m. i ♦ Ausgabe A Nr. t Bez»nS»r«t«, «»»o>t«, ttüt M tSfcnnt«. KtnuotKO* fc— JUtdomtttL.JUttM an'Hat*' Im*(rtttdrucktt Satt««ftunt* UuiSffa«»«4 kttnttrcxift* ffiori»), itdes o«ü«n Wort 13 Pfennig. ettOmatfol)» ka* frftt Wort U Pftiuit«. ttbn»tittat«ort 1« Borte»brr 16 Buch. Hoben iMUtn fSt jmei Wort» Arbtttmnartt Rtile 60 Pfennig. ffamültnaiuKtotn für Abonnent»« Seile« Pfennig WatAma ftr die nichiie Stvantet Nraffta»» 4H übt nodmrtttaM In tKniptgefitltt, Berlin Sffi 68, Linden» fhwUe 8, abgegeben werden.(BcBffncl aoa IM KIit ftfli Iis 9 Übe nachm. Zentralorgan der Bozialdemohrati feben Partei Deutfcblanda Neöaktlon uaü vertag: Serlin SV. öS, ttnSenstraße 3 Fernsprecher: Tönhoff 292-297. was kostet Heer und Marine? HO Millionen mehr als 19ÄS. Als im Frieden da, deutsche vok? unter der Last setner MMtiir. und Mannerüstungen seufzte, behaupteten die herrschenden Blösien. diese Lasten seien die beste Friedinsoersicheruag. Die Ereignisse haben bewiesen, wie recht auch hier die Sozialdemokratie mit chrer Ueberzeugung hatte, daß im BegeMeil schon da» Vorhandensein solch ungeheurer Kriegsinstrument««ine ständige Gefahr für den Friede« bilde. Als nun durch den Friedensvertrag das deutsche Millionen» Heer auf hunderttausend Mann zurückgeschnitten und damit eine. wenn auch ganz einseitige, Abrüstung begonnen wurde, konnte man boffen, daß lortnn wenigstens die Heeresausgaben dem deutschen Volk kein« schwere Bürde mehr sein'würden, trotzdem natürlich ein Söldnerheer im Verhältnis immer kostspieliger sein wird als ein auf allgemeiner Dienstpflicht stehende». Ein Blick in den Reichsetat beweist, daß diese Hoffnung trügerisch war. von Jahr zu Jahr sind dieAusgaben für Heer undMartne gewachsen. und der Etat für 1920 zeigt gegenüber dem von ISN wieder ein« besonder, große Stetgerung aller Ausgaben. Die Stärke de« Heere» für 1926 betrügt noch dem Etat genau IM 000 Köpfe. Dazu kommen die nach dem Bersailler Ber» trage zugestandenen Sanitätsoffiziere, Deterinäroffiziere und Apotheker in Höhe von 500 Köpfen. Im Jahre 1014 waren es im ganzeni 800 K4S Mann. Der Marineetat für 1926 weist 14 014 Köpfe aus gegen 7S 290 in 1914. Der Heeresetat 192S schließt in den A u» g a b e n ab«nit einer Gesamtsumme von 402 460«90 M. gegen 416 503 780 M. in 1925 und 1 348 738 524 M. in 1914. Die entsprechenden Zahlen des Marineetats find 203 328 400 M. in 1926 gegen 155 89? 080 M. in 1925 und 475 775 271 M. in 1914. Die Steigerung der Ausgaben von 1925 zu 1926 beträgt mithin beim Heeresetat 65 957 110 IN, beim Marineetat 47 436 320 Ist., zusammen 113 393 430 JTl, d. h. also mehr als 25 Vroz. der Gesamt» ausgaben de» heereselat» für 1925. Im einzelnen entfallen in 1926 auf persönlich«?»». gaben beim Heer 146 318 200 M., bei der Marine 36 608 340 M, auf sächliche Verwaltungsausgaben beim Heer 52 213 533 M.. bei der Marine 11 375 090 M. Auf sonstige Ausgaben für allgemeine und besondere Sachzwecke beim Heer 232 518 467 M., bei der Marine 80 722 610 auf einmalige Ausgaben beim Heer 50 202 900 M., bei der Marine 46 084 860 M. An perfön» lichen Ausgaben wird das Wehrnnnisterium lHeer unp Marines nur vom Reichsfinanzministerium Lberrrofsen. INit seinen sächlichen Derwaltongsan»gaben wie den sonstiaen Ausgaben für allgemeine und besondere Sachzwecke und de« einmaligen Ausgaben steht es weiiaus an erster Stelle aller verwaliungen. von den einmaligen Ausgaben werden»erlangt beim Heer für Ergänzung und Auffrischung der Bestände an Waffen, Munition und Heergeräte 34 MiMonen Mark, für de« Lnkimf von 3300 volljährigen Pferden zur Aufbesserung de» Pserdebeftand«, 2,9 Millionen Mark, für verbesierung und Vervollständigung der Verteidigungemittel 11 Millionen Mark. Di« Marin« fordert als erst« Teilbeträge für den Bau von zwei kleinen Kreuzer«. von sechs großen Torpedobooten und einem kleinen Torpedoboot 19 670 000 M. Ferner erste Teilbeträge für die artilleriftifch« Armierung der genannten Schiffe 10 430 000 M.. ferner 8 500 000 M. zur Verbesserung und Vervollständigung der Dertoidigungsmittel, insgefamk also 86,5 Millionen. Al» Vergleichsmaßstab feien von den größeren kukw» rellen, sozialen und technischen einmaligen Ausgabe« anderer Verwaltungen angeführt: Roigemeinschaft der deutschen Wissenschaft 3 Millionen Mark. Studentisch« Wirts chaftshiff« 3 Millionen Mark, kulturell« Fürsorge im besetzten Gebiet 2 Millionen Mark, Zu» schüss« zu den Rotstandsbeihilfen usw. 13,8 Millionen Mark, Unterstützungen von Anstalten und Einrichtungen der privaten Wohlfahrt»- pflege 2,5 Millionen Mark, Schaffung von Wohnungen für Reichs» bedienftete 9 Millionen Mark, Verbesserungen der vinnenwosser- straßen 12 Millionen Mark, Verbesserungen der Seewasserstraßen 18 Millionen Mark, Beihilfen auf den Gebieten de» Lufffohnoefen» 17 Millionen Mark. Die einmaligen Ausgabe« für Wehrzwecke stehen also weit an der Spitze. Kein Mensch in Deutschland kann daran denken, mit unser eni Heer einen Krieg zu führen. Für die dringendsten soziale« und kulturellen Aufgaben stnd Mittel angeblich nicht oder nur t« gönzstch unzureichendem Maß« vorhanden. Im Etat de» Wehr- Ministerium» aber ist von Sparsamkeit«icht» z» spüren. Die Herren vertrauen darauf, daß, wie im kalserstchen Deutschland da» alte Heer, so w der deutschen Republik da, Wehr» Ministerium für die bürgerlichen Parteien und die Reichsregierung das Blümlein Rühr-mich-nicht-an bildet. Hier wäre für da» unter dem Vorsitz der Herren v. Loebell und Saemlsch neu gebildet«.Kirrv» torium für Sparmaßnahmen� ein reiches Feld der Betätigung ge- geben. Aber mit der kurzen und noch dazu falschen Bemerkung: .Dies« sächlichen Ausgaben stellen nur einen Bruchteil der Bor- Wegsausgaben dar und stnd uns im wesentlichen durch die Be- stimmungen de» Vertrag» von verfoill«» vorgeschrieben', glaubt da» Kuratorium in seiner Progrannnschrist dieser heiklen Erörterung an» dem Wege gehen zu können. Es beweist damit nur sein««inseitig« Einstellung: an» Sporen bei sozialen Ausgaben. vm so eingehender wird die Sozialdemokrakl« M den kommenden Etatsberatungen die einzelnen Posttlonen de» Wehr- etat, auf Ihre Notwendigkeit hin prüfen and rückst chtslos auf Streichung bringen, wo ihr solch« RotwenLlgkesten nicht vorzuliegen scheine«. Um öie vereinigten Staaten von Europa. Eine internationale Rundfrage des„Jntransigeant". Paris, 2. Januar.(Eigener Drahtbericht.) Der»Int ran» f i g e o n t' hat am Sonnabend mit der Veröffentlichung der vnt- warten einer weitgreifenden Rundfrage über die Idee der Ber- einigten Staaten von Europa begonnen. Unter der großen Zahl der Befragten aller Rationen befinden sich von Deutschen, soweit die Antworten bereit« veröffentlicht sind. Pro- fesior Einstein und Reichswehrminister Dr. G« ß l« r. Geßler sieht in der Wiederherstellung der«uropöischen Solidari- tat die einzige Möglichkett zur Erhaltung der europäischen Kultur und Wirtschaft. Ihre Verwirklichung hält er unter dem Druck der curopäischsn Krase trotz oller Schwierigkeiten In absehbarer Zett für möglich. Grundbedingung aber sei, daß die Bereinigten Staaten von Europa ausgebaut würden auf der Gleichberechtigung oller Nationen und die Freiheit der einzelnen Staaten nur insoweit begrenzt werde, als es für den Gesamtoroanismus erforderlich fei. Der Weg zu diesem Ideal beginne bei der Lösung der wirtschaftlichen Fragen. Einstein bezeichnet diesen Weg der Bereinigten Staaten von Europa als den kategorischen Imperativ für ein Tu- ropa, das feine menschlicht Bedeutung wahren wolle. Von besonderem Interesse ist die Stimm« eines hohen fron» , zösischen Offiziers, des Marschalls Lyauthey. der die günstige Gelegenheit zur Gründung der Vereinigten Staaten von Europa. nämlich den 10. November 1918(Wasfenstillftond). für o« r s ä u m t hält, wie die Alliierten überhaupt samtlich« Möglichkeiten zum Wiederausbau oerpaßt hätten! doch müsse man auch weiterhin zum Heile der ganzen Welt das Zustandekommen der Vereinigten Staaten von Europa wünschen. Der jetzige französisch« Finonzminister und ehemalige Ministerpräsident, Paul Doumer, wünscht, wenn man schon Rußland und die Türkei in den Staatenbund einbeziehen wolle, auch die Angliederung der vereinigten Staaten von Amerika und Brasilien. Gabriel H o n o t a u x. Mitglied der Akademie und ehemaliger Außenminister, hält den guten und geduldigen Willen der Böller und die seste Entschlossenheit ihrer Führer für die beiden Voraussetzungen, die die Verwirklichung der Dereinigten Staaten von Europa möglich machen müßten. Für Belgien spricht Staats- minister Carton de Wiart. Um zu wirklicher Sicherheit und zur Entwaffnung zu gelangen, müsse die Solidarität der europäischen Staaten durch ein« immer weiter« Kresse ziehende Zollunion p» stärkt worden, vollendet wäre da» Werk durch die kulturelle Durch» dringung aller europäischen Völker. Auch der Präsident de» spa- nischen Direktorium», General Primo de Rivera, bekennt sich als Anhänger der Idee der vereinigten Staaten von Europa, jn deren Verwirklichung der Weg bereits durch die internationalen Konferenzen und durch den Völkerbund geöffnet sei. Allen vünd- nissen und Verträgen vorausgehen müsse aber eine starte Gesetz- gebung, dt« den Fried« w Europa, da» höchst« Gut der Völker, sichere._ Neparatkonsfanlerung Zrankrekchs. Verhandlungen über die deutsche« Sisendahnobltgatio»««. Pari», 2. Januar.(Eigener vrahthericht.) In de« politische« und Finanz kreisen Frankreich» mißt man den Verhandlungen de» zurzeit in Wastsington weilenden Generalagenten sttr die Reparationszahlungen, Gilbert, mit den leitenden Männern de» amerikanischen Schatzamte» und der amerikanischen Finanz umso größere Bedeutung bei. al» daran auch der Präsident der Bank von England sowie der Präsident der Federal-Reserne-Bank von New York teilnehmen. Man glaubt hier bestimmte Anhaltspunkt« dafür zu haben, daß die Besprechungen in erster Linie dem Ziel getten, einen ersten Abschnitt der deutschen Eisen- dahnobligationen in Höh« von 100 Millionen Dollar auf dem amerikanischen Geldmarkt zu plazieren. Weiterhin soll e» sich nach den hier vorliegende« Meldungen um ein« Berbesserunq der Organisation der deutschen Naturalleistungen handeln, die künftig noch mehr als bisher an die Stell« der deutschen Barzahlungen treten sollen. Nach dem.Petit Parisien' sollen die amerikanischen Banken ihre Bereitschaft zur Mobilisierung eine» Teile» der deutschen Obligationen u. a. von der Sanierung der finanziellen Situation in Frankreich sowie der Stabilisierung der französischen Währung abhängig machen. Neue Verhaftungen in der FraakenföffchangsangeiegenheN. Wie �-Orai-Ujsag' meidet, wurde im Zusammenhang mit der Buda- pester Frankenfälichungsangelegenheit der Privotsekretär des Prinzen W indisch» Grätz, Raba, zur Polizei gebracht»nd nach semer Vernehmung in Gewahrsam genommen. Vonvärts-Verlllg S.m-d.tz-, Serlin SV. 6S, linöenstr.Z VeMAteTaatei«ettta(TIM-»««Raatat B-ak btt«ibetttt,«aocfMKea Mab Bcantta, Valllt». 66,«(ataala lbti-llSialt.»tsalUtnfeffe Llabtafc, V Die Pest- «n Nachwort zu« Genfer Skandal. Der der eubera-Preffe inszenierte Veusi Hugei Skandal ist zu Ende. DU Mögliche Rundschau' b ihre vestatigung der vom Hugenbergschen.£09* am Weihnachtsabend oerbreiteten Verleumdung gegen die sozialdemo- lratische Partei widerrufen. Sie gibt zu, daß sie einer Irre- führung zum Opfer gefallen ist. Mit einem Schlage ist es still geworden in jenen Zeitungen, die täglich zweimal mit eiserner Stirn die Verleumdungen gegen die Sozialdemokratie geschleudert haben. Ganz still ist es geworden. Widerruf? Eingeständnis? Luch nur Registrierung des Widerrufs der „Täglichen Rundschau'? Ausgeschlossen. Man hat ver- leumdet. Man hat gelogen. Nun schweigt man. Bleibt etwas hängen bei denen, die ihre politische Information nur aus der Presse des Herrn Hugenberg und den dgutschnationalen Zeitungen bezichen, die mit jener die Ekandaltrommel ge- rührt haben— um jo besser. Die Verleumdung als politische Methode— wir sind dagegen m Deutschland durch die Inter- eflentenpresse der Rechten leider schon etwas abgestumpft. Die~......."" Verdächtigung aller republikanischen Politiker, die lg ihres Handelns auf niedrigste personliche Be- reicherungsinstinkte. der Appell an den Neid der von dieser Zurückführnng ihre« Mr O' WM ppe WWMWWWWWW Sorte Presse in geistiger Hörigkeit gehaltenen Leserscharen, Veserfth die Herabziehung des Niveaus der politischen Diskussion in die Gosse der Schlägerei um Pöstchen— das ist die Methode, mit der die rechtsgerichtete Interessentenpresse das deutsche politische Leben oergiftet. Welch widerwärtiger Eindruck muß durch das Gebaren dieser Presse im Ausland hervorgerufen werden! Die Deutschen, ein Volk, das durch und durch korrumpiert ist, in dem man sich um Posten bei einer internationalen Behörde schlägt wie schlecht gezogenes Hotelpersonal um die plendrden Trinkgelder eines reichen AusländersI Diese niedrige Methode der Journalistik, die die politische Atmosphäre in Deutschland vergiftet und den deutschen Namen im Auslande schändet, wird mit Virtuosität gehandhabt von einer journalistischen Clique im Dienste eines Konzern- Magnaten. Was sagen wir, von einer journalistischen Clique? Eine journalistisch« Cllque hat wenigstens noch einen eigenen Willen! Nicht von einer Clique, sondern von einer Fabrik zur Verpestung de? öffentlichen Atmosphäre in Deutschland. in der auftragsgemäß Verleumdung und Lüge fabriziert wird, wie in anderen Fabriken Düngemittel oder ätherische Oele oder Schwefelwasserstoffverbindungen. •» Der Skandal der Hugenberg-Presie, des„T a g' und des „Ookal-Anzetger� beleuchtet das Elend der deutschen Press«. Die Interessentrnpresse dringt vor gegen die Ge- sinnungspresse. Die großen Konzernmächte bedienen sich ihrer wirtschaftlichen Uebermacht, um sich der Presse zu be- mächtigen, nicht um damit publizistisch im öffentlichen Interesse zu wirken, sondern um bestimmte wirtschaftliche oder politische Ziele im Rahmen Ihrer sonstigen Konzernaufgaben zu verfolgen. Die schlimmsten Auswüchse und korrumpieren- den Einflüsse der amerikanischen Trusts auf das öffentliche Leben in Amerika finden darin ihr deutsches Gegenstück. Ferdinand T o e n n i e» stellt in seiner„Kritik der öffentlichen Meinung' voll Entrüstung fest: .Da» ist, wo» et» amerikanischer Schriftsteller, Herr James Edward Roger»,.Berdandsherrschaft' nennt. JDi« verbände(d. h. vor allem die Trust») sind von de» Zettung« angegrissea worden. die ihr» Spotte» gebraucht habe», um die issentlich« Meinung gegen st« einzunehmen. Sa ersrlgretch stnd Zeitungen in der Loge gewesen, gegen dt« großen Geschäftvinterefsen de, Lande, ein«, Druck auszu» üben, daß die Kapitalist«» ihrer Selbst erhaltung wegen selber inda»Zeit»ng»geschäftsichd«geb«n Heden. Sie Hoden alt« Zeitungen gekauft oder neue in, Leben gerufen. Es ist nur eine Wiederholung der Politik, wodurch zu ollen Zeiten die vor- wollenden Interessen gezeigt hoben, daß sie die Nützlichkeit der Presse als eine, Mittel- der Herrschaft zu würdigen wüßten. Ein flüchtiger Blick auf die Liste der Eigentümer unserer großen Zettungen Über» zeugt davon, daß fie besessen und beherrscht werden durch einig« Millionäre, deren Interessen außerhalb ihrer Legen: Leute, denen Eisenbahnen, Bergwerke, Dampf erlinie» und dergleichen gehören. Die volle Bedeutung dieser Tatsache wird dem Leser zur Erwägung überlassen.' Die hier angeklagte Erscheinung ist neuer» ding»— wie e» scheint erst nach der Katastrophe von 1918— auch in Deutschland offenbar geworden.' Diese Erscheinung, die Toennies unter dem Stich- wort„Korruption des Pressewesens' registriert, hat in Deutschland im Jahre 1912 begonnen, als Beth- mann Hollweg die Finanzträfte der Schwerindustrie, des Krupp-Konzerns, für den in Schwierigkeit geratenen o- kal-Anzeiger' des Herrn Scherl mobilisierte, und Herr Hugenberg, der aus dem Krupp-Direktorium hervorge- gangen ist, mit der Beeinflusiung des Presiewesens begann. Von da ab ging es unaufhaltsam weiter, und die Wirren der Inflationszeiten haben zu einer Zurückdrängung der Ge- sinnungspresse durch die Interessentenpresse im großen Stile geführt. Wo ist heute in Deutschland außerhalb von Berlin und Frankfurt a. M. die Gesinnungspresse des Liberalismus aß« vchakvenlNI« geMev«. f-Sst bei forMufetten. verwöhntesten. mit heißer Liebe zur Rechten behafteten Libe- ralismus? Wenn Herr Strefemann heute seine Stimme erheben will, dann muß er in die deutschnationalen.�Ham- burger Nachrichten" flüchten, in denen ihm unmittelbar von Herrn O u a a tz Belehrungen erteilt werden. Herr H u g e n b e r g hat die Korrumpierung der Presse seit dem Kriegsende im größten Maßstabe betrieben. Im Winter 1920/21 schluckte er den ganzen Berlagskomvlex von August Scherl mit den Berliner Tageszeitungen„Lokal- Anzeiger" und„T a g". lieber den Gesamtuin°ang seines Einflusses auf die Presse unterrichtet die folgende Zusammen- stellung der„Frankfurter Zeitung": 1. Mutuums- Darlehens- A.-G., Kapital 1.SS Will., ge- gründet 1SL2 zweck» Vermittlung und Gewährung von Darlehen an .deutsche wirtschaftliche Unternehmungen", insbesondere mutmaßlich an Presseorgane, ist anscheinend mit 1,0S Mill. Deteiligungs- kcnto hauptsächlich Vermögensoerwalterin. 2. Deulig-Film- bisher 1,5 Mill. vollgezahltes Kapital, demnächst nom. 2,75 Will., wovon 1,25 vorerst mit einem Viertel eingezahlt. Zugehörige EiaslußsphSre. 3. Vera, Verlagsanstalt G. m. b. f) mit unbekanntem Goldkapitol(Papiermark 15 Mill.). 4. Telegraph ensi-Union. Int. Nachrichtsndienst G. m. b. H. mit 1 Million RM. Kapital. 5. Wipro, Wirtschoftsstelle der Provinzpresse G. m. b. H.(Kapital 20 000 RM.). 6. August Scherl G. m. b. f)., Berlin, mit 30 Mill. RM. Kapital: Generaldirektor Klitzsch hat in verschiedenen Aufsichtsräten der oben erwähnten Unternehmungen Mandate. Einer der Tochter. gesellschasteu ist die August Scherl, Deutsche Adreßbuch-G. m. b. H. mit 1,25 Mill. Kapital. Man sagt, daß der Hugenberg-Konzern in Deutschland 80 Zeitungen direkt kontrolliert. Sein Einfluß durch die Kon- trolle und Beeinflussung des Nachrichtenbureaus ist noch größer. • Diese Macht steht im Dienste der Korruption des öffent- lichen Lebens. Der Korruption? Jawohl, der Korruption! Politische Macht durch Vergiftung der politischen Atmosphäre zu gewinnen, eine geistige Diktatur ausüben, um damit Ge- schästsgewinne zu machen, das ist der Zweck der Interessenten- presse. Herr Hugenberg hat die Siedlungsbank gegründet, die nicht der Siedlung, sondern der Gelände- spekulation diente. Seine Siedlungsbant geriet in finanzielle Bedrängnis, sie rief um Staatshilfe. Der preußische Staat zögerte, wollte kontrollieren— da richtete die Hugenbergsche Presse,„L o t a l- A n z e i g e r" und ,,£ a g", besehlsgemäß Angriffe gegen die preußische Regierung. Korruption! Korruption der journalistischen Persönlichkeit, der in der Jnteressentenpresse das Rückgrat gebrochen wird durch das Hervorkehren der Macht des wirtschafllich Stärkeren, des schroffen Arbeitgeberstandpunktes gegenüber den in der Inter- effentenpresse angestellten Publizisten. Ein so kenntnisreicher Beobachter des Zeitungswesens wie Emil Dovifat schreibt in seinem Buche: jDie Zeitungen" über die Korrumpierung des Publizisten in der Interesientenpresse: „Daß in den hieraus erwachsenden Konflikten der wirtschaftlich schwächere Redakteur immer den kürzeren zog, haben markant« Fälle in der Berliner Presse bewiesen. Die Gesinmingstreue wurde mit der wirtschaftlichen Existenz bezahlt. Im Alter ein« bittere Sache. Und für schwache Eharoktcre eine fast unvermeidliche Falle, zumal in den jetzigen Zeiten, in denen die meisten geistigen Arbeiter noch völlig ohne alle wirtschaftlichen Reserven dastehen, die vor dem Kriege ein kulturell so sruchtbares geistige» Kleinrentnerwm ermög- licht hatten. Ist es der rigorosen sozialen Praxi» der Jnteressentenpresse erst gelungen, der publizistischen Mei- nungsfreiheit das Rückgrat zu brechen(undPessimisteusagen. daß da» schon geschehen sei), so ist der allerletzte Wall hin- weggeräumt, und für den unbeschränkten Meinung»- kauf liegt der Weg frei. Der persönliche geistige Faktor in dieser Brest« ist enbgivtig gebroche».«ch an sei« Stell« trtv«nein der private Zweck de» Interesseoteoverleger». Er braucht dann nur mehr auf den Knaps zu drücken. Die deutschen Journalisten könnten sich, wenn es soweit ist, dem niederdrückenden Bekennims ihres amerikanischen Kollegen John Swinton an- schließen, der auf einem Festmahl der New Porter Preß Asiociation von seinen Berufsgenoffen den Auftrag erhielt, den Trinkspruch auf die„unabhängige Presse" zu beantworten und dazu, wie die Presse berichtet, folgendes sagte:„Welche Narrheit, aus ein« unabhängige Presse zu toasten. Wir sind Werkzeuge und die V a s o l l e n reicher Leute, die hinter der Szene stehen. Wir sind Mario- netten. Sie ziehen an der Schnur und wir tanzen. Unsere Zeit, unser« Talente, unser Leben, unsere Aussichten, alles gehört an- deren Leuten. Wir sind Prostituierte de» Geist««." In dieser Presse ist nichts mehr von Begeisterung für em hohes politisches Ziel, nichts mehr vom Dienst an der Oeffent- lichkeit, in dieser Presse lebt der niedrige Geist des Geschäftes, der Vergewaltigung de» Geistes durch das Geld. Jener Geist, der in den schainlosen Versuchen der deutschen Arbeitgeber- verbände zur Korrumpierung der öffentlichen Meinung und der Wisienschaft in den letzten Monaten seineu Ausdruck ge- funden hat. Eine Presse, die in diesem Geiste geleitet wird, muß mit Berleumüung, mit Lüg« und Hetze arbeiten. Wie soll die innere Bornehmheit, die politische Ehrlichkeit, die journa- listische Anständigkeit gedeihen in einer Institution, die den Geist prostituiert? « Diese Presse ist eine Gefahr für das deutsche Volk. Sie ist eine Gefahr für die Demokratie, eine Gefahr für den Frie» den. Der„Lokal-Anzeiger" veröfsfentlicht« bei Kriegsausbruch jene gefälscht« Mobllmachungsdepesche, die den Kriegshetzern auf der anderen Seite in die Hände spielte. Der .Lokal-Anzeiger" veröffentlichte im Jahre 1924, um die wer- dende deutsch-französische Entsponnung zu stören,- die im- erhörte Lüge, daß Ministerpräsident H e r r i o t die Ruhr- besetzung noch 37 Jahre ausdehnen wolle. Der.Tag" und der.Lokal-Anzeiger" des Herrn Hugenberg haben den oer- logenen Völkerbundskandal inszeniert, nicht um der Reinheit des öffentlichen Lebens zu dienen— Sinn für Reinheit bei der Interessentenpresse I—, sondern um den Völkerbund- gedanken, die werdende europäische Berständigung zu dis- kreditieren bei jenen Deutschen, die immer noch nicht empfin- den, daß jene Presse, von der sie sich informieren lassen, eine Schande sür ein politisches Volk, eine Schande für Deutsch- land ist._ AnAenbur?, die letzte Säule. „Auch diese schon geborsten...* Die völkisch-deutschnationale„Deutsche Zeitung" setzt ihren Feldzug gegen Hindenburg fort. Jetzt ist es Friedrich Wilhelm Prinz zu Lippe, der schreibt: Der Größte aus vergangener Zeit, der Heros de» deutschen Volke», wie chn der Kaiser einmal genannt hat. wurde mit dem Kampfzeschrei:„Los von der Erfüllungspolitik!— Los von der jtriegsfchuldlüge!— Los von Verfaillesl— Gegen den Sicherheitspalt!" zur Führung des Reiches berusen. In dieser letzten Säule aus vergangener Zeit sah da» vaterländische Deutschland seinen„Rette r".— Dem Lorarno-Sturme hat diese letzte Säule nicht zu trotzen vermocht. Aus vergangener Zeit steht nun kein Wahr» zeichen mehr, um das wir uns im nationalen, im völkischen Lager sammeln könnten. Der Geist jener Generation hat sich als nicht j ä h i g zu neuer Gestaltung erwiesen. Das ist der tiefe Eüm der Unterschrist Hiadenburgs unter den Vertrag von Locarna.— An der Schwelle de» neuen Jahre» stehen wir also vor der Tat» fach«, daß au» der— nennen wir fle einmal so— kaiserlichen Geaeratic.» dem deutschen Volke kein Führer mehr erstehen wird. Das ist hart, nicht nur für Hindenburg, sondern auch für Ludendorff, Tirpitz, Hergt. Westarp, o. Los- Scfl Mfrn., die doch off« her.kasserklchen gpismiftmi'' crngfc hören. Und Friedrich Wilhelm Prinz zu Lippe— gehört bei. nicht auch zur.kaiserlichen Generation"?, Hlühenöer Antisemitismus. Unsinn, der nicht sterben will. Daß der Antisemitismus der„Sozialismus der dummen Kerls" sei, hat Jgnaz Auer schon vor Jahrzehnten im Hin- blick auf Stoeckers Propaganda festgestellt. Heute ist er nicht mehr Sozialismus, auch wenn er sich.nationalsozialistisch" nennt. Uebrig bleiben nur die„dummen Kerls" und deren gibt es leider immer noch genug. Man sollte meinen, daß die„Deutsche Leitung" doch hin- länglich mit Kenntnissen über den Antisemitismus versorgt sei. Trotzdem läßt sie sich von Hans Blühe r, dem einstigen Wandervogler, erst das richtige Licht aufftecken. Dieser Hans Blüher orakelt im Blatt der Claße folgendermaßen: .Zst der Antisemitismus, wie er sich bisher auftat, irgend etwas anderes als Neid um die besseren Geschäfte? Gäbe es diesen Anti- semitismu» nicht, der Jude würde ihn erfinden. Er ist leicht zu widerlegen und das Judentum lebt geradezu in seinem Ansehen durch den dauernden leichten Sieg. Niemand gehl es besser als dem, der dumme Feinde hat. Die Weisheit Israels aber geht weit über alles hinaus, was deutsche Gehirne in ihrer heutigen Verfassung zu begreifen vermögen." Diese Erklärung des Antisemitismus als eine aus Neid geborene Weltanschauung und die Darstellung der deutschen Antisemiten als„d u m m e Feinde" sollte zwar allen Antisemiten aus Ueberzeuaung die Röte der Scham und des Zorn ins Gesicht treiben. Aber selbst dieses Rot ist bei ihnen verpönt. Die„Deutsche Zeitung" verulkt ihre Leser vielmehr damit, daß sie den Blüher-Schmus mit einer feierlichen Ein- leitung versieht, indem sie versucht,„ihn dorthin zu rücken, wo seine geistige Bedeutung im Gleichschritt zielhafter Gemeinschaft wirkt". Sie freut sich über die Verhöhnung, die Blüher den Antisemiten zuteil werden läßt, denn:„die Entfaltung dieser Persönlichkeit rückt sie immer mehr in die Reife nationaler Bestimmung". Der Artikel Blühers erschien in der Neujahrsnummer. Die„Deutsche Elaß-Zeitung" hat den Silvesterulk aber gar nicht gemerkt! Biel Vergnügen! Sewersöorff und Schnitze. Ihre Antwort an LandSberg. Genosse Otto Landsberg hat gegen die Richter im Magde- burger Rothard-Prozeß, Landgerichtsdirektor Bewersdorss und Landgerichlsrat Schultz«, in der Zeitschrift„Die Justiz" schwer« Anklagen erhoben. Er hat dort erklärt, daß diese beiden Richter als Politiker zum völkischen Block der Deutschnationalen Partei ge» hören und daß sie sich bei der Fällung ihres Urteils von ihrer poli- tischen Einstellung haben leiten lassen. Seine Behauptung hat Landsberg mit tatsächlichen Einzelheiten belegt, die für die beiden Richter moralisch vernichtend sind und sür die er, unter Verzicht auf sein« Immunität als Reichstagsabgeordneter, vor Gericht einzutreten bereit ist. Jetzt, nach drei Wochen der lleberlegung, teilen die beiden Be- schuldigten mit, daß sie.die zur vollen Aufklärung der erhobenen Vorwürfe erforderlichen Antröge gestellt haben". Der Sinn dieser Erklärung ist dunkel. Handelt es sich um die Einleitung eines Straf Verfahrens, in dem die beiden Herren dann genötigt wären, sich als Zeugen über die Behauptungen Landsbergs zu äußern? Oder haben sie den für sie bequemeren Weg gewählt, ein Disziplinarverfahren gegen sich selber zu beantragen? Wechsel im Frankfurter Pollzeipcäfidlum. An Stelle des ,nm Regierungspräsidenten von Wiesbaden ernannten Polizeipräsidenten Gen. Erler ist Landrat Müller, der Verwaller de« Landrois- amtc« de? SaalekreiieS, zum Polizeipräsidenten von Frankfurt am Main ernannt worden. ?m Quellgebiet öes Hochwassers. Von Max Tck-Trall. Seit ein« Reihe von Tagen bin ich in den Bergen, dort wo die Quellen springen. Da ich ankam, weht««in eisiger Nordost. Fußhoher Schnee lag, ol» ich von der nächstgelegenen Bahnstation 2 Stunden Wegs zu dem Ort« mein« Bestimmung stapfte. Und neue Schneemassen fielen Hernied«. Die Wiese de« Talgrunde« war ein« weihe, weit« Fläch«, die das Auge blendete. De Tannenbäume der meinem Zinnner gegenüberliegenden steilen Abhänge waren mit dicken, molligen Cchneehauben wie in den Weihnachtsmärchenbüchern de» deckt. Der Bach im Wiesengrund lief zahm und ruhig in seinem Betl. Heut« nacht drehte fich der Gockelhahn ans dem Kirchturm im Dorf. Ei» van« sagt« zu mir:„Es gibt Tauwetter. Der Gockel droben ist uns« Wetterprophet." Und Westwind kam von Frankreich her. Warme Lüste wehten von den Bergen in da« Tal hknokn. Wie graue Papiersetzen dl!« der Wind die Wolken vor fich her. Ei« sagte» so niedrig, als wenn sie an den Berg spitzen zerstäuben müßten. In der Rächt siel warmer Regen. Al» ich de» Morgens nach festem Schlafe, wie wir ihn nur nach Wanderung in den Bergen geschenkt«halten, zum Ferch« hinaus- sah, war die große weiße Echneefläch« verschwunden bi» auf ein- zelne weiß« Inseln, die au» dem Grün der Wiese leuchteten. Auch zwischen den Stämmen de» Wald«» sch>mm«te die rotbraun« Erde hervor. D« Bach im Tale ab« hatte sich zu einem reißenden Ungetüm ausgewachsen. Bon den Dachrinnen der Bauernhaus« troff und gluckste e» unaufhörlich. Die Dorfftraßen waren ein einzig« See, dessen Wasser in kleinen, vielhundertfnchen Kanälen talwärts dem Bach zufloß. An den Felswänden hatten sich neue klein« Bäche gebildet. Bei meinem Haus war eine kleine Quelle neu«wacht. Die Wint«külte hatte sie einfrieren lassen. Jetzt rieselt» sie in breitem Strom dem Bach zu. Bon meinem Fenster aus kann ich den Bach wachsen sehe«. *• «, Noch in der Frühe de» nächsten Tage, gab» eine groß« Schneeinsel am Bachrand. Von Viertelstunde zu Viertelstunde wurde sie kleiner, um schließlich ganz im Wasser zu oerschwinden. D« Bach trat üb« die Uf«. Di« Weidenbäume strecken schließlich nur noch wie hilferufend dünn« Gerten über die Wasserfläch«. Gestern war der Bach noch so klar, daß man die Steine und die ollen Kochtöpfe auf dem Grund zählen konnte. Ein Fischreiher, der als seltener Gast sich eingefunden hatte, konnte au» groß« Höhe die Forellen im Bache stehen sehen und sie im Niederstoßen schnappen. Heute ist der Lach schmutziggelb und undurchsichtig. Die vielen kleinen Bäche gurgeln und glucksen in hellen und tiefen Tönen. Von den Dachrinnen der Bauernhäuser und Scheunen plätschert es in die Wasserlachen hinein, von den Fels- wänden rieselt es, und die ungestümen Wasser des Baches rauschen wie Donner bei anziehendem Gewitt«. Es quillt und rinnt und strömt allerorten. Jede Ackerfurche ist zum Vach geworden. Hi« in den A«gen hat das Hochwasser d« großen Täler seinen Anfang. »• • Die hier in nnserem Gebirgstal quillt und fließt es in allen Seitentälern des Gebirges. Ungestüme Bäche vereinigen sich zum wilden Fluß. Und Flüsse sagen zum mächtigen Strom. Unter seinen Wogen, die das Land im Tale Überstuten, die die Häuf« bedrohen, sst auch d« kleine Quell, d« bei meinem Haus« eben aus dem Wint«schlaf erwacht sst, sst das Dass« unseres Baches, sind die Rinnsale der Ackerfurchen. vergleich im Schillings-Konflikt. Durch Vermittlung des Oberbürgenneist«» Bäh ist gestern ein vergleich zwischen Max v. Schilling» und dem Kultusministerium abgeschlossen worden. Der vergleich kam durch Austausch folgender Brief« zustande. Sehr geehrter Herr Professor Schilling»! Nachdem bei Be- sprechung des Falles Schilling» im preußischen Landtage von nahezu allen Fraktionen der Wunsch ausgesprochen wurde, die zwischen Ihnen und dem Ministerium entstandenen Mißhelligkeiten in einer sür beide Seiten ehrenvollen Weise aus der Well zu schaffen, möchte ich, da ich stets eine friedliche Lösung unserer Beziehungen erstrebt habe, gern meine Hand dazu bieten. Wenn Ich von den reinen Der- walningssckwierigkeiten absehe, über die sich«ine gleichmäßige Be> urteilung begreiflicherweise nie wird erzielen lassen, hat Sie be- sonders die Kritik de» Hollond-Gastspiels und des Kemp-Lertrag» beschwert. Ich bin gern bereit, Ihnen zuzugestehen, daß Sie in den beiden Punkten in gutem Glauben gehandelt haben, und daß weder Ihnen noch Frau Barbara Kemp«in Vorwurf nichtehrenhaiten Handelns zu machen ift. Mit dieser Erklärung glaube ich die Bahn freigemocht zu haben für eine hiermit von mir angebotene Per- ständigung, Ihr auf Grund de, 8 020 BGB.«folgtes A u» s ch e i- den al» auf Grund gütlicher Vereinbarung zu- stand« gekommen zu betrachten. In Anbetracht ihrer lang- jährigen Tätigkeit im Staatsdienste und Ihrer hohen Verdienste um die Staatsoper in schwerer Zeit möchte ich Ihr Wirten für da» osfent- lich« Musikwesen in Berlin erhallen und biete Ihnen ein« Meister- klasse für Musik an der Atademi« der Künste an. Falls dies Ihnen nicht genehm sein sollte, würden Ihre bisherigen Bezüge bis zum End« der Vertrogszeit ausaezahll werden.— Vor- aussetzung für diese Vereinbarung wäre, daß Sie auf einen gericht- lichen Austrag unser« Differenzen endgüllig verzichten. Wenn ich auch einer. gerichtlichen Klärung nicht glaube au» dem Wege gehen zu müssen, so verkenn« ich nicht, daß durch die forensischen Not- wendigteitcn und die publizistischen Zwangsläufigkeiten eine Situa- tion geschaffen wird, von der die beteiligten Parteien gewiß keinen Nutzen, unser Staatsinstitut ob« bestimmt erheblichen Schaden haben würde.— Wenn Sie deshalb ebenso wie ich geneigt sein sollten, aus den Boden einer außergerichtlichen Verständigung zu treten, so ersuche ich Sie, durch eine Erklärung zu meinen Vor- schlügen die Angelegenheit zu erledigen. In ausgezeichneter Hoch- achtung. Becker. Schillings an den Kultusminister. Sehr geehrter Herr Minister. Luch ich würde im Interesse de- von mir so lange betrauten Etaatsinstiwts gern eine Beunruhigung der Oeffentlichkeit vermieden sehen, die mit einer gerichuichen Ans- tragung unsere» Streites unvermeidlich verbunden wäre. Bisher mußte ich aber auf gerichtliche Klarstellung dringen, da die Be- urteilung des Holland-Gastspiels und des Kemp-Vertrages durch das Minssterium meine persönliche Ehre tangierte. Nachdem durch Ihre Erklärung dieser Zwang fortgefallen sst, bin ich bereit, Ihr Angebot anzunehmen, wonach mein vertrag mit dem Staat als auf Grund gütlicher Vereinbarung gelöst zu betrachten ist. Unter diesen Umständen verzichte Ich auf einegerichtlicheErledigung dieser Angelegenheit. zumal die tatsächlich vorhandenen Meinungsverschiedenheiten und Reibungen durch einen Prozeß doch niemals aus der Well geschafst werden könnten. Ich weise deshalb gleichzeitig meinen Reebtsanwalt an. die erhobene Klage zurückzuziehen. Wegen Ihrer Borschläge bitte ich. mir die Entschließung bis zum 15. diese» Monat» vor- behatten zu dürfen. In ausgezeichneter Hochachtung».Schillings. Enorme werlstelgerung amerikanisch« Zeitungen. Wie schon kurz gemeldet, ist„New Park Sun",«ine der größten Z-uungen der Hudson-Metropole, kürzlich vertauft worden. Der Kautpreis beträgt in runder Summe 10 Millionen Dollar. Es ist das der l?ochste Preis, der bisher beim Verkauf einer amerikanischen Tageszeitung erzielt wurde. Der gesamte Apparat der„Sun", der heute mit 42 Millionen Mark bewertet wird, wurde vor 35 Iahren mit einem Kapital von sage und schreib« 40 Dollars begründet- Da» ist eine Wertiteigeruiig. die selbst unter amerikanischen Verhältnissen ungewöhnlich ist. 3m VII fionjcri der voir»t>ah«�Sonnt°g. dm 10. Ianu« 11'/, Uhr. Im Theater am Blllowplah wird der Gtuttgarter Madriaalchor unter Zeitung von Dr e>uao Holl«>ll»Sre von ffirenet, vuttmg, Petdret. Hindemitb und Sartok'erstmoiig zur Ausfahrung bnngen. Roch immer nicht Cysi ,row". Ein« neuerliche Berlchlimmerung In, Befmden von Elle Eckcrtberg mucht eine weitere Delschiebung der Erst- aussübrung von LvsiNioia'. die beule abend stattfinden«ollie. notwendig. Tie Premiere findet Tienttag, den 5. Januar, statt. Bis dabin gebt all- abendlich in den Kammerlpieten de« Teut'chen Theater« Slabund»„Kuide- lrei»- in Szene. vi« Svi stbandlung t-lNor Hartbelg. Schöneberger User 4t. zeigt in, Januar Gemälde von Albert SetSgerber. Dranendlchter de» ArbeUerstande». Fn Moskau Ifi eine Gruppe dramatischer Dichler aus dem Arbciterstande gebildet worden. Die Anregung zu dieser Gründung ist von den proletarischen Mitarbeitern der Moskau« Sowjetbiätter ausgegangen. Faschismus unö internationale Rechtspflege. Auslieferungsverträge mit Italien find künftig unmöglich. (Eine Truppe französischer Juristen ist im Begriff, eine inter» essante internationale Rechtsfrage zu untersuchen, die auch für Deutschland von größtem Interesse ist. Es handelt sich um folgendes: Alle die Justizpflege betreffenden Verträge zwischen zwei Staaten setzen voraus, daß beide Vertrcgsteilnehmer gewisse allge- meine Grundregeln anerkennen, damit kein Staat m die peinliche Lage kommen kann, durch die Einhaltung eines Vertrages gegen die Grundsätze seiner eigenen Rechtspflege zu verstoßen. So verweigern z. B. jene Staaten, welche die Todesstrafe abgeschafft haben, die Auslieferung fremder Untertanen, sobald diesen in dem Lande, das die Auslieferung beantragt, die Todesstrafe droht, oder, wenn sie die Auslieferung gewähren, so tun sie dies unter Stellung der Bedingung, daß die Todesstrafe nicht vollzogen werde. Völlig undenkbar wäre z. B. ein Auslieferungsvertrag zwischen einem euro- päischen Kulturstaat und einem Menschenfresserstamm, besten Rechts- pflege das strafweise Auffressen der Verurteilten vorsieht. Es ist nun in allen Kulturstaaten anerkanntes Prinzip, daß die Rechtspflege streng getrennt ist von der übrigen Staats- Maschinerie und daß das Justizpersonal und die Rechtspflege inner- halb des Staates weitgehende Selbständigkeit und Unabhängigkeit genießen. Der Faschismus erklärt nun aber, daß er für seinen Teil diesem Prinzip der Trennung der Staatsgewalten ein End« machen will. Der italienische Justizminister R o c c o hat in dem Bericht zu dem Gesetz, das die Entlastung aller dem Faschismus ablehnend gegenüberstehenden Beamten vorsieht, ohne Umschweife erklärt:.Die Ration ist identisch mit dem Staate in seiner heutigen Form: der Staat seinerseits ist identisch nnt der Regierung und diese wiederum lft identisch mit dem Faschismus/ Daraus folgt, daß alle jene Italiener, die nicht für den Faschis- nms sind, cheoretisch und praktisch außerhalb der Nation stehen, d. h. Landesfeinde sind, für die es einen Rechtsschutz nicht gibt. Mussolini selbst hat diese« Prinzip im Laufe der Kannnerverhandlungen über den obengenannten Gesetzentwurf noch deutlicher beschrieben. Der Abgeordnete S a r o c ch t,«in Anhänger des Faschismus, hatte nämlich oerlangt, daß die I u st i z b e a m t e n von den vorgesehenen Entlastungen ausgenommen bleiben; Mustolini aber lehnte diese Einschränkung mit der Erklärung ab, daß er in Anbetracht der politischen Rqtur des Gesetzes keinen Unter- schied zwischen Justiz» und anderen Staatsbeamten zulasten könne. Es taucht nun die Frage auf, ob ein Staat, der seinerseits die Unabhängigkeit der Rechtspflege als grundlegendes Prinzip aner- kannt Hot, Auslieferungsverträge abschließen oder auf- rechterhalten kann mit einem Staate, der seinerseits diese Prinzipien ablehnt und jede auch nur cheoretische und formelle Sicherheit für eine ordnungsgemäße Funktion der eigenen Rechtspflege vermisten läßt. Welche Aussichten auf einen billigen Rechtsspruch können hinter dem Auslieferungsverlangen eines Staates stehen, der solchen Ldeengängen folgt, wie Mustolini und Rocco sie ausgesprochen haben? Die Verträge schließen die Auslieferung politischer Flüchtlinge aus. Das hindert aber ein dem Slaaie gegenüber zu den niedrigsten Dicastleistuageu herabgewürdigtes Zusti', personal, in solchen Fällen Auslieferung wegen angeblicher gemeiner Verbrechen zu verlangen? welche Garantie hat der Staat, an den das Aus- lieserungsverlangeu genästet wird, das sich hinter der Anschuldigung dc».gemeinen Verbrechens" nicht politische Verfolgung versteckt? Reaktionäre Staaten setzen, wenn sie an die äußerste Grenze der Streng« gehen wollen, an die Seite der ordentlichen Gerichte Ausnahme- oder Standgerichte, und losten ihre Feinde durch dies« aburteilen. Die ordentlich« Rechtspflege aber bleibt selbst in diesen Fällen neben den Sondergerichten völlig intakt. Das faschistische Regime hingegen kennt solche Subtilttäten nicht. Es verwandelt einfach die ordentlichen Tribunal« selbst in Ausnahmegerichte. Die Kulturstaaten aber stehen vor der Frage, ob die Aus« lieferungsverträg«, wie überhaupt alle die Rechtspflege betreffenden Abkommen mit Italien aufrechterhalten werden können. Was Deutschland anbetrifft, so verlangen wir die sosorüge Kündigung de» deutsch-italienischen Aus- lieferungsverträg«», genau so wie wir einst gegenüber dem zaristischen Rußland, das ebenfalls eine administrative Justiz ausübt«, gegen die Auslieferungspraxis der kaiserlich beut- scheu Regierung Rußland gegenüber schärfsten Widerspruch erhoben. Jedenfalls darf m Zukunft bis zur gesetzlichen Regelung dieser Frage keine Auslieferung an Italien vorgenommen werden, denn es besteht immer die Gefahr, daß die italienischen Auslieferungsanträge von der faschisttschen Justiz.gemeine Verbrechen" lediglich vor- schützen, um ins Ausland geflüchtete politische Gegner de» Faschismus in Ihre Gewall zurückzuführen. Aus Mailand kommt die betrübende Kunde vom Tode einer der muttgsten Vorkämpferinnen der internationalen sozialistischen Bewegung. Anna Knlischoff, ein« Führerin der ttalieni- schen sozialistischen Partei, stammt aus der Ukraine aus einer bürgerlichen Familie, fühlte sich aber schon sehr jung zu den nihilistischen Ideen hingezogen. Bereit» mit 17 Jahren kam sie dadurch in Konstikt mit der zaristischen Polizei und mußte, wie so viele andere russische Revolutionäre, ihr Heimatland verlassen. So kam sie nacheinander in die Schweiz, nach Frankreich und Italien. Dort wurde sie, die sich inzwischen von den Bakunistischen Theorien freigemacht und zum marxistischen Sozialismus bekehrt hatte, zur treuestcn Mitarbeiterin und Lebensgefährtin des Führers der ttalieni- schen Partei, Fillipo Turati. Bereits im Jahre 189Z nahm sie als Vertreterin der proletarischen Frauen Italiens an dem Gründungsparteitag der Italienischen Sozialisttschen Partei in Genua teil. Auf dem Florenzer Partettag, fünf Jahre später, entwarf sie die Grundzüge der sozialistischen Frauenbewegung. Wie in ihrer Jugend als verbannte Nihilistin, so mußte sie auch in chrer zweiten Heimat als Sozialistin wiederHoll ins Gefängnis wandern. Zu- letzt, nach der großen revolutionären Bewegung in Mailand im Jahre 1898, wegen der. sie zu zwei Iahren Gefängnis verurteilt wurde, die sie aber infolge eingetretener Begnadigung nur zum T«il verbüßen mußte. Ihr Tod hat die gesamte, leider so zerklüftete llallenifche Arbeiter- bewegung wenigstens in der Trauer um sie vorübergehend oereinigt. Auch die gesamte Internationale und insbesondere die deutsche Sozial- demokratie entbietet der Umtarischen Sozialisttschen Partei und namentlich dem am nächsten betroffenen Genossen Turati den Aus- druck ihres ttefsten Mitgefühls. Besonders in diesen Zeiten ist der Verlust einer solchen'Vorkämpserin für den italienischen Sozialismus doppelt schwer I' Der Mann ohne Sevuf. Nämlich der Kronprinz. Unter allen Berufen ist der kronprtnzliche der seltsamste. Er besteht nämlich darin, keinen Beruf zu haben. Der Kronprinz hat lediglich die. Aufgabe, den Tod seines Vaters abzuwarten. Bis zu diesem Zeitpunkt obliegt ihm die einzige Pflicht, das Fürstenhaus eine Generation weiter fortzupflanzen, und zwar nach den fürstlichen Gesetzen der Ebenbürtigkeit mit einer Prinzessin, duf deren Auswahl sein Herz und seine Neigung keinen Einfluß haben. Der Kronprinz ist sozusagen ein lebendiger Apparat zwecks Erzielung legitimer Nachkommenschaft. Solange bei ihm die erotischen Empfindungen von der gleichen Schwäche sind wie seine sonstigen Geistesgabeu, wird er dieser Aufgabe ohne allzu große Konflikte gerecht werden, zumal alles ausgeboten wird, ihm die Pille zu verzuckern. So gestatten weise Erzieher ihrem Objekt zunächst, seine allgemeinen Fähigkeiten an einem möglichst reizvollen Objekt zu erproben. Bedingung ist allerdings, daß die Probe Probe bleibt und nur angesehen wird als ein Manöver, also eine Nor- bereittrng auf den Ernstfall. Dieses unterscheidet sich dann allerdings oftmals von dem romantischen Vorspiel ebenso wie der harte Krieg vom gemüllichen Manöver. Die Braut ist zwar prinzeßlich, aber meist auch häßlich; daß sie Helena heißt und aus Griechenland stammt, beweift nichts. Denn die Zesteu, in denen wegen einer griechischen Helena ganze Volker sich den Schädel vor Troja» Mauern einschlugen, liegen um dreitausend Jahre zurück. Hier beginnt eben die ernste Schattenseite des Berufs. Man kann in dieser Beziehung die verflossenen Hohenzollern als Musterbilder monarchischen Pflichtbewußtseins ansprechen. Sie erzeugten ihre Kinderserien in strenger Beachtung des Wohles der Dynastie. Allerding» hat schon vor dem Kriege ein unhöflicher Statistiker berechnet, daß der Kinderreichtum der Fürsten- Häuser und namentlich auch der Hohenzollern sich immer nur in der H a u p t l i n i e zeigte, nicht dagegen in den von der Erbsolg« aus- geschlossenen Seitenlinien. Man sieht also: das Kinderzeugen wurde genau nach dem Gebote der Staatsräson gchandhabt. Für solche brave Pflichterfüllung gebührte natürlich auch Er- holung. Auch diese» Kapitel ist in der Hohenzollerngeschichie nicht unbekannt. Der rumänische Hohenzoller Carol aber wollte nicht die Pflicht, ihn reizte die Erholung. Unsere Kaisertreuen werden sagen: Das kommt davon, er war ja kein richtiger Hohenzoller. iondern katholisch! Jedenfalls hat das erotische Erholungsdedürfnis Earols dazu geführt, daß er auf sein ebenbmiiges Ehegesponst und seine Thronanwartschaft verzichtet hat. Gerührt« Herzen werden das vielleicht romantisch finden. Es ist genau so romantisch wie die Geschichte des jungen Mannes, der bis vor kurzem als Schah den persischen Thron zierte oder vielleicht nicht ziert«, sondern sich ständig im Auslände auf Vergnügungsreisen herumtrieb. Biß sein Volk die Sache satt hatte und ihn absetzte. Auch Herr Carol von Rumänien hat bisher durch nicht« be- weifen können, daß er außer seinen erotischen noch andere Fähig- ketten hat. Seine Geschichte würde uns kaum interessieren, wenn es sich statt um Carol und Helena um irgendwelche Karl und Lene handelte. Vor seinem Thronfolgcrstreik hat Carol sein« patriotische Pflicht erflillt und noch einen legitimen Leibeserben erschaffen. Alle monarchistischen Herzen Rumäniens fragen nun sorgenvoll: Ob er nicht nach seinem Vater schlägt? Aber der de u t s ch e Monarchist bleibt unbelehrbar..», Korruptes Spstem. Die Kaiserlichen und ihre Börsengeschäfte. Als ein Verschweigen des Falls Holstein nicht mehr mög- lich war, kam die deutschnationale Presse auf den Einfall, Holstein als eine Ausnahmeerscheinung hinzustellen. Das war ebenso billig wie unrichtig. Schon vor längerer Zest sind Kor- respondenzen bekannt geworden, ai;s denen hervorgeht, daß während des Kriegs 1879/71 und während des Welt- k r i e g e s hohe und höchste Personen, die in der unmittelbaren Umgebung des Hofes zu filch�n stich, es vortrefflich verstanden haben, Politik und Geschäft miteinander zu vermischen. Das„Tagebuch" erinnert jetzt an eilten weiteren Fall. Zu der Zeit, in der Holstein an der deutschen Botschaft in v Paris angestellt war und seine amtlichen Kenntnisse zu Börsen- spekulationen mißbrauchte, wurde ftm Vorgesetzter, Graf Harry v. Arnim wegen angebuc�r Wegnahm« amtlicher diplomatischer Aktenstücke zu fünf wahren Zuchthaus verurteilt. Bismarck hielt diese» Urteil für zu hart und be- gründete das in seinen„Gedanken und E�ifsverungen" damit: „Diese Erkenntnis würde ich nur dann sür� adäquat gehalten haben, wenn der Verdacht erwiesen gewesen wäre, daß der Ver- urteilte seine Verbindung mit dem Baron Hirsch dazu benut hätte, um die Verzögerung der Ausführung seiner Instruktionen Börsenspekulanten dienstbar zu machen. Ein Beweis dafür Ist in dem Gerichtsversohren weder geführt noch ver- iucht worden. Di« Annahme, daß er lediglich aus geschäftlichen Gründen die Zlucführung einer präzisen Weisung unterlassen habe, bliebe immerhin zu seinen Gunsten möglich, obschon ich mir den Gedankengang, dem er dabei gefolgt sein müßte, nicht Narmachen kann. Der erwähnte Verdacht ist aber meinerseits nicht ausgesprochen worden, obschon er dem Auswärtigen Amte und der Hofgesellschaft durch Pariser Korrespondenzen und Reisende mitgeteili worden war und in diesen Kreisen kolportiert wurde/ Die Frage der Verquickung von Politik und Börsenspekulation wurde also weder von den Richtern noch von Bismarck angeschnitten, obwohl allgemein bekannt war, daß Graf Arnim(wie übrigens auch Holstein) in Geschästsbe- Ziehungen zu dem Börsenspekulanten Hirsch stand. Ob man befürchtete, Aufrollen dieser Frage könne zu Kon- sequenzen� führen, die nicht nur für den Grafen peinlich ge- wesen wären? Die Publikationen der Nachkriegszeit legen diese Vermutung nahe. Jedenfalls beweist auch die Affäre des Grafen Arnim, daß der Fall Holstein keineswegs in der Geschichte der Kaiserzeit einzig dasteht, sondern daß er typisch für seine Zeit ist. Jungüo unö Frankreich. Verdächtige Verhandlungen mit dem„Erbfeind". Im„Reichswart" des Grafen Reventlow zeigen Dr. Karl Schaumlöffel(Kassel) und Dr. Wilhelm Fenge, bisher „Komtur der Ballei Niederhessen", ihren Austritt aus dem„Jung- deutschen Orden" an. und zwar mit folgender Begründung: Jbie Verhandlungen, die der Hochmeister de» Jung, deutschen Ordens Arthur Moralin mit Franzosen führt, bedeuten eine ernste Gefahr für Volk und Vaterland. Für diese verhängnisvolle Politik können wir die Verantwortung nicht mehr übernehmen. Wir sind deshalb, nachdem der Versuch der Stammbavei des Iungdeutschen Ordens Herrn M a h r a u n zu r Vernunft zu bringen, gescheitert ist, aus dem Orden ausgetreten." Dos sind ja nette Sachen, die da im Iungdeutschen Orden passieren. Wenn gewöhnliche Sterblich« mit Angehörigen anderer Nationen zu einem Einverständnis zu gelangen suchen, werden sie als „Landesverräter" beschimpft und— gerade in den Kreisen, au» denen sich die jungdeutsche Ordensblüte speisen läßt— der jtan- spiratlon mit dem Feinde" bezichtigt. Nun hat der Hochmeister" höchstselbst mit den Franzosen ver- handelt? Und er will sich gar nicht mehr zur— deutschen— Der- nunst bringen lassen? Ja, wenn das an dem— ach so grünen Holze des Iungdo passiert, was will man denn noch gegen das„dürre" der alten Parteien sagen, denen man höchstens reifere Erfahrung und ttefere Einsicht zugestehen darf! Neue?»dolchfloß'-prozeß in Sicht. Reichskanzler Michaelis Saboteur des englische« Friedensangebots? München, 2. Januar.(Eigener Drahtbericht.) Auf Grund seiner Kenntnis vatikanischer Akten und seiner besonderen Informationen, die zweifellos auf den Nuntius Pacelli zurückgehen, hat der in Füssen lebende katholische Schriftsteller Friedrich von Lama vor einiger Zell behauptet, daß die päpstliche Friedensvermittlung de« Jahre» 1917 gescheitert ist an der Haltung de» Reichs- tanzlers Michaelis, der den offiziellen Charakter des eng- tischen Friedensangebots bei der Kurie dem Kaiser und dem Kronrat bewußt vorenthalten habe. Michae- li» habe den damaligen entscheidenden Instanzen den offiziellen englischen Friedensschritt in ein Schreiben eines wohlwollenden Privatmannes aus London umgsfälscht und sich der offenkundigen und bewußten Lüge, eines ungeheuerlichen Verbrechens am deutsch«« Volte schuldig gemacht. Wegen dieser Feststellungen hat der früher« Hosprediger und deutschnationale Mitherausgeber der„Tag? lichen Rundschau" Dr. D ö h r i n g Herrn von Lama einen strupel- losen Hetzer genannt, weshalb letzterer fetzt Strafantrag beim Amtsgericht Berlin gestellt hat. Der Kläger verfolgt mit diesem Prozeß die Absicht, den ganzen Hergang des päpstlichen Friedensschrittes vom Jahre 1917 gerichtlich soweit als möglich klären zu lassen. Ein Termin für die Verhandlung ist bis jetzt noch nicht angesetzt. Eine Erklärung Eckeners. Vorläufig Einstellung der Sammlungen. Dr. Ecken er veröffentlicht folgende Erklärung: J&et vor einigen Monaten veröffentlichte Aufruf zur Samm- lung einer Zeppelin-Spende hat trotz der wirtschastlichen und trotz sonstiger Schwierigkeiten und mancher Mißverständnisse und Quer- tretbereien. ohne die es zurzeit ja nicht abgehen zu können scheint, im verflossenen Jahr« einen so günstigen Erfolg gehabt, daß ich mit Zuversicht annehmen darf, bei unbeirrtem Weiterschreiten das ge- steckte Ziel vollkommen zu erreichen. Es kann mit lebhafter Genug- tuung festgestellt werden, was von vornherein zu erwarten war, daß das deutsch« Volk den festen Willen hat. ein nationales Unter- nehmen von der Bedeutung seines Zeppelinwerkes trotz allem Widrigen aufrechtzuerhallen, und man darf den bisherigen Gebern dafür dankbar sein, daß sie durch ihre Spende ein Beispiel voter- ländischen Opfersinnes und damit eines unerschütterlichen Glaubens an eine bessere Zukunft Deutschland» gaben. Die neuerdings sich be- merkbar machende starke Verschärfung der wirlschastskdse läßt e» nunmehr gebolen erscheinen, die Aorljclwng der Sammeltäligkeit in den bislang noch nicht einbezogenen Laodesteilen zu verschieben. bi» bessere Verhältnisse eingetreten sind. Aber da» bereits ge- wonnene Ergebnis genügt, die Tätigkeit auf der Werft in Friedrichshafen, woraus es in erster Linie ankam, wieder aufnehmen zu lassen und den Lau eines neuen Zeppelins vorerst bis zu einem beträchtlichen Ausmaß zu fördern. Es sind bereits Dorbereiwngen getroffen, um alsbald nach Neujahr mit dem Bau zu beginnen. Ich zweifle nicht einen Augenblick, daß z u gegebener Zeit dann die Mittel zur Fortsetzung und Boll- endung de» Werke« bei Wiederaufnahme der Sammcl- t ä t i g k e i t der Werft zur Verfügung gestellt worden." Es ist zu begrüßen, daß Herr Dr. Ecken» mit dieser Veröffent- lichung indirekt seine ganz ungerechtfertigten Angrisse gegen die preußische Regierung zurückzieht, indem er nachträglich die Gründe für ihr« Haltung, die durchaus mit denen der Rcichsregierung über- einstimmen, anerkennt und sich zu eigen macht. Man wird sich auch mit Dr. Eckener darüber freuen können, daß es möglich ist, den Betrieb auf der Frtedrichshafener Werft wieder aufzunehmen. Er sollte aber nicht vergessen, daß das zum größten Teil dem unter der Wirtschoftsnot am meisten leidenden preußischen Landes- teil zu verdanken ist. Insofern und aus naheliegenden anderen Gründen wäre es loyaler gewesen, wenn er seine temperament- vollen Entgleisungen direkt richtiggestellt hätte. vorstanöswahlen in üer KM. Moskau, 2. Januar.(MTB.) Heute fand die erste Sitzung de» neuen Zentralkomitees der Kommunistischen Partei der Sowjet- union statt. Zu Mitgliedern de« politischen Bureaus wurden gewählt: Bucharin. Worofchilow, Sinowjew, Kalinin, Molotow, Rykow. Stalin, Tomski und Trotzki; zu Ersatzmitgliedern: Dzersinsk!, Petrowski, Uljanow und Kamenew. Dem Sekretariat gehören an Stalin als Generalsekretär und Molotow. Uljanow, Kassior sowie Jewdokimow al» Sekretär. Zum Hauptschristleiter des offiziellen Parteiblattes„Prawda" wurde Bucharin gewählt. Välkerbundbilonz. Im Jahre 192.5 sind beim Vöikerbundsekrc, tariat 248 international e�V ertrage und Abkommen r e g i st r i e r t worden. Seren Gesamtzahl jetzt 1048 beträgt. Unter den wichtigsten befinden sich etwa 20 Freundschasts- und Schieds- gerichtsoerträge, die Verträge Sowjetsrußlands mit Japan und China und die während der letzten Ratstagung hinterlegt»:? Locarnoverträge. LeSte Nachrichtsn. Exploflonskataflrophe in Amerika. peasacolo(Florida), 2. Jan.(MTB.) Durch die Explosion eines schadhaften Destillierapparates ist das Gebäude der New- port Harz- und Terpentingesellschaft in furchtbarer Weise verwüstet worden. Zur Löschung des ausgekrochenen Brandes mußte die ganze Feuerwehr herangezogen werden. Bis jetzt sind zwölf Tote und acht Berwlindete aus den Trümmern geborgen �worden. Zehn bis fünfzehn Personen werden noch vermißt. GeVsrGhastsbswsgung Immer noch UeberftunSen. Sinalsbeinebe sollen ZNusterbelrsebe sein! In dkn Deutschen Jndustriewerken in Spandau, Ab- teilung Wacco, werden van der Direktion schon seit Monaten II e b e r st u n d e n verlangt, die weit über die Bestimmungen der Arbeitszeitordnung hinausgehen. Der Betriebsrat halte anfänglich wegen der schwierigen Lage des Werkes Uebcrstunden be- willigt. Ms sedoch die Zahl der Arbeitslosen immer größer wurde, konnte er es nicht mehr verantworten, daß in einzelnen Abteilungen der Deutschen Jndustricwerke biszu 14 Stunden a m T a g gearbeitet wurde, während Tausende von Arbeitslosen auf der Straße liegen. Er verweigerte deshalb die Genehmigung zur weiteren Leistung von»cberstunden. was jedoch die Direktion damit be- antwortete, daß sie die Ucberarbeit kurzerhand eixennlächtig an- ordnete. Leider segen die meisten Zlrbeiter dem Diktat der Direktion keinen Widerstand entgegen und leisten die Ueberstunden. Die wenigen aufrechten Arbeiter in den Abteilungen sind diesen Zuständen gegenüber machtlos und müssen mit den Wölfen heulen. Die G e- w e r b e a u s s i ch t s b e h ö r d e hat hier die Pflicht, sofort gegen diese Mißstände einzuschreiten. Es kann nicht angehen, daß Arbeiter � eines Staatsbetriebes Ueberstunden in gesundheitsschädlichem Ausmaße leisten müssen, während hunderttausende Arbeitswilliger zum Feiern gezwungen stnd. Wenn die Leitung eines Staatsbetriebes derartige Mißstände nicht beseitigen kann, sondern sie sogar selbst ver- anlaßt, darf man wohl berechtigte Zweifel an der Eignung dieser Leitung haben. Anfgehobene Sperre. Die Eloffdnnferei Industriegesellschast für bsdruekte Gewebe (Inhaber: Ehrmamr), Berlin, Frankfurter Alle« 40, hat am 4. De- zember allen sieben honddrnckern. darunter den Betried». rat, gekündigt und am 11. Dezember entlassen. Nur das hilfs« personal, die Lehrlinge und die Angestellten, 20 Personen an Zahl, murden weiterbeschäftigt. Die Firma beantragte dann einmal die nachträgliche Genehmigung zu der Entlassung der sieben Drucker, weiter aber die Genehmigung zur Stillegung ihres Be- triebe?. In der Verhandlung über diese Anträge mit dem Gewerbe- rat am 14. Dezember beantragte der Vertreter des T e x t i l- arbeiterverbandes die Ablehnung dieser beiden An- tm ßr■achaMrfkt) mr den Zweck»erfiegtea. de» ve» trsedsrot aus dem Betriebe zu entfernen. Denn einige Wochen zuvor habe Herr Ehnnanu geäußert, daß er sich im Betriebe Ruhe verschaffen würde, indem er eine kurze Zeit schließen und dann andere Drucker einstellen würde. Der Herr bestritt diese Aeußenmg nicht. Er wollte sich ipdoch schriftlich verpflichten. nur Berliner Drucker einzustellen. Di� Wiedereinstellung des angeblich wegen Arbeitsmangel entlassenen Betriebsrats lehnte er schroff ab. Der Regierungspräsident stimmte troßdcm den beiden Anträgen der Firma zu. Dabei haben fast täglich vier Personen im Betrieb gedruckt, und zwar der Meister, der Hausknecht und die beiden Brüder Ehrmann, wovon der eine Geschäftsführer, der andere Student juris ist. Außerdem haben noch zwei Drucker, Pflock und Schulze, vor Weihnachten gedruckt. Nach zuverlässigen Angaben sind genügend Austräge vorhandon. Weil die Finna alle Einsprüche des Betriebsrats brüsk abgefcchnt hat, war über den Betried die Epe rre verhängt worhjen, Nachdem sich nun die Firma b e r eck t e r k l ä'r t, hat, die e n t- l a s I e n e n Drucker nach dem Dijenstalter wieder ein- zustellen, auch den Betrieb s!rat, wird die Sperre aufgehoben. Trogdem sind die Sckoffdr.ucker verpflichtet, den Zuzug nach Berlin noch zu. meiden und vor jedem Stellenwechsel im Derbandsbureau die näheren Informationen ein- zuholen._ Keine Tarifkündignng im Stnck- und GipSbo«. In einer Mitgliederveriammlimg der Fachgruppe.Stuck« und Gipsbau' am 80. Dezember tvmdc die Frage.Kündigung oder Nichtlündigung de» TarifverlrageS' erörtert. Nack« langer und sochlickier Diskussion wurde die Kündigung gegen eine starke Minderheit abgelehnt. Bon den Unternehmern ist ebenfall» keine Kündigung erfolgt. Deutscher BaugewerkSbund, Baugewerkschaft Berlin. die Stillegung. vekriebsftönlng durch hochwaffer. Duisburz. 2. Januar.(Eigener vrahtbericht.) Di« Rh ei- nische» Stahlwerk.« jeden bekannt, daß wegen Betriebs- störungen im Wasserwerk infolge de» hochwaffer» der Betrieb ob> Montag, dem 4. Januar, außer Hochofen, Kokereien und Sinter- anlagen ruhen muH. Auch das Werk der Mannesmonn-Röhren- werk« in Huttenheim ist in Mitleidenschost gezogen. Dos Wert gibt> wfolge de» Hochwasser, nicht am Rhein gelegenen Gaskessei Bochum, 2. Januar.(Eigener Drahtdericht. Dt« Phönix A.- G. wird die Arbeit in den vor den Fetertoge» geschlossenen Werken bis zum 11. Januar wieder aufnehmen! dageg«» btetdl da« Grohblechwolzwerk dt» ans wetten» außer Betrieb. * Die Zeche Massen III und IV bei Dortmund wurde zum 1. Januar stillgelegt. 2400 Mann gelangen zur Entlassung. Die Firma Orenstein u. Koppel beabsichtigt die Still- legung des Dor st selber Werkes. Das Werk hat bereit» 200 Arbeitern und Angestellten zum 8. Januar gekündigt. Der Be- trieb liegt übrigens bereits bis zum 4. Januar still. Noch kein Ende des amerikanischen Kohkenarbeiterstrciks. New Jork, 2. Januar.(TU.) Die Einigungsversuche im ameri- konischen Kohlenarbeitersireik sind wieder gescheitert. Die gestrige Konferenz der Grubenbesitzer und Bergarbeiter ist ergebnislos ge- blieben._ Die Arabfiimmong ho Bonkgewerbe über den Schiedsspruch vom 23. Dezember findet im Lause der nächsten Woche statt, so daß sie bis End« der Woche beendet sein wird. In einer Funktionärver- sammlung der Berliner Bankangestellten am 8. Januar wird über das Ergebnis der Abstimmung berichtet werden. Gesperrte Gastwirtsbetrteb«. Wie uns der Zentralverband der Hotel-, Restaurant- und Caf4-Angestellten mitteilt, sind die folgenden Gastwirtsbetriebe gesperrt: Restaurant„M ü n z t l a u s e", Jnh. Fi ick. Münzstaße: Hackepeter, Frankfurter Allee 327, Ecke Petersburger Str., Jnh. Ernestine Buchholz: Engelhardt- Hackepeter, Landsberger Alle«, Ecke Petersburger Str., Jnh. Könnig: Palais de» Osten», Jnh. Pseilstifter, Warschauer Straße 34/35: Prälaten de» Ostens, Gr. Frankfurter Sir. 10: Restaurant Fr. Poarmaan, Oberbaumstr. 1; Restaurant Hoppe, Lottbusser Damm 21. GewerkschafMche» flehe cmch Z. Beilage. Sfcimitmarifl* kttt VoNtlk: Crnt Statt«; SBirtr6oft: ftrhti 0irt«nn«; («rtKTffibcf-sbCTDMitnB: Srirtt. t)tr»ni: Feuilleton: St. Zolia Schikoweki; Lclale» und Soickliae» isri»*«Iiädt:«naeioen: Td. Slixte: fämt'.id) in Berlin. Berlaq: Borwäris-Berlaa®. tn. b. Berlin. Druck: Borwäris-Butbdruckcrei und Berloasonpalt Paul Gintm u. To.. Berlin 638 68. Lindenlwoke 3. Liern 3 Beiionen. ,,B»» d« BBmwtW«ab..Uuterbaltu«,«nb SBHTen*. Bedruckt Velour« «>rrä«&cl>e Q»a£tfit.. Mb. VJ. t U Xammgam-Scrge R<»roB«.«oi- Farben....Statt S.15 Mb, X«( V- Kostüm-.Kleider- u. Mantelstoffe RcnneuQe. vorzOgKcKe Qtinlit&ten, cnl 130 cm breit O*7 C Wert SjM bis 16.00. Mb. O. i O Kammgarnstoffe amkarbi«, kkkL Birx�un�wa, herror- nfeede QuaHl�ten, 1 30 cm A*7 C? Wmrt 6.M bm 12.00. Mtr. i O Seidenstoffe Taft in m« 4. Lidafuben D Cir\ cn, 86«nn breit....... Mb. jC.UV Damast Knasbeide mit ey Qr BmuawoDa, 85 cm.... Mb.«b-.O O Satin Riehe(Unzenden, bunetaeid. Gewebe m neuen Farben Q QO ca. 85 cm breit....... Mb. O.C/V/ Bcdr. Crepe de Chine Bvntf aibtg. 100 cm, Mtr, Köper- Velvet ach wen od«r{arb«8* 70 cm#•#• Mtr. Blusen nuaFUnell oder Waacbboffea..... Kleider eWarbiae karierte Woflatotfe..... Kleider an. Seide, für Ball und GesclUcKaft.• Kleider ToczOgL Köper- Velvet,»chwmrr od. farbig Pclzbesctztc Mäntel ▼oriügl. Velouraatoffe... Mäntel st» wollenes Flauachatoff en......... MorgcnröcheFUi»cb- »toffe mit farbig Garnitur Serie I 1.75 2.75 5.90 9.75 14.5029.00 22.50 36.00 19.50 35.00 6.90 9.75 3.90 6.50 Kinderkleidung m 3.75 17.50 42.00 45.00 49.00 17.50 6.75 BERLIN C» KÖN1GSTR. SPANDAUER STR. 5.40 Damenwäsche Taghemd m* kuu..— 1.45 Taghettld tm3tick.-Aoaab 2.90 Nachthemd 3.30 Beinkleid mJ5tick.-Axiaatz 2» 1 0 Garnitur stäScteLiert 5.25 PrinZeflrOckmitStiekerei- 0 gQ Hemdhose mh Anaab 3.90 Untertaille mit Stickerei 1.50 Gardinen Halbstores mit breiten gewebten EinaaUren CT statt 7.00 bis 9.00.......'tsOv Mit groß. Filet-Motirea od. Q*7 Z. Friesen Statt 12.- bis 15.- Ws I O Mit breitem Filet-Fries Spitzen statt 20.- bis 25� 10#UV Garnituren Etamine mit brait.FrieatSt#ttl8#. bia U.-O.t/V. \jrm...... E»e. 45-55 50-80 85- 100 cm Madchenkleider aus< q/> q O C a cn Urbis«. w«cK«0(fw..... i.yu o.zo't.ou Vorzügliche Wollatolfe. 4.2t) 7»25 9»{ 5 T_,,,,., Serie I U III Jungmadchenklctder Q er*■} o CA-f O 7c WolUtoffe Lg«. 100-1 15cm. c/.OU lO.OU 1 C.( O ,uÄm»f±.TinÄ 6.90 9.6013.90 Tisch- und Hausmäsche Einzelne Tischtücher Halbleinen Prima Jacquard S 18.75 Si4.90 Servietten psetend. 60x60 i Kaffeedecken 6>«>�k-s-«b. 0.90 SL6.90 SL5.40 Xcc�cdccfe blau indantbren 160X223, m. 12 5er--f O QA vietten Gedeck Blau oder gelb. 130x160 cm mit 6 Servietten Q 40 Gedeck. Stubenhandtücher GersUi&oru mit izuiaartfVuit« Gebleicbt Haflsiein� f\ f\ P* 40x100 cm....... UayO Prinv» Keinieinen, 4 C(T 50x100 cm....... X»OO Küchenhandtucher Reinleinen Dreil m. Q P roter Kante.46xl00 C.C/O Reinl. 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Jahrgang 1« Heilage ües Vorwärts Sonntag, 3.?annar 142S TSnfan\9gt\prM) z» führe» fder Prüfleiter tfl der zu bedienende Kunde), ob er ein geweckter Beobachier ist, schliestlich auch, was für«in Temperament fein Handeln befeuert. Zwei Tage lang wird geprüft, geprobt, gefragt: nie kommen mehr als zwölf auf einmal �dran", drei oerfchiedene Lehrer, Männer und Frauen— wirke« om zweiten Tage, und so sind immerhin eine Menge wesentlicher Voraussetzungen zur Erlangung richtiger Ergebnisse erfüllt. Gleich nach Silvester beginnt die schwerste Zeit des Verkäufer». die Bewältigung der Ansprüche der Inventurausverkauf»: mit derselben Personalstärke gewöhnlich wie zu Zeiten normalen Geschäftsgang«». Das belastet natürlich die Spanntraft der Menschen hinter dem Lodentisch aufs unerhörteste. E» ist nicht leicht, mit den vielfachen Launen des kaufenden Publikums reibungslos fertig zu werden, psychologisches Verständnis gehört ebenso zu diesem Hand- werk wie Anpassungsfähigkeit. Ein kürzlich im Reichswirtschasts- Ministerium stattgefundener Vortragszyklus:»Der erfolgreich« Verkäufer im Spezialgeschäft' behandelte die An- forderungen. die an den Verkäufer gestellt werden, in instruktiver Weise. KonüenSienst. Da» Publikum, da» wohlhabende im Westen genau so wie da» minderbemittelte im Norden und Osten, will freundlich und gut be- dient sein, während man heute leider nur zu ost nicht nur un> freundlich bedient, sondern auch noch.angeschmiert' wird. Die Amerikaner schufen das Wort und die Tat des.Service', deutsch etwa mit Kundendienst' zu übersetzen. Nach allem, was man von drüben hört, kommt diesem Gedanken doppelt« Bedeutung zu: der Kunde wird besser bedient, gleichzeitig hat sich aber die soziale und materielle Lage des Verkäufers gehoben: er ist ein treuer Mittler, Berater und Helfer des Publikums geworden. In reichem Maße verlangt man von den Verkäufern Höflichkeit, Vlenfchenkennlni». Selbstbeherrschung und Takt. Wo, so ist aber doch zu fragen, sollen diese Dinge alle herkommen bei lungen Mädchen und Männern, die nur die Volksschule besucht haben, denen materielle Not und häusliche Uneinigkeit oft genug die Zeit der schönsten Jugend verdüstert? Lachende Gesichter werden bei jenen gewünscht, deren Zukunft ziemlich aussichtslos und deren Gegen- wart fast freudenleer ist. Nicht ist da zu oerkennen, daß eine bessere Bezahlung ollen Angestellten im Kleinhandel wichtigstes Erfordernis ist, denn der materiell Bedrängte wird seelisch niemals frei sein. Nur wenigen aber ist heute, besonders wenn es sich um älter« und womöglich um verheiratete Angestellte handelt, da» Existenz- Minimum gegönnt. Es wurden in den letzten Dohren vielfach und gerade von den größten Häusern die kostspicllgstea Neu- und Zu- bauten ausgeführt. Die schlechte Bezahlung lag also mindestens lange Zeit keineswegs in dem Mangel an Mitteln, sondern in dem Mangel an sozialem guten Willen. Natürlich gibt es auch noch Nebenmöglichkeiten der Notlinderung. In Amerika hat man z. B. unzählige.Womens Clubs'(Frauen-Clubs), in denen erwerbstätigen Frauen ein Hilfsheim, Zerstreuung, Geselligkeit ge- boten werden. In Deutschland sind aber für die meisten weiblichen Angestellten selbst die sonnigsten Sonntage grau, weil man allen- falls— oft aber auch das nicht einmal— die Fahrgelder auf- bringe» kann, unmöglich aber die viel zu teuren Preise für Speisen »nd Getränke in den Lokalen. In Amerika kennt man kein Künd,- qungsrecht: schnell liegt da der Angestellte auf der Strohe. Aber irf» es soweit ist. fühlt der amerikanische Unternehmer nicht nur die Pflicht zu sachgemäßer AusbMmn» de» Angestellte», sondern auch zu seiner Erhaltung. Hier kanu Deutschland etwa» lerne». Geeignet oöer uageeigvet! TVchstge Verkäuferinnen zu fordern, haben vor alle» jene Geschäfte kein Recht, die nicht selbst mit Hand anlegen, solch« Per» käuscrinnen zu schassen. Zu bemängeln ist daher von diesem Stand- punkt aus, daß zahlreiche groß« Spezialgeschäfte überhaupt nur fix und fertig ausgebildete Kräfte engagieren. Ebenso ist das System der.Kasienmädchen' und Boten zu verurteilen: die hingen Mädchen werden nicht ausgebildet, fondern nur ausgenutzt, dafür aber ent- lassen sobald sie lö Jahre alt sind, weil man ihnen dann ein höhere» Gehalt zahlen müßte. Trotzdem befinden sich unter den mehr als vierzigtaufend Ratsuchenden, die im Iahreslaus eine» der sechs Berufsämter in Groß-Berlin aufsuchen, zahlreich« jung« Mäd- chen. die ganz gern Verkäuferinnen werden wollen und die sich auch durch den oft bitter empfundenen Nachteil getrenMer und dadurch bis in die Abendstunden währenden Arbeitszeit nicht schrecken lasten. Die Beratung geschieht zunächst im Gespräch mit den Berussamtsvertretern, die zur Lsterzeit selbst in die Schulen gehen..Sind Sie auch fest aus den Leinen?' lautet bei den angehenden Verkäuferinnen wohl die regelmäßige Frage, die des- wegen berechtigt und notwendig ist, weil die meisten Lerkäufe- rinnen den ganzen Tag auf den Beinen sein, d. h. stehen müssen. Zur Eignungsprüfung wird da» junge Mädchen zugelassen, 1. wenn sich der Berater über vi« Befähigung noch nicht im klaren ist: 2. wenn für ein voraussichtliches Engagement Firmen in Frage kommen, die nur«ignungsgeprüfte Kräfte annehmen wollen: Z. wenn besondere Abmachungen mit einzelnen Berufsorganisationen be- stehen: 4. wenn ärztliche Wünsch« vorliegen. So kommt denn das junge Mädchen eines Tages zur psychotechnischen Untersuchung in die Niederwollstraße. Dort wird mit allen möglichen Hilfsmitteln festgestellt, ob der Prüfling mehr geeignet ist für den Umgang mit Menschen(dann käme der Verkäuferinnenberuf in Frage), mit Sachen(Handwerk) oder für gedanklich«, also bureaumäßige, ver- waltende Arbeit. Wesentliche Feststellungen lasten sich schon au, der Art machen, in der die sehr erprobten Fragebogen ausgefüllt werden. Durch die vielfälttge Apparatur läßt sich ziemlich« Klar- heit darüber erlangen, ob der Prüfling wirlfchaitlich denken kann, ob er ein gute, Personengedächtnis besitzt, ob er Talent hat, ein 3a der verkäuferinneuschule. Einen beträchtlichen Teil der Ausbildung der jungen Lehr- mädchen im Alter von 14 bis 17 Iahren übernimmt die BenisS- schule, d. h. also in diesem Fall« die Verkäuserinnenschule. Von ein paar kleinen Filialen abgesehen, hat sie ihr Hauptheim in der Destauer Straße, besucht wird sie wöchentlich in 142 Schulklassco von 5000 Schülerinnen, von jeder für je l> Stunden: der Unterricht wird von etwa 48 Lehrerinnen erteilt. Entsprechend den verschiede- ne» Interestcngebieten der Schülerinnen gibt es verschiedene .Bronchen', also z. B. Lebensmittel-, Galanterie-, Kaushaus-, Schuh- nnd Konfektionsklassen. Das hat den großen Vortell, daß die jungen Mädchen von Ansang an sich an derselben Ware üben, dt« ihnen im Geschäft anvertraut worden ist. So nimmt auch die Warenknud«— in Verbindung mit Wirtschaftsgeographie— den breitesten Reum im Unterricht ein. Eine immer aus der Höhe gehaltene Sammlung tatsächlicher Originalgegenstände. Rohstoffe und Wüster, teils in sinnvoller Anordnung und Aufmachung, leihen wertvolle Unterstützung. In der verkausskuud« wird das Aeußere der Verkäuferin und ihre Stellung gegenüber der Kundschaft einer Betrachtung unterzogen und das Richtige wird in praktischer Arbeit einander vordemonstriert. Sehr wichtig ist auch die Pfleg« des Geschmacks und der dekorativen Fähigkeiten. Da gibt es'z. B. ein richtiges Schaufenster, das vorbildlich in formeller und färb- licher Hinsicht wechselweise von ersten Künstlern dekoriert wird. Gemeinsam mit den anderen Berussschulen wird gelehrt kauf- männische» Rechnen(besonders natürlich Kopfrechnen, Preis- und Prozentberechnung), Berusskunde, Bürgerkunde und Hauswirtschaft. Die Verkäuferinnenschule erfreut sich reger Unterstützung der Stadt Berlin, die ihr auch reichliche Mittel zu einer Warensammlung zur Verfügung gestellt hat. Wenn nicht alle Nachrichten trügen, steht die Berliner Verkäuferinnenschul« in Leistung und Aufbau aller in- und ausländischen �Konkurrenz' gegenüber an der Spitze, auch der Londoner, die nach Berliner Muster arbeitet. Außerdem ertellen mehrere Diplomhandelslehrer Verkäuferinnenunterricht direkt m einem großen und bekannten Berliner Warenhaus. Bisweilen hilft ihnen sogar ein instruktiver Verkaufsfilm, der nachts in den gewaltigen Hallen des Warenhauses gedreht wurde. * Stehen nnd verkaufe»—«tn harker Beruf. Freude wird er nur beretten, wenn er gerecht, also reichlich entlohnt wird. Hier ging e» darum, außer der wirtschaftlichen auch die moralisch« Seite der Angelegenhett zu beleuchten. Seinen jungen Kräften alle Weg« z» einer guten Berufsausbildung frei- zumache«, ist heut« die erste moralische Forderung, die an jeden Geschäftsinhaber zu stellen ist. Aber selbst die bestausgebildete Verkäuferin wird an ihrem Beruf keine Freude haben, wenn sie Waren vertreiben soll, die, wie es heute leider manchmal der Fall ist, minderwertig und außerdem noch teuer sind. Deshalb erhebt sich auch wieder die große zeitgemäße Forderung eine» gewalligen Preisabbau» auf allen Konsumgebieten. Wenn die Verkäuferin gute, wohlfeile Waren' zum Verkaufen hat un» vor allen Dingen auch ein Konsumentenpublikum, das, wie in Amerika, zahlungsfähig und nicht, wie das deutsch«, gänzlich aus- gepowert ist, dann macht das Verkaufen auch Spaß. Das weitere wird sich dann auch schon finden. Es ist kein« Sorge, daß die jungen Leute, die sich den Beruf de» Verkäufers ausgesucht hoben, jemals bildungsunlustig werden könnten. 66] Die Passion. Roman von data Liedig. Und Ena bekannt«. Erzählt«, wie traurig«s ihr dort gegangen, wie schlecht man sie dort behandelt, wie elend sie sich dort gefühlt hatte. Und wie hungrig sie war. Aber doch die schweren Kohlrüben nicht essen tonnte und die Erbsen voller Maden. Nichts anderes als Zichorienbrühe morgens und abends— ohne Milch. Sie war fast umgekommen vor Hunger und Durst. Ja. sie hatte jeden Morgen einen Schluck von der Milch getrunken.„Aber nur einen Schluck,' weinte sie.„Ge- wiß und wahrhaftig nicht mehr! Sogen Sie nichts zu Frau Lesse!,' bat Eva und rang die Hände. Frau Bayer würde nichts zu Frau Lesse! sagen, sie hatte es fest versprochen, aber Eva ging doch umher unter einem ständigen Druck. Wenn Frau Lesse! das erführe, wenn die ihr Gesicht verziehen würde zu einer Miene der Nerächtlichkeitl Vor Frau Bayer schämte sie sich viel weniger, die kannte menschliche Schwachheit und menschliches Verfehlen. An die trat ja so vieles heran. Das niedliche Bertchen, das sie hier hatte sollte das Kind einer vornehmen jungen Dame sein. In der Küche wurde viel darüber gesprochen, die Köchin war stark im Klatschen— ob das alles wahr war, was sie sich mit dem zweiten Madchen und der Waschfrau erzählte?. Don der Herkunft eines jeden Kindes wußte Auguste eme andere Geschichte. Frau Bayer sprach nie über Vorgeschichten — woher die Auguste das nur alles wissen wollte? Aber mit Bertchen das, das mußte doch wohl wahr sein. In bestimmten Zwischenräumen kam eine fein aussehende junge Dame hier- her, die besuchte das kleine Bcrtchen Und dann nahm Frau Bayer sie hinauf in ihr Zimmer. Als Eva neugierig lauschte. hörte sie drinnen unterdrücktes Schluchzen. Wenn die junge Dame wieder fortging, war sie l°fesm°l ganz verweint. Ob das nun wirklich die Mutter von Bertchen war? Wie gütig Frau Bayer zu ihr sprach! Aber ob sie wohl auch so gutig sein würde, fragte sich zweifelnd Eva, wenn sie von ,hr alles wüßte? Von den Talern der Bensch wußte, die sie der in den Sarg hotte mitgeben sollen, und die 1'«) angeeignet hatte widerrechtlich. Sie träumte von der Benich. J�gnn lag die schon im Sarg, erhob sich aber langsam und orohte ihr mit dem Finger. So geschah es oftmals, ober in einer Nacht war die Bensch so böse, daß sie Eva bei den Obren packte und sie daran riß. Ena fuhr mit einem Schrei auf, sie schwitzte über und über. Es war nur ein Traum gewesen, aber der Schmerz in den Ohren war geblieben. Und der war so nagend, daß sie den Kopf wimmernd ins Kissen vergrub.----- „Du Horst ja so schlecht, Kind, was ist da» mtt dir?" fragt« Frau Bayer. „Ich habe ein bißchen Zug bekommen, da habe ich mir Watte in die Ohren gesteckt.' Eva heuchelte eine unbekümmerte Miene. Nur ja nicht merken lassen, daß sie Ohren- schmerzen hatte, immer Ohrenschmerzen! Und ein Sausen dabei, daß alles andere nur wie hinter einer dicken Wand mühsam zu ihr drang. Aber nur nichts davon sagen! Sonst mußte sie vielleicht fort von hier, und jetzt gerade war es schön hier. Es war köstlicher Spätsommer: die Früchte im Garten reiften: abends, wenn sie ihr Fenster in der ausge- bauten Mansarde schloß, stieg ein Duften zu ihr auf aus dem tiefen Garten nach Reife, nach taugefeuchteter Erde, nach Laub und Reseda. Es war unwiderstehlich. Dann stand sie lange, den Arm ums Fensterkreuz geschlungen, und beugte sich, den Oberkörper weit hinauslehnend, hinab. Sie konnte nicht genug bekommen von dem, was ausstieg aus dieser köstlichen Tiefe. Sie atmete ein mit Gier. Oft er lange nach Mitternacht schloß sie ihre Fenster, ganz leise, daß nur Auguste nebenan nichts davon hörte, die würde es sonst sofort hinterbringen. Frau Bayer sagte sowieso ost:„Eoa. du siehst so übernächtig aus. Du sitzest doch nicht etwa abends noch lange auf und liest? Schone deine 2lugen! Geh immer gleich zu Bett, sonst komm ich mal herauf, nehme dir überhaupt das Licht weg. Jugend muß Schlaf haben.' Frau Bayer selbst saß halbe Nächte aus, denn das waren die einzigen Stunden, in denen sie Zett hatte für sich selber. Eoa wußte, sie las dann in alten Briefen von ihrem Mann und in den Briefen von Freunden, die sie zu beantworten hatte. In Briefen von ihren Kindern konnte sie nicht lesen, die hatten wohl noch keine geschrieben, die waren sehr jung gestorben. Aber ein Briefchen von ihrem Knaben hatte sie doch: das hatte sie einmal Eva gezeigt, mit einem Lächeln. das Eva ins Herz schnitt. Ein ganz kleines Briefbögelchen, ein Puppenbriefbögelchen, da hatte er hingeschrieben mit steilen, langsam hingemalten Kinderbuchstaben:„libe muter, ich libe dich.' Ja, auch dieses Briefchen besah sich Frau Bayer, vergaß darüber, daß es Nacht war. Wenn sie nun aber doch einmal heraufkommen würde? Ach, dann würde ihr schon rasch etwas einfallen, das sie sagen konnte, dachte Eva. Sie konnte sich vom Fenster nicht trennen. Wie dunkel lag der Garten, wie traumhaft tief, wie eine Ewigkeit, in die man hineinging! Aus dem Dunkel langte es mit Armen zu Eoa empor, sanfte, kühle und doch warm umschließende Arme. Sie fühlte eine große, eme fast un- widerstehliche Sehnsucht. Eoa dachte an Albert WUkowski. Der hatte sie schon mehrere Male hier draußen besucht. Es war der einzige, der nach Ihr fragte.„Du darfst dich noch nicht bei meinen Allen sehen lassen,' sagte er.„Auch Vater ist jetzt böse auf dich. Sie hat so lange gehetzt. Sie sagen, du hältst nirgendwo aus.' Eva hatte den Kopf in den Nacken geworfen: was gingen sie jetzt noch die WUkowskis an? Nur mit Albert wollte sie freund sein und freund bleiben. Sie drückte seine Hand: wenn niemand in Sicht war, hing sie sich in seinen Arm, dann gingen sie wie ein Pärchen. Albert fühlte sich gerührt von Evas Anhänglichkeit und geschmeichelt durch ihre Bewunderung. Daß sie ein junges weibliches Wesen war und er ein Mann,� in den sie sich viel» leicht verlieben könnte, das fiel ihm niemals ein, weil ihm nicht der Gedanke kam, sich in sie zu verlieben. Sie war seine Kusine, zudem, abgesehen von ihrem Schielen und ihrer Harchörigkeit, ganz niedlich nnd besonders so interessiert für seine Interessen, für die die Seinen zu Hause gar kein Organ hatten. Warum sollte er sich nicht ab und zu mit ihr treffen. zumal es sie doch so freute? Eva verheimlichte seine Besuche. Sie waren ihr ein zu großes Glück: davon durfte kein anderer wissen, sonst war es ja doch vorbei. Sie war mißtrauisch und argwöhnisch. Alles zerrissen die Mädchen in der Küche mit ihren Mäulern — was würden die vielleicht über sie Frau Bayer in die Ohren blasen?! „Ich habe Kopfschmerzen.' sagte sie heute,„darf ich nachmittags eine Stunde spazieren gehen?' ..Gewiß,' sagte Frau Bayer.„Wenn die Kinder ihre Milch bekommen haben, kannst du gehen. Dir ist wohl gar nicht gut, mein Kind?' Sie richtete ihren prüfenden Blick auf Eva. Wie aufgeregt das Mädchen war, ihm zitterten ja die Hände! Wenn in diesen Tagen der Arzt kam, um nach den Kindern zu sehen, dann mußte sie ihm doch auch einmal Eva vorführen.„Du gefällst mir seit einiger Zeit nicht,' sagte sie kopfschüttelnd. Eine niedliche Tasse, die aufgestellt war, klirrte. Evas Hände waren heute so ungeschickt, und sie neigte den Kopf ganz auf die eine Seite, damit sie besser sehen konnte. Ihr Schielen war heute viel stärker alz sonst. (Fortsetzung folgt.) Vorö in der Silvesternacht. Vermutlich eine Verwechslung. Mit durchschnittener Kehle wurde in der Silvesternacht gegen Z Uhr der 3S Jahre alte Schuhmacher Eduard Grau, der im Haus« Herderstr. 6 zu Charlottenburg wohnt, tot ausgesunden. Di« erste Annahm«, dast der Schuhmacher Hand an sich selbst gelegt habe, erschien allen, die ihn kannten, zweifelhaft. Man war daher geneigt, an ein verbrechen zu denken. Dt« Feststellungen der Mord- tommission ergaben folgendes: Trau, der im Seitenflügel de« genannte» Hause» seit geraumer Aeit ein« Wohnung innehatte, lebte durchaus in geordnete» Ler» Hältnissen. Den Silvesterabend oerbrachte er in einem Lokal, da» in demselben Hause liegt, und mit dessem Wirt er näher bekannt war. Gegen 2 Uhr hotten die meisten Gäste das Lokal verlassen. und 5 Minuten später brach auch Grau aus. Ihn und ein im Hause angestelltes Mädchen lieh der Wirt zu einer Seitentür her» aus. die in das Treppenhaus mündet. Wädrcnd die drei sich von- einander verabschiedeten, kam ein junger Mann in den Hausflur und wollt« in das Lokal hineingehen. Der Wirt oerweigert« stpn jedoch den Zutritt. Auch als der Fremd« sagte, daß er ver» folgt würde, lehnte der Wirt e» ab, ihn einzulassen. Nachdem er sich zurückgezogen und die Tür von Innen verschlossen hatte, härte er noch, wie Grau mit dem Fremden im Hausflur sprach. Das Mädchen war inzwischen die Treppe hinaufgegangen. Als der Gastwirt sich einen Augenblick später in seiner Küche besand, wurde vom Hose au» an das Fenster geNopft, und ein« Stimme sragte in oft preußischem Tonfall:„Ist da» Kreet bei Ihnen? Na, warte, den werden wir schon kriegen!� Der Wirt lleß sich aber aus kein« Auskunft ein, und der Frager entfernt« sich, von den weiteren Vorgängen hat der Wirt nichts wahrgenommen. Nach dem Ergebnis der bisherigen Nachforfchungea hat es den Anschein, als ob Grau tatsächlich das Opfer einer tragischen Verwechslung geworden ist. Man nimmt an, daß der fremd« junge Mann mit semer Bemerkung, er werde verfolgt, die Wahr- heit gesprochen bot, und daß sein« beiden Verfolger die Männer waren, die van dem Wirt und dem einen Zeugen gesehen wurden. Vermutlich gehören die drei Personen zu einer größeren Gesell- schaft, bei der olle Teilnehmer stch mit den gleichen Mützen schmückten. Wer aufklärende Mitteilungen machen kann, wird ge- beten, sich bei der Mordkommission Trettin-Moritz im Zimmer WZ des Polizeipräsidiums zu melden. �er posteknbruch in hohen-Neaeaöorf. 4400 Mar? Belohnung. Der groß« Posteinbruch in Hohen-Neuendorf, bei dem den ver- brechen?, wie die endgültige Zählung eraeben Hot. 34000 Mark die für Renten- und Gehaltszahlungen bestimmt waren, in die Hände sielen, Ist noch nicht aufgeklärt, von den Tätern bat man noch keine Svur gefunden. Die Obervostdirektion unrd in einem großen Anschlage an den Säulen wichtige Einzelheiten, die zur Auf- tlärung dienen können, dem vublikum zur Kenntnis bringen und bekanntgegeben, daß für sachdienliche Mitteilungen ein« Belohnung von 4400 M. ausgesetzt ist, 1000 M. für die Ergreifung der Dieb« und 10 Proz. de» Wertes der herbeigeschafften Summ«. Di« Be- lohnnng wirb unter Ausschluß de» Rechtsiveges gezahlt werden. Das gestohlene Geld bestand au» 1-, ö-, 10-, 20-, und SO-Mart- Scheinen, die vollkommen neu von der Donk geliefert worden waren. Unter den entwendeten 20.Mark-Schelnen befinden stch solch« mit der Nummer L 2782280 bi» 2782612. Lcn den SO-Mark-Scheinen ist nur einer mit der Nummer U 0361205 zur Auszahlung gelangt. Es Ist demnach anzunehmen, daß die Schein« mit den auf- und abwärt, angrenzenden Nummern den Derbrechern in die Hände gefallen sind. Ebenso werden st« an 20- Mark-Scheinen solche mit auf- und ahwärt» angrenzenden Nummern von 2782015 und 8782277 erbeutet haben. Mitteilungen erbittet die Krimlnalpast. dienststelle in der Königstr. 01 oder das Sonderdezernot für Geld- fchrankeinbrüche Im Zinnner 89 des Polizeipräsidium», die Pokizei- verwaltung in Hohen-Neuendorf sowie alle Polizeireviere. Alle Mit» teilunge» werden vertraulich behandelt. Haltet Sea vledl Wustes Hetzblatt beschimpft das RetchsNnwer. Es gab eine Zeit, in der kein Tag ohne Ausschreitungen völkischer Banditen oergkna. Deshalb ist es der Gipfel der Frech- heit, wenn Mulles.Deutsch« Tageblatt� noch übler Spitzbube?»- monier fallet den Dieb" schreit. U?N« dem Titel.Die Mordhetz« gegen die Lölkischenl� e r a t u n a. Die Entwicklung hat rasch dazu geführt, daß jetzt fast oll« verussämter an Arbeitsnachweise angegliedert sind, und das ist gut so. Rur«•»« Berufsberatung, die Rücksicht ntnunt auf die Wietschaftalag« und in ständiger Fühlung mit dem Arb«?tsnachwei» bleibt, kann— da» betont« Ltebenberg— mit Erfolg arbeiten. Nicht innner lann man nach den Wünschen der Kinder entscheiden, sondern nur zu oft diktiert die Wirtschaft es anders. Dos Schwierigst« bei der Berufsberatung ist die Aufgabe, die wirtliche Neigung der Kinder herauszu- finden. Die geäußerten Wünsch« beruhen oft gar nicht auf Neigung, sondern nur auf der jeweiligen Modeströmung. Beispiel»- »Mise war bei den Jungen früher«in Hauptwunsch der Mechaniker- beruf, dann trat der Beruf des Autoschlossers an die erste Stelle. und heute möchten die Knaben besonders.Radioiechniker' werden. In den Zeiten der Nahrungsmittelnot verlangten viele, Bäcker oder Schlichter zu«erbe»,»ud tu der Znslatlonszeit dringt«» viele sich zum Beruf der Handels- oder Bankangestellten. Zur Auffindung der wirklichen Neigung Ist die Beobachtung des Kinde» «in wichtige» Mittel, und hier kann dem Berufsberater, der der dos Kind eben erst kennen leimt und entscheiden soll, d i e Schul« durch ihre Mitarbeit helfen. Fragebogen, die von den Berussämtern an die Schulen verschickt werden und Aus- kunft über die au» der Schule zu entlassenden Kinder fordern. dienen schon jetzt al» sehr»oertvolles Hilfsmittel. Dies« Auskünfte können stch auf langdauer?»de Beobachtungen stützen, wie fie nur in der Schul« möglich sind. Ein anderes Hilssmittel ist die psychologische Eignungsprüfung. Ihre Bedeutung soll rncht überschätzt werden, aber sie hat ihren Wert, und der ka»m gesteigert werde?», »oenn auch hier die Beobachtung hinzukonnnt. Ist die Entscheidung getroffen, so muß die Lehrstellenvermtttlung für Unter- brtngimgsmögsichteiten sorgen. Berufsberatung ohne Lehrstellen- Vermittlung bleibt tot. Di« Inanspruchnahme der Berufsberatung ist freiwillig, aber sie hat im Laufe weniger Jahre stch so durch- gesetzt, daß jetzt besonders bei den Dolkoschulen fast die Hälft« aller Schiileirtlnssenen diese Hilfe benutzt. Auch Jugendorganisationen befassen stch, hob der Redner zum Schluß bervor, mehr und mehr mit Erörterungen der Frage �Jugend und Beruf'. Die Jugend will dem Beruf, der durch weitgehende Arbeitsteilung in ent- seelte Teilarbelt ausgelöst ist,«Inen neuen Inhalt geben. Seraubong einer Zürftengrvst. Wiederholt omrden in der Peter-Pauls-Kirche bei Rikolstoj in der Wannseer Forst Einbrüche verübt. Am ZO. Dezember de» verflossenen Jahres waren Einbrecher abermals eingedrungen, nachdem st« mit einem Bohrer das Türschloß ange- bohrt und dann erbrochen hatten, und beraubten die Opfer- stocke. Gestern. Sonnabend, wurde der Raub entdeckt und außer- dem festgestellt, daß ein Gitter zersägt und eine Fe??ster- scheide zertrümmert-vor. Hierdurch beunruhigt, stieg man in die Fürstengrust hinab und entdeckte nun, daß Einbrecher auch dort gewesen sein müssen. Sie haben die Särge de» vrinzen Fried- r I ch Karl, des sog.»roten Prinzen', u?ch der Landgräfln von Hessen erbrochen und daraus drei golden« oder vergoldete Kronen gestohlen. An einem dritten Sarge hotten st« stch ebenfalls mit einem Ste?nmeisen zu schassen gemacht, es war ihnen ober nicht gelungen, ihn zu öffnen. Ob den Dieben noch andere Wertsachen in die Hände gefallen sind, weiß man ebenfalls noch nicht. Die erste ordenMche Sihvnq de« Stadkverordnelen der Stadt Berssn findet im neuen Jahre am Donnerstag, den 7. Ja- n u a r, nachn»ittag» 4,45 statt. Vi« Tagesordnung betrifft u. a. die Wahl des Stadtverordnetenvortteber» und der drei Vorsteher- slellvertreter, die Dahl von sechs Beisitzern und sechs Beisttzerstell- Vertretern, die Bestätigung der Mitgsseder in den Ausschüssen in der bisherigen Zufa»?nn«nsetzung und Beschlußfassung über Tag und Stund« der ordenttichen Sitzungen. Das Rundfunkprogramm. Sonntag, den 3. Janaar. > Ohr tottn.: Morgenfeier. 1, w!) Tin«!: Nenotoo e», 0er Isoretomesse, h) Thiel: Äderte fideler, alte Weihnaehtrmelodie, e) Reimann: Wiegenlied der Hirten, d) Reimann: Snsani Snrani, e) Hisch; AltbOhmirehes Weihnachtslied ICbor der St Sebastian- kirohe. Leiter; Johannee Bnkowaki). 2. a) Sanot« Virgo Vi rginnm. nach ainer geistlichen Volksweise, b) Schlaf, mein Kindelein (16071, e) In den Uesen, geistliches Lied der Rönnen am Rieder- rhein(die drei letsteren für Lante nnd Violine, gee. v Pflster), dl Knat; Ich wollt1 mich der liehen Maria Tennieten ff'lr Lante nnd Violine, gee. ron Aniela Ssnbert) fAniela Smbert, Gesang; Jobannes Lasowski, Violinel. 12 Uhr mittags s üabertragnng der Ansprachen anl&ßlich der BrBffnnnp des Sendebetriebes Stettin. 1. Wagner: Eftnxng der GSsta, ans„TannhSnser*(Orchester anter Leitnng das Kepelhnelstere Hermann Seheibenhofer). 2. Dr. Magnnr. Vorsiteender des Anfsiehtarata der Fnnkstonda A.-G. 8. Staatssekretär Dr.-Ing. Hans Bredow. 4. Werner, President der Obarpoetdirektion Stettin. 5. Bnellenm Lipp mann, OberprSsident der Pro rina Pommern. 6. Piek, Börgormeister der Stadt Stettin. 7. Direktor KnApfke ron der Pankstande A.-O, Berlin. 1 E. Bach: JobeloarertAre. 120 Bbr nachm.: Schaehfank(E. Rebermann). 1 Uhr nachm.: Reg.- Rat Dr. Zacher:»Vogelsehnts im Garten*. S.SO Ohr nachm.:»Das Muri kantend orP and Pank- heinzelmann sacht seina Zipfalmütee". Ans dem Boche»Pank- heinselmann. der Waoderbarscbe*. ron Hans Bodenstedt, enihlt ron Pnnkheinrelmann. 4.30— 0 Uhr nachm.; Raohmittagakonzert dar Berliner Fnnkkapelle. Leitnng: Konsertmeirter Perdy Kanff- man. Unter Mitwirkung ron Bertheld Reiöig(Lieder snr Lante). 7 Uhr abends; Max Oohen-ReoB, M d. RWR.:.Dia wirtschaftliche Annhherang der enropUsehen Völker". 7.48 Uhr abends: Hans- Bredow-Schale(Bildangekarse). Abtsilnng Masikwisseneohaft. Dr. Jamas Simon:»Dia neozeitlicbe Klariermnsik". tJO— 10 Uhr abends: Orchestarkonsert unter Mitwirkung ron Michael ▼. Zadora (Klarierl. Dirigent: Bruno Seidler- Winkler. Blnleitende Worte: Bruno Kästner. L Waber: Onvertäre an der Oper»Der Frei- sobnta*. 2. Waber: KonaertstAok P-M«ll(Michael ▼. Zadora). 3. Momart: O-Dnr-Konasrt(K. V. 467). Allegro maestoso— Andante— Allegro rirace(Michael t. Zadora). 4. Boethoren: III Sinfonie(Broioa) Allegro eon brio— Maroia fnnibra— Soherso— Finale. Berliner Fonkorcheeter. AnsebliaOend; Bekanntgabe der neusaten Tageanaohriohten. Zeitansage. Wetterdienst. Sportnachrichten, Theater- nnd Film dienst. 1140 bis II Uhr Tanamnsik. Könlgswusterhansen, Sonntag, den 3. Januar. 11.30— 1160 Uhr nachm.; Konzert Mitwirkende: Gertrad Hirsehfelder-Langer. Sopraiij Dirk Magr4, BaO; Otto Hotseben- renter, Celle; am Flöge]: Hans Matthias. 1. Oorelli; Sonate für Gallo and Klarier, Praalndio— Allemande— Sarabande— Gigue (Otto Hatsshanreoter, Hans Matthias). 1 a) Pergolsse» Rine, b) Weber: Rondo:»Ja, der Angenbliok erscheint*.«) Dassaner; Mach auf, Bolero(Gertrnd Hirschfelder» Langer, Hans Matthias). 3. a) Momart: In disten heiligen Hallen, ans»ZanberflAts*, b) Brehm i I passed by yonr window(Dirk Uagrd, Hans Mattbies). 4. Matthias i Scherzo rar Klarier(Hans Matthias). 6. s) Haydn; Duett ans»Dia Schöpfung*(Tears Gattin), b) Moeart; Duett aas »Die ZaaberflOts*(Bei M&nnsrn, welche)(Gertrud Hirschfeldsr- Langer, Dirk Magrd, Hans Matthias). 6. a) Roren: Beroense, b) Popner: Maanrka(Otto Hatsohenrentor, Hans Matthias) 7. a) Boll; One Vaderland, b) Mol; Ik ken en Lied(Dirk Magrd. Hans Matthisa). 8. Rossini: Aas dem»Stabat Mater*(Gertrud Hirsehfelder-Langer, Ott« Hatsehenreater, H. Matthiao). 12.00 Uhr mittags: Esperanto. Montag, den 4. Januar. AnDer dem öblichen Tagesprogramm: 4 Uhr nachm.: Rorellen.»Norelle* and»L'Arrabiata* ron Paul Heyes. Gesprochen von Johanna Mayer. 6.15—6 Uhrnsohm: Nachmittagskonzert der Berliner Funkkapelle. Leitung: Konzertmeister Ferdy Kaaffraan. 6.40 Uhr abends: Zehn Minuten für die Frau. 7—7.48 Uhr abends: Hans-Bredow-Schnls(Bildungskurse). 7 Uhr abends: Abteilung Technik. Ingenieur Joachim Boebmer: »Techniseher Rückblick auf das Jahr 1925* 7.25 Uhr abends: Abteilung Spraohnnterrioht. Französisch(Professor O. Colson). 7.56 Uhr abends: Geh. SanitStsrat Dr. Albert Moll:»Ueber OeonHdstnua*. 8.80— 10 Uhr abends: Konzert. 1. Schubert: a) Der DoppelgSnger(Heine), b) Auf dem Wasser zu singen(Graf zn Stollberg), e) Wanderers Racktlied(Goethe), d) Die Forelle (Sohubart)(Alfred Wilde, Tetior; am Flügel: Klara Krause). 2. E. Sehütt: Saite op. 44, Allegro resolato— Scherzo viraoe— Presto — Canzonetta con Variation,— Moderato assai— Rondo ä la Russe— Allegro vivo(Prof. Rcbert Zeiler, Violine; Klara Krause, Klavier). 8. Aus Dichtungen und Briefen von Frank Wedekind (Eva Gottgetreu. Rezitation). 4. E. J. Wölfl: a) Ich bin eine Harfe(Morgenstern), b) FSden(Wertheimer), e) Erster Schnee (Morgenstern), d) Das mitleidiga M&del(Falke), e) Einen Komme, lang(Liliencron)(Alfred Wilde). 5. E. Sehütt: Vier Stücke op. 62: s) Arietta, bl Serenata, o) Mdlodie berceuse, d) Mazurka (Professor Robert Zeiler und Klara Krause). Anschließend: Bekanntgabe der neuesten Tagesnnchrichtcn. Zeitansage, Wetterdienst, Sportnachrichten, Theater- und Filmdienst. wieder 20 Selbstmoeöe. Am 31. Dezember und am L Saimar find 20 Selbstmorde und Selbstmordversuche registriert worden. Di« Frauen deginnen m der Selbstoernichtung den Männern den Rang abzulaufen, von den 20 Selbstmördern gehörten 11 dem weiblichen Geschlecht a»t. Unter diesen dominieren wieder die älteren Frauen: K Frauen hatten das Alter von 40 Jahren überschritten— nur eine hatte noch nicht das 20. Lebensjahr erreicht. Wie gewöhnlich waren es Familienstreitigkeiten, wirtschaftliche Sorgen; in einem Falle handelte es sich um eine junge Hausangestellt«, die Ihren Dienst verlassen mußte; im anderen war es eine psychisch Kranke, die für die Feier- tage aus der Irrenanstalt beurlaubt war u?td durch einen Sprung aus dem Fenster Ihrem Leben ein Ende machte.— Das Alter der Männer oariiert von 20 bi» 02 Jahren. Ein 20jähriger Schüler nahm stch da» Leben aus wirtschaftlichen Sorgen, au» dem gleichen Grund« tut diese» ein SSjähriger. In drei Fällen sind es Liebesbeziehungen, die die Männer den Tod suchen läßt. In einem Fall nahm sich ein schwer Betrunkener, der eben erst das Lokal verlassen hatte, durch einen Schnitt mit dem Rastermesser in die Kehl« da» Lebe?».— Man kann wahrlich schon von einer Selbst- mordepidemi« sprechen. Die Widerstandsfähigkett der Menschen gegen Unbill jedweder Art ist derart geschwächt, daß sie das Leben einfach von sich werfen, anstatt den Bersuch zu machen, die Hinder- nisse zu überwinden. Die Zahl derjenigen, die stch aus Nahrungs- sorgen da» Leben nehmen, die doch wahrlich groß genug sind, scheint verhällnismäßlg gering zu sein. das �anü üer Henossensihastsbewegong. Bor der Konsumgenossenschast Berlin sprach gestern abend in den Sophiensälen Prof. Dr. Hans Müller, Jena, über»Das finnisch« Volk und seine Genossenschastsbewegung.' Nach einer ein- gehenden Schilderung de» Landes, da» er au» eigener Anschauung kennt und nach einer genauen Analyse de» volkscharokter» führt« Prof. Müller ungefähr folgende» aus: Der Geda»cke der Genossenschast wurde in Fr?»nland erst vor dreißig Iahren zum erstenmal propagiert. Ein junger Privatdozent von der Universität Abo, Johanne» G e p h a r d. leimt« auf seinen Studienreisen tn Deutschland und Großbrilantnen da» Wesen der Genossenschaften grundlegend kennen und sah ein, daß nur der ge- nossenschastliche Gedanke dem sinnischen Volk die wirtschaftliche Frei- eit retten könnte gegenüber dem erdrückenden Einfluß der schwe- ischen und russischen Wirtschast. Nach Finnland zurückgekehrt, gelang es ihm in kurzer Zeit, maßgebend« Kreis« für sein« Idee zu in- teressieren. Bon Abo au» wurde der genossenschaftlich« Gedenke systematisch propagiert, und im Derlauf von zwei Jahrzehnten war das ganze Land mit einem Netz von Genossen- fchaften überspannt. Augenblicklich besitzt Finnland 4000— Deutschland dagegen nur zehnmal sooiel,— ein« ungeheuere Leistung bei einem Drei??»1llionenvolk. In Finnland gab es kein« Experiment« wie in anderen Ländern. Erst?»ach eingehender, wissenschaftlicher f rllfung wurden Grundsätze angenommen, u?»d da alles von einer tadt ausging, erhielt dos finnisch« Genossersschaftswesen eine völlig einheitliche Struktur. Die Grundlagen bilden heute noch die genossen- schastlichen Schulen, die von Abo au» in den Städten und auf dem Lande errichtet worden sind. Niemand darf eine Stellung bei den Genossenschaften einnehmen, der nicht diese Schulen während zwei Jahre bis zur Abgangsprüfung besucht hat. Die Genossenschaft ist in Finnland eine Kulturidee, ein Ideal. Dem Finnen schwebt etwa vor, sein Volk mit Hilfe der Genossenschaften frei und groß zu machen, deshalb sind hier alle Einrichtungen besser u?»d fortgeschrittener als in Deutschland. Alle Betriebe sind mit den modernsten technischen Errungenschaften ver- sehen. Und mit Hilf« der Genossenschaften beginnt sich Finnland langsam und sicher aus dem Weltmarkt durchzusetzen und ist in der Lage dl« Weltmarktpreis« zu u?tterbl»ten. Die ganze finnische Wirtschaft ist von genossenschaftlichen Ideen durchdrungen, hier herrscht kein Gegensatz von ländlichen und städtischen Genossenschaften, alles unrd von einem einheitlichen Ge» danken getragen. Finnland hat heute sein« Lehrmeister weit über» troffen und kann Deutschland als Vorbild dienen. Anfälle der Glätte. Der tn den gestrigen Morgenstunden ein- fetzende starke Schneefall brachte eine große Anzahl von Personen zu Fall. Viele Verunglückt« mußten mit mehr oder minder starken Btrstauchu??gen und Kontusionen die Hilfe der städti- schen Rettungsstellen In Anspruch nehmen. Ein besonders sch?v«rer Fall ereignet« stch tn Tharlottenburg In der Krlimmen Straß«. Hier ruischt« der Kaufnwnn Fritz Urban, wohnhast Krumm« Straße 38, beim Ueberschreiten de» Fahrdamme« au« und zog sich einen schweren Oberschenkelbruch zu. Der Der- unglückt« wurde durch einen Wagen des städtischen Rettungsomtes nach dem Krankenhau» Moabit gebracht. Ahrensfelde: All« Parteigenossen, dl« den Friedhof in Ahrensfelde besuchen, werden daraus ausnRrksom gemacht, daß das Lokal des Genossen Julius Schneider da» ei?»zig« Partei, l o t a l in der Röhe des Friedhofs ist. vas Nachlassen des Hochwassers. Duisburg und Kalkar jedoch schwer bedroht. Die Nachrichten an» de« Ueberschlvemmnag-gebieleu beginnen an» den oberen und mittleren SKomgebleien luversichtlicher und ruhiger zn lauten. Fall» rächt za dem bestehenden noch neue» Unhell hinzukomml. darf nmn damit rechnen, daß jeder weitere lag den lleberschrvemmlen Erleichterung bringe« wird, hingegen sind die Städte der Niederung von Katastrophen bedroht. Besonder, qe- söhrdet erscheinen in de« letzten Stunde« Duisburg nnd die oiederrhei nifche Stadt Kalkar anterhalb Wesel. Sehr beunnitp. «nd« Nachrichten kommen«wch an» Holland und Belgien. Au» Frantfurt a. M. wird vom Oberlans de» Alain», an, Koblenz vom Rhein, an, Magdeburg von dem Hochwasser. >« bie.l de, harze,«in Sailen der Wässer gemeldet.! Duisburg, 2. Januar.(Tu.) Am heutigen Vormittag Ist da, Hochwasser des Rheins und der Ruhr infolge des anhattenden starken Regens noch welter gestiegen. Mittags zwölf Uhr zeigte hier der Rhempegel n e u n M e t e r. Das Hochwasser hat da?nlt den Wasser» stand von 1882 mit 8.02 Metern bereits weit überschritten Di« zahlreichen vom Rheinstrom zurückgezogenen Dampfer und Lastkahne ragen mit den Bordwänden weit über Straßenhöhe. Der außer- gewohnlich hohe Wasserstand macht sich auch für Du?»bürg. Ruhrort gesahrdrohend bemerkbar. In Duisburg-Meide» rich verursachte der hohe Wasserstand ein starkes Anwachsen des Grundwasser». Köln. 2. Januar. Wolff» Westdeutscher Provinzdienst berichtet au» Kalkar: Da, Hochwasser beainnt hier zu einer Kata» stroph« zu werden. Den ganzen Tag über war man mit der Räumung der unteren Stockwerk« beschäftigt. In der vergangenen Nacht wurde der Marktplatz von Wasser uberflutet. Der Verkehr aus den Straßen wird nur noch mittel» Kähnen aufrecht erhalten. Die Verbindung mit dem Rathaus ist dur-b eine Brücke hergestellt. Das Immer noch steigende Wasser bedroht die noch freien Straßen. Krefeld, 2. Januar.(MTB.) Heute mittag gegen 12 Uhr durchbrach das Wasser den Damm bei Büderich bei Reuß. Das Wasser strömte mit großer Gewalt in die Niederungen und überflutete weite Strecken. Die Gefahr für die in den Ueber. schwemmungswiesen liegenden Gehöfte und umliegenden Ortschaften »st außerordentlich groß. Amsterdam, 2. Januar.(WTB.) Die Ueberschwemmun- « n von Maas und Waat scheinen sich zu einer großen atastrophe auszuroachsen. Nach den letzten Nachrichten ist der Cisenbohndamm zwischen Ravensberg und Wischen und der Damm bei Cuijk durchbrochen. Mit großer Schnelligkeit strömen ungeheure Wassermengen in die Provinz Ost-Brabant. Die Stadt B e n l o steht vol Iständig unter Wasser. Cinfcmtamgtti für dir!«•■irlt st»t> «ttHa SB.«8. Siabnttra»! I. Parteinachrichten für Groß-Sierlin Net»», da»®«jict»trtr»tnrl«t i. bot. i Ter», recht»,»a richte» 1. Ätti« Mitte,©teneto«. 5. Iai>«r. 7>4 Mr.«rwei irrte tt-riavorNernb». fchuna bei Dodroblo«. Swinemünder Str. II. «. jtrci» Pren, lauer Bera. Die fftaftiflnslitiuna der Begirisver-rdneten am Montaa. i. Januar, beginnt illfol« der allgemeinen KunttionSr- versanimlung vünttlich dich Uhr. I.«rei» Wilmer»d»rf. Dienstag, d. Januar. S Ubr. Sitzung de»«narren Areisooriiandez mit den Adteilummleiiern bri Kraih», Halfteinisch« Str.«0. tt. Ztrri» Schtneberg.isricdrna». Dieneiaa. d. Ianuor. i Ubr. in der Sve- diti-n Bettiger Stratze Sitzung der«eitunaatoinmissia».«II-«dteAungen müssen vertreten sein. ttz. Krei» Tempelbos. Marie nderf.«arienseldr. L>cht-»l«d«. Montag. 4. Januar, 744 Uhr. wichtig» ffraBUniftkung im««nmi?wnslitzuna»sagl. Temveldof. Dorfstratz». 77. Kreis Lichtrnberg. Dienstag.». Aanuar. 744 Ubr. Kreismitgiiederver. faminlung in der Aula der Mittelschule Lichtenderg. Markt Ür. 10/11. Bortrag:„Dir kulturelle« Abgabe» der Ardeiterdewegung. Beserent: Emil Barth.— Mittwoch.«. Zanuar. 744 Uhr. Krrisvorstandssstzung tn der Biblio:l»e7 Weichselltr. A..„ M. Krei» Rcinichendors. Di« für Montag. 4. Zanuar. angesetzte Mitglieder. Versammlung. Thema:..Die kulturellen Ausladen der Arberterbewegung'. sind« umitinbehglder«ort am Montag. IL. Januar, im Schütz- ndaus, Zkeinutradors-Osh Berliner Str. Vi. statt. heute. Sonntag, den 3. Zanvar: 54. Abt. Ebarlattenburg. vormittag» t Ubr besondere fflugblattverbreitnug bei Joskowiak. Soltzenborsfsir.«. Alle Mitglied«! baden sich im beteiligen. KL Abt.«riebe na». Alle Mitglieder betrilrge» sich g» der Bersammlung t» d« Schlotzb:»tuerei Schdnederg»srmittaas lolb Ubr. IS. Abt. ZtcotSll». Vormittag« 10 Ubr treffe» sich alle?un!tto»Lor bei Erreger. Lesstngür. 0. Dienstag, den 5. Zanuar: 77. Abt. 7 Ubr beim Abteilungsleiter. Kovenbagener Str.>i, «rurwrnfübrcr._ � Abt.» Ubr«unktionSrlltzuna bei Burg. Bremtk-n-r Alle« w. Abt. 744 Ubr bei Bartul».«riedrnstr..»� Sitzung----- Sehr D.chtrae TagesordrumE it. a. teilunasleitung. «l. Abt. 744 Ubr im Lokal Venskr. orbenNrch« Zunltionürützung und Be,irk«sübrrrn. Mchtiae nm. Mnutag, 8. Saeewr. I Uhr, wr üeUmmurf«ab». Danbieroktr. 90/81, Lichibildero ortrag:..«rauenkrankbeitrn. Cbre sostal. bnaienischc Bedeutung und ibre Beßtmvfuiu»". Referent: Dr. Ztoeder. 94. Abt. Lgllkwl». Montag, 4. Januar, L Ubr. bei Ledmann, Kaiser-Wildeü». Stratze A/Zl. Jrauenadend. � Sterbetafel üer Groß-öerliner partei'Grganisation\ 3. Abt. Unser Eenoss« Karl Saopel ist am M. Dezember verstorben. Kire seinem Andenken. Die EinZscherunq find««m Montag, 4. Januar. abend» 6l-, Ubr. im Krematorium Baumschulenweg Natt. 27, Abt. Am Mittwoch. 90. Desember, frllb. verslarb uns« alter treuer Genosse«ritz Mdelel, Sonnrnb:rraer Str. 4. Einäscherung am Dien»>ag. 5. Januar, nachmittags 2 Ubr, im Krematorium Eerichtstratze. Wir bitten um Mblr»...... > vwtzNch unser««rnoINn Gertrud Montag. 4. Januar, abend» 9 Uhr. en um reg« Brnilianng. reiche Beteiligung. 99. Abt. Am 29. D««mb« uerssmb Bao», Schrnn«str. bt. Einäscherung am tm Kremawrium Eerichtsttab«. Wir bitten........... 48. Abt. Uns« Eenoss« Richard Teich«ürssenstr. 16. ist am Mittwoch »ratzlich verssorben. Einäscherung gm Monwg. 4. Januar, nachmittag» 9 Uhr. im Krematorium Baumschulenweg. Wr erwarten /mhlreiche Beteiligung. 118. in» 119. Abt. Lichtenberg. Unser alter Eenosse August Neinnaem. «ranlfurier All« SU, ist am 29. Dezemb« verssorben. Einäscherung Montag. 4. Januar, nachmittgg« 2 Uhr. tm Krrmatorium Baumschnlcnwog. Um«ahs. «ich« Beteiligung wird gebeten. hindert ünb. wollen sich bitte entschuldigen. . Abt. Ebarl-tt-nb-rg. 74b Uhr d« der«enossi»» kratz« ZV, Gartenbau» varter». isunitionSrsstzung. Mittwoch, den S. Zanuar: 71«dt.«ilmrr»dors. 8 Ubr Sitzung«Oer Angustaltr. 6. M. AM. r" Schenke lowot». Meigel». Thiel», Berlin« rder» eingeladen. bei «r.«. Riederschilleweib«. 744 Ubr tdandssstzuna. Dt« Revilooe» sind besonder» 27. Abt. Xmffjmnft 10. Januar, vormittag» bi» loäteltrn» Mittwoch.—---- Schmidt. Tegel« Str. 81. erdete».«« grStzer« T: ein» Ettatzenbabn b«st«llt.... �.___ 104. Abt. Stein tchendors.oss. BenAHntnoI Donnerswg. 7. Januar. 744 Ubr. Bartttv-rlammwng all« Staat« und«ommnnalbeomtell tm Lokal Uhltg, Rmnich-Ndorf. Resldentssr-tz« Eck« Schdnbolzer Weg. ragesordnungr tat vesschtiauna d»«rbeiterwohlfadrtnuM»,»,«n ittog» 10 Uhr. am«ugllssrndurger Bl-tz. Anmetdun«. llittwoch. 9. Januar, abend« 7 Ubr. beim Genossen nahm« wird evtl. Sioferent: Lerrmann. Mit» ..Schwedend« Beamtensoagen' aUedsbuch legitimiert. SnngsottllUsse».»eupv«»Ute: veut«. Sonntag, 1 Januar, 744 «demaligen Lanboarmeindehgu». Sovbienssr. 27. Mbeler Abend. Karl Reichert.— G-neo«»eintckendors: Montag. 4. Januar. 744 im Seebad Reinickendors.Oft. Ressdenzssr. 40. Achtungl Der Kursus „Einführung in den Statrixim»' findet umständehalber erst gm u. Januar statt. Dafür am Montag Bali lisch« Auosvrach«.— Eroup« Tiergnrteu: Rächst« Zusammenkunft: Mittwoch. 9. Januar. 8 Uhr. in h« Borwärt»- speditton Dilhclmsdavener Str. 48. Kortsetzuna der Auslooach» üb« Probleme d« Soziavgi«. Gäste willkommen. ........---—--- 744 Ubr.»elw. vorn. Thema: : 044-744 Ubr Sviel und Tan». � Arauenvertmslaltuagea: 1 Abt. Montag. 4. Januar. 7 Uhr. im Saal 7 de»«rwerffchattsbanf«. Enaelufer 24/28. Setter« Abend mtt Musik und Ruitattone». vortragen. der: Eenoss« Theo Maret. 74. Abt. Jehlend« es. D« Leseabevd findet diesmal nicht Montag, londarm Dienstag. S. Januar. 7 Ubr, bei Schnorre statt. rmovieme o« wo,:»«»>«. wan» wllloommrn. 0kb«it»oem-::nschast der»tndersreuod«. Mittwoch. 7. Zanna«. 744 »«sammlung tm Jugendheim Lindensir. 1 7. Sos 7 Trerv .TSa» bedeutete Weib nachten für uns«» EtiawenT* Bon l Heute, den 3. Januar, vorm. IO'/i Uhr spricht in der Schlohbrauerei Schöneberg, Haupt. fftafoe 122/123, der englische Bergarbeiterführer Reunie Smith, Mitgl. de» eugl. Parlaments über Die englische Arbeiterbewegung Zahlreichea Besuch, auch au, den Zlachbarkreise», erwarte» SPD. Schöneberg»5rieüenau Gäfle. durch Mitglieder eiugrsührt. habe« Zutritt I �ugenüveranstaltungea. ... nimmt am Montag, den 4. Jan«. 1%«he. 8» Jngend. heim Lindenssr. 8 sein« Uedungsabenbe«ied« auf. Karte»»» ermätzigten Peeis« für Sonntag, de» 17. Januar. Jtta* an» der neuen Weltt' im Saal d« Phicharmont« sind tm Jugendsekretariett erhältlich. heute, Souatag. de« 3. Zauuar: ««»«>1 Da» Jugendheim Lindenftratz» iss abend» ob 7 Ahe geAffnet. Bunt« Abend. Dienstag. 8. Januar. Heimabend tm Iugendbet» Bell«. Allianee-PIa» 7. Abteilungsmilgliederversammlungeu morgen, ZNoutag. 7V, Uhr: I: Schul» Sirmensssr. 70.— Maab« 77, Eikvhan»vlatz.— Osten Str.-B.: Jmgendbeim Dotzlerssr. 8t.— Südol S..V.: Reichender«« Str. 88.— Westen: Zugendheim Äeuvtssr. 17, RheinOnndoimmer. — ternwdork: Schul« Roo» stratze. Vorträge, vereine unü Versammlungen. ßJLn, Reichsbanner»Schivar; Rot�vold". ■Ijffly»eschäft, stell«: Berlin 6.14. Sehassianssr. 77«. So, 0 Tr. Gau vorstand. Der Verk-Uf der vorhandene» Restbestäno« an Wind» socken usw. wird bi» 18. slanuar oCTlänoert.— Berti». Mitte. 8.. I Ubr. BoneUrt. 7. A»»la»d«de»tsche» find« Dienos«. 8. Januar. 8 Ubr. im Saaldau Jliilnlch, bain statt. Rur Mitglieder haben Jutritt. Jreide»k«-Bo>k»bochschul«. Dienstag. 8. Januar. 744 Uhr, Atkantsche« Enmnassum. Hallesch« Str. 26(am Anhalt« BahnboÖ. Maria Krisch«:„Sho- und srainilienmoblem im Proletariat'. Senmalvnsammlung de» Bundes der kiiderreichen ifamilie», Be». Mltztil»» Miiin och. 18. Januar. 8 Ubr, Cchulaula Wiesen. Ecke Erengssratze. süldoristtz iiti»ti I dii sxtzursu-, tnmdie ye 10. 1. ad Potsdam. Dv- parto de Charlottenburg ye 8,16 kloki, de Potsdamer Bahnhof 8.23 kloki. Ni ronkontros en Potsdam. Ni kordiale invitas omna laborista Idisti de Berlin. Laboristal-Ido-Uniono. Gejcbästlicbe Mitteilungen. V«lin steht im Zeichen d« Jnventuvansoerkänfe. Auch die«cktbeS-nnte Jirma Stesan Esders, Kaiser-Wilheim-Str. 88, Eck« Spaudau« Str. Ii, biet« ib«n Kunden durch«nrn zeitgemätzen Jnventurvorkauf vom 7. bi» 19. Januar«ine selten günstige Eelegrnbeit im sehr vorteilhoft« Anschaffung von Betleidungsgegenständen aller Art. insbesondere»an Serren-, Damen» und Ai::d«gaod«obe. Es komuit«in« grotz« Auswahl mm Verlauf, wesdalb «in un»«d>ndlich« Besuch de» Geschäftes sehr m«moieblen Ist. Der Jnvellturausverkons der seit 1894 bestehende« Kirma Mar Mveemt», m""~..._--. Sanbsb«aer Str. 59, am Damentonscktion, beginnt am 4. 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Ist das Ausscheiden zahlreicher Unternehmungen und Unternehmer- existenzen ein notwendiger„Reinigungsprozeh" innerhalb der durch die Inflation ausgeblähten Produktions- und Handelsbetriebe der deutschen Privatwirtschaft, so zeigt sich, 1. daß diese Aufblähung am allerwenigsten die Genossen- schaften ergriffen hat und 2. daß deren Wirtschaftsform die zukunftsreichsten Aussichten besitzt. Die Konkursstatiftik des Reiche« spricht in dieser Hinsicht eine äußerst beredte Sprache. Bracht? das erste Kriegsjahr 1S1< einen erstmaligen Hochstand der Konkurse mit der Zahl von 7849, woran aber nur 77 Genosienschosten beteiligt waren, so zeigt dos Instations- jähr 1923 mit 263 Konkursen, wovon nur 6 die Genossenschaften trafen, einen Tiefgang, der ein ebenso anormales Bild unserer Wirt- schaft zeigte wie die Tausende von neuen Unternehmungen, die wie Pilze aus der Erde schössen. Die Jahre 1924 und 1925 ließen durch das Festhallen der im November 1923 begonnenen Sanierung unserer Währung keinerlei Zweifel über den treibhausartigen Charakter der deutschen Privat- Wirtschaft übrig. Mit 6933 Konkursen im Jahre 1924, wovon 87 auf die Genossenschaften entfielen, näherte sich das Jahr dem„Rekord� des ersten Kriegsjahres, und das Jahr 1925 wird mll rund 12 909 Konkursen, wovon etwas über 199 auf die Genosienschosten entfallen. das Bild eines Reinigungsprozesses geben, in dem die genossen- schastliche Wirtschaftsform als die solideste und zweckmäßigste sich bewährt hat. Denn bei 53 999 Genossenschaften oller Art kaum mehr als 199 Konkurse in einer Zeit, wo ganze Konzerne, die größten Altiengesellschaften, ehemals bestfundierteste und größte Cinzelurtlernehmungen der Privatwirtschaft wie Kortenhäuser von dem Wirtschastssturm umgeblasen werden, das ist ein Zeugnis von Kraft und im Wesen der Unternehmung wurzelnden Stärke, welches die genossenschaftliche Wirtschaftsform als die ge- geber.e der gesellschaftlichen Wirtschaftsverfassung erscheinen läßt. Was insbesondere die Konsumgenossenschaften anbelangt, so zeigt sich, daß bei den 29 bis 39 im Jahre 1325 vorgekommenen Konkursen nur solche Gebilde nicht lebensfähig waren, die von vornherein rhne jede Sicherung durch oerbandsorganisatorische Verbundenheiten ein Eigenleben— vegitierten, das sie dem Wirtschastssturm ebenso preisgab wie Einzelunternehmungen der Privatwirtschaft. Reben der ökonomischen Ueberlegenheit der genoss enfchastlichen Wirtschaftsform zeigt sich deren organisatorische in geradezu glän- zender Weise. Zu Tausenden schössen neue Unternehmungen der Privatwirtschaft hervor, während zu gleicher Zeit ein.Rückgang' der Konsumgenossenschaften zu verzeichnen war. Dos kam nicht von ungefähr. Denn die konsumgenossenschastlichen Landes- und Zentralverbände hatten bei Beginn der Jnslationsperiode den durch den Krieg hervorgerufenen Stillstand in der Gründung von neuen Genossenschaften als zweckmäßigste Sicherung gegen die herauf- ziehenden Gefahren erkannt und die Konzentration zum orga- nisatorischen Prinzip der Bewegung erhoben. Wo irgendwie ein Zusammenbruch infolge falscher Einstellung einer Derwallung auf die Scheinblüte der Wirtschaft drohte, wurden alle Hebel genossen- schaftlicher Solidarität zur Anwendung gebracht, um denselben dadurch zu verhindern, daß die bedrohte Genossenschaft Mit der nächstgelegenen stärkeren, lebensfähigeren oerschmolzen wurde. Und wenn das Experiment nicht überall und immer gelang, weil der Wurm schon zu tief gefressen hatte und gegebenenfalls eine empfind- liche Schwächung der übernehmenden Genossenschaft zu besorgen war, so blieb diese Erscheinung auf Ausnahmen beschränkt. Diese beinahe selbsttätigen Wirtschaftskonzentrationen bedeuteten und bedeuten gerade während der Inflations- und jetzigen Wirt- schastskrise eine außerordentliche Stärkung der konsumgenossen- schaftlichen Bewegung, denn die Verringerung der Zahl der Genossenschosten war von einer außerordentlichen Steigerung der Mitgliederzahl begleitet, welche der Wirtschaftllchteit des genossenschaftlichen Unternehmens zugute kam und kommen mußte. Es war zur rechten Zell, denn die Jnflationsperiode war bei dm Konsumgenossenschaftm mit einer erheblichen Vermehrung der Berkaufsstellen verknüpft, welche immerhin stärker war als die nor- male Mitgliederzunahme. So bot das Konzentrationsprinzip min- destens einen Ausgleich für die teilweise Aufblähung des genossen- schastlichen Wirtschaftsapparats, und die Wirkung davon zeigt sich nun bei einem Blick in die Konkursstatiftik, welcher das Urteil ermöglicht, daß die gnossenschaftliche Wirtschaftsform weitaus am besten von allen Unternehmungen den schweren und schwersten Wirt- schastsstürmen gewachsen ist. Die Aussichten, die sich durch diese Tatsache für die wettere Entwicklung der konsumgenossenschastlichen Bewegung eröffnen, sind die denkbar günstigsten. Denn allmählich wirkt sich der Materialis- mus der Dinge immer stärker auch im geistigen Bewußtsein der Massen aus und, elementar in Bewegung gesetzt, geht's mit Riesenschritten dem Ziele zu, nachdem das Schneckentempo durch das eherne Muß der Rotwirtschaft überwunden war. Die düstere Zeit einer noch nicht absehbarm Wirtschaftskrise muß — nun erst recht!— den Willen und die Energie zum Kampf für eine bessere Wirtschaftsform beflügeln und stählen, die so ihre Ueberlegenheit demonstriert hat. Es ist die genossenschaft- liche. Genossenschostsgesetzgebllng. Im Reichsrat ist soebm° eine Novelle zum Genossen- schaftsgesetz aufgenommen worden. Es handev sich, wle die .Konjunktur-Korrespondenz" erfährt, um die Dorschrist über die Mitgliederzahl einer Genossenschost, bei der die Wahl einer Der- treterversainmlung an Stelle der Generalversammlung notwendig wird. Nach dem bisherigen Gefetz mußte bei einer Mttgliedjchast ncn 19 090 und mehr die Vertreteroersammlung anstatt der s näheren Generalversammlung eingeführt werden; bei 3999 bis 19 999 konnte dos geschehen. Beide Zahlm haben sich nach dm Erfahrungm als zu hoch erwiesen und werden daher durch die Novelle auf 399 und 1500 herabgesetzt. Wenn diese Novelle durchgeht, wird auch eine große Zahl von Krediigenossenschaftm dazu übergehen müssen, Bertreterversamm- lungen zu bestellen. Ueber die Art der Bestellung dieser Vertreter- Versammlung ist in dem Gesetz selbst nichts gesagt, doch bietm die Erfahrungen bei dm Konsumvereinen auf diesem Gebiete bereits eine sehr gute Grundlage.__ Sroßbankeaoptkmksmus. Gegen einseitigen Krisenpessimismus ist die D r e s d n e r B a n k in ihrem letzten Monatsbericht zum 1. Januar zu wirken bemüht. Die Ausfuhr habe ihrem Nominalwert nach die Vorkriegs- ausfuhr erreicht. Die Passivität der Handelsbilanz be- trage im November nur mehr 65 Millionen gegmüber 228 und 278 Millionen im Oktober und September, wobei der anhaltende Rückgang der Fertigwareneinfuhr bemerkenswert sei. Der Stand der Produktion in den Schlüsselindustrien mtspreche wieder etwa Friedensverhältmssen. Die A r b e i t s i n t e n s i t ä t z. B. im Ruhrtohlenbergbau ist nach dem Bericht im November 1925 sogar höher gewesen als im November 1913: eine Belegschaft von 409182 Mann Hobe 1913 bei 8f1.Stundcnschichten pro Kopf eine tägliche Förderleistung von 884 Kilogramm, 1925 dagegm bei Acht- jtundenschichten und einer Belegschaft von nur. 400 500 Mann eine Txgesförderleistung von 888 Kilogramm aufgewiesen. Die Ein- nahmen aus der Umsatzsteuer lasse im November auf einen um "5 Proz. höheren Güterumschlag gegenüber dem Monat September schließen. Gerade die letzten Wochen hätten große K a slandstredite gebracht: allein 67 Millionen Dollar für fünf große Jndustricgesellschaftcn. und zwar zum erheblichen Teile nicht ilberglbl man nur dem Nachweis des Deutsch. MuslkerverbandeS, Serlin 027. «ndieaSsir. 21 fstänigilaM 4310, 4048>. GelchSsiZzeil»bis 5. SonnlagS 10 61« 2 Uhr. Auf Wimfch Bertreterbefuch aus Amerika. Die wachsende SpartStigkeit lasse aus eine bessere Versorgung der Produktionsmittelindustrie hosten. Es ist zweifellos nützlich, bei der heutigen Krtsts jedem Pessiml- mismus entgegenzuwirken, der die Initiative zur Beseitigung der Krise lähmt. Es will uns aber scheinen, als ob die von der Dresdner Bank beliebte Beruhigung dieser Jnitüttwe wenig zu fördern geeignet ist. Die Arbeiter- und Angestelltenschast liegt zu Millionen auf der Straße, obwohl die Arbeitointensttät in den Betrieben mindestens die der Lorkriegszeit ist. Und obwohl die Passioitöt der Handelsbilanz sich verringert hat, geht die Beschäfiigung der Industrie in einem unheimlichen Tempo zurück. Wie die Beschäfti- gung der Industrie ausreichend behoben und die Arbeitslosigkeit gebremst und beseitigt werden kann, dafür fehlen bis heute schlechthin alle Gründe zur Beruhigung. Wege weisen, die Krise durch aktive Politik zu lösen, wäre heute wichtiger als Beruhigungs- manöver, die über den Ernst der Lage hinweg- täuschen. Es mag den Großbanken zwar nützlich sein, wenn der Krisenpessimismus nicht zur Panik führt. Denn auch die Großbanken haben jetzt nur noch zu verlieren, nichts mehr zu gewinnen. Da sie aber ein gerütteltes Maß an der Verantwortung für die heutige Krise tragen, sollten sie sich wenigstens hüten, das Gehenlassen der Dinge noch zu fördern, was zweifellos die einzige praktische Wirkung solcher Beruhigungsversuche sein wird, wie sie die Dresdner Bank macht. Festsitzung der Reichsbank. Am Sonnabend fand aus Anlaß des 50jährigen Bestehens der Reichsbonk in ihren Räumen eine interne Festsitzung statt, an der neben dem Direktorium, dem Generalrat, dem Zentralausschutz, den Reithsbankdirektoren der selbständigen Provtnzanstalten, den Leitern der Berliner Dienststellen und den Vertretungen der Beamten, An- gestellten und Arbeiter der Bank, Vertreter der Reichsregierung, des Reichsrats, des Reichstagspräsidiums sowie Delegierte der amtlichen Jittereffeiioertretungen von Industrie, Handel, Landwirtschaft und Handwerk teilnahmen. Der Netchsbanlprüsident Dr. Schacht betonte in seiner Bc- grüßungsansprache. daß die Reichsbant, dem Ernst der Zeit ent- sprechend, den Tag nicht durch eine große und laute Feier, sondern durch einen einfachen Akt in kleinstem Kreise begehe. Er gedachte dankend der vielen verständnisvollen und wohlwollenden Helfer welche die Reichsbant bei ihrer Wiederaufbauarbeit Im Dienste der Eesamtwirtichast und des Gemeinwohls gefunden habe, und unterstrich besonder» die enge Gemeinschaft, in der die Bank sich hierbei mtt der Reichsregierung und mit den verantwortlichen Füh-ern der deutschen Wirtfchost besunden habe und noch besindc. Der Reichsbankpräsident gab bekannt, daß das Reichsbankdirektorium eine mtt Zifferntäbellen versehene Denkschrift über die Entwicklung der Reichsbant während der letzten 25 Iabrc herausgebe und ferner in Anerkennung der hingebenden Arbeitsfreudigkeit ihrer Beamten, Angestellten und Arbeiter während der verflossenen schweren Jahre der Generalversauunliing die Schaffung eines besonderen Wohlfahrtsfonds in Höhe von 1 Million Reichs- m a tj vorschlagen werde. Sodann gab das Mitglied des Reichsbankdirektoriums Geh. Oberfinanzrat Dr. v. G r i m m einen Rückblick auf die Geschichte der Reichsbank während der bisher von ihr durchlaufenen 50 Jahre. Nachdem er dann auf Kriegs- und Inflationszeit einen Blick gc- warfen hatte, wandte er siäz dem B a n k g e s e tz vom 39. August 1 924 und den durch dasselbe getroffenen Aendcrungen zu. Seine Ausführungen gipfelten In der Mahnung, die durch dieses Gesetz an dem bisherigen Zustande getroffenen Aenderungen nicht zu über- schätzen, nicht auf die Paragraphen, sondern auf den Geist, in dem sie ausgesühn würden, käme es an. Die Erkenntnis. daß die Notenbank sich nicht als vriöatwiitjchaftliches Erwerbs- institut betrachten dürfe, sei in Deutschland seit vielen Jahren Gc- meingut: von dem Gefühl, nicht für Erwerbs-, sondern für öffent- siche Interessen tätig zu jein, fei das Personal der Reichsbank, vom Präsidenten'bis zum jüngsten Beamten herab, durchdrungen, daran habe die Neuregelung nichts geändert und werde sie nichts ändern. Redner schloß mit dem Wunsch, daß das Bestreben der Reichsbant, das deutsche Wirtschaftsleben zu stützen und zu fördern, ihm nament- lich auch in feiner gegenwärtigen kritischen Lage behilflich zu fein, soweit ihre Pflicht als Währungsbank dies irgend gestattet, der Er- folg nicht versagt bleiben möge Für die Retchsregierung überbrachte alsdann der Vertreter des Reichskanzlers, Reichswehrmimster Dr. G e ß l e r, herzliche Glückwünsche. Namens des Reichstagspräfidiums sprach der Vizepräsident des Reichstags, Geh. Iustizrat Prof. Dr. R i e ß e r, namens des preußischen Ministers für Handel und Gewerbe als des einzigen Ressortministers der Vorgängerin der Reichsbank der Staatssekretär Dr.D ö n h o f f. Die Glückwunsche des Zentralausschusses der Reichsbank übermittelte der Deputierte Bankier Dr. Paul v. Schwa- b a ch, die. des deutschen Industrie- und Handelstages dessen Präsident Bankier Franz v. Mendelssohn, die des Deutschen Landwirt- schastsrats das gefchäftsführende Vorstandsmitglied, Regierungs» Präsident a. D. Dr. Kutscher, die des Deutschen Handwerks- und Gewerbekammertages der Präsident, Ehrenobermeister H. Plate. Die Grotzhandelsrich'zahl steigt. Die auf den Stichtag des 30. Dezember berechnete Großhandels- richtzahl des Statistischen Reichsamts ist gegenüber dem Stande vom 23. Dezember(120,7) um 4 Proz. auf 121,2 gestiegen. Der Arbeilsmarkt m Berlin. Die Verschlechterung des Arbeitsmarktes ist auch in der Berichtswoche vorherrschend geblieben. Infolge der in diese Zeit fallenden Feiertage war die Vermittlungstätigkeit allgemein nur ganz gering und beschränkte sich hauptsächlich auf Aushilfen. Da- gegen hielten die Einschreibungen solcher Personen, die zur Ent- lassung gekommen sind bzw. aussetzen müssen, aus allen Berufen unvermindert an. Insbesondere meldet die Metallindustrie weiterhin größere Entlassungen, vornehmlich in der Eleklroindustrie und im Autobau. So sind von einem größeren Jndnstriewerk allein 2700 Personen entlassen worden, die allerdings in den nachstehenden Zahlen noch nicht enthalten sind. Größers Entlas- sungen werden auch aus der Textilindustrie gemeldet. Be- merkenswert ist auch die größere Zunahme von Werksbeur- la übten. Eine Ausnahme von der allgemein rückläufigen Bo wegung macht das Gastwirtsgcwerbe, das erfahrungsgemäß um diese Zeit eine verhältnismäßig gute Dermilllungstüttgkeit aufweist. Trotz der Steigerung derselben' blieben die Dermittlungsergebnisse hinter denen der Vorjahre ganz erheblich zurück. Es waren 160 089 Personen bei den Arbeitsnachweisen eingetragen, gegen 153 423 der Vorwoche. Darunter befanden sich 112835(107 954) männliche und 47 254(45 469) weibliche Perjonen. Unterstützung bezogen 78 748(70 399) männliche und 24 411(21 372) weibliche, insgesamt 193 159(91 771) Personen, davon bei Rotstands- arbeiten beschäiiigt 593(895). Die Zahl der zu gemeinnützigen Pflichtarbeiten Ueberwiesencn betrug 61 gegen 60 der Vorwoche" Die Arbeitslosigkeit in Westfalen. Dos Heer der Arbeiislosen in Westfalen wächst mit unoermin- derter Schnelligkeit. 150009 Arbeitsuchende, von denen 125 990 VoUerwcrbslosenunterstützung bezogen, waren Mitte De- zember bei den öffentlichen Arbeitsnachweisen gemeldet gegenüber 83 000 Mitte November, unter denen sich 72 090 Unterstützungs- empfänger befanden. Das bedeutet eine Steigerung von 62,5 bzw. 73,6 Proz. innerhalb eines Monats. Wie immer, so zeigt sich auch jetzt wieder, daß bei-einer Wirtschaftskrise die ungelernten Arbeiter in besonderem Maße von der Arbeitslosigkeit be- troffen werden. Sie machen nicht ganz ein Drittel der Gesamtzahl der Arbeitsuchenden in Westfalen und Lippe aus. Die zweitstärkste Gruppe ist die der Bergarbeiter mit 29,6 Proz. Es folgen die Metallarbeiter mtt 163 Proz., die Bauarbeiter mit 8,8 Pcoz., die Stein- und Holzarbeiter mit 3,7 Proz., die Angestellten und das Verkehrsgewerbe mit je 2 Proz. Allem Anschein nach hat die Be- lastung des westfälisch-lippischen Arbeitsmnrktes ihren Höhepunkt noch nicht erreicht. Es muß vielmehr mit einer weiteren erheblichen Verschlechterung gerechnet werden. Leider� kommen Notstandsarbeiten nicht in nennenswertem Umfange in Schwung. Am 15. De- zember waren nur 2584 Perionen mit Notstands-, dagegen 14 758 Personen mit Pflichtarbeiten beschäftigt. Wo bleibt die Kontrolle sär Kirchenanieihen? Gegen unproduktive Anleihe der Kommunen sind die Landesregierungen zu schärfster Kontrolle verpflichtet, beim Reichsiinonzministerium ist eine Beratungsstelle geschassen, die nach Dr. Schacht die Anträge auf ein Drittel adgedrosselt hat, und übt die Reichsbank ein fast unbe- Holland eine zehnsührige Obligationsanleihe des Domes von Trier in Höhe von 279 999 Gulden aufgelegt wird. Es soll de: #: ArlerleiiverkalHmiji! 5!« Ä sie, Apotheker Schuh's Cordol Wlrki heristSrkend, appetitanregend und blutroinigend. — ♦ Zu einer Kur«Ina 6—8 Flaschen erforderlich. ♦— Fordern Sie Anothckcr Schuh's Präparaie in den ApoMcken, wo nicht ru haben, weisen Generaldepoi C. Schmlttner. Wilmersdorf, Bahelsbergsr Str. 2, Tel. Plalr- burg 4074 U.3S96, Bczugsquell.nach. Herstefl.: Apoth.: Schuh, U3In,Moselstr.S2 verlange den R.vgeber für Kranke m Airche un6cnotnemn sein, Schulden zu machen, wenn ihre Gläubiger die Zinsen zahlen und das Kapital tilgen wollen. Geradezu toll mutet aber der Widerspruch zwischen der Versolgung der Kommunal- anleihen durch di'e<>luats- und Reichsbankbehörden an und der still- schweigenden Duldung der llnterlassung jeder Zweckmaßigkeits- Prüfung, wie sie von denselben Behörden der Kirche gegenüber geübt wird. Was man den Kommunen vorhält, daß nur Anleihen, die aus Wcrkserträgcn verzinst werden, auszunehmen sind, daß der Kreditbedarf van Industrie und Landwirtschaft dem der Städte unter allen Umständen vorangehen muß, gilt mindestens in gleicher Weise für die Kirche. Das Vorgehen gegen die Kommunen macht die Kontrolle gegenüber der Kirche zur Selbstverständlichkeit. Oder soll etwa mit einem Male das wirtschaftliche Ge- samtinteresse, dem heute alles geopfert wird, bloß deshalb kapitulieren, weil es der Kirche so gefällt? Wenn Staaten, Reich und Reichsbank sich nicht vor der ganzen Welt lächerlich machen wollen, ist es daher höchste Zeit, auch die Kirchenanleihen unter Finanzkontrolle zu stellen, oder aber jede Kontrolle überhaupt zu beseitigen. Die englische Kohlensubvention. Der Aufwand für die Kohlen- subvention im November betrug 2 646 263 Pfund Sterling, wodurch sich die gesamte Subvention in den ersten vier Monaten auf- 8 698 458 erhöht. Die Nooemberzisser war um 1229 Pfund Sterling höher als die des Vormonats. @5 Handtuch Betten Granrot Inlett Echt tfirklsohrot mit grauen inlctt Kit Hnlb- Ftdern Ammen Oberbett. Unterbett Kissen.. ,.14.75 .12.90 . 4.50 ,..41.00 ..33.90 ..14.30 & Iahen Reinleinen, ISOyJLZO Bettwäsche Bernden fach- Linon hexäge, Besflge lelnZAdlg Oberbett... 8.75 4.75 i«x«»6.75 Kissen...... 1.75---- 1.95 Bettlaken Bettlaken O Ruter Witeche- Q OK «lotf.ohneNahtU.OJ stark fftdiRer WaecbeBtoff Ein Posten DaunenMen üetzt:� Steppdecke Satin- Otxnciie, 150)�200, in diversen Farben Damenwäsche Taghemden ÄrSp�u5 95pi Nachthemden 2.65 Handgestlckte Damenwäsche Makobatist In kostbarster Ausführung. Hemdhosen«uttzr-so..jew 9.75 Garnituren IIt'1"g-%% 16.90 MetaJIbeitstelle öS, QO o. lOO breit, mit Zug/eder- mairatxe and Gegenfederung, weiß En Posten ireiü lackiert. 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Allen Paririgenollen und Betannten, I Idie me-ncm tieven Mann und guten f IB.ter die legte Shre erwiesen Hoden.\ I sagen wir unseren liesgeilldllen Dank In tiefer Trauer 14/8 1 Cmm» Stark und Hinterbliebenen.| Unserem alten Parteisreunb � 2 und Abteilungsleiter J i|/ Albert Henürlschke« T die allerbesten Dlüdwiivsche zu l» r: seinem heutigen 60. Deburtstag« T iK Die Funktionäre der 96. Abt. jjf « O€€ e€e€«� «seesfce«®» fc' 9 i» «SSSSSSS�, Unserem Part elg engsten Ten D.XUchenhand.Ucher Serv eiten, t!et>wäsche, angestaubt u. mit kl. Webfehlern aO Ppoz.rniep tigert Trikotaoen Posl<;njerr8nSeind8ns',,0";.2.55i PasieaSerren Hosen wo:1f:: 2.95. Posigo Herren Soäisn.�° 0.55» PoslciDuneo-SirönüiICrorO�S., 5 Stufäenrauchstr. 123,9. Etage i sRjr 3 ,= K BBag eh." LiaS ä!S5m4ps a w�äl w AsoSa»«? UKti 2. Verkaufsstelle Dresdener Straße 93. Ecke AlexandtlnensraB» i 95" Dimdl-Schlüpfer mit Kor- delsoble Kinder- Spangenschuhe farbig Sämisch, m. 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Baden liegt ungefähr der fünfte Teil der gesamten beut- fchen Zigarre nfabrikation, rund ein Achtel aller badischen Arbeiter ist in der Zigorrenindustrie beschäftigt. Im Jahre 1924 waren in 1143 Betrieben 40218 Ar- beitcr tätig, davon 75 Proz. weibliche Arbeitskräfte. Der durch- schnitlliche Wochenverdienst im Jahre 1924 betrug für männliche Zlrbeitskräste 7�36 M. bis 15,88 M., für weibliche 7,65 M. bis 11,67 M. Rund die ch ä l f t e aller Tabakarbeitcr ist ständig entweder arbeitslos oder in Kurzarbeit beschäftigt. Wenigstens ein Fünftel, also 8cxX> Arbeiter der badischen Tabak- industrie, mühten einem anderen Beruf zugeführt werden, wenn die übrigen dauernd voll beschäftigt werden sollen. Die heutigen, für die Lebenshaltung maßgebenden Realoerdienste liegen noch unter dem Durchschnitt der neunziger Jahre. Daraus löht sich die herrschende Not ermessen, die in gleicher Weise in mangelhafter Ernährung und Bekleidung, wie in einer über dem Landesdurchschnitt liegenden Tuberkulose st erblichkeit zum Ausdruck kommt. Dabei ist die Kinderzahl verhältnismäßig groß, Familien mit 8 bis 10 Kindern sind keine Seltenheit. Selbstverständlich bleibt unter diesen Umständen für kulturelle Bc- dürsnisse kein Pfennig übrig. Bezeichnend ist, dah in rund zwei Drittel der Tabokarbeiterfamilien überhaupt keine Zeitung gelesen wird. Dagegen ist die O r g a n i s a t i o n s z u. g c h ö r i g k e i t tsotz des Ueberwiegens der weiblichen Arbeits- träkte verhältnismäßig hoch. Sowohl der christliche wie der freigewerkschaftliche Tabakarbeiterverband geben die Zahl ihrer Mitglieder mit etwa 12000 an. Eine der ch a u p t u r s a ch e n der Krise in der Tabakindu- strie und damit des unter der Arbeiterschaft herrschenden Elends ist die Zollpolitik der Regierung Luther, die durch die gewaltige Erhöhung des Zolles auf ausländischen Tabak mit seiner preisver- teucrnden Wirkung einen Rückgang des Konsums um ein Fünftel bis ein Viertel der Vorkriegszeit herbeigeführt hat. Dabei ist de- Zeichnend, dah diejenigen Betriebe, die in erster Linie« i n h e i- milchen Tabak verarbeiten, am stärksten von dem Rück- gong der Produktion betroffen werden, so dah sich also die Zoll- Politik als ein Schlag gegen den einheimischen Tabak- bau zeigt. Bei der Preisgestalliung für Zigarren erweist sich der Lohnanteil von geringstet Bedeutung. Eine Berechnung der Kosten- ontekle ergibt: Steueranteil etwa 28 Prozent, Unkostenanteil 6 bis 10 Prozent, Rohstofianteil 12 bis 20 Prozent, Unternehmergewinn 8 bis 15 Prozent, Lohnonteil 6 bis 15 Prozent, chändleranlcil 25 bis 50 Prozent. Bei einer Zahl von 19 751 Zigarrenhändlern im Jahre 1923 in Baden kam auf zwei Zigarrenarbeiter ein Händler. Angesichts des Elends unter den Tabakarbeitern ist es höchste Zeit, daß das Reich wenigstens sein bei der Verabschiedung der Zollgesetzc gegebenes Versprechen einlöst und endlich die Unter- stühungsbestinimungkn bekanntgibt, da in der gegenwärtigen Wirt- schiistskrise diesem Elend nur durch sozialpolitische Hilssmaßnahmcn odgeholfeii werden kann. �_ Ter AfA Bund gegen die Titelseuche. In Erwiderung vertraulicher Mitteilungen des Oberbürger- meister» der Stadt Ludwigshafen o. Rh. hat das AjA- Bezirkskartell der Pfalz als Bertreterin von über 9000 gewerkschajt- lichen Angestellten es in einem Schreiben an den Oberbürgermeister ganz entschieden abgelehnt, für sich, seine angeschlossenen Verbünde i.nd die Gcsaintmitgliedschast irgend welche Vorschläge für ver- sassnngswidrige Titelverlethungcn der bayerischen Regierung zu machen. .Das SlsA-Bezirkskartell ist der Auffassung, daß der bayerischen Stoatsregierung. uin das Wohl und Ansehen der Arbeitnehmerichast zu fördern, ungezählte Mittel und Wege offenstehen. Der Ange- sielltenschast wäre im Interesse de»«taatsgedonkens, der sozialen und wirtschaftlichen Besserslelliing viel mehr gedient, wenn die bayerische Stoatsregierung endlich dazu übergehen würde, die von allen Angestelltenkreisen seit Jahr und Tag vorgetragenen Wünsche und Forderungen möglichst bald zu verwirklichen: wenn die Staats- regierung serner mit alle» Mitteln daraus hinwirken würde, daß die zurzeit in der Pfalz einsetzenden Massenentlassungen, G? Haltskürzungen, Kurzarbeiten usw. auf ein mög- lichstes Minimum beschränkt werden. Im übrigen kann die öffent- liche Anerkennung verdienstvoller Arbeit und Tätigkeit nicht besser Zum Ausdruck gebracht werden, als wenn die Regierungsstellen den Nöten der Arbeitnehmerfchast die größte Ausmerkjamkeit widmen und die Behörden bei ihren Entscheidungen nicht nur die Meinungen t der Arbeitgeber, sondern auch in erhöhtem Maße die übereinstim- Menden Ansichten der Arbeitnehmer zugrunde legen. Sollte jedoch die bayerische Staatsregierung die Zlbsicht haben, durch Schajfuiig von.Räten" der verschiedensten Kategorien einen Stamm von„Beratern" in sozialen und wirtschastlichcn Zlngclegen- heilen zu schaffen, so weisen wir diesen Versuch schon heute aus das allcrentschiedcnste zurück und sprechen unsere Warnung aus, derartige! Pläne zu verwirklichen. Die pfälzische Angestelltenschaft könnte � diesen Gedankengängen unter'keinen Umständen folgen und würde k sich mit allen legalen Mitteln hiergegen zu schützen wissen." Selbstverständlich haben die Ortsausschüsse des A D G B.. eine ähnliche Stellung eingenommen, leider ohne Erfolg. Mit dieser Titelverleihung ist ein recht durchsichtiger gewerkschaftsfein d- l i ch e r Zweck verbunden. Dagegen bleibt nur das einzige, er- freulicherweise bereits angewandte Mittel, den Titelmachern in Bayern ihre Titel vor die Fllhe zu werfen. �llgem. Zunktionärversammlung Montaa, den 4. Zonuar. abends TV, Uhr im„Deutschen Hof". Luckauer Strohe 15 Tagesordnung: Regierungskrise und Arbeiterklasse Referent: Varteivorsitzender Hermann Mnller-s�ranken Alle Parteifunktionäre und SPV.-Rerlrouensleute der Gewerkschafken mit dem Ausweis von tg?S sind eingeladen. Mitgliedsbuch vorzeigen. Wie öle Unternehmer die Kaufkraft steigern. Die Löhne sollen abgebaut werden. Magdeburg, 2. Januar.(Eigener Bericht.) Die Arbeiterschaft der Zuckerfabriken Mitteldeutschlands befindet sich in einem Ab- Mehrkampf gegen einen Lohnabbau von 10 bis 11 Pfennig pro Stunde, den die Unternehmer diktatorisch vornehmen wollen. Die Kampagne ist beendet: zwei Drittel der Arbeiter sind aus die Straße gesetzt: die Stammannschaft ist bis auf 5V Proz. verringert und die Bleibenden sollen sich nun einen Lohn- abbau von 20 Proz. gefallen lassen. Der Lohn für einen verheirateten Arbeiter beträgt 62 Pf. pro Stunde: für die Arbeiterinnen sollen 25 Proz. abgebaut werden. Obwohl nun mit den Arbeitgebern vereinbart ist, dah die Schlichrungsinstanzen, wie im Tarif vorgesehen, entscheiden sollen, brachte es doch eine Reihe von Direktoren fertig, am 24. Dezember 1925 durch Anschlag bekanntzugeben: .... Alle ständigen Arbeiter und Arbeiterinnen, die nicht ge- willt sind, ihr Arbeitsverhältnis unter nachstehenden Löhnen, wie sie bis zum 15. September 1925 galten, fortzusetzen, gelten hiermit als zum 9. Januar 1926 als entlassen..." Zu welchen Mitte!» würde wohl der Arbeitgeberverband greisen, wenn sich die Arbeiterschaft oder die Gewerkschaften zu solch einer Handlungsweise herbeiiiche» und, trotzdem die Verhandlungen noch nicht abgeschlossen sind, den Streik empfehlen?_ Die im Fabrikarbeiterverband organisierten Arbeiter und Ar- beiterinnen sind entschlossen, den Kampf gegen diesen Lohnabbau auf- zunehmen.__ Ein amerikanisches Unternehmerprogramm. Steigerung der Löhne. Senkung der Produktionskosten. Nach einem Bericht des„American National Jndustrial Eon- fcrenze Board", einem wirtschaftlichen Forschungsinstitut der Unter- nehmer. hatte die Verringerung der Produktions. kosten eine Herabsetzung der Lcbenskosten zur Folge, was einer Lohnstejgerung gleichkommt, sofern man unter Reallohn die Kaufkraft des Verdienstes des Arbeiter versteht. Diese Erscheinung ist übrigens je noch den verschiedenen In- dustrien oerschieden. Die Eisen- und Stahlindustrie wird «e»nn»t«tu die neuen Woh!fahrtsbriefmarken für die Deutsche Nothilfe? als Beispiel dafür angeführt, welche Möglichkeiten die Modern!- sienrng der Arbeitsmethoden eröffnet. Während der Lohnsatz in dieser Industrie ungefähr 140 Proz. höher ist als vor dem Kriege. ist der Durchschnittspreis für die Erzelignisse nur um 34 Proz. höher als 1914, d. h. die Löhne der Arbeiter in der Eisen- und Stahl- industrie sind mehr als 214mal höher als vor dem Kriege, die preise sind dagegen nur um ein Drittel gestiegen. Ein? Verringerung der Produktionskosten sst auch in der A u t o- m o b i l i n d u st r i e zu beobachten, wo die Lohnhöhe den Friedens- stand um 122 Proz. übersteigt, während die Durchschnittspreise für Automobile 29 Proz. über den Preisen von 1914 liegen. Auch in der chemischen Industrie ist eine ähnliche Entwicklung zu be- obachten. Die Steigerung der industriellen Leistungsfähigkeit in den Der- einigle» Staaten kommt in folgendem Zustand zum Ausdruck: Tatsächlich erhält der Arbeiter, wenn man seinen Lehn nach der Kaufkraft bewertet und wenn man gleichzeitig die Steigerung der Kleinhandelspreise berücksichtigt, einen Reallohn, der um 2 4 Proz. höher ist als sein Lohn zu Beginn des Krieges und um 5 Proz. höher als sein Höchstlohn während der Teueruna im Jahre 1920. � Diese Feststellungen sind um so bemerkenswerter, wenn man ihnen die stumpfsinnigen Klagen der deutschen Unternehmer gegenüberhält, über die angeblich zu hohen Lohnkosten. Geld zur Korrumpierung der Arbeiterbewegung, zur Aushaltung der Hitler- banden, zur Bekämpfung des Achtstundentages, das können unsere Unternehmer noch aufbringen. Aber Geld zur Produktionsforschung. zur Bekämpfung der Verschwendung an Zeit und Kraft in der In- dustrie, dazu langt es nicht. Der Lohnkampf in der saarländische« Eisenindustrie. Saarbrücken. 1. Januar.(Mtb> Die am Mittwoch t» Saar- brücken begonnenen Lohnverhandlungen in der Schwereisenindustrte tm Saargebiet hoben noch zu keinem Ergebnis geführt und werden im neuen Jahre fortgesetzt.__ Streik in der saarländischen Glasindustrie. Saarbrücken. 1. Januar./.a>rozei:tige Erhöhung vorsah, abgelehnt hat. Verbiudlicher Schiedsspruch für die Rheinschissahrt. Berlin, 1. Januar.(SSTB.) Für die Rheinschiffahrt wurde am 28. Dezember in Dortmund ein Schiedsspruch gefällt, der die bisherigen Löhne und Gehälter bis zum 15. Januar 1926 auf- recht erbält. Diesen Schiedsspruch hat der NeichSarbeilSminister heute für verbindlich erklärt, um den unter den augenblick- lichen Umständen, besonders wegen des Hochwassers, not- wendigen ArbeilSkrieden in der Rheinschiffahrt zu erhalten. Die Verhandlungen über eine längere Lohnregelung sollen Anfang Januar wieder aufgenommen werden. Die Arbeitslosigkeit in Baden. Die Zahl der arbeitsuchenden Personen in Baden stieg von 49 253 am 9. Dezember auf 55 876 am 16. Dezember. Demgegenüber ist die Zunahme der gemeldeten offenen Plätze von 1134' ans 1190 bedeutungslos. Die Zabl der erwerbslosen HauvUmrer- stützungSempfanger stieg von 32 301 am 9. Dezember auf 38 509 am lS. Dezember. Bon der Verschlechterung sindialle Industrien be- troffen, sogar auS der im allgemeinen günstig beschäftigten Textil- industrie wird ein Fall von Arbeitszeitverkürzung gemcldei. INNNl Hirbtna, eVS.-Gevflcn bn BftWmbnnbt«! Am M-nw«. btn <■ fUunwT, dtnba T U6t. int«Sniafiavt-Rcrmo, feoUmorflftt. 72, Verkaimnlun« aller Partriarnossrn v«, Vrrtklirsk>und«-. bt» Genossrn O. Strncn üfcrt„Rußland, tnie»s wirklich ist". Bl-r- schirdrne». Bartei»rbettre«. SStjief(ctwliti, ffriebenan. fcnftotti, Danke«. Lichteefeld«. Dab!«m gebiendaef. Eüdende. Ärune- wold, Teltow.) Am SlonKm, den 4. Januar, b Udr. findet im Lokal von Barchmann, ffriedenau. Rdeinstr. 40,«in« ssiaktianssidung iümt- ticher Teno Isen, k>!« in den Betrieb«! des 12. Beiirks beschäftigt find, statt. Erde wichtige Taae-ordnuna. Darieiauswris legitimiert. Zabl- reichen Besuch erwariet De- vsraktionsoorfiand. 3. Seilage ües vorwärts Nr. z» 4Z. Jahrgang 11.�7 Sonntag, 5. Januar Iy2s KOSTÜME CAPES MÄNTEL KOSTÜME WINTERMÄNTEL FRÜHJAHRS' � MÄNTEL Ä MÄNTEL(Winrersroffe) MÄNTEL(halbschwed � MÄNTEL A (Oltomane) WINTERMÄNTEL SPORT-KOSTÜME KOSTÜME WINTERMÄNTEL SPORTPALETOTS ÜBERGANGSMÄNTEL a w<"enm« "««h nie; Berlin S.W. 19 �AUSVERKAUF Beginn: 2. 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An einem Wintertage, Schnee siel ovm Himmel, morden drei männlich« Personen in einen vor dem Bahnhos haltenden Wagen geladen. Sie zogen ihre abgetragenen Sommerpaletots fest an die Glieder und rückten dicht aneinander, denn kalter Wind fegte durch die Kalesche. Der Aufseher, das Gewehr zwischen den Knien, blätterte in den«Akten.»Zehn Jahr« Zuchthaus wegen Totschlags*,.Fünf Jahre Zuchthau» wegen- versuchten Raubmordes*,.Drei Jahr« Zuchthau» wegen Aufruhrs*. Der Beamte murmelte die Zahlen gleichgültig vor sich hin. Dann stampfte er ungeduldig mit den Füßen auf. Der Wagen hielt. Als der Kutscher mit der Peitsche knallte, öffneten sich die schweren eisernen Türen, und knirschend fuhr die Kalesche durch den Torweg. Die Gefangenen wurden in den Aufnahmeraum geführt. Ihr« froststarren Züge lösten sich. Dumpfige, aber warme Luft schlug ihnen entgegen. Ein langer Beamter trat auf sie zu. Verlas ihre Nameck. Als er den kleinen pockennarbigen Gefangenen sah, kniff er ein Auge zusammen..Na, auch wieder hier? Host es draußen nicht lange ausgehalten.* Der Kleine grinste.„Ach, Herr Infpeekta, de anständjn Leite kommen alle widda siurückl* Der Beamte rat, als hätte er die Antwort überhört. Er ließ die Gefangenen abführen. Ilm die Mittagsstunde schlug die Glocke auf dem Gang. Die Aufseher rasselten mit den Schlüsseln. Der Kalfaktor schleppt« mit einem anderen Gefangenen den Eßkübel herbei. Der Aufseher öffnete die in den Zeuentüren befindlichen Klappen, ein Arm mit einem Napf, in den die dünne Suppe geschüttet wurde, kam zum Vorschein. Sie gingen weiter. Von Zelle zu Zelle. Manchmal ein Fluch über das schlechte Essen. Ein Fluch, der durch den Knall der zuschlagenden Klappe erwürgt wurde. Am Nachmittag wurden die Gefangenen In den Hof gefiihrt. Es war jeden Tag dasselbe trostlose Bild: In der Mitte die Auf. seher mit den Schußwaffen. Um sie herum die Zuchthäusler in den gestreiften Kitteln. Sie hielten die kahlgeschorenen Köpfe geneigt. Trotteten wie die Tiere einher. Der helle Schnee schmerzt« Ihren Augen. Ueber ihnen stand der Himmel in durchsichtigem Blau. Die Sonne schien orell., Als einer der Aufseher einen Zuchthäusler anschrie, ging eine Welle de» Unwillen» über den Hof. Flüche wurden zerbissen, in den Schnee gespien. DI« Beamten schrien nach Ruhe. Aber die die Gefangenen verlangsamten Ihren Gang. Feindliche Blicke flogen den Aufsehern ins Gesicht. Blicke, die stachen und so seltsam be» unruhigten, daß einige Uniformierte die Waffen hoben und schuß- bereit hielten. Da ging ein Gelächter über den Hof. Ein verächt» liche» Gelächter, das die Mauern emporklettert«, durch dl« Gitter- stöbe kroch und die anderen Gefangenen an die Fenster rief. Di« Freistunde wurde vorzeitig abgebrochen, der Vorfall dem Anstalt»- direttor gemeldet. Der fuhr sich nervös über die Glatze..Da ist etwas nicht in Ordnung. Tja, da müssen Sie genau aufpassen. Die Rädelsführer aussuchen. Tja.* .Die Leute beklagen sich seit einigen Tagen über das Esten. Herr Direktor!* „Ach was. das Esten ist vorzüglich. Wir können doch den Kerl- keinen Gänsebraten vorsetzen, hähä. Dann gingen sie überhaupt nicht mehr raus. Tja, was ich noch sagen wollte— sorgen Sie doch dafür, daß morgen olle zum Kirchgang antreten. Da muß den Kerls'n bißchen ins Gewisten geredet werden.* „Jawohl, Herr Direktor!* Anr Abend wurden die Gefangenen au» ihren Arbeitsräumen in die Zellen geführt. Sie schlangen gierig ihre Suppen herunter. Als sie auf den Matratzen lagen, bohrte» sich jhr« Blicke durch die Mauern de» Zuchthauses. Sie sahen schneebedeckte Felder. Rote und grüne Lichter auf der Bahnstrecke. Sie blickten in durchwärmte Wohnräume, wo Menschen friedlich nebeneinander saßen. Sie sahen Ballsäle, in denen junge Mädchen tanzten. Ach. wie lange hatten sie kein Mädchen in den Armen gehalten. Waren nicht auch sie -'mmol jung? Hatten eine Mutter, die sich um sie sorgte? Da lag mancher Gefangen« tränenübersträmt. Da biß mancher Zucht- Häusler in die Decke. Diele aber tonnten nicht mehr weinen. Ms die zwölfte Stunde vorüber war, löste sich Im Flügel A ein Sträfling aus einer Nische. Er schlich an die Zellen, schob leise die Riegel zurück, öffnet« die Schlöster. Die Gefangenen schnellten von den Lagerstätten hoch. Blieben lauschend an den nur angc- lohnten Türen stehen. Ihre Puls« flogen. Ihr Mund war trocken. Als der Aufseher wieder die Galerie betrat, flog eine Gestalt aus ihn zu. ein würgender Griff legte sich um sein« Kehle, langsam fiel er zusammen. Die Leiche des Wärters wurde in ein« Zelle wann treffen wir wieder zusammen.... lShakespcare: Macbeth.) die Erste: Saugt euch aus gewanüten Pfoten Lüge, Klatsch unü Schwinöelnotenl Macht aus Nichts öle kolossale Gipfelleistung öer Skanöale! die Zweite: Schiebung sagt unö Korruption! Graut Saraus öle Sensation! was ihr selber Senkt unü tut, Unterstellt öer roten Grut! die dritte: Munkelt, üunkeit slusgestunknesl Schwiaüelt, bündelt Lugverfunknesl Griefe, die kein Mensch geschrieben» Laßt sie durch die Spalten stieben! fille: Täglich wird es Rundgeschwindelt, was Lokal wir �ngezündelt, Deutsch und ungemeiner Zimt Kommt dazu und wirkt bestimmt!! geworfen. Langsam, wie die Katzen schlichen die Sträflinge den Gang entlang.„Langsam... langsam... hinlegen... ist schon vorbei.... Du nimmst den Ober... du Telephon... still*, und dann flogen sie vorwärts, würgten den Oberaufseher, der auf der Brücke des Mittelganges saß, drangen in die Wachtstub« ein, schlugen die schlafenden Beamten nieder, zerschnitten sämtliche Telephon- lettungen und bemächtigten sich der Schlüssel und Waffen. In allen Flügeln des Zuchthauses brach der Aufruhr aus. Einige noch im Gebäude befindliche Ausseher wurden zertreten. Einigen gelang es, zu entfliehen. Ueber die Treppen rasten die Befreiten. Alle schrien wild durcheinander. Die Kleiderkammer wurde erbrochen. Einige rannten in die Küche und stürzten sich aus die Vorräte. Sie schlugen aufeinander ein. Es war, als stände das Zuchthaus in Flammen. Als die ersten Sträflinge vor den Toren de» Zuchthauses standen, blieben ste einen Augenblick oerwirrt stehen. Dicht siel der Schnee. Sie standen im Taumel der Flocken und wußten nicht, wohin sie sich wenden sollten. Viele rannten in die nahe gelegene Waldung. Gestrüpp legte sich um ihre Füße. Sie schlugen hin. rafften sich auf und rannten weiter. Gegen Morgen traf ein Militärkommando ein. Als die Eol- daten in das Zuchthaus eindrangen, fanden sie viele Sträflinge, die wieder zurückgekehrt waren. Und viele, die gar nicht die Zelle verlassen hatten. Als sie gefragt wurden, warum sie nicht mit den andern geflohen seien, machten sie eine hilflose Gebärde. Nein, sie wollten nicht fliehen. Sie hätten Angst vor dem Leben da draußen. Ste.paßten nicht mehr unter die Menschen. Und einer sagte, die erloschenen Augen gegen den Direktor wendend:„Die Menschen sind zu gemein!*... Der Direttor aber fuhr sich mit zitternder Hand an den Kragen und sagte zu dem Kommandoführer:„Seh'n Sie, die Kerls hams. hier viel zu gut. Die woll'n gar nicht wieder raus. Das muß nun anders werden. Ich werde ein Exempel statuieren.* Als er über die Leiche eines Ausseher» stolperte, verlor er den Zwicker. Ms öer Urgesthichte öes Postillions. Die letzten Postillione Berlins haben am ersten Weihnacht?- stiertag tn einer feierlichen Parade von ihrer altgewohnten Tätig- teil Abschied genommen, und damit ist wieder ein Stück jener spar- lichen Romantik ins Grab gesunken, die au» der Lergangenheit noch in unsere Zeit der Maschine hineinragt. Wie kaum»In anderer Stand ist der des Postillion» jahrhundertelang von Poesie und Sage verklärt worden, und In der Entwicklung des Handel» und Verkehrs hat er eine große Rolle gespielt. Besonders das deutsche Gemüt hat dem Postillion eine große Liebe entgegengebracht, und als er zuerst in der deutschen Geschichte auftaucht, hilft er eine Neue Periode herausführen. Die Bedeutung der Entwicklung des Postwesens für Handel und WanUl hebt gebührend Erwin Voickmann in seinem umfangreichen Werk.Germanischer Handel und Verkehr* hervor, das soeben bei Gebrüder Memminger in Würzburg erschienen ist und eine.Syn- optische Handelsgeschichte der germanischen Völker" von der Urzeit bis um 1600 bietet. Zum erstenmal ist hier die Entwicklung des gesamten germanischen Handels dargestellt und belebt durch anschauliche Schllderungen aus dem Kausmannsleben, aus den Ansängen der- Geldwirtschaft und Börse. Das Nachrichten- und Postwesen spicli natürlich für den Kaufmann ein« große Rolle: es war aber bis ins IS. Jahrhundert hinein langsam und unsicher und beinahe ganz dem blinden Zufall anheimgegeben. Eine Nachricht brauchte in jenen Zeiten 39 bis 73 Tage, um von Riga nach Brügge zu gc- langen, 19 bis 33 Tage und mehr, tun von Danzig nach Brügge zu kommen. Die Reise von Lübeck nach Nürnberg dauerte 9 bis 11 Tage und aus der nähere» Strecke von Lübeck nach Franksuet oin Main sogar 16 Tage. A» eine schneller? und sichere Nachrichten- besörderung war erst zu denken, als man dazu überging, fest- geregelt« Stationen für die Reiter anzulegen, und dies geschah zum erstenmal in den sogenannten Briefschweiken des Deutschen Ordens. Um die Mitte des 14. Jahrhunderts wurde von dem von Kniprode über das ganze staatsklugen Hochmeister Winrich Ordensland und das baltische Land hin eine Organisation geschasse», durch die in den Ställen der Ordensburgen Postpferde und reitende Knechte bereitstanden, um jederzeit wichtigere Nachrichten schnellstens zu befördern. Es ist dies die früheste Einrichtung einer geregelten .reitenden Post*: sie bestand zunächst nur für die Ordens» länder: aber bei ihren vielen diplomatischen Beziehungen haben die Hochmeister solche Schweiken-Verbindungen auch nach Deutschland und ins Ausland unterhalten. Sie gaben wahrscheinlich das Vorbild für die im Mailändischen von den Sforza geschaffenen Relais- linien, die bereits 1425 bestanden: auch in Frankreich erscheinen im 15. Jahrhundert ähnliche Einrichtungen, denen jedoch 1464 die Mitnahme fremder Briesschasten bei Todesstrafe untersagt wurde. Das Bedürfnis der Privatleute zur Benutzung dieser Posten war aber so groß, das 1495 das Verbot zurückgezogen wurde. Mit dieser Einrichtung von bestimmlen Routcn, auf denen Schweiken« oder Stafettenreiter neben den Briefen ihrer Herren auch die anderer Personen besördcrten, mar die Post im heutigen Sinne geschaffen. Als dann'die Relaispfcrde auch anderen Per- sonen gegen entsprechende Gebühr überlassen wurden, entstand eine .reitende Personenpost*, der sich dann die Fahrpost anschloß. Der Vorfahr der Postkutsche ist der R o l l w a g e n, auf dem so lange die ersten Postillione durch deutsche Lande gefahren sind. Diese Roll- wogen de» 15. und 16. Jahrhunderts waren zunächst einfache Banernwagcn, später leichte Leiterwagen, von denen zur Zeil größerer Messen mehrere«ine bestimmte Strecke zurücklegten. Bald entwickelt« sich der Rollwagen in verkehrsreicheren Gegenden zu einem an bestimmten Tagen fahrenden Vcrbindungsmitteh das von drei zu drei Meilen neuen Vorspann erhielt und von den Fahrgüsten mit einem vereinbarten, später behördlich festgesetzten Mcitcngclde entlohnt wurde. Es fand sich da eine ziemlich gemischte und nicht immer sehr feine Eesellschast zusammen, die eifrig klatschte, so daß die Redensart.Jemanden auf den Rollwagen kriegen* soviel de- beutete als ihn ins Gerede bringen. Derbe Geschichten und Witze wurden erzählt, von denen Jörg Wickrams berühmtes„Rollwagen- buchleiu" ergötzliche Proben licfcrtl Die Ausgestaltung des Post- wesens wurde dann gegen Ende des 1Z. Jahrhunderls von der italienischen Familie der Taxis aufgenommen, die durch viele Jahrhunderte an der Spitze der europäischen Posten standen. 14öl erscheint bereits ein Jean von �gxis als Postmeister in Innsbruck: von ihm mag die Schnelloerbindung über den St. Gotthard mit Mailand hergestellt worden sein, deren Kaiser Max bedurfte. Die große chauptlinie Brüssel— Tirol— Italien ist zum erstenmal 1496 nachweisbar, und am 25. März 1500 ging ein Kurier von Mecheln ab, der am 31. morgens in Innsbruck eintraf� für den 7(5-1 Kilometer langen Weg also nur 5 Tage 11 Stunden gebraucht hatte: er legte in der Stunde durchschnittlich 5,83 Kilometer zurück, wobei ein 17- bis 18maliger Botenwcchssl stattfand. Im 16. Jahrhundert setzten die Taxis dann überall ihre Verwandten aP Postmeister ein, und 1529 bestand bereits ein ganzer Ring von Postunternehmen unter ihrer Leitung. Da die Taxisschen Postunternehmungen die kaiserlichen >ntd fürstlichen Briefe ohne Entgelt befördern iniitzten, so war es sür sie lebensnotwendig, daß sie ihre Dienste den Privaten zur Ver- sügung stellten, um eine ergiebige Geldquelle zu erlangen. In den sog. �Metzgerpostsn", die von anderen Bertifsständen, wie z. B. den Schlachten!, mehr gelegentlich eingerichtet wurden, erwuchs der Taxisschen Post eine unlautere Konkurrenz, die ein Reskript Kaiser Rudolfs. II. 1596 verbot. 1615 wurde dann durch Kaiser Matthias dem Lamoral von Taxis und seinen männlichen Nachkommen das kaiserliche Postregal verliehen, und sie haben dann das Reichspost- meisteramt bis zuni Jahrs 1867 ausgeübt. Oer Salzhering. Seit uralten Zeiten hat der Mensch die Fische als ein geeignetes und wohlbekömmliches Nahrungsmittel betrachtet. Sie wurden je noch dem Stande der Kultur des einzelnes Volkes auf die verschie- denste Weise erbeutet und verwertet. Mit der fortschreitenden Ent- wicklung der Technik, mit der Erfindung des Dampfschiffes und mit der Beroollkoninmung all jener Werkzeuge, die zum Fischfang, zur Verwertung und zur Nutzbarmachung der Fische dienen, hat sich ein großer wirtschaftlich und auch politisch wichtiger Handelszweig ent- wickelt, dessen Ilmfang kaum abzusehen ist. Markthallen, Märkte und Geschäfte der Städte weisen eine Mannigfaltigkeit von Fischarten aus, die immer wieder unser Er- staunen erregt. Schon allein ihre Herkunft ist recht verschiedenartig. Plötzen, Bleie, Karpfen, Barsche und Hechte, die unsere Seen, Flüsse und Bäche bewohnen, gehören zu den alltäglichen Erscheinungen. Die wohlschmeckenden Forellen, die in Gebirgsbächen wohnen, werden ebenso wie Karpfen und Schleie auch in wohlangelegten und planmäßig bewirtschafteten Teichen für Speisezwecke gezüchtet und zum Markte gebracht. Aale, Quappen und Lachse führen ein Doppelleben im salz- haltigen und im süßen Wasser. Lachse ziehen zur Zeit der Eiablage die Flüsse aufwärts, überspringen Stromschnellen und andere lündernisse, um in den Oberlaus der Flüsse zu gelangen und der Erhaltung und Vermehrung ihrer Art zu dienen. Die Aale wieder wandern umgekehrt in das Meerwasser, um fern ab von der deutschen Küste ihre Laichplätze auszusuchen. Sehen wir schon hier eine Fülle von Formen im Süßwasser, welche ungeheure Fülle bietet uns erst das Meer! Meeresfische sind iür viele Menschen ein unentbehrliches Nahrungsmittel. Schellfische und Dorsche, Cabcljau, Flunder, Schollen und Blüte, Rotbarsch und'Austernfische sind bekannte Er- scheinungen in ihren eigenartigen und absonderlichen Formen. Der begehrtest« aber und zugleich der Schönste von allen ist der beliebte „Schneiderkarpfcn", unser braver. Hering. Wir kennen und schätzen ihn in den mannigfaltigsten Formen als Salzheringe, Matjesheringe, Rollmops und Brathering, saurer und grüner Hering, gar nicht zu vergessen der Bismarckhering. Aber lebend haben ihn wenige gesehen. Ungeheuerlich ist die Zahl der Fische in den nordischen Meeren, wenn man allein an die Mengen von Salzheringen denkt, die jährlich nach Deutschland kommen und vornehmlich eine Speise für die minderbemittelte Bevölkerung sind, auf ihrem Mittagstifche Lachse und Forellen vertreten. In ungeheuren Schwärmen ziehen'die Heringe durch das Meer, um im Frühjahr an den Küsten und Fluß- Mündungen zu laichen. Andere Schwärme von meilenweiter Länge und Breite ziehen als Laichplätze das salzige Meereswasser vor. Im Sommer wird an der schottischen Küste und an der Dogger- bank kurz vor dem Ablaichen der wohlschmeckende schottische Hering gefangen und auch nach Deutschland eingesalzen gebracht. Während der an der schwedischen und norwegischen Küste gefangene Herbst- Hering in frischem Zustande auf den Markt gelangt und als„grüner Hering" feilgeboten wird. Die jüngeren, vor der ersten Laichrcife stehenden Heringe, die„Matjesheringe", die ein reiches Fettpolster tragen, werden an der norwegischen Küste im Sommer und Herbst erbeutet. Ueber die ungeheuren Mengen von Heringen, die jährlich als Nahrungsmittel nach Deutschland kommen, gibt die Statistik Aus- kunft. So wurden im Jahre 1911 von deutschen Fischen« 317 500 Tonnen Salzheringe hereingebracht. Noch größer sind die Zahlen, die die ausländischen Fischereien erreichten, so steht Schottland niit l'A Millionen Tonnen an erster Stelle, dann folgen England mit 750 000, Holland mit 650 000, Norwegen mit 625 000 Tonnen. Die Nachfrage nach Salzheringen deckt sich nicht mit dem deutschen Fang, es wurden noch 1200 000 Tonnen aus dem Auslande eingeführt, wozu noch 1 äOO 000 Doppelzentner frischer Heringe kommen. Die Fangarten sind sehr verschieden, je nachdem, ob Küsten- oder Hochseefischerei betrieben wird. Sperrnetze und Zugnetze von großer, bis 280 Meter langer Ausdehnung spielen dabei eine Rolle. Selbstverständlich ist auch eine große Zahl von Booten und Mann- schaften nötig. Mit dein wirtschaftlichen Niedergang, mit der von Agrariern und Schlotbaronen mit Hilfe der bürgerlichen Parteien neu heraus- beschworenen Teuerung, mit der zunehmenden Arbeitslosigkeit wird auch der Hering für viele eine unerschwingliche Mahlzeit sein, während jene anderen von den Millionen, die ihnen der Zolltarif einbringt, schlemmen und prassen können. N— g. Ein Saum-ZNuseum. So wie wir Stätten und Bauten verehren, von denen wichtige geschichtliche Wirkungen ausgegangen sind, so müssen wir auch solchen Bäumen eine besondere Achtung entgegenbringen, die gleichsam die Urväter ganzer Baumorganisationen geworden sind. An solchen historischen Bäumen ist der Botanische Garten der hollän- dischen Stadt Leiden reich, dessen Bedeutung Camilla Schneider im neuesten Heft der„Gartenschönheit" hervorhebt. Der Leidener Botanische Garten, der 1587 gegründet wurde, ist nur �40 Jahr- jünger als der älteste Botanische Garten überhaupt, der zu Pisa in Italien. In dem bereits 1602 veröffentlichten ersten Pslanzenver- zeichnis der Leidener Bestände sind einige noch heute vorhandene Bäume erwähnt, die durch den Leidener Garten zuerst in Europa eingeführt wurden. Da ist ein Goldregen, der mindestens 340 Jahre alt sein muß, eine ganze Gruppe von Stämmen, die mit Efeu be- rankt sind. Ein ehrwürdiger Zeuge ferner Vergangenheit ist auch der T u l p e n b a u m, ein Kind der Neuen Well, wohl der älteste Baum dieser Art, den es gibt. Der dritte dieser bereits aus dem 16. Jahrhundert stammenden Bäume ist die L i b a n o n- Z c d e r. Von besonderer historischer Bedeutung ist ferner ein Ginkgo-biloba- Baum, der älteste in Europa, wohin diese Pflanz« um 1730 kam. Bisher hat noch niemand die Ginkgo wild gefunden. Nur der hol- ländische Forscher Frank Meyer glaubte, im östlichen China auf wildwachsende Ginkgo gestoßen zu sein, eine Annahme des allzu früh verstorbenen Risenden, die noch nicht bestätigt ist. Jedenfalls ist er ein uralter Kulturbaum Ostasiens, der besonders die buddhisti- schen Tempel schmückt und dem Goethe in seinem berühmten Gedicht des Diwan in unserer Literatur Heimatrecht erworben hat. Er- wähnenswert ist auch die japanische Walnuß des Leidener Gartens, die durch den holländischen Botaniker Franz von Siebold um 1860 in Europa eingeführt und zuerst in Leiden angepflanzt wurde. Der Baum ist etwa 18 Meter hoch. So stellt dieser Botanische Ganen ein denkwürdiges Baum-Museum dar, in dem sich so manches Gc- wachs befindet, das in der Geschichte der Botanik und der Mensch- hcit eine wichtige Rolle gespielt hat. tzotelleben im alten Rom. lieber drei wichtige Dinge mußte ein Hotel im alten Rom ver» fügen, wenn es möglichst viel Gäste heranziehen wollte: es mußte bekanstt sein durch gute Küche, gute Schlafgelegenheit und gute Ge- scllschaft. Unter„gute Gesellschaft" verstand man aber in diesem Falle nicht das, was wir darunter zu verstehen pflegen, sondern die die Gesellschaft von„Damen", die geneigt waren, dem Gast die Zeit zu vertreiben. Infolge dieser besonderen Auffasiung von den für den Hotelgast erforderlichen Annehmlichkeiten erfreuten sich im Altertuni Hotels und Hotelwirte durchaus keines guten Rufet: man hatte sie meist im Verdacht, daß sie mit Gaunern, Falschmünzern, Straßen- dirnen Beziehungen unterhielten. Als mit der fortschreitenden Ent- Wicklung Roms die Gastsreundschaft in Prioathäusern ilpiner größer wurde, kehrten— so lese» wir in den Monatsberichten der römischen Archäologischen Gesellschaft— in Hotels gewöhnlich nur Personen der untersten Stände ein: alle anderen Besucher Roms wurden von guten Freunden beherbergt oder, wenn es sich um Beamte handelt«, auf Staatskosten irgendwo untergebracht. Wer es mit der Moral nicht allzu genau nahm oder nur icher geringe Geldmittel verfügte, suchte ein Ünterkominen in Gasthäusern, die inan nicht als Hotels bezeichnen, sondern allenfalls als Herbergen mit Ausspannung werten kann. Die Wirtschaften, die hier geführt wurden, waren auch nicht vornehme Restaurants in unserem Sinne, sondern gewöhnliche Kneipen(„cauponae"). Aus jene Zeit und auf eines jener Unter- tunftshäuser zurückzuführen ist eine Hotelrechnung, die man in Jsernia im südlichen Italien unter einem Flachbild in Stein ge- meißelt fand..Ein Mann in der damals üblichen Reisetracht („cucullus") hält sein Roß am Zügel und rechnet niit der auf der Schwelle stehenden Gastwirtin ab. Der Reisende spricht:„Machen wir die Rechnung, Herrin!" Woraus die Frau Wirtin:„Du hattest: Wein, 1 Scsterz: Brot, 1 As: Süßigkeiten, 2 Asse." Der Reisende: „Richtig." Die Wirtin wieder:„Das Mädchen, acht Affe." Und nun wieder der Reisende:„Hier hast du das Geld. Und nun geht es wieder auf die Reise!" Warum schätzen wir den Spiegelkarpfen? Nach dem Schuppen- klcid unterscheidet man bekanntlich drei verschiedene Formen des Karpfens: den gewöhnlichen Schuppenkarpfen, den Spiegelkarpfen und den Lederkarpfen. Diese Formen sind keineswegs verschiedene Rassen oder gar Arten vo« Karpfen, wie man vielfach hört. Die Veränd'emngen des Schuppenkleides beim Spiegelkarpfen und Lederkarpfen stellen vielmehr streng genommen krankhafte Ver- änderungen dar, die man auch bei Wildfischen, wie z. B. bei Plötzen und Karauschen beobachtet hat. Die iwnnale Form ist der Schuppen- karpfen mit seinem lückenlosen Panzer, der ihn gut gegen Ver- letzungen schützt. Wie fest das Schuppenkleid sitzt, weiß jede Hausfrau, die einen solchen Fisch obzuschupven hatte. Beim Spiegel- karpfen ist' dagegen das Schuppenkleid nicht mehr so vollständig aus- gebildet; es sind jederseits nur noch drei Reihen von Schuppen vor» Händen. Außerdem sitzen die Schuppen nicht mehr fo fest in ihren Schuppentaschen, da sie in Rückbildung begriffen sind. Dem Ab- schuppen setzen sie daher kaum einen nennenswerten Widerstand entgegen. Sie sind also für den Gebrauch in der Küche viel bc- quemcr. Der Lederkarpfen schließlich übertrifft sie noch darin: denn er besitzt überhaupt keine Schuppen mehr oder höchstens noch ein paar unbedeutende Spuren davon. Spiegel- und Lederkarpfen lasten sich also leichter zubereiten und sind deshalb bei den Verbrauchern beliebter. Die Fischzüchter sind daher bemüht, diese pathologische Eigenschaft weiterzu, züchten, was ihnen auch wenigstens für einen Teil der Fische gelingt. Denn immer schlägt eine mehr oder weniger große Anzahl von Karpfen in die gut beschuppte Ausgangsiorm zurück, da es sich ja nicht um ein jest vererbbares Artmerkmol handelt. B!siierCKevjot.lZ0em Kammgarn- Poplin Inventur- Beginn 2. Januar 1926 Räumungs- V erkauf In allen Abteilungen erhebliche Preisherabsetzungen Wolle Seide 2" in rlel. Farben, früh. 3.25 u. 4.—. Jetzt Krepp marokain, glatt und gestreift, lOScm breit 080 früher 6.50 u. 5.50. 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