Str. 586 42. Jabrg. ted by sitoidalgond( b Ausgabe A nr. 299 latrogelio blund Bezugsbrets: mi idol 926benffic 70 Blennie, monati 8 Reichsmart on aus zahlbar. Unter Rreusband für Deutschland, Danzia. Saar- und Demelgebiet, Lefterreich, Litauen, Euremburg 4.50 Reichsmart, für das übrige Wusland 5,50 Reichsmart pro Monst. Der Bermärts mit ber Countess Beilage Boll unb Reit mit Bieb Lung und Kleingarten fomie bez Beilage Unterhaltung und Billen und Frauenbeilage Frauenftimme erfcheint mochentäglich ameimal, Sonntags und Montags einmal. Relegramm- brenes Sozialbenstrat Berlin Morgenausgabe m the and H. hold 20d stagn mopite od z avidad demon Vorwärts Berliner Volksblaft 10 Pfennig 907 Anzeigenpreise: Die et afvaltige Ronpareille geile 80 Pfennig. Reklamezeile 5.- Reichsmart. Kleine Anzeigen bas fettgebrudte Bort 25 Bfennig ( auläffia amei fettaedruckte Worte. lebes weitere Wort 12 Pfennig. Stellengefuche bas erfte Wort 15 Bfennig, tebes weitere Bort 10 Bfennig. Borte über 15 Buch ftaben aählen für amei Borie. Arbeitsmarkt Reile 60 Pfennig. Familienanzeigen für Abonnenten Seile 40 Bfennia. Anzeigen für die nächste Summer milen bis 4 Uhr nachmittags in Sauptgeschäft, Berlin SW 68, Linden frake 8, abaegeben merben. Geöffnet von 8% Uhr früh bis 5 Uhr nachm Zentralorgan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands Redaktion und Verlag: Berlin SW. 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Dönhoff 292-297. Sonnabend, den 12. Dezember 1925 Hilfe für Beamte und Kriegsopfer. Die Besoldungsfrage im Haushaltsausschuß des Reichstages abgeschlossen. Im Anschluß an die Berhandlungen über die Erwerbslosen frage murden in der geftrigen Sigung des Haushaltsausschusses auch die Besoldungsfragen zu Ende beraten. 3u allgemeiner Ueberraschung brachte in der Nachmittagssigung der Abg. Morath ( D. Bp.) zugleich für seinen Barteifreund Dr. Cremer und die Abgg. Allelotte( 3.) und Lude( Wirtsch. Bgg.) folgenden An. trag ein, der offensichtlich aus dem Reichsfinanzministerium selbst 1. Dem Reichstag nach der Neubildung des Rabinetts schleunigst eine den notwendigen Belangen Rechnung tragende Neuregelung der Beamtenbesoldung vorzulegen. Stammt: Schlag gemacht, ben Zuschlag zum Grundgehalt für die Gruppen I bis VI Don 12% auf 25, für die Gruppen V und VI von 12% auf 20 Broz vom 1. Dezember ab zu erhöhen und die fich hieraus für Dezember bis März 1926 ergebenden Beträge nech vor Weihnach ten auszuzahlen. Nach einer sehr bewegten Aussprache mußte die Berhandlung ausgefeßt werden, damit die Regierung fich über den Antrag, der eine Mehrheit zu finden schien, schlüssig werden konnte. Bei Biederaufnahme der Sigung erklärte sich die Regierung bereit, als einmalige Zahlung den Beamten der Gruppen I bis IV ein Biertel der Monatsbezüge, den Beamten der Gruppen V und VI ein Fünftel der Monatsbezüge, mindestens aber 2. Einmalig noch vor Weihnachten zu zahlen: den Ledigen 30 m. und für die Ehefrau und jedes Kind 5 m. Jowie A) den Beamten, Wartegeld und Ruhegehaltsempfängern den Kriegsopfern ein Biertel der Monatsbezüge zu zahlen. Dieser und den Angestellten, soweit ihre Bezüge nach den Säßen der Be- Antrag wurde außer von der Deutschen Bolkspartei und der Wirt foldungsgruppen I bis XII festgesetzt sind, sowie der Hinter schaftlichen Bereinigung von sämtlichen anderen Parteien abge bliebenen von Beamten ½ der ihnen für Dezember 1925 zulehnt. Sommunisten, Sozialdemokraten, Bölkische und Demokra stehenden Monatsbezüge ohne Aufwandsentschädigung destens jedoch a) den Ledigen 25 Reichsmart, b) den Empfängern eines Frauenzuschlags 30 Reichsmart, statt 25 Reichs mart, c) den Empfängern von Kinderzuschlägen oder Kinderbei hilfen, für jedes Kind außerdem je 5 Reichsmart, d) den Bollwaisen insgesamt 10 Reichsmart. Der zu zahlende Betrag darf % der Monatsbezüge nicht übersteigen, die ein Be amter im Dienst mit dem Endgehalt der Besoldungsgruppe mit gleichem Familienstand am gleichen Ort erhält. min der ten erflärten sich, zum Teil unter Zurückstellung schwerer Bedenken, mit dem vorhin wiedergegebenen Zentrumsantrag einverstanden. Die Abstimmung ergab folgendes Bild:: Der ursprüngliche fozialdemokratishe Antrag auf Erhöhung des Zuschlags zum Grundgehalt für Gruppen I bis VI Don 12% auf 30 Broz. und für die Gruppen VII bis IX von 10 auf 20 Broz. wurde abgelehnt. Ebenso abgelehnt wurde der B) den Kriegsbeschädigten und Striegshinterbliebenen sozialdemokratische Antrag, dem erwähnten Zentrumsantrag rü thren für Dezember 1925 zustehenden Bezüge. wirkende Kraft vom 1. Detober 1925 zu geben. Ferner wurden der Der Antrag bedeutet prattich, daß die Beamten ber unteren völlische und der kommunistische Antrag auf Zahlung einer ein Gruppen 25 RM.. und für Frau und Kind je 5 RM. Sumaligen Beihilfe von 300 bzw. 200 art abgelehnt. Auch der Anflag erhalten, während den Beamten von Gruppe X auf- trag ber Deutschnationalen, die Erhöhung des Zuschlages zum märts eine 3umendung von 125 m. gegeben werden sollte. Grundgehalt bis zur Gruppe XI auszubehnen und der Antrag der Er löfte deshalb auch allseitigen Widerspruch aus. Für Deutschen Boitspartei, auch die Gruppe XII einzubeziehen, verfiel die Sozialdemokratie erflärte Abg. Steintopf, daß er in dem der Ablehnung, so daß gegen die Stimmen der Deutschen BoltsAntrag die Berücksichtigung der Arbeiter vermiffe. Seine Partei partet und der Wirtschaftlichen Bereinigung der Zentrums. halte im übrigen den Antrag für so unfoztal, daß er feiner antrag von allen Parteien angenommen wurde. Erörterung mert sei. Wenn eine Summe von 60 Millionen zur Ber. Die praktische Auswirkung ist folgende: fügung stehe, so könne die Verteilung nur für die unteren Gruppen stattfinden. Nachdem sich auch der Abg. Laperrenz( Dnatl), Zorgler( Romm.) und Schuldt( Dem.) gegen den Antrag aus gesprochen hatten, wurde dieser zur meiteren Beratung einem Unter ausschuß überwiesen und die Beratung des Haushaltsausschusses ausgesetzt. In dieser Unterausschußfihung wurde vom 3entrum ber BorLangfames Tempo. Noch vor Weihnachten soll den Beamten der Gruppen I bis IV die Hälfte eines monatlichen Grundgehalts und den Beamten der Gruppen V bis VI 30 Proj. diefes Betrages gezahlt werden. Ent sprechendes gilt für die Kriegsopfer. In den Monaten Januar bis März 1926 erhalten die Genannten die Bezüge wie im Dezem. ber 1925. Bom 1. April 1926 ab wird dann die befchloffene Er. | höhung, der Zuschlag zum Grundgehalt weitergezahlt. für die Zeit vom 11. Januar 1923, dem Beginn der Besetzung, bis zum Inkrafttreten des Dawes- Planes am 31. August 1925. Diesen Bericht wird am Sonnabend die Reparationskommission zur Kenntnis nehmen und es werden der Generalagent für die ReparaHonszahlungen, die Treuhänder und die Kommissare zur Ueber machung des Dawes- Planes ihre Berichte über das erste Rechnungsjahr vom 1. Dezember 1924 bis 31. August 1925 erstatten. Die erste Jahresrate der von Deutschland zu dem vorgeschriebenen Termin geleisteten Zahlungen beträgt eine Milliarde Gold Der Stand der Regierungsbildung. Deber den Empfang des Führers der Deutschen Bolts partei, Dr. Scholz, beim Reichspräsidenten erfährt das Nach richtenbureau des Vereins deutscher Zeitungsverleger, daß ge mäß der früheren Erflärung der Deutschen Volkspartei, fich an Verhandlungen über die Frage der Bildung der Großen Koalition zu beteiligen, Dr. Scholz, auch heute dem Reichsmart, das sind augenblick 6 400 000 000 Papierfrant. präsidenten erklärte, daß auch nach Vorlegung des Programms ber Sozialdemokraten die Deutsche Boltspariei nach wie vor bereit sei, an den weiteren Berhandlungen teil zunehmen. Dr. Schola bandelte nach einem Beschlusse des Frattionsvorstandes der Deutschen Volkspartel. Die Fraktion selbst wird erst in der nächsten Woche zusammentreten. Wie das Nachrichtenbureau des Bd3. aus Kreisen des 3entrums und der Demofraten erfährt, entsprechen bie Nachrichten, wonach Bertreter dieser Parteien am Freitag vom Reichspräsidenten empfangen worden sind, nicht den Tatsachen. Auch Einladungen zu einer Bespre chung sind bei diesen Parteien bisher noch nicht einge gangen. Dasselbe gilt auch von den Sozialdemotra ten, fomie von der Bayerischen Boltspartei und der Wirtschaftlichen Vereinigung. In den Kreisen des Zentrums und der Demokraten ver pricht man fich von weiteren Besprechungen des ReichspräsiDenten mit einzelnen Parteiführern feinen Erfolg. Man hält es für das Richtigste, wenn der Reichspräsident jetzt ein e Bersönlichteit beauftragen würde, die dann die Verhandlungen mit den Parteien zu führen bätte. Interfrattionelle Besprechungen zwischen den Parteien haben nicht stattgefunden. Bilanz der Ruhrbesetzung. Beratung ber Reparationsfommiffion. Paris, 11. Dezember.( Eigener Drahtbericht.) Das aus den ftellvertretenen Delegierten gebildete Direktionsfomitee der Repara Honstommiffion ift am Freitag nachmittag zusammengetreten, um bie endgültige Bilanz der Ruhroperation aufzustellen. In dieser Bilang flehen bie Busgaben und Einnahmen in bar und Ratralien Loucheurvorlage Nr. 5. Gegenvorschlag der Sozialisten. Paris, 11. Dezember.( Eigener Drahtbericht) Finanzminister Loucheur hat am Freitag nachmittag einen neuen Finanzgesetz entwurf, den fünften feit Beginn dieser Woche, eingebracht, und zwar für freiwillige Konvertierung der Staatsrenten gegen eine 5- prozentige Anleihe, die zum Nennwerte bei Entrichtung der Erb schaftssteuer in Zahlung genommen werden soll. Die sozialistische Kammerfraktion beschloß dem Finanzprogramm Loucheurs, das von der Fraktion bereits im Sommer ein gebrachte Gegenprojekt der Abgabe von 10 Proz. auf alle Bermögenswerte entgegenzuftellen. Als neue Forderungen sollen u. a. erhoben werden: Einführung des Deklarationszwanges für die diretten Steuern, Deffentlichkeit der Steuerveranlagung und Bilichtdirekten Steuern, Deffentlichkeit der Steuerveranlagung und Pflicht teil zugunsten des Staates bei allen Hinterlassenschaften. Die Sanierung Polens. Abban der Sozialpolitik verlangt die Rechte! Warschau, 11. Dezember.( DE.) Die Sejmdebatte über das Exposé des Finanzministers 3 dziechowiti ist vertagt worden. Im Senat trat Buzet( Bartei Biaft", d. t. rechtsstehende Bauern) für Bermehrung des Geldumlaufes durch heranziehung von Auslandskapital in die Bank Polski ein, wobei dem Auslandstapital die Hälfte der Vorstandssige eingeräumt werden sollen. Die Rechtsblätter deuten an, daß nunmehr eine Abänderung der. fozialpolitischer Belezze zur Steigerung des Arbeitsertrages unerläglich sei. Der fozialistische Robotnit" will davon nichts wissen und billigt die Budgetrebuftion nur aus Rüdsicht auf die abnorme Lage. Er tabelt ben Mangel an pofitioen Maßnahmen gegenüber ber Jabuftrietrije bio] is nom dvici Vorwärts- Verlag G.m.b. H., Berlin SW. 68, Lindenstr.3 Bettichedfonts: Berlin 37 536 Banffonte: Bank der Arbeiter, Angestelltex unb Beamten, Ballftr. 65; Diskonto- Gesellschaft, Depofitentaffe Lindenstr.& Moralische Blutschuld. Ein Nachwort zum Grütte Lehder- Prozeß. Das Gericht hat den Angeklagten GriffeLehdet, der den angeblichen Oberleutnant Müller alias Dammert im Tegeler Forft ermordete, zu acht 3ahren Gefängnis verurteilt. Grütte- Lehder, der als Siebzehnjähriger einen falfblütigen Mord beging, ist als Mörder verurteilt. Seine Jugend schüßt ihn vor der Todesstrafe. Die Frage, ob er im Auftrage gemordet habe, und ob also auch seine Auftrag geber straffällig feien, hat das Gericht nicht entschieden. Es hat sie auch nicht geprüft, sondern hat ausdrücklich von der Prüfung abgesehen. Es hat dem jugendlichen Mörder unterstellt, daß ihm die subjektive Auffassung nicht genommen werden fönne, daß er im Einverständnis mit seiner Bartei der Deutschvöltischen Freiheitspartei ge mordet habe. In diesem neständnis, daß ein Jugendlicher zu haben. Es steht dahin, ob er sie gehabt hat. Aber die jektiv sein, daß seine Bartei einen Mord billige, ja wünsche, liegt eine ungeheure moralische Anklage gegen die Deutja)= völkische Freiheitspartei. 1 Die Partei der Graefe, Wulle, Rube, Ahle. mann hat schwere Schuld an einem Teil der deutschen Jugend auf fich geladen. Dieser jugendliche Mörder, feine Mitwisser und Freunde das ist nun die deutsche Jugend, die den Bölkischen folgt. Dieser Grütte- Lehder intellektuell über seine Jahre hinaus entwidelt, aber ohne Gefühlsregung, ohne sittliche Hemmungen in dem die völkische Hezze die bösen Seiten seines Wejens steigert zum falten Fanatismus ohne Begeisterung, zur Mißachtung aller Mitmenschen, die nicht der völlischen Partei angehören, zur Mißachtung des Menschenlebens, zur Mordgefinnung. Ein Siebzehnjähriger mordet, ein Fünfzehnjähriger ficht dem erfien Mordversuch des Siebzehnjährigen zu, ein anderer Siebzehnjähriger witd zum Mitwisser. Ihre Organisation" war der Schrecken manches Vaters, dessen Sohn in sie hineingezogen wurde. Herumtreiberei des Nachts, Dummejungenstreiche das fürchtete man von dieser Gruppe, Deutscher Herold", wie man aus dem Prozeß erfahren hat. Aber bah in ihr Mordgesinnung muchs als Ausdrud jugendlich politischen Größenwahns, das ist die Schuld der völlischen Bewegung. Man denke an die jugendlichen Mordheffer aus dem Rathenau- Prozeß, an die Techows! Die Atmosphäre der Verschwörung, der geheimnisvollen Großtuerei, des sich Rühmens wichtiger geheimer Beziehungen zu führenden Dölfifchen Bolitifern das ist nicht nur Ausgeburt überspannter Jungensföpfe das ist das Resultat von Ber führung. Grütte Lehder fuhr in der Proving umher und rühmte fich, Aufträge von der deutschnöllischen Freiheitspartei zu haben. Es fiellt dahin, ob er sie gehabt hat. Aber die deutschvölkische Parteileitung hat ihn gefannt. Er ist auf ihrem Bureau aus- und eingegangen. Gr. der Siebzehnjährige, hat Unterredungen mit Reichstagsabgeordneten der deutschvölli fchen Freiheitspartei gehabt. Er hat Ausweise beseffen, die von führenden völkischen Bolitikern unterzeichnet waren unbestimmt, gefährlich gehaltene Ausweise, die sich wie Generalpolímachten zu allem ausnehmen. Er ist durch die Atmosphäre der deutschvölkischen Freiheitspartei in seiner gefährlichen Entwicklung bestärkt worden. Was ist das für eine Partei, in der der Oberstleutnant hiemann, damals völkischer Reichstagsabgeordneter, den fiebzehnjährigen Grütte Lehder, der den Abenteurerdrang eines unharmonisch entroidelten Jungen in der dunklen Atmosphäre völkischen Berschwörertums austobt, den Reichstagsabgeord neten Wulle und Kube zu einer Unterredung über organisatorische Fragen zuführi! Diese Männer haben mahrhaftig nicht daran gedacht, daß diesem Jugendlichen und den anderen, die sich in der völkischen Organisation herumtreiben, Erziehung Not täte, fittliche und staatsbürgerliche Erziehung. Sie haben in ihm und den anderen nur Werkzeuge gefehen. Werkzeuge zu welchem Zweck? Bußten sie, welche Gedanken und Absichten in diesem Jungen wuchsen und gärten? Sie mußten es wissen; denn ihre haßerfüllte Hezze, die Sprache ihrer Presse, ihre Stellungnahme gegenüber den politischen Morden der letzten Jahre, ihre eigenen verschwörerischen und putschistischen Bläne mußten so verhängnisvolle Gedantengänge in diefen Jugendlichen hervorrufen und fördern. Bon der moralischen Schuld wird diese Männer niemand lossprechen! Der Staatsanwalt im Prozeß gegen GrütteLehder forderte das Gericht auf, durch eine ftrenge Strafe der Jugend ein warnendes Beispiel zu geben. Die Berteidigung ersuchte ihn, sich an eine andere Abreffe zu wenden und die fittliche Schuld außerhalb der Anklagebant zu suchen. Jawohl, die fittliche Schuld liegt bei der Deutschvolfischen Freiheitspartei. Aber nicht nur die Schulb des Mißbrauchs und der Irreleitung von Jugendlichen, fondern auch die Schuld an den Berbrechen, die die verführien Jugendlichen auf sich geladen haben! Die moralische Schuld der Wulle imd Rube umb Ahlemann steht fest. Der Erörterung, ob eine Schuld im Strafrechtlichen Sinne vorliegt, ist das Gericht im Prozeß Grütte- Lehder aus dem Wege gegangen. Der Angeklagte hat fie eines gewollt zweideutigen Verhaltens beschuldigt, das einer Billigung seiner Mordpläne gleichgekommen fei. Die von ihm Beschuldigten hätten das größte Interesse daran haben müssen, im Prozeß selbst vernommen zu werden, um Aufklärung bis in die fleinste Einzelheit hinein zu schaffen. Sie haben dies Interesse nicht gezeigt. Jeßt, nachdem der Brozeß abgeschlossen ist, veröffentlicht der völlische Reichstags abgeordnete Graefe in ihrem Namen eine Erklärung, daß alle Angaben von Grütte Lehder erstunken und erlogen felen, und daß fie bereit seien, das mit ihrem Eide zu be träftigen. Warum haben sie vom Gericht nicht die Bernehmung gefordert? Sie mußten geradezu wünschen, daß nunmehr die Staatsanwaltschaft gegen sie eine Vorunter suchung einleitete. In derselben Erklärung aber geben sie zu, daß sie GrütteLehder fannten, daß sie mit ihm parteioffiziell über organisa torische Fragen verhandelt haben. Mögen sie erklären, sie wären vollkommen ahnungslos gewesen, sie hätten an alles immer andere gedacht als an Mordpläne Grütte- Lehdersimmer wird man einer solchen Erklärung die Gegenfrage entgegenstellen: müssen sie nicht täglich den generellen Argwohn haben, daß in den von ihnen mißgeleiteten und mißbrauchten halben Kindern, die einen wesentlichen Teil ihrer Bewegung ausmachen, verbrecherische Pläne gären, nachdem sie selbst jene Atmosphäre gezüchtet haben, in der man hemmungslos von ,, wie einen Hund totschlagen" spricht? Das gibt sich nun als nationale Bewegung"! Diese Männer halten sich für die besonders edlen Deutschen, die allein berechtigt find, den Namen Deutsche zu tragen- und und die Grütte- Lehder halten sie wahrscheinlich für die Blüte der deutschen Jugend bis sie sie vor Gericht und Deffentlichkeit abschütteln, um die eigene riesengroße moralische Verantwortumg zu verbergen. Grütte- Lehder und seine Freunde find gewiß traurige Auswüchse der deutschen Jugend aber jene, die die moralische Schuld tragen, sind noch traurigere Auswüchse des deutschen Parteilebens. Eine Erklärung der völkischen Abgeordneten. Der Reichstagsabgeordnete v. Graefe veröffentlicht folgende Erklärung In dem Prozeß gegen den wegen Raubmords angeklagten Gruette Lehder behauptete der Angeflagte in der gestrigen Berhandlung, in mehreren Unterredungen mit den völkischen Abge ordneten Kube und Wulle habe er diesen die Absicht angefündigt, Dammers zu beseitigen. Alle Abgeordnete, so fährt der Ange flagte fort, waren über meinen Borschlag außerordentlich erregt; fie äußerten sich aber in einem Sinne, der darauf schließen lassen mußte, der Tod des Dammers fei ihnen nicht unangenehm. Darauf schritt ich zur Ausführung. Beide Abgeordnete, denen Gruette- Lehder durch den früheren Abge ordneten Oberstleutnant Ahlemann zu einer Unterredung in organisatorischen Fragen zugeführt war, erflären die Aussagen des Gruette- Lehder für erst unten und erlogen und sind bereit, das mit ihrem Eide zu bekräftigen." Die peinliche Pension. Der Militärdienst des Herrn Schielt. " Das Sturatorium für Spar- und Vereinfachungsmaßnahmen in der Berwaltung unter dem Borfiz Seiner Exzellenz des Herrn Staatsministers D. 2oebell", das sich dieser Tage durch einen 5.Uhr Nachmittagstee im Hotel Adlon in empfehlende Erinnerung brachte( über Loebell das Bildnis S. M. Kaiser Wilhelms II.!), tönnte sich ein wirkliches Berdienst erwerben, wenir es der deutschen Republif die Pension des Herrn Reichs. ministers a. D. Schiele ersparen würde. 10 000 m. verlohnen schon eine fleine Attion. Die ganze Deffentlichkeit ist aufs lebhafteste an der Frage interessiert, wie dieser Herr zu seiner Ministerpension Pathétique. Bon Hans Jüngst. Aus Schwaz und Lärm hast du dich gesondert, heraus aus grellem Licht an das Piano. Ich sehe dir nach, und niemand mertt es. Der warme, meiche Glanz der Kerzen umfließt dich. Aus Dunklem Kleide leuchtet schlank dein Hals, fallen findlich deine Echultern. Da ich sehe, wie du jung bist, durchschüttert es mich. Ein zartes Lied auf Silberschwingen flingt unter deinen zarten Firgern durch den Raum. Schwaz geht weiter und hört nicht Ich höre. Und ich höre: es ist für mich. Du fingst. Wie du als Kind fangft. Einft hielt ich ein Bögelchen in der Hand. Als ich die Finger öffnete und es freigab, stieß es mit einem Wonneschrei in die Luft. Sein Jubel war so start, daß er den Wohllaut seiner Rehle prengte: eine rührende Gebrechlichkeit zerflirrte jauchzenden Bogefruf. So fingft du mit einer rührenden Gebrechlichkeit in beiner allzu zarten Stimme. Ich lausche, bis es ausflingt.. Komm!" Laut genug und so geformt, daß es den Schwaß nicht angeht, ich es höre. Ich stehe hinter dir. Deine Kinderhände bekommen Kraft, die Handgelenke und die Finger. Bathétique.... Du blühst auf wie Blumen abends nach heißem Sommertag sich öffnen und in gekühltere Lüfte atmen. Ich muß zur Seite treten und muß denken: einmal warst du Kind, Hedel.. Blond, zart, fünf Jahre alt. Am Berghang hinter meiner Eltern Garten faß ich mit dir. Ich brachte rote Erifa Honig. Gelbe Ginsterblüten holte ich und das war Butter. Wir bauten einen fleinen Laden in heiße Fichtennadelstreu. Und du verkauftest: dem ilz, der dabei stand, dem Schmetterling, der vor. überstrich, der Grille, die dreingirpte. 1 das war Mie start deine schmalen Hände sind, das Handgelent und die Finger...! Ich vergesse, dir das Blatt zu wenden. Deine Augen, aus dunklen Quellen feucht gespeist, heben sich einen Bulsschlag lang, fteiften nich; und einen Bulsschlag lang scheinst du mich zu sehen. Sintst zurüd dann in dunkle Tiefen. Pathétique. Benn es Abend wurde, fleidete meine Schwester dich aus. Du fangst dabei ein wenig fofett, dachte ich manchmal, mit deinen fünf Jahren Kinderohr ihn aufgefangen. - fangst drollig einen Schlager vom Tage, wie bein „ Ein jeder nennt mich Puppchen, Das macht mir riesig Spaß Du fangst es mit jener rührenden Gebrechlichkeit im Stimmchen, die ich heute miedererkannte. Mein Bruder trug dich fleinen Sommergaft ble Treppe hinauf. Bie leicht du ihm warft! legte dich zu Bette-| Luther diktiert. tommt. Eine sehr interessante Antwort gibt das Berliner Tage| auch der Sozialdemokratte nicht übelnehmen, wenn sie gegenüber ber blatt", indem es feststellt, daß Herr Schiele seinen Kriegs. deutschen Bollspartei vorsichtig ist. Mit der Aufforderung an seine dienst im Kampfgebiet der ihm doppelt auf die Dienst lintsgerichteten Freunde, die Republit mit fozialem Jn. jahre angerechnet wird jahre angerechnet wird in Wittenberg, nahe bei halt zu erfüllen, schloß Dr. Birth seinen mit großem Beifall aufBerlin durch Bewachung eines Gefangenenlagers geleistet genommenen Vortrag. hat! Diesen ausgesprochenen Drudpoften foll jetzt Herrn Schiele Doppelt angerechnet werden, damit er Penfion befommen fann! Es bleibt nur eine Frage zu stellen: Was wäre ge. schehen, wenn ein Sozialbemotrat bie Stirn hätte, unter gleichen Bedingungen eine Minister. pension von über 10 000 marfjährlich zu beziehen? Jahrelang würde die Rechtspresse sich in sittlicher Entrüftung über die Futtertrippenpolitit" ergehen. Herr Schiele, der deutsche Mann, der Häuptling der Deutschnational fann sich das gestatten. Wirth in Berlin. Für sozialen Inhalt der Republik. In der überfüllten Stadthalle sprach gestern abend Reichs. tanzler a. D. Wirth über die politische Lage. Dr. Wirth tanzler a. D. Birth über die politische Lage. Dr. Birth führte aus: Die Sorge um den sozialen Gehalt der Republit führt heute die Massen zusammen. Die Frage, wie wir in diesem Winter unser Bolt ernähren sollen, ist nicht nur eine Frage der bürgerlichen Parteien, deren Zusammengehen jetzt wieder von wissen Politikern gefordert wird. Es gärt in den arbeitenden völkerungsfreisen, denn die Sorge der Erwerbslosen und Wenigver diener ist groß, und mit Recht wird eine Erhöhung der Unterstützungen gefordert Diese Erhöhungen müssen unter allen Um ständen gewährt werden. Die gegenwärtige rise ist nur durch energische Breissenfung zu lösen. Aber hier wird von unseren Wirtschaftsführern jeder staatliche Eingriff abgelehnt. Verhöhnung der Erwerbslofen. Bei dem Wiederzufammentritt des Haushaltsausschusses gab gestern Reichsarbeitsminister Brauns namens des Kabinetts, das mittags nochmals getagt hatte, eine Erklärung folgenden Inhalts ab: 1. Das Kabinett hält fest an seiner Auffassung, daß die Säße für die Hauptunterstühten um 20 Proz, die Familienzuschläge un 10 Proz., die Spitzenbeträge um 10 Proj. erhöht werden. 2. Für einmalige Hilfe an Ausgefteuerte und nichtversiche rungspflichtige Angestellte werden der Wohlfahrtspflege 5 millionen überwiesen.(!!) 3. Der Reichsarbeitsminister wird auf die Berwaltungswege eine bessere Erfassung der Landarbeiter veranlassen. machen, durch die Angestellte in die Erwerbslosenfürsorge mit 4. Das Reichsarbeitsministerium wird schnellstens eine Vorlage eingezogen werden. In der folgenden Aussprache stellten fich fämtlichebürger. lichen Parteien, von den Deutschnationalen bis zu den Demofraten, auf den Boden der gegebenen Tatsachen", b. h. fie gefügten sich bem Diktat des Herrn Dottor Luther, der erneut seine befondere Befähigung als Reichstanzler eines Bürger. blods erbracht hat. Genosse Hoch erhob namens der sozialdemo fratischen Fraktion gegen diefe gänzlich unzulängliche Bestimmung der Unterstügungsfäße den schärfften Protest und bezeichnete es als eine Herausforderung, den Hunderttausenden von ausge steuerten Arbeitslosen ein Almojen von insgesamt 5 Millio nen über den Beg der Armenpflege anzubieten. Er stellte in Bergleich, wie freigebig dieselbe Regierung gegenüber den In. bustriellen und grariern fiets gewesen ist. In derselben Weise äußerte sich der Kommunist Rädel. angenommen. Alsdann wandte sich der Ausschuß der Beratung der Beamten besoldung zu. Der mit brutalen und geistlosen Mitteln verabschiedete 3011. tarif hat im Sommer d. 3. die Agrarfrage nicht gelöft. Sie wird auch nicht dadurch gelöst, daß man die Arbeiter noch mehr zu Arbeitsstlaven erniedrigt, ihre Kauftraft noch mehr schwächt, sie noch In der folgenden Abstimmung wurden die auf die Unterstützung länger arbeiten läßt. und die einmalige Beihilfe bezüglichen Anträge des Sozialen Aus Die politische Linie der Locarnoverträge müsse ehrlich eingeschuffes sämtlich gegen die Stimmen der Sozialdemo. halten werden. Es kommt jetzt darauf an, der Welt unferen traten und kommuniffen abgelehnt und das Diktat Willen zur Berständigung und zur Berföhnung zu zeigen und zu des Herrn Luther mit den Stimmen aller bürgerlichen Parteien beweisen. Nur dadurch ist Deutschlands Gesundung, Deutschlands Aufstieg zu erreichen. Der Schaden, den das Verhalten der Deutschnationalen nach dem Abschluß des Locarnovertrages angerichtet hat, trifft vor allem das Bolt. Dieselben Leute, mit denen die rechten Zentrumspolitiker im Sommer Zollpolitik machten, gingen im Augenblick der Berantwortung in die bequeme Opposition. Unter dem Beifall der Versammlung stellte Dr. Birth an die rechtsgerichteten Kreise seiner Partei die Frage, ob sie nicht bei dem Zusammengehen mit den Deutschnationalen von Anfang an beren parteiagitatorische Einstellung erfannt hätten. Ich habe es getragen, daß man meine Warnungen in den Wind schlug, aber ich ertrage es nicht, meinen Freunden nicht die Wahrheit bis zum letzten Rest sagen zu dürfen. Es dreht sich darum, die politischen Probleme der Gegenwart aufzuzeigen. So wie wir uns am Anfang im Bölferbund betten werden, so werden wir schlafen, und je ehrlicher wir uns zeigen, um so mehr werden unsere Forderungen an den Bölkerbund Berücksichtigung finden. Meine linksgerichteten Parteifreunde find bereit, den Ermerbs. Losen und Notleidenden bis zum letzten Groschen zu helfen, aber wir verlengen von den Rechtsparteien die Einstellung ihrer Bühlereien gegen die Republi?. Die Sicherheit der deutschen Republit wäre längst bahin, würden nicht die republikanisch gesinnten Kreise unseres Bolles fest zusammenstehen. In den Farben Schwarz- Rot- Gold sombolisiert sich soziale Erfenntnis und sozialer Fortschritt. Zur Frage der großen Koalition erflärte Dr. Birth: Die Partei, die es ehrlich mit der Regierung meint, muß in der Frage der Erhaltung der Republit auch bereit sein, die Initiative zu ergreifen. Das Zentrum muß für die große Koalition fein, aber es darf nur mit Parteien die Regierungsbildung betreiben, die start und fest zu Locarno stehen. Aber man fann es Welch weiten Weg ging ich die Jahre seither! Du warst nicht mehr da. Heute spielst du mir die Bathétique. Dreimal streifte mich dein Blid, einen Pulsschlag lang- dreimal schon vergaß ich, dir das dreimal schon vergaß ich, dir das Blatt zu wenden. Deine Freundin hat sich aus dem Schwaz gerettet, zu dir und zu mir. Sie fizzt zu deiner anderen Seite. Die Schauer der Mufit beben von ihr zu mir herüber, schlagen mich wach...! Ihr jungen Geschöpfe, alles Lebens voll, ich danke euch, daß ich bei euch stehe. Daß ihr mich erkennt mit meinem heißen Herzen als einen Jungen, obschon ihr die Silberfäden an meinen schwarzen Schläfen sehen müßt. Ich strecke zu euch meine Hände. Biel weite Wege, auch wirre, ging ich seither. Sprecht ihr mich frei, da ihr mich in euren Kreis ruft? Rönnt ihr mich freisprechen da ihr jung seid? Könnt ihr mich freisprechen da ihr Gnade tragt wie da ihr Gnade tragt wie Weihgefäße, die nicht um ihren Inhalt wissen? Weite Bege ging ich und ich frage euch. Da mündet endlich! mein Gefühl in den Strom, in die Gewalt des Meeres, das deine schmale findliche Hand meistert. Worüber das Theaterpublikum lacht. " ihren Aeußerungen unberechenbar ist, und zu den mancherlei nicht Ein Theaterpublikum hat eine rätselhafte Massenseele, die in vorherzusehenden Ausdrucksfornen feines Bergnügens gehören die Stellen, an denen es lacht. Was mich bei der Aufführung meines neuen Stücks am meisten überraschte," schreibt ein junger Dramatiter in einem Londoner Blatt, das war das, worüber das Publikum lachte. Ich hatte keine Ahnung davon, daß sich die Zuschauer so leicht amüfieren tönnen. Das geschieht besonders Sonnabends. Stellen, an denen am Montag oder Dienstag nur ein leises Richern zu hören ist, werden am Freitag oder Sonnabend mit dröhnendem Gelächter begrüßt. Denn an jedem Abend ist die Stimmung des Hauses verschieden. Am verschiedensten aber ist das Lachen. Daß die Menge bei gewissen nie versagenden Situationen brüllt, ist nicht verwunderlich. Wie könnte ein Bublifum ftill bleiben, wenn sich der junge Mann auf den Zylinder seines Onfels fegt oder feine Schwiegermutter an Stelle feiner Frau abfüßt? Aber da gibt es so manches feinere Bizwort, so manche Lomische Nuance, von der man nie wissen fann, ob sie einschlägt. Worüber das Publikum lachen wird, davon haben weder der Berfaſſer, noch Direktor, noch Schauspieler die geringste Ahnung, bevor die Uraufführung statt gefunden hat. Fragt man fie, so fagen fie: Wir wissen nichts darüber, das Publikum wird Ihnen schon bei der Aufführung er. zählen, was es davon denkt. Bis dahin..." Un dem großen Furcht hinter den Kuliffen wartet, da bricht dann plöglich das Ge Abend, wenn man voll Stolz und Verzweiflung, voll Hoffnung und lächter aus bei Sägen, die man nie und nimmer für humoristisch gehalten hätte, und vielleicht dröhnt die lauteste Lachfalve gerade bei einer Aeußerung, die man noch im letzten Moment streichen | Die Ausgestaltung des Staatsbesites. Geldmittel für Bergwerke, Säfen, Elektrizitätswerke und Landeskultur. Das preußische Staatsministerium hat dem Staatsrat einen Gefeßentwurf über die Bereitstellung von Geldmitteln für die Aus gestaltung des staatlichen Befizes an Bergwerfen, Häfen, Elektrizitätswerten, sowie zur Förderung der Landestultur mit der Bitte zugehen lassen, die gutacht liche Aeußerung des Staatsrats mit Rüdsicht auf die besondere Dringlichkeit noch in der jetzigen Tagung herbeiführen zu wollen. Es werden insgesamt 150 millionen Mart angefordert, die im Wege des redits zu beschaffen sind. Die Verteilung der Mittel auf die einzelnen 3wede wird durch besondere Gesetze be ftimmt. Wie der Amtliche Preußische Pressedienst mitteilt, wird in der Begründung des Gesetzentwurfs auf die vom Landtag wieler holt anerkannte Notwendigkeit verwiesen, den staatlichen Befiz an Bergwerten, Häfen und Elektrizitätswerten möglichst nugbringend zu gestalten und die Landeskultur zu fördern. Im laufenden Red nungsjahr sind bis Ende des Monats Ottober bereits rund 70 millionen Mart zunächst aus bereiten Mitteln der Generalstaatstasse verausgabt und in Ermangelung von bewilligten Krediten vorgriffsweise gebucht worden. Die Finanzlage des Staates läßt eine weitere Inanspruchnahme der laufen. den Staatsmittel für werbende Swede nicht zu, weshalb die Müttel nun im Wege des Kredits beschafft werden müssen. wollte, weil sie einem zu dumm und schwach erschien. Ein Kollege hat mir erzählt, daß das Bublifum bei einer Bemerkung in seinem legten Stüd vor Lachen schrie, die lautete: ,, Sie gießen aber sehr hübsch Tee ein, jedesmal in die richtige Taffe." In meinem Stüd erhob sich der stärkste Lacherfolg des Abends bei einem Streit zwischen zwei jungen Leuten, die fich darüber unterhalten, ob es Nieren zum Frühstück geben foll. Einige Wizze, die ich für recht gut hielt, gingen unter eisigem Schweigen vorüber. Bährend man niemals sicher sein fann, wann das Publikum lachen wird, muß mcn an gewissen Stellen ganz sicher sein, daß es nicht lachen wird Denn ein Gelächter in einem tragischen oder auch nur ernsthaften Augenblick kann das ganze Stück zu Fall bringen. Lautes Lachen ift verhältnismäßig leicht zu erzielen. Aber sehr viel schwerer ist behagliche Schmunzeln hervorzuzaubern, in denen sich der Sinn für es, auf den Gesichtern der Zuschauer das leise Lächeln und das feinen Humor äußert." -Friftlofe Enflaffung einer Schauspielerin. Franziska King, bisher Mitglied der Reinhardt- Bühnen, ist von Direktor Licho fristlos entlaffen worden, weil sie so behauptet die Direttion felber darum nachgesucht hat. Frau Kinz, die eben in Ramper" einen Erfolg hatte und im Staatstheater als Umalie in den Räubern dafür nachgesucht zu haben. Da dieser nicht bewilligt wurde, stellte am 25. Dezember mitwirten wollte, behauptet, nur um einen Urlaub fie allerdings die Direktion vor die Alternative: beffere Beschäfti gung oder Ausscheiden. Da Frau Kinz jetzt den Weg zum Staat lichen Schauspielhaus frei hat, wird sie voraussichtlid) die fristlose Entlaffung nicht weiter auf ihre Rechtsgültigkeit unterfuchen lassen. erheltene antife Theaterbau, den es in Europa gibt, ist das alt Die Wiederherstellung eines affrömischen Theaters. Der beft. römische Theater in Ferento in Italien. 8 Kilometer nördlich von Viterbo. Auf der Stätte des heutigen Ferento lag eine etrus. tische und später eine römische Stadt, und der Kaiser Otho, der hier geboren wurde, erbaute ein großartiges Theater, das bereits vor einem Jahrhundert erwähnt und in neuefter Seit teilweise aus. gegraben wurde. Die italienische Regierung hat mun Prof. Bart beni vom römischen Nationalmuseum beauftragt, eine vollständige Ausgrabung und Wiederherstellung des großartigen Baues herzus flellen, der für mehr als 2000 Personen Sihe bot. Die Ruinen sind so vortrefflich erhalten, daß eine Gesellschaft im nächsten Jahre Borstellungen flessischer Werke der römischen Literatur hier veran ſtalten will, ähnlich wie griechische Dramen jeden Frühling in Syrafus aufgeführt werden. Museum( chaische Bildwerke Umtliche Mufeumsführungen finden Sonntag, borm. 10 115r, im Alten Nente Erwerbungen) Dr. Neugebauerund im Kaifer- riedrich- Museum( untederländische Malerei) – Dr. Mirz ftatt. Bulakfarten 50 f. -Neue B: zirtsfeiretariate des Volfsbühnenverbandes. Vom Berband der deutschen Wolfsbühnenvereine wurden neue Bearfsfehetäre für Hen nover und Braunschweig, für Württemberg und für Eftpreußen angestellt. Die Babt der Bezirisjetretariate wuchs damit aui ef. Auch die Zentrale des Berbandes( Berlin NW 40, Königsplak 7) wurde durch die Einstellung eines neuen Sekretärs ausgebaut regierung am 1. April 1926 in Moskau und am 1. Oktober desselben Jahres Das metrische Syftem wird It. her neuesten Befiimmung der Cowjet. im Moskauer Gouvernement eingeführt werden. Steuern, die nicht gezahlt werden. 300 Millionen gestundet und rückständig! Dem Haushaltsausschuß des Reichstags ist am Freitag die von der Sozialdemokratie gewünschte Uebersicht über die rüd. ständigen und geftundeten Steuern zugegangen. Sie bestätigt die Befürchtung, daß Steuern in sehr erheblichem Umfange rüdständig bzw. gestundet worden sind. Die Gefamtsumme betrug am 1. Ottober 1925 301,7 Millionen. Hiervon waren geſtundet 133 Millionen, nicht gestundet 168,7 Millionen. Am 1. Mai betrug die Hche der Rückstände 320,6 Millionen, also etwa 19 Millionen mehr als am 1. Oftober. Inzwischen sind jedoch die Rüdstände wiederum gewachsen. Auf die einzelnen Steuerarten ver teilen sich die Rückstände folgendermaßen: 1. Einkommensteuer( ohne Steuer abzug vom Arbeitslohn und vom Kapitalertrag). 2. Körperschaftssteuer 3. Vermögenssteuer. 4. Umsatzsteuer einschl. Herstellersteuer 5. Berkehrsfleueru Zahl der Steuerpflichtigen mit Rückständen Nud ft ände insgesamt hiervon geftundet in Min. Reichsmart 938 200 68,3 80 600 40,6 818 300 38,7 779 900 20 700 22,4 21,8 19,1 90,2 20,8 62,9 49,9 Ein erheblicher Teil der rüdständigen Einkommensteuer und Körperschaftsfteuer entfällt auf die Borauszahlungen, da end. gültige Veranlagungen noch nicht vorliegen. Bon den Rückständen bei der Umsatzsteuer entfallen nahmhafte Beträge auf die fogen. Lurussteuer. So zahlt z. B. die Automobilindustrie seit längerer Zeit die Lurussteuer nicht. Sie wirkt sich dadurch als ein zu fäßlicher Zoll aus, da von ausländischen Automobilen diese Steuer selbstverständlich entrichtet werden muß. Bei der allgemeinen Umfassteuer liegen nach Angabe der Regierung Stundungen oder Rückstände im eigentlichen Sinne nicht vor. Das Umsatzsteuergefeh gehe grundsäglich von der Versteuerung nach 3 st einnahmen aus, es sei deshalb in den Fällen, in denen nach den Soll einnahmen gesteuert werde, eine Sonderregelung getroffen worden. Rückstände, die auf anderen als diesen Gründen beruhen, seien nicht erheblich. Selbst wenn man diese Gründe der Regierung anerkennt, so bleibt die Tatsache, daß mehr als 300 Millionen Steuern rückständig find, doch überaus bemerkensmert. Zweifellos gibt es zahlreiche Fälle, in denen fleine Gewerbetreibende oder Kaufleute die Steuer leistung nicht entrichten fönnen. Leider unterrichtet die Aufstellung der Regierung nicht darüber, welche Beträge an rüdständigen Steuern auf die fleinen Steuerpflichtigen entfallen und welche auf die großen. Es besteht nach wie vor die Befürchtung, daß der größte Teil der Steuerrüdstände bei den großen Steuerpflich tigen ruht, die auf diese Weise die Steuerlast einseitig für sich senten mollen. Urteil im Mordprozeß Grütte- Lehder. Acht Jahre Gefängnis. Das Schwurgericht III verurteilte nach etwa elastündiger Be-[ ratung den Angeklagten Robert Gruette- Lehder wegen Mordes auf Grund des Jugendgerichtsgesetzes zu einer Strafe von 8 Jahren Gefängnis unter Anrechnung von einem Jahr Untersuchungshaft. Die Urteilsbegründung. In der Urteilsbegründung machte Landgerichtsdirektor Bombe folgende bemerkenswerte Ausführungen: Was erklärte denn der Angeflagte Ihnen über Müller?"- 3euge: Gruette- Lehder fagte einmal, daß Müller die deutschvölkischen Geheimpläne an die Kommunisten vertaufen wolle."- Erster Staatsanwalt Jaeger: Hat der Angeflagte nicht auch gesagt, daß er jeden, der ihn verraten würde, ebenso„ umlegen" müffe, wie Müller?" Beuge: Jawohl, das hat er erflärt." Er war dabei, als der Ungeflagte den ersten Mordverfuch im Walde machte, Der Angeklagte hatte in Pommern von seinen Parteifreunden Der nächste Zeuge mar der jegt 17jährige Behrling gehört, daß der getötete Dammers eine verdächtige Persönlichkeit Stoltentamp aus Hermsdorf, der mit dem Angeklagten der und als Spiel für die Kommunistische Partei tätig sei. Nach der, Organisation des Deutschen Herold" damals an Behauptung des Angeklagten hat der angebliche Oberleutnant Müller gehörte. ihm wichtige Papiere meggenommen, so daß er im Intereffe feiner Partei sich entschlossen hatte, Dammers zu beseitigen. Er behauptete, daß er über sein Vorhaben mit anderen Persönlichkeiten der Partei, zwei Reichstagsabgeordneten, über seine Absichten gesprochen habe. Als diese Borgänge sich ereignet hatten, wurde bei dem Angeklagten die Ansicht hervorgerufen, daß sein beabsichtigtes Vorgehen in der Partei Billigung finde. Der Gerichtshof versprach sich von einer Bernehmung dieser Persönlichkeiten feine Klärung. Es ist zwei Jahre her, und wenn die Aussage der Zeugen negativ ausfallen würden, dann würde dem Angeklagten doch nicht widerlegt werden können, daß seiner Ueberzeugung nach seine Tal von der Partei gebilligt worden ist. Das Gericht ist zu der Ueberzeugung gefommen, daß er vorsätzlich den Dammers getötet hat, und daß er die Tat auch mit Ueberlegung ausgeführt hat. Es besteht fein Zweifel, daß er die nach dem Jugendgefeß erforderliche fittliche und geistige Reife gehabt hat. Bedenken nad der rechtlichen Seite hin wegen der Auslieferung hat das Gericht nicht gehabt. Beim Strafmaß war davon auszugehen, daß der Angeklagte, wenn er zwei Monate älter gewesen wäre, wegen Mordes zum Tode hätte verurteilt werden müssen. Dem hatte das Gericht Rechnung getragen und auch die Entwicklung des Angeflagten dabei in Betracht gezogen. Anderseits aber hatte das Gericht die Verhältnisse, unter denen die Tat verübt worden ist, in gewiffem Maße als strafmildernd betrachtet, außerdem aber auch berücsichtigt, daß dem Angeklagten nicht zu widerlegen sei, daß er subjeftio der Ueberzeugung war, daß hinter seiner Tat feine Partel billigend stehe. Der Angeklagte gab eine Erklärung, ob er die Strafe annehme, noch nicht ab. Der Schluß der Verhandlung. Staatsanwaltschaftsrat Jäger machte im Baufe der Berhand dem ersten seelischen Drud der Tat ein Geständnis gemacht habe, erflärte, daß er feinen Anlaß hatte, Dammers für einen Spizzel zu halten. AngefL: Jawohl, da ich die Tat leugnete, mußte ich auch die Motive leugnen. Zugleich aber muß man doch feststellen, daß ein Steuerfystem nicht haltbar ist, das bei der Masse der Steuerpflichtung weiter darauf aufmerksam, daß der Angeklagte, als er unter tigen überhaupt feine Steuerrüdstände tennt, während bei den übrigen folche Rüdstände möglich find. Die Lohnsteuer mird eingetrieben ohne Rücksicht darauf, ob der Lohnsteuerpflichtige diese Beträge von seinem fargen Einkommen erübrigen kann. Wenn das aber durch die Not des Reiches erforderlich ist, dann müssen auch die Steuergesetze für die übrigen Steuerpflichtigen so gestaltet werden, daß nicht so gemaltige Steuerrüdstände entstehen. Inftation in Frankreich. Die Preise steigen. Paris, 11. Dezember.( Eigener Drahtbericht.) Die verheerenden Wirkungen der jüngsten inflationistischen Maßnahmen, die den Bert der französischen Währung in weniger als drei Monaten um nahezu 30 Broz. herabgedrüdt haben, werden von Tag zu Tag deutlicher in dem raschen Anfteigen des allgemeinen Preis. des allgemeinen Preis niveaus. So meist der foeben veröffentlichte amtliche Großhandelsindeg für November eine Steigerung um 34 Buntte gegenüber dem Bormonat auf. Der Generalinder, der 45 verschiedene Artikel umfaßt, ist von 567 Ende September auf 584 Ende Oktober und 618 Ende November geftiegen. Daß diefe Entwidlung erst in ihren Anfängen steht, zeigt die fprunghafte Aufwärtsbewegung der industriellen Rohstoffe, hinter der die Berteuerung der Nahrungsmittel bisher noch sehr erheblich zurüdgeblieben ist. Die Inderzahlen für 25 verschiedene Rohmaterialien sind für die letzten drei Monate 643, 675 und 722. Am beträchtlichsten ist die Berteuerung der Textilien im November bereits 875 gegen über 783 bzw. 761 Ende Oktober und Ende September. Die jämtlichen Ziffern geben die Berteuerung in Brozenten gegenüber Mitte 1914 an. Endlich Einigung in Italien? Späte Erkenntnis. Bom, 11. Dezember.( EP.) In einem von den Blättern veröffentlichten Rundschreiben Bietro Nennis, des Chefredakteurs des„ Avanti", wird nach einer Prüfung der politischen Lage in Ita lien erklärt, es bleibe den italienischen Sozialisten nach Auflösung der Gewerkschaften durch den Faschismus nichts mehr übrig, als die Einigung aller sozialistischen Gruppen, von den Maximalisten bis zu den Sozialisten. Sie stehen vor einem historischen Abschnitt, der gewiß lange andauern werde und die Bereinigung der sozialistischen Kräfte erfordert. R- A. Themal wandte dann ein, daß die Abgeordneten R- A, Themal wandte dann ein, daß die Abgeordneten ehrenwörtliche Ertlärungen der ungarischen Regierung abgegeben hätten, daß die Tat als eine politische au werten fei. Wenn die Reichstagsabgeordneten das ehrenmörtlich erklären, danu mußten fie doch auch von dem Mord gewuht haben. Borf: Bon einem Auftrag steht nichts in der Erflärung, jondern nur banon, daß bei der phantastischen Einstellung des Ange lagten zu unterstellen sei, daß er aus politischen Motiven die Lat glaubte ausführen zu müssen. Im weiteren Verlauf der Beweisaufnahme erflärte Rechtsan walt Ihemal, aus den inneren Borgängen vor der Tat müsse man doch auf eine politische Tat schließen. Der Erste Staatsantwalt Jäger erwiderte, daß, selbst wenn das der Fall sei, die Tat an sich doch verabscheuungswürdig bleibe, und erflärte auf eine weitere Frage des Rechtsanwalts Themal, ob er vielleicht fonzedieren wolle, daß der Angeklagte im vermeintlichen Auftrage, wenn auch nicht im wirklichen Auftrage von Wulle handelte, daß er dies Derneine. will davon aber nichts gemerkt haben, sondern nur eine Handbewegung und ein Knaden gehört haben. Er hat sich dann ent ferni. Griette habe ihn gebeten, ihm den Weg nach Tegelort zu zeigen, und er habe die beiden ein Stück begleitet. Vorher sagte Gruette nur, daß er etwas Wichtiges vorhabe. Er erzählte dann später auch, daß er den Müller ermordet habe, weil er ein politischer Spigel gewesen sei, der die Bartei an die Rote Fahne" verraten habe. Die Leiche liege im Tegeler Forst und müsse bedeckt werden. Später gab er dem Zeugen eine fülberne Uhr zum Nachsehen, weil sie nicht in Ordnung sei. Der Zeuge sah, daß der Name Dammers eingefragt war, und gab sie als mertlos und unbrauchbar zurück. Der Angeklagte rief dem Zeugen zu, daß er mehr wisse, er folle mur mit der Sprache heraus. Auch der Borsigende machte den Zeugen darauf aufmerksam, daß das Gericht ihm nicht glaube, daß er alles gesagt habe, was im Balde passiert sei. Der Beuge blieb aber dabei, nichts wahrgenommen zu haben. Die Andeutungen Gruettes über den Word habe er nie geglaubt. Der nächste Zeuge, Hans Friesner, schilderte Gruette cis einen Fanatifer, der sich ganz für die Sache der Partei einsehe. Er traf ihn einmal in Begleitung eines Herrn, den er als Oberleutnant Müller vorstellte, im völkischen Parteibureau, wo Gruefte aus- und einging. Müller verlangte von ihm Geld, und da Gruette nichts hatte, wollte er es sich von der Partei geben lassen. Borf: Sie sind mit den beiden doch einmal in einem Lotal zufammen gewesen? 3euge: Darüber verweigere ich die Aussage. Ich bin der Ansicht, daß der Angelagte als Jbealift für die Sache ein getreten ist. Der Zeuge gibt dann auf Befragen zu, daß der Angeklagte mit ihm von dem Blane gesprochen habe und daß er ihm unter Tränen davon abgeredet habe. Der Angeklagte äußerte sich dann noch auf Berlangen von Rechtsanwalt Themal über seine Gedankengänge bei der Iat dahin: Durch meinen dauernden Aufenthalt in voltijchen Kreisen hörte ich nur völlische Reden, las nur antisemitische und völkische Schriften. Juden, Margiften, Kommunisten und felbft Deutschnationale mußte ich als Jeinde betrachten und habe keinen Unterschied gemacht zwischen inneren und äußeren Feinden. Ich mar fest überzeugt, etwas Gutes zu tun, wenn ich auch mußte, daß es ein Berbrechen war. Mich leitete nur der Gesichtspuntt, ob jemand der Partei schade oder nüße. Rach einer längeren Mittagspause schnitten die Rechtsanwälte Themal und Beck die Frage der Auslieferung an. Rechtsanwalt Themal war der Meinung, daß schon jetzt durch die Be meisaufnahme erwiesen sei, daß es sich um einen politischen Hinter. grund bei der Tat handle, so daß jede weitere Prozeßführung un zulässig erscheine. Etaatsanwaltschaftsrat Jaeger pertrat den Standpunft, bch nach erfolgter Auslieferung die ungarische Regie rung feinerlei Einspruchsrecht mehr habe. Der Postoberietetär. Gruette, der den Angeklagten 1921 adoptiert hat, seitdem er ihn seit feinem dritten Jahr in Pflege gehabt hat, ftellte seinem Sohn ein gutes Zeugnis aus. Dieser habe öfter von Parteigeheimnissen gesprochen, er habe aber nicht glauben fönnen, daß erwassene Männer unreife Jungen in politische Geheimnisse einweihen würden. Sein Sohn habe gegen. über der völlischen Bewenung einen wahren fanatismus gezeigt. Auf eine Frage von Rechtsanwalt Themal gab der Zeuge noch an, daß er nach der Verhaftung seines Sohnes den Eindrud gewonnen habe, daß die Deutschvölkische Bartel fein reines Gewissen gehabt habe R.- 2. Themal bat hierauf, den Angeklagten zu fragen, in welcher Art er nach vollbrachter Tat der Partei Bericht erstattet Er habe ich an einen Abgeordneten wegen der Ber. habe. Der Angefl. erflärte hierzu, daß er sich zur Bartei beteidigung gewandt und fei zum Synditus der Bartei hinbestellt geben habe. Er glaube. es wäre am 20. gewesen. Herr Wulle sei worden. Dieser hatte ein Schreiben des Abgeordneten v. Gräfe nicht dagewesen, aber andere Herren, und er glaube sich besonders da, in dem dargelegt wurde, daß der Angeklagte sich aus Ideallsmus an einen Herrn Hildebrandt zu erinnern, für die Partei eingelegt habe und daß die Partei eine gewisse Vers antmortung habe. Der Abgeordnete v. Gräfe habe auch eides. stattlich und auf Ehmort nach Ungarn versichert, daß die Tat eine politische fei. der sich mit anderen über die Erledigung der Sache gefreut habe. Er selbst habe deutlich gefagt: Müller fommt nicht mehr wieder. Hierauf wurde als erster Zeuge der Zahnarzt Dr. Ulrich Seinz aus Uedermünde vernommen. Borf: Rennen Sie ben fogenannten Oberleutnant Müller? 3euge: Ja, er trat zuerst als Flüchtling vom Rhein auf und spielte bann die Rolle eines von den Linksparteien verfolgten Politifers. Ein andermal hieß es von ihm, daß er ein politisch verfolgter Kommunist fel. Müüer hat fich erit an die Deutschnationalen herangemacht und dann Unterchlupf in der deutschvölkischen Berpegung gesucht. Gruette, ehder wurde mit von Müller vorgestellt, aber ich glaubte auch ihm nicht recht und fuhr mit beiden, um mir Klarheit zu verschaffen, mer sie eigentlich seien, nach Berlin zur Partei. Dort machten aber fomohl Gruette- Lehder, als auch Müller einen durchaus un bekannten Einbrud. Ein Herr Ahlemann, auf den fie fich be. riefen, fannte die beiden überhaupt nicht. Nach einiger Zeit tam donn Gruette- Lehder wieder zurück, Müller aber nicht mehr und es hieß, er habe ihn ermordet, was ich zunächst nicht glauben wollte. Borf.: Bestand denn ein Verdacht, daß Müller Spizel einer enderen Partei sei? 3euge: Ja, ich hörte, er sei Spizzel der Kommuniften. Er rühmte sich auch mysteriöser Berbindungen zum früheren Raiserhaufe, er zeiote angebliche Briefe aus Doorn. Der Zeuge hat auch in Berlin mit dem Abgeordneten Lehder irgendwelche Vollmachten oder Urfunden habe, von dem Umfange, wie er behauptet habe und was Müller anlange, so habe diefer ein ganzes Schod von Empfehlungen beseffen, die aber nach Ansicht des Zeugen alle gefälscht waren. Die Spaltung fei heute ein Verbrechen oder ein Lurus, den sich die Sozialisten nicht mehr leisten könnten. Die Maximalisten und die Sozialisten ständen vor gleichen Aufgaben. Sie feien allein auf die Partei angewiesen und könnten nicht mehr auf die Gewerkschaften und die Maffen zählen. Das Gelingen des Attentats Zani- ulle gesprochen, der es als unmöglich bezeichnete, daß Gruette bonis würde nur zu einem Gemeẞel geführt haben. Wenn die fozialistische Partet aber einig wäre, fönnte sie in einem folchen Falle etwas erreichen. Der Fall Saniboni eröffne vermutlich die Reihe der Attentate gegen den Regierungschef und die Faschisten. führer, indem er die Erregung der Opposition fennzeichnet. Der nächste Sozialistentongreß müsse daher ein gemeinsames Programm aufstellen, das sich auf die Richtlinien des marimalistischen Sozialismus beschränke und den Anschluß an die sozialistische Internationale unter gewissen Bedingungen vorfehe. Die Einheit werde jetzt zu einem bringenden Gebot, ob die Sozialisten wollen oder nicht. Sonst würde sie ihnen durch die Ironie des Schidfals von Mussolint felbft auferlegt. Die spanische Zivilregierung erklärt durch die Presse, daß sie entfchloffen ist, die für die politische Wiederberstellung Spanien notwerdige Diftatur weiter aus auüben Jn Maroffo werde die Regierung die Bolitit des Direktoriums fortfegen, das Bündnis mit Frankreich foll weiter aufrechterhalten bleiben und noch befestigt werden. Der Angeklagte fragte hierauf den Zeugen ob Müller hiermit nicht renommiert habe, daß ihn die Partei beauftragt hätte, Severing ermorden zu lassen, und zwar durch ihn, den Angeflagten. Der Zeuge bejahte dies, hatte aber nicht an irgendeinen ernsten Auftrag geglaubt und auch Müller gewarnt, sich auf derartige unglaubliche und ver. dammenswerte Dinge einzulaffen, Die Vernehmung des Zeugen war hiermit beendet und am 3eugentisch erschien nun ein junger Wachbeamter Henry Böttcher, ein Bekannter des Angeklagten, der einige der Sachen von Müller an sich genommen hat, und deshalb auch verurteilt wurde und Berufung eingelegt hat. Böttcher hat am 14. November 1923 abends den Gruette- Lehder in Waidmannsluft oder Herms. dorf getroffen. Der Angeklagte wollte einen Revolver haben, den ihm auch ein Bekannter verschaffte, und er ist dann mit dem später noch zu vernehmenden Zeugen Stoltentamp nach Berlin gefahren. Polizeifommissar Telemann aus Hermsdorf befundete, daß mehrmals Väter zu ihm tamen urd baten, ihre Söhne von dem Einfluß Gruettes freizubekommen, da die Jungen sich des Nachts herumtrieben und dumme Streiche machten. Er habe auch Bruette verwarnt. Darauf wurde auf weitere Beugenvernehmung verzichtet. Das Gericht beschloh, einen Teil der Zeugen, die Freunde des Angeflrpten von der Gruppe des Deutschen erold", wegen des Berdachtes der Begünstigung nicht zu ver eidigen, auch der Vater blieb wegen seines Verwandtschafts. grades unvereidigt. Staatsanwaltschaftsrat Jaeger vertrat hierauf die Anflage. Das Gericht stehe vor einer schwierigen Aufgabe, nicht als eb die Urteilsfindung in bezug auf den Sachverhalt schwierig wäre, sondern in bezug auf die Bewertung der Tat. Stünde nicht cin unreifer Junge, sondern ein voll strafmündiger Mann unter dieser Anklage, dann wäre fein 3 weifel an der Todesstrafe. Hier handle es sich um einen Jugendlichen, der noch nicht das 18. Lebensjahr bei der Tat erreicht hatte. Dieser Fall liece außergewöhnlich, da mindestens politische Geheimnisse hineinspielen, was ja leider heute nicht vereinzelt dastehe. Ein Fememord, bei dem eine Organisation das Todesurteil jälle, liege nicht vor. Die Tat habe der Angeklagte allein auf sich genommen. Dieses Urteil wird für die Rechtssicherheit von außergewöhnlicher Tragweite sein und einer großen Bahl von Jugendlichen die Richtschnur geben. Würde das Gericht die Tat milde und beschönigend auffaffen, dann bestände die Gefahr, daß andere Jugendliche daraus den Mut nehmen würden, fich in gleicher Weise zu betätigen. Das Urteil muß daher streng, aber gerecht sein, damit es als Warnung diene, Die Tat ist so gemein, heimtüdisch und hinte listig ausgeführt, daß er die och st strafe von 10 Jahren Gefängnis beantragen müsse. Die Rechtsanwälte Dr. Beck und Themal plädierten auf Tat schlag, da dem Angeklagten bei einer jahrelangen politischen Ver. hegung und Jugendlichen Unreife die Ueberlegung gefehlt habe. Ein großer Teil der fitillchen Schuld sei außerhalb der Anflagebant zu suchen. Wenn das Gericht, wie der Staatsanwalt verlangt habe, ein warnendes Moment gegen den politischen Mord errichten wolle, dann müsse es sich an eine andere Adresse menden. Darauf wurde das oben wiedergegebene Urteil gefällt. Alfeilengewinnung aus dem Meere. In Scapa Flow fonnte ein zweiter Zerstörer von den verienkten deutschen Schiffen gehoben werden. Insgesamt sind bis jetzt 20 dieser Schiffe gehoben werden. Gewerkschaftsbewegung Arbeiterbanken in Deutschland und Amerika. Im sozialdemokratischen Studentenverein sprach Direttor Meyer von der Bank für Arbeiter, Angestellte und Beamte über Arbeiter banten in Deutschland und Amerika. Er führte aus, daß die Deutsche Arbeiterbant, das jüngste Kind der Arbeiterbewe gung, aus dem Bedürfnis heraus entstanden sei, die Gelder, die die Arbeiterschaft aufbringe, im Sinne der Arbeiterschaft zu verwerten. Die Krieg und die Inflation verhinderten die schon vor dem Kriege beabsichtigte Gründung einer Arbeiterbant. Es wurde im Mai 1923 eine fleine, neutral aussehende Gesellschaft gegründet, die Deutsche Kapitalverwertungsgesellschaft, die ohne Spesen Bankgeschäfte machte. Sie arbeitete gut und ging in die" im Mai 1924 gegründete Arbeiterbant über, die als Attiengesellfchaft mit Namensaftien unter Beteiligung der Spizenorganisationen der deutschen Gewerkschaftsbewegung mit einem Kapital von 750 000 Mart gegründet wurde. Die Bant, der Anfang 1924 100 000 m. Einlagen zugeführt wurden, verfügte Ende 1924 über 9% Mil. Itonen Marf Cinlagen. Bei der geschäftlichen Betätigung ist natürlich zu berücksichtigen, daß auch diese Bant den Gesezen der fapitalistischen Wirtschaft unter fiegt, daß fie aber ein sehr großes Betätigungsfeld für die Unterfügung der Arbeiterbewegung hat. Sie fann mit den Ronfumvereinen arbeiten, mit dem Verband sozialer Baubetriebe, mit den Stedlungsgenossenschaften, mit den Parteidruckereien und mit den sonstigen Parteibetrieben. Die Bant darf aber nur solche Geschäfte machen, die auch Gewinne abwerfen. Sie fann im Intereffe ihrer Einleger, die eine sehr große Liquidität notwendig machen, natürlich nur kurzfristige Kreditgeschäfte machen. Sie ift gezwungen, eigenes Rapital zu verdienen, Kapital zu attumu lieren, mit dem Ziel oder der Zielsetzung des Sozialismus. Auch in Amerita find zahlreiche Arbeiterbanten entstanden, und es gibt nichts Typischeres in der Beurteilung der Verschiedenheit der Arbeiterbewegung beider Länder, als die Arbeiterbanten der ver schiedenen Länder. Auch in Amerika stüßen sich die Arbeiterbanken auf die Gewerkschaften, aber dort sind die Gewerkschaften nichts meiter als Vereinigungen zur Erzielung höherer Löhne. Ihre Mitglieder sind meistenteils qualifizierte Arbeiter, ihr Mitgliedertreis ist der Zahl nach beschränkt, und sie sind in der Lage, weil sie in der Hauptfache qualifizierte Arbeiter umfassen, fehr viel durchzusehen. Das tun fie natürlich in erster Linie für ihre Mitglieder, während die Draußenstehenden feinen Vorteil davon haben. Die Arbeiterbanken Ameritas arbeiten ohne Ziel und 3wedfegung, genau so wie die übrigen Banten. Man fann Arbeiterbanten dreierlei. Charakters unterscheiden: t. Banten, die von einer einzigen Lokalgruppe einer Gewerkschaft gegründet sind; 2. Banten, bei denen die Zusammenfassung von Lofalorganisationen dahintersteht; 3. Banten, die eine über das, ganze Reich verbreitete Gewerkschaft hinter sich haben. Die Arbeiter banken machen einander Konkurrenz. Die Deutsche Arbeiterbant ver. fügt zurzeit über 20 millionen Einlagen. Man fann fich aber einen Begriff von der Bedeutung der amerikanischen Arbeiterbanken machen, wenn man erwähnt, daß die kleinste Lokal bant allein über soviel Einlagen verfügt. In Amerika nehmen die Arbeiterbanten Spargelder an In Deutschland ist das Annehmen von Spargeldern noch nicht sehr ausgebildet. Es gibt nur die Sparorganisationen der Konsumvereine, die nicht ausreichen. Auch in Amerifa wird die Arbeiterbewegung im sozialistischen Geifte nicht ausbleiben. Wenn dieses der Fall ist, werden auch die Arbeiterbanten in Amerita eine andere Ziel- und Zweckfegung haben. An den mit großem Beifall aufgenommenen Vortrag schlossen fich einige Fragen der zahlreich anwesenden Studenten. Auswärtiges Amt und Tarifrecht. Der Standal der Industrie- und Handelszeitung". Vor einiger Zeit ist schon die Oeffentlichkeit durch Pressenotizen davon unterrichtet morden, daß die bisher dem Stinnes- Konzern gehörende Industrie und Handelszeitung" in den Besiß einer m. b. H. übergegangen ift, als deren wesentlichfter Geldgeber das Auswärtige Am: in Frage tommt. Bei dieser Befizüberführung hat anscheinend das Auswärtige Amt seinen Ehrgeiz darin gefeßt, zu zeigen, daß auch amtliche Stellen über be. stehende Tarifverträge sich hinweg egen tönnen. Den Angestellten ist gefündigt worden unter Hinweis darauf, daß die Kündigung nur formal erfolgt sei, da wahr. scheinlich die neugegründete G. m. b. 5. die einzelnen Angestellten mieder übernehmen würde. Hierbei wird aber den Angestellten ein Arbeitsvertrag zugemutet, mit der Festsetzung eines Ge haltes, das wesentlich geringer ist, als das bisher bezogene, und des meiteren wesentlich hinter den für verbindlich er. flärten Tariffäzen zurückbleibt. Hier wird z. B. einem verheirateten Kontoristen ein Gehalt zugemutet, das nur unwesentlich über den Dieser Originalmantel zweireihig, dunfelfarbia, mit tarierter Ab teite, brei en Jnnenoefägen und breitem Rückengurt Preis 30.-Mk. Sagen bewegt, ble bor Betreffende als rwerbslejen unterfügung erhalten würde. Bir erwarten vom Auswärtigen Amt, baß es fofort eingreift und den zuständigen Berfonalreferenten darauf hinweist, daß auch für die Behörden die Tarifverträge maßgebend find. Es müßte ja wohl eigentlich überflüssig sein, erst durd) Klagen Behörden gegenüber die Unabdingbartett von Tarifverträgen nachweisen zu müssen. Sind die Bäckergesellen gelb? Die Antwort muß am Sonntag erfolgen. Benn ein Handwert Kleingewerbe geblieben ist, so ift es das Bädergewerbe. Es ist dies aber Kleingewerbe nicht nur nach der Betriebsgröße geblieben, sondern in noch größerem Maße in der geistigen Einstellung der Bädermeister. Billige und moglichst billige Gesellen genießen den Borzug, da diese wesentlich dazu beitragen, das Wert zu verwirklichen: Handwerk hat goldenen Boden." Zur Erreichung dieses Bieles bat man mit dem Märchen: jedem tüchtigen Gesellen ist es möglich, selbständiger Meister zu werden", menn er, gemeinsam mit dem Meister für das Handwer!" mirti, einen Bund ber Bädergehilfen geschaffen, der sich weitgehendster Protektion erfreut. Unter Bertiefung des Glaubens an das Märchen und besonderer Pflege eines Standesdünkels werden in diesem Bund die Gehilfen beeinflußt. Daß sich diese nach Pflege folcher Anschauungen im Gegensah zu ihren eigensten Interessen wie auch in Feindschaft zu der Rechte heiſchenden Gehilfenſchaft der freien Gewerkschaft stellen, ist zwar nicht lobenswert, aber begreiflich. Sie erfüllen damit die ihnen zugedachte Rolle, die bis zum Streitbruch geht und schon gegangen ist, wenn es sich darum handelte, die Bäckergesellen aus den elenden Schlafhöhlen heraus. zuholen und ihnen etwas Luft und Licht und Sonne genießen zu laffen. Streifbruch wurde von diesem Bund als Pflicht aufgestellt und geübt, als die Bäckergesellen einen freien Tag in der Woche erfämpften. Dieser Bund wird auch heute noch von der Meisterschaft weit gehendst unterstügt, was sich bei den Tarifabschlüssen, zu denen die Bäckermeister durch die Gewerkschaft gezwungen waren, gezeigt hat. Troßdem die Verhandlungskommission der Bäckermeister zugestehen mußte, daß dauernd durch den Bund be. wußter Tarifbruch getrieben wurde, mutete man der freien Gewerkschaft zu, mit diesem Bunde gemeinsam ein Tarifver hältnis einzugehen, was aus Reinlichkeitsgründen stets zurückgewiesen wird. Das Rrofodil Unter biefem Titel geben die Mostauer Rommunisten eine fatirishe 3eitschrift heraus, die sich in einer Sonbermummer im Oftober mit den Mißständen in den russischen Gewerkschaften befaßt. Das republikanische Bigblatt Lachen lints", bietet in seiner Ausgabe vom 11. Dezember eine doppelseitige Wiedergabe aus dem Krokodil". Wir finden da„ Ge bote für die gewerkschaftliche Seligkeit", instruktive Sprüche, die illustrierte Komödie einer Betriebsausschuswahl, den Spießrutenlauf eines Arbeiters am Zahltage, der für die Rote Hilfe, für den Rinderfreund", für die Luftfahrträfte und wer weiß was sonit noch alles einen Tell seines Lohnes opfern soll. Die Instruktion des Krokodil über die Belehrung der russischen Gewerkschaften gloffiert eine der Parolen für die Gewerkschaftsarbeit:„ Die Aufgabe des Tages ist, neue Kräfte für die Erweiterung der in der Gewerkschaft tätigen attiven Massen zu finden. Nach dem Satz von Lenin:„ Die Gewerkschaftsverbände find das Reservoir der Staatsanwalt", sind die Gewerkschaften in einen Riesentopf zu fammengeworfen. Tomsti als Koch steht mit einem Löffel babei und flagt:„ Eine schöne Sache... Sechseinhalb Millionen Menschen im Steffel, und so wenig Fettaugen!" Die Selbstironie im Krofodil meist auf die Erkenntnis der Mängel hin, die zwar im schärfsten Widerspruch zu dem prozigen Auftreten der Moskauer jungen Leute in Deutschland wie in anderen Ländern steht, jedoch zeigt, daß man in Rußland fich der Kinders frankheiten der russischen Gemertschaften bewußt und darauf bes bacht ist sie zu überwinden. Ueber die Roten Gewerkschaften in Rußland. vermittelt das Krokodil" ein besseres, aufrichtigeres und verstehenderes Bild als alle Erzählungen von Rußlanddelegationen und all die fommunistischen Aufschneidereien in der„ Roten Fahne". Das Blatt müßte die Runde durch alle Betriebe machen. Unter befreiendem Lachen löst es versöhnendes Berständnis für die Terfassung der russischen Gewerkschaften aus. Allein die Cristenz des Krokodils" zeigt schon, daß der Uebereifer der Berliner Bfeudorussen den russischen Gewerkschaften mehr schadet als er ihnen nügen kann. Aus dem Versicherungsgewerbe. Wie uns der Zentralverband der Angestellten mitteilt, fonnten die Verhandlungen im Tarifftreit mit dem Arbeitgeberverband Deutscher Versicherungsunternehmungen vor dem vom Reichsarbeitsministerium ernannten Schlichter, Herrn Dr. Königsberger, materiell gestern nicht begonnen werden, weil die Arbeitgeberbeifizer sich dem Schlichter nur für einige Stunden zur Verfügung stellen tonnten. Im übrigen hatte es den Anschein, als wollte der Arbeit Dieser Bund der Bädergehilfen hat nun zu der am Sonn. geberverband die Schlichtungsverhandlungen überhaupt über den 31. Dezember( mit diesem Tage läuft der jezige Reichstarifvertrag ab) tag, den 13. Dezember, von 10 Uhr morgens bis 1 Uhr nachmittags, in den Kontordiafalen statt hinaus verzögern. Nach längerer Aussprache war es dem findenden Wahlen zum Gefellenausschuß der Bäcker. Borsitzenden möglich, zu verkünden, daß im Einverständnis fämt. zwangsinnung Berlin ebenfalls einen Wahlvorschlag eingereichtlicher Vertragsparteien die Schlichtungsverhandlungen auf Donners und hofft auf seinen Sieg, da er sich auf die mangelnde Wahl tag, den 17. Dezember, vormittags 10 Uhr, und eventuell Freitag. und Sonnabend nächster Woche vertagt werden. beteiligung der großen Masse verläßt. Schon des. wegen muß es die Aufgabe jedes Bädergefellen sein, troß der mangelnden Bedeutung fein Wahlrecht als Wahlpflicht zu betrachten und dafür zu forgen, daß auch nicht scheinbar das Bild entstehen kann, daß der Bund der Bäckergehilfen, diese gelbe Bereinigung von Bädermeisters Gnaden, in Berlin im Bädergewerbe eine Bedeutung habe. Fords Riefenbetrieb im Film. In den letzten Wochen ist in verschiedenen Orten, n. a auch in der Berliner ll rania", ein Film vorgeführt worden, der den vollständigen Produttionsprozeß ber Fordschen Riefenbetriebe zeigt. Die moderne Betriebstechnit, die in den Ford schen Automobilfabriken auf das Bollkommenste und Raffinierteste verwirklicht ist, wird in außerordentlich anschaulicher und intereffanter Weise dargestellt. Der Film wird von Dr. Busse Hannover erläutert, der auch die vom gewerkschaftlichen und sozialistischen Standpunkt notwendige Kritit am Fordsystem übt. Wir empfehlen daher allen Organisationen und Arbeiterbildungsausschüssen, den Film vorzuführen, der vor allem für die Gewertschaftsfunttionäre und die Betriebsräte wertvoll ist. In einem in der Parteipresse erschienenen Bericht über den Bortrag und Film heißt es: Diefer Film fagt dem deutschen Arbeiter mehr über die vielumstrittenen Arbeits methoden Fords als alle Bücher über dieses Thema." Ueberall, wo der Film gezeigt wurde, fand er startes Interesse und vollbefegte Häuser. Film und Bortrag stehen den Organisationen zu günstigen Bedingungen zur Verfügung. Insbesondere den großen Organisatio nen sei die Beranstaltung von Tournees empfohlen, durch die sich die Kosten für die Veranstaltung erheblich ermäßigen. Wie mit Arbeitergeldern umgesprungen wird. Bochum, 11. Dezember.( Eigener Drahtbericht.) In der Freitagfißung befchloß der Berstand der Ruhrtnappschaft, gegen die Ge werfschaft Thyssen im Zwangswege vorzugehen. Die Gewertschaft Thyffen ist auf der Ruhrfnappschaft mit Beiträgen in Höhe von mehreren Millionen Mart im Rückstand. Diese Meldung enthüllt eine geradezu unglaubliche Tatsache. Die Beiträge werden von den Versicherten, also den Arbeitern, und den Zechenbefizern aufgebracht. Thyssen hat die Beiträge der Arbeiter zurückbehalten, um fie in feinem Interesse nugbringend zu ver certen. Diese Pragis wurde insbesondere während der Inflation geübt. Aber gleich mehrere Millionen! Die Sache grenzt nach unserer Meinung hart an das Strafgesetzbuch. Die Spartaffe der Bank der Arbeiter, Angestellten und Beamten A.-G., Berlin, Wallstr. 65, ist täglich mit Ausnahme von Sonnabend Don 9-3 Uhr und 5-7 Uhr, Sonnabends von 9-1 Uhr geöffnet. Achtung, Buchdruder und Silfsarbeiter! Die Obleute der Seitungsdrude telen werden ersucht, fich heute, Sonnabend, pünktlich 10 Uhr. auf dem Gaubureau der Buchdrucker, Engelufer 24, 1 St., Rimmer 17, einzufinden, unt über Arbeit am 2. Feiertag au beraten. 8b.- Funktionäre der Metallindustrie. Die auf unseren Antrag bin mit dem BBM3. ftattgefundenen Berhandlungen über die Radzahlung der Ge haltsdifferenzen auf Grund des Schiedsspruches vont 23. Mai baw. des Landgerichtsurteils vom 15. Oktober find abgeschloffen. 8ur Berichterstattung und Stellungnahme der Funktionäre findet am Montag abend 7% Uhr in den Mufiterfälen, Börfenfaal, Raifer- Wilhelm- Str. 31, eine SDA.- Funktionärner fammlung aller unter den BBMJ.- Tarif fallenden Betriebe ſtatt. Bei der Wichtigkeit bez Angelegenheit bitten wir um das bestimmte Erscheinen aller Funktionäre. Rentralverband der Angestellten, Ortsgruppe Groß- Berlin. Berantwortlich für Bolitik: Cenfi Reuter; Wirtschaft: Artur Saternus; Gonitiges: Frig Rarstädt; Anzeiger: Tb. Glode; fämtlich in Berlin. Berlag: Borwärts- Berlag G. m. b. S., Berlin. Drud: Borwarts- Buchdruderet und Berlagsanstalt Baul Singer u. Co. Berlin SW 68 Lindenstraße 3 Hierzu 2 Beilagen und Unterhaltung und Biffen. Die Bermittlung und zeitliche Abstimmung der Vorträge und Filmvorführungen ist dem Reichsausfuß für fozia Gemertschaftsbewegung: S. Steiner: Feuilleton:&. S. Töfcher; Latales urb listische Bildungsarbeit, Berlin W. 68, Linden. fra e 3, übertragen worden. 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Der„Vorwärts" hat Jahr um Jahr zur Weihnachtszeit die hier gebotene Technik im kleinen einer ernsten Kritik unterzogen, weil er der Ansicht zum Durchbruch verhelfen möchte, daß für unsere Kinder im Grund« nur das Beste gut genug sei. Bedauerlich ist es nur. daß die niedrigen Löhne oder der gänzliche Lohnausfall bei zahllosen Ar- beitern diesem Erziehungsgrundsatz nur zu oft die praktisch« Aus- Wirkung versagen. Die Eisenbahn. Die Eisenbahn mverft draußen in der Wirklichkeit das helle Entzücken der Kinder. Die hölzerne Nachbildung mag vielen Eltern als das beste Spielzeug dieser Art erscheinen, da es bei ihr weder Kesielerplosionen noch Kurzschlüsse oder zersprungene Uhr- werksfedern gibt. Die meisten der billigen hölzernen tokamotiven und Wagen sind geradezu ein höhn aus die technische Wirklichkeit. Manche dieser Bähnlein wirken wie Karikaturen einer Eisenbahn. Nur in den höheren Preislagen, so etwa um 20 M. herum, beginnen die hölzernen Eisenbahnen wie richtige Lokomotiven und Wagen auszusehen, hier wird etwas geleistet, was man als gualitativ vorbildlich bezeichnen kann. Die SpielzeugfobrikaMen mögen sich bei dem minderwertigen Zeug damit herausreden, daß die von ihnen gewählten Formen eine billige Fabrikation ermöglichen. Das ist nur sehr bedingt richtig, grundsätzlich aber ist es abzulehnen. Auf d m Gebiete der mechanischen Eisenbahnen ist die interesiante Tat- fache festzustellen, daß die billigsten und die teuersten Lokomotiven die besien.Tonnen aufweisen. In einem Warenhaus wurden Uhr. werklokomotiven für 60 Psennig feilgeboten, die man als durch aus gelungen» Nochbilduna englischer Maschinen ansprechen konnte. bei denen bekanntlich Zy'inder- und Pleuelstongen im Innern des Rahmens liegen. Die teuerste Nachbildung einer Schnellzugloko. motive, die mit Dampf betrieben wird, wurde mit l6S!N. berech- net. Es mag noch bemerkt werden, daß diese K0-Pfennig-Uhrwerts- Lokomotive nicht nur für den Schienenlauf eingerichtet ist. Eine 'I Ährwerks-Eifenbahn. bestehend aus Maschine, Tender und einem Personenwagen nebst den dazugehörigen Scheuen ist in einem Warenhaus bereits für SZ Pfennig zu haben. Im ollgemeinen werden die Eisenbahnen In zwei Größen angefertigt. Die eine bat eine Spurweite von Z5 Millimetern, die andere von 4S Millimetern. Den kleineren Bähnchen wird trotz ihrer zahlreichen MSnoel schon aus Raumrücksichten der Vorzug gegeben. Es hat den Anschein, als ob sich die elektrische Antriebsart bei den Spielzeugeisenbahnen immer mehr durchzusetzen beginnt. Auch„Dampslokomotioen" wer- den vielfach elektrisch betrieben. Die Konstrukteure sind von der Erkenntnis ausgegangen, daß dl« elektrisch« Eisenbahn in der Wirk- lichkeit noch weit hinter der Dampflokomotive zurückbleibt, so daß die Kinder mst der letzteren am besten vertraut sind. Sie mögen auch recht haben, wenn sie behaupten, daß es dem Kinde zunächst gleichgültig sei, wie man ihre Eisenbahn antreibe. Die Hauptsache sei eben, daß sie sich bewege. Kein Antrieb aber gewährleiste eine größere Betriebssicherheit, als der elektrische. Man kann den von den Elektrizitätswerken gelieferten Starkstrom verwenden, desien Stärke durch einen dazwischen geschalteten Lampenwiderstand auf ein ungefährliches Mindestmaß herabgedrossclt wird. Reben dem „rollenden Material" sind Signale, Bahnwärterhäuschen, Gleis- Übergänge, Tunnels, Brücken und nicht zuletzt Bahnhöfe in allen Preislogen zu finden. Das billigste„Signal kostet z. B. 95 vs„ komplizierte Ausführungen über 20 M. Die Konstruktion dieser Dinge ist in den letzten Jahren die gleiche geblieben. Irgendwelcher Aortschrill ist kaum zu erkennen. Bedauerlich ist, daß die aus Blech gepreßten Schienen, deren Mängel beim Spielen nur zu deutlich in Erscheinung treten, noch wie vor das Feld behaupten. Die übrigen Verkehrsmittel sind wie bisher vor allem durch Straßenbahnen und Autos oertreten. Belustigend wirkt die Nach- bildung des von der deutschen Automobilindustrie so gesürchteten Tord-Äutos, dos schon für SO Pfennig zu haben ist und dafür so» gar recht preiswert erscheint. Das Netteste bei diesen Dingen Ist immer die Lackiening, ohne die wäre allen diesen aus Blech ge- stanzten Herrlichkeiten ihr Glanz und ihre Suggestiokrast geraubt. Auf dem Gebiets des Schiffsmodellbaues sind ebenfalls keine Fort- schritte zu verzeichnen. Lielsoch warten die alten seit Jahren feil- gebotenen Ladenhüter auch zu diesem Weihnachtsfcst aus die Käuser. die nicht kommen wollen. Das billigste Segelschisfchen ist zum Preise von SO Pf zu haben, das billigste Uhrwerkschiss für 95 Ps. Für ein ausgezeichnetes Dampfschiff kann man in der teuersten Preisstuie jedoch etwa l50 M. auswendcn. Wirklich gute Schiffs- modelle sind nur zu Preisen erhältlich, die für den Durchschnitt der Ztäuser unerschwinglich sind. Das Neueste wird aus dem Gebiete des Flugwesens gezeigt: Der Iliegerturm. An den Enden eines dreh- bar gelagerten Wagebalkens sind zwei-Flugmaschinen befestigt, deren Propeller sich lebhaft drehen, wenn man den Wagebalken in Ro- tation versetzt. Solch eine„Flugmaschinerie" koster 2.90 Ist. und mag manchem Freude machen. krastmasthinen. Unter den Kraftmaschinen scheint sich das„Dynamobil" eine? steigenden Beliebtheit zu erfreuen. Bei ihm wird die Schwung- kraft eines Rades ausgenutzt, die gerade noch ausreicht, um kleine fast reibungslos arbeitende Modelle von Werkzeugmaschinen zu treiben. Man kann sie schon für 1 IN. erhalten. Im übrigen findet man die gleichen Maschinenmodelle wie im Borsahre. Das kleinste Dampfmaschinchen mit dem beliebten Wackelkopszylinder kostet etwa 2 M„ für die teuersten Modell-Dampfmaschinen sind dagegen Preise aufzuwenden, die dem mehrfachen Monatseinkommen eines Arbeiters entsprechen. Elektromotoren und Dynamos gibt es von 3.50 M. an, für bessere Aussührnngen muß man schon lO bis 15 Mark auswendcn. Es hat den Anschein, als ob dieser Teil der Spielzeug- Maschinenindustrie stagniere. Man sieht auch dieselben Antriebs- modelle von der minderwertigsten bis zur technisch einwandfrei durchgeführten Nachbildung. Prözisionsmodelle von Werkzeuo- Maschinen zum Antrieb durch Dampfmaschinen kosten etwa 8 bis 25 Mark. Oie guten vaukäften. Das Kind will selbst schaffen, und wenn dieses Selbstgeschassene sich dazu noch bewegen kann, erreicht seine Freude den Givtel. Diesem kindlichen Schöpfcrwillen entsprechen, wie man imn'er wieder feststellen muß, am besten die technischen Baukästen, rnt denen man allerlei Maschinen, Wagen, Schisse, Krane und tausend andere Dinge schassen kann. Der billigste technische Baukasten (MärNin) kostet 2,75 M„ der Stabil-Baukäslen ist von 4,50 M.«n zu haben. Darüber hinaus gibt es weitere Stufen, für dettn teuerste etwas über hundert Mark zu zahlen ist, sowie Ergänzuncs- baukästen in ähnlichen Preislagen. Neben diesen rein mechanischen Baukästen erfreut sich der Anker- Sleinbaukasten, der eine Erfindung der aus dem Gebiete des Flugwesens berühmten Gebrüder Lilien- thal ist. nach wie vor der größten Beliebthett. Auch dieser Baukasten ist zu Preisen von 2 M. an bis zu über 100 M. mit den üb- lichen Ergänzungsstufen in ähnlichen Preislagen erhältlich. Zu diesen seit langem bekannten Baukästen kommt neben anderen noch der Lehr-Baukasten„Matador", dessen Einzelteile aus hölzernen, ge- lochten Klötzen, Brettchen, Rollen und Rädern bestehen, aus denen sich ebenfalls allerlei technische Dinge herstellen lassen. Es ist wohl der billigste technische Baukasten, der von 1,20 M. an zu kaufen ist. Der teuerste Grundkosten kostet 46 M., die Ergänzungskäslea sind in den Preislagen von 1.90 M. bis 52 M. erhältlich. » Alles in allem läßt ein Gang durch die Spielwarenlager er- keimen, wie viel noch gerade beim technischen Spielzeug verbesse- rungsbedürftig ist. Man kann aber auch oft genug sehen, wie un- überlegt eingekauft wird, well nur zu vielen Käufern das Der- ständms für die Dinge der Technik fehlt. Und das ist dos Betriib- lichste im Hinblick auf die heranwachsend« wißbegierige Jugend. Der Starkstromleitungsmast. Am 25. Mai dieses Jahres sollte in der Türrschmidtstraße zu Lichteiberg ein Leitungsmast der Ueber- landzentrale ausgegraben werden. Der 12 Meter hohe Mast, der 6 Zentner schwer war, war nur 1H Meter in der Erde einge- graben. Die Arbeiter hatten mit den Ausgrobungsarbeiten be- gönnen, als er umstürzte und dabei eine 35 Jahre alte Frau, die mit ihrem Kinde dort vorbeigekommen war. unter sich begrub, die nach wenigen Tagen an den schweren Verletzungen, die sie davontrug, v e r st a r b, während das Kind mit dem bloßen Schrecken davongekommen war. Der Leiter der Ausgrabungsarbeiten, ein Obcrnwnteur, Paul P., hatte sich nun vor dem Schöffengericht Lichtenberg wegen fahrlässiger Tötung zu verantworten. Das Urteil lautete auf 5 Monate Gefängnis: 401 Die Passion. Roman von Clara viebig. Es half nichts, da Stefan kein Verständnis zeigte und auf Hans niemals zu rechnen fein würde, mußte sie andere Schützer für Eva suchen. Ihre Gedanken irrten umher. Nun sie nicht einmal mehr in den altgewohnten Arbeitsverhältnissen war, aus denen sie, so leid es dem Chef, so leid es ihr selbst, so leid es der ganzen Arbeitsstube tat. geschieden war, fühlte sie sich fremd: überall fremd. In dem großen Kaufhaus, zu dem sie es von ihrer Wohnung näher hatte als nach der früheren Arbeitsstätte, und wo sie bester bezahlt wurde, war sie noch fremd und würde fremd bleiben, und das Geld, das sie dort mehr bekam, ging doch drauf. Hans hatte so allerlei Liebhabereien, jetzt nahm er noch Geigenstunde: er wollte sich vervollkommnen, wie er sagte. Sie wäre so gern im Sommer, wenn sie ihren Urlaub hatte, mit Eva zur Erholung fortge» gangen, aber das würde wohl nicht sein können. Und ver- suchen. Eva wieder bei einer Ferienkolonie unterzubringen, nein, nur das nicht! Ja, wenn ihr Vater in der Heimatstadt noch lebte, da war so gute Luft, die Luft der Kornbreiten, der Kiefernwälder und der stillen Seen, aber der war ja lange tot. Frau Berndorff war auch tot— erlöst. Sie hatte es gehört. Ob Evas Dater noch in der Anstalt war? Oder ob er wieder gesund war war denn Paralyse keilbar?— Oder ob auch er erlöst war? Das waren peinvolle Gedanken, doppelt peinvoll, wenn sie ihre Eva ansah. Eva klagte heute sehr über Mudigkelt. Sie kauerte am Boden und spielte mit ihrem Hund. Seit sie aus der Schule war. saß sie so herum, das bißchen Haushalt schaffte sie wohl. aber es hätte bester geschafft sein können. Da es ein Sonn- tag war. machte sich Olga zum Ausgehen fertig: es half nichts, sie mußte nun endlicl, den Weg gehen, den sie schon hundert- mal hatte gehen wollen und immer wieder hinausgeschoben hatte. Von jener einen Stunde im Anprobierraum an, damals, als sie erst Zuarbeiterin gewesen war und die schone Dame sich so verständnisvoll menschlich der zu Unrecht getadelten Arbeiterin angenommen, hatte sie eine unbedingte Verehrung für Frau Lessel. Sie freute sich jedesmal, wenn diese ein Kleid bestellte, wenn sie an der schlanken Figur herumstecken durfte und ein liebes Lächeln ihr für ihre Bemühungen dankte. Jetzt in dem neuen Geschäft arbeitete sie leider nicht mehr für Frau Lestel. Ob die sie wohl gleich wiedererkennen würde? Nun, sie würde es versuchen, sie würde ihr die Hand tüsten, sprechen: „Sie haben damals gesagt:„Mein Töchterchen, meine kleine Lilli, die habe ich so viel herumgetragen, darum ist meine rechte Hüfte etwas stärker als meine linke"— gnädige Frau, Sie sind eine gute Mutter! Sie haben auch nach meinem Kinde freundlich gefragt, nach meiner kleinen Eva— und um die ist mir oft so bange." Ob jene gute Mutter sie wohl ver- stehen würde?! Olgas Herz klopfte, als sie an der Villentür im Grüne- wald auf die Klingel drückte. Aber sie tat diesen Gang ja für Eva! Der Dienerin, die ihr öffnete, zeigte sie ein ruhiges Gesicht. Und nun stand sie der Ersehnten gegenüber. „Natürlich kenne ich Sie," sagte Frau Lestel freundlich. „Sie sind nicht mehr in der Leipziger Straße— leider! Seit Sie dort fort sind, sitzen meine Kleider nicht mehr so gut." Olga lächelte ein wenig und verneigte sich, sie war dank- bar für die Anerkennung. Aber das war es ja nicht, was sie hören wollte, warum sie gekommen war. Es wurde ihr doch schwer, den Anfang zu finden. Olga sprach. Freilich, warum sie sich so sehr um Eva ängstigte, das konnte, das durfte sie nicht sagen. Aber war es nicht genug, daß sie sich ängstigte, weil Eva so zart war. und weil sie daran denken mußte, daß sie selber Mensch war und sterben könnte, und daß Eva dann weder bei ihrem Onkel Wilkowski noch bei ihrem Stief- vater das finden würde, was sie am meisten brauchte: Liebe, Verständnis!„Gnädige Frau, sie ist ein so gutes Kind und ein so kluges Kind, aber ein eigentümliches Kind. Viel zu ernst, ein wenig eigensinnig, vielleicht auch ein bißchen ver- wöhnt— mein Mann wirft mir dos alle Tage vor—, aber, liebe gnädige Frau, ist es nicht natürlich, daß eine Mutter ihr Kind verwöhnt, wenn sie es den ganzen Tag oerlassen muß? Und eigensinig— wenn es sich ganz selber überlassen bleibt? Von ganz klein an. Meine Eva war Immer allein, ganz allein, sie hat nie mit anderen Kindern gespielt." Und nun mußte Olga weinen:„Sie hat nur einen Hund, einen zu- gelaufenen kleinen Hund!" „Sie soll sich mit meiner Lilli befreunden," sagte Frau Lessel. Sie war sehr gerührt, auch in ihren Augen standen Tränen.„Lilli ist immer so vergnügt, da wird Ihre Eva auch vergnügt worden. Schicken Sie sie doch mal her. Misten Sie was," sagte sie mit einem ihr vom Herzen eingegebenen raschen Entschluß,„geben Sie mir Ihre Eva ganz her! Zu den großen Ferien, Juli. August. Da hat Lilli Zeit, da können die Mädchen sich in unserem großen Garten amü- siercn: Schaukel, Krocket, Tennis." Sie lächelte so freundlich, sie meinte es so gut, als sie das sagte, daß Olga sich bückte, um ihr die Hand zu küssen. Aber das litt Frau Lestel nicht: „Nicht doch!" Sie zog hastig ihre Hand fort, doch Olga haschte nochmlas danach, küßte sie nicht, hielt sie aber fest in einem sich wie anklammernden, nicht mehr los lasten wollenden, gleichsam unendlichen Druck. Ihre Stimme klang wie be- schwörend:„Gnädige Frau, Sie sind so gut, Sie werden meine Eva liebgewinnen, nicht wahr? Sie werden meine Eva nicht verlassen, nicht wahr?" 15.. Eva hatte Sommermonate hinter sich bei Frau Lestel in der Grunewaldvilla, die so schön gewesen waren und so da- hingeflogen wie ein Traum. Sie hatte da soviel gegessen und getrunken, wie sie sonst niemals gegessen und getrunken hatte, sie trug auch noch die Kleider von Lilli, ein leichtes hellblau gestreiftes für die heißen Tage und ein duntelkariertes für die nichtwarmen. Sie hatte mit Lilli gespielt, das heißt, Lilli hatte den Ball geschleudert, daß er hoch in der Luft ver- schwand: Lilli hatte geschaukelt, so wild, daß ihr die Locken flogen. Eva hatte meist zugesehen. Zugesehen in einem ver- träumten Sinnen. Sie blinzelte auf den besonnten Kiesweg. bis ihr die Augen übergingen und wehtaten. Wenn Eva sich vorstellte, daß es nach dem Tode ein Paradies gäbe, so war das wie dieser Garten. Für andere war er nur ein Grunewaldgarten, ihr war er mehr. Hohe Stangenkiefern. die stark und köstlich duften, unter denen der Rasen nur schwer gedeiht, aber sorglich gepflegt wird, jeden Tag gesprengt. Aber am Haus, wo die Kiefern weggeschlagen sind, prangt es von Blumen. Stolze Hortensien in grünen Kübeln, leuch- tende Geranien, Petunien in allen Farben und um hohe Rosenstöcke Reseden und tieflila Heliotrop in kleinen Beeten. Es gab kostbare Besitzungen in der Grunewaldkolonie, aber kaum eine Villa, in der es so viel blühende Blumen gab. Frau Lestel pflegte sie selber, sie trug mit ihnen herum, wie sie einst ihre Lilli herumgetragen hatte. Am Haus zwischen den Blumenbeeten durften die Kinder nicht spielen, sie hatten ihren Platz unter den Kiefern. Sie vertrugen sich nicht immer. Aber da die Mutter Lilli eingeschärft hatte:„Du mußt Rück- ficht nehmen, Eva ist dein Gast— ein armes Kind," so gab sie nach. Freilich, ohne diesen Gast wären ihr die Ferien lieber gewesen. (Fortsetzung folgt.) Der Abgrund Auf dem meiten, runden Platz find Männer in blauer Uniform mit Blasgerätschaften zum Kreise zusammengetreten. Einer hebt den Stod und mun quietscht, dudeld und dröhnt es durch die rauhe Winterluft. Ein barbarisches Gemisch, halb Choral, halb Fortrott, ohrensträubend unrein gespielt, spiegelt die mufitalische Kulturlosigkeit seines angelsächsischen Ursprungslandes. Schnell hat sich ein dichter Kreis von Neugierigen um die Spielenden gebildet. Bielfach vergnügtes Grinsen, Spottluft, hämische Zurufe. Irgendeiner stößt fich an einem Diden im Pelz, mit einer aufgedonnerten, geschminkten Dirne am Arm. Weinrot ist das Gesicht, die Augen blinken trübe, er torfelt und grölt:„ Schon wieder eine Seele vom Alkohol gerettet". rohes Gelächter umtoft ihn, die Dirne freischt vor Vergnügen. Man wirft noch einen letzten Blid auf die Männer mit den Trompeten! In unerschütterter Ruhe, ganz versunken in ihr Tun, stehen sie inmitten dieser trüben Flut. Kalt schauert der eisige Wind um die dürftigen Gestalten, treibt scharfe fleine Flocken in die blassen, elenden Gesichter. Proletarier sind es, die nach des Tages Mühen den Rest ihrer Kraft opfern für das, was sie ihr Ideal nennen. Und plötzlich versteht man sie. Denn irgendwie gehören ja alle die zusammen, die in den Augen des Spießers und der Spötter so verrückt sind, statt in behaglichem Genusse dahinzuvegetieren, im opfervollen Dienst an einer Sache zu stehen. Und ist auch zwischen der Einfalt ihres Glaubens und der Bewußtheit sozialistischen Wollens und Erfennens ein unüberbrückbarer Abgrund, noch tiefer scheidet sie und uns die Kluft zwischen jenen, die in Roheit und Stumpfheit des beseelenden Geiftes nie einen Hauch verspürten... Die tägliche Stromstörung. Defett im Umformerwerk Zoffener Straße. Ein großer Teil des Südwestens und Neuköllns wurde gestern nachmittag gegen% 45 Uhr von einer Stromstörung betroffen, die etwa eine halbe Stunde andauerte. Die Ursache diefer Störungen, die in letzter Zeit in den verschiedensten Stadtteilen Berlins auftreten, war ein Defett in dem Umformerwert der Städtischen Elettrizi. tätsmerte in der Bossener Straße. Dort war infolge der Ueberlastung des Werkes ein Gleichstromumformer, dessen Sicherungen durchgebrannt waren, ausgefallen. Dadurch wurden auch die übrigen Umformer in Mitleidenschaft gezogen, so daß die Stromzufuhr überhaupt aufhörte. Wie von den Elektrizitätswerten mitgeteilt wird, ist der Grund der sehr häufigen Stromstörungen in der Ueberlastung der Werte zu suchen. Es ist bisher nicht gelungen, die Leistungsfähigkeit der Werke den Erfordernissen der Spigenbelastungen anzupassen. In allen 16 größeren Umformerwerfen werden zurzeit Erweiterungsarbeiten vorgenommen, und auch die Kabelneze werden verstärkt. Leider hat vor allem die talte Witterung die Ausführung verschiedener Arbeiten stark verzögert. Trotz aller Anstrengungen der Elektrizi tätsmerke steht man den häufigen Stromstörungen, von denen Berlin jetzt faft täglich heimgesucht wird, vorläufig machtlos gegenüber. Ein Laubeneinbrecher angeschossen. Auf der Flucht wurde von 14 Tagen ein Laubeneinbrecher in der Kolonie an der Möllendorffstraße in Lichtenberg schwer angeschossen. Ein Kolonist überraschte ihn, als er gerade seine Hühner abschlachten wollte, stellte ihn mit dem Ruf Hände hoch!" und verlegte ihn schwer durch zwei Schüsse, als fich der Einbrecher mit erhobenem Messer auf ihn stürzen wollte. Auf dem Wege nach der Wache warf der Ertappte beim Durchfriechen eines Zaunsoches plötzlich seinen Mantel ab, ergriff die Flucht und enttam tro feiner schweren Verlegungen dem Berfolger. Der Einbrecher blieb bisher verschwunden. Da erfuhren Kriminalbeamte, daß in das Krankenhaus Lichtenberg ein Mann mit einer Bauchverlegung eingeliefert worden war. Er nannte sich Franz Domte. Die Beamten der Dienststelle B. I. 14 aber stellten fest, daß er ein 27 Jahre alter Franz Krol ist, der von mehreren Staatsanwaltschaften steckbrieflich gesucht wurde. Dieser Kroll ist der Laubeneinbrecher. Er selbst hat in einer etwas entfernter gelegenen Kolonie ebenfalls eine Laube. Dorthin war er geflüchtet. Seine Braut pflegte ihn mehrere Tage. Er verband sich selbst und ver fuchte, ohne fremde Hilfe die Wunden auszuheilen. Das gelang ihm jedoch nicht. Die Bauchhöhle vereiterte, und jetzt brachte ihn die Braut ins Krankenhaus mit der Angabe, daß er heftige Bauchschmerzen habe. Man wollte ihn zunächst abweisen, weil für Leute, die an einfachen Bauchschmerzen leiden, im Krankenhause fein Blaz ist. Als der Arzt ihn aber doch untersuchte, stellte er zu feiner leberraschung eine schwere Schußverlegung fest. Jezt wurde der Patient natürlich aufgenommen und wird wahrscheinlich mit dem Leben davonkommen. Kroll hat u. a. im Jahre 1923 einen Einbruch in die katholische Kirche in Billau und später große Messingdiebstähle in Fürstenwalde verübt. In Berlin lebte er von Laubeneinbrüchen. Auch ein Angriff. Hin und wieder müssen fleine, unbedeutende Zeitungen irgend einen Angriff unternehmen, damit eine größere Deffentlichkeit er. fährt, daß dieses Blättchen überhaupt noch besteht, und wenn sich diefer Angriff gegen die Straßenreiniger richtet, wie es vor einiger Zeit im Tegeler Anzeiger" in einem Artikel ,, Wettfegen" geschah. Der Verfasser warf den Straßenreinigern vor, sie seien überflüffig, fie leisteten nichts, die Straßen feien schmußig, erst Privatpersonen, wie gut und wie schnell Straßen gereinigt werden könnten. Er schlug die das Laub für ihre Gärten von der Straße sammelten, zeigten. dann ferner dem Tiefbauamt vor, ein Wettfegen zwischen den Straßentehrern und den Dilettanten zu veranstalten. Natürlich bedeutet dieser Angriff nichts weiter als die Verbeugung vor irgend einer bürgerlichen Clique, die sich über jeden Angriff auf organisierte Arbeiter freut. Vielleicht könnte sich der Verfasser einmal einer Rolonne Straßenfehrer anschließen, um zu sehen, daß es durchaus tein Bergnügen ist, Straßen zu fehren. Widerlich bleibt es aber, wenn dieses Blättchen auf Kosten des Proletariats den Beifall bürgerlicher Elemente erbettelt und Verdrehungen stillvergnügt in die Welt fegt. Im Grunde ist es gleichgültig, was eine unter dem Ausschluß der Komet Freilauf gehört in jedes Fahrrad! Unverwüftlich im Gebrauch Deffentlichtelt erscheinende Settung schreibt, aber blefes Berhaften in Haufe der Gesellschaft der Breumbe. Der Rachmiling et ein Beispiel für die Einstellung gewisser bürgerlicher Elemente dem Proletariat gegenüber. Das Symbol. Bon Zelt zu Zett hängen in den Abteilen der Berliner Stadtbahn zu billigen Gesellschaftsreisen verlodende Blafate. Hat das Berliner Messeamt die Parole ausgegeben: Jeder Deutsche einmal in Berlin", so ist es erfreulich, daß die Reichsbahn durch Gewährung ermäßigter Fahrpreise dem Berliner auch Gelegenheit geben will, die Proving fennen zu lernen. Am tommenden Sonntag foll die Fahrt nach Leipzig gehen, in eine der wichtigsten deutschen Städte also, in vielem Ronfurrenz von eine der wichtigsten deutschen Städte also, in vielem Ronkurrenz von Berlin, in vielem die Reichshauptstadt sicher überragend. Jeder Dr. Mar Adler- Wien fpricht heute, Sonnabend, dem 12. d. M nachm. 5 Uhr in der Aula der Hochschule für Politit, Schinkelplatz, über Soziologie und Marxismus Eintritt frei. Freie Aussprache. Sozialistische Arbeiterjugend Groß- Berlin. Bereinigung fozialdemokratischer Studenten. fennt den Dialegd, der den Leibzchrn geener nachmacht. Aber außer der im Dialett mit zum Ausdrud fommenden sächsischen Ge mütlichkeit, gibt es doch auch viele ernste und wichtige Dinge, die für Leipzig irgendwie symbolisch find: Das Reichsgericht, die vor allem in ber Universität und ihren Instituten sorgsam gepflegte Wissenschaft, das Messewesen, das fleißige Wirken der Buchverleger und vieles andere mehr. Nun, von allen diesen Dingen scheint dem Plakattünstler und seinem hohen behördlichen Auftraggeber nichts befannt zu sein. Sie halten heute noch, 1925, als geeignetes Symbol für Leipziger Berkehrswerbung das Völkerschlachtdenkmal, das abendlich leuchtend auf dem Kopf des Platates gleichsam wie in ,, Großaufnahme" prangt. Es ist überhaupt sehr fraglich, ob das monumentale Denfmal an fich als ein schönes Baumert anzusprechen ist das ist ebenfalls eine Angelegenheit des Geschmads, die hier das ist ebenfalls eine Angelegenheit des Geschmacks, die hier nicht zur Debatte stehen soll. Wohl aber ist ein politischer, ein staatsbürgerlicher Gesichtspunkt ausschlaggebend, das Platat abzulehnen; das republitanische Deutschland muß endlich da mit anfangen, auf wilhelminische Symbolit zu verzichten: Wir haben sie auch nicht nötig, denn wir haben Besseres. Wer anderer Meinung und anderen Gefühls ist, wer noch auf die Ideale eines waffenflirrenden Deutschlands schwört, mag für fich persönlich seinen Kultus gestalten, wie er will, und selbst eine Wallfahrt zum Bölkerschlachtdenkmal läßt sich schließlich menschlich verstehen. Daß aber die private und doch nun einmal grundreaktionäre Einstellung eines Großteils deutscher Staatsbürger als Werbefaktor in Rechnung, praktisch also auf das Plakat bei der Eisenbahn gesetzt worden ist, das ist ganz einfach eine Umfälschung der friedfertigen Gesinnung der deutschen Boltsmehrheit, das ist weiterhin auch eine Umfälschung der durchaus nicht aufs Schwert gerichteten alten Leipziger Tradition. Diese Stadt, in der einst Leffing lebte und sich der junge Goethe glücklich fühlte, darf auch heute noch als eine der Hochburgen des internationalen Gedankens im fulturellen Leben der Völker angesehen werden. Daran ändert ein lärmender Reichstriegertag ebensowenig wie die hohle Bathetit des Bölferschlachtdenkmals, Aber wenn Leipzig nicht Luft hat, ein zweites München zu werden wofür seine Bewohner noch weniger Talent mitbringen, als Gott Gambrinus den Münchenern verlieh, dann mag g es auch dafür Sorge tragen, daß auf seinen Berbeplataten nicht gerade diese bierseidlige Marschrichtung symbolisiert wird. Ausfall von Sonderzügen. Die Reichsbahndirettion Berlin teilt mit, daß die in Aussicht genommenen Sonderzüge nach dem Riesengebirge( am Sonnabend) und nach Leipzig( am Sonntag) wegen geringer Beteili gung ausfallen müssen. Das Fahrgeld wird gegen Rüd gabe der Karten an den Schaltern, an denen sie gelöst find, ohne Abzug zurü gezahlt. Die Fahrpläne für die Wintersonder 3 ge sind heute auf sämtlichen Berliner Bahnhöfen zum Aushang gelangt. Der Bertauf der Fahrtarten für die im Dezember verkehrenden Wintersonderzüge beginnt am Dienstag, den 15. Dezember, bei den angegebenen Ausgabestellen. Sonderfahrten nach Berlin. Am 12. und 13. Dezember werben wieder eine Anzahl Don Sonderzügen( aus Plauen, Magdeburg und Das Programm Schneidemüh nach Berlin tommen. Das Programm diefer Sonderzugsfahrten hat eine wesentliche Erweiterung erfahren. Die Teilnehmer, die in den Spätnachmittagsstunden am Sonnabend in Berlin eintreffen, werden vom Fremdenperfehrsbureau der Stadt Berlin in Berliner Hotels gut und preiswert untergebracht. Der Abend steht ihnen zur freien Verfügung, femeit fie richt Theatertarten für die Städtische Oper, das Große Schauspiel haus oder den Wintergarten getauft haben. Für den Sonntag ist eine Reihe von Veranstaltungen vorgesehen. Außer der bisher üb. lichen Straßenbahnrundfahrt durch Berlin wird auch eine Autorundfahrt mit Besichtigung des Flughafens Auch bas Museum für Ferner ist in diesem Programm eine Besichtigungsfahrt Meerestunde bzw. das Schloß- Museum werden besichtigt auf der hoch und Untergrundbahn mit anschließender teniser Führung durch Stellwerte und Signalanlagen sowie eine Führung durch die Ausstellung Wohnung und ausrat" aufgenommen worden. Ein gemeinsames Mit ta geffen vereinigt sämtliche Teilnehmer der Sonderveranstaltung Das Rundfunkprogramm. Sonnabend, den 12. Dezember. Außer dem üblichen Tagesprogramm: 4.30-6 Uhr nachm.: Nachmittagskonzert der Berliner Funkkapelle. Leitung: Konzertmeister Ferdy Kauffman. 6.45 Uhr abends: Hans- Bredow- Schule( Bildungskurse). Abteilung Sprachunterricht. Esperanto( Direktor Julius Glück). 7.15 Uhr abends: Dr. C. Kaßner: Der Einfluß des Wetters bei städtischen und häuslichen Gerichtsstreifigkeiten". 7.45 Uhr abends: Hans- BredowSchule( Bildungs- kurse). Abteilung Erdkunde. Geh. Rat Dr. A. Miethe: Fjorde, Gletscher und Hochgebirge auf Spitzbergen". 8.30 Uhr abends: Weihnachtsmarkt im alten Berlin( Ein Hörnachrichten, Zeitansage. Wetterdienst, Sportnachrichten, Theaterund Filmdienst. 10.30-12 Uhr abends: Tanzmusik. freien Berfügung, soweit nicht Theaterfarten für die bekannten Theater gefauft wurden oder ein Besuch des Eispalaftes in Aussicht genommen worden ist. Trauerfeier für Georg Klingenberg. Im Saal des Berwaltungsgebäudes der AEG., in dem der Sarg mit den fterblichen Ueberresten des Geheimen Baurats Professor Dr. Georg Klingenberg inmitten reicher Kranzspenden aufgebahrt war, hatten sich gestern vormittag neben den trauernden Hinter bliebenen Bertreter des Reiches und der Behörden, der Bantwelt, der Wirtschaft und Industrie, namentlich aber auch der Elettro technit eingefunden. Harmoniumspiel leitete die Feier ein. Prediger Doring hielt die Trauerrede. Oberbürgermeister Böß gedachte der großen Berdienste, die sich der Verstorbene namentlich um die Stadt Berlin erworben habe. So wird z. B. das neue Berliner Großtraftwert Rummelsburg nach den Plänen Klingen bergs erbaut, das ihm das beste Denkmal sein wird. Geheimrat Professor Dr. Orlich wies auf die unermüdliche Forschertätigkeit Klingenbergs auf technischem Gebiete hin. Geheimrat Friedrich D. Siemens sowie Geheimrat Dr. ter meer widmeten dem Berstorbenen im Namen des Vereins deutscher Ingenieure einen warmen Nachruf. Weiterhin sprach noch im Namen des Verbandes technisch- wissenschaftlicher Vereine Dr. de Thierry sowie Geheimrat Dr. Deutsch, der dem unerfeglichen toten Mitarbeiter im Namen der AEG. den legten Gruß entbot. Klingenberg hat, so führte er aus, 22 Jahre im Interesse der Werte schöpferisch gewirti und war einer der stärksten Helfer der heutigen Technit. Die Trauerfeier endete mit Harmoniumspiel. Hierauf wurde der Sarg nach dem Dreifaltigkeitsfirchhof in der Bergmannstraße übergeführt, wo die Beifeßung stattfand. Auf dem Berwaltungsgebäude der AEG. am Friedrich- Karl- Ufer sowie auf dem Gebäude des Bereins deuts her Ingenieure in ber Friedrich Ebert- Straße waren zu Ehren des zur letzten Ruhe Geleiteten die schwarzrot goldenen Fahnen auf Halbmaft gehißt Zum Tod der Jurjewskaja. Auf Veranlassung des schweizerischen Juftiz- und Boflzelbeparte ments hat vorgestern der Untersuchungsrichter des Rantons Uri nochmals eine genaue Untersuchung des Falles Jur. jew staja vorgenommen. Die Besichtigung und die Bernehmung des Untersuchungsrichters haben im wesentlichen den Bericht ber Gemeindebehörden bestätigt. Die Bergungsarbeiten mußten megen der damit verbundenen Lebensgefahr am Donners tag eingestellt werden. Bei den riesigen Eismassen ist ein Auffinden der Leiche auch so gut wie ausgeschlossen. Dies betont auch der amtliche Tatbestandsbericht, der annimmt, daß die Leiche von den tobenden Wassern fortgeschwemmt und an den zahlreichen Felsenflippen der Schlucht in Stücke zerrissen wurde. Es ist höchstens noch möglich, daß die Leiche später beim Wehr in den Schöllenen oder im See von Pfaffensprung aufgefunden werden tönnte. Die Strafanträge im Rota- Prozeß. In dem Prozeß gegen den Direktor der Rota- Werte, Märg. und gegen mehrere Angestellte dieser Firma, der seit mehr als vier Bochen vor dem Landgericht III zur Berhandlung steht, hielt gestern der Staatsanwalt sein Plädoyer. Er beantragte gegen den Direttor der Rota Berte, März, drei Jahre Gefängnis, 5000 mart Geldstrafe und fünf Jahre Ehrverlust, gegen den früheren Oberfaltulator der Rota- Berte, Raiser, ein Jahr Gefängnis, drei Jahre Ehrverlust, gegen den lleberwachungsbeamten der Reichsbahn, Rau, ein Jahr Ge. fängnis, drei Jahre Ehrverluft und gegen den Obermeister Rudut neun Monate Gefängnis und drei Jahre Ehrverluft. Außerdem beantragte der Staatsanwalt gegen Direktor März wegen vorliegender Fluchtgefahr einen Haftbefehl zu erlassen. Diese Strafanträge gehen etwas über das Strafmaß der erſten Instanz hinaus, gegen das Berufung eingelegt worden war. Nach das Wort zu mehrstündigen Ausführungen. Heute vormittag werden auch die Berteidiger der anderen Angeflagten plädieren. Das Urteil wird wahrscheinlich am Dienstag verfündet werden. Die Reklameschilder in den Verkehrsstraßen. Durch die Polizeiverfügung vom 10. März war bestimmt worden, daß in Straßen erster Ordnung und in Einbahnstraßen die Reklameschilder von den Eckpfosten an Straßenkreuzungen bis zum 1. Juni dieses Jahres, und in Verkehrsstraßen zweiter Ordnung bis zum 1. April 1926 entfernt werden müssen. Da die Anbringung der Signaltafeln zur Renntlich machung dieser Straßen jedoch langsamer vor sich geht, als zuerst angenommen wurde, hat der Polizeipräsident von der Innehaltung der Frist abgefehen. In sämtlichen Straßen müssen jedoch die Reflameschilder spätestens bis 1. April 1927 von den Edpfoften entfernt sein. Für Reflameschilder an Pfoften innerhalb der Straßenflucht ist bestimmt, daß fein Mast mehr als ein Reklameschild erhalten, daß bei Haltestellensäulen und schildern ein Umkreis von fünf Metern von Reflameschildern freigehalten werden und bei Straßeneden das Straßenende auf eine Entfernung von 20 Metern von Retlameschildern möglichst frei bleiben foll Das Ultraphon. Im Hause der Ultraphongesellschaft, Tauentienstraße, fand dieser Tage eine Vorführung des Ultraphone statt, das bekanntlich eine Verbesserung des Grammophons darstellt. In dem bisher üblichen Grammophon bleibt der Lon immer etwas flach, weil die Ober tone teilweise unterbunden werden. Dem Mangel ist beim Ultraallerdings war der Raum der Vorführungen, der mit Papier überphon durch eine besondere Anordnung der Schalldosen abgeholfen worden. Der Ton flingt rund und plastisch. quellend und rein. Trotzdem flang die Bajazzo- Arie, von Battiera gefungen, aus spannt war, weniger geeignet als ein Raum mit Holzverschalung. gezeichnet. Der Ton wird hier in der Wiedergabe durch das Klangfarbe. Man muß abwarten, wie sich diese Erfindung bzw. Ultraphon nicht schrill und überhöht, er behält seine indubionelle Berbesserung bewähren wird. M. SCHULMEISTER MSchulmeister KIS Hochbahnstation Kottbuser Tor Mollige Winter- Mäntel Mk. 49.-, 54.-, 60.-, 70.-, 80.-, 100.Mollige Jünglings- Mäntel Mk. 29.-, 34.-, 38.-, 41.-, 50-, 60.bild). Anschließend: Dritte Bekanntgabe der neuesten Tages Sporipelze v. 150.-, Gehpelze v.225.Morgen Sonntag von 2-6 Uhr geöffnet Nur 4 Pfennig kostet MAGGI Fleischbrüh- Würfel Achtung auf den Namen MAGGI und auf die gelb- rote Packung. Einfach in kochendem Wasser aufgelöst, ergibt der Würfel gut Liter kräftige Fleischbrühe zum Trinken und Kochen, zum Verbessern oder Verlängern von Suppen und Soßen aller Art. MAGGI Fleischbrüh Würfel Cine Chetragööte. Gemeinsam in den Tod. Der in dem Hause Kaiferallee 22 in Wilmersdorf wohnende 41 Jahre alte Kaufmann Richard Bialler und seine Ehefrau Hedwig wurden gestern abend kurz nach 7 Uhr in ihrer Wohnung in einer großen Blutla che liegend aufgefunden. Wir er fahren hierzu folgendes: Hausbewohner hörten turz nacheinander mehrere Schüsse fallen. Nichts Gutes ahnend, alarmierten fie sofort die Polizei. Die Wohnung mußte gewaltsam ge öffnet werden, und man fand Bialler mit einem Kopfichu tet und seine Ehefrau Hedwig gleichfalls mit einer Kopfver legung vor. Sie gab noch ich wa che Lebenszeichen von sich und wurde sofort nach der Klinik in der Achenbachstraße gebracht, mo sie hoffnungslos daniederliegt. Ob es sich um Mord und Selbstmord handelt oder ob die Eheleute in gegenseitigem Einver ständnis zu der Tat geschritten sind, fonnte bisher noch nicht festge. stellt werden. Der Grund zu der Tat ist in finanziellen Schwierigfeiten zu suchen. Die praktische Cutfernung Stabela. Daß unser Amtsschimmel wunderliche Bege wandelt, Dis tuffionsstoff für alle Bizblätter der Belt Bir registrieren die Tollheiten der bureaukratischen Mähre nur noch mit Kopfschütteln Nachfolgende köstliche Geschichte flingt faft wie ein Hochstaplertrid und ist Beweis, daß die löbliche Bureaukratie mit sehr wenig Ge wissensbissen das Bublifum, wenns not tut, ganz gehörig zu be Schwindeln versteht. Eine Stettiner Zeitung berichtet: Die Fahrstrede Brandenburg- Neustadt- Belzig betrug bts zum 1. Oktober 1925 35 Kilometer. Plöglich scheint man aber Strede zu niedrig veranschlagt ist. Deshalb überdruďte man die auf den Gedanten gekommen zu sein, daß mit 35 Kilometern diese Fahrkarte mit folgendem Stempel: ab 1. 10. 1925 42 Kilometer". Bir glaubten zunächst, daß es sich um einen schlechten wit handle. Die Antwort der Brandenburgischen Städtebahn- AktienJungsozialisten! Am Montag, den 14. Dezember, abends 8 Uhr, spricht in der Aula des Gymnasiums Mittenwalder Straße 37 Genoffin Toni Sender, M. d. R., über Grandfragen der Wirtschaftspolitik Alle Gruppen beteiligen fich. Gäste willkommen Tagung des Deutschen Ostseebäder- Verbandes. Bor kurzem hielt der Verband der deutschen Ostseebäder im Kaiserhof seine Jahresversammlung ab. In einer Reihe von Vorträgen wurden afute Fragen der Seebäder behandelt. Universitätsprofessor Dr. Franz Müller trat für die Schaffung einer Forschungsstätte für Seeflima, ähnlich der in Davos für das hech gebirgsklima, ein. Erafte Untersuchungen seien hier notwendig. Man müsse Versuche anstellen, wie weit der Einfluß des Seeflimas auf die gesamte pinchische Beranlagung des Menschen ginge. Durch gesellschaft auf die Anfrage beweift aber, daß tatsächlich ab 1. Oftober die Experimente Dr. Bartows- Cambridge hätte sich gezeigt, daß eine um 7 Kilometer erhöhte Strede berechnet wird. Die Maßdie Blutmenge des Menschen bei Hize steige, bei Kälte fich vermin- nahme wird in folgender Antwort begründet. dere, hinzu käme der Wassergehalt der Luft; hier hätte die Forschung einzusehen. Darauf ¡ prach Dr. Hirsch Charlottenburg über„ Ermöglichung von Winterfuren an der Gee", die besonders bei Knochenund Lungentuberkulose durchzuführen seien. Major a. D. v. Lin. singen machte Vorschläge für den Seeflugwettbewerb im Juli 1926, und Direttor Bräulich von dem Stettiner Verkehrsbureau brachte Wünsche über Berbesserungen des Verkehrs vom Binnenlonde zur Ostküste zum Ausdruc. Der öffentliche Teil der Berfomnilung schloß in der Urania, Taubenstraße, mit der Vorführung des Films„ Die Ostsee". = Fünf Löschzüge wurden am Freitag nachmittag gleichzeitig nach der Königsberger Str 39 alarmiert, wo in einer Woh nung Kleider, Wäsche und Betten brannten. Die Flammen Lonnten schnell gelöscht werden. Gleichzeitig liefen mehrere Meldungen von Gasvergiftungen ein. 1. a. aus der Ebersstraße 35 in Schöneberg, no mehrere Personen in Lebensgefahr schwebten. Es gelang, alle Berjonen zu retten. Ein schwerer Zusammenstoß zwischen einem Fuhrwert und einem Autobus der Linie 2 ereignete sich gestern abend furz nach 7 Uhr in der Nähe des Schloßplazes. Der Wagen eines Berliner Kaufhauses, auf dem der Kutscher Otto Wolf aus der Kantstr. 22 in Lichtenberg faß, wurde von dem Autobus so heftig angefahren, daß er umstürzte. W. fiel vom Wagen und fam vor den Autobus zu liegen. Der Berunglückte wurde sofort nach der Unfallflinik in der Ziegelstraße transportiert, wɔ nur noch der Tod infolge dop= pelten Schädelbruchs festgestellt werden konnte. Das Pferd hatte sich losgerissen und war in Richtung nach den Linden durchEinem Schupobeamten gelang es, das Tier, bevor es Unheil anrichten konnte, aufzuhalten. gegangen. Probeabstimmung über das Gemeindebestimmungsrecht in Schöneberg. Bei einer Probeabstimmung in Schöneberg stimmten, wie notariell beurfundet worden ist, von 2748 Wahlberech tigten 75 Pro3. für das Gemeindebestimmungsrecht, 8 Proz. dagegen und 17 Proz. enthielten sich der Stimme. Bemerkenswert ist die Tatsache, daß nicht nur die Frauen, sondern auch die Männer in etwa gleich großer Zahl für das GemeindeBestimmungsrecht eintraten. Der Verein Berliner Messefreunde veranstaltet in der Zeit vom 10. bis 23. Dezember eine Weihnachtsmesse im Merkur Messehaus, Kochstraße. Die Meffe, zu der der Eintritt frei ist, ist nach ameris fanischem Mufter aufgezogen. Es handelt sich hier nicht nur um die Ausstellung von Bildern, Porzellanen, Teppichen, Konfettion und ähnlichem, sondern auch um Vorträge und Vorführungen. Der Besucher, der die Aufführung seben will, muß vorher die Aus stellung passieren. Die Vorführungen find anregend und nett, Kabarett, Gefangevorträge und eine große Modeschau, veranstaltet von führenden Berliner Firmen der Damenkonfektion und der Schuhbranche. Hauptsächlich werden Abendkleider, Pelze und Schlaf. anzüge vorgeführt. Eine Silberfuchsfarm bei Berlin foll in nächster Zeit in Lichtenrade eröffnet werden. Es soll zuerst durch die Inbetriebnahme der Farm festgestellt werden, ob bei den flimatischen Verhältnissen im Sommer die Aufzucht möglich ist. Die Farm erbält zunächst 10 Paar Füchse aus Kanada. Bisher befinden sich in Deutschland zwanzig große Farmen, die sich in Bayern, dem Schwarzwald, Thüringen und Medienburg befinden. Die Elife- Sänger haben ein ausgezeichnetes Dezember- Programm. An erlennung berbient der fünstlerische Leiter, Max Neumann, gleichzeitig Beriaffer des Intermezzospielerei", der Fußballer fowie des Bollsfindes Weihnachtswald und Försterhaus". Ein Gesangs- Potpourri Fröbliche Weihnachten, das recht hübsch gesungen wurde, war die Einleitung. Dann folate Bobby Walden in seinem szenischen Vortrag Schön ist die Jugend". Alls vortreffliser Darsteller schöner Frauen auch im Gesang muß Hans René gelten. Großen Heiterfeits erfolg erzielte Bornemann in seiner Broteste Bumle von der Sprize". Als guter Baffift zeichnete sich Eugen Beder besonders aus. Das Intermezzo Spielerei" und zwei Duette fanden großen Beifall. Die vergnügliche Szene Fußballer fowie Richard Engelmann als Reberecht- Julchen wurden lebhaft beflatscht. Den Schluß bildete das große Boltsitud Weihnachtswald und Försterhaus", welches beim Bublifum großen Beifall fand. Freireligiöse Gemeinde. Sonntag, vormittags 11 Uhr, Bappelallee 15, Bortrag des Herrn Baul Rogal: Lamarlismus. Harmonium: Duett aus der Zauberflöte"( Mozart). Gäste willfommen. Vereinigung der Freunde von Religion und Bölferfrieden. Benoffe Starrer Bleier spricht Sonntag, den 13. Dezember, borm. 10 Uhr, in der Trinitatis- Kirche Charlottenburg, Karl- August- Plaz, über das Thema: Stommt das Reich des Friedens? Freitag, den 18. Dezember, abends 7, Uhr, anläßlich einer Weihnachts- und Wintersonnenwend, feier über: Friede auf Erden" in der Aula der Fürstin- Bismard- Schule Charlottenburg, Sybelstr. 2/4.- Mufitalische Unterhaltung. Eintritt 50 Pf. Wenn der Topf aber nun ein Loch hat! Ein freches Gaunerstückchen trug sich in einem tschechischen Orte nahe bei Reichenberg zu. Eine überaus gesprächige Bauersfrau faufte bei einem Fleischer für die angebliche Hochzeit der Tochter unter schier endlosem Wortschwall ein und räumte die halbe Fleischbank in ihren Rückenforb bzw. in einen darin befind lichen großen Hochzeitstopf. Dann ließ sie den Topf zugebunden stehen und wollte noch beim Bäcker einkaufen und hernach den Topf abholen und das Fleisch zahlen. Beides trat aber nicht ein, und als der verbuzzte Fleischer das Papier vom Topf abband, erkannte er, daß der große Topf ohne Boden war und also die gesamten Fleischmengen im mitgenommenen Korbe verschwunden waren. Wer den Schaden hat, braucht für den Spott nicht sorgen. Oberpostsekretär Das Ende eines Defraudanten. Schuch vom Postamt Düren, der vor einigen Wochen unter Mitnahme von 36000 m. flüchtete, wurde in Paris, als er bei seiner Berhaftung Widerstand leistete, von der Polizei erfchoffen. Internationale Eisenbahntariffonferenz in München. Die urfprünglich für den 14. Dezember/ angesetzte Eisenbahntariffonferenz in München, an der neben Vertretern Deutschlands auch Vertreter der Tschechoslowakei, Oesterreichs, Jugosla wiens und Italiens teilnehmen werden und in der Tariffragen geregelt werden sollen, wird am 17. Dezember in München zusammentreten. Den Vorsiz führt das bayerische Tarifamt. Brandenburgische Städtebahn- Aktiengesellschaft. Brandenburg( Havel), den 2 Oftober 1925. Zum geft. Schreiben vom 29. v. M. Mit Wirfung vom 1. Oftober d. 3. ift uns eine Erhöhung der Bersonentarife genehmigt worden, die durch eine Erhöhung der Entfernungen um 20 Proz. durchgeführt worden ist. Es ist eine 3 medmäßigteitsfrage, ob eine Tariferhöhung durch Steigerung der Fahrpreise oder durch Er. höhung der Entfernungen bei unveränderten Einheits. fägen durchgeführt wird. Bei uns war die Erhöhung der Ent. fernungen das Zweckmäßigere. Der Bertehrsdirektor. Unterschrift." Speedstung Sented- Berlin. Die Regierungstem miffion des Gaargebiets bat bis Derhellung einer unmittelbaren eruipted berbindung wilden Saarbrüden unb Berlin genehmigt. Die Roften dafür find in ben deutschen Reichshaushaltsplan für 1926 eingestellt. Die Leitung foll an das große gernlabel rantfart- Berlin angeidbloſſen und von Frankfurt bis Saarbrüden oberirdisch geführt werden. Parteinachrichten Sinfendungen für biele Stabrit stad Berlin 6. G, Sindenftrate& für Groß- Berlin Wets en bas Beatriseretariat, 2. Set, 2 Eres. sets, au richten Bezirksvorstand. Hente abend 6 Uhr, Sitzung des erwetterten Bezirks vorstandes im Konferenzzimmer der„ Borwärts"-Redaktion, Lindenstraße 3. 15. Streis Treptam, Monton, ben 14. Dezember, abends 7% br, in blers hot. Lobal Lehmgrübner, Bismarditt. 2, Areisvertreterverfammlung. Tagesordnung: Aufstellung der Kandidaten für unbefoldete Stadträte b Büngerdeputierte. 20. Areis Reinidendorf. Dienstag, ben 15. Dezember, abends 6 br. m Lotal Lehmann, Reinidendorf- Oft, Hauptstr. 56, Sibung des engeren Kreis vorstandes mit den Abteilungsleitern. Anschließend, um 7% Ubr. m gleichen Raum, Besprechung mit den Bertretern der Arbeiterjugend und den Jungfozialisten. Heute, Sonnabend, den 12. Dezember: &. Abt. Die Genoffen beteiligen fich an ber Cinäicherung unferes alten Bez ftorbenen Genoffen Refsel nadm. 34 Uhr im Krematorium Bilmersdorf. 56. Abt. 7 Uhr Rufammenkunft bei Justowiat, Solgendorffftt. 20. Bere Tofuna fir Weihnachten. 124. Abt. Mehlsborf. Unserem alten verdienten Genoffen Dewald Schumann au feinem heutigen 60. Geburtstag unsere beralichten Glüdwünsche. Morgen, Sonntag, den 13. Dezember: & t. Borm. 10 Uhr bei Dobrohlam. Gwineminber Str. 11. btellings fitung 20. Abt. Borm. 10 Uhr bei Fritsch funktionärfikung. Bolladbiboes pünktliches Erscheinen notwendig. 22. Abt. Borm. 10 Uhr bei Grunwald wichtige Funktionärkung. 128./130. bt. Bantow. Treffpunkt nadim. 2 Uhr an ber Bantower Kirche aum gemeinsamen Befuch der Weihnachtsausffellung im Gemertschaftshaus. * Sungiostaliften. Beteffiat ench an dem Bortrag des Genoffen Mar dler in der Sochschule für Bolitit, Am Schinkelplak 6. Thema: Soziologie und Marrismus". Seute, Sonnabenb, nachmittag pünktlich Uhr. Gruppe Tier garten: Sonnabend, den 12. Dezember, nachmittaas 5 Uhr, beteiligen wir uns nach Möglichkeit an der gemeinsamen Veranstaltung der SAJ. und ber fozialdemokratischen Studenten in der Aula ber Sochschule für Bolitit, Schintel plak. Genosse Mar Abler- Wien fpricht über Goziologie und Marxismus". Gruppenveranstaltung Mittwoch, den 16. Dezember, abends 8 Uhr, Wilhelmshavener Str. 48, voraussichtlich über ein foziologisches Thema im Anschluk an Adlers Vortrag. Gruppe Schöneberg: Fahrt nach Briefelang heute, Sonn abend, zu der tommenden Weihnachtsfeier der Gruppe. Treffpunkt abends 6 Uhr am Bhf. Schöneberg. Gruppe Falkenberg: Sonnabend, den 12. De zember, abends 8 Uhr, Sufammenkunft in Grünau, Königftr. 8, 2 Tr. Um 7 Uhr Treffen am Bhf. Grünau. Das ist gut! Es lebe der Luthersche Breisabbau. Im die Kundschaft. nicht zu verärgern und die unverrückbare Stabilität Montag, den 14. Dezember, Gesamtveranstaltung der Junafozialisten. Nächste der Preise allen Ungläubigen unwiderstehlich ins Gemüt zu brennen, dehnt man die Strede und macht die 35 ehrlichen Kilometer zu einer 42- Kilometer- Länge. Aber St. Bureaukratius beweist damit, daß er nicht nur schifanieren tann, sondern manchmal auch Wig genug hat, um einen Schwantabend zu füllen. Doch im Ernst: Sollte man dieser Brandenburgischen Städtebahn- Attiengesellschaft doch nicht einmal auf die rührigen Landmesser finger flopfen? Eisenbahnunglüd bei Altona. Auf dem Eibelstedter Berschiebebahnhof stießen eine leerlaufende 2o to motive und ein Güterzug zusammen. Die Lotometive wurde aus dem Gleis geworfen und stürzte um. Ein unter fie geratener Ran gierer wurde zermalmt. Der Lokomotivführer, der ebenfalls unter die Maschine geriet, wurde erheblich verlegt. Beitere drei Berfonen wurden leichter verlegt. Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer gehrer und Lehrerinnen. Sente, Sonnabend, nachmittags 5 Uhr, in der Aula der Sochschule für Politit, Schinkelplan 6, Vortrag Mar Adler- Wien über Soziologie und Marrismus. Arbeitsgemeinschaft ber Rinderfreunde Groß- Berlin. Gonntag, den 13. Dezember, pünktlich vormittags 10 Uhr, im Theater in ber Rlofterftraße. Rlofteritr. 43, Lichtbildervortrag für Rinder und Kinderfreunde über 10 Jahre von Beter Stolls Erlebniffen und Streichen. Erzähler Genoffe Fechenbach. Sterbetafel der Groß- Berliner Partei- Organisation 8. Abt. Am Dienstag, den 8. Dezember, verfarb unfer Genoffe Tbett Steffel, Goeben ftr. 14. Einäfcherung am Sonnabend, den 12. Dezember, nadmittags 34 Uhr, im Krematorium Wilmersdorf. Wir bitten im rege Beteiligung. Arbeitersport. Das Verschulden des Coffen. Das Seeamt Hamburg verhandelte über den Untergang des Hamburger Dampfers Ernst Hugo Stinnes 11" an der norwegischen Küste. Das Seeamt fällte folgenden Spruch: Der Dampfer„ Ernst Hugo Stinnes 11" ist am 20. November 1925 auf Kaffebol bei Bideroe gestrandet und wurde velltommen zertrümmert. Der Unfall ist von dem norwegischen fant. Der Austragung von Gesellschaftsspielen auf Spielfähigen Bläken fteht otfen perschuldet worden, weil er sich in den Feuern geirrt hatte. Den Kapitän und den wachthabenden zweiten Offizier trifft tein Verschulden an dem Unfall. Das letzte Danziger Segelschiff. Jn Danzig hat fich in aller Stille ein Vorgang vollzogen, der der fulturhistorischen Bedeutung und auch einer gewiffen Tragit nicht entbehrt. Mit der Streichung der Viermasterbart Majotte" aus den Danziger Schiffsregistern ist das legte Segelschiff aus der Handelsflotte dieser Stadt ver ihwunden, die früher an stolzen und schönen Segelschiffen so reich war. Die Danziger Handelsflotte besteht heute aus 58 Schiffen. Unfall auf dem Linienschiff Hannover. Auf dem in Riel liegen den Linienschiff Hannover ereignete fich ein Unfall, der ein Menschenleben forderte. Eine herabsturzende Binaffe tötete den Heizer Naglad. Die Schiffe im Kieler Hafen setzten die Flaggen halbmast. Gewinn- Auszug 3. Alaffe 26. Preußisch- Süddeutsche Klassen- Lofferte 1. Ziehungstag 11. Dezember 1925 Auf jede gesogene Rummer And wet gleich bobe Be winne gefallen, and awar je einer auf die Zofe gleicher Nummer in den beiden Abteilungen 1 unb 2 Nachdruck verboten In der Vormittagsziehung wurden Gewinne fiber 120 M gezogen 2 Gewinne zu 100000 Mart 58572 Ohne Gewähr 2 Gewinne zu 3000 Mart 194052 6 Gewinne zu 1000 Mart 91162 232046 270793 8 Gewinne an 800 War! 7722 49604 58204 186109 14 Gewinne zu 500 Mart 69678 79480 99920 101190 102752 256572 268891 72 Gewinne 400 Mart 6486 6762 25215 30519 34691 83614 83933 94773 96066 96701 103517 106200 115435 139877 144997 159121 164813 176740 188977 203510 203976 208997 212516 217639 220172 222000 226807 228774 231828 236865 249379 261269 270980 288000 295105 297989 262 Gewinne zu 240 Mart 3514 7030 11712 13939 14019 15886 16546 18803 20202 24893 29361 29409 34613 35313 37026 37979 41638 44471 45217 49987 54439 55457 57816 61101 61819 62918 63221 65902 66777 68381 68529 69399 71460 72069 75475 78447 79105 85489 89436 90100 95664 95801 99330 101643 105250 107406 112197 112669 115412 116015 119382 121234 124487 128020 130624 136708 142694 144183 147428 150588 150611 154043 156657 158921 160497 162235 166070 167004 170721 171347 174262 176801 177328 177449 179765 179842 187569 190592 193233 195707 198090 199321 199989 201059 205068 205797 206250 206291 211812 211917 215432 217571 219150 219960 220245 220893 221063 222947 223970 224175 226901 226956 230668 231112 243141 243290 244680 245038 245741 249872 250551 253661 254825 255843 256123 256421 260384 262799 265318 267357 270658 271512 276545 277642 281155 281159 282275 287924 294737 296663 297931 In der Nachmittagsziehung wurden Gewinne über 120 M gezogen 2 Gewinne zu 50000 Mart 254410 2 Gewinne zu 10000 Mart 68544 2 Gewinne au 2000 Mart 235730 2 Gewinne zu 1000 Mart 16010 2 Gewinne zu 800 Mart 194094 8 Gewinne zu 500 Mart 20873 129565 173350 177541 76 Gewinne zu 400 Mart 10430 11515 19200 30869 34321 63101 72091 77475 90196 98820 101561 110530 120387 122707 126878 130646 137439 155463 168533 176751 183142 187792 189036 208153 209656 233462 235024 237659 242425 250398 266691 272273 273721 279284 283388 292044 293405 295070 176 Gewinne zu 240 Mart 3781 7859 8737 14132 15020 18332 20830 21493 23953 25499 25512 27871 28786 29530 30037 30888 32248 36979 40959 41228 41390 52330 54654 56476 61150 65191 66690 69577 69854 71885 77548 84994 88284 92162 92249 93553 99456 101220 108944 117351 126391 127269 136220 137947 138358 141140 143791 146396 147467 151538 157569 158149 159439 166354 171307 175342 175901 179159 182906 184166 188480 201873 208385 214360 215304 216357 221141 231263 233323 235009 236727 237451 237763- 240988 243840 258354 260809 265445 266755 267409 274470 278770 285429 285943 289489 289500 292347 297929 Märkische Spielvereinigung( Fußball). 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Die Trianon- Th. große Katharina Schiller Theater 8 Uhr: Jungfrau von Orleans Städtische Oper Charlottenburg 7 Uhr: Hoffmanns Erzählungen Tägl. 8 Uhr Kleine Sklavin v Dietzenschmidt Re ie Goldberg Barnowsky- 80bsen Theater in der Abonn.- Turnus ill Höniggrätz.Str. Deutsches Theater 71 Uhr: Der Kreidekreis von Klabund 8 Uhr: 60 BILDER II. Rang v. Parkett v. Logen v. Kinder- Revue Nur noch 3 Vorstellungen Jeden Mittw u a.Sonnab. 34, U.: Alle Pappen tanzen Kleine Preise. 50 PL. 1.-. 1.58 etc. Jeden Sonntag nachm.& Uhr: Die ganze Vorsteliung sa ha ben Preison Gespenster Central Theater ( Moissi) Uhr Trieschübel Heinrich IV. Metropol- Theater Stg. bis Dienst.% Die Tribtine Täglich& Uhr: Tägl. 8 Uhr: Die große Revue- Posse: 2. Abend Regie: M. Reinhard Zorick to Methusalem NO NO NANETTE zu Kammerspiele Komödienhaus 7½ Uhr: Ramper von Max Mohr Regie: Paul Henckels Tági 8 Uhr: Kopf oder Schrift Residenz- Th. 8 Uhr: Circes Heirat Th.a. Nollendorfpl. Heute u. Sonntag 734 Uhr: Die 34 Uhr( KI Pr.) Die Komödie Grüne Flöte Schneewittchen Kurfürstendamm 207 8 Unr Gesellschaft Regie: Max Reinhardt Theater i. d. Lützowst.112 Tägi. 8 Unr ParisianaRegie: Max Reinhardt Matray, Sterna, Solweg, Blum usw. Agnes Verprogramm! SCALA 5 Unr Internat. Thalia- Th. 8r: Annemarie Uhr: Heute u Sonntag 3 Uhr( KI. Pr.) Hänsel u Gretel Theater in der Kommandantenst. Heute 7% Uhr Premiere Vorstellung: Varieté Die blond. Mädels Bine Brautnacht Bin starkes Stück Nur Erwachsene haben Zutritt! Sonntags 30 zu ermäßigt. Preis. das volle Proer. Heute u Sonntag 31 Uhr Kl. Pr) Rotkäppchen 图 Das Mirakel der Wölfe Der große Westi- Film der Ufa täglich Ufa- Theater, Alexanderplatz Ufa- Theater, Reinickendorfer Straße Ufa- Theater, Weißensee Flimpalast, Spandau Luisen- Theater, Reichenberger Straße 34 Mila- Lichtspiele, Schönhauser Allee 130 Flimpalast Puhlmann, Schönhauser Allee 148 B. T. L. Lichtspiele, Moabit, Turmstraße 12 Stern- Lichtspiele, Neukölln, Hermannstraße 49 Eden- Palast, Neukölln, Kott buser Damm 2-3 Circus Busch Hente Sonnabend 3 Uhr Sonder- Jugend- Vorstg. m Kind- Belustig. u.Vert. v.Geschenk. Das ungekürzte Abend- Progr. u., Wintermärchen" GroßesSchauspielhaus Casino- Theater Trotz halber Preise noch 1 Kind frei Für$ 4 Dich CHAPECORVUE 300 Mitwirkende Parkett M. 6.2ter Rang M. 1.50 Rang M.& Loge M. 7.3ter Rang 75 Pl. Sonntag nachmittag 3 Uhr averkürzt zu ermäßigten Preisen Täglich 8 Uhr: Die tolle Posse Der Täglich 72 Uhr Das internat Circus- Artisten- Progr. 9 Uhr: Meisterboxer Der Graf von Monte Christo Der Gipfel des Humors! Sonntag 3. Erwachsene u. Kinder halbe Preise u. das neue Progr. ca Reichshallen-Theater Allabendl. 8 Uhr Sonatag nachm. 3 Uhr Steffiner Sänger WeihnachtsProgramm! Nachmittags halbe Preise vo les Abend- Programm Donhoff- Brett'l Passo beliebte Familien Variete! Humor, Tanz, Stimmung! Kl. Preise! Berliner Tik- Trio Neukölln. Lahnstr. 74/75 L Berliner Konzerthaus Wochentäglich( Clou) Mauerstraße 82 Wochentägi ch Konzert) Vier- Uhr- Kaffee( Promenadenund täglich Gesellschaftsabend Tanz Sonntag: außer Montag Doppelkonzert, Gesellschaftsabend, Tanz Deutsches Künstl.- Theater Tägl. 48 Uhr: Gastspiel Fritzi Massary: Die Teresina Th. a. Kurfürstendamm Uhr 7 Gastspiel des Deutsch. Theaters Regen Th.a. Schiffbauerdamm 8. Unr: Das verhängnisvolle Weib Lustspielhaus 8 Uhr. Potasch& Perlmutter II. Teil Potasch& Perlmutter b. Film Wallner- Theater Tägl 8 Uhr: Kolportage Inferieren bringt BRFOLGI Theat. d. Westens Rose- Theater Margit Suchy u 4 Der Froschkönig 6d. Lichtenstein u. d. eisern.leinrich als Gast 8 Uhr Täel. 8 11 Uhr Der Glöckner ( über 50 mal) von Notre Dame Der Orlow Plätze schon ahl Neues am Herrnfeld am Intimen Theat. Bdiowstr 6 Täglich 8 U Theater Stall Levy mit 5 Täglich 8 to Uhr Turfkomödie v Anton Herrnfeld Olly- Polly Walhalla Theater Walhalla- Theater Operette von Kollo Weinbergswag am Rosenth. 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In der dann folgenden Fortfegung der dritten Beratung des Landwirtschaftsetat führt Abg. Rönneburg( Dem.) aus, auch seine Freunde waren von der Notlage der Landwirtschaft überzeugt. Damit sei aber der Mißerfolg der Politit der Deutsch nationalen und des Reichslandbundes erwiesen. Der Redner ersucht um große Geldmittel den Parteien der Rechten bei der Reichsprisidentenwahl und bei anderen Gelegenheiten zur Verfügung gestellt haben.( hört! hört! lints.) 18 Sonnabend, Zusammenstoß im Landtag. Deutschnationale Hezze gegen Braun. Im Landtag wurde die allgemeine Ausfprache zur| fcheiden. Daher mußte alfo ber Weg bes Bergleichs gesucht werden. dritten Lesung des Haushalts fortgesetzt. nd bald Abg. Hilger- Spiegelberg( bnat.) mendet sich gegen Ausführungen des Ministerpräsidenten über die Rentenbank. Die Angaben über den amerikanischen Kredit seien unzutreffend gewesen.( hört, hört! rechts.) Die Regierung habe nicht rechtzeitig geholfen und habe ihr Geid lieber den Barmats und Konforten gegeben; fo müße man jezt die hohen Zinfen für das„ Teufelsgeld" zahlen. Die Verschleuderung öffentlicher Gelder, die Barteiwirtschaft, habe uns fo ins Glens gebracht.( Lebhafter Protest finks.) Die Rede des Ministerpräst denten sei von Anfang bis Ende demagogisch gewesen.( Der Redner wird zur Ordnung gerufen.) Er habe sich als Minister gegen bie Landwirtschaft erwiesen. Bei den Berhandlungen mit der Krone habe ich mie ein Hehl daraus gemacht, daß ich diese Bergleiche nicht leichten Herzens unter zeichnen würde und daß ich fie nie befürworten würde, wenn uns der Reichsgefehgeber die Ermächtigung zu einseitiger Regelung ge geben hätte. Wird die Ermächtigung nun gegeben, mo miro ble sie zunächst davon ab, die Borlage beim Staatsrat und Landtag weiter zu verfolgen. merbstojen nicht fatt. Man solle die großen Millionenbeträge aus Abg. Sellheim( Komm.). Bon schönen Reden würden die Erdem Etat streichen, die für die Polizei, die Geschäftsver maltung und meitere überflüssige Dinge eingestellt sind und fie den Erwerbslofen geben. Vor allem fet die Abfindung an die Hohenzollern zu unterbinden. Abg. Dr. Bohner( Dem.) wünscht öffentliche Berhandlungen in Fragen der Fürstenabfindung. Gegenüber. Barhaltungen des Herrn v. Campe verweist der Redner darauf, daß der Barlamentaris. mus in Preußen folange leerlaufen mürbe, als Campe immer verfuche, durch eine Hintertür die Deutschnationalen mit in die preußische Regierung hineinzubringen. Abg. Kloft( 3.) weist auf die hohen Erwerbslojen. Auskunft, in welchem Umfang offentliche Mittel zur Stügung 3iffern, namentlich im Rheinland und Bestfalen hin, und schildert bie fataftrophale Wirtschaftslage. Die Wirtschaft müsse Kredit zu Die Wirtschaft müsse Kredit zu der Genossenschaften des Reichslandbundes verwandt und wie weit folche Mittel beim Zusammenbruch der Genossenschaften verloren erträglichen Zinsen erhalten. Ein wirklicher Preisabbau müsse fommen. Die Monopol, Syndikats- und Kartellpolitik erfordere morden sind. Der Zusammenbruch sei mit verschuldet worden daschärffte Rachprüfung. Zur Behebung des Notstandes der breiten durch, daß diese Genossenschaften Maffen müßten Mittel zur Verfügung gestellt werden. Zur Be Abg. Gieseler( Bölf.) bezeichnet den vom Außenminister Strefes lebung des Baumarktes müßten größere Mittel mann propagierten Locarno- Frieden als Kirchhofsfrieden. aus der Hauszinssteuer zur Verfügung gestellt werden, um Abg. Gauger( Dnat.) protestiert mit scharfen Worten dagegen, Arbeit zu schaffen. Auf die Reichsregierung sei einzuwirken, daß daß der Ministerpräsident gestern die Bauern als diejenigen be eine Umichichtung und Umsiedlung der überschüffigen Arbeitsfräfte in andere Provinzen vorgenommen werde. Für die Hohenzollern zeichnet habe, die am wenigsten arbeiten und am meisten noch Mehrarbeit schreien.( Lebhafter Widerspruch lints; Gegenfúndgebung Abfindung fei jetzt die ungeeignetste Zeit. Landwirtschaft, die außerordentlich groß lei. Schwer laste mich nicht als Richter über die Arbeiter aufwerfen. Die Bauern Landwirtschaftsminister Steiger äußert sich zur Notlage der rechts.) Wenn ich die Allüren der reichen Leute so schnell angenommen hatte, wie Sie, Herr Ministerpräsident, dann würde ich der Steuerdrud auf der Landwirtschaft, so daß fie gezwungen gewesen sei, die Substanz anzugreifen.( hört, hört!) Deshalb sei man lehnen einen Ministerpräsidenten, wie Sie es auch bei Stundung der Steuera entgegengekommen. Die Politik der Reichsbahn habe der Landwirtschaft gleichfalls schwer Ministerpräsident Braun: Wir haben hier eben ein angefchadet. Besonders feien die Wünsche Schlesiens auf Berfehrschauliches Bild dafür erlebt, wie die Grundlage für eine erlogene erleichterungen noch nicht berücfichtigt worden. Die Frage des Agitation geschaffen wird. Baues von Arbeiterwohnungen treffe auf das volle Berständnis des Ministers. Es seien Zahlungserleichterungen bei Rückgahlungen der Kredite zu gewähren; die Regierung habe da meites Entgegenkommen gezeigt und zeige es noch. Von der Reichsbank sei ein Betrag von 400 Millionen für Düngemittel bereitzustellen. In der Verwendung von Düngemitteln dürfe fein Stillstand ein treten, um die neue Ernte nicht zu gefährden. Eine Gefundung der Birtschaft sei ohne Gesundung der Landwirtschaft nicht möglich. ( Lebhafter Beifall.) Die Preisabbaualtion der Regierung habe sich bei den landwirtschaftlichen Produktionsmitteln faum bemerkbar gemacht. Die in der Getreidebewegungsvorlage von der Regierung versuchte Hilfsaftion foi fehr bedenklich. Um fo merkwürdiger sei die Sympathie, die jetzt plöglich der Reichslandbund für eine Erneuerung der Zwangswirtschaft und der Reichsgetreidestelle zeige. Der Redner klagt dann über steuerliche Benachteiligung her bäuerlichen Betriebe gegenüber dem Großgrundbesitz und bezeichnet langfristige Realkredite für die Landwirtschaft als notwendig. Abg. Kerschbaum( Baŋr. Bauernbund) nerlangt steuerliche Er. leichterungen für die bäuerlichen Wirtschaftsbetriebe Der Bauer fönne heute seine Produkte nicht zu annehmbaren Breisen absehen, während er seine Bedarfsartitel weit höher be. zahlen müsse als früher. Die allgemeine Not der deutschen Wirtschaft fönne nur behoben werden durch eine Verminderung der Ein fuhr. Die deutsche Bauernschaft werde trotz aller Not unverdrossen weiter arbeiten zum Wohl des ganzen Volkes. Die We terberatung wird gegen 5 Uhr auf Sonnabend, 10 Uhr, rertagt. Auf der Tagesordnung der Sonnabendfizung stehen außer dem die Anträge zur Erwerbslosenfürsorge und der deutsch russische Handelsvertrag. Tagung des Staatsrats. Provinz Oberschlesien. Groß- Hamburg.- Gemeinde anleihen. algb?! ha Der Gelegentwurf über die Trennung und Auseinanderlegung der Provinzen Ober- und Niederschlesien, der augenblidlich dem preußischen Staatsrat vorliegt, bildet den Abschluß der Entwicklung, die zu einer felbständigen Provinz OberSchlesien geführt hat. Bei den letzten Provinziallandtagswahlen hat ber Kampf um die Selbständigmachung Oberschlefiens eine nicht unerhebliche Rolle gespielt, und einen starten Rüdgang der Stimmen der Rechtsparteien herbeigeführt, die sich gegen diese Selbständigkeit ausgesprochen haben. Im Staatsrat gab es bei der Verhandlung dieses Gelegentwurfes einen Nachflang dieser Auseinandersetzung. Die Arbeitsgemeinschaft legte einen Anurag vor, der diese Entwicklung rüdgängig machen sollte. Dieser Antrag wurde gegen die Stimmen der Antragsteller ab. gelehnt. 4 Der Staatsrat nahm ferner einstimmig einen som Grafen zu Ranzau- Rastorf vorgelegten Antrag an, der die preußische Re gierung auffordert, unter Borlegung des Generalfieblungs planes für die Hamburg umgebenden Gebietsteile eine freundnachbarliche Regelung der darin behandelten Fragen anzuftreben. Es soll eine Hafenbetriebsgemeinschaft zwischen Hamburg- Altona und Harburg angestrebt werden und unter Berücksichtigung der berechtigten Intereffen Hamburgs jede Schädigung preußischer Häfen vermieden werden. Der von uns an anderer Stelle besprochene Gefehentwurf über die Bereitstellung von Geldmitteln für den staatlichen Befiz an werbenden Betrieben führte zu einem Zwischenfall durch längere Ausführungen des Berliner Oberbürger meisters Bŏ B. Böz erklärte u. a.: 2 find, ab. Bei diesen Worten des Ministerpräsidenten, die von der Linken mit Händeflatschen aufgenommen werden, fommt es zu stürmischen Unterbrechungen bei den Deutschnationalen. Es wird ein Ordnungsruf für den Ministerpräsidenten verlangt. Präsident Bartels fann den großen Lärm weder mit seiner Glode noch mit seiner Stimme durchdringen. Ministerpräsident Braun versucht weiter zu sprechen, wird aber durch fortgesezte Schreie der Deutschnationalen mie: Schluß!", Raus" usw. daran verhindert. Der Lärm bei den Deutschnationalen dauert minutenlang an, so daß Bräsident. Bartels schließlich die Sizung für 10 Minuten unterbricht. Eine Anzahl Sozialdemokraten dringen hierauf gegen die Bänke der Deutschnationalen vor, und es droht zu einem Handgemenge zu lommen, das mur durch das beruhigende Dazwischentreten einiger Abgeordneter, u. a. des Sozialdemokraten Heil mann, verhindert werden kann. Nach Wiedereröffnung der Sigung erflärt Präsident Bartels, er habe teinen Anlaß gesehen, gegen die Aeußerung des Ministerpräsidenten einzuschreiten, weil nicht ersichtlich gewesen fei, ob sich diese Aeußerung gegen eine Partei oder einen Abgeordneten gerichtet habe. Abg. Dr. v. Campe( D. Bp.) tritifiert ble Art, wie die Frage der Bermögensauseinanderlegung mit den hohen. zollern jest in diefer Zeit der Not in die Deffentlichkeit gebracht worden ist. Der Ausgangspunkt zur Lösung der Frage müsse das Recht sein. Freilich geht es nicht an, die Regelung durch ein Ausnahmegefey, wie es der demokratische Antrag im Reichs tag bedeutet, vorzunehmen. Die Ueberspannung des Machtgedankens ist überhaupt der Krebsschaden der heutigen Demokratie. Jegt haben die Sozialdemokraten in der Frage der Kabinetts bildung im Reich verschiedene Forderungen zur Erörterung gestellt. Ich muß fagen, daß mit diefen Buntien die Ausführungen des Ministerpräsidenten pon gestern, denen wir zum großen Teil austimmen fönnen, vielfach doch in starter Distrepanz stehen.( Sehr richtig! bei der Deutschen Volkspartel.) Herr Fall hat gestern gejagt, die jetzige preußische Regierung sei stabil. Wir wollen uns doch nichts vormachen. Sie hängt ganz von Zufälligkeiten bei Abstim mungen ab. Auch das Staatsministerium muß dafür sorgen, daß das Barlament fich arbeitsfähig erweift. Qui her hat es fertigtein Wort von einer Bartei der Nichtstuer gesprochen habe und daß gebracht, den Reichstag arbeitsfähig zu erhalten. Das sollte in Breußen auch möglich sein. Was Locarno anbetretje, so fei eine Wendung in den Anschauungen der Deutschnationalen erit einge treten in der Bersammlung der alten Konservativen artei!( Widerspruch rechts.) mag sein, daß Locarno der Bunft ist, wo die Geister sich scheident. Heute aber darf dieser tiefeingreifenden Gewissensfrage gegenüber nicht der Borwurf erhoben werden, daß die, die für Locarno sind, nicht national mären. Die ständige Berdächtigung unferes Führers Strese mann, hinter dem einmütig die Partei steht, müffen wir uns ver. bitten. Unerhört ist es auch, was das Hafenkreuz". von einer Hindenburgischen Judenrepublik geschrieben hat, wobei Ludendorff dem Reichspräsidenten Hindenburg gegenübergestellt und als Retter gepriesen wird, und wobei Strele mann indirekt das Schidsal Rathenaus angedroht mird. unerhört ist auch die Auslaffung einer banerischen Zeitung, wenn Hindenburg für Locarno sei, dann bedeute das eine Gefahr für den nationalen Willen. Aus der Partei. Zur Weihnachtsfeier. Ministerpräsident Braun ertlärt, er halte an feiner Aeußerung, es liege ein anschauliches Beispiel verlogener Agitation vor, fest. An der Hand des Stenogramms erflärt er weiter, daß er gestern er auch nicht geäußert habe, daß die Bauern Nichtstuer feien. ( Unhaltende lebhafte Unterbrechungen und stürntischer Widerspruch bei den Deutschnationalen.) In großer Erregung wirft ber Ministerpräsident das Steno gramm seiner Rede, bas er in der Hand hielt, auf den Tisch und erklärt, während ein Teil seiner weiteren Ausführungen in dem erneut einfegenden tojenden Lärm der Deutschnationalen untergeht, die ganze Entrüstung der Deutschnationalen fei eine fünstliche Ma che. Es sei ihm nicht eingefallen, die Bauern als die Parkei der Nichtarbeiter hinzustellen. Diese Erklärung wird mit lang anhaltenden 3 u stimmungs tundgebungen auf der Linken und weiteren lärmenden Gegenfundgebungen bei den Deutschnationalen aufgenommen. Nach längerer Seit erft tann, in Fortsetzung der Aussprache, der Abg. Petry( 3.) das Wort nehmen, der eine durchgreifende Berwaltungsreform verlangt, die eine( parfamere irt Morgen, Sonntag, den 13. Dezember: Brenalaner Barfiabi: Banderung durch At- Berlin. Treffrunt 11 1hr Untergrundbahnhof Spittelmart. Chen( Befereburace Viertel): Citernabend Barichaner mit befonderem Brogramm: Insprache, Mariit, Resitationen. Biertel: Jugendheim Ziljiter Str. 4, Deutscher Märchenabend. Lichtenberg mitte: Befuch des Reughaufes und des Antikriegsmuseums. Treffpunkt 9 Uhr Bhf. Stralau- Rummetsbuva. Abends 7 Uhr Areisveranstaltung im Jugend beim Parlaue 10. Finanzminister Dr. Höpker- Aschoff äußert sich zu der Abschaft ermögliche. Bei den Kommunalsteuern sei das Höchstmaß findung mit den Hohenzollern und wirft die Frage auf, ob eine längst erreicht. Die für die Landwirtschaft neu zu gebenden Kredite Es war mir sehr interessant, in den Ausschüssen zu erfahren, Lösung durch Vergleich vorzuziehen sei oder ob man die Gerichte müßten auf längere Fristen gestellt werden und insbesondere für daß die Beratungsstelle und die Reichsbank nichts gegen urteilen lassen solle. Wenn man, so betont er, die Auseinandersetzung Düngemittel gegeben werden. Der Borwurf der schlechten Beden Plan der preußischen Staatsregierung einzuwenden hatten, eine dem Gerichte überlassen hätte, so hätte das nicht geschehen können handlung der Landarbeiter tönne auf den Besten feine Anwendung Anleihe von 150 millionen M. aufzunehmen. Wenn aber die Ge- ohne schweren finanziellen Schaden für den Staat. Die Entschul- finden, wo die Landarbeiter so betrachtet und behandelt mürden, meinden und Selbstverwaltungskörper für die gleichen Zwecke Andigung der Gerichte stützte sich auf eine kabinettsorder vom Jahre als ob sie mit zur Familie gehörten. leihen aufnehmen wollen, machen die genannten Stellen bie aller 1842. Ich will durchaus teinen Vorwurf gegen die Gerichte erheben: Nach 6 Uhr vertagi das Haus die Weiterberatung auf größten Schwierigteiten. So kann ich mich des Eindruds fie müssen diese Dinge nach privatrechtlichen Gefichtspunkten ent- Sonnabend, 11 Uhr. nicht erwehren, daß hier mit zweierlei Maß gemeffen wird. Wir tönnen als Gemeinden mit Recht verlangen, daß wir ebenso gewertet werben wie Reich und Länder, und wir wüffen entschieden bagegen Einspruch erheben, daß der Reichsbantpräsident in einer raichen Folge von Reden sich immer und immerwieder mit der Verschwendung der Gemeinden" befaßt und noch nie darauf getommen ist, daß in den Ländern noch viel mehr Gelegenheit zum Sparen ist als in den Gemeinden, die schon weitgehend abgebaut haben. Eine interessante Tatsache, die in der Deffentlichkeit zweifel. Los Aufsehen erregen wird, ist folgendes: Die Stadt Berlin beSchäftigt zurzeit nicht weniger als 60 Beamte mit der Be arbeitung des Sperrgefetes, das am 1. April auf gehoben werden wird und auf deffen Grundlage man uns noch Immer mit Erlassen und Entscheidungen belästigt, die für uns auch nicht mehr die geringste Bedeutung haben( hört! Hört!). Wenn der Reichsfinanzminister und die preußische Regierung hieraus die Konsequenzen ziehen würden, fönnte im Reich und in Preußen und in Berlin sowie auch in zahlreichen anberen Gemeinden eine ganz bedeutende Ersparnis erzielt merben. Aber es mird ruhig weitergearbeitet nach Schema F, und Der Herr Reichsbantpräsident bemerkt das nicht. Es find immer nur die Gemeinden, die gesündigt haben. Möchte der Herr Reichsbankpräsident diesen Ausführungen feine Ohren öffnen.( Belfail) Bon Regierungsseite wurde erklärt, daß es sich bei dem Dorliegenden Entwurf nur um ein Mantelgeset handle, weshalb mit der Beratungsstelle und der Reichsbank auch gar nicht über Einzelheiten verhandelt fei, sondern nur ganz allgemein barüber, ab eine preußische Anleihe jetzt aufgenommen und untergebracht werden könne.( Buruf des Oberbürgermeisters Böß: Sie mollten die Anleihe ja fchon im Dezember begeben!) Der Staatsrat nahm dann in der von den Ausschüssen vor. gefchlagenen Faffung von der Borlage Renntnis und vertagte fich Bierauf auf den 18. Januar. Der Reichsausschuß für sozialistische Bildungsarbeit verweist zur bevorstehenden Weihnachtsfeier auf das Heft Nr. 2 der Arbeiterbildung", die wertvolles Material für die Feier, insbesondere Bro grammvorschläge, Gedichte, sowie eine Vortragsdisposition enthält. Das Heft tostet einschließlich Borto 25 Pfennig. Vorträge, Vereine und Verfammlungen. Reichsbanner Schwarz- Rot- Gold". " Ferner ist durch die Reichsarbeitsgemeinschaft der Kinderfreunde ein Liederbintt herausgegeben worden, das eine Anzahl geeigneter proletarischer Lieder mit Noten für die Weihnachtsfeier enthält und zum Preise von 15 Pfennig( einschließlich Porto) durch den Reichsausschuß für sozialistische Bildungsarbeit( R. Weimann), Berlin SM 68, Lindenstraße 3, zu beziehen ist. Der Versand erfolgt nur gegen vorherige Einsendung des Betrages oder unter Nachnahme. attinen an bekannter Gielie zum Marfch. Sudfehr 1 Uhr. Sempelhof: Jugendveranstaltungen. Wing, Whirilungsvorfigenbe und Werbebezirksleiter! Rehmt an der Er öffnungsfeier unferer Weihnachtscusstellung heute, Cannabend, den 12. De zember, abenbs 7 Uhr, im Jugendheim Lindenste. 3. teil. Dr. Max Abler- Bien fpricht heute. Gonnabend, ben 12. Dezember, nachmittags Sosiologie und Marrismus. Freie Ausfprache. 5 Uhr, in ber Aula ber Sochschule für Politit, Schinkelvlak, über das Thema Berbebeair Beltovkanal: Sonnabenb ben 12. Dezember, 74 US, Filmabenb: Der Reichsjugendtag in Sambura in der Aula bez Realfahule, Stealth, Floraftrake. Untoftenbeitrag 40 Bf. Gefäftsftelle: Berlin 6 14. Gebaftianfte. 37.38 Sof 2 Tt. Arenaberg: Sonntag, den 13., vorm. 10 Uhr. bei Bichler, Dieffentbachstr. 76, turae Sigung der Rug- und Gruppenführer mit Jugend cbteilung. Die porgeschlagenen Gruppenführer und Stellvertreter nehmen baran teil. Zehlendorf: Sonntag, den 13., vorm, 8.45 Uhr, Antreten aller Sonntag, ben 13., nadm. 1 Ust. Bhf. Marienhorf. Antreten zur Fahrt nach Lichtenrade. Reichsbund jüdischer Frontsoldaten, Bezirk Stadtpark. Am 13. Dezember Chanuka- Ball im Logenhaus, Reiftstr. 10. Eintritt 2,50 M. Sdutserein bez Sunde und Tierfreunde, e. B. Am 14 Dezember Weih nachtsfeier im Wilhelmshof, Anhaltstr. 12. Gäfte beralidit willlommen. Arbeiterverein iz Biochemie und Lebensreform i. B. B. Bezirk Friedrichs. bain: Montag, den 14. Dezember, 7 Uhr, Mitaliederversammlung bei Birtle. Friedenstr. 61. Bortrag: Die Frau und der Kampf gegen bie 88 213/21. Durch Mitalieber eingeführte Säfte willkommen. Bezirk Webbing: Montan Den 14. Dezember, 75 Uhr, mitaliederversammlung bei Rak. Mazite. 12. Br trag über Sinbertrantbeiten". Gäfte willtommen. Im Bollstrafibuub fvricht über Snbien unb ben Sinduismus Brof. Dr. Johann Sauter am Mittmoch. den 16. Deseither, 8 bt, in der Aule Georgenftr. 80. Optimismus als Msweg! Die groszen Wirtschaftsfragen Amerikas. Der Arbeitsminister der Bereinigten Staaten, Davis, ver- öffentlichte kürzlich in der„Mmuly Labor Review" eine Studie über das Problem der Arbeitslosigkeit in Nordamerika. Er bringt diese Frage etwa auf die Formel, dab in den Bereinigten Staaten die größte Quelle der Arbeitslosigkeit in der lieber- entwicklung der Industrie liege. Damit stöht er auch auf den Kernpunkt der Schwierigkeiten der europäischen und im beson- deren der deutschen Wirtschaft. Sicher hat Amerika noch ander« Sorgen als die von dem Arbeitsminister behandelte, z. B. den Geld- i'bersluh— mit Folgen, die entfernt an inflationistische Auswirkun- gen erinnern—, aber schon das Exportproblem erwächst letzten Endes wieder aus dem Tatbestand, daß der Produktions. apparat der Vereinigten Staaten während der jüngst vergange- nen Jahre so rasch gewachsen ist, daß das sicher gesund« Ame- rika mit der beachtlichen Kaufkraft seiner Bevölkerung bisher noch nicht nachkommen konnte. In echt amerikanischer Formulierung sagt Davis, daß die Wirt- fchaft der Bereinigten Staaten heute so weit entwickelt sei, daß sie bei voller Produktionsleistung in 3l>l) Tagen Im Jahr soviel Ware herzustellen oermöge, wie sie vom gesamten Welt- markt nicht aufgenommen werden könne. Die Zahlen sprechen in dieser Hinsicht allerdings eine recht überzeugende Sprache. In der Schuhindustrie z. B. zählte man lZ7ü Betriebe. Bon dieser Gesamtzahl sind es aber 221 Betriebe, die heute 66 Proz. des gesamten Schuh, und Stieselbedorfs erzeugen, ohne auch nur annähernd voll beschäftigt zu sein. Mit der Produktionsleistung ist es so. daß in den größeren Betrieben mit über 500 Beschäftigten pro Mann jährlich 1636 Paar Stiefeln produzierte, in den mittleren Begeben pro Mann 1388. und in den kleinsten pro Mann 1063 Paar. Werden solche Verhältnisse als Einzelfall und ohne feine Zu- fammenhänge betrachtet, so würde deren volkswirtschaftlich richtige Lösung bedeuten, daß 86 Proz. aller Betriebe der Schuhindustrie überflüssig sind und aufgelöst werden könnten. Das ergibt aber zum mindesten vorerst nicht Verringerung, sondern Bergrößerung der Arbeitslosigkeit. Wenn sie auch durch entsprechende Maßnahmen bald wird beseitigt oder überhaupt verhütet würde, so oerlangte eine solche Aenderung doch efne Art P l a n w i r t- schaft. Die geographische Lage zu den Lieferindustrien und zu den großen Konsumplätzen der Schuhproduktion müßte von auto- ritotioer Stelle aus bei der Umstellung der Produktion berücksichtigt werden. Und eine solche Macht hat In den Vereinigten Staaten kein« Regierungsstelle, sie würde ihr weder von den Interessemen noch von der Qeffentlichkeit zugebilligt werden. Deswegen wird weiter damit gerechnet, daß die Produktion auch in absehbarer Zeit nicht voll beschäftigt bleibt. Dadurch tritt zwangsweise die verstärkte Beschäftigung mit dem Inlandsmarkt und Entwicklung der Exportmöglichkeiten erneut in den Vordergrund, zu- gleich mit dem freien Kampf der Auslese. Die Aussuhrsteigerung hat natürlich auch für die Bereinigten Staaten ihre Schwierigkeiten. Sie liegen nicht nur im derzeitigen Zustande des Weltmarktes, sondern auch in der Gegenwirkung des Exports. Die Vereinigten Staaten werden trotz ihres eigenen natür» lichen Reichtums zunehmend Einfuhrland. Zellstoff— zur Papiererzeugung, Gummi— für Autoreifen, Kali— für die Land- Wirtschaft, und nicht zuletzt elektrische Kraft— das kanadische Niagara werk ist mächtiger als dos amerikanische—, aber auch Wolle, Seide. Hans, Kaffee, Chemikalien usw. sind Waren, die im Preise heute schon vom Ausland mitbestimmt werden. Außerdem läßt sich nicht jede Ware so leicht auf den Weltmarkt werfen wie Schuhe und Stiefeln. Im Zentrum der Kohlenindustri« war 1323/24 die durch- schniUliche Iahresbeschäftigung 133 Tag e. Nur 1 Proz. der Koh- lengruben war mehr als 270 Tage beschäftigt. Auch in der Kohlen- industrie würden bei voller Betriebsleistung 25 Proz. aller Berg- werke ausreichen(sie umfassen jetzt etwa die Hälfte aller Beschäf- tigten), um den Kohlenbedarf des Landes zu befriedigen. Man sieht aus diesen weiteren Angaben, daß die Sorgen der amerikanischen Wirtschaft nicht nur aus einer einzelnen Industrie erwachsen. Die theoretische Lösung jener Schwierigkelten ist in den obigen Zahlen enthalten.' Praktisch gehi man andere Wege. Es ist dos Schwergewicht der Tatsachen, die nicht aus Pläne und Gesetze zu warten vermögen, was sich durchsetzt. Alan sucht den inneren Markt so kauskrästig als irgendmöglich zu erhallen. Diesen Wünschen kommt der für europäische Derhältnisse schon immer hohe Lebensstandard breiter Schichten der amerikanischen Bcoölke- rung entgegen. Dabei sind einige Einschränkungen zu machen. Der 40-Cents-Stundenlohn ungelernter Arbeiter im Lande und das Wocheneinkommen von 10 bis 16 Dollar vieler weiblicher Arbeits- kräfte in den Großstädten entwickelt keine ollzugrohe Kaufkraft. Aber es hat sich das Folgende ergeben. Nach einer Teuerungs- Periode, die 1313 um 130 Proz. gegenüber 100 im Jahre 1313 lag und 1320 bis auf 205 stieg, ist ein Absturz auf 137,5(1922) erfolgt, dem seither ein langsames Wiederansteigen bis auf rund 160(Sep- tember 1925) gefolgt ist. Die Löhne, die im besonderen von der Federation of Labor resp. den einzelnen Gewerkschaften kontrolliert werden, gingen zwar bis 1320 nicht um die volle Höhe der Teuerungs- ziffer mit nach oben, es konnte aber— im allgemeinen— ein L o h n- o b b a u nach jener Zeit verh in dert werden. Die so geschaffene Kaufkraft wirkte bis heute für die amerikanische Wirt- schast als Sicherung gegen Krisen. Deswegen ist es sehr beachtlich, daß heute in Amerika verständigere Kreise gegen Lohn- obbau sind, weil die derzeitige Kaufkraft der Bevölkerung manche innerwirtschaftliche Schwierigkeit überwindet. Die Schwierigkeiten des kaufkraftproblems. Diese eben dargestellte Formel ist in der Wirklichkeit nicht so einfach und eindeutig als sie hier erscheint. Die Kaufkraft des Lölkes wirkt sich nicht gleichmäßig aus, auch nicht immer volkswirtschaftlich rationell. Während z. B. die Bekleidungsindustrie über mangelnden Absatz klagt, hat die Automobilindustrie durch rechtzeitige Preis. Herabsetzung eine eigene Konjunktur erzeugt, deren Charakteristik ist. daß ein« Bewegung vom billigeren zum besseren Auto, vom einfachen zum eleganteren Wagen möglich wurde. Da- bei wird meist nur Anzahlung verlangt, und zwar ein Biertel bis ein Drittel des Preises. Da aus dem Verkauf des alten Wagens diese Anzohlungssumme leicht herauszuschlagen ist, hat die Automobil- industrie gewissermaßen aus dem Boden eines allgemeinen Abzah- lungskredits neuen Auftrag erhalten. Es ist nicht ausge- schlössen, daß dieses Loch ,m Produktions- und Warenkreislauf eines schönen Tages bös in Erscheinung tritt. Aber vorläufig denkt man nicht daran, obwohl die Gefahr nicht klein ist. denn auch der Damen- pelz, der sehr üblich ist, Diamanten, Rodioeinrichtungen, Möbel und vieles andere, was nicht zu den Gebrauchsgütern gehört, wird recht häufig auf Abzahlung gekauft. Die Optimisten meinen, das Entscheidend« sei, daß die Grund- Nahrung des Volkes— Fleisch, Getreide usw.— keine heftigen Preis- änderungen erleide. Hier scheint im allgemeinen tatsächlich eine ge- wisse Beruhigung der Preise eingetreten zu sein. -» An europäischem Maßstab gemessen, ist die Lage der amerikam- schen Wirtschaft trotz allem erstaunlich beweglich und in ihrenGrundlagengesund, wenn auch ausreichend Zukunits. sorgen vorhanden sind, denn die Kaufkraft der 120 Millionen hat ihre Grenze. Am deutlichsten sieht man das an der Encrgie. mit der der auffallend ausgedehnte und umfangreiche Handel arbeitet. Dabei breitet er sich immer noch weiter aus. Seine Sorgen zwingen ihn. sich ständig besser zu placieren. Daraus ist aber wieder im ganzen Lande, im besonderen in New Port, beachtliche Konjunktur im Bau großer und größter Geschäftshäuser mit zu erklären. Demgegenüber ist es nichts Seltenes, zum Verkauf stehende, ja auch verlassen« Fabriken zu finden. In der Industrie wird wenig gebaut. Aber wie das Beispiel zeigt, ist dafür der Produktionskreislauf an anderen Stellen lebhafter. Die Konkurrenz ist außerordentlich scharf, ohne daß damit die Preise allzu sehr gedrückt würden, die allgemeine Kaus- kraft hält den Sturz auf. Die Kaufkraft der breiten Masse der Bevölkerung der vereinig- ten Staaten und ihre Wirkung auf die Industrieentwicklung zeigt, welche hohe volkswirtschaftliche Bedeutung ihr zu- kommt. Selbstverständlich zahlen auch die amerikanischen Unterneh- mer nicht gern und häufig nicht freiwillig den Lohn, den sie jetzt geben müssen. Aber weder sie noch ihre Interessenverbände sind solch naive Anbeter des niedrigen Einkommens wie unsere deutschen Unternehmer. Die deutschen Arbeitgeber hätten allen Grund, au» der ameri- konischen Wirtschast noch etwas anderes zu lernen: das ist der Vor- zug der Einheitlichkeit des Marktes. Europa muß— mit Einschluß Rußlands—«in ein- heitlicher Markt werden I Es gibt keine Zollmauer, die stark genug wäre, um in Europa eine einzelne Wirtschaft vor den Erschütterungen und Schwierigkeiten zu schützen, unter der ganz Europa leidet. So- lang« wir nicht zum europäischen Wirtschaitsbund kommen, bleiben die entscheidenden Zukunftsfragen der Weltwirtschaft bei uns un- gelöst. Kurt Heini g. Kartellwucher- trok allem. Seit mehr als zwei Jahren führt das Reichswirtschafts- Ministerium, gestützt auf die„Verordnung gegen den Mißbrauch wirtschaftlicher Machtstellung" und auf die Praxis der Kartellgerichts- rechtiprechung, einen.Klomps" gegen die Kartelle. Daß diese Be- kämpfung der Verbandswillkür und des Strebens nach monopo- listischer Marktbeherrschung der Industrie unbequem ist, geht daraus hervor, daß der„Reichsverband der deutschen Industrie" kürzlich auf einem.Lartelltag" gegen die wirtschaftlichen Sondergerichte, wie man dos Kartellgericht nannte, protestiert hat. Trotzdem wäre es ein Irrtum, zu glauben, daß die Bekämpfung des Kartell- unfugs schon irgendwelche durchschlagenden Erfolge er- zielt hall Im Gegenteil: die Praxis des Preiswuchers im Inland und des Dumpings im Ausland wird munter weiterbetrieben. Die Rheinisch-Westfälische Röhrengroßhändleroereinigung hat z. B. zum 1. Dezember eine Bedingung bekanntgegeben, wonach den angeschlossenen Händlcrsirmen«in besonderer Großhandels- raball von lii bis 15 Proz., bei größeren Käufen noch mehr, ein- geräumt wird. Noch einschneidender als diese Bestimmung aber ist die Verpflichtung, welche die im Röhrenverband zusammengeschlossenen Fabrikanten den Händlern auferlegen, wenn sie nicht der Belieferung zu Vorzugspreisen verlustiggehen sollen. Danach dürfen die Händler bei Verdingungen(Submissionen) und Ausschreibungen aller Art Angebote nur zu den- j« n i g e n Preisen machen, die ihnen durch den Röhrenverband vorgeschrieben worden sindl Wir haben erst vor wenigen Tagen an dem Beispiel des Deutschen Eisenbauverbandes gezeigt, wohin der Karlellunfug im Verdingungswesen führt: nämlich zu einer Ausplünderung der Steuerzahler, die ja in erster Linie davon betroffen werden, daß große Austräge des Staates und der öffentlichen Körperschaften nur zu Ueberpeiscn untergebracht werden können. Diese Praxis der Monopolisierung des Marktes und der Prositschneiderei auf Kosten der Abnehmer wird also jetzt munter weiterbetrieben— trotz Kartellbekämpsung und Kartellgericht. Von freier Konkurrenz und Preisabbau kann unter der gegenwärtigen Herrschaft der beiden Verbände— Fabrikantenkartell und Großhändlcrsyndikat— überhaupt nicht mehr die Rede sein. Wenn sich unter diesen Umständen kein„Außenseiter" findet, dessen Klageerhebung vor dem Kartell- gericht zu einer Sprengung des Verbandes führen müßt«, so darf dies nicht Wunder nehmen: die Macht der Verbände ist eben zu groß, um auch nur einen„Außenseiter" aufkommen zu lassen. So wird das Kartellgericht keinen Grund zum Einschreiten finden, und alles wird beim alten bleiben... Daß sich die Industrie bei dieser Art des Preiswuchers ins eigene Fleisch schneidet, sei nur nebenbei bemerkt. Gerade in diesen Monaten macht die Röhrenindustri« Belgiens, Frankreichs und Englands die größten Anstrengungen, um durch billige Preis- g e st a l t u n g den Absatz ihrer Produkte im Ausland und auch in der Inlandsindustrie möglichst zu steigern, mit dem Ziel, bei den bevorstehenden Derhandlungen zur Schaffung eines internationalen Röhrenverbandcs eine möglichst hohe B e- teiligungsquote durchzusetzen. Wenn die deutsche Röhren. industrie die Forderung der Stund« nicht erkannt hat, und durch starres Festhalten an Ueberweltmarktpreisen die Auslandskonkurrenz im Ausland wie im Inland übermäßig werden läßt, so wird sie sich in dem kommenden internationalen Kartell mit einer niedrigen An- teilszisser abfinden müssen. Das nennt man dann weitschauende ilnternehmcrpolitik! Sowjetreklame. Eine Wolff-Meldung:.Berlin. 10. Dezember. Au- dem D o n e z gebiet wird gemeldet, daß auf dem Hauptschacht des B u d- jemy-Bergwerkes«in Rekord für das gesamte Donez- decken aufgestellt wurde. Danach beträgt der Selb st tosten« preis für 1 Pud Koble 7 Kopeken". Ueberfchrift: Senkung des Selbstkoftenpreifes der Kohle in Sowjetrußland. Neugierig geworden, nimmt man den Rechenstift zur J)and und stellt nun fest, daß sich demnach 1 Tonne Kohle auf 3,18 M.— Selbstkostenpreis— gegen einen deutschen Berk a u s s- preis von rund 15 M. und einen um 2 bis 3 M. niedrigeren Weltmarktpreis stellt. Das ist ja kolossal! Diese Russen.....! Freilich: was besagt die Noti, nun praktisch? Sehr wenig! Wir wissen allerdings aus anderen Quellen, daß russische E x p o r i« kohle zu niedrigen Preisen seit einigen Monaten wieder aus� dem Weltmarkt erscheint und besonders in Südeuropa und in Tei en Asiens günstigen Absatz gesunden hat. Solange wir aber noch nicht wissen, wie die Selbst k o st e n b er e ch n u n g zustande ge- kommen ist. solange wir nicht hören, wie groß das Flöz ist, für das sich so besonders niedrige Selbstkosten ergeben, und jo- lange wir noch nichts darüber hören, daß nun auch die zu 90 Proz. stilliegend« russische Industrie selbst einen Vorteil von der„billigen" russischen Kohl« hat— solange werden wir auch gegen undurchsichtige Selbst- kosten- und Exportkalkulationen mißtrauisch bleiben müssen! Denn n'edrige Selbstkosten an einer kleinen Stelle, und niedrige Exportpreise, die ebensogut Verlustpreife sein können, sagen noch nichts aus über das Gedeihen der Gesamtwirtschaft, auf das es allein ankommt. Wer nach objektiven Maßstäben für die Leistungsfähigkeit der russischen Wirischast sucht, deren Gedeihen der deutschen Arbeiter- fchaft nicht gleichgült g ist— gerade der wird von so u n s a ch- lichen Methoden der Sowjetreklome sich abgestoßen fühlen. Reichsbank. Die erste Novemberwoche bracht« der Reichsbank nach dem Ausweis vom 7. d. M. die übliche Entlastung ihrer An- lagekondcn. Die gesamte Kapitalanlage ging um 72,8 auf 1822/) Millionen Mark zurück. Kreditrückzahlüngen von privater Seite sirck» in Höh« von 76.4 Mill. M. erfolgt. An Banknoten und Rentenbankscheinen zusammen stnd 103F Mill. M. zur Reichsbank zurückgeflossen. Der Banknotenumlauf nahm dement- sprechend um 36,6 auf 2734,3 Mill. M„ der Ilmlaus an Renten» bankfcheinen um 67,3 Mill. M. aus 1412L Mill. M. ab. Die Bs- stände der Reichsbant an solchen Scheinen stellen sich auf 133,2 Mill. Mark. Die fremden Gelder wuchsen im Zusammenhang mit den Zahlungsmittelrückflüssen um 44,2 Mill. auf 631,1 Mill. M. an. Di« Bestände an Gold und deckunasfähigen Devisen blieben nahezu unverändert. Die Deckung derRoten durch Gold allein hat sich vo 43,6 Proz. in der Vorwoche auf 44,2 Proz., die Deckung durch Gold und deckungs fähige Devisen von 58,1 auf 58,9 Proz. gebessert. Zur tage der Elühlampenind'istric. Die O s ro m G. m. b. H.. die gemeinsame Fobrikotivnsgesellschost der drei größten deutschen Glühlampenerzeugcr— AEG., Siemens u. Holck« A.-G. und Auer- Gesellschaft— hat, wie wir bereits meldeten, zur Erweiterung und Intensivierung ihrer Produktion in Amerika eine Anleihe von rund 20 Millionen Goldmork aufgenommen. Ans dem Prospeit zur An- leihe ergeben sich einige interessante Einblick« in die Loge der Gesellschaft. Danach beträgt da? Kommandstkopital 40 Millionen, die ollgemeine Reserve 10 Millionen. Umgerechnet in Einheitslampen von 110 Polt und 50 Kerzen wurden in dem am 30. Juni abgeschlossenen Geschäftsjahr 86,7 Millionen Einheitslampen erzeugt und 110 Millionen Einheitslampen vertauft, davon 59,5 Millionen in Deutschland und 50,5 Millionen im Ausland. Di« Vorräte sind in der Bilanz mit 21,08 Millionen bewertet. Don Juli bis September dieses Jahres steigerte sich der verkous gegen die entsprechenden Monate des Aorsabres um 35 Proz. Der Der- kaufswertderIahresproduktion betrug(ohne Steuern) 65 Millionen Mark. Beschäftigt waren am 1. Juli 1325 in den eigenen Betrieben rund 14O0O, In den Tochtergesellschaften rund 1650 Arbeiter und Angestellte. DieBilanzis« ausgesprochen aktiv. Forderungen, Vorräten. Bankguthaben und Kossenbe- ständen von rund 50 Millionen stehen Gläubiger von nur rund 15 Millionen gegenüber. Die Anleihe dient also oueschließlich Er. weiterunaszwecken(es soll die mechanische statt die bisher Hand- wcrksmäßige Herstellung der Glllhlampenkolben beabsichtigt sein). Beteiligt ist die Osram G. m. b. H. an etwa einem Dutzend Fabriten gleicher Art des In- und Auslandes. Hilgenbergs Forderungen für die tandbank. Die ursprünglich für Freitag, den 11. Dez«n>b«r, in Aussicht genommene Fortführung der Berhaudlungen über die Landbank ist unterblieben, da die zu- ständigen Stellen des Preußischen Londwirtlchastsministenums durch die Etatberatungen im Preußische» Landtag i» Anspruch genommen waren. Di« Landbankangelegenheit soll ober am Sonnabend. dem 12. Dezember, innerhalb des Ministeriums einer neuen Prüfung unterzogen werden. Geheimrat Hugenberg hotte ursprünglich für den Verkauf seiner Landbank-Akticn an den preußischen Staat einen K u r s v o ,i 3 P r o z. verlangt, er ist schließlich mit seinen Forde- rungen bis aus l Proz. heruntergegangen. Die amtlichen Stellen stehen, noch Informationen der„Sonjunktur-Korrefpondsn.)", auf dem Standpunkte, daß«in« R e g i e r u n g s h i l f e für die überschuldete Gesellschaft nur bei kostenloser Uebereigiiung des Hugenbergfchen Aktienpakets diskutabel Ist. Andernfalls könne man durch Neugründung einer Siedlung-bank den Siedlern billiger und besser Helsen. 0!e Gründung eine» Vrahlverbande». Di« am M'ttwoch in Frankfurt statlgefiintenen Berhaudlungen ,» Gründung eine» deuischen Drabtverbande» haben zur Unlerzeicknung ein-« aut 5 Jahre lonfeiiden VerbundSver trage» gessihrt. E» haben jedoch nickt alle Werke»nicrzeickn«,. Sist nock Veit i't der no» anßenltcheiib«» Weike tritt der Vertrag und damir de, Verband n Kraft. Der Beilritt bat bi» spöieflen« Ende l02S zu erfolgen. keine Stillegung de, Slickstosswerkes V>eslerih. Durch einen Teil der Presse ging in den letzten Tagen die falsch« Mitteilung, daß die großen Stickstoifabriken der Miiteldeuischen Stickstosswerke in Piesteritz wegen Absatzmangels unter gleichzeitiger Entlassung der Belegschaft stillgelegt werden sollen: tellwelse wurden sogar be- stimmte Tage sur die Stillegung angegeben. Von der Verwaltung wird mitgeteilt, daß eine Stillegung weder beabsichtigt ist noch üb-rhoupt in Erwägung gezogen wird, und daß auch von Entlassungen der Arbeitnehmer aus diesem Grunde keine Rede ist. JOH» -2i9Ätren fn ve/s5 Cn So�chfei � 5 Siil% " Änterhaitung unö A�issen Der anöere Noah. Von Wilhelm Schäfer. (Schluß.) In der Bürgerschaft hieß es. der Kurfürst fei krank, weil ihn keiner mehr ausreiten fah und weil die Dienerschaft nur noch flüsternd herum ging. Als es für wahr gesogt wurde, daß er den chosastrologen m einen Keller gcsperlk Halle, wo er ins Wasser der Spree, aber nicht mehr hinauf zu den Sternen zu sehen vermochte, heimiückisch an ihren Bahnen zu basteln: wurde es endl.ch gewiß, daß Unheil den Landesfürsten bedrohte. Was von der Furcht um die Sintflut noch in der Untertanenschast übrig geblieben war, ging in Gesprächen der Ungewißheit und Sorge um des Landeeherrn allerhöchstes Leben unheimlich um. Bis der Julitog auch im kur- fürstlichen Schloß an der Spree die Furcht in Fastnacht erlöste. E» war eme snihe Hitze gekommen, und das Walser stank in den Straßen. Am Morgen hing ein staubiger Dunst über der Stadt, daß die Sonne nicht durchkonnte, und am Nachmittag kam ein Gewitter. Als seine graue Wand sich aushob im Westen, düster und beharrend in der leblosen Luft und nur selten grollend, wie wenn es lange dauerte, bis sich die oösen Mächte zum Angriff ge« sammelt hätten— auch in der Bürgerschaft bangten manche vor Unheil— taten sich eilig die Schloßiore aus und heraus rasten die Karosien: der dicke Kurfürst zuerst und allein, dann die Kurfürstin mit ihren Frauen, danach die Prinzen und endlich die hohen Be- cmten des Hofes, zuletzt die Staatskasse in sieben stahlbeschlagenen Truhen. Die Reitknechte hieben die Rosie, und die Röder spritzten den Staub und die Steine gegen die Häuser. Die Bürgerschaft sah eine wohloorbereitet« Flucht und wußte nicht, wo der Feind war- viele begannen, das Ihre zu raffen, und Frauen weinten um ihre verlaufenen Kinder, bis nach einer Stunde die Nachricht aufkam, daß der Kurfürst mit seinem Hof auf dem Kreuzberg säße, die Sintflut zu erwarten, die noch selbigen Tages neu angesagt wäre. Do mußte die Bürgerschaft sehen, wie der Landesherr allein an sich dachte, an die Seinen und das Seine, wie er gesichert auf feinem Ararat faß, und sie sollten in ihren Häusern ersaufen. In das blast« Entsetzen, sich noch zu retten, kam der Zorn über den treulosen Hof; schneller, als der neue Noah aus der Wagenburg feiner Arche die Wolkenwand ankommen sah, ergoß sich ein Strom vrn Flüchtlingen hinter ihm her. so wild den Sreuzberg um. brandend, daß der Kurfürst sein demütiges Volk nicht wieder er. kannte. Er mußte die Reitknechte aufsitzen lasten gegen die drohende Menge und gegen die Steinwürfe mutwilliger Knaben. Aber der Wogenburg fehlten die steinernen Mauern-, auch war sie kein Schiff, auf' den kommenden Fluten von hinnen zu fahren. Als der Himmel zu regnen begann mit klatschenden Tropfen und die Wolkenwand hoch übergcbeugt stand, bereit, ihre Kübel über die Stadt und das verlorene Land auszugießen, da mußten die Herren und Frauen des Hofes erkennen, daß der vermeintliche Arorat ihrer Rettung vielmehr ihr sicherer Untergang war; denn ehe die Tau. f.-nde rundum«rfäuft wurden kam ihr« Todesangst über die Wagen» bürg hoch. Indessen der Regen stärker zu rauschen begann, krochen tn« Herrschaften kn die Karossen, frierend vor lltässe und bleich vor Angst: nur d e Reitknechte hockten auf ihren Pferden und sahen nicht aus, als ob st« das kommende Unheil abwehren könnten. So gab der kurfürstliche Hos auf dem Sreuzberg. die Sintflut der Untertanen nicht minder erwartend als die des Himmels, der Menschheit kein schönes Bild: der Kurfürst ollein in seinem Wagen, blaß und tückisch vor Furcht und ohnmächt'gem Zorn, rundum die Herren und Frauen de« Hofes, von frierenden Reitknechten bewacht. Die ihr Volk feig und tückisch zu verlosten gedachten, saßen durch ihre treulose Flucht erst recht mitten drin. Dach war es dem Himmel genug mit diesem närrischen Gleichnis; als er sie alle einyenäßt hatte, auch die in den Wagen, well der Wind das Waster durch die Ritzen hinein stäubte und die ledernen Dächer zu rinnen begannen, fing die Wolkenwand an zu Begehen: erst kam ein blaues Loch gegen Süden, dann stng der Sonnenschein an, durch die löcher gen Wände zu gleißen, und war wie ein helles Gelächter über die törichten Menschen. Die da froren, wurden der nasten Kleider und kalten Füße ver. drießlich, und die noch eben voll dumpfer Wut waren, das Unheil erwartend und tückisch bereit, sich zu rächen, fingen an. die Näste aus ihren Kleidern zu schütteln. Die Reitknechte konnten die Raffe kaum hallen, die ein gleiche« zu tun. unruhig wurden; und weil mit fedem Strahl, den die Sonne herabsandte, die Lächerlichkeit dieser Menschenversammlung auf dem Kreuzberg deutlicher wurde. fing der Spott an. aus der Beschämung Schlupflächer zu suchen. Die meisten der Bürgerschaft strebten zurück in die Stadt, nach lbren töricht verlasienen Dingen zu sehen; nur die Spaßvögel blieben, und die aus dem Unrat noch etwas zu gewinnen ge- dachten. Als der Schein des Abends sich Immer voller ergoß, als rundum da« Land und die blinkenden Gewässer, die Kiefernwälder, Sandselder und Dächer der Stadt in« golden« Abendrot eingetaucht waren statt in die Schrecken der Sintflut, war eine wilde Lustigkeit um die Karostcn de« Hofe«, der die Reitknechte mtt ihrem nassen Leder kaum zu begegnen vermochten. Da der mißglückte Kurfürst nicht ausstieg, mußten die Herren und Frauen des Hofes auch in den Wagen bleiben, so ungeduldig sie waren und auch wohl ängstlich, und so sehr sie sich schämend. derar« auf dem Kreuzberg zu sitzen. Indesien der dreisten Spaß. vogel und auch bedenklicheren Gestatten, die stets In solchen Stunden zur Hand sind, sich immer mehr an dl« Wogen heran drängten saß der Kurfürst blaß und verbissen in seinem Leder, und keiner war mutig genug, ihn zum Aufbruch zu mahnen, bi, die Kurfürstin Elisabeth emon verwegenen Einsall hatte: Rettet den Kurfürsten' rief sie den Reitknechten zu. al, ob sie wirklich Angst um ihn hätte. Nun aber wollte der Himmel auch noch ein Wort sagen: wie eine feurige Kugel warf die zergehend« Wolke noch«inen vergessenen Blitz auf den Kreuzberg. mtt einem Knall, lauter al» die P stole. da der Kurfürst aus den Sterndeuter schoß; und diesmal fiel er wirklich in Ohnmacht. Als ob sie fliehen könnten einer G-f°hr. die dennoch vor. über war. fingen die Reitknecht- an. wild aus die Pferde zu schlagen. Wieder wie auf der Flucht rasten die schw»«, Sarosten davon; aber nun wußte die Bürgerschaft bester, wem ste da« seltiome Schauspiel verdankt«, und manch« Verwünschung scholl hinter dem Lande». Herrn her. spöttischer Zuruf und auch«in paar steine verfolgten den Kurfürst, der allzu sorglich an seine eigene Rettung gedacht hatte und seine Untertanen der Sintflut überließ. Doch weil die Berliner schon damals mehr dreiste Maulhelden als bösartig waren, kam der Kurfürst durch all ihre» Spott und Zorn mtt seinen Karosten unbeschädigt ans Tor und konnte sich in fein düsteres Schloß an der Spree retten: nur der W tz hing ihm an. daß die Berliner den Kreuzberg seitdem den Arorot hießen und die Arche Noahs sein Schloß. Der Sterndeutel aber mutzte lange im Keller sitzen, ehe der Kurfürst ihn wieder erhöhte: Daß er ihm wieder die allerhöchsten Sterne zurecht dreht! sagte ein Witz- bald: aber dem Untertan scheinen sie nicht; der sitzt im Keller. Sonnen, öie zerplatzen. Das Rätsel der neuen Sterne gelöst. Bon dem Direktor der La-Plata-Sternwarte in Buenos Aires, Professor I.Hartmann. ging bei der Astronomischen Zentralstelle in Kiel folgendes Telegramm ein:„Novo-Problem gelöst. Siern bläht sich aus. zerplatzt/ Obwohl die nähere Begründung der Hart- mannschen Theorie noch abzuwarten ist, genügt diese zwar kurze. aber an Deutlichkett nichts wünschen übrig lastende Mitteilung docb schon, um einen Vergleich der in Rede stehenden Theorie mit früheren Versuchen einer Erklärung der Entstehung neuer oder temporärer Sterne(Novae) vorzunehmen. Bei der großen Zahl Geht betteln! .Mr wollen ja gerne hungern, die Hauptsache ist. daß Herr Schiele seine Pension pünktlich kriegt/ solcher ErNärungsversuche können hier natürlich nur die wichtigsten und diese auch nur in knapper Forin einer Betrachtung unterzogen werden: es wird sicb aber daraus ergeben, ob die von Hartman» aufgestellte Theorie oe» Aufblähens und Zerplatzen« der als Novae aufleuchtenden Sterne grundsätzlich etwas Neues bietet oder nicht. Da vor Anwendung der Spetirolanolyfe aus die Himmelskörper eine Wissenschaft der Astrophysik nicht möglich war, scheiden auch alle früheren Theorien der Nova-Entstehung als unbrauchbar von selbst aus. Bon den auf dem Baden der neuen Wissenschaft stehenden, ernst zu nehmenden Hypothesen fand nun zunächst die von dem Sonnenphysiker Zöllner 1862 veröffentlichte Beachtung. Zöllner nahm an. da« Aufleuchten einer Nova rühre davon her. daß auf einem bereits weit in seiner Entwicklung fortgeschrittenen Gestirn die durch Abkühlungsprodukte schon gebildete dünne Umhüllung durch innere Störungen zerreiße und die hervorbrechenden un- geheuren Protuberanzen den starken Lichtausbruch herbeisllhren. Auf diese Weise losten stch zwar die durch dos Spektroskop gewon- nenen Peobachtungsergebnisse zum großen Teil erklären, nicht aber die beispiellose Gewott der Katastrophe, die einen Stern oft inner» halb eines Tage» um das Zehntausendfache und mehr Heller werden läßt al» zuvor. O. Löhs« dachte stch den Borgang als eine chemische Reaktion. Wenn ein schon von einer dichten Atmosphäre umgebener Welt- körper durch weitere Wärmeausstrahlung den Grad der Abkühlung erreicht, der zur Bildung der seine Hauptmaste ausmachenden chcmi- schen Verbindungen notwendig ist, so wird durch die Vereinigung dieser Elementarstoffe eine so bedeutende Wärme entwickelt, daß der vorher ganz oder säst ganz unsichtbar« Körper für kürzere oder längere Zeit wieder sichtbar wird. Wie schon andere vor ihm, so entschied stH auch H. E. V o a e l bei dem Erscheinen der Nova Aurigae l8!)2 für den Zusammenstoß zweier Welttörper als Ursacke des starten Ausleuchtens. Durch den heftigen Anprall wird eine so hohe Wärme erzeugt, daß die ganze oder nahezu ganze Masse der beiden Gestirne in stärkste Glut gerät und vergast. Obwohl diese Schlußfolgerung richtig ist, wider- spricht der Theorie die schnelle Abkühlung der neuen Sterne nach dem Aufleuchten: überdies ist ein Zusammenstoß großer Wellkörper durchaus unwahrscheinlich, wenn nicht überhaupt unmöglich. Eben- falls durch da» Erscheinen der Novo Aurigae kam H. Seeliger aus den Gedanken, daß zeitweilig ein Stern in ausgedehnte kosmische Wolken staub- oder gasförmiger Natur eintreten und in diesen, ähnlich den in unsere Atmosvhär« gelangenden Meteoren, durch den Widerstand in hohe Glühhitze versetzt werde, gleichzeitig auch den benachbarten TeU jener Wolken zum Glühen bring«. Ob aber die außerordentlich geringe Dichte der kosmischen Staub- oder Gas- wölken genügen würde, die Temperatur eine« großen Weltkörpers in so kurzer Zeit, wie bei den meisten neuen Sternen beobachtet worden ist. dermaßen zu steigern, mag dahingestellt bleiben, zum mindesten ist«» zweiselhoft. Settage öes vorwärts In einer von den angeführten Theorien abweichenden Weise führte A. S t e n tz e l bei Gelegenhett des Aufleuchtens der Nova Lacertae 1910 die Entstehung eines neuen Sternes auf eine durch übermäßigen Gravitationsdruck herbeigeführte Zersetzung(Dis- soziation) der Gesamtmasse des Gestirns, also auf einen Explosions- Vorgang höchster Ordnung zurück. Wie schon auf unserer Sonn« die Strahlungsintensität den riesigen Gravitationsdruck(28mal größer als auf der Erde) kaum mehr auszugleichen vermag, so daß wir eher noch eine Zunahme als eine Abnahme der Sonnenwärme annehmen dürfen, wird diejet Zustand auf vielen Gestirnen bereits überschritten sein. Ist nun ein großes Gestirn in der Entwicklung so weit fortgeschritten, daß die Strahlungsenergie den Gravitations- druck nicht mehr auszugleichen vermag, dann wird die bis dahin ruhig verlaufene Bildung der Elemente durch allgemeine Schwere und chemische Affinität plötzlich unterbrochen; es tritt ein Rückschlag in den Zustand der Dissoziation ein, das Gestirn erplodiert, zerplatzt. Das Vorhandensein eines übergroßen inneren Druckes bei Nova- Erscheinungen hoben Humphrey und Möhler, Wilsing und Hole zweifelsfrei nachgewiesen. Nach Stentzel besteht die Wahrscheinlich- teit, daß die meisten Fixsterne einmal, vielleicht sogar wiederholt, dieses Explosionsstadium durchlaufen müssen, und daß möglicher- weise auch unserer Sonn« in serner Zutunst das Schicksal des Welt, brande» beschieden sein wird. Gegner des Wrihnachlsseste». Nicht immer war da» Weihnachts» fest so volkstümlich wie heute, sondern es gab Zeiten, in denen dieses Fest sogar lehr heftige Gegner hatte. Und besonders waren es Geistliche, die die Einrichtung des Christfestes bekämpften. Diese Gegnerschaft trat im 17 Iah: hundert besonders heftig in England hervor, sie mochte sich aber auch in manchen Ländern des euro- päischen Kontinents bemerkbar. So hatte sich tm Jahre 1618 die Synode zu Dortrecht gegen die Weihnachtsfeier ausgesprochen, und in Genf war im 17. Jahrhundert eine Zeitlang die Abhaltung von Weihnachtsfeiern gänzlich verbaten. Eine Versammlung von Lon- donsr Theologen sprach im Jahr« 16 G nur mtt knapper Mehrheit und nach einem heftigen Disput sich für dis Anerkennung des Weihnachtsfestes aus, doch kehrten sich viele Theologen nicht an diesen Beschluß und hietten die Kirchen am Weihnochtstage verschlossen. In besonderer Weise ciserten in England die Puritaner oegen das Weihnachtsfest, einmal, weil sie überhaupt gegen das Feiern von Festen waren und noch mehr, weil sie aus vielen Bibel- stellen behaupten zu können glaubten, daß Weihnachten nicht als ei» christliches Fest angesehen werden kann«. E» wurden auch Schriften versaßt, in denen die Verwerflichkeit der Weihnachtsfeiern dar- zulegen versucht wurde. Diesem Streit machte dann ein Beschluß des sogenannten Longen Parlaments unter Eromwell ein Ende, in dem das Weihnachtsfest verboten wurde. Dies war im Jahre 1652. Unier dem 24. Dezember dieses Jahres berichtete eine kleine, damals in London erscheinend« Zeitung folgendes:..... bevor es auseinander ging(nämlich dos Parlament), wurde noch eine Mtlge Vorstellung gegen den Weihnachtsseiertag eingereicht, welche sich aus die heilige Echrist gründet, besonders aus(folgen zedn Bibelstellen), wo Weih- nackten de« Aittichrist» Messe genannt wird, und diejenigen, welche es feiern, Meßkrömer und Papisten... Info'gedesten beratscklagte das Parlament noch einige Zeit über die Abjchoffung des Weih- nacktsfeiertage», erließ in diesem Sinne Befehle und beschloß, am nächsten Tage, der allgemein der Weihnacktsfeiertng hieß. Sitzung zu halten." Wann dieses Verbot in England wieder aufaeboben wurde, ist nicht bekannt. A. M. Au« der Geschlchke der Hyazinkhe. Di« Hyazinthe stammt au» den Steppen Westassen». Po» dort wurde ste nach Aleinasien und Griechenland gebracht, wo sie verwilderte. Nur selten wird dt» Blume in allen Schriften genannt, und ste scheint nur ausnahm?- weise in griechischen Gärten gepflegt worden zu sein. Sie wurde erst durch die Zucht der Türken und Araber bekannt, und man hiell sie als beliebte Zier in den Gärten von Aleppo und Konstan- tinopel. In der Mitte des 18. Jahrhunderts brachten die Holländer die Blume in ihr Land. Durch sorgfältige Pflege und Veredelung erzeugte man die wunderbarsten Farben: vom tiefsten Purpur bis Kirmin und Rosa, von fast schwarzen bis zu tief dunkelblauen Blüten, aber auch von Gelb und Orange bis zum schimmernden Weiß. Mtt der Zeit machte die Hyazinthe der vorher so geschätzten Tulpe den Rang streitig. Haorlem war der Mittelpunkt der Hya�aithenzucht. Allmählich züchtete man neue Spezialitäten mit zwei- und dreifach gesülllen Blüten von großartiger Pracht. Sollte eine neue Varietät einen Namen erhalten, so wurde ein feierliche» Tausseft veranstaltet, zu dem man Freunde und Bekannte und di« Einwohner des Ortes einlud, und bei dcm man keine Kosten sparte. Man konnte es sich leisten, denn das Geschäft war äußerst einträglich. Erst nach langer Zett erhielt die holländische Hyazinthen kultur einen Nebenbuhler in Berlin, wo sich der märkische Sandboden ol» vorzüglicher Kutturgrund erwies. Ein au» Frankreich eingewon- derter Gärtner namens David veranstaltete im Jahre 1746 eine Hyazinthenausstellung in Berlin und daraus kam die Blume in die Mode. In den Wirren der napoleonischen Kriege trat dann ein Rückschlag ein, und erst die beiden Söhne David» konnten das vom Vater begonnene Werk vollenden. Ihre Kullurcn, die mitten tm Gebiet« der heutigen Weltstadt lagen, gehörten einst zu den größten Berliner Sehenswürdigkeiten. Um das Iabr 1850 stand die Hyazinthenkultur Berlins auf ihrem Höhepunkt. Vor dem Schlcsischen Tor war ein Gebiet von 600 Ar vollständig mit Hyo- zinthen bedeckt— im ganzen 4S Millionen Stück. Später wurde der Vorort Britz im Süden der Stadt der Mittelpunkt der märkischen Hyazinthenkullur. Sprechen die Zndianer chinesisch? Neues Licht über die Ab- stammung der amerikaiüschen Indianer will der kanadische Profesior Edward Eapir durch sprachgeschichtliche Forschungen verbreiten, die er in dem„Science News Bulletin" veröffentlicht. Er ist zu der lleberzeugung gekommen, daß die Sprache gewisser indianischer Stämme mit den älteren Formen des Chinesisch übereinstimmt. Dadurch würde auch die Annahme unterstützt werden, daß die Chinesen die ersten Entdecker Amerikas waren. Eine genaue Ver- gleichung des ältesten Chinesisch. Siamesisch und Tibetanisch, die alle derselben Sprackgruppe angehören, mit der Sprache der„Na- dine-Gruppe" von Nordamerika zeigt, daß dieselben Eigenarten in der phonetischen, grammatischen und wortbildenden Struktur der Sprächen auf beiden Seiten des Stillen Ozeans zu finden sind. Die amerikanischen Indianer, die di« Sprache der Nadine-Grupp« sprechen, finden sich in allen Teilen Nordamerikas vom nördlichen Mexiko bis zur Südgrenze von Alosko. Mit kleinen Veränderungen haben die Navajos von Neu-Mexiko dieselbe Sprache wie die Sor, Hees in Alberto, und der Sprachchorakter der Tlinkit. die südlich von den Eskimos in Alaska wohnen, ist ungefähr derselbe, wie bei den Hupa in Kalifornien. Nach Sapir ist es wahrscheinlich, daß die Einwanderung von Asiaten, die da» älteste Chinesisch oder Tibetanisch sprachen, in einer fernen Vergangenheit erfolgte und daß diese Ein- wanderer sich allmählich überall im Lande festsetzten. Aus dcm mo- dcrnen Chinesisch, das für verhältnismäßig einfach anzusehen ist. haben Sprachforscher das primitive Chinesisch rekonstruiert, und daraus eist ließ sich die Derwondtschast feststellen. Sapir entdeckte nicht nur, daß die Indianer der Nadine-Gruppen die Bedeutung gewisser Worte durch Nuancen der Betonung im Heben und Senken der Stimme angeben, wie es im Chinesischen der Fall ist, sondern daß auch die Bedeutung einzelner Worte identisch Ist. DI« Indianer haben noch einige Präfixe und Suffixe in Ihrer Sprache bewahrt. die aus dem Chinksischen längst verschwunden sind, aber« de» älteren Formen noch erkennbar sind. Herren Bekleidung HerrenWinterulster Imittelfarbiger Ulsterstoff, I refhige moderne Form, mit Rückengart 38004500 Gesellschaftskleidung Herren- Anzüge 8800 10500 ( Frack, Smoking, Gehrock and Cutaway in reichhaltiger Auswahl & Ritzaus besten blauen Kammgarnstoffen, erstklass, in Sitz u. 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