Nr. 59442. Jahrg. Ausgabe A nr. 303.es Bezugsvreis: 235chentlich 70 Bfennig, monatlid 8. Reichsmart voraus zahlbar. Unter Rreusband für Deutichland, Danzig Saar unb Memelaebiet Vesterreich gitanen, Luremburg 4,50 Reichsmart, für das übrige Ausland 5.50 Reichsmart pro Monat Der Borwärts mit der Sonntags beilage Bolt und Reit" mit Gieb lung und Rleingarten fomie der Beilage Unterhaltung und Biffen und Frauenbeilage Frauenstimme ericeint mochentäalich zweimal Sonntags und Montags einmal Telegramm- Abreffe: .Cozialdemokrat Berlin Morgenausgabe Vorwärts Berliner Volksblatt 10 Pfennig Anzeigenvreise: Die einfaltiae Ronpareile Geile$ 0 Bfennia. Rettamegelie 5.- Reichsmart. Kleine anzeigen bas fettaebrudte Bort 25 feunts ( auläffia awei fettaedruckte Bortes, jedes weitere Wort 12 Bfennig. Stellengesuche bas erfte Wort 15 Bfennig, tebes meitere Bort 10 Pfennig. Borte über 15 Bud staben zählen für amet orie Arbeitsmarkt geile 60 fennig. Familienanzeigen für Abonnenter Reile 40 Bfennia. Anzeigen für bie nächste Rummer müffen bis 4 Uhr nachmittags im Sauptgeschäft. Berlin SW 68, Linden Brake 3, abgegeben werden. Geöffnet non 8% Uhr früh bis 5 Uhr nach. Zentralorgan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands Redaktion und Verlag: Berlin SW. 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Dönhoff 292–297.1 Donnerstag, den 17. Dezember 1925 Vorwärts- Verlag G.m.b.H., Berlin SW. 68, Lindenste.3 Boftschecktonts: Berlin 37 536 Banffonte: Bant ber Arbeiter, Angestellten und Beamten. Wallstr. 65; Diskonto- Gesellschaft. Depofitentaffe Lindenstr.: 8. digd and tim got „ Keine geeignete Grundlage." 11 Beschluß der Sozialdemokratischen Reichstagsfraktion. Reichstagsfraktion.- Mißtrauen die Volkspartei. daß man gemeinsam mit solchen Bundesgenossen die Republik schüßen fönnte! gegen Die Sozialdemokratische Reichstagsfraktion hatarchistischen Reattion find. Es läßt sich sehr schwer vorstellen,| meinen Eindruck, daß sich die Bolkspartei um jede Stellung Thin gestern abend einen Bejáluk gefaßt, der ausspricht, daß sie in dem Ergebnis der geführten Berhandlungen Peine geeignete Grundlage für die Bildung einer # Großen Koalition erblickt. Der Beschluß wird heute früh bei der für 10 Uhr angefehlen, Besprechung den Beteiligten überreicht werden. Berträge fann man auf verschiedene Weise schließen. Wo von vornherein gegenseitiges Vertrauen vorhanden ist, genügt die mündliche Abrede. Wo dieses Vertrauen fehlt, sind schrift liche Niederlegungen, find genaue und genaueste Formulierungen notwendig. Darum mußte die Die Sozialdemokratische Partei war auf Anregung des sozialdemokratische Reichstagsfraktion ein Programm aufZentrums und der Demokraten vom Reichspräsidenten ein- ftellen, wie sie es am 9. Dezember aufgestellt hat, und darum geladen worden, eine Regierungsgemeinschaft mit Barteien allgemeinere, auslegungsfähigere Fassungen zu ersetzen, nicht geladen worden, eine Regierungsgemeinschaft mit Parteien fonnte sie den Versuch, ihre genauen Formulierungen durch zu bilden, die bisher eine antire publitanische und mitmachen. Wäre sie ein Bündnis eingegangen, das auf gegen zu bilden, die bisher eine antire publikanische und antifoziale Bolitik getrieben, die den bisherigen Rechtsseitiges Mißtrauen und ein nicht ganz flares Brogramm gefurs der Innenpoliileitet und unterstügt hatten. Unsere gründet wäre, was wäre die Folge gewesen? Entweder hätte Reichstagsfraktion hat diese Einladung nicht von vornherein sie sich in der Regierung zu einer weiteren schrittweisen abgelehnt, sondern am 9. Dezember Richtlinien für ein Preisgabe ihrer berechtigten Forderungen drängen lassen und Regierungsprogramm aufgestellt, dessen vorbehalt hätte damit das Vertrauen ihrer Anhänger aufs Spiel gefeßt. lose und aufrichtige Annahme durch die anderen Parteien Oder aber die Koalition wäre in fürzester Frift, ebenso wie die ihren Eintritt in die Regierung ermöglicht hätte. Diese An von 1923, auseinandergebrochen. Darum ist die Fraktion dapon nahme ist nicht erfolgt. Der Berlauf der Berhandlungen hat überzeugt, daß ihre Entscheidung im Lande volle Billigung vielmehr den Eindrud bestätigt, daß sich an der Grundein- finden wird. Mögen jezt auch Borwürfe aus den Reihen der stellung jener Parteien nichts geändert hat. Es handelt fch bürgerlichen Parteien auf sie niederhageln, desto fester dabei in erster Linie um die Deutsche, dann aber auch um die werden sich ihre Anhänger um sie scharen. Tayerische Volkspartei. deren Aufnahme in die geplante Rogliiion gleich alls vorgesehen war. Un'er solchen Umständen mußten die Bemühungen des Herrn Koch scheitern, das von ihm aufgestellte Programm fonnte als geeignete Grundlage zur Bildung einer Großen Roalition nicht anerkannt werden. Eine Einigung über ein gemeinsames Brogramm wäre wahrscheinlich leicht gewefen, wenn die Verhandlungen nur zwischen den Sozialdemokraten einerseits und Herrn Koch und den ihm Gleichgesinnten anderer feils zu führen gewesen wären. Sie waren unmöglich, weil sie augleich auch mit Parteien geführt werden mußten, denen die Sozialdemokratische Partei mit startem Mißtrauen gegen übersteht. Man braucht nicht weit in die Geschichte zurückzugreifen, um zu finden, worin dieses Mißtrauen begründet ist. Die Deutsche Volkspartei hatte gemeinsam mit den Deutschnatio nalen den Kampf gegen jede Regierung geführt, in der die Sozialdemokratie vertreten war, bis sie schließlich bei der Ruhrfrise sich genötigt sah, die Hilfe unserer Partei anzurufen. Kaum aber war im Herbst 1923 die Große Koalition zustande gekommen, so stürzte die Bolkspartei den sozialdemofratischen Finanzminister Hilferding und sprengte einige Wochen darauf die Koalition selbst. Seitdem war ihr ganzes Bestreben darauf gerichtet, die Deutschnationalen in die Regierung zu bringen und mit ihnen zusammen gegen die Sozialdemokratie zu regieren. Sie schloß mit den Deutsch nationalen jenen schmählichen Kaufvertrag, nach dem die Deutschnationalen 49 Stimmen für den Dames Batt lieferten, um dafür vier Ministersitze zu erhalten. Sie sprengte ohne jeden fachlichen Grund auch in Preußen die Große Koalition und führte mit der äußersten Rechten zusammen den Kampf gegen die Regierung Braun wieder mit dem Ziel, jeden fozialdemokratischen Einfluß auszuschalten und eine Regierung des Bürgerblods zustande zu bringen. # Nach dem Austritt der Deutschnationalen aus der Regierung und der Ablehnung der Locarno- Berträge durch sie änderte die Bolkspartei ihre grundsägliche Haltung nicht. Ihre Presse bekämpfte das Zusammengehen mit der Sozialdemokratie und forderte die Bildung einer rein bürger lichen Regierung, die den Deutschnationalen den Wiedereintritt offen lassen sollte. Erst unter dem Drud der Aufforderung durch den Reichspräsidenten bequemte fie fich zu Berhandlungen. Der Eindrud, daß sie beabsichtige, die Sozialdemokraten höchstens als Nothelfer in der Regierung zu dulden, alsbald aber wieder eine neue Arise herbeizu führen, fonnte durch dieses Verhalten nicht geschwächt, sondern nur gestärit werden. Der Einfluß des rechten Flügels in der geplanten Großen Roalition wäre noch vermehrt worden durch den Eintritt der Bayerischen Boltspartei und der Wirtschafts. partei. Die Banerische Bollspartei ist die Bertreterin des banerischen Föeralismus, der zu dem sozialdemokratischen Bestreben, die Reichseinheit zu feftigen, im schärfsten Gegenfab steht. Sie steht in engster Beziehung zu jenen sogenannten Baterländischen Berbänden, bie die Borfämpfer der men Die sozialdemokratische Reichstagsfraktion hat durch ihr Berhalten gezeigt, daß sie teine andere Absicht hat als die, im Interesse des arbeitenden Boltes fachliche Politit zu treiben. Sie hat zu diesem 3wed ihr Programm auf gestellt, das mit dem Scheitern der Berhand lungen über die Regierungsbildung feines megs erledigt ist. Dieses Programm bleibt der Maß stab, den die Sozialdemokratie an die Politik der fünftigen Regierung anlegen wird, es bleibt die Plattform der Partei für tommende schwere Kämpfe, die nicht ausbleiben werden. Sollte es, was feineswegs ausgeschlossen ist, infolge der Regierungsfrise zu einer Auflösung des Reichstags fommen, so wird die Partei mit diesem Programm in den Wahlkampf ziehen. Die Verhandlungen vom Mittwoch. Ueber die Verhandlungen vom Mittwoch meldet das Nachrichtenbureau des Vereins Deutscher Zeitungsverleger: Wir wir hören, spielte bei der heutigen Besprechung der Parteiführer vor allem die Erwerbslosenfrage eine große Rolle, da von der Sozialdemokratie hier ganz bestimmte, sehr weitgehende Forderungen gestellt wurden. Jedenfalls erschienen die sozialdemofratischen Vertreter zu der Mittwoch- Konferenz mit neuen For derungen, die über ihre bisher veröffentlichten Programm punfte weit hinausgehen. Die Kochschen Richtlinien fündigten in der Erwerbslosenfrage bereits erhebliche Fortschritte an. In einem Gefeß sollten alle Arbeitszeitbestimmungen zusammengefaßt werden, und gleichzeitig wurde die Ratifikation des Washingtoner Abkommens vorgesehen unter der Vorauss fegung, daß auch von Frankreich und Belgien die Ratifizierung vollzogen würde. Auch der Arbeitsminister Brauns hatte bereits seine Zustimmung zu diesen Richtlinien gegeben. Den Coz aldemotraten waren diese zusagen, wie mir hören, jedoch nicht aus. reichend genug. Sie forderten eine genaue bis ins einzelne gehende Regelung, die sofort vorgenommen werden sollte, u. 1. auch die Unterstügung der Kurzarbe ter usw., während es praftis.n unmöglich erscheint. diese schwerwiegenden Fragen ohne genügende Bor bereitung zu lösen. Der Bericht gibt von den Verhandlungen ein unrich tiges Bild. Insbesondere ist unrichtig, daß die Sozialdemofraten neue Forderungen aufstellten, ihre Wünsche hielten sich vielmehr im Rahmen der bekannten Vorschläge und betrafen nur die Art ihrer Ausführung. Die Volkspartei spielt Sphing. Ueber die gestrige Sigung der volksparteilichen Reichstagsfraktion wird parteioffiziell gemeldet: Die Reichstagsfraktion der Deutschen Bollspartei hielt eine etwa einstündige Sigung ab, in der Abg Dr. Scholz den Bericht über die Parteiführerbesprechung gab. Besondere Be. schlüsse wurden nicht gefaßt, sondern die Unterhändler ermächtigt, die entsprechende Entscheidung zu treffen. nahme nicht nur zu den sozialdemokratischen Vorschlägen, sondern auch zu dem Programm des Herrn Roch herumdrücken will, und so bestärkte sie auch unsere Fraktion in der Auffassung, daß eine Grundlage für eine gemeinsame Arbeit mit der Volkspartei in den Berhandlungen nicht gefunden worden ist. Die Sihung der Sozialdemokratischen Fraktion. Der Beschluß der sozialdemokratischen Reichstagsfraktion den Beteiligten der Parteiführerfonferenz die heute um foll in seinem Wortlaut erst veröffentlicht werden, sobald er 10 Uhr vormittags beginnt und die nach) Lage der Umstände fehr rasch beendet fein dürfte überreicht fein wird. Es kann jedoch jezt schon gesagt werden, daß es das Mißtrauen gegen die rechte Flügelpartei ist, das zu diesem Beschluß geführt hat. Das ehrliche Bemühen des demokrati fchen Parteiführers Dr. Koch, ein brauchbares Regierungs. programm zu finden, und feine ehrliche republikanische und demokratische Gesinnung fanden allgemeine Anerkennung. C Doumer Finanzminister. Gesamtkabinettskrise in Aussicht. ihm vom Ministerpräsidenten Briand angebotene Finanzministerium Paris, 16. Dezember.( WIB.) Senator Paul Doumer hat das angenommen. Ministerpräsident Briand hat den neuen Finanz minifter 7 Uhr abends dem Präsidenten der Republik vorgestellt. Paris, 16. Dezember.( Eigener Drahtbericht.) Die sozialistische Fraktion hat Stellung zu der Demiffion 2oucheurs ge nommen. Nach einem ausführlichen Erpofé Renaudels über die am Dienstag abend erfolgte Aussprache mit den anderen Links. gruppen beschloß die Fraktion einstimmig, der heute abend statt. findenden Sigung des Parteivorstandes die eventuelle. Einberufung eines außerordentlichen Parteitags mit ihm zu bis. futieren. Es erscheint unvermeidlich beinahe, daß es entweder fofort oder nach furzer Zeit zu einer Gesamtregierungs. frise tommt. Aus der Mittwochdebatte in der sozialistischen Fraf tion ging der starte allgemeine Wunsch hervor, daß die Partei aus der Zwitterſtellung der lezten Wochen möglichst schnell heraus. tommen möge. Beteiligung an der Regierung oder Oppofiflon, nur nicht diefes ständige Hin und Her war die Formel, die Abg. Gen. Paulin unter stürmischer Zit Stimmung gebrauchte. Da fich Briand, den dringenden Mah. nungen der Linten zum Troß, entschlossen hat, den Senator Baut Doumer als Nachfolger Loucheurs zu berufen, so wird zwar eine Gesamtkrise vielleicht noch etwas hinausgeschoben werden fönnen. aber die Unsicherheit der parlamentarischen Lage ist noch schlimmer als zuvor. Die sozialistische Frattion ift entschlossen, zu einer Regierung. in der Doumer als Finanzminister fißt, in Opposition zu treten, selbst menn Doumer bereit sein sollte, seine früheren Finanzprojefte abzuändern. Weder die Bergangenheit Doumers, noch sein Verhalten in der jüngsten Zeit gibt den Sozialisten auch nur die geringste Garantie, daß man Bertrauen zu seiner Amtsführung haben könnte, und man ist in ber Linten erstaunt darüber, daß Gute Freunde Brland das Experiment Doumer wagen will. Briands haben ihm den Rat gegeben, eher selbst zurückzutreten, als die Verantwortung zu übernehmen für die Bildung einer logenannten erweiterten Mehrheit", die die Folge des Eintritts Doumers in die Regierung sein würde. Er hat nicht geglaubt, auf die Ratschläge hören zu sollen, sondern es für richtig gehalten, einen Politiker zu nehmen, dem, troßdem er zur Senatsgruppe der demokratischen Linfen gehört, das tieffte Mißtrauen nicht nur der Sozialisten, sondern auch der anderen Linksgruppen der Kammer begegnet. Wahrscheinlich hofft Briand auf diese Weise im Senat eine fichere Mehrheit zu erhalten und in der Kammer eine Spaltung des Nationalen Blod's herbeizuführen. Durch den Eintritt Doumers in die Regierung mird die Frage des Fortbeftandes des Bintstartells als mehr. heit in der Rammer jegt brennend. Man darf damit rechnen, daß auch der Präsident der Finanzkommission der Stammer, Diese Meldung wurde in der sozialdemokratischen Malvŋ, zu den Gegnern der neuen Kombination gehört. Fraktion bekannt, noch ehe ihre eigenen Beratungen zur Re- Sollte infolgedeffen eine neue und erweiterte Arise entstehen, fo gierungsfrage abgefchloffen meren. Sie verstärkte ben allgemirb bie fozialistische Bartei fehr balb wieder nor hie Froge ihres Eintritts in die Regierung gestellt werden. Damit rechnet übrigens die Frattion. Das ging aus der Debatte vom Mittwoch morgen flar hervor. Die Partei dürfte gegebenenfalls infolgedeffen erflären, daß sie bereit ist, mit den anderen Gruppen der Linten fich über ein Finanzprogramm zu verständigen, und wenn diese Verständigung möglich ist, sich an der Regierung zu beteiligen und die Einberufung eines außerordentlichen Parteitags zu beschleunigen. Sollte eine Berständigung, zu deren Herbeiführung gegenwärtig neue und große Anstrengungen gemacht werden, unmöglich sein, so wird der sozialistischen Fraftion nichts anderes übrig bleiben als in die Opposition zurückzugehen, in die ihr wohl ein großer Teil ber bürgerlichen Linksparteien folgen würde. Das müßte den Austritt der radikal. fozialen Minister aus der Regierung und somit die neue Krise zur Folge haben. Man ist sich auf der Linten allerdings tlar, daß dann eine ausgesprochene Rechts fonzentrationsregierung faft zur Sicherheit wird. Der außerordentliche Parteitag. Baris, 16. Dezember.( BIB.) Nachdem in einer Sigung der fozialistischen Rammerfraktion einige Abgeordnete berichtet hatten, noffen Undén verfündete Entscheidung ist gegen die Türtei ausgefallen und läßt im wesentlichen die Brüffeler Linie als endgültige Grenzlinie zwischen der Türkei und dem 3rat bestehen. Die Entscheidung wird jedoch abhängig gemacht von dem Abschluß von Wirtschaftsabkommen zur Erleichterung des Handelsverkehrs zwischen der Türkei und dem Persischen Golf. über das Mofful- Gebiet und die Wafferwege des Jrat. Vor Berlesung der Entscheidung wurde ein Brief des türkischen Außenministers Tewfit Ruschdi Bey verlesen, worin dieser unter Hinweis auf die wiederholten Erklärungen der türkischen Delegation über die Grenzen ihrer Vollmacht darauf hinweist, daß den türkischen Vermittlungsvorschlägen niemals Folge gegeben worden ist und daß der Rat es abgelehnt hat, die Vermittlung aus zuüben. Unter diesen Umständen erkläre die türkische Delegation diefen Bermittlungsvorschlag für auft und nichtig Die Souveränitätsrechte der Türtel blieben durch die Entscheidung des Rates unberührt, da ihre Rechte auf das Mofful- Gebiet nur mit ihrer eigenen 3uftimmung aufhören tönnten. Scialoja fpradh fein Bebanern darüber aus, daß die auf Grund des Artikels 3 des Bertrages von Caufanne trohdem feine Entscheidung verkünden tönne. Fällen ausnahmsweise die Bezirksfürsorgestelle, in heren Bereich fidg die Arbeitsstätte befindet. Ferner wird bestimmt, daß die Zumen bungen auch finderlose Ehepaare erhalten tönnen und zwar in Höhe des einfachen Grundbetrages. Da die Durchführung der Richtlinien vom 24. September d. J. die zur Verfügung gestellten Mittel nicht erschöpfen wird, werden die Richtlinien wie folgt erweitert: Beim Borliegen der sonstigen Bor aussetzungen der Richtlinien tönnen im Rahmen der vorhandenen Mittel in Not befindliche Arbeiter und Angestellte 3 uwendungen auch dann erhalten, wenn sie in den Jahren 1924 und 1925 nicht in dem vorhergesehenen Umfang arbeitslos gewesen sind, sofern sie infolge ununterbrochener Arbeitslosigteit in der Zeit vom 1. Mai bis 31. Dezember 1924 einen Verdienstausfall von mindestens 50 Arbeitstagen erlitten und hierfür Erwerbslosene unterstützung bezogen haben. Im Bergbau genügt es, wenn der Arbeitnehmer im Laufe des Jahres 1924 infolge fchlechter Lage des Arbeitsmarktes einen Berdienstausfall von mindestens 50 Feier schichten gehabt hat. Der Grundbetrag ber erweiterten zu wendung foll in der Regel 40 m., die Erhöhung für die Angehörigen je 5 M. nicht überschreiten. Bei Ausschüttung der Mittel sollen Arbeitnehmer mit zahlreicher Familie vor solchen mit kleinerer Familie und vor finderlosen Eheleuten berüdsichtigt werden. Allein stehende in Not befindliche Personen fönnen beim Vorliegen der sonstigen Voraussetzungen die Zuwendung ausnahmsweise dann er. tigte fortlaufend unterstützt haben. daß ihre Wähler die Aufstellung eines positiven politischen türkische Delegation nicht erschienen fel, erfläcte aber, daß der Rat halten, wenn fie, folange fie in Arbeit standen, Unterhaltungsberech Attionsprogramm forderten, beschloß die Fraktion, daß der Parteivorstand heute abend zusammentreten folle, um über die Frage zu entscheiben, ob ein außerordentlicher Rongreß der Bartei fofort einzuberufen sei. Der Kongreß folle ein politisches Programm aufstellen. Gemeinsam mit den anderen Parteien des Kartells der Linten folle bezüglich ber Finanzierung ein Mindest programm ausgearbeitet werden. Die Mitglieder des Politischen Ausschusses der Fraktion werden heute nachmittag mit den bürger. lichen Parteien des Rartells verhandeln. Sozialistische Steuervorschläge. Paris, 16. Dezember.( Eigener Drahtbericht.) In ber Finanztommiffion der Rammer hat Genoffe Vincent Auriol angeregt, ben Gefeßentwürfen der Regierung einen eigenen Entwurf ent gegenzustellen. Er hat dafür folgende Richtlinien vorgeschlagen: 1. Einführung der obligatorischen Einkommensteuer erilärung, Maßnahmen zur Vereinfachung der Beranlagung und Erhebung Jowie wirtfame Rontrolle des Einkommens; 2. Umwandlung der Inhaber in Namenspapiere, 3. wirffame Maßnahmen zur Befämpfung der Steuer- und Rapital flucht, 4 Reform des Erbrechts, 5. Erhöhung des Steuertarifs für Automobile. In der Begründung seiner Borschläge mies Auriol u. a. darauf hin, daß in ganz Frankreich nur 190 000 Steuer. pflichtige ein Einfommen von 30 000 Fr. und darüber deflariert haben, während die Zahl der Privatautomobile und Tarameter. Autos 360 000 beträgt. Deutschland und der Völkerbund. Eintritt am 4. März? London, 16. Dezember.( Eigener Drahtbericht.) Manchester Guardian schreibt, daß die Einberufung einer außerordentlichen Versammlung des Völkerbundsrates wegen der Bulaffung Deutsch lands zum Böllerbunde zum 4. März nächsten Jahres wahrscheinlich fet. Deutschland soll dann unmittelbar darauf an der für den 8. März in Aussicht genommenen Tagung des Völkerbundes teilnehmen. Aus diesem Grunde sei auch als Tagungsort der nächsten Sigungsperiode nicht, wie vorgesehen, Madrid, sondern wieder Genf gewählt worden. Die Mosful- Entscheidung verkündet. Ju Abwesenheit der Türkei. Genf, 16. Dezember.( Eigener Drahtbericht.) Am Mittwoch vormillag halle der Böllerbundsrat feinen Schiedsspruch in der Mofful Frage und deffen Begründung in geheimer Sigung nochmals nachgeprüft. Die öffentliche Sigung, die abends 6,20 Uhr begann und in der der Schiedsspruch bekanntgegeben wurde, war von größter Spannung erfüllt. England war durch den englischen Kolonialmiiniſter 2 m er y vertreten. Die türkische Delegation war nicht etschienen! Die vom Berichterstatter, dem schwedischen Außenminifter GeDreistimmigkeit. Konzertumschau von Kurt Singer. In dreifacher Form wollte sich die Musit in der Weihnachts. vorwoche präsentieren, und es ist schwer zu sagen, melcher Gestalt der befte Einbrud za danten ist. Die drei Formen aber heißen: das Buch, der Apparet, der Künstler. 1. Das Buch. In einer Zeit, die aus dem Dirigententum ein internationales Geschäft macht, die eine Periode des gleichgültig gewordenen Virtuofentums durch das Primadonnentum des Bult helben ablösen will, in solcher Beit, die zugleich Höhe und Krise bedeutet, kommt Adolf Weißmanns Bert über den Dirigenten im 20. Jahrhundert( Propyläen- Berlag) gerade recht. Eine Binchographie des Dirigententums, nicht eine Beschreibung einzelner Rapellmeister. Typen werden als Repräsentanten bestimmter Beilen, Entwicklungen fogar befonders Mufifftile herausgestellt. Die Bhilogolie schweigt nicht ganz in dem großartigen lleberblid über die Anfänge der Taftschlägerei und des Rapellmeistertums über Glud, Spontini, Beber, Wagner bis zur Schwelle der Neuzeit. Dann aber hebt, mit der Umreißung der Gestalt Gustav Mahlers, Mufit an. Das Orchester verlebendigt fich, der Bartiturausbeuter beginnt feine Arbeit, die aus dem Wert ihren Reichtum an Aus. brud zieht und zugleich zum Werf anregt. Klaffische und romantische Mufit, Sinfonie und Oper erhalten ihre Spezialitäten. Der ruhige, der motorische, der mystische, der nervole, der tyrannische Dirigent, wird bildhaft festgehalten. Charakteristisch genug, daß die wirt. lichen Bilder von Orfit, Liebermann, Großmann, alle ben Sonder caratter eines Dirigenten der Brominenz schlechter, unbedeutender. variabler wiedergegeben, als Beißmanns beflügeltes, buntes, elegantes Bort. Es schwingt in feiner Sprache der Rhythmus eines ganz bestimmten Taftes, einer durch den besonderen Vorwurf geschaffenen Stimmung. Das Fingerfpigengefühl für das Ende des unentbehrlichen, doch neben dem Orchester weit überschäßten Kapell meisters, täuscht Beißmann nicht. Zwischen den Zeilen lieft fich die Begeisterung schön heraus, aber zwischen Anfang und Ende ringt fich ein dargestellter Reichtum an musifgeladener Darstellung bis zur Erkenntnis des nicht mehr Schöpferischen im Dirigenten burch. Ausnahmen werden herausgehoben; aber eine Brüde zwischen Spontini und Kleiber ist unverfennbar. Diefe glänzende Apotheole der Führernatur bedeutet zugleich das tiefste Wissen um den notwendig werdenden Anfang eines glüdbaften Endes. Eine Bincho logie mufifalischer Husbrudsbewegung ist hier in trefflichster Würdigung von Bert und Uebertreibung der Kapellmeisterei per jucht, gebaut, geschaffen. In die Kapellmeisterbewegung hinein beuten auch die beiden Almanache der Opern Berlins. Der von Rapp herausgegebene Band der Staatsoper umreißt 5 Jahre, also die Mera Schillings. Man lefe die töftlichste aftuelle Babe, ben Briefwechsel zwischen bem Intendanten v. Hüllen und dem Kapellmeister Richard Strauß. Das Jahrbuch der Städtischen Oper( Herausgeber: Erich Köhrer) bringt ein Bersprechen Tietjens und das Bild des Gesamtperfonals, verbunden durch literarische Beiträge Bies und Zuaters. Die beiden Schmucken Bände werben alle am Schicksal ber Berliner Oper Intereffierten erfreuen. Die türkische Delegation hat der Presse eine Erklärung mit einem harfen Protest über die Entscheidung des Böllerbundsrates zugehen laffen. Der türkische Proteft. Genf, 16. Dezember.( Tul.) zu der Entscheidung des Böller bundsrates veröffentlicht die türkische Delegation eine Erklärung, in der es heißt: Die englischen Blätter haben schon seit mehreren Tagen die Entscheidung veröffentlicht, die der Rat heute gefaßt hat. Die türkische Delegation hat bereits am 8. Dezember erklärt, daß ihre Bollmachten durch den Beschluß des Rates, die Rolle eines Schiedsrichters zu übernehmen, beendet feien. Die vom Rate empfohlene Grenze ist ungefähr diefelbe, die die Türkei bereits in Laufanne zurüd gemiesen hat, und verläuft noch nördlicher als die im Frieden von Sevres vorgesehene Grenze. Die souveränen Rechte der Türkei über das Moffulgebiet blieben in vollem Umfange bestehen. Im übrigen hat Angora das Wort Der Kampf gegen die Erwerbslosennot. Beschlüsse des Haushaltsausschusses. Der Haushaltsausschuß des Reichstags genehmigte am Mittwoch die Richtlinien für die weitere Durchführung der un terstüßungsattion für die Ruhrarbeiter. Danach wird die Regierung ermächtigt, falls die noch vorhandenen 9 Millionen Mart zur Unterstüßung nicht ausreichen, im Rahmen von 2 Mil lionen Mark die Deckung gegenüber den Ländern zu übernehmen. Die Bänderregierungen bürsten damit in der Lage sein, bie Richt linien in Kraft zu sehen, so daß die Auszahlung der Gelder noch vor Weihnachten möglich ist. Im einzelnen besagen die neuen Richt linien: Bei Prüfung der Frage, ob Erwerbslofenunterstügung bezogen wurde, soll die Wartezeit mitgerechnet werden. Die Bor. ausfegung, daß Erwerbslosenunterstügung bezogen wurde, ist auch dann als gegeben zu erachten, wenn der Arbeitnehmer wegen Rrantheit war für seine Berson teine Erwerbslojenunter ftügung bezog, aber Fam lienzuschläge erhielt. Im Bergbau soll es genügen, wenn der Verdienstausfall zum Teil durch Arbeitslosig. feit, mofür Erwerbslosenunterstügung bezogen wurde, zum anderen Teil durch Einlegen von Feierschichten eingetreten ist. Auch genügt es, wenn der Arbeitnehmer einen Abtömmling, einen erwerbsun fähigen Elternteil oder zwei sonstige Familienangehörige in häuslicher Gemeinschaft am 1. Ottober b. 3. unterhalten hat oder zurzeit der uwendung unterhält. Rriegsbefabigté, bie mährend ber Dauer der Erwerbslosigkeit Zufagrente beziehen, follen wie er fonen behandelt werden, die Erwerbslosenunterstützung oder Unter. tützung aus Mitteln der öffentlichen Fürsorge erhalten. Wie Ar beitnehmern, bie den gewöhnlichen Aufenthalt im bejejten Gebiet haben, sind Arbeitnehmer zu behandeln, die zwar außerhalb des be fegten Gebietes wohnen, aber ihre Arbeitsstätte im belegten Gebiet haben. Zuständig für die Gewährung der Zuwendungen ist in diesen II. Der Apparat. Diesmal nicht Rabio, das sich mit rafendem Tempo auch Widerstrebende unterton macht, das in der Bahl der Programme größten Geschmad beweift; sondern Ultra phon. Ein Ingenieur Küchenmeister hat in jahrelangen Borver fuchen eine Methode erfunden, durch Abfangen der Töne mittels meier Membranen bie Mufit der Platte zu verftärten, zu verdeut lichen, zu vermenschlichen. Es ist durch die Doppelresonanz eine Blaftit des Tons, eine Leibhaftigkeit und Sinnlichkeit des Ge fungenen erreicht, die in ihrer Art beispiellos ist. Gute Aufnahmen vorausgesetzt, gibt auch der Orchesterklang Farben her, die vorher ſtumpf blieben, scheint ein Instrument wirklich mit dem Spieler verwachsen. Das Tote des Klangs ist aufgehoben durch die beson dere Fülle und durch den abstufbaren Nuancenreichtum des Vor. getragenen. Gelingt es, auf ähnliche Weise Mufit aufzunehmen, wie barzubieten, dann ist ein gewaltiger Schritt vorwärts getan für alle, die an der Hand von Bartituren studieren, die ihr Heim mit guter Mufit erfüllen, die lernen und genießen wollen. III. Der Rünstler. Er schlägt das Buch und den Apparat, die er verachtet, wenn er sein Ich hinter das Kunstwert stellt und dennoch eine Persönlichkeit aufleuchten läßt. Das war eine Zufalls auswahl von Konzerten, faum ein zweites Mal der Fall Selbft Erica morini, bie ja schon fenfationell berühmt ist, enttäuschte. Nicht zwar im Tschaikowskyschen Biolinkonzert, deffen ersten Satz fie wie ein richtiges Virtuofenphänomen spielte, mit allen Finessen der Hurtigkeit, Treffsicherheit, Intonationsfauberfeit. Da bleibt fein Wunsch unerfüllt. Aber über der glatten, blendenden Technit, die ihr Befiz wurde, breitete sich fein Stünstlertum aus. Das( pürte man bei Mozart, A- Dur- Konzert. Bedentlich eine Oberflächenmusif ohne seelische Schwingung, bedentlicher ein Strich und Ton ohne Grazie und Anmut. Wie unschön, wie verkrampft ist dieser hoch gehobene linte Arm, wie grob und steif die Rechte, die fich so eng am Körper entlang bewegt! Kein Wunder, daß der Ton da nicht fingt, ein Wunder aber, daß dennoch die Technik folchen Sig" hat. Wie lange noch? Für dieses artistische Hochtalent ist größte Be fürchtung am Blaz, daß ihre fünstlerische Entwicklung stehen bleibt, also in der Unreife verharrt. Dem Bondoner Streich. Dem Londoner Streich quartett fällt es ein, Beethovens fämtliche Quartette chrono logisch vorzuführen. Das ist philologisch, nicht gefühlsmäßig ge dacht. Die Rosés machen eine beffere Zusammenstellung immer jo, daß Leicht und Schmer fich an einem Abend die Bagschale hält. Die Herren spielen forreft, zugefnöpft, wie Gentlemans. Gozusagen Beethoven im Frad von neuestem Schnitt. Wie wenig Temperament und Sinnlichkeit! Aber auch diese klassische Ruhe, gepaart mit Respekt vor den Noten, hat ihren Reiz. Qualitätsspieler, die in rühriger Borarbeit ein einheitliches Ensemble erzogen haben. Der Männerchor Harmonie unter Leitung von Mar Schaarfchmidt darf sich zu den fünstlerisch hochstehenden Bereinigungen Dieser Art rechnen. Welch ein herrliches Programm von Werten alter Meister"! Mit größter Sorgfalt studiert, nobel vorgetragen, wirften alt- eble Boltslieder und ernste Gefänge von Bittoria und Handl geradezu festlich. Hier ist ein Weg und ein Ziel und eine Frau Schubert Peyto begann die Tartinische Aufgabe. Frau Schubert Beglo begann die Tartinische Trillerfonate mit sehr schönem Ausdrud, murde dann aber nervös und verhedderte fich. Die Pianiftin bagegen blieb fehr gefaffen und folgte nicht mehr. Ich hoffe, daß die beiden sich irgendwo wieder. Die fozialdemokratische Frattion hat sich vorbehalten, fofort nach Verbrauch des bewilligten Geldes neue Forde rungen zugunsten der Opfer des Ruhrkampfes zu stellen. Der Reichsrat stimmte am Mittwoch nachmittag dem Be Schluß des Reichstags über die Notstandszahlungen an Beamte und Kriegsbeschädigte vor Weihnachten zu. Die Durchführung dieses Beschlusses bedeutet für das Reich einen Aufwand von ungefähr 34 Millionen, für die Eisenbahn 23 Millionen und die Bost 22 Millionen. Der Reichsrat genehmigte ferner die Verlängerung einer Berordnung, burch die die Ausfuhr von Kunstwerken, die einen nationalen Wert haben, bis zum 31. Dezember 1927 der Genehmigungspflicht unterstellt wird. Räumung am Niederrhein. Krefeld, 16. Dezember.( Eigener Drabtbericht). Die Rän. mung der von den Belgiern besetzten Orte am Riederrhein ist in vollem Gange. In Cleve und Geldern sowie den übrigen an der holländischen Grenze gelegenen Ortschaften find nur noch fleine Truppenteile der Befagung vorbanden. In Kre feld und München Glabba& dürfte die Räumung im Laufe diefer Woche bis auf wenige Kommandos durchgeführt sein In Reuß bat am Dienstag bie Babe, die als lester Truppenteil zurüdgeblieben war, ben Drt verlassen. Die abziebenden Turren werden vorläufig in Baraden an der Düsseldorf- Reußer Grenze untergebracht, doch ist nach bestimmten Mitteilungen damit zu rechnen, daß bis Ende des Jahres auch diese Baraden geräumt sind. Paris, 16. Dezember.( WTB.) Der Reichstommiffar für die befepten Gebiete, Botschafter Freiherr Langwerth on Simmern, hält sich seit gestern in Paris auf. Er stattete gestern in Gemein schaft mit dem deutschen Botschafter vor Hoesch dem General fefretär des Außenministeriums, Philippe Berthelot, und heute vormittag dem Ministerpräsidenten Briand einen Besuch ab. Heute nachmittag wird er mit dem Kriegsminister Ban lepé und morgen mit dem Bertreter Frankreichs in der BotIchaftertonferenz, Botfd; after Jules Cambon, verhandeln. Morgen abend reift Freiherr Langwerth von Simmern auf feinen Besten nach Koblenz zurüd. Fort mit dem Monarchien put! In der nächsten Nummer bes Ministerialblattes für die preuzi de innere Berta tung wird, wie ber Co. Breffedienst erfährt, ein Erlas des Innenministere Genolien Severina veröffentlicht werden, der die Oberpräsidenten und Regierungspräsidenten anweift, in den ihnen unterfickter Ver maltungen darauf zu achten, daß bie alten monarchistischen Dienffiegel nirgends mehr benugt werden. Die Weltmeinung wirkt. Das italienische Generalfonfulat in Berlin dementiert die Nachrichten, daß das Denkmal Walthers b. b. Bogeleide von seinem Bozener Standplas entfernt werden und Christbäume in Südtirol verboten fein follen. getroffen haben. Das nächſtemal am Flügel, aber nicht Fräulein Andree, sondern eine andere! Margarete 31mmer Benver vergriff sich an Schumann, deffen Fis- Moll- Sonate fie auch nicht im entfernteften technisch beherrscht. Da hilft der verschleiernde Bedal gebrauch nichts. Solche Unordentlichkeit unterschreitet die üblichen Grenzen des Auch- Mufizierens. Tili Behnte hat Stimme, aber feine Schulung. Brahmsscher Lyrit entspricht diese Schrillheit und Krampfigkeit faum. Hans Gablenberg begleitete so hübsch, daß man mehr als zwei Lieder ertragen fonnte. Eli Badström wählt fich sogar den glänzenden Pianisten Ribenahm zum Begleiter. Sie fingt ein paar Lieder, die ihr zu hoch liegen. So fann fie den Reiz einer schönen, pollen, flangfatten Stimme nicht ganz entfalten. Ihre musikalische Sicherheit wird sie über gewisse Registerungleich heiten und mangelhafte Atemtechnik nicht hinwegtäuschen. Die moderne Opereffe im Rundfunt. Der Rundfunt hat nun endlich einen langgehegten Bunsch seiner Teilnehmer erfüllt und auch bie moderne Operette in die Reihe feiner Sendefpiele aufgenommen. Zwar ist die Operette der Gegenwart so start auf Ausstattung eingestellt, daß es manchem unmöglich erscheinen mag, ste davon zu trennen und wirksam zu einem Sendefpiel umzuformen. Trotzdem bot Rollos Tanzende Bringeffin", die gestern abend übertragen wurde, eine glückliche Leistung des Rundfunks bar. Die anmutigen und flotten Melodien dieses zurzeit am meisten gespielten und fruchtbarsten Komponisten bestanden damit vielleicht ihre beste Qualitätsprobe. Der geschicht für die Sende bühne überarbeitete Tegt wahrte zudem auch für die Nurhörer einigermaßen den Zusammenhang der Handlung, obzwar ja ber logische Zusammenhang für die moderne Operette burchaus tein Haupterfordernis ist. Vor allen Dingen aber hatte man die Rollen mit mirklich fympathischen Vertretern des Operettenfaches befeßt, die auch fingen fonnten, und bot damit den Rundfunkteilnehmern mehr als manche Aufführungen auf Operettenbühnen ihm bringen. Erny Jolan, Angela Sachs, Sternberg, Arthur held, Franz Baumann und Alfred Leutner feien vor allem lobend ge nannt. Das Rundfuntorchefter unter feinem Kapellmeister Bruns Seidler Wintler bewährte sich wie immer. Tes. Bücheraustausch mit Rußland. Die Notgemeinschaft der deut fchen Wiffenfchaft hat, wie die Zeitschrift Dst- Europa" berichtet, einen Tauschverkehr mit der russischen Bentralbücherlammer, der Hauptbehörde für die gesamten bibliographischen Aufgaben der Sowjetrepublit, in der ja bas Berlagswesen nationalisiert ist, ein Auf Grund des halbmonatlichen Bücherverzeichnisses geleitet. diefer Rammer wählen die deutschen Bibliotheken die gewünschten Publikationen aus. Bisher wurden etwa 500 Werte und BeitIchriften geliefert, weitere 2000 Werte sind angekündigt. Sele Ichwer ist natürlich die Ausfüllung der Lüde für das Jahrzehnt 1914 bis 1924. Doch ist immerhin ein Anfang gemacht, der zu den besten Hoffnungen berechtigt. Neue Museum, das Kaiser- Filedrich Museum, bie Sammlung für deutsche Die Staatilden Museen am Weihnachtsheiligabend. Das te arb Volkskunde, bas Beugbaus, bas Schloßmuseum und das Museum Bring albrecht- Straße 7 find am Weihnachtsheiligabend von 9 bis 1 hr geöffnet Das Museum für Böllerkunde bleibt megen Umzugs gelgloffen Völkische Wirtschaft. Ein Notschrei aus dem Lager der Froutkrieger". Der Demokratische Zeitungsdienst" veröffentlicht ein vertrauliches Rundschreiben des Leiters des Ludendorffschen Fronttämpferbundes in Franken, Ernst Riestalt, in dem es heißt: Ich wohnte am 2 September in München einer von einigen hundert Mitgliedern besuchten Monatsversammlung der Ortsgruppe München bei... Leider mußte ich erkennen, daß auch bei wohl wollendster Betrachtung unfer bisheriger erster Borsigender von dem Bormurf nicht entlastet werden fann, Gelder des Bundes verschleudert zu haben. Troß wiederholter Aufforderung, fich gegen die Beschuldigungen mündlich oder schriftlich zu rechtfertigen, lehnte Alletter dauernd ab, es zu tun. Er wußte fich dadurch zu helfen, daß er die ihm lästig und gefährlich erscheinenden Persönlichkeilen, welche nichts anderes als ihre Pflicht taten, aus dem FKB. aus Schloß und ausgestoßen hat bzw. der ihnen vom Bundestag über tragenen Hemter enthov. Zu seiner Rechtfertigung mißbrauchte Alletter ein Bertrauensfreiben von Grzellenz Ludendorff, welches dieser zweifelsohne auf Grund einseitig erfolgter Informationen ihm ausstellte. Es ist bisher nicht üblich erfolgter Informationen ihm ausstellte. Es ist bisher nicht üblich gewesen in deutschen Landen, daß ein Beschuldigter in solchem Falle gewesen in deutschen Landen, daß ein Beschuldigter in solchem Falle fich durch ein ausgestelltes Bertrauenszeugnis reinigte. Nach dem oben geschilderten Berhalten Alletters, und da dieser weder ein ehrengerichtliches Berfahren gegen sich beantragte, noch tro mehr. facher Androhung die Hilfe des ordentlichen Gerichtes in Anspruch nahm, noch einen ordentlichen Bundestag zur Entscheidung anrief, waren alle Wege versperrt, die unbedingt erforderliche Klärung herbeizuführen, deshalb erstattete der zweite Bundesvorsitzende Fürst Karl von Wrede bei der Staatsanwaltschaft Anzeige zweds Herbelführung eines gerichtlichen Entscheldes." Mordplan gegen Stresemann? Die Beteiligten verhaftet. Wulles Ausreden. A D Berlin SM. 11, Dessauer Str. 6. Ausweis. Die Boffische Zeitung" ist in der Lage, von einem| macht erteilte. Dieser nicht bestrittene Ausweis hatte Attentatsplan gegen ben Reichsaußen folgenden Wortlaut: minister Stresemann Renntnis zu geben, der in den Ausweis. letzten Tagen aufgebedt worden ist. 3 mei Angehörige der Rechtsparteien, die den Attentatsplan ausgehect hatten, find verhaftet worden. Ueber die Einzelheiten des abenteuerlichen Planes teilt die Bossische Zeitung" des abenteuerlichen Planes teilt die Bossische Zeitung" folgendes mit: Ein verbummelter Akademiter, Raltborff, Sohn eines höheren Beamten, vorbestraft und nach mancherlei Schicksalen jetzt als Arbeiter in einem süddeutschen Wert gelandet, nach seinen eigenen Angaben strammer Anhänger Hitlers, empfindet Stresemann als einen„ Voltsschädling" schlimmster Sorte. Er faßt deshalb den Blan, ihn zu„ fillen". Er sucht nach Männern, die gleich ihm entschloffen find, alles auf eine Karte zu leben. Er findet auch einen Romplicen in einem Bureaugehilfen Loren 8. dem Sohn eines Oberstudienrats, der nach seiner eigenen Angabe vor dem Richter der Deutsch nationalen Bartei angehört, und stößt fich auch nicht daran, daß dieser Mann schon einige Male sich in einem trotz Irrenhaus aufgehalten hat. Es ist sicherlich ein im politischen Leben einzig bastehen ihren Borsigenden Strafanzeige zu erstatten. Der Fall Alletter reiht sich würdig an die vielen Standale, die in der völfischen Barteigeschichte zu verzeichnen sind. Das Be merkenswerteste an der Geschichte ist, daß über die Berfön fichkeit des Herrn Alletter schon seit Jahr und Tag tein Zweifel mehr bestand. Selbst Ludendorff dürfte fich in Dieser Hinsicht taum falschen Illusionen hingegeben haben. Wenn er ihn trobem an führender Stelle duldete, so ist das ebenso charakteristisch für die völkische Bewegung wie für Ludendorff. Die Arbeitgeberkorruption. Baumeister verteidigt sich. Herr v. Borsig hatte dieser Tage namens ber Bereinigung deutscher Arbeitgeberverbände erklärt, daß er Schriften des Firn" Berlages finanziell unterstüßt habe, ja daburch sogar ihre Herausgabe ermöglicht habe, daß er ferner durch Antauf einer größeren Zahl der herausge gebenen einzelnen Schriften für deren weitere Ber breitung behilflich gewesen ist. Da es sich um angeblich arbeiterfreundliche Literatur eines Berlags handelte, der sich sonst sehr sozialistisch aufführte, mußte biefes Bekenntnis des Industriellen berechtigtes Aufsehen erregen. Er versuchte daher über wesentliche andere Momente mit einen Mogeleien hinmegzugleiten Albert Baumeister, der verantwortliche Beiter jenes lages, hidt uns nun die folgende Erklärung mit der Bitte um Beröffentlichung: Flugzeug zur Flucht, Berkleidung und all die romantischen Diese beiden besprechen miteinander die Einzelheiten des Plans. Dinge, mit denen man sich, nach dem Borbild der Rathenau Mörder und ihres bereitgehaltenen Automobils, schnell und in Heldenpose in Sicherheit bringen mill, spielen dabei eine Rolle. In der Zwischenzeit wird noch ein dritter Mann gesucht, den man glaubte in der Person eines Maschinenschlossers gefunden zu haben. eine Invorsichtigkeit des Kaltdorff, d. h. ein Brief an einen Aber in diesem Stadium der Dinge führte vor einigen Tagen vermeintlichen Gesinnungsgenoffen zur Berhaftung. Die beiden nationalen Männer sind jetzt in Berlin von der Polizei dem Richter vorgeführt worden, der bei ihrer Bernehmung den bestimmten Ein drud gewonnen hat, daß es sich nicht nur um Versprechungen und Vorbereitungen fronthaft phantastischer und spielerischer Gehirne handle, sondern daß den beiden die verbrecherische Tat, die sie 49a und 49b des Reichsstrafgesetzbuchs und der§§ 1 und 7 des planten, zuzutrauen sei. Der Richter hat infolgedeffen gemäß Cefezes zum Schutz der Republik Haftbefehl gegen die beiden erlassen. So abenteuerlich wie der ganze Plan zunächst erscheinen mag, so wenig fann man nach allen Erfahrungen die Mel dung mit einer Handbewegung abtun. Der Grütte ehder, der speben vom Schwurgericht wegen Mordes zu acht Jahren Gefängnis verurteilt wurde, hat sicher einen genau jo abenteuerlichen Eindruck auf Fernstehende gemacht, wie die soeben Verhafteten. Und das Milieu, in dem er sich bewegte, war sicher dasselbe wie das des Hitler- Mannes, der auf Strefemann zielt. Man darf deshalb erwarten, daß das Komplott in allen Einzelheiten untersucht wird und vor allen Dingen die Hintermänner der Attentäter fest gestellt werden. Reinhold Bulle hat am Dienstag im Landtag die Stirn gehabt, die Behauptungen Grütte- Lehders von einer Mitwissenschaft als erstunten und erlogen zu bezeichnen. Berber weder er noch sein Freund Kube haben es für nötig befunden, sich selbst ben Richtern als Beugen an ubieten, um dem Angeklagten gegenübergestellt zu merden und im Kreuz feuer von Frage und Antwort die Einzelheiten aufzuklären. un hat aber Grütte- Lehder, der mit pöllischer Hilfe nach Ungarn abgefchoben worden war, vor Gericht ausdrücklich erklärt, daß er zunächst von dem völfischen Führer Rube einen Ausweis erhalten hatte, ber ihm zur Berfolgung" des später ermordeten Müller- Dammers bie BollSeit etwa Witte 1924 bin i Inhaber bes Berlages Der Firn", unter deffen Namen bie fraglichen, bisher sechs Schriften im Umfange non je 1 bis 3 Bogen, erschienen sind. Diese murden vom Berlag ausschlieğli an die Abonnenten bes zur zeit nicht erscheinenden Firn" Gemertschaften und dem regu lären Buchhandel geliefert Aus den auch Ihnen zur Einsicht zur Verfügung stehenden Büchern ergibt sich, daß u. a. die Buchhandlung des Berlages der wirtschaftspolitischen Ge sellschaft( Inhaber Friedrich Erdmann), Berlin M. 8, von jenen Broschüren durchschnittlich je 3500 Egemplare zum Nettopreise von durchschnittlich 11 bis 18 Pfennig bezogen hat. Diese Find in der Hauptsache, wie mir später bekannt geworden ist, weiter gegeben worden an die Vereinigung der Arbeitgeberverbände, die bireft oder indireft seit vielen Jahren auch Beröffentlichungen offizieller Stellen der Arbeiterbewegung in ähnlicher Weise erwarb oder einzelne Teile in großen Mengen verbreitete. Su der genannten Bereinigung oder zu irgendwelcher Unternehmerorganisation habe ich nie in meinem Leben geschäftliche Beziehungen gehabt, nie von ihnen irgendwelche finanzielle Hilfe angeboten er halten, erbeten oder bekommen. Im übrigen werden meine Be ziehungen zu dieser Vereinigung dadurch gekennzeichnet, daß ihr Geschäftsführer, Herr Dr. J., fich fürzlich bei meinen Borgefehten offiziell und bitter über mich beschwerte, da mein Berhalten gegenüber den Arbeitgebern nicht unparteiifch fei, wie es meine Stellung verlange. Herr Robert Grütte- Lehder, Berlin- Waidmannsluft, ist vom Herrn Reichstagsabgeordneten Wulle bevollmächtigt, die für den " Deutschen Herold" erforderlichen Unterlagen im Fall Müller zu beschaffen. J. A.: Wilhelm Kube, Reichsgeschäftsführer. Stempel:„ Deutscher Herold". Der Geschäftsführer. Am 16. ober 17. Nopember 1923 hat der damals fiebzehnjährige Bertrauensmann der Völkischen den Müller. Dammers im Tegeler Forst erfchoffen. Nach seinen An gaben ist er darauf bei Bulle gewesen und hat diesem von der„ Erledigung" des angeblichen Spizels Mit. teilung gemacht. Gewissermaßen als Belohnung dafür hat er von Bulle ein weiteres Empfehlungsschreiben bekommen, das vom 20. November datiert ist und folgenden Wortlaut hat: Reichstag. Fernsprecher 9592-9600. Berlin NM. 7, 20. November 1923. Herrn Robert Grütte- Lehder Berlin Waidmannslust, Triberger Str. Herr Robert Grütte- Lehder ist in unserem Auffrage für die völkische Freiheitsbewegung fäfig und hat die Aufgabe, Borpommern 3u organisieren. Bir bitten, ihn nach Kräften unterstützen zu wollen. Mit deutschem Gruß gez. R. Bulle, M. d. R. Der siebzehnjährige Bursche war brei oder vier Tage nach bem morbe bei Bulle und erhielt dann ein Empfehlungsschreiben! Hält Bulle bie Mitmelt wirklich für so, um seinen eigenen Ausspruch zu gebrauchen,„ i a umäßig bum m", daß sie glauben soll, der sonst so gesprächige Siebzehnjährige hätte sich seiner Heldentat gegenüber dem feitsgründe fprechen doch dafür, und wenn noch irgendwo ein Herrn und Meister nicht gerühmt? Alle Wahrscheinlich weifel bestehen sollte, so hat das von Bulle und der Böl fischen Partei nach Ungarn gerichtete ustunftsreiben ihn weggeräumt, in dem den ungarischen Be hörden im Interesse Grütte- Lehders begreiflich gemacht were den follte, daß die Tat diefes jungen Burschen aus politifchen Grünben erfolgt sei. Dadurch follte die us lieferung des mit völlischer Beihilfe nach Ungarn abgeschobenen Mörders ebenso verhindert werden, wie die der Erzberger- Mörder verhindert worden ist. Wulle wird sich nicht wundern, wenn in weiten Kreisen der Glaube vorherrscht, daß er mit feinen Ausführungen den Landtag und die Oeffentlichkeit in dreifter Weise angelogen habe. Diefer Glaube wird bestärkt durch die Tatsache, daß Wulle tein Wort von der eidlichen Zeugenaus fage des völlischen Führers aus Pommern, Bahnarzt Heinze, erwähnt hat, wonach seinerzeit auch der Auftrag zur Ermordung des Ministers Severing erteilt worden fei Mit der bleugnung durch Bulle fann bie Sache nicht erledigt sein. Der Staatsanwalt hat die Pflicht Die Zusammenhänge ohne Rüdficht auf die Abgeordneten eigenschaft non Bulle und Genoffen peinlichst zu unterfuchen Es tommt nicht darauf an, mur bie mehr oder weniger intellektuell angetränkelten Ausführer als vielmehr bie Instifter und Begünstiger der politischen Morde endlich einmal zu ermitteln und vor Gericht zu stellen! fozialpolitischer Natur find, erklärt jedoch, daß er nach Kenntnis des wahren Sachverhalts bei der Finanzierung der Schriften dem Verlage gegenüber die notwendigen konse. quenzen ziehen wird. Vertagung des Reichstags: Der Aeltestenrat des Reichstages ist für Donnerstag 11% Uhr einberufen worden, um über die Bertagung des Reichstages zu beschließen. Fluchtversuch der Fememörder. Ueberfall im Landsberger Gefängnis. Landsberg a. d. W., 16. Dezember( Cigener Drahtbericht.) Die im hiesigen Landgerichtsgefängnis inhaftierten Mitgliedere der und der Vereinigung deutscher Arbeitgebernerbände soweit| dem fachlichen Inhalt feiner Schriften, die übrigens nicht gingen, daß bie leptere fogar fich bie Rorretturen von Arbeiten des Baumeister- Verlages hat vorlegen laffen. Im übrigen bestreitet Baumeister, geschäftliche Beziehungen zu der Arbeitgebervereinigung gehabt zu haben. Er unter stellt uns damit, ihn für viel dümmer zu halten, als er wirklich ist. Denn für die Aufrechterhaltung der Beziehungen forgte ein Strohmännersystem, das Baumeister sogar noch zu decken versucht, indem er einen Herrn Friedrich Erdmann als Inhaber des Berlages der Wirtschaftspolitischen Gefellschaft bezeichnet. Es handelt sich hier aber offenbar nur um den Bruder jenes Herrn Karl Erdmann, der, mie Herr v. Borsig zaghaft angedeutet hat, allein bis ½ jener 250000 Mart des Arbeitszeitpropa. gandafonds der Arbeitgeberperbände in feine und 3. T. mittelbar auch in Baumeisters Tasche gewirtschaftet hat. Man sieht, die ganze Sache ist gar nicht Ueber die finanziellen Unterlagen bes Berlages, der übrigens fo harmlos. Wenn Herr Baumeister meint, daß man seine demnächst in andere Hände( nach Mitteldeutschland) geht, habe ich Schriften lefen müffe, um den Dienst, den er den Arbeitgebern nahestehenden maßgebenden Kreisen alle Einzelheiten vorgeleistet hat, zu erkennen, so ist das ein durchaus berechtigter gelegt und erflärt, daß ich jede weiter gewünschte Auskunft dem Standpunft. Wir empfehlen tatsächlich die Bücher seines Ber auf meinen Antrag eingefeßten Untersuchungsausschusse meiner lages denjenigen Leuten, die wiffen möchten, wie man fidy bet Bartei erteilen merbe deutschen Unternehmern beliebt macht. Serabjegung der Partei und Gewerkschaftsprinzipien, Rampf gegen den Achtstundentag und den Pazifismus das sind die mildesten Dinge, die man da findet. Und man versteht es, wenn reaktionäre Organe wie die D2 3., die Börsen eitung", der Reichsland bund" und der Arim Spiel haben. beitgeber", den Ertraft dieser Schriften zum festen Bestandteil ihrer polemischen Artikel gegen Sozialdemokratie und Gewerkschaften gemacht haben. Auf die Wetterwenbung meiner Verlagsartitel habe ich ebenfowenig Einfluß wie andere Berleger, abgesehen von der Aus mahl meiner Mitarbeiter, auch nicht auf den Inhalt ihrer Arbeiten; bisher ist mir unter ihnen noch feiner begegnet, der sich zur publizistischen Vertretung einer anderen als feiner eigenen Meinung bewegen Heße. Es ist auffällig, daß gewisse Kreise gleich eifrig Berlag und Berfaffer zu diffamieren trachten, ohne sich mit dem Inhalte fener Schriften zu beschäftigen, weil bas leider in Deutschland der bequemere Weg ist, die Berbreitung unbequemer Gedanten im Reine zu erstiden. Die in meiner elfjährigen verlegerischen Ber. gangenheit, bei mir erschienenen Werte haben insgesamt eine Auflage von vielen Millionen gehabt im letzten Jahre rund 250 000 remplare im Umfange pon je 1 bis 14 Bogen so daß die auf Umweg an die Bereinigung gelangten Schriftenderen Gesamtrechnungsbetrag weniger als 2 Broz. feiner Ausliefe. rung des letzten Jahres ausmacht wirklich feinen Einfluß gemährende Rolle spielen tönnten. 2 Baumeister. Wir geben nun diese Erklärung den Wortlaut, weil fie neben wichtigen tatsächlichen Feststellungen den Geist er fennen läßt, mit dem sich Baumeister zu dem Vorwurf der Rorruption einstellt. Es ist für ihn ja weiter nichts babet, menn die Arbeitgebervereinigung einige tausend Exemplare von Schriften bestellt, die Herr Baumeister zufälligerweise nur deswegen verlegt hat, weil sie ihm besonders gefielen. Es wäre wirtlich nichts babei, wenn man nicht wüßte, daß die literarischen Beziehungen zwischen Baumeister Im übrigen haben wir uns mit Baumeister nicht auseinander zu setzen. Herr v. Borsig hat gesagt, daß sein Berband an den Berlag des Firn" Gelber gezahlt hat; träfe das nicht zu, so wäre das eine folche Berleumbung des Herrn Baumeister, daß dieser sich das unmöglich gefallen lassen dürfte. Dann hätte letzterer die Pflicht, Herrn v. Borsig zu verflagen. Aber Herr Baumeister hat nicht gegen den Deutschen" getlagt, nicht gegen den Borwärts", nicht gegen die Berliner Boltszeitung" und alle anderen Organe, bie fich mit der Sache beschäftigt haben, er wird auch nicht gegen Herrn n. Borfig flagen. Genoffe Nietisch, der Herausgeber der Schriftenreihe bes Firn", fendet uns eine längere Erflärung, aus ber hervorgeht, daß auch er schuldlos ein Opfer ber Erdmann Baumeisterschen Machenschaften geworden ist. Er stellt feft, daß er die Schriftenreihe felbständig bearbeitet hat, ohne darin vem Berleger beeinflußt zu werden, wendet sich aber mit Empörung dagegen, daß der Berleger Albert Baumeister in bezug auf die Finanzierung der Schriftenreihe ihm falsche Angaben gemacht hat. Nietisch bekennt sich nach wie vor zu warzen Reichswehr Schulz, Klapproth, Glaser und Schieber, bie im Berdacht stehen, in die Fememorbaffären vermidelt au fein, versuchten in der Nacht von Montag zu Dienstag mit Hilfe zweier Strafgefangener, denen fie 3000 m. versprochen hatten, auszubrechen. Die Strafgefangenen überfielen ben Aufseher, um ihm die Schlüssel zu entwenden. Nur dem Dazwischentreten eines Ralfaftors, ber bie Gefängnisbeamten alarmierte, ist es zu verbanken, daß der Anschlag mißlang. Man nimmt an, daß Schulz und Genossen den Plan vorher sorgfältig ausgearbeitet haben und stellt Nachforschungen darüber an, ob nicht etwa elfershelfer außerhalb ber Anstalt die Hand Gefängnisstrafe für Streicher. Das Ende eines völkischen Verleumdungsfeldzngs. München, 16. Dezember.( Eigenter Drahtbericht.) Seit Bochen murde vor dem Landgericht Nürnberg als Berufungsinstanz für die Beleidigungstlage bes Oberbürgermeisters& uppe gegen Julius Streicher, bem wütendsten Antisemiten und Nationalsozialisten Bayerns, verhandelt. Streicher, Stadtrat und Boltsschullehrer in Nürnberg, ist auch Mitglied des bayerischen Landtages und führte seit 1% Jahren im Schuß feiner Immunität einen wüsten und be rüchtigt gewordenen Berleumdungsfeldzug gegen den Oberbürger meister Luppe, und zwar in seiner Wochenschrift„ Der Stürmer". Am Mittwoch nachmittag wurde nun das Urteil gefällt. Es lautet wegen fortgesetzten Bergehens der üblen Nachrede auf zwet Monate Gefängnis und Tragung der Roften. Der Staats anwalt hatte sechs Monate Gefängnis beantragt. Da die Strafverfolgung Streichers vom Landtag gestattet wurde, dürfte voraus fichtlich die Strafvollſtredung ermöglicht werden. Streicher murde auch in anderen Brozessen wegen übler Rachrede und Berleumbungen zu insgesamt drei Monaten Gefängnis verurteilt. Diese Berfahren schweben aber gegenwärtig noch vor dem Berufungs. gericht. Gewerkschaftsbewegung Noch kein Schlichter im Reichsbahnkonflikt. Die Absichten der Reichsbahngesellschaft. Bie wir bereits mitgeteilt haben, ist in den Berhandlungen zwischen den Tarifgemeinschaften und der Reichsbahngesellschaft das Reichsarbeitsministerium als oberste Schlichtungsinstanz angerufen worden. Auch die Reichsbahngesellschaft hat den Reichsarbeitsminister angerufen, und zwar wünschte sie, daß der vom Reichsarbeitsminister zu bestellende Schlichter sich mit einer Reihe von Baragraphen befaßt, deren Regelung seit dem letzten Abkommen in der Schwebe ist. Es erscheint uns allerdings sehr zweifelhaft, ob die Reichsbahngesellschaft mit ihrer Auffassung in dieser Frage die nötige Rechtsgrundlage hat.. Wie dem aber auch sein mag, eines steht fest: die äußerste Dringlichkeit einer allgemeinen Lohnregelung. Wie erinnerlich, ist während des legten Schlichtungsverfahrens von dem Schlichter selbst die Notwendigkeit einer allgemeinen Erhöhung ber Eisenbahnerlöhne anerkannt worden. Er hat nur Abstand genommen, einen dahingehenden Schiedsspruch zu fällen, weil die berühmte Preissenkungsaktion der Rechtsregierung im Gange war und das Ergebnis dieser Preissenfungsaktion abgewartet werden follte. " Stillegungen wegen angeblicher Unrentabilität. öln, 16. Dezember.( Mtb.) zu den Zechen, die demnächst ftillgelegt werden sollen, gehören auch die Zechen Massen"( Buderus) und Werne"( Klöckner). In einer Bersammlung, die Mittel und Wege zu finden suchte, um im Interesse der 2400 Mann starfen Belegschaft die Stillegung von Massen" um wenigstens 3 Monate, der Buderusschen Eisenwerte mit, daß die Zeche einen monatlichen d. h. bis zum Frühjahr, hinauszuschieben, teilte die Verwaltung Zuschuß von über 150 000 m. erfordere. " In Belegschaftsversammlungen der Zeche Werne teilten die Obleute des Betriebsrates mit, daß nach Angabe der Klöckner- Werte vor dem Demobilmachungsfommissar die Zeche Berne" in den legten Monaten eine Zubuße von durchschnittlich 100 000 m. ge= fordert habe. Da die letzte Lohnerhöhung von rund 6 Proz. auch noch etwa 30 000 m. monatlich ausmache, betrage der monatliche Zuschuß 130 000 m. Da die Zeche dies auf die Dauer nicht ertragen könne, follen die Schachtanlagen 1 und 2 abschnittsweise stillgelegt werden, und es ist am 15. Dezember zum 1. Januar 2500 Arbeitern gefündigt worden. Diese Angaben wegen Unrentabilität bedürfen sehr der Nach prüfung. Es müßte vor allem nachgeprüft werden, ob nicht still. gelegt wird, um die Kohlenpreise in die Höhe zu treiben. Köln, 16. Dezember.( Eigener Drahtbericht.) Die Zahl der Erwerbslosen ist in Köln in der laufenden Woche wieder um etwa 3000 gestiegen, so daß gegenwärtig insgesamt 33 000 Erwerbslose vorhanden sind. Von Tag zu Tag erhöht sich diese Zahl infolge Entlassungen und Betriebsstillegungen. Die Kölner Stadtverwaltung hat bereits seit einigen Wochen dringende Notrufe an die Reichsund Staatsregierung gerichtet, damit ihr wenigstens Darlehen Donnerstag steht in der Kölner Stadtverordnetenversammlung ein werden. Bisher sind diese Gesuche abgelehnt worden. Am fozialdemokratischer Antrag zur Beratung, der schleunigste Hilfe für die Erwerbslosen fordert. Wenn die Krise in dem gegenwärtigen Tempo fortschreitet, find Berzweiflungsausbrüche unausbleiblich. ber Bandarbeiter Erfolg hatten, überrascht teineswegs. Nicht leicht fertig haben wir uns hier wiederholt mit den Organisationsmethoden des christlichen Landarbeiterverbandes beschäftigt. Auswärtiges Amt und Tarifrecht. wir eine Zuschrift des Zentralverbandes der Angestellten, die sich mit In unserer Morgenausgabe vom 12. Dezember veröffentlichten der vertragswidrigen Bezahlung der Angestellten der Industrie- und Handelszeitung" beschäftigte. Es wurde insbesondere behauptet, daß dazu benugt wurde, um die Gehälter der Angestellten zu drücken, die Kündigung der Angestellten anläßlich des Verkaufs des Blattes und zwar derart, daß sie wesentlich hinter den für verbindlich erflärten Tariffäßen zurückblieben. Auf Wunsch des Verlags der J. u. H." haben wir in Gegenwart eines Vertreters des 3dA. die Angaben nachgeprüft. Wir haben feststellen können, daß die uns bzw. dem 3dA. gemachten Angaben unrichtig sind. Es sind keinerlei Gehaltstürzungen vorgenommen worden, und die gezahlten Gehälter entsprechen durchaus den Tariffäßen des Zeitungsgewerbes, die allerdings außer ordentlich niedrig sind. Die falschen Angaben, die wir zu unserem Bedauern veröffentlichten, scheinen zurückzuführen zu sein auf Ge rüchte und Befürchtungen, die unter den Angestellten anläßlich der Ueberführung in den neuen Betrieb entstanden sind. Das Schiedsverfahren im Bankgewerbe. besprechungen zur Durchführung des Echiedebe: fahrens im Tant Am Mittwoch fanden im Reichsarbeitsministerium die Vorgewerbe statt. Die Angestelltenverbände forderten den gnian'n enministerium fagte zu, diefer Forderung nach Möglichkeit zu entsprechen. tritt des Schiedsgerichts noch vor Weihnachten. Das ReichsarbeitsWir sind der Meinung, daß nun lange genug gewartet morden ist! Wenn die Reichsbahngesellschaft erklärt, daß fie hereit wäre, die Arbeiterlöhne der Eisenbahner dort auszugleichen, our Ausführung von Notstandsarbeiten gewährt Die Verhandlungen dürften deshalb voraussichtlich Anfang der wo sie unter den Industrielöhnen stehen, dann ist zunächst daran zu erinnern, daß die Reichsbahngesellschaft eine gleiche Erklärung vor dem letzten Schiedsverfahren abgegeben hat. fich aber dann weigerte, den Schiedsspruch zu erfüllen. Die berühmte Angleichung an die Industriearbeiterlöhne empfinden schon deshalb die Eisenbahner wie eine Verhöhnung ihrer Notlage. Seit der letzten allgemeinen Lohnregelung bei der Reichsbahn find die Löhne der Industriearbeiter allgemein nicht unerheblich gestiegen. Freilich sind auch die Lebenshaltungsfoften geftiegen. Wenn die Reichsbahngesellschaft sich nun heute noch weigert, die Eisenbahnerlöhne zu erhöhen, so fann man das vom Standpunkt der Mitglieder des Berwaltungsrats verstehen. Die Herren wollen die Eisenbahner auch weiter als Lohnbrüdergarde gegenüber den Forderungen der Industriearbeiter ins Feld führen. Die Reichsbahngesellschaft scheint außerdem die bescheidenen Lohnforderungen der Eisenbahner benutzen zu wollen, um mit deren Hilfe eine neue Tariferhöhung durchzudrücken, bei der sie, genau jo mie bei der letzten Tariferhöhung im Mai, ein Geschäft machen würde. Man will also die Eisenbahnerlöhne weiter auf dem unmöglichen Hungerniveau belaffen, mit Hilfe der Abbauschraube jeden Widerstand erstiden, gleichzeitig aber die Forderungen der Eisenbahner zu einer Tariferhöhung benutzen. Diefem fripolen Spiel muß ein Ende gemacht werden. Es ist hohe Zeit, einen Schlichter zu ernennen und Schlichtungsverhand lungen anzusetzen. Oder glaubt man im Reichsarbeitsministerium, daß der Winter den Eisenbahnern das Warten erleichtert? Sollen etwa die Rinder der Eisenbahner[ chwarze Weihnachten erleben?! bau. Die Not steigt. ed spo Stillegungen, Entlassungen, Weihnachtsferien". Buer, 16. Dezember.( WTB) Ründigungen im StaatsbergDie angekündigten weiteren starten Betriebseinschränkungen im Staatsbergbau werden am 1. Januar Birklichkeit werden. Auf Beche Bergmannsglück ist etwa 1400 Bergleuten zum 1. Januar gefündigt worden, von denen etwa ein Drittel auf Westerholt Be fchäftigung finden wird. Auf Westerholt werden rund 600 entlaffen. Auf den Moeller- Schächten bei Glabbed ist etwa 115 to fereiarbeitern gefündigt worden, von denen 20 im Grubenbetriebe befchäftigt werden sollen. Auf Seche Scholven werden 60 Berg Teute entlassen. Im Bereich des Arbeitsnachweises Bonn ist die Zahl der Erwerbslosen innerhalb der letzten vier Wochen um das Andert halbfache gestiegen. In einer Versammlung der München- Gladbacher Metallindustriellen 82 Proz. der Arbeiter furz arbeiten. wurde bekanntgegeben, daß dort gegenwärtig Lohnverhandlungen im Reichsfinanzministerium. Nofftandsbeihilfe für Reichsarbeiter. Heute vormittag finden im Reichsfinanzministerium Berhand. ungen mit den Tarifgewerlichaften wegen der Uebertragung der schlossen hat, auf die Arbeiter der Reimsbetriebe statt. Rotstandsbeihilfe, die der Reichstag für die Beamten beDie Verbandlungen finden auch gleichzeitig für die Arbeiter der Reichepoft und der Reichswasserstraßenverwaltung statt. Herr von Borsig bestätigt. Unter dieser Ueberschrift veröffentlicht der Deutsche über die Rorruptionsaffäre der Vereinigung des Deutschen Arbeitgeberver bandes folgende Notiz: „ Wir haben uns unlängst veranlaßt gesehen, gegen die un lautere Politik der Bereinig ng der Deutschen Arbeitgeberverbände Stellung zu nehmen. Die von uns erhobenen Borwürfe finden nun in einem Entgegnungsschreiben des Herrn von Borsig ihre Bestätigung. Wir haben damals die sehr trübe Angelegenheit zuerst aufgegriffen und freuen uns, daß wir durch die Gegenäuße rung des Herrn von Borsig einer Klärung näher fommen, wenn auch Herr von Borsig noch versucht, mit schönen Worten häßliche Dinge zu verhüllen. Die christlich- nationale Arbeitnehmerbewegung ftrebt für Ehrlich feit und Reinlichkeit in allen Fällen, deshalb ist für sie die Angelegenheit mit der Erflärung Herrn von Berfigs noch nicht erledigt". Wie groß auch die Differenzen sein mögen, die uns von den christlichen Gewerkschaften trennen, als Gemertschaften haben mir alle das gemeinsame Interesse, daß die Unabhängigkeit und Reinheit der Arbeiterbewegung unangetastet bleibt. Daß die Korruptionsverfuche der Vereinigung gerade beim Zentralverband fommenden Woche stattfinden. Schwierige Lage im Buchdruckgewerbe? Berlin, 16. Dezember.( WTB.) Der deutsche Buchdrucker. verein teilt mit: Das im deutschen Buchdruckertarif vorgesehene zentrale Schlichtungsamt lehnte durch Schiedsspruch den Arbeitnehmerantrag auf Lohnerhöhung unter Hinweis auf die schwierige Lage der Gesamtwirtschaft ab. Wenn ein Gewerbe heute noch über eine gute Geschäftslage berichten fann, so ist es das Buchdruckgewerbe. Die schwierige Lage der Gesamtwirtschaft" ist nur eine gesuchte und willkommene Ausrede. Protest der chriftlichen Arbeiter. Köln, 16. Dezember.( Eigener Trabiberidt) Tie driftlich organisierten Bauarbeiter Köins baben in einer ftail betud ton äge, die im Reichstag mit Hilfe der Zentrumsarbeitervertreter Bersammlung gegen die Regelung der Erwerbelofenunterfifizunge fo schnell als möglich im Reichstag neue Anträge auf Erhöhung beschlossen wurden, protestiert und ihre Organisation beauftragt, der Erwerbslosenunterstützungssäge einzureiden. Arbeitslosendemonstration in Warschau. Warschau, 15. Dezember.( Eigener Drahtbericht.) Am Montag fam es in Warschau vor dem Parlamentsgebäude wieder zu einer Bolizei zerstreut. Es gelang ihnen zum Teil trotzdem in den Sejm Arbeitslosenkundgebung. Die Demonstranten wurden DON der Arbeitslosen zu unterbreiten. einzubringen und dort dem Sejmmarschall die Forderungen der Bolzarbeiter, Beair? Nordwest( Gefundbrunnen, Wedding. Moabit). Heute 7 Uhr bei Ulbrich. Malplaquet- Ede Utrechter Straße, wichtige Rufammenkunft aller Genossen der Richtung Amite: bam. Jeder muß erscheinen. Der Werbeausschuß. STD. Metallarbeiter bes 21. Bezirks. Freitag nachmittag 4 Uhr im Lokal Jmberg, Oberschöneweide, Wilhelminenhofftr. 34, Rusammen funft aller SPD.- Metallarbeiter. Erfdeinen müffen die Cenoffen von Nieder- und Oberfdönemelbe, Johannisthal, Baumschulenweg, Adlers hof und Wildau. Partei- und Verbandsbud legitimiert. Der Faltionsvorstand. Berantwortlich für Bolitif: Ernft Reuter; Wirtschaft: Artur Saternus; Gewerkschaftsbewegung: 3. Steiner: Feuilleton: K. S. Döscher; Lotales und Sonstiges: Frik Karstadt: Anzeiger: Th. Glode; fämtlich in Berlin. Berlag: Borwärts- Berlag G. m. b. S.. Berlin. Drud: Vorwärts- Buchdruderet und Berlaasanstalt Paul Singer u Co. Berlin E 68 Lindenstraße 3. Sierzu 2 Beilagen und Unterhaltung und Wissen". Großer Weihnachts- Verkauf Hausjoppe aus haltbarem Stoff, Schalform mit Ver- 12.50 schnürung... ... Hausjoppe Hausjoppe aus Flauschstoff, in verschied. Farben, 19.00 Schlafrock aus dunkelfarb. Flauschstoff, Schalform mit Verschnürung, wie Abbildung 19.00 Klubsessel wie Abbild.| Tischlampe aus Holz in Mit Stoffbezug.. Aus 84.00 Rindleder. 144.00 und Künstlerfarben mit bunt. Schirm, Zuleitung Stecker, ähnlich wie Abbildung 8.75 ✔srael SPANDAUER STR. 16 Schalform... Schlafrock aus vorzüglichem Farben Wirkwaren Schlupfbeinkleider für Damen, mit gerauhtem Futter.. 2.25 Herren- Beinkleider wollgemischt, in 4 Groß. 2.75 Damenpäsde Hauskleiderstoffe 1.45 Taghemd mit Ansatz und Hohlsaum. Taghemd 3> Stickerei Nachthemd mit StickerelEinsatz und Ansatz Einsatz und Langetten.. meliert, schma! gestr., Mtr. 1.65 Reinw.Schottenstoffe 2.90 4.50 in aparten Farben, Mtr. 2.50 Reinwoll. Popeline vorzügl. Zwirnqualität. in neuen Farben Mtr. 2.65 Flauschstoff, in vielen 48.00 Herren- Hemden weiß 90 Beinkleid mit Ansatz 1.85 Shantung Nachahmung gestreifte Knaben- Anzug gute Qualität, in verschiedenen Formen Serie 19.50 Serie 11.00 bis ca. Farbiges Oberhemd gestreift Perkal mit Kragen und 3.90 Weißes Oberhemd mit PikeeKlappmanschetten... falten- Einsatz u.festen Manschetten gewaschen und..... 6.50 geplättet Tischlampe aus Ho'z in Künstlerfarben mit bunt. Schirm. 3.90 Zuleitung und Stecker. Worpsweder Sessel 21.00 Eiche gebeizt Satztisch Eiche gebeizt. 3tellig 27.00436.00 Damenhandschuhe Ledernachahmung, ganz g füttert, 2 Druckknöpfe.. 1.90 Herrenhandschuhe Reinwolle, gestrickt, einfarbig. Sportwesten für Damen, Wolle, Jacquard.. Nachtjacke Barchent 13.50 mit Stickerei- Ansatz... 5.75 Morgenröcke Morgenrock Flausch4.90 Morgenrock Flausch- 6.75 soff, mit farbiger Blende stoff, reich bestickt.... Morgenreck bestickt. aus Flauschstoff Hauswäsdie Einzelne Tischtücher gebleicht. Jacquard. 5.95 Ha bleinen 130x160 cm Kunstseide für Blusen 3.80 Duchesse- Mousseline und Kleider 80 cm. Mtr. Reinseide, vorzügliche Kleiderware, schwarz oder ( Karton)-Aufmachung farbig, 65 cm... Mtr. 5.90 Köper- Velvet grippt, In vielen Farben, 70 cm... Mtr 3.90 Stubenhandtücher gebleicht. Taschentücher in GeschenkHalbleinen, Gerstenkorn 0.95 m. Jacquard- Kante, 43X10) Küchenhandtücher Reiner Kante 48X100 cm 1.00 Wischtücher Reinleinen. Reinleinen, M Damentücher weiß Batist, mit Feston u. reicher Lochstickerei- Ecke.. Stück 1.15 Fermentücher Herrentücher weiß Bati t mit mit wollener Decke, 14.75 Morgenrock aus vorzüglichem Ripp- Samt in vielen 29.00 Seidener Morgenrock Hohlsaum..... 65: ick 2.95 weiß mit Kante oder rot kariert Besuchstasche mit 3.25 gesteppt, auf Seiden- 69.00 0.9560 0.70 Faiben futter... 60 × 75 cm 60 × Deutsche Teppichie m. buntfa big Mansch 1.90 Marke Krawatten Selbstbinder 0.90 in vielen Mustern Reinseid. Krawatten1.75 Se bstbinder in viel.FarbenL. Herren- Hut Haarfi'z in modernen Farben 5.90 zu extra billigen Preisen Schiras vorzügliche Axminster- Teppiche 170 × 240 cm 250X 69.- 3 96.2004 300 cm 350 cm 143.- 300198.Mottled- Vorleger schwere Woll- lüsch- Qualität 60X 135.8.75 4.50 Marke Mesched durchgewebte Tournay- Velours- Teppiche 170X 240cm 125.- 300m 190.250X Griff und Randverzierung Kupeekoffer Hartplatte, m. Vulkanliber- Ecken u. Deckelschiene, Lg.65 cm 5.90 Lampenschirm- Gestelle f. Gas u. elektr. Lampen 1.35 40 cm Durchmesser Japonseide für Lampenschirme, 90 cm breit..... 350 278.- 300380.- Chenillefranse Chinesische Ziegenfelle grau, wat iert, gefüttert 60X 100m 12.50 37.50 Mtr. 3.90 15 cm lang........ Mtr. 2.70 Regenschirm Halbreide mit Futteral, für Damen und Herren... 6.90 BERLIN C KONIGSTRASSE 11-14 Besonderer Eingang zum Möbelhaus Königstr. 7/ Sonntag, den 20. Dez., von 2-6 Uhr scöfinet Ve. 594 ♦ 42. Jahrgang 7. Seilage öes Vorwärts Donnerstag, 17. Dezember 1925 trkrtvrJ Draußen in der Fröbelstraße liegt da» städtische Obdach. Mancher von uns wird schon an dem nüchternen, sesten Ziegelbau vorübergegangen sein— einer oder der andere kennt ihn vielleicht von innen. Und wenn er gezwungen war, einmal als .Gast" der Stadt in einem dieser Schlafsäle zu schlafen, dann wird der Gedanke an das Sstyl ihm vielleicht der schlimmst« Schrecken der Großstadt bleiben.— Seit März aber umschließt das Asyl eine Oase: die Säuglings- und Kinderstation des städtischen Obdachs. Selbst Sankt Bureaukratius kann nicht völlig verhindern, daß hier schüchtern zwei Pflänzchen keimen, die dem.Obdach" nach seinem Willen gewöhnlich wesensfremd bleiben: Traulichkeit und Freude. Die kinüerftation. Vis zur Gründung der Kinderstation blieben die obdachlosen Kinder bei ihren Müttern. Sie teilten mit ihnen den Schlafsaal im Familienobdach, st« teilten mit ihnen den Tag: oft voll Arbeit, aber oft genug auch voll Leichtsinn; lernten an den Straßenecken die große Gemeinschaft der Elenden kennen, lernten ihre Sprach«, lernten betteln und vielleicht schlimmeres. Schließlich mußte man die Kinder nachts von den Müttern trennen, der unruhig« Schlaf der Kleinen raubte den arbeitenden Müttern die notwendige Nochtruy». und Kinderzank und Parteinahme der Mütter verwandelten die Schlafsäle zum Sriegslager. Nun saßen die Kinder auf der Kinder- station. Gelangweilt, unbeschäftigt, zänkisch und verknurrt, wie eine JÖord« heimloser, hungriger Hunde, die Verzweiflung der Schwestern. So bedingte dieser erste Fortschritt den zweiten: die Kinder mußten auch während der schulfreien Stunden geleitet und beaufsichtigt werden. Der Fröbelverein übernahm diese Arbest; jeßt sind draußen drei von der Stadt besoldete, drei vom Fröbelhause geschickte Kinder. gärtnerinnen tätig. Und mit sanftmütiger Zähigkeit wird Sankt Bureaukratius eine Konzession nach der anderen abgerungen. Eine Nacht muß der Ankömmling in der Quarantäne verbringen: noch überstandener Eencralreinigung wird er dem Arzt vorgestellt. Erst wenn er ganz gesund befunden ist, dars er in die Kinderstation auf. genommen werden. Wie mag dem.Neuen" wohl zumute sein? Aus den SchnWerkasernen Ostslbiens, aus den Wohnlöchern des großstädtischen Proletariats kommen sie her, ungepflegt, körperlich vernachlässigt und oft genug schlimm verprügelt. Im Schlafsaal wartet aus jeden ein weihgestrlchenes. sauber bezogene, vett. Auf dem Wandbort stehen die Becher zum Mundspülen, davor hängen die Zahnbürsten. Draußen aus dem Flur stehen Waschbecken, im Badezimmer find kleine Badewannen— und man darf nicht nur. man muß sogar alle diese Herrlichkeiten benutzen! Im großen Saal, dem Tagesraum der Schulkinder, steht ein Bort mit Büchern. Andersen, Grimm. Hauff warten hier auf neue Freunde. Täglich ist vastelstuade. Und in der Ecke des Saales begrenzt eine polierte Wand noch«in besonderes Heiligtum: die Geburtstagsecke mit den hübschen kleinen Sesieln. den buntgedeckten Tischen. Hierher darf jedes Geburtstagskind seine kleinen Gäste laden. Noch lustiger sieht es im Raum der Kleinkinder aus. In dem hellgestrichenen Zimmer zieht sich in der Mitte der Wand ein bunter Fries. An grün- gestrichenen Tischchen sitzen die Kleinen, malen fabelhaft schöne Bilder(sogar mit Buntstiften!) oder hören den ewig jungen Struwelpeterversen zu, die eine Helferin aus dem schwer lädierten Bilderbuch vorliest. In der Säuglingsskation bleiben die Kinder sogar acht Tag lang im Ouarantänezimmer; jedes der kleinen Bettchen ist vom anderen durch mullbezogene Wandschirme getrennt. Besonders die Säuglinge sind, wenn sie mil der Mutter nicht direkt von der Entbindungsanstalt kommen, in jämmerlichstem Körper- zustand. Schnitterkinder, als überlästiges Gepäck mitgeschleppt. nie gebadet, wund, rachitisch, unterernährt— so werden sie von den Müttern hergebracht. Und in zwei, drei Monaten der Winter. ruhe werden aus ihnen hier fröhliche, rotbackige kleine Rübensengel. Schattenseiten. Natürlich: auch hier gibt es Schattenseiten. In allen Wohn- räumen steht eiue warme, aber sehr verbrauchte Lust; das halb- geöffnete Fenster im großen Schulsaal kann den Luftverbrauch der neununddreißig kleinen Lungen nicht wettmachen. Eine andere Lüfwng als durch das Fenster ist nicht möglich. Das Asyl ist ein schon über zwanzig Zahr olles Gebäude, und an diese Benutzung der Räume scheint bei ihrer Erbauung nicht gedacht zu sein. Die großen Kinder haben selbst in der schlechten Jahreszeit immer noch auf dem Schulweg zur Schule in der Christburger Äraße Gelegen» heil zum.Luftschnappen". Die Kleinen aber sind daraus angewiesen, daß die Kindergärtnerinnen bei gutem Wetter mit ihnen den nächsten städtischen Spielplatz aufsuchen. Und die Kleidung, die Schuhe, sind oft so abgerissen, daß es schon sehr gutes Wetter fein muß, damit man den Kleinen die Spielstunde draußen vergönnen kann. Eng sind die Höfe des Gebäudckomplexes. Ob es aber nicht möglich wäre, bei dem benachbarten.Siechenhaus" eine kleine Gartenanleihe zu machen, um den Kindern eine Spielstunde im Freien täglich zu ermöglichen? Ob nicht, im schlimmsten Fall, ein Dachgarten den Kindern und den Säuglingen den bitter notwendigen Lustraum verschaffen könnte? Freilich stößt jede Forderung auf den Hinweis:.Wir sind ein Obdach, kein Kinderheim." Aber trotzdem wurde es schon erreicht, daß einige der Schlafsäle nicht mehr das schmutzige Gelb oder Grau des Austrilhes aufweisen. Hellblau und rosa prangen zwei Schlafsäle der Mädchen, bunt zieht sich der Bilderfries um das Zimmer der Kleinen, einige bunte Winterastern stehen auf dem Tisch in der Schulstube. Die kost wird schon etwas den Vedürsnisse« der Kinder angepaßt. Freilich erhalten sie noch kein Stückchen Obst, trotzdem die städtischen Güter viele Zeniner Aepfel hervorbringen; und trotz einigermaßen guten Materials scheint das Essen an dem hergebrachten Uebel aller solchen Anstalts- kost zu leiden: der üblichen unsorgsältigen Kocherei.„Ich möchte doch wieder raus In dem ollen Spinat sind immer Haare," oer- lraute mir ein sünsjähriger Steppke an. Aber sonst scheinen die Kinder der Stadt sich in dem Hotel der Stadt Berlin ganz wohl zu fühlen. Die meisten sind keine Berliner Kinder. Bon den 127 kleinen Gästen stammt die größere Hälfte von auswärts; es sind zumeist Landarbeilerkinder, deren Eltern hier ins Winterquartier gingen. Die Kinder bleiben oft mehrere Monate hier. Einzelne sind schon über ein Jahr im Obdach Und mit Bedauern denkt man daran. in welche Verhältnisse diese gutgehaltencn, guterzogenen Kinder wieder kommen werden, wenn die Ellern Arbeit und Wohnung gefunden haben werden. Sicher kann dos Obdach, kann kein Kinder- heim den Kindern die Familie ersetzen— wenn diese Familie die Möglichket hat, menschenwürdig zu Hausen. Wer aber die Lebens- Verhältnisse des Proletariats kennt, der denkt daran, welche Ver- teidigung der.staatlichen Erziehung", der„familienzerstörenden Tendenzen" des Sozialismus hier dieses Kinderobdach ist. Ist das noch ein Heim, das ungesunde Loch, in dem das Proletarierkind großwachsen muß? Vater und Mutter gehen, wenn sie Glück haben, auf Arbeit. Die Straße ist die Mutter der Kinder— und sie ist eine harte, eine lieblose Mutter.„Für mir is es schon besser, daß wir hier sind," erzählt mir ein kleiner Braunschweiger;.ich lerne hier doch mehr."— • Und aller Freiheitsdrang der Kinder der Stadt hält innner wieder vor dieser Schranke. Wenn Mutter rauskommt— ach, dann ist für viele die gute Zeit vorbei: dann verlieren sie dos„Obdach", Im Waschraum der Kleinen. mn ein.Heim" einzutauschen, dos keine Heimat mehr fein kann. Und mehr wie einem wird die Oase seiner Kindheitserinnerung der weiße, saubere Schlafsaal im Asyl, die unermüdliche Geduld der blonden Kindergärtnerin, das Weihnachtsspiel der Wandervögel im Obdachlosenasyl sein. Mit unermüdlichen Händen bauen Schwestern, Arzt und Kindergärtnerinnen in der Fröbelstraße an dem Damm, der ihre jungen Menschenpslanzen vor den grauen Wassern des Elends schützen soll. U] Die Passion. Roman von Clara Diebig. Eva wählte lange aus: was sollte sie anziehen, ihr Schwarzes von der Trauer her, oder das Karierte, das sie noch von Lilly hatte? Aber als sie dann, im hellen Frühlings- licht vor der bestrahlten Villa stehend, an sich heruntersah, kam ihr das karierte Kleid doch schon recht vertragen vor und vor allem ausgewachsen. Das machte sie verlegen. Und es machte sie noch verlegener, als das feine Hausmädchen mit dem weißen Häubchen und der weißen Schürze sagte:„Die gnädige Frau hat gerade Desuch. Aber Sie sollen nur warten. Sie weiß, daß Sie kommen." Und die Verlegenheit wollte nicht weichen.� Das war noch dieselbe gütige Frau mit demselben lieben Lächeln; aber der Eva, die jetzt in der Küche schlief, die Fenster putzte und die Preßkohlen heranschleppte, kam sie jetzt so vornehm vor. daß sie sich nicht recht getraute. Frau Lesiel selber fand auch nicht gleich den rechten Ton. Sie hatte Eva so zierlich in Erinnerung, ganz wie ein Kind aus gutem Hause, und nun saß hier ein Mädchen im ver» tragenen Kleid, das Hände hatte wie ein Dienstmädchen, überhaupt wirkte wie ein solches. Wenn das die arme Wil- kowski wüßte! Halle Eva es denn gut beim Onkel? Sie fragte, aber Eva war verschwiegen; dazu hatte sie zuviel Stolz, um den Druder ihrer Mutter, die eigene Familie schlecht zu machen. Eva blieb nach Tisch sich selber überlassen, denn Lilly war in Pension in der französischen Schweiz. Sie schlenderte durch den Garten, sah alles wieder und war doch nicht glücklich in diesem Wiederschen. Waren das noch dieselben kiesbestreuten, sonnebeglänzten Wege, dieselben krausästigen Kiefern, deren Dust sie eingeatmet, dieselben kleinen Beete, vor denen sie ge» kniet und den Blumen ins lachende Herz geschaut hatte? Auch das war nicht mehr so wie damals. ,Llch, Muller, meine Mutter!" Ws Frau Lessel nach ihrer Mittagsruhe sich wieder Eoas annnahm und man Kaffee trank, kam es ihr vor, als feien des Mädchens Augen verweint. Das arme Ding, ihm mochten Erinnerungen gekommen sein! Als Eva zuletzt hier gewesen war, da lebte ihre Mutter ja noch, und bei dem Onkel schien sie es nicht besonders gut zu haben. Sie wurde augenschein» lich da stark ausgenutzt. Aber vorderhand war Eva ja noch viel zu jung, um ihr irgendwo eine Dienststelle su verschaffen; man mußte froh sein, daß sie einstweilen unteWbracht war. Eva wurde nach und nach gesprächiger, etwas von der alten Vertraulichkeit, mit der sie sich Frau Lössel an den Arm ge- hängt halle, wurde wieder wach. Sie erzählte von ihrer Mutter, auch von dem Stiefvater: ihre lichtbraunen Augen wurden ganz dunkel, als sie von dem sprach. Und die blieben so dunkel, als sie von der Tante Ella sprach. Das mußte ja eine widerwärtige Person sein! Frau Lessel fühlte lebhafte Empörung. Sie sah Eva mitleidig an, aber doch hoffte sie, daß die nun bald gehen würde— was sollte sie noch länger mit ihr? Die Unterhallung wurde auf die Dauer schwierig.„Du mußt nun wohl ans Nachhause- gehen denken," sagte sie, als es dunkelte. „Ach, noch ein bißchen," sagte Eva.„nur noch eine Viertelstunde!" Es klang so bittend, daß Frau Lessel noch geduldig ausharrte. Für Eva schien das hier wirklich ein Labsal, eine Erlösung. „Du kannst ja wiederkommen," sagte sie zum Schluß der noch immer Zögernden.„Laß dich wieder einmal sehen: aber frage vorher an. Und wenn es bei der Tante einmal gar nicht mehr gehen sollte, dann laß es mich wissen, dann werde i ch fchpn sehen. Laß mich immer wissen, wie es dir geht." Eva hielt ihr heißgewordenes, erregtes Gesicht empor, sie wollte geküßt sein. Da das aber nicht geschah, küßte sie in scheuer Zärtlichkeit und doch mit noch kindlichem Ungestüm die glatte Wange. Die Dame mußte es leiden, sie hatte nicht das Herz, sich dieser Zärtlichkeit zu entziehen. Reich beschenkt war Eva von Frau Lessel nach Hause ge- kommen. Ganz befriedigt packte Frau Ella das Paket aus: feine Strümpfe, noch ganz gute Schuhe, ein beigefarbenes Kleid, mit Seide ausgeputzt, Taschentücher, allerlei Bänder und Krügelchen, und nun noch ein perlenbestickter Beutel. Der freute Eva am meisten, denn den hatte sie oft an Frau Lessels Arm gesehen. Aber:„Der ist nichts für dich." sagte die Tante,„den kannst du gar nicht gebrauchen. Der ist was fürs Theater und wenn man sonst ausgebt. Den kriegt Irma." Und Irma zog vergnügt damit ab. Eva halle sich erst wehren wollen: das war Frau Lessels Pompadour, den hatte die ihr, geschenkt! Aber dann preßte sie die Lippen zusammen: mochten sie ihn denn nehmen. Das Beste, was ihr Frau Lessel ge- geben hatte, was ihr wie eine Verheißung klang, sie getrost machte, das:„Wenn es nicht mehr geht, dann werde ich schon sehen: laß mich immer wissen, wie es dir geht"— dies Schönste konnten sie ihr doch nicht nehmen. 16. Wer eine Hoffnung hat, kann nie ganz unglücklich werden, und Eva hatte eine Hoffnung. Sie hoffte auf Frau Lessel. Ob der Onkel wohl an die geschrieben hatte? Sie hatte ihn, als er sie hier besuchte, darum gebeten.„Laß mich immer wissen, wie es dir geht" und„Ich werde dann schon sehen," daran dachte sie immerfort. Eva lag in der Charll6. Auf der inneren Station. In dem großen Saal, in dem noch vierzig andere Frauen und Mädchen lagen. Draußen ging der Sommer seinen Weg, durch die geöffneten Fenster des großen Saales drang heiße Luft, nur ab und zu mahnte ein stärkerer Windzug daran, daß es bald Spätsommer sein würde. Eva lag hier schon acht Wochen. Sie war plötzlich krank geworden, so krank, daß Wil- kowski, der sehr erschrocken war, als man sie eines Morgens bewußtlos auf dem Boden in der Küche liegend fand, feine Frau anließ:„Du hast sie zu sehr angestrengt." Das ließ Frau Ella aber nicht gelten.„Ich sie angestrengt?! Krank ist sie durch und durch. Das habe ich immer gewußt. Wenn die nicht bei uns des reelle Essen gehabt hätte, und daß man so auf sie aufpaßte, läge die's ganze Jahr im Krankenhaus. Sieh sie doch mal an, ganz gelb ist sie." Wilkowski gang seit seinem letzten Besuch in der Eharit6 herum mit gerunzelter Stirn. Sehr verstimmt war er wieder- gekommen; er hatte den Arzt gesprochen, einen noch jungen Arzt. Der schien aber sehr tüchtig: die Krankenschwestern sprachen von ihm mit großem Respekt. „Nierenbluten hat sie momentan," sagte ihm Eva« Schwester Johanna, eine hübsche junge Person, die blühend aussah in ihrem gestreiften Waschkleid und der weißen Kovf- bedeckung. Wilkowski Halle sie höflich befragt, denn Eva wußte eigentlich nicht, was ihr fehlte, sie klagte nur über die große Schwäche.„Starke Nierenblutunqen uns Gelbsucht. Und sonst auch noch allerlei. Aber wenn Sie der Onkel sind, dann fragen Sie doch unseren Chef selber. Der hat viel Interesse für den Fall." Und das hatte Wilkowski denn auch getan. Aber er er» zählte seiner Frau nichts Näheres darüber.— Neben Eva lag ein junges Mädchen, Wanda hieß das. Die beiden sprachen miteinander, denn die Betten standen so dicht, daß man leise sprechen konnte und sich doch verstand. (Fortsetzung folgt.) Die Deckungsvorlage. Da haben wir die Bescherung! Der Magiftrat ist noch in feiner gestrigen Sigung zu einer Entscheidung über die Dedungsvorlage gelangt und hat einen Befchluß gefaßt, über den das städtische Nachrichtenamt meldet: Reichsbahn gegen Rotawerke. Direktor März zu einem Jahr Gefängnis verurteilt. Gestern wurde in dem großen Betrugsprozeß der Reichsbahn gegen die Rotawerte das Urteil verkündet, das weit hinter den Anträgen des Staatsanwaltes zurückblieb. Der Hauptangeklagte März erhielt ein Jahr Gefängnis und 10 000 Goldmart Geldstrafe. Dr. Dommer vernommen. Schon 1924, als fie mit der Gräfin in, chorweife der Ruf nach Arbeit und Brot. Die Demonstration ber Bolzin meilte, find ihr 100 Mart aus einer Handtasche verschwunden. in der Kälte doppelt Bedauernswerten machte einen tieferschütternden Bei der weiteren Bernehmung macht die Zeugin eine hochwichtige Eindruck und ist eine ernſte, eindringliche Mahnung. Befundung. Als sie zum zweitenmal in Bolzin bestohlen wurde, mußte fie die Gräfin um 100 Mart bitten, die ihr aber nur 50 Mart geben fonnte, trotzdem sie doch 1000 Mart mitgenommen haben wollte. Die Beugin muß zugeben, daß die Angeflagte nach dem Bersted des Geldes im Koffer gefragt hatte und darüber genau Bescheid wußte. Sie habe ihr das Kästchen gezeigt, und zwei Tage später fehlten wieder 300 Mart. Frau Dommer und auch ihr Gatte haben die Gräfin damals in Berdacht gehabt, das Geld gestohlen zu haben. Borf.: Wie fommt es, Angeflagte, daß sie 1000 Mart nach Bolzin mitnehmen, wenn Sie zu Hause in Botsdam gepfändet werden und Zahlungsbefehle vorliegen? Angeklagte: Ich brauchte doch eine Kur. Oberstaatsanwalt Bappe: Angeklagte, warum gingen Sie nicht in einen billigen Kurort bei Berlin? Angefl.: Hefter wollte nach Polzin und auch Frau Doktor Dommer. Deshalb fuhr ich auch hin. Gegen 7 Uhr wurde die Verhandlung abgebrochen, fie wird heute um 9 Uhr wieber aufgenommen. Freigabe der Großwohnungen. Mieterschuh unverändert. Bekanntlich wird für das laufende Rechnungsjahr mit einem Jehlbeirag von vierundzwanzig bis fünfundzwanzig Millionen gerechnet, ber mur zum Teil aus den Ueberschüssen des Vorjahres ge beckt werden kann. Die Flüssigkeit der Stadttasse ist seit dem Frühjahr ständig zurüdgegangen. Für 1926 wird der Fehlbetrag sehr niel höher fein. Der Magistrat hat es bei der allgemeinen Wirt fchaftslage nicht für möglich gehalten, eine Erhöhung ber Gewerbesteuer au beantragen. Eine Steuerer höhung erscheint nur bei der Grundvermögenssteuer möglich, die bekanntlich in Berlin bisher weit niedriger ist als in allen übrigen preußischen Großstädten. Hier soll der Steuerfaß von hundert auf einhundertfünfzig Brozent erhöht werben. Das bebeutet eine Steigerung von zwei Pfennigen auf jede Mart Friedensmiete. Die Erhöhung bringt für den Rest des Rechmungsjahres eine Mehreinnahme von fünf Millionen Mart. Eine Mieterhöhung wird dadurch nicht bedingt. Neben dieser Steuererhöhung hat der Magistrat eine Stelgerung der Abgaben der Werte beschlossen, die bisher die im Haushalt vorgesehenen Beträge nicht gebracht haben. Dazu soll der Prozentsatz der Abgabe von fünf Prozent auf acht Prozent erhöht werden, und zwar mit Wirkung vom 1. Januar 1926 ab. Eine Erhöhung der Tarife wird dadurch bei Gas und Waffer nicht erforderlich. Dagegen foll der Elettrizitätstarif fo erhöht werden, daß bis zum Schluß des Rechnungsjahres fich eine Mehreinnahme von vier Millionen ergibt. Für die Straßenbahn ist eine Erhöhung des Tarifs für den Umsteigefahrfchein vorgesehen. Für die einfache Fahrt soll der Preis unverändert bleiben, dagegen soll für den Umsteigeverfehr der Fahrpreis von bisher fünfzehn auf zwanzig Pfennige erhöht werden, der Kinderfahr. schein ebenso von acht auf zehn Pfennige unter Beibehaltung der Umsteigeberechtigung. Der Mehrertrag ermöglicht die Deckung für bie Inangriffnahme der Arbeiten für die AEG. Bahn. Wegen der Art der Inangriffnahme und der Beschaffung der dafür weiterhin nötigen Mittel wird der Magistrat sofort die Einfegung einer gemischten Deputation bei der Stadtverordneten- legungen auch nach dem 31. Dezember 1925 der Inanspruchnahme verfammlung beantragen." Wie wir schon gestern fagten, wird der Haushaltsausschuß die Dage des Haushalts sehr eingehend prüfen. Dann erst wird darüber zu reden fein, welche Neueinnahmen nötig sind unb wie sie beschafft werden sollen. Nicht der Magistrat hat das letzte Wort, sondern die Stadtperordneten per jammlung. Auch ein Opfer der Zeit! Umtsvergehen über Amtsvergehen. Schlimmer als die Senfationen jener Stapitalperbrechen, die non Zeit zu Zeit die großen Schwurgerichte beschäftigen, sind die fleinen menschlichen Tragödien, die sich täglich in den Verhandlungs räumen der Schöffengerichte abspielen. Sie können nicht mit einem räumen der Schöffengerichte abspielen. Sie können nicht mit einem Achselzucken verbissener Gegner einer jungen Republif, nicht, wie man es foeben wieder einmal aus Zeugenmund und vor Gericht hören mußte, als Ergebnisse einer zügellosen Freiheit des Boltes abgetan werden, Ihre Gründe liegen tiefer. Es sind und werden noch auf Jahre hinaus fein unheilpolle Folgeerscheinungen des Krieges. Und nur mit solchen haben wir es auch jetzt in der fich erschreckend mehrenden Kriminalität nach bestimmter Richtung him zu tun. Dem aufmerksamen Beobachter werben jene unsicht, baren Anwälte nicht verborgen bleiben, die manchen Angeklagten, der unter normalen Berhältnissen vielleicht niemals in feinem Leben vor die Schranke des Gerichts getreten wäre, wie entschuldigend und mildernd zur Seite stehen: Folgen des Krieges, die Not der Beit! Bon den vielen Amtsverbrechen bei der Bost- an einem einzigen Lage wurden drei verhandelt feien nur die näheren Angaben eines Angeklagten über seine Person angeführt. Der Boftichaffner 5. mar 22 Jahre in feinem Amte tätig, dann fiel auch er einer Versuchung zum Opfer. Der ganze tätig, dann fiel auch er einer Versuchung zum Opfer. Der ganze lange Strieg fah den ingeflagten an ber Front Gineas er Lange Strieg fah den Angeklagten an der Front. Eine Gasper giftung, eine Magentranfheit zerrütteten seine Nerpen. Dann starben ihm im Jahre 1921 die Frau und beibe Rinber. Scher Schicksalsschläge, die auch einen gefunden Menschen er. fchüttert hätten. Im Postamt B. 8 hatte H. die Briefe in ihre fächer zu fortieren. Hierbei entfiet ein Schreiben feinen Händen und glitt zur Erde, wo es mit einem gemissen Klang aufschlug. Und nun fam die alte Geschichte. Der Beamte stellte ein Drei martstud fest und entnahm es dem Brief. Es blieb nicht bei dem einen Fall, H. erbeutete im ganzen nur acht Mart. Sein Geständnis in der Berhandlung war umfassend. Der Staatsanwalt mollte den Angeflagten auf 8 mei Jahre ins Gefängnis fchicken, bas Gericht verurteilte ihn zu acht Monaten Gez fängnis. Das Städtische Sentralamtfür Wohnungswefen tetit mit: In Abänderung des Berliner Wohnungsnotrechts vom 30. Dezember 1924 hat der Magiftrat beschlossen, die Groß wohnungen, b. b. die Wohnungen, die abgesehen von Küche, Nebengelaß und Mädchenkammer fünf ober mehr wohn.| räume enthalten, mit Wirkung vom 1. Januar 1926 ab aus der wohnungszwangswirtschaft pöllig herauszu nehmen. Hierdurch werden die Bestimmungen des Reichsmieten und des Mieterschutzgesetzes nicht berührt. Die genannten Großwohnungen werden vielmehr von diesem Zeitpunkte ab lediglich von den Bestimmungen des Wohnungsmangelsgefeges ausge nommen, d. h. fie fönnen genau wie in der Zeit vor der Wohnungs 3wangswirtschaft an jeden Mietlustigen frei vermietet werden. Nicht hiervon berührt wird jedoch die Verordnung des preußischen Ministers für Bollswohlfahrt über die Bewirtschaftung ven Bohnungen für Reichs- und unmittelbare Staatsbeamte und für Reichsmehrangehörige vom 29. Mai 1925. Die Großwohnungen unterliegen baher unter den in dieser Berordnung genannten Borauszugunsten der in der Berordnung genannten Personen. Eine Berwendung von Großwohnungen zu gewerblichen oder ähnlichen 3weden ist auch nach dem genannten Zeitpunkt ohne Genehmigung des zuständigen Wohnungsamtes nicht gestattet. Der Beschluß des Magistrats bedarf zu seiner Wirksamkeit der Zustimmung des ministers für Volkswohlfahrt. Die Abänderung des Berliner Woh nungsrechts vom 30. Dezember 1924 wird in einer Ausgabe des Gemeindeblattes befanntgegeben werden. • Im Mai dieses Jahres hatte sich ber Berliner Magiftrat infolge der mit dem System der Aus meistarten gemachten schlechten Erfahrungen veranlaßt gefehen, die pöll ge Freigabe der Groß wohnungen ab 1. Juli dieses Jahres zu beschließen. Dieser Bes schluß hatte jedoch die erforderliche Zustimmung des Minifters für Boffswohlfahrt nicht gefunden, und es mußte baber bei dem Syftem ber Ausweistarten" verbleiben. Die hiermit gemachten schlechten Erfahrungen beruhten besonders darauf, daß Großwohnungen ohne indie Tausende gehenben, 2bft anb über haupt nicht zu mieten waren. Dies änderte fich auch nicht, als die Wohnungsämter burch einen befonderen Erlaß bes Minifters fir Boltsmohlfahrt die Verpflichtung erhielten, bie fenigen Großwohnungen zu beschlagnahmen, für beren Ueberlaf fung zugunsten des Berfügungsberechtigten oder eines anderen Bermögensvorteile irgendwelcher Art neben der gefeßlichen Miete gefordert. vereinbart oder gewährt werden". Bie pon pornherein zu ermarten war, zeitigte biefe Berordnung fo gut wie gar feinen praktischen Erfolg. Das liegt hauptsächlich daran, daß, mie der Direktor des städtischen Zentralwohnungsamtes, wild, ausführt, bie Wohnungsämter nach der Berordnung nur dann einschreiten tönnen, wenn die Vermögensvorteile pom Hauseigentümer was das oder zu feinen Gunsten verlangt werden, nicht aber weitaus Häufigere ift! bann, wenn der augenblickliche Wohnungsinhaber Abstand verlangt. Da es rechtlich nicht möglich ist, eine Großwohnung schon dann der Beschlagnahme zuzuführen, menn ber augenblickliche Inhaber sie nur gegen entsprechenden Abstand" aufzugeben bereit ist, fommt eine von Beschwerdeführern oft per langte Berfchärfung der Berordnung nach dieser Richtung hin nicht in Frage. Sie würde aber auch, wenn sie möglich wäre, feinen Erfolg bringen, da weder der Abftanbforbernbe noch der Abstand zahlende Interesse daran hat, über die getroffenen besonderen Abmachungen Dritten gegenüber etwas verfauten zu laffen. Reif für die Rumpelkammer! SPYT Das Urteil sollte bereits morgens um 19 Uhr verfündet werden, als etwas wie eine„ Sensation" dazwischen fam. Die Verteidiger des Angeklagten März brachten nämlich die schwarzen Bücher", die der Staatsanwalt schon vor Wochen anforderte, hervor. Sodann wurden noch 25 neue Beweisanträge gestellt, die aber vom Gerichtshof abgelehnt wurden mit der Erklärung, daß der Prozeß dadurch eine unnötige Berschleppung erleiden würde und daß auch die Gefahr der eventuellen nachträglichen Beeinflussung verschiedener Reugen bestehe Gegen 3 Uhr nachmittags wurde dann das Urteil verkündet. März als Haupttäter wurde zu einem Jahr Gefängnis und 10000 Goldmart Geldstrafe, der Eisenbahnüberwachungsbeamte Rau wegen Beihilfe zu 6 Monaten Gefängnis und der Oberfalfulator Raiser ebenfalls wegen Beihilfe zu 6 Monaten Gefängnis verurteilt. Außerdem wurde den Angeklagten das Recht abgesprochen, während der nächsten drei Jahre öffentliche Aemter zu befleiden. Obermeister Rufu erhielt 4 Monate Gefängnis zudiftiert. In 2nbetracht seiner bisherigen Unbescholtenheit und da er unter einem gewiffen 3mange fich der Beihilfe zu den Betrügereien schuldig gemacht hat, wurde ihm Bewährungsfrist bis 1928 gewährt. Bis bahin hat er aber 360 M. Geldbuße in vierteljährlichen Raten von 30 m. einlegen. Die anderen Angeklagten erklärten auf die Frage des VorFigenden, ob sie das Urteil annehmen, daß sie zunächst einmal mit ihrem Berteidiger Rücksprache nehmen wollen. Von einem Haft befehl gegen Direttor März hat das Gericht ab= gesehen, da troß der Höhe der Strafe nach seinem bisherigen Berhalten eine Fluchtgefahr nicht für vorliegend erachtet wurde. Diefem Prozeß wird auf dem Fuße der große 3ipilprozeß der Reichsbahn gegen die Rotawerte folgen. Neue Wege der Heimatkunde. Wie man ein Kind im Unterricht seine Heimat erleben laffen fann, zeigt die Heimat- Schulfammlung, die in Berlin ge Ichaffen und im März 1924 eröffnet murde. Die in dieser Richtung tunde stellt den Behrer vor eine neue Aufgabe, zu deren Lösung die fich bewegende neuere Entmidlung des Unterrichts in der HeimatHeimat- Schuifammlung ihm die nötigen Hilfen bietet. Die Heimat fundliche Vereinigung des Berliner Lehrervereins, die sich um das Sustandekommen diefer großen Sammlung von Lehrmitteln perdient gemacht hat, mendet sich jetzt an die Lehrerschaft mit einer Ausstellung, um zur Schaffung ähnlicher Sammlungen fleineren Umfanges für die einzelnen Schulen anzuregen. Die Einrichtung folcher Sammlungen ist ja inzwischen, im Juni 1924, burch einen Erlaß des Unterrichtsministers angeordnet morben. D'e Ausstellung zeigt Rarten, Reliefs, Bilder, Modelle und andere Hilfsartitel, barunter vieles, was mit geringen Kosten zu beschaffen ist oder durch gemeinsame Arbeit des Lehrers und feiner Schüler hergestellt werden tann. Bei der Eröffnung dieser nicht nur für Lehrer, sondern auch für verständnisvolle Eltern beachtenswerten Ausstellung betonte Magistratsoberschulrat Nydahl bie Wichtigkeit und Notwendigkeit der Heimat- Schulfammlung für die Neugestaltung des Helmatfunde- Unterrichts. Lehrer Ratthen, Borfigender ber Heimatkundlichen Bereinigung, hob hervor, mie mertvoll die Mitarbeit der Kinder bei der Beschaffung folcher Samm lungen ist. Die Ausstellung ist im Städtischen Schulmuseum( Stall. schreiberstraße 54) untergebracht Sie fann bis 15. Januar mitimos und Sonnabends von 4 bis 7 Uhr besichtigt werden. Die Reichsbahndirektion Berlin teilt über den derzeitigen Ausverkaufte Wintersonderzüge. Stand des Fahrkartenverkaufs für die Wintersonder züge folgendes mit: Die beiden Sonderzüge nach Ostpreußen am 22. und 23. Dezember find aus vertauft; für ben am 21. Dezember neu eingelegten Sonderzug nach Ostpreußen find jedoch noch bei der Fahrkartenausgabe Zoologischer Garten Fahrtarten erhältlich. Ausverkauft find auch die Winterfonder lige nach, bem Schwarzwald am 23. Dezember und nach dem Riefengebirge am gleichen Tage. Für den Sonderzug am 22. Deember nach München und dem Bayerischen Hochland waren am ausgabestelle Anhalter Bahnhof verfügbar. 16. Dezember nachmittags noch einige Karten bei der FahrkartenZu den Sonderzügen nach Bayern am 30. Dezember, Harz am 25. Dezember und Riesennach Bayern am 30. Dezember, Harz am 25. Dezember und Riesengebirge am 26. Dezember find zurzeit noch ausreichend Karten in Sen Ausgabeftellen vorhanden. Weniger starte Nachfrage fanden bisher die Winterfonderzüge nach Thüringen am 31. Dezember und nach dem Glazer Gebirge am 30. Dezember. Ber Gebirg Gegen eine berstedte obenzollern bulbigung, ble in ulen Berlins noch getrieben wird, richtet sich der folgende von der sozialdemokratifden Stadtversich in der Martenstraße 19 ein Fahrstuhlunglück. Der bei orbnetenfrattion eingebrachte Antrag: Die von der Stadt Berlin anläßlich der Reformations. Gebentfeier an evangeliiche Schiller verteilte Gebent mine entspricht wegen der auf der Rüdieite befindlichen Dar ftellung des Kurfürsten Joachim und des Königs Friedrich wilhelm nicht den Aufgaben der Schulen im republikanischen Staat. Bei den häufig vorgefommenen monarchistiiden nigleifungen in den böberen Schulen ist sogar zu He fürchten, baß diefelbe ausdrücklich aur Pflene monarchistischer Er verfammlung erfucht daber den Magistrat, die Gedenkmünze nicht ihre Berteilung au verbindern." mehr zur Verteilung zu bringen und, soweit es noch angängig ist. Unb fo mie blefer all find fast alle. Die Poft muß sich und damit die Gesamtheit ohne Frage vor ungetreuen Beamten schüßen. Ob es immer nur auf dem Wege gerichtlicher Bestrafung geschehen muß, ob Gefängnisse und Buchthäuser die einzige Sühne für Ber geben jebes Menschen find, bas möge dabingestellt bleiben. Wäre mit der Verbüßung der Strafe der Ausgleich geschaffen. wäre es gut. Aber dann kommt bas inhaltschwere Wort Dorinnerungen Verwendung finden wird. Die Stadtverordneten bestraft. Jeder anftändige Weg ist für immer versperrt. Und bas ist das Traurige. Wer 22 Jahre treuen Dienst, Krankheit und Echicfalsschläge feinem ersten Fehltritt entgegenzusehen hat, der follte nicht für immer bestraft werben! Eine Freundin der Feuerwehr. Die bielen böswilligen Alarmierungen der Feuerweße sind geftern wieder um einen fonberbaren Fall bereichert worden, eine gut gelleidete Dame trat an ben genermelder in der Dandela mannstraße zu Charlottenburg beran, schlug die Scheibe ein und alarmierte die Wehr. Ihr Vorhaben aber war bemerkt worden, fo daß fie fich nicht mehr aus dem Staube machen fonnte. Als die zwei Züge der Feuerwehr angefahren famen, gebrauchte bie Frau die Ausrede: Sie fei eine große Freundin ber Feuerwehr und es fei ihr Vergnügen, wenn sie sehe. wie bie fchmuden" Feuerwehrmänner angefabren fommen. Die Webr bezeigte ihr denn auch ihre Dankbarkeit, indem die Freundin gratis auf einem Feuerwehrauto aur nächsten Polizeiwache befördert wurde, wo ihre Personalien festgestellt wurden. Die erfte Zengin im Bothmer- Prozeß. Im Laufe der Berhandlung gibt die Angeflagte p. Bothmer zu, deß Hefter ihr, nachdem er im Juli nach Liegnis verfekt worden it, regelmäßig 200 Weart gefandt habe. Davon will die Gräfin einige Schulden bes Hefter bezahlt und einiges Geld für sich verwendet haben. Sodann werden die Polziner Fälle verhandelt. Die unter Eid erfolgten Aussagen des Polziner Kurdirettors Dr. Röhler bezeichnet die Angeklagte als unrichtig. Die Angeflagte bestreitet energifch, der Rechtsanwaltsfrau Dommert in Polzin Geld weggenommen zu haben. Sie fei felber reichlich mit Geld versehen gemefen und hätte als Frau eines Regierungsrats nicht nötig gehabt au ftehlen. Die Gelder zur Babereife will die Angeflagte teils von einem Freund aus Schweben namens Lindström und teils von ihren Mann erhalten haben. Als erste Seugin wird die bestohlene Frau Der Magistrat follte die no borbandenen Gedenkmünzen in bie Rumpellammer tun. Da gehören sie hin. Arbeitslofendemonftration in Pantow. Die täglich fteigende Rot Batte gestern in Bantom wieder mehrere humbert Arbeitslofe auf die Straße getrieben, um ihr Glend aus den anderen Mitmenschen fundzutun. Blafate mit den Inschriften Gebt uns Arbeit und Brat!" und wir haben Sunger!" wurden im Zuge mitgetragen. Wiederbolt ertönte Das Rundfunkprogramm. Donnerstag, den 17. Dezember. Außer dem üblichen Tagesprogramm: 430-6 Uhr nachm. Um die Weihnacht 0.05 Uhr abends: Dr. Richard H. Stein: Einführung zu der Uebertragung aus der Staatsoper am 18. Dezember, 6.43 Uhr abends Forschungsreisender Paul Spatz:„ Das unbekannte Kreta". 7.15 Uhr abends: Dr. Th. Tichauer: Die Wirksamkeit der Internationalen Arbeiterorganisation in Genf 7.45 Uhr abends: Geheimer Baurat A. Erschließung von Arbeitsmöglichkeiten: 8.30 Uhr abends: Der A. Sehubert: Die Bedeutung deutschen Kolonialbe itzes für die Roman als Funkspiel. 6. Fortsetzung. Die Katastrophe". Originalroman für die Funkstunde von H. J. Gramatzki( als Funkspiel bearbeitet. 8-10 Uhr abends: Beethoven- Abend.( Zur Feier des 150. Geburtstages am 16. Dezember). Dirigent: Bruno SeidlerWinkler. 1. Einleitende Worte: Professor Max Chop. 2. Klavierkonzert Nr. 2 B- Dur op. 19, Allegro con brio Adagio Rondo, Allegro con brio Allegro molto( Rudolf Schmidt, Klavier). a. Fünfte Sinfonio, Andante con moto Allegro( Berliner Funkarchester). Anschließend: Dritte Bekanntgabe der neuesten Tagesnachrichten. Zeitansage. Wetterdienst. Sportnachrichten, Theater- und Filmdienet. 10.30-12 Uhr abends: Tanamusik. Todessturz im Fahrstuhlschacht. Gestern nachmittag ereignete einer Kunst und Steinbruderei beschäftigte fünfundzwanzigjährige Fahrstuhlführer Erich Wiechert stürzte aus der erften Etage in den Fahrstuhlschacht hinab. Infolge der schweren Berlegungen trat der Tod auf der Stelle ein. teilt mit: Für die Silvesternact diefes Jabres wird die PolizeiKeine Polizeistunde in der Neujahrsnacht. Der Polizeipräsident stunde für Gast- und Schankwirtschaften aufgehoben. Genoffe Frl Witte bittet uns, allen, bie feiner in fo überre'dem Maße am 70. Geburtstage gedacht haben, den berzlichsten Dank zu übermitteln. Unfer bonnent, der Werkmeister Dito runert, effeftraße 10 tellt mit, daß er mit dem au 6 Jahren Gefängnis verurteilten gleichen Namens nicht identisch ist. Ueber Win'ernot und Wohl'ahrt forit heute, Donnerstag, abends 8.15 Uhr, Bürgermeister Dr. Scholtz im Rundfunt Ein Schildbürgerstreich. Ein skandalöser Borfall hat sich dieser Tage an der tschecho lomatisch- banerischen Grenze bei Eger ereignet. Bei dem gemelbeten Großfeuer der Borzellanfabrit Riemer u. Co. in bem banerischen Grenzorte Mitterteich fonnten die einheimischen Wehren wegen der großen Kälte des Brandes nicht Herr werden, weil das Waffer gefror. Man wandte sich daher telegraphisch an die Feuerwehr der großen Grenzstadt Eger. Die Wehr fuhr fofort zur Grenze. An der Grenze wurde ihr der Uebertrift von tschechischen Beamten vermehrt. Man erklärte den Grenzbeamten, daß feit Menschengedenten bei Bränden sich die Grenzorte gegenseitige Hilfe leisten. Die Tschechen aber blieben bei ihrer Beigerung. Nur wenn das ganze Dorf brennen würde, tönne der Egerer Feuer mehr der Uebertritt gestattet werden. Die Feuerwehr mußte daher an der Grenze wieder umtehren. Beim Brande aber wurde fie drei Stunden lang erwartet. Wenn auch teine Menschenleben Grit vor kurzem haben die Grenzstätte Zittau i. So, und Grottau gefährdet waren, so ist der Sachschaden riesengroß, da die ganze Fabrik niederbrannte. 600 Arbeiter werben brotlos. 1. B. einen von Amts wegen genehmigten Feuerschußvertrag auf gegenseitige Hilfeleistung abgeschlossen. Eine 3 derfabrik n'edergebrannt. In der Nacht zum Mitt woch brach in der Zuckerfabrit Derenburg bei alberstadt ein Großfeuer aus, das die Fabrit bis auf ein Reben. gebäude einäicherte. Der Schaden wird auf über eine Million Mart geschäst. Er ist zum guten Zeil durch Versicherung ge bedt. Die Ursache der Entstehung des Feuers ift unbelannt. Vonnerstag 17. Vezember 1925 -Unterhaltung und ÄVissen Vellage ües vorwärts Klose. 2] Vau Werner Richter. Eines Sonntags, als man. wie gewöhnlich, zum Kaffee in einem Wirtsgarten vor der Stadt sah, wo die Regimentskapelle jubi- lierte, halte Elsa mit ihren Freundinnen Arm in Arm durch sommer. lich belaubte Gänge wandernd, sich entfernt. Da es schon zu dämmern anfing und man aufbrechen wollte, erhob sich Klose, sie zu suchen; er geriet aus einen Weg, der. von mannshohen, dichten Hecken ein- gefaßt, zu dem schläfrig glitzernden Bach hinuntersührte. Lautlos stand der Abend in prunkvollen Orangetönen; Mücken tanzten darin wie seidene Sterne. Klos« ächzte ein wenig und wollte schon umkehren, als er drunten über den Hecken herankommend eine Offiziersmütze gewahrte und daneben einen weißen Hut mit schwarzer Sammetschlinge, wie sie von dem Elsas hing. Er lauschte, und der totenstille Abend trug ihm ein kurzes Männerlachen herüber: kein Zweifel, es war die Stimme Leutnant Kiesewetters, vielleicht des berückendsten Offiziers, sicherlich aber des gefährlichsten Mädchenjägers der Garnison. Da hob Klose vorsichtig den Griff des Degens zur Brust, damit er nicht klirre, bog feine lange Gestalt hastig nach vorn und stelzte rasch und aus Zehenspitzen in den Garten zurück. Er bezwang sich einige Tage, umkreiste Elsa glimmenden Auges; die Spitzen seines Bartes tanzten. Endlich in der Dämmerung, als sie unschlüssig mit einem Finger aus dem Piano tastete, wagte er eine Frage. Sie fuhr leidenschaftlich herum, gab dann verschnupft klagend und unter regem Gebrauch des Toschentuches Auskunft: wochenlang war sie immer und immer wieder an der Konditorei vorbeigestrichen, beglückt schon, wenn im Halbdunkel hinter den Scheiben der rot« Kragen Kiesewetters sich bewegte, oder feine Handschuhe weiß herausstachen. Neulich nun. nachdem sie ihm end- lich ausgefallen war. hatte er sie angesprochen, war am Bache mit chr promeniert, hatte sie gebeten, gelegentlich, wenn es dunkel werde, bei seiner Wirtin zu klingeln. Klose wurde taumelig: er sah die ringgeschmückten Hände des Leutnants auf dem Mullkleidchen Elsas sich breit machen, sah dos starke Gebiß des Leichtfertigen, vom Lachen bloßgelegt, über ihre blassen Lippen geneigt. Ratlos au» dem Fenster schauend, erboste es ihn sehr, wie störend ein schäbiger, kleiner Hund auf dem reinlichen Ouadratnetz des Granttpslaster» hockte. Elsa schluchzte auf; fast verschwand ihr Röschen zwischen den Wangen: ,Hch weiß doch, daß es unmöglich ist. Nie würde ich einen Mann finden, wenn es herauskäme.� Tränen ergießend warf sie sich über den Tisch. Klose fühlte Erleichterung..Mein Kind* sagte er. ihren schlich. ten Scheitel streichelnd,.mein gute» Kind. Aber weiß es auch niemand?" Niemand würde es se wissen, murmelte sie zornig: er wäre kein Spießbürger, habe Kiesewetter gesagt. Da fühlt« sich Klose wieder fast froh; und indem er Elsa an seine Knie zog wie früher, als er ihr die Schulaufgaben abhörte, trocknete er rasch ihre Augen mit zerknäultem Taschentuch, slüsternd, niemand dürfe ihr zu nahe treten, kein« Angst dürfe sie haben, nichts dürfe chr geschehen. Alle, war nun wieder in Ordnung, auch das saubere Gronitpflaster war. wie er bemerkte, inzwischen von dem schäbigen Hündchen befreit. In der derselben Woche noch ergab sich gleichwohl, daß Leutnant Kiesewetter, offenbar enttäuscht. Elsas Namen in andeutendem Kasinogeschwätz zum mindesten erwähnt hatte. Bei der Parolemusik am Sonntag auf dem Marktplatz hörte Aribert davon. Sobald er sich zu Tische setzte, bemerkte er listig zu Elsa hin:.Was studierst du eigentlich mit deinem Freunde Kiesewetter immer hinter den Hecken?" Das breite Schlürfen, mit dem Klose die Suppe zu sich nahm, verstummte plötzlich. Sein Stuhl stürzte, der Tisch wankte, Suppe ergoß sich. Schon hatte er Aribert gepackt, geohrseigt, zur Tür hin- aus, auf den Korridor gestoßen.„Heule mir nichts vor." sagte er hart und entfernte sich mit wolkig geschwollener Stirn. Wochenlang sprach er kein Wort mehr mit ihm. was Aribert nicht unlieb war, da seine Gedanken bei verwandten Geschäften weit- ten. die er für eigene Rechnung mit den Erzeugnissen der Zigarren- fabrik betrieb. Aber gerade, al» er auf's gefährlichste von ihnen um- droht, verzweifeln! nach Auswegen spähte, d-, Wirde plötzlich siimt- lichen europäischen Staaten der große, lang« erwartete Derteidi- gungskrieg ausgezwungen. Sofort trat Aribert bei dem Jägerregiment ein und verließ nach kurzem unter rauschender Blechmusik die Stadt, indes in der Zigarren- sabrik unenträtselbare Buchungen von ihm zurückblieben. Die Strenge der Kriegsgesetze fürchtend, tat er wenig Unerlaub- tes, handhabt- unbesorgt mit rötlichen, umfangreichen Händen das Gewehr, während feine Seele nichts entbehrte und seinen kräftigen Leid nicht» anzufechten oermochte. Seine Tätigkeit, insbesondere verborgene Güter der Landeseinwohner aufzuspüren, machte ihn de- liebt; er wurde Unteroffizier und Orden stellten sich ein. Als der Krieg sich in die Länge zog. die Verluste wuchsen und n ihm gelang, von einer Erkundung außer Gefangenen zwei Maschinengewehre mitzubringen, wurde er zum Leutnant befördert. Eines Winters kam er beurlaubt nach Hause. � Au» dem weißen Dampf des«ingebrausten Zuges trat er wie ein zürnender Gott au» einer Wolke, die Pracht finsteren Pelzes um Hals und Schullern, die Huste schlank umfaßt vom Leibgurt, woran Fernglas. Reooloer und Kortentasche hingen. Unter gewalttätigen Brauen suchte er aus's entschlossenste dl« Augen der Menschen. Beinah« hätte Klose nicht gewagt, ihm die Hand hinzustrecken. Und zogen sich nicht sein« Knie aneinander zu der straffen Haltung, die er dreißig Jahre lang vor Offizieren eingenommen hatte, nun, al, Aribert knarrend, ruckweise, mit erbittertem Gesich tzu sprechen begann?— Unterwegs begegneten Ihnen zwei alte Feldwebel; sie wichen vor Aribert vo« dem engen Gehsteig in die Gosse, die Augen platzend rund vor Ehrfurcht und mit steisgemachten Beinen einen Schwall Schneewasser,«mporklatschend. Aribert» Unterlippe klaffte höhnisch. da der eine der beiden ihm einst Schläge angedroht hatte, alz er seinem kleinen Mädchen den Reisen zerbrach. Zu Hause entnahm Aribert seiner sandgelben Reisetasche einen schweren, goldenen, mit Perlen besetzten Armreis, den er der Mutter überreichte,»inen Kragen echter Spitzen sür Elsa, ein juchtene» Reis«. Necessaire, au» dem«ristoll und Silber glitzert», sür Klose selbst. .Nehmt nur." sagt, er stolz,.e, kostet mich nichts." Und al» man sprachlos starrt«, erklärte er gebieterisch lächelnd, e» stamme alles aus einer Villa, die man habe zerstören müssen, weil aus der auf da» Regiment geschossen worden sei. Da habe er vorher drinnen noch sein« Besorgungen gemacht. Krieg sei Krieg und wenn man die Geschenke nicht haben wolle, solle man e» nur sogen. Alle drei dankten ihm darauf beklommen dienstfertig. Bei Tische dann begann Ariberi zwischen den einzelnen Bissen mil gnädig geg. allem Naserümpfen einzelne gefährliche und er- heiternde Kriegserlebnisse vorzutragen. Plötzlich, als er von den Kameraden sprach, wanderten seine Augen listig zu Elsa hinüber: ihre Jugend war kurz gewesen, jetzt schon, mit fünfundzwanzig Jahren wurde ihr Gesicht grau und spitz. Die Stimme von Boehett gespannt sagte Aribert:»Kamerad Kicsewetter übrigens— entsinnst du dich wohl seiner?— gestand mir neulich, welche Angst er damals um dich ausgehalten hatte, monatelang, bis er endlich beruhigt sein konnte, daß eure Beziehungen ohne Folgen geblieben." Elsa, tränenglitzernden Blickes, zischte.Lüge", und stolperte, stürzende Tränen in der Halbseide des Aermels auffangend, hinaus. Der Mutter wurden die blassen Augen hinter der Stahlbrille un- natürlich weit. Klose stellte, als hörte er nichts, seine Miene eisern fest, spielte mit dem Serviettenring aus weißem Holz, schwieg, fade vor sich hin lächelnd. Dann stützte er plötzlich den Kopf schwer in beide Hände und wagte nicht mehr aufzusehen, während Aribert befriedigt von neuem zu Messer und Gabel grifs. Klose saß noch so, nachdem Elsa unter empörten, stummen Blicken den Tisch abgeräumt und sich zur Nacht zurückgezogen hatte und Aribert gähnend in den Ratskeller hinübergeschlendert war. Nur die Mutter blieb zurück: sie durchforschte streng den Roman der Zeitung und rief zuweilen entrüstet die Kotze an. die am Tisch- tuch zerrte.(Schluß folgt.) Sein Sunöesbruöer. „— wenn XDuQe nicht ausreicht, die völkischen Belange im Laadtag wahrzunehmea. werde ich mal selber hin- gehen—" Liliencron unü sein erster Drucker. Aus neuen Briefen des Dichters. In der.Schleswig-Holsteinischsn Landeszeitung" in Rendsburg werden einig« bisher unbekannte Briefe Dellev v. LUiencron» vcr- ösfentlicht. Die Briese sind ein weiterer erschütternder Beleg für die Periode niederdrückender wirtschaftlicher Notlage Liliencrons> nd in- sofern ein menschlich wertvolles Dokument. Dieses menschlich wertvolle Dokument erweitert sich nach der i ü n st I e r i s ch- d i ch- terischen Seite hin, indem es Liliencron zeitweise in einer seelischen Verfassung zeigt, in der sein eigener Glaube an die dichte. rische Sendung zu winken scheint. Und weiter bestätigen die Briefe das neuere litcrarhiftorischc Forschungsergebnis, daß nicht, wie früher geschehen, die im Jahre 1883 erschienene Gedichtsammlung„Adiu- tantenritte und andere Gedichte" als das erste Buch des Dichters bezeichnet werden kann, sondern eine in Eckernsörde(wo Liliencron sicb 1881 am Landratsamt auf die Bcamtenlaufbahn vor- bereitete) entstandene und gedr ckte Gedichtsammlung. Die Eckernförder Zeit des Dichter» ist weniger bekannt, und zur Bestätigung dessen, daß sein erstes Gedichtbuch in jenem kleinen kchleswigschen Oftseestädtcfcen entstanden ist,> ei ein Brief mitgeteilt. Den Liliencron l'JOS von Alt-Rahlstedt bei Hamburg an den späteren Schriftleiter der.Eckernsürder Zcimng" richtete, der 1881 als Schrift- setzer in der Druckerei dieser Zeitung die Druckbogen der ersten Lilien- cronschcn Gedichtsammlung gesetzt hat. Der Brief, dessen Empfänger damals vorübergehend im Rheinland weilte, lautet: „A l t- R a.h l st e d t bei Hamburg. IS. 7. 1903. Sehr geehrter Herr Erichsenl Haben Sie herzlichen Dcurk für Ihre freundlichen Zeilen. Sie können sich denken, wie's mich interessiert hat. daß Sie meine ersten Gedichte gesetzt haben. Don diesen Gedichten babe ich einiges mit in meine Bücher genommen. Wie freu« ich mich, daß Sie Ihre alte Heimat, unser alles, gutes(etwas HrLhniges") Schles- wig-Holstein, nicht vergessen haben. Mit herzlichen Grüßen Ihr Detlev Liliencron." Als LUiencron Kirchspielsooat in Kellinghusen in Holstein war. erhielt er unter dem Datum des Ii. September 188S von dem Buch- drucker I. C. Schwensen in E ternsörde. dem Besitzer der«Eckern- förder Zeitung",»inen Zahlungsbefehl über?öS M. für gelieferte Drucksachen aus dem Jahre 1882, eben die Kosten für den Druck der ersten Gedichtsammlung. Da die Zwangsvoustreck mg vergeblich verlief, wurde der Zah- lungsbesehl Liliencron im Dezember 1891 in Aliona-Ottensen noch einmal vorgelegt, aber ohne Erfolg Aus dem Briefwechsel, der sich an diese Begebenheit anschloß, ssnd noch die zwei folgenden, bisher unverFfsentlichten Briese au» dem Januar 1892 vor- Händen., „Ottensen bei Hamburg, fi. 1. 1892. Ich hatte Sie so freundlich gebeten, sehr geehrter Herr Schwensen, mir neue Pfändungen vorauszuschreiben, um Ihnen und mir un- nütze Aufregungen zu ersparen. Heute trat der Gerichtsvollzieher wieder bei mir ein. Sie wissen, ich schneb e« Ihnen doch, daß, nach- dem meine Gläubiger mich zum Offenbarungseid gezwungen hatten, ich mich pfandlos gemacht hatte, um den gräßlichen Quälereien zu entgehen. So Hab ich nür das. was die gesetzlichen Bestim- nrungen gestatten. Sie scheinen immer noch von der Meinung aus- zugehen, daß ich Schriftsteller sei, aber ich schrieb Ihnen doch wieder- Holl, hochverehrter Herr Schwensen. dasi ich da, nicht sei, daß ick dazu nicht das geringste Talent habe. Weil immer mehr über mich geschrieben wird, schließen meine Herren Gläubiger, daß ich es auch sein müssen. Gerade das Gegenteil ist der Fall. Aber nun Hab ich es bald satt. Und ich ziehe, zöge dann für immer aus meinem un- dankbaren Baterlande fort. Sie wissen doch, sebr geehrter Herr Schwensen, daß ich Sie sofort bezahlen werde, sobald ich dazu imstande bin Wünschen Sie von mir den Offenbarungseid noch einmal, so bin ich, trotz der entsetzlichen Blamage, gern bereit dazu. Dann aber ginge ich für Immer aus Deutschland.(Ich Hab es fall.) Schreiben Sie mir ein paar freundliche Zeilen. Warum quälen Sie mich denn so? Immer Ihr ergebenster Baron Detlev von Liliencron." Die Antwort auf diesen ergreisenden Klageruf des Dichters war recht frostig und seelenlos. Sie lautete: „Eckernförde, 11. Januar 1892. Herrn Frhr. von LUiencron OUensen. Wenn Sie kein Geld für mich haben, so hätten Sie mir doch längst meine Chronik und Dänemarks Relchshistorie zurücksenden können, und erwarte ich die Zurückgabe umgehend. Achtungsvoll Z. C. Schwensen." Auf demselben geschäftlichen Mitteilungsblatt schrieb LUiencron zurück: „Ottensen bei Hamburg, 12. 1. 1892. Herrn I. C. Schwensen Eckernförde. Die Chronik ist in all dem Trubel, den ich seit Jahren zu erleiden habe, längst verloien gegangen. Bllte, wollen Sie mir den genauen Titel schreiben, damit ich Ihnen das Buch buchhändlerisch verschaffe. Crgebenst D. v. Liliencron. In Betreff des Geldes, so wiederhole ich immer wieder: Der Tag wird kommen. Auch mein Weizen wird blühen. Nur vorher, ich bllte Sie immer wieder, bei mir anzufragen; denn Sie wissen bestimmt, daß ich, sowie das Geld da ist» es Ihnen einsende. L." „Auch mein Weizen wird blühen"— ein selbst entzündeter Lichtstrahl des Dichters in der von den äußeren Umständen seines Lebens verursachten NiedergeschlogenheitI Die äußere Lebenslage des Dichters muß entsetzlich gewesen sein; er ist ja sonst von Natur und Neigung so vital und lebenskünstlerisch. Was nun die Entstehung des bisherigen Irrtums über Lilien- crons erste Gedichtfamml ng betrifjt. so ist anzunehmen, daß Lilien- eron selbst, unzufrieden mit manchen seiner Frühdichiungen. mit dazu beigetragen Hot, daß dtt erste, in Eckernförde entstandene Gedicht- sammlung aus dem Berlehr gezogen wurde. Auf Grund einer Einladung des„Allgemeinen Bildungsvereins" in Eckernsörde an Liliencron. in Eckernsörde aus seinen Wersen vor- zutragen, schrieb der Dichter an den schon genannten Herrn Erichsen, der damals wieder in Eckernsörde und Schriftführer des Vereins war. folgendes: „Alt-Rahlstedt bei Hamburg, 2. 9. 1908. Hochgeehrter Herr Erichsen! Besten Dank sür Ihre liebenswürdigen Zellen. Ich würde natürlich gern nach Eckernförde kommen. Als Honorar nehme Ich 400(auch 500) Mark. In diesem(Eckernförder) Fall: 200 Mark. Einer freundlichen Antwort entgegensehend, bin ich mit vorzüglicher Hochachtung Ihr ergebenster Tetleo von Liliencron. Sollte es sich arrangieren lassen, so wäre es mir recht in der Woche vom 19.— 24. Oktober d. 3." Ein weiterer Brief in dieser Angelegenhett ist der folgende: „Alt-Rahlstedt betHamburg, 10. 9. 1908. Hochgeehrter Herr Erichsen! Herzliche« Donk sür Ihre freundlichen Zeilen. Dielleicht läßt es sich noch so machen, daß ich zu den 150 Mark noch die Reise II. Klasse von Hamburg nach Eckernsörde und zurück und den Ausenthalt im Hotel für die eine Nacht bekäme? Denn das von mir verdiente Geld Liliencron." LUiencron kam denn auch am 2. Dezember 1998 nach Eckern- forde und las. Sein„Weizen", von dem er IS Jahre vorher an den Eckernförder Druckereibesitze» geschrieben hatte, war denn doch noch ins Blühen geraten, vor allem künstlerssch, und mit bescheidenen Maßen, was die Güter dieser Welt betrifft. Sich mit den Schätzen und allen genießerischen Freiheiten und Schönheiten de» Globus zu umgeben, das war dem lieben Dichter nur einmal üppig gelungen, nämlich in den phantastischen Kan- tussen seines„Pvggsred".___ A. G. Dos Rätsel de» SUln». Die Anwendung gewisser Sätze der Einsteinjchcn RelativÜätstheorie hat zur Bestäliaung einer bisher nicht recht anerkannten Vorstellung geführt, die sich der Astronom Elarke berells 18«S über gewisse rätselhafte Bahnobwecchungen des Sirius gebildet hotte. Schon Hallet), der Entdecker des berühmten Halleyschcn Kom.äen, hatte gefunden, daß die Bahn des Sirius un- erklärlichen Ablenkungen unterliege, für die nur«in Stern von un- geheuren Dimensionen hätte verantwortlich gemacht werden können. Bisher war es nicht möglich, in der Nähe des Sirius einen Stern zu entdecken, dess-n Größe ihn als den Urheber der Störungen in der Bewegung des Sirius hätte erscheinen lassen können, ist doch der Sirius selbst zweieinhalb millionenmal größer als die Erde und be- trugen doch seine Ablenkungen Hunderte von Millionen Meilen. Jetzt hat man festgestellt, daß der Störenfried der verhältnismäßig kleine Nebenstern des Sirius ist, ein mit bloßem Auge nicht einmal wahr- nehmbares Sternchen achter Größe. Dieses Sternchen befindet sich in einem Entwicklung- zustand, der es ihm ermöglicht, m seinem kleinen Raum ebensoviel Masse zu konzentrieren, wie etwa die Sonne, deren Durchmesser 3Smal so groß Ist wie de� seine. Infolge. dessen besitzt dieses Sternchen«ine unerhört» Graoitalioueenergie. die, wie bereits angedeutet, imstande ist. den gewaltigen Sirius au» seiner Bahn zu lenken. Do» Erstaun'.Ich« an dem Zustand jene» kleinen Sternes ist die Tatjache. daß sorgfältige mikrophotometrljche Spektralanalylen ergeben haben, daß sein« aus beispiellos engen Raum zu unvorstellbarer Dicht« zusammengedrängte Mais« sich trotz- dem in gasförmigem Aggregatzustand befindet Würde die dort herrschende Temperatur von 8000 Grad C.(2000 Grad mehr al» die Sonnentemperatur) nicht die Existenz von festen Körpern un- möglich machen, so würde ein Kubikzentimeter Gold dort da» Zwei- tausendfach« seines irdischen Gewichtes haben und zu seinem Trans» port würde ein kleines Lastauto notwendig sein. Bei den Preisen. braucht keine Dame und kein Kind Weihnachten ohne schöne neue Winterkleidung zu sein C& A BRENNINKHEYER Winter- Mtl. praktische Stoffe ab 375 aus hübschen mod. Fantasiestoffen ab 7.50 Flausch- Mtl. einfarbige Stoffe ab 575 In hocheleganter Ausführung ab 950 Velours- Mtl. welcher Mouliné a 1250 in flotten Formen mit Pelzbesatz ab 1750 Velours- Mtl. einfarb, Glockent, ab 1550 m. hübsch. Pelzkrag. flotte Glockenfalt. ab 2250 Scalplüsch Mtl ganz gefüttert ab 3900 hochwert. Qualitäten, auf Damasséfuller ab 8500 Schottenkld. Baumwollstoff a 250 Baumwollstoff ab 250 reine Wollstoffe, gute Qualitäten ab 1250 Cheviotkld. mit Stickerel ab 375 mit langen Aermeln. reich garniert ab 750 Popelinekld Jugendliche Form ab 750 In besonders eleganter Ausführung ab 1350 Gabard Kld modisch garniert 8.50 ab mit Falten a. vielen Verzierungen ab Verzierungen ab 1850 Sport- Cord Kleider.. ab 875 aug schönem, welchen Samt ab 1900 C& A BRENNINKMEYER Seiden- Kld. aus Helvetia a eleg. Gesellschaftsklei9.50 der, reiche Ausw. ab 2500 Rips- Kleid. mollig elegant ab 12.50 Glockenform. In reicher Auswahl ab 1750 Kinder- Mtl. aus prakt. Stoffen ab 275 Pelerinen Mäntel as 550 Velours u. Mouliné 950 Strick- West. Farben u Muster in großer Vielseitigkeit ab 375 Blusen Jumperform ab 050 aus Seiden- Crêpe de chine i. gr. Auswahl ab 750 Königstr. 33 Chausseest.113 Am Bhf. Alexanderplatz Beim Stettiner Bahnhof Oranienstraße " Die neue Ecke Unsere Geschäftsräume sind am Sonntag den 20. Dezember geöffnet! Theater, Lichtspiele usw. Volksbühne 8 Uhr: Der befreite Lessing- Th. Tägl. 8 Uhr Don Quichotte Der junge Aar Morgen 8 Uhr: Der befreite ven Restand- Klaboud Ab Donnerstag Don Quichotic Liliputaner- Gastspiel Staats- Theater Opernhaus 6 Die Meistersinger Opernhaus em Königsplatz * Uhr: Christelflein Schauspielhaus Schneewittchen Kleines Th. Heute 8 Uhr ADMIRALS PALAST 8 Uhr täglich: HALERAMA Komische Achtung Welle 505 60 BILDER Figuranten Rang v. von Birabeau kegle: Geyer Uhr: Peer Gynt Trianon- Th. Schiller Theater 8 Uhr: Minna von Barnhelm Städtische Oper Charlottenburg 71 Uhr: Tägl. 8 Uhr Kleine Sklavin v Diet enschmidt Re ie: Goldberg Parkett v. 4 Logen v. 8.Kinder- Revue Nur noch 2 Vorstellungen Bob, 3½, U Mittwoch Sonnab, Alle Puppen tanzen Kleine Preise. 58 PL., 1.-, 1.50 etc. Jeden Sonntag Hoffmanns Walballa- Theater bin. 3 Uhr: Erzählungen Weinbergs weg am Resenih. Tor Abonn- Turnus IV. Tägl. 8 Uhr: Die Koblanks Deutsches Theater Park. van 50 Pf. an. 7 Uhr: Der Kreidekreis von Klabund Regie: M. Reinhardi Die ganze Vorsteliung Eu ha ben Preisen Central Theater Uhr Mittwoch nehm 4U. Trieschübel Schneewittchen Deutsches Künstl.- Theater Tägl. 48 Uhr: Metropol- Th Täglich 8 Uhr: Die große Revue- Posse: Die Teresina NO NO NANETTE Kammerspiele Tha. Kurfürstendamm 8 Uhr: Sechs Personen Suchen einen Autor von Pirandello Regie: Max Reinhardt 7% Uhr Rose- Theater Deutsch. Theaters Gastspiel des Regen Th.a. Schiffbauerdamm 8 Unr: Das verhängnisvolle Weib 81 Uhr: Der Glöckner von Notre Dame Circus Busch Die Komödie Lustspielhaus Täglich 7, Uhr: Kurfürstendamm 207 & Unr Gesellschaft von Galsworthy Regie: M. Reinhardt SCALA 8 Uhr 8 Uhr: Potasch& Perlmutter II. Teil Petasch& Perlmutter b. Film Wallner- Theater Tägl 8 Unr: Kolportage Herrnfeld Circus- Attrakt. Der Graf von Monte Christo Sonnab.a.Sonnt.3 bel halb.Preisen die letzten 2x e Wintermärchen" Sonnabend 3U trotz halber Preise noch 1 Kind frei! m Intimen Theat. Kinderbelustigungen Internat. Bülowstr. 6 Täglich 8 U. Y u. Varieté Stall Levy mit Pony Kamelreiten Turfkomödie v Anton Herrnfeld Vorverkauf ab 10 Uhr an d.Cr. Rass. a b Werib. 8 Oper Dir.: James Klein ! Der Berliner Milieufilm! 81 GrößteRevue der Welt Von ' ADIS Z bis Parkett 6.- M. Preise 2. bis 12. M. ( Logen 15. M.) Vorverkauf ununterbr geöffnet WINT BORTEN Das Fräulein vom Spittelmarkt Der Gebensroman Ein Weihnachts- Programm einer Stenotypistin für Groß und Klein! Sonnt. nachm. 312 Uhr halbe Preise Rauchen gestattet Elite- Sänger Kottbuser Str 6- Tel. Mpl 16077 Tägi. 8 Uhr, auch Sonntag aachm 3 Uhr( zu halben Preisen): Weihnachts- Spielplan! Weihnachtswald und Försterhaus". & 2: Sport Palast Sonnabend, 19. Des., 8 Uhr abends Sonntag, 20. Des., 3, Uhr nadim. Internationale Eishockey- Wettkämpfe Wien- Berlin Vorverkauf ab heute an den Kassen des Sport- Palastes und Passage, Laden 30. Heute 900 Kunstlaufen 1030 Eisballett Ph. Brand& Co. mit 6anni Reinwald Ernst Rückert URAUFFUHRUNG heute 725 Uhr in den Richard Oswald- Licht: p'elen Charlottenburg, Kantstr. 163 Täglich: 8.40 7.25 9.10 Uhr Sonntags: 4.00 5.40 7.25 9.10 Ubr In Batprogramm: Preisrätselfilm mit Preisverteilung 99 Wer kennt Berlin" National- Film A.-G., Berlin SW. 48. Reichshallen Theater Allabhandl. 8 Ubr: Seuntag nache. 3 Uhr Steffiner Sänger Weihnachts- Programm! An allen 3 Feiertagen Nachmittags- Verst. r halb. Preisen mit vollem Abend- P.agramm Das gr. WeihnachisDonhoff- Brett'l variete Programm Humor Tanz/ Stimmung/ Popul. Preise Weingroßhandlung gear. 1896 Berlin SW 68, Lindenstraße 3( V) im Hause des Vorwärtsgebäudes. Dönhoff 1200-1201 Theat. d. Westens Heute u morge geschlossen Sonnabend 7 U. Uraufführun Das Spiel u. d. Liebe Operette von Gilbert Plätze schon aol Grosses Schauspielhaus Residenz- Th ieute geschloss. Morgen Freitg7% Zum 1. Male: Barnowsky- Sahnen Neues Königgrätz.Str. 7 Unr Zum 1. Male Theater am o Für Die Durchgängerin Die nenen Herren war noch 2 VorDich CHARELL- REW TÄGLICH 84 Regie: Erik Charell 300 Mitwirkende Parkett M.5.-, Rang M. 8.-. 2. Rang M. 2.50 Loge M. 7.-, 3. Rang 75 Pt. Sonntag nachm. 3Uhr unverkürzt zu erm. Preisen. LusisD. v. L Fulda Sbd u. Sannt; 3/2 Kleine Preise Schneewittchen Thalia- Th. Uhr: Annemarie bd. u. sonnt 3% 8 Kleine Preise Hänsel u Gretel Theater in der Kommandantenst. 8 Uhr: Die Tribtine 8 Uhr: 1. Abend Zurück zu Methusalem Komödienhaus Tägl UMY: stellangen! Täglich 8 10 Uhr: Olly- Polly Operette von Kollo Kopf oder Schrift Parkettpl.v. 2-12 M • Casino Theater Eisbahn Täglich 8 Uhr: Die tolle Posse Der Friesenstraße am Tempelhofer Feld ift eröffnet. Zäglich Meisterboxer Roger Eintritt: Rinder 25 Bf, Er Die blond. Mädels Der Gipfel des Humors wafene 50 Bf. Tel. Sbd. u. Sonnt. 3% Kleine Preise Rotkäppchen Theater 1.Th. a. Hollendorfpi. Lutzowst.112 Tägl. 8 Uhr Parisiana Vorstellung: Bine Brautnacht Ein starkes Stück Nur Erwachsene haben Zutritt! Tägl. 8 Uhr Die Grüne Flöte Regie: Max Reinhardt Matray, Sterna, Solweg, Blum usw. Heses Varprogramm! u. das neue Progr. Safenheide 2803. Erfolg Rein Messing mit 60 Seidenschirm 4flg. Mrk haben Inserate Vorwärts Mit 65 Seidenschirm mit Bre- Akatbesatz Beleuchtungs körper aus Holz, Metall und Spide 40 Willy Rudolff BERLIN.S.42 Bitterftr. 24 【 家具 】 Mrk 47,50 Mrk 5.90 Ampeln, Schalen. Rauchtische Ein Suits Piano StandardQualitäts gestattet. Teilzahlung Mk. 890.oder zu entsprechend höheren Preisen, Lieferung schon bei Anzahlung 150.is and Monatsrafen von Mk. 50.- beginnend direkt aus der DEMUSIN- PIANO- FABRIK Berlin O 27, Blumenstr. 70, an der Markusstraße Von 9 bis 7 Uhr geöffnet Fabrik Hof 1 Treppe links Besuchen Sie uns- oder verlangen Sie sofort kostenlos PianoOfferte, Katalog und Zahlungsbedingungen. Sonntags geöffnet. empfehlen als besonders preiswert: Pebraco Ardiente, feurig süßer Stärkungswein M. 1,60 die Flasche ohne Glas und ohne Steuer Preisliste zu Diensten nt. 594 ♦ 42. Fahrgaag 2. Heilage öes vorwärts Vonnerstag, 17. Dezember 1925 Wie Sie Zölle gemacht wurden. Bon der Entstehung der Chemiezölle. Die Debatten um di« Zölle dürfen nicht verstummen. Es muß deshalb immer wieder betont werden, daß es sich bei der Zoll» tarifnovelle vom 17. August d. I. nur um ein P r o v i- f o r i u m handeln kann. Dies gilt für die Agrar». aber auch für die Industnezöll«: Schwerindustrie und Agrarier haben Hand in Hand gearbeitet und unter Vergewaltigung der Minorität im Reichstag sich gegenseitig die Zölle bewilligt. So hat man Zölle für Pro» d u k t e beschlosien. deren Ausfuhr für Deutschland von größter Wichtigkeit ist. deren Einfuhr aber kaum ins G e w i ch t f ä l l t. Dies trifft besonders für chemische Erzeug- nisse zu. Obwohl die überwiegende Mehrheit der chemischen In» dustrie freihändlerisch gesinnt ist, hat man unter Ablehnung aller sozialdemokratischen und fast oller demokratischen— von 87 wurden 85 abgelehnt— Abänderungsanträge, bei mehr als 100 Positionen des Zolltarifs neue Zölle«ingeführt oder sehr erhebliche Er- höhungen der alten Sätze beschlossen. Wie dies« Zölle gemacht wurden, dafür wollen wir einige Bei- spiele anführen. Der Zoll für Oxalsäure(Pos. 276), die aus Sägespänen gewonnen und als Beiz« in Färbereien und Druckereien und zum Bleichen von Stroh und Leber verwandt wird, wurde von 8M.auf12M.fürden Doppelzentner erhöht, weil nach der amtlichen Begründung die deutsche Industrie auf dem Weltmarkt ihre führend« Stellung infolge der Entwicklung des Aus- londswettbewerbes verloren habe.„Diesen veränderten Verhältnisien rrogcn die vorgesehenen Zölle Rechnung." Der Antrag Wissell und Genossen, der Aufhebung dieses Zolls verlangte, wurde im Handels» politischen Ausschuß abgelehnt. Angenommen die Zollenthusiasten hätten recht: Deutschland habe wirklich viel von feinen früheren Ab- satzgebieten im Ausland für dieses Produkt verloren, würde der um 33K Proz. erhöhte Zoll dazu beitragen, neue Absatzgebiete zu er- schließen? I st andererseits aber die deutsche Produktion wirklich gefährdet? Ein Blick in die Außenhandelsstatistik wird uns über diese„Gefahren" ausklären. Im Jahre 1922 fand gar keine Einfuhr von Oxalsäure statt! Im Jahre 1924 wurden ganze 32 Doppelzentner, und bis zum September 1925 91 Doppelzentner importiert, und zwar fast nur sogenannte Rückware, die also ver- edelt wieder ausgeführt wurde. Der Export dagegen, der 1912 47 10Y Doppelzentner betrug, stellte sich 1923 auf 18 271 Doppel- zentner. 1924 cmf 29 679 Doppelzentner und bis September 1925 auf 34 836 Doppelzentner, dürfte also noch iu diesem Jahr die Friedensziffer ziemlich erreichen? W o t st deshalb di« deutsche Oxal- säure- Produktion in Gefahr? In Deutschland kostet dieses Produkt ungefähr 50 M. per 100 Kilogramm, für den Export 45 Mark, in England 32 bis 33 Pfd. St. für die Tonne, d. h. also 65 bis 66 M. per 100 Kilogramm, ist also dort wesentlich teurer als bei uns. ZLenn wir feststellen, daß sich in diesem Jahre alle Oxal- säurefabriten in der Oxalsäure G. m. b. H. in Oestrich im Rheingau zusammengeschlossen haben, die den Markt kontrolliert. werden wir den Schleier de» Geheimnisses für die Zollerhöhung lüften können. Der deutsch« Zoll belastet das Produkt mit 25 P r o z. des Wertes! Aehnliches läßt sich bei der Milchsäure(Pos. 278) kon- statieren. Hier wurde ein n e u e r Z o l l von 20 M. eingeführt, die bisherige Zollfreiheit aufgehoben. Die Regierung begründete die Einführung mit ähnlichen Argumenten wie bei der Oxalsäure, be- tonte aber bei der Milchsäure, daß die deutsche Industrie nach Verlust der landwirtschaftlichen Gebiete im Osten auf ausländisches Rohmaterial angewiesen sei. Nun gewinnt man Milchsäure aus allen stärkehaltigen Produkten, besonders aus verfaulten Kartoffeln. Gewiß haben wir gerade landwirtschaftliche Ueber- schußgebiete verloren, aber unsere Stärkcerzeugung dürfte für die Milchsäureproduktion noch hinreichen. Bei uns tostet Milchsäure un- gesähr 46 M. per 100 Kilogramm, in England 44 Pfd. St. per Tonne, also 83 M. per 100 Kilogramm! Kein Wunder, daß Deutschland viel Milchsäur« nach England liefert. Wir exportierten 1923: 7404 Doppelzentner. 1924: 8352 Doppel- zenwer und 1925 bis September: 12 246 Doppelzentner, also von Jahr zu Jahr steigt der deutsche Export, dürfte in diesem Jahr die doppelte Meng« des Vorjahres erreichen. Nach den an- geblichen Konkurrenzländern England und den Vereinigten Staaten gingen bisher in diesem Jahr 2359 bzw. 2572 Doppelzentner, also mehr als ein Drittel des ganzen Exports. Und die Einfuhr? Sie betrug 1923: 0 Doppelzentner, 1924: 12 Doppelzentner, bis Sep- tember: 68 Doppelzentner fast nur„Rückware". Sie ist so l ä ch e r- l i ch gering, daß sie keine noch so schwache deutsche Fabrik ge- fährden dürfte. Gewiß, Frankreich hat einen Zoll für Milchsäure, auch Italien, Belgien, Amerika, aber fördern wir die Ausfuhr unserer Qualitätserzeugnisse, wenn wir nun um di« Politik unserer Preiskonventionen nicht zu stören, Kuhhandel mit Zö lle n treiben? ArturLenz. Der neue Kurs in Dänemark. Unser Kopenhagener Korrespondent schreibt uns: Im Mittelpunkt der wirtschaftspolitischen Erörterungen Däne- marks steht die kürzlich stattgefundene Wirtschaftskonferenz, her man in allen Kreisen mit größter Spannung entgegengesehen hatte. Man kann sagen, daß der zukünftige Kurs der dänischen Wirt- schoftspolitik stark unter Einfluß der Entschließungen und An- rcgungen der Industriekonferenz stehen wird. Die Konferenz selbst war von 200 Vertretern der dänischen Industrie und des Handels besucht, die unter Vorsitz des Staatsministers S t a u n i n g die Weg« diskutierten, die Dänemark aus der gegenwärtigen Wirtschaftskrise herausführen sollen. Die Gewerkschaften haUen 37 Vertreter entsandt. Ihr Wortführer war der Borsitzende des Schmiedeoer- Höndes, I. A. Hansen. Das vorläufige Ergebnis der Konferenz ist die Einsetzung eines Ausschusses, der durch industrielle Arbeitgeber und i::- dustrielle Arbeitnehmer gebildet wzrd. Dieser Ausschuß wird gemeinsam mit dem Reichstagsausschuß unter Leitung des Erwerbs- Ministeriums der Regierung konkrete Vorschläge für die Wirtschafts- Politik der nächsten Zeit machen. Wie ernst man sich diese Aufgab« denkt, geht aus der Auffordenmg Staun ings an die Ausschüsse hervor, der Regierung noch vor Weihnachten einen klaren, konkreten Plan vorzulegen. Taktik und Auffassung der sozialistischen Regierung gegenüber dem Wirtschaftsproblem ergeben sich am besten aus der Begrüßungs- rede, die Staatsminister Stauning an den Industriekongreß richtete. Er führte in dieser Rede u. a. folgendes aus: „Wenn die Bevölkerung wünscht, chr Heim in diesem Land zu bewahren, und wenn man will, daß die kommenden Geschlechter hier auch Lebensmöglichkoit haben sollen, so ist die B e w a h r u n g und Weiterentwicklung unserer Industrie eine Lebensbedingung für unser Land. Ich mein«, daß der erste Schritt zur Verbesserung der gegenwärtigen Situation eine Verbesserung der Zusammenarbeit zwischen allen Faktoren, die ein ge- meinsames Interesse in dieser Hinsicht haben, sein muß. Die gute Zusammenarbeit muß in erster Linie zwischen denen herrschen, di« als Eigentümer, als Leiter, als Techniker und als Arbeiter mit der Industrie und dem Handwerk verbunden sind." Durch die Rede klingt«in ganz bestimmter Ton. der auf der Industriekonferenz auch von dem Vorsitzenden des Industrieverein, und von dem Wortführer der Gewerkschaften angeschlagen wurde. Dieser Ton zeigt sich ebenfalls in denjenigen Maßnahmen, auf die Stauniilg als besonders wichtig und richtunggebend hinwies. Es ist vor allem der Gedanke, den inländischen Markt sür die heimssche Industrie zu gewinnen und so, gestützt auf den in- ländischen Absatz, einen starken i n d u st r i e l l e n E x p o r t zu ent- wickeln. In diesem Sinne rückte Stauning vom reinen Freihandels- Prinzip ob und empfahl eine aktive Zollpolitik durch Herab setzung von Zöllen für industrielle Rohstoffe und ausländische Maschinen bzw.„Krisenzölle" für be- sonder« Industriezweige. Im übrigen sollen Staat. Kommunen und Industrie angehalten werden, in erster Linie dänische Produkte zu kaufen. Außerdem sollen den bedrohten Industrien unter gewissen Bedingungen Staatsunter st ützungen gewährt werden. So beabsichtigt man z. B. der völlig darniederliegenden Textilindustrie durch eine Herabsetzung der Zölle für Textilmaschinen und Textil. farbstvffe, durch einen Schutzzoll auf ausländische Textllsertigwaren 'Asßmsid 1.40, De»«*3®«»;" —-'Erhiltlich In allen c I n ich lilM t«"•P'L ,, ,WUIi»mi lionen auf die Sächsische Landschaft. Man muß es begrüßen, daß die Landschaften unter dem Druck der Oeffentlichkeit endlich dazu übergegangen sind, von sich aus die Oeffentlichkest über den Stand ihrer Emissionen zu informieren, nachdem kein« gesetzliche Handhabe bisher dafür gegeben war. Es ist auch das ein Stück Rationalisierung der Wirtschaft, und es ist nur bedauerlich, daß auf dem Pfandbriefmarkt soviel Unheil angerichtet worden ist, bevor sich die auf ihre alten ständischen Vor- rechte pochenden Landschaften zur Zulassung der im öffentlichen Interesse absolut notwendigen Kontrolle entschlossen Die Auflonen im Mühienbaukonzer«. Die Generalversamm» lungen der Miag, Müh-lenbau- und Industrie A.-G., Frankfurt a. M., der Ammo, Giesecke u. Konncgen, Braunschweig. der Mühlenbauanstalt und Maschinenfabrik Gebr. Seck, Dresden. der Lutb-- A.-G., Braunschwaig, der Hugo Groffenius A.-G., Frank- surt, und der Kappler Maschinenfabrik A.-G., Berlin, genehmigten die bekannten Fi. sionsverträge. Das A.-K. der Miag wird auf 12 Millionen Reichsmark erhöht. Bezüglich der Fustonssteuer wurde mitgeteill, daß man wenigstens mit einer Stundung der Beträge rechnen könne. Hinsichtlich des durch die Fusion ver- ursachten Personalabbaus betonte die Verwaltung, daß dieser ohne- hin bei der gegenwärtigen Geschäftslage nötig werden würde. kakastrophale Arbeilslosigkei« auch In Rußland. Uns wird geschrieben: Aus dem offiziellen Ausweis der Mostauer Ar- b e i t s b ö r s e ist zu entnehmen, daß dort am 1. Oktober 135 171 Arbeitslose registriert waren. Von diesen entfallen 104 961 auf das eigentliche Stadtgebiet von Moskau und 30 210 auf die Kreise vor Moskau. Wenn man berückstchtigt, daß Moskau nur etwa den vierten Teil der Einwohner Berlins hat, so darf wohl ohne Uebei- treibung gesagt werden, daß die S o w s e t h a u p t st a d t die meisten Arbeitslosen aller Städte der Welt hat. Aus weiteren Angaben ist zu entnehmen, daß am 1. Oktober in Moskau und in den Moskauer Kreisen 49,4 Proz. Frauen, 8,4 Proz. Halb- wüchstge und 42,1 Proz. erwachsene Männer arbeitslos waren. Die Zahl der arbeitslosen Mitglieder der Gewerkschaften ist ge- radezu katastrophal: 48,7 Proz. aller Gcwerkschaftsmit- g l i e d e r sind erwerbslos. Unter den Arbeitslosen sind relativ am stärksten betroffen: Angestellt« des Sowjechandels, Nahrung«- mittel- und Textilarbeiter. Ein sehr beliebtes Weihnachtsgevöck ig Gpekulotius nscff Dr. Oetker's Rezept: % Ptd. Butter >/, Pfd. Zucker ■f.-Pfd leingehackte Mandeln 2 Eier S g Zimt Zotateat I P d Weizenmehl I Päckchen von Qr. Oetker's Backpu'ver„Backin" Die aiigeriebene Schale von '/j Zitrone yiiKoroitnnrl- D'e Dotier rührt man zu Sahne, lügt Zucker, Eier, Z.UUCI CllUllg. Mandeln, Zimt und zuletzt das mit dem Backin gern sehte Mehl hinzu Da.n rollt man den Teig auf e nem BacKbrett messerrückendlck aus. nötigenfalls lügt man noch etwas Meh; hmzu und sticht ml kleinen Blecniotmen P'ättcncn aus. die auf einem uebu Serien Blech knusperig gebacken werden. Es empfiehlt sich das Uebäck in Blechdosen aufzubewahren, oamtt es längere Zeit knusperig bleibt. In den Berliner Kanefranen-Vereinen kommt nnr Dr. Oetker'a Backpulver„Backin-4 anr Verwendung. Verlangen Sie vollständige Rezeptbücher In den Oeschäften, wenn vergriffen, umsonst und portofrei von: Dr. A. OetkePi Bielefeld Die Neuregelung der Lohnsteuer. Vom Reichstag nach den Ausschußbeschlüssen verabschiedet. Der Reichstag beriet gestern über den Gesezentwurf zur Senfung der Lohnsteuer. Den Bericht über die Berhandlungen im Steuerausschuß gibt Dr. Herh( Soz.) Die Einzelheiten der Ausschußbeschlüsse sind in der Presse bereits mitgeteilt worden. Staatsjefretär Popit erflärt das Einverständnis der Regierung mit den Beschlüssen, darüber hinaus aber fönne fie nicht gehen, und er bitte, alle Erweiterungsanträge abzulehnen. Abg. Höllein( Komm.) wendet sich gegen das System der LohnSteuer und fordert stärkere Heranziehung der befizenden Klassen. Der Redner begründet einen Antrag, den steuerfreien Lohnbetrag auf 1500 Mark zu erhöhen. Abg. Dr. Gerede( Dnat.) begründet einen Antrag, wonach die Abzüge für das fünfte und sechste kind erhöht werden sollen. Ein anderer Antrag verlangt, daß für Kinder über 18 Jahre, die eine fremde Arbeitskraft ersetzen und nicht besonders zur Einkommensteuer veranlagt werden, auf jeden Fall ein steuerfreier Betrag von je 600 Reichsmart in Abzug gebracht werde Dieser Antrag folle besonders den fleinen landwirtschaftlichen Betrieben eine Erleichterung bringen. Abg. Frau Dr. Mah( D. Bp.) begrüßt die jetzt erreichte Erhöhung der Abzüge für finderreiche Familien. Es müßten in der Steuerpolitik noch weitere Maßnahmen getroffen werden, die den finderreichen Familien das Leben erleichtern. Abg. Dr. Herh( Soz-): für die Ehefrau, 120 m. für das erste Kind, 240 m. für das zweite Kind, 480 m. für das dritte Kind, 720 M. für das vierte Kind, je 960 m. für das fünfte und jedes folgende Kind. M. Die Borlage wird darauf auch in dritter Besung ange. nommen und mit ihr die Entschließung der Abg. Frau Dr. Mazz zugunsten der finderreichen Familien. Die dritte Beratung des Landwirtschaftsetats wird hierauf fortgefeßt. Bei der veranlagten Einkommensteuer werden in ähnlicher Weise Abzüge gemacht. Einkommen unter 1300 m. im Jahr sollen überhaupt nicht veranlagt werden, also steuerfrei bleiben. Diese steuerfreie Grenze von 1300 Mark soll sich bei den verheirateten Steuerpflichtigen noch erschaft vor. höhen für die Ehefrau um 100 m., für das erste Kind um 100 m., für das zweite Kind um 180 M., für das dritte Kind um 360 m, für das vierte Kind um 540 M., für das fünfte und jedes felgende Kind um je 720 m. Im übrigen werden von dem Einkommen bei der Beranlagung abgezogen 720 m. als steuerfreies Gintommensteil, fofern das Einkommen 10 000 m. im Jahre nicht übersteigt, sowie ferner für die Ehefrau und jedes minderjährige Kind je 8 Broz. des nach Abzug der 720 m. verbleibenden Einfommens, jedoch höchstens 600 m.für die Frau und jedes Kind, insgesamt aber nicht mehr als 8000 M., der Abzug für die Familienangehörigen soll aber mindestens betragen für die Ehefrau 100 m., für das erste Kind 100 m., für das zweite Kind 180 M., für das dritte Kind 360 M., für das vierte Rind 540 M., für das fünfte und jedes folgende Kind je 720 m. Abg. Weidenhöfer( Bölk.) wirft der bisherigen Regie. rung zu wenig Aftivität bei hilfsmaßnahmen für die Wirtschaft vor. Die 3011porlage, die der Landwirtschaft helfen fellte, jei unmirffam gemacht worden durch die HandelsvertragsAbschlüsse der Regierung. Abg. Dorfch- Heffen( Dnat.) meint, daß die Linksparteien bei der Schutzzollpolitif die Bedeutung der Landwirtschaft nicht so gewür digt hätten, wie es ihr zufäme. Die Landwirte dürften jezt nur das Notwendigste an Maschinen und Düngemitteln kaufen, wenn sie nicht in Schwierigkeiten geraten wollten. Für die deutschen Landmirte seien die Ratschläge, die ihnen die Sozialdemokraten gäben, nicht zu gebrauchen. Bei der großen Zahl der Landbundgenossenschaften spiele es feine besondere Rolle, daß einige von ihnen in Schwierigkeiten geraten seien. Um 7% Uhr vertagt sich das Haus auf Donnerstag, nachmittags 1 Uhr, mit der Tagesordnung: Kleinere Borlagen und Fortsetz ng der 3. Beratung des Haushalts des Landwirtschaftsministeriums. Einheitliche Stimmabgabe im Reichsrat! Der Gesetzentwurf vor dem Landtag Scharfe Opposition von Zentrum, Kommunisten und Deutschnationalen. Im Landtag legte gestern bei der 3. Beratung der allges| meinen Finanzverwaltung Abg. Dr. v. Richter( D. Bp.) Berwahrung ein gegen die Angriffe des Abg. Heilmann( S03.) über den Fall der 3wangspensionierung des Dr. Adams vom Breußischen Oberver. waltungsgericht. Der Gesetzentwurf der Regierung, auch in der Faffung des Ausschusses, rechtfertigt die Haltung der Sozialdemokratie bei der Beratung der Steuergesetze im vorigen Sommer. Damit ist zugleich eine Berurteilung der Regierung ausgesprochen, die unsere damaligen Anträge abgelehnt hat und der Parteien, die die Regierung dabei unterstüßt haben. Wenn man noch einen Zweifel an unserer damaligen Haltung hegen fonnte, so schwindet er bei dem Vergleich der Zahlen, die uns jetzt vorgelegt wurden und die durchaus mit denen übereinstimmen, die wir damals aufgestellt haben. Ich sage das, weil es zeigt, wie richtig es ist, wenn man weniger auf die Zahlen der Regierung gibt als auf die Zahlen, die wir unterbreiten. Aber was damals zwed mäßig und notwendig war, ist jest nicht mehr ausreichend. Die Entwicklung der Reichsfinanzen beweist, daß die Lohnsteuer meit mehr einbringt, als die Regierung im Auguft berechnet hatte. In den ersten 9 Monaten des laufenden Geschäftsjahres beträgt der Mehrbetrag aus der Lohnsteuer mindestens 200 millio nen mart. Das ist eine an und für sich bedeutungsvolle Tatsache, fie wird noch dadurch erhöht, daß zu gleicher Zeit die Erträge aus den übrigen Steuerarten zurüdgegangen find. Man muß be ffürchten, daß die Finanzen des Reichs durch die Nichteingänge von Bermögens, Erbschafts- und Einfommensteuer bei der Berteilung der Belastung eine Entwicklung schaffen, die mit dem Boltsempfinden durch die Provinzialverwaltungen. im stärksten Widerspruch steht. Auf diese Lage haben wir in unseren Anträgen bereits Rücksicht genommen In diesem Augenblic war es nicht möglich, eine Mehrheit für unsere Anträge zu finden. Außer dem stand dem der Einwand der Regierung entgegen, daß sie weiter. gehende Anträge nicht durchführen förne, wenn sie nicht die Sen tung der Lohnsteuer vom 1. Januar ab gefährden wolle. Unter diesen Umständen stimmen wir für den Beschluß, der im Ausfchuß gefaßt morden ist. Die von der Regierung vorgebrachten Zahlen haben aber infofern eine gewisse Bedeutung, als sie ben Einwand der Unternehmer mider Tegen, als ob die höheren Erträgniffe durch die Leistungen der Direttoren und leitenden Angestellten verursacht worden seien. Sie haben im Oktober ein Rundfchreiben ver Schickt, das Material zu diesem Zwede fammeln sollte und in dem es ht, es bestehe die Gefahr, daß nach dem Zusammentrefen des Reichstags eine Senfung der Lohnsteuer vorgenommen werde. Die Herren von der Industrie wollen also, daß die Steuerlaften der Arbeiter in der bisherigen Höhe bestehen bleiben, damit fie um so beffer ihre eigenen Forderungen nach Senfung der Besihsteuern durchführen können. Dem deutschnationalen Antrag wird meine Fraktion nicht zuftimmen. Ich hätte gewünscht, daß der deutschnationale Redner den strengen Maßstab non fachlicher Arbeit, den er an die Tätigkeit der Kommunisten angelgt hat, bei seinen eigenen Freunden zuerst angewendet hätte. Für ihren Antrag haben die Deutschnationalen weniger sach fiche als agitatorische Gründe. Nach den Beratungen im Steuer ausschuß ist eine Abänderung des Beschluffes nicht mehr möglich, wenn wir nicht das Infrafttreten der Senfung der Lohnsteuer ver hindern wollen. Der von Frau Abg. Dr. Mah begründete Antrag, her ben ting erreichen& amifien eine Erleichterung bringen foll, hat deshalb eine antifoziale Bedeutung, weil er die höheren Einkommen berücksichtigen will und damit die untersten Stauergruppen belaftet. Tatsächlich genießen schon nach den bisherigen Bestimmungen die finderreichen Familien der unteren Einkommen stufen eine weitgehende Berücksichtigung. Wir werden aber trotzdem dem Antrag zustimmen, weil die Berüdsichtigung der finderreichen Familien eigentlich eine Selbstverständlichkeit ist und mir der Regierung Gelegenheit geben wollen, die Frage noch einmal nachzuprüfen. Wir müssen uns auch gegen die to m munistischen Anträge wenden, für die wir zwar volles Berständnis haben, weil ihre Tendenz in der Richtung der von uns betriebenen Bolitit liegt. Aber im jezigen Augenblick find diese Anträge, soweit sie die Streichung der Lohnsteuer im Januar und Februar betreffen, nicht nertretbar, weil wir unsere Aufgabe darin sehen, die Mittel dazu aufzubringen, die zur Unterstügung derjenigen Be pölferungsschichten dienen sollen. die gar tein Ein tommen haben. Die Forderung nach Erhöhung des Eristenz minimums haben wir ftets erheben, fie wird nicht mehr von der Tagesordnung verschwinden. Dieser Antrag muß bei den weiteren Beratungen des Steuerausschusses zur Verhandlung fommen. Im Augenblick müssen wir die dringendsten Wünsche erfüllen, aber wir werden bald wieder Gelegenheit nehmen, uns wieder über das Problem der Lohnsteuer zu unterhalten.( Lebhafter Beifall bei den Sozialdemokraten.) Abg. Dr. Horlacher( Bayr. Bp.) befürwortet gleichfalls den Antrag auf Abzug eines steuerfreien Betrages von je 600 Mart für Rinder über 18 Jahre, die eine fremde Arbeitskraft ersetzen. Staatssekretär Popik will nicht gelten lassen, daß es sich bei dem Antrag Dr. Horlacher nicht um eine Durchbrechung des Steuerinstems handelt: auf dem vorgeschlagenen Wege lasse sich das nicht burchführen. Es habe fein Einfommensteueraefeß gegeben, das eine folche Ausnahme zulaffe. Er bitte, den Antrag abzulehnen. Abg. Kling( Wirtsch. Baa.). Die Annahme des Antrages Horlacher würde nur einen Tropfen auf einen heißen Stein bedeuten, er ist aber trokdem zu unterstützen. Abg. Dr. Brüning( 3.) beantragt die Ueberweisung des Antrags an den Steuerausschuß. Der Antrag Horlacher wird dem Steuerausfuß überwiesen. Unfer Ablehnung aller weiteren Aenderungsanfrage wird die Borlage in der Faffung des Ausschuffes angenommen. Danach bleiben bei der Lohnsteuerte som Arbeitslohn jährlich 1200 m. euerfrei und zwar 720 m. als steuerfreier Lohnbetrag( jogenanntes steuerfreies Eriften3minimum), 240 m. zur Abgeltung der Werbungsfosten und 240 m. zur Abgeltung der Sonderleistungen. Außerdem bleiben steuerfrei für die Ehefrau und für jebes minderjährige Kind je 10 Broz. des nach Abzug ber 1200 m. verbleibenden Arbeitslohns, mindestens aber 120 m. Der Rest des Haushalts wird ohne weitere Debatte bis auf die Abstimmungen erledigt. Das Haus nahm darauf nach kurzer Debatte das Lippe- Gesetz in 2. und 3. Lesung in. Der Gefeßentwurf hat die Bildung einer Genoffenschaft zum Gegenstand. Es folgt die zweite Beratung des Entwurfs zur Aenderung des Gefeßes über die Bestellung von Mitgliedern des Reichsrates Abg. Dr. Badt( Soz.) endet. Im nationalen und der Deutschnöltischen abgelehnt. übrigen wird dieser Etat sowie der der Oberrechnungskammer und der Staatsschuld ohne wesentliche Aenderungen angenommen. Damit ist die dritte Etatberatung auch mit den Abstimmungen be. di Das Haus wendet sich dann der Abstimmung des Gefeßentwurfes zur Aenderung des Feld und Forst polizeigejeges in zweiter Beratung zu und nimmt die Vorlage ohne wesentliche Aenderungen in der Ausschußfassung an. Bei Versuch und Beihilfe zu Feld- und Forstdiebstählen sollen mildere Strafbestimmungen Blaz greifen. Das Haus fetzt hierauf die zweite Beratung des Gesetzes über die Bestellung von Mitgliedern des Reichsrates fort. Die eigentliche Regierungsporlage ist in der Debatte nicht umstritten; fie mill auch nur gemisse mahltechnische Uebergangsbestimmungen, die bisher für Ober- und Niederschlesien fowie für die Proving Grenzmart- Rosen- Westpreußen bestanden, und die nunmehr überflüssig geworden sind, streichen. Umstritten find nur die bereits erwähnten Ausschußbeschlüsse. Abg. Baeder( Dnat) lehnt für seine Partei die Ausschuß beschlüsse ab. gibt als Berichterstatter eine eingehende Schilderung des Kampfes um die einheitliche Abgabe der preußischen Stimmen im Reichsrat. Zwei Fragen stehen im Vordergrund der Erörterungen: 1. die Frage der Einführung der Stellvertreter und 2. die Frage der Möglichkeit, durch ein preußisches Gefeß die einheitliche Abg. Lauscher( 3.) geht näher auf die Materie ein. Er wendet Stimmabgabe im Reichsrat festzulegen. Es ist ein unhaltbarer fich gegen den 3wang einheitlicher Stimmabgabe der preußiSustand, daß im Behinderungsfall nicht der gleichfalls vom Brochen Vertreter im Reichsrat und verweist darauf, daß die Ausschußvinzialausschuß bestimmte gefeßliche Bertreter, fondern irgendein beschlüsse nur mit einer fleinen Mehrheit durch die Sozialdemokraten, anderes Mitglied irgendeiner anderen Broving eintritt. Auf diese Deutsche Volkspartei, Demokraten, Wirtschaftliche Vereinigung und Weise ist eine Provinz oft völlig unvertreten. So hat z. B. Oft Kommunisten zustande gekommen seien. Dadurch solle den Pro preußen bei feiner infularen Lage ein besonderes Interesse an vinzen ein Recht genommen werden, daß fie 4% Jahre unangetaftet der Bertretung. Was ist aber festzustellen? hatten zu begrüßen set bie beabsichtigte Bestimmung einer ein. gehenden vorherigen Fühlungnahme der Provinzialvertreter mit der Staatsregierung vor der Beschlußfassung in den Ausschüssen und im Plenum des Reichsrats. Aud) das Zentrum wäre bereit, einen Weg zu suchen, der die Zersplitterung der preußischen Stimmen nach Möglichkeit vermeide. Die Provinzen aber müßten die ihnen in der Befrassung gewährten Rechte wenigstens zum großen Teil behalten. Um eine nochmalige Beratung dieser wichtigen An gelegenheit zu ermöglichen, ersucht der Redner in einem Antrage um Zurüdverweisung der Vorlage an den Verfassungsausschuß. Das oftpreußische Mitglied des Reichsrats, Freiherr v. Gayl, war 3. B. bei 42 Bollfihungen des Reichstats nur in 19 felbft anwesend. War er verhindert, dann beauftragte er nicht seinen eftpreußischen Vertreter, sondern irgendein anderes Mitglied einer anderen Provinz. Der Ausschuß tritt deshalb dafür ein, daß im Falle der Behinderung jedes Mitglied verpflichict ist, mit der Bertretung feinen gewählten Stellvertreter zu beaufBertretung seinen gewählten Stellvertreter zu beauf tragen. Bisher wurde jedes Mitglied und sein Stellvertreter ge sondert nach den Grundsägen der Mehrheitswahl gemählt. Die Soder einen Wahlgang nach den Grundsägen der Verhältniswahl zialdemokraten haben deshalb im Ausschuß einen Antrag gestellt, vorsieht. Dieser Antrag wurde im Ausschuß nicht angenommen, wird aber im plenum neu gestellt werden. Bei der Frage der ein heitlichen Stimmabgabe der 26 preußischen Stimmen war sich die Mehrheit des Ausschusses darin einig, daß der bis. herige Zustand unerträglich ist. Die Ausschußmehrheit war der Auffaffung, daß der entscheidende Gesichtspuntt feinerzeit präzisiert wurde, daß die Regelung der Frage, ob einheitliche von dem Abg. Koch( Dem.) in der Nationalversammlung dahin Stimmabgabe oder Instruktion der Mitglieder oder nicht Breußen überlassen werden müsse. Reichsinnenministerium, wie aus einem Schreiben vom Diesen Standpunkt teilt auch das 2. September 1924 hervorgeht. Darin heißt es: Die Gestaltung des Stimmrechts der von den preußischen Brovinzialverwaltungen be stellten Mitglieder des Reichsrats im Rahmen des Artikels 63 der Reichsverfassung ist nach der Reichsverfassung eine Angelegenheit Breußens.( Abg. Lauscher[ 3]: Im Rahmen des Artikels 631) Jawohl, im Rahmen, weil Artitel 63 ausdrücklich die Worte enthält: in den Bolsitzungen des Reichsrats die Stimmen Preußens gemäß Nach Maßgabe eines Landesgesetzes." Der Ausschuß will also, das der Entscheidung in der Vorberatung einheitlich durch ein vom Staatsminifterium bestimmtes Mitglied abgegeben werden sollen. Jedem gewählten Mitglied foll es aber freistehen, feine abweichende Stellungnahme im Reichsrat bekanntzugeben. Die Weiterberatung wird dann unterbrochen. Ohne Debatte überweist das Haus einen Urantrag dem Hauptausschuß, der eine einmalige Beihilfe an die Beamten und staatlichen Angestellten verlangt. Dann werden die restlichen Abstimmungen zu den Etats vorgenommen. Beim Ministerium für Bolkswohlfahrt wird ein tom. munistischer Antrag, der das Staatsministerium ersucht, das in Bad Salzbrunn in Schlesien dem Fürsten von Bleß gehörige Kurhotel Schlesischer Hof" auf dem Wege der Zwangs enteignung zu erwerben und in ein Kinderheim für den Waldenburg- Neuroder Industriebezirk umzuwandeln, dem Ausschuß für Bevölkerungspolitik überwiesen. 10 Milderung der Arbeits- und Erwerbslosigkeit im be. Anträge des Zentrums und der Deutschen Bolkspartet auf fegten Gebiet finden die Zustimmung des Hauses. Gleichfalls An nahme findet ein Entschließungsantrag, der darum ersucht, zur völkerung in den Großstädten und Industrieorten zur Linderung der Notlage der Erwerbslosen und der verarmten Be lichen und kirchlichen Wohlfahrtsämtern zur BerFürsorge für den Winter unverzüglich Geldmittel den offent fügung zu stellen. In einem weiteren angenommenen Entschließungsantrag wird das Staatsministerium ersucht, Maßnahmen zu treffen, daß der Austausch von Gefundheitszeugniffen vor dem Eingehen der Ehe empfohlen wird. Annahme gegen Deutschnationale und Kommunisten fand auch der Antrag, in das Standesamtsprotokoll die Frage aufzunehmen:„ Sind Gefundheitszeugnisse ausgetauscht?" Gegen die gleiche Minderheit stimmte das Haus fchließlich dem Antrage zu, daß nach Ablauf von zwei Jahren durch Statistit festgestellt werden soll, wie sich der Austausch der Gesundheitszeugnisse eingeführt hat. wie fich der Austausch der Gesundheitszeugnisse eingeführt hat. Der fommunistische Antrag auf Aufhebung der Haus zinssteuer wird gegen die Stimmen der Kommunisten, der DeutschAbg. Dr. Badt( S03.) seht sich mit dem vom Abg. Baeder( Dnat.) demgegenüber den Standpunkt seiner Freunde dar. und Dr. Lauscher( 3.) vertretenen Standpunkt auseinander und legt Abg. Dr. v. Campe( D. Bp.) wendet sich ebenfalls gegen die Abgg. Baecker und Dr. Lauscher. Mit dem Standpunkt, in besonderes Recht dürfe nicht eingegriffen werden, mache man jeden Fortschritt unmöglich. Fühlung in Berlin mit den Provinzen sei wünschenswert. Ein Staat, der gezwungen iſt, in lebenswichtigen Fragen seiner eigenen Angelegenheiten auseinanderstimmen zu müssen, gibt seine Deutschen Bolkspartei.) Alle Vertreter, auch die von den Pro. Selbständigkeit und Ehre preis!( Lebhafte Zustimmung bei der J inzen bestellien, sind Bertreter der preußischen Re gierung! Das war auch seinerzeit die Auffassung einer Autorität wie Preuß sie war. Er hat immer betont, daß sämtliche Mitglieder dem Landtag verantwortlich find. Das ist doch nur bei einheitlicher Abstimmung möglich! Der Aug. Hausmann hat als Berichterstatter in Weimar ausdrücklich hervorgehoben, daß die nähere Bestimmung über die Stimmabgabe ausdrüdlich einem preußischen Landesgelege vorbehalten bliebe. Es fann fein zweifel sein, daß die einheitliche Stimmabgabe nach der Reichsverfassung zulässig ist.( Beifall bei der Deutschen Volkspartei.) trolle zu ermöglichen, stimme die kommunistische Frattion Abg. Schwenk( Komm.) erklärt, um eine parlamentarische Kon für die Ausschußbeschlüffe. Fraktion eingenommenen Standpunkt fest. Es handle sich um den Abg. Falf( Dem.) hält trop aller Angriffe an dem von seiner Artikel 63 der Verfassung und Debatteredner hätten erflärt, daß auch der Schöpfer der Verfassung, Preuß, sich gegen die Aus legung wende, die aus den Beschlüssen des Verfassungsausschusses hervorgehe. Preuß, so betont der Redner, hat mir noch wenige Bochen vor seinem Tode erklärt, daß meine Auffassung von diesem Berfassungsteil die richtige ist und mich ermächtigt, dies öffentlich auszusprechen. Das Leben des Staates richtet sich nicht nach zivilrechtlichen Grundsägen, sondern nach den Notwendigkeiten des Augenblids. Abg. Prelle( D.Hannov. P.) lehnt die Ausschußbeschlüsse ab, foweit sie die einheitliche Stimmabgabe betreffen. Abg. Baeder( Dnat.) wendet sich gegen die Auslegung der in Damit schließt die Aussprache. Frage fommenden Berfassungsteile durch den Abg. v. Campe. Ausschuß wird gegen Deutschnationale und Zentrum abgelehnt Der Antrag auf 3urudvermeifung der Vorlage an den Zentrum angenommen. In der Abstimmung in zweiler Lefung über die Vorlage wird der die Vertretung bestimmende Gejehesteil gegen Deutschnationale und der preußischen Vertreter im Reichstat wird in namentlicher AbDer Zwang zu einheitlicher Stimmabgabe stimmung entschieden. Diese Abstimmung ergibt die Beschlußunfähigkeit des Hauses, da nur 155 Mitglieder des Hauses ihre Karten abgegeben haben. Die Kommunisten, das Zenfrum und die Deutschnationalen sowie die Deutsch- Hannoveraner haben sich an der Abstimmung nicht beteiligt. Um 6 Uhr vertagt sich der Landtag auf Donnerstag 12 Uhr: Kleine Vorlagen. Im letzten Landtagsbericht wird ber Genosse 3achert als Redner der Partei für die Erwerbslofen der Textilindustrie an geführt. In Wirklichkeit hat zur Ermerbslofenfrage Genosse Sabath gesprochen, der die Gelegenheit benußte, um die Er merbslofemot zu schildern, die nicht nur bei den Textilarbeitern, fendern allgemein vorhanden ist. Wichtige Entscheidung im Lehrlingswesen] Die Allgemeinverbindlichkeit gilt auch für Lehrlinge. Der Deutsche Nahrungs- und Genugmittelarbeiterverband hat Das Washingtoner Arbeitszeitabkommen. At Soll Deutschland ratifizieren? mit den Unternehmern der Süßwarenindustrie einen für Seit die Internationale Arbeitskonferenz zu Washington im allgemein verbindlich erklärten Tarifvertrag abgeschlossen. Auf Grund dieses Tarifvertrages flagte der Konfiteurlehrling Neumann November 1919 faft einstimmig das Abkommen über die acht auf Zahlung des Tariflohnes cor dem Berliner Gewerbe der Arbeiterschaft der verschiedenen, für die Ratifizierung stündige tägliche Arbeitszeit angenommen hat, ist von gerichte. Die Kammer 14 des Gewerbegerichts wies den des Abkommens in Frage kommenden Länder immer wieder auf Kläger ab. Die beklagte Firma sei ein Handwerksbetrieb. eine solche Ratifizierung hingewirkt worden. Die Beschlüsse vieler Die Allgemeinverbindlichkeit des Tarifs erstrecke sich auf den Hand- Kongresse, sowohl der Landeszentralen wie auch der Internationale, werfsbetrieb bezüglich der Regelung der Arbeitsverhältnisse der zeugen für dieses Bestreben. Was demgegenüber an positiven Er Lehrlinge nur insoweit, als nicht durch Handwertsfam folgen bisher zu verzeichnen ist, scheint gering. Die Schwierigkeiten mern und Innungen innerhalb ihrer gesetzlichen Befugnisse liegen nicht zuletzt darin begründet, daß ein Land mit der anderweite Bestimmungen getroffen find oder getroffen werden. Ratifizierung vorangehen will. Diese Schwierigkeiten könnten Zur Beantwortung der Frage, ob dem Kläger trotz der Regelung eigentlich dadurch als behoben gelten, daß das Abkommen Ratififa die Rechte aus dem allgemein verbindlichen Tarifvertrage bezüglich verschiedenen Staaten vorsieht. Hinzu kommt aber tienen mit der Bedingung der Gegenfeitigkeit. tienen mit der Bedingung der Gegenseitigkeit unter grund feiner Entschädigung zustehen, entschied die Kammer 14 des Berliner fäßliche Abneigung gegen eine internationale Bindung Gewerbegerichts dahin, daß die Richtlinien der Hand- sozialpolitischer Natur. Demgegenüber sehen aber die Bestimmungen wertstammer maßgebend feien. des Washingtoner Abkommens feineswegs einen starren Achtstunden. tag vor; fie fennen auch ganz wesentliche Ausnahmen. Auf der anderen Seite hat sich Zur Begründung dieser unhaltbaren Auffassung wurde meiter ausgeführt: durchgefeht. über 48 Stunden: 24.3 Betriebe und 45,4 Personen babon über 54 Stunden: 4,5 10,7 ordnung vom 21. Dezember 1923 und nach Ratifizierung des Bashingtoner Abkommens und erhoben wird, so ist diese Forderung sowohl vom deutschen StandSchaffung eines neuen deutschen Arbeitszeitgesetzes erhoben wird, so ist diese Forderung sowohl vom deutschen Standpunkt wie von dem Grundfaz internationaler Berständigung aus durchaus gerechtfertigt. Die heute geltende Arbeitszeitverordnung fonnte nur erlassen werden unter Auswirkung der furchtbaren Inflationstrise und der Erschütterung des gewerkschaftlichen und sozialpolitischen Einflusses; sie ist auch vom Reichsarbeitsminister Brauns mehr als einmal als eine Notverordnung gekennzeichnet worden. Die heutige wirtschaftliche Situation aber ist anderer Art. Aus Zusammenbrüchen und Umstellungen heraus sucht die Wirtschaft heute wieder nach einer festen und fon fclidierten Grundlage ihrer Entwicklung. Gerade in dieser Situation ist auch die Konsolidierung der Grundlagen bes Arbeitsverhältnisses um so wichtiger. Die Arbeiterschaft will an dem Neuaufbau der Wirtschaft in jeder Weise mitwirken, aber sie wird nicht zulassen, daß Umstellungen der kapitalistischen Wirtschaft mit einem „ Der Reichsarbeitsminister meint in seinem Erlaß vom der Achtffundentag in den meisten Industrieländern praktisch Raubbau an den Kräften des Boltes 30. November 1920, daß sich die Befugnisse der Handwerkskammer nur auf die öffentlich rechtliche Seite des Lehrlingswesens In Deutschland erwies sich durch die letzte Statistit des ADGB.( Erin Anspruch nehmen, daß aus der Praxis und auch aus wissen. bezahlt werden. Außerdem können die deutschen Arbeiter für sich beziehen sollten. Nun ist aber wohl allerwärts anerkannt, daß die hebungswoche 3. bis 8. Rovember 1924, daß in sieben Berufen schaftlichen Untersuchungen heraus der Nachweis er Handwerkskammern Bestimmungen über Lehrzeit und Kündigungsgründe festlegen fönnen. Diese Befugnisse sind Metallindustrie, Schuh- und Textilindustrie) und in 14 verschiedenen der Arbeitszeit erbracht worden ist Die Einwände des Unter ( Baugewerbe, Buchdruckgewerbe, chemische Industrie, Holzgewerbe, hohter Arbeitsintensität und Leistung bei Verkürzung nicht öffentlichrechtlicher Natur und stehen im engsten Zusammen: Wirtschaftsgebieten von je 100 der erfaßten Betriebe und Beschäf- nehmertums, daß Bindungen sozialpolitischer Natur, wie die hang mit der Frage der Entlohnung. Es erscheint demnach nichtigten länger als 48 Stunden arbeiteten: angebracht, die Lohnfrage bei Lehrlingen herauszunehmen und Berfürzung der Arbeitszeit, die Leistungsfähigkeit der Wirtschaft be uszunehme tariflicher Regelung zu unterwerfen." einträchtigten, find so alt wie die Sozialpolitit selbst. Sie sind durch die Entwicklung stets widerlegt worden. In diesem Zufemmenhang find auch die Lohnfonflikte zu betrachten, bie in legter Beit start in den Bordergrund getreten find. Ganz aligemein bedeuten geringe Löhne natürlich immer eine Gefahr für die Einhaltung verfürzter Arbeitszeit. Um das zum Leben Notwen digfte zu verdienen, wird diese und jene Arbeitergruppe gezwungen fein, Ueberstunden auf sich zu nehmen. Hier fönnte die Festlegung des Arbeitstages eine starte Gegenwehr fein. Sie beseitigt diesen sozialen Notstand, indem sie das Arbeitsverhältnis von dem Kampf um die Arbeitszeit befreit. In der Berufungsinstanz wurde diese Entscheidung aufge hoben. Das Urteil der 8. Zivilfammer des Landgerichts I Berlin vom 22. Ottober 1925( 23 S 61/25) besagt: Damals fonnte also bereits für mehr als die Hälfte der deutschen Arbeiterjchaft der Achtstundentag bzw. die Achtundvierzigstundenwoche als zurüderobert gelten. Eine Um „ Das Gericht, ist mit der herrschenden Lehre der Ansicht, daß frage vor furzer Zeit ergab. daß inzwischen weitere Rüdder Lehrvertrag tatsächlich ein Arbeitsvertrag gewinnungen zu verzeichnen find. Man könnte demgegenüber ist, denn er enthält auf der einen Seite des Lehrlings Pflichten zur vielleicht einwenden, daß das Bild der Arbeitszeit in Deutschland Leistung von Diensten zum Zwede der Berufserfernung und auf durch die immer mehr graffierende Kurzarbeit beeinflußt und der anderen Seite des Lehrherrn Pflicht der berufsmäßigen Aus- entſtellt wird. Demgegenüber muß festgestellt werden, daß gerade bildung. Diese Pflicht des Lehrherrn ist die Gegenleistung für die bei der letzten Umfrage des ADGB. die Verkürzungen der ihm geleisteten Dienste.( Vgl. Kastel, Arbeitsrecht, 1925, S. 145.) Arbeitszeit in Betracht gezogen wurden, die tariflich geregelt Unerheblich ist daher in dieser Richtung, ob der Lehrherr an den find. Der Tarif regelt aber bekanntlich nur die volle NormalarbettsLehrling eine Bergütung zahlt, wie dies jegt gewöhnlich geschieht, zeit. Wenn heute nun in Deutschland von der Arbeitnehmer. weil die wirtschaftlichen Verhältnisse es in den meisten Fällen den schaft mit besonderer Dringlichkeit die Forderung nach dem Lehrling Unterhaltspflichtigen nicht gestattet, ihn ausreichend dem Lehrling Unterhaltspflichtigen nicht gestattet, ihn ausreichend Beseitigung der allzu dehnbaren und ungenügenden Arbeitszeitver während der Lehrzeit zu unterstügen, während umgekehrt früher der Lehrherr eine Unterstügung erhielt. In der heutigen Zeit ist das ursprünglich familien ähnliche Erziehungsverhältnis zwischen dem Lehrherrn und Lehrling fast völlig verschmunden und der Lehr ling spielt heute fast allgemein die Rolle eines gering bezahlten Arbeitnehmers, deffen erwartete Leistungen im Betriebe häufig die Hauptveranlassung für den Lehrherrn sind, den Lehrvertrag abzuschließen. In der Begründung des Urteils heißt es weiter: „ Aus dem Ausgeführten folgt, daß die Lehrlingsverhältnisse durch Tarifvertrag geregelt werden fönnen und daß insbeson dere die Höhe der an den Lehrling zu zahlenden Ber gütung der tariflichen Regelung unterliegen kann. Nun hat der Beklagte im Hinblick auf die Bestimmung unter Nr. 5 der Allgemeinverbindlichkeitserklärung Richtlinien der Handwertstammer zu Berlin über die Höhe der Lehrlings. entschädigung vorgelegt und behauptet, daß diese Richtlinien bindend feien, so daß sich die Allgemeinverbindlichkeitserklärung auf die Bestimmung des Tarifvertrages über die Lehrlingsentschädigungen nicht beziehe. Dies trifft aber nicht zu. Es fann dahingeftellt bleiben, ob die Richtlinien tatsächlich zivilrechtlich bindende Wirkung haben oder nicht. Die Handwerkskammer selbst stellt sich, wie aus einem Protokoll der Vollversammlung vom 9. April 1924 hervorgeht, auf den Standpunkt, daß es sich dabei um Bedingungen nicht handelt. Arbeiter- Kultur- Kartell Groß- Berlin Weihnachtsausstellung vom Freitag, den 11. bis Mittwoch, den 23. Dezember, in sämtlichen Räumen des Gewerkschaftshauses, Engelufer 24-25, geöffnet wochentags 2-8 Uhr, Sonntags 10-7 Uhr. Stunft und Gebrauchskeramik Bücher Wohnung und Hausrat 8medmäßig und schöngestaltete Möbel nach Entwürfen von Bruno Laut, Spannagel, Müller- Berchtesgaden Radierungen, Lithographien und Zeichnungen von Käthe Kollwig, Wilhelm Defterle, Hellmuth Krommer, Karl Hol Der Besuch der Ausstellung ist unentgelflich LJUERGENS ALEXANDER PLATZH- S dons Haus der Der Massen- Einkauf Maßgebend ist aber allgemein, inmiemeit der Präsi dent der Reichsarbeitsverwaltung durch Ziffer 5 seiner Entscheidung die Bestinumungen der Innungen und Handwerkskammern der tariflichen Regelung vorgehen lassen wollte. Denn es hängt allein von seiner Entscheidung ab, wie weit er die Allgemeinverbindlichkeit ausdehnen lassen will. Nun steht aber der Präsident der Reichsarbeitsverwaltung, wie dem Gericht bekannt ist und wie auch aus seiner bei den Aften befindlichen gutacht lichen Aeußerung vom 4. Februar 1925 hervorgeht, ständig auf dem Standpuntt, daß die Handwertstammern und Innungen nur für die Regelung der öffentlich. rechtlichen Seite des Lehrlingsverhältnisses zuständig seien und daß sie nicht zwingend in die rein privatrecht gestattet mir folgendes billiges Angebot lichen Beziehungen zwischen den Lehrmeistern und den Lehrlingen eingreifen tönnen. Daraus folgt, daß der Präfident der 100 000 Liter Fruchtweine Reichsarbeitsverwaltung auch die Allgemeinverbindlichkeitserklärung vom 26. November 1924 nur durch solche von Handwerkskammern Peidelbeer- u. Apfelwein Fruchtwein, Portweintyp und Innungen getroffenen Bestimmungen eingeschränkt Johannisbe.rwein wijsen wollte, die sich auf die öffentlich rechtliche Seite Stachelbeer- u. Kirschwe'n des Lehrlingsverhältnisses beziehen, daß die geregelten Bestimmun gen dieser Stellen über privatrechtliche Beziehungen von Lehrherrn und Lehrlingen die Allgemeinverbindlichkeit nicht ein ränten follten. Demnach standen die Richtlinien der Handwerkskammern ber auf der Allgemeinverbindlichkeitserklärung beruhenden Anwendbar. keit der tariflichen Bestimmungen über die Lehrlingsentschädigung nicht im Bege. Somit war unter Abänderung des ersten Urteils der Beklagte dem Klaegeantrage gemäß zu verurteilen. Die Gewertschaften sind nach dieser Entscheidung zweifellos berechtigt, die Koffgeldentschädigung der Lehrlinge tariffh zu regeln, wie dies in den graphischen Gewerben und anderen seit Jahren geschieht, selbstverständlich mit Zuftimmung der Arbeitgeber. Jedoch nicht nur die Lehrlingsentschädigung, sondern die arbeitsrechtlichen Verhältnisse der Lehr linge überhaupt. Die Richtlinien" der Handwerkskammern für die Regelung der Koftgeldfäße sind nicht zwingender Art. Die Befugnisse der Innungen und Handwerkskammern beschränte fich auf die öffentlichrechtliche Seite des Lehrlingswesens. " Bergeblich bekämpften in diesem Falle zwei Vertreter der Handwerkskammer die tarifliche Regelung der Lehrlingsentschädigung, jedoch ohne Erfolg. Anstatt sich als öffentlichrechtliche Ver tretung des Handwerts mit den den neuzeitlichen Verhältnisser. süß, 14%, m. Steuer Ltr. M. 0.87 • " 99 0.96 1.02 . " 1.08 75000 Liter Südweine unverschnitten, mit Steuer Tarragona süß 17% Malaga 16% Samos( Krankenwein).. Douro Portwein 20% Ltr. M. 1.50 durbar T to 99" 99 99 " 1.74 2.07 2.70 11: S 35000 FI. Rot- u.Weißweine Serie 1 mit Steuer nur M. 0.90 2 3 ㄌ 132 99 99" 180 $ 236 Erstklassige Spirituosen la Aquavit, 35%. Ltr. M 2.95 0 S la Jam.- Rum- Versch. ca. 45 la Jam.- Rum- Vers( Teerum) ca 55% Die bek. Süßkind- Liköre ca. 38% Kostproben gratis 4.45 ช 5 20 4.45 " Ausschank direkt vom Faß Likör- Fabrik u. Welngroßhandlung Eduard Süsskind entsprechenden maßgebenden Entscheidungen des Reichsarbeits- Hauptgeschäft: Brunnenstr. 42-43 ministeriums endlich vertraut zu machen und so zur Befferstellung Verkaufsstellen meiner Fabrikate: der Lehrlinge und damit zur Förderung des Lehrlingswejens bei Berlin N: Chausseestr. 76( an der Panke) zutragen, fämpfen sie gegen Windmühlen, indem sie sich die Moabit: Wilsnacker Str 25, Ecke Birkenstr. rüdständigen engherzigen, fleinlich- profitlichen Auffassungen der Innungsmeister zu eigen machen. Mehr noch als bisher werden die Gewerkschaften sich der Lehr. linge annehmen und die Möglichkeit des Durchhaltens während der Behrzeit verstärken. Beiter zeigt dieser Fall erneut, wie notwendig die Neuregelung des Lehrlingswesens ist, die trotz aller Entwürfe immer wieder verschleppt mird. Wieviele Jahre sollen noch darüber nergehen, bis die gefeßliche Neuregelung endlich erfolgt? 08 Steglitz: Schloßstr. 121 Keukölln: Berliner Str. 13 Berlin 0: Koppenstr. 87 Achtung! Neueröffnung am 22. Dezember Berlin SO: Grunauer Str. 15 Berlin N: Mollerstr. 144 Bon dem Kampf um die Lohnhr he fann es dagegen auf gesetzlicem Wege nicht befreit werden. Die deutsche Wirtschaft, vor große Umstellungen und Aufgaben gestellt, hat ein Interesse baran, alle Erschütterungen der Produktion auszuschalten, die zu vermeiden sind. Ais ein Mittel zu diesem Ziel sehen die Gemertschaften in erster Linie die Schaffung eines Geseges über den Acht. stundentag an. Wenn dieses Gesetz im Rahmen eines allge meinen Arbeiterschuhgesezes erlassen werden soll, mie der Reichs. arbeitsminister es angefündigt hat, so brauchen grundsägliche Bedenken gegen diese Form nicht erhoben zu werden. Die Ralifizierung des Washingtoner Abkommens aber muß gefordert werden aus dem Grundjag einer möglichst gleichmäßigen Gestaltung der sozialen Berhältnisse in den zueinander in mirtschaftlicher Beziehung stehenben Ländern. Abgesehen davon, daß durch ein solches gleichmäßiges Borgehen der Hinweis der Unternehmer aller Länder auf die größere Ronkurrenzfähigkeit des sozialpolitisch weniger gebundenen NachbarStaates hinfällig mird, liegt es gerade auf der Linie der auch von Deutschland nunmehr entschieden vertretenen Politik der inter nationalen Abmachungen, wenn den Uebereinkommen der intera nationalen Organisation der Arbeit und den Beschlüssen der internationalen Arbeitsfonferenzen Geltung verschafft wird. Die Kruschen- Kraftprobe! Unternehmende, energische und erstklassige Geschäftsleute erobern täglich die Welt durch eine Kette von wohl bewiesenen Kraftproben. Jedermanns Geschäftskarriere in der Welt beruht darauf, dass er jedes einzelne kleine Glied in der Kette der Kraftproben, aus denen die Welt besteht, so vollkommen ausführt, dass er sich durch seine Leistungen den Platz an der Sonne erzwingt. Aber bedenken Sie, dass nur ein Mann mit klarem Kopf und gesundem Körper eine wahre Kraftprobo bestehen kann. In Kaffee cder Tee nicht zu schmecken! Eine ganz kleine Messerspitze voll jeden Morgen in die erste Frühstückstasse! In Apotheken und Drogerien M. 3, pro Glas, für 3 Monate ausreichend. 13 Geben Sie jeden Tag Ihrem Magen, Blut, Nieren und Leber die Möglichkeit, sich in guter Ordnung zu erhalten. Beginnen Sie Ihr Tagewerk mit einem leichten Magen, woraufhin Sie besser arbeiten werden. Frühmorgens in der ersten Tasse Kaffee oder Tee eine kleine Dosis oder Kruschen, das hilft Ihnen, Nieren, Leber, Blut und, Magen von allen Unreinigkeiten und Ablagerungen, d. h. von dem, was sich gleich Gift in Ihrem Körper auswirkt, zu befreien. Versuchen Sie stets auf die Erhaltung Ihres normalen Körpergewichtes zu achten, das wird auf dem Wege zu Leistungen, zu Kraftproben die wichtigste Etappe sein. In Tall sing o அழ் Die erste Vorbedingung aber zur Erhaltung des normalen Körpergewichtes ist ein gesunder Stoffwechsel, und Kruschen erhält den Stoffwechsel gesund. Kruschen Salz sqbil ledne odli2 coll Die tägliche kleine Dosis macht es Beuthien& Schultz G. m. b. H., Berlin N 39, Pankstrasse 13/14. 7 Parteinachrichten Einsendungen für diese Rubrik find Berlin B. 68, Lindenstraße 3, für Groß- Berlin ftets an bas Bezirkssekretariat, 2. Sof, 2 Trev. rechts, au richten 4. Kreis Prenzlauer Bern. Bücherfreismitglieder! Desemberblicher und Sefte fönnen beim Genossen Morana, Danziger Str. 46, abgeholt werden. Heute, Donnerstag, den 17. Dezember: 79. 6t, Schöneberg. Pünktlich 8 Uhr im Lotal Lettlih, Sedanstr. 60, Borftandssigung. Sämtliche Bezirksführer müffen unbedingt erscheinen. Morgen, Freitag, den 18. Dezember: 7. 96t. 7 Uhr in Röhlers Feftfälen, Tiedftr. 24, Mitgliederversammlung. Bortrag: Der internationale Achtstundentag". Referent: Martin Stein. 49. Abt. Schwerhörige. Pünktlich 7 Uhr in der Juristischen Sprechstunde, Lindenstr. 3, part., Bortrag: Die gegenwärtige politische Lage". Referent: Franz v. Buttkamer. 103.104. bt. Ober- und Niederschöneweibe. Genoffinnen und Genoffen! Be teiligt euch an der Weihnachtsfeier der Sozialistischen Arbeiterjugend im Lofal Jmberg Oberschöneweibe, Wilhelminenhofstr. 36, am Freitag, 18. Dezember, 7% Uhr. Karten an der Abendkaffe. Jungsozialisten: Am Sonnabend, 19. Dezember, Weihnachtsfeier in Finkenkrug, Gasthaus Supte, am Bahnhof. Genoffe Mennice hält die Feftansprache. Außerdem Musikvorträge, Regitationen, Gesang, rhythmische Tänze. Gäste find willkommen. Heute, Donnerstag, den 17. Dezember: Gruppe Neukölln I und II: 8 Uhr im Jugendheim Nogatftr. 11/12. Bortrag: Norbert Einstein: Konzerndämmerung in Deutschland". Gruppe Bankow: 7% Uhr im Jugendheim Breite Str. 32 Bortrag: Strafjuftig oder Erziehung". Referent: Ernst Ruben, Gruppe Brenzlauer Berg: 8 Uhr im Jugendheim Danziger Str. 62( Baraden) Bortrag: Grundfragen der Sozial politit" Referent: Otto Bach. Gruppe Friedrichshain: 7 Uhr im Jugend heim Tiffiter Str. 4 Gruppenabend. Gruppe Charlottenburg: 7% Uhr im Jugendheim Rosinenfte. 4 Bortrag: Baneuropa als tapitalistisches oder fozialistisches Gebilde". Gruppe Treptow: Die Genoffen treffen fich heute abend in der Gemeindeschule Wildenbruchstraße aur Sonnenwendfeier der proletari Ichen Rinderfreunde. Freitag, 18. Dezember, äußerst wichtige Besprechung 7.Uhr im Jugendheim Elsenstr. 3. Erscheinen aller Genoffen ist unbedingt erforberit. 2e Genoffen werden erfuht, thre Beiträge bei ben Genoffen Herbert Bewalde, Clfenftr. 41, fofort abaurechnen. Morgen, Freitag, den 18. Dezember: Gruppe Bankwik: Bünktlich 8 Uhr im Lokal Sportede, Raiser- WilhelmStraße 43, Mitgliederversammlung. Die Borsbandshikung findet bereits um ftraße 15 politische Ausfprache. 7 Uhr flatt.- Gruppe Schöneberg: Bünktlich 8 Uhr im Jugendheim HauptArbeitsgemeinschaft ber Kinderfreunde. Gruppe Neukölln: Außerordentliche Selferfikung am Sonnabend, 19. Dezember, 6 Uhr, in der Barade Gangbofer ftrake. Thema: Die Berliner Bewegung". Gruppe Prenzlauer Berg unb Norden: Weihnachtsfeier am Donnerstag, 17. Dezember, pünktlich 7 Uhr, in der Schulaula Greifenhagener Str. 58. feftansprache: Clara Bohm- Schuch. Bereinigung fozialbemokratischer Stubenten. Arbeitsgemeinschaft über außenpolitische Probleme in der Sofchule für Bolitit, Sörfaal II, am Frei tag, 18. Desember, 8% Uhr pünktlich. Bortrag: Anschluß Deutsch- Defter reichs". Bortragender: Dr. Räuscher, Chefredakteur des Reichsdienstes der deutschen Breffe. Jugendveranstaltungen. Heute, Donnerstag, den 17. Dezember, abends 7% Uhr: Friedenau: Jugendheim Offenbacher Str. 5a. Weihnachtsfeier. Ertner: Jugendheim auf dem Rund der Genossenschaft. Bortrag: Der deutsche Bauerntrieg" 2. Teil Johannisthal: Rathaus am Rönigsplan. Aussprache: Unser Weihnachtsfeft". Werbebezirk Kreuzberg: Jugendheim Reichenberger Str. 66. 8 Uhr Borftandsfikung. Abteilung Rieberschöneweibe: Freitag, 18. Desember, 18 Uhr, Winterfonnenwendfeft im Gaal von Ineberg. Oberschöneweide, Wilhelminenhof 36. Mufit, Brolog, Anfprache, Boltstänze. Aufführungen. Vorträge, Vereine und Versammlungen. 9 Reichsbanner Schwarz- Rof- Gold". Gefchäftsstelle: Berlin S. 14. Sebaftianstr. 37/38, Sof 2 Tr. Tiergarten. Ram. Stephan und Arminius Gonntag d. 20., porm. 8,30 Uhr, Antreten Bhf. Butligstraße. Weißenfee. Do., d. 17., 7.30 Uhr, Mitgl.- Berf. Grüner Baum, Berliner Allee. Bortrag Ram. Sahn: Bolitische Lage und Reichsbanner". Eichwalde. Gonntag, d. 20., nachm. 4.30 Uhr, Weihnachtsfest, verbunden mit Bescherung der Kriegshinterbliebenen und Bedürftigen. Untergruppen und befreundete Ramerabschaften find herz lichst eingeladen.( B.- Anzug.) Borm. 9 Uhr Blodführer bei Gnauert. Da felbft Spendenannahme. Sanbsmannschaft ber Salesmin- Sollteiner Berlin. Donnerstag, 17. Des sember, 8 Uhr, bei Effer, Röpenider Str. 70a, defchäftliche Gikung. Gonntag 27. Dezember, Beihnachtsfeier im Dresdener Rajino, Dresdener Str. 96. Landsleute find willkommen. Berband fozialistischer Abstinenten, Gau Berlin- Brandenburg Freitag, 18. Desember, 7% Uhr, gemeinsame Sufammenkunft mit Arbeiterjugend und Sungfozialisten im Jugendheim der Raulsdorfer Schule. Georg Davidfohn fpricht über die Gefahren der Großstadt für die Jugend. Freie Bereinigung von Sternfreunden, Berlin. Sonnabend, 19. Dezember, 8 Uhr, Salenfeer Sütte", Ede Kronprinzendamm( an der Salenfeer Eisene bahnbride). 1. Bortrag des Borfikenden: Der Chriftusftern". 2. Ausfprache. Gäste erhalten Rutrittskarten vom Borsisenden G. Freund, Westfälische Str. 27a, bis zum 18. Dezember gegen 20 Bf. für Unfoften. Geschäftliche Mitteilungen. Sausfrauen! Der Geldbeutel merit's! Früher brauchten Sie amei Dosen Bohnerwachs, ieht nur eine in derfelben Reit, wenn Sie Bichsmädel" vermenden! Dadurch, daß es nur bauchdünn aufgetragen werden darf, tit es fo fparfam jm Berbrauch, dabei aber mühelos zu verreiben und von angenehmem milden Geruch. Es gibt überraschend schnell prachtoollen, dauerhaften Spiegelalana und eignet sich nicht nur für Barkett, Linoleum, Steinholz- Fußboden, fondern auch für gestrichene Bäden, für Möbel, Leber, Bettstellen ufm. Klassiker- Ausgaben des Volksbühnen- Verlages Goethe 6 Bände Schiller 4 Bände Shakespeare 6 Bände Hebbel 4 Bände Grabbe 2 Bände Buchhandelspreis M. 4.25 p. Band, für unsere Leser Vorzugspreis M. 3.- p. Band Zu beziehen durch sämtliche Ausgabestellen des Vorwärts". SONDER- ANGEBOT * *** fesche jugendliche gute Crêpe de Chine- Kleid uiliat, in vielen modernen Farben 2950 Damen- Wäsche Hemdhosen form, mit Stickerel garniert 35 aus gut. Hemdentuch, Windel- 390550 Kasak. aus gutem, baumwollenem Flanell, mit Täschchen nett verarbeitet... Jumper 375 Jumper reine Wolle, in modernen, iarbigen Streifen und guter Ausführung... Schottenmuster, 0 Prinzessröcke form. schöne Stickereien 355 offen n. geschlossen zu tragen, mod. De Strickwest Original aus gut. Wäschestoff, Jumpersas gutem kunstgeld. Trikot, 390550 Hemdhosen in verschied. Ausführungen Unterkleider in sem steeld, Trikot, 345475 aus gutem grossem Farbensortiment Form 550 Kasak u gemas Acme in and aus gemustertem Crêpe, Kragen, in modernen Farben. mit langen Aermeln Farben 950 590 1575 690 Unterrock 375 Damen- Trikotagen Damen, Bw., Schlüpferfarb, n. anger. Futt. 19 95 Kunstselde Damen- Hemdchen wels, feingewirkt, 245 fbg, gut.Fabrik. 295 coht Mako, cm lang gewirkt, aus Halbtuch, mit plissiertem Volant..... Damen- Hemdhosen echt Mako, Grosses 360 Schuhwaren Morgenröcke aus gutem Flauschstoff, fesche Morgenröcke ans gatem Flauschstoff, velch 850 Spangenschuhe Lederart, schöne Morgenjacken Farben bestickt schied. Formen und Lederarten, auch in Wildleder. 1800 verschiedenen$ 1250 50 Spangenschuhe elegant, in- ver- 00 Lackspangenschuhe, Wiener ans gutem Flauschstoff, in vielen 450 moderne. Formen Taschentücher Damen- Tücher hoher Absatz, elegante Form Weles, Battet 40P. p. 225 Damen- Trikot weiss, mit Ripskante und Hohlsaum..... Stück Dtz. Fabrikat 50 Damen- Eislaufstiefel 2650 14.50 Damen- Handschuhe Kinder- Tücher weiss Linon. 18PL 95PL. 2 Druckknöpfe, mit warmem Halbfatter...... mit farbiger Kante.... DizStück weiss Batist, mit farbig geDamen- Trikot Kinder- Tücher stickt, Bildern, St. Im Kart. 75Pf. mit moderner Aufnaht, 2 Druckknöpfe.......... Marke„ Fuchs", vorzügliche Qualität...... A 25 Damen- Schweden mitiert 125 mod.Autnaht, durchgehend getüttert, 2 Druckknöpte 75 Damen- Nappa- Stepper 175 2 Druckknöpfe...... HERMANN TIETZ Die Genoffin Emilie Kaliski feiert heute ihr 25jähriges DienstDeutscher Metallarbeiter- Verband jubiläum im Friedrich Wilhelms Achtung! Einrichter u. Revisoren! Hospital in der Palisadenftiage 37. Bir gratulieren herzlich! Der Fraktionsvorstand Bezirksamt Friedrichshain Am 14. vez starb nach schweren Leiden mein lieber Mann, der Maurer Franz Nikolaustraße 6. Einäscherung Freitag, 18. Dez., im Krematorium Gerichtstraße[ 13/9 Emilie Nitolaus, geb. Radke Am Dienstag, den 15. Dezember, Starb nach schwerem Zeiden mein lieber Mann, unser guter Bater, Schwieger vater, Großvater u. Ontel, der Töpfer Carl Thieme im 74. Lebensjahre Dies zeigt tiefbetrübt an Louise Thieme im Namen der Hinterbliebenen. Einäscherung Sonnabend, 19. Dez., nachmittags 4 Uhr, im Krematorium Baumschulenweg. Achtung! Die Branchenvertrauensmännerfonferenz fällt in diesem Monat aus Freitag, den 18. Dezember, vorm. 10%, 2hr, im Zimmer 28 des Berbandshauses, Cinienste. 83/85: Versammlung bad 495 der arbeitslosen Elektromonteure Mieten Sie von uns und Helfer Groß- Berlins, welche Mitglieder des Deutſchen Metall- Wäscherollen, arbeiter- Berbandes find. Waschmaschinen Achtung! Berwaltungsmitglieder! diese sind in 6 Monaten Jhe Eigentum. Freitag, 18. Dezember, abds. 7 Uhr IF Sigung der mittleren Ortsverwaltung. Tagesordnung: Fortfegung bes Vortrages des Kollegen Eggert. Auf Wunsch Sonder- Prospekt PRaddatz& C Berlin W66.Ceipzigerstr. 122-129 Verkäufe Pünktliches Erscheinen wird erwartet. Teppich- Reschke verkauft fpottbillige Sonnabend, den 28. Dezember Teppiche, Brüden, Bettvorlagen, Diwan ( 2 Weihnachtsfeiertag), vormittags beden ufm. Teilzahlung gestattet. 10 2hr, im Barterrefaal bes Reuföln, Ralfer- Friedrich- Straße 5. Berbandshause, Linienstraße 83 85: Reikzeuge( Richter- Bräzision), Gimer Sonderangebot! Versammlung der Aussenmonteure.beits- Golfünfeberhalter. Bureaubebarfs Fabelhaft billig fönnen Sie von Fabrit funftseidene Tritotitoffe in flemniten Mengen taufen Günstige Gelegenheit für !! Weihnachtsgeschenke!! Hedrich& Co. Gr Frankfurter Str. 137 Industriepalaft, Mittelhof. Aufa J part 2. Ging.: Fruchtfie. 57/58 Neukölln. Raifer Die Tagesordnung wird in der Friedrich- Straße 36/37. Bersammlung bekanntgegeben Mitgliedsbuch legitimiert. DasErscheinen aller Kollegen wird erwartet. Die Ortsverwaltung. Der gute KapitänKaufabakst in den meisten Zigarrenceschäften erhältlich C. Röcker, Berlin Lichtenberger Straße 22. Kgst. 3861 ristall, Schildpatt, K Silber, Elfenbein. Kopp& Joseph, Berlin W., Potsdamer Str.122. KrauseRaumann Rähmaschinen für Sausge brauch und Gewerbe. Teilzahlung. Re paratur- Bertitatt für alle Snfteme Emil Salbarth 6 m. b. S. Friedrich ftraße 55a. Merkur 6268. Bekleidungsstücke, Wäsche usw 245 490 Leipziger Str. Alexanderplatz Frankfurter Allee marine, m. warm. 440 Damen- Reformhosen anger. Fatt, Gr4 Damen- Strümpfe m. Doppelsohle, mit Doppelsche 95rt-Prima Baumwolle und Hochterse... Pa.Mako od. Seidenflor och Naht 150 Kaschmir reine Wolle. Is Qualität.. albin Unsere matt Damen-, Herren- u. KinderFrisierAbteilungen 295 Leipziger Strasse neu eröffnet Alexanderplatz erweitert sind sehenswert! Wenig getragene Ravaliergarderobe Teilzahlung. Möbel jeder Art. Ge von Millionären, Aerzten, Anwälten. ringe Anzahlung, bequeme Abzahlung. Fabelhaft billige Breife. Empfehle Möbelhaus Luifenstadt, Röpenider Taillenmäntel, Baletots, Frads, Smo- Straße 77/78, Ede Bridenstraße. fings, Gehrodanzüge, Sofen. SportUnterricht Schnellfurfe. Englisch, Französisch, Gebpelze. Gelegenheitstäufe in neuer Möbel. Möbelfpeicher. Neue und gebrauchte Deutsch. Rorrefpondenz, Auslandsstudi Garderobe. Beitefter Bea lohnend. Cukowstraße 95. Geöffnet bis 7. Teilzahlung ohne Auffchlag. unt. Urbanstraße 176. Lothringerstraße 56, 1 Treppe, StofenBerlin School. Frembe Sprachen. Leip thaler Blak. Windhorft Möbeltischlerei, Brunnen. Aigerstraße 123a, Ede Wilhelmstraße, Getragene Serrengarderobe, tabellos rake 162, verkauft birelt an Brivate Tauenzienftraße 19a. Cinzel- und Rittelerhalten. Gelegenheitsfäufe in Bela Serrenzimmern. Schlafzimmern, Rüchen. Großläger in Sveifezimmern, unterricht. Eintritt iederacit. waren, aroke Auswahl, billige Breife. Einzelmöbeln. Qualitätsarbeit Reine Lombardware. Leihhaus Spiegel, aller Möbel. Chauffeeftraße 7. Sonntags acöffnet.biliaft. Befuch unbebinat lobnend. Gefchäftsauflösung. Damenmäntel- ReftWeihnachtsangebate, Herrenzimmer often, auch in Badfiſchgrößen, nut betrenimiteren 37," Detten Am Boti" 450, Mita" 290, Vermietungen Wohnungen Arbeitsmarkt Stellenangebote. Die Stelle des hiesigen Stadtfyndifus noch wenige Tage au spottbilligen Breimer Sutem" 525, Herrenzimmer Mis Grodi" fen an Brivate. Sonntag von 2-6 Reubenwohnungen ohne Bauzufchuk. geöffnet. Mohrenftr. 29/30, 1 Treppe. To" 650. Einzelne Bücherschränke, runde Auskunft erteilt Breußische WohnungsWenig getragene Anzüge, inter- Raftanienallee 56. Tifche, billig. Möbelhaus Ramerling, und Giedlungs- Baugenoffenfchaft, Rur fürftenstraße 21. 10-1 und 3-6%. paletots, Gefellschaftsanauge, terpulente Figuren, ftaunend billta. Stak, felther feffel in Leber, Gobelin, Standuhren, Baffende Weihnachtsgeschenke! Rlub. Muladftrake, leht nur Gormannstraße Seefische. Nähtische, Klubtische. Steh 25/26 und Mariannenstraße 26. Tampen, Kredenzen, Genfationeller Riefen- Weihnachtsver. Bücherfchränke, Schreibtische in Eiche Klavierfeffel, tauf! Staunenerregend! Belamäntel unb Nußbaum. Reichfte Auswahl! 150.-, Belajaden 65.-! Silberwölfe Binigfte Breife! Berliner Möbelhaus, breikia! Rveusfühle fünfzehn! Monats Moris Sirschowik, Südoften, Staliker garderobe! Brachtteppiche 24.- Feder trake 25. Sochbahn Rottbuffer Tor. betten Stand 38.- 1 Steppdeden! Dimandeden! 2eichte Teilzahlung. Gardinenlager! Serrenzimmer, ( Reine Berfakware.) Teilzahlung. Bfandleih Speifezimmer, Schlafzimmer, Rüchen, ift zum 1. April 1926 neu zu befehen. Die ( Norbrina). Berkaufshaus, Schönhaufer Allee 115 Antleideschränke, Tifche, Flurgarderoben. Wahl erfolgt aur 12 Jahre. Gehalt nach) Sofas, Umbauten, Bettftellen, Klein Gruppe 13. Geeignete Bewerber, welche möbel. Große Auswahl. Rleine Staten. Die zweite juristische Staatsprüfung ab Wolweften 6,50, Seidenfchals 1.25, ahlung. Möbel- Groß, Große Frant- gelegt haben miiffen, wollen ihre Gesuche Seidentafats 3.50, Binterichlüpfer 2.25. furter Straße 141, Raftanienallee 103. unter Bei ügung von Zeugniffen bis zum Gärtlein. Invalidenfte. 152. Blüfofofas 50-, Chaiselongues 24.10. Januar 1926 dem Unterzeichneten einBettstellen, Matraken 20.-, Ausziehtisch enden. Beriönliche Borstellungen find 28. Rleiderfpind, Wäschefpind 35 einstweilen nicht erwünscht. Ankleideschrant mit Richeneinrichtung 35.-. Spiegel 100.- Osnabrüd, den 14 Dezember 1925, Berland auch nach außerhalb. Sellin. Gartenstraße 20. Th. Schwelgmann Bürgervorsteher- Wortiührer Musikinstrumente Möbel Moebel- Boebel, Oranienftraße 58( Mo. rikplak), Fabrilgebäude. Aeukerft nie brige Breife für einfache und elegante Schlafzimmer. Speifezimmer, SerrenBeihnachtsangebot auf Azebit! Riefentifche, Büfetts. Anrichten, runde Tische aimmer, Rüden. Bücherschränke, Schreib. angebot modernfter Damen garderoben. Standuhren. Untleideschränte alle Gro Salonflügel Serrengarderoben aller Art, sowie Ober. Ren, Sofas, Ruhebetten. hemben, Gardinen, Steppbeden Strid Rahlungserleichteruna. weften, Wäsche AU Badenpreifen. Steinmenerpiano( gelton), fleinfter ab Fabrit. Rahlungs Eventuell erleichteruna ohne Breisauffahlaa. Sarmonium billigst. Oranienftroke 166 III. Kleinfte Ratenzahlungen. Bei Bar- Möbeltrebit und bar an jedermann Bianos preismert. Klaviermacher zahlung ausnahmsweile 15 Prozent fleine Anzahlung. Gärifo, Stralauer in! Brunnenitrañe 35. Rabatt. Rredithaus Lükow, Likow.plak 1 Schleifcher Bahnhof Pianos, Flügel, Qualitätsmare, mehr ftraße 86 I, nahe Botsdamerstraße. Ankleibeschränte 110.-. englifche Bett- fach prämiiert. Riefenlager, äußerst Bettenverkauf! Neue Betten 17.50! ftellen 48.-. Blüschfofas, Cinaelmöbel. preiswert, Rahlungserleichterung. Ge 22.501 27.50! Brachtvolle 30.- 1 37.501 Bahlungserleichterung. Stein. nur Un brüder Rimmermann, Botsbamerftr. 27. Pianos Cinaelftilde! 42.- 1 Reine Bombard. tlameritraße 20. ware. Bettwäsche! Gardinen! Tud Rüchen, aparte Ausführungen, weiß. beden! Velamaren! fpottbillig. Leih- Birke, Elfenbein, naturlafiert, auch Einzelteile. Enorme Auswahl! Spielend Marfiliusstraße 2, eine Treppe, an leichte Teilzahlung. Moabiter Rreditder Großen Frankfurterstraße, laufen haus Turmstraße 81. eine Treppe. Sie Winter- Bekleidung für Damen und Batentmatragen, Auflegematragen, Me Serren auf Teilzahlung befonders preis- tallbetten, Chaiselongues, Balter, Star mert. Mäßige Anzahlung, Eleine Raten. garderstraße achtzehn. zur Miete Ansbacher Str. 1, Ecke Kurfürstenstraße aus Brunnenstraße 47. Kaufgesuche Rinnmetalle. Chriftionat, Röpenider trake 39( Adalbertstraße). Fahrräder fauft Linienftrake 10 Fahrrab fauft Wutte, Neukölln, Stein mes ftraße 80. 18/10 Redakteur gesucht Für den Seifischen Bolfsfreund" suchen wir alsbalo einen Rebaiteur, welcher als Spezialgebi t die heffifche Bolttit zu bearbeiten hat Erfordernis ist, daß er auch betäh gt tft. im Behinderungstall ben leitenden politischen Redakteur vertreten. Cintritt nach Uebereinkunft. 724 Ausführl. Angeb. mit Angab ber feitherig. Tätigkeit u ber Gehalts anfprüche an Genossenschaftsbruderei und Buchhandlung, Darmstadt, Nectarftr. 4, erbeten. Att