e. 604 42. Jahrg. Ausgabe A nr. 308 56 Bezugspreis: Morgenausgabe und to feed 119tis di nolairudni od dna di non jodm Böchentlich 70 Bfennig, monatli B. Reichsmart voraus zahlbar. Unter. Kreuzband für Deutschland, Danzig. Gaar und Memelgebiet, Defterreich, Litauen, Luremburg 4.50 Reichsmart, für das übrige Ausland 5,50 Reichsmart pro Monat. Der Borwärts" mit ber Sonntags beilage Bolt und Reit mit„ Gied lung und Kleingarten fowie der Beilage Unterhaltung und Biffen und Frauenbeilage Frauenftimme erfcheint wochentäglich zweimal, Sonntags und Montags einmal Telegramm- Adresse: .Cosialbemokrat Berlin Vorwärts sal dodej djuddin la Berliner Volksblatt 10 Pfennig Anzeigenpreise: Die einipaltige Nonpareille Beile 80 Bfennia. Reklamezeile 5. Reichsmart. Aleine Anzeigen* livia bas fettgedruckte Wort 25 Vtennis ( zuläsfia zwei fettgedrudte Borte), fedes weitere Wort 12 Bfennig. Stellengefuche bas erfte Wort 15 Bfennig, tedes weitere Wort 10 Pfennig. Worte über 15 Buch Raben zählen für zwei Borie. Arbeitsmarkt Reile 60 Pfennig. Familienanzeigen für Abonnenten Beile 40 Pfennia. Anzeigen für bie nächste Rummer müffen bis 4 Uhr nachmittags im Sauptgeschäft, Berlin GB 68, Linden. rake B, abgegeben werden. Geöffnet von 8% Uhr früh bis 5 Uhr nachm. 1700 Zentralorgan der Sozialdemokratifchen Partei Deutschlands Redaktion und Verlag: Berlin SW. 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Dönhoff 292-297. s Mittwoch, den 23. Dezember 1925 Der Weg zur Weltabrüstung. Die Einberufung der Vorbereitungskommission.- 15. Februar in Genf. Die geschäftsführende Reichsregierung übermittelt der an einem Bert rechnen fönnen wird, das den Weltfrieden in so deutschen Deffentlichkeit den Wortlaut der( bereits am hohem Maße betrifft. 12. Dezember von Genf abgegangenen) Bölkerbundseinladung in den Vorbereitungsausschuß für die geplante Weltabrüstungsfonferenz. Wir lassen ihn hier folgen: Herr Minister! Im Namen des Völkerbundsrats beehre ich mich, die Reichsregierung einzuladen, fich in der vorberei tenden Kommission für die Abrüftungstonferenz vertreten zu lassen, die durch den Rat auf Grund einer Entscheidung Genehmigen Sie, Herr Minister, usw. gez. Vittorio Scialoja." Aus einem Anhang, der dem Schreiben beigegeben ist, ergibt sich, daß der vorbereitenden Kommission u. a. folgende Fragen unterbreitet werden sollen: I. Was ist unter Rüstungen zu verstehen? vom heutigen Tage gebildet worden ist, und die am 15. Februar 1926 lichen, geographischen usw. Fattoren, von denen die Stärke a) Begriffsbestimmung der verschiedenen wirtschaft. in Genf zufammentreten soll. Eine der diesem Schreiben beigefügten Urfunden enthält die vollständigen Angaben über die Zusammensetzung und über die Tätigkeit dieser Kommiffion, zu der, außer den Staaten, die mit glieder des Rates find. folgende Nationen eingeladen worden sind: Bulgarien, Bereinigte Staaten von Amerika, Finnland, Niederlande, Polen, Rumänien, Königreich der Gerben, Kroaten und Slowenen, Union der sozialistischen Sowjetrepublifen. Die Kommission soll befugt sein, Aeußerungen der technischen ( militärischen und nichtmilitärischen) Organisationen des Bölfer bundes, sowie aller Bersönlichkeiten einzuholen, deren besondere Sachtunde nach Auffassung der Kommiffion geeignet fein tönnte, ihre Arbeiten über irgendeine Frage zu erleichtern. Die Aufgabe der Kommission soll in der Borbereitung einer Abrüftungskonferens bestehen, deren Einberufung für einen möglichst baldigen Zeitpunkt ins Auge gefaßt ist. Die Kommission soll Fragen der nachstehenden Art untersuchen: die verschiedenen Fattoren, von denen die Stärke" eines Landes im Kriege abhängt; die Frage, ob es möglich ist, die etwaige Kriegsrüstung eines Landes einzuschränken, oder ob man sich mit Beschränkung der Friedensrüstung begnügen muß; die verschiedenen Formen, in denen die Herabfegung oder Begrenzung der Rüstungen für die Land-, See- oder Luftstreit die Vorteile oder Nachteile dieser Formen; träfte vor fich gehen kann; denen eines anderen Landes zu beobachtenden Regeln; hierzu in aggresivem Geiste; eines Landes in Kriegszeiten abhängt. Rüstung eines Landes in Friedenszeiten ausmachen; ver b) Bestimmung und Angabe der verschiedenen Faktoren, die die schiedene Rüstungsarten( Heer, Flotte, Luftstreitkräfte), Art der Aushebung, der Ausbildung sowie Organija tionen, die unmittelbar militärisch verwendet werden können usw. eines Landes einzuschränken oder sollen fich die Abrüstungsmaß II. a) Ift es möglich, die etwaige( Rriegs?) Rüftung nahmen nur auf die Friedensrüstungen beziehen? b) Was ist unter Herabjegung oder Beschränkung der Rüftungen zu verstehen? Berschiedene Formen dieser herab feßung oder Beschränkung für Land-, See- und Luftstreitkräfte. Borteile oder Nachteile jeder der verschiedenen Formen. 3. B. Berminderung der großen Friedenseinheiten oder des mate rials oder ber, mobilifierbaren Mannschaften oder Herabjegung der attiven Dienstzeit oder des Kriegs materials oder der Kosten der Landesverteidigung. Landes mit dem eines anderen vergleichen, z. B. Truppen .III. Nach welchen Regeln fann man die Rüstung eines stärke, Dienstzeit, Material, Kosten? Vorwärts- Verlag G.m.b.H., Berlin SW. 68, Lindenstr.3 Boftfchedkonts: Berlin 37 536 Banffonto: Bant ber Arbeiter, Angestellten und Beamten, Ballstr. 65; Diskonto- Gesellschaft, Depofitenlaffe Lindenstr. 3. Rußlands Kurs. g3um Parteitag der Bolschewiki. to idi dello Schwarzseher dulde ich nicht. Wilhelm II. Das Jahr 1925 hat nach Hungerjahren unerhörten Ausmaßes Rußland zum ersten Male eine Rekordernie gebracht. Rußlands Wirtschaft nimmt nach dem Zeugnis aller unbefangenen Beobachter einen urzweifelhaften Aufstieg. Der Fortschritt der Entwicklung ist um so einbrudsvoller, als ein Elend und eine Not von so ungeheuren Dimensionen in den Bürgerkriegsjahren und im Wüten des Hungers vorausgegangen waren, wie fie europäischen Vorstellungen unfaßbar sind. regierung die Aufwärtsentwicklung des letzten Jahres zu Rührig und geschickt hat die Propaganda der Sowjeteinem europäischen Feldzuge ausgenugt. Wir erlebten die oft rührend naive Propaganda ahnungsloser Rußlandfahrer, Wissen um die Probleme der russischen Entwicklung im Stile die ohne Kenntnis russischer Berhältnisse, ohne das geringste gläubiger Wallfahrer das hohe Lied russischer Gegenwartsentwidlung und Zukunftsmöglichkeiten verkündeten. Naiv russische Regierung, voltsbeglüdende Pläne abfolutistischer unbefangenen Intellektuellen verstand und versteht die Machthaber vorzutragen und Pläne als Wirtlichfeit vorzutäuschen. Die Geheimmiffenfchaft der Statistik wird mit glänzendem Geschid in den Dienst diefer Propaganda gestellt und den Gläubigen verkünden Kurven und Zahlen in bunter Reihenfolge mit dem Anschein mathematischer Eraftgestellt und den Gläubigen verkünden Kurven und Zahlen in heit den Triumph des Sowjetstaates. Niemand könnte, vermuten, daß auf solchem Hintergrunde in Rußland selbst, im Schoße der allein regierenden Partei, der gegenüber es feine politische Macht, feine Presse; feine öffentliche Kritit, feine unabhängige Wissenschaft gibt, neue Distussionen über den Kurs entstehen könnten, den Rußland zu gehen hat. Wenn alles in ununterbrochener Aufmärtsentwicklung sich befindet, wenn Zahlen angeblich beKommunistischen Partei selbst die Schicksalsfrage neu aufgeworfen werden: Wohin treiben wir? Zum S03ialismus oder zum Kapitalismus?" Gerade weil die gesellschaftlichen Kräfte in Rußland keine Möglich feit der Diskussion des geistigen Widerstreites finden, so IV. Gibt es offensive und defensive Rüstungen? Kann man feststellen, ob eine bestimmte Truppenmacht in rein defenweisen, wie der Sowjetstaat wächst, wie kann da in der fivem Geist organisiert ist? V. a) Nach welchen Grundsägen ließe sich zwischen den Rüstungen, die jedem Lande zugebilligt werden könnten, ein Berhältnis herstellen? Dabei wäre besonders zu berücksichtigen: Einwohnerzahl, Hilfsquellen, geographische Lage, Ausdehnung und Art der Seeperbindungen, Dichte und Be die bei einer Bergleichung der Rüstungen eines Landes mit schaffenheit des Eisenbahnneges, Berlegbarkeit der Gren. piegeln sich in den Debatten der Kommunistischen Partei Landes in rein defenfivem Geist organisiert ist, oder im Gegensatzlichen Fristen für die Umstellung der Friedens. in Kriegsdie Möglichkeit der Feststellung, daß die Bewaffnung eines 3en und Borhandensein großer wichtiger Zentren und ihrer Nähe. Die etwa bei den einzelnen Staaten erforderlichen veränder die Grundfäße, nach denen man ein Berhältnis zwischen der rüstungen. Rüstung herstellen könnte, die den verschiedenen Ländern zu erfannt werden fönnte, und die Unterlagen, die bei der Aufstellung dieser Grundsäge berücksichtigt werden müßten, wie Bevölkerung, Hilfsquellen, geographische Lage, Berkehrsverbindungen, Berlezbarkeit der Grenzen, notwendige Fristen für die Umwandlung der Friedens in Kriegsrüftung, Grad der Sicherheit ufm.; die etwa bestehenden Richtlinien, die eine Unterscheidung zwischen Militär- und Zivilflugzeugen zulaffen; die Bemeffung des militärischen Wertes der Handelsflotten; die Beziehungen zwischen der örtlichen Sicherheit und der örtlichen und allgemeinen Abrüstung andererseits. Das vollständige Programm der vorbereitenden Kommiffion befindet sich in einer der diesem Schreiben beigefügten Urfunden. sal Das lange und fortgesette Studium, das der Bölferbundsrat der Abrüstungsfrage gewidmet hat, hat zu dem einstimmigen Befchluß geführt, daß diese Frage angesichts des politischen, wirtschaft lichen und technischen Umfangs der durch fie berührten Probleme nur dann mit der sicheren Hoffnung auf eine vollständige Lösung in Angriff genommen werden fann, wenn sie in ihrer Gesamtheit und unter Mitwirkung aller Nationen geprüft wird. Die Fragen, die Gegenstand einer Prüfung bilden müssen, beziehen sich auf alle Seiten des Problems und gehen alle Nationen der Erde an. Nach Auffassung des Rats müssen die Ar beitsweise und die Organisationen für das Studium dieser Frage einen nicht weniger universellen Charakter zeigen. Aus diefen allgemeinen Gründen, wie auch aus den befon deren Gründen, die sich aus der großen Bedeutung Deutschlands Der Grad der Sicherheit, die ein Staat im Falle eines An griffs auf Grund der Bölferbundsjagung oder durch Bündnispflichten zu erwarten hat. b) Kann die Festsetzung der Rüstungen dadurch gefördert werden, daß man die in Artikel 16 der Völkerbundsfagung vorgesehene wirtschaftliche und militärische Hilfeleistung vor bereitet? VI. a) Kann man zwischen Zivil. und Militärflug zeugen unterscheiden? b) Stann man bei der Bewertung der Seemacht eines Landes den militärischen Wert der Handelsflotten ein schäßen? VII. Muß jeder Abrüftungsplan, der nicht allgemein gültig ist, als undurchführbar angesehen werden? Läßt sich eine örtlich begrenzte Abgrenzung als Folge örtlich begrenzter Sicherheit durchführen? Läßt sich auf dem Wege örtlicher brüstungen die allgemeine brüstung erreichen? " Rommunisten das Auf und Ab des gewerkschaftlichen Lebens, Rußlands alle Strömungen der verschiedensten Klassen wider. Zuverlässiger als ein Barometer zeigen Stimmungen und Wünsche, Hoffnungen und Enttäuschungen der ruffischen der fozialen Kämpfe und Widersprüche, zeigt sich in den Erörterungen des russischen Parteitages, in den endlofen spaltenlangen Artikeln der Prawda", in sechsstündigen Reden russischer Parteiführer, wie wenig die Diftatur im stande ist, die Tatsache der Klassenfämpfe und Klaffenauseinandersetzungen selbst zu verhindern und auszuschalten. Mag auch für den westeuropäischen Leser die talmudistischscholastische Gelehrsamkeit der größten Theoretiker des Marrismus" eine fremde, unzugängliche Welt sein, er erkennt doch bei aufmerksamem Studium in den Formulierungen, in den Thesen, in den Abweichungen der russischen Parteidisfuffion die Spuren des gesellschaftlichen Entwicklungsprozesses, der troh Diftatur und trog ter immer wieder behaupteten Vorherrschaft des Sozialismus auch in Rußland den Gesezen der Wirtschaft folgt. aller der Schrecken des Bürgerkrieges, der blutige Beg einer terroJahrelang ist dem russischen Arbeiter erzählt worden, daß Die Anordnung dieses Fragebogens und die meisten ristischen Diktatur notwendig sei, um auf dem kürzefeiner Einzelheiten lassen erkennen, daß Frankreich, das sten Wege zum Sozialismus zu gelangen. Als der Kriegsdie Beratungen über die Einsetzung des Borberatungs- tommunismus zur fast hoffnungslosen Erschöpfung ausschusses der Bölkerbundskonferenz forgfältig vorbereitet Kräfte geführt hatte, riß Lenin das Steuer herum: neue ökonomische Politik, der Nep". sollte hatte, den Erfolg davontrug, daß die Mehrzahl seiner die Anders als Formulierungen als Formulierungen des Böl neue Wege zum gleichen Ziele eröffnen. terbundes in die Welt hinausgehen. So ist die stärkste einem naiven Wallfahrer stellt sich aber dem russischen Arbeiter Macht des Kontinents nicht traft ihrer militärischen Ueber die Wirklichkeit dar. Er kennt ein Streifrecht, mitten legenheit, sondern traft ihrer Politit mit geistigen Mitteln" im Wirtschaftsaufstieg bedroht ihn eine ungeheure Arbeitsdie Führerin in der Abrüstungsfrage geworden. Wie das lofigfeit und das Nahen einer typisch tapitali Beispiel der großen Seemacht der Bereinigten Staaten in ftischen Wirtschaftsfrise. Er fennt felne FreiWashington gezeigt hat, muß das nicht unbedingt heit der Bersammlungen, feine Freiheit der Presse. Er sieht, loffeptisch stimmen. Die Nöte feiner Staatswirtschaft drängen wie auf dem Dorfe der Kulat, der Großbauer, sein Haupt Frankreich, seine Rüftungslasten zu vermindern. Auf jeden erhebt, und an feinem Herzen nagt der Wurm des Fall wird man jedoch wünschen müssen, daß die deutsche 3 weifels, ob wirklich der ruffische Weg der richtige zum Regierung nunmehr auch ihrerseits die Initiative er- Paradiese des Sozialismus gewesen ist. Dieser Zweifel ergreift, um auf die von Frankreich und vom Bölterbund ge- faßt die weitesten Schichten der Deffentlichkeit, zu sehr ähnelt ftellten Fragen die zweckmäßigen Antworten vorzubas Leben in der sozialistischen Republik dem üblichen Betrieb bereiten. der kapitalistischen Entwicklung anderer Länder. So entsteht von neuem, aus dem 3meifel geboren, Iinte Opposition, diesmal geführt Don eine Sinom je w, der damit nur dem Zuge seines Herzens folgt. Die Petrograder Organisation macht sich zur Die stärksten Sprecherin dieser Zweifel und Bedenken. Mittel werden von der offiziellen Parteileitung, die diesmal für diese Fragen ergeben, legt der Rat den größten Wert auf die Anwesenheit der Reichs regierung nicht nur bei der einzuberufenden Ronferenz, fondern auch bei den vorbereiten den Arbeiten, die nach seiner Auffassung für den Erfolg diefer Ronferenz unerläßlich find. Der Rat hält den Zeitpunkt für das Studium der praktischen Möglichkeiten einer Herabfegung und Beschränkung der Rüstungen unter Leitung und Berantwortung der Regierungen für gefom men und gibt der Hoffnung Ausdrud, daß er in dem Augenblic, in dem alle Nationen der Erde diese gemeinsame Notwendigkeit ertennen, auf die uneingeschränkte Mitarbeit der Reichsregierung richten. Der Abbau des Bifumzwanges. 3wischen der Schweiz und Deutsch- Desterreich murde das Paßpisum aufgehoben, sofern nicht zum Antritt einer Stellung eingereift wird. Ein Friedensdenkmal in Locarno will der Gemeinderat er. mit Trotzt: zusammengeht, beschworen. So heißt es in ber„PrcwlxT vom 5. Dezember: Unbedingt notwendig ist der stärkste Kampf gegen den Pessimismus und den liquidatorischen Unglauben an die sozialistischen Wege unserer Entwicklung, denn das gießt nur Wasser aus die Mühlen der Menschewiki und Sozialrevolutionäre. Die Zweifel werden von der offiziellen Partei chearis soziologisch damit erklärt, daß neue Arbeiterschichten aus dem Dorfe in die Industrie hineinströmen: Ein Teil dieser neuen proletarischen Kader sind zwar Kinder der Revolution, aber vollkommen unbekannt mit den Verhältnissen in der Fabrik vor der Revolution. Ein großer Teil von ihnen— sUnge Bauern— kommt direkt aus dem Dorfe, kennt nicht die Fabrik, kennt nicht den Kampf der Arbeiterklasse, ihre Aufgaben und ihre Organisation. Die Zweifler begehen Landesverrat, begehen Partei» verrat, rütteln an den Festen des bolschewistischen Regimes. Safaroff, dem Redakteur des Petrograder Parteiorgans, wirst die„Prawda" vor: Verstehen Genosse Safaroff und seine Freunde nicht, daß, wenn sie unsere staatliche Industrie als Staatskap iäalis- m u s bezeichnen, das soviel bedeutet, wie in der Arbekterklasie Mutlosigkeit. Apathie und Gleichgültigkeit groß. zuziehen, daß da» bedeutet, die Saat des Liquidatoren- tum» in den Reihen der Partei auszustreuen? Fühlen sie nicht, daß. wenn sie auf die Frage über den Staatskapitalismus eine eindeutige Antwort geben, das nur ein verhängnisvolles Schwanken zwischen Lenin und Dan bedeutet? Stalin, T r o tz k i. die offiziellen Führer der Bolsche- wiki, dekretieren, daß Rußland sich„zum Sozialismus" ent- wickelt. Die Staatsbetriebe sind nach ihrer Erklärung sozialistische Betriebe. Wo kein kapitalistischer Eigen- tümer ist, da gibt es für sie keinen Kapitalismus, da gibt es höchstens bureaukratische Ausnutzung. In seinem Referat auf dem Parteitag erklärt deshalb Stalin nach dem Bericht der„Roten Fahne": Die Staatsbetriebe sind keine staatskapitalistischen, da in ihnen nicht zwei Klassen, sondern eine einzige Klasie, die Arbeiter»� klaffe, vertreten ist, die die Produktionsmittel besitzt und nicht ausgebeutet wird. Denn das, was über den Arbeitslohn produziert wird, wird der weiteren Entfaltung der Industrie, also der Verbesserung der Lage der gesamten Arbeiterschaft gewidmet. Man könnte sagen, daß dies doch nicht Sozialismus fei, da ein Bureaukratismus in den testenden Organen unserer Unternehmun- gen noch vorhanden sei. Dies trifft zu, widerspricht aber nicht dem, daß die Staatsindustrie ein sozialistischer Produk- t i 0 n s t y p ist.... Auch unser Staat ist kein bürgerlicher Staat, da der Staatsapparat nicht zur Unterdrückung der Arbeiterklasse dient, sondern zu ihrer Befreiung vom bürgerlichen Joch. Des- wegen ist unser Staat ein proletarischer Staat. Dieses hohe Lied des aufgeklärten Absolutismus wird auf die Dauer die Zweifel nicht besänftigen. Selbst» verständlich, die Zeit der heroischen Epoche der Revolution ist längst vorbei. Die Guillotine wird die Zweifler nicht ent» haupten. Und mit S i n o w j e w und der linken Opposition wird so oder so ein Kompromiß geschlosien werden. Die Wirtlichkeit aber wird die Russen zwingen, den beschrittenen Weg weiter zu gehen. Es gibt kein Zurück vom„Nep" zum Kriegskommunismus. Einmal ist dieser Versuch gewagt worden, als man den Trotzkismus„erledigte". Die Spuren schrecken. Di« Bolschewiti können sich von dem Zwang der wirtschaftlichen Entwicklung, die stärker ist als die F a s s a d e der Diktatur, nicht freimachen. Sie bleiben im besten Falle ein« Reformpartei, die mit unzulänglichen Mitteln den unzulänglichen Versuch macht, die kapitalistische Entwicklung, die Industrialisierung ihres Landes in Bohnen zu lenken, die ihren Auffassungen ent- sprechen. Bourgeois werden nicht mehr erschossen, höchstens werden noch Sozialisten in sibirische Einöden verbannt.' Aber der Tag der Boffchewiki fft mit Kleinarbeit, mit Reformen erfüllt. Die kapitalistischen Gesetze der Wirt- schaftsentwicklung beherrschen auch sie. Immer weniger wird der russische Arbeiter davon sott werden, daß man ihm die Staatsindustrie als die„Verkörperung des Sozialismus" hinfteM. Immer mehr wirb er das Recht auf Kritik, auf freie Entfaltung seiner Kräfte, das Recht auf Demokratie, diese einzige Grundlage der freien Entfaltungsmöglichkeit der Arbeiterbewegung fordern. Und nicht der ruf'ische A r b e i- t e r allein. Alle Kräfte, alle Klassen werden dieses Recht verlangen und Schritt für Schritt werden die Bolschewiti vor diesem Druck zurückweichen muffen. Kein« These, keine Parteitagsresolution kann diesen Kurs aufhalten. Aus dem blutigen Wirrwarr der Bürgerkriege, nach unerhörten Opfern, auf Umwegen, die der russischen Arbeiterschaft Jahre ihrer Entwicklung gekostet haben, steuert auch die russische Entwick- lung langsam, aber unaufhaltsam dem gleichen Ziele ,zu, das allen modernen Industrieländern gestellt ist— der Entwicklung zur Demokratie! Zlanöbunüforüerunaen. Sie wollen eine WirtschaftSdiktatur. Im Landbund geht es wieder einmal sehr lebhast her. Allenthalben finden Tagungen der Landbimdorganisationen und der chnen nahestehenden landwirtschaftlichen Berbände statt, die auf den Ton gestimmt sind, daß der Landwirffchaft geholfen werden müsse. Scharfe Angriffe gegen die Handels» Politik der Reichsregierung wechseln darin ab mit politischen Forderungen der verschiedensten Art. Besonders scharf legt sich der Pommersche Landbund, der in diesen Tagen einen Kreisvertretertaq abhielt, für die Forderungen der Land- Wirtschaft ins Zeug. Er polemi�rt gegen das papla- mentarische Syestm und gegen den Reichsbankpräst- deuten Schacht, dem der Vorwurf gemacht wird, er wiffe nkcht, daß die Landwirtschaft ihre Wechselverpllichtungen nur 7ur Steigerung der Produktion eingegangen sei. Gerade die pommerschen Landbündler sollten sich über die angebliche PerständniHlosigkeit der verantwortlichen Kreditgeber nicht zu heftig erregen. Denn der Pommersche Landbund hat immer eine sehr ausgiebige politilcbe Tätigkeit entfaltet und er war mit seinen Mecklenburger Bundesbrüdern einer der Hauptgeldgeber der reaktionären Verbände, deren Tätigkeit jedenfalls nicht allein auf die Steigerung der Pro- duttion, sondern auf ganz andere Ziele gerichtet ist. Merkwürdig aber mutet es an, wenn sich der Pom» niersche Landbund— um in seiner Sprache zu reden— geradezu zum„Büttel der Entente" macht, indem er fol- gendes erklärt: „Die Arbeiten der Parlament« im letzten Jahr« haben in erschreckender Weise gezeigt, daß die Durchführung eines großen, brennend notwendigen Spar- und Wirtschaftsprogramms durch die parteipolitisch« Einstellung der Parlamente unmöglich ge> macht wird. Ohne schroffste Eingriffe läßt sich ein solches Programm nicht durchführen— ohne feine Durcbiübrung ist der völlige Zu- fammenbruch der Wirtschaft unvermeidlich. Wollen wir warten, bis uns ein S p a r d i k t a t o r der Entente aufgezwu.ngen wird? Sind wir nicht mehr Manns genug, uns selbst zu helfen? Wir verlangen die Einführung einer Wirtschaftsdittatur, welche ohne Rücksicht auf die Parlamente die Maßnahmen durchführen kann, die einem Z wa n g s v e r w a lt e r der deutschen Wirtschaft obliegen." Der Geist der bedingungslosen Erfüllungspolltik scheint in den Landbundorganisationen schon sehr weit eingeriffen zu sein, wenn man jetzt unter ausdrücklichem Hinweis auf die Aufgaben des Reparationsagenten einen Wirt- fchafts- und Spardiktator fordert! Mit dieser Begründung ist es den Landbündlern gar nicht ernst. Sie suchen nur nach einem Vorwand, um in ihren eigenen Reihen die Wirt- schaftsdiktatur propagieren zu können. Daß für sie eine solche Wirtschafisdiktaiur gleichbedeutend Ist«Ü der Forderung nach rüsichtslofer Wahrung der großagrari» schen Interessen gegen diejenigen der Industrie und der industriellen Arbeiterschaft, das siegt auf der Hand. Wohin aber die grvßagrarische Interessenpolitik führt, das hat die Industrie bei der Zerstörung des deutsch- spanischen Handelsvertrages und des deuffchen Absatzes nach Spanien nur allzu sehr erfahren. Wenn also jetzt m indu- striellen Kreisen hier und da auch mit der Möglichkeit einer Wirtschaftsdittatur gespielt wird, so kann man heute schon voraussehen, wie hart die Meinungen aufeinanderplatzen würden, wenn man diesen Wirtschaftsdiktator einmal wirk- sich bestimmen sollte. Roch mehr aber hat die Arbeiterschaft ein Interesse daran, gegen das sinnlose Geschwätz von einer Wirtschaftsdittatur anzukämpfen. Eine solche könnte sich nur gegen die Arbeiterschaft selbst wenden. Die Arbeiterschaft ist st a r t genug, um die diktatorischen Machtgelüste einzelner und obendrein in sich uneiniger Interessengruppen zu b e» kämpfen. Der Reichslandbund jedoch sollte doch endllch einmal be» greifen, daß eine ern st hafte Diskussion über berech- tigte agrarische Forderungen und die Ausarbeitung eines auf Produkt! Onssteigerung gerichteten Agrarprogramms zur Unmöglichkeit wird, solange die Herren Großagrarier in Ermangelung eines Besseren markieren, sie feien die em- zigen Retter Deutschlands, und solange sie eine sachliche Er- örterung der Agrarfragen nicht einmal im eigenen Laaer fertig bekommen. Mit der Arbeiterschaft werden sich jeden- falls Zehntausende von kleineren und mittleren Bauern da- für bedanken, unter der Führung des rcakt!on.lrcn Reichslandbundes an einer Agrarreform zu arbeiten — desselben Landbvndes, der ebenso oft von dem drohenden Ruin der Wirtschaft redet, wie er seiner eigenen Veran- wortung aus dem Wege zu gehen sucht. Das Oestbweröerecht öer Beamten. Entscheidung deS BeamtendisziplinarhofS. Der Disziplinarhof für die nichtrichterlichen Beamten Hot über das Recht der freien Meinungsäußerung und das Petitions- recht der Beamten folgende Entscheidung gefällt: „Die Ausübung des jedem Deutschen in der Relcheverfaffung vom lt. August lSl9 gewährleisteten Rechts der freien Meinunas- äußerung(Artikel 118) und des Petitionerechts(Art. 12S) durch einen Beamten darf nicht über die ihm durch sein Dienstver- hältnis zum Staat gezogenen Schranken hinausgehen. Der Beamte hat danach auch in der Betätigung dieser Rechte, die ihm an sich zusteht, diejenigen Grenzen zu wahren, die sich aus Z 2 des Disziplinargesetzes vom 21. Juli 1852 für sein gesamtes dienst- liches und außerdienstliches Verhalten ergeben. Er muh mithin die durch Anstand und Sitte sowie durch die Dienstzucht gebotenen Formen innehalten, darf aber auch inhaltlich nicht gegen die ihm durch die Beamtenstellung auferlegten besonderen Pflichten verstoßen. Bei dieser Auslegung befindet sich der Disziplinarhof in Uebereinstimmung mit dem Urteil de» Preußischen Oberverwaltungsgerichts vom 2ki. Seotember 1921 sowie mit den Entscheidungen de» Reichsdisziplinaryoss vom 21. Oktober 1924 und vom 24. Februar 1925. Sie gilt auch für das Recht des Be» amten, sich mit Eingaben an den B e a m t e n a u s s ch u ß seiner Behörde zu wenden." putschsmtmann ßrick kaltgestellt. Aber er bleibt Beamter. München, 22. Dezember.(Eigener Drahtberickt.) Ter national- sozialistische ReichStagSabgeordnet« Dr. Fr ick. der bei dem Hitler-Putsch zum Polizeipräsidenten von München ernannt worden war, ist in das vollständig unpolitische Ressort des Ober- versicherungSamteS bei der Regierung von Oberbayern versetzt worden. Da« Ministerium de« Innern veriuwt«, den lästigen Politiker auf einen unpolitischen Posten in die Provinz. und zwar nach Bayreuth, abzuschieben, konnte aber seinen Plan in- folge de« Einspruch« Frick« nicht durchführen. Veutschmeffer. ( Germanometer D R. P.a.) Von einer Auffehen erregenden Erfindung weiß der„Völkische Drache" zu berichten. Dom in München lebenden Ingenieur Dr. Armin Teutoburger soll es gelungen sein, mittels einer genialen Darrichtung das Deutschtum eines jaden Reichsangehörigen einwand- stet festzustöllen. Da es sich in der Praxis gezeigt hat. daß Per- sönlichkeiten, an deren echtem Deutschtum selbst bei kritischster Be- urteilung kein Zweifel bestand, dennoch ein« völlig« undeutsche Haltung bewiesen haben, wird in Zukunft diesem unhaltbaren Zustand ein Ende gemacht werden. Der Deutschmesser besteht in einer Röhr«, die ähnlich wie ein Fieberthermometer in den dafür geeigneten Körperteil des auf fein Deutschtum zu Prüfenden einzuführen fft. In dieser Röhre befinden sich mehrere Flüssigkeiten, eine gelbe, das Semitin, eine rot«, das Jnternationalin, und eine strahlend blaue, das Teutin. Jens Flüssigkeit, die bei der Prüfung in die Höhe steigt, zeigt zweifelsfrei an, in welche Gattung das Unterfuchungsobjekt gehört. Eine hundertteilige Skala läßt das Deutschtum prozentual ablesen. Bei Deutschschwachen wird oft nur die Strichzahl 20 erreicht. Bei verdächtigen Individuen findet«n Kampf der Flüssigkeiten statt, der oftmals in ein wildes Brodeln übergeht. Es ist ohne weiteres klar, daß diese Erfindung von geradezu imfoßbarer Bedeutung ist. Die deutsche Politik kann mit ihrer Hilf« diejenige starre Linie erreichen, die ihr bis jetzt gefehlt hat. Jeder Minister wird vor seiner Berufung sich der Deutschmesserprüfung zu unterziehen haben. Kein Beamter mehr ohne vorherige Teuttnprobe! Ein nochmaliges Versailles wird nunmehr unmöglich fein, voraus- oefetzt, daß dieses ungeheure Erzeugnis deutschen Fleißes nicht wieder von fremdstämmiger Seite sabotiert wird. Minister Sttese- mann soll sich begreislicherweise geweigert haben, den Deutschinesser bei sich anwenden zu lassen. Ein««benso erklärliche Scheu hält den Erfinder ab, dem ehrwürdigen Reichspräsidenten seinen Apparat vorzuführen._ Lncian. Neues über Sie Wirkungen öer hppnofe. Es ist erst wenige Wochen her, daß man die Probleme der Suggestion, der Autosuggestion und der Hypnose überall erörtert fand. Veranlassung hierzu bot der sogenannte.Hellseherprozeh", dessen Verlauf sicher noch bekannt sein wird. Weit davon entfernt. diese viel umstrittenen Problem« näher zu erörtern, soll hier nur über einige Phänomene berichtet werden, die im Karolinischen Institut zu Stockholm beobachtet worden sind, und die so einzigartig dastehen, daß sie wohl eine weitere Verbreitung verdienen. Prof. Dr. Henry Marcus und Dr. Ernst Sahlgren beabsichtigen, die Wirkung der Suggestion und der Hypnose bei sogenannten orga- nijcheu'Krankheiten systematisch M untersuchen, Sie interessierten sich namentlich für die Funktion des negativen Nervensystems, d. h. der dem Einfluß des Willens entzogenen Nerven, die also die physio- logischen Berhältniss« in den Eingeweiden, den Blutgefäßen und den Drüsen regulieren. Dabei gingen sie so vor, daß eine Flüssigkeit, deren Wirkung wir ganz genau kennen, einer Versuchsperson einge» spritzt wurde. Eine solche Flüssigkeit ist das Adrenalin, der wirk- samste Söst der Nebennieren, das unter die Haut gespritzt, eine Er- höhung des Blutdrucks herbeiführt. Die Untersuchung wurde an drei Versuchspersonen ausgeführt, die alle in tieferen hypnotischen Schlaf versetzt werden konnten. Der Gang der Versuch« war folgender: Nachdem die Versuchsperson in Hypnose versetzt worden war, inji- zierte man ihr«ine bestimmte Menge Adrenalin und beobachtete ein« Stunde lang Puls und Blutdruck. Nach einigen Tagen wurde dieser Versuch mit genau derselben Adrenalinmenge aus der gleichen Flasche, also genau demselben Präparat, wiederholl. Jetzt wurde ober der Versuchsperson die Suggestion geqeben, daß die infizierte Flüssigkeit nur reines Wasser fei. Der Erfolg war verblüffend. Während nämlich beim ersten Versuch der Blutdruck von 109 auf 13l> Millimeter Quecksilber anstieg, erhöhte er sich tm zweiten Versuch, bei dem also eine Gegenfuggestion gegeben wurde, nur um 9 Willi- meter— er stieg von 107 auf nur IIS. Noch ausfälliger wird allerdings die Wirkung der Hypnose, wenn man die Pulszahl verfolgt. Beim ersten Versuch stieg sie von 54 aus 100, beim zweiten Versuch nur auf S7 Schläge in der Minute. Natürlich sind die hier angegebenen Zahlen an ein und derselben Versuchsperson gewonnen worden. Genau dieselben Resultate ergaben das Atropin und das Pilokarpln, bei dem sogar ein völliges Ausbleiben der Wirkung in der Hypnose nach Gegensuagestton fest- gestellt werden konnte. Es ist somit bewiesen, daß die Wirkung ver- schiedener Eist« auf den Organismus durch«ine entsprechende Suggestion gehemmt werden kann. Dieser Beweis ist ungemein wichtig, wissen wir doch, daß mitunter bei vsychapathischen Kranken, die gegen Arzneien öfters sehr mlßtrauifch sind, die Wirkungen dieser Mittel oft ausbleiben, mitunter sogar in ihr Gegenteil um- schlagen. R. Landenheimer-München macht soeben auch im Anschluß an die Untersuchungen von Marcus und Sahlgren darauf ausmerk- fam, daß er bei einem Kranken durch einfache Suggestion während der Hypnose den Blutdruck um 10 bi» 20 Millimeter Quecksilber herabzusetzen vermochte. Der Erfolg war sogar noch einige Zeit nach der Hypnose nachweisbar. Eine einwandfreie Erklärung für diese Phänomene gibt es heute noch nicht. Karl Zuckmaycr» Riesenerfolg. Mit Eilpost und mtt Wonne muß berichtet werden, daß Karl Zuckmayer mit seiner Posse„Der fröhlich« Weinberg" im Theater am Schisfbauerdomm«inen außerordentlichen Erfolg davongetragen und wohlverdient hat. Bauernholzerei. Besoffenheit und Herzensgefchichten werden auf das lustigste durcheinandergequirlt. Man lacht, mag man auch mit allen Nerven an der Zeitmifere hängen, drei Akte lana, fröhlich und bester Dinge. Die Schavigieler freuten sich königlich über ihre glänzenden Rollen, und das Theater ermuntert« durch leinen tosenden Beifall einen Dramatiker, der beinahe ein jugendlicher Meister des derben volkstümlichen Humors ist. Und morgen wollen wir uns weiter unterhalten, M. H. Tkero als Vrandschadenliquidakor. In einem Sprechsaol für okkulle Wissenschaft und Geheimphänomene wird dem anscheinend von schwerem seelischen Kummer geplagten Brandschadenliquidator und Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr in Marmaros folgende Au». kunft gegeben-.Immer wieder sollen wir Aufklärung darüber geben. warum so viele, denen in ihren vorigen Inkarnationen die höchsten irdischen Ehren und Würden beschieden waren, sich in chrem jetzigen Erdenwallen in mehr als bescheidenen, mannigfachen Entbehrungen und Drangsalen unterworfenen Lebensstellungen befinden. Da wir dieses fesselnde P-vblem nicht zum Gebiet unserer Forschungen ge- macht haben, müssen wir leider künftighin derartige Fragesteller an die zur Antwort allein berufenen Theosophen verweisen, wollen ihnen jedoch wegen der Einfachheit ihres Falles ausnahmsweise unsere Ansicht darlegen. Ein erleuchteter Seher hat Ihnen also mit- geteilt, daß Sie in der letzten Inkarnation der römische Cäsar Nero waren. � Da ist es doch nach den theosophischen Lehren von Karma und Reinkarnation durchaus logisch, daß Sie in Ihren kommenden Wiederverkörperungen zumindest die durch den Brand Roms verur- sachten Schäden ganz und gar werden gutmachen müssen. Wir fürchten nur, daß dazu die jetzige Inkarnation kaum genügen dürfte, und Ihnen daher noch viele Erdenwallen als Brandschadenliquidator und Angehöriger einer Feuerwehr bestehen." Aspirin hält Blumen frisch. Die schwedischen Apotheker be- haupten seit einiger Zeit, daß im Lande ein fürchterlicher Mißbrauch von Aspirin herrsche. In den letzten Jahren sei der Verbrauch an diesem Slimulane unerhört gestiegen. Man fürchtete sogar schon, daß manche Menschen das Aspirin als Rauschgift oerwenden. Run haben aber die Behörden eine Untersuchung angestellt, die diese Befürchtung als grundlos erwiesen hat. Man kam dabei zu einein überraschenden Ergebnis: Die Blumenhändler sind es, die Lffpirin in roßsn Mengen anwenden. Sie sind daranf gekommen, daß es das est« Mittel ist. um Schnittblumen möglichst lange frisch zu erhalten. Selbst eine schon verwelkte Blume wird wieder ganz frisch, wenn man Aspirin ins Wasser titt. JJrosessor Mnogradow ist an den Folgen einer Lunqenent- zündung in Paris gestorben. Seinerzett mußte er aus politischen Gründen seine Lehrtätigkeit in Rußland aufqeben und ließ sich in Oxford als Lehrer der Rechtslunde nieder. Der berühmt« Gelehrte war ein Schüler Mommsens und Brunners. Sein Spezialaebict war die Geschichte der Recht», und Wirtschastsentwicklung im Mittelalter. Die preußische Akademie der Wissenjchafien hatte ihn zu ihrem korrespondierende: Mitglied erwählt. Ein neuer Roben» ist im Privatbesitz des ehemaligen sächsischen König» ausgesunden worden, und zwar ein„Trunkener Herkules". Do» Bild in der Dresdener Gemäldegalerie, das bisher als dos Original galt, soll nur eine Werlstattkopie sein. ttaat»»p«r. � Di« deutsche Lustspielover.Ter Dieb de« Glück«» von Bernhard Schuster lruide zur Eistaussüblung angenommen. Da« ZSert wird im ftrübjahr unter Leitung ron Generalmusitdirettor Erich Kleiber in Szene gehen. Deutsche» Iheaer. Die Reum'zenierung von KleittS.Jtäthchenuo« H e i l b r o n n» unter Eugen Klöpfer« Regte wird am DteuStag, den 28. D«», zum erftevmal gegeben. deutsth-ltattenkscher ZeÜertrleg.| Der Faschismus verdirbt es mit seinen Freunde«. Em Artikel der„Idsa Nazionale", der von der„grobschlächtigen Brutalität Deutschlands" spricht und mit einer „neuen Abrechnung" droht, zwingt auch denjenigen Teil der deutschen Press«, der bisher zu den zärtlichsten Be- wunderern des italienischen Faschismus gehörte, zu entschie- dener Abwehr. Die„Kreuzzeitung" spricht von„italienischer Unverschämtheit". Die„Tägliche Rundschau" beschäftigt sich mit den neuesten faschistischen Uebergriffen in Südtirol, um zu dem Schluß zu kommen: Und in das Land Italien haben 18(5 000 Deutsche im Jahre 1S2S laut italienischen Quellen 646 000 Millionen Lire ge- tragen. Es wird sehr zu bedenken sein, ob dem Reisestrom nach Italien von deutscher Seite nicht ein Riegel vorgeschoben werden muh. Und selbst die Hugenberg-Presse, die sonst mit dem Dil- tator Mussolini durch dick und dünn gegangen ist, beginnt abzurücken. Selbst der„Lotal-Anzeiger" findet die Ueber- schrist„Barbarentum" nicht zu scharf, und seiner Brust ent- ringt sich der Stoßseufzer: Der italienische Faschismus arbeitet mit Hochdruck wever daran, sich d'« Sympathien aller Deutschen und weiter aller Men- schen, die ein klein bißchen Kultur- und Sauberkeitsgesühl haben, zu entfremden. Man darf also feststellen, daß in diesem Augenblick die moralische Verurteilung des italienischen Faschis» mus in Deutschland ganz ollgemein ist. Man darf aber zu- gleich ebenso feststellen, daß sich die deutsche Abwehr eben auf die Anwendung moralischer Druckmittel beschränkt. Es ist überflüssig, zu versichern, daß kein Mensch in Deutschland so verrückt ist, an einen Krieg mit Italien zu denken. Die Drohungen der Faschistenprcsse sind einzig und allein durch die Tatsache verursacht, daß die deutsche Presse noch nicht die Rizinus- und Prügelkur des Faschismus durchgemacht hat. sondern sich noch immer erlaubt zu schreiben, was sie über italienische Zustände im allgemeinen und über südfirolische im besonderen denkt. An einen Rachefeldzug Mussolinis über den Brenner und an eine Strafexpedition gegen die unbot- mäßigen deutschen Redakteure werden wir so lange nicht glauben, bis die Weltgeschichte um diese bemerkenswerte Begebenheit bereichert fein wird. Bis dahin bleiben wir überzeugt, daß man auch in Italien immer noch den Unter- schied zwischen Worten und Taten begreift, und mit einer Mischung von Heilerkeit und Unlustgefühl erblicken wir unter der Einladung zur— Abrüstungskonferenz den Namen eines Vertreters der italienischen Regierung. Einstweilen dürfen wir mit Genugtuung beobachten, wie sich der italienische Faschismus moralisch immer weiter isoliert. Dadurch hört er immer mehr auf, eine internationale Gefahr zu sein. Alle Abwehrartikel unserer nationa- listischen Presse sind unbewußt Komplimente an den Geist der Demokratie und Warnungen vor der Nach- ahmung des italienischen Beispiels. Und wo wären Warnungen mehr am Platze als hier? Eine Politik, durch die sich ein Staat verächtlich macht, mag sich noch so laut �nafional" nennen, zuletzt ist sie doch eine Politik g« g e n die eigene Nation!_ Unterstützung erwerbsloser Angestellter. Ein Antrag deS Vorläufige« ReichswirtschaftSrats. Der Sozialpolitische Ausschuh de» Vorläufigen R e i ch» w i r t- s ch a s t» r a t s hat folgenden Antrag feine» Arbeitsausschusses über die Rotlag« der älteren Angestellten einstimmig ange- nommen: „Der Arbeitsausschuh des Vorläufigen Reichswirtschastsrats zur Beratung über die Notlage der älteren Angestellten beantragt, die Reichsregierung zu ersuchen: � 1. Allen älteren erwerbslosen ausgesteuerten Angestellten, ins- besondere den über 40 Jahre alten mit eigenem Hausstand eine so- fortig- einmalige Unterstützung von mindestens 100 R e i ch s.m a r k zu gewähren. �. 2. Den gleichen Betrag allen erwerbslosen älteren Angestellten zu gewähren, insbesondere den über 40 Jahre alten mit eigenem Hausstand, die der Erwerbslosenfürsorge nicht unterstehen. Z. Bei der Festsetzung des Betrages den Familienstand und die Dauer der Erwerbslosigkeit zu berücksichtigen. 4. Die erforderlichen Beträge durchdasReich aufzubringen. S. Die Dauer der Erwerbslosenunterstützung für die älteren Angestellten bis zu 52 Wochen zu erhöhen. II. Der Arbeitsausschuh des Vorläufigen Reichswirtschaftsrots zur Beratung über die Notloge der älteren Angestellten empfiehlt durch die Länder, Gemeinden und Gemcindevervände aus vorhandenen Fonds Mittel für solche älteren AngesteMen ausbringen zu lassen. die auch durch die gesetzlich zulässige Verlängerung der Unter- stützungsdauer nicht in den Genuh von Erwerbslosenfürsorge ge- langen können� sowie geeignet« Notstandsarbeiten für solche Angestellt« bereitstellen zu lassen." Di« Beschlüsse de» Sozialpolitischen Ausschusses sind der Reichs- regierung sofort übermittelt worden. Notstandsmaßnahmen im Nuhrgebiet. Das Elend im Bezirk Arnsberg.— Euergisches Ein- greifen der preußischen Regierung. Bochum, 22. Dezember.(Eigener Drahtbericht.) Regierungs- Präsident König äußerte sich in einer Unterr«dung mit dem Der- treter des„Sozialdemokratischen Presssdienst" über die Steuerung der Not der Arbeitslosen wie folgt: Der Regierungsbezirk Arnsberg ist derjenige, der durch die Stillegung der industriellen Werke am stärksten in Mitleidenschast gezogen worden ist und nicht nur die größte Zahl der Erwerbslosen in ganz Preußen hat, sondern auch seit llA Iahren die größte Zahl der ausgesteuerten Erwerbslosen aufweist. Infolgedessen ist nicht nur da» Elend der Erwerbslosen und ihrer Angehörigen ungeheuer groß, sondern auch tausend« von Gewerbe- treibenden, die von den Industriearbeitern abhängig sind, sind in die größte Notlage geraten. Die im Ruhrkohlenbergbau erfolgten Stillegungen sind größtenteils endgültig. Ein« groß« Reihe von Gemeinden. Kreisen und Kommunaloer- bänden ist hierdurch nicht nur leistungsschwach, sondern geradezu zahlungsunfähig geworden. Nicht nur die stillgelegten In- dustriebetriebe zahlen kein« Steuern mehr. Auch die von der be- treffenden Arbeiterschaft abhängigen Gewerbetreibenden sind infolge chrer Zahlungsunsähigteit nicht mehr in der Lage, die Steuern aufzubringen. Die westfälischen Regierungspräsidenten trugen bei ihren Hilfsmaßnahmen in erster Linie zunächst Sorge, für die durch die endgültigen Zechenftillegungen südlich der Ruhr in Not geratenen. . finanziell leistungsschwachen oder gar zahlungsunfähig gewordenen Gemedtden Sonderhtlfsakt tonen einzuleiten, die zum Tsv mit Erfolg durchgeführt worden sind, teilweise noch bevorstehen. Hierdurch sind diese Gemeinden in den Stand gesetzt worden, den ausgesteuerten Erwerbslosen wenig st ens«in« mäßige Unter st ützung zu zahlen. Indessen hat sich die Arbeikslosigkeil I« den letzten sechs Wochen so katastrophal gestaltet, daß auch die bisher zahlungsfähigen Gemeinden nicht mehr die Mittel aufbringen können, die Wohlfahrtsfürsorge in genügendem Maße durchzuführen. Staat und Reich haben jedoch die Berpflichtung, für dos Herz der deutschen Wirtschaft, den rheinifch-westfälischen Industriebezirk zu sorgen. Man darf den Optimismus hegen, daß die Industrie- krise, soweit sie in ihrer krassen Form jetzt in die Erscheinung tritt, vorübergehend ist. Nichts berechtigt zu der Annahme, daß die Ruhr- industrie zum Absterben verdammt sei. Im Interesse der ganzen deutschen Wirtschaft und aus voraus- schauenden Erwägungen ihrer künftigen Entwicklung müssen jetzt Mittel ausgebracht werden, die industrielle Reservearmee, wie man das Heer der zurzeit Erwerbslosen nennen darf, so zu unterstützen, daß sich die bedauernswerten Opfer der Wirtschaftskrise wenigstens das Mindestmaß des Lebensunter- Halts beschaffen können, um sich ihre physische Leistungs- f ä h i g k e i t zu bewahren, damit sie bei wiederansteigender Kon- junkturkurve in der Lag« sind, bei dem Ruf in die Produktions- statten die Arbeit im Interesse des Gesamtwohle» wieder auszu- führen. Am Schluß wies der Regierungspräsident darauf hin, daß es ihm gelungen ist, in den Ministerien für die Berettstellung von Mitteln Unterstützung zu finden, so daß demnächst größere produktiv« Notstandsarbeiten, die einer erheblichen Zahl von Erwerbslosen Beschäftigung und Brot sichern, ausgeführt werden können. Es wäre zu wünschen, daß günstige Witterungsverhältnisse die Ausführung dieser Arbeiten ermöglichen. Zweierlei Maß. Der Kaiser und der Auslandsdeutsche. Don einem vertriebenen Ausländsdeutschen wird uns ge- schrieben: Der im Auslande ansässige Deutsch« ist, sofern er nicht seines Deutschtums wegen schon bei Kriegsausbruch ins Internierungelager geschleppt wurde, ebenso in den unheilvollen Weltkrieg gezogen, wie seine Landsleute daheim. Er hat gedarbt und geblutet und oben- drein durch Verdrängung seine Existenz und seine mühevoll er- rungene Habe, die in den meisten Fällen dem Reiche ä conto der Reparationen zur Entlastung de» Volksganzen gutgeschrieben worden ist, restlos eingebüßt. Als armer Flüchtling, meistens ohne eigenen Herd und ohne Broterwerb, ist er in seinem Heimatland bitterster Not, größtem Elend ausgesetzt. Das Deutsche Reich hat sich gemäß den Bestimmungen des Der- sailler Vertrags verpflichtet, ihm eine angemessene Ent- s chä d i g u n g zu gewähren. Sechs volle Jahre lang hat man alle in einem bureaukratischen Staate möglichen Gesetze, Verordnungen, Novellen und Gott weiß, was alles noch, gemocht, um um die über- nommenen Verpflichtungen herumzukommen. Viele Taufende von engherzigen Beamten haben die ganzen Jahre hindurch Gehäller be- zogen, um den Geschädigten mittels Urteilen, unmoralischen„Eini- gungen" und„Vergleichen" die ganze Zeit her einige Bettelgrolchen anstatt einer Entschädigung zuzubilligen. Während man den Großindustriellen gleich nach dem Kriege mit Hunderten von Millionen auf die Beine half, auch wenn sie ganz stramm auf den Beinen standen, während man den Rhein- und Ruhrgeschädigten eine Vollentschädigung zusagte, glaubt man, die Vertriebenen, die wirtschaftlich schwächsten Volks- genossen mit einer brockenweisen Entschädigung von bis 8 Proz. befriedigt zu haben. Die für di« Auslands- sowie für die vertriebenen Grenzdeutschen ausgeklügelten, vom Reichstag gutgeheißenen Gesetze schließen den ordentlichen Rechtsweg aus und machen somit die Geltendmachung eines verbrieften Rechtes unmöglich, keinem Politiker im Reichstag ist es etagesallen, darin einen Verstoß gegen die Verfassung oder gegen die guten Sitten zu erblicken. Welch trauriges Schauspiel bietet aber heute der Reichstag den um Hab und Gut gebrachten Kriegsgeschädigten, wenn geschlossene politische Parteien der Rechten ein Wutgeheul gegen den Antrag der demokratischen Partei auf Abgeltung der Fürstenent- s ch ä d i g u n g durch«in Sondergesetz erheben und in die Welt hinausschreien,«in solcher Schritt sei verfassungswidrig, unmoralisch und eine» Rechtsstaates unwürdig! Diese sonst oft verfassungs- gegnerischen Politiker rufen den Schutz der Weimarer Verfassung zugunsten de» Geldsacks des freiwilligen Auslandsdeutschen Wil- hem Ii., während sie erbarmungslos di« In Rot und Elend darben- den unsreiwilligen Flüchtlinge in nach ihrer eigenen Auffassung. rechts- und gerechtigkeitswidriger Weise enteignen und mit Almosen abspeisen lassen. Man will pompöse ererbte und geschenkt« Vermögenswerte dem kaiserlichen freiwilligen Auslandsflüchtling zum Schaden des verarmten deutschen Voltes retten, da« einst ihm vertraute, zum Schaden der Millionen Kriegskrüppel, die für ihn bluteten, während man die um Existenz und Gut gebrachten unfreiwilligen Auslandeflüchtlinge kattblütig entrechtet. Wo bleibt die Staatsmoral, wo bleibt bei den Rechtsparteten das Rechtsempfinden und wo die Gerechtigkeit? Legionen von Aus- landsdeutschen, die in der Hodmat so unsäglich unter der Verständnis- losen Behandlung leiden, würden in ihrer Erbttterung heute gerne wieder in die Fremde ziehen und auf jede Entschädigung verzichten, wenn man ihnen nur die Möglichkeit zur Ausreise verschaffte. Ver Zememorü an Legener. Nachforschungen der Staatsanwaltschaft. Korrespondenz BS. meldet: Di- Mitteilungen, die kürzlich auf einem Berliner Vortrags- abend über einen neuen, noch unaufgeklärten Fememord an einem Wachtmeister Willi Legener gemacht worden stnd, haben die Staatsanwaltschaft III zur Einleitung eines Ermittelungsversohrens veranlaßt. Damit schweben vor den Ber- liner Gerichten vier Fälle von Fememorden: Sand, Pannier, Wilm, und Legener. Der Untersuchungsrichter beim Landgericht III, Dr. Graske, sowie zwei Speziolbeamt« der politischen Polizei stellen in Frankfurt a. d. O.. der Heimat des Opfer», Nachforschungen an. Legener soll seinerzeit von einem Leutnant und zwei Mann im Auto von Jüterbog zur Bestrafung wegen irgendwelcher Der- sehlungan nach Spandau abtransportiert worden fein, wo er aber n i e ma l s eingetroffen ist. Die Polizei nimmt auf Grund bestimmter Zeugenaussagen an, daß Legener aus dem Truppenübungsplatz Döberitz ermordet und dort oerscharrt worden ist." Legener, der früher im Frankfurter Feldartillerieregiment Nr. 18 aktiv gewesen war, kam lli22 durch den iiwFroriksurt tätigen Wcrbeosfizier Oberleutnant Budzinsky zu den sogenannten schwarzen Formationen, und zwar als ehemaliger Artillerist zum Iüterbozer Arbeitskommando de» Ob e r l eut- n a n t s Weiß. Aus Jüterbog erhiev seine Mutter im Januar 1928 die letzte Nachricht von ihm, Legener blieb seitdem ver» schwunden. Die Mutter wurde auf ihre Nachforschungen hin immer wieder von Angehörigen jener Kreise be, r u h i g t. Einmal wurde ihr allerdings durch einen angeb- lichen Freund aus Fürstenwalde die Nachricht überbracht, daß ihr Sohn im Ruhrabwshrkampfe in Dorstfeld bei Dortmund tätig ge- wesen und dabei von den Besatzungstruppen erschossen worden sei. Daraufhin fuhr die alte Frau nach Dorstfeld um hier aber zu er- fahren, daß ein Mann namens Legener gänzlich unbekannt fei. f Dann hieß es wieder, Legener sei nach dem Ausland gegangen, wo i es ihm gut gehe. Aehnliche Mitteilungen erhielt seine Schwester,! eine Beamtenfrau in Eberswalde, die man aber gleichzeitig mit Drohungen vor weiteren Nachforschungen warnte. Die z u-! ständigen Reichswehrbehörden antworteten auf An- fragen der Schwester, daß über den Verbleib des Wachtmeisters• Legener nichts bekannt fei. Allerdings fand sich auf der Antwort Z der Artilleriefchießschule in Jüterbog von dritter Seite«in be- sonderer Vermerk, wonach Legener dem Arbeitskommando beim Wehrkreiskommando III überwiesen worden sei. Dieses> Kommando unterstand bekanntlich dem Oberleutnant Schulz,' der jetzt wegen seiner Beteiligung an den Fememordaffären in 5 Landsberg a. d. W. in Untersuchungshaft sitzt. Das verfahren gegen ü e Strefemann-flttentäter. Tie BS. erfährt, bat der ObemüdSariitmll mit den Ermittlungen � gegen die beiden Streiemann-Attentäter den Berliner UnlersuckuneS- richter LandgerichtSrat Dr. GraSke betraut, bei dem nun die Vor- unteriuckung in dieser Angelegenbeit liegt. Dr. Gioöke ist auch in den in Berlin anhängigen Fememord-Verfahren als Untersuchung»- richter tätig. Sankrott. Eine Erklärung deS thüringischen Finanzmiuisters. Weimar, 22. Dezember.(Eigener Drahtbericht.) Eine politisch«'] überaus bemerkenswerte Red« des thüringischen Finanzminister» ist' im Lärm der letzten Sitzung fast vollkommen untergegangen. Der Finanzminister v. Kluetzschner, der bekanntlich bei seiner Wahl der Forderung des völkischen Dr. Günther nicht widersprochen hat, den Genossen L o e b von seinem Amt als Staatsbankpräsidenten zu beseitigen, erklärte anläßlich der Beratung der Fürsten- abfindung im Landtage, daß der kommunistische Führer mit seiner Behauptung, daß Thüringen Hunderte von Millionen an die ehemaligen Fürsten verliere, den Kredit des Staates untergraben habe. Sachkenner erblicken in dem künstlichen Vorwurf gegen den Kommunisten nichts anderes als den Wunsch nach einem Prügelknaben für die seit dem Weggange Loebs einsetzende Flnanzkrise des Landes. Diel wichtiger als der politisch tendenziöse und unbegründete Vorwurf des Ministers ist die Ve- hauptung, daß Thüringen keinen Kredit mehr habe, ein Zuge- st S n d n i s. das über die politische Bankrotterklärunn bereit« hinausgeht. vereinigte Staaten von Europa! Aeuherungen von Mitgliederu des Vötkerbundsrates. Genf, 22. Dezenter.(Eigener Drahtbericht.) Die„Tribüne de Genäve" veröffentlicht Unterredungen mit Mitgliedern des Völker- bundsrates über die Vereinigten Staaten von Europa. Chamber- lain verwies in seiner schriftlichen Antwort auf die Locarno- Politik Großbritannien», wich jedoch der gestellten Frage ängstlich aus. S c i a l o j a bezeichnete eine Einigung Europa» als absolut notwendig, wenn unser Erdteil di« Führung der Well beibehalten wolle, doch werde sie wegen der verschiedenen geschichtlichen Eni- Wicklungen und Sprachen der europäischen Staaten nur in der Form eines europäischen Staatenbundes vor sich gehen; dos sei ein Fehler des Völkerbundes, daß er universell gebildet wurde, an- statt sich vorerst auf Europa zu beschränken. Der Belgier H y m a n s stimmte Scialoja darin zu, daß durch politische und wirt- schaftliche Verträge eine Zusammenfassung der europäischen Kräfte notwendig ist. Ueber die Art und Weise, wie sich dies vollziehen werde, ist er jedoch skeptischer als jener und hält als Vor- aussetzung dazu noch eine wesentliche U m.w andlung der Denkweise der europäischen Völker für erforderlich, was eine geraume Zeit in Anspruch nehmen werde. Di« Antwort des Genossen Paul Boncour war mündlich und lautete kurz, daß er von der Bildung der Vereinigten Staaten Europas ganz über- zeugt sei. Wann und wie sie erfolgen werde, könne nicht vor- ausgesagt werden. In gleichem Sinne äußerte sich auch B e n e s ch. doch fügte er bei, daß die Frage momentan nicht von aktueller Bedeutung sei. Newels Sefchwerüen im völkerbunü. Wer wird Beratung verlangen? Genf, 22. Dezember.(Eigener Drabibericht.) Di« Klage de« Landtag« von Memel gegen die litauisch« Regierung, di« jüngst an da« Bölkerbundsekreiariat geleitet wurde, ist von diesem den Mitgliedern des Völkerbundsrats zur Kenntnis gebrockt worden. Damil sie auch im Rate zur Verhandlung gelangt, ist erforderlich, daß«in Vertreter aller Regierungen, welche die Konvention von Memel unterschrieben Koben, nämlich England. Froukreick, Italien und Japan, die Beratung verlangt. Das ist bisher noch nicht geschehen.___ Die verpulverung unserer Zahlungen. Pari». 22. Dezember.(Eigener Drahtbericht.) Die ReparationS- kommijsion veröffentlicht«ine Aufstellung über die von Deutschland geleisteten Zahlungen für die Zeit vom Beginn der militörisckcn Ruhrbeseyung im Januar 1�28 bis zum Begiirn. des Jnkrait- treten de» Tawee-Plane» im September 1924. Danach belaufen sich diese Zahlungen Deutschland« auf 894 280 569 Goldmark, und zwar sind 424 3ö1Sl3 Goldmark in bar gezahlt worden, während dre Naturalleistungen 469 868 656 Goldmark berragen. Der DaweS-Plan hat zur Folge, daß alle deulicken Zahlungen seit dem Londoner Abkommen vom Herbst 1023 für alliierre Militär- kosten auf ReparalionSkosten angerecknet werden. Wahlsieg in Saloniki. Di« erste WShlerbefragung seit dem Regierungsantritt der Militärdiktatur Pangalos, war die soeben vorgenommene Volkswahl des Bürgermeister» von Saloniki. Dabei wurde der sozioidemokro- tische Kandidat P a t r i k i o s mit 8222 Stimmen gewählt, mit doppelt so viel, als er bei den jüngsten Gemeinderatswahlen erhalten hatte. Diese waren für ungültig erklärt worden, da man Patrikio» der Ilmtriebe mit den Kommunisten beschuldigte. Der Rcgierungskandidat Arfghelakis erhielt jetzt nur 4916 Stimmen, während es der anti- vcnezilistische Kandidat aus nur 907 Stimmen brachte. 45 000 Wähler haben sich der Abstimmung e n h a l t« n, was die Regierung zu dem Entschlüsse gebracht haben soll, dl« Wahlpflicht ein. zuführen._,________ t__ Gewerkschaftsbewegung Kürzung der Löhne, Verlängerung der Arbeitszeit. So wollen die Kartonnagenfabrikanten die Krise lösen. Der Zentralverband deutscher Kartonnagenfabrikanten hat in einem Schreiben an den Vorstand des Deutschen Buchbinderverbandes zu dem am 31. d. m. ablaufenden Lohnabkommen des Reichstarifs für die Kartonnagenindustrie eine Herabsehung des gegenwärtigen Spihenlohnes der Ortsklasse I von 83 pig. auf 70 Pig. pro Stunde beantragt. Wörtlich schreibt er dazu: Um den gegenwärtigen Verhältniffen Rechnung zu tragen, müssen wir beantragen, daß für die Zeit ab 1. Januar 1926 der Cohntarif wieder in Kraft trift, der ab 27. Februar d. 3. Geltung halte und einen Spihenlohn der Ortsklasse I von 70 Pig. vorjah." Eine weitere Verschlechterung wird bei dem Arbeitszeitabkommen vorgeschlagen, das am 31. d. M. ebenfalls fein Ende erreicht, und zwar wird dazu beantragt, daß der bisherige Zuschlag von 12% Pro3. auf die 49. bis 54. Stunde in Fortfall tommen foll. bigoted dialasinu domo hat aber Getz nur ben Standpunkt vertreten, der in einer Reihe von Orchester umrahmte durch geschmackvoll ausgewählte eriffe und Unordnungen der Hauptverwaltung der Deutschen Reichsbahngesell- heitere Beisen die Feier. schaft, in vielen Verfügungen der Reichsbahndirektionen und wieder Man hatte nicht nur für das geistige, sondern auch das förperholt in höchstrichterlichen Entscheidungen niedergelegt ist, daß nämlich liche Wohlbefinden der Arbeitslosen gesorgt. Außer einem reichder Beamtenstreit verboten ist und daß er eine schwere Pflichtverhaltigen Mittageffen, Getränke und Rauchwaren, erhielt jeder je legung für die streifenden Beamten darstellt. nach der Dauer der Arbeitslosigkeit eine Weihnachtsbeihilfe von 8 bis 20 m. Der erste Borsigende, Genoffe Gustav Hoffmann, ermunterte in seiner kurzen, ernsten Ansprache die Erschienenen, trog ihres schweren Loses weiter treu zur Organisation zu stehen und den Weg bereiten zu helfen für eine Zukunft, in der nicht kurzfichtige und machtlüfterne Unternehmer schaffensfreudige Arbeiter von einem Elend in das andere werfen. Die Behauptung schließlich, daß Seiß auf seiner Dienststelle eine Liste in Umlauf gefeßt hätte, um die ihm unterstellten Mitglieder des Einheitsverbandes zum Austritt aus dieser Organisation zu bewegen, ist unzutreffend. Eine solche Liste ist allerdings auf der Dienststelle umgelaufen. Dieser Umlauf ist aber nicht von Seiz, sondern von einem Mitgliede des Einheitsverbandes selbst veranlaßt worden, dem die für die Organisation zu zahlenden Beiträge zu hoch waren und das deshalb aus dem Verbande auszuscheiden wünschte." Wozu wir bemerken, daß die Aeußerungen des Seiß sich nicht gegen den Beamtenstreit, sondern ganz allgemein gegen die Mitglieder des Einheitsverbandes der Eisen bahner richteten. Auch die Behauptung, die Liste zum Austritt zirkulierte nach der„ Belehrung" durch Seiz auf dessen Anordnung. aus dem Einheitsverband rühre nicht von Seiz her, ist falsch. Sie Das sind die Mittel, mit denen die Fabrikanten der Krise beitommen wollen! Unsere Wirtschaft tranft an der mangelnden Kauftraft der Masse der Verbraucher, an mangelndem Betriebsfapital das durch die Ausplünderung der Massen während der Inflation verschleudert und verpulvert wurde, an organisatorischer Rückständig. feit der Betriebe. Nur durch Erhöhung der Löhne und durch Berbilligung der Produktion zwei Bedingungen, die nur scheinwerfen. bar miteinander im Widerspruch stehen fönnen wir Herr der Krife werden. Die Kartonnagenfabrikanten, die ohnehin schon Hungerlöhne zahlen, denn die Mehrzahl der Beschäftigten sind Frauen und Mädchen, die mir einen Bruchteil des angeführten Spitzenlohnes er halten, die Kartonnagenfabrikanten aber wollen den dünnen Ast, auf dem fie figen, noch abfägen. Bei einer solchen hirnverbrannten Politik wird unvermeidlich die Wirtschaftskrise noch verschärft werden durch schmere Wirtschaftstämpfe. Weihnachten der Eisenbahner. Sie müffen betteln, um leben zu fönnen. Seit fünf Monaten stehen die Eisenbahnarbeiter in der Lohnbemegung zur Erringung befferer Lebensverhältnisse. Die Reichsbahnverwaltung hat rüdfichtslos jebe zeitgemäße allgemeine Lohn erhöhung abgelehnt, trotzdem die Deutsche Reichsbahngesellschaft ihr erstes Reparationsjahr mit einem Ueberschuß von 294 923 520 Mart abschließt. Dem Eisenbahnarbeiter in der Werkstatt, sowohl wie in den Betriebswerkstätten, Wagenwertstätten, auf den Güterböden und Bahnunterhaltungen geht es nach Ansicht der Verwaltung und der untergeordneten Instanzen nicht nur gut, sondern sie sollen überhaupt zufrieden sein, arbeiten zu dürfen. Wie gut" es diesen Arbeitern geht, beweist die ungeheure Anzahl Unterstügungsanträge bei der Reichsbahndirektion Berlin. Der für Unterstützungsgesuche vorgesehene Fonds in Höhe 600 050 Mart mußte um 150 000 mart erhöht werden. Allein von Brandenburg- West sollen 1600 Unterstügungsgefuche eingegangen sein, und von Berlin allein in der letzten en fein, und von B Woche 960! von Berhungert und gerlumpt verrichten diese Leute ihren 10 bis 14ftündigen, schweren, verantwortungspollen Dienst. Am grünen Tisch figen die Direttoren und Berwaltungsratsmitglieder. Das Bersonal geht betteln, um leben zu tönnen. Eisenbahner, wacht auf! Organisiert euch im Einheitsverband der Eisenbahner Deutschlands. Erlöst euch selbst! Was bei der Reichsbahn möglich ist. Bölkische Feme gegen republikanische Beamte. Zu unserer Notiz in der Abendausgabe vom 3. Dezember fchreibt uns die Reichsbahndireftion Halle a. S.: Richtig ist, daß der Güterinspektor Seiz, ein in seinen dienst lichen Leistungen hervorragend bewährter Beamter, einem Mitgliede des Einheitsverbandes die Gewährung von Urlaub und freier Fahrt zur Teilnahme an einer Gewerkschaftsversammlung abgeschlagen hat. Seiß hielt die Erteilung von Urlaub und Freifahrt für unzuläffig, da ihm befannt war, daß die Sagungen des Einheitsverbandes von der Deutschen Reichsbahngesellschaft noch nicht anerkannt maren, und da er deshalb den Einheitsverband nicht als eine von der Reichsbahnverwaltung anerkannte Organisation ansehen zu dürfen glaubte. Diese Ansicht des Seiß beruhte auf einer nicht verständlichen Auslegung der Urlaubs- und Freifahrtsbestimmungen. Seit ist über feinen Irrtum eingehend belehrt worden. Es ist ferner zutreffend, daß sich Seiz in einer Zuschrift an den örtlichen Beamtenrat seiner Dienststelle abfällig geäußert hat über die Beamten, die ihre Forderungen im Wege des Streils durch zusehen versuchten, wobei zu bemerken ist, daß der Einheitsverband die Arbeitsniederlegung für ein im Kampfe gegen die EisenbahnDerwaltung zulässiges Mittel erflärt. Die Aeußerungen des Seiß maren in ihrer Form nicht zu billigen, und es sind dem Geiß des wegen ernfie Borhaltungen gemacht worden. In der Sache selbst Die Unternehmerkorruption. Die Stellungnahme der christlichen Gewerkschaften. Das Berliner Tageblatt" veröffentlicht in seiner gestrigen Morgennummer zur bekannten Angelegenheit des Darlehens der Bereinigung der deutschen Arbeitgeberverbände an den christlichen Zentralverband der Landarbeiter einige Angaben, die auf die Bemühungen gewisser rechtsradikaler Kreise, mit den christlichen Gewerkschaften in Fühlung zu kommen, ein merkwürdiges Licht So habe der deutschnationale Landtagsabgeordnete Jahnte in Gemeinschaft mit dem Führer der Gewerkschaft deutscher Eisenbahner Gutsche ein Bureau, das zur Aufgabe gehabt habe, die Beteiligung der Gewerkschaften an den Ruhrgeldern zu sichern. In Wirklichkeit habe Jahnte sich mit der Vorbereitung und Finanzierung des Rüstriner Putsches beschäftigt. Es heißt dann weiter: " „ Die Verbindung zwischen christlichen Gewerkschaften und rechtsradikalen Kreisen besteht auch jezt noch. Als Ver bindungsoffizier" wird der Abgeordnete Jahnke genannt, der Bertrauensmann und Berliner Bertreter des bekannten Majors Düsterberg in Halle. Jahnke wurde bei den letzten Wahlen den ei den le Deutschnationalen als Vertreter der christlichen Gewerkschaften präsentiert, aufgeftellt und gewählt, obwohl er in den christlichen Gewerkschaften außer bei der Verteilung der Ruhrgelder faum jemals tätig war." d 700 Der Deutsche" antwortet sehr gereizt und bestreitet ,, was das B. T." nie behauptet hat. Er verweist dabei auf folgende in Nr. 289 des Deutschen" veröffentlichte Erklärung: Auf Anfrage erflärt uns zu der Erwiderung des Herrn Behrens der Gesamtverband der christlichen Gewerkschaften, daß er mit der ganzen Angelegenheit nichts zu tun habe. Er mache allerdings fein Hehl daraus, daß er auch die Entgegen nahme des Darlehns zu dem von Herrn Behrens angegebenen 3wede verurteile. Wenn die Gesamtverbandsleitung gefragt worden wäre, hätte sie Herrn Behrens dringend abgeraten, das Darlehen zu nehmen. Im übrigen ist nach Ansicht des Gesamtverbandes die Angelegenheit Behrens draußen mehr aufgebauscht worden, als fachlich berechtigt war. Daß der Gesamtverband an den Geschäften des Behrens nicht beteiligt war, glauben wir ohne weiteres. Aber genügt es wirklich, wenn man eine moralische Verurteilung ausspricht über einen Bor fizenden einer Gewerkschaft, der sich bei den Unternehmern Geld pumpt? Rann ein derartiger Fall überhaupt aufgebauscht" werden? Die Tarifverhandlungen im Bankgewerbe. Gestern nachmittag 8 Uhr begannen unter dem Vorfiz des Staatssekretärs a. D. August Müller die Verhandlungen über Berhandlungen in ihrem öffentlichen Teil erledigt. Die internen den Tarifftreit im Bankgewerbe. Abends gegen 8 Uhr waren die Beratungen find auf beute früh 10 Uhr vertagt. Ueber die Verhandlungen meldet das Wolff- Bureau: Die Schlichtungsverhandlungen gestalteten sich teilweise sehr bewegt. Die Banfleitungen erklärten unter anderem: Einer Berlängerung des Manteltarifes nur unter für die Angestellten er he b. lich ungünstigeren Bedingungen zustimmen zu fönnen. Außerdem verlangten sie eine Abjegung der Verhandlungen über die Behälter, da für diese im November ein Schiedsspruch für die Zeit bis zum 28. Februar bereits gefällt worden sei. Diese Entscheidung war aber vom Reichsverband der Bankleitungen ab gelehnt worden, und der Minister hatte die Berbindlichkeit nicht ausgesprochen. Staatssekretär Müller entschied schließlich dahin, daß auch die Gehaltsfrage in die Beratungen der Schlichtungsfammer einzubeziehen sei. Es liege ein öffentliches Interesse vor, und außerdem sei auch, da das Gesamtabtommen zum Jahresabschluß ein Ende erreiche, ein Schiedsspruch über die Verlängerung nur unter Einbeziehung einer Gehaltsfeftfehung möglich. min tim du Arbeitersolidarität! Eine eindrucksvolle Weihnachtsfeier veranstaltete gestern die Ortsverwaltung Berlin des Verbandes der Lithographen und Steinbruder im Gewerkschaftshaus für die arbeits. lofen Mitglieder des Verbandes. Die Beranstalter hatten sich die erdenklichste Mühe gegeben, die zum Untätigsein Verurteilten einige Stunden die bittere Not des grauen Alltags vergessen zu machen. Ein aus Mitgliedern des Berbandes zusammengesetztes Die mit Trotz und Begeisterung zugleich angeftimmte Internationale legte Zeugnis davon ab, daß der Kampfesmut und die Siegesgewißheit überzeugter Klaffenfämpfer auch diese schwere Zeit überdauern werden. Die Organisation aber hat durch die Veranstaltung gezeigt, daß sie auch in den schwersten Zeiten ihre arbeitslosen Mitglieber nicht vergißt, trozdem sich ihre Zahl beinahe auf ein Zehntel der Gesamtmitglieder beläuft. Ist diese Hilfe klein, geist sie doch ein Beweis der Solidarität der gewerkschaftlich organimessen an der Not der Opfer tapitalistischer Wirtschaftsführung, so fierten Arbeiterschaft. Manchen alten Kämpfer der 260 Arbeitslosen standen am Ausgang des Saales Tränen in den Augen als er auch noch für seine Angehörigen daheim mit Liebesgaben bedacht wurde. Warnung vor Zuzug nach Westfalen! Der Oberpräsident der Provinz Westfalen erhebt diese Warnung und begründet sie mit folgenden Ziffern: Am 15. Dezember waren in Westfalen rund 122 000 Arbeitnehmer in der Ermerbs= lofenfürforce, während 18 000 Arbeitnehmer bereits aus gesteuert find. Daneben gibt es noch viele Erwerbslose, die mangels der gefeßlichen Voraussetzungen nicht oder noch nicht unterftügungsberechtigt sind. Durchschnittlich ist jeder zehnte Arbeitnehmer in Westfalen und Lippe ohne Arbeit. Im November famen auf eine offene Stelle 15 Arbeitsuchende. Allen Anzeichen nach verschlechtere sich die Lage noch mehr, so daß es volltommen aussichtslos ist, in Westfalen jetzt Arbeit zu finden. Allein in der Stadt Buer find 265 3ugereifte der Fürsorge zugefallen. Die Not der Zugereisten ist deshalb doppelt groß, weil sie auch noch mit Wohnungsschwierigteiten und in der Regel auch mit vollkommen fremder Umgebung und ganz unbekannten Verhältnissen zu kämpfen haben. Es ist ein besonders hartes Schickfal, das die Zugereisten hier unter diesen Verhältnissen zu ertragen haben und darum fann nicht dringend und ernst genug vor jeder Suwanderung nach Westfalen gewarnt werden." ale Kupferschmiede, meidet Hamburg! Es wird uns geschrieben: Die Kupferschmiede Hamburgs stehen seit dem 1. Dezember im Streif, nachdem der Versuch, zu einer Einigung mit den Unternehmern vor dem Schlichtungsausschuß zu kommen, fehlgeschlagen war. An dem Streit sind 22 Betriebe mit 171 Beschäftigten beteiligt. In 10 Betrieben mit 42 B schäftigten sind die Forderungen inzwischen anerkannt. Von heranzuziehen. Insbesondere ist es den Unternehmern wird nun versucht, Arbeitsfräfte von auswärts ein gewisser Klöffforn, Hamburg, Lappen- Allee 19, der als Arbeitsvermittlungsagent für Kupferschmiede tätig ist. Auch das Landesarbeitsamt Hamburg(!) versucht, durch Vermittlung der übrigen andesarbeitsämter Kupferschmiede nach Hamburg zu ziehen, obwohl neben den Streifenden noch genügend arbeitsloje Kupferschmiede vorhanden sind. Es wird deshalb dringend vor Redaktion: Von den Unternehmern und deren Agenten ist die Suche dem Zuzug nach Hamburg gewarnt. Anmerkung der nach Streifbrechern sozusagen eine natürliche Funktion. Aber ein Landesarbeitsamt?! Hier scheint etwas nicht zu stimmen. Wir er warten Aufklärung. Die Amerikaner in der Holzarbeiter- Internationale. tagende Erefutivkomitee der Holzarbeiter- Internationale beichlog, den amerikanischen Holzarbeiterverband mit dem 1. Januar 1926 besten amerikanischen Gewerkschaften, zählt 340 000 Mitglieder. Der in die Internationale aufzunehmen. Dieser Verband, eine der Erekutivausschuß behandelte ut. a. auch eine Einladung des russischen Holzarbeiterverbandes, zu seinem Kongreß im Januar 1926 eine Delegation nach Moskau zu entienden. Es wurde beschlossen, diese Einladung aus den bekannten Gründen nicht anzunehmen. Amsterdam, 21. Dezember.( Eigener Drahtbericht.) Das hier Die Reichsfarife im Buchbindergewerbe allgemein verbindlich. Die Reichsarbeitsverwaltung hat die beiden Reichstarife für das Buchbindergewerbe nebst Lohnabkommen( Api- und VDB- Tarif) mit Wirkung vom 1. Dezember 1925 für das gesamte Deutsche Reich als allgemein verbindlich erklärt. Berantwortlich für Bolitik: Crn Reuter; Birtschaft: Artur Saternus; Gewerkschaftsbewegung: 3. Steiner; Feuilleton: R. S. Doscher; Lotales und Sonstiges: Fris. Karstädt; Anzeigen: Th. Glode; sämtlich in Berlin. Berlag: Borwärts- Berlag G. m. b. S., Berlin, Drud: Borwärts- Buchdruderei und Berlaasanstalt Baul Ginger u. Co.. Berlin 68. 68. Lindenstraße 3. Sierau 2 Beilagen und Unterhaltung und Biffen". Spröde und rote Haut Aufspringen der Hände und des Gesichts, Wundsein und unreinen Teint Dieses bewährte Haut befeitigt Leokrem pflegemittel erhalten Sie fofort überall, wo Sie die bekannte Chlorodont 3ahnpaste laufen. Billiger Weihnachtsverkauf! Herren- Ulsters Flausch- n. Grätenftoffen in derſchied. Herren- Ulster u. Farb, je nach Qualit., 55.-, 45.-, 36.aus Marengo, Cheviot, Diagonal unb Fantasteftoffen, je nach Qualität. 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Rummels Jungs hatten es kaum, Fritze Behr hatte es sicher nicht nötig, auf dem Weihnachtsmarkt mit Hampelmännern zu bandeln. Sein Vater besaß die Drechslerei, Rummel war sein erster Arbeiter. Aber trotzdem sparten die Jungs alle alten Heftdeckel für ihre Wechnachtsmdustrie. Ende November wurde ein großer Einkauf in Bilderbogen mit Hampelmännern getätigt, dann fing die Fabri- kation an und dann— dann kam das Hauptvergnügen: der Weih- nachtsmarkt. Stolz zogen die drei Jungs los— ihre Ware konnte jeder Konkurrenz trotzen! Von dem Erlös des Weihnachtshandels .wurden die Weihnachtsgeschenke gekallfi und etliche Schmuhgroschen für.Glühwein" und Pfannkuchen zur Eisbahn beiseite gesteckt. (Zigaretten waren damals noch nicht modern.) Oer selbftverüiente Groschen. Wo ist der alte Weihnachtsmarkt? Wo ist die Kinderfreude am selbstverdienten Groschen?— Sicher, auch damals standen neben diesen Jungen viel kleine Händler, die den Weihnachtsverdienst nicht ganz behalten dursten, deren Sechser und Groschen zu Haus geteilt und zum Teil für das Familienweihnachtsfest zurückgelegt wurden. Aber immer noch blieb den Kindern die Freude, mitzuschaffen am Fest. Heute ober— heule hat die Not alle Kinderfreude gefressen. Ich bin lange durch die Straßen gegangen; ich habe mit vielen der kleinen Händler gesprochen, habe ihre Waren gekauft. Dem selbst- gemachten Hampelmann bin ich nirgends mehr begegnet, auch nicht mehr der Kinderfreude am eigenen Werk. All die kleinen, oft so dürstigen Gestalten, die da an den Häusern standen, das waren keine Kinder mehr, die mal ein paar Wochen lang„Händler" spielten, wie sie in den Wochen vorher„Hampelmännerfabrik" gespielt hatten; das waren wirtliche, kleine Händler, und in ihren Erzählungen war keine Freude mehr. Ihre Groschen werden nicht zum Fest gebraucht— glücklich noch die, denen sie für ein Paar neue Stiefel, für einen Anzug zurückgelegt werden; meist frißt die nackte Notdurst des nächsten Tages schon den heutigen Verdienst. Unterhaltung über üas Geschäft. Neben dem Portal des großen Warenhauses stcht ein Mädel; blond und sauber, dreizehn Jahre. Sie handelt mit Lametta.„Weih- nachtsmarkt?— Ich weiß nicht, wo der ist. Wir stehen bloß hier." —„Wer handelt denn noch außer Dir?"—„Meine beiden Schwestern: die haben keine Arbeit. Voter ist bei der Gasanstalt, Mutter geht sonst auswarten, aber jetzt hat sie keine Stellen. Unser kleiner Bruder ist noch zu Hause."— Und man macht ein Rechen- erempel aus: Zwei Erwachsene, drei halberwachsene, ein Kind— und ein Arbeiterwochenlohn.... Auf dem Dönhossplatz gehen zwei Geschwister herum. Der Junge ist elf, das schwächliche Mädel kaum acht Jahre all. Sie sind dürstig angezogen und schlecht genährt. Der Junge hält seine Lamettabriesc stumm vor sich hin. Nein, der arme Bengel geht nicht aus eigener Initiative handeln!—„Was kostet denn Dein Lametta?"—„Acht Pfennige der Brief, dreie zwanzig."—„Junge, dos ist aber viel Rabatt I Dreimal acht ist doch vierundzwanzigl"—„Ich nehme, was Vater mir gesagt hat. Zwanzig Pfennige, damit das nicht zu teuer wird. Sonst kaufen die Leute nichts."— Vater ist Maler, natürlich jetzt arbeitslos. Vier Ge- schwister. ein Zunge in der Lehre. Die drei jüngsten lösen sich im Handel ab. Vater kaust ein. abends wird abgerechnet.„Wir nehmen zwei Mark ein, aber bloß, wenn's Wetter gut ist. Jetzt ist auch noch nicht die richtige Zeit für Lameita."— Für zwei Mark frieren drei Kinder sechs Stunden lang... Ein paar Häuser wetter: Da ist Vater selbst mitgekommen. Er handelt freilich nicht selbst; er betreut das„Warenlager": Einen Pappkarton voll roter Knarren. Seine zwei„Filicklen stehen zu beiden Seiten der Straße. Das Mädelchen ist acht Jahre all, der Junge kaum zwei Jahre ätter: Elendskinder. „Vater ist Schlächter. Aber er kriegt keine Arbeit mehr, er is schwer- hörig. Mutter is jetzt auch krank jeworden— unsere Schwester is man'n Baby, die kann noch»ich mit."— Zweidreiviertel Zahr ist Vater arbeitslos! Drüben geht er: Ein kleiner, untersetzter Mann mit dem Ausdruck des Schwerhörigen; mißtrauisch blitzen seine Augen hinter den dicken Brillengläsern. Und mit Entsetzen denkt man der toten Wochen nach dem Fest, wo auch in normalen Zeiten das Geschäft stockt, wo sich keine Gelegenheitsarbeit findet, wo auch die Kinderhände nichts mehr nach Haus bringen können— was dann? Was dann? Sslbftänüig. Endlich ein„selbständiger Unternehmer"! Der derbe, lebhafte Bengel bietet seine Knarren für nur zehn Pfennig aus— einen Groschen billiger als die gesamte Konkurrenz.„Nanu?"—„Weil't die letzten sind— et is schon zu spät. Morjen hol ick neue, immer anderthalb Dutzend." Dreizehn Jahr ist er. Vater ist tot, Mutter schneidert. Seinen Weihnachtshandel betreibt er selbständig, von dem Geld will er Weihnachtsgeschenke kaufen„und dann möchte ick mir 'n Paar Stiebet anschassen."—„Junge, laß Dir bloß nich kriejen vom Grünen, sonst is die Knarre weg!"—„Jawoll ja, nicht bloß die Knarre— dreißig Mark kostet det noch! Aber wenn der Iriens kommt, mache ick mir schon dinne!"— Der„Grüne". Der Erbfeind. Alle sind sie vor ihm ans der Hut. die kleinen, ach so zahmen„wilden" Händler. Denn wer noch zur Schule geht, darf nicht handeln. Und es scheint wirklich, als ob es für die grüne Polizei keine grüneren Lorbeeren gibt, als die Bekämpfung der kleinen Händler.„Dreimal war heute schon bei mir Kontrolle," erzählt die kleine Sechzehn- jährige, die auch ich für höchstens 14 Jahre gehalten hätte;„aber ich habe alle Papiere hier, mir können sie nichts." Darum geht es wie drahtlose Telegraphie durch die Straßen;„wenn die andern rennen, renne ick ooch!" erzählt der nette Bengel, der mir den laufenden Käfer„für die Kleinen, daß sie lachen und nicht weinen" verkauft. Darum hütet der arbeitslose Vater ängstlich das kostbare Warenlager in der Pappschachtel, rechtzeitig seine beiden„Filialen" warnend. Ob wirklich alle„Grünen" den bösen Ruf verdienen, In dem sie bei den Kindern stehen?— Ob es wirtlich keine anderen Aufgaben für diese grünen„Schutzengel" gibt?— Jugendschutz? Wohlfahrtspolizei?— Ach ja. das sind gute Dinge. Aber es reicht nicht für alle. Aus dem stolzen Hampelmännerfabrikanten ist der kleine Händler geworden. Oft nicht mal ein„selbständiger" Händler, meist nur der Vertreter des arbeitslosen Vaters, der für die Pfennige seiner Arbeitslosenunterstützung den Grundstock des Geschäfts kaufte, mit dem ollabendlich abgerechnet wird. Schwer tragen sie an der Rat der Zeit, die kleinen Händler; sie find alle richtige, Neine Geschäfts- leute geworden. Es gibt keine Amateure des Proletariats. Ob sie es einst lernen werden, in einer Front zu stehen, in einem Schritt zu gehen? Oder ob sie bis dahin aufgerieben sein werden, wie die Scharen des Kinderkreuzzuges, noch ehe wir das gelobte Land erreichen? Wachslichte. Eigentlich find sie au» Stearin oder Paraffin, nur au» alter Gewohnheit heißen sie manchmal noch Wachslichter, der Rame klingt vertrauter, er erinnert an die Zopfzeit, an Biedermeier, Weihnachtsbaum und Lichterglanz. Sonst führen sie nur in Krön- leuchtern, die nie brennen,«in dekorative» Dasein und Leute, die viel von sich halten, haben sie in kupfernen Armleuchtern unter- gebracht, auch an einem gut bürgerlichen Klavier machen sie Figur und auf dem Nachttisch gehören sie zu den unentbehrlichen Ge brauchsgegenständen. Aber zur Weihnachtszeit tauchen sie in allen Schaufenstern auf und sind plötzlich zu einer War« geworden, die i la Hausie notiert wird. In allen Größen und Formen sind sie vorhanden. Merkwürdigerweise wird in Berlin das große, dicke Stearinlicht auf dem Weihnachtsbaum bevorzugt, dessen Haller in den Stamm des Weihnachtsbaumes hineingebohrt werden muß. Berlin ist eben eine Stadt der Oekonomie. In anderen Städten, wo man„leichtsinniger" denkt, gebraucht man dünn«, schlanke Kerzen, die hin und wieder auch in Berlin auftauchen. Schmal und unansehnlich liegen sie in ihrem Pappkarton aneinander gereiht, einige sind weiß, andere gefallen sich in grellen Regenbogenfarben, manche sind auch gedreht und mit Goldlametta verziert, die meisten bevorzugen aber eine glatte Form. Jedes Jahr bringt irgendeine Neuheit. Augenblicklich gehören dünne, weiße Lichte mit roten Herzen oder Karos und mll schwarzen Kreuzen und Treffs zum letzten Schrei der Mode. Daneben gibt es aber auch echte Wachs- lichte. Doch wer kauft sie? Sie sind teurer als Paraffinkerzen und sie sehen nicht so hübsch bunt aus, sie begnügen sich mll einfach gelber oder weißer Farbe. Lmige Zeit waren sie völlig ver- schwunden, an allen Weihnachtsbäumen brannten nur Stearin- lichte. Erst allmählich eroberten sie den verlorenen Boden. Als gelbe, gedrehte Wachsstöcke tauchten sie aus der Vergangenheit 4A Die Passion. Roman von Clara viebig. Bleischwer lastete der dicke Kopf des kleinen Felix auf Evas Arm. Und die Last wurde immer schwerer und schwerer, je länger sie die trug. Und sie trug die oft sehr lange, viele Stunden. Es war merkwürdig, so ruhig der kleine Felix am Tage war, so unruhig war er des Nachts. Er schrie mit quäkender, durchdringender Stimme, wie ein armes Tier, das gepeinigt wird. Hatte sie ihn endlich zum Schweigen gebracht, indem sie ihn auf den Armen beständig hin und her wiegte, und legte sie ihn behutsam wieder nieder, schlüpfte zurück in ihr Bett, gleich schrie er wieder auf, so gellend, daß sie ihn erschrocken abermals aufnahm. Und dann hob das Wiegen auf den Armen, das schaukelnde Hin- und Hertragen von neuem an. So Nacht für Nacht. „Er kriegt Zähne," glaubte Frau Ella entschuldigen zu müssen.»Das kommt nur davon." Eva hatte geklagt, sie könnte das schwere Kind nicht so lange mehr tragen, der Rücken drohte ihr zu brechen.„Das geht vorüber," tröstete die Tante.„Wenn der Junge erst die Zähne hat, hast du ja auch rein nichts mehr zu tun. Da hast du Opodeldok, reib dir mal jeden Abend den Rücken ein. Rückenschmerzen sind doch nicht so schlimm." Aber sie waren schlimm; besonders wenn Felix sich so bäumte auf Evas Arm, daß sie ihn halten mußte mit aller Gemalt. Dann war es ihr so. als bohre sich ihr in den Rücken, in den Hüften, in den Unterleib ein glühender Stahl. „Ach. laß ihn nur nicht fallen," bat die junge Frau, die eines Nachts hereingelaufen kam im Nachthemd, die bloßen Füße in den Pantöfselchen; sie hatte sich weggestohlen von der Seite des fest schlafenden Mannes. Der hatte das Schreien nicht gehört; aber sie. Und es dünkte auch ihr heute entsetzlich. Aus einmal so entsetzlich, daß sie eine plötzliche Angst befallen hatte.„Was ist ihm nur? Schreit er immer so?" „Er schreit immer so." sagte verschlafen die todmüde Eva. „Mein Gott!" Atemlos stieß es Grete aus, in ihren Augen war etwas Aufgeschrecktes. Ob dem Kind etwas weh- tat? Ob es vielleicht innerlich etwas hatte, was man nicht sehen, und was es nicht sagen konnte, und was es doch krank machte.„Gib ihn mir doch mal!" Bereitwilligst gab Eva das schwere Paket ab. Aber Grete versagte rasch. O wie schreck- lich schwer lastete der Äopfl Und war der rtcht eigentlich besonders groß? Hatten denn alle Kinder einen solch dicken Kopf? Der Kopf des kleinen Felix war ihr noch nie bisher aufgefallen, aber heute war es, als hätte sie eine Vergröße- rungsbrille auf, sie sah ihn so groß, so entsetzlich groß.„Ich glaube, mit dem Kind ist etwas nicht in Ordnung," stammelte sie zitternd. Eva mußte ihr den Knaben abnehmen, sie hielt ihn nicht länger mehr.„Laß du ihn nur nicht noch etwa fallen." flehte sie.„Wer weiß, ob ihn nicht eines der früheren Mädchen hat fallen lassen! Wenn man ein Kind auf den Kopf fallen läßt, kann es blöde werden. O mein Gott, er wird doch nicht blöde kein? Blöde?!---------- „Warum hast du es ihr denn nicht ausgeredet, hast nicht gesagt, daß das Kind ganz normal ist?" fuhr Frau Ella die Nichte an. „Ich weiß doch nicht," stotterte Eva. „Du bist eine ganz dumme Gans, oder du tttst es aus Bosheit." Die Tante war sehr aufgebracht. Das hatte man nun davon, daß man so gut war und Eva nahm; hätte man eine tüchttgere Wärterin angestellt, eine erfahrenere, hätte ihre arme Tochter noch lange nichts gemerkt.„Geh nur rein zu ihr," herrschte sie den Schwiegersohn an,„sieh zu, was du angerichtet hast!" Er verzog sich schleunigst. Aber am Bett seiner jungen Frau saß er jetzt und hielt ihre Hand. Grete hatte das Ge- ficht ins Kissen vergraben und weinte unaufhallsam. Ein Kind, ein Kind hatte sie sich so sehr gewünscht, alles Gute und Edlere war in ihr aufgewacht, als sie es erwartete. Und als nxgn ihr dann das kleine Geschöpf zeigte— 0, es lebte, es atmete, es war kein verunglücktes Nichts, wie das erstemal— da war sie glückselig; ihr Kind, ihr süßes Kind! Und nun war es ein blödes Kindl Das ließ sie sich nicht ausreden. Der Mann erschöpfte seine ganze Beredsamkeit, er streichelte sie. er küßte ihre Hände, er kniete an ihrem Bett. Aber er machte dabei ein Gesicht wie ein armer Sünder, war wie ein verprügelter Hund. Sollte es wirklich so sein, daß das Kind blöde war? Ach, Unsinn, nur ein wenig zurückl Das kam doch öfter vor und verwuchs sich nachher ganz, tröstete er sich; aber er glaubte sich selber nicht. Und sollte er. er wirklich daran schuld sein, wenn sein Kind unglücklich war? Siedende Röte schoß ihm zu Kops, und dann wurde er leichenblaß. Seine Lippen zuckten, seine Knie schlotterten. ,.O, wenn ich das geahnt hätte, das noch gedacht hätte!" stöhnte es heimlich in ihm Solange er lebte/ solange der Knabe lebte— ein blödes Sind, das er ansehen mußte— solange wurde er mm den Borwurf, den er sich selber machte, den er sich machen mußte, nicht los. Was nützte ihm alles, was er sich erarbeitete, was nützte ihm, daß er sein Geschäft immer mehr hochbrachte, wenn er keinen Erben hatte, der es übernahm? Denn er durfte keinen haben, er wollte nicht— nein, er hatte den Mut nicht mehr dazu. Es könnte ja wieder so sein. Aber seine Frau war jung, und er war jung— was sollte er ihr«nr sagen?! Verzweifelt biß er sich die Lippen. „Hast du geseufzt?" fragte die Weinende und tastete blind- lings nach ihm. Er kniete noch immer, hatte den Kopf auf ihren Bettrand gelegt. „Ach, Erich, ich bin so unglücklich! Unser Sind, unser unglückliches Kindl" „Ach, du täuschst dich? Einbildung, Grete." Es klang dumpf zu ihr herauf.-„3>u bist sehr mit den Nerven herunter, meine liebe Gretel" „Nerven?!" Sie lachte schluchzend.„Ich habe bis jetzt nie gewußt, was Nerven find— nein, es sind nicht die Nerven!" Sie hob das Gesicht aus den Kissen, Ihre verweinten Augen suchten die des Mannes. Aber er sah sie nicht an. Er getraute sich nicht, ste an- zusehen. „Sieh mich doch an," bat sie.„Nein, du kannst es nicht, well du mich jetzt doch nicht mehr belügen kannst. Du hast es gewußt, und Mutter wußte es auch schon lange. Und jetzt weiß ich es auch. Jetzt weiß ich, warum die Leute manchmal das Kind so ansehen. Die waren nicht so dumm wie ich. Zurück, ein bißchen zurück, das wäre nicht so schlimm, das holt sich ein mit den Jahren. Aber ein Kind, das jetzt mit ändert- halb Jahren noch so starr guckt. Augen bat, so blaß, so glänz- los, Augen, die sehen und doch nicht sehen— ganz leer der Blick— das so dünne Beinchen hat, so schwach ist im Rücken — er sitzt ja noch nicht einmal— aber das einen Kopf hat s v dick, einen Kürbis, das wird nicht mehr anders. Nun sehe ich, nun sehe ich!„Es ist blöde!" Sie rang die Hände.„Was habe ich verbrochen, daß ich so ein Kind habe?!" „Ach, mein Herz, meine geliebte Frau, mein einziges Gretchen, es ist ja noch gar nicht erwiesen! Wir werden alles tun. Es gibt so berühmte Aerzte. so etwas ist heilbar!" „Du lügst," sagte sie hart.„Du glaubst selber nicht daran, ich höre es an deiner Stimme. Ach, Erich!" Sie umfaßte mit beiden heißen, vor Angst und Verzweiflung schwitzenden Händen seinen gesenkten Kopf und legte ihre Sttrn auf sein Haar: ihre Tränen überströmten ihn.> _._____________ �Fortsetzung folgt) empor. Natürlich machten sie mehr Arbeit, fie mußten ausgemalzt, zerschnitten und auf die Aeste geflebt werden, genau wie in jener Zeit, als der Großvater die Großmutter nahm. Und dann ver. bogen fich die Lichte, fie trümmten sich zusammen. Wer hatte Interesse daran? Aber der Duft dieser Wachslichter, dieser unaufdringliche, träumerisch süße Duft, schwer und doch nicht lastend, der an längst vergangene Zeiten erinnerte, an den bunten Frad und an die Krinoline, ließ das andere übersehen. Doch wer fann es fich heute leisten, den Weihnachtsbaum mit Wachsterzen oder Wachsstock zu dekorieren? Es bleibt bei den Paraffinkerzen, auch wenn sie oft nicht gut riechen. Kinderfreude am Bülowplatz. Etwas Eigenartiges ist es, wenn ein großes Theater von Kindern gefüllt ist, die dann vom Spiel gepact, die Rollen vertauschen. Oft scheint es dann, als ob sie die Schauspieler zwingen wollten, Zuschauer zu sein zu dem Spiel, das sie unbewußt von innerster Freude ergriffen improvifieren. Solch ein Spiel mit verwechselten Rollen sah auch gestern nachmittag wieder einmal die Boltsbühne am Bülowplay, in der wohl an 2000 Kinder versammelt waren, um dem Märchenspiel Heinrich Römers Jung- Siegfried, der wadere Schmiedejunge," zu lauschen. Die Arbeiter Wohl. fahrt und Kinderfreunde" hatten sich vereinigt, um einem Teil der vielen Kinder, die sie unter ihre Obhut genommen haben, dieses Festspiel als Weihnachtsgeschent zu bescheren. Schon von 2 Uhr ab begann der Kinderfreuzzug zu dem edlen Haus am Bülowplay, trotzdem erst um 3 Uhr der Spielbeginn angejezt mar. Doch nirgends war Unruhe, überall nur freudige Er. wartung. Und als dann das Licht erlosch, schwoll das Stimmengemirr noch einmal an, um schnell einer lautlosen Stille zu weichen. Genoffin Todenhagen begrüßte die munteren Gäste mit freund lichen Worten, die in dem Freundschaftsgruß der„ Kinderfreunde" ausflangen, der ein lebhaftes Echo fand. Dann sette leise Mufit ein und das Spiel begann. Die alte Siegfried- Sage in einer AufMieteerhöhung als Weihnachtsgeschenk. Auf 84 bzw. 80 Proz. der Friedensmiete. Gerade noch zur rechten Zeit für den Weihnachtstisch wird der Berliner Mieterschaft ein nicht gerade ersehntes Geschent serviert. Der amtliche Preußische Pressedienst meldet: Die gefehliche Miete vom 1. Januar 1926 ab beträgt bis auf weiteres 84 Pro3. der reinen Friedensmiete bzw. 80 Pro3. bei Uebernahme der Schönheitsreparaturen durch den Mieter. Diese Erhöhung entspricht einem reichsgefehlichen Erfordernis, da der Hausbefizer vom 1. Januar 1926 erhöhte 3infen für die aufgewerteten Hypotheken zu zahlen hat. Wir werden auf die neuen Säge noch zurüdfommen. Arbeiter Kulturfartell Groß- Berlin. Zweite Proletarische Feierstunde am Sonrabend, den 26. Dezember( 2. Weihnachts- Feiertag) vorm. 11 Uhr, im Großen Schauspielhaus, Karifir. Träume der Mietsfaserne Dichtungen für Sprechhor mit Mefit, Gefang und Tanz von Franz Rothenfelder, Kurt Eisner u. a. Mitwirkende: Das Orchefter der Freien Boltsbühne e B. unter Rettung des Herrn Kapellmeister Heller, Golofprecher vom Staatstheater, der Sprech chor für Proletarische Feierstunden unter Leitung von Albert Florath. Einheitspreis 1,20 Mart „ Ehrliche" Kaufleute. Energisches Durchgreifen der Polizei. Bor der Handelserlaubnisstelle des Polizei präsidiums fand gestern eine weitere Berhandlung gegen die Kartoffel- Engrosfirma Raffalskt statt, die zu einem vollen Berbot des Handels mit Gegenständen des täglichen Bedarfes führte. [ päter gelang es denn auch, den Hoffmann auf frischer Tat zu ertappen. In feiner Begleitung befand sich Heite, der nun der Beihilfe und Begünstigung beschuldigt wurde. Während dieser gar nicht gewußt haben wollte, worum es sich eigentlich handelte, hielt es Hoffmann für besset, ein Geständnis abzulegen. Das Gericht nahm trotzdem wegen der Gemeingefährlichkeit dieses ganzen Treibens davon Abstand, dem Angeklagten die erbetenen„ legten" mildernden Umstände noch einmal zuzubilligen. Das Urteil lautete auf 3 Jahre Zuchthaus und Aberkennung der bürgerlichen Der„ unwissende" Ehrenrechte für die Dauer von 10 Jahren. Seite erhielt 1 Jahr und 6 Monate Gefängnis und die gleiche Nebenstrafe für 3 Jahre. Der weibliche Sherlok Holmes. Die Warenhausdiebin und ihre Gehilfin. Das Schöffengericht Charlottenburg mußte gegen eine Ehefrau Anna B. wegen gemeinsamen Diebstahls verhandeln. Die Angeklagte ist keine junge Frau mehr, ihr Alter, Ausgang der Fünfzig. Bis zum Jahre 1921 hatte sie ein einwandfreies Leben geführt, besaß noch fein ,, Strafregister". Dann erlag sie eines Tages den verführerischen Auslagen in den großen Warenhäusern, fie entwendete mehrere Gegenstände, ohne bei den ersten Malen ertappt zu werden. Nun machte sie den Warenhausdiebstahl zu Be ihrem verschiedene Gewerbe, erlitt desregen fängnisstrafen und mußte si jetzt wieder wegen der gleichen Die Mitangeflagte Vergehen vor den Richtern verantworten. Hedwig Sch. sollte die erforderliche Beihilfe zu den Diebstählen dadurch geleistet haben, daß sie die B. zudecken" versuchte. Die beiden Frauen wurden von einer Detektivin eines großen Waren hauses im Westen beobachtet und gestellt Während Frau B. in sehr geschickter Weise von zwei Ballen Seide im Werte von 400 mart abrollte und in die Diebestasche ihres faltenreichen. machung, die dem Zeitgeist entspricht, und für ein Märchenspiel Borwurf gemacht worden, nicht die notwendigen Bücher geführt zu führt. In der Verhandlung machte Hedwig Sch. den schwachen Vers zurechtgemacht, das wohlgeeignet ist, Kindern helle Freude zu bereiten. Vielleicht war das„ Tapfere Schneideriein", das die Boltsbühne im vergangenen Jahr ihren fleinen Freunden bot, noch besser geeignet als das neue Spiel dieses Jahres, Verständnis und innere Anteilnahme der Kinder zu erweden. Aber bei den spannenden Szenen, bei denen es den Anschein hat, als ob das Böse über das Gute triumphieren solle, da gingen die Kinder herzerfrischend mit. Welch Bedauern, als die Königstochter, von dem schwarzen Ritter gezwungen, verschwunden war, welche Ratschläge bei dem Drachenfampf, melche Freude bei der Entlarvung des schwarzen Ritters am Schluß des Spieles das in einem Lob der Arbeit ausklingt: Einerlei, ob groß. ob flein, Es muß ausgeschmiedet sein.. Tausend Arme sollen sich regen, Tausend Hämmer fich bewegen. Tausend Eisen sollen flingen Und das Lied der Arbeit fingen! Tausend Feuereffen dampfen, Tausend Eisenhämmer stampfen! Wer den Hammer in festen Fäuften hält, Dem gehört die ganze meite Welt! Dieses Lob der Arbeit in Berbindung mit dem alten Märchen, in, dem auch sonst einige gute Ratschläge gegeben werben, die mohl beachtet und bedacht zu werden verdienen, ist vielleicht das Schönste an dem Werte Römers... Blumen schwangen fich von eifrigen Kinderarmen geworfen auf die Bühne. Ein fröhlicher Kinderfreuden gruß dankte den Schauspielern, die mit Hingebung beim Werte waren, und mit dem Gesang:„ Wenn wir schreiten Seit an Seite und die alten Lieder flingen erreichte diefes schöne Weihnachtsfest in der Boltsbühne in diesem Jahre sein Ende. Vier Monate Gefängnis für Gräfin Bothmer. Haftbefehl aufgehoben aber neue Haft. Im Berufungsprozeß Bothmer verfündete nach etwa drei. ftündiger Beratung gestern abend um 7% Uhr der Vorsitzende Landgerichtsdirektor Dr. Hellwig das Urteil gegen die Angeklagte. Im Polziner Diebstahl wurde ihr nur ein Kofferbiebstahl zur Lait gelegt, der Potsdamer Diebstähle ift fie voll überführt worden. Das erste Urteil wurde verworfen und die Angeklagte zu insgesamt pier Monaten Gefängnis verurteilt. Zwei Monate find durch die Untersuchungshaft als verbüßt erklärt. Der Haftbefeht wurde aufgehoben. Freudig nahm die Gräfin diese Er fenntnis auf, als plöglich ein Kriminalschuhmann in die Anflagebant rat und der Gräfin einen neuen aftbefehl überbrachte, und zwar wegen fchwerer Urfundenfälschung. Sie wurde freideweiß und ließ sich nur unter Proteft abführen. Die Verteidiger merden sofort gegen den neuen Haftbefehl Beschwerde einlegen. In der Urteils begründung führte der Vorsitzende aus: Es ist teine Bagatelle, ein Diebstahlsprozeß, der äußerst schwierig zu er gründen war. Aus den Indizien ist nachgewiesen, daß die Angetlagte einen Kofferdiebstahl in Bolzin und die Diebstähle beim Präsidenten Ried ausgeführt hat. Was uns die Entscheidung schwer machte, ist die Frage der Strafabmessung. Diese Frau von wenig gefestigtem Charakter brauchte einen Mann in der Ehe, der sie feft cm Zügel hielt, das hat ihr gefehlt. Ihr triebhaftes Wesen hat sie die Handlungen begehen lassen. Sie hat durch ihre Verdunkelungsmanöver selbst die Waffen zu ihrer Ueberführung gegeben. Die Taten gegen die Freundin und gegen den alten väterlichen Freund mußten scharf angefaßt werden. Ein erdichteter Mord. Mit der Selbstbeschuldigung, seine Tochter ermordet zu haben, stellte sich in der Nacht zum vergangenen Sonntag ein Mann auf der Revierwache in der Brücknerstraße zu Neukölln. Er gab an, daß er in Hamburg mit seinem Geschäft untergegangen sei. Weil er feine Aussicht gehabt habe, wieder hoch zu kommen, so habe er den Entschluß gefaßt, sich das Leben zu nehmen und Jeine Frau und seine 13 Jahre alte Tochter in den Tod mitzunehmen. In der Nacht habe er zunächst der Tochter mit einem Rafiermesser den Hals durchgeschnitten. Darüber sei seine Frau erwacht und habe laut um Hilfe gerufen. Jezt sei er davongelaufen und planlos umhergeirrt. Wie er nach Berlin gekommen sei, wisse er selbst nicht mehr. Der angebliche Mörder wurde als ein 34 Jahre alter Kaufmann Wohlien aus Hamburg festgestellt. Die Kriminalpolizei fegte sich sofort mit Hamburg in Verbindung. Bevor noch eine Antwort eintreffen fonnte, widerrief Wohlien seine Selbstbezichtigung und verlangte, wieder auf freien Fuß gesetzt zu werden. Die Kriminalpolizei behielt ihn aber vorläufig in Gewahrsam. In Hamburg wurde unterdessen festgestellt, daß Wohlien den Mord an seiner Tochter er dichtet hatte. Er hatte die Flucht ergriffen, weil er 500 Mart unterschlagen hat. Die Kriminalpolizei führte ihn gestern dem Untersuchungsrichter vor. Wetterbericht der öffentlichen Wetterdienststelle für Berlin.( Nachbr. berb.) Noch mild, meist trübe mit Regenfällen. Für Deutschland: In SüdJm Norden trübe und weit verbreitet deutschland vielfach ausheiternd. Regen. Sauber wird die Haut durch den Gebrauch von Seife. Schön wird die Saut durch ben Gebrauch von Arafomehn Dem Inhaber der Firma Raffalski war von der Polizei der haben, die für eine Preisprüfung nötig sind, und daß Kartoffeln, die als Futterkartoffeln gekauft worden oder zumindest dem Einfaufspreis nach als solche hätten erkannt werden müssen, als Speise fartoffeln an Krankenhäuser, Gefängnisse usw. durch das Anschaffungsamt der Stadt Berlin geliefert worden waren. Die Verhandlung unter Borsiz des Regierungsrats Dr. Hohenstein ergab in vollem Umfanae die Richtigkeit der Beschuldigungen. Raffalsti hat in den meisten Fällen beanstandete Ware, das Breisen waggonweise aufgekauft und als reguläre, handelsübliche heißt Kartoffeln von nicht einwandfreier Beschaffenheit, zu billigen Ware mit großem Nugen weiterverkauft. Während seine Eintaufspreise zwischen 1 und 1,30 M. Schwanften, betrugen die Verkaufspreise 2 bis 2,90 m. pro Zentner. Dieser Preis. unterschied floß ungeschmälert in die Tasche des Händlers. Sehr bezeichnende Aussagen machte der Zeuge Christoph, der befundete. daß es bei großem Kartoffelangebot viele und bei kleinem Angebot teine Beanstandungen gab. Es tam weiter die große unzufriedenheit der Versender bzw. Produzenten zutage, die sich gegen die Manipulationen einzelner gewinnfüchtiger Groffiften nicht schüken fonnten. Die Buchführung der Firma Raffalfti, die in stundenlangen Verhandlungen erörtert wurde, ergab, daß weder die PreisSpanne noch der Empfänger einer Lieferung aus einem bestimmten Waggon zu erkennen war. Allein hieraus ergab sich die Unzuverlässigkeit der Firma, die diese notwendigen Buchungen umgehen wollte, um je de polizeiliche Breisprüfung unmög Itch zu machen. Erschwerend fiel für Raffaliti ins Gewicht, daß er bereits vor etwa einem Jahr eine Warnung wegen Preistreiberei von der Preisprüfungsstelle erhalten hatte. Die Gutachten der Sachverständigen verstärkten noch den Eindruck der Unzuverläffigfeit Raffalitis. Hierauf plädierte der Verteidiger in längeren Ausführungen für Raffalfti. Das Gericht verkündete dann das Urteil. Umfange aufrechterhalten. Außerdem hat R. eine Gebühr von Das Handelsverbot vom 26. November wurde demnach in vollem 50 M. zu zahlen. Zur Abwicklung seiner Geschäfte wird ihm eine Frist von 4 Wochen gewährt. In der Urteilsbegründung führte der Vorsitzende folgendes aus: Das Verhalten des Verurteilten als Kaufmann im Kartoffelhandel steht mit den Grundsäken des ehrli en Kaufmanns in traffem Widersprt Die Waggonentladebücher fehlen vollständig, das auf der Absicht beruht, jede Uebersicht und Nach prüfung zu erschweren. Er hatte sich ferner zum Geschäftsprinzip gemacht, fast nur noch beanstandete Waren zu faufen, um baran übermäßig zu verdienen. Die Auswüchse im Kartoffelgroß handel müssen gründlich bekämpft werden. Ein weiterer Fall mußte auf den 10. Januar vertagt werden. Der dritte Fall gegen den Kartoffelhändler Gilberstein tam gar nicht erst zur Berhandlung, da 5. seine Beschwerde gegen bas gegen ihn erlaffene Handelsverbot wohlweislich zurückzog. Wahrscheinlich mird die Attion der Polizei noch größere Kreise ziehen und weitere Schuldige zur Rechenschaft fordern. Ein Fafchmünzer auf Reifen. Trotz erheblicher Vorftrafen griff der Arbeiter" Hoffmann immer wieder auf das gefährliche Gewerbe der Falschmünzerei zurüd. Wegen Anfertigung und Verbreitung unechter Banknoten hatte er sich zusammen mit einem gewissen Seite vor dem großen Schöffengericht Berlin- Mitte zu verant worten. Hoffmann hatte in der Zeit vom Avril bis Oftober 1924 die außer Kurs gesetzten Millionen- und Milliardenscheine durch geschickte Fälschungen höchsteigennützig„ aufgewertet". Er durch reifte ganz Deutschland, fuchte hauptsächlich mittlere Städte auf und fezte eine große Anzahl der Falsifikate um. Des Angeklagten Trid war immer derselbe. Bei seinen Einfäufen in den verschiedensten Geschäften verstand er es in raffinierter Weise, die Berkäuferin in ein Gespräch zu verwickeln und so ihre Aufmerksam feit von dem Geldschein abzulenken. Erst beim Abschluß der Kasse fanden die Inhaber das falsche Geld. Da von allen Seiten bei der Kriminalpolizei der verschiedenen Städte Anzeigen einliefen, wurden von Beamten der Falschmünzerabteilung des Berliner Polizeipräsidiums besondere Maßnahmen getroffen. Kurze Zeit Das Rundfunkprogramm. Mittwoch, den 23. Dezember. Außer dem üblichen Tagesprogramm: 7 Uhr abends: Karl Brammer: 330 Uhr nachm.: Jugendbühne( Unterhaltungsstunde). Die Funkprinzessin erzählt: Weihnachtsmärchen. Die Funkprinzessin: 4.30-6 Uhr nachm.: Konzert. Auguste Prasch- Grevenberg. 7.25 Uhr abends: Dr. Viktor Engelhardt: Die Bedeutung des „ Die neuesten Nachrichten". Festes für die Volkskultur".( Eine Weihnachtsbetrachtung). 7.50 Uhr abends: Intendant Professor Dr. Max von Schillings spricht zu dem Sendespiel, Lohengrin" am 25. Dezember. 8.30 Uhr abends: Weihnachtskonzert. 1. a) Chopin: Prélude Des- Dur, b) Raff: Märchen( Celeste Chop- Groenevelt. Klavier). 2. Weihnachtslieder: a) Alle Jahre wieder. b) Ehre sei Gott in der Höh', c) Es ist ein Ros entsprungen( Cornelis Bronsgeest, Bariton). 3. Liszt: Vogelpredigt des heiligen Franziskus( Celeste ChopGroenevelt). 4. Weihnachtslieder: a) Thr Kinderlein kominet, b) Morgen Kinder wirds was geben, c) Morgen kommt der Weihnachtsmann Cornelis Bronsgeest). 5. Scheffel: Aus Eckehardt" ( Ferdinand Gregori, Rezitation). 6. a) Chopin: Nocturne Fis- Dur, b) Liszt: Rhapsodie( Celeste Chop- Groenevelt). 7. Weihnachtslieder: a) Vom Himmel hoch. b) Stille Nacht, b) O du fröhliche ( Cornelis Bronsgeest). Am Flügel: Bruno Seidler- Winkler. Anschließend: Dritte Bekanntgabe der neuesten Tagesnachrichten, Zeitansage, Wetterdienst, Sportnachrichten, Theater- und Filmdienst. Gewandes verschwinden ließ, hatte sich die Sch. so dedend" vor sie Als sich Beide schon fast dem Ausgang genähert hatten erschien gestellt, daß an dem Verkaufstisch nichts bemerkt werden konnte. plöglich der weibliche Sherlock Holmes auf der Bildfläche und nahm an Ort und Stelle eine recht peinliche Untersuchung der B. vor, deren Ergebnis die vielen Meter Seide waren. Alles Jammern und Schreien der überraschten Frauen half nichts, fie galten als überfuch, vollkommen unschuldig zu sein und ihre Freundin B. ganz zufällig im Warenhaus getroffen zu haben. Vor dem flaren Zeugnis der Detektivin mußte aber auch sie verstummen und sich gemeinſam mit der B. in ihr Schicksal ergeben. Dieses lautete nach dem Urteil des Gerichts für die Ehefrau Anna B. auf 1 Jahr und 6 Monate, für Hedwig Sch. auf 9 Monate fängnis. Der Brizer Mädchenmord. Ge Zu dem Brizer Mädchenmord wird mitgeteilt, daß der Täter, der 28. Jahre alte Kammacher Bilemcit, sich gestern selbst der Staatsanwaltschaft II stellte. Bei seiner Bernehmung durch die Kriminalpolizei gab er an, daß er seit 2 Jahren zu dem Mädchen Beziehungen unterhalten habe. Er war sehr eifersüchtig vera anlagt und duldete nicht, daß seine Freundin mit anderen jungen Leuten ausging. Um möglichst oft mit ihr zusammen fein zu können, gab er seinen ganzen Verdienst aus und verkaufte außerdem einige Wertsachen. Als das Paar sich am Montag abend wieder getroffen hatte, machte der junge Mann seiner Braut unterwegs wieder einen Auftritt. In sinnloser Eifersucht brachte er ihr mehrere tiefe Stiche in den Hals bei, so daß sie tot zu Boden stürzte. Wilewcit, der ganz niedergebrochen ist, erklärt, daß er nicht mehr wisse, wie er sich zu der Bluttat habe hinreißen laffen können. Straßenbahnverkehr an den Weihnachtsfeiertagen. Die Straßen bahn verfehrt an den Weihnachtsfeiertagen, 25., 26. und 27. Dezem ber d. J., nach dem Sonntagsfahrplan. Es findet also ein ununter brochener Betrieb in der Nacht vom Sonnabend( 2. Weihnachtsfeier tag) zum Sonntag auf den Linien 1, 15, 69, 74, 76 und 99 nicht statt. Ein neues Unglück auf Zeche Cothringen I und II. Auf der Zeche Lothringen I und II, auf der sich am 30. November das schwere Explosionsunglüd ereignete, trug sich jetzt abermals ein schweres Unglüd zu. Durch vorzeitiges Losgehen eines Sprengschusses wurden fünf Bergleute schwer verletzt. Sie wurden ins Bergmannsheil" geschafft. Einer der Verletzten ist bereits gestorben. " Ein ruffischer Bischof wegen Giffmordes verurteilt. Das Sowjetgericht verurteilte den Bischof Leontis von Nischni- Nowgorod zu 10 Jahren Zuchthaus wegen Giftmordes, begangen an einer Frau, mit der er sich heimlich hatte trauen laffen. Er soll die Tat begangen haben, um seinen Bischofsposten behalten zu fönnen, da die höhere Geistlichkeit im Zölibat leben muß. Die Sowjetpresse macht aus dieser Angelegenheit teine tirchenfeindliche Sensationsaffäre, teilt nur das Urteil furz mit und berichtet nicht über die Einzelheiten. Chinesische Piraten. Nach einer Meldung aus Songtong wurde der von Schanghai nach Tientsin bestimmte Dampfer „ Tungdow" der chinesischen Dampfschiffahrtsgesellschaft von Biraten gefapert. Sport. Die erften neuen Mannscha ten ür das 15. Berliner Sechsface- Rennen Folgende Fabrer werden je ein Baar bilden: find zusammengestellt. Girardengo Giorgetti( Italien), Beriyn César Debaets ( Belgien). Dewolff Stodelynd( Belgien), Gebrüder Banden. hofe( Frankreich). Tonani- Saldow( Italien- Deutschland), Lorenz. Kruptat( Deutschland), Gottfried: Bauer( Deutschland), Samall. Rosellen( Deutschland), Knappe Rieger( Deutschland). 2 19 Fest verpflichtet, aber noch nicht zu Mannschaften zusammen. gestellt sind: ittig Berlin, Möller Hannover, Golle Berlin, Longardt Berlin, Rauch- Köln. Die Berhandlungen mit a b.n. ie( die noch nicht verpflichtet sein sollen), einem weiteren. deuts hen Fabrer und einer amerikanischen Mannschaft stehen dicht vor dem Abschluß. Briefkasten der Redaktion. G.. 60. Ja. Sollten Sie verlagt werden, fo müssen Sie fich auf bas Reuanis des abgefekten Verwalters berufen. Pferdsfeld. 1. Durch ein nur von einem Ehegatten errichtetes neites Testament tann ein gemeinschaftliches, also ein von Eheleuten errichtetes, Testament nicht aufgehoben werden. Shre Mutter ist also an das gemeinschaftliche Testament gebunden. 2. Wenden Sie fich an das Versorgungsamt, Berlin, General- Pape- Straße. 2., Karlshorst. Bei Aufwertung von Versicherungsansprüchen ist zunächst die Bildung eines Aufwertungsftodes abzuwarten. Eine Anmeldung ist bisher nicht vorgeErnst 17. Nein. M. M. 90. Auffchrieben, auch laufen teine Fristen. wertung tann gefordert werden wenn die Zahlung nach dem 15. Juni 1922 erfolgt ist. Der Anspruch ist im Klagemege geltend zu machen. 1. B.- 77. 1. Als Angeklagter fönnen Sie die Auskunft verweigern, nicht aber als Reuge. Im übrigen ist es Pflicht des Richters, auf die der Ehre eines Zeugen drohen. ben Nachteile billige Rüdidnt au nehmen. 2. Rein. S. A. 1. Sie müffen eine neue Alage einreichen. 2. Wenden Sie sich an das Auswärtige Amt, Wilhelmftr. 74, oder an die deutsche Gefandtschaft in Riga. G. 81. Die Rahlungen find, wie bisher, weiter zu leiften. Einen Anspruch auf Ermäßi qung haben Sie nicht. .. 7. Die Höchstarenje tommt für Sie nicht in Betracht. Beschaffen Sie sich die verlangten Bescheinigungen und wiederholen Sie dann Jhren Antrag. Bernice 82. 1. Makgebend find die En'scheidungen der Borinstanzen. Wenn Ihr Anspruch anerkannt worden ist, steht Shnen auch eine Rente au. 2. Ja, fofern die Gakuna der dortigen Landwirtschaftskammer nichts anderes bestimmt. 6. S., Run. Der Hauswirt muk den vertragsmäßigen Rustand wiederherstellen und kann dazu durch Klage gezwungen werden. Die Miete muß gezahlt und wegen der Rosten der Klageweg be fchritten werden. Muſitaufträge übergibt man nur dem Nachweis des Deutsch. Musikerverbandes, Berlin O 27, Andreasstr. 21( Königstadt 4310, 4048). Geschäftszeit 9 bis 5, Sonntags 10 big 3 hr. Auf Bunsch Bertreterbeſuch Mittwoch 2Z. dezember I92S Unterhaltung unö ÄVissen öeilage öes vorwärts Liliencrons erste drucke. Von Heinrich Strobel. drt den Liliencron-Erinnerungen, die der„Vorwärts� am 37. Dezember veröffentlichte, hieß es. daß nach dem neueren literarischen Forschungsergebnis die 1883 erschienene Gedichtsammlung „Adji tantenritte* entgegen der früheren Annahme keineswegs als das erste Buch des Dichters bezeichnet werden könne. Ich kann das bestätigen, denn ich besitze seit einigen dreißig Iahren eine gedruckte Sammlung Liliencronscher Prosaskizzen und Gedichte, die vor den „Adfutantcnritten" erschienen und offenbar mit den„gelieferten Drucksachen" identisch ist. die dem Dichter 188Z den Zahlungsbefehl der Eckern förder Buchdruckerei zugezogen hat. Freilich handelt es sich bei diesem vor mir Negenden Band nicht nur um ein der Oeffentlichkeit. e'wa im Selbstverlag, unter- breitctes Werk, sondern um eine ganz private Sammlung loser Blätter, die einzeln gedruckt und später von einem Eckernförder Buchbinder in wenigen Exemplaren primitiv zusammengeheftet und gebunden zu sein scheinen. Daß nur Einzeldrucke im Umfang von meist nur einem Viertel, höchstens einem ganzen Bogen vorliegen, ergibt sich daraus, daß jeder einzelne Abschnitt Dawm und Namen des Dichters trägt, beispielsweise: Borby bei Eckernförde, im Ottober 1873. Detlev Freiherr v. Liliencron. Der Zeit nach verteilen sich die unchronologisch zusammengestellten Blätter aus die Jahre 1879, 1880 und 1881. Das in meinem Besitz befindliche Exemplar enthält von Lilien- rrons Hand eine Widmung an eine Dame. Auch im Text befinden sich einige handschristliche Korrekturen des Dichters. Dies und das ganze Aussehen des Biichelchens, in dem Bogen größeren und kleineren Formats kunstlos zusammengeheftet sind, beweift, daß Liliencron diese Sammlung seiner vereinzelt gedruckten Verse nicht einem größeren Publikum, sondern nur einem kleinen Kreise von Intimen zugänglich machen wollte. Diese als Manuskript gedruckte Sammlung gibt interessanten Slufschluß über die Entstehungszeit zahlreicher Gedichte. Sie b«° weist, daß der Dichter, der am 3. Juni 1844 geboren wurde, eine ganze Anzahl seiner stimmungsvollsten und formenschönsten Gedichte iin Alter von 36 bis 38 Iahren geschaffen hat. Es liegt nahe, daß viele der in den.Adjutantenritten" un Jahre 1883 veröffentlichten Dichtungen bereits in dieser ersten Sammlung enthalten sind. Aber auch manches Gedicht, dem wir erst in späteren Sammlungen be- gegnen, also dem älteren Liliencron zuzuschreiben geneigt wären. stammt nachweislich aus den Iahreu 1879 bis 1881. Sogar einzelne Gedichte, die erst in dem um 1833 erschienenen Gedichtband.Bunte Beute" breiteren Kreisen bekannt wurde, stehen schon in der privaten Erftlingssammlung von 1882, für deren nichtbezahlte Herstellungs- kosten der Dichter noch ein Jahrzehnt später gepfändet werden sollte. Daß für den Gerichtsvollzieher bei Liliencron wirklich nichts zu holen war. weiß jeder, der seine damalige Hamburger Behausung in der Pallmaille kennen lernte.. Den sinzigen bescheideneu Wert- gegenständ seines Mobiliars bildete damals ein mächtiger Tisch, den Liliencron, wenn ich mich seiner Worte richtig entsinne, ein« ..schlesische Dichterschule" gestiftet hatte, vorsichtiger Weise unter Vor- behalt des Eigentumsrechts. Auf diesen Tisch schüttete an einem Nachmittag der neunziger Jahr«, als ich gerade in diesem Poeten. heim weilte, der unverhofft auftauchende Peter Hille eine solch« Fülle damals noch ungedruckter Manuskripte aus, daß die gewaltige Platte kaum ausreichte. Es war Liliencron, wie er mir später sagte, eine besondere Freude gewesen, mich mit diesem.geistreichsten Deutschen" bekannt machen zu können. Große Genugtuung be- reitet« es ihm auch, seine von ihm sehr geschätzten lyrischen Kon- kurrenten Arno Holz und Richard Dehme! in ein freundschaftliches Verhältnis zueinander gebracht zu haben. Liliencron» ewiger Dalles kling in manchen seiner Strophen wieder Bielleicht am deullichsten in einem Sonett, das ich unter den Gedichten finde, die.November 1879" datiert sind. Da ich es trotz meiner drei Dezennien überdauernden feurigen Verehrung für den großen Lyriker noch nicht zum Besitz einer Gesamtausgabe Holstein. Schon Bismarck hatte sowas im Gefühl: „Da, ist der mann mit den hyänenangen!" Kaltsinniq spekulierte da, Reptil, Au, Bölkerzwietracht Kapital zu saugen. Korrupte Bestie, Schleicher und Spion t— Doch keiner wagte, ihn ius Loch zu stecke«, Sei» Kanzler und kein Kaiser auf dem Thron. Er schlich herum als allgemeiner Schrecken. Und schliff man auch für ihn zuweileu Dolche. Seiu Potentat vergriff sich au dem Strolche. Aus welchem Grund? Man scheute deu Skandal. Der Bursche hatte zuviel material. Und feig verkrochen sich in ihrer Hürde Die Generalvertreter deutscher würde! seiner Werke gebracht habe, weiß ich nicht, ob es bereit» verösfent. licht worden ist. Es ist. wenn es«auch poetisch nicht besonders schwer wiegt, doch lebensecht und ein aufrichtiger Stoßseufzer des bis in das Greisenalter von Lebenssorgen Geplagten. Im Leben. Rasllo» von Land zu Land, von Stadt zu Städten, Im Lebenskampfe Unterkunft zu finden, Im Regen heute, morgen in den Winden, Ohn' Unterlaß, mit Fluchen oder Beten. Auf großen Meeren bis in Abendspäten Weit Umschau hallend nach den Heimatlinden, Nach stillen Inseln, die,«nttaucht— verschwinden... Die Wellen schlugen und die Wimpel wehten. Umsonst... Schon wollen sich die Haare färben, Der Gang wird schwerer und die Freund« sterben— Noch immer will sich nicht die Hütte zeigen. Di« kleine Hütte: blaue Wölkchen steigen Um Millogszeit— der Fried« träumt im Garten, Wo Weib und Kind mit Sehnen mich erwarten. Da, lurmlelestop der Cinsteia-Sttslung. Bei der Prüfung der Einsteinschen Relativitätslehr«, der das neue Institut im Astro- physikalischen Observatorium zu Potsdam gewidmet ist, genügen die gewöhnlich benutzten Fernrohre nicht, um die notwendige Genauig» keit der Messungen zu erhallen, sondern man hat diese Fernrohre durch ein Turmteleskop ersetzt, über dessen Einrichtung Dr. K. L. Wolf in der„Umschau" berichtet. Ein solches Turmteleskop stellt ein System von Spiegeln und Lmsen dar. das in einem Turm festmontiert ist und durch geeignete Einstellung das Licht des Sterns senkrecht nach unten wirft, wobei die tägliche Bewegung der Sterne durch Bewegung der einzelnen Spiegel kompensiert wird. Im Millelpunkt der Potsdamer Anlage steht der Spektralraum, der unterirdisch angelegt ist, um jede Temperaturschwankung und Erschütterung zu ver- meiden. Dieser Raum ist mtt einen« physikalischen Laboratorium und mit dem Teleskop so verbunden, daß das Licht irdischer und kos- Mischer Lichtquellen gleichzellig untersucht werden kann. Das Turm- telcskop besteht im wesentlichen aus einem 20 Meter hohen Holz- turn«, der, durch Decke und Fußboden des Laboratoriums isoliert durchgeführt, auf besonders angelegten Pfeilern erschüllerungsfrei aufgestellt und zum Schutze vor Wind und Wetter von einem Zwesten Turm umgeben ist. Ein Spiegelsystem von zwei 90-ZerUiineter-Plan- spiegeln wirst den Strahl lotrecht nach unten auf eine Glasllnse von 60 Zentimeter Durchmesser und 14.5 Bieter Brennweite. Da der Brennpunkt dieser Linse etwa 4 Meter unter dem Laboratorium liegen würde, fängt ein unter 4-5 Grad geneigter kleinerer Plan- spiegel das Strahlenbündel vorher ab und entwirft so ein reales Bild des Sterns auf die in vier Meter Abstand befindliche Labors- toriumswand, die Spalt- und Kassetteneinrichtung des Spektralraumes trägt. Von hier aus werden dann mittels elektrischer Schaltungen und Ablesefernrohre das Spiegel- und Linsensystem des Turmes sowie die physikalischen Apparate des Spektralraumes bedient, so daß dieser wochenlang nicht betreten zu werden braucht. Das ist für die Temperaturkonstanz wichtig. Die ersten Arbeiten mst diesem neuen Turmteleskop sind bereits in Angriff genommen. Amerikanische Schnellzüge. Die Durchschnsttsgeschwindigkeit amerikanischer Schnellzüge ist im allgemeinen die gleiche wie in Deutschland, im Westen der Dereinigten Staaten ist sie sogar be- deutend geringer. Jeder Schnellzug hat seinen besonderen Namen wie z. B.:„The Empire",„The Chicago Expreß" usw. Es gibt Schnellzüge, die nur aus Pullman-Waggons bestehen, für die dann ein Aufschlag zu entrichten ist. der etwa dem O-Zugzuschlag in Deutschland entspricht, aber ganz erheblich höher ist. Der Typ der Personenwogen ist aber bei allen Zügen, ob Personen- oder Schnell- zug, gleich. Es gibt nur lange Durchgangswagen mit einein Gang in der Mllte. Die Pullman-Waggons sind ober noch mit beson- deren Bequemlichkeiten und größerem Komsort ausgestattet: außer- dem können sie in Schlafwagen umgewandell wenden. Der berühmteste und schnellste Expreßzug Amerikas ist noch immer der sogenannte„Iwentieth Century Limited"—„Zwanzigste Jahrhundert-Schnellzug"— der New Park ZeMral-Eisen- bahngesellschaft, der zwischen New Park und Chicago verkehrt und die Strecke von etwas mehr als 1000 Meilen(über 1800 Kilometer) in 18 Stunden mst einer Durchschnittsgefchwindigkest von etwa 100 Kilometer in der Stunde zurücklegt. Bis vor einigen Monaten fuhr er noch bedeutend schneller. Eine Anzahl schwerer Unfälle ließ es aber angezeigt erscheinen, die Schnelligkeit herabzusetzen. was verständlich ist, wenn man bedenkt, daß man bei amerikanischen Eisenbahnen keine Schranken an den Bahnübergängen kennt. Dieser Schnellzug wird so stark benutzt, daß er stets in zwei Tellen fahren� muß. Jeder der beiden Züge hat 32 Zügangestellte, darunter einen Zugführer, einen Pullman-Kondukteur, je einen Lokomotivführer und Heizer auf jeder der fünf Maschinen, die zwischen Chicago und New Park gewechselt werden, mehrere Gepäckl eiste in den Pack- «vagen, zwei Bremser. 10 Portters, ein Dienstmädchen, einen Bar- bier, ein« Stenographin, einen Oberkellner, sieben Kellner und vier Köche. Jeder Teil der beiden Züge einschließlich der fünfmal ge- wechselten Maschinen stellt einen Wert von 981 000 Dollars dar. Die längste Strecke, die ohne Maschinenwechsel zurückgelegt wird, ist die zwischen Buffalo und Toledo mit nahezu 300 Meilen. Zum Betrieb jodes Teils dieses Zugpaares sind 38 Tonnen Kohlen er» forderlich. Im ganzen sind täglich vier Züge dieses schnellsten amerikanischen Zuges unterwegs." 12 000 Ehemänner zu wenigi Die Londoner Behörden befinden sich auf der Suche nach 12 000 Ehemännern. Es handelt sich dabei um keine geheimnisvollen Verbrechen, sondern nur um eine Merk- Würdigkeit der Statistik, die man jetzt herausbekommen hat. Nach der neuesten Zählung gibt es in London 877 298 verheiratete Frauen, aber nur 865 300 verheiratete Männer. Es fehlen also 11 998 Ehe- männer, und man weiß nicht, wo sie hingekommen sind. ÄerWeihnachtstag des kleinenTobias � Von Ignat Herrmann. Tobias verkroch sich zur Wand. Dort lagen eine Anzahl leerer Säcke, er legte sich auf ihnen nieder. Er gedockte der Heimat, und die Tränen versiegten mst einemmal, das schluchzen verstummte und nur das Zischen der Gasflammen war in dem mit inannig- saltigen Gerüchen erfüllten Gewölbe vernehmbar. Diese Düfte be- täubten den Knaben angenehm. So roch es fast daheim, wenn die Mutter das Abendmahl am Christabend vorberestete. Und auch so warm pflegte es daheim zu sein. Wenn sich aber draußen schon längst die tiefe Nacht über dem Städtchen herabgelassen hatte, da saßen sie alle beisainmen um den runden Tisch, vor jedem Teller flimmerte eine dreifüßige Wachskerze und aus den Tellern stieg der Rauch der Fischsuppe in die Höhe. Tobias glaubte bei seinen Lieben und Teuren zu sein, die um den Tisch herum versammelt stehen, sie setzen sich nieder, und die Mutter trägt die aroße Suppenschüssel auf. Und Tobias schlummert ein. Nur die Gasslammen zischen durch das lange niedrige Gewölbe. Endlich neigt es sich gegen die sechste Stunde. Der Laden leerte sich— und es sah darinnen aus, als ob eine feindliche Requi- sitioi, stattgefunden hätte. Die Säcke mit den Nüssen und Haselnüssen, mit Mehl und mit den sonstigen Eßwaren in der Früh' voll und oben schön eingeschlagen, als ob sie Kragen tragen wurden, sie� Iahen wie ausgeweitet aus; das Spalier aus größeren und kleineren Bouteillen am Rande des obere» Regals— angefüllt mit Rum und Punsch. Persito und Karsbader Bitter. Mogador, Oliven- öl, Essig und Wein— die gelichteten Reihen gaben einen kläglichen Anblick, in Wirklichkeit hatte aber Herr Karas seine Freude daran. Aus den Fächern im Regale, in denen früher Ein- und Zweipfund- päckchen aus Papier mit Mehl, Salz und Zucker, Kerzen- und Seifcnpakete und andere„kurrante" Ware eingeschichtet lagen, starrten große schwarze Lücken entgegen: die breiten Glasflaschen mit den Messingsturzen beherbergten nur ein paar kleine Uebcr- bleibsel von Bonbons, Gurken, gebranntem Kaffee und Rosinen— wer aber mit dem Gelenke aus die Schubladen im großen Regale binter dem Pulte geklopft hätte, würde daraus nur einen hohlen Schall vernommen haben. Es war wieder einmal ein guter, wohl- geratener Weihnachtstag gewesen Herr Karas überflog den Laden und alle Kennzeichen des heu- tigen reichlichen Absatzes mit einem Blick sichllicher Zufriedenheit. aber auch schon ungeduldig, wenn auf der Schwelle Schritte ver- nehmbar wnrden, und irgend so ein verspäteter Ankömmling ein kleines Schälchen voll Rum oder um einen Kreuzer Zündhölzer verlangte. Endlich sah er auf die Uhr und s->gf»? .Also, Burschen, schlagt die Säcke um! Räumt ein wenia zusammen! Es wird geschloffen! Dieses Herumfackeln möchte noch lange dauern!" Und selbst zog er die große Schublade im Pull heraus und begann.Kassa zu machen". Mst jener Geschicklichkeit, durch welche sich alle alten Prinzipale auszuzeichnen pflegen, zähste er zunächst die Banknoten, daß sie ihm in den Händen mir so hinflogen. Er rechnete sie zusammen und steckte sie in das große Portefeuille, welches er in der tiefen Tasche' seines Kalmuckrockes barg. Die kleinen Silber- und Kupfermünzen schüttete er in ein Ledersäckchen. Dieses Geld wird er oben, zu Hause überzählen, doch erst morgen vormittag. Es schlug eben sechs Uhr, als er die gelben Haftel seiner graue» Ladenschürze ausmachte, diese aufs Pult legte und dem Personal lommandierte: „Also, also! Alles herunterziehen! Gasometer schließen und vorwärts!" Die Burschen entsprachen gerne diesem letzten Befehle. Auch sie hatten die heutige.Hetz" bis zum Halse satt und freuten sich schon auf oben, aus die warme Stube. Einer der Lehrjungen stand bereits mit einer vorbereiteten Lateme da, die übrigen trugen alles, was zur Feier des Weih- nachtsabends gehört. Dieser eine Schachtel Tee und zwei Flaschen Rum. jener einen großen Sack mit Nüssen, Zwieback, Aepfeln, ge- trockneien Pflaumen, irgendwelcher Pomeranzen— die eigene Häuslichkeit versorgte Herr Karas ganz zuletzt. Das Geschäft ging vor. Endlich schlugen also die Burschen die Eintrittstür zu. das Schloß knirschte, auch der große Eisenriegel schnappte ein, wurde in der Mitte durch eine Schraube oersichert und die kleine Karawane pilgerte durch eine Seitentür ins Vorhaus hinaus, dann auf den weiten Hof, zum Sticgenhaus und hinauf ins Stockwerk. Der Prinzipal begab sich direkt in seine Wohnung, das Per- sonal schritt im Gang weiter zu den Lagerstätten, die aus zwei Stuben mit kleinen Fenstern und Ausblick auf den Hof bestanden. Hier lassen sie ihre Schürzen, waschen sich ein wenig ab und kleiden sich um, um rein und ordentlich beim gemeinschaftlichen Abendmahl erscheinen zu können. Noch aus der«schwelle wandte sich Herr Karas um: „Braucht mir nicht zu lange, ihr Burschen! Daß ihr mir in einer halben Stunde mit allem fertig seid! Damit die gnädige Flau nicht allzu lange warten muß! Flink! Flink!"_ Eine allzu große Ermahnung war eigenttich überflüssig. Alle wußten, daß es nicht gut ablaufen würde, wenn man sich verspäten möchte. Der Prinzipal selbst war präzise wie eine Uhr; jede Un- pünktlichtest hätte seinen Zorn herausgefordert. Binnen einer halben Stunde war das ganze.Haue" de« Herrn tan* im großen Zimmer versammelt, du» an Smw- und Feter» tagen als Speisezimmer benutzt wurde. Am oberen Ende des langen Tisches saß die alte Frau, die Mutter von Frau Karas, die beim Schwiegersohn lebte, neben ihr stand der Herr Prinzipal hinter seinem Sessel und sah mst hungrigen Blicken den Borberestungen zum Abendessen zu. Ein wenig weiter, bei der Türe und beim Ofen, standen die Kommis und Lehrjungen zusammengedrängt. alle ein wenig geniert. Sie aßen zwar für gewöhnlich alle Sonn- und Feiertage hier zu Msttag, dennoch pflegte es ihnen an dieser gemeinschaftlichen Tasel mit dem Prinzipal und seiner Familie stets unbehaglich und bedrückt zumute zu fein. Jetzt betrat Frau Karas. das wahre Gegenteil ihres strengen Gatten, das Zimmer. Sic war eine liebe, feine Frau, ungefähr 30 Jahre alt, blauäugig und schlicht gekleidet Sie nahm sich neben ihrem Gatten, der mit finsterem Gesichte und durchbohrenden Blicken dreinschaute, die stets jemanden zu verdächtigen schienen. wie ein Engel aus. Für die Frau wären alle Untergebenen durchs Feuer gegangen. Frau Christine milderte viele Schroffheiten ihres Gatten, viele Ungerechtigkeiten machte sie wieder gut, und wenn mitunter einer der Lehrjungen oder Burschen erkrankte, so pflegte sie ihn wie eine barmherzige Schwester Im selben Augenblicke, als sie hereinkam, traten die Kommis und Lehrjungen ihrem Alter nach an sie heran, küßten ihr die Hand urck wünschten ihr ehrerbietig glückliche und fröhliche Feiertage. Doch noch ein Gast war anwesend. Der Insormawr der beiden Karasschen Kinder, ein junger Lehramtskandidat, vom Lande ge» bürtig. und an den Feiertagen gewöhnlich zu Tisch geladen. Der Frau Karas folgte die Köchin, die eine Schüssel mit Fisch« suppe hereinbrachte. Es war ein? große Schüssel, aber die Köchin mußte sie zweimal nachfüllen, damit alle beteist werden konnten. Die alte Frau erhob sich, bekreuzigte sich, faltete die Hände und betete. Herr Karas schlug nachlässig ein großes Kreuz, aber auch seine Lippen bewegten sich. Und alle übrigen folgten dem Beispiele der alten Frau. Nach dem Gebete Lärm, Sesselrücken, alles setzte sich, und nur das hastige, vielfache Herunlerschlürfen der Suppe war im Räume vernehmbar. Bei Herrn Karas wurde bei Beginn stets eilig und schweigend gegessen, wie auf ein Kommando, wie am Bahnhof vor der Abfahrt des Zuges. Nach der Suppe wurde einer alten Gewohnheit zufolge ein« längere Pause gemacht. Jetzt öffnete sich die Türe der angrenzenden Stube, in der ein Christbäumchen mit darunter befindlichen Ge- schenken erglänzte. Für jeden lag hier etwas bereit, diese alt« Gewohnheit pflog Herr Karos w lobenswerter Weise. Die beiden Karasschen Kinder, ein Bub und ein Mädel, brannten geradezu vor Ungeduld und Neugierde, und so erhob sich der Herr Informator: um sie zu dem Bäumchen zu führe«. (Fortsetzung folgt.) Mittwoch u. Donnerstag Billige Lebensmittel Weihnachtsfest Frisches Fleisch Schweinebauch ohne Beilage, Pfund 120 Schweineschinken ....... Pfand 725 10 Schweineliesen stark.......... Pfund Eisbein gepökelt, mit Spitzbein.... Pfund 85PL. Schweineköpfe Kalbskamm frisch, mit Backe 64Pt. Pfand ............. Pfund Kalbsrücken and Brust...... Pfund 85PL 75PL. 68PL ... Pfund 78Pf. Hammelfleisch Dicke Rippe, Pid. Hammelrücken. Pa. Schmorfleisch ohne Knochen, 20 Gefrierfleisch Pfund Pa.Ochsenkamm und-brust..60PL Pa.Ochsen- Schmorfl. P 70Pf. m. Kn. Plund gepökelt, mit Schweineköpfe Backe.... Pfund Gehacktes...... 46PL Pfund 70P Wild und Geflügel Günse gefroren, Pfund 110 Hasen gestreift, Pfund Mastganse 150 Hirschkeule Oderbrucher Pfund 50 Pa.Suppenhühn... 15° Wildschwein a.- rücken Pfund keule a. -rücken, Prund 110 Mengenabgabe vorbehalten Wurstwaren Mettw. n. Braunsch. Art, Pid. 150 Jagdwurst...... Pfund 150 ff.Leberwurst Pfund 160 Schinkenspeck Ptd. 190 Teewurst Pfund 190 Zervelatwurst Pfund 195 Salamiwurst..Pfand 195 Gänserollbrüste Pfd. 320 Lachsschinken Pfd. 360 Frisch gebrannter Kaffee von an Sprotten Pfund Sprotten Kiste ca. 1 Pfund Flundern grosse.... Pfund 48 Pf. für das Leichtverderbliche Artikel sind vom Versand ausgeschlossen Obst u. Gemüse Rumän. Walnüsse Pfund 30Pt. Mandarinen... Pfand 35Pf. Feigen......... Paket 35Pf. Orangen Dutzend v. 38Pf. an Almeria- Wein Pfund 45PL. Datteln....... Karton 75Pf. Ananas Pfund von 80Pf.an Haselnüsse..Pfund 85Pt. Haselnüsse..Pfund 85Pf. Paranüsse.... Pfund 85Pt. Grünkohl... Rotkohl..... Seelachs Pfund 7Pf. .Pfund 7Pt. geräuchert..... Pfand Räucherlachs in Stücken...... Pfund 48Pf. Käse u.Butter Camembert Schacht. 30Pf. Camembert vollf., Schtl. 36Pf. Allg.Stg.- Käse Pfd. 65Pt. Emmenthal.Finn., Schti. 85Pf. Tilsit., vollfett Pfund 100 Edamer.......... Pfund 110 Molk.- Butter/ Pid.- St. 83 Pr. Teebutter Pfund- St. 105 Tafelbutter, Pfd.-St. 100 Chin. Tee Pra. 380480580680 gate Qualität, Kakao-Pfund- Paket 60Pf. Schellfisch 24. 85PL Pf. frisch Pfund Heringe 80 grüne 3 Pfund 180 Seelachs ohne Kopt, i. g.. Pfund Gemüse- und Obstkonserven Dose Stg.- Spargel extra... 380 Stg.- Spargelsehr stark 360 Stg.- Spargel stark... 340 Stg.- Spargel mittel... 320 20 Brechspargel extra stark 300 Brechspargel stark.. 285 Brechspargel mittel 255 Brechspargel dünn.. 188 120 140 Brechspargel dann.. In unserer Konfitürenabtellung: Nürnberger Elisen in Blechdosen.... 220 300 350 Marzipan- Geschenkartikel.... 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Angebote unter. 22 durch die Expedition dieses Blatres Nr. 604 42. Jahrgang 2. Beilage des Vorwärts Ausbau genossenschaftlicher Eigenproduktion. Das Wirtschaftsprogramm einer Genossenschaftszentrale. | haben nahezu 6 Millionen Mart. Und eine von der Generaiver sammlung der Gesellschaft im Juni 1925 beschlossene Erhöhung des Stammfapitals von 5 auf 10 Millionen Goldmart wurde um rund 600 000 m. überzeichnet. Auch diese Tatsache zeigt, daß die Organisation der Kauffraft der Massen eine außerordentliche volkswirtschaftliche Bedeutung befigt. Denn nicht nur wird die Preiswillkür der Industrie und des Handels gehemmt und merden ben organisierten Verbrauchern direkte wirtschaftliche Borteile zugeführt, sondern auch ein tapitalbildender Faktor entwideit sich aus der organisierten Kauftraft, der in der Ronzentration bei einem genossenschaftlichen Bantunternehmen wieder neue Werte schafft, den Kapitalbedarf der Konsumvereine deckt und regelt mit einem Worte alle die Funktionen übernimmt und ausübt, die in der Privatwirtschaft dem Einzelunternehmen, den Aktiengesellschaften und den Banken zukommen. Nur immer den Aktiengesellschaften und den Banken zukommen. Nur immer wieder mit dem Unterschiede, daß der Rugen der Unternehmung in allen ihren Teilen bei der genossenschaftlichen Organisation dem Verbraucher, bei der privatwirtschaftlichen dem Kapital zufließt. Es will schon etwas heißen, wenn in diefen Zeiten der schwersten| Banfeinlagen der Konsumvereine bei ihrer Großeinkaufs- GeWirtschaftskrise mit Arbeits- und Arbeiternot eine Großunterneh- sellschaft zurzeit über 13 Millionen Mart und die Girogut mung es sich leisten fann, ein Wirtschaftsprogramm für fommende Jahre aufzustellen und durchzuführen, dessen Finan zierung Millionen erfordert. Und doch hat die Großeinkaufs Gesellschaft deutscher Konsumvereine in Hamburg Dies gewagt und damit den Beweis geliefert, daß selbst in der schlechtesten Zeit einer Wirtschaft die genossenschaftliche Organisation fähig ist, die immer noch vorhandene Wirtschaftstraft des Bolkes zu Leistungen zu veranlaisen, auf die die hochorganisierte kapitalistische Brivatwirtschaft in gegenwärtiger Zeit nerzichten muß. Was feinen tiefen Grund darin hat, daß die genoffenschaftliche Wirtschaftsführung die Berbrauchermaffen, Menschen und ihre natürliche Wirtschaftskraft, zu einem ihnen selbst dienenden 3wede vereint, während die private Wirtschaftsführung das Kapital organisiert, um Profit zu gewinnen auf Kosten der Berbrauchermaffen. Die genossenschaftliche Organi sation von Volksmaffen enthält unerschöpfliche Möglichkeiten des wirtschaftlichen und fulturellen Fortschritts und Aufstiegs für alle, die Organisation des Rapitals berechenbare Möglichfeiten des Geminns für bevorzugte Schichten, unberechen. bare Möglichkeiten des Zusammenbruchs mit Not und Elend für die Massen. Das Bauprogramm der GEG. Mittwoch, 23. Dezember 1925 Die Bilanz ist ein Musterbeispiel dafür, welche ungeheuerlichen Gewinne der tonzentrierte Bierasjazz in der Weltstadt Berlin abzu werfen vermag. Es fann feine Rede davon sem, daß die Diridenbe von 20 und 18 Proz. die erzielten. Geminne erschöpft. Aus dem Betriebsergebnis, nicht durch Kreditaufnahme, wurden Neubauten und Neuanschaffungen durchgeführt na Werte von über 2 Millionen Marf. Der offene Gewinn beträgt 1,30 Millionen Mar?. Gleichzeitig erfolgten Abschrei. bungen von 50 Broz. auf fämtliche Maschinen und Lagergefäße, auch auf die erst neuaufgestellten im Werte von 850 000 3. 100 000 m. neue Berjandialier, 476 000 M. Fuhrporfvermehrung wurden voll abgeschrieben mit 100 Broz. Die Bestände find von 1,34 auf 1,90 Millionen Marf erhöht. Die Forderungen von 0,99 auf 1,86 Millionen Mart fast perdoppelt, die Bant guthaben von 0,41 auf 1,34 millionen mehr als verbreifacht. Auf der anderen Seite sind die Gläubiger nur von 0,97 auf 1,54 Millionen Mart gestiegen. Die Gewinne waren so ich mer unterzubringen, daß selbst die Steuerreserve her halten mußte; sie wurde von 38 000 auf 737 000 Mt. erhöht. Solche Bilanzen von Genußmittelindustrien, die nicht viel weniger als das ganze Aftienfapital in einem Jahre an Gewinn madjen, stehen in derartigem Widerspruch zu der schweren Lage der übrigen Industrie und die wahnmihige Bermehrung der Arbeitslolig. feit, daß bei ihrem Anblick die Unsinnigkeit des kapitalistischen Systems erst voll erkennbar mird. Das gesamte tientapital von 18 Millionen verloren. Das ist nach den Andeutungen, die in der Generalversammlung der Ralie Es ist noch im besonderen darauf aufmerksam zu machen, daz merte Binthe 2.-G., Hannover, gemacht wurden, das Gr die in den Konsumvereinen angesammelten Rüdvergütungen und die in den Konsumvereinen angesammelten Rückvergütungen und gebnis der Spekulationen, die im Zujammenhang mit ben Mehrheitstampf im Koliinnbifat vom Sommer dieses Jahres Spargelder, die bei der Großcintaufs- Gesellschaft zentralisiert im von der Leitung der Benthe A.-G. unternommen worden. Im Kampf Kampf der Gemeinwirtschaft gegen die Privatwirtschaft ihre Verum die in amerikanischem Befih befindlichen Kure der Gemert Was nun das Wirtschaftsprogramm der Großeinlaufs- Gesell- wendung finden, sozusagen aus dem Nichts stammen und daher den fchaft Einigkeit, die bei der Abwehr der Majorisierung in schaft anbelangt, so besteht es darin, daß innerhalb zweier Jahre doppelten volkswirtschaftlichen Wert befizen. Denn es sind ErSyndikat( durch den Wintershallfonzern) eine entscheidende Rote ( 1925 bis 1927) in Magdeburg eine Großmühle errichtet werden sparnisse beim Eintauf, die in der Privatwirtschaft für den spielten, entstanden Verluste von 1,2 Millionen. Für den Erwerb Berbraucher verloren gehen, während sie entweber bei der Genoffen der Ronnenberg Attfen, deren Werke dem Befig der joll und Neu und Erweiterungsbauten für Zuckermaren. und Schokoladenfabrifen, für eine Zigarettenfabrit, eine Kleider schaft, oder bei ihrer Zentrale, der Großeinkaufs- Gesellschaft, für Benthe-.- G. benachbart find, wurden pro 500 m. Artien bis zu M. fabril, für die beiden Seifenfabriken in Gröba( Sachsen) und Düffel neue finanzielle und wirtschaftliche Funktionen Verwendung finden. 4000 m. aufgewendet, ein ganz unsinniger Betrag. Dazu erfolgten die Spekulationen auf Kredit. Der lagende dorf, für die Teigwarenfabrit in Gröba, die Holzindustrie in DortAuf dem Wege zur genossenschaftlichen Gemeinwirtschaft. Dritte, gegen den sich ein großer Teil der Spefulationen gerichtet mund, die chemische Fabrik in Chenanig, für die beiden Zündholzhatte, ist der Wintershallfonzern, der Konfurrent um bie Einen leinen Begriff von der fünftigen Produktionsentwicklung Italimerte Ronnenberg. Da die Benthe-.- G. vom Wintershol fabriken in Lauenburg und Gröba und für die erst fürzlich erworbene und Möglichkeit der zentralisierten genossenschaftlichen Eigen fonzern auch Kredité genommen hat, hängt sie heute vollständig ven Gemüse und Obstfonservenfabrit in Stendal Neu erworben wurde am 1. Oftober 1925 die Fleisch warenfabrit produktion gibt die Mitteilung der Großeinkaufs- Gesellschaft, daß in diesem Konzern ab, der jeden Augenblid die Kreditschlinge über der den letzten zehn Monoten nicht weniger als 236 millionen ficheren Beute zuziehen fann. Um noch etwas zu retten, holit in Elmshorn; in Hamburg wird ein weiteres großes Lager: Eigenpadungen an die Mitglieder der Konsumgenossenschaften heute die Berwaltung der Benthe-.- G., daß Wintershall die Bes haus mit Gleis- und Basseranschluß errichtet, die Lager in Erfurt abgesetzt wurden. In den Maze natürlich, in dem die Mitglieder teiligungen von Benthe fauft.( Die Benthe- A.- G. ift Holding einkaufs- Gesellschaft in Selbstinteresse und in dem einer großen 18,78 Millionen ausgewiesen.). Da der Wintershalltonzern nur a der Konsumgenossenschaften und diese selbst wieder bei ihrer Groß gefellfchaft; in ihrer Goldbilang find Beteiligungen und Effetten mit wirtschaftlichen Zukunft des Genossenschaftswesens durch die Stonzen zuwarten braucht, ist es felbſtverſtändlich, daß er den Preis, diftiert, der natürlich weit unter dem Erwerbswert der Benthe G. fiegen und Minden bedeutend vergrößert. Benn man beachtet, daß die Großeinkaufsgesellschaft zurzeit Benn man beachtet, daß die Großeinkaufsgesellschaft zurzeit schon 32 Fabriken, 15 große Zentrallagerhäuser und 16 verschiedene Bearbeitungs- und Abpadereibetriebe in allen Gegenden Deutschlands befigt, so fann das neue Wirtschafts- und Bauprogramm als ein vollgültiger Beweis, dafür angesehen werden, daß die Entwicklung der genossenschaftlichen Eigenproduktion nicht stille steht und wenn die Sonne der Wirtschaft auch mit den düstersten Wolken verhängt ist. Bon besonderem Intereffe ist auch, daß der Großeinkaufs- Gesellschaft in diesem Jahre Fabriten aller Branchen zum Kaufe ange boten wurden. Mehr als je zuvor. Es ist ein Zeichen der Zeit, das von der Genossenschaftsbewegung richtig ausgenügt werden dürfte, daß den Konkursen und Verkäufen von Unternehmungen der kapitalistischen Privatwirtschaft ein Aufschmung der genoffenschaftlich zentralisierten Warenvermittlung und der genossenschaft lichen Eigenproduktion gegenübersteht. uch finanzieller Aufstieg der GEG. Auch die Finanzen der Großeinfaufs- Gesellschaft bemegen fich in einer durchaus günstigen Richtung. Betragen doch die Deutscher Außenhandel im November. Der deutsche Außenhandel meist im November in vers stärktem Maße die feit September nach der Unterbrechung infolge der Zolltarifveränderungen-mieder deutlich erfennbare Tendenz der Berminderung des Einfuhrüberschusses auf. Die Bassivität der Handelsbilanz im reinen Warenverkehr erreicht im November mit 65 Millionen Vart gegen 228 Millionen Mart im Bormonat den bisher in diesem Jahre niedrigsten Stand. Es betrug die Rebende Tiere Lebensm.u.Getränke 7,2 250,9 Rohstoffe und halbfertige Waren. Fertige Waren Rein. Barenberlehr Gold und Silber Einfuhr 1925 Ausfuhr in millionen Mart 9,8 116,4 2,3 1,1 14,3 355,7 3791,2 50,8 43,5 444,5 506,8 5882,3 167,1 155,5 1478,8 tration ihres Eintaufs in Konsumvereinen dazu beitragen, daß alle Entwicklungsmöglichkeiten der Produktion für den eigenen Bedarf ausgeschöpft werden, müssen sich die Leistungen verzehnjachen. Den Nuzen davon, haben in erster Linic die Mitglieder der Konsumgenossenschaften, dann aber auch die gefamte Bolkswirtschaft. Und nur eine Wirtschaft, die ihre Kräfte aus den Massenbedürfnissen des Boltes zieht und den Gewinn hieraus ihm selbst wieder zuführt, verdient erst die Bezeichnung Bolts wirtschaft. Sie iſt es dann auch, d. h. fie wird dann Gemein wirtschaft, indem sie dem Ganzen dient. Die Grundlage hierfür vermögen, in der Tat die Konjum genossenschaften zu bieten. Die Großeinkaufs- Gesellschaft deutscher Konsumvereine in Hamburg liefert den finnfälligen Beweis dafür, daß und wie die genossenschaftlich organisierte Kauftraft verwendbar ift für das augenblickliche Wirtschaftsinteresse der Maifen, wie für die Idee einer glüdlicheren wirtschaftlichen 3utunit. -if. Rapitalmangel fei mur die Form, in der man sich die Wege zur wirklichen Erfenntnis der Krisemirsachen verbaue und in der man sich um die Notwendigkeit der Wertezerstörungen herum. drüde, ohne die es feine Lösung der Krife gebe. Wir feien nicht zu arm, sondern zu reich an Güterfülle und Arbeitsmifligkeit. Broduziert und verfauft fönne unendlich viel werden; was fehle fei das Geld zur Zahlung. Die Abfagfrife fei eine Zahlungs stodungsfrise. Allerdings helfe fich die Wirtschaft selbsi: ein mal burch Erjazahlungsmittel wie die massenhafte An wendung des Wechsels, der von Hand zu Hand gehe, aber in der legten Instanz, bei der Zahlung von Löhnen, noimendig verjage. Rovbr. Oftober Jan/ Nov. Novbr. Oftob. Jan./Ron. Daß es an den Freitagen zu den meisten Zahlungseinstellungen und Geschäftsaufsichten tomme, sei die notwendige Folge davan. Dann durch die Berfohleppung ber 3ahlungen: wiederum aber fönne die Zahlung der Löhne nicht auch verschleppt werden, was den Freitag von der anderen Seite her wieder zum fritischen Tag werden laffe. Keine bessere Wirkung hätten die Auslands. frebite. Wie die Inlandstrebite zum größten Teil 3wangskredite zur Durchhaltung von Lägern und zur Hochhaltung des Preis: niveaus jeien, so auch die meisten Auslandskredite. Da diese hoch verzinslich find, mas ihre Produktivität erichmere und gleichzeitig Breije fomohl zur Berstärkung der Ablaß wie zur Berstärkung der den Warenimport nach Deutschland steigere, müßten hochgehaltene Bohlungsstodung führen. Helfen tonne nur der fyftematische Abbau des Preisniveaus in der ganzen Bolkswirtschaft. Die Läger müßten verkauft werden, die gewährten 3mangsfredite müßten, soweit sie durch die Preisfentung ohne Dedung bleiben, als Berlust gebucht werden. Unter diesen Umständen fei es bedenklich, wenn die Reichsban! heute von ihrer Reftrif. tionspolitik grundsäglich abgehen wolle. Ihre weitere Durchführung sei eine Notwendigkeit. Rur fie fönne bei energischer Durchführung den Abbau der die Krise verschleppenden Zwangstredile, die Abstoßung der Läger, ben Abbau der Barenpreise bringen. Das werde naturgemäß den Untergang vieler, beute noch schein. bar intatter Unternehmungen bedeuten. Jedermann in der Wirtschaft wisse das, aber wie durch ein geheimes Finder ständnis der Beteiligten werde nicht davon gesprochen. Sei diese Atmosphäre durch den Preisabbau entgiftet, jo merbe der angebliche Kapitalmangel mit einem Schlage verschwunden und man werde erstaunt fein, wie schnell die Boltswirtschaft wieder gefunde. 465,9 132,6 201,9 1901,9 571,6 645,2 6060,4 856,6 1074,2 11692,0 791,8 845,3 7998,0 87,8 44.8 711,0 5.1 4,9 35.1 Zusammen 894,4 1119,0 12403,0 796,3 850,2 8033,1 Die reine Wareneinfuhr meist im November gegenüber dem Bormonat eine erhebliche Abnahme( um 218 Millionen Mark) auf. Daran find die Lebensmittel und Getränke mit 105 Millionen Mart, die Rohstoffe und halbfertigen Waren mit 41 Millionen Mart und die Fertigwaren mit 69 Millionen Mart beteiligt. Die reine Warenausfuhr zeigt gegenüber dem Vor monat eine Abschwächung um 54 Millionen Mart. Während die Ausfuhr an Fertigwaren eine stärkere Abnahme, nämlich um 74 Millionen Mart aufweist, ist bei der Ausfuhr an Lebensmitteln und Getränken( um 7 Millionen Mark) und Rohstoffen und halbfertigen Waren( um 12 Millionen Mart) eine leichte Zunahme festzustellen. Die Ausfuhr an Lebensmitteln und Getränken zeigt im November gegenüber dem Bormonat eine Zunahme um 7,3 millionen Marf. Die Ausfuhr an Weizen ist um weitere 5,8 Millionen Marf, die Ausfuhr an Roggen um 3,1 Millionen Mart gestiegen. Die Ausfuhr an Fertigwaren zeigt eine Abnahme um 73,6 Millionen Mart, die Ausfuhr an Tertilfertigwaren ist gegenüber dem Bormonat um 28,8 Millionen Mart zurückgegangen. Wirtschaft und Währung. 3 Zu diesem Thema sprach in der Studiengesellschaft für Währungs- und Finanzreform der durch seine währungstheoretischen Arbeiten befannte Direktor der Deutschen Effetten- und Wechsel bank Dr. Albert Hahn Frankfurt über die Brobleme der Wirtschaftsfrise in Deutschland. Die deutsche Volkswirtschaft stehe fo führte der Redner aus in einer Deflationstrife, wie sie nach dem Kriege die Schweiz, Holland, England, Amerika durchzumachen gehabt habe. Das Charakteristische für Deutschland aber fei, daß man in Deutschland im Gegensatz zu den anderen Deflationstrijen der Rachkriegszeit bisher nur von einem 3u ft a n.b des erfolg Infen Deflationsbruds reben fönne, nicht aber von einer fich wirklich vollziehenden Deflation. Das Schlagmort Dom Berliner Kindl- Brauerei. Wenn ein Unternehmen, dem es schlecht geht, sich über die Höhe der Steuerlaften beflagt, so ist das verständlich. Geradezu grotest aber mirti es, menn in der Generalversammlung der Kindl Brauerei die beweglichsten Klagen über die Steuern vorgebracht werden. Die Brauerei ist nämlich in der Lage, aus einem Reingewinn von 1297 223. eine Dividende von 20 Proj. auf 4,15 Millionen Prioritätsstammattien und non 18 Pro auf 950 000 m. Stammattien auszuschütten. Der Abjaz im abgelaufenen Geschäftsjahr hat sich um 70 Bro 3. erhöht. Mit Brau gerste ist die Gesellschaft für 3meidritteljahr, mit den übrigen Ma terialien für das ganze Jahr eingebeat. Keine Weihnachtskarto ohne Wohlfahrtsbriefmarken für die Deutsche Nothilfe! wird. .... Sanierung durch Abvermieten. Einen bemundernswerten Optimismus hat die Berwaltung ber Drionette M.-G. für Motorfohrzeuge, die ihren abrifotionsbetrieb eingeftelit bat, meil sie für ihre Orionette Motorräder feinen Abfag mehr fond. fpeftablen Berluft von 346 229 M. zu verzeichnen. Die Ste hat bei einem Aftientapital non 600 000 Goldmort den reBerlufte feien aus der unzureichenden Beschäftigung und durch die Einstellung des Betriebes erfolgt. Es jet aber die Bermietung der Fabrikräume gelungen( mie die Boff. Zig." melbet, aft städtische Betriebe) und die Berwaltung hoffe, nicht nur bie Berwaltungsfolien und den 3insendienst für eine 250 000- M- Hypo thet zu erzielen, fondern auch noch ben Berluj mit der Beit Das Attienfopital foll nicht herabgeicht tilgen zu können. Der Betrieb steht still und die Belegichaft ift entlaffen, iſt merden. Diese Sanierungsart ist außerordentlich bezeichnend. höchstwahrscheinlich arbeitslos. Das Sapital aber bleibt nicht nur vor Berlusten bewahrt, sondern barf vielleicht fogar noch, wenn der Optimismus der Berwaltung gerechtfertigt ist, auf einen Gewinn hoffen. Es find doch merfmürdige Blüten. die das fapitalistische System zu treiben vermag. Ob bie Kontur. renz um die gemieteten Räume mirtfich fo ftorf war, bag eine für die Berwaltung und die Attionäre der Orionette A.-G. fo lufrative Miete notwendig wurde? Berwaltung in der Generalversammlung zwangen die wirtschaftlichen Bereinigte Königs- und Laurahüffe. Nah Mitteilungen der Berhältnisse zum weiteren Abbau ber elegichaft, die in zwischen( nach Fertigstellung des Geschäftsberichtes) auf 14 000 heruntergegangen ist. Davon merden etwa 9000 auf den Gruben, etma, 5000 auf den Hütten beschäftigt. Trog aller Bemühungen, einen unnötigen Abbau zu vermeiden, jei infolge ber meiteren Ber. fchlechterung der Wirtschaftslage ein Ende des Abbaus vorerst night abzusehen. Die Kohlengruben und Hüttenwerte der Bereinigte Königs- und Leurahütte A.-G. liegen heute zum größten Teil auf Polnischem Boden. Sie mit eine deutsche Gesellschaft. die ihre Betriebe größtenteils jenseits ber polnischen Grenze hat. Aber ihre Bilang ist charakteriſtich für bie früher deutschen Montan werfe Oberschlesiens. Ben der besonders ungünstigen Loge ber abgetrennten Werke mert man nicht niel. Im Gegenteil, ohwohl die Belegschaft gegenüber der Bortriegszeit um über 10 000 Röpe abwehi niebriger ist, und obwohl des heutige Aftienfapital( 41.6 Mil lionen) noch um 5,6 Millionen haber ist als 1914, hat bie per ringerie Belegschaft für dos erhöhte Kapital noch ein relatio günstiges Geigäftsergebnis gebracht. meisten solide geführten Montanwerken in Deutschland, fehlt auch bei der Bereinigten Königs und Laurahütte zmar die Dividende Aber die Schulden sind nicht vermehrt, sondern von 17,10 auf 13.18 Millionen Marf vermindet. Die Forderungen sind von 9,32 auf 10,13 Millionen erhöht. In der Erhöhung des Reserve fonds von 4,17 auf 5,87 Millionen wurden die eigenen Betriebs. mittel gest är ft. Die Ausbauten der Berte fonnten über Be. trieb erfolgen und das Betriebsergebnis erlaubte Abschrei. bungen in der Höhe von über 2,5 Millionen Mart. Bon dema deutsch polnischen 3ottfrieg merkt man in der Bilanz noch feine ungünstigen Rückwirkungen. Dem Geschäftsbericht nach scheinen die Werke durch den Bollkrieg nicht erheblich geschädigt Baurahüfte zu den Montangesellschaften, die fich von( petu morden zu sein. Allerdings gehört die Bereinigte Königs- und lativen Ausdehnungen zurückgehalten und der ver fchärften Konkurrenz auf dem Kohlen- und Eifermarkt auch bei der Bewertung der Anlagen in der Goldbilanz Rechnung getragen haben Wie bei den Die Bermerfung des deutschen 100- millionen- Ziarf- Kredits für Rußland. Auf Grund des deutsch russischen Kreditabiomens find, wie der Oft- Expreß erfährt, Aufträge im Werte von insgesamt 80 Millionen Mart an deutsche Firmen vergeben worden. Davon wurden der Berliner Sowjethandelsvertretung etwa 52 Mit lionen Mart durch die Deutsche Bant treditiert. Somit ist es nicht gelungen, den Kredit, dessen Termin am 15. Januar 1926 abläuft, in vollem Umfange auszunuben. Das deutsch- portugiesische Handelsübereinfontmen, das ma 2. Januar abläuft, wird bis zum 2. April 1926 verlängert. Die Bar handlungen fannien injolge der portugieftichen Regierungsfrife und der Extrantung des poringiefijchen, Berhandlungsleiters nicht gu Ende geführt werden Das Abkommen fichert Bortugal bie Meift. begünstigung zu; es genießt also die aus dem deutsch- italienischen und deutsch- spanischen Handelsvertrag resultierenden Borteile. Parteinachrichten Cinfendungen füz biefe Subri! find Berlis 55. 2. 2inbenitrage 3. für Groß- Berlin stets an das Beztrisiekretariat 2. Sof, 2 Zzes. rechts. n richten Zur Beachtung! Das Bezirkssekretariat ist am Donnerstag, ben 24. Dezember, wab Donnerstag, den 31. Dezember, bis 1 Uhr geöffnet. 11. Rrels Saneberg Friebenas. Mittmodi. bex 23. Dezember, ebends 6 Wiz sintti, findet in bet Galokbrauerei, Sauntftr. 122-123, unfere Weih nachtsfeier fatt. Steben muflatischen Darbietungen with bie Arbeiter fugenb Schönebere- Friedenau einine Märchenfpiele aufführen. Die Rinder ezbaiten thre Ausweite von den Abteilungsleitern aber den Rinder freunden Schoneberg- Friebengu. Rauden mährend ber Darbietungen Dat boien. Die Selferinnen und Belfer treffen fid pünktlich nachmittags 3 Uhr in ber Edlo brauerei. Die ben Rindern augewiefenen Bläke dürfen nicht Don Granichen befekt werden. Heute, Mittwoch, den 23. Dezember: 3. t. Die Gentoffinnen unb Geneffen beteiligen fich bente en ber Ci äicherungsfeier unferer verstorbenen Genoffin Selma Ridezt. Stein mehr. 86, nachmittags 4 Uhr im Arematorium Wilmersdorf. Theater, Lichtspiele usw. Volksbühne 8 Uhr Der Kaufmann monxonan Großes Schauspielhaus Heute 8 Uhr Fair Dich Lessing- Th. von Venedig Karl XII. CHARELERE Morgen gefchlossen von Strindberg Regie: Hartan Staats- Theater Kleines Th. Opernhaus 7 Cavalier. rustiCana Bajezzo Opernhaus am Königsplats 3 Uhr: Christelfiein Schauspielbaus Heute Uhr Figuranten von Birabeau kegle: Geyer TÄGLICH 84 ADMIRALS PALAST 8 Uhr täglich| HALLER REVUR Achtung Welle 505 8U.: Romeo u. Julla Trianon- Th. Schiller Theater & U: Kaplan Brass bounds Bekehrung Städtische Oper Charlottenburg 7 Uhr: Rheingold Tägi. 8 Uhr Kleine Sklavin v. Dietzenschmid Re le Goldberg 60 BILDER Walhalla- Theater. Rang v. 2 Weinbergsway am Reseuth. Ter An allen drei Feier1agen abencs 8 U Deatsches Theater Die Koblanks 7 Uhr Der Kreidekreis von Klabund Nachin, 4 Uhr Gastsp. der 23 Liliputaner Schneewittchen u die sleben Zwerge von echten Zwergen dargestellt Regie: M. Reinhardt Circus Parkett v. 4. Logen 1.8.An allen are Weihnachtsfeierta en Bachm. 3 Uhr: Die ganze Ver. stelung za ha ben Preisen Kinder- Revue Heu'e 31, Uhr Letzte Kammerspiele BUSch Pen an 6.Uhr: Sechs Personen Suchen einen Autor von Pirandello Regie: Max Reinhardt Die Komödie Korfürstendamm 207 8 Uhr Gesellschaft von Galsworthy Regie: M. Reinhardt Degisches Hente 3 mach. Zum 1. Male Alls Pappen Kleine Prise. 50 PL. 1.- 1.50 ets. ein Berliner Theater Weihnachtsfabri Robinson Crusoe troiz balb.Preise Boeb 1 Kind frei Abends 7 Uar Der greße exet. Tierzug Das gr. Bezbr. Pragr. Mar usch keren Zeit: Der Graf von Heute 7, Uhr Premiere! Messalinette Musik v. W. Bromme Central Theater 8 Uhr Der Fremde Monte Christo Rose- Theater Beautren Sie den Vor verkauf 1.d. Fastvorst. 6 Uhr. Der Froschkönig u. d. eiserne heinrich Snsti- Theater Neues Theater am Zoo Tägl. 9 Uhr Dighitew's russisches Ballett Th. a. Rerfürstendamm 8 Uhr Regen Tb.1. Schiffbanerdamm Tägi 8 Uhr: Dar fräbliche Weinberg Lastspielhaus Geschlossen! Am 25 Dezember Der blaue Tegel 8 Uhr: Weihnachts- Spielplan: An allen & Feiertagen: Abds. 8 Walloer Theater Guido Thielscher Holportage nachm. u. nachts 4: ll: Abschieds- Castspiel d. berühmt Neger- RevueTruppe Chocolate Kiddies Orchester: Der wahre Jakob Sam Wooding ( Parkett...- 2 Mr König d. Jazzband. Park- Peot. 3-4. 436 ur Tha Hollendorfpl. Lordtar- Fast. S. Mitwirk a. 5. Tage! Vorverkauf täglich vorm. 10°-1% Mittwoch Premiere Die offizielle Fran Operette von Rebert Winterberg BU Theater 1. 4. Lützowst.112 An alien drei Weihnachtstagen: Verlorene Mädchen Berliner Volksstück mit Gesang u. Tanz Nachm. 4 Uhr: Knecht Rupprecht SCALA 8 Unr. Internat. Varicié An allen WINTO CORTEN 22. 234. Sämtliche Besirispirer mifen fedteftens em Goanbag, Sen 2. De sember, abgerechnet haben. Biften aber Büder find mitzubringen. 41. bt. Fitr bie Beihnachtsfeier in ber Bodbrauerat, Fidicininaße, an 29. Dezember find Cinfaktorien a 20 f. bei ben funktionären erhältlich. Sterbetafel der Groß- Berliner Partei- Organisation 8, t. Unfer Genoile Baul Fritid, Rufmf, 18, if nerftorben. Ginäfcherung am Donnerstag, ben 24. Dezember, nachmittags 2% Ubz, in rematorium Bilmersdorf. Bir erwarten rege Beteiligung. 89. bt. Rentölln. Am Sonntag, ben 20. Dezember. petfach unfer treues, langjähriger und eiftiger Genoffe Rat! Ott, Friebeffit. 35-36. Die Ein äfcherung findet am Donnerstag, den 24, Desember, nadmittags 5 Uhr, im Rrematorium Baumfdulenwea ftatt. Bir bitten die Genoffinnen und Geneffen, fich recht zahlreich au beteiligen. Jugendveranstaltungen. Das Jugendfekretariat fällekt Seiligabend nachmittags 1 r. Heute, 712 Uhr, Weihnachtsfeiern: Selmholkplek: Schule Eberswalder Str. 10. Baltenplak: Sugenbheim Rigger Str. 10%. Friedrichshain: Jumenhheim Diestelmeneritz. 6. Dilen ( Wetersburger Biertel): Sugenhheim Ebertnitz. 12. Often( Frankfurter Biertel): Rigaer Str. 103. Warschauer Viertel: Jugendheim Silfiter 6tt. 4. Suboft( Reichenberger Bieztel): Jugendbeim Reidenberger Str. 66. Saxt wih: Gemeindefdule Schultraße. Saulsbe: f: Schule Abolfftr. 25. Bidien Komische Oper 81/ A Oper Direktion James Klein 814 Sie müssen sich davon überzeugen, daß unsere Revue mit Recht die größte Revuc der Welt genannt werden kann. Versäumen Sie nicht während der Feiertage Ihrer Famille diese Sehenswürdigkeit zu zeigen G.ößte Revue der Welt Von A bis Z 40 Bilder und 300 Mitwirkende ! Kleine Eintrittspreise! Felertags und Sonntags nachmittags 3, Uhr Vorstellung zu halben Preisen, außerd. hat jeder Erwachsene 1 Kind frei! Die Schlager, weiche Berlin jetzt singt: ( Sonnenschein, Wenn man els Mädel küssen will sind aus der Revue.. Von A bis Z Die grandiosen Bühnen- Bilder: Der lebende Straußfedernfächer Sanssouci en miniature( 60 Zwerge und Knaben) Im Reiche der Peize Der Chinchille- Vorhang. Im Hermelis Rom in Sl.ber. Babylon usw. sind aus der Revue.. 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