Nr. 7 ♦ 43. Jahrg. . Msgade A Nr. 4 BezunSvreiS: ESAentlid) 70 Pfemii«. Reich-mart»oraus»ahldar. Unter Kreitiband für Demichla»», D-ii»ia. Saar- und SKemelaebiet, Oefterreiib. Litauen. Smembuti 4,50 Rei-iismari. für da« llbris, duiland 5,50 Reitsmart uro Monat. Der �ormärts� mit der Eonntaa»» lxilaae.Volt und kieit' mit.Sltd- luua und S'eingarten' sowie der veilaoe.Unterdaltun, und Wissen' und nrauenbeil-ae.ffrauenssimm«' erscheint wochentäalich zweimal, kouutaa» und Montaa» einmal. Teleoramm-Atreff«: .Oiezialdemotrat«erlir' Morgenausgabe Devlinev Volkskklatt (iv Pfennig Slnzeiqcnvreisc: Die tinfsalHo« Ronvareill»- Ktl« 80 Pfennia. ReNamezeiie l.~ Reichsmark..Klein» An,»ine«' da» fettaedruckte Wort 25 Pfenni» (julöfria»wei tettaedruikte Worte». jedes weiter« Wort 12 Pfennia. Stellcnacsuch« da« rrss« Wort 15 Pkennia, lede» weitere Wort 10 Psennia. Worte liber l5 Buch- sinken»iiklen siir»wei Dort«. Oirdeitsmartt Keile SO Pfennia. Uamilienanteiaen für Rdonnente» Seil« 40■Psennia. Rn»eiaen tili die ndchli« Nummer müssen dl» tlj Ildr nachmittaa» im Bnuvtaeschssft, Berlin SW SS, Linden. ssrake S, adqeaeben werken. Geöffnet oon Sld Ubr früh ii» 5 Uhr nachm. Zentralorgan der Sozialdemokratfrcben parte» Deutfcblands Neöaktton und Verlag: Serlln SW. öS, Änöenstraße Z Fernsprecher: Tönhoff 292-297. Erzberger-Möröer Schulz verhaftet! Der„Kaufmann aus München". tlnz. 5. Januar.(V5Z2.) wie die.lagespost" meldet, ist gestern von der Gendarmerie des Bades Austee aus der Such« uach einem wechselfalscher der Mörder Erzberger». Schulz aus Saalseld verhaftet worden. Schulz gab an, ein Kamerad Tillessen» zu sein. Gr wohnte unter dem falschen Ilamen Edgar v. Bochmann, Kaufmann aus München, bei dem Kaufmann Berger in Bad Austee. Die deutschen Behörden sollen von der Verhaftung des Schulz verständigt worden sein. Es handelt sich um denselben Schul,», der schon einmal in Ungarn verhastet wurde, desien Auslieferimg die Horthy- Regierung aber ablehnte. Schulz stand unter dem Schutz der ungarischen Faschisten. Errt« amtliche Bestätigung der Meldung von der Derhaf- tung in Aussee war weder in Berlin noch in Wien zu erhalten. Die Huüapefter Affäre. Volles Geständnis des Prinzen Windischgrätz. Budapest. S. Januar. swBT.) In den späten Ilach- mitiogsstunden hat Prinz windischgräh ein volles Ge- st S n d n i» abgelegt und mitgeteilt, wie die Aälschung durch- geführt wurde und auch die Namen derienigen genannt, mit denen gemeinsam der Plan entworfen wurde, sowie auch die U a m e n derjenigen. die bei der Durchführung des Planes mitgeholseu haben. vrinz windischgräh gab auch an, wie die lleberbringung der ge- fälschten Voten im Ausland und Inland durchgesührt werden sollte. Aus Grund de» Geständnisse» des Prinzen windischgräh gab beute die Slaatsanwaltschast der Vberstadthauptmannschaft verschiedene Weisungen, um die von windischgräh genannten Personen sofort der Polizei vorzusühren. Die vamen der Personen sind bisher nicht bekannt, doch verlautet, daß mehrere der bevorstehenden verhas- tungen große» Aussehen hervorrufen werden. Am 9 Uhr abends verliehen 85 Geheimpoliziften in Gruppen von zwei und drei Mann die Oberstadthauptmannschaft, um die angeordnetes Verhaftungen durchzuführen. NaSoffp und Ulaln verhastet. Wien, 5. Januar.(MTB.) Landespolizeichef Emme- r i ch N a d o s s y wurde heute abend, wie die„Neue Frei« Presse' aus Budapest meldet, verhaftet. Seine Festnahme erregt noch mehr Aufsehen als diejenige des Prinzen Windischgräh, da er sich tulem Anschein nach nicht nur der Vorschubleistung, sondern der direkten Beteiligung an der Falschmünzerei schuldig ge- macht hat. Es ist noch ungeklärt, ob er au» Gewinnsucht oder aus politischen Gründen gehandelt hat. Auch der Abg. Dr. U l a i n ist heute verhastet worden. der.patriotische� Zäljchersumpf. Budapest, 5. Januar.(Eigener Drahtbericht.) Der oerhastete Prinz Windischgräh erklärt« bereits am Montag bei seinem Verhör, daß er einer.patriotischenSache' wegen die Aktion des Obersten Iankowitsch uMerstüht habe. Auf die Frage, welche „patriotische Sache' das sei, verweigerte er die Antwon und erklärte, seine Roll« habe nur darin bestanden, die Kosten zur Er- richtung der Werkstätte für die Herstellung falscher Banknoten zu decken. Di« Frage, wieviel falsche Noten hergestellt wurden, beantwortete er nicht. Auch die Frage, seit welcher Zeit die Fälschungen vorgenommen wurden und in welchen Ländern sich die Fälscher aushalten, beantwortete er negativ. Im übrigen ergibt sich aus der hiesigen Presse, daß die Polizei bei den Haussuchungen am Montag eine große Menge, d. h. mehrere tausend falsche 1000-Fronk-Noten beschlagnahmt hat. Neuerdings sollen u. a. auch mehrere Politiker im Verdacht der Mittäterschaft stehen. Die Polizei hat angeblich bereits Maß- nahmen getroffen, um diese Politiker zu beobachten und zu ver- hindern, daß sie von Budapest abreisen. Am Dienstag wur�e ferner «in gewisser Eugen O l s ch w a r u, der Druder de« in Hamburg verhasteten Edmund Olschwary, festgenommen. Er hatte seinem Bruder nach Hamburg folgendes Telegramm geschickt:„Achtung, Gefahr im Verzuge!' Außerdem wurde ein Student Stephon W i n k l e r in Haft genommen, da bei dem verhasteten Sekretär des Prinzen Windischgräh«in Brief gefunden worden war, in dem dieser den Winkler auffordert, nicht wegzufahren, da Schwierigkeiten entstanden seien. Die Untersuchung bei Winkler brachte serner«inen Koffer mit doppeltem Doden zum Dorschein, wie er bei dem Obersten Iankowitsch gefunden worden ist. Festgestellt ist gleich- zeitig, daß Edmund Olschwary, der in Hamburg verhaftet wurde, vor einigen Tagen aus Wien ein Telegramm erhalten hat, in dem er aufmerksam gemacht wurde, da» Geschäft nicht weiterzuführen. sondern nach Budapest zurückzukehren. Wie kühn es der P o l i z e i- chef bei seiner Untersuchung der gefälschten Banknoten getrieben hat, geht daraus hervor, daß er selbst im Auswärtigen Amt die Koffer mit den falschen Banknoten in der Kurierabteilung ver- siegeln ließ, und als ein Beamter ihn fragte, was darin fei, noch scherzhaft die Bemerkung machte, wahrscheinlich falsche«anknoten. Die Zolgen üer �ochwafferkatastrophe. (Yesamtschaden 25 Millionen.— Neber«tt«MX» Erwerbslose.— lieber 20 OOO Häuser beschädigt. Koblenz,?. Januar.(MTB.) Der Oberpräsident der Rhein- Provinz schilderte bei einein Presseempfang die ungeheuren Aus- Wirkungen der Hochwasjerkatastrophe im gesamten Rheinland, die einen Gesamtschaden oon schätzungsweise 25 Mil- lionen Mark hervorgerufen haben gegenüber 18 Millionen Mark im Jahr« 1924. Ein weiterer großer Schaden sei durch die treffliche Organisation der Hochwassermeldestelle der Rheinstrombauoer- waltung verhindert worden. Nun heiße es für den Staat, wie 1921 und 1924. die durch das Hochwasser so schwer geschädigte Bevölkerung der Rheinprovinz zu unterstützen. Das Rheinland habe 14 P roz. Erwerbslos«, zu denen durch da» Hochwasser im Be- zirk Koblenz allein etwa weitere 69 000 Erwerbslos« hinzukommen. Man hoffe, daß aus den Mitteln der Erwerbslosen- fürsorge des Staates diesen Erwerbslosen geholfen werde. Weiter hoffe die rheinische Bevölkerung, daß man bei der Regulierung der Schäden das weitestgehend« Verständnis für ihre nicht nur durch das Hochwasser, sondern durch den Krieg und die Nachkriegs. zeit mit ihrer schweren Besatzung hervorgerufenc Verarmung zeigen und diese nicht noch weiter durch die Schäden des Hochwassers wachsen lassen werde. Außer den bisher gewährten Mitteln erhoff« die rheinische Bevölkerung von Staatswegen ein Darlehen von 2 Millionen Mark auf 10 Jahre zu erhalten. Im Regierungsbezirk Koblenz beträgt die Zahl der b e s ch ä- digten Häuser 19 392, die Zahl der betroffenen Familien 17 788. die Zahl der durch das Hochwasser erwerbslos gewordenen 63182. Koblenz hat ollein einen Schaden von 2 Millionen Mark. Koblenz Land zählt 5100 beschädigte Häuser mit 14 000 Be- wohnern. Der Gesamtschaden im Regierungsbezirk Koblenz beläust sich auf schätzungsweise 14 Millionen Mark, der der Stadt Köln auf 2,5 Millionen Mark, der in Köln Land auf 700 000 Mark, der der Stadt Bonn aus "30 000 Mark, der von Bonn Land auf 1 Million Mark. Im Sieger Bezirk berechnet man den«chaden auf ungefähr 1-9 Millionen Mark. Dies« Zahl»» sind jedoch nur vorläufige. An manchen Stellen schätzt man den Schaden auf bedeutend höher. Die Provinz denkt auch daran, den Deichschutz am Riederrhein mit allen Mitteln wieder instandzusetzen und ihn für etwaige künftige Hoch» rwffet«tderftand'kihig zu machen. An diese Aussprache schloß sich eine Fahrt nach Neuwied und Andernach an. In Neuwied stehen vier Fünftel der bebauten Stadt unter Wasser, davon insgesamt 1000 Wohnungen und 200 Läden. In Andernach ist der Schaden nicht so groß, weil dort die Wosserhöhe nur einen Stand von zwei Metern erreicht hat. Preußens hochwasterhilfe. Amtlich wird mitgeteilt: An der Sitzung des Provinziolaus- schusses der Rheinprooinz in Düsseldorf nahm am Montag der preußisch« Minister des Innern Severing teil und beteiligte sich an der Beratung der Notstandsaktion für die durch da» Rhein-Hochwasser geschädigt« Bevölkerung. Minister Severing nahm hierbei die Wünsche der gewählten Vertreter der hauptsächlich betroffenen Provinz entgegen. Im Einvernehmen mtt dem preußi. schen Flnanzminister bewirkte er in Rücksicht auf da» außerordent- liche Ausmaß der Hochwasserkatastrophe und die hierdurch hervor. gernfene schwere Not der Bevölkerung des betroffenen Gebietes, daß dem Oberpräsidenlen in Koblenz für sofortig« staatliche Hilf,- mohnahmen n o ch m a l«»in Betrag, und zwar in Höhe von einer Million Mark, überwiesen wurde. Insgesamt sst somit in drei Togen von der preußischen Regierung die Summe von 2 M i l l i o n e n M a r k für die geschädigte Bevölkerung bereitgestellt worden. Der preußische Minister de» Innern hat sich zu einer Be- sichtigung in das Hochwassergebiet begeben. Koblenz, 5. Januar.(WTB.) Die Rheinprooinz hat bei der Londesbank einen Kredit von 2 Millionen Mark für die sofortige Regelung der dringlichsten Hochwasserschäden auf- genommen. Neue verkanölungen über Mosiul? Tie Türkei scheint einzulenken. L o ad o a. 5. Januar.(Eigener vrahtberichl.) In einer am Dienstag zwischen dem englischen Ministerpräsidenten und dem türkischen Botschafter in London abgehaltenen Unterredung wurde vereinbart, schon in den nächsten Tagen in Angara über das Mossulproblem in Verhandlungen einzutreten. E» verlautet ueuerdlugs, daß die englische Regierung den Türken in ihrem ver- gleichsvorschlag einige kleine Grenzänderungen und einen Kredit von lZ bis 15 Millionen Pfund Sterling zum wirtschaftlichen Wiederausbau der Türkin angeboten hat. Diese» Angebot Ist an die Voroussehuag geknüpft, daß die Angora-Regieruag den Völker- b»ad, entscheid norbehalllo» annimmt. vorwärts-verlag S. m.b.H., öerlin SW. b8. Linüenstr.Z P-fttch-er-nt»! B«rllu»7 5»— Pankkiint»: Pank der Prb«ite», Angeft' ltte» »»d P«>u»t«».«alftr. SS: Pi»I»»t-.«esellschaft. Keposilenkaffe Lintenft». I. » wie lange noch l Betrachtungen zur Budapefier Fälscheraffärc. Bon Alexander Sziintö. DieungarischeBanknotenfälscher-Affäre ist durch die jüngsten sensationellen Enthüllungen und Der- Haftungen zu einem europäischen Skandal geworden. Es ist nicht der erste, der von Budapest seinen Ausgang nimmt-, aber der Umstand, daß der geschädigte Tell dieses Mai eine Großmacht— das durch die Frankfälschungen direkt betroffene Frankreich— ist. läßt einen anderen Ausgang erwarten, als die bisherigen ungarischen Skandale genommen haben. Hat doch das Eingreisen französischer Kriminalbeamter und des sranzösischen diplomatischen Vertreters in der ungarischen 5iauptstadt erst zur Entlarvung der ganzen Fälscher- und Verschuiörerbande sowie ihrer Hintermänner gesührl. Di« Gegner des Horthy-Regimes werden seit Jahren nicht müde, immer oon neuem darauf hinzuweisen, daß Ungarn in seiner jetzigen Gestalt ein Hort der Unruhe und eine Gefahr für den europäischen Frieden ist. Im jetzigen Moment, wo sich die Richtigkeit dieser These durch das ge- meingefährliche Treiben einer politischen Hochstaplergesell- schaft in so flagranter Weise bestätigt, ist es nicht ohne Nutzen, eine kurze Auszählung der Fälle zu geben, in denen der Arm Horthys über die Grenzen des von ihm beherrschten Landes hinaus wirtsam wurde. Im Verein mit dem jüngsten, alles Vorhergehende in den Schatten stellenden Fall der Bank- notenfälscher. möge dieser Rückblick da,zu dienen, das Horthy- Regime wieder einmal als das hinzustellen, was es ist: als einen internationalen Gefahrenherd, der nur in internatio- nalem Maßstab bekämpft werden kann. Kaum war die Gegenrevolution in Ungarn zur Herr- schaft gelangt, kaum reckten sich an den friedlichen Ufern des Plattensees und in den heiteren Wäldern von Orgovany die ersten Galgen der Weißen empor, da eilten schon die Krea- turen des neuen Regimes über die Landesgrenzen, um ihren Heldendrang an Wehrlosen auszulassen. Der erste Schauplatz ihrer internationalen Tätigkeit war die nahegelegene ö st e r- reichische Haupt st adt, in der zahlreiche ungarische Arbeiter und Sozialisten Zuflucht gefunden hatten. Unter Ver- letzung der österreichischen Hoheitsrechte verübten die Hejas- Banditen Anschläge auf das Leben der meistgehaßten Emi- granten: in mehreren Fällen gelang es ihnen, einige Opfer durch Gewalt und List zur Strecke zu bringen. Besonders tragisch war der Fall des jugendlichen Revolutionärs Szo- m o l a n y i. der von den beiden weißen Offizieren Kiß und Bleich in ein Auw gelockt, über die Grenze entführt und dort fast unter den Augen der österreichischen Grenzwächter in bestialischer Weise ermordet wurde. Die Wiener Regierung protestierte— hohnlachend setzte sich Budapest über die Stimmen der Entrüstung aus dem ohnmächtigen Kleinstaat hinweg. Hand in Hand mit der Verfolgung der Sozialisten ging die Unterstützung derjenigen ausländischen Elemente, die den neuen Budapester Machthabern gesinnungsverwandt waren. Bald wußten alle faschisfifchen Abenteurer, die im eigenen Lande Schifsbruch erlitten hatten, daß es ein Asyl gab, in dem sie vor Bersolgung sicher waren: Horthy-Ungarn. Die Kapp-Putschisten. die Erzberger-Mörder, zu- letzt der Fehmemörder Grütte-Lehder wendeten dorthin ihre flüchtigen Schritte. Unoergessen ist es. wie man den Aufenthalt der Mordbuben Schulz und Ti l l e s s e n in Budapest zuerst verheimlichte, dann zynisch zugestand, um die Beiden schließlich den nach Ungarn entsandten deutschen Kriminalbeamten vor der Nase entwischen zu lassen. Von der Unterstützung ausländischer Putschisten bis zuin aktiven Mitwirken an ihren Bestrebungen ist nur ein Schritt. Innige Fäden knüpften sich von den„Erwachenden Ungarn" zu den italienischen Faschisten, noch innigere zu den deutschen Hokenkreuzlern. Horthy-Ungarn begann, Putschrezepte� zu exportieren. Im denkwürdigen Sommer 1923 setzte sich Hitler durch Vermittlung eines gewissen Döhmsl mit dem ungarischen„Rassenschützler" U l a i n In Verbindung, um einen gemeinsamen Operations- plan zwecks Niederringung des Marxismus in Mitteleuropa auszuhecken. Die Regierung Bethlen griff damals zu und ver- haftete Ulain— um ihn allerdings so schnell wieder frelzu- lassen, daß er heute bereits wieder in der Banknotenaffär« eine Rolle spielen kann. Aus dasselbe Blatt gehören auch die niemals ganz aufgeklärten Beziehungen zwischen den ungari- schen Königsmachern und den süddeutschen Monarchisten. In besonders krasser Weife trar die Bedeutung des ungarischen Gefahrenherdes für den europäischen Frieden zu- tage, als im Jahre 1921 der seither verstorbene Habs- burger Karl seine berühmt gewordenen Putsche unker- nahm. Die Kabinette der Großen wie der Kleinen Entente waren damals in fieberhafter Tätigkeit, um die heraufbe- fchworencn Konflikte zu bannen. Auch nach der Inknrerung und dem Tode Karls haben die ungarischen Legitimisten ihre Treibereien nicht aufgegeben. Die Propaganda für den„Erb- tönig Otto' geht mit wohlwollender Duldung der Regierung Bethlen im gnnzen Lande intensiv vor sich. Die übrigen Thronprätendenten sind qum Teil gleichfalls Mitglieder des Hauses Habsburg, die den Erwerb der Stephanskrone natür- lich nur als ersten Schritt zur Wiedergewinnung der alten habsburgischen Hausmacht betrachten. Die Ruhe Mittel- europas ist von jedem einzelnen ungarischen Thronkandidaten bedroht. Erinnert sei noch an den blutigen Auf st and im B u r g e n l a n d, an den Einzug der Horthn-Armee in Baranna, an die neuerliche Anbiederung Horthys an Mussolini. Braucht es noch weitere Beispiele, um den aggres- siven Charakter des Horthy-Regimes darzutun? Wenn jetzt anläßlich der Entlarvung der Frank-Fälscher die Empörung der öffentlichen Meinung ganz Europas besonders hohe Wellen schlägt, so möge diese öffentliche Meinung nicht ver- geffen, daß der jüngste Skandal nur die logische Folge einer gewissen Gleichgültigkeit gegenüber einem Regime darstellt, oesien oberster Grundsatz das Verbrechen ist. Die Gewalt- Herrschaft, mit der das ungarische Volt seit über sechs Jahren gestraft ist, hat das Land moralisck degradiert. Sie wird ein ewiger Schandfleck in der ungarischen Geschichte sein. Ihre Beseitigung war. ist und bleibt ein zwingendes Gebot. Die Regierungsfrage. Die Presse zum Berliner Beschlutz. Die gestrigen Berliner Abendblätter beschästigen sich sehr lebhaft mit dem Beschluß der Berliner Funktionär« vom Montagabend. Zusammenfassend kann man sagen, daß er von der demokratischen und der Zentrumspvesie mit starkem Unbehagen aufgenommen und von der Rechtspress« mit höhnischer Freude kommentiert wird. Die„Berliner Volkszeitung"' schreibt: Die Sozialdemokratie will also mit ihrem 131 Reichstags sitzen, wenn es nach dem Willen der Groh-Berltner Funktionäre geht, zuschauen, was die übrigen Parteien de» Reichstage» für ein« Regierung zusammenbauen. Politik tauu man das kaum noch ' nennen! Die.Bossische Zeitung� meint: Es ist bekannt, daß die Berliner Funktionär in ihrer Mehrheit zum radikalen Flügel der Sozialdemokratischen Partei ge- hören. Müller-Franken selbst hat sestgestellt, daß die Partei» angehörigen im Land« die Koalitionssragen wesentlich ruhiger erörtern als die in Berlin. E» ist schon häuftg der Fall gewesen. dah Parteiausschuh und Fraktionen mit ihren Entscheidungen sich in Widerspruch zu den Berliner Funktionären gesetzt haben. Eine Bindung für dt« Reichstagssraktion bedeutet der gestrig« Beschluß nicht, aber er fällt in» Gewicht, wenn dt« Fraktion selbst. wie es sich im Dezember gezeigt hat, die Roalitionssrag« mehr vom taktischen, als vom staatspolitischen Gesichtspunkt» au» betrachtet. Di«.Dossifch« Zeitung' weist dann auf die Dlttaturplän« der Rechten hin und empfiehlt zu ihrer Abwehr nochmals die Große Koalition. Die.Germania' überschreibt ihren Arttkel.Di« wilden Berliner', beschäftigt sich aber dann nur mit dem Referat Müllers, um auszuführen, die Hoffnung, daß sich«ine Regie- rimg der Mitte später zur Großen Koalition entwickeln, könne leicht trügerisch sein, die Entwicklung könne ebenso gut nach der anderen Seit« gehen. Das kann man. wenn man will, auffassen als«ine An- lpielung auf dey vielerörterten Plan, von Preußen her .einen Druck auszuüben' in der Weise, daß man mit der Sprengung der Regierung Braun droht, wenn die Sozial- deinokratie nicht auch im Reich in die Regierung gehe. Di« Ausführung dieses Plans würde jedoch in starkem Wider- spruch stehen zu der Theorie der Verantwortung. die von den bürgerlichen Anhängern der Großen Koalition der Sozialdemokratie gegenüber immer wieder entwickelt wird. Well die Deutschnationalen ihve Regierungsgemeinschast mtt der Volkspartei und dem Zentrum aufgegeben hoben, sollen die Sozialdemokraten aus Verantwortungsbewußt- sein in die Regierung eintreten müssen. Tun sie es aber Seine Durchlaucht öer Falschmünzer. Ludwig Prinz von Windischgrätz Bekannt« jüngst:.Miserabel steht'» Und immer mehr nach unten geht'» Mit meinem durchlauchtigsten Portemonnaie, Zwar bin ich Ernährungsminister a. D. Doch meine lausig« Pension. . Die oerspief ich an einem Abend schon. Liegt man verkehrt beim Baccarat. So steht man plötzlich pleite da. Futsch sind Franken, Dollars und Krenenl Passiva: Zweihundertfünfzig Millionen. Doch verbricht mich der Casus weiter nicht sehr! Ich rus' mir meinen Sekretär Und befehle: In Zukunft wird falsche» Geld Für meine Bedürfnisie hergestellt. Lieferanten und sonstige Knoten Bezahlt man mtt falschen Frankennoten, Und ist dann gewechseltes Echte» vorhanden, So gelangt dies in meine Börse. Verstanden? Mein Sekretär hat artig genickt Und mich verständnisvoll angeblickt. Fragt jemand von d» Polizei. Dann heißt'»: Zweck» Köntgsmacherei! Dann sind die Herrn sofort dabei Der Kriegsminister ist so gut. Vom kartographischen Institut Die Druckmaschinen anzubieten. Sonst merkt man nämlich zu rasch die Blüten, Und aus Gefälligkeit und Interesie Stellt uns der Polizeichef Päsie Und versiegelt amtlich unser Gepäck, So schafft man mit Ruhe in» Ausland den Dreck Und kann sich sorgenlos sanieren. Wie sollte un» auch was passieren? In Horthy-Ungarn— Gott sei Dank!— Ist Schirm und Schutzschild unser Rang Doch die Pariser Polizei, Sie war so frech, sie war so frei. In wirklich unqualisizierbarer Weise Zu stören Seiner Durchlaucht Kreise. Ja. Durchlaucht, wie man'» treibt, so geht'»: Es sitzt im Kittchen Windischgrätz Und spricht zu seinem Sekretär: „Wenn doch ganz Europa— wie Ungarn wä.'l* Henning v»d»rjto bt. nicht, so macht man in Preußen nach, was die Deutschnatto- nalen im Reich gemacht haben, und schlägt auch dort den ganzen Laden kaputl Wäre das etwa—.Verantwortungsbewußtsein"? Die �reuzzeitung' meint, die Sozialdemokratie wünsche revolutionär aufzutreten, sie sei eben.staatsfeindlich' und nur auf.Straßenagitatton' bedacht, also sei der Beschluß.folge- richtig". Nun sei es aber am Zentrum, die Lage zu entwirren und die Bahn für Luther freizumachen. Die„Deutsche Tageszeitung" schließlich findet, der Ver- liner Beschluß sei„eine schallende Ohrfeige' für das Zentrum und„wohlverdient". Nach alldem müsse eine Regierung ge- bildet werden, ,die über dem Parteihader steht". Ginge es also nach den Wünschen der Rechten, so würde sich die trübe Prophezeiung der„Germania", die Entwicklung könne auch nach rechts gehen, sehr bald erfüllen. Frellich kann die Entwicklung nur dann nach rechts gehen, wenn auch das Zentrum dabei mitmacht. Reifeboptott gegen Italien! Dt« voltsparteiliche Parole. Die„Nationalliberale Korrespondenz", das offizielle Organ der Boltspartei, druckt befürwortend einen aus Süottrol stammenden Austuf ab, der den R e i s e b o y k o t t gegen Italien proklamiert. Kein Deutscher dürfe mehr nach Italien reisen, wenn er nicht zum Verräter an Südtirok werden wolle. Im Jahre I92S haben 186 OOO Deutsche als Dergnügungs- reisende Italien besucht. Durch ihr Fernbleiben hofft man einen solchen Druck auf die faschistische Regierung ausüben zu können, daß der Kurs in Südtirol geändert wird. Der Aufruf bezeichnet das italienische Volk als„das Volk der Tierquäler. Wir meinen, daß eine solche Beschimpsung eines ganzen Volkes ungerecht ist. Das italienische Volk ist heute selber ein„gequältes Tier". Unsere Sympaihien gelten nicht nur den Deutschen Südtirols, sondern allen, die inner- halb der italienischen Grenzpfähle unter dem faschistischen Verbrecherregimcnt leiden. Und darum meinen wir auch, daß der Boykott, der eine zweischneidige Waffe ist. nur dann e r f o l g r e i ch ange- wendet werden könnte, wenn er nicht nur von dem deutschen Bürgertum aus besonderen nationalen Gründen, sondern von den arbeitenden Völkern international aus allgemeinen Gründen der Gerechtigkeit und Menschlichkeit ausgeführt werden würde, und nicht mit einer feindlichen Spitze gegen das italienische Volk, sondern im Interesse auch dieses Volkes, das heißt im Gemeininteresse der europäischen Kultur. Indes gibt es noch«ine andere unausgeschöpfte Möglich- feit, wenigsten« den Südtirolern zu Hille zu kommen. Die„Tägliche Rundschau" weist aus sie hin, indem sie schreibt: wäre da» Deutsche Reich iNitglled de, völkerbun- de», so hätte es die Möglichkeit, hier seine Stimme al» Protest zu erheben. Aber auch dies« Möglichkeit fehlt ihmt Die„Tägliche Rundschau" vergißt hinzuzufügen, baß diese Möglichkeit nur deshalb fehlt, weil man den Ruf der bekanntlich„anttnationalen" Sozialdemokratie nach dem Eintritt in den Völkerbund solange überhört hpt. Wir meinen also, daß der Schwerpunkt des Kampfes zu- nächst in Genf ruht, dann v'elleicht in Z ü r f ch und in Amsterdam. Nicht in den Reisebureaus Unter den Linden. »Prost Seecklt" Ein kommunistische» Abendblättchen veröfseni- licht unter dem Strich ein Gedicht unter dem Titel»Prost Geeckt l" Zunächst dachten wir. daß die kommunistische Presse sich endlich, wenn auch etwas verspätet, dazu entschlossen hätte, ihren Lesern wahrheitsgetreu mitzuteilen, daß der russische Dolkskommissar Tschttscherin kürzlich bei Geeckt oefrüdstiick! hat. Ein« genauere Prüfung ergab jedoch, daß es sich leviglich um eine Satire auf die Beförderung des Gastgebers Tschiischerins zum Generalobersten handelt. Wo liegt üas herz der pflanze! veber die neuesten erstaunlichen Entdeckungen de» großen indischen Pflanzenphysiologen Sir Iagadis Chandra Pos«, die er in einem Vortrag zur Feier de» achtjährigen Bestehen» seines Institut» in Kalkutta bekannt gab, ist bereits kurz berichtet worden Ein Berichterstatter der„Time»" macht jetzt ausführliche Mtt- teilungen über diese offenbarten Wunder des Pslanzenleden», die da» Lebenswert de. Gelehrten krönen E» Ist Boke mit Hilfe unend- lich feiner Meßinstrument« gelungen, den Herzschlag der Pflanze festzustellen, zu entdecken, ob st« gefund oder krank sind, und ihren lodeskampf zu beobachten. Wie Bose erzähtte. begann er vor 32 Jahren feine Forschungen, und zwar ging er von der Entdeckung aus, daß auch die unorganischen Stoff« Ermüdungserscheinungen aufweisen, ähnlich der Ermüdung in den tierischen Muskeln, und daß die Ermüdung im organischen und unorganischen Leben nach einer Zeit der Ruhe beseitigt wird. Das führte chn dazu, die Eigentum- lichkeiten der einfacheren Lebensformen zu untersuchen, wie sie sich in den Pflanzen darstelkrn, und noch mühsamen und geduldigen Forschungen war er imstande, zu zeigen, daß der Lebensmechanismu» der Pflanze mit dem des Tieres identisch ist. Er fand in der Pflanz« «in« Kraft, durch die sie Zeichen von ihren Reaktionen auf die Außenwelt gibt, und er stellte Instrumente her, durch die diese Zeichen der Pflanze in schriftliche Aufzeichnungen umgewandelt werden. Es glückte ihm, den Sinn und die Bedeutung dieser Hiera. glyphen zu entziffern, durch die festzustellen ist, ob die Pflanzen krank oder gesund sind, ob die Nahrung, die sie erhallen, für sie gut oder schädlich ist. So kam Rose zu der Erkenntnis, daß die Pflanze ein fehr hoch entwickeltes Nervensystem besitzt, und daß der Pulsschlag ihre» Organismus, der die Stell« des Herzschlags bei den Tieren ein- nimmt, die genaueste Auskunft über die Aeußerungen der Pflanzen- nerven gibt. Mit Hilfe seiner Instrumente konnte er die Tätigkeit der lebendigen Zellen nachweisen, die den Saft von den Wurzeln des Baumes bis zu seinen äußersten Blättchen im Gipfel hinauftreibt und so ein Problem lösen, das die Wissenschaft seit 200 Iahren beschäftigte. Die Stelle, wo das Heiß der Pflanze liegt, wies der Gelehrte mtt Hilfe einer elektrischen Sonde nach, die mit einem sehr feinen Galvanometer in Verbindung steht. Wenn der elektrische Kontakt mit einem ruhenden Muskel hergestellt wird, dann bleibt der Galvanomecer ruhig. Aber wenn die Sonde da» schlagende Herz der Pflanze berührt, dann werden elektrische Ausschläge hervor. gerufen, die den Pulsschlägen der Pslynz« entsprechen.„Um das Herz der Pflanze zu lokalisieren." sagte Rose,„führe ich die Sonde an dem ganzen Stamm oder Stengel der Pflanze entlang: sobald sie mit der pulsierenden Schicht � in Berührung kommt, werden elektrische Signale ausgesandt, die automatisch von dem Galvano- araphen ausgezeichnet werden. Jede tötig« Zelle saugt während dieser Phase ihrer Ausdehnung Wasser von unten auf und drückt e» während der Phase des Zusammenzichens nach oben. Das Herz der Pflanze ähnelt dem verlängerten Herzen einiger niedriger Tiere, wie z. B. dem der Regenwürmer. bei denen«ine peristaltische Tötig. kell die zirkulierend« Flüssigkeit oorwärtstreibt." Um den Herzschlag der Pflanz« zu messen, der weniger als ein Millionstel eines Zolls beträgt, war eine ungeheure Vergrößerung nötig, für die sich Bbse eines magnetsschen Apparate» bedient«, der die kostbare Reichswehr. Wieder eine irreführende Erklärung. In unserer Sonntagsnummer hatten wir sehr eindeutig« Zahlen aus dem Reichshaushattsentwurf für 1926 abgedruckt, die da» Anwachsen der Ausgaben für Reichswehr und Marine beleuchteten. Den Eindruck dieser Ziffern sucht nun eine Erklärung abzu- schwächen, die durch WTB. verbrettet wird und sicher au» dem Reichswehrministerium stammt: lieber den Haushallsentwurf für da» Reichsheer sind Mtt- teilungen oerbreitet, die irrige Anschauungen zu er- wecken geeignet sind. Für den Heereshaushall sind für 1926 6 4 Millionen mehr angefordert als für 1923. Hiervon entfallen über zwei Drittel, nämlich 43,5 Millionen auf die allgemeinen G e- haltserhöhungen. die im vergangenen Jahr« eingetreten sind. Die im Lertrag von Versailles festgesetzte Zahl der Offiziere, Beamten. Unterofsiziere und Mannschasten hat sich nicht ver- ändert. Die weiteren 18,5 Millionen dienen nicht umfangreichen Anschaffungen an Waffen und Munition, sondern finden Ihre Er- klärung in der Erhöhung aller Gestehungskosten fett dem 1. April 1925. Diese wird auch durch die genannten 18,5 Millionen noch nicht ausgeglichen. Die in der Finanzlag« des Reiches begründete Notwendigkett, zu sparen, hat nicht«Jf"' mal zugelassen, bezüglich der Auffrischung der Wal- sen und Munition die M ö g l c ch k e i t e n zu erschöpfen, die den Festsetzungen der Interalliierten Milttärkontrollkommission ent- sprachen hätten. Diese Erklärung lenkt von dem kern der Dinge geflissentlich ab. Wir haben au» dem Etat selbst zttiert und diese Zahlen wird doch wohl dos Reichswehnninisterium al» richtig anerkennen müssen, da es selbst sie in den Etat hineingeschriebeir hat: Von den einmaligen Ausgaben werden verlangt beim Heer für Ergänzung und Ansfrsschoog der BefÖnl* cw Waffen. Moniilon und heergeräle 34 Millionen Mark, für den Ankauf von 3300 volljährigen Pferden zur Aufbesserung de» Pferdebestandcs 2,9 Millionen Mark, für Verbesserung und Per- vollsloadigung der verleidigungsmlllel 1t Millionen Mark. Di« Marin« fordert als erste Teilbeträge für den Bau von zwei kleinen Kreuzern, von sechs großen Torpedobooten ond einem kleinen Torpedoboot IS«70 000 Mark. Ferner erst« Teil- betröge für die artilleristische Armierung der ge- nannten Schisse 10 430 000 Mark, serner S 500 000 Mark zur Per- befferung und Vervollständigung der verteidlgungsmittcl. lns- gesamt also 86,5 Millionen. Sind diese 86,5 Millionen wirklich n u r 1 8. 5 M! l- l i o n e n Mehrsorderung, die nicht durch Gehallserhöhungen be- dingt sind? Mit solchen Rechentunststücken wird das Reichswehr- Ministerium sein« Sache nicht retten können. Die Sozialdemokraten werden im Hauehaltsausschuh mit größter Entschiedenheit dafür ein- treten, daß das Gebot der Sparsamkeit, dos für alle Ressorts gilt, auch auf den Etat der Reichswehr Anwendung fmbrt. Senatsprastüent Zrepmuth zurückgetreten. Wege« Erkrankung. Der Senat spräsident am Kammergericht, Genosse A. Frey- muth, der durch fein entschiedene» Eintreten für ein« Sustizreiorm wetten»reisen bekannt ist. trat am 1. Januar von feinem Amt zurück. Freymuth wurde als juristischer Verfechter eines Ausiührungs- gejetzes zum Ausnahmezuftandparagraphen der Reichsverfassung unS als Gegner der„Scttwarzen Reichewehr" der besondere Liebling" de» Retchswehnniniftmums. Sein Rücktritt erfolgte auf den Rat eines ärztlichen Spezialisten, der bei Freymuth ein schwere» Herz- und Gallenleiden feststellte. Genosse Freymuth steht erst im 53. Lebensjahre,>r hat all, die richterliche Altersgrenze noch nicht erreicht. Er war noch de? Revolution zunächst Unterstaatssekretär im Preußischen Justiz- Ministerium, wurde bald darauf Staatssekretär, Vevollmächtigier zum Reichsrot und Mitglied der Preußischen Landesversammlung. Als Senatspräsident am Kammergericht war er besonders mtt dem Recht der Gesellschaften mtt beschränkter Hastung beschäftigt, worüber er kürzlich auch ein größere» Wert erscheinen ließ. die Bewegung 10 Millionen mal verftärtt. Auf dies« Weise könnt« er ln seinem Bortrag sowohl die Herzschläge einzelner Pslanzen sichtbar machen als auch den Einfluß von Chloroform aus die Pslanze und die krampshasten Zuckungen, die dem Todeskamps der Pflanze vorangehen. � Auch der Fall Zehner erledigt. Der Intendant de»»erfiner Schauspielhauses, Leopold Ießner, halt« vom Aufsichtsrat des Deut» schen Schauspielhauses in Hamburg den ehrenvollen Ruf erhalten, die künstlerische Leitung dieses Theater» zu übernehmen. Genosse Ießner hat nun an seine Hamburger Freund« einen Brief gerichtet. in dem er von der endgültigen Ablehnung dieses Rufes Mitteilung macht. Für die Ablehnung war maßgebend die einmütig« Kund- gebung des Gesamtpersonals der beiden von ihm in Berlin geleiteten staatlichen Schauspielhäuser und eine Bertrauenskundaebung des Ministerium» für Kunst und Wissenschaft sowie de» gesamten preußischen Ministerium». Die von Ießner au» Solidarität mit Schillings in Berlin eingereicht« Demission scheint damtt ebenfalls als erledigt zu bettachten zu sein. Die erste«ssrklsche Eheschließung»neuen SM,". In Eski-Bekir fand dieser Tage die erst« türkische Eheschließung neuen Stil» stait. Die Ehevertragsschließenden waren«ine Schullehrerin und ein städtischer Beamter: st« unterzeichneten einen Kontrakt, in dem<•» heißt, daß sie gleiche Rechte genießen, und daß jede Handlung, die geeignet wäre, diese Freiheit— vor ollem naturlich die Frei he't der Frau— zu beschränken, al» eine strafwürdige Verletzung der Heilig- teit der Ehe aewertet werden soll. Es wurde serner in dem Vertrage ausdrücklich festgesetzt, daß. wenn die Lebensverhältniste sich mchk günstiger gestalten sollten. Mann und Frau verpslichtet sein sollen. sich nötigenfalls die Unterhaltsmittel unabhängig voneinander zu verdienen, was einer Susoendieruna der Unterdaltspslimt des Mannes gleichkäme. Eine Vertraasklaussl setzt den Wert der Mitgnt auf 500 türkische Pfund fest und bestimmt, daß Im Ehescheidunoosave von demjenigen Ehepartner, welcher den Scheidungsprozeß anstrengt. eine Schadeuersatzsumme in Mitgifthöhe zu zahlen sei. Die neue, kemaloewollte türtische Eheschließung endete mit einem Shimmy echt amerikanischer Prägung. Da, Hans für Inlellekkoelle Zusammenarbeit. Am 16. Jan,,-? findet in Paris die Einweihung des von der französischen Re- gierung dem Völkerbund zur Berfügung gestellten Internationalen Instituts für Intellektuelle Zusammenarbeit statt. An der Feierlichkeit nehmen außer dem Sekretariat des Bölkerbundes. der französischen Regierung und dem diplomatischen Korps Delegationen det wissen- fchastlichen Verbände de» Auslandes teil. Auch Dertreter des deutschen Geistesleben», da» in dem Institut durch den zum Präsi. denten der Abteilung für geistigen Austausch ernannten Professor Echultze-Gävernitz repräsentiert wird, werden dazu in Parts erwartet. „.«■« N>e-<«rau,fl«0i»'S w Mm.«u»«nlich de» ISOsibriaen»e. nebenS de» vurglheoter» beabiickitizt der deixtichöftmeichische Büdnenverem unter dem Titel: ,150 Iabr« wiener Idealer" eine IficattramfleHnna an »eranftatten. Die Ausstellung, die intereffartt« Dokumente und Obsekte bVr »ergangene« 160 Jahre»eigen frtl, wird voraussichtlich am LI Janntre »rbgnet«erden. Wer stellt Sie Nothilfe Z Aufgabe« der produktiven Erwerbsloseuunterstützmtg. Eine Anfrage der Dolkspartei im Landtag weist darauf hin, daß in verschiedenen Testen des Reiches die Technische N o t h i l f e zur Bekämpfung des Hochwassers herangezogen worden ist. Die Volkspartei knüpft an diese Feststellung die Forderung, den Reichskommistar für die besetzten Gebiete zu veranlassen. Schritte zwecks Zulassung der Nothilfe auch in diesen Landesteilen zu unternehmen. Die Anfrage der Volkspartei deckt einen sehr bedauerlichen Uebelstand auf. Er liegt aber nicht darin, daß die längst überflüssige Technische Nothstfe von der Rheinlandkommission im besetzten Gebiet verboten ist. sondern in der Tatsache. daß sie zu Aufgaben herangezogen wird, deren Erledigung Sache der produktiven Erwerbslosenunter- st ü tz u n g ist. Reich und Länder beraten fest Monaten dar» über, wie den Arbeitslosen praktisch zu helfen ist. Sie stellen Programme für Notstondsarbeiten auf. Was nützen diese Programm« und Beratungen, wenn im entscheidenden Augenblick die Arbeiten an eine Institution vergeben werden, deren Existenz aarnicht im Jntesse der notleidenden Arbeitnehmer liegt! S t a a t sg e l d e r, die für die Erwerbslosen fruchtbar gemacht werden könnten, werden auf diese Weise vergeudet. Wir nehmen an, daß diesem unsinnigen Zustand schleunigst ein Ende gemacht wird._ »Noch keinerlei Mitteilung � Erklärung Luppes. Nürnberg. S. Januar.(Eigener Drahtbericht.) Oberbürgermeister Dr. L u p p e gab heute Vertretern der Press« gegenüber Erklärungen ab, die zunächst die Vorgeschichte seines Falles berührten. Er sprach die Hoffnung aus, daß der gegen ihn unternommene Schritt der letzt« Versuch seiner Gegner werde, ihn unmöglich zu machen, und wies darauf hin, daß es ihm trotz anfänglichen Wider- stände» gelungen sei, die Mehrheit des Stadtrats zu einer sachlichen Zusammenarbeit zu bewegen. Ueber die Voruntersuchung wegen ooisätzlicher oder sahrlässiger Verletzung der Eidespslicht erklärte er, daß er bi» heule noch keinerlei Mitteilung erhalten habe, also auch nicht misten könne, ob sich die Dorunter- suchung auf die beiden bekannten Fälle, aus einen der beiden Fälle oder auch auf andere, ihm völlig unbekannte Fälle beziehe. Zum Schluß mies Dr. Luppe darauf hin, daß der Staatsanwalt, wenn er korrekt verfahren wolle, auch die anderen Zeugenaus- sagen auf ihre Wahrhaftigkeit prüfen müsse, da zwischen ihren Aussagen in dem zweiten und dem ersten Prozeß in e n t s ch e i- denden Punkten ungeheuerliche Widersprüche be- ständen. MeiaeiSsverfahrea gegen Hitler! München. S. Januar.(Eigener Drahtbericht.) Auf Anfrage bei dem ersten Staatsanwalt des Landgerichts München l erfährt der Korrespondent des.Sozialdemokratischen Pressedienst', daß gegen Hitler ein Verfahren wegen Meineids eröfsnet worden ist. Der Verdacht der Eidesverletzung gründet sich auf folgende Tatsache»: Hitler wurde im Luppe- Streicher-Prozeh als Zeuge ver- nommcn, wobei er unter Eid auch über die Vorgänge des l. Mai ist 23, wo sich bekaimtlich zum erstenmal die bayerisch? Staatsgewalt und die Hitlerfchcn Kampsoerbände in einer unli- tärischen Machtprobe gegenüberstanden, auszusagen hatte. In dieser Aussag« behauptete Hitler, daß sich dos damalige Vorgehen der Kumpsverbäud« nicht gegen die bayerische Regierung, sondern nur gegen die Roten gerichtet habe. Weiterhin hat Hitler in einer Reihe von Einzelheiten über jene Vorgänge eidliche Be- hauptungen ausgestellt, die der historischen Wahrheit, wie sie durch die geheimen Verhandlungen im großen Hitler- Prozeß und durch später beigebrachtes Aktenmaterial be- wiesen ist, direkt widersprechen. Schließlich stehen verschiedene Be- hauptungen Hitlers zu den eidlichen Erklärungen, die der Genosse Auer im Luppe-Streicher-Prozeß abgegeben hat. im schärfsten Widerspruch. Die Frage der Eidesverletzung durch Hitler wird von der Staatsanwaltschaft schon seit einiger Zeit eingehend geprüft. Die Untersuchung liegt in den Händen des ersten Staatsanwalt» S t e n g- lein, des glichen Herrn, der die Anklage im großen Hitler-Prozeß vertreten hat und der also in die Vorgänge der Hitler-Putsch- bewegung des Jahres 1323 genau eingeweiht ist. vor Aem Sozialiftenkongreß. Tie Gegner der Koalition bisher in der Mehrheit. pari», 5. Januar.(Eigener vrohlbericht.) Die bereit» mit- geteilten Ergebnifle der Abstimmung über die Vetcstlguag der Sozialisten an der Regierung In den provinzlalorganisationen umfassen eliva zwei Drittel de» Departement». Räch den nunmehr vorliegen- den Ziffern haben die G e g n e r der Veteiligung bisher eine Mehr- heit von nngefähr 500 Stimmen erholten(1300 gegen 800). von den noch ousslehenden 1050 Mandaten sind ihnen zum mindesten 140 In Pari» und weilere 200 bi» 300 in der Provinz sicher, so daß «ruf dem außerordentlichen parteilog die Zauresche These eine Mehrheit von mindesten» 300 bis 400 Stimniea erholten wird. Immerhin haben die Anhänger einer Veteiligung an der Regierung sehr bedeulsame Zorlschrllle zu verzeichnen. Sie haben nicht nur den weitaus gröhlen Teil der l ä n d- lichen Departements erobert, sondern auch in einer ganzen Reihe von verbänden, die sich fast ausschließlich aus Jndustrtearbet- lern zusammensetzen und die bisher einer veteiligung ablehnend gegenüberstanden, die Mehrheit an sich zu bringen vermocht, so unter anderem im Departement pa, de Ealai». wo die Resolution Re- na-jhel mit 112 gegen 49 Stimmen angenommen wurde, im Ober- elsaß(Sg gegen 22). im Unterelsaß lSS gegen 24). haute Garonne (84 gegen 7). Giroade(83 gegen 31). Var(73 gegen 17). puy de Dome(45 gegen 24). Die hier erwähnte Resolution des Parteisekretärs Paul Faure, die auch die Unterschriften von Comp�re- Morel, dem führenden Agrarpolitiker der Partei, und von L e b a s. dem Bürgermeister von Roubair trägt, lehnt die Zusammenarbeit von Sozialisten und Lrntsbürgerlichen in einer Regierung an sich nicht ob. Denn sie besagt in ihrem entscheidenden Teile, daß die Partei die direkte Regie- ningsverantwortung keineswegs scheut, und daß sie bereit ist. sie entweder a l l e i n mit Unterstützung von Linksparteien »der durch Beteiligung an einer Kartellregierung m i t sozialistischer Mchrheitim Kabinett zu tragen. E- fragt sich nun. ob diese Resolution nur eine Sesie darstellt oder ob sie e r n st g e m e in t ist- Daruber war man sich in der Partei selbst nicht ganz im klaren, und das war auch eine der Hauptgründe, weshalb der außerordentliche »Parteitag einberufen wurde. Eine in ihrer Mehrheit fozia» listische Regierung würde, selbst wenn sich dle Kammer auf diese Lösung einlajsen würde, was zweifelhaft erscheint, jeden- falls gegenüber dem Senat kaum lebensfähig fein. Da übrigens die Sozialisten nur ein Drittel der Mehrheit des Linksblocks bilden, wird ihr Anspruch auf die Mehrheit der Sitze im Kabinett von den Radikalen als ungebührlich zurück- gewiesen. Unter diesen Umstünden gist die Resolution Faure allgemein als ein V o r w a n d für die Ablehnung der Koalitionspolitik und ihre Anhänger werden überall als Gegner einer Koalitionsregierung bezeichnet, obwohl dies, wenn man sich an ihren Wortlaut hält, eigentlich nicht zutrifft. Schluß öes PP Erfüllung feiner Forderungen— Fi. Bn. warfchav, 3. Januar.(Eigener Bericht.) In einer Ausschußsitzung, die die Führer beider Richtungen in der Koalitionsfrage bis 4 Uhr morgens zusammenhielt, gelang es, eine Einigung zu erreichen, die nur ein Teil der Opposition, meist Vertreter kleinerer Gewerkschaften, in denen die Kommunisten einigen Anhang haben, nicht mitmacht. Aber darum ist von einer Partei- spaltung ebensowenig die Rede, wie wenn bei uns eine Anschauung in der Minderheit bleibt. Den Sinn der Einigung ergab ein stark- betonter und durch lebhasten Beifall unterstützter Satz in der Schluß- rede D a s z y n s k i s:„Entweder Erfüllung unserer Forderungen, oder Austritt aus der Koalition: wir sind jeden Augenblick zum Kampf bereitl* Diese Forderungen handeln zum größten Teil von innerer Reorganisationsarbeit, Wirtschaftspolitik, Arbeitslosenfürsorge und Produttionssörderung. Ueber die wirlschaflstch« Lage referierte der Leiter der Gewerkschaftszentrale, Gen. Z u l a w s k i. Er führte aus: Die Arbeitslosigkeit steigt von Tag zu Tag. Wir haben bereits über 300 000 Arbeitslose, fast ein Drittel der inländischen Industrie- arbeiterschaft, dazu viele arbeitslos gewordene Angestellte.(Wobei nicht zu vergessen ist, daß 400 000 polnische Staatsbürger im Aus- land arbeiten, in Frankreich, Skandinavien und(75 000) in Deutsch- land. D. Ver.) Man muß anerkennen, daß die Unternehmer die Fabriten nicht aus Bosheit schließen, sondern au» Mangel an Kapital und infolge der außerordentlichen Erschwerung des Absatzes. Deshalb hat sich eine Gemeinsamkeit der Interessen von Kapital und Arbeit herausgestellt. Wir brauchen die Fabriken, um Beschästiaung für die Arbeiter und das Kapital, um Gewinn zu haben. Indessen ist die gegenwärtige Regie- rungstoalition, an der wir teilnehmen, nicht auslange Zeil berechnet. Denn wenn die gegenwärtigen Schwierigkeiten aushören, treten die wirtschaftlichen Gegensätze wieder hervor. Tatsächlich ist das Proletariat jetzt weder kampfbereit, noch kampffähig. Der unmittelbare Kampf bei stillstehenden oder nur 2 bis 3 Tage in der Woche arbeitenden Fabriken ist widersinnig. Das zeigt sich auch in den Versammlungen und Kundgebungen. In- siinktiv fühlt der Arbeiter, daß es notwertdig ist, eine Politik zu treibm, die die Prodnktionsmöglichkeit fördert. Deshalb iindet die radikale Agitation keine» Anklang. Gerade solche Ge- nossen, die jetzt sehr radikal tun, haben sich an die Spitze non Depu- taiionen stellen müsien, mit denen Arveiter und Kapitniistcn g e- »i eins an, die Regierung um Hilfe zur Aufrechterhaliung der Äc- triebe bestürmten. Ist das revot'itionärer, als eine Koalition mit Parteien zu bilden, die grundsätzlich verschiedene Interesien ver- treten— aber mit dem gemeinsamen momentanen Ziel, die Industrie vor der Vernichtung zu bewahren! Die Bauernpartei.Befreiung'(Wyzwolenje), mit der zahlreiche Redner unsere Partei gemeinsam vorgehen sehen wollen, hat sich in vielen sozialpolitischen Fragen gegen uns, d. h. gegen die Arbeiter erklärt, so unter anderem als wir die Verwaltung der Arbeitslosen- füriorge den Gewerkschaften übertragen wollten. Es war uns sehr schwer, die Besetzung Danzigs zu verhindern, weil Wyzwo- lenje in diesem Verlangen der Nationalisten vorausmarschierte, ebenso wie in deren Kamps gegen L o c a r n o. Rein, nicht mit dieser Partei hat die Arbeiterschaft gemeinsame Interessen, überhaupt nicht mit der nationalistischen Reaktion, sondern ihre dringenden eigenen wirtsfbait'.ichen Interessen haben wir zu oertreten.(Lebhafter Beifall.) In geschlosiener Sitzung behandelte der Kongreß Inner» Ange- legcnheiten der Partei. Er beschäftigte sich dann mit der Boden- reform, das ist jene Aufteilung des Großgrundbesitzes, über deren Inhalt und Annahm« im Parlament wir seinerzeit berichtet haben und von der man uns sagt, daß noch längere Zeit vergehen wird, che sie ausgeführt wird. Es sei anmerkungsweise an dieser Stelle betont, daß die Enteignung deutscher Grundherren nur dann nicht zum Rcuaufslammen antipolnischer Stimmung in großen Teilen des deutschen Volkes führen wird, wenn mit den Parzellen auch Deutsche im Verhältnis ihrer Volksstärke bedacht werden! lieber die auswärtige Politik sprach zunächst Abg. Gen. Njedzalkowski, der das Werk von Loöarno als Anfang zur wirklichen Befriedung Europas be- orüßie, den großen Anteil der vorbereitenden Arbeit der Sozia- listischen Arbeiterinternationale hieran betonte, auf die außenpoli- tischen Beschlüsse von Marseille hinwies und den Beweis führte, daß die sozialistische Forderung nach starker Rüstungsein. schränkung sowohl außenpolitisch durchaus erträglich fei, wie dem Willen des polnischen Volkes entspreche. Abg. Gen Dr. Diamond, der Mitbegründer der legalen PPS. in Galizien. führender Wirtschaftspolitiker einst in der öfter- rcichischcn und jbtzt in der polnischen Sozialdemokratie und Mit- wirkender an den so langwierigen polnisch-deutschen Wirtschaft»- Verhandlungen, sprach u. ä. von der Cliquenwirtschaft in den Ministerien, von deren Mißwirtschaft er mancherlei Proben gab. So habe die Clique, als auch auf Dr. Diomands Drängen die Optantenaustreibung«ingestellt wurde, nachher eine ossiziöse Auslassung oerfertigt, daß der Verzicht aus die Optantenaus- Weisung nicht endgültig sei. was natürlich in Deutschland ausgenutzt wurde. Mit voller Offenheit erklärte der Redner sich gegen weitere Liquidation deutschen Eigentums, die in Deutsch- lond solche Erregung hervorrufe. Man dürfe überhaupt, trotz der Ermächtigung von Vei-failles, die im Geist einer längst überwun- denen Zeit gegeben wurde, nicht heut« sich an Schuldlosen dafür rächen wollen, wa, ihre einstige Regierung Polen angetan habe. Der Redner forderte gründliche Abrüstung, zu der schon die Finanznot jetzt die Militärstaaten zwinge Die EntMilitarisierung Deutschlands, die man ihm einst zum Hohn aüferkeqte, ist für das Reich ein Segen geworden. Wenn man öfter sage, Deutschland sei ein gefährlicher Nachbar, so wären ihm(dem Redner) ja vielleicht Dänen oder Schweden als Rachbarn auch lieber, aber der Deutsche fei einmal da und man müsse olles tun, um mit ihm Freundnachbariichkeit zu hallen. ver Patriotismus de, Polen llegk In der Erhaltung gut« Beziehungen zu allen Völkern. Die Anhänger der Resolution Renaudel sind ausge» s p ro ch e n e Anhänger der Koalition. Sie sehen die Reso» lution Faure als eine kaum verschleierte Ablehnung der Koali- tion an und behaupten, daß die unvermeidliche Folge ihrer Annahme die Rückkehr des Nationalen Blocks an die Regierung, wenn nicht gar der Faschismus, fein würde. Zu bemerken ist noch, daß die Resolution Faure. weil sie die Koalition nicht bedingungslos verwirft, der äußersten Parteilinken nicht genügt, die eine eigene Resolution ein- gebracht hat, welche jedoch nur in Paris und in einigen De- partements einzelne Befürworter gefunden hat. S.-Kongreffes. oder Austritt aus der Koalition. Dazu gehört heute vor allem Mut, aber ohne Mut gibt es keine gute Politik, weder äußere, noch innere und auch keine gute Wirt- schaftspolitikl Der Kongreß machte sich diese Ausführungen durch besonders lebhaften Beifall zu eigen. Nach Erledigung von Anträgen und Uebertragung der Wahl des ZKW.(Parteivorstand) an den soeben gewählten Parteirat schloß Gen. Daszinsti, der mit Iaworowskt- Warschau und Dr. Marek- Krakau sich in die Verhandlungsleitung getellt hatte, den Parteitag mit einer schönen Rede, in der er auch nochmals den ausländischen Bruderparteien für ihre Vertretung, der Warschauer Organisation für ihre vielen Veranstaltungen, der Stadt Warschau für die Ueberlasiung des Rathauses und der Warschauer Partei- miliz(Abwehrtruppe) für den Ordnungsdienst dankte. Bei der Nennung der Vorkämpfer der PPS. und zwar in erster Linie Joseph P i l s u d f k i s, erhoben sich die Teilnehmer zu Ehren dieses allen Nevolutionär»— aber nicht, um den fetzigen„übelnehmenden' Mar- schall a. D. zu feiern. Das Hoch des Vorsitzenden auf die PPG. und die Internationale beantworteten die Anwesenden mit dem Ab- singen des„Czcrwony fztandar'(Rote Fahne). Ein spontan aus- gebrachtes �Niech zyje(es lebe) Dafzynfki!' wurde von allen freudig dreimal wiederholt. Wels vor warschauer Arbeitern. Internationales Meeting in Polens Hauptstadt. R. Bn. Warschau. 3. Januar.(Eigener Bericht.) Der Einladung zu einer„Akademie' mit den Vertretern der Bruderparteien als Redner waren am Sonntagvormittag so viele Warschauer Towarszsczski(Genosien und Genossinnen) gefolgt, daß der große, sensterreiche Vortragssaal der Gesellschaft für Hygiene bis aus den letzten Platz gefüllt war. Die Erössnungsrede sprach der Warschauer Parteioorsitzende Abg. Iaworowsti, dessen Aus- Zählung der erschienenen Nichtpolen mit stürmischem Beifall aujgc- nommen, der sich zu einer tosenden Ovation für Gegetschtorl und S a l a k a j a, die Vertreter des vom russischen Imperialismus gleich seinem zarischen Vorgänger geknebelten Georgien steigerte. Im Namen der PVS. stellten nun die Abgg. D i a m a n d und Czopinski sowie Senator Posen er die Gäste vor. Der erster« brachte den Hörern das Wesen unseres Otto W el» als des harten Arbeiters, der sich seine Bildung selbst erworben hat, dessen ganzes Sinnen und Wirken seit den Jugendtagen nur der Partei gilt, nahe. Dann sprach, wiederum herzlich begrüßt. Wels selbst. Er sagte, daß er, in Erwiderung von Dmmonds Besuch aus unserem Heidelberger Parteitag, hierhergekommen, glücklich sei. diesen Kon- greh mitgemacht zu haben, denn er Hab« gewisie Meinungen über die PPS. vollkommen zerstört. Die frühere Weigerung der PPS., der sozialistischen Internationale, sowohl der Londoner wie der da- mals noch vorhandenen Wiener, beizutreten, hatte ihr den Ruf«in- getragen, naiionalsitisch zu sein. Aber hier in Warschau Hab« man erfahren, daß keineswegs ein« Abneigung gegen die Jniernationole, andern lediglich gewisie parieitaktische Rücksichten damals ent« chieden haben. Längst ist die PPS. in der Internationale, und mit Freuden habe man beobachtet, wie auf diesem ihrem Kongreß, genau so wie in jeder anderen Bniderpnrteh die wirtschaftlichen und tul'u» rellen Interesien der Arbeiterschaft das Handeln der Partei be- stimmen, nur auf diesem Boden um die richtige Erkenntnis ge» rungen wird und von irgendwelchen anderen, nichtsozialistischen Er» wägungen und Beweggründen gar nicht die Rede sei. Wels betont« dann die Notwendigkeit, daß die beiden Nachbar- Völker einander besser kennen lernen und daran gehen, alle Hinder» niss« voller Verständigung und de» einzig heilkräftigen Wirtschaft- lichen Zusammenarbeitens wegzuräumen, den Vereinigien Staaten von Europa den Weg zu bereiten. Wir alle, Sozialdemokraten in allen Ländern, arbeiten mit ganzer Kraft, jeder an seiner Stelle, für die Partei, mit der Partei, an der Partei. Wo es etwa nicht mehr so sein sollte, da muß es wieder so werden wie in früherer Zell.(Stürmischer Verfall.) Wels sprach sodann von der demokratischen Republik, die die Sozioldemokratie wie den Deutschen, so auch den Polen gebracht hat und die allein die Voraussetzung für den Sieg des Sozialismus ist. Da wir nicht das Zwei-, sondern ein Vielparteiensystem haben und dazu noch die kommunistische Arbeiterspaltung, wird Koalition«- Politik für uns in der demokratischen Republik bald da, bald dort notwendig. Eingehend besprach unser Parteivorsitzender, während deffen Ausführungen öfter Zustimmung und Beifall deutsch verstehender Hörer ertönte, die nächsten wirtschaf tlichen Ziele der so.z. Internationale, wobei er auf die von ihr und der Gewerkschafts- internationale bald abzuhaltende Konferenz zur Besprechung der Arb eiterwanderungen hinwies, an welcher Arbeit Genosi« Diamand großen Anteil hat. Die vereinigten Staaten von Europa. mit voller, wirtschaftlicher, durch Sperrmauern nicht gehinderter Zusammenarbeit, erstreben wir: ober in ihnen soll nicht wieder kapitalistische Ausbeutung, sondern sozialistische Wirtschoftsdemo» kratie herrschen. Dem gilt unsere Arbeit, unser Kampf— die Internationale soll einst die Menschheit sein! Der sofort sehr lebhaste einsetzende Beifall wiederholte sich stürmisch bei der Uebcrsetzung durch Dr. Diamand. Leiste Nachrickitea. Selbftmvrüverfuch Paul LeDerers. Der bekannte Berliner Kunstbändler Paul C a s i i«> e r«nter- nahm gestern abend»inen Selbstmordversuch. Cr schoß sich t» bi« Brust und verletzt« sich lebensgefährlich. Sei» Znstand gilt als sehr bedenklich. OeweMhastsbeVegung Grganisierte Anarchie in See Metallinüustrle. Entlassungen, Arbeitslosigkeit und Ueberstunden. Der Arbeilerrat der Firma Siemens u. Halste A.-G, Blockwert, bittet auf Grund des.Dorwärts'-Artikels in der Abendausgabe vom Zt. Dezember 1925, Nr. S16,.Die Anarchie in der Berliner Metallindustrie', um Abdruck folgender Zeilen: Die Detriebsvertretung fleht sich veranlaht, zu dem Artikel Stellung zu nehmen, weil das Blockwert der Firma Siemens u. Halste A.-T. betreffend, die U eberstunden, welche geleistet werden, besonders namhaft gemacht wird. Es könnte hierdurch nach rmhenhin der Anschein erweckt werden, daß der Arbetterrat in diesem Fall« nicht gon) seiner Pflicht nach den gesetzlich zustehen- den Rechten genügt hätte. Hierzu wäre zu ertlären, daß der Arbeiterrot bereits am 30. November ISZB der Betriebsleitung einen Antrag unterbrei» tete. welcher besagte. Ueberstunden dort«inzuschrän- ten, wo freie Arbeitsplätze vorhanden find, und den Produktionsausfall durch Neuein st ellungen auszu- gleichen. Die Betriebsleitung wollte auf Grund einer Verhandlung vom S. Dezember 1S2S dem Antrag nach Möglichkeit Rech- nung trogen. Der Arbeiterrat hat alle ordentlichen Mittel in Anwendung gebracht, welche auf Grund des Tarifvertrages ihm gegeben sind. Mit dieser Zuschrift wird unser« Mitteilung also b e st ä t i g t. Dag der Arbetterrat an diesem unmöglichen Zustand keinerlei Schuld tiägt, haben wir ohne weiteres angenommen. Wir erfahren mit Genugtuung, dah er feine volle Schuldigkeit getan und sich der Betriebsleitung gegenüber dafür eingesetzt hat, daß überall, wo es technisch möglich ist, statt Ueberstunden zu leisten, Neueinstellungen vorgenommen würden. Die Betriebsleitung hat versprochen, diesem Lorschlag Rechnung zu trogen. Da» war am S. Dezember. Seitdem ist ein Monat oerstrichen. Es werden aber weiter Neber- stunden verlangt und es sind kein« Neuein st ellun- gen vorgenommen worden. Was für das Blockwerk von Siemens u. Halske gilt, das trifft übrigens so ziemlich auf den gesamten Siemens-Konzern zu. Und nicht allein aus den Siemens-Konzern. Wir haben gestern eine nicht minder interessante Kundgebung der Belegschaft der bekonnten optischen Fabrik von G o e r z veröffentlicht. Uns will es scheinen, dah die Anarchie in der Berliner Metallindustrie eine o r g a n i- s i« r t« ist. Woraus die Wirkungen der Beseitigung des Abbau- s ch u tz e s durch den Reichsarbeitsminister vor zwei Iahren zieinlich klar zu ersehen ist. Woraus sich aber auch nicht minder klar die Verantwortung der Reichsregierung für diese an- archischen Zustände ergibt. Ein Betrieb kann heute ohne Wechsel- diskontierung nicht aufrecht erbalten werden. Er kann Erleichte- rungen bekommen oder auf Hindernisse stohen. Bestebt zwischen dem Neichsorbeitsministerium und den anderen Ministerien der nötige Kontakt, um die gewollte Anarchie in der Industrie zu unterbinden? Wir hören von Notstandsmasinohmen.- Wann werden wir endlich von den dringenden und mühsameren Wirt- schaftsmahnahmen hören! Hochwaffergefahr und Notstanösarbeiten. Die schweren Schäden am Rhein. Der Kölner Korrespondent der„Vosi. Ztg." schildert ein- flehend die Hochwasserschäden, die insolge der letzten Sturin- luten eingetreten sind, und die vielerorts geradezu verwüstend gewirkt haben. Gewaltige Sumnien an den Schädigungen für die Bewohner der betroffenen Gebiete werden erforderlich fein. Der Bericht fährt fort: Es muh noch festgestellt werden, daß fast überall die vorhandenen Deiche schadhaft waren, dem ausweichenden Einfluß des Wassers allzu rasch nachgaben und bei einem um wenige Dezimeter höheren Stand der Flut vielfach auch an Höhe nicht aus- gereicht hätten. Glücklicherweise sind die Deiche im deutschen Strom- gebiet nur an wenigen Stellen gebrochen, aber die intensivst« Tag- und Nachtarbeit war nötig, um das drohend« Verhängnis, das man nun allenthalben auf Maulwurfs-, Ratten- und Mauselöcher zurück- führt, zu bannen. Die Ueberwachung der Deiche war zweifellos nicht sorgfältig genug und ihre Konstruktion ist jedenfalls da, wo Siedlungen bedroht sind, zu schwach. Hier muß man vom Lehm zum Beton übergehen. Es ist furchtbar, zu ver- nehmen, daß der schlimm heimgesuchte Ort Westhoven bei Köln seine schon begonnene Bctonschutzmauer nicht fortführen konnte, weil der zugesicherte Staatszuschuß nicht ausgiebig genug war. und daß ein Damm bei Monheim, der erst im letzten Jahre «rrichtet wurde, dem Wasserdruck nicht standhielt. Die Notwendigkeit einer großzügigen Prophylaxe an Stelle der Millionenentschädi- gungen ist die dringende Lehre des diesjährigen Notstandes. Es ist in der Tat widersinnig, daß in einer Zeit größter Arbeitslosigkeit und schwerer industrieller Krisen die im Gemeininteresfe erforderlichen Deichbauten nicht ausgeführt werden können, deren Unterlassung im Falle des Hochwassers dem Staat MMonen an Kosten bringt. Hier ist ein Feld für produktive Notstandsarbeiten, mit deren Ausführung nach dem katastrophalen Anschwellen der Arbeitslofenziffer nicht mehr, gezögert werden sollte. Den Nutzen von dieser Arbeit hat das ganze Bolk. das mit der Schaffung neuer Befchäftigungsmöglichkeiten zugleich die Ge» fahr künstiger Schädigungen der Staatskasse durch Ersatz« ansprüche der vom Hochwasser bedrohten Bewohner aus- schaltet._ Rekordziffer der Arbeitslosigkeit in München. München. 5. Januar.(MTB.). Wie die.Münchener Post' meldet, hat die Zahl der Erwerbslosen in München jetzt ihre größte Höhe seit Kriegsende erreicht. Die Ziffern aus der Zeit der Demobilmachung find überschritten. München zählt jetzt über ZOllOV Erwerbslose. Das Blatt verlangt nachdrücklichst, daß angesichts dieser großen Arbeitslosigkeit mit der Inangriffnahme umfassender Notstandsarbeiten umgehend begonnen werde._ Da» Anwachse» der ArdeitSlosigkett in Bade«. Mannheim. 5. Januar.(Eigener Drohtbericht). Die Per- schlechieruna deS ArbeitSmorkte» in Baden in der zweiten Hälfe de« Dezember kommt in der enormen Steigerung der Zahl der Arbeitsuchenden zum Ausdruck. Am IS. Dezember betrug deren Zahl M 897 und am 30. Dezember 72 073. Die Zahl der Haupt- »nterftütziingSempfänger stieg in der gleichen Zeit von S8 50S auf 66 050. die Entwicklung öer wochenlshne. Die Steigerung des durchschnittlichen Wochenlohnes war nach den Angaben der amtlichen Statistik im Laufe der ersten 11 Monate de» Jahres 1325 folgender Entwicklung unterworfen: Gelernte Arbeiter Ungelernt« Arbeiter (in Mark) Januar 3«, 8 28,— Februar........ 38,8 29,3 Mär,......... 89,8 30,— April......... 40,9 30,8 Mai......... 41,8 31,3 Juni......... 42,5 31,9 Juli......... 43,6 32.4 August........ 44,1 32,9 September....... 44,8 33,1 Oktober........ 45,— 33.2 November....... 46,— 38,9 Di« Berechnung stützt sich auf die tarifmäßig gezahlten Wochen- löhne bei regelmäßiger Arbeitszeit im Bergbau, in der Metall- und der chemischen Industrie, im Bau- und Holzgewerbe und in der Papiererzeugungsinduftri«, die als erste Gruppe unter der Bezeich- nung Produktionsmittelindustrien zusammengefaßt werden. Die zweite Gruppe wird durch die Berbrauchsindustrie gebildet. Dazu gehören die Textil-, Brau- und die Süßwarenindustrie, das Buchdruckgewerbe und die Kartonnegenindustrie. In der dritten Gruppe, dem Verkehrsgewerbe, gehen die Berechnungen aus die bei der Reichsbahn gezahlten Wochenlöhne zurück. Bei der Entwicklung des Wochenlohnes ist im Aug« zu be- halten, daß nach Neuregelung des Lohnes mit Eintritt der Stabili- sierung das Lohnneoeau dein wirklichen Stand der Teuerung keines- wegs entsprach. Die Anpassung des Lohnes an die wirkliche Teue- rung ging wie folgt vor sich: «.t.rn?.0«Iv.if«. Hschltee und niedrigst»? � m ,r m Umia» der«onsumvereiiie Mitglieder 1. Halbjahr 1925.. 118 130 3,63 bis 3.85 M. 3. Vierteljahr 1925. 128,5 141.8 4,l0. 4.47. Oktober 1925.. 130,3 143,7 4.57 M. Neben die Entwicklung der Wochenlöhne haben wir die Umsätze der Konsumvereine pro Kops der Mitglieder gesetzt. Di« Zahlen müssen so verstanden werden, daß der Umsatz pro Kops im Januar 1925 nur 3,63 M. betrug und sich von Monat zu Monat aus 3,85 M. steigerte. Im Juli 1925 betrug der Umsatz 4,10 und im September 4,47 M. Da eine wesentliche Besserung der Lebenshaltung der Be- völkerung nicht eingetreten ist, läßt sich annehmen, daß die Lebens- Haltung(der gesteigerte Preis) größere Ansprüche an das Eintom- men stellte.' Infolgedessen floß ein immer größer werdender Teil des Einkommens für die Bestreitung der bloßen Ernährungs- tosten ob. Dem entsprach die Steigerung der Löhne nicht. Die größte Steigerung der Löhne liegt ungefähr bis zum Monat Juli 1925- Mit dem Einsetzen der sogenannten P r e i s a b- b a u a k t i o n. die auch als wesentlichen Progronimpunkt den Still. stand der Lohnbewegungen vorsah, wurde die Steigerung der Löhne gestoppt. Da» tritt besonders in der Entwicklung der Wochenlöhne für den Monat November zutage. Unverändert gegenüber Oktober blieben z. B. die Löhne für die gelernten Ar- beiter in der Metallindustrie und im Buchdruckgewerbe, weiter für die ungelernten Arbeiter bzw. Arbeiterinnen im Bau- und Holzge- werbe, in der Papiererzeugungsindustne, im Textil- und Buchdrück- gewerb« und in der Kartonnogenindustrie. Ebenfalls gleich gegen- über Ottober blieb der Lohn für den ungelernten Arbeiter im Ver. kehrsgewerbe. Für die anderen Kategorien sind nur unwesentliche Steigerungen festzustellen. Dadurch wurde der gerade in der Zeit nach Juli 1925 einsetzenden P r e i s st e i g e r u n g in der Entwicklung der Löhne keine Rech- nung getragen. Bon welcher Bedeutung das war, beweist folgende Oekwtegtmg: vnfer Getdmnlcmf»ermehrte sich in de? Zeit vom ZI. Dezember 1924 bis zum 30. November 1925 von 68,38 M. pro Kopf der Bevölkerung auf 79,66 M. In 11 Monaten ergibt sich also eine Steigerung pro Kops der Bevölkerung im Geldumlauf um 11,28 M. Die Steigerung fällt aber durchweg in die kritische Zeit nach dem Juli 1925, wo der hereinströmende Auslondskredit den Geldumlauf, aber auch die Preise steigert. Die einsetzende Krise hat auch für einen großen Teil der noch Arbeitenden durch Kurz- arbeit eine Lohnkürzung zur Folge. Vas �ingeffänünis eines Sankerottes. Die von der KPD. auf Anordnung von Moskau ins Leben gerufenen, gehätschelten und geförderten„selbständigen" Gewerkschaften sind zum Schmerzenskind der KPD. geworden. Sie wollen jetzt nicht aus einen neuen Befehl von Moskau hin ein- schwenken und sich wieder auflösen. Nun hat es Moskau bei vielen dieser Organisationen in der Hand, die Auslösung zu erzwingen: es braucht nur die sinan- zielte Unterstützung einzustellen. So ist z. B. gegen den heftigen Widerstand der Leiter die Auflösung der kommunistischen Eisen- bahnerorgonisation erzwungen worden. Die Schuhmacher, Cerny und Kaiser sind aber insofern widerstandsfähiger, als die Organi- sationen zwar nicht stark genug sind, um das Unternehmertum wirk- som zu bekämpfen, aber immerhin leistungsfähig genug, um einen oder zwei Bonzen über Wasser zu hatten und damit sich selbst und anderen die Illusion zu geben, als entwickelten sie eine gewerkschaft- liche Tätigkeit. Di«„Rote Fafme' bemüht sich nun mit dem bekannten Mittel, die Zähmung der Widerspenstigen zu erzwingen. Sie hat es ganz besonders auf den Kaiser der angeblich ausgeschlossenen Bauarbeiter abgesehen. Dabei entschlüpfen ihr allerlei inte?- «isante Geständnisse. So teilt sie u. a. eine Entschließung einer Mit- gliederversammlung der ausgeschlossenen Bauarbeiter in Geest- Höcht mit, die die Notwendigkeit des Uebertritts als Einzelmit- glieder in den Baugewerksbund ausspricht. Dann heißt es:„Zu gleicher Zeit oerpflichten sich die Kollegen, mit aller Krait dahin zu wirken und dafür zu kämpfen, daß so schnell wie möglich alle Kollegen in den Baugewerksbund ausgenommen werden, auch die ousge- schlossenen.' Damit wird eingestanden, was bisher von der„Roten Fahne' geleugnet wurde, daß der von den Kommunisten aufgezogene Der- i>and der ausgeschlossenen Bauarbeiter sich nicht ausschließlich aus ausoeschlossenen Mitgliedern des Baugewerksbunds zusammengesetzt. In Wirklichkeit ist nur ein Bruchteil der Mitglieder dieser Organi- sation wegen statutenwidrigcr Handlungen ausgeschlossen worden. Die KPD. hat die Gewerkschaften zu spalten versucht, um sich aus diesem Wege der Gewerkschaften zu bemächtigen. Dieser Versuch ist gescheitert. Die sogenannte Einheitsfrontbewegung ist in Wirk- lichksit nichts anderes, als das Eingeständnis eines Bankerotts._ Auch in Oesterreich groste Arbeitslofigkeit. Wien, 5. Januar.(Eigener Drahtbericht.1 Tie Zahl der Arbeitslosen in Dien bat in der zweiten DeKmbcrbälste um rund 10 000 Personen zugenommen. Tie Gesomtzabl der ErwerbSloteu in Oesterreich beträgt jetzt 210 000, d. h. etwa 4 Proz. der Gesamt« bevölkcrung. Der amerikanische Kohlenstreit. New Jork. 5. Januar.(DTB.) Ta die Bergarbeiter dem Plan einer schiedsgerichtlichen Entscheidung der Lohnfrag«, der von den SergwerkSbesstzern in Porschlag gebracht wurde, entschiedenen Widerstand emaegentetzen. haben sich die Aussichten auf eine Beilegung des lchern Monate währenden Streiks sehr verringert. ES wird besürchtet, daß in kurzer Zeit die Verhandlungen abgebrochen werden. Spd.-öetriebs- und Gewerksthafisfunktkonärel Die Funk.Ionärausweise für>925 sind ab 5. Zanuar an- gültig. Die Ausweise für t9Zv sind sofort Im Setriebssekretariat. Liudensir. 3. Zimmer 10. in Empfang zu nehmen. Zu größeren Betrieben empfiehlt es sich, die alten Auswetfe durch den Obmann der Fraktion zu sammeln nnd zum Umtausch zu bringen. Dabei sind die Mitgliedsbücher in kontrollieren. Einzel- snnkttonäre in Kleinbetrleben müssen in da» Sekretariat kommen. _ 3. 2t: Adolf Holz. »Mteftseetimalnei*« ix« ab«. Keilt« Mittvuxd. Rn-NUIai vllr«eef»I«. Beroftr. 147. Beaten 8 Udr. CciÜenfet! SRcfteinont Dallak. Berliner■Knce, Ecke SefibetftKiS«. Beaten 8 Uhr. Zegel Xcqelart, B»- Sawalbe. veiliacnsee: Rctzo.irvnt sirchner. T-ael. Bahnhafftr. Ii. Beaten 8 Uhr.»«nl-b-rf.»,c,- b»rf, SRehUberli SUftaurant BWt, Stantebocf, ßünoaxt Sit. 5, Beaten 8 Uhr. Sattler, unh BaetctrniServ-eianb. geberwarenhnin�e: Donnerstaa ahenb 7 Uhr an Sewerktckraft-hau» Saal 4, BrnnKenvrrs-mniluna. Neuwahlen rntb Slellunqnahme ,uin Lahnohionimen. antritt nur«eoen CeflUimclion. Verantwortlich für PeNtik: Ernst Veutee: Birtschast:«itue Saterno,: Seworkschaftsheweauna: Zselebe. Etzkoen: itel-illcüm: De. Zahn Schlk-wiiti: Lokale» und SanNiaes Reih»arstädt:«luciaen:«.«lxkci sämtlich in Berlin. B-rlaa- Vorwartd-Verlaa(S. m. b. Berlin. Druck: Borwärls.Buchdruckerei und Vorlaasanstali Paul Sinaer u. Co.. Berlin SW 6h. Lindenktrah« Z. flictj« z Beilaae» und..Unierh-ltnna und eisten'. übergibt man nur dem Nachweis de» Tenllch.MusiterverbandeS. Berlin 027. Andi-aSftr. 21 iflümgftabt 4310, 4048). (5cichäjt»)(it 3 bis 5, SanntagS 10biS 2 Uhr. Aus Wunsch Vertrctcrbesnch Splikelmaikt r-te- WclUtra*» Alexandrrpl«}* nah« Aiehlngcr KSaigilraße SS gegenäber Raika w FrledrleiiiiraHe 10» a »da Lctytlgcr Steak Frtedrldutrasc 150 Leipziger Shrafa ll» Eckte Mauentmi« LtakdroAe 1 Edto Pat-damar Sfta»c SchOahamaer Allee 81 an vakakot Mordrteg FrledrlchilraH« lOO Edtc ZiagcUteahc Iava!i8rntiratze 164 Edu Dmnaca-irabf Invalidem tratze 117 Bahnhof ChansseettraHe 73 aabt HODcntraia Fronkfuricr Allee 14 aahe Hat» mm BtOKS Imveniur-Yerhauf Lorgnetten in Silber..... in Gold-Doubld... in 14karätigem Gold ,.... M. 8.- '»DM. 88. 8.80 ,, von M. 90.- an Barometer In allen Stil- und Holzarten M. 10.-. It.-, 18-- Televist 8 Jahra Sarantia Reise-, Jagd- und Sport-Glas ,. nur M. 85.» ....„ 73.- 1 Ziooil Ix VergröBerung..,, 8x„..«. iox. 1»X Kostenlos prüfen wir Augen und Sehkraft mit Sorgfalt nach unserer bewährten Methode und gsrantleren tür die Hsltbar- keit aller Kneifer- und Brillenfassungen aus Gold und Gold-Doubld 1— 4 Jahre, Je nach Qualität des Metalies. — Reparaturen werden sofort erledigt— Optiker Ruhnke'« Gral" «t Theater, Reise- und Sport Glas »V,X VergrflBarung............ M. 60.- 4,',x-..........„ 68- Perlmutter-Operngifiser In reicher Auswahl und zu billigsten Preisen Mikes* Ruhstke Frtedrü iisir aße 12« fcckiC HedcinannjüaSe Belle-Alllance- Sir. 4 nahe Jandorf SO Oranfensira�e �,. IW Mortis-». Orfinienp.al* CteriatlsnUcr?: T.aentslemir.&c 15 IW. Marburg rr u. RaakrsTaie Jo.dilmifhelrr Sir. 2 nahe bahnhof Zoo MdHIfl: v erst, trab« 4 Etkt Zlethezutrai« Fnedeüan: Rheinttraße 18 Ecke Klrdistrake Sdröneiierg: HaupfftrA�e 21 Eck» AkaslemtraSc Wiüaersdcri: Berliner Str. 132-1»» nahe Uhlandslrake Nr. 7 ♦ 43. Jahrgang 1« Heilage öes vorwärts Mittwoch, S. Januar 1P26 Bewegung ist das Kennzeichen unserer Tzge. Aber nicht die Bewegung schlechthin, sondern die zum jagenden Tempo gesteigert« Ueberwindung von Raum und Zeit. Autos, Schnellbohnen, Flug- zeug« legen in einer Stunde Wege zurück, zu denen sniher Tage und Wochen nötig waren, Nachrichten ober verbreiten wir mit Licht- geschwindigkeit um die Erde. Und immer noch müht Menichengeist sich um die Lerbesterung dieser Dinge. Immer leistungssähiger sollen die Apparate, immer größer ihr Wirkungsgrad werden. Nicht der technische Erfolg an sich begeistert und wird praktisch genutzt, fondern nur der technische Erfolg, der eine Steigerung der Wirt- schastlichkeit mit sich bringt. Unsere glänzend ausgebildete Nach- kichtenübermittlung, für die erst vor wenigen Iahren die droht- lose Telegraphie nutzbor gemocht wurde, ist auf dem Punkt, völlig umgestaltet zu werden. Selbst die Geschwindigkeit der Schnell- telegrophen soll überholt werden. Originalnochrichten, Briefe, Doku- mente und Bilder sollen in wenigen Sekunden in fernst« Ort« ge- jondt werden. /las Üer Geschichte See Silütelegraphie. va» Problem der«elegrophischen Vildüberlrogung, dos nun in den Bordergrund des Iutcresics der Nachrichtemechniker tritt, ist, so neuzeitlich e» auch erscheinen mag, dock, fast so all, wie die prak- vsch« elektrische Nachrichtenübermittlung selbst. Erst l»4t wurde zwischen»erlin und Potsdam eine aus vierfach verseiltem Eisen- hraM hergestellt« Telegrophcnverbindung versuchsweise in Betrieb genommen. Aber schon 1843 machte der Engländer voin Vorschläge zur telegraphischen Uebertragung von Schwarz- Weih- Bildern. Die von ihm als brauchbar erkannte Methode bestand darin, ein Bild in zahlreiche Einzelteile, die sogenanmen.Bildelemente', zu zerlegen und sie durch Verwendung von Telegrophiezeichen nacheinander zu Übermitteln. Dabei entsprach ein Strich einem dunklen,«in Punkt einem hellen Bildelement. Die chauptichwierigkeit bestand ober von vornherein darin, im Sender sowie im Empfänger den notwendigen Gleichlaus zu erzielen, denn Striche und Punkt« mußten im Empfänger oui der gleichen Stell« erscheinen wie beim Sender. Em anderer Engländer, Bakewell, baut« einen wesentlich ver- besserten Apparat, bei dem das zu übertragende Bild auf ein« dünne Metollsolie gezeichnet wurde. Diese beiestigte er auf einem Aylinder, der, während er sich drehte, sich in seiner Längsochse verschob. Ein Stift tastete dabei die Metallfolie ob, öffnet« und schloß einen Strom�je nachdem er aus eine ijolierte oder aus eine metallene Schicht der Folie troi. Aus der Emplangsseite war ein genau so gebauter Aylinder, den man mit besonder» präpariertem Papier umgeben hatte, aus dem durch das Schließen des Stromes Acichen markiert wurden, die nach der Beendigung der Uebertragung aas gesamte Bild erkennen ließen. Die in den letzten Jahren allgemeiner bekanntgewordene Blelhode de» Professor» Korn arbeitet unter Be- Nutzung der drahtlosen Telegraphie in ähnlicher«eile. Andere Forscher oerwendeten die Selenzelle, deren elektrischer Widerstand sich entsprechend den chelligkeitsmcrren, die auf sie einwirkten, ändert, so daß man mit ihrer.ksilie nicht zu schnell« Lichtschwankungen in Stromschwingungen umsetzen kann, die dann genau so übertragen werden, wie Sprache und Musik beim Rundiunk. Leider ist e, unmöglich, im Rahmen diese» Aufsatzes auf diese Dinge im einzelnen «inzugehen. Virtfthastliche Silütelegraphie. Trotz mancher schöner technischer Erfolge der letzten Jahr« konnten sich diese Erfindungen für d«n allgemeinen öffentlichen Ge- brauch nicht durchsetzen. Ihnen allen hastete der Mangel der lln- wirtichaitlichkeil an. Die Uebcriragungszeit war zu lang, die dadurch entstehenden Kosten wurden zu hoch. Aber mit der zunehmen- den Beliebtheit de» Telephon» erfolgt« ein Nachlosien des Berkehr« auf den Telegraphenleitun�en. Di« telcgraphische Nachrichtenübermittlung ist beute zu einem Bcrlustgeschölt geworden. Diese Totlache spornte die Techniker zu intensivster Arbeit an. Die Frage lautete für sie: Die find die teuerca Telcgraphenleitungcn wieder 4 n Irrtie nutzbringend zu verwerten? Es scheint jetzt, als ob diese Frage eine zufriedenstellende Aolwort gesunden Hobe. Es»st gelungen. Schrift und Bilder in einem Aeitraum zu übertrogen, der ein wirtschaftliches Arbeiten der telegraphischen Nachrichtenübermittlung in naher Aukunst wieder als geiichert erscheinen läßt. Liese Arbeiten wurden der großen Ocnentlickkeit erst am 30. Oktober lSZö durch einen Vortrag bekannt, den Dr. Schröter von der Tele- f u n k e n g« s e l l s ch a f t au' der Tagung der 5)einrlch-.s?e.rtz-Gesell- schaft in Karlsruhe hielt. Der Ersinder der neuen Methode ist der Leipziger Forscher Dr. A. karolus, der bereits am 20. Iunt>024 den grundlegenden Teil feiner Erfindung, nämlich die noch ihn, benannt«.Korolus-Zelle' zum Patent angemeldet bat. Diel« Aelle «st imstande. Lichtichwankvngen im Empiänger mühelos zu steuern. Da» beigefügte Schema zeigt den grundsätzlichen Ausbau der ueuen Geräte, die jetzt lür den praktischen Gebrauch durchgebildet werden. Link» ist der Sender, rechts der Empfänger ichematilch dargestellt. Bei L ist auf beiden Seiten eine starke Lichtquelle. Die Lichtquelle des Senders wirft ihre Strahlen durch«ine Linse P punktförmig auf das zu übertragende Bild, das bei dem Verluchsappora» noch auf eine Trommel T aufgespannt ist, die sich genau io wie bei Bakewell dreht und sich auf ihrer Längsachie verschiebt. Dabei wird Punkt um Punkt abg,-leuchtet und olle chelligkeitsöuderungen des Bildes auf die von Dr. Schröter für diese Zwecke durchgebildete Photozelle 2 übertragen, die mit dem Röhrensender in Verbindung steht. 2m Gegensatz zur Selenzelle arbeitet sie bei Wellenlängen von einem Meter noch völlig stöghettslo», d. h. die auf sie einwirkenden Lichtschwankungen setzt sie mühelos in Stronischwankungen um. Diese» Gerät ist also beim Röhrensender an die Stelle de» Mikrophon, gelreien, durch das ja beim Rundjunk die Sprechströme den ungedämpften Schwingungen des Senders ausgeprägt werden. Bei dieser Bildübertragung werden also an die Stelle der Sprach- ichwingungen die in cleltrische Schwingungen verwandelten Licht. schwonkungen in den Raum ausgestrahlt. Aus der Empsangsseite sehen wir die bekannte Anordnung: Hochfrequenzverstärker, Detektor (natürlich Audion-Röhre) und Niedcrsrequenzoerstärker. Aber an die Stelle de» Lautsprechers oder Kopshörers ist die Korolus-Zellc getreten, eine Art clcktriich-aptiich-r Kondensator. Die Skizze läßt erkennen, daß im Empfänger die Strahlen der Lichtquelle 1� oui den Lichtsteuerapparat 8t, eben die Karolus-Zelle, treffen. Die Karolus-Aelle erscheint äußerlich als ein kleines, viereckiges Mesiing- gehäuse, das mit Nitrvbenzol gefüllt ist, in der Mitte einen kreis- runden Ausschnitt hat und in diesem einen schmalen Schlitz er- kennen läßt, auf de» das Licht von L her trifft. Durch die vom Empfänger aufgenommenen elektrischen Schwankungen steuert die Karolus-Zelle das Licht, da» von I. auf sie trifft, im Rhythmus der Helligkeitsunterschiede des vom Sender übermittelten Bildes. Die so beeinflußten Lichtstrahlen tresfen durch eine Linse P 1 aus die Trommel T, die mit der Trommel des«enders gleichlauien muß und die mit phowchemisch empfindlichem Papier bespannt ist. Nach beendeter Uebertragung wird das Papier entwickelt. Unsere illu- strierte Beiloge.Volk und Zeit' hat in einer ihrer letzten Nummer eine Schrift- und Bildprobe, die so übertragen wurde, veröffentlicht. Wer einem Uebertragungsvertuch beigewohnt bat, konnte sich von dem sauberen und schnellen Arbeiten der neuen Ge- rät« überzeugen. Die für den praktischen Verkehr bestimmten Apparat« werden nach dem gleichen Prinzip arbeiten, jedoch andere Form erholten, die eine schnelle und stetige Abwicklung des Per» fehrs ermöglichen. Die Zukunftsaussichten, die dieser neue Fortschritt eröffnet, sind geradezu phantastisch. E» will scheinen, als ab die Umwälzung. deren Beginn wir nun erleben dürfen, nicht minder groß ist, als wie die, die durch die Einführung der elektrischen Telegraphie über- Haupt hervorgerufen wurde. Die Möglichkeit, für billiges Geld Briefe in der Originolhandschrift telegraphieren zu können, wird die Telegrophenleitungen wieder rentabel machen. In dem Augen- blick aber, wo die störungstreie Uebertragung io schnell vor sich geht, daß ein Quadratdozimeter Schrift oder Bild(>0X10 Zenti- meter) in einer Zchntelsekunde erfolgt, ist da» Fernkina verwirk- licht. Dann wird es möglich fein, einen Film, der von einem Sender in elektrische Schwingungen umgesetzt wird, in zahlreichen Kinos lausen zu lassen. Aber schan vorher werden die Nachrichten. bnreaus den Zeitungen ihre Manuskripte aus diesem Wege lieiern können, Geschehnisse aus den entferntesten Gegenden werden schon am nächsten Tage in oller Welt im Bilde gesehen werden, vielleicht auch wird man den allgemeinen Rundiunkempsang durch Fcrnseh- apporate ergänzen und was dergleichen mehr lein mag. Der Phon- taiis des einzelnen ist der weiteste Spielraum gegeben. Und wieder müsien wir erkennen, daß wir in einer Zeit leben, die voller Wunder ist. 58] Die Passion. Roman von Clara Diebig. Eva stutzte plötzlich. Da? wäre vielleicht auch das Nichtige, das Beste— ja dos Einzige. Was würde sie sonst morgen zu hören bekommen? Eine lange Predigt. Frau Bayer würde empört sein, daß sie gesehen worden war mit einem jungen Mann. Wenn die erst alles wüßte! Bon dem Brief wüßte, o, von dem Brief! Der war doch gar zu schlimm, dessen mußte sie sich gar zu sehr schämen. Sie konnte die Augen nicht mehr aufschlagen. Auch niemals mehr dem Better begegnen, nein, niemals! Eva hielt sich, obgleich sie im Dimkeln auf ihrem Bett- rand kauerte, beide Hände vor die Augen. Wenn Frau Bayer davon erfuhr, wenn Frau Lesses davon erfuhr! Wenn die Wilkowskis davon erfuhren! Albert hatte ihr zwar ver- sprachen, keinem Menschen etwa? von dem Brief zu sagen— ober ob er sein Versprechen hielt? Sie preßte die Hände gegen die Ohren: o. jetzt hörte sie schon das Lachen! Tante Ella lächle am allermeisten, und unten in der Küche lochten sie auch, da wurde sie gerade zur Bant gehauen. Angstschweiß trat ihr auf die Stirn: nein, das konnte sie nicht ertragen. Arm sein war schlimm, verlassen sein noch schlimmer: aber am allerschlimmsten war es doch, sich schämen zu müssen und dann verlacht zu werden! Eine glühende Hitz- welle schlug ihr zu Kopf, und doch waren ihre Hände, ihre ??üße gon.z eiskalt. Für einen Augenblick sehnte sie sich nach Frau Bayer. Die war gut, die würde ihr vielleicht jetzt auch kühlende Kompressen auf die heiße otirne legen— aber es war doch besser, sie sah die nicht wieder. Es war gut. daß die heute abend gerade nicht zu Hause war. Mehr noch sehnte sich Eva aber noch ihrer Mutter. An die hatte sie lange, ach, zu lange nicht gedacht, alles war untergegangen in dem Denken an Albert— diesen lang- kveiligen, gan.� alltäglichen Menschen. Aber hatte ihre Mutter 5enn nicht auch einmal einen lieb gehabt, alle? andere darüber vergessen? Die Mutter war nicht verheiratet gewesen— erst viel später hatte sie Hans Blechhammer geheiratet— aber sie hatte doch ein Kind gehabt.„Meine kleine Eva!" hörte Eva ganz deutlich die Stimme ihrer Mutter. Eva streckte die Arme in? Dunkle:„Mutter, wer war mein Bater? Mutter, wo ist er?" Bittere Tränen rannen über Eoas Gesicht. 0, es war schrecklich, keine Mutler mebr zu haben und vom Bater nicht einmal zu wissen, ob der noch lebte? Sie fühlte sich grenzen- los unglücklich. Und dazu noch krank zu fein! Krank am Herzen, krank an den Augen, krank an den Ohren, trank am ganzen Körper. Es packte sie eine Angst: krank, krank! An- der« Menschen waren so gesund, nur sie war krank. Warum gerade sie? Worum, warum? Wie Höhnen gellte es ihr aus dem Dunkel. Sie hörte wiederum eine Stimme, die rief draußen vor der Tür:„Eva, machen Sie auf, machen Sie doch auf!" Was die für eine Angst hatte! Ach, das freute sie. Dos gönnte sie der Auguste, dieser elenden Klatscherin, dieser Der- leumderin. Wenn sie sich jetzt etwas antat, so war die Auguste schuld daran, die ganz allein! Mit einem Satz war Eva am Fenster. Tief unten lag der Garten in nächtlichem Schweigen, feierlich still. Ha, dieser Garten, wie er rief, wie er lockte! Süße Düfte stiegen aus aus ihm, und noch süßere Stimmen. Die sangen von Ruhe, von Schlafen.„Das Sterben ist wie ein tiefer Schlaf, in den man versinkt, sterben ist längst nicht so schlimm wie leiden," das sangen sie. Eva beugte sich weit hinaus, aber sie schlang nicht wie sonst den Arm ums Fensterkreuz, hielt sich daran fest, haltlos beugte sie sich weiter vor. immer weiter vor, und dann schau« derte sie doch zurück: es war so tief da hinab. Und es schwin- delie sie. Man muß sich die Augen verbinden, dann ging es besser. Und auch noch etwas anziehen über das leichte Kleid, damit man nickt so hart aufschlug. Es war Mitternacht, aber Eva war es. als sei e? heller Tag. Sie sah deutlich ihr ganzes Leben. Da lag es vor ihr so klar, alles das, was bis jetzt darin gewesen war, und das, was noch darin sein würde. Es lag da wie der Garten, viele Schatten, wenig Helle darin. Dunkel, och wie dunkel! Was trug der Boden dieses Gartens für sie? Freuden sind Blumen, Dornen sind Leiden— ihr flocht sich ein Dornen- kränz. „Rein, ich tu's." sagte sie laut. Aber dann bekam sie doch wieder Angst: es war so tief da hinunter, und fallen tat weh. „Ich werde ja nicht hart fallen," sagte sie sich. Sie zog eine Jacke an, dann noch eine, und dann noch ihren dicken Mantel darüber: alles, was sie besaß. Um die Obre» band sie sich einen dicken Schal, die toten ohnedies weh. Um die Augen knüpfte sie sich auch ein Tuch. So konnte sie es wohl versuchen. So konnte sie sie ja nicht sehen, die schaudervolle Tiefe. Dann noch die Kapuze des Mantels ganz über den Kopf. Blind tastete sie sich zur Fensterbank. Jetzt faßte sie das Fenstcrkrcuz um. zog sich daran hinaus — jetzt stand sie oben, lies das Fenstcrkrcuz los— trat vor. ganz hinaus— jetzt wird die Auguste sich orgern, daß ich'? nun morgen doch nicht kriege, dachte sie noch, und dann noch. „Meine Mutter!"> Und dann ließ sie sich fallen. 19. „Großer Gott." jammerte Frau Ella Wilkowski und hob außer sich beide Arme,„was mockt die Eva einem für Geschichten! So'nc Aufregung, so'ne Ausregung!" „So ein Unglück," sagte finster Stefan" Wilkowski und biß sich in die Lippen. Der Onkel war benachrichtigt morden durch Frau Bayer: Eva war verunglückt. Dos beißt, sie trug selber die Schuld daran. Es schien, daß sie sich hatte das Leben nehmen wollen. Dem widersprach freilich wieder in etwas ihre dicke Bermliwmung. Die hatte ihren Sturz gemildert, und zudem haue sie im Fallen ein junges Bäumchen gestreift,, dessen niederbrcchende Krone die volle Wucht aufgehalten harte. Sonst märe sie tot gewesen.— In der Charitel hing Eva in einer Art von Gestell in der Schwebe: wie andere im Bett liegen konnte sie nicht. Sie war für sich ganz allein in einem Zimmer. „Wird sie sterben?" fragte Frau Ella die Pflegerin. Diese zuckte die Achseln. Sie standen olle um Eva herum, der Onkel, die Tante, Grete Schäfer, geborene Wilkowski. und Irma. Und nun öffnete sich nock einmal leise die Tür und Frau Lessel erschien. Sie war auch benachrichtigt worden. Ihr Erscheinen erregte Aufsehen. Stefan Wilkowski verneigte sich und Frau Wil- towski machte einen tiefen Knicks. Frau Lessel, sich niederbeugend, flüsterte:„Eva, Evchen, kennst du mich noch?" Da bewegte Eva die Augen, ihre Pupillen rollten, sie senkte die langen Wimpern, und ihr armer Mund, der sich nicht rühren konnte, denn bis an die Lipven war das Kinn eingeschnürt, versuchte etwas zu lispeln. Es klang wie:„Nie wieder tun— verzeihen." „Sie hat auch die Kinnlade gebrochen." sagte die Schwester.„Sie hängt man nur noch so in den Gräten." Frau Ella Hub laut an zu schluchzen:„Wie konnte sie uns das bloß antun, die Eva! Wir hoben sie doch so lieb gehabt." Sie wandte sich an Frau Lessel:..Wenn sie uns man nur erhalten bleibt! Ach, es ist zu traurig!" (Fortsetzung folgt.) �»Allgemeine Flugblattverbreitung Treffpunkt an den bekannten Stellen der Abteilungen. Alle Genossinnen und Genossen beteiligen sich! Niemand fehle! Verkehrsstörung. Langsuni fährt ein kleiner Wagen mit Blumentöpfen die Straße hinunter, das Pferdchen scheint Melancholiker zu sein, trübselig trabt es dahin, und der Wagen ist von biederem, ländlichem Aussehen wie auch der Lenker, der philosophisch vor sich hinblickt. Plötzlich biegt das Pferdchen ohne ersichtliche Gründe nach links aus, vielleicht erschreckt es vor den schwarzen Kanalisationsröhren, die seit Monaten beschäftigungslos am Bürgersteig liegen. Der Lenker erwacht aus seiner Weltversunkenheit und erhält im selben Augenblick einen Stoß, der Wagen schwankt etwas, und das Pferdchcn versucht sich an einem kühnen Sprung, aber dieses Unternehmen scheitert an der äugen- blickiich erwachten Energie des Lenkers. Der Wagen steht, und hinter dem Wagen erhebt sich als Siörer der idyllischen Ruhe eine Straßenbahn. Sonst ist nichts Ernstliches geschehen, nicht einmal ein Blumentopf ist zerbrochen, aber troßdcm entwickelt sich sofort ein reges Leben. Sämtliche zur Verfügung stehenden Schaffner eilen herbei und wissen, was ihre Pflicht ist, während der Wagenführer sich an seine Fähigkeit, in Zorn zu geraten, plößlich erinnert, und auch der Lenker des Fuhrwerks hat seine Gelassenheit aufgegeben und einen angenehm roten Kaps bekommen. Und während die Schaffner den Vorderperron des Triebwagens eingehend auf Schrammen untersuchen und dabei nichts feststellen können, entfesseln sich die beiden Wagenlenkcr in heldenmütigem Zorn und schleudern sich gegenseitig wohlmeinende Titel an den Kopf. Inzwischen haben sich einige Automobil« angesammelt, und auch eine neue Straßen- bahn ist auf dem Schlachtfeld erschienen. Alles betrachtet nun mit sachkundigen Augen die Situation und läßt fachmännische Urteile hören. Jedes Bewußtsein für Zeit ist entschwunden, ein paar Chauffeure ergreifen entschieden Partei kür de» Blumcnmann, der bereits einen unwahrscheinlichen Grad von Heiserkeit erreicht hat. Die Fahrgäste aber wundern sich, waruin weder Straßenbahn noch Fuhrwerk weiterfahren, seit längerer Zeit ist kein zwingender Grund zum weiteren Aufenthalt vorhanden, und schließlich gibt es Ver- kehrsmittel, um den Berkehr zn beschleunigen. Nach längeren Be- mühungen gelingt es endlich einem Schaffner, die beiden Streitenden zum Weiterfahren zu bewegen. Und mit der Versicherung, sich vor Gericht wiederzusehen, scheint der Handel beigelegt zu sein. Der Blumenmann schüttelt nach einmal die Rachefaust und damit ist die Verkehrsstörung überwunden. Zehn Minuten Zeit sind aber für alle Beteiligten verloren. Gutsarbeiter... ZNil Hab und Gul auf die Straße. Das im IS. Kreis gelegene Gut Blankenburg war vorgestern der Schauplatz einer Tragödie. Bier Familien, insgesamt ll) Personen, war durch den Inspektor Korbe wegen Arbeitsmangels gekündigt worden und man hatte die schon durch diese Kündigung empfindlich getroffenen Leute, die, wie das aus Gütern so üblich ist, in Gutswohnungen hausten, mit Hab und Gut auf die Straße gefetzt. Der arinsclige Hausrat ist sicherlich durch das ständige Regenwetter nicht bester geworden. Wie wir erfahren, hat man sich bemüht, durch Bernrittlung des Bezirksamts Pankow und des zuständigen Amtsgerichts diese rigorose und unverständliche Bargehen rückgängig zu machen. Bisher aber find alle diesbezüg- lichen Versuche eriolglns geblieben. Die Stadt Berlin hat ein Auf- sichtsrecht über diese Güter, die früher von ihr direkt bewirtschaftet würden. Man darf hoffen, daß sie sich dieser Angelegenheit, die die sozialen Zustände auf den Gütern im mißlichsten Lichte erscheinen läßt, annehmen wird. Wenn die Leute wegen„Arbeitsinangel" gekündigt wurden, dann ist nicht einzusehen, warum sie dann auch sofort die Wohnung räumen mußten. Arbeitsmangel besagt doch wohl, daß die Wohnungen für Nachfolger nicht freigemacht zu werden brauchten. Ergänzend wird uns noch mitgeteilt, daß den betreffen- den Familien bereits seit 14 Tagen jede Kochgelegenheit entzogen worden ist. In einer Zeit, in der die Arbeitslosigkeit ständig neue Opfer fordert, wo durch Not und Entbehrung der Be- völkcrung die härteste Probe auserlegt wird, sollte alles vermieden «erden, was geeignet ist, die soziale Not noch weiter zu verschärfen und die Mißstimmung zu erhöhen. Unhaltbare Zustände auf dem Zollamt. Bon der Nachrichtenstelle des R e i ch s f i n a n z- Ministeriums wird uns geschrieben: Bei dem dem Postzollverkehr dienenden Zollamt Köthener Straße haben sich infolge des Weihnachtsverkehrs überaus mißliche Zustände entwickelt, die Beranlastung zu.zahlreichen, auch in der Presse erörterten Klagen gegeben haben. Obwohl diese Klagen als begründet anerkannt werden müsten, sieht sich die Zoll- Verwaltung zu ihrem lebhasten Bedauern zurzeit nicht in der Lage, ihnen sofort wirksam abzuhelfen. Die ilcberfüllung des Zollamts ist in erster Linie auf die Unzulänglichkeit der zur Bersügung stehenden Räumlichkeiten zurückzuführen, die zwar für den normalen Verkehr ausreichen, für die Bewältigung des Weihnachts- nerkehrs, der um das Drei- bis Bierfache den üblichen Verkehr übersteigt, indesten zu klein sind. Da aus diesem Grunde die Zahl der Abf-rtigungsbeamten nicht beliebig, den Anforderungen des Verkehrs entsprechend vermehrt werden kann, ist eine wesentliche Beschleum- gung der Absertigiing unmöglich, obwohl die Beamten unter An- spannung aller Kräfte bis weit über die Dienststunden hinaus tätig sind. Unter diesen Umständen werden di« Empfänger von Auslands- pateten im eigenen Interesse gut tun. nnt der Empfangnahme der für sie eingegangenen Sendungen, wenn irgend möglich, noch e i n i g e T a g e z u w a r t e n, bis der Verkehr wieder einen einiger- maßen normalen Umfang angenommen hat. Im übrigen ist sich die Reichssinanzverwaltung schon seit längerer Zeit klar darüber, daß eine durchgreifende Aendening in der Abwicklung des Berliner Post- zollverkehrs im dringenden Bedürfnis liegt. Wenn es bisher trotz mannigfacher anhaltender Bemühungen nicht gelungen ist, eine Besierung der bestehenden Zustände herbeizuführen, so ist der Haupt- grund in den bekannten traurigen Verhältnissen des W o h n» n g s m a r k t e s zu suchen, die der Beschaffung geeigneter Räumlichkeiten in günstiger Lage hindernd im Wege standen. Es be- steht indessen begründete Aussicht, daß sich binnen kurzem eine wirk- same Entlastung zunächst des Zollamts Köthener Straße ermöglichen losten wird. Die Wiederkehr ähnlicher Unzuträglichkeitcn, wie sie im Weihnachtsverkehr hervorgetreten sind, wird dadurch vermieden werden. Tael Karnevalsvcrbot für 1926. Wie der preußische Minister des Innern, dem„Amtlichen Preußischen Pressedienst" zufolge, in einem Erlaß anordnet, sinken die Bestimmungen des vorjährigen Erlasses hinsichtlich des Karne- »als auch für das Jahr 1SLS entsprechend- Anwendung. Hiernach bleiben oerboten die Veranstaltungen öffentlicher karneoalistischer Umzüge und sonstige karnevalistische Veranstaltungen unter freiem Himmel sowie insbesondere auf öffentlichen Straßen und Plätzen, das Tragen karneoalistischer Abzeichen jeder Art. das Singen, Spielen und Vortrogen karneoalistischer Lieder. Ge- dichte und Vorträg« sowie das Wersen von Luftschlangen, Ko'nieiti und dergleichen. Oeffentliche karnevalistilche Veranstaltungen aller Art, insbesondere Veranstaltungen öffentlicher karneoalistischer Auf- sührungon, öffentlicher karneoalistischer Vorträge und öficntlicher karne�ustischer Tanzlusrborkeiten können in geschlossenen Räurnrn zugelassen werden. Die karncoalistischen Veranstaltungen von geschlossenei�Vereinen sind in dem bis- herigen Umfange gestattet. Am Schluß des Erlasses weist der Minister aus die Notwendigkeit hin, daß sich die Karneoalsver- anstaltungen allenthalben in angemessenen Grenzen hasten, und gibt der Erwartung Ausdruck, daß die Bevölkerung sich des Ernstes der Zeit bewußt bleibt und es an der gebotenen Zurückhaltung nicht fehlen läßt. Gegen Auswüchse und Ueberschreitungen soll in aller Schärfe vorgegangen werden._ ' viel Lärm um nichts. klagen, die nicht zu sein brauchlen! Eine Anzeige ist schnell erstattet! Nicht immer so schnell wieder zurückgenommen. In vielen Fällen ist dies sogar unmöglich. Der Grundsatz mancher Menschen, jedem kleinen Unrecht die Sühne eines strafrichterlichen Urteils entgegenzusetzen, ist hart und gefühllos. Berstehen heißt verzeihen! Uni zu verstehen muß man aber denken, in Ruhe überlegen. Manch voreiliger Entschluß wäre unterblieben, wenn vielleicht nur ein einziger Tag mehr darüber oergangen wäre. Die Säle im Moabiter Gericht wissen von vielen Klagen zu erzählen, die gerne zurückgenommen worden wären, wenn es sich nur noch irgendwie hätte machen lasten. Aber dazu war es eben zu spät! Oder von solchen Klagen, die nichtiger Gegenständ« wegen erhoben, von Anzeigen, die Menschen bestraft und ausgestoßen wissen wollen, die Hunger, Not und Elend zur Verzweiflung brachte. Auch Rücksicht ist ein Recht, kein Mit- leid, keine Gnade...! Und dieses Recht, nur zu gleichen Teilen gegen sich und andere, ausgeübt, vermeidet Klagen, die nicht zu sein brauchten...! Der Kaufmann A. hatte in der Verzweiflung die Stellung eines Reisenden sür einen Bücheroertrieb angenommen. Geringe Spesen, kein Fixum, nur Prozente! Aber es war eine Ver- trauensstellung. er durfte gleich kassieren und sich das Seins abziehen! Die Geschäfte gingen schlecht. Es war ihm unmöglich, Geld von unterwegs an die tfainilie zu schicken. Und als A. dann eines Tages wirklich ein Wexk verkaufte, zog er sich 2» M. mehr ab, als ihm zukamen. Rur, um wenigstens mal etwas nach Hause zu senden. Bon späteren Verdiensten hoffte er es wieder auszu- gleichen. Aber es kam anders. Der Reisende setzte nicht genug um, die Firma rief ihn zurück. Der Chef war empört. Nur wenig ver- tauft und dann stimmte noch nicht einmal die Abrechnung. Es fehlten im ganzen 35 M. A. leugnete zuerst, gab es aber auf, als ihm die Postanweisung an seine Frau und«ine versuchte falsche Eintragung zum Verräter wurden. Die Bitten des Unbestraften halfen"nichts, er wurde angezeigt. Da das Geld inzwischen erjctzt war, sagte der als Zeuge erschienene Inhaber des Büchervertriebs, daß ihm jetzt nichts mehr an einer Bestrafung des A. läge. A. wurde aber bestraft, er erhielt l Woche Gefängnis und B e w ö h- rungsfrist auf 3 Jahre. Der Tischler B. hotte sich von einem Kastwirt 2 5 Mark gc- liehen. Als Pfand gab er eine Schuldverschreibung eines Dritten. Zum nächsten Ersten sollte die Summe zurückgezahlt werden. B. konnte den Termin nicht einhalten und bat um Rücksicht. Ihm wurden weitere 8 Tage bewilligt, die B. aber auch noch nicht in die Lage brachten, seinen Verpflichtungen nachzukommen. In seiner Not bat er seinen Geldgeber um Aushändigung der Schuldver. lchreibung, man würde ihm an anderer Stelle mehr daraus geben. Der Gastwirt gab sie, erstattete aber schon nach 14 Tagen Anzeige wegen Urkundenfälschung und Betrug. Der Schuldschein wäre nicht echt gewesen, da» geliebene Geld ebenfalls noch nicht zurückerstattet. Auch in diesem Falle schaffte B. die 25 M. kurze Zeit später herbei. Vor Gericht konnte weder der Gastwirt Beweise für die Fälschung der Urkunde, noch B. gtaubhafte Angaben über ihre Echtheit bringen. Slußerdem sagte der Zeuge, ihm liege nun nichts mehr an der Bestrafung des B., da er sich nicht mehr geschädiat fühle. Der Angeklagte wurde freigesprochen. Aber diese Sache hatte noch andere, sehr unangenehme Folgen für B. In einer Auskunft, die ein« Firma über ihn einholte, war vermerkt, daß gegen ihn ein Verfahren wegen Urkunden- fäljchunq und Betrugs schwebe. Aus einer sonst sicher erfolgten Anstellung wurde nichts. In beiden Fällen lag den Klägern nicht mehr an der Be- strafung ihrer ehemaligen Schuldner. Daß sie von beiden'Ange- klagten, die Familienväter sind und eine eigene Wohnung besitzen, nur ihr Geld auch durch eine zivilgerichtliche Klage wieder- erholten hätten, mußte ihnen erst der Vorsitzende mit den Worten logen:„Da wird immer gleich Strafanzeige erstattet und nachher fühlt sich niemand mehr betrogen!" Zllso: Klagen, die nicht zu sein brauchten! Lebendig verbrannt. Ein schweres Brandunglück ereignete sich gestern nachmittag in der KirichenalleeZinEhorlottenburg, bei dem eine ältere 5*rait den Tod fand. Wir erfahren bierzu folgend-«: Kurz vor 2 Ubr hörten Hausbewohner an« der Wohnung der Ü2 Jabre alten Ehekran Anna S tut ige laute Hilferufe gellen. Die Wohnung wurde gewaltsam erbrochen und man fand Frau St.. in der Nähe des Ofen« liegend, am ganzen Körper brennend auf. Inzwischen wurde auch die Feuerwehr alar- miert, bei deren Eintreffen die Unglückliche ihren schweren«er- l-tzungen aber bereits erlegen war. Wahrscheinlich ist Frau Stuttge infolge eines ObiimachtSanfallei dem Ofen zu nahe ge- kommen, so daß die Kleider Feuer fingen. Weiterhin besteht die Vermutung, daß Frau St. nicht nur infolg« der erlittenen Ver- letzungen, sondern auch einem Herzschlag erlegen ist. 20« neue Antobnfse. Die„Aboag"(Allgemeine Berliner Omnibus-Aktiengesellschaft) beabsichtigt eine größere Zahl neuer Linien einzuführen und be- darf für die Unterbringung von 200 neuen Auto-Omnibussen einen neuen„Bahnhof" im Westen. Dieser neue Bahnhos soll an der M o r s e st r a ß e in E h o r l a t t e n b u r g in der Nähe der Hallerstraße errichtet werden. Im Anschluß an den Bau dieses großen„Bahnhofes" bzw. Verkehrshofes der„Aboag" sollen die Dave« und Hclmholtzstrnße rcg.ilicrt werden. Die neuen Linien der „Aboag" sehen eine bessere Verbindung der Bahnhöfe der Hoch- und Untergrundbohnen und denen der Eisenbahnen vor. Das Rundfunkprogramm. Mittwoch, den 6. Januar. Außer rlem üblichen Xepeeprogramm: 3.30 Uhr nachm.; Jugomlbühne(ünterhaUunpsstunäe). Die Funkprinreesin erzählt: 1. Di» Sternblumen. 2. Die Kätzchen. 3. Kisblumen. Die FnnVprinzessin: Ilje Fiecher-Remin. 4.30 bis 6 Uhr nachm.: Nucbmittapskonzert der Berliner FunUcapelle. I.eitunp; Konzertmeister Ferdy Kauffman. 6.80 Uhr abend»: Oartendirelrtor Lndnüp Lessen: Rundschau für Blumen- und trartenfrennds..Besuch im Kleingarten". 7 Uhr abends: Dr. Bertbold Hirschfeld-"»Die täglichen Sünden wider seelisches und körperliches Wohlbefinden, ein Zwiegespräch". 725 Uhr abends: Kriminalkommissar Emst Engelbrecht:»Kriminalistische Streif- süge durch dunkle Winkel". 8 Uhr abends: Sendespiele Abteilung Oper. Leitung; Correlis Bronsgeest. Spielzeit 1025/28. 20. Veranstaltung.„Die Jüdin*. Oper in fünf Teilen ron Hnlery. Dirigent: Kapellmeister Solmar Mevrowitz von der Berliner Staatsoper. Personen: Kardinal: Kmanuel List: Leopold; Maximilian Willirnaky; Prinzessin Eudora; Violett« Schadow; Ruggiero: Louis van de Saude; Eleazar: Eugen Transkv; Kocha: Maria Hussn-Hreve. Ort: Konstanz. Zeit; 1414. Anschließend: Dritte Bekanntgabe der neuesten Tagesnachricht.en. Zeitansage, Wetterdienst, Spoitaachrichten, Theater- und Filmdienst. Probleme üer englischen Arbeiterbewegung. Ein vorkrag des Genossen Henry SmikHs. Zu de, Genossen des Kreises Schöneberg-Friedenou sprach am Sonntag in der Schlohbrauerei der Generalsekretär des englischen Friedenskartells und Mitglied des Unterhauses, Genosse Henry Smith über die wirtschaftlichen und politischen Probleme der eng- tischen Arbeiterbewegung. Smith legte zunächst dar, daß die wirtschaftsvolitischen Fragen in England genau dieselben seien, wie in Deutschland und allen anderen europäischen Ländern. England habe schon seit fünf Jahren eine dauernde Wirtschaftskrise und infolgedessen eine stetiges Arbeits- losenheer von ungefähr l'h Millionen. Die englischen Unternehmer sind genau wie die deutschen bemüht, neue Absatzmärkte zu suchen, um die festgefahrene Wirtschaft wieder slott zu machen. Ihren Bemühungen ist aber bisher genau so wenig Erfolg beschieden gewesen wie den deutschen Industriellen. Die amerikanischen Unternehmer haben sür ihre in Massen fabrizierten Produkte a u ch Absatzmärkte gesucht und sie im Gegensog zu den europäiicheir Unternehmern gesunden. Sie haben es verstanden, durch hohe Löhne die eigenen Arbeiter kaufkräftig zu machen und somit genügend Absatz auf dem Inlandsmarkt zu erzielen. Das ist das Geheimnis des amerikanischen Wirtschaftserfolges. Allerdings kommt den Amerikanern auch zugute, daß sie einen einheitlichen großen Kontinent von etwa 120 Millionen Einwohnern bilden, wodurch die Spezialisierung und Konzen- t r i e r u n g der Produktion und der Verteilung erreicht wird. Die europäische Wirtschast kann nur gesunden, wenn sie sich die amerikanische Lohn- und Preispolitik zu eigen macht Die Hauptsache der europäischen Wirtschast muß es sein, möglichst schnell die wirtschaftliche und politische Verständigung der europäischen Länder herbeizusühren und den Weg zu bereiten für die Schasfung der Vereinigten Staaten von Europa. Dann wird man auch nicht mehr nach Absatzmärkten suchen brauchen, sondern bei den vernachlässigten europäischen Zlrbeitern genügend Absatz finden. Die englische Arbeiterbewegung und die erste englische Arbeiter- regierung haben sich diese Einheit Europas zum Ziel gesetzt. Die gesamte Arbeiterbewegung Englands ist beherrscht von den zwei Ideen: Die wirlschastliche und politische Einheit Europas einschließ- lich Rußlands herzustellen. Reicher Beifall lohnte die deutsch vor- getragenen Ausführungen des Redners. Nach der Beantwortung einiger von Versammlungsteilnehmern gestellten Fragen ergriff noch Genosse Steiner das Wort und dankte zunächst dem Redner, daß er die zwei wesentlichen Punkte, die die englische Arbeiterbewegung beherrschen, klar hervorgehoben habe Er bat jedoch den Genossen Smith, die englischen Genossen auf die Gefahren hinzuweifen, denen sie sich in diesem Streben aussetzen. Den Russen stehen die Tore zum IGB. weit offen. Das ist ihnen wiederholt und ausdrücklich versichert worden. Don dieser Einladung Hoven sie bisher keinen Gebrauch gemacht. Sie weiaern sich bis heute, auch mir zu erklären, daß sie dem IGB. beitreten wollen. Unter diesen Umständen eine Einheit mit den Russen herzustellen, bürge di- Geiahr in sich, in Gegensatz zur Arbeiterbewegung der ganzen Welt zu kommen. Nach einer turnen Erwiderung des Genossen Smith wurde di« Versammlung nach dem Gesang einer Strophe der Internationale geschlossen. a- Znlernallanale St./dente-'.ausgaben. Im Sozialwissenschastlichen Klub sprach vor der Vereinigung sozialdemokratischer Studenten Genosse Jan O u d e g e e st- A in st e rd a m über das Thema „Die internationalen?ciisgaben der sozialistischen Studentcnschast''. Als eine der wichtigsten Fordeningen bezeichnete er die tiefe Kluft, die heute noch zwischen Kopf- und Handarbeiteni besteht, zu mildern. Internationale Zusammenarbeit ist genau so möglich, wie Arbeit im sozialistischen Sinne heute bereits in den einzelnen Staaten geleistet wird. Um aber eben auch praktisch international zusammen- zuarbeiten, ist die Schaffung einer iniernationalen sozialistischen Stndentensöderation geplant. Diese? Werk soll auf dem diesjährigen Vsingstkongreß der Sozialistischen Jugendinternationale in?lmster. dam vollendet werden. Zlusgabe der Föderation soll die Bildung einer gemeinsamen Abwehrsronl gegen die Reaktion an den Hoch- schulen sein, ferner gegenseitige Vermittlung von Erkenntnissen und Erfahrungen, sowie Studenten- custausch und Veranstaltung gemeinsamer internationaler Zusammenkünfte. Eine lebhafte Diskussion und ein Schlußwort des Genossen Dr. Friedländer, der die Versammlung leitete, be- endeten die Veranstaltung.___ Einen entsehsichen Tob fand gestern nachmittag gegen 4 Uhr da? drei Jahre alte Pssegelöchterchen Agnes Grunz auf dem Laubengrundstück der Pflegeeltern in der Wilbelmstraße in Spandau. Da« Kind lam beim Spie'en der gefüllten Regentonne zn nahe, fiel hinein und erlrank. Warnung vor einem Unlerstühungsschwindler! Ein Schwindler namen« Ribelinger sammelt lliileiftiitzungsgelder iür einen „Sozialistischen Bund der SB. A. de« ReichtbundeS jüdiiSer Front» soldaten". Der ReichSbund jüdiicher Frontsoldaten betont, daß e» einen solchen Bund nickt gibt und daß dem Bunde«ine solche Abteilung nicht angegliedert ist. ES wird daher vor dieiein Schwindler gewarnt. „Tin gestörtes weihnockstssrit." Zu unserem Bericht über die 'Angriffe einiger Mitglieder des Ruderklubs„Freiheit" gegen die Wasiersportabteilung des Reichsbanners anläßlich einer Weihnachts- feier erhalten wir eine Zuschrift des Vorstandes von„Freiheit", die wir lonalerweise auszugsweise wiedergeben: „Wir halten es sür ausgeschlossen, daß von Mitgliedern und Gästen unseres Vereins dem Reichsbanner mitgeieilt worden ist, daß einige unserer Mitglieder einen Zusammenstoß provozieren wollten. Wenn es tatsächlich geschehen ist, so wäre es wohl zuerst Pflicht der Leitung der Reichsbannerabteilung gewesen, sich an die Leitung unseres Vereins zu wenden, zumal unser Vorsitzender�dem Obmann der Wassersportabteilunq nicht ganz unbekannt i-in dürste. Außerdem hat es ein Test der Reichsbannerleute nicht verschmäht. unseren Saal zu betreten, ohne daß sie des Ortes verwiesen wurden. Diese Zuschrikt betaut weiter, daß sich die„FreiheiF'-Leute nur in dem für beide oäle gemeinsamen Schankravm oufflebalten hätten, und daß die erwähnten angegriffenen Damen versucht hatten, an der Feier des Rudervereins te:' zunehmen Daß diese Damen ge» ichlagen worden sind, erklärt die Zuschrift für ein« Luge. Die von uns mitgeteilten Beschimpfungen der Rcichsbannerleute werden.zu- gegeben und bedauert. Sie werden mit der allgemeinen Erregung entschuldigt: von sciten des Reichsbanners sei auch geschimpft worden. Seinen 75. Geburlslaa begeht heute unser Genosic Heinrich Nöske, Berlin, Grünauer Str. 10, Mitglied der 45. Abteilung. Er ist bereits seit dem Jahre IS?» Mitglied der Partei und hat stets mit ollen Kräften dazu beigetragen, für unsere Bewegung zu wirken. Wir wünschen ihm, daß er noch recht oft seinen Geburtstag bei guter Gesundheit erleben möge. «0 Zabre alt wirb beut- der lanasSbriqe.vorwärts". Leser, der Piano. mechanikarbeiter Karl Bansen. AndreaSitr. 1«. Spreckchor sür Vrolelarilche Aeierfknden Donnerstag, den 7. Fan abend« 7'/, Uhr. UebungSstunde im SisangSjiu,! der Eophten-Schule' Welnmeistcrstr. 10/17. Ver vesterreichilch-veolfch« volksboad veranstaltet am Sonnabend den 0. Januar I9Z0. abend« 7'/, Uhr. im Et-dlislement.Schall unb R-uch» fKrokt« Schauwielbau»)«inen G-iell'chailsabend mit künstlerischen Dar. bietungen unter Mitwirkung hervorragender Künstler und Künstlerinnen und de« österreichischen Männerchor«. Nach dem Konzertteil Tan». Karten(t.iiO SR.) in der GeschästSnelle de« volksbunde«, Berlin NK m Schloß Bellevuc(auch telchhonisch Moabit 084), erhältlich.' der gläubige Säufer. Aus der Propaqandaküchc des Alkoholkapilals. Das Alkoholkapital geht in seinem skrupellosen Kampf gegen die Abstinenzbewegung ganz sonderbare Wege. Da liest man in einem Inserat der„Leipziger Neuesten Nackirichten", das den saftigen Titel:„Die Gemetngeföhrlichkeit der Antialtohol- bcwegung" trägt, solgende amüsante Sätze: „Mannigfache Kräfte sind am Werke, unsere Volkskrait inner- lich auszuhöhlen und zu entnerven. Meist ist der ausländische Ur» sprung unverkennbar. Die„ernsten Bibelforscher", auf die Blö- besten unter den Blöden rechnend, verkünden, kirchen- und volks- feindlich, ein neues Christentum mit baldigem Weltuntergang, die P a z i s i st c n wollen das triegstüchtigc deutsche Volk, nachdem es äußerlich entwaffnet ist, auch innerlich zu einer Masse von Waschlappen machen und die Antialkoholiker chm die äußere Lebensfreude und Lebensbejohung rauben.... Die Bekämpfung des Antialkoholismus ist also eine eben- so patriotische Pflicht(!) wie die der Kriegsschuld- lüge.... Wo bleiben die Abstinenzler? Sie müssen samt und sonders an der Hinimelstür umkehren und zur Hölle fahren. Da gehören sie hin. Denn beim Teufel gibt es nur höllische Glut und entsprechenden Durst, aber nichts zu trinken. Die Bekämp- funtz des Antialkoholismus ist also Pflicht jedes gläubigen Christen, der noch an Gottes Wort hält." Also: der leibhaftige Satan ist eingeschriebener Abstinent. Pflicht aller Gläubigen ist es, sich nach besten Kräften vollzusaufen. Als teutscher Patriot gilt es. wacker und bezecht den Maßkrug der ger- nianiichen Väter im Kreise zu schwingen. Dazwischen appellieren die Alkoholpioniere ein bißchen an die nationalistischen Instinkte. Mit solch schäbigen Mitteln treibt man keinen Interessen- kämpf, sondern diskreditiert eine Bewegung und zwar gründlich! Gefährliche Knallerbsen. Ter bei seiner Tante in der S tein- metzstraße zum Beiucb weilende 10 Iabre alte Schüler Erich Wallmann hatte sich für 20 Pf. Knallerbsen gelaust, die ihm in einer Düte verpackt vom Vertäuter übergeben wurden. Zu Hause angekommen, wollte der Knabe die Erbsen zählen, kaum jedoch hatte er die Düte in die Hand genommen, al» der Inhalt mit lautem Knall explodierte. Außer Brandwunden trug der Knabe auch andere schwere Verletzungen davon. Das„kabarelt der Komiker" am Kurfürfiendamm ist auch in diesem Monat eine Angelegenheit, über die sich mit Vergnügen reden läßt. R o b i t s ch e k. der Konscrencicr, stellt seine Freunde vor. Zu- nächst Emil G l a ß, der den seltsamsten Dingen, einem Sektkorkcn und einem Zigarrenbrett Musik zu entlocken weiß. Er schreit auch wirklich wie ein kleines Kind und fingt mit dreijähriger Stimme reizende Kinderlieder. Irene von N o i r e t singt mit steiler Grandezza Lieder zur Laute, was andere vor ihr schon mit weniger Geschmack getan haben. Der Dichterkomponist Willy Rosen wirst neue Schlager unter das Publikum und wird im Stil des„Blauen Vogels" von Walter Trier zeichnerisch sehr lustig umrahmt. Hilde A d e r h o l d ist eine große und kräftige Tänzerin, die sich minde- stens durch diese Eigenschaft von anderen unterscheidet. Paul Iü- l i ch s Humoristika passen nicht ganz in den Rahmen, gefallen aber den meisten sehr. Kurt G e r r o n singt eine Iazzband-Sinfonie mit lebenden Bildern„Der Lebensweg einer Nutte" mit zarten An- spielungen. Zum Schluß gibts bald zum 50. Male das lebende Bild „Märchen im Schnee", in dem Paul Morgan eine so fabelhaste schauspielerische Leistung auf die Szene stellt, daß man erschüttert sein muß, ihn heute nur im leichtesten Genre der Berliner Posse beschäftigt zu sehen. Zw Rose-Thealer gelangte m diesen Tagen das Lustspiel „Als ich noch im F l ü g e l k l« id e" zur Zlussührung. Das harmlose Lustspiel, um das sich sogar zwei Verfasser, Albert Kehm und Martin F r e h s« e, bemühten, behandelt eine Pensionsgeschichte, wie sie aus der„Kränzchen-Bibliothek" oder ähnlichen Sammlungen bekannt ist. Aber das Ganze ist sehr nett gemocht mit guter Situationskomik und gelungenen Typen, unterhaltsam und witzig, und auch die Rührungsträne sehst nicht, dazu machen Studenten- und Trinklieder die nötige Stimmung. Die Aufsührung war ungleich. Manche Rollen erschienen zu sehr als Karrikaturen, andere dagegen blieben farblos, am besten war die Besetzung der Pensionsmädels. Traute Rose und Ilse Trautschold als Trägerinnen der Hauptrollen überragten bedeutend das Niveau. Zlrtv, am Laiierdamm. In der neuen klulohalle am Kaiserdamm haben die ZuluSunIernebmunaen B l u m c n s e l d und C o h m q bi« zum 10. Januar ihr llager aulaeschlagen und allabendlich werden in den drei Manegen kühne TierdreUuren, pewagtc Krailakte und andere zirzensische Künsie vorgeführt. Aus der Fülle der Darbietungen ragt beionderj der Dressuratt Direktor CoßmliS hervor, der mit leinen Volar« und sibirsichrn Braunbären, Königstigern und Berberlöiven Aufsehen erregt. ?l e r o st a r, eine Lustsensation, hall da» Publikum minutenlang in Atem. Die Reitergruppe, sechs Kardinals, mit Johann, dem ausgezeichneten Reitkomiker, zeigt gute Zusammenarbeit, sichere» Können und erweckt wiederholt lebhafte Heilerkell. Die greiheitsdressuren des Direktors ?l. Blumenleld und die.Rütimanus", die fliegenden Menschen, die hoch am Trapez die tollsten Sprünge vollführen, fanden große An- crtennung. Thinesilche Gaukler zeigen Sistaunlichr» und kapenartig gc- wandt vollbringen sie die unmöglichsten Ding«. Besonders starken Beifall erntete der Berliner Meilierreiler Direktor Karl Reinscki, der aus seinen gilldreisicrten Pferden in jedem Tanzschritt nach Talzcr. und nach Shtmmymelodien über die Manege rellel. Auch die übrigen Altraklionen sind sehenswert und verdienen Anerkennung. Severing km hochwaffergebiet. Köln. ä.. Januar.(Mtb.) Gestern war der preußische Minister des Innern, Severins, in Köln. Der Minister unterrichtete sich hier und rhcinauiwärts persönlich über die Schäden, die durch das Hoch- wasser im Kölner Gebiet angerichtet worden sind. Auf Veranlassung des Oberpräsidenten der Rheinprovinz fand heute nachmittag im Oberpräsidiuin zu Koblenz eine Besprechung der Behörden mit den Vertretern der Presse über die Maßnahmen statt, die angesichts der Hochwasserkotastrophe und deren Folgen zu ergreifen sind. Auf seiner Beflchtigungsreise durch dos Hochmassergebiet nahm Minister Seoering am Montag auch an einer Sitzung des Provinzialausschusses der Rheinprovinz in Düsieldors teil, um den Beratungen über die Notstandsaktion für die durch das Hochwasser geschädigte rheinische Bevölkerung beizuwohnen. Er lernte hierbei die Wünsche der ge- wähllen Bertreter der Provinz kennen. Im Einoernehmen mit dem preußischen Finanzminister bewirkte der Minister, in Rücksicht aus das außerordentliche Ausmaß der Hochwosserkatastrophe und die hier- durch hervorgerufene schwere Not der Bevölkerung der bctrofsenen Gebiete, daß dem Oberpräsidenten in Koblenz für sofortige staatliche Hilfsmaßnahmen nochmals ein Betrag von l Million Mark überwiesen würde. Innerhalb dreier Tage sind somit von der preußi- schen Regierung insgesamt 2 Millionen Mark für die ge- schädigte Bevölkerung bereitgestellt worden. Die Bilanz der Verkehrsausstellung in München. Das Komitee der Deutschen Berkehrsausstellung München 1925 legte in einer Schlußsitzung am Montag seine Bilanz vor. Die Ausstellung war von annähernd 3 Millionen Personen besucht und von rund 800 Ausstellern beschickt. Den Gesamteinnahmen von 4 133 743 Mark stehen Ausgaben in Höhe von 3 763 2

rn 17. Sanuar,..Tiinzc aus (irr neuen UStl:", im Stoften öaal der■thilbarmpnie, Rni im Setretaclat»u beben. Uefctnnn,«bteilnni>s»air,erer! Beute TIbiedinutwt der Beitr»« smarten und Susaabe des..Iuaend voea»" und der..Arbeiler-Iuaenp". B.-B.-Sibnnq moraen. Donnersia«, 7'� Ilbr. Ableilui.qsmitsilikderversa'.n.nlungea heute 7� Uhr: SatenUMlct Vorstadt! Schule©insstt. 23.—»alten»lad: Buarndbeim Riaa« Str. 102.— �e.ediiched-iu: Iuarndbeim ZH�telnteoersir. 6.— Osten lvetersbatete» viertel): fln-cuMieim Cbertuflt. IS.— Stidoft(üteiiücnbetari viertel): Iuaendbeim tSetöenJxroec Str. 86.— Ccaaxlbof: Cnzeum ffirrmonia. st raste 4— i.— Wannt re: Schule©barlottenstrastr.— SaJfenbtr«: f)u«cnMieim Am Sslfeniete 117.— Arirdtichrdaaen: Suoenbbehn Scharnwi-bar Slr. 105a.— SlicbetfchinOBetbe: Schule Seritner Str. 31.— Kaubbotf; Schule Adols- strastr 25.— Lichtenbero. Mitte: IiwrnMteim Dasteste. 23.— Llchtenbera-Ztard: liuaenddeim Portaue 10.— Zlen-Üichteudera: Iuaendbeim Priirz-Albeet» Stroste 44. Weddina: Schule Rnhenlai'.-. Ecke Antonstraste. Porieao:„Iunend und Partei".— Aelmdalinila»! Schule EdetdmoUtrr Str. iO. Auasprache:„Reform. tleidutui". llter Vorlron..Auaend und©ewertfchaft" findet an: 20. statt.)— Rardrina: 7 UTit Inaen-dewt iSeberenbecnftr. 7, Hetteror Abend. Brist: Die Kunttionlire und lnleretlierte©enotlutnen und©etmlTrn tretten Och heute abend ttm v.8 lldr im Belm zu einer wichtigen Aesooechuna. Papier und Bieistift nicht reruelfen. Pilnlilichas Erscheinen ist Pflicht. »ezirffDpestand. Donnarsttaa 7H Uhc pünktlich Sistun« Im Sekretarial. welterberi-sil der öffenNichc» IVellerdienststell« für Berl'n(Nachdruck verboten.) Weitertiin wild. Zeitweilia anillarend. Keine et hektlichen Nteder- schliae.— Zür CeatichUmb An der Külte leichte Regensälie. Sonst keine erheblichen Riederichläste. Ucberall mild. Kruschcn-Salz Kruschen-Salz Kruschcra-Salz Kruschcn-Salz Kruschcn-Salz Krusdien-Salz erhält die Gesundheit und reinigt das Blut hält Leber und Nieren in guter Ordnung. sorgt für gutes Funktionieren des Stoffwechsels. hilft Ablagerungen und Schlacken, deren Folgen Rheumatismus, Gicht, Ischias sind, aus dem Körper entfernen. fördert die Verdauung und hält den Magen stets in guter Funktion- wirkt belebend und erfrischend auf den gesamten Organismus. Ein ständiger Kruschcn-Salz-Yorbraucher schreibt: „...ich habt gerade bei leichten Rheumatismusanfällen, insbesondere auch bei rheumatischem Ischias, sowohl bei mir selbst wie auch bei einer grossen.bitahl von Bekannten mit Kruschen-Sal» Er/ olge beobachtet, die direkt ans Wunderbare grensen. Wie mir ein befreundeter Arst miileilf, beruheti die rheumatischen Schmersen auf.45» lagerungen von Säuren im Blut, insbesondere Harnsäure, und diese dem Körper schädlichen Bestandteil« werden durch Kruschen-Sals ohne weiteres und»n wenigen Tagen ausgeschieden. Man kann dabei fast von einer chemischen Rtakiion sprechen, die die Zuführung von Kruschen-Sals im Blute hervorruft und durch die die schädlichen Säuren abgestossen werden... Dr. A. Th. in H.-S.'» Ein Glas Kruschen-Salz reicht für 100 Tage! ritRiiiimimnmiinnnimiMiimiiinnimiimiitmtNimiiiiniimiinmmmniiinimitiiiiiraiiwMMiiiniiMiimimniHMUiiHHMM . Kni*fhon-Salx ist dM Original- GcsundheltssKla. Kaufen| 1 Sie nicht die vielen angepriesenen Nachahmungen! biimmunnnamminmiui................................................................................. ö In Kaffee oder Tee nicht zu schmecken.— In Apotheken und Drogerien Mk. 3.— pro Glas. Beuthien& Schultz G. iaub.iL, Berlin N 39, Panks tr. IS/14— Humboldt 9337-9229 G M.B.H. BERLIN C. 19 GERTRAUDTENSTRASSE 25.26.27j Nach vielen Jahren zum erstenmal wieder Inventur- Ausverkauf In allen Abteilungen. Unsere Sonder-Abteilung Damen- Mäntel und Kostüme bietet außergewöhnlich preiswerte Kleidung eigener Herstellung in bester Schneiderarbelt. Vom S. bis 9. Januar >S«t86*w Nütland IBfr* Vretr ir« flarffn JttaHenfT Morl— Rizzetto unh die S u't r a i t c r£ c p a: 5- C o r r n dpi» ~ rr«(«i, nährttiB von itut'ifccr Seite I:Ko«r>a''a:!p Monn'cka�en- Li« letlvehmee Be« Drei Klundeo-Iipiioen», da?� üiie wir bercilF mit- A a:> e r» S ch r a g c. f\c 5v päiaiipr Sienfi H a cfj-;1.1; c t b c ui.b t:p !»Vrnpr»Mi Ber �reSUwer f? cf e, der Ben ftarfeit Letterreicher Aalet» ni# Partner erfcäit. im Felde zu«inden i«in. teilten, im 3 eili n e:« c o r t b c I a i'l a m lO.'Fa n u a r'tatliiiidft, fteden in der Hauptsache bereit#«est. Tie vier Belgier lind folgender- «abe» gepaart worden: Raes— RoelS. de Corte— Lerincer. erfolgreichen Stolz— Bebren dt verpflichtet worden find. Smii L e w a» o w biibit eine tSlannichaft mit ocm ilarken Tönen F e ii f e n>. während Stabe mit den» Holländer B e r m e e r gepaart worden iit. Vriefkaften üer Redaktion. ».«. Werden Tie nät an den Deutschen MetaHarbeiterverdand. Serlt» Zt.»t. Äuienstr.#2— W. Mentur-Ausverlaus vlrcj Oldenkott-Rees dem Grundsatz treubleiben, nur beste, überseeische Rohtabake zu verarbeiten. Der erfahrene Raucher wird sich deshalb nie bluffen lassen, sondern Qualitäten verlangen, wie sie die Marken Kleponkerl und Madasfra unerreicht darstellen. e*»»««nfw-Omstj, Kl u«..........$y mumwmmmmmmmmmwmMmwm' Thcaler, lidilspielc usw. Voiksbühne Vi, Uhr- Dum eisten Male Vom lieben Au gmtin Morsen 8 Uhr Tob liehtii Ingiistii Staats-Theater Opernhaus 6'/t U. Palestrina Opernhaus am KSairsplatz t'/a: Ma4. ßutierllj Acbansplelbaus »v ImnelBen Rhö! Schiller■Theater 8 Uhn Jugend SMIidic 0;» Cbarlettenbors 8 Uhr: driadne auf Nuos Abonn-Turnus III DentidiesMiiT Vi, Uhr Dai muhdien v. Oellbronn von Kleist Re ie: Ensen Ktdpler Preise 1 M bis 0 M Kammerspiele Vi, Uhr SerKreidekreis von K I a b u nd Regie; M. Reinhardt Preise 4 M. bis 10 M. Freitag, d. 8 Januar Zum 1. Male: Lysistrata von D o n n a y Die Komödie lurfantendagin 200 7 8 Unr Gesellschaft von Oalsworihi Regie M Reinhardt Preise 4M is 12 M Lessing-Th. lägl. 8 Uhr: Maiermax Musik v H Hirsch Kleines Th. 8 Uhr; Die Kntscbe der heiligen Liebe Korn. v. Merimee Boubonroche Kom v Courteline Regie: Ooldberg Crokes Sekaisptelbaos TAiSLICH 94 Berliner Theoler Revue Operette! Jdessalinette LttlZOWSl.1 1 2 Veriorene Mätldieo Berliner Volksstück mit Gesang u. Tanz Parkett von SO Pl an. Mitrw. nachm 4 U.; Der Intioe Frliolir. Parkei t von 2.4 Pi. an TLaiolleiiilorfp!. Tägl. R Uhr Die offlzleue Frau Operette in Z Akten Kerrnfeld im Intim.Th. 8 ü. Eil ntuer B rtnfilil Familie Sdimodi Milieu Komödie aus Berlin W i 3 Akt. Casino Theater Täglich 8 Uhr; Die tolle Posse, Der lelstetei Oer Gipfel Oes Hgmors! das neue Progr. BeMowslij-BähBea ■BetlMrOIzJlr. 8 Uhr: Einen Ben wui Die mhOne b Uhr: Dil lote Tante HomMlenluins 8 Uhr: DordrEizehoteShilil Th. in d. klosterstr. 4 Uhr; Schwebende Jungiran SCAtA 8 Uhr. inleraal. Variete Oeotsebis (flnsil.-Tbeattr 8 Uhr: Dlaghllew's russisches Ballett TLeJirfOistenOinin 8 Uhr: Regen T)i.i.SdiifflnoerdiBiti 8 Uhr; Der frililidie Weiiber] Lustspielhau# 8 Uhr: Der blaue Vogel Vallner-Tbeattr Täglich 8 Uht: Kolportage Neue Preissenkung! Herren-Iackettanzug...................... 20— Sportanzug mit Breeches............. 19— Herren-Mäntel...................... 24— Gummimäntel..................... 11.— Damen-«. Herren-Lodenmäntel 14.so Herren-Lodenjoppen........ 7.25 Olachtpelze, wenig gebraucht.... 35.— Sportpelze............. 69.— 2n allen Abteilungen, auch nach Maß, sind alle besseren Qualitäten bedeutend im preise herabgesetzt! Chauffeur-Pelze....135.— Damenpelzjacke 59.50 Windjacken.........> 7.5« Knaben-Anzug........ 6. 90 Knabenpyjack............. 1.™ Herrenhose, gestreist........ 3.W Herren-Breeches.............. 4.20 Jumper, Pullover für Damen, 2.«« Lange Damen-Strickjacken, re!»-W°-° 4.2s Kajaks aus reinwollenem Marocain». 3. 50 an Kunstseidene Kasaks und Damenkleider... 2. 93 an Vaer Sohn Ao-G. Eigene Kleiderwerke. Gummimäntelfabri? und Kürschnerei Berlin N4, nur Ehausseestraße 29/30 lt«ml§Me is'/»«per — Dir.-, lamci mein— GrößteHevuel der Welt |»on|B J\ M bis An I Parkett 6.— M.| Preise 2.— bis II.— M. (Logen 15.— M.) [Vorverkauf ununterbr. ße5f;ne;l Walhalla Theater Weinbergsweg SV, Täellch 8", Das Haddien ohne Ehre ätnsauonsstüCK mit Musik Parkett nur SC Pf. Kesidenz-Th. 8 Uhr: Die Erika v. Teilmann Kurt Vespermann Preise der Plätze von 1—10 Mark Tkalia-Th. 8 Uhr: Annemarie Preise der Plätze von 1—9 Mark Theater In der Kommandanienst 8 Uhn OiebionlKIlilels P:eise der Plätze von 1—8 Mark NM! Id. im Zoo Aliabendl 8 Uhr Ouido lülMf D. wnlire inkob IIPzrtatt... 1— Jhl |Pirt.-tut. 3— 4SI. füldlKtB-FH!. in Ismti..... in. Vomrtnl nmbchmkn Circus Busch Mittwoch t':l.'hr Zum 50. Maie Der Graf tob Monta Christo Hauptrolle: Henry Pless tvW: II m Prayuns IdMlI.Meii! 5u|n{< Otfntttniii: Tägl. 8 Uhr; DBS kDlfi a. die Liebe Dpeietti von Oilbirt SU«£ schon ab| Mark Centrai 8 Uhr Hose-Theater 7'«Uhr wenn der nieder biun 1 wSMM __ Tätlich 8 Ul r; Das HDtrnool• Tiioatgr tmmm mcilüilül lUwQiCl von �ud Lothar i Tagl. 8 Unr die gr. Revucpotse Ho no Kanone von Rud Lothar u j Oscar Ritter Ein lustiges Aben teuer an Bord 8 u. tu raier i. d. METROPOB I VABIETV L Das auserlesene Januar- Programm Eintr. 1. 2 u. 3 M. Uttbesw Uz. 0- ItL Mpi WO 77. 'sgi hl hr.aoebbunotag eauam. 3 I hr i zu batbew Volt.ik dig B' Des vre(ra«al Ued.rspiel;„84 erma nnmebvn" a Buri�ii.- Ja öa- Prorf Ncniabr!" Auftreten von ff« josma seiim- Inlencren Balph Denalzki' bring« erfolg Adniiaispalast rä'iich»'/, Uhr ÖALLER REVUE AMINS Welle 505 Jeden Sonntag « Uhr die danzo Vorst e Mus g zu - Preisen! ttflt r.vdt er- vi- 21 s. De r f roüe Erlolr Clily Felndt Ciolich Bit ihm» Ifir«„üetin" und im Film: nie ZifkaH prinzeasin » d. Varietdprogr Täglich 3 Vorstell 5. 7 u. 0 Uhr. ThwAruw» 1-3*r4 Ein neues Programni Ii) mit ausgewählten 1 G lu internationalen GröOen lu>| der Viuleie Kons! soonug nachm. 3'/, Uhr halbe Preise, OV~ Rauchen geatattel-MG Reidisliallen-Tlicaler Allabendlich 8 Uhr Sonnta' nachmittag 3 Uhr MM-Mi DVrÄU"0,nr sonsMjen Karl Brnna und Kanonenl Nur noch bis zum 10. Januar Neue Anlohalle •m Kaiserdamm Zirkus der Zehntausend Das Riesenpro gra mm in 80 Teilen Deutsches Tonkünstler- Orchester Preise: 0./0 bis ä Mark Täglich 8 Uhr. auileidem Mittwoch. Sonnabend u. Sonntag 4 Uhr nachm. zu halben Preisen Alte Aatohalle am Kaisenianim Dia äunle Stad. Der moderne Vergnüdandspark tägl. 3-10 Uhr geSllnet — Einti itlspreis«O Pfn, Kinoer die Hälfte Ab'nds V', Uhr: Frei» Vorstellung Sack Blizzard Karten zum Zirkus der Zehntausend herechiigcn zum irei n E ntritt in die bunte äudt Neue Well A. Scholz:: Hasenheide 108-114 Heute sowie täglich: Soehblerfest in den bsver-seteAIpen 8 Kapellen ♦» Nene Dekorationen 30 bayer. Madl Einlaß 6 Uhr Anfang 7 Uhr _ B Spezialitäli Bayer, WeiBwiirst! Voranzeige: Morgen, Donnerstag, 7. Jan. s Gr.Schweiiieschlacliten Ne.74 4Z.�ahrga»g 2. Heilage öes vorwärts Mittivsch, S. Kasuar Mit Mufbauwlrtfihast. Son Dr. Jng. Martin Wogser. � Sa de» Sahren 1919/1920 hatten wir noch den Mut. von Plan- Wirtschaft zu sprechen. Wir fanden ober nicht den Mut. planwirtschoftlich zu handeln. Warum? Weil e» uns an Wirtfchaftsführern fehlte? Weil die bisherige» Herren der Wirt- schast jeden Ansatz von Planwirtschaft al» Pureautrati« und Soziali- sierung bekämpften? Weil die Politiker guten Willens waren, die Theoretiker aber im Kampfe gegeneinander lagen, und die Praktiker der Planwirtschaft das Sicht der Welt noch nicht erblickt hatten? Wie dem auch fei, das Steuer der Wirtschaft wurde gewaltsam herumgerissen in die Kursrichtung egoistischer Privatwirt- schast. Jnftation und außenpolitische Bedrängnisse verstärkten die egozentrischen Kräfte und lenkten den Blick ob von der tieferen Not- lag» unserer Wirtschost. Mit der Stabilisierung der Währung und der beginnenden Stabilisierung der außenpolitischen Probleme mußten die national- wirtschaftlichen Wunden von neuem aufbrechen. Das Seherwort Walter Rathenaus vom Jahre l918 hat auch heute noch seine Geltung: »Di« private Wirtschaft ist zum Einstürzen reif, denn ihre gesamten Stützbalten sind verfault."' Wiederum erhebt sich der Ruf noch „D irtschaftsführung". Heute mit größerem Recht und höherer Derpflichtung. Die Krise, in der wir stehen, ist nicht mehr«ine Augenblickskrise, verursacht durch irgendeinen außen- politischen Druckpunkt, oder durch einen Fehler im Kreislauf der Feldwirtschaft. Die gegenwärtige Wirtschaftskrise ist eine Dauer- k r i s e. Handelt es sich doch um nichts mehr und um nichts weniger als um die Frage: Wie passen wir einen durch den Krieg und die Nachkriegszeit in der Entwicklung und im Fortfchirtt gehemmten Pro- duktionsapparot an den weltwirtschaftlichen Standard an. der uns von Nordamerika aus diktiert wird? Dieser Anpassungsprozeß erfordert Maßnahmen, die nicht auf Augen- blicke und Jahre, sondern auf Jahrzehnt« eingestellt sein müssen. Der amerikanisch« Wirts chattestandard. der un» in der Weltwirtschast niederkonkurrtert. ist uns um mehr al» zwanzig Jahr« voraus. Dieser Tatbestand rollt den Gegensatz von Privatwirtschaft und Gomeinwirtschaft von neuem auf. Gibt es eine Hoffnung, den amerikanischen Lorsprug mit dem System des freien Spiels der Kraft« einzuholen? Rein, diese Hoffnung besteht nicht und kann auch bei den eingefleischten Anhängern de» Wirtschostssystem» von Adam Smith nicht mehr bestehen. Die Ueberlegenheit der amerira- nischen Wirtschaftsmaschine über die deutsche beruht nicht zuletzt in der alle Leerläufe ausschaltenden Konzentration der Kräfte, wie sie in den Trustunternehmungeu in die Erscheinung treten. Di« Frage lautet nur noch: gemeinwirt» s ch a f t l i ch e oder prioatwirtschaftliche Trustbildung. Wer wollte nun bestreiten, daß die gcmeinwirtschostliche Trust. bildung gegenüber der privatwirtschastlichen einen fühlbaren Bor- sprung Hot und in sich gesünder dasteht? Ihr in die Augen spingen- der Borteil besteht in der leichteren Kapitalbeschaffung zur Erneuerung und Verbesserung des Produktionsapparate». Das Versagen der privatwirtschaftlichen Kapitalbildung ist ja ein« der wesentlichsten Ursachen für den gehemmten Aufstieg zur weltwirt. schaftlichen Konkurrenz. Di« gemeinwirtschaftlichen Trust« haben heute zwei Wege zur Kapitolbildung: die Kapitalbildung durch Steuerhebung und die Kapitalbildung durch die Tarif- und Gebührenpolitlk. Die Hauszinssteuer, soweit sie für den Wohnungsbau verwandt wird, ist«ine typische Zwangsspartass« zur Förderung der Bautätigkeit. Man denke sich diese gemeinwirlschaftliche Kapital- bildung fort,»mb was bliebe dann von dem privatkapitoliftifchen Baumarkt an Arbeitsgelegenheit noch übrig? Die Tarif- und Ge> bührenpolltik ersetzt heute vielfach den völlig verödeten Anleihe. markt. Die Politik,„auf Pump" zu arbeiten, und das Volk an da» Ausland zu verschulden, wird durch die volkswirtschaftlich ge- sündere Fondsbildung auf dem Weg« der Zwangssparkasi« ersetzt. Der eine Verantwortung für die Zukunft de» deutschen Voltes in sich fühlt, wird es nicht bedauern, daß man den„Friedensfeldzug" nicht auf dem Wege des Pumpes, sondern auf dem Wege der steucr- lichen Zwangsspartass« finanziert, soweit die gesamte Wirt- schast eine solche Belastung noch vertragen kann. Eine ganz andere Frage aber ist e«, ob und wie dies« Zwangstapitalbildung aus gemeinwirtschaftlicher Grund- lag« sür die Gesundung und den Ausstieg der deutschen W i r t s ch a s t eingesetzt wird. Die zwangsläusig« Kapitolbildung der ösfenllichen Hand führt zum Staat,- und Gemeindetapitalismu». Als Ge- meinwirtfchaftler haben wi? nicht die geringste Deranlasiung, diese Entwicklung nicht zu fördern oder nicht zu unterstützen. Bei jedem Entschluß über die Verwendung von öffentlichem Kopital müssen wir uns aber die Frage vorlegen, für wen und zu welchem Zweck dieses Kapital beschafft wird. Diese Frage ist Netallwirtsihast und Konjunkturfthwantungen. Die Metallmärkte im letzten Jahre. Die Märkte der„Nichteisenmetalle"— Kupfer, Zink, Zinn und Blei find die wichtigsten darunter— sind in besonders ausgeprägtem Maße von den Bewegungen der Welt- Marktkonjunktur abhängig. In den Perioden des Konjunk- turaufstiegs, der regen Bau- und Fabrikotionstätigkeit, werden plötzlich sehr große Metollmengen gebraucht, ohne daß die vcrhälMismäßig langwierig« und schwerfällige Produktion sofort dieser— durch spekulative Käufe noch übersteigerten— Nachfrage entsprechen könnte. Die Folge ist dann in der Regel ein rapides Ansteigen der Preise, das die Produktion stark an- spornt. Herstellung und Verbrauch steigen in solchen Zellen oft auf da» Doppelle und Dreisache der in normalen Jahren verarbeiteten Mengen: Rejeverbeständ« und Lager füllen sich,— mit der weiteren Folge, daß bei einem R o ch l a s s e n der Bautätigkell nach Aufhören der guten Konjunktur die Märkte überfüllt find, während die industriellen Verbraucher noch van ihren Borröten zehren, und daß mll dem Stocken der Berkonsstätigkeit auch die Produktion in Gruben und Hütten auf da» empfindlichste eingeschränkt werden muß. Di« ruhig« Entwicklung der(weltwirtschaftlichen) Konjunktur- oerhällnifie im verlaus de, Jahre» 1925 spiegelt sich auf den Metall- Märkten in einer relativ gleichmäßigen Preisbewegung wieder. pteisbewegtwg auf dem Londoner Markt. (Notierungen in Pfd. Sterling je Tonne.) Der ftupfermarfL Gering sind die Schwankungen auf dem Äupfermarkt, wo der höchste Stand— von Anfang Januar 1925— und der im April erreichte niedrigste Stand nur rund 12. Proz. auseinonder- liegen. Da» erste Vierteljahr hat also einen ziemlich beträchtlichen Preisfoll aufzuweisen, der durch die„Abdrosselung" der Speku- lationskonjunktur mit Hilf« der amerikanischen Zentralbankpolitik und durch da» Nachlassen der europäischen Käuie hervorgerufen worden»st. In der Folgezell waren die amerikanischen Großprodi:. Kenten, die etwa 90 Proz. der Gesamtproduktion(an Rassinade- Kupfer) kontrollieren, bemüht, die Produktion einzuschränken, um so den Markt allmählich— durch Abnahme der preisdrückcnden Logerbestände—.leerlaufen" zu lassen. Dies ist ihnen auch zum Teil gelungen, wie die amerikanischen Produktionszahlen, die zwischen März und September fast durchweg abnehmende Tendenz haben, zeigen: Kupferproduktion(in 1000 Tonnen). Januar Februar Mär,. April. Mai. Juni. »rii- proöuHiön , 186,1 , 128,7 . 141.0 , 123,8 , 125,7 , 129,7 Savim Stc. Staat 82,1 78,2 87.1 79,2 77,0 76,9 In«.. August. September Oktober. November * vorläufig« Zahl Welt- produltio» 129,8 129,5 128,9 142,3 davon Str. Staat. 78,4 72.9 76,6 82.6 74,0* Freilich war die Produktionspolitik des amerikanischen Kupfer- ring» nicht in vollem Umfange erfolgreich. Sie Hot zwar zu einer Verminderung der Lagerbcstände geführt— dies« sind zum Jahres- ende um etwa ein Drittel niedriger als Anfang 1925— aber die Aufnahmefähigkeit de» amerikanischen Marktes ist dennoch, trotz der recht guten Beschäftigung der Industrie dort (zumal gegen End« de» Jahres) hinter den Erwartungen zurück- geblieben. Außerdem haben die ausländischen Produzenten. und mit ihnen jene kleineren amerikanischen Werke, die sich nicht an die Politik der Produktionseinschränkung gebunden haben, jene Politik doch ziemlich erheblich gestört. Trotz der„schlechten" Preise sind die G c s ch ä s t s e r g e b n i s s e in der Kupsererzeugung überoll recht gut: Fortschritte in der Technik der Erzausberellung erlauben gute Gewinne bei Verminderung der Unkosten. Die Aufnahmefähigkeit der europäischen In- d u st r i e st o o t e n, die neben der nordamerikanischen Union die einzigen„Großverbraucher" von Kupfer sind, ist ebenfalls hinter den Erwartungen zurückgeblieben. Deutschland hat noch bi» zur Mitte des Jahres große Mengen— größere, als im Jahr d« leb- hasten Geschäststäligkeit 1913— gekauft, aber dann die Bezüge er- heblich eingeschränkt. Aus dem Londoner Kupfermarkt sind die ficht- baren Vorräte(Borräte des Handels) von Jahresbeginn bis Ende Oktober um mehr als 50 Proz. angewachsen. Vor hier aus ist naturgemäß ein gewisser Druck auf den Markt ausgegangen, dem sich auch die Produzenten der Bereinigten Staaten nicht entziehen konnten. Die Preisschwankungen am Blei- und Zinkmarkt. Stärkere Preisbewegungen und lebhaftere Geschäftstätigkeit weist der V l e i m a r k t auf, wo, noch lebhaftem Geschäft zu Jahres- beginn und einem ziemlich scharfen Rückschlag im ersten Vierteljahr, der tiefste Stand der Preise ebenfalls im April erreicht wurde. In der folgenden Zeit hat die ziemlich lebhafte Nachfrage der Bereinigten Staaten gelegentliche stärkere Preissteigerungen hervorgerufen, be- fonders um die Mitte des Jahres, als die australischen Lieferungen infolge des Hafenarbeiterausstandes längere Zeit ausblieben. Die Produktion blieb bis in den Herbst hinein in den Hauptprodut- tionsgebieten ziemlich gleichmäßig, und als dann im Oktober«ine fühlbare Zunahme(um 10 Proz.) eingetreten war, bewegten sich die Preise wieder deutlich noch unten. Die Preisentwicklung auf dem Z i n k m a r k t ist gleichfalls durch die Bcrhältnisic in Australien beeinflußt worden. Im Gegensatz zu Kupfer und Blei war hier die Erholung der Preise nach dem Tief- stand(April) sehr viel dauerhafter: Produktion und Verbrauch scheinen annähernd im Gleichgewicht zu sein, und die Preisschwan- kungcn sind nur noch gering. Zinnmarkt und Konsumindusirien. Zinn, das Metall des Ostens, dessen Hauptproduktionsstätten in den Malmenstaaten Hinterindiens, daneben in China liegen, ist nicht so sehr..schwerindustriell" in seiner Verwendung wie seine metallischen Brüdep. Sein wichtigstes verwendungsgcbiet ist die Weißblechherftellung, und damit ist der Zinnbedarf der Welt in erster Linie von der Konjunkwrlag« der Verbrauchs mittel- industrie abhängig(während bei Zink, Blei und Kupfer die Konjunk- turgestaltung in den Produktionsmittelindustrien entscheidend wichtig ist).— Auch auf dem Zinnmarkt hat das erste Kniendervierteliahr einen erheblichen Preisrückschlag— um etwa ein Sechstel der Preishöhe zu Jahresbeginn— mit sich gebracht. Darauf ist dann, in einer. recht stetigen Aufwärtsbewcgung, eine Steigerung bis gegen Jahresende erfolgt, die den erlittenen Rück- schlag mehr als ausgeglichen hat: der tieftte Dezemberpreis liegt noch über dem höchsten Stand vom Jomiar(1925). Di« Ursache des Preisanstiegs auf diesem Markt wird man nicht so sehr auf der Seit« der Produktion zu suchen haben— obwohl auch hier infolge des chinesischen Bürgerkriegs eine leichte Ein- schränkung eingetreten zu sein scheint— sondern vielmehr in den Absatzverhältnisscn. Bor allem die amerikanischen(aber auch die englischen) Weißblechindustrien sind gut, zum Teil sogar glänzend be- schäftigt: die Konservenbüchsen, in denen der amerikanische Haushalt seine Lebensmittel bezieht(und zu denen jährlich mehr Eisen verarbeitet wird als in Deutschland für den gesamten Bedarf der Reichsbahn!), find die Grund- löge für eine ganz ungeheuer große Industrie und bedeuten für den gesamten Zinumorkt das ausschlaggebende Moment. Die vorzügliche amerikanische Konsumgüterkonjunktur hat zur Folge, daß Weißblech, industrie und Zinnproduktion ebenfalls eine Zeit guten Geschäfts- ganges durchleben können. in dem gegenwärtigen Stadium der Wirtschaftskrise, die öffentliche Hilfe in größtem Maßstäbe verlangt, für den zukünftigen Ausbau der Wirtschaft von entscheidender Bedeutung. Dir werdtn bei der Verwendung von öffentlichem Kapital zur Linderung der Wirtschaftsnot zwei Kardinalfehler zu ver- meiden haben. Weder dürfen wir neuen Wein in alte Schläuche füllen, d. h. neugebildetes Dolkskapital zur Stützung und Stärkung völlig veralteter privater Produktionsbetriebe benutzen, noch dürfen wir in den Fehler verfallen, dieses Kapital durch die ebenso oeralteten Schläuche fiskalischer und bureaukrotischer Bureaus zu leiten. Gemeinwirtschaftliches Kapital den gemein- wirtschaftlichen Betrieben! Do» ist die erste Parole, der wir zu folgen haben. Und die zweite Parole ist die: Wir müssen uns für unsere öffentliche Finanzpolitik eine Rangordnung aufstellen. Welcher Produktionszweig fall mit öffentlichem Kapital gespeist werden? Dos Volk braucht in erster Linie nicht Automobile, nicht Zigaretten oder seidene Strümpfe, nicht Mesfehäuser und Denkmäler, sondern Nahrung, Kleidung und Wohnung. Das öffentliche Kapital muß darum verwandt werden zur Erweiterung des Nahrungsspielraumes, zur Verbilligung der Kleidung und zur Be- seitigung der Wohnungsnot. Nun aber das Entscheidende: aus dem össenliichcn Kapital lastet nicht nur die Berpslichtung zur raschen Linderung der gegen- wärtigen Notlage. Auf ihm lastet die noch größere Ver- pflichtung, den deutschen Produkttonsapparat so zu oerbessern, daß er mit dem amerikanischen Standard in Konkurrenz treten kann. Da» Kapital der öffentlichen Hand muß zum Anreger und Förderer der Rationalisierung der Wirtschaft gemacht werden.' 5W Praktische sinn cr�mm�aners So ixrtoifrn ßd)£*i einor Sfl&ä&rMt ctü&ßwH Jur&dQatg und Vü—b B&mVtrgCcitfj c&uijcher uHdamtrU�iMifc�tnrZi�yttten'�Stdoat�fnt Iii rtuu* üBcrrafdfaiH �9u�f£�Ci*uC einen ausgeprägten'Bte&ngf- /jfXHS&ßnäeH. OGwcfjC UmerUka nnrtft&aftfidf so g�fidb iftäass tfyrtdie fysttärjbm OrieHttafofy verarbeitet n/enfat, so verbietet anärerßits der PRAKTISCHE SWS daAmerfynevs jegtubeH Attfunnd, der die QyaGtät beeinträeftti#. lOir fofHvn davon Cemen und bei den ftgireiten-JAarlifu., die ihm der Meuen'ffinitflBuer btfondere schwer bebufet find, aße'ßufyngrari- fpriufft yuiütyteaeKrdenH fudrüdvn duf Qpeßtitf Niveau erfabtUf) bend: Ihgere OVtJtSTOlZ/in einer Henen, oervin/adkoH'Euifftng, bietet dem tyui- cberdxe abbewäfyrte, ECHTE JMifcfmngt'lvieße fiir Se SPfWfrvisfagt HAUS.NEDERBDECttHfl Bti tiner BLECHPACKUNG Bei tiner KARI0N-5CHACHTEL! Bei unfertr neuen OVERSTOlZAu**** Gin Verbrechen an der Zukunft unseres Volkes wäre es, wollte man z. öffentliches Vaukapital auch weiterhin noch den mittel- atterlichen Produktionsmethodcn rückschrittlicher tlcingc- werblicher Betrieb« verbauen und nicht dazu übergehen. Großbauaufträge aus den Markt zu bringen, die geeignet wären, die Rationalisierung der Bauindustrie zu fördern, die Maschinenindustrie mit Austrägen zu oersorgen, die neu gewähttcn Standorte der In- dustrie mit Wohngelegenheiten zu versorgen usw. Diese Der- pflichtung zur rationellen Verwendung de» Kapital» liegt allen Stellen des Reiches, der Länder und Gemeinden ob. Es wäre darum sehr zu begrüßen, wenn die Vertreter dieser Körperschaften zu der Einsicht kommen würden, daß die Zuleitung von öffentlichem Kapital in die Wirtschaft nicht in die Hand unsachverständiger Bureaukraten, ober auch nicht in die Hand der privaten Interessenoerbänd« gelegt wird. Das dem Wiederaufbau und der Gesundung der Wirtschaft zugedacht« Kapital gehört in die Hand gemeinwirtschaftlich arbeitender Banken. Unternehmungen und Für- s o r g« st e l l e n, die es frei von beruflichen, privatwirtschaftlichen und parteipolitischen Interessen oerwalten. Rur auf diesem Wege ist eine Ausbauwirtschast möglich, die nicht nur den gegenwärtigen Notstand beseitigt, sondern auch da» Fundament für eine dauernde Gesundung und konkurrenzfähige Leistungssteigerung unseres Produktionsapparates legt. * Wir bringen die vorstehenden Dorschläge de» Gen. Wagner, obwohl wir der Meinung stnd, daß die unzulängliche Organisation der Verteilung der öffentlichen Gelder heute eine planvolle gemeinwirtschaftliche Kapitalpolitik außerordentlich erschwert. Es kommt hinzu, daß die Ueberfchußwirtschaft von Staat, Länden, und Gemeinden allmählich ihrem Ende entgegen- geht. Immerhin ist mit Rücksicht auf die Reparationszahlungen in gewissen Grenzen dauernd eine Kapital v o r r a t s Wirtschaft der öffentlichen Organe erforderlich. Einen besonderenEharakter erhäll die Entwicklung dadurch, daß die Unternehmer denAbbau der Besitzsteuern betreiben, so daß die Kopitalvorratswirtschaft des Staates letzten Endes auf Kosten der breiten Dolksmassen erfolgt. Wenn dem nun so ist, so haben die großen Massen des arbeitenden Volkes auch Anspruch darauf, daß bei der Verwaltung der öffentlichen Kapitaloorräte die sozialen Erfordernisse ausreichend berücksichtigt werden. Hierzu bieten Wagners Vorschläge wertvolle Handhaben besonder» nach der Richtung hin, daß sie beweisen, wie eine zweck- mäßige soziale Fürsorg« z. L. beim Wohnungsbau durchaus mit dem Fortschritt der Gesamtwirtschaft in Uebereinstimmung gebracht werden kann.— Red. d.„V." Früchte üer kapital« ftijchen Jnfiatiouspolitik. Die Kurve der Konkurs« und Geschäst»aufstchten ging, den vor- liegenden Schätzungen nach, im Dezember beträchtlich weiter i n d i e Höhe. Nach einer Zusammenstellung der Zeitschrift.Die Bank* sind 1638 Konkurse und 1397 Geschäftsaufsichten neu eröffnet worden. Andere Schätzungen lauten auf 2400 Konkurse und Geschäftsaufsichten. Auch diese Ziffer überschreitet noch den November, der noch der amtlichen Statistik 1343 Konkurse und 967 Auf- sichten aufwies. In Berlin allein wurden im Dezember 3lXK) Offen- barungseide geleistet: über 23960 Wechsel wurden nicht eingelöst und gingen zu P r o t e st. Die Bedeutung der Ziffern als Krisenmerkmale ergibt sich aus Vergleichen mit 1924 und 1913. Gegenüber dem Monatsdurchschnitt von 628 Kontursen 1924 und 81S Konkursen 1913 bedeuten die Dezemberzissern annähernd eine Verdreifachung bzw. Berdoppelung. Dem ollgemeinen Aufblähungsprozeß der Kriegs, und In- flationszeit folgt also jetzt deutlich die Einschrumpfung de, Produttionsapparats. Da die Krisis der Ueberorganisation der deutschen Wirtschast ihren Höhepunkt noch nicht erreicht haben dürste, wird die Konkurskurv« aller Wahrfcheinlichkett nach noch weiter ansteigen. Wieweit Verschiebungen innerhalb der einzelnen Gewerbe- zweige vorliegen, das wirb erst die amtliche Statistik ergeben. Fortschritte der horizontalen Konzentration. Di« AEG. setzt ihre Politik der horizontalen Betriebsvereinigung zum Zwecke kon- kurrenzstarkcr Spezialisierung fort. Sie hat mit der Deutsche Werke A.-G. Kiel eine Arbeitsgemeinschaft für Produktion und Vertrieb von Triebwagen mit Oelmotoren geschlossen und zu diesem Zweck mit den Deutschen Werken Kiel gemeinsam die Triebwagen A>G.(T A G.) gegründet, die mit einem Aktienkapital von 266 066 Mark als reine Verkaufsgesellschaft tätig sein soll. Die Arbeitsgemeinschaft soll die bedeutenden technischen Er- sahrungen, über die beide Unternehinungen verfügen, zu höherer Wirksamkeit oereinigen und insbesondere den Bedarf nach schnelleren Fahrgelegenheiten auf Strecken mit großem Personenverkehr wirt- schattlich ausbeuten. Zu erinnern ist daran, daß eine gemeinsame Tochtergesellschaft der AEG. und der Deutschen Werke bereits seit längerer Zeit in Erfurt den Bau von Schreibmaschinen betreibt. Ob und inwieweit durch die Neugründung der TAG. wichtige und lebensfähige Teil« der Deutschen Werk« eine Privatisierung preisgegeben werden, läßt sich aus der Vcrwaltungsnntteilung nicht entnehmen. Ein Rekordjahr für da» Rheinisch-westfälische Zementsynditat. Wie das Rheinisch-Westfälisch« Zcmentsyndikat mitteilen läßt, stellt das Jahr 1925 für die Portlandzementwerke ein Rekordjahr dar: trotz der Versandschwierigkeiten und der Unstimmigkeiten im Syndikat. Gegenüber der Friedenszeit ist der Absatz um zirka 25 Proz. gestiegen. Gegenwärtig ist das Geschäft der Jahres- zeit entsprechend still. Die Bilanz der größten Unternehmung Deutschland». Seit der Verschmelzung der Interessengemeinschaft' des Anilinkonzerns zur I. G. Farbenindustrie A.-G. ist der Anilintrust die kapitalftärkst« Einheitsunternehmung Deutschlands. Nach dem Prospekt zur Ein- führung der 468,8 Mill. Umtauschaktien an der Berliner Börse (465,6 Mill. Stamni- und 3,2 Mill. Vorzugsaktien mit 166- jachem Stimmrecht) verfügt der Anilintrust über ein Aktien- kapital von 646,6 Mill. Mark(darunter 4,4 Mill. Borzugsaktien) sowie 164,7 Mill. ossenen Reserven. Die Anlagewerte sind mit 312,3, die Vorräte mit 233,4, die Beteiligungen mit 264,3 Mill. bewertet. 245,3 Mill. Forderungen stehen 214,6 Mill. Verpslichtun- gen gegenüber. Der für 1924 ausgewiesene Reingewinn beträgt 54,7 Mill. Die Bilanz des Anilintrusts wird allerdings bald eine Konkurrenz in derjenigen des M o n t a n t r u st s erhalten, die mit den beabsichttgten Auslandsanleihen von mehreren Hundert Millionen Mark die Summe des eigenen und fremden Kapitals wohl der Milliarde Reichsmark annähern wird. Roch eine Kirchenanleihe. Wie wir aus einem Wirtschaft»- bericht der Amsterdamer Bantfirma Proehl u. Gutmann ent- nehmen, hat auch das Bistum Speyer eine Ausländsanleihe in Holland aufgenommen. Dos ist in kürzester Frist(neben den Kirchenbauanleihen der bayerischen Jesuiten und des Domes zu Trier) die dritte derartige Anleihe, die im Gegensatz zu den Kom- munalonleihen ohne jegliche Kontrolle öffentlicher Instanzen im Ausland aufgenommen wurde. Mieterfthutz oöer Gböachlosigteit! Die Abänderung des Mieterschutzgesetzes. Millionen Menschen sind jetzt beschäftigungslos und auf öffent- liche Unterstützung angewiesen. Ohne eigenes Verschulden sind sie ihres Erwerbes und ihrer Existenz beraubt. In dieser Lag« ist jede Erhöhung der Miete gefährlich. Sie schränkt entweder die aufs knappste bemessene Lebenshallung weiter ein, oder muß vom Staat durch eine Erhöhung der Unterstützungssätze mit bezahtt werden. Ungleich größer ober sind die Gefahren, wenn die Erhöhung der Miete dazu führt, daß sie überhaupt nicht gezahlt werden kann. Schon jetzt ist die Zahl der Mieter, die mit der Mietezahlung im Rückstand sind, nicht unerheblich. Denn auch den Beschäftigten fällt die Zahlung der Miete bei kargem Einkommen recht schwer. Daran ist der Staat mit schuldig. Denn in der Miete ist d i e M i« t s- steuer mit entHallen. Und während die Besitzsteuern in erheb- lichem Maße gestundet werden, gestattet man den Mietern die Stundung der Mietsteuer nicht. Unter diesen Umständen ist es dringend notwendig, daß die weitere Steigerung der Miete unter- bleibt. Vor allem aber muß auch der Mieterschutz erhalten bleiben. Denn Beseitigung des Mieterschutzes ist Obdachlosigkeit.— Da» gegenwärtige Mielerfchuhrecht beruht auf dem Grundgedanken, daß«in Mieter gegen seinen Willen nur durch Richterspruch gezwungen werden kann, aus einem Miet« vertrag und damit aus den Mieträumen auszuscheiden. Der Richter darf aber der Klage auf Aufhebung nur stattgeben, wenn drei be- stimmte Voraussetzungen vorliegen. Nämlich entweder erstens eine erhebliche Belästigung de» Ver- mieters oder eines Mitbewohners, bzw. ein unangemessener Ge- brauch des Mietraumes, oder zweitens Verzug mit der Zahlung de» Miet- zinses, oder drittens überwiegendes Interesse de» Der- m i« t e r» an der Erlangung de» Mietraumes. Die Zwangsvoll. streckung des Urteils ist von der Beschaffung eines„angemessenen* Ersograumes für die Mieter abhängig. Praktisch ist also jetzt noch der Mieter gegen die Gefahr der Obdachlosigkeit geschützt. Durch den Entwurf zur Abänderung de» Mieterschußgesetze». der kürzlich dem Reichstag zugegangen ist, soll da» anders werden. Dieser Gesetzentwurf ist notwendig geworden, weil da» gellende Gesetz automatisch mll dem 1. Juli 1926 außer Kraft tritt. Und wenn die Reichsregierung es angesichts der Gesamtlag« auf dem Woh- nungsmarkt auch nicht wagen kann, den Mieterschutz völlig auf- zuHeben, und damll ganz plötzlich von der jetzt bestehenoeki Zwang»- Wirtschaft zur freien Wirtschaft überzugehen, so bringt doch der Gesetzentwurs ein« überaus gefährliche Lockerung des Mieterschutzes. Die Begründung läßt in jeder Zeil« erkennen, daß man dem Hausbesitzer die Verfügungsfteiheit über sein„Eigen- tum* wiedergeben will, und daß die Lockerung der Zwangswirtschaft im Wohnungswesen nun auch eine Lockerung des Mieterschutzes zur Folg« haben soll. Wohl die wichtigst« Aenderung de, Gesetzentwurfes ist die Bestimmung über den Ersatzraum. Der Entwurf will nämlich in vielen Fällen den Anspruch auf Erfahrau« beseMgeu. und zwar ersten» fii? die Gewerbetreibenden, die gewerbliche Räume haben, zweitens für die Wohnungsmieter, die sich eines sogenannten„mietwidrigen Verhalten»* schuldig machen. Ferner soll bei Zahlungsverzug die Gewährung von Ersah- räum sorksallen, wenn sie ein« unbillige Härte für den ver- mieler darstellt. Außerdem aber wird überall statt des Rechts auf einen„a n g«- m e s s« n« n* Ersatzraum nur noch ein.ausreichender* Er- satzraum zugebilligt. Für die gewerblichen Räume wird damit eine weitere erhebliche Lockerung der Wohnungswirtschaft eintreten. Da bereits gegenwärtig die freie Mietpreisbildung bei gewerblichen Räumen zu sehr erheblichen Mietsteigerungen geführt hat. so wird die Beseitigung der Verpflichtung, einen Ersatzram» zu stellen, noch stärker in derselben Richtung wirken. Die Folg« dürft««in« schwere Erschütterung der Existenz zahl» reicher Gewerbetreibender sein. Daß die völlig« Der» sogung eines Ersatzraumes bei Wohnungsmietern, denen „mietwidrige, Verhallen* vorgeworfen wird, zu den schwersten Härten führen kann, ja sogar zu einer Gefährdung öffentlicher Interessen, dürfte kaum zu bestreiten sein. Hier läßt der Gesetz- entwurf jede Rücksicht auf die Mieter sollen und das Interesse des Hausbesitzers allein ausschlaggebend sein. Noch schlimmer sind die Mieter daran, die mit der Zahlung der Miete säumig sind. Wird eine verschuldete Versäumnis angenommen, so haben die Mieler überhaupt kein Recht aus einen Ersahraum. das heißt, sie werden obdachlos gemacht. Jedermann weiß, daß die Grenze zwischen verschuldeter und unverschuldeter Versäumnis außer- ordentlich schwer zu ziehen ist. Um so wichtiger sind die Bestimmungen, damit diejenigen Mieter, die z. B. durch den Fortfall ihrer Erwerbs» möglichkell die Miete nicht zahlen können, nicht auch noch obdachlos gemacht werden. Was„unverschuldete* Versäumnis ist, wird an keiner Stelle de» Gesehentwurfes gesagt. In der Begründung, die dem Reichs rat vorlag, wurde lediglich bemerkt, unverschuldete Notlage könne regelmäßig als vorhanden angenommen werden, wenn der Mieter öffentliche Unterstützung erhalle. Schon das ist ein völliger ungenügender Schutz, zumal dieser Hinweis in der Begründung des Gesetzentwurfs, wie er dem Reichs» tag vorliegt, überhaupt nicht mehr vorhanden ist. Aber was nützt überhaupt, eine Bestimmung, die es in das Ermessen der Ge- richte stellt, was als unverschuldete Notlage angesehen werden kann? Und liegt etwa eine unverschuldete Notloge nicht mehr vor. wenn ein Mieter, der ein Jahr erwerbslos war, nun nicht sofort die hohe Miete zahlen kann? Diese Bestimmungen über den Ersatz- räum werden künftig um so höhere Bedeutung haben, da die klagen wegen Aushebung de» Vlietverhältulsse» infolge nicht rechlzelllger Mietzahlung erleichtert werden sollen. Bisher war erst dann«in Klagegrund gegeben, wenn bei kürzerer als vierteljährlicher Mietzahlung der Rückstand die Höhe von zwei Monatszahlungen erreicht hat. Künftig soll die Klage bereits dann zugelassen werden, wenn der Rückstand den Bettag eines Monats übersteigt. Jedoch muß bis zur Erhebung der Aufhebungskloge seit der Fälligkeit des gesamten Rückstandes noch eine Frist von zwei Wochen oersttichen sein. Dies« weitgehende Lockerung wird von der Regierung damit begründet, daß die bisherigen Bestimmungen „nicht selten* zum Nachteil des Vermieters ausgenutzt worden seien. Selbst die Regierung gibt also zu. daß es sich um E i n z e l- fälle handelt, trotzdem rechtf.-rtigt sie damit eine allgemeine Verschlechterung. Für die Untermieter wird der Mieterschuh völlig beseitigt, sosern sie nicht eine selbständige Wirtschaft oder Haushaltung in dem Miettaum führen. Diese Einschränkung wird aber in der Praxi, wenig bedeuten. Welcher Vermieter wird noch einen Untermieter mit selbständiger Wtttschasts- führung aufnehmen, wenn er ihm gegenüber durch den Mieterschuft gebunden ist? Es ist richtig, daß es gegenwärtig fast überall ge- nügend möblierte Zimmer zu mieten gibt. Entscheidend ist aber die Frage nach dem Preis dieser Zimmer. Gerade für die schütz- bedürftigsten Untermieter, die jungen Ehepaare, wird deshalb eine erhebliche Erschwerung eintreten, die man auch aus bevölterungs- politischen Gründen bedauern muß. Gegenüber der ursprünglichen Gestalt ist die Vorlage im Reichs- rat verbessert worden. Trotzdem haben Bayern und Hessen ihr die Zustimmung verweigert, da sie eine Lockerung des Mieterschutzes für verfrüht halten. Auch wir sind dieser Meinung und erwarten deshalb vom Reichstag die gründlich st e Prüfung und Ver- besserung des Gesetzentwurfe». Mus öer Partei. parteijubiläen. In diesen Tatzen konnte der Genosse Dr. Max Q u a r ck aus eine 25jährige Tätigkell in der Frankfurter Stadt- verordnetenversammlung zurückblicken. Mit ihm zog im Jahre 1961 der erste Sozialdemokrat in die Frankfurter Stadtvertretung«in. Bei der nächsten Wahl 1965 folgten weitere zwei Sozialdemokraten. Heute zählt die Stadtverordnetenversammlung 19 Mitglieder bei insgesamt 71 Bitzen: im Magistrat ist unsere Partei durch 8 Mit- glieder vertreten.— Eine Jubiläumsfeier für Genossen, die 26 Jahre und länger der Partei angehören, veranstaltete die S t e t t i n e r Parteiorganisation. Ueber 266 Jubilar«, darunter mehrere, die schon unter dem Sozialistengesetz für die Partei ge- kämpft hoben, nahmen an d:r Feier teil, die, von künstlerischen Darbietungen umrahmt, eine Ehrung für diese Parteigetreuen war. parteinachrichten Ctelrabingni ffit Mef« Statrit st»d «ctiu es. M. 8Ubtaftt«S*. G für Groß-Serlm Yen ,«a Om ectixesfcfntntet i. S>M, t Irt». recht», t»«tchte» 7.*«u yb«rl»ttenb»r«. Die V«rlnu>»l«!be der SenoMn Kedwia Wache». beim besinnt«UN Mittwoch, den 20. Januar. M. Nrei, Nentiilln. Donneisbaa. den 7. Januar, abends 7Zx Udr, erweitert« Nreievarstandosiduna an bekannter Stelle. I».»rei, Pankow. Danneridoo. den 7. Januar, atend« V4 Ilbr, bei Meier, Tilrkische» Zelt, Breite Str. 1«. Ikreisdeleaierirnversammluna. heute. Mttwoch, den 6. Januar: ».»bt. 7>4 Ubr bei Dobroblaw. Swinemllnder Str. 11. gunktionilrtiduna. <«. Abt. Dablem. 8 Ubr bei Schillina. Köniain-Luise-Str. 42. ftablabend und Mitaliederversaunnluna. Morgen, Donnerstag, den 7. Januar: 82.«bt. 7V£ Uhr hei ÄrrrrnphcxM, Grüner De« 49. BorÜanbssttmns«it de» Gruppenleitern. 34.«bt. TVa Uhr hei Rosin Gubener Str. 19. �unttionSrübuna. 5«.«bt. Sharlottenbura. 7*4 Uhr hd Liers». Ännlftt. 62. ftunftionärfUinw. Schöneberq. 78.«bt. 8 Uhr bei Aimi�. fttutifl», Erte Vrinz-Georq-Strafte. �unltionSrfihuttfl.— 80.«bt. Die juih Drnnerstan. den 7. Januar, einberufene ssunttionärsihuna findet nicht hei Gürlich, sondern bei Liihn. Rnhcnsstr. 49, statt. 10$.«bt. Aöpenick. 8 Uhr hei O. Schulz. Bahuhofstr. 34. Vorftandsnhuna mit den BezirksfUbreru. «rheit»acmeins«baft der«inderfreunde. Gruppe Prenzlauer Perq: Sikunq aller s?unttio»räre a« Donnerstaq. den 7. Januar, abends Ubr. in der Bararke 3, Daiuiaer Str. 62.— Gruppe Reukölln: frmtaa. den 8. Januar, abends 7� Uhr, �elfetfUmna in her Baracke Chanahofcrftiaftc. Fraueuveraastaltuagen: ». AM. Soimetrtoa, den 7. Iami«, abend» 714 Ubr. bei ifffin«, Sil». nacker Str. 34. Dortraa:„Die grau im Erbrecht*. Referentul Seaossi» Else Scheibenbuber. Alle Genossinnen mlllken erscheinen. Jubiläen. Geburtstage usw.: 124. Abt. S«Motors. Statt feiert unser Genag»«ikbelm Vetter sein -Siähri«» Parteiiuhilamn. Gr ist«äbrend dieser fteit ein treuer und eifrioer Genosse arwescn. Dir aratulieren ihm hnzlichü. Vorträge, vereine uns Versammlungen. Netchsbanner.SchwarzRot-Gold*. üftsftell*: Berlin 6.14. Seb-ItianNr. 37 A. chof 7 St. ffr.. t. 3.. abenbs 714 Ubr. vorstandoliduna mit simt- „.. luden«awcradschai,«vorständen bei Boramann. Baumschulenweq.- ffleMun«: Radsabrer tieffen sich am Sic., d. abend, 714 Ubr. bei Bruchmitller, Bellermannslr. 2—3. « e sch I Srepttw: -r-'- lirfien tlai hinter» iesina» Mt»riea.be, chidlat«».«riea.tell.eb wer«nb»rieaeib »nebene«, Otl»eri« von ton Urteilen bis»um Ausstand der Rif. kadnlen. Mit sarbiaen Lichtbildern � Berein seldständiaer fvontiwetlet iüdische, 9itnbtnt, t. Perlin, ®0n'«'r«tlich willkommen,»ein Eintritt«aeld. lebeiter. Radi..»lab Deutsälanto!,«*eich«HchZstsstelle: 38. Hofs. mann. Berlin-Schmaraendorf M»bro'ner' Str. 42. Oettqruppe Berlin: 0. 3t, Petersburaer Str. zz. 1 Tr»eoksnet S— 9 Ubr. Bicnstaas Btoträae und Radioklinik, greitaq« SVasteVchul««bt,«eddiua: Donnerstaa, 7.?anuar. 8 Ubr. bei Maruibn. Utrechtor Sir 2«. Soriroa. Sui-Mteunb Boiat spricht über >617 ,\ 5»...«...tu, v.»._»«*--————.- �—-—-- i IH. �anuar, v unt, Mltalleberversammlunq der Drtsaruprc Benin. Vollaromatisch ist Kaffee Hag f Kaffee Hag-Probierstube Berlin, Kurfürsfendamm 26 a der coffeinfreie Bohnenkaffee jjnttoöd) s. JamotlW Unterhaltung unö ÄAMen Settage Ses vorwärts ver Lafihist redet. von i) ans Saft«. r--------- 7— nicht faschistisch, im - Di« Remerung hatte sie nömlich«u» budzetäreu Gründen »�reichen Verkäufen au» ihrem kleinen Sunstmusemn. da» otzen Stolz bildete, einfach gezwungen. Serade deshalb Di««eine südliche Stadt war Segeatril. Die Rem zu umfon L.---- U------- y.JWiU.yt.W WC.UUV um|au> muroe sie ober vom Generalsekretär der Rcoikl.lngsparlc, onlaßllch feiner großen Propogandogefchöftsreise für die Ideen de» Faschis- mus ausdrucklich mit ihrem Besuch beehrt. r Ul?I n'ar bie Stadt auf dem Marktplatz ver. v' nahewohnenden Landbevölkerung, weniger vom Gefühl, denn von Zwang und Neugierde veranlogt. Wer fehlte. konnte eingeschlagene Fensterscheiben fürchten. Und den General. sttretar einmal zu sehen, lohnte wohl der Müh«, den mächtigsten Mann im Land, nach dem Diktator, den er hündisch verehrte Roberto Farinacct, der einmal ein ganz kleiner Eisenbahner gewesen war und es fo herrlich weit gebracht hatte, durch Intrigen, geheim- Organisationen und Verschwörungen und das Verdienst, einmal mit dem heutigen Diktator zusammen eingesperrt gewesen zu sein.... .. Hl"-..Uhr kam er daher. Die Häuser waren beilaggl, illuminiert drei Musikkapellen spielten, schrecklich, zu gleicher Zeit, überall sah man schwarze Hemden, Blumen und Zettel flogen von Balkonen und Fenstern hernieder. Er war Nein, von sehr kräftiger Gestalt englisch angezogen, schnitt da» arroganteste Gesicht, da» möglich war, schritt durch den ganzen Wirbel achtlos durch und winkte mit der Hand: Schon gut. schon gut— ein hysterisches Mädchen, dos sich vorsturzte. vermutlich um ihm die Hände zu küssen oder sonst wes- wegen, wurde von seiner bewaffneten Begleitung zurückgerissen, ohne «9.'v fie nt,r Streift hätte. Dann stand er auf dem Solfon des Hotels und der Bürgermeister der Stadt begann vor 'hm seine Ansprache. Er war Faschist, der Bürgermeister, wie denn auch nicht, und dennoch verdächtig, denn er hatte seinerzeit, anläßlich des Museums, zu viel von Kunst und zu wenig von saschiftifcher Politik geredet. Wahrend der ganzen Rede unterhielt sich denn auch der Generalsekretär ungeniert mit seiner Umgebung und äußert«, wahrend er gerode mit den schönsten Worten gefeiert wurde, so louh daß dos Volk unten es hören konnte, man möge den Bürgermeister diskret veranloisen. schon endlich aufzuhören. Ein paar Faschisten unten schrien: Schluß! Der Bürgermeister bekam einen roten Kopf nnb verhaspelte sich, da» Volt unten ober, man spürt« e, deutlich. suhlle menschlich«, Mitgefühl mit dem von ihm erhöhten und von anderen öffentlich erniedrigten Mann, und schrie doppelt so laut �raoo. als er, mit Mühe und Not, doch bald den Schluß erreicht hatte. Der Widerstand gegen den Propagator der Regierung war in diesem Augenblick unglaublich stark, da, spürte er. ol»«r sein« Rede begann und machte st« daher zum schärfsten und verhetzendsten. die ich l« vernommen hotte: »"Ä vj** k*" Faschisten," so«ngefähr waren sein« ersten Worte,„ich wlll nicht denen, die ohnehin au uns gehören, unsere Dogmen und unser« Absichten zum tausend und ersten Male vor Augen halten. Heute sind wir so weit: die Faschisten sind eben die Faschisten und damit basta! Jetzt gehen wir an die Richtfaschisten heran, die wenigen, die übriggeblieben sind und sich von un, nicht» vor Augen holten lassen wollten. Zu denen red« ich zum ersten und letzten Mole.". Da» Wort„Richtfaschisten" kam au» einem Munde, de? un« saglich verachtungsvdll und ironisch lächelte. Dieser Mund wurde plötzlich dünn und scharf und unheimlich«all formt« er folgend« „Die Richtfaschisten hoffen auf da» Ausland, und wir sagen em für allemal, daß wir uns gegen diese» Ausland, welches immer e» sei, zu helfen wissen werden. Es möge sich merken: mir Kriege waren es, die Italien so groß gemacht haben. Den Richtfaschisten sei aber gesogt, daß wir hier in unserem Lande die Gewalt haben, und daher die Möglichkeit, unseren Willen durchzusetzen. Wir wollen, daß in unserem Lande nur Faschisten seien, und um dos zu erreichen, sind un, die schärfsten Mittel gerade gut genug. Wenn ihr glaubt. daß uns die Hönde gebunden find durch diesbezüglich« Gesetz«, die frühere, völlig unfähige Regierungen gegeben haben, so irrt ihr euch. Wir erachten uns nicht alz gebunden und ich persönlich wende nicht ruhen, bis sie wieder auigchoben sind. Zuerst, ich freue mich, dies den zahlreich hier erfchiennen Richtfaschisten ins freche Gesicht sagen zu können.— zuerst einmal kommen wir mit der Wiedereinsührung der Todesstrafe!" Die Faschisten unten schrien an dieser Stell« hoch und da» Volk verstummte. Eine Stimm« rief heiser, aber deutlich dem Redner entgegen:..Beccarial" Di« Faschisten rührten sich, doch in dem Voltsgedränge konnten sie nicht vom Fleck kommen, um den Zwischenrufer zu züchtigen. Ich sehe von meinem Balkon aus ganz deutlich, es war der Friseur, ein alter Mann, der für Humanismus und deutsche Kultur schwärmt« und dem gegenwärtigen Regime aus idealen Gründen abgetan war: er hütet« sich, politisch tätig zu sein und war doch das stärkste Rück- grad der Opposition, weil er unaufhörlich von seinen Gedanken und Gefühlen sprach und schwärmte, während er von früh bis abends die ganz« Stadt rasierte und ihr auch zeitweilig die Haare schnitt. Eesare Beccarias Namen, den er rief, war mir bekannt ge- worden, wie er auch jedem halbwegs gebildeten Italiener bekannt war: Berühmter Rechtslehrer des 18. Jahrhunderts, edler, Humanist,. lcher Geist, von Voltaire kommentiert, übersetzt und verehrt, dessen Rechrslehren die Grundlagen der Landesgesetzgebung bildeten, eben jener, an der das neue Regime rüttelte und riß. Der Gewaltmensch oben am Balkon war der Situation wohl gewachsen. Sein Antlitz zerfloß einfach vor Hohn.„Beccaria:" rief er.„wer ist denn das? Den habe ich noch nicht kennen gelernt!" Seine Unbildung war im Lande bekannt, doch liebt« er es stets, damit noch zu protzen. „Beccaria", riefen jetzt mehrere hinauf,.er war gerecht und weife, er war gegen die Todesstrafe!" „So?" meinte der oben höhnisch,.na, dann wird er eben der erste sein, mit dem wir ansangen!" Höhö". lachten unten die Faschisten. Der Redner oben erwähnte das angebliche Attentat auf den Diktator und brachte damit die jüngsten Szenen im Parlament in Zu- sqmmcnhang: es sei gerecht gewesen, daß man die Abgeordneten der gegnerischen Parteien blutig hinausgeprügelt hätte. Ich hatte genug, verließ meinen Balkon und, durch einen rückwärtigen Eingang, das Haus. Am Meeresufer war kein Mensch zu sehen. Ich ging in Gedanken aus und ob. Die Stadt mit ihren erzwungenen Ovationen, der Bürgermeister, der Friseur und der Faschist mit den Todcsdrohungcn— dos ganze heuttge Italien in einer Viertelstunde. Wo war der Ausweg. Eine Gestalt tauchte am.«s war der alte orriseur. er eilte auf mich zu.„Ach. junger Deuricher'. rief er.„wie schon ist der Mensch. mit seinem Verstand und allem, was dieser P-r,tand geschassen hat. Nun reden die. die an der Macht sind, von Kriegsuhren und Todes- Die neuen hl. drei Könige. Die drei Könige aus Sem Morgenlanüe fiheuktea Sem Krippeakiuülela Solö, Silber, Weihrauch uaö Mprrhea.— vle Könige ües /lbeuülaaües nehmen gern alles--- nur die bittereu Myrrhen lagen sie znrütk. »Man wird mir den Atem wegnehmen!" klagte er..Gut", fuhr er fort,.ich bin all und Hab« die Welt mtt samt ihren Herr- liche» Künsten und Wissenschaften kennen gelernt. Mögen sie mich dafür töten— ich rede weiter!" .Und wer soll handeln?" fragte ich. .Handeln?" sagte er, �ich persönlich wüßte nicht wie. Aber vielleicht die Jungen!" „Die. Jungen", wandt« ich ein.»sind größt enteil» faschistisch organisiert." .Ja", sagte er..Aber der Sohn de» Hotelier», er ist zwanzig Jahre all und hört auf meine Reden, ist durch seinen Vater ge- zwungen worden, vom Balkon herunter Blumen aus den Faschisten *u werfen. Blumen zu werfen! Er hat e» getan. Ich habe aber sein Gesicht dabei gesehen—" .Id) habe auch sein Gesicht gesehen", sagte ich,.ich bin Au». länder und Betrachter, und kann objekttv sagen:»Ich habe das bestimmte Gefühl, daß jemand mtt so einem Gesicht einmal etwas anderes auf den Faschisten herunter werfen wird." .Nicht davon reden", erwiderte er,.der politisch« Mord ist gegen meine Ueberzeugung. Er ist gemein." „Da muß ich Ihnen", sagte ich,„gleichfalls als Betrachter und Ausländer und ganz objektiv widersprechen. Die Faschisten führen die Todesstrafe wieder ein. Damit geben sie. ohne es zu wissen, dem politischen Mord etliche Berechtigung. Nach einem polttischen Mord hat e» noch niemals ein Entkommen gegeben. Der Mörder muß das Leben, das er einem anderen genommen hat« doch mtt seinem eigenen bezahlen." „Nicht davon reden", bat noch einmal der Alle,»mir quäll es da» Herz ab. Bielleicht löst sich alles menschlich, parlamentarisch—" .Parlamentarisch", sagte ich.„wahrscheinlich in jenem Parla- ment, aus dem sie die Gegner blutig hinausgeprügelt haben?" .Ja", sagte er,„ich kann nur im Friseurladen stehen und reden, und das werde ich bald lasten müssen!" .Und der Sohn des Hoteliers", meinte ich,„kann nicht einmal das. Der muß aus dem Balkon stehen und dem Faschisten Blumen streuen." �... .Ich weih keinen Ausweg", stöhnt« er,„wie wird da» enden? „Gut", meinte ich,.indem ihr beide ganz einfach den General- sekretär um Ausnahme in die Foschistisch« Partei ersucht!" Serühmte Ueberschwemmungen. vi« Hochwasterkotastrophe, die wir jetzt wieder erleben, zeigt, daß der Mensch gewister Raturereigniste trotz aller Fortschritte der Technik nicht Herr zu werden oermag. Die Wassernot ist ein Unglück, von dem die Chroniken aus allen Jahrhunderten der Lergangcn- beit berichten: man hat für den Rhein und für die Elbe eine mehr als lOOOjährige Geschichte der Hochwasser aufstellen können. Be- sonders furchtbare Katastrophen sind aber in Deutschland glücklicher- weise sellen und passieren alle Jahrhunderte höchstens ein- oder zweimal. Eine solche grausige Hochwasserkatastrophe versetzte 1-53« ganz Europa in Schrecken: die Hochwasser von 1813 hatten aus die Befreiungskriege einen großen Einfluß. Im 19. Jahrhundert ist Deutschland verhältnismäßig wenig von solchen Riesenüber- schwemmungen heimgesucht worden: mehr hatte Frankreich zu leiden. Im Jahre 187S wurden weite Landstrecken Südsrankreichs über- schwemmt, wobei Hunderttausende von Menschen obdachlos wurden und der Materialschaden gegen 199 Millionen Frank betrug. Be- sonders durch Ueberschwemmungen gefährdet ist Paris, worauf ja schon da, Wappen der Seinestadt hinweist: ein Schiff auf stürmischen Wogen mit der Inschrift:„Sluetuat noc mergitur", von Wogen umflutet, doch nicht begraben. Ein schreckliches Schicksal traf im Jahre 1889 die amerlkanische Stadt Iohnstown. Stark« Regengüste ließen den Susquehonnafluß Eonemaugh-Tal mit einer Reihe aufblühender ---.. I„.V, W.V-JtUUsl f»"�,"7"---/> strafe. Es will mir nicht in den Kopf, wie man etwas, das existiert. und mit Mühe und Fleiß gemacht worden ist, zerstören kann, seien -s Städte oder Kunstmuseen, sei es der Mensch selber. Es will mir nicht in den Kopf und doch reden sie davon. Ach, Menschen ohne Verstand sind nicht schön!" Das war seine Art, schwatzhaft zu agltleren. „Ich weiß keinen Ausweg", suhr er fort,„es ist zum Der- zweifeln." red« Sie verzweifeln doch nicht", sagt« ich ihm.»Sie reden doch und > lasse» sich dabei«cht de» Ate» ausgehe»: plötzlich steigen. Das Ei---------—............—,---------- tlciiicr Städte wurde in einem Umkreis von 49 englischen Meilen völlig verwüstet: dann brach die Talwand, und die gewaltigen Wä'sermengen trugen die lleberschwemmung weiter Die Zahl der Ertrunkenen wird mtt 9990 angegeben: es kamen aber auch noch 1500 Menschen bei der Feuersbrunst um. die in Iohnstown merk- würdigerweise mit der lleberschwemmung zusammen ausbrach. 1887 mar Ehina der Schauplatz einer gewaltigen lleberschwemmung. Die Fluten des Gelben Flußes sprengten ihre User und vernichteten nicht weniger als 1599 große Dörser. Hunderttausende von Menschen sollen dabei ums Leben gekoinmen sein. Auch 1899 ho» der Gelbe Strom seine Dämme durchbrochen und ein riesiges Gebiet mtt 4 Meter hohen Wassermengen überschwemmt. Der Schade» a» Menschenleben und Besitz, der dabei eintrat, kann auch nicht an- nähernd angegeben werden. 1891 verursachte in Spanien der Amarguillo eine lleberschwemmung, bei der 2999 Menschen den Tod sanden. Auch Ungarn ist einmal von einer grauenvollen Hochflut- katastrophe heimgesucht worden, und zwar waren es die Wasser der Theiß und des Moros, die bei Szegedin die Ufer begruben und in kürzester Zett gegen 899 999 Häuser und 2999 Menschen vernichteten. Di« schwerst« Ueberschwemmungskotastrvphe, von der England im 19. Jahrhundert heimgesucht wurde, war das Hochwasser von 1368, dos in Psrkshire, Lancashire und Derbyshire Bergwerk« überflutete. Mühlen und Fabriken wegschwemmte und zahlreiche Menschen in seinen Fluten begrub. wie groß fioü Meseosihlangen! Die größte existierend« Schlange dürft« wohl in den brasiliani- schen Urwäldern heimische Anakonda sein, lieber diese Schlange berichtet der schweizerisch« Forscher Dr. Heinrich Hintermann in seinem demnächst erscheinenden Werke„Unter Indianern und Riesenschlangen":„Während unserer Äanureise, den Ronuro abwärts, bekamen wir häusig Gelegenheit, Schlangen an- zutreffen. Es befanden sich darunter Exemplare von einer ganz respektablen Läng«. Einmal gelang es uns sogar, eine wohl 19 Meter lange Anakonda aus unmittelbarer Nähe kmematographisch auszunehmen. Im Unterlaufe des Ronuro nämlich, wo die Strom- schnellen spärlicher wurden, fuhr der Kinooperateur stets mtt auf- nahmebereitem Apparat, mn sich günstige Gelegenheiten zu Tier- ausnahmen nicht entgehen zu lassen. So sahen wir denn eines Tages, als wir ohne zu rudern stromabwärts fuhren, plötzlich und ganz unerwartet eine große Anakonda zusammengerollt und schlafend am Uuser liegen. Nachdem der Apparat richtig eingestellt war. schössen wir mtt einer Pistole nach dem gefährlichen Reptil, um es in Bewegung zu bringen. Gleich die erste Kugel zerschmetterte ihm den Kiefer und mtt weit geöffnetem Rachen suhr es aus seinem Schlummer empor, um langsam im Wasser zu verschwinden. Sobald es untergetaucht war, fuhren wir mit größter Geschindigkeit davon, denn e» soll häusig vorkommen, daß diese großen Schlangen die Boote angreifen und zum Kentern bringen. Die Hauptsache, die kinematographische Aufnahme aus großer Nähe, hatten wir ja erreicht. Obwohl die Anakonda nicht giftig ist, kann sie in Anbetracht ihrer Größe, Muskelstärke und riesigen Zähne zu einem sehr gefährlichen Gegner werden. Dazu kommt noch, daß sie sehr reizbar und an- griffslustig ist. Ueber ihre Größe sind die fabelhaftesten Gerüchte in Umlauf. Lecointe berichtet in seinem Buche:»l/Amzeonu: Bresilicnne", daß die größte(getötete) Anakonda, die er selbst sah, «ine Länge von 7,2 Meter und einen Umfang von 65 Zentimetern hatte. Up de Grafs erzählt sogar von einer Anakonda, die 22 Meter lang gewesen sein soll. Letztere Nachricht ist entschieden übertrieben, die Grenz« des Möglichen dürfte noch meiner Ansicht bei 12 bis 14 Meter liegen. Leider kann man die vielfach in den Handel ge- brachten Häute des Reptils nicht zur Größenbestimmung oerwenden, da diese,»m ihnen ein imponierendes Aussehen zu oerschassen, bei der Zubereitung arg gestreckt werden. Im brasilianischen Volksglauben nimmt d>e Anakonda natürlich ganz phantastische Dimensionen an und mtt Recht bemerkt Lecointe: „Selten findet man einen amozonischen Cabocler, der nicht be- hauptete, schon Anakondas von über einem Meter Durchmesser ge- sehen zu haben."_ Wieviel ist das Rheingold wert? Seit langem weiß man, daß im Wasser des Rheins, ebenso wie im Meerwasser, geringe Mengen Goldes vorkommen. Wieviel Gold aber alljährlich zum Meere hinunterrinnt, das ist erst jetzt ziemlich genau festgestellt worden im Zusammenhang mtt den umfassenden Untersuchungen, die Professor Haber über den Goldgehalt des Meerwassers»nd des Rheinwassers angestellt hat. Wie in der„Umschau" berichtet wird, ergaben die Untersuchungen von Rheinwasserproben, die bei Leverkusen und Karlsruhe entnommen wurden, einen mttlleren Gehalt von'/»»» Milligramm Gold in 1999 Litern Wasser und einen etwa doppett so hohen Gehalt an Silber. Da der Rhein in der Sekunde etwa 2999 Kubikmeter Wasser befördert, so ergibt sich, wenn man annimmt, daß der Goldgehalt im ganzen Fiusiguerschnilt und zu jeder Jahres- zeit gleich ist, eine Jahresmenge von 299 Kilogramm Gold, die den Rhein hinabschwimmt. Diese Menge repräsentiert einen Wert von etwa 549099 Goldmark. PREISE teilweise bis zur HÄLFTE herabgesetzt '■ J__| na gutem Hemden- Damen-Hemden I � 1 9seÄ Ein grosser Posten Damen« ■|,| I nanUmHemdentnch,'S Ä Nachthemden, a e<9*%*<& Ein grosser Posten ICorSQtt® zu aussergewöhnlich billigen Preisen SERIE\ SERIE II SERIE III irQh.bie■-■ früh.bU«C frULble lyr 295 7K 4°° 1 6°°| HSJf Ifrf früh.bU � 75 400 1 Jetsl B Jetit A B�EI�mM�Mta�esondäribllMger Janpff-liMiHen Serie I Serie II Serie III 45,65,95 Jatzt D|«g|MBAeQfX�I#A3unip6rforn! rd'h. serie�� ,trle�i r rine»wdd« Slickereigirnierung,.. Serie I MB II hB9 III EjP Ein grosser Ponten#B95 PB45 �B90 Kunstseide»erie/B nCmUtSUdCll Aaembrungen..............»erte iM» n€t» III Bin grosser Posten sehr eleganter, leicht mn»M»chi In I. f.ri(fetiidrogtl 15 W.. ielr»eitmWort 10 Pf- Wirt!«il milir ■Ii Ii Bi±itibn iH!n tür ,»-! Wirt;. tue,!»,«nid« für dt, nidisti liimnur bttiimrat )iid.Biiuikii»itisten ist. Uhr iidtmiitagi il der llMt-bn Ausoeetauf ab d. Fuuae. Zirla 200 300 Deuisch-�erfee »2.ä0 Mark, zirfa 200,800 Sapniitn 48.— Warf, zirka 200 300 I»«ollplllfch 61.30 Mark, zirfa 800 400 U»ollpivsch IM._ Mark. T-ppidve mit Ndinsn Webe- fehlem 20 Prozent unter reoulärem Preis. Stahluna-erleichterung. Tepoich- hau». Surfllestenstrahe 7», Halfestefl« Schillstrahe.• BcKleidungsslürke. Vfasche usw dktraaeae flctcetigatbciskt, tabello» Auch für |stlrksteFiguren| Jbeellen.fle.jlch! Weltmann i«SCdiWu TJWifealto 37ä% Isink&rtßr Arackprrleih-Znstitut. Friedrichstrahe 122—129. ocaenUber Oranienburger. strgjir._____________________• Tamcnmäntti- Znpmiurpeeksut ab 4. floituar. Winieemdutel 2.#5. 3.—, 10.-, Affenhauimante!!J.—, 13.—, 29.—. 33.—, Eslunsmdntcl, Ztuchaiäntel 8.-,»•-,"" miinbel I 16, vs-tpciniönianici» Äiitvmuiiici Hobel Patentmatrajgea.«ufl-zrmafr-krn.Me. lall hellen, Ehaifelongues. Waltee. Star- garberftrah« achtzehn.___» Teilz-HI-ag. MUb-I�Nett"»r«. ch». iT,£?"°S,Str itsst-. (•rohe 77/78, Ecke«rückenstrnhe• reiliohi»»,. kulant. MSHei. Misch.* Zeilzablnng, billig. Mlhel-Mifch.• «eilzahlpng. reell, Mödel-Mts». Gtohe StonHurterfttaht 43/44._» »ehselb, Babstrah« 34, Loben. Echt eichen« todilafilmniet 385—., 490,—, Eneisezimmer. bildschön« Muster, vi» Irlncirbiifeit. Tisch, sechs Stühle SR.-. 430.—, Herren, Immer ZSS—.» »ehseld. Badstrahe"84. LabrnT�«� kletdcschranke, ürettnliq. 79— Wasch. Z"''?!' 8#,-. Rachttische 19,50.__ Apotheken 19L0.• «ihfclb, Badstrahe 34r~8od)c«. Eng. ajettftellm nollfiSubK, esmplett. 58 Mark. Rahrfttlhle 5.75. Ausziehtische f.9'�7. � D l p lo maten-Sch reib ti sch e t�.—.* «chfclk.»adftmh«»,. Laden,«parte ftüdien 75,—. 98—, 126.— usw.«stcher- fchcHufe, echt Eiche R5.—, ÄuffofcfArflfi. tische.«uWmum. 115.�. uff0*'®ret• ?äMlroV 3<-_2ab.n. Plüsch'. fota 9a—., 1220.— usw.. Tetimeou» ä«.—, Soraumbau mit ooalern SdIcmI 88 Fwraerderab.� ffl«inmy?° �'•' Nehseld, Bodstrahe 34. Lobtn«._xv,2i 'miV«Ur8i?wr!ci',,i"Un?""lenbr, nach tnbati�' Eitra- x«!'Ä ffiiÄon." rtfil iTJ?"' 7«!>9«eschniht. t,60 breit. �vwn,at mit aestachener Blall- rnnbee Tis».» Zlinb» «i?'«*»Ti.•W'l— FabriNager. ®®-?'°»�?drichstroh« 7.«pelfeAtm. "f.'*/»' wit Mahäponi. Bilkett Ti �N"epMern. bandqefchnit-.te«ust. baum-Maseruno. 29�.—. B2SB2352! Flügel, Piano», gebraucht ZI5.— an. Harmcniumi. Stoben statu. Münzste. 10 Piaao» pretswerr.— Link.«wom�Äe». vi»»»», preiswert. Teilzahlung, Sa. rontle für Qualititt. Vermietung. Bahrt, Hauptstrohe 1. Ecke Grunewaldstroh!." Di»»»», prächiige Znlkrüment«. bw aueme stehlweis». Sochier. vrauttn. duraerstrohe 42.» � Speechmalchlae»«nf�ner nratsten Pon st ruft ich ohne leb«, Rebengeröus». Sichen-Sdvrank-Apparoie»an 9» Mark an. Haiiben-Eprechmaschine»»»n 22 Mark an. Eeeien-Apporoie 9.50. 12. IS Mark. Durch grahe Serienfabriko- «'? un»»gffoeinkauf unsere Leistung». fadiokett. 3000 fertige und unfertige i-prrchmafchrnen. 100 OOOb* Bestandteile auf Lager, wie Werke. Tonarm«, Rätxr "f'L«illigst, Beztia-auill« füt«8ieb«r. oer'8bJfr- Peuditigun« unfem Muster- aus�aanfl ohne stauszwana»r beten. «chuiz u.»undlach. Münzstrah« 19. dicht am Aleranberplak.* Musikinstrument« au, erster Sand. Sdiiilcr.Plolinm 5.50, Orchestee-Bi-Unen 14.50, Gitarren 8.90. Lauten 18.30. delli» 98.-, Wiener ANardisn». E'N- reihet. 4 Bah. 8,90, Deutsch« Aklarbian«. Einreih«, 2 Bah, 4.75,«im"«ftar. bton», stweieeih«. 9 Bah. i>30. �a>>' danien. 104tönig. 96.—. serechmaschinm eigener Fabrikation,»miest« stonittut. tian. gute Instrumente. 9�90.- 19— mit fifluht 22.—» Ctme,(ztmeiu Sdhrcnföpnocat« ff'.Ti. � mente fittitt»»nd balbrertt« fta-'bta ouf Lag«. Billigst« Bezuasauell« für Die- dernerNwf»'. �»5"s7�no Ausstellung»in««auf�ang«ehrten. Schulz u. Gundlach. PlünzKrah« 19. d i ch.Alerandervlali, jtoazertplao» sFIÜoelranl. Nein»« Flllael billiost. sstahlunoserleichterung.t Pianafabeik. Sraniensteahe 1« IU.» KsüfgesueKe Zehre»b«e kauft Linien strahe 1» UnterricKt Puhknefe. Peipa, schul, stir jnk van Therese Bartirt-. geb� Pimon Mgekgrafettstrahe 18. F. eiore'orf 1,» Verschiedenes