e. 59642. Jaheg Ausgabe A nr. 304 Bezugsprets: 233dentlich 70 Bfennig, monette 8 Reichsmart voraus ahlbar. Unter Areuzband für Deufchland, Danzia. Saar- und Memelaebiet, Lefterreich. Litauen, Zuremburg 4.50 Reichsmart, Für das übrige Cusland 5,50 Reichsmart pro Monat. Der Borwärts mit der Sonntags Beilage Boll und Reit mit Giebe Jung und Aleingarten fowie bez Beilage Unterhaltung und Wissen and Franenbeilage Frauenftimme ericeint mochentäglich ameimal, Sonntags und Montags einmal Telegramm- Abrene: Bezialbemetrat Berlin* de Morgenausgabe Vorwärts Berliner Volksblatt 10 Pfennig Anzeigenpreise: Die efxfpaltige Ronpareille teile 80 Bfennig. Reflamezelle 5 Reichsmart. Rleine Anzeigen" bas fettgebrudte Wort 25 Bfennig fauläffia amei fettgedruckte Worte). febes weitere Wort 12 Pfennig. Stellengefuche das erite Wort 25 Pfennig, tebes weitere Bort 10 Bfennig. Borte über 15 Buch Haben aählen für awei Borte. Arbeitsmarkt Reile 60 Pfennig. Familienanzeigen für Abonnenten Beile 40 Bfennia Knzelnen Hr die nafte Summer milffen bis 4% Uhr nachmittags im Sauptgeschäft. Berlin SW 68, Linden rake S, abgegeben werden. Geöffnet won 8% Uhr früh bis 5 Uhr nacm. Zentralorgan der Sozialdemokratifchen Partei Deutschlands Redaktion und Verlag: Berlin SW. 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Dönhoff 292-297. Freitag, den 18. Dezember 1925 Luther führt die Geschäfte weiter. Nene Entschließungen Hindenburgs vor dem 12. Januar. Amtlich wird mitgeteilt: Im Hinblick auf die heute vom Reichstag beschlossenen Beihnachtsferien des Parlaments ersuchte der Herr Reichspräsident den Reichsfangler und die Reichs minister, die Geschäfte auch fernerhin weiterzuführen. fernerhin weiterzuführen. Der Herr Reichspräsident wird seine weiteren Ent. fchließungen in der Frage der Neubildung der Reichs. regierung rechtzeitig vor dem am 12. Januar nächsten Jahres erfolgenden Wiederzusammentritt des Reichstages faffen. Zentrum und Regierungsbildung. Die Großze Koalition auch weiterhin als Ziel. Die Zentrumsfraktion des Reichstags trat nach der Plenar fizung zu einer Besprechung der politischen Lage zusammen. Ueber die Sigung wird parteioffiziös folgender Bericht ausgegeben: Die Zentrumsfrattion des Reichstags hat sich heute eingehend mit der durch die Ablehnung der Sozialdemokraten geschaffenen Lage befaßt. Sie hält ein mütig an ihrer bisherigen Auffassung fest, daß die Große Koalition allein den Erforder. nissen der Gegenwart entspricht und wird dieses Ziel auch weiterhin mit aller Entschiedenheit verfolgen. Auf Bunsch der Reichstagsfraktion wird der Borsitzende der Partei Reichstanzler a. D. Dr. Marg den Parteivorstand und die Vorftände der Zentrumsfraffionen des Reichstags und des Landtags nor dem Biederzufammentritt des Reichstags zu einer Besprechung über die zu unternehmenden Schritte einberufen." Deutschnationale Offerte. Sie wollen den neuen Rechtskurs führen. zu glauben, von Locarno her eine neue Reichsregierung aufbauen zu fönnen. Denn zur Erledigung stehen für die kommenden Monate nicht allein, außenpolitische, sondern vor allem auch ihwerwiegende innerpolitische wirtschaftliche Probleme. Der Anschauungsgegensatz zwischen den Sozialdemokraten und den bürgerlichen Parteien in allen diesen Dingen ist aber so groß, daß ein Zusammengehen und ein gemeinsames Handeln von vornherein unmöglich erschien. Wir ein gemeinsames Handeln von vornherein unmöglich erschien. Wir fangen von vorne an." Bon vorne: also da, wo die unter deutschnationalem Einfluß stehende Regierung Luther ihr für die deutsche Boltswirtschaft und die arbeitende Bevölkerung Deutschlands unheilvolles Wirfen begonnen hat. " Die Deutsche Tageszeitung" fagt es noch deutlicher. Sie zitiert die Erklärung der sozialdemokratischen Reichstagsfraktion, daß sie meiter um ihr Programm tämpfen merde, und fährt dann fort: Jedenfalls beweist die bedingungslose Festlegung auf dieses Programm, was eine Große Koalition mehr oder weniger ver. schleiert hätte: daß mit der Sozialdemokratie teine prattische Wirtschaftspolitit zu treiben ist, namentlich nicht in einer Zeit, in der der Begriff intensive Arbeit" an der Spitze zu stehen hat und in der Sozialpolitikaster die schlimmsten Feinde derer sind, für die sie angeblich sich einfeßen wollen. Mit der Erhebung ihrer wirtschaftlich und finanziell unmöglichen Forderungen vom 10. Dezember zu programmatischer Be deutung schließt sich die Sozialdemokratie von selber von der prat tischen Mitarbeit an der Ueberwindung der gegenwärtigen mirt fchaftlichen Nöte aus. Sie begibt sich damit in grundsätzliche, gewollt unfruchtbare Oppofition und zwingt die verantwortungsbewußten Kreise in Wirtschaft und Politit, jeden Rettungsversuch in der Die deutschnationale Presse hat vor den Verhandlungen über die Boraussetzungen einer Großen Koalition der Deutschen Bollspartei zugeredet, daß das Programm der Sozialdemo- tration auf der anderen Seite auslösen." fratie unannehmbar sei. Ihr Ziel war, die Abwendung vom Rechtsturs zu verhindern. Die Haltung der Presse der Deutfchen Volkspartei bis in die Tage der Verhandlungen hinein hat bewiesen, daß die Volkspartei selbst sich innerlich nicht vom Rechtsturs abgemandt hatte. nächsten Beit im Kampf mit ihr zu unternehmen. Die Politit der Abstoßung, die die Sozialdemokratie getrieben hat, muß logischerweise eine Politit der Konzen. Nachdem die Berhandlungen abgebrochen find, drängt die deutschnationale Presse nach der verschärften Fortführung des Rechtsblockurses. Die Kreuz- 3eitung schreibt: J „ Der Locarno Geist hat also innerpolitisch rest. ( og versagt. Es war von vornherein eine falsche Auffassung Die neuen Säge für Erwerbslose. Erhöhung der Beiträge in Preußen. Die Unterstützungsfäge in der Erwerbslofenfürsorge Betragen nach der Neufestsetzung auf die Woche umgerechnet ab 14. Dezember: Im Wirtschaftsgebiet 1( Often) B in den Orten der Drisklassen A B C Dit. E 1. für Berfonen über 21 Jahre 8,28 7,74 7,20 6,66 M. 2. für Personen unter 21 Jabren 4,98 4,68 4,38 4,08 8. für einen Mann nebst Frau 11,16 10,44 972 9, 4. für eine Familie m. 2 Kindern 15,12 14,16 13,20 12,24 Der Höchstfaß für die Gesamtbezüge beträgt . 18,90 17,70 16,50 15,30, Jm Wirtschaftsgebiet II( Mitte) in den Orten der Drieklassen A B C Dut. E 1. für Bersonen über 21 Jahre 9.72 9,12 8.52 7.92 M. 2. für Verionen unter 21 Jahren 5,88 5,52 5,16 4.80 8. für einen Mann nebst Frau 13,02 12.24 11.46 10.68 4. für eine Familte m. 2 Kindern 17,70 16,68 15,66 14,64 Der Höstfag für die Gesamtbezüge beträgt. 21,60 20,40 19,20 18,-, im Birtighaftsgebiet III( Westen) . in den Ortsflaffen A B " C D It. E 1. für Berfonen über 21 Jahre 10,44 9,78 8,12 8,46 M. 5,46 5,04 2. für Berionen unter 21 Jahren 6,30 5,88 3. für einen Mann nebit Frau 14.04 13.14 12,24 11,84 4. für eine Familie m. 2 Kindern 19,08 17,94 16,80 15,66 Der Höitias für die Gesamt bezüge beträgt 24,-22,50 21,- 19,50. • Der Berwaltungsausschuß des Landesarbeitsamts Breußen hat in feiner Sigung vom 17. Dezember für den Bereich der preußischen Gefahrengemeinschaft einen Einheitsbeitrag don 3 Prozent ab 1. Januar 1926 festgelegt. In der gleichen Sigung faßte er unter Stimmenthaltung des Vorsitzenden einstimmig folgende Entschließung: Die Deutschnationalen wenden den Satz Strefe politik zu machen sei, jetzt an, um ihre Offerte für einen neuen manns, daß mit der Sozialdemokratie feine Wirtschafts Bürgerblock zu begründen. Die Wirtschaftspolitit, auf die mit den Deutschnationalen der Reichsverband der Deutschen Industrie in seinem neuesten Programm abzielt, ist mit der Sozialdemokratie allerdings nicht zu machen. Die Offerte der Deutschnationalen ist deutlich: neuer Rechtsturs unter deutschnationaler Führung im Rampfe gegen | das arbeitende Bolt! Der Berwaltungsausschuß des Landesarbeitsamts Breußen hat sich gegen bemerkenswerte Protefte aus weiten Kreisen der Arbeitgeber, Arbeitnehmer und öffentlichen Körperschaften genötigt gesehen, den höchst zulässigen Beitragsfag von 3 Bro. des Grundlohnes der Krankenversicherung als Beitrag für die Er werbslosenfürsorge zu befchließen, weil nach den jetzt geltenden ge feßlichen Bestimmungen die Erhebung von 3 Proz. Voraussetzung für die Gewährung von Reichs- und Staatszuschüssen ist. Der Berwaltungsausschuß ist einstimmig der Auffassung, daß ein Bei trag von 3 Proz. für die Arbeitgeber und Arbeitnehmer eine zu hohe Belastung darstellt, ganz besonders unter den gegenwärtigen wirtschaftlichen Verhältnissen. Der Berwaltungsausschuß vertritt einstimmig die Auffassung, daß die Last von der Allgemeinheit in größerem Umfange mitgetragen werden muß. Er hält es deshalb als unbedingt erforderlich, daß der höchst zulässige Beitrag als Bor. aussetzung für die Gewährung von Reichs- und Staatsmitteln auf höchstens 2 Broz. zu begrenzen ist, wie das auch der Entwurf eines Gesetzes über die Arbeitslosenversicherung vorfieht." Sozialistische Wirtschaftskonferenz? Eine französische Anregung. Paris, 17. Dezember.( Elgener Drahtbericht.) Die fran30fischen Sozialisten beabsichtigen, der deutschen Sozialdemotrafie und der sozialistischen Partei Belgiens die Beranstaltung einer gemeinsamen Wirtschaftskonferens vorzuschlagen. Sie soll sich mit dem Problem des wirtschaftlichen Ausgleichs zwischen den in Frage kommenden Ländern sowie vor allem mit der Frage der Handelsverträge befassen. Das neue fchechoslowakische Parlament ist gestern zusammen getreten. Es fehlte nicht an Zwischenfällen zwischen Regierungsparteien und Opposition. Die Bereidigung der Abgeordneten erfolate in sechs perfchiedenen Sprachen: tschechisch, deutsch, slowakisch. ruffisch, ungarisch und polnisch. Zum Bräsidenten wurde der linksbürgerliche Mainpeter mit 186 Stimmen gewählt. Für ihn fellen auch einige deutsche Stimmen abgegeben worden sein. Zwischen Schweden und der Tschechoslowatei ist ein Schieds. vertrag abgeschloffen worden, der den Grundsähen der in Locarno geschlossenen Schiedsverträge entspricht Vorwärts- Verlag 6.m.b. H., Berlin SW. 68, Lindenstr.3 Boftschecktonto: Berlin 37 536 Bankkonto: Bank der Arbeiter, Angestellten und Beamten, Wallstr. 65; Diskonto- Gesellschaft, Depofitenkaffe Linbenfie. 8. Industrielle Wirtschaftspolitik. Programm des Reichsverbandes der Deutschen Industrie Das feit längerem angekündigte Wirtschaftsprogramm des Reichsverbandes der Deutschen Industrie liegt vor. Man durfte erwarten, daß die industrielle Krise die Geister unserer verantwortlichen Wirtschaftsführer aufrütteln würde. Man fonnte hoffen, daß die Kreise derer, die den Besitz an Prolicher Bildung für sich in Anspruch nehmen, richtunggebendes duktionsmitteln in gleichem Maße wie den an volkswirtschaftzum Rampf gegen die Krise beitragen würde. Betrachtet man unter diesem Eindrud die 67 große Seiten umfaffende Dentschrift, so wird man sich wieder enttäuscht abwenden. 43 Seiten davon werden den Anlagen gewidmet, die eine fchlechte Materialfammlung aus den wichtigsten bisher be tannten Beröffentlichungen der Unternehmerverbände darstellen. Sehr zögernd und fast nur in einem Nebensate erkennt der Reichsverband den Fehler an, der bisher seine gebisher nicht zuzugeben wagte: samte Wirtschaftspolitik beherrscht hat und den er Bir müssen den Produktionsapparat, der während des Kriegs und in der Nachkriegszeit eine nicht im Verhältnis zum Verbrauch stehende Ausdehnung erfahren hat... einschränken, wir müssen ihn... so gestalten, daß wir mit den anderen produzierenden Ländern auf dem Weltmarft in erfolgreiche Konkurrenz treten fönnen." Hier ist in der Tat das Eingeständnis des grundlegenden Fehlers, den die Industrie bisher gemacht hat. Sie hat burch ihre sinnlose Wirtschaftspolitik ungeheure Mengen von Arbeitstraft und Material in der Anlage neuer Produktionsstätten vergeudet, die sich heute volkswirtschaftlich als eine Belastung erweisen; sie hat mit ihrer Förderung der Monopolwirtschaft im Kriege imb während der Inflation nach dem Kriege das deutsche Bolf um feine Konkurrenzfähigkeit gebracht. Within follte sie jetzt, fo müßte man annehmen, ihr Wirtschaftsprogramm darauf aufbauen, die alten Fehler schleunigst zu revidieren und ihre gefamte Kraft in den Dienst der Ueberwindung der Krise zu ftellen. Sie müßte an fich felbft anfangen. Statt dessen nimmt von den dreizehn der positiven Borschläge derjenige Teil, der sich mit der Organisation der Privat mirtichaft beschäftigt, ganze zwei Seiten ein- soweit er fich mit der Industrie befaßt. Ganze 18 Beilen befassen sich mit sich ausschließlich an diejenigen, die mit der Verwaltung der dem Problem des Handels. Alle übrigen Forderungen richten Produktionsmittel nichts aber wenig zu tun haben Sie menden sich an den Staat, an die Post, an die Eisenbahn, an die Arbeiterschaft und an die Banten, bei letzteren natürlich fast ausschließlich an die öffentlichen Banten; die ungeheure Belastung der Wirtschaft durch das Zinsmonopol der Privatbanten wird mit dem Mantel der chriftlichen Nächstenliebe zugedeckt. Hier genügt eine freundliche Mahnung, wo man fonft fategorische Forderungen stellt. Immerhin, die Industrie hat die Verantwortung ftellt, eingestanden. Ganz vereinzelt bringt sie sogar an der Krife, deren Auswirkung sie im einzelnen darMaterial, bas grundlegende Irrtümer bei der Beurteilung eine Schäß ung des Boltseinfommens aufgemacht, der Wirtschafts- und Finanzlage sogar berichtigt. So wird nach der im Gegensatz zu den früheren, von der Industrie vertretenen Meinungen das Einkommen des ganzen Bolkes auf 43 bis 48 Milliarden Mart jährlich geschätzt wird. Man hat Grund, anzunehmen, daß auch diese Schäßung noch vorsichtig erfolgt ist. Denn der Zweck wird erkennbar, menn man die Schlußrechnung, sieht, die feststellt, daß 10,2 Milliarden Mart an Steuern der Staaten, Länder, Ges meinden, Kommunalverbände und Kirchen. sowie 2,2 milliar den an sozialen Abgaben von der Deffentlichkeit in Anspruch genommen werden, daß demnach einschließlich der Reparationen ziemlich genau ein Viertel des Wolfseinkommens durch öffentliche Belastung in Anspruch genommen wird. Bis vor furzem las man noch, daß 40 oder 50 Broz. des Volksein. tommens für öffentliche Rwede draufgehen sollen. Man sieht, die Industrie lernt zwar langsam, aber sie lernt. Hätte sie das nur auch bei den Forderungen getan. Hier ftellt fie alle Gesetze der Finanzfunft auf den Kopf. Denn für die Aufstellung eines öffentlichen Haushaltes gilt bekannt lich der Grundsaß, daß man zunächst den Ausgabenbedarf feststellt, um danach die notwendigen Einnahmen festzustellen und den so errechneten Betrag nach Möglichkeit mit der Leistungsfähigkeit der Steuerzahler in Uebereinstimmung zu bringen. Der allgemeine Appell an die Sparsamkeit der öffentlichen Körperschaften erscheint nun dem Reichsverband etwas unzulänglich, und deshalb verlangt er kategorisch, die Gesamtausgaben des Reiches, der Länder und Gemeinden follten um 20 Pro, gefürzt werden. Warum um 20 Proz., warum nicht gleich um 100 Broz.? Das verrät uns der Reichsverhand ebensowenig, wie er uns die Mittel fant, wie, und die Stellen, wo gefnart werden kann. Daß das Steuerfyftem fich nach dem Ertrag der Wirtschaft richten soll, das ist eine grundsäßlich so richtige Forderung, daß tein Mensch fie bezweifeln wird. Wenn aber darüber hinaus schon ner. langt wird, die Stenern dürsten die Er�ielung einer Rente nicht vereiteln und darüber hinaus einen Betrag zur Kapital- Neubildung freilassen, so können wir sogar als Sozialisten dieser Forderung zustimmen. Fragt sich nämlich nur, wem die Rente und wem die Möglichkeit der Kapitalbildung bleiben soll. Die weitere Niederschlagung von Besitzsteuern und die Verschärfung der Berbrauchssteuern kann doch letzten Endes nur dazu führen, daß dasjenige Kapital, das sonst in den Händen der Bezieher geringer Einkommen gebildet wurde, also der Arbeiter und Festbesoldeten, dann nicht mehr von ihnen erspart werden kann, sondern den Großverdienern zu- fällt. Aber die Frage, ob die Kapitalbildung bei den großen oder kleinen Einkommen sich vollziehen soll, eine Frage, die übrigens in Amerika heute eine sehr große Rolle spielt, diese Frage wird vom Reichsverband nich einmal klar gestellt, ge- schweige denn beantwortet. Die Führer der Priva'kapitals wenden sich gegen die An- sammlung öffsmlichsr Gelder. Sie muten dem Staate zu, etwaige Ueberschüsse nur zu billigen Zinssätzen als Hypotheken der Wirtschaft zuzuleiten oder den Privatbanken zur Verfügung zu stellen, anstatt ent- sprechend den Interessen seiner össentlichen Wirtschaft selbst Beteiligungen an der Industrie zu erwerben. Die Haltung des Reichsverbandes in diesem Punkte ist um so unoerständ» licher, als sie damit der öffentlichen Wirtschaft zumutet, auf eine kaufmännische Gebarung seiner öffentlichen Betriebe zu verzichten, während er gleich darauf die Forderung stellt, daß die Haushalte der öffentlichen Betriebe selbständig geführt weroen sollen. Weiter wird ein Abbau der Verwal- tun g gefordert, und man möchte sagen, selbstverständlich— der Abbau der Zwangswirtschaft und insbs- sondere der behördlichen Mietefestsstzung Wir haben offenbar noch zu wenig Obdachlose. Die Stellungnahme des Reichsverbandes zu den sozia- l en Abgaben ist vorsichtig gefaßt. Man spricht nicht direkt vom Abbau der Sozialpolitik, aber von ihrer An- passung an die Leistungsfähigkeit der Wirtschaft und von einer genauen Kontrolle. Das Lerantwortungsge- fühl des einzelnen für sich und seine Familie sollte durch die Erwerbslosensürsorgs nicht zerstört werden. Sind die Erwerbslosen aus eigenem Usbermut arbeitslos geworden? Aehnlich verschwommen sind die Ausführungen über den Lohn und die Arbeitszeit. Als oberster Grundsatz wird aufgestellt, daß der Lohn sich nach der Leistung und nach der Produktivität der Arbeit richten muß. Welche Anstalten der Unternehmer, der ja schließlich die Möglichkeit dazu hat, treffen kann, um die Produktivität zu steigern, davon ist mit keinem Wort die Rede. Scharfen Protest jedoch fordert es heraus, wenn der Reichsoerband jede zwangsweise De- stimmung der Lohne durch den Staat— gemeint sind offen« bar die amtlichen Schiichtunisinstanzen— ablehnt und seine Srellimgnahme zum Achtstundentag in die wirNick schon etwas abgebrauchte Formel kleidet, daß der Achtst'mdentag nicht schematisch angewandt werden dürfe. Zum Protest fordert es weiter heraus, wenn man jede Regelung der Arbeitszeit innerhalb der Betriebe durch öffentlichen Zwang vsr- hindern will. Und nun das, was die Industrie selbst tun will. Sie ver- langt die Rationalisierung, unter der sie die Vernunft- gemäße Anwendung aller technischen und organisatorischen Mittel versteht, um die Ergiebigkeit der menschlichen Arbeit möglichst zu steigern. Der innere Markt soll durch Nor» malisierung und Typisierung, also durch Her- stellung von Massengütern nach einheitlichen Produktions- maßstäbsn, gefördert werden. Außerdem verlangt man die beste Ausbildung des Arbeiternachwuchses, iür den man dann, wenn er einmal ausgebildet ist, die soziale Verantwortung ablehnt. Ferner setzt man sich für eine Konzentration ein, die sich innerhalb wirtschaftlicher Grenzen zu vollziehen habe und die den Einschrumpfung?» prozeß der Wirtschast in die richtigen Bahnen lenken soll. Nun schließt die positive Förderung der Trusts eigentlich alle Maßnahmen aus, die die Kartelle zu fördern geeignet sind. Aber der Reichsverband rückt von den Kartellen nicht ab. sondern lMangt von den Behörden sogar Schonung dieser Einrichtungen, eine Forderung, die er nur dadurch abschwächt, daß er die Preispolitik der Kartelle gern in die Hände weit- sichtiger Kartelleiter und Kartellmitglieder gelegt sehen möchte. Eine Angabe von Adressen, wo diese zu finden sind, enthält die Denkschrift nicht. Schließlich bekommt auch noch der Handel ein paar wohlgemeinte Worte: er wird gefördert, indem man ihn abbaut, und man rät ihm, er solle sich das Prinzip zu eigen machen, das die Industrie bisher so lange verleugnet hat und auch heute noch nicht auf ihre Fahne schreibt, dieses wunderschöne Prinzip:«Großer Umsatz, kleiner Nutzen". Große Worte für die anderen. Nirgend ein Bekenntnis zu eigener Tat, zu eigenem Borwärtstreiben. zu eigener Verantwortung. Zaghaftes Andeiltem daß irgendwo irgend etwas vielleicht getan werden könnte, wenn die Herren Industriellen selbst arbeiten sollen, dafür aber um so stärkere Betonung der Forderung, daß der Staat, die A r b e i t e r, die Verbraucher aber olles tun müssen, was den In- dustriekapitänen gefällt. Das ganze ist das ,, Wirtschafts- Programm" des Reichsverbandes der Deutschen Industrie. Haben wir es nicht wirklich herrlich weit gebracht? Vertrauenskrise in Thüringen. Niederlage der Regierung bei den StaatSratHwahlen. Weimar, 17. Dezember.(Eigener Drahtbericht.) Der von der SPD. auf Vertrauensenlziehung der Regierung vor acht Tagen eingebrachte Antrag sollte heute um 10 Uhr beraten werden. Nachdem Landbiindler, Dolksparteiler und Deutfchnationale der Re- gierung wegen ihrer Außenpolitik ihre Mißbilligung ausgesprochen hatten, fanden hinter den Kulissen Verhandlungen wegen einer diesen Parteien genehmen Umbildung der Re- g i e r u n g statt, mit dem Resultat, daß zwei Staatsräte der Doltspartei und des Landbundes zurilcktreten. Nunmehr setzte der Präsident willkürlich die Ergänzungswohlen der Re- gierung in der anberaumten Sitzung vor das Mißtrauensvotum. In der Abstimmung erhielten die Staatsräte, der Führer des Landbundes, Höfer, und Geyer, ein Volksparteiler, 3fi von 65 ab- gegebenen Stimmen. Da der Landtag 72 Mitglieder zählt, so haben die neuen Staatsräte nicht dle Mehrheit der gesetzlichen Zahl der Abgeordneten. Die Moröhetze gepen Stresemann. Nationale gegen Naiionale. Aus ihrer nationalliberalen Vergangenheit hat die Deutsche Volkspartel die Liebhaberei übernommen, in rollendem Pathos «nationale" Tön» hervorzusprudeln. Sie fühlt sich zudem als bloß deutsche der deutschnationalen Partei durchaus eben- bürtlg. Aber das hilft ihr nicht aus der Verlegenheit, daß sie sewst und vor allem ihr Führer Stresemann von den Gamnationalen als„Landesverräter" angeprangert werden. Daß die völkisch« Presse wiederHoll unzweideutig den Staatsgerichtshof und zwischen den Zeilen noch mehr für Stresemann forderte, haben wir des öfteren registrieren können. Jetzt zitiert Stresemann«„Tägliche Rundschau" au» einem Artikel Heinrich Pudors, des in vötkisch-antilemitischsn Kreisen be- sonders hochgeschätzten Schreiberling«, folgende anmutigen Sätze: „In der modrigen Stickluft einer Hindenburg-Repu- b l i k kann nur dle Lüge, der Stunk und die Vercleuduug ge- deihen." „Bei hlndenburg, dem Zudendiener, hat das Slawisch- Knechtische die Oberhand gewonnen. Ludendorfs dagegen ist reiner Germane." ..wenn wir heute statt hlndenbnrz einen Juden aus dem Prästdentenstuhl hätten, stände es besser um die deutsche Sache." .«Hat da» Volk Stresemann beruntergezerrt vom Ministersessel und ihn angebunden mit den putzen au ein Rappen- gespann. durch da» Brandenburger Tor gejagt, rund um Berlin?" «Da» Volk bat Stresemann nicht gevierteilt, es hat ihm nicht das Schicksal Rathenaus gegeben." vi« Sätze find für jeden völkischen Iüngking und Desperado unmißverständlich. Dieser sogenannt« vaterländisch««Geist" ist es. der die Handlungen Grütte-Lehders, der Rathenau, und Erzberger-Mörder hervorrief und der auch dem jetzt wegen seines Attentatsplans auf Stresemann verhafteten Kaltdorff die Feder führte, als er an einen rechtsgerichteten Münchener Rechtsanwall den folgenden Brief schrieb: Berlin-Slemensstadt. 3. Dezbr. 1925. Ledigenheim, Südliche Auffahrtstraße. Lieber aller....1 Ich lebe noch. Ich habe mich durchgeraust. Es war ein Keines Kunststück, hier anzukommen, und ich habe nur hier rauf- zukommen. Zwei Ingenieure haben meinen Ein- tritt gemanage d. Rolürlich parteisachet Und nun: Ich habe den Reim gemacht, nach bekannten Mustern: «Stresemann, verwese man." Du verstehstl Zch habe zwei Offiziere, die mitmachen, und auch dle«Finanzierung" ist � allright. Es wäre mir sehr Neb, wenn Du paar Zeilen schreiben würdest, daß ich für die Sache gut bin. Du kennst meine Vergangenheit, Du weißt, was von mir zu halten ist. Natürlich: wenn Du mir auch noch als Referenz dienst, so ist da« eine sehr wichtige Unterstützung meiner Berliner und Mecklenburger Referenzen. ...«verwese man". Das Schwein muß gekillt werden. Ein Flugzeug ist auch zur Verfügung. Aus diesen Andeutungen weißt D«, um wasesgeht! Die Industrie ist auch gegen den verrälerhund, z. B. Kirdorf im„Lotal-Anzeifler". Die Tal geht auf mein Konto, die zwei Offiziere— deren einer sehr erprobt ist— tun mit. Schrift so schlecht, weil die Arbeit mich ganz Infam mitnimmt. Du hast sicher Vertrauensmann hier, der mich aufs Korn nimmt Heil und Sieg? Mit treudeutschem Gruß Dein Karl Kaltdorff. (Alles hier Ist Morlneosslzler, Offizier 61» zum Obersten.) Grüß Werner Lorenz, Oberl. a. D., unbekannterweise. Hell und Sieg! Begreiflich, daß angesichts solcher eindeutigen Niederschriften selbst die sonst so gut schwarzweihrote und„nationale" Presse der Dolkspartei es mit der Entrüstung kriegt. Aber haben die Volks» parteiler nicht eben noch bei den Provlnzial- und KreistagswaHen engste Gemeinschaft mit den Deutfchnationalen und VSl- tischen gemacht, indem ste Listcnvsrbindung eingingen und„Ordnungsblock" markieren halfen? Sind sie in Thüringen nicht auch heute noch mit den Bölkischcn im„Ordnungsblock", um die Sozial- demokraten niederzuhalten? Bilden sie mit den Deutschnationalen. die ihren Stresemann ganz nach völkischer Manier beschimpfen, nicht auch heut« noch«Arbeitsgemeinschaften" im Staatsrat, in zahllosen Gcmcindepcrrlamenten? Mag Stresemann ihnen auch in der„Richtigkeit" der Außen- polllik über sein, In der„Fixigkeit" der skrupellosen Demagogie sind die Ganz- und Halbvöltischen ihm totsicher über! Aber daß die Balkspartei daraus etwas lernen könnte, wagen wir noch mcht zu glauben. Der Rechtspresse ist die Aufdeckung des Attentatplans gegen Stresemann begreiflicherweise wenig angenehm. Sie schimpft des- halb über die„neue Hetze gegen rechts", beschuldigt zur Abwechsiunz einmal wieder die Sozialdemokratie, daß sie(außer den Kommunisten) die einzige Partei sei, die den politischen Mord billige und betreibe und was derartiger faulen Winkelzüge mehr sind. Die„Deutsche Zeitung" leitet gleich«ine neu« Hetze gegen Stresemann ein. Sie veröffentlicht den Brief eines Majors a. D. v. Blomberg an den Reichsaußenministsr, worin erklärt wird, Stresemann sei„als deutscher Führer und Mann u n m ö g l i ch", wenn er nicht gegen ein Geschreibsel des Grasen Reoentlow vorginge. «Als deutscher Führer und Mann unmöglich!" Di« Kalldorsse werden das begreifen und für sich auszulegen wissen! Traum im Mittag. Bon Erwin Frehe. Di« Eirene schrie zwölf Uhr über den Fobrikhof. Das dröhnend« Stampfen der Pressen erstarb jäh mit dem schrillen Pfiss und machte einer unwirtlichen Stille Platz, in der nur die Rufe der forteilenden Arbeiter zu hören waren. Im Augenblick verklangen auch sie. Der Arbeiter Römer ging von seiner Maschine zum schwach- beleuchteten Fensterplatz— denn auch von ihm au» war nur ein winziges Quadrat stahlblauen, woltenreinen Himmels zu erschauen; die uferlose Flut der Sonnenstrahlen saugte die gegenüberliegende Fabritwand hungrig auf. Aus einer zerschlisseneu Zlkt entasch« ent» nahm er einig« Brote und ein Buch. Ohne sein Mittagbrot zu beachten, schlug er mit sichtbarer Ungeduld das Buch auf. Es war nur ein Buch! Und noch dazu ein zerfleddertes und zerfetztes— aber es mußte wohl die Seligkell emer halben Stund« verbürgen. Es mußte wohl ein geheimnisvoller Pfadsucher sein. eine Wünschelrute, ein Fährtensucher, mit dem man hinauswandern konnte aus stickigem Maschinensaal und ölgeschwängerter Luft— wie gleichgültig war es, wohin! Rur fort— fort... ... Fern, von ewigen Motten silbergrau beschattet, standen im herrischen Winde die Zelle des König» Artus. Zwölf der topfersten und kühnsten Ritter saßen an seiner Tafel— nie gab es treuer« und mutigere als st«. Gelächter toste durch den Plan, wenn der Troubadour anmutig ein Scherzlied vorsang! Klang ober die Geig« in Wehmut, und blickten des Sängers Augen versunke« in sich hinein, dann wölbte sich das vom Winde gezerrte Zellluch in Gram und trauererfchoudernd schwiegen die Ritter. Nicht lange— bald kreuzten wieder klirrend die weinschäumenden Becher umher: Toaste der Freude? Toaste der Stärke! Parstoal. wie herrlich kommst du mtt deinem Begleiter zum Hofstaate des Königs Artus! Kein Mißmut blinkt in deinem Ge- sicht ob des verlorenen Grals. An den Tisch, Parstoal! Mitten unter den Zwölfen ist dein Platz! Du sollst erzählen, wen dein Mut bestegte— sprich Parsival! Denn schon liegt in feurigem Glänze um deine Taten die Krone der Ueberwindung. Parstoal, er wartet noch auf dich, der Gral, dein Gral.... Wie ein klagendes Tier jaulte die Sirene um einhalb ein Uhr den düsteren Beginn der Arbeit ein. Träge, wie au» der Ruhe aufgescheuchte Ungeheuer bewegten sich die stählernen Gelenke der Pressen, uni bald wieder in dem schütternden Takt de» arbeitende« Saales zu enden. Römer überhörte den Pfiff. Seine Presse stampfte im Leerlauf. Als wenn st« den Säumigen anschrie, so Hab sich ihr hellerer, abgerissener Ton aus dem brüllenden Chor des ganzen Saales heraus. Wie eifersüchtiger Zorn klang ihr kurzer Schlag in dem großen Gebraus«— aber Römer war köpf- gebeugt dieser tyrannischen Well entronnen. Er selber, ja er, stand im Könlgszelte und schaute den zechenden Helden zu.... Fünf Minuten nach einhalb ein Uhr bewegte sich durch die Tür die feist« Gestalt des Meisters. Er erstarrte, als er die un- bediente, krachende Maschine und Römer am Fenster lesend sah. Einige Sekunden noch schaute er ungläubig-blöde, dann riß er den Lesenden mit einem Fluch an der Schulter hoch. Jäh zerstob das glitzernde Traumreich RLwers. Doch ohne Entschuldigung, sofort wieder vom Rhythmus der stampfenden Ma. schineu gepackt, selbst ein mechanischer Hebel, begab er sich an seine Presse. Mll freudigem Aufjauchzen preßte sich der Stahl in die rohe Form, indes umerdrückte Wut im Gesicht des Meisters flammte. Wie ni einem Tag-Traum flutet« es um Römer; wie in einer dämmerigen Glückseligkell flogen sein« Arme.— Am Abend hall« er seine Papiere— wegen Psllchtoergessenhell. Jetzt, auf dem Arbeitsnachweis, steht er wohl noch manchmal in silbernem Wolkenschimmer da» Lager des kriegerischen Königs Artus und die weinströmenden Fesigeloge an seiner Tafelrunde. Aber näher, millionenfach näher sieht er seine trüb« Wohnstätte in flackerndem Petroleumlampenlicht und schaut auf zitternde Hände. die den winzigen Brotrest für den morgigen Tag halten. Der Hunger mästet sich von seinem Fleisch, fahl fallen die Dangen zusammen— vielleicht muß er bald, ein sunger Parstoal. das düstere Kleinod suchen, das er gar nicht begehrt. Die echten Germanen. Don Philipp Scheidemonn. Gibt's eigentlich«och Deutsche, echte Arier, die wahrhaft national. tapfer und volkisch unbedingt zuverlässig sind? Viele gibt's gewiß nicht mehr, aber einige Exemplare sind bestimmt noch vorhanden. Die Firma �Hitler, Wulle, Ludendorsf, Putschunternehmer ca gros und en detail" ha», mll Unterstützung ewes ihrer Prokuristen, näm» lich des Obersten Bauer, ausgezeichnete Unterlagen geliefert, nach denen man genau festzustellen vermag, wer nicht in Betracht kommt. Das sind die Sozialdemokraten, Demokraten und Zentrumeleuie, die Freimaurer und Jesuiten, die Juden, die Katholiken und die Frauen ganz allgemein. Ja, wer blieb« dann überhaupt noch übrig? Etwa die Mannschaslen des ehemaligen Kriegsheeres? Rein! Denn der Ludendorsf-Genossc Oberst Ioachtm hat in dem Münchener Pro- zeß ganz summarisch festgestellt, daß der deutsche Soldat nicht so genügfam gewesen sei wie die Soldaten der Entente. Demnach, so fügen wir hinzu, war jeder Soldat mehr oder weniger auch ein Dolchstößer. Bleiben die Offiziere des deutschen Heeres. Kommen sie ernstlich in Betracht? Rein! Der Oberst Bauer hat schwarz auf weih festgestellt, daß die 500 Offiziere des Großen Hauptquartiers am 9. Rooember 1918 keine Hand gerührt haben, um den Kaiser zu schützen; daß noch am selben Tage viele Oisiziere in Automobilen fuhren, die mit roten Fahnen geschmückt waren. Ja. wer zum Kuckuck— na, mindestens ist doch als zuverlässiger Arier der Generalfeldmarschall von Hindenburg anzusprechen? Rein und tausendmal nein! Denn Ludendorff hat aller WÄt kund und u wissen getan, daß Hindenburg national nicht mehr zuverlässig st. Bliebe demnach wirklich ein Letzter noch— der letzte Kaiser, Irrsinn! Der kann am allerwenigsten in Betracht kommen, well er, nachdem er den ihm von Gröner empfohlenen Schützengraben energisch abgelehnt hatte, fahnenflüchtig geworden ist! Also— wirklich— niemand— mehr— kerndeutsch— treu — völkisch— aris�l—?? O, ihr Kleingläubigen, liegt nicht Nor zu Tage, wer uns noch bleibt, wenn alle Katholiken und Freimaurer, Juden und Jesuiten, Demokraten. Sozialdemokraten und Zentrümler, sowie die deutschen Frauen, Hindenburg und Wilhelm der Sparsame als minderwertig beiseite geschoben sind? Strahlend gruppieren sich um die völkische Zentralsonne Ludendorff Herr Wulle und dessen Vertrauensmänner Pfarrer Münch» meyer-Borkum und Erütte-Lehder. Der Pfarrer von Borkum agi- tiert völkisch als junger Germane mll Vorliebe unter jungen Arie- rinnen nach olltestamentarischen Gebräuchen: er küßt wie der Apostel Paulus und streichell die Bäuchlein mit sanfter Hand. Gnllte-Lehder dagegen ist ein völkischer Junge mll schneller Ent- schlußkrast. Hat er, der germanische Organisator, ausgerüstet als „Vertrauensmann" mll dem Wulle-Schein. ein neues Mitglied in die Listen eingezeichnet, das sich völkisch nicht bewährt, dann streicht er es gleich— aus dem Leben, nicht nur aus der MUgliedslist«. Heil uns? Roch gibt's in dieser verjudeten, verrotteten und ver- weichlichten Zeit wahrhast deutsche Männer, völkische Jungen, aller Germanen Sprößlinge!_ Cln Vermächlnis Hermann Greullchs. Der kürzlich verstorben« Senior der schrgeizerifchen Arbeiterbewegung, Hermann Greulich, war betailllich kurz vor seinem Tode an der Spitze der sozialdemo- kratischen Lifte in Zürich in den schweizerischen Ratlonalrot gewählt worden, ein Mandat, das er schon seit mehr als zwanzig Jahren bekleidete. Papa Greulich war feiner Wiederwahl so sicher, daß er am Ende der vorigen Legislaturperiode sein Pull im Sitzungssaal des Nationalrats nicht ausgeräumt hatte. Als nun statt seiner sein Nachfolger den Platz besetzte, fand er das Pult säuberlich geordnet. so wie es Greulich verlassen hatte, und darin in der schönen Hand- schrift des Alten einen Entwurf zu einem Antrag, der folgender- maßen lautet: «Der Bundesrat wird eingeladen, Bericht und Antrag ein- zubringen über die Znerkennunq des gleichen Stimmrechts und der gleichen Wähwarkell der Schwcizerbürgerinncn mit den Schweizer- bürgern." Das letzte Wort des greisen Vorkämpfers der Menschenrechte— wenn man den undatierten Entwurf dafür nehmen will— goll C'!a der Gleichberechtigung der Frauen._ Lessing-Ihrater. Die ErNanffiihrung von Strlndverg?.Karl XII ift von Sonnabend auf Rontag verlchoben worden. Die für Tonn» abei d gelSbin Karten tonnen an der TageStasse iimzetauicht werden. Da» bekannte nosllche Dalle« Diaghiteni beginn! am 22. im£ tut- fchett Künttlertheatar ein etwa ll tazizcS Galllpiel arü vS2ig neuem Biotramm. Pros v Thor gestorben Der Brosestor dc§ iZmllchen Recht» an der Züricher Universität. Slndrea» v. Tfmr. i't tm Alter von 6t Jabrcn a e» st o r b e n. Er belleidete srüber Proscssuren an verschiedene» deullchen Hochschule» und war der letzte deutsche Rektor der Unwersität Siratzburg B Sozialistenopposition gegen Doumer. Ein neues Finanzprojekt von Auriol. Paris, 17. Dezember.( Eigener Drahtbericht.) Die sozia. listische Frattion hat am Donnerstag auf Grund eines von dem Abg. Ren au del eingebrachten Antrages beschlossen, ihr Ver. trauen jeder Regierung zu verweigern, die nicht die nötige Energie zur Sanierung der finanziellen Situation und zur Unterdrückung der faschistischen Umtriebe aufbringt. Andererfeits hat der Abg. Vincent Auriol der Fraktion ein neues Finanzprojett unterbreitet, dessen Ziel ist, dem Schazamt durch eine Art Kommerzialisierung des Tabatmonopols die be nötigten Mittel zu beschaffen. Vincent Auriol schlägt zu diefem 3wed die Umwandlung des Monopols in einen gemischtwirtschaft. lichen Betrieb vor. Sen Projekt sieht die Schaffung einer autonemen Gesellschaft unter der Kontrolle des Staates vor, die für 25 Milliarden Frank Obligationen ausgeben soll. Sie sollen zu 5 Broz. verzinslich und bis zu einem Viertel an dem Gewinn der Gesellschaft beteiligt sein. Bon diesen Obligationen sollen 10 Milliarden den Inhabern von Nationalverteidigungs- Bonds und die gleiche Summe den Inhabern von Schazwechseln reserviert, die restlichen 5 Milliarden zur Zeichnung in bar aufgelegt werden. Das praktische Ergebnis dieses Projekts wäre außer der Ronfolidierung von 20 Milliarden furzfristiger Verbindlichkeiten des Staates die Beschaffung von 5 Milliarden flüssiger Mittel für das Schahzamt. Die Voraussetzung dafür wäre allerdings die volle Zeichnung der ausgegebenen Obligationen, die bei der gegenwärtigen Lage des Geldmarktes zum mindeſten fraglich erscheinen muß. Genosse Mistral Bizepräsident der Kammer. Paris, 17. Dezember.( Eigener Drahtbericht.) Die Kammer hat am Donnerstag an Stelle des Abg. Barenne den Genossen Mistral mit 226 Stimmen zum Bizepräsidenten gewählt. Der Gegentandidat des Nationalen Blocks Capus erhielt 161 Stimmen.( Genosse Paul Mistral hat sich als Bürgermeister von Grenoble glänzend bewährt. Er ist seit 15 Jahren Abgeordneter der Partei. Er ge. hörte jener international- sozialistischen Delegation an, die in Berlin am Tage des Rapp- Butsches eintraf und die fiegreiche Generalstreit. bewegung in unserer Mitte erlebte. Red. d. 2.".) Im weiteren Verlauf der Tagung protestierte der radikal soziale Abg. Archimbaud gegen den in den letzten Wochen mehr. fach angeregten Gedanken, Kamerun und Logo an Deutschland zurüdzugeben. Er forderte die Regierung auf, das unter feinen Umständen zuzulaffen, selbst für den Fall, daß England bereit sein follte, sein Mandat über die ehemaligen deutschen Kolonien Deutsch land zu überlassen. In ähnlichem Sinne äußerte sich der ebenfalls radikalfoziale Abg. André effe. Der Kolonialminister Périer erwiderte darauf, daß für diese Frage ausschließlich das Ministerium des Auswärtigen zuständig sei und er sich deshalb dazu nicht zu äußern vermöge. Kampfaufruf Millerande gegen das Linksfartell. Paris, 17. Dezember.( WTB.) Der Borstand der nationalrepublikanischen Liga hat in einer unter dem. Borsizz tiller and abgehaltenen Bersammlung beschlossen, einen Auf. Don Das Polizeibeamtengesetz angenommen. Der Bergbauetat vom Landtag verabschiedet. 3 Der Landtag beriet gestern über den Berghaushalt! Abg. Otter( Soz.) berichtet über eine Reihe von Anträgen und Anfragen, die sich insbesondere mit der Schlagmetterexplosion auf der Zeche Holland" befassen. Abg. Sobottfa( Romm.) berichtet über die Verhandlungen des Handelsausschusses über den kommunistischen Antrag auf Aende rung des Reichsfnappschaftsgefeßes, manach die Bermaltungen des Reichsknappschaftsvereins sowie der Bezirksknapp. fchaftsvereine allein in die Hände der Versicherten zu legen sind, Krankengeld und Sozialrenten erhöht und Pensions- und Dienstalter der Bergarbeiter herabgesetzt werden. Abg. Pinkerneil( D. Bp.) bittet nochmals um Zurüdverweisung. Bei den Abstimmungen wird im Hammelsprung ein fommunistischer Antrag mit 213 gegen 94 Stimmen angenommen, der fordert, daß unverzüglich das im angenommenen Antrag vom 3. Juli 1925 verlangte Prämienverbot durchgeführt wird. Ein Antrag des Abg. Krämer- Recklinghaufen( Dr. Bp.) auf Zurücverweisung des Antrags an den Ausschuß, der die Berwen bung elettricher Grubenlotomotiven im ausziehen den Wetterstrom verbieten will, wird gegen die Rechte abgelehnt. Der Antrag selbst wird mit großer Mehrheit an. genommen. Annahme findet auch ein tommunistischer Antrag, der eine aus gedehntere Kontrolle der Seilfahrtschächte verlangt. Weiter fommt zur Annahme ein Ausschußantrag, der das Staats ministerium ersucht, zu prüfen, inwieweit durch Einführung berfünftägigen Wochenschicht die planlosen Feierschichten beseitigt werden können. Auch der Antrag des Zentrums wird angenommen, der Berhandlungen für die Bieberinbetriebles ung der Seche Alter Hase" und eventuelle Bereitstellung eines Kredites bis zur Höhe von vier Millionen Mart für diesen Zwed wünscht. Schließlich wird der Gesetzentwurf über die Feststellung des Haushaltsplanes für das Rechnungsjahr 1925 angenommen. Bei der Beratung der Anträge über die Arbeitslosigkeit in Oberschlesien stimmt Abg. Graf Garnier( Dnat.) den Anträgen des Ausschusses zu stimmt Abg. Graf Garnier( Dnat.) den Anträgen des Ausschusses augunsten der Erwerbslosen zu. Abg. Franz( Soz.) hätte eine bestimmtere Formulie. rung der Ausschußanträge in dieser Angelegenheit gewünscht. Das sei aber an den Zuständigkeitsfragen gescheitert. Der Redner gibt bann eine Entschl- hung oberimlesischer Arbeiter bekannt, in der zur Beseitigung der großen Erwerbslosennot so fortige Motstandsmaßnahmen gefordert werden. Die Regierung müsse sich zu diesen Maßnahmen verstehen können. Es fehlten 3. B. noch dringend Eisenbahnlinien in Oberschlesien, die die Wirtschaft sehr beleben würden. Dafür sei angeblich kein Geld vor handen, wohl aber für die Hohenzollern. Abg. Zawadzki( 3.) schildert die Wirtschaftsnot in Oberschleften, Insbesondere die Arbeitslosigkeit. Motstandsarbeiten feien nötig. Die Anschauung gewiffer Kreise, daß der Wohnungsbau teine produttive Kapitalsanlage sei, zeige in Oberschlesien schlimme Folgen. Nach weiteren Erflärungen der Abg. Mehenthin( D. Bp.), Auch die Ausschußanträge zugunsten Ostpreußens fanden nach längerer Debatte einstimmige Annahme. Sie verlangen u. a.: grundsägliche besondere Behandlung und Unterstügung der Provinz Ostpreußen, Rüdforderung der ianuwirtschaftlichen Kreditschulden erst aus den Einnahmen des Rechnungsjahres 1926, Ueberführung des Personalkredites in Realkredit, schonendes Borgehen bei Einziehung rüdständiger Steuern, Erhöhung des Meliorationsfonds, Mittel für Optantensiedlung und ver stärkte innere Rolonisation, Beseitigung der mangelhaften Berfehrsverhältnisse auch durch Errichtung neder Bahnlinien, verstärkte Unterstüßung der oftpreußischen Schulen, auch der land wirtschaftlichen, der Königsberger Handelshochschule und Universität. Schließlich werden noch eine Reihe tultureller und sozialer Wünsche zur Berücksichtigung der Staatsregierung unterbreitet. Das Haus geht über zur zweiten Beratung des Schutzpolizeibeamtengesetzes. Nach Angriffen der Abgg. Bord( Dnat.) und Kasper( Komm.) weist Abg. Markwaldt( Soz.) darauf hin, daß das bestehende Polizeibeamtengefeß zwar nur sehr wenig befriedige, daß aber seine Berlängerung auf nur verhältnismäßig turze Zeit schon deswegen notwendig sei, um die Polizeibeamten nicht noch schlechter zu stellen als Privatangestellte. Die sozialdemokratische Fraktion halte feitigung des strengen Verweises vor der Mannschaft, Aufhebung der nach wie vor fest an ihren drei Hauptforderungen: Be fordern, und Beseitigung des Cheverbotes. Die entsprechenden EntBestimmungen, die von dem Schutzpolizeibeamten Kadavergehorsam fchließungsanträge zur Berbesserung der Rechte der Beamten der Schußpolizei würden zu gegebener Zeit von der Fraktion eingebracht werden. bahn eine lebenslängliche werde. Dies durchzuführen sei aber Abg. Mehenthin( D. Bp.) wünscht, daß die Polizeibeamtenlaufgegenwärtig praktisch nicht möglich. Abg. Barteld( Dem.): Auch den Demokraten wäre es lieber gewesen, wenn die Schupobeamten jetzt schon in das allgemeine Beamtenrecht einbezogen würden. Daß das nicht möglich sei, liege nicht allein an der Entwaffnungsnote, sondern namentlich daran, daß die Verhandlungen mit der Entente noch nicht zum das Reich das erste Wort. bfchluß gekommen find. Im übrigen hätte auch in der Schupofrage Das Abg. Elsner( 3.) weist darauf hin, daß bei der neuen in einem Vierteljahr vorzulegenden Gesetzesvorlage die Regierung bie wünsche der Beamten felbft erfüllen wolle. Bentrum fönne diese Bestrebungen nur unterſtüken. Aenderungsanträge werden dem Beamtenausschuß überwiesen. Damit schließt die allgemeine Aussprache. Die kommunistischen Die Borlage wird in zweiter und auch in drifter Beratung und der Schlukabstimmung mit großer Mehrheit angenommen. Um 27 Uhr vertagt sich das Haus auf Freitag 11 Uhr: Bere einfachung der Verwaltung, Grundvermögenssteuer, Beamtenzulage und Kleine Vorlagen. Hetze gegen Otto Braun. Aus der deutschnationalen Lügenküche. Die im Landtag in der vorigen Woche von den Deutschnatio nalen erfundene Agitationslüge, der preußische Ministerruf an das Land ergehen zu laffen, in dem er zum Rampf gegen Jendrosch( Komm.), Riedel( Dem.) und Haaje- Liegnig( Wirtsch. Bgg.) präsident Braun habe die Bauern als Nichtstuer bezeichnet, die des unter des tritt das Haus dem stehenden Linkstartells, die Frankreich in einem Jahre 17 mil. liarden Franten Inflation getoftet habe, auffordert. Freispruch im Steiger- Prozeß. Ein Sieg des internationalen Gewissens. folgende Maßnahmen vorgeschlagen hat: 1. auf die Deutsche Reichsbahngesellschaft mit allem Nachdrud einzumirten daß sie den für diese Grenzgebiete vorgesehenen ft är stär. teren Abbau von Eisenbahnbediensteten und den weiteren Abbau von Eisenbahnwertstätten einstellt; 2. unter tatkräftiger Förderung des gemerblichen Ge nossenschaftsmefens in geeignet erscheinender Belle Mittel für den gewerblichen Mittelstand flüffig zu machen, die den aus ber Schaden beheben; wird jetzt in der rechtsgerichteten Provinzpreffe in allen Bariationen verbreitet. Doch scheint das dieser Sorte Bolitiker, die die persönliche Berleumdung des politischen Gegners zum Gewerbe gemacht hat, noch nicht zu genügen. So verbreiten fie nach alt bekanntem Mufter weiter die Mär, Braun baue sich in der vornehm ften Billengegend Berlins eine Billa, beren often über 100 000 Mart betrage, und fnüpfen daran einige Bemerkungen über" Die Befürworter der Berelenbeten". Die Wahrhett ist, daß der wird, ein Landhäuschen von fünf, zum Teil recht leinen Zimmern Tins, der vornehmlich von Angehörigen des Mittelstandes bewohnt dauerndes Unterkommen zu haben. Die Bautoften betragen nicht bauen läßt, um später nach seinem Ausscheiden aus dem Amt ein über 100 000 Mart, sondern faum ein Drittel von 100 000 Mart, d. h. ein Bruchteil der Summe, die deutschnationale Politifer und Cemberg. 17. Dezember.( TU.) Gellern um 2.55 Uhr zunehmenden Erwerbslosigkeit für diese Kreise fich ergebende preußische Ministerpräsident sich in Sehlendorf, einem Borort Ber nachmittags wurde in dem Steiger- Prozeß, der etwa elf Wochen dauerte, das Urteil verkündet. Es waren an die Geschworenen drel Fragen geellt. Die erste lautete: Haffe Steiger die Abfight, den Staatspräsidenten zu ermorden und hat er die Bombe mit dieser Aficht geworfen? Zweitens: Berfolgte er damit umftürzlerische Zwede? Drittens: Hat fich Steiger gegen das Sprengstoffgesetz vergangen? Sämtliche Fragen wurden mit acht Stimmen gegen vier verneint. Darauf erfolgte der Freispruch. 3m Saale brach großer Jubel aus. Dieser Prozeß war von Anfang an eine antisemitische Machenschaft. Die Anflagebehörde stützte sich lediglich auf eine Belaftungszeugin, die in dem jüdischen Studenten Steiger den Bembenwerfer, in dessen Nähe fie gestanden haben mill, wiederzuerfennen behauptete. Dabei war Steiger ein unpolitischer Mensch, der lediglich zionistischen Ansichten huldigte, fo daß ein innerer Grund, einen solchen Terroratt zu begehen, bei ihm unmöglich vorhanden sein fonnte. Aber die politische Polizei, die sich in Polen pornehmlich aus den reaflionär- antisemitischen Kreisen der National demokratischen Partei retrutiert, feste alles baran, die Berurteilung des Steiger zu erwirken, um die in breiten Schichten des polnischen Bolles feit jeher latente Progromstimung zu schüren. arbeiten tatkräftig zu fördern und ihre weitere Ausdehnung 3. bie feitens einiger Gemeinden begonnenen Rotstands. den Beginn des Baues der beiden Bahnstrecken Mikultschüß- Brynnet auf das gesamte Grenzgebiet zu veranlassen, insbesondere und Hindenburg- Borsigwert im Benehmen mit der Deutschen Reichsbahngefelfchaft umgehend in die Wege zu leiten; 4. gemeinsam mit der Reichsregierung zugunsten der Erwerbs lofen diejenigen sozialen Unterstügungsmaßnahmen zu treffen, die bei der allgemeinen sozialen Not diefer Grenzgebiete befonders am Blaze sind. Vertagung des Reichstags. Bis zum 12. Januar. Die Sizung wird um 1% Uhr vom Präsidenten 25 be er. öffnet. Der 1. Bunft der Tagesordnung ist die Beratung eines Gesetzentwurfs über die Ausfuhr von Kunstwerken. zugestimmt. Rach furzer Aussprache wird der Vorlage in allen drei Lesungen Beim nächsten Bunft: Teilung der Landesversicherungsanstalt Lage an den Ausschuß, da zur Klärung dieser Angelegenheit noch Schlesien beantragt Abg. Ulikka( 3.) die Zurückverweisung der Bor neues Material beigebracht werden müsse. verlangen die fofortige Erledigung. Die Abgg. v. Rheinbaben( D. Bp.) und v. Richthofen( Dnat.) Leute, die aus der Verbreitung von Lügen über den politischen Gegner ein einträgliches Geschäft machen, für ihre Billen aufzuwenden in der Lage sind. Präsident Cöbe schlägt hierauf vor, die nächste Sigung anzuberaumen auf den 12. Januar 1926, nachmittags 3 Uhr. Abg. Stoeder( Romm.) beantragt, noch morgen eine Stzung abhalten, um den Antrag auf Einsegung eines Untersuchungsaus fchuffes über die Fememorde und den Ausschußbericht über das Einspruchsrecht des Reichsrats gegenüber den Beschlüssen des Reichs. tags zu beraten. Er behauptet, daß im Reichswehrministerium bereits ein Blan ausgearbeitet wurde, um im Januar den Belage rungszustand wegen der drohenden Unruhen verhängen zu können. Der fommunistische Antrag wird abgelehnt, ebenso ein anderer Antrag, schon am 7. Januar eine Sigung abzuhalten. neten ein frohes Beihnachten und ein gesundes Neues Jahr wünscht. Präsident Löbe schließt die Eizung, indem er den Abgeord Ein instruktiver Vortrag. Der ,, Berein Berliner Kaufleute und Industrieller" hatte den Genossen Reichstagspräsidenten 2öbe aufgefordert, über„ Ameritanische Wirtschaftsfragen und soziale Brobleme" auf Grund der Erfahrungen seiner Amerifareise zu sprechen. Wahrscheinlich wäre ihr dieser geplante Justizmord auch gelungen, wenn sich nicht der wirkliche Täter, ein nach Deutschland entfommener utrainischer Student Dlizanfti, freiwillig bei den preußischen Behörden als Täter gemeldet hätte. Durch die dem Wunsch nach Zurückverweisung nicht verschließen würden, weim Abg. Dittmann( Soz.) erklärt, daß sich die Sozialbematraten Reichstagspräsident Löbe über Amerika. von unserem Genossen Dr. Badt im preußischen Landtag ein- er von einer größeren Frattion ausgeht. Das Zentrum macht nungebrachten Große Anfrage wurde die Tatsache allgemein bekannt mehr den Antrag des Abg. Ulizka zu dem feinigen. Da die Abund sie erregte in der ganzen Welt, vor allem in Bolen selbst, unge- ftimmung zweifelhaft ift, muß Auszählung durch Hammelsprung beures Aufsehen. Seltjamerweise schienen zunächst weder die Bem erfolgen. Es stellt sich die Beschlußunfähigkeit heraus, berger Gerichtsbehörden noch die polnische Regierung von dieser feira mur 238 Abgeordnete anwesend sind, von denen 130 mit ja und fationellen Enthüllung Notiz nehmen zu wollen. Erst der Drud 108 mit nein stimmen. Der Präsident beraumt eine neue Sigung der fozialdemokratischen und liberalen Breffe ganz Europas, ein schließlich Bolens, veranlaßte die Warschauer Regierung, sich das amtliche Material über die Selbstbezichtigung Diszanstys auf diple matischem Wege zu besorgen. Eine nochmalige ausführlichere ErMärung Diszanstys zerstörte endgültig die Anffage der Staatsanwaltschaft. Trogbem fanden sich die Anflagevertreter nicht bereit, die Antlage fofort fallen zu lassen, sondern sie verfuchten mit neuen, von antisemitischen Kreifen in Lemberg und Wien gestellten Belastungszeugen, die Verurteilung dennoch durchzusehen! Der geftrige FreiSpruch hat minmehr diefem Stanbal ein versöhnendes Ende be reitet. Der Steiger- Prozeß gehört sicher zu den dunkelsten Kapiteln der neu- polnischen Geschichte, aber die Zweidrittelmehrheit der Ge fchworenen hat in diesem Fall das Ansehen des polnischen Staates gerettet, der sonst auf die gleiche Kulturstufe wie das Bayern des Fechenbach- Prozesses gejunten märe. Französische Kammerdebaffe über Cocarno. Nad der französifen Berfaliung ist es nicht notwendig, internationale Verträge dem Parlament zur Ratifizierung zu unterbreiten. Auf eine Anfrage hin erklärte Briand jedoch, daß das Kabinett sich entschlossen babe, der Kammer ebenso wie in England und Deutschland einen Gefezentwurf über Locarno vorzulegen und dadurch eine öffentKiche Debatte zu ermöglichen. auf eine Biertelstunde später an. In der neuen Sigung stellt der Präsident Cöbe den un erledigten Anirag Uligta( 3.) auf Rüdverweisung der Borlage über die Leihmg der Landesversicherungsanstalt Schlesien zur Abftimmung. Hauses. Da das Präsidium das Anwesenheitsverhältnis nicht fest Abg. Stöhr( völf.) bezweifelt die Beschlußfähigkeit des stellen fann, muß durch Abgabe von Karten festgestellt werden, ob das Haus beschlußfähig ist. Es find 303 Abgeordnete anwesend, das Haus ist also beschlußfähig. Entsprechend dem Antrag Uligfa wird darauf die Borlage an den Ausschuß zurüder wiesen. In ein paar charakteristischen Zahlen und Beispielen schilderte Lobe die Wesensart und die Verfahrensweise der amerikanischen Wirtschaft. Drei Punkte wurden in den Vordergrund gestellt: der natürliche Reichtum des Landes und der Vorteil des großen, durch teine 3ollfchranten zerriffenen Marties die fortschrittlichen Arbeitsmethoden und endlich, als das Wichtigste, die amerikanische der Maijen zu stärfen und zu pflegen und die wirtschaftliche Wirtschaftsgesinnung, die darauf hinausläuft, die Kauftraft Tätigkeit als„ Dienst an der Gesamtheit" anzusehen. den Massen zuleiten der breiten Massen der Bevölkerung dieses Landes? Löbe gab Woher tommt nun dieser Reichtum, diese ungeheure Kauffraft auf biefe Frage flar und deutlich folgende Antwort: Die Kauftraft Auf Antrag des Abg. Guerard( 3.) werden die nächsten Buntte: fie durch Maffenherstellung und Vertruftung erzielen, nicht nur als tommt daher, daß die Unternehmungen die Produktionsvorteile, die Ausschußberichte über die Gewährung einmaliger Zuwendungen an Arbeitnehmer und Angestellte des befetzten Geblets und über die Arbeitnehmer und Angestellte des befeßten Gebiets und über die Monopolgewinne einstecken, sondern im Wege der Warenverbilligung ferner daher, daß man das Einkommen Bereitstellung von Mitteln zur Bekämpfung der in die Pfaiz durch eines jeden über das Eristenzminimum hinaus zu steigern trachtet französische Truppen eingeschleppten Trachom Krantheit Den der Tagesordnung abgefeßt, ebenso einige Berichte des Ber- Dienst" an der Kundschaft,„ Dienst" also am Boltsganzen, auffaßt. tehrsausschusses. Darauf wird die 3. Beratung des Haushalts des Reichsministeriums für Ernährung und Landwirtschaft 3 fortgesetzt und nach kurzer Aussprache abgebrochen. Ohne Aussprache werden noch erledigt ein gemeinschaftlicher Antrag aller Parteien zur Optantenfürsorge, ein Gefeßentwurf über die Befreiung des Weinzuckers für die diesjährige Ernte von der Zuckersteuer und der Verlängerung des vorläufigen deutsch- portu giesischen Handelsabkommens um ein weiteres Bierteljahr. und endlich daher, daß die Unternehmerschaft ihre Arbeit als Lobe schloß mit der gerade in diesem Zuhörerkreise besonders wirtungsvollen Schlußfolgerung, daß es nicht die natürlichen Reich tümer und nicht die Arbeitsmethoden Amerifas allein sind, die deffen wirtschaftliche Ueberlegenheit begründen. sondern die vernünftige Preis und Lohnpolitik und die Geschäftsgrundsäge des Dienstes" an der Allgemeinheit Dienstes" an der Allgemeinheit schnellste Bedienung mit bester Ware zum niedrigsten Preis wahrhaft geschäftlich nüzliche und im höchsten Sinne vaterländische Grundsätze. Reicher Beifall der Zuhörerschaft folgte seinen Worten. 1 Gewerkschaftsbewegung Für die Reichs- und Staatsarbeiter ist nichts übrig. Jede Wirtschaftsbeihilfe abgelehnt. Die gestern im Reichsfinnazsministerium gepflogene Berhandlung wegen der Gewährung einer einmaligen Wirtschaftsbeihilfe für die Reichs- und Staatsarbeiter einschließlich der Arbeiter der Deutschen Reichspost und der Reichswasserstraßenverwaltung hat zu feinem Ergebnis geführt. Trog eindringlicher Borstellungen, in denen die Notlage der Arbeiter dargelegt wurde, lehnte der Vertreter des Reichsfinanzministeriums, Ministerialdirektor Dr. Notholz, jede Hilfsmaßnahme mit der Begründung ab, daß die Durchführung aus allgemein politischen und wirt schaftlichen Gründen für die Reichsregierung unmög It fei. Diese Haltung des Reichsfinanzministeriums steht in schroffftem Widerspruch zu dem Beschluß des Reichstags, durch den den Beamten eine wenn auch unzureichende Hilfe noch vor Weih nachten gewährt wurde. L Die Eisenbahner werden ungeduldig. Wann fommt es zu Schlichtungsverhandlungen? Der Reichsarbeitsminister scheint es mit der Bestellung des Schlichters zur Regelung des Lohnstreites zwischen den Eisenbahnarbeitern und der Reichsbahngesellschaft sehr wenig eilig zu haben. Bon Tag zu Tag häufen sich bei den Berliner Zentralinstanzen der Organisationen der Eisenbahnarbeiter die Telegramme, die von den Organisationsleitungen fordern, mit allem Nachdrud bei dem Reichscrbeitsministerium darauf zu bringen, daß die SchlichtungsverhandLungen schleunigst eingeleitet werden. Wir sind gespannt, ob es der Reichsarbeitsminister über sich bringt, die nun schon so oft und so bitter von der Reichsbahngesell schaft genarrten Eisenbahnarbeiter ohne jede Lohnnerbesserung in des Beihnachtsfest hineingehen zu lassen. TechBuhr- Ladenschluß an den Ausnahmetagen. Die gefeglichen Bestimmungen über die Sonntagsruhe handelsgewerbe schreiben ausdrücklich vor, daß an den 2usnahmefonntagen, an denen ein Geschäftsperfehr zugelaffen werden fann, eine Beschäftigung der Angestellten über 6 Uhr abends hinaus verboten ist. Die Hauptgemeinschaft des deutschen Einzelhandels verbreitet nun eine Mitteilung, monach der Reichsarbeitsminister in einem Schreiben an die Sozial ministerien der Länder angedeutet haben soll, daß vielleicht mit Hilfe des§ 10 der Verordnung über die Arbeitszeit vom 21. De zember 1923 die gefeßliche Vorschrift des Sechs- Uhr Ladenschlusses an den Sonntagen außer Kraft gefeßt werden könnte. Es ist anzunehmen, daß es sich hier um eine tendenziöje Entstellung der Auffassungen des Reichsarbeitsministers handelt. Der Zentralverband der Angestellten hat sich des halb sofort an das Reichsarbeitsministerium um Aufklärung des Sachverhalts gewandt; er hat gleichzeitig die Sozialministerien der Länder aufgefordert, die zuständigen Verwaltungsbehörden darauf aufmerksam zu machen, daß eine Verlängerung der Sonntags. arbeit über sechs Uhr hinaus ungefeßlich ist. Die Stillegung der Stock- Motorpflug A.-G. Die zum Kahn Konzern gehörige Stod- Motorpflug- 2.- G. hatte den Reft ihrer Belegschaft von ungefähr 500 Mann am 9. Dezember wegen finanzieller Schwierigkeiten entlassen. Die Arhelter, ble jahon medhendong mur Zeitbeträge thres verblenten Lohnes erhalten hatten, befamen auch bei ihrer Enilaffung den ihnen zustehenden Lohn nicht und haben ihn meist bis heute noch nicht erhalten. Sie mußten weiter bei der Aushändigung ihrer Pa piere feſtſtellen, daß die Invaliden marten nicht gelebt waren. Das fonderbare und verworrene Geschäftsgebaren der Konzernleitung in den legten Monaten scheint überhaupt die Hauptursache für den Zusammenbruch des gesamten Konzern zu sein. Es erscheint sonst unbegreiflich, wie der Konzern, dessen einzelne Betriebe und besonders Stod- Motorpflug technisch gut aufgebaut und reichlich mit Aufträgen versehen sind, so ausweglos zusammenbrechen fonnte. Der Deutsche Metallarbeiterverband hat sich bei den Regierungsstellen darum bemüht, im Interesse der Belegschaft den Betrieb Stock- Motorpflug wieder flott zu machen. Das war ihm aber nicht möglich, da die Firma die Unterlagen über den Stand des Unternehmens nicht zur Verfügung stellen woll'e. Sohnabban im alergewerbe. lampfe der Maler und Anftreider im Rheinland und West Söfn, 17. Dezember.( Eigener Drabibericht). In dem Rohn falen war der staatliche Schlichter sowohl von Arbeitgebers als von Arbeitnehmerseite um eine Entscheidung angerufen, worden. Die Arbeitnehmer hatten beantragt, die Löbne unverändert zu lassen, während die Arbeitgeber 15 prozentigen Abbau verlangten. Der Spruch des Schlichtungsausschusses hat Januar ab wird aber der Stundenlohn von 1,05 M. es tür Dezember bei dem jezigen Lobnstand belassen. Bon auf 1 M. und von 95 Pf. auf 90 Pf. herabgefeßt. Von dieses Lohnreduzierung find ausgenommen die Städie Köln, Düsseldorf und Crefeld. Es bleibt abzuwarten, ob die Arbeitnehmer sich mit dieser Regelung einverstanden erklären. Die englische Arbeiterschaft fordert Ratifizierung. In einer Versammlung der entlassenen Belegschaft der Stod Motorpflug- 2.- G. am Mittwoch im Metallarbeiterverbandshaus berichtete Lehmann eingehend über die Situation. Er eilte den Versammelten mit, daß sie sich vorläufig feine Hoffnungen auf baldige Wiederöffnung des Betriebes machen fönnten, da der Kon. furs der Firma nach feiner Anficht unumgänglich sei. Diejenigen, die sich noch nicht arbeitslos gemeldet hätten, sollten dies schnellstens nachholen, um wenigstens in den Genuß der Erwerbslojenuntergebung hingewiesen ist, fährt das Manifest wörtlich fort:„ Die gegenftügung zu gelangen. Die Versammelten schlossen sich nach einer eingehenden Aussprache den Ausführungen Lehmanns an und beschlossen weiter, beim Gewerbegericht auf Auszahlung ihrer rückständigen Löhne zu lagen. Lehmann versprach, daß der Metallarbeiterverband die Angelegenheit weiter verfolgen und die Belegschaft erneut zusammen rufen werde, wenn eine Henderung oder Klärung der Situation eintreten würde. In Hamburg demonftrierten Erwerbslose. Hamburg. 17. Dezember.( Eigener Drabtbericht.) In Hamburg tam es am Mittwoch gegen Mittag au größeren Anfammlungen bon Erwerbslofen vor dem Arbeitsamt. Es bildete sich ein Zug von einigen hundert Personen, der bis zum Rathaus borbrang und auf dem Rathausmarkt Rundgebungen veranstaltete. Dann griff die Bolizei ein und zerstreute die Demonstranten, wobei einige Festnahmen erfolgten. Entlassungen in der Schokoladenindustrie. Hamburg, 17. Dezember.( Eigener Drabtbericht.) Die Reidardt Werte in Wandsbet, eines der größten Bes triebe der Schokoladenindustrie, werden in den nächsten Tagen fast ihre ganze Belegschaft entlassen. Es werden tabura 2500 Arbeiter und Arbeiterinnen brotlos. Das Werf beschäftigte in guten Zeiten 4000 rbeiter. Der Betrieb wird vorläufig nur noch mit 300 Arbeitern fortgeführt. Drohender Konflikt in der Rheinschiffahrt. Duisburg, 17. Dezember,( Eigener Drabtbericht). Die Lohn berhandlungen für das Rheinschiffahrtsperional find gescheitert. Die Arbeitgeber batten das bestehende Lohnablommen zum 31 Dezember gekündigt und die Arbeitnehmer zu Verhandlungen fiber einen 2ohn abbau geladen. Der Deutsche Verkehrsbund lehnte Lobnabbauberhandlungen, fündigte seinerseits das Lohnabkommen und stellte neue Forderungen, die von Arbeitgebern zurüdgewiesen wurden. Falls es nicht durch eine vermittelnde Behörde zu einer Einigung fommt, broht ein offener& onflitt in der Rheinschiffahrt auszubrechen. A.Wertheim Leipziger Str. Königstr. Rosenthaler Str. Moritzplatz Frisches Fleisch Kalbskamm und Brust Plund 72 P1. Kalbskeule u. Rücken and 85 PL Hammelvorderfleisch. Rücken 78 PL geseilt, Pid. Piand Fund Schweinebauchu. Rücken 110 mit Ble. ... Pfund 115 Liesen Kabler Rippspeer u. Kamm 128 Prima Gefrierfleisch Rinderkamm 58 PL u. Brust, Pid. Obst u. Südfrüchte Weihnachtsäpfel schöner von Booskoop, Bellefleurs, role kostocker, 5 Pfd. 1,20, P.d. Amerikaner.... 25 PL. Pfand 40, 50 PL. Almeria- Weintrauben. Pland 48Pt. Walnüsse Haselnüsse.. Pfund von Pfund ven 32 P 72PL Apfelsinen Duizend 38, 45, 65 PL . Duizend 40 Pt. Zitronen. Kalienische Feigen..... Pfund 25 PL. Karton ca. 350 Gramm 75 Pf. Pland von 80 Pt. Datteln Ananas Jamaika- Bananen .... Canarische Tomaten 3 Pfund 1M Kiste ca. 195 15 Pfund Krachmandeln, Traubenrosinen Im Wintergarten Leipziger Straßes Palmen- Verkauf Stück LandleberRotwurst, a. Bofwart, Fland 120 Braunschweiger Pid. 180 Filetwurst... Pfund[ 70 Zervelatwurst Pfund 195 holstein 195 Salamiwurst holstein. Pfund 195 Schinkenspeck in 1 Plund- Stücken, Pfd. 210 Lachsschinken Pariser Art, von/ Pid an, Pid. 370 Gänserollbrüste ganz. u. halb. Brüsten, Pid. 385 Echte Rügenwalder Teewurst Echte Branschweiger Wurst Westt. a. Thürirger Zervelat . Salam wurst Edamer holland Pfund dän. 95 PL. Brie-, Quadratkäse Plund 65 PL Tilsiter, Gouda Pid. 78 PL Holländer... Plund 15 Tilsiter vollfett, Pland 115 Annischer Schweizer Plund 150 Butter deutsche, 10285 PL. Pid.- Paket Butter dänische, Pfund 215 Margarine Plund 60 Pt. Speise- Talgpid- Pak.64 PL Kokosfett 1- Pid- Tafal 66 PL Möhren 2 Pld. 15 P. gewaschen Zwiebeln 2 Pfund 15 PL Sellerie Pfund 10 PL. 18 Pf. Rosenkohl Plund 28 Pl. Leb. Karpfen 110 Plund 1.35, Kabeljau ganze Flache Plund 24 PL Rotbarse oh. Kopf, Ptd. 26 Pl. Schellfische Plond 35 PL Zander.... Plund 98 PL Condon, 17. Dezember.( Eigener Drahtbericht.) Der Generalrat der britischen Gewerkschaften und das Erekutivkomitee der Arbeiterparteien haben am Donnerstag in gemeinsamer Sigung ein Manifest befchloffen, in dem die Ratifitation des Achtstundentages gefordert wird. Nachdem eingangs auf den gegenwärtigen Stand der internationalen Arbeitszeitgeſetzwärtige Regierung beansprucht Anerkennung für den in Locarno erzielten diplomatischen Erfolg. Ihre Verpflichtung auf dem Gebiet der Arbeitszeitgefeßgebung ist jedoch nicht minder dringlich, zumal der Versailler Bertrag, zu dessen Unterzeichnern Großbritannien gehört, den Achtst un dentag als wesentliche Voraus( feßung für den Frieden und das Wohlergehen aller Völker festlegt. Bir appellieren erneut an die britische Regie. rung, das im Namen Großbritanniens gegebene Versprechen zu erfüllen und das Washingtoner Achtstundenabkommen ohne Berzögerung zu ratifizieren." Das Manifest ist für die Gewertschaften von Pugh und Citrine und für die Arbeiterpartei von den Borsigenden Williams y Henderson unterzeichnet. Zu den englisch russischen Verhandlungen. London, 17. Dezember.( Eigener Drahtbericht.) Der General rat der britischen Gewerkschaften besprach am Mittwoch in etner fiebenstündigen Sigung die durch die jüngsten Beschlüsse Amster dams geschaffene Lage und nahm einen Bericht entgegen über die englisch- russischen Gewerkschaftsverhandlungen in Berlin. Nach einem am Donnerstag ausgegebenen offiziellen Bericht nahm der Generalrat eine Entschließung an, in der das Bedauern darüber ausgesprochen wird, daß Amsterdam die englisch- russische Konferenz auf der von den Briten vorgeschlagenen Basis abgelehnt hat. Der Generalrat fordert die Führer der Amsterdamer Inter nationale dingend auf, ihre bisher eingenommene Hal. tung pon neuem einer Weberprüfung zu unterziehen. Bon gut unterrichteter Seite wird der Vertreter des„ Soz Bressedienst in London darauf aufmerksam gemacht, daß der augenblidliche Berzicht der Briten auf Einberufung einer Einigungsfonferenz und 3urüdverweisung des Problems an Amsterdam geeignet fein werde, die gegenwärtige Spannung zwischen London und Amsterdam zu verringern und den Aussichten einer freundlichen Bereinbarung den Weg zu bahnen. inzwischen seine Arbeiten fortsetzen. Das britisch ruffische beratende Gewerkschaftskomitee werde jedoch Berantwortlich für Bolitit: Ern Renter; Wirtschaft: Artur Caterans; Gewerkschaftsbewegung: 3. Steiner: Feuilleton: R. 8. Dalcher; Lofales und Gonftiges: Friz Rarftädt; Anzeigen: Th. Glode; fämtlich in Berlin. Berlag: Borwärts.Berlag G. m. b. S.. Berlin. Drud: Bormärts- Buchdruckeret und Verlaasanstalt Paul Ginger u. Co. Berlin SM 68 Lindenstraße 3. Hierzu 2 Beilagen und Unterhaltung und Wiffen". Lebensmittel Freitag und Sonnabend, soweit Vorrat Leicht verderbliche Artikel können nicht zugesandt werden Sprotten Plund 52 PL Orig.- Kistchen 45 Pt. 55 PL Plund 42 PL Schellfische euch Rotbars, Seelachs geräuchert, Plund 50 PL. Fettbücklinge Pfund 65 PL Konserven Dose Gem. Gemüse sehr fein 235 Kaiserschoten.... 250 Prinzeßtohnen extra mit 1 Dose 1 ohne 195 Schattenmorell. Steine Ananas Hawai L. Schelb. 220 Pfirsiche kalliornische 260 Preiselbeeren, halbe Frucht 10 ( Haricots verts) 165 Stangenspargel Stark 395 Pflaumen ohne Stein 85Pf. Stein 65P Apfelmus Keptela 65PL Astrachan- Beluga- Kaviar & Pid.- Eimer 210 Pid. 420 Lachs gekocht, amerik. 120 a. geschält. Kronenhummern Dose th mit Scheren und Schwänzen, D. 450 9 M ( nur Leipziger Straße), großes Korn, 4 Piund Wein 7.50 Preise für Flasche einschließt. Stener ohne Glas Tarragona Rot sus 135 Gold- Malaga feinste. 165 Douro Portwein ( Calem- Oporto) 265 Sherry lightgold ( Marquis Merlio) 265 Insel Madeira 3M ( Abudarham, Funchal) 1922Domaine de Novéant französischer Rotwein 155 1922 Château La Grolet Propr. Lacroix Bordeaux 190 1918 Chât. Courtillac Bordeaux 275 1917 Fleury Burgund. 225 1921St.Croix du Mont, teins Uẞ., weiß. Bordeaux 275 1921 Oppenheim. Krötenbrunnen kräft. Rheinw 210 215 Proz. 1921 Piesporterer Jamaika- Rum- Verschn. 40 " Extra"** 4 Vol. 440 Weinbrand Kempe ,, Exquisit".... 480 Fruchtschaumwein vorz. Qual., m. Flasche 145 A.W.Spezial Cuvée gut. Tafelsekt, Plascheng. 4 M 6 Frisch gebrannt. Kaffee Sorten 20 4 GO 2M 375 575 11M Honigkuchen, Schokolade Große Auswahl in Weihnachtskronen u. Arrangements Marzipan, Präsentkörbe Wild u. Geflügel Fettgänse gefroren .... Pfund 110 Feine Bratgänse( Hafermast) Pfand 133 Fasanenhähne. Stück 475 Hasen gestreift a. aus 15 mit Fell 495 725 gewor.en, Pfd. Sillck Blätter Pfand 30 Pf Hirschfleisch Ragout 45 PL Pfand Rücken.. Pfund 128 Keulen Rehkeulen Pfand 140 Pfand 210 Back- Artikel Weizenmehl..... .... Pfund 20 PL. Auszugmehl... Pfund 23, 28, 30P. Kartoffelmehl Maispuder. Weizenpuder ... Pfand 18Pt. . Pfand 24 Pf Pfund 52 Pf. Weißer u. blauer Mohn Pid. 75 Pt. Sultaninen... Rosinen... Korinthen Plund 78, 98 PL. Pfand 58, 80PE P.und 50, 68 PL Mandeln und biller... Piund 270 320 Zitronat. Orangeat..... Plund 320 370 .... Pland 140 Selbsttätiges Backmehl Id 43 Pt. 1P d. Paket Vanille- Scholen, Vanillin- Zucker Oalker's Backpulver ,, Backin" Paket 8 Pf. Nr. 596 ♦ 62. Jahrgang 1. Heilage öes Vorwärts 5re!tag, IS. Dezember 1925 Millionen für die Erwerbslosen. Neuer Kurs im Rathaus.— Die Kommunisten bewillige» Steuern. Gestern hat die Stadtverordnetenversammlung die bekannte Notstandsvorlage des Magistrats, die aus den Anträgen der sozialdemokratischen und kommunistischen Fraktionen hervorgegangen ist. verabschiedet. Gewiß ist das, was die Stadt Berlin durch diese Beschlüsse für die Erwerbslosen leisten kann, angesichts der ungeheuren Not nicht ausreichend. Ader gegenüber der Gleichgültigkeit und Passivität, die die Reichsregie» rung und geschützt von ihr die Mehrheit de» Reichstages an den Tag legen. zeigendieBerlinerBeschlüssewenigstens den Willen, nach Kräften zur Linderung der Not beizutragen. Wir glauben nicht, daß damit alle» geschehen ist, was geschehen muß, aber dos Eingreifen des Mogistrats und der Stadtverordnetenversammlung ist immerhin eine Tat. Sie ist um so höher zu bewerten, als die finanzielle Lage der Stadt, wie fetzt wohl allgemein anerkannt wird, keineswegs glänzend ist. Di« langen Beratungen über die Deckung der durch die Ausgaben entstandenen Lücke im städtischen Haushalt haben zur Genüge ge- zeigt, wie schwer es unter dem geltenden Finanzausgleichgesetz der Stadt wird, chren sozialenBerpslichtungen nachzukommen. Die gestrige Stadtverordnetenversammlung hat aber eine De- deutung grundsätzlicher Natur, die weit über die bloße Tat- fache hinausgeht, daß für die Erwerbslosen Hilfsmittel zur Ber- sügung gestellt werden. Zum erstenmal haben die Kom- munisten bei einer großen und entscheidenden Aktion ein« Haltung eingenommen, die al» ein« wirkliche Vertretung von Arbeiterinteressen be- Zeichner werden kann. Sie haben endlich angesichts der Not der Erwerbslosen und angesichts de» Zwanges, nicht nur Phrasen zu dreschen, aus die Sozialdemokraten zu schimpfen und HIlse beim Ausbruch der kommenden Revolution anzukündigen, sich dazu verstanden, auch unter dem geltenden Steuersystem Deckung für die notwendig gewordenen Ausgaben z u b e w i l l i g e n. Ei« haben der Erhöhung der Grund» st euer um 50 Proz. zugestimmt, sie haben die Erhöhung der LruUoabgaben der Werke von S auf 8 Proz. bewilligt und sie haben die Erhöhung der Hundesteuer(welch Verstoß gegen alle revolutionären Prinzipien I) mit einem noch nicht dagewesenen Eifer verteidigt. Die Begründung, die der Kommunist Schwenk für die Zustimmung seiner Fraktion zu den Deckungsbeschlüssen de» HaushaUsausschusies gab, war nicht nur«ine Schwenkung, sondern ein vollständiger Bruch der bisherigen Theorie und Praxi» der kommunistischen Kommunal- Politik. Jahrelang haben die Kommunisten im Rathaus unsere Genossen als Verräter beschimpft, well sie mit Rücksicht aus die geltenden Steuergesetze de» Reiches und Landes die Erträgnisse der Städtischen Werke zu einem Teil für den Haushalt herangezogen haben. Die berühmten»dreißig Millionen", die aus den Werken mit Zustimmung der Sozialdemokratie»skandolöserweise" für Käminereizwecke verwandt wurden, waren eines der Hauptzugmittel de? kommunistischen Wahlagitation. Die Bewilligung der Grund- steuer war eine der größten.Gemelnheiten", die auf unser Schuld- konto zu setzen war. Und gar die Hundesteuer hatte es den revolutionären Strategen ganz besonder» angetan. Roch vor zwei Tagen spürte man die prinzipiellen Bedenken in einem Bericht der»Roten Fahne" über die Ergebnisse der städtischen Ausschuß- beratungen. Gestern gingen die Kommunisten noch weiter: sie ge- nehmigten sogar ausdrücklich noch einmal den Steuerverteilungs- beschluß für das Houshaltssahr 192S und setzten damit feierlich ihr Moskauer Jnsiegel unter die sozialdemokratische Finanz- und Steuerpolitik der letzten Jahre. Endlich scheinen sie begriffen zu haben, daß eine Arbeiter part«, die im Rathau» für die Interessen der werktätigen Bevölkerung arbeiten will, auch die unangenehmen Konsequenzen ziehen und Steuern »im kapitalistischen Staat" aus Grund»kapitalistischer Steuergesetze" bewilligen muß. Wir wollen es den Kommunisten nicht nachtragen, daß sie jahrelang unsere Haltung als»Arbeiteroerrat" ver- leumdet haben. Wir wollen uns freuen, daß sie sich endlich eines Besseren besonnen haben und daß durch ihre Pekehrung das p o s i- tio« Eintreten der Sozialdemokratie für die Not der Erwerbslosen ganz wesentlich erleichtert worden ist. Wir hassen, daß diese veränderte Haltung der Kommunisten im Berliner Rathaus über Berlins Grenzen hinaus auch auf andere Rathäuser abfärben möge. Und wir sind überzeugt, daß ihre un- sinnige und den Arbeiterinteressen schädlich« Haltung, die sie zu ähnlichen Fragen in den Landesparlamenten und Gemeinden bisher eingenommen haben, nun endlich revidiert wird. Der Mut zur Veranttvortung und der Wille, gelegentlich auch eine unpopuläre Maßnahme durchzuführen, wenn das im Interesse der werktätigen Bevölkerung liegt, ist die Doraussetzung dafür, daß die Arbeiter- dewegung wieder zum einheitlichen und ge- schlossenen Handeln kommt. Die Sozialdemokratie im Berliner Rathau« kann deshalb auf die Ergebnisse der gestrigen Sitzung mit einer besonderen Genug- tuung zurückblicken. Es ist ihre Taktik und ihr« Ausfassung von Arbeiterpolllit, die sie d u r ch g e s e tz t h a t. Wird dieser Weg weiter gegangen, dann wird es möglich sein, auch weitere Er- folge für die Berliner Bevölkerung zu buchen. Da» Rückzugs- gefecht mit einer Reihe von Anträgen nehmen wir dabei ebenso- wenig ernst, wie die Kommunisten e» selber nicht ernst genommen haben. Ihre Schwenkung zu den Steuerfragen ist da» entscheidende. Die gestern abgehaltene Sitzung der Stadtverordneten nahm zunächst dt« Wahlen für die Mitglieder de» Stadtrate» vor. Es waren Listen von den Sozialdemokraten, den Deutsch- nationalen, Kommunisten, der Deutschen Volkspartei und den Demo- traten eingereicht worden. Gewählt wurden von unserer Frak- tion die Genossen Cheminski, Hei mann und Dr. Wein» b e r g, zu Stellvertretern Dr. Loewy.Haß und Genossin W e y l. Bon den Deutschnationalen wurden Dr. Stetniger und Fabian, von der Volkspartei Hallensleben, von den Kommunisten Dr. Meyer und von der demokratischen Fraktion Oberbürgermeister Löß gewählt. Dann wurde die Neuwahl der unbesoldeten Stadt- röte vollzogen. Gewählt wurden: die Sozialdemokraten Frau Weyl, Dr. Treitel, Schlichting und A h r e n s. Die KPD. bracht Goebel und Rebe durch, die Deutschnationale Fraktion Wege, Dr. Richter und Frau Kraußler, die Demokraten Katz, die Volkspartei Benccke und die Wirtschoftspartei Busch.— Die Versammlung ging dann an die Beratung ver Deckungsvorlagen für die Mehrausgaben aus Anlaß der Zlolstandsmtchmihmen zur Linderung der Erwerbe- losigkeit. Der Haushaltsausschuß hatte die vom Magistrat beschlossenen Notstandsmaßnahmen gutgeheißen. In bezug auf die Deckungs- vorläge schloß sich der Ausschuß ebenfalls dem Vorschlag des Magi- ftrals an.(„Vorwärts" von gestern Abend.) Rothe von der KPD. brachte eine Reihe von Zusatzanträaen ein. D o v e(Dem.i. S ch w e n ck(KPD.) und Steiniger(Dnat.) erklären, wenn auch mit gewissen Einwendungen, die Zustimmung ihrer Fraktionen zur Deckungsvorlage. Genossin Todenhagen begründete folgenden Zusatz antrag der sozialdemotrotischen Fraktion: »Die Stadtverordnetenversammlung ersucht den Magistrai, Mittet zur Kinderspeisung und Kindererholungssürsorge zur Ver- sügung zu stellen. Die Versammlung beauftragt serner den Magistrat, beim Ministerium für Landwirtschast und Ernährring die Ausschüttung von Mitteln für Kinderspeisung zu beantragen." Unsere Rednerin teilte mit, daß mit Beginn des nächsten Jahres die Mittel der Bezirksämter für Schulspeisungen und Erholungs- fürsorge erschöpft seien. Wir wissen, daß der Magistrat mit seinen Mitteln haushalten nmß, deshalb haben wir im zweiten Absaß unseres Antrages den Weg gezeigt, wie die Mittel zu beschaffen stnd. Genosse Urich: Die Zusatzanträge der Kommunisten be- deuten eine Verzögerung der ganzen Notstandsmaß- nähme, well sie eine neue Ausschuhberatung nötig machen. wir Sozialdemokraten find allerdings der Aussassung, daß de» Erwerbslose» sofort geholfen werden mvß und im Ausschuß sind all« Patoien, einschließlich der Kom- munisten, derselben Meinung gewesen. Deshalb sollte man durch solche Zusatzanrräqe, wie st« vorliegen, nicht das ganze Hilfswerk gefährden. Dem Antrag der KPD. auf Durchsührung und Wiedereinführung der 48-Stunden.Woche in den städtischen Betrieben, Ber- waltungen und Gesellschaften werden auch die Sozialdemokraten zustimmen. Genosse Reuter gibt seiner Freude darüber Ausdruck. daß von allen Seiten des Hauses die Notwendigkeit anerkannt wird. zur Erhebung der Not der Erwerbslosen sofort Mittel berett zu stellen. In der A b st i m m u n g wird zuerst der Zusatzantrag unserer Fraktion angenommen. Die Linke de» Hause« nimmt serner den Antrag betreffend der 48-Stund«n-Woche an. Unter Ablehnung oller kommunistischen Abändenmgsanträge wird sodann der Haushaltsbeschluß nahezu einstimmig angenommen. A n- genommen wurde serner ein Antrag, den Erwerbslosen mit eigenem Haushalt die Hauszins st euer-zu erlassen.— Die Festsetzung der Beiträge für die Berussschulen wird nach der Magistratsvorlag« angenommen, ebenso wird die Der- Pachtung des Rieselgutes Münchehofe beschlossen. Roch einem Ausschußbericht der Genossin Fahrenwald beschloß die Versammlung die Erhöhung der Hundesteuer für da« letzte Vierteliahr de« Rechnungsjahres mit der Maßgabe, daß der Mehrertrag für d-e W o h l f a h r t s p s l e g e bereitgestellt wird. Ein Antrag unserer Fraktion, den Erwerbslosen für die Dauer der Erwerbslosigkeit die Hundesteuer zu er- lassen, wird gegen die Stimmen der rechten Seite angenommen. Nach Erledigung und Kenntnisnahme einer Reihe von Vorlagen trat die Versammlung ip eine nichtössentlich« Sitzung ein._____ Die Not der Ssrlmer Sevölkerung in Zahlen. Am Mittwoch abend wandte sich der Bürgermeister Scholtz mit einer Rnndfunkansprache an die Berliner Bevölkerung, um sie zur tätigen Mithilfe an der städtischen Wohlsahrt auszusordern. Der Redner schilderte Zuerst die große Not, in der sich zuerst der elfte Teil der gesamten Berliner Bevölkerung befände, der von Unter- stützungen leben müsse. Die städtische Wohlfahrt hat zurzeit rund ?05 000 Sozlalrenlncr, stleiarenlner und sonstige lausend Unter- stützte mit ihren Familienangehörigen zu betreuen. Sie habe zu sorgen für über 80 000 ftriegsbeschädigtc und Kriegerhinterbliebene und zu diesen Zahlen träten jetzt in der Zeit der Arbeitsnot nach der letzten Zählung rund 000 erwerbslose Arbeitsuchende, von denen bis jetzt rund TjOOO Unterstützung empfangen, hinzu. Im ganzen leben gegenwärtig 300 000 Berliner Bewohner von llnler- ftühung. Diese Not wirlt sich in den verfchiedenstcn städtischen Einrichtungen aus. Die Ausnahmen im städtischen Obdach sind vom 1. Oktober bis zur Jetztzeit von rund 2000 Personen auf 4500 angewachsen. Die tägliche Portianenzahl der großen städtilchen Volks- küch« in der Tresckowsiraße bat sich in der gleichen Zeit von 7500 auf 1l 000 vermehrt. Die Zahl der entlassenen Straf« gefangenen, die die Fürsorge der Stadt gemeinsam M't der freien Wohlfahrtspflege in Anspruch nehmen, hat sich im letzten Vierteljahr mehr als verdoppelt. In vielen Fällen steht hinter einer einzigen dieser Zahlen eine große notleidende Familie: in vielen Fällen bedeutet die wirtschaftliche Not der Erwerbslosigkeit zugleich schwerste gesundheitliche und erzieherische Geiährdnng einer ganzen Familie. Diese Hilfe der Stadt wird iin Laufe des Winters einen Aufwand von über 3 000 000 M. erfordern. Bedürftigen und arbeitsfähigen unfreiwilligen Erwerbslosen, die keinen Anspruch aus Erwerbslosemmterstützung haben, gibt die Stadt eine Errrerbülosen- Hilfe aus Wohlfahrtsmittcln. In allen Verwallungsbezirkn» sind jetzt Wärmehallen geöffnet und die B o l k s f p e i s u'n g e n, sowie die Wohlfahrtsspeisungen werden in erbähtcm Maße in Anspruch genommen. Die Stadt versucht, Erdarbeiten bei der Kanalisation und bei Bahnen zu schassen. Alle dieft städtischen Maß- nahmen erfordern«inen Betrag von 20 000 000 M. und noch mehr, aber sie vermögen das Elend nicht völlig zu bannen. Deswegen be- grüßt die Stadt dankbar alle Bestrebungen der organisierten freien Wohlsahrtsvflepe aller Richtungen. Schlisßsich wendet sie sich an die Berliner Bevölkerung mit der Biite. Wohljahrtsbriefmarken zu kaufen, deren Ertrag der Stadt zufließt. 45) Die Passion. Hornau von Clara Viebig. Wando war aus dem Osten gekommen, einfach aufs Ge- ratewohl nach Berlin gekommen: sie hatte keine Eltern mehr und auch sonst keine Aerwandten, sie wollte sich irgendeinen Verdienst hier suchen. Sie hatte keinen gefunden. Aber auf der Straße war sie umgesunken eines Nachts, weil sie kein Obdach hatte, und vor Entkräftung. und weil ein Kerl sich über sie hergemacht halt«: sie war ganz kaputt. Mit einer schaudernden Neugier hörte Eva zu. Ihre Augen schielten nach jener hin, die so Entsetzliches erzählte. Aber Wando selber war ganz wohlgemut. Nun war ja alles nicht mehr so schlimm, nun Halle der gute Doktor sie wieder zulammen- geflickt, und das gute Schwesterchen kämmte ihr alle Tage die Haare; es waren keine Laufe mehr darin. Sie hatte es eigenllich bester hier, als sie es in der Heimat gehabt hatte, aber sie wollte doch wieder dorthin zurück. Sie hatte solche Sehnsucht. Wenn sie nur jemanden wüßte, der ihr das Geld uir Fahrt schenkte. Aber sowie sie hier entlassen wurde, ließ .ie sich die Haare abschneiden, verkaufte die— Eoa sah, wie lang und stark sie waren, mächtige Haare—, für das Geld kam sie schon ein gutes Stück weit, und dann bettelte sie sich einfach durch, lief Tag für Tag, lag nachts in einem Heu- schvber oder unter einer Hecke. Sie lachte, wenn sie davon sprach, und ihre schwarzen Augen glänzten. Sie war eine Vagabimdin. aber sie hatte Eoa lieb. .T>u sollst mit mir kommen," spracb sie.„Ich habe keinen. du hast keinen, komm, wir werden zusammengehen!" Aber Eoa schüttelte den Kopf: wenn es sie auch ver- lockte, mit Wando in die weite blaue Ferne zu ziehen, so konnte sie das doch nicht, sie hatte ja doch jemanden.„Wenn es bei der Tante gar nicht mehr geht, dann werde i ch fckion sehen" — daran klammerte sie sich. Nachts, wenn sie nicht fest schlafen konnte, durch die ständige leise Unruhe im schwacki erleuchteten Saal immer wieder aufgeschreckt, denn bald drehte sich in diesem Bett eine, bald in jenem, bald seufzte es hier, bald ächzte es dort, und die Nachtwache bewegte sich auf schleichenden Filzsohlen die Reihen entlang und beugte sich über dieses Bett und über jenes, dann dachte sie immer an dieses tröstlich« Wort. Zuweilen wurde im Grauen des Morgens eine hinausgeschafft und kom nicht mehr wieder— wo war sie hingekommen? Man flüsterte davon. In diesem wirren halbwachen Zustand, zwischen Geräuschen, die sie an- fangs erschreckt hatten, an die sie aber jetzt gewöhnt war. träumte Eva von ihrer Frau Lessel. Da stand die zwischen dem Bett von Wanda und ihrem Bett, in dem schmalen Durch- laß, nahm die fiebernde abgemagerte Krankcnhand zwischen ihre tülilen glatten Finger und lächelte:„Nur Mut. kleine Eoa. ich werde schon sorgen." Ihre Augen bückten wie Sterne durch die trübe Nacht des Krankensaals. Dann streckte Eoa die Arme aus und warf sich unruhig. Sie wußte dann auf einmal nicht mehr: stand da die schöne Dame oder ihre Mutter? „Du mußt rubig liegen," sagte Schwester Johanna am Morgen.„Schwester Ida. die die Wache hatte, beklagt sich, du hättest wieder soviel angegeben. Das geht nicht, du störst die anderen." Es sollte streng klingen, aber das brachte Schwester Johanna nicht fertig. Die Kleine tat ihr leid, sie war die Jüngste im Saal und im ganzen ein geduldiges Wesen: es war hart, so jung zn sein und dann schon hier liegen zu müssen. Sie beugle sich über das Mädchen und strich ihm das schmal gewordene Gesicht. Eva hätte gern beide Arme um den Nacken der hübschen SHwester gelegt und sie auf den Mund geküßt, aber dem wich Schwester Johanna immer aus.— Ob denn Frau Lesiel noch nicht kam? Eva wurde immer sehnsüchtiger, sie wartete ungeduldig. Der Onkel hatte gewiß ihre Bestellung nicht ausgerichtet, der Dame nicht wissen lassen, daß es ihr schlecht ging. Sobald der Onkel wieder her- kam, mußt« sie ihn befragen. Aber er ließ sich nicht sehen. Wohl aber erschien an einem Sonntag die Tante. Da war der ganze Saal voll mit Menschen, nur bei Wanda stand niemand. Frau Ella war sehr schlechter Laune, die Besuchsstunde lag so unbequem zeitig am Nachmittag, nun tonnte sie das Ge- schirr vom Essen erst am Abend abwaschen: ein ganz ver- pfuschte? Sonntag. Aber Stefan hatte sie so angetrieben: „Geh du doch mal hin, ich war so schon mal da." Sie.legte eine Tafel Schokolade und eine Düte Pflaumen auf Cvas Bett.„Na, Eoa, wie geht es dir denn?" „Ganz gut," antwortete Eva.„Sie sind alle freundüch zu mir. Es ist nur so schrecklich, immer zu liegen. Und dann, was sie alles mit einem machen!" „Was machen sie denn mit dir?" Nun war die Frau Wilkowski interessiert: setzt würde man doch dahinterkommen, was Eoa eigenllich fehlte.„Qllecksilber—? Nee, was du nich sagst! Zu was ist die Kur denn, gegen was soll die helfen?" Sie war neugierig, aber sie konnte es nicht erfahren. gegen was die Kur war. Denn Eva wußte es auch nicht. „Aber ich fühle mich doch schon besser," sagte Eoa.„Nur das Zahnfleisch tut mir oft weh: das komint von dem ekligen Einnehmen. Und dann läuft mir auch immer das Wasser aus dem Mund." „Ich hab's dir ja immer gesagt, du sollst dir besser die Zähne putzen." „Ich spüle hier immer mit Wasserstoff" sagte Eva. „Was hat Irma für schöne gesunde Zähne!" Und Frau Ella sing an zu erzählen, was Irma überhaupt für ein Glück hatte, gleich von der Handelsschule weg hatte die eine gute Stellung bekommen, und nun hatte sie auch einen Herr* kennengelernt, nicht bloß so einen, der mit ihr ging, nein, hrl dem wurde sie Privatselretärin, sowie er sein Bureau auf- machte. Aber das interessierte Eoa alles nicht. Sie faßte die Tante am Kleid, sie hatte Angst, die könnte fortgehen, ehe sie ihr Anliegen vorgebracht hatte.„Weißt du nicht, Tante, ob Onkel an Frau Lessel geschrieben hat, daß ich krank bin?" Nein, das wußte Frau Ella nicht. Was würde das die Dame auch groß interessieren! Aber Eva beharrte daraus:.Loch, doch." Und dann bat sie, so innig, wie die Tanie sie noch nie hatte bitten hören: „Ach, bitte, bitte, erinnere doch Onkel daran. Cr hat es gewiß nach nicht getan, sonst wäre Frau Lessel längst hier gewesen." Frau Ella zuckte die Achseln: das bezweifelte sie. die feine Dame hatte wohl anderes zu tun, als hier die Eoa zu be- suchen. Aber sie sagte das nicht laut. „Bitte bitte, liebe gute Tante, denk doch dran! Wenn du es Onkel sagst, tut er es gleich." Als die Tante gegangen war, lag Eoa ganz schwach da. Sie schloß die Augen, und langsame Tränen sickerten ihr über die Wangen. Nun glaubte sie es ganz genau zu wissen, daß Frau Lessel noch nicht benachrichtigt worden war. Das war schändlich! In ihrer Empörung über so viel Vergeßlichkeit wurde ihr die eigene Ohnmacht erst recht fühlbar. Im Bett nebenan hatte Wanda, die keinen Resuch be- kommen hatte, aufmerksam zugehört. Nun stützte sie sich ein wenig auf den Ellenbogen und den Kopf in die Hand, so daß ihr die starkdrähtigen Haarflechten lang über den groben Betttittel hingen, und guckte hinüber zu Eva.„Was weinst du denn?" Eva schluchzte. (Fortsetzung folgt.) Futterkartoffeln für Speisekartoffeln. Aus den Verhandlungen der Handelserlaubnisstelle. Vor der Handelserlaubnisstelle des Polizei. präsidiums in der Magazinstraße tamen mehrere Anträge des Polizeipräsidenten über die Untersagung des Handels mit Gegen ständen des täglichen Bedarfs zur Berhandlung. Der weitaus schwie rigste Fall beschäftigte das Gericht über drei Stunden lang und zwar gegen den Kartoffelgroßhändler Janischewski, der zwei Waggons Kartoffeln zum Zentnerpreise von 1,07 M. als Futterfartoffeln eingekauft hatte und sie mit einem gewaltigen Aufschlag zum Preise von 2,28 M. an das Anschaffungsamt der Stadt Berlin zur Lieferung an die Irrenanstalt Herzberge weiterverfauft hatte. Zunächst wurde der Zeuge und Einkäufer des Janischewsfi, Baumgarten, vernommen. Baumgarten beantwortet die Frage des Borfizenden, eb ihm der niedrige Preis, da doch der Tagespries zirfa 1,70 m. betrug, nicht aufgefallen war, bejahend. Er erzählte dann, wie der Kauf vor sich gegangen ist, bestreitet aber, von dem Bermittler des Kartoffelhändlers Silberstein Futterfartoffeln getauft zu haben. Er will Speisekartoffeln erstanden haben. Gegen dieje Behauptung tritt der Vermittler Wiersch, der auch zugleich Sach verständiger ist, auf. Er behauptet, Futterfartoffeln an 3. verkauft zu haben. Der Vertreter des Polizeipräsidenten, Oberinspektor Reinle, beleuchtet dann die skandalosen 3ustände auf dem Nordbahnhof. Die auswärtigen Absender waren vollständig auf Treu und Glauben den Berliner Grossisten ausgeliefert. Preise wurden gewaltig gedrückt, die Differenz tam jedoch nicht den Verbrauchern zugute, sendern füllte zweifels ohne nur die Taschen der Grossisten. Es ist geradezu standalös, daß zeitmeise 80 Prozent der eingehenden Kartoffeln beanstandet werden mußten. Ein großer Fuhrunternehmer aus Weißensee, dem er die beiden in Frage fommenden Waggons anbot, lehnte den Kauf ab, da, ihm die Kartoffeln selbst als Futtermittel zu schlecht waren. Janischewski aber hat den Mut besessen, die Kartoffeln zum Preise Die non 1,07 m. zu faufen und sie an die Irrenanstalt Herzberge für 2,28 M. zu perfaufen. Nach furzer Beratung wurde das Urteil ver fündet: Das Handelsverbot vom 2. November wird. in vollem Umfange aufrechterhalten. Das Geschäft ist spätestens bis zum 15. Jamuar 1926 zu schließen. Außerdem hat der Berurteilte eine Gebühr von 50 M. zu zahlen. Während zwei meitere Kartoffelwucherfälle vertagt werden mußten, tam das Gericht in einem ergangenen Handelsverbot gegen die Firma Weinberger megen Schofoladenfälschung Weinberger hatte Milch- und Schmelzschokolade mit Zuhilfenahme von Magermilch fabriziert und durch Etikette und Umschläge die Bevölkerung über den Wert des Fabritats irregeführt zu einer Aufrechterhaltung des Handelsverbots. Der nächste Fall betraf den Handelsagenten Walter Wassermann, der sich groben Betruges und Kreditschwindels schuldig gemacht hatte. Das Handelsverbot gegen ihn wurde in vollem Umfange auf rechterhalten. Der letzte Fall betraf den Inhaber der Konserven fabrit Dietrich in Köpenid. Er hatte nachgemachte Kon ferven als Leipziger Allerlei verkauft, indem er statt junger grüner Erbsen Saderbfen aufquellen ließ und sie dann in Büchsen verarbeitete. Da jedoch kein gesundheitsschädlicher Nachteil für Berbraucher darin erfannt werden konnte, erhielt er vorerst nur eine Berwarming. Der Prozeß gegen die Gräfin Bothmer. In den ersten Nachmittagsstunden wird Hausdiener Otto Stan gen als Zeuge pernommen. Er will seine Selbstbezichtigung nur deswegen gemacht haben, um Unterkunft zu bekommen. Die Geldbeträge der Gräfin betrugen entwa 80 M. Sie hat ihm versprochen, wenn er aus dem Gefängnis tommt, für ihn zu sorgen und ihn mit Geld zu unterstützen. In der Nachmittagssigung fann die Gräfin vor Erschöpfung anscheinend der Berhandlung nicht mehr recht folgen. Sie befundet, daß ihr Gatte fchon acht Tage vor dem Legten Selbstmordverfuch gleichfalls versucht habe, fich zu erschießen. Als die Potsdamer Diebstähle zur Berhandlung tommen, bestreitet die Gräfin dem Präsidenten Ried meder Wäsche noch Teppiche gestohlen zu haben. Die Teppiche habe fie von dem unbekannten Germersdorf getauft und acht Tage später jei ihr ein Mann im Botsdamer. Augufte- Bittoria- Krantenhaus begegnet, der den Aerzten dort ebenfalls Teppiche angeboten habe. Borf.: Sie hatten doch viel Schulden, weshalb tauften Sie denn so teure Teppiche? Angell.: Ja, die reizten mich und ich mußte fie taufen. Die Gräfin äußert die Bermutung, daß Germersdorf als Beauftragter der ihr schlecht gesinnten Potsdamer Familien als sogenannte Salle ins Haus geschickt worden sei. Dann verwidelt fich die Angeklagte in Widersprüche, so daß der Borfigende sie fragt, ob sie noch verhandlungsfähig sei. Die Gräfin wird darauf von dem zuständigen Gerichtsarzt untersucht und man reicht ihr Tee in die Anflagebant, von dem zuerst die Verteidiger vorsichtigerweise selber toften. Dann wird die Berhandlung auf Freitag 9 Uhr vertagt. Es soll dann die Hauptzeugin, Frau Bandura, vernommen werden. Im Gerichtssaal wurden vor Schluß der Verhandlung die Berser brücken ausgebreitet und der Sohn des Präsidenten Ried erkennt diese als Eigentum feines Baters an. Regierungsrat Graf Ludwig v. Bothmer hat gegen seine Gattin, die Gräfin Elinor v. Bothmer, auf dem Potsdamer Landgericht die Scheidungsflage eingereicht. In dem Prozeß hat der Graf feine Aussage verweigert. Seltsames von der OPD. hat, nachdem fich die Stadt geweigert hat, dieser Firma, bie in Bahlungsschwierigkeiten geraten ist, ohne diese Gesamtgarantie der Boft die Hauszinssteuerhypothet zu gewähren. Es ist also der Es ist also der merkwürdige Fall eingetreten, daß eine Reichsbehörde die Garantie für eine schwach gewordene Privatfirma übernimmt. Was sagt Reichsgeldern? Jedenfalls werden wir die weitere Entwid ber Reichspost minister zu dieser Berwendung von lung der Angelegenheit, an der auch noch andere Behörden beteiligt sind, im Auge behalten. Besucht die Weihnachtsausstellung der Sozialistischen Arbeiterjugend Groß- Berlin im Jugendheim, Berlin SW 68, Lindenstraße 3 Bücher für Kinder, Jugendliche und Erwachsene./ Wanderartikel in reichhaltig. Auswahl zu niedrigst. Preisen./ Musikinstrumente ufw. Der Besuch der Ausstellung ist unentgeltlich! Geöffnet wochentags von 4-9 Uhr und Sonntag von 10-8 Uhr Das Feuergefecht der Wilderer. 3½ Jahre Zuchthaus für den Haupttäter. Für den Landmann Ronrad B. hatte eine Hafenjagd, die er mit seinen Brüdern und einigen Freunden in der Niederlehner Gemartung veranstaltete, ein sehr böses Nachspiel Wegen gemeinschaftlichen Bilderns, tätlicher Bedrohung eines Beamten und wegen versuchten Totschlags mußte er sich jetzt vor dem Schmur. gericht des Landgerichts II verantworten. Die übrigen Teilnehmer sind vom Amtsgericht Neukölln bereits abgeurteilt, nur der Angriff des P., der einen Jagdaufsehr geschlagen und mit einem Revolver bedroht hatte, wurde als versuchter Totschlag ausgelegt und an das Schwurgericht überwiesen. Jeder mit einer Waffe und einem Stod versehen, begaben sich eines Tages fünf junge Leute auf eine sogenannte Kaninchenjagd". Ihr eigentlicher 3wed aber war das Schießen von Hafen. Als der 74jährige Jagdaufseher 3. auf einer Anhöhe zwei der verdächtigen Jäger bemerkte, suchte er sie au stellen. Ohne weitere Auseinandersetzungen schlug Konrad B. dem alten Mann mit der Faust ins Gesicht, während der 23jährige Mar W. den Aufseher zu Boden stieß. Dann zog P. seinen Revolver mit den Worten:„ Sieh mal, alter Junge, was wir hier haben!" Darauf suchten die beiden Burschen das Beite. Da der Jagdhüter in der Ferne die anderen drei auftauchen sah, zog er sich zurück und holte Hilfe. Ein Oberlandjäger nahm dann gemeinsam mit dem Revierförster und einem Feldhüter die Verfolgung der Wilderer auf. Als Diese nun angerufen und aufgefordert wurden, stehen zu bleiben, ergriffen drei von ihnen die Flucht, die anderen aber gingen sofort in Dedung" und erwiderten die auf sie abgegebenen Schüsse. Ein regelrechter Feuerfampf entstand, bei dem es nur einem glücklichen Zufall zu danken war, daß niemand ernstlich verletzt oder getötet wurde. Dem Feldhüter wurde die Müze Dom Kopf geschossen und Konrad P. erhielt einen Sted schuß in die rechte Seite der Nase. Der Angeklagte und die als Zeugen erschienenen anderen Teilnehmer dieser gefährlichen Jagd" suchten sich in der Verhandlung gegenseitig zu belaften und für die Schießerei verantwortlich zu machen. So war es dem Ges richt nicht möglich, die eigentlichen Schüßen festzustellen. Daß der Angeklagte aber den alten Jagdaufsehr in der rohesten Weise angegriffen und bedroht hatte, wurde einwandfrei bewiesen. Da Konrad P. noch verschiedene andere Straftaten auf dem Kerbholz hatte, tam eine Gesamtstrafe in Frage, die nach dem Antrag des Staatsanwalts auf 3 Jahre und 6 Monate Buchthaus lautete. Der bis dahin auf freiem Fuß befindliche Angeklagte wurde sofort verhaftet. Einmalige Zuwendung für Militärrentenempfänger. Die Militärrentenempfänger erhalten für Dezem ber 1925 eine einmalige Zuwendung in der Höhe eines Biertels der ihnen für Dezember 1925 zu gewährenden laufenden Versorgungs gebührniffe. Die Auszahlung erfolgt in der Weise, daß die Ver forgungsämter die Zahlung der einmaligen Zuwendung mit der Bahlung der laufenden Rente für Januar 1926 verbinden. Den Gesamtbetrag an Rente erhalten die Empfänger vom 28. Dezember 1925 an. Sahltage bei den Bostanstalten find der 28., 29. und 30. Dezember 1925. Die Fürsorgestellen zahlen als einmalige Bu wendung ein Biertel der für Dezember 1925 zu gewährenden Zusatzrenten möglichst noch vor Weihnachten an die Empfangsberechtigten aus; den Zahlungstag werden die Fürsorgestellen für ihren Bezirt bekanntgeben. Berliner Poftverkehr zu Weihnachten und Neujahr. Am 20. und 27. Dezember( Sonntage) sowie an den beiden Beihnachtsfeiertagen und am Neujahrstage sind die Post schalter wie sonst an Sonntagen offen, jedoch können am 20. von 9-5 Uhr bei sämtlichen Patetannahmestellen gewöhnliche und Wert patete aufgeliefert werden. Am 25. tönnen in der Zeit von 8-1 Uhr bei allen Batet ausgabe ämtern Balete abgeholt merden. Am 20., 25. und 27. werden auch nach Landorten Batete zugeftellt, am 26. und am Neujahrstage indeffen nicht. Am 2. Weihnachtsfeiertage ruht auch die 3uftel lung der Brieffendungen und Zeitungen, die an den sonst genannten Sonn- und Feiertagen nach den gewöhnlichen Borschriften für den Sonntagsdienst erfolgt, nur ist am Neujahrstag Das Rundfunkprogramm. Freitag, den 18. Dezember. Freitag, den 18. Dezember. Man schreibt uns: Die Oberpostdirektion( DPD.) beauftragt in auffälliger Weise seit Jahren monopolartig eine Berliner Baufirma mit der Aus führung ihrer zahlreichen Wohnungsbauten. Dieses Verfahren, das mit den Bestimmungen über die Bergebung öffentlicher Arbeiten in trassem Widerspruch steht, soll zu recht intimen Beziehungen geführt haben. Das Merkwürdigste scheint sich aber jetzt vorzubereiten: während es allgemein üblich ist, auch bei der Bost wenigftens anderen Baufirmen gegenüber, daß die Behörde eine Arbeit Außer dem üblichen Tagesprogramm: geberhypothet in fester Summe gibt und die Baufirma Garantie 4 Uhr nachm.: Plaudereien unter und Risiko für die Gesamtfinanzierung zu übernehmen hat, soll Werbeveranstaltung. 4.30-6 Uhr nachm.: Oesterreich in Dichtung die Oberpostdirektion dieser begünstigten Firma entgegen den beund Musik. 6.30 Uhr abends: Zehn Minuten für die Frau. 6.45 Uhr stehenden Vorschriften soweit entgegengefommen sein, daß die Oberpostdirettion Garantie und Risito für die Gesamtfinanzierung für ein großes Bauvorhaben in Steglig in Höhe von etwa zwei Millionen Mart übernommen Jedem Bubentopf auf den Gabentisch einen Karton„ Schwarztopf- Schaumpon" in Weihnachtspadung, und wir tönnen uns in den Festtagen an dem duftigen schönen Haar unserer Jugend erfreuen. dem Weihnachtsbaum. abends: Dr. C. Kaßner: Verkehr und Wetter vor Gericht". " 7.30 Uhr abends: Uebertragung aus der Staatsoper. Sinfoniekonzert unter Leitung des General- Musikdirektors Erich Kleiber. 1. Johann Sebastian Bach: Ouvertüre C- Dur. 2. Andante religioso nach 6 Sonetten von Hans Schwarz, für Bariton und Orchester, op. 6, von Herbert Windt( Solist Friedrich Schorr). 3. Drei Orchesterstücke von Lord Berner: a) chinoiserie, b) valse sentimentable, o) Kasatchek. Sämtliche Musikstücke zum ersten Male in diesen Konzerten. Anschließend: Dritte Bekanntgabe der neuesten Tagesnachrichten, Zeitansage, Wetterdienst, Sportnachrichten, Theater- und Filmdienst. 2000 werden eine Gelbguftellung vorgesehen. Am 24. Heiligabend alle Bost annahmestellen um 4 Uhr nachmittags geschloffen; die Annahme von Telegrammen und Ferngesprächen, sowie die Zu stellung von Geldern und Baketen findet dagegen wie gewöhnlich statt. Die Briefkästen werden an diesem Tage im wesentlichen jedoch aus. unverändert geleert, die abendliche Briefzustellung fällt Zuchthaus für versuchten Landesverrat. Bor dem dritten Straffenat des Rammergerichts hatte fich der frühere Reichswehrsoldat Karl Luttert und mit ihm der Zeichner Erich Kurnot wegen versuchten Landesverrats, der lettere megen unterlassener Anzeige dieses Verbrechens, zu verantworten. Luttert hatte von dem jegt flüchtigen Walter Hennrichs, der ursprünglich auch verhaftet aber dann freigelassen worden war, in Er fahrung gebracht, daß man Tausende verdienen tönne, wenn man der Französischen Botschaft Mitteilung über die Schwarze Reichswehr und verbotene Waffenlager machen tönne. Beide beschlossen daher, aus dieser Tatsache Rapital zu schlagen und jeder für sich nach seiner Richtung hin vorzugehen. Sie sind dann auch zuerst zu der Französischen Botschaft und von hier zu der französischen Beobachtungsfommission gegangen, wo sie erflärten, daß sie wichtige Mitteilungen machen tönnten. Der zweite Angeklagte Kurnot war im Asyl für Obdachlose von Luttert unterrichtet worden. Er hatte aber erst Anzeige erstattet, als er von einem Freund auf seine Anzeigepflicht hingewiesen war. Als er sich auf das Polizeipräsidium begab, wurde er zu seinem Erstaunen gleich festgenommen. Jetzt ist er angeflagt, weil er zu spät Anzeige erstattet hat. Luttert gab zu, daß das ,, Geheimnis", das er verraten wollte, aus den Fingern gesogen und daß es ihm nur darauf angekommen fei, von dem französischen Spionagebureau Kapital herauszuschlagen. Staatsanwaltschaftsrat Dr. Weŋermann beantragte gegen Luttert wegen versuchten Landesverrates zwei Jahre Zuchthaus und fünf Jahre Ehrverlust, und gegen Kurnot wegen Verlegung der Anzeigepflicht ein Jahr Gefängnis. Der Verteidiger wies darauf hin, daß nichts verraten sei, daß also nur eine Vorbereitungshandlung in Frage tomme. Der Straffenat, unter Vorsiz von Senatspräsident Dr. Ritsch, schloß sich dieser Ansicht nicht an, sondern verurteilte Luttert zu 1% Jahren Buchthaus und drei Jahren Ehrverlust, dagegen teilte der Straffenat den Rechtsstandpunkt des Verteidigers, der für Kurnot geltend machte, daß diefer an die Erzählung Lutterts zunächst nicht geglaubt habe und erst Anzeige erstattet habe, als er die Gefahr erkannt hatte. Kurnot wurde auf Kosten der Staatstaffe freigesprochen. Lichterfelde soll D- Zugftation werden. Zur Die Berliner Handelskammer hat bei der Reichsbahndirektion Berlin einen Antrag eingereicht, in dem gebeten wird, die D.Züge in Lichterfelbe Dst halten zu lassen. Begründung wird geltend gemacht, daß die Anwohner von Steglib, Teltow, Lichterfelde und Zehlendorf, die einen großen Anteil des Reiseverkehrs an diesen Zügen stellen, stets gezwungen find, 1½ bis 2 Stunden Zeit für Hin- und Rückfahrt nach Berlin zu opfern, um diese D- Züge benußen zu können. Die Eil- und Personenzüge dieser Strecke halten bereits sämtlich auf dem Bahnhof Lichterfelde Ost. An sich fann man gegen den Antrag und feine Bewilligung nichts einwenden, aber die Reichsbahndirektion wird sich dann auch darauf einrichten müssen, anderen Borortstationen in ähnlicher Weise entgegenzukommen. Weise entgegenzukommen. Die Lichterfelder und Umwohner haben. es immer noch nicht am schlechtesten. Der Haftbefehl gegen Reichsbankdirektor Arnold aufgehoben. Reichsbankdirektor Arnold, der die Aufsehen erregenden Unterschlagungen bei der Reichsbanknebenstelle in Charlottenburg in Höhe von beinahe einer halben Million berübt hat, ist jetzt auf Antrag von Rechtsanwalt Dr. Frey wegen dringender Lebensgefahr. schwere Diabetes) aus der Untersuchungshaft entlassen worden. Große Arbeitslosenkundgebungen in Polen. Am Donnerstag tam es in Warschau miederum zu einer Zusammenrottung von Arbeitslosen vor dem staatlichen Arbeits vermittlungsamt. Eine Gruppe von einigen hundert Arbeitern, die vor das Landtagsgebäude marschierten, um dort zu demon ftrieren, wurde von der Polizei auseinandergetrieben. Hierbei tam es zu einigen fleineren Zusammenstößen. Auch Jawiercie im Grubengebiet von Dombrowa war der Schauplah großer Arbeitslosenfundgebungen. Die erregten Arbeiter. maffen drangen in das Rathaus ein und zerstörten die Einrichtung des Amtszimmers des Stadtpräsidenten und einiger Nebenräume. Am Abend wurde die Ruhe wieder hergestellt. 3m Prozeß wegen fahrlässiger Tötung Poehners wurde gestern in München das Urteil gefällt. Der angeklagte Chauffeur Stauper wurde zu einer Gefängnisstrafe von zwei Monaten ver urteilt. Das Gericht hält einen verbrederijen Angriff auf Boehner nach dem Unfall für vollständig ausge fchloffen, ebenso die vorsägliche Serbeiführung des Unfalls. Die Epidemie der Verkehrsunglüde in Frankreich. Baris ist feit gestern in dichten Rebel gehüllt. In der Stadt haben fich zahlreiche Verkehrsunglücke zugetragen, meist Zusammenstöße von Kraftwagen. In der Umgebung von Paris ereigneten fich vier Eisenbahnunfälle, an denen ebenfalls der dichte Rebel schuld sein soll. Bei den Unglüdefällen find etwa 20 Bere jonen verlegt worden, darunter mehrere schwer. Heftige Schneeftürme in Frankreich. werden heftige Stürme und Schneefälle gemeldet. Aus ganz Frankreich Die Ednee berwehungen haben einige Eisenbahnunfälle verursacht, bei denen mehrere Personen ums Leben famen. Wetterbericht der öffentlichen Wetterdienststelle für Berlin.( Rachdr. verb.) Milder, größtenteils bewölft mit einzelnen leichten Niederschlägen.- Wetter für Deutschland: Jm Norden milder mit leichten Regen und Schneefallen. 3m Süden noch mäßiger Froft. Husten, Erkältung und Grippe fub quell überwunden bei Gebrand von NYMPHOSAN- SIRUP"! Dellerfell tenne ich nicht mehr, feit ich nymphosan" gebrauche!" freibt eine gefeierte Sängerin Erhältlich in: Berlin C: Alexander- Apoth., Alexanderftr. 8; Elefanten- Apoth Dönhoffplaz; Apoth a roten Abler, Roßitr 26/28; Simons' Apoth, Spanbauer Straße 17; Berlin N: Adler- Apoth. am Beddingblag; Brettschneiders Apoth Oranienburger Str 37; Brunnen- Apoth., Badftr. 11; Diana- Apoth, Turmftr. 28; Apoth. eis. Kreuz, Raftanienallee 2; Apoth. à getr. Adler, Auguftftr. 60; Germania- Apoth., Lothringer Str. 50; Bittoria Luife- Apoth., Boltaftr. 44; Berlin D: First Bismard- Apoth, Wrangelite. 47; Heeges Apoth, Gubener Straße 33; Jungs Apoth. a. fchw. Adler. Neue Königfte 50; Berlin G: Apoth. am Hermannplaz; Hirsch- Apoth., Lindenstr. 74; Berlin B:' Rablauers KronenApoth., Friedrichstr. 160; Belitan Apoth., Leipziger Str. 93; Dr. Roswinkels Apoth, Kurfürstenste 154; Wittes Apoth, Botsdamer Ste 84a; Berlin- Char lottenburg: Apoth. am Reichstanzlerplag; Berlin- Schöneberg: Rathaus- Apoth Berlin- Lichterfelde: Central- Apoth. ENVER BEY Ballnach ola Riamient ENVER BEY Ballnacht die 43 Zigarette Aus den Bezirken. T Es 3. Bezirk Wedding. Die neue Bezirksverordnetenversammlung Bedding wurde am Mittwoch, den 16. d. M., durch Bürgermeister Genosse Leid eröffnet. Genosse Kasch wurde als Bezirksverordnetenvorsteher, Genosse Fendel als Schriftführerstellvertreter, die Genossen Pfeiffer, Bahle und Rieck zu unbesoldeten Stadträten gemählt. Einen Antrag der SPD., das Bezirksamt zu ersuchen, sich mit allem Nachdruck für die Milderung der Notlage großer Teile der Bevölkerung und der Erwerbslosen bei den zuständigen Stellen, vor allem durch Schaffung von Erwerbsmöglichkeit bei angemessener Entlohnung, einzusetzen, begründete Genosse Urich. Es habe früher eine Zeit gegeben, da auf dem Wedding jeder Zweite arbeitslos gewesen sei. Die gegenmärtig angegebene Zahl von 120 000 Erwerbslosen in Groß- Berlin fei viel zu niedrig gegriffen. In Wirklichkeit seien es ungefähr 300 000, denn zu den Arbeitslosen fämen noch 180 000 Kurzarbeiter. Diese Kurzarbeiter erhalten feine Erwerbslosenunterſtügung. sei die Pflicht der Gemeinde, hier einzugreifen. Die SPD. fordere ferner den Begfall der Bedürftigkeitsklausel, da jeder Arbeiter Beiträge zur Arbeitslosenversicherung zahle, müsse er einen Anspruch auf Arbeitslosenunterstügung haben. Die Ausführungen des Ge noffen Urich wurden von der Versammlung und dem bichtbesetzten Zuhörerraum mit lautloser Stille angehört, niemand konnte sich des großen Eindruds erwehren, daß die SPD. alles daransetzt, um die Rat der arbeitslosen Bevölkerung zu lindern Genosse ürich mies darauf hin, daß zurzeit hungernde und frierende Arbeitslose drei Stunden in bitterer Kälte auf dem Hof des Nachweises marten müßten, bevor sie abgefertigt werden. Genosse Fabiunte vom Bezirksamt Wedding habe vom zentralen Magistrat schleunige Abhilfe verlangt, aber der Stadtrat Benede( D. Vp.) weigere sich, Turnhallen für die Erwerbslosen zur Verfügung zu stellen. Er wolle die Bäume auf dem Schulhof Pantstr. 47 fällen lassen, um dort eine Barade aufzustellen. Eine zweite Baracke soll auf dem Brunnenplatz aufgestellt werden. Das verursache 120 000 mart Kosten, und dieses Geld sei nuglos weggeworfen. Budem seien Blaze mit Baumbestand in der Großstadt unbedingt nötig. Darum fordere die SPD., daß das Bezirksamt Wedding den Vorschlag des Stadtrats Benede ablehne. In der Debatte zeigte sich wieder die schöne Seelengemeinschaft zwischen Kommunisten und Deutsch nationalen, die gemeinsam die Dawes- Geseze für die Arbeitslosigkeit verantwortlich machten. Diese Ueberein stimmung erregte im Zuhörerraum stürmische Heiterfeit. Die Verfammlung nahm dann den Antrag der SPD. einstimmig an. Sie beschloß ferner, daß in den Räumen, die von den Erwerbslosen be fucht werden, Formulare liegen sollen, auf denen die Erwerbslosen die Befreiung von der Hauszinssteuer beantragen können. Sie fordert ferner das Bezirksamt auf, beim zentralen Magistrat Mittel für bauliche Zwede anzufordern und so den Erwerbslosen Arbeits gelegenheit zu verschaffen. Der Rest der Anträge kam nicht zur Abstimmung, da eine Anzahl von Kommunisten im Zuhörerraum einen derartigen Tumult erregten, daß die Sigung geschlossen werden mußte. 5. Bezirk Friedrichshain. Die neue Bezirksversammlung Friedrichshain hielt am Mittmoch ihre erste Sigung ab. In der Eröffnungsrede gab BürgerMeister Genosse Mielig einen turzen Ueberblick über die bis herigen Arbeiten der Bezirksversammlung, und des Bezirksamts. Bei der Borsteherwahl wurde unter Stimmenthaltung der Deutsch nationalen und der beiden Wolksparteiler der Genosse Kanier wieder als Vorsteher gewählt. Die Deutschnationalen leisteten sich hierbei das Bergnügen, die Wahl durch Buruf zu beanstanden, so daß Zettelwahl vorgenommen warden mußte. Das Ergebnis war natürlich das gleiche. Stellvertreter wurden Osten( KPD.) und Genoffe Döring, als Beifizer Klingler( SBD.) und Frau Jäger( KPD.) bzw. Frau Schröter( SPD.) und Köhler ( KPD.) gewählt. Es wurde beschlossen, daß die ordentlichen Sigungen der Beersammlung mindestens einmal im Monat am zweiten oder vierten Mittwoch abends 6% Uhr stattfinden sollen. Als unbesoldete Stadträte wurden Gustav Müller, Genich STADT VORWARTS BEILAGE und Günther( SPD.), Banjo und Glazer( KPD.) und Timm( Dnatl.) gewählt. Der bereits vorliegende Haushaltsplan für 1926 murde einem Haushaltsausschuß überwiesen. Zur Arbeitslosenfrage hatten die Kommunisten selbstverständlich wiederum einige Demonstrativanträge gestellt, die zum Teil in diefer Form undurchführbar sind oder nicht in den Aufgabenfreis einer Bezirksversamlung fallen. Genoffe Stadtrat Brüdner weist auf die vorbereitenden Maßnahmen des Bezirksamtes in dieser Frage hin. Die Verhältnisse hätten sich überstürzt. Noch im September zählte man 1700 Unterstügungsempfänger, jezt dagegen 7300, zu denen noch eine ganze Reihe nicht unterstügter dürften 18000 Arbeitslose vorhanden sein. Arbeitsloser tommen. Im Bezirk Friedrichshain dürften 18000 Arbeitslose vorhanden sein. Eine Reihe der von der KPD. aufgestellten Forderungen decke sich mit denen des Arbeitsamtes Friedrichshain. Sie sind vom Genossen Brüdner bereits mehrfach im Landesarbeitsamt erhoben worden. Genosse Siegle gab einen Einblick in die rechtlichen Verhältnisse und zeigte, mie auch der Magistrat vielfach die Inangriffnahme der Notstandsarbeiten gefördert habe. Nach meiteren, oft stürmischen Ausein anderlegungen wurden schließlich die Anträge einem Ausschuß zur schleunigsten Erledigung überwiesen. Sodann wurde noch eine Vorlage des Bezirksamts, 11 850 M. für die Berschidung Schulentlaffener zu bewilligen, erledigt. 7. Bezirk Charlottenburg. ww મ bis an die Brüde durchzuführen und zur Entlastung der Rotbrüde die Straßenbahn vom Wilhelmsplatz über die Caprivibrüde und Sömmeringstraße durchzuführen. Für die städtische Elifa. bethschule wurden. 600 m. zur Anschaffung von Nah. maschinen bewilligt, ebenso für einige Gemeinde. schulen und die hilfsschulen 2500 m. zur Beschaffung von Projettionsapparaten. Der Mittelstandstüche im Schloß Charlottenburg, die ein aus zwei Gerichten bestehendes Mittagessen für 25 Pf. verabfolgt, werden 800 m. zum Kauf von Kohlen überwiesen. Für den neu errichteten Schlafsaal des städti schen Obdachs wurden 1060 M. für 20 eiserne Bettstellen und ebenso piele Bettstühle zur Verfügung gestellt. Die Vorlage für den Umbau und die Aufstockung der Feuerwache in der Rankestraße, der 274 000 m. foften soll, wurde einem Ausschuß überwiesen. Ferner murden 155 000 m. bewilligt für Instandsegungs- und Erneuerungs arbeiten einer ganzen Reihe von städtischen Spielplägen. 13. Bezirk Tempelhof. Mit einem Gewaltatt, an dem sich auch die Demokraten be teiligten, begann die Bezirksversammlung am Mittwoch ihre Tätig feit. Die SPD., die mit 11 Sigen als stärkste Frattion angesehen merden muß, beanspruchte den Borfig, fie wurde darin von ben Rommunisten unterstützt; die Bürgerlichen, einschließlich der Demotraten, gaben ihre Stimmen dem Bertreter der 9 Köpfe ftarten deutschnationalen Frattion, Dr. Ja eget. Einen ausführ lichen Bericht werden wir später veröffentlichen. 14. Bezirk Neufölln. Die tonstituierende Bezirksversammlung im 14. Berwaltungs bezirt fand am 16. Dezember statt. Ohne Gegenvorschläge wurde der bisherige Vorsteher der Versammlung, Genoffe heitmann, wiebergewählt und darauf das Bureau durch Kommunisten und bürgerliche Vertreter, der Fraktionsstärte entsprechend, ergänzt. Nach der Bahl von Ausschüssen trat die Bersammlung fofort in die fach. fiche Beratung ein. Der wichtigste Puntt der Tagesordnung mar eine Borlage des Bezirksamtes, den Erweiterungsbau des Krantenhauses Budom betreffend. In der Aussprache hierüber wurde non allen Parteien berechtigte Kritit an den unhaltbaren Zuständen da selbst geübt. Der sozialdemokratische Sprecher ging auf die Berhälinise näher ein und schilderte die vorhandenen Gefahren für Batienten und Berjonal zugleich. Böllig unzureichend find die Räume; das zwingt die Verwaltung, technisches und Pflegepersonal in als Wohnräume völlig ungeeignete Dachtammern unterzubringen, nur damit die immer größer werdende Zahl der aufnahmeheischenden Kranten überhaupt aufgenommen werden kann. Weiter find die Rüchen- und Wirtschaftsräume den Zeitverhältnissen entsprechend ebenfalls völlig unzureichend. Hier müsse schnellstens durch Bewilli gung der erforderlichen Mittel eingegriffen werden. Der Bertreter des Bezirksamtes, Genosse Dr. Silberstein, stimmte den Aus führungen zu und erwartet, daß Magistrat und Stadtverordneten versammlung sich ebenfalls von der Notwendigkeit, schnellstens der Erweiterungsbau im Krankenhaus Budaw vorzunehmen ,, überzeugen lassen werden und die erforderlichen Mittel in Höhe von insa gesamt 24 Millionen Mart, auf mehrere Jahre verteilt, bewilligen. Die Borlage fand die einmütige Zustimmung der Bezirksver Gestern fand die erste Sizung der neugemählten Bezirtsver fammlung statt. Am Haupteingang des Rathauses hatte sich eine etma 300 Röpfe zählende Menge von Arbeitslosen und Kriegsbeschädigten versammelt, die Platate und Transparente mit in fchriften trugen. Ein Redner aus der Menge schlug vor, eine De putation zu wählen, die von der Bezirksversammlung verlangen sollte, ollen Unterstügungsempfängern eine Winterbeihilfe zu zahlen. Tie Forderungen des Redners decten sich im wesentlichen mit zwei von den Kommunisten emgebrachten Dringlichkeitsanträgen, benen aber von den bürgerlichen Barteien der Bezirksversammlung wider sprochen wurde. Das löfte auf den vollbesegten Tribünen stürmischen Unmut aus, so daß der Vorsteher wiederholt mit der Räumung drohte. Bor der Wahl des Vorstehers tam es zu Auseinander fegungen über die Fraktionsbildung im Charlottenburger Rathaus. Die bürgerliche Fraktion war in Charlottenburg immer ein Misch masch aus verschiedenen Parteien und zählt diesmal unter Einrechnung von 6 Mitgliedern der Deutschen Volkspartel und einem Mitglied des evangelischen Bundes 24 Mitglieder. Die sechs Boltsparteiler erklärten aber bereits im Aeltestenausschuß, in der neuen Versammlung eine selbständige Fraktion bilden zu wollen. Dann bilden aber Demokraten, Wirtschaftspartei und Zentrum die stärffte, 18 Mitglieder zählende Fraktion. Diese lehnte es ab, den Borsteher zu stellen, worauf die Sozialdemokraten erklärten, daß ihre Fraftion, die ohne jede Berbindung mit einer anderen Partei 16 Mitglieder zählt und mit 38 700 Stimmen als Einzelpartei die größte Wählerzahl hinter sich hat, Anspruch erhebe auf den Bosten des Vorstehers. Die Kommunisten erklärten, gegen den Monarchister und Kandidaten des bürgerlichen Mischmaschs, Herrn Deth leffsen, für den Sozialdemokraten und Republikaner Sorlik stimmen zu wollen. Von 62 gültigen Stimmen erhielt Deth. leffien 36, 5orlig 27 Stimmen. So wurde durch das Bersammlung. halten der Demotraten der deutschnationale Oberreichs. militäranwalt Dethleffien wieder Vorsteher der Charlotten burger Bezirksversammlung. Zu Stellvertretern wurden Hor lig( Soz.) mit 63 Stimmen und Dr. Brix( Dem.) mit 39 Stimmen gewählt. Als 1. Schriftführer wurde der Rechtsparteiler Wechsel mann, als stellvertretende Schriftführer Müller Franten ( pt.), Frau Frohn( 3.), Dr. Krüger( Dnat) gewählt. Ein von allen Barteien unterzeichneter Dringlichkeitsantrag, der einftim mig ohne Debatte angenommen wurde, beschäftigte sich mit der Sperrung der Schloßbrüde in Charlottenburg. Die Bezirksversammlung ersucht den Magistrat und die Berliner Straßenbahngesellschaft, mit aller Beschleunigung eine Notbrüde neben der Schloßbrücke für den Straßenbahnverkehr zu errichten, bis zu ihrer Fertigstellung einen Pendelverkehr von beiden Seiten TP 15. Bezirk Treptow. Am Sonnabend ,, den, 12. D. M., trat die Bezirksversammlung Treptow zu ihrer tonftituierenden Sigung zusammen. Bürgermeister Genoffe Gruno w mies in einer furzen Ansprache auf die Aufgaben der Bezirksversammlung hin und betonte besonders, daß alle Körperschaften die dringende Pflicht haben, mitzuhelfen, die wirtschaftliche Notlage weiter Kreise der Bevölkerung abzustellen. Zum Be 3irtsverordnetenvorsteher wurde durch Suruf der Ge noffe Schneider gewählt. Bei der Wahl des stellvertretendex Vorstehers mußte Wahl durch Stimmzettet erfolgen, weil neben den Kommunisten auch die Deutschnationalen Anspruch auf den Posten erhoben. Mit 24 gegen 10 Stimmen wurde der Kommunist Dr. Wolf zum Vorsteherstellvertreter gewählt. Zum Beisiger wurde durch Zuruf der Genoffe Osten gewählt. Einen weiteren BILLIGE Frisches Fleisch Pa.Schmorfleischa PH.1,20 Pa. Rouladen..... Prand 1,20 Hammel dicke Rippe...... Pfund 70PL Hammelrücken..... Pfand 80Pf. Kalbskamm Pld. 74Pt- racken Id. 80PL. Schweinebauch o. B. Pid. 1,25 Schulterblatt o. Beilage, Pid. 1,25 Prima Kassier....... Prand 1,35 Starke Liesen....... Pfand 1,05 Elsbein mit Spitzbein..... Pfund 80Pt Fr. Schweineköpfem Backe. Pld. 64PL Gefrierfleisch Ochsen- Suppent!. Prand 58Pt. Ochsen- Schmorfl. Prand 90PL Gehacktes Pfund 75pf Schweineköpfe, m. Baeve, Pfd. pr. Gestreifte Hasen.... Pund Ung. Stenigänse. 85Pt. 100 Pfand 130 317 LEBENSMITTEL Mengenabgabe vorbehalten Gemüse Weisskohlerand GP. 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Bezirk- Köpenid. anderen Ende eine Ruppelhäffte zum Schuhe angebracht werben. burch Eigenproduttion treten Die Stadt muß eigene Bau So tönnte die Feuerwehr jederzeit beim Ausbruch eines Feuers stoffbetriebe, und zwar Ziegeleien, Sägewerfe, Ralfbrennereien, mit ihrer Dampf- oder Motorfprize an diesem Wasserrohr anlegen Zementwerte und Großtischlereien anlegen, geleitet nach fauf und ihm das erforderliche Wasser jederzeit entnehmen. Eine häufig Am Mittwoch, den 16. Dezember, trat die neue Bezirksver- nännischen und technisch modernen Grundsätzen. 5. Normung zu wiederholende Kontrolle und Saugeversuche durch die Feuerwehr sammlung zu ihrer ersten Sigung zusammen. Bürgermeister Ben und Typifierung muß durchgeführt werden. Bei der Bau sichern gewiß die Gebrauchsfähigkeit dieser Schußeinrichtungen. Rohl verpflichtete die Bezirksverordneten. Als Vorsteher für die ausführung müffe und fönne doch die Gleichförmigkeit vermieden Eine andere Maßnahme zur Hebung der Sicherheit im Interesse des Bezirksversammlung wurde durch Zuruf Genoffe Woit bestätigt. merden. 6. Die Anfuhr der Baustoffe muß durch Straßenbahn Feuerschußes, die ganz bedeutend ins Gewicht fällt, bestände in der Für den Stellvertreter erhob als zweitstärkste Fraftion bie ,, bürger- und eigenen Fuhrpart erfolgen. Schaffung von Tiefbrunnen in diesen Orten, die so ergiebig liche" Deutschnationale unter Angliederung eines Bölkischen Auf jede Weise müsse der Herstellungspreis vermindert find, daß fie mindestens für zwei größere Schläuche das Löschwasser Anspruch. Der fommunistische Bertreter Rebe nahm für seine Bartei werden, um die Mieten billig halten zu können. Die Finanzierung liefern. Die Stadt Berlin macht große Aufwendungen für andere die Besetzung in Anspruch und setzte sich in einer Dauerrebe für die müffe aus Hauszinssteuermitteln erfolgen. Wenn die gesamten 3wede, follte fie nicht auch für die doch sicherlich nicht unwichtige Dittatur des Proletariats im Bezirtsparla. 222 Millionen, die Berlin aufbringt, hierfür verwendet werden Regelung des Feuerschußes in den ehemaligen Bororten einiges ment" ein. Er wurde vom Genossen Reuter gebührend abgefertigt. fönnten, so wäre dies sehr wohl möglich. Die Zinsen und Tilgungs- übrig haben?" Die Abstimmung ergab die Wahl des deutschnationalen Bezirksverraten der Hauszinssteuer aber müßten wiederum zur Berbilligung Wir geben diese Ausführungen wieder, meil Brände in den ordneten Mier als Stellvertreter des Vorstehers. Zu Schrift der Mieten Verwendung finden. Der Redner betonte zum Schluß leßten Monaten, insbesondere das Großfeuer in Blantenburg, geführern wurden je ein Mitglied der fommunistischen und libe ausdrücklich:„ Der Mieterschuh läßt sich auf die Dauer nur aufzeigt haben, daß der Feuerschutz in den Außenbezirken in der Tat ralen Bürgerfraktion gewählt. Die Wahl der Deputations- und rechterhalten, wenn ein reger Neubau von Wohnungen betrieben reformbedürftig ist. Ohne die Leistungen der freiwilligen Wehren Rommissionsmitglieder vollzog sich nach den Borschlägen ber ein wird." Neubauten dürften nur als fachgemäßer, fünstlerisch und Neubauten dürften nur als sachgemäßer, fünstlerisch und verkennen zu wollen, muß dennoch die Schaffung von gut aus. zelnen Frattionen reibungslos. Dann folgte die Beratung einer von hygienisch einwandfreier Hochbau ausgeführt werden. Die Normalunferer Fraftion am 28. November an das Bezirksamt gerichteten wohnung müsse bei der heutigen Wirtschaftslage die 3 wei gebildeten und modern ausgerüsteten Berufswehren gefordert wer Anfrage, und eines Antrages der Kommunisten zu dem Elend der zimmerwohnung sein. Die vierräumige Wohnung im Ein den, um ähnliche Berkommnisse für die Zukunft zu verhindern. Erwerbslosen. Wieder hatte der Vertreter der Kommunisten, familienhaus tomme erst in Frage, wenn mindestens die größte Rebe, eine Dauerwalze aufgelegt, beren Tönen troß größten Wohnungsnot behoben sei. Es bleibe dann für den Erfahrenen Kraftaufwands wirkungslos verpuffte. Der Bertreter des Bezirks immer noch zweifelhaft, ob die Wohnung im Einfamilienhaus fulamts, Genoffe Stadtrat Ben big und unsere Genossen Reuter, turell hochwertiger sei als diejenige im einwandfreien Hochbau. Robbe, Tolstorf erbrachten den Nachweis, daß prattische Alle modernen technischen Errungenschaften, wie 3entral. heizung, Warmwasserversorgung, Dampfwasch Arbeit, die im Interesse des Notstandes in die Wege geleitet ist und baß die fachliche Bearbeitung dieser wichtigen Fragen den Notstand anstalt und Badeanstalt sowie Kinderspielpläge und eher mildern werde als große Worte und überspannte Anträge. Kinderhorte sind in den zu bauenden Wohnblocks vorzusehen Nach der Erledigung der Anfrage und des Antrages vertagte sich und die Wohnungen gut durchlüftbar anzulegen. die Bersammlung in später Stunde. In einer Entschließung erklärten sich die versammelten Ab. tellungsmieterobleute der SPD mit den Ausführungen des Redners einverstanden. Sie ersuchen die Berliner Stadtverordnetenfraftion der SPD., bei der Stadtverordnetenversammlung und dem Magiftrat dahin vorstellig zu werden, daß ein großzügiges Wohnungs. bauprogramm baldigst durchberaten und zur Ausführung gebracht wird. An den mit lebhaftem Beifall aufgenommenen Vortrag Ausführungen des vorigen Referenten über die Wohnungshygiene und die Wohnungskultur sowie ein Rundgang durch die Ausstellung: Die gesunde Wohnung, bei der ebenfalls noch Erläute rungen gegeben wurden. Um das Wohnungsbauprogramm. Bor furzem fand im Vortragsfaal des Gesundheitshauses tm Bezir! Kreuzberg eine Sigung der Abteilungsmieterobleute der SPD. statt, an der etwa 120 Genoffen teilnahmen. Einleitend geschlossen sich in Vertretung des Stadtarztes Dr. Beja ch noch einige dachte Gen. Landgerichtsrat Ruben der Berdienste des unerwartet perstorbenen Genossen Bürgermeister Rahle, der das Gefundheitshaus geschaffen und damit für die Aufklärung der Bevölkerung in Gefundheits- und Wohnungskulturfragen wirfen wollte. Die Berfammlung ehrte das Andenken des Verstorbenen durch Erheben von den Plägen. Danach Sprach Stadtrat Gen. Hermes. Steglip über:„ Die brennendsten Fragen der Berliner Wohnungs. politit. Er betlagte lebhaft, daß zur Behebung der Wohnungs not in Berlin bisher fast nichts getan worden Jei. Die Schuld hieran trüge zwar einerseits die bürgerliche Mehrheit der Stadtverordnetenversammlung und des Magistrats sowie der Städtebaudirettor Elfart. Er begrüßte das Borgehen der Gewerkschaften, die endlich Richtlinien für ein Bohnungsbauprogramm aufgestellt haben. Er bedaure jedoch, daß seine Auffassung über diele Richtlinien in vielen Beziehungen von dem Programm der Gewerkschaften abweichen. Er legte dann feine eigenen Richtlinien für die zukünftige Wohnungsbaupolitik der Stadt Berlin vor. Er erflärte: 1. Es werden nicht 20 000, sondern 30 000 Wohnungen jährlich in Berlin zu bauen fein, wenn man den Zuftrom befriedigen und ein Abnehmen der Wohnungs. lofen in absehbarer Zeit erzielen will. 2. Der Neubau follte nicht burch gemeinnüßige Gesellschaften oder Genossenschaften erfolgen, fondern durch eine eigene Dienststelle der Stadt verwaltung in eigener Regie der Stadt. Diese Stelle muß unter einem energischen, erfahrenen, fozialbentenden Baubirettor stehen, der mit diesen Eigen schaften Organisationstalent und Tattraft verbindet sowie entschloffen ift, allen Gegenströmungen entgegenzutreten. 3. Für die Aus führung find Bauhütten und der Berband sozialer Bau betriebe heranzuziehen. 4. An Stelle des Großeintaufs der Der Feuerschutz in den Vororten. Kommunale Literatur. Bauordnung für die Stadt Berlin vom 3. November 1925. Für beziehen durch die Geschäftsstelle des Gemeindeblatttes" der Stadt Berlin, Rathaus, Zimmer 89b. Preis 1,20 m. Bauordnung für die Start Berlin vom 3. November 1925. Für den Handgebrauch mit Vorwort, Bautlassentabelle, Uebersichtsplänen und Sachregister. Herausgegeben von Magistratsoberbaurat Walter Roeppen. Berlag von Wilhelm Ernst u. Sohn, Berlin. Preis 3,60 m. Billig und schlecht hat das Nachrichtenamt der Stadt Berlin, ohne sich allzu sehr anzuftrengen, einen Rachdruck der im Gemeindeblatt veröffentlichten, am 1. Dezember in Kraft ge tretenen neuen Bauordnung herausgegeben. Jeder, der sich über diese neue Bauordnung orientieren will, wird gut tun, sich nicht an die amtliche Ausgabe, sondern an die von dem Magiftratsoberbourat Roeppen bearbeitete handliche, gutgedruckte und übersichtliche Ausgabe zu halten. Wie könnte man auch erwarten, daß das Nachrichtenamt der Stadt Berlin ein Sachregister fertigſtellt, ohne das die umfangreiche Bauordnung überhaupt nicht zu gebrauchen ist! Es gibt eben immer noch Dienst ftellen des Magistrats, die absolut den Nachweis erbringen wollen, daß eine Sache nur dann flappt, wenn sie von privater Seite gemacht wird. Rein Ruhmestitel. Man schreibt uns: Nachdem durch die Eingemeindung die an der Peripherie der alten Stadt gelegenen Bororte zu Groß- Berlin Berliner Ortsrecht. Zusammengestellt und erläutert von Ma gelommen sind, haben deren Bewohner auch das Recht, eine Begistratsrat Walter Körner und Stadtamtmann Walter Brell. rufsfeuerma che in ihrem Bezirt mit ständiger Belegung( Tag Berlag von Alfred Megner, Berlin. 1925. 226 S. und Nacht) zu verlangen. Die ehemaligen Borortbewohner tragen dieselben Lasten wie die Alt- Berliner Bewohner, also sollte ihnen auch dieselbe Gegenleistung auf dem Gebiete des Feuerschußes gewährt werden. Aber auch eine mit den modernsten Feuerlösch maschinen und guten Geräten ausgerüstete Berufsfeuerwehr steht einem ausgebrochenen Schadenfeuer machtlos gegenüber, wenn sie nicht genügend Löschwasser in der Nähe hat. Bei einigen diefer Bor. orte befinden sich Teiche und in der Nähe anderer ziehen waffer reiche Abzugsgräben vorüber, deren Wasser auch für Feuerlösch zwede Verwendung finden könnte. Bielleicht wäre es gut, wenn in der Nähe solcher Orte in Verbindung mit diesen Gräben Waffer. beden geschaffen würden, die vor Berschlammen oder anderen Berunreinigungen geschüßt werden und im Winter durch Abdedung mit Bohlen und Erde vor dem Einfrieren bewahrt bleiben, damit die Wafferentnahme aus diesen Ansammlungsbeden mit stetem Bu und Abfluß nicht unmöglich wird. Sind solche Abzugsgräben mit fließendem Wasser nicht in der Nähe einer Ortschaft, so müßten trotzdem solche Wasserbeden angelegt werden und durch ein Wasser. rohr in 1% Meter Tiefe mit dem Zentrum der Ortschaft verbunden werden. An seinem Ende müßte ein Schußdrahtgeflecht gegen Einbringen von Wafferratten, Fröschen, Fischen und Pflanzen und am Diese Zusammenstellung dient wirklich der Abhilfe eines dringenden Bedürfnisses". Die Stadtverordnetenversammlung hat 3. B. bereits einmal einen Beschluß gefaßt, der vom Magistrat die Busammenstellung aller Deputationsfagungen verlangt. Der vorliegende Band enthält das Gefeß über die Bildung der Stadtgemeinde Berlin" und eine Zusammenstellung wichtiger Orts gesege, der Statuten und Sagungen der Deputationen und städtischen Dienststellen. Der Band ist der erste Anfang einer übersichtlichen Rodifizierung aller für die Berliner Berwaltung in. Betracht kommenden Bestimmungen. Der Drud ist übersichtlich. Ein Sachregister erleichtert die Orientierung. Anmerkungen und Literaturnachweise ermöglichen eine schnelle Benußung. Selbst. verständlich kann eine solche erfte Ausgabe noch nicht vollkommen sein. Es ist vorgesehen, daß weitere Bände folgen sollen, die u. a. die Gesellschaftsverträge aller städtischen Gefell. fchaften, auch derjenigen, an denen die Stadt nur beteiligt ist, sowie die wichtigsten Konzessions- und Betriebsverträge enthalten ollen. In der jetzt in die Wege geleiteten Kodifizierung fommt auch äußerlich die Tatsache zum Ausdruck, daß Groß- Berlin sich durch gesezt hat. Der vorliegende Band ist für jeden in der Berliner Kommunalverwaltung Tätigen unentbehrlich. Kaiser's Fest Kaffee ٠١١١١٠ in Geschenkbeuteln 4,20 4,40 4,60 das Pfd. das MK. 3,40 3,80 4,00 Kaiser's Kaffee 2.40 2.60 3.00 Kaiser's Tee feine Mischungen, lose und in Paketen Kaiser's Filialen In Gr.Berlin: N. Badstr.18, Brunnenstr.76 Chausseestr. 33 Greifswalder Str. 1 Kastanienallee 36 a Landsberger Alieo 29 Müllerstr. 168 Reinickendorfer Str. 18 Schönhauser Allee 110 Trosakowstr. 18 0. Gabaner Str. 51 Grüner Weg 40 Kepernikusstr. 18 Pid. M. 4.00 4.60 5.20 6.00 7.00 8.00 d. 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Breite Str. 49 Hamburger Str. 85 Jägerstr. 1 Neuendorfer Str. 5 Potsdamer Str. 12 Kaleer- Friedrich- Str. 55 Schönwalder Str. 88 Suarezsir. 15 Tauro gener Str. 12 Uhlandstr. 32 Berlin- Lichtenberg Boxhagener Str. 68 Frankfurter Allee 60 Frankfurter Alles 101 Frankfurter Alles 224 Berlin Schöneberg Wilhelmstr. 10 Kolonnenstr. 68 Berlin- Wilmersdorf Tempelhofer Str. 21 Berlin Oberschönewelde Berliner Str. 131 Nürnberger Str. 33/34 Olvaer Platz 2, Wexstr.28 Edisonstr. 58 Wilhelminenhofstr. 41 Neukölln Bergstr. 140 Berlin- Adlershof, Bismarcks'r, 25 Hermannstr. 40 Baumschulenweg. Baumschulensir.19-20 Hermannstr 119 Britz. Chausseestr, 47 Kalser- Friedrich- Str.242 Friedrichsfelda. Berliner Str. 40 Hermsdorf, Bahnhofstr. 17 Berlin- Steglitz Hohensor Bnhausen, Berliner Str. 113 Rheinstr.42, Schloßstr.85 Lichterfelde- W, Hindenburgdamm 55 Marlendorf, Chausseestr. 34 Pankow, Schönholzer Str. 1 Rainickendorf, Residenzstr. 107 Rosenthal, Hauptstr. 10 dende, Steglitzer Str. 25 Schmargendorf, Breite Str. 22a Tegel, Berliner Str. 9 Tempelhof, Berliner Str. 55 Welßensee, Berliner Allee 242 Wei'ere Filialen in Copenick, Schloßstr. 1 Friedrichshagen b. Berlin, Friedrichstr.88 Nowawes, Friedrichstr. 20 Potsdam, Brandenburger Str. 20 Potsdam, Nauener Str. 38 KAISER'S KAFFEE- GESCHÄFT Mr. 596 42. Jahrgang 2. Beilage des Vorwärts Weinbau und Volkswirtschaft. Eine notwendige Erwiderung. Auch in seiner neuesten Tummer hat das Organ des Reichsland| bundes auf unsere Ausführungen über den deutschen Weinbau geantwortet. Dies veranlaßt uns, noch einmal auf die hier vorliegenden Zusammenhänge einzugehen. Zunächst tann heute festgestellt werden, daß die deutsche Handelsbilanz im Warenverfehr mit Spanien im 3. Bierteljahr dieses Jahres eine aftive war, und zwar betrug die aftive Bilanz nicht weniger als 22 Millionen Mart. Hätte sich diese Exportentwicklung weiter fortSezen tönnen, so ist man also zu der Annahme berechtigt, daß der deutsche Exportüberschuß im Warenverkehr mit Spanien in furzer Zeit jährlich einen ebenso großen Wert gehabt hätte, wie die durchSchnittliche Jahresproduktion des deutschen Weinbaues, die bekanntlich nach Angabe des Herrn Dr. Ritter von der Preußischen Haupt landwirtschaftskammer sich auf etwa 85 Millionen Mark beläuft. Das deutsche Volkseinkommen fann zurzeit mit 50 bis 60 Milliarden Goldmart im Jahre eingeschätzt werden. Die Produktion des deutschen Weinbaues stellt also einen ganz verschwindenden Bruchteil der deutschen Jahresproduktion dar. Dennoch bean spruchen seine Vertreter, daß um seinetwillen die deutsche Industrie auf die Entwicklung eines so wichtigen Abfahmarties, wie des Ipanischen, Berzicht leistet. Dabei erscheint Fachleuten die Lebensfähigkeit des deutschen Beinbaues fchon seit Jahren zweifelhaft. Von den über 300 000 Beinbaubetrieben der Bortriegszeit lagen etwa 25 roz. in Elfaß Lothringen; zirka 30 Broz. der Weinbaubetriebsinhaber waren ihrem Hauptberuf nach Nicht landwirte. Mit der Annahme von 180 000 landwirtschaftlichen Weinbaubetrieben auf dem heutigen Reichsgebiet dürfte man eher zu hoch als zu niedrig greifen. Von diesen Betrieben dürften zirka 75 000 nur eine Beinfläche bis zu 20 Ar, d. h. etwa eine Jahresproduktion von bis zu 5 Heltoliter haben. Bei diesen Betrieben entfällt im Durchschnitt auf den einzelnen Betrieb an sonstiger landwirtschaftlicher Fläche 2 bis 2½ Heftar. Es handelt sich hier also um fleinbauer liche Betriebe, bei denen die Weinbaufläche weniger als ein 3ehntel ihrer Gesamtfläche ausmacht. Von den übrigen rund 100 000 Betrieben haben etwa 60 Broz. eine Fläche non 20 bis 50 Ar, produzieren also je 5 bis 12% Heftoliter im Durchschnitt und verfügen über eine sonstige landwirtschaftliche Fläche im Durchschnitt von 3 bis 3½ Heftar. In diesen beiden Gruppen Don Weinbaubetrieben ist der Weinbau schwerlich Grundlage der bäuerlichen Familienwirtschaft. Besondere Zuwendungen an diese Betriebe dürften also dazu führen, daß in fleinbäuerlichen Betrieben ein unrentabler und nicht lebensnotwendiger Betriebszweig aufrecht erhalten wird. Das ist eine volfswirtschaftliche Verschwendung. Diese voltswirtschaftliche Verschwendung fann von ihrer Berant wortung bewußten Wirtschaftspolitikern nicht vertreten werden. Daß bies nicht nur ein sozialdemokratischer Standpunkt ist, sondern daß er auch von anderen Sachkundigen geteilt wird, zeigt ein Aufsatz von Regierungsrat 3. D. Dr. Diel in der Germania" vom Diel in b 4. Dezember, in dem es heißt: Für den Wettbewerb unferer Bereine ist auch die Besig verteilung von Nachteil, da der vorherrschende Kleinbetrieb( nur ein Drittel Heftar Weingelände entfällt auf einen Betrieb) tech nischen und wirtschaftlichen Neuerungen und Notwendigkeiten nur zögernd Einzug faßt, während die stärkere Bertretung des Großbesitzes im Ausland und da mit der Mufter und Beispielsgüter dem mehr entgegen tommt. So gibt es in Deutschland Gegenden, in denen die Kleinwinzer der Reblausvernichtung hartnädigen Widerstand ge= leiftet haben, und im allgemeinen ist die Einführung reblausfefter, fogenannter amerikanischer" Unterlaasreben bis heute im deutschen Weinbau faum voran gefommen. Die Schädlingsbekämpfung, die angesichts der Leistungen der deutschen chemischen Industrie auf der Höhe sein sollte, bleibt immer noch hinter den Erfordernissen des Beinbaues zurüd. Die Auswahl besserer Sorten als der bisher gebauten macht faum Fortschritte, da die Kleinwinzer an den traditionell gebauten Sorten festhalten. Nicht einmal die notwendige Rebenverjüngung findet in ausreichendem Maße ftatt. Diese Tatsachen einer ungünstigen Betriebsorganisation des deutschen Weinbaus treten zu den flimatischen Gründen hinzu, die Deutschland zu einem ungünstigen Standort der Bein produktion machen. Diese klimatischen Gründe sind freilich nicht einfach damit abzutun, daß man behauptet, sie müßten eben durch einen Schutzoll ausgeglichen werden. Die Weinfrage ist ein Schulbeispiel dafür, daß der Schußzzoll einem Wirtschaftszweige nur auf Koften anderer Wirtschaftszweige zugestanden werden kann, daß der Proteftionismus seinem Wesen nach ein ungerechtes Wirk [ chaftssystem ist und stets zu großen Reibungen führen muß. Will man in solchen Fragen eine Entscheidung treffen, so wird man die auf dem Spiele stehenden Intereffen abwägen müssen. Beim Streit um die Interessenkonflikte, die anläßlich des deutsch- spanischen Handelsvertrages entstanden sind, steht auf der einen Seite der deutsche Weinbau, auf der anderen Seite die ganze deutsche Exportindustrie. Es ist ein wahnsinniger Gedanke, in diesem Können aber hohe Beinzölle wirklich dem deutschen Weinbau zu einem gerechten" Preis und einem gerechten" Lohn helfen? Der Reichslandbund ist in einem Irrtum, wenn er annimmt, daß die Sozialdemokratie je in diesem Sinne den Gedanken des gerechten Lohns vertreten habe. Wäre dies der Fall, so müßte die Sozialdemo. fratie prinzipiell jeden Fortschritt der Wirtschaftsführung ab. lehnen, etwa wie es der Reichslandbund tut. Denn gerade die Sozialdemokratie weiß sehr genau, daß jede Umstellung der Wirt Schaft auf neuere produttivere Betriebsmethoden für einige Schichten Don Arbeitnehmern, Handwerkern, Unternehmern zu einer Krise führen muß. Trozdem hat die Sozialdemokratie stets den Ge danken des wirtschaftlichen Fortschritts, der Rationalisierung der Wirtschaft vertreien. Gleichzeitig hat fie fich dafür eingefekt, daß auf diejenigen, denen die Rationalisierung zum Borteil gereicht, die Lasten umgelegt werden sollen, die sich aus der Für forge für die ergeben, die der Wirtschaftsfortschritt arbeits- und ein tommenslos gemacht hat. 4 Selbst wenn man sich aber für einen Augenblid die Forderung des Reichslandbundes nach dem gerechten" Lohn für die Winzer zu Erwerbszweig ist, in dem die Arbeit der darin Tätigen höchst uneigen macht im Bewußtsein dessen, daß der deutsche Weinbau ein rationell angewandt ist, so zeigt sich bei genauerer Untersuchung, daß der deutsche Weinbau mit hohen Bollen nicht gerettet werden fann. Ist es nicht gewiß, daß der große Konsum an spanischen Weinen nicht an die Stelle deutschen Weines, sondern an die Stelle deutschen Bieres und deutscher Schnäpfe und Litöre, folge des vertragslosen Zustandes mit Frankreich sehr viel höhere zum Teil auch wohl an die Stelle französischer Rotweine, die in3ollfäße zu zahlen hatten als die spanischen, getreten ist? Wer glaubt, daß er wirklich den deutschen Wein vom Martte verdrängt hätte, hätte hierfür zum mindesten den Beweis dadurch zu erbringen, daß er nachwiese, daß die Preise für deutsche Weine unter der Ein wirkung der niedrigen Säße des deutsch- spanischen Handelsvertrages wirklich gesunken seien. Wie wir bereits ausgeführt haben, ist dies nach den bisher vorliegenden Ermittelungen des Statistischen Reichsamtes nicht der Fall. Auch jetzt wieder erbringt der Reichs. landbund feineswegs irgendeinen fchlüffigen Beweis nach dieser Richtung. Bielmehr liegt es nach wie vor so, daß die Agitation haupten, seine Interessen wahrzunehmen, für ihre Behauptungen Don Vertretern des deutschen Weinbaues und denen, die be auch nicht den Schatten eines fachlichen Beweises hat erbringen tönnen. Die deutsche Weintrise hat Anfang 1924 eingesetzt, und sie ist nach allem, was sich feststellen läßt, durch den Abschluß des deutsch- spanischen Handelsvertrages nicht ver. als Entschädigung für die angebliche Schädigung durch den deutschfchärft worden. Trozdem ist dem deutschen Weinbau gleichsam spanischen Handelsvertrag ein Drittel bes Auftommens der Weinsteuer zugesprochen worden. Dieses Drittel beläuft fiá feinem Werte nach auf ein Biertel bis ein Drittel des durchschnittlichen Jahreswertes der deutschen Weinproduktion. Dieses Drittel hat den Winzern aber noch nicht genügt. Darüber hinaus hatten fie einen Kredit von 50 Millionen zu einem bereits erhaltenen worden. Man bedente, daß diese Forderung von einem Wirtschaftsvon 30 Millionen beantragt. Dieser Antrag ist angeblich abgelehnt zweige gestellt worden ist, der in Form eines billigen Kredits bereits bem außerdem mindestens ein weiteres Biertel bereits zugesprochen ein Drittel des Wertes seiner Jahresproduktion erhalten hat, und dies gegenüber einem anderen Wirtschaftszweige geschähe, so würde worden ist, und zwar dies alles innerhalb von zwei Jahren. Benn man mit Recht von einer unzwedmäßigen Berwendung von öffentlichen Geldern sprechen. Hinzu kommt, daß selbst die niedrigen Säße des spanischen Handelsvertrages noch recht beträchtliche Bollsäge darstellen, wenn man sie mit dem Werte sowohl des in Deutschland erzeugten wie des importierten Weines vergleicht. Wie unbedeutend in Wahrheit die Bollfrage im 3ufammenhang der deutschen Weinfrise ist, erfieht man erst, wenn man diesen authenischen Mitteilungen über die dem deutschen Weinbau gewährten Unterstügungen die Zahlen der spanischen Bein einfuhr nach Deutschland gegenüberstellt, aus denen sich ergibt, daß die ganze Einfuhr an spanischen Weinen nach Deutschland im Jahre 1924 und in den ersten drei Bierteljahren des Jahres 1925 nur zirfa 26 Millionen Mart betrug, alfo fast genau fosiel, wie dem deutschen Weinbau aus dem Aufkommen der Wein steuer zugesprochen worden ist. Wenn demgegenüber noch immer behauptet wird, diese Wein einfuhr ridte den deutschen Weinbau zugrunde, so beruht diese Behauptung entweder auf Sachuntenntnis oder auf bewußter Unwahrhaftigkeit. Die Wahl zwischen diesen beiden Eigenschaften müssen wir dem Reichslandbund überlassen. Der Vorschlag, den wir hier vertraten, die Winzer aus dem lebensunfähigen Weinbau herauszuführen und ihnen den Weg zu fruchtbarerer landwirtschaftlicher Tätigkeit im deutschen Osten auf fruchtbarerer landwirtschaftlicher Tätigkeit im deutschen Osten auf Siedlungsland zu eröffnen, ist ongesichts dieser Sachlage für die deutschen Kleinwinzer die einzige Rettung vor ihrem Absinten ins Proletariat; schon heute dürften sie ihrem wirklichen Einkommen nach schlechter stehen als viele Proletarier. Und jeder industrielle Aufschwung wird sie in die Fabriten locken, in die schon so viele Beinbauern und Weinbergsarbeiter abgewandert sind. Dahin muß die Politif des Reichslandbundes die Winzer zwangsläufig führen; denn sie übersieht die wirklichen Ursachen der Winzernot und versucht da zu heilen, wo eine unhelfbare tranfheit feine Heilung mehr zuläßt. R Freitag, 18. Dezember 1925 Unterbilang beim Außenhandel für 1924 sei zwar auf vier Mil. liarden zu schäßen. Das sei aber unbedenklich, weil ein großer Teil der Einfuhr zum Ausfüllen der Läger verwendet wurde. Das tägliche Geld sei etwas billiger geworden, während für langfristige Gelder immer noch die Beschaffung schwierig fei. Ein Zeichen für die zunehmende Kapitalsbildung sei die Zunahme der Gesamtfreditoren jämtlicher Banten, die von zehn Milliarden im Dezember 1924 fich auf 14 Milliarden im Oktober d. J. erhöhten. Die Mehr zahl der Zusammenbrüche und Konkurse in Deutschland seien ein Reinigungsprozeß. Das bedenkliche Moment sei die steigende Arbeitslosigkeit. Handel und Industrie müßten größtmögliche Konzentration erreichen. Manoli- Uffiengesellschaft. Bekanntlich besitzt die Reemtsma A.-G. die Uttienmajorität bei diesem Unternehmen, das mit einem Attientapital von 2 Millionen Mart arbeitet. In der Generalverfammlung wurde der Verwaltung die Genehmigung erteilt, hem zwischen der Reemtsma- A.- G. und der Georg A. Jasmaki A.-G. Dresden bestehenden Interessengemeinschaftsvertrag beizutreten. Trog Anfrage aus Aktionärfreisen gab die Ver maltung nähere Einzelheiten dieses Bertrages nicht befannt. Sie Bilanz fchließt mit einem Reingeminn von 35 674 M., der auf neue erflärte nur, daß er feine lästigen Bedingungen enthalte. Die Rechnung vorgetragen wird. Nach Mitteilung der Verwaltung hat die Material- und Banderolensteuer, wie sie am 1. Ditober 1925 zur Einführung gelangte, eine völlige Umstellung der Betriebe der 3igarettenindustrie zur Folge gehabt, und es haben ganz erhebliche Vorversorgungen in Konjumzigaretten stattgefunden. Dies und die allgemeine wirtschaftliche Lage beeinflussen natürlich den Geschäftsgang, der trotzdem noch als zufriedenstellend bezeichnet werden fann. Parteinachrichten Ginsendungen für diese Rubrik find Berlis 68. 68. Lindenstraße 3, für Groß- Berlin ftets an das Bezirksjekretariat, 2. Sof, 2 Eres. rechts. an richten. 2. Kreis Tiergarten. Sonnabend, 19. Dezember, 7 Uhr, Weihnachtsfeier f Moabiter Gesellschaftshaus, Biclefftr. 24. Die Genoffinnen und Genoffen werden erfudit, mit ihren Angehörigen daran teilzunehmen. Heute, Freitag, den 18. Dezember: $ 1. bt. Adtuna, Bezirksführer! Richt verkaufte Karten für die bent feier am Sonnabend müffen bis Sonnabend, 19. Dezember, abends 6 Uhr, bei Goldschmidt sein. 83. Abt. Tempelhof. Die Mitglieder des Bücherfreiles wollen he Duc in der Spedition Berberstraße abholen. Morgen, Sonnabend, den 19. Dezember: 9. 6. 7 Uhr im Moabiter Gefellschaftshaus, Wiclefftt. 24, Weihnachtsfeier. Abrechnung der Listen und Billetts zur Weihnachtsfeier beim Genoffen Storuppa, Wilsnader Str. 41. Letter Tag: Freitag, 18. Dezember. 38. Abt. 6 Uhr in den Refibens- Festfälen, Landsberger Str. 31, finden fich bie Genoffinnen der Weihnachtstommiffion und arbeitsfreudige Genoffen mit einem wollenen Buklappen ein. 39. Abt. 7 Uhr im Kreisjugenbbeim Belle- Alliance- Blak 1 Weihnachtsfeier mit Befcherung. 83. Abt. Lichterfelbe. Die Desirfsfhree milffen am Sonnabend pinktlich 7 Uhr im Lofal von Quandt, Sindenburgdamm Ede Molitestraße erfcheinen. Wichtige Tagesordnung. 112. Abt. Rahusdorf- Wilhelmshagen. 8 Uhr in der Waldfchänke von Andre Rahbabend. Alle Genoffinnen und Genoffen müssen erscheinen. * Junafosialisten. Seute, Freitag, 18. Desember, 8 Uhr, in der Schule Gipsfir. 23a Revolutionärer Dichterabend. Beitung: Rurt Eisner. Gruppe Rorben: Seute, Freitag, pünktlich 7% Uhr. Orthftr. 10. Außenpolitischer Ausspracheabend. Gruppe Friebenan: Sonnabend, 19. Dezember. Beteiligung an der Weihnachtsfeler der 3GB. in Finkentrua. Treffpunkt: Pünktlich 7 Uhr Bahnhof Wilmersdorf- Friedenau. Bereinigung fozialbemokratischer Stubenten. Außerordentliche Mitaliederversammlung am Sonnabend, 19. Dezember, nachmittags 5 Uhr pünktlich im Soisalwillenschaftlichen Rlub, Wilhelmstr. 48, III, Be fondere Einladungen erfolgen nicht. Alle Mitglieder müffen unbedingt erfcheinen. Jugendveranstaltungen. Achtung Abteilungstaffierer! Seube. Freitag, Abrechnung ber Beitrags marten. Bugenheim Rigaer Str. 102. Often Heule, Freitag, den 18. Dezember, abends 7½ Uhr: Moabit 1: Schule Siemensftr. 20. Bortraat Was ist Gemeinfchaft?" Moabit II: Gemeindeschule am Stephanplak. Aussprache: Unfere Weih nachtsfeler". Nerdost I: Jugendheim Neue Königstr. 21. Bortvag: Ent widlungsgefchichtliches au den chriftlichen Feiertagen". Nordost II: Jugendbeim Danziger Str. 62. Vortrag: Arbeiterjugend und Bolitit". Rosen thaler Borstadt: Schule Gipsstr. 23a. Bortrag: Sonnenwende". Borbereitung aur Weihnachtsfeier. Often Str.- B.: Jugendheim Goklerfir. 61. Bortrag: Reichsverfaffung und Staat". Warstaner Biertel: Jugendheim Tilfiter Str. 4. Vortrage„ Der Altohol und feine Befämpfung Luifenstadt: Sugendheim Bärwaloftr. 64. Weihnachtsfeier. Gülboft R.- B.: Jugendheim Mariannenufer la. Borirag: Die gegnerischen Jugendbewegungen". Charlottenburg: Jugendheim Rosinen fiz. 4. Bortrag: Warum feiern wir Gozialisten Weihnachten?" Balensee: Schule Joachim- Friedrich- Str. 35/96. Bortrag: Wir und die Rirche". Stealis II: Jugendheim Solfieinische Str. 3. Bortrag: Jugendschukforderungen der SA.". Brin: Jugendheim Rathaus, Chauffecftr. 48. Bortran: Gefchichte der Arbeiterbeweguna". Rentälln 1: Sugendheim Bergftraße 29. Bortrag: Was ist Runft?" Treptow: Jugendheim Elsenstr. 3. Weihnachtsfeier. Reinidendo: f- West: Sugendhaus in der Geidelstraße. Bor trag: SAJ. und Reichsbanner". Niederschönhaufen: Schule Blankenburger Die Liquidierung des deutschen Weinbaues, soweit es sich nicht Stake 69. Ausforache: Jugend und Gewerkschaft". um Qualitätsmeine handelt, geht unaufhaltsam vor sich, und es muß sich darum handeln, die Uebergangszeit zu mildern. Das fann nur so geschehen, daß man den Winzern eine bäuerliche Eristen3 ermöglicht. Dr. Schacht über die Wirtschaftskrise es i Abteilung Röpenid: Jugendheim Grlinauer Str. 5. Lichtbilder. vortrag über: Die Bienen". Werbebezirk Kreuzberg: Sonnabend, 19. Dezember, 7% Uhr, Funktionär perfammlung Schule Stallschreiberstr. 54, 1. Eingang. Bortrag:..Proletarische Feitfultur". Referent: Genoffe Dr. Lömenberg. Werbebegir! Wesien: Winterfonnenwend- Treffen. Treffpunkt am Gonste der Berliner Teilnehmer ab Botsdamer Fernbahnhof 7,22 Uhr, Rüdfahrt 12.02 Uhr. Fadeln. Wimpel und Instrumente mitbringen. Berbebezirk Mentälu: Sonnabend, 19. Deamber, 7% Uhr, im Jugend heim Canner Straße. Bortrag: Die erzieherischen Aufgaben unfever Be weging". Referent: Genoffe Richard Schröter. Werbebezirk Ofbahn: Sonnenmendfeier am Sonnabend und Sonntag in Treffpunkt 6% Uhr abends. Rofienpunkt( Fahr Schacht auf Einladung der Statistisch- Volkswirtschaftlichen Gesell- abend, 19. Dezember, abends 49 Uhr, in Werder( nicht Sonntag). Abfahrt Im Stadtfafino in Basel führte Reichsbantpräsident Dr. fchaft über die Lage der deutschen Wirtschaft u. a. folgendes aus: Die unvermeidliche Falge der Stabilisierung, die Deflationsfrise, habe zwar durch die anfangs bewilligten hohen Kredite der Reichsbant, das Abstoßen von Vorräten und das Zurüdfließen deutscher Auslandsguthaben gemildert werden können. Aber die Gesundung gehe nur langsam vorwärts, und die Deflationskrije werde noch eine Zeitlang anhalten. Er hält eine Beteiligung des Auslandes am deutschen Aktienmarkt für empfehlenswert, da die Papiere durch den inneren Wert der Unternehmungen mehr als gedeckt seien. Die Auf den Welnnach stisch gehören ale Wohlfahrtsbriefmarken für die Deutsche Nothilfe Ren- Behlefans bei Belten. geld, Uebernachtung und Kaffee): 120 M. Deden sind mitzubringen. S allaler 10 Uhr abends Stralan- Stummelsburg. Vorträge, Vereine und Versammlungen. Reichsbanner Schwarz- Rot- Gold". Gefd& fts ftelle: Berlin G. 14, Sebaftianftr. 37/38, Sof 2 Tr. Rehlendorf. fr., d. 18., 8-10 Uhr, Turnen für alle Mitglieder. auch passive, in der Südschule Wilhelmstraße. MARKE SAL AMANDE Der SalamanderGutschein das passende Weihnachtsgeschenk Salamander- Schuhe erfreuen durch guten Sitz, schöne Form und Preiswürdigkeit. SALAMANDER Arbeitersport. Arbeiter- Nabfahrer.Bund Solidarität, Ortsgruppe Berlin. Touren Fir Sonntag, 20. Dezember. Gau 9. Sämtliche Saal- und Straßenfahrwarte von den Ortsgruppen Groß- Berlins Dormittags 10 Uhr Gewerkschaftshaus. Jede Ortsgruppe muß durch Fahrwart vertreten fein. Der Gaufportausichuk. 3. ht.: Ablershof. Ricge. Start 1½ Uhr Saufiher Blak. 6. Abt.: 1 Uhr am Start Kopenhagener Str. 26. 7. Abt.: 1 Uhr am Start Rolonie ftraße 146. 8. Abt.: Museumsbesuch. Treffpunkt 9 Uhr Waldenferstr. 19. 9. bt.: 1 Uhr am Start Schulltr. 114. Vrbeiter Rabfchrer- Berein Groß- Berlin. Sonntag, 20. Dezember, nachm. 11 Uhr. nach Rehlendorf. Geride, Karlstr. 12. Start Waldemarstraße Ede Mariannenplan. Gäße wiltommen. Sportliche Vereinigung Rotben 1883 fämpft heute abend 8 Uhr in der Surnhole Bant. Ede Biefenstraße gegen Berolina- Neukölln um die Areis meisterschaft. Sportliche Bereinigung Norb- Dft". Freitag, 18. Dezember, 8 Uhr, UnionFallfäle, Greifswalder Str. 222( nahe Königstor), Bellversammlung fämtlicher Abteilungen( Borer, Jiu- Jitfuer. Ringer und Seber). Freie Ranufahrer Berlin E. B. Näfte Eikung 18, Dezember Jdeal Rioufe, NeutBn. Marefcftr. 14. Bortvaa bes Sportcenossen Bergens: 3m fleinen Boot auf großer Fohrt". Aufnahme neuer Mitglieder. General versammlung: 8. Januar 1926 im Bereinslokal. Martellbezirk 6 Kreuzbera. Allen Vereinen und Gruppen zur Kenntnis, bak der Genose Reinhold Miller nicht mehr Raffierer des Bezirkskartells ift und daher an ihn feinerlei Behlungen mehr zu leisten find. Sehiger Bezirks taffierer: Richard Ribs. Sedmannufer 3. LARGADO MUNGKI Theater, Lichispiele usw. Volksbühnel & Uhr Der befreite ommenne Lessing- Th. Tägl. 8 Uhr ADMIRALS PALAST 314 Uhr täglich: ALTER- ASU Achtung Wille 505 Bon Quichotic Der junge Aar Morgen 8 Uhr Der Kaniman von Venedist Staats- Theater Opernhaus 12 Uhr Sintonie. Mittagskonzert von Rostand- Klabund ägl nachm 4 U Liliputaner- Gastspiel Schneewittcien Kleines Th. Heute Uhr TU. 5. S nfonie Figuranten Konzert Opernhaus am Königsplatz 7% Hänsel u. iretel von Birabeau kegie: Geyer Kieln- Idas Blumen Trianon- Th. Schauspielhaus 8U. Romeo u. Julia Schiller Theater 8 U: Kapi än Brassbounds Bekehrung Städtische Oper Charlottenburg 7 Uhr Aida Abonn- Turnus iv. Deutsches Theater 79 Uhr Der Kreidekreis von Klabund Tägl.& Uhi Kleine Sklavin v Diet enschmid Re ie Goldberg Großes Sebauspielhaus Dick TARELL- REV Barnowsky- Bühnen Regie: M. Reinhard Königgratz.sir. Kammerspiele 8 Uhr Sechs Personen neute 7%, Unr Z m 1. Male Die neuen Herren Dic Tribune Uhr: 1 Abend Suchen einen Autor Zurück 70 Methusalem von Pirandello Repies Maz Reinhardt Dia Komödie 8 Unr Homödienhaus Täg 8 Uhr Ront nder Schrift Kurfürstendamm 207 SCALA Gesellschaft ven Galsworthy Reg'e M. Reinhardt & Uhr Internat. 60 BILDER II. Rang v. 2 Parkett v. 4 Logen v. 8.Kinder- Revue Nr no h 2 Varstellungen Sonnabend und Mittwoch 1, U Alle Pappen lanzen. Kleine Pr.i.e. 50 PL., 1.-, 1.50 etc. Jeden Sonntag nacbm. 3: Uhr: Die ganze Vorstel ong zu ha ben Preisen Central Theater Uhr Trieschübel Metropol- Th. Täglich 8 Uhr: Die große Revue- Posse: No no Nanette Resid nz- Th. eute 7% Unr Zum 1. Male Die Durchgärgerin Lus so. v. L Fu a Sba u. count. 32 Kleine Preise seneewittchen Thalia- Th. Uhr: Annemarie bd. u, onnt 3/2 Kleine Pre se Varieté Hansel Gretel Sonntags 3 zu Inlerieren ermilßigt. Preis. bringt ERFOLGI das volle Progr. Komische 81 Oper Dir. James Klein 84 Größte Revue der Welt Von AZ bis Parkett 6.- M. Preise 2 bis 12. M. Logen 15 M.) Vorverkauf ununterbr geöffne WINTOORTEN Theater in der Kommandantenst 8 Unr: Die blond. Mädels Der Areismeisterschaft im geben. Freitag, 16. Desember, Neuföln, Turnhalle Thomasitraße, Amischenrunde im Mannschaftsheben um die Kreismeister fchaft. Es ftarten folgende Bereine: Lichtenberg- Friedrichsfelde II, Spandau I und Berolina I. Beginn 8 Uhr. Der Mannschaftstampf im Ringen der A- Rlaffe amifchen Berolina und Rowawes endete mit 22: 6 für Berolina. Wintersportfahrt her ABI ins Ricfengebirge. Wichtige Sigung aller Fahrtteilnehmer Freitag. 18. Dezember, 7% Uhr. Richteplak in Baumschulen meg. Anmeldungen zur Fahrt werden noch entgegengenommen. Weihe nachtsfahrt burch die Mart. Es wird ferner eine Glifahrt durch die Mark veranstaltet, bei günstigem Schnee vom 25.- 27. Dezember. Anmeldungen und Auskünfte durch Gen. R. Stolp, Schönfledtftr. 1. 2ebigenheim. AWI Cliabteilung. Uebungsbetrieb an jedem Wochentag mit Schnee: Gruppe Oft Grenzberge, Wilhelmshagen. Abfahrt 6,15 und 7,15 von Stralau Rummels bura. Treffpunkt 7 und 8 Uhr Bahnhof Wilhelmshagen, Ausgang nach Schönblid. Gruppe Nord Treffen von abends 7-8 Uhr am Bahnhof Secmsdorf, Ausgang nach Glienide. Berliner Arbeiter- Schad Tub. An Mannschaftstämpfen tommen am Sonntag, 20. Dezember. vormittags 10 Uhr, folgende Treffen zum Austrag: C- Gruppe: Friedrichshain-- Weikenfee bei Notfroff, Rigaer Str. 95; OsthafenFriedrichsfelde bei Reller, Goßler Cde Boffeftraße: Sumboldthain- Nordmest bei Caro, Boltaftr. 38; Wedding- Westen bei Nak, Marftr. 12. Die Kämpfe um die Einzelmeisterschaft werden nach wie vor Sonnabends bei Ewald, Staliger Str. 126, ausgetragen. Am Sonntag, 20. Dezember, spielen in Lichtenrade, Kaifer- Wilhelm- Str. 20, bei Bartel, die Abteilungen Tempelhof. Lichtenrade, Steglig- Frietenau und Lichterfelde- Lantwit ein Turnier, wozu Gäfte herzlichst eingelaten find. Beginn 3 Uhr nadmitians. Spielabende ber Abteilungen: Tempelhof: Dienstags Uhr bei Hennig. Manteufelstr. 45. Lichtenrade: Donnerstags 8 Uhr bei Bartel. Raiser- Wilhelm- Str. 20. StealikDer Berliner Milieufilm! Das Fräulein vom Spittelmarki Lebensroman einer Stenotypistin mit Ganni Reinwald Grnst Rückert in den Richard Oswald- Lichirp'elen Charlottenburg, Kantstr. 153 Täglich: 5.40 7.25 9 10 Uhr Sonntags: 4.00 5.10 7.25 9.10 Uhr Im Belprogramm: Preisrätselfilm ..Wer kennt Berlin" mit Preisver fei ung National- Film A.-G., Berlin SW. 48. Treat.d. Westens Heute geschloss onnabend 7% Brantfo' rang Das Spiel u. d. Liebe Operette von Gilbert Slize schon ab 1 Mark Sbd. u. Sonnt. 3 Neues Kleine Preise am Rotkäppchen Thealer o Walhalla- Theater Zum letzten Male Weinbergswag am Rosanth. Tor Täel. 8 Uhr: Die Koblanks Park. von 50 Pt. an. 8.10 Uhr: Pelzwaren deka ECEKA Friebenan: Dienstags. 8 The bei Rihter, Stealth. Felbite.&. Zichterfelbe Bantmis: Dienstags 8, Uhr bei Rattun, Lichterfelde, Bäteftr. 7. Touristenverein De Naturfreunde"( Zentrale Wien). Abt. Brenzlauer Berg: Donnerstag, 7. Dezember, Bortvag im Jugendheim Danziger Str. 23 ( Soule) über Die Extehung und Entwicklung des Lebens". Freunde unserer Bewegung find herzlidift eingeladen. Abt. Treptow: Seute 7½ Uhr im Jugendheim Treptow, Elfenftr. 3( am Bahnhof Treptow), Sichtbildervortrag: ..Streifallge burch die heimische Pflanzenwelt". Referent: Edmund Gädte. Gäste willkommen. elbt. Charlottenburg: Seute abend im Jugendheim Sacfelerstr. 16b( Weften) Lichtbildervortrag: Die Gädfifche Schweiz" mit Begleitvortran( Tellerfammlung). Photogemeinschaft: Montag, 21. De zember. 8 Uhr, im Jugendheim des Ditens, Große Frankfurter Str. 16, Rimmer 5. Direkter KahJebrud. Gäfte. audi Mitalieber anderer Arbeiter organifationen, millfommer. Werbebezirk Rorben: Rur Weihnachtsfahrt nach dem Sfergebirge( 3-8 Tage) werden noch einige persönliche Meldungen entgegengenommen bei Dreßler, Swineminder Str. 72.- Abt. Gesundbrunnens Seute im Schiller- Lnzeum, Band Ede Böttcherstraße, pünktlich 8 Uhr: Bethnachtsfeier( Veranstaltung mit eigenen Kräften). Gäste willkommen. Arbeiter portlartell in 20. Begiet Am Sonnabend, abends 7½ Uhr findet im Lotal Shmidt, Reinickendorf- West, Scharnweberftr., gegenüber dem Spor plak, eine Sigung, einberufen vom Arbettersportfartell. ftatt. Alle Arbeiterorganisationen des 20 Berks müssen ihre Delegierten in den Ortsausschüssen für Jugendpflege au dieser Sigung schiden. Eine Staude früher findet ebenda eine Vorstandsfigung bes Bezir startells statt. Briefkasten der Redaktion. R. 2. 24. Jugendamt ihres Berwaltungsbeattles. Deutschlands größte Kolonialwaren Einkaufsgenossenschaft empfiehlt zum Weihnachtsfest: Edeka- Auszugmehl 5- Pfd.- Beutel... RM. 1.50 doppelt gesiebt und plombiert Edeka- Margarine Fein Extra Pfund RM. 0.80 .. Pfund RM. 0.90 Edeka- Kakao Silber, Paket 14 Pfund.... RM. 0.30 Gold, Paket/ Pfund.... RM. 0.55 Edeka- Kaffee Geröstet, Paket/ Pfund... 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Hollendorfpl Tägl. 8 Uhr Die Grüne Flöte Regie Max Reinhardt Matray, Sterna, Solweg, Blum usw. neues Varprogramm Ein Weihnachts- Programm Potasch& Perlmutter Rose- Theater für Groß und Klein! haibe Preise Sonnt. Bachm₂ Uhr 16 Rauchen gestattet Elite- Sänger Kottbuser Str 8- Tel Mpl 16077 Tagi 8 Unr, soch Sountag aachm 3 Uhr( zu halben Preisen) W thnachts- Spielplan! il. Teil Potasch& Parimatter b. Film Wallner- Theater 81 Uhr Der Glöckner von Notre Dame SIE VORI Die kleine jetzige Ausgabe kann viel Leiden ersparen Pelerinen u. Windjacken Reparaturen. Spezialgeschäft Weinheber, Patristr. 1. la d Gertraudtenstr Aëroral GrippePulver. DÜRFEN IM KEINEM HAUSHALT UND KEINER REISEAPOTHEKE FEHLEN GARANTIERTE WIRKUNG GEGEN KRANKHEITEN DER ATMUNG ORGANE! Tägi 8 Unr: Casino Theater Zu beziehen durch alle Apotheken.Wo nicht vorrätig direkt durch Kolportage Circus Busch Täglich 8 Uhr. Die tolle Possе Der Meisterboxer Der Gipfel des Humors! 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Sage es doch, Mutter." Ich will dir nicht hineinreden," antwortete fie furz, ohne den Blick aus der Zeitung zu lassen. Was er denn tun fönne, fragte er, indem seine Augen zu beiden Seiten der ehrfurchtsvoll cingeplatteten Nafe zu flimmern begannen; er sei nur ein armer Feldwebel, der unmöglich einen Offizier zur Rede stellen könne. „ Es sei nicht zwei Jahre her," erwiderte die Mutter,„ daß er Aribert noch prügelte, ihn, der niemals viel getaugt habe. Elsa hingegen habe den Eltern immer nur Freude gemacht und sie solle Aribert nun so gemein behandeln dürfen?" „ Das treffe alles zu," meinte Klose eruft nickend, gewiß, man dürfe Elsa nicht derart tränken lassen, noch dazu von einem Bengel wie Aribert." Indem er aufstand, ereiferte er sich zusehends: Ja, was ist er denn weiter, ein nichtsnuziger Bengel, der mir gestohlene Sachen ins Haus fchleppt, ein aufgeblafener Affe. D, wir tennen diese jungen Herren, wir fennen sie." Econ aber dickte er sich Scheu, stirnrunzelnd, eigener Rühnheit mißtrauend, flüsternd:„ Das bleibt unter uns, nicht wahr?" Dann raffte er sich wieder zusammen:„ Aber ich muß es ihm sagen, natürlich, heute abend, sobald er nach Hause kommt; ich werde ihm den Standpunkt flarmadhen, unverblümt." Er ließ sich wieder am Tische nieder, griff nach der Zeitung, und während er sich in die Depeschen dem Kriegsscha: plag vertiefte, begann die Mutter, die Hände zufrieden im Schoß gefaltet, einzuschlafen. Doch nicht wie sonst schnitt es heute luftvoll träftigend in ihn hinein, daß vor den Stellungen des Heeres die in abgeschlagenem Angriff gefallenen Feinde zu Tausenden verwesten, daß geniale Führung den Sieg seit langem schon gesichert habe, was nur ver zweifelter Unverstand der Gegner einzugestehen fürchte; und auch der gegen diese seit Jahren gewohnte Groll stellte sich heute nicht ein. Immer wieder die A gen schließend, wollte Klose sich vorstellen, wie er nun mit Aribert sprechen werde. Aber es war unmöglich, die durcheinanderwimmelnden Gedanken zu sammeln; gern hätte er fein Gehirn durch seine fünf Finger drücken mögen, wie durch einen Kamm. Den Umweg der Rührung versuchend, bemühte er sich, an Elja zu denken, an ihre Widelfindzeit, als ihre winzigen Wäsche. stücke am Herd der engen Unteroffizierstüche in der Kaserne trodne ten, an ihre Konfirmation, als fie, ein schemenhafter, dunkler Ctrich nur, vor dem leuchtenden Kerzenmeer des Altars fniete, an ihr Leben jezt, mo fie standhaft und ohne Klage alterte. Tatsächlich stach ihm Empórung mitten ins Herz. Dennech tonn e er die Unterred ng mit Aribert sich nicht anders ausmalen, als im unflaren Bilde einer Statastrophe, eima, mie menn er toll betrunten eine ungeheure, ge länderlose Rellertreppe hinabgelangen jollte, Mit immer machsender Betlemmung sah er den Zeiger des in länglidem Gehäuse eingesargten Regulators unaufhaltsam wandern. Auch hab es nicht wie sonst sein Selbstgefühl, mit zwei fleinen Bürsten den Bart stürmisch zu bearbeiten. Immer ängstlichere dunkle Wünsche fühlte er an die Wände seiner Adern pochen. Und während die M tter mohlig schnarchend immer tiefer in fich zusammenjant, so daß er sein rundes, schnurrbärtiges Bild, das fie als Brosche trug, immer mehr unter ihrem Kinn verschwinden sah, gewann gegen ihn selbst alles ein feindseliges Ansehen: das Gaslicht flirrte hohnvoll, das Tischchen vor dem Ofen mit dem nie ben ten Liförservice, die Nippse auf den Wandbrettern flimperten teuflischen Taft zu seinen immer haftvolleren Schritten. Aus dem Spiegel bestarrte ihn plötzlich das eigene Geficht: der Aufregung heute beim Rasieren verdantte es einige Schnittm.nden und die schwarzen Striche vei harschten Blutes gaben ihm einen ungehörigen, wenig glaubhaften Ausdrud von weher Entschlossenheit. Menschen," flüsterte Klose erschüttert per sich hin, warum schont ihr mich nicht?" Nein, ganz unerträglich hatte sich ihm die Luft verdict: nichts blieb als Flucht. In den Korridor sprang er, zog den Mantel an, fegte die Müße auf. Nur die Lampe im Wohnzimmer wollte er noch ausdrehen: zur rechten Zeit fiel ihm ein, daß die Gaspreise legthin wieder erhöht seien. In dem Augenblid aber, als er, auf einen Stuhl geflettert, sich zu dem Hahn emporrecte, erwachte die Mutter. Farblofen Blides staunte sie zu ihm empor:" Wohin willst du?" lallte fie. halb noch im Schlaf. Fühlend, daß er die vom Unglück verstellten Züge nicht rasch genug umstellen fonnte, schwieg er schuldbewußt. Sie fragte noch einmal und jetzt schreckhaft ahnend, daß Un geheures auf dem Spiele stand: Wohin willst du?" Da stieg er trostlos Dom Stuhl herab, und welt wie ein Blatt vom herbstlichen Baum wehte es von seinen Lippen: Ich kann nicht mit ihm reden Sie starrte ihn schwer forschend an, wiegte ächzend den Kopf, arbeitete sich plötzlich aus dem Lehnstuhl hervor, tam auf taken fanften Filzschuhen zu ihm heran, ber immer noch topfhängend stand, nahm seine müze, zog ihm den Mantel ab. Ein kleiner, findlich gläubiger Schimmer durchbrach allmählich die Ratlosigkeit seines Gesichts, während die liftige Herzlichkeit der Frau sich immer mehr zu wahrhafter hilfreicher Rührung erweichte. wie vor Jahrzehnten, als sie jung verheiratet waren, schob sie sich auf die Seitenrolle des Sofas, lehnte sich an ihn, streichelte ihm die erschüttert bebende Wange. „ Und Elsa?" fragte er, wieder schwankend. Elsa, fagte sie, würde allmählich das Richtige einsehen, wie sie es selbst eingesehen habe. Er meinte, nun wirklich etwas erleichtert: Ja, nicht wahr, was sollte daraus werden, wenn wir Feldwebel anfingen, Offiziere zur Rede zu stellen? Wo bliebe die Disziplin? Das geht ja gar nicht, es ist ja lächerlich. Er lachte tatsächlich, trocken hüftelnd. Sie nahm sanft seine Hand, und indem sie den Blick in die Höhe richtete, wo ein gemalter blauer Himmel eine Deffnung der Dede vortäuschte und rosa bebänderte Butten bemüht schienen, das Rohr అంత Stresemann- Ganymed. 5 Rembrand O teiner friedlicher Stresemann, Du wandelteft auf dem Wiesenplan, Die nationalen Schafe zu hüten Und flochtest Kränze aus Redeblüten, Und haft nach dem völkischen Geier gelechzt, Der oben hoch durch die Wolfen frächzt. Du liebteft ihn immer, wenn auch verslohlen. Bald wird er tommen und wird dich holen. Er wird dich freffen, das friedliche Tier. Siehst du, Gustav, das ist der Dant dafür! der Gastrone zu halten, bestätigte sie leise und schon bei anderen Gedanken:„ Gewiß, gewiß; die, die alles so einrichteten, werden die, die alles so einrichteten, werden wiffen, warum sie es taten. Sei nur ruhig, Klose, forge dich nicht darum" Er schwieg und lauschte versonnen dem gewohnten Rollen und langhin flagenden Pfcifen der Lazarettzüge, die um diese nächt liche Stunde den Bahnhof zu passieren pflegten. Plöglich aber fuhren seine Augenbrauen ungeftüm empor, und seine Hand, die auf dem freundlich breiten Unterarm der Mutter träumte, begann zu zittern: deutlich scharrte brunten an der Haus tür ein Schlüffel, stieß wild umher und fand endlich hinein; dann hörte man schweres Aufgähnen der Tür. Im Augenblick war die Mutter emporgeschnellt, stand auch schon auf dem Stuhl, langte pustend nach dem Gashahn. Kloje padte mit aller Kraft seine Stiefel am hacen und entzog ihnen entschloffen die Füße. Dann wurde es mit leisem Knallen finster. Klofes verwirrt umherhuschende Hand fand die vertraute Hüften rundung der Mutter. Fest drängte er ihre gütige Feistheit vor sich her, indem sie beide eilig und lautlos dem Schlafzimmer zustrebten. Raum hatten sie seine Tür geschlossen, hörten sie, bicht hinter ihr verharrend, wie Aribert eintrat Er tat ein paar Schritte, stoďte, brummte Unfreundliches vor sich hin, tappte weiter, schmetterte mit Fluch und Tritt einen Bolstersessel von sich. Endlich hatte er sein Zimmer gefunden; die Klinke quietschte herb, die Sporen wimmerten auf der Schwelle. Dann klappte die Tür zu, und alles war still. Die Eltern hatten, den Atem zurückdrängend, eng nebeneinander gelauscht. Nun glänzten ihre Gesichter bescheiden froh einander an, als Klofe, begnadigt aufatmend, die Nachttischkerze entzündete. Bellage des Vorwärts genügend in Tätigkeit treten, sie erschlafft und verfällt dem allmäh lichen Schwund. Solche an das Korsett gewöhnte Frauen ermüden sehr leicht und flagen über heftige Kreuz- und Rückenschmerzen, sobald sie sich längere Zeit ohne dieses bewegen. Glüd licherweise ist ja heutzutage das Korsett weniger denn je in Mode, Ich will nun aber nicht mißverstanden werden und etwa gar als und so sind die schweren Schädigungen auch verhältnismäßig selten. grundsätzlicher Gegner des forfeits gelten; ich warne nur vor Ülebertreibung. Denn solange die Kleidung der Frau aus zwei Teilen besteht, Rock und Taille, wird sich das Korsett richt ganz vermeiden lassen; doch gesundheitsgemäß muß es gearbeitet sein, aus weichem Stoff, ganz ohne Stäbchen, der Körperform angepaßt, eima in der Art eines Schnürleibchens. In dieser Form wird es fogar förderlich, indem es das Gewicht der mit Bändern zusammenallerneuester Zeit stellt man Korsetts aus Gummistoff her, die auf gehaltenen Kleidungsstücke auf eine größere Fläche verteilt. In Wasser und Seife gewaschen werden können und nur chemisch zu dem bloßen Körper getragen werden; schon weil sie nicht mit reinigen sind, müssen sie abgelehnt werden. Viel bedenklicher ist noch, daß durch sie die Schweißabsonderung und verdunstung hint angehalten wird, was besonders im Sommer als außerordentlich läftig und wegen der Entstehung von Ausschlägen und Scheuerwunden, als gefährlich bezeichnet werden muß. Das zweite Schmerzenskind der weiblichen Bekleidung ft für jeden hygienisch Empfindenden der Schuh. Jede Frau nüchte natürlich einen möglichst fleinen und zierlichen Fuß haben, und dieser Neigung zuliebe wird der Fuß durch unz: oeckmäßige Bethisung verdorben. Schon der eng anfigende Strumpf preẞr mit unter die Zehen zusammen; die möglichst feine Schuhnummer tut dis Weitere. Dadurch werden die Zehen übereinander geschoben, und Drul'tellen, Hühneraugen und eingewechsene Nägel lind unbeimlar ji imanchmal tritt auch eine ausgesprochene Kraller stelung der Zehen ein. Dazu kommt der hohe Absatz, der die Trägerinnen zwingt, nur auf den Zehen und dem Borderfuß zu gehen; häufiges Umfippen, leichtes Ausgleiten, eine Veränderung ber Bedenorgane entsteht daraus. Für schwangere Frauen ist der hohe Absatz geradezu lebensgefährlich. Zahlreiche Fußmuskeln, die bei diese unnatürlichen Haltung und Gangari untätig bleiben, verfümmern. Der Fuß büßt seine ursprüngliche anatomische Form und Cchönheit völlig ein, und dafür bleibt ein bißliches, schwäch. lides Kulturproduft übrig. Die zweddienlichste Jußbefleitung ist der Schnürstiefel mit niedrigem Abfag, zur No: noch der halbe Schnüruh, der der anatomischen Gestalt des Fußes angepaßt sein muß. In enger Verbindung damit steht das Strumpfband, das leider noch sehr häufig als Gummiring um Wade bzw. noch ofter oberhalb des Knies getragen wird. Bei längerer Dauer bildet fich dann an der Stelle feines Sizes ein Schnürring, der ebenso unschön wie schädlich ist. Der Kreislauf des Blutes wird gehindert, es bilden sich lästige Krampfadern, ja Schwellungen des Beines und Fußes aus; besonders bedenklich ist dies wieder bei schwangeren Frauen, die schon an und für sich zu Blutftauungen der unteren Extrem täten neigen. Am besten werden die Strümpfe durch ein oder zwei Längsgummibänder seitlich und vorne am Schnür. leibchen befestigt. Bon ebenso großer Wichtigkeit ist auch die Frage des Bein. tleides; heutzutage hat sich mit Recht der sogenannte Schlüpfer" als äußerst zmecmäßig eingebürgert: er schließt den Unterleib mit den Geschlechtsorganen ficher gegen Staub und falten Luftzug ab. Doch soll das Material des Beinlleides nicht aus spinnwebendünnen Etoffen bestehen, die dann nur einen scheinbaren Schuß darstellen würden. Wie viele Frauen ziehen sich im Herbst und Winter, be fonders bei Tauwetter, infolge der zu fe nen Unterwäsche alle mög lichen Erfältungsfrantheiten zu, in erster Linie hartnäckige Blasen. fatarrhe. Unterleibsentzündungen, Rheumatismus und ähnliches! Eine erhebliche Bedeutung tommt auch dem richtigen Büstenhalter zu. Heute ist die gerade Line, die schlanke, glatte Form höchste Mode. Der Büstenhalter, der die Aufgabe hat, die Brust zu heben und zu stüßen, wird aber gerade darum nur allzu oft miß. braucht; um möglichst schlank und gradlinig zu erscheinen, wird er sehr tief getragen und die Brüste werden fest gegen die Rippen ge preßt. Das erstrebte Modeziel wird sichert ch damit erreicht; aber Gesetz der Schmere folgend, sich auszerrt und verlängert und bes bie unausbleibliche Folge ist, daß die nicht unterstüßte Brust dem sonders bei schlanken und schwächlichen Frauen, die Mangel an elastischem Gewebe leiden, oder die schon geboren und geftillt haben, fich allmählich zu einer häßlichen Hängebrust umb: lbet. Mitunter fann eine solche Hängebrust sehr unangenehme Zerrungsschmerzen bereiten. Zusammenfassend ist zu sagen: teine Frau follte ihren Körper widerspruchslos den jeweiligen Berschrobenheiten und Torheiten ber ihre neuen Ideen und Entwürfe der anatomischen Normalgestalt Mode unterwerfen, sondern vielmehr die Modeschöpfer zwingen, des we blichen Körpers, in Verbindung mit den Gesetzen der Hygiene und Schönheit, anzupassen. Vorläufer des Weihnachtsbaums. Lange bevor der lichtergeschmückte Baum bei uns zum Symbol des Weihnachtsfestes wurde, tannte man im alten Orient schon den brennenden Lichtern zu schmüden. Die früheste Nachricht von einem Brauch, zu gewiffen Gelegenheiten frischgrüne Bäume mit solchen Lichterbaum stammt aus China, wo im Jahre 715 v. Chr. ein Pring Dong auf den Gedanken gefommen sein soll, auf einem Berggipfel einen Baum, mit hundert brennenden Lämpchen behängt, aufzustellen. Es hat sich aber nicht ermitteln lassen, aus welchem Anlaß der chinesische Prinz den Lichterbaum brennen ließ, und ob die seltsame Feier vielleicht einen religiösen Anlaß hatte. Im Jahre 1503 bereiste der Italiener Ludovico Bartomano das Ein anderer Bericht über Lichterbäume führt uns nach Indien. Bunderland, und merkwürdigerweise war es gerade am 25. De zember, als er in der Nähe von Kaltutta bei einem Buddha- Tempel einen eigenartigen Anblid hatte. Unmittelbar neben dem prächtigen Tempel lag ein stiller Teich, von alten schönen Bäumen dicht um. standen, die über und über mit brennenden Lichtern besteckt waren. Als er nach der Ursache dieses Brauches fragte, hieß es, man feiere hier jedes Jahr am 25. Dezember Buddha zu Ehren ein Fest. christlichen Jahrhundert auch die Sitte der sogenannten„ Bunsch blume"( Kalpavriksha), deren Zweige man gelegentlich auch als beliebte Motive in der altindischen Baukunst antrifft. Es sind große, meit verzweigte Bäume, die mit allerlei schönen Dingen behängt find, mit feinen Tüchern, Schmuckstücken und zielichen Glöckchen. zwölfte Jahrhundert zurückverfolgen. Der zurzeit der Minnefänger fehr viel gelesene altfranzösische Roman ,, Durmars" beschreibt zum Beispiel einen solchen Lichterbaum. Er soll die Menschheit verfinnbildlichen, indem die aufrecht stehenden Lichter die guten Menschen bedeuten. Hoch oben auf der Spize des Baumes thronte ein Chrift findlein als Krönung und oberste Vollendung der Menschheit. Die Bäume wurden aber nicht zur Weihnachtszeit, sondern nur als Sehenswürdigkeit errichtet. Nein," jagte er,„ laß nur, ich kann nicht mit ihm reden, heute Frauenkleidung und Gesundheitsschäden In Indien bestand lange vorher, und zwar schon im dritten vor. nicht und morgen nicht. Ich muß fort. Sie zog ihn beharrlich am Aermel zum Sofa hin, ihr Gesicht quoll in gewaltsamem Lächeln brett wie Butter in der Pfanne. Erst als er faß, die langen, weit voranreichenden Oberschenkel unglücklich beschauend, sprach sie unversehens Worte, die wie ein Wunder waren, Himmelsglanz irgendwo weit entfernt aufftrahlen ließen; fie fagte Wenn du es nicht fannst, Klose, so rede nicht mit ihm; dann soll es nicht sein." ich fann Aber noch wagte er an Bunder nicht zu glauben. Das ist nicht dein Ernst," murmelte er,„ Dorhin erft meinteft du, das dürfte ich mir nicht gefallen lassen. Und du haft auch ganz recht. Nur, es nicht. Frau. Ich kann es einfach nicht." Böllig war er in diesem Augenblick überzeugt, die Bunge, tie sich zu Vorwürfen gegen Aribert heben wollte, würde ihm abgebrochen im Munde liegen bleiben. " Darum muß ich fort." Plögliche Eingebung machte ihre wafferblauen Augen flein und flug. Er solle fich feine überflüssigen Gedanken machen, meinte sie Die Welt sei nun schon einmal so, daß einige zu befehlen und alle anderen zu folgen hätten, Man jei boch nur ganz ein und schwach Bon D med. Albert Wilmann, Berlin. Die Abhängigleit der Kleidung von der Mode verlangt bei vielen Frauen eine Bergewaltigung des Körpers, die auf die Dauer nicht ohne schwere Schädigung ertragen werden fann. Vor allem die muskulösen und fettleibigen Frauen leiden unter diesem Zwang Eitelkeit und Gefallsucht, der Trieb zur Nachahmung der modernen" Form leisten in der Uebertreibung oft Staunenswertes. Ein schöner Rörper hat feine Modefünftelei nötig; ein weniger schöner Körper deren Befizerinnen find leider in der Mehrzahl versucht sich dem Modegefes anzupcffen. Wie das gemacht wird, darf beim Korfett wohl als befannt vorausgesetzt werden; aber nicht alle Frauen, die damit ihre Absicht erreichen und„ Figur" bekommen, wissen, wie verderblich die Wirkung der übertriebenen Korsettschnürung auf die Körperorgane iſt Denn Leber und Milz erhalten oft tiefgehende Schnürfürchen( Schnürleber, Schnürmilz), Magen und ( Wanderniere). Nicht selten tritt dadurch hartnäckige Stuhlver Därme werden nach unten gedrängt, die Nieren fenten fich ftopfung ein, ja selbst Herz- und Lungenkrankheiten können durch zu startes Bufammenpreffen des unteren Bruftumfanges entstehen Bei ständigem Tragen tann die Muskulatur des Rüdens nicht In Frankreich läßt sich die Sitte der Lichterbäume bis ins Auch in Wolfram von Eschenbachs Barzival" werden Lichter bäume erwähnt, die sogar mehr als tausend Kerzen trugen. Man pflegte solche Bäume auch aufzustellen, wenn vornehme Gäfte er lichtergeschmückte Laubbäume gehandelt zu haben. Der Brauch, wartet wurden; doch scheint es sich damals fast ausschließlich um Lichterbäume aufzurichten, brang um diese frühe Zeit noch lange nicht ins Bolt. Es war eine Gitte, die man nur in Ritterburgen übte, und die übrigens auch dort bald wieder in Bergessenheit geriet. 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Die Fürsorge für die Gesundheit der Bevölkerung lag ihm besonders am Herzen. In Wort, Schrift und Tat arbeitete er an der Erhaltung des kostbarsten Gutes der Menschheit, der Volksgesundheit. Im Gesundheitshaus Kreuzberg, dessen Einrichtungen allgemein als vorbildlich gelten, hat er sich ein leuchtendes Denkmal gesetzt. Sein Andenken wird von uns stets in Ehren sid ted gehalten werden. Berlin, den 17. Desember 1925. Bezirksamt Kreuzberg I. V.: Brun 3. Bezirksversammlung Kreuzberg Gerber. Am Dienstag, den 15. Dezember, verstarb nach kuraem Krankenlager unser Genosser Bürgermeister Dr. Martin Kahle im 39. Lebensjahre. Wir verlieren in ihm einen sußerordentlich fleißigen und gewissenhaften Kollegen. Genosse Kahle war während seiner fünfjährigen Tätigkeit als Bürgermeister im Bezirk Kreuzberg stets be.strebt, neben dem Aufbau und der Or ganisation der Verwaltung die Interessen der werktätigen Bevölkerung wahrzunehmen. Wir werden sein Andenken stets in Ekren halten. Bie Sozialdemekrafische Fraktion des Bezirks Firenzberg. Die Einäscherung findet am Sonnabend, den 19. Desember, abends 6 Uhr, in der Gerichtstraße statt. Am 14. Se starb nach schweren Beiben mein lieber Mann, der Muster Franz Nikolause& Einäfcherung heute Freitag, nadm. 5 Uhr, im Krematorium Gerichtürake Emilie Rifolsas, geb. Stable KLEINE ANZEIGEN Für die vielen Beweise herzlicher Kateil- In der Gesamtauflage nahme beim Sinfa eiben meines leben des Vorwärts" sind Mannes und unseres lieben Bateze Albert Ressel besonders wirksare and trotzdem forechen wir hiermit unseren tiefgeschr billig! telten Dant aus Berlin W 57, im Dez 1925 115/148] Selene Reffel, geb. Ramrabit nebst Rindern. 50 Wochenti. STANDARD QUALITÄTS 12,50 für ein dou 0 Bestes WeihnachtsGebäck mit MARGARINE Schwan im 20 Blatband FRISCH GEKIRNT Wir bitten, beim Einkauf von je 1 Pfand ,, Blanband- Margarine" das farbig illustrierte Familienblatt Die Blanband- Woche" kostenlos zu verlangen. 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