Str. 60042. Jabes Ausgabe A nr. 306 Bezugsprets: Bentlich 70 Bfennig monafid B, Reichsmart soraus sablbar. Unter Kreuzband für Deutschland, Danzig. Gaar und Memelgebiet, Desterreich, Litauen, Lucemburs 4,50 Reichsmart, file bas übrige Musland 5,50 Reichsmart pro Monat. Der Borwärts mit ber Sonntags beilage Boll und Reit" mit Gied Jung und Aleingarten fomie der Beilage Unterhaltung und Wiffen" und Frauenbeilage Frauenftimme erfcheint wochentäglich aweimal Sonntags unb Montags einmal, Telegramm- Abreffe: Sozialbemotrat Berfin Sonntagsansgabe Vorwärts Berliner Dolksblatt 15 Pfennig Anzeigenpreise: Die einfpeltige Ronpareille. seile 80 Bfennig. Reklamezeile B. Reichsmart. Kleine Anzeigen" bas fettgebrudte Bort 25 Bfennis ( auläffia awei fettgedrudte Worte). Jedes weitere Wort 12 Bfennig. Stellengefuche das erste Wort 15 Bfennig, jedes weitere Bort 10 Bfennig. Worte über 15 Buch staben aählen für amei Worte. Arbeitsmarkt Reile 60 Pfennig. Familienanzeigen für Abonnenten Beile 40 Pfennig. 7 Anzeigen für bie nafte Summer müffen bis 4 Uhr nachmittags, im Bauptgeschäft. Berlin SB 68, Linden, Rrake 8, abaegeben werden. Geöffnet son 8 Uhr früh bis 5 Uhr nachm. Zentralorgan der Sozialdemokratischen Partei Deutfchlands Redaktion und Verlag: Berlin SW. 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Dönhoff 292-297. Sonntag, den 20. Dezember 1925 Wirtschaftseinigung mit Frankreich. Ein Protokoll unterzeichnet. Paris, 19. Dezember.( Eigener Drahtbericht.) Die deutsch| funden worden. Deutschland erhält die Sicherhelt, daß es an französischen Handelsvertragsverhandlungen find am Sonnabend zu einem bestimmten Datum mit den meistbegünstigten Konkurrenten einem vorläufigen Abschluß gelangt. Die seit Beginn der auf dem französischen Markt gleich gestellt wird und ebenso die abgelaufenen Woche zwischen den Führern der beiden Delegationen, Möglichkeit, Abänderungen des französischen Zolltarifs, die Staatssekretär Trendelenburg und Handelsminister Daniel deutsche Exportinteressen verlegen, auszugleichen oder zu neutralivincent, geführten Besprechungen haben zu einer erfreu- fieren. Als Gegenleistung für diese Garantien, die bisher noch lichen Annäherung geführt, die in einer schriftlichen nicht gegeben waren, hat Deutschland die Behandlung näher festgelegt, Festlegung der prinzipiellen Grundlage des fünf- die Frankreich im Falle eines Ausgleichs der Zugeständnisse und figen Handelsvertrages in Form eines Protokolls ihre Krönung er- Vorteile sowohl in bezug auf die Meistbegünstigung als auf die für fahren hat. Beide Delegationen geben folgenden amtlichen Be- feine Exportartitel gewährten Zollbindungen genießen soll. Die beiden Delegationen haben andererseits beschloffen, einen Unterschied zwischen dem allgemeinen Vertragstert und den Tarifab machungen des Vertrages zu machen, derart, daß eine Kündigung der Tarifabmachungen nicht die im allgemeinen Bertragstert enthaltenen dauernden Sicherheiten aufhebt. richt aus: Die deutsche und die franzöfifche Delegation für die Handelsvertragsverhandlungen haben ein Protokoll unterzeichnet, in dem die Ergebnisse ihrer Arbeiten in den lehten Tagen zusammengefaßt werden. Diese Ergebnisse bestehen vor allen Dingen in der Schaffung einer Grundlage, die nunmehr für den letzten Abschnitt der Verhandlungen, die am 12. Januar wieder aufgenommen werden sollen, unverändert bleiben soll und in der Festfehung eines Verfahrens für die Vorbereitung der bevorstehenden Berhandlungen. Das zustandegetommene Kompromiß tann, wie wir festzustellen in der Lage sind, als in hohem Grade befriedigend be zeichnet werden. Es sieht unter Berzicht auf die ursprünglich in Aussicht genommene Schaffung eines provisorischen Abkommens den Abschluß eines en dgültigen Bertrages vor ,, der nach einer auf die Höchstdauer von 14 Monaten beschränkten Uebergangszeit gegenseitig die Meistbegünstigung gewährt. Auch die Frage der Bollbindungen hat in einer den Interessen der beiden Länder in bollem Umfang Rechnung tragenden Weise ihre Regelung gefunden.. Die für den 12. Jamuar vorgesehene Wiederaufnahme der BeDie Meinungsverschiedenheiten, die bis jetzt die Fortsetzung der Arbeiten verhindert haben, drehten sich vor allen Dingen um die automatische Gewährung des Minimaltarifes für die deutschen Erportartikel, sobald das neue französische Zollgesetz angenommen wäre, und um die Garantie des Deutschland zu gewährenden Tarif regimes. In beiden Buntten sind Kompromißlösungen gesprechungen gilt in erster Linie der Festlegung ber beiden Tarife. Das Wehrministerium weiß auch nichts. Noch ein Dementi. Das Reichswehrministerium läßt folgende Feststellung" berbreiten: Keine Dienststelle dieses Ministeriums hat sich mit der Bor. bereitung des Ausnahmezustandes oder damit zufammenhängenden oder ähnlichen Fragen befaßt. Ebenso sind die Behauptungen, daß eine Reichsstelle Fragen in bezug auf die Berhängung des Ausnahmezustandes an die preußische Regierung gerichtet habe, sowie daß angeregt worden sei, die Bandespolizei einer Reichsleitung zu unterstellen, frei erfunden. Erklärungen des Wehrministeriums haben seit langem in der Deffentlichkeit einen besonderen Ruf. Jeder, der die neue Feststellung" lieft, weiß daher, wieviel oder wie wenig er davon zu halten hat. Pariser Locarnodebatte. Im Kammerausschuß. Paris, 19. Dezember.( Eigener Drahtbericht). Der Auswärtige Ausschuß der Kammer hat am Sonnabend zusammen mit dem Armee- Ausschuß die Beratung der Berträge von Locarno und ihrer Rüdwirtungen begonnen. Die Aussprache wurde eingeleitet durch einen längeren Bericht des Außenministers. Briand gab zunächst einen Rückblick auf die diplomatischen Berhandlungen der letzten Jahre und erinnerte an seinen Bersuch vom Jahre 1921, zum Abschluß eines Garantiepaftes zu kommen, dem Deutsch land bereits damals hätte beitreten tönnen. Nach dem Scheitern der Konferenz von Genua habe er in engster Zusammenarbeit mit Baul Boncour alle feine Bemühungen darauf gerichtet, den Zusammenschluß aller Mächte zur Festigung des Friedens zu fördern. Ein großes Verdienst an dem Zustandekommen des Vertragswertes von Locarno gebühre Chamberlain, dem es gelungen sei, die Bedingungen eines auf dem Zwangswege zustandegekommenen Bertrages in einem Abkommen, das die Zustimmung aller Beteiligten gefunden hat, zu betätigen. Mit dem Vertrag von Locarno, verficherte Briand, habe eine neue Aera begonnen, die den europäischen Mächten im Geiste der Sicherheit und der Solidarität eine Garantie gegen die Gefahren eines neuen Krieges gewähre. Die Grundlage fei die Achtung vor den Verträgen und der feierliche Berzicht auf jede Gewaltanwendung. Der Vertrag richte sich gegen jeden Angreifer, gegen den alle Unterzeichner sich zusammenzuschließen verpflichten. Der dritte Pfeiler des in Locarno aufgerichteten Gebäudes sei die Einführung der obligatorischen Schiedsgerichtsbarkeit. Wenn 1914 ein Vertrag dieser Art bestanden hätte, so würde der Krieg nicht zum Ausbruch gekommen sein. Der Außenminister schloß seine Ausführungen mit dem Hinweis auf die glüdliche Regelung des bulgarisch- griechischen Zwischenfalls durch den Bölkerbundsrat, der damit einen neuen Beweis seiner Eignung, den Frieden sicherzustellen, gegeben habe. Ausschußmitglieder fragten Briand vor allem über die Räumung von Köln, die Verpflichtungen Englands und der anderen Mächte im Falle eines Angriffs, über den Eintritt Deutschlands und Rußlands in den Bölkerbund und die Rückwirkungen des Vertrages auf Bolen bzm. Elsaß- Lothringen. Die Vorfizenden und Berichterstatter der beiden Ausschüsse gaben Briand als Ausdrud des Dantes die Versicherung, daß über alle parteipolitischen Gegenfäße hinweg ein mütig mit größter Genugtuung die wachsende Autorität, deren sich Briand im Rate der Mächte erfreut, fowie die Borteile begrüßt würden, die daraus für Frankreich erwüchsen. Verurteilte Hakenkreuzstrolche. In Wien. Wien, 19. Dezember.( Eigener Drahtbericht.) In dem Hafen freuzlerprozeß wurde heute das Urteil verkündet. Von den neun Angeklagten wurden drei freigesprochen. Dagegen wurden wegen Berbrechens der schweren törperlichen Beschädigung verurteilt: Roland Steingruber zu einem Jahr schweren Kerters, verschärft durch hartes Lager in gewissen Fristen, sein Bruder Wolfgang. Steingruber zu zwei Monaten schweren Kerters und Robert Bergner zu acht Monaten schweren Kerfers. Drei andere Angeflagte erhielten megen Gefährdung der förperlichen Sicherheit Strafen zu zwei bis sechs Wochen Arrest. In der Begründung wird ausgeführt, daß zwar angesichts der wider sprechenden Aussagen nicht restlos aufgeklärt werden founte, wo und wann der erste Schuß fiel. Festgestellt ist lediglich, daß durch die ersten Schüsse niemand verlegt wurde und die Arbeiter nach dem Bordringen der Rheinlandleute" flucht artig zurüdwichen und zum Teil in die Häuser flüchteten. Festgestellt ist weiter, daß Gemeinderat Müller, der Obmann des Republikanischen Schutzbundes in Mödling, eingeholt, von meh. reren Personen überfallen und niedergeschlagen worden ist. Selbst wenn der erste Schuß von den Arbeitern gefallen wäre, wie die Angeklagten behaupten, so hätten sie tein Recht zu einer so weitgehenden Abwehr gehabt. Es konnte ihnen Notmehr nicht zugebilligt werden. Gemeindewahlen in Norwegen. Rüdgang der Kommunisten zugunsten der Sozialdemokratie. Ergebnisse der Gemeindewahlen in Norwegen liegen vor. Von den Osto, 19. Dezember.( Eigener Drahtbericht.) Die endgültigen Arbeiterparteien haben die Rechtskommunisten 416 Gige, die Sozialdemokraten 287 und die Moskautommunisten 109 Sie erhalten. Das bedeutet, daß die Sozialdemokratie 34 Gige gewonnen hat und die Rechtsfommunisten 45 Size verloren haben. Die Linkskommunisten waren bei den vorletzten Wahlen noch mit den Rechtskommunisten zusammen. Aber selbst bei einer Zusammenzählung der von beiden kommunistischen Parteien erhaltenen Size ergibt sich der absolute Verlust der Kommunisten von 45 Sigen. Dynamitanschlag in Kattowih. Gegen die Kattowiger Zeitung".. Raffowitz, 19. Dezember.( TU.) Heute abend wurde ein Dynamitanschlag gegen die Druckerei der„ Kaflowiger Zeitung" verübt. Der Umfang des Schadens konnte noch nicht festgestellt werden. Die Straßen wurden fofort durch Polizei abgesperrt. Vorwärts- Verlag G.m. b. H., Berlin SW. 68, Lindenste.3 Boffchedfonts: Berlin 37 536 Banffonte: Ban! ber Arbeiter, Angeftelten and Beamten, Wallstr. 65; Distonto- Gesellschaft, Depofitentaffe Lindenstr. 3. Um was geht es? Arbeiterforderungen und Koalitionspolitik. Der Retchstag ist in die Ferien gegangen. Herr Luther führt die Geschäfte weiter, und Mitte Januar sollen wir eine neue Regierung haben. Sie wird, da die Verhandlungen über die Große Koalition gescheitert sind, auf irgendeiner anderen Grundlage gebildet werden müssen. Auf eine parlamentarische Mehrheit wird sie sich nicht ſtüzen fönnen. Denn in diesem Reichstag sind nur zwei Mehrheiten möglich: die eine, die von den Deutschnationalen bis zum Bentrum reicht, und die andere, die von den Sozialdemokraten bis zur Volkspartei geht. Nachdem die Rechtsmehrheit an Locarno auseinandergebrochen, die Mehrheit der Großen Koalition nicht zustande gekommen ist, gibt es in diesem Reichstag zunächst überhaupt keine Möglichkeit, eine festgefügte Regierungsmehrheit zu schaffen. Der am 7. Dezember v. J. gewählte Reichstag setzt sich folgendermaßen zusammen: Bölkische.. Deutschnationale Wirtschaftliche Vereinigung Bayerische Volkspartei Deutsche Volkspartei. Zentrum. Demokraten Sozialdemokraten. Kommunisten • 199 15 110 21 19 51 69 32 131. 45 493 mit dem Zentrum verfügte über 270 Size. Die Große Koalition Die Mehrheit beträgt 247. Der Rechtsblock ohne Bölkische hätte über 283 Size verfügt oder, wenn die Bayerische Volkspartei und die Wirtschaftliche Vereinigung mitgegangen wären, gar über 323. Die Rechtsparteien ohne das Zentrum bilden eine Minderheit von 216 Abgeordneten, sie haben unter den gegebenen Umständen 277 gegen sich. Die Mitte( ohne und Deutschnationale ohne Sozialdemokraten) zählt 192 Mann, die Weimarer Koalition 232. Die Weimarer Koalition stellt somit diejenige Gruppierung dar, die der Mehrheit am nächsten fommt. * Wie erflärt es sich, daß troghem immer nur von einer Regierung der Mitte gesprochen wird, nie aber von einer Regierung der Weimarer Koalition? Eine. folche war, vor der Ernennung Luthers, von den Sozialdemokraten vorgeschlage worden, fand aber beim Zentrum keine Zustimmung. Seit dem Herbst 1922 will das Zentrum nicht mehr mit der Sozialdemokratie zur Linken in der Reichsregierung figen, menn ihm nicht die Bolts partei zur Rechten sitzt. Dieser Drang des Zentrums zur Großen Koalition, der schon zu einer Zeit vorhanden war, als die Weimarer Koalition noch die Mehrheit hatte, erklärt sich aus der inneren Zusammensetzung des Zentrums. Gegen die Rechtskoalition mudte die Linte um Wirth so entschieden auf, daß das Zentrum ihre Sprengung durch die Deutschnationalen geradezu als einen Glücksfall empfinden mußte. Aber die Rechte, die sich auf großbürgerliche und agrarische Elemente des tatholischen Volksteils stüßt, will in feine Koalition hineingehen, in der sie nicht in der Bolkspartei einen Bundesgenossen findet: sie will so ihre Verteidigungsstellung gegen eine ihr nicht genehme Zoll-, Steuerund Sozialpolitik verstärken. Gegen die Rechtstoalition rebelliert der linke Flügel, gegen die Weimarer Koalition der rechte. Nur die Große Roalition fann die beiden Flügel zusammenhalten, und darum ist die Zentrumsführung für die Große Koalition. Diese Zusammenhänge konnten auch der Sozialdemokratie nicht entgehen. Gerade weil sie wußte, daß Die Bolkspartei als Gegengewicht gegen sie in die Regierungsgemeinschaft gezogen werden sollte, war sie geneigt, den ganzen Handel von vornherein mit Mißtrauen zu betrachten. Dieses Mißtrauen konnte nur überwunden werden, wenn es gelang, zwischen den Parteien einen flaren Ber= trag abzuschließen, der genau zeigte, wie welt die jozialdemokratischen Wünsche sichere Aussicht auf Erfüllung hatten. Diefer flare Vertrag ist nicht zustande gekommen, und daran ist die Große Koalition gescheitert. Die Sozialdemokratische Partei denkt deswegen nicht daran, ihre grundsägliche Stellung zur Koalitionspolitit zu ändern. Sie lehnt nicht von vornherein jede Roalition mit bürgerlichen Parteien ab, sie hat ihre grundfäßliche Bereitschaft zur Koalition gerade auch in diesem Fall bekundet, indem sie sich auf lange Verhandlungen eingelassen hat, obwohl es diesmal sehr nahe lag, gleich von vornherein zu erklären: Mit der Volkspartei?- Nein! Aber daraus, daß die Sozialdemokratische Partei grundfäßlich nicht gegen Koalitionspolitik ist, kann unmöglich gefolgert werden, sie müsse unter allen Umständen in jede Koalition hineingehen, und sie müsse sich mit jedem noch so zweifelhaften Bundesgenossen an einen Tisch setzen, ohne sich gegen ihn zu sichern. Mit einer solchen Vertrauensseligkeit, mit einem solchen Drang, unter allen Umständen und um jeben Preis dabei sein zu wollen, würde sie der Sache, die sie vertritt, feinen guten Dienst erweisen. Die Sozialdemokratische Partel tann auch feine feine Politik der tonfequenten 3solierung treiben. Wenn man von der kommunistischen Utopie der gewaltsamen Machteroberung abfieht, so bleibt nur die Machteroberung durch die Demokratie, durch die Gewinnung der Mehr heit. Daß die Sozialdemokratie durch den dauernden freiwilligen Verzicht auf die Teilnahme an der Regierung ihren vollen Sieg im Wahlkampf beschleunigen fönnte, ist wenig wahrscheinlich. Man darf da nicht die Erfahrungen des Kaiserreichs heranziehen, in dem die Sozialdemokratie von aller Teilnahme an der Regierung ausgeschaltet war und dennoch oder gerade deshalb Don Wahl zu Wahl zunahm. Denn jene Ausschaltung war teine freiwillige, sondern eine unfreiwillige, und als unterdrückte Partei gewann die Sozialdemokratie an Sympathien. In der demokratischen Republik muß die SozialdemoPratie in die Regierung gehen, wenn sie die Ueberzeugung hat, daß sie als Regierungspartei für die Masse des arbeiten den Volkes mehr erreichen fann, als sie es aus der Oppofitionsstellung heraus vermöchte. Sie muß aber auch darauf bedacht fein, wirkliche, fichtbare Borteile zu er langen, denn sie ist sich dessen bewußt, daß schließlich alles, was sie in der Koalition erreichen fann, gering erscheinen wird gegenüber den Aussprüchen, die von den arbeitenden Massen mit Recht erhoben werden. Es ist eben ein großer Unter schied, ob man die Interessen der Satten zu vertreten hat oder wie die Sozialdemokratie die Interessen der Hungernden. Bon diesen erfordert es einen sehr hohen Brad an politischer Schulung, wenn sie begreifen sollen, daß unter den gegebenen Umständen nicht mehr zu er reichen war, als was erreicht worden ist. Auf alle Fälle also muß das Erreichte so beschaffen sein, daß es sich vor ver ständigen Menschen sehen lassen tann. Hier liegen die Dinge im Reich eben ganz anders als in den Ländern, deren Hauptaufgabe die Berwaltung ist. In den Ländern ist es schon ein ertennbarer Berdienst, wenn der Bestand der Republik gesichert, dem Bordringen der Reaktion ein Damm entgegengesetzt wird. Das Reich aber entscheidet über die Brotfragen des Boltes, über die Wirtschaftspolitik, und der wesentlichste Teil der Sozial. politit und der Steuerpolitik liegt in seiner Hand. Da muß die Sozialdemokratie als Regierungspartei einen starten Einfluß auf die Entscheidungen verlangen oder, wenn ihr dieser nicht gewährt wird, auf die Teilnahme an der Berantwortung verzichten. Berzichten muß fie aber vor allem auch auf eines, năm. lich darauf, es ihren Gegnern recht zu machen. Geht sie in die Regierung, so tut sie es wegen der Futter trippe". Geht sie richt in die Regierung, so hält sie ihre ,, Scheu vor der Berantwortung" davon ab. Geht sie in die Regierung, so tut fie es, um der Bourgeoisie zur Schutz truppe zu dienen", und geht sie nicht in die Regierung, so ist es deshalb, weil die Bourgeoisie augenblicklich als Schutz truppe noch nicht braucht". Das ist albernes Geschwä ŋ. Die Sozialdemokratie hat nie die Berantwortung gefcheut, fie wird stets verantworten, was sie als Partei des arbeitenden Boltes vor ihrem Gewissen verantworten fann. Sie tämpft nicht um Ministerposten für ihre Führer, sondern für eine beffere bessere Erwerbslofenunter stügung, für den Achtstundentag, für soziale Gerechtigteit. In diesem Kampf waren die Berhandlungen der letzten Wochen nur ein Zwischenspiel Rampf geht weiter! der Außenminister Tschiffcherin turgeft in Berlin und lebrt in einigen Tagen nach Mostau zurüd. Er wird hier auch mit Dr. Stresemann sprechen. Filmkritik. Bon Frida Erdmute Bogel Was tut man an einem Sonntagnachmittag im Winter mit seinen Kindern? Das Wetter scheint nicht mehr schön genug, um spazieren zu gehen, mit der Freundin ist gerade ein Schuß eingetreten, und man selbst möchte unbedingt mal ein bis zwei Stunden für sich haben. Die fleine Tochter hat die Situation erkannt und nußt sie aus: Mensch, Mutti, weißte was, laß mich doch in'n Rientopf!" Ach, da geben sie ja nichts für Kinder." Doch, es steht extra heute dran Große Jugendvorstellung". Die Gerda und Bubi von Nummer zwanzig gehen sicher hin, und Günther und Mariechen auch. Und die sind alle jünger als ich; na ja, eigent lich nur Mariechen, die hat einen Tag nach mir Geburtstag. Und die Luft soll sehr gut sein.( Sie tennt meine diesbezüglichen Bedenten schon von einer früheren Gelegenheit.) Und Bubi sagt, er hätte auch noch nie einen Floh da bekommen; der, den ich neulich von ihm hatte, das war einer vom Rummel, fagt er." Die üblichen fünfzig Pfennig, der Schlüffel zu so vielen findlichen Seligkeiten, müssen also wieder mal gezücht werden und los geht's. Beim Abendbrot, effend und redend um die Wette, erfolgt dann das Referat: „ Also da saß erft' ne Frau. Ich weiß nicht, ob sie alt oder jung war, und die war eigentlich noch nicht angezogen; aber sie früh stückte schon. Aber so ordentlich richtig gegessen hat fie nichts, immer bloß so in ihrem Essen rumgestochert, wie ich nicht soll; vielleicht war's auch nur aus Pappe, sagte Bubi. Und dann ist ihr Mädchen plöglich reingestürzt und hat gerufen:" Der Herr Graf tommt!" Und hat der Frau schnell ein Kleid geholt, weißt du, so eins zum rasch überziehen, wo man bloß den Kopf durchsteckt und mit den Armen rudert. Aber die Frau hat sich so ungeschickt angestellt, denn wie der Graf reingekommen ist, war sie immer noch nicht fertig. Und da hat sie denn schnell ein Tuch umgenommen, aber gar nicht was Warmes, bloß so wie'n Schleier, und sie hat's sich auch man ebend gerade um die Arme gelegt, daß alles Nackende doch noch vorfam. Und der Graf war wohl auch wütend darüber, er machte so'n tomisches Gesicht und ist ganz dicht an die Frau rangegangen, und ich glaube, er hat ihr auf den Hals gespudt. 4 Und dann war er weg, und dann war wieder ein anderes Bild in einem Garten, und das sollte der von der Frau sein. Aber Bubi sagte:„ Die tut bloß so, das ist Schwindel, das ist der Schloßpart von Charlottenburg. Den tennt er. Aber mächtig faul war sie doch! Ebend war sie erst aufgestanden, und nu hat sie schon wieder auf' ner Bank rumgesessen. Was angehabt hat sie jetzt, aber eigentlich auch nicht viel. Und dann ist ihr Mädchen wieder gekommen und hat ihr einen Teller hingehalten. Aber es war nichts zum Essen drauf, sondern ein Brief. Den hat sie wahrscheinlich nicht anfassen dürfen, weil man sonst gleich alle fünf Finger darauf sieht. Und denn hat die Frau den Brief gelesen; der muß ganz furz ge wesen sein, denn sie war sofort fertig. Schade um das teure „ Enteignung" des Voltes, nicht der Fürften! Die deutschynationalen Monarchenverehrer vertellen Flugblätter im Lande, in denen sie der Enteignung des Boltes zugunsten der Fürsten das Wort reden. Gleichzeitig organisieren aber ihre Prominentesten eine Presse tampagne gegen die angeblich beabsichtigte Enteignung der Fürstenhäuser" Fürstenhäuser" So setzt z. B. jener Dr. E perling, Rechtsanwalt in Berlin und Mitglied der deutschnationalen Reichs. tagsfraktion, der durch sein„ Gott sei Dant!" im Reichstag die Regierung Luther als eine Etappe auf dem Wege zur Monarchie fennzeichnete und dadurch selbst dieſe deutschnationale Regierung der Republik" in Verlegen heit brachte, diefer Everling setzt in der Provinzpresse auseinander, daß der demokratische Antrag zur Regelung der Fürſtenabfindung einen„ dreifachen Verfassungsbruch" bedeute. Denn erſtens seien alle Deutsche, auch die ehemaligen Fürsten, vor dem Gesetz gleich, zweitens dürfe niemand seinem gesetzlichen Richter entzogen" werden und drittens dürfe eine Enteignung nur zum Wohle der Allgemeinheit" vollzogen werden. " Diese gequälten juristischen Konstruktionen zeigen mur zu deutlich, wohin man tommt, wenn man eine rein politische Frage vom Standpunkt des Kreisrichters" aus ansieht, wie Bismard das bezeichnet hat. Bismard, der Heros der Ronfervativen und Nationalliberalen, hat sich bekanntlich sehr ernst haft verbeten, daß man die Vermögen des ehemaligen Königs von Hannover und der Fürsten von Kurhessen und Nassau den abgesetzten Landesvätern beließe. Er ließ nicht einmal die Cumberländer( Hannoveraner) auf ihren angestammten" Sitz in Braunschweig zu. Und erst, als der jüngere CumberSit in Braunschweig zu. Und erft, als der jüngere Cumber länder sich entschloß, die Tochter Wilhelms II. zu heiraten, durfte er in das Land, wohin ihn die Welsen ersehnten. Dafür knöpft er jetzt dem Land, in dem er, der aus englischem Geblüt stammt, als deutscher Staatsbürger" hausen darf, Schlösser, Güter und schönes deutsches Geld ab, obwohl er auch sonst einer der reichsten Menschen in Europa sein dürfte. Ganz ähnlich wie der Auch- Engländer von Coburg! - Was es übrigens mit der ,, Enteignung" auf sich hat, mag man an folgendem ersehen: Die zahllosen Deutschen, die dem Reiche in Kriegsnöten zu helfen meinten, als fie Rriegs. anleihen zeichneten, die ihr Gold zur Reichsbank trugen, um dafür Papiergeld einzutauschen, die sich ihr Kupfer und Messing gegen wertloses Papier wegnehmen lassen mußten, alle diese braven Staatsbürger haben sicher nicht geglaubt, daß die Fürsten all ihre Rostbarkeiten, ihre Goldschätze und Silbergeschirre für sich behielten und nichts an ihrem Wohlleben einbüßten. Jezt verlangen dieselben Fürsten a. D." noch Riesengefchenfe von dem berarmten Bolte, und die Parteien der Rechten helfen ihnen dabei, indem sie die Schaffung eines Rechts der Republit verhindern! 11 Die unverschämten Ansprüche der Fürsten gehen jetzt sogar ausgesprochenen Rechtsparteien über die Hutschnur. Der ehemalige Großherzog von Mecklenburg- Schwerin hat es 3. B. durch Schiedsgerichtsverfahren erreicht, daß er eine Aufwertung seiner Papiermarkentschädigung bis zu 65 Pro3. erhält. Außer ansehnlichem Grundbesitz und mehreren Schlössern sind zugestanden worden: eine einmalige Zahlung von 389 000 m. und eine laufende jährliche Apanage von 283 000 m.! Das heißt, jeder medlenburgische Kinder, Greise, Arbeitslose, Invaliden, Krüppel eingerechnet, Einwohner, muß außer der einmaligen Zahlung noch jährlich rund 50 Pf. bar aufbringen, um dem abgesezten Dörchläuchting ein ,, standesmäßiges" Drohneneinkommen zu sichern! eignung ber Wermsten zugunsten Don Fürsten" ein, deren Ueberflüssigkeit doch nachgerade auch in Deutschland jedes Kind begreifen lernt! Zentrum und Fürstenabfindung. Scharfe Erklärung der Zentrumsorganisation in Gelsenfirchen. Renn zeichnend für die Stimmung der unter der ungeheuren Not der Gelsenkirchen, 19. Dezember.( Eigener Drahtbericht.) Arbeitslosigkeit leidenden Bevölkerung des Ruhrgebietes ist eine die sich in scharfer Form gegen die Fürstenabfin. Entschließung der 3entrumspartei in Gelsenkirchen, bung wendet. In dieser Entschließung heißt es: früheren Fürsten hat sich eine starte Erbitterung im ganzen Infolge der Meldungen über die beabsichtigte Abfindung der gemacht. Unsere Parteimitglieder können fein Berständnis dafür Bolte, besonders innerhalb unserer Partei, bemerkbar haben, wenn die Abfindung auf dem Wege des Bergleichs erfolgen Beit der schlimmsten Not, da Millionen der Ersparnisse infolge des sollte. Es wäre unverantwortlich, wenn das Volk in der verlorenen Krieges dahin sind, wiederum ausgebeutet werden würde, zumal die ehemaligen Fürsten, die doch mehr oder weniger an dem tragischen Geschick unseres Volkes Schuld tragen, zweifellos ein gutes Dasein führen. Wir glauben auch, daß die Geschichte genügend ist. Es sei nur erinnert an die Auseinandersetzung des Hannoverbeweist, daß auch das vermeintliche Recht wandelbar ist. Es sei nur erinnert an die Auseinandersetzung des Hannoverbare Recht, das man früher in der Behandlung der Katholiken an schen Rönigshauses mit Preußen nach 1866, sowie an das Sonders gewandt hat. Die hiesige Zentrumspartei hält es für richtig, daß bei der Abfindung die unendlich große Not unferes Boltes weitestgehend berücksichtigt wird und die Fürsten, die freiwillig in der Zeit der Gefahr ihre Posten verlassen haben, dementsprechend behandelt werden. Ein neues Reichsgefeß wurde geschaffen, ein sogenanntes Aufwertungsgefeg, welches einem großen Teil des deutschen Bolles das Recht abspricht, seine Forderungen gegenüber Reich, Staat, Kommunen und Mitbürgern geltend zu machen. Ein neues Reichsgesetz muß jest geschaffen werden, das die Abfindung nach den Grundsägen der Vernunft regelt." Die Entschließung schließt mit dem Hinweis, daß die ehemaligen Fürsten sich durch Einsetzung ihrer geistigen und physischen Kräfte ihren Lebensunterhalt selbst verdienen sollen. Der Unfug der Landesverratsverfahren. Eine Eingabe an den Reichspräsidenten. Korrespondenz BS. meldet: Eine Anzahl pazifistischer Organisationen, unter ihnen die Deutsche Liga für Menschenrechte, die Deutsche Friedens gesellschaft, die Internationale Frauenliga, der Friedensbund Deutscher Ratholifen und die Großdeutsche Volksgemeinschaft haben eine Erflärung an den Reichspräsidenten gerichtet, die nach einem Hinweis auf die hohe Zahl von Landesverrats. verfahren die Nachprüfung aller ergangenen Urteilssprüche mit nahelegt und der Hoffnung auf einen weitgehenden Gebrauch des der Bitte beschleunigter Erledigung noch vor Weihnachten Begnadigungsrechtes Ausdruck gibt. Die Erklärung ver meist ferner auf die Note der Botschafterkonferenz vom 14. No Dember 1925, die weitgehende Amnestiemaßnahmen der Befagungsbehörde in der Annahme in Aussicht stellte, daß auch das Reich ausreichende Zusicherungen hinsichtlich der Behandlung der mit der Besatzungsarmee in Verbindung stehenden Personen geben werde. scheid erteilt, daß der Reichspräsident die Eingabe zur beschleu Das Bureau des Reichspräsidenten hat darauf gestern den Benigten Prüfung und weiteren Veranlassung an das Reichs. justizministerium weitergeleitet habe. Das ist selbst der deutschnationalen Brandenstein- Regierung zu happig gewesen. Sie hat gegen die schiedsgerichtlichen Feststellungen die Anfechtungsklage erhoben und will fie weiter durchführen. Die Deutschnationale Partei aber tritt unentwegt weiter für die entschädigungslose Entbanden wieder betätigen! Borto". hat Bubi gesagt. Und dann hat sich die faule Berson gleich wieder auf die Bant gefeßt; aber ganz doll, so richtig hingestuft. In dem Brief hat gewiß was Freches bringestanden: Du bist doof" oder„ Wer das liest, ist ein Schaf. Ich konnte es nicht lesen, denn die Leute vor mir in der Reihe mußten gerade aufstehen und Mariechen schnell mal durchlassen. Die Frau hat sich aber furchtbar gehabt, immerzu hat sie mit ihrer Brust und ihrem Bauch gewadelt; raufgedrückt, als ob sie sie festhalten wollte. vielleicht war ihr das selber unangenehm, denn sie hat die Hand Na und dann tamen wieder alle möglichen Bilder, die wußte Bubi nicht, wo sie her waren, und dann stand da: So ver. brachte das Paar mitten in der Wüste Jahre unge. nicht, denn fie faßen immer in einem sehr feinen Zimmer, wie trübten Glüds." Aber das mit der Wüste stimmte wohl auch zweiter Klasse. Und die Frau hatte andauernd neue Kleider an. Totschickes Baris", sagte Bubi. Und in der Ede stand eine Wiege, und da lief sie immerzu hin, und das arme kleine Wurm hat gar nicht hintereinander schlafen können, soviel hat sie es gefnutscht. Und dann ist wieder ein Mann reingestürmt, und dann hat da gestanden: Wir müssen eilends flieben, Geliebte, die Ber. folger find uns auf der Spur!" Und da ist die Frau wie wild in der Stube rumgelaufen, und das arme Jöhr hat sie auch wieder aus der Wiege geriffen. Und Bubi hat mich angestoßen und gesagt:„ Du, das is ja' ne Buppe, so wie deine Hilde, aber Schelmenaugen hat sie feine!" und die Frau hat allen möglichen Quatsch zusammengepact, anstatt nun mal schnell fich ordentlich was Warmes anzuziehen, denn sie hat nie recht was Vernünftiges angehabt. Und dann hat man plöglich schließen hören! und da habe ich gedacht, nu fängt die Schokoladenverlosung für die Jugend an denn es sollte eine sein, hat draußen an der Tür gestanden. Und ich wollte mal ebend hinlaufen und sehen, ob wir was gewonnen hätten. Und ich habe zu Bubi gesagt, er sollte auf meinen Blag aufpaffen, und wenn jemand fäme, follte er fagen: Berzeihen Sie, der Platz ist besetzt, ich lenne nämlich die Dame!" Ja aber, Bustekuchen! Es wäre noch gar keine Verlofung, gelommen. Aber denke mal, so' ne Frechheit, da hat der Günther haben sie draußen an der Kasse gesagt. Da bin ich wieder rein auch meinem Plak gesessen! Ich habe ihn wegschubsen wollen, aber die Leute haben Sch, sch" gemacht, und der junge Herr, der so wie'n Radfahrer aussieht, hat eine Taschenlampe angefnipft und mich auf einen anderen Blaz gebracht. Da habe ich gar nichts sehen fönnen. Aber es war doch sehr schön, aber eigentlich auch' n bißchen doof. Und denn war's plöglich alle. Und denn haben wir alle riefig gedrängelt, das macht jo'n Spaß. Und Bubi hat mir gesagt, er hätte lieber was Amerikanisches, so was richtig Humoristisches, wo sie sich glatt blödsinnig hauen oder unter die Autos schubsen. Aber ich habe dem doch nicht etwa geantwortet Günther auf meinen Platz gelassen! er hat ja den Und denke mal, die Schokolade hat Mariechen gewonnen! Sie hat gleich reingebissen. Aber das Stüd, was fie abgebissen hatte, hat sie schnell wieder ausgefpuckt und auf den Damm geschmissen. und dann hat sie gesagt, fie will sie doch lieber bis Weihnachten aufheben, vielleicht macht ihre Mutter noch ein hübsches Geschent daraus für die Portierfinder. Aber mit Bubi bin ich jetzt schuß für alle Tage!" eine weitbergweigte fommunistische Verschwörung aufgebedt und Die bulgarische Geheimpolizei hat in Sofia wieber einmal zablreiche Berfonen verbaftet. Da fönnen sich Bantoffs MörderStädtische Oper: Gastspiel Bohnen. Reznicet hat eine abendfüllende, höchst dramatische Oper geschrieben, den„ Ritter Blaubart". Warum schweigt man sie tot? Statt dessen den Holofernes", der einen so matten Abglanz der Hebbelschen Judith" darstellt und zu der ein feiner Musiker stille, vornehme, auch charakteristische Begleitmelodie geschrieben hat, ohne recht persönlich zu werden. Weder die synagogalen Pfalmodien der Umrahmung, noch der Hauptaft zeigen die liebenswürdigen Züge des Musikdramatifers Reznicet anders als in einer vorbildlichen Instrumentation. Aber es ist eine Szene da für Michael Bohnen, und er nuzt diese Gelegenheit zu einem Stetsch eigener Art aus. Er dirigiert, inszeniert, gibt Tempo und Dynamik Schultern, die Arme zum Himmel, er flucht, brüllt, ist allüberall an, er schleicht, lauert und droht, er wirft den Mantel um die vollen Persönlichkeit glaubt man auch Unglaubliches, traut man Herr und Gebieter, selbst in der Liebe und der Luft. Seiner macht. alles zu, felbst den lodernden Bannfluch gegen Gott. Ein elementarer, aus dem Bollen schöpfender Gestalter, selbst dort zwingend, mo ihn die schauspielerische und die Borergeste einmal zu einer 3uspigung des brutalen Heldentums verführt. Er wird endlos gefeiert. Leider hat er eine Partnerin, die alles andere als echt ist und die nur dadurch als Judith einheitlich wirkt, daß fie fo unnatürlich singt, wie spielt. Jeder Zoll eine Pose. So tonnte man im Gegensatz der beiden übermächtigen Gestalten auch des Berks nicht froh werden. Reznicet dirigierte selber. K. S. Der beschlagnahmte Weihnachtsschnaps. Vor einigen Tagen ist mit dem feierlichen Namen„ Erzherzog Friedrich August" zu er es einem dänischen Zolltreuzer gelungen, einen Kieler Motorschoner reischen, als er auf dänischem Seeterritorium den Derefund hinauffuhr, um seine Ladung an irgend einer geheimen Stelle ebenso ge heimen Importeuren" abzuliefern. An Stelle von„ Stüdgut nach dem Kattegat", wie der Kapitän auf Anruf dem Zollbeamten erwiderte, hatte der Erzherzog" nämlich 35 000 Liter hochprozentigen Altohol und 119 Risten mit Litören und Kognat an Bord. Die Schiffspapiere ergaben, daß der Schoner in Kiel heimatberechtigt lich weit ab von diesem Wege. Der dänische Staat hat mit diesem ist und nach Reval fahren sollte. Der Derefund liegt aber bekanntSchiff einen fetten Happen erwischt, denn der Zoll auf die mitge führte naffe Ladung, der hinterzogen werden sollte, würde rund eine halbe Million Kronen betragen haben. " Wenn man auch in Dänemark solche Vorfälle mit Gleichmut aufnimmt und angesichts der vielen nicht erwischten Spritschmuggler für die reiche Beute dankbar ist, so dürfte es doch nicht gerade zur Stärkung des deutschen Ansehens im Auslande beitragen, daß der größte Teil des Sprits, der geheim nach Dänemark, Schweden, Norwegen und Finnland geht, aus deutschen Häfen kommt. Der Rundfunt im Dienst der sozialen Fürsorge. In der Elberfelder Stadtverordnetenverfammlung wurde befchloffen, für die Einrichtung von Rundfunkempfang in geeigneten städtischen Wohlfahrts anftalten( Kranten- und Waisenhäusern, Alters, und Pflegeheimen, Lesehallen u'w) die erforderlichen Mittel bereitzustellen. Der englische Bildhauer Hamo Thornycroft ist im Alter von 75 Rabren in London gestorben. Er ist namentlich durch sein Elandbild des Generals Gordon auf dem Londoner Trafalgar Square und den ehernen Bogenschützen in der Tate Gallery bekannt geworden. In der englischen Blaftit galt er als ein Bahnbrecher der Moderne. Korruption und Landesverrat. Der Fall Holstein und das Schweigen der Rechtspresse. Der Fall Holstein wird von der Rechtspresse fonsequent totgeschwiegen. Die Leser der deutschnationalen Bresse sollen nicht erfahren, daß Holstein, einer der typischsten und wichtigsten Vertreter des kaiserlichen Systems, ein Börsenschieber in größtem Stile war, der seine amtlich gewonnenen Kenntnisse Dritten mitteilte, die in seinem Auftrage spekulierien. Der neue Reichshaushalt. Ausgabenbedarf 7,7 Milliarden Mark. Seine Tätigkeit mar jahrzehntelang torrupt- aber mehr noch, sie war landesverräterisch. Das„ Ber- Ausgaben der Behörden. Nach dem Referat des Ministerialdirektors liner Tageblatt" schreibt: Wie wäre wohl Holstein selbst, der im Dienst die strengften Anforderungen stellte, mit einem Beamten perfahren, der nur in einem Fall einen ähnlichen Berrat amtlicher Nachrichten sich hätte zuschulden kommen lassen? Holstein hat einmal die fofortige Entlassung eines alten Beamten durchgesetzt, weil dieser die Chiffre kompromittiert" hatte, das heißt, weil durch seine Fahrlässigkeit eine auswärtige Macht in den Befiz des deutschen Chiffrierschlüffels gelangt war. Holstein selbst hat zwar nicht die Chiffre, aber wichtig fte Staatsgeheimnisse in einem jahrzehntelangen, wohl beispiellofen Dauerbelitt tompromittiert." Korruption und Landesverrat in einem jahrzehntelangen Dauerdelift bei einem der typischsten Bertreter des alten Systems, der durch Jahrzehnte hindurch die deutsche Außenpolitik entscheidend beeinflußt hat! Das wagte die deutschnationale Presse ihren Lesern freilich nicht mitzuteilen. Im Berliner Tageblatt", das sich mit der Veröffent. lichung der Holstein- Briefe großes Berdienst erworben hat, wird die Bermutg geäußert, daß Holstein einen Teil des durch seine Spei ationen zusammengerafften Geldes dazu verwendet habe, einen großzügigen Spizelapparat zu finanzieren, der in seinem Privatauftrag feine Kollegen und Vorgefeßten überwacht habe. Man stelle sich vor: der Staatssekretär des Aeußeren und der Reichskanzler belauert und bespiẞelt von täuflichen Schurten, die ein Vortragender Rat im Auswärtigen Amt befoldet mit Geldern, die durch dauern. den, landesverräterischen Mißbrauch amtlicher Nachrichten zusammengerafft worden sind! Das dürfen die Leser des Lokal- Anzeiger" und des Tag", der Deutschen Tages zeitung" und der Kreuz- Zeitung" nicht erfahren. Bei diesem Holsteinschen Spigelsystem fühlt man fich unmillkürlich erinnert an das Spigelbureau KlugeKnoll, das von den Herren Bacmeister und Leopold finanziert wurde und die deutschnationale Presse be= diente. Die Herren haben die Gepflogenheiten forrupter und landesverräterischer Größen des alten Systems mit ihrer Spigelvaterschaft nachgeahmt. Holstein selbst aber hat dies niederträchtige System der Spitzelei von einem Größeren erlernt: als Spigel des Reichstanzlers Bismard hat Holstein in der Pariser Botschaft, in einem roten Sofa verstedt. die Gespräche seines Borgeseßten, des Botschafters v. Arnim belauscht. Das Bild des alten Systems wird immer schmukiger und gemeiner, je mehr sich die Schleier lüften. Holstein wurde von drei Reichskanzlern ertragen, obgleich fie viel, mehr als genug von ihm wußten, weil er nur zu gut wußte, daß andere ebenso fchmutzig waren wie er selbst, weil ein en anfassen bedeutet hätte, das System zu erschüttern. Es erhebt sich die Frage, wieviele waren nicht nur ebenso intrigant, sondern auch ebenfo torrupt wie Holstein? Zentrum und Sozialpolitik. Effer gegen Andre. Die Reichstagsfraktion der Zentrums partet hat ein poli. tisches Jahrbuch herausgegeben. Bei der Darstellung über die Sozialversicherung fommen die beiden Sachbearbeiter, die Abgeordneten Andre und Thomas Effer zu entgegengesetzten Ergebnissen. In seinem Eifer, die Arbeit der sozialdemokratischen Frattien herabzusetzen, schreibt der Abg. Andre über die Haltung des Zentrums bei der Beratung der Unfallversicherung folgendes: Die wesentlichsten Verbesserungen sind zudem nicht von Sozialdemokratischer Seite, sondern vor allem durch Abgeordnete der Zentr: mspartei nicht nur beantragt, sondern auch durchgesetzt worden." Mit dieser falschen Darstellung will der chriftliche Arbeiterführer Andre den Arbeitern einreden, daß ihre Interessen vom Zentrum am nachdrücklichsten vertreten worden sind. Wie sehr das mit der Wahrheit in Widerspruch steht, beweist im gleichen Jahrbuch Andres Fraktionsfollege Esser, Vorsitzender des Sozialen Ausschusses des Reichstages. Esser schreibt: Die meisten Bedenten in den Kreisen des Handwerks richteten sich gegen die Belastung der Berufsgenossenschaften durch die Referm der Unfallversicherung. Ich habe in einem Artikel„ Die Neugestaltung der Unfallversicherung" den Nachweis erbracht, daß wir erfolgreich bemüht waren, die all Erledigung des Gefeges im Plenum im Sinne einer stärteren Rüdichtnahme auf die Belange der Wirtschaft angemessen abzuschwächen." Diese Darstellung ist richtig. Mit Hilfe des Zentrums wurden, wie wir das auch in diesen Tagen bei der Erwerbslosenfürsorge erlebten, die Beschlüsse des Sozialen Ausschusses durch das Plenum des Reichstages verschlechtert! Verfahren gegen Pudor. Boruntersuchung auf Antrag des Oberreichsanwalts. Amtlich wird gemeldet: In der Presse ist in den letzten Tagen wiederholt auf einen Aussaz in der von Dr. Heinrich Pudor in Leipzig herausgegebenen Beitschriftaten treuz" hingewiesen worden, der Beschimpfungen des Herrn Reichspräsidenten und die Aufforderung zu Gewalttätigkeiten gegen Herrn Reichsminister Dr. Stresemann enthielt. Wie wir von zuständiger Seite erfahren, ist die in Betracht kommende Nummer der Zeitschrift auf Antrag des Oberreichsanwalts bereits am 2. d. M. in 10 000 Stücken befchla g. nahmt worden. Gegen den Schriftleiter ist die gerichtliche Voruntersuchung wegen Bergehens gegen§ 7 Nr. 1 und§ 8 Nr. 1 des Gesetzes zum Schuße der Republik eröffnet. Die faschistische Hugenbergpreffe. Dienste des„ Tag" für Muffolini. Am 8. Dezember veröffentlichte der Hugenbergfche Tag" einen Artikel eines ehemaligen italienischen Anarchisten, jetzt Faschisten, Italo Tavolato, über den Matteotti- Prozeß. Der Berfasser ist der Berliner Korrespondent des ertrem- faschistischen römischen Blattes" Tevere". Dieser Artikel war im Ton und Inhalt eine einzige freche Provokation. Bei seiner Aufnahme war der Redaktion tes Tag" anscheinend nicht ganz wohl zumute. Denn in jeder deutschnationalen Brust ringen zwei Geelen miteinander: die reattienär antifozialistische Seele feiert in Mussolini | Gestern, Sonnabend, verabschiedete der Reichsrat den Etat für| halb, weil die Sichtvermerke und die aus ihnen zu erwartenden 1926, der äußerlich dadurch übersichtlicher gestaltet worden ist, daß Gebühren allmählich fortfallen. Das Reichsministerium des man sämtliche Ausgaben gegliedert hat in Personalausgaben, fäch- Innern braucht 205,9 Millionen Mart weniger als im letzten liche Verwaltungsausgaben der einzelnen Dienststellen und sonstige Jahre, weil die Polizeiausgaben auf die allgemeine Finanzverwal tung übergegangen sind. Unter den Ausgabeposten befinden sich Sachs stellt sich der Haushaltsplan folgendermaßen dar: 3 Millionen Mart für die Notgemeinschaft der deutschen WissenEinnahmen und Ausgaben balancierten mit 7,7 mil. fchaft und 3 Millionen Mark für die Studentische Wirt. 1tarden Mart; eine Reichsanleihe ist infolge der schwierigen fchaftshilfe. Das Reichswirtschaftsministerium Lage des Kapitalmarftes nicht vorgesehen, so daß nur die laufenden braucht einen Zuschuß von 3,5 Millionen Mart mehr als im VorEinnahmen für die Deckung der Ausgaben in Betracht tommen. jahre, hauptsächlich zum Ausbau der Reichsstatistit. Durch stärkere Die Einnahmen gliedern sich folgendermaßen: Belaftung infolge der Umorganisation im Reichsversicherungswesen hat auch das Reichsarbeitsministerium einen erhöhten Bedarf an Reichszuschüssen. Die Reichszuschüsse an den Renten der Inva. libenversicherung belaufen sich auf 192,7 millionen Reichs mart, das sind 78,2 Millionen Reichsmart mehr als 1925. An die Deutsche Reichs post sind für den Vertrieb von Versicherungs. marten 6,3, die Auszahlung von Renten 8,7 und von Versorgungsgebührnissen 3,1 Millionen Reichsmart zu zahlen. Die Ausschüsse haben den vorjährigen Fonds von 20 Millionen Reichsmart für Wochenhilfe wieder aufgenommen. Im außerordentlichen Haushalt ist der Wohnungsfürsorgefonds um 4 Millionen Reichsmart gegen das Vorjahr gesteigert und auf 15 Millionen Reichsmart bemessen worden. Aus Befit und Vertehrssteuern erwartet man 4,8 Milliarden, das sind 100 Millionen Mart weniger als im Bor. jahre; Einkommen und Körperschaftssteuern sollen 2350 Millionen, die Umsatzsteuern 1350 Millionen bringen, letztere 80 Millionen weniger als im Vorjahre. An Länder und Gemeinden werden 2337 Millionen Reichsmart überwiesen. Aus 3öllen und Ber. brauchssteuern sollen zwei Milliarden Mart, also 141 Millionen mehr als im Vorjahre eingehen. Die Reichspoft soll einen Zuschuß Don 20 Millionen Mart zum Reichshaushalt beitragen, die Reichs. druckerei einen solchen von 3,8 Millionen. An Ausgaben für die allgemeine Reichsverwaltung find 4 116 Millionen Reichsmart vorgefehen, 142 Millionen weniger als im Vorjahre. Achtzehn Prozent davon entfallen auf Gehälter und Löhne, 40 Proz. auf sächliche Ausgaben. Der Bensionsfonds verschlingt mit 1,5 milliarden Reichsmart einen großen Teil( 42 Brosent) der allgemeinen Reichsausgaben. Für Reparationslasten werden im nächsten Jahre 1360 Millionen Mark benötigt. Davon sind jedoch aus dem Reichshaushalt unmittelbar nur rund 600 Millionen Mart zu leisten. Das übrige entfällt hauptsächlich auf die Beiträge der Reichsbahn und auf den Dienst an Industrieobligationen. Sur Erhaltung des Reichsfpartommiffers unb feiner Mitarbeiter. die im Etat nicht vorgesehen war, hat der Reichsrat aufs neue den Betrag von 262 000 Mart in die Ausgaben des Reichsfinanzminifteriums eingesetzt. veränderungen gegenüber dem letzten Jahre auf. So verlangt das Der Bedarf der einzelnen Reichsministerten weift einige Auswärtige Amt 20,2 Millionen Mart mehr, vor allem des den rücksichtslosen Diktator, der über sozialistische Leichen zum Er. folge schritt und unter dessen Regime die Schwerindustrie Hand in Hand mit den Behörden regiert; die nationale Geele empört sich instinktiv gegen die brutale Ausrottung des Deutschtums in Süd. instinktiv gegen die brutale Ausrottung des Deutschtums in Süd. tirol, die aber nur eine logische Konsequenz des Faschismus ist. Daher fühlte sich die Redaktion des„ Tag" verpflichtet, den Auffag des Tavolato mit einer schamhaften Borbemerkung zu versehen, in der die Hoffnung ausgesprochen wurde, daß Mussolini von seiner Energie auch gegen die faschistischen Untaten in Südtirol Gebrauch machen würde. Mit dieser platenischen Redewendung glaubte die reaftionäre Seele der Tag"-Redaktion der nationalen" Geele gegenüber ihre Schuldigkeit getan zu haben. Ein in Deutschland lebender demokratischer italienischer Journa lift Dalmo Carnevali ersuchte nun die Redaktion des Tag" um Abdruck eines Erwiderungsartikels. Nach längerem Hin und Her lehnte schließlich die Redaktion des„ Tag" den Abdruck ab. Abge sehen davon, daß es eine politische Unanständigkeit ist, einem Verherrlicher der schamlosen Justiztomödie, die auf die Ermordung Matteottis folgte, das Wort zu geben und in echt faschistischer Art die Stimme der Gegenseite zu unterdrücken, so ist es außerdem eine journalistische Unanständigkeit, nur denjenigen italienischen Kollegen Raum zu gewähren, die der regierenden Partei angehören, während Bertretern der in Italien gänzlich unterdrückten Oppofitionspreise auch hier ein Knebel in den Mund gelegt werden soll. Berdas tut, folibarifiert sich offen mit der Regierung Mussolinis und hat infolgedessen auch fein Recht, nationale Protesttöne wegen der Folterung Südtirols anzuschlagen, sondern macht sich sogar trotz aller platonischer Redewendungen zum mit. schuldigen dieser Felterung. In seiner letzten Nummer hat das offizielle Organ des Reichsverbandes der Deutschen Presse seine Solidarität mit den Journa listen der italienischen Oppofitionspreffe zum Ausdrud gebracht, die durch die Vergewaltigung der Unabhängigkeit ihrer Blätter in schwere Not geraten sind". Die Haltung der Redaktion des Tag" in dem vorliegenden Fall zeigt, wie gewisse deutsche Redaktionen diese Solidarität in der Pragis ausüben. In einer Beilage dieser N mmer veröffentlichen wir die vom Tag" abgelehnte Antwort des Herrn Dalmo Carnevali. Die Re gierung Mussolinis und ihre offiziellen Vertreter in Berlin sollen nicht glauben, daß es ihnen jemals gelingen wird, die Stimme des Brotestes gegen ihr Mordregime in Deutschland zu ersticken: die sezialdemokratische Presse wird sich weder durch direkte noch indirette Einflüsterungen beeinflussen lassen. Die Faschisierung der Presse. Sogar regierungsfreundliche Journalisten werfen die Flinte ins Korn. Rom, 19. Dezember.( WTB.) Der bisherige Leiter ber „ Tribuna", Giordano, erklärt in dem Blatte sein Ausscheiden aus der Redaktion. Auch der befannte faschistenfreundliche Senator Morel Rastignac erläßt eine Erflärung, wonad) er das Blatt verläßt. Es wurde bereits früher gemeldet, daß die" Tribuna" in der„ Idea Nazionale" aufgehen soll. Gerüchtweise verlautet, daß Senator Frassati vollkommen aus der Turiner Stampa" ausscheiden soll, und daß das Turiner Blatt unter die Leitung eines Senators tommen solle, wahrscheinlich des Senators Bevione, Senators tommen solle, wahrscheinlich des Senators Bevione, der früher schon Redakteur an diesem Blatte gewesen ist. Der Präfett von Palermo hat ein Defret erlassen, wonach der Ausschuß des Sizilianischen Breffevereinsauf gelöst wird und mehrere von ihm eingefeßte Kommissare mit der Verwaltung des Vereins betraut werden. Aktion gegen Giolitti. Rom, 19. Dezember.( WTB.) Verschiedene faschistische Brovinzialräte von Cuneo haben eine Aktion eingeleitet, um Giolitti zur Niederlegung seines Amtes als Präsident des Provinzialrates zu veranlassen.( Dabei hat der fast 85jährige Giolitti eine so zahme Opposition getrieben, daß man zuleẞt gar nichts mehr davon merkte. Red. d. B.".) Weitere Befehung des Somalilandes. Swet italienische Offiziere von den Truppen, die das Schutzgebiet" Somaliland besetzt halten, sind aus dem Hinterhalt erschossen worden. Die Truppen haben daraufhin wichtige Stüßpunfte im Lande belegt, die Flotte hat die Küste blockiert. Das Reichs mehrminifterium verlangt 63,4 Millionen Mart mehr als im Vorjahre, wobei zur Ergänzung der Bestände an Waffen, Munition und Heeresgerät 34 Millionen Reichsmart bereit gestellt sind. Das Reichs ernährungsministerium hat feinen Zuschußbedarf um 12,8 Millionen Mart heraufgesezt. Zum Haushalt des Reichsverkehrsministeriums haben die Ausschüsse des Reichsrats beschlossen, die geforderten Schiffs- und Dampfteffelbauten schon vorweg auf Grund des Bedarfes von 1926 in Auftrag zu geben. Aus semen Beteiligungen an Unternehmungen erwartet das Reich eine Einnahme von 5,4 millionen Marf; für die Deutschen Werte Kiel ist ein Zuschuß von 2,5 Millionen Mart vorgesehen. Das find einige der wichtigsten bisher bekannten Einzelheiten des Reichshaushalts, auf die noch näher zurückzukommen sein wird, wenn der Etat dem Reichstag zugeht. Ein Flottenstützpunkt auf Rhodos. Condon, 19. Dezember.( WTB.) Einer Meldung der Westminster Gazette" aus Angora zufolge legen die Italiener auf der Insel Rhodos einen modernen Marinestützpunkt an. Die italienische Botschaft taufe alles verfügbare Land an der türkischen Mittelmeertüste in der Nähe von Adalia an. Rhodos so gut wie annektiert. Rom, 19. Dezember.( EP.) In der Kammer ist der Gefeßent. wurf vorgelegt worden, wonach den Bewohnern des Donetanes das italienische Bürgerrecht verliehen wird. Die italienische Souveränität über Rhodos und die anderen 12 Inseln des Aegäischen Meeres wird auf Grund der Friedensverträge als international und juristisch vollkommen erklärt. Industrieschutz durch Zollermäßigung. Ein dänisches Gesetz. Kopenhagen, 19. Dezember.( Eigener Drahtbericht.) Der dänische Reichstag hat gestern in beiden Kammern einstimmig das von der sozialdemokratischen Regierung beantragte risenschutzgefet angenommen. Es handelt sich um Aenberungen der 3ölle für die Textilindustrie; diese Aenderungen sind bem deutschen Import freundlich. Um die Beschäftigung der bänischen Textilindustrie zu sichern, vermindert das Gesetz erheblich die Zölle auf die Einfuhr von Tertilmaschinen, Seiden- und Wollabfall, Garn und buntbedrucktes Muffelin. Die Regierung hofft, daß diese Bollerleichterungen einen erhöhten Schuzzoll für Tertilfertigwaren un nötig machen werden. Sowjetwahlen in Georgien. Lebhaftes Interesse. Tiflis, 19. Dezember.( DE.) Die Rampagne für die Neuwahl ter Sowjets in Georgien verläuft weitaus belebter als im Bor. jahr. Die Großbauern, die sog.„ Kulati", treten öffentlich wenig hervor, ihr Einfluß ist jedoch nicht zu verkennen. Bemerkenswert ist die im Vergleich zur vorigen Wahlkampagne größere Beteiligung ber intellektuellen Bevölkerungsschichten. Wie die Sowjetpresse mitteilt, bringt die Bauernschaft den Intellektuellen großes Vertrauen entgegen. Wenn diese Intellektuellen wirklich Georgier und nicht nur hingeschickte Moskauer Agenten sind, dann würden - das heißt, die Wahlen sicher nicht bolschemistisch ausfallen wenn Wahlfreiheit bestünde! Kein Vormarsch der Japaner. Wegen der Kälte. Tofio, 19. Dezember.( WTB.) Wie hier eingegangene amtliche Berichte besagen, sind die Operationen in der Mand churei wegen der ungemein strengen älte zum Stillstand getommen. Nachrichten aus Mukden zufolge feßt der Frost den vor Mulden stehenden Armeen derart zu, daß die Oberfomman dierenden einen 23affen stillstand vereinbart haben. Eine Bestätigung dieser Meloung war nicht zu erlangen. Zum Fluchtverfuch aus dem Landsberger Gefängnis erfährt der Amtliche Preußische Pressedienst, daß sofort nach Bekannt werden der Nachricht ein Vertreter des Strafvollzugs präsidenten und dann auch zwei Ministerialbertreter fich an Ort und Stelle begeben haben, um den Sachverhalt aufzuklären und die zur Verhütung von Entweichungen Gefangener geeigneten Maßnahmen zu treffen. Der Mietentampf in Deutschöfferreich, eröffnet durch jenen Wiener Berfammingsreford, wird jetzt im Parlament fortgefeßt. Die Mietenaufwertung auf 40 Broz. allein ist lange nicht das Um und Auf: Die Löhne, Gehälter und Pensionen, von denen heute die Miete nur einen ganz geringen Anteil beansprucht, müßten dann erhöht werden und damit würde Deutsch österreich seine Lebensgrunda mit allen verwüstenden Folgen fämen dazu. Unsere Genossen er lage: den Industrieerport, verlieren. Verlust der Währ ngsstabilität flärten, daß solches Unheil über das Bolt nicht wegen einiger zehn teufend Hausbesitzer, worunter noch Attiengesellschaften, Stifter und besonders Ausländer sind, nicht gebracht werden dürfe. Gewerkschaftsbewegung Zur Lohnregelung im Eisenbahnbetrieb. Die Regelung der Eisenbahnerföhne erfährt eine Bergsge rung, die geeignet ist, den Unmut und die Erregung der Eisenbahnarbeiter bis zum höchsten Grad zu steigern. Wie werben als bte neben thuen arbettenben Beamten Die Deffentlichkeit barf wohl erwarten, daß nicht nur das Arbeitsminifterium sich ernstlich bemüht, dem Verlangen der Eisenbahner Rechnung zu tragen, sondern daß sich endlich auch einmal die Reichsbahnverwaltung entschließt, das nötige zu tun. Die Arbeitslosigkeit in Berlin. Die Zahl der unterstaihungsberechtigten Arbeitslofen ift in Berlin im Berlaufe der vergangenen Woche von 119 000 auf 141 000 Perfonen gefliegen. Die Facharbeiter find an dieser 3iffer mit 74 Proz. befeiligt. Auf 54 Bewerber entfällt im Durch schnitt eine offene Stelle. Von den 141 000 Arbeitslojen sind 92 000 männliche und rund 42 000 weibliche Personen. Lohnzahlungen der Stadt Berlin. Der Magistrat hat beschlossen, die Lohnzahlungen an die städtischen Arbeiter und Arbeiterinnen vor Weihnachten und Neujahr schon am Mittwoch, dem 23., bzw. Mittwoch, dem 30. Degember, vornehmen zu laffen. ous dem Reichsarbeitsministerium mitgeteilt wurde, ist nun endlich ein Schlichter in der Person des Staatssekretärs a. D. Rüdlin gestellt. Die Schlichtungsverhandlungen sollen allerdings erst am 29. Dezember stattfinden. Auf das dringende Ersuchen der Gewerkschaften erklärte Staatssekretär Rüdlin, daß er die Gründe wohl anerkenne, die für eine Beschleunigung des Berfahrens sprechen. Er sei jedoch nicht in der Lage, die Schlichtungsverhandlungen auf einen früheren Termin zu legen. Dagegen sei er gern bereit zurückzutreten, wenn es möglich ist, einen anderen Schlichter zu finden, der imftande sei, nach dem Wunsche der Gewerkschaften schon vor Weihnachten die Verhandlungen anzusetzen. Die Gewerkschaftsvertreter haben sich erneut bemüht, das Reichsarbeitsministerium zu veranlassen, einen anderen gebliebenen städtischer Arbeiter, denen auf Grund der Gemeinde eigneten Schlichter zu ernennen, der imftande ist, dem Verlangen der Gewerkschaften Rechnung zu tragen und die Schlich. tungsverhandlungen noch vor den Weihnachtsfeiertagen stattfinden zu lassen. Das Reichsarbeitsministerium fagte zu, diesbezügliche Bersuche umgehend zu unternehmen. Ein Erfolg sei jedoch zweifelhaft. Der ganze Borgang beweist, daß in bestimmten Fällen die ganze Schlichtungseinrichtung fast völlig versagt. Es geht nicht an, daß so eminent wichtige Verhandlungen auf die lange Bant geschoben werden. Die Unzufriedenheit und Entrüftung der Eisenbahnarbeiter steigern sich fortgesetzt, was durch den Eingang zahlloser Proteste und Telegramme in den Bureaus der Gewerkschaftsleitungen bewiesen wird. Nachdem die Beamten einschließlich der Reichsbahnbeamten eine wirtschafts. beihilfe erhalten, läßt sich die Erregung der schlecht entlohnten Eisenbahnarbeiter durchaus begreifen. Um fo mehr, als von 400 000 Lohnempfängern der Reichsbahn zirka 80 000 Arbeiter Beamten dienste verrichten, jedoch dem Lohntarif unterstellt sind und deshalb schlechter entlohnt Der Magistrat beschäftigt sich zurzeit mit der Reuregelung der Bezüge der Ruhelohnempfänger und der Hinter beschlüsse Ruhelohn und Hinterbliebenenversorgung gewährt wird. Die im Laufe der letzten Zeit erfolgten Lohnerhöhungen für die städtischen Arbeiter und Arbeiterinnen sollen auf die Ruhelöhne angerechnet werden. Die Zahlungen auf Grund der erhöhten Be züge werden jedoch leider vor dem Feft nicht mehr erfolgen tönnen. Weihnachtsunterstützung der Buchbinder. verarbeiter Deutschlands wird morgen, Montag, und am Die Ortsverwaltung des Berbandes der Buchbinder und Bapier. Dienstag in der Zeit von 8 bis 1 Uhr im Bureau, Engelufer 24/25, Gewerkschaftshaus 2. Stod, die Auszahlung der lokalen Weihnachtsunterstützung für alle arbeitslosen Mitglieder, die mindestens 26 Beiträge entrichtet haben, vornehmen. Die zentrale Weihnachtsunterstügung wird am Donnerstag, dem 24. Dezember, zwischen 8 und 1 Uhr im Bureau ausgezahlt. Letztes Einschreibebatum: 14. Dezember 1925. Zur Auszahlung muß das mitgliedsbuch resp. farte und die Stempel. tarte vorgelegt werden, andernfalls feine Auszahlung erfolgen Das Bureau wirb um 1 Uhr geschlossen! fann. Siebspend in Berkherungsgewerbe. Der Zentralverband der Angestellten teilt uns mit: Der Tarifftrett mit dem Arbeitgeberverband Deutscher Versicherungsunternehmungen hat nach dreitägigen Schlichtungsverhandlungen, die unter Borsig von Herrn Reichswirtschaftsgerichtsrat Dr. Königsberger im Reichsarbeitsministerium stattfanden, in der Nacht vom 19. bis 20. Dezember durch einen einstimmigen Schieds. spruch seinen vorläufigen Abschluß gefunden. Der Schiedsspruch schlägt einen neuen Reichstarifpertrag bis zum 31. März 1927 mit einigen unwesentlichen Menderungen gegenüber dem jetzt geltenden Reichstarifvertrag, und eine Erhöhung der Gehälter ab 1. Januar 1926 um pier Pro 3. mit Geltung bis zum 30. Juni 1926 vor. Die Erflärungsfrist über Annahme oder Ablehnung läuft bis zum 8. Ja muar 1926. Der Zentralverband der Angestellten hat seine Mitgliedschaft zur Stellungnahme und Abstimmung über den Schiedsspruch aufgefordert. Verhängnisvolle Gewerkschaftsarbeit." Benn ein Blatt wie die Tägliche Rundschau" das Berhalten der Gewerkschaften kritisiert, dann weiß die Arbeitnehmerschaft von vornherein, was sie davon zu halten hat. Die 3 e che Barne ftellte der Belegschaft das Anfinnen, einem Lohnabzug von 6 Proz zuzustimmen, mit der Drohung, daß andernfalls die zum 1. Januar gekündigten Arbeiter entlassen würden. Weil die Gewerkschaftsvertreter sich gegen die Zustimmung zu dem Lohnabzug wandten, da es sonst auf dieser abschüssigen Bahn tein Halten mehr gibt, werden die christlichen und die freien Gewerkschaften in diesem Blatt gescholten, die zweckmäßigen Maßnahmen zur Berhinderung der Stillegung der Seche hintertrieben zu haben. Die Belegschaftsmitglieder der Beche Warne erklärten sich bei ihrer Abstimmung am Montag gegen den Lohnabzug. Damit haben sie sich nach der Täglichen Rundschau"„ den Strid gedreht, an dem fie aufgehängt werden sollen". Die Zeche werde jezt allmählich ftillgelegt werden müssen und die gesamte Belegschaft arbeitslos werden. Gewerkschaftliches fiehe auch 4. Beilage. Berantwortlich für Bolitik: Eruk Kenter: Wirtschaft: Artur Saternus; Gewertschaftsbewegung: 3. Steiner; Feuilleton: R. 9. Döscher; Lotales und Berlag Borwärts- Berlag, G. m. b. S., Berlin. Drud: Vorwärts- Buchdruckeret Sonstiges: Friz Rarstäbt; Anzeigen: h. 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