wenn die Erwerbs losigkeit eine Kriegsfolge ift! Betrachten wir nun einmal furz die mit der sprunghaft steigen. den Arbeitslosigkeit im engsten Zusammenhang stehende Frage der Motstandsarbeiten. Diese Frage ist besonders im Stadtparlament erörtert worden, wobei hauptsächlich die Inangriffnahme ber Netstandsarbeiten und ihre tarifliche Bezahlung ver langt wurden. Es gibt in Berlin viele und zwar ganz unterschied Durch Beschluß des Berwaltungsausschusses des liche Tarife. Landesarbeitsamts Berlin und mit Genehmigung des Oberpräsiden ten ist für Notstandsarbeiten der Tiefbauarbeitslohn abzüglich 10 Proz festgelegt worden. Da nun für Tiefbauarbeiter ein Tariflohn nicht besteht, hat man den Lohn auf 74 Pf. festgelegt, so daß nach Abzug der 10 Proz. der Notstandslohn 66% Pf. ausmacht. Da der Lohn von 74 Pf. von Verwaltungsausschußmitgliedern mit Recht als zu niedrig bezeichnet wurde, ist eine Prüfungstommiffion eingefekt worden, die den tatsächlich gezahlten Tiefbauarbeitslohn ermitteln soll. Daher gilt der festgelegte Lohn Den 66% Pf., der über dem Tariflohn der Metalltransportarbeiter liegt, nur als vorläufige Regelung. deren Beseitigung als unsozialster Buntt der ganzen Erwerbsleten. deren Beseitigung als unsozialster Buntt der ganzen Erwerbslefen fürsorge mit allem Nachdruck gefordert werden muß. Der Arbeiter Bor einem neuen partikularistischen Vorstoß? hat wohl während seiner Beschäftigungsdauer die Pflicht, BeiZünchen, 4. Dezember.( Eigener Drahtbericht.) Der im Mitträge zur Erwerbslosenfärsorge zu leisten, nicht aber das uneinWeiter t vom Berwaltungsausschuß des Landesarbeitsamts befiz des bayerischen Ministerpräsidenten Dr. Helb befindliche Regeschränkte Recht, bei Erwerbsteigteit Unterfügung zu beanein umfangreiches Motstandsprogramm ausgearbeitet wor gensburger Anzeiger", der auch das politische Sprachrohr spruchen. Leben im Haushalt des Erwerbslosen noch Unterhalts- ben, bem ber Oberpräsident seine Zustimmung geben dürfte! Dieses bes Ministerpräsidenten ist, veröffentlicht die intereffante Mitteilung, pflichtige, die ein Arbeitseinkommen haben, so erhält der Erwerbs. Notstandsprogramm sieht ungefähr 300 000 Zagewerte vor, zu dem „ daß Dr. Held zurzeit von Amts megen Erhebungen über die stille lose nur dann Unterstützung, wenn dieses Einkommen bestimmte, noch ungefähr 130 000 Zagewerte für Meliorationsarbeiten außer. und ohne große Attionen erfolgende Unitarisierungspoli. tit der Reichsverwaltung anstellen läßt. Diese zusammen- turzem sollten diese Richtfäge durch Verfügung noch weiter derart halb Berlins tommen. stellung über die Methoden einer trockenen Mediatisierung wird dar. verschlechtert werden, daß ein Drittel des ohnehin schen start betun, wie wir mit Riesenschritten uns dem Ideal einer vom Zentra schränkten Kreises der Unterstützungsberechtigten nicht in den Genuß lifierungsmahn ergriffenen Reichsbureautratie immer mehr nähern". Der Unterſtügung gefommen wäre. Infolge Eingreifens des Ver. Aus dem Artitel geht gleichzeitig hernor, haß die bayerische Re- waltungsausschuffes des Landesarbeitsamis Berlin ist diese Ber. gierung sich dieser Arbeit zu einem ganz bestimmten 3wed unterzieht, fügung nicht durchgeführt, sondern eine andere Regelung eingeführt und zwar soll dieses gesammelte Material zu einem neuen fo be worden, die ein Mittelbing ist zwischen der beabsichtigten schlechten ralistischen Borsto Barerns gegen das Reich verwendet und der bisherigen Regelung. werden. Bei günstiger Gelegenheit soll burch banerische Initiative erreicht werden, daß der Reichstag gefeßliche Garantien schafft da. für, daß in Zukunft ohne Zustimmung der Länder feine weiteren Sdymälerungen ihrer eigenstaatlichen Rechte mehr vorgenommen werden". Man hat es hier ganz offensichtlich mit einer in Borbereitung befindlichen neuen banerischen Attion partitularistisch- fäderalistischen Charakters zu tun, die auf anderem Wege biefelben Biele verfolgt, wie jene Dentschrift der banerischen Regierung zur Revision der Weimarer Berfaffung im Januar 1924. Das tägliche Fiasto mit jener Denkschrift haben die bayerischen Föderalisten bis heute noch nicht überwunden. Der Sanierungsplan Loucheurs. Zunächst Anhörung der Finanzvertreter. Paris, 4. Dezember.( Eigener Drahtbericht.) Unmittelbar nach der Berabschiedung der augenblidlich vom Senat diskutierten Fi nanzgefeße, die der Staatsfaffe lediglich die bis zum Jahresschluß benötigten Mitel beschafft, wird die Regierung das eigentliche Sanierungsprogramm einbringen; es ist bereits vom technischen Bureau des Finanzministeriums ausgearbeitet. Ber der Einbringung in der Rammer will Finanzminister Loucheur den Ent murf ber Begutachtung der neu geschaffenen Sachverständigen tommiffion unterbreiten, die aus Bertretern der Industrie und Hoch finanz besteht. Loucheur hat bereits am Freitag vormittag bie Befragung der Sachverständigen begonnen und wird diese im Laufe der nächsten Tage fortsetzen. Mit der Vorlage foll am Freitag ein Ministerrat befaßt werden, monach sie der Rammer übermittelt werden wird. Ein etwas heifles Rapitel Ht bie Unterstützungsdauer, die generell auf 26 Wochen festgefekt ist. Nach§ 18 der Berordnung Dom 16. Februar 1924 tann die Unterstützungsdauer nach An hörung des Verwaltungsausschusses auf 39 Wochen nerlängert werben, wenn fett mindestens 2 Wochen die Zahl der unterstützten Erwerbslosen 1 Broz. der Bevölkerung übersteigt. Das bedeutet, rein rechnerisch betrachtet, daß in Berlin mit ungefähr 4 millionen Ein. ohnern bei 40 000 Unter ftüßten auf die Berlängerung der Unterstützungsdauer Aussicht besteht. Wie verlautet, stehen die Berhandlungen über die Beiterzahlung der Unterſtügungen nach Ab Lauf der 26 Wochen furz vor dem Abschluß, da die gefeßliche" Bor auslegung in wenigen Tagen wohl gegeben sein dürfte. Benn man fich vor Augen führt, daß nur bei einer allgemeinen BirtBudgetfehlbetrag von voraussichtlich mehreren miIIiarben gegenüberstehe. Darüber hinaus habe das Schazamt für eine Reihe außerordentlicher Abgaben, darunter die Koften ber Kriegführung in Marotto und Syrien sowie für das Defizit der Elsenbahnen aufzulommen, so daß schon heute außer Zweifel stehe, daß der soeben bewilligte neue Kredit von 6 Milliarden nicht ausreiche u den Bedarf zu deden. Es geht daraus unzweibeutig hervor, daß die Regierung, nachdem die Kammer die von den Sozialisten geRegierung, nachdem die Kammer die von den Sozialisten ge farberte Konsolidierung der furzfristigen Schuld abgelehnt und darüber das Ministerium Bainlené zu Fall gebracht hat, schon bald genötigt sein wird, er ne ut ihre Zuflucht zur Rotenpresse zu nehmen Die Abstimmung der Sozialisten. Paris,& Dezember.( Eigener Drahtbericht.) Ein Teil der Breffe hatte behauptet, daß in der Kammer am Mittwoch vormittag ein Teil der Sozialisten entgegen dem Fraftionsbeschluß für den Gefeßentwurf gestimmt hätte. Das trifft nicht zu. Nach dem amtUnter die Berliner Motstandsarbeiten fallen insbesondere die Anlagen von Spielplägen, Regulierung von Straßen und Chausseen, Regulierung von Schulhöfen, Aus. und Neubauten und ähnliche Arbeiten. Durch diese Rotftandsarbeiten ist es möglich, Taufenben von Erwerbslosen Ar. beitsmöglichkeit zu geben, die Whtschaftskrise einzudämmen. Was hier für Berlin gilt, trifft natürlich auch auf das Reich in seiner Gesamtheit und die einzelnen Länder zu. Hier muß schleunigft burchgegriffen und der bureaukratische Instanzenzug" abgefürzt werden. Die Mat ist groß und schreit nach Abhilfe. Busammenfassend fann nur gesagt werden, daß auch in der Be treuung der Erwerbslofen genau wie in anderen Fragen die poli. den Ausschlag geben. tischen Machtverhältnisse Cinen Beweis dafür bot ja die 2bftimmung am Mitwoch im Soaialen Ausschuß des Reichstags, bei der unser Antrag auf Erhöh ng der Erwerbslosenunterstügung um 50 Broz abgelehnt wurde und nur ber Sentrumsantrag auf 30prozentige Erhöhung zur Annahme tam. Aus alle den angeführten Gründen tann nicht bringend genug die Einführung der Arbeitslosenversicherung gefordert mer. den, die dem Zustand ein Ende macht, daß der Arbeiter wohl die Beitragspflicht zur Erwerbslosenfürsorge, aber nicht das Unter. stützungsrecht hat. ausschuß sich hierüber ausgesprochen habe, debattiert werden. Er molle alsdann auf alle Anregungen hinsichtlich der deutsch- franzö fischen Handelsbeziehungen im einzelnen antworten. Gegen die bemängelte Erhöhung ber deutschen Bölle auf landwirtschaftliche Produkte Frankreichs habe die franzöfifche Regierung prote stiert. Die deutsche Regierung habe geantwortet, baß es nicht möglich fei, Franfreich in biefem besonderen Salle entgegenzu fommen, solange nicht ein allgemeines Abkommen abgeschlossen fet, das im übrigen vom Parlament ratifiziert werden müsse. Der Handelsminister schloß, es geschehe alles, um den Abschluß etnes Handelsabkommens mit Deutschland zu beschleunigen. Die Regie rung werde sich um das Zustandekommen eines Sonderabkommens vor Abschluß eines allgemeinen Handelsvertrages über die Einfuhr von französischen Gemüsen und Früchten nach Deutschland bemühen. Hierauf wurde die Debatte geschlossen. Vorbereitung der Abrüstungskonferenz.. Teilnahme von Deutschland, Ruhland, Amerika? Paris, 4. Dezember.( BTB.) Zu dem vom Völkerbundsratsaus entschuß schluß, einen sogenannten vorbereitenden Ausschuß für die fchuß für die Serablegung der Rüstungen getroffenen Be brüftungstonferenz zu bilben, glaubt der Sonderbericht erstatter der Agentur Havas in Genf mitteilen zu lönnen, daß man folgenden Staaten einen Sig in diesem Ausschuß anbieten werde: Deutschland, Rußland, Bereinigte Staaten von die Bank von Frankreich ermächtigt, der Staatsfasse sechs Milliarden neue Borschüsse zu gewähren, 52 Mitglieder der sozialistischen halten. Bei der Schlußabstimmung über die Gesamtvorlage ist Graftion gegen die Regierung gestimmt, 42 fich der Stimme entdie Zahl der Enthaltungen auf 46 geftiegen. Ein einziges Mit lieb der sozialistischen Fraktion, Abg. Serol( Departement Loire), bat entgegen dem Partelbeschluß für die Borlage gestimmt. Holland. Das deutsch- französische Handelsabkommen Nordamerita, Polen, Jugoslawien, Rumänien, Finnland und Kammerdebatte über die deutsch- französischen Handelsbeziehungen. Die Inflation muß weitergehen. Paris, 4. Dezember.( Eigener Drahtbericht) Durch das am Freitag verabschiedete neue Finanzgefeß wird die Höchstgrenze berlichen Protokoll haben an der Abstimmung über den Artikel 4, ber Staatstredite bei der Bank von Frankreich von 33,5 auf 39,5 illiarden, die des Notenumlaufes von 51 auf 58,8 milliarben erhöht. Es ist dies das viertemal im Laufe dieses Jahres, daß die Es ist dies das vieriemal im Laufe dieses Jahres, baß bie franzöfifche Regierung sich die Mittel für die finanziellen Bedürfnisse bes Staates durá inflationistische Maßnahmen, d. h. burch die Roten preffe beschafft. Mit Einschluß der in der foeben verabschlebeten Borlage vorgesehenen Erhöhung find es nicht weniger als 80 Broz. Die Flut der papierenen Umlaufmittel wird bis zum Jahresschluß bon 41 auf 58,5 milliarden, das sind rund 45 Broz, gestiegen sein. In der Rebe, in der Genoffe Lern Blum am Mittwoch die Ablehnung der Regierungsvorlage durch die Sozialisten begründete, bat er u. a. ausgeführt, daß die sozialistische Fraktion in vollem Bewußtsein ihrer Berantwortung und unbefümmert um verhängnisvollen Folgen, die eine politische Rrife nach sich ziehen Pönne, gegen jede neue inflationistische Maßnahme stimme, weil sie in der Bermehrung der Inflation die Burzel alles Uebels und den Ausgangspunkt einer neuen Berichärfung des Finanzelends erblicke. Wie recht Leon Blum damit gehabt hat, geht aus dem am Freitag von dem Senator Beranger im Namen der Finanz tommiffion erstatteten Bericht zu der Borlage hervor. Er berechnet, daß von den 17,5 milliarden, bie der Staat an neuen Krediten ein geräumt erhalten hat, nach Einlösung der zum Berfall gelangenden furzfristigen Berpflichtungen und sonstigen Berbindlichkeiten des Schazamtes nur noch 800 Millionen verfügbar feien, denen ein bie Paris, 4. Dez.( WIB.) Die Kammer hat die Generaldiskussion über das Budget des Ministers des Innern, deren Beginn gemeldet wurde, da der Minister nicht anwesend war, alsbald unterbrochen, um zur Generaldiskussion des Budgets des Handelsministers überzugehen. Im Berlauf der Debatte erklärte der radikale Abg. Jean, der neue deutsche 3olltarif behindere die Einfuhr landwirt schaftlicher Produkte Frankreichs nach Deutschland. Ein Modus vivendi mit Deutschland sei beshalb anzuftreben; bie Regierung müsse die Verhandlungen mit Deutschland unverzüglich wieder aufnehmen. Handelsminister Daniel Binceng, der zweimal das Wort nahm, erflärte, über die Frage des französisch deutschen Handelsabkommens folle, sobald der zuständige Kammer. Ja Görlig wurde ein Waffenlager beichlagnahmt, das sich in einem Möbelwagen der Epeditionsfirma Rudolph be fand. Angesichts der im November in Gemeinschaft mit Bayern geplanten Butschabsichten fann es sich nur um en schwarzes Waffenlager rechtsgerichteter Berbände und Bereine handeln. Jm badischen Kommunistenprozeß gegen den kommunistischen Jugendleiter einer wurde nach zweitägiger Verhandlung folgendes Urteil gefällt: Der Angeklagte wird wegen Eprengstoffs verbrechens. Eprengstofftiebstahls und Vergehens gegen§ 7 des Republificusgefcges zu 2 Jabren 6 Monaten Gefängnis und 200 M. Geldstrafe verurteilt. Sieben Monate und die Geldstrafe wurden auf die Untersuchunge haft angerechnet. Endlich ist der Rundfunk auch für bas befeste beutsche Gebiet zugelassen- dan! Locarno! Gewerkschaftsbewegung Für die stellungslosen Angestellten. Motstandsaffion des Afu- Bundes. Bom AfA- Bund wird uns geschrieben: Die Stellenlosig. feit der faufmännischen und technischen Angestellten hat auch in ben legten Monaten noch weiter zugenommen. Sie trifft besonders fehr hart bie älteren Angestellten. Nach den Erhebungen fehr hart die älteren Angestellten. Nach den Erhebungen der Trogdem die Anhänger der Gelben in der Knorr- Bremse eine Hochburg errichten wollen, war es nicht gelungen, der verhaßten freigewerkschaftlichen Richtung einen Stoß zu versetzen. Das ist ein Fiasto der Baterländischen", zugleich aber auch der Be. triebsleitung. War diese doch eifrig bemüht, durch Einstellung von Gelben das Bahlresultat zu beeinflussen. Was aber sollen mir aus der Wahl lernen? Es steht fest, daß cin großer Teil der Unorganisierten für die Liste der freien Bewertschaften gestimmt hat. Diese Kollegen haben die Gefahr erkannt, die ein gelber Arbeiterrat jein würde. Das hinein in die Organisation! Schließt die Front mit Euren Klaffen genügt aber nicht! Der nächste Schritt muß auch getan werden: Bremse der Augenblick kommen, an dem man die gelbe Gefahr genoffen! Dann wird auch wieder für die Belegschaft der Knorr nur vom Hörenjagen fennen wird. Angestellten- Berbände werden bereits über 100000 stellungslose Brivatangestellte gezählt. Sum 1. Ja. nuar 1926 find vor allem in den Industriebetrieben weitere um. fangreiche Ründigungen bereits erfolgt. Angesichts der wachsenden Beunruhigung in der gesamten Angestelltenschaft, die Die Reichsbahn zur Lohnfrage. u. a. darauf zurückzuführen ist, daß mehr als die Hälfte der Gelegentlich der Tagung des Verwaltungsrats der Deutschen tellenlosen Angeftellten von der Erwerbslofenfürsorge Reichsbahngesellschaft vom 30. November bis zum 3. Dezember und Unterstügung vollkommen ausgeschaltet ist, haben in diesen Tagen Sondersizungen des AfA- Bundes- Vorstandes und seiner Arbeitsausschüsse stattgefunden, in denen die Borberei. tungen für die erforderliche Not standsaftion getroffen wurden. Der AfA- Bundes- Torstand vertritt in Uebereinstimmung mit feinen voltswirtschaftlichen Sachverständigen den Standpunkt, daß bie derzeitige Krise bei allen ihren harten Begleiterscheinungen die notwendige Bereinigung der deutschen Wirtschaft fördern fann, menn alle beteiligten Stellen für die sofortige ausreichende Joziale Hilfe der Arbeitslosen jorgen. Um die verantwortlichen Stellen in Reich, Land und Gemeinde, bie Deffentlich feit sowie tie Angestelltenschaft über die Lage, die wirtschaftlichen und sozialen Zusammenhänge und die vordring, lichen Maßnahmen unterrichten zu tönnen, hat der Bundesvorstand am Freitag, den 11. Dezember, 6 lihr abends, eine große Borstände Konferenz aller angeschlossenen Berufsverbände ber Angestellten nach dem Bürgerfaal des Berliner Rathauses ein. herufen. Das einleitende Referat über die Wirtschaftskrise wird Prof. Dr. Emil Lederer( Heidelberg) halten. Anschließend spricht der Borsigende des AfA- Bundes, S. Aufhäuser, M. d. St., über die Not der Angestellten und die erforderlichen sozialen Schutzmaßnahmen. In den darauf folgenden Ansprachen werden die führer der einzelnen Berufsverbände der Angestellten über die besondere Lage der Handlungsgehilfen, Bureauangeftellten, Technifer, Berfmeister aller Industrien, Bantangestellten, der Schiffahrts- und Bergbauangestellten und des Theater. perfonals berichten. Die Beamten müssen noch warten! In unserem geftrigen Morgenblatt brachten wir, mit einem Fragezeichen versehen, die BS.Meldung über eine einmalige Bei hilfe für die Beamten. Von zuständiger Stelle" wird nun die Richtigkeit dieser Meldung bestritten und auf die Ausführungen des Staatssekretärs Dr. Fischer vom Reichsfinanzministerium im Haushaltsausschuß vom 25. November hingewiesen. Gegenüber verschiedenen Anträgen habe Dr. Fischer erklärt, daß bei einer Er höhung der Beamtengehälter die Rückwirkung auf die übrigen Be amten der Länder, der Post, der Reichsbahn und der Gemeinden berücksichtigt werden müßte. Für das Reichsfinanzmini. fterium sei es im Augenblid nicht möglich, dazu Stellung zu nehmen, bevor nicht das Problem der Dedung genau geflärt sei. Reichskanzler Dr. Luther unterstrich auch für das Rabinett diese Ausführungen, indem er darauf hinwies, daß Das gegenwärtige Reichstabinett diese Frage wegen ber großen finanziellen Berantwortung nicht mehr flären könne. Im Haushaltsausschuß wurde ein fozialdemokratischer Antrag angenommen, monach die Reichsregierung bis zum 9. Dezember noch das gesamte Material vorlegen wird, um dem Ausschuß noch vor Weihnachten zur endgültigen Stellungnahme über die Auswirkung neuer Gehaltsforderungen ein Bild zu verschaffen. Eine weitere Stellungnahme als die des Staatsfefretärs ist vom Reichsfinanzministerium überhaupt nicht er. folgt. Ist die Belegschaft der Knorr- Bremse gelb"? Am 1. Dezember wurde der Arbeiterrat der Firma KnorrBremse neu gewählt. Bei einer Belegschaft von 2851 Röpfen gingen 2620 zur Wahl= 92 Proz. Bon diesen 2620 Stimmen entfielen auf die freige wertschaftliche Liste 1736 10 Bertreter, auf die vaterländische Lifte 7874 Vertreter im Arbeiterrat. Ungültig maren 97 Stimmen. wurde erklärt: Sollte die Reichsbahn zu Lohn und Gehaltserhöhungen gezwungen werden, für welche Dedung nicht vorhanden ist, so würde das zur Folge haben: Die Tarife müßten troß erheb licher wirtschaftlicher Bedenken erhöht werden, die sächlichen Ausgaben müßten unter Raubbau an den eigenen Bahnanlagen noch weiter eingeschränkt werden, wodurch zugleich die Arbeitslosigkeit in den beteiligten Industrien erhöht würde, schließlich müßle der Personalbedarf durch Verringerung der Zahl der Züge, zeit meilige Stillegung unrentabler Streden usw. wirksam verringert werden. Die Reichsbahn wird gezwungen werben müssen, da fie sonst an Lohn- und Gehaltserhöhungen nicht benft und von ihren Ausreden, die so billig sind wie die Brombeeren, ihre Bediensteten nicht leben tönnen. Ihre ganze Lohnpolitif ist gekennzeichnet durch die Leistungszulagen, die von dem Personal als Korrup tionszulagen bezeichnet werden. Bird oben mit Scheffeln gemessen, dann bleibt unten natürlich nichts mehr übrig. Das Entgegen tommen, das die Reichsbahnverwaltung für die Wirtschaft zeigt, muß fie zunächst einmal den Arbeitern und Angestellten ihres Betriebes befunden. Ueber den Stand des Personalabbaues wurde ausgeführt, daß die durch die Lage des Unternehmens beim jezigen Verkehrsstand gebotene planmäßige Berringerung des Bersonal standes in den meisten Bezirken durchgeführt sei. In einzelnen Beirten und besonders in den Werkstätten bleibe der Abbau noch zu beendigen; es soll jedoch dabei die für diesen Winter zu erwartende Wirtschaftsnot nach Möglichkeit Berücksichtigung finden. Bezirkskonferenz des ADGB. Die Wirtschaftskrise in Rheinland- Westfalen. Wo find die Kapitäne der Wirtschaft"? Effen, 4. Dezember.( Eigener Drahtbericht.) Die Verschlechterung auf dem Arbeitsmartt im rheinisch- westfälischen Industriegebiet machi in der letzten Zeit geradezu sprunghafte Fortschritte. In einigen westfälischen Kreisen, ist z. B. von einer Woche zur anderen die Zahl der Erwerbslosen noch viel höher, als sie in der Sta tisti zum Ausdrud tommt, da durch Einführung der Kurzarbeit und Wertbeurlaubungen die tatsächliche Arbeits her günstigen Arbeitsmarttverhältniffen wird eine starke Berschlech losigkeit start verichleiert wird. Auch in den Bezirken mit biskurzem den sichersten Arbeitsmartt im ganzen Ruhrgebiet hatte, jetzt terung gemeldet, fo z. B. aus der Stadt Duisburg, die bis vor aber 6000 Arbeitslose zählt. Bezeichnend ist auch, daß in Dort. mund sich die Zahl der Arbeitsuchenden auf 12900 beläuft, die Zahl der offenen Stellen beträgt dagegen nur 255. Die Kosten für die Erwerbslosenfürsorge steigen immer stärker. In der Rheinproving find die Mittel der Provinzialausgleichtaffe bereits erschöpft. In manchen besonders ungünstig liegenden Gemeinden tönnen die Gelder für die Notstandsarbeiten faum noch aufgebracht werden. Mit einer Besserung auf dem Arbeitsmarkt ist vorläufig noch nicht zu rechnen. Arbeitslosendemonstration in Bochum. Bochum, 4. Dezember.( Eigener Drahtbericht.) Cine star? be= fuchte Erwerbslofenversammlung ernannte einen Aktionsausimuß, der beauftragt wurde, in sämtlichen Städten des rheinisch- westfälischen Industriebezirtes Erwerbslosendemonftrationen gegen die Abfindung der deutschen Fürstenhäuser zu organisieren. Im Anschluß an diese Bersammlung zog eine mehrtusendköpfige Menge von Erwerbslosen durch die Stadt. In ihren Reihen befanden sich zahlreiche Frauen und Kinder. Man sah Schilder mit der Aufschrift Gebt uns Brot", Gebt uns Arbeit, Hunderte von Millionen erhalten die Hohenzollern, was erhalten wir?" Neue Enflaffungen bei Krupp. " Effen, 4. Dezember.( Eigener Drahtbericht.) Die Firma Krupp 2-6. fündigt weitere Betriebseinschränkun gen und im Zusammenhang damit Arbeiter und Angefteliion. entlassungen an. Man rechnet mit der Entlassung von 1200 Arbeitern und 300 Angestellten. Von dieser Gesamt giffer sollen auf die Abteilung Maschinenbau, in der hauptsächlich Laftautos hergestellt werden, 300 bis 400 Arbeiter entfallen, wäh rend der Rest sich auf das Blechmalzwerf verteilt. Bällig ungeflärt ist noch die Frage der Produktionsentwicklung in der Abs teilung für Spinnereimaschinen, die vorwiegend für Rußland arbeitet. Menn hier feine neuen Bestellungen eingehen, wird man sich gezwungen sehen, auch dieses Wert außer Betrieb zu fetzen. Am Montag, den 7. d. M., vormittags 10 1hr, tritt im Gewerf. Nur Arbeit fann uns retten!" schaftshaus eine Bezirksfonferenz des Bezirks Brandenburg des ADGB. zu einer außerordentlichen Tagung zusammen. Auf der Hamborn, 4. Dezember.( Eigener Drahtbericht.) Nach Mit Tagesordnung stehen folgende Punkte: 1. Die Arbeitslosenteilung der August Thyffen Hütte sind infolge der durch perlicherung( Referent Gen. Vollmerhaus); Handels, Auftragsmangel bedingten Verschlechterung der Betriebslage in der Handwerks. und Landwirtschaftskammern( Re- nächsten Woche weitere Betriebseinschränkungen ferent Gen. RohD); 3. Ratifizierung des Washing unumgänglich. Voraussichtlich werden fünftig jede Woche Abkommens( Referent Gen. Bollmerhaus); 1% Feierschichten eingelegt, von denen die Gesamtbelegschaft, 4. Wohnungsbau und Eigenproduttion( Referent und zwar 8000 Arbeiter, betroffen wird. Für den Monat DeGen. Silberschmidt). zember ist mit einer weiteren erheblichen Leistungseinschränkung fämtlicher Produktionsbetriebe zu rechnen, weil Aufträge nur in geringem Umfange einlaufen und infolge der Geldknappheit nicht auf Vorrat gearbeitet werden kann. toner Blumen und Federnarbeiterinnen. In einer überfüllten Versammlung der Blumen- und Federnarbeiterinnen, einer Gruppe, die dem Verband der Fabrit. arbeiter angeschlossen ist, referierte der zweite Bevollmächtigte Rüder über den Entwurf zu einem neuen Mantel tarif, da der alte Tarif von den Arbeitgebern gefündigt morden ist. Mit steigender Entrüftung nahm die Bersammlung von den Verschlechterungen Kenntnis, die die Arbeitgeber in den neuen Tarif hineinbringen wollen. Zum Orfan wurde der Protest Sturm, als der Ab bbau des Urlaubs von bisher 12 Werf. tagen auf 6 Werftage befannt wurde. Der Redner betonte, daß er bei früheren Berhandlungen mit den Arbeitgebern ein ge wiffes soziales Verständnis gefunden habe, daß es aber sehr unsozial fei, die augenblickliche allgemeine wirtschaftliche Krise dazu au be nußen, der Arbeiterschaft die sozialen und fulturellen Errungen Ichaften zu rauben. Rüder erläuterte dann einen Gegen. entwurf, den er im Auftrage der Gruppenleitung ausgearbeitet hat und der die einstimmige Billigung der Versammlung fand. Genosse Hilpmann Dresden, der Zentralbranchenleiter dieser Gruppe, richtete einen mit großem Beifall aufgenommenen Appell an die Versammlung, alles daran zu setzen, um diesen Borstoß der Arbeitgeber abzuwehren. Er teilte mit, daß es in Sachsen gelungen sei, noch Verbesserungen auf tariflichem Gebiet zu erzielen. Die Diskussion bewegte sich im Sinne des Referenten. Mit einem träftigen Schlußwort schloß die Gruppenleiterin Röder die Berjammlung. GROSSER WEIHNACHTS யம் Pelzwaren In gefärbtem 75 austral. Opossum 50 eoht Skunks Würger 137 24 290 Damen- Schlüpfer Kanin.. Skunks Ziegentüchse Tibetfüchse 1975 Füchse weiss 4950 2950 4950 verschiedener Art, auf Seldenfutter.. 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Seute, Sonnabend. tagen. die Bezirle 1, 2, 6, 10, 12. 13, 16, 17, 28. Morgen, Sonntag, vor mitten 10 Uhr, taat der Bezirk 15. Montag, den 7. Dezember, abends 7 Uhr, tagen die Bezi le 84, 37, 38.- Dienstag, den 8. Dezember, abends 7 Uhr, tagt der Bezirk 20. Neulöln. 8entraivetbaab bez gimmerer, Rahitelle Berlin und Umgegend. Berantwortlich für Politik: Ern Renter; Birtschaft: Artur Saterans; Gewerffchaftsbewegung: 3. Steiner; Feuilleton: R. S. Töscher; Lofales und Sonstiges: Frik Rorstädt: Anzeigen: Th. Glode; fämili in Berlin. Berlag: Borwärts- Berlaa Gb. S.. Berlin. Druck: Borwärts- Buchdruderel und Berlaasontalt Roul Singer u Co. Berlin 62 Lindenstrake& Sierau 2 Beilagen und Unterhaltung und Wissen". 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Die Nadeln stehen einzeln nach allen Seiten um den Tneb herum. An den Sprossen der Gipfel alter Fichten stehen sie dichter; diese kommen dann als Doppeltannen auf den Weihnachtsmarkt. Die Weiß- oder Edeltanne(Abies pectinata) dagegen hat flache,. an der Spitze ein- gekerbte Nadeln, deren Oberseite glänzend dunkelgrün und von einer leichten Längsfurche durchzogen ist, während die Unterseite zwei deutliche weißliche Längsstreifen aufweist. Die Tlodeln stehen einzeln und zwar an den aufrechten Gipfeltrieben rwgs um den Trieb herum, an den Seitentrieben dagegen kammförmig zu beiden Seiten des Triebes. Die Nadeln der Fichte unterscheiden sich auch dadurch von denen der Tanne, daß sie, sobald sie vertrocknet sind, bei der geringsten Erschütterung abfallen, während sie sich bei der Tanne monatelang aufbewahren lassen. Diese Eigenschaft kann oft die Freude am Weihnachtsbaum beeinträchtigen. Die männlichen Blüten(Staubblüten) der Tanne find zu eiförmigen gelben Knäueln vereinigt, sie sitzen zusammengedrängt hoch oben am End« starker Aeste, zwischen den Nadeln der letztjährigen Triebe. Die weiblichen Blüten(Samenblüten) sind von grünlichgelber Farbe: sie haben die Fonn von aufrecht stehenden geöffneten Zäpfchen, die sich nach der Befruchtung im Mai schließen. Die Zäpfchen bleiben auch nach der Befruchtung ausrecht auf den Zweigen sitzen. Die Enden der Deckblätter(Brokteen) wachsen zwischen den Schuppen heraus. Nach der Reise im September öffnen sich die Zapfen nicht um die Samen zu entlassen, sondern sie entblättern sich allmählich, bis zuletzt nur die kahle Spindel stehen bleibt. Wir können also niemals einen Tannenzapfen in die chand bekommen, es sei denn, daß vor der Samenreise ein Baum gefällt wurde oder der Sturm Aeste mit Zapfen heruntergerissen hat. Bei der Fichte sind die männlichen Blüten ebenso angeordnet wie bei der Tanne, jedoch sind sie nicht so zusamniengedröngt, sondern sitzen mehr einzeln: auch särben sich die Knäuel allmählich rot. Auch die weiblichen Blüten sind bei der Richte von roter Farbe. Wahrscheinlich Ist darauf die Bezeichnung Rottanne zurückzuführen: sie kann aber auch von der Rinde herrühren, die bei der Fichte kleinschuppig ist und emen röt- lichen Ton zeigt, während sie bei der Tanne glatt und grauweiß gefärbt ist. Die Zäpfchen der Fichte schließen sich nach der Befruch- tung�im Mai und senken sich nach unten. Erst im Oktober, wenn der Samen voll ausgereift ist, öffnen sie sich wieder und entlassen die Samenkörper aus ihrer schützenden fjülle. Die leeren Zapfen werden vom Winde abgerissen und fallen zu Boden; sie sind die bekannten ..Tannenzapfen-. Die Fichte ist ein Kind des Gebirges: die freie Bergeshöhe über Svü Meter ist ihr eigentliches Gebiet. Wir treffen st« auf allen deutschen Mittelgebirgen. Im Harz, im Thüringer Wald, im Riesengebirge und im sächsischen Erzgebirge sowie in all den anderen Gebirgen, an denen unser Heimatland so reich ist, herrscht die Fichte säst nur allein, und wir können uns diese Gebirge gar nicht ohne sie denken. Durch ihre Bewurzelung ist die Fichle dem Gebirgsboden gut angepaßt: ihre Wurzeln gehen flach, und meist nur in dünner Decke liegt auch der lose Verwitterungsboden Zapfen Cicr Fichtenzapfen � Mzymoutfu Tannenzapfen Jtiefer dem festen Gestein auf. Das Holz der Fichte liefert ein ausge- zeichnetes vaubolz, das den Gebirgsdörfern den Stoff zum Häuser- bau gibt. Auch bei der Anfertigung von Hausgeräten findet es Der- wendung, und die quirlsörmigen Zweige geben natürliche Küchen- quirle. Die Fichte liefert ferner harz, Terpentin, Teer. Pech und Ruß. Ein deutsche»' Waldgebiet, in dem die Tanne eine hervor- ragende Rolle spielt, ist der Schwarzwald. Hier finden sich gewaltige hochragende Stämme, deren Wipfel sich zu eine mgrünen Dach wölben. Ein solcher Tannenwald gleicht einem hehren Dom, dessen Dach aus unzähligen Säulen ruht. Die Tanne liefert ein geschätztes Bauholz: die schlanken aufstrebenden Stämme werden besonders als Rlaftbäume gesucht. In früheren Zeiten, als die Segelschisfahrt noch nicht von Dampfschiffen in den Hintergrund gedrängt war, gingen alljährlich große Massen Tannenholz den Rhein hinab nach Holland, um hier als Schiffsholz zu dienen. Tannenholz ist auch gut geeignet für die Resonanzböden von Musikinstrumenten. Bevorzugt wird das Holz von Bäumen, die frei standen; sie hatten viel mit den Unbilden des Wetters zu kämpfen und konnten daher nur sehr lang- sam wachsen. Hierdurch sind die Jahresringe ganz eng aneinander- gerückt und ließen so ein besonderes feingariges Holz entstehen. Ei» Baum, der in seinem Aussehen der Fichte ähnelt, ist die Douglas- wnne oder Duftfichte(l'seudotsuxia Douglasii). Sie wurde 1827 in Europa eingeführt und erhielt ihren Namen nach dem schottische» Botaniker Douglas. Die schlanken, einzeln stehenden Nadeln dusre» angenehm. An den mittelgroßen Zapfen ragen die Schuppen der Deckblätter weit heraus. Die Douglastanne ist nur vereinzelt und in kleinen Beständen in den heimischen Wäldern anzutreffen. die Kiefer. Ein Baum, der sich niit seinen tiesgehenden, kräfligen Wurzeln für den oft trockenen und sandigen Boden des norddeutschen Ties- sandes gut eignet, ist die Kiefer(Linus silvestris), auch Kiene oder Föhre genannt. Die Nadeln der Kiefer sind länger und dünner als die der Tanne und Fichte. Ihr Querschnitt ist halbkreisförmig; sie kommen je zu zweien, mit der abgeflachten Seite gegeneinander, aus einer häutigen Scheide. Die Außenseite der Kiefernnadeln spielt ins Graue hinüber. Die Blüten befinden sich an den jungen Trieben(Maiwuchs), die im Mai wie leuchtende Kerzen an den Zweigenben stehen. Die weiblichen Blüten sind an der äußersten Spitze ausgebildet, es sind gestielte, kuglige, hellrot gefärbte Zäpschcn. Die männlichen Blüten fitzen am Grunde der neuen Triebe, in dichte Achren zusammengedrängt. Der Blütenstaub wird in geradezu verschwenderischer Menge erzeugt, so daß nach einem Gewitterregen Wasserpfützen und Gräben von den gelben Staubkörnern bedeckt find. In früheren Zeiten konnte man sich diese Naturerscheinung nicht erklären, man glaubte, es habe Schwefel geregnet. Auch heute noch spielen wohl die.Kchwefelregen" im Aberglauben eine gewisse Rolle. Die Zapfen der Kiefer reifen nicht so schnell wie die der Tanne und Fichte. Die Samen sind erst im Spätherbst des zweiten Jahres ausgereist und verlassen im März daraus die Zapfen. In, ersten Jahre vergrößert sich der Zapfen nur wenig; er neigt sich cdoch langsam nach unten. Im zweiten Jahr wächst er um so chneller; die bisher grünen Fruchtschuppen verholzen und färben ich braun. Im März oder April des dritten Jahres trocknen die Schuppen so stark ein, daß sie auseinanderspreizen und die reisen Samen herausfallen. Die Zapfen öffnen sich jedoch nur bei trocke- nem Wetter und schließen sich wieder, sobald sie naß werden. Da- durch wird verhütet, daß die Samen feucht werden, denn sie könnten dann vom Winde nicht fortgeweht werden. Die Kiefer ist überall in Deutschland anzutreffen: ihr Hauptverbreitungsgebiet ist jedoch das norddeutsche Tiesland, besonders dessen nordöstlicher Teil. Hier dehnen sich die Kiefernwälder oft ineilenweit aus. Auch die Nadel- wälder der Mark Brandenburg bestehen aus Kiefern. Das Holz der Kiefer wird als Grubenholz und Bauholz verwandt. Auch Möbel werden daraus gefertigt. In einem märkischen Bauernhaus sind oft sämtliche Holzteile aus Kiefernholz: Balken, Sparren, Fuß- böden, Tisch«, Stühle, Schränke, Bettstellen. Das Kiefernholz ist leicht zu bearbeiten, nicht zu schwer und äußerst haltbar. In den Iahren, als die Weihnachtsbäume in Berlin rar waren, vertrat auch hier oft die Kiefer die Stelle der Fichte. Eine Berwandtr unserer Kieker ist die Weymouthskiefer oder Slrobe(Linus strobus). Der englische Lord W e y m o u t h brachte diesen Baum 1705 nach Europa. Bei der Weymouthskiefer stehen die sehr weichen Nadeln zu sünsen vereinigt in einer Scheide. Die Zapfen sind etwa 12 Zenti- meter lang: sie haben große Schuppen und hängen herab. Außer den Nadeln und den Zapfen bildet die Rinde ein gutes Unter- scheidungsmerkmal; sie sind glatt und grau. Die Weyinouthskiefer wird in unseren Wäldern nur selten angepflanzt, wenngleich etwas häusiger als die Douglastanne. dle Lärche. Ein Nadelbaum, der aus dem Gebirge in J)ie Ebene htnaub- gestiee.u ist, ist die Lärche(Larix decidua). Sie ist der einzige Nadelbaum Europas, der die Nadeln in jedcin Herbst abwirft. Die Nadeln der Lärche brauchen deshalb nicht so widerstandsfähig zu sein, ihr Vau ist viel zarler als bei den anderen Nadelhölzern. An den jungen Trieben ist die Stellung der Nadeln jpiralig, an den älteren bilden sich reichlich Kurztriebe, die die zu Büscheln von 15 bis 3t) vereinten Nadeln tragen. Die älteren Triebe tragen auch die Blüten; die nrännlichen sind gelb gesärbt und hängen herab, während die roten weibliche» aufrecht stehen. Die reifen Samen verlassen in dem Zts Die Passion. Roman von Clara Vicblg. „Warum siehst du mich so an, Mutter?" fragte Eva. Sie war in der letzten Zeit recht gewachsen, mit dünnen Beinen und länger gewordenem mageren Hälschen stand sie vor der Mutter, den Kopf ein wenig auf die eine Schulter geneigt, und blinzelte mit ihren schwachsichtigen, haselnußfarbenen Augen. Lang bewimperte große Augen von einem lichten Braun— wenn die nur schärfer gesehen hätten! Es war noch gar nicht besser geworden damit, das Schielen des rechten Auges war zwar operiert, aoer ein gewisser starrer Blick war bohrenden, tief forschenden Blick hingen Olgas Augen an ihrer Eva. Liebevoll hatte die sie immer angesehen, jetzt war noch ganz anderes in ihrem Blick. Sorgen hatte sie sich immer genug gemacht und Angst um das Kind, jetzt aber war da noch eine viel größere Angst. Warum diese Angst? Das hätte Olga nicht sagen können, denn sie wußte sich selber diese Angst nicht zu deuten; die war eben da und ließ sie oft auffahren bei ihrer Arbeit. „Warum siehst du mich immer so an?" Es mar Eva unbequem, sie war ein wenig scheu vor der Mutter geworden und wendete den eigenen Blick gern ab zur Seite. Noch immer konnte sie sich nicht darein finden, daß die Mutter heiraten wollte. So bald schon! Sie weinte jetzt nicht mehr darüber, wie sie anfänglich geweint hatte, aber sie zog sich in sich zurück, wie eine Schnecke in ihr Haus. Trotz der schlechten Jahreszeit trieb sie sich stundenlang draußen herum, selbst wenn die Mutter zu Hause war, irrte sie lieber umher. Ein banges Zweifeln war in Eoas Seele: liebte die Mutter sie auch noch? Hiebte sie so. wie sie früher geliebt hotte? „Meine kleine Eva." sagte die Mutter oft zärtlich. Sie sagte das fetzt noch viel öfter als früher, aber war es auch wirklich so zärtlich gemeint? Eva hätte mit beiden Armen der Mutter Hals umschlingen mögen:„Mutter, meine, meine Mutter," es riß sie oft förmlich zu der hin, aber sie tat sick) Gewalt an und blieb scheu und verdrossen. Die Mutter zog ihr ja den Hans Blechhammer vor. Es war in dieser Zeil des Sich-zuriickgefetzt-fühlens, daß Eva einen Freund fand. Sie begegnete ihm im Tiergarten. Er fchstiß sich ihr am Sie lief, er lief auch, immer hinter ihr ' her. Sie blieb stehen, er blieb auch stehen, und als sie ihn freundlich anblickte, sah er sie an mit feuchtdunklen sprechenden Augen. Ein kleiner gelber Spitz. Hatte er seinen Herrn ver- loren, oder seine Herrin? Ein dünner Lederriemen schleifte inter ihm her, sie faßte danach.„Such Frauchen," sagte sie. )a sprang er an ihr in die Höhe, wedelte und leckte ihre Hand. Sie nahm ihn auf den Arm. Sie war sehr traurig gewesen, Hans Blechhammer hatte Billetts gebracht, die beiden wollten heute zusammen ins Theater gehen; ihre Mutter würde den Abend also nicht bei ihr sein, ihr nicht vor'm Zu-Bette-gehen die Haare bürsten, ihr Zöpfe flechten für die Nacht. Sie tat das so sanft, ohne zu zausen, mit linder Hand — ach, ihre Mutter war fort, dann möchte sie lieber auch nicht zu Hause sein und auch nichts essen. Eva war sehr traurig gewesen, nun war sie auf einmal bester gestimmt. Sie fühlte das Herzchen des Tieres an ihrer Brust pochen, der kleine Spitz zitterte ängstlich und fror. Wer weiß, wie lange das arme Hundchen schon herumgetrrt war. Sie liebkoste ihn, und er wedelte unablässig und kroch fester in ihren Arm. Sie fühlte eine wunderbare Tröstung: der hier wollte gern bei ihr bleiben, der verließ sie nicht.„Komm, wir gehen jetzt nach Hause," flüsterte sie in sein seidiges Fell.„Du bist gewiß hungrig?" Der Hund wedelte stärker. O, der war ja so klug, so klug wie ein Mensch, nein, klüger! Und viel, viel lieber. Eva preßte den kleinen Hund mit beiden Armen fest an sich und rannte mit ihin nach Hause, so rasch sie tonnte. Ihr Herz klopfte: was würde die Mutter sagen? Aber sie kam zu spät. Schon fortgegangen? Enttäuscht sah sie sich um. Nur ein Zettel lag da. „Eva. warum bleibst du solange aus? Es ist unrecht. Äh bin böse auf dich. Nun müssen wir fortgehen. In der Röhre steht deine Milch warm." Ich bin böse auf dich— das hatte die Mutter fönst nie gesagt! Und fortgegangen, ohne noch auf sie gewartet zu haben! Das kam alles nur von dem Blechhammer. Wäre der Hund nicht gewesen, Eva hätte geweint vor Zorn und vor Schmerz, aber nun war der Hund ja da. Und er war so vergnügt. Er trank Coas Milch, stellte sich auf die Hinter- pfoten und machte„Bitte, bitte" mit seinen Borderpfötchen. O, er war so reizend, wie sie noch nie einen Hund gesehen hotte. Als Olga spät aus dem Theater nach Hause kam und ihre Tür ausschloß, hörte sie ein Knurren. Erschrocken leuchtete sie umher. Als sie an das Bett ihrer Eva trat, lag die sanft schlummernd mit hochgeröteten Wangen, ein freundliches Lächeln um den Mund, wie sie lange keines bei ihr gesehen hatte. Sie hielt in ihrem Arm. unter der Decke halb verborgen. einen kleinen gelbhaarigen Hund.— „Flick" stand auf dem Halsband, das sich versteckte in den langen seidigen Haaren, Flick und weiter nichts.„Man muß sehen, daß man das Tier wieder los wird," sagte der Bräu- tigam.„Ich werde es melden gehen auf der Polizei." Da fiel ihm Eva mit einem solchen Schmerzensschrei in den Arm, daß er davon abstand. Mochte die Töle denn bleiben, aber nur Olgas wegen, denn die war gleich verstimmt, sowie es Eva nicht nach Wunsch ging. Sie sah dem Mädchen nach den Augen. Das ging zu weit. Das mußte anders werden. Hans Blechhammer wollte nur erst die Hochzeit abwarten, dann würde es sich zeigen, daß es zuerst nach ihm ging und dann erst nach dem kleinen verwöhnten Ding. Und die Zicken, die die manch- mal aufführte, würde er ihr schon austreiben! Er war oft ärgerlich: Eva, Eva, und nochmals Eva!„Ich kann nicht mitgehen," sagte Olga so oft, wenn er sie aufforderte, dahin zu kommen, wo er gerade spielte. Es hätte ihn gefreut, ihr Ge- fei ficht unter�dem Publikum auftauchen zu sehen, und nachher W> lss« i i chneiderkleid, in dem die Fülle des blonden Haares hervor- an ihren Tisch zu kommen und noch eine Tasse Kaffee mit ihr trinken. Sie sah so apart, so fein aus in ihrem tadellosen lle quoll. Mit ihrer schlanken zierlichen Figur konnte sie noch für ein junges Mädchen gelten, jedenfalls für viel jünger, als sie eigentlich war. Der junge Mann hatte einen gewissen Stolz auf sie, er hätte sich gern mit ihr gezeigt, aber immer mußte er hören:„Ich kann Eva abends nicht so oft allein lassen. Und mitnehmen will ich sie nicht." 13. Der Tag der Hochzeit war da. Ein Freund von 5zans. Herr Tändeler, ständiger Klavierspieler im Eaf4 Imperator, und Stefan Wilkowski waren Trauzeugen. Wilkowski war es ganz zufrieden, daß die Schwester heiratete, er hatte das ja gewünscht: freilich hätte er es noch freudiger begrüßt. wenn der Bräutigam gesetzter gewesen wäre. Aber besser so einen, als gar keinen. Er und Frau Ella waren sehr nett zu dem Brautpaar; Blechhammer hatte sich bei ihnen dadurch beliebt gemacht, daß er bei Gretchens Hochzeit, die vier Wochen früher stattgefunden hatte, zusammen mit Herrn Tändeler die bekanntesten Schlager und die beliebtesten Duos für Klavier und Violine zum besten gab, und das ohne jedes Honorar. Die hübsche Grete machte eine glänzende Partie. Der Jüngling aus der Tanzstunde war zum Mann geworden und ihr beharrlicher Verehrer geblieben. Er war schon Mit- inhaber der Firma Schäfer u. Ea.— Textilwaren en fjros— und obgleich sein Vater höher mit ihm hinauswollte, war es doch Mit Heirat gekommen. Frau Ella schwamm in Stolz und Seligkeit.. --(Fortsetzung folgU Dienstag, den 8. Dezember 1925, abends 7 Uhr Oeffentliche Kundgebung in der Neuen Welt Redner: Alwin Sänger- München und Philipp Scheidemann getretenen Besuches. Das wissen die Spezialisten. Blitzschnell fchließen sie mit einem Nachschlüssel auf, nehmen den Pelz vom Flur und verschwinden damit. Es ist wiederholt vorgekommen, daß ein Dieb mit dem gestohlenen Pelz auf dem Leibe nachfolgenden Gästen auf der Treppe begegnete, dreift an ihnen vorbeiging und entfam. Erst gestern wieder büßte ein Herr in der Martin- LutherStraße einen besonders dunklen Nerzpelz im Werte von 5500 m. ein. Als die Züge an der Brandstelle anfamen, stand der Dachstuhl des Vorderhauses in solcher Ausdehnung in Flammen, daß unverzüglich mit mehreren Schlauchleitungen angegriffen werden mußte. Nach einstündiger Tätigkeit Das Feuer soll durch hatte die Wehr das Feuer in der Gewalt. Fahrlässigkeit entstanden sein. der Blüte folgenden Frühjahr die Zapfen, die dann noch mehrere| denkt zunächst an etwas anderes als den Empfang des eben ein-| andere in Bewegung gesezt. Jahre am Baum verbleiben. Die Lärche ist ein Baum, der ziemlich guten Boden und viel Luft und Sonne verlangt. Nur wo diese Bebingungen erfüllt sind, kann sie recht gedeihen. Ihre schlank aufftrebende Gestalt, die zarten Nadeln geben der Lärche den Play unter den Nadelbäumen, den die Birke unter den Laubbäumen einnimmt. Die Lärche wächst äußerst schnell und liefert so im gleichen Zeitraum mehr Holz als die anderen Bäume. Das Holz gibt ein gutes Bauholz; auch widersteht es der Nässe und wird dadurch dem Eichenholz gleichwertig. Als Grubenholz und für Bauten, auf die das Wasser einwirkt, findet es Verwendung. In den Gegenden des Weinbaues werden die jungen Stämme häufig als Pfähle für die Weinstöde benutzt. Die Eibe. Ein Nadelbaum, der jetzt nur noch sehr selten im deutschen Wald angetroffen wird, ist die Eibe( Taxus baccata). Die Nadeln ähneln denen der Tanne; sie sind oben dunkelgrün, unten etwas heller, weicher als die Tannennadeln und vorn zugespigt. Sie sind für manche Tiere, besonders Pferde, giftig. Die Früchte der Eibe sind feine Zapfen, sondern Scheinbeeren. Ein hochroter fleischiger Fruchtbecher, der jedoch offen bleibt, umwächst die blauvioletten Früchte faft gänzlich. Das Holz der Eibe ist harzlos. Die Eibe wächst nur fehr langsam. Die Jahresringe liegen daher eng aneinander, mo durch das Eibenholz äußerst zäh und fest wird. Früher, als die Feuerwaffen noch nicht erfunden waren, wurde das Eibenholz zu Armbrüsten und Bogen verwandt; jezt werden Schnitzereien und fleinere Gegenstände daraus verfertigt. Infolge ihres langsamen Wachstums ist die Eibe aus dem deutschen Wald, in dem sie zu Cafars Zeiten häufig war, nahezu verdrängt worden. Im 16. Jahr hundert war die Eibe noch so verbreitet, daß in den Jahren 1559 und 1560 aus Niederösterreich 36 650 Bogen aus Eibenholz nach dem Ausland ausgeführt wurden. Nur in einigen Gegenden finden sich jezt noch Bestände von mehreren hundert Bäumen, so in der Rhön, im Steller Moor bei Hannover, im Bodetal und in Westpreußen. Einzelne Eiben kommen dagegen häufiger vor. Oft werden die Eiben in Barfanlagen angepflanzt; sie haben die Eigenschaft, lange Zeit hindurch buschförmig zu bleiben und vertragen es, durch Beschneiden geformt zu werden. * So kann uns auch der Weihnachtsbaum ein Stück Naturgeschichte cus dem heimischen Walde lehren. Wenn wir in seinem Lichter glanz sigen, dann werden wir Sehnsucht empfinden, hinaus zu wandern in den Wald, um die Gattung der Nadelbäume noch besser tennenzulernen. " Der Kampf um das billige Buch. Buchhändlerbörsenverein gegen Buchgemeinschaft. Wenn den Trusts die Konkurrenz läftig zu werden droht, ziehen fie die Sammetpfötchen des Gentleman ein und reagieren mit den Krallen. Dem Buchhändlerbörsenverein" und der Buchhändlergilde" find die Buchgemeinschaften aus naheliegenden Gründen ein Greuel, weil sie mit einem Stab erstrangiger literarischer Mitarbeiter ihre bereits nach Hunderttausenden zählenden Mitglieder wertvolle literarische Werke in Halblederbänden bereits für 3,80 bis 4,50 M., die im Buchhandel 8 bis 12 M. foften würden, bieten. Auf dem Gebiet der sozialistischen revolutionären Literafur erscheint ähnlich der sich immer weiter und erfolgreicher ausdehnende Bücherfreis". Im Januar 1925 erhob Herr Dr. E. T. Voigt( Einhorn- Verlag Dachau) im ,, Börsenblatt für den deutschen Buchhandel" flammenden Cinspruch gegen den Volksverband der Bücherfreunde" und ließ eine Aufforderung zur Boykottierung des B. d B. folgen. Die Buchhändlergilde", eine Unterinstanz des Börsenvereins, heißt den Boykott gut. Die Zentralvertretung der Sortimenter schließt sich in ihrer Hauptversammlungssitzung vom 9. Mai 1925 dem Bor gchen der Gilde an und erläßt eine Bontotterklärung der Werte solcher Autoren, die für den B. d. B. arbeiten. Kurz danach veröffentlicht der Synditus des Börsenvereins die schwarze Liste der oppositionellen Autoren. Die Schriftstellerverbände protestieren bekanntlich gegen die Cäsarengesten des Buchhändlerverbandes, in einer offiziellen Erklärung nahm daraufhin das ,, Börsenblatt" den Boykott zurüd. Nun wurde unter ,, Eingefandt" weitergemühlt, die Proving mobil gemacht und ein frisch- fröhlicher Guerillafrieg eröffnet. Als liebliches Finale deutete man an, daß die Buchverbilligung der Gemein schaften List und Trug sei. Mit literarischem und technischem Kitsch werde der gläubige Banause träftig übers Ohr gehauen. Es war eine sehr higige Diskussion; das Sortimenterblatt war hemmungslos genug, ganz unverklausuliert von Literaturpeft" und undenfang" zu sprechen. Der Bolfsverband der Bücher freunde" hatte gegen Börsenverein“ und„ Buchhändlergilde" auf endgültiges Einstellen der Boykottbewegung und Schadenersatz geflagt. Die Verhandlung fand am Freitag vormittag vor der 5. Zivilfammer des Landgerichts I, Berlin, statt. Der Borsitzende der Kammer stellte fest, daß die Sortimenterder= tretungen die Grenzen sachlicher Kritit meit überschritten hätten. Dieser Bontott war teine fachliche Bemegung, sondern eine Wirtschaftsattacke zur Ausräucherung des Konfurrenten. Der Anwalt der beklagten Partei sagte, daß von den Buchgemeinschaften unter falscher Maste gefämpft würde. Der fehr gewandte Borsitzende zerpflückte die Argumentation des Beflagtenvertreters, um den Boden für einen Vergleich zu ebnen. Am 14. Dezember sollen die Einigungsverhandlungen zwischen Volfs verband" und„ Deutscher Buch gemeinschaft" einerseits ( die auch gegen die. Sortimenter prozessiert) sowie Börsenverein" und Buchhändlergilde" andererseits stattfinden. " ,, Pelzjäger" in Berlin W. " Die Berliner Pelzjäger", die sich in den letzten Jahren zu einer bedeutenden Spezialität entwickelt haben, pürschen auch jetzt wieder sehr eifrig und mit Erfolg. Sie beobachten im Westen der Stadt in den Abendstunden die Männer und Frauen, die einen wertvollen Belzmantel tragen. Aus diesen oder jenen Anzeichen schließen sie mit unheimlicher Sicherheit, ob jemand ge fchäftlich unterwegs ist oder sich anschickt, einen Besuch zu machen. Leute der ersten Art lassen sie bald ihrer Wege gehen, den anderen folgen sie mit um so größerer Aufmerksamkeit, bis sie in ein Haus hineingehen. Dann suchen sie die Front ab, stellen an der Beleuchtung der Fenster bald fest, in welcher Wohnung Gesellschaft ist und machen sich unverzüglich an die Arbeit. Der Bejuch legt seinen Mantel ab. Weil man noch mehr Gäste erwartet, so läßt man die Wohnungstür nur eingeklinkt. Niemand SEIT 1869 JUAL FÜR FEINRAUCHER ORIGINALGROSSE Bezirksbildungsausschuß Groß- Berlin 2.Veranstaltung für Internationale Volks tänze u.Volkslieder am Sonntag, den 6. Dezember 1925, nachm. 33/4 Uhr im großen Saal der Philharmonie, Bernburger Straße. Orientalische Phantasien. Mitwirkende Max Terpis( Ballettmeister), Elisabeth Grube( Prima- Ballerina) Dorothea Albu( Charaktertänzerin), Daisy Soies, Stefa Kral ewa, Harald Kreutzberg ( Solotänzer), Rudi Kölling, Walter Junk vom Staatsballett. Gesang: Moucheddin Kari- Jakub, 1. Staat. Volkssänger der Usbekisgani- Republik Am Flügel: Friedrich Wilckens. Preis M. 1,20 Zwei Unschuldige fälschlich beschuldigt. Ein ernsthafter Beitrag zum Kapitel der Zeugenaussagen. Ein Schulbeispiel dafür, wie gefährlich es ist, Urteile auf die angebliche Sicherheit des Wiedererkennens aufzubauen, bot eine Verhandlung vor der großen Potsdamer Straffammer gegen den dreißigjährigen Arbeiter Robert Parpart aus Luckenwalde, der wegen versuchter Notzucht in zwei Fällen von dem Luckenwalder Schöffengericht unter Zubilligung milderner Umstände zu einem Jahr neun Monaten Gefängnis verurteilt wurde und gegen das Urteil Berufung eingelegt hatte. Am 23. April wurde die Bahnassistentenfrau Niendorf bei Luckenwalde von einem Unbekannten vom Rade gerissen, gewürgt und geschlagen. Der Täter entfloh. Behn Tage später fam Frau Niendorf mit ihrem Mann an dem Tatort vorbei und erkannte einen dort stehenden Mann als den Täter mit Bestimmtheit wieder. Groß, blond, tiefliegende Augen und vorstehende Backenknochen, so hatte sie ihn beschrieben. Es war der Arbeiter Otto Frant aus Jüterbog. Frank wurde sofort in Haft genommen. Auch vor dem Untersuchungsrichter blieb Frau N. bei ihren Angaben. Da wurde ihr der Angeklagte Parpart vorgeführt. Auch groß, blond usw. Die Frau erkannte ihren Irrtum und be zeichnete nun Barpart als den Täter. Inzwischen war auch eine Hüfnertochter in der Nähe von Luckenwalde überfallen worden. Auch diese Verletzte bezeichnete Parpart bei der Gegenüberstellung als den Täter. Vor der Hauptverhandlung, zu der 24 3eugen geladen waren, machte der Vorsitzende, Landgerichtsdirektor Hellmig, einen Versuch, die Sicherheit des Wiedererfennens auf die Probe zu stellen. Nicht der Angeklagte, sondern Otto Frant mußte in die Anflagebant hinein. Eine fabelhafte Aehnlichkeit bestand zwischen beiden. wurden einzeln aufgerufen und merkten zuerst kaum die vertauschten Rollen. Dann riefen sie beide:„ Das ist ja gar nicht Parpart." Darauf wurde erst der Angeklagte hereingeführt. Sein Arbeitgeber und mehrere einwandfreie 3 e ugen befundeten unter Eid. daß der Angeklagte zu der fraglichen Zeit ge arbeitet bzw. in der Wohnung seines Arbeitgebers fich aufgehalten habe. Daraufhin hob die Straffammer das Luckenwalder Urteil auf und Parpart wurde auf Staatstoften frei. gesprochen. Otto Frant, der gleichfalls sein Alibi nachweisen fonnte, wurde ein Entschädigungssumme für unschuldig erlittene Haft zugebilligt. Die überfallenen Frauen Mißachtung der Reichsfarben gilt als schwere Verfehlung In einem Erlaffe, der sich im wesentlichen mit dem schon früher eraangenen Erlaß des Unterrichteminifters bedt. betont, wie der Amtliche Breußische Preffedienst mitteilt, der Minister für Sandel und Gewerbe, daß jede Mißachfung der Reichsfarben feitens der Schuljugend in den Berufs- und Fachschulen als schwere Berfehlung anzusehen und gegebenenfalls durch Verweisung von der Anstalt zu bestrafen ist. Zur Entpolitifierung des Schullebens wird den Schülern und Schülerinnen das Tragen von Abzeichen, Bändern, Kofarden und anderen Eymbolen jeder Art in der Schule selbst und bei Veranstaltungen, auch das bloße Mitbringen dieser Abzeichen, verboten. Dachstuhlbrand im Südweffen. Wegen eines Dachstuhlbrandes wurde gestern abend um 6 Uhr die Feuerwehr nach der Nordstr. 10 alarmiert. Statt den nächsten Feuermelder an der Ede der Nord- und Belle- Alliance- Straße zuziehen, hatte man die am Belle- Alliance- Platz, an der Teltower Straße und Das Rundfunkprogramm. Sonnabend, den 5. Dezember. Außer dem üblichen Tagesprogramm: 3.45 Uhr nachm.: Onkel Doktor als Märchen erzähler. 1. Die Geschichte von dem Gashähnchen. 2. Ein Märchen vom Wintersmann.( Erzählt von Dr. med. E. Mosbacher). 4.30-6 Uhr nachm.: Nachmittagskonzert der Berliner Funkkapelle. Leitung: Konzertmeister Ferdy Kauffman. 6.45 Uhr abends: Hans- Bredow- Schule ( Bildungskurse). Abteilung Sprachunterricht. Esperanto( Direktor Julius Glück). 7.15 Uhr abends: Dr. C. Kaßner: Das Wetter vor Gericht".( Wetterauskünfte. Höhere Gewalt"). 7.45 Uhr abends: Hans- Bredow- Schule( Bildungskurse). Abteilung Völkerkunde. Geh. Reg.- Rat Dr. A. Miethe:" Spitzbergens geographische und klimatologische Lage". 8.30 Uhr abends: Vor dem Gesindeball", Lustspiel in einem Aufzug von Max Polaczek. Egon von Lübben: Max Grünberg; Anna, seine Frau: Mia Helmut; Müller, KammerKarl Haas; Berta: Tony diener: Erwin Kopp; Friedrich: Rupprecht; ein Kutscher. 9 Uhr abends: Lustige Weisen. 1. Joh. Strauß: Persischer Marsch. 2. Huppmann: Mädchenherzen, Walzer. 3. a) Jacques Offenbach: O Tanagra, b) Oskar Strauß: Frauenhand aus„ Die Teresina"( Max Kuttner, Tenor). 4. Viktor Herbert: Potpourri aus der Oper Naughty Marletta". 5. Lindemann: Hallo! Hier Schlager. Wer dort? Potpourri. 6. a) George Mletzko- Eckersdorf: Rosen, süße Rosen, b) Santly und Richmann: Auf Java sind die Mädchen braun, c) Dr. Rob. Katscher: Im Prater eine halbe Stund' vom Praterstern( Max Kuttner). 7. Kreischgauer: Wenn am Lido, Foxtrott( Berliner Funkkapelle). Leitung: Konzertmeister Ferdy Kauffman. Anschließend: Dritte Bekanntgabe der neuesten Tagesnachrichten, Zeitansage. Wetterdienst. Sportnachrichten, Theater- und Filmdienst. 10.30-12 Uhr abends: Tanzmusik. JUNET JUHE Eine neue Sensationsaffäre in der Potsdamer Aristokratie Auf Ersuchen des Potsdamer Untersuchungsrichters wurde der Rittmeister Hermann v. Oppen in Berlin verhaftet und nach dem Untersuchungsgefängnis in Potsdam übergeführt. Er steht unter der Beschuldigung des Kreditschwindels, Betruges, der Wechselfälschung und des Heirats= schwindels. v. Oppen soll auf einen gefälschten Wechsel Beine im Werte von 10 000 m. erschwindelt haben. Bei einer Berliner Teppichfirma taufte er drei wertvolle Perserbrücken, die zur Ausstattung feines Schlosses dienen sollten, das er aber überhaupt nicht mehr besaß. Die Ware ließ er nach der Wohnung seiner Mutter in Potsdam, wo er aber nicht wohnte, schaffen. Da seine Mutter verreist war, hielt er sich in deren Wohnung auf, um die Lieferungen in Empfang zu nehmen und sofort zu verkaufen. Außerdem wird er beschuldigt, mit vier vermögenden Frauen in Verbindung getreten zu sein, denen er sämtlich die Ehe versprochen haben soll. Die heiratsluftigen Damen sollen sich in der Erwartung des Baronstitels haben verleiten lassen, ihrem Zufünftigen mehr oder weniger große Geldbeträge auszuhändigen. Motar." Das Wort ist die weniger schöne Abkürzung für Motorrad. broschke, der neuesten Errungenschaft des Großstadtverkehrs, der immer mehr auf genaueste Rentabilität drängt. Man tennt die durch die Straßen rasenden Motorräder mit dem kleinen offenen Beiwagen. Diese Idee ist beim Motag" verbessert und erweitert worden. Der offene Anhänger hat sich in ein Coupé verwandelt, das neben dem Hinterrad läuft und Platz für einen Fahrgast bietet, bequem eingerichtet mit Plüsch oder Lederpoliterung. Das Motorrad selbst gehört zu den starken wirtschaftlichen Gebrauchstypen.. Da hier der Benzinverbrauch und die Abnutzungsfesten weit geringer sind als beim Automobil, beläuft sich die Grundtare auf 35 Pf. und springt um 5 Pf., während beim Automobil die Grundtage 70 Pf. beträgt und um 10 f. springt. Es ist anzunehmen, daß der Motar bald große Verbreitung finden wird. Für das Gemeindebestimmungsrecht! Am vergangenen Sonntag veranstalteten die Arbeiter Abstinenten in Gemeinschaft mit anderen sozialistischen Organisationen eine Probeabst immung in einem Häuser geviert des Bezirks Wedding. Sie wollten feststellen, in welchem Umfang die Bevölkerung das Recht, über den Alkoholausschant in der Gemeinde selbst zu entscheiden, verlangt. An der Abstimmung beteiligten sich 2280 wahlberechtigte Einwohner, größtenteils dem Arbeiterstand angehörend, und zwar 1021 Männer und 1259 Frauen. Von diesen stimmten für das Gemeindebestimmungsrecht 1643= 72 Proz., dagegen 274 12 Proz.; die Zahl der Stimmenthaltungen bzw. der ungültigen und zersplitterten Stimmen beirug 344= 16 Proz. Zählt man nur diejenigen, die flar Stellung nahmen, so haben 85,7 für das Gemeindebestimmungsrecht und 14,3 Proz. sich dagegen entschieden. Genosse Dr. Weinberg stellte als Notar das Ergebnis feft. Die sozialdemokratische Fraktion des Reichstages hat sich längst für das Gemeindebestimmungsrecht eingesezt; ob nach dieser Probeabstimmung auch die bürgerlichen Parteien den Willen der überwiegenden Mehrheit des Volkes berücksichtigen werden? 1 Genosse Gustav Lachmann, Baußener Str. 9, wird am Ueber 35 Jahre lang nahm er als 5. Dezember 65 Jahre alt. Funktionär teil an allen Arbeiten, die unsere Partei förderten. Hoffentlich ist ihm auch weiterhin vergönnt, zum Wohl der Partei und feiner Mitmenschen zu schaffen und zu wirken. Berlin 1925 lauit bom. bis zum 10. b. M. in den Corso- LichtFilm von der Verfassungsfeier und vom Gr ßdeutschen Tag in pielen, Prenzlauer Allee 49, und in den Nord- Ost Lightspielen, Binsstr. 42. Anser Konsum- F lm" läuft am 5. 12. 25. im Lindengarten von Laud in er msdorf Berlin, Berliner Str. 133. Seinder von 4-6 Uhr 10 Pf., Erwachsene von 8-10 1hr 30 Pf. Eine Bilderbuchaus ftellung mit Verkauf billiger Bücher findet am Sonn abend, den 5., von 6 bis 10 Uhr und Sonntag, den 6., von 1 bis 8 Uhr in der Aula der Gemeindeschule Bergmannstr. 60/65 statt. Schweres Brandunglück bei Neu- Isenburg. Drei Arbeiter verbrannt, sechs schwer verletzt. Auf bisher ungeflärte Weise geriet am Freitag der zweite Holzbau der Feuerwerksfabrit Friedrich Sturm bei Neu- Isenburg in Brand. Die im Raume lagernden Rohmaterialien brannten sofort lichterloh. Die anderen drei zum werke gehörenden Bauten wurden vom Feuer ergriffen. 3 a blreiche junge Mädchen und Arbeiter im Alter von 16 bis 20 Jahren sind mehr oder weniger idwer berlegt. Bisher wurden zwei oder drei Tote und sechs Schwer berlegte festgestellt. Das Feuer breitete sich mit rasender Schnelligkeit aus. Man nimmt an, daß der Brand durch Fabrläffigkeit entstanden ist. Nach mehrstündiger Tätigkeit fonne die Feuerwehr den Brand löschen. Die Elbeschiffahrt eingestellt. Der Schiffahrtsbetrieb auf der Elbe ist infolge starter Eisbildung eingestellt worden. Absturz eines fechsfißigen Paffagierflugzeuges. Gestern mittag stürzte bei einem Probeflug ein sechsfiziges Junkers Passagierflugzeug auf dem Flugplaz Klein- Kühnau ab, wobei einer der ältesten und erfolgreichsten Junker- Piloten, Straßer, ums Leben lam. Ein Werlangehöriger, der in der Kabine mitflog, erlitt feine Verlegungen, da die kabine infolge ihrer konstruktion un beschädigt blieb. Komet Freilauf gehört in jedes Fahrrad! Unverwüftlich im Gebrauch! JUHLTRUMPF 20 ERHÄLTLIGI IN ZIGARRENGESCHÄFTEN/ HERSTELLER ZIGARRENJUHL BERLIN- PANKOW Sonnabend 5. vezember I92S -Unterhaltung unö AlJjssen öellage des vorwärts Eine Vielgesthmähte. Zum 100. Geburtslage der ZNarlitt. Als 1853 die.Gartenlaube" von Ernst Keil in Leipzig begründet wurde, war sie als Nachfolgerin des wegen seiner frei- sinnigen Tendenz unterdrückten„Leuchtturms" wohl die liberalste deutsche Familienzeitschrist. In kurzer Zest schuf sie sich durch ihre freimütige Haltung einen Leserkreis, der weit über die Grenzen Deutschlands hinausging und wie ihn kein anderes Umerhattungs- blall aufzuweisen hatte. In ihr spiegelte sich das gesamte geistige Leben des oppositionellen Bürgertums. Wissenschaftler von Rang zählten zu ihren Mitarbeitern. In Romanen und Novellen wurden die Probleme der Zeit erörtert, nicht in schwerer, lehrhafter Form freilich, sondern in leichtflüssigem, für Frauen und Töchter be- slinuntein Unterhaltungsstil. Die Spalten dieser Zeitschrift öffnete Ernst Keil 1865 einer bis dahin unbekannten Autorin, die mit einer Novelle„Die zwölf Slooftel" debütierte. Bereits im nächsten Jahr ließ sie den Roman „Goldelse" folgen, der einen durchschlagenden Erfolg hatte. Damit war der Name E. Marlitt in der Leserschaft bekannt geworden. Beinahe ohne Unterbrechung erschienen nun ihre nächsten Werke „Das Geheimnis der alten Mamsell",„Reichsgräfin Gisela",„Heide- prinzeßchen",„Die zweite Frau", und fast jedes folgende Jahr setzte ein weiterer Roman die Reihe fort. Ihr letzter,„Das Eulenhaus", war bereits den Lesern der Gartenlaube angekündigt, als„die Marlitt", die mit ihrem bürgerlichen Namen Eugenie John hieß, am 22. Juni 1887 starb. W. Heimburg, die gewissermaßen als chre Nachfolgerin die Hausdichterin der„Gartenlaube" wurde, hat das Werk später beendet. Die Marlttt ist viel gelästert und viel geliebt worden. Spätere Geschlechter haben ihr die Unwahrheit ihrer Schilderungen vorge- warfen, ja, man hat sie in einem Atem genannt mit den Berfassern kes„Geheimnisses hinter der Kirchenmouer" und ähnlicher Hinter- treppsnromane. Damit hat man ihr bitteres Unrecht getan. Denn, was man auch immer an ihren Arbeiten auszusetzen hat, ein Mensch hat sie geschrieben, der mit warmem Herzen und offenen Augen in der West stand. Und mongest ihren Romanen auch die Wahrhastig- kest des Geschehens, die Wahrhaftigkeit der Anschauungen, die sie wiedergeben, wird niemand bezweifeln können. Sogar ihrem In- hast, der übrigens stets bis zur legten Seite spannend bleibt, wird man gerecht werden, wenn man die Umrisse des Lebens der Ler- sasserin kennt: hatte sich doch ihr ganzes Dasein fast wie ein von ihr geschriebener Roman abgespiest. In dem kleinen thüringischen Städtchen Arnstadt geboren, er- weckte die noch nicht Sechzehnjährige durch ihre schöne Stimme die Aufmerksamkeit der regierenden Fürstin von Schwarzburg-Sonders- hausen, wurde von ihr als Pflegetochter angenommen und zu ihrer musikalischen Ausbildung noch Wien geschickt. Hier war sie bereits aufgetreten, als sie wegen eines plötzlich ausbrechenden Gehörleidens ihrer Laufbahn als Sängerin entsagen mußte. Sie kehrte nun zu der Fürstin zurück, deren Vorleserin sie bis 1863 blieb. Dann gab sie ihren Posten auf und ging zu ihrem Bruder nach Arnstadt, in dessen Hause sie bis zu ihrem Tode lebte, viel kränklich, aber durch ihre Schriftstellerei in wirtschaftlich guten Derhällnissen. Ist es verwunderlich, daß ein Mensch mit so seltsamen Leben»- wegen an die Romantik des Daseins glaubt, und im Vertrauen auf einen liberalen Gott davon überzeugt wird, daß am Ende schließlich l och das Böfe bestraft und das Gute belohnt wird? Darüber hinaus führte aber die Marlitt einen erbitterten Kampf gegen allen Schein und alle Lüge, gegen die Vorrechte und Anmaßungen der„Hoch- geborenen" und die Heuchelei der orthodox Frommen, gegen die Unterdrückung des Bürgerstandes, der Arbeiter und Armen, und manchen Kreisen mögen damals ihre Romane als unangenehme Zlngriffsfanfaren in den Ohren geklungen haben. Und ob auch um Kronen und Krönlein in den folgenden Jahren der Byzantinismus immer üppigere Blüten trieb, sie blieb ihren Ueberzeugungen treu. Die Form ihrer Romane erstarrte zwar allmählich: ober dieser Mut gur Ausrichtigkett gab ihren Werken eine erstaunliche Frische, und in wetten Bürgerkreisen übertrug sich die Vorliebe der Mütter für die Marlitt auch auf die Tochter. Verachtet mir die Marlitt nicht! Wenn man sie mst ihren Noch- solgerinnen auf dem Gebiet der Unterhaltungslektüre vergleicht, so kann man wohl sagen, daß sie sie ebensohoch überragt, wie die „Gartenlaube" jener Zeit das Schcrl-Läubchen der Gegenwart, das in der Vorkriegszeit vor Königsthronen zusammenknickte und sich beute an neuzeitlichen Phrasen nicht recht wieder aufrichten kann. Und die meisten unserer bürgerlichen Unterhaltungsblätter ständen jedenialls auf höherem Nir eau, wenn heute wenigstens eine moderne Marlitt in ihnen zu Worte kommen könnte. __ Trübe E. Schulz. hunöertsahrige Schlagwörter. Von Dr. K. Weitzel. Die zwanziger Jahre des vorigen Jahrhunderts bilden im Leben unseres Volkes eine eigentümliche Periode des Uebergangs, eine Zeit der Erschlasfung nach der übermächtigen Anspannung der Freiheitskriege. Di« vor der französischen Revolution allmächttgen Kreise der Gesellschaft ernteten allein die Frücht« der Zeit von 1813 und unterdrückten die liberalen Ideen mit allen Mitteln staatlicher Aolizcigewalt. Die nationalen und freiheitlichen Wünsche des «utschen Volkes blieben unerfüllt. Der Deutsche Bund unter Metternichs Leitung wurde zusammen mit der Heiligen Allianz das Organ, um„Ruhe und Sicherheit In deutschen Landen aus ewig zu stabilisieren". Die Geschick« Europas sollten auch fernerhin nicht durch die Völker, sondern, wie im 18. Jahrhundert, allein durch die Regierungen bestimmt werden. Damals entstand daher das Schlag- wort„Reaktiv n". welches der ganzen Zeit den Namen gab, sowie die Bezeichnung„demagogische Umtriebe", mit der man die liberalen Bestrebungen auf den Universitäten und in der Presie von leiten der Regierungen brandmarkte. Diesem Begriffe trat das „demokratische Prinzip" zur Seite, sehr bald auch das nristokralifche und monarchische Prinzip. Der Dichter Jmmermann fand den Ursprung dieses Schlagwortes bei Fichte und Schelling und schrieb darüber 11831):„Das Nächste, Gewöhnlichste sollt« durch den Hebel der höchsten Philosophie in Bewegung geletzt werden. und das Modewort Prinzip wurde erfunden. Im Staat, in der Kirche, im Aerztlichen. Kommerziellen, ja im Haushall traten Prinzip« auf." Gegen Ende der zwanziger Jahre wurde „doktrinär" in Deutschland sehr beliebt. Das Wort kam aus Frankreich, wo es in der Zeit der Restauratton eine Partei be- zeichnete, die gegenüber der Politik der Willkur eine wisienschastliche Staatslehre gellend machen wollte. Gutzkow. He, neu. a bezeugen, daß das Wort schon damals in Deutschland den üblen Klang hatte, der ihm noch jetzt anhaftet. Aelter. als man heute wohl annimmt. 'st das humoristisch« Schlagwort„S° u r e g u r k e nz e. t. der be- kannte Name für den an politischen Ere.gnisien armen Hochsommer. Zeller schreibt schon am 31. Juli 1821 an Goethe:„Unser Theater ist jetzt wieder lavierend, wie immer in. der sauergurkenzeit. Die Schlagworte der zwanziger Jahre kennzeichnen dieses Jahr- zehnt aber auch in anderer Hinsicht. Das-Scherzwort„La n d- Pomeranze", aus studentischen Kreisen stammend und seit 18Z5 nachweisbar, deutet darauf hin, wie man sich des Gegeniotzes zwischen Weltbildung und prooinzialem Geiste auch in Deittichlond immer mehr bewußt wurde. Die gesteigerte Berührung mit dem Ausland« durch den zunehyrenden Weltverkehr erweiterte schon damals den „Fu tzilfe, EinbreckerN Schatz unserer Schlagwörter um ein wesentliches. Goethe prägte 1827 den Begriff der„W e l t l i t e r a t u r", unter der. er einen fruchtbringenden literarischen Austausch der Kulturvölker versteht. Heine brachte 1828 dos Schlagwort„e u r o p a m ü d e" auf, zu dem in den fünfziger Iahren das Gegenstück„amerikamllde" gebildet wurde. Als Titel zweier viel gelesenen Romane von Ernst Willkomm und Ferdinand Kürnberger verbreiteten sich diese Schlagwörter in den vierziger und fünfziger Iahren ganz besonders. Der Kleinkrieg der Spanier gegen die französischen Eindringlinge war in Deutsch- land in der Zeit der Unterdrückung außerordentlich volkstümlich: doch verbreitete sich der dafür gebrauchte Ausdruck„Guerilla- k r i e g" hier erst nach den Freiheitskriegen und war zur Bezeichnung derartiger Plänkeleien z. B. auch vor Gericht oder in der Familie sett den zwanziger Iahren in aller Munde. Aus Spanien vom Hofe Ferdinands VII. kam ferner die„Kamarilla", der noch heute üblich« Name für die Einwirkung des Hofschranzentums auf den Fürsten zur Verfolgung selbstsüchtiger Ziele. In den Kreisen der deutschen Liberalen wurde daraus eins der stärksten politischen Schlagwort«. Aus England übernahm man damals für all« Arten von Geckentum das Modewort„f a s h i o n a b l«", aus dem in Wien die deutsche Nebenform„f« s ch" entstand, welche besonders populär wurde. Auch unsere Ausdrück«„Löwe der Gesell- s ch a f t" oder„LöwedesTages" sind in dieser Zeit aus England zu uns gekommen. Die Geistesrichtung jener Zeit, die Romantik mit ihrer ver- feinerten Gemütsfähigkett und ihren schwärmerisch- mystischen Empfindungen spricht in einigen Schlagworten zu uns, die heute ebenfalls ein Jahrhundert alt sind. Der Begriff„Zerrissen- h e i t" zur Bezeichnung einer seelischen Stimmung wurde damals geprägt. Heine gebraucht das Wort in seinem Aufsatz„Norderney"