Abendausgabe Nr. 59142. Jahrgang Ausgabe B Nr. 293 Bezugsbedingungen und Anzeigenpreise find in der Morgenausgabe angegeben Redaktion: S. 68, Lindenstraße 3 Fernfprecher: Dönhof 282-29% Tel.- Adresse: Sozialdemokrat Berlin Vorwärts Berliner Volksblatt 10 Pfennig Dienstag 15. Dezember 1925 Berieg und Anzetgenabteilung: Gefchäftszeit 9-5 Uhr Berleger: Borwärts- Berlag GmbH. Berlin S. 68, Lindenstraße 3 Ferafprecher Dönhoff 292-287 Zentralorgan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands Keine Kabinettskrise in Frankreich. Loucheur wird über neue Pläne verhandeln. Paris, 15. Dezember.( Eigener Drahtbericht.) Der Ministerrat wird sich heute mit den Konsequenzen der mit 16 gegen 7 Stimmen erfolgten Abstimmung über das Loucheursche Sa nierungsprogramm beschäftigen, nachdem bereits am Montagabend Briand zufammen mit Loucheur, Painlevé und dem Unterstaats sekretär im Finanzministerium Morel über die durch das gestrige Botum in der Finanzfommission geschaffene Situation beraten hatte. In parlamentarischen Kreisen gilt es als ausgeschlossen, daß es darüber zu einer Rabinettstrife fommen wird. Dagegen gilt die Stellung Loucheurs als Finanzminister schwer erschüttert. Er hat zwar in der vergangenen Woche erklärt, daß er zu einer weitgehenden Abänderung seiner Vorlagen bereit sei und es ist deshalb anzunehmen, daß er nunmehr den Verfuch machen wird, mit der Kommission über eine Reihe neuer Gesetzentwürfe zu verhandeln. Es ist jedoch sehr fraglich, ob eine solche Berständigung noch möglich sein wird. In parlamentarischen Kreisen ist man jedenfalls der Auffaffung, daß Loucheur früher oder später die Konsequenzen aus der fast in allen Parteien bestehen den Opposition gegen sein Finanzprogramm wird ziehen müffen. | rechtfertigt erscheinen, daß das gegenseitige Misirauen durch gegenseitiges Vertrauen mit seinen normalen Begleit erscheinungen Versöhnung und Schiedsgericht ersetzt werden fann. Die Verträge von Locarno enthalten zwar militärische Bürgschaften für Belgien, Frankreich und Deutschland, find aber nicht auf der Grundlage des alten Mächtegleichgewichts auf gebaut, das Europa in Militärlager teilte, die ständig aufeinander eifersüchtig waren und nach weiterer Rüftung und weiterem Macht zuwachs ftrebten. Dies bedeutete nicht das alte Gleichgewicht der Mächte, sondern hier wurde ein regionaler Batt abgeschlossen, der von fortwirfender Bedeutung für den Frieden und die Bohl. fahrt Europas fein muß. Ich will nicht behaupten, daß der Weltfriede allein durch Berträge und Uebereinfünfte aufrechterhalten wird. Ich lege ebensoviel Wert auf den Geist von Locarno, wie auf die Berträge von Locarno. Wer zahlt die Lohnsteuer? Die beiden untersten Einkommensklassen zahlen 80 Pro. Unternehmer und Rechtsparteien haben stets die gewaltige Steuerleistung der Massen, wie sie in der Lohnsteuer besteht, herabzusehen versucht. Früher behaupteten sie, die Lohnsterer würde auf die Unternehmer abgewälzt. Neuerdings wird behauptet, daß die höheren Einkommen den größten Teil ber Lohnsteuer aufbringen. Beide Behauptungen sind unrichtig. Da es jedoch an einer genauen Statistik über die Lohnsteuer fehlt, fonnte bisher der Jrreführung der Deffentlichkeit durch die Unternehmer nicht erfolgreich entgegengetreten werden. In dem Gesegentwurf über die Senfung der Lohnsteuer, der gegenwärtig den Reichstag beschäf tigt, hat das Reichs inanzministerium nun zum erstenmal genaue zahlenmäßige Unterlagen geliefert, aus denen die innere Berteilung der Lohnsteuer hervorgeht. Diese Unterlagen beziehen sich auf die 3 ahl der Lohnste erpflichtigen, auf die Höhe ihres Einkommens und auf ihren FamilienDer Staatssekretär wandte sich dann der Frage der ausländist and. An Hand dieser Unterlagen läßt sich nun ein genaues schen Schulden zu und erklärte, es sei in letzter Zeit viel von den harten Bedingungen die Rede gewesen, die Amerika Frage, von welchen Einkommensgruppen die größten Erträge Bid gewinnen über die Wirkung der Lohnsteuer und über die seinen Schuldnern auferlegt habe. Bielfach wurde, fuhr er fort, die geliefert werden. Ansicht vertreten, daß wir diese Schulden hätten ganz und gar streichen sollen. Die amerikanische Regierung hat immer auf die Leiden und Verlufte der Schuldnernationen Rüdlicht genommen. Aber es war Zeit, daß Amerika fich bemühte, diese viel umstrittene und schwierige Frage endgültig zu lösen. Dies war nicht nur vom innerpolitischen Standpunkt aus notwendig, ſondern ebenso, um Europa zu rehabilitieren, ben internationalen Kredit zu ftügen und die europäische Industrie wieder herzustellen. Die Schul den gänzlich zu streichen, war unmöglich, felbst wenn die Umstände bies erlaubt hätten, märe es nach meiner ehrlichen Ueberzeugung unttug gewesen. Es hätte nicht nur die amerikanische Regierung mit der größten Bürde belastet, sondern hätte nicht einmal dem wirklichen Interesse der Schuldnernationen ent gesprochen. Die 16 Stimmen, die am Montagabend die Vorlage zu Fall gebracht haben, setzten sich zusammen aus denen der Kommunisten, der Sozialisten, einem Teil der Raditalfozialen und mehreren Mitgliedern der Rechten. Keine Hoffnung auf amerikanische Schulderstreichung New York, 15. Dezember.( WTB) Staatsjefretär Stellogg hielt heute vor bem Rat für auswärtige Beziehungen eine Rede, in der er u. a ausführte: Seit dem Weltkriege ist es augenscheinlich, daß Europa auf richtige Anstrengungen macht, sich von dem alten System eines Mächtegleichgewichts, bas seine Unterstützung in Militärbündnissen findet, zu befreien. Die jüngsten Ereignisse lassen die Hoffnung Kochs Mission. Boreiliger Optimismus. Der Bersuch des demokratischen Parteiführers Dr. Koch, eine Regierung zu bilden, wird von der Rechten mit Hohn, von der Volkspartei mit fühlster Reserve, vom Zentrum mit Sympathie, von der Sozialdemokratie mit Wohlwollen und Stepjis aufgenommen. In der demokratischen Presse herrscht ein poreiliger Optimismus, vor dem mir marnen möchten. Wenn man die Dinge so darstellt, als ob das Kabinett Roch beinahe schon fertig wäre, und wenn es mur an der erprobten Geschicklichkeit des demokratischen Parteiführers läge, die letzten Hindernisse zu beseitigen, so kann das Ende leicht bittere Enttäuschung sein. Auch die demokratische Presse follte doch nicht übersehen, daß zu einer sachlichen Berständigung noch nicht einmal der Anfang gemacht ist. Es geht auch nicht an, von den sozialdemokratischen Bor fchlägen für ein fünftiges Regierungsprogamm so zu fprehen, als ob fie gar nicht als Forderungen" gemeint feien, sondern nur als eine Verhandlungsgrundlage, die eine grundfäßliche Menderung erfahren und schließlich ganz in Bergessenheit geraten tönnte. Die sozialdemokratische Reichstagsfraktion hat allerdings feine Bedingungen in ultimativer Form gestellt, und sie hat sich mit ihren Vorschlägen in Grenzen gehalten, die von objektiven Beurteilern als durchaus maßvoll anerkannt worden find. Sie hat sich auf das Mindest maß dessen beschränkt, was sie im Interesse der notleidenden Maffen des arbeitenden Boltes für notwendig hält. Sie war sich dabei aber auch dessen bewußt, daß auf dem andern Flügel der geplanten Roalition ganz andere Aufassungen vorherrschend find, und sie hat darum von vornherein an der Möglichkeit einer Berständigung gezweifelt. " Was ist bisher geschehen, um diese Zweifel zu beseitigen? Nichts, aber auch gar nichts! Denn soll man es als eine Ermutigung betrachten, wenn die Kölnische Zeitung" Die Große Koalition einen Wechselbalg", eine partei theoretisch konstruiertes Hindernis einer vernünftigen Regierungsbildung" nennt, das so rasch wie möglich aus dem Bege geräumt werden muß? Die Kölnische Zeitung" spricht damit nur mit etwas größerer Offenherzigkeit aus, was die Tägliche Rundschau" meint. Und wenn dieses volksparteiliche Blatt dann verlangt, es müffe Klarheit darüber geschaffen werden, ob die Borschläge der Sozialdemokratie als bestimmte Forderungen" oder als unverbindliche Wünsche" aufzufaffen find, so verrät es damit die Absicht, die fozial demokratischen Unterhändler zunächst einmal zu einer Preis gabe ihrer Vorschläge zu drängen, um sich dann alles weitere vorzubehalten. Wer das doch wahrhaftig begrei liche Mißtrauen der fozialdemokratischen Arbeitermassen gegen die Volkspartei tennt und wer das Verhalten der volksparteilichen Bresse während dieser Krise aufmerksam verfolgt, der fann doch gewiß nicht zu der Auffassung tommen, daß die Große Koa lition so gut wie gesichert sei. Optimisten feien gewarnt! * Herr Koch hat das Regierungsprogramm ausgearbet. tet, daß er heute mittag der demokratischen Fraktion vorlegen und im Laufe des Nachmittags der Konferenz der Parteiführer unter breiten will. Auf dieser werden die Demokraten durch Koch, a as und Erfelenz, das Zentrum burch Fehrenbach und Marg die Bolkspartei durch Scholz, Curtius und Brüninghaus vertreten fein. Für die Sozialdemokratie werben bie Genossen Hermann Müller, Wels und Dittmann teilnehmen. Aus dem Landtag. Beratung des Justizhaushalts. In der heutigen, um 11% Uhr begonnenen Sigung wurde die dritte Beratung des Justizhaushalts fortgelegt. Zunächst berichtete Abg. Göbel( 3.) über die Ausschußberatung zu der Verordnung über die Gewährung von Straffreiheit in Breußen, deren Genehmigung der Ausschuß empfiehlt. Abg. Obuch( Komm.) erstattet Bericht über die Beratung des Rechtsausschusses zu dem sozialdemokratischen Antrag gegen die Fememorde. Der Antrag fordert vom Staats minifterium, feinen Einfluß bei der Reichsregierung in folgendem Sinne geltend zu machen: Um den sich häufenden Fememorden zu mungen zu schaffen, die ein wirfjames Einschreiten gegen Ber begegnen, find mit größter Beschleunigung Strafbeftimemigungen und Berabredungen aller Art ermöglichen, die eine rechtswidrige private emejuftiz gegen ihre eigenen Mitglieder oder gegen Außenstehende beabsichtigen oder androhen. Ein der ariiger zufammenschluß ist als Bedrohung der öffentlichen Rechts. sicherheit auch bann unter Strafe zu stellen, wenn es zu Plänen der zu Ausführungshandlungen gegen best minte Bersonen noch nicht gekommen ist. Mit Strafe zu bedrohen ist die 3ugehörig. teit zu derartigen Bereinigungen in Kenntnis ihres 3weds. mit erschwerter Strafe zu bebrohen find Personen, die derartige Ber ein gungen leiten, die andere auffordern oder felbft sich bereit erflären, an ber Fällung oder Bollstreckung von Femeurteilen attiv mitzuwirken, auch wenn die Aufforderung oder die Bereiterklärung nur allgemein und noch nicht in Beziehung auf bestimmte Personen erfolgt ist. Der Berichterstatter betont, daß fich zurzeit 28 Perfonen wegen Fememorden in Untersuchungshaft befinden, darunter 18 Offiziere und Fähnriche, Im Berlauf ber Aussprache teilte Staatsjefretär Fritsche mit, daß die Boruntersuchung gegen Barmat abge schlossen sei, wegen Gröffnung des Hauptverfahrens müße noch Befchluß gefaßt werden. Irgendwelche Beranlaffung, daß Barmat Bermögens ftüde in Sicherheit gebracht habe, läge nicht vor. 3 Keine zweite Dawes- Anleihe. Parker- Gilberts Reise nach Amerika. Zu den Meldungen, daß der Generalagent für die Reparations. zahlungen nach Amerifa reise, um das Problem weiterer Kredit gewährung an Deutschland und der Aufgabe einer zweiten Dames Anleihe zu fördern, wird offiziös ertlärt, daß maß gebende Kreise in Deutschland nicht beabsichtigten, eine berartige Anleihe aufzunehmen und daß auch ein solches Ersuchen Deutschlands nicht an den Generalagenten gerichtet worden ist. Seine Reife hängt möglicherweise mit der Realisierung und Unterbringung der Eisenbahnobligationen zu sammen, die Deutschland in Erfüllung seiner Berpflichtung bem Treuhänder Delacroix ausgehändigt hat und die Deutschland auch Dorschriftsmäßig verzinst. Trendelenburg an der Spize, trifft heute in Paris ein. Die deutsche Handelsvertragsdelegation, mit Staatssekretär Nach den Angaben des Reichsfinanzministeriums find im gesamten Reichsgebiet etwa 22,3 Millionen Lohn- und Gehaltsempfänger vorhanden. Im Frühjahr 1925 rechnete man mur mit 21 Millionen. Im Jahre 1913 gab es auf dem größeren Gebiet und bei der größeren Bevölkerungszahl nur 14,4 Millionen versicherungspflichtige Arbeitnehmer. Auch menn diese Zahlen nicht ohne meiteres mit einander zu ver gleichen sind, so ist doch kein Zweifel daran, daß die Zahl der Lohn und Gehaltsempfänger start gestiegen ist. Bon ben 22,3 Millionen Arbeitnehmern zahlen 3,3 Millionen feine Lohnsteuer, weil ihr Einkommen unter den Freigrenzen liegt. Es bleiben also runb 19 millionen lohnsteuerpflichtige Arbeitnehmer. Mie verteilen sich diese 19 Millionen nach dem Familienstanbe, Die Regierung nimmt an, daß von 100 Steuerpflich tigen, 60 lebig und 40 verheiratet, also 11,4 Millionen ledige und 7,6 millionen perheiratete Steuer pflichtige vorhanden sind. Von den 7,6 Millionen sind verheiratete Lohnsteuerpflichtige ohne Kinder 1,246 Millionen, mit einem Kinde 1,451 millionen, mit zwei Kindern 1,428 Millionen, mit drei Kindern 1,178 Millionen, mit ver Kindern 874 000. Der Rest entfällt auf die Verheirateten mit fünf und mehr Kindern. Die Bedeutung dieser Zahlen beruht auf der Tatsache, daß fast zwei Drittel aller Steuerpflichtigen ledig find. Noch wichtiger ist die Frage: Wie verteilen sich die Steuerpflichtigen nach der Höhe ihres Einkommens? Das Reichsfinanzministerium unterscheidet hierfür folgende fünf Gruppen: Jahreseinkommen im Durchschnitt R 1750 bis 24002400-5000 3 600 " 5000-9000 6.600 " 9 000-15 000 . 15 000-30 000 12000 20 000 Bahl ber Steuerpflichtigen 17 024 000 1620.000 Antel' an be Gesamtzabi 89,6 Proj. 8.6 223 000 1,2 60 000 0,3 83 000 02 Aus diefer Uebersicht geht hervor, daß die Gruppe der Steuerp lichtigen bis zu 2400 Marf Jahreseinkommen fast neun Zehntel der Gesamtzahl umfaßt; die Einfommen über 5000 Mart aber noch nicht mit zwei Prozent beteiligt sind. Unter zugrundelegung dieser Zahlen kann man errechnen, wie sich der Ertrag der Lohnsteuer auf die einzelnen Einkom mensgruppen verteilt, und zwar nach der bisherigen Regelung und nach der Regelung, wie sie vom 1. Januar 1926 ab gelten wird. Durchschnitts eir fommen Mart in Mill. Mart tünftig nach Reg.- Entwurf in Mill. Mart in Bro enten 55 Ertrag ber Lohnsteuer bisher in Prozenten 63,2 22,8 1750 1993,0 658,9 3600 357,5 323,0 27 6600 1094 7 103,68 9,6 12000 56,5 3,6 5514 4,5 20000 54.2 3,4 5328 4,4 Gesamtauff, 1 569,6 1 193 5 gruppen von 1750 und 3600 m. fowohl gegenwärt g wie na h Es ergibt sich also, daß die Einkommen der DurchsnittsAnnahme der Regierungsvorlage mehr als vier Fünftel bes Gesamtertrages ber Lohnsteuer aufbringen nämlich bisher 86 Proz. und fünftig 82 Broz. Alle übrigen Einkommen bringen noch nicht ein Fünftel des Gesamtertrages, nämlich bisher 13,9 Proz und fünftig 7,7 Broz. Mit diesem hohen Einkommen einen irgendwie nennenswerten Anteil am Ergebnis sind alle Behauptungen der Arbeitgeber, daß die Ertrag der Lohnsteuer haben, schlagend widerlegt. Darüber hinaus find aber noch zwei andere wichtige Zusammenhäng erwiesen. tigen ledig sind, ist der beste Beweis dafür, daß eine allgemeire Die Tatsache, daß nahezu zwei Drittel aller Steuerpflich Ermäßigung der Lohnsteuer nur durch ausreichende Erhöhung des steuerfreien Lohnbetrags erfolgen fann. Daneben bestand, baß innerhalb der Familienermäßigungen der Ermäziweisen die Zahlen über die Verteilung nach dem Familiengung für das erste und zweite Kind die größte Bedeutung zu tommt. Eine Ermäßigung für das erste Kind wirkt sich bei 6,4 millionen Steuerpflichtigen aus, eine Ermäßigung für bas vierte Kind aber nur noch bei 2,3 Millionen. Schließlich sprechen diese Zahlen zugleich das Urteil über das bisher bestehende System der Familienermäßigungen. Weil die prozentualen Familienermäßigungen für die hohen Einkommen eine ungerechtfertigt große Steuersentung hers vorrufen, ist ihr Anteil am Gesamtauffommen so start zurück gegangen. Nur wenn die prozentualen Familienermäßigun gen beseitigt werden, fann es gelingen, den Anteil der hohen Einkommen an der Gesamtsteuerlast wirksam zu erhöhen. Arbeit für den Sparkommissar. Wie es bei der Reichsgetreidestelle aussicht. Das Kuratorium für Spar- und Vereinfachungsmaßs ahmen, an deffen Spize der Reichsblockhäuptling Löbell und der Spartommiffar Saemisch stehen, hat vor einigen Lagen in feiner Adlon- Beranstaltung gebeten, es bei seinen Bemühungen um die Erzielung von Ersparnissen zu unter stüßen. Wir möchten diesem Wunsche nachlommen und ge statten uns deshalb, Herrn Saemisch auf die Zustände in der Reichsgetreideftelle aufmerksam zu machen, die hoffentlich auch das Interesse des Reichsernährungsministers Kanig erweden werden. Die Reichsgetreibestelle befindet sich seit länge rer Zeit in Liquidation, die ursprünglich am 1. Dt tober beendet sein sollte. Trotzdem aber sind noch immer 32 Personen dort tätig. Benn eine entsprechende Arbeit noch zu leiften wäre, fönnte man dagegen nichts einwenden. Aber angesichts der Tatsache, daß von diesen 32 Personen nur ganz wenige den Gehaltsgruppen angehören, von denen für gewöhnlich die wirkliche Arbeit geleistet wird, darf man wohl zmeifeln, ob ein so aufgeblähter Apparat noch erforderlich ist. Eingeweihte Kreise erzählen deshalb auch, daß bisher bei eines Grafen Dohna in der Nähe von Meferit im Februar 1923 gelegt wurde. Es ist jedoch vorerst nicht erwiesen, ob Legener zu dieser Abteilung gehörte. Festgestellt werden konnte aber inzwischen, daß ein Unteroffizier Brauer damals erzählt hat, in Betschen seien schlimme Ding e" passiert. Einer der mit den Fememorden befaßte Untersuchungsrichter soll, als ihm der Fall mitgeteilt wurde, mit dem Bemerken abgelehnt haben, man müffe abwarten, da die Mutter ihren Sohn noch nicht als vermißt ge meldet habe. Der Schwester des vermißten Legener wurde, als sie sich um die Aufklärung der Angelegenheit bemühte, von einer unbekannten Seite gedroht, fie folle mit den Nachforschungen nach ihrem Bruder, dem es gut gehe", aufhören, da es ihr und ihren Kindern im anderen Fall fehr dreckig" gehen würde. Es dürfte jetzt Sache der Polizei sein, zu diesen Enthüllungen Stellung zu nehmen und zu erflären, wie weit der Fall Regener bereits geflärt ist. Gs Arbeitgeberforruption. Eine Feststellung. Die Reichsleitung der Jungsozialisten bittet uns um Aufnahme folgender Feststellung: Polen und Abrüftung. nad Ein sozialistischer Vorstoft. Unser polnischer Korrespondent schreibt: In Polen besteht die allgemeine Dienstpflicht mit zweijähriger Dienstzeit. Das stehende Heer beträgt ungefähr 300 000 Mann, wozu noch einige Grenzschutzforps im Osten fommen, die reffortmäßig zum Minifterium des Innern gehören. Die Ausgaben für Rüstungszwede im polnischen Staatshaushalt verschlingen seit Jahren rund 40 Proz. der Staatseinnahmen. Es liegt auf der Hand, daß sich damit Polen eine überschmere Last aufgebürdet hat. Trotzdem war es noch bis vor furzem völlig unmöglich, die Frage der Abrüftung aufzurollen. Es galt als Dogma, daß Polen bei seiner bedrohlichen Lage zwischen Deutschland und Rußland gerüstet sein müsse. Infolgedessen suchte Polen durch militärische Bündnisse sowie durch Entwid lung feiner Rüstungsindustrie seine militärische Bereitschaft zu erhöhen. Erst die wirtschaftliche Not hat die Abrüftungsfrage in Polen distutierbar gemacht. Gewiß stel in diese Zeit cuch die polnisch- russische Entspannung und der Locarno: ( chen bet man furter, te tereftigung Deutſcher ArbeitIn der Frankfurter 3eitung" und in der„ Boss. Baft. Es ist aber keine Frage, daß diese politischen Momente allein hierzu nicht geführt haben würden. fchen 3eitung äußert sich die Bereinigung Deutscher Arbeit. Es ist in erster Linie das Verdienst der Polnischen Sozia geberverbände. gez. E. v. Borsig, zu einem Artikel des demolistischen Partei, die Abrüstung ins Rollen gebracht zu haben. fratischen Gewerkschaftsführers Ernst Lemmer. In diesem Schon vor Wochen stellte sie im Sejm den Antrag auf Herab. Schreiben wird von einer Schriftenreihe jung sozialistischer sehung der polnischen Heeresstärke auf die Hälfte. Inzwischen Autoren gesprochen, die vom Firn Berlag geplant und fam die Kabinettskrise, die bekanntlich mit der Bildung einer Reherausgegeben worden sei. Demgegenüber stellen wir fest, daß gierung endete, an der die Polnische Sozialistische Bartei teilnahm. Jungfozialisten an der fraglichen Schriftenreihe nicht be. Die erste und dringendste Aufgabe dieses Kabinetts ist, das Land teiligt und jungsozialistische Schriftsteller mit diesen Vorgängen vor der wirtschaftlichen Katastrophe zu retten, und so tam ganz von in feinerlei Zusammenhang zu bringen sind. selbst die Frage der möglichen Ersparnisse zur Erörterung. Aber selbst unter diesen Umständen zeigte sich ein faum überwinddieser Stelle nicht weiter abgebaut wurde, fei auf die große Aufhebung von Wohnungsbeschlagnahmen barer Widerstand gegen Abrüftungsmaßnahmen. Die Rechte hätte 3ahl höherer Angestellter zurückzuführen, die dort tätig ist. Von den 32 Angestellten gehören mindestens 20 zu den höheren Gruppen. Der Liquidator bezieht ein Ge halt von 2200 m. monatlich, fünf Proturisten ein Behalt von je 1500 M. Außerdem erhalten 14 Angestellte das Gehalt der Gruppe XI nebst Funktions ulage. Wenn es ferner zutrifft, daß einige dieser gut bezahlten Herren einen erheblichen Teil ihrer Arbeitszeit für ihre privaten Geschäfte benußen, so wird sicherlich die Deffentlich teit bald die Nachricht erhalten, daß Herr Saemisch bie überflüssigen höheren Beamten rüd. sichtslos abgebaut hat. Denn wir sind überzeugt davon, es ist ihm ein inneres Bedürfnis, den Beweis zu führen, daß er gerade dort für Sparsamkeit sorgt, wo sie am erften zu erzielen ist. Ein neuer Fememord. Mitteilungen eines Eingeweihten. Im Sozialwissenschaftlichen Club in Berlin sprach am Montag abend vor einem geladenen Kreise der Autor der auf. sehenerregenden Weltbühnenartikel" über die Fememorde. Er teilte bei dieser Gelegenheit einen neuen Fall mit, von dem anzu. nehmen ist, daß auch hier ein Fememord vorliege. Es handelt sich um einen 25 jährigen Bäder aus Frankfurt a. d. Oder, namens Le gener, der auf Veranlassung eines Leutnants Weißtamp, und eines Oberleutnants Butscinsti in die Schwarze Reichswehr eingetreten war. Seit Februar 1923 ist Legener spur los verschwunden. Seiner Mutter wurde erklärt, er sei unter dem Berdacht einer Munitions schiebung flüchtig geworden und werde fted brieflich gesucht. Als später die Mitteilungen von den Fememorden durch die Deffentlichkeit gingen, wurde die Mutter stuzig. Es wurden da privcte Ermittlungen angestellt. Das Ar. tilleriekommando in Jüterbog erklärte, man fönne sich der Sache jetzt nicht mehr erinnern, glaube aber, daß Legener zum Arbeitskommando des Wehrfreises III, also zum bekannten Oberleutnant Schulz, geschickt worden sei. Andere Ermittlungen er. gaben, daß von Rüstrin aus eine Abteilung auf das Gut Betschen Wozzeck" de Oper des Grausens. Staatsoper. Ein historisches Datum. Ohne großen Widerspruch bei einem in Sachen der Moderne recht unnachgiebigen Bublifum zu finden, setzte fich das problematischste aller neueren Musikwerke durch. Eine für unaufführbar geltende Szenenfolge schien t ber untrüglichen Hand eines Formfünftlers coucis zusammengerafft und die gefun gene Sprechmelodie fügte sich dem von Kleiber artistisch vollendet vorbereiteten Orchester zwanglos ein. Fast spürte man nicht das Einmalige eines Wurfs, die Konkordanz zwischen der streng- natura listischen Methode Büchners und der mystische Hintergründe offen barenden Klang- Atmosphäre Alban Bergs. Das Unmögliche schien wahr geworden zu sein, daß nämlich aus dem Geist der Musit heraus die harte Logit eines Schauerstücks veredelt, vermenschlicht, ins Pinchologische hinein vertieft wurde. Dunkelheiten werden trans parent gemacht, phantastisch Auseinanderstrebendes bändigt ein Formfinn von strengster Kultur. Wo zwischen den Szenen das Denken und Irren einer geplagten Kreatur wundersame Wege geht, da gestaltet Berg in seinen sinfonisten Spielen das einzelne zu einem Allgemeinerlebnis, das Allgemeine aber erhält in der beson. deren Betonung schauriger, gräßlicher, fchicksalhaft verfluchter Stim mungen seinen speziellen Charakter. Aus 25 Szenen werden 15, aus 15 Szenen 3 Atte im Sinn der Exposition des Dramas, des nachklingenden Aufruhrs. Dieser Aufruhr wuchtet in uns nach. Es ist ja nicht diefer einzelne, vertrampfte, trante arme Teufel, der da leiden, darben, töten, sterben muß, es ist das ganze Volk von Unterdrückten, das hier seinen Gewaltherren ausgeliefert, an ihnen und ihrem Befehl verbluten muß. Dieser Gesamttenor wird in der Oper noch stärfer fühlbar als im genialischen Drama. Berg errei.ht diefe gestraffte Stimmung durch die flare Disposition feiner mufita lis.hen Wummern, durch die feste Stellung des Rahmens, durch souveräne Technik der Form, durch einen unerhörten Rei hirm an folorijfijdjer, an Ausdrudsvariation. Wenn das trdische Geschchen an Graufigkeit und mörderischer Sicherheit die Sinne martert, bann hebt der Komponist diese Brutalität eines Schicksals in die Geistigkeit eines unwirklichen, traumhaften, jenseitigen Erlebnisses. Der Musiker, der aus einem Ton, aus einem Rhythmus, aus einem Afford heraus eine solche Bielgestalt an dynamischen Effekten und gestuften Etstafen fontrapunktisch zinumiert, der Komponist, der so fontrastreich Schlaflied und Mordplan, jüngstes Gericht und Polla mischen, der aller menschlichen Kleinheit und aller Symbolik in der Natur die adäquaten, podendsten Orchestertöne erfinnen tann, der Mann, der einen komplizierten Orchesterapparat so flar verwenden und ohne eigentliche Thematik doch Mensch und Situation, Echtheit unb Trug so charakteristisch zu conturieren weiß, der ist ein Meister. Bozzed rafiert, läuft, schuftet. Der musikantische Rhythmus läuft feinem Tun noraus, und buntle Bläserstimmen umschatten fein Ein Erfolg deutschen Einspruchs. In Jülich hatten die Besaßungsbehörden infolge der Ilmgruppierung der Befagungstruppen zuerst 145 Wohnungen verlangt, dann dieses Begehren auf 40 Wohnungen verringert. Das belgische Obertommando hat infolge deutschen Einspruchs aile diese Wohnungsbeschlagnahmen aufgehoben. Es werben jezt nur noch 5 Wohnungen verlangt und diese werden von werben jetzt nur noch 5 Wohnungen verlangt und diese werden von einem Belgier und einem Deutschen gemeinsam ausgesucht. Stille Börse. An der heutigen Börse war das Geschäft recht still, da man aus verschiedenen Gründen größere Zurüdhaltung beobachtete. Ein mal verstimmte bie noch nicht pollzogene Kabinetts. bildung, zum anderen beachtete man die erfolglosen Lohnverhandlungen bei der der Reichsbahn und schließlich zeigte sich Ultimogeld mehr als bisher gesucht. Infolge der Prämienerklärungen fam auf den verschiedensten Märkten teilweise reichlich Material heraus, das zusammen mit verschiedenen Baisse. angriffen die Kurse auf der ganzen Linie zum Ermatten brachte. Bon Montanaktien waren Phönig und Harpener stärkerem Druck ausgefeßt infolge Tauschoperationen. Rheinstahl, Gelsenkirchen auch Laura und Caro befestigt. Spätere leichte Gewinne am Montanmarft fonnten nicht gehalten werden. Farben still und be hauptet mit Ausnahme von Badisc- Anilin. Auch Chemische Heyden und Obertofs infolge von Gewinnrealifitionen rüdgängig. Elektro attien bis zu 4 Proz. abgeschwächt, mit Ausnahme von Licht und Kraft. Bon sonstigen Industricaftien waren Linte- Hofmann, NAG., Wolf, Schultheiß, Hochbahn und vor allem Schubert- Salzert er heblich gebeffert. Delaftien fre lich. Schiffchrtsaftien infolge| Don Positionslösungen und Prämienware recht rückgängig. Renten hatten vorbörslich große Beachtung, fonnten aber im offiziellen Verkehr die höchsten Kurse nicht halten. Schutzgebiet 4,82 nach 5,05. Kriegsanleihe 0,221 nach 0,239. Der Geldmartt ist fursmäßig zwar noch unverändert, zeigt aber große Nachfrage nach Ultimogeld. Der französische Frank schwankte zwischen 135%, und 135%, der 3loty ging bis 11 zurüd. Seelenleid. Marie liebt, betrügt, singt Schlaflieder, der Doftor philosophiert, der Hauptmann predigt, die Luft geistert und der Mond zieht blutroten Streifen am Horizont. Allüberall findet der Mufifer eigenartige, schrille, schreiende, aufsteigende, verfinfende, visionäre, irritierende Akzente für das Grauen, das Eischauern, das Fühlen und Zittern. Gerade, daß dieser Atcnale noch fingen fann und daß sein Herz ihm die Feder führt, das macht ihn wertvoll. Und dennoch Dieses Bozzed- Erlebnis haftet zwar. Aber es ist ein einmaliges. Auf diesem Weg wird nur formal, nicht stofflich und nicht erlebnis. mäßig die Oper fortschreiten. Die Kunst fordert Befreiung, Erlösung, Reinigung als Effekt ihrer finnlichen Wirkung. Hier aber tollt der Bahnsinn, hier ist zur Erschütterung das Entsetzen, zum seelischer Kampf um Recht und Schicksal der Krampf gefommen, und dem Mitleiden versperrt die Pathologie des Helden den Weg. Unsere Sinne, unsere Nerven ertragen das nicht. Die Aufführung war hervorragend. Die Dreiteilung der Bühne erleichterte od ermöglichte dem Regisseur Hörth, Visionen Bühnenbilder von Aragantinos, einfach, düster, märchensputhaft huschen, Milieu- Stillſtände einfühlsam zu machen. Die fchreckhaft, waren aus Dichtung und Musik heraus empfunden. Kleiber deutete die höchst schwierige Partitur mit dynamischer Meisterschaft. Sigrid Johanson war eine Marie von soviel Saft und Beibheit, daß ihr Spiel genügt hätte, um dem Abend höchstes Niveau zu sichern. Schübendorf spielte den depressiven, bleichen, gemarterten Bozzed gelegentlich wohl allzu fleinbürgerlich, raffte sich aber in der Mortszene zu irrer, fiegender Größe auf. Alle anderen Hente, Goot, Witting, Abendroth, Moe, Ostertamp, Borchardt fanden sich mit den sehr fchweren rhythmischen Deflamationen glänzend ab. Selbst ein Rind schien in dieser Welt des Grausens cinsam und sonnig ein Gefühl von Verantwortung zu haben. Alban Berg durfte zufrieden fein, durfte sich uns und all seinen Wiener Berehrern oftmals zeigen. Kurt Singer. Schwedische Anekdoten Bei einem großen Festeffen, das von der Gesellschaft Der Funte" in Gotenburg für den eben von einer feiner entbehrungsreichen Reisen durch Innerafien zurückgekehrten Even Hedin veranstaltet worden war, hielt der auch in Deutsch land bekannte Maler Carl Larsson die Festrede:„ Sven Hedin ist fieben Tage lang ohne Waffer gewesen," sagte er, das ist doch nichts Merkwürdiges! Ich habe sieben Jahre lang fein Wasser cetrunten!!" Peinliches erlebte einmal der schwedische Erzbischof Sundbera. Man hatte ihm von einem Offizier erzählt, der cußerordentlich geschickt in Taschenspielertunftstiden sei. Sobald er daher mit dem jungen Mann zusammenfam, sagte er ihm: Als Bischof ist es meine Pflicht, allem Rauberwesen entgegenzutreten. Da ich nun den schlimmsten Herenmeiſter Karlsftedts vor mir habe, möchte ich gern eine Probe Threr Kunft zu sehen bekommen." Berlegen ent schuldigte sich der Leutnant, fein ganzes Rönnen bestehe ja nur im | die Ersparnisse am liebsten bei den sozialen Bersicherungen begonnen. Nur durch die Drohung des Austritts aus der Regierung erreichte es die Sozialdemokratie, daß der neue polnische Kriegsminister sich verpflichtete, in zwei Monaten Gesezentwürfe über den Abbau überflüssiger Offiziere und eine Berfürzung der Dienstzeit vorzulegen. Der Drud, unter dem die polnische Regierung in diesen Fragen steht, ist deshalb besonders groß, weil die ausländischen Konfortien, mit denen wegen einer Auslandsanleihe verhandelt wird, unter anderem zur Bedingung gemacht haben, daß das polnische Budget von rund 2 Milliarden 31oty auf 1,5 Milliarben verringert wird Witsome und größere Ersparnisse laffen sich aber nur am Heeresetat machen. Allerdings sollen auch die Beamtengehälter um 5 Proz. her abgesetzt werden. Das ist aber, da die Gehälter ohnedem zu niedrig find, eine sehr anfechtbare Maßnahme. Zus Warschau, 14. Dezember.( Eigener Drahtbericht.) Im 311 sammenhang mit der Berringerung des Staatsbudgets werden durch Berordnung der polnischen Regierung in nächster Beit 40 000 50 1daten des stehenden Heeres beurlaubt. Außerdem ist die Einziehung des nächsten Jahrganges auf unbestimmte Zeit vertagt worden. Von den Offizieren follen zunächst 2000 beurlaubt werden, um später endgültig aus dem Heere auszuscheiden. Kommunistische Schwierigkeiten. Eingehen der Wiener Roten Fahne". Die„ Rote Fahne" teilt heute mit: Wie die Blätter erfahren, ist das Barteiorgan der Desterreichischen Kommunistischen Partei,„ Die Rote Fahne" in Wien, am Sonnabend und gestern infolge Fehlens von Geldmitteln nicht mehr erschienen. Die Blätter erfahren hierzu, daß das fommunistische Parteisekretariat die Absicht habe, das Blatt, wenn auch in verringertem Umfange weiter erscheinen zu laffen. Sollte dies nicht möglich sein, dann wird die„ Rote Fahne" als Wochenblatt ein bis zweimal in der Woche herausgegeben werden. " Kartenschlagen; leider habe er aber fein Kartenspiel bei sich. Hotte vielleicht der Herr Erzbischof? Da fam er fdön an: Bin ich ein liederlicher Fartenspieler, der am hellen Vormittag schon Karten bei sich trägt: Berzeihen, Eure Eminenz, aber da gudt Ihnen doch der Pique- König aus der Brusttcfd." Und nicht nur den Pique- Konig, sondern zwei fomplette Kartenspiele zog der Uebermütige dem verdugten Kirchenfürsten unter allgemeinem Fallo der Anwesenden aus der Tasche. Natürlich hatte sie der virtuose Taschenspieler blikschnell aus seinem Rodärmel hinein praktiziert. Der Ornithologe Wetterberg hatte sich ein ganz eigenartiges Mittel ausgedacht, um seiner Frau anzugewöhnen, von ihm nur in den dringendsten Fällen Geld zu verlangen. In feinen naturwissenschaftlichen Sammlungen befand sich auch das Stelett cines Berbrechers. Diesem steckte er eine Banknote in das grinsende Gesicht. Bollte mun bie Frau Geld haben, so mußte sie es sich dort in der abendlichen Dunkelheit unter Bangen und Grauen immer erst felber holen. Men fann es der Frau nicht verübeln, daß sie eines Tages von dem Recht der Gelehrtenzerstreutheit Gebrauch machte, einmal fortging, aber dann vergaß, zu ihrem zu geknöpften Gatten wieder zurückzukehren. hebt der englische Ornithologe H. F. Witherby, der sich hauptsächlich Der Refordflug einer Schwalbe. Den Reford eines Bogelfluges mit dem zuerst in Deutschland geübten Ringversuch" in großem Maßstab beschäftigt, in einem Fachblatt hervor. In Kapstadt ist eine Geeschwalbe gefangen worden, die im Frühjahr 1919 in North umberland beringt wurde. Witherby hat im legten Jahr allein mehr als 18 000 Bögel mit Ringen ausgestattet, und seit der Einführung dieses Versuches in England 1909 haben durch ihn mehr als 150 000 Bögel eine solche Bezeichnung erhalten. Lange Flüge von Böge'n find an und für sich schon interessant," sagte er, aber der hier in Frage stehende Fall ist nach meiner Ansicht ohne Vorläufer. Es ist der erste Bericht darüber, daß ein solcher Bogel so weit nach Süden gewandert ist. Ein anderer bemerkenswerter Fall, ist die Kreuzung des Atlantischen Ozeans durch eine Stummelmöwe, die als junger Bogel auf den Farne- Inseln 1923 beringt wurde und 1924 in Neufundland geschossen wurde. Das ist der erste Bericht über einen Bogel, der den Atlantischen Ozean überflog. Schwalben gehören unzweifelhaft zu den Bögeln, die die weitesten Entfernungen zurüd legen, und wir haben schon 8 Fälle, in denen beringte Vögel in Südafrika gefunden würden. Wildente und Kridente femmen den Schwalben in der Ausdauer des Fliegens am nächsten, und zahlreiche in England beringte Vögel dieser Art sind in Finnland und in baltischen Ländern geschoffen worden." Ein Stäbf. Bolis- Konzert des Berl. Sinf. Drchefters unter Leitung von Dolar Fried findet Mittwoch 8 Uhr in der Sinnatademie statt. Brogramm: Sinfoni G- Dur mit dem Bautenschlag von Haydn, Sinfonie für Bio!.. Bratsdie und Gello mit fleinem Orchester von Mozart und Sinfonie Nr. 5 von Beethoven. Eintritt 40 Pf. Die Herbst- Ausstellung der Berliner Seceffion wird nunmehr endgültig am Sonntag, den 20. Dez., mittags 2 Uhr geschlossen. Ein unbefant les marchen von Andersen, das den Titel Der König, die Königin und der Ritter" führt und in dem diesem Dichter eigenen Märchenton die Geschichte der Spiellatten erzählt, wurde unter den Hande fchriften des Dichters in der Kopenhagener Bibliothek entdeckt. Die Arbeiterdelegationen in Rußland. Wie sie betrogen wurden. Bei ihrem Aufenthalt in Rußland besuchte die deutsche Arbeiterdelegation im August d. I. auch das Gefängnis in Jekaterinburg, um die Lage der politischen Gefangenen fennenzulernen. Wie dieser Besuch von den Behörden vorbereitet und durchgeführt wurde, geht aus dem Briefe hervor, den die russiche sozialdemokratische Auslandsdelegation auf illegalem Wege erhalten hat. $ Am 3. August wurden auf Veranlassung der Behörden eilige Vorbereitungen für den Empfang irgend welcher Gäste getroffen. Auf Befehl des Gefängnisdirektors murde eine Anzahl politischer Ge angener in eine der besten Zellen, Nr. 29, übergeführt. Ein großer Teil der politischen Gefangenen jedoch, darunter auch Arbeiter von den größten Petersburger Werfen, wurden aus dem Kerter nach den Kellerräumen der Tscheta gefchafft. Am Morgen des 4. August wurde im Gefängnis selbst eine Generalreinigung vorgenommen. Die zurückgebliebenen Gefangenen sahen, daß irgendeine neue Ko mödie in Vorbereitung sei, und daß offenbar eine aus ländische Delegation zur Besichtigung eintreffen würde. Sie beschlossen, in Anbetracht ihrer langjährigen Gefängnishaft wie auch des eigenartigen Auftretens der deutschen Arbeiterdelegation in Rußland, sich von jedem Berfehr mit ihr zurückzuhalten. Maßgebend für diesen Beschluß war für fie nicht nur das Mißtrauen gegen die Delegation, sondern auch die Tatsache, daß unter den Gefangenen feiner war, der genügend die deutsche Sprache beherrschte und daß infolge dessen ein Kommunist als Uebersezer fungieren mußte. Ueber den Verlauf des Besuches wird in dem Brief folgendes mitgeteilt: Stehendes Volk. Im Laufe der Entwicklung ist aus dem seßhaften Bolt des vorigen Jahrhunderts wieder raftlos schweifendes Nomadentum geworden. Wenn wir modernen Großstädter zweimal täglich von und zur Arbeitsstätte viele Kilometer weit gejagt werden, wenn das Aufsuchen einer abendlichen Erbauungs- oder Bergnügungsstätte ebenfalls zur Hälfte aus Raumüberwindung besteht, und wenn eine fonntägliche Berührung mit der Natur eine nach altväterischen Begriffen weite Reise notwendig macht, so wird der polizeirevierlich bestätigte feste Wohnfig" immer mehr zu einer Fittion. Berbringen nicht schon die meisten Menschen mehr wache Stunden ihres Daseins in einem der großstädtischen Behikel, als im immer noch so genannten„ trauten Heim"? Nein, wir sind wieder fahren des Boll" geworden, und zwar eine besondere, früher nicht bekannte Spezies, nämlich stehendes Volt". Schon Hegel lehrte ja, daß im dialektischen Umschlag des Geschehens sich eine Synthese auf höherer Bafis ereigne. Diese höhere Basis wird zweifellos dargestellt in den Bodenbrettern unserer Hoch, Borort- und Untergrundbahnen. Hier verbringen wir modernen Baganten in den besten Jahren unseres Lebens viele und kostbare Stunden, zusammengepreßt, stehend, gerüttelt, gestoßen, geschoben, gefnufft, und in einer unbestimmbaren Atmosphäre. Es foll freilich Leute geben, die gelegentlich einen Sitz plak erobern, doch scheinen sie irgendwo von einem blindwaltenden, ungerechten Geschid begünstigt, und ließe sich eine neue Art des Alaffenhasses aufständischer, ſtehender Sigloser gegen die Sizenden innig nachfühlen. Hier fann uns auch Ford nicht erlösen, denn europäische Engftirnigteit hat schier unüberwindliche Bollmauern an unseren Grenzen aufgetürmt. Und ehe einmal das bewußt wählende Bolt die sperrenden Wälle niederreißt, und auch wir Europäer nicht nur wie bisher vor allem die Nachteile, sondern auch die Vorteile der modernen Zivilisation genießen dürfen, werden wir uns viel leicht schon angepaßt haben, werden uns im Laufe der GeneDie Delegation teilte sich sofort in zwei Gruppen. Der Bor rationen burch organische Veränderungen zu Stehmenschen" entfizende Freiberger und ein anderes Mitglied, das tschechisch midelt haben, und auch biologisch das sein, was wir heute nur sprach( effenbar Leimann), traten an die Sozialisten heran. fattisch find: stehendes Bolt". In Anbetracht der Unkenntnis der Sprache war die Berständigung 2 000 an sehr schwer. Die Delegierten begannen mit der Erklärung, daß fie m ,, auch selbst Sozialisten seien". Sie sähen die schwierige Lage der Gefangenen, deshalb werde der Inhalt der Unterredung streng geheim bleiben. Sie interessierten sich für die Parteizugehörig feit der Gefangenen, für die Ursachen ihrer Haft, für den Cha rafter ihrer Inhaftierung. Die Antworten der Gefan genen waren furz: Hier befinden sich zwei Gefangene unter der Antlage der 3ugehörigkeit zur Sozialdemo. fratischen Arbeiterpartei Rußlands, einer wegen Zugehörigkeit zur Sozialrevolutionären Partei und einer wegen Bugehörigkeit zu den Anarchisten. Alle sind auf adminiftrafivem Wege verbannt. Die Ursache der Berbannung ist die Ueber. zeugung der Politischen Staatsverwaltung ( Tscheka), daß sie den erwähnten Parteien angehören: in Rußland genügt das, um formell für eine gewiffe Zeit, in Wirklichkeit aber fristlos der Freiheit beraubt zu sein. Drei von den vier genannten Gefangenen verbüßten im Solowegti Kerter die ihnen auf. erlegten Strafen, um jetzt in den Einöden Sibiriens neue Straffristen zu verbüßen. Das sei alles, was die Gefangenen ihnen antworten fönnten. Bon weiterem Berfehr seien sie gezwungen, Abstand zu nehmen." Die Gefangenen begründeten dann ihren ablehnenden Stand punit: Die Delegierten müßten doch ihre zweideutige Stellung im Gefängnis selbst einsehen. Diejenigen, die diese Reise organisierten, feierliche Empfänge und Baraden inszenierten, Begrüßungsreden hielten und ähnliche Begrüßungsreden von den Delegierten heraus forderten, die bereits von vornherein in herzliche Beziehungen zu ihnen getreten waren, seien gleichzeitig die, die mit allen Mitteln die russischen Sozialisten unterbrüdten. " and Nach 6 Jahren gefühnt. Der wiedergenesene Geistestrante. Rach 6% Jahren wurde der Händler Otto Grunert jetzt erst vom Schöffengericht Schöneberg für eine Bluttat, die ein Menschenleben gefordert hatte, zur Verantwortung ges zogen. Am 12. Juli 1919 war in einem Hause in der Potsdamer Straße ein Einbruch verübt worden. Die Einbrecher hatten mit Dietrichen die Wohnungstür geöffnet und eine reiche Beute an Silberfachen davongetragen. Beim Verlassen des Hauses entfiel ein goldener Botal einem der von den Dieben weggeschleppten Beutel, übt worden war. Die Diebe versuchten, ihn durch Angebot eines so daß der Portier des Hauses sofort merkte, daß ein Einbruch per Teiles der Beute für sich zu gewinnen. Als das an dem redlichen Willen des treuen Hauswarts scheiterte, versuchten sie zu fliehen. Auf die Hilferufe des Portiers begann eine Hezjagd. Als sich die Berbrecher an der Bülowstraße fast eingeholt sahen, brehte sich der jezige Angeklagte um und schoß auf den ihm dicht auf den Fersen befindlichen Portier. Dieser sprang rechtzeitig zur Seite und die Kugel traf einen ganz unbeteiligten Hausdiener den Folgen der Verlegung. Grunert wurde zwar festgenommen, Engel in Hals und Rüdenmart. Engel verstarb bald danach an fonnte aber bisher nicht abgeurteilt werden, da er im Gefäng nis geiftestrant wurde. Nach dem Gutachten der Gerichtsärzte ist er jetzt wieder vollständig geheilt und war auch zur Zeit der Tat gesund. In der Berhandlung vor dem Schöffengericht Schöneberg wollte er sich an nichts mehr erinnern fönnen, auch nicht, daß er überhaupt geschossen habe. Die Beugenvernehmung ließ aber Buchthaus verurteilt. feinen weifel an feiner Schuld, und er wurde zu 6 Jahren Proteftfundgebung der Hundebefizer. räte der städtischen Gesellschaften. Hier handelt es fich aber nur darum, daß ein formeller Beschluß gefaßt wird, der die Neuwahlen ermöglicht. Die Wahlen selber werden in der nächsten Sigung am Donnerstag vorgenommen. Die Notstand se vorlage des Magistrats wird erst am Donnerstag behandelt. Donnerstag früh tritt noch einmal der Haushaltsausschuß zusammen, um über die Dedungsvorschläge des Magistrats zu be raten, die bei den gestrigen Berhandlungen noch nicht vorlagen. Ein internationaler Rundfunkabend. Heute abend wird der Berliner Sender von 11 bis 12% Tanzmusit geben. Das geschieht diesmal aber nicht, um vor allem den Berlinern ein Freude zu machen, sondern vielmehr, um einem Ersuchen der Londoner Rundfunkstation zu enisprechen, die durch den Großfender Daventry diese Darbietungen über ganz England verbreiten will. Ueberall dort, wo heute in England in geeigneten Räumen die Lautsprecher tönen, wird man nach deutscher Musik tanzen können. Im Anschluß an die Ueber tragung der deutschen Tanzmusik wird Daventry amerikanische Musik also hören fönnen, was die Amerikaner ihren Hörern zu bieten ver aus Pittsburg geben. Wer einen geeigneten Apparat besitzt, wird mögen. Die Besizer von Detektorgeräten aber würden es sicherlich begrüßen, wenn der Berliner Sender nunmehr die Darbietungen von Daventry übernähme. Das wäre dann wirklich ein„ internationaler Rundfunkabend". Der herrenlose Freiballon ein Reklameballon. Der Fund der Freiballonhülle, die am Sonntag nachmittag in der Nähe von Malchow auf freiem Felde unweit der Chaussee von Automobilisten gemacht worden ist, hat sich erfreulicherweise sehr schnell als harmloser Natur aufgeklärt. Es stellte sich heraus, daß es sich um einen Reklameballon der Gummimerke Fulda handelte, der anläẞutomobilausstellung auf der Avus- Bahn im der Grunewald war und sich schon vor Eröffnung der Ausstellung am 23. November losgeriffen hatte und bisher spurios verschwunden gewesen war. Der Ballon, der eine ziemlich weite Reise zurückgelegt haben muß, ist ficherlich während der lezten Zeit mit Schnee bedeckt gewesen und erst jezt bei Eintritt des Tauwetters zum Borschein gekommen. Wucherpreise und Polizei. Das Polizeipräsidium bittet uns auf Grund unserer Aufsäge: Warum die Preise nicht fallen" und Das Großgeschäft mit der Weihnachtstanne" festzustellen, daß die Namen unzuverlässiger Geschäftsleute befanntgegeben worden sind, und daß auch schon gegen den Weihnachtsbaumwucher eingeschritten wurde. An der Ede Ein neuer eiserner eiferner Berkehrsschuhmann. Tauenhien- und Nürnberger Straße ist fürzlich vormittag ein neuer eiserner Verkehrsschußmann zur Regelung des Verkehrs aufgestellt worden. Gartenkolonisten seien gewarnt vor einem Schwindler, der es auf Gärten abgesehen hat, in denen er Weidenfätzchen schneiden fann. Die Silberfäßchen sind jetzt eine Ware, die hoch im Preise steht. In den vergangenen Tagen wurden Kolonien zwischen Treptow und Neukölln heimgesucht. Der Spißbube verfährt äußerst raffiniert. Er fennt genau Namen und Wohnort der Gartenbefizer, die im Besize von Weiden find. Zunächst fragt er in der Wohnung an, ob die Käßchen verkäuflich sind, was bisher abgelehnt murde. Sofort danach begibt er sich auf die Kolonie, bricht die Gartentür ein und schneidet alles radifal herunter. In zwei Fällen wurde der Spizbube von Gartenmachbarn erwischt und zur Rede gestellt. Da er aber den Gartenbefizer und dessen Wohnung genau angab, auch ein Schreiben vorwies, in dem der Besitzer durch Ramensunterschrift erflärt, mit dem Schneiden der Weidenfäßchen einverstanden zu sein, wurden die Gartennachbarn in den Glauben verfekt, daß es sich so verhalte, wie der Spizbube angab. Natürlich waren die Unterschriften gefällt. Das große Los. In der beenbiçten 3. Iaijenziebung fiel auf Nummer 58 572 der erite Hauptgewinn von 100 000 Mart in die LotterieEinnahme Heinz, Friedrichstr. 83. Wie wir bören, wird dieses Los von 8 gespielt. Infolgedessen gäbe es für die Gefangenen und die Delegierten feinen Hundesteuer fand gestern in den dicht gefüllten Kammerfälen berich ebenen, zum Teil recht bedürftigen Personen mit je 1 Achtel Anteil gemeinsamen Boden, deshalb sei die weitere Unterredung überflüssig. Die Delegierten waren damit nicht einverstanden. Die Gefangenen wiederholten die vorgebrachten Gründe. Material über die Lage der russischen Gefangenen fönne man bei den Vertretern der russischen sozialistischen Parteien in Berlin erhalten. Die Cage von Tieren hinter dem Gitter, die als Objekt der Neugierde von Befuchern dienten, fei nicht geeignet, Bertraulichkeit zu weden. Schließ. lich baten die Gefangenen die Delegation, ihren Standpunkt zur Kenntnis zu nehmen, und versicherten sie ihrerseits, daß sie das auf richtige Interesse der Delegation anerkannten. Damit nahm die Unterredung ihr Ende.". Aus dem weiteren Bericht sei noch ein charakteristisches Moment hervorgehoben. Ein Gefangener mies einem Delegierten die Nummer einer bolichemistischen Zeitschrift vor, in der ein o'fener Brief der Delegation an den Vorwärts" veröffentlicht war, in dem die Verhältnisse in Sowjetrußland gepriesen wurden. Der Delegierte mar empört und erflärte, daß derartige Briefe nicht von der Delegation ausgehen tönnten. Nach einer erregten Aussprache unter den Delegierten erklärte der tschechisch sprechende Delegierte, daß sie während ihres Aufenthalts in Sowjetrußland für die in den Zeitungen erscheinenden Mitteilungen nicht verantwortlich feien. Am Schlusse des Briefes heißt es:" Drei Stunden nach dem Besuch der Delegation wurden alle, die nach den Keller räumen der Tscheka geschafft worden waren, wieder nach ihren Bellen im Gefängnis transportiert. Die Komödie war zu Ende. Der Vertreter der Tschefa, der diesen Transport leitete, bekannte dies offen." Belgien Rußland. Handelsbeziehungen und Anerkennung. Brüffel, 15. Dezember.( Eigener Drahtbericht.) Unter dem Bor. fiz Vanderveldes haben am Montag mit den Vertretern großer bel. gischer Interessentengruppen wichtige Besprechungen darüber stattgefunden, cb eine baldige Aufnahme der Beziehun. gen Belgiens zu Rußland ratsam sei. Aus den vorliegenden Berichten geht hervor, daß bie russische Einfuhr nach Belgien in der letzten Zeit start zugenommen hat. Unter den an Rußland interessierten belgischen Wirtschaftlern war die Ansicht ge. teilt, ob amtliche Beziehungen zwischen den beiden Län. dern zur Entwicklung des Handels unerläßlich seien. Die Regierung wünscht dagegen solche Beziehungen. Zunächst dentt man an Ron suln in Brüssel und Moskau sowie an ein Handelsab tommen nach dem Muster des englischen vom Jahre 1921. Die De- Jure- Anerkennung soll erst erfolgen nach der Regelung des belgischen Eigentums in Rußland sowie nach der Anerkennung der Beziehungen Belgiens zu Armenien und Georgien. Demgegenüber fordert Sowjetrußland die De- Jure- Anerkennung gleichzeitig mit der Aufnahme der Handelsbeziehungen. Das franzöfifche Einreifevifum wird, wie von ber franzöfifchen Regierung amtlich erklärt wurde, Reichsdeutsche auch zum Besuch Elsaß Lothringens berechtigen; nur Reichswehr und Schupomitglieder brauchen dazu besondere Erlaubnis. Eine Protestversammlung gegen die geplante Erhöhung der in der Teltower Straße statt. Die teilweise sehr stürmische Ber fammlung wurde durch einen Vertrag des Tierarztes Dr. Grandes roth eingeleitet, der mit viel Gefühlsentwicklung den Hund als sozialen, fulturellen und technisch- praktischen Faktor würdigte. Der Redner polemisierte heftig gegen die Erhöhung der Steuer, die dem Reichen diefelbe materielle Belastung auferlege wie dem Aermsten und charakterisierte fie als nichtswürdig und unmoralisch". Ober tierarzt a. D. Dr. Klingner verlangte die Staffelung der Steuer und die Besteuerung der Wach- und Ziehhunde. In der erregten Distusfion famen alle Gefühlsschattierungen zum leidenschaft lichen Ausbruch. Gleich zu Beginn der Aussprache erfolgte ein heftiger Zusammenstoß zwischen dem Vertreter der Tierschutzvereine und Kynologen Guttmann und der Verhandlungsleitung. Gutt mann griff die Beranstalter der Versammlung an und betonte, daß mit rührfeligen Phrasen nichts getan sei. Er entwickelte dann ein Bild der Arbeiten des Ausschusses für Hundefragen. Die Magistratsvorlage der Steuererhöhung auf 70 M. sei noch immer Brojett, am Dienstag tritt eine Kommission zur fachlichen Behandlung der Steuerfragen zusammen. Im übrigen fonnte fich Guttmann eines geschmacklesen Seitenhiebès auf die sozialdemokratische Fraktion nicht enthalten. In der Disfuffion gab es sehr viel berechtigte Empörung und gar zu wenig praktische Vorschläge. Ein temperamentvoller Redner forderte seine Leidensgenoffen auf, die Maulförbe abzureißen und mit den entfesselten Tieren das Rote Haus auszu räuchern". Auf den Stadttämmerer wurde mächtig geschimpft. Mit Recht wurde von verschiedenen Seiten leidenschaftlich dagegen protestiert, daß der Bankdirektor für seine Lugustiere genau denselben Steuersatz zahlt wie der arme Mann. Am Schluß wurde eine Entschließung angenommen, die die Erhöhung der Steuer ablehnt und die Staffelung fordert. In Kürze soll auch noch eine Ichnt und die Staffelung fordert. In Kürze soll auch noch eine Straßendemonstration mit Hunden stattfinden. Konzert im Waisenhaus. Das Berliner Waisenhaus zu Rummelsburg jah am Sonntag bei sich eine Schar von Gästen, die den weiten Raum der in freundlichen Farben erneuerten Turnhalle füllten. Angehörige von 3öglingen und Mitglieder des Vereins ehemaliger 3öglinge waren gefommen, an einer fünstlerischen Beranstaltung teilzunehmen, die das Band zwischen Anstalt und Familie fefter tnüpfen follte. Man bemerkte unter den ehemaligen Böglingen manchen, der schon in beträchtlich vorgerüdtem Alter steht, aber dem Waisenhaus die alte Anhänglichkeit und Treue be wahrt hat. Auch Bezirksjugendämter, die den Wert solcher Beranstaltungen zu schäzen wissen, waren vertreten. Das Konzert bot ernste und heitere Musit, Tonwerte von Haydn, Beethoven, Richard Wagner, Wilhelm Kienzl, auch von Offenbach, Abt und anderen. Dem Waisenhausdirektor Seym war es gelungen, mit wirkende von bestem Können zu gewinnen, das Opernsänger- Ehe paar Karl Schönherr und Rita Schönherr, den Konzertfänger Wer nede, ein Streichquartett der Gemeindeschullehrer Köppen, Fandré, Fürstenau, Schmackpfeffer. Alle hatten sich gern und freudig zur Mitwirkung bereit erklärt. Sie ernteten bei der Zuhörerschaft verdiente Anerkennung und lebhaftesten Beifall. Recht flott fang auch der Kinderchor des Waisenhauses, der ernste und lustige Lieder vertrug. Die heutige Stadtverordnetenversammlung wird sich ausschließlich mit der Erledigung der zahlreichen vorliegenden Anträge befchäftigen, aber es ist zu befürchten, daß es nicht möglich sein wird, alle Anträge zu verabschieden. Als einzige Borlage steht zur Be ratung die Berichterstattung für die Neuwahl der Aufsights. Ueber„ Die neue Wohnurg. Das Berhältnis der modernen Architettur zur Malerei spricht Artur Segalin am Dienstag, Versammlung des Bundes entschiedener Schulreformer" am offentlicher den 15. d M., abends 7, Uhr, im Werner- Siemens Realgymnasium, Hohenstaufenstr. 47/48. Bruno Zaut ut. a. weiden an der Aussprache feinet men. Arschließend spricht Paul Destreich über„ Gewalt oder Gewiffen? Dogmatil oder Veiſtung?" Unfostenbeitrag erbeten. Locarno und die A schlußfrage. Der Desterreichisch- Deutsche Bolfsbund, Berlin, veranstaltet am Mittwoch, den 16. Dezember, abends 8 1hr, im Reichstagsgebäude, Gingang V, einen Vortragsabend. Wilhelm elle, stel vertretender Vorsigender des Bundes, hat in den letzten Monaten in rankreich, England und der Schweiz geweit und wird auf Grund persön licher Nüdipiache mit ausländischen Staatsmännern über„ Locarno und die Anschlußfrage" sprechen. An den Vortrag wird sich eine Diskussion an schließen. Der Eintritt frei, Karten im Schloß Bellevue. Der Boltsbühnen- Berlag hat eine neue se lajiiter- Ausgabe herausgebracht. Bisher sind erschienen: Schiller 4 Bände, Goethe 6 Bände, Chafe peare 6 Bände, Hebbel 4 Bände und Grabbe 2 Bände, sämtlich in zum Borzugspreise von M. 3.-( Buchhandelspreis M. 4.20) auch in Ganzleinen und auf bolzfreiem Papier. Die Werte sind für unsere Leser unseren Filialen zu haben. Bundestag des ARB. Solidarität". Der deutsche Arbeiterradfahrerbund Solidarität" wird seinen nächsten Bundestag in der rabfahrerbund Solidarität wird seinen nächsten Bundestag in der Beit vom 17. bis 20. Juli 1926 in Karlsruhe in Baden abhalten. Eine neue Talsperre. An der preußisch luremburgischen Grenze wird zwischen Dasburg und dem luxemburgischen Städtchen Bianden eine große Taliperre und Kraftstation im Tale der Dur, eines Nebenflusses der oberhalb Trier in die Moiel mün denden Sauer, errichtet. In Verbindung mit der Erbauung steht das Projekt einer dem Transport der Boumaterialien dienenden Bahn im Sauertal von Station Edingen über Bollendorf nach Wallendorf, die über Neuerburg Anschluß au das rheinische Bahnnez der westlichen Eifel finden würde. = Bergmannstod. Ein schweres Urglüd ereignete sich nach einer Meldung aus Beuthen auf der Carsten- Zentrum Grube. Beim Abbauen eines Pfeilers plößlich herabstürzende Kohlenmassen begruben die beiden Bergknappen Georg Binzent und Franz Cyrus. Die beiden Verunglückten fonnten nur als Leichen geborgen werden. Neue Fernsprechtabel nach Holland und England. Nachdem das neue Rheinlandfabel bereits bis Mülheim a. d. Ruhr mit Abzwei gungen nach Köln und Duisburg verlegt und damit eine wesent liche Verbefferung des Fernfpred bertebrs im Rheinisch- Westfälischen Industriebezirk geschaffen wurde, ist danach auch die weitere Ab. zweigung von Mülheim über Wesel- Emmerich in der Richtung nach olland fertiggestellt. Zugleich wurde in Holland ein Kabelnetz mit dem Knotenpunft Utrecht vollendet, und es bleibt nur noch die letzte Berbindung über die Grenze mit dem deutschen Kabelnetz herzustellen. Wetterbericht von Oberhof( Thür.). Barometerstand: 683 mm, Tempe ratur-5° Telf., Schneehöhe 80 cm, Windrichtung: Weften. Sportverhältnisse für Sli und Rodeln gut. Groß- Berliner Parteinachrichten. 7 bt. Mittwoch, 16. Dezember, Frauenabenb in Gemeinschaft mit den Rinderfreunden, Rathaus, Zimmer 108. Bortrag des Genossen Löwenstein: Belh nachten und wir Reichskonferenz der Bergarbeiter. Bom 13. bis zum 15. Dezember tagt in Berlin eine Reichsfonferenz des Bergarbeiterverbandes, um zu den Problemen der Wirtschaftskrise und zu taftifchen Organisationsfragen Stellung zu nehmen. Ueber die allgemeine wirtschaftliche Lage und die Ber hältnisse im Bergbau sprachen die Reichstagsabgeordneten Limberz und das Mitglied des Hauptvorstandes des Verbandes der Bergarbeiter Deutschlands Martmöller Bochum. Im Anschluß an eine sehr rege Debatte, in der Bertreter aller Reviere zu Wort famen, wurde folgende Entschließung ange nommen:„ Die Reichskonferenz des Verbandes der Bergarbeiter Deutschlands erklärt: 1. Zur Frage der Entlassungen und Stillegungen im Bergbau: Die von den Unternehmern der Bergbau- und Schwerindustrie geübten Methoden, um in später Wiedergutmachung ihrer Inflationsfünden zu gesunder Produktion zu fommen, sind für die Arbeiterschaft unerträglich. Teilweise erfolgen sie zum Swecke des Lohnbruds und zur Maßregelung politischer oder gewertschaftlich miẞliebiger Arbeiter, immer aber stellen fie groß tapitalistisches Profitinteresse in den Bordergrund und laffen jebe foziale Rücksicht vermissen. Der Verband der Bergarbeiter Deutschlands erhebt deshalb nachdrücklich die Forderung, daß für Industrien, in denen eine solche Ronzentrations- und Stillegungsaktion sich vollzieht, alsbald ge leblich paritätisch zusammengefeßte Organe geschaffen und ihnen Befugnisse zur Kontrolle über Still. legungen und Maffenentlaffungen gegeben werden, wie in der Denkschrift des BAB. und in dem dem Reichswirtschaftsministerium unterbreiteten Borschlag der vier Bergarbeiterorgani fationen sie vorgesehen waren. Für von Stillegungsmaßnahmen betroffene Arbeiter und Angestellte ist gefeßlich( nach dem Borgang in der Kali industrie) eine Entschädigung festzusetzen. schieden gegen die Art und Weise, in der die Reichsregierung die jüngste Silfsattion des Reichstags für die Er. werbslosen und Kurzarbeiter diftatorisch Der. schlechtert hat. Er verlangt schleunigst größere Hilfe für die kurz. arbeiter, die ausgesteuerten Erwerbslosen sowie genügende Ausdehnung der Unterstügung und ihrer Dauer für die Erwerbslosen, deren Elend eine Gefahr für den Staat bildet. 3. Zur Regelung der Kohlenwirtschaft. Bu ihrer dauernden Anpassung an den Bedarf des inneren und äußeren Marktes ist die Mitwirkung der Arbeiter und Angestelltenorganisationen in allen einschlägigen Fragen gefeßlich zu sichern und auszubauen; alle Schritte zur internationalen Regelung der Kohlenwirtschaft sind behördlich zu fördern." Nach einem Vortrag des Borstandsmitgliedes August Schmidt. Bochum über die Taftit in Arbeitszeit und ohn fragen wurde folgende Entschließung angenommen: " Die Reichskonferenz weist aufs neue darauf hin, daß sich infolge der Lauheit der Arbeiter gegenüber dem Gedanken des organisierten Zusammenschluffes die realen Machtverhältnisse innerhalb der Gesellschaft zuungunsten der Arbeiter, vor allem ber Bergarbeiter, in entscheidendem Maße verschoben haben. Die Tattif der freigewerkschaftlich organisierten Bergarbeiter wird nach wie vor von dem elementarsten gewerkschaftlichen Ziele, die Arbeitszeit und die Arbeitslöhne an die gesellschaftlich notwendigen Bedürfnisse anzupassen, geleitet. Diese Anpassung tann natur. gemäß nur im schweren Kampf gegen den Willen der schwer. industriellen Unternehiner durchgeführt werden. Die Maffen der heute noch unorganisierten Bergarbeiter müssen deshalb aufgerüttelt und bem Bergarbeiter verband zugeführt werden. Eine solche Steigerung der organi fierten Macht muß dazu führen, daß Lohn- und Arbeitsverhältnisse Der Verband der Bergarbeiter Deutschlands protestiert ent- geschaffen werden, die dem Wohle der ganzen Gesellschaft dienen. 2. Zur Erwerbslofenunterstügung: Menschenopfer in der Sprengstoffindustrie. Aber der Beruf ist angenehm" und leicht". Hannover, 15. Dezember.( Etgener Drahtbericht.) Eine vom Fabritarbeiterverband einberufene Konferenz ber Sprengstoffar. beiter, die am 13. Dezember in Hannover tagte und aus allen Be trieben beschickt war, beauftragte den Borstand des Fabritarbeiter. verbandes, für die gänzliche Beseitigung der Attorb. und Prämienarbeit in der Sprengstoffindustrie und Be. zahlung einer Gefahrenzulage einzutreten. Die Forderung ist nicht neu, fie wurde aber bisher von den Arbeitgebern mit den nichtigsten Ausreden abgelehnt. Es ist bekannt, daß in der Sprengstoffindustrie fortgesett Explofionen zu verzeichnen find, bie meist eine Reihe Menschenopfer fordern. Im letzten Jahre sind durch die Tagespreffe folgende Explosionen bekannt geworden: Bulverfabrit Runigunde 3 Tote; Sprengstoff fabrit Reinsdorf 14 Tofe, 3 Schwer- und 40 Celchtverlette: Bulvermühle Bergisch Gladbach 1 Toter, mehrere Schwerverletzte; Pulverfabrit Bomlig 2 Tote, 6 Berlette; Bulverfabrit Silberhütte- Harzger be 1 Tofer; Feuermertsfabrit Neu- Isenburg eine 18jährige Arbeiterin tot, 4 Schwerverletzte und eine größere Anzahl Leichtver letzter. In der Konferenz wurde ausgeführt und nachgewiesen, daß die meisten dieser Unfälle, die nicht nur die Betriebsarbeiter und Be triebe. sondern auch die Nachbarschaft gefährdeten, durch An. freiberei und Afford und Prämiensystem verschuldet find. Da die Arbeit in Sprengstoff- und Bulverfabriken die größte Aufmerksamkeit erfordert, diese Aufmerksamkeit aber durch Afford und Prämienarbeit herabgemindert wird und durch fleinste Bersehen ungeheure Gefahren ausgelöst werden, ist die Forderung cuf Beseitigung der Afford- und Brämienarbeit berechtigt und notwendig. Die Arbeiter müssen das sichere Gefühl haben, daß sie abends lebendig und mit heilen Knochen aus der Fabrit heraus fommen. Die Unternehmer bestreiten nicht nur, daß durch Afford- und Brämienarbeit die Gefahren erhöht werden, sondern vertreten mit dreifter Stirn die Behauptung, daß die Sprengstoffindustrie nicht gefährlicher wie jede andere Industrie tft. Sehr häufig wird fogar behauptet, daß die Arbeiter die Explosionen durch Leichtsinn oder Mutwillen selbst verschuldet haben. Sich gegen folche Unterstellungen zu mehren, ist nicht möglich, weil die in Frage tommenden Arbeiter im Interesse der Unternehmer meist zu Tode gekommen sind und ihnen damit der Mund für immer geschloffen ist. Leider haben die Unternehmer in Rreisen der Gewerbeaufsichts. beamten, der Aufsichtsbeamten der Berufsgenossenschaft und auch in den Kreisen der Aerzte Personen gefunden, die ihnen Gutachten in diesem Sinne ausgestellt haben. In einem solchen Gutachten wird behauptet, daß die Gefährlichkeit der Sprengstoffbetriebe ganz allgemein übertrieben dargestellt mird, weil die Sprengstoffbetriebe in ihren Baulichkeiten und in der Apparatur nur aus Schuß Dorrichtungen bestehen. In einem ärztlichen Gutachten wird gefagt, daß die Arbeit in Pulverfabriken sehr leicht und an. genehm und durch viele im Broduktionsgang liegen.be Bausen unterbrochen ist, daß die Arbeiter die Möglichkeit haben, ihre Eßpaufen in freier Luft in den Höfen der Fabrit zuzu Eringen und daß ber Retz der Gegend, in der die Fabrit liegt, den Arbeitern den Aufenthalt in der Fabrit angenehm macht. Wenn man bebenfi, baß in der gesamten Sprengstoff und Anhänger ber RBD. auf Abramowitsch stürzen. Der Branchen. leiter schloß die Bersammlung und veranlaßte die Bersammlungs teilnehmer, den Saal zu verlaffen. Vorher versuchte aber noch der 2. Borsigende, der Kommunist Mar Schule, trotzdem die Bersamm Die Kollegen lehnten es aber ab, ihn zu hören. lung bereits geschloffen wat, die Versammlung weiter zu führen. Vorarbeiten zur internationalen Spaltung. heutigen Morgenblatt unter vorstehendem Titel veröffentlichten Durch ein technisches Bersehen ist der letzte Absatz unseres im Artitels teilweise unverständlich geworden. Die betreffende Stelle muß heißen: Dagegen vermiffen wir sowohl in der Freitag, mie in der Sonnabendnummer des Daily Herald" eine wörtliche Wiedergabe dieser Entschließung. Auf die geradezu uffig wirkenden Fälschungen der Roten Fahne" immer einzugehen, verlohnt sich nicht. Sie geht fogar soweit, eine Rede von Winston Churchill gegen die engli fchen Sozialisten durch Einschaltungen und Auslassungen umzudeuten in eine Rede zugunsten der Amsterdamer Gewerkschaften und gegen die englischen und russischen Gewerkschaften. Mit solchen plumpen Fälschertrics arbeitet man unter dem Mantel der Einheitsfront auf die Spaltung der Gewerkschaften hin! Gesellenausschußwahl der Berliner Bäcker. Am Sonntag wurde für die Bäderzwangsinnung Berlin die Der Wahlaft wurde vom Gefellenausschußwahl vorgenommen. Obermeister der Innung zunftgemäß mit dem Hammerschlag er. öffnet und geschlossen. Die Wahlbeteiligung war schwach. Bon etwa 2500 Wahlberechtigten waren nur 625, das sind 25 Broz., zur Wahl erschienen. Ist diese geringe Wahlbeteiligung auch insofern verständ lich, als der moderne Arbeiter im Bewußtsein der Kraft seiner Organisation dieser Innungseinrichtung fein Interesse mehr ent gegenbringt, so ist sie dennoch nicht zu rechtfertigen, da ein Gefellen ausschuß von Gegnern der Gewerkschaften besetzt, allerlei Unfug treiben fann. Die Gelben im„ Bund der Bäcker-( Konditor-) Gehilfen", hatten alle Anstrengungen gemacht, vertrauend auf die Gleichgültig teit vieler Bädereiarbeiter, und einen Wahlvorschlag eingereicht. Die Auszählung der abgegebenen Stimmen ließ allerdings die Ge fichter der anwesenden Gelben immer länger werden. Sie konnten garnicht verstehen, daß ihnen der Sieg wieder mal vorbeigelungen war, trog der Wahlfautheit der freigemettfchaft. und hatten jo 216 Stimmen auf sich vereinigt, wogegen der Ver band mit 400 Stimmen den Gesellenausschuß besetzt. Bulverindustrie Deutschlands gegenwärtig höchstens 8000 Arbeiter beschäftigt werden, fo ergibt sich aus den bisher bekanntgewordenenlichen Bäder. Reftlos waren die Gelben zur Wahl erschienen tödlichen Unfällen des letzten Jahres, daß die Sprengstoffindustrie mit ihren Gefahren an erster Stelle der gesamten Industrie fteht. Die Sprengstoffarbeiter haben also ein Recht zu verlangen, daß der Arbeiterschutz ausgebaut und wirksam durchgeführt und jcde Arbeitsweise ausgeschaltet wird, die zur Erhöhung der Ge fahren beiträgt. Für den Rest der Gefahren, der auf diese Weise nicht befettigt werden fann, muß ein Ausgleich in Form einer Ge. fahrenzulage geschaffen werden. Bevor dieses Ziel erreicht ist, werden sich die Sprengstoffarbeiter nicht zufrieden geben. Sie können die Wahrheit nicht vertragen. Weihnachtsunterstützung des Demag". Auch im Bädergewerbe, troßdem doch tagtäglich Broge Die gegenwärtige Krise macht sich für alle Arbeiterfreise fübar. geffen wird, find ungefähr 34 Broz. der Berufsangehö rigen arbeitslos. Die Organisation, der Deutsche Nahrungs- und Ge nußmittelarbeiterverband, früher Verband der Bäcker und Konditoren, hat unter seinen in Arbeit stehenden Mitgliedern erheblichen Summe aus Verbandsmitteln am Montag, den eine Sammlung veranstaltet, deren Ertrag unter Hinzunahme einer 21. Dezember, zur Auszahlung gelangt. Die arbeitslosen Berbandsmitglieder müssen sich jedoch bis zum 17. Dezember im Verbandsbureau melden. In einer sehr gut besuchten Branchenversammlung der Revolver. dreher in den Sophienfälen sprach am Sonntag vormittag über Gleich zu Anfang der Bersammlung fegte die fommunistische Ob. " Die wirtschaftliche Lage Rußlands" Genosse Abramowitsch ftruttion ein. Die Rebezeit des Referenten wurde auf eine Stunde beschränkt. Der Redner führte u. a. folgendes aus: gationen ist es Brauch geworden, von großen wirtschaftlichen Er. Berhandlungen im Bankgewerbe. Seit den Besuchen der angeblichen Arbeiter und anderen Dele steigende Wirtschaftsfurve ging auf Roften des Kommu folgen in Rußland zu sprechen. Das stimmt. Doch diese aufmärts. nismus. Theorie und Braris find eben zwei verschiebene Dinge. Bohl oder übel mußte man fich zu einem gemischten System ent fchließen, und ein Aufatmen ging durch das russische Bolt, als den fleinen Bauern Erleichterungen zuteil wurden. schilderte die Nachwehen des Bürgerkrieges und machte die feit Der Referent ftellung, daß nicht der Bürgerkrieg die bolschewiftische Bolitit, sondern die bosschewistische Politif den Bürgerkrieg verlängert hat. Geradezu vernichtend wirften die Ausführungen des Referenten, als er an Hand statistischen Materials nachwies, daß 40 Broz. aller Bauern ohne Pferde feien, daß 80 Proz. des Inventars reparatur. und erneuerungsbedürftig feien und daß zum größten Teil noch und Berlaasanftalt Baul Ginger u. Co. Berlin G 68. Lindenstraße 3 Holzpflüge verwendet werden. Einen Fortschritt hat auch die russische Industrie zu verzeichnen, der aber nur relativ zu verstehen ist. Die Arbeitslosigkeit stiegen und nimmt weiter zu. Troß der großen Arbeitslosigkeit ist ungeheuer. Die Zahl ist auf etwa 1 200 000 Arbeitslofe ge herricht ein vernichtender Mangel an qualifizierten Arbeitern und für die nächsten 6 Jahre befteht taum bie Möglichkeit, diese Lücken auszufüllen. Intereffant waren die Real löhne, die vom Referenten wie folgt angegeben wurden. Monatse löhne in der Schuhindustrie 73 Rubel, Gummiinduftrie 71 Rubel. Maschinenbau 60 Rubel, Brauerei 58 Rubel, Tabat 57 Rubel, Naphtha 47 Rubel, Porzellan 30 Rubel, Zündholzindustrie 28 Rubel. Der Schlüssel zu der schlecht organisierten Wirtschaft ist einzig und allein der völlig unrentabel organisierte Staatsapparat und die politische Desorganisation. Nach dem ausgezeichneten Referat des Genossen Abramowitsch versuchte der Kommunist Enderle die Ausführungen des Redners zu widerlegen, was ihm aber glänzend mißglüdte, zumal er noch anerkennen mußte, daß Abramowitsch sachlich gesprochen hatte und daß auch das Bahlenmaterial richtig war. Im Schlußworrt zerpflückte Abramowitsch einige Behauptungen Enderles derart, daß die Kommunisten in grenzenloser But ben Redner am fprechen zu hindern suchten. Als Abramowitsch dann noch es wurden vorher Zurufe Barmat- Heilmann gemacht auf die russischen Korruptionen einging, die er mit Auffäßen aus der„ Prawda" belegte, fand der Tumult seinen Höhepunti. Mit erhobenen Fäusten und Stöden wollten sich die Auf Grund der vom Allgemeinen Verband der deutschen Bankangestellten beantragten Verhandlungen im Reichsarbeitsministerium über den Ende b. M. ablaufenden Reichstarifvertrag für das deutsche Bantgewerbe hat das Reichsarbeitsministerium die Angeftelltenverbände des Bankgewerbes zu einer Aussprache auf Mittwoch, den 16. Dezember, in das Reichsarbeitsministerium geladen. Berantwortlich für Bolitik: Ern Reuter; Wirtschaft: Artur Saternus; Gemertlayaftsbewegung: 3. Steiner; Feuilleton: K. S. Dölcher; Lokales und Gonftiges: Frig Raritäbt; Anzeigen: Th. Glode; fämtlich in Berlin. Berlag: Borwärts- Berlag G. m. b. S., Berlin. Drud: Borwärts- Buchbruceret மா Wäsche- Borchardt NW 21, Wilsnacker Str. 49 Zum Weihnachtsfest Günstige Kaufgelegenheit Bewährte Qualitäten Trikotagen Strümpfe Herrenartikel Leibwäsche für Damen u. 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