�benKavsgabe Nr. 579 ♦ 42. Jahrgang Ausgabe B Nr. 247 Blzuzsdtdinsuilg«, tmk anjttaenmife llna la der Msrqen-u-geb««ngrgebut Bcdattloa: SS. 68, Clndcaflcaftc 3 Zfer» spreche»: VSnhoss 292— 297 Xel.-MdcrffcSajIeldemorral Beclla Verltnev Vollrsblstt (iv pkSNNEZ) Dienstag 8. Dezember 1925 Berta« und Anzeig-nabteiluxg: Seschäft-zelt 9-S Uhr v«rl«ze>nvora>SrI»-verloz SuibH verlia su>. 68, Liadeastrah« 3 Aerasprecher: DSahoff 292— 297 Zentralorgan der Sozialdemohratifchcn parte! Deutfchlands tzungeröemonjlration öer Seamten. Schnelle Hilfe für die unteren Besoldungsgruppen! Heute abend werden sich zehntausend« und aber zehntausende Beamten der Besoldungsgruppen 1 bis 6 auf dem Gendarmenmarkt versammeln, um gegen das B e- soldungsunrecht laut und vor aller OesfenUichkeit P r o t e st zu erheben. Die Bewegung, die vom Allgemeinen Deutschen Be- amtenbund eingeleitet wurde und der sich die Sozial« Arbeits- gemeinschoft der Beamten der Besoldungsgruppen 1 bis K im Deutschen Beamtenbund und die Gewerkschaft Deutscher Lokomotio- sichrer angeschlossen haben, wird die eindruckoollste Demon- strotion werden, die die Berliner Beamtenschost bisher veran- stallet hat. Gewiß stellt die Not der Beamten nur«inen Teil der allgemeinen Not unseres Volkes dar; gewiß sind Forderunge» der Beamten im Augenblick sinkender Konjunktur und ständigen Steigens der Erwerbslosenziffern wenig populär, doch trotz allem wäre es ungerecht, sich diesen For- derungen oerschließen wollen, wenn sie gerechtfertigt sind und ihre Erfüllung möglich ist. Und grundfalsch ist es, die Erwerbslosen gegen die Beamten und diese gegen die Erwerbslosen auszuspielen. Es muß vielmehr beiden geHolsen werden. lieber die Beamtenschaft ist die Geißel des rücksichtslosen Abbaues niedergesaust. Die jetzt vorhanden sind, haben ihr gerüttelt Maß Arbeit. Man seh« sich einmal die Dienstpläne der Eisenbahner. der Postler, der Schupo usw. an. Niemand wird danach behaupten wollen, daß diese Menschen nicht wie jeder andere im Produktwns- Prozeß stehend« Arbeiter voll ihre Pflicht, und zwar ihre schwer« Pflicht au der Allgemeinheil erfüllen. Ganz besonders trifft dies für die unteren und mittleren Be- faldungsgruppen zu, die unter der wirtschaftlichen Not am aller- meisten zu leiden haben. Man darf auch nicht vergessen, daß die Eisenbahner und Posller und auch Beamte anderer Behörden die Mlltel für ihr» Besoldung und darüber hinaus für finanzielle Bolls- lasten selbst erarbeiten, dem Steuerzahler also nicht auf der Tasche liegen. Und schließlich kann kein geordnetes Staatswesen, ganz gleich welcher Form und Gattung, ohne einen Stab von in seinem Dienst ausgebildeten Menschen bestehen. Diese Leute aber nicht Hungen: zu lassen, liegt im ureigensten Interesse des Staates. Geht man nun einmal der Ursache der gegenwärtigen Zu- spitzung der SerHällnisse noch, so kann man feststellen, daß die ver- fehlt« Finanz- und Steuerpolitik des deutschnationalen Neichsfinonzministers v. S ch l i« b e n es glücklich soweit gebracht hat. vom 1. April 1924 ab erhielt der Beamte der Gruppe III an Grundgehall S22 bis 1092 M.. Gruppe V 1104 bis 1470 M.. Gruppe X 2550 bis 3390 M. und XIII 4200 bis 5610 M. jährlich. Am 1. Juni 1924 gab es eine Aufbesserung, die unten 17 und oben 71 Proz. betrug. Es erhielten an Grundgehalt: Gruppen III 960 bis 10S0 M., Gruppe V 1296 bis 1824 M., Gruppe X 3600 bis 5400 M. und XIII 6300 bis 9600 M. Man sieht, die an der Quelle wußten für sich zu sorgen, vom 1. Dezember 1924 gab es zu diesen Grundgehältern für die Gruppen 1 bis 6 Zuschläge von 12>* Prozent, und für die darüber liegenden Gruppen von 10 Prozent. Dazu kommen Wohnungsgeldzuschuß, der unten 37 bis 50, oben aber 100 bis 150 M. ausmacht, der Frauen- zuschlag von 12 M. und der Kinderzuschlag von 20 M. monallich. Seither ist trotz oller Versprechen der bürgerlichen Parteien vor lind nach den Wahlen nichts geschehen, weder um die außerordentliche Bevorzugung der höheren Beamten auszugleichen, noch um einen Angleich an die fortscheitende Teue« rung und die erhöhten Reichsarbeiterlöhne zu schaffen. Es versteht sich von selbst, daß im Augenblick an eine«Be- soldungsresorm", etwa im Sinne einer wirklich gerechten Entlohnung und Einstufung für geleistete Arbeit nicht zu denken ist. Dazu ist die allgemeine Not zu groß. Das verlangen die demonstrierenden Beamten auch nicht. Sie fordern nur. daß ihrer Not. die durch die erzwungene Verschuldung noch erheblich gesteigert wird, durch eine Notmaßnahm« wenigstens in etwas gesteuert wird. Sie haben selbst keine bestimmten Forderungen aufgestellt, sondern sie haben sich, wie das ganze Jahr 1925 hindurch, hinter den Antrag gestellt, den die sozialdemokratisch« Reichs- tagsfrattion im vollen Bewußtsein ihrer Verantwortung gegenüber der Allgemeinhell für sie aufgestellt Hot. Der Antrag ging im Frühjahr dieses Jahres dahin, den Zuschlag zu den Grundgehältern für die Gruppen I bis VI! von 12�4 auf 20 Proz., also um 7*6 Proz. zu erhöhen. Es gab im Reichstag niemand, der diesen Antrag als Agitationsantrag oder als undurch- führbar angesprochen hälle. Trotzdem wurde er von dem Reichs- kabinell unter dem Druck des Herrn v. Schlicken und von den da- maligen Regierungeparteien abgelehnt. Diese Ablehnung ist die Ursache des heutigen maßlosen Elends. Diese Leute tragen auch die Verantwortung dafür, wenn es heute fast unmöglich ist, so zu helfen, wie die Not es erfordert. Bei Beginn der jetzigen Reichstagstagling hat die Sozialdemo. kratie verlangt, den Zuschlag zu den Grundgehältern für die Gruppen 1 bis 6 von 12M» auf 30 Proz, also um 17� Proz., und für die Gruppen voll 7 bis 9 von 10 auf 20 Proz., also um 10 Proz. vom 1. Oktober ab zu erhöhen. Dies ist die Forderung, die sich auch die heutige Demonstration zu eigen machen wird. Der Hauchallsausschuß des Reichstags wird sich am 9. Dezem- ber wieder mll der Besoldungssrage befassen. Die Geschästsregie- rung wird ihre Vorschläge machen. Sollte darüber eine Verständi- gung nicht zu erzielen sein, so muh vor Weihnachten wenigstens das gemacht werden, was unbestritten ist und von allen Seiten ver. langt i nd zugestanden wird. Das ist schnelle Hilf« für die Beamten der unteren Besoldungsgruppen. Heber das andere kann man sich dann nach der Regierungsbildung weller verständigen. Sozialöemokratischer Parteiausschuß. Der Parteiausschuß der Sozialdemokratischen Partei trat beute vormittag 9 Uhr zu einer Besprechung der politischen Lage zusammen. An ein Referat des Genossen Hermann Müller schloß sich eine ausführliche Debatte, die noch im Gange ist. Entgegen anders lautenden Meldungen sei festgestellt, daß über die Anregung des Reichspräsidenten, eine Große Koalition von der Sozialdemokratie bis zur Voltspartei zu bilden, und über die Forderungen, die die Partei für das Ar- beitsprogramm einer solchen Regierungskoalition anzumelden fätte, erst morgen nachmittag in der Reichstags» r a t t i o n entschieden werden wird. Um üas Arbeitsprogramm. Ejn Kommentar zur Verhandlungsbereitschaft der Volkspartei. Kann es zwischen den Sozialdemokraten und der Deut- schen Bolkspartei ein gemeinsames Arbeitsprogramm geben? Die Deutsche Dolkspartei weiß zwar noch nicht, welche Forderungen die Sozialdemokraten an die künstige Regierung fhllen werden, aber ihre Presse bezeichnet ein Verhandeln über ein gemeinsames Arbeitsprogramm schon als unmöglich, wenn die Sozialdemokraten dafür ein Pro» gramm aufstellen. Man liest in der.Täglichen Rundschau*: „Gegenstand der Verhandlungen müßte, wie es auch der Reichs- Präsident gefordert hat. die Verständigung über ein gemeinsames Arbellsprogramm sein. Verhandeln aber ist unmöglich, wenn ein« Partei in einseitiger Weise ein Programm a u f st« l l t und ihre Mitarbeit von der Erfüllung ihrer Programni- forderungen abhängig macht.* „Wie schon in unserer Sonntagsausgabe bemerkt wurde, zeigen die Sozialdemokraten das offenkundige Bestreben, sich der R«- gierungsoerantwortung zu entziehen, gleichzeitig aber andere für ihre Nichtbeteiligung verantwortlich zu machen. Diese Taktik muß man natürlich vereiteln. Deshalb ist es ganz gut. daß der Reichspräsident sie jetzt vor die Entscheidung ge- stellt hat. Und es ist durchaus richtig, daß der Fraktionsvorsitzend« der Deutschen Volkepartei seine grundsätzliche Verhandlung s- b e r e i t s ch a f t erklärt hat. Die Sozialdemokraten werden jetzt zu beweisen haben, ob sie den Appell an den guten Willen zur prak- tischen Gemeinschaftsarbeit höher stellen oder ihr Parteiprogramm." Die Deutsche Voltspartei hat bisher.praktisch« Gemein» schaftsarbeit" nach dem Programm der Deutschnationalen be- trieben. Die Rot der Gemeinschaft fordert die Abkehr von diesem Programm. Die Presse der.Deutschen Volkspartei" aber weiß von vornherein, daß jedes Programm der Sozial» denrokratcn— auch wenn sie es gar nicht kennt— selbstverständlich nickst in Betracht kommt und ein Verhandeln unmöglich macht. Wie soll also ein gemeinsames Arbeits- Programm gefunden werden? Ein interessanter Kommentar zur Verhondlungsbereit» schaft der Volkspartei?_ Keine Wohnungsbeschlagnahme mehr. Eine Anordnung der fra"zösische» Besetzungsbehörde. Wie das Wolff-Bureau hört, hat der Oberbefehlshaber der französischen Besetzungstruppen, General Guillaumat, dem General- delegierten der Reichsoernrögensverwallung beim alliierten Ober- kvmmando in Mainz mitgeteilt, daß er für den französischen Be- setziingsabschnitt den Befehl erlassen hat. bis zum 1. April kommenden Lahres von jeder Neuanforderung von Räumlich- teilen abzusehen. Die Rcich-oermögensoerwaltung in Koblenz ist angewiesen worden, auch bei der b r i t i s ch e n und bei- zischen Armee auf den Erlaß eines gleichen Befehls hinzuwirken. Gnaöe von Savopen. Der Abschluß der Voruntersuchung im Prozeß Matteotti. Lugano, 6. Dezember. Im Ausland gilt der Prozeß Matteotti allgemein als der Beweis, daß das politische Leben Italiens sich auf einem andern juristisch-ethischen Breitengrad abspielt, als das der übrigen Kulturvölker. Er ist ein Grund mehr zu jener völligen seelischen Entfremdung, die sich heute italienischem Wesen gegenüber fühlbar macht. Man legt nicht mehr das Maß normaler Zustände an, verzichtet auf den Vergleich mit an- deren Ländern, in denen ähnliches nicht denkbar wäre. Gegen- über diesem Standpunkt muß man immer wieder betonen, daß der Prozeß Matteotti wohl Symbol und Synthese des herrschenden Regimes ist, daß er aber von der Mehrheit der denkenden Menschen in Italien genau als so ungeheuerlich und wesensfremd empfunden wird wie im Ausland. Er gehört zu Italien nur soweit, als der Faschismus zu Italien, als eine bösartige Neubildung zum Organismus gehört. Nachdem es einmal zur Ermordung Matteottis und zum Bekanntwerden des Verbrechens gekommen war, konnte das herrschende Regime nur eine Taktik haben: die Angeklagten zum Schweigen zu bringen. Dafür gab es zwei Mittel: sie zu beseitigen oder sie freizusprechen. Den Vorschlag der Beseiti« gung machte Mussolini sofort in der Kammer:„Gebt mir die Dollmacht zur standrechtlichen Justiz, und sie wird angewandt werden," sagte er wörckich am 12. Juli. Die Freisprechung brauchte längerer Vorbereitung. Sie ist durch ein inniges Zusammenarbeiten von Voruntersuchung und Amnestie zu- stände gekommen. Es ist eine Ironie des Schicksals und ein herber geschichtlicher Hohn für das Haus S a o o y e n, daß der König gerade eine Iubiläumsamnestie erlassen mußte. Diese Amnestie vom 31. Juli hat man dann genau den Erfordernissen der Voruntersuchung angepaßt, hat für die wichtigen Persönlichkeiten des Prozesses genau soviel Amnestie erlassen, als die Voruntersuchung an Schuld anerkennen wollte. Die weniger wichtigen Persönlichkeiten vertraut man dann der Milde der Geschworenen an: Hauptsache ist, daß die, die das Regime kompromittieren können, nicht vor die Assisen kommen. Freilich war auch für D u m i n i abgemacht worden, daß er nicht lange in Untersuchungshaft bleiben sollte, wie seine Mutter erklärt hat. Aber Leute dieses Kalibers, die gewöhnt find, andere für Geld ins ewige Schweigen zu befördern, haben auch für ihr eigenes Schweigen anehmbare Preise. Man hat es dem König nicht zumuten wollen, zu seiner Iubiläumsamnestie gerade Meuchelmörder zu begnadigen und Mandanten von Meuchelmördern. Darum hat man die Sache in folgender Weise gefingert: Die langfristige Vorbereitung der Tat konnte man nicht ableugnen. Ohne Vorbereitung findet auch der Faschismus nicht fünk Verbrecher, die einen Menschen auf der Straße überfallen und verschleppen. Außer- dem waren die Telegramme, durch die die Verbrecher nach Rom berufen wurden, in den Akten, das Mieten des Autos, die Abberufung des Polizisten, der Matteottis Wohnung be- wachte— das und zahllose andere Tatsachen ließen die Vor- bereitung der Tat handgreiflich zutage treten. Man konnte die Sache beim besten Willen nicht so darstellen, als wäre Matteotti aus Provokation den fünf Faschisten ins Auto ge- fprungcn. So erkennt das Urteil der Voruntersuchung die lange Vorbereitung an, erkennt den politischen Zweck an, aber stellt die Sache so dar, als bezöge sich all das nur auf eine Freiheitsberaubung, die man gegen den sockalisti- schen Abgeordneten geplant hatte. Die Absicht des Presse- chefs der Ministerpräsidenlschaft R o s s i, des Verwalters und Kassierers der faschistischen Partei M a r i n e l l i, des Chef- redaktenrs eines Faschistenblattes, F i l i p v e l l i, soll die ge- wesen sein, Matteotti einen Streich zu spielen. Bei aller Furchtbarkeit des Verlustes müssen wir noch dem Schicksal dankbar sein, daß wenigstens dies nicht geglückt ist, daß Matteotti nicht lebend in der Gewalt dieser Schufte blieb, daß sie ihn schnell töten mußten,«m ihren„Scherz" dann nur mit der Leiche zu treiben. Die Voruntersuchung ist zu der Ucber- zeugung gekommen, daß man Matteotti nur übel mitspielen, ihm aber keinen ernsten Schaden zufügen wollte. Darum hatte man Berufsmörder gewählt und hatte sie gut bewaffnet, welche beiden Elemente im Verein den drei Mandanten Ge- währ boten, daß sich alles im Rahmen des Scherzes halten würde. Für diesen Plan hat nun der König seine Amnestie er- lassen.„Zweimal gesegnet" nennt Schakespeare die Gnade: „sie segnet den, der gibt, den der empfängt": als zweimal verflucht empfindet diese Gnade das sittliche Bewußtsein der ganzen Mitwelt. Und so scheiden Rossi, Marinelli und Filippelli aus dem Prozeß aus. und nehmen all das mit, was Vorbereitung war. Es wird amnestiert, auch für die fünf Ausführer des Verbrechens. Wahrscheinlich wird man von all dieser Vorbereitung beim Prv'eß überhaupt nicht reden können. Durch dieses Kunststück, den Prv'eß in zwei Ele- mente aufzuspalten, deren eines alles enlhält, was Vorbe- reitung, Absicht, polnische Rache ist. und dies zu amnestieren, ■ Heilte, Dienstag, abends Oeffentlidie Kundgebung in Redner: Alwin Sänger-München und Phl Heute, Dienstag, abends 7 Uhr der Neuen Welt g Philipp Scheidemann fnmmt vor die Geschworene« nur die Schlußepisode: der Todeskampf. Das den Geschworenen Roms zu unterbreitende Geschehnis setzt erst in dem Moment ein, in dem die Herren Dumini und Genossen den Plan der Freiheitsberaubung in den der Tötung verwandelten. Alles Vorhergehende ist am- nestiert. Im Grunde ließe sich sehr gut die— These der R o t w eh r konstruieren. Daß man Matteotti gepackt, über- wältigt, ins Alllo gehoben hat, war kein Verbrechen, denn die Amnestie— im Gegensatz zum Strafnachlaß, der nur die Folgen des Verbrechens auslöscht— hebt den verbrecherischen Charakter der Tat auf. Wenn dann Matteotti ein so unbot- mäßiger Fahrtgenosse war, Fußtritte gab. um sich schlug, so kann diese von ihrer Vorgeschichte isolierte Haltung sehr gut als Angriff auf die Mitfahrer gelten oder doch zum mindesten als schwere Provokation. Der Prozeß schrumpft also zur Verhandlung über eine beliebige Rauferei zusammen. Was darüber hinaus war, hat das Haus Saooyen auf Grund seiner königlichen Prärogative mit semer Gnade zugedeckt. Die standrechtliche Justiz, die Mussolini vergebens von der Kammer gefordert hat, ist so durch eine Art standrechtlicher Gnade ersetzt worden, die nicht vergebens gefordert wurde. Der Erfolg ist— Schweigen. 2lm 2. Dezember hat F a r i n a c c i den begnadigten Marinelli zum verwaltenden Inspektor der faschistischen Partei ernannt: bis zum 1. Dezember war der Herr so krank, daß er nicht haftfähig war, sondern in einer Privatklinik gepflegt wurde. Zum Inspizieren reichen jetzt die Kräfte. Tüchtig als Verwalter ist Marinelli zweifellos, wenn ihm der Anschlag auf Matteotti 800 000 Lire aus der Parteikasse wert war. Wir erwarten nun, daß R o s s i wieder seine Stellung als rechte Hand Mussolinis bekomme und F i l i p p e l l i die Leitung des vom Antifaschismus erlösten„Corriere della Sera" übernehme. die ertappten Lügner. Schweigen der Rechtspresse. Dem Versuch der Rechtspresse, die Tatsache abzuleugnen, daß Hindenburg sich für die Große Koalition eingesetzt hat, ist noch gestern abend durch eine Wolff-Mitteilung ein jähes Fiasko bereitet worden. Darob große Betretenheit in den deutschnationalen Morgenblättern. Selbst die„Deutsche Z e i t u n g" hat sich entschlossen, gar nichts mehr zu sagen: „Bestimmte Grund« lassen es im gegenwärtigen— ja erst den Anfang bedeutenden— Stadium der Verhandlungen über die Re- gierungsneubildung nicht zweckmäßig erscheinen, zu der WTB.-Dar- slellung über d'e Ausforderung Hindenburgs an die Parteien der Großen Koalition politisch Stellung zu nehmen.' Rur der„T a g" des Herrn Hugenberg kann das Fälschen nicht lassen. Die klare, unzweideutige Formulierung der Wolff-Meldung: „Der Herr Reichspräsident gab den Frattionsoertretern gegenüber seiner Aufiassung dahin Ausdruck, daß er angesichts der wirt- schaftlichcn Schwierigkeiten dieses Winters die Bildung der so- genannten Großen Koalition für wünschenswert erachte» sofern sich hierfür eine gemeinsames Arbeitsprogramm erreichen ließe' wird im„Tag" durch redaktionelles Referat unklar gemacht: „Der Reichspräsident hat In diesen Verhandlungen darauf hm- aewisfsn. daß die Bildung einer Regierung auf möglichst breiter Basis erfolgen müsse, well nach Möglichkeit in den kommenden Mo- noten Regierungskrisen venneden werden müßten. Wenn für diese breite Basis nur eine Gemeinschaft von der Deutschen Volks- Partei bis zu den Sozialdemokraten, alia die sogenannte„Große Koalition' in Betracht komme, müsse auch dieser Weg zu- nach st versucht werden' Der Leser des„Tag" soll herauslesen: Hindenburg will die Große Koalition eigentlich nicht. Die Augen sollen ihm fest verbunden werden, damit er nicht sieht, was aus dem„Retter" geworden ist. tvarum 2 Milkonett? Verlegenheit der KPD. Die KPD. hat in ihrer bekannten Manier die Sozialdemokratie zu„entlarven' oersucht, indem sie mit großem Lärm eine Volks- abstimmung über die entschädigungslofe Enteignung der Fürsten verlangt. Sie Übernahm-das Kommando. Sozialdemokratie, Gc- werk Ichasten und Reichsbanner hatten weiter nicht zu fragen, sondern nur hinterdrein zu marschieren. Wir erlaubten uns dagegen die Frage auszuwerfen, wer dag Unternehmen bezahlen soll und forderten die KPD. auf, zunächst einmal an sicherer Stelle zwei Millionen Goldmark zu hinterlegen, bevor weitergeredet wird. Herr S t o e ck e r hat sich daraufhin im Reichsamt des Innern nach den Kosten eines Volksentscheids erkundigt und sich die Ant- wort geholt, daß die Kosten vom Reich getragen würden. Nur etwa 20 000 M. für Druck und Versand von Cinzeichnungslisten usw. seien aufzubringen. Die„Rote Fahne' d nickt diesen Bescheid ab und bemerkt dazu mst niedlicher Naivität:„Die Frage der Kosten sst nun erledigt.' Das ist ein kleiner— gewollter oder ungewollter—. Irrtum. Das Reich trägt nämlich nur die Vermalt ungs kosten des Volksbegehrens. die Agitotions kosten aber. tragen diejenigen, die ihren Vorschlag an das Volk bringen. Darum haben wir von der KPD. die Hinterlegung von 2 Mll- Ronen Mark verlangt. Was davon übrig bleibt, soll st« ehrlich zurückbekommen. Wie es scheint, stellt sie sich aber ein« gemeinsame Altion so vor. daß sie die guten Ratschläge dazu gibt, während die anderen das Geld zu geben haben und außerdem auch die Prügel bekommen. wenn die Sache schief geht. Der Morö im tzofbräukeller. Tie Heldentaten des Freikorps Lätzvw. Vor dem Schwurgericht München wird zu Beginn des kam- menden Jahres ein Prozeß stattfinden, der Vorfälle aus der Zeit der Räteherrschaft zum Gegenstand hat. An der„Befreiung' Münchens in den ersten Maitagen des Jahres lOlO war seinerzeit auch das Freikorps Lützow beteiligt. Auf seinem Anmarsch nach München war dem Freikorps Mit- teilung vom Ausbruch der Unruhen in der Ortschaft Perlach gemacht worden. Es sandte ein Kommando dahin, da» von dem Leutnant der Reserve Polzing v. Teltow geführt wurde, und dem als Feldwebel der Berliner Kaufmann Prüfert beigegeben war. Das Kommando veranlagte am 4. und S. Mat die Ver- Haftung von IS Arbeitern in Perlach, die der Arbester- wehr ihres Betriebes angehörten und Gewehre besaßen, die sie beim Einzug der Rogierungstruppen freiwillig abliefer- t e n. Zwölf von diesen Arbeitern, die verhaftet worden waren. wurden tags daraus in München im Hofbräukeller von einer Abteilung Schützen des Freikorps Lützow erschossen. Di« Erschießung lestete Feldwebel Prüfert. Leutnont Polzing soll sie angeordnet haben. Polzing und Prüfert wurden später Ulster der Anklag« des zwölffachen Mordes verhaftet, da die Erschießung der Arbester nur auf Grund des Vorhandenseins eines standrechtlichen Urteils hätte erfolgen dürfen. Nach der Anklageschrift hätten die verhafteten Arbester an die bayerische Milstärbehörd« zur Aburteilung überwiesen werden müssen. Zur Verhandlung sind etwa 70 Zeugen vorgeladen._ Ein ungeeigneter Seelsorger. Der abgeschüttelte Mäuchmeher. In der„D e u t s ch e n T a g e s z e i t u n g" lesen wir unter dieser Ueberschrift folgendes: In Linksbläftsrn werden Briefe über einen Verkehr des Bar- tumer Pastors Münchmeyer mst einer erkrankten jungen Dame verösfeistlicht, die einen mehr als widerwärtigen Eindruck machen. Uns ist bereit» vor einiger Zeit von gut völkisch gesinnter Seite umfangreiches Material mitgeteilt worden. das die Eignung des Herrn Münchmeyer zum Seelsorger, namentlich aber in einem Badeort, in dem doch der Fried« zwischen den verschiedenen christlichen Bekenntnissen ganz besonders vor Störungen bewahrt bleiben sollte, mehr als zweif.lhaft erscheinen sieh. Wir haben geglaubt, uns mit der Angstegenheit nicht beschäftigen zu sollen, da die notwendige Rerncdur vor allem Sache der kirchlichen Behörden war, die kürzlich auch eingegriffen haben. Nach VerZffsnt- lichung dieses uns bisher imhekannten Vriefwechsels können wir uns wohl mit der Bemerkung begnügen, daß dieses Eingreifen reich- l i ch spät erfolgt istl Vor Tisch las man es leider anders. Da war der Herr Pastor zusammen mit dem völkischen Reichstagz- abgeordneten Henning der deutsche Held, der Borkums helligen Strand von Juden rein hielt. Jetzt ist diese teutsche Säule geborsten. Es wird nicht der letzte Fall sein, daß diese Herrschaften als das dastehen, was sie sind: Pharisäer und Otterngezücht. Loucheurs Sonierunasprogramm. Zuschläge zu den Steueru. Paris, 8 Dezember.(Eigener Drahtbericht.) Das Programm zur Sanierung der Finanzen, das Loucheur am Montag dem Kabinetrsrat unterbreitet hat, segt sich nicht, wie ursprünglich gemeldet, aus drei, sondern aus nicht weniger als 7 Gesepes- vorlagen zusammen, von denen die beiden ersten bereits am Mittwoch, die anderen im Laufe der beiden nächsten Wochen>m Plenum eingebracht werden sollen. Die erste der Vorlage sieht die Einführung neuer Steuer- zuschlüge mit einem finanziellen Ergebnis von rund 8 Milliarden vor. Dieses wird allerdings erst im Jahre 1027 voll erreicht werden, da für das nächste Jahr mst Rücksicht aus die in der ver- gangenen Woche bewilligte Mehreinnahme von 3 Milliarden gewisse Erleichterungen vorgesehen find.„, Von diesen 8 Milliarden sollen 2,5 Milliarden aus der Erhöhung der indirekten. 5,5 Milliarden aus den Zuschlägen auf dm di r« t t e n Steuern gewonnen werden. So wird u. a. vorgeschlagen eine Erhöhung der Einnahmen aus dem Tabakmonopol um 500 Millionen, die Hinaufsetzung der P o st- und Telegraphen- t a r i f e um 50 Proz., die Erhöhung der Abgabe auf A l t o h o l. Benzin usw. Unter den Zuschlägen auf die direkten Steuern steht an erster Stelle die bereits im Painleveschen Projekt Dorrefeheue Erhöhung der verschiedenen Steuern aus das Einkommen. Die Zu- schlage sind nicht so hoch wie im Painleveschen Projekt, sollen daivr aber, nicht wie dort vorgesehen, auf 14, sondern auf die Dauer von 30 Jahren erhoben werden. Weiterhin ist vorgeschen etne Verdoppelung der Besteuerung des landwirtschaftlichen Betriebsgewinns, sowie eine progressive Ab gäbe von Kapital beim Lesitzübergang aus dem Wege der Erbschaft. Die Besprechung zwischen Trendelentmrg und Daniel Bincent vertagt. Wie Havas berichtet, wird die zwischen Stcatssekretär Dr. Trendelenburg und dem Hcmdelsminister Daniel Vincent für Dienstag vorgesehene Besprechung nicht stattfinden. Sie ist ver- schoben worden, dürste jedoch noch im Laufe dieser Woche zustande« kommen. Zusammentritt der Reparattonstommisflon. Am Sonnabend nimmt die Reparationskommtssion Kenntnis von dem eingehenden Bericht, den der Generalagent für die Reparationszahlungen. Sir Parker Gilbert, über die Durchführung des Dawesplanes während des ersten Jahres seiner Tätigkeit unterbreitet. Zu gleicher Z-st werden die Berichte des Treuhänders für die Industneobltgatimien und der drei Kommissare für die Eisenbahngesellschast. die Reichsbank und die überfälligen Einkünfte geprüft. In den 400 wiener wlekerfchutzversammlungen der Sozial- demokralie. die ohne Zwischenfälle verlausen sind, kam eine gleichlautende Entschließung zur Annahme, in der der einmütige Wille zum Ausdruck gebracht wird, die Regierungsvorlage auf dasschärsste und mst allen Mitteln zu bekämpfen. Bürgermeister Seitz bezeichnete die Regierungsvorlage auch für ein Kompromiß als völlig ungeeignet. Sollte die Regierungsmehrheit ihren Standpunkt nicht aufgeben, dann gäbe es nur die Befragung des Belkes durch Reu- wählen oder die Volksabstimmung. Die erste Tagung de» Somitee« der internationalen Ans- wandernngskonserenz wurde in Rom eröffnet. Es sind Vertreter von 45 Staaten anwesend. Irrenhaus. Das klirrt und trommelt tags im Takt. Nur werden's kein« Lieder, Das tanzt im Hemd und tänzelt nackt. Und wen beherzt der Wärter packt, Der legt sich ängstlich nieder. Der Krieg marschiert im Saal hemm Mst leichenweißen Beinen. Dies schloß man krumm, da» schloß man krumm. Die Wärter gähnen trag und stumm, Und Kinderaugen weinen. Die Greise wackeln mst dem Kops. Der Tod läuft gar nicht munter. Und eilst du nicht, du fauler Tropf, Erwischst du noch den leeren Schopf, Statt eines Rarten drunter! Das rast jahrein, da» rennt jahraus, Die Stunden schleifen Wochen, Doch ward noch nie im Irrenhaus— Sonst war' wohl längst das Elend aus— E i n freundlich' Wort gesprochen. Franz Rothenfelde r. Kleine Sklavin.' Einen Theaterskandal hätte es gestern bei- nahe im Trianontheater gegeben. Es wurde D i e g e n- f ch m i d t s Tragikomödie„Kleine Sklavin' zum erstenmal aufaefübrt, ein Drama, das die Leiden eines kleinen, in ein Bordell verschacherten Mädchen» behandelt. Während de» dritten Aktes machte sich im Zuschauerraum erhebliche Unruhe bemerlbar, und einige Parkettbesucher verließen ostentativ den Saal. Dietzenschmidt hat sein Drama vor noch nicht zehn Jahren geschrieben. Es lomnu uns aber heute schon erheblich antiquiert vor. Man denkt an die htchncsturalifttschen Versuche Gerhart Hauptmauns und an noch frühere Erzeugnisse der dramatischen Kunst, die in einer möglichst realistischen Milieuschilderung ihre Zuhörer zu fesseln suchen. Die „.Kleine Sklavin" malt in grellen Farben, wie bittere Rot eine Mutter und die engen Verhält, lisss-hrer Wohngelegenheit die Kinder st, sstt- liche Gefahren bringen, wie da» Angebot einer Kupplerin, die ein« ToTtev in einem„Ease" unterzubringen, verlockend erscheint und wie dann für da» arm« Mädchen kein Ausweg au» der einmal ein- geschlagenen Bahn übrig bleibt. Der Dichter hat den ausgesprochenen Wille-.,, die peinlichen Vorgänge deutlich zu machen, weil er im Zu- scha jer da:-. Ekel aussteigen lassen will. Der Ekel soll hellen und au» Ents tzen soll der Wille zum Derbessern aufkeimen. Unter Hein z Goldbergs Regie wurde recht tapfer gespielt. Die ssouvtrolle log in den Händen von Erika M e i ng a sl, deren zarte» Figurchen und natürliche Herbheil dcs Wesens für sie außer- ordmllich gut paßte. In der Szene, tn der dem halben Kind die Er- kenntniz ßinex schrecklichen Lage aufdämmerte, übertraf sich dt« Künstlerin sckbst. Di« Ausbrüche der Berzweiflung, di« völlige Hilf- losiakell kamen ihr aus tiefstem Herzen. Sie hatte sich in ihre Rolle völlig eingelebt, und man merkte ihr die eigene seelische Erschütterung an, die sich auf die Zuschauer Übertrug. Die Kupplerin spielte Olga L i m b u r g in der Maske einer hllssberesten Dome. Die Angefault. hell ihrer Petsönlichkeil, die Herzlosigkeit ihres Wesens wuchsen fast unsichtbar au» ihrem Spiel. Günther Hadank dagegen glaubte seine Rolle noch deutlicher gestalten zu müssen, als sie ihm vom Autor vorgeschrieben war. Dadurch kam eine Ueberspitzung seiner Ve- wegungen zustande, die nichts Natürliches mehr an sich hatte. Durch seine maßlosen Uebertreibunaen brachte et sich um die Wirkung einer an sich dankbaten Rolle. Frieda Lehndorfs und Frieda Richards konnten dem Spiel wieder ihre schauspiele. rifche Routine leihen Dgr. vi« Kirchenkonzerte der Arbeitergesangvereine haben in letzter Zeit erheblich an Zahl zugenommen. Ob das Bedürfnis vorliegt. Kirchenmusik edlen und großen Stils an dem Ort« aufzuführen, wo jo mancherlei Nebenbei des Konzertsaale» schwindet, oder ob die Kirchen- konzerte rein praktischen, verwaltungstechnischen Erwägungen ent- springen, läßt sich nicht ermessen. Auch di«„Berliner Lieder- freunde' hatten— vereinigt mst dem„Erckschen Jugend- ch o r', den Weg in die Garnisontirche gefunden. Sie sangen hier, getrennt und vereinigt, weihnachtliche Komposstionen im Männerchor. Kinderchor und im gemischten Chor. Dabei konnten beide Vereine ihre schöne und gesunde Art zu fingen, zu atmen und zu sprechen, beweisen. Sie sind da�u von Alfred Göpel vor- züglich geführt worden. Er erzieht seine Chöre zu Tonkorpern. denen ein runder, nirgends soreierter Gesamtklanq«igen ist. Er muh aber demnach-» und da» Ist die Kehrseite der Medaille— aus ein Aeußerstes an ausdrückendem und packendem Wollen verzichten. Die Verein« haben beide ein« schlicht volkstümliche Art des Singens. Im Mannerchor insbesondere gab es Beweise emer höher entwickelten Wem- und Sprechtechnik. Willy Jäger assistiert« geschickt»nd mit Erfolg an der Orgel. S G. Zum Tode der Zurjewskaja. Die Sängerin Iursewskaja, deren Plötz- lichen Tod wir heute früh meldeten, soll nicht einem Unfall zum Opfer gefallen sein, sondern S« l b st m o r d begangen haben. Äi« hatte von der Intendanz der Stoatsoper einen zehntägigen Urlaub er- beten, um ihre kranke Mutter m Dorpat zu besuchen, war aber nicht nach Dorpat, sondern nach Zürich und von dort nach Ander« matt gereist, wo sie sich bald nach ihrer Ankunft zur Teufelsbruck« begab, von der sie nicht mehr zurückkehrt«. An der Stelle, wo sie zuletzt gesehen wurde,«and man ein Rasiermesser und ein Mar- phiumstäschchen. Die Gründe für ihre Tat sind noch nicht bekannt. wieder Znlernationale Kunstausstellungen in München. Die früher in jedem vierten Jahre stattfindenden Internationalen Kunst- ausstellungen im Münchener Glospalost sollen nun wieder auf- genommen werden, wenn auch aus wirtschaftlichen Gründen zunächst noch in kleinerem llnsange. Di« Vorbereitungen.zu den Ver- I anstallunge» werden schon jetzt getrossen. Die drei führenden > Künstlerverbände- Münchener Künstlergenossenschast, Verein bil- d endet Künstler Münchens, Sezession und Neue Sezession habe kürzlich unter Borsitz des Kunstreferenten im bayerischen Kultus- rntnisterttun. Ministerialdirektor Hendschel. den einstimmigen Beschluß gefaßt. Im kommenden Jahre soll dl« JL Allgemein« Kunst- ausstellung München 1026' stattfinden, und ausländische bildende Künstler aller Richtungen werden persönlich eingeladen werden, sich mst Werten Ihrer Hand zu beteiligen. Durch die Unterstützung des bayerischen Staates und voraiissichtlich auch der Stadlgemeinde München kann dos Unternehmen als fmanziell gesichert angesehen werden. Musikunterricht an ZNlltesschulen. Der preußische Minister für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung gibt soeben die durch Erlaß vom Juni d. I. in Aussicht gestellten neuen Bestimmungen über den Mnsikunterricht an Mittellchnlrn bekannt. Als Ziel des Musikunterrichts wird bezeichnet, die musikalischen Kräst« der Schüler zu entwickeln. Aus der naiven Freude an der Musik soll die Befähigung und der freudige Wille zu bewußter musikalischer Betätigung erwachsen. Darüber hinaus sollen die Schuler auch besähigt werden, die Bedeutung der Musik für den einzelnen wie für die Gesamtheit, insbesondere auch für das kulturelle Leben unseres Volkes zu würdigen. Durch Erfüllung dieser Aufgaben wird der Musikunterricht wesentlich zur Heranbildung harmonischer Persönlichkeiten beitragen, in denen neben den Wissen schassende« und sittlichen auch die künstlerischen Kräfte lebendig sind. Der wandernde Berg. An dem östlich von Bellinzona gelegenen Monte Arbino werden sest einiger Zeit Veränderungen beobachtet, und zwar in der Weise, daß der Gipfel sich in nordöstlicher Richtung um 1,72 Meter fortbewegt hat. während er sich zugleich um 2,35 Meter senkte. Dos Phänomen, das eine Bergmasse von über 1 Kilometer in der Länge betrifft, vollzieht sich mit ungewöhnllcher Schnelligkeit, die sich in der legten Zeft noch verstärkt hat. Die horizontale Verschiebung im Lause eines Jahres betrug'20 Zcntt- meter, die oertikale 12. Zentimeter. Die gegen das Tal von A-bedo gerichtete Bewegung hat große Risse hervorgerufen, die den Nord- hang einige hundert Meter unterhalb des Gipfel» quer durch- schneiden._ .Gymnastik nnd lanj*. lln'ct diesem Tllel veransta'iet Dorothea KnoSve am l0.. aberids 8 Udr. in den SirMersettet �elt täten, Zeälen- bmrser Straße 5, eine austlöiende Bonührung ihrer Schule|ür gcjuudheä- liche und tänzerisch«»ymnastil. Set Männerchar hm« nie. Ehorlollevk'nra. gikl am 13.. abd«. 8 Ubr, im großen Sonjerl'aal der Hochschule für Musik ein Konzert .Männerchöre alt»r Meister'. Karten zu IM. noch an der Abendkasse zu haben. Baal Elsrae« stellt vom 7. Dezember diS zum 15. Januar tn der tbuch- und Kunsthandlung ßerduiand Lstetlag. iUeiistr. 20, Gemälde und Graphik au». Kelch» lag,«mpsant de» Verein» Snünn Stesse. Der allj�rl-che Emplang der Neichkreglcriing durch den Üseiem Tir lmei Presse nerbu den mst NttchStagskonzert. findet am nächsten Tonnlag, nachm st Uhr, im Reichstag«all. ReichSautzemn.nistcr Dr. Stresemaun wird bei dem ltmvjang tprechen. .Sie drei fo-g« asjei-or. nämlich Elie Eckersbarg, st»> l d e I ui Sendow und ft u r 1 3 o i» oeraisjlalien am 11., abends ll«/4 Ubr. ut der Komödie zum erstenmal eine onentltche Rachtprode von Marie»adeleine» erotischem Mhsterinm.Di« drei Rächtr- te nölllg neoec Beartelämg von Sühel» Sendnw. SswjetruKlanö für Abrüstung. Llber der Völkerbund«och immer ei« kapitalistisches Gespeust. Nloekau. 8. Dezember. iMeldnng der Telegravhenagentur der Sowjetunion.) Auf der Parteilonferenz des Gouvernen»ents Dcos- kau erstattete der Vorsitzende des Rates der VoUskommisiare Rykow namens des Zentralkomitees der russischen Kommunistischen Partei einen ausführlichen Bericht über die Wirtschaftslage Europas. An Hand eines umfangreichen Zahlenmaterials über die wirtschaftlichen Schwierigkeiten Englands, Frankreichs, Deutschlands und Polens bezeichnete er die Stabilisierung der kapitalistischen Wirtschaft als nur vorübergehend. Rykow hob die beherrschende Stellung Amerikas in Weltpolitik und Weltwirtschaft hervor. Amerika mische sich zwar formell in europäische Angelegenheiten nicht ein, mache jedoch aus dem Wege wirtschaftlicher Durchdringung eine Reihe europäischer Länder ebenso abhängig, wie es die Türkei in der Vorkriegszeit Europa gegenüber gewesen sei. Nach Locaruo gebe es nur zwei in ihrer Außenpolitik tatfäch- lich unabhängige Regierungen: die englisch« und die sowjetrufsische. Alle anderen hingen mehr od« weniger von dem englisch-amerikanischen Block ab. Rykow bezeichnete es als unwahrscheinlich, daß die ausländischen Regierungen und Zeitungen, welche Rußland zum Eintritt luden Völkerbund auf- fordern, innerlich einen solchen Eintritt für möglich hallen. Der wahre Sinn dieser Einladungen an Rußland sei, die Sowjetunion als angeblichen Friedensstörer hinzustellen. Rykow fuhr fort: .Wir nehmen den Kamps um den Nachweis der Tatfache auf, daß der Völkerbund eine Waffe nicht des Friedens, sondern des Krieges, nicht der Befreiung, sondern der Unterdrückung schwächerer Völker ist, und wir werden diesen prinzipiellen Kampf durchführen. Das ausländische Blatt, welches meinte, d« Eintritt Rußlands in den Völkerbund bedeute feine politisch« Kapitulation im Osten und seine wirtschaftliche Kapttulation im Westen, hat Recht. Der Osten würde uns als Verräter betrachten, wenn wir in den Reihen des Völkerbundes an den Beziehungen der Rattonen teilnehmen würden. Darauf werden wir niemals eingehen. Wir werden wie bisher die Entwicklung der nationalen Frei- heitsbewegung unterdrückter Volk« begrüßen. Bei unserm Eintritt in den Völkerbund wäre die wirtschaftliche Kapitulation im Westen unvermeidlich, da Rußland durch die Le- schlösse einer bürgerlichen Mehrheit in Wirtschaftsfragen gebunden wäre. Darauf wird sich Ruhland niemals einlassen." Rykow hob die führende Roll« Englands bei der Umgruppierung der Mächte hervor, welche durch die Locarnoverträge vollzogen wurde und deren Spitzen unzweideutig gegen die Sowjetunion gerichtet sei. Dann betonte er den unveränderlich friedfertigen Eharak' t« r der Sowjetpolitik und erinnerte daran, daß die Sowjetrepublik als erste in Genua die Abrüstung vorschlug. Rußlaud wird im Falle einer allgemeine« Abrüstung sofort damit einverstanden sein, feine Armee aufzulösen und seiae gesamte kriegeindastrie zu vernichten. Rußland unterstützt jede Initiativ« zu werklicher Abrüstung und wird mit ollem Nachdruck für die Einschränkung der Rüstungen eintrete» Das Anpacken öes flbrüftungsproblems. Meittungsverschicdeuheite« über daS Borgehe«. Gens. 8. Dezember.(MTB.) Die Mitteilung, die dos General- fckretariat heute nachmittag üb« den Abschluß der. Arbeiten des R a t s k o m itt e e s sür Mrüsrungsfragen herausgegeben hat, hinterließ in Pressekreisen allgemein den Eindruck, daß zwischen der fran- zösischen und der englischen Auffassung wesentliche Met- nungsverschiedenheiten üb« die Vorarbeiten zur Ab- rüstunzskonferenz bestehen blciben. Paul Boncour und Lord Robert Eecil empfingen gestern abend die Presse, um diesen Meinungsverschiedenheiten entgegenzutreten. Paul Bvncour ieille mit, daß man dem Völkerbundsrat 10 Punkt« als Arbeitsprogramm des vorbereitenden Ausschusses unterbretten will. Ueber 8 Punkte sei man sich einig geworden, während über zwei Fragen, nämlich über den Zusammenhang zwischen Ab- rüstung und Sicherheit und üb« die größere od« gering«« Fähigkeit d« einzelnen Staaten zur wirtschosllichen und industrilck» len Mobilisation noch keine Emigkest«zielt worden sei. Paul Loncour betonte dabei den bekannten französischen Standpunkt, daß ohne Sicherheit die allgemeine Abrüstung nicht durch- geführt werden könnte. Es müsse in Rechnung gezogen werden, daß die Einschränkung der Fähigkeit zu rascher in- dustriell« und wirtschaftlich« Mobilisation ebenso wichtig sei wie die effektive Abrüstung durch Einschränkung des Kriegs- Materials, der Truppenbestände usw. Die Leistungsfähigkeit für rinc Mobilisation hänge wenig« von d« Zahl der Truppen in den Kasernen ab, als von dem gesamten industriellen Apparat, über den die einzelnen Länder verfügen. Die Unter- stchung d« Möglichkeit zu industrieller Mobilisation sei insbesondere auch notwendig zur Feststellung des Ausmaßes der Unter- st ü tz u n g. zu der die einzelnen Staaten auf Grund des Arttkels 16 dcs Völkerbundsstatuts herangezogen werden könnten. Frankreich wollte jedoch kette Untersuchung zur Herabsetzung des industriellen und wirtschojttichen Apparats, wie Lord Robert Eecil. sondern es wolle, daß an dem Tage, an dem die Abrüstung nicht mehr einseitig sein soll, da» Ausmaß der Hilfe der einzelnen Länd« fest» gestellt fei, durch das die Ungleichheit in der Fähigkeit zu in- dustriell« Mobilisation wieder ausgeglichen werden könne. In dem Ausgleich dieser V«schiedenheiten liege nach sranzöstscher Auffassung d« Kernpunkt des ganzen Problems. Im übrigen wäre es eine selbstverständlich« Folge der Abrüstungskonf««nz, daß ein dauern- der Äontrollapparat geschaffen werde, dem alle Länd« unrerworfen würden und dessen Untersuchungen sich auch aus die Fähigkeit zu industtiell« Mobilisation beziehen müßten. *T»I«. Auf Krund de««ufwertunasaeseAr, kommt eine fiiihere«ut- wertuna nicht in isroqe. Im iidraen muti die Rloatetbebun« abqewarfet werden.— t». Die»eschastofielle de« Mieterdunde» defiindet fich Nöthener Str. 17.—«.». SS. P>S»um 81. Meie» 192«.—«. v. Stimmen Sie in unsere Juristische Srrechsiunde. Die Beantmariuna Ihrer Iraae im Briekkafien ist weeen Simnnnronoel» nicht Mödlich.— C. X. Set Iiuiehin* t»n Ieuqen dedarf es nicht.— fi.®. 2S. 1. Riebt bekannt. 2. Ja..1. S. t 5,# Mk. 4. Mafigebend ist der Seirtmirft der«instelluna de, betreffenden Arbeiter».— B. 48. l. Unterricht in der Sinheilskurulchrift erteilen bandet»- und Iortbildunasschulen sowie Sienoaravbenoereine. iftoatn Sie beim Be» -iek-fchuleml fRaibau»)»n. Mir Sie dürfte aber nur eine Prinatbandels» schule oder ein Derein in Irnae kommen. 2. Sie Rarkanleihen de» Reich» werden in«ine neue Anleihe iAnlribenblötuna-schuldl umgetauscht. In Ihre» Salle besteht noch keine Anmeldepflicht. »erantw örtlich für Politik:«rafi«enter:«irtschaft:«rtnr«»••««». j Sewerkschoflsbewcauna: 3. Steiner. Feuilletou:*. t- DiW«: Lokale, und Sonflioe»: gel» Itoeftüdt! Aiueigen: Th.»locke: fümllich in Perlin. Pftlo«: BorwSrt,.BeeI»a» m. b. ch.. Berlin. Druck:«orwärts-Buchdruckerel und verlaosaniklil» Paul Sinter u Co. Berlin SV«8 Lii>den«tra»e» (Xi-Zn6iei,� Pasüllen•(luellsalz »»gen Kftterrhe. Grippe, Sodbrennen u," — Emsolilh. das Beste für die ZUme. J Ha.pinlederlaße für Emser Krä�c en ißr Berlin und B andenburg: Brunnenrert. lebBaktlcngcscIlsctiaft vor mals Dr M Lehmann u. F Heyl � Co, B rlin SW- Yorckstr. 59 Tel.: H senheide 3536— 3«. Merkur 526—64. � 4.-40. Sdiciufcrstcr Preise beachten V/ v-., i.'oKassa-Rabatt bleictrisclx W-f. mod. Beleuchtung O. Wtrr&c/t ertser S/r 4/�92 gegenüber ffocAbaAn. neben Sfad/babn. Zum WeiSmachlsfest liefere ich al» Selbnthernteller Oes. geschüttt IHMachtateftM* Trauringe zu kllllgslen Prclssn 'n den gediegensten Ausführungen •" StS�dl? c�. 30-0 St. auf Lager: """»»««iMLLSSiZ PieiSlib't VassMiH VissM'iüiiB VasscheiikMciilibt Wanöifflk'ltililoB Vssdnl'iitkM «n Kktik' U klil «■Khaf chkM Wir sdienkcn... heißt der Weihnachtskataiof des Verlages J.H.W. 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