Nr. 598 42. Jabeg.d 3100 1911 Ausgabe A nr. 305mm. Bezugsvrets: 38dentlich 70 Bfennig. monalfid 3 Reichsmart Doraus zahlbar. Unter Areusband für Deutschland, Danzia. Saar- und Memelaebiet, Defterreich. Litauen. Euremburg 4.50 Reichsmart. für das übrige Eusland 5,50 Reichsmart pro Monat. Der Bormärts mit der Sonntags beilage Bolt und Reit mit Sied lung und Aleingarten fomie bez Beilage Unterhaltung und Biffen und Frauenbeilage Frauenftimme erfcheint wochentäglich aweimal, Sonntags und Rontags einmal Telegramm- Abreffe: .Gozialbemetrat Berlin Morgenausgabe Vorwärts Berliner Volksblatt 10 Pfennig Anzeigenpreise: Die einfaltige Ronpareille Beile 80 Bfennig. Reflamezeile 5 Reidsmart. Kleine Anzeigen bas fettgebrudte Bort 25 Blenni ( auläffia amei fettgebrudte Wortes. jedes weitere Wort 12 Bfennig. Stellengefudhe bas erfte Wort 15 Bfennia, tebes weitere Bort 10 Bfennig. Worte über 15 Buchhaben aählen für amet Worte. Arbeitsmarkt Reile 60 Bfennig. Familienanzeigen für Abonnenten Beile 40 Bfennig. Anzeigen für bie nächte Rummet milffen bis 4 Uhr nachmittags im Bauptgeschäft. Berlin SW 68, Linden Brake 3, abgegeben werben. Geöffnet Box 8½ Ubr felb bis 5 Ube nadm. Zentralorgan der Sozialdemokratischen Partei Deutfchlands Redaktion und Verlag: Berlin SW. 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Dönhoff 292–297. Sonnabend, den 19. Dezember 1925 Französische Linke und Finanzkrise. Verkleinerung des Linkskartells. Aber Stärkung seiner Einigkeit. Jaris, 18. Dezember.( Eigener Drahtbericht.) Die innerpoli.bes Rabinetts Briand alle ihre Hoffnungen gefeßt hat, faum mehr tische Situation in Frankreich ist nach wie vor höchst verworren möglich sein. Diese würde im besten Falle, d. h. mit Einschluß der Doumer hat bisher jede Mitteilung über seine Finanzpläne ab äußersten Rechten, über 240 Stimmen verfügen, denen die drei gelehnt. Er mill sein Projekt am Sonnabend dem Kabinetts. Gruppen des Kartells 280 Stimmen entgegenzustellen haben würden. . Ein Rentenfrank- Projekt. Paris, 18. Dezember.( Eigener Drahtbericht.) Eine Delegation von Industrie und Handel Nordfrankreichs hat der Regierung ein Brojekt zur Sanierung der Währung unterbreitet, das im wesent lichen auf ben Brinzipien aufgebaut ist, die in Deutschland die Schaffung der Rentenmart ermöglicht haben. Die nord französische Industrie schlägt vor, eine Anleihe von 10 Milliarden Franten aufzulegen, die durch eine Art hypothet auf die fran zösische Industrie fichergestellt werden soll, und zwar sollen alle Induſtrieunternehmungen eine Garantie in der Höhe von 10 Broz. ihres Jahresumsages übernehmen. rate unterbreiten und zu Anfang der kommenden Woche in der Rammer einbringen Obwohl dazu versichert wird, daß Doumer feine Finanzpläne sehr gründlich revidiert und seinen früheren Plan einer einseitigen Erhöhung der indiretten Steuern endgültig habe fallen laffen, steht ihm das Kartell mit ausgesprochenem miß trauen gegenüber. Das Kartell hat zwar durch den Abmari der von Raoul Beret geführten raditalen Linten in das Lager der Mitte etwa 30 bis 40 Stimmen verloren, in das Lager der Mitte etwa 30 bis 40 Stimmen verloren, dafür aber an Konsolidierung und Homogenität gewonnen. Die zwischen den drei Sinksparteien, den Sozialisten, den Radikalfozia. listen und den Republikanischen Sozialisten, in den letzten Tagen geführten Verhandlungen haben zu einer weitgehenden Eini. gung geführt, und der von ihnen eingesetzte gemeinsame Ausschuß ift bereits mitten in der Ausarbeitung eines gemeinsamen Wertbeständigkeit im Saargebiet. Finanzprogramms. Es soll in der Form eines Initiativ Gefeßantrages den Projekten Doumers entgegengestellt werden. Die Saarbrüden, 18. Dezember.( TU) Der Standpunti der ReLinke ist zu jedem, den Forderungen der Demetratie Rechnung glerungstommission: Frank bleibt Frant" hat sich jetzt endlich ge tragenden Kompromiß mit der Regierung bereit, die auf diese Weise ändert, denn sie hat neuerdings zugelassen, daß der Grant als Wert fich wieder die Gefolgschaft des Kartells sichern fönnte. Im anderen meffer für Kredit- und Schuldvereinbarungen nicht mehr ver Falle ist eine neue& rife, die diesmal zum Rücktritt des Gemandt wird. Die Direktion des Innern, die Forstnerwaltung und jamitabinetts führen müßte, unvermeidlich. Selbft nachdem die das Oberbergamt haben daher angeordnet, daß alle bisherigen Frant Radikaljazialistische Partei nach vorübergebendem Bögern mit großer darlehen in wertbeständige Darlehen umzuwandeln sind. Entschiedenheit nach tints gefchmentt ist, dürfte die Bildung einer Beitere Krebite dürfen nur auf wertbeständiger Grundlage gegeben Ronzentrationsmehrheit, auf die die Rechte seit der Konstituierung merben. Prager Parlamentskrach. Großer Rauf- und Singtag. Prag, 18. Dezember.( Eigener Drahtbericht.) Auch in der zweiten Sigung des neugewählten Abgeordnetenhauses tam es, als Ministerpräsident Spehla die Regierungserklärung abgeben wollte, zu ungeheuren Tumultszenen. Die Slomaten begrüßten den Ministerpräsidenten mit Pfeifen, Pultdedellärm und zurufen aller Art. Bald ergab fich vor der Minifterbant ein Hand gemenge zwischen Slomaten und Tschechen. Da es dem Bor. figenden nicht gelang, die Ruhe herzustellen, begann der Ministerpräsident dennoch mit der Berlesung des Regierungsprogramms. Es war jedoch kein Wort zu verstehen, zumal sich jetzt auch die Deutschnationalen und die Hakenkreuzler somie die Kommunisten an dem Lärm beteiligten. Nicht mur vor der Minifterbant, sondern auch an nerschiedenen sonstigen Stellen des Saales tam es zu Balge reien. Die ganze Sizung löste fich in einem wilden Wirrwarr auf, mobei flowafische, tschechische und deutsche Nationalisten ihre Rationalhymne sangen. Aus der Regierungserklärung. Brag. 18. Dezember.( WTB.) In der Regierungserflärung, ite Ministerpräsident Svehla im Abgeordnetenhaus abgab, wird befont, daß die neue Regierung ihre Hauptaufgabe darin erblicke, die Arbeitstontinuität mit dem Werf der vorhergehenden Regierung aufrechtzuerhalten. In dem Abschnitt der Erklärung über die auswärtige Bolitif heißt es: Sehr wichtig ist für unseren Staat das durch den Vertrag wen Locarno geschaffene Verhältnis zu unserem größten Nach barn, Deutschland, das auf lange 3eit geregelt und stabilisiert worden ist. Der Vertrag erlangt eine weitreichende Be deutung dadurch, daß er der Ausdruck der friedliebenden Bestrebungen der beiden Staaten ist und daß er uns in der Zukunft gewiß zu sehr guten Nachbarn macht. Namentlich auf dem Gebiete der Wirtschaft wird die gemeinsame Arbeit der beiden Staaten sehr erleichtert werden. Protestversammlung gegen das Deutschlandlieb. Brag, 18. Dezember.( WIB.- Privatmeldung.)„ Narodni Lifti( Bolksztg.) meldet, daß die nationaldemokratische Partei morgen auf der Sophienwiefe eine große Protestversammlung gegen das Absingen des Liedes Deutschland, Deutschland über alles und wegen anderer Beleidigungen, die der tschechischen Ration heute im Abgeordnetenhause zugefügt worden feien, veranstalten werde. Flug- Einigung mit Frankreich? In der Kammer angekündigt. Paris, 18. Dezember.( Eigener Drahtbericht.) In der Beratung des Luftschiffahrtsbudgets in der Kammer erklärte der Unterstaatsfetretär bes Luftschiffchriminifteriums, Laurent Cynac, die augenblicklich in Baris geführten deutsch- französischen Luftschiffahrts. verhandlungen feien so weit gebiehen, daß fie bereits in einigen Wochen zu einer Cinigung führen fönnten. Schon zu Beginn des tommenden Jahres merde voraussichtlich die große Flug. finie Baris Prag über Straßburg und das deutsche Gebiet eröffnet werben tönner. Diese Erklärung wurde mit allgemeinem Beifall aufgenommen. Neue estnische Regierung. Die Sozialdemokraten in Opposition. Reval, 17. Dezember.( Eigener Bericht.) Dem Abg. Teman Reval, 17. Dezember.( Eigener Bericht.) Dem Abg. Teman ist endlich die Bildung der eftländischen Regierung gelungen. Der Regierungsfoalition gehören an der Bauernbund, die Arbeits. partei, die Chriftliche Bolkspartei und einige Splittergruppen. Die deutsche Frattion mird voraussichtlich Neutralität mahren. In aus gesprochener Opposition stehen die Sozialdemokraten. Die Japaner in Mukden. Besetzung der Mandschurei. London, 18. Dezember.( Eigener Drahtbericht.) Aus Tofio wird gemeldet, daß die japanischen Truppen, die die Stadt Mufden zum Schuße der Ausländer" besetzt haben, die beiden sich be. fämpfenden chinesischen Generäle Tschang Tso Lin und Kuo Sung Lin aufgefordert haben, ihre Truppen außerhalb eines Umfreises von 6 Meilen zu halten. Allen bewaffneten Chinesen wird der Eintritt in das Stadtgebiet vermehrt. Die beiden chinesischen Gene rale mellen angeblich den Kampf weiter ausfechten. Sowjetmilitärjustiz. Ein General, seine Frau und sein Adjutant erschossen. Mostan, 18. Dezember.( Aften- Osteuropa- Dienst.) Auf Beschluß des Kriegsrevolutionstribunals wurde der General Bogdaniti, feine Frau und sein Adjutant am Mittwoch, den 16. Dezember, in Taschtent standrechtlich erschossen. Bogdanigfi war des Ber rats befchuldigt, Beziehungen zu den Generälen der Weißen Armee und den russischen migranten im Auslande unterhalten zu haben. General Bogdanizki war bis zuletzt Chef des unterhalten zu haben. General Bogdanizki war bis zuletzt Chef des Militärkreises Turkestan. Türkei und Mosul- Entscheid. Bereit für alles aber feine Drohung. London, 18. Dezember.( WIB.) Reuter meldet aus Konftantinopel: Das führende Regierungsorgan erklärt zu der Ent. fcheidung des Böllerbundsrats im Mosfulkonflikt: Die Regierung hat alle Möglichkeiten geprüft und alle erforderlichen Anordnungen getroffen, um jeder Lage zu begegnen. Das Blatt fügt hinzu, dies fei feineswegs als eine Drohung zu betrachten, sondern diene lediglich dem 3wed, die öffentliche Meinung in der Türkei und in der übrigen Welt zu orientieren. Vorwärts- Verlag 6.m. b. H., Berlin SW. 68, Lindenstr.3 Boftichedtonto: Berlin 37 536 Banffonts: Bant der Arbeiter, Angestellten and Beamten, Wallfte. 65; Distonto- Gesellschaft, Depofitentaffe Lindenstr. 3. Warum Mindestforderungen? Zur Geschichte der Verhandlung über die Große Koalition Bon Hermann Müller. Die Blätter der Demokratischen und der Zentrumspartei geben der Sozialdemokratie die Hauptschuld an dem Scheitern geben der Sozialdemokratie die Hauptschuld an dem Scheitern einer Regierung der Großen Koalition. Die Deutsche Bolfspartei behandeln sie sehr sänftiglich, obwohl diese sich jeder Flaren Stellungnahme zu dem Kochschen Programmentwurf entzogen hat, bis die sozialdemokratische Fraktion diesen für ungenügend erflärt hatte. Die sozialdemokatische Fraktion war sich der Tragweite ihrer Entscheidung für die Bolitik der deutschen Republik voll bewußt. Sie braucht teine Belehrung über ihre Pflichten gegen Republik und Barlamentarismus. Sie war stets grundsäglich bereit, die Verantwortung mit zu übernehmen, wenn für eine Koalitionspolitik eine tragfähige Grundlage gefunden werden konnte. Zur Regierungsführinig gehört aber nicht nur das Bertrauen einer Parlamentsmehrheit, fondern auch das Vertrauen unter den Regierungsparteien felbft. Auf das Regierungsprogramm allein kommt es nicht an. In Regierumgsprogrammen brauchen detaillierte Formulierungen in fulturellen, finanziellen und außenpolitischen Fragen um so weniger aufgenommen zu werden, je mehr haben. Bo dieses Vertrauen aber fehlt, muß in ftrittigen Bertrauen die gemeinsam zur Regierung Berufenen zueinander Fragen Klarheit schon im Programm geschaffen werden. Sonft ist die Gefahr vorhanden, daß eine neugebildete Regierung bei der ersten größeren Belastungsprobe auseinanderfliegt. Um bem fir den Fall der Regierungsbildung porzu beugen, tam die fozialdemokratische Fraktion zur Auffiellung von Mindestforderungen. Gerade weil sie nicht grundsägliche Gegnerin einer Regierung der Großen Stoalition ist, hat fie fich dabei auf menige Gebiete beschränkt und fogar auf wichtigen Gebieten allgemeine Formulierungen durchs gehen laffen. Das geschah zum Beispiel in den Fragen der Handelsvertragspolitit, der Kreditpolitit, der Schilpolitik, um nur einige zu nennen. Auf diesen Gebieten der Außenpolitik und des Verfassungsschuhes war die sozialdemokratische, Froftion der lleberzeugung, daß sich auch mit der Deutschen Boltspartei eine Linie gemeinsamer Politit zurzeit finden ließe. Daß mit der Bayerischen Rolfspartei, die ebenfalls zu den Berhandlungen mit hinzugezogen war, eine folde Linie sich finden ließe, hot bei der Einstellung dieser Partei gegen die Sozialdemokratie wohl fein ernsthafter Politiker er wartet. Infolge der starten Zurüdhaltung der sozialdemokratischen Fraktion blieben schließlich Differenzen mur in bezug auf fünf Punkte des Kochschen Programmentwurfs übrig. Untersuchen mir ganz leidenschaftsios, ob die sozialdemokratische Fratiion das Recht hatte, in diefen fünf Buritten fest zu bleiben, wenn man sie zum Mitregieren haben mollte, wobei ich gar nicht besonders betonen will, daß sie für die Unterstügung der Regierungspolitik fast die Hälfte der Stimmen im Reichsing zu stellen hätte. Der erste Streitpunkt betrug die Regelung der Fürstens abfindung. Hier stellte sich die sozialdemokratische Frattion auf den Boden des im Reichstag eingebrachten de mo fratischen Antrags. Sie verlangie mur, daß die Fürstenabfindung durch Landesgesetz auch mit rückwirkender Kraft geregelt werden fönnte. Das ist notwendig, um traffe Unge= rechtigkeiten auszumerzen. Die Deutsche Volkspartei lehnt eine folche Rüdwirkung ab. Was fie felbft will, darüber ist sie fich noch nicht flar. Sie scheint auf die Bildung eines Reichsschiedsgerichts hinauszuwollen. Was dabei herauskommt. fann sich jeder vorstellen. Die Sozialdemokratie will den Landess parlamenten den Weg zur Regelung öffnen, damit nicht durch dynastische Raffpolitiker das Volk zum Weißbluten gebracht wird, was besonders für Thüringen aktuelle Bedeutung hat In einem zweiten Punkt, dem der Arbeiterschuß. gesezgebung, berufen sich die bürgerlichen Politiker ganz besonders auf ihr weitgehendes Entgegenkommen. Zugejagt wurde die Ratifizierung des Washingtoner Ab tommens über den Acht stundentag bei gleichzeitiger Ratifizierung durch Frankreich und Belgien. Die Deutsche und die Bayerische Boltspartei verlangten auch die Einbeziehung Englands. Dieser Forderung gab der Abge ordnete Roch nicht nach. Belgien und Frankreich aber find bereit zu ratifizieren. wenn Deutschland ratifiziert. Nun ist das Washingtoner Abkommen aber nur ein Rahmengesetz. Wichtiger als die Ratifizierung ist deshalb der Inhalt des schleunigst zu verabschiedenden deutschen Arbeitszeitgefezes. leber biefes Gesez muß deshalb zuerst Klarheit geschaffen werden. Hierzu verlangte die Sozialdemokratie die Wieder. herstellung des achtstündigen Normalarbeitstages und die Festlegung, daß die Leistung von Ueberstunden nur nach tariflicher Bereinbarung erfolgen düre. Ausnahmen follten in Fällen höherer Gewalt durch behördliche Hegelung er möglicht werden Hiermit war die Deutsche Volkspartei rricht einverstanden. Sie verlangte cine genügende BewegungsSamen eff, der bekannte Mostauer Diftator, foll in Angora freiheit, damit bei günstiger Konjunktur durch Vereinbarungen eingetroffen fein Die Stambuler Zeitungen äußern fich zu der Entscheidung im offultonflikt fehr zurückhaltend; fie erwarten offenbar, daß ngora die Initiative ergreifen wird. Die Zeitung Djum buriet" erklärt:„ Wir müssen Moſful retten, wie wir bereits Smyrna, Adana und Brussa gerettet aben." Die gefamie Breffe übt am Bölferbunde Strttit und bezeichnet ihn als ein Wert. eug Großbritanniens. imm Betriebe Ueberstunden gemacht werden könnien. Ein so röcttgcfjcn&er Spidnuim würde in der Praxis zu einer oölligenDurchlöcherungdes Achtswridentoges führen. Sobald der Arbeitsminister des neuen Kabinetts seinen Ge- setzentwurf vorlegte, würde der Sturm der Arbeitgeberver- bände gegen die gewerkschaftlichen Mndestforderungen zur Durchführung des Achtstundentags einsetzen, wenn hierüber nicht im Programm bereits Klarheit geschaffen wäre. Wie recht die sozialdemokratische Fraktion mit ihrem Verlangen auf Klarstellung dieser Punkte hatte, zeigt am besten das Wirtschaftsprognannn der Industrie, das am Donnerstagabend der Reichsverband der Deutschen Industrie auf einem Presse- abend der Oeffentlichkeit unterbreitet hat. Es heißt darin: „Bei Tarifverträgen ist jede Schematisterung zu vermeiden. Das gleich« gilt für di« Anwendung des Achtstundentags. Die betriebliche Regelung der Arbeitszeit im Einvernehmen mit der Belegschaft darf durch öffentlichen Zwang nicht unterbunden und gehemmt werden.' Gehörten die Wortführer der deutschen Industrie, wie Herr Duisburg, nicht auch zu den Befürwortern der Großen Koalition? Zeigt der oben mitgeteilte Programmpunkt nicht an, daß nach dem Beispiel von 1923 die Große Koalition den Todeskeim in sich gehabt hätte, wenn in puncto Achtstunden- tag nicht jetzt Klarheit und Uebereinstimmung geschaffen wor- den wäre? Der dritte und zurzeit wichtigste Streitpunkt betraf di« Verabschiedung eines Gesetzes über die Arbeitslosen- Versicherung und die Maßnahmen, die bis dahin zur Be- Hebung der Not der Erwerbslosen getroffen werden müssen. In diesem wichtigsten Punkt fand die sozialdemokratische Fraktion das geringste Entgegenkommen. Die sozialdemo- kratische Fraktion sollte sich darauf verlassen, daß der künstige Finanzminister eben das bewillige, was nach Lage der Wirt- schaft und der Finanzen, so wie er sie auffaßt, gegeben werden könnte. Es wurde zwar zugegeben, daß mehr getan werden müsse, als durch die letzten Reichstagsbeschlüsse bewilligt wurde, aber über das Was und Wie wurden genauere Zu» sagen abgelehnt unter Hinweis auf die eventuell sonst ge- fäyrdete Währung. Nuu will gewiß niemand Forderungen durchsetzen, die die deutsche Währung gefährden könnten. Die deutschen Arbeiter haben an einer Inflation genug. Infolge der Inflation sind sie ihrer sämtlichen Sparmittel beraubt»mb werden so im Falle der Erwerbslosigkeit größerem Elend über- antwortet, als bei irgendeiner Krise der Vorkriegszeit, wo sie sich mit eigenem Ersparten helfen konnten. Aber gerade well das so ist, muß verlangt werden, daß den erwerbslosen Angl» stellten und Arbeitern ganz anders geholfen wird. Deshalb geht es jetzt nicht mehr an, daß Erwerbslose nur begrenzt unterstützt und einer Bedürftigkeitsprüfung unterworfen wer- den. Deshalb müssen auch alle Angestellten, die Landarbeiter und die Hausangestellten im Bedarfsfälle Erwerbslosenunter- stützung erhalten. Deshalb muß auch den Kurzarbeitern geholfen werden. Und dieses Verlangen kann nicht damit ab- getan werden, daß eine Unterstützungszahlung an Kurzarbeiter weiter nichts bedeute, als die Bereitstellung von Reichst redtlen für unter der Krise leidende Erwerbsunter- nehmen. Hier redeten die bürgerlichen Parteien eine Sprache, die kein Angestellter und kein Arbeiter verstehen wird, der bei fortschreitender Krise die Gefahr der Erwerbslosigkeit täglich vor Augen sieht. In einem vierten Streitpunkt versprach das Kochsche Programm die Vorlegung eines Gesetzentwurfs auf Grund Artikel 1 k 5 der Reichsverfassung- Bei der Erörterung dieses Punktes lehnten die bürgerlichen Parteien den paritätischen Ausbau der Handels-, Handwerker» und Landwirtschaftskammern ob und wollten nur erwägön, ob diese Ber- sassungsbestimmung nicht durch Schaffung besonderer Per- tretungen bei einer gemeinsamen Dachorganisation ausgeführt werden könnte. Endlich genügten fünftens der sozialdemokratischen Fraktion die Ausführungen des Programms in der S t e u e r- frage nicht. Hierin wurde zugegeben, daß die Lohnsteuer, Die Keme geht uml Dreh' dich nicht'ram, die Feme geht um! Mit Knüppel und Messer, je kesser— je besser, mit Schlagring. Pistole, Blausäure-Phiol«, mit treudeutschem Gruß an dos neudeutsch« Jus... Schlaf, Republitchen, schlaf— schlaf auf deinem Schutzparographl Dreh' dich nicht'nun, die Feme geht um! Mit Referenzen, Berlinern und Mecklenburg-Schwerinern, zwo Offizieren zum Stürmen, einem Flugzeug zum Türmen. Partei weih Bescheid. Finanzierung all-right! Schlaf. Republitchen. schlaf— schlaf auf deinem Schutzparvgraph? Dreh' dich nicht'rum, die Feme geht um mit dem Reim:«Stresemann— (wie lyrisch) verwes« man!' .Das Schwein wird gekillt' chokenkreuz im Bild! Für Loearnoer Schmutz! Mit treudeutschem Grutz! Schlaf, Republitchen, schlaf— schlaf — Heil und Sieg!— auf dem Schntzparograph... Dreh' dich nicht'non. die Feme geht uml Bon Kirdorf gerammte .Lokal-Anzeiger'-Entflammte, neue Grütte-Lehderchen. Minister-Attentäterchen. Sie macht es genau wie bei Rathenaul Rur: damals killte man Schwarz-Rot-Gold— heute wird.Lolkspartei' dito.gerollt'... Schlaf weiter, Republik, wie ein Bulle— du verdienst dein« Henning und WMe! Schlaf weiter, Justizchen. schlaf— schlaf auf dem pslaumenwetchen Schutzparagraph! Josef Maria Frank. die Umsatzsteuer und die indirekten Steuern mindesten» in demselben Maße eines Abbaues bedürfen wie die Besitz- steuern. Die sozialdemokratische Fraktion forderte den Bor- rang der Hauszinssteuer, als der unsozialsten Steuer, der Lohn- und Umsatzsteuer vor den Besitzsteuern, wenn zur Ermäßigung von Steuern geschrstten würde. Sie verlangte weiter die Verwendung der Erträgnisse aus der Mietzins- steuer für den Wohnungsbau, was nicht nur zur Be- Hebung der Wohnungsnot, sondern auch zur Belebung der Wirtschaft beitragen würde. Eine Politik, die zu einer weite- ren Erhöh, mg der Mieten führt, ist in der jetzigen Krisenzeit unerträglich. Woher sollen denn die Erwerbslosen und die Kurzarbeiter das Geld zur erhöhten Mietezahlung nehmen, wenn sie das Geld für die jetzigen Mieten schon nicht aufbringen können? Mit Redensarten über soziale Fürsorge ist Arbeitern, die gerne voll arbeiten wollen, aber in der kapitalistischen Gesellschaft keine Arbeit finden oder Kurzarbest machen müssen, nicht geholfen. Zur Hebung der Steuermoral hat die sozialdemokratische Fraktion ferner die Offenlegung der Steuerlisten verlangt. Auch das wurde von der Deutschen Volkspartei glatt abgelehnt mit der Behauptung, daß eine Offenlegung der Steuerlisten vielen Unternehmern die Kreditbeschaffung er- schwere. Wir sind überzeugt, daß die Parteien, die sich auf die kapitalistischen und agrarischen Kreise stützen, auch nach Ablauf der Krise diese Forderung ablehnen werden, weil sie sich unter der heutigen Steuergesetzgebung sehr wohl fühlen, wo die der Lohnsteuer Unterworfenen restlos alles zahlen müssen, während Besitzsteuern gestundet werden. Das sind in der Hauptfache die Einwände, die gegen die so bescheidenen Forderungen der sozialdemokratischen Fraksion erhoben wurden. Wir fragen nun jeden Arbeiter, ieden An- gestellten, gleichviel, ob er den freien Gewerkschaften, den christlichen oder sogar dem deutschnationalen Handlungsge- hilfeiwerband angehört, ob er nicht für diese Forderungen eintritt. Gewiß, wir müssen durch einen schweren Winter hindurch. Das bringt Lasten mit sich. Wer nicht haben will, daß diese Lasten fast ausschließlich auf die Schultern der Armen und Aermsten gelegt werden, wer auf einen wirklichen sozialen Ausgleich in schwerster Notzeit hinarbeitet, wer den Gedanken einer wahren Volksgemeinschaft praktisch durchführen will, der muß sich mit beiden Füßen auf den Boden der sozialdemokratischen Mindestforderungen stellen. Die Morühetze. Geheuchelte Entrüstung und neue Hetze. Die Aufdeckung des Attsntatsplanes gegen Stresemann hat eine mit größter Heftigkeit geführte ZeitunasfeHde in der Berliner bürgerlichen Presse hervorgerufen. Das Organ der Volkspartei, die„Tägliche Runtsschou, hat die Frage nach den intellektuellen Urhebern der Mordhetze auf- geworfen. Die demokratische Presse hat mit den Fingern auf die Hetzarbeit der Rechtspresse gewiesen. Die Hugenberg- Presse schäumte darob vor Wut. Die übrigen deutschnationolen Zeitungen heuchelten moralische Entrüstung über falsche Be- schuldigungen. Besonders die.�Deutsche Zeitung' ge- bürdete sich als verfolgte Unschuld. Mit gutem Grund. Sie hat es am nötigsten, sich gegen den Vorwurf der intellektuellen Urheberschaft der Mord hetze zur Wehr zu setzen. In jeder Nummer liefert die„Deutsche Leitung' Beweise von gewissenloser politischer persönlicher Hetze, die in den Köpfen non Fanatikern Unheil anrichten müssen. Gestern abend veröffentlichte sie eine Sammlung van Angriffen gegen Herrn Stresemann. aus der wir folgende Stellen herausgreifen: .Viel ließ« sich noch fingen und sagen von nnfemn Helden. Doch genug für heute. Oder sollen wir davon erzählen, wie sein großes Herz stch auch darin verrät, daß er stch rührend wann zu Nene vergleichsvorschlSge des Ministerium» im Fall Schillings? Wie eine hiesige Lokalkorrefpondenz zu melden weiß, scheint im Kultusministerium die feste Absicht zu bestehen, den Konflikt mit dem Intendanten der Staatsoper Max v. Schillings auf gütlichem Wege beizulegen, nachdem sich das Parlament bekanntlich in seiner Mehrheit hinter den Minister Dr. Becker gestellt hat. Prof. Max o. Schillings sind nämlich über sein« Rechtsbeistände neu« Vergleichs- Vorschläge des Ministers übermittelt worden, die gegenwärtig zum Gegenstand von neuen Berhandiungen gemacht worden sind. Ein greifbares Resultat haben diese Besprechungen bisher jedoch nicht er- geben, und es läßt sich auch nicht sagen,'wie weit die Einigungs- verhaichlungen schon gestehen sind. Heinrich Mann über Rassen an tlfemiNsmus. In der Weihnachts- mimmer der Prager Halbmonatsschrift„Die Wahrheit' äußern sich maßgebende Persönlichkeiten zu dem okwellen Thema:„Rassen- antijemitismus.' Heinrich Mann schreibt:„Was soll man noch sagen zu einer Frage, in der Erkenntnis nicht entscheidet, sobald Neigung und Glauben es ander» beschließen. Wer den Juden grundsätzlich für den Quell des Hebels hält, ist nicht daran zu hindern. Er muß nur verhindert werden, seine irrigen Grundsätze in die Tat zu ver- wandeln. Wer an Rassenantisemitismus überhaupt noch glaubt, mag dadurch selig werden. Er wäre auch ohne diesen Glauben schwerlich klüger. Er hat Herkunst und Mechanismus der neueren Gesellschaft nicht begriffen, wird sie nie begreifen und stickt daher in seiner Rot nach Schuldigen, wo nur Menschentypen sind, die sich mehr oder weniger anpassen. Wozu mit ihm verhandeln? Der Rationalismus ist samt semer antisemitischen Ergänzung geistig längst erledigt, es wird haarsträubend langweilig, sich mit ihm abzugeben. Er wirkt nur in den Tatsachen plump körperlich noch nach und wird dank dem Beharrungsvermögen, das gerade fein« Anhänger kennzeichnet, selbst in einer künftig bis zur Unkenntlichkeit veränderten Welt ohne jeden Zusammenhang mit ihr noch spuken.' wieder deuffch-amerikansiche Auslauschprosesioreu. Der Professor für englische Philologie an der Heidelberger UniversttSt, Ge- heimrat Dr. Hoops, hat den Ruf als Austauschprofessor für das Sommersemester 1926 an die Universität von Kalifornien In Bercely (San Francisco) erhalten. An die Heidelberger Universität wird als Austauschprofessor von amerikanischer Seite Prof. Dr. Gay Montaomery im nächsten Sommersemester lesen. Die Berufung von Prof. Hoops ist die erste Austauschprofessur seit 1914. Teure Rkanuskciple und Erstausgaben. In Rem Jork fand eine Versteigerung antiquarischer Kostbarkeiten statt, bei der u. o. das Originalmanuskript einer um 1737 entstandenen Arie von Händel «inen Preis von 4609 M. erzielte. Für ein Originalmanufkrivt von Mozarts„Trio für Klavier. Flöte und Klarinette' wurden 2490 M., für ein ganz kleines Klaviermanuskript von Beethoven 1329 M., für eine bisher unveröffentlichte Ballade des schottischen Lyrikers aus dem 18. Jahrhundert. Robert Burns. dessen Lied.Mein Herz ist im Hochland' durch Freiligraths Uebersetzung auch bei uns sehr bekanntgeworden ist, sogar 4200 M. geboten. Den Rekord erzielt« jedoch bei einer Londoner Versteigerung eins der drei noch vor- handenen Exemplare der Erstausgabe von Shakespeares Königs- drama.König Johann'. Für dieses Exemplar zahlte«m ameri. tanischer Liebhaber von antiquarischen Seltenheiten die Kleinigkeit von 40900 W. allen, selbst den towste» and entfernteste» BeimmM«. stekkt? Kar kurz sei es angedeutet. War da ein armer alter Mann, der englisch« Botschafter Lord d'Abernon. Der rechnet« sich in überquellender Freude aus, daß er mit»nferem Gustav verwandt sei. Und dieser verleugnete ihn nicht, erzählte es viel- mehr ganz offen und schwieg gütig nur darüber, wie diese Der- wandtschaft entstanden ist. Und als jener zu ihm kam und ihn um einen k l e i n e n D i« n st bat, da kannte er kein Zögern. Ungesäumt ließ er das Memorandum vom 9. Februar ergehen, das dann zu den schönsten Tagen von Locarno führte. Da sieht man auch wieder einmal, wie Guttaten doch immer ihren Lohn finden. Wäre Gustav stolz und abweisend gegen seinen armen Vetter ge- wesen, nie hätte er mit Chamberlain und Briand frühstücken dürfen. Vielleicht schleift er in strahlender Ribelungentreue jetzt für Luther denselben Dolch, den er vor zwei Jahren seinem Freunde Euno in den Nacken stieß. Vielleicht dürfen wir hoffen, ihn bald wieder als Deutschland» Lanzler zu sehen. Ihn. unfern Gustav.' Das soll Hetze sein? Derleumdungl Daß Stresemann die Politik von Locarno geführt hat. nur um mit Briand und Chamberlain frühstücken zu können— das soll Hetze sein? Verleumdung! so heult die edle„Deutsche Zeitung' lauthals. Die Form dieser Hetze— dieselbe, die gegen Eberl, gegen Erzberger. gegen Rathenau angewandt wurde— ist wider- wärtig und gemein, ein Ausfluß niedriger Gesinnung. Aber was soll man anders erwarten von den Anbetern und Ver» teidigern des alten Systems, in dem Kriegsfälle heranfbe» schworen, Böller oerhetzt wurden, damit die Papiere eines spekulierenden Drahtziehers aus dem Auswärtigen Amt an der Börse stiegen? Aus solchen Hirnen nur kann der Gedanke aussteigen, einer könne um ein Frühstück eine große inter- nationale Aktion unternehmen. Die Volkspartei»nd die Mordhetze. Die„Nationalliberale Korrespondenz', der Pressedienst der Deutschen Bolkspartei, veröffentlicht folgenden Brief, den die Reichstagsfraktion der Deutschen Bolkspartei über die Hetze gegen Stresemann an den Reichsjustizminister gerichtet hat: Sehr geehrter Herr Ministerl Wie Ihnen bekannt ist, sind in der letzten Zeit Veröffent» li ch u n g« n erschienen, di« in unverhüllter Form zum Morde an unserem Fraktionskollegen, den Außenminister Dr. Stresemann, auf» fordern. Es sei insbesondere an den Artikel erinnert, den Dr. H e i n« rich Puder in Leipzig In der Rr. 12/13 der vom Deutschen Volksrat herausgegebenen Zeitschrift.Einheit Völkischer Verbände' ver- ösfentlicht hat. In der.Preußischen Landeszeitung' wurde Stresemann mit einem Raubmörder verglichen. Die Beispiele dafür, wie gegen die Person des Außenministers gehetzt wird, ließen sich beliebig vermehren. Wenn letzten Endes irgend welche unbe- fanaensn. zumeist jugendlichen Elemente der Verhetzung Raum geben, zur Waffe greifen und Mord begehen, so erellt diese das Schicksal. Die eigentlich Schuldigen aber gehen straf- frei aus. Es scheint uns hohe Zell zu sein, daß seitens de, Reichs- justizministeriums Maßnohmen ergriffen werden, die darauf ab- zielen, di« Verhetzung, welche unser Volk überhaupt nicht zur Ruh« kommen läßt, energisch zu bekämpfen. Wir sind durchaus der An- ficht, daß eine freimüttge und auch scharfe sachliche Kritik das Recht jedes Staatsbürgers ist, bitten aber dringend, mit allen Ihnen geeignet erscheinenden Mitteln der maßlosen Agitation gewisier Kreise die schließlich den politischen Mord zur Folge hat, entgegenzutreten- Wir wären Ihnen, sehr geehrter Herr Minister, sehr dankbar, wenn Sie uns von Ihrer Stellungnahme in Kenntnis setzen würden. Der Slaalsgerichtshos zum Schutz« der Republik hat unter dem Vorsitz des Senatspräüdenten Niedner beschlossen, das Verfahren gegen den berüchtigten Putschisten Oberleutnant Roßbach zufolge des Amnestiegesetzes vom August 1923 einzustellen. Die Villa der Geheimnisse. Dieses in feiner Art einzig« Gebäude wurde bereits im Jahre 1992 bei den Ausgrabungen in Pompeji entdeckt, ist aber erst seit kurzem zugänglich gemocht. Es handelt sich um eine Privatvilla, in der in alten Zeiten ein orphifches Heiligtum eingerichtet war, ein Beriammlungsort der Anhänger des Orphismus, jener mystischen griechischen Religion, die nach der Legende von Orpheus begründet wurde. Der Kern dieser Religion war da» Mystcriuin. das di« Bereinigung mit Zagreus(Dionysos) bedeutet«. Durch die mystische und ekstatische Bereinigung mit diesem gestorbenen und der Legende nach wieder auferstandenen orphiscken Gott glaubten die Anhänger dieser Lehre nach hem Tode die Heilig- keit und ewige Seligkeit zu erlangen. Bis jetzt wußte man nicht. worin eigentlich jenes Mysterium bestand, und konnte sich das Ge- helmnis des möchtigen Zaubers, den der Orphismus jahrhunderte- lang auf den griechischen Geist ausübte, nicht erklären. Die„Villa der Geheimnisse' scheint der Lösung dieser Frage näherzufllhren. Der große Saal, in dem die neuen Jünger in die Geheimnisse des Orphismus eingeweiht wurden, ist mit einem Freskogemälde geschmückt, das 29 Figuren von fast natürlicher Größe enthält, die mit den Zeremonien beschäftigt sind, aus denen sich offenbar jenes Mysterium zusammensetzt. Danach scheint man den Orvhismus als ein nicht unwichtiges Verbindungsglied zwischen der griechischen Welt und dem christlichen Glauben an- sehen zu müssen. Eine ialenlierie RegerfamM«. Als einen Beweis für den geistigen Aufstieg, den Reger zurücklegen können, wird der Fall einer Negerin angeführt, dic in der Sklaverei geboren wurde, nicht schreiben konnte und einen ebenso des Schreibens unfähiaen Mann heiratete. Diese Negerin. C. A. Hubert, di« jetzt zu Atlanta in Georgia gestorben ist, hinterläßt 7 Söhne und 5 Töchter, di« alle eine vortresslicke Bildung erreicht haben und sich in angesehenen Stellungen befinden. Der älteste Sohn ist Präsident des Jackson College in Missouri, der zweite Direktor der Ackerbauabteilung am Tuskegee-Institu' in Alabama, der dritte Leiter der Negerhoch- schule von Saoarnoh. Die nächsten drei Brüder haben gelehrte Berufe ergrissen und der jüngste ist noch auf dem Eollege. Die Töchter haben alle angesehene Männer geheiratet. Vi« volksbähn« bringt am zweiten WelbnachtSsel-rtag,»onnittaq« Il't, Uhr, im Theater am Büiowplab Ludwig Weber» .llbristgeburtslviei' erslmolig zur Aussühriing. Tie mufttaMcke Leitung Bat Anton Hardörser-KürnBerg, die Regie Zaie ü-oll uBernom" cn. Mitwirkende: Sogran— CSmmlj von Stotteu. Svrechslimmen— MU, glieder der VoltSbübii«, Tun,(puppe unier Leitung von Herta Feist, die Neue Chorvereinigung— Nürnberg, ein Kammerorchester. Veihaattsipielplau der Slaatssper An den drei Feiertagen werden gegeben im O P e r n h g u» ,?Iidg'..Zigeune. Baron- und.Margarete-. in der Oper am KönigSplatz.Butterfly-, Dönsel und(Bretel' und.Spielzeug- und.(Sönngclimann". Neu» medlzivlsche FokullSIen. An den densscken Nniversttäten find jetzt zwei neue medizintswe Fakultäten ausgebaut worden. N:e die .Klinische SBochenIchlist* berichtet, find an der Nniverfität Münster all« Einrichtungen vollendet, um daS früher nur Bis»ur ärztlichen und zahnärztlichen vorvrüsuiig vorgesehene(Studium vollständig durchzutühren. Umgekebrt ist In der medizinischen Fakultät der Universität Köln da» medizinische Studium bi» zur ärztlichen vorvrüsung neu eingerichtet »arde», s» datz et Hort vollständig lehrplamnätzig Betriebe» verde» kau» Paul Büttner Der Redaktionssetretär des Borwärts", Genoffe Baul Büttner, ist gestern morgen, 64jährig, einem langen, schweren Leiden erlegen. Ein Leben, das von hingebungsvoller Arbeit für die Sozialdemokratische Partei und ihr Zentralorgan ausgefüllt war, hat seinen Abschluß gefunden. " Schon vor mehr als vierzig Jahren, in der Zeit des Sozialistengefeges, hatte sich Gen. Büttner als junger Buchdrucker der sozialistischen Bewegung angeschlossen. Er wurde Sezer am Berliner Boltsblatt", dem Vorgänger des Vorwärts", und blieb von da an bis zu seiner legten, schweren Erkrankung ununterbrochen im Bor. wärts" Betrieb tätig. Zugleich wirkte er in der Gewerkschaft und in der Parteiorganisation besonders des einstigen dritten Wahltreises. Er wurde Rorrettor und im Jahre 1905 Rebatteur des„ Borwärts". Im Jahre darauf brach der Vorwärts" Ronflitt aus: Defonomisch- Historische und„ Ethisch- Aesthetische rangen hart miteinander. Die streng marristische Richtung hatte den Parteinorstand und die Pressetommission für sich, und die von Bebel spöttisch so genannten e blen Sechs" mußten das Feld räumen. Sie hießen: Eisner, Gradnauer, Bepfer, Schroeder, Ralisti und Büttner. Büttners Rücktritt war ein vollkommen freiwilliger Aft der Solidarität, ein Verzicht auf die eben erst betretene journalistische Laufbahn, der ihm als Zeichen seiner Charakterstärke von allen hoch angerechnet wurde, auch von denen, die damals auf der anderen Seite standen. Büttner wurde wieder Rorrettor und lehrte erst nach vielen Jahren, diesmal als Sekretär, in die Redaktion zurüd. Als solcher widmete er sich seiner Arbeit mit allem Eifer und aller Liebe, mit der er dem Blatte seit der gemeinsamen Jugend angehangen hatte. Schwere Krankheit trieb ihn im Frühjahr dieses Jahres von feinem Blake, fein Augenlicht versagte, eine Operation brachte nur geringe Hilfe, eine schwere Zuderkrankheit setzte ein, bis ihn gestern der Tod von monatelangem Leiden erlöste. Knorrig und derb, immer geradeaus und ein guter Kamerab, von tiefer Begeisterung für die Sache der Arbeiterbewegung erfüllt, fo war Paul Büttner eine echte, vorbildlich wirkende Proletarier gestalt. Partei und Gewerkschaft, vor allem aber der Borwärts". haben einen treuen Mittämpfer verloren. Sie werden ihm ein ehrendes Andenken bewahren. Das Wesen der Krise.d Genoffe Hilferding im Volkswirtschaftlichen Ausschuß. Im Volkswirtschaftlichen Ausschuß des Reichstages wird| gefährliche Labilität des Marktes zu hemmen, und war damals not feit einigen Tagen die Kreditpolitit der Reichsbant gegenüber wendig. Eine andere Kontingentierung als eine rein schematische unserer Wirtschaft behandelt. Dazu haben Vertreter sowohl war damals auch gar nicht möglich. Aber auf die Dauer ist diese der Reichsbant wie des Reichswirtschaftsministeriums in fehr Kontingentierungspolitit nicht aufrechtzuerhalten. ausgedehnter und auch sehr intereffanter Weise gesprochen. Am Freitag vormittag hat Genoffe Hilferding in der darüber begonnenen Diskussion den Standpunkt der Sozial demokratie dargelegt. Er wandte sich zunächst dagegen, daß wir an die gegen wärtigen Wirtschaftsprobleme mit denselben Vorstellungen herantreten, die wir vor dem Kriege gehabt haben, obwohl die Grundlagen seitdem gründlich verändert worden sind. Er forderte deshalb gleichzeitig, daß endlich die Enquete durch geführt wird, die seinerzeit im Anschluß an die zollpolitischen Berhandlungen des Reichstages sowohl vom Reichstage selbst wie vom Reichsrat beschlossen worden ist. Im übrigen führte er gegenüber den Darlegungen sowohl des Vertreters der Reichsbank wie des Reichswirtschaftsministeriums folgendes aus: „ Die gegenwärtige Wirtschaftstrife war bis vor einigen Wochen zu betrachten als eine Wirkung der Inflationszeit und der Bieber verflechtung unserer Wirtschaft in die Weltwirtschaft. Inzwischen ist diese Krise der Konzerne aber allmählich zu einer ganz all. gemeinen Krise geworden. Die erste Ursache davon ist die falsche Steuerung unserer Wirtschaft von 1914 bis zur Stabilisierung der Mart. Während dieser Zeit war die ausländische Konkurrenz so gut wie ausgeschaltet, und infolgedessen fand eine vollkommen unrichtige Berteilung des Produktionstapitals statt. Die zweite Ursache ist die technische Rüdständigkeit unserer Wirtschaft, die wiederum durch Krieg und Inflation herbei geführt worden ist. Das traffeste Beispiel dafür, wenn auch nicht das typischfte, ist die Automobilindustrie. Zur Verschlimmerung haben dazu beigetragen die verhängnisvolle Schutzollpolitik des vergangenen Sommers, durch die die ausländische Konkurrenz zu start ausgeschaltet worden ist, und weiterhin die Rartell. politif. Die Politit der Kartelle im besonderen ist nichts weiter als eine Art tapitalistischer Mittelstandspolitik, weil sie von der Erhaltung der Schwachen ausgeht, also von direkt zünftlerischem Geifte erfüllt ist. Die Entwicklung muß aber gehen von dieser Kartellpolitit hin zu Fufionen, zu Trusts. Dabei hat aber die Ge Das preußische Anleiheprojekt. 150 Millionen für die staatlichen Unternehmungen. Die Absicht des preußischen Finanzministers, für die Unter nehmungen des Staates eine langfristige Anleihe im Besellschaft alles zu tun, um die dadurch hervorgerufene Monopol trage von 150 Millionen Mart aufzunehmen, hat bereits im Staatsrat zu lebhaften Debatten geführt. Der Berliner Oberbürgermeister Böß hat damals den Aufsichtsbehörden vorgemorfen, daß sie bei der Genehmigung von Auslandsanleihen mit zweierlei Maß messen. Die produktivsten Anleihen der Gemeinden würden rundweg unter den fabenscheinigsten Gründen abgelehnt, auch dann, wenn ihre volkswirtschaftliche Berechtigung von feiner Seite bestritten werden könnte, bem Staate würde aber auch eine Anleihe zweifelhaften Charakters ohne größere Schwierigkeiten genehmigt. Auch im Hauptausschuß des Bandtags stieß der Finanz minifter ebenfalls auf Widerspruch. Er hat deshalb eine Dent. schrift über den gesamten werbenden Besitz des Staates, bie Finanzverhältnisse dieser Unternehmungen und ihren Anleihebedarf in Aussicht gestellt. Der Amtliche Preußische Bresse dienst teilt außerdem aus den Ausführungen des Finanzministers noch folgendes mit: 1. Für den Musbau merbender Betriebe Find Aufwendungen nur insoweit gemacht mother, als der Ausbau dieser Betriebe durch frühere Anleihegeseze pom Landtag ge. nehmigt war und diese Betriebe sich daher bereits im Ausbau befanden. Die erforderlichen Mittel zum Ausbau der Betriebe find einst meilen aus den Ueberschüssen des Vorjahres entnommen worden. Die Aufwendungen verteilen fich auf vier Gruppen: Elettrizitätsmerte, häfen, Bergmerte und Förderung der Landeskultur. Für die Elettri. zitätsmerte sind 28, für die Häfen 24 und für die Berg. werte 17 millionen zur Verfügung gestellt. Für Zwecke der Landeskultur jah der Haushaltsplan felber 20 Millionen Dor, außerdem sind noch 4 Millionen zur Verfügung gestellt. 2. Das Reich hat dem Lande Preußen im Frühjahr eine Entschädigung von 65 Millionen bildung zu überwachen, namentlich was die Preisgestaltung angeht. Der Anfang, der damit in Deutschland durch die Einführung eines Rartellgerichts gemacht worden ist, genügt in feiner Weise. Bir müssen vielmehr ein vollkommen unabhängiges und mit großen Vollmachten versehenes Startellamt haben, ähnlich wie das bereits in den Bereinigten Staaten, in Ranaba ufm. geschehen ist. Es muß aber auch weiterhin versucht werden, die schweren Uebel stände im Attienmesen zu beseitigen, namentlich soweit der mißbrauch mit den Vorratsaftien, den Stimmrechtsattien usw. in Mißbrauch mit den Vorratsaftien, den Stimmrechtsattien usw. in Betracht kommt, weil dadurch die Anlage für produttive 3mede tünstlich zurückgehalten wird. Die Krise, die mir gegenwärtig erleben, ist auch eine Reinigungstrife, aber mit diesem Begriff ist thr Inhalt noch bei weitem nicht erschöpft. Sie wirkt sich zumnächst aus in den anbert halb Millionen Arbeitslosen, die mir gegenwärtig haben, in der weitgehenden Kurzarbeit und ähnlichem mehr. Ber. allgemeinerung der Rrise macht es nötig, nach einer allgemeinen Ur sache zu suchen, und eine solche ist die reditlage in Deutschland. Durch fie ift herbeigeführt worden, baß die Banten einen Sinsfaß Don 14 bis 18 Broz. erheben, der natürlich für fleine und mittlere Betriebe ganz unerträglich ist. Auch gegen die Kontingentierung der Kredite in der jeßigen Form ist mancherlei einzuwenden. Der Uebergang dazu erfolgte 1924 mit der Absicht, die außerordentlich Reichsbürgschaft für Düngemittelkredite. Aber keine direkten Subventionen für die Landwirte. Der Haushaltsausschuß des Reichstags beschäftigte fich afn Freitag mit einer Borlage der Reichsregierung, einem zu bilden den Bankenkonfortium, das den Stidstoff auf langfristigen Kredit abfehen mill, eine Ausfallsgarantie bis zur Höhe von 20 Millionen zu gewähren. In den letzten Monaten ftocht der Absatz von Dünger gezahlt. Bon dieser Summe bedeuten 15 Millionen eine Bauschal mitteln und die Gefährdung der nächstjährigen Ernte rückt in beabfindung für eine Reihe von Aufwendungen, die mit dem Ber- drohliche Nähe. Die Landwirte verspüren feine Neigung, Dünger sailler Friedensvertrag zusammenhängen. 50 Millionen find als abzunehmen, wenn sie nicht die Sicherheit haben, daß die WechselEntschädigung für verlorenes preußisches Staatsbeträge bis nach der kommenden Ernte gestundet werden. Zu einer eigentum mit der Maßgabe zur Verfügung gestellt, daß diese solchen Stundung ist ein zu bildendes Bantentonsortium bereit, wenn Summe wieder als nugbares Staatseigentum angelegt neben dem Stichsteffsyndikat auch das Reich eine Ausfallgarantie bis werden soll. Von diesen 50 Millionen find rund 5 millionen 34 20 Millionen übernimmt. für den Ankauf von Domänen und Forsten, 20 millionen für den Ankauf von Attienpaketen des Rheinisch- Westfäli fchen Elektrizitätsmerts und der Siemens Gefell. fchaft verwandt und 20 millionen der Bergbauverwal tung zur Verfügung gestellt. 3. Die Ausgabe von Schatwechseln hat ihre gefeßliche Grundlage in dem Etatsgesetz. Der Finanz minister ist berechtigt, zur vorübergehenden Verstärkung der Betriebs mittel Schahmechsel bis zum Höchstbetrage von 200 millionen auszugeben. Die Summe der umlaufenden Schahwechsel beträgt zur zeit ema 84 millionen. Die Berstärtung der Betriebsmittel ift notwendig, weil der Ueberschuß des Borjahres auch zum Ausbau der werbenden Betriebe, menigstens vorübergehend, und zur Dedung des Fehlbetrages des laufenden Jahres verwandt werden muß. Die Finanzgebarung gestaltet fich also so, daß die zum Ausbau der werbenden Betriebe vorübergehend verwandten Ueberschüsse des Borjahres durch eine dauernde Anleihe abgedeckt werden sollen, daß der Ueberschuß des Vorjahres im wesentlichen zur Deckung des Fehlbetrages des laufenden Jahres verwendet werden soll, und daß der Rest des Ueberschusses und die Schazwechselbeträge den Betriebsfonds der Finanzverwaltung bilden sollen. Das vorgelegte Anleihegesek foll der Finanzverwaltung die Möglichkeit geben, die Berhandlungen über eine Anleihe auf zunehmen. Die Berteilung der Anleihe im einzelnen auf die ver schiedenen Berwaltungen wird, soweit Anleihegesetze nicht bereits verliegen, durch besondere Anleihegesege vorgenommen werden. Ebenso gering ist die währungspolitische Bedeutung der gegenwärtigen Reichsbantpolitif. Die Deckung der Reichsbank gegenüber dem Notenumlauf beträgt nicht weniger als ungefähr 60 Broz., obwohl die Dritteldedung vor dem Kriege schon einen ziemlich hohen Satz bedeutete. Darüber hinaus verfügt die Reichsbant über erhebliche Devisen. Angesichts dieser Sachlage sollte man endlich auch einmal mit dem Gerede von der Gefahr einer neuen Inflation aufhören; denn die Note war während der Inflation echte Geldschöpfung, jezt aber wird feine hinausgegeben ohne genügende Sicherheit dafür, was wiederum abhängig ist vom Stande der Produftion. Die Reichsbant fontrolliert jetzt Wechsel im Betrage von ungefähr 3 Milliarden Mart. Das aber ist nur ein Bruch teil von den tatsächlich umlaufenden Wechseln, deren Höhe auf etwa 10 milliarden Mart veranschlagt werden darf. Diese Wechsel versehen eine Zahlungsfunktion, ersehen also die Reichsbanknote und nehmen so der Kontingentierungspolitik in hohem Maße ihre währungspolitische Bedeutung. Es wird jetzt behauptet, daß das Betriebskapital vernichtet sei. Das gilt aber nur bis zu einem gewissen Grade, denn auch früher sind die Depofiten und Spargelder nicht flüffig, sondern zu einem großen Teil fest angelegt gewesen. Bei uns bestimmt jetzt der Diskontsag nur den direkten Verkehr mit der Reichsbant. Dadurch erhält ein Teil der Wirtschaft ein bestimmtes Privileg, während der andere Teil erheblich benachteiligt wird. Daraus ergibt sich, daß der Diskontsak für unsere Kreditpolitik eine geringe Bedeutung hat, Aus diesem Grunde wäre es auch völlig falsch, wenn sich die öffent liche Meinung einseitig nur auf Serabfeßung des Diskont fates festlegen wollte. Beseitigt muß vielmehr werden die jetzige Kontingentierung. Das Kontingent wird jetzt nicht voll ausgenußt, weil die Großbanten einen gewissen Spiel raum haben müssen, ganz abgesehen davon, daß bei einer verringerten Produktion auch geringere Kredite verlangt werden. Die Reichsbank will eine Lockerung der Kontingentierung vornehmen. Das ist gut, aber nicht genug. Gründlich kann hier nur die Rüd tehr zur Goldmährung und der ihr entsprechenden Kredit politit helfen, weil ganz allein dadurch die Politik der Reichsbank aufhört, das Schicksal der Wirtschaft zu sein. Das würde gleich zeitig das Kreditmonopol der Banken zerstören, und die Notenbank zum Konkurrenten der geldgebenden Banken machen. Das bedeutet ipäter niedrigere Zinssäße und bedeutet sofort Kredite für denjenigen Teil der Industrie, der, wie gegenwärtig, wohl Aufträge hat, aber cus Mangel an Rapital nicht produzieren fann." Genosse Hilferding betonte zum Schluß seiner Ausfüh rungen, daß fich die jetzt tobende Reinigungsfrise pollenden müsse, daß aber daraus hervorzugehen habe eine Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit unserer Industrie. Und dazu könne neben Renderung der Handelspolitit, der Kartellpolitik, des Attienrechts, bei Aufrechterhaltung des Lohnniveaus und der Sozialpolitik auch während der Krise vornehmlich die Reichsbank beitragen. Nach Hilferding nahm vor allem ein Vertreter der Reichss bent wieder bas Bart, um zu ertiären: Die Stredite mürben pon der Reichsbant gegeben nach dem Gesichtspunkt der vors. handenen Sicherheit und auch der Wirtschaftlichkeit. Sie ver fucht, auf diesen zweiten Grundfah einen größeren Nachbruc zu legen, und das sei der Inbegriff deffen, was die Reichsbank als Loderung ihrer Kreditpolitit angefündigt hat. Namentlich soll auch versucht werden, die kleineren Betriebe in direkten Verkehr mit der Reichsbant zu sehen, was durch die Nebenanstalten durch entsprechende Anforderung geschehen fam. außenpolitischen Haltung der Regierung abgestimmt. Die Völkischen, der Landbund und die Deutschnationalen, die noch vor acht Lagen der Regierung ihre schärfste Mißbilligung wegen ihrer haltung zu Locarno ausgesprochen hatten, stimmten mit der Deut schen Bolkspartei und einem Beamtenvertreter des Deutschen Be= amtenbundes gegen das Mißtrauensvotum. Das Botum murde infolgedeffen gegen die Stimmen der Sozialdemokraten und Kommunisten abgelehnt. Die Demokraten enthielten sich der Stimme. Welchen Preis die am Donnerstag umgebildete Regierung für ihre Eristenz den Bölkischen zu zahlen hat, wird die nächste Zukunft lehren. Im übrigen dürfte die jetzt vollendete Umbildung der thüringischen Ordnungsregierung noch verschiedene Nachspiele haben, menn sich bie feindlichen Brüder im Ordnungblod erst einmal von bem Schreck des sozialdemokratischen Mißtrauensantrages erholt Es ist jetzt festgestellt, daß in den Wochen, in denen von haben. einer Regierungsfrise in Thüringen die Rede war, die Lüge eines der beliebtesten Mittel gewesen ist, um die öffentliche Meinung im unflaren zu halten. Darüber hinaus sind aber die an der Regie In der Debatte wurden von allen Rednern Bedenten gegen die Vorlage der Reichsregierung geäußert. Auch die bürgerlichen Parteien machten der Regierung heftige Vorwürfe, daß sie nicht rechtzeitig die Gefahren erkannt habe, die von der Stodung des Düngerabsatzes drohen. Sie verlangten, das Reich solle bis zu 10 Millionen zur direkten Berbilligung der Düngemittel aufwenden. Genosse Schmidt- Köpenid befämpfte diese Art von Subvention. Erst vor kurzem habe der Reichskanzler die geplante Erhöhung der Errungstrife start intereffierten Boltischen sowohl von der Staats. werbslojenunterstüßung schroff abgelehnt. Demnach tönne unmöglich pressestelle als auch von dem Borsigenden des thüringischen Staats der Düngemittelindustrie und den Landwirten nun Mittel des Reiches ministeriums fortgelegt im unflaren gehalten worden. Wir er überwiesen werden, die doch zum erheblichen Teil durch die breite fahren z. B., daß die staatliche Pressestelle dem Vertreter des WolffMaffe des Boltes aufgebracht werden. Die Vertreter der Landwirte schen Telegraphenbureaus auf eine Anfrage über den Stand der hätten mit aller Entschiedenheit die freie Wirtschaft gefordert und Regierungsfrise die objektiv unwahre Mitteilung gemacht hat, müßten auch nun daraus bie Konsequenzen ziehen. Die fozialbemo die völkische Forderung nach zwei Staatsratsstellen habe bei der fratische Fraktion sei bereit, alle Mittel anzuwenden zur Steigerung Regierung teine Gegenliebe gefunden, und die Telegraphen- Union ber landwirtschaftlichen Produktion. Auch müsse man bedenken, in Weimar will vom Staatsminister Leutheußer persönlich daß bei den Stickstoffwerten bereits ein Lagerbestand von 130 000 Tonnen vorhanden sei, so daß Arbeiterentlassungen drohen. Der auf die Frage, ob es wahr sei, daß die Bölkische Freiheitspartei von tönne man deshalb ihm den sofortigen Rücktritt verlangt habe, beschieden worden sein, Regierungsvorlage stimmen. Zur Sicherung der Reichsinteressen sei jedoch die An- daß an dieser in einigen Blättern erschienenen Meldung fein nahme des sozialdemokratischen Antrags erforderlich, daß, die Regie: mahres Wort" sei. In Wirklichkeit war jenes Verlangen aber rung bei der Uebernahme dieser Ausfallsgarantie darauf zu achten zweimal an den Minister Leuthheußer gestellt worden. Ein thüringi habe, daß diese Kreditaftien nur für das Düngemittelgeschäft gilt, fches demokratisches Blatt bemerkt zu diesen Einzelheiten, die sich bas auf Grund dieses Regierungsvorschlages fünftig zustande tomme und nicht zur Abwicklung zurückliegender Berpflichtungen wahrscheinlich noch vermehren laffen: Jedenfalls wurde im Lager der Regierungsparteien gelogen, daß sich die Balten bogen." dienen dürfe. Die Regierungsvorlage murde mit dem sozialdemokra. tischen Zusagantrag angenommen. Die Anträge auf birekte Berbilligung wurden abgelehnt. Aber auch die sozialdemokratische Dieses Anleiheprojekt des preußischen Finanzministers wird Entschließung wurde abgelehnt, die Reichsregierung zu ersuchen, zweifellos in der Deffentlichkeit nach Borlegung der angekündigten fich das Recht zu wahren, eventuelle Ausfälle von den beteilig Dentschrift noch zu Diskussionen führen. Die falte Sozialisten Fabriten zurüdzuverlangen fierung", bie Breußen nach dem Muster anderer Länder und auch des Reichs vornimmt, hat den allerhöchsten 3orn der Birt. schaft" erregt. Auch ist z. B. die Frage einer planmäßigen Regelung der Elettrizitätsverforgung über ein so großes Gebiet von der Ausdehnungs Preußens von höchstem Interesse für die gesamte Deffentlichkeit. Schon aus diesem Grunde fann man annehmen, daß die Verhandlungen über die preußische Anleihe sich im Landtag noch längere Zeit hingiehen werden. Die thüringische Krise. Abgelehntes Mißtrauensvotum.- Der Zwift im Regierungslager. Weimar, 18. Dezember.( Eigener Drahtbericht.) Am Freitag wurde im Thüringischen Landtag über das von der Sozial bemotratie eingebrachte Mißtrauensvotum wegen der Die finanziellen Schwieriglelfen der Stadt Dortmund find so ernst geworden, daß voraussichtlich Ende Dezember teine Mög lichteit bestehen wird, die Beamtengebälter voll auszuzahlen. Es wird jest wahrscheinlich der Weg beschritten werden, durch Nichtzahlung bestimmter Gehaltsteile bie augenblidlichen Schwierigkeiten zu überwinden. Deutsch- polnische Rechtsabmachungen find nach längeren Ber. handlungen unterzeichnet worden, und zwar zunächst im Familiengüterabfomunen zur Regelung der Rechtsverhältnisse der Fideifomnißvermögen, soweit diese sich teils in Preußen, teils in Polen befinden, eine Regelung des Rechtshilfeverkehrs in Straffachen und ein Notenwechsel über die Veröffentlichung von Fahndungserfuchen. Gewerkschaftsbewegung Die Reichstarifverhandlungen im Baugewerbe. Gemäß der am 26. November d. J. getroffenen Vereinbarungen ber baugewerblichen Spizenverbände wurden am 18. Dezember die Verhandlungen zur Schaffung eines Reichstarifvertrages für das Baugewerbe wieder aufgenommen. Den Standpunkt der Bau. arbeiterverbände entwickelte der Vorsitzende vom Deutschen Baugemertsbund. Pä plow, während der Vorsitzende vom Deutschen, Arbeitgeberbund für das Baugewerbe, Herr Behrens, für die Arbeitgeber sprach. Aus den beiderseitigen Ausführungen ging her per, daß in den Hauptfragen, nämlich der Arbeitszeit, Der Ferien, der Lehrlinge sowie der Poliere und Schacht meister eine Annäherung bisher nicht möglich ge= mesen ist. Arbeitszelt haben. Das Haus- und Rüchenperfonal in den Kranten[ reaten Befugniffe eingeräumt merben sollen und auch ble anstalten, das gesamte Personal in den Jrrenanstalten ist vers Don den Gemertschaften gemachten Befferungsvorschläge pflichtet, in der Woche 54 Stunden zu arbeiten. die ihnen gebührende Beachtung nicht finden, haben die Bertreter der Gewerkschaften beschlossen, thre emier nieberzulegen und den zuständigen Stellen davon Kenntnis zu geben. Ebenso besteht für die Schichtarbeiter der Gas- und Wassermerte die Verpflichtung, bis zu 53% Stunden zu arbeiten Die normale Arbeitszeit im Betriebe der Straßen bahn beträgt 9 Stunden. Dazu kommt, daß in der lekten Zeit das Ueberstunden unwesen sowohl in Kämmerei. betrieben wie auch in den Werfen einen ganz erheblichen Umfang gewonnen hat. Die Betriebsräte und der Verband der Gemeinde- und Staatsarbeiter haben in der legten Zeit wiederholt Veranlassung nehmen müssen, sich gegen das leberstunden unwesen zur Wehr zu feyzen. Angesichts der wirtschaftlichen tut, um die Arbeitslosigkeit zu beheben. Dazu gehört in erster Lage ist es eine unbedingte Notwendigkeit, daß der Magistrat alles Linie die Durchführung der 48 stündigen Arbeitszeit in den städtischen Betrieben. Wir erwarten. daß den Beschlüffen der Stadtverordneten versammlung nicht nur in den Kämmereibetrieben, sondern auch in den städtischen Werken in vollem Umfange Rechnung getragen wird. Die Krise in Westfalen. Hörde, 18. Dezember.( Eigener Drabtbericht.) In der vorigen Woche wurden im Hörder Bezirk 11000 Arbeitelose gezählt. In awiichen ist das Heer der Erwerbsloien auf über 14000 an gewacfen. Das ist mehr als die Hälfte der gesamten Arbeiter Schaft im Hörder Bezirk. Auf 153 000 Einwohner entfallen somit bruch, der die Gristenz von taufenden von Arbeitern, Angestellten 10 000 Unterſtüßungsempfänger. Dieser wirtschaftliche Zusammen und Geschäftsleuten in Frage stellt, ist in der Hauptfache auf die tüdsichtslosen Stillegungen der südlichen Randechen und auf den Abbau großindustrieller Betriebe zurid zuführen. Die neu hinzugetretenen Erwerbslosen rekrutieren sich aus Arbeitern und Angestellten der Großindustrie sowie aus dent Die Verhandlungen sollen nummehr im Januar 1926 fort gelegt werden, und zwar unter Hinzuziehung eines Kollegiums Grundsägen, alles daran fetzen, um ben reinen Achtstundentag und Streifen des Handels und der fleineren Betriebe. von brei Unparteiischen. Je einen Unparteiischen ernennen die Parteien, den dritten soll das Reichsarbeitsministerium in Bor schlag bringen. Die Parteien waren sich darüber einig, daß die Unparteiijchen nicht ein Schiedsgericht bilden, sondern lediglich die Verhandlungen fördernd bestrebt sein sollen. Die Arbeiter bei der Reichspoft gehen leer aus. Der Berwaltungsrat der Deutschen Reichspoft verabschiedete om Freitag in dritter Lesung die Vorlage über die Errichtung einer Bersorgungsanstalt für die Angestellten und Arbeiter der Deutschen Reichspost. In der zweiten Lesung wurde nach langer Debatte eine wesentliche Verschlechterung des § 36 befchloffen. Die Renten der Arbeiter und Angestellten aus der Angestellten und Invalidenversicherung und der Versorgungsanstalt follen die Pension eines vergleichbaren Beamten nicht übersteigen. Auf Antrag des Abgeordneten Bender( Soz. wurde die alte Fassung, nach der nur dann, wenn zwei Drittel des Gesamt berrages die Penfion des Beamten überfieigen, eine Kürzung eintreten darf, wiederhergestellt. Die Errichtung der Ber forgungsanstalt tritt am 1. April 1926 ins Leben; als Siß uurte Dresden befmmt. Im meiteren Verlauf der Beratungen lehnte gegen 6 Stimmen ber Berwaltungsrat einen Antrag ab. durch den der Reichspoftminister ersucht werden sollte, bei der Reihsregierung dahin zu wirken, daß auch die Notmaßnahme. die der Reichstag für bie Beamten beschlossen hat. auf die Reigsarbeiter über tragen werden sollte. Tas Spiel mit den Eisenbahnarbeitern. Am Freitag fand im Reichsarbeitsministerium mit den Bertretern der Organisationen der Eisenbahner eine Besprechung über die Einleitung ber zur Beilegung des Lohnsonflittes bei der Reichs behn notwendigen Schlichtungsverhandlungen statt. Das Reichsorbolisministerium erklärte, och es bis zur Stunde einen geeigneten Schlichier noch nicht habe bestellen tönnen; es fei faum damit zu rechnen, daß die Schlichtungsverhandlungen noch vor Weihnachten fatifinden. Die Bertreter der Organisationen forderten nachdrüdlich, daß die Berhandlung, wenn wirklich nicht mehr vor Weihnachten, dann unter allen limständen sofort nach den Feiertagen stattfinden, Damit mindestens bis zur Jahreswende die nun schon seit Monaten verschleppte Lohnaufbefferung der Eisenbahnarbeiter geregelt und der cwige Lohntonfliti sus der Welt geschafft wird. Die fozialdemokratische Graftion mirb, getreu ihren Durchführung zu bringen. damit die 48- Stunden- Woche, in den städtischen Betrieben zur vollen Von der Amerikareise. Schumanus Bericht im Verkehrsbund. Die Arbeitslosigkeit in Ostpreußen. Selbst in den rein ländlichen Teilen der Provinz greift die Arbeitslosigkeit immer weiter um sich. Am 9. Dezember waren über 33 000 Arbeitsuchende gemeldet, gegen Inapp 15 000 um die gleiche Zeit im Vorjahre. Die Lage der Arbeiter in den besesten Gebieten. Der Reichstagsausschuß für die besetzten Gebiete befaßte sich am Donnerstag mit der Lage der rund 9000 Arbeitnehmer, die im besetzten Gebiet wohnen, aber im Saargebiet ihre Arbeitsstelle haben. Sie leiden unter den unmöglichen Eisenbahnverbindungen zwischen dem Rheinland und dem Saargebiet mit den langen Grenzaufenthalten infolge der 3ollabfertigung, vor allem aber unter den Folgen hinter der deutschen Erwerbslosenunterstützung zurückbleiben. Der Ausschuß beschloß zunächst, für eine teilweise Erstattung der Fahr fosten für die Eisenbahnfahrt einzutreten. Weitergehende Anträge auf Gewährung von Reichsunterstügung zum Lohnausgleich sollen später zur Verhandlung kommen. Das Arbeitslosenelend in Deutschösterreich. Wien, 18. Dezember.( Eigener Drahtbericht.) Die Arbeitslofigfeit nimmt in ganz Defterreich in erichredender Weise zu. In Wiener Neustadt find von 40000 Einwohnern 18000 arbeitslos. In Gras ist jeder elfte Einwohner, in Binz jogar jeder fünfte Einwohner erwerbslos. In einer sehr gut besuchten Funktionärversammlung des Berfehrsbundes am Montag im Deutschen Hof gab der Verbands porfizende Genosse Oswald Schumann einen anschaulichen und lehrreichen Bericht über die Amerikareise der deutschen Gewerkschaftsdelegation. Unsere Aufnahme drüben, so führte Schumann aus, war sowohl bei den Gewerfschaften wie auch bei den Behörden und Regierungsstellen sehr gut. Was den Teilnehmern an der Reise bei weitem ihre Erwartungen. Der Deutsche begegnet hier besonder französischen Baluta, wodurch ihre Frankenlöhne zum Teil während ihres sechswöchigen Aufenthalts gezeigt wurde, übertraf deren Verhältnissen und kann sich nicht ohne weiteres in das Seelenleben des Amerikaners versezen. Erst bei längerem Berweilen im Lande der unbegrenzten Möglichkeiten lernt man die Sitten und Anschauungen des Amerikaners verstehen. Besonders eigenartig der amerikanischen Gewerkschaften an. Um ihre Einstellung zu be muten dem deutschen Gewerkschafter die Gebräuche und die Taktik greifen, muß man die Berhältnisse des Landes und die Geschichte seiner Gewerkschaften im Lande selbst studieren. Die bei uns noch herrschende Auffassung, die amerikanischen Gewerkschaften feien feine Kampforganisationen oder gar etwa mit unseren gelben Gewerkschaften zu vergleichen, ist gänzlich halilos. Die amerikanischen Gewerkschaften müssen genau wie die Gewerkschaften anderer Länder Kämpfe um die wirtschaftliche Besserstellung ihrer Mitglieder führen. Nur Lie Art der Kampfesführung muß uns sonderbar vorkommen. Das erklärt sich aus der anders gearteten Einstellung der amerikanis fchen Arbeiterschaft, der Struktur der Wirtschaft des Landes und schließlich auch aus der Rechtsprechung. Der sozialistische Gedanke ift den amerikanischen Gemertschaften fremd. Dort, wo sich fozia listische Anfäße zeigen, find sie sehr oberflächlich und unflar. Interessant waren die Ausführungen Schumanns über das Organisationsverhältnis der einzelnen Berufsgruppen. Während einige Berufsgruppen sehr gut organisiert sind, können andere da gegen nur schwer für die Organisation gewonnen werden. Befon ders slecht sind die ungelernten Arbeiter im Handel, der Hauswirtschaft sowie der Kommunal- und Staatsbetriebe organisiert. In der letzten Zeit machen sich jedoch auch in diesen Berufsgruppen Anfäße zum gemertfchaftlichen Zusammenschluß bemerkbar. Die Erfaffung verwandter Berufe in einer Industrieorganisation, wie es in Deutschland schon meist der Fall ist, findet man bei den amerikaniDafür ist der amerikanische gewerkschaftlich organisierte Arbeiter in seiner Gewerkschaft gegen Ünfall, Krantheit, Arbeitslosigkeit und wegs schlechter dafteht als sein deutscher Genoffe. Im Gegenteil, Arbeitsunfähigkeit infolge hohen Alters versichert, so daß er feines durch die gewerkschaftliche Sozialversicherung ist ein stärteres Binde mittel geschaffen. Schumann schilderte dann die Unterschiede zwischen fanische Produktion sei mehr auf 3wedmäßigkeit als auf Feinheit der deutschen und der amerikanischen Produktionsweise. Die amerieingestellt. Die amerikanischen Fertigprodutte find in ihrer Ausführung viel roher als die deutschen. Die sogenannte Bandarbeit in den Ford- Betrieben bedeutet nur für einen verschwindend kleinen Teil der Arbeiterschaft ein bequemeres Arbeiten. Für den größten Teil der Arbeiter ist fie eine Arbeitsqual, die gewaltige Nerven zerrüttungen nach sich zieht. Sicher ist, daß durch diese mörderische Arbeitsmethode der Arbeiter bald verbraucht wird. Auch in ameri fanischen Gewerkschaftstreifen ist man der Auffassung, daß diefe Arbeitsmethode nur für einen bestimmten Zeitraum durchführbar ist. Sie muß schließlich zu Produktionsschwierigkeiten führen, die die gleichen schweren Wirtschaftstämpfe na fich ziehen werden wie in Deutschland. Dann wird der Zeitpunkt fommen, wo auch in den amerikanischen Gewerkschaften der sozialistische Gedanke Wurzel faßt. Es gilt jetzt, die angebahnten freundschaftlichen Beziehungen mit den amerikanischen Gewertschaften aufrechtzuerhalten und fie weiter auszubauen zum Vorteil der gesamten internationalen Arbeiterbewegung. Infolge der geradezu unerträglichen Hinhalte- Taktik der Reichsbahngesellschaft, die nach der fürzlich stattgefundenen ersten Beschen Gewerkschaften noch nicht. Ein geseglicher Arbeiterschutz fehlt. sprechung mit den Organisationsvertretern eine volle Woche brauchte, um zu erklären, daß sie nichts zahlen wolle, stehen mun die Eisenbahnarbeiter vor Weihnachten mit leeren Händen da. Wirtschaftsbeihilfe für die städtischen Arbeiter. Entsprechend den Beschlüssen des Reichstages hat der Berliner Magistrat beschlossen, den Beamten und Angestellten ber Befolbungsgruppe 1-6 eine Wirtschaftsbeihilfe von 30 m., fowie eine Frauenbeihilfe von 10 m. und für jedes Kind 5 M. zu zahlen. Die Stadtverordnetenversammlung am Dienstag beschloß, auch den städtischen Arbeitern diese Wirtschaftsbeihilfe zu gewähren. Der Magistrat ist diesem Beschlusse der Stadtver ordnetenversammlung nicht nachgekommen. Im Auftrage der Tariftommiffion für die Kämmerei und Regiearbeiter hat die Ortsverwaltung des Verbandes der Gemeinde- und Staatsarbeiter am 17. Dezember 1925 dem Magistrat den nachstehenden Pinirag überreicht: Auf Beschluß der Reichsreglerung und des Magistrats wird den Beamten und Angestellten des Reichs und der Stadtgemeinde Berlin eine Wirtschaftsbeihilfe in Höhe von 30 m., dazu 10 m. Frauenbeihilfe und je 5 M. für jedes Kind gezahlt. Bir beantragen, diese Beihilfe im gleichen Ausmaße den bei der Stadt Berlin beschäftigten Arbeitern und Arbeiterinnen zu zahlen." Dieser Antrag ist auch den Direktionen der städtischen Attien gesellschaften der Gas, Wasser und Elektrizitätswerte, und der Direktion der Gasbetriebsgesellschaft fomie der Charlottenburger Bafferwerfe, Attiengesellschaft, übermittelt worden. Die Notwendigkeit der Zahlung einer Wirtschaftsbeihilfe an die Arbeiter und Arbeiterinnen findet ihre Begründung in der Tatsache, daß ein Vergleich der Einkommensverhältnisse der Arbeiter gegenüber den Beamten und Angestellten, besonders mit höherem Dienstalter, außerordentlich zu ungunsten der Arbeiter ausfällt Wir erwarten, daß die städtischen Körperschaften entsprechend dem Antrage der Stadtverordnetenversammlung und dem Antrage des Berbandes der Gemeinde- und Staatsarbeiter die Birt haftsbeihilfe auch den städtischen Arbeitern und Arbeiterinnen zugestehen. Die Arbeitszeit in den städtischen Betrieben. Mit den Stimmen der sozialdemokratischen Frattion und der Kommunisten ist in der Stadtverordnetenversamm. [ ung am 17. Dezember beschlossen worden: In allen städtischen Betrieben und Verwaltungen und in den städtischen Gesellschaften ist für alle Arbeiter und Angestellten die 48 stündige Arbeitszeit einzuführen, refp. ftritte innezuhalten. Ueberstunden, die ausnahmsweise geleistet werden müffen, sind in der darauffolgenden Woche durch entsprechende Freizeit auszugleichen. Der Magistrat wird ersucht, die Mitglieder der Aufsichtsräte anzuweisen, daß dieser Beschluß durchgeführt und streng beachtet wird." Angesichts der gewaltigen Arbeitslosigkeit ist es notwendig, daß bieser Beschluß nicht nur eine fchöne Gefte bleibt, sondern daß er auch durchgeführt wird. In den städtischen Betrieben sind es die Pflegean ftalten, bie teilmeise eine wesentlich längere als eine 48ftündige möchentliche Falbst mittändlich Reicher Beifall lohnte die Ausführungen des Redners. Hierauf gelangte eine Entschließung zugunsten der Ratifizierung des Washingtoner Abfommens einstimmig zur Annahme. Die Bersammlung fordert vom Reichstag und der Reichsregierung die sofortige Vornahme der Ratifitation, ohne Ausnahme des Artitels 14 des Abkommens. Tarifverhandlungen im Bankgewerbe. Wie der Allgemeine Verband der Deutschen Banfangeftelten mitteilt, find die Tarifverhandlungen für das Bankgewerbe auf Dienstag, 22. Dezember 1925, angelegt worden. Zum Schlichter hat der Reichsarbeitsminister den Herrn Staatssekretär a. D. August Müller bestellt. Der Boykott gegen Siemens- Schuckert in Jrland. Die Siemens- Sudert Bau Union errichtet ein Elektrizitätstraftwert am Shannonfluß in 3rland. Da die Firma fich weigert, mit den irischen Gewertschaften eine Rege lung über die Lohn- und Arbeitsbedingungen für ihre Arbeiter in Limmerid zu treffen, sondern mit Vereinen ehemaliger Soldaten, eine Art gelber Bewertschaften, Abmachungen getroffen hat, die einen starken Lohnbrud famt einer ver. längerten Arbeitszeit bedeuten, hat die Gewertschaftszen trale samt der irischen Arbeiterpartei die Baustelle in Limerid bontottiert Wie erbittert die Arbeiterschaft über das Verhalten der Firma ist, geht daraus hervor, daß nach einem Bericht Don MTB. am Mittwoch abend zwei Ueberfälle auf Materialtransporte der Firma erfolgten. Bei Birdhill wurde ein Lastmagen mit Material für die Shannonbauten von Bewaff neten angehalten und in Brand gestedt Ein Laftschiff mit einer Ladung Schwellen auf dem Kanal zwischen Limerid und Dromineer wurde ebenfalls von Bewaffneten angehalten, die unter Versprechen abnahmen, tein material mehr für die Shannonder Androhung, das Schiff in Brand zu setzen, dem Kapitän das bauten zu befördern. J Irland ist die Wiege des Bontotts, der dort scharf geführt müssen, daß es schließlich vorteilhafter für sie und ihr Bauwerk wird. Die Firma Siemens- Schudert wird sich schon heute sagen gewesen wäre, menn sie sich von vornherein mit den Gemert fchaften verständigt hätte. Daß fie im Auslande nicht mit deutschen Löhnen, sondern mit den ortsüblichen Bedingungen zu rechnen hat, müßte ihr von vornherein flar sein. Wenn sie sich über diese Selbstverständlichkeit hinwegsegen zu fönnen glaubt, dann muß fie auch die Folgen tragen. Gegen den Willen der organihochbringen. Will sie erst durch Schaden flug werden, so ist das fierten Arbeiterschaft des ganzen Landes wird sie ihren Bau faum ihre Sache. Forderungen der Bauarbeiter in New York. Die im New Porter Baugemerbe beteiligten 37 Gewerkschaften haben den Unternehmern erneut Forderungen unterbreitet, die, wenn fie erfüllt werden, geeignet sind, auf die gesamten dortigen Mieterverhältnisse revolutionierend zu wirken. Die Bauarbeiter waren die Pioniere in der Achtstundentagbewegung; dann kam die 44- Stunden- Woche, die den halben freien Sonnabend brachte. Nun wird die fünftägige Arbeitszeit in der Woche gefordert, da die gegenwärtige vierstündige Arbeitszeit am Sonnabend von Tatsache, daß die meisten Arbeiter zwei Stunden Fahrzeit benöti den Arbeitern als unökonomisch betrachtet wird, angesichts der gen, um vier Stunden arbeiten zu fönnen. Die allgemeinen Lohn forderungen lauten 12 Dollar pro Tag( 50 m.) für gelernte und 9 Dollar für Hilfsarbeiter, während bisher die Sätze 10,50 Dollar für gelernte und 7 bis 9 Dollar für Hilfsarbeiter betragen. Die Maurer verlangen eine Lohnsteigerung von 12 auf 16 Dollar pro Tag. Da das Baugewerbe in New York seit Jahren gute Konjunktur hat, betrachten die Bauarbeiter ihre Position als günstig. Ant Betriebsratswahlen bei der Berliner Straßenbahn. 16. Dezember haben die Wablen zum Betriebsrat( Arbeiterrot) im Betriebe der Berliner Straßenbahn Betriebs- G. m. b. H. statt gefunden. Der Ausgang diefer Wahl brachte der freigeweilschaftErlichen Lifte 21 von 28 Gigen. Weber 2500 Leute sind der Ab ftimmung ferngeblieben, wodurch die Gelben einen fleinen vorübergehenden Erfolg erzielten. Der„ Wirtschaftsausschuß für das Ruhrgebiet. Die Gewerkschaften verzichten auf diese weiße Salbe. Effen, 18. Dezember.( Eigener Drahtbericht.) Durch einen laß des Reichswirtschaftsministeriums vom 27. Oftober ist ein Wirtschaftsausschuß für das Ruhrgebiet eingesetzt worden, der die Aufgabe hatte, die von den verschiedenen Bechen des Ruhrgebietes durchgeführten und beabsichtigten Betriebsstillegungen und einschränkungen nach zu prüfen, sowie fich auch zu der Frage der Unterbringung der arbeitslosen Belegschaften zu äußern. Dem Ausschuß gehörten Bertreter der Gewerkschaften, der Unternehmer und der Behörden an. Der Ausschuß hat sich wiederholt zu verschiedenen Stillegungsmaßnahmen in feinen Berichten an das Reichswirtschaftsministerium geäußert und auch eine ganze Anzahl von Berbefferungsvorschlägen gemacht. Die Reichsregierung hat jedoch weder zu den prinzipiellen Aeußerungen noch zu den fontreten Borfchlägen zu den Einzelfällen jemals Stellung ge nommen, so daß die Vertreter der Gewerkschaften schon mehrfach bie Absicht äußerten, ihre Aemter in dem Ausschuß niederzulegen. Da fich jetzt herausgestellt hat, daß dem Stillegungsausschuß teine Die Spartaffe der Bank der Arbeiter, Angestellten und Beamten A.-G., Berlin, Wallstr. 65, ist täglich mit Ausnahme von Sonnabend Don 9-3 Uhr und 5-7 Uhr, Sonnabends von 9-1 Uhr geöffnet. Achtung, Rimmerer! Am Montag, 21. Dezember, 7 Uhr, Bertrauens männer und Funktionärvei fammlung in Saverlands Feftfällen, Neue Friedrichstraße Ede Rochstraße. Stellungnahme aur Maßregelung der Betriebsräte bei einigen großen Firmen. Rentralverband der Rimmeeer, Rahlstelle Berlin und Umgegend. Berantwortlich für Bolitit: Erak Renter; Wirtschaft: Artur Saternus; Gewerkschaftsbewegung: 3 Steiner; Feuilleton: R. S. Difcher; Lotales und Sonstiges: Frik Karftabt; Anzeigen: Th. Glode; sämtlich in Berlin. Berlag: Borwärts- Berlag 6. m. b. S., Berlin. Drud: Borwärts- Buchdruderet und Berlagsanftait Vaul Singer u. Co. Berlin G 68 Lindenstraße 2. Sierzu 2 Beilagen und Unterhaltung und Wissen". Rahma- buttergleich MARGARINE Itf. 59* ♦ 42. Jahrgang 1. Seikage des Vorwärts Soanabenö, 79. vezembsr 7925 Zu den»dunklen Erscheinungen' der Weltstadt gehört auch das vier- und sechsbeknige Ungezieser vom Floh bis zur Ratte. Den Wanzen, Schwaben. Kakerlaken, Mäusen und Ameisen hat der Mensch den Kampf bis auf's Messer angesagt. Aber auch nur an» gesagt und nicht restlos durchgeführt, da er eben kaum durchsührdar ist. Ts gibt noch Millionen und aber Millionen von dem, was da läuft und kreucht, und sich munter seines Paresitenlebens erfreut. Es ist kein angenehmes Scharmützel, sEcharmützei sind übrigens nur in der Phantasie von Kriegsberichterstattern und Generälen angenehm). Dieser Lerntchtungsseldzug gegen die Marodeure der Raturhartnäckigkeit und nimmermüdes Zupacken sind die Voraus- setzungen des endlichen Sieges, dreifach« Anstrengung ist notwendig, um den unheimlich fruchtbaren Außenseitern den Garaus zu machen. vas Laboratorium. Seit Jahren führen zahlreiche Kammerjäger einen unerbittlichen Feldzug gegen das Ungeziefer, mit dem Erfolg, daß das Getier zwar verminder«, sonst aber fortlebt. Zwar ähnelt der moderne Kammer- jäger nicht mehr dem Rattenfänger von Hameln, nicht mehr jen.-r Karikatur, wie st« alt« Abbildungen brachten, bewaffnet mit Flöte und riesiger Insektenpuloerfpritze. doch der Erfolg blieb immer zweifelhaft, wenn nicht einheitlich vorgegangen wirb. Der Ansang hierzu ist bereits mit den Rallen-Großkampftagen gemacht. Doch viel wird noch zu tun fein, um das Ungezieser auszurotten. Der moderne, geschulte Kammerjäger hat sein Bureau, in denen Zeich- n ngen, Abbildungen und Tabellen mit schreckenerregenden Ver- mchrungszifsern ler»Hauenerchen" Höngen. Dann kommt der nichtigste Teil seines S.fchZsls— da» Loboralorium. In dieser..Gift- zclle' wird der Köder, das Pulver, oder sonst ein Mittel ge-raut, gemischt und zusammengestellt. Kisten und Kästchen, riesige Metall- slaschen und Blechballons mit allen möglichen Flüssigkeiten gefüllt, stehen wohlgeordnet in den Regalen. Dort hängen sogar einige Gasaurrteu und Schutzbrillen, ohne deren Zuhilfenahme der Kammerjäger heute nicht mehr arbeiten kann. E» ist interessant, mit anzusehen, wie appetitlich aussehend« Semmelstückchen mit E i f t l a u g e getränkt werden, um dann den Ratten zum Fressen vorgelegt zu werden. Mit Giflgas. In der.... straße sind Zimmer von Wanzen zu befreien. der behauptete, daß die Wanzen bestimmt auch an anderen Stellen säßen. Frau I. vergoß ganz, daß das Heer der Wanzen Beweg.ngs- freiheit haben muh und zu nachtschloscnder Zeit an Wänden und Decken gemütlich herumkrabbelt. In der Tat, der Kammerjäger hatte recht. Unter der Tapete jaßen einige, oben im Stuck befanden 461 Die Passion. Roman von Clara XMebig. „j�eine nicht, mein Eeelchen.(Es wird bestimmt das gute Damchen zu dir kommen, von der du mir hast so viel Gutes erzählt. Bestimmt, ich schwöre dir! Und wenn du wirst gesund sein, wirst du sie bitten, sie wird uns das Geld WM.?iib nur! Hab' ich doch auch warten müssen lange. Bin ich schon ganzes Jahr hier. Nun werde ich aber bald gesund sein, und du auch, und wir werden froh werdenl' Ach, wer doch auch so hoffnungsvoll und so mutig sein könnte wie Wando!(Eva fühlte sich heute niedergedrückt. Be- suche waren eigentlich gar nicht» Gutes im Krankenbaus, sie brachten zu viel mit sich aus der anderen Welt, in die man jetzt nicht gehörte, und in die man sich nicht hineinfinden konnte, wenn man so lange hier lag. Dasselbe schien auch die Nachbarin auf der anderen Seite von Eva, die Frau Maurer, zu finden. Diese Frau war nicht mehr jung, aber sie hatte noch kleine Kinder. Und auch größere. Eben war ihr Mann bei ihr gewesen, der hatte das kleinste Kind auf dem Arm: fünf andere standen um das Bett herum.„Und ich habe noch zwei, die sind schon ganz groß." sagte die Frau.„Arme Leute sollten nicht so viel Kinder haben. Ich habe dabei zuviel gekriegt. Nu bin ich ja ope- riert. ich wäre gesund jetzt, sagen sie. Nächste Woche soll ich raus hier— ach wie ich mich graule!" Sie hob abwehrend ihre Hände und seufzte tief:„Dann geht wieder der alte Krach los. Hier konnte ich mich ruhen. Ich habe mich in meinem ganzen Leben noch nicht so schön ausgeruht. Die schien es so schön hier zu finden! Evas Augen, die eben noch geweint hatten, wurden trocken. Ach ja, es war auch eigentlich schön hier. Hier war man unter lauter solchen, denen es nicht besser ging, als es einem selber g'.ng. Hier waren alle gleich. Hier wurde kein Neid wach und keine Mißgunst— hatte sie denn Neid empfunden, als die Tante von Irmas glücklichen Aussichten erzählte? Ach ja.-sie emp- fand das jetzt erst, so hinterher. Nicht den Herrn neidete sie der Cousine, aber daß sie eine so gute Stelle hatte, eigene Arveit machen durfte, die nicht bloß Mägdearbeit war. Wie ein unsägliche», beneidenswertes Glück schwebte das Eva vor. sich mehrer« besonders fette und dann fand er einige Restchen mit etwa 40 jungen Rachkömmlingen in einem Viiderrahmen. Der Kampf konnte beginnen. Metallgegenstände und Blumen wurden aus dem Zimmer herausgenommen, Fenster und Türen abgedichtet. Auf dem Korridor wurde ein Schlauch an ein» Stahlflasch« onge- schlössen. In dieser Stahlbombe befindet sich Gistgas. Also Gas- maske und Giftbombe find in Ordnung— die Ausrüstung ähnelt überdies der eines modernen Geldschrankknackers— und die Ver- gasung des Zimmers konnte beginnen. Da» Mundstück des Schlauches wurde in das Schlüsselloch eingeführt. Nach kurzer Zeit war das Zimmer mit Gas angefüllt. Am anderen Tag«, nach zirka 24 Stunden, wurden viele tote Wanzen ausgesunden, die Beine zum Himmel gestreckt.»Auch die Br»>t ist abgetötet." oersicherte der Gas- mann,„aber trotzdem werden wir noch die zweit« Vergasung vor- iiehinen.� Die Wanzen samt Brut waren tot. Eine ander« Kundin behauptet«, die Wanzen kämen»durch die Zimmerdecke".»Denn Mit Oasmaske gegen die Wanzen. die da oben, wissen S«, die machen nischtl" Sie kamen aber nicht von oben, denn die Decken waren dicht und die Tierchen waren auf irgendeine andere Art in ihre neue Herberge gelangt. Flöhe und Läuse werden aus ähnliche Art durch Vergasung vernichtet. Mit den E lohen hat es aber seine eigene Bewandtnis. Dabei müssen die osenbcine zugebunden werden oder entsprechender Gummianzug an- gezogen werden, sonst springen sie an und piesacken ihr neues Opfer fürchterlich. Es ist vorgekommen, daß Menschen, in mehreren Fällen Frauen, wegen allzu großer Flohplage erkrankten und ins Kranken- tjaus eingeliefert werden mußten. Eine Frau soll sogar an den Flohbissen, die wahrscheinlich eine Infektion und Blutvergistung zur Folge hatten, gestorben sein. Schwaben und Ameisen werden viel- fach durch radikal wirkende Streupuloer, die mit großen Spritzen in die Schlupfwinkel geblasen werden, vernichtet. Die Rattenplage. Die schlimmsten und schädlichsten Plagegeister der Menschen sind Rallen und Mäuse. Der Mensch verfolgt ohnehin die Ratte mit einem Gefühl des Widerwillens. Sein Gefühl hat recht, denn dieses Tier ist ein ausgesprochener wandelnder Giiischrant. Zu Millionen werden sie erschlagen, vergiftet oder vom Fangeisen erfaßt. Aber auch zu Millionen entgehen sie schlau und behende ihren Verfolgern, unterhöhlen die Bauwerke der Menschen, vergiften Futter und Vieh, zerstören die Frucht harter Jahresarbeit und schleppen die Keime vieler Krankheiten durch die Welt In Erkenntnis dieser Gefahr Ist jetzt auch bei uns das Gesundheitsamt dazu übergeganaen, gegen die zunehmende Rattenplage in» Feld zu ziehen. Interessant ist ein au, der»Times" entnommener Bericht:»Der Schaden, den die Ratten in England und Indien anrichten, ist unübersehbar groß. Allein in Indien wird die Zahl der Ratten auf LÜl) Mit« lionen geschätzt. Der Schaden, den sie dort in den letzten 20 Iahren anrichteten, ist fünfmal größer als Indiens Rakionaljchuld vor dem Kriege. Man nimmt an, daß in Indien jährlich mehr als ein« halbe Million Menschen an den von Ratten oerbreiteten Giften 7' sogar.'''' I wie Menschen aus der Erde gibt, wenn nicht gar die tn der.Times" ........~' triff........■ sterben." Man glaubt daß es mindesten» ebensoviel Ratten veröffentlichte Nachricht zutrifft, daß es allein in Indien etwa 800 Millionen Natten gibt. And jede» Rattenpärchen vermag diese Armee gesährlichstcr Schädlinge um mehr als 800 Zunge z» vermehren. Einige interessante Zahlen geben Aufschluß über den Schaden, den die Ratten anrichten. Hunderte von Millionen in allen Währungen werden den Ratten geopfert. Zn Deutschland kostet jede Ratte etwa 4,50 Mark. Ein mit hundert Rotten besetztes Gehöft hat also im Jahre 450 M. aufzubringen nur um den Hunger der Ratten zu stillen. Man hat berechnet, daß in Deutschland etwa 300 000 Menschen ununterbrochen nur zur Wiedergutmachung des Rattenschadens arbeite,, müssen. So nennt z. B. Großbritannien einen jährlichen Raltenschaden von etwa 15 Millionen Pfund, Dänemark von etwa 10 Millionen Kronen Amerika beziffert den Verlust auf die riesige Summe von etwa 200 Millionen Dollar. Diese Statistiken sind aber noch ungenau und würden bei der Zusammen- sassung aller Länder geradezu erschreckende und phantastische Zahlen ergeben. Es dauert oft mehrer« Wochen, bis die Ratten, die äußerst vorsichtig sind, vertilgt sind. Der Erfolg einer Jagd, die sich z. B. auf«in kleinere« Fabrikgebäude erstreckte, waren 78 ausgewachsene Ratten, die hinter Holzstückcn und Brettern tot aufgefunden wurden. Und vielleicht vier- bis fünfmal soviel dürften noch in den Schlupf» winkeln verendet sein. » Eeltsaml— In Europa» Laboratorien sst dl« Intelligenz der Ehennker an der Arbeit, tödlichste Giftgasessenzen zu mischen, um unerbitterliche Kämpfe von Mensch gegen Mensch, Volk gegen Volk zu ermöglicpen. Der Feldzug gegen die Armee des Ungeziefers jedoch ist gewissermaßen ein Gasangriff der Vernunft gegen die sinnlos zerstörenden Schädlinge der Natur. Ist es nicht wie ein Symbol? Auch anderswo wuchert das Unkraut, wühlt da» Un- geziefer, schüren die Ratten de» Kulwruntsrgangs Vernichtung und Haß. Aber nicht mit Giftgasattacken wollen wir diesen Echäd- llngen ans Leder gehen, sondern mit der überlegeneren Waffe der Aufklärung. Grohe Verspätungen im Zugverkehr aus dem Osten. Der aus Pommern und Ostpreußen kommende Zugverkehr hat am gestrigen Frcitaq in sehr starkem Maße unter den Schnee- füllen zu leiden gehabt, die in Pommern und O st preußen niedergegangen sind und zahlreick>e Schneeverwehungen der Gleise hervorgerufen haben. Vor allem ist der v- Z u g- V e r k e h r aus Stettin durch die Schneestöruiigen stark behindert gewesen und War sie denn von solchem Glück ganz ausgeschlossen? Ihre Augen, ihre Ohren hinderten sie daran. Ach wenn man doch die Ohren abschneiden könnte, die Augen herausnehinen, sich andere einsetzen lassen! Bloß Mägdearbeit?! Ach, selbst jede Mägdearbeit würde sie gern machen, wenn sie nur erst kräftiger wäre. Aber würde sie je kräftiger werden?! Frau Lefsel stand an Evas Bett. Der ganze Saal gaffte hinüber, was die kleine Wilkowski für einen feinen Besuch hatte. Mit großen, oerzückten, vor Beseligung schwimmen- den Augen sah Eva drein: sie war gekommen, sie war ge- kommen! Es war eine solche Inbrunst in Eoas„Ich danke", daß Frau Lessel ganz oerlegen wurde und sich innerlich Vorwürfe machte. Wirklich, sie hätte eher zu dem armen Kind kommen sollen. Zehn Wochen lag die Ena nun schon hier. Aber oor ein paar Wochen erst hatte Herr Wilkowski es ihr mitgeteilt, und denn war sie eben nicht eher dazu gekommen. „Den Sommer über war ich verreist." sagte sie zu Eva, „sonst hätte Ich selbstverständlich an dich geschrieben, mich ein- mal erkundigt, warum du denn so gar nichts von dir hören läßt. Daß du krank liegst, das ist sa leider eine traurige Ueberraschung. Aber es wird schon bald wieder besser werden, nicht wahr? Und dann feiern wir Genesung bei uns draußen im Garten, nicht wahr?" ..Ich bin schon gesund." flüsterte Eva. Der Garten— der Garten— Frau Lesiels Haus— und vor allem sie felberi Das mußte ja gesund machen. Sie suhlte sich auf einmal gar nicht mehr schwach, wie neue Lebenskraft, neuer Lebenswille rann es ihr durch die Adern...Ich stehe jetzt schon alle Tage ein paar Stünden auf," sagte sie stolz.„Zur Untersuchung gehe ich auch ins Sprechzimmer, das kann ich schon ganz gut. Bald werde ich rauskommcn!" „Ja, das wollen wir hoffen," sagte Frau Lesiel, als sie sich verabschiedete. Sie gab Eva Geld.„Ich habe dir nichts mitgebracht, weil ich nicht wußte, was du essen darfst. Cs kann dir gewiß hier jemand das holen, worauf du gerade Appetit hast, und was dir zu essen erlaubt ist. Und dann laß dir auch eine Briefmarke holen und schreibe mir, wie es dir geht." Sie beugte sich über Eoa und strich ihr das ver»' wirrte Haar aus der Stirn, die schon den Ansatz einer Falte bekommen hatte, querüber, den blaugeäderten bleichen Schlä- fen zu.„Leb wohl, mein liebes Kind, Gott behüte dich! Wir sehen uns bald wieder." Sie ging mit einem Lächeln, das die Grübchen in ihren weichen Wangen vertiefte, und nickt« im Fortgehen auch den anderen Nächstliegenden zu:„Gute Besserung! Sie waren alle entzückt von ihr. Es war wie ein Auf- rühr im Saal. Wer konnte, reckte den Hals, oder richtet« sich ein wenig auf, um ihr noch nachzusehen. „Die hat leicht freundlich sein," sagte das hexenhaste alte Weib, das jetzt statt der Frau Maurer auf der anderen Seite von Eoa lag, und streckte ihre mageren Greisenfinger wie Krallen aus.„Wenn ich so aussähe und so'n feines Kleid anhätte und so reich wäre, dann wollt' ich wohl auch freund- lich sein. Kein Kunstück für so eine! „Meine Frau Lessel," flüsterte Eoa selig vor sich hin. S o hatte sie die noch nie geliebt. „Eva," flüsterte Wanda von der anderen Seite,„Eva, die wird uns auch geben das Geld für nach Haufe! Ich bin gewiß." Sie war ganz aufgeregt.„Sieh nach, was sie ge- geben hatl" Es war viel Geld: ein Goldstück, zehn Mark! Eoa knüpfte es in ihr Taschentuch ein und verbarg es so unter ihrem Kopfkissen: sie lag auf dem Schatz. Aber Wando konnte heute gar nicht zur Ruhe kommen: immer wieder fing sie von der Dame an: war die schön, war die reich, sah aus wie die Gottesmutter im Gnefener Dom. Und das Geld, das viele Geld, damit kam man schon bis»ach Hause! Sehnsüchtig gingen ihre Augen zu Eva hinüber, sie oerwandte keinen Blick. Ueber Eva war es wie eine Verzückung gekommen. Sie konnte es nicht mehr bei sich behalten, das, was ihre Seele aus dem traurigen Einerlei erhob und entrückte in den Garten voll Sonne und Blumen, in das Haus, durch das die schöne Dame wandelte wie eine Fee. Sie erzählte laut von all dem Glück, das sie da genossen hatte und wieder genießen würde, sie pries ihre geliebte Dame, pries alles, was sie umgab, schilderte es noch weit schöner, weit prächtiger, als es wirk- lich war, übertrieb, steigerte sich immer mehr und prahlte recht. Freilich, noch lag sie hier auf dem rotgewürfelten Kissen, unter der groben, grouwollenen Decke, aber bald lag sie da zwischen weißem Linnen, Stickerei am Kissen, einen rosa Himmel mit Spitzen über sich, mit atlassener Steppdecke zu- gedeckt. Sie erzählte es wie ein Märchen, aber sie glaubte selber fest an die Wirklichkeit. Einige lauschten hochachtungsvoll, andere lachten sie aus: wer das glaubte! So eine Aufschneidereil (Fortsetzung folgt.) biefe lige fnb mit bis zu 34- tündigen Berspätungen in Berfin eingetroffen. Sehr starte Verspätungen hatten auch die durch den polnischen Korridor von Rönigsberg fommenden Züge, die gleichfalls bis zu zweistündige Verspätungen aufzuweisen hatten, so daß auch der fahrplanmäßige Verkehr der Anschlußzüge in erheblicher Weise ins Stocken gebracht wurde. Der übrige Zugverkehr innerhalb Deutschlands vollzieht sich im allgemeinen in normaler Weise, wenn auch auf einzelnen fleineren Strecken infolge der starken Schneefälle Berkehrsstörungen hervorgerufen wurden. Berlins Wasserversorgung. Berlin und die Charlottenburger Wasserwerke. Die Abmachungen, die fürzlich beim Oberpräsidenten zwischen den Charlottenburger Wasserwerten und der Stadt Berlin geschlosser worden sind, werden im Januar die Stadtverordnetenversammlung beschäftigen. Sie bedeuten das Ende eines heftigen Kampfes, der anläßlich des vollständigen Bersagens der privaten Aktiengesellschaft im Sommer die Deffentlichkeit stark be schäftigt hat. Die Stadt Berlin soll am 1. Oftober 1928 die Verforgung von Steglitz und Schöneberg übernehmen und für das entsprechende Rohrnez den Betrag von 2½ Millionen Mark zahlen. Bis dahin liefern die Charlottenburger Werte weiter Sie behalten auch das Recht, für ihre Lieferung solange ihren unerhört hohen Tarif beizubehalten. Die Stadt legt im Frühjahr sofort eine neue Drudrohrleitung, um auf alle Fälle bei einem neuen Bersagen der Charlottenburger Werte einspringen zu fönnen. Außer dem sind selbstverständlich erhebliche Arbeiten für die Erweiterung der Berliner Baffergewinnung, der Bau einer neuen Zwischenstation und auch der Ausbau des alten Stegliter Wasserturms notwendig. Die städtischen Werke hoffen, mit ihren Vorbereitungen aber lange vor dem Termin der Uebernahme fertig zu sein. Die Gesamtkosten, die ihnen aus diesen Arbeiten entstehen, werden auf etwa zwölf Millionen Mart geschätzt. Die städtischen Werke find trotz ihres niedrigen, unter dem Friedenspreis liegenden Tarifes und trog der jetzt beschlossenen Erhöhung ihrer Abgabe an die Kämmerei in der Lage, diese Koften aus laufenden Mitteln zu bestreiten. Ebenso werden sie noch das Entgelt für das Rohrnez aufbringen, ohne die Stadtkasse zu belaften. Der Vertrag zwischen der Stadt und der privaten Attien gesellschaft über die Belieferung von Steglig und Schöneberg mar feit langem abgelaufen. Die private Gesellschaft zog daraus die Schlußfolgerungen, daß die stillschweigende Verlängerung dieses Vertrages auf sechs Jahre ihr das Recht gebe, mindestens bis zum Jahre 1930 an der Belieferung festzuhalten. Sie hatte eine entsprechende Feststellungsflage gegen die Stadt eingeleitet. Die größte Schwierigkeit lag aber darin, daß die Verträge zwischen den früheren Borortgemeinden und der privaten Gesellschaft, wenn auch nicht der Form nach, so doch der Sache nach richtige Dreiflaffenwahlrechtsverträge sind. Sie sind für die Ewigkeit gedacht und nehmen den einzelnen Gemeinden fast vollständig jede Möglichkeit, selbst ihre Wasserversorgung zu übernehmen. Es fehlt in diesen Berträgen jede irgendwie geartete Bestimmung für die Uebernahme des Rohrnetes. Die Werke stellen sich deswegen auf den Standpunkt, daß sie zum Berkauf des Netzes nicht gezwungen werden können. Dadurch würde bei wörtlicher Anwendung der Verträge die Stadt gezwungen, ein neues Netz zu legen und das alte herausnehmen zu lassen. Für die früher vereinzelten Gemeinden bedeutete dieser Wortlaut ihrer Berträge eine vollkommene Wehrlosigkeit gegenüber der Gesellschaft, denn feine Gemeinde war auf Grund solcher Verträge imftande, die Privat gefellschaft auszuschalten. Diese Berträge sind Leistungen der früheren, ausschließlich von bürgerlichen Fachmännern geleiteten Kommunalverwaltung. Es tam hinzu, daß die Gesellschaft vom Stante Preußen unter der früheren töniglichen Regierung in einer unerhörten Weise privilegiert und bevorzugt. wurde. Für ein Spottgeld hat sie das Wassergewinnungsrecht im Grunewald bis zum Jahre 2000 erhalten. Unter der Herrschaft des Dreiklassenwahlrechts, im Staat und in den Gemeinden waren so die Einwohner der Willfür der privaten, Gesellschaft vollständig ausgeliefert. Der jetzige neue Bertrag, der für ein wichtiges Versorgungsgebiet in absehbarer Zeit die private Gesellschaft ausscheidet und vom Oftober 1928 ab auch für Schöneberg und Steglig den billigen städtischen Tarif einführt, ist nur Bei Aufruf ber fathettigen Getkitchen, bie Brozeß gegen die Gräfin Bothmer vernommen werden sollen, tritt Raplan Fröhlich von der Bonifaziusfirche in Berlin vor und überreicht dem Borsitzenden einen Brief. Er ist mit der Schreibüberreicht dem Vorsitzenden einen Brief. Er ist mit der Schreibmaschine geschrieben und wird verlesen. Er lautet: Hochwürden! Erstaunt bin ich über das Potsdamer Gerichtsurteil. Es ist wie ein Todesurteil. Eine Schande, daß sich das Gericht als Sittenrichter hergibt. Der Schreibsachverständige versteht überhaupt nichts. Ich hergibt. Der Schreibsachverständige versteht überhaupt nichts. Ich bin der Urheber, die Gräfin nicht, Hefter war Mitwisser. Ich stehle heute nach wie vor. Die Nachschlüssel tann fie bekommen. Die Botsdamer Kriminalpolizei, wozu hat sie ihre Nase. Auch ein Nichtermischter. „ Königliche Behörden der Republik. In Breußen hat, wie im Borwärts gemeldet wurde, der Minister des Innern durch einen Erlaß daran erinnert, daß mir in einer Republif leben und es allmählich Zeit wird, die alten Amtsstempel durch zeitgemäß abgeänderte neue au erjeßen. Wie nötig diese Anordnung ist und längst war, hat der Vorwärts" an vielen Beispielen gezeigt, in denen die Beiterbenutzung der aus der monarchistischen Zeit übernommenen Amtssiegel Röniglicher Behörden oft mie eine dreiste Herausforderung wirten mußte. Proben dieses Unfugs find auch in der letzten Zeit noch mehrfach zu unserer Kenntnis gelangt, so daß unsere Hoffnung, der Standal werde endlich einmal aufhören, immer wieder zu Schanden wurde. Noch im November dieses Jahres ließ das Amtsgericht Berlin- Mitte aus Abteilung 94 der den alten Abendfeier der Arbeiterwohlfahrt jungsvermert jr. b. 2. 21, König L Br. Amtsgericht Berlinam Sonnabend, dem 19. Dezember, abends 71 Uhr in der Aula der Schule Schönfließer Straße 7. Rezitationen, Gesang, Reigen, Lieder zur Laute. Karten zu 30 Pf. find zu haben im Frauenfetretariat, Lindenstraße 3, 2. Hof 2 Tr., Zimmer 1, im Lokal Goldschmidt, Stolpische Straße 36, und an der Abendkasse. Boxerotto. Borerotto steht vor Gericht wahrhaftig nicht das erstemal. wahrhaftig nicht das erstemal. Er ist schon einige zwanzigmal vorbestraft: Betrug, Diebstahl, Hehlerei sind die Delikte, die ihm immer zur Last gelegt wurden schwedischen Gardinen" zugebracht hat. Auch diesmal betrifft die und wegen deren er einen beträchtlichen Teil seines Lebens hinter anflage einen Diebstahlsdelikt, und der Fall zeichnet sich von den anderen dieser Gattung nur dadurch aus, daß wegen dieser Sache schon ein anderer, ein Unschuldiger verurteilt worden ist. Nun wird Borerotto oder, wie er zur Feier des Tages mit seinem bürgerlichen Namen angeredet wird, Herr T., aus dem Buchthaus Sonnenburg vorgeführt. Auf dem scharfgeschnittenen Geficht liegt die ungesunde Farbe des Zuchthauses, ein Bein steckt steif im Hüftgelent. Aber trotzdem scheint er guter Baune; er betrachtet höhung seiner Strafe, die sie ihm zweifellos einbringen wird, als die Fahrt von Sonnenburg nach Neukölln anscheinend trotz der Er. eine ganz angenehme Abwechslung in seinem einförmigen Zuchthaus leben. Lächelnd begrüßt er alte Befannte im Zuhörerraum, lächelnd hört er die Aussage des Zeugen Müller, auf dessen Zeugnis hin den ist, und erst, als Fräulein L. erklärt, daß Borerotto damals mit damals der Händler D. zu drei Monaten Gefängnis verurteilt wor dem Zeugen Müller in ihrer Wohnung war und dort nach ihrer Mutter fragte, zieht er die große Szene auf. det freß id ooch aus. Warum soll der arme Kerl denn statt mir Jamoll, id bin det damals jewesen; wat id mir injebrockt habe, drinne fizzen- und bei mir tommt et schon sowieso nich mehr druff an. Id war damals aus Sonneburch ausjebrochen und hatte mir Det id aus't Zuchthaus jetirmt war, sonst hätte sie sich woll vor bei die u L. injemietet; det heeßt, die Frau wußte natierlich nich, folchen Mieter een Schnuppen jeholt. Na, Jeld hatte id nich, un wovon sollte id leben? Da mußte id von Zeit zu Zeit eben so' ne Krampfzieje machen. Un an den Tach war'n mir jrade een paar Bulljreifer, na, Kriminalbeamte, wie Sie det nennen, bejejnet, un da saachte id mir:„ Nu is't Zeit, Otto, nu mach dir dinne!" Da habe ich mir det Rab beforcht und bin jetirmt. Aber der andere Mann hat damit jar nischt zu tun." Dieser andere war freilich auf das befchworene Zeugnis zweier Zeugen hin verurteilt worden, nachdem ihn der Geschädigte infolge einer Personenverwechslung auf der Straße hatte feststellen lassen. Das unumwundene Geständnis des Angeklagten macht eine weitere Zeugenvernehmung überflüssig. Der Herr Staatsanwalt plädiert. Es läge zweifellos Betrug, fchwerer Betrug im Rückfalle, vor; die Geschichte, die der Angeklagte damals dem harmlofen Friseurjüngling erzählt habe, sei von A bis 3 erfunden gewefen. Der. Angeflagte sei überdies schon so oft, auch einschlägig, vorbestraft, daß man ihm jetzt mildernde Umstände auf keinen Fall zugestehen könne. Also beantragt er eine Zuchthausstrafe von einem Jahr und sechs Monaten, außerdem eine Geldbuße von dreihundert Mart. Angeflagter, was haben Sie dazu zu sagen?" Wat soll ich dazu sagen? Jd sige nu schon sechs Jahre in't raus. Bis dreiunddreißich habe id jedient. Un nu soll id Ihnen etwa um Inade bitten? Denn fagen Sie doch bloß, der Zuchthäusler macht Ihnen hier wat vor. Wat id jetan habe, dafor steh id jrabe, meinswejens foll der andre nich unschuldich in't Jefängnis tomm'n." Borerottos Plädoyer scheint aber doch nicht ohne allen Eindrud geblieben zu fein. In der Urteilsbegründung jagt der Vorsitzende, daß selbst so zahlreiche Borstrafen, wie sie der Angeklagte aufzuweifen hat, tein Grund sein tönnen, ihm für einen neuen, anders gelagerten Fall die mildernden Umstände zu versagen. Außer seinem Geständnis sei es dem Angeklagten anzurechen, daß er sich damals infolge seiner Flucht zweifellos in einer Notlage befand. Otto T. sei diesmal zu einer Gefängnisstrafe von sechs Monaten verurteilt; aus der Strafe fei mit seinen übrigen Strafen eine Gesamtstrafe zu bilden. Angeflagter, nehmen Sie das Urteil an?" Jawoll, id beruhije mir. Dante scheen." " " Mitte und den gedruckten alten Stempel Rönig L Preuß. Amtsgericht Berlin- Mitte" samt dem getrönten Adler zeigte. Hübsch machen sich auch ein paar Frachtbriefe aus dem Oktober 1925, die an die ehemalige Röniglichkeit der preußischen Eisenbahnen erinnern. Der eine trägt den mit der Hand aufgedrückten Stempel Kgl. Güter- Expedition Grambom" und auf dem anderen belehrt uns ein mit der Hand aufgedrückter Stempel, daß es auch noch eine„ Kgl. Güter- Exped. Lebus" gibt. Das Tollſte ist, daß sogar bei der Berliner Polizei solche Entgleisungen noch vorkommen. Zwei Strafverfügungen, die im Oktober 1925 gegen zwei Aufgeschriebene" ergingen, und vom Bureau des 86. Polizeireviers( Berlin- Oft, Goßlerstraße) ausgefertigt wurden, trugen gleichfalls noch den gedruckten alten Portoablösungsvermerk aus der monarchischen Zeit. Er lautete hier Fr. d. A. 21. Kgl. Pr. Polizei- Präsident. Der Polizeipräsident felber tann natürlich von diesem Unfug nichts wissen; denn Auf allen diesen Schriftstücken ist nichts von einer handschriftlichen er unterzeichnet ja die Strafverfügungen nicht in eigener Person. Korrektur des veralteten Formulars oder Stempels zu bemerken, nichts von einer Durchstreichung des mit den Formular und Stempelvorräten übernommenen alten Zufages Königlich. Es ist möglich, daß dieser Zusatz nur infolge Nachlässigkeit der ausführenden Beamten stehen geblieben ist. Auf Republikaner muß aber so etwas geradezu wie eine beabsichtigte Verhöhnung wirken. Erschlichene Stadtratsmandate. Nicht die Not der Erwerbslosen, über deren Linderung in der gestrigen Sitzung der Bezirksversammlung Kreuzberg beraten werden sollte, nicht die Tatsache, daß das Grab des Genoffen Dr. Kahle noch nicht geschlossen ist, fonnte den Pfarrer Roch abBezirksversammlung Kreuzberg zu verpflanzen. Die Deutsch. halten, seine üblen Hehmethoden aus dem Berliner Rathaus in die nationalen, denen nur zwei unbejoldete Stadträte gemäß ihrer Stärke in der Bezirksversammlung zustehen, mußten einen Form fehler des Bureaus aus, um sämtliche sechs Mandate unbesoldeter Stadträte zu erschleichen. Zentrum, Demofraten, Kommunisten und Sozialdemokraten stimmten angesichts der flaren Rechtslage gemeinsam. Damit richtet sich das demagogische Vorgehen der Deutschnationalen und Boltsparteiler. Infolge dieser standalösen Vorgänge mußte die Bezirksversammlung Kreuzberg vom Borsteher, Genossen Gerber, geschloffen merden. Die Leidtragenden find die Erwerbslosen im Rezirk Kreuzberg. Aus Furcht vor deren Groll und Aufregung ho Deutschnationalen und Volksparteiler unnötigerweise die Sip jers beigerufen. Glückwunschkarten. die Glückwunschfarten zu Weihnachten und Neujahr dürfen, wenn sie in Form von Post farten offen versandt und im Fernverfehr gegen die Gebühr von 3 Bf. befördert werden sollen, außer den sogenannten Absenderangaben( Absendetag, Name, Firma, Stand und Wohnort nebst Wohnung des Absenders, Fernsprech nummer, die Telegrammanfchrift und Telegrammschlüssel fomie Bost sched- und Banttonto und sonstige geschäftliche Mert- und Kennworte), auch noch die für Teildrucksachen zugelassenen Aenderungen und Zufäße bis zu 5 Worten, die in fachlichem Zusammenhang mit dem Vordruck auf der Karte stehen müssen, enthalten. Auf Glüdwunschkarten, die in offenem Briefumschlag verschickt wer den, find andere als die Absenderangaben sowohl im Orts. als auch bühr von 3 Pf. erfolgen foll. Mit Zusätzen der oben erwähnten Art bis zu 5 Worten fosten sie 5 Pf. Gedruckte Besuchs-( Bisiten) Karten, auf denen handschriftlich mit höchsten 5 Worten oder üblichem Anfangsbuchstaben Glückwünsche, gute Wünsche, Danffagungen, Grüße cder ähnliche Höflichkeitsformeln zum Ausdrud gebracht sind, fosten in offenem Umschlag verfandt ebenfalls 5 Bf. Unzureichend frei gemachte Sendungen werden mit Nachgebühr belaftet. Um Weite rungen zu vermeiden, fann daher den Bersendern nur dringend geraten werden, die angegebenen Bestimmungen zu beachten. möglich gewesen, weil die Werke sich jekt einem unendlich viel stärkeren Zuchthaus, jezt bin id vierzich, id tomme doch nich mehr lebendich im Fernverkehr nicht gestattet, wenn die Beförderung für eine Ge Vertragsaegner, der Einheitsgemeinde Groß- Berlin mit ihren eigenen großen Wasserversorgungsanlagen, mit ihrer größeren finanziellen Leistungsfähigkeit gegenüber saben. Auch dürfte der Druck der öffent lichen Meinung die Aussicht auf ein eventuelles Eingreifen der Re gierung oder des Landtages der privaten Gesellschaft flar gemacht haben, daß sie gut tut, den Bogen nicht zu überspannen. Auf die. Frage der Gesamtübernahme der Charlottenburger Wassermerte find die augenblicklichen Verhandlungen nicht ausgedehnt worden. Diese Frage wird aber nicht von der Tagesordnung verschwinden, fie fann es schon deshalb nicht, weil fortlaufend Berträge für einzelne früher ſelbſtändige Gemeinden ablaufen. So hat Berlin bereits für das Jahr 1920 die Kündigung für Grunewald und Friedenau aus. gesprochen. Im Lauf der Zeit muß sich daraus die Gesamtübernahme der Charlottenburger Wassermerte durch die Stadt er. geben. Häften die bürgerlichen Parteien. im Jahre 1919 nicht die Borlage des fozialdemokratischen Ministerpräsidenten, Genoffen Paul Hirsch, über die Berstadtlichung der Charlottenburger Wafferwerte abgelehnt, dann würde hente bereits die ganze Bevölkerung die Borteile der städtischen Wasserversorgung genießen. Die Ablehnung diefer Borlage wird damit gezahlt, daß der unaufhaltsame Brozeß des Uebergangs in die Hände der Stadt fich sehr zum Nachteil der Berliner Bevölkerung nur schrittweise vollziehen fann. Von Gefängnis zu Gefängnis. Eine fonderbare Angeklagte, die Handelsfrau B. Niemand weiß etwas mit ihr anzufangen. Die Leitung der Strafanstalt macht den Randbemert in den Akten:„ Die Frau ist ja verrückt!", der Vorfizende des Schöffengerichts Berlin- Mitte fann die Verhandlung Die Zeugin Bandura im Bothmer- Prozek. gegen sie wegen Beleidigung eines Zuchthaus direktors nicht zu Ende führen, der Staatsanwalt beantragt selbst Untersuchung des Geistes Raum ist Frau Oberst Vogt, eine Tochter des Präsidenten Ried, zustandes. Die Personalien der Angeklagten verraten 31 Bor über die Zuverlässigkeit der Bandura vernommen sie stellt ihr ein trafen. glänzendes Zeugnis aus Erstaunlich, was diese Frau alles begangen hat. Da stellt der Erste Staatsanwalt Berlach fehlt eigentlich nichts von den Verbrechen und Bergehen, die die den Antrag, die Ehescheidungsatten Bothmer gegen Gerichte täglich beschäftigen. Diebstähle, Betrügereien, Bettelei und Bothmer vom Landgericht Potsdam heranzuziehen zum Beweise Obdachlosigkeit, Hausfriedensbruch und Körperverlegung, Widerstand dafür, daß Anträge des Grafen Bothmer eingegangen sind, daß die gegen die Staatsgewalt und dann Brandstiftung. Das letzte Delift Gräfin es unternommen hat, in den letzten Tagen ihre Richte hat Frau B. zwei Jahre und sechs Monate Zuchthaus geloftet. Ellinor von Pourdzinsti zu veranlassen, dem Grafen von Bothmer Und nun soll diese Frau den Zuchthausdirektor beleidigt haben, dem Silber zu stehlen und daß die Gräfin hinter dem Rücken des Grafen sie zulegt anvertraut war. Die Hausaften, die sich bei den StrafSachen versetzt hat. Ueber den Antrag des Staatsanwalts will das Gericht später Beschluß fassen. Frl. Ellinor von Pourdzinski, wörtlichen Bermert: Seitdem fie fort ist, herrscht hier eine himm aften befinden, nennen die B. eine Querulantin und tragen den ein Nichte der Gräfin, und der Schwager, Graf Adolf v. Bothmer, lische Ruhe( lies:" himmlische 3 u ch tha u s ruhe), mit der Frau verweigern die Aussage. Dann wird als neuer Zeuge ein mar nichts anzufangen!" Aber Frau B. hat sich für ihre Unbeliebt. sechzehnjähriger Arbeitsbursche Heinrich 3 auer aufgerufen, der mit heit gerächt. Sie schrieb einen Brief, in dem sie sich über den der Bandura in der Bonbonfabrik von Mundt- Potsdam gearbeitet Herrn Direktor beschwerte. Mit der Verhandlung will es aber, wie hat. Der Zeuge befundet unter Eid, daß die Frau Bandura eine schon erwähnt, nichts werden. Frau B. schimpft, tobt und ist nicht zu mit Bonbons gefüllte 25- Pfund- Dose von der Laderampe der Fabrik beruhigen. Selbst der Gerichtsdiener muß sie zum Schluß mit mitgenommen und in ein Gestrüpp versteckt habe. Die Bandura sei sanfter Gewalt aus dem Saal entfernen. Eine fonderbare Angebald darauf mit ihren beiden Schwestern entlassen worden. Der als flagte! Aber auch sonderbar, daß man sie überhaupt wegen Be Beuge vernommene sechzehnjährige Arbeitsbursche Reinhold all leidigung verklagte. Wenn nun die Aerzte die Vermutungen, daß baum hat auch mit der Bandura gearbeitet; von einem Diebstahl diese Frau verrückt ist, bestätigen, was wird dann....? will er aber nichts bemerkt haben. Der Zeuge befundet unter Eid, daß Frau Bandura am Donnerstag auf dem Gerichtskorridor zu den beiden Zeugen geäußert habe:„ Na, Ihr seid ja schöne Zeugen, Ihr habt ja mehr geflaut wie ich." Diese Aussage verursacht im 3u hörerraum große Bewegung. Sodann wird die Zeugin Elsa Bandura vernommen. Bors.: Sind Sie wegen Diebstahls in der Bonbonfabrit entlassen worden? Zeugin: Nein, davon ist mir nichts befannt, und in meiner Kündigung steht auch nichts drin. Bors: Haben Sie Bauer und Wallbaum gestern gesehen? Beugin: Ja, ich habe zu denen gestern auf dem Korridor gerufen: Ihr seid Helden und wollt gegen mich ausjagen? Ihr habt wohl mehr Bonbons genommen wie ich. Auf die Frage des Vorsitzenden, ob fie eine große Büchse mit Bonbons gestohlen und verstedt habe, bestreitet Frau Bandura dieses ganz energisch. Ihr Entlassungs: zeugnis lautet: Frau Bandura wird wegen Arbeitsmangel von uns entlassen. Lebensmittelfabrit Mundt u. Co.". Das Rundfunkprogramm. Sonnabend, den 19. Dezember. Außer dem üblichen Tagesprogramm: 4.30-6 Uhr nachm.: Nachmittagskonzert der Berliner Funkkapelle. Leitung: Konzertmeister Ferdy Kauffman. 6.05 Uhr abends: Maler Artur Segal: Die Kunst im Heim". 6.45 Uhr abends: Medizinisch- hygienische Plauderei( Sanitätsrat Dr. Paul Frank). 7.15-8.05 Uhr abends: Hans- Bredow- Schule( Bildungs( Direktor Julius Glück). 7.45 Uhr abends: Abteilung Erdkunde. kurse)., 7.15 Uhr abends: Abteilung Sprachunterricht. Esperanto Geh. Regierung rat Dr. A. Miethe: Arktisches Tier- und Pflanzenleben". 8.30-12 Uhr abends: Funkball.( Ohne Kostümzwang). Zwei Tanzkapellen, Kabarett. Anschließend: Dritte Bekanntgabe der neuesten Tagesnachrichten, Zeitansage, Wetterdienst, Sportnachrichten, Theater- und Filmdienst. Um zwei Mark seine Existenz eingebüßt. Einer Lappalie wegen hat der Polizeiwachtmeister Müller seine Eristenz aufs Spiel gesetzt. Es handelte fich um eine Quittung über bezahlte Rundfunkgebühren, die er gefälscht haben soll. Der ganze Betrag machte nur zwei Mart aus. Als der Postbeamte die Gebühren einziehen wollte, erklärte er, daß er Schon Zahlung geleistet habe und legte auch eine Quittung vor. Bei der Nachprüfung stellte sich jedoch heraus, daß in der Jahres zahl aus vier fünf gemacht worden war. Trotzdem der Sachver ftändige feinen Zweifel ließ, daß eine Radierung vorgenommen war, blieb der Angeklagte bei seinem Leugnen. Das Schöffen gericht Wedding verurteilte ihn wegen Urfundenfälschung in Tateinheit mit versuchtem Betruge zu zwei Monaten Gefängnis, gab ihm jedoch, da er aus Leichtsinn und Not gehandelt hatte, für die Strafe Bewährungsfrist. Immerhin ist Müller auch feine Stellung los. Die bunte Stadt. vereinigung„ Akademie Roter Mond e. V." einer Idee der Deutschen In der alten Autohalle am Kaiserdamm hat die Künstler. Sporthallen A.-G. folgend, eine Weihnachtsstadt erbaut, die mit Unterstützung des Reichsverbandes ambulanter Ge. werbetreibender ein angenehmer Aufenthalt zu werden ver. spricht, etwa ein Lunapart im Saal. An den Seiten sind Häusertuliffen aufgestellt worden, gemalt im Stile einer Spielzeugstadt, außerdem gibt es dort Schaubuden, Karussells, Rutschbahnen, Glücksbuden, Bars und Restaurants. Auf einer großen Fläche, die als Marktplatz der Stadt gedacht ist, kann getanzt werden. Die Schau wird am Sonnabend abend mit einem großen Kostümfest der genannten Künstlervereinigung eröffnet. Zum Austritt aus der Landeskirche. Wer die Absicht hat, aus der Kirche auszutreten, tut gut, das noch vor dem 31. Dezember zu erledigen. Da das Kirchensteuerjahr mit dem 31. März zu Ende geht, haben diejenigen, welche bis zum 31. Dezember austreten, nur noch für das nächste Bierteljahr Kirchensteuern zu zahlen. Für diejenigen, welche ihren Austritt auf dem Amtsgericht nicht vornehmen können, ist von der Freireligiösen Gemeinde bei folgenden Notaren eine Austrittsmöglichkeit geschaffen: Diens tag von 6 bis 7 Uhr( aber nicht am 22. Dezember) bei Kazz und Goldberg, Spandauer Brücke 10 und Montags, Mittwochs und Freitags von 5 bis 6 Uhr bei S. Weinberg, Klosterstraße 65/67 ( gegenüber dem Stadthaus). Eine Legitimation ist mitzunehmen Für 2 Mart Schönheit! Das klingt Ihnen zu komisch, aber was wollen Sie anderes, wenn Sie eine Packung Krasomehn kaufen und diese gebrauchen?! und find für den Austritt 2 Mart zu zahlen. Die Einzelmitglieder der Freireligiösen Gemeinde, welche teinem Bezirt angeschlossen find, werden gebeten, wegen der Wahl zur Delegiertenversammlung am Mittwoch, den 6. Januar, abends 8 1hr, nach der PappelAllee 15 zu kommen. Fast eine Million Rundfunkteilnehmer. Die stärkste Zunahme in Berlin. Die Zahl der deutschen Rundfuntteilnehmer hat am 1. Dezember mieder erheblich zugenommen, und zwar in sämtlichen Sendebe reichen: die Gesamtzahl der am 1. Dezember angemeldeten Hörer beträgt rund 967 000, genau 966 804, der Zuwachs im November also 53 028, das sind täglich 1768 Neuanmeldungen. Die stärkste Zunahme hat Berlin mit 23 257 neuen Teilnehmern zu verzeichnen, so daß der Berliner Sendebereich jegt 417 749 Hörer umfaßt; es folgt die Sendegemeinschaft Münster- Dortmund- Elberfeld, die 10 613 neue Rundfunkfreunde geeeeeea 9999 Dem Genoffen Walter Press unb seiner jungen Frau zum heutigen Hochzeitstage die herzlichfien Gladwünsche! Die Genossen und Genossinnen der 3. Abig. Charlottenburg Unserer Gettossin Martha Kowalewski zum 50. Geburtstage die besten Glückwün che. Die Genoffen und Genoffinnen des 7. Bezirks der 79. Abteil. Wagen- u. Karosseriearbeiter! Montag, den 21. Dezember, nachmittags 3 Uhr, im Parterrefaal des Verbandshauses, Linienste. 83 85: wann und jetzt 71 798 Hörer zählt; Hamburg hat 5393 neue Teil- Deutscher Metallarbeiter- Verband nehmer gewonnen( Gesamtzahl Hamburg- Bremen- Hannover: 118 618); fast ebensoviel Zuwachs hat Breslau mit 4920 neuen Hörern, die in der Hauptsache wohl auf den eben eröffneten oberSchlesischen Sender in Gleiwiz entfallen; die Gesamtzahl BreslauGleiwig beträgt 52 247. Dann folgt Leipzig- Dresden mit einem Zu wachs von 3829 Teilnehmern( Gesamtzahl 109 980), München- Nürn berg mit 2637( Gesamtzahl 91 001), Franffurt- Raffel mit 1053( Gefamtzahl 63 095), Stuttgart mit 801( Gesamtzahl 27 145) und Königsberg mit 525( Gesamtzahl 15 171). Todessprung vor den Augen der Mutter. In der Nacht zum Freitag, gegen 10%, Uhr stürzte sich der 25 Jahre alte Mechanifer Lothar Höfer von dem Balkon der mütterlichen Woh, nung im Hause Müllerstraße 30 vier Stodmerte tief auf das Pflaster hinab. Man schaffte ihn in einem Auto nach dem Virchow Krankenhause, wo aber nur noch der Tod festgestellt werden konnte. Der Beweggrund zu der Tat ist in einem schweren Nerven Versammlung aller in den Karofferiefabriken ausgeipettten Kollegen. Tagesordnung: 1 Beridt über die Differenzen im Gewerbe. 2. Diskussion. Alle Ausgesperrten müffen mit Ausweisen versehen sein, ohne biese tein Zutritt. Die Ortsverwaltung. Adolf Hoffmann Episoden und leiden zu suchen. Die Mutter war Zeugin des schredlichen Zwischenrufe Borfalls. Dauerndes Siechtum hat die 84 Jahre alte Helene Banfroth in den Tod getrieben. Am Donnerstag abend vergiftete sie sich in ihrer Wohnung, Turmftr. 21, mit Leuchtgas. Berlin und die Hochbahngesellschaft. Ein Teil der Berliner Presse berichtete unlängst, daß die Stadt Berlin fürzlich das fie abweisende Urteil des Landgerichts I Berlin er. halten habe und daß es noch nicht bestimmt fei, ob sie gegen dieses Urteil Berufung einlegen werde. Wir haben diese Mitteilung nicht aufgenommen, da es uns befannt war, daß der Kleinaftionär Busch, unabhängig von der Stadt Berlin, bereits Berufung eingelegt hatte. Es ist von untergeordneter Bedeutung, ob die 1000fachen Stimmrechtaftien durch ein von der Stadt Berlin oder von Busch erwirftes Urteil für ungültig erklärt werden. Nunmehr teilt uns Busch mit, daß der 4. Zivilfenat des Kammergerichts Termin auf den 11. Januar 1926, 10 Uhr vormittags, Elßholzstraße, 2 Treppen, Zimmer 369, anberaumt hat. Wir werden über den Verlauf des Termins berichten. Das Opfer einer Flaschenverwechslung wurde eine Hausange. stellte Erna Mintwig aus der Knesebecstraße. Sie war bei ihrer Schwester, einer Frau Scholz, in der Waffertorstraße zu Besuch und flagte über so heftige Magenschmerzen, daß man einen Arzt holte. Dieser verordnete Magentropfen. Sie nahm davon, verspürte aber feine Besserung. Als sie deshalb noch einmal Tropfen nehmen wollte, verwechselte sie die Flasche und tranf eine Mischung von 3int und Chlor. Jetzt steigerten sich die Schmerzen noch mehr und bald darauf starb das Mädchen. aus der Parlaments- und Minifterzeit. Breis 1 Mart. Borto 5 Pfennig. Borräfig in allen VorwärtsAusgabestellen. HUNDE-> Katzen, Papageien und alle Haustiere werden behandelt. Tierärztliche Poliklinik Chausseestraße 93 neven Kriegervereinshaus Sprechstunden: 11-1 u. 4-6 Uhr Der gute KapitänKautabak ist in den meisten Zigarrengeschäften erhältlich C. Röcker, Berlin Lichtenberger Straße 22, Kgst. 3861 Erst der Arzt, der jetzt noch einmal gerufen wurde, stellte die Ber- Metallbetten wechslung der Flaschen fest. Die Leiche wurde polizeilich befchlag Stahlmatratz., Kinderbetten günstig as Priv nahmt und nach dem Schauhause gebracht. Deutscher Herold." In einem Bericht des ,, 8- Uhr- Abendblattes wurde in dem Abdrud eines Ausweises für den Raub mörder Grütte Lehder zweimal der Deutsche Herold" erwähnt, als deffen Geschäftsführer ein Herr Wilhelm Kube zeichnet. Der " Deutsche Begräbnis- und Lebensversicherungsverein a. G. Deutscher Herold", Berlin NB. 7, legt auf die Mitteilung Bert, daß er mit dieser deutschvölfischen Organisation nichts zu tun hat. Selbstmord eines greisen Ehepaares. Am Freitag vormittag wurden der 80 Jahre alte Ladierer Peter Petersen und seine 79jährige Ehefrau Luise, geb. Schulz in ihrer gemeinsamen Wohnung im Hause Seumeftraße 17 in Lichtenberg durch Gas vergiftet tot aufgefunden. Lebensüberdruß infolge hohen Alters und wahrschein lich auch wirtschaftliche Not dürften das Motiv der Tat sein. Der Druckfehlerteufel hat in unserem gestrigen Bericht über die Stadtverordnetenversammlung Unheil angerichtet. Die erste Wahl mar die der Mitglieder des Staatsrats( nicht des Stadtrats). Gewählt wurden die Genossen Czeminsti, Reimann( nicht Heimann) und Dr. Weinberg. Stellvertreter Löwn, Haß und Genofsin Wenl. Reichsbanner Kreuzberg. Die Veranstaltung im Krematorium Gerichtstraße fällt aus. Kleider- Dauerfammeistellen Tiergarten. Die Bezirksarbeitsgemeinschaft der öffentlichen und freien Wohlfahrtspflege im Bezirk Tiergarten bat folgende Cammelstellen für getragene Kleider und Stiefel eingerichtet: 1. Jugendfürsorge B. Dennewitftr. 24a, täglich 8-3%, br. 2. Bolkss speliung, An der Apostelfirche 9, tägl. 11-1 Uhr. 3. Rüfteret, Matthäi firchstraße 22 a, tägl. 8-1 Uhr. 4. Bauamt, Friedrich- Wilhelm- Straße 6, bei Herrn Begebaupt, tägl. 8-31, 11br. 5. Jugendfürsorge A, Stromftraße 55, tägl. 8-31, Uhr. 6. Gemeindeschule, Duigomftr. 115, of lints, tagl. 8-1 Ubr. 7. Erwerbslosenfürsorge, Wiclefftr. 5/6, tägl. 8-3, Uhr. 8. Arbeitsnachmeis, Paulstr. 1, tägl. 8-3, Uhr. 9. Bezirksamt Thiergarten ( Wohlfahrtsauskunftsstelle), Klopstoditr. 24, tägl. 8-3, Ubr. 10. Gemeinde schule 205, Lebezowstr. 26, tågl. 8-4 Uhr. 11. Reichsministerium des Innern( Pförtnerzimmer), Königsplat 6, tagl. 8-4 Uhr. Freireligiöse Gemeinde. Sonntag vorm. 11 Uhr, Bappel- Alee 15, Vortrag des Herrn Paul Rogel: Darwinismus. Harmonium: BeihnachtsGäste willkommen. lieber. Die Geno enschaft Deutsche Boltserholungsheime veranstaltet am Sonn abend, den 19. Dezember, im Saalbau Friedrichshain ein Rinder. to obltätigteitsfeit mit anschließender Bescherung. Anfang 8%, Uhr. Karten zu 1.50 M. find an der Tagestasse erhältlich. Lawinenunglück in Thüringen. Zwischen Spechtsbrunn und Buchbach bei Gräfenthal ging gestern furz nach 10 Uhr vormittags eine große Schnee. lawine mit gewaltigem Getöse zu Tal. Auf einem Schiefergriffelbruch arbeiteten im Tagbau fünf Aufräumer. Sie wurden fämtlich von der Lamine verschüttet. Aus den Nachbardörfern herbeleilenden Einwohnern gefang es, um 2 Uhr nach mittags den ersten Verschütteten aus den fast haushoch liegenden Schneemassen zu bergen. In halbstündigen Etappen wurden die weiteren Verschütteten zutage gefördert. 3 wei von ihnen sind: tot. Drei fonnte man lebend bergen. Vier Fischerboote vermißt. Kat. 650 fr. Eisenmöbelfabr. Suhl Thür. Sonntag geöffnet 2-6. Gute fertige Sakkoanzüge, hergestellt im eigenen Betriebe 86.714 Mittelgrauer, feingestreifter Cheviot, einreihige Form M. 58.86852 Blaugrauer Cheviot mit ruhigem Streifen, einreihige Form M. 66.86781 Dunkelgrauer, unauffällig gemusterter Chev., zweireih. 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Wenn sie nicht von dem Spritfchiff aufgenommen worden oder an einer unbewohnten Stelle gelandet find, muß mit Sicherheit angenommen werden, daß die Fischer ertrunten sind, da fie unmöglich den schweren Sturm, der in der Nacht zum Freitag Herrichte, überstehen fonnten. Telephonische Anfragen in Bolangen und Libau haben nichts über den Berbleib der Schiffe ergeben. 4 Nagelpflege- Garnituren Kopp& Joseph BERLIN W in vornehmer Ausstattung. Potsdamer Str. 122. SCHUTZ MARKE Quittungs- Raball u Reklamemarken erot skil 45 Jahren as Spezialitat Conrad Müller Schkenduz Leipzig tellenangebote finden im Vorwärts Beste Beach tong Rein Messing mit 60 Seidenschirm 4ftg. Mit 65 Seidenschirm mit Mrk. 40 Beleuchtungs körper nus Holz, Metall und Sride Willy Rudolff BERLIN.S.42 Willerftr. 24 Ampeln.Schalen. Rauchtische Als praktisches Bro-& Katbesatz Mrk. 4750 Mrk 5.90 gestattet. 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Der Krieg und die Inflationsjahre hatten den Aufbau des deutschen Produktionsapparates gewaltig verschlechtert. Die Anlagen der Vortriegszeit waren durch Raubbau verwüstet, die Neuanlagen zum Teil einseitig auf die Be dürfnisse der Kriegswirtschaft zugeschnitten, zum anderen Teil zeich neten sie sich durch sinnlose Anhäufung stehenden Kapitals aus. Die beispiellos niedrigen Löhne der Inflationsjahre hatten die Unternehmer allgemein von der Notwendigkeit einer scharfen Ralfu lation und fparfamster Betriebsorganisation befreit. Der un produktive Apparat, besonders in den kaufmännischen Bureaus und den Bantbetrieben, war gewaltig angeschwollen und eine Unzahl lebensunfähiger, lediglich auf die Inflationsverhältnisse berechneter Unternehmungen war überall neu aufgeschossen. Richtlinien der Reichstagsfraktion. Mit den Bersuchen, rüdständige Betriebe durch Hiffsaktionen fredit| starte Anschwellen der Arbeitslosigkeit in der Uebergangszeit. Eine politischer oder handelspolitischer Art aufrecht zu erhalten, muß mit Es ist daher der aller Entschiedenheit Schluß gemacht werden. baldmögliche völlige Abbau der schematischen Krediffonfingenfierung und der Zuweisung von Sonderkrediten zu erstreben und der Uebergang zur reinen Diskontpofifit als Regulator des Kredit- und Währungswesens einzuleiten. Staatsilfe für notleidende Wirtschaftszweige tann nur bort in Frage kommen, wo es sich einwandfrei nur um die Abstellung eines vorübergehenden Notstandes handelt. Sie ist außerdem an die Bedingung zu knüpfen, daß der Staat einen angemessenen Einfluß auf die von ihm Janierten Unternehmungen erhält. In Borausjehung der unausbleiblichen Uebergangsfrisis hatte die Sozialdemokratie fchon Ende 1923 Vorschläge zur Erleichterung gemacht; diese Borschläge fanden jedoch kein Gehör. Die Wirtschaftstreife in der Großindustrie und in der Großlandwirtschaft und die unter ihrem Einfluß stehende Rechtsregierung begingen einen Fehler nach dem anderen, bis schließlich als Endrefultat einer Kette von ver fehlten Maßnahmen die gegenwärtige Lage mit ihrer äußersten Berschärfung der Kredit- und Absatzschwierigkeiten und ihrem unwesentlichen Fortschritt dar. Gleichzeitig erfordert jedoch die Ent Jagbaren Arbeitslosenelend entstanden ist. Die auch bei meitsichtigerer Wirtschaftspolitit unausbleibliche und unvermeidbare schwere Wirtschaftskrise ist barrch Wenn die Diagnoje der Strifis als einer Reinigungs- und Rationalisierungskrisis richtig ist, so dürfen die Kräfte zur Heilung nicht unterbunden werden. Staatliche Eingriffe zugunsten einzelner Wirtschaftszweige bedeuten innerhalb der kapitalistischen Gesellschaft immer die Gefahr, daß sie nur den äußeren Anschein eines plan wirtschaftlichen Borgehens erwecken und daß sich hinter diesem Pfeudosozialismus die allergrößte Planlosigkeit verbirgt. In der fapitalistischen Gesellschaft erfolgt die Regulierung des Wirtschaftslebens durch die Kräfte der Konkurrenz, und es ist in der gegen wärtigen Situation die Aufgabe der Wirtschaftspolitik, die Hem mungen der freien Konkurrenz zu beseitigen statt neue Hemmungen zu schaffen. Die Kartellgesetzgebung ist daher so zu entwidein, daß die freie Konkurrenz nicht ausgeschaltet werden kann. Die jetzt beginnenden tru startigen 3usammenschlüsse in der Industrie stellen gegenüber dem bisherigen Kartellsystem einen ftehung fo umfangreicher Wirtschaftsgebilde die allergrößte Aufmerfjamfeit der Gesetzgebung. Konzessionen auf dem Gebiete der Gesezgebung und der Finanzverwaltung, die zur Erleichterung dieser Busammenschlüsse gewünscht werden, find, soweit sie fich als not mendig erweisen sollten, von der Einräumung eines entsprechenden ftaatlichen Einfluffes abhängig zu machen. Um die Kartelle, Trusts und sonstige monopolartige Gebilde einer wirffamen öffent lichen Kontrolle zu unterwerfen, ist die Schaffung eines Hartellamis erforderlich, wie es etwa in den Bereinigten Staaten und Kanada besteht. Diesem Kartellamt ist ein weitgehendes Untersuchungsrecht einzuräumen und ihm die Verpflichtung zur regelmäßigen Berichterstattung an das Parlament aufzuerlegen. Erst durch die Schaffung eines solchen Kartellamts fönnen die in dem bestehenden Kartelgericht liegenden Anfäße fruchtbar gemacht werden. Das Attienrecht ist auszugestalten mit dem Ziel, die in der Inflations- und Stabilisierungszeit eingeriffenen Mißbräuche zu beseitigen. Solche Mßbräuche sind vor allem bei der Schaffung von Vorratsaftien und Attien mit mehrfachem Stimmrecht zu beobachten. Nur durch die Beseitigung dieser Mißbräuche fann das Spartapital wieder zur bereitwilligen Beteiligung an dem wirt. fchaftlichen Wiederaufbau ermutigt werden. reaffionäre Kartell- und Zollpolitik, durch Sabotage der internationalen Arbeitsteilung bei den Handelsvertragsverhandlungen, durch ein Durcheinander von Kreditverschwendung und Sreditreftriftionen in der unheilvoüsten Weise verschärft worden. Die Arbeitslojenziffer ist in beängstigend rascher Zunahme begriffen; ungefähr 1 million beträgt gegenwärtig bereits bas Heer der Arbeitslosen, und das Elend, das hinter dieser Ziffer der Arbeitslosigkeit steht, wird noch in unbeschreiblicher Weise das burch nerschärft, daß nur etwa die Hälfte der Erwerbslosen Unterftügung erhält und daß zu den Bollerwerbslosen noch hundert. taufende von Rurzarbeitern fommen, die feinerlei Unter ftügung erhalten, obwohl ihr Verdienst in vielen Fällen noch hinter den Säßen der Erwerbslosemunterstützung zurückbleibt. Diefelbe Regierung, auf deren verfehlte Wirtschaftspolitit die Verschärfung der Krisis zu einem großen Teil zurückzuführen ist, steht auch den fozialen Auswirkungen der Krisis hilflos gegen ber. Sie hat nichts getan, um das Elend der Arbeitslosen und Kurzarbeiter wirksam zu lindern. Selbst der Entwurf einer ArbeitsLofenversicherung fonnte troj monatelanger Borbereitung noch immer nicht vor den Reichstag gebracht werden, weil die reaffionären Kreise der Arbeitgeber fich dagegen mehren, daß die Arbeitslosen einen Rechtsanspruch auf Unterftigung erhalten. dru Angesichts dieses vollständigen Berfagens der bisherigen Wirt 391ST hajts und Sozialpolitit ift es notwendig, die Aufgaben, die die Cine baldige gefeßliche Regelung der Arbeitszeit ist vor allem auch gegenwärtige Wirtschaftskrisis den verantwortlichen Leitern der deswegen erforderlich, weil während der Dauer der Krise die Ab Bolitik ftellt, in ihren großen Zusammenhängen zu erkennen, Richtwerkräfte der Arbeiterschaft nicht immer start genug sind, um in linien für eine auf meite Sicht angelegte Wirt. allen Fällen die rationellste Regelung der Arbeitszeit und der ArIchaftspolitit aufzustellen und die als nötig erkannten Maß beitsbedingungen zu erzwingen. nahmen in umfassendster Weise und unter Einsatz aller Kräfte durchzuführen. Der oberste Gesichtspunti bei einer folchen Wirtschaftspolitit muß darin bestehen, daß die Notwendigkeit einer durchgreifenden Reinigung und Rafionallfierung des Wirtschaftslebens anerkannt wird. Die Ausscheidung aller in der Inflation großgezüchteten lebens. unfähigen Wirtschaftsgebilde ist die Borauslegung für den wirt. schaftlichen Wiederaufstieg. Diese Reinigung ist auch die Boraus fegung für eine Steigerung der Reallöhne und für eine gesunde Entwidlung der sozialen Lage. Dabei besteht zwischen der Entwicklung des Reallohnes und der Ausscheidung leistungs. unfähiger Betriebe eine höchst bedeutsame Wechselwirkung. Ebenso wie die Ausscheidung der minderwertigen Betriebe die Boraus Jegung für gesteigerte Ergiebigkeit der gesamten voltswirtschaftlichen Arbeitsleistung und damit für steigende Reallöhne bildet, so ergibt fich umgefehrt aus der Steigerung der Reallöhne immer wieder die Rotwendigteit, rüdständige Betriebe und rückständige Wirtschaftsmethoden auszumerzen und durch leistungsfähigere zu erlegen. Das oberste Ziel der Wirtschaftspolitik muß daher fein, diefe fruchtbare Wechselwirkung fich möglichst auswirten zu laffen. Wenn bies gelingt, fo besteht durchaus fein Anlaß, die fünftige Wirtschaftsentmidlung peffimistisch anzusehen. Es ist sehr wohl möglich, daß die gegenwärtige Krifis lehten Endes zum Ausgangspunkt für ein Aufblühen des deutschen Wirtschaftslebens und eine allgemeine Steigerung der Lebenshaltung wird. Im Rahmen des Rationalisierungsprogramms ift ferner die Ratifizierung des Washingtoner Abkommens über die tägliche Arbeitszeit zu fordern, sowie die schnelle Berabschiedung des Arbeitszeitgesetzes unter Jefflegung des achtstündigen Normalarbeitstages. Bei der Ausscheidung unrentabler Betriebe sind die Härten für die betroffene Arbeiterschaft nach Möglichkeit zu mildern. Insbe fondere muß verhindert werden, daß Betriebsstillegungen nur zu dem Zwede vorgenommen werden, einen Drud auf die Löhne auszuüben. Die Demobilmachungsfommissare sind da. her anzuweisen, Stillegungen vor Ablauf der Sperrfrist nur unter der Bedingung zu genehmigen, daß eine Wiederaufnahme des Be hiebes nicht zu ungünstigeren Lohn- oder Arbeitsbebin gungen erfolgt. Die bis. Die Handelspolitit ift fehr viel entschiebenerer als bisher in den Dienst der Rationalisierung des Wirtschaftslebens zu stellen. Die Forderung nach einer europäischen Bollunion wird so lange ein leeres Schlagwort bleiben, als die einzelnen Staaten sich nicht dazu entschließen, ihre nationalen Produktiofräfte uneingeschränkt der internationalen Arbeitsteilung dienstbar zu machen. herige Bragis bei den Handelsvertragsverhandlungen, wichtige Interessen der deutschen Exportindustrie den Wünschen einiger landwirtschaftlicher Nebengewerbe zu opfern, muß beseitigt werden Die Anpassung der deutschen Produktion an die internationale Arbeitsteilung ist zugleich die wesentliche Boraussetzung dafür, daß dem Export deutscher Industrieprodukte von anderen Ländern teine allzu großen Hindernisse in den Weg gelegt werden. Eine Wirtschaftspolitit, die auf derartigen Wegen eine wirt. liche innere Heilung der Krisis anstrebt, ist jedoch nur durchführbar bei gleichzeitiger Höchstentwicklung der Sozialpolifit. An diefer allgemeinen Grundlinie der Wirtschaftspolitit muß Die Bortelle, die die Gesamtwirtschaft bei einem ungestörten Ablauf hie Stellungnahme zu allen einzelnen Maßnahmen orientiert sein. der Reinigungsfrisis zu erwarten hat, werden erfauft durch das Wirtschaftspolitit, die bewußt mit diefer Rationalisierungsfrise rech net, ist moralisch, polit sch und ökonomisch mir möglich, wenn die aus der Rationalisierung zu erwartenden Geminne benutzt werden zu einer umfassenden und großzügigen Entschädigung für alle die, deren wirtschaftliche Eristenz völlig ohne ihr Verschulden durch die Ratioeiner über das heutige Maß erheblich hinausgehenden Arbeitslosennalisierung bedroht ist. Die Sozialpolitit, vor allem in der Form ragende Bedeutung. Sie ist nicht nur als eine Wohlfahrtsmaßunterffügung, gewinnt in diesem Zusammenhang eine ganz übernahme, sondern in erster Linie als eine produktionspolitische Maznahme zu betrachten, eine Joziale und otonomische Schuldverpflichtung, mit ber eine aufblühende Wirtschaft sich das Necht ihres ungehemmten Aufstiegs erfauft. Die Wechselwirkung zwischen Rationalisierung und Steigerung des Reallohns, die die Grundlage für den Wiederaufstieg bildet, wird in Frage gestellt, menn die Massen der durch den Umstellungsprozeß zunächst aus, ihrer Beschäftigung geworfenen Arbeitslosen darauf angewiesen wären, ihre Arbeitskraft um jeden Preis zu vertaufen. Auf der Grundlage von Hungerlöhnen würden neue rüdständige Betriebe entstehen und der Rationalisierungprozeß der Wirtschaft immer wieder durchkreuzt werden. Die Entwicklung der Löhne und der Arbeitslosigkeit bis zum Oftober 1925 bildet den Beweis, daß eine fortschreitende Rationalisierung der Wirtschaft dei gleichzeitig stetig steigenden Löhnen trop der mit der Rationalisierung unvermeiblich verbundenen Betriebsstillegungen sehr wohl möglich ist. Die Sozialdemokratie stellt daher folgende Forderungen auf: 1. Schnelle Erledigung der Arbeitslosenversicherungsvorlage Im Reichstage. 2. Bis zur Erledigung der bifinitiven Borlage: Abänderung der geltenden Verordnung über die Erwerbslofenfürsorge vom Februar 1924 mit dem Ziel einer ausreichenden Unterstügung aller Erwerbslosen und Kurzarbeiter. a) Ausdehnung des unterstühungsberechtigten Personenfreifes auf alle Angestellten, auf die Landarbeiter und die Hausangestellten. b) Obligatorische Unterstügung an Kurzarbeiter. c) Aufhebung der Bestimmung über die 26möchige Höchstmanferstützungsdauer. d) Aufhebung der fog. fozialen Beschränkungen( Bes dürftigkeitsprüfung). e) Erhöhung der bisherigen Säße der Erwerbslosenunter. fühang um 50 Proz 3. Aufbringung der Mittel für die erweiterte Erwerbslosenfürsorge durch eine für das ganze Reichsgebiet einheitliche Be meffung des Beitragssakes, Herbeiführung eines Reichsausgleichs und Heranziehung der heute von der Beitragsleistung aus genommenen Gewerbszweige. 4. Organisierung umfangreichster produktiver Erwerbslosenfürforge: a) Bergebung von Aufträgen durch die Reichs, Staatsund Kommunalbehörden, Bergebung von Bureaunotstands arbeiten an stellenlose Brivatangestellte. b) Fertigstellung begonnener Eisenbahnbauten, sofortige Erteilung der für 1926 vorgesehenen Aufträge der Reichsbahn und der Reichspoft. 1750 e) Durchführung wichtiger Kanalbauten und Bodenverbefferungsarbeiten. mad) Förderung der Bautätigkeit besonders dort, wo durch Erstellung von Wohnungen die Umsiedlung von Arbeitern erleichtert und Arbeitsgelegenheit mugbar gemacht wird. Be vorzugte Zuwendung von Mitteln aus der produktiven Erwerbslofenfürsorge für diese 3mede, Förderung des Wohnungsbaues durd) volle Berwendung des Ertrages der Hausziasfteuer zum Wohnungsbau, Aufstellung eines produttiven Siedlungsprogramms für das ganze Reich und Schaffung eines Reichsausgleichsfonds. Die sozialdemokratische Reichstagsfraktion wird mit allen Kräften dahin wirken, daß die vorstehenden Forderungen, von denen allein eine Milderung der Wirtschaftskrise zu er warten ist, vermirflicht werden. dan Erneute scharfe Steigerung der Arbeitslosigkeit. Jn 14 Tagen 41,5 Proz. Bollerwerbslose mehr. Nach den Berichten der Landesarbeitsämter für die zweite De gemberwoche hat sich die Arbeitsmarktlage weiter je hr erheb lich verschlechtert. Die Zahl der Arbeitsuchenden ist wieder in faft. allen Bezirken und allen Berufsgruppen außerordentlich start an gewachsen. Eine fühlbare Nachfrage nach Arbeitskräften ist nirgends vorhanden. Diese Verschlechterung ist um jo bemerkenswerter, als nach der jetzt abgeschloffenen Statistit für den Stichtag des 1. De zember d. 3. die Zahl der unterstüßten Erwerbslosen bereits auf eine Erwerbslofenziffer von 472 830 aufmies, ergibt sich eine Zu669 130 angewachsen, ist, d. h. gegenüber dem 15. November, der nahme um 41,5 Proz. Hierbei ist zu berücksichtigen, daß diese Statistit nur die unterstützten Erwerbslojen, aber nicht die Aus gesteuerten, Rurzarbeiter ujm. umfaßt. Nachstehende Tabelle gibt einen Ueberblick über die Entwicklung der Arbeitslostgreit in Deutsch Extra billige Weihnachtspreise Bis 5.90 890 Besonders schöner Spangenschuh mit L. XV.Abs. für Straße und Gesellschaft Elegante Pumps, sehr beHebte Straßenschuhe.. 7.90 Damen- Lackspangen, die große Mode, feines Fabrikat 690 1090 Echt Kamelbaar, Umschlag. 590 schuhe Marke nur Warme Pantoffel mit Filz oder mit Filz- und Ledersohle Riesenauswahl. Herren Gr: 43 bis 47, 4.75, 2.95, 1.95, Damen Gr. 37 bis 42, 3.95, 2.45, 1.95 Eleganter Spengenschab Mollig warmeKamelhaarschuhe für alle Gelegenbetten in großer Auswahl, sehr billig Lousad 165 Herren- Halbschuh, sehr elegant in ansprechender Paɓform Herren- Straßenstiefel, echt Rindb., vornehme Ausführung 890 890 Original- Goodyear- Welt. 1190 Kinder- und Mädchen- Filzschnallenstiefel m. 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Oftober. 319 656 1. November 233 700 15. November 230 727 251 530 266 078 298 871 363 784 .. 472 830 195 005 1. Dezember... 669 130 197 248 1. August Bor furzem schäzte das Reichsarbeitsministerium die Zahl der Bollerwerbslojen auf 600 000. Man sieht, daß am 1. Dezember diese Bahl schon längst überschritten war. Wenn man das rasende Tempo berücksichtigt, in dem die Arbeitslosigkeit seit 6 Wochen gestiegen ist, dürften im gegenwärtigen Augenblid drei Biertelmillionen Bollerwerbslose( was erfahrungsgemäß eine Arbeitslosigkeit von 2 Millionen bedeutet) längst nicht mehr reichen. Preußen und Giesches Erben. Der Amtliche Preußische Pressedienst teilt mit: Die zwischen der preußischen Regierung und der W. A. Harriman& Co. Inc. sowie der Anaconda Copper Mining Co. gepflogenen Berhandlungen, die die Ausräumung der bei der preuBischen Regierung bestehenden Bedenken gegen die Wirkungen des ron der amerikanischen Gruppe mit der Bergwertsgesellschaft Georg von Giesches Erben am 4. November 1924 geschlossenen Vertrages auf die staatswirtschaftlichen Belange zum Ziele hatten, find zu einem gewissen Abschluß gebracht worden. Selbstverständlich konnte es nicht Aufgabe der preußischen Regierung sein, die privatrechtlichen und rein geschäftlichen Abmachungen zwischen Giefche und der amerifanischen Gruppe anzutaften, fofern die preußischen und deutschen staatswirtschaftlichen Belange gewahrt wurden. Die grundläb: lichen Forderungen der preußischen Regierung find dabei anerkannt worden, doch bestehen wegen der Art der Durch führung noch gewisse Schmierigteiten, deren Beseitigung noch einige Zeit in Anspruch nehmen wird. Rußlands Wirtschaftslage. In der Deutschen Gesellschaft zum Studium Osteuropas sprach Dienstag abend der Generalsekretär dieser Bereinigung über das heutige Rußland auf Grund von Eindrücken, die er aus einer enn monatigen Reise durch Rußland und Sibirien vor kurzem gewinnen fonnte. Der Redner, Herr H. Jonas, fennt Rußland aus der Bertriegszeit und besonders auch aus den Revolutionsjahren, während deren er als Delegierter des Roten Kreuzes in Sibirien tätig mar. So ist der Vergleichsmaßstab, den er bei der Beurteilung der jetzigen Zustände anlegt, jene Beit der revolutionären und fontrarevolutionären Unruhen, also des Bürgerkriegs. Gemeffen an den Buständen jener Beriode stellt der Redner einen außerordentlichen Fortschritt fest. Ganz Rußland scheint im ersten Anschein eine einzige große Reparaturwerf statt zu sein. Bei der breiten städtischen Bevölkerung glaubt der Redner feststellen zu können, daß zwar fein Hunger, aber auch feine Befriedigung über die Tätigkeit und die wirtschaftlichen Aussichten herrscht. Die staatliche Wirtschaftspolitif, deren planwirtschaftliche Spitze fm Gosplan gegeben ist, läuft darauf hinaus, den Bedarf an Massenverbrauchsartiteln vorläufig noch start zurückzuhalten und alle per= fügli hen mirtschaftlichen Kräfte in den Dienst des Arbaus des Produktionsapparates zu stellen. So wird bei der Einfuh auch aller Nachdrud darauf gelegt, möglichst nur Produktionsmittel und Roh stoffe, aber eine Fertigmare zu importieren, mas frei lich dazu führt, daß die im Inland erzeugten Verbrauchswaren sehr Diel teurer uls Einfuhrware zu stehen tommen. Man bemüht fich in Rußland, den Gindruck berrorzurufen, als ob die heimische Industrie schon den gesamten Bedarf zu beden vermöchte. Deshalb merden auch alle importierten Waren nur in russischen Originalpadungen verfauft. Der Warenhunger der Bevölkerung ist noch außerordent lich groß. So berichtet der Redner davon, daß vor den Bettaufs stellen heute noch Schlange gestanden wird, um z. B. warme Kleidung einzutaufen Die Landbevölkerung tlagt über den Mangel und den hohen Preisstand aller Beharfsartitel Um ein Baar Schuhe einzutaufen, muß der fibirische Bauer zum Beispiel noch 1100 Cier zum Marit bringen. Beer erwiderte, daß das Interesse der AEG. mit den Interessen der Aktionäre durchaus nicht identisch sei. Die AEG. tönne ja dann die bei den BEB. liegenden Attienpakete übernehmen und den unabhängigen Aktionären ihr Geld auszahlen. Gegen die Opposition wurde die Bilanz und die Verteilung einer 4½ prozentigen Dipidende auf die Borzugsaktien und einer 5prozentigen Dividende auf die Stammattien genehmigt. Ebenso gegen dieselbe Opposition die Wiederwahl von zwei ausgeschiedenen Aufsichtsratsmitgliedern. Arbeiter Kulturkartell Groß- Berlin. Zweite Proletarische Feierstunde am Sonnabend, den 26. Dezember( 2. Weihnachts- Feiertag) vorm. 11 Uhr, im Großen Schauspielhaus, Karlstr. Träume der Mietskaserne Dichtungen für Sprechhor mit Mufit, Gesang und Tanz von Franz Rothenfelder, Kurt Eisner u. a. Mitwirkende: Das Orchefter der Freien Bolfsbühne e B. unter Beitung bes Heren Kapellmetster Beller, Golofprecher vom Staatstheater, der Sprech chor für Proletarische Feierstunden unter Beitung von Albert Florath. Einheitspreis 1,20 Mart. Zur Cage der Kaliindustrie. Auf der Generalversammlung der Kali- Industrie Att.- Ges. in Berlin erklärte die Verwaltung, der Erfolg der eingeleiteten Rationalisierung und Konzentration ſei heute voll erwiesen. Gegenüber dem guten Absatz im 1. Halbfahr fei im Monat September ein Rüdgang eingetreten. Auch für das tommende Jahr ist mit Rücksicht auf die Notlage der Landwirtschaft mit einem geringen Absaß zu rechnen. Das deutsch- elsässische Kaliabkommen habe sich durchaus günstig aus. gewirkt. Der Auslandsabsatz hat sich befriedigend entwidelt. Der nächsten Generalversammlung sollen Vorschläge unterbreitet werden, durch welche die überflüssigen Vorratsaftien der Kali Industrie Att.- Ges. beseitigt werden sollen. Durch Abstellung der Erträgniffe aller Konzernwerke auf das Wert der Kali- Industrie Aft.- Ges. wird der Wintershall- Konzern in nicht allzu langer Zeit zu einem geschlossenen Ganzen zusammenwachsen. Die Pro buftion werde heute in der Hauptsache in zwei Gruppen betrieben: an der Berra 5 Berte, im Südharz 4 Berte, außerdem noch einige Werke geringeren Umfangs, ferner Ronnenberg I. Diese Werke können heute je 400 000 bis 600 000 Doppelzentner Reintali im Jahre produzieren, wozu noch im Laufe des Jahres das Werk Kaiserroda mit einer Jahresprobuftion von 900 000 Doppelgentnern trat. Der Konzern schließt das Jahr 1925 mit einem Bestande von etwa 1,1 millionen Doppelzentnern Reintali in Form von Fabritaten und etwa 100 000 Doppelzentnern in Form von gemahlenen Rohsalzen ab. Das Ende des Jahres 1925 bedeutet für die Entwicklung der Kaliindustrie einen gewissen Abschluß. Soweit sich bis jetzt übersehen lasse, sind von den 223 quotentragenden Schächten des Kalisynditats am Ende des Jahres etwa die Hälfte dem Gesez nach stiligelegt. Es sind heute im Konzern 85 mit Quoten ausgestattete Berfe vereinigt. Hinzu er worben find 4 andere Quoten. Der Anteil am Gesamtabsag, der auf ein Durchschnittswert entfällt, beträgt heute etwas weniger als 60 000 Doppelzentner Reintali. Parteinachrichten Sinsendungen für diese Rubrik find Berlin SB. 68, Sindenstraße 3. für Groß- Berlin ffets an bas Beatrissekretariat, 2. Sof, 2 Tres. rechts, au richten. 7. Areis Charlottenburg. Suristische Sprechstunde findet am Sonnabend, 19. Dezember, von 5-6 Uhr, im Jugendheim Rosinenstr. 4 fbatt. 17. Kreis Lichtenberg. Genoffinnen und Genossen! Beteiligt euch an der Weihnachtsfeier der Rinderfreunde am Sonnabend, 19. Dezember, 7 Uhr, im Lotal von Gustav Tempel, Gudrunstr. 7. Heute, Sonnabend, den 19. Dezember: 28. bt. 7 Uhr bei Büttner, Schwedter Str. 23, Beihnachtsfeier und Be fcherung. Wir bitten um zahlreiche Beteiligung. 43. Abt. Ane Genoffinnen und Genoffen, die zu der Weihnachtsbescherung am Montag, 21. Dezember, 6% Uhr, bei Rabe, Fichtestr. 29, etwas bei fteuern wollen, werden gebeten, ihre Gaben fpätestens Sonntag, 20. De zember, beim Genoffen Legom abzugeben. Die Bezirksführer werden gebeten, die Rinder fomie die Alten und Erwerbslosen zu der Feier ein zuladen. 48. Abt. 6 Uhr pünktlich Abrechnung bei Reller, Fürstenstr. 1. 72. Abt. Wilmersdorf. Die Abtellung spricht ber Genoffin Elise Bahr die beralichsten Glüdwünsche zu ihrem 60. Geburtstage aus. 124. Abt. Mahlsborf. 8 Uhr bei Breidau Sihung des Borstandes und fämtlicher Funtionäre. Morgen, Sonntag, den 20. Dezember: 20. Abt. Bormittags 10 Uhr bei Siegler Sikung der Funktionäre. 27. Abt. Weihnachtsfeier und Rinderbescherung in Lamberk Feftfälen, Schön hauser Allee 129. Eröffnung nachmittags 5 Uhr. Beginn abends 6 Uhr. Eintritt 40 Bf. Wir bitten um zahlreiche Beteiligung. 47. Abt. Nachmittags 3 Uhr in Behrenbis Festfälen, Manteuffelstr. 95, Weih nachtsfeier. Alb 7 Uhr Tana. Eintritt 50 Bf. Die Rarten und Sanmel listen müffen dafelbft abgerechnet werden. Charlottenburg. 54. Abt. Nachmittags 4 Uhr bei Bogel, Spreeftr. 8( Bürg burger Sof), Weihnachtsfeier. 56. Abt. Nachmittags 5 Uhr bei Jus fowiał, Solkendorffftr. 20, Weihnachtsbeicherung für die Rinder fprache des Genoffen Dr. Goldschmidt, Lichtbildvorführung usw. * inJunglozialisten. Weihnachtsfeier heute, Sonnabend, 8 Uhr, im Gafthaus Suple, unmittelbar am Bahnhof Finkentrua. Genoffe Mennide ſpricht. Außerdem Mufit, Rezitationen, Gefang und rhythmische Tänze. Alle Gruppen beteiligen fich daran. Gäste willkommen. Der beste Rug fährt 6.35 Uhr ab anstaltuna in intentrua heute, Sonnabend, pünktlich 6 Uhr, Bahnhof Börſe. Lehrter Bahnhof. Später stündlich. Gruppe Mitte: Treffpunkt zur BerGruppe Tempelhof- Mariendorf: Treffpunkt aur Weihnachtsfeier in Finten rua heute, Sonnabend, pünktlich 6 Uhr Tempelhof, Berliner Ede Raiferin Augufta- Straße.-Gruppe Süben: Seute, Sonnabend, 6 Uhr, treffen wir uns am Lehrter Bahnhof zur Fahrt nach Fintenfrug Gruppe Reinickendorf: Montag, 21. Dezember, 28 Uhr, im Geebad Reinidendorf- Oft, Residenzitr. 49, Broletarischer Dichterabend. Bortvagender: Studienrat Gen. Bornemann. Barteiund Jugendgenoffen, auch anderer Kreise, erscheint zahlreich.( Fahrverbindung: Straßenbahn 41, 32, 15: Staatsbahn bis Rofental oder Schönhola.) 4. Januar beginnen wir mit einem Rurfus: Einführung in den Marzismus". Zeitung: Dora Fabian. Bir bitten die Jugendgenoffen, ich fchon lekt intenſin mit dem Rommunistischen Manifest au beschäftigen. Die Mitglieder beteiligen fich nach Möglichkeit an der Weihnachtsfeier der Jungfozialisten in Finkenkrug am 19. Dezember. Treffpunkt baselbst gegen 8 Uhr. Geburtstage und Jubiläen. Am Soren 60. Geburtstag begebt beute bie Genoffin Luise Behr, Bilmers borf, Sanauer Git. 30, Giedlung. Seit Jahren leitet die Genoſſin Bahr die Frauenagitation des 9. Rreifes. Sie war vor der Errichtung der Einheitsgemeinde Berlin Mitalieb der Stadtverordnetenversammlung Bilmesdorf und lit icht Mitglied der Bezirksverordnetenversammlung. Sterbetafel der Groß- Berliner Partei- Organisation 11. Abt. Unfer langjähriger Genosse und ehemaliger Abteilungsleiter, der Lagerbalter Eugen Seife, ist am 16. Dezember an den Folgen eines Schlaganfalles im Alter von 58 Jahren verstorben. Einäfcherung am Montag 21. Dezember, nachmittags 3½ Uhr. im Krematorium Gerichtstraße. Wir bitten, um rege Beteiligung. Jugendveranstaltungen. Heute, Sonnabend, den 19. Dezember: Rosenthaler Borstabt: Funktionärversammlung bei Bilrschel, felbft. 10. Brik: Berbebegirlsveranstaltung. Treffpunkt 7 Uhr Seim. Friedrichshagen: Jugendheim Echarnweberitr. 105. Weihnachtsfeier. Rcfenthal. Rofenthal: Echule Berbebezirk Arensberg: 7 Uhr Funktionärversammlung Schule Sta fchreiberftr. 54, L Eingang. Borizag Broletarische Festfultan". Referent: Genoffe Dr. Löwenberg Werbebezirk Westen: Winterfonnenmend- Treffen. Treffpunkt abends 9 Uhr in Werder( niet Sonntag). Abfahrt der Berliner Teilnehmer ab Botsdamer Fernbahnhof 7.22 Uhr. Rüdfahrt 12.02 Uhr. Sadeln. Wimpel und Instru mente mitbringen. Werbebegirl Reuton: 7% Uhr im Jugendheim Canner Straße. Rotirag: Die erzieherifchen Aufgaben unserer Bewegung". Referent: Genoffe Richard Anßenhandelsstatistit. Das Statistische Reichsamt veröffentlicht soeben( im Verlag von Reimar Hobbing) eine ausführliche Außenhandelsstatistik für die Jahre 1923 und 1924- verglichen mit 1913 und 1922. Von den drei großen Bänden( mit insgesamt Schöneberg: Sonnenwenpfeier. Treffpunkt 37 Uhr Botsdamer Bahnhof. 2200 Seiten) enthält der erste eine Gesamtübersicht, gegliedert nach den Nummern des Zolltarifs( mie in den Monatlichen Nachweisen"), nach der Gruppeneinteilung des Brüffeler Schemas, nach Schillerstraße. Elternabend. Segel: Beteiligung am Elternabend der Gruppe dem Anteil der einzelnen Bänder am Gesamthandel und nach dem Anteil der Länder an den einzelnen Warengruppen des Brüsseler Schemas. Die beiden folgenden Bände( Band 318 und 319 der Statistit des Deutschen Reiches geben eine genaue Sta tiftit über den Ein- und Ausfuhrhandel Deutschlands mit sämtlichen Gebieten des Bollauslands( Band 318: Europa, Band 319: außer europäische Gebiete) nach dem Bolltariffchema. Diese umfangreiche Veröffentlichung, die insgesamt rund 120 Mart tosten wird, aber auch für einzelne Ländergruppen und Länder getrennt zu beziehen ist also etwa die Statistit des Warenverkehrs mit Stalien oder mit Südamerifa, tann als unentbehrliches Hand- und Nachschlagebuch für alle diejenigen bezeichnet werden, die Fragen des Außenhandels und des Collewesens bearbeiten. Daneben ist es ein Hilfs= mittel von nicht zu unterschäzender Bedeutung für diejenigen Wirtmit dem Auslande stehen, nicht zulegt also auch für Reedereien und Großspeditionsgeschäfte. denen genaue Angaben über den Umfang des Barenverkehrs bisher leider nicht zur Verfügung stande.t. Im Interesse des notwendigen verstärkten Ausbaus unserer Außenhandelsbeziehungen ist dem Werf eine möglichst große Berbreitung zu wünschen. Bisher liegen die Bände 318 und 319 vor. Werbebezirk Ofbahn: Sonnenmendfeier am Sonnabend und Sonntag in Reu- Behlefanz bei Belten. Treffpunkt 6 Uhr abends. Rostenpunkt( fahrselb, uebernachtung und Raffee): 1.20 M. Deden find mitzubringen. Rad augler 10 Uhr abends Stralau- Rummelsburg. Morgen, Sonntag, den 20. Dezember: Schöneberg II: Fahrt. Treffpunkt 18 Uhr Rirchplat Lichterfelbe: Jugendheim Albrechtstr. 14a. Beihnachtsfeier. Tempelhof: Enzeum Ger Faltenberg: Jugendheim Am Faltenberg 117. Weihnachtsfeier. In der Industrie werden allgemein wieder Attorblöhne gezahlt: die Gehälter für die leitenden Angestellten, die bereits auch mieber Tantiemen erhalten, find relativ bedeutend. Der Wieder aufbau der industriellen Tätigteit wird mit großer Energie im Sinne von Spezialisierung und Typisierung der Produktion betrieben, und man behauptet jogar, daß der Vorschaftstreise, die durch Import oder Export in diretter Beziehung maniaitt. 4/6. Beihnachtsfeier. friegsstand bereits wieder erreicht sei, daß man aber darüber hinaus zu einer wesentlichen Produktionsteigerung tommen müsse und fommen werde. Freilich lasien alle Angaben erkennen, daß die Produktion noch außerordentlich weit hinter dem Friedensstand zurückſteht und nicht nur der Mengc. fondern noch ausgeprägter der Qualität nud Aus der Partei. Aus der jüdischen Arbeiterbewegung. Abteilung Köpenid: Rleiner Gaal Raiserhof", Grünftrake, Bethnachtsfeier. Ansprache, Mustt, Regitationen, Lieber aur Saute, Bolls. tänze. Anfang 5½ Ubr. Untoftenbeitrag 40 Bf. Werbebezirk Reutöln: Seimabend Brik, Stathaus, Chauffee ftraße 48. Unter uns." Die viclzuvielen Direktoren. In humoristischer, manchmal etwas grober Weise mies der Aktionär Beer in der Generalversammlung Der Bant elettrischer Werte A. G. darauf hin, daß die Gesellschaft überhaupt feine Eristenzberechtigung habe. Es wäre zweckmäßig, daß in einer Zeit, in der ständig vom Abbau gesprochen mird, ein Unternehmen, daß ein ganzer Berwaltungsapparat von pier Direttoren und zehn prominenten Birt. schaftsführern als Aufsichtsratsmitglieder nichts weiter tue, als angehäufte Effettenpafete zu verwalten, vom Schauplaz seiner ruhmlosen Tätigkeit verschwinde. Die Liquidation der Gesellschaft fönne um so leichter durchgeführt werden, als befanntlich mit der AEG. ein Kurssicherungsvertrag bestehe, nach welchem beim Verlauf von Attienpateten die AEG. dem Unternehmen einen bestimmten Kurs garantiere, der weit über den heutigen Kursen der betreffenden Papiere liege. Ein weiterer Aftionär bemängelte die minderung der Rechte der Vorzugsaftien Ein Angebot, das diesen Aktionären für die Einlösung ihrer Attien gemacht worden fei, sei vollkommen unzulänglich, und die Vorzugsaktionäre beabs fichtigen, trok erfolgter Goldumstellung Prozesse zur Wahrung ihrer Rechte anzuftrengen.( Im Namen der AEG. hat die Berliner Handelsgesellschaft den Borzugsaktionären das Angebot gemacht, ihnen 116,50 m. für 1000 m. zu zahlen, allerdings in Raten, die sich über drei Jahre hinziehen. Die Red.) Die Erwiderung der Wie in der Histadruth" überhaupt, fo bildet auch in sämtlichen Berwaltung war ziemlich schwach, fie begründete die Notwendigkeit Arbeiterräten die sozialistische Landespartei Achduth des Fortbestehens der Gesellschaft mit der immer weiter fort- Haawodah", die dem Verband Boale Zion angeschlossen ist, die schreitenden Elektrifizierung Deutschlands, und es liege im stärkste Partei. Bei den jezigen Wahlen erhielt sie von achttausend Interesse der AEG., gewisse Kontrollrechte über an dieser Elektrifi- abgegebenen Stimmen etwa zwei Drittel. Vorträge, Vereine und Versammlungen. ( JJ) Bor einigten Monaten vereinigten sich die beiden jüdischen Arbeiterverbände Boale- 3ion und Zionistisch- Sozialistischer Weltverband. Der vereinigte Verband führt den Namen„ Allweltlicher Jüdischer Sozialistischer Arbeiterverband Boale- 3ion( ver= einigt mit dem 3. S. Verband)". Die Vereinigung ist ausgeführt fikung mit Gruppenführern und Stellvertretern. Sefnahme Bflicht. in allen Ländern, wo früher Organisationen beider Verbände bestanden und hat zu einer Stärkung und Belebung der Bewegung beigetragen. Reichsbanner Schwarz- Rof- Gold". Gefäftsstelle: Berlin G. 14. Sebaftianftr. 37/38, Sof 2 Tr. Friedrichshain. Sonntag, b. 20., nadm. 1.15 Uhr, Sandsberger Blak mit Musik und Fahnen. Pflichtveranstaltung. Ober, Rieberschöneweibe, Johannisthal. So., b. 19.. 7 Uhr, bei Räthel Borstands Tabletten Drobinet Drogerien Mt. 1in allen Apotheten bei Husten, Heiserteit, Katarrh Eine Weihnachtsfeier veranstaltet bie Sinterbliebenenfettion des Reichs bundes der Kriegsbeschädigten, Kriegsteilnehmer und Ariegerhinterbliebenen, Ortsgruppe Neukölln, am Montag, 30. Dezember, im Etablissement Raris garten, Rarlsgartenstr. 6/11, verbunden mit Ronzert, Aufführung und Beifammenfein. Eintrittskarten für Erwachsene 60 Bf., für Rinder 20 Bf. find fowie bei den Funktionären erhältlich. Der Ertrag wird zur Feier verwendet. In Palästina fanden Mitte November die Wahlen zu den städtischen Arbeiterräten statt. Diese Körperschaften find die loka= len Organe der Histadruth Hatlalit der gewerkschaftlich noch in der Geschäftsstelle Montag und Donnerstag von 7-9 Uhr abends geneffenschaftlichen Zentrale der jüdischen Arbeiter Palästinas. Sie gehen aus direkten Wahlen der Mitglieder aller Gemerthaften und der genossenschaftlichen Betriebe hervor. In ihrer Hand sind die wichtigsten lokalen Angelegenheiten der Arbeiterschaft, Berwaltung der Arbeitsvermittlung, Abschluß von Tarifverträgen vereinigt. Arbeitersport. Märkische Spielvereinigung. Die Spiele der Jugend- und Schülermannschaften fallen am Sonntag aus. Die Spiele ber Männermannschaften finden statt. Welterbericht der öffentlichen Welferdienststelle für Berlin.( Nachbr. verb.) Für Berlin und Umgegend: Größtenteils bemölft mit einzelnen leichten Niederschlägen. Temperaturen etwas über Null Für Deut land. In Norddeutschland ziemlich zahlreiche, im Süden nur bereinzelte Niederlage. Komet Freilauf DIE ZUVERLÄSSIGSTE BREMSE IM GEBIRGE Herren- Ulster Herren- Paletots Herren- Anzüge Hervorragend billige Weihnachtsangebote! / / Oswin Koutzky Jünglings- Kleidung Oranienstraße 166, zweites Haus östlich Oranienplatz Die Preise sind in bescheidensten Grenzen gehal en! Knaben- Kleidung Sonnabenö Dezember 1925 nterhaltung unö ÄVissen SeUage Ses vorwärts EöuarA Sernstein als„Utopist�. Im Der�aa von<5 1: t ch Reiß. Berlin, erscheint in diese» Taycn ein Mcmoirenweik von Eduard Bern st ein unter dem Titel:.Kindheit und Iuqendiahre von 1850 bis 18 7 2". Dir entnehmen ihm das nachstehende Kapitel. Ich habe schon erwähnt, daß, als Willy Babing und ich oreunbfchaff schlössen, er, der Gymnasiast, schon mit einigen Studie- renden in freundschaftlichem Verkehr stand, der sich unter anderem in gemeinsamen Kneipereien kundgab, an denen dann gelegentlich auch ich teilnahm Dieser Kneipereien wurden mehr, als Willy in der Osterzeit des Jahres 1871 sein Abiturtum gemacht hatte, und eines Tages wurde der Beschluß gefaßt, ihnen eine gewisse Regel- Mäßigkeit zu geben und zu diesem Zweck einen Verein zu gründen, der. ohne sich streng an die Gewohnheiten der farbentragenoen aka- demischen Verbindungen zu binden und engherzig auf Akademiker zu beschränken, doch den besseren Geist der akademischen Geselligkeit pflegen und beim Kneipen die Regeln des studentischen Komments be- obachten sollte. Als den Namen der Vereinigung schlug Willy Ba- ding die Bezeichnung U t o p i a vor. Er wugte aus der Geschichte. daß der Kan.zler Heinrichs VIII. von England, Thomas More, lati- nisiert Morus, unter jenem Namen einen Jdealstaat beschrieben hatte, und durch Uebernahme dieses Namens sollten wir zum Aus. druck bringen, daß unsere Verbindung, wenn auch kein Jdealstaat. so doch eine ideale Gesellschaft sein und über dem Alltäglichen stehen solle. Der Vorschlag ward widerspruchslos angenommen. Daß die Utopia des vortrefflichen Morus ein kommunistisches Gemeinwesen schildert, wußte freilich keiner von uns, hätte aber auch selbst, wenn wir es gewußt hätten, kaum eine Opposition verursacht. An irgend- welche politische oder sozialistische Zwecke dachte niemand. Eher schwebte einigen von uns etwas Aehnliches wie die Phantasie vom Schlaraffenland vor, das Ideal eines sorglosen Geraißlebens. Eine Gesellschaft, die sich.Schlaraffia* nannte, und von deren Festen man wußte, daß es auf ihnen sehr vergnügt und frei zuging, gab es schon in Berlin, und wenn wir auch nicht im Traum daran dachten, es ihr in solchen Festen nachmachen zu wollen, kam der Begriff, den wir mit dem Namen Utopia verbanden, der Idee einer Schlaraisia näher als der einer sozialistischen Gesellschaft. So war es denn auch kein Widerspruch zur Idee unserer Utopia, wenn die Utopen. um ihrer Ueberalltäglichkeit recht drastisch Ausdruck zu aeben, sich— allerdings nur am Kneiptisch— den Titel.Fürst" bellegten. Es ahnte keiner, daß für einige von uns über diese Utopia der Weg zum Sozialismus gehen sollte. Einstweilen ließen wir uns, als eines Abends ein zeichnerisch begabter Freund von mir unser Gast war, von ihm ein Wappen der Utopia zeichnen, das dann nach dem Bei- spiel farbentragender akademischer Vereinigungen die Ueberschrist erhielt:„Utopia sei's Panier!" Di« erste Zell hiellen die Utopen Mittwochs und Sorrnabends Kneipabend ab. Da wurde unter der Leitung eines jedesmal neu» gewählten Präsiden nach dem Komment gekneipt, wurden an jedem Teil des Abends ihm entsprechende Studenten- oder Volkslieder ge- jungen, Bierduelle und dergleichen ausgekämpft und einmal wöchent. lich auch eine.Bierzeitung" zum Vortrag gebracht, die aber nicht nur nicht gedruckt oder sonst mechanisch vervielfältigt, sondern auch nicht einmal zusammenhängend niedergeschrieben wurde. Der mit ihrer Redaktion betraute.Redakteur" las einfach nach mitgebrachten Notizen vor. was er für sie ausgeheckt hatte, und wurde durch Bei- träge manchmal sehr freiwilliger Mitarbeiter ergänzt. Es wurden such Duelle in Sporrversen aefochten. So gab es allerhand Anlaß zur Heiterkeit. Ab« es blieb nicht immer dabei. Waren die Stunden vorgerückt und machte bei dem einen od« andern der Alkohol seine Wirkung geltend, so kam e» auch manchmal zu recht heftigem Streck, bei dem«nem der Humor vergehe» konnte. Namentlich krnmt« Freund Willy unbändig heftig werden Er setzte dem Alkohol abwechselnd sehr verschiedene Grade von Widerstandskraft entgegen, konnte an einem Abend fünfzehn Seidel Bier und mehr trinken, ohne die geringste Erregung zu ver- spüren, und an anderen Abenden schon nach dem dritten Seidel Bier die' Herrschaft über sich verlieren. In diesem Zustand konnte er dann Szenen aufführen, die seine Freunde in allerhand Verlegenheit versetzten. Andererseits war aber wiederum er es, dem es zuerst gegen sein sittliches Empfinden ging, die Woche zweimal zum Kneiven zu- sammen-zukommen. Er setzte mir das eines Tages auseinander und fand bei mir ein mehr als entgegenkommendes Empfinden. Ich stimmte ihm begeistert zu, und wir machten den Mit-lltopen den Borschlag, den einen Abend in der Woche— den Mittwoch— vernünftiger Unterhaltung zu widmen, und diese durch je von einem von uns zu hallenden wissenschaftlichen Bortrag einzuleiten. Er ging durch, und wir hatten nun unseren„wissenschastlichen" Abend. Natürlich mußte das.wissenschaftlick" mit einem großen Korn Salz verstanden werden. Don selbständigen wissenschaftlichen Ar- bellen war noch bei keinem von uns die Rede. Mein erst« Bor- trag hieß.Einführung in die Dolkewirtschaftslehre", hätte aber den Untertllel haben sollen:.Frei nach Meyers Konversationslexikon". Denn neben einem altmodischen Lehrbuch Halle ich den.Meyer" zu Hilfe genommen und war vornehmlich ihm gesolgt. Ein anderer Utope, ein Mediziner, hiell uns einen Dortrag über den Kreislauf des Blut«, den man in jedem Lehrbuch der Physiologie finden konnte. Wieder ein ander« unterhielt uns mit einer Umschreibung eines der ersten Kapllel aus Adam Smiths.Wohlstand d« Na- tionen". Ab« was kam es viel auf die Originalität der Vorträge on? Wesentlich war, daß wir überhaupt suchten, uns mll Fragen von wissenschaftlicher Bedeutung ernsthaft zu beschäftigen. Im Fort. gang der Abende mußten mll Notwendigkeit die Ansprüche on die Vorträge sich heben und mußte in den an sie sich anschließenden Dis- kussionen größere Sachkenntnis das Urteil schärfen. Auch war es sicher ein Gewinn, daß die Zusammenkünste der Utopia jetzt davor bewahrt blieben, nichts als Nachahmungen der Kneipabende studen- lisch« Verbindungen zu sein. Damit soll nichts gegen jedes Kneipen nach einem Trinkkomment gesogt sein. Es kommt da nur auf den Geist an, in dem dieser ge- handhabt wird. Abstinenzler werden ihn überhaupt nicht brauchen, aber wo vorwiegend Bier oder andere alkoholische Getränk« ge- Nossen werden, kann e« sicher nichts schaden, wenn bei Kneipereien jüng«« Leute gewisse Regeln beobachtet werden. Ich habe es wenigstens in späteren Jahren gar manchmal bedauert, wenn e» bei solchen, an denen ich teilnahm, ohne jede Regel und Lestuna zu. ging. E, ist dann nie jene, von einem lebendigen Gemeinschafts. empfinden getragene, srohstnmge Geselligkeit erzielt worden, die ich für möglich und wünschenswert hielt. Allerdings darf der Komment nicht so gehandbabt wttden. daß er. wie es in vergangenen Jahr- zehnten n«adezu die Regel war. als Herausforderung zu sinnlos« Unmäßigkeit wirkt, aber er ist auch nicht an diese Unsitte gebunden. vor einem Silöerblatt. Don Erich Sottgetreu. Das Dilderblatt hängt schon seit dem frühen Morgen an d« Wand. Keiner, der ins Kaffee kam. hat es abgenommen und an- geschaut. Nur d« Ober streifte es manchmal im Borbeigehen mll seinem Servietkenzipfel. Auch ich halle bis jetzt keine Zeit, mich mit ihm zu beschäftigen: ich war zu ungeduldig. Seit Stunden wart« ich hier schon auf Maryla, sie wollte mich abholen. Aber Maryla sst nicht gekommen. Warum, weiß ich nicht. Ob sie mir untreu wurde? Da wäre zum Beispiel— ach, da wären schon ei» paar.... Regierungstrisis. r Soz.. DEdV � TOCDERÜNGENj Wie eine große Koalition möglich— J3__——- � rsotr-DBtA. � und wie sie unmöglich ist. Ich will an den Knöpfen abzählen. Maryla kommt, kommt nicht, kommt, kommt nicht, kommi, kommt nicht. Also Maryla kommt nicht. Kommt nicht. Wie, kommt nicht? Aber wie kann man so etwas wissen wollen? Ist das nicht reiner Zufall, mll wieviel Knövfen der Schneid« meinen Anzug benäht hat? Und hätte ich nicht genau so irrt„kommt nicht" ansangen können? Maryla kommt nicht, kämmt, kommt nicht, kommt, kommt nicht, kommt. Maryla wird kommen. Ich bin ganz ruhig geworden. Kann mir jetzt wohl das Dilderblatt ansehen. Breitenstrillers Boxkamps gegen Paolino, das Friedensfest von London, Absturz eines französischen Militärflugzeuges---- Unter einem halben hundert Bildern nur eines, das interessiert. Man sollte nicht soviel im Kaffeehaus sitzen, das löscht die Welt- sreude, das Zellinteresse, das macht egozentrisch. Nicht einmal das Photo packt, das den bekannten Mörder N am Tage vor sein« Hinrichtung zeigt. Nicht einmal das Bild von grausiger B«g. arbert«qual tief unter der Erde. Ich sollte nnch schämen.... Ich sollte mich schämen. Dielleicht nickst wegen meiner „Schlechtigkell", das ist immer ein sehr problemottscher Begriff, ab« wegen meiner Schwäche. Wegen meiner Schwäche sollte ich mich schämen. Millionen Menschen leiden Not und ich sitze hier im Kaffeehaus, wart« auf Maryla und betrachte nun schon eine ganze Viertelstunde lang das einzige Bild, das mich im Journal fcssell: es zeigt zehn Mannequins, die bei einem Fest der Modenindustrie mit- wirken sollen. Sie sind sehr schön, die Mädchen, und der bekannte Gedichtansang von Freiligrath fällt mir ein:„Ich kann den Blick nicht von euch wenden... So banales Zeug denk' ich. Und sollte mich doch wirklich schämen. Maryla ist übrigens immer noch nicht da. Das Bild fängt mich wohl so, weil das Mannequin hi« in der Mitte mll Maryla eine gewisse Aehnlichkell besiht: das ist schon «in Grund, ärg«lich isu sein; hiell ich Maryla bisher nicht für einzig schön, einzig klug und einzig gut? Aber ich weiß jetzt nicht— Göll, schließlich ist das nur ein Bild und die Linse des Photoaraphen trügt oft. He« Ob», noch einen Kaffee, bitte, und ein Stück Kuchen. Weshalb Maryla mich so lange warten läßt? Beinahe unrecht von ihr. Ich muß das Mannequin noch immer anschauen. Aber genau betrachtet ist«« das Mannequin, das mich ansieht. Eine Frechhell von ihm, so aufdringlich zu sein. Umblättern? Jetzt kommen nur noch Witze, die ich sowieso nicht lesen kann. Mannequin. Es stört mich, wenn jemand einen so typisch kapllalistischen Beruf hat. Ab« wer weiß, was das Schicksal aus uns Schreibern gemacht hätte, wenn wir kaufmännische Talente besäßen. Dem Mannequin wurde eben die Gnade zuteil, von Ge» statt und Angesicht sehr schön zu sein. Maryllssima— warum soll mein Mannequin nicht so heißen? — Marylissimo ist besonders schön. Und sie ist gar nicht etwa eine „kalle Schönhell". Der feine Mund und die dunkelzarten Augen, die eine leise Wehmut strahlen, weisen in Tiefen. Warylissima scheint an dem Tag, da man sie mll ihren M'tmannequins für's Bilderblatt aufnahm, traurig gewesen zu sein. Warum? Ist sie versetzt worden von ihrem Freund, so wie ich jetzt scheinbar von Maryla versetzt worden bin? Sie soll nicht betrübt sein. Es gibt vielleicht noch andere gut« Freunde für sie auf der Welt, wie es noch and«e M-- Um Gotteswillen! We kann ich so etwas sagen! Du dummes, boshaftes, eifersüchtiges Mannequin, was sind das für Gedanken, die du in mir hochzüchtejt? Du bist jchön, ja. aber Maryla ist es auch, du bist gut, man sieht es deutlich, jawohl, aber Maryla ist es auch, du-- Oder?— Nein, ich will kein, will kein Oder hören— und — aber— oder wie— oder, oder bist du doch mehr, mehr als Maryla?! Ich weiß nicht, ich glaube, es gäbe eine große Liebe, wenn wir uns sähen, uns kennen lernten-- Soll ich hierzu— Möglichkeiten gibt es schon— den Versuch machen? Warylissima! -- nein. Vielleickll bist du schon irgendwie gebunden, viel- leicht sogar verbunden. Fest oder unfest. Und wer weiß, womöglich bist du iooch eine Enttäuschung? List gar keine Steigerung der Maryla? Es ist natürlich auch möglich, daß ich tief unter Wt stehe, deiner gar nicht wert bin, letzte Beziehungen nie finden könnte. Biel Mut braucht einer, wenn er aus ganzer Seele lieben will Guten Tag. Maryla. Warum läßt du mich so lange warten? Während ich das Bilderblatt ansah, schlief ich«n und hatte einen dummen Traum. Wie, du willst wisien, was es war? Nichts Wichtiges, Maryla, wirklich nicht....__ Gotösisihe. Von Hans Wesemann. Der Dichter steht mll lein« Freundin in Frau Meiers guten Stube und macht Konoersatton. Auf dem Verttkow steht eine gläserne Bowle, in der zwei Goldfische herumschwimmen, wie das bei ihnen so üblich ist. „Langweilige Dinger," meint die Freundin. Der Dichter lächelt fein:„Das verstehst du nicht, sie sind schön und reich an einem inneren Leben, das unseren �groben Sinnen ver- schlössen bleibt.