Ne. 590 42. Jahrg. Ausgabe A nr. 301 Bezugsvreis: 988chentlich 70 Bfennig. monafid 8.- Reichsmart Doraus zahlbar. Unter Rreusband für Deutschland, Danzia. Saar- und Memelgebiet, Lefterreich. Litauen. Luxemburg 4,50 Reichsmart, für das übrige Ausland 5,50 Reichsmart pro Monat. Der Borwärts mit der Sonntags beilage Bolt und Reit" mit Gieb. lung und Kleingarten fowie der Beilage Unterhaltung und Wissen und Frauenbeilage Frauenftimme erfcheint mochentäglich zweimal, Sonntags und Montags einmal Telegramm- Abrene: .Sozialdemokrat Berlin Morgenausgabe Vorwärts Berliner Volksblatt 10 Pfennig Anzeigenpreise: Die einfpaltiae Nonpareille. seile 30 Biennia. Reflamezeile 5. Reichsmart. Kleine Anzeigen bas fettgebrudte Bort 25 Brennis ( zuläffia zwei fettgebrudte Borte, febes weitere Wort 12 Bfennig. Stellengefuche das erfte Wort 15 Bfennig. tedes weitere Wort 10 Bfennig. Worte über 15 Buchftaben zählen für zwei Borie. Arbeitsmarkt Reile 60 Brennig. Familienanzeigen file Abonnenten Beile 40 Bfennia. Anzeigen für die nächste Summer müffen bis 4 Uhr nachmittags im Sauptgeschäft. Berlin SB 68, Linden. trake 3, abaegeben werden. Geöffnet von 8% Uhr früh bis 5 Uhr nachm. Zentralorgan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands Redaktion und Verlag: Berlin SW. 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Dönhoff 292-297. Dienstag, den 15. Dezember 1925 Koch verhandelt. Heute Besprechung der Fraktionsführer. Abgeordneter Dr. Aodh hatte gestern miffag 1 Uhr mit den Genoffen Hermann Müller, Diffmann und wels eine erste Befprechung gehabt, nach einer Sigung des fozialdemokratischen Frattionsvorstandes gestern abend eine zweite Besprechung. Heute nachmittag wird eine Verhandlung der Führer der für eine große Koalition in Betracht kommenden Parteien stattfinden. Das Nachrichtenbureau des Bereins Deutscher Zeitungsverleger meldet, daß Dr. Koch ein Arbeitsprogramm ansarbeiten und bei dieser Befprechung vorlegen werde. Auch Reichsarbeitsminister Brauns werde an der Besprechung teilnehmen. * Wir wünschen für den Versuch, ein Arbeitsprogramm zu finden, das Sozialdemokratie, Mittelparteien und Deutsche Bolkspartei akzeptieren können, volle Klarheit und Aufrichtig feit. Bereits in der ersten Besprechung zwischen dem Reichs präsidenten und Hermann Müller hat Müller dargelegt, daß in der sozialdemokratischen Reichstagsfraktion fehr starte Be denten gegen ein Zusammengehen mit der Volkspartei in der Regierung beftünden. Don feineswegs grundsätzlicher Bedeutung eine Einigung über das sozialdemokratische Programm zustandekommen soll, ist im Augenblid unerfindlich." Die Rölnische Zeitung" und die Tägliche Rundschau" bemühen sich mit solcher Ausführung, noch vor dem Beginn der offiziellen Verhandlungen das sozial demokratische Programm nach Möglichkeit schon abzubauen und Stimmung für ein Abhandeln zu machen. Die sozialdemokratische Reichstagsfraktion münscht volle Klarheit bei diesen Verhandlungen auch von der anderen Seite. Sie hat ein Programm aufgestellt. Dieses Programm ist von der demokratischen Presse und der Presse des Zentrums als maßvoll anerkannt worden. Reichstagsfraktion hat keine agitatorischen Forderungen auf Die sozialdemokratische gestellt, sondern hat ihr Programm mit Absicht maßvoll ge halten. Es ist aber auch ihre Absicht, ihr Programm mit Entschiedenheit zu vertreten, und es ist nun an den anderen Parteien, mit voller Klarheit Stellung dazu zu nehmen. Kochs Verhandlungen. Seither ist nicht eine einzige Tatsache zu verzeichnen gewesen, die diese Beenen hätte aus dem Wege räumen fönnen. Die Haltung der bürgerlichen Parteien bei der EntScheidung über die Erhöhung der Erwerbslosenunterstügung hat nicht die Absicht erkennen lassen, auf die Forderungen der Sozialdemokratie für die Erwerbslojen einzugehen. Die Breffe Sozialdemokratie für die Erwerbslosen einzugehen. Die Breffe der Volkspartei bemüht sich, das Programm der sozialdemo Pratifchen Reichstagsfraktion als unannehmbar zu bezeichnen. fratischen Reichstagsfraktion als unannehmbar zu bezeichnen.tagsfraktion veröffentlichten Arbeitsprogramm nun Stellung Die Kölnische Zeitung" schreibt in ihrer Sonntagsausgabe: Es hat sich gezeigt, daß die Sozialdemokratie nicht gewillt ist, thre agitatorischen Forderungen mit dem Maßstab der vorhandenen Reichsmittel zu meffen, indem sie in ihren Anträgen zur Erwerbslojenunterstügung über dasjenige hinausging, was der Reichskanzler Dr. Luther als bas höchste Maß hinausging, was der Reichskanzler Dr. Luther als das höchste Maß des für die Reichsfinanzen Erträglichen bezeichnete. Auch in der Frage der Erhöhung der Beamtengehä L. ter flafft ein offener 3 miespalt zwischen Reichsregie. rung und den lintseingestellten Parteien, da die Regierung der allgemeinen Erhöhung der Beamtenbezüge, die am geftrigen Abend der Hauptausschuß des Reichstags beschlossen hat, cus wohlerwogenem Berantwortungsgefühl zuzustimmen nicht in der Lage ist. Wie angesichts dieser Meinungsverschiedenheiten in Fragen Loucheurs Stellung schwer erschüttert. Die Finanzfommission lehnt sein Programm ab. Baris, 14 Dezember.( Eigener Drahtbericht.) Die F1nansfommiffion der Kammer hat es heule abend mit 15 gegen 6 Stimmen abgelehnt, in die Disfuffion der Hauptvorlage des Coucheutschen Finanzprogramms einzutreten, die die Schaffung von 8 Milliarden neuer Einnahmen zum Ausgleich des Budgets fordert. Der von Renaudel gestellte Antrag lautete auf einfache Zurüdverweihung des Geschentwurfs an die Regierung. Die Kommission hat sodann mit 16 gegen 9 Stimmen einen Antrag des Genoffen Vincent Auriol angenommen, der die Bereitschaft der Kommission erklärt, mit dem Finanzministerium zu-. fammenzuarbeiten zum Zweck der Aufstellung eines neuen Sanierungsprogramms auf der Basis der von diesem eingebrachten Gefeßentwürfe betr. die Steuer- und kapitalflucht, die Konsolidierung der Renten und die Umwandlung der Inhaberpapiere in Namenspapiere. Trotz der Brücke, die die Kommission mit der Annahme des Untrages Auriol dem Finanzminister Coucheur bietet, gilt deffen Position als schwer erschüttert. Die Locarno- Verträge in Genf eingereicht. Die Erledigung des bulgarisch- griechischen Konflikts. Genf, 14. Dezember.( Eigener Drahtbericht.) Der Bölfer bundsrat schloß am Montag vormittag die Beratungen über den griechisch bulgarischen Konflikt ab. Der Bericht Chamberlains folgte durchweg demjenigen der Untersuchungsfommiffion. Der Grundgedanke ist, daß fein Staat, auch wenn er sich dazu berechtigt glaubt, mit Waffengewalt vorgehen darf, Ueber die Berhandlungen des Reichsministers a. D. Roch mit den Parteien, die für die Bildung der Großen Koalition in Frage kommen, erfährt das Nachrichtenbureau des Bereins Deutscher Beitungsverleger: Die Sozialdemokraten verlangen, daß die anderen Bartelen zu dem von der sozialdemokratischen Reichs nehmen. Die Vertreter der Deutschen Boltspartei erflärten, daß sie bereit seien, an den Berhandlungen unter der Führung Kochs teilzunehmen, daß fie aber hinsichtlich des Programms der Sozial demokraten manche Bedenken haben. Die Vertreter des 3 en trums jagten dem Abg. Koch ihre Unterstüßung zu. Auch die Bayerische Boltspartet erklärte sich bereit, bei den behielt sich vor, ein etwaiges Ministerium Rod von Fall zu Fall zu Berhandlungen mitzu wirken. Die Wirtschaftliche Bereinigung unterſtügen. Die Stellung des Zentrums. # Der Fraktionsvorsitzende des Zentrums, Fehrenbach, batte gestern abend eine Unterredung mit dem Vorsitzenden der Fraktion der Deutschen Volkspartei, Dr. Scholz Fehrenbach erklärte in diefer Unterredung, daß sich das Zentrum an feiner Regierung außer der Großen Koalition beteiligen werde. garischen Mazedoniern sollen die beiden Regierungen fofort in Unterhandlungen treten und dem Bölkerbundsrat vor seiner nächsten Tagung darüber berichten. Die Bertreter der beiden Regierungen, Ralfoff und Rentis, erflärten zur Entscheidung des Rates ihre Zustimmung, wobei der griechische Delegierte eine versteckte Anfpielung auf die Korfu Affäre machte, bei der sich der Völkerbund bekanntlich zum Schuße der Griechen weniger start gezeigt hat. Die bereits von Chamberlain bargelegte prinzipielle Bedeutung der Entscheidung murde von Baul Boncour noch besonders unterstrichen, während der Borsitzende Scialoja hervorhob, daß feine der beiden Parteien als Berurteilte, sondern 3 beide als Ausgeföhnte aus den Verhandlungen hervorgehen. # Völlig unerwartet nahm dann Chamberlain das Bort, um in feierlicher Ertlärung die fünf Locarno Berträge dem Bölferbund zur Aufbewahrung zu übergeben. Dabei wies er auf deren Bedeutung für die allgemeine Friedenssicherung hin und betonte, daß bisher in der Richtung zum Frieden zu wirken vermöge. Paul Boncour übergab seinerseits die beiden dazu gehörigen Berträge Frankreichs mit Polen und der Tschechoslo. und verlas eine Depesche Briands, ber seine Abwesenheit entschuldigte und ebenso wie Chamberlain auf den Eintritt Deutschlands in den Bölkerbund hinmies. Der Reihe nach sprachen dann sämtliche Mitglieder des Böllerbundsrates im gleichen Sinne, wobei Benesch den Eintritt Deutschlands in den Bölkerbund als die Einleitung einer neuen Entwidlungsepoche des Deutschen Reiches beder Bölkerbund nach dem Eintritt Deutschlands noch besser als wafei dem Bölkerbundsrat zeichnete. Borbereitung der Wirtschaftskonferenz. ohne sich an den Bölkerbund zu halten. Im anderen Falle muß er ten angerichteten Schaden bezahlen. Die Einwendung Griechenlands, baß seine Regierung über die ihm auferlegte Entschädigung von zu- Genf, 14. Dezember.( Eigener Drahtbericht.) In einer geheimen fammen 30 Millionen Lewas nicht angehört worden sei, wurde da Sigung hat der Bölferbundsrat am Montag die Einfeßung durch für hinfällig erklärt, als auch die bulgarische Regierung des vorbereitenden Komitees für die einzuberufende barüber nicht befragt morden war. Die Kommission mußte so vor internationale Wirtschaftstonferez endgültig be gehen, um in der ihr zur Verfügung stehenden kurzen Zeit mit der schlossen. Das Komitee wird aus etwas über 20 Mitgliedern zu Untersuchung und der Berichterstattung fertig zu werden. Ueber die fammengefeßt werden, welche in der Eigenschaft als Sachver Maßnahmen zur Berhinderung ähnlicher Zwischenfälle in der Zuständige und nicht als Bertreter ihrer Länder zu fungieren haben. funft einigten sich die Vertreter Griechenlands und Bulgariens Die Bertreter des Internationalen Arbeitsamts, zwei Intereinander mit einigen fleinen Kenderungen auf die Kommiffions Arbeitgeber und zwei Urbeitnehmer, merden durch den Berwaltungs Dorfchläge. Für eine Neuregelung der Ausmanberung von bul- rat bes Arbeitsamtes bestimmt werden. Vorwärts- Verlag G.m.b. 5., Berlin SW. 68, Lindenstr.3 Boltscheatonto: Berlin 37 536 Bankfonts: Bank der Arbeiter, Angestellten unb Beamten, Wallstr. 65; Diskonto- Gesellschaft, Depofitentaffe Lindenstr. 3. Wirtschaftskrise/ Sozialpolitik. Ein Beitrag zum Arbeitslosenproblem. Auf der Industrietagung des vergangenen Jahres hielt der Borsitzende der Vereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände, Ernst v. Borsig, ein Referat: Industrie und Sozialpolitik. Er erklärte, daß die Industrie die Notwendig feit der Sozialpolitik unbedingt anerkennt, fich nach wie vor bekennt und an ihr positiv mitzuarbeiten bereit ist". aus voller Ueberzeugung zu einer gesunden Sozialpolitik der Unterstützungsfäße für die Erwerbslosen erinnern lebDie Verhandlungen des Reichstags über die Erhöhung haft an diese gesunde" Sozialpolitik. Es ist die gleiche Kurzfichtigkeit privatwirtschaftlichen Denkens, bie, wie in allen Fragen der Sozialpolitit, so auch hier zutage trat. Mit den demokratischen Fraktion auf Erhöhung der Unterſtügungsoberflächlichsten Argumenten wurde die Forderung der fozial fäge um 50 Broz. abgelehnt. Man bestritt nicht die ungeheure einem Appell an die Tränendrüsen, nicht jedoch zu ernsthafter Not der Erwerbslosen. Aber es reichte eben doch nur zu fozialer Hilfeleistung. beweisen sollten, daß die sozialdemokratische Forderung un Zwei Argumente wurden insbesondere vorgetragen, die durchführbar ist. Die alte Behauptung von der unerträglichen sozialpolitischen Belastung der Wirt fchaft, die ihre Gesundung verhindere, wurde wieder vorgetragen mit der Bariante, daß die Reparationsleistungen eine weitere Steigerung dieser fozialpolitischen Laften aus schließen. Es ist das eine alte Unternehmerweisheit, die durch ihre Biederholung feineswegs richtig wird. Die Behauptung, daß Deutschland höhere foziale Laften wie alle anderen England sind nicht nur die Unterstügungssäge für die Ertapitalistischen Staaten zu tragen habe, stimmt eben nicht. In werbslosen wesentlich höher wie in Deutschland, auch die Gefamtbelastung Englands für Erwerbslose macht ein Viel faches von der Deutschlands aus. Das gilt jedoch nicht nur von der Erwerbslosenunterstüßung. Auch die Lohnhöhe in England überragt bei weitem die deutsche Lohnhöhe. Und auf den Artikel von Dr. P. Barandot in der Zeitschrift der was die Arbeitszeit anbelangt, fo braucht man ja nur Bereinigung der deutschen Arbeitgeberverbände ,, Der Arbeit geber" hinzuweisen, in dem ausgeführt murde, daß in Eng land, dem Lande des geheiligten Wochenendes, die Arbeits zeit meniger als 48 Stunden pro Woche betrage. Der Hinweis auf die Reparationsleistungen ist ebenfalls erfordert nach einer Darstellung G. D. H. Coles in der Genicht stichhaltig. Die Verzinjung der englischen Staatsschuld sellschaft" vom Juni 1925 acht Milliarden Goldmark im Jahre, während die deutschen Reparationsleistungen erst im ersten Normalreparationsjahr 1928/29 die Summe von zweieinhalb Milliarden Goldmart erfordern. Die Reparationsverpflich tungen find also ebenfalls fein ernsthaftes Argument gegen den Ausbau der deutschen Sozialpolitik. Im Grunde genommen glaubt ja auch fein Mensch an diesen Einwand. Der eigentliche Bestimmungsgrund des ablehnenden Berhaltens der bürgerlichen Parteien und des diftatorischen Bor gehens des Reichskanzlers Luther ist jenes zweite Argument von der Ueberschneidung der Löhne durch eine der sozialdemokratischen Forderung entsprechende Er höhung der Unterstügungssäge für die Erwerbslosen. Hier berühren wir das dunkelste Kapitel neuzeitlicher deutscher Sozialpolitik. In einem Brennpunkt vereinigt sehen wir die grundfäßlich falsche Einstellung zum ganzen Problem der Heberwindung der Wirtschaftskrisis. Von der falschen Auffaffung ausgehend, daß Sozialpolitit eine Be laftung fei, hat man in Deutschland bereits bei Beginn der Krife versucht, diese durch Abbau der Sozialpolitik zu überwinden. Die Preisgabe wichtigster Schutzbestimmungen für die Arbeitskraft bezeichnete der Reichsarbeitsminister Dr. Brauns in seiner Schrift Wirtschaftskrise und Sozialpolitit" als Einschränkungen, die legten Endes nur Rettung und Gewinn bedeuten. Und dennoch: alles, was an fozialpolitischen Errungenschaften der kapitalistischen Wirt fchaft geopfert wurde, hat weder vermocht, die Krisis zu verhindern, noch wird das Fortschreiten auf diesem verhängnis Gegenteil: wir bewegen uns hier in einem fehlerhaften Kreisvollen Wege die Ueberwindung der Krisis ermöglichen. Im lauf, aus dem es feinen Ausweg gibt. Mit solchen Methoden werden geradezu die Quellen wahrer Reichtumssteigerung und die Möglichkeiten der Wirtschaftsgesundung verschüttet. Es wird höchste Zeit, sich der einfachen Wahrheit zu erinnern, daß auch die Wirtschaft zugrunde gehen muß, wenn sie die Menschen zugrunde richtet. Deshalb ist nicht Abbau, sondern Ausbau der Sozialpolitit der Weg, der beschritten werden muß. Die tiefste Ursache der gegenwärtigen Wirtschaftskrise find jene ungeheuren Bereicherungsmöglichkeiten, die Kriegsund Nachkriegszeit boten. Und so parador es flingt, es ist dennoch wahr: dieser kapitalistische Reichtumszuwachs ist die eigentliche Urfache unserer Not. Die aus einer Unterbezahlung der Arbeitskraft entstandene Ueberfapitalisierung bietet heute feine Bermertungsmöglichkeit mehr und muß auf jenen Grad reduziert werben, ber unter fapitalistischen Wirtschaftsverhält niffen das Produzieren mit Profit ermöglicht. Das verbirgt| fich hinter jenem Schlagwort von der Reinigung der Wirtschaft". Bei dieser„ Reinigung" werden jedoch unter der Herrschaft der kapitalistischen Anarchie nicht nur die lebensunfähigen Betriebe ausgeschaltet, es vollzieht sich überhaupt alles ohne planvolles Wirfen. Vor allen Vor allen Dingen aber versucht man, diesen Reinigungsprozeß, der gleichzusetzen ist mit tapitalistischer Wertvernichtung, über flüssig zu machen durch Maßnahmen auf Kosten der Arbeitsfraft, d. h. durch Lohndruck, Arbeitszeitver längerung, Abbau der Sozialpolitif. Im Zeitalter des syndi zierten Großfapitals ist dem Unternehmertum ein solcher Auss weg immer erwünschter als der Beg, der durch Opferung toten Kapitals zur Genesung führt. Es ist von der verhängnisvollsten Bedeutung, wenn diese tapitalistische Kurzsichtigteit weitgehendes Entgegenfommen bei der Reichsregierung findet. Neben dem Abbau der staatlichen Sozialpolitit hat zur Herabbrüdung der Lebenshaltung nicht zuletzt die staatliche Lohnpolitif beigetragen. Durch Fixierung unzureichender Löhne und Gehälter und durch Arbeitszeitverlängerung ist den Unternehmern weit ent gegengekommen worden, immer in der Hoffnung, so die Wirt schaftsfrife überwinden zu können. Und doch haben sich all diese Maßnahmen als grundfalsch erwiesen. Wie sehr in der Beurteilung dieser Fragen eine geistige Uebereinstimmung zwischen den Unternehmern und der Reichsregierung Luther Brauns bestand, hat nicht zuletzt die berühmte Attennotiz Meisingers gezeigt. Der Syndikus der Bereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände, Dr. Meisinger, hat allen Ernstes den Reichsarbeitsminister aufgefordert, bei passender Gelegenheit mit einer Broschüre Lohnpolitit" an die Deffentlichkeit zu kommen, ähnlich der über Wirtschaftskrise und Sozialpolitik, die Anfang vorigen Jahres erschien. In der Berichtigung zu dieser Aktennotiz ertlärt Ministerialbireftor Dr. Sigler, daß er zwar diesen Wunsch Meisingers dem Reichsarbeitsminister übermittelt, con vornherein jedoch erklärt habe, daß der Herr Reichsarbeitsminister nicht auf Anregung der Arbeitgebervereinigung eine Broschüre über Lohnpolitit schreiben werde. Nicht darum handelt es sich jedoch, ob auf Wunsch der Arbeitgebervereinigung eine solche Broschüre geschrieben wird, als vielmehr um die wichtige Feftitellung Weißingers, daß er in jener Broschüre Brauns über Wirtschaftskrisis und Sozialpolitt" bie grundfähliche Uebereinstim mung mit der Auffaffung der Vereinigung Deutscher Arbeitgeberoerbände fieht. Die grundsägliche Abkehr von diefem verhängnisvollen Wege ist das, worauf es auch heute noch entscheidend antommt. Ohne ausreichende Unterstützung der Erwerbslojen, ohne staatliche Lohnpolitik mit dem Ziele der Arbeitszeitverfürzung und der Hebung der Kaufkraft der arbeitenden Berölferung ist die lleberwindung der Krise nicht möglich. Kapitalistisch intensive Broduktionsfteigerung erfordert einen entsprechenden Ausbau der Sozialpolitit. " Arbeitgeberkorruption. Arbeitgeberverbände und Schriftenreihe des ,, Firn". Der Borsitzende der Vereinigung Deutscher Arbeitgeberver bände Ernst v. Borsig, hat der Frankfurter 3ei. tung" und der Boffischen Zeitung" ein Schreiben als Antwort auf einen Aussat des demokratischen Gemertschäftsführers Ernst Lemmer über die Vorgänge bei der Bereinigung der Arbeitgeberverbände gefandt. Das Schreiben Iautet: " Im Frühjahr d. I. wurde der Bereinigung befannt, daß von seiten des Firnverlags und eines diesem nahestehenden weiteren sozialistischen Verlags die Herausgabe einer Schriftenreihe jungsozialistischer Autoren geplant und bereits eingeleitet sei, die, nach den Ankündigungen des Verlags auf dem Boden sozialistischer Beltanschauung stehend, sich mit der Stellung des deutschen Arbeiters zu Staat und Wirtschaft beschäfs Das ungeborene Heer. Bon Hermann Schüßinger. tigen follte, hierbei aber die realen wirtschaftlichen Grundlagen und die nationale Einstellung des Arbeiters zur Vorausseßung ihrer Anschauungen und Forderungen nehmen würde; es gelte die„ positiv eingestellten Elemente der Bewegung zu sammeln und im Sinne des realen Fortschritts zu mirfen; es sei höchste Zeit, uns auch in wirtschaftlichen Dingen auf die Wirklichkeit zu befinnen und den Mut aufzubringen, auch bittere die Wirklichkeit zu befinnen und den Mut aufzubringen, auch bittere Wahrheiten auszusprechen, wenn das nötig sei". Diese reale Auffassung der Dinge, die im Gegensatze zu den dogmatischen offiziellen Kundgebungen der Gewerkschaften steht, begegnet sich mit dem schon seit langem offen ge legten Programm der Bereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände, wonach eine Verständigung mit der auf dem Boden der Anerkennung der realen Wirklichkeiten und eigenen Selbstverantwortlichkeit stehenden Arbeiterschaft erstrebt wird. Die Bereinigung entschloß sich daher, die Heerausgabe diefer, übrigens in dem Organ des Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbundes felbft empfohlenen Schriftenreihe durch finanzielle Mittel zu ermöglichen, und durch Unfauf einer größeren Anzahl der her. ausgegebenen einzelnen Schriffen für deren weitere Verbreitung behilflich zu sein. Auf die Auswahl der Berfeffer und auf den Inhalt der Broschüren hat die Bereinigung feinen Einfluß ausgeübt. Die Per fonen der Autoren sind der Vereinigung auch heute noch jämtilch unbekannt. Damit entfällt jede Grundlage für die Behauptung, die Bereinigung habe den Verlag-planmäßig forrumpiert und sie habe unter neutralem Decmantel" Taufende solcher Schriften in Arbeitnehmerkreisen hineingeschmuggelt". Plan und Einleitung dieser Broschüren ist vielmehr ohne Butun der Vereinigung erfolgt. Herr Lemmer greift aber noch einen zweiten Vorwurf des Deutschen" auf, nämlich den des„ unter fzialpolitischem Det mantel für dunkle politische Zwede" gegebenen Darlehens. Auch hierzu will ich mich äußern. Das erwähnte Darlehen, und zwar in Höhe von 5000 m., ist für eine Organisation des 3entral verbandes der Landarbeiter, die sich mit der Versorgung der Industriewerfe mit Lebensmitteln für ihre Arbeiter befaßle, gegeben worden. Devon, daß dieses Darlehen zu einem politischen Swede irgendwelcher Art gegeben worden fet, ist keine Rede Mit vorzüglicher Hochachtung gez. E. v. Borsig. Es steht also fest, daß die Arbeitgeberverbände die Schriftenreihe des" Firn" aufgekauft und non sich aus ver trieben haben. Die Behauptung, daß fie feinen Einfluß auf den Inhalt ausgeübt hätten, entspricht nicht den Tatsachen. Es ist auf ausgeübt hätten, entspricht nicht den Tatsachen. Es ist auf fällig. daß die falsche Behauptung im Schreiben der Arbeit geberverbände nicht von Dr. Tänzler, sondern von Herrn oon Borsig mit Namen gederft wird. Bas die Ableugnung des Verwendungszmedes des an den Gewerkschaftsführer Behrens gegebenen Darlehns von 5000 m. betrifft, so find Zeugen dafür vorhanden, daß es tatfächlich für den Fememörder Oberstleutnant Schulz bestimmt war. Im übrigen werden wir mit der meiteren Besprechung des Briefes der Arbeitgebervereinigung bis nach der Veröffentlichung der Antwort von Lemmer zurückhalten, die, wie wir unterrichtet sind, unverzüglich erfolgen wird. Richter der Republik Schwere Anklagen Landsbergs gegen Bewersdorff. Im Dezemberheft der Juftig" veröffentlicht Otto Landsberg Material zur Beurteilung der beiden Richter Landgerichtsdirettor Bewersdorff und Landgerichtsrat Schulze aus dem Magdeburger Rothard- Brozeß. Außer dem Material, das aus dem Beleidigungsprozeß Kroner. Bemersdorff bereits bekannt ist, führt Landsberg u. a. folgendes an: Als der Prozeß Rothardt in der zweiten Instanz verhandelt wurde, erschienen eines Tages die Herren Bewers. dorff und Schulze als 3uhörer im Gerichtssaal und nahmen Berben drei tanzende Männer ein Programm füllen? Thm die notwendige ergänzende Abwechslung geben? Die drei Künstler, die mir Sonntag jahen, vertreten drei verschiedene tänzerische Inpen: Harald Kreuzberg, der leichte, fast fnabenhafte lyrische Hochtänzer, Kurt Joofs, der ausdrucksmächtige dramatische Tief tänzer, Julian Algo, der geistreiche Erfinder förperrhythmischer Balladen und Romanzen. Trotzdem litt die Matinee unter einer gewissen Eintönigkeit. Schuld trug das Programm, in dem der Grotesfe ein zu breiter Raum gewährt war. Der zweite Teil hatte faft Varietécharakter. Aber das eine, die Hauptsache, trat flar und überzeugend zu Seit einigen Wochen geistert ein sonderbares Gespenst durch die Gehirne der aufs Atenteil gefeßten Generale der europäischen Armeen und bedroht im Zwielicht blutrünstiger Phantasien den Frieden Europas das ungeborene Heer! Colonel Fabry. der nationalistische Einpeitscher der französischen Deputiertenfammer, hat das Gespenst erfunden und wie ein Bad Lumpen seinen deutschen tage: Wir haben wieder männliche Tänzer, die nicht nur, wie die Kollegen zugeworfen, und nun( puft das intier im Kopf unserer Gummipuppen bes russischen Balletts, Afrobaten find, sondern „ militärischen Professoren", der Generale 3wehl, Cramoe, v. Kuhl, schöpferische Künstler, die eigenes feelisches Grieben in förperund verklabautert die Spalten der Kreuzzeitung" und des Tag". rhythmischen Formen zu gestalten wissen. Das bemies& zeug Bei Licht besehen, stedt folgende Wahrheit hinter der spul bergs einschmeichelnd duftiges Beggiero", fein in glühenden haften Geschichte: Durch den Geburtenrüdgang während der Kriegs. Bogen dahinrauschender Tango" und vor allem der Seelenzeit, der sich ja bei den schlappen",„ vermeichlichten" Franzosen be, aufrüttelnde, atem und befinnungraubende Aufruhr"- alle drei fonders fatastrophal ausgewirkt haben soll, während der deutsche Das bewies Rurt Scola, bas frühere Mitglied der Laban als klassische Gipfellciftungen der modernen Tanzbühne anerkannt. Bandser bekanntlich nie zur Front zurückgekehrt ist, ohne seine Frau Gruppe, jetzt am Stadttheater Münster i. W., der in den technisch geschwängert zu haben, wird für den französischen Heeresersatz der fabelhaften Sprüngen feines Negroid" eine hinreißende elementare Jahrgänge 1935 bis 1939 ein großes Batuum" errechnet und an Wucht entwickelte und in der tariflerenden Komil des Fortrott genommen, daß die Zahl der tauglichen Franzosen in dieser herr- 1924" glänzte. Gegenüber diesen beiden erstklassigen Meistern hatte lichen bzw. fürchterlichen Zeit höchstens 120 000 bis 140 000 Mann der jugendliche Julian Algo( vom Reußischen Staatstheater betrage! Gera), der für den ertranften o Vischer eingesprungen war, aller. Was für Perspektiven eröffnen fich da für unsere Generale! dings feinen leichten Stand. Aber ein solides technisches Rönnen Colonel Fabry mettert mit blauretem Geficht gegen die Herablegung und efpritoolle, die Grenzen feiner Begabung flug berüdlichtinende der aktiven Dienstzeit; denn: In zehn Jahren ist unser Feldheer auch Kompositionen zeigten ihn als einen selbständigen, ernsten, fymnicht stärker als die deutsche Armee." General v. 3wehl aber zwintert den Jungen vom Stahlhelm und Werwolf bedeutungsvoll zu: ,, Wartet, wartet nur ein Weilchen-in zehn Jahren find sie auch nicht stärker gerüstet als wir!" " P So geht das Gespenst der ungeborenen Armee heute schon um und erschreckt den französischen Kleinbürger und Banern der Grenzgebiete und erfreut den deutschen und den franzöfifchen General! Eigentlich rührend, diese Fürsorge um die Kraftquellen der Nation! Sie fümmern sich nicht allein um das lebende und im Weltkrieg abgemurfste, sondern auch um das ungeborene Kanonen, futter ihrer eigenen und der freundnachbarlichen Armee- und addieren und subtrahieren beim Lampenlicht, im Großvaterstuhl hinter dem Ofen, bas Kazenfell über dem gichtigen Rücken, und berouschen fich am Schlummerpunsch und am nächsten Krieg!-ber: bis dahin, bis 1939 find sie ja längst tot, die alten Knader. Macht nichts: exoriare aliquis. Aus ihren Knochen noch hoffen fie den Krieg zu gebären! pathischen Künstler. Das Publitum, das den gewaltigen Raum des Theaters am Bülowplay fast bis auf den fekten Blatz füllte, targte nicht mit seinem Beifall. Kreuzbergs Aufruhr, Joolz Fortroit" und Algos„ Magyarisches Tanzlied" wurden am fautesten bejubelt. John Schitowitt nebeneinander Aufstellung. Herr Bewersborff murbe bes 3eugen Scheidemann ansichtig und sagte, was nur für ihn auch charakteristisch erscheint, zu Schulze:„ Da ist ja Philipp." Herr Schulze erwiderte mit Nachdrud: Dieses Schwein.* Scheidemann, der der Ansicht ist, daß er es nicht nötig hat, einen solch rohen und gemeinen Ausfall zu dulden, am allerwenigsten dann, wenn er von einem zur Bahrung der Ehre anderer Personen berufenen Richter gegen einen Zeugen und noch dazu im Gerichts faal begangen wird, hat gegen Schulze Strafantrag gestellt und Herrn Bewersdorff als Zeugen benannt. Dieser wie Herr Schulze haben die Aeußerung bestritten. Sie ist aber gleichwohl wahr!" Landsberg übernimmt für seine Angaben die volle Berantwortung. Er zieht aus seinem Material den Schluß: „ Aber ich behaupte, daß die beiden juristisch gebilde. ten Mitglieder des Gerichis, die das Urteil bestimmt haben und die beide ais Politifer zum völlischen Biod der Deutsch nationalen Boltspartet gehören, sich bei der Fällung des Urteils von ihrer politischen Einstellung haben leilen lassen." Die Herren Bewersdorff und Schulte fönnen die Anflagen an Gerichtsstatt entkräften, wenn sie wünschen; denn Landsberg hat mit seiner Beröffentlichung absichtlich bis nach der Verabschiedung des preußischen Amnestiegefeges gewartet, damit ein Berfahren gegen ihn nicht niedergeschlagen werden könne. Verzögerung der Erwerbslosenunterstützung Unerhörte Sabotage der Regierung. Amtlich wird gemeldet: Die vom Reichstag befchloffene Erhöhung der Erwerbs. losenunterstügung bebarf noch der Berhandlung mit dem Reichsrat. Diese Verhandlung ist mit der größten Beschleunis bereits mit dem 21. Dezember 1925 tn Kraft treten gung angesetzt worden, so daß es möglich sein wird, die Erhöhungen und noch vor Weihnachten den Erwerbslosen zugute fommen au laffen. Die gewünschte Erhöhung vom 15. Dezember 1925 ab, war begreiflicherweise nicht möglich, da bis zu diesem Termin die notwendige Verhandlung mit dem Reichsrat sich nicht hätte ermöglichen lassen." Die Art, wie die Reichsregierung und nur sie allein trägt die Verantwortung für diese Maßnahme die Auszahlung der erhöhten Erwerbsloferunterstügung hinaus zögert, ist eine unerhörte Cigenmächtigkeit Gie Reichstags, der zweifelsfrei eine sofortige Durchführung widerspricht in jeder Beziehung dem Billen des der von ihm beschlossenen Maßnahmen wünschte. Die Be rufung auf den Reichsrat wirkt lächerlich. Der Reichsrat wäre durchaus in der Lage, die Zahlungen rückwirkend zu bewilligen. Im übrigen ist gar nicht einzusehen weshalb ein Beschluß des Reichsrats nicht vor dem 15. Dezember herbeigeführt werden könne. In anderen Fällen hat man es fehr wohl verstanden, eine Sigung des Reichsrats am gleichen Tage herbeizuführen, an dem der Reichstag ein Gejeg verabschiedet hat. Die Reichsregierung zeigt durch ihr Berhalten nur, daß ihr die Hilfsmaßnahmen für die Erwerbslosen viel weniger wichtig sind als andere Gesetze. Es ist der Geist Dr. Luthers, der aus diesem Berhalten spricht. Beseitigung der deutsch- holländischen Bakvisa. Sente beginnen in Denabrüd Verbandlungen mit holland, welche die Be feitigung des Bagvifums zwischen Deutschland und den Riederlanden bezweden. Der frühere fpanilche Minifterpräsident Antonio Maura ift am Sonntag 76jährig in Madrid geftorben. Er mar jahrzehntelang der Führer der spanischen Konserpatipen. Unter seiner Ministerpräsidentschaft erfolgte die standrechtliche Erschießung des Freidenfers Ferrer megen angeblich anarchistischer Umtriebe, die damals die Entrüstung der gesamten freiheitlich gesinnten öffentlichen Meinung Europas erregte. Im Kriege trat er im Gegensatz zu manchem Liberalen für die Beibehaltung der spanischen Neutralität ein und setzte sich durch. Höhrt seien gepriesen. Das Bert aber in seiner schweren Broblematik stärker analysiert. A. S. fonnte man am Sonntag die Anspruchslosigkeit des Bublifums und Eine überflüffige Uraufführung. Im Schloßparttheater das Selbstbewußtsein eines Herrn Walter Guttelch bewun dern, der sich zu den literarischen Persönlichkeiten rechnet. Einen einzigen Enfall hat er gehabt: der junge Herr Dr. Mißträu( Name Liebste aufführt. Sie berichten, daß bei ihr ein Mann ein und fymbolisch!) erfundigte sich durch Mittelspersonen, wie sich seine ausgeht. Die Auskunft stimmt, bezieht sich aber auf den Dottor felbst, den die Mittelspersonen nicht von Ansehen kennen Darcufhin entbrennt in Dr. Mißtrau die Eifersucht gegen den Neben. buhler, also gegen sich selbst. Um dieses winzige Ideechen hat Herr Gutfelch feine Komödie Jedermann sein eigener Hahnrei geschrieben, ohne persönliche Note und ohne das geringste Mit lächerlichen Mätzchen versucht er einen fünstlerische Können. vifionären, luftig- phantaftischen Stü zu schaffen und bringt nur ein bilettantenhaftes Geftammel zumege, in dem die spärlichen Ge danten bis zur Unerträglichkeit breitgetreten werden. Und so was führt er auf. Jedermann fein eigener Blamierer. In dieser dramatisch fümmerlichen Zeit treibt uns die Hoffmung, endlich einen Stern aufleuchten zu sehen, immer wieder ins Theater, auch in Veranstaltungen, die von vornherein Mißtrauen erwecken. Herrn Gutfelh verdientermaßen in Mißfredt, aber man he auf. strebenden Talente ebenfalls. Sie sollen sich bei ihm bedanken, wenn dem Krititer eines Tages die Luft vergeht, literarische Matineen zu besuchen. Die Darsteller unter Jobst v. Reiths Regie paßten sich der Form der Komödie an. Sie übertrieben und schten Bointen auf, wo feine waren. Es ergab sich ein schrecklich tinbisches Getue, bei dem sich fränze Roloff besonders her. portat. Dgr. Der Fallchmünzer Julius Bab. Wie aus Freiburg i. B. gemeldet wird, wurde der Berliner Kritifer Julius Bab, der fich auf einer Vortragsreise befindet und Sonntag abend in Freiburg um 7 1hr wegen Falschmünzerei verhaftet, fedoch um 8 Uhr wieder einen Bortrag über Bernard Ehem gehalten hatte, Montag früh freigelassen, ba fich herausgestellt hatte, daß ein Hochstapler, der für die Falschmünzerei in Frage tommt, sich als Julius Bab ausgegeben aufführung in der Berliner Staatsoper. Das verdient gefagt Alban Bergs Bozzef" ist seit vielen Jahren die erste Ur. zu werden, einerlet, ob die Annahme der Initiative von Schillings oder der vehementen Durchfechtung Kleibers zu banten ist. Das in hatte. und allen grauen Tönungen des Grauens fich spiegelnde Wert wurde für Kleiber zum Ausgangspunkt seiner besten, artistisch- genialen Deutefunft. Das Orchester( prengte alle Feffein traditioneller Melodie bewegung und schwelgte im Splel dynamischer Erstatit. bewegung und schwelgte im Spiel dynamischer Efstalit. Das Trauerspiel wurde durch eine in fanatischer Wildheit mahnende, Erlebnis. Dies ist eine Einmaligkeit, die burch die großartig for alle Sinne padende Musit zu einem erschütternden und entsetzenden mende Hand eines fühlenden Musikers auch in den grählichen Rafofonien nicht vom tragifden Thema ablenit. Ein Ereignis, dem fein ähnliches zur Seite steht, zur Seite stehen darf. Es wurde von den litt, es wurde von den andern schweigend abgelehnt, wozu fein fünstlerischer Anlaß vorlag. Eine Moritat geroiß, aber eine auf fenen Höhen, wo das Schicksal zu geistern, mit Menschen zu spielen wagt. Kleiber, Schügendorff, Sigrid Johanson, Die zweite Tanzmatinee der Volksbühne. Modernen im Bublifum jubelnd begrüßt, wodurch die Stimmung Es mar ein Experiment Nur männliche Tänzer erschienen auf der Bühne. Der moderne Tanz ist Schöpfung eines Mannes. Doch als Ausübende überwiegen noch immer die weiblichen Künstler. Jm Verein für Deufches funfgewerbe spridit am 16. Museumsdirektor Dr. Riegler aus Stettin über Wohin geben wir in unserem unitgewerbe? mit Lichtbildern. Der Bortrag findet im Hörsaale bes alten Stunstgewerbe- Museums, Prinz- Albrecht- Str. 7a, statt. Beginn Rollettivausstellung von Frau von rule alimoto( Gemälde) und pünfilidh 8 Uhr abends. Eintrittskarten am Saaleingang. Die Galerie J. Casper, Kurfürstendamm 233, eröffnete am 13. eine Herrn von Jali mom( Platif). Zucleich bleibt in den vorderen Sälen bie foeben eröffnete Ausstellung von Alfred Partikel und deutschen und französischen Künstlern. Paul Cafficer, Bittoriaftr. 33, eröffnete am 12 eine Sonderausstellung aboli Grohmann, die zum eiftenmal einen umfassenden Ueberblic über das malerische Werl des Künstlers gibt. Die Künfilerinnergruppe.Der Ring hat ihre 5. Ausstellung im Char lottenburger Rathaus eröffnet. Beamtendebatte im Reichstag. Der Kampf gegen die Diktatur Luther. Der Platz des Präsidenten, der am Montag feinen 50. Geburtstag feierte, ist mit drei großen Blumensträußen geschmückt. Am Regierungstisch hat der Reichstanzler Dr. Luther Blaz genommen. Das Haus ist sehr gut besucht. Um 3 Uhr 15 eröffnet Präsident Löbe die Sigung mit den Worten: Ich höre, Herr Abg. Fehrenbach will vor Eintritt in die Tagesordnung das Wort nehmen. Abg. Fehrenbach( 3.): Der Bräsidentenplag ist zur Feier bes 50. Geburtstages unseres Herrn Bäsidenten mit Blumen geschmückt. Es ist ein neidvoll jugendlicher Geburtstag. Diese Jahre sind voll Mühe und Arbeit, aber auch von reichem Erfolge gewesen. Deshalb beteiligt sich der Reichstag gern an der Ehrung dieses Geburts. tagsfindes, betrachtet er doch die Ehre seines Präsidenten als seine eigene Ehre. Ohne auf die ausgezeichneten Präsidialeigenschaften unseres Herrn Bräsidenten jetzt einzugehen, glaube ich mich heute begnügen zu follen mit den herzlichen Glüd- und Segenswünschen für die weiteren Jahre unseres Herrn Bräsidenten.( Lebh. Bravo!) Und ich bin glücklich, im Namen des Reichstages diesen Gefühlen der Berehrung mit herzlichen Wünschen Ausdruck zu geben. Der Redner ruft dem Präsidenten zu: Ad multos annos!( Noch viele Jahre!) Berehrter Herr Präsident. Der Fall Schillings. Debatte im Landtag. mo Eine Rede des Kultusministers. Im Landtag wurde zunächst die Einzelberatung zur dritten Lesung des Haushalts beim fortgesetzt. Landwirtschaftsetat Landwirtschaftsminister Steiger beantwortet die Interpellation Dr. Heß( Dnat.) über die Pferdeeinfuhr aus Rußland dahin, dak Hengste und Stuten von Rußland überhaupt nicht eingeführt werden dürfen, um der Seuchengefahr zu begegnen. Mit befonderem Intereffe würde die dänische Pferdeeinfuhr beachtet. In der Aussprache erflärt Abg. Dr. v. Winterfeld( Dnatt.), beim Abschluß von Handelsverträgen feien die Intereffen der Landwirtschaft zu wenig berüdsichtigt. Eine klare Erkläruna fei erforderlich, in welcher Weise die Saatgut und Erntebergungsfrebite prolongiert werden sollen, damit der Landwirt disponieren fönne. Solange ein Ministerium Braun besteht, fann es in Preußen nicht aufwärts gehen.( Beifall bei den Dnat.) Abg. Schmelzer( 3.) bespricht die Frage der Auswertung landwirtschaftlicher Hypotheken und der Rückzahlung der landwirtschaft lichen Kredite, die verlängert werden müßten. Abg. Buchhorn( D. Bp.) bezeichnet ben Fall Schillings als einen Fall des Kultusminifteriums, dessen Helotenbehandlung fich das ganze geistige Deutschland verbitten müsse.( Stürmische Zustimmung rechts und Zurufe: Demokratie!) Kaum hätte Boelig den Ministerstuhl verlassen, da hätten Kestenberg unh Seelig Morgenluft für ihr Spiel gegen Schillings gewittert. Bräsident Löbe erwidert darauf: Lieber Herr Kollege Fehrenbach, meine Damen und Herren! Ich danke Ihnen für die außer ordentlich freundlichen Worte, die ich etwas unverdient empfinde. Habe ich doch nur mein Amt so verwalten tönnen, weil ich vorher Boltspartei auf Bereitstellung von Mitteln zur Erforschung der Deutschen Volkspartei gegen die am Konflitt von Amts wegen be Die Meisterhand meines Borgängers lange genug fennengelernt habe, und weil Sie alle mir mit der Freundlichkeit und Liebe ent gegengekommen find, die eben wieder aus den Worten des verehrten Herrn Borredners sprachen. Was er zuviel gerühmt hat, werde ich verfuchen, in den nächsten Jahrzehnten nachzuholen.( Große Heiter. keit.) Wahrscheinlich werde ich in den nächsten Tagen gar nicht dazu kommen, die überaus große Fülle von Glückwünschen zu beantworten, die mir aus allen Lagern und aus allen Teilen des Reiches zugegangen sind. Deshalb erlaube ich mir, diesen Dank hier gleich anzuschließen.( Lebh. Bravo!) Das Haus tritt dann in die Tagesordnung ein. Auf Antrag des Abg. Frid( Völf.) wird beschloffen, den deutschnationalen Antrag über die Vorlage einer Denkschrift über die Bensions. ansprüche der bisherigen Reichsminister mit der Beratung über die Beschlüsse des Haushaltungsausschusses betr. Besoldungsaufbefferung der Reichsbeamten zu verbinden. Abg. Morath( DBp.) gibt den Bericht des Ausschusses über die Berhandlungen. Der Ausschuß empfiehlt, die Anträge der Sozialdemokraten, Kommunisten und Böllischen abzulehnen, dagegen folgende Entschließung anzunehmen: Die Reichsregierung zu ersuchen, den allgemeinen Teuerungszuschlag für die Beamten der Gruppen I- IV von 12½ Pro3. auf 25 Pro 3, für die Beamten der Gruppen V- VI von 12% Proj. auf 20 Proz zu erhöhen. Die Beträge fönnen fapitalisiert und in einmaliger Summe ausgezahlt werden." Reichskanzler Dr. Luther erflärt, daß auch die Regierung den Wunsch habe, den Beamten eine besondere Unterstützung zuteil merden zu lassen. Aber die Form, in der der Haushaltsausschuß die Unterstügung beschlossen habe, sei ein Borgreifen auf eine fünftige dauernde und grundsätzliche Regelung. Die Regierung fönne in ihrer Eigenschaft als geschäftsführende Regierung einer solchen Regelung nicht zustimmen, sondern bitte den Reichstag, einen Abänderungsantrag der Bayeri. schen Volkspartei zum Beschluß zu erheben. Dieser Vorching habe bessere Aussichten auf die Zustimmung des Reichsrats. Der vom Reichsfangler zur Annahme empfohlene Aenderungsantrag Leicht und Genossen( Baner. Bp.) hat folgenden Wortlaut: Als einmalige Notmaßnahme wird noch vor Weih nachten gezahlt: 1. den Beamten, Wartegeld und Ruhegehaltsempfängern, Beamtenhinterbliebenen und Angestellten der Gruppen I- IV eine Zuwendung in Höhe von einem Viertel des ihnen für De zember 1923 zustehenden Monatsbezuges, den Beamten usw. der Gruppen V und VI eine solche in Höhe von einem Fünftel des Monatsbezuges, mindestens aber a) den Ledigen 30 RM., b) den Empfängern eines Frauenzuschlags 35 R. ftatt 30 RM., c) ben Empfängern von Kinderzuschlägen oder Kinderbeihilfen für jedes Kind, für das für Dezember 1925 ein Kinderzuschlag oder eine Kinderbeihilfe gezahlt ist, außerdem je 5 RM., d) ben Bollmaisen insgesamt 10 RM.; 2. den Kriegsbeschädigten und Kriegshinterbliebenen ein Biertel der ihnen für Dezember 1925 auftehenden Bezüge. Abg. Bender( Soz.) erinnert an die Versprechungen, die die Rechtsparteien nor der Wahl dieses Reichstags und bei seinem Zusammentritt den Beamten gemacht hatten. Später haben die Rechtsparteien alle Versprechungen vergessen, sie haben sogar ihre schönen Anträge verleugnet, als fie zur Beratung und Abstimmung famen. Mit der von der Bayerischen Boltspartei und der Regierung vorgeschlagenen Regelung mit der Auszahlung von einmaligen Unterstügungen mird man die Beamten nicht beruhigen, sie wird nur neue Erbifferung schaffen. Leider ist die von der Regierung dem Ausschuß vorgelegte Dent schrift über die angebliche Belastung der Finanzen durch die zur Beamtenbefaldung gestellten Anträge dazu benutzt worden, um eine neue hege gegen die Beamten zu führen. So hat die Arbeitgeber 3eitung" behauptet, daß 62,5 Broz aller Einnahmen für Beamte und Bensionen verwendet werden, auf den Kopf müffe die Bevölkerung 135 m. für fie zahlen. Diese Behauptungen sind aufgestellt worden auf Grund der Ziffern, die aus dem Reichsfinanzministerium stammen. Es wird aber dabei verschwiegen, daß darin auch die sozialen Renten, die Unterstügungen für die Kriegsopfer, für Pensionen usw. steden. Wenn man alle diese Aus gaben abzieht, fo tommt man vielleicht zu dem fünften Teil des Betrages, der von dem Blatt angegeben worden ist. Wenn der Reichstag eine Erhöhung der Bezüge der Beamten befchließt, dann muß er auch für die Arbeiter in derselben Weise forgen. Seit dem Dezember des vorigen Jahres haben die Beamten feine nennenswerte Zulage mehr erhalten, ihre Bezüge find im ganzen um 2 Broz. gestiegen, gegenüber der Erhöhung der Lebenshaltungstosten sind sie um mindestens 8 Proz. zurückgeblieben. Es muß also unbedingt ein Ausgleich vorgenommen werden. Es scheint, als wenn der zweite vom Reichskanzler angegebene Punkt, daß einer fünftigen Regelung der Besoldungsfrage nicht vorgegriffen werden foll, ausschlaggebend für die geschäftsführende Regierung ist. Wenn es fich um Bulagen für höhere Beamte handelt, dann ist man nicht fo zurückhaltend. Einige Worte zu dem Antrage der Deutschnationalen auf Bor lage einer Denkschrift über die Bezüge der Reichsminister. Wir haben den Antrag gestellt, in diese Denkschrift auch die Bezüge der früheren Minister des faiserlichen Deutschlands aufzunehmen, fowie die Pensionen der Generalfeldmarschälle, Generale ufm. Ich hoffe, daß der Reichstag auch unserem Antrag seine Zustimmung geben wird.( Lebh. Beifall bei den Soz.) Abg. Laverrenz( Dnatt.) weist auf die vielen Regierungser. flärungen hin, in denen der Wille betont wurde, der Notlage ber Beamten abzuhelfen. Es ist der Regierung der Barmurf zu machen, daß fie fich allen Anregungen gegenüber fo lange in Schweigen gehüllt und selbst feine Vorschläge gemacht hat. Mit dem Antrag der Bayerischen Boltspartei sind wir nicht einverstanden. Die gegen Abg. Dr. Schiftan( D. Bp.) bespricht den Antrag der Deutschen Landarbeitsfrage. Dieser Antrag sei von allen Barteien angenommen worden, und gerade in einer Zeit der Not fei die Bertiefung der Lehre von der Landarbeitsforschung von besonderer Dringlichkeit. der Arbeiter, die er auf die Hungerlöhne und die Ueberarbeitung Abg. Müller- Frankfurt( Komm.) verweist auf die Landflucht zurückführt. Lage der Landwirtschaft, meint aber, der Staat tönne der LandAbg. Wachhorft de Wente( Dem.) betont zwar auch die kritische wirtschaft nicht die Rentabilität garantieren; hier folle vielmehr die Selbsthilfe stärker hervortreten. Der Staat müffe aber für niedrige Binfen und langfristige Kredite, fowie eine Ermäßigung der Steuern und Vereinfachung des Steuersystems sorgen. Landwirtschaftsminister Steiger betont, in der Siedlungs. frage wolle er sich allgemeiner Aeußerungen enthalten, weil diefes Thema so wichtig sei, daß er es mit Einzelheiten und ausführlichem Material würdigen müsse. Das würde geschehen, sobald das Material zufammengestellt ist. Ein Regierungsvertreter gibt hierauf zur Frage des Zusammenbruchs der Landbank eine Erklärung ab, in der es heißt: Es ist gefragt worden, ob die Staatsregierung bereit wäre, für die Siedlerinteressen tatfräftig einzutreten, die durch einen Zusammenbruch der Landbank gefährdet wären. Sollte durch einen finanziellen Busammenbruch der Landbank die Existenz Don Siedlern gefährdet werden, so ist die Staatsregierung bereit, zugunsten dieser Siedler helfend einzugreifen. Hierzu werden weniger staatliche Mittel erforderlich sein als zur Stügungsaftion der Landbant. Wenn im übrigen behauptet wird, daß die Staatsregierung die Siedlungs. frage neuerdings für weniger dringlich halte, so ist das selbstverständlich unrichtig. Damit ist die Beratung des Landwirtschaftshaushalts erledigt. Es folgt die dritte Beratung des Kultushaushalts. die Anträge v. Campe( D. Vp.) und Falk( Dem.) auf Errichtung Abg. Schwarzhaupt( D. Bp.) erstattet den Ausschußbericht über einer pädagogischen Akademie auf fimultaner Grundlage Abg. Wildermann( 3.) gibt namens feiner Fraktion eine Er flärung ab, in der es heißt: Die Sentrumsfrattion erblidt in den in Frankfurt a. M. einen Verfuch, die Grundlage der Betennt Auftrage auf Errichtung einer fimultanen pädagogischen Atabemie nisjhule zu unterhöhlen und die Simultaniule in Nassau au verewigen. Die Zentrumsfraktion lehrt die Gründung einer Simultanatademie ab und macht darauf aufmerksam, daß diese Gründung der Reichsverfassung widerspricht. Diese Ansicht hat auch die Staatsregierung im Ausschuß mit großem Nachdrud vertreten. Das Zentrum lehnt die Berantwortung für die äußerst bedentlichen Folgen ab, die sich unvermeidlich aus der Gründung einer Simultan Akademie ergeben müssen. Es behält sich vor, daß, wenn der Antrag auf Gründung der Simultan- Akademie angenommen wird, es die Errichtung dieser Akademie mit allen gefeßmäßigen Mitteln verhindern tann.( Beifall im Zentrum.) Der Fall v. Schillings. Zu der Angelegenheit des Intendanten v. Schillings, die dann zur Sprache tommt, liegen von der Deutschen Boltspartei, der Bölkischen Freiheitspartei, der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei und der Wirtschaftlichen Bereinigung An träge gleichen Inhalts vor, die verlangen, daß die fristlose Entlassung des Intendanten n. Schillings zurudge. nommen und für das Rechnungsjahr 1926 im Kultusetat eine planmäßige Stelle für Mufifpflege und für das Theaterwesen nicht mehr geschaffen wird. Abg. Baeder- Berlin( Dnat.), der in der Debatte zu diefem Thema zuerst das Wort nimmt, betont, daß seine Fraftion ben Anträgen zustimmen wird. In der Berwaltung der Oper jei nicht alles in Ordnung gewesen. Der Grund der Zufpigung liege aber nicht hier. Der Redner zeigt dann an der Gesamttätigkeit des Herrn v. Schillings die Verdienste des Intendanten um die Staatsoper auf. Die Herren im Ministerium hätten ihre Hände zuviel in Kunstdinge gestellt. Das Vorgehen des Ministeriums gegenüber v. Schillings widerspreche der Tradi tion und entbehre der richtigen Einschätzung des Künstlers.( Lebhafter Beifall rechts; Widerspruch links und in der Mitte.) Abg. Frau Cehmann( Dnat.) wendet sich gegen die vor einiger Beit in der Debatte aufgetauchte Behauptung, es sei in den Jahren nach der Revolution an Kulturdingen mehr geleistet worden als 50 Jahre vorher. Das müsse bestritten werden. Es sei 7. B. gerade sehr still um das Problem der Einheitsschule geworden. Abg. Dr. Schwering( 3tr.) erflärt, man müsse im Fall Schillings scheiden zwischen Künstler und Verwaltungsmann Es ift eigenartig, daß Herr von Schillings heute von Kreifen gelobt wird, die ihn früher unerhört heruntergerissen haben, fo von Zeitungen, die früher den fünstlerischen Tiefstand der Berliner Oper mit seiner Berson in Bufammenhang gebracht haben. wir vom 3entrum sind der Ueberzeugung, daß die Maßnahmen des Ministeriums teine anderen sein tonnten.( Lebhaftes Hört! Hört! rechts.) den Minister Schiele gerichteten Angriffe haben sich als durchaus unberechtigt erwiesen. Abg. Morath( D. Bp.): Die Beamten auch der unteren Be soldungsgruppen empfinden es als ungerecht, daß die höheren Besoldungsgruppen leer ausgehen sollen. Wir lehnen eine Regelung ab, die sich nur auf die Gruppen I bis VI erstreckt. Abg. Erfing( 3tr.) tritt für den Antrag des Haus haltsausschusses ein. Auch er bringe den Beamten teine ausreichende Hilfe, aber er versuche wenigstens dem dringenden Notstand abzuhelfen. Eine volle Befriedigung der Beamtenwünsche werde nicht möglich fein, so lange 90 Broz. der deutschen Bevöllerung sich in schlechterer Lage als vor dem Kriege befinden. Ein Vertreter des Reichsfinanzminifteriums erflärt nochmals den Antrag des Hauptausschusses für unan nehmbar. Abg. König- Swinemünde( Soz.) demastiert die Heuchler auf der Rechten, die sich iegt auf einmal fürchterlich heftig für die Freiheit der Kunst einfeßten, während sie noch vor turzem gegen den Inten ließen. Herr Jeßner wurde bespielt, ob er nicht danten des Staatstheaters Herrn Jeßner, Material sammein ließen. Herr Jeßner wurde beipigelt, ob er nicht stein" habe streichen lassen. Dieselben Herrschaften, die plötzlich als im Interesse pazifistischer Ideen gewisse Stellen im Wallen Anwälte, für die Freiheit der Kunst auftreten, waren auf den Brotestversammlungen der Rünstler, die vor kurzem zum Schuße der Kunst stattfanden, nicht zu sehen, und die deutschnationalen Blätter haben von der Proteftattion tein Wort gebracht. Sehr eigenartig berührt die scharfe Frontstellung der teiligten Referenten des Ministeriums. Der ehemalige Kultusminister Boelig hat mit diesen Referenten drei Jahre zusammen gearbeitet, und der Abgeordnete Buchhorn hat noch vor ganz furzem für den Antrag gestimmt, der die Posten dieser Referenten etatsmäßig macht. weis dafür gebracht worden, daß Schillings als Künstler in der ( Hört! Hört! links.) In der ganzen Aussprache ist bis jetzt fein BeAusübung seines Berufes irgendwie gehindert wurde. Es handelt fich bei dem Streit nur um den Intendanten und mit diesem war für das Ministerium ein weiteres Zusammenarbeiten unmöglich. Es ist doch schließlich tein Zufall, daß überall das Zusammen. arbeiten mit den Intendanten z. B. in Wiesbaden, Kaffel und am Berliner Staatstheater ohne Reibung vor sich geht. Das zeigt deutlich, daß die Konfliktsursachen nicht im Ministerium, sondern beim Intendanten der Berliner Staatsoper lag. Da ein weiteres Zusammenarbeiten unmöglich war, mußte das Berhältnis zum Intendanten vom Ministerium gelöst werden.( Zustimmung lints). Zum Schluß fordert Gen. König, daß die im Unterrichts. ausschuß bereits angenommenen Anträge auf Schaffung einer fimultanen pädagogischen Atademie in Frant. furt a. M. eine Fassung erhalten, monach die Zusammenlegung des Lehrtörpers und die Gestaltung des Unterrichts so eingerichtet werden müssen, daß jeder, der die Universitätsreife erlangt hat, unabhängig von seiner Religion oder Beltan. chauung feine Ausbildung erhalten tann. Diese Fassung will vor allem den Dissidenten den Zutritt zur Akademie ermöglichen. Kultusminifter Beder führte dann in einer längeren Rebe über den Fall Schillings u. a. aus: Der Fall Schillings ist ein politischer und gewiß fein parteipolitischer Fall. Es steht vielmehr das Problem der staatlichen Kunstpflege zur Debatte, eines der wichtigsten Kulturprobleme der Gegenwart. Für die Entlassung des Herrn v. Schl lings trage ich nicht nur die formelle Berantwortung, sondern ich trage fie auch sachlich, da ich die Angelegenheit des Herrn v. Schillings, gerade megen meiner Berehrung für den Künstler, seit Jahren verfolge und nichts Amtliches in dieser Sache ohne warten, daß ich Referenten, an deren Integrität ich nie zu meine Ermächtigung geschehen ist. Man tann von mir nicht er. zweifeln Gelegenheit hatte, und denen der Landtag wiederholt seine Anerkennung ausgesprochen hat, auf Grund einer im Augen blid vielle.cht überfchapten Unbeliebtheit aus ihrer Stellung ents gehabt.( Beifall links, Sischen rechts.) fernt Auch mein Herr Vorgänger hat hierzu feine Veranlaffung mit Herrn v. Schillings war nicht mehr möglich, meil er als JuDas Zusammenarbeiten tendant zur Führung der Geschäfte denkbar ungeeignet war. Wenn trotzdem ber Bertrag mit ihm erneuert worden ist, fo trägt die parlamentarische Berantwortung dafür mein Borgänger. Ich lerischen Bersönlichkeit Schillings willen auch glaubte, größere Unwar allerdings die treibende Kraft dazu, weil ich um der tünst zuträglichkeiten in Rauf nehmen zu müssen. Die schwersten Be denken find auch erst nach der Bertragserneuerung entstanden, sie maren so, daß ich mit meinen Referenten, alten bewährten BcMeinung tommen mußte, daß ein Zusammenarbeiten amten, und dem Herrn Finanzminister schließlich zu der nicht mehr möglich mar. Der Vertrag wurde fristlos gelöst, weil es für Verträge, mie Herr n. Schillings einen hatte, eine andere Lösung nicht gibt. Darüber müssen die Gerichte ent. scheiden. Ich sehe hier eine Lücke im Gesetz. Abg. Kilian( Komm.) betont, die kommunistische Fraktion vers urteilt das Berhalten des Herrn von Schillings, der politisch und fünstlerisch reaktion är eingestellt sei. Abg. Dr. Bohner( Dem.) Der Fall v. Schillings zeige die Rechte in einer ganz neuen Situation, nämlich als Berteidiger der Kunst. Das Borgehen des Herrn von Schil lings sei nicht zu verteidigen. Aus Gründen der Staats autorität und angesichts des Berhaltens des Herrn D. Schillings fönne seine Bartei dem Antrag der Deutschen Boltspartei nicht zustimmen. Bu münschen sei, daß man, nachdem Der Staatsautorität Genüge geschehen ist, auch dem Künstler und Menschen die Hand reiche. Abg. Dr. Klant( Wirtsch. Vgg.) mendet sich gegen die Stellung des Ministers im Fall Schillings. Abg. Dr. v. Brehmer( Bölf.) bezeichnet es als merkwürdig, daß nach der Entlaffung Schillings plöglich Geld zur Durch führung aller Reformen, die Schillings forderte, ihm aber nicht bewilligt murden, da wäre. Der Fall Schillings sei ein Beispiel dafür, wie ein unbequemer Mann mit allen Mitteln be feitigt werden soll. Den bekämpften Vertrag mit Barbara Remp habe nicht Schillings, sondern Winter gemacht, und er habe die Genehmigung des Ministers gefunden. Das holländische Gastspiel habe 10 000 m. plus gehabt. Der Minister habe der deutschen Kunst im Inland und Ausland Schaden zugefügt. ( Ordnungsruf des Präsidenten.) Nach Schluß der Aussprache gibt Abg. Bälih( D. Bp.) eine Erklärung ab zu der Behauptung des Ministers Becker, er, Bölik, fei als Minister selbst gegen eine Erneuerung des Bertrages mit Schillings gewefen. Redner habe nie die Absicht gehabt, fich der Persönlichkeit des Herrn von Schillings zu entledigen. Dienstag vormittag 11 Uhr: Fortfehung der Etat. beratung. Kleine Vorlagen. Schluß: 7 Uhr. Abg. Torgler( Komm.) macht den bürgerlichen Parteien den Borwurf, fie hätten den Beamten bei den Wahlen goldene Berge versprochen, um jetzt alle Versprechungen zu vergessen. Abg. Schuldt- Steglitz( Dem.) weist für seine Partei den Vorwurf des tommunistischen Redners zurüd, daß die Demokraten den Be amien Bersprechungen gemacht hätten, ohne an ihre Erfüllung zu denten. Es sei falsch, wenn die Regierung meint, der Antrag des Hauptausschusses bedeute eine Festlegung für die Zukunft. Die Re gierungsdentfchrift fei irreführend und geeignet, die Deffentlichkeit in tendenziöser Entstellung der Tatsachen gegen die Beamten einzunehmen.( Lebhafte Zustimmung fints). Bizepräsident Dr. Bell teilt mit, daß von den Sozialdemokraten namentliche Abstimmung über den Antrag des Haushaltsausschusses beantragt worden ist. Die Weiterberatung wird nach 7 Uhr auf Dienstag 1 Uhr pertagt Gewerkschaftsbewegung Auf Grund dieser Ausführungen fowie 3elentas( Defterreich) und Eichenbergers( Schweiz) wird die vorliegende Entschließung entsprechend abgemildert und mit allen gegen die Stimmen der nordischen Länder angenommen. Sie lautet: Der Konflikt in der Karofferiebranche. Die Funktionäre. der. Karosseriebetriebe waren am Montag im Metallarbeiterverbandshause versammelt, um erneut zu der Situation Die Verhandlungen bei der Reichsbahn gescheitert. Stellung zu nehmen, die durch das Lohnabbaudiftat der Unternehmer Unter Berücksichtigung der Beschlüsse des internationalen Kon gefchaffen wurde. Henschel vom Metallarbeiterverband gab den Situationsbericht. Bis zu Montag abend waren die Beleg gresses der Arbeiter öffentlicher Betriebe in Amsterdam 1919 sowie der Borstandssigung der IFd2. vom 9. Dezember 1925 zu Berlin fchaften von 14 Betrieben, darunter die Großbetriebe don beschließt der Kongreß der IFDA., daß es Aufgabe aller LandesSchebera- Neuß, Maaz, Erdmann und Rossi, Boll und Ruhrbed entlaffen worden, da sie sich weigerten, zu den von den Unterorganisationen ist, zunächst den engeren Zusammenschluß mit den nehmern diftierten Löhnen zu arbeiten. In vielen anderen Be. freigemerfschaftf chen Beamtenorganisationen auf nationaler Grundtrieben arbeiten die Belegschaften zu den alten Bedin lage durchzuführen und begrüßt es deswegen, daß in einigen Ländern schon Bersuche in dieser Richtung gemacht werden. gungen weiter. Dieses uneinheitliche Vorgehen der Unternehmer erklärt sich daraus, daß für die meisten fleineren Unternehmer eine Aussperrung ihrer Belegschaften gleichbedeutend wäre mit dem Busammenbruch ihrer Unternehmen. Es hat überhaupt den Anschein, daß die Großunternehmer die Aktion nur deshalb eingeleitet haben, um sich der fleineren Unternehmer als lästige Kofurrenten zu entledigen. Daß die also vom Untergang bedrohten Unternehmer die Politik des Arbeitgeberverbandes der Karosseriebranche nicht mit. machen wollen, ist mehr als verständlich. BS. Die Berhandlungen, die am gestrigen Nachmittag um 3 Uhr zwischen der Hauptverwaltung der Reichsbahngesellschaft und den Tarifgewerkschaften der Eisenbahner wegen der von dem Ber. fonal geforderten allgemeinen Lohnaufbefferung gepflogen wurden, find, wie mir hören, ergebnislos abgebrochen worden. Bie wir von gemerfschaftlicher Seite hören, lehnten die Vertreter der Reichsbahngesellschaft jede Aufbesserung der Be age ab, obwohl sich die Eisenbahnerorganisationen bemühten, eine Berhandlungsbafis zu schaffen. Das einzige Entgegen tammen, das die Reichsbahn zeigte, sei die Zusicherung gewesen, baß die bisher gezahlten Löhne nicht weiter abge= baut merden sollten. Zur Begründung dieser Ablehnung murde nicht wie bei früheren Gelegenheiten auf die Finanzlage der Reichs bahn hingewiesen, sondern es wurden andere Gründe angeführt, die von den Gewerkschaftsvertretern als nicht stichhaltig bezeichnet wurden. Die Organisationen der Eisenbahner werden im Laufe des heutigen Tages zu dem negativen Ergebnis der BerhandSangen Stellung nehmen und es ist nach Lage der Dinge zu er marter daß man sich an den Reichsarbeitsminister mit dem Erfuchen, ein Schlichtungsverfahren in die Wege zu leiten, wenden mirb. Die Lohnbewegung im Eisenbahnbetrieb. Am Sonnabend und Sonntag tagten in Berlin Vorstand und Berbandsbeirat des Einheitsverbandes der Eisenbahner Deutschlands. Sie beschäftigten sich eingehend mit der Lohn und Gehaltsbewegung im Eisenbahnbetrieb. Das Ergebnis der Aussprache fand in der folgenden, einstimmig angenommenen Entschließung seinen Niederschlag: „ Der Borstand und Beirat des Einheitsverbandes der Eisen bohner Deutschlands nahm in seiner Sigung vom 12. und 13. Dezember zu dem Stand der Lohn- und Gehaltsbewegung Stellung. Er tommt nach eingehender Aussprache zu der einmütigen Ansicht, dah die Notlage des Eisenbahnperfonals die äußerste Grenze erreicht hat. 9 Die Funktionäre hielten im Auftrage ihrer Belegschaften den Beschluß vom Donnerstag voriger Woche auf recht, fich auf teinen fall dem Dittat der Unternehmer zu fügen, selbst wenn die Unternehmer diese Weigerung mit weiteren Ent laffungen beantworten sollten. Da am Mittwoch zwischen bem Karofferiefartell und dem Arbeitgeberverband der Araoferiebranche Berhandlungen vor dem Schlichtungsausschus stattfinden, werden die Funktionäre am gleichen Tage erneut zu sammentreten und zu dem Berhandlungsergebnis Stellung nehmen. Dorarbeiten zur internationalen Spaltung. Wie die Bolschewisten fälschen. Dem Verband Deutscher Berufsfeuerwehrmänner soll bis zu feinem Verbandstage( Juni 1926) Gelegenheit gegeben werden, sich dem Verband der Gemeinde und Staatsarbeiter Deutschlands anauschließen. Bis zu diesem Termin ist ihm die Zugehörigkeit zur IFdA. gestattet. Die Gruppe Krantenpflegepersonal des CNAB. soll auch ferner. hin der IFdA. angeschlossen bleiben fönnen in der Erwartung, daß bie Verhandlungen über den Zusammenschluß mit unserer hoiländischen Organisation zum Ziele führen. 48 Diskussion über die vorliegende Entschließung gegen Musso. Um zweiten Tag eröffnet Will Thorne( England) die lint und die Faschisten. Er bringt zum Ausdruck, daß die englischen Arbeiter Proteftfundgebungen beschlossen hatten, falls Mussolini nach London tommen sollte. Die englischen Par lamentsvertreter der Arbeiterpartei erklärten, feiner Sigung beizuwohnen, in der Mussolini anwesend sei. Nordhoff( Holland) regt an, die Entschließung dem Völker. bund zugänglich zu machen. Der internationale Sekretär van Hinte fagt dies zu Tevenan( England) drüdt fein Erstaunen aus, daß ein so stolzes Bolf wie die Italiener sich die Gewaltherrschaft Mussolinis so lange gefallen lasse. Hierauf wird eine Entschließung einstimmig angenommen, die den Kampf des JGB. gegen den Faschismus billigt und den italienischen Berufskollegen weitestgehende Hülfe zur Wiedererringung der Meinungs- und Koalitionsfreiheit zufagt. Nach einer furzen Erörterung über die vom Borstand vorgelegte Antifriegsentschließung an der sich Levenan( England), Nordgreen( Schweden), Polenste( Berlin), Eichen: berger( Schweiz) und Müntner( Deutschland) beteiligen, wird fie in folgender Faffung angenommen: Unsere Bemerkungen zur Entschließung des englisch- ruffischen Beratungsfomitees fcheinen fich fchneller zu bestätigen, als mir vermutet haben. In englischen Gewerkschaftstreifen ist man offenbar unangenehm überrascht von dem in Berlin gefaßten Entschluß, der die englischen Gemertschaften verpflichtet, im Gegensatz zum JGB. eine internationale Konferenz einzuberufen. Offenbar um die englischen Gewerkschaften in eine ausweglose Sacgalle hineinzuheben, mird mit den gröbsten Entstellungen gearbeitet. So veröffentlicht der Daily Herald" in seiner Sonnabendnummer ein Interview seines Berliner Korrespondenten mit Genossen Leipart. Da heißt es: Die in das Ungemessene gestiegene mirtschaftliche Notlage, unter Herr Leivart gab zu, daß Amsterdam deshalb versucht, die der in erster Linie die Arbeiter aller Lohngruppen sowie die amerikanische Federation of Labour hereinzubekommen, weil diese gefahr auch jetzt noch immer besteht. Die Russen würden Beamten der unteren und mittleren Gehalts fich im Gegensatz zu den Ruffen befindet. gruppen zu leiden haben, erfordert ausreichende und gleichfalls willkommen sein, wenn sie ihre Beziehungen zur Kom( nelle Hilfe. Die Konferenz erflärt sich mit den vom Vor- muniftischen Partei abbrechen würden ftand getroffenen Maßnahmen voll einverstanden und beauftragt ihn, alles Erforderliche zu unternehmen, um die verzweifelte wirt fchaftliche Lage der Arbeiter und Beamten zu bessern. 7 Der Borstand und Beirat nimmt Kenntnis von den auf die Gehaltsaufbefferung bezüglichen Beschlüssen des Reichstags. ausschusses. Die Konferenz fann fich des Eindrucks nicht ermehren, daß dieser Ausschuß bei seiner Beschlußfassung die Not lage der unteren und mittleren Beamtengruppen nicht voll ge mürvigt hat unb ermartet vom Plenum eine gründliche Revision zugunsten der unteren und mittleren Besoldungsgruppen. Bon der Hauptverwaltung der Deutschen Reichsbahn. gesellschaft mus unbedingt gefordert werden, daß sie der NotLage der Lohn- und Gehaltsempfänger durch eine weitgehende 2ufbefferung der Löhne und Gehälter Rechnung trägt." Streifbrecher werden gesucht! Wir wiefen bereits in einer Notiz darauf hin, daß die Beleg schaft der Bianomechanitfabrit von Walter auth, Shlesische Straße 18, fich im Abwehrstreit befindet. Herr Bauth verlangt von seinen Arbeitnehmern, daß diese einen Ab. zug von 25 Broz. hinnehmen sollen, damit die Firma in der Lage ist, ihren Betrieb zu fanieren. Die organisierte Arbeiter schaft des Betriebes hat dieses Ansinnen abgelehnt, mogegen die sogenannten Schieber des Betriebes oder Borarbeiter, mie fie fich bezeichnen, im Betrieb als Rausreißer fungieren. Der Retriebsleiter der Firma, Herr Baul Hedert, bemüht sich eifrig um Streifbrecher und läßt tein Mittel unversucht, um die Streifenden Arbeiterinnen vom Streit abtrünnig zu machen. Folgen des Schreiben zeigt die Spefulation dieses ehemaligen Auchfallegen: Jch höre, daß Sie in Not sind und stelle Ihnen anheim, die Arbeit bei mir wieder aufzunehmen. Meine Privatadresse ist: Neukölln, Schillerpromenade 3." Herr Hedert hat mit diesem Schreiben gleichfalls wenig Erfolg gehabt. Bielleicht ist es ihm möglich, durch diese Bekanntgabe die notwendigen Arbeitskräfte zu erhalten, und wir empfehlen, daß die Intereffenten Herrn Heckert in seiner Pripatwohnung besuchen. Bon den Streifenden ist uns mitgeteilt worden, baß für längere Zeit die Invalidenmarfen nicht geflebt worden sind. Die betroffenen Arbeitnehmer haben die Karten der Landesversicherung zwecks Nontrolle überwiesen. P Achtung! Holzarbeiter Sperre! In der Tischlerei von Karl Streder, Romintener Straße 36, stehen die Kollegen im Ab. mehrstreit Herr Strecker hat einen 2ohnabbau angeordnet, gegen den sich die Ausständigen wehren. Die Firma sucht iekt Arbeitswillige", die den Streifenden in den Rüden fallen follen. Wir machen hiermit jeden Holzarbeiter auf diesen Betrieb aufmerffam und erwarten, daß es feinen Menschen gibt, der diesem renitenten Herrn Helfersdienste leistet. Wer in diesem Betrieb Urbeit aufnimmt, verrichtet Streitbrecherarbeit, deshalb ist 3uzug fernzuhalten. Deutscher Holzarbeiterverband, Berwaltungsstelle Berlin. | " Der Kongreß der internationalen Federation der Arbeiter in öffentlichen Diensten und Betrieben stellt fest, daß trog der furcht. baren Erfahrungen in dem Beltfrieg 1914 bis 1918 die Kriegss Der Kongreß erklärt sich mit den auf den verschiedenen Kon ferenzen der freien Arbeiterbewegung gefaßten Beschlüssen einvers standen, in welchen die Arbeiterklasse aufgefordert mird, für Ab. rüstung und Frieden zu fämpfen. Der Kongreß fordert die angeschlossenen Organisationen auf, dafür zu kämpfen, daß baldmöglichst die schon so oft angekündigte allgemeine Abrüstung durchgeführt wird. Erst nach erDazu ertiärt uns Genoffe Leipart, daß er die von uns unter Fettbrud hervorgehobenen Redewendungen selbstverständlich nicht gebraucht habe. Er habe weder gefagt, daß man die amerikanischen Gewerkschaften zum Beitritt aufgefordert habe, weil sie Gegner der Russen seien, noch verlangt, daß die russischen Gewerkschaften ihre Beziehungen zur Kommunistischen Bartei abbrechen müßten. Gefolgter Abrüstung werden Staat und Gesellschaft die reichen Mittel noffe Leipart erklärt ausdrücklich, daß er im Gegenteil die Autonomie jeder Landeszentrale innerhalb des JGB., also auch der russischen betont habe. in dem ja ein großer Teil der Mitarbeiter und Korrespondenten des Diese Gegenüberftellung zeiat, wie im bolichemistischen Lager, Daily Herald stehen, gearbeitet wird, um die Engländer zum Bruch mit der internationalen Gewertschafts. bewegung zu treiben. Es bedarf feines Wortes, um zu betonen, daß die„ Rote Fahne" erst recht in diese Kerbe haut. Sie erzählt ihren gläubigen Lesern in Deutschland und Rußland, daß der Vorwärts" von den Beschlüssen des englisch- ruffischen Beratungskomitees teine Kenntnis genommen habe. Unsere Lefer missen, daß mir die Entschließung wörtlich abgebrudt und entsprechend tommentiert haben. Dagegen vermissen wir sowohl in der Freitag, wie in der Sonnabendnummer des „ Daily Herald" stehen, gearbeitet mird, um die Engländer die geradezu ulfia wirkenden Fälschungen des Blattes immer ein zugehen. verlohnt sich nicht... Sie gehen fogar foweit. dabei eine Rede von Winston Churchill gegen die englischen Sozialisten durch Einschaltungen und Auslaffungen umzudeuten in eine Rede zugunsten der Amfterdamer Gemerffchaften und gegen die englischen und ruffischen Gewerkschaften. Mit solchen plumpen Fälschertrids arbeitet man unter bem Mantel der Einheitsfront auf die Spaltung der Gewerf. schaften hin! Internationale Gemeindearbeiter- Konferenz. Während die Debatten über den Geschäftsbericht des Inter nationalen Sekretärs van Hinte schnell zum Abschluß gebracht merden konnten, da gegen die Tätigkeit des Sekretärs feine En wendungen gemacht wurden, entspann sich eine längere Debatte über eine Entschließung des Borstandes der IFDA, die sich zum Teil gegen die in Paris neu geschaffene Beamten Inter. nationale wendet, weil besonders in Frankreich und Belgien die Beamten und Lehrer dem Allgemeinen Gewerkschaftsbund angeschlossen sind und demzufolge die IFDA. als allein zuständig er. achtet wurde. Aehnlich scharf sprechen sich die standinavischen Dele gierten gegen die neue Beamten- Internationale aus, weil sie auch in einigen Ländern nicht freigewerkschaftlich organisierte Beamtenverbände bis auf weiteres zuläßt. Nordhoff( Holland), der gleichzeitig Bertreter des hol. ländischen Krantenperfonals und internationaler Sekretär der Be amten- Internationale ist, schildert ausführlich deren Entstehung. Der Beamten Internationale gehören zurzeit acht Länder an. Nur Frankreich( für die Hälfte der Mitglieder) und England gehören noch nicht den freigewertschaftlichen Landeszentralen an. Nordhoff erklärt mit allen Kräften für deren baldigen Anschluß eintreten zu wollen. freibekommen, um ihre großen sozialen Aufgaben zu lösen, ins. besondere dem in öffentlichen Diensten und Betrieben beschäftigten Personal, das heute in allen Ländern die Hauptlasten für die Kriegsrüstungen tragen muß, gesicherte Stellung und auskömm liche Lebensbedingungen zu gewähren." Aus der Partei. Jum Fall Fenste. Bon der Bereinigung fozialdemokratischer Studenten, Orto gruppe Berlin, wird uns geschrieben: „ Die Münchener Universitätsbehörben haben dem tommunistischen Studenten Martin Fenske die weitere Zulassung zum Studium vermehrt und damit offensichtlich gegen§ 118 der Reichsverfassung verstoßen. Aus diesem Grunde hat der geschäftsführende Hauptvorstand des Verbandes sich an die sozialdemokratische den Stelle die Zusicherung erhalten, daß die Angelegenheit verfolgt Reichstagsfrattion gemandt und von der in Frage kommen würde; des weiteren hat der Hauptvorstand auf Grund des Beschluffes der Berliner, Freiburger und Bonner Gruppen sich auch nach München gewandt und von dort die Auskunft erhalten, daß beim Kultusminister Matt eine Beschwerde anhängig ist, daß die Landtagsfraktion der SPD. in München sich mit dem Fall be. faßt und daß auch von Dozentenseite weitere Schritte getan werden. Da mit den Auskünften das ausdrückliche Ersuchen verdes Sachverhaltes von Kundgebungen Abstand zu nehmen, hat der bunden war, vor Abschluß der Aktion und endgültiger Klärung Hauptvorstand von einer. Beteiligung an einer von den Kom. munisten und ihnen größtenteils nahestehenden Organisationen einberufenen Bersammlung im gegenwärtigen Zetpunkt bst and genommen, behält sich aber vor, falls feine befriedigende Regelung des Falles erfolgt, gegen diesen Verfassungsbruch gemeinsam mit allen verfassungstreuen Studentenfreisen eine gemeinsame Kundgebung zu veranstalten." Die Adresse der in unserer Montag- Abendausgabe erwähnten neuen französischen sozialistischen geirichrift La nouvelle revue Socialiste" lautet: Paris, 9 rue de la Poterie I( und nicht, wie irrtümlich angegeben: Pairie). Berantwortlich für Bolitik: Ern Reuter; Birtschaft: Artur Saternus; Gewerkschaftsbewegung: 3. Steiner; Feuilleton: K.$. Difcher; Lotales und Sonstiges: Frig Karstädt; Angrigen: Th. Glode; fämtlich in Berlin. Berlag: Vorwärts- Berlag G. m. b. S.. Berlin. Drud: Borwärts- Budbruderet und Berlaasanstalt Toul Einaer u Co. Berlin 1868 Pindenstraße 3. Sierzu 1 Beilage and Unterhaltung und Biken". Weihnachtsangebot LOESER& WOLFF! LOESER ZWOLFTE Zentrale: BERLIN C 25, Alexanderstrasse 1 Präsentkistchen in 10, 25 und 50 Stück- Packung. Elegante Sortiments- und Schatullen( Zedern- Naturholz) Kisten zu 25, 50 und 100 Stück Inhalt. Ausserdem: 3 der Konsumkraft angepasste Neuheiten LOESER WOLFFE Nr. 10 unsortiert, die einfache Gebrauchszigarre in leichter Mischung mit Sumatra- Decke, 10 Pf. das Stück Yacumanza in Kisten zu 50 S.ück... das S.ück 15 Pl. In Orig nalgrösse ein feines Vorstenlanden- Produkt Marktzeichen in Kisten zu 50 Stu k.... das Stück 15 Pt. in Or gi algrösse mit Sumaliadecke, leicht und fein im Geschmack Ueberzeugen Sie sich von der guten Qualität und der unbedingten Preiswürdigkeit! Nr. 590 ♦ 42. Jahrgang 7. Heilage ües Vorwärts dlenstag, 15. Dezember 1925 Das Hroßgefthäst mit öer Weihnachtstanne. Als Symbol der Weihnachtsfreude gilt feit Generationen der im Glanz der Lichter strahlende Weihnachtsbaum� Der Baum- schmuck wird Jahr um Jahr aufbewahrt und, wenn es der Geldbeutel erlaubt, wird dieses und jenes zur Ergänzung der tastbaren, zer- brechlichen Dinge, mit denen der Weihnachtsbaum geschmückt ist, hinzugekauft. Schade ist nur, daß man den Weihnachtsbaum nicht auch aufbewahren kann. Gerade in den Zeiten der Arbeitslosigkeit und der Krise wird von zahllosen Familien der Kauf eines Weih- nachtsbaumes, der Not gehorchend, unterlassen werden. Die Preise des Borjahres werden auch viele veranlassen, mit dem Einkauf des Weihnachtssymbols bis zum letzten Augenblicke zu warten. Weih- nachten 1324 kamen so grotze Mengen von Bäumen nach Berlin. daß selbst in wirtschaftlich guten Zeiten der restlose Berkauf kaum möglich gewesen wäre. Je näher der 24. Dezember herankam, desto mehr ging der Preis herunter. Am Weihnachtsabend selbst konnte der, der mit dem Einkauf seines Baumes gezögert hatte. Bämn« geschenkt erholten, und gerade die Bäume wurden ohne Entgelt ab- gegeben, die bei normalem Geschäft im Preise am höchsten standen. In diesem Jahre dürste die Lage nicht viel anders sein. Gewiß, diejenigen von den Weihnachtsbaumhändlern« die im vorigen Jahre üble Erfahrungen gemacht haben, dürften in diesem Jahre chre chand ganz aus dem Spiele lassen oder doch etwas vorsichtiger sein. Aber gerade in Zeiten wirtschaftlichen Niedergangs gibt es genug,. die mit dem letzten aus dem Schiffbruch erresteten Gelds versuchen, an Saisongeschäften, wie es auch der Weihnachtsbaumhandel ist, zu verdienen und ihren hilfsbedürftigen Finanzen etwas auf die Beine zu helfen. die Händler. In allen waldreichen Teilen Deutschlands mit Fichten- und Tannenwäldern, besonders in denjenigen Teilen, in denen sich noch viel Wald im Privatbesitz befindet, in Schlesien, in Ostpreußen, in Thüringen, in Holstein, tauchen monatelang vor dem Weihnachts- fest Aufläufer auf und versuchen die Waldbesitzer zur Abgabe größerer Posten Weihnachtsbäume zu bewegen: größere Posten be- deutet in diesem Falle mindestens ein Waggon. Der Waldbesitzcr, der meist Landwirt ist, läßt sich erst dann dazu herbei, Verträge mit dem Aufkäufer abzuschließen, wenn er etwas Vorschuß in der Tasche hat. Mitte— End« November beginnt das Fällen, und Anfang Dezember werden die Bäume nach Berlin verladen. Viele Mög- lichkeiten des Verkaufs ergeben sich nun. Entweder der heimische Aufkäufer reist selbst nach Berlin mit einer Anzahl von Verkäufern, die aus den Berliner Plätzen und Straßen gegen Gehalt, Provision und Spesen ihre Ware an den Mann zu bringen suchen und den Erlös an ihren Auftraggeber abliefern. Dieses Geschäft kann sich sehr schnell abwickeln, birgt aber in Zeiten schlechten Absatzes, wie wir sie augenblicklich haben, ein sehr erhebliches Risiko in sich. Diel häufiger werden die aufgekauften Bäume waggonweise an die Berliner Engroshändler abgegeben, und diese geben sie»u kleinen Mengen von 10 Bäumen aufwärts an Händler ob, die sie direkt ans Publikuin verkaufen. Mit Händlern, die schon jahrelang diesen Verkauf betreiben und den Engroshändlern bekannt find, werden Kommifflonsgefchäfle gemacht, d. h. die Händler nehmen zu einem vereinbarten Preis die Bäume und versuchen sie nun zu verkaufen. Für den Fall des Gelingens liefern sie den vereinbarten Preis ab, für den Fall des Mißlingens erhält oer Engroshändler die Bäume zurück. In den meisten Fällen aber erfolgt der Verkauf an die Detailhändler auf feste Rechnung, und zwar direkt aus dem Waggon heraus oder noch häufiger auf dei? Plätzen, auf denen die Engros- Händler Ihre Ware zur Schau stellen. Es sind dies natürlich in erster Linie Plätze, die in der Nähe der Güterbahnhöfe liegen. (Nordbahnhof, Schlesischer Bahnhof, Ostbahnhof.) Es gibt unter diesen Händlern einen gewissen Stamm, die stets um die Weihnacht?- zeit sich mit dem Weihnachtsbaumhandel abgeben, in der Regel Straßenhändler, die gerade das zu Gegenständen ihres Verkaufs machen, was die Saison mit sich bringt. Sie haben ihre Berkaufs- routine, sind auf ihre Käufer eingestellt. Sie werden meistens ihre Bäume absetzen. Biel größer aber ist die Schar der Gelegenhcits- händler, die gerade keine Beschäftigung haben und nun versuchen, ihr unzureichendes Einkommen aus der Arbestslosenunterstützung zu vergrößern. Aber gerade ihnen gelingt der Nebenverdienst meist vorbei, trotzdem das Polizeipräsidium bei der heutigen Wirtschafts- läge mit Recht in der Erteilung von Gewerbescheinen sehr entgegen- kommend ist. Diesen Gelegenheitshändlern fehlt die Erfahrung, Sicherheit und Gewandtheit. die preise. Und nun zu den Preise». In den Zeiten, in bellen die Holz- preise sehr hoch sind, werden auch die Preise fsir die Bäume leider nicht niedrig sein. Denn die hyhen Holzpreise stehen nur aus dem Papier. Die gerade jetzt zahlreich angesetzten Holzauktionen zeigen, daß die meisten von ihnen ausfallen müssen, weil zu den Taxpreisen, unter denen die �ur Auktion gestellten Holzpartien nicht vcrkausl werden dürfen, Käufer nicht zu hoben sind. Die Waldbesitzcr ziehen es deshalb vor, die Bäume, die sich zu Weihnachtsbäumen eignen, billiger gegen sofortige Kasse zu verkaufen. 1 M. bis- 1,50 M. ist der Durchschnittspreis, den der Großhändler an den Waldbesitzcr für einen Baum zu zahlen hat. Für l.ko bis 3 7N. müßte man also bei Einberechnung von Unkosten und Risiko durch Aussälle, Gewinne usw. einen Baum haben können. Kaum aber hat der Markt be- gönnen, kommen auch, und zwar von allen Seiten, lebhafte Klagen über zu hohe Preise. So schreibt uns ein Händler aus nein Norden Berlins, der vor einigen Tagen auf dem Engrosmarkt Tempelhofcr Feld ein Schock Bäume erwerben wollte:„Es liegen dort hunderte von Bahnladungen, kleine, mittlere und große Bäume. Ich habe mich fast überall nach den Preisen der Bäume erkundigt, der von 75 M. bis zu 200 M. pro Schock steigt. Die Bäume zum Einkaufspreis von 75 M. sind jedoch kaum»och als Weihnachtsbäume anzusprechen. Ein mittlerer Baum tostet im Einkauf mindestens 2 M. HInzukommi Fuhrlohn, Standgeld und Umsatzsteuer, so daß auf elnen Baum ein- schließlich Einkaufspreis 2,30 bis 2,50 M. lasten. Wie soll nun aber ein derartiger Baum verkauft werden? Gar nicht zu sprechen vo» den besseren Bäumen die allein im Eintauf 3,50 M. kvNen würden. Was aber sagt die Polizei zu solchen Wucherpreisen?' Ein weiterer Protestbrief äußert sich ähnlich:„Auf dem Tempelhofer Feld sowie überall in Berlin verlangen die Großhändler für ein Schock mitt- lerer Fichten 120 bis 160 M. Jetzt haben die Großhändler einen Ring gebildet und halten die Ansubr gewaltsam zurück, um für die Bäume jeden beliebigen Preis foroern zu können. Es ist höchste Zeit, daß die Polizei, wie vor zwei Jahren, die Sache in die Hand nimmt und Richtpreise für den Großhändler festsetzt. Die Groß- Händler haben im vorigen Jahr teilweise einen Reinfall erlitten und wollen mlt einem Schlage auf einmal alles wieder auf Kosten des an sich zahlungsschwacheu Publikums hereinholen." Eine Konirollc und Preisumirage auf Grund der Beschwerden bestätigten die Aa gaben zum größten Teil. Di« Großhändler begründen ihre Preise mit dem Hohen Standgeld, den Transport- und Umsatzsteuerkoste» und glauben sich als absolut im Recht. Ein Großhändler sogar scheute sich nicht zu sagen, daß die schlechten Bäume in den letzte» Tage» vor de in Fe st teurer sein werden, als zurzeit gute ausgesuchte Ware. In der T"t Woe' es gut, wenn die Polizei rechtzeitig eingriff, ehe sich wieder e'.n.iiui ein beschämender Kampf um den„Friedensbauw" entspinnt. Vor allen Dingen täte die Behörde gut, ihre Nachforschungen auf etwa zurückgehaltene Ware einzustellen. Der Einschlag an Weihnachts- bäumen ist in diesem Jahre so reichlich erfolgt, daß von einer Knapp- hcit gar keine Rede sein kann. !>! Der Weihnachtsbaummarkt hat begonnen. Man kann dcz Händlern angemessenen Berdienst nicht verübeln. Im Interesse de« Kinder aber muß man erst recht wünichen, daß die Bäume zu er- schwinglichen Preisen verkauft werden, damit auch Weihnachtsfreude in das Heim der für die Armen beispiellos harten Zeit einziehe. Tapfcrc Selbsthilfe. Die Weihnachszeit ist eine Zeit der Ernte für alle, die in nfsenen' Läden ihre Waren feilhalten: Für viele ist der WeihnachtSumfatz so ausschlaggebend, daß über die Möglichkeit, im Wettbewerb sich weiter zu behaupten, durch ihn ontschiodcn wird. In dieser Zeit, wo asse um. Beachtung werben, wendet auch der S c l b st h i I f e b u n d der K ö r p c. behinderten sich wieder mit einer Weihnachts- messe an die Bevölkerung. Krüppel, die nicht der Wohljahrts- pflege auheimsallen wollen, sondern in tapferem Trotz jich gegen das Schicksal wehren, haben die Erzeugnisse ihres Fleißes ausgestellt und hoffen auf Käufer. Allerlei Gc- brauchsgegenstände salzen wir dort, nützliche Dinge, die auch durch die Schönheit der Ausführung erfreuen, kunstgewerbliche Nadel- arbeiten, feine Holzeinlegearbeiten, hübsche Puppen und sonstiges Spielzeug. Manches Stück ist mit schwer gelähmten Händen in langer Mühe und ausdauernder Geduld angefertigt 421 Die Passion. Roman von Clara Viebig. oic weinten alle; nur Eva weinte nicht. Weit aufgerissen, wie jedes festen Punktes beraubt, flackerten ihre Augen. Sie. ging an der Hand des Onkels. Stefan Wilkowski fühlte die eiskalten Fingerchen in feiner Hand und dachte immer nur: was nun? Bei dem jungen Stiefvater kann sie doch auf die Dauer nicht bleiben. Es wird wohl nichts helfen, du wirft sie wieder zu dir nehmen muffen! Er hatte Angst vor seiner Frau. Aber dann dachte er an den letzten Besuch seiner Schwester, und ein Schauer überlief ihn. Vorderhand ging es ober so weiter, wie es bisher ge- gangen war. Der Stiefvater kam spät nach Hause, stand spät auf, Eva besorgte den kleinen Haushalt schlecht und recht, nur daß abends nicht wie bisher die Mutter müde nach Hause kam, und niemand sie küßte, und niemand zärtlich sprach: „Meine kleine Eva!" Sie war noch immer wie betäubt, es war ihr noch immer nicht klar zum Bewußtsein gekommen, was sie verloren hatte. Ella Wilkowski hatte darauf bestanden, daß zum Be- gräbnis ein Prediger genommen wurde— ein protestantischer natürlich, ein katholischer wäre ja sowieso nicht gekommen, Olga war niemals mehr zur Beichte gegangen. Es machte sich so anständiger, und dann hat man bei solchen Gelegen- heiten doch auch das Bedürfnis nach einem geistlichen Wort des Trostes. Der Prediger sprach, wie er unter solchen Um- ständen zu sprechen pflegte. Da fiel seln Blick auf die kleine dürftige Gestalt in dem viel zu weiten schwarzen Kleid, um deren zur Seite geneigtes, wie geknicktes Haupt ein dünner Trauerschleier flatterte— das zurückgebliebene Kind der Der- storbenen! Und sein Ton wurde plötzlich tiefer, herzlicher:„Es ist das Kreuz von Golgatha, Heimat für Heimatlose." hörte Eva. Aber es glitt an ihr vorüber.-------- Es waren ungefähr vier Wochen nach Olga Wilkowskis Tode vergangen, als es an der Wohnungstür läutete. Eva hatte, ohne sich mit irgend etwas zu beschäftigen, in einem Winkel der Stube gesessen und auf den Platz gestarrt, auf den kleinen Sessel mit dem bunten altmodischen Stickereikissen aus Großvaters Haushalt, wo ihre Mutter immer zu sitzen pflegte, wenn sie zu Hause war und müde war und sich aus- ruhte. Der Stiefvater hatte ihr heute morgen gesagt, daß zwar die Miete noch von Olga für dies Bierteljahr bezahlt worden, daß aber sonst gar kein Geld da war. Das Begräbnis hatte viel gekostet: man war es Olga schuldig gewesen, daß da» durchaus anständig gehalten wurde. Obgleich Wilkowski sich auch sehr anständig dabei gezeigt hatte, und Evas gütige Protektorin, der er es gleich mitteilte, fünfzig Mark geschickt hatte in einem lieben Brief an Eva, so war doch jetzt „Alles alle". „Und ich kann auch so nicht weiter leben," sagte er, und die Tränen traten ihm dabei in die Augen und rannen ihm an der Nase herunter.„Hier seh ich sie immer vor mir. Es ist mir ganz scheußlich zumut. Es hätte manches anders sein können. Ach, es tut mir so leid! Ich möchte auch dich nicht im Stich lassen— aber es geht doch nicht anders!" Er seufzte und sah sehr niedergeschlagen aus. Aber dann sing er an, im Zimmer auf und ab zu rennen.„Ich muß fort, ich halte es nicht aus hier. Ich habe gestern ein Engagement ange- nommen in einer Kapelle nach Südamerika— fein,- was? Da ist Sonne, da ist Wärme, da ist was los. Zum Ersten reise ich, du mußt nun sehen, wie du dich unterbringst. Evchen. Der Onkel wird dich ja nehmen. Und dann oerkaufst du den ganzen Kram hier, was sollst du damit? Ich will nichts davon, und du hast dann doch ein paar Groschen. Nimm es nicht übel, Kochen, aber so allein mit dir, das ist doch nichts." Er hatte ihr gutmütig die Hand gegeben, und sie hatte die auch genommen, seit langer Zeit zum erstenmal wieder: ohne Eifersucht, ohne Abneigung, oder Haß— er hatte ja ganz recht so. Und nun saß sie und brütete darüber: was sollte sie tun? Es klingelte jetzt, sie ging ganz mechanisch, noch befangen von dem: was soll ich tun?, und machte auf. Eine Dame stand draußen, die sie nicht kannte: das heißt, eine Dame war es eigentlich nicht, nur so etwas ähnliches. Eine heisere, etwas rauhe Stimme fragte:„Hier soll doch das Fräulein Olga Wilkowski wohnen? Aber an der Tür steht„Blechhammer". Wohnt die denn nicht hier." „Nein, sagte Eva. «Llber sie sagten mir doch so im Geschäft in der Leipziger Straße. Wo is sie denn hingezogen?" Eva hob den Arm, es flimmerte ihr vor den Augen. Sie wies mit der Hand wie in weite Fernen:„Sie ist tot. „Tot?" Die Fremde stieß einen durchdringenden Schrei aus.„Tot. meinte Olly. Ollychen tot?" Und sie stürzte an Eva vorbei ins Zimmer, warf sich da auf den Platz, auf den hin Eva noch eben so sehnsüchtig gestarrt hatte, so hilfesuchend: was soll ich tun, und schluchzte herzbrechend. Wer war das? Olly, Ollychen— die mußte die Mutter gut gekannt haben, die tat ja so liebevoll, so oertraut! Und plätzlich dämmerte etwas in Eva. Aber damals war die hübscher gewesen, jünger. Die hatte ein rosa Bett gehabt, das hatte sie nie vergessen, das stand wie ein Märchen in ihren Kindheitserinnerungen. Und die nassen Schuh« hatte sie ihr ausgezogen und die kalten Füße ganz warm gerieben.„Meine Mutter hieß Frau Blechhammer, sie war verheiratet," sagte sie traurig. Und dann noch leiser:„Nun ist sie tot. Lor vier Wochen ist sie begraben worden. Ich bin die Eva." „Du bist die Eva, die kleine Eva, von der Ollychen immer so geschwärmt hat? Ja, nu erkenn' ich dich wieder, obgleich sie dich scheußlich zugerichtet haben mit bei olle schwarze Kleid. Ach Ollychen, meine gute Olly, meine einzige Olly!" Sie weinte aufs neue. Und Eva mußte auch weinen, zum erstenmal sich die Last von der Seele herunter weinen seit der Mutter Tod. Hier, fühlte sie, hier war wirklicher herzlicher Kummer, hier war ganz ungestümes Empfinden, das sich rückhaltslos hingab ohne jeden anderen Gedanken.„Meine Mutter, meine liebe Mutter," schluckzte Eoa. „Meine Olly, meine geliebte Olly," schluchzte das Fräu- lein Helene. Sie zog das Mädchen auf ihren Schoß, nahm es fest in die Arme und küßte es viele Male. Ihre Küsse, ihre Tränen vermischten sich. „Ach, wenn ich das gedacht hätte, dann wär' ich doch schon mal eher hergekommen. Viel früher. Aber ich dachte, sie wollte mich nich mehr. Es kam mir so vor. Oh, ich Dussel!" Sie schlug sich gegen die Stirn, die fuchsiges, wirres Gelock einrahmte.„Hat se denn noch von mir gesprochen, mich noch lieb gehabt, Kind?" Und Eva erzähtte. Sie erinnerte sich, daß die Mutter einmal von der da mit ihr gesprochen hatte— eine gute Freundin von früher— aber weil sie nicht viel wußte, erfand sie dazu. Und Fräulein Helene war so gerührt, daß sie Evas magere Händchen küßte und sie bat, mehr, noch viel mehr zu erzählen. Sie fluchte, als Eva von der Mutter Heirat erzählte., Donnerwetter, so'ne Erzdummheit!" Und fluchte noch mehr, als Eva vom Stiefvater sprach.„So'n gemeiner Hund! Laß'n laufen, mein Kind! So sind die Männer, se taugen alle nischt. Gott, wär' das schön, wenn man die nich brauchte! Ich Hab' meine Erfahrungen gemacht." Fräulein Helene seufzte, ihr Gesicht sah plötzlich ganz zusammengefallen aus, ganz verwelkt, trotz der rosigen Wangen und der tief- roten Lippen.„Was mein Bräutigam is, mit dem war es ja nun auch nischt. Der is ganz alle— der arme Kerl, mein Häseken! Aber das is noch nischt für dich, Kleine!" Sie sah Eva liebevoll an und strich ihr die Wangen.„Deiner Mutter hätt' ich es gern erzähll. Es hat mich so hergetrieben. Ach, meine Olly! Der einzige Mensch, der was wert war auf dieser Welt." Sie war so von Herzen traurig, daß das ver- waiste Kind beide Anne um ihren Nacken schlang und sich an sie schmiegte,(Fortsetzimg folgt.) Eine Gelähmte hat ein Kindermühchen gehätelt und dabei die Häkelnadel mit dem Munde geführt. Eine andere Geworden, aber alles zeichnet sich durch die Sauberkeit der Arbeit aus. lähmte hat ein Kissen gestickt und diese Arbeit mit den Füßen zustande gebracht. Voll Bewunderung und nicht ohne Be schämung stehen wir über jede Behinderung se rasch scheltenden Gesunden vor diesen Arbeiten, die von unserer Willenstraft zeugen. zichten zu wollen, bestanden aber auf der Forderung morali. her Genugtuung, die sich auch in der Uebernahme der Prozeßfosten ausdrüden müsse. Da eine. Einigung nicht erzielt wurde, wird im Januar des nächsten Jahres ein neuer Termin anberaumt werden. Ein 75jähriger. Heute Dienstag begeht der Genoffe Albert Röller, Borsig. straße 24, seinen 75. Geburtstag. Schon in seiner frühesten Jugend fand er den Weg zur Organisation und wurde Mitglied vom ArAbendfeier der Arbeiterwohlfahrtige Berhaftungen begliidt. Bis jetzt hat er immer reges InterDie Ausstellung ist in der Geſchäftsstelle des Bundes( Berlin E., Abendfeier der Arbeiterwohlfahrt Urbanstraße 184, nahe dem Halleschen Tor) untergebracht und wird noch bis einschließlich 23. Dezember( an Wochentagen 9-7, am Sonntag 10-6 Uhr) geöffnet sein. Der Eintritt ist unentgeltlich, und es besteht fein Kaufzwang. Doch ist den Krüppeln, die nicht mit ihrem Schicksal hadern, sondern es zu meistern suchen, rege Kauflust der Besucher zu wünschen. Familientragödie in Tegel. Mord und Selbstmord. Eine furchtbare Familientragödie hat sich in der vergangenen Nacht in der Egellstraße 20 zu Tegel abgespielt. Hier wohnt seit vielen Jahren der 48 Jahre alte Kesselschmied Robert Schade mit seiner ein Jahr jüngeren Frau Selma im zweiten Stock des Borderhauses. Von den beiden Zimmern hat ein ver. heirateter Sohn eins abgemietet. Frau Schade warf schon seit Johren ihrem Manne Untreue vor und beschuldigte ihn, daß er hinter ihrem Rücken ein Verhältnis mit einer anderen Frau unterhalte. Darüber fam es oft zu heftigem Streit, so auch wieder am Sonntag nachmittag. Schade ging dann aus und fam um 12 Uhr nachts heim. Wie Mitbewohner des Hauses befunden, fam es auch jetzt wieder zu einem heftigen 3wist, der in Tätlichkeiten ausartete. Es wurde dann ruhig, und Schade muß sich zu Bett gelegt haben. Um 2 Uhr wurde der Sohn durch einen heftigen Lärm im 3immer der Eltern gewedt. Er fard seinen Bater blutüberströmt auf dem Bußboden liegen. Die Mutter, die voll. ständig angezogen war, erklärte ihm flüchtig, der Vater habe versucht, fie zu würgen. Sie habe sich gewehrt und zu dem Zweck eine Art geholt. Nach diesen turzen Bemerkungen verließ die Frau die Wohnung und kam nicht wieder zurüd. Der Sohn holte schleunigst einen Arzt, der den Mann nach dem Reinickendorfer Krankenhause bringen ließ, wo er befinnungs und hoffnungslos darniederliegt. Wie die Kriminalpolizei feststellte, hat Frau Schade mit dem Gehäuse der Art auf ihren Mann eingeschlagen und ihm den Schädel zertrümmert. Eine große Blutlache im Bett läßt das erkennen. Schade muß dann, wie die Spuren zeigen, trotz der schweren Berlegung aufgesprungen sein und versucht haben, nach der Zür zu fommen. Nach einem heftigen Kampfe, von dem eine Blutlache mitten im Zimmer und Blutfprizer auf den Tapeten zeugen, brach er endlich bewußtlos zusammen. Die Ehefrau wurde bereits am Montag nachmittag als Leiche aus dem Tegeler See gelandet. Die Bermutung, daß fie ihrem Leben selbst ein Ende machen werde, hat sich somit bestätigt. Explosion im Umformerwerk Hermsdorf. Eine große Explosion entstand gestern in dem Umformerwert Nordbahn in Hermsdorf, die eine Lahmlegung des gesamten elektrifchen Borortverkehrs zur Folge hatte. Am Montag nachmittag gegen 3 Uhr explodierte im Umformer werk der Delbehälter eines Transformators. Das überfließende Del geriet in Brand, fonnte jedoch nach verhältnismäßig furzer Zeit gelöscht werden. Durch diese Explosion trat eine Stromunterbrechung ein und der gesamte 3ugver fehr wurde lahm gelegt. Die Störung wurde um so unangenehmer empfunden, als die aus den Arbeitsstätten Kommenden vorerst keine Möglich feit hatten, nach Hause zu gelangen. Erst nach eineinhalbstündiger Berkehrsunterbrechung fonnte gegen 5 Uhr nachmittags der Bertehr mit Dampfbetrieb wieder aufgenommen werden. Die Züge liefen zuerst mit großen Berspätungen. In den Abendstunden fonnte ter Berkehr jedoch wieder planmäßig fortgeführt werden, und zwar mit Dampfbetrieb. Schwere Mefferstecherei zwischen sechs Personen. In der Nacht zum Montag gegen 11 Uhr gerieten an der Ends station der Straßenbahn am Wendenfchloß in Röpenid sechs Personen aus noch nicht ermittelter Urface in einen beftigen Streit, der bald in Tätlichkeiten ausartete. Dabei wurden zwei der Beteiligten durch Messerstiche am Kopf und an den Händen verlegt. Ein herbeigerufener Landposten legte den beiden die ersten Verbände an. Darauf bestiegen die Kampfhähne einen Wagen der Straßenbahnlinie 88 und hier wurde der Streit fortgefeßt, wobei noch eine Fensterscheibe in Trümmer ging. Heute Vorverkaufsbeginn für die Winterfonderzüge. Am Dienstag, den 15. Dezember, also beute, beginnt der Vorverkauf für die Winterfonderzüge der Reichsbahndirettion Berlin bei den Fahrkartenausgaben der Abgangsbahnhöfe und bei den Ausgabestellen des Mitteleuropäischen Reiiebureaus: Raufbaus des Westens; Unter den Linden 57/58; Potsdamer Bahnhof; Bahnhof Friedrichstraße. Bertaufszeit von 9 Uhr vorm. bis 6 Uhr abds. Nach dem Riefengebirge verlehrt je ein Sonderzug am 23. und 26. Dezember, nach dem Glazer Gebirge ein Sonderzug am 30. Dezember, nach dem Bayer. Sochland je ein Sonderzug am 22. und 30. Dezember, nach dem Swarzwald, Württemberg ein Sonderzug am 25. und 31. Dezember, nach Thüringen ein Sonderzug am 31. Dezember. Keine Einigung im Prozeß Volksverband- Börsenverein. # Die In der Klage des Bolfsperbandes der Bücherfreunde gegen den Börsenverein der Deutschen Buchhändler und die Buchhändlergilde fanden vor dem Landgericht I am 14. Dezember 1925 Bergleichsverhandlungen statt, die im vorigen Termin vom Borfigenden, Landgerichtsdirettor Schwarze, unter dem Hinweis, daß die An= griffe des Börsenvereins der Deutschen Buchhändler gegen den Bolfsverband der Bücherfreunde das im Kon furrenzfampf bisher übliche und erlaubte Maß weit überschritten hätten, angeregt morden waren. Bertreter des Börsenvereins erflärten sich zu einer Ertlärung bereit, in der die bisherigen Angriffe zurüdge nommen und die Bermeidung fünftiger ähnlicher Maßnahmen versprochen werden sollten. Sie wollten auch die vom Borsigenden angeregte Einrichtung einer Schiedsstelle für fünftige Streitigkeiten annehmen. Dagegen glaubten sie, die von der Klägerin geforderte Uebernahme der Kosten ihrer Organijation gegnüber nicht verantworten zu fönnen, weil die Bereitmilligkeit hierzu in der Deffentlichkeit als fachliches Unterliegen gedeutet werden würde. Die Bertreter des Bolfsverbandes der Bücher freunde erklärten, auf alle materiellen Entschädigungsansprüche ver W am Sonnabend, dem 19. Dezember, abends 7% Uhr in der Aula der Schule Schönfließer Straße 7. Rezitationen, Gesang, Reigen, Lieder zur Laute. Karfen zu 30 Pf. find zu haben im Frauenfefretariat, Lindenstraße 3, 2. Hof 2 Tr, Zimmer 1, im Lofal Goldfchmidt, Stolpische Straße 36, und an der Abendkaffe. Die städtischen Notstandsmaßnahmen. Beschlüsse mi Haushaltsausschuß. Zu lebhaften Erörterungen fam es am Montag im städti, fchen Haushaltsausschuß bei der Beratung der Magistratsvorlage über Not standsmaßnahmen aus Anlaß der außer ordentlich gestiegenen Erwerbslosigkeit und von Arbeiten an der Nord- Süd- und AEG.- Schnellbahn. beiterverein. Seit 1870 gehört er ununterbrochen der Sozialdemokratischen Partei an. Während des Sozia listengefeges wurde er durch öftere Haussuchungen und auch mehresse an den Parteiveranstaltungen gezeigt. Noch bei den letzten Reichstagswahlen im Dezember 1924 beteiligte er sich an den Flugh gblattverbreitungen. Möge dem waderen, unermüdlichen Kämpfer ein ruhiger und froher Lebensabend beschieden fein. Achtung, Stadtverordnetenfraffion! Seute, Dienstag, nach mittags 5 Uhr( vintil). Frattionefizung im Zimmer 109. Anschließend um 6 Uhr Stadtverordnetenberiammluna. Weihnachtsfeier der Schuhpolizei. Der Gemischte Chor der Berliner Schußpolizei beging am Sonnabend abend in den Kammerfälen feine Weihnachtsfeier. Das reichhaltige musikalische Programm des Abends mies durchweg gute Leistungen des Chors auf, die auf fleißige Arbeit urter dem Dirigenten Hans Morsmenn schließen laffen. Die Kapelle 1 der Berliner Schupo, die die Oratorienchöre fehr im Nachteil. Die Haydn'sche G- Dur- Sinfonie spielte sie unter begleitete, war ungünstig poftiert und gegen die Sänger afuftisch Leitung des Kapellmeisters Hahn mit erfreulicher Bravour. Feier verlief sehr eindrucksvoll. Die wohlwollende Förderung dieser musikalischen Bestrebungen durch die Leitung der Schußpolizei soll auch von dieser Stelle anerkannt werden. Die Folgenschwere Explosion eines Benzinfants. Wie aus Bens heim in Heffen gemeldet wird, hat sich in der Mühle von Schönberg bei Bensheim ein schweres Unglück ereignet. Der Befizer verfurte in Anwesenheit vieler Nachbarn einen eingefrorenen Automotor in Ordnung zu bringen. Dabei geriet der Wagen in Brand und der Benzintant explodierte. Von den in der Nähe stehenden Personen murden etwa 10 bis 12 schwer verlegt und mußten ins Krankenhaus gebracht werden. Jugendveranstaltungen. Der Antrag der Stadtverordneten: Sämtlichen Er werbslofen, die keinen Anspruch auf die gesetzliche Erwerbs lofenfürsorge haben, wird nach Feststellung der Bedürftigkeit durch die amtlichen Stellen Unterstügung in Höhe der Er werbslofenfürsorge aus Wohlfahrtsmitteln gewährt", wurde angenommen. Zu diesem Zweck werden die Wohl fahrtsmittel bis Ende März nächsten Jahres um 10 Millionen Mart aus laufenden Mitteln( Steuern) verstärft. Der hierdurch entstehende weitere Feblbetrag von 10 Millionen Mart ist durch eine Deckungsvorlage für 1925 aufzubringen. Desgleichen wird für Erwerbslose im Fall ihrer Beschäftigung bei Notstandsarbeiten der verausgabte Betrag vom Wohlfahrtsamt erstattet. Ferner wird allen Bedürftigen, einschließlich der Erwerbs. lofen, eine Winterbeihilfe von 2 3entner Kohlen je Familie und je Monat gewährt. Die erforderlichen Mittel von 755 000 m. werden aus laufenden Mitteln bewilligt. Die im Haushaltsplan im Hochbau vorgesehenen Mittel in Höhe von noch 1,2 Millionen Mart werden zur sofortigen Verwendung freigegeben. Die Arbeiten an der Nord- Süd- Bahn werden mit aller Kraft gefördert. Zur Förderung des Wohnungsbaues ist die Zuweisung einer größeren Rubens. Ede Sauptstraße 15. iterer behöneber Gröneberg I: Jugendheim Quote aus der in Berlin aufkommenden Hauszinssteuer mit aller Kraft vom Staate zu fordern. Es ist beim Reich und Staat zu beantragen, daß zur Befämpfung der Arbeitslosigkeit alle geplanten Arbeiten unverzüglich in Angriff genommen, begonnene Arbeiten weitergeführt und die Mittel dafür für Notstandsarbeiten zur Verfügung gestellt werden. Bei der Regierung ist vorftellig zu werden, a fie für schleunige Beratung des Gesezentwurf fiber die Arbeitslaenversicherung eintritt." Das Urteil im Postprozeß. Oberbürgermeister Böß und Stadtrat Wege freigesprochen. Das erweiterte Schöffengericht Mitte fällte in dem Bostprozeß folgendes in unserer geftrigen Abendausgabe bereits turz mit geteilte Urteil: Die Angeklagten Oberbürgermeister Böß und Stadtrat Wege sind des Verstoßes gegen das Postgesez nicht schuldig und werden auf Kosten der Staatstaffe frei. gesprochen. In der Urteilsbegründung führte Landgerichtsdirektor Jasper etwa folgendes aus: Die Einwendungen des Stadtrates Wege seien unbeachtlich. Das Schöffengericht sei zuständig und der Oberbürgermeister Böß, auf deffen Anregung die Versendungsstelle 1922 eingerichtet sei, und Stadtrat Wege als deren Dezernent seien verantwortlich. Es müsse dahingestellt bleiben, ob auch noch andere Magistratsbeamte die Ber antwortung treffe. Soweit es sich um den Ortsverkehr von Briefen handele, habe das Gericht jede Strafbarkeit verneint unter Berufung auf die Entscheidung des ersten Straffenats des Kammergerichts. Die Beamten, Angestellten und Boten stehen nicht im Dienste einer Privatbeförderungsanstalt. Die Einrichtung sei ins Leben gerufen, um den Dienst wirtschaftlich zu ge stalten. Was die Sammelbriefe anbetrifft, die durch die Stadt befördert worden sind, so hat das Schöffengericht entschieden, daß auch diese Beförderung nicht gegen das Postgefeg verstößt. Die Bezirtsämter und Sonderde zernate sind bei der engen Personalunion der Beamten und bei der Ab. hängigkeit der Beamten der Stadt Berlin nicht als selb. ständige Berwaltungsbehörden zu betrachten, die unter das Postgefek fallen. Die ganze Einrichtung der Beförderungsstelle ist eine Maßnahme im inneren Berwaltungs= vertehr. Daher müsse auf Freisprechung erkannt werden. Das Rundfunkprogramm. Dienstag, den 15. Dezember. Außer dem üblichen Tagesprogramm: 9 3.45 Uhr nachm.: Rudolf Wegner: Die Grundlagen der Zeitrechnung 4.30-6 Uhr nachm.: Konzert. 6.45 Uhr abends: Literarische Stunde. Allerlei Sammelwerke": Humor der Nationen Maximilian Bern:„ Die zebnte Muse" Saat und Ernte Hermann Hesse:„ Sesam. orientalische Erzählungen". 7.15 Uhr abends: Abteilung Sprachunterricht. Englisch( R. Herd7.15 8.10 Uhr abends: Hans- Bredow- Schule( Bildungskurse). 7.50 Uhr abends:( Hochschulkurse). Abteilung man Pender). Philosophie. Dr. phil. et med. Max Dessoir: Menschenkenntnis und Charakterkunde". 8.30-10 Uhr abends: Bunter Abend. 1. a) Stolz: Du sollst der Kaiser meiner Seele sein, b) Lehár: Erste Liebe, c) Schubert- Berté: Unter einem Fliederbaum, aus der Operette, Dreimäderlhaus"( Angela Sax. Sopran; am Flügel: Bruno Seidler- Winkler). 2. Ludwig Thoma: Lausbubengeschichten Wachau. b) W. Lachner: Glocken von Samarang, c) E. di Capua: ( Fritz Rasp, Rezitation). 3. a) E. Arnold: Da draußen in der Maria Marie( Willi Weiß, Tenor; am Flügel: Miezi Peery). 4. a) Kálmán: Kußlied aus der Operette Herbstmanöver", b) Jones: Papageilied aus der Operette, Die Geisha", c) Benatzky Die billige Anette, d) Benatzky: I muß wieder amal in Grinzing sein( Angela Sax). 5. Ludwig Thoma: Lausbubengeschichten ( Fritz Rasp). 6. a) R. Hirsch: Am andern Morgen, b) H. Krome: 10.30 Uhr abends: Winke für Funkbastler( Manfred von Ardenne). Am Kamin, c) T. Springsfeld: Was hält uns jung( Willi Weiß). Anschließend: Dritte Bekanntgabe der neuesten Tagesnachrichten, Zeitansage, Wetterdienst, Sportnachrichten, Theaterund Filmdienst. enn man infolge Leberarbeitung, Krankheit, Nervosität 2c. das Bedürfnis nach einer gründlichen Kräftigung und Auffrischung verspürt, dann versuche man das wohlschmeckende Biomalz. Es gibt wohl kein einfacheres, bequemeres und angenehmeres Mittel; feines erfreut sich einer gleich großen und uneingeschränkten Beliebtheit wie Biomalz. Neben der Hebung des Kräftegefühls tritt fast immer eine auffallende Besserung des Aussehens ein. Man fühlt sich geradezu verjüngt. Man verlange nur das echte Biomalz, nichts anderes angeblich„ Ebensogutes". Achte genau auf das Etikett. ,, Freimaurerei". Heute, Dienstag, den 15. Dezember, abends 7½ Uhr: Gesundbrunnen: Schule Gotenburger Str. 2. Vortrag: Aus dem Leben eines Broletarierkindes". Webbing- Norb: Schule Müllerstr. 48. Bortrag: Rorboft II: Jugendheim Danziger Str. 62. Dichterabend. Schönhauser Borstadt I: Schule Abfenftr. 17. Bortrag:..Wege zur Geme'n Schaft". Prenzlauer Borstadt: Jugendheim Danziger Str. 23. Bortree: ,, Das Weihnachtsfest im Wandel der Rei'en". Senefelber Biertel: Schule Eberswalder Str. 10. Vortrag: Was ift Sozialismus?" Südwest: JunendAbend. 2imter. felbe: Jugentheim Albrechtftr. 14a. Bor'rag: Cozialistische Feiertage". Renföln V: Jugendheim Schierkestr. 44. Borttaa: Soisalistische Erziehung". Reinidendorf- Dft: Geebad", Residenaftr. 46. Bortrag: Pasifismus". Gruppe Moabit II: Seute im Friedrich- Werderfchen Gnmnefium, Bochumer Str. 8b, Beihnachtsfeier: bestehend aus Regitationen, Munt. Liebern zur Laute, Boltstänzen und einem Jugendfviel. Feftrebnerin: Genoffin Dr. Sildegard Weafd eider. Anfang 18 Uhr. Varteigenoffen und genoffinnen find eingeladen. Vorträge, Vereine und Verfammlungen Reichsbanner Schwarz Rot- Gold" Gefchäftsstelle: Berlin G. 14, Sebaftianftr. 37/38, Sof 2 Tr. Brenzlauer Berg. Fr.. d. 18., 8 Uhr, erweiterte Borstandshikung mit allen Ramerabfchaftsführern bei Burg. Kreuzbe n. Kant. Süden und Südweft heute, Di., b. 15., 6.45 Uhr, Antre'en aum Gaalfhuk, Schöneberg, Kolonnenstr. 22/23. Funktionäre achen aum Reim, Urbonftroke. Lichtenberg und Untergruppen. Mi. b. 16., 7.30 Uhr, bei Kamerad Kriner, Türrschmidtstr. 33. Gikung der Borkenden, Aua- und Gruppenführer. Tages. ordnung: Stellungnahme zu den Wahlvorschlägen. Do ,, d. 17., 7,30 Uhr, im felben Lobal Antreten zum Turnen. Pflicht. Freibenker- Bollshotschule. Dienstag, 15. Dezember. 7½ Uhr, Astanisches Gymnafium, Sallesche Str. 26( am Anhalter Bahnhof). Maria Sodann: Broletariat und Gerualethit". Dr. Siegfried Bernfeld, Arthur Seaal und Bruno Taut fprechen am Diens tag, 15. Dezember, 7½ Uhr, im Werner- Siemens- Realgymnasium, Sohen. ftaufen ftr. 47/48, in öffentlicher Versammlung des Bundes Entschiedener Schulreformer". Bernfeld über Das Milieu als Rindererzieher". Genal und Taut über Die neue Wohnung". Jedermann eingeladen. Unkostenbeitrag erbeten. Arbeiterverein für Biochemie und Lebensreform i. B. B. Bezirk Neukölln: Donnerstag, 17. Dezember, 7% Uhr, Mitoliederversammlung im Lotol voit Angebrath, Elbeftr. 28. Gen. Dr. Littmik spricht über Geschlechtsleiden". Gäfte willkommen. Berliner Esperanto- Bereinigung. Dienstag, 15. Dezember, 8 1hr, im Nationalhof, Billowstr. 37, 8 amenhof-Feier. Sport. Für das 3- Stunden- Renren im Berliner Sportpalast, das als Auftakt des am 14. Januar beginnenden 15. Berliner Sechstagerennens am 10. Januar veranstaltet wird, find bereits die ersten Engagements ab gefchloffen worden. Als erste unterzeichnete das ausgezeichnete( Straßens fahrer Team Miete Roch. Ferner der to populare Emil e manom, desgleichen der Auftralier Corry. Als sichere Starter gelten her vor jährige Berliner Wintermeister Alfred Schrage, der Sechstage- Matador Frizz Bauer, der schnelle Dane Jensen, ausler, Münzner, und ber beliebte fleine Reinas. Mit zwei starken belgischen Mann fchaften, ferner mit den Italienein Mori Rizzetto und der jungen rheinländischen Er- Amateur Mannschaft Schamberg Malboff schweben Berhandlungen. Auch der deutsche Straßenmeister Richard uschke dürfte voraussichtlich im Felde zu finden fein. • Geschäftliche Mitteilungen. Die Firma Boefer n. Wolff empfiehlt im Anzeigenteil allen Rauchern thre als vorzüglich bekannten Fabrifate. Gie bringt besonders geschmackvolle Weihnachtspadungen und drei Neuheiten mit billigen Breisen auf den Markt. Weihnachtliche Düfte, wer liebt sie nicht, wem wecken fie nicht die Erinne rung an felige Kindheitstage? Weihnachtliche Düfte, gemischt aus dem Atein der Tanne, dem Aroma des Soniakuchens, der Acpfel, Nüsse und Mandeln, laffen die Nüchternheit der heutigen Reit veraeffen, erhellen die dunklen Tage des Dezembers, an deffen Ende das ftrahlende Beihnachtsfeft steht. Wie schön waren diefe Tage in der Rindheit, angefüllt mit Geschäftigkeit und fellaer Erwartung, welche Feste die Badtage, an denen die weihnachtlichen Ledereien, Soniakuchen, Pfeffernüffe, Marzipan entstanden! Reine Mutter follte es ver fäumen, ihren Kindern durch Serstellung des Gebäds in der eigenen Auche diese Freuden au bereiten. Wie billig ist dies, wenn man ftatt der teuren Butter die Feinkostmargarine Schwan im Blauband" verwendet, die au so billigem Breife in jedem Laben zu kaufen ift. Wetterbericht der öffentlichen Wetterdienstffelle für Berlin.( Nachdr. verb.) Wechselnd, meist start bewölkt. Leichte Schneefälle. Mägiger Frost und Wind am Tage. Für Deuts, land. Im Westen leichter, im Often mäßiger Froft. Ueberall starte, aber mechielnde Bewölkung und leichte Schneefälle. Keine Frau fann es geheimhalten, daß sie ihr Baar mit Lavaren wäscht, denn das steht jeder gleich an der Fülle und dem Glanz! Neu: Biomalz- Schokolade, je 100- Gramm- Tafel 60 Pf. und Biomalz- Bonbons, bestes Linderungsmittel bei Husten und Heiserkeit, vorzüglicher Geschmack, je Beutel 30 Pf. Erhält. lich in Apotheken, Drogenhandlungen und einschlägigen Geschäften. Preis einer Dose Biomalz 1.90 m, mit Lecithin 5 M, mit Eisen( zur Stärkung für Blutarme und Bleichsüchtige) 2.20 M., mit Ralt ertra( zur Stärkung für Lungenleidende) 2.50 M. Druckschriften auf Wunsch umsonst und postfrei. Gebr. Patermann, Teltow- Berlin 10. B Drbeiter Sport Kreistag in Rathenow. # Der 1. Kreis des Arbeiter Turn- und Sport bundes" hielt am 5. und 6. Dezember in Rathenow einen außerordentlichen Kreistag ab. Zur Debatte stand insbesondere die Sparten- und Bezirkseinteilung, da die Fußballer immer noch außer halb der Kreisorganisation stehen, ferner das Abschlußprotokoll des Spandauer Kreisfestes 1924, das noch einmal recht unsaubere Dinge aus der Hochkonjunktur der Lieske- Periode ans Licht brachte. Das Tagungslokal Boltsgarten" war von den Rathenowern festlich geschmückt. Wegen der hohen Delegationskosten war die Provinz wieder nur schwach vertreten: Bon 336 Kreisvereinen hatten nur 185 Vereine 278 Delegierte entsandt; verhältnismäßig gut vertreten waren die Fußballer mit 42 Vereinen und Delegierten. Bom Bundesvorstand waren Koppisch und Schubert erschienen. Kreisvertreter Reichert begrüßte die Delegierten. Als Vertreter der Rathenower Arbeiterschaft hieß Czillat Rathenow die Arbeitersportler willkommen, die„ Rathenower Liederfreunde" leiteten den Kreistag mit zwei Gefängen ein. Koppisch Bundesvorstand ermahnte die Delegierten zu praft scher Arbeit. Zur Tagesordnung wurde ein Antrag Fichte, die Berichterstattung vom Pariser Kongreß der Luzerner Internationale als zweiten Punkt zu verhandeln, mit frapper Majorität( 125 gegen 118) angenommen. Ein weiterer Fichte- Antrag, den gesamten Kreisvorstand neu zu wählen, fand lebhaften Widerspruch und wurde darauf zurückgezogen. " M Frete Swimmer Neukölln. Dienstag, ben 15. Desember, 8½ Uhr, Mi aliederversammlung Jdealtlaufe Marefchftr. 14. Echachveranstaltung. Die Abteiluna Lichtenberg des Berliner Arbeitet. Schachtlubs" veranstaltet am Dienstag, den 15. Dezember, in ihrem Spiel Lotal Junafte. 10 einen Werbeabend. Bortrag des Broblemkomponisten Adam Uebeleisen, Gäfteturnier. Blikturnier, Simultanspiel des Alubmeisters Gnoerr lich. Beginn 7½ Uhr. Eintritt frei. Arbeiter- Sportlartell, 4. Bezirk Brenzlauer Berg. Kartellfigung Mittwoch. den 16. Dezember, 8 Uhr, bei Werner Senefelderfir. 32. Touristenverein Die Naturfreunde"( Rentrale Wien). Abt. Webbing: Dienstag, den 15. Dezember, im Seim Lütticher Str. 48 Experi talvortrag des Gen. Schwaraenhola über Chemie. Gäste willkommen. Abt. Friedenau: Dienstag, den 15. Dezember, im Seim Offenbacher Str. 5a Distuffionsabend. Gäfte willkommen. Ubt. Gesundbrunnen: Mittwoch, den 16. Dezember, Funktionärsikung bei Suao Ginn. Mannschaftskampf im AABD. Freitag 18. Dezember, 8 Uhr, findet in Charlottenbura, Vestalozziftr. 40, der fällige Gerientingdampf in der A- Klaffe awischen Sportklub Deutsche Eiche und Roter Stern, Charlottenbura, statt. und Resolutionen des Turnvereins Fichte zu beschäftigen, die alle möglichen politischen Fragen aufwarfen und die Einheitsfront" in bengalischem Lichte zeigten: Bei Sportfesten dürfen auch Reichs: banner und Roter Frontkämpferbund teilnehmen. Bruno Lieste soll wieder in den Bund aufgenommen werden. Bei Sportfesten dürfen nur rote und Vereinsfahnen gezeigt werden, aber Parteiabzeichen find erlaubt. Danach können Sowjetjahnen geführt werden, aber die Fahne der Republit ift verboten. Alle Fürstenhäuser Parteinachrichten follen restlos enteignet werden Schließlich wurde die allgemeine Unruhe so groß, daß alles für die Resolutionen stimmte, ohne den Inhalt zu fennen. Nach diesem Fichte- Feuerwert", das den Kreistag wieder auf das Niveau früherer Tagungen herabdrückte, wurde der Kreistag geschlossen. Schwerathlet kämpfe. Am Dienstag fand der fällige Serien fampf zwischen Nordwest und Siegfried 09 um die Kreismeisterschaft im Ringen in der Klasse A statt. Die Kämpfe wurden in sieben Klassen mit Hin- und Retourfampf ausgetragen. Der Besuch war wie bei allen Veranstaltungen der Sportvereine, die dem AABD. angeschlossen sind, sehr gut, zumal die Besucher wissen, daß sie auf ihre Kosten fommen. Es wurden durchweg schöne und flotte Kämpfe gezeigt, die großen Beifall fanden. Oppermann( Nordmest), ein gewandter Ringer, fonnte seinen Gegner beide Male leicht abfertigen. Auch Blumenscheidt( Nordwest) legte seinen Gegner beide Male auf die Schultern. Semrow( Nordwest) dagegen mußte zwei Niederlagen einstecken. Fischer( Nordwest) und willi Busse( Siegfried) trennten sich nach erbittertem Rampf unentschieden. Als weiteres Paar begegneten sich höhne( Nordwest) und Paul Busse( Siegfried). Während der erste Gang unentschieden verlief, gelang es Buffe im zweiten Gang feinen Gegner zu werfen. Einen weiteren schönen Kampf lieferten fich im schweren 3wei gleichwertige Gegner trafen sich hier, ohne daß es einem gelang, eine Entscheidung herbeizuführen. Luppa( Nordwest) und Bohm( Siegfried) fonnten auch über ein Unentschieden nicht hinaus. fommen. Den Kampf gewann Nordwest mit 15: 13 Punkten gegen Siegfried 09. Ueber Sparten und Bezirkseinteilung" hielt so dann der Bundesvertreter Bud ein instruktives Referat, das er durch graphische Darstellungen vorteilhaft unterstüßte. Bud wandte sich entschieden gegen die Spartenbezirke, wie sie von den Fußballern propagiert werden, da hierbei jede gemeinsame Arbeit verloren gehe. Das Ziel des Bundes sei ein zentraler Ar- Mittelgewicht Jarke( Nordwest) und willi Paul( Siegfried). beitersportverband, der in Verwaltungsbezirke gegliedert wird mit einheitlicher Zusammenarbeit aller Sparten. Der Bundestag in Kassel habe die Spartenbezirke ausdrücklich aufgehoben, deshalb müßte auch der Spartenbezirk der Fußballer verschwinden. Eine Konzession machte Bud insofern, als er statt drei Sparten deren fünf anerkannte: Turner, Leichathleten, Schwimmer, Ruderer, Fußballer. Zur Frage: Zentralvereine für alle Sparten oder reine Spartenvereine fam Bud zu dem Schluß, daß hier vor allem die Lebensfähigkeit der betreffenden Vereine geprüft werden muß, daher wird die Stellungnahme an den einzelnen Orten verschieden sein. Anschließend an das Referat fanden die Sparten tagungen statt, die sich hauptsächlich mit der Sparten- und Be zirkseinteilung beschäftigten. Die Turner tagten bis nachts 12 Uhr. Nach den Berichten der Funktionäre wurden die Neu wahlen vorgenommen. 1. Obmann: Nitschfe- Fichte, 2. Obmann: Stephan- Oberschöneweide, Kassierer: Haupt. Zur Bezirkseinteilung fonnte teine einheitliche Stellungnahme erzielt werden. Schwimmer und Leichtathleten sprachen sich für drei Ber maltungsbezirke aus. Die Fußballer fällten feine flare Entscheidung, da sie in ihrer großen Mehrzahl den Wunsch haben, als Spartenbezirk weiter zu arbeiten. Die Der Sonntag brachte zunächst eine mehrstündige Berhandfung über die Sparten- und Bezirkseinteilung. Die Fußballer gaben auch jetzt noch feine flare Entscheidung, erneuerten vielmehr einen Antrag, der auf die Bildung von Spartenbezirken ausgeht. Schließlich wurde folgender Vermittlungsantrag der Rudersparte angenommen: Der Kreistag erkennt grundsäßlich die organisatorische und technische Selbständigkeit der Sparten an. Die vom Kreisrat zu fchaffenden Berwaltungsbezirte sollen sich nach Möglichkeit mit denen der Sparten deden. Im Bezirksrat müffen alle Sparten paritätisch vertreten sein. Damit ist dem Kreisvorstand die Aufgabe zuge fallen, eine endgültige Lösung des Problems zu suchen. dem Bericht der Mandatsprüfungstommission wurden sodann die Gäste aufgefordert, auf der Galerie Platz zu nehmen. Das Fichte Mitglied Seißt weigerte fich troß mehrfacher Aufforderung und ausdrücklichem Beschluß des Kreistages, dieser Aufforderung Folge zu leisten. Da der Kreistag nicht zu Gewalt maßnahmen greifen wollte, was Seißt in provokatorischer Weise Derlangte, so blieb dieser würdige Genoffe( Obmann der Alters. riegen) im Saal. Nach leber den Bariser Rongreß der Luzerner Inter. nationale berichtete sodann Koppisch vom Bundesvorstand. Nach kurzer Diskussion wurde ein Antrag Sänger- Fichte, der die sportliche Zusammenarbeit begrüßt und vom Bundesvorstand die baldige Einleitung von Einigungsverhandlungen erwartet, mit großer Mehrheit angenommen. Die Bragis tann erst zeigen, ob der gute Glaube der Arbeitersportler an die Ehrlichkeit der Einheitsfront" berechtigt ist. Die bisherigen Erfahrungen berechtigen nicht zu großen Hoffnungen. Ueber den finanziellen Abschluß des Kreisfestes in Spandau berichtete Sommerfeld vom Kreisvorstand, daß hier Zustände plaggegriffen haben, wie man sie in einer Arbeiterorganisation für un möglich halten sollte. In der Kreistasse fehlen etma 8000-9000 mt., die auf Unterschlagungen ufm. des Kreistassierers Mertner Fichte in der Hauptsache zurückzuführen sind. Koch- Fichte, der den Wirtschaftsbetrieb beim Kreisfest leitete, hat ein Manto von etwa 1440 mt., das zum Teil ebenfalls auf Diebstähle von Mertner, zum Teil auf große Lodderwirt schaft zurückzuführen ist. Als der Revisor zur Verantwortung gezogen werden follte, erflärte er, daß er feine Ahnung von den Funktionen eines Revisors habe.( Den alten bewährten Revisor hatte man feinerzeit nicht wiedergewählt, weil er zur Freien Turnerschaft Groß- Berlin" übergetreten war!) In der Diskussion erflärte Koch- Fichte, daß er seinerzeit dem Kreistag einen falschen Bericht gegeben habe, um seinen ehrlichen Namen zu retten. Der Antrag Fichte, nochmals eine Untersuchungskommission zu wählen und dazu Bruno Lieste zu laden, wurde mit 138 gegen 107 Stimmen abgelehnt. Koch- Fichte erhielt mit 175 Stimmen einen scharfen Berweis, 84 Stimmen waren für Ausschluß. S Nach Festlegung der Veranstaltungen für 1926, welche durch eine Anti- Kriegswoche ergänzt werden, gelangten die Anträge zur Beratung. Die Schaffung eines einheitlichen Kreisblattes wurde mit 148 gegen 99 Stimmen abgelehnt. Die Errichtung eines Bundesgeschäfts in Berlin wurde mit 94 gegen 63 Stimmen abge lehnt. Inzwischen waren etwa 80 Provinzbelegierte abgereift, um noch Anschluß an die Nachtzüge zu erhalten. Das Rumpfparlament hatte dann das Bergnügen, sich mit etwa einem Dugend Anträgen Der Sportverein Deutsche Eiche veranstaltete in seiner Turnhalle Friedenstraße 17 den fälligen Mannschaftskampf im Ringen um die Kreismeisterschaft in der A- Klasse gegen den Sportverein Libertas". Jeder einzelne Teilnehmer gab sein Bestes her, um die Punkte für seinen Berein buchen zu können. In der ersten Runde siegten für Deutsche Eiche" vom Fliegen bis Leichtgewicht Blumenthal, Buchholz, Radde und Göze. Der beste Kampf des Abends, Sperling( Eiche) gegen Mazen( Libertas) endete unentschieden. Im Schwermittelgewicht und Schwergewicht fielen die Punkte„ Libertas" zu. In der zweiten Runde siegte im Fliegengewicht Bauer( Libertas) gegen Blumenthal. Alle anderen Treffen der zweiten Runde endeten unentschieden. Somit ist das Gesamtresultat 15:13 Punkte für Deutsche Eiche". " Einsendungen für diese Nubrif find Berlin 3. 68. Lindenitraße 3 für Groß- Berlin itets an das Beatrestefretart 2.Sof. 2 Trev. rechts. au richten. Bezirksbildungsausschuß Groß- Berlin. Die Rreife merden ersucht, die 28 fe für die Ausstellung Wohnung und Hausrat" abzurechnen und die nicht verlauften fofort auridsugeben. 5. Meis Friedrichshain. Dienstag, 15. Dezember, 7 Uhr, in den Andreas Festfälen, Andreasstr. 21, Rreismitgliederversammlung. Bortrag: Euroväische Rollunion". Referent: Dr. Adolf Braun, M. d. R. ADe Go noffinnen und Genossen müssen erscheinen. Achtung! Die am Mitte woch, 16. Desember, angefeste erste Bezirksversammlung findet nicht im Stadtverordnetenfihungsfaal, Eingang Königstraße. fondern im Bürger faal, Eingang Spandauer Straße, abends 6% Uhr statt. 6. Kreis Kreuzberg. Die Abteilungsobleute des Kreisbildungsausschuffes holen am Donnerstag, 17. Dezember, 7 Uhr, das Gorkibuch und anderes Material in der Wohnung des Obmannes ab. 7. Areis Charlottenburg. Freie Schulgemeinde: Donnerstag, 17. Dezember, pünktlich 8 Uhr, im Schiller- Realanmnasium, Schillerstr. 26, Erdgeschok ( Ober- Tertia), Konferenz fämtlicher Funktionäre der Freien Schulgemeinde, der Rinderfreunde, der SAJ. und Elternbeiräte. Stellungnahme zur Ein. führung einer weltlichen Schule. 13. Areis Tempelhof, Marienborf, Marienfelbe, Lichtenrade. Die arbeitslofen Genoffen der vier Abteilungen 85, 86, 87 und 88 werden gebeten, wegen Rumenduma einer Weihnachtsfpende ihre Adressen nebst Angabe der Kinderzahl bei den Beauftragten des Bildungsausschusses bis spätestens Freitag. 18. Dezember, abzuoeben, und zwar für Tempelhof beim Genossen Adolf Bielschowski, Kaifer- Wilhelm- Str. 21, part.: für Mariendorf beim Genoffen Otto Günther, Kurfürstenstr. 19, I: für Marienfelde beim Genoffen Frik Greulich, Berliner Str. 115; für Lichienrade beim Genossen B. Buderich, Waldweg 48. Die Bezirksführer werden gebeten, die arbeitsTofen Genoffen ihres Bezirkes hierauf hinzuweisen. 19. Kreis Pankow. Mittwoch, 16. Dezember, im Türkischen Relt, Breite Straße 14, Kreismitgliederversammlung. Borirag: Die kulturellen Aufgaben der Partei". Referent: Emil Barth. 21. Abt. Weihnachtsfeier am Sonnabend. 26. Dezember, in den Tharus fälen, Müllerstr. 142. Genossen, haltet diesen Tag unbedingt file die Abteilung frei. 22. Abt. Donnerstag, 17. Dezember, 7% Uhr, bei Radzan Funktionärsikuna. 28. Abt. Die Weihnachtsfeier findet am Sonnabend, 19. Dezember. bei Büttner, Echwedter Str. 23, ftatt. Eintrittskarten find bei den Bezirks führern und bei dem Raffieret Seibler zu haben. Heute, Dienstag, den 15. Dezember: 11. Abt. Die Bezirksführer haben bis zum Freitag, 18. Dezember, fämtliche unverlaufien Billetts sowie Sammellisten jeglicher Art abzugeben und abzurechnen beim Genossen Richard Tfahirne, Alt- Moabit 54, vor 4 Trp. 28. Abt. Die Funktionäre müssen bis Donnerstag, 17. Desember, die Weih. nachtslisten bei Walter unbedingt abrechnen. 82. Abt. Steglis. Arbeitsgemeinschaft der Kinderfreunde: Seute, Dienstag, von 4-6 Uhr im Jugendheim Albrechtstr. 47. 6. bt. 7 Torgen, Mittwoch, den 16. Dezember: Uhr bei Büttner, Schmedter Str. 23, Abteilungsverfammluna. Bortrag des Reichstagsabaeordneten Hermann Schulz, Königsberg, über: ,, Die gegenwärtige politische Lage". Alle Genoffinnen und Genossen müssen bestimmt erscheinen, 57. Abt. Charlottenburg. 8 Uhr hei Grunert, Schlüterftr. 47, Funktionä fihung. Unbedingt pünktlich erscheinen. 81. Abt. Friedenau. Sozialistisches Geminar: 8 Uhr bei Alabe, Sandiern. Straße 60/61. Thema: Die Reaktionszeit 1815-1830". Vortragender: Franz v. Vutflamer. 85. bt. Tempelhof. 8 1hr Rahlabend des 3. und 4. Bezirks in der Linde". Werder Ede Friedrich- Rarl- Straße. Bortrag: ,, Der befreite Don Quichotte". Referent Genosse Hirsch. Junasozialisten und Arbeiterjugend find eingeladen. 6 Uhr Bezirksverordnetenfikung in der Aula des Enaeums, Germaniaftr. 6,7. Die Genossen werden gebeten, diese Sigung Au besuchen. Rentolin. 93. Abt. 7 Uhr bei Wolff, Rirchhofstr. 41, Mitgliederversammla. Bortrag: Partei und Ronfumgestoffenfchaft". Referent: Genoffe R. Michaelis. Die Frauen der Genossen find hierzu eingeladen. 94, Б. 7% Uhr bei Schröder, Steinmekftr. 52, Sikuna. Die Mitglieder des Abteilungsvorstandes müssen bestimmt crícheinen. Die erste Neuköllner Jiu Jitsu Bereinigung ver anstaltete am Sonnabend einen gut besuchten Kampfabend im Jiu. Jitsu. Als Gegner waren die Vereine Lurich, Libertas, Boran und Nordost gemeldet. In der Jugendflasse fämpfte Rehfeld Neukölln gegen Bauer- Libertas; der sehr hizige, dennoch interessant geführte Kampf verlief nach zehn Minuten unentschieden. Im Fliegengewicht zwang Walter Schulz- Neukölln NeumannIm Nordost nach 7% Minuten durch Würgegriff zur Aufgabe. Bantam gewicht trennten sich Brandenburg- Neukölln und Bwiebler- Nordost unentschieden. Im Federgewicht gelang es Rückert- Boran, Massel- Neukölln nach 1% Minuten durch Kopfschere zur Aufgabe zu zwingen. Amling- Neukölln und Krüger- Libertas trennten sich unentschieden. Amling verpaßte verschiedene Gelegenheiten und ließ Krüger aus einer Kopfschere freitommen. Die Leichtgewichte Dochow- Neukölln und Stirnemann- Nordost trennten sich unentschieden. Stirnemann war der technisch Bessere, und ihm mißglückte leider im zweiten Gang ein Armhebel. Den letzten Kampf des Abends bestritten Daubik- Neukölln und Propp- Zurich. Der Kampf wurde auf beiden Seiten sehr erbittert geführt, doch war Propp entschieden der beffere Mann. Auch dieser Kampf endete nach zehn Schöneberg. Minuten unentschieden. Kreisjugendwettftreit der Arbeiterathleten. Der Areisjugendwettstreit des Arbeiter- Athleten Bundes, der dem Sportklub Zurich 02" übertragen wurde, brachte in sportlicher Beziehung einen großen Erfolg. Die 72 Teilnehmer gewiesen durch ihr Können, daß die Vereine in der Jugendpflege Ganz befonders trifft das bei dem auf dem richtigen Wege find. Konnten dod feine Mitglieder in den Sportklub Zurich 02" 1. zwei Schüler und sechs Jugendklassen allein fünf erste, mehrere zweite und drei dritte Preise erringen. Das war vorauszusehen, da die Jugendmannschaft 1924-25 bereits Kreismeister war. Auch diesmal gelana es der ersten Mannschaft von Zurich die von Berolina mit 24: 0 zu fchlagen. Die zweite Mannschait von Zurich schlug die erste Mannschaft von Berolina 16: 8. Wald- und Geländelauf des ASC. 99. Abt. Brik- Budow. 7% Uhr im Lotal Lindenpart". Chauffeeftr. 19, Bortrag: Große Roalition und Sozialdemokratic". 141. Abi. Rofenthal. 8 Uhr bei Frische, Niederstraße, Funktionärskung. Frauenveranstaltungen! 7. Kreis Charlottenburg. Mittmod, 16. Dezember, bei Bogel, Spreefir, 8, Kreisfrauenabend. Bericht der Genosiin Edentalowsin von der Funkftonärinnenkonferenz. Anschließend: Gemütliches Beifammenfein. 24. Abt. Mittwoch, 16. Dezember, bei Rösner, Immanuelfirchstr. 25, Seiterer Abend. Boriragender: Seinz Barthel. 78. Wbt. Mittwoch, 16. Dezember, 8 Uhr, bei Rönia. Bring Georg Ede Feurigstraße. Bortrag: Die Frau und die Notlage im Soushalt". Referent; Genoffe Sepprech. Wir erwarten beftimmtes Er. fcheinen. 79. Abt. Mittwoch. 16. Dezember, 7% Uhr, bei Grok Gedan ftraße 17, Ernste und heitere Resitationen. Bortragender: Genosse Theo Maret. Bohnsborf. Mittwoch, 16. Dezember, 8 Uhr, bei Seimann, Waltersdorfer Strake, Frauenabend. * Jungsozialisten. Gruppe Tiergarten: Näfte Rufammenkunft: Mittwoch, 16. Dezember, 8 Uhr, in der Vorwärtsspedition Wilhelmshavener Str. 48. Cenoffe Erich Bemmann spricht über: ,, Der gefellichaftliche Mensch". Tempel Hof- Marienborf: Die Arbeitsgemeinschaft fällt heute, Dienstag, aus. Dafür Gruppe Lichten. Bieberabend. Liederbücher und Inftrumente mitbringen. berg: Seute, Dienstag, 15. Dezember, 7% Uhr, Gruppenversammlung. Bichtine Mitteilungen. Organisationsfragen. Gruppe Süden: Wir besuchen heute. Dienstag, den Bortrag des Genossen Mennide in der Aula der Sandelshochschule Spandauer Str. 1 über: Das Problem der Arbeiterbildung in der geiftigen Lage der Gegenwart". Berbeausschuh Sosialdemokratischer Bolizeibeamten. Am Donnerstag, 17. Dezember, 7 Uhr, in der Juristischen Sprechstunde, Lindenstr. 8, 1. Sof Tints part.. Sigung des Werbeausschusses. Tagesordnung: 1. Werbeausschuß und Beamtenfetretariat. Ref.: Gen. Betnared. 2. Politische Tagesfragen und die Bolizei. Ref.: Gen. Alena. 3. Aussprache. Verschiedenes. Bünit Kollegen find mitzubringen. Sterbetafel der Groß- Berliner Partei- Organisation Der am Sonntag mit etwa 250 Teilnehmern durch den Trep- liches und vollzähliges Erscheinen ist unbedingt erforderlich. Uns naheftehende tomer Park und Plänterwald geführte Wald und Gelände. lauf nahm einen guten Verlauf. Die Wegverhältnisse waren leidlich, da Fußgängerwege und Rasenflächen gut abgetrocknet waren. Die Organisation flappte ausgezeichnet. Den Hauptlauf über 5000 Meter gewann die Mannschaft des SB. Moabit knapp vor 60. I. Als erster Einzelläufer lief Bendin Germendorf ein. Alles in allem eine sehr gut gelungene Veranstaltung, mit der der ASC. zufrieden sein kann. Der Abend hielt die Mitglieder im Treptower Vittoriaaarten gemütlich beisammen. . 1 Die Ergebniffe: 5000 Meter Einzellauf. Offen für alle. 1. Bendin, Oberfpree. 2. Menzel, Neu- Schulzendorf. Aeffere Sportler: 1. SonnenburgMoabit. 2. Alemmstein, Moabit. 3000 Meier Jugend 07/08: 1. Romenat, Friedenau, 9,37. 2. Gäriner, Friedrichshagen. Jugend 09/10: 1. Weniger, Fichte 7. 2. Bankmann, Moabit. 5000- Meter- Mannschaftslauf. Offen für 2. Fichte- Südost L Anfänger: 1. Ad. III. alle: 1. Moabit 18,09 9. 3000 Meter Jugend 07/08: 1. Fichte 7, 10,36,7. 2. UGC. I. Neu- Schulzendorf. Jugend 09/10: 1. Fichte 7. 2. AGC. VIII. Germersdorf, 17 34. 2. Mattern, Roland. Offen für Anfänger: 1. Rerth, 2 Südost III. Sonderklasse: 1. Berliner Schwimmunion. Zurnspiele. Spielerbörse Sandball. Um den einzelnen Mannschaften, in der Spielfreien Reit Gelegenheit zu geben, gegen ondere Mannschaften anderer Bezirke Gesellschaftsspiele zu vereinbaren, berufe ich hiermit zum Freitag, den 18. Dezember, 7 Uhr, die erfte Rufammenkunft aller Spielführer, bie gewillt find, Spiele zu vereinbaren, nach Berlin, Rungefir. 17, Restaurant non Bolter( Nähe Jannomikbride) ein. Richter. 22. Abt. Unfer Genosse Baul Set, Brüffeler Str. 6, ist verstorben. Einäfcheruna am Mittwoch, 16. Dezember, nadimittags 2% Uhr, im Krematorium Gerichtstraße. Wir erwarten rege Beteiligung. Asthmaleidende! Bergenden Gile 3hr Getp nicht durch muglose Experimente mit leuren Apparaten und unwirtemen Mitteln. NYMPHOSAN- SIRUP" hat sich seit Jahren glänzend be währt und iff erreicht in der Dauerwirkning. Bestandteile out ber nedung. raid in: Berlin&: Alegander- Apoth.. Alexanderstr. 8; Elefanten- Apoth, Dönhoffplay: Apoth sum roten Adler, Noßfte. 26/28; Simons- Apoth. Spandauer Str. 17; Berlin: Adler- Apoth. am Weddingplay; Brettschneiders Apoth. Oranien burger Str. 37; Brunnen- Apoth, Babftr. 11: Diana- Apoth.. Turmfte 28; Apoth. 3. eif. Rreuz, Raftanienallee 2; Apoth.& getr. Adler, Augustite. 60; Germania Apoth, Lothringer Str. 50; Bittoria- Luise- Apoth., Boltaste 44; Berlin D: Fürst- Bismard Apoth., Brangelfir 47; Seeges Apoth, Gubener Str. 33; Jungs Apothschm. Adler, Neue Königfte 50; Berlin S: Apoth. am Hermannplay; Sirfch- Apoth Lindenstr. 74: Berlin B: Radlauers Kronen- Apoth, riebrid) ftraße 160; Belitan- Apoth., Leipziger Str. 93; Dr. Voswin els Apoth, Kuriürstenftraße 154; Mittes Apoth, Botsbamer Str 84a; Berlin- Charlottenburg: Apoth am Reichstanzlerplag. Berlin Schöneberg: Rathaus Apoth. Berlin- Lichterfelbe: Central- Apoth. MAGGIS Würze, MAGGI Praktisches Weihnachtsgeschenk: MAGGI Suppen in Würfeln, MAGGIS Fleischbrühwürfel. Setes Neuere Industriebilanzen. Die Industriepolitik im Lichte der Krise. Schwarzkopff. Unzulängliche Berichte. # Dividende. Sie trägt den ausgewiesenen Gewinn von 62 215 Mart auf das neue Jahr vor. Der Gewinn stammt mit 40 000 m., wie der Geschäftsbericht sagt, fogar aus dem Posten Wertpapiere ( 223 630 M.), also nur zum fleineren Teil aus dem Betriebsergebnis felbft. Aber die Bilanz hinterläßt einen guten Einbrud. Bantschulden sind überhaupt nicht vorhanden Die Gläubiger bestehen zum geringsten Teile aus Lieferantenschulden, zu gut zwei Drittel aus Anzahlungen( 1,18 von 1,79 Mill.). Die Schuldner find fonnten um 420 000 m. niedriger angefeßt werden als in der Goldzwar von 1,2 mill. auf 0,53 Mill. zurückgegangen; aber die Borräte bilanz, und auf Maschinen und Ausrüstungen waren Normalab Utensilien, Batente und Modelle stehen mit je 1 M. zu Buch. Das fchreibungen Den 10 Broz. möglich. Die gesamten Werkzeuge und Unternehmen fühlt sich so start, daß es die Deffentlichkeit über die fürzlichen Unregelmäßigkeiten ihres Generaldirektors, die das Unternehmen 400 000 m. fosten, durch den Hinweis auf ihre Barreserven beruhigen fonnte. Allerdings ist es lächerlich und es lohnt fein fteigerungen die Erhöhung der Löhne verantwortlich macht, nachdem Wort der Widerlegung, wenn die Verwaltung für Materialpreisgerade die Maschinenindustrie wissen könnte, was sie der törichten Schutz 30llpolitik ihrer Rohstofflieferanten zu danken hat. Aufträge liegen noch auf Monate vor. Die Berichterstattung der deutschen Aktiengesellschaften über das| ständliche Pflicht. Es ist deshalb zu verlangen, daß der| Kalf, die große Wertzeugmaschinen, Balzmerts, Strananlagen und Geschäftsjahr 1924 bzw. 1924/25 geht ihrem Ende zu. Sie war Ronzern dieser Pflicht für das laufende Jahr beffer und gründlicher Hilfsmaschinen für Hütten und Walzmerte herstellt, perteilt teine bisher im ganzen wenig erfreulich. Beniger noch materiell; denn nachfommt als für das vergangene, abgesehen von jenen Industrien, die Produktionsmittel erzeugen und die infolge der Ueberproduktion an maschinellen Borrichtungen während der Kriegs- und Inflationszeit heute schwer um ihre Trog der sehr schwierigen Lage der schwer auf andere Produt. Existenz zu kämpfen haben, waren die Erträge bedeutend tionen umzustellenden Lokomotivfabriken befindet sich die alte besser, als es die ausgeschütteten Dividenden erkennen Berliner Firma Schwarzkopff in relatio sehr günstiger laffen und die Unternehmer wahr haben wollen. Die tatsächlichen age. Sie verteilt zwar feine Dividende; aber sie wird mit Gewinne wurden nur zu sehr großem Teile sofert wieder im größter Wahrscheinlichkeit die gegenwärtige Krise durchhalten. Betrieb angelegt oder gingen durch unrationelle Betriebs- Barum, das sagt der Geschäftsbericht mit wenigen Worten selbst: oder Pumpwirtschaft im Leerlauf und Zinstoften verloren. Bas die Berichte im ganzen so unerfreulich machte, war der mangel Scheintonjunktur der Inflationszeit vorausgesehen, habe die Verwaltung habe die heutige schwere Krise als Folge der an Berständnis dafür, daß man nicht nur die allgemeine deshalb rechtzeitig auf weitere Ausdehnung der Werte perzichtet Deffentlichkeit, sondern insbesondere auch die Belegschaften und durch rechtzeitigen Abbau der Betriebsunkosten für die Eraufs gründlichste über das Schicksal der Unternehmungen in haltung genügender eigener flüssiger Mittel geformieren muß. Die Berichte verrieten auch durchweg, daß kaum sorgt. Selbstverständlich erfolgte die Kostendrosselung auch sehr ein einziger der verantwortlichen Unternehmer sich des ungeheuer ftarf auf Rosten der früher mehr als 4000töpfigen Beleg lichen Ernstes der Krise bewußt war, in die die deutsche fchaft. Die Zukunft wird zeigen, ob diese vorausschauende Bolkswirtschaft mit dem ersten Tage der Stabilisierung eintreten Beschränkung des Gesamtbetriebes, so sehr seine Folgen für die Be mußte. So spiegelt sich auch in den Geschäftsberichten überall der Dilettantismus und der Mangel an Verantwortlichkeitsbewußtsein legschaft zu beklagen find, nicht auf die Dauer den Unternehmern wieder, die die Bolilit der Unternehmer in den beiden Jahren feit das bei planloser Bumpwirtschaft der Fall gewesen wäre. und damit auch den Arbeitern beffere Arbeitsmöglichkeit sichert, als der Währungsstabilisierung von Bankrott zu Banfrett geführt hat. Diese Fehler rächen sich heute bitter. Kurzsichtig und brutal wie stand im Lokomotivbau, dessen Umjazzahlen immer noch BeschäftiDie Bilanz spricht jedenfalls für diese Annahme. Der Stillimmer, find die Unternehmer aber zu nichts anderem fähig, als zu dem traurigen Mut, ihr fatastrophales Versagen in der Leigung und Geschäftsergebnis beherrschen, hat die Außenstände und tung ihrer eigenen Betriebe und der Wahrnehmung ihrer eigenen Bantguthaben von 11,24 auf 7,14 millionen zurüdgehen tung ihrer eigenen Betriebe und der Wahrnehmung ihrer eigenen lassen. Gleichzeitig sind aber auch die Schulben zurüdge Intereffen durch Druck auf die Löhne und auf die Lebenshaltung gangen, und zwar von 6,67 auf 4,58 Millionen. Das Berhältnis einfach auf ihre Belegschaften und die Allgemeinheit abwälzen zu wollen. der Forderungen zu den Schulden hat sich sogar verbessert gegenüber der Goldbilanz. Da die Schulden in der Hauptsache aus Anzahlungen bestehen, fönnen zum mindesten die Außenstände und die Materialvorräte als völlig unbelastetes Reinvermögen gelten. Bon Bantfchulden ist Schwargtopff gänzlich frei.( Auch nach einer Erklärung der Verwaltung.) In der Gewinn- und Verlustrechnung erscheint ein Rohgewinn von 3,94 Mil lionen, aus dem nach 3,16 Millionen Generaluntosten und 0,66 Millionen Abschreibungen( davon 15 Proz. auf Maschinen) ein Reingewinn von 111,423 m. verbleibt, der zum größeren Teil vorgetragen wird. Sonst hat sich in der Bilanz wenig verändert. Die Beteiligungen( insbesondere Dampfturbinen und Generatorenfabrik Maffei Schwarklopff G. m. b. H., Berlin) find mit 1,75 Millionen fast unverändert. Ob aus ihnen schon ein Gewinn vereinnahmt ist, läßt sich nicht ersehen. Die eigenen Wert. papiere sind von 0,61 auf 0,50 millionen abgewertet. Die fom menden Bilanzen werden eine Veränderung insofern aufweisen, als das nominelle Attien tapital infolge Einziehung von 6 Mil lionen Vorratsaftien von 24,45 auf 18,45 Millionen ermäßigt wird. ( Borkriegstapital 12 Millionen.) mi Der Wintershallkonzern in Jahre 1924. Der nicht nur durch seine Größe, sondern auch durch die Tätig Beit seines Leiters Geheimrat Rosterg für die deutsche Kaliindustrie hochbedeutsame Konzern veröffentlicht seinen Geschäftsbericht für 1924 nahezu ein Jahr nach dem Abschluß seiner Rechmungen. So hat das riesenhafte, 261 Quartfeiten füllende Bilanzmaterial über die zentrale Spizengesellschaft( Kaliindustrie A.-G.), die Kalibant A.-G. und die 59 Werte und Fabriken taum mehr als histo. rischen Wert. Hat doch das Jahr 1925 sowohl für den Inlandswie für den Auslandsabsag start veränderte Absazbedin gungen gebracht( vertragliche Wiederherstellung des durch den Friedensvertrag zerstörten Monopols) und bedeutet doch die neue 300- Millionen- Anleihe, von denen 160 Millionen schon gezeichnet find, für den Gesamtkonzern eine vollständig neue finanzielle Orientierung. Entsprechend seiner Quote von 38,47 Bro3. erhält der Wintershallkonzern von den 160 Millionen nominell reichlich 60 und von den 300 Millionen reichlich 120 Millionen Mart. Es kommt hinzu, daß das reichliche Zahlenwert der Bilanzen nur durch einen äußerst mageren Zegt( fnapp 11 Seiten) er gänzt wird. So läßt sich für die heutige Lage des Konzerns aus dem Geschäftsbericht herzlich wenig entnehmen. Für die Kaliindustrie A.-G., die zentrale Holding gesellschaft, werden Umschreibungs- und Abschlußbilang zugleich gegeben mit dem ungeheuren Aktienkapital von nominell 320 mil lionen, dem aber neben 84,24 Millionen Beteiligungen in der Hauptfache ein 3utunftsposten von 255,4 millionen entspricht, das Recht auf Webernahme von 638 649 eigenen Attien zu 400 Mart nominal, die ihre Verwertung noch finden sollen. Ein mertwürdiger Bosten, der eben nur Sinn hat in der Kaliindustrie, mo Syndikatsbeteiligungen einen Geschäfts- und Kapitalwert beanspruchen fönnen, auch wenn die dazugehörigen Werke längst still gelegt, erfoffen oder abgebrochen find. Schulden und Forderungen, darunter auch die demnächst aus der Kalianleihe abzulösenden Schweizer Valutaschulden, sind auf das vier- bzw. achtfache erhöht. Von der Kalibant 2.-G., über die die bedeutenden Finanzgeschäfte des Konzerns laufen, und die bei 800 000 m. Rapital Gläubiger von 33,7 und Schuldner von 32,4 Millionen ausweist, berichten sechs Beilen Text und fünf bzw. vier Bilanzposten. Daraus ist natürlich nicht das mindeste zu entnehmen. So bleiben zur Beurteilung des Konzerns nur die 59 Bilanzgerippe der Werke, von denen wiederum nur die größten Wintershall, Alexandershall, Heiligenroda, Deutsche Kaliwerte, Ronnenberg, Bismardshall, Kaiserroda besonderes Intereffe haben und die allgemeinen Ausführungen des Geschäftsberichts über die Lage des Konzerns im Jahre 1924. Gewinne werden nur in feltenen Fällen und dann nur in verhältnismäßig geringen Summen ausgewiesen. Die Bilanzen zeigen aber im einzelnen, daß die ausgewiesenen Gewinne für die Ertragsbeur. teilung des Jahres 1924 taum etwas bedeuten können. In weitaus den meisten Fällen hat die Bewertung der vorhandenen Anlagen, trotz starter auch in den den Einzelberichten hervor gehobener Neuinvestitionen, gegenüber der Goldbilang noch eine Senfung erfahren. Das läßt darauf schließen, daß auch die Ausmeifung der erzielten Gewinne zur Förderung der Rostergschen Umstellungspläne willfürlich erfolgt ist. Für die 1924 erworbenen 21.-G. Kalimerte Ronnenberg wird ein Berlust von 700 000 m. festgestellt. Aus dem allgemeinen Bericht ist hervorzuheben, daß der Ronzern im Jahre 1924 feine Arbeit auf 24 Werte mit 50 Schächten begann und sie auf 17 Werfen mit 23 Förderschächten be= endete, in denen eine Belegschaft von 8200 Arbeitern und Angeftellten tätig war( pon 29 500 in der gesamten Raliindustrie). Der Rest der Werte und Schächte ist bis 1953, d. h. wohl endgültig, ftillgelegt worden. Der Bericht vermerkt dazu mit einer gewiffen Genugtuung, daß damit die zusammenfassung der Produktion auf die am wirtschaftlichsten arbeitenden Werte zum größten Teil durchgeführt sei. Der Gesamteinbrud, den der Geschäftsbericht des Wintershalltonzerns hinterläßt, ist sehr unbefriedigend. Es ist zwar begreiflich, daß das Riefenmaß der Umstellung, in der der Wintershallfonzern begriffen ist, eine ausreichende und über. In der Generalversammlung gab die Verwaltung zu den übrigbleibenden 2,25 Millionen Borrats- und zu den mehr. timmigen Borzugsaktien die Erklärung ab, daß fie zur Abwehr un willkommener Einflußnahme auf die mehrstimmigen Borzugs. aftien nicht verzichten fönne. Die Bestimmung der Vorrats. attien blieb ungeklärt. Der zweite Bunft der Erörterung war die Geschäftslage, über die die Verwaltung sich begreiflicherweise peffimistisch äußerte. Es hat schon ein erheblicher Abbau Don Arbeiter und Angestellten stattgefunden. Dieser Abbau ist noch nicht beendet. Merkwürdigerweise wurden Ziffern nicht genannt, weder wurde die Zahl der Belegschaft noch die der Abgebauten angegeben. Das Unternehmen ist eins derjenigen, das in der Lage wäre, beim Abbau milde vorzugehen, denn trotz der anzuerkennenden ungünstigen Situation der Lokomotivindustrie hat die Gesellschaft, wie bereits erwähnt, einen Gewinn erzielt und außerdem hat sie nicht nur feine Bankschulben, sondern sogar Bankguthaben, über deren Höhe die Verwaltung die Auskunft allerdings Derweigerte. Andere Maschinenbauanstalten. Daß auch sonst in der Maschinenindustrie ernst um das gesunde Ueberstehen der Krise gefämpft wird, zeigen weitere Geschäftsabschlüsse. Auch die Kalter Maschinenfabrit 2.-G., KölnPreiswerter Klubtisch Eichenholz mit Metallplatte, 60 cm Durchmesser, mit Glasschränkchen Mark 19.fichtliche Information der Deffentlichkeit erfchwert. Ungefichts P. Raddatz& Co. der besonderen Stellung der Raliwirtschaft in Deutschland aber und der hervorragenden Rolle des Wintershalltonzerns in ihr wäre gerade für ihn weitestgehende Publizität felbftver. Leipziger Str. 122/23. Ein ähnlich günstiges Bild, nur unterstrichen noch durch eine weitschauende Interessengemeinschafts- und Arbeitsvertragspolitit, Maschinenbau A.-G. vorm. Stärfe Heffmann, bietet die alte Maschinen, Apparate- und Dampfkesselfabrik Hirschberg in Schlesien. Sie fonnte trotz Abweisung vieler Aufträge wegen zu langer Bahlungsfristen die Belegschaft das ganze Jahr hindurch beschäftigen. Der Auftragsbestand hat sich im neuen Jahr erheblich vermehrt. Mit Banktrebiten scheint auch hier grundsäglich nicht gearbeitet worden zu sein, was sich aus dem Rüdgang der Gläubiger und den geringfügigen 607,13 m. für 3insfosten ergibt, die die Gewinn- und Verlustrechnung ausweist. Der Verbesserung der Abfaßbeziehungen und der technischen Abrundung des Betriebes dienen neben dem älteren Arbeitsgemeinschaftsvertrag mit der Engelhardt- Brauerei A.-G. Berlin aus dem Jahre 1923 die maßgesende Beteiligung an der Abwärme Technit- A- G Hirschberg und der fürzlich geschlossene Betriebsgemeinschaftsvertrag mit der Berliner A. G. für Eisengießerei und Maschinenfabitation G. Freund u. Co. 1 Ein Beispiel dafür, wie gefährlich Schuldenwirtschaft ist, gibt auf der anderen Seite die alte Berliner Firma Carl Flohr A. G., die in Berlin und Bittenau Aufzüge, Krane, Motore und sonstige Maschinen herstellt. Während ihre Forderungen fich nur verdoppelt haben( 0,85 gegen 0,42 Mili.), find die Lieferanten. schulden um über eine halbe Million erhöht, die Bankschulden und Afzepte auf 1,006 Millionen mehr als vervierfacht. Da der Geschäftsbericht selbst fagt, daß die Aufträge ungenügend waren, wird man auch schließen dürfen, daß die höheren Ziffern der Anlagewerte weniger auf wirkliche Substanzverbesserung, sondern auf eine Bilanz verbesserung zurüdgeht, um den Ausgleich herzustellen. Der Bericht nennt dann auch die hohen Zins. Ia st en als die Hauptursache, die den Reingewinn ( 31 537 m.) so tief gehalten hat. Lohndrud, aber glänzende Brauereidividenden. Ob es der Industrie gut oder schlecht geht, die Geisteshaltung: Berbraucher nur als Lastefel oder Meltfuh. Das Wenige an Kaufder deutschen Unternehmer fennt die Masse der Arbeitenden und der traft, was die arbeitenden Massen sich zu erfämpfen vermögen und das nach dem Willen der Unternehmer noch gedrosselt werden soll, untersteht auf der anderen Seite der Ausbeutung durch die Lebens- und Genußmittelindustrien. Bisher sind etwa zwei Dutzend Brauereiabschlüsse bekannt geworden. Sie schließen fast alle mit denden erschöpft werden, die man ausschüttet. Die bei den Braue Rekordgewinnen, die bei weitem nicht durch die hohen Divireien gewohnte Thesaurierung, die Furcht vor der öffentlichen Kritif halten die Dividenden tief. Dennoch liegen von den zwei Dutzend Brauereidividenden nur 7 unter 10 Pro3.; der große Reſt verteilt zwischen 10 und 20 Brez. des Aktienkapitals an Gewinn. Hier fehlt's also nicht! Db aber mit der Gewinnpolitif der Genußmittelindustrien diejenige Steigerung des Abfazes erzielt werden tann, die allein auf die Dauer volks und privatwirtschaftlich gewinnbringend ist, das ist eine andere Frage. Für die dem Andenken unseres Geheimrat Dr. Georg Klingenberg gewidmeten Ehrungen sagen wir tiefempfundenen Dank. Aufsichtsrat und Vorstand der Allgemeinen Elektrizitäts- Gesellschaft Was schenke ich zu Weihnachten? Blumenseife Roger& Gallet Karton 2.80 Parfums Coty Fl. 5.-, Houbigant Fl. 6.75 Manikurekasten.. 4.75, Kristallzerstäuber 4.00 Dachsrasierpinsel 6.50, Rasierspiegel... 7.50 KOPP& JOSEPH, Berlin W., Potsdamer Str. 122 k- t. Am Sonntag, den 18. b. M., Starb nach schwerem Leiden unser lieber Freund und langjähriger Vereinswirt Paul Massow Sein Andenfen werben mir ftets in Ehren halten. 15096 Die Stammgäfte und der Berein der Holzkannengießer. Einäscherung: Donnerstag, 52 Uhr, im Arematorium Gerichtstraße. Für die uns anläßlich des Hinscheidens meines lieben Mannes, unseres guten Baters und Großvaters Hermann Schubert Dargebrachten Beichen herzlicher Anteilnahme, insbesondere den Rednern ber Sozialdemokratischen Partei Deutschlands und des Verbandes der Gemeinde- und Staatsarbeiter, Herren Reichstagsabgeord neten Otto Wels und Stadtrat Dittmer, ( prechen wir hiermit unseren aufrichtigen Dant aus Berlin- Neukölln, 12. Dezember 1925. Witwe Therese Schubert nebft Angehörigen. Der gute KapitänKautabaksin den meisten Zigarrengeschäften erhältlich C. Röcker, Berlin Lichtenberger Straße 22, Kgst. 3861 !!! Es regnet durch!!! America Jum Juppau von Mk. 300 an( kleine Wagen) bis zur luxuriösesten Ausführung. Lieferung innerhalb 14 Tagen. Friedrich Breitsch Berlin 50 33, Elsenbahnstr. 5 Telephon: Amt Moritzplatz 11289/90 AMERIC- AUTO- AUFBAU dkenstag 15. Dezember 1925 Unterhaltung unö AAissen öeilage ües vorwärts Zum Zeitvertreib. Don Ludmilla a Behren «crr Siegfried Heumann faß in dem, mit höchstem Komfort eingerichteten Rauchzimmer feiner eleganten Junggesellenwohnung und langweilte sich entsetzlich. Cr hatte soeben sein Mittags- schläfchen beendet und wußte nicht, was er nun ansangen sollte. Zum lesen hatte er keine Lust, keine Lust auszufahren und zuni Ipazierengehen erst recht nicht. Ob er wohl eine seiner kleinen Freundinnen besuchte? Ach, bah— die langweilten ihn eigcnllich alle ebenfalls, diese Mizzis, Lores, Ollys, und wie sie sonst alle bicßen, und überdies war um diese Zeit wahrscheinlich keine zu 5)ouse. Für den Abend hatte er ein Billett zum Gastspiel einer berühmten Diva, aber fürs Theater war es noch viel zu früh. Was fing er bloß mit seiner Zeit bis dahin an? Gähnen und rauchen allein war zu öde. Das Leben konnte doch manchmal entsetzlich fade sein, und dabei wurde er noch von so vielen beneidet, die eine be- fried'gende Arbeit hatten, weil er nichts zu tun hotte, als das Geld, das die Fabriken seines Vaters einbrachten, unter die Leute zu bringen. Die paar Stunden, die er vormittags anstandshalber im Bureau saß, konnte nzag ja nicht als Arbeit bezeichnen. .Eine junge Dame ist da und wünscht den gnädigen Herrn zu sprechen/ meldete sein Diener Friedrich. Siegfried Heumann sah mehr geärgert als erfreut au». .Wer ist es denn?' fragte er gähnend. „Es ist eine fremde junge Dame, sehr schüchtern und sehr be- scheiden angezogen/ berichtete Friedrich weiter und— nach einem leichten Hüsteln—.sehr hübsch/ „Nun— meinetwegen, also laß sie eintreten/ Eine hübsch« Blondine trat schüchtern ins Zimmer. Siegfried .Neumann erhob sich zu seiner ganzen stattlichen Länge, legte die Zigarre fort und verbeugte sich. „Was verschafft mir die Ehre?' .Verzeihen Sie', sagte das junge Mädchen mit leicht zitternder Stimme,»daß ich etwas früh gekommen bin. Ich fürchtete, man tonnte mir zuvorkommen, und mir log soviel daran... Es ist wegen der Annonce,» in der eine Prioatjekretärin gesucht wird, die slott englisch und französisch korrespondieren und stenographieren kann. Ich glaube, dem kann ich entsprechen/ Herr Heumann musterte sie wohlwollend. „Bitte nehmen Sie Platz und reden Sie ganz unbefangen. Haben Sie bereits eine ähnliche Stellung bekleidet?' Das junge Mädchen zog aus chrem Handtäschchen ein Papier hervor. .Ich war bereits einige Jahre Korrespondentin— hier ist mein Zeugnis— und augenblicklich bin ich noch in ungekündigter Stellung. Aber sie wird nicht sehr gut bezahlt, und ich hoffe...' Sie errötete. „Hm. nun sa— dos Zeugnis ist sehr gut. Also Frieda Gerd es heißen Sie. Erzählen Sie bitte weiter. Stehen Sie allein?' Di« junge Dame erzählte, bei wem sie angestellt wäre, wieviel Gehalt sie beziehe, und wieviel Arbeit sie zu leisten habe..Ich wohne mit meiner Mutter zusammen", sagte sie,.die ich unter- stützen muß. Sie hat zwar eine kleine Pension, die aber bei weitem » cht ausreicht, und ist sehr leidend, so daß sie nichts hinzuverdienen kann/ .Das ist recht traurig. Man kann auch nicht gerade sagen, daß ihr Geholt hoch ist. Es ist verständlich, wenn Sie sich verändern wollen. Weshalb heiraten Sie denn nicht— ein so hübsches Mädchen, wie Sie sind?' Die junge Dame errötete wieder. „Ich war verlobt, aber— mein Dater verlor fein Vermögen und da... Es ist vielleicht bester, daß es anders kam/ .So, so, nun. es findet sich wohl noch ein anderer, der Sie zu schätzen weiß. Aber nehmen Sie doch ihren Hut ab, Fräulein Frieda, so... Genieren Sie sich nicht. Erlauben Sie. daß ich Ihnen eine kleine Erfrischung anbiete, der Weg war gewiß lang/ Er klingelle und bestellte bei dem eintretenden Friedrich Wein und Kuchen. Die junge Dame, die eine so freundliche Aufnahme in keiner Weise erwartet hatte, taute immer mehr auf. Sie erzählle Herrn Heumonn, auf seine anteilnehmenden Fragen hin. immer mehr von ihren Lebensverhällnisten: Daß ihr Vater' vor drei Iahren ge- siorben wäre und ihr Bruder noch das Gymnasium besuche: daß sie zwar Verwandte in guten Stellungen und Vermögensverhält- nisten besäße, aber, wie das so ist. piemand wollte sich jetzt um sie kümmern. Friedrich brachte das Bestellte. Die junge Dame nahm, mit schüchternen Fingern, ein Stück Kuchen und trank, nach einigem Zureden, in kleinen Schlückchen von dem Wein. Ihre Wangen röteten sich, ihre Augen fingen an zu glänzen. Sie war wirklich sehr hübsch. Man wurde immer vertrauter. Herr Heumann kannte bald die ganze emfache Lebensgeschichte von Fräulein Gerde-, tröstete sie und ließ sie auf eine bessere Zukunft hoffen. Dann erzählle er einige Witze, und Fräulein Frieda mußte herzlich lachen. Es war sehr gemütlich. Eine Uhr schlug im Nebenzimmer. Das junge Mädchen fuhr auf..Ach— so spät schon.... Ich muß fort!' „Das tut mir herzlich leid, es war doch so nett. Können Sie nicht noch bleiben?' .Nein, heute nicht. Jetzt muß ich gehen. Also— ich darf hoffen?' .Worauf?' „Nun, auf die Stellung als Prioatfekretärin/ .Ja, liebes Fräulein, ich habe keine Stellung zu vergeben, das habe ich doch auch gar nicht gesagt. Der Bankdirektor wird es sein, der eine Etage höher wohnt. Sie haben sich um ein« Treppe geirrt: wahrscheinlich sahen Sie das etwas hohe Hochparterre für die erste Etage an. Aber Sie gefallen mir wirtlich sehr gut. Müssen Sie denn durchaus Privatsekretärin sein? Wie wäre es, wenn wir heute miteinander ins Theater fahren? Vorher kaufen wir für Sie eine hübsche Toilette, und dann essen wir Abendbrot zusammen." Die junge Dame war ausgestanden. Sie war sehr blaß. „Es— es wird wohl bester sein, wenn ich gehe...' »Nun, dann nicht— schade! Sie gefallen mir wirklich, aber lcider tonn man niemand zu seinem Glücke zwingen. Also wirklich nicht— kein Zureden hilft? Dann leben Sie also wohl, es war mir ein Vergnügen. Sie kennen zu lernen../ Als Fräulein Gerda mtt Tränen in den Augen, die Treppe zur nächsten Etage emporgestiegen war, wurde ihr mllgeteill, daß merzehn Bewerberinnen sich gemeldet hätten, und die Stellung be- jetzt wäre.. Sozialististhe Lehr- unö Vanöerjahre. Von Louis Eohn. Berlin— Erfurt. Mit der Verlegung des in Gemeinschaft mit einem meiner Brüder übernommenen elterlichen Geschäftes von Leipzig nach Ber» lin erfolgte insofern eine Wendung meines Lebenslaufes, als große Verluste im Auslande zur Auflösung des Geschäftes führten und mich zur Ausgabe meiner Selbständigkeit zwangen. Mein fünf- jähriger Aufenthall in Berlin fiel in die Periode der Hochblüte und gleichzeitig des Abflauens des Ausnahmegesetzes. Wie überall, so hatte auch in Berlin die Partei den Puttkamer-Bismärckschen Ge- waltstreichen ein Paroli geboten: wie im ganzen Reiche, so zcr- schellten auch in Berlin alle Versuche, durch Lockspitzel a la Jhring- Der Rciffkejn Doorn-. .Wenn ich schon kein Sriegsgewinner sein konnte, will ich wenigstens ein Kriegsgewinnler werden.' Mahlow die Partei m das Polizeigarn zu locken. Ebensowenig konnte der mit dem Spitzeltum verquickte Anarchismus die Kraft und Einheit der Partei brechen. Die Partei hatte sich in Berlin zur Abwehr raffinierter Polizeikniffe trefflich ausgerüstet. Die Disziplin der Berliner Arbeiter war bewunderungswürdig. In ihren engeren Zusammenkünsten der„Capora" herrschte«in Geist brüderlicher Ge- meinschast und vertrauensvollen Zusammenwirkens, doch sind die zur Vernichtung der Sozialdemokratie angestellten Experimente zu bekannt, um hier im einzelnen nochmals beleuchtet zu werden. Am 28. November 1878 war über Berlin der Belagerungs- zustand verhängt worden. Die daraufhin vorgenommene Aus- Weisung von 67 Genosten, von denen 66 Familienväter waren. hatte m Verbindung mtt anderen Schandtaten der Polizei das Gegenteil der beabsichtigten Zermürbung der Partei bewirkt: cln unzerreißbares Band umschlang alle Genossen, und von ihrer ge- schickten Taktik und unermüdlichen Ausdauer bei Wahlkämpfen spricht deutlich die von 311 S61 im Oktober 1881 aus 1427 298 im Februar 1896 gestiegene sozialdemokratische Stimmenzahl. Bei der Wahlagitation"am 21. Februar 1887 konnte ich mich persönlich überzeugen, wie in Berlin gearbeitet wurde. Die Hauptarbett fand in der Nacht statt. Tausende von Arbeitern, die tagsüber gefchar- werkt hatten, waren fast die ganze Nacht tätig, um Wahlaufrufe und Zettel anzukleben und die Namen unserer Kandidaten auf den Trottoirs mit Schablonen zu fixieren. Die Geschlossenheit der Partei war um so notwendiger, als die Entwicklung der anarchisti- schen Bewegung sich immer mehr mit der Lockspitzelei durchsetzte. Man kann sich heute kaum einen Begriff von dem Eindruck machen. den die Enthüllungen des Genosten Singer hervorriefen, als er am 27. Januar 1888 bei der Verlängerung des Sozialistengesetze» an der Hand von amtlichen Schweizer Aktenstücken bewies, daß der Druck der Most schen„Freihett' von einem Schreiner Schröder bezahll wurde, der seit Iahren im Dienst der Berliner Polizei stand. Dieser Schröder empfing Geld von dem Polizeirat Krüger, und seine Berichte waren an einen Polizeibeamten adressiert. Der Verkehr unter den Genossen beschränkte sich naturgemäß auf kleinere Kreise, die meist in den Lokalen zuverlässiger Wirte zusammenkamen. Ein fester Treffpunkt für die Reichstagsabge- ordneten und andere Genosten hatte sich in der schon lange nicht mehr existierenden Schankstätte des Münchener Hofbräu- Hauses in der Leipziger Straße gebildet. Die von einer Frau Danziger bewirtschaftete Filiale befand sich in einer zur Gaststätte umgewandelten, aus mehreren großen Zimmern bestehenden Par- terrewohnung. Was man dort bekam, war gut, reichlich und ver- hältnismäßig billig. Man konnte sicher sein, dort abends an einem bestimmten Tische Genossen zu treffen, um mit ihnen in einen an- regenden Gedankenaustausch zu treten. Dabei kam der Humor zu seinem Rechte und er erhielt noch eine besondere Färbung durch den bekannten Berliner Witz. Hervorragendes darin leisteten der ver- antwortliche Redakteur des„Berliner Dolksblattes' C r o n h e i m. ein ehemaliger Leutnant in der holländischen Kolonialarmee, und der Prokurist der Firma Max Babing, Drucker und Verleger des Parteiblattes. Bamberger, kurzweg und allgemein„B a m" genannt. Die Derfolgungswut der Behörden zwang dazu, die preß- gesetzliche Verantwortung möglichst neutralen Persönlichkeiten zu übertragen. So gelangte außer Cronheim auch ein bekannter Natur- Heilapostel vorübergehend zu diesem Amte. Der unter der S t ö ck e r schen Agitation aufgeblähte A n t i- s e m i t i s m u s war zu jener Zeit zwar schon im Abflauen be- griffen, aber in den Versammlungen der Antisemiten tobte noch eine wilde Hetze gegen Juden und Sozialdemokraten. Der Rektor Ahl- warbt, das Urbild Hitlers, stand damals auf dem Zenitd seiner Erfolge. Auch Liebermann von Sonnenberg stand in den vordersten Reihen der antisemitischen Schreier. Zwischen Bamberger. Cronheim und ihm entwickelle sich einmal folgende drollige Episoden Bambergcr hatte meiner Frau so lange von einer gebratenen, im Stile seiner östlichen Heimat reichlich mtt Knoblauch gespickten Gans vorgeschwärmt, bis sie nicht umhin konnte, ihn und Cronheim zum Verspeisen eines derartig zubereiteten Vogels ein- zuladen. Nachdem sie beim Mittagesten reichlich der Gans zuge- sprachen, begaben sich beide abends in ein Theater. Bamberger hatte wohl etwas des Guten zuviel getan: denn im erften Zwischenakte erhob sich ein neben ihm im Parkett sitzender Herr mit dem entrüsteten Ausrufe:„Pfui Teufel, hier riecht es nach Juden!' Dieser Herr war Liebermann von Sonnenberg. Tableau! Es gab eine kleine Szene, die unsere beiden Genostcn veranlaßte, vorzeitig das Theatex zu verlosten. Aber die geknob- lauchte Hüterin des Kapitals sollte noch weitere Folgen zeitigen: denn als Bam seine Braut aufsuchte undn sie mtt dem üblichen Müsse begrüßen wollte, wandte sie sich entrüstet von ihm ab. Einem der- artig nach Knoblauch stinkenden Juden wollte sie nicht angehören. Das Endresultat dieses denkwürdigen Tages bestand also in der Auflösung eines Herzensbündniffes. Dem Berliner Hasten und Treiben hatte ich mich ntryi«m- bequemen können. Gern nahm ich daher das Angebot einer an- genehmen Stellung in Erfurt an, weil sich damit die Möglich- keit verband, auch für die Partei zu wirken. Ich fand in Erfurt bei dem Abgeordneten R e i ß h a u s, dem Redakteur der„Tribüne' Hülle, dem biederen Geschäftsführer Stegmann und anderen Genosten die beste Aufnahme. Die„Tribüne" lag damals im hef- tigen Kampfe mit den zur Vernichtung der Sozialdemokratie dressier- ten evangelisch. sozialen Vereinen, an deren Spitze ein Pastor Lorenz und ein Professor Heinzelmann standen. In der„Tribüne' eröffnete ich einen Feldzug gegen diese Retter der Gesellschaft, der nicht erfolglos blieb. Mein Inkognito blieb jedoch nicht lange verborgen. Auch die Polizei nahm bald Veranlassung, sich mit meiner Person zu beschäftigen. Als Ersaiz für die fehlende Bildungsorganisation hatte ich einen kleineren Kreis jüngerer Genossen um mich vereinigt, um ihre Fortbildung in Elementarfächern, deutsche Sprache, Buchhaltung. Literatur und Volkswirtschaft zu fördern. Zum Zwecke der volkswirtschaftlichen und dialektischen Schulung hatte ich ein kontradiktatorisches Ver- fahren gewählt. Einer der Teilnehmer dieses Kurses mußte vom Arbeitgeber st and punkte aus die sozialdemokrattschen Irr- lehren rücksichtslos bekämpfen, ein anderer hatte darauf zu er- widern. Die Kontroverse nahm bisweilen so hesttge Formen an, daß ich oft Mühe hatte, die streitenden Kampshähne wieder aus- einanderzubringen. Diesen an sich harmlosen, nur aus Bildungs- zwecke und dialektische Schulung zielenden Veranstaltungen bereitete die Erfurter Polizei ein frühzeitiges Ende. Sie forderte mich näm- lich auf, mein« Lehrtätigkett solange einzustellen, bis ich ein Zeugnis über meine Befähigung zum Lehramt beigebracht hätte, was mir natürlich nicht möglich war. Dagegen gelang es mir, bei meiner Mitarbeit an der„Tribüne' die Klippen des Ausnahme- gefetzes meist glücklich zu umschiffen. Eines Tages erschien jedoch ein Setzerlehrling in meinem Bureau mtt dem Ersuchen, sofort in die naheliegende„Tribüne" zu kommen, da der Redakteur Hülle verhaftet worden sei und das Blatt nicht fertiggestellt wer- den könnt«. Ich sprang also hinüber und wollte mich gleich an die Arbeit begeben, aber es war kein Federhalter in der Redaktion aufzutreiben. Hülle hatte das einzige Exemplar des für jede Re- daktion unentbehrlichen Instrumentes hinter sein Ohr gesteckt und es mit in das Gefängnis genommen. Bis zur Beschaffung eines Er- satzes mußte ich mich mit Kleister und Schere behelfen. Meine Chefs hatten bis dahin meiner journalistischen Tätigkeit ruhig zugesehen. Einmal, weil sie der Ansicht waren, daß es für die Juden das beste sei, sich politisch neutral zu verhalten, dann aber, weil die von ihnen beschäftigten Schneider, und gerade die leistungsfähigsten, durchweg der Partei angehörten. Sich mit ihnen zu verhallen, lag angesichts der großen Konkurrenz am Orte, in Berlin und Breslau durchaus im Interesse des Geschäftes Ihre Duldung sollte jedoch durch den Erfurter Schuhmacher streik im Jahre 1891 auf eine harte Probe ge- stellt werden. Die„Rädelsführer" wurden durch ein Ueberein- kommen der FabrikoMen nicht wieder eingestellt. Sie gründeten eine Genossenschaft, deren beschränkte, durch Anteilscheine aufgebrachte Mittel bald ernste Verlegenheiten hervorriefen. Sie wandten sich deswegen ar mich und ich zögerte nicht, ihnen mit Rat und Tat zur Seite zu stehen. Die Genossenschaft bestand aus tüch- tigen Arbeitern und ihr Geschäftsführer Rahmig war durchaus geeignet, das Unternehmen zu leiten und vorwärts zu bringen. Bor allem handelte es sich darum, ihm Kredit zu verschaffen. Rahmig und mir gelang es, auf der Leipziger Ledermeste einen größeren Pump einzuleiten. Das Fabrikat fand Anklang und Aufträge lagen schon gnügend vor: es hätte somit alle Aussicht zu einer gedeih- lichen Entwicklung bestanden, wenn nicht durch innere, meist persön- liche Konflikte eine verhängnisvolle Zwietracht hervorgerufen wor- den wäre. Wie bei so vielen produktivgenossenfchastlichcn Unter- nehmungen offenbarte sich auch hier ein Mangel an Disziplin und Unterordnung unter die Dispositionen der Geschäfts- lettung. An ihren Matznahmen wuvilx eine selten gerechte Kritik geübt, die sich schließlich zu kleinlicher Nörgelei steigerte. So wurde dem Geschäftsführer vorgeworfen, daß er im Betriebe einen Steh- kragen trage, was doch zu einer Repräsentation des Geschäftes unerläßlich war. Solche Quertreibereien veranlaßten Rahmig, feine Stellung aufzugeben. Er erlangte später die Stellung eines tech- nischen Leiters einer großen Schuhfabrik in Meuselwitz. Inzwischen hatte der Verband der Schuhmacher in die Entwicklung der Ge- nosienschaft eingegriffen. Er ließ sich durch den von einem reichen Lederhändler angebotenen großen Kredit verieiten, die Genossenschaft einer schnellen Entwicklung zuzutreiben, die schließlich in den Hasen eines großkapitalistischen Unternehmens mündete. Aus der ehe- maligen Genosienschaft ist später eine der größten Erfurter Schuhfabriken als Aktiengesellschaft hervor- gegangen. Für mich hatte diese Sache eine für mein ferneres Schicksal entscheidende Wendung herbeigeführt. Die Schuhfabrikanten hatten meinen bisher so duldsamen Chefs solange in den Ohren gelegen, daß es doch nicht anginge, wenn einer ihrer Angestellten die Ar- beiter aufhetze und zur Gründung von Konkurrenzunternehmen seine Hand biete, bis sie mich schließlich in höflichster Form baten, mich fernerhin in dieser Hinsicht mehr zurückzuhalten. So blieb mir keine Wahl zwischen der Aufgabe jener politischen und.journalistischen Tätigkeit oder der Aufgabe meiner Stellung. Ich wählte das letztere. Bebel, über meine Lage unterrichtet, forderte mich auf, die Ge- schäftsführung eines Parteiblattes zu übernehmen, wozu ich um so mehr Neigung hatte, als ich von dem bevorstehenden Erlöschen des Ausnahmegesetzes eine günstige Entwicklung der Parteipreste er- wartete. Der Parteivorstand schlug mir vor, zwischen München und Magdeburg zu wählen. Och wählte München, das metner Individualität mehr Anregungen bot. Wie das Aroliierhandtuch erfunden wurde. Die Erfindung des so nützlichen und heute so viel gebrauchten Frottierhandtuchs wird einem Zufall verdankt. Ein englischer Fabrikant von weichen Hand- tüchern hatte einst einen Maschinendesekt, und so kam ein rauh und unregelmäßig gewobener Stoff aus der Maschine heraus, der zum Verkauf ungeignet erschien und weggeworfen werden sollte. Da sich der Fabrikant beim Reparieren der Maschine die Hände schmutzig gemacht hatte, wusch er sich und benutzte zum Abtrocknen eins dieser rauhen Tücher. Er bemerkte, daß das Abtrocknen damit vortrefflich vonstatten ging, viel besser als mit dem gewöhnlichen Handtuch, und er kam' dadurch auf den Gedanken, solche rauhen Tücher in den Handel zu bringen. Sie erwiesen sich als außerordentlich praktisch und bürgerten sich in der ganzen Welt ein. Theater, Lichtspiele usw. Komische Volksbühne 8 Uhr Der befreite Lessing- Th. Tägl. 8 Uhr Don Quichotte Der junge Aar Morgen 8 Uhr: Der Kaufmann von Venedig Staats- Theater Opernhaus 7: La Traviata Opernhaus am Königsplatz 7 Uh Mignon Schauspielhaus 8 Uhr: Weihnachtsvon Rastand- Kiabund Sbd. u. Sonnt. 4 U. Rotkäppchen Kleine Preise Kleines Th. Heute Uhr Figuranten von Birabeau kegie: Geyer cinkaufe. Die Trianon- Th. große Katharina Schiller Theater 8 selbstmord Tägl. 8 Uhr Uhr: DoppelDoppel Kleine Sklavin Städtische Oper Charlottenburg 7 Uhr. 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Mitgliedsbuch legitimiert. nie große Revue- Posse: Wallner- Theater mittwoch, den 16. Dezember, nachNo no Tägi 8 Uhr: mittags 4 Uhr, im Parterrefaal des Kolportage Berbandshause, Linienstraße 83 85: Nanette Residenz- Th Zum letzten Male 8 Uhr: Betriebsversammlung Philharmonie der Firma Stod, Motorpflug, Köpenider Straße. 8 Uhr: Wagner- Abd. Donnerstag, 17. Dezember. abends d. Philharm. Orchesters Dirig. 7 he, in den Sophlen- Sälen", Sophienste. 17/18: Der Gipfel des Humors u. das neue Progr 1.30 10 bis 16 Pfd., in nur erstklassiger ganz besond. schoner, deutscher Ware. Wegner, Berlin SO. Mariann nstr. 34. efonders wirksam sind die KLEINEN ANZEIGEN in der Gesamtauflage des ., Vorwärts" und trotzdem deka ECERA Deutschlands größte Kolonialwaren Einkaufsgenossenschaft empfiehlt zum Weihnachtsfest: Edeka- Auszugmehl 5- Pid.- Beutel... RM. 1.50 doppelt gesiebt und plombiert Edeka- Margarine Fein.. Extra Pfund RM. 0.80 Pfund RM. 0.90 Edeka- Kakao Silber, Paket 14 Pfund.... 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