Nr. 606 42. Jabeg Ausgabe A nr. 309 Bezugspreis: 38dhentlich 70 Bfennig monafid B. Reichsmart voraus zahlbar. Unter Kreuzband für Deutschland, Danzig. Saar- und Memelgebiet, Desterreich, Litauen, Luremburg 4,50 Reichsmart, file das übrige Ausland 5,50 Reichsmart pro Monat. Der„ Borwärts mit der Sonntags beilage Bolt und Reit mit„ Giebe Tung und Aleingarten sowie der Beilage Unterhaltung und Wiffen und Frauenbeilage Frauenftimme erfcheint wochentäglich ameimal, Gonntags und Montags einmal. Telegramm- Adrese: .Sozialdemokrat Berlin Morgenausgabe Vorwärts Berliner Volksblatt 10 Pfennig Anzeigenpreise: Die einfaltige Ronpareille Beile 80 Bfennia. Reklamezeile 5.- Reichsmart. Kleine Anzeigen bas fettgedruckte Wort 25 Pfennig ( auläffia zwei fettgedruckte Worte: fedes weitere Wort 12 Bfennig. Stellengefuche das erite Wort 15 Pfennig, tedes weitere Wort 10 Bfennig. Worte über 15 Buch staben zählen für zwei Worte. Arbeitsmarkt Reile 60 Pfennig. 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Schon das brutale Herumreißen des Steuers im Kurse der europäischen Politik der Komintern zeigte, daß in Rußland Kräfte am Werte sind, die allgemeine Richtung der russischen Politik entscheidend im Sinne einer Rechts wendung zu beeinflussen. Wenn dreift zehnmal heute Tschitscherin in der Roten Fahne" verfünden läßt, daß Rußland niemals" dem Bölkerbunde angehören werde, wer glaubt heute noch an dieses„ nie mals"? Die Wendung zum Nep" hat die Bewegung der Wirtschaftsfräfte in Rußland entfesselt und jetzt braucht dieses Riefenland Kapital, um auf dem einmal beschrittenen Wege voran zu kommen. Es gibt ein 3u rüd. Die heute eingetroffene Prawda" vom 20. Dezember bringt den Briefwechsel zwischen der Leningrader und Mostauer Parteiorganisation. Wir lassen diese Dokumente sprechen, weil es faum möglich ist, flarer zum Ausdrud zu bringen, worum in Rußland geistig gerungen mird. Die Moskauer erheben gegen die„, Abweichungen" der Leningrader Bolschewiti die schwersten Borwürfe. Sie werfen ihnen liquidatorischen Unglauben" vor. In Leningrad hat man zwei hervorragende Kommunisten, Komaroff und Loboff, ausgeschifft, weil sie auf dem Stand punkt des Zentralfomitees stehen. Einen der Wortführer der Opposition, den das Zentralfomitee gemaßregelt hatte, Salugti, haben die Leningrader demonstrativ zum Barteitagsdelegierten gewählt. Das ist, wie der Mostauer Brief betont,„ ein in der Geschichte der Leningrader Orga nisation unerhörter Borgang, eine Rapitulation vor der bürgerlichen Ideologie(!)". Die Differenzen werden durch Tatsachen erhärtet. So schreiben die Mostauer: Bor furzem vertraten Ramenew und Sino wjew im Politbureau den Stadpunkt, daß wir wegen unserer technischen und mirtschaftlichen Rückständigkeit nicht imftande sein werden, unserer inneren Schwierigkeiten Herr zu werden, wenn uns nicht die internationale Revolution rettet. Wir aber, gemeinsam mit der Mehrheit des CK., find der Ueberzeugung, daß wir im ftande find, den Sozialismus aufzubauen. Und daß wir ihn aufbauen werden trot unserer technischen Rückständigkeit. Bir glauben, daß Dieser Aufbau vorangehen wird, wenn auch freilich viel langfamer, als unter den Bedingungen eines Weltfrieges. Wir vertreten die Auffassung, daß der Stadpunkt der Genossen Ramenew und Sinow jew von Unglauben in die inneren Kräfte unserer Arbeiterklasse und der hinter ihr marschierenden Bauern massen zeugt." Die Opposition hat als Gegengewicht gegen die von ihr befürchtete tapitalistische Entwicklung der russischen Wirt fchaftsverhältnisse eine stärkere Verankerung der boliches mistischen Partei in den Arbeitermassen verlangt. Sie hat die Ueberzeugung vertreten, daß der russische Prolet unmöglich im„ Nep" das Ideal aller Jdeale erblicken tann. Sinomjem hat die Ketzerei gewagt und in seinem Buche über den Leninismus zum Entsegen der Moskauer Organisation geschrieben: „ Gibt es etwa in unseren derzeitigen Staatstrufts, in ihren Operationen, in dem System ihrer Arbeit, in der Art ihres Auftretens usw. teine Elemente des Kapitalismus? Sehen etwa die Arbeiter, die Bauern, die ganze Bevölkerung das nicht, fühlen fie das nicht? Fühlen etwa nicht die Arbeiter die ganze Unwahrheit unferer Behauptungen, wenn wir ihnen schöne Rebensarten darüber vorfehen wollten, daß auch das( der Nep und die Staatstrusts) Sozialismus fel?" Das ist nach Meinung der Mostauer ein starkes Stud. Sinowjem unterſtellt ihnen, den Anhängern der Parteilinie", daß in Rußland ringsum der Sozialismus gedeiht". Und er nennt ,, die Leninfche Ueberzeugung von dem sozia listischen Charakter unserer Staatsindustrie, die, so arm und rückständig sie sein mag, doch trok allem unsere sozialistische Industrie ist, schöne Redensarten". Ginowjew hat es deswegen nach der Angabe des Moskauer Briefes auch abgelehnt, einer von Bucharin vorgelegten These zuzustimmen, die sich gegen die menschewistische Auffaffung" wendet, daß unsere, ihrem Charakter nach sozialistische Unternehmungen einfach nur gewöhnlicher Kapitalismus oder irgendeine andere Form von Staatskapitalismus sei". Unerhört ist das Verlangen, die Basis der Partei in den Arbeitermaffen zu erweitern. Und es ist äußerst charaf | teristisch zu hören, mit welcher Begründung die Moskauer Organisation dieses Verlangen abweist. Sie schreibt: Wenn man verlangt, daß neunzig Prozent aller Induftricarbeiter, des ganzen Proletariats in die Partei sollen, so würde diese unglaubliche Verwirrung bedeuten, daß die halb bäuerlichen Massen in die Partei einströmten; das wäre der krach der kommunistischen Führung. Wenn man aber verlangt, daß bis zum nächsten Parteitag in unserer Partei neunzig Prozent der Mitglieder Arbeiter aus den Betrieben sein sollen, so wäre das womöglich noch schlimmer. Eine einfache Berechnung beweist, daß wir dann im Laufe eines Jahres fünf Millionen neue Arbeiter in die Partei aufnehmen müßten. Von einer Million Parteimitglieder sind bei uns etwa 600 000 nicht Fabritarbeiter. Sie sollen nach der Forderung der Opposition nur zehn Prozent darstellen. Danach müßte die Gesamtpartei sechs Millionen Mitglieder zählen. Wir sind gegen so leichtsinnige Lösungen, wir sind gegen eine derartige Führung. Wir sind gegen ein so leichtsinniges demagogisches Spiel(!). Und wir sagen gerade heraus, daß solche Ideen, die die Führerrolle der Partei nicht berücksichtigen, mit dem Leninismus nichts gemein haben und nichts gemein haben können." • Wenn doch die Kommunisten auch in Deutschland immer so offen reden wollten! Wie gern steinigen fie einen jeden, der ihnen die Wahrheit darüber sagt, daß ihre ge priesene Diktatur des Proletariats in Rußland eine Dittatur über das Proletariat ift! Die Grundlagen der russischen Diskussion liegen offen zutage. Die rauhe Birklichkeit gebiert die Zweifel, die Demagogen fallen der eigenen Demagogie zum Opfer. Die Opposition will in den neukapitalistischen Gebilden der russischen Industrie im günstigsten Fall nur einen Staatskapitalismus im proletarischen Staat" sehen. Sie fühlt, daß die Arbeitermassen auch der Staatsindustrie gegenüber selbständig auftreten müssen und werden. Sie wollen diese Entwicklung durch eine raditalere altung auffangen. Die offizielle Barteiboktrin aber will den beschrittenen Beg tonsequent weitergehen: Vorwärts- Verlag G.m.b. H., Berlin SW. 68, Lindenstr.3 Bostschecktonto: Berlin 37 536 Banktonto: Bank der Arbeiter, Angestellten und Beamten, Wallstr. 65; Diskonto- Gesellschaft, Depofitentaffe Lindenstr. 3. Die Weltabrüstung. Deutschland in Genf. Die geschäftsführende Reichsregierung hat gestern den Tert der Einladung veröffentlicht, die ihr aus Genf zugegangen ist. Deutschland soll sich an der vorbereitenden Abrüstungskonferenz beteiligen, die am 15. Februar beginnt. Ihre Antwort auf diese Einladung hat aber die Regierung nicht mitgeteilt. Die Annahme ist freilich für Deutschland eine Selbstverständlichkeit immerhin hätte man erwarten dürfen, daß diese Selbstverständlichkeit rasch und mit einer gewiffen Freudigkeit ausgesprochen werden würde. Es hat sieben Jahre seit dem Waffenstillstand gebraucht, bis die deutsche Entwaffnung als durchgeführt rechtswirksam anerkannt wurde. Und zu sehr mußte es scheinen, als ob man die Durchführung der deutschen Entwaffnung nicht anerkennen wollte, um das Versprechen der allgemeinen Abnugtuung erfüllen, daß sich an die Erfüllung der deutschen rüftung nicht einlösen zu müssen. So fann es uns mit GeAbrüftung ganz vorsichtig ausgedrückt der Beginn Vorbereitung der allgemeinen Abrüstung anknüpft. der Die geplante Abrüstungskonferenz des Völkerbundes wäre nicht die erste der neueren und neuesten Geschichte. Sie hat Washington um die Jahreswende 1921/22, die die Be einen erfolgreichen Vorläufer: die Konferenz von vereinbarten die großen Seemächte zehnjährige Bauferien grenzung der schweren Seerüstungen durchführte. Damals für Großkampfschiffe und setzten für jede einzelne von ihnen ein Tonnagehöchstmaß für schwere Schiffe feft. Dugende von Großkampfschiffen wurden abgewradt. Die Vertragsvorschriften von Washington werden ftritt innegehalten. Jedes Marineministerium der beteiligten Seemächte ist international gezwungen, seine Baupläne für schwere Schiffe im Rahmen der Vertragsabmachungen zu halten. Die Initiative zu dieser Teilabrüstung der Seestreitkräfte war von der amerikanischen Regierung ausgegangen. Sie be folgte die Methode, ben eingeladenen Staaten mit ber Strategie der Ueberraschung dies weitgehende Rüstungsbegrenzungsprogramm vorzuschlagen und zwang durch ihr entschlossenes Borgehen die anderen vier Seemächte, England, Frankreich, Japan und Italien, zur Gefolgschaft. Dies mal geht die Initiative von einer größeren Mächte= gruppe aus, den im Rat des Bölferbundes vertretenen zehn Staaten. Fehlt die pazifistische Bormacht, als welche sich die Bereinigten Staaten gefühlt hatten, so muß das Verfahren schon deshalb diesmal anders sein. Der Völkerbund, feiner univerfalen Tendenz getreu, will grundsäglich alle Staaten in den Abrüstungsplan einbeziehen. Alle Staaten es find faft 60-, ob groß. ob flein, follen grundfäßlich an der Abrüstungskonferenz teilnehmen. Und nur meil die Beteiligung aller an der Vorbereitung die Borbereitung endlos machen würde, hat man sich in Genf darauf geeinigt, ein fnappes Drittel genau 19 aufzufordern, in den Borbereitungsausschuß einzutreten. Die folgende Tabelle, gegliedert nach den drei Größenflaffen, Groß-, Mittel- und Kleinstaaten, und fünf geopolitischen Gebieten, zeigt die Staaten, die dank ihrer geschichtlichen und geographischen Lage berufen scheinen, die gesamte Staatenwelt in der ganzen Berschiedenheit ihrer Interessen annähernd zu vertreten: Bor feinem Tode hat uns allen Benin fein politisches Ber. mächtnis für lange Jahre hinterlassen. Die Grundlage dieser Politik ist die Berbindung zwischen der sozialistischen Staatsindustrie und dem Genossenschaftswesen, dessen Anwachsen nach Lenin bei uns gleichbedeutend mit dem Anwachsen des Sozialismus ist. Gegen diese Hauptgrundlagen seiner Politit richtet sich ihrem Kern nach die Kritik Hauptgrundlagen feiner Bolitit richtet sich ihrem Kern nach die Kritik der Opposition, die Ableugnung des sozialistischen Charatters der Staatsindustrie und der Unglaube an die Möglichkeit einer sozialistischen Entwidlung des Genossenschaftswesens, das ist für ihre Bofition bezeichnend. Wir verstehen sehr gut alle Gefahren: sowohl das absolute Anwachsen des Privattapitals, die Stärkung des Rulats und die internationalen Gefahren. Aber wir wissen, daß wir in unserem Lande den Sozialismus aufbauen tönnen und werden. Wir wissen, daß seine Bafis, die Staatsindustrie, sich immer mehr in die Kraft verwandelt, die die ganze Wirtschaft des Landes führen muß. Wir sehen, daß der„ Nep" nicht nur ein vorübergehen des Zurückweichen ist, wie Sinowjew und seine Anhänger das predigen. Wir sehen, daß wir auf den Schienenwegen des„ Nep" in breiter Front gegen das Brivattapital vorrüden und daß wir immer größere Chancen gewinnen, die Entwicklung im Dorf in Offen und MittelWege zu lenten, die dem alten tapitalistischen System unbekannt waren." Die Opposition ist anderer Meinung. Die Leningrader schreiben: „ Gewiß, unser Angriff auf der Wirtschaftsfront entwickelt sich erfolgreich. Aber immer noch muß man das Rußland des„ nep", fo wie es uns Lenin befohlen hat, erst in das fozialistische Rußland ver. wandeln. Wer das außer acht läßt, der behauptet im Kern, daß der" Nep" schon der Sozialismus sei. Die„ Optimisten, die im Gegensatz zu dem Pessimisten Lenin nachweisen, daß wir eigentlich ringsum schon vom Sozialismus umgeben sind, erweisen der Sache des echten sozialistischen Aufbaues nur einen schlechten Dienst." europa. . Bestl. Europa.{ Britisches Reich. Amerifa sien . · 7 Großstaaten Sowjetunion | Deutschlandt 6 Mittelstaaten Bolen Tschechoslow.* Jugoslawien Rumänien Spanien Frankreich** Italien** England Ber. Staaten Japan** Brasilien* 6 Kleinstaaten Schweden Finnland Bulgarient Belgien* Niederlande Uruguay Man wird diese Auswahl, die das mittlere und östliche Europa bevorzugt, und sämtliche Großstaaten umfaßt, gutheißen fönnen. Bedenklich mag. nur scheinen, daß man es unterlassen hat, die stärkste Militärfraft des nahen Orients, die Türkei, hinzuzuziehen. Zugleich erkennt man leicht, Noch ist die Sprache dieser Auseinandersehungen gewie schwer das Wert der Abrüstung gehindert werden würde, dämpft. Aber nur mühsam wird der Ernst der Meinungs- wenn der einzige michtige Staat, deffen Teilnahme wirklich verschiedenheiten zurückgehalten. Weder heute noch morgen noch zweifelhaft scheint, wenn die Sowjetunion es fertig wird die boischemistische Partei an ihnen zerbrechen. Biel zu bekäme, sich dem allgemeinen Werf der Befriedung zu entfest ist dazu ihr Gefüge, viel zu sehr sind sie alle anein ziehen. ander mit Retten geschmiedet. Aber man verwandelt sich nicht ungestraft aus einer Bartei utopistischer Heroen in eine Partei rechnender Kaufleute und arbeiterfeindlicher Fabrikdirektoren. Die Utopie zerbricht an der rauhen Wirklich eit. Mögen heute noch die offiziellen Parteiführer mit Entrüstung den Vorwurf zurückweisen, daß sie sich in die Männer des russischen Thermidor verwandelt haben. Mögen sie heute noch mit vielen Bibelzitaten aus den Schriften des heiligen Lenin das Zitate halten die WeltGegenteil bemeisen, geschichte nicht auf! Nicht nur die Zahl der teilnehmenden Staaten ist höher, auch der Gegenstand der Konferenz ist ein vielumfassender. Es ist nicht geplant, wenigstens zunächst nicht, Teilfragen der Abrüftung für fich zu lösen. Man will das Problem im ganzen anfaffen: Land-, See- und Luftabrüstung zugleich. So ist der Fragebogen, der dem Einladungsschreiben beilag, recht allgemein und theoretisch ** ständige *= gewählte Mitglieder des Böllerbundsrates. tabgerüstet. 1 gehalten. Schon zweimal find im Völkerbunde Pläne deshalb gescheitert, weil sie zu umfassend waren. Zweimal haben die dort versammelten Staaten das Sicher heitsproblem auf einem Wege zu lösen versucht, der nicht zum Ziele führte. Der Garantiepattplan des Jahres 1922 ebenso wie das Genfer Protokoll des Jahres 1924 sind daran gescheitert, daß sie aus einem hauptsächlich und zunächst europäischen Problem ein Weltproblem machten, das auf einmal nicht zu lösen war. Wer zuviel unter nimmt, übernimmt sich", sagt ein französisches Sprichwort, das man gerade den Franzosen wird entgegenstellen müssen, deren politische Willenskraft und Methode ebenso hinter jenen Sicherheitsvorschlägen stand, wie er jetzt hinter dem Abrüstungsfragebogen des Bölkerbundes steht. Es wäre falsch, so wie die Außenpolitit der Sowjetunion gern tut, hinter dem Plan der Vorberatungskommission eine planmäßige Sabotage der Abrüstung zu vermuten oder gar anzunehmen, daß die Völkerbundstaaten diesen Weg nur wählten, um die Sowjetunion als Friedensstörerin zuentlarven", wenn sie Bedenken trägt, der Völkerbundsaufforde rung zu folgen. Der politische Wille zur Abrüstung ist inter national stärker als er jemals war. Bu sehr drängen überall die Notwendigkeiten der Staatswirtschaft, Rüstungslaften zu vermindern. Und da sogar die Vereinigten Staaten eine eigene Initiative zugunsten des Völkerbund vorgehens zurückstellen und um des in Genf begonnenen Werkes willen ihre bisherige Abneigung zum Völkerbunde überwinden, so ist es für die deutsche Republit Pflicht, ohne Zögern in die Front des Kampfes um die Abrüstung einzurüden. die Deutschland ist neben den Kleinstaaten Defterreich, Ungarn und Bulgarien- der einzige europäische Großstaat, der gründlich abgerüstet hat. Deutschland hat feine Abrüftung nicht freiwillig, aber es hat fie durchgeführt. Das soll seine Vertreter in Genf nicht dazu verleiten, sich als die gegebenen Führer aufzuspielen. Aber es bleibt ihnen die Pflicht, fachlich mitzuarbeiten und diese Mitarbeit frühzeitig und gründlich- in ähnlicher Art wie es die franzöfifche Regierung fo erfolgreich getan hat vorzu bereiten. Fehlt diese deutsche Mitarbeit und wird sie nicht mit dem Willen, aus der deutschen Abrüftung die europäische Abrüstung zu machen, vorbereitet und geführt, dann ist allerdings die Gefahr nicht gering, daß die Borbereitungsfommission im Sande der Allgemeinheiten stecken bleibt. Es ist die besondere deutsche Aufgabe, in ähnlicher Weise wie es in der Sicherheitspolitit geschehen ist, die Abrüftungspolitit von abstrakten Allgemeinheiten zu praktischen Einzelmaßnahmen zu treiben. Stepsis ist oft der intellektuelle Vorwand für Bequemlichkeit. Es fommt nicht auf Spekulationen an, ob der erfte Abrüstungsschritt fogleich zum Erfolge führt. Aber es fommt darauf an, daß die deutsche Politif das ihre tut, ihn zu er zielen. Hier ist Arbeit für das Ziel alles. Eckener- Spende und Oeffentlichkeit. Eigentümliche Methoden. In der Presse erschienen vor einigen Tagen Klagen über die unverhältnismäßig hohen Kosten, die der zum 3wed der Sammlung für die Edener Spende aufgezogene Apparat verschlingt. Edener selbst gab darauf die Erflärung ab, daß die Organisation in Fällen, wo sie zu berechtigter Be schwerde Anlaß gegeben habe, auf das notwendige Maß zu rückgeführt worden sei. Die Tägliche Rundschau" veröffentlicht jetzt unter der Ueberschrift Braun und die Zeppelin- Edener- Spende" eine längere Mitteilung der schwerindustriellen TelegraphenUnion, aus der hervorgehen soll, daß die preußische Regierung der Edener- Spende feindlich gegenübersteht. Außer der Aufferderung des Kultusministers an die Regierungspräsidenten, Nachforschungen darüber anzustellen, in welchen Bezirken entgegen dem allgemeinen Verbot von SchulVor Jahresschluß. Konzerfumschau von Kurt Singer. Der Festtagsstimmung Folge leiftend, führt der Chor der Singatademie zweimal por ausverkauftem Hause das Weih nachtsoratorium von Bach auf. Diese Kantatenfolge, die einheitlich nur durch den unfaßbaren Stil des Romponisten wirft, aber weder an Größe noch an chorischer Gewalt, noch an Empfindungstiefe der Arien an die übrigen großen Chormerte Bachs heranreicht, zieht gerade durch die Eingängigkeit ihrer Melodien die Menschen start an. Es ist die 45. Aufführung des Chores der Singafademie, und man tann sich denten, wie sicher das Bert figt". Fast wäre es gut, das Gedächtnis ließe diese 400 Sänger etwas mehr im Stich; dann hätte Georg Schumann noch mehr Möglichkeit, Wert und Wirkung zu gestalten. Den Arien gegenüber ist er von einer felt jamen Behäbigteit und Langfamkeit, während er Chöre und auch Choräle jezt in einem bewegteren, der Textstimmung gewissenhafter angemessenen Tempo vorträgt. Emmi Leisners Stimme ist, falls nicht Indisposition vorlag, ausbrudsschwächer und ungleicher geworden. Georg Walter ist und bleibt trog aller unschönen Gesten und Gebärden der beste Tenor- Bachfänger unserer Zeit. Sydney Biden fezt einen voluminösen Baß für feine Soli ein; Frau Freund Mott eine große, aber auch scharfe Sopranftimme. Das Philharmonische Orchester, fichtlich müde gemacht, gab nur in den wundervollen sinfonischen Zwischenspielen das her, was nur dieses großartige Inftrument von Orchester hergeben tann. Diese Müdigkeit ist vielleicht auf die Festzeit zu beziehen, vielleicht auf das vorangegangene Furtwängler Konzert. Es ift ja jezt feine Seltenheit gewesen, daß das Philharmonische Orches fter am Tage drei Proben und am Abend eine Aufführung hatte. Der innere 3wang muß da vom Dirigenten herkommen und Furt wängler hat in feinem juggestiven Format, das gepaart ist mit Energie und Liebenswürdigkeit, immer wieder die Möglichkeit, das von ihm zur Höhe geführte Orchester zu legten Ausdrudsmöglich feiten zu spannen. Er tat das mit einem Konzert für Orchester von Baul Hindemith( op. 38), das den jugendlichen Komponisten auf einer bisher bei ihm nicht bemerkten Bahn findet und infolge dessen auch noch nicht als eine vollwertige Leistung angesehen werden kann. Es mischt sich hier die Lebendigkeit und tontrapunttische Sicherheit im Sah des Streichorchester mit sehr verwegenen Einfällen in den solistisch behandelten Blasinstrumenten. Die Stile freuzen sich, alt und neu bindet sich nicht zur persönlichen Einheit. Der Marsch für Holzbläser schwingt sich zu einer großen, allerdings etwas plöglichen Steigerung auf, und der letzte Sag, den ich in feiner natürlichen jugendhaften Lebendigteit für den besten halte, darf als ein Hymnus auf die rhythmische Flottheit und brutale Klangtombination, als ein neuer, glänzender Beweis der Begabung Hindemiths gelten. Furtwängler fezte sich mit vehementer Einfühlung für das Wert ein, erntete aber nicht vielen Dant, weil das Stammpublifum der philharmonischen Konzerte anscheinend immer noch glaubt, daß etwas Gärendes, Unfertiges, Nichtetikettiertes vor ihren Ohren feinen Plag beanspruchen dürfe. In der Staatsoper führte man eine Tanzsuite von Respighi, Renaissance" genannt, auf. Gavotte, höfischer Tanz, sammlungen derartige Sammlungen zugunsten der Edener- Spende stattgefunden haben, und wer fie genehmigte, enthält die Veröffentlichung folgende vertrauliche Anmertung des Wohlfahrtskommissars zu einer beschränkten Genehmigung der Edener- Sammlung: Ich bemerke vertraulich, daß der vorstehende Bescheid das Ergebnis längerer Verhandlungen zwischen der Reichsregierung und der preußischen Staatsregierung darstellt. Nicht nur die Not des Winters, der wir entgegensehen und die großen Massen des Volkes kaum die Befriedigung der Lebensnotdurft gestattet, sondern insbesondere auch außenpolitische Rüdsicht en ließen gegen die Durchführung der Sammlung im gegenwärtigen Zeitpunkt lebhafte Bedenten gerechtfertigt erscheinen. Nachdem gleichwohl der Aufruf zu der Sammlung unter Beteiligung führender Persönlichfeiten ergangen ist, erschien es aus mehrfachen Gründen ratsam, fie wenigstens in den Formen, in denen sie bisher durchgeführt ist, nachträglich zu genehmigen. Eine Ausdehnung der Sammlung über diese Grenzen hinaus ist aber vor der Hand nicht erwünscht. Ich ersuche deshalb ergebenst, dafür Sorge zu tragen, daß Straßen und Haussammlungen für die Zeppelin- Edener- Spende einstweilen nicht stattfinden. Zur Sache selbst ist zu bemerken, daß aus dem Schriftftüd hervorgeht, daß die Stellungnahme der preußischen Regierung mit der der Reichsregierung durchaus übereinstimmt. Sie entsprach offenbar einem Wunsche des Außenministeriums. Damit fällt die Tendenz der Meldung in sich selbst zusammen und die„ Tägliche Rundschau" hätte sie ebenso gut Strese mann und die Edener- Spende" betiteln können. Die Bekämpfung der Wirtschaftskrise. Preußen will helfen. Das Reich hat Bedenken. Ueber die Maßnahmen der preußischen Regierung zur Milde. rung der Arbeitslosigkeit wird gemeldet: Schon seit langem hat die preußische Regierung mit der Ber schärfung der Wirtschaftskrise gerechnet und das Wohlfahrtsministe. rium hat deshalb bereits seit dem Frühjahr zur Aufstellung eines Brogramms für Notstandsarbeiten eine Reihe von Verhandlungen geführt, so z. B. über die Straßenbauarbeiten des Ruhrfiedlungsverbandes, über Notstandsarbeiten für den Aachener Bezirk und über den Gebirgsstraßenbau im Regierungsbezirk Koblenz. Alle diese Verhandlungen galten in erster Linie der Vorbereitung von Notstandsarbeiten für den Winter. zu erleichtern, hat das Reichsarbeitsministerium bestimmte Borschläge ausgearbeitet, welche die Zustimmung des Reichs. tabinetts gefunden haben. Diese Vorschläge gehen den Regierungen der Länder noch vor Weihnachten zur Stellungnahme zu und sollen unmittelbar nach Neujahr mit ihnen in einer Ronferena besprochen und sofort in Kraft gefeht werden. Es handelt fich dabei insbesondere um ein weitgehendes Entgegenkommen des Reichs und der Länder bei der Berzinsung und Tilgung der Dare lehen, die aus Reichsmitteln der produktiven Erwerbslosenfürsorge gewährt werden. Woher kommt die Arbeitslosigkeit? Aufträge genug, aber kein Geld zur Lohnzahlung. Biel häufiger als man glaubt, ist nicht der Mangel an Aufa trägen, sondern das Fehlen der Lohngelder die Ursache der Arbeitslosigkeit. So wird aus der sächsischen Maschinenund Werkzeugindustrie berichtet, die als Produktionsmittel industrie ohnehin seit langem in schwieriger Lage ist, daß große Werte von Weltruf viel weniger wegen mangelnder Beschäftigung, als wegen des Mangels an flüssigen Geldern Kurzarbeit, Halbwochenarbeit und Entlassungen durchführen müssen. Auf der einen Seite find die Rohstofflieferanten dazu übergegangen, für größere Teile der Lieferungen sofortige Barzahlung zu verlangen, auf der anderen Seite zahlen die Käufer der fertigen Maschinen entweder so langsam oder die sich häufenden Konkurse bringen solche Verluste, baß das Geld für die Durchführung der vorliegenden neuen Aufträge nicht ausreicht. Die Folge ist natürlich, weil die Rohstoffe unter allen Umständen beschafft und bezahlt werden müssen, daß an den Lohnzahlungstagen das Geld für die Löhne und Angestellten. gehälter fehlt. Die Unternehmer nennen das nun den Mangel an Betriebs tapital Sieht man aber tiefer in die Zusammenhänge hinein, so ertlärt sich die Sache von selbst. Die deutsche Wirtschaft ist nämlich nicht erst seit wenigen Wochen, sondern schon seit der Stabilisierung ber Währung in der Krise. Die Auswirkungen der Krise wurden nur mit allen möglichen und unmöglichen Mitteln bis in diese letzten Wochen künstlich zurüdgestaut. Da die Währung stabil blieb und die Unternehmer sich nicht mehr auf dem Rücken der Währung gefund machen tonnten, half man sich vielfach auf andere Weise. Einmal bezahlte man zunehmend überhaupt nur noch mit Wechseln, und zwar vom Händler( felbst vom Handwerker und Landwirt) bis zum Rohstoffproduzenten; soweit das nicht ging, ver schleppte man einfach die Zahlungen. Auf der einen Seite machte man also eine allgemeine Wechselinflation, auf der anderen Seite erzeugte man eine fünstliche Zahlungsstodung in ber ganzen Wirtschaft. Das fonnte natürlich nur solange gehen, als die Banten die Wechsel noch diskontierten und als auf der anderen Seite wenigftens die Gelder zur Lohnzahlung noch übrig blieben. Seit dem Stinnes 3usammenbruch halten die Banten mum außerordentlich mit der Aufnahme von Wechseln zurüd. Die Wechsel der Kundschaft tönnen immer weniger in Geld um gefeßt werden; wo die Wechsel eingeklagt werden, treten vielfach Stonturfe ein, was zu großen Berluften führt. Nun ginge vielleicht noch alles gut, wenn wenigstens die Belegschaften sich mit Bechseln bezahlen lassen würden. Daß fich aber mit Wechseln keine Lebensmittel, feine Kleidung, teine Heizstoffe taufen und feine Miete bezahlen läßt, ist flar. Die Folge ist, daß an den Lohn- und Gehaltszahlungstagen das nötige Geld fehlt und daß die Lohnfreitage und die Monatsersten die schwarzen Tage find, an denen es Geschäftsaufsichten, Rentursen, Stiflegungen, Entlassungen tommen muß. Je stärker nun die Industrie dazu überging, fid) gegenseitig durch Wechselübertragung und Zahlungsverschleppung zu ftü gen", je mehr die Banten die Distontierung dieser Wechjel verweigerten, desto fauler mußten die Wechsel werden, desto größere Berluste traten ein, desto mehr mußten, trok vorhandener Aufträge, die Gelder zur Lohn- und Gehaltszahlung fehlen. Im Juli d. J. fand dann eine Besprechung statt, an der sich sämtliche Oberpräsidenten, vor allem die leitenden Stellen des rheinisch- westfälischen Industriebezirts, beteiligten. Die Besprechung hatte den Zweck, das Notstandsarbeitsprogramm nochmals zu über. prüfen und weiter auszubauen. Anfang Dezember folgte eine neue Besprechung der Oberpräsidenten in Berlin unter der Leitung des Wohlfahrtsministers. Sie diente der Klärung der Frage der Darlehnserleichterung. Preußen war zu jedem nur möglichen Entgegenkommen bei der Bewilligung von Darlehen aus den Mitteln der produktiven Erwerbslosenfürsorge bereit, nur die Reichsstellen, vor allem das Reichsfinanzministe. rium, hatten Bedenten und zögerten. Der Beratung der Oberpräsidenten folgte eine besondere Aussprache. Die Su Stimmung Preußens für die Darlehnserleichterungen liegt vor, nur die Einwilligung des Reichsfinanzministeriums steht noch aus. Sobald das Reich seine Einwilligung zu den preußischen Vorschlägen gegeben hat, wird ber entsprechende preußische Erlaß an die Regierungsstellen hinausgehen. Die Erzu leichterungen bestehen vor allem in der Ermäßigung des Zinsfußes und in der Erhöhung der Kostenbeiträge des Reiches und des Staates zur Entlastung der Gemeinden Ueber die Umstellung der Lastenperteilung der Erwerbslosen gelber ist bis jetzt ein dementsprechender Antrag bei den maßgeben ben preußischen Stellen noch nicht eingelaufen Zu später Abendstunde wird amtlich gemeldet: Um den Gemeinden in den Gebieten, die besonders start unter der Erwerbslosigkeit leiden, die Durchführung von Rotstandsarbeiten geistlicher Tanz und Reigen. Es ist Musfit im Stil des 18. Jahr hunderts, ohne problematische Belastung, spielerisch gewandt, ele gant, mit archaisierenden, auch fatholischen Unterströmungen. Der Tanz, in dem Terpis, Rölling als Herren, Dorothea Albu als Frau besonders hervortraten, jamiegte sich der gehaltenen Bewegung gut an, und in dem geistlichen Tanz erinnerte die Körperbewegung von Terpis sehr schön an Bilder alter italienischer Meister. Die Bulcinella- Suite nach Pergolese von Strawinsty ist in ihrer Luftigkeit und Beschwingtheit viel tonziser und einheitlicher; man fühlt, daß hier einer aus dem Geist des Balletts heraus schreibt. In einem Vortragsabend der Hochschule für Mufit zeigte Julius Prümer, daß er das Orchester der Schüler zu einem Ensemble erzogen hat, das sich durchaus an eine so große Aufgabe wagen durfte. Die Sauberkeit und Ausdrucksfähigkeit der jugendlichen Instrumente waren bewundernswert. Im Chorfag bewährten sich die Ochsschen Scharen glänzend, während die Blechinstrumente nicht vornehm genug gezügelt wurden. Im Quartett wurde Sopran und Altftimme doppelt befeßt, was die Schwierigkeit diefes schwierigsten Soloensembles erhöhte, nicht abschwächte. Die schönen Stimmen der Sopranistinnen Ingrid Brebed und Edith Maasberg, der Altistinnen Beschten und Wolfsohn, der Herren Rosenthal und Göbel feien erwähnt, weil die Sicherheit ihrer Träger für deren Zukunft Gutes erwarten läßt. Neben der Philharmonie, in der der Meisterspieler Emil von Sauer seine große Gemeinde begeisterte, mufizierte Marga rete Witt, die wir seit einigen Jahren fennen. Die junge Künste lerin zeigte sich auf einer solchen Stufe des Könnens, daß man bereits von einer vollendeten Leistung sprechen darf. Sie absolvierte ihr Programm mit überlegener Sicherheit, ein Programm, das von ihr Programm mit überlegener Sicherheit, ein Programm, das von Bach- Busoni bis Scriabine und zu Godowffys meisterlicher Fleder. maus- Paraphrafe führte. Für jedes Stüd fonnte Margarete Witt, die frühere Godowity- und Sauer- Schülerin, soviel glänzende Spiel qualitäten einsetzen, daß man sie heute zu den geschmackvollsten und beften jüngeren Pianistinnen rechnen darf. Sie spielte sich in Herz und Sinne der Zuhörerschaft schnell ein. Im Grotrian- Steinweg- Saal fuchten fünf fünstlerische Personen und ein Autor ein Publikum. Löses Zeichen, daß der fleine Saal nicht einmal gefüllt ist. Das Unternehmen dieser Abendmusifen muß dennoch begrüßt werden, nicht so sehr wegen der damit verbundenen Reflame für bestimmte Flügel, als wegen der Möglichkeit, jungen Künstlern ohne finanzielle Lasten die Möglichkeit zu geben, öffentlich aufzutreten. Grete von 3ieris weiß als Bianistin dank einer persönlichen Gestaltungskraft so zu interessieren, wie einst mit ihren japanischen Liedern als Komponistin. Alfred Lichtenstein, der Flötist, wird flacher in seinem Ton, einförmiger in seinem Spiel. Bier schlichte Duette von Erich Anders dürfen als Bereicherung dieser feltenen Kunstgattung gelten, es find sehr geschickt und gar nicht leicht gefeßte Gefänge, die eine lyrische, freund liche Stimmung zart und wohllautend zum Ausdrud bringen. Zwei Stimmen einten sich im Vortrag, die nicht zu einander passen, deren jede aber ihre Qualität hat, Frieda Cornelius mit einem voluminösen, schweren Bühnenalt, und Lisbeth Adler. Heineberg mit einem lieblichen, modulationsfähigen Sopran, ber nach letter Ausfeilung noch viel mehr latente Reize ausströmen dürfte. Eine Freude war es, die sehr begabte Margarete Gille wieder einmal als Mitschaffende am Klavierbegleitpart zu sehen. Das Beispiel enthüllt eine der schwersten und gefährlichsten Ursachen der gegenwärtigen Krise und vor allem die Ursache des ungeheuerlichen Tempos, in dem sich die Arbeitslosigkeit steigern mußte. Es zeigt aber wiederum auch Das Schokoladenherz. Ein ganzes Jahr hindurch legt der Deutsche in seinem Seelentresor Sentimentalität und Gefühlswärme mertbeständig an, um zu Weihnachten überreichlich davon zu haben. Kein Wunder, daß bei solch marmen Wellen dann das Winterwetter regelmäßig umschlägt und die lauen Lüfte erwachen. Vielleicht täten wir besser daran, die Gefühlsseligkeit als fleine Münze auf das ganze Jahr zu verteilen. Borläufig erwacht die alte Sehnsucht gleich einer unabwend baren Naturerscheinung, so daß selbst die deutschen Revolutionäre Stille Nacht, heilige Nacht" dem Krachen der Handgranaten vor ziehen. Ich sehe mit Bitterteit die unendliche Schar der Arbeitslosen, die schon monatelang feiern müssen. Ich sehe die Kinder um die Stände der Weihnachtsbäume lungern, um menigstens ein grünes 3weiglein in die freudlosen Wände zu bringen. Und vor den Gänjeausschlachtereien ausgemergelte Menschen sich beraten, ob es wenig. ftens zu einem Stüd Gänsefleisch langt und feufzend weitergehen. Das Fest der großen Menschenliebe, ich möchte laut fluchen, wenn ich all diese dürftigen Menschen sehe. Nach Hause, nichts sehen, nichts hören! Ein Verschwender müßte man sein tönnen, und ich schäme mich, daß ich mir von einem Kind für getauftes Spielzeug Geld herausgeben ließ. Wie es in den Taschen herumschte nach dem fleinen Geldftüd! Es fällt mir hinterher erst brennend ein. Durch die Fensterscheiben eines Konfitürenladens lachen Schokoladenherzen. Kringel, russisches Brot, Dominosteine. Wie eine Engelsbotschaft steht über den Schokoladenherzen:„ Ein Stüd 5 Pfennige, 6 Stüd 25 Pfennige." Ein altes Mütterchen liest das wieder und wieder und fragt mich der Borsicht halber. Sie holt aus ihrem Pompadour ein abgeschabtes Geldtäschchen. Läßt das Gelb flimpern und geht weiter. Nach einer Weile aber trippelt fle entschlossen zurück und tritt ein. Durch die Ladenscheibe sehe ich, mie fie fechs Schokoladenherzen ersteht. Nun, Mütterchen, haben Sie große Einkäufe gemacht?" fragte fie beim Heraustreten.„ Ja," fagte sie mit einer gütigen alten Stimme, ich habe mir 25 Bf. ab. gespart. Für jedes Enkelfind einen Sechser." Und verschmitt lächelnd fährt sie fort: Und nun reicht es fogar für mich noch zu einem Schokoladenherz." Ich mußte ihr meine Hand hinstreden und fühlte ihre welte verarbeitete Hand in der meinen wie ein fost bares Geschent. Fröhliche Feiertage, Mütterchen."" Ein frohes Chriftfest," antwortet fie. Und ich ging und fühlte, wie ich gerührt wurde troß alledem, und ich hörte das unendliche Lied der Liebe fingen. Und das alles um ein Schokoladenherz! b- k. In der Gesellschaft zur Förderung der Biffenicaften findet ter zu Mittwoch, den 13. Sanuar 1926, feftaefeste Vortrag von Prof. Dr. Haber nicht statt, sondern ist auf Mitwoch, den 3. März 1926, abends 8%, or, verlegt worden. Die Katten behalten ihre Gültigkeit. Pirandellos römildjes Theater pleife. Tas e fte Theater, das Vi. randello in Rom gegründet bat, muß liquidieren, da das römische Theaterpublikum das Theater nicht genügend unterftigt bat. Das Theater batte von der italienischen Regierung einen Zuschuß von 50 000 Lire erbalten. Die Gaitfpielreise Pirandellos durch die italienischen Städte wird davon nicht berührt. New Yort zählt nach den Ergebnissen der neuen 8ählung 5873856 in. wohner. Es ist nächst Groß- London die größte Stadt der Welt. mit aller veutkichtstt, daß es die absolut verfehlte eigene Politik der Unternehmer feit zwei Iahren«st, die den exploswen Charakter der Krise erzeugt hat und die nun bestrebt ist, nicht nur die Arbeiterschaft für ihre Fehler mitoerantwort- l i ch zu machen, sondern auch die Krise auf ihrem Rücken durchzuführen. Kriegsbeschädigte und wirtschastsnot. In einem Erlah bat der Reichsminister der Finanzen an die Präsidenten der LandeSfinanzämter eine bestimmte Regelung für den erhöhten Steuerabzug bei erwerbstätigen Kriegsbeschädigten und Kriegerwitwen getroffen. Wie der Reichsbund der Kriegsbeschädigten mitteilt, wird bei rentenberechtigten Kriegsbeschädigten, die um mindestens LS Proz. erwerbebeschränkt siitd, auf Antrag mit Rücksicht auf ihr« besonderen wirtschaftlichen Verhältnisse und die ihnen erwachsenden höheren Werbungskosten und Sonderleistungen eine Erhöhung des gesetz- lichen steuerfreien Lohnbetroges und dex Pauschsätze für Werbunge- kosten und Sonderleistungen(also des Gesamtbetrages von 100 Reichsmark monatlich ab 1. Januar 1SZS) um den Hundertsatz ihrer Erwerbsbeschränkung zugebilligt. Den Besonderheiten des einzelnen Falles kann durch einen entsprechenden Zuschlag Rechnung getragen werden. Bei Kriegsbeschädigten, welche nach§ 31 des Reichsver» sorgungsgesetzes Pflegezulage erhalten, sind die steuerfreien Beträge mlnbesteus um 200 Proz. zu erhöhen. Bei Krieger- witwen ist zu beachten, daß in§ 56 Absatz 1 des Einkommensteuergesetzes Aufwendungen im Haushalt, die durch die Erwerbs- tätigkeit einer Witwe mit minderjährigen Kindern veran- laßt worden sind, ausdrücklich zu den besonderen wirtschaftlichen Lerhältnisien gerechnet werden, die nach 8 75 Nr. 1 durch Erhöhung des steuerfreien Lohnbetrages im engeren Sinne berücksichtigt werden können. Anträge von Kriegerwitwen sind wohlwollend zu be- handeln. Dom Reichsbund der Kriegsbeschädigten wird darauf hin- gewiesen, beim zuständigen Finanzamt unter Vorlegung des letzten Rentenbescheids und der Steuerkarte umgehend die Erhöhung der Werbungskosten für 1926 zu beantragen. Die üeutstbaationale verleumüerclique. Isidor Kreil und die Seine«. Der Sozialdemokratische Pressedienst meldet: Einer der Kronzeugen gegen Friedrich Eberl im Magdeburger Prozeß war der übel beleumundete Kaufmann Isidor Kreil aus Bayern, der nach dem Scheitern seiner Lügenattacke wegen Mein- eids in Haft genommen wurde. Dieser Ehrenmann wurde vor einigen Monaten aus der Untersuchungshaft entlassen und stüchtete— wie nicht anders zu erwarten war— vor der in Augs- bürg ongesetzlcn Verhandlung ins Ausland. Kreil hat nun, wie wir ersahren, vor einiger Zeit versucht, durch Vermittlung eines völkischen Architekten Thurn in Augsburg das angcb- lich in der Schweiz liegende„Beweismaterial� gegen Friedrich Cbert in klingend« Münze umzusetzen. Nachdem das mißglückt ist, schrieb er an seinen Vertrauensmann:»Sie haben aus meinem Vertrauen nur Kapstal schlagen wollen. Das habe ich schon im Frühjahr gefühlt, als Ihnen R o t h a r d t nicht gleich 1000 Marl in die Tasche warf. Während Sie 300 Mark, 100 von Röthardt. 200 von Herrn von Forstner verdient haben, sitze ich ohne einen Pfennig Geld da. Ich werde jetzt alle meine Dokumente, die ich in Bern habe— cn die Franzosen abgeben, so daß die Sache nie mehr zugunsten Deutschlands aufgeklärt wird. I ch kenne kein Vaterland mehr.� In der Tat, wieder ein- mal ein»zuckersüßes Brüderchen�, dessen sich die Deutschnationalcn bedient haben._ Abgelehntes MeSeraufnahmeverfahren. Im ssall Wandt. Der erst- Strafsenat des Reicksgericht« hat in geheimer Sitzung den Antrag de» Schriftsteller» Heinrich Wandt aus Wieder- ausnahm« seine» Verfahren» und Hostenilassung bi» zur Durch- führung de» neuen Prozesse» abgelehnt. Wandr bleibt also werier in Hast, trotzdem rnzwischen binlänglich festgestellt>st. daß gegen ihn vom Reichsgericht ein Fehlurteil gefällt worden ist. Wandt wurde feinerzeir zu fech» Jahre Zuchthaus verurteilt. Antisemit unü Iuöenbank. Die Verbindungen eines Vürgerblockministers. Der Außenminister der christlichsozial großdeutschen Bundes- regierung Deutfchösterreichs, Dr. Mataja, ist eine interessante Persönlichkeit. Er hat sich schon im alten Oesterreich als besonders gehässiger Bekämpser der Sozialdemokratischen Partei hervorgetan und ist dadurch in der Ehristlichsozialen Partei immer höher ge- stregcn, so daß er schließlich Außenminister der Republik werden konnte. In dieser Eigenschaft oerfolgt er einen Kurs, der dadurch genügend gekennzeichnet ist. daß Herr Mataja zwar amtlich» Besuche m Rom und Paris, aber noch nie in Berlin gemacht hat, wie denn auch dos Organ des französischen Außenministeriums ihn bei seinem Amtsantritt als einen aufrichtigen Freund Frankreichs begrüßt hat, was natürlich nichts anderes heißen sollte, als daß Mataja ein Gegner der Volksbewegung aus Wiederoereinigung Deutschösterreichs mit dem Deutschen Reich ist. Frenich hat sogar Dr. Seipel noch vor wenigen Monaten in der Schweiz erklärt, daß eine Volksabstimmung über diese Frage in Deutschösterreich Zweifel- los über 90 Proz. Ja ergeben würde. Trotzdem ist Mataja in seinem Amt geblieben und auch der scharfe persönliche Konflikt, in den er vor einiger Zelt durch sein Auftreten im Nationalrat mit den Sozialdemokraten geriet, hat ihm das Amt nicht gekostet. Jetzt aber scheinen Matajas Miniftertage doch gezählt zu sein. Das Bekanntwerden gewisser Beziehungen zwischen dem Außenminister und der B> e d er m a n n- B a n k A.-G. hatte dazu geführt, daß auf Verlangen der Sozicldemokraten ein parlamen- tarischer Untersuchungsausschuß eingesetzt wurde. Die Biedermann- Bank ist jung und klein, hat aber trotzdem sehr große Geschäfte gemacht. Der Staat hat dieser Bank gerade verfügbare Mittel des Salz, und Tabakmonopols und der Bundesbahnen geliehen, und die Bank hat diese Golder der wüstesten Börsenspekulation zur Der- fügung gestellt Die Folge war. daß die Biedermann-Bank in große Schwierigkeiten geriet, von der Ratwnalbant gestützt werden mußte. und die nur kurzfristig gegebenen Staategelder notgedrungen lang. fristige Darlehen geworden sind deren Zurückzahlung überdies noch recht fraglich Der Untersuchungsausschuß batte sich mit der Behauvtung zu beschäftigen, daß Dr. Mataja der Biedermann-Bank staatliche Finanzaufträpe verschafft und dafür Gratisaktien dieser Bank erhalten babe. Talsächlich hat der Ausschuß festgestellt, daß laut Kontobuch der Biedermann-Bank zehntausend Ihrer Aktien von Dr. Mataja bezogen wurden, während ein Vermerk über die Be- Zahlung dieser Aktien fehlt. Jedoch w rde in einem an Radierunaen reichen Notizbuch des Vizepräsidenten der Diedermann-Bank, Dr. K u n w o l d. eine Usberweisung von 9000 Dollar aus der Schweiz im Auftrag« des Dr. Mataja und zur Bezahlung dieser Aktien vermerkt gefunden. Der ats Sachverständiger herbei- gezogene Genosse Hofrat Stern. Vizepräsident der deutschöster- reichischen Bankenkommission, spürt« ein Konto aus den Namen Marie Schmidt auf und enrlarvte es als Deckkonto Dr. Matajas. Auch auf diesem Konto ist Aktienliefcrung ohne Bezahlung vermerkt. Dr. Mataja verweigert sowohl über die Notwendigkeit der Er- richtung dieses Deckkonlos, das er nicht bestreiten kann, als auch über die 9000 Dollar jede Auskunft. Die bürgerliche Mehrheit des Untersuchungsausschusses hat das Verhalten Matajas nicht zu tadeln gefunden, die sozialdemokratische Minderheit tut das aber nachdrücklich in einem Minderheitsgutachten, das dem Nationalrat gleichzeitig zugegangen ist. Aber selbst der christiichsozlale Abg. Dr. Gürtler(von den stelrischen Christlich- sozialen, die innerhalb der Partei eine Opposition darzustellen scheinen) hat kein Hehl aus seiner Mißstimmung darüber gemacht. daß Dr. Mataja sich»mit diesem Frauenzimmer Marie Schmidt eingelassen" habe. Selbstverständlich ist die D o p p e l e x i st e n z als Dr. Matafa und Marie Schmidt seitdem der Hauptgegenstand der in Wien von jeher recht lebendigen politischen Karikatur. Der Finanzminister Dr. Kienböck, auch ein Christlichsozialer, hat als einzigen Grund dafür, daß der Staat frei« Gelder nicht bei der Nationalbant oder bei einer der alteingeführten Banken anlegt, sondern bei dieser Biedermann-Bank, nur anführen können, daß die Biedermann-Bank die höchsten Zinsen, nämlich 24 Proz., zahle. Das konnte sie freilich, denn sie bekam von der Spekulation noch höhers Zinsen für die Staatsgelder, die sie ihr zur Verfügung stellte. Präfi- dent der Biedermann-Bank war bis vor einiger Zeit der ehemalige Finanzminister Dr. S ch u m p e t« r, der gegenwärtig Professor an der Unwersität Bonn ist; die Seele der Bank jedoch war und ist Dr. Kunwnld, ein Jude, der aber nichtsdestoweniger seit 20 Jahren der beste Freund des großen Antisemiten Dr. Mataja und außerdem seit langem der finanzielle Berater des christlichsozialen Führers Dr. Seipel in allen Sanierungsfragen ist. Ob der Staat das Geld, dos feine Antisemitenregierung der jüdischen Biedermann-Bank zur Verfügung gestellt hat, jemals wiedersehen wird, ist«in« Frage. Die engen Beziehungen der führenden Antisemiten zu dieser Iudenbant stehen aber fest. Weniger fest dürfte nun die Stellung Dr. Matajas als Außenminister fein. Der Geist von Locarno. Slmtsantritt des NheinlandkommisiarS. Koblenz, 23. Dezember.(WTB.) Der heut« erfolgten Heber- reichung des Beglaubigungsschreibens des Reichstommiffars für die besetzten Gebiete, Freiherrn Langwerth von Sim- mern, wohnten außer dem Präsidenten der Interalliierten Rhein- landkommission T i r a r d die beiden anderen Oberkommissare Lord K i l m a r n o ck und Forthomm« mit ihren Stellvertretern und Hauptmitarbeitern bei. In Begleitung des Reichstommissars befanden sich dessen Stellvertreter Graf Adelmann von Adel- mannsfelden und der Regierungsrat Dr. Vogel, sowie der Gesandtschaftsrat Dr. Heberlein. Der Präsident der Inter- alliierten Rheinlandkommission und die beiden Oberkommissare wid- meten dem Reichskommissar herzliche Begrüßungswort«, auf die der Reichskommiffor erwiderte, indem er für die freundlichen Worte seinen aufrichtigen Dank aussprach und dann fortfuhr:„Der in Locorno geschlossene und in London unterzeichnete Pakt möge zu einem Markstein im Leben unserer Völker werden. Sie wissen, daß meine Berufung auf den hiesigen Posten in engstem Zu- sammenhang mit den genannten Abmachungen steht, und bitte ich Sie, versichert zu sein, daß ich meine ganze Persönlichkeit für die Durchführung der neuen Aufgaben einsetzen werde. Ich weiß, und Ihr« soeben gehörten Worte haben es mir bestätigt, daß ich auf Ihrer aller Mitwirkung rechnen kann. Möchte es uns dem Geist von Locorno entsprechend gelingen, in vertrauensvoller Zusammenarbeit die mit der Besetzung verbünde- nen moralischen und materiellen Lasten der rheinischen Bevölkerung zu erleichtern. Die in Angriff genommenen und weiter zu er- wartenden Milderungen des Bssatzupgsregimes gehören in diesen Rahmen." Der Reichskommissar schloß mit dem Ausdruck der Hoff- nung, daß die im Rheinland zu leistende Arbeit der Befriedung und dem Wiederaufbau Europas förderlich werden möge. L'tauistbe??nt'öemokratie. Tie beschweren sich über die Polen— und unterdrücke» die Tentfchen. Aus Memel meldet man uns: Di« Regierungskrise im Memelgebiet hat noch immer kein« Lösung gefunden. Der Gouverneur des Memelgebietes hat die Vertreter der deutschen Parteien des Landtages zu sich gebeten, um mit ihnen über die Bildung der Regierung zu verhandeln. Er schlug ihnen jedoch aber- mals nur Bertreter der litauischen nationalistischen Minderheit vor, u. a. den früheren preußisch-tonservativen Landtagsabg. Dr. G a i g a l a t. Die Vertreter der Cinheitefrontparteien lehnten es ab, den genannten Personen das Vertrauen auszusprechen und be- standen darauf, daß der Gouverneur einen neutralen Kandi- daten benenne. Es war nämlich am Vormittag vorher den Per- tretern der Einheitsfront mitgeteilt worden, daß der Gouverneur beabsichtige, wenn es zu einer Einigung nicht kommen sollte, den keiner Partei angehörenden Abg. Z r e i t y s als Präsidenten vor- zuschlagen. Zreitys wäre den Einheitsfrontparteien unter gewissen Bedingungen als Landesprästdent genehm. Wie verlautet, hat jedoch die nationalistische litauische Minderheit es abermals fertig bekommen, diese Ernennung zu verhindern. Die litauische Re- gierung in Kowno steht auf dem Standpunkt, daß drei Mitglieder des fünfgliedrigen Landesdirektoriums Litauer sein müssen. Es ist natürlich ganz ausgeschlossen, daß der Landtag diesen Forderungen entspricht, da sie allen demokratischen Prinzipien ins Gesicht schlagen, zumal die Minderheit der nationalistischen Litauer derart gering ist. daß sie für die Regierungsbildung überhaupt nicht in Frage kommt. So wird das letzte Wort über diese Gewaltpolitik der litauischen Regierung im Memelgebiet der Völkerbund zu sprechen haben, an den bereits ein Beschwerdetelegramm des Landtages abgegangen ist. Der Landtag hat auf Antrag der Sozialdemokraten beschlossen, daß die Arbeitslosen, denen bisher kein« Arbeit nachgewiesen wert>en konnte, eine bare Weihnachtsunter st ützung erhalten sollen, und zwar Arbeitslose mit mehr als drei Kindern 40 LH(vier Dollar). solche mit 1—2 Kindern 30 Lit und Verheiratete ohne Kinder 25 Lit und Ledige, die ihre Eltern unterstützten, 20 Lit. Ferner verlangt der Landlag, daß die Erteilung von Aufenthaltegenehmigungen so- wie die Ausstellung von Pässen den Behörden des Memel gebietes wieder übertragen werde; die litauische Regierung hat sie wider- rechtlich dem Gouverneur übergeben. Auch wurde gegen die hohen Visagebühren protestiert, die die Mcmelländer hindern, nach Deutschland zu reisen und lediglich den Zweck haben, den Berkehr zwischen Deutschland und dem Memelgebiet abzuschnüren. Die Litauer haben im Landtag beantragt, sofort auf sämtlichen Bahn- Höfen den Namen der Station auch in deutscher Sprache anzu- bringen. In einem zweiten Antrag oerlangten die Lstauischnatto- nalen sofortig« Ausschreibung der Sejmwahlen. damit die sechs Abgeordneten, die das Memelgebiet in den litauischen Sejm nach Kowno zu entsenden Hot. dort sofort gegen die hohen Steuern, die das Wirtschaftsleben im Memelgebiet zerstören, pro- testleren könne. Diese Anträge, die angenommen wurden, sind natürlich nur Agitationsanträge, da die Litauischnationalen im Memelgebiet auf die Auflösung des Landtages hoffen, wovon sie sich einen bedeutenden Mandatszuwachs versprechen, obgleich gerade das Gegenteil zu erwarten ist und dabei wahrscheinlich auch der letzte nationalistische Litauer aus dem Landtag verschwinden würde. Labour portp unü ZNojsulvotum. Tie Nichttcilnahmc an Beratung und Abstimmung. London, 23. Dezember.(TU.) Die Nicktteilnahme der Arbeiter- Partei an der Mossuldebatte im Unterhaus« hat in der englischen Oeffentlichkeit beträchtliches Aussehen erregt. Jetzt ergreift der Parteiführer Henderson hierzu da» Wort. Kcinekweg» babe sich die Arbeiterpartei wegen Führerlosigleit und innerer Differenzen von der Mossuldcbatre zurückgezogen. Noch vor Macbonald» Ab- reise nach Ceylon habe sich der Parteiausschuß unter besten Vorsitz mit der Mossulabstimmung beschäftigt und eine Deputation zum Ministerpräsidenten mit dem Ersuchen entsandt, die Mossul- frag« nicht so übereilt im Unierhause zu behandeln. Baldwin Hab« sich aber gegen einen Ausschub der Debatte ousgeiprochen. Bei der Kürze der Zeit habe nicht mehr eine Parteikonferenz die Frag« eingebend beraten können, und so sei die Partei zum Auszug gezwungen gewesen. Maedonald in Paris. Pari». 23. Dezember.(MTB.) Heute abend gibt Kammerpräsident H e r r i o t ein Essen zu Ehren des in Paris anwesenden Ramsar, Macdonald. Ihre TeUnahme haben zugesagt, die sozialistischen Abgg. Blum, Paul-Boncour, Vincent. Auriol, Senator «oarraut und der Vorsitzende des Finanzausschusses der Kammer Maloy, sowie führende Mitglieder der Radikalen Partei. Parlamentsschluß in Lonöon. Turch königliche Botschaft. London, 23. Dezember.(MTB.) In der königlichen Botschaft, die bei der Vertagung des Parlaments in beiden Häusern zur Ver- lesung kam, heißt es u. a.: Es war ein Anlaß zu großer Zufrieden- heit für mich, in London die Bevollmächtigten Deutschlands, Belgiens, Frankreichs, Italiens, Polens und der Tschechoslowakei zu emp- sangen, die am 1. Dezember die in Locarno am 16. Oktober para- phierten Vertragsinstrumente hier unterzeichnet haben. Es ist mein Glaube und meine Hoffnung, daß diese Urkunden, indem sie den un- mittelbar beteiligten Völkern Sicherheit geben, sich nicht nur als Grundloge eines wahren Friedens zwischen ihnen er- weisen werden, sondern auch als Anfang einer freund- schaftlichen Zusammenarbeit» die der ganzen Welt zu- gute kommen muß. Ich freue mich über den Anteil, den meine Re- gierung bei den Verhcndlungen, die zu diesem glücklichen Ereignis führten, zu nehmen in der Lage war. Die Lotschast erwähnt u. a. noch den Abschluß des irischen Grenzvertrags, die Schließung der Weltausstellung in Wembley, die Industrieschutzzollpolitit der Regierung» die Kohlen- krisis, die Einführung einer Witwen-, Waisen- und Altersversicherung, das Wohnungsproblem, die Bei-' Hilfe für die Zuckerindustrie, und schließt mit guten Wünschen für die Mitglieder des Parlaments. Vertrauliche Mossnlbcfprechung. London, 22. Dezember.(WTB.) Der türkische Botschafter hatte die angekündigte Unterredung mit Premierminister Baldwin über die Jrokfrage. Die Unterhaltung war völlig vertraulich. Keine Klassenjustiz! Prozesse, die zu denken geben. Zu dem unerhörten Urteil gegen Gen. Worch-Langewiesen, das wir seinerzeit veröffentlichten, erhalten wir folgende Zuschrift: Vor wenigen Wochen ist der Stadtgemeindeoorsteher von Langewiesen(Thüringen), Regierungsrat i. W. W o r ch, vom Schöffengericht in Rudolstadt zu einem Jahr Zuchthaus oerurteilt worden. Ihm wurde zur Last gelegt, in seiner Eigenschaft als Leiter der politischen Polizei während der Hitler-Unruhen bei der Vernehmung von Studenten Aussagen er- preßt zu haben, indem er den Betreffenden mit dem Gummiknüppel vor dem Gesicht herumgefuchtelt hätte und dazu geäußert haben soll, er werde das Bürschchen schon zum Reden bringen. Anwesende Polizeibeamle haben von diesem Vergehen nichts gemerkt, und die Belastungszeugen haben sich in der Verhandlung als wenig glaub- würdig erwiesen. Das Gericht ist zu einer Verurteilung gekommen, wogegen aber Berufung eingelegt ist. Die T h ü r i n g e r R e- g i e r u n g hat Worch seines Amtes als Stadtgemeindevorsteher vorläufig enthoben. Ungefähr zu gleicher Zeit lief ein Prozeß vor dem Schwur- Gericht in Koburg. Das„Koburger Volksblatt" hatte in einem Artikel von dem Wachtmeister Stammberger aus Ro- dach bei Koburg behauptet, er Habs ein 13»sährlges Schulmädchen bei einer polizeilichen Vernehmung „derart verprügelt, daß dem Kind das Blut aus Mund und Rase lief; Taschentuch und Schürze waren über und über mit Blutflecken bedeckt. Nachdem es so verprügest und ihm m i t einem R e v o l o e* vor dem Gesicht herumgefuchtelt war, hat das Mädcken ein„Geständnis" abgelegt. Es ist schon der zweite Fall, daß jugendliche Personen bei Vernehmungen von diesem Wachtmeister verprügelt wurden." Gegen diese Veröffentlichung erhoben der Wachtmeister und die Rodacher Stadtverwaltung Strafantrag wegen össentlicher Be- amtenbeleidigung. Das Ergebnis war ein Freispruch der Zeitung infolge gelungenen Wahrheitsbeweises. Eine De- sirafung des Wachtmeister» wegen Erpressung elnes Geständnisses ist bis jehl nicht erfolgt, auch Ist keine Anklage gegen ihn erhoben. Er befindet sich noch im Amt. So der Tatsachenbestand. Ein Vergleich beider Prozesse ergibt eine völlig verschiedene Behandlung der beiden Beamten durch die Justiz. Während Worch schlimmstenfalls mit der Anwendung von Zwangsmitteln gedroht hat, hat Stammberger solche weit schlimmerer Art wirtlich angewendet. Worch wird vom Staatsanwalt deshalb angeklagt, vom Gericht zu Zuchthaus verurteilt und daraufhin seines Amtes vorläufig enthoben; der Wachtmeister wird in Schutz ge- nommen, nach gelungenem Wahrheitsbeweis nicht angeklagt, nicht bestraft und nicht enthoben. Worch stand gegen erwachsene Stu. deuten, Intelletluelle, für ihre Handlungen verantwortliche Leute � der Wachtmeister verging sich an unverständigen, unmündigen Kindern. Worch hatte die heutige Staatsform zu verteidigen gegen rechtsradikale hochverräterische Umtriebe in einer politisch bewegten Zeit: Stammberger hatte es mit Opfern des Elends, der Armut und der fozial.'n Verhältnisse zu tun. Aber: Worch ist Sozial demokrat, Stammberger Stütze des Königreie Bayern! Gewerkschaftsbewegung Schiedsspruch für das Bankgewerbe. Wie der Allgemeine Verband der Deutschen Bankangestellten mitteilt, ist gestern im Reichsarbeitsministerium folgender Schieds. spruch gefällt worden: Der Reichstarifvertrag für das deutsche Bankgewerbe wird bis zum 1. April 1927 mit folgender Maßgabe verlängert: 1. Die Gehaltsbezüge werden ab 1. Januar 1926 bis 30. Juni 1926 um vier Proa. erhöht. 2. Die Arbeitszeit beträgt in der Regel 46 Stunden wöchentlich, im Bedarfsfalle jedoch, der nicht Regelfall werden darf, 54 Stunden. Ueberstundenbezahlung tritt nach der 50. Arbeitsstunde ein. Die Tarifparteien haben sich bis zum 12. Januar 1926 über die Annahme oder Ablehnung diefes Schiedsspruches zu erklären. Die günstigste Zeit für die Fuhrherren- Innung. Um eine Lohnfürzung von 10 Proz. vorzunehmen. Mit dem 1. Januar 1926 läuft der Lohntarif für das Laft fuhrwertgewerbe ab. Die Fuhrherren- Innung hat inzwischen ihren früheren Borfizenden abgesägt, da er ihr offenbar nicht energisch genug war gegen die Arbeiter bzw. deren Organi fation, den Deutschen Verkehrsbund. Der neue Innungsvorsitzende hält die günstigste 3eit für einen Lohnabbau gefommen und hat daher das Lohnabkommen gefündigt. Die Verhandlungen über die Verlängerung des bestehenden Lohntarifs oder den Abschluß eines neuen Tarifes führten zu feiner Berständigung, da die Fuhr. herren- Innung eine Lohnkürzung um 10 Proz. fordert. Die Innung hat nunmehr den Schlichtungsausschuß ange= rufen. Lohnabbau bei Bolle. Der Lohntarif zwischen dem Berkehrsbund und der Meieret Bolle läuft am 31. Dezember ab. Die Meierei Bolle hat jetzt den Lohntarif gekündigt und sich bereit erklärt, zwischen Weihnachten und Neujahr über den Abschluß eines neuen Lohntarifs mit einem niedrigeren Tariflohn zu verhandeln. Zur Begründung des Berlangens der Firma Bolle, den bisherigen Lohn zu fürzen, führt sie die Ermäßigung der Kleinhandelsspanne um einen Pfennig an. Dieser Hinweis ist jedoch nur ein Vorwand, um die Absicht des Lohndrucks zu bemänteln. Denn zur Zeit des Tarifabschlusses war das Berhältnis der Rieinhandelsspanne das gleiche wie jetzt. Die nachhem um einen Pfennig erhöhte Spanne ist jetzt wieder um diesen Pfennig herabgesetzt. Die Bolle- Meierei würde beffer daran tun, ihre unmotivierte Absicht aufzugeben. Jedenfalls wird ihre Belegschaft ein Wort dabei mitreden. Wo bleibt der Bauarbeiterschuh? Bon der Zahlstelle Groß- Berlin des Zentralverbandes der Zimmerer Deutschlands wird uns berichtet: Der Neubau des Berliner städtischen Großtraftwerts in Charlottenburg am Spreebord geht nach etwa fünfvierteljähriger Bauzeit in der Hauptsache seinem Ende entgegen. Tausende von Arbeitern haben hier durch die Profit- und Hezjagd des kapitalistischen Arbeitssystems ihre gefunden Knochen gelassen. Allein seit 1. April dieses Jahres sind hier auf dieser Baustelle mehr als 180 ich were Bauunfälle vorgekommen. Darunter mehrere mit tödlichem Ausgang. Nun hat die schlechte herstellung einer Rüstung wiederum einem Arbeiter am 21. Dezember das Leben getoftet. Sfolierer waren im Reffelhaus an Kessel und Röhren beschäftigt. Die Arbeiten mußten von einer Rüstung ausgeführt werden. Ein auf dieser Rüstung liegender Negriegel rollte herunter und fiel einem unten beschäftigten Keffelheizer ins Genid. Der Heizer brach sofort tot zusammen. Bären auf diefer Rüstung Fußbretter und Geländer vorhanden gewesen, wie es die Polizeivorschrift verlangt, hätte niemals dieser schwere Bauunfall vorkommen tönnen. Vorläufige Einigung in der schlesischen Metallindustrie. Breslau. 23. Dezember.( Eigener Drahtbericht.) In der fchlesischen Metallindustrie ist am Mittwoch durch freiwillige ereinbarungen zwischen Arbeitgebern und Gewerkschaften eine vorläufige Einigung erzielt worden, durch die größere Kämpfe vermieden werden. Die Lohnfäße einschließlich der bisherigen Zwangszulagen werden bis zum 28. Februar weitergezahlt. Der Verfuch der Arbeitgeber, einen 2ohnabschlag zu erzwingen und die durch Schiedsspruch festgelegten Bulagen in freiwillige Zulagen umzuwandeln, ist damit abgewehrt. Das Arbeitszeitabkommen wird bis zum 30. Juni verlängert. Das Lohnablommen wird vom 28. Februar ab monatlich fündbar. Schiedsspruch für das Braunkohlengebiet abgelehnt. Köln, 22. Dezember.( Eigener Drahtbericht.) Die organifierten Bergarbeiter des rheinischen Braunkohlenbezirks haben den in der Arbeitszeitfrage gefällten Schiedsspruch abgelehnt. Der Spruch bestimmt, daß die jetzt bestehende neunstündige Arbeitszeit im lintsrheinischen Braunkohlengebiet vorläufig bis zum 1. September 1926 aufrechterhalten werden soll. Der Lohnkampf in der westdeutschen Binnenschiffahrt. Duisburg, 23. Dezember.( Mtb.) Der Kampf um den Lohn und Gehaltsabbau in der Rhein- und westdeutschen Kanalfchiffahrt hat begonnen, nachdem die Berhandlungen zwischen dem Arbeitgeberverband und den Vertretern der Arbeiter an den Forde rungen der letzteren, u. a. zehnprozentiger Lohnerhöhung, ge= fcheitert find. Die Schiffahrtsfirmen haben nunmehr dem Berfonal das Dienstverhältnis zum 31. Dezember 1925 gefündigt. Falls die Arbeiter im Januar weiterhin Dienst tun wollen(!), tritt der Tarif vom 8. November 1924(!!) bis zur endgültigen Neufestsetzung der Löhne und Gehälter in Kraft. Angestellte, die hier gegen Einspruch erheben, werden entlassen.( Also auch hier Kampf, um die Hungerlöhne noch mehr herabzusetzen.) Die Auswirkungen im Saarbergban. Saarbrüden, 23. Dezember.( WTB.) Der Bezirksvorstand des Berbandes der Bergarbeiter Deutschlands hat in der gestrigen Sigung einen Beschluß gefaßt, der das Angebot des franzöfifchen Ministeriums, das eine Erhöhung der Grundlöhne von 15 Proz. Dorfieht, als nicht annehmbar bezeichnet. Der Bezirksvorstand mill sich mit den chriftlichen Gewerkschaftsvereinen in Verbindung seßen, um eine Befferung herbeizuführen, er hat sich bereits in der Unge legenheit schriftlich an das französische Arbeitsministerium gewandt. Vom Lande. Der Gutsbefizer Hartmann aus Dötig in Pommern suchte beim Arbeitsnachweis Arbeiter. Er fordert von einem Arbeiter, daß er deutschvölkisch gesinnt und Angehöriger des Landbundes sein muß. Arbeitszeit von früh 5 bis abends 8 Uhr, Schlafstelle im warmen Kubstall, Lohn 13 M. monatlich. Als der Arbeiter den Lohn zu niebrig fand, erklärte ihm der Herr, im Winter müsse doch jeder aufrieden sein, wenn er ein Dach über dem Kopi bat. Das sowieso, aber die Landarbeiter haben lein Brett mehr bor dem Kopf. Sie haben den langen Weg von der Leibeigenschaft über die Gemeindeordnung zu freien Arbeitern zurückgelegt. Des halb scheint es ihnen zubiel verlangt, ibre Arbeitskraft samt ihrer Gefinnung um 50 Bf. täglich zu verkaufen. Sie wollten zuviel verdienen. Aus der Entstehungsgeschichte der Krise. Nichts gefährlicher für eine Wirtschaftskrankheit und Wirtschaftskrise, als wenn an den Krankheits- und Krifenerschei nungen herumgedoftert wird, statt daß die Ursachen beseitigt werden. Niemals aber in der Geschichte des kapitalistischen Systems gab es eine Wirtschaftskrisis, deren Ursachen schwerer nach weisbar waren als die Ursachen jener Krise, in der sich Deutsch land seit zwei Jahren befindet, und deren schlimmsten Höhepunkten wir in diesen Wochen zueilen. Daß just in diesem Augenblick das Statistische Reichsamt das beweiskräftigste Material zur Erkenntnis der wahren Ursachen der heutigen Wirtschaftskrisis veröffentlicht, ist sehr zu begrüßen. Es ist zu erwarten, daß die Ziffern des Statistischen Reichsamts mehr zu Entgiftung der Atmosphäre und zur Lösung der Wirtschaftskrise beitragen werden, als noch so viele wohlgemeinte Programme und Vorschläge. Denn diese Ziffern treffen ins Schwarze und sehen vieles, was bisher dunkel war, ins rechte Licht. " In Nr. 23 von Wirtschaft und Statistit" find endlich die Ergeb niffe der Statistik veröffentlicht, die das Statistische Reichsamt über nisse der Statistik veröffentlicht, die das Statistische Reichsamt über die seit dem Erlaß der Goldbilanzierungverordnung vom 28. Dezember 1923 herausgebrachten Goldbilanzen der deutschen Aktiengesellschaften durchgeführt hat. Die Urheber der Goldbilanzenverordnung haben diese das neue Grundgeset der Wirtschaft genannt. Mit Recht kann davon, wie die deutschen Unternehmer die Entwicklung der Wirtschaftsverhältnisse nach der Stabilisierung der Währung einschäßten, davon, welche Ge minnansprüche sie für ihre Unternehmungen in den Goldbilanzen für die kommenden Zeit anmeldeten, hing das Gelingen der Wirtschaftssanierung ab, nachdem gerade die Sanierung der Währung geglückt war. Die Unternehmer hatten es in der Hand, durch fluge und fachverständige Beschränkung ihrer Gewinnansprüche der Entwicklung der Wirtschaftsdinge in Deutschland gleich von vornherein eine solche Richtung zu geben, daß die Ausgleichung der Kriegs- und Inflationsfolgen mit möglichst geringen Erschütteder Kriegs- und Inflationsfolgen mit möglichst geringen Erschütte rungen, möglichst kleinen Verlusten und in möglichst furzer Zeit erfolgen konnte. Kurz das, mas wir heute die Reinigungs- oder Deflationstrife nennen, mit möglichst großem und schnellem Erfolge durchzuführen. Wie die Goldbilanzen zu machen waren. Was zu tun war, war höchst einfach. Man durfte das Gold fapital, für das man eine Dividende erwartete, nicht höher ansetzen, als die Geschäfte, die man machen tonnte, Gewinn ließen. Man mußte auch, wenn man neues Kapital aufnehmen mußte, das eigene Kapital so tief ansetzen, daß auch Zinsen noch herausfamen, die man für das neue Rapital zu bezahlen hatte. Schon Anfang 1924 stand fest, daß in Deutschland wenigstens um ein Drittel weniger verbraucht werden konnte, als vor dem Krieg, und daß das Ausland piel stärker sich selbst versorgte als früher. Also war der Absatz fleiner. Es stand auch feft, daß die Löhne und Gehälter aller Arbeiter, Angestellten und Beamten unerträglich niedrig waren und daß sie höhergekämpft werden würden. Auch waren durch die Inflation die besten Steuerzahler erschlagen, die Sparer und die Rentner. Die Zinsen waren viel höher als im Ausland. Also mußte man in der Industrie mit höheren Lohnkosten, höheren Steuern und Zinsspesen rechnen. Dazu kam, daß viel mehr Fabriten da waren als früher. Auf die Leistungsfähigkeit der einzelnen Fabrikanlagen traf eine viel geringere Beschäftigungsmöglichkeit: die Leerlaufsfoften waren höher. Dazu tamen für die gesamte Industrie die Reparationslaften, die vorsorglich auch mit einfaltuliert merden mußten, wenn zunächst auch eine Atempause vorlag. Alle diese Umstände machten flar, daß an Gewinne, wie sie 1913 möglich waren, nicht zu denken war. Das Kapital, nachdem ja die Gewinn ansprüche sich bemessen, mußte also fehr tief angesetzt werden. Da die Zinsen hoch bleiben mußten, sicher viel höher als vor dem Kriege, mußte das Kapital, d. h. die Gewinnansprüche, wieder entsprechend tiefer liegen. Hinzu tam, daß das Betriebskapital in Sachwerten festgefroren und schlecht zu mobilisieren war. Also mußte man auch noch Blah laffen für Kapital, das für ausländische Rapitalgeber zu verzinsen war. Berfuhren die deutschen Unternehmer so, so mußte die Sanierung schnell, menn auch unter schweren Opfern, gelingen. Der leichtfertige Optimismus der Unternehmer. Bas lehrt nun die Statistik? Zunächst einige altbekannte Wahrheiten, die auch jeder Unternehmer schon vorher tannte. Bon den rund 14 000 Attiengesellschaften, die zur Aufstellung von Goldbilanzen verpflichtet wurden, waren nur 3347 auch schon in der Borkriegszeit vorhanden. Weit über 10 000 sind Geschöpfe des Krieges und der Inflation. Bu einem sehr großen Teile spiegelt sich in ihnen die neu aufgekommene Ronkurrenz. Von den rund 14'000 Attiengesellschaften haben nur 9792 Goldbilanzen vorgelegt. ( Der größte Teil der fehlenden 4000 bis 5000 Gesellschaften dürfte aufgelöst oder in Konturs gegangen sein.) Von den 9792 Gesell schaften stammen 3347 aus der Borfriegs-, 6445 Gesellschaften aus der Kriegs- und Nachkriegszeit. Entscheidend find die Borkriegsgesellschaften, weil sich in ihnen der größte und wichtigste Teil des deutschen Produktionsapparats verförpert. Die Bilanzen diefer 3347 Gesellschaften offenbaren mun einen Gewinnaussichten nach der Währungsstabilisierung. Sie enthüllen, unglaublich leichtfertigen Optimismus in der Einschätzung der daß die deutschen Unternehmer zum großen Teil den Reichtum für Gegen Faschismus und Kommunismus. Wie WTB. aus Bashington meldet, hat der Präsident des amerikanischen Gewerkschaftsbundes, William Green, in einem Rundschreiben an die Gewerkschaftsmitglieder zur Stellungnahme gegen den Faschismus aufgefordert, die ebenso entschlossen erfolgen müsse wie die Stellungnahme gegen den Kommunismus. Jaflationskämpfe in Frankreich. Paris, 28. Dezember.( EB.) In den legten Tagen haben nicht nur in Baris und Umgebung, sondern auch in der Provinz Massen versammlungen der Arbeiter und Angestellten stattgefunden, in denen infolge der anhaltenden Teuerung neue Lohnforderungen gestellt wurden. So fand gestern in der Arbeitsbörse in Paris eine Massenversammlung der Staatsbeamten statt. Es wurde nach Anhörung mehrerer Redner eine Entschließung angenommen, in der mit Rücksicht auf die fortschreitende Teuerung ab 1. Januar 1926 eine Gehaltszulage von 1800 Franken gefordert wird, sowie die Einführung der gleitenden Lohnstala. Die in der Gewerkschaft der Ernährungsbranche von Paris und Umgebung organisierten Arbeiter hielten unmittelbar nachher eine Bersammlung ab, in der mit der gleichen Begründung ebenfalls eine allgemeine Aufbesserung der Löhne und Gehälter gefordert wurde. An offizieller Stelle sieht man dieser Bewegung unter den Angeftellten mit einer gewissen Beunruhigung entgegen, da man ge glaubt hatte, die Wiederherstellung des Gleichgewichts und die damit zufammenhängende Stabilisierung des Frankenkurses fönne erreicht werden, bevor die Teuerung zu Lohnbewegungen führen werde. Man legt sich jedoch Rechenschaft davon ab, daß, wenn die Lawine der Lohnbewegung erst einmal ins Rollen gefommen ist, alle Budgetberechnungen über den Haufen geworfen werden.( Als ob es die Löhne wären, die den Anfang gemacht haben!) echt gehalten haben, den ihnen Krieg und Inflation zugeführt haben. Der Steinfohlenbergbau, der infolge der Ausbehnung der Elektrizitätswirtschaft und der Konkurrenz der Braunfohle und des Dels mit einer schweren Krise rechnen mußte, hat sein Goldkapital, damit seine Gewinnansprüche, um 32,7 Proz. höher festgesezt als 1913. Die eigentlichen Montankonzerne, die neben der Rohle Eisen und Stahl erzeugen, und die den Ausfall des deutschen Rüstungsbedarfs, den großen Schrottanfall, den Minderbedarf der verarbeitenden Industrie und die mächtige überseeische Konkurrenz berücksichtigen mußten, haben sich troß des Jammers über die verlorenen Kohlen- und Eisenbecken auf um 33,4 Proz. höhere Gewinne umgestellt. 321 alte Maschinen, Apparate, Fahrzeug und Schiffbauunternehmungen haben ihre Dividende beanspruchendes Kapital gegenüber 1913 um 40 Proz. aufgewertet, obwohl sie als Produktions- und Verkehrsmittelindustrien nach der starten Ueberfättigung der Industrie, des Schiffs. und Eisenbahnwesens des Inlands und Auslands mit einem Rüdgang der Maschinennachfrage und des Bedarfs an rollendem und schwimmenden Material rechnen müßten. Die Textilindustrie durfte zwar rechnen, daß ein starfer, in der Hochinflation vernachlässigter Notbedarf bei den verbrauchenden Massen allmählich zutage tommt; niemals aber Ponnie fie mit einer stärkeren Beschäftigung und größeren Gewinnen rechnen als 1913. Dennoch hat sie ihr Aktienkapital um 24,5 Proz höher angesetzt. Dasselbe gilt für die Leder- und Linoleum- und die Nahrungs- und Genußmittelindustrien, die ein Kapitalplus von 30,2 b3m. 26,0 Broz aufweisen. Daß die Wasser-, Gas- und Elef trizitätsunternehmungen ihr Rapital um 77,7 Broz aufgewertet haben, dürfte zum großen Teil mit der Ausdehnung des Verbrauchs zusammenhängen. Die chemische Industrie, die nicht genug über die Durchbrechung ihrer Bormachtstellung in der Welt flagen fonnte und deshalb Schutzölle verlangte, erwartet trotzdem eine ausreichende Dividende für ein Kapital, das gar um 127,1 Proz. höher ist als 1913. Nur Verluste machten vorsichtig. Nur mer, wie der Warenhandel, das Baugewerbe, die Ueberseereedereien und die Bersicherungsgesellschaften, die geringe Kauftraft des Massenkonsums und die schweren Kapifalzerstörungen der Sparer und Rentner unmittelbar fühlten, oder selbst viel verloren hatten, hielt sich von der Ueberschäzung der tommenden Konjunktur und der Ueberhöhung der Gewinnansprüche zurüd. Der Warenhandel bewertete sein Kapital um 4,1 Broz, das Baugewerbe um 23,2, die See- und Rüstenschiffahrt um 56,8, die Bersicherungsgesell Ichaften um 18,6 Proz. niedriger als 1913. Am weitesten gingen naturgemäß die Banten, denen die Inflation das Geschäft fast ganz ausgeräumt hatte. Die Kreditbanken setten ihre Gewinnansprüche um 70,1, die Hypothefenbanten gar um 80,2 Proz. herab. Damit ist aber das Bild der Gewinnansprüche, wie sie das Privatkapital 1924 gegenüber den glänzenden Zeiten von 1914 anmeldete, noch nicht vollkommen. 1914-1918 entstanden 131, 1919 bis 1923 entstanden 586 neue Gesellschaften, von denen jede ein Attienkapital von 1 Million und darüber hatte. Die 6445 Gesellschaften, die insgesamt von 1914-1923 neu entstanden sind, verlangen in ihren Goldbilanzen Dividenden für 3,45 Millarden Kapital, die den überhöhten Gewinnansprüchen der alten Attiengesellschaften hinzutreten. Goldbilanzen Warenpreife Börsenkurse. Berücksichtigt man, daß die Unternehmerschaft bei ihrer gesamten Geschäftspolitit immer von dem Kapital ausgeht, für das sie eine Dividende beansprucht, und weiter, daß seit der Währungsstabili fierung in Deutschland nur Bolitik nach dem Wunsch und dem Willen der Unternehmer gemacht worden ist, so braucht man sich über nichts mehr zu wundern. Die überhöhten Gewinnansprüche mußten von vornherein das Breisniveau hochhalten; die Kartelle mußten in eine falsche Stellung gebracht werden. Jeder Unternehmer mußte sich gegen ihren Abbau wehren, da sie die einzige Möglichkeit schienen, durch hohe Preise die gewünschte Dividende zu erzielen. Nur hohe Breije fonnten auch die gewünschte Renta bilität gewährleisten. Je höher die Preise aber waren, um so geringer mußte der Ertrag des gedrosselten Inlandsabfates werden. So mußte auf dem Wege über die Handelspolitit durch Schutzzölle hereinzubringen versucht werden, was das Inland versagte. Schuß3ölle fonnten aber niemals soviel Mehrabsaz im Ausland bringen, als im Inland an Absatz durch die Bölle verloren ging. Dazu tamen die zu hohen Produktionstosten und die überhöhten Sinjen. Konkurrenzfähig fonnte man damit nicht werden. Aber auch das erforderliche neue Kapital fonnte nicht beschafft werden. Denn fein Ausfänder investiert große Summen in einer Wirtschaft, deren Aktien auf der Börse niemand tauft und die keine Garantie für dauernde Berzinsung bieten tann. So war es unausbleiblich, daß aus der Krise, die mit der Währungsstabilisierung notwendig beginnen mußte, eine immer schärfere Rrije fich entwickeln mußte. Heute gehen wir ihrem Höhepunkt entgegen. Wie die Statistik der Goldbilanzen die entscheidende Ursache nun bloßlegt, die die heutige schwere und gefährliche Zuspigung der Wirtschaftskrise erklärt, so zeigt fie auch eines der schlechthin entscheidenden Mittel, die Krise zu lösen. Dieses Mittel, viel wichtiger als alle Mittel und mittelchen, mit denen man mun an den Symptomen herumturiert, ist der Abbau der Gewinnansprüche und des überhohen Rapitals der Aktiengesellschaften. Die Unterwozu fie fich nicht aus freien Stücken entschließen können, dazu wird nehmer werden sich dazu zwar nur sehr schwer entschließen. Aber der Ablauf der Krife fie zwingen. Anhaltender Rückgang der Arbeitslosigkeit in England. Londen, 23. Dezember.( Eigener Drabtbericht.) Die Zahl der Arbeitslosen in England betrug am 19. Dezember insgesamt 1127 500 Berfonen. Gegen die Vorwote ist ein Rüdgang um 85 157 Bersonen zu verzeichnen. Unter den Arbeitslosen befanden fich 188 800 weibliche Personen. Karosseriearbeiter! Die Unternehmer haben den Schieds. bleibt, abgelehnt, so daß nunmehr bie Berbindlich feit spruch des Schlichtungsausschusses, wonach der alte Lohn bestehen des Schiedsspruches beantragt wird. Gesperrte Gastwirtsbetriebe: Wie uns der Zentralverband der Hotel, Restaurant- und Café- Angestellten mitteilt, sind die folgenden Gastwirtsbetriebe geiperrt: Restaurant Münzlause, Jub. lid, Münzstraße. Sadepeter, Frankfurter Allee 827, Ede Peters burger Straße, Inh. Einestine Buchhols. Engelhardt Hade peter, Landsberger Allee, Ede Petersburger Straße, Jub. Könnig. Balais des Ditens, Jnh. Pfeilstifter, Barichauer Str. 34/35. Brälaten des Dftens, Große Frankfurter Str. 16. Restaurant Fr. Baarmann, Oberbaumstr. 1. Restaurant Hoppe, Kottbusser Damm 21. Da Restaurationsbetrieb und Tunnel im Wal 5 alla Theater, Weinbergsweg 21, in andere Hände übergegangen sind, wird die Sperre hiermit aufgeboben. 9 Deutfder Bertmeisterverbanb, Geschäftsffelle bes Bezirks X. Des Weihnachtsfeftes wegen bleiben die Bureaus vom 24. Dezember, nadmittags 1 Uhr, bis zum 28. Dezember, morgens 9 Uhr, gefchloffen. Rothe. Berantwortlich für Bolitik: Ernn Reuter; Wirtschaft: Artur Saternus; Gewerifchaftsbewegung: 3. Steiner: Feuilleton: R. 5. Döster; Lokales unb Sonstiges: Frig Karstädt: Anzeigen: Th. Glode; fämtlich in Berlin. Berlag: Bormärts- Berlag 6. m. b. S., Berlin. Drud: Borwärts- Buchbruceret und Berlaasanftalt Baul Singer u. Cs. Berlin S 68 Lindenstraße& Sierau 1 Beilage, Unterhaltung und Bissen und Frauenstimme. Nr.«06 ♦»Jahrgang 1. Beilage ües vorwärts Vonnerstag, 24. Dezember 1425 Meihnochtsmartt! In schier endlosen Reihen find in den Straßen Buden aufgebaut. Viele armselig beleuchtet durch ein. fache Kerzen- oder Karbidlampen, die die ausgestellten Waren grell überstrahlen. Zwischen all den Buden läuft das endlos lange Band der Menschenmenge. Eisenbahn. Straßenbahn und Unter- grundbahn bringen immer neue Scharen aus den Vororten heran. In den kleinen wie großen Buden, in den kleinen wie großen Geschäften ist alles vorbereitet, die Kauflustigen zu befriedigen. An- preisungen locken, zerren aus dem Menschenstrom für Augenblick« Neugierige heraus, kramphast werden all die Spielwaren und Ce- schenke vorgeführt, einig« kaufen und weiter zieht der Menschen- ström, bis er an einer anderen Bude Sehenswertes erhascht, und wieder weitergleitet. Wer kauft nun! Nicht immer Menschen, denen man es ansteht, daß sie Geld besitzen, um große Geschenke zu machen. Nein, selbst die Armen drängen sich an den Buden vorbei, vielleicht etwas erhaschend, das sie auch erstehen können, um ihren llieben daheim ein« Freude machen zu können. flnf dem Markt. Die größte vudenskadl besitzt unbestritten der Osten, chier spielt sich Leben und Treiben des Weihnachtsmarktes zumeist auf der Straße ab. Eng aneinander gereiht stehen hier die Buden. Fleiß wochenlangcr Arbeit ist hier manchmal zusammengetragen, alle in der Familie haben mitschaffen müssen. Und nun stehen der Vater oder auch der älteste Bruder und versuchen ihre Waren loszu- schlagen. Hier wird alles verkaust. Buden und Stände werden darum eifrig gemustert. Hier und da bleibt ein kleiner Kreis stehen, vielleicht kann man doch— denkt mancher— hier etwas billig erstehen.„Fiinve sor eenen Märker.' Neben mir steht ein noch ,unges Weib, überlegt, hört noch einmal den Anpreisungen zu und kauf, dann kurzentschlossen. Fünf kleine Pakete verschwinden in ihre Tasche. Neugierig habe ich einen Blick hineingeworfen, da liegen ein paar Strümpfe, ein Pudel und noch einig« nützliche Sachen, als müßten, da lege ich noch jedem eine Tafel Schokolade hin, dann freuen sie sich." Jetzt kauft ein junger Mensch, schnell oerschwindet er aus dem Zhreise, öffnet eine Tafel und schmaust davon, die anderen Tafeln verpackt er behutsam in seine Tasche, sicher für seine Braut, die er zu den Feiertagen damit überrascht. Daneben der Stand ist leer, der Kreisel dreht sich in einem fort, doch er lockt keine Käufer, zu hoch ist sein Erstehungspreis. Endlich bleiben ein paar stehen, lasten ihn sich einige Male vorführen, um resigniert weiter» zugehen, gern hätten sie ihren Jüngsten damit eine Freude bereitet, aber,— am nächsten Stand bleiben sie stehen, wohl sind hier die Sachen nicht so haltbar, es muß gehen. Freudig lassen sie sich noch einen Bogen zum Einpacken geben, so nun merkt keiner, daß sie billig erstanden sind, nun kann jedes der Kinder noch eine Kleinig. keit bekommen. An den kleineren Buden mustern die Aermsten die ausgestellten Sachen, auch sie wollen wenigstens eine Kleinigkeit kaufen. Selbst die billigsten Spielzeuge werden schlecht gekaust, kleine Frösche, die am Bindfaden laufen, müssen lange Probe lausen, ehe sie erlöst in die Tasche eines Käufers verschwinden. Zumeist werden sie noch gekauft von Leuten, die ihren Kindern etwas vom Weihnachtsmarkt mitbringen wollen, als Geschenk sind sie meist nicht ausersehen. Im Warenhaus. Dichtgedrängt und mitgedrängt. so' gelangt man in» Waren- haus. Vorbei an Portier», die ungläubig den Kopf schütteln, da» sind nicht alles Käufer. Zuerst geht? ins Wirtschaftslager. Hier ist der Andrang sehr groß. Brautleute. Jungverheiratete suchen hier praktische Gegenständ«, um ihren mühsam erreichten Haushall um ein wichtiges Stück zu erweitern. Bei denen gibt es am Heiligabend keine Ueberraschungen. nach wrrtschasllichen Gesichtspunkten wird ausgesucht, wobei.Sie' als Sachverständige fungiert und meist kaust.Er' als Haushaltungsvorstand dann auch sogleich ein. Braut- leute drücken sich verstohlen die Hände, es ist der Grundstock zu ihrem Haushalt, der hier nach langen Suchen als Geschenk er- worden ist. Man steht es ihnen meist an, nicht nur die Weihnacht»- stimmung Ist der Anlaß zum Kauf, lange zusammengespart« Gelder sind es. die hier angelegt werden, einen Hausstand zu gründen helfen. In anderen Abteilungen findet man nur vereinzell Käufer, trotz billiger Preise gibt es nur wenige, die taufen können. Ein junges Pärchen sucht einen Mantel für.Sie', langgehegter Wunsch soll erfüllt werden. Sie kuschell sich hinein als die Verkäuferin ihr einen umlegt, sie freut sich schon, ein warmes Mäntelchen für ihren Weg ins Geschäft zu haben. Und als er bezahll werden mutz, steuert er zu. dankbare Blicke belohnen ihn. Mit ungeschickten Händen kauft doneben einer ein Seidenkleid— sicher als lieber- raschung—. fein Freund neben ihm mahnt:.Heb' dir man den Zettel gut auf, da» tauscht deine Frau sicher wieder um.' Di« ver- käuserin lächelt verstehend. Getaust werden überall nur kteine Gegenstände, wenn der Geldbeutel auch schmal ist, so will doch jeder wenigstens eine Kleinigkeit schenken können. Wir sind es nun einmal gewohnt, zum Fest der Liebe unsere Liebe zueinander in Geschenken auszudrücken. Weihnachtsfeiern. Da» Wohlfahrtsamt Neukölln hatte am Mittwoch- nachmittag 400 Sozial- und Altersrentner, Männer und Frauen, aus den Altersheimen zu einer Weihnachtsfeier nach dem Karlsgarlen eingeladen. Für die Unterhaltung der alten Leute wurde in jeder Beziehung gesorgt. Die Künstler, die sich der Sache zur Verfügung gestellt hatten, fanden überaus dankbare Gäste und ernteten reichen Beifall. Hiernach hiell Stadtrat Genosse Schneider die Festrede, die der Vorsitzende des Sozialrentnervereins beantwortete, indem er den Dank der alten Leute aussprach. Es erhielt jeder eine Weihnachtsstolle, Schweinefleisch, Butter. Wurst, Zucker, Milch und andere Lebensmittel. Am späten Nachmittag traten die reichbeschenkten Gäste den Heimweg an. Im N o r d e n Berlins, wo das Masienelend dauernd seine Stätte aufgeschlagen hat, ist es besonders schwer, Weihnachtssreude zu ver- breiten: sind es ihrer doch zu viele, die Hilfe heischen. Trotzdem hat das Bezirksamt Wedding sich redliche Mühe gegeben, zu Helsen, wo es nur irjjend anging. Ans Herz griff die Weihnachtsbc- scherung, die im Kinderkrankenhaus auch diesmal wieder stattfand. Unter der Leitung unermüdlicher Kindergärtnerinnen stellten nichtbettlägerig kranke Kinder zwei Weihnachtsmärchen dar, und es war rührend, als die kranken Kleinen ihren: Herrn Doktor uzrd chren Stattonsschwestern nette, selbsthergestellte Andenken ver- ehrten. MU Weihnachtsbäumen waren auch die einzelnen Sta- ttonen geschmückt, und die von den Kindern vorgetragenen Gedichte, Gesänge und Aufführungen— dabei kam auch der Humor zu semem Recht— machten auf alle Gäste und auch auf die Kinder tiefen Ein- druck. Jedes Kind— über 400 beherbergt heute das Kinderkranken- hau»— wurde reichlich mit nützlichen Gegenständen beschenkt. Gestern wurden auch die in der Poliklinik behandelten Kinder, in der Haupt- fach« die Aermsten, besonders gut bedacht.— Mehrere Hundert Sozial- und Kleinrentner waren in den Pharus- sälen beisammen, wo vor allem Bekleidungsgegenständc verteilt wurden. Da» Jugendamt hatte diesmal 400 Weihnachtspakete für seine Schützlinge zurechtgemacht, die den zu Bescherenden durch die Helferinnen direkt in die Wohnung gebracht wurden. In der gleichen stillen Weise ging auch die Bescherung von 40 0 Fami- lien Arberitsloser mit 1200 Kindern vor sich. Einzeln wur- den die Mütter vorgeladen und ohne Zuschauer abgefertigt. Arbeits- hosen, Unterröcke, Strümps«, Sttefel, warme Kinderkleidung wurde gegeben, soweit die Mittel reichten. Das Jugendamt hatte von einer SOs Die Passion. Roman von Clara viebig. Er hielt regungslos still, sagte kein Wort mehr— was sollte er ihr auch sagen?! Etwas Grauenvolles ging schweigend durchs Zimmer. Durch dieses Zimmer, in das zwei junge, sich llebende Menschen eingezogen waren zur Hochzeitsnacht. Hatte er sie denn nicht mehr so lieb? O ja, sehr lleb noch. Seine arme Grete! Der junge Mann beherrschte sich, er hätte sie am liebsten an sich gerissen, ihr stammelnd gestanden» was ihn erschütterte, mehr noch erschütterte als das Unglück mit Felix. Was ihn verzweifeln ließ an sich, an der Kunst der Aerzte, an einem Glück der Ehe überhaupt. O, wie war sein jugendlicher Leichtsinn verflogen: seine Schuld, seine Schuld! Es lief ihm heiß übers Gesicht, es war nicht zu unterscheiden, ob es ihre Tränen waren oder die seinen. „Erich,' sagte sie jetzt, plötzlich sich aufraffend, es kam ihr wie eine Erlösung. Sie atmete auf: noch war da ja ein Trost!„Weine nicht so!" Ihre Lippen suchten sein Ohr, sie flüsterte ihm hinein:„Wir können doch noch andere Kinder bekommen, Erich! Andere Kinder werden wir haben, nicht wahr?" Er nickte stumm. Er hatte nicht den Mut mehr, das laut zu bejahen. 17. Wenn Frau Lesse! doch schon da wäre! Aber die war in Italien für den ganzen Winter. Eva hatte zu Weihnachten ein Paket von ihr empfangen, durch das Mädchen, das in der Grunewaldvilla haushütete. Es hatte sie nicht so sehr gefreut, als wenn Frau Lesfels liebe Hände es selber hätten packen können. Das Dienstmädchen schrieb:„Das hat unsere gnädige Frau für Sie rausgelegt, das soll ich an Ihnen schicken." Und bei den Sachen lag ein buntes Kärtchen— gemalter Tannenzweig mit Lichtchen, darüber schwebend ein Stern— »Fröhliche Weihnachten!" Nun. fröhlich war Weihnachten nicht gerade gewesen. obgleich Eva von Grete und ihrem Mann mehr geschenkt er- halten hatte, als sie erwarten durf-tc für die kurze Zeit, in der sie damals erst bei dem kleinen Felix gewesen war. Tante Ella sogar hatte ihr einen Taler in die Hand gedrückt:„Mach dir ein Vergnüge» davon. Eool' Aber wie, wo sollte sie sich wohl ein Vergnügen machen? Sie kam ja nie aus. Da hatte Vetter Albert gesagt:„Zweiten Feiertag gehe ich ins Theater, Billetts habe ich schon. Ich nehme die Eva mit." „So'ne Idee," sagte seine Mutter. Aber er störte sich nicht daran und veranlaßte seine Schwester Grete, Eva sür den Abend freizugeben. Das andere Mädchen konnte mal bei dem Jungen sitzen, das lief ja sonst genug aus. Es war viel weniger das Stück gewesen, das Eva be- geisterte. Es war eine Operette, ziemlich deutlich, ziemlich Zu sitz«.. den Pausen mit ihm im Erfrischungsraum oder im Foyer auf und ab zu wandeln. Albert Wilkowski war längst nicht so hübsch wie seine Schwestern, auch nicht so stattlich wie sein Bater, er war ziem- lich unscheinbar, ein Allerweltsgesicht, das vielen anderen glich. Aber Eva fand ihn schön. Es gab für sie kein hübscheres Männergesicht: das Gesicht von Gretes Mann, der doch für ganz besonders gut aussehend galt, war nichts dagegen. „Eva. du tust mir wahrhaftig leid,' sagte Albert.„Ich hätte dir auch was anderes gewünscht, ais immer bei dem Unglückswurm zu sitzen. Aber nun wollen wir mal lustig sein, uns'nen vergnügten Abend machen.— Ach, was fällt dir denn ein, laß deine lumpigen drei Em nur in der Tasche! Ich habe ja Weihnachtsgratifikation bekommen." Eva hatte ihren Taler vorgeholt. Sie wollte ihr Billett bezahlen. Lachend steckte er ihn wieder ins Portemonnaie. O, er war so gut, so unendlich gut! Evas einsame Seele flog ihm zu. Er war so ganz anders als die anderen Wil- kowskis. Der Onkel war ja nicht böse, Grete erst recht nicht, und Irma auch nicht— aber sie waren eben doch so anders. Nie hätte Eva es gewagt, so aus sich herauszugehen in ihrer Gegenwart. Lustig fein wollen wir, hatte der Vetter gesagt. Nun. sie war es heute. Die Jugend forderte ihr Recht. Sie hing sich an seinen Arm, als sie aus dem Theater kamen, paßte ihren Schritt dem seinen an, ging, auf ihn einschwatzend, dicht an ihn gedrängt neben ihm, so wie sie es von den anderen Fräuleins sah, die mit ihren Verehrern nun noch in ein Kaffee wandelten. Sie gingen auch in eins, und zwar in eins, wo ein Orchester spielte und der Stehgeiger unter dem Beifall der Menge einen feurigen Czardas als Solo gab. Karl hatte den Arm auf ihre Stuhllehne gelegt: er brauchte sich ihrer nicht zu schämen, was seine Mutter mit ihrem»so'ne Idee' wohl gemeint hatte. Zum erstenmal in ihrem Leben sah Eva wirklich hübsch aus, so hübsch, wie sie es in den Augen ihrer Mutter stets gewesen war. Die glück- liche Aufregung hatte ihre Wangen gerötet, ihren Mund, der, wenn sie ihn nicht schmerzlich verzog, eigentlich lieblich war, noch lieblicher gemacht. Und sie hatte lange, gebogene Wim- pern und eine Fülle dunkelblonden, etwas gelockten Haares- Und sie war jung, noch sehr jung. Wie niedlich die Eva sich'rausgemacht hat, dachte der Letter. Nun, er hatte sie ja immer gut leiden mögen, schon als sie noch die kleine, eigensinnige Puppe gewesen war. Mir einem Sprung übergingen seine Gedanken die Gegenwart, und daß sie eigentlich nichts weiter war als Kindermädchen bei den Schäfers und vorher Mädchen für alles bei seiner Mutter. Das Aschenbrödel wurde heute abend Prinzessin. Das bißchen Freude war das goldene Gewand, das brödel auf einmal verwandelte.„Weißt du, Evchen, en- sägte .. igte er,„wir können doch manchmal zusammen ausgehen. Ich habe keine Braut, und ich werde mir auch noch keine an- schaffen,'ne dumme Pute mag ich nicht, und eine, wie ich sie mir denke, krieg ich noch lange nicht. Weißt du noch, wie du bei mir a und o auf die Tafel malen gelernt hast? Das Lesen und das Schreiben hattest du bald weg. Ich habe immer ge- staunt. Bist du noch so klug?' Sie lachte.„Prüf mich doch mal,' sagte sie keck, legke den Kopf auf die Seile und blinzelte ihn unter den langen Wimpern her an. Sie unterhielten sich wirklich gut. Geistige Interessen hatte der junge Mann bei Eva nicht weiter vorausgesetzt, er hatte ihr wohl Bücher gebracht, aber nur solche, die zur leichten Unterhaltungskost gehörten. Aus Versehen waren ein paar schwerere darunter geraten, und nun war er ganz erstaunt, was sie sich daher ausgelesen hatte, und wie sie das auffaßte, was eigentlich über ihr Alter und ihren Bildungs- grad hinausging. Er selber hatte einen großen Drang für Bildung bekommen: das war schon erforderlich für seinen Beruf— Buchhandlungsgehilfe I Er versprach Eva, ihr ein- mal etwas ganz Gediegenes zu leihen: ein philosophisches Werk, Nietzsche oder Schopenhauer:„Die Welt als Wille und Vorstellung'. Sie nickte selig dazu: o ja, das wollte sie gern lesen! Was sie dann nicht verstand, das verstand er ja gut und würde es ihr erklären. Sic hing an seinem Munde. Es machte ihm Spaß: ein kluges Mädchen, genau st» helle, wie sie schon als Kind gewesen war. (Fortsetzung folgt.! öffentlichen Bewirtung abgesehen und die hierfür aufgumenbenben| ble an den Gigungen teilgenommen haben, ihre Wahrnehmungen der Mittel zur weiteren Beschaffung warmer Kleidung verwendet. Um den Kindern aber doch eine besondere Freude zu bereiten, wurden fie an zwei Nachmittagen nach dem Friedrich- Wilhelmstädtischen Theater eingeladen, um einer Märchenvorstellung beizuwohnen. Diese Beranstaltung gab zugleich die Möglichkeit, einigen darstellenden notleidenden Künstlern aus Mitteln der Künstlerhilfe auch eine Weihnachtszuwendung zu machen. Die Deputation für die Städtische Belohnungs- und Unterstügungsanstalt hat, wie sie uns mitteilt, den 78 Infafsinnen des Altersheims ehemaliger Hausangestellter in der Koppenstraße eine würdige, aber auch frohe Weihnachtsbescherung bereitet. Wohltäter hatten dazu beigetragen, baß der Babentisch reichlich gedeckt war. Pfarrer Schwebel hielt die Festrede, während das 1. Berliner Banjo- Quartett unter Leitung des Herrn H. Stein. wedel, das sich für den Abend zur Verfügung gestellt hatte, in schönfter und ausgiebigfter Weise für musikalische Unterhaltung sorgte. Eine glänzend verlaufene Weihnachtsfeier mit Kinderbescherung veranstalteten kürzlich die Genossen des 2. Kreises( Tiergarten) im Moabiter Gesellschaftshaus. Der große Saal war über. füllt; tausende fröhlicher Menschen hatten hier wenigstens für eine turze Zeit im Scheine der Weihnachtskerzen die graue Gegenwart vergessen. Am hellsten aber strahlten die Augen unserer Kleinen, für die nun einmal Weihnachten ein Märchen voll unbeschreiblichen Baubers ift. 450 bunte Teller, gefüllt mit Aepfeln, Nüssen, Pfefferkuchen und Ratas, bepackt mit Schokolade und anderen Süßig feiten waren auf langen Tischen aufgebaut und wurden den hocherfreuten Kindern mitgegeben. Die Feier wurde durch eine HansSachs Aufführung der Jugend, durch Ansprachen des Genoffen Beinert und der Genoffin Jordan recht stimmungs. voll gestaltet. Lobend sei auch der fleinen Mitwirkenden gedacht, die durch Biolinoorträge und Rezitationen und Kinderaufführungen wesentlich zum Gelingen des Abends beitrugen. Auch der arbeitslojen Genossen des Kreises wurde gedacht. Fünfzig Ermerbslosen wurden Gutscheine über je zehn Mart für die Konsumgenossenschaft zur Verfügung gestellt. So fällt auch in die Wohnungen der bedauernswerten Opfer der wirtschaftlichen Krise ein Strahl des Weihnachtslichtes. Freiwillige Spenden haben trotz der Schwere der Zeit eine solche stimmungsvolle Weihnachtsfeier und eine Bescherung in diesem Ausmaße ermöglicht. Weihnachtsstimmung im Gerichtssaal. Betrüger aus Not. So etwas wie Weihnachtsstimmung mußte gestern auch in den ernsten Räumen des Kriminalgerichts herrschen. Dem Arbeiter Anton Kirm eß wurden vor dem Schöffengericht Berlin Mitte nicht weniger als 22 Fälle von Betrug und Urkunden fälschungen zur Last gelegt. Und daß es gerade feine Rollegen waren, die er durch seine Schwindeleien empfindlich schädigte, fiel etgentlich besonders erschwerend für seine Taten ins Gewicht. Als es dem K. wieder einmal recht schlecht ging, verfiel er auf Die Idee, sich möglichst leicht in den Besitz von Geld zu setzen. 3u früher Morgenstunde ging er in Gegenden, die in der Nähe größerer Fariten lagen. Hier herrschte ein reger Betrieb, da die Arbeiter zu dieser Zeit ihrem Berufe nachgingen. Wie von ungefähr mischte fich der Angeklagte unter die Menge und hatte täglich" das Unglud, feinen so heiß geliebten Briem aus dem Munde zu ver lieren. Als einfacher Mensch, der mit seinem Gelde zu rechnen hatte, Lonnie R. diesen Berlust nicht so ohne weiteres hinnehmen. Er büdte sich also schleunigst, hob den entfallenen Rautabat auf und schob ihn wieder an die Stelle, wo er hingehört. Nun mag dies mehr ein ökonomisches wie gerade ein hygienisches Handeln sein, das denn auch zum mindesten ein lachendes Kopfschütteln bei den unfreiwilligen Zeugen hervorrief. Darauf hatte aber der raffinierte R. gewartet, er sprach sofort irgendeinen Arbeiter an und sagte wie entschuldigend: Ja, heuzutage muß man überall sparen!" Jezt wich er nicht mehr von der Seite seines neuen Bekannten, dem er erzählte, längere Zeit auf einem Kohlen- und Holzplatz tätig und hierdurch in der Lage zu fein, auf billigste Weise Heizmaterial besorgen zu tönnen. Die Ar beiter, zumeist Familienväter, dachten wohl alle an den nahenden Winter und wollten eine so gute Gelegenheit, billig Holz und Kohlen zu erwerben, nicht vorübergehen lassen. Dadurch fiel es dem Angeflagten verhältnismäßig leicht, schriftliche Bestellungen und sofortige Anzahlungen zu erhalten. Die Scheine fälschte er dann noch, vergrößerte die Zentnerzahl und wußte die Empfänger über die bereits erhaltene Summe geschickt zu täuschen. Fast alle Familien, in denen die Männer ihre Unterschrift gegeben hatten, opferten ihm nochmals Beträge, die oft die Höhe bis zu 40 mart erreichten. Kohlen und Holz trafen natürlich nicht ein. In der Berhandlung wies der Angeklagte darauf hin, daß seine Strafe 13 Jahre zurückliege und er sich seit dieser Zeit einwandsfrei geführt habe. Auch jetzt stünde er nicht vor Gericht, wenn die Not nicht zu bitter gewesen wäre. Der Angeklagte bat das Gericht herzlichst, ihn doch noch einmal Milde zu gewähren, er wolle sich nie wieder hier sehen laffen. Das Schöffengericht unter Borsiz des Landgerichts. direttors Ahlsdorf, schien denn auch dem Angeklagten noch einmal glauben zu wollen, es berücksichtigte die lange gute Führung und die Not, in der sich der Angeklagte befand. Kirmeß wurde megen der 22 Betrugsfälle in Tateinheit mit Ur= fundenfälschung troßdem zu 1 Jahr Gefängnis per urteilt. Aber als Festgeschenk: Aufhebung des Haftbefehls und Bewährungsfrist für einen Teil der Strafe, menn R. fich während der Verbüßung gut führen wird. Also doch wohl Weihnachtsstimmung im Gerichtssaal! Gräfin Bothmer aus der Haft entlassen. Den Verteidigern der Gräfin ist es gelungen, daß auf Ge richtsbeschluß der Saftbefehl gegen die Gräfin aufgehoben wurde. Die Gräfin begab sich darauf im Auto zu ihrem Berliner Rechtsanwalt. Der„ Geisterbeschwörer“. Dienststelle B. II. 4, Kriminalfommissar Johannes Müller, im 3immer 202 des Polizeipräsidiums mitteilen. Besonders wichtig wäre die Aussage des Oberlehrers, der sich so deutlich manifestierte". Abschied von Paul Büttner. -W Schwerer Sturm in Japan. Der Norben Japans wurde von einem schweren Sturm heimgesucht, der viele Unglücksfälle im Gefolge hatte. Unter anderem fenterten 20 Fischerboote; 150 Fischer werden vermißt. 40 andere Fahrzeuge sind gestrandet. Eine Anzahl Häuser ist ze r'stört worden. Hochmaffer in Spanien. Infolge heftiger Stürme stieg der Guadalquivir um mehrere Meter, überschwemmte Teile Sevillas und richtete großen Schaden an. Sinfendungen für diese Rubrik find Berlin B. 68. Sindenftrate 3 für Groß- Berlin ftets an das Beztristefretariat. 2. Sof. 2 Tres. rechts. as richten 18. Areis Beißenfee. Rarten für die Barteiveranstaltungen, für die Brole tarische Feierstunde am Sonnabend, den 26. Dézember, im Großen Schaufpielhaus und für das Silvesterkonzert in der Stadthalle find beim Ge noffen Seinl, Gäblerstr. 7, zu haben. 6. Abt. Die Bezirksführer haben bis zum 28. Dezember beim Raffierer abe Auredinen. 11. Abt. Die Bezirksführer haben fämtliches Markenmaterial bis aum 1. Feier tag beim Raffierer Tschirne, Alt- Moabit 54, bestimmt abzurechnen. 134. Abt. Buch. Die Genoffinnen und Genoffen beteiligen fich gefchloffen an der Weihnachtsfeier der Sozialistischen Arbeiterjugend am Sonnabend, den 26. Dezember, im Lokal Aur Glüdsschmiede", Buch, Kaiser- Friedrich Straße. Anfang abends 7½ Uhr. Heute, Donnerstag, den 24. Dezember: Der Abendsturm tobte über den weiten Fehrbelliner Blaz, als Baul Büttners Angehörige und Freunde gestern abend der Einäsche rungshalle zustrebten, um dem heimgegangenen Genoffen die letzte Ehre zu erweisen. Eine ansehnliche Gruppe des Reichsbanners Schwarz- Rot- Gold nahm mit ihren Fahnen zu Häupten des Sarges Aufstellung, den auch die Fahne der Partei überragte und den zahl Parteinachrichten reiche Kränze schmüdten. Die Halle war gefüllt von Traueraäften. Der Schottische Bardenchor, vom Buchdrudergefangverein Tnpographia" gesungen, leitete die Feier ein. Dann sprach Albrecht Fülle vom Berbandsvorstand der Buchdruder Worte ehrenden Gedenkens für den treuen Kollegen, der seit 1884 ein tätiger Mittämpfer in der Fachorganisation war. 40 Jahre lang hat Büttner im Vorwärts"-Betrieb gearbeitet als Sezer und Korrektor, vor. übergehend als Redakteur, dann wieder als Korrektor und seit 1919 als Redaktionssekretär. als Redaktionssekretär. Eine eigenartige Fügung, daß gerade ein alter Kollege Büttners, der in jenem Vorwärts"-Konflitt vor 20 Jahren auf der entgegengesetzten Seite stand, die aufrichtigsten und eindringlichsten Worte zur Ehre des lauteren Charakters und redlichen Wollens des nun Verstorbenen sprechen fonnte, die aus solchem Munde um so überzeugender wirken mußten. An diese Kampfzeit im Leben Paul Büttners erinnerte der zweite Redner, Friedrich Stampfer, der Chefredakteur des Borwärts". Er zeigte, wie aus dem bescheidenen, aber sicheren Wesen, aus der stillen, aber begeisterten Treue Baul Büttners für die Partei jene Handlung gunefozialisten. logisch hervorgewachsen war, die damals Paul Büttner den Redaktionssefsel verlassen und sich freiwillig an die Seite derer stellen ließ, die damals die Besiegten waren. Unbekümmert um die Erfolgs. aussichten folgte Büttner damals feinem inneren Drange und fehrte ſtill und ohne Aufhebens an seinen Arbeitsplatz im technischen Betrieb zurüd- denn die Arbeit für das Zentralorgan der Partei war ihm Lebensbedürfnis, ob sie nun in dieser oder jener Stellung zu leisten war. So rundete sich aus vielen menschlichen Zügen das Bild unseres verstorbenen Mitkämpfers und Freundes, das wir im Herzen weiter tragen. Nun senkten sich die Fahnen über den Sarg, Orgelflänge ertönten und langsam verschwand das Gefäß von Büttners Leib in der Tiefe, um von den Flammen verzehrt zu werden. Wir trauern mit seinen Hinterbliebenen, wir haben einen guten Menschen verloren. Die Parteien in den Verwaltungsbezirken. Die aus den Bezirksverordnetenwahlen vom 26. Ottober fic ergebende Verteilung der Bezirksverordnetenmandate auf die ver schiedenen Parteien wurde in Nr. 548 gezeigt. Inzwischen sind auch die am 26. Oftober gewählten Stadtverordneten von den Kreiswahllisten und von der Stadtwahlliste ben einzelnen Bezirksverfammlungen augeteilt worden, so daß jest für die Bezirksversammlungen die Stärke der Parteien feſt ſteht. In manchen Bezirksversammlungen ist durch die binau gesteigert worden, z. B. Wedding von 45 auf 65, Tiergarten von 45 gekommenen Stadtverordneten die Mitgliedergefamtzahl beträchtlich auf 66 Kreuzberg von 45 auf 67, Charlottenbura von 45 auf 69. gesamtzahl z. B. für Tempelhof von 30 nur aur 33, für Weißenfee In anderen ist der Zuwachs nur gering, so daß die Mitglieder bon 30 nur auf 31 steigt. Die Anteile der Parteien an den jezigen Gesamtzablen ergeben sich aus der folgenden Zusammenstellung: 1. Mitte 2. Treptow 3 Wedding Sozialdemokraten Unabhäng. nisten Demokraten WirtschaftsZentrums partet partet Deutsche 20 10 18 25 4. Prenzl. Berg 26 5. Friedrichsh.. 6. Kreuzberg 24 18 23 19 27 13 9 11 7. Charlottenb. 16 8. Spandan 222222222 19 10 1 4 9. Wilmersdorf 10. Zehlendorf 11. Schöneberg. 14 12. Steglit. 10 6 431211622 B2111322 23113223-121121 8844613929634225 D94BBBBT8T 5 Volkspartei Deutschnationale Deutich völkische Deutsch soziale Evangel 361213626088222223 14 19 8 11 9 11111111111 111111111111||| 111111111111111 8. Abt. Die Genoffinnen und Genoffen beteiligen fich recht zahlreich an der Trauerfeier fitr den verstorbenen Genoffen rana Thomat, Ste Tiger Str. 92, vormittags 11% Uhr, und für den verstorbenen Genossen Paul Fritsch, Rulmftr. 13, nachmittags 2½ Uhr. Beide Trauer feiern finden im Arematorium Wilmersdorf statt. Gruppe Neukölln II: Serte. Donnerstag, im Sugendheim Canner Straße Abendfeier. Gruppe Mitte: Treffpunkt zur Weihnachts wanderung heute, Donnerstag,% 46 Uhr Stett. Hauptbahnhof( Normaluhr). * 102. Abt. Baumsdalenweg. Am Sonntag. den 27. Dezember, nachmittags 4 Uhr, in der Turnhalle des Enzeums öffentliche Weihnachtsfeier. Mit wirkende der Bühnen enoffenschaft: Opernfängerin Frau Räte Mann, Fräu Tein Lucie Seidler- Winkler( Bioline). Serr Dr. Felir Günther( Flüel, Opernfänger Richard Alewis, Franz Krolopp heitere Vorträge): ferner Bolts. chor Südost. Die Ansprache hält Genoffin Bohm- Schuch. Karten unentgelt. lich beim Raffierer Hertel. Baumschulenstr. 95. 3weds Arbeitsleistung treffen fich die Genoffen am selben Sonntag vormittag um 9 Uhr. Anschließend an die Feier gemütliches Beisammensein der Parteigenoffen mit Familie im Saale von Bormann. Baumschulenstraße. Bezirksamt Reinidendorf. Sämtliche beim Bezirksamt Reinidendorf bee fchäftigten SPD- Rollenen freffen fich am Montag, den 28. Dezember, abends pünktlich 7 Uhr, im Boltshaus Reinidendorf- Weft, Scharnmeberftr. 114. Thema: Fraktionsariinduna". Der Betriebsrat. Sterbetafel der Groß- Berliner Partei- Organisation 8. Abt. Am 20. Dezember verstarb nach längerer Krankheit unfer Genoffe frana Thomat, Tischler, Stealiker Str. 92. Nach 20jähriger treuer Arbeit als Funktionär scheidet ein unbeirrt tapferer Rämpfer von uns. Die Einäscherung findet heute, Donnerstag, den 24. Dezember, vormittags 11 Uhr, im Krematorium Wilmersdorf ftatt. Wir erwarten rege Beteiligung. Arbeitersport. Die Unfallversicherung des Kartellverbandes. Allen Turn, Sport, Athleten, Radfahrer- und Wandervereinen zur Nachricht, daß die Unfallversicherung für alle Mitin Kraft tritt. Jeder Unfall ab 1. Januar 1926 iſt innerha's und Leiterinnen für 1926 abgeschlossen ist und am 1. Januar 1926 glieder vom 9. bis zum 21. Lebensjahre sowie für die Jugendleiter 24 Stunden durch Brief, mit genauer und deutlicher Adresse des Berlegten und des Bereinsleiters, sowie mit dem Stempel des Vereins versehen, an Robert Dehlschläger, Berlin N. 65, Hochstädter Straße 10, einzusenden. Der Kartellverband hat die Unfallversicherung für seine gesamte Mitgliedschaft auf eigene Kosten übernommen. Mitglieder solcher Vereine, die noch mit den Kartell beiträgen für 1925 im Rückstand find, kommen nicht in den Genuß der Bersicherung. Der Kartellbeitrag für 1925 beträgt pro Biertel jahr und Mitglied über 17 Jahre 10 Pfennig. Das vierte Viertel66 jahr ist beitragsfrei. Der Beitrag, also 30 Pfennig pro 1925 und Mitglied über 17 Jahre, ist sofort an den Genossen Heinrich Metzdorf. Charlottenburg, Schloßstraße 33( Seitenfl. 3), abzuführen. Gemeinsch überhaupt 61 60 15 67 5 17 2 69 3 2 13 48 18 52 8 18 5 19 59 15 47 9 33 26 17 9 62 14 7 35 12 7 8 85 18 13 1 9 48 11 6 2 7 31 14 8 4 1 2 12 44 1 1 (* 44 13. Tempelhof 11 14. Neukölln 15. Treptow 16. Köpenid.. 17. Lichtenberg 18. Weißenfee 19. Pankow. 16 11 4 1 4 20. Reinidendf. Bufammen 384 1 190 98 29 42 63 228 1 190 98 29 42 63 228 7 5 2 1005 partei und der Deutschnationalen Volkspartei) und 1 Vertreter der *) einschl. 5 Bürgerblödler( an Stelle der Deutschen Bolta. Nationalliberalen Reichspartei. Selbstmord eines Schulrektors. in ber Culmstraße hat gestern seinem Leben durch Einatmen von Reftor Törring von der Berliner 126. Gemeindefcule Leuchtgas ein Ende gemacht. Hausbewohner, die den aus der Wohnung dringenden Gasgeruch bemerkten, riefen die Feuerwehr herbei. Diefe öffnete die Wohnung gewaltsam und fand Törring bewußtlos auf dem Fußboden liegend. Die von ihr angestellten Wiederbelebungsveriudhe blieben erfolglos. Der Beweggrund zu der Verzweiflungstat ist nicht bekannt. Die juristische Sprechstunde fällt heute aus. Bezirksbildungsausschuß Groß- Berlin und Arbeiter- Sulfur- Kartell GroßBerlin. Freitag, den 25. Dezember( 1. Weihnachtsfeiertag), nachmittags 3 Uhr, im Staatlichen Schiller- Theater Charlottenburg Der Glidebilz". Sonnabend, den 26. Dezember( 2. Beihnachtsfeiertag), bormittags 11 Uhr, im Großen Schauspielhaus, 2. Proletarische Feierstunde. Träume der Mietstaferne". Preis der Einzelkarte 1,20 M. Für die letten vier Ber anstaltungen fönnen noch Abonnements zum Preise von 3,20 M. ausgegeben werden. Donnerstag, den 31. Dezember( Silvefter), abends 10 Uhr, in der Stadtballe des Stadthauses, Alofterstraße, Silvester muitt. Preis der Karte 60 Pf. Sonntag, den 17. Januar, nachmittags 3 116r. im großen Saal der Philharmonie, dritte Beranstaltung Internationaler Bollstänze und Volkslieder. Aus der neuen Welt".( Negertänze, BarIzene in New Yort, Tango, moderne Nigger, Stepp, Jazz). Preis der Starte 1,20 M. Sonnabend, den 16. Januar, abends 8 lbr, im Großen Saal des Gewerkschaftsbauses: Gründungsfeier aus Anlaß des 35jährigen Bestehens der Arbeiterbildungsschule. Preis der Karte 1 M. Marten für alle Veranstaltungen sind in den befannten Berlaufsstellen zu haben. " Das Rundfunkprogramm. In den letzten Tagen liefen aus Neukölln bei der Kriminalpolizei Anzeigen ein, in denen ein„ Spiritist" sittlicher Bergehungen beschuldigt wurde. In feiner der Anzeigen waren jedoch Tatsachen angegeben. Den Beamten der Dienststelle gelang es nun nach längeren Beobachtungen, diesen Spiritisten in einem 46 Jahre alten Kartographen Kurt W. aus der Hermannstraße ausfindig zu machen. W., der in der Hermannstraße als Untermieter wohnt, neranstaltete drei bis viermal in der Woche spiritistische Sigungen, die sich eines regen Zuspruchs erfreuten. Meist maren 9 bis 10 Personen anwesend. Sein Medium war ein 11jähriges Mädchen, das der Veranstalter während der Séance auf dem Schoße hielt. Der Raum, in dem die Sigungen abgehalten wurden, murde nur durch eine Klavierlampe, die mit der Flamme zur Band ge dreht war, spärlich beleuchtet. Den Besuchern, die fast ständig wechselten, fiel es auf, daß der Geisterbeschwörer vor Beginn der Borführung mit dem fleinen Mädchen auf einige Zeit in einem Nebenzimmer verschwand. Eine der Sitzungen wurde durch einen unerwarteten Klopfgeist" freilich erheblich gestört. Ein 4.30-6 Uhr: Nachmittagskonzert der Berliner Funkkapelle. Oberlehrer erhob sich plötzlich von seinem Stuhl, ging auf den 1. Bayer: Weihnachtslieder, Marsch. 2. Chr. Bach: FestGeisterseher zu, versetzte ihm mehrere fräftige Ohrfeigen Ouverture.- 8. Lindemann: Weihnachtslieder, Walzer.- 4. Tschaiund verließ das Zimmer, ohne eine Erklärung für sein Verhalten kowsky: Ballettmusik aus, Dornröschen". 5. Lindemann: Schneezu geben. Die Kriminalpolizei, die W. zur Rechenschaft 30g, stellte glöckchch läuten, Weihnachtsstück.- 6. Dahlhoff: Tanzender nun fest, daß es dem Manne wohl weniger auf die Geister ankam Kreisel, Intermezzo.-7. Schmalstich: Reigen aus Peterchens als auf die Befriedigung seiner Gelüfte. Das fleine Mädchen gab Mondfahrt. 8. Schreiner: Paraphrase über: Stille Nacht. an, daß. sich an ihm vergangen hätte. Der Mann bestreitet Heiligabend. 7.30 Uhr: Bescherung im Hause. 7.00 Uhr abends: Fregatten kapitän Matthiae: ,, Weihnachten an Bord". 8.30-10 Uhr: das und behauptet, daß er aus der förperlichen Nähe des Mädchens Weihnachtsklänge vom Turm. Anschließend: Dritte Bekanntgabe die Kraft zur Beschwörung der Geister gewonnen habe. Zur Kläder neuesten Tagesnachrichten, Zeitansage, Wetterdienst, Sportzung der Angelegenheit ist es dringend erwünscht, daß Bersonen, nachrichten, Theater- und Filmdienst. 4 Donnerstag, den 24. Dezember. Außer dem üblichen Tagesprogramm: Der geschäftsführende Ausschuß. Fußballspiele zu Weihnachten. Am ersten Weihnachtsfeiertag hat die Arbeiter- Fußballgemeinde Gelegen. heit in Belten, Bökowstraße, einen erstklafügen auswärtigen Gegner fpielen zu sehen. Der Beener Ballspiel- Club hat die als sehr spielstart geliende Biktoria- Halle au Gaft. Die Beltener waren von jeher bemüht, stets das Beste zu zeigen. Beginn des Spiels nachmittags 2 Uhr. Des weiteren finden folgende Spiele am 27. Dezember statt: Norden, Abt. A: Abler 12 gegen Belten in der Chriftianiastraße: Bernau genen Teutonia in Bernau. Abt. B: Fichte Gesundbrunnen gegen Union- Pankow in Reinickendorf, am Schäferfee. Abt. C: Birkenwerder gegen Wader 24 in Birkenwerder. Bezirk Osten: AltGlienice gegen Astania in Alt- Glienice am Riesberg. 8weite Mannschaften: Adler 12 gegen Belten: Bernau gegen Teutonia: Fichte- Gesundbrunnen gegen Union; Alt- Glienice gegen Astania. Am Neujahrstage weilt aum erstenmal der Bundesmeister Dresdner Sport- Berein in Berlin. Adler 12 ist es ge lungen, die Dresdener nach hier au verpflichten. Das Spiel findet auf dem Sportplak in der Christianiaftraße ftatt. Neue Turnabteilungen für Kinder hat die Freie Turnerschaft Groß- Berlin in folgenden Turnhallen eröffnet: Bezirk Norden III, Mädchen Montag und Donnerstag 6-8 Uhr, Turnhalle Butbufer Str. 22, Knaben Dienstag und Freitag 6-8 Uhr, Bezirk Süd osten: Turnhalle Reichenberger Ede Forster Straße, Knaben Dienstag und Donnerstag 6-8 Uhr. Im Westen Berlins find folgende Turnstätten: Männer, Turnerinnen und Jugendliche Turnhalle Elsholz- Ede Pallasstr. Dienstag 8-10 Uhr Turnhalle Kulmitr. 15; Donnerstag 8-10 Ubr, Kinderturnen Dienstag und Donnerstag 6-8 Uhr Turnhalle Kulmstr. 15. Ein Weihnachts- Schauturnen veranstaltet der Bezirk Zentrum der FTGB. cm Montag, den 28. Dezember, in der Turnhalle Gartenstr. 108, abends 7 Uhr. Die Arbeiterschaft des Zentrums wird um regen Befuch gebeten. Arbeiter- Radfahrer- Bund Colibazitat", Cau 9. Bezirk 1 Berlin: 1. Abt.: 25.: Beihnachtsfeter in den Luther- Sälen, gegenilber der Stala, 5 Uhr. 2. bt: 25.: 6 Uhr zur 1. Abt.: 26.: 6 Uhr Bannergruppe zur 3. Abt. 3. Abt.: 26.: 4 Uhr Weihnachtsfeier, verbunden mit Bannerweihe in Treptow, Rontordia- Festfäle. Straßenbahn Linie 93; 27.: 5 Uhr bei Reinke, Grünauer Straße 17. 5. bt.: 26.: 2 Uhr Johannisthal( Bota): 27.: 1 Uhr RaulsdorfSüld( Sanssouci). Start Landsberger Blak. 6. Abt.: 26.: Gemütliches Beifammensein bei Büttner, Schwedter Straße. 7. Abt.: Tour. 1 Uhr am Start Rolonieftr. 146. 8. Abt.: Weihnachtsfeier, Waldenserstr. 19. 9. Abt.: 26.: Rur Bannerweihe der 3. Abt. Treffpunkt daselbst. 11. Abt.: 27.: Grunewald. Start 1 Uhr Sochstr. 13. Bezirk 21, Ortsgruppe gichtenberg: 25.: Früh 9 Uhr bei Lohans: nachmittags 5 2hr Weihnachtsfeier im Vereinslokal Oberstraße. Photogemeinschaft im Touristenverein Die Naturfreunde", Berlin( Ren. trale Wien). Montag, den 28. Desember, 8 Uhr, im Jugendheim des Oftens, Zimmer 5, Große Frankfurter Str. 16, Uebungs- Sichtbildervortrag: Der Sara" Gäste, auch Mitalieder anderer Arbeiteroraanifationen, willkommen. Arbeiter Radfahrer- Berein Groß- Berlin. Am 25. Dezember Weihnachts feier in den Brachtfälen, Inh. Jrmer. Am Treptower Vark 27. Anfang 5 Uhr. 26. Dezember: Um 1½ Uhr nach Johannisthal bei Botha. 27. Dezem bet: Um 1½ Uhr nach Mahlsdorf- Süd bei Dräger. Gäste willkommen. Start am 26. und 27. Dezember Waldemarstraße. Ede Mariannenplak. Sportliche Bereinigung Morden 1893. Freitag, 25. Dezember, aroke Gala Festvorstellung, verbunden mit erftflaffigen sportlichen Darbietungen: Ringen, Seben, Marmovgruppen und Artistit. Gleichzeitia Gerienkampf im Rincen und in der A- Klaffe awischen dem CC. Sturm und der Sportl. Verg. Norden 93. Bharus- Sale, Müllerftr. 142. Eröffnung 4 Uhr. Freie Schwimmer Neulögn, e. B. 25. Dezember, vormittags 10 Uhr, Kinder- Weihnachtsfeier in der Aula des Realarmnasiums, Raiser, Friedrich Straße. Ae Rindermitalieder find mit ihren Eltern und Bekannten herz Lichft eingelaben. Eintritt frei. Nachmittens 5 Uhr Weihnachtsfeier in den Baffage- Feltfälen, Bergfirake. Eintritt 1 M., Rinder 25 Pf. Vorträge. Dereine und Derfammlungen. Berliner Handwerker- Berein. 1. Weihnachtsfeiertag im Festsaale Sophien. ftraße 18, Feier mit Belcherung für die Kinder. Beginn 5 Uhr. Geschäftliche Mitteilungen. Wer zum Weihnachtsfeit eine aute Uhr, einen schönen Schmudgegen fand, Silber, Rier- oder Gebrauchsgeräte usw. baufen will, findet bei ber altbekannten Firma Belmonte u. Co., Leipziger Str. 97 und Rönigfte, 30, reimbhaltige Auswahl. Gana befonders beliebte Beihnachtsgefchente find Arus banduhren für Serrex und Damen Donnerstag 24. Dezember 1925 Unterhaltung und Wissen Wunder der Höhe. Bon Wilhelm Renner. Die bisherige Borstellung von dem Ende der Entwicklung des Weltganzes entrollte das dunkle Bild von dem dereinstigen Materie und Wärmetod des Weltalls. Insbesondere seitdem man wußte oder wenigstens mit großer Wahrscheinlichkeit annehmen durfte, daß alle Grundstoffe( Elemente) die Tendenz haben, sich in eine letzte, teine neuen Verbindungen mehr eingehende Urmaterie zu verwandeln, glaubte man die exakte Vorstellung von dieser Entwicklung zum absoluten Nichts hin gewonnen zu haben. Insbesondere die Einsteinsche Lehre hatte bewiesen, daß die Masse verschwindet, wenn fie Energie abgibt, und so flein auch das Quantum der Energieemanation ist, der die Materie unterliegt, so war das Prinzip, daß fich ungeheure Mengen von Energie und damit also von Masse in dem Weltraum verlieren, doch unanfechtbar, und dieser Vorgang mußte zu irgendeinem Punkt des zeitlichen Geschehens jeden materiellen Größenwert übersteigen. Man fonnte nicht anders, als ver. muten, daß die in den Weltraum hinausgewanderte Energie, in Bärme umgesetzt, sich in der Kälte des Weltraums( 273 Brad Celsius) verlieren müsse. Einen ersten Versuch, unsere Vorstellungen von dem Schicksal der Welt aus dieser troftlosen Perspektive zu lösen, machte bereits von Jahren der deutsche Physiko- Chemifer Nernst mit der Auffrellung einer genialen hypothese, zu der ihm die Auffindung einer bis dahin gänzlich unbekannten Art von Strahlen die wissenschaftliche Grundlage und Anregung gab. Bereits um die Jahrhundertwende hatten sich bei meteorologischen Forschungen Strahlungserscheinungen gezeigt, deren Charakter man nicht erklären konnte, von denen man aber annahm, daß sie die Auswirkung radioaktiver Substanzen in Erde, Luft und Wasser darstelle. Erst als man die meteorologischen Forschungsmethoden mit Hilfe der Hochgebirgsstationen und der Flugzeugbeobachtung bedeutend ausbaute, fand man Anhaltspunkte, die dazu zwangen, von jener Deutung abzugehen und nach neuen Erklärungen zu suchen. Der Physiker Kolhörster, der sich auf Anregung von Nernst ganz besonders mit jenen geheimnisvollen Strahlen beschäftigte, fand bei seinen Untersuchungen am Eigergletscher und auf dem Jungfraujoch, daß jene Strahlung ganz erheblich mit der Höhe des Beobachtungsortes zunehme. Auffallend war insbesondere die Tatsache, daß die Intensität dieser Strahlung um etwa ein Biertel ihres Wertes zurüdging, als man die Beobachtungen in einer etwa 10 Meter tiefen Gletscherspalte vornahm. Diese Tatsache zwang vor allem zu der Aufgabe der Theorie von der Herkunft der unbefannten Strahlen aus Stoffen der Erbrinde und ließ annehmen, daß athmosphärische Einflüsse hier walten müßten. Diese Ansicht be ftätigte fich, je mehr die Versuche mit sehr hochsteigenden Bersuch ballons fortgesetzt wurden. Man stellte fest, daß die Strahlungs intensität mit wachsender Höhe tonstant erheblich zunahm und bereits in neuntausend Meter Höhe etwa das achtzigfache ihre Wertes an der Erdoberfläche erreicht hatte, außerdem fand man eine regelmäßige, tägliche Schwankung der Strahlungsenergie um annähernd 15 Proz. ihres Wertes, die zugleich mit dem Höchst resp. Tiefstande der Milchstraße zusammen fiel. Daraus ergab sich der zwingende Schluß, daß jene Strahlung aus einer bestimmten Gegend des Himmelsraumes stammen müsse, und zwar aus dem Gebiete der großen Rebelhaufen und der jungen roten Riesensterne. Nernst bezeichnete die so festgestellten Strahlen als die durch dringende Raum oder Höhenstrahlung". Tatsächlich übertrifft thr Durchdringungsvermögen alle bisher bekannten Strahlenarten. Man vermutete, daß ihre Bellenlänge nur etwa den zehntausendsten Teil der Wellenlänge der fürzesten bisher bekannten Röntgenstrahlen ausmache. Die neuerdings viel besprochenen Ultra- X- Strahlen" des Professors Millikan sind nichts anderes als eben diefe Raum- oder Höhenstrahlen. Er hat die Wellenlänge dieser Strahlen sogar auf den 1 millionsten Teil der Röntgenstrahlenlänge festgelegt und be hauptet, daß ihre Intensität diejenige der Röntgenstrahlen um das 250fache übertreffe. Damit erhalten Nernsts fosmologische Theorien. über den Energiegehalt des Weltenraums eine starke Stüge. Er tam von thermodynamischen Betrachtungen aus zu dem Schluß, daß jeder Kubikzentimeter des Weltraumes eine Energie enthalten müsse, die ungefähr dem Wärmewert von 500 000 Tonnen Steinfohle entspreche. Die Grundidee seiner fosmologischen Anschauung ist nun die, daß dieser ungeheure Strom von Energie, den man als die Nullpunktenergie des Batuums" bezeichnet hat, den ganzen Weltraum durchströmt und sich in ungefährem Gleichgewicht halte mit der in der Masse" enthaltenen Energie. Ebenso, wie die Der Weihnachtstag des kleinen Tobias 4] Bon Ignat Herrmann Im selben Augenblid aber ftand auch Frau Raras auf und rief hinter ihm her: Herr Bazlamit, ich hab' noch etwas vergessen!" Die Kinder zogen indes ihren Lehrer fort, so daß er sich ihrer nicht zu erwehren vermochte. Herr Karas aber wandte sich zur Gattin um: Was ist denn los?" Frau Christine fehrte schon vom Wäscheschrank zurück und überreichte ihrem Gatten ein Päckchen: -öffne es." „ Das ist mit der Post gekommen Herr Karas überflog mit den Blicken die Adresse, dann ergriff er ein Messer, durchriß mit einem raschen Schnitte den Spagat, löste die Berpadung los und hielt eine Schachtel aus Pappendeckel in seinen Händen. Er lüftete den Deckel und da gewahrte er ein winziges Kinderspielzeug, wie es im Gebirge angefertigt wird. Kleine Häuser, ein Kirchlein, Männlein und Docen fleine Bauern butterfäffer, Schäffelchen, Backtröge und Bänke mit einem Worte ein komplettes Dörfchen mit seinen Bewohnern, winzigem Bieh und niedlichem Hausgeräte, ein altes und stets neues Wunderwert für Kinderfeelen, eine Menge Spielzeug, bei dem ein jugendliches Herz por Bonne erbeben fonnte. Alles bunt bemalt. Alles duftete noch nach unberührter Farbe und erfrischendem Harze. pointin , Wo gehn wir denn hin, Vater?" Heiligabend. Beilage des Vorwärts ( Nach einer Zeichnung des Rofentrater Amfterdam.) „ Das weiß ich nicht, mein Junge. Wir laufen bloß so'n bisken rum-. 128 Uranatoms in je tausend Millionen Jahren weitaus genüge. Helium- und Wasserstoffatome, das irdische Endprodukt des radio-| erhaltung der Masse des Weltalls die Neubildung eines einzigen attiven Abbaues der Elemente, sich schließlich in Energie auflösen und als solche in den Aether hinausströmen, so hat man sich umgefehrt vorzustellen, daß durch gelegentliche Schwankungen jener Nullpunktenergie des Aethers fich auch wieder Atome chemischer Clemente neubilden. Daß solche Neubildungen effettiv noch nicht beobachtet worden sind, führt Nernst auf die ungeheure Seltenheit eines solchen Vorganges zurüd. Er nimmt an, daß zur AufrechtSo wäre auch hier für unsere Borstellung der ewige Kreislauf der Dinge geschlossen und der Begriff„ Ewigkeit" hätte einen neuen Sinn bekommen, schwer deutbar zwar, fürs erste, aber als Idee von nicht leicht zu ermessender Tragweite und vor allem eine Erlösung von der Blindheit, mit der wir bisher dem Geschehen im Weltall gegenüberzustehen verurteilt waren. Hübsch," pflichtete Herr Raras bei, doch es flang so heiser ,. wie ihm das Wort mit Mühe aus der Kehle drang. Er hatte ein Gefühl, als ob man ihn mit kochendem Wasser übergossen hätte. Weshalb hat sich dieser Brief nicht um einen Tag verzögert, meshalb ist er nicht schon gestern gekommen! Wahrlich, der heutige Auftritt im Magazin wäre dann nicht passiert! Jedes der chrerbietigen Worte, die ihm Tobias Eltern äußerten, peitschte ihn mit dem Vor murfe, wie unverdient es sei. Und dabei hörten alle Augenzeugen seines Jähzornes zu, und Tobias felber! Frau Karas legte den Brief in die Spielzeugschachtel zurüd und meinte noch: Jetzt gedenken sie sicherlich daheim ihres fernen Sohnes und ihre Blicke wandten sich zur gegenüberliegenden Tischseite, wo aber der fleine der kleine Tobias gewöhnlich saß. Sie suchte ihn Tobias war nicht da. Frau Christine überflog nochmals die Reihe der Anwesenden, ob sie ihn vielleicht nicht übersehen hätte, und als fie bemerkte, daß sie sich nicht getäuscht hatte, rief sie überrascht: Wo ist Tobias?" Rühnheit vielmals um Entschuldigung und erhoffen in Anbetracht dieser Kleinigkeit Ihre Berzeihung, denn solch eine winzige Ware wird in unserer Gegend hergestellt, wenn die Wirtschaft flein, das Geschäftchen armselig ist und im Winter alles stockt. Gäbe der liebe Gott, daß es die Kinderchen in Gesundheit antreffen möge, daß sie damit in Gesundheit spielen und es auch zerbrechen mögen, mie es ja bei Kinderchen nicht anders sein kann, und dann wollen wir so frei sein und uns fünftig wieder ein neues zu schicken gestatten. Möge der himmlische Bater Ihnen volle Gesundheit und auch viel Glück im neuen Jahre schenken. so wie wir den Herrn Jesus, die Mutter Gottes und Jungfrau Maria und den heiligen Pflegevater Josef darum anflehen. Was unseren fleinen Tobias betrifft, so hoffen wir fest, daß er sich brav und gehorsam aufführt und danken herzlich für alles Gute, das ihm der gnädige Herr erweist.( Herr Karas ließ beim Zuhören das Haupt immer tiefer sinken, und um feinen Preis hätte er jetzt nach jener Stelle geblickt, wo er den Lehrnaben Tobias sigen glaubte. Er fühlte die Blicke aller Lehrjungen und Kommis auf sich gerichtet, und in diesem Augenblicke schwebte ihm der ganze Nachmittagsauftritt in seiner vollen Lebhaftigkeit vor und dies war Augen, die ihm durch die Size beinahe erröteten das Blut, das er über Tobias Wange herabfließen sah. Es herrschte Stille im Speisezimmer, auch der Herr Informator war mit den Kindern zur Türschmelle herbeigetreten, und alle hörten zu, indes Frau Christine weiterlas.) Wie uns unser fleiner Tobias schreibt, geht es ihm in Ihrem gnädigen Hause recht wohl, er bekommt ausgezeichnet und reichlich zu essen, wie er es daheim niemals gekannt Drohendes, wie ein fich nahender Butausbruch. In Wirklichkeit aber hat, und so danken wir dem himmlischen Vater vom Aufstehen bis zum Schlafengehen, daß ihm so ein Glück widerfuhr, und daß er gerade im Hause des gnädigen Herrn einen Posten gefunden hat, in dem er sich für seinen Beruf von Grund auf einüben wird. Der gnädige Herr ist, wie uns Tobias schreibt, streng aber gerecht, und so bitten wir untertänigst und vielmals, auch weiterhin über ihn die väterliche Hand schützend zu halten. Und wenn es geschehen sollte, was der liebe Gott verhüten möge, daß unser Sohn durch Unvorsichtigkeit etwas ruinieren oder verderben sollte, so wird es unser Bemühen sein, den verursachten Schaden zu vergüten, damit der gnädige Herr nur teine Ursache zur Unzufriedenheit hätte, aber wir hoffen zuversichtlich, daß sich unser fleiner Tobias all unsere Ermahnungen zu Herzen genommen und dem gnädigen Herrn, uns und sich für alles verantwortlich sein wird, wozu ihm der allmächtige Gott seinen Beistand verleihe. „ Von wem ist das gekommen?" fragte Herr Karas. " Bon Tobias Eltern," entgegnete Frau Christine leise. In der Ede der Schachtel befand sich ein Brief. Herr Karas griff zaudernd nach demselben, öffnete und durch flog ihn. " Da haft du!" Mit diesen Worten reichte er in einer gewissen Berlegenheit der Gattin den Brief.„ Lies du es es ist sehr flein geschrieben." Frau Christine setzte sich nieder und las das Schreiben einer alten Hand, die doch voll charakteristischer Züge war: " Gnädigster Herr und allergnädigste Frau! Wir bitten untertänigst um Berzeihung, daß wir es wagen, mit diesen Zeilen in Ihr Haus eindringen und Ihnen unsere ehrerbietigsten Wünsche für glückliche und fröhliche Weihnachtsfeiertage zu entbieten. Möge der himmlische Bater den gnädigen Herrn und die allergnädigste Frau und die werte Frau Mutter noch lange gesund und zufrieden erhalten. Da uns aber Tobias mitgeteilt hat, daß die gnädige Frau zwei liebe Kinderchen hat, so nehmen wir uns die Freiheit und magen es, ihnen zum Weihnachtsfest diese unansehnliche Kleinigkeit mit der untertänigsten Bitte zu senden, das, was das Christkindlein und die Mutter an und sprach: für fie beichert hat, gütight anzunehmen. Wir bitten wegen dieser„ Das ist ein hübscher Brief." der gnädigen Frau und der werten Frau Mutter, indem wir von Wir empfehlen uns in tiefster Ehrerbietung dem gnädigen Herrn, Herzen wünschen, daß Sie an den lieben Kinderchen recht viel Glück und Freude erleben mögen. Tobias und Magdalena Marschalet." Frau Christine faltete den Brief zusammen, blickte den Gatten Keiner der Anwesenden hatte ihn bisher vermißt, und menn ihn schon einer der Kollegen unter den Lehrburschen oder einer der Handlungsgehilfen vermißt hätte, so hätte es feiner gewagt, es auszusprechen. Wo ist Tobias?" rief der Prinzipal ein zmeitel Mal, und für alle feine Untergebenen lang aus diesem Ausrufe etwas erflang in der Stimme des Herrn Karas etwas anderes. Halb war es der Schreck und halb die Furcht, was er wohl vernehmen werde. Jezt aber faßte sich der älteste Kommis, der Herr Franz, ein Herz und sprach: Oben hat ihn niemand gesehen, vielleicht ist er unten geblieben Ein Ausdruck der Betlemmung malte sich im Gesichte von Frau Christine. Rasch überflog sie mit den Blicken das Gesicht sämtlicher Lehrlinge und Gehilfen, und dann, indem sie auf den Gatten bliďte, fragte fie: Was ist geschehen, Florian?" " ,, Nichts ist geschehen," antwortete der Prinzipal furz, lafonisch, und aus seiner Stimme erflang für die übrigen vom Laden der Befehl, auch von nichts zu wiffen. Unten im Geschäft regierte er fast mit dem Donnerteile Peruns, seine Augen sprühten Blige, aber gewechselt. Seine Heftigkeit beruhigte sich und bezähmte sich vor der wenn er sich oben in der Häuslichkeit befand, war er wie ausmilden, weichen Frau, deren ganze Erscheinung, Gesinnung und Ge barung ihn fesselte und mit einer gewissen Scham erfüllte. Im Geiste warf er ihr Schwäche und fast Weichlichkeit vor, aber er befaß nicht den Mut, sich ihr zu widersehen und fühlte gewissermaßen unbewußt, wie erhaben Frau Christine über ihn war. Und gerade feinen heutigen Jähzornausbruch hätte er gerne vor ihr geheim gehalten. ( Schluß folgt.) APOLLO Residenz- Th Heute geschloss. An allen Feiertagen 8 Uhr: Die Durchgängerin Lustsp. v. L Fulda 1. und 2. Feiertag THEATER 3, U. KI. Preise FRIEDRICHSTR.218 Untergrundbahnhof Kochstras Der neue Lichtspielpalast ERÖFFNUNG: 1. Weihnachtsfeiertag Cilly Feindt persönlich mit ihrem Schulpferd ,, Nestor und im Film: Die Zirkusprinzessin und das Varieté- Programm An allen drei Feiertagen täglich drei Vorstellungen 434, 7 und 9 Uhr Kleine Preise von 1 bis 3 Mk. Vorverkauf ab 11 Uhr täglich Jugendfreunde 3.Feiert. 3%, KL.Pr Schneewittchen Thalia- Th. Heute geschloss Deutsches Künstl.- Theater Geschlossen! Th. a. Kurfürstendamm Geschlossen! Th.a.Schiffbauerdamm Geschlossen! Lustspielhaus Geschlossen! 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Feihn aus der Mitte der Unterzeichneten 150.-, Belaiaden 65.bruar 1926, in folgenden Lokalen: au benennen. Ist dies unterblieben, fo 1. Sandelsschule, Schöneberg, Mühlen- ailt der erfte Unterzeichner als Ber- breikia! Kreuzfüchse fünfzehn! Monats ftraße 15( Turnhalle), von 2 bis treter des Wahlvorschlages und, foweit garderobe! Brachtteppiche 24-1 Feder betten Stand 38.-! Steppdecken! 8 Uhr nachmittags, eine Reihenfolge erkennbar ist, der Diwandeden! Gardinenlager!( Reine 2. II. Gemeindeschule, Schöneberg, Ruffaweite als fein Stellvertreter. Der Berfakware.) Teilzahlung. Bfandleih häuserstr. 23( Turnhalle), von 2 bis Wahlvorschlagsvertreter ist berechtigt Berkaufshaus, Schönhauser Anee 115 8 Uhr nachmittags, und verpflichtet, die aur Beseitigung( Nordring). 3. IV. Gemeindeschule, Schöneberg, Ro- etwaiger Anftände erforderlichen ErTonnenste. 23( Turnhalle), von 2 bis flärungen abzugeben. Die zugelaffenen 8 Uhr nachmittags, 4. 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Einsprüche gegen die Richtia bochelegante neue Garderobe zu staunend fofern diefelben nicht in einem anderen feit ber fich aus diefen eraelóniffen billigen Breisen. Gelegenheitstäufe in Bahllotat au wählen beabsichtigen. Die eraebenden Wah- und Stimmberechti- Sportpelzen, Gehpelzen, Belamänteln, Arbeitgeber wählen am Montaa, den muna find bei Vermeidung des Aus Belaiaden, Füchsen aller Art auffallend 8. Februar 1926, in ber Reit von 1 bis flues fpäteftens vier Wochen vor dem billig im Leihhaus Lowidi, Brinzen8 Uhr nachmittags in den Raffenlokalen Wahltage unter Beifülauna von Bemeistraße 105, eine Treppe. ber Allgemeinen Ortstrantenkaffe mitteln bei der Sauptstelle der Raffe Schönebera- Friedenau, und Awar: einzulegen. Die Wohl- und Stimm den Gesellschafts Leihhaus Lowidi. Prinzen Berleih hocheleganter Möbel 1. Schöneberg, Grunewalbitr. 30, Quer- berechtima jedes Wählers mir bei Anzüge. gebäude II. Stodmert, Schalter 31/32, her Wahlhandlung durch den Mahlaus ftraße 105. 2. Friedenau, Rheinftr. 9, Borderhaus fuk geprüft. Es empfiehlt fich daher, I. Stockwert. hie Wahlberechtioung durch die Wähler. Die Wahlen find geheim. Gewählt Farte nachaumeifen, welche in Windhorft Möbeltischleret, Brunnen wird nach den Grundfäken der Berhält Raffenlokalen in der Reit vom 23. Ja traße 162, vertauft bireft an Brivate niswahl nach näherer Bestimmung der nuar 1926 bis 5. Februar 1926 von Möbel. Großläger in Speifeaimmern, Wahlordnuna. Das Wahlrecht ift in 9 bis 1 Uhr gegen Boraciquna hes Serrenaimmern. Schlafzimmern, Rüchen, Berion auszuüben. Die Wähler miten Mitafiedsausweifes bzw. einer BeQualitätsarbeit Einzelmöbeln. aller bas 21. Lebensjahr vollendet haben. Sheiniauna des Arbeitgebers für bie billiaft. Befuch unbedingt lohnend Runn Leiter der Wahl ist vom Borstand Rerficherten ausaeftellt merhen. Ohne ber Raffe der Borfikende, Serr Arthur Möhlertarte werden Berficherte aur Batentmatzagen, Auflegematragen, Me Schuldt, bestimmt worden. Befon- Mohl nur auaelaffen, wenn fie ihre tallbetten, Chaiselongues. Walter, Starbere Wählerliften werden nicht aufge9ahlbered timma in überzeugender garderftraße achtzehn. ftellt. Rur Prüfung der Wahl- und Weise nachmeisen fönnen. Die Arbeit Gee Teilzahlung. Möbel feber Art. Stimmberechtigung dient das Arbeit neber müffen fich in der Reit nom ringe Anaahlung, bequeme Abzahlung. neber- und Mitgliederverzeichnis. Die 25. Januar 1996 bis 6. Februar 1926 Möbelhaus Luisenstadt, Röpenider berechtigten werden hierdurch auf von 9 his 1 he ablfarten austellen trake 77/78, Ede Brüdenstraße. defordert, Wahlvorschläge gesondert für und befcheinigen Toffen, mieniel Stim. Die beteiligten Versicherten und Arbeit men fie filhren. Diefe Karten und Beacber aufzustellen und der Sauptstelle fheinigungen erhalten die Arbeitgeber er Möbelfpeicher. Neue und gebrauchte Möbel. Teilzahlung ohne Auffchlag. Kaffe Schöneberg, Grunewald ft. 30, melche bei bet Senfelle, ber Raffe ver. Zilkomitrake 95. 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