Abendausgabe Nr. 614 42. Jahrgang 10 Pfennig 30. Dezember 1925 = Vorwärts= Ausgabe B Nr. 304 Bezugsbedingungen und Anzeigenpreise find in der Morgenausgabe angegeben Fernsprecher: Dönhoff 292-29% Redattion: Sm. 68, Lindenstraße 3 Tel- Adreffe: Sozialdemokrat Berlia Berliner Dolksblatt Berieg und Anzeigenabteilung: Gefchäftszeit 9-5 Ubr Berleger: Borwärts- Berlag GmbH. Berlin S. 68, Linbenftraße 3 Fernsprecher: Dönhoff 202-29% Zentralorgan der Sozialdemokratifchen Partei Deutschlands Die Hochwasserkatastrophe. Ueberschwemmungen in Westdeutschland. Der Rhein fällt. Köln, 30. Dezember.( Eigener Drahtbericht.\ der Straßenbahn und ebenso die zwischen Köln und Bonn verDie Nachrichten aus dem Hochwassergebiet des Rheins laufen tehrende Rheinuferbahn ihren Betrieb umstellen äußerst ungünstig. In& öln zeigte der Pegel heute vormittag mußten. Der Verkehr auf der Schiffsbrücke zwischen Köln und dem um 10 Uhr einen Wasserstand von 7,95 meter bei einem ftünd- Borort Mühlheim mußte am Dienstag nachmittag ebenfalls eingelichen Steigen um 4 Zentimeter. Koblenz meldet 7,90 meter bei ftellt werden. In Bonn steht das Wasser fast einen Meter über 3 Zentimeter ftündlichem Steigen. Besonders start in Mitleidenschaft den Uferstraßen. In Koblenz sind die Rheinanlagen übergezogen ist die Stadt Neuwied. Das gesamte Neuwieder Ge- schwemmt; die Geschäftsgebäude am Ufer und die Verwaltungsgebäude der Dampfschiffahrtsgesellschaften mußten geräumt werden. fchäftsviertel steht unter Waffer. Der Regierungspräsident von Koblenz weilte am Dienstag in der bedrohten Stadt, um sich per- Auch aus Andernach und Neuwied werden Ueberschwemmungen gelich von den verheerenden Wirkungen des Wassers zu überzeugen. meldet. Beruhigende Nachrichten fommen vorläufig nur vom OberAuch an der Mosel find die vom Hochwasser angerichteten rhein, wo mit einer Hochwassergefahr zunächt nicht mehr gerechnet Schäden sehr groß. Das Wasser ist so schnell geffiegen, daß es den wird. Dagegen steigen Main, Rhön, Werra und Saale fortgefeht. Winzern nicht mehr möglich war, ihre Kellervorräte rechtzeitig zu Die Rodach ist ebenfalls an verschiedenen Stellen ausgeufert und hat In Thüringen sind auch die Jh und die Sulz über die Ufer getreten. bergen, so daß der materielle Schaden noch größer sein dürfte als weite Streden unter Wasser gesetzt. bei dem Hochwasser im Januar 1920. Schlimme Nachrichten kommen auch aus dem unteren Saattal, wo ganze Dörfer vom Walfer umspült und so völlig vom Verkehr abgeschnitten find. In der vergangenen Nacht schien es, als ob die Hochwasserflaten heute ihren höchsten Stand erreichen würden. Inzwischen liefen aber heute morgen beängstigende Meldungen aus dem Quellgebiet des Rheines und feiner Nebenflüsse ein. Vom Oberrhein wird Sturm und Regen gemeldet, die Schweiz berichtet über starke Schneeschmelze bei Tauwetter. Die Mosel hat von neuem zu ffeigen begonnen, in Trier beträgt das Stündliche Steigen 4 3entimeter. Diese neue Flutwelle hat sich im unteren Stromgebiet des Rheines noch nicht ausgewirkt, so daß ein weiteres startes Steigen zu erwarten ist. Der Rhein ist jetzt auch bei Köln so aus den Ufern getreten, daß die auf den Uferstraßen laufenden Linien Die geplatzte Stinkbombe. In Genf weiß man von nichts. Die Rolle des Herrn Aschmann. Je mehr der freche Schwindel der Rechtspresse mit dem Bölkerbundsstandal" zusammenbricht, um so dreifter segt die Rechtspresse den Schwindel und die Verleumdung fort. Die Tägliche Rundschau" schweigt heute morgen, die Anständig feit, ihren eigenen Schwindel zu widerrufen, besitzt sie nicht. Um so plumper lügt die Hugenberg- Bresse. Der„ Tag" schreibt: Dem Generalfetretär des Bölferbundes müssen dabei, wie das selbst aus der sehr vorsichtigen Meldung des Auswärtigen Amtes sich ergibt, Listen verschiedener Parteien vorgelegen haben, die wohl zum Teil dadurch entstanden sind, daß ein zelne Abgeordnete der Sozialdemokraten ihre Beziehungen in Genf dazu benuẞt haben, um ihnen nahestehende junge Politiker anzubringen. Die Sozialdemokratie scheint ihre Anregungen in so vorsichtiger Form angebracht zu haben, daß sie vorläufig immer noch leugnen fann. In Genf hat man aber schon vor zwei Wochen feinen Zweifel darüber gelassen, daß außer der Liste des Zentrums auch eine Liste der Sozialdemo. tratte porliege." Die Kreuzzeitung" deutet sogar an, man wisse im Auswärtigen Amt die Namen der„ Stellenjäger", und wolle sie mur verschweigen! Gegen den unverschämt hartnäckigen Schwindel aber hat mum von Genf aus die Aufklärung eingesetzt. Der Korrespondent des Sozialdemokratischen Presse dienstes meldet aus Genf: An maßgebender Stelle des Bölferbundsekretariats wird fategorisch bestritten, daß von irgend einer deutschen Parteileitung offiziell kandidatenlisten für deutsche Beamte im Sekretariat des Bölferbundes eingereicht worden find. Gleichzeitig wird bestimmt erklärt, daß von fozialdemokrati. icher Seite auch nicht der geringste Schritt durch Privatpersonen in bezug auf die Befehung von Stellen im Generalsekretariat unternommen wurde. Im übrigen kann die Meldung des deutschen Konsuls an das Auswärtige Amt nur auf weitgehende Bermutungen beruhen. Das ist auch die Auffaffung maßgebender Kreise des Setrefarials, in dem im Gegensatz zu dem Bericht des Generalfonjuls Aichmann feinerlei Aufregung, fondern vielmehr Erstaunen darüber herrscht, wie weit in Deutschland die gekenngeldhnete Frage zum innerpolitischen Streit mißbraucht wird. er den cärm der deutschen Rechtspreffe, der nichts anderes bedeutet, Von dem abwesenden Generalsekretär wird angenommen, daß als deutsche rechtsstehende Beamte bei der Besetzung bestimmter Stellen im Böllerbundfekretariat von vornherein zu reklamieren, verstehen und sich von ihm nicht im geringften beeinflussen laffen wird." Ebenso meldet der Korrespondent der B. 3. am Mittag" aus Genf: Die Behauptung, daß irgendeine zuständige Person des Sekretariats sich beim Generalkonsul Aschmann oder gar schriftlich in Berlin über die angebliche Bostenjägerei betlagt haben soll, ist uns ganz unverständlich, und sie ist voll tommen absurd. Es tann von irgendeiner offiziell oder offigiös eingereichten Bewerbungsliste irgendeiner deutschen Partei überhaupt feine Rede sein. In die innerpolitische Bolemit Deutschlands fich einzumischen, muß das Sekretariat ftrift ablehnen. Es ist nur erstaunt, daß es in diese Polemik hineingezogen wird. Es ist dies der erste Fall, baß solches dem Bölterbundssekretariat widerfährt, München, 30. Dezember.( Mtb.) Die Landesstelle für Bettertunde teilt mit: Die Hochwassergefahr hat sich feit Montag für die nördlichen Zuflüsse der Donau und damit auch für die Donau selbst nicht unwesentlich verschärft. So führen nach den eingelaufenen Meldungen die Börnig, Altmühl, Nab und Regen großes Hochwasser. Soweit sich aus den vom oberen Main und den Begnitz- Gebieten verliegenden Meldungen ersehen läßt, besteht dort die Hochwassergefahr fort, zumal die Landeswetterwarte mit weiteren Regenfällen rechnet. Der Nhein beginnt zu fallen. Konsumgenossenschaft und Krise. Die Vorteile genossenschaftlicher Organisation. Die Krise, in der sich die deutsche Wirtschaft zurzeit befindet, hat nicht nur zur Folge, daß das Heer der Arbeitslosen täglich steigt, auch die noch Beschäftigten werden in ihrem Einkommen bedeutend geschmälert. So haben z. B. jezt viele Großbetriebe ihre Tore vom 19. Dezember 1925 bis 4. Januar 1926 geschlossen. Das bedeutet, daß die Arbeiter 14 Tage ohnausfall haben. Erwerbslose, Kurzarbeiter und die von diesen Maßnahmen betroffenen in Arbeit Stehenden sind in ihrer Kauffraft ganz wesentlich beeinträchtigt. Diese Erscheinung muß unbedingt zur weiteren Verschärfung berwirtschaftlichen Arise beitragen. Geringe Kauffraft des Arbeiters und Angestellten hat geringeren Umfag in der Handelswelt zur Folge, und wenn der Händler nicht ver kaufen kann, kann er auch nicht einkaufen; die Produktion stoct. Mittel, hohe Arbeitslöhne, zu kurze Arbeitszeit und ähnliches. Die Industrie flagt heute allgemein über zu wenig flüssige Flüssige Mittel mögen in manchem Großunternehmen in nicht genügendem Maße vorhanden sein. Jene Unternehmungen haben in der Inflation und auch noch in der ersten Zeit der Stabilisierung ihr größtes Augenmert darauf gerichtet, Sa chwerte zu haben, und wenn nun im Handel der Absatz stockt, können die industriellen Unternehmungen ihre Sachwerte nicht verarbeiten, nicht dem Handel zuführen und es müffen dann naturgemäß flüssige Mittel fehlen. Von dem jetzt hinter uns liegenden Weihnachtsgeschäft ist die in Betracht kommende Handelswelt nur wenig befriedigt. In vielen Fällen ist der erwartete Umsatz nicht annähernd erreicht worden. Es war wohl viel Bublifum auf dem Wege, Köln, 30. Dezember.( TU) Aus Koblenz wird gemeldet, daß aber es war mehr schaulustig, als tauffräftig. Die fonjum der Rhein oberhalb Basel fält. genossenschaftlichen Organisationen sind von diesen Krisenerscheinungen feineswegs verschont. Auch ihre Mitglieder haben unter Arbeitslosigkeit, Kurzarbeit und ähn lichen Erscheinungen zu leiden. Gegen den von Herrn Krieg, dem Pressechef des Reichsbürgerrats inszenierten Schwindel, dessen Ausgangspunft ein Telegramm des Generalkonsuls Aschmann ist, liegen demnach folgende Feststellungen vor: 1. Die Erklärungen des Auswärtigen Amtes von gestern Mittag. 2. Die Erklärung, die Reichsaußenminister Dr. S trese mann gestern Abend dem Vorwärts gegeben hat. 3. Die Parteierklärungen von Sozialdemokratie und 3 entrum. 4. Die Telegramme aus Genf, die den Inhalt des Aschmannschen Telegramms Lügen strafen. Zu allem Ueberfluß fügt heute Morgen die„ Germania" folgende Erklärung hinzu: Nachdem sowohl die„ Germania" als der„ Borwärts" feft. gestellt hatten, daß im Gegensatz zu den ursprünglichen Meldungen des Tag" die Organisationen des Zentrums und der Sozialdemokratischen Partei teinerlei Schritte beim Generalsekre tariat des Bölterbundes unternommen hatten, zog sich die Rechtspresse auf die Behauptung zurück, nicht die offiziellen Barteiinstanzen, aber prominente Persönlichkeiten" der Parteien hätten sich in der Sache an das Generalsekretariat des Bölferbundes gewandt. Nach unseren zuverlässigen Informationen ist auch diese Behauptung ift auch diese Behauptung soweit das 8entrum in Frage tommt, und der„ Vorwärts" hat für die Sozialdemokratie bereits dasselbe betont durchaus unwahr. Wir fönnen natürlich nicht wissen, ob unter den Millionen Zentrumsangehöriger fich jemand befindet, der sich um eine Stelle beim Generalsekretariat des Böllerbundes beworben hat, aber wir sind absolut überzeugt, daß keine prominente Persönlichkeit des Zentrums sich wegen der Beseßung der Stellen in Genf, sei es schriftlich, sei es mündlich, an das Generalsekretariat in Genf gewandt hat. Von dem Schwindel ist nichts übrig geblieben, als das Telegramm des Herrn Aschmann- und der Inhalt dieses Telegramms, eines amtlichen Telegramms an das Auswärtige Amt, ist nach allem ebenfalls Schwindel. Herr Aschmann ist deutschnational eingestellt. Er ist ein Schwager des verstorbenen deutschnationalen Führers Helfferich. Mit welcher maßgebenden Stelle im Bölferbunds fefretariat hat Herr Aschmann gesprochen? Wen hat er in Genf beunruhigt gesehen über die Gerüchte, die sein Telegranum und die Hugenberg- Bresse fabriziert haben? Wer hat Zatfache und Inhalt dieses innenpolitischen Zwecktelegramms der Hugenberg- Bresse und Herrn Kriegt mitgeteilt? Der Generalfonful in Genf hat bei einer verlogenen innen trifft die gleiche Schuld. Es ist die Pflicht des Außenministers, politischen Setze mitgewirkt. Beamte des Auswärtigen Amtes Herrn Aschmann unverzüglich aus Genf abzuberufen, es ist seine Pflicht, Feststellungen zu treffen, auf welchem Wege der Inhalt des Afchmann- Telegramms der Hugenberg- Preffe bekannt geworden ist. Der„ Tag" besaß heute Morgen noch die Unverfrorenheit, zu schreiben: „ Das Auswärtige Amt hat die parteipolitischen Durch stechereien in Genf jegt ganz offen preisgegeben, wodurch sich unser Außenministerium ganz gewiß den Dant aller derer erworben hat, denen es um Reinigung unseres poli tischen Lebens zu tun ist." Beamte des Auswärtigen Amtes haben ihre Stellung zu parteipolitischen Durchstechereien mißbraucht. Sie im Intereffe der Reinigung des politischen Lebens von den üblen Duften der Hugenberg- loafe preiszugeben und zu disziplinieren, ist die Pflicht der politischen Leitung des Auswärtigen Amtes. | den Dingen mit größerer Ruhe entgegensehen, so deshalb, weil Menn Sie Konsumgenossenschaften trotzdem den kommensie sich in ihrer ganzen geschäftlichen Handhabe wesentlich von der Privatwirtschaft unterscheiden. Die Konsumgenossenschaf ten sind die Organisationen für die Bedarfswirtschaft; die Privatwirtschaft arbeitet für den offenen Markt. Die Ronsumgenoffenschaften stellen den Bedarf ihrer Mitglieder fest und richten ihre Produktion entsprechend diesem Bedarf ein. Auch die Handelsrare, die sie von anderen Produzenten beziehen, wird lediglich nach dem jeweiligen Bedarf bezogen. Die Kenfumvereine. die con ihren Mitgliedern in deren Intereffe Barzehlung für die an sie abzugebenden Waren verlangen, huldigen rückläufig ebenfalis dem Grundsatz der Barzahlung und haben infolgedeffen beim Einkauf alle jene Borteile, die eben derjenige hat, der über genügend flüssige Mittel verfügt. Woher haben nun die Konsumvereine ihre flüssigen mittel? Bunächst ist festzustellen, daß die Konsumvereine gegenüber vielen Privatgeschäften in ihrem Wirkungsfreis große Unternehmungen sind, allerdings nicht privatwirtschaft Licher, sondern gemeinwirtschaftlicher Art. Durch Einzahlung auf Geschäftsanteil forgen die Mitglieder für Zuführung von Sozialfapital( Geschäftsanteil) für ihre Organisation. Der Vorteil. der durch diese kleinen Beiträge dem Einzelnen entsteht, kommt in der Warenbeschaffenheit oder im Waren. preis zum Ausdruck. Eine weitere Quelle für das Betriebs fapital bildet die den Mitgliedern nach Maßgabe ihres Umlaßes gewährte üdvergütung. Die Konfumgenoffenschaft Berlin und Umgegend hat z. B. für ihr Geschäftsjahr 1924/25 rand 550 000 Mart Rüdvergütung an ihre mitglieder verteilt. Die Genossenschaft verfügte in jenem Geschäftsjahr über und 180 Abgabestellen. Würden diese 180 Abgabestellen je einem einzelnen Privatunternehmen gehört haben so hätte durchschnittlich jedes Geschäft für feinen Inhaber 3000 Mart Gewinn erbracht, vorausgesetzt, daß dieser Inhaber genau fo sparsam und rationell gewirtschaftet hätte, wie die Konsumgenoffenschaft. 3000 Mark sind im einzelnen Falle eine Summe, die nicht besondere Achtung einflößt. 180 mal 3000 Mart sind über eine halbe Million und geben einem Unternehmen ein bedeutendes wirtschaftliches Gewicht. ihre Spargrofchen in der Genossenschaft an Sie Die Mitglieder der Konsumgenossenschaft legen außerdem haben dadurch einmal den Vorteil bequemer Ein- und Ausihre Spargroschen in der Genossenschaft an. Sie zahlung, weil jede Abgabestelle Spargelder entgegennimmt beutenden Betriebsanlagen der Konsumgenossenschaft Geund auch solche auszahlt; fie haben die Sicherheit, daß ihnen von ihren Spargroschen nichts verloren gel, weil die be deutenden Betriebsanlagen der Konsumgenossenschaft Gewähr für die Sicherheit des Geldes bieten; fie haben andererfeits auch die Genugtuung, daß sie ihrer Organisation Betriebsmittel zu einem Zinssatz zur Verfügung stellen, wie ihn die Banken oder sonstige Geldinstitute nicht gewähren würden. Diefe Quellen find es, aus denen die Konsumvereine gefpeift werden. Es fönnen auch nur die Konsumvereine aus diesen Quellen schöpfen, weil die Privatwirtschaft weder willens noch in der Lage ist, so im gemeinwirtschaftlichen Sinne zu arbeiten, wie das für die Konsumvereine selbstverständlich ist. Es ist uns bekannt, daß die Konsumgenossenschaft Berlin und Umgegend beabsichtigt, im Frühjahr dieses Jahres mit der Errichtung weiterer Betriebsstätten zu beginnen und daß jetzt bereits Brojekte für mehrere Jahre vorliegen. Es ist ein Zeichen der Stärfe fonfumgenossenschaftlicher Organisa tion, wenn sie sich jetzt trotz der Krise mit allen solchen Fragen beschäftigen tann und wenn sie andererseits niemals in die Klagen der Industrie mit einstimmt, die Arbeitszeit sei zu turz und ähnliches. Die tonfumgenossenschaftlichen Organisa-| onen haben bereits vor dem Kriege in ihren Betrieben den chtstundentag durchgeführt gehabt. Sie halten allerdings auch darauf, daß ihr Betrieb technisch vollkommen einge richtet ist und deshalb rationell arbeitet. Darin liegt auch ein Unterschied zwischen den konsumgenossenschaftlichen und pielen privatwirtschaftlichen Betrieben. Durch technische Einrichtungen den Betrieb wirtschaftlicher zu gestalten, die Arbeit zu erleichtern, durch hygienische Einrichtungen dem Arbeiter bie Arbeit angenehmer und die Warenherstellung für den Verbraucher in einwandfreierer Weise tätigen zu lassen, das ist einer von den nicht gering zu veranschlagenden Aftiopoften fonfungenossenschaftlicher Organisation. In dem jetzt laufenden Geschäftsjahr, 1. Juli bis 31. Dezember 1925, hatte die Konsumgenossenschaft Berlin und Umgebung einen Umfah von mehr als 16 000 000 Rmt., im vorigen gesamten Geschäftsjahr hatte sie einen Umsatz von rund 27 Millionen; sie wird ihn trotz der Krise im laufenden Geschäftsjahr ganz wesentlich übersteigen. Dazu fommen noch einige Tochtergesellschaften, die im Laufe des Jahres von der Konsumgenossenschaft begründet bzw. erworben wurden, die auch im gemeinwirtschaftlichen Sinne wirken und wesentliches leisten. So werden z. B. in einer Wurstfabrik, die Eigentum der Konsumgenossenschaft ist, monatlich über 600 Zentner Wurst hergestellt, die täglich in den eigenen Abgabestellen zur Verteilung gelangen. Je schärfer die Krise hervortritt, desto mehr merten die Mitglieder die Borteile, tonfumgenpffenfchaft licher Organisation und desto mehr muß die und desto mehr muß die arbeitende Bevölkerung ganz gleichgültig, ob hand- oder ganz gleichgültig, ob Hand- oder Ropfarbeiter ihr Augenmerk auf die genossenschaftliche Organisation richten. Wenn die Leitungen der tonsumgenossenschaftlichen Organisationen, gestützt auf das starte Bertrauen ihrer Mitglieder und überzeugt von der unverwüstlichen Kraft und Stärke ihrer Organisation trotz aller Stürme im Wirtschaftsförper fich mit neuen Aus- und Aufbauplänen tragen, so dürfen die Arbeiter und Angestellten, die dieser Organisation noch fern stehen, durchaus zutrauen zu diesen Organisationen geminnen, denn die Bergangenheit bürgt dafür, daß nicht im fapitalistischen Profitinteresse gewirtschaftet wird, sondern unter Berücksichtigung der Interessen des gesamten Bolkes für das Bolf die industriellen Betriebe gefördert, die Lebensmittelverteilung im Interesse der Berbraucher wahrgenommen werden. Förderung des Genossenschaftsgedankens bedeutet Förderung der Gemeinwirtschaft, Förderung des Sozialis mus, bedeutet, unserem Ziel näherkommen. " Nicht korrupt, nur Psychopath. Holstein- Berlegenheiten der Rechtspreffe. Die deutschnationale Preffe fommt allmählich mit schüch ternen Andeutungen über den Fall Holstein hervor gefrochen. Der Lokal Anzeiger" gibt zu, daß die Echtheit der Holsteinschen Korrespondenz doch nicht zu bezweifeln sei". Eine feine Zeitung: was nicht ist, Lügt sie zusammen, siche Bölferbundskandal, und von dem, mas mahr ist, stellt sie mit einer Wehmutsträne fest, daß die Bahrheit, doch nicht zu bezweifeln" fei! Wenn eine Dame der Gesellschaft, etwa eine Gräfin, stiehlt und betrügt, dann ist sie nicht etma eine Diebin, sondern eine Kleptomanin, ein psychopathologisches Problem, ein Rätsel. Wenn ein Holstein forrupt ist bis zum Landesverrat, dann ist er für den„ otal- Anzeiger" nicht ein Schieber und Schurte, sondern ein Psychopath, ein danfenswertes Objeft für den geschulten Psychologen. Aber damit fann der Lokal- Anzeiger" die Tatsache noch nicht aus der Welt schaffen, daß diefer Psychopath", dieser Rorruptionsgeheimrat einer der Prominenten des taiserlichen Systems war. 3mar versichert er stolz: „ Ueberaus naiv ist die Art und Weise, wie unsere Linkspreffe auch aus diesem psychopathologischen Fall Honig zu faugen sucht. Jeder weiß, daß unter dem alten Regime selbst ein Mann von Das Käthchen von Heilbronn. ber macht des Herrn n. Holftein in dem Augenblid erledigt ge. wesen wäre, in dem irgend jemand auch nur geahnt hätte, daß er seine dienstlichen Kenntnisse zu geschäftlichen Spekulationen mißbrauchte." " Thüringer Staatsbank- Skandal. Unter der Ordnungsregierung. Weimar, 30. Dezember.( Eigener Drahtbericht.) Am Ende bes Holstein erledigt? Es haben ihn manche erledigen wollen, Jahres 1925, ein Jahr nach dem Ende des Geschäftsjahres 1924, die Macht und Namen hatten, aber es ist ihnen nicht gelungen soll endlich der Verwaltungsrat der Thüringischen Staatsbant über - er mußte zuviel Dom alten Regime. Und die pon dem Nachfolger Loebs, Dr. Jost, vorgelegte Bilanz menn der Lokal- Anzeiger" nach dankenswerten Unter- Don 1924 Beschluß fassen. Gestern liefert nun ein von der Re fuchungsobjekten fucht, so tann er ja untersuchen lassen, in gierung gern benugtes rechtsstehendes Blatt bereits Borpostengewelchem Zusammenhang Holsteins Kenntnisse um die Gefechte für diesen in der Geschichte des Banfmesens wohl einzigwohnheiten und dunklen Punkte des alten Regimes mit seiner artigen Borgang. Es behauptet, daß Dr. Jost in einem Landtags unverfrorenen Korruption stehen. ausschuß geäußert habe, daß der Bank unter der Leitung Loebs der Kopf gefehlt habe und daß Loeb nicht verstanden habe, die von ihm gemachten Gewinne( angeblich etwa 4 Millionen Goldmart. Der Berichterstatter) zu halten. Angeblich hat die Sicherung der Krebite durch Herrn Dr. Joft die Berzögerung der Bilanz für 1924 bis heute verschuldet. Trotz dieser behaupteien Bemühungen des Herrn Dr. Jost müssen doch wohl sehr große Berluste eingetreten sein, denn die Zeitung spricht von großen Verlustzahlen. Inunerhin sei die Sicherheit der Bank nicht gefährdet. Das„ Volt", unser Jenaer Parteiblatt nimmt heute bereits Stellung zu der noch vor. Erscheinen so merkwürdig verteidigten Bilanz. Es schreibt: Berliner Kommunistenkämpfe. Der widerspenstige Scholem. Die Rote Fahne" hat Sorgen eigener Art. Eine der größten Sorgen scheint für sie der russische Parteitag zu sein, den fie nach wie vor möglichst perstedt unterbringt. In einem verborgenen Bintel entrüftet fie fich über die Ignoranz des Bormärts". Ihre Entrüstung ist leider das einzige, mas sie vorzubringen hat; denn fachlich kann sie nicht das geringste vorbringen. Ihre Sorgen find verständlich. Im kommunistischen Lager ist die Unruhe immer noch groß. Der Bericht über die letzte Stadtdelegiertenversammlung ist offenbar so start frisiert worden, daß Scholem seinem entrüsteten Herzen in Zuschriften an die Zentrale hat Luft machen müffen. Das Pol- Bureau der Zentrale geht deswegen auf diese Buschriften, die es wohlweislich nicht veröffentlicht, in einer längeren Buschrift ein. in einer längeren Buschrift ein. Daraus erfährt man, daß die Ultralinten" folgenden Antrag gestellt haben: Die Delegiertenkonferenz fordert die B. 2. auf, den Kampf gegen wichtige Teile der Berliner Organisation einzustellen und eine Politik der Zusammenfassung aller Kräfte auf dem Boden praktischer Mitarbeit durchzuführen." Dieser Antrag erhielt 306 Stimmen, während 369 Stimmen dagegen waren. Das Stimmenverhältnis zeigt die Stärte der Spannung in der Berliner Organisation. Man fann faum annehmen, daß diese Spannung unter dem Eindruck des russischen Barteitages gerade abnehmen wird. Die Rote Fahne" schreibt des wegen aud: „ Daß dieser Antrag soviel Stimmen erhielt, ist nicht zurückzuführen auf das politische Einverständnis der Berliner Genossen mit den Anschauungen Scholems und seiner Freunde. In dieser großen Stimmabgabe für den Antrag zeigt fid) lediglich die noch nicht genügende Durcharbeitung der Berliner Organisation. Die große Stimmabgabe für diesen Antrag beweist, daß noch viele Mitglieder und Funktionäre glauben, daß eine Politik der Zusammenfassung aller Kräfte auf dem Boden praktischer Mitarbeit gleichbedeutend ist mit der Einstellung des Kampfes gegen die in der Berliner Organisation no vorhandenen Abweichungen. Dem ist nicht so. Im Gegenteil Die Partei wird die richtige Bolitif erst dann anwenden, wenn feste Kaders vorhanden sind, wenn die Mitglieder nicht nur formal die Politif des Zentralfomitees billigen, sondern im Sinne dieser Politif mit leberzeugung in der gesamten Arbeiterklasse und Arbeiterbewegung arbeiten. Nur wenn wir in der Partei alle schwankenden Genossen überzeugen und den Kampf gegen alle Abweichungen zu führen verstehen, werden wir Erfolge erringen. Selbstverständlich werden das Zentralfomitee und die Bezirksleitung alles tun, um eine Zusammenfassung der Partei herbeizuführen. Aber das Zentralfomitee und die Bezirksleitung Berlin- Brandenburg haben die Aufgabe, eine politische Linie durchzuführen, die Mitgliedschaft von der Notwendigkeit dieser Linie zu überzeugen und den Rampf gegen die Kräfte zuführen, die mit allen Mitteln gegen die Durch führung der Don Barter eingeleiteten Bolitit arbeiten her Das Abstimmungsverhältnis in der Berliner Stadtdelegierten. versammlung beweist, wie groß diese Untlarheiten noch sind, wie notwendig diese innerparteiliche Arbeit ist." Die Beobachtungen in anderen Städten zeigen, daß es dort nicht viel beffer steht. Ueberall find zweifellos die ll ntlar. heiten noch sehr groß. Wir wünschen zum neuen Jahr den besten Erfolg auf diesem Gebiet und hoffen, daß am Ende des nächsten Jahres feine Abmeichungen in der RPD. mehr zu vermerken sind. der die Bühne zu schmüden hatte, parodiert ein wenig. Manchmal, ist die Bühne Schmiere, wie sie überliefert wird, manchmal strahlt Ein neues Käthchen, ein neuer Regisseur, ein neuer Theatermaler fie entzückend in Farben. Inmitten all dieser Leichtigkeit schwärmt im Deutschen Theater. und schreitet das mittelalterlich brave, mittelalterlich entzüdende, mittelalterlich fiegende Käthchen. Mar Hochdorf. Man hatte vor kurzem ein junges Mädchen entdeckt, das sich in viel Elend nach dem Theater sehnte. Die Kleine ging zu Leuten, von denen sie Beistand erhoffte, und bat, vortanzen zu dürfen. Man ließ sie nicht tanzen, sondern forderte sie zum sprechen auf. Es wurde herausgefunden, daß die bittende Tänzerin mit sehr viel Innigkeit reden konnte. Die Bewegungen, mit denen sie ihr Wort begleitete, nerrieten ein besonders talentiertes Wesen. Die Leute ließen die Bittstellerin fünstlerisch erziehen, nun wird fie plöglich als Räthchen von Heilbronn hinausgeschickt. Es lohnte fich mirtlich, Dies schon heute sehr überschmänglich angepriesene Bunder, das fich sehr theatralisch auf den Bühnennamen Toni van Eif taufte, kennen zu lernen. Die fleine Toni mird um die 16 Jahre alt sein. Auf der Bühne scheinen ihre Augen fast stumpf. Das bedeutet: fie scheint ganz in sich hinein zu horchen. Das bescheidene Wispern ihrer Etimme und das leidenschaftliche Auflehnen gegen die Dunkelheit, in der ihre Liebe bleiben soll, all das Begehren des Instinktes, all diese Unterwürfigkeit, die fich steigern foll bis zum himmlischen Mute, dieses Schwanken, dieses bundlings mandelnde Sichersein ihres Gefühls, das find Gaben, die schon heute außerordentlich geminnen. Die findliche Schauspielerin ist Kind dem Buchse nach, sonst kann fie fich auch schon weiblich geben. Dann wird dieses Aufblühen desto merkwürdiger. Man hat nicht den Eindruck, daß ein Nach. ahmungstalent sich dressieren ließ. Man hat eher den Eindruck, daß ein liebliches Talent frühreif wurde. Nun spielt Toni van Eit allerdings dieses Käthchen von Heilbronn, das einen besonderen Frauencharakter verklärt, den Charakter der Sklavin, die sich treten, quälen, schelten und erniedrigen läßt, weil sie liebt. Die mittelalterliche Boefie, die ganz von ritterlichen Männern bestritten wurde, liebt folche aufopfernde Mädchen. Sie heißen bald Grifelbe, bald Genofeva, bald Räthchen, wie dieses heilbronnische Mädchen. Sie find von füßer Zollheit befangene Heldinnen und vor allem zeichnet es fie aus, daß sie den jungen Herren, die auf ihnen herumtrampeln, gar nicht böse find. Toni van Eif war ein fostbares Opfer der Niederlage und der Auferstehung. Das Mädchen mit dem finotramatischen Rosenamen sei gegrüßt. Cugen Klöpfer, der vorzügliche Schauspieler. hat sich die Regie ausgedacht. Sehr humorig, beinahe parodistisch. Es tommt Silvesterstimmung auf. Wenn z. B. die Ritter sich im Wirtshaus neben dem Saustall einen ansaufen und ins Stottern geraten, menn der Feuerwächter, der den Brand ausschreien soll, mitsamt seiner Tute heiser wird, dann lacht man in Fröhlichkeit. Und alles bleibt so heiter auf der Bühne. Herr Baul Hartmann, Räthchens hoher Herr, hält außerordentlich taltvoll und geschickt das Gleich gewit der Borice, deren parodistischer Nebenfinn durch das aufge: quollene Bathos hindurchsidert. Und auch der Maler Bechstein, Zunahme der deutschen Großstädte. Nach einer Statistik, die in der Umschau" veröffentlicht wird, wohnen von der gesamten Bevölkerung Deutschlands 62,9 Broz. in Stäbten, nur 37,1 Proz, auf dem Lande. Außer Berlin gibt es in Deutschland neunzehn Städte, die mehr als 250 000 Einwohner haben, in Frankreich dagegen außer Baris nur drei und in Großbritannien außer London nur elf. Das Zusammenströmen der Bevölkerung in großen Städten hat in Deutschland verhältnismäßig spät begonnen. Im Jahre 1871 lebten von der Gesamtbevölkerung von 41,1 millionen nur 4,8 Proz. in großen Städten, 1880 fchon um die Hälfte mehr. 1890 mar die Bevölferung um ein Fünftel gewachsen, der Prozentjazz der in den Städten Lebenden war aber bereits auf mehr als das Doppelte ge stiegen. 1900 hatte sich die Gesamteinwohnerzahl gegen 1871 um met Fünftel vermehrt, die der Städte war fast auf das vierfache angewachsen. 1910 betrug die Bevölkerungsziffer 65 Millionen, von denen rund ein Drittel in den großen Städten lebte. 1925 hat sich die Gesamtzahl auf 62,4 millionen verringert, die Einwohnerzahl der Städte aber ist weiter gestiegen, und diese Entwidlung wird wohl auch durch alle dagegen unternommenen Maßregeln nicht aufzubalten sein. Die Bergfrankheit als Heilfur. In der letzten Sigung der Pariser Atademie der Wissenschaften wurde eine Denkschrift des französischen Arztes Rapul Bayeur verlesen, die sich über die wohl Die tätigen Wirkungen der gefürchteten Bergkrankheit verbreitet. bei der Ersteigung hoher Gebirge und bei Flügen in einer Höhe ijchen 2000 bis 4000 Meter beobachtete Krankheit wurde zuerst von da Costa im 15. Jahrhundert beschrieben. Die durch die Luftperdünnung bedingten Krankheitssymptome bestehen vorzugsweise in Abgespanntheit, starfem Durst, Erbrechen, Herzklopfen, Atembeflemmungen, Eritidungsangst, Kepischmerzen, Echwindel und unbezmingbarer Schlafneigung, wobei sich später Blutungen ous Mund, Nase und Lunge gesellen. Alle diese unbequemen und besorgnis." führt, nur die Zeichen dafür, daß die erkrankten roten Blutförper. erregend erscheinenden Symptome sind aber, wie Dr. Bayeug auschen infolge der Einwirkung der verdünnten Luft vom Organismus ausgeschieden werden. Den Störungen folgt bald die Realtion; die üblen Erscheinungen verschwinden in dem Grade, in dem die erfranften ausgestoßenen Blutkörperchen durch neue junge und gefunde erfeit werden. Man tann also sagen, daß der Bergkrankheit als Nachtur eine Regeneration des Blutes und damit eine Erstarfung des Organismus folgt. Die neunschwänzige Kahe. Bon englischen Gerichten sind in der legten Zeit verschiedene Urteile gesprochen worden, bei denen einer Gefängnisstrafe eine Anzahl von Streichen mit der Maße" zugefügt murde. In Großbritannien ir nämlich die Brügelstrafe nach immer zulässig. Die„ age" non heute verdient allerdings eigentlich nicht mehr den Namen der neunschwänzigen, denn sie hat nur noch einen Riemen von einem Zoll Durchmesser, ber sich an einem hölzer ,, ir tennen die Bilanz noch nicht, aber wir ahnen, daß alle Verlufte nach dem Beggange Loebs, Mitte September 1924auch die für 1925, ihm aufgebürdet werden sollen. Beispielsweise soll ein Kredit A zurüddatiert worden sein, damit er noch zu Lasten Loebs fäuft. Auf Befehl der Völkischen hat der Finanzminister& 1ühschner Loeb geföpft. Für die durch die RopfLofigkeit entstandenen Schäden find fie, Herr v. Klüchschner, nun mehr haftbar. Haben sie endlich den Mut, wie von der SPD. wiederholt perlangt worden ist, vor dem Untersuchungsausschuß des Landtages zu treten, und bald wird ihnen die Bilanz der Staatsban! bis in alle Einzelheiten zergliedert merden, selbst menn mir dabei mitteilen müffen, daß ausgerechnet einem polfischen 2and. tagsabgeordneten starte 3insermäßigungen zugebilligt morden find." Mussolini bei Chamberlain. Ein Ferienbesuch in Rapallo. Mailand, 30. Dezember.( EP.) Mussolinis Besuch bei Chamberlain in Rapallo gab zu einer gründlichen Be sprechung der gesamten politischen Lage Anlaß. Vor und nach dem gemeinsam mit der Familie Chamberlain im Hotel Bristol eingenommenen Nachteffen unterhielten sich die beiden Staatsmänner geraume Zeit unter vier Augen untereinander. Chamberlain hatic erst vorgestern die amtliche Mitteilung erhalten, daß Mussolini ihn auf seiner Heimreise nach Rom besuchen wolle, und sofort zugestimmt. Mussolini traf abends 6,30 Uhr im Sonderzug in Rapallo ein und reiste um 10 Uhr nach Rom weiter. leber die Begegnung wurde folgende amtliche Mitteilung veröffentlicht: Obwohl der britische Außenminister sich nicht aus politischen Gründen in Italien, befindet, hat sein Aufenthalt zu einer Begegnung Gelegenheit gegeben, in der die beiden Staatsmänner ihre Ansichten über die Die lange wichtigsten 3eitfragen austauschen fonnten. Unterredung, die während des Nachtessens der Familie fortgesezt wurde, war sehr herzlich, und die Prüfung der wichtigsten Ereignisse der internationalen Politik der letzten Zeit hat die Not mendigkeit erwiesen, die jetzt erst festgesezte Zusammenarbeit der beiden Staaten wirksam zu entwideln, um die verschiedenen wider. sprechenden Interessen zur Förderung des Friedens in Europa mit einander in Cinflang zu bringen," Die Sonderforrefpondenten der Blätter find übereinstimmend der Ansicht, daß von beiden Politifern auch das russisch. türfische Bündnis mit seinen Rückwirkungen ermogen wurde, nachdem dieser Vertrag und die diplomatischen Anstrengungen Ruß lands und der Türkei auf dem Balkan' Beunruhigung hervorrufen und im nahen und fernen Dsten politische Fragen im Bordergrund stehen, die weder England noch Stalien gleichgültig sind. Wahrscheinlich sei auch über die bevorstehende Regelung der italienischen Kriegsschulden gesprochen worden. nen Handgriff befindet, und ähnelt einer fräftigen Hundepeitsche. In früheren Zeiten aber war die Kake wirklich neunschwänzig, und jeder ihrer neun Riemen war mit einer Stahlspitze versehen. Dies furchtbare Instrument hat lange Zeit in der englischen Flotte geherrscht; auf dem Lande wurde die neunschwänzige Raze erst vor etwa fünfzig Jahren beim Strafvallzug eingeführt und vielfach in den Gefängnissen gebraucht. Während des Krieges verlor die Kaze dann acht ihrer Schwänze und nahm ihre heutige gemilderte" Form fünfzig; bei Personen unter sechzehn Jahren wird an Stelle der Katze an. Die zulässige Höchstzahl von Streichen mit der Kaze beträgt jetzt eine Rute" benutzt. Der Richter muß ausdrücklich das Werkzeug zur Bestrafung und die Zahl der Streiche angeben. Trogdem bleibt die Züchtigung mit der Kaze eine furchtbare Straje, die an die Grausamfeit des finsterften Mittelalters gemahnt. In unserer ,, humanen" Zeit untersucht allerdings ein Arzt Herz und Lungen des Berurteilten vor der Züchtigung. Benn seine Gesundheit träftig genug für die Strafe gefunden mird, gibt er den Wärtern ein Zeichen, morauf diese ihm die Arme auf den Rüden binden und ihn im Nu an einen Pfeiler feffeln, worauf die Streiche in Anwesenheit des Arztes und des Gefängnisdirektors verabreicht werden. Selten werden alle Streiche auf einmal gegeben. Fünf bis sechs Schläge versezen den Berbrecher gewöhnlich in einen halb shnmächtigen Zustand; er wird dann durch Wasser wieder zum Bewußtsein gebracht, bis er zehn Streiche erhalten hat. Dann muß er zur Behandlung in ein Krantenhaus gebracht werden. Noch älter als die Pharaonen. Der Leiter einer wissenschaft lichen Expedition, die eine Ruinenftätte in Honduras( Mexiko) durche forscht, R. Harrington, entdeckte ein Grab, in dem er hofft, Mumien zu finden, die älter und besser erhalten sind als die in Aegypten. Der Gelehrte hat bereits mancherlei Kunstgegenstände der Azteken aufgefunden. Die Bevölkerung foll in Amerika gelebt haben, lange bevor in Aegypten die Pharaonen ihre Schäze in den Pyramiden und Grabfammern unterbrachten. Das von Harrington bloggelegie Grab befindet sich in einem Salzberg, was die Annahme rechtfertigt, daß die Leichen unversehrt sind. 3m Neuen Theater am 300 beginnt die Borstellung des Wabren Jacob" mit Guido Thielscher am Silvesterabend ausnahmsweise um 7 Uhr. Die Borstellung der Operette Meffalinelle im Berliner Theater beginnt am Donnerstag( Silvester) ansnahmsweise um 7%, ilhr. Jm Theater des Wellens beginnt die Aufführung der Gilbert- Oberette „ Das Spiel um die Liebe ami Silvester ausnahmeineise bereits um 7%, Uhr. Voltsbühne. Im Theater am Bülowplag. findet Sonnabend, 2. Januar, abends 8 Uhr. die 25. Aufführung von Lunatschavsfis Der befreite Don Duichotte ftatt. Die Titelrolle spielt Adolf Manz, den Wurzio Peter Jhle. Kaplan Fahsel spricht am Mittwoch, den 6. Januar, abends 8 Uhr, in der Singalabenie über be und Eros. Goethe und Umerits. Für die in sechs Jahren bevorstehende Hundert fabrfeier von Goethes Todestag wirb non einem Ausschuß amerikanischer Universitätsprofefforen ein umfangreiches Wert vorbereitet, in dem der Einfluß Goethes auf Amerika umfassend und erschöpfend dargestellt werden soll. Nur eine Flasche täglich. Die Sowjetregierung hat zur Eine fchränkung des Umfangs. den die Eruntlucht in Sowjetrußland nach Biezerciafüurung des 40prozentigen. Wobla angenommen hat, die Ber fügung erlassen, ben Berlauf auf nur eine Flasche Bodla täglig auf der Stopf ber Bevölkerung zu normieren. Christlich- sozialer Parteirat in Wien. Opposition der Delenierten aus Steiermark. Bien, 30. Dezember.( WTB.) Der hriftlich soziale Barteirat, der bis in die Abendstunden dauerte, hat nach Entgegennahme der Berichte des früheren Bundeskanzlers Dr. Seipel And des jetzigen Bundeskanzlers Ram ef über die wirtschaftspoli tische Lage und nach Darlegung der für den Wiederaufbau der Bolkswirtschaft in Aussicht zu nehmenden gesetzgeberischen und administrativen Maßnahmen die lebereinstimmung aller Teilnehmer an der Beratung sowohl über die Ziele der fünftig einzuhaltenden Wirtschaftspolitif als auch über das taktische Borgehen der Partei festgestellt. Der Gesamtparteitag wurde für den 2. Februar 1926 nach Bien einberufen. Bis dahin soll, mie die Blätter melden, eine volle Einigung( also ist die Uebereinstimmung" noch nicht erzielt. Red.) über das von den einzelnen Griftlichsozialen Flügeln aufgestellte Wirtschaftsprogramm gefunden werden. Die fteterischen Christlichsozialen haben u. a. ver langt, daß eine Annäherung an die Sozialdemokraten, gesucht werde, daß die Banten dazu angehalten werden sollen, ihre in ausländischen Unternehmungen deponierten KapitaHen zurüdzuziehen, um sie im Inlande zu verwenden, daß die Notenbank der heimischen Industrie zu billigen Sägen Kredit zur Verfügung stellt, und daß der Bezug ausländischer Kohle auf ein Minimum reduziert merde. Wie die Blätter im übrigen feststellen, hat die gestrige Beratung der Partei volle Einheitlichkeit über die fünftigen Richtlinien ergeben. An eine Reton strut. tion der Regierung im politischen Sinne sei gegenwärtig nicht zu denken. Bundeskanzler Ramet werde nunmehr mit den Großdeutschen über das Wirtschaftsprogramm Fühlung neh men, aber auch an die Sozialdemokraten herantreten, um biefe, soweit es möglich sei, zur Mitarbeit heranzuziehen. Schließung des Wiener Wohnungsamtes. Wien, 30. Dezember.( WTB.) Infolge der bevorstehenden Schließung des Wohnungsamtes, die mit dem Ablauf des Wohnungsanforderungsgefeges mit Ende dieses Jahres zufammenhängt, haben sich gestern 4000 Wohnungsuchende beim Wohnungsamt eingefunden, um, wie die Blätter berichten, ihre Wohnungswünsche noch vor Ablauf des Jahres mitteilen zu können. Die Nichtverlängerung dieses Gesetzes durch die bürger The Nationalratsmehrheit trotz allem Drängen der Gemeinde Bien zwingt das Wohnungsamt, seine Tätigkeit einzustellen und macht den sozial gerechten Wohnungszuweisungen ein Ende. Die bürgerlichen Parteien werden an der Verantwor hng dafür schmer genug zu tragen haben! Dom russischen Parteitag. Die Auswirkung der Differenzen. Mostau, 30. Dezember.( Meldung der Sowjet- TelegraphenAgentur.) Vor Annahme des gestrigen Schreibens an die Lenin grader Parteiorganisation sprach sich Sino wjem im Namen der Leningrader Delegation gegen das Schreiben aus. Er erklärte u. a.: Die Minderheit hat durch ihre Stimmabgabe gegen die Entschließung zum politischen Bericht des Zentralfomitees teinerlei Gefahr einer Parteispaltung geschaffen, denn die Geschichte der russischen fommunistischen Partei weist Dugende von Fällen auf, in denen Entschließungen gegen eine zahlreichere Minderheit nicht einstimmig angenommen wurden. Ungeachtet dessen wurden diese fchlichungen für die Minderheit zum Gefeß. Die Beschlüsse des 4. Parteitages find für uns ebenso bindend wie für alle Parteimitglieder. In seiner Antwort an Sinomjem mies Rytow darauf hin, daß einige Führer der Ceningrader Organisation die Parteidisziplin dadurch verlegten, daß fie fofort nach der Beschluß faffung des Parteitags die Polemit gegen diese Beschlüsse in der Leningrader Preffe weiterführten. Rytom hob weiter die Notwendig feit einer wirklichen Geschlossenheit der Partei hervor und unter stügte das Schreiben an die Leningrader Organisation, das mit 594 gegen 36 Stimmen angenommen wurde. Mit gleicher Mehrheit beschloß der Parteitag, auf die Entgegennahme eines Berichtes kamenems über Wirtschaftsfragen zu verzichten, da Kamenem gegen die Entschließung zum politischen Bericht des Zentralfomitees stimmt und nicht die Meinung des letteren vertrete, das zufünftige Zentralfomitee zu beauf tragen, sich auf wirtschaftlichem Gebiete an die Leitsätze dieser Entfchließung zu halten. Hierauf erstattete Tomski Bericht über die Aufgaben der Gewerkschaften. Der Parteitag nahm mit Beifall seine Erklärungen über die Notwendigkeit weiterer tonsequenter Durchführung der einheitlichen Linie der inter. nationalen Gemertschaftsbewegung im Geift e der Tätigkeit des englisch russischen Komitees an. Die Herstellung der Einheit mit den Gewerkschaften anderer Länder, enge Verbindung mit den Gewerkschaften des Dst ens, besonders Japans, gemeinsamer Kampf gegen die Kriegsgefahr sind die nächsten Aufgaben der Gewerkschaften der Sowjetunion. 3 Auf dem Parteitag find zahlreiche Delegationen einiger Bezirke and der größeren Zellen der Leningrader Parteiorgani. sation eingetroffen, die den Parteitag begrüßten und die Hand lungsweise der Leningrader Delegation, welche die ihren Wählern gegenüber übernommene Verpflichtung, für volles Gutheißen der Tätigteit des Sentralfomitees zu stimmen, nicht erfüllt habe, ver. urteilten und ihre vorbehaltliche Solidarität mit den Beschlüssen bes Parteitages erklärten. Der Schluß des Partettages und die Neuwahlen für das Sentralfomitee merden für morgen erwartet. Cunning gescheitert. Himmlische Silvesterscherze. 12 bis 14 Grad Wärme am vorlegten Tage des alten Jahres! Laßt endgültig alle Schneehoffnung fahren! So mancher ſpetulierte noch auf die Unbeständigkeit des himmlischen Wetterfurses, wenn er gestern in die grauen Wolfen blinzelte. Es ist aus. Silvester 1925 gestern in die grauen Wolfen blinzelte. Es ist aus. Silvester 1925 mit Frost und stilvoller Schneedekoration ist eine Illusion der Phan. tasten und Zeichner, die aus Berufsgründen ein wenig schwindeln müssen. Am Silvesterabend wird es nach den Prognosen der dazu bestellten Propheten frühlingsmäßig mild sein und sehr unharmonisch Bindfaden regnen, auch für den Neujahrstag ist faum besseres Better zu erwarten: mild, strichweise Regen, trübe. Wenn das ein Symbol des Jahres 1926 sein soll... Profit Neujahr! Der unheimliche Gast. Ein seltsamer Borfall in einem Dorfwirtshaus. Ein aufregender Vorfall, der sich wie die unheimliche Mär von dem Wirtshaus im Spessart lieft, hat sich gestern abend in Falfenfee bei Spandau zugetragen. Zwischen 7 und 8 Uhr erschien in der Gastwirtschaft von Baul Müller in Faltensee ein anscheinend dem Arbeiterstande angehöriger Mann. Er setzte sich abseits von den anderen Gästen in eine dunkle Ecke und starrte unausgesetzt vor sich hin. Dreimal forderte er je ein Glas Bier und einen Schnaps. Während der ganzen Stunden beteiligte er sich nicht mit einem Worte an der allgemeinen Unterhaltung. Sein stummes Borfich hinbrüten fam sowohl dem Wirt wie den übrigen Gästen ziemlich unheimlich vor. Nach und nach gingen die Besucher, bis zuletzt außer dem Unheimlichen niemand mehr da war. Der Wirt, der sich scheute, mit ihm allein zu bleiben, hatte vorher den Wächter des Ortes, Reuter, und den Landwirt Frizz Bathe gebeten, doch noch einmal vor Ladenschluß vorzusprechen. Beide Männer famen denn auch gegen 1% Uhr in die Wirtschaft zurüd. Der Wirt ging jezt auf den einsamen Gast zu und bat um 3 ah lung, da er schließen wolle. Da schien der Mann aus seiner Bersunkenheit zu erwachen. Er sprang mit einem Fluch auf, riß einen langen Nidfänger aus der Tasche und stürzte sich mit dem Ausruf Mord!" auf die drei anderen Männer. Diese maren so bestürzt, daß sie nicht gleich an Gegenwehr denfen konnten. Der Messerheld brachte dem Wirt einen Stich in den Rüden bei, der die Wirbelsäule verlegte. In dem sich jetzt entspinnenden Kampfe trug der Wächter Reuter ebenfalls einen Rückenstich davon und Stiche in die Brust und die Arme. Der Landwirt Bathe erhielt mehrere Kopf- und Armstiche. Müller schleppte sich mit Aufbietung aller Kraft in feine im Obergeschoß gelegene Wohnung und alarmierte das Ueberfalltommando durch den Fernsprecher. Bathe und Reuter flüchteten aus dem Lokal und riefen, von Haus zu Haus eilend, die Ortsbewohner zum Beistand herbei. Die Männer um stellten das Haus, um dem Rasenden den Weg abzuschneiden. Dieser hatte im Schanfraum alles furz und flein geschlagen und sich dann in die Küche zurüdgezogen, deren Türen er verbarritadierte. Das Ueberfallfommando, das alsbald eintraf, forderte ihn durch die Tür auf, sich zu ergeben. Der Wütende hatte die langstielige Feuerwehrart Müllers in der Küche gefunden und drohte jeden niederzuschlagen, der ihm zu. nahe tomme. Den Beamten blieb nichts weiter übrig, als durch zwei Schred schüsse den Versuch zu machen, den Eingeschlossenen von der Tür zu vertreiben und diese dann einzuschlagen. Als sie die Küche betraten, lag der Mann schwer verwundet am Boden. Eine der Kugeln hatte ihn in die Brust getroffen. Man brachte ihn nach dem Krankenhaus in Spandau, er verstarb aber schon Arbeiter Davideit aus der Tilsiter Straße 23 zu Berlin. Was auf dem Transport. Er wurde festgestellt als ein 32 Jahre älter ihn zu der entsetzlichen Bluttat veranlaßt hat, weiß man nicht. Entweder plante er einen Raubüberfall, sobald er mit dem Wirte allein war, oder er hat im Blutrausch gehandelt. Der Nickfänger, den er als Waffe verwandte, ist ein Hirschfänger, deffen Schneide eine Länge von 15 Zentimetern hat. Der Birt Müller und der Wächter Reuter liegen in bedenklichem Zustand darnieder. Zu dem Raubmord in Brih wird gemeldet, daß sich inzwischen noch mehrere 3eugen gemeldet haben, die mährend der Festtage auf Reisen gewesen waren. Einer dieser Zeugen hat gesehen, mie Schumann am 24 gegen 2 Uhr mit einer Autodroschke vor seinem Hause Donaustr. 100 vorgefahren ist. Das wirkt um so befremdlicher, als Schumann vorher gar nicht im Befih größerer Geldmittel gewesen ist. Trotzdem alle seine Angaben bisher widerlegt find, bleibt er bei seinen Unschuldsbeteuerungen und stellt alle Zeugen der Schumann am 24. Dezember nachmittags um 1% Uhr gefahren aussagen als Lügen hin. Der Chauffeur der Kraftdroschke, hat, wird dringend ersucht, sich zu melden. Der Fahrgast ist tenntlich gewesen durch einen schwarzen Mantel und schwarzen weichen Hut. An der rechten Stirnfeite hat er am Haaranjaz ein Muttermal. Er hat das Auto in Neukölln oder an der Brizer Grenze angerufen. Rätselhaftes Verschwinden eines Chauffeurs. Seit dem 15. d. M. wird der 30 Jahre alte Kraftwagenführer Kurt Scheer aus der Esmarchstraße 5 vermißt. Scheer, der bei dem Fuhrunternehmer Rubach in der Aalesunder Straße angeftellt mar, fuhr am 15. Dezember nachmittags. um 4 Uhr mit gestellt war, fuhr am 15. Dezember nachmittags um 4 Uhr mit einem neuen großen Horchwagen vom Hofe und ließ seitdem nichts mehr von sich hören. Trotz aller Nachforschungen ist es bisher nicht gelungen, den Verbleib des Mannes und des ihm anvertrauten Wagens zu ermitteln. Nachfragen bei anderen Chauffeuren, die mit Scheer an demselben Standplak zu halten pflegten, ergaben, daß er einige Tage vor seinem Verschwinden bei seinen Berufs. follegen Erfundigungen über den besten Weg nach Hamburg eingezogen hat. Ob er die Absicht gehabt hat, sich nach dort zu wenden, ist sehr zweifelhaft. Das Auto mar ein 10/50 PS, Horchwagen mit der Erkennungsnummer I A 31 375 und dunkel ladierter Karosserie. Mitteilungen, die zur Aufklärung dienen fönnen, sind Kriminalkommissar Seinemeyer im Zimmer 83 des Polizei präsidiums zuzuleiten. bom Die Beiträge zur Erwerbslosenfürsorge in Berlin. Der Verwaltungsausschuß des Landesarbeitsamtes Berlin hat den Beitrag zur Erwerbslofen fürsorge mit Birkung 1. Januar 1926 ab für Monatsgehalts. empfänger, bom 4. Januar 1926 ab für Wohenlohn empfänger auf 3 Proz. des in der Krankenversicherung geltenden Grundlohnes festgesetzt. Dieser Beitragsfag, zu dem Arbeitnehmer und Arbeitgeber je die Hälfte, also je 1% Proz. bes Grundlohns beizusteuern haben, gilt für alle versicherungspflichtigen Mitglieder der in Berlin ansässigen Kranfenfaffen bzw. Zweigstellen von Strantenfaffen. Die Abführung der Beiträge hat nach wie bor feitens der Arbeitgeber an die zuständigen Krantentaffen gemeinfam mit den Krankenkassenbeiträgen zu erfolgen. züchter ein lehrreicher Lichtbildervortrag gehalten, ber die Aufzucht in allen Details eingehend behandelte. Die Frauenabteilungen, die unter Leitung von Lehrerinnen der pelzverarbeitenden Branche fteben, zeigten an den ausgestellten Belzsachen, was sich alles aus Kaninchenfellen herstellen läßt. So gab es elegante Füchse" und Kragen, sowie prattische Gegenstände wie Borleger und Kindergarnituren in allen möglichen Belzimitationen zu sehen. Zahlreiche Erste und Ehrenpreise wurden gespendet, so daß der Provinzialverband Brandenburgischer Kaninchenzüchter Ortsgruppe Bero lina" mit an erster Stelle rangiert. Ein Veteran der Presse. Redakteur Robert Grunwald, der Senior der Berliner Parlamentsjournalisten, der Jahrzehnte hindurch auch Mitarbeiter des Vorwärts" gewesen ist, ist im 73. Lebensjahr nach kurzer Rrankheit gestorben. Schon in jungen Jahren war Oldenbergs parlamentarischem Bureau tätig. er in Bon 1902 ab stand er in dem Dienst von Wolffs Telegraphenbureau, von dem damals das Oldenbergsche Bureau erwerben wurde. In dieser Tätigkeit hat er, wie Wolffs Telegraphenbureau in einem Nachruf hervorhebt, in vorbildlicher Pflichttreue und mit unbedingter zuverlässigkeit auf der Pressetribüne des Parlaments gearbeitet. Als im Jahre 1920 das Nachrichtenbureau des Vereins deutscher Beitungsverleger die Parlamentsberichterstattung übernahm, ging der im Parlamentsdienst erprobte Journalist dorthin über. Für den Bormärts" bat er 3% Jahrzehnte hindurch die Stadtver ordnetenjigungsberichte geschrieben, deren Mustergültig. teit in Journalistenkreisen anerkannt war. Auch in dieser Tätigkeit hat er mit unermüdlicher Arbeitslust und unverwüstlich scheinender Frische, unbeirrt auch durch alle Erschütterungen der Kriegs- und Revolutionszeit, in steter Treue und Gewissenhaftigkeit seine Pflicht getan. Wir werden das Andenken dieses kenntnis- und erfahrungsreichen Mitarbeiters in Ehren halten. Nette Gesellschaft. Bis auf das Hemd ausgeplündert. Eine seltsame Entdeckung machte gestern abend um 10 Uhr eine Schupostreife an der Jungfernbrücke in Plößensee. Unter dem Brückenbogen, sahen die Beamten im Dunkeln sich etwas bewegen, tonnten es aber nicht genau erkennen. Sie gingen die Böschung hinunter und fanden zu ihrem Erstaunen einen Mann, der sich fplitterfasernadt vor ihnen in die äußerste Ecke verfrod). Ihre erste Annahme, daß der Mann trog der späten Stunde ein kleines Bad im Freien habe nehmen wollen, bestätigte sich jedoch nicht. Sie suchten nach seinen Kleidern, um den Zitternden barmherzig anzuziehen, konnten aber nichts finden. Der Mann selbst fonnte feine Antwort geben, teils, weil ihm vor Kälte die Zähne flapperten und teils, weil er recht reichlich über den Durst getrunicu hatte. Einer der Schupoleute hüllte den Nackedei in seine Pelerine und alle zusammen traten den Weg zur Blößenseewache an, wo der ,, Abhärtungsfanatifer" förperlich und geistig allmählich auftaute. Es ist ein 31 Jahre alter Arbeiter Georg J. aus der Rostocker Straße. Während einer der Beamten sich nach der Wohnung begab, un andere Kleidungsstücke für I. zu holen, erzählte dieser seine Eriet. niffe. Gestern nachmittag gegen 5 Uhr war er die Invalidenstraße entlanggegangen und hatte dort einen jungen Burschen kennen gelernt. Beide suchten ein Lokal auf und trafen hier mehrere gleichBeusselstraße entlang mit der Absicht, nach der Jungfernheide zu gefinnte junge Burschen. So zog die Schar die Invaliden- und die Er tommen. Unterwegs ließ man gewissenhaft teine einzige Kneipe aus. J. fann sich nur noch erinnern, daß er in der Beusselstraße gemefen ift. Was später mit ihm geschehen ist, weiß er nicht mehr. fam. erst halbwegs zu sich, als er sich völlig entfleidet umies der Brücke wiederfand. Ohne Zweifel haben seine jugendlichen Be gleiter den Bezechten dorthin verschleppt und ihn dann vollkommen ausgeplündert. Er selbst wollte nun bis Mitternacht unter dem Pfeiler fizen bleiben in der Hoffnung, dann ungesehen seine Woh mung erreichen zu können. Die Schupo hat seine Wartezeit um 2 Stunden verfürzt. Eine Beschreibung seiner Kneipgenossen konnte J. nicht geben. Zuchthausstrafe für einen Briefkastenmarder. Zum Schuße der Deffentlichkeit machte das Schöffengericht Schöneberg einen gemeingefährlichen Briefkastenmarder in der unschädlich. Erst einer von Postrat Ubde geleiteten BewadungsPerion des schon vorbestraften Erich Gonticharret auf lange Zeit Burichen ein Ende zu bereiten. Er erhielt die empfindliche Strafe streife gelang es nach längerer Beobachtung, dem Treiben dieses von 2 Jahren 9 Monaten Zuchthaus und wurde unter Polizeiaufsicht gestellt. Ueber einen Borfall beispielloser völkischer Roheit berichtet die Bossische Zeitung". Danach ist der 74 Jahre alte Gelehrte Dr. Gregorius Itelfon am Weihnachtsabend vor dem übel berüchtigten völkischen Lofal Wilhelm a von einem hier zu Besuch weilenden Rittergutsbefizer Baron von Engelhardt mit den Worten:„ Schlagt den Juden tot!" überfallen und so übel zugerichtet worden, daß der alte Herr hilflos auf der Straße liegen blieb und zur nächsten Rettungsstelle geschafft werden mußte. Dr. Steljon bittet um Zeugen des Vorfalls, besonders von Chaussuren, ihre Adresse in seiner Wohnung Kurfürstenstr. 40 IV abzugeben. Schwere Autobuskatastrophe in Holland. Amsterdam, 30. Dezember.( WIB.) Wie aus Bergen op Zoom gemeldet wird, versagte dort gestern abend der Motor eines den Berkehr zwischen Tholen und Bergen op Zoom aufrechterhaltenden Auto omnibusses gerade in dem Augenblick, als dieser nach der Uebersetzung über den Eendragt die Fähre verlassen hatte. Auf dem abschüssigen Ufergelände begann der Omnibus dem Wasser zuzugleiten. Die Passagiere wurden von einer Banit ergriffen und drängten den Wagenführer von seinem Platz, so daß es diesent Bagenführer und einem Passagier gelang es schließlich, sich durch unmöglich würde, den Wagen zum Stehen zu bringen. Dem schnelles Abspringen zu retten, die fünf übrigen Passa Biere verschwanden mit dem Autoomnibus im Wasser und er tranfen. Die Leichen konnten später geborgen werden. Paris, 30. Dezember.( TU.) Der englische Hauptmann Cunning, der seit mehr als einer Woche als Unterhändler Abd el Krims in Paris weilt, wird dieser Tage unverrichteter Dinge nach London weiterreifen. Briand hat nach dem heutigen Ministerrat im Gespräch mit Journalisten deutlich zu verstehen gegeben, daß es nicht seine Absicht sei, Hauptmann Cunning zu empfangen, von dem man überhaupt, wie der Minister präsident megwerfend hinzufügte, viel zu viel Aufhebens mache. Am Quai d'Orsay wird erklärt, daß Hauptmann Cunning brieflich davon in Renntnis gesetzt werden würde, daß die französische Re gierung es a blehne, mit ihm in Verbindung zu treten. Gleich Kaninchen Spezialfchugvereine zusammen mit der große Mühe, den Brand auf seinen Herd zu beschränken. Der zeitig wird das in Aussicht gestellte Communiqué an die Presse ausgegeben werden. General Hsushucheng ermordet. Peting, 30. Dezember.( WTB.) General Hushucheng ist bier ermordet morben. Der Ermordete, der gewöhnlich der fleine Shu genannt wurde, war früher Brinotfekretär des jegigen hinesischen Ministerpräsidenten Tuanchijnai und hat vor furzem Europa bereift.( Er war neuerdings als fünftiger chinesischer Mi nifterpräfibent genannt morden, Reb. d. Borwärts") Berolinaschau. " Unter der Ankündigung Berolinaschau veranstalteten die Frauenabteilung ber Kaninchenfellverwertung im Gaalbau 3wanzig Fohlen verbrannt. Gestern abend brach auf einem Gehöft in der Nähe von Köln- Mülheim Großfeuer aus. brannte bis auf den Unterstock nieder. Die in den Ställen befind Ein Teil der Wirtschaftsgebäude wurde vom Feuer erfaßt und lichen Pferde und Schweine wurden schnellstens auf die Beide in umgefommen sein. Die Behren von Köln, Köln- Mülheim und die Berufsfeuerwehr der Farbenfabriken von Leverkusen hatten Schaden ist beträchtlich. Jugendveranstaltungen. Achtung Brandenburgfahrer. Der Bortrupp trifft sich morgen Donnerstag früh 8 Uhr, Botsdamer Bahnhof, Freltreppe. PRO Friedrichshain eine große Sonderausstellung, die mit einer sehens. werten Belzmodenschau selbstgefertigter Belzfachen verbunden war. Infolge der wirtschaftlichen Notlage mußten viele auswärtige Züchter davon absehen, sich mit ihren Zuchttieren an der Ausstellung zu be teiligen. Immerhin standen noch zirka 500 Rafige mit Bracht tieren von Rammlern, Häsinnen und jungem Nachwuchs dicht bei. einander. Belgische Riesen und deutsche Riesenscheden wogen bis zu 14 Bfund und franzöfifche Silberfaninchen, blaue Wiener, Angora, Chinchilla und winzige hermelintaninchen mit fleirien Arbeitsgemeinschaft entschiedener Republikaner. Heute abend 8 Uhr in den Ohren waren Erzeugnisse langwieriger Aufzucht. Am 2. Weihnachtsanischer Abend. Einleitender Bortrag( ohne Diskussion), geselliges Belsammensein Räumen des Sozialmiffenfchaftlichen Klubs, Wilhelmstraße 48, gefelliger republi feiertag wurde vom Reichsbund Deutiger Raningen mit tünstlerischen Borträgen. Republikaner aller Parteien willkommen. Vorträge, Vereine und Verfammlungen. Katastrophale Wirtschaftskrise. Die Dringlichkeit durchgreifender Maßnahmen. Die fatastrophale Zunahme der Erwerbslosen, die aus der in[ unferem heutigen Morgenblatt veröffentlichten Statistit über die Zunahme der Unterstüßungsempfänger in der Erwerbslosenfürsorge hervorgeht, zeigt aufs neue die außerordentliche Dringlichkeit von durchgreifenden Maßnahmen zur Behebung der Wirtschaftsfrise. Was bisher von den amtlichen Stellen geschehen ist, ist faum mehr als ein Tropfen auf einem heißen Stein. Wenn am 15. Dezember bereits über eine Million Hauptunterstügungsempfän= ger gezählt worden sind, dann fann die Zahl der Erwerbs. losen zu diesem Zeitpunkt auf das Doppelte, d. h. auf zwei Millionen angenommen werden. In gewöhnlichen Zeiten ist be fanntlich die Differenz zwischen den Unterstützungsempfängern und der wirklichen Zahl der Erwerbslosen noch erheblich größer und ver hält sich etwa wie 1: 3. Bei einer rapiden Zunahme der Arbeitslosigkeit vermindert sich naturgemäß diefe Differenz. Seit dem 15. Dezember ist aber die Zahl der Erwerbslojen weiter sehr schnell gewachsen, wie die Wochenberichte der verschiede nen Landesarbeitsämter aufzeigen. Gegenwärtig fann man ohne pessimistische Uebertreibung die Zahl der Erwerbslosen auf drei Millionen schäßen. Zu diesen Erwerbslosen kommen noch die Kurzarbeiter, deren Einkommen gleichfalls zur Deckung der lebenswichtigsten Bedürfnisse nicht ausreicht. Was ist nun von den Ländern, was ist insbesondere vom Reich geschehen, um die Wirtschaftskrise, die zu dieser fatastrophalen Arbeitslosigkeit geführt hat, zu beheben? Ohne auf die schweren Berfehlungen unserer offiziellen Wirtschaftspolitik bei der Zollvorlage und den Handelsabkommen zurückzugreifen, ist es notwendig, zu unterstreichen, daß insbesondere vom Reichswirtschafts ministerium bisher nichts geschehen ist, um die Kredit not zu mildern, die die Schließung vieler Betriebe verursacht. Es ist von den Reichsbehörden nichts geschehen, um eine groß zügige Organisation von Nothilfsmaßnahmen in die Wege zu leiten. Längst hätten die zuständigen Reichsbehörden die Bergebung von Arbeiten, die in Aussicht genommen sind, organisieren müssen. Längst hätte eine Konferenz der Länder einberufen werden müssen, um ein Programm wirtschaftlicher Nothilfsmaßnahmen aufzustellen und durchzuführen. Es handelt sich nicht nur darum, den bereits Arbeitslosen eine Unterstützung zu zahlen, die übrigens völlig unzu= reichend ist, es handelt sich vor allen Dingen darum, zu verhüten, daß die Arbeitslosigkeit weiter um sich greift, und die notwendigen Maßnahmen zu treffen, um die Beilegung der Wirtschaftskrise zu beschleunigen. Die sozialdemokratische Reichstagsfraktion und die Freien Gewerkschaften haben wiederholt auf die Gefahren der Wirtschaftskrise hingewiesen. Sie haben fontrete Borschläge zu ihrer Behebung gemacht. Insbesondere hut die sozialdemokratische Reichstagsfraktion die Regierungsfrise zum Anlaß genommen, um den bürger. lichen Parteien Forderungen zu unterbreiten, die vornehmlich auf die Behebung der Wirtschaftskrise hinzielen. Moskowitische Dummheit. Wir haben niemals die Intelligenz der Rebatteure der„ Roten Fahne" besonders hoch eingeschätzt. Was sich dieses Blatt aber in der Frage der„ Einheitsfront" leistet, übersteigt selbst unsere fünften Erwartungen. Wir haben in der Frage der sogenannten Einheitsfront wieder holt Stellung genommen, insbesondere anläßlich der russischenglischen Konferenz des Interviews von Citrine und von Brown. Während unsere englischen Genossen ausgehen von einer vermuteten tiefgehenden Spaltung innerhalb der festländischen Gewerkschaften und sich berufen fühlen, als Vermittler zwischen Moskau und Amsterdam diese Spaltung zu beseitigen, haben wir immer wieder betont, daß eine derartige Einmischung nicht in Frage käme und daß es sich nur um den Anschluß der russi. fchen Gewertschaften an den JGB. handle. Die Differenzen, die in den festländischen Gewerkschaften bestehen, sind im allgemeinen gewiß nicht größer als die der englischen Gewerkschaften. Sie sind zurückzuführen in erster Linie auf die von Mostau aus betriebene Spaltung der politischen Arbeiterparteien, die auch unumgänglich ihren Niederschlag in den Gewerkschaften findet. Solange die politische Spaltung der Arbeiterschaft von Moskau betrieben wird, werden diese Differenzen auch bestehen. uns Nun sollte man annehmen, daß die ,, Rote Fahne", die immer wieder scheinheilig von der gewertschaftlichen Einheitsfront spricht, während sie ganz genau weiß, daß es sich dabei nur um ein politisches Manöver Moskau handelt, daß diefe von Don herausgestellte Tatsache von dem Bolschewiſtenblatt auch weiter möglichst verhüllt wird. Statt dessen druckt es den wesentlichen Teil unserer Ausführungen ab und erklären triumphierend, daß es nunmehr offen zutage liege, um was es sich handle: um eine politische Streitfrage. Freilich sucht die Rote Fahne" ihren Lesern einzureden, daß die Sozialdemokratische Partei Deutschlands das Karnickel jei. Daß sie, um die Aufrechterhaltung ihrer Wie kommt es dann, daß die moskowitische Spaltungspolitik auch in den anderen Ländern betrieben wurde? Warum hat man auch in Frankreich, Italien, Desterreich usw. die Gewertschaften zu spalten versucht? Warum wird auch dort die kommunistische Bellenbildung betrieben? Warum hat Mostau in Japan die Gewerschaften gespalten? Ist das alles geschehen, um in Deutsch I and die Koalitionspolitit der SPD. zu verhüten? Silvester- Punsch Rum Arac Deutsche Rotweine Bordeaux empfiehlt Wirtschaft Die preußischen Sparkassen Ende November. Die preußischen Spartassen weisen auf Grund des egten Einlagenstatistik bes Deutschen Spartassen- und Giroverbandes für Ende November 1925 Spareinlagen in Höhe von 1 051 127 m. auf. Sie haben also feit Eintritt der Stabilisierung die Milliarden grenze über Die bürgerlichen Parteien haben ebenso diese Vorschläge zu sabotieren versucht, wie die Reichsregierung bisher sich allen Vor- chritten. Die Beteiligung der einzelnen Provinzen an dem Aufsabotieren versucht, wie die Reichsregierung bisher sich allen Vorschlägen der Gewerkschaften und der Sozialdemokratischen Partei gegenüber ablehnend verhalten hat. Reichsfinanzministerium, Reichsarbeitsministerium der Reichswirtschaftsministerium und Rechtsregierung haben einträchtig die Politik der Unternehmer unterstüßt, die uns die jetzige Wirtschaftsfrise beschert hat. Gewiß besteht auch in anderen Ländern eine Wirtschaftskrise. Aber nirgends hat sie die tatastrophalen Formen angenommen wie in Deutschland. Die deutsche Wirtschaftsfrise ist ein besonderes Gewächs der kurzsichtigen Unternehmerpolitik während der Inflation und seither. Wenn man heute bei den Unternehmern einzusehen beginnt, daß diese Politik der Hamsterung der Sachwerte und der Ausplünderung der Sparer und Verbraucher verhängnisvoll war, so zeigt sich aber nirgends noch der entschlossene Wille, mit dieser Politik radikal zu brechen. Die Unternehmer schreien in ge wohnter Weise nach Steuererleichterung und anderen Schutzmaßnahmen, stehen aber der Wirtschaftskrise selbst mit hilfloser Ratlofigfeit gegenüber. Mit dem billigen Trost, daß es sich um eine Gesundungskrise handelt, ist weder den Erwerbslosen geholfen, noch etwas gebessert. Die Gesundung wird nicht herbeigeführt, geschweige denn beschleunigt, wenn man den Kranten sich selbst überläßt. Wenn am Jahresschluß drei Millionen Erwerbslose und mindestens ein bis zwei Millionen Kurzarbeiter vorhanden sind, dann ist die Gefahr aufs höchfte gestiegen. Es liegen nicht die geringsten Anzeichen vor, daß die Wirtschaftsfrise abzuflauen beginne. Im Gegenteil verschärft sich die Wirtschaftskrise von Woche zu Woche, und zwar immer schneller. Angesichts dieser lawinenhaft wachsenden Ratastrophe ist feine 3eit mehr zu verlieren. Reichsregierung und Länderregierungen haben die Pflicht, sofort ein Programm zur Behebung der Wirtschaftskrise aufzustellen und durchzuführen! ** Dortmund, 29. Dezember.( Eigener Drahtbericht.) Seit dem 16. Dezember jetzt sich im Hörder Bezirk die sprunghafte Berschlechterung der Arbeitsmarktlage in allergrößtem Ausmaße fort, se daß bis zum 28. Dezember die Zahlen der Arbeitsuchenden und der Hauptunterstüßungsempfänger um über 2700 gestiegen find. Damit stellt sich die Zahl der Arbeitsuchenden auf über 16 800. Es ist vorläufig nicht damit zu rechnen, daß in absehbarer Zeit eine wesentliche Berminderung der Erwerbslofenziffer eintreten wird. Eher ist zu erwarten, daß die in den Nachbarbezirken ausgesproche nen Kündigungen von Bergleuten und die Stillegungen industrieller Werke sich auch im Hörder Bezirk bemerkbar machen werden. Im Stadt- und Landkreis Hörde waren am 28. Dezember 16 828( die Woche vorher 14 120) Arbeitsuchende und 12 656( 9 941) Hauptunterftügungsempfänger einschließlich Notstandsarbeiter vorhanden. Die Beche Königsgrube in Röhlinghausen, eine der wenigen Schachtanlagen, die trotz der Krise im Bergbau fortlaufend gut beschäftigt war, beabsichtigt in allernächster Zeit zur Ausführung neuer Arbeiten noch einige hundert Bergarbeiter einzustellen. Zu gewissenhaft- darum entlassen. Ein Chauffeur der Berlin- Frankfurter Gummi warenfabrit lehnte es ab, einen Kraftwagen zu fahren, weil die Steuerung nicht in Ordnung und der Auspuff beschädigt war. Die Firma erklärte die Ablehnung des Chauffeurs als Arbeits. perweigerung und entließ ihn, worauf er beim Gewerbegericht seine Entlassung als unbillige ärte anfocht. Der Vertreter der beklagten Firma mußte zugeben, daß die vom Kläger angeführten Defefte an dem Wagen tatsächlich vorhanden find. Er behauptete aber, die Mängel feien nicht fo erheblich, daß der Kläger berechtigt gewesen wäre, die Fahrt mit dem Wagen zu verweigern. Der Wagen werde seit der Entlassung des Klägers von einem anderen Chauffeur gefahren und es sei no ch nichts passiert. Demgegenüber betonte der Kläger, wenn sein Nachfolger so leichtfertig sei, einen defetten Wagen in den Straßen Berlins zu fahren, fo fege er sich einer schweren Verantwortung aus. Nach der polizeilichen Berfehrsordnung und auch nach dem Bertrage mit dem Arbeitgeber sei der Chauffeur verpflichtet, auf die Betriebssicherheit des Wagens zu achten, und er sei verantwortlich für Schäden, welche aus der Vernachlässigung dieser Pflicht entstehen. Das Risito, mit einem beschädigten Wagen zu fahren, könne er, der Kläger, nicht mit einem beschädigten Wagen zu fahren, tönne er, der Kläger, nicht auf sich nehmen. Das Gericht verurteilte die Firma, den Kläger weiterzubefchäftigen oder ihn mit 110 m. zu entschädigen, denn es stehe feft, daß der Wagen nicht in Ordnung war, der Kläger habe deshalb in guter Absicht und aus guten Gründen die Fahrt mit dem Wagen abgelehnt. Einigung im belgischen Bergban. Brüffel, 30. Dezember.( Eigener Drahtbericht.) Am Sonntag fand in Belgien eine Urabstimmung der Bergarbeiter statt, die der Entscheidung galt, ob 1. der Unternehmervorschlag auf 5prozentige Lohnkürzung ohne Revision des Tarifvertrages oder 2. ein Kompromißvorschlag auf breiprozentige Lehntürzung mit Tarifvertragsänderung angenommen oder ob 3. beibe Borschläge abgelehnt and Die bisher eingeder Generalftreit erklärt werden sollte. laufenen Abstimmungsergebnisse aus den Revieren des Borinage, von Charleroi und La Louviere zeigen eine große Mehrheit zugunsten des zweiten Kompromißvorschlages. Pelzwaren kaufen Sie gut und billig Berlin, Neue KönigSchlesinger, Straße 21, 2 Treppen. Auf Teilzahlung Damen Garderobe Möbel aller Art Bettwäfche, Gardinen. Teppiche, Korbmöbel, Metallbetten. Geringe Wochen- od, Monatsraten Antel, Gr. Frankfurter Str. 34 Strausberger Platz Gegründet 1901 Wilh. Hoeck A. Beheim- Schwarzbachs Likörfabrik und Weingroßhandlung Charlottbg., Wilmersdorfer Str.149 Kaufmännische Privatschule ( Inh. F. Eggert) Gustav Neumann Ww. Berlin C Wallstr. 80, E. H. Robstr Ulgr.- Shf. Inselbr.) Rot- und Grünfeuer Kilo 1,20 bau der Spareinlagen ist höchst verschieden. An erster Stelle steht das Rheinland mit rund 285 Millionen, ihm folgen Westfalen und Hannover mit 185 Millionen bzw. 124 Millionen. In der Mitte stehen Berlin mit 60 Millionen, Hessen- Nassau und Walded mit 58, Pommern mit 48, Schleswig- Holstein mit 44 und die Ostmart mit 37 Millionen. Das Ueberschreiten der Milliardengrenze darf nicht dazu verführen, falsche Schlüsse auf die Sparkraft des preu Bischen Boltes zu ziehen. Untersucht man die statistischen Angaben näher, so ergeben sich für den Monat November Einzahlungen in Höhe von 167,4 millionen und Rückzahlungen in Höhe von 114,8 Millionen. Der Zuwachs beträgt also in Monatsfrist nur 59,6 Millionen. Das find nur 5 Proz. der Gesamteinlagen. Wie start die Krise die Spartätigkeit gehemmt hat, geht auch daraus hervor, daß die Bermehrung der Einlagen in den Bormonaten gegenüber dem Monat Oktober ganz bedeutend höher war. Eine Sechsmilliardenfufion amerikanischer Großbanken. In New York steht die Gründung eines gigantischen Bankentrusts bevor. Nach den vorliegenden Nachrichten sollen im Jahre 1926[ echs der größten New Yorker Banten zunächst paarweise zusammengeschlossen, dann zur Einheit fufioniert werden. Allein mit dem ersten Zusammenschluß, dem der Mechanics and Metals National Bank mit der Chase National Bant werden 900 Millionen Dollars oder über 3,6 milliarden Attiven zusammengefoppelt. Die sechs Banken zusammen sollen bei einem Kapial von 50 mill. Doll und unverteilten Gewinnen( Reserven) mit 95 Mill. Doll. über Depofiten von 1465 Mill. Dollar verfügen. Insgesamt werden also Gelder im Betrage von 1610 Mill. Dollar oder über 6,4 mil. liarden Mart in einem Zentralinstitut wirksam gemacht. Die Depositen der sechs Banken allein find mit 1465 Mill. Dollar um 800 Mill. höher als die Gesamtheit aller Einlagen bei den 89 deutschen Kreditbanten, die in den Zweimonatsbilanzen Ende Oktober an Bant, Depositen und sonstigen Ber pflichtungen rund 5 Milliarden ausgewiesen haben. Interessant find die für die Verschmelzung angegebenen Motive. Angesichts des Ronjuntturtaumels, in dem Amerita noch immer lebt, wirfte es überraschend, daß die Fusion mit den steigenben un. fosten des Bankgeschäfts und mit der Notwendigkeit begründet wird, die Betriebsausgaben zu fenten und den Wettbewerb zu verringern. Vertreter der in Amerita in hoher Blüte stehenden wissenschaftlichen Konjunkturbeobachtung fagen für das Frühjahr allerdings eine Wirtschaftsdepression in Amerika voraus. unter diesem Gesichtspunkt gewinnt die geplante Fusion doppeltes Interesse. Es wäre sehr bemerkenswert, wenn die Transaktion der New Yorker Bantiers sich als Vorsorge gegen die Krise sich erweisen sollte. Wäre es der Fall, so könnten die deutschen Großbanten daraus allerlei lernen. Gründung des gesamtpolnischen Eisensynditats. Die 1924 geführten Verhandlungen über die Bildung eines gesamtpolnischen Eisensyndikats find am 21. Dezember d. I. zu einem positiven AbIchluß gebracht worden. Die Gründung des Synditats der Bolnischen Eisenhütten", wie die neue Organisation genannt worden ist, erfolgte durch Umbildung und Namensänderung des am 8. August d. J. gegründeten Synditats der Oberschlesischen Eisenhütten", das sein Grundkapital erhöht und dem jetzt die alt polnischen Hütten beigetreten sind. Dem Syndikat gehören nunmehr sämtliche Eisenhütten des polnischen Staatsgebietes an, mit Ausnahme der„ Sosnowicer Gesellschaft der Röhren- und Eisenwerte", mit der feine Verständigung erzielt werden konnte. Welftruft für Kunstfeide? Kunstseideindustrie in Japan. Die Treibhaustemperatur, in der sich die Kunstseideindustrie entwickelt. hat noch nicht nachgelassen. Die Billigkeit, Schönheit, fteigende Haltbarkeit und Verwendbarkeit der Kunstseide sichert ihr noch lange nicht ausgeschöpfte Möglichkeiten. Man faltu. liert mit 25 bis 30 Proz. Reingewinn. Trotz der enorm verstärkten Produktion scheint noch immer Platz für große fapitalstarte Gründungen vorhanden zu sein Man wird daher die Nachricht, daß die größten Kunstseidefabriten der Welt, die ita lienische Suia Viscose, die englische Courtauld Ltd. und die deutschen Glanzstoff und Bemberg, internationale Trustverein. barungen treffen wollen, noch nicht als Ausdruck der Ueber. gründung und der Ueberfonkurrenz, sondern der optimistischen Auffassung der Beteiligten von der Zukunft der Industrie betrachten dürfen. Zweifellos ist, daß der Wettlauf der Kunstseide mit der Baumwolle und der Naturseide der Kunstseide noch große Chancen offen läßt. Besonders im asiatischen Osten, der Heimat der Naturseide, wo Industrialisierung und Kapitalisierung des Landes naturgemäß ein starkes Bedürfnis nach einem billi. geren Seidenersah wachrufen. Allerdings wird die euro. päische Industrie dort zunehmend mit dem japanischen Ronturrenten rechnen müssen. Wenn Japan auch heute noch außer den europäischen Batentrechten die Erfahrungen und die technischen Kräfte weitgehend fehlen, die für die Kunstseideindustrie von entscheidender Bedeutung sind, so ist die Nachricht von dem Bau einer neuen großen Kunstseidefabrit bei Diata von symptomatischer Bedeutung. Die Kai Nippon Cotton Spinning Co. hat danach mit dem beträchtlichen Rapital von 15 millionen en die entsprechende Gesellschaft bereits gegründet. Die gesamte Maschinenausrüstung liefert eine deutsche Firma, woraus zu schließen ist, daß diese auch zu einem gewiffen Teil für die technische Bedienung Sorge tragen wird. Die Spartaffe der Bank der Arbeiter, Angestellten und Beamten 2.-G., Berlin, Wallstr. 65, ist täglich mit Ausnahme von Sonnabend Don 9-3 Uhr und 5-7 Uhr, Sonnabends von 9-1 Uhr geöffnet. Berantwortlich für Politik: Ernft Reuter; Wirtschaft: Artur Saternus; Gewerkschaftsbewegung: 3. Steiner; Feuilleton: K. S. Döscher; totales und Gonitiges: Frik Karstädt; Anzeigen: Th. Glode; fämtlich in Berlin. Berlag: Borwärts- Berlag G. m. b. S., Berlin. Drud: Borwärts- Buchdruckerel und Berlaasanstalt Baul Singer u. Co. Berlin G. 68. Lindenftrake 3. Putzwolle, Feuerwerkskörper Putzlappen, Frösche und Schwärmer p.ür 2,20 1.2,60 Billigste Bezugsquelle f. Wiederverkäufer Tapeten 25 Pf. 30 Pf. 35 Pt. Riefenauswahl in allen Breislagen herrliche Mufter Tapeten für Puppenstuben Linoleum u. Fußmatten Tapeten- Magazin Humboldt Brunnenstraße 112, Ecke Voltastraße nur 1. Etage, fein Laden. ( Ringfrei, daher fonkurrenzlos billig.) Borzeiger erhält 5% Rabatt. Keukölln. Anmeldung, Ganghoferstr. Photoapparate, Feldstecher und Berliner Str. 82( Privatwohnung) Beginn neuer-Jahres- und-JahresLehrgänge, Fernspr.: Neukölln 1063.] kaufen sie gut und preiswert im Photo- Spezialhaus Haller, Kottbuser Damm 98 haben abzugeben Empfehle Schleifertuche Silvester- Pfannkuchen Ananas- Pfannkuchen Wiener Krapfen Gebr. 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