Nr. 613 42. Jahrg. Ausgabe A nr. 313 Bezugspreis: 288chentlich 70 Bfennig, monatlich B, Reichsmart voraus zahlbar. Unter Areuzband für Deutschland, Danzig, Gaar- und Memelgebiet, Defterreich, Litauen, Zuremburg 4,50 Reichsmart, für das übrige Ausland 5,50 Reichsmart pro Monat. Der Borwärts mit der Sonntags beilage Bolt und Zeit" mit„ Gied Iung und Kleingarten fomie der Beilage Unterhaltung und Biffen" und Frauenbeilage Frauenftimme erscheint wochentäglich zweimal, Sonntags und Montags einmal, Telegramm- Abrene: .Sozialdemokrat Berlin" Morgenausgabe Vorwärts Berliner Dolksblatt . 10 Pfennig Anzeigenpreise: Die einfaltige Ronpareille. seile 80 Pfennig. Reflamezeile 5.- Reichsmart. Kleine Anzeigen das fettgedruckte Bort 25 Pfennig ( auläffia awet fettgedruckte Worte. jebes weitere Wort 12 Bfennig. Stellengefuche das erite Wort 15 Bfennig, febes weitere Wort 10 Bfennig. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Borie. Arbeitsmarkt Reile 60 Pfennig.. Familienanzeigen für Abonnenten Beile 40 Tfennia. Anzeigen für die nächste Nummer milffen bis 4% Uhr nachmittags im Sauptgeschäft, Berlin SW 68, Lindenfrake 3, abgegeben werden. Geöffnet von 8% Uhr früh his 5 Uhr nachm. Zentralorgan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands Redaktion und Verlag: Berlin SW. 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Dönhoff 292-297. Mittwoch, den 30. Dezember 1925 Erklärung des Reichsaußenministers. Gegen die Lügen der Rechtspresse. Reichsaußenminifter Dr. Stresemann übersandte gestern abend dem Chefredakteur des Vorwärts" folgende Erklärung: Unter Bezugnahme auf die in der heutigen Morgenausgabe des Borwärts" an das Auswärtige Amt gerichteten Fragen ist zu erwidern, daß die dem Auswärtigen Amt bekanntgewordenen Tatfachen in der heutigen Auslassung des Auswärtigen Amts in BTB. veröffentlicht worden sind. Ueber einen Schrift der Sozialdemofratischen Partel beim Böllerbundssekretariat ist dem Auswärtigen Amt nichts bekannt. Ueber einen derartigen Schritt sind infolgedessen auch teine Informationen durch das Auswärtige Amt an die Presse gegeben worden. Nachdem die Sozialdemokratische Partei tagelang von der Rechtspresse unter Berufung auf angebliche Informationen des Auswärtigen Amts in der schmutzigsten Weise verleumdet wurde, war die Abgabe dieser Erklärung durch den verantwortlichen Leiter des Amtes eine Pflicht der Loyalität. Wir können aber mit ihrer Erfüllung die ganze Angelegenheit noch nicht als erledigt betrachten und verweisen auf unsere Ausführungen im Leitaufsatz dieser Ausgabe. Die Weltwirtschaftskonferenz. Annahmeerklärungen für die Vorbereitungskommiffion. Genf, 29. Dezember.( Eigener Drahtbericht.) Von 35 Persön lichkeiten, die zur Bildung der Kommission für die Vorbereitung der internationalen Wirtschaftskonferenz vorgesehen sind, haben bisher folgende 14 die Annahme des Auftrags erflärt: Gustav Ador, Präsident der Finanz- und Wirtschaftsorganisation des Bölkerbundes, der auch als Präsident der neuen Kommission vorgesehen ist; Leopold Dumois, Präsident des Gesamtfomitees des Bölkerbundes; Sir Hubert Llewellyn Smith( England); Albert Pirelli, Mitglied der Wirtschaftskommission des Bölkerbundes; der japanische Diplomat Sugimura, Präsident der Berkehrskommission des Völkerbundes; ferner Layton, Direktor des Londoner Economist"; Sir Arthur Balfour, Präsident der britischen Handels- und Industrievereinigung; de Fontenelle, Bizepräsident des Zentralfomitees der franzöfifchen Kohlenbergwerte; Stefani, Professor der Volkswirtschaft in Turin und gewesener italienischer Finanzminister; Belloni, italienischer Industrieller; der frühere belgische Ministerpräsident Theunis; Fr. Hodac, Generalsekretär der tschecho Slowakischen Industrievereinigung; Ander Derne, Generalsekretär der schwedischen Union der Genossenschaften und Abg. Emmy Freundlich( Soz.), Vorsitzende der Arbeitergenossenschaften in Wien. Ein Tag ohne Krise. Dauerfihung der französischen Kammer. Paris, 29. Dezember.( Eigener Drahtbericht.) Der Ministerrat hat einstimmig die finanziellen Entwürfe Doumers gutgebeißen, so daß der befürchtete Ausbruch einer zum mindesten partiellen Kabinettstrise vorläufig vermieden worden ist. Doumer ist in gewissen Punkten, wenn auch mehr der Form nach, seinen Kollegen entgegengekommen. Er hat von einer Verdoppelung der Umsatzsteuer Abstand genommen und statt dessen die Einführung eines außerordentlichen und vorübergehenden Bertaufstempels von 1,2 Proz. des Rechnungsbetrages vorge schlagen. Doumer hat aber der Sache nach an seinem ursprünglichen Standpunkt festgehalten. Das ergibt sich daraus, daß der Verkaufstempel auf faft die gleichen Operationen Anwendung finden soll wie die bestehende Umsatzsteuer und seine Höhe taum von deren Satz( 1,3 Proz.) abweicht. In einigen anderen Punkten hat Doumer seine Projekte nur leicht abgeändert. Von den Neueinnahmen mit 8,8 milliarden Franken soll der Verkaufsstempel 3,8, die Erhöhung der Tabatpreise 1 Milliarde, die Export abgabe 600 Millionen, die Verschärfung der Steuer fontrolle 300 und die Erhöhung des Börsenstempels 100 Millionen einbringen. Der Rest von 3 Milliarden soll durch die Einstellung der von Loucheur vorgenommenen Erhöhung der direkten Steuer in das Budget für 1926 geliefert werden. Diese Mittel follen zur Deckung des nach einigen Ersparnissen 4,3 Milliarden betragenden Budgetdefizits zur Rückzahlung der Vorschüsse der Bant von Frankreich und dem Staat im Betrage von 2 Milliarden und zur Tilgung der Staatsschulden im Betrage von 2,5 Milliarden verwandt werden. Der Finanzminister hat während des Ministerrats die Absicht fundgegeben, dem Parlament demnächst einen Entmurf über die Reform der diretten Steuern gemäß den bemotratischen Grundsägen zukommen zu lassen, hat aber erklärt, daß diese Reform nicht sofort ihre Wirkungen zeigen könne und infolgedessen zur Deckung des bringenden Bedarfs der Staatstaffe fein anderer Weg übrig bleibe als eine Erhöhung der in direkten Steuern, zumal die diretten Steuern seit der vor einigen Bochen erfolgten erheblichen Erhöhungen vorläufig teine Steigerung zuließen. Mehr als durch diese Gründe dürfte die bisherige Opposition innerhalb der Regierung durch die Ueberlegung gebrochen worden sein, daß es im hohen Grade unzweckmäßig wäre, eine Regierungstrise furz vor Beginn der Parlamentsferien zu provozieren, besonders da der sozialistische Parteitag, der die Frage der Beteiligung der Sozialisten an der Regierung entscheiden soll, erst am 10. Januar zusammentritt. Ministerpräsident Briand hat alle seine diplomatischen Künfte angewandt, um dem Ausbruch einer Kabinettsfrise vorzubeugen. Er hat am Montag mehrere Stunden in den Wandelgängen der Kammer und in Besprechungen mit seinen Kollegen zugebracht und, wie sich zeigt, sind seine Bemühungen nicht erfolglos geblieben. Briand hat sich infolgedessen nicht ohne Grund rühmen dürfen, daß der„ Geist von Locarno" in der Dienstagfihung des Ministerrats geherrscht habe. Ob es ihm aber gelingen wird, diesen Geist auch in die Sigungen der Finanzkommission der Kammer hineinzutragen, scheint sehr fraglich. Die Finanzkommission wird sich während der nun beginnenden Barlamentsferien mit dem Doumerschen Finanzentwurf zu befaffen haben, und angesichts der feindlichen Haltung der Linten feinen Plänen gegenüber dürfte es dabei zu heftigen Kämpfen tommen. Doch ist kaum vor dem Wiederzusammentritt des Parlaments am 13. Januar eine Entscheidung über den weiteren Verlauf der politischen Entwicklung in Frankreich zu erwarten. Die Kammer hat ihre Nachtsigung bis Dienstag mittag aus. gedehnt. Es ist nicht gelungen, die Ausgabenberatung zu Ende zu führen. Die Fortsetzung der Diskussion mußte auf Mittwoch vertagt werden. Außerdem hat die Kammer vor dem Sessionsschluß das Budgetzwölftel für Januar und einige fleinere Gefeßentwürfe zu verabschieden. Paris, 29. Dezember.( WTB.) Die Kammer hat heute nach mittag auf Antrag des Unterstaatsestretärs Ossola mit 411 gegen 29 Stimmen beschlossen, der Regierung die verlangten Kredite in Höhe von 2090 000 Franten einschließlich der Ausgaben für Truppenverlegungen und Transporte für die Levante. und Marottoarmee zu gewähren. Die polnische Agrarreform. Die mitkoalierten Sozialisten verlassen den Saal. alle 114 Berbesserungsanträge des Senats zum Agrarreformgesetz Warschau, 29. Dezember.( WTB.) Der Sejm hat gestern über abgestimmt und somit dieses wichtige Gesez endgültig verabschiedet. Allgemein fann gesagt werden, daß durch die Zusatzanträge des Genats das Gesetz etwas gemildert worden ist. Zu einem pielbemerkten Zwischenfall fam es bei der Abstimmung über einen Zufazantrag zu Artikel 50, in dem der Senat gegen die Bestimmung auftritt, daß in den Ost marten bei Barzellierungen die Zwerg wirtschaft der benachbarten Dörfer berücksichtigt werden soll. Der Sejm hat sich nun auch für diese Fassung des Antrages, der den Bolonisierungs bestrebungen zum Schaden der Utrainer und Weißrussen Tür und Tor öffnet, ausgesprochen. Die Ergebnisse dieser Teilabstimmung wurden von den Abgeordneten der slawischen Minderheiten mit Geschrei und Gesang begrüßt. Die Ver. treter der übrigen Minderheiten und der fleinen Bauernparteien verließen zum Brotest den Saal. Als dem Sprecher der Sozialde motraten, der sich dazu äußern wollte, vom Vorsitzenden das Wort entzogen wurde, verließen auch die Sozialdemokraten den Sitzungssaal, so daß die weiteren Leilabstimmungen ohne Oppofition erfolgten. Die Haltung der Sozialdemokraten, die der Regierungsbrud hinterlassen. foalition angehören, hat in politischen Kreisen großen EinUeber den Inhalt des Gesetzes gibt folgende DE.- Meldung Aufschluß: Eigentümer, die ihren Landbesig von den ehemaligen Teilungsmächten unter Vorbehalt von Vorrechten für diese erworben haben, fönnen vollständig enteignet werden, ohne daß ihnen die sonst bei der Barzellierung zu belassenen Rest güter zugebilligt werden. Eine Bevorzugung der orts angefeffenen Bevölkerung wurde abgelehnt, was lauten auch die Senatsvorschläge, welche Umfang und Tempo der GüterProtest der Ukrainer und Weißrussen hervorrief. Abgelehnt wurden aufteilung mäßigen wollten. 200000 hektar müssen jährlich parzelliert werden. Die erste Zwangsenteignungsliste wird schon im Januar veröffentlicht werden. Inflation? Warschau, 29. Dezember.( WTB.) Rzeczpospolita"( Republik) zufolge hat sich der Banknotenumlauf in Polen um 6,4 Millionen 3loty wieder erhöht. Man spricht von dem Beginn der Inflation. Bulgarien hat abgerüstet. Die Militärkommission zurückgezogen. Sofia, 29. Dezember.( Meldung der bulgarischen Telegraphenagentur.) Die Vertreter der Großmächte haben dem Ministerpräsidenten mitgeteilt, daß die Boticaftertonferena bes schlossen hat, die mit der Militärlontrolle in Bulgarien beauftragten Drgane abzuberufen, da Bulgarien alle militärischen Bestimmungen des Vertrages von Neuilly erfüllt hat. Vorwärts- Verlag 6.m.b.H., Berlin SW. 68, Lindenstr.3 Bosticheatonto: Berlin 37 536 Banktonto: Bank der Arbeiter, Angestellten und Beamten, Wallite, 65; Diskonto- Gesellschaft, Depofitentaffe Binbenstr. 3. Skandal! Die Stinkbombe unterm Weihnachtsbaum. Am Abend vor Weihnachten, als schon die Kerzen brannten-12 Stunden, bevor der Lic. D. F. Roehler in Hugenbergs Tag" über die Liebe predigte:„ Ohne Liebe kann die gottgeschaffene Welt nicht bestehen. So bestehe denn all unser Leben in Liebe" erschien die Nachtausgabe desselben Blattes mit der dreispaltigen Ueberschrift:„ Einpolitischer Standal aufgedect", worunter folgendes zu lesen stand: Ueber das Ausland wird bekannt, daß die Sozialdemokratische Partei und die Zentrumspartei durch offizielle Schreiben den Generalsekretär des Völkerbundes ersucht haben, Angehörige der Partei als Mitglieder des Völkerbundsfetretariats auszuwählen, wenn Deutschland in den Bölkerbund eingetreten ist. Beide Parteien haben je drei Vertreter namhaft gemacht. Diese Schreiben an den Generalsekretär des Völkerbundes wurden ohne Einvernehmen mit dem Auswärtigen Amt abgeschickt. Offenbar sollte der Generalsekretär des Völkerbundes die von den Parteien namhaft gemachten Vertreter seinerseits dem Auswärtigen Amt vorschlagen. Die Posten, die vom Zentrum und von der Sozialdemo= tratie in Anspruch genommen wurden, werden durchschnittlich mit 1000 bis 2000 Schweizer Franken bezahlt. Die Schreiben haben in Genf großes Aufsehen erregt, weil ein derartiger Schritt von Barteien ganz ungewöhnlich ist. Es ist inzwischen bekannt geworden, daß der Generalsekretär. des Bölkerbundes es grundsäglich abgelehnt hat, feine Mitarbeiter sich von deutschen Parteien vorschreiben zu lassen. Wahrscheinlich wird dieses Vorgehen des Zentrums und der Sozialdemokraten, noch ein parlamentarisches Nach spiel haben. Daß dieses dem publizistischen Nachtgefäß des Herrn Hugenberg entstiegene Weihnachtsmärchen erlogen war, gibt heute die Hugenberg- Bresse selbst zu. Heute schreibt sie: natürlich hätte es sich nicht um einen offiziellen Schritt gehandelt, so dumm seien die Parteien nicht, sondern um Briefe von Parteiführern an den Generalsekretär des Bölkerbundes, Sir Eric Drummond. Auch das ist, wenigstens was die Sozialdemokratie betirfft und nur für sie fönnen wir sprechen, er stunten und erlogen. Urheber dieses Hehfeldzugs ist der Pressechef des Reichsbürgerrats, Herr Dr. Krieg f. Finanzier ist der schwerindustrielle Herr Hugenberg, dessen achtzig Zeitungen nebst einigen hundert anderen von derselben Sorte seitdem fratie aus elender Futterkrippenjägerei Deutschlands Würde täglich brüllen, trompeten und posaunen, daß die Sozialdemounter die Füße getreten habe. Eine besonders schmierige Rolle spielt dabei die volksparteiliche Tägliche Rundschau", die mit Tränen im Auge versichert, fie fomme soeben aus dem Auswärtigen Amt - man soll meinen, von Stresemann- und leider, leider sei alles wahr! Daß man aus einer Mücke einen Elefanten macht, soll schon dagewesen sein. Immerhin ist dazu eine Mücke nötig. Man sucht die Mücke- sie ist nicht zu finden! Wir müssen hier eine Selbstbeschuldigung aus sprechen. Allerdings hätte sich die Sozialdemokratie darum fümmern sollen, daß die Vertretung Deutschlands beim Völkerbund in würdige Hände tommt, taß sich nicht versauerte Bureaukraten, nicht dummpfiffige Diplomaten, die den Betrug für ihr Handwerk halten, aber es nicht verstehen, in diefe wichtigen Aemter einschleichen. Gewiß hätte sie sich also um diefe Frage fümmern sollen alfo um diese Frage fümmern sollen leider hat sie es nicht getan, bis die Explosion der Kriegtschen Stinkbombe sie, weckte. Jetzt wird sie es fun! Vielleicht also ist ihre Unschuld" in dieser Angelegenheit ihre Schuld. Aber aus dem Bewußtsein dieser Unschuld heraus richtete der Vorwärts" gestern morgen an das Auswärtige Amt, auf das sich die Lügenpresse immer wieder beruft, seine bekannten trei Fragen. Was antwortete nun das Auswärtige Amt? Der deutsche Generalfonful in Genf berichtete kürzlich nicht in Beantwortung einer Anfrage des Auswärtigen Amtes, sondern auf Grund einer ihm zuteil gewordenen Mitteilung es sei ihmi von maßgebenden Seiten des Generalsekretariats des Bölkerbundes eröffnet worden, daß man dort Kenntnis davon erhalten habe, verschiedene politische Parteien in Deutschland hätten Kandidatenlisten für die deutsche Be teiligung im Getretariat aufgestellt. Diese Nachrichten haben in Genf start beunruhigt, da sie für eine unrichtige Einstellung gewisser deutscher Kreise in bezug auf die Anfiellungsfrage sprechen, die zu schwierige Lage für alle Beteiligten führen können. Ob andere Parteien solche Listen aufgestellt haben, missen mir nicht. Aber wenn es Parteien geben sollte, die das getan haben wir fönnen sie darum nicht tadeln, so befindet sich die Sozialdemokratische Partei nicht unter ihnen. Was macht die Hugenberg- Preffe daraus? Man muß es wörtlich genießen! ,, Berliner Botal- Anzeiger": Was aber diesen Fall von anderen unterscheidet, das ist, daß tatsächlich mit Herrn Stresemanns Organ zu sprechenförmliche Parteiliften Herrn Drummond eingereicht worden sind. Bom Zentrum und von der Sozialdemokratie. Selbstverständlich nicht( 1) Dom Zentrum und von der Sozialdemokratie als solchen. Wenn aber die Namen stimmen, die man sich als die der beiden Briefschreiber zuraunt, dann haben die Briefe für die beiden Barteien an nähernb bie gleiche Autorität, als wenn es sich um bei solcher Gelegenheit selbstverständlich unmögliche offizielle Bartelschritte gehandelt hätte. In parlamentarischen Kreisen besteht ber Wunsch, wenn die gedachten Herren( 1) ihr teufches Schweigen weiterhin bewahren sollten, daß dann ein Bates, den Sir Eric Drummond an verantwortliche deutsche Stellen gerichtet habe, veröffentlicht werde. Dieser Wunsch ist nur zu be greiflich, und mir fönnen ihn, vorausgesetzt, daß ein solcher Brief eriffiert, wofür sehr viel spricht, nur mit der Hinzufügung unterstüßen, daß angefichts der großen Berlogenheit, mit der in der Linkspreffe dieser Fall behandelt wird, eine solche Beröffentlichung, je eher fie täme, desto nüßlicher sein würde. Ordnungsblock in Nöten. Wechselnde Regierung in Thüringen. Aus Thüringen wird uns gefchrieben: Allgemein wird angenommen, daß nach der Ablehnung bes sozialdemokratisch kommunistischen Mißtrauenspotums gegen die thüringische Regierung eine flare politische Situation in Thüringen geschaffen werden ist. Nichts ist irriger als diese Auffassung. In informierten politischen Kreisen wertet man die letzten politischen Ereignisse mesentlich anders als es in bürgerlichen Blättern und in Reden und Erklärungen bürgerlicher Barteien im Landtag geschehen ist. So jongliert das Organ des geistigen Mittelstandes vor den erstaunten Lejern mit gedachten Herren" und Briefen, porausgefeßt, daß sie existieren", wodurch die große Bergischen Bolitit. Ihr wird man also nicht den Vorwurf machen logenheit der- Lintspreise vollkommen glaubhaft gemacht wird. Aehnlich das bewußte Nachtgefäß, tas in der Erklärung des Auswärtigen Amts entzüdt und beglüdt eine volle Be stätigung einer Lügen erblickt. Vergeblicher Ableugnungsversuch. Thüringen und der Gothaer Herzogs- Prozeß. Weimar, 29. Dezember.( Eigener Drahtbericht.) Auf die vom " Soz. Pressedienst" verbreitete Meldung, daß der thüringische Finanzminister teinen Kredit mehr für das Land Thuringen befäme, läßt der thüringische Finanzminister durch die ihm nahestehende Presse mitteilen, daß das Land Thüringen durch den Gothaer Herzog Prozeß nicht geschädigt wäre. Das widerspricht den vom Finanzminister selbst im Landtag abgegebenen Er. tlärungen. Aus Zwedmäßigkeitsgründen aber will man jetzt die Sache auf ein Gleis schieben, das der jeßigen thüringischen Regie rung nicht unbequem ist; es wird nämlich behauptet, daß das dem Herzog abzugebende Vermögen schon seit Anbeginn unter besonderer Berwaltung gestanden habe und vom Land Thüringen nicht im allanderes als ein bleugnungsversuch. Tatsächlich muß auch gemeinen Etat geführt worden wäre. Diefe Ausrede ist nichts die Mitteilung des Finanzministerums zugestehen, daß dem Gothaer Herzog nicht weniger als 18000 Heftar guter Waldbesis, der nicht weniger als 20 Millionen Goldmartwert repräsentiert, abgetreten werden muß. Produktive Erwerbslosenfürsorge. Einigung auf die preußischen Vorschläge. Wie der Soz. Breffedienst erfährt, ist damit zu rechnen, daß die vom Reichsarbeitsministerium für den 4. Januar anberaumte Ronferenz die preußischen Vorschläge auf Ermäßigung des Binsfages für die Darlehen aus der Produktiven Erwerbslosenfürsorge, auf Milderung bei der Rückerstattung der Kredite, auf Erhöhung des Gesamtbeihilfefonds usw. zustimmen wird. In Interesse der Arbeitslosen ist die Einigung zwischen Preußen grüßen. Die Erwerbslosen sind die Leibtragenden, wenn nicht bei und dem Reich in der Finanzierung der Notstandsarbeiten zu beund umfassender Notstandsarbeiten freigemacht wird. der entscheidenden Beratung der Weg für die Inangriffnahme neuer Beitritt Deuschlands zum China- Abkommen. Als die Sozialdemokratie nach der Annahme der nationalsozia liftischen mig billigungsentschließung gegen die Haltung der Regierung zu Locarno einen Mißtrauensantrag einreichte, war sie sich klar darüber, daß die in verschiedenen Richtungen zer fallenden Regierungsparteien fich sofort zusammenfinden würden, um das Mißtrauensvotum abzuwehren und eine Niederlage ber Regierung zu verhindern. In gewissen bürgerlichen Kreisen- zum Teil auch bei den Demofratenvertritt man die Auffaffung, das Mißtrauensvotum der Linten hätte die madlige Regie rungsmehrheit erst wieder zusammengeschmiedet. Die So. zialdemokratie hatte ein wesentliches Interesse an der Klar. stellung der politisch sehr unbeständigen Linie in der thürin tönnen, sie hätte die Regierungsparteien zusammengeschmiedet. Der Bürgerblod in Thüringen ift oberfaut. Wenn bekannt würde, welche langwierigen Berhandlungen die Regierungsparteien geführt haben, um ihre Regierung zu leimen und sie vor dem Sturz Einige demokratifche Blätter von gestern abend machen ein Licht aufgehen. Noch am Tage, als die Abstimmung über ben durch die eigenen Freunde zu bewahren, dann würde so manchem Andeutung darüber, daß von einem führenden Ben- Mißtrauensantrag erfolgen sollte, war eine Einigung unter den trumsabgeordneten auf Anfrage ein Brief in der Regierungsparteien nicht herbeigeführt. Während im Blenarjaale vielberedeten Angelegenheit nach Genf gerichtet worden sei und daß dieser Zentrumsabgeordnete diesen Brief zugleich auch Einmal verlangten die Bölkischen Busanen in bezug auf die Erfüllung die Redner der Parteien sprachen, verhandelte man noch eifrig. loyalermeife dem Auswärtigen Amt zur Kenntnis ge- ihrer Wünsche, zum anderen aber fonnte man fich nicht über den bracht habe. Ist das richtig, so verstehen wir das Schweigen der ihrer Wünsche, zum anderen aber fonnte man sich nicht über den Zentrumspresse nicht. Desto besser verstehen wir etwas anderes. Wortlaut der von den Regierungsparteien abzugebenden Erflärung Das Zentrum wegen jenes angeblichen Schritts hatte eine Erklärung formuliert, die mit ihrem letzten Sage der zum Mißtrauensantrag einigen. Der Bolts parteiler Bauer allein anzugreife, n war für die Rechtspresse tat Regierung das Bertrauen aussprechen sollte. Datisch unerwünscht. Also log man die Sozialdemo- gegen wandten sich die Deutschnationalen und der Landbund mit tratie dazu und richtete dann den Hauptangriff gegen fie. bem Einwand, man fönne ber Regierung nicht das Bertrauen ausDenn alles Uebel kommit ja von der Sozialdemokratie, sie zu sprechen, nachdem man ihr vor wenigen Tagen eine Mißbilli bespelen, herunterzureißen, zu verleumden und zu verdächtigen, ist das Geschäft, das von der Schwerindufirie bezahlt wird. gung wegen ihrer Haltung zu Locarno ausgesprochen hätte. Auch Ohne die Sozialdemokratie war die ganze Geschichte die Böllischen beider Richtungen waren mit aller Entschiedenheit gegen die Formattierung, daß der Regierung das Bertrauen aus. nicht aufzuziehen. Also log man sie dazu. gesprochen würde. Nach längerem Hin und Her einigte man fich auf einen Sag, wie er am Schlusse der Erklärung im Blemim verlesen wurde, in dem gefagt wird, man merbe der Regierung das mis trauen nicht aussprechen damit sagte man also, daß man der Regierung das Bertranen nicht ausipreden molle. Und was schließlich am Anfange der Ertlärung über die Erfüllung des Regierungsprogramms stand, war nichts weiter als eine Berlegenheit. Tatsächlich waren die Völkischen gegen die Feststellung, die Regierung hätte im Sinne ihrer Regierungserklärung gehandelt, die Regierung hätte im Sinne ihrer Regierungserflärung gehandelt, fießen sich aber bereben und murden dafür wieder freundlich in ben Kreis der Regierungsflügen aufgenommen. Die Unstimmigkeiten Kreis der Regierungsflügen aufgenommen. Die Unstimmigkeiten find aber feinesfalls überbrüdt. Der Führer der völkischen Frattion, Abg. Bölfow, steht heute noch auf dem Standpuntt, daß Miniſter Bentheußer nicht der Mann ist, völkische Interessen zu vertreten; man werbe auf seinen Rüdtritt meiter bestehen müssen. Bor.berbandes der Deutschen Industrie Geheimrat Prof. läufig aber sehe man von der Anwendung parlamentarischer Mittel gegen den Minister ab, weil man glaube, bie volfischen Forderungen auch so durchsetzen zu können; schlimmstenfalls aber merde man sich dazu entschließen, ihn zu stürzen, wenn er auf ihr Geheiß nicht gehen wolle. Es bleibt noch zu unterfuchen, welche Rolle in dieser nieberträchtigen Angelegenheit das Auswärtige Amt spielt. Und da ist klar, daß diefer ganze Lügenstandal nicht möglich gewesen wäre ohne Unterstützung durch Organe des Auswärtigen Amts. Oder gibt es für das Berhalten ber Täglichen Rundschau" eine andere Erklärung? Organe des Auswärtigen Amts haben an diesem Lügen felbzug gegen die Sozialdemokratie oftin mitgewirft. Sie festzustellen und unschädlich zu machen, ist die Aufgabe des Reichsaußenministers. Der Reichsaußenminister Dr. Stresemann hat durch eine Erklärung, die er gestern in später Abendstunde dem Chefredakteur des„ Vorwärts überfandte, den Fehler gutzu machen versucht, den fein Amt begangen hat. Wir geben uns nicht der Hoffmmg hin, daß die Rechtspresse um ihretwillen das Handmert aufgeben wird, von dem sie sich nährt. Um fo mehr ist es Pflicht des Ministers, für Reinigung wenigstens fomeit zu forgen, wie sein Besen reicht. Dem Herrn Lic. D. F. Roehler empfehlen wir für feine Neujahrspredigt bei Hugenberg das Thema:„ Du sollst nicht falfa 3eugnis ablegen wider deinen Nächsten!" Dabei wäre die Frage zu untersuchen, was im Grunde schändlicher ist: die völlischen Mörderzentralen oder die beutschnationalen Berleumderzentralen Julius Hübner und die Romantiker. Zur Ausstellung in der Nationalgalerie. Die Nationalgalerie hat in feths Kabinetten des obersten Ge fchoffes einen großen Teil des Lebenswertes von Julius Hübner ausgestellt und mit dieser schönen posthumen Ehrung nicht nur auf einen halb vergessenen Berliner Künstler, sondern nachdrücklich auch auf seinen Zusammenhang mit der Nazarener. tunst und auf diese Maler der deutschen Romantikerzeit überhaupt hingewiesen. Es verlohnt sich darum wieder einmal, hinaufzufteigen zu dem obersten Stodwert der Nationalgalerie, mo die feinen beutschen Meister aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts in ausgezeichneten Beispielen vertreten find. Denn es verhält sich so, daß wir heute diesen unscheinbaren Bildern und Zeichnungen aus der Beit vor hundert Jahren näher stehen, als den größeren, meisterhafteren der nachfolgenden rea listischen und impressionistischen Jahrzehnte. Unfere heutige Runft fann auch dem Widerstrebenden den Blick öffnen für ihre Schöne heiten. Hat der sogenannte Expreffionismus uns bereitgemacht, das Gefühlswesen jener fernen Urgroßväterzeit besser zu ver Itehen, so weift die Genauigkeit und Blidfchärfe in den Bildern der neuesten Beriften"( Dig, George Groß, Kanoldt, Davringhausen) uns auf die vorzüglichste tünstlerische Tugend jener Romantifer: die Bestimmtheit und Sorgfalt der Zeichnung, die flare Leuchtkraft ihrer Lofalfarben. " Da hängen in den oberen Sälen und Gängen Bilder der fogenannten Nazarener, die diesen ihren Spottnamen zu einem Ehren namen gemacht haben. Die berühmten Gresten der Casa Bartholdi" in Rom sind hierher übertragen: das erste und Hauptwert der Lutasbrüder" von 1816, mit bem sie, die Cornelius, Over bed, Beit, Wilhelm Schabom ihren Ruhm begründet haben. Da fleht man Bildnisse und Beichnungen des Hamburgers Basmann, der in seiner beschaulich stillen Art schon zur biedermeierlichen Feinmalerei neigt, bezaubernd in der Einfalt des Mensch lichen, in der himmlischen Durchsichtigkeit der Farben. Landschaften von Ferd. Olivier führen den Blick in die Ferne, da die Herr lichkeit der Alpenlandschaft diejen deutschen Schönheitssuchern wieder aufging, wie fie einst den Dürer, Altdorfer, Breughel aufgegangen war. Seine und seines Schülers Julius Schnorro. Carols. feld Bilder enthalten das nazarenische Element der Sachlichkeit und anigften Naturliebe, der das Rieinste nicht unwichtig erscheint, am reinsten. Morigo. Schwind ging mehr auf den großen Nature eindrud aus und auf die Romanfit des Märchens, im Alltag wie in der Sage von ihm gleichmäßig entdeckt, und brachte in munder. vollem Rhythmus der Linien, bei Berzicht auf leuchtende Farben pracht, das musikalische Element der deutschen Romantik zum Klingen. Diesen Meistern reihte sich einftmals auch Julius Hübner als echte Nazarenernatur an. 1806 in Dels geboren, fam er schon mit 15 Jahren auf die Berliner Akademie und schloß fich bald eng an Wilhelm Schadow an, dem er auch 1826 nach Düsseldorf folgte. Sein weiteres Leben intereffiert nicht so sehr wie die Tatsache, die aus ben dargebotenen Bildern und Zeichnungen flar hervorgeht: daß seine glücklichste und fruchtbarste Zeit in die Jugendjahre bis Im übrigen stehen die beiden völkischen Fraktionen sich noch imer feindlich gegenüber; jede von ihnen macht selbständige Politit". Eine Richtung fucht die andere in bezug auf Attivität zu über flügeln. Eine Folge des deutsch- chinesischen Vertrages. Auf Einladung des Präsidenten Coolidge ift die beutsche Regierung vorbehaltlich der Ratifikation durch die verfassungs. mäßigen Stellen dem Washingtoner Bertrag vom 6. Fe bruar 1922 beigetreten, in welchem die Alliierten die Grundfäge ihrer Politit gegenüber China festlegten. In dem Bertrag verpflichten sich die Mächte, die Unabhängigkeit und unversehrtheit Chinas zu achten und allen Nationen das Recht der offenen Tür auzuerkennen, also Beseitigung aller Monopole und Borrechte für irgendeine Nation, teine unterschiedliche Behandlung der Bertreter und Baren der am Bertrag beteiligten Nationen auf den chinesischen Bahnen und dergleichen. Nach dem Artitel 8 sollen die am Bertrag noch nicht beteiligten Staaten zum Beitritt eingeladen werden, fo bald sie mit China in einem vertraglichen Verhältnis stehen. Deutschland hat die im Washingtoner Bertrag ausgesprochenen Grundsäge bereits in feinem 1921 mit China abgeschlossenen Vertrag anerkannt. Der deutsch chinesische Bertrag enthält u. a. auch die Klausel der Reift begünstigung, wodurch Deutschland ohne weiteres die anderen Staaten gewährten Bergünstigungen zufallen. Der Reichspräfident empfing gestern als Abordnung des Reichs. Dr. C. Duisberg, Frowein, Straemer, Funde, Gebeimrat Dr. Clair mont, Moras, Kommerzienrat Dr. Reusch, Geheimrat b. Borsig. Geheimrat Kafil und Dr. Gerle und nahm von ihnen Berichte über die Notlage ber Industrie entgegen. Polizeioberst von Bronn, Leiter der Schuspolizeigruppe Eüb, hört die Auguftanerfaserne, auf deren Gebiet Sigt v. Armin ist auf seinen Wunsch verabschiedet worden. Zur Gruppe Süd gee feine bekannte Staiser- Rede gehalten hat. Herr v. Bronn ter damals einer von denen, die von den skandalösen Borgängen nichts gemerkt haben. Geltungsdauer der Verordnung über die Ausfuhr von Kunstwerfen vom 11. Dezember 1919 bis zum 31. Dezember 1927 verlängert wird. Nach wie vor ist es also verboten, die in das Berzeichnis der national wertvollen Kunstwerte eingetragenen Gegenstände in das Ausland oder in das befehte Reichsgebiet ohne Genehmigung auszuführen, und bleibt jede Zuwiderhandlung gegen die bestehenden Bestim mungen ftrafbar. Ueber die Genehmigung zur Ausfuhr entscheidet fortab der Reichsminister des Innern. 1830 fällt. Damals war er einer der talentvollsten und hoffnungswerten vom 21. Dezember 1925 veröffentlicht, durch welches die reichsten Maler Deutschlands. Mit 20 Jahren malte er nicht nur feine schönsten Bilder, wie Boas und Ruth und den Fischer Inaben, sondern zeichnete auch seine schmungvollsten Entwürfe, seine lieblichsten Bildnisse. Es steht nun nicht etwa so, daß er später versagt habe. Bilder wie das„ Goldene Zeitalter von 1845 mit feinen vollkommenen und überaus anmutenden Knabenatten, Bildnisse wie das seines Töchterchens( 1834) gehören unstreitig in eine Reihe mit den schönen Jugendbildnissen. Aber die Fülle der Ge fichte und die Großheit der Handschrift fonzentrieren sich doch im wesentlichen auf die zwanziger Jahre, die überhaupt eine der glüd. lichsten Schaffenszeiten deutscher Kunst bedeuten. Und dieses Schid. sal ist typisch für jene Generation, die eine Uuslefe von Jünglingen war und nicht recht zu männlicher Reife gebiehen ist. Viele der Besten, ja wohl eigentlich die Wertvollsten starben in allzu jungem Alter, wie Runge, R. Phil. Fohr, Franz Pfarr, Horny und Erhard. Die anderen, und zu ihnen zählt auch Julius Hübner, ließen nach dem ersten genialen Anfturm bald nach; die Akademie verdarb ihre Form, die nüchterne Zeit der Realtion um 1830 lähmte die Schwingen ihrer Bhantafie. Uns aber ist aus jener Blütezeit der Romantit das Bert ihrer Jugend geblieben, das anbetungswürdig ist und bleiben wird als Dokument bes echten deutschen Idealismus. Dr. Paul F. Schmidt Anton Herrnfeld beschwört um Intimen Theater in der Bülowstraße die Geifter feiner Familie. Er spielt in einer dreiaftigen Komödie Familie mod, als deren Verfasser er selber zeichnet, eine der beiden Hauptrollen. Die andere gibt Ferdinand Grüneder. Mit diesen beiden ist leider erschöpft, was das Ensemble heute an Persönlichkeiten birgt, und die Erinnerung an die alte Herrnfeld- Bühne stimmt étmas wehmütig. In der Familie Schmod" handelt es sich um einen illegitimen Säugling, der Heirats. pläne zu zerstören droht. Das unglückliche Kind erscheint überall, wo man es nicht haben möchte, und sein Ursprung setzt mehrere Familien in Bewegung. Schließlich bekennt sich aber der wirtliche Bater, der Diener Hirschl( von Anton Herrnfeld töftlich cholerisch gemimt) zu feinem Erzeugnis. Das ganze ift spaßhaft und gutes Theater, folange Herinfeld und Grüneder die Szenen beherrschen. Ein dritter wäre auch noch zu nennen: Marimilian Wolff, der einen jüdischen Großvater noch etwas unsicher zwar, aber mit unverkennbarem Gestaltungstalent auf die Bühne stellte. Ileber das andere sei wohltätig der Mantel des Schweigens gebreitet. R. Die neue Theaterzeifung Die Bolfsbühne ist erschienen. Aus Heinrich Mann Beit und Dichtung, Heinrich Neft Berliner bem reichen Inhalt der ersten Nummer heben wir besonders hervor: Theaterbankrott"," Ernst Toller in England, F. Gémier Franzöfische, Boltsvorstellungen sowie zahlreiche tulturpolitische Berichte über das deutsche und internationale Theater, Boltsbühnen bewegung, Glossen. Die zweite Nummer wird u a. einen unveröffentlichten Beitrag von Bernard Sham Erziehung zur Kunſt bringen. Abonnements bei Bostbezug zu dem sehr billigen Preise von 1 M. vierteljährlich sind sehr zu empfehlen. Die Verordnung über die Ausfuhr von Kunstwerten. In Nr. 35 des Reichsgefehblattes wird das Gefeß über die Ausfuhr von Runft Sichtbare Funkwellen. Bei der Jahresversammlung des Carnegie- Instituts in New Dort wurde die Mitteilung gemacht, daß die funfentelegraphischen Wellen sichtbar zu machen seien. Man hat Verfuche mit einem besonderen Apparat unternommen, burch die es möglich war, die Wellen wahrzunehmen, als der Funkturm des Instituts Nachrichten ausfandte und empfing. Ob fich daraus un mittelbar prafiifche Folgerungen für das Funtwefen ergeben werden, muß einstweilen dahingestellt bleiben. Wölfe und Wildeber in Italien. Infolge der bitteren Kälte und der schweren Schneefälle, die in Italien herrschen, find zahlreiche Wölfe und milde Eber aus den Bergen in die Ebene gefommen und erfchreden die Landbewohner in verschiedenen Teilen der Julia Benetia. Eine Nacht hindurch belagerten Mölfe die Eisenbahnstation von Brestane Mattogna in der Nähe von Triest; die Beamten ver barritadierten bie Zugänge und verteidigten fich fo gut fie fonnten, bis die Wölfe bei Eintritt der Helligkeit sich verzogen. Zu San Pietro del Carso wurden zwei riesige Bildeber getötet. In Umbrien be unruhigen die Wölfe die ländlichen Gebiete, und von verschiedenen Gemeinden ist eine Schußprämie von 400 Lire für jeden erlegten Wolf ausgefekt worden. Bressedienst dem Preußischen Haushaltsentwurf für 1926 entnimmt, betragen Die Universitäten im preußischen Efat. Bie der Amtliche Brenzijde bie laufenden Zufüsse für die preußischen Universitäten im fommenden Etatsjahr rund 31, Millionen M.( gegenüber 27, Millionen im Vorjahr). Gegenüber dem Haushalt des Borjahres ergibt sich hiernach für das Rechnungsjahr 1926 ein Mebrbetrag für die Univerfitaten von rund 4 Millionen M. Der Zuschuß für das Charitéfrantenbaus in Berlin beträgt rund 2 Millionen M., ferner fommen noch verschiedene Ausgaben für die Universitäten in Höhe von ungefähr 7 Millionen M. Hinzu, so daß die laufenden Ausgaben im Haushaltsentwurf mit etwas über 41 in. M. veranschlagt werden. Die Neue Kunsthandlung, Lauenhienstraße 6, seigt bom 1, bis 31. Januar eine Rollellivausstellung des Malers Ernst Frits fowie Blaffiken von Herbert Garbe. anstaltet am 1. Januar in Blütenerlaal, abends 8 Uhr. einen Jobann Das Berliner Sinfonie- Orchester unter Leitung von Dslar Fried ver Strauß- Abend. Die Soliftin des Abends, Ciba 2an, fingt bie Balzer schöner Mai" und Frühlingsſtimmen". findet am 9. Januar im 300 ftatt. iustunft: Luzon 44 43. Der Große Sturmball( Kostümfeft) der Gesellschaft der Sturmfreunde italienischen Regierung zum Zwecke der Erhaltung des Grabes August Plateus Grab. Auf einen Schritt, den bie Blaten- Gesellschaft bei ber bon Blatens in Syrafus tat, bat ber Ministerpräsident Mussolini in einem Schreiben an den Präsidenten der Gesellschaft, Hans von Hülſen, mitgeteilt, daß er Anweisung zur Restaurierung der Grabftätte dieses Dichters geben werde, deffen Rame in Italien unvergessen sei. Deutschnationale Heuchelei. Elsah- Lothringen in ,, vertraulichen" Presseinformationen München, 29. Dezember.( Eigener Drahtbericht.) Es dürfte nicht ohne erhebliches Interesse sein, zu erfahren, welche Auffassung die deutschnationale Parteileitung über Elsaß- Lothringen im Zusammenhang mit dem Locarno- Bertrag zu einer Zeit vertraulich verbreitet hot, als die deutschnationalen Mitglieder des Reichstabinetts, noch durchaus die Politit Luthers und Stresemanns Reichskabinetts, noch durchaus die Politik Luthers und Stresemanns in dieser Frage billigten und die Partei selbst noch nicht in die Oppp. fition gegen diese Bolttif gegangen war. In einer vertrau lichen Breffeinformation nom 3. August 1925, die auch an die Münchener Parteileitung der Deutschnationalen gefandt murbe, und aus der die Münchener Post" nunmehr Einzelheiten mitzuteilen in der Lage ist, heißt es: a Soziale Bewegungen 1925. Ein Jahr des Stillstands und Rückschritts. bau und in der Schwerindustrie führten zu Feieriichten, Kurzarbeit und Entlassungen, und diese Bewegung verstartte fich gegen Ende des Jahres immer mehr. Die Zahl der Bollerwerbslosen, die von nahezu 600 000 im Januar auf 195 000 am 1. Juni zurücgegangen war, betrug im Dezember wieder mehr als 600 000. Der faijonmäßige Ausfall von Arbeitsgelegenheiten perschärft diese Entwicklung. Dazu ist bei dem Die Reinigungstrife, als notwendige Folge der Inflation, hat| zuerst im Rheinland und in Westfalen. Die Krise im Bergauch der sozialen Bewegung Deutschlands im Jahre 1925 den Stempel aufgedrickt. Es galt zu verhindern, daß die notwendige Umstellung der Wirtschaft allein auf Kosten der Arbeitnehmer por genommen wurde. Bei der Steuerpolitif, der Aufwertungsgejeg gebung, bei der Boll und Handelspolitik mußte die Arbeilerschaft ihre Kräfte für die Abwehr der ungleichen Baftenverteilung ein feßen. Die foziale Bemegung war daher eng verknüpft mit der wirtschaftlichen und der politischen Bewegung. Was zunächst die Löhne anbelangt, so hintten fie feit der Währungsstabilisierung noch hinter der Preissteigerung her. Be sonders da die Steigerung ber Agrarpreise und der Mieten für die breiten Mallen die Möglichkeit, ihre Bedürfnisse zu befriedigen, einschränfte, mußten größere Lohnbewegungen eingeleitet werden, die im allgemeinen zu Erhöhungen der Löhne faft völligen Erlahmen der sozialpolitischen Tätigkeit noch immer nicht das Gesetz über die Arbeitslojen perfice= rung verabschiedet worden. Berbesserungen, welche bei der Erwerbslosenunterstützung durchgesetzt werden konnten, heben die Notwendigkeit eines Arbeitslosenversicherungsgefeßes nicht auf. An neuen Bestimmungen über die Sozialversicherung find meiter zu erwähnen die Neuregelung der Unfallversicherung( diese tritt jezt auch bei gewerblichen Berufskrankheiten ein), die Erhöhung der Säße der Invalidenversicherung bei gleichzeitiger Erhöhung der Beiträge, der Entwurf einer Novelle zum Reichstnappschaftsgeseh, nach welchem der Fehlbetrag in der Knappschaftsfrantenversicherung ausgeglichen werden soll durch Verminderung ber Leistungen der Bensionsversicherung. Bor allem ist auf dem Gebiet der Sozialversicherung der Kampf um die Angestellten persicherung zu erwähnen: Nachdem im März die Leistungen der Angestelltenversicherung teilweise erhöht worden waren, wurde einige Monate später eine Novelle angenommen, welche die Leistungen, aber auch die Beiträge um ein Drittel erhöhte und die umstritten sind die Forderungen der Vereinheitlichung der KrantenBerficherungspflichtgrenze auf 6000 RM. herauffeẞzte. Noch sehr versicherung und die Gefeßentwürfe über die Arbeitsgerichte, über den endgültigen Reichswirtschaftsrat und der Entwurf eines Arbeitsvertragsgefeßes. Im Wohnungsmesen hat das vergangene Jahr feine wesentliche Besserung gebracht. Da die Mietabgaben nicht poll für Wohnungsbauten verwendet werden, ift die Bautätigkeit Kreis der Bedürftigen, deren Forderungen aufgewertet werden sollen, fehr gering geblieben. Die Aufmertungsgefege haben ben viel zu eng gefaßt. So blieben wichtige sozialpolitische Forde rungen unerfüllt, in allererster Linie die Ratifitation des ashingtoner Abkommens über die Arbeitszeit und die Berabschiedung eines Arbeitszeitgesetzes. Um die Preisgabe Elfaß- Lothringens handelt es fich bei dem Sicherheitspaft gar nicht. Ein Sicherheitsvertrag würde ein Staatsvertrag auf ewig fein, d. h. er bleibt in Kraft, folange nicht der Staatszwed verlangt, ihn zu fündigen oder zu ändern oder solange fein Teil die Macht zu einer solchen Aenderung befißt. Jeder Staatsvertrag enthält also die selbstverständliche Reservatio mentalis: folange es mir nichts schadet oder ich nichts Befferes haben fann. Durch solchen Staatsvertrag werden in führten. So waren besonders von Erfolg begleitet die Lohnfämpfe diesem Falle die Grenzen garantiert werden, also auch der Bauarbeiter, welche Lohnerhöhungen bis zu 34 Proz die des entwaffneten Deutschlands, das felber nicht erzielten und am Schluß des Jahres auch die Beibehaltung der angreifen tann, gegenüber Frankreich. Eine Aenderung der fran- Säße während der Bintermonate durchfezen fonnten, und auch der zöfifchen Grenzen durch Ereignisse innerhalb des französischen 11 Bochen währende Streit der Schriftgießer, der eine zehn Staatsgebietes, 3. B. eine Revolution oder eine erfolgreiche, auf prozentige Lohnsteigerung brachte. Die meisten Lohntonflikte wurden das Selbstbestimmungsrecht der Völker sich stützende Aufono. aber durch kompromisse beendet, welche teilweise unmiebewegung Elsaß Sothringens würde unter genügende Lohnerhöhungen vorsahen, zumal da die Schlich folchen Staatsvertrag nicht fallen. Deutschland fann niemals tungsausschüsse unter Hinweis auf die Preisabbaualtion der verpflichtet sein, Eljaß- Lothringen gegen dessen Willen bei Frant- Regierung vielfach die Lohnforderungen drosselten. reich festzuhalten." So schlossen die Lohntämpfe im Bergbau, in der Rheinisch- WestEs wird dann auf die gegenwärtig in Elsaß- Lothringen be- und hannoverschen Metallindustrie, in der bayerischen, Es wird dann auf die gegenwärtig in Effaß- Lothringen befälischer Schwerindustrie, in der bergischen, mitteldeutschen stehenden drei Bestrebungen hingewiesen: Autonomie mit Anschluß fächsischen und hannoverschen Textilindustrie und andere nur an Deutschland, Autonomie innerhalb Frankreichs, und mit Teilerfolgen ab. Dagegen fonnten die Gemeinde und selbständige Autonomie außerhalb Frankreichs und Deutschlands, die Reichsarbeiter und auch die Arbeiter der chemischen b. h. Elsaß den Elsässern! Hierbei wird zugegeben, daß die Industrie Mittel- und Süddeutschlands feine nennenswerten Bewegung für eine Autonomie mit Anschluß an Deutsch Lohnerhöhungen erreichen. In vielen Fällen fonnten die Konflikte Lanb gegenwärtig ganz schwach und wenig entwid werden. Im Durchschnitt jedoch stiegen die nominaltarif nur durch Verbindlichkeitserklärung von Schiedssprüchen beigelegt lungsfähig ist, die Bewegung auf völlige Autonomie die stärkste ft undenlöhne bei den gelernten Arbeitern von 77,0 auf fei, nur dürften wir Deutsche feinesfalls diese Autonomie als deutsche 92,2 Bfennig, d. h. um 20 Broz, bei den ungelernten von 54,9 auf Forderung aufstellen, sonst werde auch sie von Frankreich gewaltsam 64,5 Pfennig, d. h. um 17% Bros.; jedoch weisen einzelne Arbeitererstickt und außerdem würden die führenden Beute dieser Bemegung gruppen, 3, B. die Bergarbeiter, geringere Lohn selbst mißtrauisch gegen Deutschland gemacht. steigerungen auf. Gegen Ende des Jahres mehren fich infolge fung der Löhne, während die Arbeiter wegen der bevorstehenden spielte im vergangenen Jahr auch in den Arbeitsfämpfen eine der rückläufigen Konjunthurbewegung die Bestrebungen zur Sen Mieteniteigerung( bis April nächsten Jahres soll die Friedensmiete menngleich gegenüber dem Vorjahre geringere Rolle, so in ben erreicht fein) Lohnsteigerungen anstreben müssen. Ueber- Ronflitten im Bergbau, in der Schwerindustrie, in der Glasindustrie, haupt feine wesentliche Erhöhung ihrer Bezüge tonnten die Beim Bau- und Berkehrsgewerbe. Seit 1. April ist für die Hüttenamten des Reiches, der Reichsbahn und Reichspo ft, der arbeiter der Achtstundentag in Kraft. Jedoch wurde diese Verord Banken und des Versicherungsgewerbes erzielen. Ihre nung teilweise von den Unternehmern zu fabotieren versucht, teilForderungen wurden mit dem Hinweis auf die eingeleitete Preis- weise durch Ausnahmebestimungen durchlöchert, so besonders für die abbauaktion abgewiesen, deren Scheitern die Notwendigkeit der Er. oberschlesischen Hochofenwerte und Kofereien. Auch gelang es vorhöhung der Gehälter aufs neue in den Bordergrund schiebt. Neben erst noch nicht, für die Glasofenarbeiter der Weißglasindustrie den dem Steigen der Löhne ging aber auch ein fast ununterbrochenes Achtstundentag zu erlangen. Anwachsen der Benn die Deutschnationalen nach diesem vertraulichen Geständnis von damals es heute magen, gegen den Bertrag non Locarno zu heben, so gehört dazu ein ungewöhnliches Maß don Unehrlichkeit und Berlogenheit, wie es mir die Deutfcnatio. nalen aufzubringen vermögen. Auch daß die deutschnattonale Barfelleitung ihre Geständnisse über den Sicherheitspatt und Elsa fothringen als fir eng vertraulich erklärte, ist bezeichnend. In der Information heißt es ausbrüdlich:„ Wir schreiben das mit der ausdrücklichen Bitte, diesen ganzen Abschnitt über Elsaß- Cothringen überhaupt nicht und in feiner Form in die Preffe zu bringen." Diese Borsicht war zwar sehr flug gebacht, aber nicht ausreichend, um die Blamage der Mampisten vollständig werden zu lassen. Ergebnis der Edener Spende. Bisher 1, Millionen. Nur Kleine Beträge. Stuttgart, 29. Dezember.( MTB.) Heute abend fand hier zur Entgegennahme des vorläufigen Ergebniffes der Zeppelin- Spende eine Sigung statt, an der auch Dr. Edener teilnahm. Der Borsigende der Sammlung für Württemberg teifte mit, daß dort bisher 188 088,36 D. eingegangen find, und daß zweifellos 200 000 m. erreicht werden, da noch das Ergebnis in verschiedenen Gemeinden cussteht. Die Untoften hätten nur 2,8 Proz. betragen. Dr. Edener schilderte die Schmierigteiten, die der Sammlung begegnen. Die Sammlung sei in Deutschland troßbem feineswegs mißlungen, da bisher et ma 1½ millionen aufgebracht worden seien aus nur fleinen Beträgen, bie großen fehlten faft ganz und wegen der schwierigen Wirtschaftslage die Samm Tungstätigteit in der Rheinproving Westfalen, Hannover, Medlenburg, Hamburg, Bagern( mit Ausnahme von München), Thüringen und der Provinz Sachsen noch nicht auf. genommen worden sei. Auf jeden Fall würde nach Neujahr mit dem Bau der Gondeln, Maschinen und Anschlußstücken, die für jeden Typ gleich feien, begonnen werden. 9 Roffen der Lebenshaltung द einher. Während der Inbeg im Februar 1925 auf 135,6 ftanb, erhöhte er sich bis Auguft auf 145,0, b. b. um 7 Broz, und zeigte dann mur einen geringen Rüdgang bis auf 141,4 im November, jo daß von Februar bis November eine Steigerung von mehr als 4 Broz. bestehen blieb. Dabei blieben zwar die Befleidungs tosten ziemlich stabil, aber die Ernährungstoften stiegen um etma 3½ Broz, und die Mietspreise zeigten die gewaltige Erhöhung von 24½ Broz. Diese Steigerung der Lebenshaltungsfoften trifft die breiten Massen deshalb um so mehr, weil sie zu fammenfällt mit einer Verschlechterung des Beschäftigungsgrades. Bunächst nämlich zeigte der Arbeitsmartt bis Mitte des Jahres im allgemeinen Berbesserungen: im Januar tamen auf 100 offene Stellen noch 403 mänliche Arbeitsuchende, im Juni nu: no 190. Eine langsame Konjunkturbelebung, verstärkt durch das faisonmäßige Anschwellen des Bedarfs an Arbeitskräften in der Landwirtschaft und den Außengewerben zeitigte diese Entwicklung. Mitte des Jahres jedoch tam diese Bewegung zu einem Stillstand, Faschisten als Falschmünzer. Die in Holland verhafteten Horthy- Leute. Der edlen madjarischen Junkertaste hat man ebensowenig wie ihren Klassengenossen anderswo jemals Opferwilligkeit für ihre eigensten Interessen, fomit auch für ihr Herrschaftsinstrument, den Staat, nachsagen fönnen. So hat dieses Ordnungs- Ungarn, als die demokratische Republik dank dem Verzweiflungssprung vor dem Ententeterror in den Rätewahn erledigt war, die Kosten seiner irredentistischen Wiedergewinnungspropaganda in der Slowakei au nicht geringem Teil durch hohe Erpressungen on flowa fischen Juden gewonnen, die zu Geschäftszweden nach Budapest gefommen waren, dort aber verhaftet und geschäzet wurden. Als aber die slowakischen Juden daraufhin ihrem alten ungarischen Baterland" untreu wurden und nicht mehr hingingen, entschloß man fich sozusagen zur„ direkten Aktion" und gewann in dem Univer. Auch aus der vorliegenden Meldung geht far hervor, wie unberechtigt die Vormürfe der Täglichen Rundschau" und der Telegraphen Union gegen die preußische Regierung find. Edener selbst hat sich die Vorwürfe dieser Organe, die sich einen offiziösen Anstrich gaben, nicht zu eigen gemacht. Im Gegenteil, er bestätigt, daß in weiten Teilen Breußens die Sammlung in Fluß gekommen ist, während man in reaktionären Ländern, wie Mecklen burg, Thüringen und Bayern, noch nicht einmal beginnen tonnie. Aber man wird wahrscheinlich vergebens auf eine Korrektur warten. Die verleumderische Absicht der gegen die preußische Regierung ge- litätsprofessor Dr. Julius Meszaros, dem Kustos des richteten Meldung war von vornherein so durchsichtig, daß nur Bös milligkeit fie nicht erkennen fonnte. Heeresreform in Italien. Dienstzeit zukünftig sechs Monate. Rom, 29. Dezember.( WTB) Nach einer Mitteilung der Tribuna" wird der ministerrat sich mit der munmehr fertiggestellten Heeresreform befassen, die von den Blänen des früheren Kriegsministers Giorgio wesentlicht abweicht. Die Heeresftärte werde gegenüber der starten Verminderung dieser Pläne eine geringere Erhöhung erfahren. Das Charakteristikum der Reform werde die Einführung der dreigestaffelten Division sein. Die Zahl der Divisionen soll 30 betragen; doch soll jede Division um ein Regiment verringert sein. Troß der Verminderung der Regimentszahl werbe der Stand an Regimentern nicht derart herabgesett fein, wie in den früheren Plänen. Die mindest dauer des intendienstes werde nicht drei Monate betragen, wie das Projekt Giorgios vorfehe, fondern sechs Monate. In folge der Einführung der neuen Divisionsorganisation werde die Brigadeformation aufgehoben, die von geringem strategischen Werte fei. Die Kraft der Infanterieeinheit werde hauptsächlich durch die allgemeine Durchführung der Einheits bataillone gehoben werden, die mit Maschinengemehren und Schüßengrabentanonen ausgerüstet seien. Ebenso werde die Feuerstärke der Ravallerie und der Bergfagtterte be deutend erhöht. Der Rattonalmiliz sollen bestimmte Aufgaben im Frieden, wie in der Mobilisierungsperiode zugewiesen werden. Die Eisenbahnituppen und die Postmiliz hätten den Zwed, die Sicherheit aufrecht zu erhalten und unter allen Umständen zu gewährleisten. Die Arbeitszelffrage Die Gewerkschaftsbewegung. welche nach leberwindung der Inflationsschäden wieder im Erstarfen begriffen ist, stand in diesem Jahre im Zeichen der Vereinheit. lichungsbestrebungen. Eine große Anzahl von bemarlens. werten Zusammenschlüssen sind erfolgt, durch welche die Schlagkraft der gemertschaftlichen Aktionen erhöht werden soll: der Deutsche Eisenbahnerverband vereinigte sich mit der Reichsgemerfschaft der deutschen Eisenbahnbeamten, die Deutsche Poftgewerkschaft gliederte fich die Abteilungen Bost und Telegraphie des Berkehrsbundes an, die Arbeiterunion, Gruppe Bergbau, ist in dem Alten Bergarbeiterverband aufgegangen, der Verkehrsbund und der Berband der Gemeinde und Staatsarbeiter schlossen mit dem Einheitsverband der Eisenbahner einen Bertrag zur gegenseitigen Unterstützung. Auf dem Gewerkschaftstongreß in Breslau stand im Vordergrund die Frage der Vereinheitlichung der Bewegung unter dem Schlagwort: Be rufsverband oder Industrie verband. Sie wurde durch ein Kompromiß gelöft, nach welchem von zwangsmäßiger Schaffung der Industrieverbände abgesehen werden soll. leber die jetzt in Holland aufgedeckten Bantnotenfälschungen lefen wir in Wiener Linksblättern: „ Die Fälschungen der Tausendfranknoten reichen schon zwei Jahre zurück. Die Sache ist in Budapest aufgekommen, als trotz einer Die Polizei wollte einfach nichts finden, weil sie nichts finden polizeilichen Anzeige und Untersuchung fich fein Ergebnis zeigte. durfte. Die ungarische Zeitung Bilag" veranstaltete nun auf eigene Faust eine Untersuchung und teilte die Ergebnisse der Bolizet mit. Aus ihnen ging hervor, daß Dr. Josef Pazurit, ein hoher Beamter im ungarischen Innenministerium, sich um die Berbreitung der Fälschungen persönlich bemühte, wobei er sich auf den Auftrag einer fehr hochgestellten Persönlichkeit berief. Dr. Pazurit ist seither aus Budapest verschwunden. Die geheime irredentistische Zentrale bildete zwei öffentliche Ber einigungen. Die eine nannte fich A Cel, das heißt zu beutsch: Der 3 med. Obmann ist der Bischof Prohazta. Sein Sefretär war der gewejene Innenminister Michael Dömötör. Die zweite Vereinigung nannte sich: Ungarische Ras tionalvereinigung. Ihr Obmann mar Baron Siegmund ungarischen Nationalmuseums, 1921 den Mann, der im Auftrag der Berenyi, der unter Tisza Staatssekretär gewesen war. Eine ungarischen Regierung falsche tschechische Bantnoten zu ihrer Untervereinigungen war die slomattsche Unterabteilung. 500 Kronen herstellte, die so vorzüglich gelungen waren, daß die Ihr Führer war niemand anders als jener von Ratoffti, der Fachleute behaupteten, sie müßten in der Bubapefter Staatsheute in Ungarn Innenminister ist. bruderei hergestellt worden sein. Meszaros murde wegen der Ausgabe dieser Fälschungen zusammen mit einem gewissen Györffy in Wien verhaftet, faß hier ein Jahr lang in Untersuchungshaft und wurde auf Einschreiten der ungarischen Regierung freigelaffen. Der freigelassene Banknotenfälscher wurde in Budapest fofort wieder Universitätsprofeffor und Leiter des ungarischen Nationalmuseums, eine Beschäftigung, die hauptsächlich darin bestand, das falsche Geld weiter zu vertreiben. Er soll auch an der Herstellung jener Millionen fran zösischer Franknoten beteiligt fein, wegen deren Besitz und ver suchter Berbreitung in Holland brei prominente Ungarn in Haft fizen: der tgl." Generalstabsoberst I a ntomitsch, der ebenso„ tgl. Hauptmann Marschovsky und ein Georg Mantowitsch. Jankowitsch ist der Schwager des ungarischen Kriegsministers Graf Gjaty. Marschovszky war bis zum Schluß Sefretär des Faschistenhäuptlings Abg. Gömbös. Der dritte gehört zu den Kreisen der Erwachenden". Es ist ein fleiner Nebenumstand, daß fie vom Ertrag des Geldes sechs Zehntel na dh lngarn abliefern müssen, vier 3ehntel aber behalten dürfen, zu Propaganda" zieden, selbstverständlich ohne Berrechnung. Diefelbe Einteilung des Erlöses der Falschmünzerei ist auch schon Borschrift" gewesen, als 1921, zur Zeit der polnisch- tschechischen Spannung, mit polnischer Duldung und Förderung in Stratau ein tschechenfeindliches Slowatenzentrum gefchaffen und sogar eine florafische Legion aufgestellt wurde, die im Kriegsfall bie Slowakei mit ungarischem Beistand von der Tschechoslowakei losreißen und an Ungarn zurücbringen sollte. Dafür wurden die Noten des Meszaros permendet Der Häuptling der Geldbeschaffer war jener Bazurit dem Minister Katofffy eine ministerielle Uebersetzungszentrale" in flowakischen Angelegenheiten unterstellte, deren wahren Zwed man fich denten tann. Bur Abrundung dieses Bildes fei nur noch wiedergegeben, daß diefer Bazurit vor dem Krieg ungarischer Spizel in der Slowakei, im Krieg Hochverratsriecher im Grenzdienst, nach dem Zusammenbruch radikalster Kommunist, dann tschechoslowakischer Gesandtschaftsbeamter in Budapest war. In dieser Eigenschaft hat er jeden Ungarn, der sich einen tschechischen Baß erbat, um den HorthyHenkern zu entfliehen, diesen angezeigt, so daß die Armen an der Grenze abgefangen und erledigt wurden. Die Tschechen warfen den Baderen hinaus und sogleich war er„ fgl." ungarischer Beaniter. Die Klischees der Franknoten wurden in München hergestellt wofür sich also auch die deutsche Bolizei zu interessieren hätte. Ende 1922, Anfang 1923 wurden die ersten falschen Franknoten in Umlauf gefeßt. Drei Jahre lang laufen die falschen Noten um, fett drei Jahren werben 60 Broz. des Erlöses nach Ungarn gelidt und tommen 40 Broz. den Bertreibern zugute, seit drei Jahren wird mit dem Gewinn falschen Geldes„ echier Patriotismus gefüttert, wird versucht, aus dem Sohn des Milche meiers Friedrich einen König zu machen, schmiert man fran 3ösische Zeitungen in Genf und in Paris, damit sie nichts bringen, um den Frant nicht zu schädigen. Und alles geschieht unter der Leitung eines föniglichen" Ministers, der einen Eid auf alle möglichen Geseze geschworen hat. Natürlich find Pazurit und Meszaros aus Budapest verschmunden. Gewerkschaftsbewegung Der Schiedsspruch im Reichsbahnkonflikt. Ein Pfennig Lohnerhöhung. Die unter dem Vorsitz des Staatssekretärs a. D. Rüdlin tagende Schlichtungsstelle fällte gestern in dem Cohn- und Tarifftreit zwischen der Deutschen Reichsbahngesellschaft und den Tarifgewerkschaften folgenden Spruch: Der§ 4 des Lohntarifvertrages in der Faffung vom 11. Juli 1924 fritt mit den aus diesem Schiedsspruch sich ergebenden Aenderungen mit Wirkung vom 1. Januar 1926 ab wieder in Kraft. Die während der Zeit der nichtgeltung des§ 4 von der Deutschen Reichsbahngesellschaft angeordneten Aenderungen der Grundlöhne und der Ortslohnzulagen gelten als tarifliche Regelung. Mit Wirkung vom 1. Januar 1926 ab werden die Grundlöhne in sämtlichen Cohngebieten und Ortsklaffen für alle Arbeiter nach dem 24. Lebensjahre in den Cohngruppen I bis Vumeinen Pfennig, in den Lohngruppen VI und VII um zwei Pfennig erhöht. Die Bestimmungen des§ 6 Ziffer 6 und§ 7 3iffer 3 des Lohnfarifvertrages fallen mit Wirkung vom 1. Januar 1926 ab fort. Die Hauptverwaltung erklärt sich bereit, im Benehmen mit den Bertragsparteien die Ortslohnzulagen gemäß§ 5 Ziffer 1 des Lohntarifvertrages nach zu prüfen und, wenn erforderlich, mit Wirkung ab 1. Januar 1926 neu festzusetzen. Die Anträge der Organisationen find der Hauptverwaltung bis zum 15. Januar 1926 einzureichen. Obige Cohnregelung fann frühestens zum 30. April 1926 gefündigt werden. Erklärungsfrist 12. Januar 1926, mittags 12 Uhr, beim Reichsarbeitsministerium. gez. Rudlin." Inwieweit die Drohung des Berwaltungsrats der Reichsbahngesellschaft, die Tarife zu erhöhen und die sächlichen( nicht etwa die überflüssigen persönlich en) Ausgaben unter Raubbau an den eigenen Bahnanlagen" noch weiter einzuschränken, falls sie zu einer Lohnerhöhung gezwungen würde, diesen Schiedsspruch von vornherein beeinflußt hat, sei dahingestellt. Was bietet der Schiedsspruch den Eisenbahnern? Die jungen, noch nicht 24 Jahre alten Arbeiter erhalten nicht einmal die Pfennigzulage, die den älteren Arbeitern in den Lohngruppen I bis V zugestanden wurde. Lohngruppen VI und VII sollen um zwei Pfennige aufgebessert werden. Wie hoch überdies die Bereitwilligkeit der Hauptverwaltung zu bewerten ist, die Ortslohnzulagen nachzuprüfen und menn erforderlich(! das beftimmt[ ie) neu festzufeßen, ist sehr zweifelhaft. nicht derart unterschätzen, als seien Sie einfältig genug, threr Em| Steglth, sterfelbe, Bilmersdorf, Schöneberg, Charlottenburg, pörung über diesen Schiedsspruch samt allen übrigen Provokationen Köpenid, Lichtenberg und Bantom. In allen Bezirfen mit Ausjegt in einem allgemeinen Streit Luft zu machen. Will sie den nahme von Lichterfelde galt die freigemertschaftliche Streit für die Zukunft vermeiden, dann muß sie ihre Lohn Liste als gemählt, da nur diese Liste eingereicht wurde. Bei der politit einer gründlichen Revision unterziehen, anstatt Wahl in Lichterfelde errang eine farblose Liste einige Ausdie Streitgefahr mit aller Gewalt heraufzubeschwören. schußsize. Sprunghafte Steigerung des Arbeitslosenelends. Amtlich wird mitgeteilt: In der Zeit vom 1. bis 15. Dezember 1925 ist die Zahl der Hauptunterstügungsempfänger in der Erwerbslosenfürsorge von 673 315 auf 1057 031, das heißt um rund 57 Proz. gestiegen. Jm einzelnen hat sich die Zahl der männlichen Hauptunterstützungsempfänger von 613 712 auf 964 012 und die der weiblichen Hauptunterstüßungsempfänger von 59 603 auf 93 019 erhöht. Diese Steigerung wurde nicht un erheblich durch die Einstellung der Arbeit in den Außenberufen her vorgerufen, die alljährlich um diese Zeit die Zahl der unterstüßten Erwerbslosen in die Höhe treibt. Auch ist zu berücksichtigen, daß die Unternehmer verschiedentlich gerade am Ende des Jahres ihre Betriebe nur für einige Wochen stillgelegt und ihre Arbeiter während dieser 3eit, beurlaubt haben. Diese Feststellungen ändern nichts an dem Ernst der Lage, der aus den Arbeitslosenziffern spricht. Ueber die Entwicklung auf dem Arbeitsmarft seit dem 1. Juli, wo die Arbeitslosenziffer 1925 ihren günstigsten Stand erreicht hatte, geben mir folgende Uebersicht: Die Zahl der unterstüßten Erwerbslosen betrug 15. August 1. September 1. Juli 1924 426 420 1925 195 099 15. Juli 465 260 198 022 1. Auguft 526 181 197 248 566 957 209 675 588 485 230 727 574 424 251 580 513 496 266 078 15. Ditober 472 116 298 872 • 1. November 15. November 1. Dezember 435 321 363 919 . 426 836 436 607 458 129 471 383 673 315 1 057 081 15. September. 1. Oftober 15. Dezember Dazu muß berücksichtigt werden: Das Reichsarbeitsministerium gibt für den 15. Dezember 1924 bei 458 129 Hauptunterſtügungsempfängern 606042 3uschlagsempfänger( Familien angehörige) an. Man darf also annehmen, daß die Zahl der Zuschlags empfänger am 15. Dezember 1925 auf weit über eine Million gestiegen ist. Damit wären über zwei Millionen Menschen in Deutschland auf Unterstügung angewie sen. Hinzu kommt die Zahl der Kurzarbeiter, die ebenfalls augenblicklich auf rund eine Million geschätzt werden kann. Beranschlagt man die Familienangehörigen der Kurzarbeiter ebenfalls mit einer Million, so ergibt sich, daß weit über vier millionen Menschen in Deutschland ohne Arbeitsverdienst bzw. auf den färglichen Ertrag der Kurzarbeit angewiesen sind. Die Wirt schaftspolitik unseres Unternehmertums und der deutschnational verLuther- Regierung macht sich verdammt übel bezahlt. Der Schiedsspruch erscheint als ein Produkt der Verlegenheit, in die die Notlage der Eisenbahner auf der einen, noch mehr aber die arbeiterfeindliche Stellungnahme der Reichsbahngesellschaft den Schlichter gebracht haben, einer Verlegenheit, aus der dieser Konfeuchten junttur Schiedsspruch einen Ausweg zu bilden schien. Wir müssen der Schlichtungsstelle zugute halten, daß fie teineswegs die Absicht hatte, die Eisenbahnarbeiter zu verhöhnen, vielmehr versucht hat, ihnen irgend etwas zu bieten soweit es die Berwaltung der Reichsbahngesellschaft zu erlauben schien. Allein es ist gar zu wenig, wenig mehr als nichts, was man den Eisenbahnern bieten zu fönnen glaubt. Ohne der Stellungnahme der Reichsbahnarbeiter und ihren Drganisationen irgendwie vorgreifen zu wollen, tann behauptet werden, daß dieser Schiedsspruch sie nicht befriedigen fann, da er ihrer Notlage nicht abhilft. Ein wöchentliches Mehreinkommen von nicht ganz 50 Pfennigen bringt höchstens ihre Frauen in Verlegenheit, in welcher Weise fie fortab ihren Speisezettel ergänzen können. Zu einer Fleischzulage reicht's nicht, vielleicht zu einem Brot mehr in der Woche, wozu dann aber der Aufstrich fehlt. Nachträglich ersehen wir aus der MTB.- Fassung des Schiedsspruches, daß was aus unserem Tegt nicht deutlich hervorgeht obendrein noch die bisher in Krankheitsfällen gezahlten fozialen Zulagen vom 1. Januar an wegfallen sollen, Das macht diesen üblen Schiedsspruch noch unangenehmer. Hätte die Reichsbahngesellschaft sich nicht unrettbar in ihre Lohnscheu verwickelt, die sie zu den gewagtesten Experimenten treibt, den Schmaroßerzulagen auf der einen, den fieberhaften und nicht minder fostspieligen Streifabwehrmaßnahmen auf der anderen Seite, wäre die Verwaltung statt dessen ihrer Verantwortung bewußt für die Hebung der Arbeitsfreudigkeit im Interesse der öffentlichen Sicher heit, dann müßte man erwarten, daß sie über diesen lendenlahmen fläglichen Schiedsspruch hinaus eine vernünftigere Lohn regelung trifft. Ihre Gewissensverfassung würde sie dann der Sorge um Streitabmehr entheben. Sie darf ihre Arbeiter Die Berliner Ortskrankenkassenwahlen. den Das Intereffe für Krantentaffenwahlen ist in der Arbeiterschaft leider nicht in dem Maße vorhanden, wie bei politischen Wahlen. Solange nur freigewerkschaftliche Listen eingereicht werden, wie das diesmal geschah, mag das noch hingehen. Erscheinen aber die gegnerischen Organisationen wieder auf dem Plan, dann muß die organisierte Arbeiterschaft. freigewerkschaftlich organisierte Krankenkassenwahlen die größte Aufmerksamkeit schenken. In den Gewerkschaften und in der Partei wachen die Mitglieder mit Recht darüber, daß ihre Gelder auch die richtige Verwendung finden; aber über die Verwendung der Krankenkassenbeiträge, die die Arbeiter zu zahlen haben, darüber machen sich die wenigsten Sorge. Wie wäre es denn sonst möglich, daß im Stadtgebiet Berlin rund 300 Kranfenfaffen Betriebs= vorhanden find, darunter Innungs- und tranfenfaffen- oder besser gesagt Käßchen die ein Schattendasein führen und nur wenige Mitglieder haben. Daß von einer Leistungsfähigkeit bei ihnen nicht die Rede sein tann, liegt auf der Hand. An der gewerkschaftlich organisierten Arbeiterschaft liegt es, diefer 3ersplitterung auf dem Gebiete des Krantentassenwesens ein Ende zu machen. Betriebs, Innungs- und Ersatz- Krankentassen müffen verschwinden, damit durch Schaffung großer Krantentassen durch möglichst niedrige Beiträge die höchsten Leistungen erzielt werden können. Personaländerung im Berliner Arbeitersekretariat. Einen schweren Berluft erleidet das Berliner Arbeitersekretariat. Am 1. Januar verläßt Genosse Lint das Arbeitersekretariat, um sich dem Bauarbeiterschuß als Sekretär zu widmen. Genosse Lint verwaltete in aufopferungsvoller Weise das Berliner Arbeitersekretariat seit seiner Gründung, an der er selbst an erster Stelle teilgenommen hat. Lint war somit seit 26 Jahren in angespannter Arbeit vom frühen Morgen bis spät in die Nacht im Dienste der organisierten Arbeiterschaft tätig. Mit dem Dank an Link verbindet sich das Bedauern, ihn aus seinem Amt scheiden zu sehen. Der Nachfolger Lints ist Genosse 3ippel, bisher Vorsitzender der Unterfommission Charlottenburg und Mitglied der engeren Ortsverwaltung Berlin des Deutschen Metallarbeiterverbandes. Achtung, Buchdrucker und Buchdrudereihilfsarbeiter! Die Differenzen bei der Firma Hermann Spieter u. Ro., Dresdener Straße 50/51, find Dienstag vormittag durch das Entgegenkommen des Geschäftsinhabers während der persönlichen Verhandlung mit den Organisationsvertretern beigelegt worden. Buchdrucker! Die heute abend stattfindende Generalversammlung wird zum Lohnabkommen und zu den Verhandlungen über den Manteltarif Stellung nehmen. Darüber hinaus dürften aller Voraussicht nach Fragen aufgeworfen werden, die zu Entscheidungen zwingen und das Erscheinen aller Delegierten und der Betriebsfunktionäre, die auf dem Boden der Amster damer Gewerkschaftsrichtung stehen, erfordern. Kollegen, laßt Euch nicht durch den ungünstigen Termin der Bersammlung von dem Besuch abhalten. Unsere Freunde von links würden einen schwachen Bersammlungsbesuch in ihrem Sinne ausnügen. Alle Anzeichen sprechen dafür. Die Mitglieder des Fraktionsvorstandes treffen sich eine halbe Stunde vor Beginn der Bersammlung im Nebensaal. Der Fraktionsvorstand. Achtung, Metallarbeiter 2. Bezirk( Often)! Mittwoch nachym. 5 Uhr bei Rofin, Gubener Str. 19, wichtige Bersammlung aller SPD.- Metallarbeiter. Jeder muß erscheinen. Parteiausweis legitimiert. Der Fraktionsvorstand. Bei den meisten der im Stadtgebiet Berlin liegenden 19 Allgemeinen Ortsfrankenkassen ist die Mandatsdauer der Ausschuß- und Borstandsmitglieder mit dem 31. Dezember abgelaufen. Die Neu= wahlen, die sich deshalb im Laufe des Spätjahres notwendig machten, find fast durchweg ohne eigentlichen Wahlkampf verlaufen, d. h., da nur eine Lifte eingereicht wurde, brauchte eine Wahl nicht stattzufinden. Sogar bei der größten der Berliner Krankenfaffen, der über 500 000 Mitglieder zählenden Allgemeinen Orts trantentasse der Stadt Berlin, ging die Ausschuß- und Borstandswahl ohne Wahltampf vorüber. Durch eine Verständigung zwischen den freien und christlichen Gewerkschaften wurden zu beiden Organen je zwei Listen eingereicht, die zusammen nur soviel Namen enthielten als Bewerber zu wählen find. Damit wurde eine Wahl vermieden und in der Deffentlichkeit ging dieser Att geräuschlos vorüber. Der Ausschuß der Allgemeinen Ortsfrankenkasse der Stadt Berlin setzt sich danach zusammen aus 54 freigewertschaftlichen und sechs christlichen Berfichertenvertretern, der Vorstand aus 13 freigemertschaft. lichen und einem christlichen Versichertenvertreter. Auf Vorschlag i Sanyar, wieder auf. Sprechstunden ab Januar 1928: täglich von 10 Uhr des Ortsausschusses Berlin des Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbundes und des Ortstartells Berlin des Allgemeinen freien Angestelltenbundes wurden in den Borstand gewählt als Vertreter der Versicherten: Bublib, Oppel. Siegle, Nürnberg, Utheß, Hugo Cohn, Oltersdorf, Kaschewsti, Doriz, Reimann, Jakobeit, Bendig und Hetzschold. Ortsfrankentassenwahlen den Außenbezirten der Stadt Berlin haben stattgefunden in Tempelhof, Mariendorf, Achtung, SVD.- Fleischer! Mittwoch abend 7½ Uhr bei Nöring, Reue Friedrichstr. 1, Jehr wichtige Berfammlung aller SPD.- Genoffen. Erscheinen alter Genoffen ist Bflicht. Zutritt nur gegen Bartelausweis. Der Fraktionsvorstand. Butab, Ortsverwaltung Berlin. Die Geschäftsstelle bleibt Freitag, 1. Januar, und Sonnabend, 2. Januar, geschloffen und nimmt ihre Tätigteit Montag, Dormittags bis 2 Uhr nachmittags, Sonnabends von 10 bis 12 Uhr; außerdem Montags und Freitags von 4 Uhr nachmittags bis 7 Uhr abends. Berband der Gemeinde- unb Staatsarbeiter. Beute, Mittwoch, abend 7 Uhr in Böters Festfälen, Weberstr. 31, Bollversammlung aller in den städtischen Gas- und Waffermerken, beschäftigten Arbeiter. Berantwortlich filr Bolitit: Ernst Reuter; Wirtschaft: Artur Saternus; Gewerkschaftsbewegung: 3. Steiner; Feuilleton: K. S. Döscher; Lokales und Sonstiges: Frig Karstäbt; Anzeigen: h. Glode; sämtlich in Berlin. Verlag: Borwärts- Berlag G. m. 5. S., Berlin. Drud: Borwärts- Buchdruckeret und Berlaasan italt Bout Singer u. Co. Berlin G 68 Lindenstraße 3. Sierzu 2 Beilagen und Unterhaltung und Wiffen". A.Wertheim Silvester- Scherzartikel Leipziger Str. Königstraße Zur Bowle Rosenthaler Str. Moritzplatz Preise für Flasche einschließlich Steuer ohne Glas Edel- Apfelwein dormild Bor 67P wein Rotwein San- Antonio krager span. 120 1922 Ingelheimerlebl.rhein.170 Rotwein 1924 Wollsteiner Rhein- 85 Pf. 1924 Gumbsheimer Fruchtschaumwein Neuberg Rheinwein 1 M 145 vorzügl. Qual, mit Flasche 1922 Remicher Goldbg. pikanter Tischmosel 115 A. W. Spezial- Cuvée 420 1924 Nitteler Leiterchen 120 Riesling spripig. 1922 Kirchheimer Rotwein 105 mild Punsch u. Schlummer-, Arrak- und Rum- Punsch 30 Vol.% 410 Düsseldorfer Burgund.u. Schlummer- Punsch 550 dito Rum-, Arrakund Ananas- Punsch 750 Kalte Hering- Salat.... Pfund 1 M Italienischer Salat Pfund 140 Lachs- Mayonnaise Pfund 340 Hummer- Mayonnaise Pid. 540 guter Tafelsekt, Plaschengar. Johannisbeer-, Stachelbeer-, Heidelbeer- u.Kirschwein 110 feine kräftige Qualitäten Spirituosen Jamaica- Rum- Verschnitt, * 40 Vol.% 330 Batavia- Arrak- Verschn, 40 Vol.% 4M Original- Rum, Origin.- Arrak Sämtliche Spirituosen auch in halben Flaschen erhältlich Küche Kronen- Hummern/ Dos. Dos. nurScherenu.Schwänze 450 9M Remouladen- Mayonnais.- 160 Kaviar Astrachan- Beluga 750 großes Korn, 1 Plund Frisches Fleisch Kalbskamm u. Brust Kalbsrücken ... Pfund 76 Pf. Pfund 80 Pf. Kalbskeule sans and geteilt..... Pfund 85 Pl. Schweinebauch und Rücken, mit Bellage 115 Schweineschinken u. Blatt and 120 Liesen.... Kaßler Rippspeer. Plund 110 Plund 130 Pfund la Gefrierfleisch Brand 58 Pf. Brust Wild u. Geflügel gestrelit a. aus Frische Hasen worden, Pid. Wildschwein- Blätter.... Wildschwein- Keulen.. Fasanen- Hähne 110 120 Pfund 110 Pfund 130 . Stück 475 Im Erfrischungsraum am Silvester: Feine Pfannkuchen mit verschiedenen Füllungen, Dutzend Neujahrs- Karten Fische 165 Sprotten Karpfen 135 bis 165 lebende, Plund 44 Kiste ca. 1 Pld. 45 PL, Pid. 4 PI. Schellfische Pid. 22 PL Schellfisch 38 PL Rotbarse ohne Kopf 33 PL Pfund Zander.... Pfund 95PL. Plund Fettbücklinge 58. Flundern Ahlbecker 55 PL Plund Obst u. Südfrüchte Pfund Kiste Plund Apfelsinen Ded. 80, 60, 35 PL Tafeläpfel Booskoop u. Mandarinen rote Rostocker, Pfund 24Pt. 28 25 Stck. 125 Ital. Feigen.... Plund 24 Pt. Zitronen..... Dupend 35 Pf. Weintrauben ( Almeria) 48 PL. Frische Ananas Pid. 95 PL Traubenrosinen, Krachmandeln Tilsiter Käse 115 Limburger Alger 65 PL Tafelbutter Pfund Paket 88 Pl. 92 Pl. Teebutter and 98 PL Paket Dän. Butter Plund 195 vollfett, Plund Plund Gouda dänischer, Pfund 76 Pt. Schweizer feiner, an. 150 Plund Abt. Frische Blumen( Leipziger Str.) Neujahrs- Spenden in großer Auswahl Nr. 613 ♦ 42.Iahrgang 1. Seilage ües vorwärts Mittrvoch, 36. dezember 162S Rheinftäöte in Hochwassergefahr. Köln, Bonn und Koblenz in Gefahr.— Der Rhein steigt weiter.— Hochwasser in aller Welt. Zu wenige« Tagen hat sich das Hochwasser in Süd- und Westdeutschland zu einer Gesahr ersten Ranges entwickelt. Reben dem Rheinland ist vor allem Süddeutsch- laud von dem Hochwasser heimgesucht, weil sich hier die p l ö tz- liche Schneeschmelze der Mittelgebirge besonder» aus- wirkt. In den Alpen ist am Dienstag der Aöhn ausgetreten. der die Schneemassea rasch zu Wasser werden läht. Der Rheinwächst ebenso wie seine Rebeaflüsse von Stunde zu Stunde. Lei Karlsruhe und Mannheim hat er am Dienstag mittag die ungewöhnliche höhe von nahezu siebea Metern erreicht. Weite Gebiete in Laden und in Bayern stehen unter wasier, auch zahlreiche Brücken sind ein Opser her Fluten geworden. Am Mittel- und Riederrhein sind die am Fluh gelegenen Stadtteilevieler Städteuater Wasser geseht. Auch im Moseltal. so vor allem in Trier, ist das Wasser in zahlreiche Häuser eingedrungea. Viele Ort- schafteu sind vollständig vom Wasser umgeben; der Verkehr muh mit Kähnen ousrechterhalten werden. Im einzelnen liegen aus den gefährdeten Gebieten folgend« Meldungen vor: Köln. 29. Dezember. Im Lauf« des heutigen, vormittags ist das Hochwasser mif dem Rhein weiter sehr erheblich gestiegen, nach- dem in der vergangenen Nacht am Oberrhein das Wasier nicht weiter zugenommen hatte. Von zehn Uhr vormittags ab machte sich wieder ein starkes Ansteigen des Wasserspiegels bemerkbar, da die Rebenslüsie des Oberrheins wieder gewaltige Wassermengen heran- führten. Der Neckar Hot bereits die ganze Vorstadt von Mannheim unter wasier gesetzt und steigt weiter an. Auch die Mosel ist schon teilweise über die Ufer getreten. Nachdem im Laufe des gestrigen Nachmittags das Wasier schnell gestiegen war, war heute nacht ein Rückgang zu verzeichnen. Bon sieben Uhr vormittags an haben sich jedoch die Wasiennengen wieder erheblich vergrößert. Von der Saar werden ebenfalls große lleberschwemmungen gemeldet, sodaß teilweise der Eisenbahnverkehr gestört ist. In Merzig liegen der Stadtpark und der Viehmarkt unter Wasier. Bei Koblenz steigt der Rhein stündlich um vier Zentimeter. Besonders ungünstige Meldungen liegen vom NiederrKein vor. Bei Bonn ist der Fluß in den Morgenstunden über die User getreten und hat bereits einige Stadtteile überschwemmt. Der Verkehr zwischen den am Ufer ge- legcnen Häusern wird mit Kähnen aufrechterhalten. Da das Wasier schnell steigt, befürchtet man weitere Uebcrschwemmungsschäden. Auch Köln ist bereits sehr in Mitleidenschaft gezogen. Der Rhein ist über die Ufer getreten, sodaß das Wasier die Keller der am Ufer gelegenen Häufer gefüllt hat. Die Bewohner der anliegenden Straßen sind bemüht, die Kelle? und Erdgeschosse zu räumen, ehe das Wasier bei chnen eindringt. Der Wasserspiegel steigt hier stündlich um sechs Zentimeter. Auch Duisburg wird vom Hochwasser bedroht, das stündlich um acht Zentimeter steigt. Köln. 29. Dezember.(Mtb.) Der Wasserstand des Rheins betrug heute nachmittag 4 Uhr 7,13 Meter. Der verkehr der Straßenbahn mußte bereits umgeleitet werden, da da, Rheinwerk überslutet ist. Die Einstellung des Betriebes der Rheinuferbahn ist für heute abend zu erwarten. Frankfurt a. M.. 29. Dezember. MTB.) Der Wasserstand des Mains zeigte heute vormittag 6 Uhr am hiesigen Pegel eine Höhe von 3,68 Meter. Dos Wasier steigt stündlich um etwa 6 Zenti- meter Vom oberen Main wird gleichfalls starkes Steigen der Wassermassen gemeldet. Von den Neben'lüssen des Main haben Nidda und Kinzig ihren Höchststand erreicht. Bei beiden ist ein gewisser Stillstand eingetreten. Di- Niedeningen sind weilen- weit überschwemmt. Auch die Gerssprenz führt gewaltige Wassermasien aus dem Odenwald mit sich. Weste Strecken des Acker- landes stehen tief unter Wasier. Mannheim. 29. Dezember.(Mtb.) Der Rhein erreichte hier heut« abend einen Stand von 7,16 Meter. Die Reiß-Insel und die Weg« im Waldpark sind zum größten Teil überschwemmt. Der Neckar zeigte heute abend 7,60 Meter Höhe. Das Vorland des Neckars steht an beiden Flußufern bis zumDammfuß unter Wasier. Der Fluß steigt noch immer weiter. Heidelberg. 29. Dezember.(Mtb.) Die Fluten des Neckars sind noch weiter gestiegen; der Heidelberger Pegelstand erreichte 4,59. Vom Oberlauf des Neckars wird noch ein weiteres Steigen ge- meldet. In der Altstadt ist in den tiefer gelegenen Häusern das Wasser bereits in die unteren Stockwerke ein- gedrungen. Gestern nacht ereignete sich auf der Zi e g e l h a u s e n e r Landstraße bei Heidelberg ein schweres Unglück. Der praktische Arzt Dr. Vogel fuhr mit seiner Frau in einem Auto nach Ziegel- hausen. Das Hochwasser des Neckars hatte die Straß« bereits über- schwemmt, so daß das Auto in die Fluten geriet. Während sich Dr. Vogel retten konnte, versank das Auto mit der Frau und dem Führer. Beide sind ertrunken. Die Leichen und das Auto konnten noch nicht geborgen werden. Menschenopfer in Ungarn. Am schwersten betroffen ist das ungarische Grenz- gebiet gegen Rumänien, wo die Theiß und ihr« Neben- flüsie weite Strecken des Landes völlig unter Wasier gesetzt haben. Hier sind rund 200 000 Hektar Laud überschwemmt. 14 Ortschaften gelten als völlig vernichtet, wobei über 100 Menschen da» Leben eingebüßt haben sollen. Das Wasier steht teilweise so hoch, daß nur noch die Kronen der Bäum? und die Giebel der Dächer heraus- ragen. Am schwersten heimgesucht ist das fruchtbare Komitot Vekes an der ungarisch-nimänischen Grenze. Hier haben die Wasiennengen aus den Bergen Siebenbürgens alles zerstört. Hunderte von Häusern find unter der Wucht de» Wasser, zusammengestürzt. Tausende von Rindern und Pferden in den Fluten umgekommen. Die Dahnoerbindungen von Ungarn nach Rumänien sind völlig unterbunden, ebenso der Telephon- und Telegraph« nverk ehr gestört. Der Sachschaden ist einstweilen noch nicht zu übersehen, wird sich aber auf viele Millionen Kronen belaufen. Die Hochwasierkatastrophe im Bekiser Komitat nimmt immer größere Dimensionen an. Bisher sind bereits 160 000 Morgen überschwemmt. In einem Teile des Kemitats drohen die großen Dämme in einer Länge von 30 Kilometern einzustürzen. Di« gesamte Bevölkerung arbeitet daran, diese Katastrophe hint- anzuhalten. In diesem Komitat haben die Ueberschweinmungen bisher ein Todesopfer gefordert. In Siebenbürgen wurden weitere Gemeinden unter Wasier gesetzt. Hier sind zahl- reiche Menschenopfer zu beklagen. Der Schaden ist unge- heuer. In einem einzigen Orte wurden 50 Häuser von den Fluten fortgerissen. Warschau, 29. Dezember.(TU.) Die Rebenslüsie der Weichsel führen durch die Schneeschmelze große Wasiennengen der Weichsel zu, so daß lleberschwemmungen zu befürchten sind. Es sind überall Borkehrungen getroffen, um Hochwasierfchäden nach Möglichkeit zu vermeiden. fluch Hochwasser in England. London. 29. Dezember.(WTB.) Der in den letzten Tagen fast ununterbrochen niedergegangene Regen und das Tauwetter haben zu Hochwasser einer Reih« von Flüssen an der Grenz« von Wales und in Mittelengland und zu Ueberfchwem- m u n g e n geführt. Di« tiefliegenden Wiesen am Dee, Severn und Wye stehen unter Wasier. Der Severn war gestern etwa drei Meter und der Avon etwa zwei Meter über den normalen Stand gestiegen. In Leicestershire sind mehrer« Dörfer durch die Ueberfchwem- mung von der Außenwest fast abgeschnitten. An den Küsten war die Schiffahrt im Lause des gestrigen Tages durch das ungünstige Wetter stark behindert. Sturmkakaslrophe an der eslländischen Küste. In ganz Estland herrschten in den letzten Tagen st a r k e S ch n e e st ü r m e. An der estländischcn Küste des Finnischen Meerbusens zerbrach der Sturm unerwartet das U f e r e i s, auf dem sich mehrere Gruppen von Fischern befanden. Diese wurden aus den Eisschollen in dos offene Meer hinausgetrieben. Einigen Filchern gelang es mit großen Anstrengungen, sich ans Land zu retten. ein großer Teil ist aber verschollen. Ein aus dem Revaler Hofen auf die Suche nach den Fischern ausgesandter Eisbrecher ist unver richtete? Sache zurückgekehrt. Für die Hinterbliebenen der Verunglückten hat die estnische Regierung eine Hilfsaktion begonnen. kein besseres Wetter in Aussicht! Wie der Berliner Wetterdienst mstteilt, besteht vorerst kein« Aussicht auf besseres Wetter. Die nächsten zwei, drei Tage werden wahrscheinlich starke Regenfälle bringen, so daß mit weiterem rapiden Steigen des Wassers im Ueber- schwemmungsgebiet zu rechnen ist. Am Freitag kann mit Aufklärung gerechnet werden. Frost wird vorerst überhaupt nicht erwartet. Eine überaus ungünstige Prognose, die zu den schwersten Befürchtungen Anlaß gibt. Vor allem, weil ein längeres Andauern des Regenwetters in den Höhengegenden weiteres Schnee- schmelzen größeren llmfangs zur Folge haben wird. In später Stunde wird uns über den Stand des Hochwasiers folgendes gemeldet: Wasserstand rn K e h l 4 Uhr: 4,54 Meter, 12 Uhr: 4,52 Meter. Der Wasserstand am Oberlauf des Rheins ab Basel fällt. Mannheim, 4 Uhr: 6,91 Meter, voraussichtlich ist noch ein Steigen um 50 Zentimeter zu erwarten. Der Neckar fällt im Oberlauf. Im Unterlauf wird voraussichtlich in der kommenden Nacht ein Stillstand zu verzeichnen sein. Mannheim. 12 Uhr: 3,51 Meter, stündlich noch 4 Zentimeter steigend. Bingen. 4 Uhr: 4,5 Meter. Koblenz, 6 Uhr: 7,06 Meter. Saarbrücken, 2 Uhr: 6,06 Meter. S t i l l st a n d. Trier, 5 Uhr: 6,16 Meter, stündlich noch einen Zentimeter steigend. Der Wasserstand des Rheins am Kölner Pegel betrug abends 6 Uhr 7,25 Meter. Der Strom steigt weiter irm 6 Zentimeter stündlich. Das hiesige Hafenami rechnet damit, daß bis morgen ein Wasserstand von wenigstens acht Metern erreicht fein wird. Am Rheinufer, zwischen der Hohen- zollern- und der Hängebrücke überslutet das Wasier in einer Breite von drei bis vier Metern die Strohe. Wester stromaufwärts sind die am Ufer entlang führenden Straßen bereits bis zu den Häusern überschwemmt, so daß Fußgänger kaum noch gehen können. Schwindel mit Reichsentschädigungea. Doppelgänger oder grober Unbekannter? Der»große Unbekannte' gibt in den Gerichtssälen ziemlich häufig«in Gastspiel. Sein Bruder,»der Doppelgänger", pflegt etwas zurückhaltender zu fein. Aber ob und zu taucht auch er als forgfölttg präparierter Blitzableiter vor dem Fonim des Gerichts auf. Ihn hotte der Kaufmann Swaezba, der sich wegen fortgesetzten Betrugs vor dem Schöffengericht Berlin-Mitt« verantworten mußte, zu seinem Schutzpatron erwählt. Mit wenig Glück allerdings, denn fein hartnäckiges Leugnen brachte ihm eine ziemlich empfindliche Gefängnisstrafe ein, die wen über den Antrag des Staatsanwalts'hinausging. Der Angeklagte, ein vertriebener Obcrschlefier, wollte monatelang von den Franzosen gefangen gehalten worden sein. Noch seiner Freilasiung erbat er vom Deutschen Reich eine Entschädigung, die noch seinen eigenen Aussagen sehr angemessen ausfiel. Als Dank beschloß S., unter einem ähnlich klingenden Namen die Sache noch einmal zu versuchen. Er nannte sich setzt Schworzbach. wollte wieder ein um seinen ganzen Besitz gekommener Ober- schlesier sein und erhielt auch diesmal eine große Emschädigung, die in die Tausend« ging. Der Betrug, daß Swacza und Schwarz- dach dieselbe Person waren, kam sehr bald heraus. Obwohl der Angeklagt« von mehreren Zeugen als derjenige wiedererkannt wurde, der in beiden Fällen um die Entschödigunq eingekommen war, hielt S. an seinem Lügengebäude fest. Der Schworzbach heiße fcij Die Passion. Roman von Clara Viebig. Das leere Gefühl in Eva wurde nach und nach so quälend, und das Essen hier konnte sie beim besten Willen nicht ver- tragen, daß sie auf einen Ausweg verfiel. Geld, daß sie sich selber hätte etwas kaufen können, befaß sie nicht, aber sie ging jeden Morgen Milch holen im Dorf, die Milch für die Kinder und für die Alten. Milch, ha, Milch! Wenn sie sah, wie die Bäuerin ihr aus dem Eimer, darinnen es so fett, so frisch ge- molken schäumte, in ihre Blechkgnne füllte, kam es sie an wie 4Zier. Wenn sie doch Eon dieser frischen Milch trinken könnte! Aber sie und die Schwestern tranken ihren Kaffee ohne Milch, die war selbst hier im Dorf zu teuer. Der Morgenwind, der in Stößen über die Ackerbreiten fuhr und aus der Weite etwas von feuchtem Seeodem mit sich brachte, wehte die schwache Gestalt, die notdürftig in ein alles graues Tuch eingeknüpst war, hinter die hecken. Die waren noch nicht begrünt, aber sie schützten doch. Im schmalen Heckenweg setzte Eva die Kanne an und tat einen lüchtigen Zug. Sie war dann selber erschrocken, wieviel sie getrunken hatte. Was würde Schwester Martha nun sagen?! Sie war in Bangen. Es half nicht, sie mußte dos Fehlende ersetzen; sie füllte mit Wasier nach. Und so Tag für Tag. Ich weiß nicht, wie das kommt, die Milch wird immer miserabler." sagte Schwester Martha.„Früher war sie so iett. ich konnte noch immer etwas Wasier zusetzen, jetzt ist sie so sckmn ganz bläulich!"«> Schwester Maria wurde ausgeschickt, sich beklagen. In ihrer demütig ergebenen Art machte sie der Bäuerin einige Vorwürfe aber von einer Verschlechterung der Milch wollte die nichts wissen. Wenn auch die Kühe jetzt noch kein Grün- futter hatten. Heu und Kleie waren noch genug da. Die Milch war gut. Als Eva das nächstemal mit ihrer Blechkanne kam, sah die Frau sie scharf an; sie hatte oft schon bemerkt, wie gierig das Mädchen zusah.„Säufft du auch von der Milch unter- wegs, plemperst Wasser nach? Laß dat bliewen!" Sie hob den Finger..., Aber Eva verneinte empört: wie konnte man von ibr nur so etwas denken? Je mehr sie sich schuldig fühlte, desto erregter wies sie die Beschuldigung zurück. „No. dann wird die Schwester wohl selber taufen. Steh einer an, die Frommen!" Nun war es an der Bäuerin, empört zu sein. Eva, die innerlich gezittert hatte, war froh, dies auf- greifen zu können, sie ließ die Beschuldigung auf Schwester Martha sitzen. Aber als ihr die am Abend, gutmütig wie sie war, und weil Eva heute gar nichts gegessen hatte, einen Schuß übriggebliebener Milch in die Zichorienbrühe tat, war sie sehr gedrückt. War es nicht traurig, daß man, um einen Schluck Milch naschen, betrügen, leugnen, verleumden mußte? Sie beschloß, nicht mehr aus der Kanne zu trinken— aber würde sie das halten können?! Jeden Abend hatte Eva noch ein Weilchen um Mutter Bensch zu tun. Die hatte jetzt wieder ihre Gicht und konnte sich gar nicht mehr rühren. Wasier hatte sie auch.„Ich habe die Reisestiebeln schon an," sagte sie mit Frohlocken, denn die Schmerzen waren oft gar zu arg. Jetzt sagte sie nicht mehr Liederoerse auf und sang auch nicht. Jetzt ächzte sie nur noch Bibelsprüche und stieß zwischendurch heraus:„Herrgott, er- banne dich! Mein Gott, erlöse mich!" „Es geht bald zu Ende mit Mutter Bensch," sagte Schwester Maria, setzte sich wohl mal zu ihr und sprach ein Weilchen mit ihr über das selige Sterben. Aber sonst war Eva es, die für die Bensch sorgte. Ihr Mitleid war erwacht und auch ihre Neugier: wie mochte es nun wohl weiter werden mit der? Wenn das Wasser zum herzen steigt, dann ist's aus, dann steht das still— ob das wehtat? Auf ihrem Saal in der Chorit<< hatte keine gelegen, die Wasier hatte. „Verlaß mich nicht, ehe ich tot bin," sagte die Bensch. Sie mochte Eva gut leiden.„Und wenn du siehst, daß ich tot bin, dann greisite unter mich hier ins Stroh, da liegt en Strümp, da sind Taler in, zwei harte Taler. Die hat mein Sohn mir geschickt, als er noch von sich hören ließ. Die freu'n mich. Kein anderer soll die nich haben. Die nehm ich mit. Die nimmste solang an dich, verwahrst?e. Und wenn ich dann im Sarg liegen tu, dann legste se mir heimlich unter den Kopp. Bist'n gute Dirn!" Sie hatte es unter vielem Aechzen, unter manchem Stoßseufzer mühsam herausgebracht; sie war heute abend sehr schwach. Es durchzuckte Eva: würde die wirklich bald sterben? Das wäre ein Glück. Dann hatte sie die Stube allein für sich, brauchte nicht mehr zu schlafen in dieser dttnstigen Luft— aber würde sie das Zimmer für sich allein behalten? Sicher nicht. Jemand anderes würde zu ihr hingetan, ein an- deres altes Weib, das nicht so gut war wie die Mutter Bensch. Sie faßte nach der alten Hand, die jetzt nicht mehr runzlig und dürr war. sondern glatt und geschwollen vom Wasier: „Mutter Bensch, Sie wissen doch gar nicht, ob Sie schon sterben. Bleiben Sie doch noch bei mir!" Sie fühlte sich plötzlich so einsam, sie hätte selbst den Ekel überwinden können, wenn die nur blieb. Aber die Greisin schüttelte müde den Kopf:„Nee, Dirn. ich geh nu. Der Totenvogel hat mir schon zweimal geschrien." Wenn er zum drittenmal schreit, dann— horch, war da? der Totenvogel, der zum drittenmal schrie!? Eva fuhr auf aus dem tiefen Schlaf: sie hatte schauerlich geträumt. Ein Ruf vom Bett drüben hatte sie geweckt:„Dirn!" Die Alte rang schwer nach Atem. „Soll ich die Schwestern rufen?" fragte Eva. Die Ringende schüttelte verneinend. ,L>u—" flüsterte sie. Weiteres war kaum zu verstehen, aber Eva erriet es: hier im Stroh die zwei Taler.„Ja, Mutter Bensch, ja!" Die nahm sie. die Eva, an sich, nahm die zwei Taler. Sie wischte der Alten den Schweiß ab. Und dann stand sie dabei und sah zu. Sah, wie ein Mensch stirbt. Verfolgte alle Phasen des Zugrundehens. Sie hatte noch nie jemanden sterben sehen, wohl sehr viele leiden— aber sollte das Sterben nicht noch schlimmer sein? Ihre Augen öffneten sich groß, sie war sehr verwundert: das war ja alles gar nicht wahr, was man sv sagte, sterben war längst nicht so schlimm wie leiden. Das Sterben war ja wie ein tiefer Schlaf, in den man wohlig versinkt. Die Greisin lag jetzt da. still, schon steif, ganz versunken im letzten Schlaf. Und ohne Scheu streckte Eva die Hand aus, suchte im Bettstroh unter der Toten, fand den versteckten Strumpf mit den zwei Talern. Und nahm sie an sich. 18. Eva saß im Wagen vierter Klasse. Um sie her war es laut, die Bauern und bäuerlichen Frauen sprachen unterein- ander mit harten lauten Stimmen, Kinder quarrten und verlangten immerfort zu essen; es war Geräusch und Ge- qualme genug im Wagen, ober sie fuhr, als fei sie ganz allein. Sie merkte alles das nicht, was um sie war. Sie sah auch nicht draußen nach der Landschaft wie auf dem her- wege, sie sah nur in sich hinein. Und da sah es verstört aus. Run würde Schwester Martha doch wohl dahinter kommen, warum die Milch so verwässert war. O, daß sie doch wider- standen und nicht mehr alle Morgen einen Zug aus der Blechkanne getan hätte! Gestern, als sie die Milch ausgoß, hatte Schwester Martha kopfschüttelnd, mit eigentümlicher Betonung gesagt:„Run gibt's doch schon Grünfutter für das Dich. Ich werde lieber den alten Leuok nach der Milch schicken." Das war doch deutlich gewesen! Die hatte Arg- wohn, und es war Eva auch, als hätte Schwester Maria sie mit ihren sanften ergebenen Blicken traurig angesehen. tFortsetzung folgt.) " in Bahrheit Noad und sei bei ihm als Geschäftsführer tätig gewesen und von einer fabelhaften Aehnlichkeit mit ihm. Als der Vorsitzende dem Angeklagten entgegenhielt, daß doch Niemand diejen vermeintlichen Doppelgänger gesehen, noch etwas von ihm gewußt habe, antwortete S. sehr erregt:" Es müßte doch dem Gericht gelingen, diesen Menschen tot oder lebendig hierher zu bringen!" Darauf der Vorsitzende: Wir würden ihn in jeder Form nehmen, wenn Sie ihn nur bringen!" Obmohl es dem Angeklagten in feiner Weise gelang, auch nur einige glaubhafte Angaben über den plöglich so ganz verschollenen ehemaligen Geschäftsführer zu machen, bequemte er sich zu feinem Geständnis. Als nun auch der Schreibsachverständige die beiden Schriften der Entschädigungsanträge als zweifelsfrei von der Hand des S. verfertigt bezeichnete, hatte sich dieser jede mildere Auffassung des Gerichts verscherzt. Der Staatsanwalt beantragte vier Monate, das Schöffengericht aber erkannte wegen der niedrigen Gesinnung des Angeklagten auf eine Gefängnisstrafe von neun Monaten. Stadtmedizinalrat Rabnow siebzig Jahre! Der Berliner Stadtmedizinalrat a. D. Geheimer Sanitätsrat Genosse Dr. Rabnow vollendet heute sein siebzigstes Lebensjahr. Rabnew stand bereits an der Schwelle des Greijenalters, als ihm im Jahre 1921 die Leitung des Gesundheitswesens der durch Zusammenfassung geschaffenen großen Einheitsgemeinde Berlin übertragen wurde. Aus Schöneberg, deffen Gesundheitswesen er bis zur Eingemeindung geleitet und er folgreich ausgestaltet hatte, brachte er reiche Erfahrungen mit. In diesem Vorort Berlins war er vorher lange Zeit als praktischer Arzt tätig gewesen und hier fand er Gelegenheit, auf dem Gebiet der Sozialhygiene zunächst im Rahmen der privaten Wohlfahrts: pflege zu arbeiten. Er bemühte sich um die Beranstaltung gemeinverständlicher Vorträge über Gesundheitspflege und gründete einen große Bedrängnis, so daß er seine Bistole ziehen und mehrere Schüffe Große Bedrängnis, so daß er seine Pistole ziehen und mehrere Schüffe abgeben mußte. Der zweite Schuß traf den Sch. in den Oberschenkel. Der Kutscher wurde jetzt völlig rabiat, und mit Schaum vor dem Munde schlug er weiter auf den Beamten ein. Erst durch das Eingreifen eines zweiten Beamten konnte der aufregenden Szene ein Ende gemacht werden. Während alle Zeugen den Angeklagten als einen Menschen hinstellen, der ohne Zanf und Streit nicht leben fann, versuchte Sch. den Unschuldigen zu spielen. Das Gericht hielt aber feine Schuld in vollem Umfange für erwiesen und verurteilte Schatfowiti zu fünf Monaten Gefängnis. Eine falsche Anschuldigung. Phantasien einer verfolgten Unschuld. Reine alltägliche Angelegenheit, nichtsdestoweniger eine lehrreiche. Ein Nachspiel zum Abtreibungsprozeß des Studienrats H. und seiner Freundin B. Die B. wurde damals zu sechs Monaten Gefängnis verurteilt. Sie erhielt auch Bewährungsfrist. In der Gerichtsverhandlung hatte sie ausgesagt schon früher war von ihr diese Behauptung aufgestellt, daß der vernehmende Kriminal beamte 3. fie unzüchtig berührt habe. In ihrer Erregung habe sie dann ein Geständnis abgelegt, das in Wirklichkeit nicht stimme. Gegen 3. wurde das Ermittlungsverfahren eingeleitet. Die Anschuldigung erwies sich als unhaltbar und das Verfahren wurde eingestellt. | Augenblid nahte eine Kraftdroste heran, der Chauffeur konnte den Wagen nicht rechtzeitig zum Halten bringen und überfuhr beide Frauen. Frau Schönbed war iofort tot und wurde von der Polizei nach dem Leichenschauhaus transportiert. Fräulein D. erlitt fch were innere und äußere Berlegungen und fand in der Charité Aufnahme, wo sie bedenklich darniederliegt. Die Schuldfrage ist bisher noch nicht geklärt. Ein Millionen- Neuban. 9 Die Märkische Elektrizitätswert Aktiengesellschaft beginnt Mitte Januar mit dem Bau eines zweiten Kesselhauses für ihr Kraftwert intenherd am Bristow See. Dieser Neubau wurde durch den großen Stromverbrauch notwendig. Das Stromnet dieses Kraftwerks erstreckt sich einerseits bis Fürstenwalde an der Spree, andererseits bis Frankfurt an der Ober. Im Kesselhaus sollen acht Kessel zur Aufstellung gelangen; es enthält einen Hauptbunker mit acht Taschen, von denen jede ein Fassungsvermögen von 350 Tonnen befigt. Außerhalb des Betriebsgeländes werden für die Arbeiter Wohnbaraden errichtet. Bei der Bergebung der Arbeiten rechnet das Werk mit 20 Proz. auswärtige und 40 Broz. ortsanfäffige Facharbeiter fotvie 40 Prog. ortes anfäisige Silfearbeiter. Da bas Steffelhaus schon im August in in Betrieb genommen werden soll, rechnet man mit Arbeiten in mehreren Schichten. Die Kosten des Gesamtneubaus werden auf 4 Millionen Reichsmart veranschlagt. Das Attentat auf den Gelehrten. Berein zur Bekämpfung der Tuberkulose in Schöneberg, dessen selbst gewesen sei. Bekanntschaft mit Studienrat H. die Unschuld inhaftiert und zur Wache Marburger Straße gebracht. Selt. Leitung der damalige Schöneberger Oberbürgermeister Wilde übernahm. Schöneberg erhielt dann die erste städtische Auskunfts- und Fürsorgestelle für Tuberkulose. Bon 1906 ab hat Rabnow als Leiter des städtischen Gesundheitswesens von Schöneberg feine ganze Kraft daran gesetzt, die Sozialhygiene zu fördern. Als er anderthalb Jahr. zehnte später das Amt des Stadtmedizinalrats von Ber= Iin antrat, war das kommuncle Gesundheitswesen durch den Krieg und unter dem Einfluß seiner Nachwirkungen zerrüttet. Rabnom hatte einen harten Kampf zu führen, um in der trüben Zeit fertschreitender Geldentwertung und unausfüllbarer Stadtfädelleere nur den weiteren Rückgang der öffentlichen Gesundheitspflege aufzuhalten. Aber selbst in dieſen Jahren der Rot konnte er troß aller Erschwerungen manches, was ihm am Herzen lag, sich verwirklichen fehen. Immer wieder galt seine Arbeit besonders dem Kampf gegen die Tuberkulose. deffen Bedeutung für die Gefund. heitspflege der Großstadt er frühzeitig erkannt hatte. So wurde in der Zeit seiner Amtsführung das Tuberkulosefürsorgewesen durch Ausbau der Fürsorgestellen verbessert. Den Bürgerlichen im Magi strat und in der Stadtverordnetenversammlung war der zur sozialdemokratischen Partei gehörende Sozialhygienifer Rabnow ein unbequemer Mahner. Die Arbeiterbevölkerung hatte allen Grund, zu bedauern, daß Genosse Rabnom aus dem Magistratsfollegium schen nach nur dreijähriger Tätigkeit ausschied. Zum Raubmord in Brig. Widersprüche in den Aussagen des verhafteten Schumann. Immer noch nicht geflärt ist der Raubüberfall, dem, mie mir miederholt berichteten, der Tabakhändler Wilhelm Wurzel in Briz zum Opfer fiel. Der am 1. Feiertag unter dem dringenden Verdacht der Täterschaft verhaftete 24 Jahre alte Reisende Walter Schumann aus der Donaustr. 100 zu Neukölln hat sich bei seinen Bernehmungen immer von neuem in Widersprüche ver= wickelt, die erkennen lassen, daß man es bei ihm mit einem frankhaften Lügner zu tun hat. Ueber die Herkunft des Geldes befragt, erklärte er zuerst, daß er von einem Verwandten, der in einem Vorort Berlins wohne, als Weihnachtsgeschenf 100 m. erhalten habe. Der Bermandte gibt dagegen an, daß er Schumann feinerlei Geldgeschenke habe zukommen lassen. Der junge Mensch war in der ganzen lezten Seit nachweislich so wenig im Besitz von barem Gelde, daß er die Wohlfahrtseinrichtungen in Anspruch nehmen mußte. Seine Mitlagsmahlzeit erhielt er 3. B. auf Speisemarken in der Boltsküche. Daß er mit Bestimmtheit darauf rechnete, am Heiligabend über eine gewisse Summe verfügen zu können, geht daraus hervor, daß er sich mit seiner Braut zu gemeinsamen Besorgungen verabredete. Nachdem ihm die linwahrheit seiner Erzählungen über die Herkunft des Geldes nachgewiesen worden war, hüllte er sich in Schweigen und verweigerte jede weitere Auskunft. Fest steht, daß er sich bei Wurzel schon etwa 8 Tage vor dem Fest um den Posten eines Reisenden beworben hat. Er gibt auch zu, daß er am Heilig abend, aber zu einer anderen Zeit, in dem Wurzelschen Kontor war, um mit dem Inhaber zu verhandeln. Beim Fortgehen habe er dort seine Aktentasche vergessen. Wie Ermittelungen ergaben, besaß Schumann in der Zeit vom 21. bis 23. Dezember fein Geld und mußte daher in Lokalen Speisen und Getränke auf Borg nehmen. Am 24. erschien er nachmittags in diesen Schantwirtschaften und be= zahlte seine Schulden. Da ihm jedoch ein großer Kredit nicht gewährt worden war, so fonnte von Betrunkenheit auch keine Rede sein. Seine Ausrede, er habe seinen Mantel in der Trunkenheit felbst zerriffen, wird somit auch hinfällig. Die gleichen unwahren Die gleichen unwahren und widerspruchsvollen Angaben macht Schumann über das Ber schwinden seiner alten hose. Sollte jemand diese blaue Hose mit hellen Nadelstreifen, die am Knie und am Gefäß geflidt ift, finden, so wird er gebeten, sie umgehend bei der Mordkommisfion abzugeben. Die Obduktion des ermordeten Wurzel ist aus wich tigen Gründen verschoben worden. Es fonnte nämlich festgestellt werden, daß die Schädelverlegungen dieselben Merkmale aufweisen wie das Beil, das bei dem Wirt des Schumann gefunden wurde. Im Interesse der völligen Aufklärung des Verbrechens ist es baher von größter Wichtigkeit, daß sich alle Personen melden, die in den letzten Monaten mit Schumann in Verkehr gestanden haben und die über seine Lebensführung und seinen Charakter Aufschluß geben können. Alle diese Mitteilungen find an die Mordkommission Berneburg- Albrecht im 3immer SO des Polizeipräsidiums zu richten. Dämon Alkohol. Ber dem Schöffengericht in Pantom hatte sich der Kutscher Willi Schattowski wegen Widerstandes gegen die Staatsgewalt zu verantworten. Schattowski, der wegen desselben Delifts schon mehr. fach vorbestraft ist, fuhr am 6. September d. J. gegen drei Uhr nachmittags mit einem Wagen in einem sehr schnellen Tempo durch Buchholz. Da am selben Tage in tem Ort ein Bauernrennen stattfand, waren die Straßen gedrängt voll Menschen und Wagen aller Art. Schattowsti, der sinnlos betrunten war, hing halb Dom Wagen herunter, schlug aber immer noch auf sein Pferd ein, dieses zu immer schnellerem Lauf antreibend. Mehrmals be. stand die Gefahr eines Zusammenstoßes. Schließlich wollte ein Polizeibeamter den Kutscher mit zur Wache nehmen, da er eine Gefahr für die auf der Straße gehenden Menschen war. Sch. lud den Beamten ein, neben ihm auf dem Wagen Platz zu nehmen, fuhr dann aber an der Polizeimache vorbei und hielt erst wieder ver einem Restaurant, weldjes er betrat. Als er wieder heraustam, wollte er fofort weiterfahren, und als der Polizeibeamte ihn daran hinderte, schlug er auf ihn ein. Der Beamte geriet schließlich in | Dafür wurde aber gegen die B. Antlage wegen falscher Anfchuldigung erhoben. Sie hatte sich jetzt vor dem erweiterten Schöffengericht Charlottenburg zu verantworten. Die Sitzung fand in dem Gebäude des Polizeipräsidiums selbst statt. Das Gericht Zimmers eine Situation, wie sie die Angeklagte geschildert hatte, wollte sich an Ort und Stelle überzeugen, ob nach der Lage des überhaupt möglich war. Es tam zur lleberzeugung, daß das nicht möglich gewesen war. Auch erschien die Angeklagte nicht befenders glaubwürdig. So hatte sie in früheren Verfahren erflärt, daß sie vor der fonnte sie sich bereits nicht weniger als pier Männerbetanntfchaften rühmen. Von dem Studienrat wollte sie im Rausche genotzüchtigt worden sein. Auch das traf nicht zu. So durfte man in diesem Fall ihren Anschuldigungen wenig Glauben schenken. Sie hatte auch dem Kriminalfommiffar Sommer, der das Ermittlungsverfahren in dieser Sache 311 leiten hatte, erflärt, fie wäre schon bereit, die Beschuldigung gegen 3. zurückzunehmen. Man habe ihr aber gesagt, daß, wenn sie das täte, sie für die falsche Anschuldigung eine höhere Strafe erhalten fönne, als dieses selbst für die Abtreibung der Fall sein würde. Sie Die treibende Kraft mollte ja gar nicht die Strafanzeige machen. dabei sollte Studienrat H. gewesen sein, der durch diese Anschuldigung das Protofoll des Kriminalbeamten 3. zu erschüttern hoffte. Auch er hatte sich vor dem Gericht zu verantworten, wurde aber freigesprochen, da man ihm nichts nachweisen konnte, daß er nicht in gutem Glauben gehandelt hatte. Die B. wurde zu sechs Monaten Gefängnis verurteilt, die Bewährungsfrist, die sie in der Abtreibungsfache erhalten hatte, wurde zurüdgenommen und die Gefängnisstrafe, die ihr im ersten Prozeß zuteil geworden war, mit der jezigen Strafe zu einer Gesamtstrafe von 9 Monaten zusammenließ man die Bewährungsfrist, die fich auf die Abtreibungsfache be gezogen. Eines erscheint dabei nicht ganz verständlich: Warum 30g, nicht bestehen? Die falsche Anschuldigung liegt doch wahrlich in einer ganz anderen Linie als die Abtreibung. Der Verkehr in der Silvesternacht. Die Berliner Berkehrsgesellschaften haben, wie üblich, für die Silvesternacht einen durchgehenden Betrieb eingerichtet. Die Straßenbahn unterhält durchgehenden Nacht betrieb auf den Linien 9 und 74 alle 7% Minuten, auf der inie 1 alle 10 Minuten, auf den Linien 65, 69, 72 und 76 alle 15 Minuten, auf der Linie 100 alle 40 Minuten( ab Stahnsdorf 1,51, 2,31, 3,11, 3,51, 4,31, 5,11; ab Machnower Schleuse 1,46, 3,46 ab Bahnhof Lichterfelde- Dft 1,08, 1,48, 2,28, 3,08, 3,48, 4,28, 5,08, 5,48), auf den Linien 83 und 84 alle 30 Minuten. Ferner durch gehenden Nachtbetrieb auf Teilstrecken der Linien 11, 15, 23, 27, 36, 41, 44, 44E 48, 66, 187/87, 98, 99 und verlängerten Nacht betrieb auf den meisten übrigen Linien. Auf der Berliner Stadt- und Ringbahn und den Bor ortstreden wird ein Sonderzugverkehr eingerichtet. Die Züge auf der Stadtbahn fahren etwa in Abständen von 20 und die auf der Ringbahn in Abständen von 30 Minuten. Die genauen Fahrzeiten sind aus den Bekanntmachungen auf den Stationen der Stadt und Ringbahn und den Vorortstreden ersichtlich. Auf allen Linien der Hoch- und Untergrundbahn ein schließlich der Straßenbahn Barschauer Brücke- Lichtenberg wird während der ganzen Nacht der Verkehr ohne Unterbrechung aufrechterhalten. Zwischen den Bahnhöfen Alexanderplatz und Wittenbergplak verkehren die Züge in Abständen von je fünf Minuten. Der Neujahrsfernverkehr. Zur Bewältigung des stärkeren Neujahrsverkehrs werden nach Ostpreußen folgende Sonderzüge von Berlin gefahren: Nachzug Schnellzug D 1 Charlottenburg ab 9.16 v or m., Königsberg D 3 Charlottenburg ab 10.38 na ch m., Königsberg an 8.58 vorm., an 7.45 nachm. am 31. Dezember und 1. Januar; Vorzug Schnellzug am 31. Dezember, 1. und 4. Januar; Nachzug Charlottenburg ab 11.37 nach m., Königsberg an 2.12 nachm. am 31. Dezember und 1. Januar. In der Gegenrichtung verkehren: Borzug Schnell zug D2 Königsberg ab 8.15 vorm., Charlottenburg an 7.23 nachm. am 1. und 2. Januar; Borzug Schnellzug D4 Königsberg ab 7.52 nach m., Charlottenburg an 7.07 vorm. am 31. Dezember, 3. und 4 Januar; Borzug Königsberg ab 9.07 na ch m., Charlottenburg an 11.07 vorm. am 31. Dezember und 3. Januar. Am 31. Dezember wird im Anschluß an den Bug D 40 ab Berlin Potsdamer Bahnhof 3.46 nachm. der Personenzug Magdeburg Halberstadt, ab Magdeburg 6.10 abends, verfehren, der wiederum Anschluß nach dem Harz hat. Der von der Reichsbahndirektion Magdeburg für Sonntagsrückfahrkarten freigegebene Eilzug nach dem Harz, ab Berlin Potsdamer Bahnhof 10.40 vorm., fann zu Neujahr von Berlin aus benutzt werden, wenn die Hinfahrt am 1. Januar erfolgt und der Reisende bis 3. Januar nachts 12 Uhr zurückgekehrt iſt. Schwerer Straßenunfall mit tödlichem Andgang. Am Dienstag nachmittag gegen 5 1hr ereignete sich vor dem Haufe Invalidenstraße 92 ein schwerer Straßenunfall, bei wurde. An der Bordschwelle bielt ein größerer Möbelwagen, dem eine Frau ihr Leben einbüßte, eine zweite schwer verlegt hinter dem zwei Damen, die 34 Jahre alte Ehefrau Hedwig Schönbed aus Wilmersdorf. Gasteiner Str. 11, und ihre Be= gleiterin, Fräulein Hedwig Dubist, aus der Eberstr. 79 in Schöneberg, den Fahrdamm überschreiten wollten. In dieſem Das Rundfunkprogramm. Mittwoch, den 30. Dezember. 7 Außer dem üblichen Tagesprogramm: 4-6 Uhr nachm.: Jugendbühne. Ferienstunde. Kasperletheater. Uhr abends: Dr. Franz Leppmann:„ Altberliner Silvesterspuk". 8.30 Uhr abends: Sendespiele. Abteilung Schauspiel. Leitung: Alfred Braun. Spielzeit 1925/26. 8. Veranstaltung. Der Raub der Sabinerinnen", Schwank in vier Akten von Franz und Paul von Schönthan. Martin Gollwitz, Professor; Friederike, dessen Frau; Paula, deren Tochter; Dr. Neumeister; Marianne, seine Frau Karl Groß: Emil Groß, genannt Sterneck, dessen Sohn; Emanuel Striese, Theaterdirektor; Rosa, Dienstmädchen bei Gollwitz; Auguste, Dienstmädchen bei Neumeister; Meißner, Schuldiener. Ort der Handlung: Eine kleine deutsche Stadt. Zeit: Gegenwart. Anschließend: Dritte Bekanntgabe der neuesten Tagesnachrichten, Zeitansage, Wetterdienst, Sportnachrichten, Theater- und Filmdienst. Im Abendblatt des Dienstags berichteten wir über den bru talen Ueberfall eines betrunkenen Hafentreuzlers auf einen 74jährigen Gelehrten an der Gedächtniskirche. Der Rowdy, der sich mit solchem Elan an einem Greis vergriff( der Gelehrte mußte von Passanten nach einer Rettungsstation geschafft werden), wurde durch Betreiben eines dazukommenden Chauffeurs samerweise ist die schwere Ausschreitung des finnlos betrunkenen Völkischen nicht zur Kenntnis Der zuständigen Stellen im Polizeipräsidium gelangt. Das Pressedezernat im Präsidium wenigstens fonnte uns auf unseren Anruf hin feine Angaben in der Affäre machen. Hat der betreffende Bolizeibeamte das Attentat nicht protokolliert? Wie uns das Polizeipräsidium mitteilt, ist in der Angelegenheit eine Untersuchung eingeleitet worden. Husters Wuchergeschäfte. Der ehemalige Justizobersekretär Huster, der, wie erinnerlich, die Gerichtskasse Mitte durch seine Unterschlagungen um Riesenfummen geschädigt hatte, zeigte sich in einer Gerichtsverhandlung vor dem Schöffengericht mitte in einer neuen Gestalt, nämlich auch als Bucherer übelster Sorte. Die veruntreuten Gelder hatte er nicht bloß mit seinen Freundinnen und auf der Rennbahn burchgebracht, sondern teilweise auch zinstragend angelegt. So hatte er ein Darlehen von 1000 m. ausgeliehen und sich nicht meniger als 70 m. für die Woche 3insen zahlen lassen. Als seine Verfehlungen herausfamen und man auch auf das ausgeliehene Geld die Hand legen wollte, trat eine seiner Freundinnen, die geschiedene Gertrud Tr. bei einem Notar mit einer eidesstattlichen Verficherung auf, daß es ihr eigenes Geld sei, das sie ausgelichen hätte. Hufter hatte sich ihrer für seine Geldgeschäfte als Mittelsperson bedient. Nun hatte sich Gertrud Tr. wegen Abgabe einer falschen eidesstattlichen Versicherung zu verantworten, und sie gab zu, daß fie das auf Anweisung ihres Freundes Suster getan habe, ohne fich etwas dabei zu denken. Das Gericht berücksichtigte auch, daß sie ein Opfer des verbrecherisch gesinnten Huster geworden fei, der auf sie einen verderblichen Einfluß ausgeübt habe. An Stelle der an sich verwirkten Gefängnisstrafe von 2 Monaten erkannte das Gericht gegen die Angeklagte auf 300 m. Geldstrafe. Sie nahm das Urteil auch sofort an. Feuer in einer Holzgroßzhandlung. Gestern abend gegen 17 Uhr fam auf dem Platz der Firma Gebr. Opivis, Holzgroßhandlung und Sägetpert, Alt- Stralau 36/37, ein großes Schadenfeuer zum Ausbruch. Auf den Alarm Mittelfeuer" eilten vier Löschzüge an die Brandstelle. Bei dem Eintreffen der Wehren stand das Dach des Reifelhauses sowie Holzvorräte in bellen Flammen. Die Feuerwehr ging mit einem B- und fünf C- Rohren gegen den Brandherd vor. Nach etwa einstündiger Tätigkeit war die Hauptgefahr beseitigt. Der Inhalt des Maschinenhauses fonnte zum größten Teil gerettet werden. Die Aufräumungsarbeiten zogen sich bis nach 9 1hr abends hin. Die Entstehungsursache ist bisher noch unbekannt. Verkehrszwang. Troß der Warnungen und polizeilichen Strafandrohungen kann sich das Publikum doch nicht daran gewöhnen, den Straßendamm gradlinig d. h. im rechten Winkel zum Bürgersteig zu überschreiten. Ohne sich um die Warnungen der Verkehrsbeamten zu fümmern, wird immer wieder versucht, von dem Platz vor dem Café Josty aus den Potsdamer Plaz nach der Leipziger Straße zu überschreiten. Um dics unmöglich zu machen, wird jetzt am Rande des Bürgersteiges und des Straßendammes vor dem Café ein etwa 90 cm bobes, startes eifernes Gitter aufgestellt. Die Passanten sind dadurch gezwungen, direkt an den Eden den Straßendamm in der Potsdamer oder Bellevuestraße zu überqueren. Bei der Stadtratswahl im Bezirk Kreuzberg murde, mie uns ergänzend mitgeteilt wird, auch Gen. Het schold zum unbefoldeten Stadtrat gewählt. Ein jugendlicher Räuber. Bekanntlich war vor einiger Zeit in der Küsterei der Mathäuskirche in Steglig in ziemlich frecher Weise ein Raubüberfall verübt worden, wobei dem Räuber nahezu 1000 m. bares Geld in die Hände fiel. Bald darauf wurde der Räuber in der Person eines erst 21 Jahre alten Zuschneiders Hugo Brandt gefaßt. Es war derselbe, der kurze Zeit vor dieser Tat einen Ueberfall auf die Zofe der Filmschauspielerin Boecklin verübt hatte. Wegen dieser beiden Straftaten wurde Brandt jetzt zu fünf Jahren Gefängnis verurteilt. Die Berliner Städtische Gaswerte ft. Gef. teilt mit:„ Die Bureaus und Stasien der örtlichen Geschäftestellen der Berliner Städtische Gaswerte Aft.- Ges. bleiben am Sonnabend, den 2. Januar 1926, für den Verkehr mit dem Bublifum gefchloffen." Englischer und franzöfifcher Unterricht. Im Januar beginnen neue Anfängerfurfe für Kinder( Nachmittagsunterricht) und für Erwachsene( Abendunterricht). Anmeldungen vom Montag, den 4., bis Freitag, den 8. Januar, ven 5 bis 8 Uhr bei Genoffin Heß, W. 50, Spichernftr. 16, Gartenhaus 3 Tr.( Untergrundbhf. Nürnberger Play). Teilnehmer mit Vorkenntnissen fönnen jederzeit Mittel- bzw. Oberfursen beitreten. Anmeldung auch schriftlich. Sprachschule für Proletarier. Der Dammrutsch bei Frankfurt a. d. O. Die Wiederherstellungsarbeiten sind in vollem Gange. Sie find jedoch so schwierig, daß der Zugverkehr acht bis zehn Tage unterbrochen fein wird. Unterdeffen erfolgt die Um leitung der durchgehenden Züge über Küstrin, während der Lokalverfehr durch Pendelzüge aufrecht erhalten wird. Eine Friedrich- Ebert- Straße in Hamburg. Der Senat hat beschlossen, zum ehrenden Gedächtnis des ersten deutschen Reichspräsidenten die im Stadtteil Neustadt- Nord gelegene Ringstraße Friedrich Ebert Straße zu benennen. J Welterbericht der öffentlichen Wetterdienststelle für Berlin.( Nachdr. berb.) Weiterhin mild, trübe und regnerisch. Für Deutschland. In ganz Deutschland Fortdauer der milden Witterung, Im Norden allenthalben Regen Aus den Bezirken. 1. Bezirk Mitte. Nachdem am Freitag, den 11. Dezember 1925, die Einführung der neugemählten Bezirksverordneten erfolgt war, fand am 16. d. M. im Bezirk Mitte die erste Bezirksverordnetenversammlung statt. Die Wahl des Vorstehers sowie der Stellvertreter wurde durch die Uneinigkeit der bürgerlichen Parteien unnötigerweise so lange hinaus: gezogen, sodaß zur restlosen Erledigung der Tagesordnung schließ lich feine Zeit vorhanden war. Zum Vorsteher wurde Genosse Riese und zu Stellvertretern Dr. Beese( Dnat. Vp.) und Bach mann( KPD.), zu Beifizern und Stellvertretern Frau Wollstein( SPD.), intel( Dnat. Vp.), Wilfe( SPD.) und Georg Schmidt( KPD.) gewählt. Die Ausschüsse und Deputationen wurden in der bisherigen Stärke zusammengesetzt. Eine lebhafte Debatte entspann sich bei der Beratung des bekannten kommunisti schen Antrages, der die Bereitstellung von Mitteln für die Erwerbs: lofen fordert. Genosse Brendel sowie der Kommunist Bern fte in begründeten die Notwendigkeit, den Erwerbslosen zu helfen. Die bürgerlichen Parteien bestritten diese Notlage nicht, fonnten sich aber nicht für den Antrag entschließen und stimmten dagegen. Ein weiterer Antrag, der die Freilassung des inhaftierten Bezirksverordneten Rohl( KPD.) forderte, fonnte wegen herbeiführung der Beschlußunfähigkeit durch die bürgerlichen Parteien nicht erledigt 4. Bezirk Prenzlauer Berg. werden. Am 14. Dezember fand die erste Bezirksverordnetenversamm lung nach den Neumahlen statt, in der die Mitglieder eingeführt und vom stellvertretenden Bürgermeister Gen. Fröhlich verpflichtet und die Wahl des Vorstandes vorgenommen wurde. Als Borsteher wurde Gen. Kemnig mit 55 von 59 abgegebenen Stimmen wiedergewählt; als Stellvertreter wurde der Kommunist Dorner gewählt. Auch die onderen Wahlen zum Vorstand entsprachen dem Stärkeverhältnis der Parteien. In der zweiten Berfammlung am 18. Dezember wurden die Wahlen der Mitglieder, ihrer Stellvertreter und Bürgerdelegierten zu den ständigen Ausschüssen, den Kommissionen, Deputationen usw. vorgenommen. Auch bei diesen Wahlen war das Stärkeverhältnis der Parteien entscheidend, desgleichen bei der Wahl der unbesoldeten Stadträte. Es wurden hierzu gewählt: die Genossen Meyer, Gürne und Schent; von der KPD. Degner, der Dnat. Bp. Gardemin und der DDP. Flieth. Zur Vorbereitung der Wahl eines Bürgermeisters wurde ein Ausschuß ernannt, dem auch die Prüfung der Wahl eines zweiten Bürgermeisters übertragen wurde. Eine Anfrage der Dnat. Bp., in der um Auskunft gebeten wurde, wer die Märkte in der Wichertstraße und Prenzlauer Allee ver. pachtet habe, und in der auf ein Gerücht verwiesen wurde, nach dem die Bächter cus den Standgeldern einen monatlichen Verdienst von 3500 m. haben sollen, erregte große Heiterfeit, nachdem vom Vertreter des Bezirksamts berichtet wurde, daß der Verdeinst noch wesentlich höher sei, daß aber nicht das Bezirksamt Berpächter sei, fondern Privatfapitalisten, und daß an einem der verpachteten Brundstücke sogar eine Kirchengemeinde beteiligt fei. Vorlagen über Bewilligung von Mitteln für die Weihnachtsbescherung bedürftiger Kinder und zur Fortführung des Speiseheims für tubertulösverdächtige Kinder fanden nach den vom Bezirksamt gemachten Vorschlägen Annahme. Auch eine Borlage zur Bewilligung von Mitteln für Ausführung von Arbeiten im Bezirksamt fand Annahme. Zu einem Dringlichkeitsantrag der KPD., betreffend Bereitstellung von Mitteln zu besonderen Beihilfen Unterstützungsberechtigter, wurde auf die am Tage zuvor in der Stadtverordneten rersammlung gefaßten Beschlüsse verwiesen und der Antrag damit als erledigt angesehen. Zur Nachprüfung der Geschäftsordnung wurde eine Kommission gewählt. 8. Bezirk- Spandau. In der ersten Sigung der Bezirksversammlung gedachte Bürgermeister Stritte des verstorbenen Stadtverordneten, Genossen Mar Waiter und würdigte die unparteiische Gefchäftsführung des Borstchers der alten Bezirksversammlung, des Genoffen Har tung. Er verpflichtete darauf die vollzählig erschienenen Bezirks verordneten. Der Alterspräsident Bender( Dnat.) übernahm die weitere Geschäftsführung. Die Kommunisten stellten auch hier ihren Dringlichkeitsantrag bezüglich der Erwerbslosen. Dem Antrag wurde nicht widersprochen und ein Ausschuß zu seiner Beratung gewählt. Genosse Münsinger wurde als 1. Vorsitzender unter Zustimmung des ganzen Hauses als Vertreter der stärksten Fraktion gewählt. Bei der Wahl des Stellvertreters schlug der Kommunist Sellheim seinen Genossen Mühl vor. Von der Rechten wurde der Bezirksverordnete Bleichmann( D. Bp.) vorgeschlagen, da die Freie Bereinigung" mit 17 Sigen die zweitstärkste Fraktion ist. Die SPD. gab meiße Bettel ab. Bleichmann wurde gewählt. Als Schriftführer und Beisiger wurden noch gewählt: Mühl( KPD.), Reichert( Soz.), Frau Kemptens( Soz.). Der Vorstand sezt fich also zusammen aus 3 Sozialisten, 1 Deutsche Volkspartei und 1 Kommunisten. Bei der Wahl der unbesoldeten Stadträte hatten Rechte, Mitte, SPD. und Kommunisten eigene Kandidatenlisten aufgestellt; die Listen der SPD. und KPD. waren verbunden. Bei der Wahl wurden abgegeben: 17 Stimmen für die Freie Vereinigung( Deutschnationale, Deutsche Volkspartei und Wirtschaftspartei), 6 Stimmen für die Mitte( 3entrum, Demokraten), SPD. 19, KPD 6 Stimmen. Die abgegebenen Stimmen stimmten mit der Stärke der einzelnen Fraktionen überein. Durch diese Stimmabgabe erhielten die SPD. 2 Stadträte, die Genossen Adolf Guth und Fris Bergemann, die Rechte erhielt gleichfalls zwei. Mitte und KBD. gingen dabei leer aus. Die Wahl der Mitglieder in die Ausschüsse und Deputationen wurde nach der Stärke der einzelnen Fraktionen nach dem daraus gewonnenen Schlüssel vorgenommen. 9. Bezirk Wilmersdorf. Die neugemählte Bezirksversammlung Berlin- Wilmersdorf trat am Mittwoch, den 16. Dezember, zu ihrer ersten Sigung zusammen. Nach der ohne viel Zeitverlust vorgenommenen üblichen Einführung und Verpflichtung der Mitglieder sowie der Wahl des Vorstandes begann die Beratung des sachlichen Teits der Tagesordnung. Die Borbereitung ber Wahlen von Mitgliedern der Deputationen und unbefoldeten Bezirksamtsmitgliedern murde dem neugewählten Bezirksausschuß übertragen. Bei der ersten Lesung der Borlage betr. Bedarfsübersicht für den Bezirkshaushalt 1926 betonte ber Borsigende des Bezirksamts, daß die geforderten Mittel nur das notwendigste Maß dessen darstellen, was zur Erfüllung der dringendsten kommunalen Aufgaben erforderlich sei, daß von der Zentralverwaltung Abstriche zu gewärtigen feien, und er ließ hier bei einfließen, daß Wilmersdorf, wenn der Ort noch wie früher eine Gemeinde mit selbständiger Finanzgebarung wäre, nach Berausgabung der geforderten Summen noch einige Millionen Ueberschuß aufweisen würde. Unser Redner, Genosse Lüdemann, mies überzeugend nach, daß die Einheitsgemeinde Groß- Berlin nichi mehr zu erschüttern sei, ferner, daß für einen großen Teil der Bevölkerung, namentlich der arbeitenden Schichten, ein bestimmter STADT BEILAGE DES Wohnbezirk innerhalb Groß- Berlins immer nur für einen bestimmten Zeitabschnitt in Frage fäme, da sie oft verzögen. Daher würden die vorteilhaften Finanzverhältnisse des Bezirtes, in dem sie zufällig wohnten, in ihrer Auswirkung für fie oft illusorisch werden. wohlhabenden Bewohnern gesegneter" Bezirt tommunal wirtschaftVor allem aber sei der Gedante unerträglich, daß ein zufällig mit lich besser gestellt sei, als Bezirke mit wirtschaftlich schwächerer Bevölkerung innerhalb der einen großen Stadtgemeinde. Er tennzeichnete die vielen Unterlassungsfünden der Vorfriegszeit in Wilmersdorf auf dem Gebiete der Wohlfahrts, Jugend- und Gesundheitspflege, deren Wiedergutmachung heische. Aehnlich kritisch äußerten sich die demokratischen und tom nun in der Zeit wirtschaftlicher Not um so größere Ausgaben ermunistischen Redner, während die Vertreter der Rechtsparteien die wohlbegründete Kritik vergeblich durch verlegene Reden abzuschwächen versuchten. Dauerwald am Grunewaldsee zugunsten eines TennisDie Abholzung eines Stüdes plages für den feudalen Klub Blau- weiß" löste allseitig scharfen Brotest aus, leider zu spät. Bei unserem Antrage auf Bereitstellung ausreichender Mittel zur Winterbeihilfe für alle Bedürftigen wetteiferten alle Parteien in der Betonung ihres Mitgefühls und der Hilfsbereitschaft für die Notleidenden unseres Bezirks. Ja, die Deutschnationalen steigerten ihr soziales Empfinden sogar zu einem Ergänzungsantrage auf Einfeßung eines ftändigen Leberwachungsausschusses für diese Bedürftigenfürsorge(!), der dann auch mit unserem Antrage angenommen wurde. Sedenfalls läßt der Verlauf dieser ersten Bezirksversammlung die Hoffnung begründet erscheinen, daß eine gewisse Linksverschiebung in dem Wahlausfall auch nach Wilmersdorf, einer Hochburg der Reaftion, einen frischen Luftzug hineinmehen werde 11. Bezirk Schöneberg. RK VORWARTS 興 Ausführungen der sozialdemokratischen Stadträte einverstanden erflärt. Genosse Strieder beleuchtete die Anträge vom Standpuntt der Stadtverordnetenversammlung. Der Vorsteher, Genosse Schneider, erklärte den Kommunisten und den Tribünenbefallen würde er ihnen doch nicht erweisen, die Tribüne durch Polizei suchern, daß sie sich noch so rüpelhaft benehmen könnten, den Ge= Ausschuß anträge einstimmig angenommen; auch die räumen zu lassen. Kommunisten stimmten für die Ausschußanträge. Von den GewerbeNach stundenlanger Debatte wurden die treibenden in Oberschönemeide war in einer Petition über die Wochenmärkte Klage erhoben. Genosse Schneider betonte, daß die Fraktion finden zu lassen. Die Wochenmärkte seien ihrer Aufgabe, preistein Interesse habe, Wochenmärkte gar nicht oder eingeschränkt stattregulierend zu wirken, in vollem Umfange nachgefomemn. Die Beregulierend zu wirken, in vollem Umfange nachgekommen. Die BeAlbin Gerisch mar lange Jahre ehrenamtlich im Kommunaldienst zirksversammlung beschloß, die Straße 83 in Baumschulenweg in Treptom tätig. Die Bezirksversammlung genehmigte die endgültigen Entwürfe und Kostenanschläge für den Neubau eines Feuerwehrdienstgebäudes in Niederschöne weide. Die Mittel für Errichtung von Schularztzimmern in Oberschöneweide und Adlershof wurden zur Verfügung geftellt. Die Bezirksversammlung stimmte dem Plan zur Erweiterung aft traftwagenzuges für den Bezirksfuhrpart war die Berdes Friedhofes an der Kiefholzstraße zu. Mit der Anschaffung eines fammlung einverstanden. Für den Straßenzug Treptower Chaussee, Alt- Treptow, Neue Krug Allee wunde beschlossen. Ferner wurde beschlossen, den privaten Wochenmarkt in die Einrichtung einer elettrischen Mittelbeleuchtung Oberschöneweide, Wilhelminenhofstraße 80/81, ab 1. Januar 1926 in die Verwaltung des Bezirks Treptow zu übernehmen. 17. Bezirk- Lichtenberg. wieder den Gen. Gustav Tempel zum Vorsteher, als StellDie erste Bezirksverordnetenversammlung wählte durch Zuruf vertreter Rehberg( Komm.). Bei der Wahl zum 2. Stellvertreter mar Zettelwahl notwendig; gewählt wurde Riesebrodt( Dem.). Durch 3uruf wurde zum Schriftführer Gen. Gronwald, zu Stell bestimmt. Bei der Wahl zum Wahlausschuß wurden 47 Stinumzettel abgegeben, für Thurm( Soz.) 18, Kowalfe( KPD.) 13, vertretern wurden Ponsong( KPD.), Weinert( KPD.), Otto( D. Vp.) Bimmermann( Dnat.) 10, Bejete( Mitte) 6 Stimmen. Die Listen Tempel gab befannt, daß der Oberpräsident die Wahl des StadtThurm und Kowalfe waren verbunden. rats Stimming zum Bürgermeister des Bezirksamts Lichtenberg Der Vorsteher Genosse nicht bestätigt habe. Die Aussprache hierüber, sowie über Maßnahmen des Bezirksamts zur Linderung der Not der Erwerbslosen wurde bis zur nächsten Sigung vertagt. wurde durch Bürgermeister Berndt eröffnet. Die erste Sigung der neuen Bezirksversammlung Schöneberg Seine Ausführun tationsmethoden ertennen ließen, dürften die von ihm als erstrebensgen, die die hinreichend bekannten Merkmale deutschnationaler Agimert bezeichnete Busammenarbeit zwischen dem Berliner Magistrat und dem Bezirk Schöneberg nicht fördern. Zum Vorsteher wurde der deutschnationale Bezirksverordnete Evers mit 53 von 59 ab. gegebenen Stimmen, zu Stellvertretern unser Genosse Flatau einstimmig durch Zuruf und der Bezirksverordnete Dr. Teufer ( D. Bp.) mit 52 von 58 abgegebenen Stimmen gewählt. Letzterer Posten von seinen deutschnationalen Freunden nicht mehr als würdig war bisher Bezirksverordnetenvorsteher, wurde aber für diesen erachtet, nachdem nach der Dezimierung der Volkspartei das politische Liebesverhältnis zwischen ihr und den Deutschnationalen gelöst morden war. Der Hauptinhalt der Berhandlungen, die eine Seltenheit für Schöneberg vier Stunden dauerten, bildete eine Erwerbslosendebatte. In dieser unterstrich der Fraktionsvorsigende der SPD., Genosse Czeminsti, die berechtigten Wünsche der Erwerbslosen, die in sehr großer Zahl auf der Tribüne anwesend maren. Er betonte auch die Notwendigkeit, durch Entscheidungen der Bezirksversammlung die von der Berliner SPD- Fraktion ver. anlaßten Maßnahmen des zentralen Magistrats nachdrücklich zu unterstützen. Ein entsprechender Antrag wurde einstimmig einem Ausschuß zur Spezialberatung überwiesen. Genoffe Wendt wandte fich dann noch als Begründer einer Anfrage gegen die aus pädlich agogischen und fachlichen Gründen zu verurteilende eran= ziehung von Schulkindern zu Straßensammlun gen. Die Antwort des Bürgermeisters Berndt war höchst unbefriedigend. Nach der Wahl einiger ständiger Ausschüsse wurde die Bezirksversammlung bis Mitte Januar vertagt. Januarfizung werden die Haushaltsberatungen beendet und die In der ersten Wahlen vorgenommen werden, u. a. auch die der unbesoldeten Stadträte. 12. Bezirk Steglitz. Die erste Bezirksverordnetenversammlung des Steglitzer Bezirks nahm die Wahl des Vorstehers vor. Es wurden drei Kandidaten präsentiert: von den Deutschnationalen Stadtv. Bunge, von der Boltspartei Stadtv. Schwarz, von den Kommunisten Stadtv. Marquardt. Schwartz( D. Vp.) wurde gewählt. Genoffe Heinig wurde 2. Borsigender. Die Beisitzer wurden von den vier stärksten Parteien gestellt. Nach Erledigung einiger weiterer Wahlen famen zwei fommunistische Dringlichkeitsanträge über Erwerbslosen fragen zur Beratung, deren Dringlichkeit nicht widersprochen wurde. Es wurde gefordert, daß jedem Erwerbslosen 100 M., ieder Frau 50 M. und jedem Kinde 25 m. noch vor Weihnachten zu zahlen seien. Weiter wurde Beschaffung von Not standsarbeit verlangt, die zum Tarif zu entlohnen sei und die die Gemeinde in eigener Regie ausführen sollte. Weiter wurden als Erwerbslosenfürsorge 80 Proz. des Tariflohnes und Fortfall der Bedürftigkeitsprüfung gefordert. Bezirksv. Engel( Wirtsch. Bereinig.) entrüstet sich über die Forderung, daß die Arbeiten in eigener Regie ausgeführt werden sollten. Auf diese Arbeiten hätten die Gewerbetreibenden ein Recht. Der Bezirksbürgermeister führte aus, daß das Bezirksamt keine Möglichkeit zur Hilfe habe und verwies auf die Gefeßgebung und die Stadtverordnetenversammlung. Man hätte erwarten dürfen, daß er stärker hervorheben würde, was tatsächlich bisher bereits geschehen ist und daß ein Teil der Forderungen bereits durch Magistratsbeschluß erfüllt ist. Die Kommunisten hatten also auch gleich die nötigen Anhaltspunkte und benutzten die Versammlung für ihre Agitation. Die Tribüne war während der Berhandlungen äußerst unruhig. Schließlich beantragte Genoffe lofe Ausschußberatung. Diese wurde endlich auch gegen die Stimmen der Kommunisten angenommen. Darauf bemächtigte sich der Zuhörer auf der Tribüne eine heftige Erregung, die sich in Rufen wie:„ Begräbnis 1. Klaffe. Wir haben Hunger. Vollgefressene Bäuche usw. lebhaft Luft machten. Es ist selbstverständlich, daß unsere Genossen alles Mögliche tun werden und tun müssen, um den Erwerbslosen zu helfen, denn die Not steigt ständig, und die geringe Hilfe, die bisher gegeben wurde, muß die Erwerbslosen erbittern. 15. Bezirk Treptow. Die letzte Sigung der Bezirksversammlung Treptow war nach Erledigung der von der alten Versammlung übernommenen tommunistischen Agitationsanträge fehr arbeitsreich. Wie auch in anderen Bersammlungen hatten die Kommunisten urplöglich ihre Sorge für die arbeitslosen Bolksgenossen entdeckt. Erhöhung der Unterstügung, Lieferung der Brennmaterialien, der Kleidung usw. beantragten fie, außerdem führten sie Beschwerde über die Behandlung von Arbeits. losen in der Erwerbslosenfürsorge. Genosse Bürgermeister Grunow ging eingehend auf die kommunistischen Anträge und auf die vorgebrachte Beschwerde ein. Unter lebhafter Zustimmung der Verfammlung erklärte er, daß jeder vom Bezirksamt folange anständig behandelt werde, auch wenn er Kommunist sei, als er sich den Beamten und Angestellten der Erwerbslosenfürsorge gegenüber anständig benimmt. Genosse Beder rechnete mit der KPD. ab. Nur wenn die Tribünen voll besetzt sind, dann finde die KPD.- Fraktion große Worte, sonst und in den Ausschußsizungen schweigen sich die Stommunisten aus, wenn sie nicht vorziehen, überhaupt nicht zu erscheinen. Im Ausschuß, der sich mit den Anträgen beschäftigte, hat der KPD.- Vertreter sich in jeder Beziehung mit den In der zweiten Sigung wurde die Wahl von sechs unbefoldeten Weiß und Klüsener, von der KPD. Torgler und Maurischat, Stadträten, vorgenommen. Gewählt wurden unsere Genossen Landschulz( Dnat.) und Köhler( Deni.). Eine große Debatte rief eine Vorlage des Bezirks betr. Maßnahmen zur Linderung der Wohnungsnot im Verwaltungsbezirk Lichtenberg hervor, die Genosse Stadtrat Witte begründete. -in den nächsten 5 Jahren zu errichten, wurde einstimmig anDie Borlage, in der gefordert wird, 500 Neubauwohnungen jährAntrag der Sozialdemokratie aus, der praktische Vorschläge für die genommen. Den größten Raum füllte die Aussprache über einen Beschäftigung von Arbeitslosen zu tariflichem Lohn innerhalb des Bezirks enthielt. bemängelten aber den geforderten Wohnungsbau in eigener Regie Gen. Räming begründete diefen Antrag. Engler( Dnat.) und Besele( Wirtschaftspartei) stimmten ebenfalls zu, und beantragten Streichung dieser Worte. Die KPD. stellte Zufazanträge, die mit den Stimmen der Linken angenommen wurden. rufe, und es war interessant zu sehen, wie sich der BorsteherBei diesen Verhandlungen beteiligte sich die Tribüne durch Zwischenstellvertreter Rehberg( KPD.) vergeblich bemühte, die von seiner lich unter Ablehnung des Streichungsantrages einstimmig anPartei gerufenen Geister zu beschwören. Der Antrag wurde schließgenommen. Es folgte die Aussprache über die Nichtbestätigung der Bahl des Gen. Stimming zum Bürgermeister. Hierzu lag ein vom Gen. Thurm vertretener Antrag der Sozialbemotraten vor, in dem energisch gegen diesen ungerechtfertigten Eingriff in Die Selbstverwaltung protestiert wird und vom Minister eine Korrektur dieses Entscheides erwartet wird. Riesebrodi( Dem.) beantragte, den Oberpräsidenten um Angabe der Gründe der Ablehnung zu ersuchen. Beide Anträge wurden einstimmig angenommen. anträge der KPD.: Hilfe für Kriegsopfer ufm., entspann sich eine Bei der Besprechung einiger Dringlichkeits. Deckungs" debatte. Auf Anfrage gab der Vorsteher bekannt, daß an Vorbehaltsmitteln noch etwa 5000 bis 6000. vorhanden seien. Gen. Thurm wies nach, wie unsinnig es ist, Anträge zu stellen, die 270 000 m. erfordern, trotzdem die KPD.- Bertreter wissen, daß tein Geld im Bezirksamt ist. Leez( KPD.) wollte, daß die Mittel von Berlin angefordert werden und versprach, hierfür Steuern bewilligen zu wollen. Gen. Thurm bemerkte dazu, daß, wenn auch die Stadtverordnetenversammlung entsprechend beschlöffe, zu einem folchen Beschluß die Zustimmung des Magistrats notwendig sei, und der ist dank der kommunistischen Abbautaktik jegt in der Mehrheit bürgerlich und wird daher einem derartigen Beschluß niemals beitreten. Inzwischen hatte die Rechte mit Ausnahme einiger Horchposten das Haus verlassen. " 19. Bezirk Bankow. lung ihre Tätigkeit. Die SPD. ist mit ihren 14 Bertretern bie Mit der hier schon fattfam betanntgewordenen Bergewaltigung aller parlamentarischen Begriffe begann die neue Bezirksversamm stärkste Frattion. Sie nimmt natürlich nach altem parlamentarischen Gebrauch das Recht, den Vorfizenden der Bersammlung zu stellen, für fich in Anpruch. Borgeschlagen wurde unser Genoffe Rubia, von den Deutschnationalen der Landtagsabgeordnete urtgen. Beide Kandidaten erhielten 21 Stimmen. Das Los entschied für Hurtgen. Gegen die ausgesprochenen Rechtsparteiler tann man feinen Borwurf erheben. Sie sind alte Gegner des Parlamentarismus und bleiben sich damit durchaus treu. Wo blieben aber vor allem die Demokraten? Im Wahlfampf haben sich die Deutſch nationalen mit den Demokraten auf das grimmigste bekämpft und gaben bei jeder Gelegenheit ihrem gegenseitigen Haß den deutlichsten Ausdruck. Als es galt, hier demokratische Rechte zu verteidigen, duckten und ordneten sie sich dem Willen der Republitgegner unter. Genosse Amberg tennzeichnete das Berhalten dieser Demokraten und erklärte, daß die SPD. sich nicht weiter an der Besehung des Borstands beteiligen werde. Die KBD. dagegen entfendet sogar ihren Fraktionsvorsitzenden in den Vorstand. Bären die Mitglieder der KPD. alle anwesend gewesen, hätte die Linke die Mehrheit gehabt. Anträge der SPD. und KPD., die zu der großen Notlage Stellung nehmen sollten, wurden der Versammlung vorgelegt. Genosse Lösner schilderte die Not der Erwerbslojen, besonders der Ausgesteuerten, aber auch der Kurzarbeiter. Die Anträge der SPD. und KPD. wurden angenommen. Nun erfolgte die Wahl der unbesoldeten Stadträte. Unsere Liste war mit der der Kommu nisten verbunden. Gewählt wurde Genosse Böltet und durch das Los Genoffe Hiege. Der Kommunist Menz fiel dadurch aus. Es rächte sich bitter das Fehlen des einen Kommunisten. Die Deutsch nationalen hatten mit den anderen Fraktionen eine Liste aufgestellt, an vierter Stelle stand ein Demokrat. Gewählt wurden Düring ( D. Vp.) und Faust( Dnat.). Das Bezirksamt wird jetzt von drei Genossen und sechs Bürgerlichen verwaltet. Zu der Wahl des Haushaltungsausschusses bat das Bezirksamt in einer Borlage, die Vertreter des Bezirksamtes hinzuziehen zu wollen. Unsere Genossen lehnten diesen Teil der Vorlage ab, da diese Forderung selbstverständlich und auch im Gesetz gesichert ist. Nur die engstirnige Stellungnahme der bisherigen Versammlung gegen das bisher linksgerichtete Bezirksamt ließ diese Selbstverständlichkeit nicht zu. 20. Bezirk Reinidendorf. Die Sigungen abgehalten. In der Sizung am 9. Dezember wurde nach neugewählte Bezirksversammlung hat bereits zwei Den einleitenden Worten des Bürgermeisters Reichheim( Dem.) und der Einführung der Bezirksverordneten unter dem Alterspräsidium der Genoffin Riesel unser Genosse Rogolf zum Vor fteher wiedergewählt. Hierbei stimmten die Demokraten mit uns, während die Kommunisten und die sogenannte bürgerliche Fraktion sich der Stimme enthielten. Stellvertreter wurde ein Kommunist, 1. Beifizer ein Bürgerlicher und 2. Beisiger unser Genosse Wendt land. In der zweiten Sigung am 16. Dezember erfolgte zunächst die Wahl der unbesoldeten Stadträte. Unsere Genossen Gustav Schwabedahl und Alfred Schäfer wurden wiedergewählt, während die Bürgerlichen, die bisher zwei unbesoldete Stadträte hatten, nur einen erhielten und einen an die Kommunisten abgeben mußten. Von der Versammlung wurde dann der Neubau von zwei Schulhäusern in Wittenau und Frohnau beschlossen. Die Volksschulkinder sind dort zum Teil in alten, viel zu engen und ungesunden Gebäuden untergebracht, zum Teil in einem Privathaus, das völlig ungenügend ist. Da in demselben Ge bäude sich außer anderen Geschäften eine Drogerie mit feuergefähr. lichen Stoffen befindet, fo müßte bei der engen Wendeltreppe ein Brand die entsetzlichsten Folgen haben. Während unsere Fraktion bereits am 9. September an das Bezirksamt eine Anfrage betreffend Linderung der Not der Erwerbslosen gerichtet hatte und die Beantwortung durch den Genossen Hecht erfolgte, suchten die Kommunisten durch einen Antrag und ellenlange demagogische Reden sich als die einzigen Arbeiterfreunde( 1) aufzuspielen. Aber selbst ein Bürgerlicher erklärte darauf seine Parteifreunde als Arbeiterfreunde, was große Heiterfeit hervorrief. Unsere Genossen Koch und Elpel wiefen dann darauf hin, daß nur das Beschließen erfüllbarer Forde rungen für die Notleidenden einen 3wed hätte, daß die Kommuniften aber sehr gut wissen, daß vieles, was von ihnen gefordert wird, undurchführbar ist. Das gaben dann die Kommunisten auch fleinlaut zu. Wegen der vorgerückten Zeit mußte dann die Sigung vertagt werden. Krähwinkel in Friedenau. Man schreibt uns: In den Nachkriegsjahren wurde im Rathaus in Friedenau die dort bestehende Feuerwache als Berufsfeuermache ausge baut. Nebenher bestand und besteht heute noch eine freiwillige Feuerwehr, die aber nur noch bei größeren Bränden herangezogen wurde. Zwischen beiden war das Verhältnis sehr gespannt. Vor einiger Zeit ist nun in Steglitz die neuerbaute Feuermache bezogen worden. Da die Entfernungen nicht allzu groß find, fall die Berufsmache in Friedenau eingehen und der Feuerschuh in der Hauptsache von der Feuerwache in Steglig übernommen werben. Kommt man nun mit Mitgliedern der freiwilligen Feuer wehr ins Gespräch, so wird frohlockend mitgeteilt, daß es endlich gelungen fei, die Berufsfeuerwehrleute zu verdrängen und mun die freiwillige Feuerwehr wieder allein die Feuerwache beziehen und den Feuerschutz übernehmen wird. Wie sieht es nun aber damit aus? Bespannung stellt, wie man erfährt, ein Kohlenhändler. Wenn die Pferde voll tätig sind, entsteht natürlich eine begreifliche Berzögerung. Es soll sogar die Absicht vorhanden sein, das Autofahrzeug der Berufswache zu behalten und aus den Reihen der freiwilligen Feuerwehr täglich 3 Mann zu stellen, die als Fahrer und Telephonist Berwendung finden sollen. Man will also die eingehende Berufswache in anderer Form wieder aufleben lassen. Allerdings foll dann die Besetzung nicht als Berufsfeuerwehrmann erfolgen, sondern der Führer der freiwilligen Feuerwehr ist der Kommandant dieser Leute und diese gelten nur als freiwillige Feuerwehrleute. Wird der Feuerschutz von Steglitz von der dortigen Berufswache ausgeübt, so wird, wenn der Alarm nicht absichtlich von Friedenau aus verzögert wird, die Berufsmache zuerst an der Brandstelle eintreffen. lebt nun aber, wie sie anscheinend will, die freimillige Feuerwehr allein den Feuerschutz aus und holt nur Hilfe bei größeren Bränden, so muß man mit allerlei Zufälligkeiten rechnen. Für die Einwohner von Friedenau muß aber nun doch perlangt werden, daß der Feuerschuh so sichergestellt ist, wie erim Interesse eines so großen Gemeinwesens liegt. Es fann doch nicht angehen, daß, nur um den Machthunger von Führern zu stillen, Hab und Gut oder sogar das Leben der Einwohner Friedenaus gefährdet wird. Die Einwohner von Berlin müssen von ihren Feuerwehren erwarten, gleichgültig ob sie ihren Dienst als Berufsfeuerwehren oder als freiwillige Feuerwehren tun, daß sie nur der Sache dienen. Artet aber der Gegensatz zwischen Berufs- und freiwilliger Feuerwehr so aus wie in Friedenau, so ist es Zeit, daß sich die Feuerlöschkommission der Stadt Berlin und der Magistrat in Schöneberg, zu dem Friedenau nach der Eingemeindung gehört, damit beschäftigen. Berbot der alten Dienstfiegel der Gemeindevorsteher. Es ist zur Kenntnis des Preußischen Innenministers gekommen, daß einzelne Gemeindevorsteher noch Dienstsiegel mit dem alten preußischen Adler führen. Wie der Amtliche Breußische Bressedienst mitteilt, ordnet der Minister in einem Runderlag( IVa I 1172) an, daß die Benutzung solcher Dienststegel Hinfort zu unterbleiben hat. Die Aufsichtsbehörden haben darauf zu achten, daß dieser Weisung Folge geleistet wird. Für ehemalige Rentenempfänger. Im Kreise der Empfangsberechtigten scheint nicht zur Genüge bekannt zu sein, daß die einmalige Zahlung von 50 M. gemäß der Ergänzung des§ 104 des Reichsversorgungsgefeges auf Grund des Artifels II des Gefeßes vom 28. Juli 1925 außer den im Jahre 1923 mit 600 000 Papiermart abgefundenen Rentenempfängern auch diejenigen Beschädigten erhalten können, deren Rente megen Herabfegung des Grades ihrer Erwerbsminderung auf unter 25 Proz. bis zum 28. februar 1926 noch in Wegfall kommt. Diese Fälle werden schon häufiger bei den von den Versorgungsämtern seit Anfang 1924 vorgenommenen Nachprüfungen eingetreten sein und noch eintreten. Gleichzeitig wird noch darauf hingewiesen, daß die 50 RM. nur bewilligt werden können, wenn das durch. schnittliche Monatseintommen des Beschädigten( ohne Frauen und Kinderzulage sowie nach Abzug der Steuer, der Beiträge zur Kranten, Invaliden- und Angestelltenversicherung und der vom Beschädigten für sich und seine nicht selbständig zur Einkommen. fteuer veranlagten Haushaltsangehörigen aufzubringenden Beträge zur freiwilligen Kranten, Unfall, Haftpflicht- und Lebensversiche rungen, zu Sterbefassen, zu Witwen, Baisen- und Pensionskassen) 200 RM. nicht übersteigt. Derartige Anträge müssen vor dem 1. März 1926 bei dem zuständigen Bersorgungsamt gestellt Der 2. Januar 1926, ein wichtiger Termin filr die Spieler in der Preußisch- Süddeutschen Klaffenlotterie. An ihm läuft Die Frift ab für die Erneuerung der Cofe zur 4. Blaffe. Ber feine Spielbeteiligung gesichert wissen will, darf diese Frist nicht verfäumen zumal die Lose fehr fnapp find und andauernd starte Nachfrage danach herrscht. Ueber 3 Millionen Reichsmart Gewinne werden in der 4. Riaffe 26/252. Alaffenlotterie ausgespielt, worunter 2 Gewinne zu je 100 000 Reichsmart, 2 Gewinne zu je 50 000 Reichsmart, 2 Gewinne zu je 10 000 Reichsmart und viele andere mehr. Die Ziehung findet statt am 8. und 9. Januar 1926werden. Die 50 RM. Tönnen dagegen nicht erhalten die Beschädigten, die bei der erstmaligen Brüfung ihres Versorgungsanspruchs nach dem Reichsversorgungsgesetz( llmanerkennung) auf Grund des§ 94 ( jezt§ 103) des genannten Gesezes mit dem dreifachen Jahresbetrage der Rente von 10 Proz. abgefunden worden sind. Schankerlaubnismißstände 920 Schankreform! Daß die Bestrebungen für eingreifende Berbesserung unseres Schanferlaubniswesens nicht ohne Grund sind, zeigen zahlreiche Einzelbilder und Beobachtungen, die auch in den Gastwirte Preisen selbst mannigfachen Widerhall in Form von Rufen nach einer Aenderung, vor allem gegen Errichtung neuer Schantwirt schaften gefunden haben. Da wird beispielsweise vor einiger Zeit in dem Städtchen W. in der Mark Brandenburg zu 18 Schanfstätten, die bei 2700 Einwohnern vorhanden waren, noch eine neue bewilligt, it a dt hat nach der neuesten Aufnahme vom Juni d. J. 16350 so daß jetzt auf je 142 Einwohner eine tommt. Die Reichs haupt Gast und Schantwirtschaften. Das bedeutet zwar eine Abnahme um etwa 1000 seit 1919, immerhin aber tommt noch auf rund 240 Einwohner( Frauen, Kinder, Krante, Greise ein hausen am Harz z. B. hat 46 Gastwirtschaften, 69 Schantwirt. gerechnet) und auf 5 bebaute Grundstücke eine Wirtschaft. Nord schaften mit unbeschränktem Betrieb, 31 Schankwirtschaften mit be schränktem Betrieb und 54 Spirituskleinhandlungen. Das find ins gesamt 200 Alkoholverkaufsstellen oder ein Ausschant auf 175 Ein wohner. Dabei noch nicht eingerechnet die Flaschenbierhandlungen, die Kantinen, einige Ausschankstätten in der nächsten Nachbarschaft. Solche beliebig herausgegriffene Beispiele ließen sich häufen. Wer mill angesichts solcher Tatbestände bestreiten, daß es an der Zeit ist, im Interesse der Volksgesundheit und des Boltswohls, wie eines gefunden Gastwirtsgewerbes selbst, eine Aenderung unseres Schanterlaubniswesens zu treffen? Be 50 000 Betten für Fremde in Berlin! Trog der großen wirtschaftlichen Bedeutung des Fremden. verkehrs für Berlin, der in der Zeit vom Oktober 1924 bis September 1925 im Gesamtgebiet der Stadt Berlin die Ziffer von 1519 000( gegen 1430 000 im Jahre 1913) erreichte, fehlte es bisher noch an einer vollständigen Kenntnis der vorhandenen herbergungsstätten für Fremde. Das Statistische Amt der diese Beherbergungsstätten nach dem Stande vom 30. September Stadt Berlin hat daher durch Vermittlung der Bezirksämter 1924 auf Grund der Unterlagen der im Herbst vorigen Jahres außer Kraft gefeßten Beherbergungssteuer festzustellen versucht. Wie Obermagistratsrat Dr. Kürten, Abteilungsleiter im Statistischen Amt, in den Berliner Wirtschaftsberichten mitteilt, waren am 30. September 1924 an Hotels und Gasthöfen insgesamt 543 vorhanden, wozu noch 861 Fremdenheime, Pensionen usw. und 58 Vereinshäuser, Hospize und Herbergen tommen. Die Zahl der 3immer in Hotels und Gasthöfen betrug in ganz Berlin ohne Einrechnung der Vororte schäzungsweise 14 000, in Fremdenheimen 6000 bis 6500, in den Hofpizen und Herbergen annähernd 2000. 28 000 festzulegen; dazu find noch 22 000 Betten in Brivatwohnungen Die Zahl der Betten in den Beherbergungsstätten ist auf rund zu rechnen, in denen Fremde aufgenommen werden. Alles in allem beträgt also die Zahl der in Berlin für Fremde gegen Entgelt bereitgehaltenen Betten mindestens 50 000. Gültigkeitsdauer der Bauscheine. Die am 1. Dezember d. J. in Kraft getretene Bauordnung für die Stadt Berlin vom 3. November 1925 bestimmt, worauf die Städtische Baupolizei hinweist, in$ 37 Biffer 1 Abfat 2, daß die nach den früheren Baupolizeiverordnungen bereits erteilten Bauscheine die Gültigkeit nach Ablauf von drei Monaten vom Tage der Veröffentlichung ab verlieren, wenn nicht inzwischen der Bau begonnen ist und bei Neubauten, wenn nicht inzwischen die Grundmauern gelegt sind. Auf diese Bestimmung wird besonders hin gewiesen. Sie gilt für die nach den bisher gültigen Baupolizei verordnungen erteilten Bauscheine auch dann, wenn in ihnen gesagt ist, daß für Neubauten die Gültigkeit nach Jahresfrist erlischt, falls nicht inzwischen die Fundamente gelegt und die Rellermauern bis zur Erdoberfläche hergestellt sind, oder ähnliches. Benn aus Billigkeitsgründen eine Verlängerung des Bauscheins über den 3. Februar 1926 gewünscht wird, so fann dem nur im Wege des Dispenses stattgegeben werden. 言 2 Notgemeinschaften zur Förderung des Wohnungsbaues finden mehr und mehr Antlang bei den Städten. Besonders beachtenswert ist neben den bereits bestehenden Notgemeinschaften der Städte Augsburg, Lüneburg, Marienburg, Schweinfurt die in diesem Frühjahr entstandene Bayreuther Spar- und Rotge meinschaft zur Förderung des Wohnungsbaues e. B. Das soeben erschienene Jahrbuch der Bodenreform ( 1925, Nr. 4), Berlag Bodenreform, Berlin NW 23, Leffingstraße 11, enthält all die Dokumente, die die Entstehung, die Organisations. form und die praktische Arbeit der Bayreuther Notgemeinschaft bei fpielhaft darstellen: Rundschreiben, Aufrufe, Protofolle, Sagungen, Werbeblätter u. a. amtliche Vorgänge. Regierungsrat 3ahnBayreuth, schildert in einem instruktiven Aufsatz die praktischen Erfahrungen und Erfolge dieser Organisationen. Das Heft enthält außerdem einen Erbbaurechtsvertrag der Stadt Weißensee in Thüringen, der bemerkenswert ist durch die Anwendung eines Erbbauzinses, der nach der Höhe des Sparkassen zinsfußes beweglich ist. Als praktisches Beispiel wertvoll ist auch der ebendort veröffentlichte Vertrag der Stadt Schönberg ( Mecklenburg) für den Bertauf Gemeindegrundeigentums gegen einen wertbeständigen Kanon. An leitender Stelle bringt das Heft den Vortrag über den Entwurf eines preußischen Städtebaugeseges, womit Regierungspräsident Krüger, Lüneburg, die Reihe der Vorträge auf der 30. Hauptversammlung des Bundes deutscher Bodenreformer eröffnet hat. Parteinachrichten Sinfendungen für diese Stabrit find Berlin B., Lindenstraße 3. Jugendveranstaltungen. Abteilungsleiter! Gebt die Monaisprogramme für Februar eb. Ratten sur Silvesterfeier im Stadthaus find noch im Jugendfelretariat baben. Achtung, Abteilungsfaffierer! Seurte Abrechnung und Ausgabe des Jugend Bonan!" und der Arbeiter- Jugend von Januar. Heute, Mittwoch, den 30. Dezember, abends 7½ Uhr: Beften: Jugendheim Dennewikstraße.. Beginn der Arbeitsgemeinschaft Seidelberger Brogramm mitbringen. Lichtenberg- Mitte: Jugendheim Doffeftrake 22. Bortrag: Sarzwanderungen". Buchholz: Borstandsfikung. Morgen, Donnerstag, den 31. Dezember: Stegli I: 31. Dezember bis 3. Januar Fahrt. Treffpunkt 8 Uhr abends Stettiner Borortbahnhof. Lichtenberg- Mitte: Treffpunft zum Gilvestertonaert Schöneberg I: Treffpunkt 9 Uhr abends Bahnhof Stralau- Rummelsbura. Sungjozialisten. Gruppe Mitte: Gemeinfame Jahreswendfeier mit den Rinder Aum Silvesterkonzert 9 Uhr abends Raiser- Wilhelm- Blak. freunden Mitte in der Jugendherberge Alein- Röris. Treffpunkt Donners. bag nachmittag 26 Uhr Bahnhof Alexanderplat. Nadhaigler fahren 8,45 Uhr abends vom Görliger Fernbahnhof mit Sonatan- Rüdfahrkarte nad TeuvisGroß- Röris. Neujahr- Kurfus: Die Teilnehmer treffen fich abends 17 Uhr Botsbamer Bahnhof, Freitreppe. Arbeitersport. Alkohol und Nikotin. Eines der größten Länder unseres Erdballs hot schon seit mehreren Jahren das Alkoholverbot ausgesprochen und die empfindlichsten Strafen über diejenigen verhängt, die auf eine unlautere Art und Weise gegen dieses Staatsgesetz verstoßen. In jüngster Zeit schlossen sich auch einige andere Staaten diesem Beispiel an. Das veranlassende Moment für dieses eingreifende Vorgehen war wohl der vorherrschende Gedanke, daß durch völlige Alkoholabstinenz die Bolksgesundheit nicht nur erhalten, sondern in erheblichem Maße gefördert werden soll. Ob aber in dem Streben nach Hebung der Gesundheit mit einem derart scharfen Verbot der richtige Weg gefunden sein wird, erscheint zweifelhaft, wenn man bedenkt, daß unter den volksrende Stellung behauptet, und das ist der Tabat. Man muß das tümlichen Genußmitteln eins in allen Bolfsschichten eine dominiein ihm enthaltene Nikotin als das Schädigende ansehen, das im Laufe der Zeit den menschlichen Organismus mehr oder minder schwer schädigt und schließlich die Gesundheit der Gesamtheit herabfegt. Ja, vom physiologischen Standpunkt aus befigt Alkohol sogar einen gewissen Nährwert, während Nikotin nicht nur feinen Nährwert hat, sondern sogar eins der stärksten Herzgifte iſt. Man fann alio von einer generellen Hebung der Gesundheit nur dann sprechen, wenn beide, Alkohol und Nikotin, der Gesamtheit entzogen werden. Das wäre zwar ein Idealzustand, dessen Verwirtlichung aber aus leicht ersichtlichen Gründen fast unerreichbar und unmöglich ist. sonders auch für den Sportsmann von Intereſſe ſein dürfte: Es steht munmehr die Frage offen, deren Beantwortung belebt der Genuß von Alkohol und Tabat eine herabießende Wirkung auf die Tätigkeit des Menschen aus, gleichgültig ob sie geistiger oder törperlicher Natur ist? Bei der Beurteilung dieser Frage spielt natürlich die Individualität und Konstitution des einzelnen eine wichtige Rolle. Im allgemeinen find Nachteile durch den Genuß von alkoholischen Getränken und Tabakrauchent an der Arbeitstraft und des Gesundheitszustandes bei einer sonst ge ordneten Lebensweise nicht zu verzeichnen, wenn dabei nach dem Grundsay verfahren wird alles mit Mah". Daß Alkohol ein ausgezeichnetes Anregungsmittel ist, wird wohl jeder schon von selbst erfahren haben, der einen geselligen Abend miterlebt hat. Es fragt sich nun, ob beim Training der Alkoholgenuß und das Tabatrauchen statthaft ist. Schon aus erzieherischen Gründen sollte ein dies: bezügliches Verbot erlassen werden. Die freiwillig übernommene Berpflichtung stärkt die Willenskraft. Im übrigen haben wissenfchaftliche Untersuchungen ergeben, daß nach Alkoholgenuß zwar eine augenblidliche Leistungssteigerung, jedoch noch einigen Minuten eine langdauernde Herabsetzung der Leistungsfähigkeit eintritt. Deshalb sollten Trainingsleute furz vor ihrer jeweiligen sportlichen Betätigung feinen Alkohol zu sich nehmen. Für das Rauchen im Training fommt dasselbe in Betracht. mie beim Alkohol. Im allgemeinen wird der gesunde Mensch im täglichen Leben bei Unterlassung jeder Uebertreibung das Rauchen ohne Schaden vertragen fönnen. Nicht selten begegnet man aber unter Sportsleuten solche, die ohne die Zigarette nicht ausfommen fönnen und dazu noch durch die Lunge rauchen. Gerade dieser Umstand ist es, durch den so viele Menschen, auch wenn sie noch so fräftig sind, im Laufe der Zeit ihrer Gesundheit Abbruch tun und den Körper schwächen. Durch den Atmungsvorgang gelangt in die Lungen schon sowieso eine Menge schädlicher Substanzen, so daß es der Mensch wirklich nicht nötig hat, noch anderen, die sehr gut zu vermeiden sind, den Weg zu bahnen. Der mit Nikotin geichmängerte Rauch gelangt auf dem oberen Luftwege in die Lungen und verteilt sich dort bis in die feinsten Lungenbläschen, wo das Nikotin größtenteils haften bleibt und von hier aus auf dem Blutmege zum Herzen gelangt, das dann nach einer bestimmten Zeit dem betreffenden Individuum auf seine Art von der schleichenden Wirfung des Giftes Kenntnis gibt. So liegen die Dinae, die die Lungenraucher ahnungslos außer Acht laffen, bis sie ein Dejeft ihres Herzmotors aufmerken läßt. Dann ist es größtenteils zu fpät, die Fehler wieder gut zu machen. Läßt man es nicht erst zu einer gesundheitsschädigenden Beeinflussung durch Alkohol und Tabat fommen, wird jeder ohne Schaden den Genuß von beiden haben, den er gemäß seiner Individualität empfindet. für Groß- Berlin portbewegung: Bom Gesichtspunkt der Notwendigkeit der Einheit ftets en bas Bezirkssekretariat. 2. Sot, 2 Trep. rets, richten Voranzeige! Monten, ben 4. Sammer 1926, abends 7 Uhr, ftabet in Deutsches Sof, Sudaner Straße 15, eine allgemeine Funktionärversammlung tatt. Barteivorikender Hermann MIIer. Franken wird über: „ Die Regierungskrise und die Lage der Arbeitertlaffe" Bericht erstatten. Alle anderen Beranstaltungen müffen an diesem Sage water. bleiben. Der Bezirksverftanh. Heute, Mittwoch, den 30. Dezember: 14. bt. 7 Uhr im Swinemünder Gesellschaftshaus, Gwinemünder Str. 42. werden hierdurch nochmals herzlichst eingeladen. Die Einigungsbeschlüffe" im fommuniffiihen Urteil. Wir finden in der Kommunistischen Zeitschrift„ Die Arbeiter. Illustrierte folgende Bemerkungen über die auf dem Pariser Kongreß zustande gefommene Entschließung zur Einheit der Arbeiterder Arbeitersportbewegung bedeuten die Pariser Beschlüsse eine Halbheit. Doch ist gegenüber der früheren Stellung der Führerschaft der Luzerner Internationale ein gewaltiger Fortschritt zu ver zeichnen, der besonders in der Zulassung des Genossen ReußnerDiostau seinen sichtbaren Ausdruck findet." Mostau und seine Beauftragten sind, wie man sicht, recht be scheiden bei der Unrechnung ihrer Erfolge". Die Zentrale des Arbeifer- Touristenvereins„ Naturfreunde" in Wien hat neue Räume bezogen. Sie liegen im Erdgeschoß eines der Boltewohnhäuser, die die fozialdemokratische Verwaltung der Stadt Wien aus dem Ertrag der Wohnbauabgabe erbaut und trat in der Karl- Marg Straße. Die großartigen photographischen Ateliers der Zentrale find im Dachgeschoss Sonnenwendfeier, verbunden mit Sana. Die Genoffinnen und Genoffen desselben Haufes untergebracht. 86. Abt. Marienborf. Die Bezirtsführer holen die Bezugsscheine für bie et werbslosen Genoffen beim Abteilungsleiter, Dorfftt. 2, ab. 31. bt. Die Bezirksführer werden dringend ersucht, bis zum Freitag, den 1. Januar, beim Raffierer Goldschmidt bestimmt abzurechnen. 34. bt. Die neuen Büchertreismitglieder wollen noch in diesem Jahre Sefte und Buch abholen und bezahlen bei Bendel, Ropernikusftr. 4. Vorträge, Vereine und Versammlungen. Reichsbanner Schwarz- Rot- Gold". Gefäftsstelle: Berlin G. 14. Sebaftianfte. 37/38, Sof 2 Tr. Ziergarten. Mi., d. 30.. 8 Uhr, Turnhalle Schleswiger Ufer 14 Bflichtantreten für fämtliche attiven und passiven Mitglieder. EinLichtenberg und Unteraruppen. Mi., b. 30., 7 Uhr, erweiterte Borstandsikuna bei Rrüger, Türrschmidtftr. 33. Ortsgruppenvorfigenbe, Sug- und Gruppenführer haben zu erscheinen. Charlottenburg. trittskarten find abzurechnen. Do., d. 31., Silvefterfeier Wilhelmshof, Spreeftraka, ab 9 Uhr ohne Banner Heidung. Familien eingeladen. Arbeiter- Sport- Rartell Schöneberg- Friebenan. Dienstag, 5. Sanuaz, 8 Uhr, Mitgliederversammlung bei Lehmann, Fris- Reuter- Ede Marstraße. Sonn abend, 2. Januar, 8 Uhr, Borstandsfauna bei Lehmann. Berliner Schwimmverein Freiheit 1907. B. Mitgliederverfammlung Freitag, 8. Januar, 8 Uhr, bei Seidel. Schönhauser Alee 156. Sonntag 24. Sanuar, 3 Uhr. Schwimmfeft im Stadtbad Brenzlauer Berg, Oberberger Straße Für die Brudervereine fiche Ausschreibung im Schwimmer" und Freien Bafferfport". Meldeschluk: 10. Januar. Sonnabend, 30. 3onuar, 7 Uhr, ordentliche Generalversammlung bei Seidel, Schönhauser Allee 156. Anträge schriftlich bis 22. Januar an Schiller einreichen. Uebunosabende file alle Abteilungen regelmäßia Montaa abends von 27- Uhr und Donners tag abends von 7-9 Uhr( reserviert). Gäste ftets willfommen. Mufitaufträge übergibt man nur dem Nachweis des Deutsch. Mufiterverbandes, Berlin O 27. Andreasstr. 21( Rönigftabt 4310, 4048). Geschäftszeit 9 bis 8, Sonntags 10 bis 2 Uhr. Auf Bunfo Bertreterbefuch 3 Str. 613 42. Jahrgang 2. Beilage des Vorwärts Illusionen der Indexziffern. Eine notwendige Erwiderung. Aircalich neröffentlichte das Magazin der Wirtschaft"( ber frühere Blutus") oberflächliche Bemerkungen über die Grundlagen der Reichsteuerungsziffern, die in recht eindeutigen Vorwürfen gegen die Ge mertschaften gipfelten. Go hieß es beinahe politisch- agitatorisch, daß die Gewerkschaftsvertreter in der Inderfommission eine Stre führung der Deffe ntlichkeit deden und für die Gemertfchaftsmitglieder nicht unerhebliche Schä digungen verursachen. As felbstverständlich muß fcheinen, daß die Rote Fahne" auf diefes Stichwort hin entsprechende Artikel von sich gibt. er As freigewerkschaftliches Mitglied der Inderlommission fandte Genosse Seinig nach vorhergegangener Aussprache der Redaktion des Magazin" eine tritische Untersuchung der erhobenen Borwürfe und eine objektive Darstellung der gewertidaftlichen Stellungnahme aur Inderziffer. Das Magazin" lehnte aber dem Schmerangegriffenen die Beröffentlichung feiner Antwort ab, mit der Begründung, zum Teil fei man anderer Auffassung, und im übrigen werde man später" und ,, in anderem Rufammenhange" einige der angeschnittenen Fragen behandeln. Wir hängen das merkwürdig bedenkenlofe Verfahren, die Gewerb fchaftsvertreter zu beleidigen, ihnen aber die Möglichkeit zur Rlar. ftellung zu verweigern, auf die Art niedriger, daß wir Seinias Artikel hier veröffentlichen. Die Redaktion. Eine häufige Ursache zur fritischen Betrachtung der amtlichen Teuerungsberechnung ist der bei einfachen Bergleichen deutlich sichtbare Widerspruch zwischen den Tatsachen der sozialen Not und der schmalen Beränderung der Teuerungsturve. Die positive Kritik wird dies vermeiden, sie sucht die Irrtümer zu finden, appelliert dabei verständlicherweise an Helfende, die den Willen haben, ihre Korrekturen durchzusetzen. Dazu werden die Gewerkschaftler ziemlich regelmäßig eingeladen, zum mindesten auf die Antlagebant. Das Magazin der Wissenschaft" sagte das nach seiner Auffassung Notwendige kürzlich so: „ Die Mängel bei der Berechnung des Lebenshaltungsinder find um so verwunderlicher, als deren Feststellung durch eine Kommission erfolgt, in der auch Vertreter der Gewertschaften mitarbeiten. Auf diese Weise decken diese Organifationen eine Irreführung der Deffentlichkeit, die für ihre Mitglieder nicht unerhebliche Schädigungen im Gefolge hat." Die„ Rote Fahne" baute auf der Kritik des" Magazin zwei Leitartikel ihres volkswirtschaftlichen Teiles auf, man wird nicht erwarten, daß dabei die Gemertschaftler meniger vormurfsvoll be= handelt wurden. Es heißt dort etwa, daß es die historische Schuld" der Gewerkschaftsleitungen sei, daß jene aus der Kritit des Magazin" erwiesenen Auswirkungen der Inderfälschungen das Proletariat treffen. Jede Kritik, ob auf der Violine oder auf der Baute begleitet, verdient größte Aufmerksamkeit. Deswegen seien hier die Unterlagen des Magazin" untersucht; einige grundsäzliche Be merkungen zum Lebenshaltungsinder sollen dann angefügt werden. Bei der Inderreform im Winter 1924/25 ist von den Gemertschaftsvertretern der Inderkommission auf die Nachprüfung der Ausgangsziffern der Teuerungszahlen das größte Gemicht gelegt worden. Es handelte sich dabei für den deutschen Durchschnitt um 3193 3ahlen. Auf unseren Wunsch wurden im besonderen für die Kosten der Bekleidung von uns be nannte Spezialfachverständige zugezogen. Sie haben nicht nur die derzeitigen und die Borkriegspreise nachgeprüft und neu festgescht, um alle Irrtümer auszuschließen wurden z. B. für Textilprodukte fogar die einzelnen Warenqualitäten in Stoffproben neu festgelegt. Die örtlichen Erhebungen und Nachkontrollen erfolgten sämtlich an Hand dieser Unterlagen. Für die Lebensmittelpreise und die sonstigen Grundpofitionen des Lebenshaltungsinder hatten wir nicht nur die amtlichen sondern auch unsere eigenen Unterlagen. Bei jener Nachprüfung hat sich herausgestellt, daß im befonderen für die Ausgangsziffern der Bekleidung erhebliche Korrekturen zu machen waren, für die Lebensmittelpreise ist es, da die Tatsachen nichts anderes verlangten, im wesentlichen bei den schen vorhandenen Unterlagen geblieben. Der Inter wird in einem Einwohnergebiet von rund 26,7 millionen Menschen erhoben, von denen 7,8 Millionen in Großstädten mit über 500 000 Einwohnern, 3,8 Millionen in Orten mit 250 000 bis 500 000, 3,7 millionen in Orten mit 100 000 bis 250 000, 3,2 mil lionen in Orten mit 50 000 bis 100 000, 4,7 Millionen in Orten mit 20 000 bis 50 000 und 3,5 Millionen in Orten mit 10 000 bis 20 000 Einmehnern leben. Man wird zugeben, daß auf dieser Basis der Inder, someit sein Erhebungsgebiet in Betracht kommt, durch aus als repräsentativ angesehen merden kann. Das Magazin" geht bei seiner Kritit ausschließlich von den Berliner Borkriegspreisen aus und nimmt einfach an, daß es, seiner Kritik entsprechend, mit den übrigen, ven ihm nicht nachfontrollierten Ziffern, mahrscheinlich ebenso aussehen werde, das heißt, daß sie zu hoch angenommen sein sollen. In der Statistik schließen einfache Annahmen sehr viele FehlerAber untersuchen wir die Grundlagen der angegequellen in sich. benen Berliner Breise. Sie stammen nach den Angaben des Magazin" aus Warenhausangeboten des Jahres 1913 und aus Preisen der Konsumvereins- Bertaufsstellen. Die Berliner Unterlagen für die Ausgangsziffern des Reichsinder sind weit umfassender. Borerst: sie entstammen aus dem Durchschnitt der Monatszahlen Oftober 1913 und Januar, April und Juli 1914. Zum anderen: es sind nicht nur Konsumvereinspreise sie allein sind ja nicht ausreichend repräsentativ für die vier Millionen Menschen, deren Nahrungsmittel in Berlin täglich gekauft werden. Warenhausangebote sind noch weniger repräsentativ, vorerft, weil sie nicht regelmäßig vorhanden sind, und dann, weil sie häufig genug als Verkäufe auf gezogen werden, deren Verlust über Reklamefonte verbucht wird. Wenn die Unterlagen für Berlin kritisch nachgeprüft werden sollen, dann müssen die Ziffern, die uns vorgelegen haben, als unrichtig nachgewiesen werden. Es waren die folgenden, die wir hier sämtlich mit genauefter Quellenangabe zur öffentlichen Kon. trolle stellen. Lebensbedürfnisse Die Berliner Borkriegspreise im kleinhandel. Preis für 1 Kilogr.( in Bfg.) Dftbr. Jan.| April| Juli 1913 1914 1914 1914 1913/ 14 Preis b. 1913 / 141) 28,55 28,03 27,72 29,65 28,49 28 40 40 40 40 40 40 50 50 50 50 50 50 6 6 6 13 8. 180 178 172 170 175 175 168 160 146 138 153 155 270 278 274 262 271 270 ( 160) ( 160) ( 160) ( 160)||( 160) 140 140 140 140 130 188 138 45 45 44 45 45 45 9 10 7 8 9 9 24 24 24 24 24 Roggenbrot2). Erbsen, gelbe) Speisebohnen³) Kartoffeln) Rindfleisch), Schweinefleisch). Butter) Margarines) Schweineschmalz Zuder). Eiers) Vollmilchs). 24 Die eingeklammerten Preise beruhen auf Angaben der Konsum genoffenschaft Berlin und Umgegend e. G. m. b. H. Solange die obigen Ziffern nicht als falsch nachgewiesen sind, die Kritik des„ Magazin" irrig. ist Und nun zu den grundsäglichen Bemerkungen. Wenn die Reichsinderziffer richtig bewertet werden soll, muß man sehr genau damit vertraut sein, was sie nicht sein fann sammenfegung und Berechnung der Reichsteuerungsziffer zeigt dies und was sie nicht sein will. Ein gewisser Einblick in die Zu sehr deutlich. einem Eristenzminimum verwechselt. Der eine Grund Vor allem: die Reichsinderziffer wird allzuhäufig noch mit dieses Irrtums liegt auf der Hand. Darüber, was ein Eristenzminimum ist, was es zu enthalten hat und wie hoch es sein muß, würden sich Gewerkschaftsvertreter mit Unternehmervertretern und Regierungsstellen wahrscheinlich überhaupt nicht einigen fönnen. hier trennen Weltanschauungen. Die Wissenschaft ist bei solchen Auseinandersegungen gern mit ihren Kalorientabellen bei der Hand. Aber damit läßt sich zuviel beweisen. Wir erinnern uns an den Ritter Edler von Braun, der nach Kriegsausbruch feststellte", daß das deutsche Volk über ernährt sei, die gefunde Kalorien- 3wangs wirtschaft des Krieges werde der Volksgesundheit förderlich sein... Der Inder ist aber auch aus zwei weiteren tatsächlichen Gründen fein Existenzminimum. In der Reichsteuerungsziffer sind weder die Steuern, noch die Kosten des notwendigen Haushalts Wiederaufbaues enthalten, ebensowenig die Leistungspflichten zur Sozialversicherung. Und im übrigen ist das Wertigkeitsschema der Teuerungsziffer schon heute fo umfangreich, daß es wie Kuczinskys Berechnungen immer mieder beweisen außerhalb der Einkaufsmöglichkeiten weiter Bolfsschichten liegt. Aber wenn die erwähnten Einwendungen auch sämtlich nicht zu Recht beſtünden, eine Berechnung des derzeitigen Eriſtenzminimums wäre doch unmöglich, weil ja als Ausgangspunkt ein gedachtes Existenzminimum von 1913/14 konstruiert werden müßte. Auch da gäbe es mit den Gewerkschaftlern feine Einigung. 1) Jm Statistischen Jahrbuch für das Deutsche Reich 1924/25 ( 44. Jahrgang), S. 263 ff. In der Vorkriegszeit beröffentlicht im: 2) Stat. Jahrb. d. Stadt Berlin 1912/14( 33. Jahrg.), S. 489. 3) Amtl. Preisber. 3. Stat. Korrefp." 1918, Nr. 53, 1914, Nr. 8, 23, 38. 4) Stat. Jahrb. b. Stadt Berlin 1912/14( 33. Jahrg.), S. 426 ff. 5) Preis zusammenst. d. Stat. Amts b. Stadt Berlin, Dft. 1918, Jan., April/ Juli 1914. 6) Amtl. Preisber. z. Stat. Korrelp." 1913, Nr. 50, 52, 1914, Nr. 8, 23, 38. Stat. Jahrb. der Stadt Berlin 1912/14( 33. Jahrg.), S. 444 ff. 8) Wie vorstehend S. 426 ff. Keine Neujahrskarte ohne Wohlfahrtsbriefmarke für die Deutsche Nothilfe! Mittwoch, 30. Dezember 1925 Die Grundlagen der Reichsteuerungsziffer find nichts anderes cls eine repräsentative Zusammenfassung. Die amerikanischex Inderberechnungen gehen von einer grundsäßlich anderen Methode aus. Dort erfolgen menn wir nicht irren in 23 000 Familien tatsächliche Erhebungen. Aus ihnen werden die Querschnitte gebildet. Neben mancherlei Vorzügen hat diese Methode auch viele Nachteile, so daß der Wert der Grundlagenfeststellung praktisch durchaus der gleiche ist wie derjenige der repräsentativen Grundlagenkonstruktion. Nebenbei sei erwähnt, daß bei uns jede Einzelerhebung in jedem Ort durch Gemertschaftstertreter mit fontrolliert und verantwortlich gezeichnet wird. Nach der deutschen Berechnungsmethode werden die örtlichen Teuerungszahlen zu Durchschnitten verarbeitet, die den oben erwähnten Ortsgrößenklassen entsprechen. Diese Durchschnittsziffern werden nicht einfach zusammengezählt, sondern gemogen mit der Einwohnerzahl ihrer Größenflassen in Beziehung gefeht, erst dann erfolgt die Berechnung der Reichsdurchschnittsziffer. Für diese Gesamtzahl wirken sich die einzelnen Indergruppen ( Ernährung, Wohnung, Heizung, Beleuchtung, Kleidung, Verkehr und sonstige Bedürfnisse) a nteilsmäßig aus. Diese Quoten laffen sich durch einen Bergleich mit Borfriegsberech nungen( Haushaltsrechnungs- Erhebung von 1907) recht genau auf ihre Richtigkeit kontrollieren. Aus diesen Vergleichen geht hervor, daß dem repräsentativ be rechneten Index, mit Ausnahme von Verkehr und sonstiger Be darf", im wesentlichen die Vorkriegsverhältnisse zugrunde gelegt worden sind. Man muß dabei immer an die durchschnittliche Lebenshaltung von nahezu 27 Millionen Menschen denken, die durch die Preiserhebungen praktisch erfaßt werden. Die Inderberechnungsmethoden find während der jüngst ver gangenen zehn Jahre unendlich verfeinert morden, um das Höchstmaß an möglicher Eraktheit zu erreichen. Darin liegt nach meiner Auffassung die Hauptursache aller schein. bar berechtigten Rrititen. Durch die vielfache Quer schnittberechnung und Gewichtung wird die Reichsinderziffer zu einem Preispegel, der die Differenzen aus tausend Zuflüssen restlos ausgeglichen meldet. Ein allgemeiner Sprung der Wohnungskosten um zehn Prozent drückt sich nur im Maße der Anteilsziffer für Wohnung"( 20,35 Bro3.) im Gesamtinder aus, und eine Steigerung des Fleischpreises fann sehr leicht durch einen Preisfall der Kartoffel soweit kompensiert werden, daß beide Veränderungen in der Gesamtteuerungsziffer überhaupt nicht zum Ausdruck tommen! Praktisch liegt es zudem noch se, daß in dem Grade einer zu. nehmenden Teuerung, steigender Steuern und sonstiger öffentlicher Lasten der Arbeitnehmer in seinem Lebensstandard zu Verände rungen gezwungen wird, die sich zuerst in einer Abwanderung 3 น billigeren, qualitativ minderwertigeren Kleidung, Heizung, Licht und sonstiger Bedürfnisse ausdrückt. Lebensmitteln, dann aber auch in Einsparungen an Die Erhebung der Indergrundlagen wird davon nicht berührt, denn die Voraussetzung ihres Wertes ist, daß fie fortlaufend an jedem Drt immer für die gleichen Warenqualitäten erfolgt. Die ernährungemäßige Umschichtung der rund 27 Millionen, deren Lebenshaltungspreise erhoben werden, erfolgt dann cuf die Art, daß die Millionen, die unter der durchschnittlichen Ration" stehen, sich vermehren, während diejenigen Massen, die bis dahin noch darüber standen, zahlenmäßig, mehr oder weniger schnell, je nach dem Grade der Teuerung, zusammensch me I= zen. Je größer die Teuerung, um so stärter die Differenz in der Leben- alung zur Indexziffer! Und wenn ein Arbeiter durch die Teuerung gezwungen wird, ausschließlich Kartoffeln zu verzehren, dann stimmt für ihn die ganze Ernährungskosten= 3iffer( jetzt 150,5) überhaupt nicht mehr! sehr wenig untersucht.( In der Wirtschaftskurve der„ Franks. Zeitung" find über die Streuung" der Preise einige verdienstliche Arbeiten erschienen.) Häufig genug ist beobachtet worden, daß bei eintretender Teuerung und Abwanderung der Maffen zu billigeren Nahrungsmitteln diese im Preise anziehen, während die qualitativ besseren Lebensmittel eher abbröckelnde Preise zeigen,( Henriette Fürth hat solche Feststellung örtlich gemacht.) Bei Durchschnitts berechnungen können sich diese beiden Bewegungen gegenseitig aufheben, dann ergibt sich leicht jener Zustand, daß die Gesamtkosten der Lebenshaltung, wie sie sich in der Reichsinderziffer ausdrücken, nahezu oder gar völlig gleich bleiben, also im scheinbaren Widerspruch zur Wirklichkeit stehen. Die Gewerkschaften haben noch qus manchen anderen Gründen gegen die Inderberechnungen erhebliche Einwände. Hier sei mir darauf hingewiesen, daß ja bei den Wohnungspreisvergleichen eigentlich ganz ungleichwertige Größen perglichen werden. Die Wohnungen sind heute viel dichter belegt als vor dem Krieg, sie sind in wesentlich schlechterem Zustand, die freiwilligen Aufwendungen des Mieters für seine Wohnung sind erheblich umfangreicher als jemals früher, der Wohnplay liegt une deka EOFKA Deutschlands größte Kolonialwaren Einkaufsgenossenschaft zur Silvesterfeier: guter 1/1 Fl. 1.05 RM 1922 er Schloß Wintringer Bovenwein guter 1923 er Montagne Tischwein Edeka Tarragona Edeka Kraftrotwein Extra- Qualität Hawai- Ananas zur Bowle 1/1 Fl. 1.10 RM 1/1 Fl. 1.65 RM 1/1 Fl. 1.80 RM ... 1/1 Dose 2.40 RM Edeka Halb u. Halb 1/1 Fl. 4.00, 1/2 Fl. 2.20 RM Preise einschließlich Steuer ohne Glas Erhältlich in den durch obiges Zeichen kenntlich gemachten 1200 Geschäften Groß- Berlins Kuthen- Kaiser Inh.: Eugen Fluß Am Oranienplatz Gegründet 1866 Bestell- Annahme: Fernsprecher Moritzplatz 1197, 9860 Lieferung frei Haus durch Auto Silvester13fannkuchen in allbekannter Güte mit verschiedenen Füllungen Geriebener Mobn günftiger ufm. ufu. Auch auf diesem Gebiete find bei den Berhandlungen über die Inderreform eingehende und langwierige Unter suchungen erhoben worden. Aber die Unterlagen zu einem statistisch brauchbaren Berechnungszuschlag reichten nicht aus, obwohl z. B. schen heute rund 15 Proz. der Bergarbeiter in Nachkriegswohnungen mit freier Mietsbildung wohnen, die Quartiere der Unverheirateten ganz andere Kosten bedingen als ehedem und die freiwilligen 3uschläge zur Zwangsmiete jogar bei Vergleichen vor den Behörden feine fleine Rolle spielen. # Die Beratungen der Inderlommission ergaben überdies auch, daß es ein Optimum für die Anzahl und den um fang der Indergrundlagen gibt. Je mehr Einzelpreise hereingenommen werden, um so stärker ist die Kraft der Nivellierung, der gegenseitigen Aufhebung der einzelnen Teuerungsgrade. Aus diesen Gründen und vielen anderen schrieben wir nach Abschluß der Reformberatungen in Uebereinstimmung mit den Bertretern aller Gewerkschaftsrichtungen im Vorwärts" und in der gesamten Arbeiterpresse: Eine Auto- Finanzierungs- Gesellschaft in Berlin. In Berlin murde soeben in das Handelsregister die Industrielle Garantie A.-G." mit einem Grundkapital von 100 000 RM. eingetragen. Zweck des Unternehmens ist die Finanzierung des Erwerbs in- und ausländischer Qualitätswagen, und zwar somohl Personenautos wie auch Kraftfahrzeuge für faufmännische und industrielle Zwecke. Der Autokäufer hat beim Ankauf ein viertel des Preises in bar zu zahlen, drei Viertel werden auf 12 Monatsraten verteilt. Der Industriellen Garantie A.-G. stehen durch Anlehnung an ein ähnlich geartetes Institut in Genf mehrere Millionen Mark zur Verfügung, allmählich soll dieses Kapital bis auf 20 Millionen Mark ausgedehnt werden. Filialen werden an allen großen deutschen Plähen errichtet. Die VerKommissionen usw. bei dieser Art des Kreditkaufs gegenüber demi teuerung soll unter Einrechnung aller Zinsen, Versicherungsprämien, Bartauf nicht mehr als insgesamt 9 Proz. des Kaufpreises betragen. Das Automobil wird dem Käufer sofort zur Verfügung gestellt, doch behält sich das Finanzierungsinstitut das Eigentumsrecht bis zur letzten Ratenzahlung vor. die 2% Brog. erhebt bas Reich einen 10prozentigen| bem Stellenmarkt für Angestellte ft ein ftärterer S 3uschlag zur Bildung einer Ausgleichungs- und Sicherungs- ftrom von älteren qualifizierten Buchhaltern, Stenotypisten und rücklage. Diese 10 Proz. müssen später gutgebracht werden. Kontorkräften mit langjährigen Beugnissen vorherrschend. Alle Insgesamt werden also 2% Proz. von 5 Milliarden oder 137,5 Anzeichen deuten auf weitere Bortlechterung hin. Für die technischen Berrie besteht in allen Zweigen Millionen erhoben und der Industrieobligationenbank zugeführt. nur ganz geringe Nachfrage nach Avitskräften. Diese 137,5 Millionen werden nicht nach dem„ Belastungs"= gesetz, das bekanntlich( außer der Landwirtschaft) alle Unternehmungen mit mehr als 50 000 M. Betriebsvermögen erfaßt, sondern nach dem Aufbringungs" geseh verteilt, das auch alle Unternehmungen von mehr als 20000 m. Betriebsvermögen mit der Aufbringung belastet. In Frage kommt nach der Schätzung der Reichsregierung ein Betriebsvermögen der Industrie von 30 bis 33 Milliarden M. Auf dieses Betriebsvermögen verteilt, bedeuten die 137,5 Millionen, die 1926 auf zubringen sein werden, noch nicht ein halbes Prozent, genau 0,4583 Proz. Obwohl auch diese Belastung der Industrie, be sonders in dem voraussichtlich noch sehr schweren Krisenjahr 1926, sehr beachtlich ist, wird man ihre tatsächliche Größe in der Erinnerung festhalten müssen, um einer übermäßigen agitato= „ Die Reichsteuerungsziffer ist nur ein Hilfsmittel rischen Ausschlachtung gegen die Interessen der arbeitenden der Lohn- und Gehaltsbildung. Lohnverhandlungen Massen zu begegnen.( Abgesehen von der Landwirtschaft, die von sollten nicht mit der Anwendung der Inderziffer enden, sonder Belastung gänzlich frei ist, sollen die Schiffahrt und der Luft: dern mit ihr beginnen! Die Inderziffer ist keine Ververkehr nur zur Hälfte ihres Betriebsvermögens belastet fälschung der Wahrheit, sie wird erst zur Täuschung, wenn man von ihr etwas verlangt, was sie nach ihrem ganzen Wesen gar werden. Auf beide entfällt von den 30 bis 33 Milliarden nur etwa nicht aussagen kann. Die dem Inder zugrunde gelegte Lebens- ½ Milliarde Betriebsvermögen oder 1,66 Proz.). haltung ist nicht zu niedrig, sondern eher zu hech. Es gibt nicht viele Arbeiterfamilien, die sich heute all die Lebensmittel faufen können, die der Berechnung des Index als Grundlage dienen. Und die Berechnung selbst ist auch kein Kniff mit raffiniert ausgedachten Mogeleien, fie erfolgt im Statistischen Reichsamt durch Maschinen. Das Elend der breiten Volksmassen drückt sich nicht im Inder, sondern in den niedrigen Löhnen und Gehältern aus." Das wurde damals, bei Abschluß der Indexreform, geschrieben. Es trifft heute in verstärktem Maße zu. Angesichts jener Feststellungen und bei objektiver Ueberprüfung dessen, was hier gefagt wurde, schütteln mir Gemerfschaftler wirklich manchmal die Köpfe, wenn wir wieder irgendeine Irreführung der öffentlichen Meinung gedeckt" haben sollen. Die Gewerkschaften und ihre verantwortlichen Leiter sind für jede sachliche Kritik und für jede Anregung dankbar. Benn sie mit oberflächlich begründeten Vorwürfen überschüttet werden, dann sind sie das ja gewöhnt. Keine Besserung auf dem Berliner Arbeitsmarkt. Bisher sind noch keine Anzeichen beobachtet worden, die auf eine baldige Besserung der Beschäftigungsverhältnisse schließen lassen. Es muß vielmehr damit gerechnet werden, daß die Arbeitslosigkeit noch weiter steigen wird. Betriebseinschränkungen,-stillegungen, Werksbeurlaubungen und Einführung von Kurzarbeit nehmen ihren Fortgang. Es waren 153 423 Personen bei den Arbeitsnachweisen ein getragen, gegen 141 282 der Vorwoche: Darunter befanden sich 107 954( 99 261) männliche und 45 469( 42-021) meibliche Personen. Unterstützung bezogen 70 399( 56 633) männliche und 21 372( 16 856) weibliche, insgesamt 91 771( 73 489) Bersonen, davon bei Notstandsarbeiten beschäftigt 895( 1015). Die Zahl der zu gemeinnützigen Pflichtarbeiten leberwiesenen betrug 60 gegen 47 der Vorwoche. Die ungünstige Entwicklung des Arbeitsmarttes in der Metallindustrie hält noch immer an. Neben der weiteren Erhöhung der Arbeitslosenzahlen nimmt auch die Zahl der Be triebe, die nur einige Tage arbeiten bzw. befristet aussehen lassen, Die ersten Dawes- Zinsen der Industrie 1926 fällig. in bedeutendem Umfange zu. 0,4583 Proz. des Betriebsvermögens. Im Jahre 1926 werden zum erstenmal Zinsen für den Reparationsdienst der deutschen Industrie fällig. So wenig die Reparationslast überhaupt erfreulich ist, auch für die Industrie, so sicher ist es, daß das deutsche Unternehmertum aus der Zinszahlung für die Erfüllung des Dawes- Plans steuer- und wirtschaftspolitisch in ungebührlichem Maß Kapital zu schlagen versuchen wird. Jedenfalls wird es um die Dawes- Zinsen der Industrie viel lauter hergehen, als um die zukünftigen Dawes- Lasten des Staates, die zum größten Teil das Einkommen der arbeiten den Massen zu tragen haben wird. Deshalb sei schon heute auf die tatsächliche Belastung hingewiesen, die sich für 1926 für die Industrie aus den Dames- Verpflichtungen ergibt. Fällig sind. 2½ Proz. Zinsen für Industrieobligationen im Gesamtbetrag von 5 Milliarden Mark. Das sind 125 Millionen Mart. Eine Tilgungsrate tommt für 1926 noch nicht in Frage. Auf # Die Vermittlungstätigkeit im Tertilgewerbe blieb nur gering. In der Bellstoff- und Papierherstellung und verarbeitung hat der Kräftebedarf gegen die Vorwoche nachgelassen. Die Lederindustrie und Industrie leder artiger Stoffe verzeichnet wesentliche Vermittlungsergebnisse find wieder größere Entlassungen vornehmlich in der Musiknur für Tapezierer. Im Holz- und Schnigstoffgewerbe instrumentenindustrie und in den Karosseriebetrieben zu verzeichnen. Auch verschiedene Tischlereien haben den Betrieb stillgelegt, so daß im allgemeinen eine erhebliche Verschlechterung festzustellen ist. Im Bekleidungsgewerbe erhöhte sich etwas die Vermittlungstätigkeit für weibliche Personen, während der Zugang Arbeitsuchender allgemein, wie auch in der Schuh- und Schäfteindustrie, noch immer überwiegt. Auch im Vervielfältigungsgewerbe hat der Be schäftigungsgrad weiter nachgelaffen. Für das Gastwirts gewerbe erhöhte sich der Bedarf an jungen Mädchen und jüngeren Kochmamfells mit freier Station. Trotzdem ist der Stand der Beschäftigungsverhältnisse weiterhin als ungünstig zu bezeichnen. Auf Stollwerd- Schokolade 8 Proz. Dividende. Wer in den mitteleuropäischen Inflationsländern dem Massenkonsum nahesteht, hat während der Inflations- und Reinigungskrise bessere Chancen als andere Industrien. Wir haben das bisher besonders für Brauereien festgestellt. Aber es scheint auch für die Süßwarenindustrie zu gelten, obwohl dieje während der Inflation start übergründet worden ist. Jedenfalls kann eine der führenden und ältesten deutschen Schokolade- und Süßwarenfabriken, die Gebrüder Stollwerd A.-G. Köln. 8 Proz. Dividende verteilen, obwohl das Aktienkapital heute 16,45 millionen gegen 9,0 Millionen 1913 beträgt. Der Reingewinn beträgt 1,34 Millionen Mark. Auf Abschreibungen entfallen außerdem 0,58 Millionen. Die Lieferanten-, Akzept- und Bankschulden sind gegenüber der Goldbilanz von 3,50 auf 4,29 Millionen, die Warenbestände, Forderungen und Guthaben dagegen von 9,44 auf 11,77 Millionen ge= stiegen. Die Bilanz ist also sehr günstig. Dem entsprechen auch die Mitteilungen des Geschäftsberichts. Die Fabriken in Berlin und Köln waren durchweg gut beschäftigt. Ebenso brachten die Deutsche Automatengesellschaft, die Unternehmen in Preßburg, Wien und Kronstadt, sowie das neu= gegründete Unternehmen in Budapest guten Ertrag. Man wird gespannt sein dürfen, wie die übrigen noch ausstehenden Abschlüsse der Süßwarenaktiengesellschaften ausfallen werden. Bereinigte Chemische Werke A.-G. Charlottenburg. Die Gesellschaft, die zum Scheidemandel- Konzern gehörte und dann vom Gun licht- Konzern übernommen wurde, fabriziert die bekannten Pfeileinem Aktienkapital von 2 Millionen Mark einen Reingewinn von ring Toiletenartikel. Sie hat im abgelaufenen Geschäftsjahr bei 166 112 M. erzielt, aus dem sie eine Dividende von 6 Proz.( 120 000 Mark) zur Ausschüttung bringt. Bezeichnend ist, daß das Unternehmen nicht über genügend bare Mittel verfügt, um die Auszahlung der Dividende fofort vornehmen zu können, sondern erst die Eingänge aus dem Weihnachtsgeschäft hereinbekommen muß; diese sollen zur Dividendenauszahlung verwandt werden. Das Weihnachtsgeschäft hat nach den Mitteilungen in der Generalversammlung den Erwartungen nicht entsprochen. Dagegen war der Geschäfts gang im übrigen gut. Der Gesellschaft war es möglich, die Vorfriegsproduktion zu erreichen. Die Unfosten sind weiter gestiegen. Durch vergrößerten Umsatz hofft man hierfür einen Ausgleich zu finden. 三 Eine EINFACHE RECHNUNG: Die neue Tabaksteuer hat die 5 Pig- Zigarette besonders stark belastet und den Betrag, welcher für Tabak und Verpackung übrig bleibt, erheblich verringert. Die folgende graphische D zeigt, wie sich bei verschiedenen Verpackungsarten die Kosten für Tabak und Packung ungefähr zu einander verhalten: BLECH- Packun TABAK PACKUNG PACKUNG ERSTOLZ bei der neuen OVERS 1- Packung nur 15% 85% 55% 45% CARTON- Schachteln bei ABAK 65% * TABAK CHieraus geht hervor, wie sehr jeder unnötige Aufwand für die Packung den Inhalt beeinträchtigt. CWenn wir dem Raucher unserer bekannten OVERSTOLZ Zigarette zumuten, sich in Zukunft mit einer ganz einfachen, ihm zunächst ungewohnten Packung zu begnügen, dann bieten wir ihm auch einen vollen Gegenwert, nämlich eine in dieser Preislage ungewöhnliche Qualität. J.K SCHACHTEL WAS WIR AN DER PACKUNG SPA OVERSTOL- 216ARETTEN EINE EINFACHE T ZULJEBE VERPACKEN WA DIA REN KOMMT DER TABAKMISCHUNG ZUCUTE 20 ZIGARETTEN MIT GOLD 20 SL Z N U CL Z GW OVERSTOLY H N ZIGARETTENFABRI BRUS MEUERRURE ZIGARETTEN 20 20 Stück L Die neue orangefarbene Packung Der OVERSTOLZ. DEUTSCHLANDS MEISTGERAUCHTER 59fg.ZIGARETTE. TRIER H N AMBURG 6AUS NEUERBURG ORD COLN, TRIER HAMBURG, DRESDEN Mittwoch 30. Dezember 1925 Unterhaltung und Wissen Das Zehnkopekenstück. Bon Magim Gorki. ( Autorisierte Uebersehung von A. Stein.) Als ich dreizehn Jahre alt war und mit schwer zu ertragenden Leuten zusammenlebte, wurde mein Herz mächtig von der Schwester meiner Meisterin angezogen, einer etwa dreißigjährigen Frau, die schlank war wie ein junges Mädchen und die sanften Augen der Mutter Gottes hatte. Diese blauen Augen, die ein erstaunlich regelmäßiges und zartes Antlig beleuchteten, blickten auf alles aufmerksam und zärtlich. Aber wenn etwas Grobes eder Böses gesprochen wurde, erhielt der helle Blick einen gespannten Ausdrud, wie das bei Menschen zu sein pflegt, die schlecht hören. Sie war schweigsam und sprach nur das Notwendigste: über ihre Gesundheit, über den Mann und das Wetter, über die Dienstboten, die Priester und die Schneiderinnen; ich hörte aus ihrem Munde niemals ein schlechtes Wort über einen Menschen. In allen ihren Bewegungen war etwas Vorsichtiges und Unsicheres, als fürchtete sie stets, irgendwo anzustoßen. Mitunter schien es mir, daß sie kurzsichtig sei, und manchmal glaubte ich, daß diese stille Frau wie im Traume lebte. Die anderen machten über sie Scherze. Manchmal tamen zu meiner Meisterin Frauen zu Besuch, die ihr ähnlich sahen, ebenso dick, satt und schamlos in ihren Ausdrücken; sie gossen heißen Tee in sich hinein, tranten füßen Schnaps und Madeira und erzählten sich gegenseitig Wize über die Männer; die Schwester der Meisterin saß bei diesen schamlosen Erzählungen dabei, ihr zartes Gesicht brannte vor Verlegenheit, die langen Wimpern bedeckten die Augen und ihre ganze Gestalt beugte sich wie ein Grashalm zu Boden, der soeben mit schmußigem Spülwasser begossen worden war. Sobald die Meisterin das bemerkte, rief fie voll freudiger Erregung: „ Seht mal, wie Lipa rot geworden ist... Ist das zum Lachen! Die anderen Weiber machten ihr sanfte Vorwürfe: „ Aber seien Sie doch nicht so wie ein junges Mädchen... In solchen Augenblicken hatte ich heftiges Mitleid mit dieser zarten, reinen Frau, denn ich selbst schämte mich unendlich bei den rohen Unterhaltungen der Weiber. Es waren nicht allein die nacten Worte, sondern auch das Lächeln, das fette Lachen, das vielsagende Augenzwinkern, die Ekel und Furcht bei mir erweckten. Die halbbetrunkenen Weiber sahen Blutegeln ähnlich. Besonders furchterregend war die Witwe eines Malermeisters, ein dides Weib von etwa 40 Jahren, mit einem Doppeltinn, ungeheuren Brüsten und Kuhaugen. Wenn sie lächelte, zog sich ihre dicke Oberlippe, die mit einem Schnurrbärtchen bedeckt war, in die Höhe, und eine Reihe scharfer Zähne wurde sichtbar. Ihre schmutzig- grünen Augen begannen zu funkeln. „ Der Mann liebt, daß die Frau schamlos zu ihm sei," sagte sie mit der Stimme eines betrunkenen Diatons. " Nicht jeder," erwiderte man ihr. Ach was, jeder! Natürlich, ein Schwächling braucht das nicht, aber was ein richtiger Mann ist, der schämt sich nicht. Weshalb treeiben sich die Männer mit den Dirnen herum? Weil die Dirnen flüger find als wir, sie schämen sich nicht. Die Scham ift für die Jungfrauen, aber für Frauen ist sie nur ein Hindernis." Nicht alle stimmten ihr zu, aber trotzdem wurde sie von allen gelobt: „ Sie sind aber mutig, Marja Ignatowna!" Ich bediente bei Tisch, hörte diese Reden und sah, wie der Schwanenhals sich nach unten beugte; ich sah ihre kleinen brennen den Ohren, die aus den dunkelbraunen Loden hervorleuchteten; ich sah, wie ihre Finger das Gebäd zerfrümelten. Ich hätte weinen mögen vor But und Mitleid, während die Weiber im Chor lachten: „ Geht mal, seht mal, wie Lipa rot wird!" Ich war überzeugt, daß es dieser Frau unerträglich schwer war, im Kreise ihrer Freundinnen. Es war mir flar, daß ich ihr helfen müsse. Aber wie? Obwohl ich damals schon eine Menge Bücher gelesen hatte, hatte ich dennoch in keinem einen Hinweis gefunden, wie ein dreizehnjähriger Junge einer Frau helfen konnte, die doppelt so alt war wie Aber in einem Buche fand ich zu meinem Unglück den Gaz: Liebe schont weder den Popen noch den Teufel, sie kennt keinen Altersunterschied, wir alle sind ihre Sklaven!" er. Die Titelseuche in Bayern. дактазіться [ 1] 0 Versicherungs. Verſicherungs Ausbeiterat !!! LI ふ Technischer Geweis bewat CLI JJJ Bellage des Vorwärts CEO EEO 111 handesbaūs at eWr 사 Entgegen den Bestimmungen der Reichsverfassung hat die bayerische Regierung zu Weihnachten wieder eine große Anzahl von Titeln verliehen. Ja sie hat sogar fünf neue Titel geschaffen: den Pharmazierat" für die Apotheker, den„ Versicherungsrat" für die Angestellten, den„ Arbeitsrat" für die Arbeiterschaft, den„ Technischen Gewerberat" für die technischen Aufsichtsbeamten und den„ Landesbaurat" für Architekten und Ingenieure. Natürlich wurden mit diesen Titeln nur solche Untertanen bedacht, die der bayerischen Rechtsregierung politisch nahestehen. Lebe wohl, für mich! Ich triumphierte. Natürlich für dich, du meine Königin. Das ist mir vom Schicksal vorausbestimmt, von allen Mächten des Lebens und von allen Büchern, für dich! Einmal fragte sie mich: „ Warum bist du so unfroh?" Blechschild mit der Ziffer 511. Damit war mein Name erledigt. Jetzt wurde ich nur noch„ D. II. 511" genannt. Am anderen Tag vormittags mußte ich zunächst das„ Bett". machen lies Pritsche lernen. Dann kam die Vernehmung durch einen jungen Untersuchungsrichter, der sich mir gegenüber als Sozialist bezeichnete. Er fannte Lassalle, Marg und Engels, ich die ja zweifellos möchte ihm doch meine Ansicht über diese drei hervorragende Persönlichkeiten sind sagen. Ich erklärte ihm, daß ich hier lediglich als politischer Untersuchungsgefangener stände. Damit war die Bernehmung beendet. Ich wanderte wieder in meine 3elle, um dort über das Weihnachtsfest, das Fest christlicher Nächstenliebe, nachdenken zu können. Das war heiliger Abend". Ich konnte nicht antworten, mir ftand das Herz in der Brust still. Wenn sie sah, daß ich unfroh war, so hatte sie doch wohl früher bemerkt, daß ich im allgemeinen fröhlich war. Folglich liebte sie mich. Die Schlußfolgerung war zwar nicht logisch, aber angenehm, und ich war so glücklich darüber, daß ich in die Küche hineinlief und die Raze abküßte, ein altes, widerliches Tier, was ich wegen seiner sollte ich dem Untersuchungsrichter sagen, wie ich mir ich hatte Grausamkeit und Hinterhältigkeit verabscheute.( Schluß folgt.) Ich kannte mur allzu gut für mein Alter, wie die nichttheore. tischen Beziehungen zwischen Männern und Frauen geartet waren, aber die Bücher hatten mir auch die heilsame Kraft verliehen, an die Möglichkeit anderer Beziehungen zwischen Mann und Frau zu glauben, von denen ich eigensinnig träumte, indem ich mich großen und rührenden Vorstellungen hingab. Es konnte doch nicht sein, daß die Liebe für alle Frauen und Männer dieselben Formen annahm, wie sie der wilde Bulle, der Soldat Erofejem, und die stets betrunkene, zerfauste, prahlerisch schamlose Wäscherin Drina kannten. Tag und Nacht grübelte ich darüber nach, wie ich der lieben Frau helfen konnte, die offenbar die Roheiten des Lebens nicht sehen und nicht hören wollte, und für sie nicht geeignet waren. Ich träumte heroische Träume: Ich sah mich als Räuberhauptmann in rotem Rod, mit einem Dolchmesser im Gürtel und einer hohen Pelzmütze auf dem Kopf. Meine Kameraden haben das Haus angezündet, in dem sie wohnt, während ich sie hinaustrage und auf mein Reß fezze. Oder ich träume, daß ich ein Zauberer bin, dem alle Teufel untertan sind; sie haben mich und sie unsichtbar gemacht, und nun schweben wir beide wie Schneeflocken durch die Luft über die wüsten Felder, auf denen der Widerschein des blauen Himmels ruht; in der Ferne erhebt sich zwischen Pyramiden von Fichtenbäumen ein schneeweißes Haus, aus dessen weitgeöffneten Fenstern eine wundersame Mufit uns entgegenströmt, eine Musit, die das Herz vor Entzücken stillstehen läßt, und das ganze Sein mit einem Singen und Klingen erfüllt. Es gab auch weniger glückhafte Träume; es gab auch die drückenden Angstträume eines jungen Burschen, dessen Phantaste allzufrüh aufgepeitscht war, Am hellichten Tage jedoch ging die Geliebte ebenso vorsichtig an mir vorüber wie an allen Menschen; es schien mir, als ob sie stets fürchtete, sich durch die Berührung mit anderen Menschen zu beschmutzen, und daß ihre Hauptforge darin bestand, mit feinem in Berührung zu kommen. Aber anscheinend hatte sie doch gemerkt, daß ich sie allzueifrig beobachtete; immer häufiger trafen sich ihre Augen mit den meinen. Wenn ich ihr jetzt die Tür öffnete, ging fie nicht mehr schweigend an mir vorüber. Wenn sie ging, sagte sie mir: „ Lebe wohl!" Natürlich erweiterte ich diesen Abschiedsgruß; er flang für mich wie ein Befehl: „ D. II. 511." Eine Weihnachtserinnerung von G. Cint. Es war im Jahre 1891. Die Arbeitslosigkeit hatte in Berlin während der letzten Monate des Jahres einen ungeheuerlichen Umfang angenommen. Die Arbeitslosen, von der bittersten Not aufgepeitscht, befanden sich in berechtigter Empörung. Es kam denn auch, namentlich in dem Monat November zu Konflikten der Arbeitslosen mit der Polizei. Diese Konflikte waren meist von den in Arbeiterkleider gesteckten Polizeispizeln( Achtgroschenjungen") provoziert. Die Polizei und die Gerichte gingen äußerst streng vor. Schließlich wurde das Abhalten von Arbeitslosenversammlungen Nur die Gewerkschaften durften noch solche Versammverboten. lungen abhalten. Die Vernehmungen nahmen dann fein Ende. Hauptsächlich in meinem Referat den Schlußsatz aus Friedrich Engels'" Die Lage der arbeitenden Klassen in England" zitiert eine derartige Umwälzung vorstellte. Ich habe das indessen jedesmal abgelehnt. Auf die Einwirkung meines ausgezeichneten Rechtsanwalts wurde ich nach einiger Zeit an einem Samstag aus der Einzelhaft, wie aus der Untersuchungshaft überhaupt entlassen. Etwa im April des folgenden Jahres fand die Verhandlung vor der Straffammer III des Landgerichts statt. Es war ein Glück für mich, daß meine Sache nicht vor die Straffammer II, die unter dem Vorsitz des in geistiger Umnachtung verstorbenen LandgerichtsDer Staatsandirektors Brausewetter stand, verhandelt wurde. walt beantragte in seinem Plädoyer 9 Monate Gefängnis. Mein Verteidiger hielt ein glänzendes Plädoyer. Die Beratung des Gerichtshofes dauerte lange. Das Ergebnis war, daß ich dann weil bisher unbescholten mit einer Geldstrafe davonkam, außerdem wurden mir die Kosten auferlegt und einige Mark für die ,, Berpflegung" blauer Heinrich, falte Graupen und dergleichen. Am 2. Dezember fand im Saale der Brauerei Friedrichshain eine Versammlung der arbeitslosen Maler und„ vermandter Berufe" statt. Das Referat erstattete ich. Wiederholt wäre die Versamm lung der Auflösung verfallen, da zweifelhafte Elemente aus der Umgebung des Aleranderplaßes sich in die Bersammlung eingeschlichen hatten, um zu provozieren; indes, da ich zugleich der Leiter der Verfammlung war, vereitelte ich die Auflösung immer wieder dadurch daß ich die Versammlung wieder und wieder auf einige Minuten vertagte. Go fonnte sie ruhig zu Ende tagen. Zu irgendwelchen Tumultszenen ist es nicht gekommen. Mir aber sollte aus dieser Bersammlung eine ganz besondere Weihnachtsfreude erwachsen. Am 23. Dezember 1891 erschien ein Polizist in meiner Woh mung mit der Order, ich möchte sofort nach dem Bolizeirevier kommen. Falls es heute abend nicht mehr möglich wäre, dann morgen früh. Da ich nichts Staatsgefährliches verbrochen hatte, ging ich, als mir meine Frau die Bestellung ausgerichtet hatte, noch abends nach acht Uhr nach dem Polizeirevier. Das war nicht gut. Kaum daß ich die Räume, wo Gesez und Ordnung walten, betreten und meinen Namen genannt hatte, änderte sich plötzlich die Situation. Ich wurde in das Zimmer des wachthabenden Kriminalwachtmeisters geführt, der mir eröffnete, daß ich verhaftet sei. Gegen mich sei von der Staatswaltschaft Anklage wegen öffentlicher Aufreizung zum Klaffenhaß" erhoben. Die Polizei war so liebenswürdig, mich nicht in die Zelle zu stecken, sondern auf einer Britsche in ihrer Wachtstube liegen zu laffen Morgens 3% Uhr fam dann der grüne Wagen. In den wurden außer mir noch einige andere Delinquenten eingepact. man faß mit Zuhältern, Halbweltbamen und sonstigem Gesindel zusammen. Die Fahrt ging durch verschiedene Reviere, wo immer noch Zuwachs fam, bis endlich gegen 6 Uhr morgens der Wagen auf dem Polizeihofe am Alexanderplatz landete. Dort wurde ich mit dem ganzen Gelichter in einer Belle untergebracht und mußte in dieser bis in den Vormittag hinein bleiben, ehe meine Bernehmung stattfand. Als die Personalien usw. festgestellt waren, wurde um dem Ver ich zwangsweise photographiert, Mein Wehren und brecher album einverleibt zu werden. Sträuben mußte nichts, es brachte mir nur einige Büffe. Nach mittags etwa 3 Uhr ging es dann nach dem Untersuchungsgefängnis in Moabit. Dort angekommen, mußte erst ein Bad genommen merden, dann bekam ich das übliche blau- und weißfarierte Gefängnishalstuch, die unvermeidlichen Pantoffeln und endlich ein Ein Jahr später ging es unseren Genossen Mar Schippel und Stadthagen ebenso: auch sie wurden einen Tag vor dem Weihnachtsfeſt verhaftet! Die meisten Leute von heute missen nicht, wie damals das Gesetz und seine Auslegung- insbesondere bezüglich des berüchtigten§ 31 gegen uns Sozialdemokraten angewendet des Strafgefehbuchs wurde. Doch der Staat und die Gesellschaft waren wieder einmal gerettet! Auf mich fonnte die Klassenjuftiz keinen Eindruck machen. Gebeſſert haben sie mich nicht! Indes, es bleibt eine Erinnerung an das christliche Weiha nachtsfest. Die Servietten der alten Römer. Im alten Rom herrschte der Brauch, daß jeder Gaft, der zu einem großen Gastmahl eingeladen war, sich ein eigenes großes Mundtuch mitbrachte. Der Gebrauch dieses Tuches wich aber erheblich von dem ab, den man heute von der Serviette macht. Sobald nämlich ein Gericht aufgetragen wurde, das dem Gast besonders gut schmeckte, widelte er einen Teil davon in seine Serviette und schickte dann seinen Diener, den er eigens dazu mitgebracht hatte, damit nach Hause. Später hatte sich dieser Brauch fo eingebürgert, daß die Gäste ihre Diener lieber mit großen Körben ausrüsteten, in die dann alles hineinfam, was nicht aufgegessen murde. Die großen Servietten famen daher auch wieder ab und wurden endlich ganz vergessen. Erst als im späten Mittelalter der Gebrauch der Gabel auffam, gelangten nach und nach auch die Servietten wieder in die Mode, wurden jetzt aber nur mehr zum Reinigen der Lippen benutzt. Ein Mattaroni- Jubiläum. Genaue Nachforschungen haben ergeben, daß das italienische Nationalgericht der Makkaroni bei einem Festmahl, das Ende des Jahres 1525 in Neapel stattfand, zum ersten Male aufgetischt worden sein soll. Es könnte freilich auch zu Anfang des Jahres 1526 gewesen sein. Nun, wie dem auch sei, schon feit einiger Zeit hat man in Neapel angekündigt, daß man das 400- Jahr- Jubiläum der Makkaroni zum Anlaß nehmen würde, um ein Festmahl zu veranstalten, bei dem die Makkaroni in mannigfachster Zubereitung die einzige Speise darstellen werden. Und da die Makkaroni in Italien eine zahlreiche Anhängerschaft besitzen, fann man des Gelingens dieser Festmahlzeit von vornherein sicher sein. Der berühmteste italienische Mattaronieffer und gleichzeitig MatkaIronifoch soll übrigens der berühmte Komponist Rossini gewesen sein. Theater, Lichtspiele usw. Volksbühne Lessing- Th. 3: Jung Siegfried 8 Uhr: Judith Morgen 72 Uhr: Heute 8 Uhr Karl XII. von Strindberg Datterich Regie: Hartung Staats- Theater Opernhaus 8 Uhr: Wozzek Opernhaus am Königsplatz Silvester- Premiere Maiermax Musik v. H Hirsch Kleines Th. 8 Uhr: 6% U: Renaissance. Figuranten Pulcilla. Spielzeug Schauspielhaus von Birabeau Regie: Geyer 8 Uhr: Candida Glässner, Salfner Schiller- Theater 8 Uhr: Glückspilz Trianon- Th. 8 Uhr: Städtische Oper Kleine Sklavin Charlottenburg 6½ Uhr: Tristan und Isolde v. Dietzenschmidt Regie: Goldberg Abonn.- Turnus II. Admiralspalast Deutsches Theater 7 Uhr: Das Käthchen v. Heilbronn von Kleist Regie: Eugen Klopfer 84 Uhr täglich HALLER REVUE Achtung Welle 505 Kammerspiele Geschlossen wegen Vorbereitung zu Lysistrata Die Komödie Kurfürstendamm 207 8 Uhr Gesellschaft von Galsworthy Regie: M. Reinhardt Großes Schauspielhaus Für Dich CHARELL- REV 60 BILDER II. Rang v. Parkett v. 4 Logen v. 8.Jeden Sonntag nachm. 3 Uhr: Die ganze Vorstellung zu halben Preisen Silvester Nach der Vorstellung Gr. Ball in all. Räumen des Theaters Central Theater 8 Uhr: Der Fremde Metropol- Theater 8 Uhr TÄGLICH 84 die gr. Revueposse Die Clou Rei Bertiner Theater Berliner Konzerthaus Sport Palast Dessalinette Circus Busch Mauerstraße 82****** Hoffmann- Retschlag Große Silvesterfeier Gesellschaftsabend/ Ball/ Doppelkonzert/ 2 Ballorehester Kapelle: 3. Bat. Inf.- Reg. 9 Berliner KonzerthausObermusikmeister Berdien** Orchester Altmann Riesenballonschlacht Silvester- Ueberraschungen etc. Anfang 8 Uhr. Karten u. Platzbestellungen b. d. 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Dezember verschied meine liebe Frau, unsere gute Mutter, Frau Auguste Bokermann im 59. Lebensjahre. 1531b Heinrich Bokermann u. Söhne. Die Bestattungsfeier findet am Donnerstag, den 31. Dezember, nachmittags 22 Uhr, im Krematorium Baumschulenweg statt. Unser lieber Vater August Bethwell ist am 27. d. M. entschlafen Frieda Bethwell Georg Bethwell Gertrud Bruchmann geb. Bethwell Wittenau, Wittestr. 75. Die Einäscherung findet am 2. Januar, vormittags 9 Uhr, im Krematorium Gerichtstraße statt. Verkäufe Heute 3 Uhr Kleine Preise Hänsel u. Gretel Theater in der Kommandantenst. 8 Uhr: Tägi. Exotische Tierschau 7 und das glänzende Circus- Programm Nur noch bis 12. Jan. Wasser- Manage Schagstäck Der Graf von Monte Christo Uhr bei Freitag, 1. Januar 7, U. halb.Pr. Neujahrstag: 3 Nachmitt. Erwacher halbe Preise und Kinder In beiden Vorstellungen: Das vollständig neue Programm und Der Graf von Monte Christo Sonnabend, nachm. Vorstellung den 2. Januar 3 Uhr Sonder- Jugendm. ungekürzt. Programm u. 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