Str. 60842. Jaheg. Ausgabe A nr. 310 Bezngsvrets: 38dentlich 70 Bfennig, monalité 8, Reichsmart voraus zahlbar. Unter Rreuzband für Deutschland, Danzig. Saar- und Memelaebiet, Desterreich. Litauen. Suremburg 4,50 Reichsmart, für das übrige Ausland 5,50 Reichsmart pro Monat. Der Borwärts mit der Gonntags beilage Bolt und Reit mit Gied lung und Kleingarten fomie ber Beilage Unterhaltung und Biffen und Frauenbeilage Frauenftimme erfcheint mochentäglich ameimal Sonntags und Montags einmal. Telegramm- Adresse: .Sozialbemokrat Berlin" Morgenausgabe Vorwärts Berliner Volksblatt 15 Pfennig Anzeigenpreise: Die einfvaltige Nonpareille seile 80 Pfennig. Reflamezeile 5. Reichsmart. ,, Aleine Anzeigen das fettgedruckte Wort 25 Vfennia ( auläffia awei fettgedruckte Borte, jebes weitere Wort 12 Bfennig. Stellengesuche das erfte Wort 15 Bfennig, tebes meitere Bort 10 Pfennig. Worte über 15 Buch ftaben zählen für zwei Worie. Arbeitsmarkt Reile 60 Pfennig. 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Zweifelnde aber, und ihrer werden immer mehr, fragen mit steigender Eindringlichkeit: Wo ist der Friede auf Erden? Wo ist vor allem jenes Wohlgefallen, das allen Menschen in Sang und Liedern verheißen wurde und wird? In ganz Europa leiden die Bölfer unter den Fern wirkungen des Weltfrieges. Ungeheure Werte an materiellen Gütern sind durch das Wüten entfesselter Leidenschaften und entfesselter Technit zerstört worden. Noch größer ist das Berluftkonto der seelischen Güter, des gegenseitigen Vertrauens, der gegenseitigen Hilfsbereitschaft. Fast sieben Jahre leben wir heute schon wieder im Frieden", der den Weltkrieg abgelöst hat. Aber welch ein Friede ist das! Bei den Siegern wie bei den Besiegten die gleiche Unraft, die gleiche Wirtfchaftsnot, fast dieselbe verzweifelte Hoffnungslosigkeit. In Deutschland frachen Geschäfte und Unternehmungen zusammen, die man für unverwüstbar hielt. Die Zahl der Konkurse wächst ins Ungeheure; die der Anträge auf Stellung unter( amtliche) Geschäftsaufsicht nicht minder. Betriebsstillegungen erfolgen in bisher ungekannten Ausmaßen. Millionen von Werffreudigen stehen auf der Straße, von ihrer Arbeitsstätte entlassen, ohne Aussicht auf baldige Wiederbefchäftigung. Das Richtarbeitendürfen bedeutet für sie fein Ausspannen, fein Aufsammeln neuer Kräfte zum Leben und zur Arbeit. Es bedeutet vielmehr drückende Sorge um den nächsten Tag, die nächste Woche, den nächsten Monat. Es bedeutet Zermürbung der Nerven und des Selbstvertrauens, Berzweiflung oft und noch Schlimmeres. Die Chronik der Selbstmorde zeigt beängstigend machsende Ziffern auf. Die foziale Not ergreift immer breitere Kreise. . und allen ein Wohlgefallen." Noch besteht der Kampf aller gegen alle, nicht der Friede. Noch besteht das Ringen um Selbstbehauptung, wie bei den Nationen, so innerhalb der einzelnen Völker. Noch ist die Wirtschaft" auch im deutschen Staatsleben tonangebend. Die Millionen von Arbeitenden und Arbeitslosen, von Angestellten und Beamten zählen für die Wirtschaft" nur sehr bedingt mit, trotzdem oder gerade weil die Wirtschaft ohne dieses Heer der schaffenden Hände und Köpfe überhaupt nicht denkbar ist. Die deutsche Reichsverfassung macht dem Reiche den Schuß der Arbeitskraft zur Pflicht, weil- wenigstens noch 1919 damit der grundlegende Wert dieser Arbeitskraft für das Gedeihen des ganzen Boltes anerkannt werden sollte. Wie hat das Reich diese Pflicht bisher erfüllt? Was hat besonders die deutschnational geführte Regierung des letzten Jahres getan, um die Arbeitskraft zu schützen? Der Zolltarif und die Steuergesetze Schliebens sind beredte Zeugen. Die Notlage der Reichsarbeiter und der Beamten spricht eine ebenso deutliche Sprache. Das Ergebnis dieser Politik sehen wir in der Wirtschaftskrise, die über das Land hereingebrochen ist, und in der furchtbar anschwellenden Ziffer der Arbeitslosigkeit mit all ihren Folgen... Nein, weder Friede noch Wohlgefallen ist auf der Erde. Kein Weihnachtslied kann sie hervorzaubern. Nur die eigene Arbeit des einzelnen Menschen und der Völker an sich selbst fann den Weg finden, der in eine trostvollere Zukunft führt. Nicht das tatenlose Hoffen auf einen Tag der Erfüllung, sondern das tatvolle Wirken an jedem Tage tann eine Aenderung bringen. Nicht entfagendes Schelten auf Untätig feit anderer, sondern fraftvolles Fordern und eigenes Bollbringen. Die demokratische Staatsform gestattet nicht das Zetern und Hadern, sie verlangt ganze Menschen mit ganzem Wollen. Sie bietet zwar auch Schlupfwinkel für Geister mit Schlaf müßen, aber sie ist auch ein Tätigkeitsfeld für entschlossene und Aber diese Erscheinungen find nicht nur auf das besiegte ihres Weges sichere Menschen der Arbeit. Zwar ist sie allein Deutschland beschränkt. Auch in den Siegerländern ringt das und für sich nicht das Ziel aller Wünsche, aber sie bietet den arbeitende Bolt um sein nacktes Leben. England, das Arbeitenden die Möglichkeit, in der Zusammenfaffung ihrer verhältnismäßig am glimpflichsten durch den Weltkrieg fam, Kräfte Großes zu erstreben und zu erreichen. Schuß der Ar versucht vergebens, die feit dem Kriegsende andauernde Arbeitstraft eine Verheißung der Verfassung. Was aber beitslosigkeit zu bannen. Mit Hilfe von Subsidien an seine tatet Ihr alle im einzelnen, um dieser Verheißung lebendige Industrien bemüht es sich, der Wirtschaftsstockung und der Gestalt zu geben? Arbeitslosigkeit zu begegnen und gleichzeitig die festländische Konkurrenz unmöglich zu machen. In Frankreich spielt fich jetzt der Kampf um die entschwindende Währung ab, ein Kampf, den wir hierzulande in unserer Inflationszeit in allen feinen Schrecken und bis zur Neige fennen lernten. Auch Frankreich gehört zu den Siegerländern. Und ber naive Glaube, daß ,, Deutschland alles bezahlen" tönnte und würde, ist dort vom, nationalen Bloc" so lange genährt worden, bis die Erkenntnis der Wahrheit eine furchtbare Enttäuschung brachte. Wohin man blidt in gang Europa- nirgend ist jenes ,, Wohlgefallen" zu finden, von dem die Weihnachtssagen melden. Nicht einmal der Friede ist gesichert. Nochy starrt die Welt von Waffen, die neuer Bernichtung dienen sollen. Noch herrscht die brutale Gemalt, nicht nur im faschistischen Italien und in Horthy- Ungarn, nicht nur in Syrien und Maroffo, in Sowjetrußland und Rumänien. Zwar hat jetzt der Völkerbund eine Abrüstungsfonferenz berufen. Und wer wünschte nicht, das sie Erfolg hätte? Zwar haben die Verträge von Locarno einen neuen Weg zur„ Befriedung" Europas geöffnet. Aber der Friede ist noch nicht da, solange die Wirtschaftspolitik des staatlichen Egoismus die Bollschranken und Einfuhrsperren staatlichen Egoismus die Zollschranken und Einfuhrsperren aufrechterhält, solange nicht über den National- und Natio nalitätenstaaten hinweg ein einheitlicher Wirtschaftswille sich auswirken kann, der die Bedarfsgebiete versorgt aus den Ueberschüssen der anderen. Freilich drückt die Sorge um das Heute und die nächste Zukunft manchen nieder. Aber auch in solchen trüben Zeiten soll niemand vergessen, daß in der Zusammenfassung der Kräfte, in der Organisation der Arbeiter und der Arbeit die beste, ja die einzige Gewähr steckt, um den Anprall der Krisenzeit in ihren härtesten Stößen abzufangen. Freilich nagt der Kummer um die Familie, um die Kinder am Herzen jedes Arbeitslosen doppelt start. Aber gerade wenn er der Kinder gedenkt, so wird er für ihre Zukunft sorgen wollen auch in der schwersten Zeit. Selbstverständlich, daß das Reich als die Bertretung der Allgemeinheit die Pflicht hat, für die Milderung der Not zu forgen; selbstverständlich auch, daß die politischen und wirtschaftlichen Organisationen der schaffenden Menschen das Reich immer wieder an seine Pflicht erinnern aber ebenso sollte es sich von selbst verstehen, daß der einzelne auch in Zeiten der persönlichen Not den Kopf oben und das Herz auf dem richtigen Fleck behält: In Kameradschaft mit seinen Schicksals- und Notgenossen auszuharren im Kampfe um eine Gesellschaftsform, die weder Zwang noch Not tennt. Im Kampfe für den Sozialismus, der verwirklichen wird, was die Weihnachtssage ver heißt: Friede auf Erden und den Menschen ein Wohlgefallen! Ausharren trotz allem, denn: In Fährten und in Nöten zeigt erst ein Bolt sich recht! Ein politischer Skandal. Verleumdung der Sozialdemokratie mit untanglichen Mitteln. Der Tag" fucht in seiner gestrigen Weihnachts- Nacht ausgabe der Sozialdemokratie und dem Zentrum eins aus zuwischen. Unter der fetten, rot unterstrichenen, dreispaltigen Baltenüberschrift„ Ein politischer Standal aufgedeckt" be= hauptet er, die Sozialdemokratie und das Zentrum hätten durch offizielles Schreiben den Generalsekretär des Völkerbundes ersucht, Angehörige der Partei als Mitglieder des Sekretariats auszuwählen, wenn Deutschland in den Völkerbund eingetreten iſt". Wir sind für die Sozialdemokratische Partei ermächtigt, zu erklären, daß an dieser Schwindelmel. dung tein Wort wahr ist. Auch für die 3 entrums. partei dementiert, wie wir in den Abendstunden erfahren, Reichsregierung und Erwerbslose. Es ist Geld da! Die geschäftsführende Reichsregierung fündet hat, und dem in der Bollversammlung des Reichstags am 12. Deplöglich mit einigem Tamtam Notstandsaftionen gember 1925 einstimmig gefaßten Beschlusse des Reichstags ist im größten Stils" an. Beim Haushalt des Arbeitsministers be- Reichsarbeitsministerum ein Gefeßentwurf ausgearbeitet wor findet sich aus dem letzten Etat ein Hundert Milden, der die Einbeziehung ber höher bezahlten Anlionen Fonds, der kaum in Anspruch genommen gestellten in die Erwerbslosenfürsorge bezweckt. Das Reich s worden sei. Er solle jetzt von Ländern und Gemeinden zweds tabinett hat in feiner letzten Sigung der Neuregelung zugestimmt. Der Gefeßentwurf liegt bereits dem Reichsrat vor und Einleitung größerer Notstandsarbeiten verwendet werden. wird dem Reichstag alsbald zur Beschlußfassung zugeleitet werden. Berordnungsentwurf sollen die Beiträge zur Er. werbslosenfürsorge grundsäglich einheitlich für das Reich sa Reichsausgleichstaffe fließen. Damit wird der in der Strifenzeit besonders nötige Ausgleich zwischen den unter- und überbelasteten Gebieten des Reiches herbeigeführt und das Beitragsaufkommen so vollständig wie möglich zur Deckung des Fürsorgeaufwandes herangezogen. Schließlich sollen im Berordnungswege Die große Geste des Rumpfkabinetts Luther bekommt ein anderes Gesicht, wenn man sich an ihre bisherige Haltung zur Arbeitslosenfrage erinnert. Seit Monaten kämpft der Reichstag um die Erhöhung der Unterstützungsfäße, feit Monaten bemüht sich die preußische Regierung um die Einleitung größerer Notſtandsarbeiten. In beiden Fällen arbeitete die Reichsregierung mit der Parole:„ Es ist ein Geld da!" Die Aktion der preußischen Regierung scheiterte an dem Berhalten der Reichsregierung, die Erhöhung der unterstützungsfäße konnte aus demſelben Grunde nur in ganz unzulänglichem Maße vorgenommen werden. " Aus der Weihnachtsbotschaft" der Regierung Luther Ist ein solcher einheitlicher Wirtschaftswille möglich, jetzt möglich, da in jedem Lande noch die Wirtschaft das Monopol geht hervor, daß es an dem bösen Willen des Rumpffabinetts liegt, wenn bisher nichts weiter für die Erwerbs des Privatbesizes darstellt? Da noch immer der Profit losen geschehen konnte. Sie beweist aber auch, wie recht die das treibende Element ist, nicht die Sorge um die wohl Sozialdemokratische Partei baran tat, als sie sich fahrt der Mitmenschen? Freilich die kapitalistischen Interim Gegensatz von den bürgerlichen Parteien nicht von den effen find an feine Landesgrenzen gebunden Ihre Träger Spiegelfechtereien des Kabinetts aufs Glatteis führen ließ, reichen sich über alle Grenzschranten die Hand und den sondern auf ihren Forderungen bestand. Kurszettel, wenn die Möglichkeit besteht, dem investierten Rapital eine höhere Rente zu verschaffen. Aber diese internationale Berbrüderung fapitalistischer Intereffenten geschieht nicht um der Wohlfahrt der Völfer willen, sondern in erster Linie um die Steigerung der Binsquote, Amtlich wird gemeldet: Entsprechend der Erklärung, die der Reichsarbeitsminister am 11. Dezember 1925 im Haushaltsausschuß des Reichstages bei der Beratung der zur Erwerbslosenfürsorge gestellten Anträge abgegeben Nach einem ebenfalls dem Reichsrat bereits unterbreiteten gebiet bemessen werden und zum Teil in eine neu zu errichtende die Befreiungen von der Beitragspflicht, die einen nicht vorhergesehenen außerordentlichen Umfang angenommen haben, nach Möglichkeit eingeschränkt werben, So notwendig es ist, daß alles geschieht, um die Erwerbs lofenfürsorge in geordnete Bahnen zu lenten, fo bebentlich ist es doch, sich auf Berordnungen und Einzelgesetze zu be schränken. Was not tut, ist die reichsgefeßliche Einführung der Erwerbslosenversicherung in einer Form, die den Erwerbslosen die Gewähr gibt, vor dem Berhungern geschützt zu sein. Unter diesem Gesichtspunkt gesehen, nehmen fich die Weihnachtsbotschaften" des Kabinetts Luther eher wie Ablentungsmanöver als wie der ernste Bersuch einer erträglichen Lösung des Ermerbslosenproblems aus. die heutige Morgenausgabe der Germania" die Falsch| nachdem man elf Monate gewartet hat, nein. Die Be-| einzelnen Falle eine besondere Härte vorlag, oder in der Person meldung des Hugenberg- Blattes. wegung sett langsam ein, aber die ist doch bemerkbar. In seinem Eifer, den Weimarer Roalitionsparteien eins aufzuhängen, ist der Tag" einem Schwindler aufgesessen, der ihm meismachte, in Genf seien ein halbes Duhend Posten mit je 1000 bis 2000 Schweizer Franken Monatsgehalt zu vergeben. Gewisse deutschnationale Kreise sehen eben, wie früher die Berwaltung Preußens und des Reiches, so jetzt die Berwaltung des Völkerbundes vom Standpunkt der Krippen jägerei an. Sie können es gar nicht begreifen, daß die Politit von Locarno um fachlicher Gründe willen geführt worden ist, und vermuten hinter dieser die Tendenz, Pöstchen für Angehörige der Parteien zu ergattern, die Deutschland den Weg zur Gleichberechtigung im Bölferbunde mühsam gebahnt haben. Benn von einem, politischen Standal" in diesem Falle geredet werden darf, dann nur in bezug auf die Leute, die durch solche Schwindelmeldungen ganze Parteien als Krippenjägerorganisationen hinzustellen suchen. Holsteiniana. Neue Veröffentlichungen des Berliner Tageblatts". Die Rechtspreffe schweigt noch immer zum Fall Holstein. Sie übt die Tattit des Sich- aus- schweigens mit bewunderns werter Ronfequenz, die man von der deutschnationalen Bolitit her sonst nicht gerade gewöhnt ist. Sie scheint sich in Geduld zu fassen mit dem Troste: einmal wird es ja doch aufhören. Aber zunächst einmal hat es noch nicht aufgehört. Das Berliner Tageblatt" jeßt seine Veröffentlichung von Holstein schen Börsenbriefen fort, und da leise Zweifel geäußert wurden, ob die Briefe auch wirklich echt wären, veröffentlicht es gleichzeitig einige der Briefe im Faffimiledrud. Die neuen Beröffentlichungen zeigen, wie Holstein die ihm zufließenden Nachrichten über russische Anleiheverhandlungen, die Ereig nisse in Marokko, Wittes Einwirtungen auf den Rubellurs, über den italienisch- türkischen Konflikt usw. zu Spekulationszwecken ausgenugt hat. Ueber die Ausnutzung der Nachrichten über Wittes Ein wirkung auf den Rubel unterrichtet folgender Brief: ( Sonnabend, 22. Juli 1892.) Alle Nachrichten, die bei uns zusammentommen, stimmen darin überein, daß die verschiedenen Anregungen zur Hausse Goldwährung usw. alle von Witte ausgehen, der den Rubel treiben will. Ich glaube, wenn mir mit Witte gehen, ristieren wir nicht viel. nehmen. Haben Sie nicht auch den Gestern abend war Hamburg 214. Eindruck, daß Witte feinen großen Coup in diesem Monat -T ( 14. September 1901.) Ich halte es für richtiger, erft Dienstag zu reisen. Heute abend komme ich. Wenn ein berufsmäßiger Börsianer so schreiben würde, so wäre das verständlich aber es ist ein Vortragender Rat im Auswärtigen Amt, der wirkliche Leiter der deutschen Außenpolitik durch viele Jahre hindurch, der seine Disposi tionen vom Gang seiner Börsenspekulationen abhängig macht. Ob die Rechtspresse nach Weihnachten die Sprache wieder finden wird? Das Sichtotstellen ist aber auch mit Gefahren verbunden, und das hat die Braunschweigische Staatszeitung" erfahren. Sie hat sich ebenfalls tot gestellt. Sie weiß nichts von Holstein, nichts von den Veröffentlichungen des„ Berliner Tageblatts"-rein nichts. Dafür aber veröffentlichte sie in ihrem vermischten Nachrichten teil folgende Notiz: „ Cholerafälle in Rußland. Vertraulich aus guter Quelle wird gemeldet, daß an der Petersbuger Börse start verkauft wurde, weil Cholerafälle sich in russischen Ortschaften des Kaspischen Meeres gezeigt haben. Man hält die Nachricht in Rußland noch möglichst geheim, meil sonst der Sultan sofort die Durchfahrt durch die Meerengen aus dem Schwarzen Meer verbieten läßt. Er fürchtet die Cholera mehr als alles andere. Die Getreideausfuhr wäre da mit also lahmgelegt." Die Notiz ist gewiß interessant, aber nur etwas alt. Sie stammt aus den neunziger Jahren des vorigen Jahrhunderts und ist wortwörtlich ein Stück aus einem Briefe Holsteins an feinen Banfier. Man fann allerhand Schlüsse aus diesem teinen Unglück ziehen. Zum Beispiel den: die Redaktion der ,, Braunschweigischen Staatszeitung" hat gemeint, von den Beröffentlichungen des„ Berliner Tageblatts" Notiz nehmen zu follen und hat Stüde daraus in Saß gegeben. Hinterher hat sie es vorgezogen, die allgemeine Tattit des Sichtotstellens mitzumachen. Nun hat ihr ein technisches Bersehen einen Streich gespielt, so daß ihr Schweigen um so blamabler erscheint. Der Leiter dieser Zeitung ist nebenbei bemerkt der frühere Leiter der Beit" des Herrn Stresemann, Herr Heinz Goldammer. Luther und der„ Landesverrat". Er will nicht amnestieren. Mehrere deutsche Friedensorganisationen waren bei dem Ich schlage deshalb vor, daß wir heute noch 400 Noten zu Reichspräsidenten für die Begnadigung der Landesverräter" eingetreten, die gemäß des Abkommens Betracht kommt, und hatten darouf aufmerksam gemacht, daß der Botschaftertonferenz von Mitte November in allein im legten Jahre 970 Jahre Zuchthaus Reichskanzler Dr. Luther in seiner Eigenschaft als stell megen Landesverrat verhängt worden sind. Daraufhin hat abgegeben: machen will? maren. des Verurteilten Gründe für eine Milderung der Strafe gegeben Darüber hinaus im gegenwärtigen Zeitpunkt von Amts wegen weitere Gnadenerweise bei dem Herrn Reichspräsi denten zu befürworten, besteht tein Anlaß. Inwieweit die völkerrechtlichen Abmachungen der letzten Zeit Anlaß zu weitergehenden Gnadenmaßnahmen zu geben geeignet find, bildet den Gegenstand von Verhandlungen zwischen den ver tragschließenden Mächten. Der Abschluß der Verhandlungen steht noch aus. Ich stelle anheim, den in der Eingabe mitunterzeich neten Bereinigungen hiervon Nachricht zu geben. Mit der Führung der Geschäfte beauftragt gez. Dr. Luther, Reichskanzler. Die Antwort Luthers bedeutet eine Abfage. Das war auch nicht anders zu erwarten. Denn das Reichswehrminifterium des Herrn Geßler hält es auch heute noch für angebracht, Landesverratsverfahren gegen Schriftsteller zu beantragen, die sich mit der schwarzen Reichswehr be schäftigen. Es paßt durchaus in diesen Rahmen, wenn man erfährt, daß das Meineidsverfahren gegen Ehrhardt, der auch schuld daran ist, daß die Prinzessin Margarete von Hohenlohe- Dehringen wegen Meineids verurteilt wurde, eingestellt worden ist. Bisher vertrat der Staatsgerichtshof die Auffassung, daß es sich um ein gemeines Verbrechen handle. Wie es heißt, ist er jegt zu der Ueberzeugung gelangt, daß es sich um eine politische Angelegenheit handelte. Ehrhardt ist ja auch von Beruf und Neigung bloß Butschist! Die des Fememordes verdächtigen Angehörigen der schwarzen Reichswehr, Oberleutnant Schulz und Genossen, die aus dem Landsberger Gefängnis auszubrechen versuchten, sind nach Berlin übergeführt worden. Die Pariser Luftfahrtverhandlungen. Kein Abbruch, sondern nur Weihnachtsferien. nicht, wie verschiedentlich gemeldet, a bgebrochen, sondern Amtlich wird gemeldet: Die Pariser Luftfahrtverhandlungen find Dertagt worden. Sie werden am 6. Januar 1926 in einer Bollfizung der Botschaftertonferenz wieder aufgenommen werden. Inzwischen werden die verschiedenen Delegierten Gelegen heit haben, ihren Regierungen über den bisherigen Verlauf der Berhandlungen zu berichten und weitere Weisungen einzuholen. Auch die mit den allgemeinen Luftfahrtverhandlungen parallel laufenden besonderen Luftverkehrsverhandlungen zwischen Deutschland und Frankreich werden am 6. Januar fortgesetzt werden. Verbilligung des Brotes? Auf eine ähnliche Konjunktur fann man jahrelang warten. Unsere Nachrichten aus Amerita sprechen von be vorstehendem Goldabfluß dorthin. Auch H. ist der Ansicht. Aber vertretender Reichsminister der Justiz folgende Erklärung andelstammer in Altona hat eine Eingabe an den das tann doch nicht in auf Rubel, so wie die liegen. Weitere Briefe zeigen, wie sehr die Spekulation Holstein bestimmte. Lieft man die folgenden Briefe, so muß man fast annehmen, daß die Spekulation ihm über alles ging, daß fie der eigentliche Inhalt seines Lebens war: ( 15. September 1899.) Ich reise zunächst nicht, felbft falls das Wetter besser wird. Nach fo langem Warten den pinchologischen Moment verpaffen, das wäre zum Haarausreifen. * ( 8. September 1901) Ich hatte es für unrecht, jetzt mitten in der Ron. junttur abzuschnappen und schlage deshalb vor, daß wir erft Donnerstag reifen. Ich werde, wenn ich nichts höre, Mittwoch um fünf fommen. Mir tommt die Berzögerung auch schwer an, ich möchte mich gern etwas ausruhen. Aber mitten in der Bewegung abreisen, Weltweihnachten. Bon Paul Gutmann. Berlin, den 22. Dezember 1925. Der Herr Reichspräsident hat die Eingabe vom 15. d. M. mir zur Prüfung und weiteren Verfügung zugeleitet. Auf Grund der Prüfung beehre ich mich das Folgende zu bemerken: Die Frage, ob und in welchem Umfange hinsichtlich der von Gerichten des Reichs erkannten Strafen Anlaß zu Gnadenmaßnahmen aus allgemeinen Erwägungen herzuleiten sei, ift Dor wenigen Monaten bei der Beratung des Reichsgefeßes über Straf freiheit vom 17. Auguff d. I. geprüft und durch das Gesetz- soweit es sich um Strafen wegen Landesverrats handelt für die Fälle bejaht worden, in denen die Tat durch öffentliche Bekanntmachung begangen ist. Für die in den allgemeinen Straferlaß nicht einbezogenen Fälle fann die Frage, ob ein Einzelgnadenermeis angebracht sei, nur nach den besonderen Berhältnissen des Falles beantwortet werden. Der Herr Reichspräsident hat Don feinem Begnadigungsrecht auf meinen Vorschlag auch bei Berurteilungen wegen Landesverrats Gebrauch gemacht, wenn im Logisch war es, daß der Stärtere ben Schwächeren auffraß; Logisch, daß ein zügelloser Wettbewerb auf allen Märkten den Produzenten zum Tier erniedrigte; logisch, daß einer Kriegertaste, welche die ererbten oder erschlichenen Reichtümer schützen sollte, eine abgöttische Berehrung gezollt wurde. Der Prediger der Liebeslehre auf der Kanzel pries den Wölfermord als eine gottgewollte Einrichtung. Der Kaufmann ließ sich als Genie loben, der brutal das Recht des Schwächeren mit Füßen trat. Der über das Bolt gesezte Richter fühlte sich als Beschützer von Tron und Altar. I Hamburg, 24. Dezember.( TU.) Die Industrie- und Reichskanzler gerichtet, die sich mit Vorschlägen zur Ver billigung des Brotes beschäftigt. Es wird darauf bin gewiesen, daß nach Mitteilungen der größten Brotfabriken HamburgAltonas die Möglichkeit bestehe, den heutigen Brotpreis fofort wenigstens für das Gebiet der größeren Städte um fünf bis at Prozent zu ermäßigen Von dem Verbande deutscher Brotfabriken e B. Hamburg wird die mögliche Preisermäßigung fogar mit acht bis zehn Prozent angegeben. Zur Angelegenheit Mataja ift nachzutragen, daß der Unter. fuchungsausschuß einstimmig die fursmäßige Bezahlung der Biedermannbanfaftien durch Dr. Mataja festgestellt und die Be fchaffung staatlicher Zuwendungen an die Bant durch Mataja ver. Mataja- Marie Schmidt. Das Minderheitsgutachten der Sozialneint hat. Das ändert natürlich nichts an der Doppeleriſtenz" bemotraten richtet sich dagegen, daß die Ausschußmehrheit geglaubt hat, auch die Gewährung von Vorteilen an die Biedermannbant, deren Aktionär Mataja ist, durch den damaligen Finanzminister Rienböd verneinen zu sollen. Gin Borgang, den ich bieser Tage im weihnachtlichen Treiben der Straße mitansah, wird mir unvergeßlich bleiben. Eine ältere Broletarierfrau zog mit einem Tannenbäumchen unterm Arm daher. Man merkte, daß ihr das Tragen dieser Last viel Mühe machte, aber zugleich war ihr müdes Antlig von innen heraus mie von einem festlichen Glanz erhellt. Mehrere Knaben im Alter von zwölf bis dreizehn Jahren, die bunte Schülermüze einer höheren Lehranstalt auf dem Kopf, stellten sich ihr laut lachend in den Weg Ablauf nur Genüge geschah. Die Logit, jenes falte leblose Ge. nachtstag sein könne und daß die Veränderung des Kalenders eine und höhnten: O, die glaubt noch an Weihnachten. Die schleppt fich noch mit fo'nem olien Weihnachtsbaum ab. Bu tomisch!" Dann liefen sie johlend davon, während der Frau die Tränen in die Augen traten. Bas geschah hier? Abgesehen davon, daß dieser Fall roher Berhöhnung wahrscheinlich vereinzelt ist, daß namentlich die Kindheit im allgemeinen von solcher Gefühlsarmut frei sein dürfte, beleuchtet der Borgang gleichnishaft zwei verschiedene Welten. Der Baum, ben jene Frau trug, ist für sie das Symbol eines reicheren, liebevolleren, finnvolleren Daseins, als es der Alltag mit feinen Sorgen und Kämpfen ihr fein fann. Aus den Knaben sprach die herzlose Nüchternheit eines rein auf das Materielle gerichteten Bürgerhauses. Sie find in ihrer jugendlichen Beschränktheit bereits Bertreter der Logit, jener feelenlofen, engbrüftigen, verfrüppelten Logif einer an ihrer Gottverlassenheit dahinfiechenden Gesellschaft. Es stimmt freilich logisch vollkommen, daß wir auch ohne festliches Leuchten, ohne Freude am Schenten leben fönnen. Für den Herzlofen ist alles, mas nicht seiner Selbstfucht entspricht, was über die Befreiung ber eigenen Lebensgier hinausgeht, verrückt oder tomisch. Alles Gemeinschaftsgefühl, alles was Menschen in einem Lebensziel, einer Hoffnung, einem Ideal vereint, ist für solche Egoisten unbegreiflich. Weihnachten jedoch, entstellt, veräußerlicht durch roh materialistische Sinnenluft, ist dennoch das Aufleuchten einer Menschlichkeit, eines sozialen Empfindens, einmal im Jahr für die Meisten, auf ein paar Minuten, vielleicht auch nur auf Sekunden, ein Fest des Friedens, den die Logit als ein unnatürliches Ding zu leugnen fucht. Es gibt etwas, was über alle Logit hinausgeht. Das ist die große Lehre, die wir aus dem Zusammenbruch Europas, dem Zusammenbruch des 19. Jahrhunderts, gelernt haben. Das verflossene Jahrhundert, das Zeitalter eines beispiellosen technifchen Aufschwungs, glaubte, daß der Berstand allein fähig ist, die Welt au regieren. Zugleich mit dem Aufschwung der Naturwissenschaften trat eine bürgerliche Weltanschauung auf, der zufolge Macht und Können alles, die Idee, der tiefere Sinn des Lebens nichts bedeutete. Gerechtigkeit ist eine Idee. In jener Welt gab es nur Latjachen. Mochte Bertrauen, Ehrlichkeit, Menschenwürde zugrunde gehen, wenn die Geldschränke nur gefüllt waren, wenn dem logischen spenst, gleicht jedoch jenem antifen Gott, der die eigene Brut verschlingt. Bringt Totschlag Borteile, so geschieht es, daß der Tot schläger von einem noch Stärkeren erschlagen wird. Das furchtbare Endergebnis jener indianerhaft rohen Dentweise ist die Bernichtung aller, der Untergang jeglicher Menschlichkeit und Gesittung. Wer aus diesem Weltensturz nicht gelernt hat, daß es jenseits der kalten logischen Welt noch Dinge gibt, die heilig, unantastbar und in ihrer ideellen Gefühlssphäre lebenbefruchtend sind, der hat umsonst gelebt. Wer den Sozialismus nicht als eine Tatsache des Gefühls in sich erfahren hat, der gehört der vermodernden Belt von gestern an. In allen Dingen, die der Menschheit zu neuem Aufstieg dienen sollen, in Böllerbundpakten, in Vereinbarungen von Nation zu Nation, im internationalen Gedankenaustausch sozialisti scher Berbände ist nicht allein Bernunft, sondern glüht ein Feuer, das göttlichen Ursprungs ist, nicht im Sinne einer Religion, fondern im Sinne einer Erhöhung des Dajeins über das Tierische hinaus. Wenn die Faschisten aller Länder den Mord als das Naturgewollte hinstellen, so ist das nichts als die falte logische Folgerung aus den Lehren eines Teiles der Tiermelt. Der Sinn, der darüber hinausstrebt, fühlt, daß Liebe und Friede unter den Menschen dasjenige Ziel sind, wohin die höhere unbewußte Natur uns drängt. Die Proletarierfrau, die zum Fest den Baum aus dem Bald in ihr armseliges Heim trägt, ist von jenem großen Geift erfüllt, der lehrt, daß alle Geschöpfe dieser Welt eines Ursprungs find. Die grünen Zweige jenes Bäumchens, die am Abend zur Zeit der Binterfonnenwende von vielen Lichtern leuchten, sind ein Symbol jener Hoffnungsfreude, die noch im Herzen des Ausge stoßenen glimt. Wir wollen wieder hoffen, uns mit anderen Menschen und Bältern in einem Biel treffen, nicht vernunftgemäß das Leben als eine geschäftliche Rechnung anzusehen, wobei ängstlich Botteil und Nachteil abgewogen werden, sondern die Freude des Schenkens, die Weihnachten seinen Sinn verleiht, soll unser Leben unter Menschen und Nationen zu einem Dasein voll Festlichkeit, Würde und Kultur emporheben. 3weimal Weihnachten in einem Jahr. Die Ungenauigkeit in der Kalenderrechnung hat zu mancherlei Merkwürdigkeiten in den Daten der Feste geführt. Aber daß Weihnachten in einem Jahr meimal gefeiert murde, ist wohl nur ein einzigesmal vorgekommen. Im Jahre 1751 wurde in England der Kalender neuen Stils eingeführt und dabei mußte für dieses Jahr der Weihnachtstag früher nach alter Sitte viele Tausende mit Laternen und Kerzen aus, um angesetzt werden. Am Weihnachtstage des neuen Stils zogen nun den berühmten Dornbusch von Glastonburry zu besuchen, der am 24. Dezember von altersher Knofpen trug und am ersten Weihnachtsfeiertag in voller Blüte stand. Diesmal aber hatte sich das under nicht eingestellt, und so tamen die Leute zu der leberzeugung, daß der 25. Dezember neuen Stils nicht der richtige WeihGünde fei. Man beschloß daher, überall in England den neuen unb wie gewöhnlich zu arbeiten. Die Erregung war so groß, daß es Weihnachtsfeiertag nicht zu feiern, aus der Kirche fortzubleiben die Geistlichkeit für geraten hielt, obwohl ihnen das Gefez befahl, den neuen Weihnachtstag zu begehen, das alte Datum ebenfalls noch zu berücksichtigen. Es wurde daher auch an dem späteren Termin Weihnachten gefeiert, und jo tam es, baß ein einzigesmal zwei Weihnachtsfeste stattfanden. 1752 hatte sich die Aufregung gelegt, und Weihnachten wurde ohne Zwischenfälle an dem Datum des neuen Stils begangen. Eine Kerschensteiner- Medaille. Su Ehren des betannten Bädagogen Georg Kerschensteiner in München hat das Zentral. inftitut für Erziehung und Unterricht eine filberne Medaille geMedaille trägt auf der Borderseite das Bild Kerschensteiners, auf stiftet. Die von dem Bildhauer Alexander Oppler entworfene der Rückseite die Inschrift: 3entralinftitut für Erziehung und Unterricht, für Verdienste um die Bädogogik. Der Stein des Dschingis- Chan. Im Asiatischen Museum der Akademie der Wissenschaften in Leningrad ist jetzt der Stein des Tschingis- Chan" aufgestellt worden, das einzige vollständige Zeugnis der altmongolischen Schriftsprache. Diese Steintafel ist zwei Meter hoch, und auf ihr sind die Heldentaten des Issunto, des Heerführers und Neffen des Dschingis- Chan eingemeißelt. Die Tafel stammt aus dem Jahre 1225 und ist das einzige Zeugnis für die altmongolische Schriftsprache. Urania- Borfräge. Theater. Mont.( 7), Dienst.( 5, 7), Miltw.( 9), Freit.( 5, 7): Urmelt im Urwald". Dienst.( 9), Mittw.( 5, 7), Freit.( 9). Connab.( 5, 7), Sonnt.( 7): Wege zu Kraft und Schön heit" Sonnab.( 9), Somnt( 5,9):„ Das Miratel der Bölfe". Hörsaal Mont.( 8), Dienst., Mittw.( 6), Freit., Sonnt.( 9): Das Land der tausend Freuden". Dienst.( 8): Die neueftert anh Amon. Freit.( 7), Sonnab.( 8%), Sonnt.( 7):„ Aus dem Entbedungen und unbe im Rönigsgrab des Lut. Reich der Oper. 16 " Erstaufführungen der Woche. Dienstag. Deutsches Theat: Stätben von Heilbronn". Wittm. Stammerspiele: fiftrata". Donnerst. Staatstheater: 3m weißen Röß'l". Leffing. Jur will er sich machen. Kleines h.:,Boubouroche". Die Sutiche Theater: Maiermar". b. i. d. Königgräger Str.: Ginen der göttlichen Liebe". der Zasthssmus und Süütlrol. Eine offiziöse Erklärung. Rom. 24. Dezember.(WTB.) Die Agenzia dl Roma erklärt offiziös, daß in diplomatischen italienischen Kreisen die Ver- breitung unrichtiger Meldungen über Südttrol in der öfter- reichischen und deutschen Presse mit großer Ausmerksamkeit verfolgt werde. Es sei darin die Absicht gewisser Elemente jenseits der Grenzen zu erblicken, in den Stimmungen beider Länder M i ß. Verständnisse zu säen. In diplomatischen Kreisen oertraue man, so heißt es in der Note weiter, daß dem Mißbrauch mit falschen Nachrichten künstig mit größerem Perontwortungsgesühl begegnet werde, da der Zweck dieser Machenschaften sei, die öffent- liche Meinung in beiden Ländern einander zu entfremden und die wirtschaftliche Zusammenarbeit derselben zu verhindern. * Welche Meldungen der deutschen Press« über Südtirol find„un- richtig" gewesen? Uns ist nur ein einziges Dementi in letzter Zeit l ekannt geworden, nämlich die Erklärung des italienischen General- konsulats in München, die fich gegen die Behauptung wandte, daß der Verkauf von Weihnachtsbäumen in Südtirol behördlich verboten worden sei. Aber gerade dieses Dementi war ein« Lüge, denn dos Verbot hatte bestanden und war erst nachträglich aufgehoben worden. Sonst ist bisher kein« Meldung über Südtirol dementiert worden; und selbst wenn sie dementiert worden wären, dann würde jede Garantie dafür fehlen, daß das Dementi der Wahrheit entspricht. Ein Regime, das die unabhängige Presse vollständig unterdrückt hat und die Verbreitung unbequemer Nachrichten mit schweren Strafen bedroht, beweist damit, daß«» die Wahrheit fürchtet und von der Lüge lebt. Deshalb verdienen g r u n d s S tz- l i ch italienische Dementis keinen Glauben. Ueber„Verantwortungs- gefühl" mit jenem Mussolini zu streiten, der erst kürzlich den Gipfel der Verantwortungslosigkeit mit seiner berüchtigten Kriegsrede erklommen hat, lehnen wir ab. SüdtirolS Schicksal. Die gestrige Meldung de» offiziösen„Jmpero" über die Bildung einer neuen Provinz Südtirol mit Bozen als Hauptstadt wird in. Rom bestrillen. Dagegen führt der faschistische„Corriere Pa- dano" aus, daß sich die Südtiroler als Opfer und Bedrückte hinzu- stellen belieben. Um Nordtirol von Südtirol energisch zu scheiden, sei es notwendig, daß der Faschismus eingreise und ganz Süd- tirol faschistisch mache. Der Generalsekretär der faschistischen Partei, Farrinacci, solle für die Südtiroler«inen eigenen Kommissar bestellen, der mit Hilfe geschickter Leute, die der L ndessitte und der Sprache kundig seien, die ganze Gegend faschi- stuch durchdring«._ Sieg Mostaus über Leningrad. Ter Parteitag der russischen kommunistischen Partei. Moskau, 24. Dezember.(Meldung der Sowjet-Telegraphen- Agentur.)(MTB.) Der 14. Parteitag der russischen Kommuni stischen Partei nahm heute nach dreitätiger Debatte mit 559 gegen 65 Stimmen eine Entschließung an, in der der Standpunkt de» Zentralkomitee» der Partei in sämtlichen außen- und innenpolittschen Fragen im Sinn« der Aus- führungen des Referats Stalin in allen Punkten gebilligt wird. Den Ausführungen Sinowjews über den Standpunkt der Mehrheit der Leningrader Delegierten schlosion sich u. a. Kamt- new, Krupsitafa, Sokolnikow an. Die Anschauungen der überwiegenden Mehrhell' des Parteitages brachten Rh tvw, Tomski, Kalrnin, Woroschilow, Bucharin und zahl» �che.'Prootnzdel edierte zum Ausdruck, die den Kritikern bes Zentralkomitee» vorwarfen, kein« positiven Bor- schlüge gemacht und trotz der Beschuldigung der Mehrhell. sie unterschätze die Erstarrung d«r Großbauernschast, keine Abände- rungsanträge zur Bauernpolitik der Partei gestellt zu haben. In der Entschließung des kommunistischen Parteitages der Sowjetunion wurde die Politik des Zentralkomitees, der die Festigung der internationalen Lage der Sowjetunion, ihr Wirtschaft- ltcher Aufschwung und die Crstarkung sozialistischer und Wirtschaft- l icher Elemente zu verdanken ist. in vollem Umfange gut- geheißen. Hinsichllich der Getreideausbringung und der Pafsi- vität der Handelsbilanz sind jedoch Fehler begangen worden, welch« die Stabilität der Valuta gefährden können. Deshalb heißt der Parteitag den kürzlich erfolgten Parteibeschluß über die Erzielung einer aktiven Bilanz gut. Da« ablehnende verhallen gegenüber dem Völkerbund und Locarno wird vollkommen b-slöligl. wobei Locarno die Neuaufstel- lung der Kräfte für einen künftigen Krieg genannt wird. Das Zentralkomitee ist beauftragt, eine Politik des Frieden» zu führen, die der gesamten Außenpolitik zugrunde liegen und die internatio- nalen Handlungen der Sowjetregierung bestimmen muß. Die mili- tärischc Bcrteidigungskraft der Sowjetunion muß gewahrt und gefestigt werden. Die Unverändcrlichkeit de» Außenhandelsmono- pols und die Notwendigkell der Industriealisierung der Sowjet- nition werden als die Voraussetzungen für die Sicherung der wirt- schof'.lichen Selbständigkell der Sowjetunion bestätigt. Die Skepsis des sozialistischen Aufbaus der Union. der sich aus den sozialistischen Charakter der verstaatlichten In- dustrie und die Kooperation der Bauernschaft stützt, wird getadelt. Anerkamit wird die Richtigkell der Bauernpolitik der Partei, die auf das Bündnis des Proletariats und der armen Bauernschaft mtt de? mittleren Bauernschaft eingestellt ist zum Zwecke der Eindämmuitg der wirtschaftlichen Ausbreitung der Großbauernschast. Die Unter- schätzung der Erstartung der Großbauernschast wie die Vertennung der ausschlaggebenden Bedeutung der mittleren Bauernschaft werden mit besonderer Betonung der letzteren, welche die Bauernpolitik der Partei meistere und gefährde, getadelt. Der Parteitag warnt vor üb-rtriebener Ausdehnung der Mitgliedschaft der Partei auf halb- piolelarische Elemente. Er billigt die Politik des Zentralkomitee», die es auf eine offene Aussprache mit«inigen Führern der Partei- organisatioiien in Leningrad und ihren einzelnen Gesinnungsgenossen innerhalb des Zentralkomitees nicht ankommen ließ und die Aus. tragung der Meinungsverschiedenheiten aus internem Wege unter Wahrung d-r�Einheillichung der Parteiführung anstrebte. Der ruPsche Kurs. Die„Rote Fkabne" bejammert unseren„ignoranten Tieffinn". Wir stellten gestern fest, daß die Stellung der Sowjet- union und der Vereinigten Staaten zum Bölkerbund sich gewandell habe. Die„Rote Fahne" meint dazu, der„Vorwärts" verstünde die einfachst«,, Dinge nicht: zum Deisptel nicht den Unter» schied zwischen dem Cimrllt in den Völkerbund und der Teilnahme an einer Vorbesprechung für die Weltabnistungskonserenz des Völker- Hundes. Vielleicht oersucht die„Rote Fahne" etwas noch Ein- f a ch- r e s zu begreifen: den Unterschied nämlich zwischen der Haltung der Sowjetunion und der Vereinigten Staaten zum Völker- Kunde vor drei, vor vier Jahren und von heute.______ 9er preußiMe Haushaltsplan für 1�26 Der Gesamietat balanciert mit Milliarden Mark Das Swatsministerwm Hot den Haushaltsplan für da» Rech- mingsjahr 1926 genehmigt und dem Staatsrat zur oerfafsungs- mäßigen gutachtlichen Aeußcrung zugehen lassen. Der Amtliche Preußische Pressedienst gibt die wichtigsten Einzelhcllen bekannt: Für das Rechnungsjahr 1926 sind veranschlagt: die laufenden Einnahmen..... 3 144 Millionen Mark die einmaligen Einnahmen.... 178 die Einnahmen zusammen 3 322 Millionen Marl die dauernden Ausgaben..... 3 032 Millionen Mark die einmaligen Aufgaben..... 2S0_ die Ausgaben zusammen 3 322 Millionen Mail Entsprechend dem bisher geübten Verfahren sind die Ein- nahmen au» den Ueberweisungen der Reich seinkommen. und Körperschaftssteuer nach den Ansätzen im Reichshaus- hall für das Jahr 1926 bemessen. Das Gesamtauskommen an Ein- kommen- und Körperschasissteuer ist im Reiche für das Rechnungsjahr 1926 auf insgesamt 2 350 000 000 M angesetzt. Ob diese den preußischen Voranschlag des Vorjahres um 100 000 000 M. übersteigende Schätzung des Reiches tatsächtich erreicht werden wird, erscheint allerdings mit Rücksicht auf die inzwischen«ingetretene er- hebliche Steuerermäßigung zweifethast. Ein etwaiges Zurückbleiben d«s Gesamtauskommens hinter der Schätzung des Reichs würde aber fürdenHaushaltderLändernichtohneB ed.« u t u n g sein, weil die in dem Gesetz über Aenderungen des Finanzausgleichs zwischen Reich, Ländern und Gemeinden festgesetzte Garantissumme einem geringeren Auskommen entspricht, denn- es ist den Ländern und Gemeinden(Gemeindeoerbände) ein Anteil von 2100 Mil- lionen M. an der Einkommen-, Körperschaft«- und Umsatzsteuer für 1926 garantiert. Der Anteil an der Umsatzsteuer ist hierbei nach einem garantierten Gesamtauskommen von 1500 Millionen zu berechnen und belauft sich somit aus 450 Millionen Mark(30 Proz. von 1500 Millionen Mark). Der g a r a n t i e r t e A n t e i l an der Ein- kommen- und Körperschaftssteuer beträgt also 1650 Millionen Mark und entspricht bei einer 75prozentigen Beteiligung der Länder und Gemeinden einem Gesamtaufkommen von 2200 Millionen Mark. Selbst wenn ober die Schätzung des Reiche erreicht wird, muß die Gesamtsumme der preußischen Anteile an der Reichseinkommen- und Körperschoftssteuer im nächsten Rechnungsjahr gegenüber dem laufenden Jahr deshalb geringer bleiben, weil die auf Grund des Gesetzes über Aenderungen des Finanzausgleichs am 1. Oktober 1925 eingetretene Kürzung oes Anteils der Länder und Gemeinden on der Einkommen- und Körperschaftssteuer von 90 auf 75 Proz. de» Aufkommens sich für 1926 auf das ganze Rechnungsjahr er- streckt. Infolgedessen wird auch der noch Abzug der den Gemeinden und Gemeindenverbänden zustehenden, daher nur durchlaufenden Beträge sich ergebend« reine Landesanteil an der Ein- kommen, und Körperschaftssteuer hinter dem de» Vorjahres zurückbleiben, da der prozentuale Anteil der Gemeinden und Gemeinheverbände am Landesanteil gegenüber dem Vorjahr unverändert ist. Eni- sprechend der gesetzlichen Regelung betragen die Anteile der Ge- nieinden 45 Proz. des Landesan'.eils. und die Dotationen an die Provinzen(Bezirtsverbändr) und Landkreise.zu�, Erfüllung be- stimmter Aufgaben 10 Proz. de» dem Staate für eigene Zwecke ver. bleibenden Anteil». Da» Aufkommen an Umsatzsteuer schätzt das Reich ent- sprechend dem voraussichtlichen Rückgang dieser Steuer für dos Rech- nungsjahr 1926 auf 1350 Millionen Mark, bei dem Ansatz für den preußischen Hausholt ist aber entsprechend der Garantie des Reichs von einem Gesamtatifkommen von 1500 Millionen Mark, wie im Vorjahre, auszugehen. Die prozentuale Beteisigung der Länder und Gemeinden an der Umsatzsteuer wird für das Rechnungsjahr 1926 etwas höher sein als im Vorjahre. Während im Vorjahre der Anteil der Länder und Gemeinden für die erste Hälfte 20 Proz. und für die zweite Hälft« 25 Proz. betrugen, sind Länder und Gemeinden für da» ganze Rechnungsjahr 1926 mit 30 Proz. an der Umsatzsteuer beteiligt. Der reine tandesonteil an der Umsahsleuer wird fich auch de«. halb gegenüber dem Vorjahr erhöhen, well durch das Gesetz zur Aenderung des preußischen Aussöhrungsgesehe» zum Jlnanjmi»- gleichsgesehe vom 27. November 1925 der Anteil der Gemeinden on der Umsatzsteuer selt dem 1. Oktober 1925 von 60 aus 55 Proz. des Landesanteils vermindert ist. Gleichwohl reichen die für den reinen Stoatsanteil an der Umsatzsteuer aus diesen Verbesserungen im Rech- nungsjahr 1926 sich ergebenden Mehrbeträge nicht aus, um die Mindereinnahmen auszugleichen, die fich für den reinen Staatsanteil an der Einkommen- und Körperschaftssteuer— selbst bei Annahme eines Gesamtaufkommens von 2350 Millionen im Reiche— gegenüber dem Lorjahr ergeben werden. Di« Kraftfahrzeug- und Rennwettsteuer sind ent- sprechend den Ansätzen des Reiches abzüglich je 4 Proz. dem Reich zustehender Verwaltungskosten«ingesetzt. Hierbei bleibt zu berück- sichtigen, daß die Krallsohrzeugsteuer nur einen Durchlausposten dar- stellt: sie ist gemäß§ 3 des preußischen Ausführungsgesetzes zum Fifianzausgleichsgesetz zu Zwecken der öffentlich-rechtlichen Wege- Unterhaltung den Provinzen in voller Höhe zu über- weisen. Der Antrag am Ertrage der Rennwellsteuer, von dem zwei Drfttel zu Zwecken der Pferdezucht verwendet werden sollen, ergibt keine Mehreinnahme gegenüber dem Vorjahr. Was die preußischen Steuern und die sonstigen Einnahmen der preußischen Verwallungen betrifft, so sind die Stempel st euer, die Steuern vom Gewerbebetriebe im Umherziehen und die vorläufige Steuer vom Grundvermögen nach dem tatsächlichen Aufkommen in den ab- gelaufenen Monaten de» Rechnungsjahres 1925 bemessen: dos gleiche gitt von den Einnahmen der einzelnen Verwol- t u n g e n für dos Rechnungsjahr 1926, obwohl es zweifelhaft er- scheinen kann, ob diese Beträge im folgenden Rechnungsjahre bei der ungeklärten Wirtschaftslage erreicht werden. Trotzdem sonach die Einnahmen mit ihren voraussichtlich höchstmöglichen Erträgen eingesetzt sind, wird da» Gleichgewicht des Staatshaushalts nur da- durch erreicht, daß bei der Bemesiung des Ansatzes der Haus- zinssteuer(Gedäudeentschuldigungssteuer) von der in dem vor- gelegten Gesetzentwurf, betr. die Gebäudeentschuldigungssteuer, vor- gesehenen Regelung ausgegangen ist. Der Antgabrbedarf. Lei Bemessung des Ausgabebedarf» Ist die durch die Gesamt- löge gebotene äußerst« Zurückhaltung geübt worden Aus- gaben für neue Ausgaben sind z u r ü ck g« st e l l t, der Bedarf für die bisher vom Staate erfüllten Aufgaben und die eigentlich-n Verwaltungsausgaben auf das unbedingt notwendige Maß herab- gesetzt. Reue Beamten st«llen sind nur in ganz vereinzelten Ausnahmefällen zugestanden worden. Höher st ufungen von Beamten stellen sind grund- sätzlich abgelehnt worden. Die Zahl der beamteten und nicht- beamteten Hilfskräfte ist noch Möglichkeit herabgenlindert worden. Der Bedarf an sächlichen Ausgaben ist im allgemeinen, insbesondere soweit die Fond» für Geschäftsbedürfnisie, Reisekosten. Umzugskosten sowie die Disposition»- und sonstigen Ermesienfonds in Frag« kommen, nach den Jstausgaben de» Jahre» 1924 errechnet. In gewissem Umfange mußte allerdings den gegenüber dem Preis- stand de« Jahre» 1924 eingetretenen veränderten Berhältnissen Rechnung getragen werden. In seiner äußeren Gestaltung hat der preußische Haus- hallsplan keine wesentlichen Veränderungen erfahren. Dagegen sind'. dem Boebericht zum Haushaltsplan umfangreiche Uebersichten beigegeben worden, in denen die auf die einzelnen Verwaltungs-- zweige entfallenden Einnahmen und Ausgaben zusammenfassend dar- gestellt worden, so daß au» ihnen ohne weiteres ersehen werden kann, wieviel der einzelne Verwaltungszweig dem Staate kostet oder welchen Nutzen er ihm bringt. Dabei sind den Beträgen sür 1926 diejenigen nach den Haushaltsplänen für die Rechnungsjahre 1923 und 1913 gegenübergestellt. Verwaltungsüberfchnst. Don besonders lnteresianten Einzelheiten sei noch erwähnt, daß die U e b e r s ch ü s s e folgender großer Verwoltungszweigc wie folgt veranschlagt sind: Domänenverwallung......... 10 608 000 M. Forstverwaltung........... 70 071000. Lotierieverwallung.......... 6 001 000. Mlinzverlvallung.......... 1 438 500. Reick«- u. EtaatSanzeiger(SO Proz. de« Rein« gewinn«, der mit dem Reich geteilt wird) 1277 ISO, Allgemeine Finanzverwaltiing..... 1 224 835 000„ 1921 betrachtete die Regierung der Bereinigten Staaten den Bölkerbund als„tot". Ihr Staatssekretär versenkte seine Noten in die Papierkörbe des Weißen Hauses, wo er amtiert. Der Völker- bund existierte nicht für die Vereinigten Staaten. Jede Beteiligung an seinen Kommissionen und Beratungen lehnten sie ab. Sie dachten nicht djjron, dem Wettgerichtshof beizutreten: sie luden zu einer Abrüstungskonferenz nach Washington ein. auch mit dein Hintergedanken, den Bölkerbund zu sabotieren. Etwa 1922 be- gönn die Washingtoner Regierung aber die Noten des Völkerbundes zu beantworten. Seit 1923 entsendet sie Delegierte in Konferenzen, die der Völkerbund veranstaltet und läßt ihre Staatsangehörigen in Kommissionen de« Bölkerbundes arbeiten. Ende 1925, ist Amerika bereit, in der A b r ü st u n g s k o m m i s s t o n des Völkerbundes mit- zuarbeiten, vbschon sie vom Bölkerbundsrat einberufen ist. 1926 wird Amerika oller Voraussicht nach dem Internatio italen Gerichtshof im Hoog beitreten, obschon seine Richter vom Bölkerbund gewählt werden. Langsam aber sicher wächst Amerika in den Völkerbund hinein. Genau das gleiche gilt sür die Sowjetunion. Den Völker. bundstoinmissar für die Kriegsgefangenen, Nansen, wollte sie nicht hereinlassen. In der ersten großen Hungersnot nach dem Wellkrieg wollte sie vom Bölkerbund sich nicht helfen lasten. Die SowjeK union überzeugte sich schließlich, daß Nansen als Menschenfrcuad dem russischen Elend zu Helsen käme. Erst verfluchte die Sowsetunjo« den Völkerbund als Ausgeburt der kapitaliftischen Hölle. Damals betrachtete sie ihn wirklich noch als„F e i n d". Dann ließ sie sich von ihm helfen und seitdem arbeitet sie mehr und mehr an Dölkerbundsveronstallungen m i t. Vertreter der Sowjetunion nehmen an den internationalen Facharbeiten teil, die der Völker- bund veranstaltet. Zuerst übergoß sie Roten und Anfragen des Völkerbundes mit Hohn und Spott. Dann beantwortete sie jach- lich, so sachlich, wie nur irgendeine andere kapitalistische Re- gierung(so z. B. den Garantiepaktplan des Völkerbundes von 1922). Die Sowjetunion hat bereits eimnal on Slbrüftungsbesprechungen de» Völkerbundes teilgenommen. Allem Auschein nach plant sie auch jetzt nicht die Borbereitung der Abrüstungskonferenz zu s o b o- t leren, die in der Hand des Völkerbundes liegt. Unauf- haltsam, wie die Vereinigten Staaten, uiiaufhattsam, wie übrigens auch Deutschland, nur langsamer, wächst di« Sowjetunion in den Völkerbund hinein, wird der Völkerbund zu cinem Mittel ihrer Politik, wird sie selbst zu einem Objekt der Friedenspolitik des Völkerbundes. Die Außenpolllik der Sowjetunion befindet sich in einer schweren Krise. Als Kommunist erklärt Tschitscherin der„Roten Fahne", der Völkerbund sei der Feind. Der Außenminister der Sowjetunion Tschitscherin sagt zu„Europa" nichts dergleichen. Die Komintern mag die Walze der Weltrevolution noch weiterhin abschnurren. Die Sot�jetiinion erklärt durch ihre Votschafter, sie sei zur Mitarbeit.an jedem wahren internationalen Friedenswerk bereit". Tschitscherin sieht die Klippen. Er weiß, die Sowjetunion wird scheitern, wenn sie den Kurs gegen die Felsenküste der wirklichen Welt steuert. Deshalb oermeidet Tschitscherin die außenpolitischen Debatten des Parteitongrestes. Deshalb ist er zu spät von Paris nach Berlin abgefahren, deshalb hält er sich in Kowno auf. Morgen erst trifft er in Moskau ein, weil gestern die Diskussion über die Außenpolitik zu Ende ging. Der Kapitän des russischen Staotsschisfes wollte sich nicht von Schwätzern den Kurs auf die Felsenküste aufreden lassen. Tschi- tscherin spürte die Wucht, die sich in den Gedanken der Zwesten Internationale und des Völketbundes verkörpern. Wenn er vor drei Tagen nach der.Roten Fahne" gegenüber den Völkerbund als Feind erklärt, dann ist das eine kommunistische Rllckzugskononade. ">er Aiißenkomniistar der Sowjetunion weiß, daß es kein Entrinnen gd,' vor der wahren Internationale, die auch den russischen Raiio naltsnui» zur Strecke bringen wird. Amerikas fibrüftungsdelegierte. Washington. 24 Dezember.(MTB.) Es verlautet, daß der amerikanische Gesandt« in Bern die Vereinigten Staaten auf der Abrüstungskonferenz des Völkerbundes oertreten werde. Als Delegierte für die Hauptkonferenz kämen Root, Under- w o o d. Oberst H o u s« und B o r a h in Betracht. Roch kein Waffenstillstand In Syrien? Wie Havas erfahrt, ist eine amtliche Bestätigung der in der englisch-amerikanischen Presse erschienenen Meldungen, wonach de Iouvenel einen Waffen- stillstand mit den Drusen abgeschlossen haben soll, in Paris n t ch t eingetroffeu. Gewerkschaftsbewegung Kapitalistische Weihnachten. Mehr als 150 000 Arbeitslose merden allein in Berlin diese Weihnachten ,, feiern". Im ganzen Reiche dürfte die Zahl der Arbeitslosen an 2 Millionen sein. Zu diesen zwei Millionen, die mit ihren Famißen auf die farge Ermerbslosenunterstützung angewiesen sind, soweit sie überhaupt eine Unterstützung bekommen, gesellen sich noch die Hunderttausende, die verkürzt arbeiten, deren Einkommen also nicht ausreicht, um des Lebens Notdurft zu befriedigen. Zu diesen Millionen sind noch zu zählen die Arbeiter, die auf acht oder vierzehn Tage oder noch länger- ausgerechnet zu Weihnachten in Ferien" geschickt wurden, weil die Internehmer die Kapitalien verbaut und verramscht haben, so daß es ihnen an Betriebskapital mangelt. Nicht genug damit, haben die Unternehmer in einer ganzen Anzahl von Orten und Berufen die Tarifper träge gefündigt, mit der ausgesprochenen Absicht, neue Verträge nur mit erheblich verminderten Löhnen abzuschließen. So feiern unfere Kapitalisten das Fest der Liebe, das allen ein Wohlgefallen sein soll. Sie haben jahrelang in furzsichtigem Egoismus gewirt schaftet. Sie haben mit Hilfe der Inflation alle fleinen Sparer und Rentner enteignet und die Arbeiter um ihre Löhne be= trogen. Nun sigen sie auf den von ihnen gehamsterten Reichtümern fest und wissen nicht, was sie damit beginnen sollen. Es fehlt an Rauftraft, es fehlt vor allem an Betriebskapital. Nun versuchen sie wieder, sich an den Arbeitern schadlos zu halten. Man tann sich schwer einen besseren Anschauungsunter richt für die Verderblichkeit des kapitalistischen Wirtschaftsinstems vorstellen. Ein System, das von einer Krise in die andere taumelt, das mit den aufgespeicherten Reichtümern nicht zu wirtschaften versteht, das Millionen zu Not und Elend verdammt, ein solches System bricht über sich selbst den Stab. Die Arbeiterschaft ist nicht gewillt, diese tapitalistischen Weihnachten als unabänderliche Notwendigkeit hinzunehmen. Sie ist nicht gewillt, sich dem Lohndrud zu fügen. Sie ist entschlossen, fraft ihrer gewerkschaftlichen Organisation den Kampf aufzunehmen und die Kapitalisten zur Vernunft zu zwingen. Aus diesen kapitalistischen Hungerweihnachten schöpft die Arbeiterklasse aber auch die Kraft, für den Sozialis. mus den Kampf aufzunehmen. Ungebrochen lebt in der Arbeiterklasse der Gedanke der Solidarität. Während die auf ihrem Ueberfluß fißenden Kapitalisten die Arbeiter furzsichtig und taltherzig der Not überantworten, geben die Arbeiter von ihrem fargen Lohn ihr Scherflein ab, um ihren arbeitslofen Brüdern und Schwestern eine Weihnachtsfreude zu bereiten. Das Elend, das die tapitalistische Wirtschaft über die Arbeiterschaft gebracht hat, ist riesengroß. Groß und schön ist aber auch die Solidarität, die sich in den Weihnachtsfeiern der Gewerkschaften befundet. Diese Solidarität wird uns helfen, die schweren Zeiten der tapitalistischen Not zu überwinden und schließlich dem Sozialismus zum Siege zu verhelfen, auf daß wirklich allen Menschen auf Erden ein Wohlgefallen sei! Ein Attentat auf die Knappschaftspensionäre. her Snappfchaftsversicherung war, wirb, menn er 15 Jahre wefentfich bergmännische Arbeit verrichtet hat, eine Pension gezahlt, auch dann, wenn er nicht invalide ist. Bedingung ist nur, daß er nicht mehr die qualifizierte Arbeit verrichtet, die er bis zu seinem 50. Jahre leistete. Die Pension beträgt 40 Broz. des Häuerdurchschnittslohnes. Ein Bergmann bekommt also eine Pension von 60 M. monatlich, wenn der Häuerdurchschnittslohn pro Schicht 6 M. beträgt. Die Pension steigt im Gegensatz zu den Unfallrenten, mit den steigenden Häuerlöhnen. Sie Diese außerordentlichen Berbesserungen des Reichsknappschaftsgefeßes wollen die Kohlenbarone wieder zunichte machen. haben saubere Pläne gesponnen und rechnen dabei auf die Unterftüßung fämtlicher bürgerlicher Parteien. Vorerst soll das 2fter, das zum„ Genuß der Pension berechtigt, von 50 auf 55 Jahre heraufgesetzt werden also ein Lebensalter, das ein Bergmann durchschnittlich nicht erreicht. Ferner will man den Bezug der Rente von einer dreißigjährigen Mitgliedschaft abhängig machen. Um dem allem die Krone aufzusehen, soll dann statt der bis. berigen 40 Broz des Häuerdurchschnittslohnes nur noch 60 Broz der bisherigen Benfion gezahlt werden. Das bedeutet praktisch, daß statt 40 Broz. des Häuers durchschnittslohnes nur noch 24 Proz. desselben gezahlt werden sollen. Bis jetzt fonnte ein Rnappschaftspensionär noch leichte Arbeit auf der Grube verrichten. Nach dem Regierungsentwurf soll in einem folchen Falle bie Rente ruhen. Also hinaus aufs Pflaster. Ferner soll allen Altpensionären, die noch nicht 55 Jahre alt sind, die bislang geleistete Pension entzogen werden. Knappschaftspensionäre erhielten für ihre Kinder bis zu 10 Broz. ihrer Pension pro Kind als Zusaßpenfion. Nach dem neuen Entmurf soll dieses Rindergeld in Begfall tommen, wenn das Kind täglich bereits eine Mart verdient. Ferner sieht der Entwurf vor, daß in Zukunft die gesamte Unfallrente auf die Benfion angerechnet werden kann. Bislang ist es so, daß Unfallrente und Pension zusammen nicht höher als der Jahresarbeitsverdienst sein dürfen. Die oben angeführten Abänderungen gelten auch für Bitwen und Baisen von Unfallverlegten, denen die Penfion nach der Neuregelung genommen werden kann. Schon das vorläufige Reichsknappschaftsgeseh schrieb vor, daß benjenigen, die länger als 25 Jahre Beiträge geleistet haben, ein Steigerungssatz gewährt werden sollte. Das ist bisher sabotiert worben. Nun will man durch den Regierungsentwurf ein Pflaster auf die schmerzenden Wunden legen, die der Entwurf schlägt. Es sollen von den Beiträgen, die nach dem 25. Beitragsjahr geleistet wurden, 4 Proz. als Steigerungsjah angerechnet werden, so daß ein Bergmann mit dem 65. Jahre in den Besitz einer Pension von 40 Proz. des Häuerdurchschnittslohnes tommen würde, die er nach der bisherigen Regelung bereits vom 50. Lebensjahre auf Antrag erbolt. Ein weiteres Pflästerchen ist die Wiedergewährung der Familienbeihilfe. Wahrlich, die Bergknappen sollen diese Einrichtungen, Steigerungsfäße und Familienhilfe, recht teuer, mit dem Verluste fa ber halben Bension bezahlen. Es dürften nur noch die wenig ften in den Besitz einer Knappschaftspenfion tommen. | lediglich als ertobjett unb läßt die Interessen der Belegschaft und der beteiligten Kommunen, die mit ihrer Gesamtbevölkerung auf Gedeih und Verderb mit der Zeche verknüpft sind, vollkommen unberücksichtigt. Das ist ein unerträglicher Zustand. Die Duldung solcher Anarchisterung der Wirtschaft führen. Ihre Unterbindung ist für den Stillegungen aus rein spekulativem Interesse muß zur völligen Staat eine Lebensnotwendigkeit. Weihnachtshilfe des Zentralverbandes der Angestellten. Der Appell an die erwerbstätigen Mitglieder, durch Beteiligung an der Weihnachtshilfe den erwerbslosen Mitgliedern eine besondere Hilfe zuteil werden zu lassen, hat wärmsten Widerhall ge= funden. Der Opferfinn der Kollegenschaft hat sich in schönster Weise betätigt. Dies ist angesichts der gerade im gegenwärtigen Augenblic großen Not der stellungslosen Angestellten besonders erfreulich. Infolge der Opferwilligkeit der Mitglieder konnten sowohl ansehnliche Geldbeträge wie auch eine große Menge von Dingen des tägstande, Bücher und Spiele für die Kinder) zur Berteilung lichen Bedarfs( Lebensmittel, Bekleidungsgegena gelangen. Durch Funktionäre und Mitglieder veranlaßt, ftellten in dankenswerter Beise mehrere namhafte Firmen des Tertilgewerbes Bekleidungsstüde und Stoffe, uns nahestehende Berlagsbuchhandlungen Bücher in reichem Maße zur Verfügung. Neben diesen Bedarfsartikeln und besonderen Gaben übergab der Verband den unterstügungsbedürftigen Stellenlosen und ihre Familienmitgliedern Beträge, und zwar für Ledige in Höhe von 15 bis 25 M., für Verheiratete in Höhe von 20 bis 35 M. und für Verheiratete mit Kindern in Höhe von 25 bis 50 m. Die frohen Gesichter, die die erwerbslosen Mitglieder beim Empfang all dieser Weihnachtsgaben zeigten, mögen der Dank an alle diejenigen sein, die durch ihre Gebe freudigkeit veranlaßt haben, daß der Zentralverband der Angestellten in so erfreulicher Weise der arbeitslosen Mitglieder gedenken fennte. Weihnachtsunterstützung der Fabrikarbeiter. Am Montag, Dienstag und Mittwoch dieser Woche hat die Zahl stelle Berlin des Verbandes der Fabritarbeiter die Weihnachtsunterstützung an ihre arbeitslofen Mitglieder zur Auszahlung gebracht. Als ein schöner Att der Solidarität muß es bezeichnet werden, daß die Sammlung, die zu diesem Zwed unter der Mitgliedschaft veranstaltet wurde, die Summe von annähernd 4000 M. gebracht hat, was um so höher zu veranschlagen ist, weil ein sehr großer Teil der Berliner Fabritarbeiter vertürzt arbeitet. Kein Anspruch auf Tariflohn. Die Wochgesellschaft aus und Grundschuh hat sich den mit anderen Bachgesellschaften abgeschlossenen, aber nicht allgemeinverbindlichen Tarifverträgen nicht ange. schlossen. Die Löhne, die sie ihrem Wachpersonal zahlt, find Vor einigen Monaten erheblich niedriger als die Tariflöhne. wurden die Tariflöhne durch Schiedsspruch erhöht. Da traten auch die Wächter der Gesellschaft Haus- und Grundschutz" an die Firma heran mit der Forderung, ihnen die nunmehr geltenden Tariflöhne Lohnerhöhung bekommen, wenn sich die Kunden der Firma zu einer zu zahlen. Die Wächter erhielten den Bescheid, sie würden eine entsprechenden Gebührenerhöhung bereit fänden. Die Firma fandte dann ein Rundschreiben an ihre Kunden des Inhalts, sie sei durch Schiedsspruch gezwungen die Löhne zu erhöhen und erwarte deshalb von den Kunden, daß sie die der Firma zu zahlenden Genach Angabe der Firma so gering gewesen sein, daß sie den vollen Tariflohn nicht zahlen konnte. Damit die Regierung, die sicherlich eine von den Grubengewaltigen bestellte Arbeit gemacht hat, auch ihre Vorlage be gründen fann, haben die Knappschaftsvereine bereits begonnen, die bühren um 15 Proz. erhöhen. Der Erfolg dieses Schreibens foft alte Regelung zu sabotieren. Sie rechnen sich jetzt alle zu den„ notleitenden Knappschaftsvereinen, um zu erhärten, daß die bisher gewährten Bensionsfäße für sie finanziell untragbar" feten. Die Arbeiterschaft fennt diese Weise und den Text, sie fennt auch die Herren Berfaffer. Waren es nicht die Kohlenbarone unter Führung von Stinnes, bie bie Friedensverträge fabotierten, um deren Un. Rundschreiben an die Kunden auf den Tariffchiedsspruch berufen erfüllbarkeit zu beweisen? Bescherten sie uns dadurch nicht den Ein- und dadurch den Tariflohn anerkannt habe. zu beweifen? Bescherten sie uns dadurch nicht den EinAus dem Beirat des Zentralverbandes der Arbeitsinvaliden marsch der Franzosen ins Ruhrgebiet bewußt und gewollt? Heute dem Kläger nur die von der Firma anerkannten 138 M. zu und m. uns geschrieben: Nachdem das Geräusch der Provinziallandtagswahlen in Breußen vertlungen ist, muß die gesamte Arbeiterschaft die Bor. gänge auf dem Gebiete der Sozialpolitit mit der gespanntesten Auf. merksamkeit verfolgen. Gerade auf diesem Boden wird der Kampf zwischen Unternehmern und Arbeitern in den nächsten Monaten ausgefochten werden, da ja in der Steuer- und Zollfrage die Unternehmerschaft ihre Beute bereits in Sicherheit hat. Besonders wirb der Kampf um den Abänderungsentwurf für das Reichsfnappschaftsgesetz gehen, das von der Reichsregierung in einer Borlage dem Reichstag zugegangen ist und in den nächsten Wochen zur Berhandlung kommt. Wir beschäftigen uns baher etwas näher mit dessen Bestimmungen. Längst sind die Zeiten verrauscht, in denen der Romantiter Eichendorff vom Bergmann sang, daß er der Herr der Erbe sei. Heute ist der Bergmann dem dunklen, unsichtbaren Ungeheuer, der Echwerindustrie, ausgeliefert, für deren goldene Profite er in den Schacht taucht, um ihn entweder als gebrochener Greis, abgebaut, als Strüppel oder Toter, ein Opfer der Profitsucht ausbeutungsmütiger Unternehmer, zu verlaffen. treiben sie dasselbe Spiel. Dieses Mal sollen die Bergveteranen die Opfer sein. Dieses Spiel muß rechtzeitig von allen erfannt und von der gesamten Arbeiterschaft zunichte gemacht werden. leidenden Mansfelderin", die die höchsten Beiträge zur Knappschaft Wie es gemacht wurde, zeigt am besten das Berhalten der„ not. erhebt. Sie fegte einen Häuerdurchschnittslohn an, der weit unter bem wirklichen Häuerdurchschnittslohn lag. Es bedurfte der größten Anstrengungen, um den Berginvaliden zu ihrem Rechte zu verhelfen. In einer Gesamtflage wurde die Mansfelderin" gezwungen, den Anappschaftspensionären 550 000 m. nachzuzahlen. fenderbaren Beife hatte der Halberstädter Knappschaftsverein den Häuerdurchschnittslohn ohne Errechnung festgesezt, so daß auch hier erft eingegriffen werden mußte, was zur Folge hatte, daß die Pensionen monatlich um 5 m. erhöht wurden. In einer R. Sch. Mögen fie betteln gehn, wenn sie hungrig find. Aus dem einst abseits vom Klaffentampfe stehenden, in Berg- Ruhrreviers zu werden droht. frappentracht sich hüllenden Bergmann ist ein moderner Proletarier geworden, der mit an erster Stelle gegen den Kapitalismus fämpft. Was Wunder, daß die Bergwerksbefizer nur noch wenig Freude an ihren einst mit schönen Rebensarten und nationalen Feiern gehätschelten„ Lieblingen" haben. Zornig muß der Bergmann jezt sehen, wie man einen Schacht nach dem anderen schließt, um irgendwo in der Ferne einen neuen zu teufen, wie die Preise der Mineralien steigen, wie aber fein Lohn, angeblich um tonfurrenzfähig auf dem Weltmarkte zu bleiben", finkt. Um die Produktionstoften niedriger zu gestalten, führen die Unternehmer außerdem einen Kampf zur rücksichtslosen Bernichtung der unter dem Drud der Revolution geschaffenen neuen Knappschaftsversicherung. Baren bis dahin die einzelnen Knappschaftsgebiete von einander unabhängige Gebilde in Berwaltung und Leistung, so schuf bas vorläufige Reichstnappschaftsgefeß eine gründliche Neuregelung. Das Gesez schuf eine Knappschaftspensionsversiche rung, die mustergültig ist im Vergleich zu den Berhältnissen, die einen invalid werdenden Industriearbeiter erwarten. Um einiges über die Art der Neuregelung zu sagen: Dem Berg knappen, der 50 Jahre alt wird und der mindestens 25 Jahre in Die aus Spekulationsgründen vorgenommenen Stillegungen von Rohlenzechen nehmen allmählich einen Umfang an, der zu einer wirtschaftlichen und sozialen Gefahr für die ganze Bevölkerung des So hat der Aufsichtsrat der Buderusschen Eisenwerte A.-G. in Weglar den Beschluß gefaßt, die Zeche Maßen III und IV zum 1. Januar 1926 still. 3ulegen und sie an eine andere große Bergmertsgesellschaft zu verkaufen mit dem Ziel der Quotenveräußerung und übertragung. Die Gesellschaft hat die Stillegung berits angemeldet und den Ange stellten in ihrer Gesamtheit gekündigt; den Arbeitern wurde ebenfalls von der Stillegung bereits Mitteilung gemacht. Noch por furzer Bett beabsichtigten die Buderusschen Eisenwerte A.-G. eine Syndi tatsquote zu erwerben durch Abteufen eines neuen Schachtes, der Tageanlagen sind bereits errichtet. Aus dieser Reuanlage ist bereits bis etwa 30 Meter niedergebracht ist; die dazu gehörigen ersichtlich, daß die Zeche Maßen sehr wohllebensfähig ist und ihre Lebensfähigkeit durch geeignete organisatorische Maßnahmen noch gesteigert werden fann. Die beabsichtigte Veräußerung tann also nur den 3wed haben, große Mittel in die Hand zu be tommen, ohne Rücksicht darauf, was der Erwerber tut, der zweifellos die Synditatsquote auf seine anderen Anlagen übertragen und Maßen III und IV außer Betrieb feßen wird. Eine zeitweilige Stillegung fann nicht in Frage tommen, da die Wasserzuflüsse so tart sind, daß die Stillegung gleichbedeutend ist mit dem Erfaufen der Beche. Staatsministerium und Reichsregierung müssen vereint fofort einschreiten, um dieser spekulativen Stillegung, wenn nötig auf gefeßlichem Wege, vorzubeugen. Die Buderus A.-G. betrachtet die Quote Ein Wächter, dessen Monatslohn nach diesem Borgehen Gewerbegericht Zahlung des Tariflohnes von 165 M. Er Don 120 auf 138 m. erhöht wurde, forderte durch Klage beim begründete feine Forderung damit, daß sich die Firma in ihrem Das Gericht sprach wies die Mehrforderung ab mit der Begründung, das Rundschreiben bedeute nicht die Anerkennung des Tariflohnes gegenüber den Wächtern. An den nicht allgemeinverbindlichen Tarifver. trag sei die Firma nicht gebunden. Der Abban im Ruhrbergban. Effen, 24. Dezember.( WTB.)„ Der Bergbauverein in Effen hat bei den ihm angeschlossenen Bechen eine Rundfrage über den Stand der Betriebseinschränkungen und Still. legungen am 15. Dezember 1925 gehalten. Nach den eingegangenen Antworten, die 97,69 Proz. der Belegschaft umfassen, ist das Ergebnis für den ganzen Bezirt zu schäßen. Die Zahl der beschäftigten Arbeiter betrug am viertlegten Arbeitstag des Monats November 400 490, die Zahl der technischen Beamten 16 930, die der kaufmännischen Beamten 7332. Am 30. November sind entlassen morden: 3074 Arbeuer, 41 technische und 6 taufmännische Beamte. Ferner ist gefündigt worden 1758 Arbeitern, 262 technischen und 178 taufmännischen Beamten. Außerdem ist beabsichtigt, in nächster Beit 7712 Arheitern zu fündigen. Am 1. Dezember sind mithin entlaffen oder zur Entlaffung vorgesehen: 12 544 Arbeiter, 303. technische und 184 faufmännische Beamte. Bon Zeche Fürst Leopold in Hervest wird gemeldet, daß 200 Arbeiter am 1. Januar 1926 zum 15. Januar 1926 gekündigt werden müssen. Auf Zeche Kaiser Friedrich ist die Kündigung non 60 Ar. beitern zum gleichen Zeitpunkt vorgesehen." Diese Rundfrage ist sehr unvollständig. Sie müßte mindestens auf den Zeitraum ab 1. Ottober ausgedehnt werden. Der amerikanische Bergarbeiterverband ein Trust! Ende November d. J. hat der amerikanische Richter Mr. Clin. tic( West- Virginia) die Existenz des Bergarbeiterverbandes als einen Verstoß gegen bas Anti- Trust Gefeß erklärt. Man sieht in dieser richterlichen Entscheidung eine Erklärung für das Verhalten der Regierung im gegenwärtigen Bergarbeiterstreit im Anthrazit- Gebiet, in den sie bisher nicht mit der Abficht, auf eine Beendigung hinzuwirken, eingegriffen hat. Der Verband nimmt diesen Richterspruch nicht besonders tragisch; er erwartet von der Revisionsinstanz, die Revisionsinstanz, die er angerufen hat, eine Aufhebung des Spruches. Berantwortlich für Bolitif: Erak Renter; Wirtschaft: Artur Saternus; Gewerkschaftsbewegung: 3. Steiner; Feuilleton: R. 8. Döscher; Lofales unb Sonftiges: Fris Rarftabt; Anzeigen: Th. Glode; fämtlich in Berlin. Berlag: Borwärts- Berlag G. m. b. S.. Berlin. Drud: Borwärts- Buchdruckeret und Berlagsanstalt Baul Singer u Co. Berlin E 68 Lindenstraße& Sieran 2 Beilagen, Unterhaltung und Wiffen, ,, us ber Film- Welt und Jugend- Borwärts". BERLIN EROBERT: Heinrich Zille ZIGARETTEN MANN- AKT.GES. MAZMA Bille Zigarette 5 MALZMANN AKT/ GES, Kr. öSS» 4Z.?ahrgaag � O ��01 f£5�� �09 ��000)00�9 Lrektog, 25. dezrmder?H2S EiBW •=o \P Ijjs: «» o iC /ürrfj l4! /> N \ Tag für Tag hat man draußen gestanden in der Winterkälte,— im Regen,— im Berliner Matsch, und wenn man sich dann abends seine Einnahmen angesehen hatte, dann blieben im g ü n st i g st e n Falle einige Pfennige, die man als wirklichen Berdienst buchen konnte. Die Taschen sind fest zugeknöpft bei denen, die mit einigen Markstücken klimpern können. Das Publikum, das die Lage der Wirt- fchaft schnell begriffen hat.— will immer— immer billiger kaufen. Die meisten können auch das nicht. Die vielen, denen der Weih- nachtshandel ein wenig dos immer größer werdende Loch im Geld- beute! stopfen soll, sehen hier und da eine Hoffnung schwinden. Sie, die sozusagen an der Kehrseite der weihnachtlichen Festesfreude ihren Platz gefunden haben, begannen mit Entbehrungen, um die Mög- lichkeit für«inen kleinen Weihnachtsgewinn zu schaffen. Es wurde Geld geliehen, es wurden notwendige Gebrauchsgegenstände ver- setzt und veräußert, um die Weihnachtsware, den armseligen Kram, kaufen zu können. Und die Aussicht gipfelle höchstenfalls in der Hoffnung, ohne Not über die Weihnachtstage in dos neue Jahr ge- langen zu können. Stundenlang den Schnee zu fühlen, als rieselnde Feuchte oder als körniges Eis, stundenlang zu fühlen, wie Kälte die Glieder überläuft, stundenlang um den Gewinn von Pfennigen zu kämpfen--- das taten die Menschen, die in der Weltstadt an der Kehrseite des Weihnachtsfestes stehen. » .Ach Iott, Vota, wenn man bloß heute nich wieder so'n Matsch wird,— die Leute traun sich ja janich raus bei so'n Wetter wie jester».* .Mutta, hoste denn ooch den Karton mit die neuen Teddy's einjepackt?— Maxe, knautsch det Lametta nich so,— du bringst uns det Einwickelpapier uff'n Stand,— und die Karbidlampe,— haste jehört,-- du sollst det Lametta nich so knautschen, det kooft dir doch keen Mensch mehr ab, wenn de damit rumorjelst wie mit'n Walddeibel.— Ueberhaupt wo der Orje bleibt, mit'n Wagen. „Vajiß die Thermos nich wieder, Mutta!-- Det du't Lametta verkoofst— und nich wieder'n janzen Tach mang die Waren- hauser nimstrolchst, Maxe,— komm mir nich wieder uff'n Abend mit die janzen Briese an,— um halb achte biste da,— haste jehört Maxe?" Unten im Hof rasselt ein Handwagen. Das ist.Orje". Nun ober runter mit Paketen und Kartons, die vorsichtig verstaut werden, dann soll es losgehen. Das Oberhaupt der geschäftigen Familie nimmt sich nun noch.Orje", seinen Aeltesten vor. .Wenn du mir heute keen Ield nach Hause bringst, tannste wat erleben,— uff'n Stand willst« nich, Lametta vakvosen willste nich,— weinste. dir fliegen zu Weihnachten die jebratnen Jänse ins Maul?-- Fang endlich'n anständigen Handel an und loaf nich immer wejen die pa Sechser nach de.Münze!" Mit solchen Crmahnungen ist Orje entlassen— und nun soll es los gehn mit bepacktem Handwagen. Man friert and niemand kauft Da kommt noch Frau Bolz und hält die W-ihnachskarawane auf..Sie, Herr Pudelweit,— Herr Pudelwcit, hörnfe ma--- Ick Hab' mir jedacht. weil sie doch'n Stand in de Warschauer haben, konnt'n se doch Willi sein Schaukelpferd mal mitnehmen,— der Zunge is doch nu raus aus det Atter,— und da möchte ick's so jerne vakoofen. man kann doch, so'n pa Marl für die Feiertage je- brauche». Rehm'ses mit ma? „Na ja! Wat soTs denn bringen, Fnw Bolz?" .Tja--— ick dachte so,-- na sogen wa mal fünf, sechs Mark, wells doch so gutes Fell hat— und'ne Mark könn'n Sie sich behalten." .Zut!" Das Pferd wird geHost und aufgepackt:— nun geht es aber los, durch die Straßen, die frischgefallener Schnee weiß deckt, der Warschauer Straße zu. Dort in der Warschauer Straße, wo sich in langer Reihe Bude an Bude drängt, rühren sich viele Hände, auszupacken, zu ordnen,— auszubauen.— auszu- hängen. Da kommen aus Kisten und Paketen Puppen, Teddy- baren, Schals, Mützen, Taschen, Wirtschaftsartikel, ein unendliches Vielerlei, was eben auf einen Weihnachtsmarkt gehört— und was der Zufall eines Schicksals dorthin gebracht hat,— aus Konkursmassen. Da. ist der.billige Weihnachtsmann" mit Gesellschaftsspielen— zum Aussuchen für fünfzig Pfennige: chre Umhüllung ist ein wenig heftig angegriffen von einem feuchten Lager, die Ecken sind ein bisse! abgestoßen,— was tut's— für fünfzig Pfennige. Da hat er noch schöne gelbe Postkutschen, mit einem blitzblauen Postillion obenauf, ein wenig verstaubt, ein bissei verschrammt:— sie werden ihre Käufer finden.— sie werden auch unter bescheidenen Bäumchen mit wenigen Lichtern freudige Augen in blasse Gesichter zaubern. Er hat noch viel mehr in seiner Bude, der.billig« Weih- nachtsmann", von dem bunten Kram, der sich immer wieder in diesen Nächten in die Träume der Kleinen schleicht, wenn sie mit roten Nasen, begehrenden Augen hier gestanden haben. .Kuck ma, Mutta, den möcht' ick haben!" .Vota, kaufste mir so was auch?" »Sie, Sie,— wat kost'n der kleene Handwerkskasten?" Mit dem Handwagen auf den Weibnacbtsmarkt „Ne Mark, mein Junge!" Enttäuscht zieht der kleine Frager ab. Große fragen auch oft und kehren sich nicht, minder enttäuscht von dem.billigen Weih- nachtsmann" ab. Das Publikum ist aber noch spärlich vertreten, man ist noch ganz unter sich und tauscht mit dem Standnachbar Meinungen und Erwartungen aus. Zwischen zwei großen Zeltbuden bauen Pudelweits auf,— ohne Dach, nur bescheiden auf einem Brettergestell:— es hat doch gerade für den Einkauf der wenigen Stücke Ware gereicht. Ein kleiner Posten winziger Teddybären wird ausgepackt, laufende Puppen komnren zum Vorschein, Holzknarren, Guinmimänner, knallrot mit quietschender Stimme, einige Pakete Kerzen.— das ist alles, was man zusammengekauft hat, was das Weihnachtsgeld bringen' soll. Es dauert nicht lange, da sind die wenigen Verkaufsobiekte aufgebaut— und es kann losgehen. Aber es geht nicht los. Da komnit.ein junger Mann,— bleibt zögernd in gemessener Entfernung stehen. „Was kost'n denn die kleinen Teddybären?" .Stück für Stück'n Fuffzger, junger Mann!" .0— o,— kleinere ha'm Sie nich,— so für zwanzig?" .Nee, det sind schon die kleensten und billigsten!" Weg ist er, wieder verschluckt von der wogend angeschwollenen Masse, die den Raum zwischen den beiden Budenreihen füllt. Eine junge Frau tritt in Pudelweits Wirkungsbereich und sucht mit müden Augen seine Auslagen ab. „Na, junge Frau, was soll's denn sein. Soll's was sein für die Kleine, ich Hab da nochmal die wunderschönen Teddybären, dann ha'm Sie noch bei wir die originellen Laufpuppen,— da jubeln die Kleinen, da lachen sie. Seh'n sich man ruhig an. junge Frau.— det kostet nischt, det hamse jratis wie det Einwickelpapier. Soll ick einpacken, so'ne Puppe— fassen se ruhig an, is alles prima Ware. Da gehört schon eine gute Portion Geduld und nieversagende Ueber- redungskunst dazu, hier die Waren an den Mann zu bringen. „Als wenn ick det Zeug uff de Straße finde und verschenken könnte," grollt Pudelweit, als die junge Frau unentschlossen weiter- geht.„Wie is et denn mit die wunderschönen Christbaumkerzen— Lametta is auch noch da," ruft er ihr noch nach, zu retten, was noch zu retten geht.— Allmählich erschmelzen die vielen Stimmen der Anpreisenden zu eindm unlösbaren Gebrodel, das weit die Luft erfüllt, der Hochbetrieb hat eingesetzt. Schwer wälzen sich die Menschen an den Ständen vorbei, stauen sich,— lösen sich wieder ohne Ende. In die vielen Gesichter, die aus den Sonntagskleidern lugen, hat schon das Weihnachtsfest seinen freundlichen Wioerslbcin hineingesetzt. Hier zwischen den bunten Budenreihen im Gewoge der Menschenmege träumt es sich gut von Lichteralanz. von Tannen» duft und Festjubel, niemand hindert einen, all die vielen Ding!- die auf den Tischen ausgebreitet sind, auf den Gabentisch der Nächsten, der Liebsten zu zaubern,— den grünen Jumper da nir Muttern. und für Batern den schönen Wollschal— ach. es ist ja iur alle etwas da— und schließlich rechnet man und rechnet nian, wt« man mit den wenigen Pfennigen Berge von Festgeschcnken zusammentragen kann. Dieses Rechenexempel tragen die nieisten mit sich herum— und nie. nie stimmt es, wenn man sich zögernd zu einem Kauf entschließen will, nach dem Preis sragt. Wenn es noch so billig 'r e R ist, hat es doch meistens die Grenze der eigenen Rechnung über- schritten..Komm' se ruhig ran meine Herrschaften, immer komm' se, seh'n sich alles an. Frauen kommen.— junge, alte, mit zer- arbeiteten Gesichtern, ganz alte: es komnien Määner und Kinder, Kinder mst den hoffnungsarmen großen fragenden Augen, Jungens kommen mit zusammenverdienten Groschen, um die sich die Faust in der Hosentasche ballt. Alle möchten kaufen, möchten viel, recht viel kaufen, um schenken zu können oder sich selbst einen Weihnachts- tisch aufzubauen. Ein kleiner Junge kommt, bleibt stehen und kramt die Taschen «ms. Eine Trillerpfeife kommt zum Vorschein, ein Apfel, Bindfaden, ein Bleistift— und endlich, er atmet aus, ein richtiger runder Fünfziger. „So'» Iummimonn möcht ick,— wat kost'n der?" .N'Fuffzcher!" Erschrockene Augen..N' Fuffzcher?" Weiter geht er. Nach zwei Minuten ist er wieder da. „Sie, wat kost'n die kleenen Teddybären!" „N- Fuffzcher!" ,�)amse nich wat Billijeres dal" .Hier nimm'ne Knarre vor Zwanzich!" ,Nee, ne Knarre will ick nich!" Er steht noch und überlegt, ob er seinen Schatz so ganz ungeteilt ausgeben soll,— dann verschwindet er hoffnungslos enttäuscht und kommt nach einer Weile mit einer dampfenden Wurst zurück— und vorbei. Solche Frage- und'Antwortspiele wiederholen sich unendlich oft. Nur nicht die Geduld verlieren, nicht grob werden, wenn die Kritik über Ware und Preis ungerecht ausfällt. Es ist nicht leicht, mit feinem Warenlager hier draußen zu stehen, angewiesen aus den Zufall— flußt. und auf die Laune des Wetters, die die Käufer beein- .Mutter,— Mutter, kucke mal die Bären," zieht ein Kleine die Widerstrebende an den Stand,— ach kucke mal die schönen Puppen,— ach!" „Sie laufen, sie bewegen sich," lockt Pudelweit,„da hat die Kleine ihre Freude dran!" .Mutter,"— bettelt die Kleine,„kucke mal, was die für ein schönes Kleid an hat! Kaufste mir die?" Mutter zögert noch, aber die Wünsch« der aufgeregten Kleinen kleiden sich in immer dringlichere Worte. Na endlich besieht sich Mutter eine Puppe, dreht sie mit vorsichtigen Fingern, fragt nach HBbepvokt dff VcikSujir- und. S�CerBckritijASß If b:•. Crs;«---»nd kaust sie wirklich. Die Kleine freut sich, Pudel- � mi llch, Mutter Pudeiweit freut sich mit, ist doch wieder ein sruck weg und ein Mvrkschein mehr in der Kasse. Ein vennummtes Mütterchen bleibt stehen. „Ach Iott, allet is so teuer, wat kost'n denn die Puppen?" „Re Mark, jute Frau!" „Wa?" Pudelweit brüllt:„Eene Mark, Mutterken!" Mutterken ist aber sehr schwerhörig und ,in dem Jahrmarkts- iärm wird die Verständigung schwer. Als sie endlich begriffen hat, was die Puppen kosten, bekommt sie einen Schreck, der ihr eine unaufhörliche Iammerslut über die Lippen drängt. Für das Enkel- kind soll es sein,— Vater ist arbeitslos, schon ein Jahr, und nun hat Mutterken von ihren wenigen Mark Rente wenige Pfennige «rdbrigt tun für Me«nfefht,—« fft doch fo'n Heb« nchtg« Kwd. Weihnachtssreude. ganz bescheidene Weihnochtssreude zu schaffen. Für achtzig Pfennig— Ausnahmepreis— nimmt sie das Püppeken■ und verschwindet damit, klein, gebückt und doch voll Freude des Be° fitzens, in der Menge. In diesem Trubel wachsen die Wünsche. treiben zur.Erfüllung— schrumpfen nuch schnell mit einem Griff in die leeren Taschen hählich zusammen. » „Max und KlSrchen, das verNebte Pärchen.— Lametta, La- inetta,— wer will noch einmal,— ein Groschen die Bananen—!' I „Das ist was für die Braut, mein Herr, das ist Ware, da» ist prima Lackleders .�Handtaschen,— Handtaschen— l* „Na, meine Derne,— wie is mit ner prima LacktascheT� „Nich?"— Lomm'se, Frolleln, der Kavallier kooft Ihnen eine!� Dos ift„Orje" von der Familie Pudelweit, der sein Geschäft für fremde Rechnung vom Alex bis hinauf zum Rosenthaler Plast, mit Handtaschen, mit Schals,— mit Schokolade,— immer Neues, wenn die Stücke verkauft sind, führt. Ware aus Geleqenhestsposten, aus Konkursmasse gekauft, von einem tüchtigen Macher, der oben in der Schönhauser seine Waren aufteill an viele, die für ihn auf die Strohe gehen und ihm den Gewinn bringen, für einen ge' ringen Anteil. Jeder versucht doch einige Mark für die Feiertage zusammenzuschaffen. So steht„Orse* nun mit Handtaschen in dein auf und ab brandenden Gewage des Alexanderplatzes. Die Menschen stoßen und drangen sich,«in Johlen und Schreien, Rufen und Anpreisen. vermischt mit dem Hupen der Autos, klingt dtirch die rieselnden Scheelkocken. „Drei Mark tost'nse noch, die Hondtaschenl" Nach einer halben Stunde find die beiden letzten—« sind ja immer die„Letzten'— an den Mann gebracht, das Geld klimpert ermrnternd in den Taschen, und rauf geht« durch das Straßen- gewühl nach der Schönhauser, Geld abliefern, neue Waren' holen. „Jetzt nimmste ma die Schals— eins, zwei, drei-- zwölfe find's, Stück'ne Mark,'n Groschen det Stück is deine,' sagt der Macher. Orse ist tüchtig und schafft. Eck« Linienstraß? baut er sich auf mit seinen Schal». „Eine Mark noch die Scidenschals, weil's die letzten sindf „Eine Mark noch--!' Wenn«r am Abend mit naffen Schuhen, durchgeweicht, in der väterlichen Behausung eintreffen wird, sollen die Alten mal staunen, wie Orse Geld gemacht hat, da will er mal die Platten aufzählen. „Eine Mark noch die Schals--!' * Maxe ist nicht so geschäftstüchtig, der Lichterglanz der bunten Schaufenster hat ihn b!s in die Leipziger Straße g'clackl Mit glänzende» Augen, die feinen Traum verraten, trippelt er durch die Menschen. Wo dle bunte Pracht von Schaufenstern lockig bleibt er stehen und kann sich schwer losreißen. Und in feinem kleinen Kopf, den die Wollmütze deckt, formen sich Gedanken und Wünsche, er ver« sucht, die vielen Herrlichkeiten, die seinen Anzüge, die bunten Spiel. fachen, dle Leckereien hinter den Schaufenstern in sein Leben hinein. zudenken. Hin und wieder besinnt er sich und denkt an Batans Worte: „Daß du mir heute Lametta vakoofst!" „Lametta, Lametta—— Groschen das Paket Lametta!' Kein Mensch beachtet ihn, wie er sich anpreisend dureh da» Gewühl windet, wie er dann schnuppernd vor einer Konditorei stehen bleibt und hungrig den JtaffeeduH atmet.„Lametta— Lametta!' Eine Dome kauft ein Paket, noch eine Dame kauft. Dann träumt er wieder ein bißchen. .Lametta— Lametta!' In der Menschenflut des Leipziger Platzes verschwindet er. Bald werden sa in den Buden die Herrlichkeiten zusanzmengepackt, dann umuschen die vielen Lampen und Lichter. Der Strom der Menschen wird oerebben— und man wartet auf den neuen Tag, hofft wieder...._ Ein gesundheitsschädlicher Betrieb. Am 22. Dezember ging durch die Preffe die Nachricht, daß in der Metallschleiferei Seifert, Ackerstraße 132. ein Brand entstanden ist, indem Petroleum in der Nähe ein« brennenden Gas- kochers verschüttet wurde, wodurch vier Arbeiter oerietzt worden sind. Einer der Verletzte» mußt« dem Lazarus-Krankenhaus« zugeführt werden. Der Deutsche Metallarbeiterverband hat schon einmal in einem Schreiben vom 15. Juni 1925 das Gewerbe-Aufsichtsamt auf die Gesundheitsschädlichkeit des hier in Frage kömmenden Betriebes hingewiesen. Am 26. August 1925 war-schon einmal in diesem Betrieb ein Brand ausgebrock?en. Am 4. Seotember 1925 Hot der Metallarbeiterverband die Gewerbe-Aufsichtsbehörden wieder auf diesen Betrieb aufmerksam gemacht. Scheinbar ist doch von den in Frage kommenden Instanzen alles versäumt worden. Es mußten erst Menschen in ihrer Gesundheit beschädigt werden, ehe endlich für Abhilfe gesorgt wird. Wir bringen diese Tatsache der Oeftentllchteii zur Kenntnis und glauben, daß auch die maßgebenden Behörden ihre Pflicht tun werde». Heiland Volk. Der Heiland Volk liegt nackt in armen Megen. Um neues Leben stöhnt verquättes Trauern. Um Furcht der Mütter fiebert fröstelnd Schauern. Unselig sind, die arm wie Tiere liegen. Die hohlen, heißen Sehnsuchtspfeile stiegen Durch das Gewirr der kalken, kranken Mauern. Die vor dem Lichterkreis des Lebens kauern. Sind als Gespenster nicht dem Grab entstiegen. Längst ward der Heiland Volk dem Volk geboren, Gehetzt vom Wind, gepeitscht von Hungerhieben. Sarmherzigkeil ging wund, am weg verloren. Was fromm ein heilig Wunderbuch geschrieben. Zst kalt und starr iu Wiutcrnacht erfroren Und Bettlergut ward Menschenwort vom Lieben. Franz Rothenfelder. Serliner Weihnachtsfeiern. Ja der Städtischen Blindenanstalt. Eine stimmungsvolle Weihnachtsfeier veranstaltete die Städtische Dliiidenanstalt Ihren Zöglingen bereits am Anfang der Wclhnochts- wache. Der Direktor der Blindenwohlfohrt Niepolt hiest eine weihe- volle Ansprache Die Aufführung eines Festspiels durch Zöglinge der Anstalt beschloß die Weihnachtsfeier, der auch zahlreiche Gäste beiwohnten.-Nach der offiziellen Feier fand unter dem großen Weihnachtsbaum, der mit zahlreichen Lichtern geschmückt war, eine Bescherung für die Kinder statt. Es wurden in reichem Motze Aepfel. Nüsse, Pfefferkuchen und nützliche Gegenstände, die zum Teil von den Freunden des Hauses gespendet worden waren, den Kindern auf den Gabentisch gelegt. Im Städtischen Waisenhaus. Auch da» Städtische Waisenhaus in der Alten Jakob st rohe hatte am Dienstag nachmittag eine schöne Weih- nachtsfeier für seine Insassen, sowie für die Zögling« des Kinder- asyls veranstaltet. Mehr als 596 Kinder waren zu diesem Festakt vereinigt worden, dessen Höhepunkt die Ausführung eines Festspiel« durch die Schwesternschülerinnen und Kinder bildete. Nach der Feier fanden in den einzelnen Stationen, in denen gleich- falls kleine Lichterbäume angezündet waren, die Bescherung statt. Wie der Direktor des Waisenhaus« Golz m seiner Festansprache ausführte, waren die Gobentlsche so reich gedeckt, daß die Insassen des Waisenhauses nichts von der Not merken sollten� unter der zahlreiche Menschen draußen im Lande zu leiden hätten. Di« strahlen- den Augen der Kinder zeigten dann auch, daß der Leitung des Städtischen Waisenhauses ihr schönes vorhaben gelungen war.— Das große Friedrichs- Waisenhaus in Rummelsburg hatte gleichfalls leinen Insassen ein stimmungs- volles Weihnachtsfest zu aeben gewußt. Zur gleichen Stunde fanden auch In den übrigen stäotlfchen Waiienanstolten und Erzlehungs- Heimen Weihnachtsbescheningen und Feiern statt. Im Slädilschen Obdach. Im Skädtsschen Obdach, das sonst wohl mir Rpt und Elend siebt. war am Dienstag nachmittag»m 5 Uhr gleichfalls eine Weihnacht- liche Stimmung eingezogen. Nachdem bereits am Sonnabend der vorigen Woche der Fröbeloerein für die Kinder der im Familienheim untergebrachten Obdachlosen eine Weihnachtsbescherung veranstaltet hatte, fand am Mittwoch die offizielle Feier statt. Nach einer Fest- anspräche wurden die Kinder mit bunten Tellern, einfachem Spielzeug und warmen Kleidungsstücken beschenkt. An der Feier nahmen etwa 399 bis 499 Personen teil. Außerdem hatte jeder größere Saal einen besonderen Weihnachtsbaum erhallen, so daß auch den Äermsten der Annen eine Fest«freude bereitet wurde In den Gefängnissen. Weihnachten im Gefängnis! Das Bittere d« Gefangensews mag vielen Insassen der Sirokanstalten niemals so stark zum Be- wußtsein kommen wie In der Weihnachtszeit. Es ist ein freundlicher Brauch(den nicht erst die neuere Art des Strafvollzuges den Ge- fängnissen gebracht hat), auch den Gefangenen einen Weihnacht?- bäum anzuzünden. Im Zellengefängnis Moabit durften wir gestern, einer Einladung des Direktors folgend, an der Weihnachtsfeier als Gast teilnehmen. Eine Feier war es, die ans Herz griff! In der durch alle Stockwerke der Anstalt bis zum Dach hinausreichenden Zentralhalle, auf die alle Gänge aus den strahlenförmig sie um- gebenden Gebäudeflügeln ansmllnden. ragte ein mächtiger Weih- nachtebamn auf. In allen Stockwerken strömten aus den Gänaen die Gefangenen nach diesem Mittelpunkt, und sie füllten die Ga- lerien, die in die Halle hinausoebaut sie umsäumen. Einen Anblick bot diese Gemeinde, der düster blieb und bedrückend wirkt«, trotz dem Stchterglanz d« Weihnachtsknmm« und trotz de« sudelnde« Klängen der aus Kindheitstagen oertrauten Weihnachtslieder. Anftostsdirektor Hülsberg sprach in seiner Festrede wie ein Hausvater zu seiner um den Weihnachtsbaum oersammelten Fa- milie, nicht richtend, sondern aufrichtend. Eine kleine Bläserkapelle und ein aus Gefangenen zusammengesetzter Sängerchor verschönten durch ihre Mitwirkung die Feier. Langsam zogen sich die Ge- sangencn In die Gänge zurück, an denen die Zellen aufgereiht sind. Wehmütig klang es, als die Trompeten ihneck zum Abschied ihr „0 Tannebaum, o Taimebaum!' in die Einsamkeit nachiandten. —"« In der Strafansialt Spandau wurde gleichfalls das Weib- nachtsfest gefeiert. In der Anstaltskjrche fand ein stimmungsvoller Gottesdienst statt, an dem auch die Beamten des Gefängnisses unü ihre Familien teilnahmen. Im Anschluß daran fanden In den Haft- räumen Bescherungen für die Gefangenen statt. Di« Gaben waren von der freien Liebestätigkett gespendet worden. Außerdem war die Berpslegung der Bedeutung des Tag« angepaßt und den Ge- sangenen war die Erlaubnis ertsist worden, von ihren Angehörigen Pakete erhalten zu dürfen. Ferner wurden den Insassen der Straf- anstoll kleine Freiheiten gestattet, so daß auch im Gefängnis das Weihnachtsfest als Fest der Liebe empfunden wurde. Neben der Be- scherung für die Gefangenen hatte man aber auch der Fürsorge für die Familien, die durch die Hast de» Ernährer» in Not geraten sind, gedacht und an sie Geldspenden und Lebensmsttel verteilt. Auch im Strafgeföngnis Tegel sowie in den übrigen Gefängnissen Berlins fanden Weihnachtsfeiern statt. In Tegel wurden an die Angehörigen der Häftlinge etwa 1599 Mark verteilt, die ihnen zum Weihnachtsfest« durch Postanweisungen zugesandt wurden. Die Ge- fangenen erhielten Aepfel, Nüsse usw., einen Chriftstollen und besonders gutes Essen._ Ein seltsamer swtouafall. 18 Stunden im Dienst. Ein rätselhafter Fall beschästtgte das Schöffengericht Neukölln. vor dem sich der 24iährig« Kraftwagenführer Gerhard Herzig wegen fahrlässiger Tötung zu verantworten hatte. Der Angeklagte hatte im Herbst dieses Jahres fahren gelernt und war am 5. Sep- tember morgens aus der Garage fortgefahren. Cr steuerte den Wagen bis 2 Uhr nachts, war also bereits 18 Stunden im Dienst, als er nach seiner Angabe am Ringbahnhos Neukölln eine Fuhre erhielt. Wie er behauptet, ist eine junge Dame in seinen Wagen einge- stiegen, dle nach der Spandauer Straße fahren wollte. Herzig legte ein so scharfes Tempo vor, daß in der Kaiser-Friedrich-Straßc eine Polizeistreise, allerdings erfolglos, versuchte, das Auto aufzuhallen. Die Beamten mußten noch im letzten Äugenblick zur Seite springen, weil sie senlt Übersahren worden wären. Wenige Sekunden später hörten die Polizeiwachtmeister der Streife einen lauten Krach. Sie eilten in der Dunkelheit an die Stelle und fanden dort die Mo- t o r h o u b e ein« Kraftwagens, die sie aus die Polizeiwache brach- ten. Eine andere Polizeistreise hatte im oberen Teil der Kaiser-Fried- rich-Straße inzwischen einen stark demolierten Handwagen gefunden, der ebenfalls auf die Polizeiwache gebracht wurde. Auf dem Wege dorthin sahen die Beamten In der Elbestroß« eine Motordroschke stehen, deren Kühler und rechter Kotflügel schwere Beschädigungen aufwiesen. Die Motorhaube fehlte vollständig. Im Innern des Wagens fand man einen Gemüsekorb von der gleichen Art, wie die oni dem aufgefundenen Handwagen. Im Innern des Wagens lag außerdem eine' Mütze. Die Polizei. beamten fanden nach längerem Suchen den Chausscur, der über die Art des Unfall», den fein Wogen gehabt haben mußte, Ausflüchte , machte und der zuerst behanptcte, die im Wagen liegende Mütze ge- höre ihm. Der Chauffeur—« war der Angeklagte Herzig— wurde i nun festgenommen, und auf der Wache stellte man fest, daß der Angeklagte völlig nüchtern war. Gegen 3 Udr morgens fand ein Gemüsehändler in der Fuldastraße auf den Schienen der Kleinbahn, die für dle Auslchachwngsarbeiten der Nordsüdbahn angelegt ist,«ine Leiche, die sorgfaltig mst einem Sack und einem Bogen Zeltungspapier zugedeckt war. Er benachrichtigt« die Polizei, und« wurde fest. gestellt, daß der Tote ein Händler Altmann aus Neukölln sei.— In der Gerichtsverhandlung behauptete der Angeklagte, er wolle von einem Zusammenstoß mit dem Handwagen überhauot nichts gemerkt haben, und es sei ihm auch unerklärlich, wie die Leiche des Händlers, den er zweifellos überfahren hat, auf die Schienen der Kleinbahn gekommen ist. Der Staatsanwalt vertrat die Ansicht, daß Herzig den Händler vcrn hinten überfahren habe und daß er dann die Leiche besseitegefchleppt und versteckt habe. Er beantragte gegen Herzig zwei Jahre Gefängnis. Das Gericht erkannte auf eine Strafe von 1 Jahr Gefängnis unter Anrechnung von drei Monaten der erlittenen Unterftichimgshaft, billigte dem An- geklagten, obwohl es auf fahrlässige Tötung erkannte, eine drei- jährige Bewähr u ngsfri st zu und legte ihm eine Geld- büße oo« 1S9 M. auf. 51] Die Passion. Roman von Clara Viebig. Wenn Eva an diesen Abend zurückdachte, überliefen sie selige Schauer. Freilich das Spätnachhausekommen und dann keine Stunde Schlaf finden können, denn gerade in dieser Nacht schrie der kleine Felix noch mehr als sonst, und sie mußte ihn bis zum Morgengrauen herumtragen, das liaite ihrer bis dahin mühsam behairpteten Gesundheit einen Stoß gegeben, von dem sie sich nicht recht mehr erholte. Den ganzen Winter hatte sie sich schlecht gefühlt, nun war der erste April vor der Tür, und nun mußte sie es der Tante sagen, daß sie es nicht länger mehr aushielt, damit Grete sich jemand anders zu Felix suchte Aber es tat ihr leid, von ihm zu gehen, sie hatte ihm all dle schweren Stunden, die er ihr bereitet hatte. nicht nachgetragen. Er konnte ja nichts dafür. Sie stand oft in Gedanken verloren, das Kind auf dem Arm und sah in sein leereg Geficht. Warum belebten sich diese blassen blauen Augen nicht, warum blieb in ihnen immer der gleiche starre Ausdruck? Je länger sie in diese leeren Augen sah. desto un- heimlicher wurden sie ihr. Und dann dünkten sie ihr nicht mehr leer, wie ein großer Vorwurf schien es aus ihnen zu blicken. Sie beugte ihr blasses Gssiäitchen nieder auf das andere blasse Gesichtchen und küßte es viele Male.— Fpur Mlkowski war außer sich: war das wohl eine Art. gleich aufzubegehren, wetttt man ein pasrmsl in der Nacht ausstehen mußte, das Kind»herumtragen? .Lch begehre ja nicht auf, Tante. Ich kann es nur nicht mehr.' Und Eva weinte. „Ja, da wird gleich geheult. Heule jetzt nicht,' fuhr die Tante sie an.„Dann kannst du heulen, wenn du zu anderen kommst und zu spät einsiehst, was du bei uns gehabt hast. Hier warst du doch immer bei Verwandten. Und was haben wir alles für dich getan! Dich aufgenommen als kleines Kind, das nichts als Last machte, dich wiederaufgenommen, als deine Mutter gestorben war, dich, als du aus dem Krankenhaus kamst, dann zum drittenmal aufgenommen! Und hast dn es etwa bei Greten nicht gut gehabt�" .T>och.' schluchzte Eva. -Und hast d« es bei mir nicht mich gnt gehabt?' Eva gab keine Antwort. „Aber bilde dir nur nicht ein, daß ich dich nun wieder aufnehme: ich denke gar nicht dran. Albert ist aus dem Hause, Irma geht auch bald, das bißchen Arbeit kann ich mir nu ganz alleine machen. Dann mußt du dir eben wo anders 'nen Platz suchen, wenn es dir bei Schäfers nicht mehr paßt.' Ja, das wollte sie auch. Es regte sich wie Trotz in Eva: sollte sie sich denn nur immer Wohltaten vorwerfen lassen? Das war schwerer zu ertragen als harter Tadel. Sie schrieb an Frau Lessel, die hoffentlich letzr zurück war. schrieb in großer Aufregung, ob sie nichts für sie wüßte, eine Stellung als Kinderfräulein oder ganz gleich als was. Nur eine Stelle haben, eine Stelle, damit sie die Tante nicht bitten mußte: deholte mich noch. Frau Lessel schrieb umgehend: sie wäre erst eben aus Italien zurückgekehrt: eine Stellung wüßt« sie vorderhand nicht, aber Eva sollte einmal zu ihr kommen. Alb. wenn Frau Lessel ein Plätzchen bei sich in ihrem Hause für sie hätte, nur ein ganz kleines, ein beschetdenstos Plätzchen! Man würde sie gar nicht merken in dem großen Hau?. Aber schaffen würde sie heimlich, mehr tun in aller Stille als zwei große Dienstboten. Eva trug sich mit heim- lichen Wünschen, mit Hoffnungen, deren Erfüllung ihr nicht unmöglich dünkte. Ihre Frau Lessel war ja so gut! Die Dame war erschrocken, als sie ihren Schützling sah. Um Himmels willen, wie hatten sie das arme Ding abstrapa- ziert. Eva kam ihr fast schlechter aussehend vor. als damals in der Charit�. „Ich fühle mich auch schlecht,' sagte Eva. „Eine Stellung kannst du in diesem Zustand nicht an- nehmen, das ist ausgeschlossen,' sagte Frau Lessel. Aber sie sprach mit der Gemeindediakonissin: da sie dieser öfter Zu» Wendungen für ihre Armen machte, konnte ihr die jetzt viel- leicht helfen, das Mädchen unterzubringen, womöglich für längere Zeit, daß es sich auch völlig erholte. Den Betrag, den das monatlich kostete, würde sie gern bezahlen.— Coa wurde zu Frühlingsbeginn von der Gemeinde- diatonissin aus den Stettiner Bahnhof gebracht, ins Coup6 gesetzt und fuhr hinaus, in mecklenburgisches Land hinein. zur Erholung. Die Gemeindediakonissin war ein braves Landkmd: dort auf dem platten Land, in dem kleinen Diako- nissenheim, das für alles dasein mußte, für Alte und Kranke, Bedürftige und kleine Kinder, hatte sie sich glücklich und am Platz gesuhlt. Sie schüttelte Eva die Hand, trug ihr viele Grüße für dort auf, wünschte ihr glücklich« Reise und eine schöne gesegnete Erbolungszeit. Eva schloß dle Augen, als sie aus Berlin hinausfuhr. Sie mochte die hohen Mauern nicht mehr sehen, jene grauen Häuserzeilen, die hier im Norden noch viel grauer schienen. noch viel trostloser. Sie lehnte den Kopf hintenüber an die Holzwand und fühlte sich sehr müde. JDa wird es sicher nett sein, so ganz auf dem Lande,' hatte Albert gesagt, als sie Abschied von ihm nahm. Bei Schäfers war es: Grete hatte Geburtstag, drinnen waren viele Gratulanten: Tassen klapperten, Schokolade wurde gereicht: Eva hatte den Moment abgepaßt, als er ging und war zu ihm hmausgeschlüpft vor die Entreetür. Da standen sie an der Treppe. Sie hatte ihn nicht gebeten, er solle ihr doch ein- mal schreiben: er sagte das ganz von selber.„Erbole dich nur, du siehst verflucht schlecht aus, Evchenl' Cr sah sie mit- leidifl an. Das wußte sie selber, daß sie schlecht aussah, das brauchte er ihr nicht erst zu sagen. Sie war gereizt gewesen, eine Blutwelle schoß ihr ins Gesicht. Bon ihm wollte sie das nicht hören, von keinem, aber von ihm erst recht nicht, vor ihm wollte sie hübsch und gesund sein, gesund— ach nur gesund! Aber jetzt konnte sie sich ja nachgeben, nun brauchte sie sich nicht mehr zusammenzunehmen..Sie ließ die Hände matt in den Schoß hängen, ihre Haltung hatte, trotzdem sie sich anlehnte, etwas Zusammengesunkenes. Wenn sie doch schlafen könnte! Sie hatte ein unendliches Bedürfnis nach Schlaf. Aber es war nur ein Halbschlaf, in den sie verfiel, ein un- erquickliches Drufeln, bei jeder Station schreckte sie auf: bäuer- liche Leute stolperten herein, stolperten hinaus. Nun, dafür würde sie in der kommenden Nacht ganz ungestört, dopvelt gut schlafen. Und Neugier zwang ihr die Augen auf. Dom Stetttner Bahnhof war sie schon einmal abgefahren— ach in jenen alückseligen Zeiten, als sie«In Kind war und noch eine Mutter hatte! Die Strecke war ähnlich gewesen, mir daß es damals grüner, warmer Sommer war und jetzt nicht. Es war kalt, der Wagen nicht mehr geheizt, sie fror erbarm- sich. Oder war es eine oewisse Beklemmung, wie sie es da treffen würde, oder ihre Blutarmut, die sie so frösteln machte? Auf Wiesen, die halb unter Wasser standen, krustete es sich noch bie und da wie gefrorener Schnee. In Ackerfurchen, unter Hecken zusammengeweht, lag es noch weiß wie ver- lorene kleine Tüchlein. Hier war noch Winter. (Fortsetzung folgt) J Pferde, Toto, Jockeys und Tipsters. 28 000 Mart unterschlagen und verwettet. Wie man aus der Misere heraus zu viel Geld tommen tönne, mar die tägliche Unterhaltung zwischen dem Buchhalter Stoch und der Kaffiererin Fischer. Beide waren bei der Defla- Bioskop- Gesellschaft angestellt. Schließlich waren sie zu der Meinung gekommen, daß man auf der Rennbahn am schnellsten durch glückliche Wetten Geld verdienen fönne. Ihnen selbst fehlte es aber an dem Betriebsfapital und so nahm die Fischer zunächst einmal 300 M. aus der Geschäftstaffe, um damit das Glück zu versuchen. Mit einem zweimaligen Defizit von 16 000 M. und 12 000 m. und schließlich mit einem Strafprozeß endete die Sache. Wie es häufig geht, erwies sich der erste Versuch als ein Fehlschlag. Nun galt es, den Berlust einzubringen und darüber hinaus Das gesetzte Ziel zu erreichen. Bieber wurde in die Raffe gegriffen, aber auch diesmal hatte man teine glückliche Hand und das Geld war wiederum weg. So ging es nun immer weiter, bis schließlich nicht weniger als 16 000 m. unterschlagen waren. Gelegentlich wurde auch mal ein fleiner Gewinn erzielt, aber den großen Coup erhielten sie nie. Schließlich waren auch die beiden Wetter sogenannten Tipsters in die Hände gefallen, die ihnen für teures Geld angebliche totsichere Tips gaben. Gleichzeitig auch wurden Bekanntschaften mit Jodens angefnüpft, um die Be ziehungen wirten zu lassen. Sogar ausländische Rennbahnen wurden besucht und die Jodens wurden zu Zechgelagen eingeladen. Da der große Coup trotz allem ausblieb und sie vor der Höhe der unterchlagenen Summe schließlich selbst einen Schreck befamen, entdeckten fie sich der Gesellschaft. Sie hatten Glüd. Man wollte ein Auge zudrüden und nahm von einer Anzeige Abstand, da die Sünder reumütig sich verpflichteten, den Schaden wieder gutzumachen. Man follte meinen, daß diese Geschichte eine gute Lehre und Barnung gewesen wäre, aber Stoch war bereits derart vom Spielteufel erfaßt, daß er auch in feiner neuen Stellung bei der Russisch- Desterreichischen Handelsgesellschaft sich wiederum an dem Gesellschaftsfapital vergriff. Dabei ging er in recht raffinierter Weise vor. Die dem Chef zur Unterschrift vorgelegten Schecks änderte er gefchickt auf höhere Be träge um und steckte den Mehrbetrag in die Tasche. Alles Gelb wanderte wiederum zum Toto und in die Tasche der Tipsters. In einem Zeitraum von zwei Monaten waren wieder über 12 000 m. auf diese Weise unterschlagen und verwettet. Als diese neuen Unterschlagungen entdeckt wurden, tam auch der Detla- Fall ans Tageslicht, und so hatten sich Stoch und Fischer vor dem Schöffen gericht mitte megen fchwerer rtundenfälschung, Dieb stahls, Untreue und Hehlerei zu verantworten. Der Staatsanwalt beantragte 1½ Jahr bzw. 9 Monate Gefängnis. Der Verteidiger mies als Milderungsgrund darauf hin, daß die Angeklagten ein Opfer der diesen jungen Leuten gefchentten zu großen Boll. macht bei ungenügender Kontrolle gewesen seien. Das Gericht schloß sich dieser Auffassung an, so daß beide Angeflagte recht milde davonfamen. Stoch erhielt 9 Monate und die Fischer 6 Monate Gefängnis. Es wurde beiden auch für einen Teil der Strafe Bewährungsfrist in Aussicht gestellt. Ein dreifter Raubüberfall. Ein schwerer Raubüberfall wurde auf den Inhaber ber Tabat. merte, Wilhelm Wurzel, in der Chauffeeftr. 76 zu Brig verübt. Wurzel befand sich allein im Laden und faß, mit Rechnungsarbeiten beschäftigt, an feinem Schreibtisch, als ein junger Mann eintrat und ihm mit einem ftumpfen Gegenstand mehrere wuchtige Hiebe auf den Kopf versetzte, so daß er blutüberströmt zusammenbrach. In diesem Augenblid betrat eine Kundin, Frau Marta Böhme aus der Glasowstraße 36, das Geschäft. Jegt wandte fich der Täter der Frau zu und schlug auch auf sie mehrmals ein, so daß fie ebenfalls ich wer perlegi murde. Auf die Hilferufe der Ueberfallenen eilte ein junger Mann von der Straße aus in das Gefchäft. Der Räuber stieß ihn zu Boden und enttam, ehe andere Leute hinzueilen tonnten. Wurzel wurde in das frankenhaus nach Bucom gebracht, mo die Aerzte einen mehrfachen Schädelbruch feststellten. An seinem Aufkommen wird gezweifelt. Frau Böhme hat drei flaffende Ropfwunden davongetragen und ist auf ihren Wunsch in ihre Wohnung übergeführt worden. Bon dem unbekannten Räuber weiß man nichts weiter, als daß er ein junger schmächtiger Bursche ist. Welche Waffe er benutzt hat, steht ebenfalls noch nicht fest. Nach den bisherigen Feststellungen ist er nicht dazu gelommen, etwas zu rauben. Alle Mitteilungen zur Aufklärung und zur Er greifung des Täters nimmt Kriminalfommissar Berneburg im Bimmer 80 des Polizeipräsidiums entgegen. Bargeldlos im kleinen. Im Geschäftsverfehr ist es von jeher üblich gewesen, daß der Lieferant bzw. Fabrikant von Waren feinem Abnehmer einen Kredit einräumen mußte. Der gewährte Kredit erstreckte sich oft auf Monate. Der über genügend Geld verfügende Abnehmer, der feine Ware vor Ablauf des Ziels bezahlen fonnte, zog sich für die Nichtinanspruchnahme des Kredits einen bestimmten Teil( Stonto) von der Kauffumme ab. In der Inflationszeit, als Geld und waren tnapp waren, wurde diese die Wirtschaft belebende Einrichtung nicht mur gestrichen, sondern vom Abnehmer mußte die Ware, bevor fie in seinen Händen war, bezahlt werden. Heute ist, trotzdem das Geld auch noch knapp ist, die Gewährung und Annahme von Kredit selbstverständlich. Dieser Berkehr zwischen Lieferant und Abnehmer hat für den letzteren in bezug auf Preisgestaltung oder Qualität der Ware feinen Nachteil. Anders liegt die Sache bei der Kreditnahme des letzten Berbrauchers, also im Einzelverkauf, furz genannt: Rauf auf Abzahlung. Wie früher treten auch jetzt wieder die Abzahlungsgeschäfte auf die Bildfläche. Abgesehen von den üblen Gefchäften, die das Eigentumsrecht sich vorbehalten, bis ber lette Pfennig bezahlt ist und in manchen Fällen rücksichtslos aus bten, muß aber doch auch gesagt werden, daß selbst die beſſeren Abzahlungsgeschäfte infolge der erhöhten Untoften, 3insverlust und Risiko diese Spelen durch erhöhte Preise oder durch mindere Qualität ausgleichen müssen. Wie fann nun der Arbeiter sich die Vorteile der Barzahlung zunuze machen? Kurz und bündig gefagt dadurch, daß er die Beträge, die er zur Anschaffung eines größeren Wirtschaftsstüdes, Kleidung usw. benötigt, sich auffpari Man fage nicht, daß in der heutigen schlechten Zeit, wo Arbeitslosigkeit und Sturzarbeit in erfchredendem Maße herrscht, an Sparen nicht zu denten ist. Es ist richtig, daß ein großer Teil der Arbeiter von der Wirtschaftskrise start erfaßt ist und nur notdürftig sein Leben fristet. Aber glücklicherweise gibt es wiederum einen Teil, dem es besser geht; außerdem wollen wir hoffen, daß bald beffere Zeiten fommen. Tatsache ist, und das ist das Wesentliche, daß die Teilbeträge, die man bei einem Kauf im Abzahlungsgefchäft zu zahlen sich ver pflichtet, zur gegebenen Zeit vorhanden sein müssen. Warum also MASSARY Was tut Berlin für die Jugend? Jugendwohlfahrtspflege ist eine Arbeit von bleibendem Bert.| Gegenüber der heranwachsenden Generation besteht daher die Berpflichtung, thre törperliche und seelische Entwicklung zu überwachen und durch geeignete Maßnahmen ihre in der Kriegs- und Nach friegszeit erschwerten Lebensbedingungen zu verbessern. Die Stadt Berlin hat bereits 1917 versucht, durch Schaffung eines Jugendamtes diese Kulturarbeit in die rechten Bahnen zu leiten. Es waren damals im wesentlichen jugendpflegerische Aufgaben, die dem Amte zufielen, und die Durchführung der sogenannten Dedem Amte zufielen, und die Durchführung der sogenannten De zentralisation ließ aber die pofitive Arbeit an der Jugend mehr in den Hintergrund treten. Im letzten Jahr entschloß man sich nun, die gesamte Wohlfahrtspflege einer gründlichen Neuorganisation zu unterziehen und sie zu zentralisieren. Diese Arbeiten sind jest so gut wie abgeschlossen, und es ist deshalb interessant, einen Ueber blid über das neue Arbeitsgebiet des Jugendamtes zu erhalten. Der Aufgabenkreis. Der Schwerpunkt der gesamten Tätigkeit liegt in der Jugendpflege, im Fürsorgewesen, in der Krüppelfürsorge, in der Gerichtshilfe, im Bormundschaftswesen und im Kampf gegen Schmuk- und Schundliteratur, Alkohol und Nifofinmißbrauch. Straßendienst und Schuhaufsicht find weitere große Arbeitsfelder. Von Bedeutung sind die Bestimmungen über das Zusammenwirken von Berufs- und Jugendamt. In das Bereich der Jugendpflege fällt zunächst die Er holungspflege, Rinderverschidung, Sorge für die Schlechternährten, Bereitstellung von Jugendheimen und Unterstügung der Wander und Sportfreunde sind deren Hauptgebiete. Für die Verschidung hat man in den legten beiden Jahren über 60 Landfreise, die hauptsächlich in den Provinzen Ost- und Westpreußen, Pommern und Brandenburg liegen, zur Verfügung. Im ganzen hat das Jugendamt im letzten Jahre rund 50 000 Kinder verfchidt. Eine große An zahl war im Auslande und hat dort nicht nur unentgeltlich ge lebt, sondern ist in den meisten Fällen auch noch reichlich beschenkt worden. Gegenwärtig ist man damit beschäftigt, in Bossen zu den bestehenden 2 noch 10 weitere Landschulheime zu bauen und einzurichten. Die Freude an törperlicher Gewandtheit und Ertüchtigung der Jugend foll ferner durch die Bereitstellung großer Sportpläge unterstützt werden. Wie weitgehend die Bläne der Stadt in dieser Beziehung sind, sieht man daraus, daß jetzt bestehende Sportflächen um das Dreifache vergrößert werden sollen. Auf Grund eines forgfältig aufgestellten Blanes geht man jeßt daran, in und um Berlin große unbebaute Flächen als Spielplätze ficher zu stellen. Insgesamt 400 000 Quadratmeter sollen nach Ablauf von 10 Jahren zu den bestehenden Sportpfäßen hinzufommen und der Deffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Im Jahre 1935 wird dann der der für den Verbraucher nachteilige Weg: Ware, Ratenzahlungen und damit verbunden höherer Preis oder mindere Qualität, und nicht umgekehrt: er st Ratenzahlungen und zwar in ein Sparbuch und dann die Ware und hiermit alle Vorteile der Barzahlung. Uns ist bekannt, daß die Konsumgenossenichaft Berlin und Umgegend hierzu eine beachtenswerte Einrichtung dadurch geschaffen hat, daß in ihren Warenhäusern alle Sparvorgänge, alfo Einzahlungen und Abhebungen, sofort erlebigt werden. Die Sparbücher können sofort wieder entgegengenommen werden. Wer die oben angeziegten Borteile genießen will, spart in einem Sparbuch der Konsumgenossenschaft solange, bis er den benötigten Betrag für den zu taufenden Gegenstand aufgefammelt hat, nötigten Betrag für den zu taufenden Gegenstand aufgefammelt hat, geht in das Warenhaus der Rofumgenoffenschaft und wird ihm dann statt Gelb der betreffende Betrag von feinem Guthaben abgeschrieben: Der bargelblofe Berkehr im fleinen." Die neuen Monatskarten der Hochbahn. Bom 1. Januar 1926 ab gelangen, wie mitgeteilt, Monats tarten für die 2 und 3. Klasse auf der Berliner Hoch- und Untergrundbahn zur Einführung, die zu beliebigen Fahrten auf dem gefamten Reg der Hoch- und Untergrundbahn berechtigen. Wer eine Monatstarte wünscht, gibt in der Zeit vom 29. Dezember bis 7. Januar auf einem beliebigen Bahnhof an einem der besonders bezeichneten Schalter ein gut erkennbares, unaufgezogenes Lichtbild von etwa 5 × 5 Zentimeter Größe ab und erhält dafür zunächst eine Kontrollnummer. Die bestellte Monatsfarte fann dann an dem gleichen Schalter nach einer Frist von 24 Stunden gegen Rückgabe der Kontrollnummer in Empfang genommen werden. Jeder Monats tarte wird ein Abdruck der Bedingungen für Monatstarten" beigefügt, die der Fahrgast mit Benußung der Karte für verbindlich anerkennt. Die Monatsfarten müssen vom Inhaber an der hierfür vorgesehenen Stelle eigenhändig unterschrieben werden, und be rechtigen erst nach Einkleben der für den jeweiligen Monat gültigen Wertmarte zur Fahrt. Die Wertmarten für den Monat Januar fönnen zum Preise von 11 M. für die 3. Klasse und 16 M. für die 2. Klasse vom 29. Dezember bis 7. Januar einschließlich an den durch Aushang tenntlich gemachten Monatsfartenschaltern getauft werden. Bom 8. Januar ab werden Monatsfarten und Wertmarken nur von der Betriebsverwaltung, Berlin W. 9., Köthener Str. 12, merttäglich von 9 bis 4 Uhr, Sonnabends bis 1 hr verausgabt. Reffor Törring von ber 126. Gemeindeschule in der Culmstraße, über bessen Tod durch Leuchtgasvergiftung wir berichteten, soll nicht seinem Leben freiwillig ein Ende gemacht haben. Die Kriminalpolizei nimmt Selbstmord an, aber eine von anderer Seite gegebene Darstellung läßt die Möglichkeit offen, daß Abficht gehabt, Gas anzuzünden, hat zunächst den Gashahn geöffnet es sich um einen Unfall handelt. Törring hat anscheinend die und dann nach den Streichhölzern gesucht, die im Tischtasten lagen. Er hat, wird angenommen, den Gashahn zu schließen vergessen, ist beim Suchen von einem Unwohlsein befallen worden und ist dann in dem umgehemmt ausströmenden Gas erstickt. Der 51jährige Mann soll feinen Grund zum Selbstmord gehabt haben. In den Weihnachtsferien gedachte te an einer Studienreise nach Bayern teilzunehmen und das Walchenseewert zu besichtigen. Folgende fozialistische Geistliche Sprechen in der Weihnachts- und Neujahrszeit: Pfarrer Frande in ber heilig- Kreuz- Kirche am Blucherplat( Hallesches Tor) am 1. Feiertag nachm. 6 Uhr, am 27. Dezember vorm. 10 Ubr, am Sylvestertag nachts um 11 Uhr, am Neujahrstag nachm. 6 Uhr. Pfarrer Karl Schmidt in der Thomas- Kirche am Mariannenplas( Süd- Dit) am 1. Feiertag nachm. 6 Uhr und am Sylveftertage nachm. 6 Uhr. Pfarrer Bleier in der Trinitatis- Stirche Rari- Auguft- Blas in Charlottenburg am 1. Feiertag nachm. 6 Uhr und am Sylvestertage nachts um 11 Uhr. Pfarrer Lie. Dr. Piechowsti EDEL WIE DER NAME Durchschnittsjah an Spielfläche 2,6 bis 2,7 Quadratmeter pro Kopf betragen.( Augenblicklich entfallen auf den Kopf eines jeden Einwohners rund 1 Quadratmeter Spielfläche.) Vorbeugen ist besser als Heilen. In der Fürsorgeerziehung, einem weiteren Haupttapitel im Arbeitsbuch des Jugendamts, ist neben dem inneren Ausbau der Er iehung vor allem die Beaufsichtigung und Prüfung des Lehrperfonals, das dem Amte obliegt. Die Umwandlung des Strafprinzips werterweise auch zu den Aufgaben des Jugendamts. In Berbindung in ein Erziehungs- und Borbeugungsprinzip gehört anerkennens mit dieser Aufgabe steht die Bekämpfung des Alkoholmißbrauchs und der Schundliteratur. Hier sind die Arbeiten vor allem vorbeugender Natur. Ausgedehnte Aufklärungsarbeiten sollen durch die Bezirksämter durchgeführt werden. Weiter will man für die Lehrer, und Lehrerinnen an den Fach- und Fortbildungsschulen einen Lehrgang zur Bekämpfung des Altoholmißbrauchs einrichten und in Wort und Schrift Propaganda dagegen machen. Auch die Bekämpfung der homosexuellen Berführung wird jezt vom Jugendamt in Angriff genommen. Mit dem Spezialdezernat des Polizeipräsidiums ist be reits eine rege Verbindung hergestellt, die noch weiter ausgebaut wird. Das Jugendamt ist mit anderen Großstädten, in denen die homofeguelle Berführung Jugendlicher eine Rolle spielt, in Meinungsaustausch getreten. In Berlin ist bereits eine pädagogische Sprechstunde eingerichtet, und in besonders schwierigen Fällen werden psychiatrische Untersuchungen vorgenommen werden. Auf die soziale Gerichtshilfe, die ein Hauptarbeitsgebiet des Jugendamtes ift, näher einzugehen, gestattet der Raummangel nicht. Nur auf die sogenannte Sühneftelle, die mit der Neuorganisation gefchaffen ift, foll noch hingewiesen werden. In letzter Zeit mehrten sich in erschreckender Weise die Kinderschändungen. In den meisten Fällen wurden Anzeigen nicht erstattet. Seitdem aber vom Jugendamt im Kriminalgericht eine Meldestelle eingerichtet ist, laufen die Anzeigen bereits häufiger ein, und ermöglichen in vielen Fällen die Festnahme des Schuldigen. Zu dieser Stelle gehört noch der Straßendienst, beffen Aufgabe es ist, auf Blägen, Rummels, in den Barks und Schantstätten gefährdete Kinder und Jugendliche zu beobachten, um sie im Rotfalle schüßen zu tönnen. Allerdings bedarf gerade diese Organisation noch sehr der Ausgestaltung. * Dies alles ist nur ein feiner Ausschnitt, aus dem Arbeitsgebiet des Jugendamtes, aber er zeigt, welche eminent wichtigen Aufgaben hier zu lösen sind, und wieviel Arbeit noch geleistet werden muß. Diese Arbeit im Interesse der Jugend, die die Gesellschaft von morgen ist, wird hoffentlich einft in einer gefunden Generation ihren Segen finden. in der Phillipp- Melanchthon- Stirche in Neu! BIIn Kranoldstraße 16 am 11. Feiertag vorm. 10 Uhr, am 27. Dezember vorm. 10 Uhr und am Neuahrstage vorm. 10 Uhr. Deckeneinsturz auf dem Hauptbahnhof Darmstadt. Zwanzig Personen verletzt. Darmstadt, 24. Dezember.( WTB.) Heute nachmittag brach im Hauptbahnhof Darmstadt die Rabigbede des Hauptdurchganges zwischen Borhalle und Bahnsteiglsperre herunter und verlekte 20 Reisende, die sich gerade in diesem Durchgang befanden. Die Sanitätswagen vom Roten Kreuz und die Rettungsmache der Feuerwehr waren bereits nach zehn Minuten zu Stelle. Die schwerer Berlegten wurden sofort nach dem städtischen Krankenhaus gebracht. Die eingestürzte Dede ist eine Rabigbede pon 200 Quadratmeter Flächeninhalt. Die Decke löfte sich zunächst an einer Ede; ein großer Teil der sich in der Bahnhofshalle aufhaltenden Bersonen hatte dies noch rechtzeitig genug bemertt, um sich in Sicherheit bringen zu fönnen. Diesem Umftande ist es zu verdanken, daß von den hundert Personen, die sich in der Bahnhofshalle befanden, nur verhältnismäßig menige verlegt wurden. Die Ursache des Einsturzes ist noch nicht festgestellt. Schweres Unglüd bel einer Weihnachtsveranstaltung in Amerika. In der Stadt Erie in Pennsylvania brach während einer Weihnachtsveranstaltung einer dortigen Zeitung, an der 5000 Rinder teilnahmen, durch den Zusammenbruch einer Galerie Panit aus. Bei dem Bersuch der Menge, zu den Ausgängen zu gelangen, wurden drei Kinder getötet und zahlreiche andere Kinder schwer verletzt. Aus der Partei. Zum Fall Fensfe. Zu den auf einer unter fommunistischem Borsiz veranstalteten Bersammlung erhobenen Vorwürfen gegen die Haltung des Vorstandes der Bereinigung fozialistischer Studenten Berlins im Fall Fenste, nahm eine außerordentliche Mitgliederversammlung der Bereinigung fozialdemokratischer Studenten Stellung. Dem Borstand wurde das Bertrauen ausgesprochen. Ein offener Brief" der Kommunisten, in dem nach berühmtem Muster die Einigung über die Köpfe des Vorstandes hinweg empfohlen wurde, wurde mit Entrüstung zur Kenntnis genommen. Man stellte sich auf den Standpunkt, daß unbeschadet der kommu nistischen Vorwürfe die fachliche Arbeit im Fall Fenske fortzusetzen sei und faßte hierzu in bezug auf die zufünftige Haltung gegenüber der tommunistischen Studentengruppe einstimmig folgende Reso lution: „ Gegen Beranstaltungen in Gemeinschaft mit der Kommunistengruppe und den übrigen linksstehenden Gruppen des Kartells repu blikanischer Studenten bestehen teinerlei Borbehalte. Bu einer Zusammenarbeit mit der tommunistischen Gruppe im Sinne der zu erstrebenden gemeinsamen Front der Arbeiterparteien ist die Bereinigung sozialdemokratischer Studenten in dem Augenblick bereit, an dem die Kommunisten eindeutig beweisen, daß sie an einem solchen Zusammengehen nicht ein tattisches, sondern wie die Vereinigung sozialdemokratischer Studenten ein sachliches Intereffe haben. Die Mitgliedschaft der Vereinigung sozialdemokratischer Studenten betrachtet es als felbstverständlich, daß bei allen derartigen Aktionen, wie auch bei allen eventuellen Borverhandlungen auf beiden Seiten der Ton voller Gleichberechtigung herrscht, und hält daher ultimatives Borgehen irgendwelcher Art von vorn herein für verfehlt. & ZIGARETTE Ueber die Abzweigung einiger Steuerbezitte vom Finanzamt Groß- Lichterfelde finden unsere Lefer nähere Angaben im Anzeigen teil dieser Ausgabe des Vorwärts". Sport. Die Neugestaltung des deutschen Radsports. ㄓ Die Borsigenden des Verbandes deutscher Rabrennbahnen, Felig Otto- Hannover und Bernhard Schulze Leipzig sowie die Vertreter des Bundes deutscher Rab fahrer, Dr. Totschet Stettin, Eggert Berlin, StevensKöln und Boehl- Berlin traten in Berlin zu einer Sigung zu fammen und beschlossen folgendes: 1. Unser Ziel ist der Ein heitsverband der deutschen Radfahrer, die machtvolle Entwicklung des deutschen Radsports und die Beseitigung seiner Fehler. 2. Wir werden den zuständigen Generalversammlungen des Verbandes deutscher Radrennbahnen und des Vereins deutscher Amateurbahnen, die im Januar 1926 in Berlin stattfinden, vorschlagen, fich aufzulösen. Die gesamten deutschen Radrennbahnen werden in einem Bundesverein zu fammengeschlossen.- Die vorstehenden Beschlüsse werden zur Folge haben, daß die Leitung des gesamten deutschen Radsportes in eine Hand tommt. Wir haben die Ueberzeugung, damit weitgehend nationalen und internationalen Wünschen zu entsprechen, die eine einheitliche Linie im deutschen Radsport fordern und vor allen Dingen nur eine Sportbehörde verlangen. Die Betreuung des gesamten deutschen Radsportes durch eine Stelle wird für seine weitere Entwicklung von ausschlaggebender Bedeutung sein." Wie wir soeben erfahren, wird der Deutsche Renn fahrerverband( DRP.) am tommenden Dienstag ebenfalls zu einer Sigung zusammentreten, um die Vorschläge, die der Bund deutscher Radfahrer( BDR.) in Gemeinschaft des Berbandes deut. scher Radrennbahnen( BDR.) öffentlich zur Bildung einer Einheitsfront im deutschen Radrennsport gemacht hat, zu besprechen. Das Rundfunkprogramm. Freitag, den 25. Dezember. 9 Uhr vorm.: Morgenfeier. 1. A. Böhme: Weihnachtsfantasie ( Dr. Artur Böhme, Harmonium). 2. a) H. Schütz: Arie:, Also hat Gott die Welt geliebet"( fünfstimmig), b) O. Hirsch: Susani, geistliches Wiegenlied aus Seraphischer Lustgarten"( Berliner Solistenquartett: Marg. Böhme- Heidenreich, Elisabeth Koll, Gina Goetz, Anni Ritter, Max Gruhl, Max Dienel, Hannes Aulert, Gustav Polzin, Dirigent: Dr. Artur Böhme). 3. a) C. Radecke: Weihnachtsspruch, b) Cl. Schmalstich: Ein weihnachtlich Lied ( Charlotte Lindemann von der Berliner Staatsoper, Sopran). 4. Bibelrezitation( Bibelsprecher Johannes Schulzke). 5. W. Berger: Weihnachtslied( Richard Klewitz, Bariton). 6. Ansprache des Herrn Pfarrer Pfeiffer. Berlin- Tempelhof. 7. H. Hermann: Altdeutsches Krippenlied, b) F. Hummel: Weihnachtszauber( Charlotte Lindemann). 8. Alb. Becker: Weihnachtslied aus dem 14. Jahrhundert( Berliner Solistenquartett). Am Flügel: Dr. A. Böhme). 4.30 Uhr nachm.: Märchen für Groß und Klein von Manfred Kyber. 1. Vom kleinen Teufelchen und dem Muff, der Kinder kriegte. 2. Der Hampelmann. 3. Der Schneemann. Erzählt von Stella Hay. 5-6 Uhr nachm.: Bandonionkonzert 6.30 Uhr abends: Sendespiele. Abteilung Oper. Spielzeit 1925/26. Leitung: Cornelis Bronsgeest. 18. Veranstaltung. Die romantische Oper Lohengrin", Oper in drei Teilen von Richard Wagner. Dirigent: Intendant Prof. Dr. Max von Schillings. Personen: Heinrich der Vogler, deutscher König: Cornelis Bronsgeest; Lohengrin: Robert Hutt; Elsa von Brabant: Grete Stückgold; Friedrich von Telramund: Theodor Scheidl; Ortrud, seine Gemahlin: Frida Leider; Heerrufer des Königs: Louis van den Sande; vier Edelknaben: Gertrud Burke, Hanna Krampe, Eva Frank, Else Jaep; Herzog Gottfried, Elsas Bruder. Sächsische und thüringische Grafen und Edle. Edelfrauen, Edelknaben, Mannen, Frauen, Knechte. Ort der Handlung: Antwerpen. Zeit: Erste Hälfte des 10. Jahrh. Der zweite Teil beginnt um 8 Uhr. Der dritto Teil beginnt am 9.30 Uhr. Es sind somit zwei Pausen von je ungefähr einer halben Stunde vorgesehen. Anschließend: Wetterdienst, Sportnachrichten. Theater und Filmdienst. Bekanntgabe der neuesten Tagesnachrichten. Zeitansage, Königswusterhausen, Freitag, 25. Dezember. 11.30-12.20 Uhr Weihnachtskonzert. Mitwirkende: Edith Bach Sopran; Edith Fromberg, Violine; Knabenchor des Körner- Realgymnasiums Cöpenick. Am Flügel: Klara Bach und Elsbeth Owert). 1. O du fröhliche, ob du selige. 2. a) Maria auf dem Berge; b) Percy Kahn: Ave Maria( mit obligater Violine). 3. a) Stille Nacht, heilige Nacht, b) Ihr Kinderlein kommet 4. Violinsolo. 5. a) C. v. Rennes: Und über der Weide da glänzte die Sonn', b) Brahms: Guten Abend, gute Nacht, c) Schubert: Ave Maria( mit obligater Violine). 6. a) O Tannebaum, o Tannebaum, b) Vom Himmel hoch da komm ich her. 7. P. Cornelius: a) Christkind, b) Vespergesang, e) Karl Kämpf: Jubilate, russ. Volkslied. 8. Giordano: Caro mio ben( mit obligater Violine). 12 Uhr mittags: Esperanto. Sonnabend, den 26. Dezember. 9 Uhr vorm.: Morgenfeier 1. Peter Cornelius: a) Die Hirten, b) Die Könige, c) Christkind( Milli Rose, Gesang; Johannes | Zahnweh, d) Roellinghoff: Schlange an der Boxkampf- Kasse( Ulrich Franz Krolop, Rezitation). 4. a) Leoncavallo: Mattinata, b) Dickens: Anna Maria, c) Bungert: Bonn, d) Lebieg: Schlaf, e) Granichstaedten: Das Leben wär' so häßlich, aus der Operette Die Bacchusnacht"( Franz Baumann, Tenor). 5. Becce: Italienische Suite: a) Ouverture miniature, b) Ricordo di Capri, e) Serenata Siciliana, d) Sulla spiaggia di Sorrento, e) Serenata appassionata, f) Tarantella napolitana( Kapelle Becce). Am Flügel: Theodor Mackeben. Anschließend: Wetterdienst, Sportnachrichten, Theater- und Filmdienst, Bekanntgabe der neuesten Tagesnachrichten, Zeitansage. 10.30-12 Uhr abends: Tanzmusik. Königswusterhausen, Sonnabend, den 26. Dezember. 8. t. rfere Beihnachtsfeier mi imberbefcherung Finbet eb nachmittags 5 Uhr in fämtlichen Räumen des Nationalhofs, Bitlom ftr. 37, ftatt. 16. Abt. Abends 6 Uhr bei Krüger, Suffitenftr. 34, Weihnachtsfeier. 44. Abt. Nachmittags 5 Uhr im Gewerkschaftshaus, Engelufer 24-25, Gaal 3, Kinder- Weihnachtsfeier. Die Genossen mit ihren Rindern find herzlichst eingeladen. 101. Abt. Treptow. Die Abteilung veranstaltet eine Winterfonnenwendfeier mit anschließendem gemütlichen Beifammensein und Tanz bei Nitschke, Am Treptower Part 26. Beginn nachmittags 5 Uhr. Eintritt 50 BF. Billetts find noch zu haben. 103. Abt. Oberschöneweide. Weihnachtsfeier nachmittags 4 Uhr im Geſellſchaftshaus bei Imberg. Mitgliedsbuch legitimiert. * 5. Abt. Montan, ben 28. Dezember, abends 6 Uhr, im Rofenthaler Sof. Rofenthaler Str. 10-11, Weihnachtsbescherung. Gemütliches Beifammen fein mit Tana. Alle Genoffen mit ihren Angehörigen find heralidyit eine geladen. 22. Abt. Die Bezirksführer rechnen am Mittwoch, den 30. Dezember, beim Genoffen Schmidt, ab. Rartothelbarten find mitzubringen. 56. Abt. Charlottenburg. Den Genoffinnen und Genoffen für die reichlichen Spenden zur Beihnachtsbefcherung der Rinder besten Dank. Die Ahteilungsleituna. 11.30-12.50 Uhr nachm.: Weihnachtskonzert. Mitwirkende: Margarete Timner, Sopran; Wolfgang Lenter, Tenor; Streichquartett: Alfred Schmidt, 1. Violine; Kurt Heinze, 2. Violine; Fritz Henning, Viola; Hans DidBoßeit. Cello; Heinz Streich, Flöte; Largo aus dem Konzert für zwei Violinen D- Moll. 2. a) Peter am Ibach- Flügel: Rudolf Henning und Wolfgang Lenter. 1. J. S. Bach: Cornelius: Die Hirten, b) Max Reger: Mariä Wiegenlied, c) Max Rinderfreunde Schöneberg Alle Kinder treffen fich are 2. Proletarischen Reger: Beim Schneewetter. d) Brahms: Guten Abend, gute Nacht. 3. a) Peter Cornelius: Drei Könige, b) Mendelssohn- Bartholdy: Arie aus Elias. 4. Mozart: Andantine aus Quartett Nr 29 für Flöte, Violine, Viola u. Cello. 5. a) Leo Blech: Wiegenlied: b) P. Graener: Wiegenied: c) Berger: Weihnachtslied. 6. Gounod- Bach: Ave Maria. 7. Peter Cornelius, a) In Sternennacht, b) Verratene Liebe. 8. Beethoven: Allegro sostenuto aus Duo Nr. 3 für Violine und Cello. 12.00 Uhr: Esperanto. Sonntag, den 27. Dezember. Uhr vorm.: Morgenfeier. 1. Haydn: Poco adagio cantabile, aus dem G- Dur- Trio( Herts Mack- Reichert, Klavier; Gerda Reichert, Violine; Heinrich Kramer, Cello). 2. a) Händel: Erwach' su Liedern der Wonne, aus dem„ Messias", b) Franck: Auf, auf, zu Gottes Lobe( Luise Hahn, Sopran; am Flügel: W. Jaeger). Zentralausschuß für Innere Mission. 4. s) W. Jaeger: Christ3. Ansprache des Herrn Direktor Pastor Lic. Steinweg vom kindleins Wiegenlied( Luise Hahn). 5. Haydn: Presto aus dem G- Dur- Trio( Herta Mack- Reichert, Gerda Reichert, Heinrich Kramer). 11.30-12.30 Uhr nachm.: Die Stunde der Lebenden. Der Charon- Kreis Otto zur Linde, Rudolf Paulsen, Karl Roettger. 1. Einleitende Worte( Rudolf Paulsen) 2. Gedichte und Prosa ( Lisi Neumann, Rudolf Paulsen). 2.20 Uhr nachm.: Schachfunk ( E. Nebermann). 3 Uhr nachm.: Hans- Bredow- Schule( Bildungskurse). Abteilung Landwirtschaft. Generaloberveterinär Professor Dr. Lührs: Tierseuchenverhütung und bekämpfung", 3.30 Uhr nachm.:,Funkheinzelmanns Weihnachtsfahrt", erzählt vom Funkheinzelmann. 4.30-6 Uhr nachm.: Nachmittagskonzert der Berliner Funkkapelle. Leitung: Konzertmeister Ferdy Kauffman). 7 Uhr abends: Forschungsreisender Paul Spatz:„ Das unbekannte Kreta". 7.25 Uhr abends: Professor Dr. O. Kassner: Der Wert der Wetterbeobachtungen für Industrie und Technik in Streitfällen. 7.50 Uhr abends: Dr. Paul Rohrbach:„ Kulturleistungen des Auslandsdeutschtums". 8.30-10 Uhr abends: Orchesterkonzert unter Mitwirkung von Elise v. Catopol, Sopran. Dirigent: Bruno Seidler- Winkler. 1. Rossini: Ouvertüre zu„ Der Barbier von Sevilla. 2. Nicolai: Nun eilt herbei. Arie der Frau Flut aus der Oper Die lustigen Weiber von Windsor( Elise v. Catopol). 3. Verdi: Eantasie aus der Oper Troubadour. 4. Berlioz: Ouvertüre zu Benvenute Cellini. 5. Brahms: Ungarische Tänze Nr. 5 und 6. 6. Gounod: Schmuckarie aus der Oper Margarete"( Elise v. Catopol). 7. Liszt: L. Rhapsodie( Berliner Funkorchester). Anschließend: Bekanntgabe der neuesten Tagesnachrichten, Zeitansage, Wetterdienst, Sportnachrichten, Theater- und Filmdienst. 11.30-12 Uhr Tanzmusik. Montag, den 28. Dezember. Außer dem üblichen Tagesprogramm: 8.45 Uhr nachm.: Major a D. Schnarke: Die Berlin- Potsdamer Eisenbahn bei ihrer Eröffnung im Jahre 1838. 4.30 Uhr nachm.: Novellen. Der Muff", von Marie v. Ebner- Eschenbach, vorgetragen von Eva Holberg. 5.15-6 Uhr abends: Nachmittagskonzert der Berliner Funkkapelle.( Leitung: Konzertmeister Ferdy Kauffman). 6.40 Uhr abends: Zehn Minuten für die Frau, 6.55-7.30 Uhr abends: Hans- Bredow- Schule( Bildungskurse). 6.55 Uhr abends: Abteilung Technik. Oberingenieur Otto Nairz: Wie behandele ich meinen Rundfunkapparat". 7.20 Uhr abends: Abteilung Sprachunterricht. Französisch( Professor O. Colson). 7.55 Ubr abends: Marinebaurat Engberding: Die Zukunft aufgaben von Laftschiff and Luftschiffahrt. 8.30-10 Uhr abends: Am Kamin. 1. a) Schubert: Du bist die Ruh'( Rückert), b) Schumann: Mondnacht( Eichendorff), e) Letzte Rose, Volkslied( Edith Bach, Sopran). 2. a) Goethe: Zueignung zu Faust", b) Rückert: Aus der Jugendzeit, c) Droste- Hülshoff: Mondesaufgang, d) Vischer: Gesellschaft( Dr. Gert Briese, Rezitation). 3. a) AmaniElman: Orientale, b) Dvorák- Kreisler: Slavischer Tanz E- Moll, c) Dvorák- Kreisler: Stavischer Tanz G- Moll( Max Rostal, Violine). 4. a) Thomas: Kennst du das Land, aus der Oper Mignon". c) Offenbach: Sie entfloh', die Taube, aus der Oper: Hoffmanns Erzählungen, e) Clutsam: Negerwiegenlied( Henzen)( Edith Bach). 5. a) Chamisso: Schloß Boncourt, b) Keller: Abendregen, e) Märike: Erinnerung, d) Hölderlin: Der Gott der Jugend( Dr. Gert Briese). 6. Mussorgsky- Rostal: Das alte Schloß, b) Sarasate: Malaguena( Max Rostal). Am Flügel: Bruno SeidlerWinkler. Anschließend: Dritte Bekanntgabe der neuesten Tagesnachrichten, Zeitansage, Wetterdienst, Sportnachrichten, Theaterund Filmdienst. Ginsenbungen für biefe Rubrik find Berlin B. 2. Sinbenftraße 3. für Groß- Berlin ffets en bas Beatrisjefretariat. 2. Sof, 2 Tres. rechts, an richten Die He Montan, ben 4. Januar 1926 angefekbe Bersammlung Die kultu rellen Aufgaben der Arbeiterschaft"( Referent Emil Barth) findet umstände halber am Montag, ben 18. Januar, ftatt: Die Funktionäre werden gebeten, bak in ihren Sänden befindliche Werbematerial entsprechend abzuändern. Bukowski, Organist von der Sebastiankirche, Harmonium). 2. a) Fr. Parteinachrichten W. Weber: Des Priors Lehrsprüche aus, Dreizehnlinden", b) Alfons Heilmann: Vom guten Willen, aus„ Sonntagsgedanken", c) Alfons Heilmann: Vom kostbaren Leben, d) Eichendorff: Die Flucht der heiligen Familie, e) Eichendorff: Weihnachten( Maria Menoni, Rezitation). 3. Altdeutsche Weihnachtslieder, Herausgeber Heinr. Heimann: a) In dulci jubilo, b) Josef, lieber Josef mein, c) Ein Altchristmettenliedlein, d) Susani, Susani( Milli Rose und Johannes Bukowski). 3 Uhr nachm.: Onkel Doktor als Märchenerzähler: Knecht Ruprechts Teller". Ein Weihnachtsmärchen. Erzählt von Dr. med. E. Mosbacher. 4.30-6 Uhr nachm.: Nachmittagskonzert der Berliner Funkkapelle. Leitung: Konzert meister Ferdy Kauffman. 7 Uhr abends: Dr. Kurt Hueck: Die deutschen Naturschutzgebiete". 7.45 Uhr abends: Hans- BredowSchule( Bildungskurse). Abteilung Erdkunde. Geh. Reg.- Rat Dr. A. Miethe: Robbenschläger und Fuchsjäger auf Spitzbergen". 8.30 Uhr abends: Fröhliche Weihnacht! 1. a) Taubert: In der Märznacht, b) Holländer: Unterm Mandelbaum, c) Meyer- Hellmund: Die freche Ratte, d) Zeller: Auftrittslied der Christel aus der Operette„ Der Vogelhändler", e) Jones: Goldfischlied aus der Operette: Die Geisha"( Else Tuschkau, Sopran). 2. a) Pörschmann: Teufelspassagen( Thema und Variationen), b) Palliardi: Abendgedanken, c) Pörschmann, Konzertpolka( Konrad Weißflock, Chromatisches Kunstbandonion). 3. a) Hasse Zetterström: Leibesübungen, b) Er möchte Herrn Meyer sprechen, c) Georg Queri: Bekanntmachung. Der bisher zum Finanzamt Groß- Lichterfelde gehörende, norbweltlich bes Zeltombanals gelegene Ortsteil der früheren Gemeinde Berlin- Lichterfelde ( Berwaltungsbezirk Stealik), umfassend die Steuerbezirke Steglik 42 bis 50, wird mit Wirkung vom 1. Januar 1926 ab vom Finanzamt Groß- Lichterfelde abgezweigt und dem Finanzamt Stealik. Berlin- Steglig, Rothenburgstraße Nr. 16, augeteilt. Das bisherige Finanzamt Grok- Lichterfelde in Lichterfelde, Bimonenstraße 14, führt nom aleichen Tage ab bie Bezeichnung Finanzamt Rehlendorf". Der Präsident des Landesfinanzamts Berlin. Biomalz " * 2. Reis Bebbing. Siehe 21. Abteilung. Die Genoffinnen und Genoffen finb beralicht eingeladen. 5. Kreis Friedrichshain. Sikuna bes engeren Areisvorstandes mit ben Abteilungsleitern am Montag, den 28. Dezember, abends 7½ Uhr, bei Rosin, Gubener Str. 19. Die Borfbandsmitglieder der 36. Abteilung werden ge beten, abends 8% Uhr mit den hierzu geladenen Genoffen zu erscheinen. 18. Rreis Weißenfee. Montag, den 28. Dezember, abends 8 Uhr, bei Gallas, Sikung des Borstandes und der Fraktion. 20. Rreis Reinidendorf. Die Abteilungstaffierer werden gebeten, bis aum 28. Dezember mit bem kreistaffierer, Genossen Sonnenburg. Reinidendorf- Oft, Biltefte. 2, abaurechnen. Sonnabend, den 26. Dezember( 2. Feiertag): 21. bt. Die Beihnachtsbescherung findet nachmittags 4 Uhr im groken Bharus- Saal, Müllerstr. 142, statt, Mitwirkende: Meinedescher Männer dhor, Arbeiter- Radfahrer- Bund. Die Feftrede hält Genoffe Sekschold. Eintrittspreis 60 Bf. Rarten find beim Genossen Kroll, Utrechter Str. 21, und an der Raffe au haben. 74. Abt. Rehlendorf. Nachmittags Bunkt 5 Uhr im kleinen Gaal bes Linden parks Weihnachtsfeier mit Bescherung. Danach geselliges Beifammensein. 141. Abt. Rofenthal. Weihnachtsfeier im Reftaurant Baulinenhof( Manthen), am Bahnhof. Reftrebe: Genoffe Martin Stein. Alle Genoffinnen und Genoffen mit ihren Rindern find herzlichst eingeladen. Sonntag, den 27. Dezember: 3. Abt. Abends 6 Uhr treffen fich die Mitglieder mit Frauen im Saal 1 des Gewerkschaftshauses, Engelufer 24-25, zur Weihnachtsfeier. Eintritt frei. Das Mitgliedsbuch ist vorauzeigen. Die Bezirksführer werden er fucht, die Mitglieder hierzu einzuladen. Feierstunde am Sonnabend, den 26. Dezember, um 9½ auf dem Railer- Wilhelm- Blah. Untoften etwa 80 Pf. Arbeitsgemeinschaft bez Kinderfreunde, Weißenfee. Unsere Weihnachts feier findet am Montag, den 28. Dezember, in Löffels Festfälen, Langs bansstraße, statt. Der Eintritt foftet 20 Bf. Bor Beginn der Feier, um 5 Uhr, ist Bescherung der Kinder und hilfsbedürftigen Barteigenoffen. Beikensee, Rinderfreunde" und Arbeiterjugend halten am Montag, den 28. Dezember, in Löffels Festfälen, Banahansstraße, eine gemeinsame Weihnachtsfeier ab. Alle Parteigenoffen find herzlich eingeladen. Der Eintritt toftet 20 Bf. Beginn 7 Uhr. Jungfozialisten, Gruppe Reinidendorf. Montag, den 28. Dezember 1925, abends 8 Uhr, im Geebad Reinidendorf- Oft. Refibenafte. 49, MitDer aliederversammlung. Lesung: Das Rommunistische Manifeft". Rurfus Einführung in den Marxismus"( Leitung: Dora Fabian) be ainnt am 4. Januar. Frauenveranstaltungen: 20. Abt. Sonntan, den 27. Dezember, nachmittags 4 Uhr, bei, Bonthe, Schulftr. 74: Gemütliches Beisammensein. Gäfte willkommen. 2. Abt. Montag, den 28. Dezember, abends 6 Uhr, bei Sählte, Bergmanne ftraße 69, Weihnachtsfeier des Frauenleseabends. Taffen find mitzu bringen. Geburtstag und Jubiläum, Genoffe Baul Reiche, Chriftianiaftr. 116, von Beruf Rimmerer, wird an Geit 40 Jahren in der Bartei und Gewerkschaft 26... 60 Sabre alt. tätte, ift er ein äußert tätiges und reges Mitalied. Ale Barteicenoffen ber 19. Abteilung wünschen ihm einen ungetrübten Lebensabend. Sterbetafel der Groß- Berliner Partei- Organisation 21. Abt. Am 22. Dezember 1925 ift unser langjähriger Genoffe Auguft Start verstorben. Die Einäscherung findet am Montag, den 28., abends 6% Uhr, im Arematorium Gerichtstraße ftatt. Jugendveranstaltungen. Freitag, den 25. Dezember, abends 7½ Uhr: Storbolt I: Jugendheim Neue Rönigftr. 21. Gübwent: Jugendheim Sinden frake 3. Reinidendorf- Weft: Rinderhort, nachmittags 3 Uhr. Sonnabend, den 26. Dezember, abends 7% Uhr: Moabit II: Gemeindeschule am Stephansplat. Südost( Görliker Biertel): Jugendheim Reichenberger Str. 66. Süboft( Röpenider Biertel): Jugendheim Mariannenufer l1a. Charlottenburg: Jugendheim Rofinenftr. 4. Reinidendorf- Oft: Geebad, Residensstr. 46. Tegel: Jugendheim Bahnhofftrake 15. Stegli I: -Niederschönhausen: Schule Blankenburger Str. 69. Beteiligung an der Weihnachtsfeier der Partei bei Schellhase, Ahornftr. 4. 4 Uhr nachmittags. Sonntag, den 27. Dezember, abends 7% Uhr: Moabit I: Schule Siemensftr. 20. Gesundbrunnen: Schule Gothenburger Straße 2- Weikenfee: Jugendheim Roeldeftr. 157. Stegli I: JugendErtner: heim Albrechtstr. 47. Wannsee: Jugendheim Charlotten strake. Sugendheim auf dem Rund der Genossenschaft. Besten: Beteiligung an der Weihnachtsfeier der Partei, 4 Uhr Rationalhof. 6 Uhr Treffpunkt Bahnhof Billowstraße aure Weihnachtsfeier bei Wäger. Montag, den 28. Dezember, abends 7% Uhr: Often( Stralaner Biertel): Jugendheim Goklerftr. 61, Bortrag: Jahres rüblid. Besten: Jugendheim Sauptstr. 15 ,,, Maison de santé, Bortrag: ..Sozialismus und Ritche". Vorträge, Vereine und Verfammlungen. Reichsbanner Schwarz- Rot- Gold". Gefäftsstelle: Berlin 6. 14, Sebaftianftr. 37/38, Sof 2 Tr. Mitte: Sonntag, den 27., vorm. 8 Uhr. Antreten mit Tamboud torps Stett. Borortbhf. Tiergarten: Sonntag, den 27.( 3. Feier tag), vorm. 11 Uhr, Sikung der Kameradschafts- und Rugführer[ pwie der Fefbausschiffe, Swingliftr. 7. Richtenberg: Sonntag, den 27., nachm., Tischbannerweihe, 2. Rug bei Rüffer, Gürtel-, Ede Dofiestraße: 7. Rug Behnachtsfeier bei Gilkmann. Wagner., Ede Botan strake. Bollaählige Beteiligung erwünscht. Röpenid und Untergruppen: Mo., d. 28., abends 8 Uhr, im Stadt theater, Sikung des erweiterten Borstandes mit Rug- und Gruppenführern. 1 Allgemeine Ortskrankenkaffe Berlin- Norben. Am 1. Januar 1928 erscheint ein neues Berzeichnis der bei der Raffe augelaffenen Zahnärzte und Zahntechniker.( Giche Inferat.) Geschäftliche Mitteilungen. Der Gaalban Friedrichshain hat für den 2. Beihnachtsfeiertag wieder, wie alljährlich, für Ueberraschungen und Beluftigungen jeder Art Gorge ge tragen. Ein großer feftball in allen Räumen beschließt den Tag. Und das alles einschließlich Steuer und Tanz für den geringen Gesamteintrittspreis von nur 1 M. Also auf zum Saalbau Friedrichshain! Wir machen unsere verehrten Leser besonders auf das belannte Tuchhaus Chrig u. Tiede, Aktiengesellschaft, Berlin. 8, Leipziger Str. 104, 1. Stod, gegenüber Rempinski, aufmerksam, welche. mie fchon berichtet, den Bertrieb ihrer Herren- und Damenstoffe au ihren äußerst errechneten Engrospreifen unter Ausschaltung des Awischenhändlers überzeugen. Eine Weihnachtsfeier veranstaltete aeſtern die Jbeal- Rabioapparatefabrik in der Röpenider Str. 10a für die Angestellten und Arbeiter in einem ihrer großen Betriebsräume. Nachdem bereits ein großer Teil der Angestellten und Arbeiter vor einigen Tagen Geldspenden erhalten hatten, fand gestern die Bescherung der gesamten Beleafchaft ftatt. Die Inhaber der Firma find Deutschamerikaner. Die beste Hilfe für Asthma-, Bronchial- und Grippeleidende ist Aërgat Pulver u. Tee Fragen Sie in Threa Apotheken! Herstellung und Vertriebs Brunnenstraße 182 Fernspr. Norden 2887. Gründliche Kräftigung und Auffrischung verschafft das vorzügliche, billige, wohlsmedende Biomala. Es gibt wohl fein einfacheres, bequemeres Mittel; feines erfreut sich einer gleich großen und uneingeschränkten Beliebtheit wie Biomalz. Neben der Hebung des Kraftgefühls tritt fast immer eine auffallende Beiferung des Aussehens ein. Man filt fi gerabeau berjüngt. Mit keinem andern Kräftigungsmittel fann man beffere Erfolge erzielen als Bas nehmen bie erzte? Alle Erjakpräparate und Eisenmittel erzielen nicht die Birkung, was Appetitanregung und Kräftigung anlangt. wie Biomala. In meiner eigenen Familie bin ich mit der Anwendung ganz be sonders zufrieden. Dr R. in Ch. Das von mir schon oft und mit gutem Erfolge in der Bragis verordnete Biomals wird nun diesmal meinen Rindern augute tommes. Dr. med. St. mit Biomalz Biomalz hat sich bei meiner Frau und beiden Söhnen vorzüg. lich bewährt. Dr. Frhr. v. B. Reu: Biomala- Schokolade, je 100- Gramm- Tafel 60 Pf. und Biomalz Bonbons, beftes Linderungsmittel bei Suften und Heiserkeit, vorzüglicher Geschmad, je Beutel 30 f. Erhältlich in Apotheken, Drogenhandlungen und einschlägigen Ge schäften. Preis einer Dose Blomala 1,90 Mart, mit Lecithin 5 Mart, mit Eisen( zur Stärlung für Blutarme und Bleichsüchtige) 2.20 Mart, mit Ralf extra( aur Stärkung für Lungenleidende) 2.50 Mart Druckschriften auf Wunsch umsonst und poftfrei. Gebr. Batermann, Teltow- Berlin 10, Nr. 608 42. Jahrgang 2. Beilage des Vorwärts Krise und Löhne. Der Weihnachtsengel des Reichsverbandes der deutschen Industrie. Es gibt nicht viele Weihnachten, denen die deutschen Arbeiter,| Ungestellten und Beamten mit so brennender Sorge entgegengesehen haben, als dem diesjährigen. In ihren Herzen brennt mehr als je die Sehnsucht nach wenigstens den paar Tagen Freude und Sorgenlosigkeit um Weihnachten, auf die hin er wochenlang vorher fchon seinen Berdienst auf knappfte Ausgaben stellt, um menigstens in der Illusion froh zu sein, auch ihm und den Seinen sei im kapitalistischen System Feſte zu feiern vergönnt. Die deutsche Arbeiter, Angestellten, Beamtenschaft geht in diesem Jahre zu Millionen zum Fest als Arbeitslose, Kurzarbeiter, Entlaffungs- und Abbaureife, die sich nichts mehr absparen tonnten. die vom Pfandleiher tommen am Heiligen Abend, um ihre Illusion vom Weihnachtsfest zu feiern. Sie wird ihr Fest feiern im Rachen der lähmenden Ungewißheit, was die Krise ihnen bringen wird, wenn der angstumflatterte Rausch der Festillufionen vorbei fein Lohn und Arbeiterleben. wird. Das Leben des nur arbeitenden Menschen, alles was er an Lebenswillen und Lebenswünschen hat, erschöpft sich im fapitali. ftischen System in der Biffer feiner 2ohndüte, in der Tarifs flaffe feiner Angestelltentätigkeit, in der Gehaltsklasse seiner Beamtenfunktion. Er ist ein Kostenfattor, ein Raltulationsfaftor in der Rechnung der privatfapitalistischen Unternehmer, wie zu dem Gelde, das im Betriebe arbeitet", der Profit tomme, um den allein nach ihrem Willen der Schornstein rauchen, die Staatsmaschine Laufen soll. Gleich dem Rohstoff, dem Schmieröl faufen sie die Arbeitskraft, den Staatsdienst zum billigstens Preis, zur„ rentabelsten" Ausbeute des Betriebs, zum höchstmöglichen Ertrag der Wirtschaft" Gleich der vollabgeschriebenen, wertlos geworden Maschine wird er im Alter abgewradt. Gleichwie in Konstrutionsbureaus und Labo ratorien neue Muster, Patente, Berfahren, so wird der junge nach wuchs zu anteiligen oder gar vollen Selbsttoften in öffentlichen und Betriebsschulen zur höchften Leiftung vorbereitet, zum Segen und zum Nugen des Ertrags". Der nur arbeitende Mensch, gleichvie! mo er stehe, wird im tapitalistischen System geboren als zufünf. tiger, er stirbt als abgebuchter Roften- und Rentabilitäts. fattor. Der Unternehmer und seine Verantwortung. Bem die arbeitende Menschheit in solcher Weise ausgeliefert ist kraft der Wirtschaftsverfassung, traft der bestehenden Rechtsordnung, der sollte seine wirtschaftliche Funktion verstehen. Die tapitalistische Wirtschaft ist in ihrer Anlage ein unrationelles, in ihrer ethischen Struftur ein unittliches System. Aber wenn die Unternehmer genug Berstand entwickeln, es wenigstens in ihrem Profitinteresse richt zu leiten, so sichert es trog Kriegen und Krisen, auf die Dauer gesehen, dem arbeitsfähigen Menschen menig ftens Beschäftigung und die Möglichkeit, für die Verbesserung feiner Eristenz und die Beränderung des Systems zu fämpfen. Die deutschen Unternehmer hatten meder im Kriege, noch in der Inflationszeit, noch nach der Währungsstabilisierung den Berstand, für den sie gegenüber ihrem eigenen System und ihrem eigenen Interesse verantwortlich find. Die deutsche Bolkswirtschaft steht heute, zwei Jahre seit Festigung der Währung, vor eben folchen Krisen und Zusammenbruchsgefahren wie im Ratastrophen. herbst 1923. Das einzige, was feft steht, ist die Währung; und daran haben die deutschen Unternehmer fein Berdienst. Die deutschen Unternehmer ahnen die Gefahren, vor denen ihr System wiederum steht. Der Reichsverband der deutschen Industrie hat ein Programm veröffentlicht, das nach seiner Meinung die Krise lösen, die Wirtschaft retten muß, wenn es nur von allen, besonders der Arbeiterschaft, anerkannt wird. Darin raten die Unternehmer der Arbeiterschaft zur Vernunft und zum Frieden; fie machen ihr Vorschläge zur Lohnpolitik, die die Arbeiter und 2ngestelltenschaft annehmen soll, damit die Krisis beendet, die Wirt schaft gerettet wird. Wir wollen, wie wir schon andere Borschläge der Unternehmer geprüft haben, auch diese Vorschläge prüfen. Täufchendes Entgegenkommen. Sie scheinen nicht kleinlich diesmal, die Unternehmer. In der Begründung ihrer Borschläge sagen sie über die Lohnfrage:„ Die Lohnpolitik der Industrie verfolgt feinen unwirtschaftlichen Druck auf den Lohn, sondern sie geht im Interesse der Leistung wie der Hebung der Rauftraft( hört!) nach weiterer Stei gerung des Reallohnes.( hört, hört!) Ueberdies würdige auch die Industrie durchaus die Bedeutung eines hohen Einkommens für alle Teile der Bevölkerung als eines wichtigen Fattors zur Belebung der Wirtschaft. Wir sind mit der Arbeiter schaft über das wichtige Erfordernis der Bildung neuen Kapitals Neues Kapital tann durch Ersparnis aus dem Einkommen(!) gewonnen werden. Wer das liest und wer meiß, was war, der faßt sich an den Kopf. Noch vor einigen Wochen war Lohnerhöhung gleichbedeutend mit Inflation, Rapitalbildung fonnte und durfte nicht aus Lohn und Gehaltsüberschüssen, sie durfte nur aus der Steigerung der Rentabilität erfolgen. Die Stärfung des Inlandsmarktes durch Steigerung der Löhne und Gehälter, das Hauptargument der Arbeiterschaft um ihren Kampf zur Erzwingung einer rationellen und gefund funktionierenden Wirtschaft, war für die Unternehmer ein Argument der Bernichtung, nicht der Befundung der Wirtschaft. Man fönnte glauben, die Unternehmer hätten sich wirklich eines anderen besonnen. Aber man darf unbesorgt sein. Es bleibt bei den Unternehmern bei dem großen Gegensaz von Schein und Wirklich. feit. Was fie fagen, meinen fie nicht; und was sie meinen, jagen sie nicht. Was sich verändert hat, gemäß der gefährlichen Situation, in der sie sich befinden, ist der 3ungenschlag, mit dem sie sprechen. Sie haben nämlich schnell, zum speziellen Gebrauch für die Strije, eine neue Bissenschaft Dom natürlichen und gerechten Lohn zusammengezimmert, die man fennen muß, um ihre neue Sprache zu verstehen. Für sie ist die Lohnhöhe nämlich nicht mehr das Ergebnis des Rampfes um den Breis der Arbeitstraft, wie es im tapitali ftischen System selbstverständlich ist, und des Ausmaßes, indem die Arbeiterschaft die Staatsmacht ihren Interessen dienstbarr macht. Die Höhe des Lohnes ist von vornherein bestimmt durch ihre Wissenschaft von einem natürlichen und gerechten Lohnfyftem, in dem der Lohn nicht Rampfgegenstand, sondern Ausdruck eines „ objektiv zu begreifenden Broduktionskostenfaltors" ist. Was die Unternehmer wirklich meinen. Man erschrecke nicht; die Sache wird nicht kompliziert und gelehrt; denn was die Unternehmer damit wirtlich meinen, ist fehr einfach. Dieser objektiv zu begreifende Produktionskosten faftor ist nämlich das, was wir oben das im Vergleich mit dem Schinierol und den Rohstoffen die Rolle des Lohnes genannt haben, wie die Unternehmer fie verstehen. Es ist die Auffassung, wie der Lohn beschaffen sein muß, damit er wie das Schmieröl und das Rohmaterial als Brofit möglichst zu Buche. schlägt. Eine Vergrößerung des Einkommens" ist nämlich unmög lich, wenn sie auf Resten des Unternehmers gehen soll so meinen die Unternehmer. Als Unterlage für jede Lohnerhöhung nauß die Arbeiterschaft vorher den Absatz und den Gewinn des Unternehmers gesteigert haben. Geschieht das nicht, dann beginnen die Warenpreise und die Löhne ein neues Rennen, und es tommt eine neue Inflation. Wo die Löhne den Vorfriegsstand noch nicht erreicht haben, dürfen sie auch nur erhöht werden, wenn durch die Lohnerhöhung auch eine gleichzeitige Steigerung der allgemeinen Brobuftivität erreicht wird Diese allgemeine Broduttivität ist aber ein ganz besonderes Ding. Es ist nicht das Mittel zur Ueberwindung der gegenwärtigen Wirt fchaftsfrifis, das einzige, was uns heute auf den Nägeln brennt, nicht jene Rationalisierung und Reinigung der Wirtschaft, die er wungen wird durch höhere Löhne, sondern eine Produftivität, die die Dividende, die Rente steigert und wo sie heute fehlt, sie ohne Opfer der Unternehmer schafft. Die Lohnhöhe ist nicht zu bemessen nach dem Markt, den die Industrie braucht, um be. schäftigt zu sein, sondern hängt ab von dem Marft und bem Abfaß, wie sie heute find. Wenn schon Arbeitslosigkeit vorhanden ist, was immer ein Zeichen unrationeller Wirtschaft ist, so soll nicht durch Hochhaltung der Löhne die Wirtschaft rationeller gestaltet werden, sondern der schlechte Arbeitsmarkt soll die Löhne nach unten verändern. Obwohl heute durch die unvernünftige Organisation der Wirtschaft die Preise und die Produktionstesten 3u hoch sind. sollen nicht hohe Löhne eine vernünftigere, billigere Probuftion durch größere Umfäße herbei. führen, sondern die Löhne sollen und müssen sich nach den heuti gen Produktionsfosten bemessen. Und nicht nur dies: was heute an höheren Frachten, Steuern, Sozial, laften", 3insen, auch Repa rationen die Produktionskosten erhöht, das soll für die Betriebe nicht dadurch leichter tragbar gemacht werden, daß die inneren und fachlichen Betriebskosten und vor allem die Gewinn. ansprüche gesenft werden; sondern die Löhne sollen entsprechend tiefer stehen, das einzige, was die Senfung der übrigen Produktions toften herbeizuführen vermag. Man sieht, es bleibt nichts übrig von der weiteren Steigerung des Reallohns, von der Hebung der Kauftraft", von der Steigs rung des Einkommens", von der Kapitalbildung aus den Löhnen und Gehältern. Uebrig bleibt einzig und allein und tatsächlich der unwirtschaftliche Druck auf den Lohn, den die Unternehmer, wie sie behaupten, feineswegs perfolgen. Was vom sozialen Frieden im Programm zu stehen scheint, ift eitel Phrase und Wind. Und es muß auch eltel Wind und Phrase sein; denn im fapitaliftischen System gibt es feine Friedensbotschaften, sondern nur Intereffen, die sich als Friedensbotschaften aufpußen, um zu be stechen. Ach wie viele Friedensbotschaften hat die Arbeiterschaft schon tennen gelernt, wenn es Wirtschaft in Not" hieß, während nur den Unternehmern bange wurde. Die Arbeitsgemeinschaft 1918/19, die der Teufel holen durfte, als die Industrie in Inflationsreichtum schwamm, den paritätischen Reichswirtschaftsrat, als Bremsflog gegen die Gefahren der Sozialisierung willkommen, heute über flüssig und gefährlich, wo er die Bosition der Arbeiterschaft verbessern tönnte, das Schlichtungs- und Schiebsmefen, wo es nicht zum Aus drud volkswirtschaftlicher Notwendigkeiten wurde, sondern den Unter nehmern nüßlich mar. Die Arbeiterschaft tennt heute die Melodie, fie tennt auch den Tegt der Sirenengefänge der Unternehmer, auch menn fie noch so verführerisch gesungen sind. Die Weihnachten, die die deutsche Arbeiterschaft feiern darf, find wirklich fo ernst und sorgenvoll, wie sie scheinen. Darüber täuscht teine Botschaft des Reichsverbandes der deutschen Industrie hinweg. Die Arbeiterschaft ift, das beweist die Botschaft des Reichsver. bandes, auf ihren eigenen Berstand und ihre eigenen räfte angewiesen, wenn der Gesundung der Bolkswirt. schaft gedient, wenn die Krisis der Wirtschaft einem guten Ende zu geführt werden foll. Sie muß ihre Sorgen ernster nehmen, als daß fie fie Botschaftern anvertraut, die sich an andere richten. Wie fie tämpfen muß, auf lange Sicht, fo roeiß sie auch, daß fie im weiß, daß fie um die Beseitigung des fapitaliftischen Systems tapitalistischen System, solange es besteht, für dessen Gesundheit fämpfen muß, heute und immer. Das fann fein Unternehmer und fein Unternehmerverband. Dem Unternehmer ist die Bolkswirtschaft mur Mittel, nicht Zweck. Sollte sie ihm 3wed sein, müßte er auf das tapitalistische System verzichten. Die Unternehmer ver. stehen von der Wirtschaftsführung nur etwas, solange ste davon nichts zu verstehen brauchen, weil alles ohnehin im alten Trott geht. Ist die Volkswirtschaft einmal aus dem Gleise geworfen, fo fann ihr ärmlicher Brofitverstand nur noch das Gleis und den Unterbau zerstören, nicht aber die Volkswirtschaft wieder stellen. Das fann nur die Arbeiterschaft, denen das Gesamt interesse Gesamtintereffe eine Lebensnotwendigkeit ist, gerade meil ihnen fein Privatkapital intereffe möglich ist. Fünfzig Jahre Reichsbank. Am 1. Januar 1926 jährt sich die Gründung der Deutschen Reichsbant zum 50. Male. In ihrem Namen ist ein falscher Klang. Denn sie wurde durch das Bantgesetz vom 14. März 1875 weber als eine Bank des Reiches gegründet, noch ist sie eine Staatsbant Sie war und ist noch heute nur eine privilegierte Privatbant. Sofern aber das Reich eine Wirtschaftsgesellschaft barstellt, die von den Staatsgrenzen umschlossen ist, ist sie die Bentralbant diefer Wirt fchaftsgesellschaft, und ihr juristischer Privatcharakter ist nur eine Form. An diefem Charakter als Zentralbant der deutschen Wirt fchaftsgesellschaft hat auch das Autonomiegefet von 1922 und das Dawes Gesetz über die Reichsbant vom 30. August 1924 nichts geändert. Das Autonomiegefeß hat die Beitung der Reichsbant nur aus der Hand des Reichskanzlers in die Hand des Reichsbankdiret. toriums gelegt, das Dawes- Gesetz vom August 1924 hat die Stontrolle der Reichsban! durch einen internationalen Vertrag, der durch das neue Gesetz Bestandteil des deutschen Staatsrechts ist, verändert. Freitag, 25. Dezember 1925 Die Reichsbant ist das Geschöpf einer bedeutsamen wirtschaft lichen und politischen Umwälzung. Wirtschaftlich das Resultat der wirtschaftlichen Einigung Deutschlands im Zollverein, politisch der Ausdrud der 1871 erfolgten Herstellung der deutschen Reichseinheit. Ihre Gründung, um die sich Ludwig Bamberger größte Verdienste erworben hat, der bedeutendste praktische Währungs- und Bankfachmann der Retchsgründungszeit, bedeutete zugleich die Vorbereitung der Einheitswährung im Deutschen Reich und den Sieg der Goldwährung über die Gilberwährung. Zur zentralen Währungs bank macht sie ihr notenprivileg, zur Zentralfreditbant ihre Distontpolitit, die aber nur eine Funktion des Grades der Herrschaft ist, die sie sich auf dem Kapitalmarkt zu verschaffen weiß. Sie war und ist das Rückgrat deffen, was man als Giralwährung be zeichnen kann, fener Abrechnung und Ausgleichung von Zahlungen, die meder des gemünzten noch des Notengeldes bedarf. Die Bedeutung ihrer Stellung als Währungs- und Zentral frebitbank ist ungeheuer. Zum Guten, wie zum Schlimmen. Zum Guten, das bewies ihre Bedeutung bis zum Kriege. Zum Schlimmen, das bewies ihre Rolle in der Inflation. Was der Leiter der Reichsbant tann, was er von der geradezu entscheidenden Bedeutung einer stabilen Währung und der Regulierung des Kapitalpreises für die gefunde Funktion einer modernen Boltswirtschaft versteht, entscheidet über das Schicksal der Wirtschaftsgesellschaft, deren Vertrauensmann er ist. Das zeigte sich bei Havenstein, als er Währung und Diskontpolitit ,, bem Ingangbleiben der Wirtschaft" opferte, ohne zu sehen, daß die ta pitalistische Wirtschaft zusammenbrechen mußte, wenn die Zügel der Gelbwert und der Rapitalpreisregulierung am Boden schleifen und schließlich privatfapitalistischen Spezialintereffen überantwortet werden. Bei Schacht muß fich noch zeigen, daß, nachdem er die Währung stabil erhaltew bat, er auch der Wirtschaft ihre Stabilität wiedergeben kann. Denn zum größten Teil ist das die Funktion des Reichsbankpräsidenten. Dent- und Festschrift veröffentlichen. Es ist zu hoffen, daß bas Material, das sie über die Entwicklung und Tätigkeit der Reichsmaterial, das sie über die Entwidlung und Tätigkeit der Reichsbant in den fünfzig Jahren ihres Bestehens veröffentlichen wird, ein wichtiger Beitrag zur Wirtschafts- und Währungsgeschichte Deutschlands sein wird. Die Reichsbank wird, wie berichtet wird, zu ihrem Jubiläum eine Der Aufwertungswert der Berliner Stadtauieihen 1919-1923. Das Anleiheablösungsgesetz hat bestimmt, daß bei der Aufwertung der Stadtanleihen aus den Inflationsjahren von dem Goldmert ausgegangen wird, den die Stadt für die von ihr ausgegebenen Anleiheftücke erhalten hat. Es mußte deshalb der Wert des Erlöses dieser Anleihen unter genauer Umrechnung für jeden Eingangstag ermittelt werden. Diese umständliche Arbeit, die auch der Treu händer verlangt hat, ist, wie der Städtische Nachrichtendienst mitteilt, inzwischen durchgeführt und dem Herrn Oberpräsidenten eingereicht worden. Danach ergibt fich für die einzelnen Nachfriegsanleihen Berlins folgende Uebersicht: Bezeichmmg der Anlethe Betrag der Auslosungs Goldwert Ablöiuftgs. betrag für nach dem anleibe den AltAblösungs( 2% bes besib gefe Galbwertes) in% rund in% rund. in% Berliner Anleibe 1919 Werbands- Anleihe 1919 28,62 0,59 2,95 über 141 Millionen Mart. 12,00 über 6,8 Millionen Mart. 10,40 Berliner Anleihe 1920 0,32 1,58 0,26 1.80 2,82 0,058 0,29 Verbands- Anleihe 1920 Berliner Anleihe 1922 I Berliner Anleihe 1922 II Berliner Anleihe 1928 Charlottenburger Anleihe 1919 19,41 Spandauer Anleihe 1919 9,57 1,44 0,086 0,18 0,047 0,0012 0,006 • 9 0,0020 0,00005 0,00025 2,43 1,20 0,01842 0,00044 0,0022 0,49 0,24 Bei den nach dem 1. Juli 1920 ausgegebenen Anleihen gibt es feinen„ Altbefig" im Sinne des Ablösungsgesetzes. Es wird aber erwartet, daß die ursprünglichen Zeichner dieser Anleihen, die Urbefiger, durch das preußische Ausführungsgefez den Altbesikern gleichgestellt werden. Der Fluch der Inflationsgewohnheiten. Die Handelstammer Hamburg nimmt in einem umfangreichen Bericht zu den wichtigsten Fragen des vergangenen Wirtschaftsjahres Stellung. Die Handelstammer( chreibt: den Zerfall der in der Inflationszeit ohne genügende Rücksicht auf 3hr weithin fichtbares Kennzeichnen erhielt die Krisis durch Cenkbarkeit und gegenseitige Ergänzung geschaffenen Sachwertfammlungen. Das Schicksal dieser Konzerne ist eine deutliche Barnung vor der Ueberschägung ber nicht gewinnbringend arbete tenden Subftans an fich als Kapitalanlage oder Steuerquelle und de- Aktiengesellschaft immer dringlicher werdenden Brobleme wirt enthält zugleich einen ernſten Beitrag zu dem mit der Ausdehnung fchaftlicher Führung." Die deutsche Krifts werde verschärft durch eine internatio nate Störung des Güterumlaufe's. Der Bericht fährt fort: Somit erscheinen, wenn in der Tat der Belt politischer Erregung eine auf Friedenswerte eingestellte Entspannung folgen follte, bie objektiven Aussichten für immer wieder vom Weltmartt tommende Anregungen nicht so trübe, wie unter dem Druck der heimischen Berhältniffe vielfach angenommen wird. Eine ernite Frage ist jedoch, wie weit die deutsche Wirtschaft ven fich aus gerüstet ist zur Teilnahme an einer wieder günftigeren weltwirtschaftlichen Konjunktur. Die Wiedereinführung der Agraraölle bat, wie von der Handelstommer nicht anders erwartet, die Krifis der Landwirtschaft nicht aufzuhalten vermocht. Die ftaatliche Steuerpolttit kann die Handelsfammer nicht als die alleinige Ursache der wirtschaftlichen Schwierigkeiten bezeichnen. Die übertreibenden Behaup tungen verdunkeln nach ihrer Ansicht, in wie hohem Maße die übermäßige Steuereinziehung zur Schmälerung des Betriebstapitals beiträgt." Weiter beschäftigt sich der Bericht mit Fragen der inneren Wirt Ichaftspolitik und geht hierbei auf den Reichswirtschaftsrat ein. Preiserhöhungen in der Baumwollveredelungsindustrie. Der Berbanb er beutichen Berebelungsanstalten für Baummall gemebe in Leipzig läßt, wie„ Die Seguimod fabriche Wirting orm 1. Januar und 1. Februar 1926 ab reiserhöhungen eintreten, bie 10 bis 20 Broz. vom Beredelungslohn ausmachen. Diefe Breis erhöhungen stellen eine außerordentliche Belaftung für ben Baum mollwarengroßhandel bar, ba er bei den bereits abgefchloffenen Ber verfäufen die sehr beträchtliche Preisdifferenz von seinen Abnehmern nicht nachfordern fann. Auch diesem Wege tommen wir ganz bestimmt nicht aus der Krise heraus! Ueber die Firma Johannes Küchenmeiffer in Freiberg i. S., die eine Flachsbereitungsanstalt betreibt, ist die Geschäftsauflicht verhängt morden. Küchenmeifter ift derjenige, dessen Auto bei dem Rathenau- Mord benugt wurde. Geistige Waffen. Wissenschaft und Arbeiterbewegung. Bon Adolf Braun Redaktion des Vorwärts". Wir entnehmen die folgenden Ausführungen dem demnächst erscheinenden ersten Heft der Bücher warte", Zeitschrift für sozialistische Buchtritit mit Beilage Arbeiter bildung", herausgegeben vom Reichsausschuß für sozialistische Bildungsarbeit in Berlin. Das neue Unternehmen sei bei dieser Gelegenheit nochmals aufs eindringlichste empfohlen. dieser Gelegenheit nochmals aufs eindringlichste empfohlen. Wenn die Bildung nicht Gemeingut aller Glieder der herrschenden Klassen ist, so ist das ausschließlich ihre Schuld, denn alle Angehörigen der befizenden Klassen besaßen und befizen die ökonomischen Möglichkeiten sich zu erheben und zu er freuen an dem, was Kunst und Wissenschaft aller Völker, der Chinesen, ber Römer, der Griechen, der Franzosen und Eng länder, der Spanier und der Deutschen den mitlebenden wie ellen kommenden Generationen geschenkt haben. Wie ganz anders ist es beim Proletariat. Mögen seine Angehörigen noch so bildungshungrig fein, unter Tausenden gibt es nur vereinzelte, die, wenn sie auch den Namen eines Confucius, eines Homer, eines Horaz, eines Shakespeare, eines Leffing und Goethe gehört haben, deren Werke selbst gelesen haben. In noch viel höherem Maße gilt das von der Wissenschaft. Darwin und Marg, Mommsen und Ranke, Burckhardt und John Stuart Mill sind leider für viele Proletarier oft nicht mehr als Namen. Ein späterer Geschichtsschreiber wird bei der Erforschung der Ursachen des langsamen ftulturellen Auf stiegs der Menschheit, der Not der Massen an Brot und Wohnraum auch ihre geistige Not an die Seite stellen müffen. Diese Not ist nicht Schuld der Notleidenden, fie muß viel mehr zu den schwersten Anklagen gegen die kapitalistische, die Maffen ausbeutende Gesellschaftsordnung führen. Mußte mußte schon einen Schiller und Kleist das Gefühl tief niederdrücken, baß ihre Werte nur für eine dünne Oberschicht der Gesellschaft geschaffen wurden, so sind heute diese Erkenntnisse noch viel schmerzhafter. Es ist eine der großen fulturhistorischen Leistungen des Sozialismus, daß er den Bildungsdrang der prole tarischen Massen geweckt hat. Lassalles Namen würde nie vergessen werden, wenn er auch nur den Zusammenhang zwischen Wissenschaft und Arbeiterbewegung aufgedeckt hätte. Niemand von uns wird sich der Bewunderung und Dankbarkeit denen gegenüber entschlagen wollen, die voller Liebe zur Menschheit die ungerechtigkeit der sozialen Zustände empfunden haben und im dichterischen Flug eine Utpoie, ein Nirgendwo zeichneten, in dem soziale Gerechtigkeit, menschliche Eintracht und Friede herrschen. Den Sozialismus der letzten, der gegenwärtigen und der tommenden Generationen fennzeichnet die wissenschaftliche Fundierung des Sozialismus, die Erkenntnis des Werdens der fapitalistischen Wirt schaftsordnung, ihrer Triebfräfte und Krisen, ihrer Zusam menballungen zu Riesenerscheinungen, ihrer Verwüstungen, threr Klassenfcheidung, ihrer Aufsaugungen und Konzentrationen, aber auch ihrer mannigfachen Anregungen für Wissenschaft und Technik, für Verkehr und Handel, für die Umgestaltung der Welt von Grund auf. Der wissenschaftliche Sozialis mus hat uns nicht nur diese Fülle von Erfenntnissen gebracht, er hat uns auch gelehrt, die Triebfräfte der Geschichte durch die Anwendung der materialistischen Geschichtsauffassung zu erkennen und damit die geschichtlichen Zusammenhänge und Ursachen der wirtschaftlichen Entwicklung zu begreifen. In die Zeit des Hochfapitalismus fällt auch ein Massen betrieb in allen Wissenschaften. Von Grund auf werden die Wissenschaften neu aufgebaut, ein gewaltiger Maffenbetrieb auf allen Gebieten der Forschung und der Darstellung der wissenschaftlichen Ergebnisse ist für unsere Beit kennzeichnend. Ein Zeitgenosse von Karl Marg ist Charles Darvin, der so wie Marg die Nationalökonomie, die Wissenschaften vom Leben der Tiere und Pflanzen auf neue Grundlagen geftellt hat. Biologie, Chemie, Phyfit, Astronomie gehen heute von ganz anderen Voraussetzungen aus als Dor hundert Jahren. Fast alle diese gewaltigen Revolutionen der Wissenschaft und ihre Anwendung tommen vor allem den herrschenden Klaffen zugute und bleiben zum allergrößten Teil den Arbeiter maffen verhüllt. Nirgends ist aber der Durst nach Aufklärung, nach Erweiterung des geistigen Gesichtsfeldes so lebendig wie gerade in der Arbeiterklasse. Das Wissen an sich, das Wiffen ohne Hoffmung auf prattischen Borteil ist für hundert taufende Arbeiter, Angestellte, auch schon für viele Arbeite rinnen Gegenstand starter Sehnsucht, der zu genügen sie selten die Möglichkeit haben. Nur gar zu oft müssen fie umwege machen, um sich diesem Ziele auch nur entfernt zu nähern. Aber das Wissen ist für die Arbeiterschaft nicht nur Wissen an fich, es fann auch Wehr und Waffe sein im Klaffenkampfe. Das geistige Erbteil früherer Generationen von Arbeitern, die Erkenntnis vieler ungeeigneter Kampf methoden, die Bermittung der Erfahrungen der Arbeiter fchaft in Ländern, deren Sprache nicht die unserige ist, die Beleuchtung der fapitalistischen Entwicklung und ihrer Aus beutungsmethoden, die Erkenntnis der verschiedenen Lohn systeme und der Gefahren der Ueberarbeit, der Einblick in die Gefeßgebung, die mehr zur Schädigung der Arbeiterschaft als zu ihrem Schutze geschaffen wurde, die Belehrung über die Berufskrankheiten und Berufsgefahren, die Anleitungen zur Ausübung der Redekunst und der Denkmethode, aber auch schon allein die Ausweitung des geistigen Gesichtskreises der Arbeiter und Angestellten vermögen die Stellung der Arbeiter im Klassenkampis zu fräftigen, ihre Kampfmethoden auszu bilden und die Erfolge des Klaffentampfes zu steigern. Die geistige Hebung der Arbeiterklasse macht fie tampir fähiger bei ihren Auseinandersehungen mit ihren Ausbeutern und deren Organen, sie erspart der organisierten Arbeiterschaft viele falsche Wege auf dem steinigen und mit Fallstricken über reich besäten Wege nach politischer Selbständigkeit und wirtschaftlichem Aufstieg. Die praktischen Erfahrungen der Arbeiter werden im Berte gesteigert durch die Ausnutzung der Erfahrungen früherer Generationen wie durch die der Arbeiterschaft fremder. Länder und durch die Ergebnisse wissen schaftlicher Forschungen. Aber neben dem praktischen Nutzen der geistigen Betätigung der Arbeiter und Angestellten darf auch die Bedeutung der geistigen Gymnastik für die Arbeiter schaft nicht übersehen werden, die nicht aufgehen darf im Dienst des Kapitalismus und in öden Bergnügungen und 3er streuungen. Stolz ist die Arbeiterschaft vor allem auf die Männer, die hohen geistigen Fähigkeiten und eifrig angesammeltem Wissen aus ihrer eigenen Klasse hervorgegangen sind und die mit erfolgreich ihr Leben der Befreiung der Arbeiterklasse aus der erfolgreich ihr Leben der Befreiung der Arbeiterklasse aus der Lohnsklaverei wie aus der ihr durch die Jahrhunderte auf gezwungenen geistigen Bersumpfung und Verödung gewidmet haben. Hätte der Sozialismus weltgeschicht ich kein anderes Berdienst, als die Proleta rier zu geistig emporstrebenden, auf ihre Bildung bedachten Menschen zu machen, 10 würde das allein eine gewaltige Leistung bedeuten, die größer ist als die irgendeiner anderen geistigen Bewegung des legten Jahrtausends. Der Sozialismus bekämpft ebenso die materielle Bedürfnislosigkeit des Proletariats wie feine geistige. Wir wissen, frei von jeder Umschmeichelung der Arbeiterschaft, daß noch Millionen von Arbeitern und Arbeiterinnen und Hunderttausende von Angestellten aus ihrer bitterarmen geistigen Selbstgenügsamkeit aufzustacheln find. Wir wissen aber auch, daß viele den Willen haben, aus der geistigen Berödung, in der fie Feudalismus wie Kapitalismus gezwungen heben, aufzufteigen und den Reichtum an Wiffen schaft und Kunst mitzugenießen, der für das Proletariat ungenutzt geblieben ist. Kalender und Almanache. In unserer schnellebigen Zeit tommt der Kalender in seiner früheren Form, der lange Zeit in vielen deutschen Häusern das einzige jährlich gekaufte Buch war, immer mehr aus der Mode. Der Abreißfalender paßt beffer zu uns, aber er hat sich aus feiner aphoristischen Form zu größerem Umfang und reicherem Inhalt entwickelt. Wie alle Jahre ist der Sozialdemokratische Abreißtalender"( Borwärts" Buchdruckerei 2 Mart) von allen weitaus der befte, bietet er doch täglich irgendein intereffantes Bild in Kupfertiefdruck und darunter die auf acht erhöhten täglichen historischen Daten. Wie immer ist die Rückseite für eine Fülle intereffanter Mitteilungen aus der Partei-, Gewertschafts, Angestellten- und Beamtenbewegung, sowie von statistischem Material verwendet worden. Daneben gibt es in altbekannter Güte Verse und Sprüche, die mit großer Sorgfalt ausgewählt und meist solchen Werfen entnommen sind, deren Berfasser am gleichen Tage ge nannt find. B. Spemanns Berlagsbuchhandlung in Stuttgart betreibt als Spezialität illustrierte Abreißkalender, die alle in guter Ausstattung interessante Bilder aus allen möglichen Gebieten geben. In diesem Jahr gibt es einen Alpen, einen Runst, Literatur, musit- und Wanderfalender. Preis 2 Mart. Die Bilder tommen auf dem guten Papier ausgezeichnet heraus. Als Um schlag dient immer ein farbiges, dem Charakter des Kalenders entfprechendes Bild. Es werden nicht nur Porträts, Kunstwerte, Land schaftsaufnahmen, sondern zwischendurch auch Handschriftproben und Reproduktionen von interessanten Literaturwerken, Theaterzetteln ufw. geboten. Robert Forbergs Tontunstfalender( Preis 2 Mart) enthält außer Kalendarium, Musikgedenktage, Porträts hervorragen. der neuerer Komponisten und ausführender Künstler. Auch die Ur aufführungsdaten der bekannteren Opern find angegeben. Aus dem reichen Anschauungsstoff, den deutsche Natur und Landschaft bieten, schöpft der Deutsche Kalender, der von der Reichszentrale für Verkehrswerbung im Berlag Karl Gerber, Natur und Kunst München, erscheint.( Preis 2,50 Mart.) nennt sich der Abreißkalender, der von der Vereinigung deutscher Pestalozzi- Vereine herausgegeben wird.( Berlag Holland u. Josen haus, Stuttgart.) Landschafts- und Städtebilder wechseln mit Werfen bekannter Künstler, die freilich mindestens ein Alter von 50 Jahren erreicht haben müssen. Auf je zwei Tage tommt ein Bild. Der | Badische Ralender, den der Badische Verkehrsverband. Karlsruhe im Berlag von Karl Schmitt in Heidelberg erscheinen läßt, will besonders mit den Schönheiten dieses landschaftlich gesegne ten Landes bekannt machen. Blodigs Alpenkalender( Berlag R. Walther, Konstanz. Speziell den Alpen gewidmet iff Preis 4 Mart.). Den ganz hervorragenden Bildern sind jeweils fleine Skizzen oder alpinistisch wertvolle Hinweise gesellt. Den vielen Auslandsdeutschen, die in ihr Vaterland haben zurüctehren müssen, wird der Kalender des Auslands= deutschtums, herausgegeben vom Deutschen Auslandsinstitut Stuttgart( Preis 3 Mart), mit seinem reichen Bildmaterial einen Schah von Erinnerungen bieten. Breis 3 Mart) bringt eine Sammlung von 53 Porträttöpfen deutscher Der deutsche Genius( Wohlgemuth u. Lißner, Berlin. Männer. Sie sind alle von Ernst Pickardt auf den Stein gezeichnet. Der Text dazu wird auf einem besonderen Rahmen geboten, so daß die Bilder für sich allein gesammelt werden können. Die Bilder bes anspruchen, als Kunstwerke betrachtet zu werden. Ob die Auswahl der Köpfe immer die richtige gewesen ist, scheint weniger festzustehen. Kaiser Wilhelm L. werden heute nicht viele mehr für einen deutschen Genius halten. Kunst und Leben( Berlag Frit hender, Berlin- Zehlendorf, Preis 3 Mark) erscheint bereits im 18. Jahrgang. Er bringt wie immer Originalzeichnungen und nicht an die allerjüngsten gedacht werden darf. Gerade diese Technit Originalholzschnitte deutscher zeitgenössischer Künstler, wobei freilich scheint uns für den Wandschmuck besonders geeignet. Die Bilder sind ohne Text; Kalendarium, Gedenktage, Sprüche und Gedichte moderner Dichter werden besonders geboten. Es ist auch ein Zeichen der Zeit, daß fich der technische Kalender Jahr um Jahr neue Freunde erwerben fann. Der von Feldhaus bearbeitete geschichtlich- technische Kalender Tage der Technit ( R. Oldenburg, 5 Mart) hat seit langem feinen Ruf als ausgezeichnete haben es Feldhaus ermöglicht, ein unvergleichliches Ausgangs Nachrichtenquelle befestigt. Die auf Grund umfangreicher durch mehr als zwanzig Jahre hindurch fortgeführten Forschungsarbeiten material zusammenzustellen. Als Großtaten der Technit ( Preis 2,50 mart) zeigt der Died- Verlag, Stuttgart, faft aus Schließlich die moderne Technik. Nur wenige Bilder und Erklärungen beschäftigen sich mit der Technit einer vergangenen Zeit. Diese Bilder find ebenso wie die im Deutschen Werkkalender drucktechnisch München, Breis 2,50 Mart) erschien zum ersten Male im vorigen ausgezeichnet. Der Deutsche Werktalender( Karl Gerber, Jahre. Er ist nicht so umfangreich wie die beiden anderen, da bei ihm ein Bild erst auf drei Tage tommt. Immerhin gibt auch er eine anschauliche Uebersicht über die Bauten der modernen Technik. Er verzichtet auf Erklärungen und überläßt es dem Beschauer, fich allein in der vielgestaltigen Welt der Technik zurechtzufinden. Unter den eigentlichen Kalendern geht der österreichische Arbeiterfalender neue Wege. Er erscheint jetzt als Arbeiterjahrbuch unter der Leitung von Josef Luitpold:" Das Neue Jahr 1926"( Wiener Boltsbuchhandlung, Preis 2 Schillinge). Die treffliche Ausstattung auf holzfreiem Papier, der gute Saß, die forg fältige Illustrierung und vor allem der gediegene Inhalt, der aus Politit, Wissenschaft und Kunst von guten Mitarbeitern Beiträge bringt, zeigen, wie weit der moderne Kalender von seinen Vor läufern fich entfernt hat. Auf das Kinderland", das Jahrbuch für die Buben und Mädels des arbeitenden Boltes, das von unferem Reichsausschuß für sozialistische Bildungsarbeit in der ,, Vorwärts"-Berlangsanstalt herausgegeben ist( Breis 1,25 Mart), sei in diesem Zusammenhang noch einmal gebührend hingewiesen. Als ein Jahrbuch besonderer Art stellt sich das Branden burgische Jahrbuch dar.( Franz Schneider- Berlag.) Es ist von Werner Köhler, dem befannten Herausgeber der Deutschen Fahrten", zusammengestellt und will in Wort und Bild die Liebe zur Heimat weden und vertiefen. Der Heimatkunde dient auch der Teltower Kreistalender( Verlag Robert Rohde, Berlin ,. Breis 1 Mart). Wer sich für die Geschichte dieses Kreises intereffiert, wird in dem Kalender interessante Aufschlüsse über Siedlungsformen, den Mittenwalder Altar, allerlei vorgeschichtliche Funde und sonstige tulturhistorische Beiträge finden. Etwas Neues ist der Urania Kalender( Urania- Berlagsgesellschaft Jena, Preis 3 M.). Er will wie die in Arbeiterkreisen rajdh eingebürgerte Zeitschrift gleichen Namens dem Fortschritt dienen und nüzliches Wissen auf naturwissenschaftlichen, technischen So läuft denn neben der und anderen Gebieten verbreiten. Ralenderseite, die neben den Erinnerungsdaten Raum zu Eintragungen läßt, immer eine Tegtfcite, die kurz und knapp über vieles unterrichtet. Bücher werden in guter Auswahl empfohlen. Statiftiten und Uebersichten geben über alles mögliche Auskunft. Kurzum das handliche Büchlein ist ein wahres Nachschlage- und Der Kosmos- TaschenHandbuch für den freien Arbeiter! falender( Franchsche Berlagshandlung, Stuttgart. Preis 1,60 m.) ist für die Jugend bestimmt. Kürzere Auffäße, reichhaltige llebersichten und mannigfache Notizen über Naturwissenschaften, Technit, Sport machen ihn empfehlenswert. Die literarischen Almanache, die auf die gefchmad vollste Art für die Verläge Propaganda machen, indem sie aus ihren Werfen allerlei appetiterweckende Stichproben und Auszüge bieten, sind auch dieses Jahr reichlich vertreten. Sie werden zumeist in einer netten Aufmachung, häufig auch sehr gut illustriert, dargeboten. Der Buchkalender( Emil Fint- Verlag, Stuttgart) gibt von einigen Duzenden deutscher Verleger interessante Notizen über die Geschichte ihrer Häuser und ihre hauptsächlichen Bücher, aus denen dann nachher Proben gereicht werden. Der Insel Almanach ist wieder vorbildlich in Form und Inhalt. Auch der S. Fischer. Berlag, Berlin, ist wieder mit einem stattlichen Almanach vertreten. Neu ist in diesem Jahre der Ulenhorst, der Almanach der Hanseatischen- Verlagsanstalt in Hamburg, der da seine gesamte Verlagstätigkeit vorführt. Der Furche- 21manach steht im Beichen des ersten protestantischen Weltkongresses in Stockholm. Der ganze Berlager ist jetzt zehn Jahre alt- ist aufgezählt und durch interessante Proben vertreten, = K. H. D. GARBÁTY Deine KONIGIN V. SABA GOLD SABA GARBATY JACOBY- BOY SABA GARBATY KONIGIN V SABA GOLD SABA weiter nur 4 Pfg. GARBATY Freitag 25. Dezember 1925 Unterhaltung und Wissen Der 14./26. Dezember. Zur hundertften Wiederkehr des Tages des„ DekabristenAufstandes". Der Aufstand, der am 14./26. Dezember 1825 in. Petersburg ausbrach und der gewöhnlich der Dekabristen"( Dezembristen)-Aufstand genannt wird, nimmt in der Geschichte der Revolutionen einen besonderen Platz ein. Denn es ist der einzige Fall in der Welt geschichte, wo die Angehörigen des höchsten Adels und der höchsten Militärkreise sich gegen das Staatsoberhaupt auflehnten, um die Bauernschaft aus ihrer Not zu erlösen und dem ganzen Volke die Staatsrechte zu verfchaffen. Die zwei Brüder Grafen Murajews gründeten im Jahre 1815 in der zweiten russischen Armee und m Petersburg einen Geheimbund den Wohlfahrtsbund oder furz die Geheime Gesellschaft" genannt. Die Ziele des Bundes waren zuerst noch ziemlich unflar und drückten nur eine Opposition gegen die Regierung aus. Fast alle Mitglieder waren Difiziere alle vom hohen und höchsten Adel abstammend die den Feldzug nach Frankreich in den Jahren 1814/15 mitgemacht hatten. In Frankreich tamen sie mit den Ideen der großen Fran zösischen Revolution in Berührung. Unwillkürlich machten sie den Bergleich zwischen der verhältnismäßig liberalen Berfassung des ersten französischen Kaiserreichs und dem Absolutismus in Rußland, wo es überhaupt keine Verfassung gab, und die Bauern Leibeigene der Grundbesitzer waren. Die Kaiser Paul I. und Alegander 1. hatten ihren Untertanen die Reise nach Westeuropa verboten, die Anftedung" mit den liberalen Ideen fürchtend. In der Gestalt des Obersten Bestel erhielt der Bund einen glänzenden Führer, der ihm einen großen Einfluß in Moskau und Petersburg zu verschaffen vermochte. Bald traten aber Streitigfeiten zwischen den Verschwörern ein. Bestel entschlossener Republikaner und radikaler Revolutionär und seine Freunde erstrebten die Errichtung einer demokratischen Republik und die Ber nichtung des ganzen Kaiserhauses, die anderen aber wollten sich mit einer fonftitutionellen Monarchie begnügen. Da( 1821) beschloß der Kreis um Bestel, um den Bund von, unentschlossenen Elementen zu fäubern, den Wohlfahrtsbund" aufzulösen und in Südrußland einen neuen Bund, der unter dem Namen„ Süd Bund" bekannt ist, zu gründen Der„ Süd- Bund" bestand aus entschlossenen, tatkräftigen Menschen, die ein festes Ziel vor sich hatten und alles Republikaner und radikale Revolutionäre waren. Das Ziel des Süd- Bundes" war: die Errichtung einer demokratischen zentra listischen( man dente an die Sofobiner!) Republif mit einer Ber faffung, die die Interessen aller und nicht nur die der Lords und der Kaufleute schüßen wird". Es war beschlossen, im Falle des Er folges die faiserliche Familie zu vernichten. Der„ Süd- Bund" trat mit den polnischen Geheimbünden in Berbindung und schloß mit ihnen ein Waffenbündnis, wobei es abgemacht war. den polnischen Staat und zwar als Republik im Falle des Erfolges wieder herzustellen... In dieser Zeit wurde auch der Allslawische Bund" ( Bund der vereinigten Slawen") gegründet, der sich zum Ziele die Errichtung einer allslawischen föderativen demokratischen Repu blit machte. Dieser Bund schloß sich nach einiger Zeit dem„ SüdBunde an. " Auch in Nordrußland wurde ein neuer Geheimbund, der fogenannte Nord Bund" gegründet. Die Seele dieses Bundes war der Dichter Rylejem, der aber lange nicht so tatkräftig wie Bestel war. Die Ideologie des" Nord- Bundes" war fast so radital wie die des Süd- Bundes", nur wollte er sich mit der Berbanmung der taiserlichen Familie begnügen. Die Mitglieder des Nord- Bundes" hatten eine unglückliche Abneigung gegen Bestel. Im Herbst 1825 gelang es, die Bünde provisorisch zu vereinigen, die endgültige Einigungsfonferenz wurde für den Anfang 1826 feftgefeßt. Der Geheimbund hat folgendes Programm aufgestellt: 1. Aufhebung der Leibeigenschaft( Bestel hat sogar von der Aufteilung des Bodens unter den Bauern gesprochen): 2 Gleichheit sämtlicher Bürger vor den Gefeßen; 3. Deffentlich feit der Staatshandlungen und 4 des Gerichtes; 5. Aufhebung des Weinmonopols; 6. Aufhebung der militärischen Ansiedlungen des Grafen Arattschejew; 7. Verbesserung der Lage der Soldaten; 8. Verminderung der Dienstzeit; 9. Verbesserung der Lage der Geistlichkeit und 10. Berminderung der Armee in Friedenszeiten." Sämtliche Verschwörer waren Adlige und fast alle Offiziere. Das ist höchst bemerkenswert einerseits fonnte man aus den Zielen der Verschwörer erkennen, daß sie die Demokratie einführen wollten und gegen die Interessen ihrer eigenen Klasse, des Adels, han delten; andererseits darf man nicht vergessen, daß seit dem Tode Peters des Großen im Jahre 1725 faft fein einziger den Thron ohne die Einmischung der faiserlichen Garde, die ausschließlich aus Adligen bestand, bestiegen hatte. Vielleicht war der Aufstand vom 14. Dezember 1825 der letzte Versuch des Adels, sich in Staats, Der Weihnachtstag des fleinen Tobias 5] Bon Ignat Herrmann. ( Schluß.) Als er ausgeredet hatte, erhob er sich rasch, ergriff die Müge und die Schlüssel, die am Wäscheschrank lagen und befahl dem Rommis: Holen Sie die Laterne, Franz!" Mit diesen Worten verließ er mit dem Burschen das Speisezimmer. Ein dunkles Geräusch erweckte den kleinen Tobias, der auf den Säcken unterhalb der Gewölbedece eingeschlummert war. Es war das Geräusch der Türe zum Hausflur, als alle feine Kollegen mit dem Brinzipale das Geschäft verließen. Er tonnte sich nicht gleich besinnen, wo er sich befinde, aber allmählich wurde ihm bewußt, wo er liege und was vorangegangen war. Durch die Wärme mar er geradezu erhigt, infolge der starken Ausdünstung schmerzte ihn der Kopf, und dichte Finsternis und Stille umgab ihn rings. umher. Was geht denn eigentlich vor? Weshalb ist er da? Und jetzt erinnert er sich; sie waren fortgegangen und hatten ihn vergeffen. Er wußte nicht, war es Abend, Mittag oder Morgen. Und fo troch er, fich auf sein Gedächtnis verlaffend, von den Säden herunter, unten aber beim Fußboden, übermannte ihn die Kälte. Er tappte bis zur Türe, die zur Gaffe hinausging sie war ver Sperrt, und er befühlte den angezogenen Riegel. Er horchte Der. einzelte Baffanten gingen über die Gasse, Tobias tappte in der entgegengesetzten Richtung zur Seitentür weiter, Auch diese war geschlossen Irgend etwas Entfehliches legte sich auf ihn hernieder. Reine Angst, feine findliche Furcht, aber das Grauen des Berlaffenfeins. Schritte verspäteter Bassanten wurden auf der Gaffe ver nehmbar, fie tamen heran, erdröhnten dicht in der Nähe der Eintrittstüre und entfernten sich wieder und niemand weiß, baß er hier eingeschlossen ist und man ihn vergessen hat. Biertelfieben. Jest schlägt irgendwo eine Uhr. Er zählte Früh oder Abend? Er fonnte es nicht erraten. Es war falt. Und fo troch Tobias weder langsam auf die Säcke hinauf, in die ausgewärmte Atmosphäre. Er streďte die Hand aus und berührte die Gasrohre, der Brenner war noch warm. Es ist also Abend. Hunger fühlte er feinen, übrigens wird er feinen leiden müſſen. in der Schublade hinter dem Pulte befindet sich Brot, von dem alle effen dürfen. Bei den Decken war's warm faft ist es hier oben beffer, als droben in der Schlaftammer. Aber soll er so die ganze Ihr Weihnachtsbaum. angelegenheiten einzumischen! Bielleicht handelten in diesem Falle die Verschwörer sozusagen in ft inttio, indem sie sich feit 100 Jahren berufen sahen, über die Geschicke Rußlands zu walten?! Man mußte handeln, sonst war man verloren, der Aufstand war für die Zeit gleich nach der Einigungsfonferenz festgelegt. Da( November 1825) ftarb plöglich der Kaiser Alexander kinderlos in Südrußland. Sein rechtmäßiger Nachfolger war sein Bruder Konstantin, der Oberbefehlshaber von Polen; er hatte aber schon lange vorher im geheimen zugunsten seines um vieles jüngeren Bruders Nikolaus, der übrigens sehr unbeliebt war, abgedantt. Kein Mensch, ja sogar Nikolaus selber wußten davon etwas. Diese Aenderung ftand nur im Testament des verstorbenen Kaisers; aber nach der Meinung mehrerer hoher Beamten fonnte man die Thronfolge Nacht zubringen? Und jetzt erst befann sich der kleine Tobias, daß heute Christabend ist. Diese Erinnerung rief in ihm die neue Sehnsucht wach, v07 hier fortzukommen. unter Menschen, gleichgültig wohin. Aber hier vermag er nicht zu bleiben. So fletterte er also wieder herab und tappte sich bis zur Seitentüre vorwärts, flopfte auf fie, zuerst zaqhaft, später aber stärker, doch vergebens! Niemand ging durch den Hausflur und niemand hörte ihn. Schleppend ging die Zeit vorbei. Der fleine Tobias wußte nicht, wie viele Stunden es währte. Da aber ertönte die Uhr und schlug halb sieben, dann dreiviertel und endlich sieben. Die Finger gelente schmerzten ihn vom Klopfen, vielleicht waren sie schon ge schwollen, er war nicht imftande, die Türe zu berühren. Und ie länger es dauerte, desto mehr beutelte ihn die Kälte. Er faßte den Entschluß, auf die Säcke zurückzuflettern. Wie er aber auf sie herauffroch. öffnete sich die Tür, und der Herr Franz mit der Laterne und hinter ihm der Brinzipal selbst, bleich und total vers stört, traten ein, denn er tonnte ja nicht wissen, was sich ihm für ein Schauspiel darbieten würde. Tobias!" so erscholl ein zweifacher Ruf aus dem Munde des Stommis und dem des Brinzipals. Der fleine Tobias troch augenblicklich zum Boden nieder und meldete sich fast zitternd: Bitte schön. Der Bruit des Herrn Karas entwand sich ein mächtiges Aufatmen. Mit großen Schritten näherte er sich dem Knaben und streckt ihm die Rechte entgegen. Als Tobias das bleiche Gesicht und das verstörte Aussehen gewahrte, bückte er sich und wich gefühls. mäßig wie ein Hund, über dem eine Karabatsche geschwungen wird, zur Seite denn er erwartete nichts anderes als Schläge dafür, daß er auf den Säcken eingeschlummert war und verschlafen hatte. Doch die Rechte des Herrn Karas sentte sich leicht auf sein Haupt hernieder und streichelte es beinahe Was machst du denn da, Tobias?" fragte er und seine Stimme tlang ungewöhnlich milde. Du haft geschlafen, nicht wahr?" Ja," hauchte der kleine Tobias. " So fomm doch herauf, wir nachtmahlen schon." Jetzt aber bemerkte der Prinzipal das eingetrocknete Blut auf der Schläfe und dem Ohr des Knaben. Nein, je darf er ihn nicht vor die Augen der Frau Christine bringen. Warte ein bißchen, wisch dich ab," befahl er dem Knaben, aber er wartete es nicht ab. Er ergriff selbst das Handtuch, machte es naß, drückte es aus, begann die Blutfpuren abzuwischen. Tobias Schwindelte fast der Kopf ob dieser unerwarteten Behandlung und Fürsorge um ihn, aber noch glücklicher fühlte sich in FÜR KAISER U VATERLA B 1914+ Göndör Beilage des Vorwärts nicht durch Testamente regeln; folglich war Konstantin der rechtmäßige Kaiser. Um 14./26. Dezember sollten die Truppen den Eid dem endgültig als Kaiser anerkannten Nikolaus leisten. Mehrere Regimenter, an deren Spize Berschwörer standen, verweigerten den Eid, meu terten und stellten sich im Karree auf dem riesigen Senatsplatz auf. Bald gingen auch die Kriegsschiffbesaßungen auf die Seite der Aufständischen über, so daß die meuternden Truppen eine starke Macht bildeten. Aber es fehlte der Führer, turz: die Soldaten standen da und wußten nicht, was anzufangen war. Der greise Metropolit von Petersburg machte einen vergeblichen Versuch, die Aufständischen zur Waffenstreckung aufzufordern; der Generalgouverneur von Petersburg wurde während einer Ansprache erschossen. Da ent schloß sich der anwesende Nikolaus zu handeln: er befahl" Feuer!" diesem Augenblick Herr Karas selbst. Er war, mit einer entfeßlichen Angst erfüllt, herabgeeilt, ob sich der Knabe nichts zuleide getan oder sich vielleicht gar das Leben genommen hatte und jetzt fand er ihn ganz und unversehrt wieder. Wirklich, es hätte nicht viel dazu gefehlt und der Chef hätte ihn abgefüßt. Diese Entdeckung war heute für ihn das schönste Geschenk des Weihnachtsabends. Er wischte dem Knaben sodann mit dem trockenen Ende des Handtuches das Gesicht ab und sprach: ,, Go, Tobias, jetzt aber flugs hinauf, nimm dir ein reines Hemd, fämm' dich, und bis du in's Zimmer trittst, wünsch' der gnädigen und der alten Frau angenehme und frohe Feiertage lauf', beeil' dich, die Suppe wird man dir noch bringen und mit dem übrigen wollen wir auf dich warten." Der Knabe eilte hinaus und der Prinzipal hielt den Kommis noch zurück Barten's Franz! Da nehmen's zwei Flaschen Russischen mit hinauf und da hab' ich verhin vergessen. Er zog die Schublade hinter dem Bult heraus, entnahm ihr ein Spiel neuer Karten, stedte sie in die Tasche und ging. Und Tobias?" fragte Frau Christine, als der Gatte mit Herrn Franz zurückkam. ,, Gleich wird er da sein," entgegnete Herr Karas, einigermaßen verlegen. Er zieht sich nur um. Er ist im Magazin eingeschlafen nun, wir wollen einen Augenblid warten. Und da haben mir vor. hin vergessen, den Bunsch und die neuen Karten heraufzunehmen. Machen wir vielleicht nach dem Abendessen ein Spielchen? Mit der Mama eine Preferenzpartie!" Frau Christine heftete auf ihren Gatten einen Blick, aus welchem er lesen fonnte daß sie m seiner Abwesenheit doch erfahren hatte, was unten vorgefallen mar. Aber Frau Christine fühlte es auch wohl heraus, wie es ihr Gatte mit den eigenen Vorwürfen abgebüßt hatte. An jenem Christabend beneideten zum Schlusse alle anderen Lehrjungen den fleinen Tobias um feine Schläge, die er vom Brinzipal erhalten hatte; denn es bediente ihn die gnädige Frau selber, legte ihm auf den Teller vor und streichelte ihm die Haare, wobei ihre Finger unauffällig sein verletztes Ohr berührten, und als es zur Bescherung fam, erhief Tobias außer dem, was die übrigen erhielten, noch einen funkelnagelneuen Silbergulden, der zur damaligen Zeit eine rare Münze war, denn sie foftete einen Papiergulden und fünfzehn Neugroschen. ( Berechtigte Uebersetzung von 3. Reismann.) Der Kanonier weigerte sich zuerst auf die.Unseren" abzufeuern: Loch schließlich muhte er schießen. Die Aufständischen baten das herumstehende Aalt, das überhaupt nicht wußte, was eigentlich las war, auseinanderzugehen. Einige Salven genügten. Am Abend war schon die ganz- Stadt in den Händen Nikolaus l. Pcstel und sein« Freunde wurden in Slldrußtand oerhaflet: ein blutiger Le- freiungsoersuch des.Allslawischen Bundes" mißlang, ganz Rußland wurde Nikolaus ausgeliefert. Die Zeit der schwärzesten Reaktion begann. Sämtliche Führer der Ausständischen(l2l Mann) wurden zum Tode oerurteilt, aber nur fünf: Oberst Pestel, Graf Murawjew, Kachow-ky, Graf Betuschew und der Dichter Rylejew wurden gehentt> ie anoeren jungen Adligen und Osfiziere wurden nach einer Komödie vom Gericht begnadigt und nach den Berg- werken Sibiriens— der Katorga— oerbannt. Jede liberale Bewegung wurde von jetzt ab unterdrislkt. die Studenten verfolgt, ein Teil der Hochschulen wurde geschloffen, die Blesse unterdrückt. Es gab damals keinen bedeutenden russischen Dichter, der von der Regierung nicht verfolgt wurde. Doch der Aufstand hat seine Rolle erfüllt: der Donner der zaristischen Kanonen hatte die russische Jugend, die russische Jntelli- genz geweckt: er flößte Haß gegen das Zarentum ein und gab die Hoffnung auf die Möglichkeit eines bewaffneten Umsturzes(es war klar, dag der Aufstand nur infolge von Zufällen mißlang). Die Ideen der„Dekabriften" lebten weiter in den Adels- und Offiziers- kreisen, und nur so Ist es zu erklären, daß viele Adlige und Offiziere sich auch später auf die Seite des revolutionären Voltes stellten. Die Frauen einiger Dekabristen, zum Bejschel die Fürstinnen Trubezkaja und Wolkonskaja, folgten ihren Männern nach Sibirien. In ganz Rußland wurden sie als Heldinnen angesehen: der Dichter Nekrassow verewigte sie in seiirem Werke.Die russischen Frauen". Nach dreißig Jahren wurde den am Leben gebliebenen»Dekabristen" vom Kaiser Alexander kl. gestattet zurückzukehren. Sie wurden von der Intelligenz fast als Heilige angesehen. Der traurige Veihnachtshunö. Von Theodor Thomas. Was hier in den folgenden Zeilen erzählt wir», kst leider keine Humoreske, sondern ein hundsgemeines Trauerspiel. Es kommt nämlich ein richtiger Hund drin vor. ferner Herr und Frau Dämlik und eme Weihnachtsüberrafchung. Im September war's, da flüsterte Frau Dämlik ihrem Mann ein Geheimnis ins Ohr, dies nämlich: daß sie sich zu Weihnachten einen Pelz wünsche, so einen wie Frau Fiottner habe. Dämlik erkundigte sich unter der Hand, was so ein behaartes Instrument kostet: er hörte mit Schrecken, daß 2Ql) Mark verlangt wurden. Da gab er es auf. Sie aber nicht, sondern drängelte immerzu nach dem Pelz. Da kam ihm so Mitte November eine glückliche Idee. Er borgte sich einen netten kleinen Hund, der zwar vorn Pudel und hinten Dackel war, aber sonst gesund zu sein schien. Frau Dämlik war über den neuen Hausgenossen entzückt, gewöhnte sich daran wie an ein Kind und war froh. Denn wenn ihr Mann nicht nach Hause kam, hatte sie wenigstens ein Geschöpf, mit dem sie sich beschäftigen konnte. So gegen Mitte Dezember sing Dämlik an, feine Frau schonend daraus vorzubereiten, daß sie den Köter wieder zurückgeben müßten, die richtige Besitzerin reklamiere ihn nun, denn er habe ihn ja noch nicht gekauft. „Nicht für eine Million gebe ich die Fisst wieder her, ich Hab' mich so an sie gewöhnt." Es war schon nach der Stabilisierung, also das Wort von der Million bedeutete immerhin etwas. „Was willst du denn mit so einem kostspieligen Hund? Er soll 200 Mark kosten, das ist mir etwas zu komisch." „Toll ist das ja." meinte sie.„Zweihundert Mark? Dafilr de- kommt man ja ein Pserd." „Sicher: aber der Hund hat einen Stammbaum, das muß mit- bezahlt werden." „Immerhin, 200 Mark, das ist viel Holz." �„Natürlich nehmen wir ihn nicht." Indessen Frau Dämlik konnte sich von ihrem vierbeinigen Haus- genossen nicht so leicht trennen, bis schließlich der Mann sagte: „Du mußt dich entscheiden, der Hund oder der Pelz, eins von den zwei Beiden..." Ihr könnt mir glauben, Nebe Leser und Leserinnen, e» waren fiarte Tage für die Frau, die nun kamen. Mit jedem Pelz, den sie ah, bekam ihre Liebe zu Fisfi einen Knacks, und jeder treue Blick des kleinen Scherenschleifers verringerte die Freude an dem Pelz. Aber nach langem Schwanken zwischen Hund und Pelz entschied sie sich für Fifsi. So wurde sie am heiligen Abend damit über- rascht, daß ihr Mann erklärte, er habe schweren Herzens die Kauf- fumme für den kleinen Kerl bezahlt, um ihr eine Weihnachtsfreude zu bereiten. Mehrere Wochen nach dem Fest ging Frau Dämsik mit ihrem Weihnachtsgeschenk durch die Stadl, als plötzlich eine Frau auf sie zustürzte.„Fiffichen. Fiffichen," stöhnte sie und tat wie närrisch. Mit fliegender Brust und hektischem Fieber erzählte sie, daß dieser Hund ihr einmal gehört, daß sie es heute noch bereue, ihn so billig hergegeben �u haben. „Na hören Sie mal, von wegen„billig", da» steht aus einem anderen Blatt. Zweihundert Mark ist allerlei für das Tierchen." „Ei. Sie fein ja ärr. Acht Mark Hai mir Ihr Mann gegeben. Ich waas noch wie heit: Es fein ein Fünfmarkschei' gewesen, ein Zwei- und ein Einmarkschein, das sein acht. Da beißt kei Maus enn Fadde ab." Fiffi wird gedachi haben, seine Herrin sei meschugge geworden. Sie zerrte auf einmal an der Leine, al» wolle sie ihn am nächsten Ast aufhängen. Wie eine Furie stürzt« sie nach Haufe. Na ihr Mann........ „Du gemeiner Kerl," fauchte sie ihn an,„hier hast du deine „200 Mark" wieder. Acht Mark hast du dafür oezahlt. Bloß um mich um den Pelz zu bringen. Du Oberammergauner, der du bist." Mit wildem Blick schleuderte sie ihm das Weihnachtsgeschenk zu. Dämlik übersah den Sachverhalt mil Kennermiene. Daß er die Frau, die ihm seinerzeit das Bieh vorkaust hatte, nicht aufgeklärt hatte, tat ihm in der Seele weh. Er schüttelte über sich selbst traurig den Kopif. „Wie kommst du zu dieser Dummheit?" fragte er. Und sie schrie ihm seine Gemeinheit noch einmal ins Gesicht. und Fiffi bekam dabei einen Stubbs, der selbst sür einen Achtmark- ' Hund zuviel war. Er zog heulend ab. Dämlik setzte sich empört aufrecht. Er hatte seine Würde wiedergefunden.„Der Hund hat natürlich nur 8 Mark gekostet, aber den Stammbaum habe ich doch erira bezahlen müssen. Ohne Stammbaum hätte ich doch Fifsi nicht bekommen. Und der tostet 192 Mark." Frau �ämlik sah�.-en Manv an. Sie bekam direkt. die Munderweiterüng. Da» sp.�-ie Gesiözi war ein einziger Mund.' „Ja—— du tust mir bitler Unrecht. Hunde mit einem Stammbaum und Hund« ohne Stammbaum. Ha—> du wirst Augen machen, wenn der dir klar wäre." Sie war geschlagen.„Konntest du denn Fiffi nicht ohne den teuren Baum kaufen?" «Ihr Frauen seid doch auch zu dumm. Das Geld für den Stammbaum ist ungefähr so, wie die Alimente für ein Kind. Das Kind kannst du billig haben, aber das andere....." „Das verstehe ich nicht." „Aber ich. Das ist doch gerode der Vorzug von Fiffi, daß sie einen Stammbaum hat, sonst wäre doch gar nicht» an ihr." Do kam der kleine Köter angewinselt, machte bitte, bitte, und der Pelzersatz wurde wieder in Gnaden angenommen. Hoffen tlich trifst Frau Dämsik die Frau nicht mehr, von der der Huad stammt. Weihnachtsstollen. Von kl. 2l. Zsmailow. Ich hatte eben zwei Dichter hinausbegleitet, die geniale Gedichte schrieben, aber einen Jambus von einem Spondeus nichi unterscheiden konnten, oerschloß die Tür hinter einer schriitstellernden Dame, der erklärt werden mutzte, warum es nicht angängig sei, Dramen in sieben Akten zu schreiben, und ergriss gerade die Feder, als es wieder klingelte und diesmal mein Kollege, der junge Journalist Peripetkin, hereinkam. .Mein Lieber, wie ich mich freue!" sagte ich verzweifelt, well ich ahnte, daß nun der ganze Arbeitstag zum Teufel gegangen war, und machte ein begeistert sröhliches Gesicht. .Habe ich dich gestört? Mach dir nichts daraus, schreibe ruhig weiter. Steh um Gotteswillen nicht auf, ich werde dich nicht stören. Zum Teufel mit aller Rücksicht, schreibe'!" Das sogen alle, wenn sie uns bei der Arbeit treffen, bevor sie uns in das Ohr zu trompeten anfangen. .Weihnachtsstollen. Uebersicht über die künstlerifch« Weihnachts- literatur 1925." las mein Freund mir über die Schütter in meinen Blätiem. .Ilm Himmelswillen, du willst im Ernst über Weihnachtsgefchich. ten schreiben?" „Ja," antwortete ich.„Zu Weihnachten werde ich natürlich keine Zeit haben, heut« bin ich frei, allerdings hat mich die Dame in sieben Aufzügen gestört." „Was?" „Verzeih, ich habe mich versprochen, eine Dame hat ein Drama in sieben Acsszugen geschrieben. Ich mußte es anhören." Mein Freund drückte mir schweigend die Hand, wartete, bis ich Brom genommen hatte, und sagte: „Gott wollte den Mann strafen und schuf da» schreibende Weib. Aber trotzdem, eine Kritik der Weihnachtsgeschichten, die es noch nicht gibt?" „Run ja." „Zeig mir deinen Puls. Die Zunge. Sag übrigens, was ist heute für ein Tag?" Der Lump! Er untersuchte schon meinen geistigen Zustand. „Nein," sage ich.„danke, noch zu früh, mein Lieber. Ich bin gesund und heule ist Freitag." »Dann verstehe ich dich nicht. Kritik von Erzählungen, We es noch nicht gibt?" „Aber mein Lieber, Weihnachtserzählungen. Denn der Inhalt der Erzählungen unzweifelhaft feststeht, warum soll man über sie nicht vorher schreiben?" „Ach, du kennst schon diese Erzählungen."' „Ich habe noch keine gelesen. Aber ich bin doch nicht von gestern. Noch fünf Jahre, und ich werde eine Glatze haben, noch zehn und du wirst einen Abend opfern müssen, um für mich eine Jubiläumsgratulatton zu dichten. Ich habe kein« einzige dieser Weihnachtsgeschichten gelesen, aber ich kenn« sie alle mtt zwei oder drei Ausnahmen. Erstens:„Die Weihnachtsnacht." Hier muß man einige Zellen freilassen, um ein Dutzend Namen zu nennen.— In der Weih nachtsnacht sitzt die trauernd« Mutter in ihrem ärmlichen Stübchen und denkt an ihren unglücklichen Sohn. Er ist verschollen, und plötzlich lehrt er zurück gerade in dieser Nacht. Er muß unhörbar hereinkommen, damit„zwei starke Arm« den Hals der Greisin zart umschlingen". Weißt du. das muß sehr rührend herauskommen. Zweitens:..Gottgefälliger Schutzmann." Der Schutzmann hat einen Armseligen gerade verhaften wollen, weil der, von Hunger getrieben, ein Brot stehlen wollte. Nächster Augenblick und... Aber„es schlugen die Weihnachtsglocken, und des Schutzmanns Herz wurde erfüllt mit neuen Gefühlen. Er erinnert sich an sein« Jugend. Sein« Hände senken sich..." Das Gesicht meines Freundes verlängerte sich sichtsich, er wurde rot. Mit einem zerstreuten Ton bestätigte er mein« Meinung. Man sah ihm an. daß ich gerade das Thema berührt hatte, über da» er gerade grübelte... „Drittens: Die Versöhnung von Mutter und Dater am Weih- nachtsabend am Bette des kranken Kindes. Sie sind verschiedener (der Dichter will modern sein) politischer Meinung. Die Frau läuft in die Lersommlungen der Rechten, der Mann in die der Linken. Ihr Familienleben hat sich schon lange in eine Hölle verwandett, und setzt in der Weihnachtsnacht unter dem gleichmäßigen Klange der Glocken..... Numero vier: Ein alter trockeper Mensch erfährt In einer Weih- nachtsnacht von einem darbenden Säugling. Der Säugling ist der Nachkomme irgend eines je nach dem Dichter: politischen oder persönlichen Feinde» oder Verwandten des Alten. Der Klang der Glocken..." »Genug I" sagte mein Kollege.„Es wird solche Erzählungen geben. Weiß der Teufel, es wird st« geben. Di« Menschheit al» ganzes gehl vorwärts. Aber hinter ihr zieht sich die Nachhut von Stumpfheit und Talentlostgteit daher, une tne wird schreiben, alles was du gesggl hast, wird si« schreiben!" „Und noch mehr." stöhnte ich auf.„Sie wird sogar von er- frierenden Jungen schreiben. Es gibt Schriftsteller, die die Banalität ja lieben wie die Karausche faules Wasser." „Aber wie soll man mit ihnen kämpfen?" „Wie?" schrie ich:„Es gibt Einrichtungen, die Talent vnd Genialität krönen. Es gibt Akademien, die Prämien ausschreiben. Worum sollen sie nicht auch den Gegenpol des Geistes und des Talents, die Dummheit und die Stupidität, vermerken. Die Akademie muß den Menschen, der einen zu Weihnachten erfrierenden Jungen erzeugt, ein Schanddiplom mtt dem Vermerk seines Verbrechens geben. Am selben Tage wird dieser gemeine Name aus allen Listen der Gelehrten und Schriftsteller gestrichen. In den Redaktionen wird er gemieden wie ein Berpesteter. Kein Hausbesitzer nimmt Ihn als Mieler an. Er soll seine Tage gehaßt und oerachlet wie der ewige Jude verbringe»."(Deutsch von M. C h a r o l.) Mit öem Grammophon fing es an. Ein Weihnachtemärckzen von Bruno Schönlank. Das Grammophon hatte bereits das drittemal.O du fröhliche" gespielt und war über sich selbst gerührt. Die Lichter des Tannen» boums brannten hell und züngeüen noch den Tannennadeln, die unwillig zischten, wenn ihnen die Flammen zu nahe kamen..Es ist nur wegen der Stimmung," sagten die Lichter. Kurz, es war die richtige, rührsame Weihnachtsstimmung. Doch aus einmal machte das Grammophon km. knarr, die Feder zerplatzt«, schrirr, und au» war die schöne Musik..Und ich wollte Dir doch noch die neuen Platten spielen," sagte der Vater..So geht es immer, wenn es am schönsten Ist......" seufzte die Mutier...Ich werde zu Onkel Fritz gehen." sagte der kleine Hans,„der versteht etwas davon."„Zisch," machten empört die Tannennadeln.„Diese Zudring- lichkeit ist empörend, wir dulden das nicht länger," und sie loderten lichterloh vor Zorn.»Mutter, der Daum brennt!" kreischten Martha und Gretel..Kein Wunder, wenn dos Grammophon kaputt geht." brumntt« der Boter. Die zudringlichsten Lichter wurden ausgs- .blasen.»Man sieht, Empörung hilft," triumphierte her Tannen- beum.»Und ich wollre dir gerade die neuesten Platten spielen," sagte der Vater..Ich gehe zu Onkel Fritz," sagte Hans.»Na, dann nimm den Kasten hin, komm aber bald wieder." So sing die Ee- schichte an. Hon» sauste die Treppen hinunter, rutschte aus, und das Gram- mophon, hast du nicht gesehen, lief wie auf zwei Beinen davon. Hans, wie wild, hinterher. Das fehlle gerode noch so«ine Gemein- hett..Siehst du wohl, da kttnmt er," fing aus einmal der Kasten an zu spielen. Der Himmel weiß, woher er aus einmal Platte und Feder hatte..Gleich habe ich dich," schrie Hans und fiel dabei der Länge nach hin.„Hustekuchen." sagte das Grammophon. Endlich ließ es sich sangen<3nd meinte:»Jetzt geht der Spaß erst richtig los. Nimm einexr Trichter, springe dreimal um mich herum und rufe:»Heraus, heraus aus Hof und Haus ihr Tannenbäume,«in», zwei, drei, ichx'Instrumente kommt herbei und alles Spielzeug." Du ltt-Kr Himmel, da macht sich kein Mensch«inen Begriff. wieviel xbrammophone e» in einer so großen Stadt gibt. Und nun kaineij auch noch die Klaviere, die Geigen, die Posaunen,>a selbst die Orgeln traten mit feierlichem Schritt aus den Kirchen und gingen im Zuge mit. Das war«ine richtige Demonstration, und dl« Tannenbäume gar, die großen und kleinen, die ärmlich und reich ge- putzten, stiegen alle die Treppen hinunter. Es war herrlich anzu- sehen, wie sie mit ihren Lichtern und dem Engelhaar durch die Straßen zogen. Die Leute sprangen natürlich überall auch mit her- aus, um ihre Weihnachtsbäume wieder zu bekommen« Sie waren erst sehr ärgerlich, denn wie sie auch bitten mochten, die Bäume ließen sie nicht näherkommen. Doch bei der schönen Musik ver» gaßen sie bald ihren Aerger und singen an, fröhlich zu sein. Der Zug ging durch die ganze Stadt, und aus allen den armen Straßen und Gassen, wo die Kinder kaum ein ärmUches Bäumlein sehen, strömten die Menschen heraus und singen an, vor Freude zu jauch- zen. Nun kam auch noch das Spielzeug, ja sogar au» allen Truhen. wo es schon lange nutzlos gelegen, sprang heraus, um den Zug mit- zumachen. Und die Gabentische stolzierten auch mit.»Das geht enr- schieden gegen die Moral," seufzten die Geldschränke.»Ja, es sind entsetzliche Zustände." knisterten die Geldscheine. Doch die Tannen- bäume leuchteten schöner als zuvor, und als vom Himmel ein feiner Schnee gleich silbrigen Sternchen niederrieselte, waren sie gerade an einem riesengroßen Platz angelangt. Wie von selbst bauten sich auf einmal Kirchenfenster und Bahnhofshallen zu einem großen Saal aus, und all die Menschen fanden darin Platz. Es war ein wunder- schöner Anblick, wie die Bäume im Lichterschein glitzerten und alle Kinderougen vor Freude leuchteten.»Das ist eine schöne Be- scherung," knurrte ein griesgrämiger alter Brummbaß,»ich wollte heute noch in der Philharmonie spielen."»Nein, es ist wirtlich«ine schöne Bescherung," sielen die anderen Instrumente«in, und sie fanden stch zu einer Musik zusammen, die so schön war. daß sie niemand vergessen konnte.»Wer seinen Weihnachstbaum miede? haben will, der kann ihn setzt mitnehmen!" rief auf einmal das Grammophon, das die ganze Geschichte angerichtet hatte Aber, es war so schön In dem Saal, und die Kinder hatten sich all« so cm- gefreundet, uns sich untereinander beschenk!, daß es noch eine ganze Weile dauerte, bis die Weihnachtsbäume wieder nach Hause spazieren konnten.__ Neujahrsmorgea im Horchloch. In den letzten Dezembertagen ISIS hatten wir eine neu« Stellung bezogen. Die dritte Lriegsweihnacht lag hinter un». Einst hatte es geheißen, daß wir wieder daheim sein sollten,»wenn die Blätter fallen". Und jetzt war dieser Kriegswahnsinn schon beinahe zu einem Gewohnheilszustande geworden, dessen Ende nicht mehr adzufeheu war und gegen den zu rebellieren man schon fast zu müde mtt» stumpf» sinnig geworden war. Weihnachten, tos Fest der Liebe und Freud«. im Schützengiaben' Ein« grausamer« Irorn« läßt sich nicht denken! In der Silvesternacht zog ich abends um 11 Uhr mit einem Kameraden aus Horchposten. Es war ein« grimmig kalt« Nacht, die eiste jenes furchtbaren Winter», in dem wir im Innern Rußland» drei Monate lang ununterbrochen mehr als 80 Glad Kälte hatten und der allen, die diel« Zeit erlebt haben, als»ftohirübenwinter' unvergeßlich bleibt. Wir ichouerten in unserem Mantel zusammen, ballten die Fäuste tn den Manteltaschen, sogen an der unentbehrlichen Tabakpfeife, trampelten mit den Füßen, um uns warm zu erhatte» und lugten hin und wieder nach dem»Feinde", der sich nicht rührte. Ick? matte mir aus, wie es jetzt wohl in der Heimat aussehen mochte, vnd gedacht« der Silvesternacht vor zwei Iahren, al» ich auf der Fahrt vrm Lazarett nach dem Ersatztruppenteil durch Berlin gekommen und in den Straßen, in denen das übermütigst« Treiben herrichte. als ichwerbepacktcr, verwildert aussehender Feldgrauer mit be- geisterten Zurufen begrüßt worden war. Bei dieser Erinnerun-' tern mir des Elend und die Lüg« de»„H«lden"-Daseins an der Front wieder mit ekelerregender Deutlichkeit zum Bewußtsein. Ei?« Friedhofsstille lag auf dem wetten Schneefeld« vor une. In den Drahtverhauen neben un, und in den Zweigen der schivarzen Bäum« jenseits des blanken Eisspiegel» der kleinen Bereflna, der«i» paar hundert Meter vor un« das Schneefeld durchschnitt, blitzte� krfftalle. Hin und wieder zuckten Leuchtkugeln und Schernwerser- strahlen über die weiß« Fläche, und ein paarmal hallte der verlorene Knall eines Gewehrschusses durch dl«»ächiliche Einsamkeit. Als da, Lerichtzlffernblalt meiwr Armba-iduhr Mitternacht zeigte, begrüßten nküi Kamerod und ich un» mit einem Neujahrs- g'ückwunsch und tauschten unter« Gedanken und Hoffnungen au». die wir an das neu« Jahr knüpft«?. Ob Wilson wohl mit seine»» Vermittlungsversuch Erfolg baden würde, den«r nach dem lehnten»Friedensangebot" Wilhelms ll.«igekündigt hätte? Die deutschen Erfolge in Rumänien, die Friedorisberettschoft des russischen Ministerpräsidenten Stürmer, von der man immer wieder gemunkelt hatte, und manche andere Anzeichen rechtfertigten frohe Errvartungerr. Patrouillen hatten polnisch geschriebene Zettel von russischen Soldaten glsunden, die die Krlegsmiidigkeit des.Feindes" dokumentierten. Auf alle Fäll«, so schworen wir urrs. sollt« das Krisgseriebnis uns>n unserem ganzen künftigen Leben der stärkst« Ansporn sein, um dafür zu wirken, daß nie wieder ein Krieg möglich sein und«ine Inter- nationale der Menichheit und der Menschlichteil herbeigeführt werden sollte! So. es mußte nach dem Kriege auch bei urrs zu Haus« allerlei .anders werden"! Um 1 Uhr wurden wir abgelöst. Wir kroch«?, in den Unterstand zurück. Die Kvmeraden schliefen alle tn das neu« Jahr hinern. Di« Silvesternacht ist im Felde eine Nacht wie all« anderen. Jede Zeit. «chnung sst aufgehoben, wenn der Mensch zum Mordrn«chani?mu» herabgewürdigt ist Nur wem, das Sien'chenbewußtiein wach ist. kann die Neujahrenocht ihren tiefen Zweck erfüllen, Zeitwende lm Menschenleben zu sein-__ M il o. Das Dachsen von Gußeisen. Wie olle Körper, so dehnt stch auch das Eisen bei zunehmender Temperatur um einen bestimmten Prozentsatz seiner Länge oder seines Rauminhalte» avs. Es beträgt z. 93. die LSngenausdehmmg einer Eisenschiene von 100 Meter Länge bei einer Temperaturerhöhung um 100 Grad etwa 10 Zenkl- meter. Im allgemeinen schrumpfen die Körper mit dem Rückgang der Temperatur wieder auf ihre ursprüngliche Länge zurück. Anders dagegen Gußeisen, wenn es sehr hohen Temperaturen ausgesetzt wird. Dann nämlich hat besonder» das graphithaltige Gußeisen dl« Tendenz, zu„wachsen", d. h. das vergrößerte Volumen beizu. behalten. Damii ist dann auch oft»ine beträchtliche Gewichts» zunähme verbunden. Man Hai bei einem Grougußktab nach etwa hundert auseinander folgenden Erhitzungen bis neunhunderi Grad eine Volumenzunahme um 80 Proz. und eine Vergrößerung des Gewichtes mn 8 Proz. festgestellt. Bei einem anderen Probestab. der Rauchgasen ausgesetzt wurde, erzielte man ein konstant blotben- de? Wachstum von 67 Proz. Selbstverständlich verbindet sich mit solchem Wachstum eine ganz erhebliche Oualitätsvermlnderung, die im praktischen Betrieb sehr häusig höchst unerwünschte Störungen hervorruft. Freitag 25. Dezember 1925 Aus der Film- Welt Die Filme der Woche. „ Der Dieb von Bagdad." ( 3m neu eröffneten„ Kapitol".) Zwischen der Gedächniskirche und dem Affenhaus des 300lo gischen Gartens ist das neue Berliner Filmhaus Kapitol" entflanden, dem fein Geringerer als Poelzig die architektonische Form gegeben hat. Da das Haus nach außen ganz von Läden um geben ist, nerzichtet es auf eine besondere Filmarchitektur und ver mendet muur die vorhandenen Flächen zu einer großzügigen Außen lichtreflame. Den Besucher interessieren nicht die Schwierigkeiten der Blagausnugung, aber er hat in dem Innenraum mit seinen 1600 Blägen nicht nur ein wohliges Gefühl, sondern er fühlt sich in dem durch die Anlage einer Rangempore bedingten, auf 22 Meter Höhe geführten Zeltfuppel direkt gehoben. Die Farbenfundgebung des Raumes ist sehr apart und klingt doch harmonisch zusammen; die technischen Einrichtungen sind die modernsten. Das Orchester, das mährend der Filmvorführung bis zur Unsichtbarkeit versenkt wird, fann sich auf den Bühnenraum ausdehnen und so auch für größere Konzertaufführungen dienstbar gemacht werden. Die Lichtbildwirkungen find indirekt und vermitteln schöne Stimmungsreize. Das neue Theater wurde mit Wagners Vorspiel zu den Meis fterfingern am Sonntag eröffnet, aber statt eines deutschen Meifters erschien dann der amerikanische Film, dem schon von anderen Ländern her der Ruf einer Sensation vorausging. Es ist in der Tat ein Uebermärchenfilm, wie wir ihn in Europa noch nicht gesehen haben. Im Technischen, in der Hervorzauberung ungeheurer Bauten, in der Massenentfaltung von Zehntausenden, vor allem aber in der raffinierten Durchführung wahrhaft märchen. hajter Trics übertrifft er alles, was wir bisher auf diesem Gebiet gesehen haben. Aber es ist talter Brunt und zum Teil leere Bracht, was hier aus dem Märchen der Tausend und eine Nacht" geworden ist. Es ist eine liebersteigerung der Schauwirkungen des Filmes, die kaum meiter getrieben werden kann, die uns schließlich aber doch innerlich nicht tiefer ergreift. Die Geschichte von dem Dieb von Bagdad ist bekannt. Der gerissene Meisterdieb, der vor nichts Respekt hat, wird bei einem Diebsbesuch im Kalifenpalast von der Schönheit der Kolifentochter so fasziniert. daß er es wagt, an dem Wettbewerb um ihre Hand teilzunehmen. Sie erwählt ihn vor all den Brinzen, weil er ihr das Vorbild edler Männlichkeit zu sein scheint. Aber ihre mongolische Boje verrät seinen wahren Charakter, er wird durchgepeitscht, und rermag nur mit Hilfe der Prinzessin zu entfliehen. Um Zeit zu ge= winnen, verspricht fie dem Freier ihre Hand, der nach sechs Monaten ihr den festbarsten Schatz überbringt. Jetzt ist es Zeit für den Dieb, zu beweisen, daß er das höchste Glück verdient, weil er es durch alle Schwierigkeiten hindurch zu erringen weiß. In dem Wettlauf um Das kostbarste Zaubergerät besteht er die abenteuerlichsten Gefahren; er durchwandert das Tal der sengenden Feuer, fürchtet sich nicht vor den Ungeheuern noch vor den verzauberten Bäumen. Ja, er taucht tief auf den Meeresboden hinab, fliegt mit dem geflügelten Roß durch die Lüfte auf den Mond und erringt schließlich den Zauber schrein, mit dem er alle Wünsche erfüllen fann. Während die ersten 2itte mit allzu breiter Lust am Detail ausgemalt waren und er= müdeten, wird zum Schluß hin Tempo und Spannung immer größer, die Bunder der Kristallkugel, in der man alles sehen fann, des 3auberteppichs, mit dem man durch die Lüfte fährt, und des goldenen 2pjels, mit dem man Tote erwecken fann, merden vorgeführt. Aber fie alle übertrifft der Bauberschrein, mit dem der Dieb alle seine Kon furrenten aus dem Felde schlägt, im Handumdrehen Armeen aus dem Boden stampft und in einem ungeheuerlichen Anprall die Kalifenburg erobert, um dann mit seiner geliebten Prinzessin durch die Lüfte davonzufliegen. Douglas Fairbants ist der Dieb, eine große, schlanke, über. aus bewegliche Erscheinung, mit prächtigem Mienenspiel. In allem, mas er tut, hat er Rhythmus, aber taum Seele. Bon seinen Mitspielern ist vor allem So Jin als starrer König der Mongolen zu nennen, der faum aus sich herausgeht, und die mongolische Gtlavin der Anna May Wang, die beide durch ihre gehaltene eroti sche Art sich einprägen. Man wird nun auch in Deutschland die Bundertaten bestaunen, die Raoul Walsh als Regiffeur in diesem Film vollbracht hat und zu denen Schmidt Gentner eine wohlangepaßte Musik geschrieben hat. Aber ob uns die mit viel geringeren Mitteln erzeugten Märchenleistungen Wegeners oder des„ Gläsernen Schuhs" oder auch des Beter Ban" nicht mehr fesseln? " Der Bismarck- Film. I. Teil. ( Primus- Palast.) D. Ein historischer Film, wie er nicht sein soll; eine große Personlichkeit ist hier für das traute Heim frisiert worden zur Freude alter Etiftsdamen, nationaler Abgeordneter oder ähnlicher Kulturträger. Bismard stammt direft aus der„ Gartenlar be" oder aus einem ähn lichen Familienjournal, so bieder, bran, fernig, anständig fann nur ein Mensch sein, der mit Courths Mahlerschem Del gesalbt ist. Der tolle Bismard" fezt mit seinem Pferd über eine Hede, kneipt mit Freunden bis 4 Uhr morgens, aber Frauen sieht er nicht an, selbst der tolle Bismard" benimmt fich immer so, daß höhere Töchter unbeschadet den Film sehen können. Ueberall wird das Bild Bis mards von Schladen gereinigt, bis die Idealfigur erscheint, die aus den Geschichts- und Lefebüchern der Schulen reichlich bekannt ist, jeder dramatische Konflikt wird umgangen. Ein Bismard entiteht, wie ihn sich ein Leser der Kreuzzeitung" vorstellt. Bismard soll hier etwa zu einem Symbol werden schon im ersten Bild schmiedet der Knabe doch er wird zu einer Figur ohne ausgeprägte Phyfiognomie, zu einem Menschen, der absolut im Bürgerlichen stecken bleibt, der troh gefalteter Gesichtszüge nichts von seiner Bedeutung ahnen läßt. Hier liegt überhaupt ein Problem des Films: wie weit ist es möglich, die Bedeutung eines Menschen filmisch zu gestalten? Der Bismard Film hat allerdings auch nicht den leisesten Bersuch gemacht, eine befriedigende Lösung zu finden. Vielleicht fellte hier auch Bismard eben nur als Kleinbürger erscheinen, damit der Film eines großen Erfolges sicher sei. Der Film petuliert trop gegenteiliger Berficherung auf die nationalistischen Instinkte des braven Kleinbürgers. Gleich der Anfang ist dafür charakteristisch. Der Befreiungskrieg muß unter allen Umständen hinein. Turnoater Jahn. Körner und Lügow sind eben Leute, die unbedingt wirken, besonders wenn sie in einer alten Dorfkirche in Opernſtellung beten, die Schwerter aus der Scheide reißen und sich auf andere Weise pathetisch beschäftigen. Auch plündernde Franzosen, die außerdem noch deutsche Frauen vergewoltigen wollen, verfehlen nie den Erfolg. Diese Vorgänge stehen mit der eigentlichen Handlung in feinem Zusammenhang, ein alter Schmied erzählt sie dem fleinen Bismard, aber sie schaffen die nötige Stimmung. Und so geht es weiter. Die Tendenz schimmert immer diskret hindurch. Das Königtum, dazu noch von Hohenzollernschen Gnaden, ist dech das Beste. Die Revolution von 1848 wird als Bagatelle behandelt. Die Bürger find fomische Figuren, die nur Weißbier trinken oder sich im Barlament wie dumme Jungen be tragen. Sie bilden die Folie, von der sich der hohenzollerntreue Bismard hell abhebt. Keine Szene ist vorhanden, die einen Ausgleich fchafft, nur die Adligen, die. Militärs, und die, Hohenzollern glänzen im Scheinwerferlicht edler Gesinnung. Das Manuskript beschränkt sich darauf, eine Reihe von Bildern gewissermaßen zu einer Bismard- Revue aneinanderzureihen, ohne Steigerung und Spannung, der Film zerfällt deshalb in einzelne Bilder, zwischen denen fein ursächlicher Zusammenhang besteht. Nur das Bekannteste aus Bismarcks Leben ist genommen worden. Der Film wird zu einer Anekdotensammlung, nichts erklärt hier den werdenden Staatsmann, den Kavalier, dieser Bismarck hätte auch Landpfarrer oder Professor werden können. Der Regisseur Ernst Wendt stellt hübsche Szenenbilder, etwa eine Berliner Neujahrsnacht aus den 30er Jahren, impressionistisch, pastellhaft gegeben, einen Hofball mit bildhaft wirkenden Gruppen, überhaupt Interieurs von unaufdringlichem Stimmungsgehalt, aber die Schauspieler bleiben in ihrer historischen Maste steden, ohne zu der Gestaltung einer Persönlichkeit zu ge langen. Die Maske ist die Hauptsache, nicht die schauspielerische Leistung. Dem Friseur und Maskenmacher gebührt alles Verdienst. Man beschränkt sich auf dekorative Haltung, auf forrette Berbeu. gungen. Das genügt. Nur Mathilde Sussin in der kleinen Rolle der Königin Elisabeth ist unter Masten die einzig fühlende Brust. Dieser erste Teil zeigt deutlich die ganze Anlage des Films: Bilderbogen, verfilmte Siegesallee. Charakteristisch bleibt es, daß die Entlassung nicht mehr gefilmt ist, daß der Film mit der Krönung in Versailles endet. Die dazu komponierte Mufit ist eine angenehme Mischung von Gouned und Wagner. F. S. Hanseaten." ( Piccadilly.) Dieser Film ist nach einem Roman von Rudolf Herzog ge arbeitet. Wie bei allen verfilmten Romanen fehlen auch hier für die Personen die seelischen Begründungen, man muß die Figuren eben als Fertigfabritate übernehmen. Das Schicksal dreier Familien rollt sich vor unseren Augen ab. Da ist der Werftbefizer. Ernst, zäh, verheiratet mit einer leichtlebigen Frau aus Rio. Wie tommt er zu einer solchen Frau? Man muß es sich selbst zusammenreimen, er wird eine Geschäftsverbindung geheiratet haben. Der Sohn diefer Ehe steht zwischen Mann und Frau, entscheidet sich aber für den Vater, als er in Rio fieht, daß seine Mutter es mit der ehelichen Treue nicht genau nimmt. Er selbst wird Marga van Heil heiraten, die Tochter einer alten Handelsfamilie, die freilich ihren geschäftlichen Höhepunkt schon überschritten hat. Der geschiedene Werftbefizer aber wird in Frau Bramberg, deren leichtsinniger Mann rechtzeitig am Herzschlag starb, eine neue Lebensgefährtin finden. Diese Hand lung wirft an manchen Stellen tiefergreifend, zum Teil ist sie aber vollendeter Filmfnalleffekt. Eirs ist sicher: ein solches Geschehen kann in jeder Kaufmannsfamilie sich ereignen. Dabei wäre mit Leichtig feit eine Handlung zu finden gewesen, die aus dem typischen Hanseatentum herausmächst. Von dem steifnackigen, biederen, trotzköpfigen und mutpollen Hanseatengeschlecht ist überhaupt nichts über. mittelt. Gespielt murde sehr gut. Da sind vor allen Dingen Fritz Alberti und Ed. Rothauser als glänzende Vertreter der alten und Werner Pittschau und Andreas Bull als ebenso vortreff liche Vertreter der jungen Generation zu nennen. Renate Brause metter ist so echt, jo glaubhaft als Hamburger Mädel, man fönnte fich feine beffere Vertreterin denken. Die berühmte russische Tänzerin Karjawina spielt das Lurusweibchen aus Rio. Diese Leistung ermöglicht natürlich noch fein abschließendes Urteil; ob es von Bor. teil ist, wenn die Künstlerin engere Verbindungen mit dem Film sucht. Hermine Sterler ist eine startwillige Frau mit schönen Augen. An der Küste trifft man so falte Patrizierfrauen. Dennoch, ein bißchen Gefühl ist ganz nett, namentlich im Film. Karl Vaß lieferte eine Lobenswerte Photographie. Gerhard Lamprecht, der Regisseur, spannte die Handlung in den richtigen Rahmen. Er fühlt fich feelenvoll in alle Welten ein. Er arbeitet bedacht, er arbeitet tunstgewerblich Diese alten, gut erhaltenen Möbel stehen irgendwo APOLLO Bellage des Vorwärts in Handelshäusern, diese Schiffsmodelle sind der wohlberechtigte Stolz einer Firma. Und dann der Hamburger Hafen! Da sehen wir die Hafenstadt, von der aus die Wege in alle Welt gehen. In der die Sinne beinahe verwirrenden Emfigkeit klingt der Rhythmus des hohen Liedes der Arbeit. Aeußerst wirkungsvoll ist ein Schiffs= stapellauf. Warum eine Hauerei in der Niedernstraße gedreht wurde, ist mehr als rätselhaft. Der Film spielt in befizenden Kreisen. Weshalb aber wird auf das arbeitende Bolt, das bei diesem Film nur als Staffage in Frage kommt, durch ganz überflüssige Sonderszenen ein solch fatales Licht geworfen. e. b. „ Die Zirkusprinzessin." ( Apollo- Theater.) Das Apollo- Theater, das schon so mancherlei 3meden gedient hat, ist jetzt zum Filmtheater geworden, aber der erste Film erinnert zugleich wieder an die Varietévergangenheit des Theaters und in den Zwischenatten wurde auch eine reine Varietémummer( der übrigens ganz hervorragende Gladiatorenaft der drei AppaIonas) geboten. Und dann fam die Zirkusprinzessin. Zunächst in natura, denn Cilly Feindt, die 16jährige Schulreiterin, die die Hauptrolle in dem Film spielt, wollte einem hohen Bublikum zeigen, daß sie auch in Wirklichkeit alle Finessen der hohen Schule beherrscht und so sahen wir sie denn ihr Schulpferd in allen Gangarten vorführen.( Bösartige Leute behaupten allerdings, die Pferdedressur wäre dabei die Hauptfache.) Der Film selbst ist offenbar zu Ehren der seligen Marlitt veranstaltet worden. Ludwig Hamberger wandelt jedenfalls ganz in ihren Spuren. Die uneheliche Grafentochter, die von der Pflegemutter ins Waisenhaus verschoben, dort von einem Zirkusdirektor entdeckt wird und nun alle Leiden und Freuden einer Zirkuselevin durchmachen muß, bis sie ihre inzwischen glücklich mit einem Grafen verheiratete Mutter gang zufällig an einem Medaillon wiederentdeckt und in ihre Herrlichkeit zu sich nimmt ist eine echte Marlitt- Figur. Hätte der Regisseur nichts getan als uns diese sentimentale Geschichte zu verbildlichen, so wäre weiter nicht viel davon zu reden. Aber Adolf Gärtner hat bei allen Mängeln feiner schleppenden, langatmigen, umständlich erzählenden Regieführung doch interessante Bilder aus dem Milieu eines Wanderzirtus festzuhalten werstanden. Er bietet uns, außer dem Direktorenpaar( Garrison und Josefine Dora), einen prächtigen alten Clown, der dem jungen Mädchen väterlich zugetan ist und durch Rudolf Klein Rohden rührend verkörpert wird. Vor allem aber lenft die jugendliche Cilly Feindt durch ihre Natürlichkeit und Frische die Blicke auf sich, ganz abgesehen von ihren equilibristischen Leistungen, die mit etwas übertriebener Be tonung in den Vordergrund gerückt werden. Das Beste daran ist, daß der Regisseur aus ihr nichts zu machen“ verstanden hat. Sie ist vorläufig wesentlich also noch eine Naturdarstellerin. Möge der übertriebene Kultus, der mit ihr als der Tochter des Filmproduzenten Feindt getrieben wird, ihrer weiteren Entwicklung nicht schaden. Boran ging eine amerikanische Groteske, die Lloyd Mil als Hans Tulpatsch und Unglückswurm im Salon zeigte. „ Das Mädchen mit der Protektion." ( UT. Kurfürstendamm.) T. Es handelt sich hier um einen Bersager, der offenbar noch schnell im alten Jahre unter Dach und Fach gebracht werden sollte. Willy 5a a s' Manuskriptidee ist an und für sich gar nicht so schlecht. Er läßt ein Mädel vom Lande in die Stadt ziehen, dort ungewollt eine Protektion bekommen und eine fabelhafte Karriere machen. Dem Bräutigam, der auch nach der Stadt tommt, ergeht es ebenso. Beide entfliehen der Stadt, werden jedoch vom Lande zurückgeholt, fie fönnen eben ihrer Protektion und ihrer Karriere nicht entgehen. Die Ausführung dieses Geschichtchens läßt nicht ahnen, daß wir eine beträchtliche Anzahl von Lustspielen als gute Vorbilder haben. Dabei ist Mar Mad Regisseur, der doch selbst schon durch Erfahrungen gewißigt ist, und dem man bislang wohl zutrauen fonnte, daß er ein beabsichtigtes Ziel erreichen würde. Er hat diesmal feinerlei Einfälle und überhaupt fein Tempo. Der Zuschauer wird nahezu nervös, denn er möchte schließlich von sich aus die Sache Dorwärts treiben. Und wie ist Ossi Oswalda, diese übermütige, fede Range verwandt worden? Mar Mad läßt durch seine unTHEATER angebrachten Großaufnahmen die Zuschauer nur die filmunmöglichen FRIEDRICHSTR218 Untergrundbahnhof Kochstrasse Der neue Lichtspielpalast ERÖFFNUNG am 1.Weihnachtsfeiertag Cilly Feindt persönlich m. ihrem Schulpferd ,, Nestor" und im Film: Die Zirkusprinzessin und das Varieté- Programm An allen drei Feiertagen täglich drei Vorstellungen 4%, 7 und 9 Uhr Kleine Preise von 1 bis 3 Mark Vorverkauf ab 11 Uhr täglich Blauäuglein der lieben Ossi entdecken. Hin und wieder irrlichtern mal ein paar nette Eisenbahnzugsgenen, sonst bleibt alles farblos, auch der freundliche Willy Fritsch. Der Text ist ganz unmöglich, was man in Bildern gesehen hat, verdeutscht er noch einmal in Worten. Man sollte nur ein paar Titel stehen lassen, ihn sonst aber restlos faffieren. Der Mann im Sattel." ( Tauenhienpalast.) e. b. Der Mann im Sattel, die Frau auf der Bühne, fann das eine gute Ehe geben? Man möchte ja sagen, der Filmschluß deutet barauf hin. Na, hoffen wir das Beste, zumal es dem Paar so schwer wird, zusammen zu temmen. Wird man doch zweimal Zeuge einer gestörten Hochzeitsnacht. Der berühmte Jocken, der erst Hütejunge und dann Stallbursche war, liebt von Kindesbeinen an eine Gräfin. Das bringt ihn in tce erfegenretten weil es sich erstens unt einen Film und zweitens um ein Romanmanuskript handeit. Aber der Mann im Sattel macht einem Tite. alle Ehre, denn man sieht ihn sehr oft im Sattel. Die retschiedensten Rennbahnen mit ihrem ftets gleichbleibendem Drum und Dran. die Morgenarber, Start und Endtampf, alles hat der Regisseur Manfred Noa so fabelhaft schön zu verwerten verstanden. Er gibt allen denen einen Trumpf, die behaupten:„ Ach, fachliche Richtigkeit ist nicht nötig, wenn nur die Linie gewahrt bleibt." Noa macht keine Berstöße und schafft dennoch oder vielleicht gerade darum einen Filmreißer. Daub und Tober unterstüßten ihn durch eine gute Photographie Paul Graez schuf in Barba eine köstliche Figur, der schiebt und managet und wird zwischendurch auch noch selbst geschoben. Ernst Verebes hat ein interessantes Gesicht und sehr schöne Augen. Er gefiel dem Bublifum ausnehmend gut. Die Tochter aus gutem Hause." ( Usa- Theater, Nollendorfplatz.) -g. Dieses amerikanische Filmspiel nennt fich heiter und ist eine Tirade auf die guterzogene Tochter mit goldenem Herzen. Ein verschwenderischer und charakterloser Papa nötigt aber das gute Mädchen, mit ihrer Hände Arbeit die Familie zu unterhalten. Natürlich mit Hilfe der Schreibmaschine. Bei dieser Gelegenheit wird der ehrenfeste junge Mann kennengelernt, der das Mädchen später heiraten wird. Dazwischen ereignet i noch einiges Unangenehme, wie das so üblich ist; das Mädchen nämlich verliert seine Stellung und der Berschwenderpapa verjubelt eine Jahresrente seiner Frau an einem Lage. Alles das ist nur dazu angetan, die beiden Liebenden noch fester aneinander zu fetten und sie endlich zur Berbindung unter den Neujahrsglocken zu führen. Ueber diefe ganze faftig fentimentale Angelegenheit, die übrigens regie und phototechnisch sehr sauber gearbeitet ist( Regie: George Fiz. maurice), ift faum ein Bort zu verlieren, wenn die Person des vermögenverschwendenden Papas nicht wäre. Das ist ein Typ des alternden Genießers, der mit seltener Charakterschärfe auf die Leinwand gezeichnet ist. Die Figur ist ein Produkt so ausgezeichneter Beobachtung, daß allein um ihretwillen der Film seine fünstlerische Berechtigung hat. Theater, Lichtspiele usw. Volksbühne Lessing- Th. 3 Uhr: Fiesco An alien 3 Feier8: Der Kaufmann von Venedig Morgen 3: Jung Siegfried 8 Uhr: JUDITH tagen 8 Uhr: Der junge Aar Y. Rost.- Kiabund Regie: Viertel Staats- Theater Kleines Th. Opernhaus 6 Uhr: Aida Morgen 7 Uhr: Zigeunerbaron Opernhaus am Königsplatz 21: Nathan d.Weise 72: Mad. Butterfly Morgen 21: Nathand. Weise 71 Uhr Spielzeug. Hänsel u Gretel Schauspielhaus 8 Uhr: Peer Gynt Morgen 8 Uhr: Romeo u. Julia Schiller Theater 3 und 8 Uhr Der Glückspilz Morgen 3 Uhr: Glückspilz 8 Uhr: Jugend An allen 3 Feiertagen 8 Uhr: Figuranten von Birabeau Regie: Geyer Trianon- Th. An allen 3 Feiertagen 8 Uhr: Kleine Sklavin v. Dietzenschmidt Revie: Goldberg Großes Schauspielhaus Städtische Oper r Charlottenburg 1. Feiertag: Meistersinger von Nürnberg 2. Feiertag: Orpheus in der Unterwelt Sür Dich CHARELL- REVUE TÄGLICH 84 Außerdem: An allen 3 Weihnachtsfeiertagen: Deutsches Theater Nachm. 3 Uhr 712 Uhr Der Kreidekreis von Klabund Regie: M. Reinhard Hammerspiele 8 Uhr: u, am 28. und 30 Dez.: Schlußvorstellungen der Kinder Revue ,, Fankheinzelmann's Weihnachtsmarkt" verfaßt u. inszen. von Erik Charell Deutsches Sechs Personen anstl.- Theater Suchen einen Autor von Pirandello Regie: Max Reinhardt Die Komödie Kurfürstendamm 207 8 Unr Gesellschaft von Galsworthy Regie M Reinhardt Admira: spalast 844 Uhr täglich ALLER A Achtung Welle- 505 60 BILDER IL Rang v. Parkett v. 4. Logen v. 8.An allen drei Weihnachtsfeiertagen Dachm. 3 Uhr: Die ganze Vorstellung zu ha'ben Preisen Silvester Nach der Vorstellung Gr. Ball in all, Räumen des Theaters Central Theater Tägi. 8 Uhr Der Fremde 2 und 3. Feiertag 3 Uhr: Bunbury Berliner Theater An allen Feiertagen 7% Uhr: Messalinette Musik v.W. Bromme 2. u. 3 Feiertag 3 Uhr: Messalinette Ermäßigte Preise; Metropol-Theater Tägl. 8 Uhr die gr. Revueposse No no Nanette 2. u. 3 Feiertag nchm 3 U. KI Pr. Ihre Hoheit Tägl. 8 Uhr Diagbitew's russisches Ballett Th. a. Kurfürstendamm Tägl. 8 Uhr. Regen Th.a. Schiffbauerdamm Tägi 8 Uhr: Der fröhliche Weinberg Lustspielhaus Tägl. 8 Uhr Der blaue Fogel Wallner- Theater Täglich 8 Uhr: Holportage 3 004 00 5 7 9 00 15 ufa UA www WEIHNACHTSSPIELPLAN Ein Walzertraum Mädy Christians, Xenia Desni, Willy Fritsch Regie: Ludwig Berger Ufa- Palast am Zoo Vorverk. ab 11Uhr. Tel. Best. Nollendorf 62, 1397, 5280-81 & ,, T, Uhr Kurfürstendamm hr Vorverkauf täglich 12-2 Kammerlichtspleler Vorverkauf täglich 12-2 5, Tauentzienpalast 7, 9 Uhr Ververkauf täglich 12-2 Alexanderplatz Mozartsaal Vorverkauf täglich 12-2 Turmstraße Vorverkauf 1äglich 12-2 Königstadt Vorverkauf täglich 12-2 6, 1, 9 Uhr 5, 7, 9 Uhr &, 7, 9 Phr 5, 7, 9 Uhr 8, 7, 9 Uhr Noller fplatz 5, 7, 9 Bhr Friedrichstraße 5, 7, 9 Uhr Weinbergsweg Das Mädchen mit der Protektion Ossi Oswalda Willy Fritsch Regie: Max Mack Colette Darfeuil Der Mann im Sattel Francine Mussey nach dem Roman aus der Berliner Jllustrirten von Werner Scheff Peter Pan Paramount- Film der Ufa Ernst Verebes Paul Grätz Regle: Manfred Noa Auf der Bühne: Schäfers berühmte Das verbotene 3 Uhr: Paradies Pola Negri. Regie: Ernst Lubitsch Das verbotene Paradies Pola Negri. Regie: Ernst Lubitsch Liliputaner Peter Pan Auf der Bühne Eine russische Phantasie. Ballett des UfaPalastes am Zoo Auf der Bühne. 4 ADLONAS Trampolin- Luft- Akt Hilde Engel in ihren Tänzen Eine Tochter aus Marie Prevost gutem Hause First National- Film der Ufa Mae Mc Avoy Ronal Colman Sie brauchen nicht anzustehen! Der Vorverkauf findet auch an den Feiertagen ohne Aufschlag an den oben angegebenen Vorverkaufskassen statt. Der große Erfolg! Publikum und Presse sind begeistert von dem Ufa- Film Ein Walzertraum mit Mady Christians, Xenia Desni, Willy Fritsch Regie: Ludwig Berger An den drei Festtagen: 3,5,7,915 Uhr Ufa- Palast am Zoo Vorverkauf ab 11 Uhr ununterbrochen Teleph. Best.: Nollend. 62,1397,5280-1 die Tänzerin Neues Theater am Zoo Rose- Theater 4: Der Glöckner von Notre Dame 8 Uhr Wenn der Flieder blüht SCALA 8 Uhr: Internal. Varicié An allen 3 Feiertagen 2 Vorstellungen 3.30 zu ermäßigten Preisen. Weihnachts- Spielplan: An allen Abds. 28 3 Feiertagen: Guide Thielscher in nachm. u, nachts 14: 1211: Abschieds- Gastspiel d. berühmt Neger- RevueTruppe Chocolate Kiddies Orchester: Der wahre Jakob Sam Wooding ( Parkett... 1-2 Mk. König d. Jazzband. Park.- Faut. 3-4 Mk. 45 Orchester- Faut. 5 Mk. Mitwirk. 6 Tage! Vorverkauf ununterbrochen Circus Busch An allen 3 Festtagen: abend 26 Fret- 25. tag Uhr bei halb Pels. SonnJe Sonn- 27. tag Uhr abds. 2 Vorstellungen 7/2 ba In allen Vorstellungen: Der gr... Exotische Tierzag" Elefantenherde Zebras Kamelherde Lamas Büffel, Ceylonesel usw. Das Instige Circus- Programm auch nachmittags Nachm. Wasser- Manege- Schausick , Der Graf von Monte Christo." angektirztes Programm Erwachsene und Kinder halbe Preise. Benutzen Sie den Vorverkauf. Residenz- Th 1ägl. 8 Uhr: Die Durchgängerin Lustsp. v. L Fulda Heute u. morgen 32 Uhr( Kl. Pr.): Jugendfreunde 3.Feiert. 3%, KL.Pr Märchen- Vorstg. Schneewittchen Thalia- Th. Tägl. 8 Uhr: Annemarie Wiederauftreten Lotte Neumann Heute u. morgen 31%, Uhr( Kl. Pr): Annemarie 3.Feiert 3 KL.Pr. Märchen- Vorstg. Hänsel u. Gretel Theater in der Kommandantenst. Tägl. 8 Uhr: Die blond. Mädels An allen 3 Feiertagen nchm. 3U Kleine Preise Die blonden Mädels Theat. d. Westens Das große Operaffenbags Tägi. 8 Uhr: Das Spiel u. die Liebe Operette von Gilbert Sitze schon ab 1 Mark Th. a. Nollendorfpl An al en Feiertagen 7.Uhr Komische Oper An allen 3 Feiertagen 84 Die größte Revue der Welt: Von A bis Z Große Revue in 40 Bildern mit 300 Mitwirkenden Alle 3 Feiertage 3 Uhr: Jeder Erwachsene 1 Kind frei Halbe Preise! 12 WINTERTEN An den 3 Feiertagen A je 2 Vorstellungen 2 Nachm. 32 Uhr halbe Preise Abends Anfang 8 Uhr Gastspiel Otto Reutter im Rahmen des großen Dezember- Spielplans Rauchen gestattet Dolist Die offizielle Voller Eislaufbetrich Fran Operette von Robert Winterberg Barnowsky- Bühnen Höniggrätz.Str. 8 Uhr: Die neuen Herren 25., 26..27 nchm.33%, Kleine Preise Wie es euch gefällt. Die Tribline 8 Uhr: Die tote Tante 25,26,27.nchm.314 Kleine Preise Zurück zu Methusalem 1. Teil. Homödienhans 8 Uhr: Der dreizehnte Stuhl 25., 26,27 chm 3%, Kleine Preise ab 10 Uhr morgens 4.30 Uhr nachm. u. 10.30 Uhr abends EISBALLETT Hilda Rückert tanzt! Trabrennen Mariendorf Sonnabend, 26. Dezember vormittags 11 Uhr Reichshallen- Theater Abends& Uhr und an allen 3 Feiertagen nachm. 3 Uhr Stettiner Sänger Weihnachts- Programm! Nachm. halbe Prelse volles Programm! Kopf oder Schrift. Dönhoff- Brett's GrWeihnachistestVarieté- Programm Piccadilly Charlottenburg, Bismarckstr. 93-94 ( am Untergrundbahnhof Bismarckstraße) Ab 1. Weihnachtsfeiertag täglich: Sonn- u. Festtags: 480 645 900 Uhr Wochentags: 645 u. 900 Uhr Hanseaten Nach dem Roman von Rudolf Herzog Regie: Gerhard Lamprecht der Regisseur des Zille- Films ,, Die Verrufenen" Manuskript: L. Heilborn- Körbitz Musikalische Leitung: Hans Heinrich Dransmann National- Film A.-G., Berlin SW 48 SARRASANI am rechtzeitigen Eintreffen verhindert!- Es treten für ihn ein Zirkus Blumenfeld& Zirkus Cosmi um die angekündigte Riesen- Gala- Vorstellung doch noch durchzuführen Am 25. Dezember, abends 815 Uhr Eröffnungs- Vorstellung Am 26. und 27. Dezember Zwei Vorstellungen nachmittags 4 Uhr und 8" abends Eintrittspreise von M. 0,75 bis M. 5, Zirkus der Zehntausend in der Neuen Autohalle am Kaiserdamm. Wahalla- Theater BLOTHNER- SAAL 8 Uhr: Weinbergsweg am Rosenth. Tor 26., 26, 27 Dezember Philharmonie An allen drei Feiertagen abends& U: 3 Weihnachts- 1.2.Feiertag, 7 Uhr: Die Koblanks Nachm, 4 Uhr: Gastsp. der 23 Liputaner Schneewittchen konzerte des Berl. Sinf.- Orchest. u. die sieben Zwerge Bir.: Oskar Fried von echten Zwergen dargestellt 8 U. Theater 1. d. Lützowst.112 An allen drei Weihnachtstagen: Verlorene Mädchen Konzert d. Philharm. Orchesters Dirig. Prof. Julius Priwer Sonntag.27.Doz., 7% Uhr Wiener Abend Solist.: Margarete Witd. Philharm. Orchesters Lambinon, Zeelander, Dirig. Prof. Julias Prüwer Bernfeld Karten v. M. 1- an Berliner Volksstück Zoologisch. mit Gesang u. Tanz Nachm. 4 Uhr: Knecht Rupprecht Ausschneiden! 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