Abendausgabe Nr. 601+ 42. Jahrgang Ausgabe B Nr. 298 Bezugsbedingungen und Anzeigenpreife find in der Morgenausgabe angegeben Redaktion: SW. 88, Lindenstraße 3 Fernfprecher: Dönhoff 292-297 Tel.- Adresse: Sozialdemokrat Berlin Vorwärts Berliner Volksblatt 10 Pfennig Montag 21. Dezember 1925 Beriag und Anzeigenabteilung: Gefchäftszeit 9-5 Uhr Berleger: Borwärts- Berlag GmbH. Berlin SW. 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Dönhoff 292-297 Zentralorgan der Sozialdemokratifchen Partei Deutschlands Doumers kapitalistische Sanierung. Opposition selbst im Kabinett. Paris, 21. Dezember.( Eigener Drahtbericht.) Finanzminister| Departement Marne, wo sich die beiden radikalsozialen AbgeordDoumer hat dem Kabinettsrat die großen Richtlinien seines Sanierungsprogramms unterbreitet. Trotz der Verschwiegenheit der zuständigen Stellen ist es bereits ein offenes Geheimnis, daß Doumer mit seinen Richtlinien im Ministerium auf schärfste Oppesi. tion gestoßen ist. Das amtliche Kommuniqué enthält die Mitteilung, daß die Diskussion über die vom Finanzminister unterbreiteten Vorschläge auf nächsten Dienstag vertagt worden ist. Schon daraus geht hervor, daß Doumer vergeblich die Zustimmung seiner Kollegen zu erlangen versucht hat. Er selbst hat nach dem Kabinettsrat erklärt, daß er sein vor einem Monat, als Deumergue ihn mit der Kabinettsbildung beauftragen wollte, aufgestelltes Programm nicht geändert habe. Diese Mitteilung findet seine Bestätigung in der Steldung einer in der Regel gut unter richteten Agentur, die die am Sonnabend dem Ministerium unterbreiteten Borschläge wie folgt angeben zu fönnen glaubt: Ber. doppelung der Umsagsteuer, Erhöhung der Tabat preise und der 3ölle und eine Reform des Veranlagungs- und Erhebungsverfahrens für die Einkommensteuer, was eine Mehrein. nahme von einer Milliarde ergeben soll. Es bestätigt sich also, daß Doumer, ganz im Gegensatz zu seinem Borgänger, faft ausschließlich die indirekten Abgaben zur Be schaffung der für den Ausgleich des Budgets benötigten Mehrein nahmen heranziehen und die Kosten der Sanierungsattion ausschließ lich auf die Schultern der breiten Massen abwälzen will. Er wird nach den Erfahrungen vom Sonnabend zweifellos versuchen, durch entsprechende Abänderungen seines Programms die Widerstände zu beseitigen. Aber selbst wenn das Ministerium sich zu einem faulen Vergleich bereit finden sollte, wird Doumer in der Kammer mit der fchärfsten Opposition der Linken zu rechnen haben. In der Finanzłommiffion ist es bereits zu scharfen Meinungs. verschiedenheiten gekommen, da sie mehrere Forderungen des Ministers grundfäßlich abgelehnt hat. Die drei Gruppen des Kartells, deffen politische Aktionskraft nach dem Ausscheiden der„ Radi falen Linfen" beträchtlich zugenommen hat, beschloffen inzwischen, sich auf teine Rompromisse einzulassen und an den Richtlinien, die die vor wenigen Tagen eingefeßte gemeinsame Finanzkommission aufgestellt hat, unter allen Umständen festzuhalten. Unter diesen Umständen nimmt die Möglichkeit einer neuen Arise von Tag zu Tag greifbarere Gestalt an. Erfahwahl zum Senat. Paris, 21. Dezember.( Eigener Drahtbericht.) Eine Ersatzwahl zum Senat in dem durch den Tod Leon Bourgois freigewordenen Das Spiel mit der Diktatur. Vorsicht! Sprengladung! Eine Lösung der Regierungsfrise ist im Augenblid noch nicht sichtbar, da die Bildung einer stabilen Reichstagsmehr heit unmöglich ist, Zentrum und Demokraten sich aber vorläufig weigern, an einer Minderheitsregierung teilzunehmen. In solchen Zeiten wird das Gerede von der Diktatur unvermeidlich. Daß man aber auch im Lager der Rechten zu begreifen beginnt, wie wenig mit solchen Redereien geschafft ist, zeigt ein Artikel des ,, Tag", in dem es heißt: Auf den Bankrott der Arithmetiker und Programmhelden auf den parlamentarischen Teppichen pflegt gewöhnlich der Ruf nach der Diktatur zu folgen. Aber wir haben gelernt, auch mit diesem explosionsbaltigen Begriff vorsichtig um zugehen. Sonst fönnte ein Schrei nach dem Diktator ein ebenso klägliches Echo finden wie der Schrei nach der Großen Koalition. Man darf sich heute unter einer Diftatur nicht mehr jene altrömische Einrichtung vorstellen, darf nicht plötzlich von einem Manne alles erwarten, wie die Römer einft von Cincinnatus, da sie ihn von der Pflugschar holten. Die modernen Staatsverhält nisse sind in sich so unendlich schwierig gestaltet, daß auch eine Kraftnatur feltensten Ausmaßes die Fülle der Erscheinungen unmöglich meistern fann. Die Tägliche Rundschau" macht dem Zentrum schwere Borwürfe, weil es sich weigert, eine Regierung der Mitte mit zumachen, und meint dann: | neten Margaine und Haudos gegenüberstanden, endete im zweiten Wahlgang mit dem Sieg des ersteren. Genoffe Paul Faure gegen Regierungsteilnahme. Paris, 21. Dezember.( Eigener Drahtbericht.) In einer Berfammlung zu Le Creuzot, dem Zentrum der französischen Rüstungs: industrie, sprach sich der Generalsekretär der Partei, Gen. Paul Faure, erneut gegen die Beteiligung der Sozialisten an der Regierung aus. Er erklärte, daß es in der gegenwärtigen Situation nur die Eventualität eines Kompromisses mit den Finanzmächten oder eines schonungslosen Kampfes gegen fie gebe. Ein Kompromiß fei für die sozialistische Fraktion ausgeschloffen. Diese sei bereit, jede Regierung der Radikalen zu unterstützen, die die Energie aufbringe, endlich das Programm des 11. Mai zu verwirklichen. Finde sich eine solche Regierung nicht, dann werde die Partei vor der Uebernahme der Verantwortung nicht zurückschrecken. In diesem Falle aber tame nicht die Teilnahme an einem bürgerlichen Kabinett, sondern nur die Bildung der Regierung durch die Sozialisten felbst in Frage. Die Schwerindustrie will die Inflationsprofite behalten. Paris, 21. Dezember.( Eigener Drahtbericht.) Der von den industriellen Berbänden Nordfrankreichs gemachte Vorschlag einer von der Privatwirtschaft garantierten Anleihe zur Stabilisierung der französischen Währung, mit dem sich am Sonnabend nachmittag der Rabinettsrat beschäftigt hat, stößt in den politischen Kreisen auf eine mit ſtarter Stepfis gemischte zurückhaltung. Die unter dem Einfluß der Schwerindustrie stehende Rechtspresse, die mit Rücksicht auf den starten Eindrud, den der Vorschlag auf die öffentliche Meimung gemacht hat, ihn nicht offen abzulehnen wagt, führt immerhin gegen ihn alle möglichen Argumente ins Feld, die auf den Hüttenverhand zurückgehen. Die Schwerindustrie sträubt sich natürlich, an gesichts der beträchtlichen Ausfuhr prämien, die sie aus dem Fallen des Franken zieht, mit Händen und Füßen gegen eine Stabilisierung der Währung, die ein Ende der Balutagewinne bedeuten würde. Aber auch bei der Linken stößt der Vorschlag auf Mißtrauen, da allerlei Bedingungen daran geknüpft sind, die in erster Linie auf wesentliche Erleichterungen der Steuerlasten hinauslaufen. Dazu kommt, daß es sich einstweilen nur um unverbindliche Anregungen handelt, für die kontrete Unterlagen fehlen, und daß die von den Industriellen zu leistende Garantie für die Stabilisierungsanleihe nur ,, moralisch", nicht etwa materiell sein soll. Regierung regieren tann, wenn sie nicht für ihre Maßnahmen im Reichstag eine Mehrheit findet. Ist eine Regierung, die mit einer Mehrheit regieren tann, unmöglich, dann zeigt die Verfassung allerdings nur noch einen Weg, den der Neuwahlen. Die ,, verhängnisvollen Folgen", die diese für die Volkspartei haben würden, können uns nicht Schrecken. Das Kattowitzer Attentat. Terror gegen das Deutschtumbekenntnis bei der Bolkszählung. Kaffowih, 21. Dezember.( WTB.) Borgestern abend gegen 8 Uhr ist ein Bombenattentat auf die Kattomizer Zeitung" verübt morden. Auf bisher unaufgeklärte Weise ist vor und in den Räumen, in denen sich die Rotationsmaschinen befinden, eine größere Menge von Explosivstoffen zur Entzündung gebracht worden. Offenbar war es auf die Zerstörung der Maschinen abgesehen. Die Maschinen sind jedoch unversehrt geblieben. Sämtliche Fenster des Hauses sind zertrümmert. Die Explosion war so gewaltig, daß die Tür, die von der Tereinfahrt nach dem Hof führt, aus den Angeln gehoben wurde. Das im Hofe befindliche Baugerüst ist zusammengestürzt. Menschenleben find nicht zu beklagen. Ueber die Ursache des Attentats wird noch berichtet: Am Sonnabend mittag hatte der Deutsche Volfsbund für Oberschlesien in der„ Kattewizzer Zeitung" einen Aufruf erlassen, in dem er darauf aufmerffam machte, daß das verfassungsmäßige Recht und die moralische Pflicht der Deutschen in Polnisch- Oberschlesien sei, sich in den ießt ausgelegten Lift en für die Volfs zählung am 31. De darauf hingewiesen worden, daß die polnischen Nationalisten durch Terroratte versuchen würden, die Deutschen listen durch Terroratte versuchen würden, die Deutschen von einem Befenntnis zu ihrem Boltsium abzuhalten. Vor einigen Monaten war ein Papierschuppen der Kattowizer Zeitung" in Brand gesteckt worden. So wie die Dinge liegen, wird man voraussichtlich im Januar von neuem versuchen, die Regierung der Großen Koali tion zu bilden. Daß ihre Aussichten nach dem flag lichen Zusammenbruche der bisherigen Berhandzember als Deutsche zu bezeichnen. In dem Aufruf war auch lungen gewachsen sind, wird kein Mensch be. haupten mollen. Die Regierung der Mitte wird, wenn Zentrum und Demokraten auf ihrem ablehnenden Standpunkte beharren, faum erst versucht werden. Eine Beamtenregierung hätte wenig Aussicht auf Bestand. Bleiben nur übrig: ein neues Ermächtigungs gefe y an die Regierung oder die Reichs. tagsauflösung, die in diesem Winter auf jeden Fall verhängnisvolle Folgen haben müßte. Kann der Reichstag die Regierung nicht schaffen treiben die Parteien weiter Abstinenzpolitik gegenüber dem Verantwortungsbewußtsein, so bleibt fein anderer Ausweg. Der Reichspräsident von Hindenburg und die Männer der heute noch amtierenden Regierung haben dieses Berantwortungsbewußtfein gegenüber dem Staat und der Wirtschaft. Eine Betriebsstörung tritt nicht ein; die Rotations. maschinen, auf die es hauptsächlich abgesehen war, laufen bereits wieder. Das amerikanische Alkoholverbot. Berschärfung der Handhabung. Washington, 21. Dezember.( WTB.) Das Schabamt hat eine Wenn die Volkspartei bei ihrer bisherigen zweideutigen Berfügung erlaffen, die vom 1. Februar ab die Berwendung von Branntwein, Rum und Gin bei der Herstellung medizinischer Haltung gegenüber den sozialdemokratischen Forderungen verPräparate, Würzertrafte und Syrups verbietet. Alkohol und harrt, bleiben die Aussichten der Großen Koalition allerdings Beine fönnen statt dessen verwandt werden. Die Ausführung von gleich Null. Im übrigen braucht man auch zu einem neuen Erärztlichen Rezepten durch die Apotheker wird durch diese Borschrift mächtigungsgefeß eine Mehrheit, wie überhaupt feine nicht betroffen. Zurück ins Mittelalter! Der Faschismus läßt die Zünfte auferstehen. Lugano, im Dezember 1925. Das neue italienische faschistische Gesez über die Schiedsgerichte für Arbeiter und Unternehmer geht von dem gewerffchaftlichen Organisationen und die Standpunkt aus, daß das Verhältnis von Arbeit und Kapital durch ein staatliches Organ seine Regelung finden kann und soll. Wie zur Zeit der Gilden und Zünfte das Handwerk und der Handel einer willkürlichen Regelung unterworfen wurden, will man heute die Großindustrie und die Landwirtschaft in ihren Beziehungen von Kapital und Arbeit behördlich regeln. Was die Analogie mit dem Mittelalter betrifft, so vergißt man, daß der moderne Kapitalismus und die Großindustrie die Zünfte gesprengt haben, daß die Herrschaft der Zünfte eine Art Selbstregierung der Produzenten darstellte, die das Ansehen und die Geschicklichkeit des betreffenden Gewerbes hoch halten und die Konkurrenz vermindern sollte, also vor dem Auseinanderklaffen der Probuftion in Kapital und Arbeit lag, und daß es sich vorwiegend um eine Regelung handelte, die beschränkte Territorialgebiete umfaßte. Zieht man gar, wie das von faschistischer Seite geschehen ist, eine Parallele zwischen den obligatorischen Schiedsgerichten für Arbeiter und Unternehmer und der richterlichen Funktion, die überall vom Staate ausgeübt wird, so hinkt der Vergleich noch mehr. Der Richter wendet ein todifiziertes Recht an. Die staatlichen Schiedsgerichte follen aber das Recht, das fie anwenden, felbft schaffen. Gewiß haben wir auch im geschriebenen Recht in einem gewissen Grade einen Niederschlag von Machtverhältnissen, aber dem ganzen Werden der Gesetzgebung wohnt die Forderung inne, die im allgemeinen Empfinden anerkannten Rechte den jeweiligen Machtverhältnissen zu entrüden. Die geplanten Schiedsgerichte dagegen haben nicht den Rückhalt des fodifizierten Rechtes; fie werden auf Grund der jeweiligen jeweiligen Machtverhältnisse entscheiden. Nicht in dem Sinne, in dem sich bisher die wirtschaftlichen Auseinandersetzungen zwischen Arbeiter und Unternehmer vollzogen, bei denen die Arbeiter ihre toalierte macht, die Unternehmer die ihre in die Wagschale werfen. Sie werden sich vielmehr entscheiden nach der jeweiligen Möglichkeit der Arbeiter und der Unternehmer, auf die egierungsorgane zu drücken. Offiziell sind es Staatsorgane, die für ihren Schiedsspruch das Intereffe der nationalen Produftion zugrunde legen; tatsächlich handelt es sich um von der Regierung abhängige Beamte, die ihren Spruch auf Grund politischer Pressionen fällen werden. 11 Die neue Gerichtsbarkeit ist formell ein Teil der richterlichen Gewalt des Staates, in Wirklichkeit aber ein Organ feiner Exekutivgewalt. Das ist ausdrücklich gegen die Einwände der Industriellen, die das obligatorische Schiedsgericht ablehnen wollten, geltend gemacht worden. Der Vorsitzende des Unternehmerverbandes fagte in der Kammer: Bir können das obligatorische Schiedsgericht für die Industrie nicht annehmen," worauf ihm der Führer der faschistischen ,, Gewerkschaften", Rossoni, antwortete:„ Aber ihr habt in uns eine Garantie. Der faschistische Syndikalismus wird nie tolle Forderungen stellen." Noch deutlicher hat es Mussolini gesagt: „ Die Korporationen sind faschistisch; soweit sie diesen Namen tragen und im Schatten des Liftorenbündels handeln wollen, müssen fie ihre Attion kontrollieren und nichts tun, was die produktive Leistungsfähigkeit der Nation vermindern oder der Regierung Schwierigkeiten machen könnte. Außer der Kontrolle, die die faschistischen Korporationen über sich selbst ausüben werden, haben wir auch die souveräne Kontrolle der Regierung. Was ist in diesen drei Jahren syndikaler Praxis getan worden? Ich bin nicht der Sekretär der Korporationen, aber es hat sich teine große gewertschaftliche Frage ergeben, in der Industrie, im Handel, *** in der Schiffahrt und zuletzt in der Organisation der Buchdrucker, die nicht von mir geprüft oder auch gelöst worden wäre. Da die Dinge so stehen, glaube ich, daß der Zentralverband der Unternehmer einen Schritt vorwärts machen fann, und er wird es tun, auch deshalb, weil ich bestimmt glaube, daß die Vorteile bei weitem größer sein werden als die Mißhelligkeiten." Am allerdeutlichsten drückt sich das Organ der italienischen Schwerindustrie aus, das in der Jauche des römischen Journalismus gedeiht; es fieht schon Italien alle Nationen mit menschlichen Arbeitsbedingungen auf dem Weltmarkt befiegen und schreibt frohlockend: man vertraut also darauf, daß die italienische Produktion sich in Zukunft mehr als je gegenüber der ausländischen Konkurrenz auf die neue diszipli nierte Solidarität stüßen fann, auf die Frucht des hohen Gebotes des Duce." 79..> Dies ist, wie heute die Phrase in Italien lautet, das ,, politische Klima", in dem das neue Gefeß gereift ist: die Regierung liegt in Händen einer Partei, die von den Unternehmern ungeheure Geldopfer gefordert hat und noch heute fordert. Revanchiert hat sich beiterorganisationen und ihrer Rechte; die Unterdiese Regierung bisher durch Beseitigung der Arnehmer verlassen sich weiter auf fie, zahlen mit Zähnetnirschen, vertrauen aber auf die Ueberlegenheit, die ihnen aus ihren Zahlungen erwächst und sind mit Mussolini überzeugt, daß die Vorteile bei weitem größer sein werden als bie Mißhelligkeiten." Das Gefet besteht aus 23 Paragraphen, von denen einige 1 hier angeführt sein mögen: § 1 jezt fest, daß Unternehmer- sowie Arbeiterverbände gesetz fiche Anerkennung und Rechtsfähigkeit erlangen können. wenn sie den folgenden Bedingungen genügen: a) bei Arbeitgeber verbänden, wenn ihre Mitglieder wenigstens ein Zehntel der Arbeiter des betreffenden Gewerbes in dem Wirkungsgebiet des Berbandes beschäftigen; bei Arbeiterverbänden, wenn ihre Mitglieder wenigstens ein 3ehntel der Arbeiter des betreffen den Gewerbes und Gebietes darstellen; der Beitritt muß bei beiden Verbanden freiwillig erfolgen; b) wenn sie außer dem Schutz der wirtschaftlichen und moralischen Interessen der Mitglieder, Bohl fahrts, Bildungs- und nationale Erziehungszwede verfolgen; c) wenn die„ Führer des Verbandes die Gewähr der Befähigung, Sittlichkeit und sicheren nationalen Glaubens bieten. § 2 bestimmt, daß auch die Angehörigen freier Berufe für ihre Bereinigungen gefeßliche Anerkennung erlangen fönnen. § 4 regelt die Formalitäten der gefeßlichen Anerkennung, die durch tgl. Defret erfolgt. § 5 setzt die praktischen Folgen der Rechtsfähig feit für die Synditate feft. Kraft der Rechtsfähigkeit vertritt das fett für die Synditate fest. Kraft der Rechtsfähigkeit vertritt das Syndikat der Unternehmer alle Unternehmer feines Territoriums, fie selen Mitglieder oder nicht, das Syndikat der Arbeiter vertritt alle Arbeiter, das der Angehörigen der freien Berufe alle Angehörigen. Diese Michtmitglieder, die sich zwangsweise von einer Organisation vertreten fehen, der sie nicht angehören, müssen dieser Organisation einen Jahresbeitrag zahlen, der für die Unternehme: nicht mehr als einen Arbeitstag für jeden von ihnen beschäftigten Arbeiter betragen darf, für die Arbeiter und Angehörigen freier Berufe nicht mehr als den Ertrag eines Arbeitstages. Ein Zehntel dieser Zwangsbeiträge ist zur Sicherstellung der von den Organisationen durch Arbeitsverträge eingegangenen Verpflichtungen zu hinterlegen. Die Unternehmer müssen, bei Strafe bis au 2000 Lire, die Zahl ihrer Arbeiter anzeigen. Die 3wangs beiträge werden von den Unternehmern und den freien Be rufen auf dem für die Gemeindesteuern festgesetzten Wege ein getrieben, für die Arbeiter vom Lohn einbehalten. Nur die Mit glieder nehmen am Leben des Syndikats teil; nur die rechtsfähigen Syndifate dürfen Vertreter entfenden in die Körperschaften, für die das Gesetz die Beteiligung von Unternehmer- oder Arbeitervertretern Dorfieht. § 6. Für jede Kategorie von Arbeitern, freien Berufen und Unternehmern tann nur ein Verband in dem betreffenden Territorialbereich anerkannt werden; von der Anerkennung ausgefchloffen find alle Berbände, die ohne Autorisation der Regierung in einem disziplinarischen oder Abhängigkeitsverhältnis zu Organisationen internationalen Charafters ftehen. m §§ 7 und 8 regeln die innere Organisation des rechts §§ 7 und 8 regeln die innere Organisation des rechts fähigen Berbandes. Jeder muß einen Borsitzenden. oder Sekretär haben, der ihn leitet, vertritt, für seine Berwaltung verantwort ich ist und ausschließlich die Disziplinargewalt und das Recht der Aus. schließung ausübt. Er wird gewählt oder ernannt, je nach den Satzungen des Verbandes; Wahl oder Ernennung sind aber nur gültig, wenn sie durch kgl. Dekret auf Borschlag des Justizministers unb des Ministers des Innern bestätigt werden; die Bestätigung fann jederzeit widerrufen werden. Den Borfizenden und Sekretären steht ein wählbarer Verwaltungsrat zur Seite; dieser fann vom Bräfetten oder vom Minister aufgelöst und feine Befugnisse fönnen für höchstens ein Jahr dem Borsigenden oder Sefretär übertragen werden. In ernsten Fällen fann auch ein außerordentlicher Kommissar mit der Berma. tung betraut werden. § 10 betrifft die Tarifverträge Die von den gesetzlich an. erkannten Syndikaten abgeschlossenen Tarifverträge sind für alle Arbeiter, freien Berufe und Unternehmer verbindlich, die das b treffende Syndikat vertritt. Sie sind nur bei schriftlicher Abfassung gültig. § 11 bezieht sich auf die Einschränkung und Aufhebung des Roalitionsrechts. Die Angestellten des Staates, der Provinzen, der Gemeinden und der öffentlichen Wohl tätigkeitsanstalten sind von den Bestimmungen des vorliegenden Gefeßes ausgeschlossen, in Erwartung besonderer Bestimmungen. Jedermann sein eigener Dichter. Eine Idee von Kurt Offenburg. Der moderne Mensch fultiviert seine Persönlichkeit. Er hat seinen individuell zugeschnittenen Cutaman, sein Eigenheim, fein Eigenfleid marum sollte er nicht seinen eigenen Roman haben? Man badet zu Hause, man rasiert sich selbst warum dichtet nicht jeber anständige Mensch seinen eigenen Roman? Diese Beschäftigung hätte alle möglichen Vorteile für sich. Man brauchte sich nicht über den Idioten von Autor zu ärgern, der den Helden in einen 30- PS.- Tourenwagen fetzt, während man einen 60- PS.- Rennwagen vorzieht. Man kann sich die Dame des Herzens auswählen; fann sie blond oder braun machen, mit Bagentopf oder den Knoten tief im Raden, fann mit ihr bei Dressel speisen oder in einer Baldlichtung Burstbrote' effen: furz, man kann nach Herzenslust individuell sein. Und weiß Gott, lieber Leser, es ist nicht schwer, Romane zu schreiben; heutzutage, wo die Säuglinge schon mit Federhalter bemaffnet zur Welt kommen und die allgemeine Bildung aufs furcht barste grassiert! Man muß sich bloß laufen lassen im Gehirn nämlich. Die meisten Dichter machen es nicht anders. Sie denken, sie wären der oder jener, wünschen sich dies oder das und lassen die Geschichte lossausen. Möglichst in angenehmer Richtung. Das fann jeder. Und der gute Ausgang, den wir alle wünschen, wäre totsicher, wenn jeder seinen eigenen Roman schriebe. Nehmen wir von einem großen Haus die Fassade weg, mitsamt den Schildern. Maier, Seidenwaren und Buz". Welche Fülle von Belletristik wimmelt in diesem Laden! Mikrobenheere von literarischen Träumen! Born am Eingang fißt die alte Kassiererin und reiht, wie es scheint, emfig und unermüdlich Zahlen an Zahlen; aber in ihrem Gehirn braut ihr großer Roman. Zwanzig Mart. 25 Mart Zulage im Monat, das macht dieses Jahr wenn man die Butter ipart 200 Mart, und 800 auf der Sparkasse. 15 Jahre mal 200 dann könnte man das Häuschen kaufen. Sie sieht sich vor die Stadt fahren Der Käfig mit dem Kanarienvogel muß neben den weißen Gardinen( hoffentlich halten sie noch) am Fenster hängen Sie sieht die gehäkelte Dede( Garn Rr. 100) auf dem runden Tisch vor dem Sofa und die große Meermuschel zwischen den beiden Rippesfiguren auf der Kommode. Man tommt doch, Gott sei Dant, van etmas Besserem her. Die Frau Pfarrer wird sicher mit unfereinem verkehren. Die selige Mutter ist auch schon immer fürs Höhere und Feine gewesen das hätte sie noch erleben müssen.. Und die Kassiererin sieht sich mit ihrem stillen und dezenten Wesen in sommerlicher Laube bei Kaffee und Kuchen mit angesehenen Damen. Wie schön, sein eigener Herr zu sein! Das literarische Wert der alten Kassiererin gäbe eine Idylle. Ein fescher dunkeläugiger Berkäufer begleitet mit eleganter Berbeugung eine blonde Dame zur Tür. Und als er wieder die Seidenstoffe aufzurollen anfängt, unterbricht er seine Arbeit und schwenft träumend den Meterstab wie eine Reitpeitiche vor sich her. Wie die Blonde vorhin beinahe ausgeglitten ist! Wenn sie hingefallen wäre, fich den Fuß verstaucht hätte! Er trägt sie zum Wagen, behutiam mit verhaltener Glut. Er fährt mit ihr nach Hause. Ihre § 12 erkennt die giftenzberechtigung ber nicht an.1 erfannten Verbände an, die der Ueberwachung durch die Präfeftur im Sinne des Defrets vom Januar 1924 unterstehen. ( Das Defret foll ihre statutengemäße Funktion sichern; da diese nun auf Grund des heutigen Gesezes von den anerkannten Berbänden monopolisiert wird, muß der Präfeft die Existenzberechtigten" un bedingt auflösen.) § 13, den die Vertreter der Großindustrie erst nach den angeführten Bersprechungen Mussolinis heruntergeschluckt haben, hat folgenden Wortlaut: Alle Kontroversen, die sich auf die Disziplin der follettiven Arbeitsverhältnisse beziehen, auf die Durchführung von Tarifverträgen oder anderen Vorschriften, oder auf die Forderung neuer Arbeitsbedingungen, unterstehen der Kompetenz der Appel lationsgerichte, die als Arbeitsgerichtsbarkeit funktionie ren. In allen Fällen ist ein Versöhnungsversuch von seiten des Vorsigenden des Gerichts obligatorisch." Ein politischer Hochstapler. Karl Erdmann, der Funktionär der Arbeitgeber- Verbände Die bisherige Diskussion über die Korruptions persuche der Propagandastelle der Deutschen Arbeitgebernerbände hat immerhin den einen Vorteil gebracht, daß die Hauptbeteiligten ihre dunklen Machenschaften allmählich zugeben. Als erster tat es Herr vo nt Borsig, der im Gegensaß zu früheren Ableugmungsversuchen in einer Erwiderung auf die gegen ihn gerichteten Angriffe schließlich erklärte, er habe die Herausgabe von Schriften des Firn" und eines diesem nahestehenden Verlages, der„ Neuen Gesellschaft", finanzieren und überdies Schriften dieser Verlage auftaufen lassen. Jezt meldet sich auch der Agent der Unternehmerverbände, der mit seiner Tätigkeit als literarischer Berater der Herren von Zengen und Dr. Meisinger §§ 14 und 15 bestimmen die Bildung der Arbeits- feine Zugehörigteit zur Sozialdemokratischen Partei verein gerichte, die aus drei Berufsrichtern und drei Beisigenden be- baren zu können glaubte, bei uns mit einer längeren Zuschrist stehen; diese Beisigenden werden aus einem Berzeichnis von Sach zum Wort, deren wesentlichen Inhalt wir unseren Lesern nicht verständigen in Arbeitsfragen vom Vorsitzenden des Appellations vorenthalten möchten. Karl Erdmann erklärt, daß er unter Beisitzer sein. Alles nähere, befenders die Befugnisse der Beifizer fächlich für die Berbreitung der Schriften des Firn" plan gerichts ernannt. Mittelbar oder unmittelbar Beteiligte tönnen nicht dem schönen Namen: Gesellschaft„ Aufbau und Werden" tatund die Kriterien ihrer Aufnahme in das Sachverständigenverzeichmäßig und möglichst umfangreich gesorgt habe und fährt dann nis bleiben den Ausführungsbestimmungen vorbehalten. § 17 betont das monopolder anerkannten Organi fationen, die allein bei Kontroversen über Arbeitsfragen eingreifen tönnen; wo anerkannte Organisationen nicht existieren, ernennt der Appellationsgerichtspräsident einen besonderen Kurator, in diesem Fall fönnen sich auch die einzelnen Beteiligten bei der Berhandlung vertreten lassen. Die Entscheidung des Gerichts ist für alle Arbeiter, Professionisten und Unternehmer der Kategorie, auf die sie sich bezieht, verbindlich. § 18 formuliert das Aussperrungs- und Streif. Streif find in all den Fällen verboten, in denen die Recht verbot in folgenden Worten:„ Die Aussperrung und der fprechung der Arbeitsgerichtsbarkeit von Gefeßeswegen oder durch Einvernehmen der Parteien obligatorisch geworden ist. Die Arbeit geber, die ohne gerechten Anlaß und zum alleinigen 3med, von ihren Untergebenen Veränderungen der bestehenden Arbeitsbedingungen Buße von 10 000 bis 100 000 2ire bestraft. Im gleichen Falle werden zu erhalten, die Arbeit in ihren Betrieben einstellen, werden mit die Angeftellten oder Arbeiter, die nach vorhergehendem Einverständnis in der Zahl von drei oder mehr die Arbeit verfaffen, mit Buße von 100 bis 1000 Lire bestraft." Auch die weiteren Bestimmungen sind lediglich Strafandrohungen gewidmet. Eine Organisation, die nur 10 Proz aller Ar beiter des betreffenden Gewerbes umfaßt, fann also die Arbeitsbedingungen auch für die übrigen 90 Broz. regeln und fann von diesen übrigen zwangsweise Beiträge eintreiben lassen. Jede Kontroverse wird einem von der Regierung ernannten Richterfollegium überstellt, das nach ganz verschwommenen Billigkeitserwägungen entscheidet. Für diefes Kollegium fommen die Arbeiter als Macht gar nicht mehr existieren, da ihnen die Möglichkeit der Ar in Betracht, weil sie als legale Macht in Italien nicht beitsverweigerung genommen ist. Dagegen werfen die Wagschale. Wenn sie ihre Arbeiter nicht mehr aussperren die Unternehmer ihre ungeschmälerte wirtschaftliche Macht in fönnen, so fönnen fie der herrschenden Partei ihre Taschen aufperren Der Beredsamteit dieser Gebärde werden sich die Richter, die nach der Durchfiebung durch Die neuen Gefeße übrig bleiben, sicher nicht verschließen fönnen. Sonntag wurde in Karlsruhe ein Landesausschuß der soziai Zusammenschluß der sozialdemokratischen Beamten Badens. Am demokratischen Beamten Badens mit dem Siz in Karlsruhe gegründet. die Deutschnationalen angestimmt hatten, demonstrierten tschechische Gegen das Deutschlandlied im Prager Parlament, das lezthin Chauvinisten auf den Straßen Prags. Angriffe auf deutsche Verfehrslokale und Zeitungen verhinderte die Polizei. Ohnmacht ist nicht ganz echt. Er hebt sie auf die Ottomane und füßt ihr stürmisch die Hände, als sie erwacht. Sie lädt ihn zum Tee. Vielleicht ist sie eine Gräfin, aber die Kluft von Rang und Stand überbrückt die leidenschaftliche Liebe. Und so weiter. Ueberschrift: Der Liebesroman eines fchlanten jungen Mannes. " Der jüngste Lehrling schneidet mit Berachtung und stürmischem Bagemut in Futterstoff, den er ausmustern soll. Er schneidet da neben, aber seine Gedanken sind erhaben über sein schmerzlich emp fundenes Ellenreitertum. Seine Mußestunden gehören dem Stahlhelm". Er spinnt zu Hause wilde Pläne, gebeugt über die Karten flaffischer Strategen. Auch Napoleon war flein von Gestalt. Und der Lehrling rout die Augen, zerschneidet den Kattun und besiegt Europa.. Heldenepos. Im ersten Stock steht die Köchin am Herd und schlägt den Kuchenteig mit träftigen Armen. Aber die Tränen rinnen in die Tortenmasse. Biquedame hat dicht neben Herzbube gelegen, gestern abend bei der Wahrsagerin. Die dicke Köchin schluchzt: fie hat fich fchon auf dem Tanzboden nichts Gutes gedacht, als ihr Wachtmeister mit der frechen Marie scharmuzierte. Aber die soll sich hüten!. Die Köchin schlägt schwer in den Teig. Boltsstück! | fort: „ Die Kampfmittel der Gesellschaft Aufbau und Werden" stammen aus der Hand aller vernünftigen Leute, die sie entbehren fönnen, wobei ganz selbstverständlich nur solche in Frage kommen, die Mittel haben. Weil es die auch in der SPD. gibt, haben sie gern geopfert. In der Hauptfache tommen die hier erforderlich gemejenen Beträge aus dem Fonds der„ Bereinigung der Arbeitgeberverbände“. Das war gut, vernünftig und wirkungsvoll."(!) Mit Bezug auf diesen Schlußsag ist allerdings sogar die nung, die am Sonnabend zu den Propagandamachenschaften DA3." als Organ eines Unternehmerfonzerns anderer Meider Unternehmer folgendes schreibt: Aus der Vereinigung ist oft der von uns nur begrüßte Wunsch laut geworden, die Arbeitsgemeinschaft zwischen Arbeitnehmern und Arbeitgebern in irgendeiner Form wiederherzustellen. Damit verfachliche Bertretung der berechtigten Arbeitgeberintereffen hinaus zu trägt sich aber nicht ein Propagandafeldzug, der über die notwendige etwas dunklen Wegen seine Zuflucht nimmt. Die finanzielle unterstügung und Abhängigmachung von Berlagen, in denen sozialistische Arbeitnehmer ohne Kenntnis der Zufammenhänge Broschüren veröffentlichen, muß schließlich auf die Beziehungen zwischen Unternehmer und Arbeiterschaft vergiftend wirken. Dazu braucht noch nicht einmal der Vorwurf zu kommen, daß auf den Inhalt dieser mit großen Mitteln vertriebenen Beröffentlichungen irgendein Einfluß genommen wird." Wie hat nun Karl Erdmann sein Werbehandwerk ausgeübt? Dazu verrät er uns freundlich das Folgende: Bon vielen mir geeignet erscheinenden Schriften der letzten Jahre, auch von den hier in Frage kommenden, habe ich mir immer die korretturbogen perfchafft und mit diesen habe ich die 3medmäßigkeit der Berbreitung mit den mir nahestehenden Herren Aber schon der Verfuch Ihrer Gemährsleute, beeiden zu wollen, daß aus der Vereinigung Deutscher Arbeitgeberverbände besprochen. Besprechung mit dem Berleger oder den Autoren, ist ein ganz am Inhalt der Schriften ein Jota geändert märe, mit oder ohne unerklärlicher Mut." Uns erscheint der Mut des Herrn Erdmann, das bestreiten der Stellen aus einer Korrektur ftreichen wollte, weil se nicht zu wollen, noch unerklärlicher. Er selber hat einem Autor, von ihm stammten, erflärt, es sei jezt schon dafür zu spät, die Broschüre sei bereits im Drud und damit die Korrettur verhindert. Ueberbies fönnen wir uns der„ DA3." in der Auffassung ganz anschließen, daß diese Machenschaften auch dann dunkel haben sollte. find, wenn keine Beeinflussung der Autoren vorgelegen Weiter erklärt Karl Erdmann, daß Albert Baumeister weder von ihm noch von seiner Gesellschaft noch von der Vertuend und ein schöner Vorzug vor Serienproduktion und bestellter Arbeit. Ueberdies blizt hier und da ein Funfen auf, werden freieste Recheiten mit Anmut ausgesprochen und menschliche Kleinlichkeiten greifbar bildhaft gestaltet. Und das ganze geht lustig gegen die Bhilister, Banaufen, Spießer. Nicht sternheimisch, zischend und praffelnb, fondern sternheimelnb, mit einem gemütlichen Schmunzein. Und dann: Friedr ch Raff hat das Stück so obenhin, aus dem Handgelent geschlenkert, ohne Erfolgfucht und ohne Gesuchtheit. Was hätte ein mit allen Wassern gewaschener französischer Bühnentechniker aus dem originellen Stoff gemacht! Die Komödie vermittelte im Theater in der Kloster= straße ein paar luftige Biertelstunden. Das will was heißen. Denn die Aufführung an fich unterbot bescheidene Ansprüche. Von der ordnenden Hand eines Regisseurs war nichts zu spüren. Und mie nötig märe es gewesen, sich des Fräuleins Else Ruethel anzunehmen. Diese junge Dame beschäftigt sich den ganzen Abend damit, fich niedlich zu geben. Qualvoll! Sie verniedlicht ihre Be wegungen, ihr Lachen, ihre Worte. Und dabei führt sie einen ausfichtslosen Kampf mit dem dramatischen R, gespreizt bis zur Un erträglichkeit. Ein Genuß dagegen der Apostel des Gerd ride. Die heillose Unbeholfenheit und die milde Sanftheit des volfs= rednerischen Asteten verraten exquisite Lustspielfähigkeit. Ueber ein famoses Talent verfügt auch Annemarie Hase, die einer ältfehlte die Harmonie. Statt dessen gab es ein Borbeigerede mie ungeschicktes Stegreiffpielen. Dgr. Die Frau des Chefs fizt im Boudoir vor der Barocktoilette und lichen Jungfrau prächtige parodistische Züge verlieh. Im übrigen träumt... Vorhang! Das wird eine nicht ganz dezente Ehebruchsnovelle. Lieber Leser, schöne Leserin: hat nicht jeder Mensch unter der phantastischen Sonne seinen Roman in der Tasche? Der Roman, den er nicht müde wird zu lesen? Uber eines haben sie alle gemeinschaftlich: diese geträumten Geschichten des Daseins, sie sind noch titschiger als die Literatur! Der Held oder die Heldin find überzeichnet, sind so süß und verlogen wie ein jeder sich selbst tennt. Ach vielleicht kämen doch peinliche Dinge heraus, wenn jeder seinen eigenen Roman schriebe! Und das Spaßigste dabei ist: fie wiederholten fich, die Träume, die ein jeder sich aussinnt. Sie find Plagiate der Seele, Abschriften vergilbter Ge fühle, die immer wieder als Originalschöpfungen aufgezogen werden. Abseits vom Schema. In Friedrich Raffs Romödie ,, Die Expedition ins Innere" gibt es keine dramatische Steigerung und fein Fortschreiten einer Handlung. Sie ist eine Zustands schilderung. In eine Ehe, in der die Frau den Mann anödet und umgekehrt, in der also der Ehebruch überfällig ist, schneit ein abfonderlicher Apostel hinein, ein Mann, der als Beruf Expeditionen ins Innere der Menschen ausübt. Er befühlt das Kinn, den Schädel, das Ohr, den Raden( der Nacken offenbart den Grad der Sinnlich feit) und entschleiert dann das wahre. Seelenbild. Eine hübsche Spielerei, peinlich zwar, wenn des Wesens Kern in Gegenwart von andern, des Gatten, der Freundin, ans Licht gezerrt wird. Aber höchst prickelnd. Der Naden nimmt allerfcits das Interesse tolossal in Anspruch. Ja, das ist der ganze Inhalt. Wie man sieht, hat der Autor nicht nach einem der bewährten Rezepte gearbeitet, nach denen sonst die ortsüblichen Schwänte gemigt werden. Das ist, so dünn, so weitschweifig, so bühnenfern die Komödie auch sein mag, wohl Ein halbes Jahrhundert Telephon. Ein halbes Jahrhundert ist in diesen Wochen seit der Einführung der durch den Amerikaner Graham Bell verbesserten Erfindung des Telephons verflossen. 1861 hatte der Deutsche Philipp Reis aus Gelnhausen schon einen brauchbaren Apparat zur Tonreproduktion auf entfernte Stationen" hergestellt, dessen erste Vorführung im Hörsaal des Frankfurter Physikalischen Vereins im gleichen Jahre 1861 großen Eindruck machte. Eine zweite ebenso wirksame Vorführung fand 1863 auf der Naturforscherversammlung in Gießen statt. Graham Bell brachte 1875 noch unvollkommene Apparate neuer Konstruktion auf den Markt, die jedoch in wenigen Monaten weltbefannt wurden. Die Galerie Neumann n. Nierendorf, Lüßowstr. 32, eröffnet soeben eine Ausstellung neuer, bildmäßiger Aquarelle von Mar Bechit ein. Ferner gibt die neue Ausstellung Kollektionen von Erich Heckel. Dito Müller, Mag Rous, Anton Kerschbaumer, Richard Herber, Lazard, George Groß, Dito Dig und Rudolf Schlichter. Während der Weibnachtswochen liegen außerdem Die Ausstellung ist ge eine große Anzabl Arbeiten junger Künstler aus. öffnet von 10-7 Uhr, Sonntags von 11-1 Ubr. Die Staatliche Kunnib bliothet, Prinz- Albrecht Straße 7a, bleibt rom 28. Dezember b. 3. bis zum 2. Januar 1926 wegen Umstellungs- und Reinigungsarbeiten gefchlofen. Amund ens Maud. Das Erpeditionsschiff Amundsens, Maud, das in Seattle liegt, ift für 40 000 Dollar an einen Amerikaner verfaust worden. Ein historisches Gebäude in Kapstadt niedergebrannt. Groot Constanza, eine der ältesten Bauten aus der ersten Zeit der südafrikanischen Solonie, ift, wie Reuter aus Stapftadt berichtet, burch Feuer vollständig zerstört worden. emigung der Deutschen Arbeitgebcrverbande irgendwann einen einzigen Pfennig an Zuwendungen, sei es privat noch sonst irgendw-e. erhatten habe. Das Der- HSItnis zwischen Erdmann und Baumeister wird noch aufzu- klären sein. E r d m a n n schließt seinen Bericht mit folgenden für feine Person außerordentlich bezeichnenden Worten: „Den Vorwurf einer„Korruption" gegen alle Beteiligten bin ich allein aufzugreifen berechtigt. Die Verantwortung übernehme ich gern und werde Ihre Wünsche nach Aufklärung mit einer Be- reitwilligkeü erfüllen, die Ihre Erwartungen gewiß übertrifft. Und das soll sehr bald geschehen." Diese Drohung, mit der Karl Erdmann verhindern will, daß man sich weiter mit seiner Person öffentlich beschäftigt, kennzeichnet ihn als einen politischen H o ch st a p l e r, der Enthüllungen über andere ankündigt, sobald sein dunkles Hand- werk zutage getreten ist. Wir sehen seinen Schritten mit denk- bar größter Fassung entgegen. Die Oeffentlichkeit, auch die im Unternehmerlager, kann nur dabei lernen, mit wie zweisel- hasten Elementen Herren wie Hauptmann a. D. von Zeugen und der bekannte Aktennotiziar Dr. M e i ß i n g e r auf das engste persönlich verkehrt haben, um im Arbeit- nehmerlager Verwirrung anzurichten. Sehrens unü Sie Kartoffeln. Oder: die Arbeitgebervereinigung als Bankier. Der Reichstagsabgeordnete Franz Behrens veröfsentlicht in der „Frankfurter Zeitung" ein« Erklärung, die sich nüt dem auch von uns erwähnten Darlehen der Arbeitgeberverein!- gung von SOOOMork an den Zentralverband der Landarbeiter beschäftigt. Wie erinnerlich, war die Vermutung aufgetaucht, daß dieses Darlehen für den Fememörder Oberleutnant und Ausbruchs- organifator Schulz aufgenommen worden ist. Dieser Mann war nämlich vor seiner Verhaftung Angestellter des Zentratverbandes der Landarbeiter, und innerhalb der Arbcügeberverbande sowohl, wie innerhalb der christilcheu Gewerkschaften war schon seit Monaten davon die Red«, daß das Geld tatsächlich für diesen Zweck bestimmt gewesen ist. Franz Behrens, feines Zeichens deutschnationaler Reichs- tagsabgeordneter und Vorstandsmitglied des genannten Verbandes, erklärt nun, daß die 5900 Mark tatsächlich vom Arbeitgeberoerband entliehen worden sind, aber nicht zur Unterstützung von Schulz, sondern zur Abdeckung von Schulden, die die„Vermögens- Verwaltung des Z e n t r a l v e r b a n d e s der Land- a r b e i t e r G. m. b. H." infolge von Verlusten beim Kartoffel- geschäft erlitten haben soll. Man sieht, es passieren merkwürdige Dinge. Zur Arbeitszeit- Propaganda waren die Gelder bestimmt, die die Arbeitgeber durch Umlage bei ihren Organisationen aufgebracht haben. Herr von Zengen aber betätigte sich als Bankier für den Zentralverband der Landarbeiter! Schon das wäre ein ausreichender Skandal. Auf- fallend aber ist, daß Herr Behrens erst jetzt mit dieser Erklärung herausrückt, nachdem die Oeffenllichkeü einen großen Druck aus- geübt hat, um überhaupt etwas von den christlichen Landarbeitern zu hören. Aufallend ist ferner, daß trotz dieser Erklärung es im Lager der christlichen Gewerkschaften doch Leute gibt, die die Ueber- zeuaung vertreten, daß da» genannte Darlehen nickt für eine Wirt- schaktsorganisttion. fondern für den Oberleutnant Schulz per fön. lich zur Erleichterung seiner Haft verwandt wurde. Diese Tatsache wird durch die Erklärung des Abgeordneten Behrens nicht aus der Welt geschasft. Antwort an Siemens. Tic Femc-Mörder aus dem Ti'emens-kkonzern. Man schreibt uns von unterrichteter Seit« Unter dem Titel„Die Arbeitnehmer des Siemens-Konzerns" hat die Firma S i e m e n s in der Berliner Presse eine Beruhigungs- notiz veröffentlicht. Wer den Standpunkt der Firmenleitung kennt, niemals Be- richtigungen gegen Zeitungsangrifse zu bringen, muß sich über diese Art, die jetzt eingeschlagen wird, sehr wundern. Der Firma ist an. geblich von einer politischen Agitation innerhalb der Betriebe„nichts bekannt". Der„Vorwärts"-Artikel vom Freitagabend„Die Siemens-Detricbe als Verschwörungsherd" hat bereits schloglichtartig darauf hingewiesen, wie es in dem einen Konzernwerk aussteht. Aus den übrigen Betrieben haben wir ebenfalls Mitteilungen er- halten, wie einzeln« führende Persönlichkeiten die völkisch-nationale Bewegung fördern und unterstützen. Es kann festgestellt werden, daß die P e r s o n a l r e f e r a t e der einzelnen Werke zum größten Teil In Händen völkischer Personen liegen, die aus ihrer Gesinnung absolut kein Hehl machen. Wenn in der Siemens- crklärung gesagt worden ist, daß die Firma selbstverständlich Leute, die sich innerhalb des Betriebes politisch betätigen, entfernt, so trifft das nur zu für solch«, die den links stehenden Parteien oder ober den freien Gewerkschaften an- gehören. Es haben ungefähr 500 bis 500 Offiziere der alten A r w e.e und Marine bei den Siemenefirmen ein neues Tätig- kcitsgebiet gefunden. Ein Teil von ihnen bezieht außer dem jetzigen Gehall noch Pensionen bis zu 500 Mark von der deutschen Republik. Viele von ihnen sind in leitende Stellen bei der Firma aufgerückt. Ihre Ausbildung erhalten sie in irgend einem technischen Bureau im Reiche, wo sie als Volontäre eingestellt wurden, und rückten dann in Berlin als Bureau- oder Personalchef oder aber als Zozialpolitiker auf. Daß sie teilweise in p o l i t i s ch r e ch t s- orientierten Organisationen sich befinden, ist weiter nicht verwunderlich, sie benutzen auch ihre Stellungen, um Gleich- gesinnte zu Stellungen im Konzern zu verhelfen. Das Ledigenheim, welches im Oktober dieses Jahres fertig» gestellt wurde, besteht aus einer Anzahl von Baracken, welche hinter den Werten am Rande der Iungfernheide liegen, man kann sie ruhig als Brutstätte der Völkischen bezeichnen. Es ist von aller Well abgeschlossen. Die Baracken sind eingeteilt in Zimmer mit zwei und vier Betten. Es sind nur enthalten: 1 Tisch, die entsprechende Anzahl Stühle und Kleiderschränke, wie sie früher in Kasernen üblich waren. Diese Baracken wurden damals bei dem Facharbeitermangel gebraucht« als man aus allen Teilen des Reiches Facharbeiter nach Berlin heranzog. Heute fehlt jede Berechtigung. den Betrieb der Baracken ausrecht zu erhallen. Es wird sich not- wendig machen, daß die Polizei ein wachsames Augenmerk auf diese Art Unterbringungsmöglichkeiten richtet. Wahlsabotage in Aegypten. Unter den Provinzialbürgermeistern ist«ine Bewegung im Gange zur D o y k o t t i e r u n g der neuen Wahl, welche der Premierminister Ziwar Pascha vorbereitet. Im Bezirk Talla sind allein 4l Bürgermeister entlassen worden oder zurückgetreten. Wahrscheinlich wird die Mehrzahl der Bürgermeister in ganz Aegypten Zurücktreten. Keine„Aufdeckung" in Bulgarien. Aus Sofia werden hatbaml- lich alle Meldungen über eine angeblich neu entdeckte kommunistische Verschwörung und in diesem Zusammenhang vorgenommene Der- Hollungen als vollkommen falsch«rigärt. De? goköene Sonntag. An der Ecke der Tülow- und Potsdamer Straße steht eine Kapelle der Heilsarmee: st« spiell zuerst Märsche, dann Weihiiachts- lieder. Sic achtet nicht auf den schneidenden Wind, auf den Schnee, der sofort schmilzt, die Menschen haben die nervöse Hast und Gc- jpanntheü des Wltags verloren, ihr Denken ist nicht mehr auf ein Ziel gerichtet, sie lassen sich treiben und geben sich ihren Emz'findun- gen hin. Kinder drücken sich an den Schaufenstern die Nasen platt und hoffen vielleicht, daß Weihnachten einen Teil ihrer Wünsch« erfüllen wird. Die Geschäftsstraßen sind überfüllt, doch der Rhythmus ist ein anderer als am Alliaa, das Leben verläuft gedämpfter, hat sein Tempo verlangsamt. Ruhe und Gelöstheit sind über die Mcn- scheu gekommen. Man ist heute kein Teil der Maschinerie, man steht außen, man darf das Leben beobachten wie ein Zuschauer im Theater, die Straße wird zur Szene, die man genießen darf. Und dazu die Aussicht auf drei freie Tage. Doch für viele ist die Freude getrübt. Was sollen sie mü Weihnachten? Arbeitslosigkeit oder drohende Entlassung. Geldmangel und wenig Aussicht auf Besserung der Lage sind die Schreckbllder, die keine Freude aufkommen lassen. Die Kinder stehen vor den Schaufenstern und klammern sich an den Anblick elektrischer Züge oder kunstvoller Steinbauten, Paradiese, die den meisten verschlossen bleiben, aber in dem Augenblick des Schauens verlieren sie die Erkenntnis, daß diese Dinge für sie un- erreichbar sind, sie nehmen Besitz davon, sie lieben in ihrem Wach- träum, doch der Erwachsene bleibt in seiner Sorge eingesponnen, in einen Schleier, der unzerreißbar ist. Der goldene Sonntag und Weihnachten werden für ihn zu Tagen der Enttäuschung. Der Gcschäfksverlauf. Die aus Anlaß der Schilderung des silbernen Sonntags hier aufgestellte Behauptung, daß die Ofsenhallung der Geschäfte an den Sonntagen vor den Feiertagen die Angestellten zwar erheblich be- laste, den Geschäftsinhabern"sehr wenig Nutzen bringe, wird durch den Verlans des goldenen Sonntag» erneut bestätigt. Und es ist interessant, daß selbst ein Fachblatt der Textilbranche, welches die Interessen des Einzelhandels wahrnimmt, das Zugeständnis machen muß, daß das große Publlkum es vorziehe, an den Wochentagen seine Einkäufe zu machen. Zwar war trotz des starken Schnee- gestöbers der Andrang in den Hauptoerkehrsslroßen, in der Leipziger, Potsdamer, Tauentzien-, Köniastraße, wieder riesengroß, aber das Ergebnis in den Kassen der Geschäfte entsprach keineswegs diesem ungeheuren Andrang. Es ist auch ganz natürlich, daß in einer Zeit, in der Extragratifikationcn nur in geringem Maße gezahlt werden. in der die Bezüge der Angestellten und Arbeiter völlig unzulänglich sind, das Heer der Arbeitslosen sich ständig vermehrt, das Ergebnis des Weihnachtsgeschäftes ein sehr ungünstiges sein muß. E s wird nur das allernotwendigste und das Unentbehr- l i ch st e gekauft. So war verhältnismäßig viel in den Geschäften zu tun, die Eßwaren führen, und auch die Geschäfte, deren Hcuixtartikel Süßigkeiten sind, waren mit dem Ergebnis einiger- maßen zufrieden. In Tertüwaren wurden auch wieder, wie am silbernen Sonntag, in der Hauptsache warme Unterkleidung, Strümpfe und billige Oberkleidung gekauft, Kleidung, die nicht der Mode unterworfen ist. Dagegen war die Ausbeute in den Kon- sektionsgeschästen und in all den Geschäften, die Luxusartikel führen, sehr gering. Alles in allem ein goldener Sonntag, der als Anzeichen für die trüben Zeiten gelten kann, die uns bevorstehen. Tauwetter unü Straßenreinigung. keine Einstellung von Arbeitslosen. Infolge des wiederHollen Eintretens von Tauwetter sind die Straßen Groß-Berlins fast ohne Unterschied in ein Meer von Schmutz und Matsch verwandelt worden, so daß der Fußgänger- verkehr auf das allerempfindlichste beeinträchtigt wird. Obwohl bereits in der vorigen Woche lebhafte Klage über unzulängliche Straßenreinigung geführt wurde, waren auch am heutigen Bor- miltage nur an den wenigsten Stellen Maßnahmen getroffen worden, um die Straßen Berlins, die sich in einem unbeschreiblichen Zustande befinden, von dem Schlamm zu säubern. Der Abwehrtampf gegen Schnee und Schmutz wird aber nicht, wie vielfach geglaubt wird, vom Stadtfuhramt, dem die Berliner Straßenreinigung als Zentralstelle obliegt, geführt, sondern von den einzelnen Straßen rein ig ungsdezernaten der 20 Bezirks- ä m t e r, die im allgemeinen von sich aus die Straßenreinigungs- maßnahmen anzuordnen haben. Die Bezirksämter besitzen An- Weisungen, die ihnen auf dos genaueste die zu treffenden Maß- nahmen vorschreiben. Im Laufe des heutigen Vormittags ist das ge- samte Stammpersonal der Berliner Straßenreinigung in Stärke von 3000 Mann ausgeboten worden, um den Komps gegen Schmutz und Schlamm aufzunehmen. Außerdem sind, besonders in den Hauptstraßen, 90 Waschmaschinen zur Reinigung des Asphalls und 8 0 Kehrmaschinen zur Säuberung der ge- pflasterten Straßenzüge eingesetzt worden. Arbeitslose sind, wie wir hören, bisher nicht eingestellt worden, da man im Städtischen Stadtfuhramt der Meinung ist. daß es beim richtigen und stattgemäßen Einsaß des Stammpersonals und der verfügbaren Hilfsmittel möglich ist, die Arbeit zu bewälligen. Völlig im argen liegen die Verhältnisse vielfach in den äußeren westlichen Vororten, oie einen starken Verkehr haben. Von einer Straßen- und Bürgersteig- reinigung ist dort manchmal nichts zu spüren. Eine Weihnachtsbescherung für Erwerbslose. Im Verwaltungsbezirk Friedrichshain wurde schon am Sonntag eine Weihnachtsfeier veranstallet, bei der ein paar Hundert Familien Erwerbsloser aus privaten Mitteln beschenkt werden konnten. Dank den Bemühungen des Stadtrats Genossen Brückner hatte sich auch in diesem Jahr wieder eine Anzahl im Bezirk wohnender Mitglieder aus Handel und Gewerbe bereit finden lassen, selbstlos allerlei nützliche und angenehme Weihnachts- gaben zu spenden. Auch die Angestellten der zum Dezirk gehörenden städtischen Badeanstalt an der Schillingsbrücke beteiligten sich an dem Licbeswerk und steuerten zum Ankauf von Geschenken bares Geld bei, das sie unter sich gesammelt hallen. Schwer war die Wahl unter den Famllien der, ach! so vielen Erwerbslosen, die der Bezirk Fricdrichshain zählt. Bedürftig sind sie alle, aber nur B e d ü r f- t i g st e konnten berücksichtigt werden. Im ganzen wurden über 200 Familien beschenkt, zu denen rund 400 Erwachsene und ziemlich 4000 Kinder gehören. Hauptsächlich gab man warme Kleidung und Wäsche, für die Kinder auch Spielzeug, für die alten Männer etwas zum Rauchen, für die Mütter etliche Tüten mit Bohnen, Gries, Kakao usw. Die Bescherung wurde in Räumen des Bezirksarbeitsamtes hergerichtet, in den am Stralauer Platz stehen- den Holzbaracken, wo an Wochentagen die Erwerbslosen sich beim Arbeitsnachweis einfinden und in banger Sorge harren, ob endlich Arbeit für sie zu haben sein wird. Da diese Räume nicht die etwa 1400 zu bescherenden Personen gleichzeitig aufnehmen konnten, so lMte man sich darauf beschränken müssen, aus jeder Familie nur eins oder zwei Personen einzuladen, z. B. eins von den Kindern und als Begleiter die Muller oder den Vater. Für die Eingeladenen wurde beim Lichterglonz zweier Weihnachtsbäume eine Feier ver- anstaltet, an der auch Mitglieder des Bezirksamtes und der Bezirks- Versammlung, Beamte und Angestellte des Bezirksarbeitsamtes und Mitglieder des Berwallungsausschusses teilnahmen. Stadtrot Genosse Brückner, der Dezernent des Bezirksarbeitsamtes, fehlte leider unter den Gästen. Er hat vor einigen Tagen einen bedauerlichen Unfall erlitten und ist nun durch einen Knöchelbruch an das Kranken. loger gefessell. Stadtrat Genosse R o s i n, der ihn vertrat, erinnerte in seiner Ansprache an die erschreckende Mehrung der Arbeitslosen. Nur wer selber einmal durch Llrbeitslosigleu bedruckt wurde, kennt und versteht die Not der aus die Strohe geworfenen, die trotz aller Arbeitsfähigkeit und Arbeitslust vergeb» lich um Arbeit ringen. Bei dein Arbeitslosen, der Frau und Kinder hungern sieht, kommt es schließlich zu einer D e rz w e i f- l u n g s st i m m u n g. Aus ihr erklärt sich dann manches, was so ein immer wieder Enttäuschter und Verbitterter tut In Worten des Dankes gedachte Genosse Rossn der warmherzigen Spender, die diese Bescherung ermöglicht haben. Den Festteilnehmern wurde auch eine Bewirtung gegeben. Gefangsvortröge des Hegar-Ehors, Weihnacht?- musik aus dem Klavier, gemeinsame Lieder und der leibhastig zu den Kindern hereintretende Weihnachtsmann schufen eine freundliche Weihnachtsstimmung. ver Busflug auf öem Motorrad. Festnahme zweier Siltlichkeitsverbrecher. Zwei Sittlichkeitsverbrechern, die schon sell längerer Zeit ihr Unwesen besonders im Norden der Stadt trieben, konnte jetzt nach längeren Beobachtungen und Ermittlungen das Handwerk gelegt werden. Beide wurden gestern festgenommen und legten nach an- fänglichem Leugnen ein Geständnis ob. Die erste Anzeige gegen die zunächst noch unbekannten Ver- brecher war im Sommer 1924 erstattet worden. Die Männer hatten ein Mädchen aufgefordert, au einer kleinen Fahrt mll dem Motorrad teilzunehmen und es dann in der Gegend von Wittenau vergewaltigt. Die damaligen Nachforschungen blieben ergebnislos, und es schlen, als ob die beiden Rohlinge me gefaßt werden sollten, zumal auch keine wetteren Anzeigen einliefen. Vor zwei Monaten gelang es nun den Kriminalbeamten, in einem Eafe in der Exerzier- straße einige Anhaltspunkte zu gewinnen, die, weiter verfolgt, zur Aufdeckung des schändlichen Treibens und zur Verhaftung der Verbrecher führten. Es sind dies der 25 Jahre alle Fahr- radhändler Karl K. und der 34 Jahre alte Ehauffeur Otto R., beide aus der Naugarder Straße. Die Männer verkehrten in den Cafes der Exerzierstraße und der Umgebung des Weddings. Dort suchten und landen sie Bekanntschaften mit Mädchen, die sie bei einem späteren Zusammentreffen einluden, eine Fahrt auf dem Motorrad mitzumachen. Gemeinschaftlich, das Mädchen aus dem Soziussitz, fuhr man nach Wittenau oder Buchholz. An einer abgelegenen Stelle erlllt der Fahrer eine„Panne", die zum Abstetgen nötigte. K. und R. fielen dann über das Mädchen her und vergingen sich an ihm. Aus dem Heimwege nach Berlin nahmen sie ihr Opfer bis zu einer belebteren Straße mit. mäßigten plötzlich das Tempo und stießen die Begleiterin vom Sitz herunter. Durch die Ermittlungen der Kriminalpolizei wurde nicht nur der Fall aus dem Sommer 1924 ausgeklärt, sondern noch zwei andere, die K. allein zur Lost fallen. Die Mädchen hallen aus Scham kein« An- zeige erstattet. Bei einer dieser Fahrten war K. allerdings an die Unrechte gekommen. Das Mädchen schlug so tapfer auf ihn ein, daß er von ihr abließ und flüchtete. Ein anderes Mal beobachteten die Insassen eines Privatwagens, wie K. das ihn begleitende Mädchen vom Sitz stieß. Nur durch sein mohnsinniges' Tempo gelang es ihm damals, sich der Verfolgung zu entziehen. Trotz ihrer Schandtaten verkehrten sie immer wieder in denselben Lokalen, in denen sie die Mädchen kennengelernt hallen. Sie rechneten damit, daß sich diese dort nickt mehr sehen lassen würden und täuschten sich darin auch nicht. Die Festgenommenen geben selbstverständlich nur die drei Fälle zu, die ihnen nachgewiesen wurden. Zweifellos haben sie aber noch mehr auf dem Kerbholz. Alle Mädchen, die ähnliche Erlebnisse mit den beiden Burschen gehabt haben, werden daher ersucht, sich bei Kriminalkommissar Iolzannes Müller im Zimmer 330 des Polizei- Präsidiums zu melden. Es wird ihnen strengste Verschwiegenheit zugesichert._ Der ProzeH gegen die Gräfin Bothmer. Um �10 Uhr eröffnete Landgerichtsdirektor Dr. Hellwig die Sitzung. Zeuge Landgerichtspräsident a.D. Otto Rieck, 83 Jahre alt, schildert, wie sich die Angeklagte in aufopfernder Weise um seine verstorbene Frau in ihrer Krankheit bemüht habe. Auf die Frage des Vorfitzenden, ob die Gräfin ihn einmal belogen, äußert sich Präsident Rieck:„Ich stehe hier unter Eid, und ich bin gezwungen,: die Wahrheit zu sagen." Die Gräsin hat am Krankenbell meiner Frau ein Schriftstück angefertigt in Form eines Schuldscheines, wo- noch meine Frau gesteht, daß sie eine Schuld von 300 M. hinterlasse. Sie beauftragt darin die Angeklagte, diese peinliche An- gelegenheit zu regeln.„Lvri(die Gräfin)", so heißt es darin,„soll das Geld leihen. Ich kann nicht schlafen vor Sorge. Leiht mir doch das Geld. Ich bin alt und krank. Lebt wohl. Euer Klothildchen. 24. März 1924." Das Schriftstück trägt auch- die Unterschrist einer katholischen Schwester Veronika. Diese mysteriöse Angelegenheit lost große Bewegung im Gerichtssaal aus. Präsident Rieck bezeichnet 'diesen Brief als ein Lügen manöver der Gräfin, um in den Besitz von Geld zu gelangen, denn man hat ihr totsächlich darauf Geld geborgt. Seine verstorbene Frau hätte nicht nötig gehabt, Schulden zu machen. Erfroren. Einen traurigen Fund machten am Sonntag mittag Spazier- gänger im Jagen 85 der Wannseer Forst. Ungefähr' 120 Meter von der Jnsel-Chaussee entfernt, entdeckten sie in einer Schonung die Leiche eines jungen Mädchens, die völlig steif ge- froren war. Eine vorläufige Besichtigung der Leichi? ergab keine Anhaltspunkte dafür, daß an dem Mädchen ein Verbrechen verübt worden ist. Wahrscheinlich hat es sich in der Dunkelheit verirrt, ist ermüdet eingeschlafen und e r st a r r t. Es ist ober auch möglich, daß es durch Einnehmen von Gift Selbstmord verübt hat. Völlige Klar- l>eit über diese Fragen kann erst die Obduktion bringen. Di« Tote ist etwa 16— 18 Jahre all, 1,55 Meter groß, hat braune Augen und dunkelblondes Haar, das sie in einer Schneckenfrisur trug. Bekleidet war sie mll einem schwarzen Tuchmantel, einem braunen Kleid mit schmalem schwarzen Lackgürtel, einem lila Schlüpfer und ausgeschult- tenen schwarzen Schuhen, sogenannten Pumps. Die Leiche wurde nach dem Zehlendorser Schauhause gebracht. Mitteilungen zur Fest- stellung der Persönlichkeit an Kriminalkommissar Gahmig, Der- mißtenzentrale im Polizeipräsidium. Verkehrsstörungen durch Schnee. Aus dem ganzen Reiche werden starke Schneesälle und Stürme gemeldet, die in verschredenen Gegenden zu starten Per- kehrsstörungen führten. So wird aus dem Harz gemeldet, daß die Züge zwischen Klausthal und Altenau mehrfach in Schneeoer- wehnngen steckengeblieben sind und durch Schneepflüge freigemacht werden mußten. Nach Meldungen aus Lübeck war der Perliner Schnellzug, der nachnüttags 4,15 Uhr in Lübeck abgeht, bis 7,30 Uhr abends noch nicht in Kiel angekommen. Der Zugverkehr auf Strecke Eutin-Lübeck mußte vollständig eingestellt werden. Auch aus Pommern werden Sturm und Schneegestöber gemeldet. Auf allen Eisenbahnstrecken kann nur durch den Einsatz von Schnee- s ch l i t t e n der Berkehr notdürstig aufrechterhalten werden. Der Mittagszug zwischen N a u g a r d und Daber blieb bei Plentikow im Schnee stecken. Auch der Fernsprechbetrieb erleidet durch die Schneestürme starke Störungen. Schweres Autounglück bei Lübeck. In der Nacht vom Sonn- abend zum Sonntag ereignet« sich aus der L ü b c ck— T r a v e- münder Landstraße«in schweres Automobilunqlück. Infolge starken Schneetreibens sah der Chauffeur nicht, daß auf der Chaussee, die über einen Kanal siihrt, eine Schranke wegen eines durch- fahrenden Dampfers geschlossen war Als die rote Signallaterne bemerkt wurde, konnte der schwere Benzwagen nicht schnell genug zum Stehen gebracht werden, durchfuhr die Schranke, überschlug sich und fiel aus die etwa 10 Meter tiefe Kanalböschuna hinab. Der Wagen wurde völlig zertrümmert. Di« Insassen wurden später tot ausgesunden. Milllanenspenden der New Harter Börse. Wie aus New Dork gemeldet wird, will die New Dorler Börse anläßlich de§ WeihnachtS-- festes ungefähr 5 0 M i l l i o n e n D o l l a r an verschiedene New Aorker WohliahrtSeinrichtunflen zur Verteilung bringen. Außerdem sollen den Altionären 100 Millionen Dollar als Sonderdividendc überwiesen werden. Aussperrungstaktik der Unternehmer. Freitische für Unorganisierte. Das Verhalten der Unternehmer gegen diese Unorganisierten ist moralisch überhaupt nicht zu bewerten. Nachdem sie aus der Ge werkschaft heraus, erzegen" find, stürzt man sie bei Arbeitsfämpfen mit Abficht in die bitterste Not. Denn es soll ja dadurch, daß diese Leute dann der Armenfürsorge anheimfallen und Beträge erhalten, die zum Sterben zuviel und zum Leben zu wenig sind, die Front der Arbeiter zermürbt werden. Daß diese Spetula tion falsch ist, darüber sollten sich die Unterneh merteiner Täuschung hingeben. Umgefehrt aber sollten auch die Unorganisierten einsehen, wie erbärmlich fich doch die Unternehmer zeigen, wenn es einmal darauf ankommt, ihren Schüßlingen etwas zuzuwenden. 19 Doch nein, ganz ohne Hilfe will man die Unorganisierten auch nicht lassen, und so wird den Unternehmern freigestellt, für die Unorganisierten bei Aussperrungen durch Bereitstellung von Freifischen Die Behandlung der unorganisierten Arbeiter bei Streiks und Aussperrungen macht den Unternehmern außerordentlich viel Sorge. Es bestehen nicht nur zwischen den mächtigen Großfabritanten und den weniger einflußreichen Mitgliedern in ihren Berbänden Differenzen, weil sich die Kleinen unter dem Diktas der Großen nicht sehr wohl fühlen. Vor allen Dingen bei den Aussperrungen möchten die fleineren und mittleren Fabrikanten nicht nach der Pfeife der Großen tanzen. Das ist verständlich, denn allzu viel Unternehmer haben die Aussperrungstafit der Unternehmerverbände schon recht bitter empfunden. Die Folge war, daß sich unter der Hand eine Kommission dieser fleineren Fabrikanten bildete, um eine Sagungsänderung im Gesamt rerband deutscher Metallindustrieller durchzudrücken, die dihin geht, daß sich Unternehmer mit unter durchschnittlich 100 Arbeitern zu einer besondere n Bertragsgemeinschaft gegenüber den Arbeitern zusammenschließen können. Bor Ausbruch von Streitigkeiten ( Streif oder Aussperrung) muß jedesmal eine Fühlungnahme mit der anderen Gruppe eintreten, ob ein Zusammengehen beider Grup zu forgen So hat es im Verjahre der Eisenhüttenverband in pen oder eine anderweitige Unterstützung der fämpfenden Niederschlesien bei einer Aussperrung gemacht. Bettelfuppen für die Gruppe erforderlich ist. Der Vorstand und Beira' des Gesamtver Unorganisierten. Das ist der einzige Lohn, den die Unternehmer bandes deutscher Metallindustrieller hat diesen Antrag zurüdge für den Berrat der Unorganisierten an ihren Arbeitskollegen wiesen, weil er in einer solchen Sagungsänderung die Aufgeben wollen. Für solche Freitische sollen die Unorganisierten lösung des Verbandes ficht. Auch in Butunft müssen also die Unternehmer vor der Zahlung höherer Löhne bewahren. Es ist notwendig, daß die Unorganisierten gründlicher bekannt gemacht die kleinen Unternehmer nach der Pfelfe der Großen tanzen. werden mit der Rolle, die die Unternehmer ihnen zugedacht haben. Im Hintergrund dieses Antrags handelt es sich aber darum, Man glaube nicht, daß unsere Schilderung ein Bhantafieprodukt ob bei beschlossenen Aussperrungen auch die Unorganisierten fei. Auf der Geschäftsführerfonferenz der Bezirksver. hinausgeworfen werden sollen. Wiederholt haben sich bände des Gesamtverbands deutscher Metallindu. bereits Internehmer geweiger', die restlose Aussperrung durchzustrieller in München sollte der Synditus Dr. Neuhaus aus führen, u. a. die Metallindustriellen in Niederschlesien im Mai Görlig ein Referat halten über die Behandlung unorganisierter 1925. Bei der letzten Holzarbeiterbewegung hat sich der Arbeiter bei Streits und Aussperrungen. Da er verhindert war, Landesverband Schlesien ebenfalls geweigert, die unorganisier ist das Referat schriftlich niedergelegt und an die Be ten Arbeiter auszusperren. Und als dennoch im späteren Stadium zirksverbände durch den Gesamtverband deutscher Metallindustrieller des Kampfes dieser Landesverband die restlose Aussperrung beschloß. am 27. Nevember 1925 versandt worden. Allerdings wäre Herr da folgte einfach ein Tei! der Unternehmer nicht. Die schlesischen Neuhaus dankbar, wenn man auch noch andere Mittel und Bege Metallindustriellen weigerten sich mit der Begründung, daß zeigen fönnte, um Unorganisierte ohne Schaden für den Gesamtkampf fie auf feinen Fall die Erziehungsarbeit der letten von einer Aussperrung auszunehmen. Doch werden die Arbeiter Jahre zunichte machen lassen wollten. Aber das müzt dabei auch ein Wörtchen mitreden, und es wird schon dabei bleiben, alles nichts; der Gesamtverband stellt sich auf den Standpunkt, daß daß in der Tat für ein Linsengericht den Unorganisierten zugemutet bei Aussperrungen alles hinaus muß, ganz gleich, wird, die Unternehmer zu schüßen vor der Zahlung besserer cb organisiert oder nicht. Dafür werden eine Reihe von Gründen ins Löhne. Ob sich die Unorganisierten das auf die Dauer gefallen lassen Feld geführt, die sich vor allen Dingen die Unorganisierten werden, ist ihre Sache. Es will uns aber doch dünken, daß bei merfen müssen. gehöriger Aufklärung auch der einfältigste Unorganisierte das Wohlwollen" der Unternehmer für ihn erkennt, fich für die Betteljuppen bedankt und sich seiner Gewertschaft anschließt. Erstens haben die Unternehmer keine genaue Uebersicht, wer von den Arbeitern organisiert eder rnorganisiert ist. Würden sie die legteren im Falle einer Aussperrung meiterbeschäftigen, so find fie nicht sicher, daß auch ein Teil der Organisierten weiterbeschäftigt wird, der sich im Einverständnis mit den Gewerkschaften für unorganisiert ausgibt und dadurch in der Lage ist, die Streifenden fräftig zu unterstügen. Das ist das mefentlichste Moment. Wenn folche genauen Unterscheidungen auch in den kleineren Betrieben möglich sind, ausschlaggebend bleiben doch die Großbetriebe. 3weitens:„ Die Aussperrung der Unorganisierten bedeutet, so leides einem für den einzelnen tut, doch eine Abkürzung des Kampfes; denn diese Leute bekommen feine Unterstützung von der Gemertschaft; sie werden höchstens aus der Armenfürsorge geringfügig unterstüßt, was aber zum Leben nicht reicht; fie merden infolgedessen Unzufriedenheit in die Reihen der Streifenden und Ausgesperrten tragen und dadurch die Front der Arbeit nehmer schwächen. Man muß, wenn man schon einmal schlägt, dann den Schlag auch wirkungsvoll gestalten, und das geschieht mit dadurch, daß man restlos die Arbeiter entläßt." on Drittens haben die Unternehmer auch noch die andere Sorge, daß nach einer Beendigung des Kampfes tein liebenswürdiges Berhältnis zwischen den Organisierten und den Streikbrechern im Betrieb herrschen könnte. Es scheint, daß ihnen die Organisierten, weil in der Regel die besseren Arbeiter, doch lieber find als die Streifbrecher. Und alle diefe Gründe müssen beweisen, daß die Aussperrung auch der Unorganisierten notwendig ist. Man sieht hier deutlich die Motive, welche die Unternehmer bei der Behandlung der Unorganisierten verfolgen. Zuerst suchen fie mit allen Mitteln die Arbeiter zu erziehen", daß fie aus der Ge werkschaft herausgehen. Und diejenigen, die dumm genug sind, auf solches Liebesmerben hereinzufallen im Vertrauen auf die besondere Anerkennung des Unternehmers, müssen gewahr werden, daß sie bei Aussperrungen genau so hinausfliegen wie die Organisierten auch. Nur daß sie sich dann in unendlich ciel größerer Not befinden, da sie auf Hilfe durch die Gewerkschaften nicht rechnen fönnen. Um die Verhandlungen im Reichsbahnbetrieb. Die Eisenbahnergewerkschaften waren am Sonnabend abermals bei dem Reichsarbeitsminister vorstellig geworden, um die Einleitung von Schlichtungsverhandlungen noch vor Weihnachten sicherzustellen. Das Ministerium hat verschiedene Persönlichkeiten als Schlichter vorgeschlagen. Da vor der Ernennung eine Einigung der beiden Parteien auf einen Schlichter hergestellt sein muß, werden die Organisationen der Eisenbahner heute Montag mit der Haupts verwaltung der Reichsbahn- Gesellschaft in Verbindung treten. Es liegt jeht in erster Linie bei der Reichsbahn- Gesellschaft, teine weite. ren Schwierigkeiten in der Personenfrage zu machen. Jedenfalls werden die Organisationen alles versuchen, daß die Verhandlungen noch vor Weihnachten stattfinden. Aus dem Lager der„ Einheitsfront". Mit der Ueberschrift: Kaiser vollzieht den Bruch mit dem Zentralvorstand des V. d. a. B." hat„ Die Rote Fahne am Montag" ihren Bericht über die Berliner Generalversammlung des Verbandes der ausgeschloffenen Bauarbeiter am Sonntag versehen. Namens der Funktionäre dieser kommunistischen Sonderorganisation legte Kaifer Richtlinien für die zufünftige Arbeit des Vereins" vor. Der Wortlaut dieser Richtlinien wird in dem Bericht nicht angegeben, vielmehr deren Tendenz charakteri fiert, die 1. nur ein Lippenbekenntnis für die„ oppofitionelle Gewerkschaftsbewegung" und für das Zusammenwirken mit der KPD. bedeuteten, 2. fich gegen das Zusammenwirken mit der KPD. in der Frage der Gewerkschaftseinheit richteten, 3. eine voll, ständige Absage an den Zentralvorstand des B. d. a. B. enthielten, 4. Propaganda in diesem Sinne auch im Reichsmaßstabe dieses Verbandes forderten, sowie 5. den Beitritt zum Kartell felb ständiger Berbände und 6. die Abstoßung aller Mitglieder, die für die Herstellung der Gewertschaftseinheit wirften. Monats50 Wodent. 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Die im Kartell der Inhaber eines eigenen Ladens verbundenen kommunistischen Gewerkschaftsführer" erbliden in der„ Einheitsfront"-Propaganda der KPD. eine ständige Bedrohung ihrer Eristenz, gegen die sie sich zu mehren suchen. ,, Die gesamte Berliner Arbeiterschaft" wird nun in der Roten Fahne" aufgefordert, die Verteidigungslinie, die Kaiser gezogen habe, zurückzuweisen, da sie nicht Stärtung, sondern Schwächung der Klassenfront bedeute. Das ist sehr unvorsichtig von der KPD. Denn nicht nur die von ihr aufgepäppelten gewerkschaftlichen Sonderorganisationen bedeuten teine Stärfung der Klassenfront, sondern auch die KPD. selber mit all ihren wechselnden Linien" bedeutet nichts anderes als eine Schwächung der Klaffenfront in Deutschland. Die gesamte deutsche Arbeiterschaft muß die KPD. Linien zurüdweisen und von der KPD. fordern, daß fie aus ihrer Parole gegen die Kaisergruppe und die übrigen felbständigen Verbände" die fich für sie selber daraus ergebende Konsequenz ziehen soll. Keine Entlaffungen in der Schokoladenindustrie. Aus Hamburg hatten wir in Nr. 596 des Vorwärts be richtet, daß die Reinhardt Berte in Wandsbed fast ihre ganze Belegschaft entlaffen habe. Die Kakao Kompagnie Theodor Reichardt in Wandsbed läßt nunmehr durch WTB. richtig stellen, daß die Gerüchte über Arbeiterentlaffungen vollfommen unzutreffend feien. Es werde nur die übliche Weihnachtspause zur Ueberholung der Maschinen eingelegt, die sich dieses Jahr ausnahmsweise etwas länger ausdehnen werde, weil es sich nicht lohne, in den zwischen Weihnachten und Neujahr liegenden Werk tagen die Kefsel unter Feuer zu halten. Am 4. Januar würden sämtliche Arbeiter weiter beschäftigt. Achtung, SPD.- Bertiebsvertrauensleute! Der Kämpfer" Nr. 19 ift fertioneftellt unb fann im Bureau, Sinbenstr. 3, 2. Sof 2 St. in Empfang genommen werden. Besonders bie Bertreter ber Klein- und Mittelbetriebe werben erfucht, rechtzeitia abzuholen. Barteiausweis Bezirksverband Berlin der SPD., Betriebssekretariat. ist mitaubringen. Groß- Berliner Parteinachrichten. 19. Kreis Bankow- Niederschönhausen: Die Mitglieder des Büchertreifes fönnen thre Blicher in den Ronsum- Berkaufsstellen, Pantom: Brette Straße 16, Niederschönhausen: Raiser- Wilhelm- Str. 29, in Empfang nehmen. 34 Abt. Die neuen Bübertreismitglieder wollen fofort bis zum Mittwoch, den 28. Dezember bie Beiträge bezahlen bei Wendel, Ropernihusstraße 4. Sterbetafel der Groß- Berliner Partei- Organisation Ein30. Abt. Unfer Genoffe Karl Berneder, Ruglerstr. 149, ist verstorben. äscherung Dienstag, den 22. Dezember, mittags 122 Uhr im Krematorium, Gerichtstraße. Wir erwarten rege Beteiligung. Sport. Eishoden Wien: Berlin. Eine interessante Unterbrechung fand das gleichmäßige Ge moge auf der blanken Eisfläche des Sportpalastes am Sonnt abend und Sonntag durch das internationale Eishodenmatch Wien: Berlin. Am Sonnabend standen sich die Mannschaften des Wiener Eislauf- Vereins" und des„ Sportklubs Charlottenburg" gegenüber. Bereits nach den ersten Minuten trat die haushohe Hebeilegenheit der Wiener zutage, die in ihren Stürmerreihen den Kanadier Watson hatten. Die Technik Watsons spiegelte sich in der Kampfesart der übrigen Wiener Mannschaft wieder: schnelles Kombinationsspiel und eine ausgezeichnete Schußsicherheit. Bien fonnte mit 10 Toren in die Halbzeit gehen. Der zweite Teil des Eistampfes zeigte die Berliner Mannschaft etwas besser, doch gelang es ihr nicht einmal das Ehrentor zu schießen. Der Kampf endete mit 17: 0 für Wien. Am Sonntag glänzten die Wiener wieder durch faires und erftlajjiges Zusammenspiel. Die Berliner Mannschaft spielte in der ersten Hälfte reichlich nervös und mußte sich viel auf die Verteidigung beschränken. Bei Halbzeit war der Stand des Wettkampfes 1: 0 für Wien. Nachdem in der zweiten Hälfte Wien bereits 3 Tore für fich buchen fonnte, befann sich Berlin feines guten Namens und legte fich mächtig ins Zeug. Dreimal dröhnte die Scheibe ins Wiener Tor, und der Beifall beim Ausgleich war riesengroß. Doch noch furz vor Schluß gelang es Watson, nach einem fabelhaften Durchbruch, das vierte und Siegestor, zu schießen. Berantwortlich für Politif: Ernn Reuter; Wirtschaft: Artur Saternus; Gewertschaftsbewegung: 3. Steiner; Feuilleton: A. S. Döscher; Lofales und Sonstiges: Frig Karstäbt; Anzeigen: Th. Glode; sämtlich in Berlin. Berlag: Borwärts- Berlag 6. m. b. S., Berlin. Drud: Borwärts.Buchbruceret und Berlaasanstalt Baul Ginger u. Co., Berlin G. 68, Lindenstraße 3. Rein Messing mit 60 Seidenschirm 4 flg. Mrk. Mit 65 Seidenschirm mit Beleuchtungs körper nus Holz, Metall und Spide 40 Willy Rudolff BERLIN.S.42 Rillerftr. 24 Bro-& katbesatz Mrk. 47,50 Mrk 5,90 Ampeln, Schalen, Rauchtische Bekleidungsstücke, Wäsche usw gestattet. 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