Abendausgabe Nr. 843. Jahrgang Ausgabe B Nr. 4 Bezugsbedingungen und Anzeigenpreife find in der Morgenausgabe angegeben Redaktion: SW. 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Dönhoff 292-297 Tel.- Adreffe: Sozialdemokrat Berlin 10 Pfennig 6. Januar 1926 Vorwärts= Berliner Volksblatt Berlag und Anzeigenabteilung: Geschäftszeit 9-5 Uhr Verleger: Borwärts- Verlag GmbH. Berlin Sm. 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Dönhoff 292-29T Zentralorgan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands Der Fälscherskandal wächst. Immer mehr Verhaftungen. Budapest, 6. Januar.( Eigener Drahtbericht.) Auf Grund eines umfassenden Geständnisses, das der verhaftete Prinz Windischgrät am Dienstag abend über die Notenfälschungen und die daran beteiligten Persönlichkeiten abgelegt hat, wurden noch im Laufe des Abends zahlreiche Berhaftungen vorgenommen. Es handelt fich zum Teil um politisch sehr hoch stehende persönlichkeiten. So wurde furz vor Mitternacht bekannt, daß der Landespolizeichef n adoffy auf Anordnung der Staatsanwaltschaft verhaftet und ins Untersuchungsgefängnis eingeliefert worden ist. Die Verhaftung war die Folge einer eineinhalbstündigen Unterredung, die der Innenminister mit dem Gleichzeitig wird bekannt, daß der in Holland verhaftete Oberst Jantowitsch vor den holländischen Behörden ein umfassendes Geständnis abgelegt hat, fodaß die holländischen Polizeibeamten nicht weniger als 40 hoch gestellte Persönlichkeiten Ungarns namhaft machen konnten, die an der Geldfälscheraffäre Polizeidirektor gehabt hat. beteiligt sind. Der französische Budapester Gesandte in Paris. Paris, 6. Januar.( Eigener Drahtbericht.) Am Dienstag t der französische Gesandte Clinchaut in Budapest in Paris eingetroffen. Seine unerwartete Ankunft wird in Verbindung gebracht mit der ungarischen Fälschung französischer Banknoten. Bom französischen Auswärtigen Amt wurde am Dienstag abend erklärt, daß auf Grund der Berichte der französischen Vertreter im Ausland bisher die Herstellung von 20 millionen falscher franzöfifcher Banknoten festgestellt werden konnte. Aufregung in Prag. Prag, 6. Januar.( Eigener Drahtbericht.) Die ungarische Geldfälscheraffäre hält nach wie vor die tschechoslowakische Deffentlichkeit in Erregung. Die Prager Presse", eines der Organe des Außenministers Dr. Benesch, erklärt: Wenn in Ungarn die Moral Die Verhaftung des Erzberger- Mörders. Nachforschungen der Berliner Kriminalpolizei. Auf die Meldung der österreichischen Behörden, daß in Bad Auffee vermutlich einer der Mörder Erzbergers, Heinrich Schulz, verhaftet worden sei, haben, wie wir erfahren, heute die deutschen Behörden ihrerseits alles getan, um fofort festzustellen, ob der in Auffee Festgenommene mit dem Besuchten auch wirklich identisch ist. Die Strafverfolgung von Schulz und Tillessen ist seinerzeit bekanntlich durch die Staatsanwaltschaft Offenburg vorgenommen worden, die zuständig war, doch haben sich zahlreiche Bolizeibehörden, besonders die Berliner Polizei, mit der Angelegenheit beschäftigt. Sollte, was noch im Laufe des heutigen Tages zu erwarten ist, von den österreichischen Behörden eine genaue, nach dem internationalen Meßverfahren hergestellte Beschreibung des Verhafteten eintreffen und diese bestätigen, daß man es mit Schulz zu tun hat, so werden wahrscheinlich deutsche Beamte nach Bad Auffee entsandt, um dort auf Grund der den Behörden zur Verfügung stehenden Photographien Vergleiche anzustellen. Um Luppes„ Meineid". Nürnberg, 6. Januar.( WTB.) Wie die Nürnberger Zeitung" meldet, ist in Zusammenhang mit der gegen Oberbürgermeister Dr. 2uppe eingeleiteten Voruntersuchung auch gegen Oberinspektor 3apf das Borverfahren wegen Meineides eingeleitet worden. Oberinspektor Zapf sei einstweilen vom Dienst suspendiert worden. Hilfe für Hochwasserschäden. Eine sozialdemokratische Aktion. Köln, 6. Januar.( Eigener Drahtbericht.) Die sozialbemofratischen Landtagsabgeordneten Haas, Frau Kirschmann- Röhl, Fries, Kleinmeier, Berten, Lewerenz und Meyer- Solingen haben im Breu Bischen Landtag folgende große Anfrage eingebracht: leber 3um dritten Male seit dem Jahre 1920 wurde das Rheinland in ben letzten Tagen von einem furchtbaren Hochwasser heim gesucht. Unzählige Gewerbetreibende mußten ihre Geschäfte und Betriebe schließen. 50000 Arbeiter wurden arbeitslos. Vielen kleinen Leuten wurde ihr ganzes Hab und Gut vernichtet. So weit sich der Schaden bisher übersehen läßt, beträgt er mindestens 30 Millionen Mart. Gemeinden, Kreise, Städte und Provinzen haben noch schwer zu tragen an den Lasten des Hochwassers von 1924, bei dem der Schaden über 18 Millionen Mart betrug und sind daher nicht in der Lage, die so notwendige schnelle Hilfe im genügenden Maße zu bringen. Unter Berücksichtigung der schon acht Jahre andauernden Besegung des Rheinlandes, des verflossenen Ruhrtampfes, und der so besonders starten wirtschaftlichen Krise im Rheinland erfuchen wir die Staatsregierung dringend, schnellstens größere Geldmittel zur Linderung der furchtbaren Not zur Berfügung zu stellen. Ferner fragen wir die Staatsregierung, ob sie bereit ist, auf die Reichsregierung einzuwirken, daß 1. auch diese größere Beträge zur Linderung der Not zur Verfügung stellt, und 2. daß das Reich gemeinsam mit den Ländern größere Mittel aufbringt, um für bie Zukunft alles zu tun, damit die Hochwassergefahr vermindert wird. Wie und wo gesport wird. Sparsamkeit und bürgerliche Parteien. ,, Nur die Arbeit tann uns retten" war in den Jahren nach dem Zusammenbruch das Losungswort der deutschen herrscht, daß aus patriotischen Beweggründen jebes Verbrechen Wirtschaftsführer", die sich damals noch im Glanz ihrer kaum bestrittenen Autorität sonnen fonnten. Zwar mußten alle statthaft ist, dann ist Ungarn in den Augen der übrigen Welt ein Sozialpolitiker, ja selbst ehrliche Unternehmer zugeben, daß 3nfettionsherd geworden, und der Schuß der eigenen Inter die deutsche Arbeiterschaft überraschend schnell die innere und effen gebietet allen Nachbarn größtes Mißtrauen, größte Borsicht, äußere Unraft überwunden hatte, die aus dem fürchterlichen aber Entschlossenheit im Handeln. Es gilt nicht nur mit Geldfälschern, Dieben und Hehlern fertig zu werden. Das ist Sache der Erleben der Kriegs- und Nachkriegszeit naturgemäß entstanden war. Aber die Unternehmer als Klasse hatten erkannt, daß Bolizei. Es gilt jeßt die Anstifter, die politischen Hintermänner mit diesem Losungswort auf Kosten der Arbeiter zu faffen. Es ist zwölf: Herunter mit den Larven! Das Prager mit Bezug auf Arbeitszeit und Arbeitslohn Tagblatt" erklärt, daß das tschechisch- ungarische Verhältnis eine Geschäfte zu machen waren, und so wurde das Verzarte Pflanze ist, die gehütet sein will und solche Anstöße nicht verlangen nach Mehrarbeit als der Weisheit letzter Schluß zu trägt. Dringend zu wünschen wäre, daß der Falschmünzersfandal einer Zeit noch erhoben, als die Arbeitsintensität längst wievor dem Abgleiten in politische gefährliche Regionen bewahrt bleibt. Reine Rüdsicht auf noch so hochstehende Personen darf dabei der die frühere geworden war und drohende Zeichen der nahenden Krisis schon bemerkbar wurden. maßgebend sein. Der Sozialbemotra t" schreibt: Alle Sehnsucht der ungarischen Magnaten geht nach der Wiedererlangung des Verlorenen. Da sie erhoffen, dieses Ziel durch die Errichtung der Berlorenen. Da fie erhoffen, dieses Ziel durch die Errichtung der der Banden von entlassenen Offizieren Staatsstreiche zum Zwede der Monarchie zu erreichen, haben sie schon wiederholt unter Mitwirkung Einsegung eines Monarchen inszeniert, die aber stets mißlangen. Jetzt sollte ein neuer Versuch unternommen werden, und eben dazu war unter Mithilfe ungarischer Regierungsfreise ein Großbetrieb zur Herstellung gefälschter Banknoten errichtet worden. Politik und Verbrechen, beiben ergänzen sich in dem Lande Horthys. Die inter. nationale Welt wird nun wohl erkennen, welche Gefahr diefe auf Terror und Gaunerei gegründete Herrschaft des ungarischen Magnatentums bedeutet. ,, Narodni Osvobo. 8eni, das Blatt der Legionäre, fagt, weder Graf Apponyi, noch Gerechtigkeit belehren tönnen. Die Welt gebe auf Ungarn Dbacht und werde den Ungarn selbst die nötigen Lehren erteilen. Ceste Globo erflärt, daß die Intervention des Bölterbundes gegen Ungarn nötig sei. Die Tschechoslowakei fönne nicht ruhig bleiben neben einem so unverläßlichen forrumpierten Element, wie es Ungarn ift. Graf Bethlen werden die Welt in Genf über wahre Demokratie und Frankreichs Finanzfanierung. Die Zuftimmung der Wirtschaft zur Umsatzsteuer. Paris, 6. Januar.( Eigener Drahtbericht.) Der Verband französischer Industrieller und Raufleute billigt in einer Ent schließung die in der Finanzvorlage Doumers vorgesehene außer ordentliche Abgabe von 1,2 Broz auf alle Bertäufe und Sahlungen. Diese Abgabe, die nichts anderes als eine verlappte Berdoppelung der Umsatzsteuer darstellt, bildet bekanntlich das Kernstück des Finanzprogramms Doumers. Dagegen for dert die Entschließung eine Beschränkung in der Ausdehnung der Umfassteuer auf die bisher von ihr befreiten Ausfuhrwaren. Die Beratung der Finanzgefeßentwürfe Doumers, beren Tert wird am Montag beginnen. am Dienstag in der Finanzkommission zur Berteilung gelangt ist, Times" für aktive Balkanpolitik. Aller Warnungen zum Trotz segten unsere Wirtschaftsführer" ihre nadten Profitintereffen höher als die Interessen der Boltswirtschaft. Heute ist Blödesten klar. Heute schreien Millionen Deutscher nach Arder Zusammenbruch dieser Wirtschaftspolitik auch dem beit und Brot, und heute sehen unsere Unternehmer die einzige Rettung in der Verweigerung von Arbeit und Brot und in der äußersten Sparsamkeit der öffentlichen Wirtschaft gegenüber den beklagenswerten Massen, die die private Wirtschaft aufs Pflaster geworfen hat. Man spricht das selbstverständlich nicht so offen aus. Man gibt vor, größte Sparsamfeit in allen Ausgaben der aber in der Hauptsache gespart nur da, wo die öffentlichen Wirtschaft zu verlangen. In Wirklichkeit wird pfer der privaten Wirtschaft in Frage tom men. führen, hat sich vor kurzem in Berlin ein„ Kuratorium für Um das Sparen" gründlich und systematisch durchzu Spar- und Vereinfachungsmaßnahmen" aufgetan, dessen Zu= führen, hat sich vor kurzem in Berlin ein Kuratorium für fammensetzung für sich allein schon bezeichnend ist. Borsitzende find: Herr Saemisch, Staatsminister a. D., Präsident des Rechnungshofes und Sparkommissar, der mit den früheren, von fozialdemokratischen Ministern verabschiedeten Staatssekretären Dr. Busch und Lewald die sogenannte Rachetommiffion" zum Abbau republikanischer Beamten bildet, sowie Herr v. Loebell, der bekannte Bürgerblockmann von der Reichspräsidentenwahl. Als Mitglieder werden u. a. aufgeführt: Herr Dr. Jarres, der beste deutsche Mann, Dr. Busch, Dr. Cuno, die Präsidialmitglieder des Reichsverbandes der deutschen Industrie Rast und Krämer, die Parlamentarier Prof. Bredt, Dr. Dern burg, Sepp, Dr. Rulentampff, v. Lerchenfeld, Dr. Riesser, Dr. Stegerwald. In der von dem Kuratorium herausgegebenen Programmschrift: Raab ,,, Wege zur Steuerermäßigung", finden sich neben Forderungen, denen die Sozialdemokratie schroff widersprechen muß, auch solche, Die von jeher zum sozialdemokratischen Programm gehört haben. Aber gerade die Parteien, aus deren Reihen sich das Kuratorium ausschließlich zusammenfeßt, haben unseren Anträgen stets den stärksten Widerstand geleistet. Der der Summe nach größte Etat ist der des allgemeinen Penfionsfonds. Er schließt ab mit einem Betrage von 1555 485 000 m. Wenn irgendwo, tönnte hier sehr erheblich gespart werden. Die SoOffiziere und höheren Beamten, die vom Staat große Penfionen beziehen und daneben noch Einnahmen aus eigenem Bermögen oder gewinnbringender Beschäftigung haben, eine entsprechende Kürzung ihrer Penfionen erfahren müßten. Auf unser Betreiben wurde ein solches Gesetz( Pensionstürzungsgesetz) vom Reichstag beschlossen. Die Berkündung konnte nicht erfolgen, da es als ein verfassungsänderndes Gesetz angesehen wurde und die notwendige weidrittelmehrheit nicht erreicht worden war. Jeßt nimmt Dr. Na a b in seiner oben erwähnten Programmschrift die Forderung der Beschneidung der Bezüge aller derer, welche vom Staat leben, ohne entsprechendes für ihn zu leiſten oder zu eigener Leistung unfähig geworden zu sein" wieder auf. Werden jetzt die Rechts parteien gewillt sein, mit uns die Berwirklichung solcher Pensionstürzungen durchzusehen? Für ein Balkan- Locarno als Gegenzug gegen Tschitscherin London, 6. Januar.( EP.) Während sich die britische Baltan politik bisher darauf beschränkte, in den verschiedenen Baltanzialdemokratie ist auch stets dafür eingetreten, daß all die Hauptstädten darauf hinzuwirken, daß ein Locarno auf dem Baltan gewissermaßen von innen heraus aus den Wünschen der Balkanvölker sich ergeben sollte, tündigen die„ Times" heute eine neue Phase der Entwicklung an. Es sei nicht genug damit, daß die Außenminister Westeuropas sich mit dem bloßen Wunsche begnügten. Die verworrenen Verhältnisse auf dem Balkan gäben jezt zu der Hoffnung Anlaß, daß die Staatsmänner Westeuropas selbst Anstrengungen machten, eine Bereinbarung zwischen ben Balkanvölkern zustande zu bringen. Es ist bezeichnend, daß das Blatt die Notwendigkeit zu einem folchen Schritte wieder mit dem Borgehen der russischen Außenpolitit begründe. Die un ruhigen Verhältnisse auf dem Balkan fönnten nicht ohne Wirkung auf die auswärtige Politif bleiben. Rumänien sei wegen der beffarabischen Frage antirusfisch eingestelli. Griechenland neige zu dem faschistischen Italien hin. Besonders beunruhigend feien aber die Absichten Jugoslawiens, welches eine antiitalienische und eine bulgarenfeindliche Tendenz zeige. Eine Antwort auf diese Frage wie überhaupt auf die Deshalb hätten Tschitscherin und Tafik Ruchdy Ben sich dieses Frage, wo und wie die bürgerlichen Parteien zu sparen beabsichtigen, gibt die bevorstehende Land zu einem diplomatischen Borstoß ausersehen. Dezterer babe britte Beratung des Etats für 1925. Zu dieser Beratung pofitive Vorschläge zu einer türkisch- jugoslawischen Koa. ition in Baltanangelegenheiten gemacht. Tschitscherin habe offen liegen jetzt bereits 52 Anträge und Entschließungen vor. Bon diefen hat der Sparausschuß, in dem alle Parteien vertreten seinem Wunsche Ausdruck gegeben, die Balkanmächte von ihrer Ab sind und der seine Beschlüsse meistens einstimmig faßt, 12 gehängigkeit zu den Beſtmächten zu befreien. Er beabsichtige, die ftellt und darin neben einigen Erhöhungen auch sehr erhebvorhandenen Gegensäge auf dem Balkan so auszunuzen, daß eine gemeinsame Aktion der Ballanstaaten gegen die Türkei, wie fie liche Abstriche verlangt. Von den verbleibenden 40 Anträgen find nur zwei von der Sozialdemokratie geetwa unter dem Artikel 16 des Bölkerbundsstatuts möglich sein ftellt. Diese zwei enthalten aber feine Geldforderungen. fönnte, unmöglich werde. Eine solche Lage könnte das Ansehen des Alle übrigen mit nur noch einer Ausnahme ver Völkerbundes auf das ernſteſte gefährden. Daher müßten die Außen- langen die Einjeßung neuer oder die Erminister Westeuropas die Gefolgschaft des Balkans unter den Böller höhung bisheriger Bewilligungen. bund in Form eines Baltan Locarno, sicherzustellen fuchen. 24 Anträge betreffen ben Etat des Minifteriums für Ernähshid much sidrung und Landwirtschaft. Allen Parteien voran, wird in den nächsten Tagen ihre Gesamt demiffion einreichen. Bor der Ausschiffung Matajas. Die österreichische Regierung nicht nur in der Zahl der Anträge, sondern auch in der Höhe der Forderungen, steht die Deutschnatio Die Neubildung wird der bisherige Bundeskanzler Ramet über- nale Boltspartei, bie, mie die Deutsche Boltspartei, nehmen. Der Außenminister Dr. Mataja dürfte nicht mehr in fich nicht scheut, im materiellen Interesse der bas Außenamt zurüdtehren. hinter ihr stehenden zeise im größten AusAllein maß Reichshilfe zu beanspruchen. Siod) bis nor furzem war der deutschnationale Abgeordnete Dz. Quaaz, der junge Mann von Hugo Sinnes, der Hauptrufer im Streit der privaten Wirtschaft gegen die öffentliche. Heute ersucht er die Reichsregierung, der Landwirtschaft langfristige billige Kredite zu gewähren, und verlangt, daß, die durch die 3insverbilligung etwa(!!) entstehenden übernommen Roften auf die Reichsfaffe werden". Herr Hepp, Präsident des Reichslandbundes und Mitglied des Kuratoriums für Sparmaßnahmen", hat einen dem Sinne nach ganz ähnlichen Antrag gestellt. Kommt die Sozialdemokratie mit Forderungen, die irgendwie die private Wirtschaft zugunsten der öffentlichen einzuschränken bestimmt sind oder einschränken fönnten, so wird ein Loblied auf die Segnungen der freien" Wirtschaft gefungen und unser Verlangen abgelehnt. Sizt die freie Birtschaft aber infolge der Unfähigkeit und des Hochmuts ihrer Führer im Sumpf, dann ist die öffentliche Wirtschaft, die zum überwiegenden Teil getragen wird von den Steuern und Abgaben der Massen, gut genug, der freien Wirtschaft beizuspringen. und dann ist keine Rede von der so dringend notwendigen äußersten Sparsamkeit. Sparsamkeit predigen die Kapitalisten und Rechtspolitiker nicht sich selbst, sondern nur den anderen. Die Sozialdemokratie wird nicht erlahmen in ihrem Kampf gegen diefe Art von Sparfamfeit. Sie ist nichts als die Kulisse, hinter der alle Laften und Leiden der Krisis denen aufgepackt werden sollen, die an ihrem Hereinbrechen nicht die geringste Schuld tragen. So bedauerlich es ist, daß die von den Wählern uns gewährte parlamentarische Kraft nicht ausreicht, diesen Kampf alsbald zu einem fiegreichen zu machen, fo fehr ist die Sozialdemokratie davon überzeugt, daß fie damit das wahre Bolfsinteresse vertritt. Gorge um die Hohenzollern. Aufklärung" durch die Konservativen. Die Kreuz- Zeitung", das Organ der Alttonservativen, macht fich die Mühe, nachzuweisen, daß die Hohenzollern eigentlich ganz arme Leute feien und daß man daher nicht mehr als recht und billig handele, wenn man ihnen jeht durch Vergleich außer Schlössern, Wäldern, Gütern auch noch 30 Millionen bar übergebe. Denn, so heißt es da: Das Preußische Königshaus trat also in das neue Jahrhundert( das heißt: das vorige Jahrhundert, nach den Freiheitsfriegen". Red. d. Borm.) als völlig befitlofes Ge schlecht, ohne Ur und Halm. Woher kommt nun der zurzeit vor. handene Grundbesitz der Krone, der das eigentliche Kampfobjekt bildet? Die Antwort ist ganz einfach: aus Erbschaft und aus Sparfamfeit. " Glückliches Haus. das nichts hat und dazu so viel zuerbt und ipart", daß es heute Hunderte von Millionen an Berten als Bri vatbesig" in Anspruch nehmen kann! In Wirklichkeit liegen die Dinge so, daß frühere Könige das gemeinsame Gut zum Teil in Form von Fideicommiffen an ihre nachgeborenen Prinzen verschentt haben mit der Maßgabe, daß im Falle des Aussterbens ihrer Linie das Berschenkte wieder an den König zurüüdfiele. Daraus macht man jezt Privateigentum" des Königshauses! Parteien, die sich auf diese Tüfteleien einlaffen, wollen von vornherein die Frage als eine Rechtsfrage" betrachtet missen. In Wahrheit ist sie eine politische Frage. Denn es fann feinem 3meifel unterliegen, daß das Stammgut der Hohenzollern in Preußen nur durch politische Handlungen, vor allem durch Aus. übung und zur Mehrung der Macht des absoluten Königtums erworben murde. Die Republif ist das gerade Gegenteil des absoluten Königtums. Auch die Begriffe des Privatrechts für ein„ Königshaus" bedürfen daher der Umwandlung! Im übrigen sollte man sich erinnern, daß die Borliebe der Deutschnationalen für den letzten preußischen König, der jetzt mit vielen hundert Millionen beschert werden foll, nicht immer vorhanden war. Im November 1918 schrieb z. B. der deutschnationale Bernsteins Erinnerungen. Ein Sechsundfiebziger über feine Jugend. In dem Steinmeer unferes heutigen Groß- Berlins gibt es sicher nur sehr wenige, die sich vorstellen können, wie dieses Berlin einmal ganz den Charakter einer Klein- oder Mittelstadt trug. Bie an den Stellen, wo heute schon altersgraue Häuser mit fünf Stodwerfen in den Himmel ragen, noch freundliche Gärten mit darin versteckten und verstreuten Einzelhäusern träumten. Wie einsame und wenig betretene Bege mitten in der Stadt entfernte Straßen verbanden, während heute Straßen- und Hochbahn, Motorräder und Autos um die Wette lärmen. Ein feffelndes Bild diefes Alt- Berlin aus der Mitte des vorigen Jahrhunderts findet man undermutet in dem joeben erschienenen ersten Band von Eduard Bernsteins Lebenserinnerungen), in dem er von seinen Kindheits- und Jugendjahren plaubert. Am 6. Januar 1850 war Eduard als fünftes unter insgesamt fünfzehn Kindern des Lokomotivführers Bernstein geboren. Sein Geburtshaus stand an der„ Anhaltischen Kommunikation", einem Berbindungsweg, der vom Anhalter Tor zum Halleschen Tor führte, also etwa in der Gegend der heutigen Königgräger Straße. Nur teilweise war diese Straße gepflastert, im übrigen ein richtiger Weg. Auf der einen Seite die Stadtmauer, die wegen der städti schen Steuern noch aufrechterhalten wurde, auf der anderen Zäune von Lagerplätzen und Gärten, die zu den Häusern der Wilhelm In diefer halb ländlichen Gegend wuchs Eduard mit seinen neun Geschwistern auf.( Fünf von den insgesamt fünfzehn starben. schon im Säuglingsalter.) Er selbst war ein überaus schwächliches Menschenfind, dem der Arzt nur ein sehr furzes Leben zuzusprechen magte. Lange Jahre hindurch fogar über die Schulund Lehrzeit hinaus blieb er so flein von Statur, daß man ihm nie sein wirkliches Alter glauben wollte. Wahrscheinlich ein Sieben monatskind und im höchsten Grade rachitisch, bot ich ein jo tläg. liches Bild dar, daß mir feiner auch nur acht Tage weiteres Dasein Straße gehörten. Berbanbebietor, tez istige Reichstagsabgeordnete Dr. Stei = niger, im Sugenberg- ,, Tag" über Wilhelm II. und seine Flucht: ,, Kein Wort der Kritik ist für diesen Abgang des Kaisers zu herb. Sein Vorgehen war untöniglich, unsoldatijah, unmänalid und geeignet, der Dynastie und dem monarchischen Ge dankenden Todes stoß zu versehen. Kein Monarch hat das Recht, so zu handeln. Keiner darf wie ein Schulbube aus seinem Amte davonlaufen, feiner seine Soldaten und Beamten ohne Leitstern der schärfsten Seelen- und Gewissenspein aussehen, feiner das Staatsschiff führerlos in eine wilde Brandung hinausstoßen, am wenigsten in den schwersten Stunden des Weltkrieges. Wer eine fünfundvierzigjährige Bergangenheit, reich an stolzen Erfolgen und Erinnerungen zu vertreten hat, wie der letzte Hohenzoller, begeht mit derartigem Berhalten ein unfühnbares Verbrechen gegen seine Dynastie und das Volt. Glaubt er, sich selbst unter seinen Truppen nicht mehr halten zu können, so bietet die Front genügend Gelegenheit, durch ein würdiges und fönigliches Ende der Dynastie und dem monarchischen Gedanken neuen Glanz und neuen Halt zu verleihen. Ihm fällt auch zur Last, daß sein Vorgehen für andere Monarchen ein ver hängnisvolles Beispiel werden mußte." Wilhelm II. hat die zwingende Gelegenheit, ein würdiges und königliches Ende" zu suchen, nicht benutzt. Er hat es vorgezogen, darauf zu warten, bis die Deutschnationalen einschließlich bes Dr. Steiniger ihm die früheren Besitztümer und noch Bargeld dazu ausliefern im Zeichen der Aufwertung"! " Die Knappschaftsrente. Ein törichter Plan der Reichsregierung. Die Reichsregierung hat eine Novelle zur Alenderung des Reichstnappschaftsgefeges vorgelegt, die die Belaftung des Bergbaues herabmindern und die gespannte finanzielle Lage der Knappschaft beheben soll. Der Inhalt der Novelle hat die Arbeitnehmer im Bergbau darum nicht befriedigt, weil er u. a. eine Verschlechterung der Altersrente porfieht. Der Af Bund bestreitet in einer Veröffentlichung, daß eine Verschlechterung der Altersrentenbestimmung, und zwar die Heraufsetzung der für ihren Bezug erforderlichen Lebensaltersgrenze vom 50. auf das 55. Lebensjahr erfolgen müsse, um die Knappschaft vor dem finan ziellen Zusammenbruch zu bewahren. Sum Beweise des Gegenteils führt er folgende Zahlen an: Nach den letztermittelten Zahlen beträgt im Reichsfnappschaftsverein die Gesamtzahl der Bensionsempfänger 192 628; davon find Alterspensionäre 31 223 oder 16,2 Proz. Die gesamte monatliche Bensionslaft beträgt 11 223 000 m.; davon die für die Alterspension 2 392 200 m., gleich 21,3 Proz. Nach den Ermittelungen des Versicherungsmathematiters der Rnappschaft, Dr. Zimmermann, die er als Sachverständiger im Reichswirtschaftsrat am 20. Oftober 1925 mitteilte, würde die Heraufsetzung der Lebensaltersgrenze vom 50. auf das 55. Lebensjahr eine Berringe rung der Gesamtpensionslast nur um 20 Proz. der Alterspensionssumme bedeuten, d. h. in absoluten Zahlen: anstatt 11 223 000 m. mürben 10 744 560 m., aljo lediglich 4,3 Prog. weniger zu zahlen sein. Der Fall ist ein Beispiel für die Finanzpolitif der jegigen Regierung. Um die Arbeitgeber zu schonen, denen die Steuern in großzügigfter Weise geftundet werden, betreibt man eine Verschlechte rung der sozialen Gesezgebung, die sich bei Licht befehen oft genug als unrentabel erweist. Volkspartei und Landwirtschaft. Ein Antrag zu den Notverkäufen. In einer Großen Anfrage des Preußischen Landtags behauptet der Dolfsparteiliche Abg. Dr. Schiftan, daß ,, infolge der Wirtschafts tatastrophe zahlreiche Rot und Zwangsverfäufe land mirtschaftlicher Betriebe aller Befihgrößen meist weit unter dem tatsäcylichen Wert stattfinden". Eine planiose Ber schleuderung landwirtschaftlicher Grundstücke müsse im Intereffe der Boltsernährung unter allen Umständen vermieden werden. preußischen Staatsministerium werden Maßregeln verlangt, um solche Verschleuderungen nach Möglichkeit zu verBom hindern und vor allen Dingen dafür Sorge zu tragen, daß ver äußerter landwirtschaftlicher Befiz nur in die Hände von Berufslandwirten gelangt. Soweit es zutrifft, daß gegenwärtig landwirtschaftliche Betriebe abgestoßen und verschleudert werden, dürfte es sich zum großen Teil bei den Besitzern nicht um eigentliche Landwirte handeln, sondern um ,, Agrarier", die als abgebaute Offiziere oder Kriegsgewinnler ihre Fähigkeiten zu landwirtschaftlicher Betätigung erst nach dem Kriege entdeckt haben oder in der Inflationszeit ihr überflüssiges Geld wertbeständig anlegen wollten. Diese Art von Landwirten pflegt ihren Beruf meist als rentenverzehrende Städter auszuüben. Wenn hier der Staat eingreifen sollte, so fann es sich nur darum handeln, Grund und Boden zu günstigen Bedingungen zu erwerben und sie der wirklichen Landwirtschaft und damit der Volksernährung in der Form von Domänen oder durch Aufteilung als Siedlungsland zuzuführen. Ist das der Sinn der Anfrage des Herrn Dr. Schistan? Aenderung des Strafvollzugs. Beschlüsse des Rechtsausschusses des Landtags. Der Rechtsausschuß des Landtags beriet die aus Anlaß des Höfle- Untersuchungsverfahrens und auch sonst zutage getretenen Mängel in der Strafvollstreckung. Es liegt dazu eine große Anzahl von Anträgen aller Parteien vor, zwei davon allein mit 20 bzw. 34 Unterabteilungen. Die Beratungen erstreckten sich bisher auf das Algemeine und auf die Auswahl der Leiter der Strafanstalten. Uebereinstimmend war der Ausschuß der Meinung, daß der Strafvollzug in der Praxis wesentlich mehr nach modernen humanen Grundfäßen auszugestalten ist. Nach einem einstimmigen Beschluß des Ausschuffes sollen als Leiter von Strafanstalten nur folche Persönlichkeiten ausgewählt werden, die in einer mehrjährigen Dienstzeit ihre Befähigung und innere Eignung für den Strafvoll zug bewiesen haben. Hiernach ist es ausgeschlossen, daß Persön lichkeiten ohne praktische Bewährung in diesem Spezialzweige zur Leitung von Anstalten berufen werden können. Auch bei der Auswahl von Amtsgerichtsräten zu Borstehern in den fleineren Gefängnissen ist nach dem einstimmigen Beschluß des Ausschulfes besonderes Gewicht zu legen auf die Eignung und innere Einstellung zu den Erfordernissen eines beffernden Strafvollzuges. Ein weiterer Antrag verlangte, daß für alle Anstalten mit einer Durchschnittsbelegung von über 300 Gefangenen als Anstaltsleiter ein Direktor, für Gefängnisse mit einer Durchschnittsbelegung von 100 und mehr Gefangenen ein hauptamtlicher Vorſteher, in Gefängnissen mit durchschnittlich 50 bis 99 Gefangenen ein Strafanstaltsinspettor zu ernennen, weiter, daß für eine ständige Bertretung des Direktors an den großen Anstalten durch einen Vorsteher zu sorgen ist. Grundfäßlich stimmten alle Parteien diesen Forderungen zu, doch wurden finanzielle Bedenken bei der heutigen Lage der Staatsfinanzen geltend gemacht. Die Anträge wurden schließlich mit Mehrheiat angenommen. des Ebenso wurde mit Mehrheit beschlossen, daß in den sechs Oberlandesgerichtsbezirken, in denen noch der Strafvollzug in den Händen Generalstaatsanwalts liegt, die Einrichtung eines Strafvollzugsamtes in die Wege zu leiten ist. Es wurde Juftig die Kräfte für diese notwendige Aufgabe freizubekommen. im Ausschuß angeregt, durch organisatorische Umstellung in der Der Rechtsausschuß beriet im weiteren Beslaufe der Sigung über Einzelheiten der Bestimmungen für das Anstalts- und Auffichtspersonal, besonders über die Ausbildung, das Berhalten bei Gefangenentransporten und den Waffengebrauch. Einmütig stimmten alle Mitglieder einem Antrage zu, wonach zur weiteren Ausbildung der Inspektionsbeamten in eigens zu diesem 3wed veranstalteten besonderen Kursen Mittel durch den Staat zur Berfügung zu stellen find. Bertreter des Finanza ministeriums erflärte hierzu, daß ein Fonds für die beruf. liche Weiterbildung der Beamtenschaft im Etat eingefeht sei, und daß aus diesem Fonds auch Mittel für den vom Ausschuß befürmorteten 3med gegeben merden würden. Ebenso wurde beschloffen, daß das Anstalts. und Auf lichtspersonal der Strafanstalten eine, der Eigenart des Berufes entsprechende Ausbildung erhalten und das zeitweise bei Der starten Ueberbelegung der Gefangenenanstalten vorhandene Silfs personal nach Möglichkeit einzuschränken ift. Die Regierungsvertreter erklärten hierzu, daß bei einer Zahl Don 4700 hauptamtlichen Beamten jezt noch 1300 Hilfsbeamte vorhanden find; die Zahl ist im Laufe der letzten Monate von einer erheblich höheren ganz außerordentlich zurückgegangen. 1 mohl einige, die älter, und manche, die annähernd so alt find wie Ludwig Wüllner sprach im Konzertsaal der Hochschule für Eduard Bernstein, aber faum einen, der über so umfassende Kenntnis Musit Schiller und Goethe, Shakespeare und Andersen. Das der in der Bewegung tätig gemejenen Personen und über ein so por Bublifum ist so begeistert, daß es minutenlang Matscht und trampelt. zügliches Gedächtnis verfügt wie er. Wer jemals ihn hat aus der Die Besucher dieses Bortragsabends der Freunde des guten und Bergangenheit plaudern hören, weiß, welche Fülle von Einzelzügen schönen Buches" waren zum größten Teil behäbig ehrenwerte Kleinin diesem Gedächtnis haften, welche endlose Reihe von in der Gebürger, denen„ Die Kraniche des Jbylus" der Inbegriff des Schönen ( chichte Mitwirkenden er zwanglos aufmarschieren laffen fann, von find. Gewiß, Schiller und Goethe find unsere Klaffifer", Was Hand aufs Herz, jedem eine charakterisierende Kleinigkeit anfügend. Deswegen ist haben wir nun aber heute I was haben wir zu begrüßen, daß Genosse Bernstein fich entschloffen hat, seine Er heute mit dem deutschen Schul- und Hausdichter Schiller, was mit dem Geheimrat Goethe zu tun, was ist uns das Sieh da, sieh da innerungen niederzuschreiben. Er will sie, mie er im Vormort zum ersten Bande mitteilt, in drei Teile gliedern: jezt vorliegend: Kind- Timotheus" mehr als eine Reminifzenz aus Schultagen? Daß Ludwig heit und Jugendzeit bis zu seinem Eintritt in die sozialdemokratische Wüllner spricht, ändert nichts, denn er trägt seinen Schiller und Bewegung( 1872), dann die Zeit seiner Tätigkeit als Banfangestellter, Goethe so vor, daß fie uns dadurch auch nicht näher tommen. Aber Agitator für die Sozialdemokratie und Rebatteur des im Ausland er spricht außerdem die Forumszene aus Shakespeare, Julius Cäsar" erscheinenden Sentralorgans der in Deutschland durch das Schand- und Andersens Märchen vom Schweinehirten", und ba gibt er auch Bondon und das Bierteljahrhundert seit der Rückkehr nach Deutsch Klangfülle und Schönheit seiner Stimme. Für diese beiden Sachen gefeß gefnebelten Partei( 1872-1888) und endlich die Jahrzehnte in uns etwas. Da zeigt sich die bewunderungswürdige Technik und die banken auch wir Ludwig Wüllner. Gibt man uns den Revolutionär Echiller, den Menschen Goethe, gibt man uns Jungen Lebendiges, Ewigjunges oder Neues, dann werden wir die Ersten sein, die sid) begeistern lassen. Heute, Januar 1926, haben wir feine Zeit und fein Herz für altehrwürdiges Totes. land. Der erste Band dieser Erinnerungsreihe enthält noch wenig politische Tatsachen und Betrachtungen. Aber dafür liefert er einen prachtvollen Unterbau für das kommende. Eine fesselnde Spiege lung von fulturellen Zuständen und persönlichen Erlebnissen, eine mit der Weisheit des Alters gesehene Jugend, eine in feinen Einzelheiten wie im Aufbau des Ganzen vortreffliche Darstellung eines Einzellebens inmitten einer Umwelt, tie ebenso wuchs und fich aus dehnte, wie der Knabe und Jüngling, der in thr sich bewegte. Das noch vergleichbar mit der Biermillionenstadt gleichen Namens. Aber Berlin von damals in seiner kleinbürgerlichen Struktur ist faum die heutige Weltstadt hat doch feine Anfänge in jenem Kleinberlin, dessen Kommunikationen" ebenso verschwunden sind, wie die Felber und Gärten am Halleschen Tor. Und der jetzt sechsundfiebzigjährige als Gelehrter wie als Politiker gleich geachtete Eduard Bernstein ist ebenso erwachsen aus dem schwächlichen Edeward", deffen Ent midlungsgang er jo liebevoll plaudernd schildert, daß wir aus diesem Lebensgang des Knaben und Jünglings erst die Entwicklung des Mannes ganz begreifen und verstehen fönnen. zusprechen mochte. Auf den Beamtenarzt der Berlin- Anhaltischen Eisenbahngesellschaft, Dr. Güterbock, machte ich in meiner Erbärmlichkeit einen so nachhaltigen Eindrud, daß noch Jahre hinter- fie wurden und wuchsen. Was Eduard Bernstein im ersten Bande her, wenn bei uns ein Säugling frant war, zu dem er gerufen wurde, seine erste Frage die war: Ist das immer noch der fleine schwächliche Junge?" Der das und unendlich viele interessante Einzelheiten aus seinen Jugendjahren erzählt, wird heute 76 Jahre alt! Er hat also tron feiner förperlichen Schwäche, trotz der schmalen Rost, bie ihm im Elternhause geboten werden konnte, fich durchgefrettet und das biblische Alter erreicht, sogar schon überschritten. Ein neuer Beleg für die Bollswahrheit, daß, wer früh totgefagt wird, besonders lange zu leben pflegt. Bir fönnen uns freuen, daß das„ kleine schwächliche Kind" ein ausgewachsener Mensch von besonderen Gaben geworden ist. Denn unter den heute noch lebenden Sozialisten in Deutschland gibt es Eduard Bernstein: Bon 1850 bis 1872. Kindheits und Jugendjahre." Berlag Erich Reiß, Berlin. Selbstbiographien von Männern, die durch die Umstände zu Sie sollen die Zeit, die Menschen, die Umwelt festhalten, in denen besonderer Bedeutung gelangten, sollen nicht nur Persönliches geben. feiner Selbstbiographie bietet, entspricht diesen Anforderungen in jeder Weise. Eine feffeinde Blauberei, auf feiner Seite unbedeutend und unwichtig. Sie verspricht das beste für die beiden Folgebände, beren baldige Fertigstellung mir bem von feiner Krantheit langsam Genesenen von Herzen wünschen. Franz Klühs. Eine halbe Million für die preußische Künstlerschaft. Das preußische Finanzministerium hat sich bestimmen laffen, eine halbe Millien für die notleidenden preußischen Künstler bereitzustellen Ueber die Form, um diese leider nicht sofort greifbare Summe nach und nach flüssig zu machen, wird zurzeit verhandelt, und zwar vom Reichsmirthaftsverbande bilbender Künstler. Diejenigen Künstler, die auf staatliche Hilfe rechnen wollen, sollter: ihren Fall oder den ihres Kollegen dem Borstande des Gauverbandes oder der Bezirksgruppe bekanntgeben, die überall in Preußen vom Reichsverband aus bestehen. Gewe. Wie soll man fiamefische 3millinge bestrafen? Die Verkehrspolizei von Manila steht vor einem Broblem, das sie nicht zu lösen vermag, denn hier ist ein eigenartiger Fall eingetreten, der in feinem flamesischen Zwillinge Simplicig und Lucio Godino wegen zu Gesezbuch der Welt vorgesehen ist. Sie will nämlich einen der beiden schnellen Autofahrens in Strafe zu nehmen, müßte aber dann den anderen schuldlosen Zwilling mitbestrafan. Auf zu schnelles Fahren fteht in Manila Haft, und der eine Zwilling hat sich der Uebertretung schuldig gemacht. Die fiamesischen Zwillinge betätigen fich als Kraft. magenführer, und der eine von ihnen, der am Steuer fibt, ist mehrfach zu schnell gefahren; aber wenn man ihn verhaftet, muß man den anderen miteinsperren, und dagegen sträubt sich das Gerechtigkeits gefühl der Behörden. Die siamesischen Zwillinge, die jeßt 25 Jahre alt find, stehen im Dienst des Großlaufmanns Theodor Panto; sie den, haben sich aber geweigert, sich einer Operation zu unterziehen, find von Aerzten der verschiedensten Teile der Welt untersucht mordie sie von einander trennen würde. Die Polizei hat an diese eigenartigen Chauffeure noch einmal eine Berwarnung erlaffen mit dem Hinweise darauf, daß in Zukunft auf ihre förperliche Verfassung feine Rücksicht genommen werden wird und daß auch der Unschuldige mit dem Schulbigen leiden muß. Vollsbühne. Die heutige Erstaufführung der Boltskomödie Bom lieben Auguftin" im Theater am Bülowplah beginnt um 7%, 11hr, nicht 8 Uhr, wie an einigen Blakatfäulen steht. Die Erstaufführung von Cyfifftata" in ben sammerspielen des Deutschen Theaters findet nunmehr am 8. Jannar, abenbs 7 Uhr, ftaft. Die Tänzerin Leni Riefenstahl wird nach 1%, jähriger Baufe wieder zum ersten Male am 20. Januar im Blüthner( aal 8 Uhr vor dem Berliner Bublifum auftreten. 5 Walther- Rathenau- Borträge im Reichswirtschaftsrat Bellebueiir, 15. Bortragende: Frau Etta Federn Kohlhaas. Beginn: 12. Januar, abends Febern- Kohlhaas. 8 Uhr. Erster Bortrag: Balther Rathenau als Mexiq Dir Hesjagd auf Zuppe! Die Vorgeschichte. Genau so wie Ebert von politischen Strolchen gehegt wurde, bis er als Opfer fiel, geht seit Jahren gegen den Nürnberger Oberbürgermeister Dr. Luppe von den Bölkischen ein Reffeltreiben, um diesen aufrechten Mann und Demokraten zur Kesseltreiben, um diesen aufrechten Mann und Demokraten zur Strede zu bringen. Als Luppe von der Nürnberger Bürgerschaft zum Nachfolger Geßlers gewählt wurde, war die blaue Polizei in Nürnberg städtisch. Der von der Regierung Kahr bestellte Staatskommissar Gareis war Leiter der Landespolizei. Gareis, der selbst erflärte, er sei Monarchist, fam sehr bald in Differenzen mit dem Republikaner Luppe. Als dann durch den bayerischen Landtag beschlossen wurde, sämtliche Polizeiorgane unterstehen der Landesregierung, wurde der Staatskommissar Gareis, unter dem Druck der Geheimverbände gegen die Absicht der Regierung Lerchenfeld Polizeidirettor in Nürnberg. Nach dem Anschwellen der nationalsozialistischen Bewegung in Bayern trat gegen Luppe ein neuer Kämpfer auf. Diefer Gegner war Julius Streicher, der Wortführer der Nürnberger Hafenkreuzler. Geistig etwas zurückgeblieben, war sein Mundwerf um so beweg. licher, und da er in Luppe, der einer protestantischen Familie entstammt, einen Juden sah, verging feine Woche, in der nicht in nationalsozialistischen Versammlungen die müteften Angriffe Etreichers gegen Luppe erfolgten. Als am 1. Mai 1923 Hitler in München mit seinen Banditen gegen den Maiumzug der Sozialdemokraten und Gewerkschaftler mit Gewalt vorgehen wollte, ließen in der Nacht vom Psychologie und Berufsberatung. Auf der vom Berliner Zentralinstitut für Erziehung und Unter„ Schule und Berufs beratung Sprach, Hellmuth Bogen, der Leiter der Erziehungsprüfstelle im Landesberufsamt Berlin, über„ Die Psychologie im Dienste der Berufsberatung". Zur Berufseignung genügt nicht Arbeitseignung, sondern es müssen bestimmte feelische Eigenschaften hinzukommen, die eine Anpassung an die Forderungen des Berufes ermöglichen. Wenn die Anpassung nicht gelingt, fönnen auch Kinder mit wertvollem Charakter in den Berufen, denen sie zugewiesen wurden, gänzlich versagen. Für die Ermittelung der Eignung eines Kindes hat nach Ansicht des Redners die Schule mit den Fragebogen, die sie über die Kinder führt, bisher nicht das Wünschenswerte geleistet. Ihrer Mitarbeit sind Grenzen gezogen durch Schwierigkeiten, die sich aus dem Wesen der Schule ergeben, aus der Eigenart der Arbeit des Lehrers und aus der Einstellung des Kindes zum Lehrer und zur Schule. In der Regel unterscheidet der Lehrer nicht Fähigkeiten von Fertigkeiten, er beurteilt mehr den Arbeitserfolg als die Arbeitsgestaltung, die zu ihm geführt hat. Der Redner hat z. B. in 8000 Schülercharakteristiken, die er durchsah, nicht einmal einen Hinweis auf besondere Neigungen gefunden. Die Beobachtung des Schülers durch den Lehrer leidet an dem Mangel, daß der Lehrer ihn nur als Schüler beobachtet, während für die Berufs beratung das Kind in feiner Ganzheit beobachtet und und erkannt werden müßte. Wichtig find Beobachtungen darüber, wie ein Kind sich zur Arbeit überhaupt verhält, wie es sich zu Hemmniffen stellt und sie zu überwinden fucht. Aber gerade das " Probieren" bei der Arbeit, das fennzeichnend sein kann, wird durch die Schule verdeckt. Der Redner will troß dieser Einschränkungen die Mitarbeit der Schule bei der Berufsberatung nicht missen. Die Schülercharakteristiken sind ihm wertvoll als eine abschließenden Entscheidung. Romano Guarbini ber Fragen ber ftaatsbürgerlichen BilDung”. Am Freitag, den 8. Januar, werden sprechen vormittags 3 Uhr Prof. Dr. Lampe. Direktor der Pädagogischen Abteilung des Zentralinftituts über Rundfunk und Pädagogische Literatur". Am barauffolgenden Tage kommen zu Borte nachmittags 3 Uhr Studiendirektor Dr. Gaster über Rundfunk und Sprache", um 3% Uhr Regierungsrat Dr. Krammer über das Thema„ Der Rundfunk als Erzieher zur Synthese". Die Reihenvorträge beginnen Montag, den 11. Januar, nachmittags 3 Uhr. , Schon wieder ein Kind." Die furchtbare Tat einer proletarischen Mutter. Unter der Anklage des gemeinschaftlich verübten Mordes an einem neugeborenen Kinde hatten sich heute die Eltern des Kindes und die Freundin der Eltern vor dem Schwurgericht I zu verant morten. frau Marie und die Arbeiterfrau Ella Steffens. Angeklagt sind der Arbeiter Mag Schelenz, dessen EheTrübe Familienverhältnisse herrschten bei dem Ehepaar Sche= lens. Beide hatten aus ihren früheren Ehen schon Kinder mit gebracht und auch noch Zuwachs bekommen, so daß bereits pier Kinder vorhanden waren. Der Mann war ein Trinter und trieb sich herum. In der Trunkenheit mißhandelte er auch Frau und Kinder. Als Anfang 1923 ein neuer Zuwachs fam, ertränft und die Leiche von der zu der Tat zu Hilfe gerufenen murde das Kind gleich nach der Geburt in der Badewanne Frau Ella Steffens im Ofen verbrannt. Die Tat ist erst nach zwei Jahren zur Anzeige gelangt, und zwar durch den Hausdiener Steffens, den Ehemann der Angeklagten, der seine eigene Frau be zichtigte. Die Angeklagte Marie Schelens behauptete bei ihrer Bernehmung:„ Ich mußte es unter dem Zwange meines Mannes tun. Er mar, menn er betrunken mar, ein Unmensch 30. April auf 1. Mai die Nürnberger Nationalsozialisten Waffen Art Borschau, als Mittel der Ueberprüfugn, als Stüße bei der und brachte feinen Arbeitsverdienst durch. Fast jeden Tag hat er in ihr Bersammlungslotal schaffen. Dies erfuhr die fozialdemokratische Parteileitung in Nürnberg, die ebenfalls einen Umzug propagiert hatte, und sie gaben noch in derselben Nacht dem Oberbürgermeister Luppe von dem Waffentransport Kenntnis. Luppe ließ daraufhin die Waffen beschlagnahmen und rief telephonisch den Staatssetretär Hamm von der Reichs fanzlei Berlin an, um ihm Mitteilung von der damals bedrohlichen Lage in Bayern zu machen. Dieses Borgehen Luppes brachte neuen Sonflittstoff mit dem Staatskommissar Gareis und ferner mit der bayerischen Regierung, die gegen Zuppe ein Disziplinarper fahren einleiten wollten, ba Zuppe über den Kopf der Regierung hinweg sich direkt mit Berlin in Verbindung gesetzt hatte. Troß aller Bemühungen der Monarchisten und Nationalisten fonnte man Luppe jedoch nichts anhaben. Der Selbstmordversuch Cassirers. Das Befinden des Verletzten ernst. Gestern nachmittag unternahm, wie mir heute früh bereits furz mitteilten, der bekannte Kunsthändler Paul Cassirer einen Selbft mordversuch. In Begleitung seines Hausarztes war Cassirer in den frühen Abendstunden in das Bureau feines Rechtsanwalts in der Boßstraße gefahren, um dort mit seiner Frau, der Schauspielerin Tilla Durieur, von der er seit einiger Zeit getrennt lebte, zufammenzukommen. Cassirer, der seit längerer Zeit schwer herz leidend ist, wollte hier seine leziwilligen Verfügungen, in denen er seine Frau und seine Tochter aus erster Che reichlich bedacht hatte, notariell festlegen lassen. Nach Erledigung der Formalitäten zog er sich in ein Nebenzimmer zurüd. Kurze Zeit darauf ertönte ein Schu B, und als die Zurüdgebliebenen in das Zimmer brangen, fanden sie Cassirer zusammengefunfen in einem Sefsel figend. Er hatte sich einen Brustschuß beigebracht und sich lebensgefährlich verlegt. Cassirer wurde fofort in einem Wagen des Rettungsamtes in das Elisabeth- Krankenhaus in der Lügomstraße übergeführt. Eine operative Entfernung der Kugel fonnte bis jetzt nicht vorgenommen werden. Die Motive der Tat liegen nicht flar zutage. Cassirer, eine start impulsive, reizbare Natur, hatte in der letzten Zeit öfter zu seinen Freunden geäußert, er wolle sich das Leben nehmen. Ein schweres Herzleiden trug viel zu feiner Reizbarkeit und zur Zerrüttung feines Nervenzustandes bei. Die Tat geschah anscheinend ohne zwingenden Grund, vielleicht spielten dabei auch eheliche Differenzen eine Rolle. Der nationalsozialistische Hezer Streicher sammelte in der 3wischenzeit eifrig Material gegen Luppe. Weil Luppe einmal pon der städtischen Bekleidungsstelle einen Mantel bezogen hatte, wurde Luppe in dem völkischen Wochenblatt" Der Stürmer" in gehäßigster Weise angegriffen. Sein energisches Handeln in der fritischen Nacht vom 30. April auf den 1. Mai wurde als Landes verrat bezeichnet. Weil Luppe anläßlich einer Tagung des baye rischen Städtetags von Nürnberg nach Bamberg mit dem städtischen Auto fuhr und dann, als eine Banne eintrat, ein anderes städtisches Auto als Ersatz kommen ließ, wurde ihm von Streicher Ber geudung städtischer Gelber vorgeworfen. Anläßlich des Ruhrkampfes murde im Nürnberger Stadttheater Wilhelm Tell" aufgeführt. Einige auswärtige Schauspieler, die an jenem Abend als Gäste an der Aufführung mitwirkten, hatten vorher fein Abend. brot gegessen. Nach Schluß des Theaters ging der Intendant mit den Gäften deswegen in ein Weinlokal. Als von den Gästen die Hodersteuer für Berweilen über die Polizeiftunde hinaus gefordert wurde, ließ der Bürgermeister Luppe den Betrag nicht einkaffieren. Aus dieser selbstverständlichen Anstandspflicht gegenüber Gäften, die der Nürnberger Bevölkerung einen Gefallen erwiesen haben, machte der völlische Sprüchellopfer Streicher eine llnterschlagabteste und erfolgreichste Kunsthändler Berlins, und man fann gung von Steuergeldern." Woche für Woche gab es neue Anpöbelungen im Stürmer" gegen den Oberbürgermeister der Etadt Nürnberg. Endlich strengte Dr. Luppe Klage gegen Streicher an. Der Prozeß dauerte 2 Wochen und endete mit der Verurteilung Streichers zu 1 Monat Gefängnis mit Bewährungsfrist! Auf die eingelegte Berufung tam der Prozeß anfangs Dezember 1925 vor das Schwurgericht. Das Urteil lautete auf 2 Monate Gefängnis. Der Schwerverletzte ist bis jetzt noch nicht operiert worden. Nach den Berichten der Aerzte hat er die Nacht verhältnismäßig ruhig verbracht. Sein Zustand wird als sehr ernst bezeichnet. mich furchtbar geschlagen. Er trat mich mit den Füßen und rief: Schon wieder ein Kind!" Er drohte auch, mich mit den Kindern im Stiche zu lassen. Auch menn er nüchtern war, sagte er, daß er mich nicht geheiratet habe, um mich und die Kinder zu er nähren. Auch ich hatte Angst, wie das fünfte noch durchgebracht werden könnte. Borf.: Hat er nie vorher verlangt, die Folgen auf bacht.( Weinend.) Als das Kind da mar, sagte er, ich solle sehen, andere Weise zu beseitigen? Angefl.: Daran haben mir nie gedaß ich es megbringe. habe sie zur Hilfeleistung ihre Freundin Steffens holen laffen. Das Nach der Schilderung der Angeklagten Rind wurde umgebracht, es wurde von meinem Mann in der Bade manne ertränft. Als das Kind tot mar, habe sie Frau Steffens ges beten, zu helfen, und diese habe das Kind verbrannt. Der Mann fei zur Arbeit gegangen. Abends war er betrunken und habe fie aus dem Bett geworfen und auf die Straße getrieben. Vorsicht bei dem Verbrennen der Weihnachtsbäume. Biele Hausfrauen pflegen den seines Schmudes beraubten Weihnachtsbaum zerfleinert im Simmerofen auf einmal zu verbrennen. Dem jo erzeugtem gewaltigen Druck der sich mit einem Male entwickelnden Gase, hält zumeist ein sonst solid gebauter Bimmerofen nicht stand. Infolge von Ofenexplosionen mußte heut werden. Zum Glüd sind durch die Explosion der Defen feine Unan verschiedenen Orten Groß- Berlins die Feuerwehr alarmiert glüdsfälle zu beklagen. Dagegen erwächst den betreffenden Mietern ein bedeutender petuniärer Schaden, da sie verpflichtet sind, den durch unsachgemäße Behandlung des Dfens entstandenen Schaden auf ihre Kosten beheben zu lassen. Mit Hab und Gut auf der Straße. In der von uns heute morgen veröffentlichten Notiz über die Ermission von vier Guts arbeiterfamilien ist insofern ein Irrtum enthalten, als es fich nicht um das Gut Blankenburg, sondern um das Gut Blantenfelbe handelt. Antisemitismus und deutsche Preffe. Der Reichsbund jüdischer Frontsoldaten, Bezirke Norden und 300, veranstaltet am Donners fag den 14. Junuar, abends 8 1hr, in der Stadthalle, Kloster ftraße, einen Bortragsabend, zu dem Thema„ Antisemitismus und deutsche Breffe". Es fprechen: Chefredakteur Stampfer, M. d. R., Chefredakteur Ruschte, M. d. L., Chefredakteur 5. p. Gerlad, Chefredakteur De B und Herr Ministerialdirektor 3. D. Dr. Spider. Angesichts der hemmungslosen antisemitischen Heze, die die Rechts. preffe seit Jahren ungehindert betreibt, ist dieser Rundgebung erhöhte Bedeutung beizumeffen. Baul Cassirer war seit Anfang des Jahrhunderts der be. fagen Deutschlands, mindestens soweit moderne Kunst in Betracht tommt. Sein größtes und wahrhaft bleibendes Verdienst ist die Einführung der franzöfifchen Impreffionisten, die er in feinem Salon in der Biftoriaftraße unermüdlich zeigte und den Sammlern und Museen verkaufte, zu einer Zeit, da diese Kunst noch als teherisch und revolutionär galt und von oben her als Rinn steinkunst" mit der bekannten imperialistischen Schneidig. teit verdonnert wurde. Daß sie heute als flaffische Malerei des neunzehnten Jahrhunderts, betrachtet wird, und daß in Deutschland bei Brivaten wie in Wiuseen mehr und schönere Stüde der Im- läuft ab 22. Januar in den Filmſtern- Lichtspielen, Stöpenic, Friedrichs. pressionisten zu sehen find als in Frankreich selbst, ist wesentlich mit auf das Konto Caffirers zu sehen. Mit der jüngeren Kunst seit 1910 ist er nicht mehr mitgegangen; die letzte Karte, auf die er nach Liebermann und Slevogt fette, ist Rotoschta, von dem noch vor furzem eine schöne Schau bei Cassirer zu sehen war. Jüngere, beweglichere Kunsthändler haben die Lücke ausgefüllt, die der geistreiche Mann ihr gelassen hatte. In dem Prozeß fam es aber zu verschiedenen 3wischen fällen. Streicher ließ durch Hitler betonen, daß er von seiner Partei den Auftrag hatte, Luppe so lange zu befämpfen, bis einer am Boden liege". Im ersten Prozeß sagte Zuppe u. a. aus, er habe bei dem Bezug des Mantels gewünscht, daß sein Name nicht in die Bücher tomme. Im neuen Prozeß fonnte Luppe sich auf diese Aeußerung nicht mehr befinnen, er erklärte, feines Erinnerns habe er damals beim Bezug des Mantels lediglich gesagt, Die letzten Ermittlungen zur Bluttat in Charlottenburg. er wolle aus dem Kauf, der ihm von dem Pfleger der Bekleidungs- Die Ermittelungen zur Aufklärung der Bluttat in ftelle angetragen wurde, feine Unannehmlichkeiten haben. Diese Charlottenburg sind jezt abgeschlossen. Die Leiche des Schuh Aussage gibt nun die Veranlassung zum eingeleiteten Meineidsmachers Grau wurde gestern von den Gerichtsärzten Medizinalrat verfahren. Störmer und Dr. Ripper obduziert. Es ergab sich, daß Grau nicht bloß einen tötlichen Halsschnitt, sondern mehrere Schnitte in den Halswirbel und mit einem stumpfen Gegenstande auch einige Schläge auf den Kopf erhalten hat. Aller Einzelheiten des schaurigen Borganges fann sich der verhaftete Anstreicher Schreiber auch heute nicht entsinnen, wenn ihm auch die Aussagen weiterer Zeugen diefes und jenes ins Gedächtnis zurückgerufen haben. Nach der Tat hat sich Schreiber zunächst zu Berwandten in der Goethestraße begeben und dort noch weiter getrunten. Am nächsten Tage las er in der Zeitung einen Bericht über die Bluttat. als er mun sein Rasiermesser, das er ständig bei sich trug, vermißte, prach er darüber mit einem Bettnachbarn. Dieser sagte ihm auf den Kopf zu, daß er die Tat begangen habe und riet ihm, gleich selbst zur Polizei zu gehen. Schreiber lehnte das jedoch ab und wollte erst noch abwarten, was ohne seine Selbstgestellung aus der Sache werden würde. Bald darauf wurde er festgenommen. Die Nationalisten triumphieren bereits. Streicher, der ja nur der Borgeschobene von einflußreichen Hintermännern ist, läßt Extra blätter feines Revolverblattes„ Der Stürmer" verteilen. Man rechnet blätter seines Revolverblattes„ Der Stürmer" verteilen. Man rechnet in völkischen Kreisen bereits damit, Nürnberg von dem Reichsbannerführer und unerschrodenen Repu. blitaner Luppe befreit zu haben. Da bei der republikanischen Bevölkerung zur bayerischen Justiz wenig Bertrauen vorhanden ist, ist man auf den Ausgang des Prozesses Luppe gespannt. Gespannt schon desmegen, meil nicht Luppe angeblich abweichende Aussagen im Streicher Prozeß gemacht hat, sondern auch Differenzen bestehen in den Aussagen des Polizeidirektors Gareis und des Führers der Reichsflagge Heiß. der seinerzeit vom Reichsanwalt wegen Hochperrats verhaftet werden sollte, aber infolge der banerischen Eigenart" ebensowenig mie Roßbach und Ehrhardt verhaftet werden fonnte. Gareis hatte ausgesagt, er habe mit Suppe abgemacht, Luppe solle über die Beschlagnahme der Waffen in jener fritischen Nacht zum 1. Mai nichts in die Deffentlichkeit bringen. Dieser Aussage steht die Aus. fage eines andern Zeugen, der der Unterredung Luppe- Bareis bei wohnte, direkt entgegen. Hauptmann Heiß hat im ersten Streicher Prozeß unter Eid ausgefagt, seine Frau habe in der fraglichen 1. Mainacht betreffs der Waffen ein Telephongespräch geführt, während im zweiten Streicher- Prozeß eiß zugeben mußte, daß er das Gespräch geführt habe. Auf diefe Widersprüche in den Aussagen Gareis und Heiß ist in der Presse der republikanischen Parteien Nürnbergs bereits hingewiefen morden. Bis jetzt hat noch tein Staatsanwalt eine Klage gegen Heiß und Gareis erhoben. Barum nur gegen uppe? Soll das deutsche Bolf erneut das traurige Schauspiel er leben, daß Republikaner wie Ebert und Luppe in der Republit von der Juftiz ganz anders behandelt werden als Monarchisten? Der erfte war es nicht. Wir erhalten ee Berichtigung des Bräsident des ersten Straffenats des Reichsgerichts, wonach die Bieberaufnahme in Sachen Bandt nicht von ihm abgelehnt worden ist. Der erste Straffenat scheint die Sache also als peinlich zu empfinden. Nachspiel zur Erstaufführung. Bei der Erstaufführung seines musikalischen Schwants„ Der Maier Mar" im Leffingtheater wurde der Komponist Hugo Hirsch um seinen Gehpelz bestohlen, ebenso ein Bekannter von ihm. In ben Taschen befanden sich außer Bapieren die Wohnungsfchlüffel. Diese benutzte der Dieb in der vergangenen Nacht, um bei Hirsch einen unerbetenen Besuch zu machen. Er fam allerdings in die Wohnurg nicht hinein, weil die Tür von innen verriegelt war. Durch seine Bersuche, aufzuschließen, weckte er die Hausan gestellte. Als er deren Schritte hörte, lief der Einbrecher davon. Eröffnung des Pädagogischen Rundfunks. Am Donnerstag, den 7. Jamuar, findet mittags 12 Uhr auf Belle 1300 über den Gender Königsmusterhausen die Eröffnung des Pädagogischen Rundfunks durch Ansprachen des Ministers für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung Professor Dr. Beder, bes Staatssekretärs Dr. ing. Brebom und des Leiters des Zentral inftituts für Erziehung und Unterricht Geh. Oberregierungsrat Prof. Dr. Ballat ftatt. An demselben Tage sprechen nachmittags um 3 Uhr Universitätsprofessor Dr. Spranger über das Thema Beitlose Gedanken über deutsche Erziehung", nachmittags 3½ Uhr Ministerialrat Dr. Bäumer über" Frauenberufe und neue Wege der Mädchenbildung", nachmittags 4 Ühe Universitätsprofeffor Dr. Der Film Namenlose Helden", den Toten des Weltkrieges gewidmet, hagener Str. 1a. Erdbeben in Westdeutschland. Neue Heimsuchung des Rheinlandes. In der Nacht zum Mittwoch, furz vor 1 Uhr, wurde, wie aus Köln gemeldet wird, in verschiedenen Stadtteilen Kölns ein ziem lich heftiger Erbstoß verspürt. In einzelnen Straßen fah man Menschen, meist nur flüchtig befleidet, ins Freie eilen. Weitere Einzelheiten fehlen noch. Wie die Rölnische Zeitung" meldet, murde auch in Frankfurt a. M., Homburg und anderen Städten Westdeutschlands eine Erderschütterung wahrgenommen, bie mehrere Sefunden dauerte. Eine Meldung aus Dortmund be. fagt, daß in der letzten Nacht um 12 Uhr in vielen Orten des Rheinlandes und Westfalens, in Koblenz, Euskirchen, Köln, 2 a chen, Neuß, Düsseldorf, Elberfeld, Ohligs, Mettmann und in Orten in der Nähe von Dortmund Erderschütterungen verspürt worden sind. Einzelheiten fonnten noch nicht festgestellt werden. Die Fernsprechämter Dortmunds und der benachbarten Städte wer den von Leuten mit Anfragen bestürmt, die Erdstöße wahrgenommen baben. Auf dem Fernſprechamt in Castrop fielen die Bücher aus den Bücherschränken Opfer des Hochwassers. Das Hochwasser hat in Emmerich drei Menschenleben ge. fordert. Auf der vom Hochwasser überfluteten Straße EltenEmmerich mird der Verkehr nur notdürftig durch Boote aufrechterhalten. Ein mit vier Personen besetzter fleiner Kahn fenterte und die Infassen wurden von den ziemlich reißenden Fluten mitgerissen. Bährend eine Person fich retten fonnte, ertranten die übrigen drei. Sterbetafel der Groß- Berliner Partei- Organisation 34. Abt. Sonnabend, den 2. Januar, verftarb unfer Genoffe, Gaalbefizer Richard Hauch.- Beerdigung am Donnerstag, den 7. Januar, nachmittags 8%, hr von ber Halle bes Zentralfriedhofes Friedrichsfelde aus. Die Geneffen trefen fich nachmittags 2 Uhr bei Rofin, Gubener Str. 19. Banner mitbringen! Vorträge, Vereine und Versammlungen. Gründung eines Arbeitersportfartells Berlin Mitte. Am Donnerstag, den 14. Januar, findet in ben Räumen der Liga für Menschenrechte die tonftituierende Bersammlung des Arbeitersportfartells 1. Bezirk Berlin- Mitte ftatt. Alle Arbeiter und Kulturorganisationen refp. deren Abteilungen werden ersucht, dazu zwei Bertreter zu entfenden, fofern ihre Organisation im 1. Bezirt anfäffig ist. Landsmannschaft der Schleswig- Holsteiner zu Berlin Donnerstag. 7. Januar. 8 Uhr, im Reſtaurant von Effer, Köpenider Straße 70 a, plattdeut cher Bortrag des Landsmanns Thomas Petersen: Reiseerinnerungen von Schweden und Norwegen. Geschäftliche Mitteilungen. M. Schulmeister. Das bekannte Herren- Ronfettionshaus am Rottbusser Tor. bringt mieber an 10 billigen Zacen, vom 2-13 Januar, Serren, Knaben und Jünglings leibung zu wirklich billigen Preifen zum Bertaut. Man beachte bas heutige Inferat. Gewerkschaftsbewegung Eine Arbeitgeberverbands- Bilanz. Für eine neue Zentralarbeitsgemeinschaft. „ Der Arbeitgeber" vom 1. Januar brachte an erster Stelle einen Auffah seines Herausgebers Dr. Tänzler, den er„ Krisenzeiten überschrieb. Vor dem Kriege seien Krisentheorien möglich gewesen, weil die wirtschaftlichen Grundlagen in der Hauptsache tonstant und befannt waren. Seit 1914 haben wir eine Wirtschaft, die sicher überhaupt nicht mehr nach wissenschaftlichen, ja vielfach sogar nicht einmal mehr nach wirtschaftlichen Grundsägen messen und schäßen läßt." Auf die Ursachen der mit dem Kriege begonnenen Verände rung geht der Verfasser wohlweislich nicht ein, sondern flagt, daß die Nachkriegswirtschaft durch die„ Demobilmachung" gehemint und in falsche Richtung gezerrt worden sei durch das Hineintragen politischer Weltanschauungen und romantischer Revolutionsideen, die in die Inflationszeit unseligen Angedentens einmünden mußten". tom Von den nicht minder romantischen Revanche ideen und der Unternehmertum besonders begünstigten Cuno- Wirt. fchaft, die mit der Inflation in ursächlicherem Zusammenhange steht als etwa die Revolutionsideen, id; weigt der Berjasse. Difenbar nicht nur deshalb, um nicht an die Entschädigungsaktion für die Ruhrindustriellen zu erinnern. Das nach der Stabilisierung gesetzte Ziel der Wiederherbeiführung der Friedensverhältnisse vor 1914 sei unerreichbar und falsch gewesen. Das neue 3iel liege nicht rüdwärts, sondern vorwärts. Doch welches Ziel dies neue nun eigentlich ist, mie auch über seine Richtung, darüber sei man sich ebensowenig einig, wie über die Grundlagen und die tatjächlichen Berhältnisse. Dr. Tänzler bemüht sich nicht erst um eine Klarstellung dieses Ziels und der Richtung, wahrscheinlich deshalb, weil er diese Frage durch die Dentschriften der Arbeitgeberverbände ſamt der Aftennotiz von Dr. Meisinger hinlänglich geklärt erachtet. „ Wir stehen genau auf der Grenze des Untragbaren mit Löhnen und Lasten, bemeisen die Arbeitgeberverbände, die Lasten dienen der Gefundung des Ganzen, und die Lohnerhöhungen führen zur Hebung der Produktion, fagen die Gemerfichaften. Niemand aber, der zwischen diesen Divergenzen die Brücke schlägt, niemand, der authen tija festitellt, mas ist. Ich erblide diefe fchmere Schuld des Reichsarbeitsministeriums darin, daß es diese positive Aufgabe nicht erkannt, noch viel weniger versucht oder durchgeführt hat. Anstatt sich diesen Feststellungen zu widmen, het es sich erschöpft in dem unheilpollen und fleinlichen Bemühen, zwischen Forderung und Angebot die Mittellinie zu finden. Das heißt, das Reichsarbeitsministerium hätte sich mit seiner Autorität dafür einsetzen müssen, die einseitigen Darstellungen der Arbeitgeberverbände als authentisch zu erklären. bet haben die Polizeiorgane sich jedoch vorher barüber zu verge missern, ob eine Borführung angebracht ist. Behält der Bater seinen Sohn zurück, dann übernimmt er damit die eventuellen Folgen. Es wird dann nicht Saije ter Polge sein, sich einzumischen, sondern zunäajst jolie des nnungsschiedsgerichts. In diesem Falle aber yat midter Lehrling die Lehre verlassen, sondern der 2chrmeister hat den Lehrling entlassen und ihn Det der ohung mit der Beltze überhaupt nicht aufgefordert, die Lehre wieder aufzunehmen, bis schließlich der Vater sich eben darüber beschwerte. Der Herr Obermeister ließ es bei seiner falschen Auskunft jedoch nicht bewenden, begab sich vielmehr in die elterliche Wohnung des Lehrlings, um folgenden Borhalt zu machen: Mit was soll der Meister den Lehrling be fchäftigen, wenn es nichts zu tun hat? Früher haben die Lehrlinge sechs Wochen und länger ausgesetzt und sind auch nicht bezahlt worden." Damit wird die ganze zünstlerische Lehrlings wirtschaft grell beleuchtet, insbesondere auch nach der pädagogischen Seite. In der gegenwärtigen Krise tann es wohl vorkommen, daß ein Kleinmeister zeitweilig wenig oder keine Arbeit hat. Er tann dann aber nicht seine Rolle als Lehrmeister mit der Rolle des Arbeitgebers vertauschen. Der Lehrling fann gerade in der stillen Geschäftszeit in folchen Hantierungen unterwiesen werden, wozu bei flottem Geschäftsgang die Zeit fehlt. Er darf aber nicht wochenlang nach Hause geschickt werden, weil der Lehrherr das ausbedungene Restgeld sparen will. Auch über die spätere Nachzahlung bedungene Restgeld sparen will. Auch über die spätere Nachzahlung des Kostgeldes läßt sich reden, wenn dessen sofortige Auszahlung nicht möglich ist. Es ist jedoch ungehörig und unzulässig, ohne ein Wort der Erklärung hierüber, den Lehrling einfach zu entlassen, um ihn aussegen zu laffen. Selbständige Scheineristenzen, die für fich selber nicht regelmäßig Arbeit haben, sollten lieber mit der Annahme von Lehrlingen aussehen, anstatt die Lehrlinge ausfetzen zu lassen. Mit dem Lehrvertrag übernimmt der Lehrmeister Bflichten, die er zu erfüllen hat. Wenn nicht im Lehrvertrag aus drücklich ein zeitweiliges Aussezen vereinbart ist, worauf sich die Eltern nicht einlaffen sollten, gar noch unter Ausfall des dürftigen Roftgeldes, gibt es fein Aussehen des Lehrlings. würfen der Entwurf eines neuen Zehrlingsgefeßes an die gefeßgebenden Körperschaften? Die Verschleppungs methode, die auf diesem Gebiete seit mehr als sechs Jahren betrieben wird, ist unverantwortlich. Nebenbei bemerft: Wann endlich kommt nach all den EntLohndruck in der Glasindustrie. Bor vier Wochen erft wurde der Kampf in der Weißhohl glasindustrie nach zwölfwöchiger Dauer durch die Verbindlichfeitserklärung des Schiedsspruches des Reichsarbeitsministeriums be endet. Wenige Tage später meldete sich schon eine neue Gruppe, die Fensterglasindustrie. Der Reichstarif der Fensterglas arbeiter, der etma 4000 bis 5000 Facharbeiter umfaßt, ist laut Schiedsspruch am 31. Dezember abgelaufen. Gewissermaßen als Keine Einheit des Volfes, feine Geschlossenheit, das war die Weihnachtspräsent murde den Arbeitern ein 2ohn abbau von Weihnachtspräsent wurde den Arbeitern ein Lohnabbau von Signatur, unter der 1925 stand, und so versant die Wirtschaft von 9,2 Proz. zugemutet, denn nur dann könnten Betriebs Monat zu Monat, non Tag zu Tag. Zweierlei freilich war er ftillegungen gehemmt werden. Dabei bildet der Lohnreicht, nämlich die zwei Voraussetzungen, auf denen Dames- Plan und anteil noch nicht ein Fünftel der Gesamtproduktionstoften. Londoner Batt aufgebaut find: die Sanierung der Staatswissenschaft Man müßte deshalb annehmen, daß die Unternehmer den Sparsamund die Stabilisierung unserer Währung, beides aber auf Roften feitshebel zunächst an anderen Stellen ansetzten als an dem Lohnder Brivatwirtschaft, die am Ende ihrer Kraft ift." fonto, zumal die Löhne im Verhältnis zur Borkriegszeit der Er Auch hier wären etliche Zwischenbemerkungen notwendig, überhöhung bedürften, anstatt eine weitere Kürzung zu ertragen. die Verwendung der Anleihe aus dem Dames Paft, die Lohnsteuer. In der Fensterglasindustrie haben wir es nur mit Rein das Steuerkapitel überhaupt, doch wir wollen zur Quintessenz von oder Mittelbetrieben zu tun. Trotzdem tommt es fehr Tänzler fommen: oft vor, daß in Betrieben mit einer Belegschaft ron 150 bis 200 Arbeitern drei bis vier Direttoren anzutreffen sind. Oder es find an einem Betriebe vier bis fünf Familien beteiligt, die alle nicht schlecht leben wollen. Dun gilt es, das Pendel, das sich überschlagen hat, zurüdzuführen in das stabile Gleichgewicht. Das ist der innere Wefenstern der Forderungen, die der Reichsverhand der Deutschen Industrie mit seiner soeben veröffentlichen Denkschriff verfolgt. Und wir, die Arbeitgeberverbänbe? Wir fämpfen in der Front, täglich und stündlich im Schüßengraben des täglichen Rampfes, zur Verteidigung des den Arbeitgebern übertragenen Mandats, der Berwaltung der privatwirtschaftlichen Interessen im Sinne volkswirtschaftlicher Ziele. Klarer als die Sache mit dem Mandat ist das Bild vom täglichen Kampf im Schüßengraben, wo es nicht gerade reinlich zugeht, zumal wenn man sich an den Gegner heranfühlen" will. Von den Giftgafen aus dem Arbeitgeberrerbandsschüßengraben hat ja die breite Deffentlichkeit erst jüngst noch den Gestank verspürt, und etliche Granatsplitter haben sich bis zum christlichen Landarbeiterverband perirrt. Allein Dr. Tänzler zeigt sich als Aesthet und bedauert daher, daß es im letzten Jahre soviel der Kämpfe zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern gab, und zwar der geistigen Kämpfe. Mehr noch als der Widerstreit der Meinungen über die grundlegenden Dinge unferes Wirtschaftslebens selbst, sei die Form zu beflagen, in der diese Kämpfe auszutragen beliebt werden. Auf das tieffte beklagt Dr. Tänzler, mit welchen üblen Mitteln der Gegner uns vielfach befämpft hat". Er schweigt betrübt über die Mittel, mit denen die Bereinigung der deutschen Arbeitgeber. verbände den Gegner befämpft hat, obschon er sie besser fennt als mir, wobei dahingestellt sein mag, ob er fie persönlich in jedem Falle gebilligt hat. Er meint, beim Bestehen ber 3entral. arbeitsgemeinschaft wäre solche üble Form des Kampfes ausgeschlossen gewesen. Und allein schon zur Entgiftung unseres öffentlichen Lebens" ist eine neue Form der Zusammen. arbeit nötig, nicht die Erneuerung der alten Arbeitsgemeinschaft..., sondern eine neue, aufgebaut auf dem Geifte gegenseitiger Anerkennung und dem Versuche beiderseitigen Verstehens. Sei auch die Zeit dafür noch nicht reif, gingen auch die Grundbegriffe zu weit auseinander, so sei doch gerade deshalb jeder Verfuch der An näherung eine Pflicht. " Der innere Besenstern der Forderungen des Reichsverbandes der Deutschen Industrie" samt allen sonstigen Belangen der Arbeitgeberverbandspolitik scheint für diese Sirenenflänge feinen rechten Resonanzboden abzugeben. So sollen aus den Betrieben lleberschüsse herausgewirtschaftet werden, die nicht herauszuholen sind. Die Unternehmer versuchen daher, an dem schwächsten Buntt, den Arbeiterlöhnen, einzusetzen, anstatt an den richtigen Stellen. Die Arbeitet haben feineswegs die Absicht, sich einen Lohnabbau gefallen zu lassen, sind vielmehr entschlossen, sich mit allen Kräften dagegen zu mehren. Sollten die Verhandlungen mit den in der Blasindustrie, heraufbeschworen durch den versuchten Lohn. Unternehmern nicht zu einer Einigung führen, ist ein neuer Kampf abbau der Unternehmer, unvermeidlich. Der beigelegte Lohnkonflikt im Saargebiet. Baris, 6. Januar.( Eigener Drahtbericht.) Die am 9. Dezember im Ministerium für öffentliche Arbeiten in Paris begonnenen Lohnverhandlungen zwischen Vertretern der franzöfifchen Saargruben Dienstag in Saarbrücken zu einer Einigung geführt. Den Bergund der Bergarbeitergewertschaften des Saargebietes haben am arbeitern wurde eine Erhöhung des Tagelohns um 1,50 Frants mit rüdwirtender Kraft ab 15. Dezember bewilligt. Riebe- Wert, Weißenfee. Die beurlaubten Arbeiter und Arbeiterinnen erhalten morgen, Donnerstag, mittag 2 Uhr die Restzahlung der 50. Lohnmoche. Diejenigen Arbeiter und Arbeiterinnen, die bis zum 24. Dezember gearbeitet haben, nehmen die Arbeit morgen früh wieder auf Der Betriebsrat. Wirtschaft Keine Aufwertung der„ Rotgestempelten". Ein Kammergerichtsurteil. 1 sequ3 to Appl gar nicht zu rechtfertigen, welt ble de son Electrignolet Bel deren Sonderbehandlung an der allgemeinen Berarummg bes Bottes nicht teilnehmen und die Lasten des verlorenen Strieges einfach auf die Reichsbank abschieben würden. Wenn das große Heer ber Be fizer von Vorfriegsnoten ihre entwerteten Papiere bei der Reichs bank fünftig zum Nennwert in Gold umtauschen wollte, würde außerdem die Bonität der Reichsbant, die dem Deutschen Reich ebenso wichtig sei wie den Allierten, erschüttert werden. Eine Be vorrechtung der Vorkriegsnotenbefizer sei daher ausgeschloffen. Das neue Bankgesetz sei feineswegs nur währungstechnischer Natur". Im Gegenteil sei es Absicht des Gesetzes, auch den Kurs ber Bor friegsnoten auf 1 Billion= 1 Reichsmart herabzudrüden und eine anderweitige Aufwertung auszuschließen. Man muß diese Klarstellung der Sachlage, ble ficher zur Reinigung der Atmosphäre und zur Aufklärung der Beteiligten viel beitragen wird, begrüßen. Hoffentlich macht file den Spekulationsgeschäften schlechtgläubiger und den Berluften gutgläubiger Intereffenten endlich ein Ende. Borzellanfabrit Fraureuth. Die geftrige Generalversammlung der Porzellanfabrik Fraureuth A.-G. genehmigte die mit einem Berluft von 15 558 Mart abschließende Bilanz für 1924. Der Fehlbetrag soll aus den Reserven gedeckt werden. Die angestrebte Sanierung der Gesellschaft hat sich nach Mitteilung der Berwaltung bisher nicht erreichen lassen, trobem sie als dringlich erachtet werden muß. Wenn nicht balb der Gesellschaft neue Betriebsmittel zufließen, scheint der Fortbestand des Unternehmens gefährdet zu sein. Zurzeit ist nur die alte Fabrit in Betrieb, während der neue Tunnelofen stilliegt. Preissenfung durch das laufende Band. Bon der Horch Werte A.-G. in 3midau wird berichtet, daß infolge der Um stellung des Betriebes auf die Produktion am laufenden Bande und durch weitgehende Verwendung hochwertiger Arbeitsmaschinen eine beträchtliche Senkung der Selbsttoften im Automobilbau erzielt wurde. Die Verwaltung habe infolgedessen eine erhebliche Er mäßigung der Preise vornehmen können; gegen den Sommer v. J. ergebe sich eine Preissentung um etwa 35 Pro3. Angesichts der zunehmend schlechten Abfazlage der Autoindustrie und der Klagen über die Auslandskonkurrenz hat die Erfahrung der Horch- Werke besondere Bedeutung. Sie zeigt, daß die Senfung der Selbstt often durch betriebliche Umstellung, wenn fie nur auf ausreichender finanzieller Grundlage und mit genügend hoher technischer Wirksamkeit erfolgt, jedem fünftlichen Preisschuh auch in Krisenzeiten überlegen ist. Bevantwortlich für Bolitik: Craft Seater: Wirtschaft: Artur Saternus: Gewerkschaftsbewegung: Friebr. Ektors: Feuilleton: Dr. John Schilowski; Lotales und Sonstiges: Frik Karstadt: Anzeigen: Th. Glode; fämtlich in Berlin. Berlag: Borwärts- Verlag G. m. b. S., Berlin. Drud: Vormärts- Buchdruderei und Berlaasanstalt Baul Singer u. Co., Berlin G 68, Lindenstraße S. A. Beheim- Schwarzbachsp Kaufmännische Privatschule ( Inh. F. Eggert) Neukölln, Anmeldung, Ganghoferstr.! und Berliner Str. 82( Privatwohnung) Beginn neuer-Jahres- und JahresLehrgänge. Fernspr.: Neukölln 1063. Putzwolle, Putzlappen, Pianos Schleifertuche haben abzugeben Krausezur Miete Gebr. Holzinger, Ansbacher Str. 1, Tel.:Neukölln4545/47 Edke Kurfürstenstraße Mieten Sie von uns 10 billige Tage!! Vom 2. bis 13. 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Ischias und Bein, wenn ärztl. festgestellt. 75.-, 85.Gehrock- Paletots von 69.- Mk. an Sport- Pelze von 145.- Mk. an Wint.- Lod.- Joppen 19.-, 21.-, 29.-, 35.Tanz- Anzüge von 69.- Mk. an Beinkleider In 15 Tagen sind 4.50, 5.50, 7., 8., 9.bänden und Herausgabe von Agitationsschriften der Sache be. and Referenzen, ärztl, empfohlen: 12.-, 14.-, 16.-, 19.-, 21.mächtigt hat, haben an dem Handel mit diesen Noten sehr viele Müssen Lehrlinge aussehen? Leichtgläubige und Hoffnungsfreudige große Berlufte gehabt. Ein Schneidermeister in Neukölln, der zwar zwei Behrlinge aber feinen Gesellen beschäftigt, ließ seine Lehrlinge ab 14. De zember auf unbestimmte Zeit ausfegen, ohne inzwischen das vereinbarte Kostgeld zu zahlen. Der Vater des einen Lehrlings sah sich die Geschichte eine Weile mit an, verlangte dann aber von dem Lehrmeister die Erfüllung seiner veriraglichen Berpflichtungen, d. h. die Weiterbefchäftigung des Lehrlings und die Nachzahlung des Roft gelbes. Der Lehr. meister sagte dies zu, behielt sich jedoch nähere Mitteilung vor, die er dann telephonisch dahin formulierte, daß er den Betrag des Kost geldes, den er über die Richtfäße der Zwangsinnnung( fünf Mart im dritten Lehrjahr!) hinaus gezahlt hat, aufrechnen werde. Der Bater des Lehrlings wandte sich gegen diese Pfiffigkeit und erklärte dem Schneidermeister, daß er sich damit nicht mehr an den Vertrag gebunden halte. Daraufhin bekam er am nächsten Morgen ein Eine schreiben des Lehrmeifters mit der Aufforderung, seinen Sohn am folgenden Tage puniilid ins Geschäft zu schiden, andernfalls er den Lehrling durch die Polizei verführen laffe. Diese unverschämte Drohung ftüßte der Lehrherr auf eine Auskunft des 3wangsinnungs Obermeisters Kretschmer. Der Herr Obermeister hat wahrscheinlich den§ 127 der Reichs gewerbeordnung einmei gelesen, aber nicht verstanden. Wenn der Lehrling ohne Zustimmung des Lehrmeisters die Lehre verläßt, fann er durch die Polizei vorgeführt werden. DaEs ist deshalb zu begrüßen, daß jezt ein Kammergerichtsurteil bekannt. gegeben wird, das dem schönen, aber gefährlichen Märchen von der Sonderbehandlung der Rotgestempelten ein Ende macht. Dieses Urteil hat die Berufungsflage eines Oberfeuerwehrmannes, der für 32 rotgestempelte Tausendmartscheine eine 50prozentige Aufwertung verlangte, a bgewiesen. Jm November 1923 habe sich, so führt das Urteil aus, das Schicksal der deutschen Reichsbanknote erfüllt. Sie war zwar das gefeßliche Zahlungs mittel, aber in der ganzen Welt war sie aller Eigenschaften als Bahlungsmittel entkleidet. Zur Schaffung einer neuen festen Währung hätte der gesamte bisherige Notenumlauf einschließich der Borkriegsnoten, verschwinden müssen. Das sei durch Gesetz 1 Reichsmark. geschehen auf der Basis 1 Billion Notenmark 3war sehr hart, aber nicht gegen Treu und Glauben und die guten Sitten sei daraus die Bestimmung des§ 3 Abs. 3 des am 11. Oftober 1924 in Kraft getretenen Bantgefeßes erwachsen, das alle bisherigen Martschulden sozusagen streicht. Insbesondere fei eine Besserhaltung der Borkriegsnoten, die durch den völligen finanziellen Zusammenbruch ihre Eigenschaft als sogenannte„ Goldnoten" längst eingebüßt und den Kurssturz der Mark, über die sie lauten, mitgemacht haben, im neuen Bankgesetz nirgends zum Ausdruc gefommen. Sis lei auch, abgesehen von den gefeßlichen Gründen, Invalidenstraße 105 9-11 1-4 10-12 lacobs Bettfedern Adolf Pohl Dresdener Straße 15 ( Fabrikgebäude.) HUNDE Katzen, Papageien und alle Haustiere werden behandelt. Tierärztliche Poliklinik Chausseestraße 93 neven Kriegervereinshaus Sprechstunden: 11-1 u. 4-6 Uhr Stein der Weilen Die ideale Nagelpflege uberall erhältlich KOPP& JOSEPH BERLIN W. Breches 7.50, 9.11.50, 14.-, 16.-, 19, 18.Gummi- Mäntel 12,16, 17.50, 22.50, 28.Das sind einige Beispiele!!! M. Schulmeister Kottbusser Tor MSchulmeister Mor Kaben Kiekun