Nr. SS4 ♦»2. �adry. Ausjode& Nr. 295 BezsgSvrcr«: «lAextlitb 7« Pfennig mattem üfttbcmac! somit tablkos. Untei Kttuibaob für Scufibianb, Dantia. Saar»«st 3RmclacbU� tltÜtireUt, Sitauts. guumbutt 4�0 Heilt smart, für bot ftbtiflt Vutlcnb 5J0 Reichsmart pro Monat. Der.SormStlt* mit bei Sonstaa» b«IIa«.Boll nnb Keirt mit.Sieb» hin» iiil» ftlctnaarte«* somit bti Beilaat.Unttibaltun« unb BiiTetr* nsb Srautnbeila«.�r-nen stimmt' trstbttnl wochtAtlalich»meimal. G'nntagt nnb Moataas ttnmau Ttlepramm.Hbrtsttt .eoiMfeautrat Bttsio' Morgenansgabe Derlinev Volksbleltt (lO P'g'nnig� S!n;r«ge»p?r'se: Kt pf« sp«lt4«« HonrarttO» Seite bb Heilantütilt b,~ A-ichsmart., Cltlnc Äntttat*' bot fellatbtutlie Wart tä ülcnnip fsuläffia troti fetiardruiltt Worte». fett» TDfiict* So« 12 Vfennijt. etertenncfuibt tts tritt Wort 15 Bftnni*. lebet weitere Bort IB Pfennia Worte über Ui Luch. kiaben»ichsen>ür ewei Woria, Arbti'smarti Keile 60 Lfcnnia. Familien!. neeifttn für Üfbonnente# Stile tc Lfcnnia. Bnetlat" iüt die nichüe Rümmer müssen bis 4'> Uh' nochmirtaas im Hauniacschiift, Bc, lin TW W. Linden» ürali» 3, abqex-ben werben. Geöffnet »on SH Uhr trüb bU 9 Übe nachm. Zentralorgan der Sozi aldcmohrati scken parte! Deutfcblanda ReSaktiov and Verlag: ö erlin EW. öS, einüenstraße 3 Fernsprecher: Dönhoff 292-297. Vonvärts-Verlag G.m.d.k., Serlin ZW. b6. Kinüenffr.Z B»ftschtFlt»wi BtrN»»7 93«— BasRtntef»««f»et Arbeitet,«nqeftellte« «Bb Beamte«. Salftr. CS; Biakonto-Geselllchast. Depesilenlosse Ltnbenttt. 9. Die Antwort öer Sozialöemotratie. Ein Arbeitsprogramm— Die Regierungskrise vor der Entscheidung. Die Sozialdemokratische Reichstagsfraktwn faßte am Donnerstagnachmittag folgende Entschließung, die dem Reichs- Präsidenten mit einem Begleitbrief übermittelt wurde: Dle Sozialdemokratische Reichclagsfraktioa macht Ihre endgültig« Entscheidung von der weiteren Klürung der politischen Situation abhängig und ermächtigt ihre Vertreter, durch Ver- Handlungen mit den io Betracht kommenden partein die nöligea Grundlagen sür die Entscheidung der Jraktion zu schassen. Zu diesen verhaadluugea legen wir wert aus die Erörterung folgender Punkte: Ossenes Eintreten sür die Republik, llbwehr aller monarchiskischeu Reslauratioasversuche. Ratisizierung de» inleruatioaolea Abkommen» von Washington.- Verabschiedung eine» Arbeit»zeitg«sehes unter wieder Herstellung de» achtstündigen Rormal- orbeitslage». Schleunige Verabschiedung de» Gesetze» über Erwerb». koseaversicherong. Verbesserung der Erwerbslosen- s ü r s o r g e nach den sozialdemokratischen Anträgen im g. Ausschuß de« Reichstage». hoodelspolilik mit dem Ziel der Förderung de» iudusiriellen Export», Durchführung de» Z Ii» der Reichsversassung: S ch a s s u n g de» eadgülligcn Relch»mirlschast»ral» unter Aus- rechlerhaltung der Parität der Vezirkswirtschasi»räte und paritätischer Verufskammrrn. Verschiebung der Mietenerhöhnag: Erhöhung des Beitrages für gemeinnützigen Wohnungsbau. Keine Senkung der Besitzsteuirn, solange die Umsatzsteuer und die Lohnsteuer im bisherigen Ausmaß bestehen bleiben. lZffealegnng der Steueriiflen zur WIldsrung de» Steuerdruck». Zurückziehung des Relchsschnlgeseheatwnrs». Reichsgesehilche Regelung der Fürstenabslvdnng mit rück- wirkender Kraft. Baldiger Eintritt Veutschländ» In den Bölkerbund. Ueber die persönlichen Garoallea ist nach Einigung über da» sachliche Programm zo verhandeln. Der Reichspräsident hat am letzten Montag die Vertreter der Sozialdemokratischen Reichstagsfraktion zu sich gebeten und hat durch sie die Partei eingeladen, sich an der Bildung einer neuen Regierung auf breiter Grundlage zu beteiligen. Er Hot dabei auf die Röte diesesWinters verwiesen und auf die Rolwendigkeit, ein gemeinsames A r» beitsprogramm zu finden. Ueber die Stellung der Sozialdemokratischen Fraktion zu diesem Dorschlag hat er um einen schriftlichen Bescheid ersucht. Dieser schriftliche Bescheid ist nun gegeben worden. Da er sorgfältig formuliert werden mußte, ist es nicht erstaunlich, daß die Fraktion, die am Mittwoch zusammentrat, erst am Tage darauf zum Beschluß kaTTi. Alles, was über ihre Be- ratungen in gegnerischen Blättern verbreitet wurde, beruht auf freier Erfindung. Die Fraktion befand sich in einer durch- aus eindeutigen Lage: eine klare Frage war an sie gestellt, die eine klare Antwort forderte. Berhandlunaen, die eine weitere Klärugn der positischen Situation herbeiführen, konnte sie nicht ablehnen. Sie hätte sich sonst dem Vorwurf ausgesetzt, eine Möglichkeit, dem arbeitenden Volke zu nützen, von der Hand ge- wiesen zu haben, und hätte den Gegenbeweis nicht erbringen können. Jetzt müssen die Verhandlungen zeigen, ob eine solche Möglichkeit besteht oder nicht. Für die bürgerlichen Parteien der Mitte bringt das Arbeitsprogramm keine Ueberrafchungen. Denn es handelt sich um Forderungen, die von der Sozialdemokratie längst aufgestellt worden waren und die von der Tagesordnung der deutschen Politik nicht verschwinden werden, solange sie nicht erfüllt sind. Die bürgerlichen Parteien haben schon otf Gelegenheit gehabt, sich mit ihnen zu befasien, die Antwort kann also rasch erfolgen. Je nachdem, wie sie ausfällt, wird dann die Sozialdemo- kratische Fraktion ihre endgültige Entscheidung treffen. Es versteht sich von selbst, daß das von der Sozialdemo» kratischen Fraktion aufgestellte Arbeitsprogramm sich auf einige Punkte von entscheidender Bedeutung beschränken mußte, und daß nicht alle berechtigten Wünsche mit auf- genommen werden tonnten, für deren Erfüllung die Partei eintritt. Es handelte sich darum, die Grundlagen für eine rasche Entscheidung zu schaffen und damit die Klarheit, die von allen Schichten des Volkes, ganz besonders auch von den Anhängern der Sozialdemokratischen Partei nach den letzten Wochen der Ungewißheit dringend gefordert wird. 0 TU. meldet: Der Reichspräsident hat Donnerstag abend von den Entschließungen der Parteien in der Frag« der Regierungsbildung Kennwis genommen und wird vormis« sichtlich Freitag den Austrag zur Kabinettsbildung erteilen. Die Haltung der Volkspartei. Die Reichstrigsfraktion der Deutschen voltspartet teilte, wie schon berichtet, über ihre am Donnerstag abgehalten« Fraktion»- sitzung mit:„Nach einem Bericht ihres Vorsitzenden billigt die Reichstagsfraktion der Deutschen Dolkspartei die von ihren Der- Handlungsführern dem Herrn Reichspräsidenten gegenüber ringe» nommene Stellung.* Die„Germania* bemerkt hierzu:„Dunderbar. doch dunkel zwar! Wir wissen zwar jetzt, daß die Haltung de» Herrn Dr. Scholz von der Rrichstagsfrokiion gebilligt worden ist: leider bleibt e» aber im Ungewissen politischen Zwielicht, wie die Deutsch« Dolkspartei über die Große Koalition denkt.* Der Kampf für sie Erwerbslosen. Der Sozialpolitische AuSschust beschließt S0 Prozent Erhöhung und einmalige Geihilfcu. Da die versuche des Reichskanzler», in einer interfraktionellen Besprechung der Parteien zu einer Vereinbarung in der Erwerbs- loienfroge zu kommen, gescheitert waren, trat der E o z l a l p o l i- tische Ausschuß nochmals zusammen. Die Sozialdemo- traten wiederholten in dieser zweiten Lesung ihren Antrag auf Erhöhung der Unterstützungssatz« um 50 proz. Bei der Kurz- a r b e i t e r u n t e r st ü tz u n g tonnt« da» Zentrum nicht umhin. schließlich wenigstens für diejenigen Kurzarbeiter«ine Unterstützung zu beantragen, die mit ihrem Arbeitseinkommen hinter den Unter- sGgungsempföngern der Erwerbslosenjürsorge zurückbleiben. Für den Abend murde deshalb die Fortsetzung der Ausschußsitzung in Aussicht genommen. Zwischen den beiden Ausschußsitzungen erklärte der Reich». k o n z l« r wiederum in einer interfraktionellen Besprechung der Parteien, doh die Beschlüsse des Sozialpolitischen Ausschusses sür die gegenwärtige geschüstsführende Regierung unerträglich seien. Als äußerstes Entgegenkam nien könnten gewährt werden 20 Proz. Erhöhung für die Hauptunterstützungsempfänger, 10 Proz. für die Familienzufchläge und 6 Proz. für die Erhöhung der Spitzenbetrög«. Der Reichskanzler lehnte also fowohl die Kurz- arbeiterunterstützungen wie auch jede einmalige Beihilfe dikta- torisch ob. Die sozialdemokratische Fraktion lehnte es in einer onschlietzenden Sitzung ab, dem Kompromiß des Reiibskcmzlers die Zustimmung zu geben und bestand daraus, daß der Soziaipolktische Ausschuß auf dem ordnungsmäßigen parlamentarischen Wege die porliegendev Anträge zur Entscheidung bringt. Um 7H Uhr trat der Soziolpolltiiche Ausschuß darauf nochmals zusammen. Gegen den willen de, Zentrum» wurde sein eigener Antrag au» erst«« Lesung angenommen, wonach die Unterstützung für die Hauplunierstühnngsempsänger um Z0 proz. gesteigert, die Höchstsätze für die Gesamlbezüge entsprechend erhöhl werden. Weiler wurde ein Antrag auf einmalige Beihilfen angenommen. Die Reichs- regierung soll die Mittel bereitstellen, um den seit sechs Monaten Ausgesteuerten ein« einmalig« Beihilfe von l00 M. zu- z ü g l i ch 2 ö M. für die Familienangehörigen zu gewähren. Ferner sollen die Angestellten, welche die Ärankenoersicherungspflichtgrenze überschritten haben und seit mehr al« sechs Monaten stellungslos sind, t 5 0 M. z u z ü g l i ch 2 5 M. für die Angehörigen erhallen. In einer Entschließung wird die Regierung aufgefordert, die nicht kronkenversicherungspfUchtigen Angestellten In die Erwerbs- losensürsorge mit einzubeziehen. Die Antröge auf Kurz. arbeiterunter st ütznng wurden gegen die Stimmen der Links- Parteien vertagt. Die gestrigen Beschlüsse de« sozialen Ausschusses sollen heute in Haushalhingsmisschuh endgültig entschieden werden Reichstag unü Zürstenabfinüung. Der RechtSauCschuß des Reichstag« beschloß den von den Demokraten eingebrachten Kesctzeutwmf über die Abfindung der ebemaligen Fürstenhäuser auf die Tagesordnung der ersten Sitzung im neuen Jahr« zn setzen. Ein demo- traiischer Antrag, den Gesetzentwurf»och vor Weihnachten zu erledigen, fand keine Mehrheit. flngora gegen Genf. Schiedsspruch unannehmbar. Rom, 10. Dezember.(Eigener vrnhlbericht.) Der Agentur Roma wird aus Aogoro gemeldet: Der Ministerrak unter dem Vorsitz Semal Pascha» hat am Mittwoch bri'lossen. einen Schiedsspruch de» VAHerbonde» ia der Mossulfrage für unannehmbar zu erklären. »Unerfüllbare Zoröerungen'! Die Lage der Reichsfinauze«. von Wilhelm Keil. Im Mittelpunkt des Kampfes um die bessere Fürsorge sür die Erwerbslosen und die Erhöhung der Bezüge der unteren Beamten und Arbeiter der öffentlichen Betriebe, den unsere Fraktion seit Wochen führt, steht die Frage nach dem Stande der Reichsfinanzen. Immer, wenn es sich um soziale Aul- gaben handelt, erhebt die Regierung mit dem Hinweis auf die Finanzlage, die weitere Ausgaben nicht ertrage, ihre warnende Stimme. Man kann der Regierung keinen Vorwurfs machen, daß sie, um das Gleichgewicht der Einnahmen und Ausgaben im Äeichshaushalt besorgt ist. Sie hat die Pflicht, einer Dcfizitwirtschaft vorzubeugen. Andere Mittel, als die laufen- den Ausgaben durch laufende Steuereinnahmen zu decken, stehen ihr zu diesem Zweck nicht zur Verfügung. Anleihen. deren Aufnahme für die Zwecke der laufenden Verwaltung auch ganz unzulässig wäre, sind nicht zu bekommen. Im Wege des Notendrucks dem Reich Mehreinahmen zu beschaffen, ver- bietet uns in gleicher Weife das Dawesabkoinmen wie unsere Erfahrung aus der Inflationszeit. Wenn so die Regierung verpflichtet ist. zur Sicherung unserer Währung sich jeder Schuldenwirtschaft zu widersetzen, so muß doch von ihr verlangt werden, daß sie diesen Wider- stand nicht nur leistet, wenn die Rot der unschuldigen Opfer der kapitalistischen Wirtschaftsanarchie gemildert werden soll. Mußte denn, als der große Steuerertrog des Jahres 1924 einen Ueberfchuß ergab, sofort die rechtlich zweifelhafte E n t- schädigungsforderung derGroßindustriedes Ruhrgeblets mit 700 Millionen erfüllt werden, wah- rend die gesetzlich verbrieften Ansprüche der verarmten An- leihegläubiger de» Reiches unerfüllt blieben? Wie verhielt sich ferner die Regierung, als die Versorgungsgerichte den Ansprüchen gewisser Kategorien von Offizieren im Wege der Gesetzesauslegung ungezählte Millionen zusprachen? Sie billigte die Entscheidungen und stellte die Mittel zur Ver- fugung. An weiteren Beispielen der Freigebigkeit, sobald höhere soziale Schichten in Betrocht kommen, fehlt es nicht. Handelt es sich aber um die Eindämmung des Hungers proletarischer Massen, so muß der Regierung jede Million in heißem Kamps« abgerungen werden. Die sozialdemokratische Fraktion hatte kürzlich zur Schaf- B der nötigen Klarheit über die finanzielle Leistung?- keit des Reichs eine zuverlässige Uebersicht von der „ erung verlangt. Diese Uebersicht liegt jetzt vor. Sie gibt ein besseres Bild von der Lage der Reichsfinanzen, als es sich der Außenstehende bei noch so genauer Beobachtung der Reichsfinanzwirtschaft zu machen vermag. Trotzdem ist sie nicht einwandfrei. Das zweitemal werden jetzt die vor- aussichtlichen Steuereinnahmen des Reiches im Jahr 1925 berichtigt. In den ursprünglichen Haushaltsplan für 1925 waren, weil damals die Steuergesetzgebung in der Schwebe und eine Ertragsschätzung kaum möglich war, einfach die durch die tatsächlichen Einnahmen längst überholten Ansätze des Haushaltsplans für 1924 eingestellt worden. Nach Verab- schiediing der Steuergesetze im August d. I. wurde ein völlig neuer Einnahme-Etat ausgestellt, der trotz der erheblichen Herabsetzung der Besitzsteuern ein Mehr an Steuereinnahmen von 1% Milliarden Mark gegenüber dem ersten Voranschlag aufwies. Auch diese neue Schätzung des Steuerertrages hat sich nach den Ergebnissen der letzten Monate als zu n I« drig erwiesen. Eine ollerneueste Schätzung, die der nun vorgelegten finanzpolitischen Uebersicht zugrunde liegt, rechnet im ganzen mit einem Mehr an Steuereinnahmen von 420 Millionen gegenüber den Ansätzen vom August. Dabei ist die Minderung der Einnahmen infolge der von der Regierung selbst ab 1. Januar 1920 vorgeschlagenen Senkung der Lohnsteuer schon berücksichtigt und die Erträg,' der großen Steuerquellen in den Monaten November bis März sind mit der allergrößten Vorsicht geschätzt. So wird z. B. angenommen, daß die Umsatzsteuer, die in den ersten sieben Monaten des laufenden Rechnungsjahres 802 Millionen Mark erbracht hat, infolge Ihrer Senkung in den restlitben fünf Monaten nur 408 Millionen bringen werde. Die Einkommensteuer, die zum größten Teil ans der Lohnsteuer besteht? wird für diese fünf Monate auf 700 Mil- llonen geschätzt, nachdem sie in den verflossenen sieben Monaten bereits 1584 Millionen gebracht bat! Währcird die Zölle in der Zeit April bis Oktober 821 Millionen ergaben. schätzt man trotz der Zollerhöhung ihren Ertrag in den weiteren fünf Monaten auf nur 179 Millionen! Auch die Tabak-, die Zucker- und die B i e r st e u e r enthalten gegenüber den Schätzungen noch starke Reserven. Bei der Vermögens st euer ist sogar der Iahrcsertrag von 500 aus 350 Millionen herabgesetzt worden. Ob das ge- schehen ist nur in der Erwartung eines geringen Ergebnisses der jetzt erst beginnenden Veranlagung nach Maßgabe des Bermögensstandes am 31. Dezember 1924, oder ob man auch mit Ausfällen bei der Eintreibung der vorläufig ausgesetzten zweiten und dritten Rate der Vermögenssteuer rechnet, wird nicht gesagt. Die Schwierigkeiten der nachträglichen Erhebung dieser Raten sind von uns vorausgesagt worden. Je größer aber die aus diese Ursache zurückgehenden AusMe sein werden, desto mehr ist es gerechtfertigt von den Vermögens» steuerpflichtigen einen Steuerzuschlag für die Milde- rung der sozialen Notstände zu erheben. Herrscht bitterste Not bei breiten Schichten, so ist es selbstverständlich, daß vom Ueberfluß geopfert werden muß. Berücksichtigt man dazu die Reserven, die in den niedrigen Einnahmeschätzungen stecken, und vergegenwärtigt man sich, daß die Steuerverwaltung noch ein Guthaben von rund 300 Millionen bei den Besitzsteuerpflichtigen infolge Stundung fälliger Steuern hat, so lassen sich respektable Beträge freimachen für die der bittersten Entbehrung preis- gegebenen Volksgenossen. Es ist also, ohne zu dem von der Negierung an die Wand gemalten Fehlbetrag zu koinmen, Geld da. Man verwende es nur für die wirklich Not- leidenden! Der Neunmonatsminifter. Und Pensionist für 10 Jahre 6£ Tage. Das„zwingende Recht", das den deutschnationalen Minister Schiele veranlaßt, für zehnjährige„Dienstzeit" eine Ministerpension einzustecken, während er nur S Monate als Beamter fungiert hat. wirkt auf die Oeffentlichkeit geradezu verblüffend. Der Rechtspresse ist völlig die Sprache ver- schlagen. Sie wußte bisher über„Futterkrippenwirtschaft" so ausgiebig zu schmälen, daß sie jetzt einfach keine Worte findet, da ihr der Fall Schiele bekannt wird. Die„Germania" hin- gegen findet die amtliche Erklärung über das„zwingende Recht" mehr als fragwürdig. Gefetzesvorschristen sind für einen deutschnationalen Parteiführer bekanntlich nicht nur„geltendes Recht", sondern von vornherein „zwingend". Lns'olgedesbn hat sich Schiele auch den Pensionsbe- stmimungen des Reichsbeanitengesetzes als einer„zwingenden Ge- setzeevorschnft" leider fügen müssen. Aber die amtliche Stelle. welche die oben erwähnten„10 Jahr« und 62 Tage" aus- gerechnet hat, muh doch freundlichst gebeten werden, eine S p e z i o k- r e ch n u» g aufzustellen. So möchten wir erstens wissen, von wann bis wann die Militärdienstzeit des Herrn Schiele ge- dauert hat, zweitens, od er als aktiver Offizier im Felde ge- standen hat, drittens, wie lange er Frontdienst gemacht hat. Da sonst die D e u t s ch n a t i o n a l« n im Reichstagshandbuch nie anzugeben vergesse!� bei welchem Regiment sie aktive Offizier« gewesen sind, drängt sich unz die gewih falsche Per- mutung aus, dag bei der obigen Berechnung des„Dienstalters" die „E i n j ä h r i g- F r« i w i l l i g e il z e i t" irrtümlich mitgerechnet sein könnte. Das„Berliner Tageblatt" findet die Sache auch recht dunkel: Der frühere Fraktionsvorsttzends der Deuffchnationalen Volks- Partei kann. vonGlücksagen, doß er keiner republitani- schen Portsl angehört. Dean sonst wäre diese lebenslänglich? Dotierung elncs Reunmonalzbesmteu für die deukschnalionale and die deuischvöikisch? Presse zum dauernden Beispiel der verrnchlen .republikanischen Futterkrippenwirtsckfast" geworden. Im übrigen ist die amtliche Aufklärung über die„Berechnung der Dienstzeit" ein- schllohlich des„Kriegsdienstes im Kampfgebiet" etwas dunkel, so daß eine Meliere Ausklärung doch dringend erwünscht erscheint. Dieses Dunkel aufzuhellen, wird sich wohl noch recht oft Gelegenheit geben. Man soll wirklich einmal nachzählen wie rfele Tage der Herr Martin Schiele aus Schollens tatsächlich Soldat gewesen ist und wie viele davon Berufssoldat, das heißt Offizier. Es wäre auch erwünscht, zu erfahren, wie lange und w o sich Schiele„im Kampsgebiet" aufgehallen hat. Die Kriegsbeschädigten aller Parteien, die Berufssoldaten, denen eine angemesiene Vertrags- mäßige Versorgung immer noch vorenthalten bleibt, haben das größte Interesse daran, zu erfahren, warum Schiele als wohlsituierter Fabrikbesitzer jetzt auch noch Ministerpension bezieht, während sie darben müssen. # J ii................................ die an meine Tür klopfen. Don Henni Lehmann. Sie klopfen, die, von denen ich reden will, sie klingeln nicht. Die klingeln, das sind andere, sind feste, zielbewußte Menschen, die «in Amt, einen Austrag, irgendeinen vollgültigen Grund oder An- spruch haben, zu verlangen, daß man ihnen die Thür öffnet. Aber die klopfen, das sind die Unsicheren, die Ziellosen, die, in deren Augen geschrieben steht, wenn ich öffne:„Ach. verzeihen Sie. doh ich wage. Sie einen Augenblick zu stören." Und diese scheuen bit- tcnden Augen stehen in magern Gesichtern über blassen Wangen, und magere Glieder stecken in dünnen, abgeschabten Röckchen, die manchesmal unter dem Kinn mit einer Nadel zusammengesteckt sind, damit das Fehlen der Wäsche verdeckt wird. Es hält auch wärmer so. Schon in früheren Jahren sind manchmal solche an meine Tür gekommen, die kiopsten. doch st« waren anderer Art, es waren alte Leute, Gebrechliche, Erwerbsunfähige, vielleicht auch einer, deni man die Borliebe für den Alkohol allzu deutlich anmerkte. Diese Frühe- ren kamen vereinzelt, hin und wieder, in langen Zwischenräumen der eine oder der andere. Doch in diesem Winter koirunen viele. viel zu viele, und syst alle sind sie jung, junge Männer zwischen sechzehn und zwanzig die meisten. Alle sagen sie, daß sie arbeit»- oder stellenlos sind, daß sie heiin wollen zu den Eltern,— wenn sie ein Heim, wenn sie Eltern haben. Neulich kamen zwei miteinander» die waren aus Ostpreußen und hatten am Rhein gearbeitet. Die Arbeit war zu Ende, nun wallten sie durch Deutschland sich durch- fachten, um Weihnachten bei der Mutter zu sein. Der eine blies ein kleines Wusikinprumentcheo. er wallte doch etwas leisten für die erbetene Gabe.— Das waren Arbeiter, doch die meisten, die in diesem Winter klopfen, find stellungslose Handlungsgehilfen, manch- mal auch Handwerk-gefellen. Die Handlungsgehilfen bieten irgend- einen Krimskram zum Karts. Streichhölzer. Schuhbänder.— und ich habe schon so viele Streichhölzer gekauft, dah«in eifriger Raucher für ein Jahrzehnt seinen Bedarf gestillt hätte. Einer brachte auch hinter Glas geklebte Silhouctlenschnitte. Er Hab« ein. mal Künstler werden wollen, sagte er. Wenn sie dann von mir geben, ein wenig froher vielleicht, als sie gekommen sind, dann ist mir das Herz schwer und das Gewisse» beunruhigt. Mein Gewisse» weiß, daß es nicht richtig ist, so an der Tür zu geben, ohne genauer zu prüfen, ob die Gabe nicht zum Schaden gereicht, statt zum Nutzen.— Aber doch.— ich kann nicht anders. Das Herz ist mir allzu schwer um die Jugend, die arme Jugend dieser Zeit, diese Jugend, an der man ein Verbrechen begangen hat, der man ihren Frohsinn gestohlen hat. Di« man zwingt, nir die Türen zu klopsen, scheu verstohlen, um einen jämmer, liehen Bissen Brot zu erbetteln, anstatt, daß st« diesen Bissen bester rmd reichlicher durch ihrer Hände Arbeit gewinnen, aufrecht und sicher durch die geöffnete Tür eintreten sollte:' provinzüemagogen. Für sich die Liebesgaben— de« andere« dke Tchnld. Es verlohnt sich, von Zeit zu Zeit die deutschnationale Provinzpresse zu kontrollieren. Man gewinnt dadurch ein Bild davon, wie die deutschnationale Agitation im Lande be- trieben wird. In der„Pommerschen Tagespo st" vom Donnerstag lesen wir: „Jetzt erst beginnt sich die sozialdemokratische Miß- und Korruptionsherrschast während der vergangenen sieben Jahre voll auszuwirken. Der Winter, der bereits seinen Einzug gehalten hat, ist einer der schreckensvollsten seit 1314. Es zeigt sich vor allem auch(In seinen ersten Anfängen!), was das D o w e k- D I t t a t. für das die Sozialdemokratie Himmel und Hölle In Bewegung fetzte, in bczug auf„Rückwirkungen" in sich trägt. Deutschland hat zurzeit weit über eine Million Arbeitsloser, d i e Industrie liegt brach, sie ist konkurrenzunfähig gegenüber der» Ausland geworden, die Landwirtschaft steht vor dem Ruin: von den so viel verheißenen Dollarkrediten ist es allgemach fast ganz stille geworden, einmal, weil sich der Wallstreeter Geldmarkt versteift hat. zum anderen, well sich die deutsche Wirtschait den Luxus einfach nicht leisten kann, zu wucherischen Bedingungen Geld von Uncle Sam zu leihen: dabei sind die sozialen Losten bis zu dem Grade gestiegen. bei dem aus Vernunft Unsinn, aus Wohltat Plage wird. Ueberall Jammer und Elend. So besonders auch in den Masten der Beamten der unteren Gehaltsgruppen, denen es in der Tot traurig genug geht. Das ist das Wert sozialistischen Regime»; so sieht das Ergebnis innen- und außenpolitischer Mißregiererei, von sieben Jahren.Erfüllungspolitik" aus, die soeben in dem Schandvertrag von Locorno ihr«„Krönung" ge- funden hat." Der Dawes-Bertrag ist schuld! Aber haben nicht die Deutschnationalen für den Dawes-Plan die parlamentarische Berantwortimg übernommen? Sie haben ihn durchgeführt. Die Industrie liegt brach— weil die deutschnationale Zoll- wuchervolitik den deutschen Export beeinträchtigt und den notwendigen Preisabbau verhindert hat. Die Verantwortung für d-e Locarnopolitik tragen die Deutschnaffonalen ebenfalls. Sie haben Deutschland in der Zeit ihrer Regiernngs- Herrlichkeit genug geschadet durch ihre Bolitik des brutalen Eigennutzes— und nun schieden sie die Schuld den anderen zu. Unmoralische Politik!_ der gestürzte Konm. Kasseuskandal in der KPT.-Zentrale? Seit Tagen geht durch die KPD.-Preste der Alarmruk:„Die Partei in Not!" Die kommunistischen Arbeiter werden aufgerufen, durch freiwillig« Beiträge die leeren Parteikasten wieder aufzufüllen. Mit diesem plötzlichen Notschrei dürft« es«in« besondere Be- wandtnis haben. Wie wir nämlich aus zuverlässiger Quelle er- fahren, ist kürzlich bei der Revision der Kastengebarung des bis- herigen Parteikassierers Arthur König, eine unange- nehme Entdeckung gemacht worden. Er soll in geradezu unoer- antwortlicher Weis« gewirtschaftet und nicht di« kleinste Kontrolle ge» führt haben. Erst vor wenigen Togen ist di« Nachricht durch die Press« ge. gangen, daß der Reichstagsabgeordnet« König- Dortmund„aus Gesundheitsrücksichten" sein Mandat niedergelegt habe. Die wirtlichen Ursachen dieses keineswegs freiwilligen Verzicht» dürftsp jedoch auf einem ganz anderen Gebiete liegen. Es Ist zwar nicht das erstemal, daß ein geheimnisvolles Dunkel die Kosten- und Geldangelegenheiten der Kommunistischen Partei und ihrer verwandten Organisationen umhüllt. In einem Augenblick aber, wo die kommunistischen Ardeiter trotz schwerer Not zu neuen Geldoptern ausgerufen werden, haben sie wohl ein Recht darauf, zu erfahren, was vor sich gegangen ist und weshalb ihr« Partei sich in Geldsorgen befindet und„Notmarken" für Mitglieder und Sym- pathierende herausgibt. Der bisherige Reichstagsabgeordnet« König-Dortmund gehörte, wie nebenbei gesagt sein mag. zu den intimsten Anhängern der früheren KPD.-Diktatorin Ruth Fischer. Wenn sie von mir gehen, sehe ich ihnen nach und denke:„Wie werden sie heimkommen? Wie viele werden aus der Landstraße bleiben ihr Leben lang? Wie viele wird der Weg zum Untergang führen, zum Bcrbrechcn, in die Gesängnisse?" Ja. das Herz ist mir schwer, wenn sie von mir gehen. Seltsam, daß nie Frauen oder Mädchen an meine Tür klopsen und bittend die Hand öffnen! Seltsam! Leiden sie nicht Hunger und Not? Sind sie noch scheuer und wagen es nicht einmal zu klopfen? Stehen sie vielleicht draußen, ohne daß ich es gewahr werde und gehen wieder unbemerkt, wie sie gekommen sind? Oder wählen sie, wenn sie in Not geraten, immer wieder das alte häßliche Mittel ihrer Not abzuhelfen, indem sie sich selber verkaufen? Da» ist«ine Ware, die immer geht!— Ach, die Armen! ärmer als jen«, die an die Türen klopfen!— Ich höre auf zu schreiben. Draußen klopft ein« Hand gegen das Holz der Tür... ich will gehen und öffnen. Deutsch al» Sprache des Völkerbundes? An die Tatsache, daß Luther und Strefeniann bei der Unterzeichnung des Locarno-Ver- trage« in deutscher Sprach« ihr« Reden gehalten haben, knüpfen englische Blätter die Perr.u timg an. daß die Deutschen damit einen Präzedenzfall für den Gebroiich der deutschen Spracbe bei den Ver- Handlungen des Völkerbundes haben schaffen wollen. Der„Manchester Guardian" glaubt, daß man da? Deutsche neben Englisch und Frau. zösisch als oiftzicll« Sprache de» DSlkcrbundes sordern wird. Nun bereitet ober schon die Gleichstellung des Englischen und Französischen große Schwierigkeiten und Kosten. Ein ganzes Heer von Dol- lnetschern und Uebersetzern ist dazu nötig, und dieser Staat müßte »och vermehrt werden, wenn auch Deutsch als Aä>terbu»dssprache zuqelasten würde. Die Gleichstellung des Englischen mit der eigent- lichen Diploniateniprache, dem Französischen." schreibt sich von dem Vertrag von Versailles her, bei dem zum erstenmal in der Ge- schichte der Diplomatie getrennt« Texte in Französisch und Englisch ausgegeben wurden. Mömler in London. Der Direktor des Pariser Odeon, Theaters, Finnin Gemier, der erst vor kurzem mit den deutschen Künstlerkreisen Fühlung genommen hat, weilte vor einigen Tagen in London, uin dort weitere Propaganda für seine Idee einer„Internationale der dro! wtischen Kunst" zu machen. Vor einer auserwählien Zuhörer- schaff aus alle» Zweige» der englisch«» dramatischen Kunst ent- wickelte er seinen Plan zur Schaffung einer Wektgesellschasj für dramatische und musikalische Kunst. Sein Schlußwort:„Schließen wir uns zusammen, verwirklichen wir den Geist von Locarno, geben wir, die Künstler, das Beispiel der internationalen Einigkeit und der friedlichen Zusammenarbeit!" wurde mit großem Beifall auige- nomine». Die„British Drama League". die den Abend im Saint- James Theater veranstaltet hatte, wird das Projekt Gämter» prüfen. Deressajew» SchrislstellerjubllSum. Das Jubiläum der -lüjührijzen literarische» Tätigkeit Wereslajews. der durch sein Buch „Memo, ren eine» Arzte?" auch im Auslande bekannt geworden ist. wurde in Moskau festlich begangen. Ein besonderes Festkomitee. dem auch der Gesundheitskommifsar Semaschko angehörte, hatte die Schackt über Amerika. Tawes-Plan— Loearno-Berträge— AuslandSkredite- Im Großen Saal der Produktenbörse hielt gestern, vnnnerstag. Reichsbankpräsident Dr. Schacht auf Einladung der Berliner Handelskammer ein Referat über seine Eindrücke in Ame- r I k a. Er betonte einleitend, dah der Zweck seines Besuches lediglich der Anknüpfung von Beziehungen zur Federal-Reservebank und der Aussprache mit amerikanischen Bankiers über die deutschen Berhält- nisse gegolten habe. Dann ging er auf die großartig« Entwicklung der ame- rikanischen Wirtschast ein. Schon jetzt sei In Amerika das Gefühl im Wachsen, daß dap europäische Geschick mit dem Amerikas sich eng berühr«. Für die Amerikaner ist Europa ein Gesamt« begriff. Daher interessiert Deutschland Amerika lediglich im Rahmen Gesomteuropas, wenn es auch dabei aus mancherlei Grün- den sich einer stärkeren Beachtung erfreut. Amerika weiß sehr wohl, daß Deutschlands Zukunft nicht isoliert betrachtet werden kann. Das Interesse für Deutschland wird sich nur dann voll auswirken, wenn mit der Gesundung Deutschlands auch die des übrigen Europas ver- bunden ist. Diese» Interesse liegt vorwiegend auf dem Gebiete der europäischen Finanzen. Es ist selbstverständlich, daß dabei der Mithilfe der englischen Finanz nicht entraten werden kann, die die europäischen Verhältnisse am besten kennt. Die Stabtlisie- rung der deutschen Währung wird al» eine große Leistung angesehen. In dem Dawes-Plan sieht die ameri- konische Geschäfts« und Finanzwelt eine internationale Sicherung, Sicherung für die deutsche Währung und für die Wiederkehr normaler Wirtschafteoerhältnisse. Man müsse seine Wir« kunge» abwarten und die Auswirkungen beobachten. Selbstverständ- lich erwartet man bestimmt, daß Deutschland ebenso wie alle übrigen Beteiligten alles tun werden, um den Plan durchzuführen. Im Abschluß der Locarno-Berträge steht man die Be- seitigung eines großen Testes der Gefahren, die der wirtschaftlichen Gesundung Deutschlands entgegenstanden. Das nächste Problem ist die international« Schuldenregelung mit dem Ziel einer Stabilisierung aller schwachen Währungen, an dem auch Deutschland ein Interesse hat. An Rußland sei das cmerikanizche Interesse infolge der bolschewistischen Wirtschastssorm gering. Uebergeheird aus die Kreditfrage betonte Schacht, daß ein Zuviel an Auelandskreditcn auch Gesohren in sich berge, und über, dies durch die Begrenztheit der Weltmärkte der Heranfchassung von Auslandskrediten gewisi« Grenzen gesteckt seien. Wir müßten mit den Krediten sparsam umgehen. Schacht wandte sich dann im einzelnen noch gegen die kommunalen Anleihen. Die Unternehmer sollten nicht immer nach AuslandstredU und Staatshilfe schreien. Für die lleinere und niittlerc Jiidustrie, für die die Ansiandskredite nicht in Betracht kommen, wäre die Grün- dung von Jndustrleschaften nach dem Vorbild der sächsischen Pfand- briefanstalt der richttge Weg. Schacht schloß mit den Worten: „Seien wir selbst aufrecht, mutig, sparst m, dann wird das Wort wahr werden:„Hilf Dir selbst, dann Hilst uns Amerika." Verbesserung öer Krankenkassen. Sozialdemokrat, scheLlnfragenanvenNeichsarbeitsunnifter Die Sozialdemokratisch« Reichstogssraktio» hat zwei Anfragen eingebracht, die das Krankenkasienwestn be> treffen. In der einen Anjrage wird die Aufmerksamkeit daraus ge- lenkt, daß In den letzten Jehren zahlreiche ganz leiftungsnn- fähig» Jnnungskrankenkassen gegründet worden sind Der Reichsarbestsminister wird gefragt, ob er bereit ist. etwas gegen diese Gründungen zu unternehmen und da» Mitbestimmungsrecht der Versicherten sicherzustellen. In der zweiten Anfrage wird daraui verwiese», daß bei den reichxgesetzlichen Krankenkassen überaus wertvolles soziales Material zusammenströmt. Der Reichsarbeitsminister wird um Auskunft ersucht, ob er bereit ist, die Krankenkassen anzuhalten, eine Berufs- und Kronkheits- st a t i st I k, eine L o h n st o t i st i k und eine Statistik über Art und Umfang der F a m tl i e n h i l f« anzuordnen, wenn sie sich ohne erhebliche Mehrbelastung der Krankenkasse durchführen lassen. ?lnordnung der Feier in d-e Hand genommen. D?r Sowjet der Stadt Moskau hat dem Schriftsteller ein Geschenk gemacht, das bei den heutigen Wohmingsverhäiinisstn ein« große Bedeutung hat. Die Wohnung, die Wercssajew gegenwärtig in Moskau Innehat, ist ihm und seiner Familie zu lebenslänglicher Benutzung zugesprochen worden: auch durch spätere etwaige neue Verordnungen über die Wohmingsfrage soll das Anrecht der Familie Weressojew auf ihre sctzig« Wohnung nicht berührt werden. Auch die väume haben ein herz. Wie aus Kalkutta gemeldet wird, hat kürzlich der bedeute»!)« liidffche Naturwissenlchoftler und Pstanzenphnsiologe Base vor einer Versammlung oon Gelehrten experimentell den Nachweis erbracht, daß die Pflanzen nicht nur ein Nervensystem, sondern auch ein ausgebildetes System von Muskeln besitzen. Aus Grund der dahingehenden Versuche glaubt er sich zu dem Schluß berechtigt, daß auch die Bäume ein Herz besitzen. Den Nachweis dalür erbrachte er vermittels eine» Galvanometers, das er mit dem Baum in Verbindung brachte, und das auf die Schläge des angeblichen Herzen» elektrisch reagierte. Wie Professor Bose in seinem Dortrag ausführt«, zeigt« das Herz der Pflanzen in feiner Gestalt die verlängerte Form, di« auch dos Herz der niederen Tier« arten aufweist. In einem bemerkenswerte» Versuch demonstrierte der indische Gelehrt« die Empfindlichkeit einer durch Aether galvo- nisierten Pflanze und die fortschreitenden Verglflungserschemnnacn an einem Baum, dem Caynsäure eingespritzt worden war, was den unmittelbaren Abfall der Blätter hervorrief. Dies« Beobachtung schließt sich den Erfahrungen an, di« im Kriege mit der Giftwirkung der Eyanzasgranaten auf die Vegetation gemacht worden sind. Auch mechanisch völlig unverletzt gebliebene Bäume und Pflanzen, di« aus vergastem Gelände standen, gingen ausnahmslos zugrunde. Wilhelm u. Bode Ehrenmilglicd der Akademie der Künste. Die Berliner Akademie der Künste Hot Wilhelm v. Bode, der der Zlka- demie seit 34 Jahren als Scnoior angehört, aus Anlaß feines H0. Geburtstages im Hinblick auf sein« hohen Verdienste um dos Kunstleben und die Entwicklung des Museumsweseiw zu ihrem Ehrenmitglied gewählt. Revolutioncdokumente. Im kommenden Jahre wird der „Archlv-Diensi" im Rahmen einer„Großen Archioichau" einer drei- teren Oeisentlichkeit vollständig archivsertige Sammlungen und Einzelstücke, Plakate aus der Kriegs- und Revolutionszeit"vorlegen. Auch die Privaifammler von Kriegs- und Revolution'sdoku.nenten. welche di« Absicht haben, ihre Bestände der Geschichtsforschung zu überweisen, sollen daran teilnehmen. Anmeldungen werden schon jetzt vom„Archiv-Dienst". Eharlvttenburg.Niebuhr- st r a ß« 62. entgegengenommen. Frederle Cernonfe ,ibl am tt einen Beethssen.ASenb im BIiltSner.?aa zugunslen des Baufand; für daS Heim der Hedwig-Aangel« Hisse. ü» der Slaatl che» tUaftdidüoihek, Piinz-Zllörechtslrosu 7a, findet zmzeit «>ne AniilcUung.Anviler» Druck« und Alberlmadivck« der Firma Ämsle» & RMhacdl- statt. Et handelt sich»m Fastmliiedrilcke w OUainalgrös« »ach auterlelenrr Druckqrapdlk tomi« nach Handzelchnungen alter Meister. Sie«trd biz Ende d.Mtt. werktäglich von S— S Uhr bei freiem E tntritt zugängig sei». JaftWenMm Die Mission des Rom. 10. vczember.(DTV.) Wie die faschistischen Viäller berichten, cmpfinz Mussolini den Delegierten der italienischen Faschillen in Denis hland. Major Rcnzetti, in Ludienz. Major Renzclti erstattete Mussolini Bericht über die Lage der italienischen Kolonien in Deutschland und eikläcle. dost der italienische Faschismus in Dculschland die Absicht habe, in Berlin ein sogenanntes .Ztoiienisches Haus" zu gründen, welches den tulturstlen und wirts chastlichca Mittelpunkt sZmllichcr Zlallener in Deutschland bilden solle. « Mit der Person des Masor- Renzetti haben wir uns bereits vor Monaten eingehet beschäftigt. Dieser aktive italienisch« Offizier, der hier eine deutsch-italienijchc chandelskammer ins Leben ries und in deren Räumen die Redaktion eine» faschistischen Propa- gandablattes.II Gagliardctto" etablierte, ist inzwischen ZUM italienischen Konsul in Leipzig ernannt worden. Es ist im höchsten Grade bedauerlich, dost die Reichsrcgierung trotz unserer jubstanzierten Warnungen vor diesem Mann ihm das Agrement und damit die diplomatischen Immunität»- rechte erteilt hat, auf die es ihm vor allem ankam. Erst kürzlich hat sich dieser Konsul herausgenommen, in Artikeln, die in faschistischen Blättern Italien», z. B. im Mailänder «Sole" erschienen, Warnungen an die Adresse der deutschen Presse und der deutschen Oesfentlichkeit auszusprechen, weil diese gegen das Regime Mussolinis eine feindselige Haltung einnehmen. In einem Telegramm des Mailänder Berichterstatters der«Deutschen Allgemeinen Zeitung" wurde gegen diese Anmahung des Major» Renzetti entschieden protestiert. Die jetzige Reise Renzetti» nach Rom war uns bekannt und wir begrüsten es, dost die römische Faschistenpresso durch ihre Mitteilungen uns Gelegenheit gibt, darauf«inzugehen. Renzetti ist nämlich nicht a l k e i n von Berlin nach Rom gefahren, sondern in Begleitung mehrerer aklloer Ossiziere der italienischen Arme«, die bisher der Jntsralliierten Militörkonlrollkommission angehörten und nun ihre bisherige Tätigkeit einstellen sollten. Es besteht ober dle Absicht, jene Offlzkre unter Beibehaltung ihrer militärischen Eigenschaft, jedoch unter zivilem Deckmantel, in Deutschland zu belasten, wo sie in den verschiedenen grösterea Städten die Zusamenfassung der in Deutschland ansässigen italienischen Staatebürger In soschiflischen Organisationen betreiben tollen. In gewistcn Städten Deutschlands haben diese Bestrebungen bereit» sehr konkrete Formen angenommen. Zwar ist in Berlin der Versuch Renzettls, ein«Fascio" zu gründen, kläglich gescheitert, dagegen ist z. B. in E s s o n und vor allem in W ü n ch« n die Mit- in Deutschlanö. Majors Renzetti. gliederzahl der italienischen faschistischen Ortsgruppen schon recht erheblich. In der bayerischen Hauptstadt soll sie sogar bereits ZW bis 400 betragen, was einerseits aus die verhältnismäßig hohe Zahl der italienische» Kolonie in München, andererseits wohl aber auch aus die sträfliche Leina chlössigung des Kampfes gegen faschistische Or> ganisatiouen überhaupt durch die bayerischen Behörden zurückzuführen ist. Renzettis Absichten gehen nun dahin, in ganz Deutschland Orte» gruppen des Faschismus auszuziehen, und es sind namentlich für Stuttgart und Karlsruhe bereits Ossiziere der IAMK. als künftige örtliche Leiter vorgesehen. Außerdem sollen diese saschisil- scheu Dertaueasleule ein permanente» Aurspionleren der in Deutsch- lond lebeudeu Zlaliener betreibe u. die im Verdacht stehen, Gegner de» Faschismus zu sein, um den ilalienischen Zentralbehörden fort- lausende vertrauliche Berichte zu liefern, die als Handhabe für die Anwendung des neuen«übcrfaschistischen" Ausuahmegesches dienen sollen; diese Lex Nitti>Don Stürza bezweckt die Entziehung der italienischen Staatsbürgerrechte und die Vennögensbeschlagnohm« gegen alle der faschistenfeindlichen Gesinnung verdächtigen Auslands- italiener. Di« Herren Renzetti und Genossen wollen nun über ganz Dculschland einen Bespilzelunzsapparat aufziehen und ihr« jetzige Reise nach Rom bezweckt nun die Besprechung dieser Frage mit Mussolini, Federzoni, Forinacc! und tut« quanii. Die Ankündigung der Absicht, in Berlin ein ,�I t a l i e n i- s ch e s H o u s* zu errichten, wird v>-n der«Täglichen Rundschau" in der gegenwärtigen Zeit der Drongsalienmg Südtirols als ein« Provokation bezeichnet. Wir nehmen an, dost das Herrn Stresemann nahestehende Organ, nachdem es die obigen Einzel- heiten erfahren haben wird, mit uns darin übereinstimmen wird, daß eine energische Abwehr aller foschistiichen Pläne in Deutschland nottut. Es ist Pflicht der Reichs- und Landes- behörden, zu verhindern, dost Deutschland zum Tummelplag faschistischer Propaganda w-rde. zumal die schwersten Konsttkle mit den antifaschistischen Italienern unausbleiblich wären. Wien will das Bozoner Walther-Teukmal übernehme«. Alien, lk Dezember. fEigener Drahtbericht.) Im Stodtsenat verwies Bürgermeister Genosse S e i tz darauf, daß die Italiener das Denkmal Dalihers von der Vogelweide In Bozen abtragen wollen. Wenn diese Nachricht auf Wahrheit beruhe, so wäre Wien von allen deutschen Städten in erster Linie dazu berufen, dieses Denkmal zu übernehmen, da Waltlzer von der Dogelweide um 1200 wiederholt jahrelang in Wien gelebt und noch seinen eigenen Aussagen hier «Singen und Sagen" gelehrt hat. LanSwirtsch astliche Fragen. Ter ErnährungSetat im Reichstag. Der Reichstag verabschiedete gestern zunächst den Gesetz- entwurf über die Berlangerung der Verordnung vom 13. Februar 1920 über die Eintragung von Hypotheken und Schisssbaurechte» in ausländischer Währung in allen drei Lesungen ohne Aussprache. Darauf setzt das Haus die dritte Beratung des Haushalts des Ministeriums für Ernährung und Landwirt- schasi fort. Abg. Blum(Z.) betont, daß die Landwirtschaft, die sich jetzt In so großer Not befinde, auch die Notlage der übrigen Wirijchast an- erkemie. Man müsse die Borauesetzungen für die Jnicnsi- vierung der Landwirts 6? asl schassen. Infolge der Steige- rung der Produktionskosten miistten die Preise für laiidwirtschnstll�e Erzeugnisse ein« steigende Tendenz zeigen. Die Edelprodukiio» in der Londwinschost müsse gesteigert werden, um die Einfuhr von bork- wertigen Erzeugnissen zu verringern und damit die Handelebstanz zu bessern. Allerdings ließen die bisher abgeschlossenen Handel»- vertrage in dieser Hinsicht viele» zu wünschen übrig. Die Herren von der Industrie müßten größeres Inuresse für die Landwirtschast zeigen. Der Redner begründet schließlich einige Anträge des Zentrums, worin im Hinblick auf die Notlage der deutschen Winzer ersucht wird, die Steuer auf Weinzucker in diesem Jahre zu erlassen; durch wirksame Anwendung der gesetzlichen Bestimmungen über die Preispolitik der Kartelle eine Senkung der Prciie der landwirtschaftlichen Bedarfsartikel anzustreben; die Härle» bei der Einkommenermittlung londwirtschast- sicher Betriebe abzustellen; den durch die neuen Handelsvertrag»- bezieljnngen mit Italien geschädigten Obst- und Gemüsebau- bezirken eine bevorzugte Frachienstellung zu gewähren und Maß- nahmen zur Milderung der allgemeinen Kreditnot zu treffen. Abg. Tramm(D. Bp.) schildert die Notlage der Landwirtschaft und wendet sich gegen den Vorwurf, daß die Landwirte ihre KartoffcUz zurückhalten und damit die Not des Volke« ver- g r ö ß e r t e n. Sie seien vielfach dazu gezwungen, die Kartosseln elnzumielsu, weil ihnen ganz miserable Preise dafür gezahlt werden. Der Redner begründet mehrere Anträge, wonach die Regierung ersucht werden soll,«in« weiter« Stundung kurzfristiger Verbindlichkeiten in den Nvtgebieten zu veranlassen und schleuniast Maßnahmen zur Schaffung langfristiger Kredite zu trog- baren Zinsen zu treffen; ferner zur Sicherung der nächstjährigen Ernte auch auf d'e Organisationen der Düngerindustrie einzuwirken. dost der Lairdwlrtschaft die erforderlichen Menget, Kunstdünger unter Gewährung eines erst nach der Ernte rückzahlbaren Kredits zu mästigen Zinsen zur Verfügung gestellt werden. Abg. Lang(Bayer. Vp.t beschwert sich darüber, daß die Reichs- bank �u wenig tu», um die Zinsbslastung der Landwirt» schart zu verringern. Aus die Steigerung der auf den Betrieben ruhenden Losten sei es zurückzuführen, dost die Verwendung von Düngermittcln zurückgehe. Die Finanzämter gingen nicht mit der erforderlichen-Sckonung gegen die Londwirtschast vor. Es sei schon genug über die Not der Landwirte geredet morden. Die Landwirte wollten aber nicht mehr Worte hören, sondern Taten sehen. Um 4'i Uhr vertagt das Haus die weitere Beratung auf Freitag nachmittag Z Uhr. ffuaendergs Sieülungspolitik. Gütcrschlüchterei und Terrain'petulatton. aber kein« Siedlung. Der zum Hugenberg-Konzern gehörende„Tag" versucht, die au» der Generalversammlung der«densalls zum Hugenberg-Konzern bisher gehörenden Landbank bekannt gewordenen unerfreulichen Per. hältniste seinen Lesern in einem besonderen Licht« zu zeigen und dle Tatsachen auf den Kopf zu stellen. Wenn jetzt versucht wird, die Londbank als Hüterin gemeinnützigen Siadlungswesens hinzustellen und der preußischen Regien r.g Interesielosigkeit an dieser Sied- lungepchitik vorzuwerfen, so erscheint es angebracht. Beispiel« au» der Praxis der Londbank-Siedlungspolitik zu oerösseniltchen. Sehr bezeichnend sind folgend« Mitteilungen, die der.«Konjunktur-Korrespondenz' über Borgänge Im Kreise Nimplsch (Schlesien) zugehen. Dort wurde vor einigen Jahren der gesamt« Besitz de» Grasen Zierotin für Siedlungszwecke enteignet. Es handelt(ich um die Herrschaft Praufz(6 Rittergüter). Diese Liegenschaften wnrden jedoch nicht dem Kreije zur Besiedlung über. lassen, obwohl dieser einer solchen Ausgabe vollauf gewochsen war, sondern gegen Papiermart der Londbonk vert a.u f t. Obwohl die Pachtverträge nur noch 2 Jahre liefen und damit die Bahn frei gewesen wäre für eine Besiedlung, verkauft« die Londbank zwei Rittergüter angeblich, um auf diese Weise die anderen frei zu bekommen. Tatsächlich sind bi» heut« nur ganz wenige Siedler und noch dazu unter sehr ungünstige» Be. di n g u n g e n untergebracht. Drei Rittergüter sind zu einer besonderen Wirtschast unter Leitung eines Aoministrators zusammengefaßt worden. Da nach S?m Gesetz die sogenannte Zwischenbewirtschaftung st« u e r s r« i ist. erscheint diese Maßnahme besonders lukrativ. Erhebliche Erlöse wurden durch Ver» käuse von Wold und Schloß(430 000 W.) und eines Steinbruches (230 000 M.) erzielt. Siediungs tust ige werden meist aus „wirtschasilichen Gründen" abgewiesen, oder es werden Ihnen Zahlungsbedingungen gestellt, die ein Siedler u n m ö g- lich innehalten kann. Wenn man aus der Handhabung des Siedkunaswesens in einem durch seine Fruchtbarkeit für die Anlegung kleiner Landwirtschaftsbtztriebe so günstigen Kreise Schlüsse aus die Sicdlungepolitit der Hugenbergschen Londbank überhaupt ziehen darf, so können diese nur die denkbar ungünstigsten sein. In den Hönde» des gewöhnlichsten Güterschlächters und Terrain- spekulanten konnte die gemeinnützige Siedlungspolitik nicht bester aufgehoben sein, als in denen der Landbank. Die preußischen Re- gicrungsstellcn werden deshalb wohl sehr gut wissen, warum sie diesem Unternehmen die kalte Schulter zeigen. Nheinlanü uns Locarno. (Hemeinsamc Erkläruniz im hesflschcn Landta». varmstadk. 10. Dezember.(WTD.) In der heutigen Sitzung des hessischen Landtag» wurde ein von sämtlichen Par- t e i« n mit Ausnahme der Kommunisten«Ingebrachter Antrag an- genommen, worin es heißt: Der Landtag wolle beschließen, di« Regierung zu ersuchen, mit allen ihr zu Gebote stehenden Mitteln daraus hinzuwirken, daß die noch Annahme de» Vertragswerkes von Locarno zu erwartenden Erleichterungen Im besetzten Gebiet in möglichst weitem Umfange eanreiea. Die Hofsnungen des be- setzten Gebiet» stick» durch die Beseitigung des Delegier- tenapparats und durch die Verordnung ZM der Rheinland. kommisston bisher nur zu einem geringen Teile ersüllt worden. In wesentlichen Punkten, so bezüglich der Mtlitägerichtsbar- keit, des Ausweisungsrechts der Rhcinlandkommission, der die deusche Iustizhoheit einschränkenden Darschrisien. der Paßpilicht und der Beschränkungen des Vereinsrechts ist immer noch nichts ge- schehen. Das besetzte Gebiet erwartet die gänzliche Aus, Hebung der van der Rheinlondkammisston«rlastenen Vorschriften als selbstverständliche Folge der durch Locarno geänderten politischen Bcrhältniste. Insbesondere ober muß der durch die übsrmäßig starke Besetzung gerade auf dem hessischen besetzten'Gebiet, vor ollem aus der Etodt Mainz lastende schwer« Druck gemlldert werden. Jedenfalls muß eine baldige wirksam« Abkürzung der De- segung, fristen energisch gefordert werden. Der Landtag spricht die Erwartung au», daß es den Bemühungen der Reichs- und der Staatsregierung gelingt, ein« fühlbar« Herabsetzung der Besatzung und eine grundlegende Aenderung des Desatzungsregimes herbelzu- führen, mit dem Ziel, für dl« Bevölkerung de» befetzten Gebiets die Besetzung so wenig lästig wie irgend möglich zu gestalten. �nrückziehnug französischer Regimenter- pari». 10. Dezember.(WTD.) Nach dem«Petit Paristen" worden das 62.. das 130. und dos 133. Artillerieregiinent aus den Rheinlanden zurückgezogen werden. Das 62. und das 133. Regiment würden aufgelöst, das 130. noch Frankreich zurückverlegt werden. Bleibt Tirard? Pars», 10. Dezember.(Eigener Drohtbericht.) Die Presto- Meldung, daß der bisherige französisch« Botschafter in Washington, Da eschner, als Präsident der Jntsralliierten Rheinland- kommisston Tirard ersetzen solle, erfährt ein schlagendes Dementi durch die soeben erfolgte Versetzung Doeschners in den Ruhestand. S für da« Jahr! 026 Bürgermeister Tr. Petersen zum ersten Bürgilmeister und Bürgermeister Dr. Schramm zum zweiten Bürgermeister wiedergewählt. GeVerGhQstsöen>egung /lDGL« und Neichswirtjchaftsrot. �ür die wirtschaftliche Gleichberechtigung der Arbeiter. Der Bundesausschuh des ADGB. behandelte am zweiten Tag seiner Sitzung auch den Referentenentwurf über den endgültigen Reichswirtschaftsrat. Nach einem Bericht Leiparts ertlärte sich der Dundesausschuh mit der bisherigen Stellungnahme der Bundesvsrtreter in vollem Umfange einverstanden. Der Bundesausfchuß hält noch wie vor nachdrücklich an dem auf dem Breslauer Kongreß begründeten Standpunkt fest und erklärt ins- besondere, daß die paritätische Ausgestaltung der öfsent- lich-rechtlichen Berufsvertretungen(Handelskammern usw.) die u n- erläßliche Voraussetzung für die im Artikel 165 ver- sprochene Mitwirkung der Arbeitnehmer an der gesamten Entwick- lung der produktiven Kräfte ist. Die Beteiligung der Arbeiter am Neichswirtschaftsrat ermöglicht zwar in allerdings noch keineswegs zureichender Weise ihre Mitwirkung an der sozialpolitischen und wtrtschoftspolitischen Gesetzgebung, schließt die Arbester aber noch völlig von jeder, auch der bescheidensten Einflußnahme auf die wirtschaftlich? Entwicklung cuis, wie sie durch ihre Mitwirkung in den öffentlich-rechtlichen Körperschaften der Wirtschaft möglich werden würde. In den Berufskommern werden die wichtigsten Drogen der Wirtschaft behandelt und erledigt. Es widerspricht den Forderungen der Gewerkschaften wie den Zusicherungen in der Verfassung, daß in den Berufskammern die iknter- uehmer o l l« i n das Wort führen und ihren einseitigen Einfluß ausüben. Der Bundcsausschuß besteht daher auf der Forderung, daß in dem Gesetzentwurf über den endgültigen Reichswirtschaftsrat die notwendige Sicherheit für eine wirklich gleichberechtigte Vtitarbeit der Arbeiterschaft nickst nur im Rcichswirt- schaktsrat selbst, sondern auch innerhalb der öffenstich- rechtlichen Be- iufskammcrn gegeben werden müsse, oder daß durch ein gleich- zeitig zu verabschiedendes Sondergcletz auch die paritätische Mit- Wirkung in den Berufskommern herbeigeführt wird. vis Internationale öer Gemeinüearbeiter. Sammlung und Aufstieg. Born 12. bis 13. Dezember 1925 findet in Berlin die 7. inier. «oiianale Konferenz der Arbeiter öffentlicher Betrieb« statt. Ihr ging eine Borstandssitzung voraus vom S. bis 11. Dezember, an der als Vertreter des Vorstandes van Hinte, internationaler Sekre- tör(Holland), T e v e n a n(C.rgland), M ü n t n e r(Deutschland) und Nordgreen(Schweden) teilnahmen� Uytroever(Bel- gienl war durch wichtige Verhandlungen in der Dcpiitiertenkanrmer zurückgehalten Aus dem Geschäftsbericht des internationalen Sekretärs van tfilnte ist festzustellen, daß die 3. F. d. 51. sich in ihrem Kreis be- müht hat, in den angeschlosseneu Ländern nach Kräften für den Frieden zu wirken. Trotz Völkerbund und Friedenspakt sind die Ausgaben für den MUitarrsrnus der fünf Großmächte Englind, Frankreich, Japan. Vereinigte Staaten und Italien g e w a l r i g gestiegen und betragen gegenwärtig etwa 19 Milliarden Mark. Obgleich Deutschland lo ziemlich ouszui chatten ist, es besitzt fetzt eine Truppe von 199 999 Soldaten, ist auch der Heeres st and rn Europa sowie in de» Dereinigten Staaten gewaltig gewachsen. Arbeitslosigkeit und Kurzarbeit ist da» Charakter- bild in fast allen Kulturstaaten, so daß man von einem regelrechten Mißerfolg des kapitalistischen Systems sprechen kann. Zahlreiche Arbeitskonflikte sind in oerlchiedenen Ländern der Internationale entstanden, an denen auch die Arbester öffenisicher Äetriebe vielfach beteiligt waren. Die Arbeiterparteien sind erireulichcrweise in last ollen Kullurländern in Wachsen. Der Ein- sluß der Reaktion machte sich besonders auf dem Gebiete der Eni- kommunalisierung bemerkbor. Er ist aber mittlerweile zum Stillstand gekommen. Die Kommunalisierung marschiert wieder. Die Mitgliederzahlen der angeschlossenen Organisationen setzen sich nach dem Stand vom Oktober 1923 wie folgt zusammen: Tschechoslowakei 12399(voraussichtlicher Wiederanschluß am 1. Ja- mm 1926), Belgien 25 000, Dänemark 6500, Deutschland 210000 (inkl. 7900 Feuerwehrl. England 130 090, Frankreich 25 000, Holland (Reichs-, Gememk»»rbester. und Krankenbauspersonak) 16 899. Luxemburg 269, Schweden 17 209, Schweiz 11 999, Lettland 299 und Polen 12909. Der Spanische Verband der Gas- und Clektriziiäts- arbeite: hat seinen Eintritt zum 1. Januar 1326 bearrtram. Ebenso sind zum 1. Januar 8999 österreichische Staatsangestellte und Ar- bester der Internationale angemeldet, deren ZMkgli-derzohl rund 509 000 betragen dürfte. Aus diesen Zahlen ist klar ersichtlich, daß die Internationale in der Ausdehnung begrifsen ist. Von den Großstaaten stehen nur noch Amerika und Rußland der Internationale lern. Eine zusammeniossende Orgenitation des Gemeindeperionals in Amerika ist verschiedener Umstände wegen noch nicht g e- schassen worden. In Rußlaitd existieri eine Organisation der Gemeinde- und Slaytsarbe'cker mit einer Mitgliederzahl von 170 009. Doch ist eine genaue Kontrolle über diese Angaben bisher nicht möglich gewesen, da der Anschluß der russischen Gelneindearbeiter von der Gcsainzstcllung der Amsterdamer Internationale abhängig gemacht werden mußte. In der großen Mehnahl der Organisationen der Gemeindcarbeiter bilden Gas-, Elektrizitäts- und Wasserwerke die stärksten Gnipnsn. jedoch sind auch stark organt- sie«,(in Deutschland 83 Proz.) Kanalisation, Hafen, Straßenbrhn- personal, Stroßenrernigung, Wegebau. Gesundhestswesen, Theater und Gavtsnaulayeii. Der internationale Sekretär van Hinte gab dem Vorstand einen Bericht über die Korrespondenzen der verflossenen Geschästs Periode und brachte wichtige prinzipielle Fragen im Vorstand zur Ent- scheidung, dar diese wiederum der Konferenz zur Beschlußfassung unterbreiten wird. Die Konferenz findet im Neuen Rathause, Berlin-Schöneberg, statt.. Es werden zirka 30 Delegiert« aus den verschiedensten Ländern teilnehmen. Schwerer Konflikt in üen Karofferiebetrieben. Ein Hasardspiel mit der Wirtschafkskrise. Die Unternehmer der Korosseriebranche. die dem Arbeitgeber- verbond der Groß-Dcrliner Wagen- und Koroisericsabriken e. V. angeschlossen sind, hatten am 3. Dezember das Lohnabkoinmcn mit dem Korvsseriekortell gekündigt. Der Eingang dieses Schreibens wurde von dem Hokzorbeitervervond bestätigt und gleichzeitig von den Unternehmern Vorschläge zum Abschluß eines neuen Lohnab- kommen? eingefordert. Eine Amwort ist darauf nicht gc- geben worden. Statt dessen kündigten sie auch den Mantel- l a r i s zum 31. Dezember. Am 9. Dezember versuchten die Unternehmer dagegen durch einheitliches Diktat in ollen Betrieben, die Löhne um 20 Ys. herab- zusehen. Allerdings blieb dieser Versuch crsolgles. Die Belepschas- tcn lehnten es e i n m ü t ig a b. zu den neuen Lohnsätzen zu arbeiten. Diese Weigerung der Beschäftigten wurde in drei Betrieben mit der Aussperrung beontwoner, während in den übrigen Betrieben die Belegschaften westerarbeiteten und fest entschlossen sind, s e d e Verschlechterung ihrer Lohn- und Arbeitsbedingungen a b z u- wehren. Die Funktionärkonferenz der Korosserkarbeiter. die gestern abend noch dem Rosenthaler Hof einberusen war, stimmte einmütig den Abwehrmaßnahmen zu, die von dem Vertreter des Karosserie- kartells Genossen Picht vorgeschlagen wurden. Sie beschlossen weiter, entsprechend der Situation in den nächsten Togen wieder zusammenzutreten. * Die Karosseriesabrikanten, die sonst nicht laut genug ihr so- ziales Empfinden betonen können, nutzen dle nicht zuletzt durch ihre falichc Lohn- und Preispolitik herbeigeführte Wirtschosts- krise au«, um die Arbeiter zum Spielball ihrer„Geluirdungsexperi- mente" zu machei». die die Krise verichärsen müssen. Sie scheuen sich nicht, ihre Arbester 1k Tage vor Weihnachten aus die Straße zu werfen. Die Organisationen haben sich die erdenklichste Mühe gegeben, den drohenden Konflikt durch Verhandlungen beizulegen. Gewerbe. rat Körner hatte sich bereit erklärt, umgehend Vergleichsverhand- lungen anzuberaumen. Alle Verhandlungen wurden jedoch von den Unternehmern abgelehnt, mst dem Hinweis, ihr Snnditus befinde sich augenblicklich nicht in BerlinI Sie fühlten sich wohl fähig, das Feuer anzuzünden, nicht ober es zu löschen. Wenn die Unternehmer glauben, wegen der herrschenden Krise eine will- sährige Lrbetterschast vor sich zu haben, die jedes Diktat mst in den Taschen geballten Fäusten hmninunt, so täuschen sie sich ganz g.» wältig. Die Arbeiterschaft der Korosscriebetriebe ist gewerlschaillich geschlossen und geschult genug, auch trotz des augenblicklichen'Tief- stände» der Wirtichast solche brutalen Anschläge der Unternehmer derart abwehren zu können, daß verschiedene der Herren, die da glauben, sich gesund machen zu können, als wirtichaftlichs Lerchen vom Kampfseld getragen werden müssen. Was geschieht für die Beamten? Die„Bcko* teilt— mit allem Dorbeholt— folgende? mst: ,An maßgebender Stelle ioll die Lbfickl besteben, daZ Ianuargekalt den Beamten mehrere Tage vor dem WeibnachtZfest auszubezahlen. TaS Februargehalt soll um die Mitte des I a n u a r berum ausbezahlt wer"?». die B e z ü g e für März»m die Milte des Februar und»m die Mitte des Monats März das April« geholt. Zum 1. April!926 zoll dann das volle April- gehalt noch einmal gezahlt werden, so daß den Beamten für die Zeit vom April 1925 bis April 1926 volle l 3 M a n a t s- aebälter bezahlt lein würden. Man hosst somit, bis zum L April 1928 eine klar überiehvare Finanzlage vor sich zu haben." Wir wollen bossen, daß die Beamten mit dieser Jtachricht nicht wieder in den April geschickt werden. Neun Wochen Streik bei Richard Weber u. Co. Am 12. Oktober sind die Kaliberdreher bei Richard Weber u. Co., Kottbuser Ufer, in den Abwehr st reit getreten. Ein lOproz. Lohnabzug sollte vorgenommen werden, ju einer in der die Lebensmittel und andere Bedarfsartikel im wteigen waren. Die Kollegen stehen heute noch genau so in Front wie bei Beginn der Bewegung. Das einmütige Reiustat einer in voriger Woche erfolgten Abstimmung oui Erynd eines inoffiziellen Angebots der Firma beweist dies. Bei schriftlicher Verpflichtung sämtlicher Streikenden, de» Abzug anzuerkennen, wäre die Firma geneigt gewesen, einige einzustellen! Man könnte zwar nicht dafür garantieren, daß diele zwei oder drei Kollegen voll arbeiten würden! Wenn die Betriebsleitung vielleicht geglaubt Halle, die streikenden Kaliberdreher seien mürbe geworden, so bat sie eben die Rech- nung ohne den Wirt gemacht. Meister Fritz Nevi wird wohl mit seinen Lebrlmgen und einem angelernten Arbeitsburschen Paul Brandt die paar Gewindekaliber schubbern müssen, die die Firma zurzeit benötigt. Es kommt ober wohl wieder eine a ü n st i g e Konjunktur, wo man noch geeigneten Spezialkräften Ausschau hätt: dann wird jeder organisierte Kaliberdreher in Berlin es sich über- legen, den Betrieb 9L Weber u. Co. auszusuchen. Di« streikenden Kollegen lehnen es jedensolls ob� unter den angebotenen Umständen oder einzeln in den Betrieb zu gehen. Die Einigtest der Streikenden sowie die moralische und finan- ztelle Salidarstät der in Arbest stehenden Kollegen zeigen deutlich. daß auch in der schwersten Wirtschaftskrise und bei größter Arbeits- losigkest ein Streik von längerer Dauer durchgeführt werden kann. Täncmarks Kampf gegen die Arbeitslosigkeit. Kopenhagen, 19. Dezember.(Mtb.) Der dänische Landwitt- schastminister B o r d i n g will Notstandsarbeitcv in größerem Umfange ausführen lassen, um einen Teil des großen Heeres der Arbeitelosen zu beschäftigen. Noch den vorliegenden Meldungen ist ei» Betrog von 489 909 Kronen vorgesehen. Schiedsspruch im Lohnstreit der britische« Eisenbahner. Lovdon. 19. Dezember.(TU.) Das Lobnamt der brstischen Eisenbahnen hat heute in dem Lohnkonslikt sein Gutachten abgegeben. Es stellt fest, daß die EisenbahnaescUschailen unter den heutigen Derhöltnisien keine hinreichenden Gründe für die Herabsetzung der Löhne hätten, aber auch die Forderungen der Angestellten nach Lohnerhöhungen seien nicht genügend begründet. Die gesordene Lohnerhöhung würde für die Eifenbahngesellschaften eine Mehrbelastung van etwa 49 Millionen Pfund Sterling bedeuten. Die Gewerkschaften haben den Schiedsspruch günstig ausgenommen. Seramwarttilli für Politik: Crnft Jttutrr; Wirtschaft:«rhir eotcrnn«; (BcirrrfWnfiä&eiBfaur.«: z. Steilen Feuilleton: a. K. TZfcher: Lotales uul» Soasiiees: Zfrift«arstadl: Anzeiaen: lt. Slote; sämtlich in Berlin. Berla«: Loewäris-Lerla».®. m. d. i>, Berlin. Druck: Borwärti-Buchdruckeret und Berlaasanllalt IVuN Sinaer u Eo B-rlin 6W«s Linficaftraäc 3. chieez» 3«eilaae»»nt>„Unteechaltunn»nd fBiffca'. A. WERTHEIM KiMoz» Leipziger Strete KdnigitraBe Rosenthaler SlraBe Korifsplats Freitag o. Sonnabend, soweit Vorrat Leicht verderbliche Artikel können nicht zugesandt werden Wild u. Geflügel Ragout 45«. Hasen Ä'pV.uro95rt Brat-u. Suppen- fcfihser, Pmnd 1.50 Landfeber- -.1" •ad Relvnrtl, Phmd 1 20 Mettwurst£?&££ 1/a Junge Bohnen Brech- und Sdinln- lUPt Gemüseerbsen 52pt Erbsen miueiletn.. 80?k. Gem.Gemllse�'n Iis Gem.GemLse'«ml 70 Stang.-Spargei ««hr alark«'O Bruchspargel�fSSis Pflaumen 65pf. Kaiserbirnen �,1« Frisches Fleisch 76, Verderllrlcch u._. ROcken, Piuntf B �P9. and Brust"7� Piund f VPf. Hammel Kaibskamm Kalbskeule 80p«. Schweinebauch».«""Id. Iio Schweineschinken____ Iis Keßler Rippspeer*«".'3 1 so Prima Gefrierfleisch Rinderkamm» d«-»., S5p». ___ Oom'A Ananas"Tschefben 220 Preiselbeeren � IO Pld.-Eltn*r-4 20, 3 Pfd. � Sardinen Norweger 45PI. SaÄ85"�" Z-Ffnod-ElBer i Pflaumen-Konf. 90pr. Orangen-Kcnflt, Iis Aprikosen-Konf. 140 Erdbeer-Konfit. I�o Rindfleisch chnc Knochen, Piund-Dosc 22 PL Schedflsche Rotbarse � Dorsche Bratscholien 25pt Leb. Quappen 75 Plnnd»OP«- Leb. Karpfen pmnd 1 10 Pilaumen Pmnd 56 pt Backobst ka'i'om« Piond 72 Pt Ringäpfcl Imllforn, Pmnd 68 Pt Birnen kalllornlBdie, Pfund|58 Aprikosen kalllom, Plund|38 Weiße Bcbnon-Pfund 18 Pt Viktoria-Erbsen.pmnd 24 Pt Grüne Erbsen..pmnd 24 Pt Polierte Erbsen pmnd 28 Pt Tbüringer Linsen pmnd 38 pi Obst- u. Südfrüchte Wainüssepid.SB, 58 pt Haselnüsse pmnd 88pr. Mandarinenpiin.d28pL Apfelsinen AK-- DuHcnd 45, 75 Pt Felgen"<, enl8 pIllwi 24pt Tafeläpfel 2V pt Mohrrüben 4e-f ««waschen, 2 Plund U' Zwiebeln 2pmnd15pt Sellerie pu-ndlOpt. 20pt Blumenkohl � 20� Aepfel Tiroler, Pfund 20Pt AepfelaSsÄT«, 24p.. Amerikaner� 48 pt Weintrauben Ao Almeria, P.und'»ÖPf« Traub.-Rosinen 73 p« Ananas irtsdw. p«. 90� Mar"Äia 60«. Speisetalg 64 pt Kokosfett' 66 pi. Kunsthonig � 33pt Flundern BetUucherf, Plund 45, Schellfische �5; 42?«. Goldbars �2! pid 45 Pt Bücklinge ,clpi„„d 53 pt Sprotten m 58, 63 pt Orlglnal-Kistdien 55, 68 PL Wein PrHtt fOr'H fUsdie e'rtxhlirlilitk«Vnrr ohne Olea Edel-ApfcIwcinTÄ'd'öTpt 1923 Hainfelder»c milder Oiierhaardttr®3Pt 1920 Gimmeldinger Kieselberg Wl$»l,™Jcn<*h 1 50 1920 Oürkheimer Schloßgarten Kießling w«chs».. Stadl Dürkheim' 60 1920 Deideeheimcr Gutenberg blumI�,„ell, 1 90 iWontagne 95 pt Chiantl-Ruffiiio 1 40 Mistella-GoldM�ldS CapKonstantiaMu8cadel0 würziger Kap-Weh) äoU Goldkorn kÄÄb 360 Gelreidekümmelß� 625 Berliner,'/o Liier w � Ltp# 1 Deutscher Weinbrand« .Reserve* Beiocdere Gelegenheit Kirschwasser Mark« Camhal,« VoL•/» Zwetsclienwasser Landauer& Madioll.SOVoL•• 559 93n. Jos n*. 2 io nin.2n Kaifee» Soo«. 4eo Roggenbrot orfsäbUütes Gewicht Siädc 45 p/. Im Wintergarten Leipziger Lfiraße CWSk IS rnm mm. mm... K®HI|bh ncniien-auira IBM ww*. f?---—__ Et Bf C, JZ Koha ca. So cm cm»0 cjb ca. 80 cm cm.«00 er» cm. 10 cm cm- 70 cm ca.«o er» PaKRien-werkauf.»»2« 2?- s?» n« z« s« ii« kchntlen-Tuk?, cm io cm cm- 70 cm cm.«o Nr. 584 ♦ 42.�ahrgaag 1. Heilage ües Vorwärts §reitag, 11. dezember 1�55 Die Notstandsvorlage vor sen Stadtverordneten. Politik in den Fachschulen.— Die Unfälle in Badeanstalten« Die Berliner Stadtverordnetenversammlung hatte gestern die erste Beratung der Magistratsvorlage über die �ilssaktion für Erwerbslose und Notleidende. Alle Parteien verzichteten darauf, in eine Debatte einzutreten. Ucber die Notwendigkeit einer Hilfsaktion ist ja kein Wort mehr zu ver- lieren, nur über das Maß der zu leistenden Hilfe kann noch geredet werden. Das wird in dem Haushaltsausfchuß geschehen, dem die Vorlage überwiesen wurde. Im weiteren Verlaufe ver Sitzung kam es zu einer Debatte über die in Fachschulen betrie- bene Agitation für rechts st ehende Angestelltem- verbände. Die gegen diesen Unfug sich richtende Anfrage der sozialdemokratischen Fraktion wurde vom Genossen Flalau begrün- dct, dessen Ausführungen Stadtrat B e n e ck e vergeblich zu entkräften versuchte. Nachher gab es eine lange Debatte über die Unfälle in Badeanft alten. Daß die Wiederholung solcher traurigen Vorkommnlsie verhütet werden muh, darüber waren alle Parteien einig. Genosse Elajus forderte nicht nur Beseitigung der Mängel, sondern empsahl zugleich auch eine bessere Zusamnienfasiung des gesamten Bodewesens. « Die gestrige StadKerordnetcnsitzung wurde vom Borsteher Ge- nassen Höh gegen%6 Uhr eröffnet. Ohne Debatte wurde der An. trag der sozialdemokratischen Fraktion angenommen, der verlangt, dah Arbeiten der Feuerwehrleute, die nicht zu ihrem Beruf gehören, von Berufshandwerkern(Erwerbs. losen) ausgeführt werden sollen. Der Dringlichkeitsantrag der SPD. zu der Frage der hohenzollernabfindung („Vorwärb' vom Mittwoch früh) fand den Widerspruch der Rechten, so daß erst in der nächsten Sitzung über ihn verhandelt werden kann. Ebenso erging es einem Dringlichkeitsantrag der Wirtschaftspartei. Er verlangte schnellere Beseitigung der Schneemassen in den Straßen. Unsere Genossen hatten dazu den Zusatz beantragt, die Schneeabsuhr sofort wieder aufzunehmen und in erster Linie unteiftutzungsberechtigte und ausgesteuerte Erwerbslose zu Tariflöhnen heranzuziehen. Der Magistrat hatte, dem srüheren Beichluß der Bersammlung folgend, eine grvße Vorlage betreffend Tlofslaadsmahnahmen zur Linderung der Tlot der Erwerbslosen eingebracht. Ohne Widerspruch und Aussprache wurde die Vorlage, deren Inhalt im.Vorwärts" bereits mitgeteilt ist. an den Haus- haltsausschuh verwiesen. Der die Brückensperre in Char- lottenburg betreffende Antrag der Kommunisten und unserer Genossen kann wegen Widerspruch der Nechtsparteicn noch nicht ver- handelt werden.— Eine Anfrage unserer Genossen, be- treffend die durch Lehrpersonen in den Berufsschulen betriebene Propaganda für gewisse Angestelltenverbände, begründete Genosie Flalau. Er stellte fest, daß zur Zeil des Stodtschulrats Genossen Paulsen die unberechtigte Agitation der Lehrpersonen untersagt wer- den war. Jetzt ist diese Propaganda wieder aufgelebt, ja in K ö p e- nick ist Agitationsrnoteriol des D e u tf ch n a t i on a- len Handlungsgehilfenverbandees sogar offiziell von der Schul Verwaltung verteilt worden. Stadtrat Bcnscke erklärte, daß das beanstandete Material nur als.A n s ch a u- u n g s m a t e r i a l"(!) gedient habe. Er gab aber im übrigen die Unzulässigkest der Propaganda zu. In Köpenick sind Agitations- ichriston.bürgerlicher" Angestelltenverbände von Privatpersonen in die Schule gebracht worden, der verteilende Lehrer habe aber die Schüler auch auf die anderen Verbände aufmerksam gemacht und die Entscheidung den Schülern überlassen. Ein kommunistischer Redner kündigte für die Zukunft eine umfangreiche Agitation.für den Gedanken des Klassenkampfes" in den Berussschulen an. Der völkische Professor Denicke und Obermeister Paeth(Dnat.) poleini. sierten gegen Lange und Flatou. Nach weiteren Ausführungen der Stadtv.(Boß(Komm.) und Merten(Dem.) bestritt Genosse Flalau, dah in der betreffenden Schule auch auf aizdere Organisationen auf- merksam gemacht wurde.— Eine Vorlage, die die Einschrän» kung der Wiederbesetzung f r« i w e rd e n d e r Plan- stellen verlangt, wurde dem Beamtenaussch'iß überwiesen. An den Sreuerausschuß ging der 6. Nachtrag zur Bier- und Branntweinsteuer.— Die Gültigkeit der Stadtverordnete, r- und Bezirksverordnetenwahlen wurde bestätigt. Für die E r r i ch- tung einer Arbeiterkolonie auf dem städtischen Ribbckshorst wurden als 1. Bauratc löst 000 M. bewilligt. Mit'großer Mehrheit beschloß die Versammlung die E r r i ch. tung einer Gemeinnützigen Gesellschaft m. b. H. zur Uebernahmevon Betrieb und Verwaltung' des Schwimmbades im Volkspark Zungfern Heide. Sellheim von den Kommunisten witterte hinter der vorlag«, daß die Badeanlagen der großen Masse der Bevölkerung durch zu hohe Ein- trillspreise, eine nicht volkstümliche Verwaltung usw. entfremdet werden sollen. Die Erhaltung dieser und ähnlicher städtischer An- lagen„in städtischem Besitz" sei im Interesse der Bevölkerung drin- gend nötig. Genosse kawerau erwiderte dem Vorredner, daß von einer Entfremdung städtischen Eigentums gar keine Rede sein könne, da der allergrößte Teil der Anteile der Gesellschaft in Händen der Stadt verbleiben solle. Im übrigen solle Sellheim nicht bei so einfachen Angelegenheiten seine agita. torischen Bedürfnisse befriedigen. Die Sozialdemo traten seien für die Vorlage.— Der streit um die Neuköllner Groß Handelsgesellschaft wurde gestern dadurch beendet, daß die Versammlung dem Ausschußantrage zustimmte, durch den in- zwischen erfolgten Verkauf der Anteile der Gesellschaft die Ange- legcnheit als erledigt zu betrachten. Die Unfälle in den städtischen Badeanstalten hatten eine ganze Reihe von Fragen verschiedener Fraktionen, auch der sozialdemokratischen, veranlaßt. Der Ausschuß sprach sich sür eine Reihe Sicherungsmaßnahmen aus, die schon im»vor- wärts" veröffentlicht wurden. 2n der Besprechung forderte der Kommunist Sellheim. über die Ausschußsitzung hinausgehend, eine tägliche Erneuerung des Wassers und eine damit verbundene Des-� infeftion der Becken. Stadtmedizinalrat Dr. von Drigalski betonte, daß mit absoluter Sicherheit keine Gewähr sür eine Verblltung von Badeunsällen geboten werden könne. Es lei aber jetzt scyon alles geschehen, um die Unfälle möglichst zu vermeiden. Das Personal solle im Rettungsschwimmen ausgebildet werden. Im übrigen sei Sparsamkeit dringend geboten, wenn man neue Badeanstalten bauen wolle. Die Chlorung des Badewassers sei sogar im reichen Amerika eingeführt worden, habe sich dort bewährt und ist hier übernommen worden. Stadtv. Dr. klinckhardt ver- langte namens der Volkspartei und der Demokraten, daß die Becken wie vor dem Kriege mit frischem'Wasser gefüllt werden sollen. keine genügende Kontrolle ausgeübt werden könne. Unsere Bade- ningsbedllrftig in den Badeanstalten. Auffällig bei einigen Unfällen sei, daß sie nicht bemerkt wurden. Man müsse den S p o r m a ß- nahmen des Magistrats viel Schuld beimessen und ver- langen, dah die Sicherheit der Badenden in erster Linie maßgebend sei. Unzweifelhaft sei das Personal ü b e r l a st e t, so daß Für unsere Fraktion sprach Genosse Clajus: Es fei vieles verbesse- anstalten sind zum größten Teil verbaut, Luft und Licht fehlen. Im Hallenbad des Bezirks Friedrichs Hain werde das Wasser schon jetzt wieder täglich erneuert: was dort durchgeführt ist. müsse auch in den anderen Bädern möglich sein. Der Redner ver- warf die Reinigung de» Badewossers mittel» Chlor und schloß sich den Forderungen Sellheims und Klinckhardts an. Die ver- waltung des Badewesens müsse zentralisiert werden, um zu verhüten, dah verschiedene Verwaltungsstellen gegensätzliche Anordnungen treffen. In der Abstimmung wurden die Ausschußontröge gutgeheißen und dazu die Anträge Sellheim und Klinckhardt mit Mehrheit angenommen. Mederbestellungen auf amerikanische Zeifnngen bei der Post. Die Postanstalten nehmen fortan— erstmalig für da» 1. Vierteljahr 192«— Wiederbe st ellun gen auf amerikanische Zeitungen entgegen. Die Vermittlung de» Bezug» durch die Post beschränkt sich einstweilen auf die in den Vereinigten Staaten vonRordamerika erscheinenden Zeitungen. Das post-Nlonopo!. Eine klage gegen den Berliner Magistrat. Oberbürgermeister B ö ß und Stadtrat Wege hatten sich vor einer Abteilung des Erweiterten Schöffengerichts Mitte unter Vorsitz des Landgerichtsdirektors Dr. Jasper als Angeklagte wegen Verstoßes gegen das Postregal zu verantworten. Schon im Sommer hatte Hauptverhandlung in dieser Sache angestanden, es war aber damals zu einer Vertagung gekommen, weil das Gericht beschloß, Ermittelungen über den inneren Dienstbetrieb beim Berliner Magistrat und bei den in Frage kommenden Verwaltungs- stellen anzustellen. Es handest sich um eine prinzipielle Entscheidung. Die Postbehörde, die als Nebenklägerin austritt, hat die Einrichtung der chauptverteilungsstelle der Generalbureaus bemängelt, weil diese Bri ef s ch a f t en' d u rch eigene Aktenwagen. Boten und Radfahrer im Verkehr mit den Bezirksämtern, Deputationen und Verwaltungsstellen befördert. Sie hält einen derartigen Verkehr für unziilässig, weil es sich um selbständige Behörden, und bei den Bezirksämtern um selbständige Städte handele. Eine Entscheidung des Reichsgerichts gegen die Stadt Mainz die einen eigenen Briefverkehr zwischen dem Magistrat und dem Polizeiamt unterhält, hatte in dem Polizeiamt eine selb- ständige Verwaltung erblickt. Das will die Postbehörde nun auch auf die verschiedenen Einrichtungen innerhalb der Gemeinde Groß- Berlin anwenden. Oberbürgermeister B ö ß war vom persönlichen Erscheinen wegen Amtsüberhäusung entbunden. Stadtrat Wege bestritt die Richtigkeit des Standpunktes der Postbehörde und der Staatsanwaltschaft. Di« Bezirksämter, Deputationen und Ver- waltungsstellen seien TeilederEinheitsgemeindeGroß- Berlin. Stadtoberinspckwr Herbst bekundete, gemischtwirtschaftliche Betriebe seien von der Briefbesörderung im inneren Verkehr ausgeschlossen, da es sich hier um Gesellschaften m. � b. H. handele. Sladtsyndikus Lange erklärte, die Deputationen seien gebunden an die Richtlinien des Magistrats und feien nicht in der Lage, eigene Staatsrechte auszuüben. Der rechtliche Charakter der Bezirks- ä m t e r gehe aus Z 85 des Gemeindegesetzes hervor, wonach sie materielle Organe des Magistrats seien. Auch die Bezirks» ämter seien Behörden, aber keine selbständigen Be- Hörden. Das ergebe sich schon daraus, dah sie keine Finanzhoheit haben und ihr Haushalt von den Beschlüssen des Magistrats ab- hängig sei.- Aehnliche Auskünfte geben Stadtrat Wege über die Eeuersozietät, Stadttat Dr. Richter über das Hauptwahlamt und bermagistratsrat C o l l a tz über das Versicherungsamt. Nachdem noch Stadtsyndikus Lange den Standvunkt vertreten hatte, daß es sich bei den in Betracht kommenden Stellen nicht um selbständige Verwaltungsbehörden handele, erklärte Staatsanwalt- schaftsrat N u t h m a n n, daß die B e-z I r k s S m t e r. das Kauf- manns- und Gewerbegericht, das Versicherungs- amt, die Betriebskrankenkasse und das Landes- arbeitsam! doch als selbständige Aemter'zu betrachten seien. Alle anderen Dienststellen seien dagegen verwaltungstechnische Einrichtungen der Stadtgemeinde. Das treffe auch bei dem städtischen Besitz Buch zu. An sich wäre es zulässig, innerhalb eines Ortes durch Expreßboten Sammelbriefe zu befördern. Dos Gesetz mache aber eine Ausnahme, wenn es durch eine besondere Beförde- rungsanstast geschehe. D i e D e r t e i l u n g s st e l l e der Stadt, die schon dem äußeren Eindruck nach wie ein großes Postamt wirke, sei als eine Beförderungsanstalt zu betrachten. Eine Gewerbs- Mäßigkeit werde nach dem Wortlaut des Gesetzes nicht vorausgesetzt, sondern nur die Beförderung durch Erpreßboten gelte al» verboten. Bei der Festsetzung des Strafmaßes lasse sich nicht ermitteln, wieviel Postsachen hinterzogen worden seien. Es handele sich für die Postbehörde auch nur darum, prinzipiell die Gesetzwidrigkeit des Vorgehens der Stadt Berlin sestzuftellen. Der Prozeß kling« ja auch mehr an ein Verwaltungs st reit- verfahren, als an ein Strafverfahren an. Deshalb wollte der Staatsanwalt nur die niedrigste Strafe, und zwar, da zwei selb- ständige fortgesetzte Handlungen in Frage kommen, für jeden Fall eine Strafe von S M. festgesetzt sehen. Er beantragte daher gegen Oberbürgermeister Böß und Stadtrat Wege eine Gesamtstrafe von je 6 M. zu verhängen. Nachdem Rechtsanwalt Dr. Fabian den Ausführungen des Staatsanwaltes entgegengetreten war, beraumte Landgerichtsdirektor Jasper den Termin für die' Verkündung de» Urteils auf nächsten Montag 12 Uhr mittags an. 891 Die Passion. Roman von Clara Biebig. „Erinnerst du dich noch— du warst noch bei Wil- kowskis—, wie wir eines Sonntags, als es fo regnete, und wir nicht wußten, wohin, dem Fräulein mit dem rotseidenen Unterrock begegneten? fragte sie Eva. „Bei der wir nachher Kaffee tranken, o ja,* sagte Eva. Sie hatte ein gutes Gedächtnis, es bedurfte nur dieses An- stoßcs, und sie erinnerte sich.ganz genau.„Ich kriegte viel Kuchen Und sie zog mir die Schuhe aus und rieb mir die Füße warm. Sie war so lieb zu mir. Wer war das eigentlich?" „Eine Freundin von mir. Eine.Freundin von früher her." „Aber eine sehr gute Freundin, nicht wahr? „Ja" sagte Olga. Weiter nichts. Wer würde so gut zu Eva sein, wie Lenchen es damals zu dem verregneten Kinde gewesen war, wenn sie plötzlich fort müßte?! Olga beschloff, sich dem Bruder wieder mehr zu nähern. Sie war lange nicht bei den Wilkowskis gewesen, es war nur noch ein ganz stzckerer Zusammenhalt; in den zwei Jahren seit ihrer Hochzeit hatte man sich kaum gesehen. ging Olga an einem der nächsten Abende hin, gleich vom Geschäft aus. Sic traf den Bruder allein zu Hause, das war ihr gerade erwünscht. Sie war erstaunt, als sie ihn sah: der stattliche Mann hatte recht abgenommen. Und er war ebenso erstaunt: jetzt sah man es der Olga aber gut an, daß sie auf die Vierzig lossteuerte, bei ihrer Hochzeit hätte ihr kein Mensch mehr alz knapp Dreißig gegeben. Stefan suchte im Blick der Schwester: war sie nicht glück- lich geworden? Das sollte ihm leid sein, wenn seine Frau wieder einmal recht behielte. Die hatte diesem ungleichen Paar kein besonderes Glück prophezeit. Gerade im Gegensatz zu Grete, die. jung und hübsch, den jungen hübschen Mann heiratete, nicht. Aber da war ja nun auch nuyl alles so schön, wie es sich angelassen hatte. „Wo ist Ella denn?" fragte Olga.....,., „Bei ihrer Tochter, bei Grete. Da ist sie sehr viel, fast tägllch. Du mußt nämlich wissen"— er dämpfte die Stimme. damit Irma, die, genau wie früher Gretchen. im Nebenzimmer am Klavier klimperte, nichts hören sollte—.„Grete hat schon einmal Melheur gehabt. Nun ist sie wieder so weit, dah sie erwartet— aber wer weiß!" Er zog'die Achseln.„Der Arzt sagt: es liegt nicht an ihr." „Oh!" machte Olga. Sie fragte nicht weiter. Aber Plötz» { Ich stand Frau Lehmanns muffige» Hinterzimmer vor ihr, , sie hörte Lenchens ringende Seufzer— sollte es denn überall dasselbe geben, hier wie dort? In diesen Kreisen wie in jenen? Das Blut schoß ihr zu Kopf— wie kam sie nur immer wieder auf solch dumme, verdächtigende Gedanken? War denn die ganze Welt dieses großen Unheils voll? „Stefan," jagte sie und faßte nach seiner Hand,.chu . hast Kinder, die du liebst, ich habe Eva. Ich mache mir oft so viele Gedanken, sie quälen mich— nicht wahr, du �wirst dich um Eva kümmern, wenn ich das nicht mehr könnte?" «Wieso, weswegen?" Er sah sie groß an, er verstand sie gar nicht. Was war denn, hatte sie sich mit ihrem Mann entzweit, wollten sie wieder auseinander? Das wäre aber! Aergerlich runzelte er die Stirn. Aber wenn sie nichts davon sagte, würde er sich wohl hüten, daran zu rühren. Was ging ihn das eigentlich an? Hatte er nicht genug zu tun mit eige- nen Kümmernissen? Seine Frau wurde immer unaussteh- sicher: seit Grete kränkelte, und sie da wohl tlarör sah als die junge Frau selber, war es mit Ella kaum mehr auszu- kommen. Irma hatte auch keine guten Tage, wenn die fertig war mit der Handelsschule, wollte sie am liebsten ganz fort aus dem Hause; zu verdenken war es ihr nicht. Der Albert konnte lachen: der war schon seine eigenen Wege gegangen. war gut angekommen als Buchhandlungsgehilfe in einer großen Firma, wohnte schon seit vorigem Jahr für sich. Der hatte es gut! Stefan Wilkowski seufzte. „Das Leben ist so schwer," sagte Olga leise.„Mancher ist ihm besser gewachsen als mancher— Eva ist so zart!" Nun waren sie allein, sie und der Bruder, nun hätte sie mit ihm, der ihr blutsverwandt war, der schon der Mutter wegen, deren Schoß sie beide getragen, verpflichtet war, sich um das, was sie anging, auch zu bekümmern, frei sprechen können, alles offenbaren, ihre Aengste vor ihm ausschütten wie Wasser, das sich angesammelt hat von trüben Regengüssen. Aber sie konnte es nicht. Wenn er sie doch von selber fragen mochte, sie aushorchen! Sie wartete sehnsüchtig. Aber er fragte nichts. „Eva ist so zart," Hub sie noch einmal an. „So. Ja. Das war sie ja immer." Es verwunderte ihn gar nicht: von einem Kind, das unter so kläglichen Umständen geboren war, war ja auch nichts besonders Kräftiges zu er- warten.„Solche Kinder wären am bellen gleich aufgehoben beim lieben Gott," sagte Ella.„Was willst du sie denn werden lassen'? Wie alt ist sie doch gleich?" „Sie wird vierzehn." antwortete sie tonlos. Es war ihr schmerzlich: nicht einmal wie alt Eva war, wußte er!■ �Hat sie besondere Talente?" «Nein." «Zu besonders was Lust?" „Nein." „Da weiß ich wahrhaftig auch nicht, was du mit ihr machen sollst. Aber laß sie doch den Haushalt führen!" Wil- kowski fand das einen sehr guten Gedanken, er versteifte sich darauf.„Du bist den ganzen Tag weg, sie kann kochen, sauber machen, alles für deinen Mann in Ordnung halten, da ist trefflich für sie ausgesorgt." ,La," sagte sie kurz: der Mund war ihr wie zugehalten. „Na, siehst du wohl!" Er lachte erfreut. Und dann nahmen sie. bald Abschied voneinander. Er rief Irma noch herein, daß sie die Tante einmal begrüßte. Olga staunte: ein hübsches Mädchen, so groß und kräftig, drei Evas hätte man aus ihr machen können! Mit einem Seufzer ging Olga. Sie hatte so das Bedürfnis gehabt, sich einmal alles von der Seele zu reden: nun lächelt? fn bitter: wie hatte sie nur denken können, hier ein Ohr und ein Herz zu finden! Aber, schon unten an der Treppe, kehrte sie doch noch einmal um, ging nicht, nein, lief die vielen Stufen aber- mals hinauf und läutete nochmals an. Wilkowski öffnete spallbreit: da streckte sie ihre ganz kalt gewordene Hand durch die Spalte:„Stefan, versprich es mir, du sorgst für Eva, wenn ich nicht mehr bin!" „Natürlich," stotterte er. Cr war ganz erschrocken: wie komisch von Olga! Ehe er noch weiter etwas sagen konnte, war sie schon wieder hinuntergelaufen. Eva sah der Mutter nach den Augen.'Sie merkte es sehr wohl, daß nicht alles so war, wie es sein sollte und wie die Mutter es erträumt hatte. Das war für sie keine Usber- raschung. Nun hätte sie ja triumphieren können, daß sie recht behalten hatte, aber von Rechthaberei war dieses Mal nichts in ihr. nur von Zorn gegen den Mang, zu dem sie nie- mals Bater sagen würde. Sie verstand in der Mutter Gesicht zu lesen: mit einer merkwürdigen Schärfe, mit einer l'r kenntnis, die sie alt machte ttotz ihrer vierzehn Jahre, sah' sie stumm in diese Ehe hinein, die nicht gut war und nul,t schlecht, die gar nichts war. „Mutter," sagte Eva nur,„ich will nie heiraten, ich will immer bei dir bleiben!" Dann umschlang Olga ihre Eva mit beiden Armen, legte ihr Gesicht, um die aussteigenden Tränen zu verbergen, an die noch flache Mädchenbrust und atmete tief und bang. (Fortsetzung folgt.), Vas EnSe ewes»vergnügten Menös�. wenn man zuviel des Guten tut! Ein Korrektor C., der einmal einen recht vergnügten Abend hinter sich hatte, befand sich in sehr angeheiterter Stimmung auf dem Heimweg. Nun sind manche Leute in solcher Stimmung ganz vergnügt, andere aber recht ungemütlich. Und zu jenen Zweiten ge- hörte leider der Herr Korrektor. Er hatte sich jedenfalls so weit gehen lassen, daß er sich nun vor dem Schöffengericht Berlin- Mitte wegen Wider st ands gegen die Staatsgewalt und wegen fortgesetzter Beamten- beleidigung oerantworten mußte. Der Verhandlungssaal schien„polizeilich" besetzt zu sein. Die Zeugenbänke wiesen nur uniformiert« Schutzleute auf, zu denen sich noch ein einzelner Postbeamter gesellte, der, ebenfalls in Amtstracht, den bunten Reigen nicht störte. Aber alle diese Beamten waren mir erschienen, um Zeugnis darüber abzu- legen, wie wenig nett sich Herr Korrektor C. benommen habe. Diesem war auf seinem„schwierigen" Heimwege von einem kleinen, schmächtigen Possanten ein Scherzwort zugerufen worden, das C. in geradezu rasende Wut brachte. Er, der bedeutend Größere und Stärkere, warf sich sofort auf seinen unterlegenen Widersacher und wollte ihn arg verprügeln. Der zufällig vorübergehende Postbeamte war empört über das ungleiche Stärkevc�hältnis und eilte dem Schwächsren zu Hilfe. Sofort wandte sich C. gegen den neuen Gegner, dem er mit geballter Faust auf die Nase schlug, so daß diese sofort stark blutete. Ein radfahrender Polizist suchte den Streit zu schlichten und forderte den Angeklagten schließlich auf, sich zu legiti- mieren. E. weigerte sich ganK entschieden und begann mit einer wüsten Schimpferei auf den Beamten. AI» nun noch weitere Schutz- leute hinzukamen und den Tobenden auf die Wache bringen wollten, begann ein förmlicher Ringkampf, der aber schließlich doch damit endete, daß C. aus das nächste Polizeirevier gebracht wurde. Hier sollen sich nun die Beleidigungen gegen die Beamten fortgesetzt haben und so ausgeartet fein, daß man zu einer gewaltsamen Legitimierung schreiten mußte. Der Angeklagt« wollte nun aus der Wache geschlagen und gereizt worden sein, konnte sich aber auf Einzelheiten nicht mehr besinnen. Da aber alle Zeugen gegen ihn aussagten, hielt C. es doch für angebracht, zuzugeben, daß er sich wirklich nicht einwand- irei benommen habe. Dieses Geständnis und die Tatsache, daß der Angeklagte sonst ein ruhiger und besonnener Mensch sei, veranlaßt? das Gericht zu weitgehendster Milde. C. wurde wegen Wider- st ands und fortgesetzter Beleidigung zu einer Geld- st rase von 200 Mark verurteilt. Alles in allem ein etwas kostpieliger— vergnügter Abend! Um ZV Pfennige... Aus der Untersuchungshaft wurden zwei junge Menschen, ein Steinschleifer Hans C. und ein Arbeiter Leopold W., dem Schöffen- gericht Berlin-Mitte vorgeführt. Die Anklage gegen sie lautete auf schwere Urkundenfälschung in Tateinheit mit ver- suchte m Betrüge, weil sie versucht hatten, ganze dreißig Pfennige zu erbeuten, um sich etwas zu esien zu kaufen. Nun kann man ja den Angaben der beiden Angeklagten etwas miß- trauisch gegenüberstehen. Die Akten verkünden von beiden trotz ihrer Jugend schon acht Vorstrafen. Wenn aber zwei Menschen— auf jeden von ihnen wären ja nur 15 Pf. gekommen!— deswegen eine Urkunde fälschen und einen Betrug versuchen, dann steht dahinter keine Neigung zum Verbrechen, sondern ganz einfach bitter st eNot, Hunger und Elend. W. hat sich eine Arbeits- bescheinigung selbst ausgestellt, beide sind dann zum W o h l f a h r t s- a m t gegangen, um eine Unterstützung von 3 0 Pf. zu erlangen. Der betreffende Beamte aber bemerkte die sehr ungeschickte Fälschung sofort und übergab die beiden Missetäter der Polizei. Man mag sich gar nicht ausdenken, was wohl dem Beamten passiert wäre, wenn er die falsche Bescheinigung einfach zerrissen und den Leuten den Standpunkt klargemacht hätte! Oder�hat er geahnt, daß sie beide schon vorbestraft waren? Nun, das Wohlfahrtsamt ist um den Ver- tust von 30 Pf. bewahrt worden, der Staatsanwalt hat ein Ver- fähren wegen schwerer Urkundenfälschung in Tateinheit mit ver- suchtem Betrüge angestrengt, und jeder der Angeklagten ist zu einemMonatGeföngnisverurteilt worden. Die Strafe ist durch die Untersuchungshaft oerbüßt, da beide in „dieser Sache" schon seit Oktober, also nahezu zwei Monate» sitzen. Die K o st e n des Verfahrens sind natürlich den An- geklagten auferlegt, d. h. vorläufig trägt sie der Staat, bis man das Geld zwangsweise von den armen Teufeln wird ein- getrieben haben. Und das alles wegen— 30 Pfennigen» die z u einem Stück Brot dienen sollten! Haben wir nicht auch eine Verfügung, nach denen Verfahren, bei denen das Objekt nur geringfügig ist, niedergeschlagen werden können? Schade, daß es sich nur um eine„Kann"-, nicht aber um eine Muß'oerfügung handelt, sonst könnte man vielleicht die Betreffenden, die solchen Aufwand für nötig hieUen, selber zur Verantwortung ziehen. Polizei und Weihnachtsbaumhandcl. Bekanntlich hatte im vorigen Jahre der Verkauf von Weih- nachtsbäumen mit einem recht beträchtlichen Verlust für die Groß- und Kleinhändler abgeschlosien, weil die Anfuhr den Bedarf weit überstieg und Hunderte von Waggons mit Bäumen stehen blieben, ohne daß sie abgesetzt werden konnten. In diesem Jahre ist man vor- sichtiger geworden: die Anfuhr von Weihnachtsbäumen bleibt be- deutend hinter den Zahlen des Vorjahres zurück. Um aber von vornherein einem Wucher mit Weihnachtsbäumen vor- z u b e u g e n, hat das Polizeipräsidium, wie wir erfahren, sofort mit Erhebungen begonnen und der Preisbildung besondere Auf- merksamkeit zugewandt. Dem Ersuchen der Händler, in Gemeinschaft mit Händlervertretern und der Preisprüfungsstelle eine Verdienst- spanne festzusetzen, ist mau nicht nachgekommen, man will vielmehr dem freien Wettbewerb die Bildung des Marktpreises überlassen. Das Polizeipräsidium ist zunächst mit-der Prüfung der Groß- händlerpreise beschäftigt. Auf Grund einer Reihe von A n- zeigen ist auch in einigen Fällen bereits vorgegangen worden, so z. B. in einem Falle, wo für eine etwa 5 Meter hohe Edeltanne der Preis von 100 Mark vom Großhändler verlangt wurde. Obwohl es sich hier um eine Luxustanne handelt«, erschien der Preis doch so ungeheuerlich, daß man gegen den Händler einschritt. Di« Preise werden an Hand der Warenbescheinigung und des Frachtbriefes nachgeprüst, wobei man einen Gewinnanteil von 5 0 bis 40 Proz. für angemessen hält. Sicherheitsmaßnahmen gegen Dachstnhlbrände. Die in letzter Zeit auf Brandstiftung zurückzuführenden Dach- stuhlbrände haben Anlaß zur Prüfung der Frage gegeben, in welcher Weise diese Brände verhindert werden könnten. Zur Eindämmung der Brandstiftungen wurde empfohlen, die Hauseigentümer darauf hinzuweisen, die Bodentüren mit Sicherheits- s ch l ö s s e r n z u v e r s e h e n, die ein Oeffnen mittel» Nachschlüsiels immöglich machen, jedoch ein Oeffnen der Türen mit den von der Feuerwehr mitgefuhrten Geräten gestatten. Dies ließe sich dadurch erreichen, daß an Stell« der üblichen Schlösser außen an den Türen Krampe» angebracht«erden, die mst guten Vorhängeschlössern zu versehen wären. Ferner sollten vorhandene Bodenluken qe- schlössen gehalten und leicht brennbare Gegenstände fPackmaterial. Holzwolle usw.) auf den Böden nicht ae- kagertwerden. Auch die Hausbewohner können zur Verhütung von Brandstiftungen beitragen, indem sie auf verdächtige Geräuscbe aus den Böden und fremde Personen, die sich in den Häusern zu schassen machen» achten. Heber die Verhütung von Brandstifmngen sollen von Feuerwehringenieuren Vorträg« gehalten werden. Vor allem sollten die Hausbewohner streng daraus achten, daß niemand die Bodenräume mit offen brennendem Licht oder mit einer Petroleumlampe betritt. — haben Sie aber schönes Haar!— Kunststück! Es ist doch mit Lavaren gewaschen! 1 Ein unerwünschter Kunde. Die in einem Gummiwarengeschäst in der Anhallstraße Z in Südende beschäftigte 38jährlge Berkäuferin Luise Dietrich wurde gestern nachmittag gegen!46 Uhr das Opfer eines Ueberfalles. Kurz vor VsG Uhr betrat ein Käufer den Laden und verlangte ein Paar Gummischuhe. Der Mann hielt die Schuhe für passend und ver- langte noch ein Stück Seife. Beim Einpacken der Waren siel der Mann plötzlich über die Verkäuferin mit einem Messer her und brachte ihr Stiche in den Kopf, in der Brust und Schulter bei. Trotz der schweren Verletzungen konnte die Ver- käuserin noch um Hilfe rufen, so daß der Täter flüchtete. Passanten nahmen sofort die Verfolgung des Flüchtlings aus, stellten ihn und übergaben ihn der Polizei. Er wurde als der Klempner Willi Schuster aus der Baruther Str. 4 festgestellt. Die schwerverletzte Verkäuferin fand in der Charite Aufnahme. Sozialistische Arbeiterjugend Groß-Berlin Dom Sonnlaa. den 13. Dez. bis Mittwoch, den Z3.Dez.lgZ5 im Jugendheim, Berlin SB68, Lindenflraße 3: Weihaachtsansstellunst Bücher für KInder.Zugeadliche und Erwachsene./ Wanderortitel in reichhaltig. Auswahl zu niedrigst. Preisen, i Musikinstrumente usw. Der Besuch der Ausstclluug ist unentgeltlich! Geöffnet wochenlag» von 4— g Uhr und Sonntag» von Il>— 8 Uhr Eine �amilientragödie. Die 26 jährig« Musikerfrau Wawrzinek aus Bauerwitz tn Schlesien hat, wohl in geistiger Umnachtung, ihr d re i j ä h r i g e s Mädchen in die Zinna, einen kleinen Nebenfluß der Oder, geworfen, f i ch dann selbst hineingestürzt und schließlich ihren | sechsjährigen Knaben mit hineingezcrrt. Auf die entsetz- lichen Schreie des Knaben eilten Einwohner hinzu, die sofort Rettungsversuche unternahmen. Das Mädchen war tot. Mutter und Sohn starben nach erfolglosen Bemühungen des Arztes im Krankenhaus._ Mit 14 Mann gesunken. Der Heringslogger A. E. 92 von der Gesellschaft.Großer Kurfürst" ist. wie erst jetzt festgestellt ist. bei dem O'r k a n am 2 5. November an der Einfahrt in die Wester- Ems gesunken. Dabei hat die gesamte Besatzung von 1 4 M a n n den Tod gefunden. Stürme auf dem Schwarze« Meer. sOE.) In der letzten Zeit bat auf dem S-bwarzen Meer ein hettiger Orkan geberricht. Der Verkehr der Paffagierdampfer war sebr bebindert, es kamen Verspätungen bis zu fünf Tagen vor. Kleinere Fahrzeuge wagte» sicb überhaupt nicht mebr auf d'e offene See. Das Segelsckiff.O r e l" wurde vom Sturm in der Nähe von Odessa auf den Strand geworfen. Ein Motorschiff mit einer großen Weizenladung ging an der Küste der Krim unter. Der Dampfer.Ts cht« ts-berin" wurde auf der Fahrt nach Konstantinopel vom Sturm schwer beschädigt. parteinachrichten Stnfntangen für diel« Rudrik sind «erl«-£iB. 68. 2in6tnftr«%t 3. für Groß-Serlin Net»« da» e«jttf»tefKtnTi«t. i. Kit, I Ire», recht», ta richte» l.*t*i» riemarte«. S«>>d. de» T3. Desember. abend» S Übe. bei RrQfler. PuUidlrr. 10, SiUirna der WeiknachlskommisNon. 15.»tri« Trerio«,. Switaa, den 11. Deirmder. abend» 8 Übe. w> Ra'bon» Treptow. Zimmer Tl.«emtinfarne Süntw de» areievorstonde«. der Ab» tailunasleiter, der Mitglieder des Betirlsamt» and dar Vetirtsoerord- netenfraltion. heule. Freitag, den 11. Dezember: 11. Abt. 3k der am 2S. Dezember in der Bsckdrauerei, iZldiriKltrafte. statt- findenden Weilinachtsfeier tonnen noch Kinder der Parteigenoilen bei den llunktionären anaemeldet werden. 84. Abt. Lantwi». Die Senoffinnen und Genossen werden«beten, die beut« abend bei Lcbrmsnn. Kaifer-Willielm-Str. ß. stattfindende SUcioor» fiifiruiM über den Konsum ,» besuchen. UN»nd 1«. Abt. Treptow-Danmichnlenwea. vilt>K«a«»»sschKtz! Abend» IM Ubr: 41. Borsiibruna wissenschaftlicher Wime in der Tneptow-E tarnwarte. Troatcmm: 1. Wunder der SchSpfuna. arvsier astronomischer Kulturfilm der Ufa(Weltäisel. Abenteuer im Weltall, Weliunteraonal. 2. Kalif Storch lTrickfiim in 2 Akten). Karten zu 00 Pf. an der Abendkasse. 127. Abt. chobenschönlxmse». TV, Uhr Mitalsedarverfammluna in der Schul« sfreienwalder Sir. 5—0. Vortrag:„Die Ursachen der Wirtschaftskrise�. Referent ffranz v. Puttkamrr. ZNorgen. Sonnabend, den 12. Dezember: 47. Abt. 7Zb Uhr hei Rooo«. Kdvenliker Str. ISO, Sitnina fZmtllcher Wml- tionSre. Vorschlaas» und SammeNisteu zur Wcihnachrsfeirr sind mitzu» brin«n. Frauenveranfloltungen: 88. Abt. Kreit»«, den ll. �"zembet, 7Z0 Uhr. Im Lokirl.Ann Burakrieben', Wichertstr. 09, ffrauena nd. Bortraq der Genofstn Ledwia Schwarz. »8. Abt. ReukZitn. sZreitao. rn 11. Dezember, 714 Uhr. bei Ruppelt, Kaiser- sZriedrich-Etr. 171. ssrar rsannnlunq. Vortroq:„Da» Reckt der ffraucn auf die Wvrdiaun« ihm'rititt. Rrferentin Mari« Kunert. Erscheinen asser Genossinnen ist Pflicht. Gäste herzlichst wisskommen. » 2. Krri» riergarte».«rbelteqemelKschaft der Kinderfreunbr: Sonnt««, de» IS. Dezember, findet im Theater in der Klosterstrade eine Märckenveronstaltun« mit Lichtbildern IPeter Stoll) statt. Gintritt fstr Erwachsene und Kinder 20 Pf. Karten find noch beim Genossen Andrzosewski. Kar>elbrr«r Str. 28 l. zu haben. Treffpunkt varmitlaa» 8� udr Krleoerdenkmal. Kleiner Tiergarten. SPD.-?r»kUon Stadtbank und Sparkasse Berlin. Eihmia am Kreitoq. den 11. Dezember, nachmittag» 414 Uhr. nn Restaurant„Sum Kulmbacher", Breite Strasse. Tooe»ordnunq: Do» Arbeitszeitarseb. Verschiedene Kraaen. Aunafozlalisten. Gruppe Ritte. Seut«. Weite«. 8 Uhr, in der Schule Givsstr. 23a. Politisch« Aussprach« ILoearno). Leiwnq: Neinhold Otto.— ReukSNn N: Der Grupvenabrnd fällt au». DI« Genossen treffen stch abend« 147 Uhr Hermannvlass»nd aehen aemelnsam zur Gesundheilsansstelluna am Urban.— Gruppe Lankwiss: Seut«. ssreita«. fällt der Seimobend°u». Die Gruvve beteiligt stch an dem irilmabend do» Konsum» bei Lehrmonn. Kaiser- Bilhelm-Str. 2S— 31. Sterbetafel der Grosieöerliner Partei-Grganisation| 80. Vbi�WtnioVn. AM 7. S>cAmf*i mftflrb vMNch nnffrt GenoMn Anna U«j< ft im Alter von S9 Zahren. Ein äschern nq am den 11. Dezember, rmchmittaas 4 Uyr, im Ännnatottum DaumschulenVe�. Wir «mnrtcn»ofjlrtidjc DrteilüninA. 93. Abt. Neukölln. Unser alt«, lenmjäbriqer Genosse Hermann S m u b« r t ist verstorben. Eincischernna am Sonnabend, den 12. Dezember. nachmlttaq, 3** Ukr. im kreinatorium B».a und Tunis. Zeit: 606. AngcBliellend: Dritte Bekanntgabe der neuesten Tagesnachriohten, Zeitansage, Wetterdienst, Sportnachrichten, Theater- und Film dienst. �ugendveranstaltungea. Achtung, Abtelluna»»orslhent>« und 7Serb«be,irk»l«itee! Nehmt an der Er» öffnuuasfeier unserer Weihnachtsausstellung am Sonnabeud. den 12. Dezember. abends 7 Uhr, im Iuaendheim Lindenstr. 3. teil. Dr. Maz Adler.Wicn spricht am Sonnabend, den 12. Dezember, nachmittag» 5 Uhr. in der Aula der Sochschule fiir Politik. Schinkelplah,!U>cr da» Thema „Soziologie und Marrismus". ffteU Aussprache. heute. Areitag» den 11. Dezember, abends /i/z Uhr: Moabit 1: Schule Siemensstr. 20. Dortraa:.Lehrlinftsweken".— Webdreg: Iuaendbeim Lediqrnhcim Schönstcdtstr. l,'Dortraa:„SafuttiurTebniffe*.— Nordost(: Iruiendhcini Neue Köniastr. 21. Bortra«:„Pariser Kommune".— Nordost II: Jugendheim Danziaer Str. 63, Eltern-Ausspracheobeud.— Nasen- tbaler Vorstadt: Schule Givsstr. 23a, Vortrag:..Di« politisch? Lage".~ Warschauer Viertel: Jugendheim Tilstter Str. 4. Bortrag:„Da» Sozialisten» «esct!".- Südost sKöpenicker Viertel): Jugendheim Marianimnufer 1». Bor. trag:„Wandern und Schauen im Winter".— Ehariotteaburg: Iugendbeim Rosinen str. 4, Dortrag„Das gcst der Sonnenwende".— Schöneberg lr Jugendheim Rubens-. Ecke öauptstrasse. Borttaa:„Aktuell« Kragen".— Schöucberg II: Jugendheim Maisnn de«ante, chauptstr. 15, Bortrag:„Wie entsteht«ine Zeitung".— Steglist II: Jugendheim SaMeinische Str. 3. Vortrag: Chansseestr. 48, Bortraq:„Wintersonnenwende".—«öpeuick: Jugendheim Grünauer Str. 5. Giassbrenncr-Abend.— Treptow: Besuch der Parteioaraw» staltun, kSternwartri.- Tegel: stugeudheim Bahnhosstr. 15. Mitglieder- varsaminiun«.— Buchhol:: Lokal von Rossack, chouvtstr. 71, Bortrag:„Di« deutsche Revolutton von 1848".— Ricderschönhausev: Schule Blankenburaer Strasse 70. Vortrag„Jugend und Gewerkschaft". Werbebezirk Teltowkanal: Sonnabend den 12. Dezember, 714 Ilhr, sfilmabend:„Der R«ich»iua«ndlaa in chamburo" In der Aula der Real. schule. Steglist, tzlorostrasse. llnkostenbeitrag 40 Pf. Arbeitersport. Fußballspiele am 13. Dezember. Am Sonntag finden folaend« Kussbailspi«!« statt: Bezirk Rorden» «bteiluua»: Adler 12 gegen Bernau in der Ehristianiastrasse. Atbeiter» Svortverein 24 gegen Adler 08 auf dem Teutonia�portplast. Ehristiania. strasse. Scegormiihle gegen Rardiska in Lceaermllble. Eisenspolierei«ercu Wacker 20 in Sisensvalterei. Beltrn gegen Teutonia in Velten, BSstowstrasse. Abteilung st: Minerva gegen Biktoria in Boriigwglde, Reue Ernststrosse, ssichte- Nord gegen Bankow 06 in Reinickendorf. Samcindesvortvlast. Union aeae» Lertha in Bankow. Marimilianstrasse. Borussia gegen Alemannia in Rmnicken. darf. Lindauer Strasse. ssi»t«.Gesundbrunnev gegen Rathenow:» Remicken. darf, am Schäfersce. Abteilnng Ci Staaken gegen Einigkeit in Staaken. Brieselang geqeu Amateur« in Brieselang. Wacker 24 gegen Wittenau in Lichterfeld« bei Eberswald«. Sportverein 22 gegen Spandau 03 in Eberswals«. Birkenwerder gegen Tegel 24 in Birienwerder. Siemeusstadt gegen Arminia in Siemeusstadt. Ererziervlast.—»ezi-k Osten: chier finden nur zwer Serien- sviele statt.»«:Iiner Svortverein 16 aeae» Weissensee in ssrie�richsfeldg. Treskowalle« und in Strausberg der dortige Turnverein gegen»adowa.— Bezirk Südwesten, Abteilung A: Rowawes gegen Kehle Udorf in Nowawe». Bari Babelsbera. SchSnebera gegen Kreuzberg in Schäneberg, Dominlcusplast. Siegiist aeaen Neukölln in Steqli».«bteilvng st- Eharlotttnburq gegen Hertha In Eharlottenburg. Stern argen Wilmersdorf w Menienteld«. Dorf. strasse. Luckenwalde II gegen ssrisch-Aick in Luckenwold«. Abteilung E: 3 liier. bog gegen Trebbin in Illterboa. Mariendorfer Sport.Elub««gen Luckrn- walde III in Mariendorf. Eckernvubl. Schmargendorf gegen Britannia in Schmgrgendorf. Grerzierplast. Neuköllner Dallsviel-Elub gegen Teltow auf dem Tcmvelhofcr sscld.— BN'chtspiele:«vrist 1 gegen Spandau 25 2. Sowset I gegen Helvetia 2. Ioachimsthal 1 gegen Hertha 2. Lichtenberg III gegen ssichte-Sildost. Lichtenberg I aeae» ssrifch-ssrei. Strolou gegen Britannia. ltriedrichshoarn gegen Lustig- ltidel. Tasmania gegen Merkur. Komet a«ae» Johannisthal. Ad'.ershof oeaen Hertha. Berein für Bewegungsspiele aoaeu Eonrvrdia. Brandenburg 02 aeaen Trerww. Sparta gegen Cbtrfrm. Askania gegen Alt-Glienicke._ ffrtic Tnrnerfchaft Renkllln-Bel». 1. MZunrrabfeNvng: sscheltag. den 11. De- zember. ausserordentlich« Mitaliederversammlong mit wichtiger Tagesordnung. Arbeiter-Turn-»nd«partbuud, 4. Bezirk. Sonntag, den 18. Dezember. Gerät ewetturnen in der Turnhall« der Kohenzollern-Schu'«, Schänederq, Bel- zigar Strasse. Beginn 2 Uhr. All« Interessenten ftnd»ingeladen. Eintritt frei, Biogramm 25 Pf. Sonntag, den 27. 18. sseiertag). Wrrbcfahrt nach Grossbecren. Treffpunkt 10 Uhr Licktterfelde-Ost lBahnkof). Itu-Iitsu-Kampfabend. Di-„Erste Revkölver 3i».->it<»-BereinIgung" ver» anstaltet am Sonnabend, den 12. Dezember, abend» 7i4 Uhr, in der Turn» hall« Marieudorfer Weg Renn» »etanslallunz, die am Sonntag, den t 0. I a n n a r 1 9 Z 6. im Verliner Sporl-Palasl vor sich geben sollte, abgesagt bat. wird die Ditettion an diesem Tag als Anstatt»u dem am 14. Januar 1926 beginnenden 15. Berliner SechS-Tage-Rennen ein Drei/, Eßlöffel Nelken fgestoBenf, Zutaten: I Teelöffel Zimt, >/, Muskatnuß, 1 Tasse vtilch('/, LitetV I Päckchen Dr. OetkeHs Backpulver.Backin". Zubereitung: Die Butter rührt man schaumig, gibt Zucker, das gesiebte und mit dem Backin gemischte Mehl, Mich hinzu und zuletzt die geriebene Schokolade, die Nelken, Zimt, Muskatnuß und den Eierschnee, füllt die Masse in eine gefettete Form und backt den Kuchen I I1/» S d. In den Berliner Hauefranen-Vereinen' kommt nor Dr. Oetkcr'a Backpulver„Backin" znr Verwendung. Verlangen Sie vollständige Reieptbücher kostenlos in den Geschälten, wenn vergriffen, umsonst und portofrei von: Dr. A. Oetker, Bielefeld HALPAU9 Are U ER N* IM ALTEN FORMAT+ IN ALTER QUALITÄT+ ZUM ALTEN PREIS ♦___--———— komnmnl/ttsches Lesebuch. Von der Stadtverordneten Genossin Ltsbeth Riedger �ird uns geschrieben: Einst spielten die Arbeiterkinder— leider— mit Zinnsoldaten m des.�Königs Rock". Damit ist heute nicht mehr ganz seviel Geschäft zu machen, wenn man auch feststellen muß, dah die Dummen nie alle werden. Die Industrie mußte also, dem Zuge der Zeil folgend, sich umstellen: Geht's nicht mit preußischen Uniformen, so oielleitht mit russischen? Und es schein: zu gehen. Gestern nahm ich einen Jungen der welllichen Schul«, die ja wohl am allermeisten gegen den Militarismus in jeder Form eintreten sollte, vorstürmende Rotgardisten aus Zinn ab, die er mitsamt dem Sowjetfahncnträger — Stern mit Sichel und Hammer— beim Papierworenhändler für wenige Pfennige getauft hatte. Derselbe Wohnsinn also wie früher: denn schließlich tut's ja nicht da» Kleid! Doch nicht nur auf diesem Gebiet wiederHoll sich mit Hilf« der Kommunisten dos alle Spiel, auch hinsichtlich des Leseswsfe» für Kinder— und sie scheinen ihr« Genosien mit zu den Kindern zu rechnen— wandeln sie durchaus in den wilhelminischen Bahnen. Bringt da neulich die..R o t e Fahne"«ine rührend« Geschichte au» dem Leben eines Sowjetkämpfers, des kürzlich oer- storbenen Nachfolgers von Trotzti. Unter der Ueberschnft:„Ein Fall aus dem Leben des Genossen Frunse" erhalten wir da eine Geschichte vorgesetzt, die uns von Kind an oertraut ist. bloß mit dem Unterschied, daß sie un» früher von„kühnen" Hohenzollerm fürsten erzählt wurde. Doch man urteile selbst. ....... Genosse Frunse übernahm persönlich die Leitung der Operationen. Aber die Sowjettruppen verspäteten sich. Ohne dieses zu willen, begibt sich Genosse Frunse mit zwei Ordonnanz«, nach R.(Man denke an die uns bekannte Geschichte von Friedrich dem Großen nach der Schlacht bei Leuthen! Die Vers.) Er reitet ruhig in da» Dorf, denn er glaubt, daß die Truppen, deren Her. annahen er wahrgenommen hat, die unserigen seien. Im Dorfe kommt dem Genossen Frunse«in Kaoallerietrupp von.VI Mann entgegen, in dem eine gewisse Bewegung wahrzunehmen ist. Es entwickelt sich folgende Unterredung:.Wer find Sie? fragt Frunse.„Und wer sind Sie?" Genosse Frunse befiehlt dem Kam- mandeur näherzukommen. Aus Genossen Frunse werden die Ge- wehre gerichtet.«Jsalt, schießt nicht, das ist unser Kommandeur, Genosse Frunse," ruft ganz perplex eine Ordonnanz, die noch nicht glauben will, daß der Trupp aus Machnowisten besteht, und sinkt sofort tot zu Boden. Es beginnt eine wahnwitzige Lersolgung und Beschießung des Genosien Frunse, der in einem sort zurück- schießt und nur dank seinem Pferde vom sicheren Tode gerettet wird. Nebenbei bemerkt schätzte Genosse Frunse sehr seinen Kampffreund, das Pferd. Die Machnowisten bleiben zurück, ober zwei von ihnen sind doch dabei, Genosie Frunse einzuholen. Man mußte die ganze Kaltblütigkeit eines Kämpfer» und Bolschewik bewihren, um m diesem Momem vom Pferde zu steigen, genau anzulegen und zu zielen, einen der Verfolger niederzustrecken und den anderen in die Flucht zu jagen." E» wiederholt sich eben alle» im Leben: wie einst die Fürsten, so sind heut» die Bolschewisten sämtlich Muster an Kaltblütigkeit, Uners-brockenheit, kühnen, Mut und— was die Hauptsach« ist— auch über ihnen waltet sichtbarlich Gottes Gnade. Wie könnte sonst der Genosie Frunse au» diesem Scharmützel nur zwei leichte Wunden tavontrogen,»die ihn aber nicht hindern, ruhig in seinem Wagen zu arbeiten und Befehle zum Weiterkämpfen zu geben"? „Welch ein» Wendung durch Gottes Fügung." könnt, man in donkbarer Anerkennung dieser seltsamen Rettung ausrufen. Und dankbare kommunistisch« Untertanen freuen sich mit den Redakteuren der„Roten Fahne", daß es solche begnadeten Führer in Sowjet- rußland gibt! Ach hätten wir sie doch in Deutschland ähnlich! Aber vielleicht haben wir sie berests und ahnen es nur nicht? Hier hat die.Fiote Fahne" noch ein reiches Betätigungsfeld, um groß« und kleine Kinder zu erfreuen, also---! Woher nur, frage ich pnich, nehmen dieselben Herren, die sogar Erwachsene» derartige Lektüre vorsetzen, den Mut, immer sich al» Kritiker und Verächter aller'„bürgerlichen" Literatur und Kunst auszuspielen? Sie hätten wahrlich genug zu kehren vor ihrer eigenen Tür!_ Ter Berliner Fremdenverkehr im November. Die alljährlich wiederlehrende Abnahme der Zahl der im No- vember in Berliner Hotels, Gasthöfen und Pensionen gemeldeten Fremden überhaupt gegen IM 904 aus 14 010 oder 0,22 Proz. I m Statistischen Amts der Stadt Berlin im Berichtsmonat mit 137 894 Fremden übrhaupt gegen IM 904 aus 14 010 oder 9,22 Proz. I m Vergleich zu dem November de» Vorjahre» ergibt sich jedoch eine beträchtliche Zunahme de» Freindenver- kehr». 2m November 1924 wurden msgesamt nur III OOS Gast- hofssremd« usw. gemeldet, so daß für November 192S ein Mehr von 26 889 oder 24.22 Proz. festzustellen ist. Etwa 90 Proz. aller Meldungen(123 832) betrasen Deutsche und 99 Proz.(136184) Europäer. Von den nichtdeutschen europäischen Gasthofssremden weisen Griechen mit 30,19 Proz., Türken mit 28,41 Proz. und Franzosen mit 13,82 Proz. verhältnismäßig die stärksten Zu- nahmezisfern gegen Oktober aus. Gegenüber dem Vorjahre hat sich die Zahl der hier gemeldeten Franzosen um 142 oder S7,96 Proz. erhöht. Größere Abnahmen gegenüber dem Vormonat sind zu verzeichnen für Dänemark. Norwegen und Schweden, Danzig, Polen, Rußland und die Tschechoslowakei. Amerikaner wurden im November 391 oder 23,78 Proz. weniger gemeldet als im Oktober, Asiaten 105 oder 30,79 Proz. Gegen November 1924 betrug die Zunahm« der Amerikaner 379 oder 43,36 Proz., der Asiaten 34 oder 16,83 Proz. WohlfahrtSarbeit im Bezirk Krenzberg. Das Wohlfahrtsamt Kreuzberg, Porckstraße 11, unterhält drei Wohls ahrtsspeiseanst alten(Wasiertorstr. 32. Marien- dorser Str. 19 uiü)(Blogaucr Str. 3) sowie zwei Volksspeisungsan- stolten(Luisenufer 30, Wrangelstr. 97/99). Die Portion Mittagessen kostet 20 bis 25 Pf.;.an Inhaber von Ausweiskarten, die im Wahlsahrtsamt ausgegeben werden, wird das Essen kostenlos bzw. zu ermäßigten Preisen verteilt. Für die Kleinrentner de» Be- zirk« sind zwei Heime(Kleine Parkstr. 16/17 und Luisenuser 30), für Sozialrentner und sonstige Bedürftige zwei.Warme Stuben"(Reichenberger Str. 180 und Mariannenuser 3) von 4 bis 9 Uhr geöffnet. In den Heimen, Warmen Stuben und auch in den Wohlfahrtskommisstonen werden aus Spendemitteln Weihnachtsde- sckerungen veranstaltet. A> ßerdem finden in den Heimen und Wonnen Stuben von Zeit zu Zeit Um.rhaltungsabende statt. Für die Versorgung der minderbemittelten Bevölke- rung mit Heizmaterial stehen in diesem Winter 100 000 Zentner Briketts zur Verfügung. Die Ausgabe kann gegen Gut- scheine an Sozialrentner, Kleinrentner, Kriegsbeschädigt« und Kriegerhinterbkiebene, Erwerbsiosenunterstützungsempsänger und an- dere nicht stufend unterstützt« Minderbemittelte in Mengen von 1 bis 2 Zentner monollich erfolgen. Dos Jugendamt betreibt auch in diesem Winter zwei Eisbahnen(Urbanstraße und Katzbach. straße). Zur Verbreitung de» Skilaufs unter den Jugendlichen wird ein Trockenkursus und zwischen Weihnachten und Naujahr ein proltiscker Kursus in Reinerz zu ganz mäßigen Preisen ein- gerichtet. Zur Pflege der Geselligkeit stehen den Jugendlichen vier Jugendheime(Reichenberger Straße 66, Bärwaldstraß« 64, Mariannenüfer la und Hallesches Törgebäude) in der Zeil von 6 bis 10 Uhr offen. Für die W'a i s e n k i n d e r de» Bezirk» ist die Veranstaltung einer gemeinsamen Weihnachtsfeier geplant. Die Versorgung von Kriegsbeschädigten und Krieger. Hinterbliebenen mit warmer Winterkleidung erfolgt durch die Kleidertammer der Fürsorgestelle Kreuzberg, Bergmannstraß«. Das Gesundheitsamt gibt Frei?"a betörten an Unter- stützungsempfänger aus. In den Krankenhäusern sind Weih- nachtsbescherungen in Aussicht genommen. Der hygienischen Volk»- belehrung dient die bi» zum 31. Dezember 1925 geossnet« Ausstellung..Di« gesunde Wohnung" und ander« Ausstellungen im B«- sundheitshau» Am Urban 10/11. Die Versuchsanstalt für Wasterba» und Tchistbau. Auf dem Wege vom Bahnhof Tiergarten zum Zoologischen Garten liegen mitten im Tiergarten aus einer Insel eine Anzahl kleiner Häuschen, die die Preußisch« Versuchsanstalt für Wasserbau und Schiffbau beherbergen. Die Deutsche Gesellschaft für Bauingenieurwesen hat aus Anlaß ihrer Tagung ein« Besichtigung dieser Einrichtung veranstaltet. Das Institut ist allen Behörden und privaten Unternehniungen, die sich mit dem Bau im Wasser und am Wasser beschästigen, behilflich. diese Bauten in technisch und wirtschaftlich einwandfreier Weise aus- führen zu können. Die Dienste des Instituts, das nach dem Ham- burger das größte in Deutschland ist, werden nicht nur von deutschen Behörden und Betrieben in Anspruch genominen, sondern in min- bestens ebenso starkem Maße auch vom Ausland. Es ist in einem der Gebäude ein» Wofserrinne von 150 Meter Länge. 4 Meter Ties« und 8 Meter lichter Weite eingebaut. in der mit Hilfe von Schiffsmodellen und Schleuseneinbauten der Druck de» Wassers auf den Schiffskörper untersucht werden kann. Die Mesiung de» Drucks erfolgt durch zylindrische, mit Wasser gefüllt« Körper, aus denen Taucher schwimmen, die mit dem fahren- den Schiff durch dünn« Drähte verbunden sind und die kleinsten Bewegungen durch einen Schreibstift auf einem Blatt Papier registrieren. Man sah die Nachbildung der Schleuse bei Fürst«nberg a. d. Spree. Für den Bau des Groß kraft- wert» in Rummelsburg ha» da» Institut praktisch sehr wert- volle Versuche gemacht, die bei der Ausführung Berücksichtigung finden werden. Die Abwässer des Großkraftwerkes, die in die Spree fließen, und die großen Masten des Masters, die aus der Spree für da» Kraftwerk entnommen werden, mußten eine Ablenkung des Strome? und damit eine Geiahr für die Schiffe bringen. Nach vielen Versuchen Ist eine Vorrichtung konstruiert worden, mit deren Hilfe die Abwäster sich ähnlich wie die Strahlen einer Gießkanne in die Spree ergießen. Damit ist es gelungen, die Veränderung des Stromdrucks auf ein Mindestmaß herabzudrücken. Auch nach der ökonomischen Richtung(Erspnrung von Kosten bei Hafen- und Schleiisenanlagen) hat da» Institiit eine sehr oroße Bede"«', na. und e» ist bedauerlich, daß e» durch die Finanzleg« des Staats ge- zwangen wird, sich in seinen hochbedeiitsamen wissenschaftlichen Arbeiten erhebliche Beschränkungen aufzuerlegen. Die Marklhaven zur weihvachlszett. Mit Rückstckt auf da» Weibnacbt«- und Eilvesiergescbäit werden die Marktzeiten iür die städris-den Markiballen wie folot abgeändert: Für den Klein- Handel in sämtlichen Markthallen, in der Zeit vom lg. bi» einschließlich 23. Dezember beginnt der Marli an den Wochentagen nachmittag» bereit» um 4 Uhr. am 24. und gl. De« zembetc bleiben die Markiballen bi« 7 Uhr abend« ununterbrochen geöffnet, am Sonntag, den 20. Dezember, sind die Markthallen von 2 Uhr nachmittag» bi« 6 Uhr abend» geöffnet. Vi« Arbeit der Wohnungsämter. Nach den bi» August durch- geführten Feststellungen de» statistischen Amte» der Slodl Berlin haben die Wohnungeämter der Bezirk« im Monat August 1925 1692 Wohnungen Wohnungssuchenden zugewiesen. vi« wellllch« Voikeickvlr z» verNn Reinickeadorf veranftallet unter Mit- bist« de» Beziittamle« eine«tibnachl«au»kiellunq.Da» gute Buch» in der Aula der 5 a Volt«ichule.«ugusle-Vitioria-Allee 37. Eintritt frei. Zabil-ea: Am Ui. vetzemde? feiert« der lanalälirige Seuosse Loui» Rose» mann, Ewinemltnder Sir. 46, lein NiiUnincs Edeiudiläum, leinen 5l>. Jahre»- iaa und lein Widhrlae» Dienliinbildum.— Am 11. Deremder d. 3. beocdt di« W.tme Poulin« D I' raschen». Ureas»«, an»»»«sar-Ilrch, ckrtflch gttnzrnd begutachte«. Z-vi-ndi»an Oonfc tchreikn«ach M schweren Jltn. vegandtaile aas»er Patfo» chrdäiilich ut: Berti« 6: Alerciiider-Avatd. Aieranderitr 8; lkteianien Anoih.®bntit)'i«!o|; Avoth zum roten Adler. Ztohllr 26 28: Simon»-A?oth Spandauer Sit 17; Berit» 91: Adler-Apatl» am Beddingpiatz: Breitschneider» Aoo'h. Vraniea- durger Str. 87; Brunnen-Apoth. Bat) sie. II; viana-Apoih.. Turmltr 28; Apott». l«1 ftten», gastanienaLe» 2; Apoth» getr Adler, Augusilir 80; Serman-a- Apoih, Lothrinaer Str. 50; Btttorta-Lulse-Avoth, Boltaftr 44; Berti» Ot ?>trtt-Bi«marck Avoih, Wranaelltr 47; fteene» Apoth, Gubener Sir 83; Ciang« Apoth| Ichrn Adler. Reu»«onigstr Zö; Berlin 9: Aootd am c-rrmannui in; Öirich-Apoih Lindenftr. 74; Berlin B: Ztadiauer» gronea-Apolh. itriedruh- llrake 160; Belikan.Aooth, Lewriger Str 98; Dr. Boewtn'ei» Apoih, Uurivrttr»- ftrasje 154; Witte* Apoth. Poladam er Srr 84») Bertin-chharlortenlmra) Avoih. am Strich« tnnzierpla». Berlin SchSneterg« Baihaus-Apolh. Berit». Lichter- fatde: Tentrat-Apolh. Odstu-lZemUse RhMi. WalnflssBPfund40pf. Franz. Marbots prißSpt Paranüsse... pfuid SSp«. Haselnüsse..prud Sffpt Kranzfeigen..pfnndSSpf. Apfelsinen Dtzd.45 ,. 70p(. Mandarinen..piud 32pi Traubenrosinen ptd95pr. Alineri8-ffeiDlrai6.m65pt Kochäpfel...prnsd IOpl ffettüadlfiSplBl ret1Pfd.25n Ananas........ pmnd l10 Weisskohl 6pt Rotkohl.......... Pfand 8pt Sellerie...pch»d 10, 15pt Grünkohl........ p,und gpt KorVStür«* Wurst waren ItllffCiOSkopi«Mee.PM. 70pr. saauRoi-o-lelienk. pt». 70?f Fleischwurst Pfand l20 iMillBierwanl..Pfund l20 Hildesheimer.. Pfand l70 Jagdwurst..... pfa,d l50 GrobeMettwurst Pfd. 1' 0 Knoblauchwurstpfd.l40 MettW.» Snunidi*rt. PH l5*? Bierwurst...... Pfand I90 Teewurst..... ptmnd l95 iw.Zenelati. Salami pul*5 Schinkenspeck m. 2' 0 Frisches Fleisch U«»,«»ad,»d«»»»«»attaa Ichadtrarderdllcd, itrltdai ,i,d»an»awana»a,z«»-i>io, Ksttee p«. friseb gebrannt tob ko Suppenllelscd.......... pf.nd75pf. Ccnsßnscnniorflslscli.rÄdl20 Rouladen................. 1� I20 Scii\i;eines£linlterbiatt...Pf.ndl,:> Steinesciiiiilen........ 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Erbsen sehr ihn l9ß Jg. Erbsen fein........ l60 ObsNund Gemüsekonserven Junge Erbsen....... 63pt Ii EltSES nicht.■. KintlM l55 llE!ll.kLlllS5E!..l88.«-t..1'8 Jg. Karotten klein.. 83pf. Karotten snebnuten 40pi. Mateii-.'chillt-ii.Breöil5h»ea92P' Spinat................ 65pt Ptefferlinge.......... Tomatenmark..;.. 92pt Tomatenpüree..... 75 t. Steinpilze ia h«. l33 Apfelmus tafellertlg 85Pf Erdbeeren........... 215 Heidolbeeren....... l10 Mirabellen........... I83 Pllannen Fr68pf.«/,Pr l05' Johannisbeeren.... I28 Gem. Früchte...... I30 ac 8/r DdM Stachelbeeren..... luS Kürbis.............. 7Spf. Kalif. Aprikosen... I85 Birnen Fracht,'),!)« 55pi. Pfirsiche■),Fr«cu,>),Be 75p£. Aprikosenp free»',1) oiSSpi Ananas....... i�n«« l30 Backartikel Weizenmehl Pfund 19pt Auszugmehl Pfand 2Jpt Kartoffelmehl Pfand 19pt Weizenpuder Pfand 48?« Rosinen........ Pfand 65pt Sultaninen....pfBnd 80pt Korinthen..... ptond 50pt Kokosraspel pfana 60pt Blauer Mohn Pfand 65pt Süsse Mandeln ptaadZ70 Bittere Mandeln Pfd 230 Kalif. Backobst puTOpc Chines. Tee...Pfand 330 Ind. Pekoe..... pmnd 430 Ceylon-Orange piand 580 Paucierwaren Seßl3CbS'erla0lpfaad48x Go ÜOürS gertoch., Pfd. 4lpt ■ Pfttnl 48pf. Bowlen- und Tischweine i/, Fl.|0 FL 1924er St. Martiner vonOglEheinpfil«« 0,63 6.00 1322er Osanner Rosenberg........... 0,95 9,00 1922er GundersheimersKiiii........ 1,10 10,<.0 1922er Burrwaüerer Schlossberg 1,20 11,00 1921er Alsterweilerer Letten........ 1,60 15,00 1922er BUdosheimer Neuberg.... 1,60 15,00 1922er Nackenheimer Fritaenhöll 1,85 17,00 ,,.„.,'z, n io n. montagne-Rotwein toü und trifiif...... 0,83 8,00 1922er Dürkheimer Roiwein........ 1,00 9,00 1922er Pomerot-Bordeaux............ l.uO 14,00 1922er Chat. 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Wiemer wendet sich schließlich aufs schärfste gegen die Er- klärung des Dcutschnationalen Landeeocrbondes Hamburg gegen die Deutsche Volkspartei und den Rclchsanßen- minister, die er unter stürmischen Kundgebungen der Deutschen Volts. Partei verlieft und als schwere Beleidigungen bezeichnet. Diese Kundgebung gehe weit über die zulässigen Grenzen des politischen Kampfes hcnaus. Nicht mit Worten, sondern nur mi: Taten könne dem deutschen Volke geHolsen werden.(Lebhafter Veijall bei der Deutschen Volkspartei.) Abg. ßalt(Dem.) setzt fich für ein« enge Arbeitsgemeinschaft zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern ein. Das Reich müsse zuerst der Nor der Erwerbslosen steuern. Bei Be- trachtung hei Notwendigkeit einer Erhöhung der Beamtengehäller sei sehr zu..dcnken. daß die Beamten vor der Möglichkeit geschützt werden müssen, der Korruption zu erliegen. Abg. Ladeudorsf(Wirtschastl. Vg.) wendet sich gegen die von ihm behauptete Verschwendung tn der öffentlichen Verwaltung, insbe- sondere der der Gemeinden und vergleicht eine Reihe von Ge» meindcetots von heute mit denen vor dem Kriege. Der Äißwirt- schaft dgr-Gemeinden müsse endlich gesteuert werden, wenn nicht das ganze deutsche Voll zugrunde gehen soll«.(Zustimmung rechts. Eegenkundgebunaen links.) " Aba. voh(Volk.) erklärt unter lebhafter Unruhe des Hauses und stürmischen Zwischenrufen, der Geist von Locarno sei der Geist der deutschen Schmach. Was die Unterschrift des Reichsprä- fidenten o. Hindenburg betrifft, so werden wir nie auf- hören, von dem durch seinen Staatssekretär schlecht unterrichteten Rcichspröstdenten an den besser zu umerrichtenden ReichsprästdeMcn zu appellieren. Die Frage der Hohenzollernabfindung ist für uns lediglich ein« Frage de» Rechts. Ministerpraflüent Scann: Es ist bei Beginn der Sitzung unangenehm bemerkt worden, daß kein Minister im Saale anwesend war. Ich bedauere das, muß aber die Herren Abgeordneten bitten, daß sie dastir Sorge tragen, daß die knappe Zeit der Minister nicht noch durch Zuführungen von einer zu großen Anzahl von Deputationen überaus stark in Anspruch genommen wird. Der Herr Abgeordnete von der Osten hat gestern, nachdem er die Wirtschaftslage und zwar nicht zu fcluvorz geschildert hatte, die Frag« an tue Staatsregierung ge- richtet, was sie getan hat, um die wlrtschoftllche Katastrophe abzu. wenden. Die wirtschaftlichen Problem«, vor denen wir jetzt steben. werden tn der Hauptsache nicht durch die Landes- regierungen und LondesparlomeMe zu lösen sein, sondern das Schwergewicht unserer Wirtschaftspolitik liegt mehr als je zuvor jetzt beim Reiche. Dort hat doch die Reichsregierung, aus die die Partei des Herrn von der Osten entscheidenden Emsiuß ausüben konnte(Widerspruch bei den Dcutschnationalen), wie ich annehmen will, alles getan, um«in« Besserung der wirtschaftlichen Dcrhältnifse berbeizuführen. Wenn es dieser Reichsregieruna trog de« entscheidenden Einflusses der Dcutschnationalen nicht gelungen ist, die Wirtschaftlichen Verhältnisse im Reiche so zu gestallen, daß eine Katastrophe nenn eben werden könnte, dann liegen doch wohl die Schwierigkeiten vielleicht etwas mehr tn der Sache als bei den Politikern. Die Schwierigkeiten, vor denen wir stehen, sind tat- sächlich sehr große. Es märe sehr oberstächlich. zu erklären, daß wir nur an Kapital. Mangel leiden. Wir leiden viel mehr au den Folgen des ver- loreneu Krieges. Unsere wichtigste Aufgabe ist es jetzt, Werte zu jchaffeu und mehr zu arbeiten.(Zurufe rechts.) Ich möchte Ihnen(nach rechts) er- klären, daß diese Forderung meist in den Kreisen erhoben wird, in denen man am wenigsten arbeitet. Das macht einen lehr un- günstigen Eindruck auf diejenigen Kreiie, in denen man überhaupt nur arbeitet.(Lebhafte Zustimmung links-) Der Abgeordnete oon der Osten hat gesagt, die Wirtschaft müsse wieder gefunden. Das ist eine Binienwnhrheit, über die es wohl im ganzen Haufe keine Differenz gibt. Rur über den Weg zur Gesundung bestehen Meinungsverfchiedcnhcitcn. Es müssen die überflüssigen Betriebe verschwinden und dos Höchstmaß von Rationalismus muß erziell werden. Die ungesunde Preisspanne zwischen Erzeuger- und Konsumentenpreisen beruht letzten Endes nicht zum wenigsten darauf, daß sich zwischen beide zu viele Parasiten gestellt haben. (Sehr war! links. Zurufe rechts: Ausländer!) Ich bin auch dafür, daß man insbesondere die überflüssigen Ausländer hin- ausschmeißt. Dazu gehören insbesondere die Z00 000 bis 400 000 Arbeiler, die aus Veranlassung der Ihnen(nach rechts) nahestehenden Kreise nach Deutschlcnd gezogen worden sind. Zu den Binsenwahr- heilen gehört auch die vom Abgeordneten von der Osten aufgestellte Forderung nach Hebung der Kaufkraft des Volles. wir heben aber die Sauskrast des Voltes nickst durch herab- sehung der Löhne. Es gibt eben kein einseitiges Rezept, und es ist ein Zusammen- wirken aller Kreise nötig, um langsam aus der schweren Wittschafts- not herauszukommen. Geben Sie die Illusion auf. daß Sie durch irgend ein Gesetz schnell aus dem Elend herauskommen, in das uns der Krieg hineingebracht hat.(Lebhafte Zustimmung links Widerspruch und Zurfe: Revolution! rechts.) Lei den Völlern. die gesiegt haben und keine Revolution hatten, zeigen sich ebenso die Schwierigkeiten wie bei uns.(Sehr richtig! links.) Wr haben in der preußischen Staatsregierung m den vergangenen sieben Iahten pflichtgemäß zur Vermeidung der Wirtschaftskatastrophe gearbeitet, und es ist uns ja auch gelungen, die Katastrophe bis beute abzuwenden. In d'ejem Sinne werden wir weller arbeiten. (Sehr gut! links.) Es ist notwendig, daß unsere Urproduktion g e st ä r k t wird. Alles andere bereichert unsere verelendete Volks- Wirtschaft nicht. Nur das, was wir aus unserer Kraft und aus unterem Boden herausholen, bereichert unsere Volkswirtschaft. Des- halb ist allerdings die Hebung der landwirtschaftlichen Produktion eine der wichtigsten Aufgaben. Bei ihr spielt aber nicht das Äreditproblem eine große Nolle, denn selbst wenn wir Kredite haben, die es all unseren Betrieben ermöglichen, zu ar- bellen, und wenn uns der Absatz fehlt, sind die Kredite eben nutzlos.(Lebhafte Zustimmung.) Zur Wirtschaft gehört nicht nur der Produzent, sondern auch der Konsument. Wenn es nicht gelingt, de» Soasumenken avfaahmesählg für die Produkte zu machen, dann anhl alles andere nichts. Und dieses Problem gill es auch in anderen Ländern zu lösen. Wenn es dort nid)t gelingt, die Kaufkraft zu heben, dann wird in wenigen Iahren für Unseren Export nicht mehr der nötige Raum sein. Dann wendet fich der Ministerpräsident dem kürzlich vom Reichsrat angenommenen Gesetzentwurf zur Regelung Getreide preise zu. Er nennt diesen Entwurf ein Gesel der ur Hochhaltung der Getreidepreise und verweist daraus, das h llen. Damals seien allerdings die Getreidepreise hoch gewesen. vor etwa drei Jahren die derllschnationalen Aararier gegen jeden siaallichen Eingriff in das Getriebe der Landwirtschast gewehrt amals wollte er, als Londwirtschaftsminister, ein ähilliche« Gesetz schaffen, um die Preis« auch für die Konsumenten regulieren zu können. Man Hab« ihn damals den Minister gegen die Landwirtschaft genannt. Jetzt, wo die Preise niedrig sind. so erklärt der Ministerpräsident, kommen Sie(nach rechts) wieder auf diesen Vorschlag des„Ministers gegen die Landwirtschäsi* zurück. kHeilertell.) Durch Stellungnahme gegen den Vertrag von Locoriw werden Sie(zur Rechten) auch nicht weiter kommen. Sie verlangen Herabsetzung der Steuer! Wovon soll denn der Staat leben? Aus km Auslande soll er es auch nicht holen. Wenn Sie behaupten. daß die Landwirtschaft durch Steuern um das Achtfache gegenüber dem Frieden belastet wird, so beweist das nur. daß die Landwirtschaft vor den» Kriege auf Kosten anderer Berufe zu gering besteuert worden ist.(Lebhafter Widerspruch rechts.) Wenn das ganze Volk leidet, so muß jeder Teil des Volles seinen Anteil daran tragen Wenn Sie von ungeheurer Verschwen« duug in der Verwaltung sprechen, wie wollen Sic denn Auslands- kredite bekommen? Ich halte diesen Vorwurf für übertrieben. Im übrigen beschließen Sie doch hier den Haushalt. Beschließen Sie doch eine Herabsetzung der Eehällerl Die Verwirklichung der deutsch- nationalen und deutschvöll'.schcn Antrage würde nicht einen Züprozemigen Abstrich, sondern eine Mprozentige Zunahme der Ausgaben bedeuten. Wenn man den Vertrag von Locarno ablehnt, so muß man doch andere Vorschläge machen. Was ist denn nun eigentlich noch ncitlonal, wenn schon eine Reichsregierung, an der die Deukschnalionalcn bekcillgt waren, nur als„sogenannte Nationolregieruag" bezeichnet wird? Durch eine derartige Verhetzung kommen wir nicht weller. Sie (nach rechts) wollen unserem A.terland den allerschliminsten Bären- dienst erweisen. Auch in Frankreich und England ist doch in der Tat eine Wandlung der Gesinnung gegenüber Deutsch- lond eingetreten, das beweist auch sin Vergleich der ai f t f p r i tz« n- den Reden Poincares vor noch zwei Jahren rnch der Reden B r i a n d s und ihrer Aufnahme, das beweisen auch die Reden der englischen Minister. Der Ministerprästdem geht dann auf die landwirtschaftlichen Kredite ein. Glaub« die Rechte etwa, durch ihr Auftreten gegen Locarno mehr oder billigere Kredit« aus dem Auslande zu bekommen? Die Politik, die mit den gegebenen Kräfte- und Machtverhällnissen rechnet, sei nicht Illusionspolitik, sondern d!« egeben« Realpolitik. Unser Unglück set die Folg« der ohenzollernschen Machtpolitik, die er, der Redner, als Illustonspolllik bezeichne.(Unruhe und lebhafter Widerspruch rechts.) Die preußische Regierung, so schließt der Ministerpräsident. wird nach wie vor die Realpolitik der Reichsregierung unterstützen. (Lebhafter Beifall bei den Regierungsparteien, Zischen rechts.) Abg. Brandenburg(soz.) schilderte dann das Elend der landwirtschaftlichen Arbeiter. Die Landarbeiter erhielten vielfach nicht einmal die kärgliche» Tariflöhne. Wenn Im Reiche jetzt eine Erhöhnag der Er- werbslosenonterstühung um Z0 ZZroz. beschlossen wird, bekowmk ein Erwerbsloser etwa 17 Mark pro Woche, während ein Landarbeiter mit vepuiak nur 14.40 Mark erhält. Wir protestieren, so erklärt der Redner, gegen die Denkschrift des Landwinichaftsministeriums, in der der Satz sieht, daß die landwirtschaftlichen Lohne ständig steigen. Das widerspricht den Tatsachen. Die Agrarier weigern sich, eine Lohnausbesserung herbeizuführen, well st« dazu nicht in der Lage seien. Sie sind aber tn der Lage, dos Mordgesindel zu unter st ützen, das sich auf den Gütern in Pommern. Mecklenburg und Ostpreußen herumtreibt.(Wider- spruch rechts.) Auch für Personenautomobile, für Lurustleidung und Luxuspferdc sei Geld bei den„notleidenden" Agrariern vorhanden. Die Kredit« des Londbundes seien zur Reichs- Präsidentenwahl verwendet worden. kHSrt, hört! links.) Die Landarbeller aber würden in unerhörter• Weise terrorisiert und mit Beschimpfungen und Bedrohungen in ihren staatsbürgerlichen Freiheiten beschränkt. Der Redner verlangte zum Schluß namens seiner Partei die Abstellung der von ihm mll zahlreichen namentlichen Beispielen, besonders auch aus Schlesien, dargelegten Uebe!> stände. Geschieht das nicht, so seien Derzweiflungsattionen der unterdrückten Landarbeiterschoft unvermeidlich.(Lebhafte Zu- stimmung links.) Nach S Uhr vertragt das Haus die Weiterberatung auf Frellag 12 Uhr. o f Bei der Unmöglichkeit, auch nur aunaherud ein Büd von der Fülle unserer Auswahl zu geben, müssen wir besonders aui unsere Schaufenster verweisen Berater Sp«i>*audiiilt tat alle CcU«cnbcit«B Fefafarbfg Mel'on-Han»- tchuhe, sehr gesdimadcvoH und romehm konfektioniert Ktndersduunenstiefel, Oberfili.farb.gefü H erULed er- spltxe, FQt- und Ledersohle HodifelBe mollige Seml- paatotteln, warm gefüttert das Beste fürs Haus Umschlag ichnhe. Harr» es haar und Kamelhaarstcii, eine Wohltal tür kalte FöJ-- Fwups, moderne Pafcfona. auch für die Strafcc geeun» Für Herren Edi iRln db.-S tra henstlef ei ansprechende Pafcfonn Ä.90 EcfatRin db.-S troheiLstiefel Tomehme Ausführung.. Orlgln.-Goodrcar. Welf- Herrenstiefel, Schlager.. Halbschab, hochfein, mll echt braun Nubuk- Einsatz LackhaIbschuh,feinsleAus- fü rung. 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Wftsnacker~«t. 22 N Brunnenstr. i7 N, Dannger Str. t K, Friedrler str. 136 N, Müüerso. i O. Andre«f«tr. SO O, i-rankiuri«r Allee 22 SO. Oramensir 2 a SO. Wränge str 4» C. Spittamaikt IS C, Rosenihaier Sir 14 Neukölln, Bergstr.?0/il Char.otier.burv. Wllmer»- darfer Str. 122 22/ Potsdam, Bnadaabargerätrfi« Zur Spaltung üurch Sie Einheitsfront. Tas Ergebuis der Berliner Beratungen. Das„Englisch-riisfische Vereinigte Deratungskomitee�, das am 8. und 9. Dezember in Berlin beriet, hat über das Ergebnis dieser Beratungen der Presse eine längere Mitteilung geschickt. Das Er- gebnis dieser Beratungen ist in folgender Entschließung zusammen- gefaßt: Rssolukioa: „1. Das enolisch-russische vereinigte Beratungskomitee bedauert die von der Mehrheit des Generolrates des Internationalen Ge- werlschcstsbundes unternommene Aktion, die zur Verwerfung des Vorschlages«inrr vorläufigen und bedingungslosen Konferenz zwischen ihm und dem Allrussischen Rate des Gewerkschaftsbundes geführt hat. 2. Das Komitee stellt fest, daß diese Entscheidung zustande ge- kämmen ist eher aus Grund der Widerspiegelung der offiziellen Vorurteile, als auf Grund der Msmungsn und Wünsche der Mit- gliedermalsen der internationalen Gewerkschaftsbewegung. Als Be- weis dafür stellt das Komitee das Vorurteil, das hier gegenüber der russische» Beweaung on den Tag gelegt wird, der Stellung- nähme zu anderen Gewerkschaftsleitungen, die setzt dem Internatio- nalen Gewerkschastsbunde noch nicht angehören, gegenüber. 3. Das Komitee ist der Meinung, daß einer der ersten prak- tischen Schritte, die gemacht werden müssen, die ""Berufung einer Konferenz dn'-ch den Generalrat der brikischen Gewerkschaften ist, die im Vunkt III b der Deklaration, die von der Delegation der britischen Gewerkschaften auf der enolisch-russischen Gewerkschasts» konferenz in London am 8. April 192Z gemacht worden ist. was auch von der rustis�en Gewerkschaftsdelsoation anoenommen und später von den höchsten autoritativen Vertretungen der Gcwerk» schcftsbewegung der beiden Länder ratifiziert wurde. 4. Das Komitee bedauert die fortgesetzten und nicht provozier» tcn Angriffe gegen die russische Gewerkschaftsbewegung und die groben Entstellungen, die in bezug auf das Werk des englisch. russisch«» vereinigten Beratungskomitees über Politik und Ziel der beiden Gewerkschaftsleitunaen in bezug auf die Stützung der inter- nationalen Gewerkschaft- einheit an den Tag geleat wurde, und be- schließt, Maßnahmen zu treffen, um solchen Mißdeutungen und Stöning-verhichen entgegenzutrsien. 5. Das Komitee glaubt trotzdem, daß die Vertretungen der Ge- werkschaftsbeweaung der beiden Länder fortfahren müssen in ihrer Stellungnahme in voller Gelassenheit und Würde und in bezug auf alle unverantwortlichen Angriffe, die gegen ste und gegen die Ge- werkschaftsbeweaung. die sie vertreten, gerichtet sind. Sie wollen fest in ihrem Werke fortfahren, das sie begonnen haben, um die EinHost der Gewerkschaftsbewegung der ganzen Welt zu verwirk- lichench Zu dieser Resolution ist manches zu bemerken. Zunächst be- fchwert stch das Koinitce darüber, daß der russischen Bewegung gegen- über anders verfahren werde, als gegenüber Gewerkschaften, die dem JGB. noch nicht angehören Das Komitee nennt zwar kein Land, aber es ist ohne weiteres klar, daß insbesondere auf die amerikanischen Gewerkschaften und wohl auch auf die mexikanischen und indischen Gewerkschaften angespielt wird. In der Tat besteht dieser Unterschied nicht. Auch der russischen Bewegung ist die weitgehend st e Unterstützung des JGB. zuteil geworden. Wir weisen auf die Aktion während der chungerxeriode und während des Angriffs Polens hin. Die russischen Gewerkschaften befanden sich damals gleichfalls außerhalb des JGB., ja sie führten, wie auch heute noch, einen heftigen Komps gegen die Amsterdamer Gewerkschaften. Das hat den JGB. luch die ihm arwcschlossenen Gewerkschaften nicht gehinderr, die russische Arbsir-i jchaft in einer Weise und in einem Ausmaye zu unterstützen, die ohne Beispiel dasteht. Als der bewaffnete Rubreinbruch erfolgte, hat der JGB. kein« Aktion unter- nommen zugunsten der deutschen Arbeiterschaft, die in Vergleich zu stellen wäre zu der AStion, die zugunsten der russischen Arbeiter- schaft unternommen wurde, als Polen Sowjetrußland angriff. Genau wie den amerikanischen Gewerkschaften ist den russischen Gewerkschaften wiederholt die Versicherung gegeben worden, daß ihnen die Tore des JGB. weit offen stehen. Bis heute haben die russischen Gewerkschaften es aber abgelehnt, von dieser Einladung irgendeinen Gebrauch zu machen Sie haben im Gegenteil ihren Kampf gegen den JGB. und die ihm an- geschlossenen Gewerkschaften fortgesetzt. Wenn es dann in der Resolution heißt, daß das Komitee.die fortgesetzten und nicht provozierten Angriffe gegen die russische Ge- werkschaftsbewegung und die groben Entstellungen, die in bezug auf das Werk des englisch-russischen Vereinigten Bcratungekomitees über Politik und Ziel der beiden Gewerkschaftsleitungen in bezug aus die Stützung der internationalen Gewerkschaiteemheii* bedauert, so müssen wir schon sagen, daß eine derartige kühne Umtehrung der Tatsachen nicht alltäglich ist. Wir wissen, daß die englischen Gewerkschaften in keiner Weise beteiligt sind on der skandalösen Hetze, die im Namen des englisch-russischen Komitees gegen den JGB. von Moskau inszeniert worden ist: Das ist aber noch kein Grund, daß die Gewerkschaften, die den, JGB. angeschlossen sind, geduldig den Buckel hinhallen, wenn es den Bolschewisten beliebt, im Namen der sogenannten Einheitsfront auf sie einzuschlagen. Nicht wir waren die Angreifer. Nicht die Amsterdamer Gewerk- schasten haben versucht, in die englische oder die russische Gewerk- schastsbewcgung einen Kell hineinzutreiben. Nicht wir sind es. die gegen die englischen oder russischen Eswsrkschastsiiihrer eine bei- putfthöebatte in Sapern. Gen. Dill gegen Rnpprecht von Witte!sbach— Tie Putschabsichtcn des„Königs": das Neich sollte zerschlagen werden— Tie Dentschnationalen mit im Spiel. München, 19. Dezember.(Eigener Drahtbericht.) Im bayerischen Landtag hiell heute Genosse Dill eine gründliche Abrechnung mit den monarchistischen Aklivisten und ihrem persönlichen Mittelpunkt, dem Kronpräiendentc» Rupprecht von Wsttclsbach. Genosse Dill ging aus von der Königsparade in Kolbermoor am 2ö. Oktober dieses Jahres, an der sich auch die Spitzen der republikanischen Behörden beteiligten, um dem König Rupprecht ihre Huldigung darzubringen. Gegen diese hochverräterischen Handlungen wurde durch die bayerische Sie- gierung nicht eingeschritten, aber zehn Tage später warnten maß- gebende Organe der Bayerischen Volkspartei vor unüberlegtem Han- deln der oktivistischen Monarchistengruppe.Bayerntreue". Bon amtlicher Seite mußte dann zugegeben werden, daß die»Bayern- treuen" mil dem Biiaisterpiäsideulen Held über die EZlederausnch- lung der Monarchie verhandelt halten. Es ist selbstoeritändlich eine Unwahrheit, daß Rupprecht von Wittelsbach nichts mit diesen Dingen zu tun hat. Der gleiche Rupprecht, der jetzt neue Ansprüche aus feinen Verträgen wtt dem bayerischen Staat erhebt, obgleich er nach bayerischen, Verfassuiigs- recht mit diesem Abfindnngsübereinkommcn für sich und sämtliche in Bayern lebenden volljährigen Agnaten vermögensrechtlich und verfassungsrechtlich die neue Ordnung von 1919 anerkannt und auch den Thronoerzicht aussiesprochen hat. Im übrigen Hot Rupprecht nach dem Kriege bei den zuständigen Behörden der deut- schen Republik die Festsetzung des ihm zustehenden Ruhegehalts eines Feldmarschalls a. D. beansprucht. Er hat dornst zu erkennen gegeben, daß«r nicht den Anspruch erhebt. König von Bayern zu fein; denn ein König von Bayern kommt nicht bei der Deutschen Republik um ein Ruhegehall als Feldmarschall ein. Schon im Dezember l9ZS hat Rupprecht einem Schrljlsicller gegenüber erklärt, daß er hasse, in st'äiestcn? fünf Zahren werde die Zeit für die Wiederherstellung seiner Monarchie gekommen fein Darum hat er auch stets mit jenen Leuten zusammengearbeitet, die fest Jahr und Tag auf eine Zerschlagung Deutschlands gedrängt haben im Interesse der Ausrichtung einer vergrößerten Wiitelsbacher Monarchie, hierher gehört vor allem dl» vierstündige Unkerredung, die Rupprecht von Willelsbach am L September 1920 mil den beiden deukschnalionolen Führern Dr. helfscrich und Dr. hergl in Berchlergaden halte, eine Ünlerreduna, die aus verau- lasjung Rupprecht? zustande kam. Heliferich und Hergt waren sich darüber einig, daß gewisse bedenklich« Gedankengänge bei Rupprecht bekämpft werden müßten So vor allem die Bildung eines Deutschen Bundes unter bayerischer Führung, dem die von Preußen losgelösten Landerteile Hannover, Rheinland-Westfalei,, Schleswig-Holstein und Oberschlesien als selb- ständige Bundesstaaten angehören sollten während man das übrige Preußen sich selb st überlassen wollte. Für Bayern wurde dabei an eine weseillliche Vergrößerung durch An- gliederung österreichischer Landssteile gedacht. Die Durchführung des Deutschen Bundes sollte entweder auf dem Wege einer gewaltsameu Akiion. oder aber durch llnlerslützung der Enienic erfolgen. Das tatsächliche Bestehen dieses Planes geht einwandfrei aus einem Akt hervor, der ans dem Besitz der D e ut s ch n a t i o n a l e n Parteiorganisation Bayerns stammt. Jetzt versteht man spiellose Derleumdungskampagne fest Iahren führen. Wenn diese Berleumdungskampagne sich jetzt gegen deren Urheber wendet, so steht es diesen schlecht an. in Klagetöne über„Entstellungen" aus- zubrechen. Wenn das englisch-russische Komitee schließlich ankündigt, daß die russischen Gewerkschoflen zwar nicht ihre Bereitwilligkeit, dem JGB. beizutreten, bekunden wollen, daß aber außerhalb des JGB. Und unabänderlicherweise also gegen den JGB. ver- sucht werden soll, eine internationale Zusammenkunft zu inszenieren. um die angebliche Einheitsfront herzustellen, so gestallen wir uns jetzt schon, den englischen Gewerkschaften vorauszusagen, daß sie eine bittere Enttäuschung erleben werden. Es gibt nur«inen Weg, um die»Einheit der Gewerkschaftsbewegung der ganzen Welt zu verwirklichen", das ist der Beitritt zum JGB. Jeder andere Weg muß entweder zur Spaltung führen oder scheitern. Vorträge, vereine uns Versammlungen. Reichsbanner»Sckiwarz Rot-Gosd". Sctlin 3 14. EebeMonstr. Z7-ZS Kok i It ««u,b«r«! Sie filc ffr., d. II.,«nncfetlfe ffunllionärlonfereiM mil "-r»-» ctirclictiem ftrcisoottanft findet erst am Di., d. IS., bei Reim, Urbanstr. W. stau.— �elcisimrcn-fftcbeicbosf:€o., d. 12., abeitiä 8 Uiir, Sets, bei teraRnir.nn. Surlra« Kamerad Ktcuer fen. ilber„Sc,d)eccifr. IN Seebacks üdefteuremt. Wiliibolb-Meris-Str. 5. Landsleute isülteminen. 3er Ii nee Gefeltf�aft für Iffentlich, Gcfvnbheit-pNene, t.?. Siblin»:vr Dienst»»,-er id. Dereuiber, abend» 71, Udr. im Kvaienii'chen Bnliiinr der Unioeefi-St. Dorotbeenirr. 28». Dr. Kar.s Lanner:..Dobnunssb-fchaftuna für Tnberkulöfe". Eäsie uul! kommen. wetlerberi»! der Sffenltichen MellerblenftfieNe für EerNn.(Rachdr fietb) ZZm üaufc des TngeS tliltbciteiima. In der Stacht zu Sonnabend leichter Frost, lom't Temvecotureii rtlrnä übcr Null. 5»r veutschiand: Tauw-Ilcr. auch in Lslpreutzen jortjchreitcnd. Später ün Westen beginnend« Aus- heiter cmg. Handeleverlipt Aus Grund der Berordnuny über Kandelsdelchränfunoen orm 1>. Juli 1023 iR-G-Bl S 70S> dal e ich dem Fadriianten Pinluo Metsner. Berlin Garten'lr 00 dur» Beriügung vom 28 Seviemder I0Z.7 den Kondei mit Deokniionben des läg- ichen Bednris wegen Un.cnoer!ässigIei! in de'.ug auf diesen Hand.-Iodetlieb rechte. lränig nirlerlagt. Berim. den 8 Dezember 1823. Der PolliclprägSonk. Abteilung Ii?n Beecreiuna De. Raste. Tgd.Nr 317 II r Sä._ MetaSIbeUen ätahlmatratz., Kinderbetten jmsSj mbrit Kar 650 fr ElsenmSbcliabr. Suhl Ihiir. Frtsäi OTtstzesdladriel I Bst-undteMrsolio Riiöien n. Keüle Pfd. 1.20 M. Hlrsdilieisili PId. 80 a. 90 PL • Gespickte Hasen s Hnoenkculen Sl. 1.50 M Lüater 55 Pf. Frische Rehb'.teter Pid. l.iO 51. 6är>se};eisehPsii.1.S0j£ Günsefctt Pfd. I.SO M. Gilnsektcla O. Elshoiz Hütertushaus, Heandersirsßs 2 - iLf;-'• t"'_*"■ W&t&Str*' rti CDeine weiter nur jt/tecasr-sor SttUag 11. dezemder 1925 Unterhaltung uns ÄVissen Setlage öes vorwärts Der anöere Aoah. Von Wilhelm Schäfer. Manchmal gefällt es dem Schicksal, den Tag zu erschüttern, der mit dem Stundenschlag seiner allgütigen Ordnung über dem Menschenvolk steht; dann kommt der Unrat zutage, der sonst in Verborgenheit bl'ebe. So war es damals in Brandenburg, als der Sterndeuter Stöffler die Absicht des Himmels erkannt hatte, im Februar des Jahres eintausendfünfhundertmerundzwanzig das Menfchenoolk mit einer Sintflut zum andernmal zu vertilgen. Der rote Mars, der gelbe Saturn und der weiße Jupiter kamen im Zeichen der Fische zusammen: da mußten die Brunnen der Tiefe aufbrechen und alle Schleusen des Himmels ihr Wasser ablassen, die sündige Erde mit ihrer Kreatur, Menschen und Vieh und die Tiere des Waldes, Bäume und Felderfrucht zum andernmal zu er- säufen. Als die böse Kunde vom Turm des Sterndeuters herab in die Bürgerschaft kam und war kein schlechtes Gerücht, sondern die W sienschast hatte das Jahr und den Monat, ja den Tag und die Stunde mit ihren geheimen Künsten errechnet, ging der Schrecken durch alle Türen hinein, alle Treppen hinaus und vergaß keine Kammer Und weckte die Furcht des jüngsten Gerichts in den Herzen; aber keiner wußte, daß es schon da war in seiner Scheidung: Die Eottlosen dachten, was hilft den Gerechten nun ihre Tugend? Sie müssen ersaufen wie wir! Und fingen in Elle an, das ihre zu tun: Die Schelme standen am Markt, die Dummen zu prellen, und die Räuber sielen die Kaufleute an; die Roßdiebe hotten schon long« nicht mehr so scharf nach den Ställen gesehen, und die tn Unkeusch- hat lebten, fühlten die Wollust der letzten Umschlingung in jeder Frau, die sie fanden; die Geiz gen liehen ihr Geld nicht mehr aus, und die noch Gläubiger hatten, schrieben die Schuld in die Sintflut; die ein Haus bauten, ließen dem Regen das leer« Gebälk stehn, und die in der Lehre waren, liefen davon in dem Müßiggang ihrer Meister. Das Bauernvolk aber, als das Gerücht aus den Stadttoren über sie kam, wollte den Fronherren nicht länger das saure Tag- werk tun: Was sollen wir ackern und säen, was sollen wir mit dem Karst im nasien Feld stehen, da keiner mehr da ist. die Ernte von uns zu verlangen, und niemand uns stäupen kann, wenn sie oll« mit uns ersäuft werden, die uns jetzt quälen, die Junker und Bürger und Mönche? Wir wollen auch einmal wie sie den faulen Tag habenl Rur di« Frommen dachten mit Buße und Fasten, mit Meß- opierv und Bittgängen der Sintflut noch zu emgeh-n. Tag und Nacht brannten die Kerzen, und die vergesiensten Heiligen hielten Erntezeit ab; auch zogen die Fahnen der Prozessionen durchs Land, als ob noch einmal die schwarze Pest und Geißlerzeft wäre. Die Reichen jedoch, die Ratsherren und Junter und mancher Abt auch, sie dachten: was hilft uns der Wahn, wenn wir uns selber nicht helfen? Hat nicht Roah klüger getan? Und suchten heimliche Orte, da ihre Arche zu bauen, so daß der seltsamen Kahne bald mehr aus dem Land stauben, als Schisse aus den Flüssen. Als dann aber der böse Februar kam. trafen sich Jupiter, Mars und Saturn wohl Im Ze chen der Fische, aber der Himmel blieb frostklar jeden Tag. die Sterne funkeln zu losten, und der Schnee über den Schollen welkte dahin. Bis endlich das Eis in den Seen barst und ein Regen zu rinnen begann; aber er weckte nur das Grün in den Wiesen, ließ di« Schlüsselblumen am Bach und die Anemonen im Wold blühen; und wurde ein Frühl ng in Brandenburg wie keiner seit langem, als ob der Himmel mit gnä- digsm Blau und selig segelnden Wolken die Furcht und Torheft der Menschen gütig decken wollte. Da mochten der Frommen manche wähnen, daß ihre Bittgänge und Meßopfer doch nicht vergebens gewesen wären. Die ober vor- gesorgt hatten, die Räuber, Roßdiebe und Schelme, hatten das ihre gleichwohl dahin. Rur die Lehrlinge mußten zurück in die Zucht ihrer Meister, und die ihre Schulden verpraßt hatten, fingen mit Seufzen an, von neuem die Groschen zu sparen; auch wurden die Häuser fertig gebaut: aber die Archen standen im Land und harrten vergebens der Sintflut. Wo die Furcht übel geherrscht hatte, fing die Täglichkeit an, Spott tn die Torheit zu blasen, und wurde di« lumpigste Fastnacht; denn nur wenige waren, die sich vor dem leuchtenden Himmel der Ewigkeit schämten. Allein im kurfürstlichen Hof zu Berlin hatte der Schrecken sich dauernd vern stet; denn der Kurfürst Joachim war der Sterndeuter«! allerhöchst kundig und hatte dem Hofasirologen Carion in seinem Schloß an der Spree einen Turm eingebaut, wo er aus Fernrohren, Segmenten und Sternkarten weissagen konnte, wie sich der Himmel dem Hof gnädig erwies oder wie das Schicksal hohläugig gegen ihn ausstand Dei hatte das Horoskop anders gestellt, und seine Kon- stellat on zeigte den fünfzehnten Juli an als den Tag, da sich die Sintflut ergösie; auch würde sie nicht die ganze Menschheit ersäufen, nur das römische Reich deutscher Rationen; und dos flache Land on der Spree muffe zuerst den Zorn des Himmels erfahren. Eine helle Marznacht lag über Kölln und Berlin und das Master der braunen Spree gleißte bläulich den Sternenhimmel wider, als der Sterndeuter dem dicken Kurfürsten da» böse Horoskop stellte, und die Kurfücsrn allein war dabei. Der Kurfürst Joachim hatte mit fünfzehn Jahren den Kurhut bekommen und wollte nicht fünf- undzwanzig Jahre lang eigenmächtig regiert haben, daß ihm sein eigener Hofastrolog mit einer Sinnlut die Herrlichkeit ausw schte. Cr späh:- selber hinauf durch das Rohr, sah den roten Mars, den gelben Saturn und den weißen Jupiter und zählte die Sternzeichen ob; er ließ seinen Zeigefinger zorn g über die Ziffern fahren, nahm �en Zirkel und maß die Sternenbahnen ab: doch fand er alles so, wie der Astrolog sagte. Weil er ein hitziger Herr war und als die höchst« Gewalt bei jedem Widerspruch brauste, nahm er zuerst sein Pistol; aber der schwarzbärt ge Sterndeuter hatte ein Pentagramm auf den Bode» gemalt und stand klüglich daraus: al» der BI ß den Knall gegen die Wände geworfen hatte und die Nachtlnft den Rauch seitwärts abwehte war nur ein Loch in das Messingblott des Kalenders geschosien das an der Wand hing. Aber die Kugel hatte g-nau den fünfzehnten Juli getroffen. Darüber wurde der Kurfürst so blaß, daß ihm die Kursürstin mit e nem Tuchlem den Schweiß von der Stirn wischen und das Koller aufknöpfen mußte, damit keine Ohnmacht über ihn käme..». Seit dieser Mär-niacht konnte den Kurfürst kein Koch und kein Mundschenk mehr fröhlich machen. Er spie das schäum gstc Bier aus und warf dos gebräunteste Fleisch vor die Hunde. Zu dem Stern- d-uter hinauf wagte er nicht mehr zu steigen, wohl aber kam ein geheimer Befehl in den Turm, bei Strafe der Dierteilung weder den Tag des drohenden Unheils noch dieses selbst zu verraten, so daß ollem di««mfürstin Elisabeth wußte, wa« in dem Horoskop O5LLO>.TcLS5 Cr; Die gnk ZeN, wohin ist sie geschwunden? Zlvr eine«iuz'ge Alasche Sekt pro Tag: Den Kaviar kauft man nur in Viertelpfunden; Da» reicht n'cht hin und her als Brotbelag. wovon bezahl' ich meine Soniubine. Venu ich heut nur sünstausend Em verdien«? Der Proletarier weiß ja nicht vejcheid, Wie sehr die Zlot bei uns zum Himmel schreit. Sie: Zch habe nur noch vierzehn Abendrobe« 1 was zieh' ich au beim näch len Asimvintee? lind viere Hab ich nur noch anzuproben. Auch krieg ich dies Zahr kein BrtUankkoliier. wovon soll ich die Winterkur bestreiten? wie übersieh ich diese schlimmen Zeilen? )a, wenn der kleine p oietarier wüßt'. wie schwer für unsereins das Lebe» iiti stand; die abar war sine herzhafte Frau, und ihr Wahlspruch blieb, in der Lust keine Fische zu fangen. So ging das Frühjahr dem Hof on der Spree in Bedrängnis dahin, well jeder den bösen Geist spürte, der über dem Kurfürsten war. Indessen draußen im Land die steigende Sonne vergesien machte, daß über dem Winter so törichte Furckzt lag. indessen die Ohren der Menschen wieder den Kuckucksruf und Lerchengesang hörten und die Bürgerschaft Sonntags hinaus ging zu den Zelten, lag das kursllrstlichs Schloß düster und mit verschlossenen Toren: die allerhöchste Gewalt wollte nicht wahrhaben, daß ein höherer Wille über ihr wäre.(Schluß folgt.) Der Schuß ins �lsi. (phanlasic und Wirklichkeit.) Es ist immer so gewesen, daß ein großer weltwendender Gedanke sich nicht aus eine Person beschläntte, sondern gleichzeitig in vielen Gehirnen auftauchte, die in keiner Verbindung mit einander standen. Und das ist kein Zufall. Eine Idee inkarniert sich, wenn sie möglich, wenn sie reif geworden ist. Und dann drängt sie zum Licht, wo sie kann— wo sie ein Gehirn findet, das sie zu formen vernmg. Es überrascht daher nicht, daß helft« eine Reihe von Forschern verschiedener Länder sich gleichzeitig mit einem Problem beschäftigen, das aus den ersten Blick so ungeheuerlich erscheint, daß man unwillkürlich zurückschreckt Um nichts Geringeres handelt es sich, als um die Bezwingung der Erdschwere— um den Vorstoß in den Weltenraum. Daß die Reise zum Mond lediglich ein- Frage der Geschwindig- keit und damit«ine Energiesrage ist. hat schon Jules Verne erkannt. Doch erst mußten die jurch.-barcn Riescngeschütze des Wellkrieges, die mit millionenpferdigen Energien ihre eisernen Grüße donnerten, den Weg bahnen zu den Maschinen, die imstande sind, ebenso gewallige Energiemengen nicht nur aus Sekundenbruchteile, sondern dauernd zu entwickeln. Und diese Maschrn« ist heute erfunden in Bestall der Rlesenrakete. Der amerikanische Professor R. H. Goddard vom Elark College in Worcester hat seine erst« mit Sprengpulver ange- trieben« Versuchsrakete gebaut und ihre Ablassung schon für Dezember d. I. angekündigt. Gleichzeitig legte der deutsche Pro- sessor H. Oberth in Mediasch, Siebenbürgen, die fertigen Pläne für den Bau einer großen Knallgasrokete vor, die nach den Berechnungen des Erfinders dereinst wohl auch Menschen wird in die Ocde des tragen und unbeschadet zurückbringen können. Und wiederum kurze Zell darauf gab der Ingenieur W. Hohmann in Essen ein Wert heraus, in dem er sich in streng wissenschaftlicher Weise mit den Bahnwegen von Raketen im Weltall auseinandersetzt. Ganz gewiß— die Reise zum Mond ist heute aus dem Fabel- reiche herausgerückt und bald werden wir da» gewaltige Ereignis erleben, daß die sortgesetzte Steigerung aller Geschwindigkeiten den um uns gezogenen Panzer der Erdschwere von selbst zersprengt. Welches Schicksal wird des Torpedos im Räume harren, das Prof. Goddard im Dezember zu unserem nächtlichen Begleiter emporsenden will? Und was wird die Folge fein, wenn der kühn« versuch ge- linat? Diese Fragen sind bereits beantwortet— in einem kosmischen. vor einem Jahre von dem Münchener Schriftsteller Otto Willi Gail urfter dem Titel„Der Schuß ins All" geschossenen und im Bcrgstadioerlag in Breslau erschienenen Roman. Es ist verwegen, sich aus einem Ronwn, aus einem Phantasiegebilde Antwort zu holen ans eine weltbewegende Tagessrage. Aber es handelt sich hier nicht um eine der zahlreichen Zukunstsutopien, sondern um einen wirklichen„Roman von morgen", der sich in allen Einzelheilen auf das Heute stützt und nichts bringt, was nicht schon technisch- wissenschaftlich«rweisbar wäre. In jahrelangen Spezialstudien hat sich der Verfasier die cheoretischen Grundlagen geschafsen, aus denen er in wissenschaftlich einwandfreier Weis« weiterbaut. A!« O. W. Gall den„Schuß ins W" in feiner ersten Fassung schrieb, wußte er nichts von den Vertretern der Kosmopilotie. Auch in seinem Gehirn faßte ganz unabhängig der Gedanke Fuß. der jetzt die Well aufhorchen läßt, und es scheint, als ob ihm die nachhinkende Wirtlichkeft recht geben sollte. Auch im Roman steigt �zuerst die einfache torpedoähnliche Puloerrakete Suchinows aus, während die Plan« der leistungsfähigeren Wasserstofsrakete des deutschen Erfinders Korf aus Geldmangel unausgeführt bleiben müsien. Un> willkürlich sieht man in Suchinow den Amerikaner Goddard. der es nun wagen will, dem Mond einen Raketengruß zu senden, und tn Kors den deutschen Professor Oberth, dessen geniale Pläne an der unlösbaren Finanzsrage stehen geblieben sind. Im Roman»er- ,-nglückt die Pulverrokete, und erst der furchtbare Hilferuf aus den Sternen erschüttert das Gewisien der Welt, läßt�Korf die Millel zum Bau seines Raumschiffes zufließen, das zum Siege führt. Gewiß. niemand wünscht, daß Profesior Goddard Suchinows Los teilen möge. Doch es haben Fachleute von Ansehen Goddards Mißerfolg prophezeit und die Maschine Oberths als woft überlegen bezeichnet. Sollte O. W. Gail auch hierin zum Seher geworden sein? Wir werden es bald erfahren. Auch die rein menschliche Handlung des Romans trisft die Wirklichkeit. Intuitiv verlegt Gail einen Teil der Handlung in die rumänischen Waldkarpaten— Professor Oberth lebt im rumänische« Siebenbürgen. Und die Schilderungen von dem Ringen Korss mit den Gcldschwicrtgkdten— entsprechen sie nicht genau den verzweisell aussichtslosen Bemühungen Oberths, einen Geldmann zu sinden. der seinen Plänen zur Gestallung verHilst? In der technischen Entwicklung schlägt Gail einen Weg ein, der zunächst fast unwahrscheinlich erscheint: Zuerst läßt er vi« glatte torpedoöhnliche Rakete zum Mond steigen, und dann erst entsteht unter anderem das Rakctenschnellflugzeug, das im Verkehr auf dem Erdball alle Entfernungen zusomnienschnimpfen läßt. Und die Wirklichkeit? Goddards Rakete ist fertig und ihr Abschuß steht be- vor— während erst jetzt langsam da und dort noch unklare Pläne für die Ratetenslieger auftauchen. Keiner, der den„Schuß ins All" gelesen hat und die tatsächlich« Entwicklung der Ereignisse ausmerksam verfolgt, kann sich des Ein- drucks erwehren, daß hier ein prophetischer Geist die nähere Zukunft vcrausgeschaul hat— nicht mir im grundlegenden Gedanken, sondern auch in allen Einzelheiten._ F. R. wie Locke das Katlensplel bekämpfte. Der Philosoph Locke war einst bei seinem Freunde Shaftesburq in einer Gesellschaft, in der sich die Herren sofort rn Kartenspiel niedersetzten. Locke sah den Spielern eine Weile ernsthast zu, dann zog er eine Schreibtafcl her» vor und machte darauf Eintragungen. Man fragte ihn, was er schreib«.„Ich suche mir Ihre Unterredung so gut zunutze zu machen als ich tonn, meine Lords," erwiderte der Philofopy.„Schon längst war es mein Wunsch, öfter an der Unterhaltung der geistreich» stcn Männer unserer Zeit teilnehmen zu können, und da mir dies jetzt vergönnt ist. so finde ich es der Mühe wert Ihre Gespräch« auszuzeichnen. Das Wesentlichsie der letzten Stunde habe ich schon beijammen." Man fühlle die Ironie und ließ sich einige Pröbchen der nichtssagenden Bemerkungen vorlesen, die während des Spiels gefallen waren. Dadurch erkannte man die Lächerlichkeit dieses Zelt- oertreibs und wandte sich einer inhaltsreicheren Unterhaltung zu. Die Zahl der rolen Blutkörperchen. Genaue Angaben über die Menge der roten Blutkörperchen beim ges nden erwachsenen Menschen werden noch den neuesten Feststellungen von Albert Pietfch in der„Umschau" gemacht. Danach kommen bei Männern SVi bis 6 Millionen Stück aus den Kubikzentimeter Blut, bei Frauen 5 bis 6 Millionen Stück. Der Hömoglobingehalt schwankt bei Männern zwischen 80— 87 Proz., bei Frauen zwischen 70— 85 Proz. Di« Zahlen der Blutplättchen im Kaninchenblut ergeben Wert« zwischen 450 000 und 870 000 im Kubikzentimeter. Zwischen der Zahl der Blutplättchen und der weißen Blutkörperchen besteht ein direkte« Lbhangigkeftsverhällnis. ,4 e Henkelt fkhem Gebraacbe Uta— und Im Sau» Siebt's stets bei Dir wie Sonntag ans! Mit Ata kannst Du alle Sachen Blitzblank und appetitlich machen! Hta putzt und scheuert alles! Volksbflhce « Uhr; Der betreue Don Coidiofte Morgen 8 Uhr: Der bcfreh» Bon Camus«» Staats-fbeater Opcrnhao* • Uhr; IntermtEX« Opernhans am KSslssplatz T-/,: Troubadour Scbansplelhana SU.: Romeo a. Julia Schiller«Theater • U- Kapiiän Brast« boand« Belehrung «Ms Opei Charlottenbnre • Uhr: Siegfried Abonn-Turnus III vsMMM 7-/, Uhr. Oer von K I a b u n d Regie: M. Reinhardt Kamnerspiele 8 Uhr: Mi fem??? MdA Mg AM von pirandello Reg'e: M.Reinhardt Die Hoilfdie brfllrstiiiilzni 211 8 Unr Lesslng-lii. Tfigl. 8 Uhr Der junge£ar m Puhr.l-Ürtcnl Shd u. Sornt. 4 U. BatKBppitien Kleine Pre.se Kleines Th. Heute i Uhr Fienranten von Blraheau Regle: Geyer Trianon-Th. Tigl. 8 Uhr v Diettenschmld: Re'ie; Goldberg Regie; Max Reinhardt II) Tdelicb 8 Uhr- Die Grüne Fiale Regle; Max Reinhardt Mairay, Sterna, Salveg, Blum usw. #.law Tirmurma I O scata II Bang v. V- Parkett v. Logen v.•«- Kinder-Revue Jpden Ifiitvoeb n SoBneb.S�Ud tN« kUM lSM. Kleie« Preise. sä w. i.-,ijnea. Jedes Sonntag nactuo. S Uhr: Dia gani« Vor. ateliang zu haben Preisen Nim «w. Täglich 8.10 Uhr: Operette von Kollo Erna Nitter Curt Bois Parkettpl.v, 2—|?M ftrofcsSdtä&spiemans 300 Mitwirkangto Parkett M. 4.— Ranz M.*— tter Rang M. I.S0 Loge M. 7.— Star Rang 75 Pf. Sonntag nacbmlttar 8 Uhr «■werkUnt so crmSSigten Preisen Das neu© Meisterwerk Ernst Lubitsch's Poia Nagri m- Das verbotene Paradies mit ADOLPHE MENJOU und ROD LA ROCQUE Kanuskriplt Christtiia Johnston und Hanns KrSly Nach dem Schauspiel„Oia Zarin" von Biro und Lengyei Avterdam: Das un�SsertreffBiche Seiprosramm Wochentags 5, 7, S Uhr Sonntags: 3, 5, 7,• Uhr FA-RALAST AM ZOO Tal Besieüungen: Nollendorf 63, 1397, 5280, 5231 iKomlsdiel 1�4 oper 8" Dir.; law« mein— iGrößteRevuei der Welt IT#nÄ DG ms I Parkett 6«— M.| Preise 2.— bis 12.— M. (Logen IS— M.) 1 Vorverkauf ununterhr. geöffnet I Jlcsidsaz- Th. 8 Uhr; Circes Ksirat Sonnab. u. Sonnt. 3V, Uhr(Kl. Pr.): ScbBeewiifchen Thalia-Th. Aonemarie 8 Uhr; Sonnab. u Sonnt. 3'/, Uhr(Kl. Pr.)• Hansel o Grefe! Theater In der Kommandantenst Leliia KSrchen- Abend'Vorsleil. (Kl Pr.)»/,8 Uhr Rotkäppchen Sonnab u Sonnt 3", Uhr(KI. Pr): Rotkäppchen O Voranzeige O Shd. Ti, Premiere Sie bioal Mädels liieat.öJeslen: NartU Hulip u Ed-Limreattelii alo Gast TSsl. 8 11 Uhr (Uber 50 mal) Der OrlOW Plätze schon all Deatsebts KOnsll.-Theittr Tägl.»/4t Uhr: Gastspiel Frllxl Dasstrj: Die Teresina TkLlirüistnlinD 7V» Uhr Qastspiel des Deutsch. Theaters Regen TlLLSdiiffliJBirlioi 8 Unr: Da* verblngal». vollc Weib Lnstspielhaus 8 Uhr: PotJSijiaPerisnitftf II. Teil WuiitPirlBittirLFUE Vailner-Tiiealer Tägl 8 Uhr: HolporlaDe Kerrnjeld m Intimen Tncat. BQiowstr 6 Tl|l:dll Stall£e?g mit K Turlkomödie Anten tterrnleM .MelropoMlisalei Täglich 8 Utu; Ii« piil�Päsa: lifi HO WW Aiiea unf Teilzahlanct Herren- und Derne»- konfektion, Leib-. Bett- n.TiKlrwäsche Kieme Amahlong Bequeme Rater.zah. lung. Bei Kranfchrlt undArbcitslosigkeit röfte Rflcksictitt!. Ospirin SSlainbock Xlllstb IIS, I, SbraBih. Jas MM! der MK Der große Westi-Film der Ufa ab heuta Ufa-Theater, Alexanderplatz Ufa-Theater, Reinicke dorfer Straße Ufa-Theater, WeSSensee Fiimpatast, Spandau Luisen-Theater. 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Sicher ist es die Arbeiterschaft, es sind die kleinen Leute ohne Re- ferven und ohne Verbindungen, die unter dem Schrumpfungs- prozeß der deutschen Wirtschaft zuerst und am schwersten leiden. Aber man muß bedenklich werden, wenn jetzt plötzlich die politischen Vertreter und die Syndizi der Unternehmer, wie kürzlich Dr. H u g o, M. d. R.. in der Dolloersammlung der Bochumer Industrie- und Handelskammer ihr Herz für die Armen entdecken, indem sie furchtbarst« Kennzeichen der Wirtschaftskrise an- kündigen, einen Winter der Not und sozial« Verelendung prophe- zeien und den Himmel um Gnade anflehen. Daß es bei der ver- kehrten und kurzsichtigen Wirtschaftspolitik unserer Unternehmer zu Katastrophen kommen müsse, ist seit Jahr und Tag von all denen, die das Wohl des Ganzen über den eigenen Lorteil stellen, schon grundlich und deutlich genug gesagt worden. Warum also jetzt plötzlich das Geschrei?— Es geschieht nichts ohne Grund. Unser« Unternehmer, soweit sie mit Blindheit geschlagen herumlausen. machen jetzt Krisenstimmung, um in der Panik die Löhne herabsehen ZU können. Pessimismus kann auch ein Geschäft sein, so meinen st« wohl. Demgegenüber muß aus die Eigenart der Deslationsperiode, in der wir uns befinden, so eindeutig als möglich hingewiesen werden. weil der Grad ihrer Stärke, überhaupt ihr Verlaus ganz wesentlich von den Löhnen, von der Kauftraft der breiten Massen abhängt. Zunächst einige tatsächliche Feststellungen. Seit langem ho» jetzt die Zahl der Konkurs« zum ersten Male die Durchschnittsziffer der Vorkriegszeiten um einige Prozent überschritten, obwohl wir im Nachkriegsdeutschland rund hundert- tausend Unternehmungen(Aktiengesellschaften, Gesellschaften mit beschränkter Hastung und sonstige Unternehmungssormen) mehr haben als jemals früher. Auch wenn die kalten Pleiten. die SeschSstsaussichten, in die Betrachtung einbezogen «erden, vermag sich da» Urteil nicht zu verändern, sind doch von ihnen nur knapp ein Viertel überhaupt ernst zu nehmend« Unter- nehmungen mit einer merkbaren wirtschaftlichen Funktion. Und wenn aus die zunehmende Zahl von Fällen hingewiesen wird, wo aus Mangel an Mass« die Eröffnung eines Konkursverfahren» abgelehnt wird, so kann dazu nur gesagt werden, daß auch die» ein Beweis für die volkswirtschaftliche Bedeutung»» losigkeit dieser Obsekte darstellt. Im übrigen darf nicht übersehen werden, daß Zusammen- b r ü ch e häufig genug nicht nur Abbau. Konkurs und Stillegung dedeuten, ebenso oft ergibt die Auslösung von inslationistischen Industriekonzernen, daß deren gesund« Produttionsstätten, in kapitalschwacher Hand zum Siechtum verurteilt, sich im Besitz der neuen, kapitalstärkeren Herren überraschend schnell er- holen. Wenn dabei einige Generaldirektoren und Aus« fichtsratsvorsitzende ihre Besitztitel und Tantiemen ver- lieren. so ist da» sicher für sie unerfreulich, es ist aber kein Der» lust, den die Allgemeinheit nicht zu tragen vermöchte. Die ProduMonsztsfera der deutschen lllirtschafi geben dem übereifrig betonten Pessimismus der Unternehmer nicht recht. In den Monaten Januar bis Oktober sind in Deutschland 12 Millionen Tonnen Steinkohle gesördert worden(1913 In der gleichen Zeit 12,3 Millionen Tonnen). Die Haldenvorrät« hoben sich etwas verringert, wenn st« auch noch immer abnorm hoch sind. An Kall sind in neun Monaten 11,1 Millionen Doppelzentner abgefetzt worden, gegenüber 6,8 Millionen in der gleichen Zeit von 1913. Die monatlich« Roheisenerzeugung, trotz der schroffen Einschränkung der Produktion, war bisher in allen Monaten de« laufenden Jahre» höher als im Vorjahre, teilweise sogar höher ol» 1913. Die Rohstahlerzeugung hat zeitweise die monatlichen Leistungen der Vorkriegszeit erheblich überschritten. Aehnllch liegt »«s mit Walzwerkserzeugnissen. Der deutsch» Außenhandel zeigt zunehmend bessere Züge, das statistisch ausgerissene Passioum hat sich auch im Oktober weiter verringert. Man komme uns nicht mit den niedrigen Börsenkursen. Warum soll ein Geldkapitalist den Produktionskapita- als Hejchäst. listen Geld borgen, wenn sie seine Zinsen(die Dividende) nicht aus- zahlen, sondern damit ihr« selbstgemachten Wirtschaftssehler aus- gleichen, und im besonderen, wenn er gegenüber den Besitzern der Vielfachstimmaktien bei der Verwaltung seines Geldes nichts zu sagen hat! Die niedrigen Aktienkurse sind das Kennzeichen einer ollgemeinen Vertrauenskrise, de» grenzenlosen Miß- trauen» der Geldleute gegenüber den Unternehmern. Und die oben erwähnten Produktion»- und Außenhandels- ergebnisse zeigen, daß die Beseitigung überflüssiger Unternehmer der deutschen Wirtschaft durchaus nicht schlecht bekommt. Diese Entwicklung zur Gesundung wird aufgehalten, wenn es gelingt, au» dem Pessimismus in- sofern ein Geschäft zu machen, daß Löhne abgebaut werden. Jeder Lohnabbau vernichtet progressiv die Kaufkraft, die Konsumfähigkeit des Volkes, da» doch rund 79 Proz. der deut- schen Produktion aufzunehmen hat. Luch Deutschland kann nicht vom Export leben. Jede Lohnkürzung wirkt sich in vollem Um» fange in den an sich schon äußerst Neinen Ausgabeposten au», die neben dem absolut Notwendigen stehen. Fünf Prozent Lohn» kürzung drosselt die Wirtschaft um ein Vielfaches davon. Es ist auch falsch, wenn behauptet wird, daß Lohnkürzungen die Preise ermäßigen. Einmal ist der Lohn nur ein mehr oder weniger großer Bruchteil des Preises der Produkte, zum anderen treffen Lohnherabsessling und Preisermäßigung zeitlich gar nicht zusammen, weil ja der Weg der Warenerzeugung Wochen und Monate beansprucht und auch nicht auto- matisch die alten Händlerläger räumt. Lohnkürzung bedeutet Zwang zur Krise, weil die niedriger gewordenen Löhne mit der dadurch erzeugten progressiven Kauskraftminderung auf die noch nicht beeinflußten Preise treffen. So mancher Unternehmer klammert sich setzt wieder einmal an den„Bruder Arbeiter�, damit er nicht allein ertrinkt. Sie wün- schen. wie es Dr. Hugo so schön gesagt hat.„Not-Arbetts- gemeinschosten'— außerhalb de» Tarifoertrage» l Dazu ist zu antworten, daß kein« Gewerkschaft, wollte sie sich nicht selbst aufgeben und zugleich die deutsche Volkswirtschaft verraten, auf diesen Wegen mitzugehen gedenkt. Die Gesundungskrise, der jetzt endlich verstärkt vor sich gehend« Schrumpfungsprozeß, der Unternehmerabbau wären mit Ihrer wilden Auswahl zwischen Kronken und Gesunden zu oerhüten gewesen. Aber alle die entsprechenden Vorschläge der Sozial. demokratie sind von Geheimräten und Geheimpolstikern seiner. zeit in die A k t« n s ch r ä n k« gesperrt worden. Jetzt setzt sich die Wirtschaft selbst durch. Wir hoben keine Ursache, diese Entwick- lung aufzuhalten. Was stürzen will, muh noch gestoßen werden! Die wirtschaftlichen Auswirkungen diese« Prozesses dürfen nicht wieder abgebremst werden. Kampf gegen jeden Lohnabbau hilft der Entwicklung zur Besserung Daß keine sozialen Folgen ent. stehen, dafür zu sorgen muß mit aller Kraft der Staat gezwungen werden. In Deutschland ist frivol« Steuerpolitik getrieben worden, da» Reich hat au» Steuern und Massenbelastungen gewaltige Ueberschüss«.erzielt. Sie müssen für die Arbeit»- losen mobilisiert werden, mit ihnen kann Beschäftigung geschaffen werden. Bestimmte Unternehmer machen Krisenrummel, well es ihnen schlecht geht. Um so ruhiger und überlegter hat die Arbeiter- bewegung ihren Weg zu gehen. E» gist, weiter zu sehen und weitsichtig zu handeln, da» Wohl der Armen verlangt es so. Di« Kurzsichtigen mögen jammern, weil endlich die falsche Wirtschaftspolitik der Unternehmer au ihrer eigenen Unzulänglich- kest scheitert._ Kurt Heinig. der fiußenhanöelsverbanü als Jubilar. Am Mittwoch abend feierte der Außenhandelsverband(Handels- Vertragsverein) den Tag seine» sünfundzwaazigjährigen Bestehens in einem kleinen Kreise von Mitgliedern und Gästen, darunter mehreren Vertretern verschiedener Ministerien. Man muß bedauern, daß seine Kundgebung gegen die Handelspolitik nicht schon vor vier oder fünf Monaten, zur Zeit de» Zollkampfes, erfolgt ist— jetzt kommt st« viel zu spät, um noch wirkungsvoll zu sein. Mutlerweile ist die führende Stellung im Kamps gegen die Zollvorlage längst an die Sozialdemokratische Partei und die Gewerkschaften übergegangen, und selbst au« den Kreisen der verarbeitenden Industrie wird eine tatkräftigere Propaganda für den Abschluß vorteilhafter Handels- oerträge getrieben. Di« liberale Ideologie endlich, die das Referat de» Hauptredner«, de, Professor» v. Schulze-Gaevernitz, erfüllte, wirkte reicklich veraltet. Sein« �zukunftweisenden" Gedanken, daß Deutschland der.Anwalt der W e l t w i r t s ch o s t' fei und daß man aus ein europäistbe» Zoll- und Wirtschoftsbündnis hin- arbeiten müsse, haben wirklich den Rei� de» Originellen verloren, da ja seit Jahr und Tag selbst Männer wie Stresemann dieselben Töne anschlagen. Wenn man auch den Programmpunkten der Reden im allgemeinen zustimmen kann(außer v. Schulze-Gaevernitz sprach noch der Verbandsvorsitzende Minister a. D. Dr. Gothein)— Welt- wirtschaftspslege, Arbeitskraftpslege, Kaufkraftpslege, Weltsriedens- pflege und internationale Wirtschaftsverständigung, schleunige Herbei- sührung von Handelsverträgen und Kampf gegen Lebensmittel- und Rohstoffzölle—, so werden verschiedene Ansichten der Vortragenden nicht ohne Widerspruch bleiben dürfen. Wir glauben nicht, daß ein Preisabbau durch den Lohnabbau eingeleitet werden muß. und ebensowenig sind wir der Ansicht, daß die Arbeiterschaft von den ungünstigen Wirkungen der Zölle nicht betroffen wird, weil ihr Existenzminimum nicht herabgedrückt werden könne! Wenn von der Notwendigkoit gesprochen wurde, die Klassengegensätze zu vermindern, und von den Gefahren des unnatür- lichen Bündnisses zwischen Schwerindustrie und Großagrariern, so � hören wir diese Botschaften wohl, allein uns fehlt der Glaube daran, daß ein noch so radikal liberalistisch redendes Biirqertuin die Kraft ausbringt, seine Ideologien auch nur einen Schritt auf dem Wege zur Verwirklichung vorwärts zu bringen. Der große Macktfaktor der international verbündeten Arbeiterschaft, de» o. Schulze-Gaevernitz nur als»Sprengpulver* zur Niederlegung der nationalen Zollgrenzen gellen lassen will, wird diese Tätigkeit nicht als Handwerkszeug in der Hand des Liberalismus, sondern als selbständig« Kraft und im Dienste seiner eigenen Ideen unter- nehmen! � Der Großhandelsindex. Die auf den Stichtag des 9. Dezember berechnete G r o ß h a n- delsindexziffer des Statistischen Reichsomts ist gegenüber dem Stande vom 2. Dezember(122,9) um 0,3 Proz. aus 122.5 zurückgegangen. Gesunken sind die Preise sür Roggen, Hafer, Butter, Fleisch, Milch Treibriemenleder, Baumwollgarn, einige Textilrohstoffe und Nichteisenmetalle. Höher lagen die Preise sür Weizen. Gerste, Schmalz und Rohjute. Von den Hauptgruppcn haben die Agrarerzeugnisse von 117.9 aus 117,3 oder um ÜL Proz. nachgegeben, während die Jndustriestoffe mit 132,2(Vorwoche 132,3) nahezu unverändert blieben. Lonkverluste durch Arbeitskämpfe. vor einigen Tagen wurde bekannt, daß die Kopenhagener Privatbank schwere Geschäftsverluste erlitten hat. Interessant ist nun. zu erfahren, daß diese Geschäftsverluste im Zusammen- hang mit dem großen Kampf der dänischen Arbeitgeber gegen die dänischen Gewerkschaften steht. Der dänische Bericht- erstatter de».Soz. Pressedienstes� weih darüber u. a. fol- gendes mitzuteilen:.Die Kopenhagener Privatbank, eine der drei dänischen Großbanken, hat auf Veranlassung des staatlichen Bank- revisor» 14 Millionen Kronen als Verlust abgeschrieben und crns Ihrem Reservefonds weitere 11,2 Millionen für mögliche weitere Verluste zu einem besonderen Dispositionsfonds zusammengestellt. Do die Privatbank über ein Aktienkapital von 69 und einen Reserve- fonds von 27 Millionen Kronen verfügt, wird ihre Zahlungsfähig- keit durch diese Verluste nicht bedroht. Wenn auch über die Ursache der außergewöhnlichen Verluste Stillschweigen bewahrt wird, so ist doch über sie zuverlässig folgendes bekannt geworden: Ein großer Teil der Verluste rührt daher, daß die Bank der Arbeitgebcrvereini- guna und den Eisenindustriellen in der drei Monate dauernden Aussperrung dieses Jahres große Kredit« zur Verfügung stellte. Die Abwicklung dieser Kredite gestaltete sich für die Bank sehr verlustreich." ' vi« Opel-werke in der Aulomobilkrlse. Wilhelm v. Opel hat'ck au» der großen Berliner Automobilausstellung trotz der Ausstellunas».. erfolge seiner Werte offenbar sehr ungünstige Schlüsse für die" zukünftigen Absagmöglichkesten der Automobilindustrie gezogen. Jedenfalls war die unmittelbare Auswirkung eine Anweisung zur sofortigen weiteren Einschränkung der Produttion und zur Entlassung weiterer 599 Mann für das Ende voriger Woche. Noch im Juli d. I. wurden(ohne Beamte) rund 7499 Mann in einer Tagesproduktion von 195 4-?S.Kleinwagen und 1239 Fahr'- röder beschäftigt. Ende November bereits war die Zahl der Beschäftigten aus 4699, heute ist sie auf 4199 Mann gesunken. Da- bei w>rd nur an vier bzw. drei Wochentagen gearbeu. Die Tages- pioduktion ist aus 29 Kleinwagen und 399 Fahrräder zurückgeschraubt. Diese starke Betriebseinschränkung ist besonders beachtlich, weil sich die Opel-Werke als sinanzstarke» alte» Familienunternehmer trotz der enormen Umstellungskosten auf die fließende Produktion von Donkschulden ziemlich freihalten tonnten und in erheblichem Aus- maß ihre Halbfabrikate im eigenen Betrieb erzeugen. Die Betriebsdrvsselung wird also als reine Auswirkung der A b s a tz- k r i s e anzusehen sein. Für die Arbeiterschaft des unteren Rhein- Main-Gebiets, für die Opel-Rüsselsheim.der" Betrieb schlechthin ist, sind die Auswirkungen der Automobiltrise bei Opel eine außer- ordenllich schwere Belastung. Die Slillegungsepidemie. Bei dem sächsischen Arbeits» Ministerium sind in der zweiten Hälfte des Novembers 179 Anzeigen über die Abnchl zur Schließung der Be- triebe«ingegangen. Gegenüber dem Vormonat bedeuiet das ein« Steigerung von mehr als 49 Proz. Von den beabsichrigte» Stillegungen entfallen 51 auftden Maschinen-, Instrumenlen- und Apparatebau, 25 aus die Metallverarbeiiung, 19 auf die Textil» Industrie, 18 auf die Holz«, 16 aui die Stein- und 12 auf die Be- lleidungSindustrie. Für die Papierindustrie liegen 9 SlillegungS» anzeigen vor und für Steinbrüche und Ziegeleien 7. Der Nest der Anzeigen verteilt sich auf Zigarrensabriken. die Glasindustrie, die Lederverarbeitung und da« graphische Gewerbe. Doppelte Freude zum Fest machen Sie. ivenn Ihr Geschenk so nützlich wie schön ist und außerdem noch überraschend kommt. Damit Sie nun nicht nötig haben, den Beschenklen vorher davon in Kennini« zu sehen, wenn Sie ein guteSRuhnke-Augengla« Verlchenken wollen, so verpflichten wir un« ausdrücklich. nach dem Fest Gläier und Fassung genau anzupassen und, wenn nötig, umzutauichen. 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